Sie sind auf Seite 1von 279

Gefahrstoffverordnung 02.03.

2009 14:08 Uhr Seite 1

Gefahrstoff-

Gefahrstoffverordnung
Diese Ausgabe enthält neben dem Text der Verordnung
und der amtlichen Begründung folgende Materialien zur
Gefahrstoffverordnung:
verordnung
• TRGS 200 „Einstufung und Kennzeichnung von Stoffen,
Zubereitungen und Erzeugnissen“
• Bekanntmachung 220 „Sicherheitsdatenblatt“
• TRGS 400 „Gefährdungsbeurteilung“
• EG-Richtlinie 98/24 („Gefahrstoff-Richtlinie“)
• EG-Richtlinie 2004/37 („Krebs-Richtlinie“) Textausgabe mit
Materialiensammlung

21. Auflage 2009

CHV 5
Heymanns
ISBN 978-3-452-27107-5

9 *ukdrgw#xmy-mb*
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Gefahrstoffverordnung

Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Verordnung zum Schutz
vor Gefahrstoffen
(Gefahrstoffverordnung – GefStoffV)

Textausgabe mit Materialiensammlung

21. Auflage 2009

Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
© Carl Heymanns Verlag GmbH ⋅ Köln ⋅ Berlin ⋅ München 2009
Das Werk ist urheberrechtlich geschützt. Die dadurch begründeten Rechte, insbesondere
die der Übersetzung, des Nachdruckes, der Entnahme von Abbildungen, der Funksen-
dung, der Wiedergabe auf fotomechanischem oder ähnlichem Wege und der Speicherung
in Datenverarbeitungsanlagen bleiben, auch bei nur auszugsweiser Verwertung, vorbehalten.
E-Mail: info@wolterskluwer.de
http://www.arbeitssicherheit.de
Gesamtherstellung: diba-DRUCK Diefenbach GmbH, Köln
ISBN-13: 978-3-452-27107-5

Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Inhaltsverzeichnis

Seite
Verordnung zum Schutz vor Gefahrstoffen
(Gefahrstoffverordnung – GefStoffV)............................................................. 7
Anhang I: In Bezug genommene Richtlinien der Europäischen
Gemeinschaft............................................................................ 43
Anhang II: Besondere Vorschriften zur Information, Kennzeichnung
und Verpackung....................................................................... 45
Anhang III: Besondere Vorschriften für bestimmte Gefahrstoffe und
Tätigkeiten................................................................................ 49
Anhang IV: Herstellungs- und Verwendungsverbote .............................. 79

Amtliche Begründung ...................................................................................... 99

Anlagen
TRGS 200 Einstufung und Kennzeichnung von Stoffen,
Zubereitungen und Erzeugnissen ............................ 121
Bekanntmachung 220 „Sicherheitsdatenblatt“............................................. 171
TRGS 400 „Gefährdungsbeurteilung für Tätigkeiten mit
Gefahrstoffen“ .......................................................... 215
EG-Richtlinie 98/24 („Gefahrstoff- oder Agenzien-Richtlinie“)............. 239
EG-Richtlinie 2004/37 („Krebs-Richtlinie“) ................................................. 263

5
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Verordnung zum Schutz
vor Gefahrstoffen
(Gefahrstoffverordnung – GefStoffV)*

vom 23. Dezember 2004 (BGBl. I S. 3758), zuletzt geändert durch Art. 2 der
Verordnung vom 18. Dezember 2008 (BGBl. I S. 2768)

* Die Verordnung wurde erlassen als Artikel 1 der „Verordnung zur Anpassung der Gefahrstoffver-
ordnung an die EG-Richtlinie 98/24/EG und andere EG-Richtlinien“ vom 23. Dezember 2004,
BGBl. I S. 3758. Die weiteren Änderungsartikel 2-15 der Verordnung sind hier nicht abgedruckt.
Nach Artikel 16 der Verordnung trat die neue Gefahrstoffverordnung am 1. Januar 2005 in Kraft.
Zugleich trat die Gefahrstoffverordnung in der Fassung der Bekanntmachung vom 15. November
1999 (BGBl. I S. 2233, 2000 I S. 739) außer Kraft.

7
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Inhaltsverzeichnis der Gefahrstoffverordnung

Erster Abschnitt: Anwendungsbereich und Begriffsbestimmungen


§ 1 Anwendungsbereich
§ 2 Bezugnahme auf EG-Richtlinien
§ 3 Begriffsbestimmungen

Zweiter Abschnitt: Gefahrstoffinformation


§ 4 Gefährlichkeitsmerkmale
§ 5 Einstufung, Verpackung und Kennzeichnung
§ 6 Sicherheitsdatenblatt

Dritter Abschnitt: Allgemeine Schutzmaßnahmen


§ 7 Informationsermittlung und Gefährdungsbeurteilung
§ 8 Grundsätze für die Verhütung von Gefährdungen; Tätigkeiten mit gerin-
ger Gefährdung (Schutzstufe 1)
§ 9 Grundmaßnahmen zur Sicherheit der Beschäftigten (Schutzstufe 2)

Vierter Abschnitt: Ergänzende Schutzmaßnahmen


§ 10 Ergänzende Schutzmaßnahmen bei Tätigkeiten mit hoher Gefährdung
(Schutzstufe 3)
§ 11 Ergänzende Schutzmaßnahmen bei Tätigkeiten mit krebserzeugenden,
erbgutverändernden und fruchtbarkeitsgefährdenden Gefahrstoffen
(Schutzstufe 4)
§ 12 Ergänzende Schutzmaßnahmen gegen physikalisch-chemische Einwir-
kungen, insbesondere gegen Brand- und Explosionsgefahren
§ 13 Betriebsstörungen, Unfälle und Notfälle
§ 14 Unterrichtung und Unterweisung der Beschäftigten
§ 15 Arbeitsmedizinische Vorsorge
§ 16 (weggefallen)
§ 17 Zusammenarbeit verschiedener Firmen

Fünfter Abschnitt: Verbote und Beschränkungen


§ 18 Herstellungs- und Verwendungsverbote

8
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Sechster Abschnitt: Vollzugsregelungen und Schlussvorschriften
§ 19 Unterrichtung der Behörde
§ 20 Behördliche Ausnahmen, Anordnungen und Befugnisse
§ 21 Ausschuss für Gefahrstoffe
§ 22 Übergangsvorschriften

Siebter Abschnitt: Ordnungswidrigkeiten und Straftaten


§ 23 Chemikaliengesetz – Kennzeichnung und Verpackung
§ 24 Chemikaliengesetz – Mitteilung
§ 25 Chemikaliengesetz – Tätigkeiten
§ 25a Chemikaliengesetz – EG-Rechtsakte
§ 26 Chemikaliengesetz – Herstellungs- und Verwendungsverbote

Anhänge
Anhang I: In Bezug genommene Richtlinien der Europäischen
Gemeinschaft

Anhang II: Besondere Vorschriften zur Information, Kennzeichnung


und Verpackung
Nr. 1 Grundpflichten
Nr. 2 Zusätzliche Kennzeichnungs- und Verpackungsvorschriften

Anhang III: Besondere Vorschriften für bestimmte Gefahrstoffe und


Tätigkeiten
Nr. 1 Brand- und Explosionsgefahren
Nr. 2 Partikelförmige Gefahrstoffe
Nr. 3 Tätigkeiten in Räumen und Behältern
Nr. 4 Schädlingsbekämpfung
Nr. 5 Begasungen
Nr. 6 Ammoniumnitrat

Anhang IV: Herstellungs- und Verwendungsverbote


Nr. 1 Asbest
Nr. 2 2-Naphthylamin, 4-Aminobiphenyl, Benzidin, 4-Nitrobiphenyl
Nr. 3 Arsen und seine Verbindungen
Nr. 4 Benzol
Nr. 5 Hexachlorcyclohexan (HCH)
Nr. 6 Bleikarbonate, Bleisulfate
Nr. 7 Quecksilber und seine Verbindungen
Nr. 8 Zinnorganische Verbindungen

9
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Nr. 9 Di-µ-oxo-di-n-butylstanniohydroxyboran
Nr. 10 Dekorationsgegenstände, die flüssige gefährliche Stoffe oder
Zubereitungen enthalten
Nr. 11 Aliphatische Chlorkohlenwasserstoffe
Nr. 12 Pentachlorphenol und seine Verbindungen
Nr. 13 Teeröle
Nr. 14 Polychlorierte Biphenyle und Terphenyle
sowie Monomethyltetrachlordiphenylmethan,
Monomethyldichlordiphenylmethan
und Monomethyldibromdiphenylmethan
Nr. 15 Vinylchlorid
Nr. 16 Starke Säure-Verfahren zur Herstellung von Isopropanol
Nr. 17 Cadmium und seine Verbindungen
Nr. 18 Kurzkettige Chlorparaffine
Nr. 19 Kühlschmierstoffe
Nr. 20 DDT
Nr. 21 Hexachlorethan
Nr. 22 Biopersistente Fasern
Nr. 23 Besonders gefährliche krebserzeugende Stoffe
Nr. 24 Flammschutzmittel
Nr. 25 Azofarbstoffe
Nr. 26 Alkylphenole
Nr. 27 Chromathaltiger Zement
Nr. 28 Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK)
Nr. 29 Toluol
Nr. 30 1,2,4-Trichlorbenzol
Nr. 31 Korrosionsschutzmittel
Nr. 32 Perfluoroctansulfonate (PFOS)

Anhang V: (weggefallen)

10
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
§ 1 Anwendungsbereich

Erster Abschnitt
Anwendungsbereich und Begriffsbestimmungen

§1 Anwendungsbereich
(1) Diese Verordnung gilt für das Inverkehrbringen von Stoffen, Zuberei-
tungen und Erzeugnissen, zum Schutz der Beschäftigten und anderer Personen
vor Gefährdungen ihrer Gesundheit und Sicherheit durch Gefahrstoffe und
zum Schutz der Umwelt vor stoffbedingten Schädigungen.
(2) Der Zweite Abschnitt gilt für das Inverkehrbringen von
1. gefährlichen Stoffen und Zubereitungen im Sinne des § 3a Abs. 1 des
Chemikaliengesetzes in der Fassung der Bekanntmachung vom 20. Juni
2002 (BGBl. I S. 2090), geändert durch Artikel 183 der Verordnung vom
25. November 2003 (BGBl. I S. 2304),
2. bestimmten Stoffen, Zubereitungen und Erzeugnissen, die nach Maßgabe der
Richtlinien 76/769/EWG, 96/59/EG oder 1999/45/EG mit zusätzlichen
Kennzeichnungen zu versehen sind,
3. Biozid-Produkten im Sinne von § 3b Abs. 1 Nr. 1 des Chemikaliengesetzes,
die nicht gefährliche Stoffe oder Zubereitungen im Sinne des § 3a des
Chemikaliengesetzes sind,
4. biologischen Arbeitsstoffen, die als Biozid-Produkte in den Verkehr ge-
bracht werden.
Der Zweite Abschnitt gilt nicht für Lebensmittel oder Futtermittel in Form von
Fertigerzeugnissen, die für den Endverbraucher bestimmt sind.
(3) Der Dritte bis Sechste Abschnitt gelten zum Schutz der Beschäftigten ge-
gen tatsächliche oder mögliche Gefährdungen ihrer Gesundheit und Sicherheit
durch Wirkungen von Stoffen, Zubereitungen und Erzeugnissen, mit denen
Tätigkeiten durchgeführt werden oder die bei Tätigkeiten entstehen. Sie gelten
auch, wenn als unmittelbare Folge von Tätigkeiten nach Satz 1 die Gesundheit
und Sicherheit anderer Beschäftigter oder Personen gefährdet werden können.
(4) Der Dritte Abschnitt gilt auch für die Beförderung gefährlicher chemi-
scher Stoffe und Zubereitungen. Unberührt bleiben die Bestimmungen des
Gesetzes über die Beförderung gefährlicher Güter und die darauf gestützten
Rechtsverordnungen.
(5) Sofern nicht ausdrücklich etwas anderes bestimmt ist, gilt diese Verord-
nung nicht
1. für Stoffe, die biologische Arbeitsstoffe im Sinne des § 2 Abs. 1 der Biostoff-
verordnung vom 27. Januar 1999 (BGBl. I S. 50), zuletzt geändert durch Ar-
tikel 305 der Verordnung vom 25. November 2003 (BGBl. I S. 2304), sind,
2. in Haushalten.

11
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Anwendungsbereich und Begriffsbestimmungen

Sie gilt ferner nicht in Betrieben, die dem Bundesberggesetz vom 13. August
1980 (BGBl. I S. 1310), zuletzt geändert durch Artikel 123 der Verordnung vom
25. November 2003 (BGBl. I S. 2304), unterliegen, soweit dort oder in den
aufgrund dieses Gesetzes erlassenen Rechtsverordnungen entsprechende
Rechtsvorschriften bestehen.

§2 Bezugnahme auf EG-Richtlinien


Die in dieser Verordnung in Bezug genommenen Richtlinien der Europäi-
schen Gemeinschaft sind im Anhang I aufgeführt und in der jeweils geltenden
Fassung anzuwenden. Werden diese Richtlinien geändert oder nach den in
diesen Richtlinien vorgesehenen Verfahren an den technischen Fortschritt an-
gepasst, gelten sie in der geänderten im Amtsblatt der Europäischen Union
veröffentlichten Fassung nach Ablauf der in der Änderungs- oder Anpassungs-
richtlinie festgelegten Umsetzungsfrist. Die geänderte Fassung kann bereits ab
Inkrafttreten der Änderungs- oder Anpassungsrichtlinie angewendet werden.
Satz 1 gilt nicht, soweit in § 5 Abs. 5 in Verbindung mit Anhang II etwas ande-
res bestimmt ist.

§3 Begriffsbestimmungen
(1) „Gefahrstoffe“ im Sinne dieser Vorschrift sind
1. gefährliche Stoffe und Zubereitungen nach § 3a des Chemikaliengesetzes
sowie Stoffe und Zubereitungen, die sonstige chronisch schädigende Eigen-
schaften besitzen,
2. Stoffe, Zubereitungen und Erzeugnisse, die explosionsfähig sind,
3. Stoffe, Zubereitungen und Erzeugnisse, aus denen bei der Herstellung oder
Verwendung Stoffe oder Zubereitungen nach Nummer 1 oder 2 entstehen
oder freigesetzt werden können,
4. sonstige gefährliche chemische Arbeitsstoffe im Sinne des Artikels 2 Buch-
stabe b in Verbindung mit Buchstabe a der Richtlinie 98/24/EG des Rates
vom 7. April 1998 zum Schutz von Gesundheit und Sicherheit der Arbeit-
nehmer vor der Gefährdung durch chemische Arbeitsstoffe bei der Arbeit
(ABl. EG Nr. L 131 S. 11).
(2) Krebserzeugend, erbgutverändernd oder fruchtbarkeitsgefährdend im
Sinne des Dritten und Vierten Abschnitts ist
1. ein Stoff, der die in Anhang VI der Richtlinie 67/548/EWG genannten Krite-
rien für die Einstufung als krebserzeugender, erbgutverändernder oder
fruchtbarkeitsgefährdender Stoff erfüllt,

12
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
§ 3 Begriffsbestimmungen

2. eine Zubereitung, die einen oder mehrere der in Nummer 1 genannten Stoffe
enthält, sofern die Konzentration eines oder mehrerer der einzelnen Stoffe
die Anforderungen für die Einstufung einer Zubereitung als krebserzeugend,
erbgutverändernd oder fruchtbarkeitsgefährdend erfüllt. Die Konzentra-
tionsgrenzen sind festgelegt:
a) in Anhang I der Richtlinie 67/548/EWG oder
b) in Anhang II der Richtlinie 1999/45/EG, sofern der Stoff oder die Stoffe
in Anhang I der Richtlinie 67/548/EWG nicht oder ohne Konzentra-
tionsgrenzen aufgeführt sind,
3. ein Stoff, eine Zubereitung oder ein Verfahren, die in einer Bekanntmachung
des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales nach § 21 Abs. 4 als krebs-
erzeugend, erbgutverändernd oder fruchtbarkeitsgefährdend bezeichnet
werden.
(3) Eine „Tätigkeit“ ist jede Arbeit, bei der Stoffe, Zubereitungen oder Er-
zeugnisse im Rahmen eines Prozesses einschließlich Produktion, Handhabung,
Lagerung, Beförderung, Entsorgung und Behandlung verwendet werden oder
verwendet werden sollen oder bei der Stoffe oder Zubereitungen entstehen oder
auftreten. Hierzu gehören insbesondere das Verwenden im Sinne des § 3 Nr. 10
des Chemikaliengesetzes sowie das Herstellen. Tätigkeiten im Sinne dieser
Verordnung sind auch Bedien- und Überwachungsarbeiten, sofern diese zu
einer Gefährdung von Beschäftigten durch Gefahrstoffe führen können.
(4) „Lagern“ ist das Aufbewahren zur späteren Verwendung sowie zur Ab-
gabe an Andere. Es schließt die Bereitstellung zur Beförderung ein, wenn die
Beförderung nicht binnen 24 Stunden nach der Bereitstellung oder am darauf-
folgenden Werktag erfolgt. Ist dieser Werktag ein Samstag, so endet die Frist
mit Ablauf des nächsten Werktages.
(5) Dem „Arbeitgeber“ stehen der Unternehmer ohne Beschäftigte sowie der
Auftraggeber und Zwischenmeister im Sinne des Heimarbeitsgesetzes gleich.
Den „Beschäftigten“ stehen die in Heimarbeit Beschäftigten sowie Schüler,
Studenten und sonstige Personen, insbesondere an wissenschaftlichen Einrich-
tungen Tätige, die Tätigkeiten mit Gefahrstoffen durchführen, gleich. Für Schü-
ler und Studenten gelten die Regelungen dieser Verordnung über die Beteili-
gung der Personalvertretungen nicht. Wird in dieser Verordnung die männliche
Sprachform verwendet, so gilt die weibliche Sprachform als mit erfasst.
(6) Der „Arbeitsplatzgrenzwert“ ist der Grenzwert für die zeitlich gewichte-
te durchschnittliche Konzentration eines Stoffes in der Luft am Arbeitsplatz in
Bezug auf einen gegebenen Referenzzeitraum. Er gibt an, bei welcher Konzen-
tration eines Stoffes akute oder chronische schädliche Auswirkungen auf die
Gesundheit im allgemeinen nicht zu erwarten sind.

13
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Anwendungsbereich und Begriffsbestimmungen

(7) Der „biologische Grenzwert“ ist der Grenzwert für die toxikologisch-
arbeitsmedizinisch abgeleitete Konzentration eines Stoffes, seines Metaboliten
oder eines Beanspruchungsindikators im entsprechenden biologischen Material,
bei dem im allgemeinen die Gesundheit eines Beschäftigten nicht beeinträchtigt
wird.
(8) Ein „explosionsfähiges Gemisch“ ist ein Gemisch aus brennbaren Gasen,
Dämpfen, Nebeln oder Stäuben, in dem sich der Verbrennungsvorgang nach
erfolgter Zündung auf das gesamte unverbrannte Gemisch überträgt. Ein „ge-
fährliches explosionsfähiges Gemisch“ ist ein explosionsfähiges Gemisch, das in
solcher Menge auftritt, dass besondere Schutzmaßnahmen für die Aufrechter-
haltung der Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten oder anderer Personen
erforderlich werden (gefahrdrohende Menge). „Explosionsfähige Atmosphäre“
ist ein explosionsfähiges Gemisch unter atmosphärischen Bedingungen im
Gemisch mit Luft.
(9) Stoffe, Zubereitungen und Erzeugnisse sind „explosionsfähig“,
1. wenn sie mit oder ohne Luft durch Zündquellen wie äußere thermische
Einwirkungen, mechanische Beanspruchungen oder Detonationsstöße zu ei-
ner chemischen Umsetzung gebracht werden können, bei der hochgespannte
Gase in so kurzer Zeit entstehen, dass ein sprunghafter Temperatur- und
Druckanstieg hervorgerufen wird, oder
2. im Gemisch mit Luft, wenn nach Wirksamwerden einer Zündquelle eine
selbsttätig sich fortpflanzende Flammenausbreitung stattfindet, die im allge-
meinen mit einem sprunghaften Temperatur- und Druckanstieg verbunden
ist.
(10) Der „Stand der Technik“ ist der Entwicklungsstand fortschrittlicher
Verfahren, Einrichtungen oder Betriebsweisen, der die praktische Eignung einer
Maßnahme zum Schutz der Gesundheit und zur Sicherheit der Beschäftigten
gesichert erscheinen lässt. Bei der Bestimmung des Standes der Technik sind
insbesondere vergleichbare Verfahren, Einrichtungen oder Betriebsweisen
heranzuziehen, die mit Erfolg in der Praxis erprobt worden sind. Gleiches gilt
für die Anforderungen an die Arbeitsmedizin und die Arbeitsplatzhygiene.

14
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
§ 4 Gefährlichkeitsmerkmale

Zweiter Abschnitt
Gefahrstoffinformation

§ 4 Gefährlichkeitsmerkmale
Gefährlich sind Stoffe und Zubereitungen, die eine oder mehrere der in § 3a
Abs. 1 des Chemikaliengesetzes genannten und in Anhang VI der Richtlinie
67/548/EWG näher bestimmten Eigenschaften aufweisen. Sie sind
1. explosionsgefährlich, wenn sie in festem, flüssigem, pastenförmigem oder
gelatinösem Zustand auch ohne Beteiligung von Luftsauerstoff exotherm
und unter schneller Entwicklung von Gasen reagieren können und unter
festgelegten Prüfbedingungen detonieren, schnell deflagrieren oder beim
Erhitzen unter teilweisem Einschluss explodieren,
2. brandfördernd, wenn sie in der Regel selbst nicht brennbar sind, aber bei
Berührung mit brennbaren Stoffen oder Zubereitungen, überwiegend
durch Sauerstoffabgabe, die Brandgefahr und die Heftigkeit eines Brandes
beträchtlich erhöhen,
3. hochentzündlich, wenn sie
a) in flüssigem Zustand einen extrem niedrigen Flammpunkt und einen
niedrigen Siedepunkt haben,
b) als Gase bei gewöhnlicher Temperatur und Normaldruck in Mischung
mit Luft einen Explosionsbereich haben,
4. leichtentzündlich, wenn sie
a) sich bei gewöhnlicher Temperatur an der Luft ohne Energiezufuhr er-
hitzen und schließlich entzünden können,
b) in festem Zustand durch kurzzeitige Einwirkung einer Zündquelle leicht
entzündet werden können und nach deren Entfernen in gefährlicher
Weise weiterbrennen oder weiterglimmen,
c) in flüssigem Zustand einen sehr niedrigen Flammpunkt haben,
d) bei Berührung mit Wasser oder mit feuchter Luft hochentzündliche Ga-
se in gefährlicher Menge entwickeln,
5. entzündlich, wenn sie in flüssigem Zustand einen niedrigen Flammpunkt
haben,
6. sehr giftig, wenn sie in sehr geringer Menge bei Einatmen, Verschlucken
oder Aufnahme über die Haut zum Tode führen oder akute oder chroni-
sche Gesundheitsschäden verursachen können,
7. giftig, wenn sie in geringer Menge bei Einatmen, Verschlucken oder Auf-
nahme über die Haut zum Tode führen oder akute oder chronische Ge-
sundheitsschäden verursachen können,

15
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Gefahrstoffinformation

8. gesundheitsschädlich, wenn sie bei Einatmen, Verschlucken oder Aufnah-


me über die Haut zum Tode führen oder akute oder chronische Gesund-
heitsschäden verursachen können,
9. ätzend, wenn sie lebende Gewebe bei Berührung zerstören können,
10. reizend, wenn sie – ohne ätzend zu sein – bei kurzzeitigem, länger andau-
erndem oder wiederholtem Kontakt mit Haut oder Schleimhaut eine Ent-
zündung hervorrufen können,
11. sensibilisierend, wenn sie bei Einatmen oder Aufnahme über die Haut
Überempfindlichkeitsreaktionen hervorrufen können, so dass bei künftiger
Exposition gegenüber dem Stoff oder der Zubereitung charakteristische
Störungen auftreten,
12. krebserzeugend (karzinogen), wenn sie bei Einatmen, Verschlucken oder
Aufnahme über die Haut Krebs erregen oder die Krebshäufigkeit erhöhen
können,
13. fortpflanzungsgefährdend (reproduktionstoxisch), wenn sie bei Einatmen,
Verschlucken oder Aufnahme über die Haut
a) nicht vererbbare Schäden der Nachkommenschaft hervorrufen oder de-
ren Häufigkeit erhöhen (fruchtschädigend) oder
b) eine Beeinträchtigung der männlichen oder weiblichen Fortpflanzungs-
funktionen oder -fähigkeit zur Folge haben können (fruchtbarkeitsge-
fährdend),
14. erbgutverändernd (mutagen), wenn sie bei Einatmen, Verschlucken oder
Aufnahme über die Haut vererbbare genetische Schäden zur Folge haben
oder deren Häufigkeit erhöhen können,
15. umweltgefährlich, wenn sie selbst oder ihre Umwandlungsprodukte geeig-
net sind, die Beschaffenheit des Naturhaushalts, von Wasser, Boden oder
Luft, Klima, Tieren, Pflanzen oder Mikroorganismen derart zu verändern,
dass dadurch sofort oder später Gefahren für die Umwelt herbeigeführt
werden können.

§5 Einstufung, Verpackung und Kennzeichnung


(1) Der Hersteller oder Einführer hat Stoffe und Zubereitungen vor dem In-
verkehrbringen einzustufen. Für Stoffe, die in Anhang I der Richtlinie
67/548/EWG aufgeführt sind, gilt die dort festgelegte Einstufung. Stoffe, die
nicht in Anhang I der Richtlinie 67/548/EWG aufgeführt sind, muss der Her-
steller oder Einführer nach Anhang VI der Richtlinie 67/548/EWG einstufen.
Bei der Einstufung der Stoffe hat er alle gefährlichen Eigenschaften nach
1. den Ergebnissen der Prüfungen nach den §§ 7, 9 und 9a des Chemikalienge-
setzes oder

16
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
§ 6 Sicherheitsdatenblatt

2. gesicherter wissenschaftlicher Erkenntnis durch Zuordnung zu den Gefähr-


lichkeitsmerkmalen des § 4 oder
3. den in einem Zulassungsverfahren gewonnenen Erkenntnissen
zu berücksichtigen. Ferner hat er für alte Stoffe im Sinne des § 3 Nr. 2 des
Chemikaliengesetzes, die noch nicht in Anhang I der Richtlinie 67/548/EWG
aufgeführt sind, Nachforschungen anzustellen, um die einschlägigen und zu-
gänglichen Angaben zu den Eigenschaften dieser Stoffe zu beschaffen. Die
Bekanntmachungen des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales nach § 21
Abs. 4 sind zu beachten.
(2) Der Hersteller oder Einführer hat Zubereitungen nach der Richtlinie
1999/45/EG einzustufen.
(3) Der Hersteller oder Einführer hat Biozid-Wirkstoffe, die als solche in
Verkehr gebracht werden und zugleich biologische Arbeitsstoffe sind, sowie
Biozid-Produkte, die biologische Arbeitsstoffe enthalten, zusätzlich nach den
§§ 3 und 4 der Biostoffverordnung einzustufen.
(4) Wer als Hersteller, Einführer oder erneuter Inverkehrbringer gefährliche
Stoffe, Zubereitungen oder Biozid-Produkte in den Verkehr bringt, hat sie
entsprechend der Einstufung nach den Absätzen 1 bis 3 zu verpacken und zu
kennzeichnen. Werden gefährliche Stoffe und Zubereitungen unverpackt in den
Verkehr gebracht, sind jeder Liefereinheit geeignete Sicherheitsinformationen
vorzugsweise ein Sicherheitsdatenblatt mitzugeben. Die Angaben nach Satz 1
und 2 sind in deutscher Sprache abzufassen.
(5) Ergänzend zu den allgemeinen Vorschriften der Absätze 1 bis 4 sind die
besonderen Bestimmungen des Anhangs II zu beachten.

§6 Sicherheitsdatenblatt
(1) Die vom Hersteller, Einführer oder erneutem Inverkehrbringer hinsicht-
lich des Sicherheitsdatenblatts beim Inverkehrbringen von Stoffen oder Zube-
reitungen zu beachtenden Anforderungen ergeben sich aus Artikel 31 in Ver-
bindung mit Anhang II der Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 des Europäischen
Parlaments und des Rates (REACH) vom 18. Dezember 2006 (ABl. EU Nr.
L 396 S. 1). Falls die Übermittlung eines Sicherheitsdatenblatts nicht erforder-
lich ist, ergeben sich die Informationspflichten aus Artikel 32 der Verordnung
(EG) Nr. 1907/2006.
(2) Zu den gemäß der Nummern 15 und 16 des Anhangs II der Verordnung
(EG) Nr. 1907/2006 zu machenden Angaben gehören insbesondere solche zu
Stoffen oder Tätigkeiten, die in einer Bekanntmachung des Bundesministeriums
für Arbeit und Soziales nach § 21 Abs. 4 als krebserzeugend, erbgutverändernd
oder fortpflanzungsgefährdend bezeichnet werden.

17
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Allgemeine Schutzmaßnahmen

(3) Auf der Verpackung solcher Zubereitungen, die im Einzelhandel angebo-


ten oder für jedermann erhältlich sind und die als sehr giftig (T+), giftig (T)
oder ätzend (C) eingestuft sind, muss nach Maßgabe der Richtlinie 1999/45/EG
eine genaue und allgemein verständliche Gebrauchsanweisung angebracht sein.
Falls dies technisch nicht möglich ist, muss die Gebrauchsanweisung der Verpa-
ckung beigefügt werden.

Dritter Abschnitt
Allgemeine Schutzmaßnahmen

§7 Informationsermittlung und Gefährdungsbeurteilung


(1) Bei der Beurteilung der Arbeitsbedingungen nach § 5 des Arbeitsschutz-
gesetzes vom 7. August 1996 (BGBl. I S. 1246), zuletzt geändert durch Artikel
83 des Gesetzes vom 23. Dezember 2003 (BGBl. I S. 2848), hat der Arbeitgeber
zunächst festzustellen, ob die Beschäftigten Tätigkeiten mit Gefahrstoffen
durchführen oder ob Gefahrstoffe bei diesen Tätigkeiten entstehen oder freige-
setzt werden. Ist dies der Fall, so hat er alle hiervon ausgehenden Gefährdungen
für die Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten unter folgenden Gesichts-
punkten zu beurteilen:
1. gefährliche Eigenschaften der Stoffe oder Zubereitungen,
2. Informationen des Herstellers oder Inverkehrbringers zum Gesundheits-
schutz und zur Sicherheit insbesondere im Sicherheitsdatenblatt nach § 6,
3. Ausmaß, Art und Dauer der Exposition unter Berücksichtigung aller Expo-
sitionswege; dabei sind die Ergebnisse nach § 9 Abs. 4 und § 10 Abs. 2 zu be-
rücksichtigen,
4. physikalisch-chemische Wirkungen,
5. Möglichkeiten einer Substitution,
6. Arbeitsbedingungen und Verfahren, einschließlich der Arbeitsmittel und der
Gefahrstoffmenge,
7. Arbeitsplatzgrenzwerte und biologische Grenzwerte,
8. Wirksamkeit der getroffenen oder zu treffenden Schutzmaßnahmen,
9. Schlussfolgerungen aus durchgeführten arbeitsmedizinischen Vorsorgeun-
tersuchungen.
Der Arbeitgeber darf eine Tätigkeit mit Gefahrstoffen erst aufnehmen lassen,
nachdem eine Gefährdungsbeurteilung vorgenommen wurde und die erforder-
lichen Schutzmaßnahmen getroffen wurden.

18
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
§ 7 Informationsermittlung und Gefährdungsbeurteilung

(2) Der Arbeitgeber hat sich die für die Gefährdungsbeurteilung notwendi-
gen Informationen beim Inverkehrbringer oder bei anderen ohne weiteres zu-
gänglichen Quellen zu beschaffen. Soweit geeignet, gehört zu diesen Informa-
tionen auch die besondere Beurteilung hinsichtlich der Gefährdung für die
Verwender, die auf der Grundlage von EG-Vorschriften für chemische Stoffe
erstellt wird. Insbesondere hat der Arbeitgeber die ihm gemäß Titel IV der
Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 zur Verfügung gestellten Informationen zu
beachten; dazu gehören Sicherheitsdatenblätter und die Informationen zu Stof-
fen oder Zubereitungen, für die kein Sicherheitsdatenblatt zu erstellen ist. So-
fern die EG-Vorschriften keine Informationspflicht (zum Beispiel ein Sicher-
heitsdatenblatt) vorsehen, hat der Inverkehrbringer dem Arbeitgeber auf
Anfrage alle Informationen über die Gefahrstoffe zur Verfügung zu stellen, die
zur Anwendung von Satz 1 und 2 erforderlich sind. Stoffe und Zubereitungen,
die nicht vom Inverkehrbringer gemäß § 5 Abs. 1 oder 2 eingestuft und gekenn-
zeichnet worden sind, hat der Arbeitgeber gemäß den Richtlinien 67/548/EWG
oder 1999/45/EG selbst einzustufen, zumindest aber die von den Stoffen oder
Zubereitungen ausgehenden Gefährdungen für die Beschäftigten zu ermitteln.
Dies gilt auch für Tätigkeiten mit Gefahrstoffen, die nicht gekennzeichnet sind
oder die keinem Gefährlichkeitsmerkmal nach § 3a des Chemikaliengesetzes
zugeordnet werden können, die aber aufgrund ihrer physikalischen, chemischen
oder toxischen Eigenschaften und der Art und Weise wie sie am Arbeitsplatz
verwendet werden oder vorhanden sind, eine Gefährdung für die Gesundheit
und die Sicherheit der Beschäftigten darstellen können.
(3) Der Arbeitgeber hat festzustellen, ob die verwendeten Stoffe, Zuberei-
tungen oder Erzeugnisse bei Tätigkeiten, auch unter Berücksichtigung verwen-
deter Arbeitsmittel, Verfahren und der Arbeitsumgebung sowie ihrer mögli-
chen Wechselwirkungen, zu Brand- oder Explosionsgefahren führen können.
Insbesondere ist zu ermitteln, ob die Stoffe, Zubereitungen oder Erzeugnisse
aufgrund ihrer Eigenschaften und der Art und Weise, wie sie am Arbeitsplatz
verwendet werden oder dort vorhanden sind, explosionsfähige Gemische bilden
können. Bei nichtatmosphärischen Bedingungen sind auch die möglichen Ver-
änderungen der für den Explosionsschutz relevanten sicherheitstechnischen
Kenngrößen zu ermitteln und zu berücksichtigen.
(4) Bei der Gefährdungsbeurteilung sind auch Tätigkeiten innerhalb des Un-
ternehmens oder Betriebs zu berücksichtigen, bei denen anzunehmen ist, dass
auch nach Ausschöpfung sämtlicher technischer Maßnahmen die Möglichkeit
einer Exposition besteht (zum Beispiel Wartungsarbeiten). Darüber hinaus sind
auch andere Tätigkeiten wie zum Beispiel Bedien- und Überwachungstätigkei-
ten zu berücksichtigen, sofern diese zu einer Gefährdung von Beschäftigten
durch Gefahrstoffe führen können.

19
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Allgemeine Schutzmaßnahmen

(5) Die mit den Tätigkeiten verbundenen inhalativen, dermalen und physika-
lisch-chemischen Gefährdungen sind unabhängig voneinander zu beurteilen
und in der Gefährdungsbeurteilung zusammen zu führen. Treten bei einer
Tätigkeit mehrere Gefahrstoffe gleichzeitig auf, ist eine mögliche Wechsel- oder
Kombinationswirkung der Gefahrstoffe mit Einfluss auf die Gesundheit und
Sicherheit der Beschäftigten bei der Gefährdungsbeurteilung zu berücksichti-
gen.
(6) Der Arbeitgeber hat die Gefährdungsbeurteilung unabhängig von der
Zahl der Beschäftigten nach Maßgabe des Satzes 2 und vor Aufnahme der Tä-
tigkeit zu dokumentieren. In der Dokumentation ist anzugeben, welche Ge-
fährdungen am Arbeitsplatz auftreten können und welche Maßnahmen gemäß
dem Dritten und Vierten Abschnitt durchgeführt werden müssen. Im Falle von
Tätigkeiten mit geringer Gefährdung nach Absatz 9 ist keine detaillierte Do-
kumentation erforderlich. In allen anderen Fällen ist nachvollziehbar zu be-
gründen, wenn auf eine detaillierte Dokumentation verzichtet wird. Die Ge-
fährdungsbeurteilung ist zu aktualisieren, wenn maßgebliche Veränderungen
dies erforderlich machen oder wenn sich eine Aktualisierung aufgrund der
Ergebnisse der arbeitsmedizinischen Vorsorge als notwendig erweist.
(7) Die Gefährdungsbeurteilung darf nur von fachkundigen Personen durch-
geführt werden. Verfügt der Arbeitgeber nicht selbst über die entsprechenden
Kenntnisse, so hat er sich fachkundig beraten zu lassen. Fachkundige Personen
sind insbesondere der Betriebsarzt und die Fachkraft für Arbeitssicherheit. Der
Arbeitgeber kann bei der Festlegung der Maßnahmen eine Gefährdungsbeurtei-
lung übernehmen, die ihm der Hersteller oder Inverkehrbringer mitgeliefert
hat, sofern er seine Tätigkeit entsprechend den dort gemachten Angaben und
Festlegungen durchführt.
(8) Der Arbeitgeber hat ein Verzeichnis der im Betrieb verwendeten Gefahr-
stoffe zu führen, in dem auf die entsprechenden Sicherheitsdatenblätter verwie-
sen wird. Dies gilt nicht für Gefahrstoffe, die bei Tätigkeiten nach Absatz 9 nur
zu einer geringen Gefährdung der Beschäftigten führen. Das Verzeichnis muss
allen betroffenen Beschäftigten und ihren Vertretern zugänglich sein.
(9) Ergibt sich aus der Gefährdungsbeurteilung für bestimmte Tätigkeiten
aufgrund
1. der Arbeitsbedingungen,
2. einer nur geringen verwendeten Stoffmenge und
3. einer nach Höhe und Dauer niedrigen Exposition
insgesamt eine nur geringe Gefährdung der Beschäftigten und reichen die nach
§ 8 Abs. 1 bis 8 ergriffenen Maßnahmen zum Schutz der Beschäftigten aus, so
müssen keine weiteren Maßnahmen nach den §§ 9 bis 17 getroffen werden
(Schutzstufe 1).

20
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
§ 8 Grundsätze für die Verhütung von Gefährdungen

Satz 1 gilt nicht für Tätigkeiten mit Gefahrstoffen, die


1. als giftig, sehr giftig oder krebserzeugend, erbgutverändernd oder fruchtbar-
keitsgefährdend Kategorie 1 oder 2 eingestuft oder gekennzeichnet sind oder
2. in einer Bekanntmachung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales
nach § 21 Abs. 4 als krebserzeugend, erbgutverändernd oder fruchtbarkeits-
gefährdend Kategorie 1 oder 2 bezeichnet werden.
(10) Werden keine Tätigkeiten mit Gefahrstoffen durchgeführt, die
1. als giftig, sehr giftig, oder krebserzeugend, erbgutverändernd oder frucht-
barkeitsgefährdend Kategorie 1 oder 2 eingestuft oder gekennzeichnet sind
oder
2. in einer Bekanntmachung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales
nach § 21 Abs. 4 als krebserzeugend, erbgutverändernd oder fruchtbarkeits-
gefährdend Kategorie 1 oder 2 bezeichnet werden,
und reichen die aufgrund der Gefährdungsbeurteilung getroffenen Schutzmaß-
nahmen nach den §§ 8 und 9 aus, um die Gesundheit und Sicherheit der Be-
schäftigten zu gewährleisten, müssen die Maßnahmen nach den §§ 10 und 11
nicht getroffen werden (Schutzstufe 2).

§8 Grundsätze für die Verhütung von Gefährdungen;


Tätigkeiten mit geringer Gefährdung (Schutzstufe 1)
(1) Im Rahmen seiner Verpflichtung, die Gesundheit und die Sicherheit der
Beschäftigten bei allen Tätigkeiten mit Gefahrstoffen sicherzustellen, hat der
Arbeitgeber die erforderlichen Maßnahmen nach dem Arbeitsschutzgesetz und
zusätzlich die in dieser Verordnung genannten Maßnahmen zu treffen. Dabei
hat er vorrangig die vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales nach § 21
Abs. 4 bekannt gemachten Regeln und Erkenntnisse des Ausschusses für Ge-
fahrstoffe zu beachten. Bei Einhaltung der in Satz 2 genannten Regeln und
Erkenntnisse ist in der Regel davon auszugehen, dass die in der Verordnung
gestellten entsprechenden Anforderungen erfüllt sind. Von diesen Regeln und
Erkenntnissen kann abgewichen werden, wenn durch andere Maßnahmen zu-
mindest in vergleichbarer Weise der Schutz der Gesundheit und die Sicherheit
der Beschäftigten gewährleistet wird. Dies ist in der Dokumentation der Ge-
fährdungsbeurteilung zu begründen.
(2) Die Gefährdung der Gesundheit und der Sicherheit der Beschäftigten bei
Tätigkeiten mit Gefahrstoffen ist durch folgende Maßnahmen zu beseitigen
oder auf ein Minimum zu reduzieren:
1. Gestaltung des Arbeitsplatzes und Arbeitsorganisation,

21
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Allgemeine Schutzmaßnahmen

2. Bereitstellung geeigneter Arbeitsmittel für Tätigkeiten mit Gefahrstoffen


und entsprechende Wartungsverfahren zur Gewährleistung der Gesundheit
und Sicherheit der Beschäftigten bei der Arbeit,
3. Begrenzung der Anzahl der Beschäftigten, die Gefahrstoffen ausgesetzt sind
oder ausgesetzt sein können,
4. Begrenzung der Dauer und des Ausmaßes der Exposition,
5. angemessene Hygienemaßnahmen, insbesondere die regelmäßige Reinigung
des Arbeitsplatzes,
6. Begrenzung der am Arbeitsplatz vorhandenen Gefahrstoffe auf die für die
betreffende Tätigkeit erforderliche Menge,
7. geeignete Arbeitsmethoden und Verfahren, welche die Gesundheit und
Sicherheit der Beschäftigten nicht beeinträchtigen, einschließlich Vorkeh-
rungen für die sichere Handhabung, Lagerung und Beförderung von Gefahr-
stoffen und von Abfällen, die Gefahrstoffe enthalten, am Arbeitsplatz.
Die Kontamination des Arbeitsplatzes und die Gefährdung der Beschäftigten
ist so gering wie möglich zu halten. Der Arbeitgeber hat die Funktion und die
Wirksamkeit der technischen Schutzmaßnahmen regelmäßig, mindestens je-
doch jedes dritte Jahr, zu überprüfen; das Ergebnis der Prüfung ist aufzuzeich-
nen.
(3) Bei Tätigkeiten nach § 7 Abs. 2 Satz 6 hat der Arbeitgeber entsprechend
der Gefährdungsbeurteilung geeignete Maßnahmen nach den §§ 8 bis 15, 17
und 18 zu treffen.
(4) Der Arbeitgeber hat sicherzustellen, dass alle bei Tätigkeiten verwende-
ten Stoffe und Zubereitungen identifizierbar sind. Gefährliche Stoffe und Zube-
reitungen sind innerbetrieblich mit einer Kennzeichnung zu versehen, die we-
sentliche Informationen zu ihrer Einstufung, den mit ihrer Handhabung
verbundenen Gefahren und den zu beachtenden Sicherheitsmaßnahmen enthält.
Vorzugsweise ist die Kennzeichnung zu wählen, die den Vorgaben der Richtli-
nien 67/548/EWG oder 1999/45/EG entspricht. Der Arbeitgeber stellt ferner
sicher, dass Apparaturen und Rohrleitungen, die Gefahrstoffe enthalten, so
gekennzeichnet sind, dass mindestens die enthaltenen Gefahrstoffe sowie die
davon ausgehenden Gefahren eindeutig identifizierbar sind. Kennzeichnungs-
pflichten nach anderen Rechtsvorschriften bleiben unberührt.
(5) Solange der Arbeitgeber den Verpflichtungen der Absätze 3 und 4 nicht
nachgekommen ist, darf er Tätigkeiten mit den dort genannten Stoffen und
Zubereitungen nicht durchführen lassen. Die Sätze 2 und 3 des Absatzes 4
gelten nicht für neue Stoffe in wissenschaftlichen Laboratorien, solange eine
Exposition der Beschäftigten bei Tätigkeiten mit diesen Stoffen vermieden wird.

22
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
§ 9 Grundmaßnahmen zum Schutz der Beschäftigten

(6) Gefahrstoffe sind so aufzubewahren oder zu lagern, dass sie die mensch-
liche Gesundheit und die Umwelt nicht gefährden. Es sind dabei Vorkehrungen
zu treffen, um Missbrauch oder Fehlgebrauch zu verhindern. Bei der Aufbe-
wahrung zur Abgabe oder zur sofortigen Verwendung müssen die mit der
Verwendung verbundenen Gefahren und eine vorhandene Kennzeichnung nach
Absatz 4 erkennbar sein.
(7) Gefahrstoffe dürfen nicht in solchen Behältern aufbewahrt oder gelagert
werden, durch deren Form oder Bezeichnung der Inhalt mit Lebensmitteln
verwechselt werden kann. Gefahrstoffe dürfen nur übersichtlich geordnet und
nicht in unmittelbarer Nähe von Arzneimitteln, Lebens- oder Futtermitteln
einschließlich deren Zusatzstoffe aufbewahrt oder gelagert werden.
(8) Gefahrstoffe, die nicht mehr benötigt werden, und Behältnisse, die geleert
worden sind, die aber noch Reste von Gefahrstoffen enthalten können, sind
sicher zu handhaben, vom Arbeitsplatz zu entfernen, zu lagern oder sachge-
recht zu entsorgen.

§9 Grundmaßnahmen zum Schutz der Beschäftigten (Schutzstufe 2)


(1) Der Arbeitgeber hat dafür zu sorgen, dass die durch einen Gefahrstoff
bedingte Gefährdung der Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten bei der
Arbeit durch die in der Gefährdungsbeurteilung festgelegten Maßnahmen be-
seitigt oder auf ein Minimum verringert wird. Um dieser Verpflichtung nach-
zukommen, hat der Arbeitgeber vorrangig eine Substitution durchzuführen.
Insbesondere hat er Tätigkeiten mit Gefahrstoffen zu vermeiden oder Gefahr-
stoffe durch Stoffe, Zubereitungen oder Erzeugnisse oder Verfahren zu erset-
zen, die unter den jeweiligen Verwendungsbedingungen für die Gesundheit und
Sicherheit der Beschäftigten nicht oder weniger gefährlich sind.
(2) Lässt sich die Gefährdung entsprechend Absatz 1 nicht beseitigen, hat
der Arbeitgeber diese durch Maßnahmen in der nachstehenden Rangordnung
auf ein Minimum zu verringern:
1. Gestaltung geeigneter Verfahren und technischer Steuerungseinrichtungen
sowie Verwendung geeigneter Arbeitsmittel und Materialien nach dem Stand
der Technik,
2. Durchführung kollektiver Schutzmaßnahmen an der Gefahrenquelle, wie
zum Beispiel angemessene Be- und Entlüftung und geeignete organisatori-
sche Maßnahmen,
3. sofern eine Gefährdung nicht durch Maßnahmen nach Nummer 1 und 2
verhütet werden kann, Durchführung von individuellen Schutzmaßnahmen,
die auch die Anwendung persönlicher Schutzausrüstung umfassen.

23
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Allgemeine Schutzmaßnahmen

(3) Beschäftigten müssen bereitgestellte persönliche Schutzausrüstungen be-


nutzen, solange eine Gefährdung besteht. Der Arbeitgeber darf das Tragen von
belastender persönlicher Schutzausrüstung als ständige Maßnahme anstelle von
technischen oder organisatorischen Maßnahmen nicht zulassen. Der Arbeit-
geber stellt sicher, dass
1. die Schutzausrüstungen an einem dafür vorgesehenen Ort sachgerecht auf-
bewahrt werden,
2. die Schutzausrüstungen vor Gebrauch geprüft und nach Gebrauch gereinigt
werden und
3. schadhafte Ausrüstungen vor erneutem Gebrauch ausgebessert oder ausge-
tauscht werden.
Der Arbeitgeber ist verpflichtet, getrennte Aufbewahrungsmöglichkeiten für
die Arbeits- oder Schutzkleidung einerseits und die Straßenkleidung anderer-
seits zur Verfügung zu stellen, sofern bei Tätigkeiten eine Gefährdung der
Beschäftigten durch eine Verunreinigung der Arbeitskleidung zu erwarten ist.
(4) Der Arbeitgeber hat zu ermitteln, ob die Arbeitsplatzgrenzwerte ein-
gehalten sind. Dies kann durch Arbeitsplatzmessungen oder durch andere
gleichwertige Beurteilungsverfahren erfolgen. Werden Tätigkeiten entsprechend
eines vom Ausschuss für Gefahrstoffe ermittelten und vom Bundesministerium
für Arbeit und Soziales veröffentlichten verfahrens- und stoffspezifischen Kri-
teriums durchgeführt, kann der Arbeitgeber von einer Einhaltung der Arbeits-
platzgrenzwerte ausgehen.
(5) Bei der Überschreitung eines Arbeitsplatzgrenzwerts muss der Arbeitge-
ber unverzüglich die Gefährdungsbeurteilung erneut durchführen und entspre-
chende Schutzmaßnahmen nach Absatz 2 Nr. 1 und 2 treffen, um den Arbeits-
platzgrenzwert einzuhalten. Wird trotz der durchgeführten technischen und
organisatorischen Schutzmaßnahmen der Arbeitsplatzgrenzwert nicht eingehal-
ten oder besteht bei hautresorptiven, reizenden, ätzenden oder hautsensibilisie-
renden Gefahrstoffen oder Gefahrstoffen, welche die Gesundheit der Beschäf-
tigten irreversibel schädigen können, eine Gefährdung durch Hautkontakt, hat
der Arbeitgeber unverzüglich zusätzliche Schutzmaßnahmen durchzuführen,
insbesondere persönliche Schutzausrüstung bereitzustellen.
(6) Wer Messungen durchführt, muss über die notwendige Fachkunde und
über die erforderlichen Einrichtungen verfügen. Der Arbeitgeber, der eine
akkreditierte Messstelle beauftragt, kann davon ausgehen, dass die von dieser
Messstelle festgestellten Erkenntnisse zutreffend sind.
(7) Der Arbeitgeber hat bei allen Ermittlungen und Messungen die vom
Bundesministerium für Arbeit und Soziales nach § 21 Abs. 4 bekannt gemach-
ten Verfahren, Messregeln und Grenzwerte zu beachten, bei denen die entspre-
chenden Bestimmungen

24
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
§ 9 Grundmaßnahmen zum Schutz der Beschäftigten

1. der Richtlinie 98/24/EG und insbesondere der Richtlinien nach Artikel 3


Abs. 2 dieser Richtlinie zu Arbeitsplatzgrenzwerten und
2. der Richtlinie 2004/37/EG sowie
3. der Richtlinie 83/477/EWG
in ihrer jeweils geltenden Fassung berücksichtigt worden sind.
(8) Sofern Tätigkeiten mit Gefahrstoffen durchgeführt werden, für die kein
Arbeitsplatzgrenzwert vorliegt, kann der Arbeitgeber die Wirksamkeit der
getroffenen Schutzmaßnahmen durch geeignete Beurteilungsmethoden nach-
weisen. Liegen geeignete Beurteilungsmethoden nicht vor, ist eine Messung
erforderlich.
(9) Die Beschäftigten dürfen in Arbeitsbereichen, in denen die Gefahr einer
Kontamination durch Gefahrstoffe besteht, keine Nahrungs- oder Genussmittel
zu sich nehmen. Der Arbeitgeber hat hierfür vor Aufnahme der Tätigkeiten
geeignete Bereiche einzurichten.
(10) Wenn Tätigkeiten mit Gefahrstoffen von einem Beschäftigten alleine
ausgeführt werden, hat der Arbeitgeber in Abhängigkeit von dem Ergebnis der
Gefährdungsbeurteilung zusätzliche Schutzmaßnahmen zu treffen oder eine
angemessene Aufsicht zu gewährleisten. Dies kann auch durch Einsatz techni-
scher Mittel sichergestellt werden.
(11) Bei Tätigkeiten mit Biozidprodukten ist ordnungsgemäß und nach guter
fachlicher Praxis zu verfahren. Biozidprodukte dürfen nicht verwendet werden,
soweit damit zu rechnen ist, dass ihre Anwendung im Einzelfall schädliche
Auswirkungen auf die Gesundheit von Menschen, Nicht-Zielorganismen oder
auf die Umwelt hat. Zur ordnungsgemäßen Anwendung gehört es insbesonde-
re, dass
1. die Verwendung gemäß den in der Zulassung eines Biozidprodukts festge-
legten Bedingungen und gemäß seiner Kennzeichnung erfolgt und
2. der Einsatz von Biozidprodukten durch eine sachgerechte Berücksichtigung
physikalischer, biologischer, chemischer und sonstiger Alternativen auf das
Minimum begrenzt wird.
Die Sätze 1 bis 3 gelten auch in Haushalten.
(12) Wer als Arbeitgeber die in Anhang III bezeichneten Gefahrstoffe her-
stellt oder verwendet oder den dort genannten Tätigkeiten nachgeht, hat die
§§ 7 bis 15 sowie 17 bis 19 und die Vorschriften des Anhangs III zu beachten.

25
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Ergänzende Schutzmaßnahmen

Vierter Abschnitt
Ergänzende Schutzmaßnahmen

§ 10 Ergänzende Schutzmaßnahmen bei Tätigkeiten mit hoher


Gefährdung (Schutzstufe 3)

(1) Ist die Substitution eines Gefahrstoffs durch Stoffe, Zubereitungen oder
Erzeugnisse oder Verfahren, die bei ihrer Verwendung oder Anwendung nicht
oder weniger gefährlich für die Gesundheit und Sicherheit sind, technisch nicht
möglich, so hat der Arbeitgeber dafür zu sorgen, dass die Herstellung und die
Verwendung des Gefahrstoffs in einem geschlossenen System stattfindet. Durch
Verwendung dicht verschließbarer Behälter hat der Arbeitgeber insbesondere
eine sichere Lagerung, Handhabung und Beförderung auch bei der Abfallbesei-
tigung zu gewährleisten. Ist die Anwendung eines geschlossenen Systems tech-
nisch nicht möglich, so hat der Arbeitgeber dafür zu sorgen, dass die Gefähr-
dung der Beschäftigten, insbesondere die Exposition, nach dem Stand der
Technik so weit wie möglich verringert wird.

(2) Der Arbeitgeber stellt sicher, dass die Arbeitsplatzgrenzwerte eingehalten


werden. Er hat die erforderlichen Messungen durchzuführen, um die Einhal-
tung der Arbeitsplatzgrenzwerte zu überprüfen. Messungen sind auch durchzu-
führen, wenn sich die Bedingungen ändern, welche die Exposition der Beschäf-
tigten beeinflussen können. Die Ergebnisse sind aufzuzeichnen, aufzubewahren
und den Beschäftigten und ihren Vertretern zugänglich zu machen. Satz 2 gilt
nicht, wenn der Arbeitgeber mittels anderer gleichwertiger Nachweismethoden
eindeutig belegt, dass der Arbeitsplatzgrenzwert eingehalten ist oder Tätigkei-
ten entsprechend eines vom Ausschuss für Gefahrstoffe ermittelten und vom
Bundesministerium für Arbeit und Soziales veröffentlichten verfahrens- und
stoffspezifischen Kriteriums durchgeführt werden. Ist die Einhaltung des Ar-
beitsplatzgrenzwerts nicht möglich, insbesondere bei Abbruch-, Sanierungs-
und Instandhaltungsarbeiten, hat der Arbeitgeber die Exposition der Beschäf-
tigten nach dem Stand der Technik soweit wie möglich zu verringern und un-
verzüglich zusätzliche Schutzmaßnahmen durchzuführen, insbesondere persön-
liche Schutzausrüstung bereitzustellen. § 9 Abs. 3 gilt entsprechend. In der
Dokumentation der Gefährdungsbeurteilung nach § 7 Abs. 6 ist festzulegen,
welche weiteren Maßnahmen zur Einhaltung des Arbeitsplatzgrenzwerts
durchgeführt werden.

(3) Der Arbeitgeber hat geeignete Maßnahmen durchzuführen, um zu ge-


währleisten, dass Arbeitsbereiche nur den Beschäftigten zugänglich sind, die sie
zur Ausübung ihrer Arbeit oder zur Durchführung bestimmter Aufgaben be-
treten müssen. Mit T+ und T gekennzeichnete Stoffe und Zubereitungen sind

26
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
§ 11 Tätigkeiten mit Gefahrstoffen der Schutzstufe 4

unter Verschluss oder so aufzubewahren oder zu lagern, dass nur fachkundige


Personen Zugang haben. Satz 2 gilt nicht für Ottokraftstoffe an Tankstellen.

§ 11 Ergänzende Schutzmaßnahmen bei Tätigkeiten mit krebserzeu-


genden, erbgutverändernden und fruchtbarkeitsgefährdenden
Gefahrstoffen (Schutzstufe 4)
(1) Die nachfolgenden Absätze 2 bis 4 gelten nicht, wenn
1. ein Arbeitsplatzgrenzwert vom Ausschuss für Gefahrstoffe festgelegt und
vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales bekannt gegeben wurde
und dieser eingehalten wird oder
2. Tätigkeiten entsprechend eines vom Ausschuss für Gefahrstoffe ermittelten
und vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales veröffentlichten ver-
fahrens- und stoffspezifischen Kriteriums durchgeführt werden.
Die Einhaltung des Arbeitsplatzgrenzwerts ist in der Gefährdungsbeurteilung
zu dokumentieren. § 10 Abs. 2 Satz 5 findet keine Anwendung.
(2) In den Fällen, in denen Tätigkeiten mit krebserzeugenden, erbgutverän-
dernden oder fruchtbarkeitsgefährdenden Gefahrstoffen der Kategorie 1 oder 2
durchgeführt werden, hat der Arbeitgeber die folgenden Maßnahmen durchzu-
führen:
1. Messungen dieser Stoffe, insbesondere zur frühzeitigen Ermittlung erhöhter
Expositionen infolge eines unvorhersehbaren Ereignisses oder eines Unfal-
les,
2. Abgrenzung der Gefahrenbereiche und Anbringung von Warn- und Sicher-
heitszeichen, einschließlich des Zeichens „Rauchen verboten“, in Bereichen,
in denen Beschäftigte diesen Gefahrstoffen ausgesetzt sind oder ausgesetzt
sein können.
(3) Bei bestimmten Tätigkeiten, insbesondere bei Abbruch-, Sanierungs- und
Instandhaltungsarbeiten, bei denen die Möglichkeit einer beträchtlichen Erhö-
hung der Exposition der Beschäftigten durch krebserzeugende, erbgutverän-
dernde oder fruchtbarkeitsgefährdende Gefahrstoffe der Kategorie 1 oder
2 vorherzusehen ist und bei denen jede Möglichkeit weiterer technischer
Schutzmaßnahmen zur Begrenzung dieser Exposition bereits ausgeschöpft
wurde, führt der Arbeitgeber nach Konsultierung der Beschäftigten oder ihrer
Vertreter in dem Unternehmen oder Betrieb die erforderlichen Maßnahmen
durch, um die Dauer der Exposition der Beschäftigten soweit wie möglich zu
verkürzen und den Schutz der Beschäftigten während dieser Tätigkeiten zu
gewährleisten. In den Fällen des Satzes 1 hat der Arbeitgeber den betreffenden
Beschäftigten Schutzkleidung und Atemschutzgeräte zur Verfügung zu stellen,
die sie während der gesamten Dauer der erhöhten Exposition tragen müssen.

27
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Ergänzende Schutzmaßnahmen

Dies darf nur von begrenzter Dauer sein und ist für jeden Beschäftigten auf das
unbedingt erforderliche Mindestmaß zu beschränken.
(4) In Arbeitsbereiche, in denen Tätigkeiten mit krebserzeugenden, erbgut-
verändernden oder fruchtbarkeitsgefährdenden Stoffen der Kategorie 1 oder 2
durchgeführt werden, darf dort abgesaugte Luft nicht zurückgeführt werden.
Abweichend von Satz 1 darf die in einem Arbeitsbereich abgesaugte Luft dort-
hin zurückgeführt werden, wenn sie unter Anwendung behördlicher oder be-
rufsgenossenschaftlich anerkannter Verfahren oder Geräte ausreichend von
solchen Stoffen gereinigt ist. Die Luft muss dann so geführt oder gereinigt
werden, dass krebserzeugende, erbgutverändernde oder fruchtbarkeitsgefähr-
dende Stoffe nicht in die Atemluft anderer Beschäftigten gelangen.

§ 12 Ergänzende Schutzmaßnahmen gegen physikalisch-chemische Ein-


wirkungen, insbesondere gegen Brand- und Explosionsgefahren
Auf der Grundlage der Gefährdungsbeurteilung führt der Arbeitgeber tech-
nische und organisatorische Maßnahmen durch, um die Beschäftigten gegen
Gefährdungen durch physikalisch-chemische Eigenschaften von Gefahrstoffen
zu schützen. Insbesondere sind chemisch instabile, brennbare und andere auf-
grund ihrer gefährlichen Eigenschaften unvereinbare Gefahrstoffe so zu hand-
haben und zu lagern, dass hierdurch keine Gefährdungen für die Beschäftigten
entstehen. Zur Vermeidung von Brand- und Explosionsgefahren führt er insbe-
sondere Maßnahmen in der nachstehenden Rangordnung durch:
1. gefährliche Mengen oder Konzentrationen von Gefahrstoffen, die zu Brand-
oder Explosionsgefahren führen können, sind zu vermeiden,
2. Zündquellen, die zu Bränden oder Explosionen führen können, sind zu
vermeiden,
3. schädliche Auswirkungen durch Brände oder Explosionen auf die Gesund-
heit und Sicherheit der Beschäftigten sind zu verringern.
Bei der Durchführung der Maßnahmen nach Satz 1, 2 und 3 ist insbesondere
Anhang III Nr. 1 zu beachten. Die Vorschriften der Betriebssicherheitsverord-
nung bleiben unberührt.

§ 13 Betriebsstörungen, Unfälle und Notfälle


(1) Um den Schutz der Gesundheit und die Sicherheit der Beschäftigten bei
einer Betriebsstörung, einem Unfall oder einem Notfall zu gewährleisten, legt
der Arbeitgeber rechtzeitig Notfallmaßnahmen fest, die beim Eintreten eines
derartigen Ereignisses angewendet werden müssen. Dies schließt die Durchfüh-
rung von einschlägigen Sicherheitsübungen in regelmäßigen Abständen und die
Bereitstellung angemessener Erste-Hilfe-Einrichtungen ein.

28
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
§ 14 Unterrichtung und Unterweisung der Beschäftigten

(2) Tritt eines der in Absatz 1 Satz 1 genannten Ereignisse ein, so führt der
Arbeitgeber unverzüglich Maßnahmen zur Minderung der Auswirkungen des
Ereignisses und zur Unterrichtung der betroffenen Beschäftigten durch. Der
Arbeitgeber führt unverzüglich Maßnahmen zur Wiederherstellung der norma-
len Betriebssituation durch. Es dürfen nur diejenigen Beschäftigten in dem
betroffenen Bereich tätig werden, deren Anwesenheit für Instandsetzungsarbei-
ten und sonstige notwendige Tätigkeiten unbedingt erforderlich ist.
(3) Die Beschäftigten, die in dem betroffenen Bereich arbeiten, sind vom Ar-
beitgeber rechtzeitig mit geeigneter Schutzkleidung, persönlicher Schutzausrüs-
tung, speziellen Sicherheitseinrichtungen und besonderen Arbeitsmitteln auszu-
statten, die sie so lange benutzen müssen, wie die Situation fortbesteht. Die
Anwendung belastender persönlicher Schutzausrüstung muss für den einzelnen
Beschäftigten zeitlich begrenzt sein. Ungeschützte Personen dürfen nicht in
dem betroffenen Bereich verbleiben.
(4) Der Arbeitgeber hat Warn- und sonstige Kommunikationssysteme zur
Verfügung zu stellen, die erforderlich sind, um eine erhöhte Gefährdung der
Gesundheit und Sicherheit anzuzeigen, so dass eine angemessene Reaktion
möglich ist und Abhilfemaßnahmen sowie Hilfs-, Evakuierungs- und Ret-
tungsmaßnahmen im Bedarfsfall unverzüglich eingeleitet werden können.
(5) Der Arbeitgeber stellt sicher, dass Informationen über die Notfallmaß-
nahmen in Bezug auf Gefahrstoffe zur Verfügung stehen. Die zuständigen
innerbetrieblichen und betriebsfremden Unfall- und Notfalldienste erhalten
Zugang zu diesen Informationen. Dazu zählen:
1. Vorabmitteilung von einschlägigen Gefahren bei der Arbeit, von Maßnah-
men zur Feststellung von Gefahren, von Vorsichtsmaßregeln und Verfahren,
damit die Notfalldienste ihre eigenen Abhilfe- und Sicherheitsmaßnahmen
vorbereiten können,
2. alle verfügbaren Informationen über spezifische Gefahren, die bei einem
Unfall oder Notfall auftreten oder auftreten können, einschließlich Informa-
tionen über die nach den vorstehenden Absätzen genannten Verfahren.

§ 14 Unterrichtung und Unterweisung der Beschäftigten


(1) Der Arbeitgeber stellt sicher, dass den Beschäftigten eine schriftliche Be-
triebsanweisung gemäß Satz 2, die der Gefährdungsbeurteilung Rechnung trägt,
in für die Beschäftigten verständlicher Form und Sprache zugänglich gemacht
wird.

29
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Ergänzende Schutzmaßnahmen

Die Betriebsanweisung muss mindestens Folgendes enthalten:


1. Informationen über die am Arbeitsplatz auftretenden Gefahrstoffe, wie zum
Beispiel Bezeichnung der Gefahrstoffe, ihre Kennzeichnung sowie Gefähr-
dungen der Gesundheit und der Sicherheit,
2. Informationen über angemessene Vorsichtsmaßregeln und Maßnahmen, die
der Beschäftigte zu seinem eigenen Schutz und zum Schutz der anderen Be-
schäftigten am Arbeitsplatz durchzuführen hat; die Betriebsanweisung muss
bei jeder maßgeblichen Veränderung der Arbeitsbedingungen aktualisiert
werden. Dazu gehören insbesondere
a) Hygienevorschriften,
b) Informationen über Maßnahmen, die zur Verhütung einer Exposition zu
ergreifen sind,
c) Informationen zum Tragen und Benutzen von Schutzausrüstungen und
Schutzkleidung,
3. Informationen über Maßnahmen, die von den Beschäftigten, insbesondere
von Rettungsmannschaften, bei Betriebsstörungen, Unfällen und Notfällen
und zur Verhütung von diesen durchzuführen sind.
Der Arbeitgeber stellt ferner sicher, dass die Beschäftigten
1. entsprechend Artikel 35 der Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 Zugang haben
zu allen dort genannten Informationen zu den Stoffen und Zubereitungen,
mit denen sie Tätigkeiten durchführen, insbesondere zu Sicherheitsdaten-
blättern, und
2. in den Methoden und Verfahren unterrichtet werden, die im Hinblick auf
die Sicherheit bei der Verwendung von Gefahrstoffen angewendet werden
müssen.
(2) Der Arbeitgeber stellt sicher, dass die Beschäftigten anhand der Betriebs-
anweisung über auftretende Gefährdungen und entsprechende Schutzmaßnah-
men mündlich unterwiesen werden. Die Unterweisung muss vor Aufnahme der
Beschäftigung und danach mindestens jährlich arbeitsplatzbezogen durchge-
führt werden. Sie muss in für die Beschäftigten verständlicher Form und Spra-
che erfolgen. Inhalt und Zeitpunkt der Unterweisung sind schriftlich fest zu
halten und vom Unterwiesenen durch Unterschrift zu bestätigen.
(3) Der Arbeitgeber hat sicherzustellen, dass für alle Beschäftigten, die Tä-
tigkeiten mit Gefahrstoffen durchführen, eine allgemeine arbeitsmedizinisch-
toxikologische Beratung durchgeführt wird. Diese Beratung soll im Rahmen
der Unterweisung nach Absatz 2 erfolgen. Dabei sind die Beschäftigten über
Angebotsuntersuchungen nach der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vor-
sorge zu unterrichten sowie auf besondere Gesundheitsgefahren bei Tätigkeiten
mit bestimmten Gefahrstoffen hinzuweisen. Die Beratung ist unter Beteiligung

30
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
§ 15 Arbeitsmedizinische Vorsorge

des Arztes nach § 7 Abs. 1 der in Satz 3 genannten Verordnung durchzuführen,


falls dies aus arbeitsmedizinischen Gründen erforderlich sein sollte.
(4) Der Arbeitgeber hat bei Tätigkeiten mit krebserzeugenden, erbgutverän-
dernden oder fruchtbarkeitsgefährdenden Gefahrstoffen der Kategorie 1 oder 2
zu gewährleisten, dass
1. die Beschäftigten und ihre Vertreter nachprüfen können, ob die Bestimmun-
gen dieser Verordnung Anwendung finden und zwar insbesondere in Bezug
auf
a) die mit der Auswahl, dem Tragen und der Verwendung von Schutzklei-
dung und Schutzausrüstungen verbundenen Folgen für die Gesundheit
und die Sicherheit der Beschäftigten,
b) auf durchzuführende Maßnahmen im Sinne des § 11 Abs. 3 Satz 1,
2. die Beschäftigten und ihre Vertreter bei einer erhöhten Exposition ein-
schließlich der in § 11 Abs. 3 genannten Fälle unverzüglich unterrichtet und
über die Ursachen sowie über die bereits durchgeführten oder noch durch-
zuführenden Gegenmaßnahmen informiert werden,
3. ein aktualisiertes Verzeichnis der Beschäftigten geführt wird, die Tätigkeiten
durchführen, bei denen die Ergebnisse der Gefährdungsbeurteilung eine Ge-
fährdung der Gesundheit oder der Sicherheit der Beschäftigten erkennen las-
sen, gegebenenfalls – soweit die betreffende Information verfügbar ist – un-
ter Angabe der Exposition, der sie möglicherweise ausgesetzt waren,
4. der Arzt nach § 7 Abs. 1 der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge
und die zuständige Behörde sowie jede andere für die Gesundheit oder die
Sicherheit am Arbeitsplatz verantwortliche Person Zugang zu dem unter
Nummer 3 genannten Verzeichnis haben,
5. jeder Beschäftigte Zugang zu den ihn persönlich betreffenden Angaben in
dem Verzeichnis hat,
6. die Beschäftigten und ihre Vertreter in den Unternehmen oder Betrieben
Zugang zu den nicht personenbezogenen Informationen allgemeiner Art ha-
ben.

§ 15 Arbeitsmedizinische Vorsorge
Für den Bereich der arbeitsmedizinischen Vorsorge gilt die Verordnung zur
arbeitsmedizinischen Vorsorge vom 18. Dezember 2008 (BGBl. I S. 2768), die
im Anhang Teil 1 Anlässe für Pflicht- und Angebotsuntersuchungen enthält, in
der jeweils geltenden Fassung. Dies gilt auch für Tätigkeiten nach § 3 Abs. 3
sowie für den in § 3 Abs. 5 genannten Personenkreis.

§ 16 aufgehoben

31
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Ergänzende Schutzmaßnahmen

§ 17 Zusammenarbeit verschiedener Firmen


(1) Werden für die Durchführung von Tätigkeiten mit Gefahrstoffen in ei-
nem Betrieb Fremdfirmen beauftragt, ist der Arbeitgeber als Auftraggeber dafür
verantwortlich, dass für die erforderlichen Tätigkeiten nur Firmen herangezo-
gen werden, die über die für die Tätigkeiten erforderliche besondere Fach-
kenntnis und Erfahrung verfügen. Der Arbeitgeber als Auftraggeber hat dafür
zu sorgen, dass die Fremdfirma über die Gefahrenquellen und die spezifischen
Verhaltensregeln informiert wird.
(2) Jeder Arbeitgeber hat seinen Verantwortungsbereich so zu organisieren,
dass Maßnahmen getroffen werden, um betrieblichen Gefahren wirksam zu
begegnen. Wenn im Rahmen des Fremdfirmeneinsatzes für Beschäftigte die
Möglichkeit einer gegenseitigen Gefährdung besteht, ist vom Arbeitgeber, in
dessen Betrieb die Tätigkeiten durchgeführt werden, vor der Aufnahme der
Tätigkeiten ein Koordinator zu bestellen. Alle beteiligten Firmen stellen dem
Koordinator die sicherheitsrelevanten Informationen, die Gefährdungsbeurtei-
lung zu den erforderlichen Tätigkeiten und Informationen zu den durchgeführ-
ten Schutzmaßnahmen zur Verfügung. Der Arbeitgeber, in dessen Betrieb die
Tätigkeiten durchgeführt werden, hat dafür zu sorgen, dass die Fremdfirmen in
das im Betrieb bestehende System zum Schutz der Gesundheit und der Sicher-
heit der Beschäftigten einbezogen werden, um Unfällen, arbeitsbedingten Er-
krankungen oder Betriebsstörungen vorzubeugen. Jeder Arbeitgeber hat dafür
zu sorgen, dass die sicherheitsrelevanten Verhaltensvorschriften durch seine
Beschäftigten beachtet werden. Im Falle festgestellter Verstöße hat er geeignete
Maßnahmen zu ergreifen.
(3) Alle Arbeitgeber, Auftraggeber und Auftragnehmer haben bei der
Durchführung der Gefährdungsbeurteilung zusammenzuwirken und sich abzu-
stimmen. Dies betrifft insbesondere die Auswahl der Stoffe, Zubereitungen und
Erzeugnisse, die Auswahl der Verfahren, die Koordinierung der verschiedenen
Tätigkeiten und die Festlegung und Durchführung der erforderlichen Schutz-
maßnahmen. Ergänzend sind mögliche Wechselwirkungen mit benachbarten
Betrieben zu berücksichtigen, sofern diese Wechselwirkungen zu einer zusätzli-
chen Gefährdung führen können. Die Ergebnisse der gemeinsamen Gefähr-
dungsbeurteilung sind von allen Beteiligten zu dokumentieren.
(4) Vor dem Beginn von Abbruch-, Sanierungs- und Instandhaltungs-
tätigkeiten muss der Arbeitgeber bei der Informationsermittlung für die Ge-
fährdungsbeurteilung Angaben, insbesondere vom Auftraggeber oder Bau-
herrn, darüber einholen, ob Gefahrstoffe nach Anhang IV vorhanden sind.

32
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
§ 19 Unterrichtung der Behörde

Fünfter Abschnitt
Verbote und Beschränkungen

§ 18 Herstellungs- und Verwendungsverbote


(1) Nach Maßgabe des Anhangs IV bestehen Herstellungs- und Verwen-
dungsverbote für bestimmte Stoffe, Zubereitungen und Erzeugnisse, die insbe-
sondere
1. krebserzeugende oder erbgutverändernde Eigenschaften haben,
2. sehr giftig oder giftig sind oder
3. die Umwelt schädigen können.
Soweit in Anhang IV nicht etwas anderes bestimmt ist, gelten die Herstellungs-
und Verwendungsverbote nach Satz 1 nicht für
1. Forschungs-, Analyse- und wissenschaftliche Lehrzwecke in den dafür er-
forderlichen Mengen,
2. Abbruch-, Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten und
3. die gemeinwohlverträgliche Abfallbeseitigung.
Soweit in Anhang IV nicht etwas anderes bestimmt ist, beinhalten die Verwen-
dungsverbote nach Satz 1 kein Gebot des Entfernens von Stoffen, Zubereitun-
gen oder Erzeugnissen, die bereits vor Inkrafttreten der jeweiligen Verbote
rechtmäßig verwendet wurden. Satz 1, 2 und 3 gelten auch in Haushalten.
(2) Der Arbeitgeber darf in Heimarbeit Beschäftigte nur Tätigkeiten mit ge-
ringer Gefährdung im Sinne des § 7 Abs. 9 durchführen lassen.

Sechster Abschnitt
Vollzugsregelungen und Schlussvorschriften

§ 19 Unterrichtung der Behörde


(1) Der Arbeitgeber hat der zuständigen Behörde unverzüglich eine Mittei-
lung zu erstatten
1. über jeden Unfall und jede Betriebsstörung, die bei Tätigkeiten mit Gefahr-
stoffen zu einer ernsten Gesundheitsschädigung der Beschäftigten geführt
haben, oder
2. über Krankheits- und Todesfälle, bei denen konkrete Anhaltspunkte für eine
Verursachung durch die Tätigkeit mit Gefahrstoffen bestehen, mit der ge-
nauen Angabe der Tätigkeit und der Gefährdungsbeurteilung.
Lassen sich die für die Mitteilung nach Satz 1 erforderlichen Angaben gleich-
wertig aus Mitteilungen nach anderen Rechtsvorschriften entnehmen, kann die
Mitteilungspflicht auch durch Übermittlung einer Durchschrift dieser Mittei-

33
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Vollzugsregelungen und Schlussvorschriften

lungen an die zuständige Behörde erfüllt werden. Der Arbeitgeber hat den
betroffenen Beschäftigten oder, wenn ein Betriebs- oder Personalrat vorhanden
ist, diesem Abdrucke der Mitteilungen nach Satz 1 oder 2 zur Kenntnis zu
geben.
(2) Unbeschadet des § 22 des Arbeitsschutzgesetzes ist der zuständigen Be-
hörde auf ihr Verlangen Folgendes mitzuteilen:
1. das Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung und die der Beurteilung zugrunde
liegenden Informationen einschließlich der Dokumentation der Gefähr-
dungsbeurteilung,
2. die Tätigkeiten, bei denen Beschäftigte tatsächlich oder möglicherweise
gegenüber Gefahrstoffen exponiert worden sind, und die Anzahl dieser Be-
schäftigten,
3. die nach § 13 des Arbeitsschutzgesetzes verantwortlichen Personen,
4. die durchgeführten Schutz- und Vorsorgemaßnahmen einschließlich der
Betriebsanweisungen.
Der Arbeitgeber hat der zuständigen Behörde bei Tätigkeiten mit krebserzeu-
genden, erbgutverändernden oder fruchtbarkeitsgefährdenden Gefahrstoffen
der Kategorie 1 oder 2 zusätzlich auf ihr Verlangen Folgendes mitzuteilen:
1. das Ergebnis einer Substitutionsprüfung,
2. sachdienliche Informationen über
a) durchgeführte Tätigkeiten und angewandte industrielle Verfahren und die
Gründe für die Verwendung dieser Gefahrstoffe,
b) Menge der hergestellten oder verwendeten Gefahrstoffe,
c) Art der zu verwendenden Schutzausrüstung,
d) Art und Grad der Exposition,
e) Fälle von Substitution.
(3) Auf Verlangen der zuständigen Behörde ist die in § 6 Abs. 1 geforderte
Fachkunde nachzuweisen.

§ 20 Behördliche Ausnahmen, Anordnungen und Befugnisse


(1) Die zuständige Behörde kann auf schriftlichen Antrag des Arbeitgebers
Ausnahmen von den Vorschriften der §§ 7 bis 15 sowie 17 bis 19 einschließlich
der Anhänge III bis IV erteilen, wenn die Durchführung der Vorschrift im
Einzelfall zu einer unverhältnismäßigen Härte führen würde und die Abwei-
chung mit dem Schutz der Beschäftigten vereinbar ist. Verbote oder Beschrän-
kungen nach anderen Rechtsvorschriften bleiben unberührt. Der Arbeitgeber
hat der zuständigen Behörde im Ausnahmeantrag darzulegen
1. den Grund für die Beantragung der Ausnahmeregelung,
2. die jährlich zu verwendende Menge des Gefahrstoffs,

34
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
§ 20 Behördliche Ausnahmen, Anordnungen und Befugnisse

3. die betroffenen Tätigkeiten, Reaktionen und Verfahren,


4. die Zahl der voraussichtlich betroffenen Beschäftigen,
5. die geplanten Sicherheitsmaßnahmen zur Gewährleistung des Gesundheits-
schutzes und der Sicherheit der betroffenen Beschäftigen,
6. die getroffenen technischen und organisatorischen Maßnahmen zur Verrin-
gerung oder Vermeidung einer Exposition der Beschäftigten.
(2) Die Ausnahme nach Absatz 1 kann auch im Zusammenhang mit Verwal-
tungsverfahren nach anderen Rechtsvorschriften beantragt werden.
(3) Die zuständige Behörde kann im Einzelfall zulassen, dass die Vorschrif-
ten des § 5 Abs. 4 und Anhang II Nr. 1 auf das Inverkehrbringen von Stoffen
oder Zubereitungen ganz oder teilweise nicht angewendet werden, wenn es sich
um brandfördernde, leichtentzündliche, entzündliche, gesundheitsschädliche,
umweltgefährliche oder reizende Stoffe oder Zubereitungen in so geringer
Menge handelt, dass eine Gefährdung nicht zu befürchten ist. Satz 1 gilt nicht
für Biozid-Produkte.
(4) Die zuständige Behörde kann über die nach § 23 des Chemikaliengesetzes
möglichen Anordnungen hinaus die Maßnahmen anordnen, die der Hersteller,
Inverkehrbringer oder Arbeitgeber im Einzelfall zur Erfüllung der sich aus dem
Zweiten bis Fünften Abschnitt dieser Verordnung ergebenden Pflichten zu
treffen hat. Dabei kann sie insbesondere anordnen, dass der Arbeitgeber
1. unabhängig von einer bestehenden Rechtsverordnung nach § 19 des Chemi-
kaliengesetzes die zur Abwendung besonderer Gefahren notwendigen Maß-
nahmen treffen muss,
2. festzustellen hat, ob und in welchem Umfang ein vermuteter Gefahrenzu-
stand tatsächlich besteht und welche Maßnahmen zur Abwendung der Ge-
fahren getroffen werden müssen,
3. die Arbeit einzustellen hat, bei der die Beschäftigten gefährdet sind, wenn er
die zur Abwendung der Gefahr angeordneten notwendigen Maßnahmen
nicht sofort oder innerhalb der gesetzten Frist durchführt.
Bei Gefahr im Verzug können die Anordnungen auch gegen weisungs-
berechtigte Personen im Betrieb erlassen werden.
(5) Die zuständige Behörde kann dem Arbeitgeber Tätigkeiten mit Gefahr-
stoffen untersagen, insbesondere eine Stilllegung der betroffenen Arbeitsberei-
che anordnen, wenn der Arbeitgeber seiner Verpflichtung nach § 19 Abs. 2 zur
Vorlage der Gefährdungsbeurteilung nicht nachkommt.
(6) Die Überwachung der Einhaltung der Vorschriften dieser Verordnung
erstreckt sich auch auf die in § 2 in Bezug genommenen und in Anhang I aufge-
führten Richtlinien der Europäischen Gemeinschaft.

35
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Vollzugsregelungen und Schlussvorschriften

§ 21 Ausschuss für Gefahrstoffe


(1) Zur Beratung in allen Fragen des Arbeitsschutzes zu Gefahrstoffen wird
beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales der Ausschuss für Gefahrstof-
fe (AGS) gebildet, in dem fachkundige Vertreter der Arbeitgeberverbände, der
Gewerkschaften, der Länderbehörden, der Träger der gesetzlichen Unfallversi-
cherung und weitere fachkundige Personen, insbesondere der Wissenschaft, in
angemessener Zahl vertreten sein sollen. Die Gesamtzahl der Mitglieder soll
21 Personen nicht überschreiten. Für jedes Mitglied ist ein Stellvertreter zu
benennen. Die Mitgliedschaft im Ausschuss für Gefahrstoffe ist ehrenamtlich.
(2) Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales beruft die Mitglieder des
Ausschusses und für jedes Mitglied einen Stellvertreter. Der Ausschuss gibt sich
eine Geschäftsordnung und wählt den Vorsitzenden aus seiner Mitte. Die Ge-
schäftsordnung und die Wahl des Vorsitzenden bedürfen der Zustimmung des
Bundesministeriums für Arbeit und Soziales.
(3) Zu den Aufgaben des Ausschusses gehört es:
1. dem Stand der Technik, Arbeitsmedizin und Arbeitshygiene entsprechende
Regeln und sonstige gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse für Tätigkei-
ten mit Gefahrstoffen einschließlich deren Einstufung und Kennzeichnung
zu ermitteln,
2. Regeln zu ermitteln, wie die in dieser Verordnung gestellten Anforderungen
erfüllt werden können,
3. das Bundesministerium für Arbeit und Soziales in allen Fragen zu Gefahr-
stoffen zu beraten,
4. Arbeitsplatzgrenzwerte und biologische Grenzwerte für Gefahrstoffe vorzu-
schlagen und regelmäßig zu überprüfen, wobei Folgendes zu berücksichtigen
ist:
a) bei der Festlegung der Grenzwerte ist sicher zu stellen, dass der Schutz
der Gesundheit der Beschäftigten gewahrt ist,
b) für jeden Stoff, für den ein Arbeitsplatzgrenzwert oder ein biologischer
Grenzwert auf EG-Ebene festgelegt wurde, ist unter Berücksichtigung
des gemeinschaftlichen Grenzwerts ein nationaler Grenzwert vorzuschla-
gen.
Bei der Wahrnehmung seiner Aufgaben berücksichtigt der Ausschuss für
Gefahrstoffe die allgemeinen Grundsätze des Arbeitsschutzes nach § 4 des
Arbeitsschutzgesetzes.
(4) Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales kann die vom Ausschuss
für Gefahrstoffe nach Absatz 3 ermittelten Regeln und Erkenntnisse im Ge-
meinsamen Ministerialblatt bekannt geben.

36
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
§ 25 Chemikaliengesetz – Mitteilung

(5) Die Bundesministerien sowie die obersten Landesbehörden haben das


Recht, zu den Sitzungen des Ausschusses Vertreter zu entsenden. Diesen Ver-
tretern ist auf Verlangen in der Sitzung das Wort zu erteilen.
(6) Die Geschäfte des Ausschusses führt die Bundesanstalt für Arbeitsschutz
und Arbeitsmedizin.

§ 22 Übergangsvorschriften
(1) Anhang IV Nr. 1 Abs. 1 gilt bis zum 31. Dezember 2010 nicht für die
Herstellung und für das Verwenden chrysotilhaltiger Diaphragmen für die
Chloralkalielektrolyse in bestehenden Anlagen einschließlich der zu ihrer Her-
stellung benötigten asbesthaltigen Rohstoffe, soweit
1. asbestfreie Ersatzstoffe, Zubereitungen oder Erzeugnisse nicht auf dem
Markt angeboten werden oder
2. die Verwendung der asbestfreien Ersatzstoffe, Zubereitungen oder Erzeug-
nisse zu einer unzumutbaren Härte führt
und die Konzentration an Asbestfasern in der Luft am Arbeitsplatz unterhalb
1000 Fasern pro Kubikmeter liegt.
(2) Anhang IV Nummer 14 Abs. 1 Nr. 7 und 8 und Abs. 4 gilt nicht für Er-
zeugnisse, in denen PCB-haltige Bauteile eingebaut sind,
1. bis zur Außerbetriebnahme des Erzeugnisses, spätestens jedoch bis 31. De-
zember 2010, sofern das Bauteil mehr als 100 Milliliter, jedoch nicht mehr als
1 Liter PCB-haltiger Flüssigkeit enthält,
2. bis zur Außerbetriebnahme des Erzeugnisses, sofern das Bauteil bis zu
100 Milliliter PCB-haltiger Flüssigkeit enthält,
und das Erzeugnis bereits am 29. Juli 1989 in Betrieb war.

Siebter Abschnitt
Ordnungswidrigkeiten und Straftaten

§ 23 Chemikaliengesetz – Kennzeichnung und Verpackung


Ordnungswidrig im Sinne des § 26 Abs. 1 Nr. 5 Buchstabe c des Chemika-
liengesetzes handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 5 Abs. 5 in
Verbindung mit Anhang II Nr. 1 Abs. 6 dort genannte Daten nicht, nicht rich-
tig, nicht vollständig oder nicht rechtzeitig zur Verfügung stellt.

§ 24 Chemikaliengesetz – Mitteilung
(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 26 Abs. 1 Nr. 6 Buchstabe b des Chemi-
kaliengesetzes handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig

37
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Vollzugsregelungen und Schlussvorschriften

1. entgegen § 5 Abs. 5 in Verbindung mit Anhang II Nr. 1 Abs. 4 Satz 1 eine


Information oder einen Nachweis nicht, nicht richtig, nicht vollständig oder
nicht rechtzeitig vorlegt oder
2. entgegen § 5 Abs. 5 in Verbindung mit Anhang II Nr. 1 Abs. 5 eine Informa-
tion nicht, nicht richtig oder nicht vollständig übermittelt.
(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 26 Abs. 1 Nr. 8 Buchstabe b des Chemi-
kaliengesetzes handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig
1. entgegen § 9 Abs. 12 in Verbindung mit Anhang III Nr. 2.4.2 Abs. 1 Satz 1
oder Abs. 2 oder Nr. 4.4 Abs. 1 oder Abs. 2, jeweils auch in Verbindung mit
Abs. 3, oder Nr. 4.6 oder Nr. 5.3.2 Abs. 1 Satz 1 oder Abs. 2 oder Abs. 4,
oder Nr. 6.4.2.3 Abs. 1 oder Abs. 2, jeweils auch in Verbindung mit Abs. 3,
2. entgegen § 19 Abs. 1 oder Abs. 2
eine Mitteilung nicht, nicht richtig, nicht vollständig oder nicht rechtzeitig
macht.

§ 25 Chemikaliengesetz – Tätigkeiten
(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 26 Abs. 1 Nr. 8 Buchstabe b des Chemi-
kaliengesetzes handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig
1. entgegen § 7 Abs. 1 Satz 3 Beschäftigte eine Tätigkeit aufnehmen lässt,
2. entgegen § 7 Abs. 6 Satz 1 eine Gefährdungsbeurteilung nicht richtig, nicht
vollständig oder nicht rechtzeitig dokumentiert,
3. entgegen § 7 Abs. 8 Satz 1 ein Gefahrstoffverzeichnis nicht, nicht richtig
oder nicht vollständig führt,
4. entgegen § 8 Abs. 2 Satz 3 die Funktion oder die Wirksamkeit der techni-
schen Schutzmaßnahmen nicht oder nicht rechtzeitig überprüft,
5. entgegen § 8 Abs. 5 Satz 1 eine Tätigkeit durchführen lässt,
6. entgegen § 8 Abs. 7 Satz 1 Gefahrstoffe aufbewahrt oder lagert,
7. entgegen § 9 Abs. 3 Satz 2 oder § 10 Abs. 2 Satz 7 technische oder organisa-
torische Schutzmaßnahmen durch belastende persönliche Schutzausrüs-
tung als ständige Maßnahme ersetzt,
8. entgegen § 9 Abs. 3 Satz 4 nicht gewährleistet, dass getrennte Aufbewah-
rungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen,
9. entgegen § 9 Abs. 5 Satz 2 eine persönliche Schutzausrüstung nicht oder
nicht rechtzeitig bereit stellt,
10. entgegen § 9 Abs. 9 Satz 2 einen Bereich nicht oder nicht rechtzeitig ein-
richtet,
11. entgegen § 9 Abs. 12 in Verbindung mit Anhang III Nr. 2.4.2 Abs. 3 Satz 2
nicht dafür sorgt, dass eine weisungsbefugte sachkundige Person vor Ort
tätig ist,

38
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
§ 25 Chemikaliengesetz – Tätigkeiten

12. entgegen § 9 Abs. 12 in Verbindung mit Anhang III Nr. 2.4.4 Satz 1 einen
Arbeitsplan nicht oder nicht rechtzeitig aufstellt,
13. entgegen § 9 Abs. 12 in Verbindung mit Anhang III Nr. 6.4.2.1 Abs. 2
Stoffe und Zubereitungen der Gruppe A unverpackt lagert oder befördert,
14. entgegen § 9 Abs. 12 in Verbindung mit Anhang III Nr. 6.4.2.1 Abs. 3
brennbare Materialien lagert,
15. entgegen § 9 Abs. 12 in Verbindung mit Anhang III Nr. 6.4.2.2 Abs. 3
Stoffe oder Zubereitungen nicht oder nicht rechtzeitig in Teilmengen un-
terteilt oder
16. entgegen § 9 Abs. 12 in Verbindung mit Anhang III Nr. 6.4.2.3 Abs. 5
Stoffe oder Zubereitungen lagert.
17. entgegen § 11 Abs. 2 eine dort genannte Maßnahme nicht durchführt,
18. entgegen § 11 Abs. 4 3 Satz 2 Schutzkleidung oder Atemschutzgeräte nicht
zur Verfügung stellt,
19. entgegen § 11 Abs. 4 Satz 1 abgesaugte und nicht hinreichend gemäß § 11
Abs. 4 Satz 2 gereinigte Luft in einen Arbeitsbereich zurückführt,
20. entgegen § 12 Satz 4 in Verbindung mit Anhang III Nr. 1.4 Abs. 2 Satz 1
das Rauchen oder die Verwendung von offenem Feuer oder offenem Licht
nicht verbietet,
21. entgegen § 12 Satz 4 in Verbindung mit Anhang III Nr. 1.4 Abs. 3 oder Nr.
1.5 Abs. 4 einen dort genannten Bereich nicht oder nicht richtig kenn-
zeichnet,
22. entgegen § 13 Abs. 2 Satz 1 oder 2 eine dort genannte Maßnahme nicht
oder nicht rechtzeitig durchführt,
23. entgegen § 13 Abs. 3 Satz 1 einen Beschäftigten nicht oder nicht rechtzeitig
ausstattet,
24. entgegen § 13 Abs. 4 Warn- und sonstige Kommunikationssysteme nicht
zur Verfügung stellt,
25. entgegen § 13 Abs. 5 Satz 1 nicht sicher stellt, dass Informationen über
Notfallmaßnahmen zur Verfügung stehen,
26. entgegen § 14 Abs. 1 Satz 1 nicht sicherstellt, dass den Beschäftigten eine
schriftliche Betriebsanweisung zugänglich gemacht wird,

39
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Vollzugsregelungen und Schlussvorschriften

27. entgegen § 14 Abs. 2 Satz 1 nicht sicherstellt, dass die Beschäftigten über
auftretende Gefährdungen und entsprechende Schutzmaßnahmen münd-
lich unterwiesen werden,
28. entgegen § 14 Abs. 4 Nr. 2 nicht gewährleistet, dass die Beschäftigten und
ihre Vertreter unterrichtet und informiert werden,
29. entgegen § 14 Abs. 4 Nr. 3 nicht gewährleistet, dass ein aktualisiertes Ver-
zeichnis geführt wird oder
30. entgegen § 17 Abs. 2 Satz 2 einen Koordinator nicht oder nicht rechtzeitig
bestellt,
(2) Wer durch eine in Absatz 1 bezeichnete Handlung das Leben oder die
Gesundheit eines anderen oder fremde Sachen von bedeutendem Wert gefähr-
det, ist nach § 27 Abs. 2 bis 4 des Chemikaliengesetzes strafbar.

§ 25a Chemikaliengesetz – EG-Rechtsakte


Ordnungswidrig im Sinne des § 26 Abs. 1 Nr. 11 Satz 1 des Chemikalienge-
setzes handelt, wer gegen die Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 des Europäi-
schen Parlaments und des Rates vom 18. Dezember 2006 zur Registrierung,
Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe (REACH), zur
Schaffung einer Europäischen Agentur für chemische Stoffe, zur Änderung der
Richtlinie 1999/45/EG und zur Aufhebung der Verordnung (EWG) Nr. 793/93
des Rates, der Verordnung (EG) Nr. 1488/94 der Kommission, der Richtlinie
76/769/EWG des Rates sowie der Richtlinien 91/155/EWG, 93/67/EWG,
93/105/EG und 2000/21/EG der Kommission (ABl. EU Nr. L 396 S. 1) ver-
stößt, indem er vorsätzlich oder fahrlässig
1. entgegen Artikel 31 Abs. 1 oder 3, jeweils in Verbindung mit Abs. 5, 6 oder
8, ein Sicherheitsdatenblatt nicht, nicht richtig, nicht vollständig, nicht in der
vorgeschriebenen Weise oder nicht rechtzeitig zur Verfügung stellt,
2. entgegen Artikel 31 Abs. 2 Satz 1 nicht dafür sorgt, dass die Informationen
im Sicherheitsdatenblatt mit den Angaben in der Sicherheitsbeurteilung
übereinstimmen,
3. entgegen Artikel 31 Abs. 7 ein Expositionsszenario zu einer identifizierten
Verwendung nicht, nicht richtig, nicht vollständig oder nicht rechtzeitig bei-
fügt, nicht, nicht richtig, nicht vollständig oder nicht rechtzeitig einbezieht
oder nicht, nicht richtig, nicht vollständig oder nicht rechtzeitig weitergibt,
4. entgegen Artikel 31 Abs. 9 das Sicherheitsdatenblatt nicht, nicht richtig,
nicht vollständig oder nicht rechtzeitig aktualisiert oder den früheren Ab-
nehmern nicht oder nicht rechtzeitig zur Verfügung stellt oder
5. entgegen Artikel 32 eine dort genannte Information nicht, nicht richtig, nicht
vollständig, nicht in der vorgeschriebenen Weise oder nicht rechtzeitig zur
Verfügung stellt oder nicht, nicht in der vorgeschriebenen Weise oder nicht

40
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
§ 26 ChemG – Herstellungs- und Verwendungsverbote

rechtzeitig übermittelt oder nicht, nicht richtig, nicht vollständig oder nicht
rechtzeitig aktualisiert.

§ 26 Chemikaliengesetz – Herstellungs- und Verwendungsverbote


Nach § 27 Abs. 1 Nr. 1 Abs. 2 bis 4 des Chemikaliengesetzes wird bestraft,
wer vorsätzlich oder fahrlässig
1. entgegen § 18 Abs. 1 Satz 1 oder 4, jeweils in Verbindung mit Anhang IV
Nr. 1 Abs. 1, Nr. 2 Satz 1, Nr. 9 Satz 1, Nr. 12 Abs. 1, Nr. 13.1 Abs. 1,
Nr. 14 Abs. 1 Ziffer 1 bis 7, Nr. 15 Satz 1, Nr. 20 oder Nr. 22 Abs. 1, die
dort aufgeführten Stoffe, Zubereitungen oder Erzeugnisse herstellt oder
verwendet,
2. entgegen § 18 Abs. 1 Satz 1 oder 4, jeweils in Verbindung mit Anhang IV
Nr. 4 Satz 1, Nr. 13.1 Abs. 2, Nr. 17.1 Abs. 2 Satz 1, Nr. 19 Abs. 1, Nr. 24,
Nr. 27 Satz 1, Nr. 30 Satz 1, Nr. 31 Abs. 1 Satz 1 oder Abs. 2 oder Nr. 32
Abs. 1 die dort aufgeführten Stoffe, Zubereitungen oder Erzeugnisse ver-
wendet,
3. entgegen § 18 Abs. 1 Satz 1 oder 4, jeweils in Verbindung mit Anhang IV
Nr. 3 Abs. 1, 2 oder 5, Nr. 5, Nr. 6 Abs. 1, Nr. 7, Nr. 8, Nr. 13.3 Abs. 2,
Nr. 17.1 Abs. 1 Satz 1, Nr. 17.2 Abs. 1, Nr. 17.3 Abs. 1, Nr. 18, Nr. 21,
Nr. 25, Nr. 26, Nr. 28 Satz 1 oder Nr. 29, die dort aufgeführten Stoffe, Zu-
bereitungen oder Erzeugnisse zu den in diesen Vorschriften jeweils ge-
nannten Zwecken verwendet,
4. entgegen § 18 Abs. 1 Satz 1 oder 4, jeweils in Verbindung mit Anhang IV
Nr. 10, die dort genannten Dekorationsgegenstände herstellt,
5. entgegen § 18 Abs. 1 Satz 1 oder 4, jeweils in Verbindung mit Anhang IV
Nr. 23, die dort aufgeführten Stoffe außerhalb geschlossener Anlagen her-
stellt oder verwendet,
6. entgegen § 18 Abs. 1 Satz 1 oder 4, jeweils in Verbindung mit Anhang IV
Nr. 11, die dort aufgeführten Stoffe, Zubereitungen oder Erzeugnisse au-
ßerhalb geschlossener Anlagen verwendet,
7. entgegen § 18 Abs. 1 Satz 1 oder 4, jeweils in Verbindung mit Anhang IV
Nr. 16, Isopropanol nach dem Starke Säure-Verfahren herstellt,
8. entgegen § 18 Abs. 1 Satz 1 oder 4, jeweils in Verbindung mit Anhang IV
Nr. 22 Abs. 3, krebserzeugende Mineralfasern verwendet,
9. entgegen § 9 Abs. 12 in Verbindung mit Anhang III Nr. 2.4.2 Abs. 3 Satz 1
oder Abs. 4 Satz 1 Abbruch-, Sanierungs- oder Instandhaltungsarbeiten
durchführt,
10. entgegen § 9 Abs. 12 in Verbindung mit Anhang III Nr. 4.5 Satz 1 Schäd-
lingsbekämpfungsmaßnahmen durchführt,

41
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Vollzugsregelungen und Schlussvorschriften

11. entgegen § 9 Abs. 12 in Verbindung mit Anhang III Nr. 5.1 Abs. 1 oder 2
Begasungen durchführt oder
12. ohne Erlaubnis nach § 9 Abs. 12 in Verbindung mit Anhang III Nr. 5.2
Abs. 1 Begasungen durchführt.

42
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Anhang I

Anhänge

Anhang I

In Bezug genommene Richtlinien


der Europäischen Gemeinschaft

1. Richtlinie 67/548/EWG des Rates vom 27. Juni 1967 zur Angleichung der
Rechts- und Verwaltungsvorschriften für die Einstufung, Verpackung und
Kennzeichnung gefährlicher Stoffe (ABl. EG Nr. L 196 S. 1), zuletzt geän-
dert durch die Richtlinie 99/33/EG des Europäischen Parlaments und des
Rates vom 10. Mai 1999 (ABl. EG Nr. L 199 S. 57), zuletzt angepasst durch
die Richtlinie 2004/73/EG der Kommission vom 29. April 2004 (ABl. EG
Nr. L 152 S. 1)
2. Richtlinie 1999/45/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom
31. März 1999 zur Angleichung der Rechts- und Verwaltungsvorschriften
der Mitgliedstaaten für die Einstufung, Verpackung und Kennzeichnung
gefährlicher Zubereitungen (ABl. EG Nr. L 200 S. 1), zuletzt angepasst
durch die Richtlinie 2004/66/EG der Kommission vom 26. April 2004
(ABl. EG Nr. L 168 S. 35),
3. Richtlinie 76/769/EWG des Rates vom 27. Juli 1976 zur Angleichung der
Rechts- und Verwaltungsvorschriften der Mitgliedstaaten für Beschrän-
kungen des Inverkehrbringens und der Verwendung gewisser gefährlicher
Stoffe und Zubereitungen (ABl. EG Nr. L 262 S. 201), zuletzt geändert
durch die Richtlinie 2003/53/EG des Europäischen Parlaments und des
Rates vom 18. Juni 2003 (ABl. EG Nr. L 178 S. 24), zuletzt angepasst durch
die Richtlinie 2004/21/EG der Kommission vom 24. Februar 2004 (ABl.
EG Nr. L 57 S. 4),

43
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Anhänge zur GefStoffV

4. Richtlinie 96/59/EG des Rates vom 16. September 1996 über die Beseiti-
gung polychlorierter Biphenyle und polychlorierter Terphenyle
(PCB/PCT) (ABl. EG Nr. L 243 S.31),
5. Richtlinie 98/8/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom
16. Februar 1998 über das Inverkehrbringen von Biozidprodukten (ABl.
EG Nr. L 123 S. 1).

44
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Anhang II

Anhang II
Besondere Vorschriften zur Information, Kennzeichnung
und Verpackung

Inhaltsübersicht
Nr. 1 Grundpflichten
Nr. 2 Zusätzliche Kennzeichnungs- und Verpackungsvorschriften

Anhang II Nr. 1
Grundpflichten
(1) Stoffe müssen nach der Richtlinie 67/548/EWG mit Ausnahme von deren
Artikel 24 Abs. 5 und deren Artikel 25 Abs. 2 gekennzeichnet werden. Die in
Anhang I dieser Richtlinie aufgeführten Stoffe sind mit den dort festgelegten
Angaben zu kennzeichnen. Die dort nicht aufgeführten Stoffe sind entspre-
chend der Einstufung nach § 5 Abs. 1 zu kennzeichnen.
(2) Stoffe, die nach § 5 Abs. 1 Nr. 1 bis 4 des Chemikaliengesetzes von der
Anmeldung ausgenommen und deren Eigenschaften nicht hinreichend bekannt
sind, sind nach Artikel 13 Abs. 3 der Richtlinie 67/548/EWG zu kennzeichnen.
Zusätzlich ist eine Kennzeichnung nach Absatz 2 anzubringen, soweit die An-
gaben bekannt sind.
(3) Zubereitungen im Sinne der Richtlinie 1999/45/EG müssen nach dieser
Richtlinie mit Ausnahme von deren Artikel 11 Abs. 5 und deren Artikel 12
Abs. 3 gekennzeichnet werden.
(4) Beabsichtigt der Hersteller oder Einführer von der in Artikel 15 der Richtli-
nie 1999/45/EG festgelegten Möglichkeit zur abweichenden Bezeichnung von
gefährlichen Stoffen bei der Kennzeichnung von Zubereitungen Gebrauch zu
machen, hat er der Anmeldestelle nach dem Chemikaliengesetz die erforderli-
chen Informationen und Nachweise rechtzeitig vorzulegen. Von der Möglich-
keit der abweichenden Bezeichnung kann für Wirkstoffe und bedenkliche Stof-
fe in Biozidprodukten nicht Gebrauch gemacht werden.

45
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Anhänge zur GefStoffV

(5) Liegen dem Hersteller oder Einführer für einen Stoff Informationen nach
Anhang VI Nr. 4.1 der Richtlinie 67/548/EWG vor, die in Verbindung mit
Anhang VI Nr. 4.2 zu einer Einstufung führen oder zu einer Änderung der
Einstufung nach Anhang I der Richtlinie 67/548/EWG als krebserzeugend,
erbgutverändernd oder fortpflanzungsgefährdend führen können, hat er diese
Informationen unverzüglich der Anmeldestelle nach dem Chemikaliengesetz zu
übermitteln.
(6) Ist der Informationsgehalt der Kennzeichnung einer Zubereitung oder die
Information über eine Verunreinigung oder Beimengung auf dem Kennzeich-
nungsschild eines Stoffes nicht ausreichend, um anderen Herstellern, die die
Zubereitung oder den Stoff als Bestandteil einer oder mehrerer eigener Zuberei-
tungen verwenden möchten, eine ordnungsgemäße Einstufung und Kennzeich-
nung zu ermöglichen, hat der für das Inverkehrbringen der ursprünglichen
Zubereitung Verantwortliche den anderen Herstellern auf begründete Anfrage
unverzüglich alle für eine ordnungsgemäße Einstufung und Kennzeichnung der
neuen Zubereitung erforderlichen Daten über die enthaltenen gefährlichen
Stoffe zur Verfügung zu stellen.

Anhang II Nr. 2
Zusätzliche Kennzeichnungs- und Verpackungsvorschriften
(1) Die in Anhang I der Richtlinie 76/769/EWG genannten und mit einer
Kennzeichnungsverpflichtung versehenen Stoffe, Zubereitungen und Erzeug-
nisse müssen zusätzlich nach den Maßgaben dieser Richtlinie gekennzeichnet
werden. Abweichend von Satz 1 sind Pentachlorphenol, seine Salze und Ester
sowie Zubereitungen mit diesen Stoffen mit der Aufschrift: „Nur für Fachleute
im Bereich Forschung und Analyse“ zu versehen.
(2) Dekontaminierte PCB-haltige Geräte im Sinne der Richtlinie 96/59/EG
müssen nach dem Anhang dieser Richtlinie gekennzeichnet werden.
(3) Für die Verpackung und Kennzeichnung von Biozidprodukten gelten unbe-
schadet des § 6 Abs. 3 und des Anhang II Nr. 1 zusätzlich die Vorschriften des
Artikels 20 Abs. 2 Satz 2 und Abs. 3 Satz 2 und Satz 3 Buchstaben a, c, f bis j, l
und m sowie im Falle zugelassener oder registrierter Biozidprodukte zusätzlich
die Buchstaben b, d, e und k der Richtlinie 98/8/EG. Bei der Kennzeichnung
von Biozidprodukten, bei denen der Wirkstoff ein biologischer Arbeitsstoff ist,
sind darüber hinaus

46
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Anhang II

1. die Identität des Organismus nach Anhang IV A Nr. 2.1 und 2.2 der Richtli-
nie 98/8/EG,
2. die Einstufung der Mikroorganismen in Risikogruppen nach den §§ 3 und 4
der Biostoffverordnung und
3. bei einer Einstufung in die Risikogruppe 2 und höher das Symbol für Bioge-
fährdung nach Anhang I der Biostoffverordnung
anzugeben. Die nach Artikel 20 Abs. 3 Buchstaben a, b, d, g, und k der Richtli-
nie 98/8/EG erforderlichen Angaben sowie die Angaben nach Satz 2 müssen
auf dem Kennzeichnungsschild gemacht werden. Die Angaben nach Artikel 20
Abs. 3 Buchstaben c, e, f, h, i, j und l der Richtlinie 98/8/EG können auf dem
Kennzeichnungsschild oder an anderer Stelle der Verpackung oder in einer
beigefügten Gebrauchsanweisung gemacht werden.

47
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Anhang III

Anhang III
Besondere Vorschriften für bestimmte Gefahrstoffe
und Tätigkeiten

Inhaltsübersicht
Nr. 1 Brand- und Explosionsgefahren
Nr. 2 Partikelförmige Gefahrstoffe
Nr. 3 Tätigkeiten in Räumen und Behältern
Nr. 4 Schädlingsbekämpfung
Nr. 5 Begasungen
Nr. 6 Ammoniumnitrat

Anhang III Nr. 1


Brand- und Explosionsgefahren

1.1 Grundlegende Anforderungen


(1) Der Arbeitgeber hat auf der Grundlage der Beurteilung nach § 7 die organi-
satorischen und technischen Schutzmaßnahmen nach dem Stand der Technik zu
treffen, die zum Schutz von Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten oder
anderer Personen vor Brand- und Explosionsgefahren erforderlich sind.
(2) Bei der Festlegung von Schutzmaßnahmen gegen Explosionsgefahren ist
nach § 12 folgende Rangfolge zu beachten, soweit dies nach dem Stand der
Technik möglich ist:
1. Verhinderung der Bildung gefährlicher explosionsfähiger Gemische,
2. Vermeidung der Entzündung gefährlicher explosionsfähiger Gemische,
3. Abschwächung der schädlichen Auswirkungen einer Explosion auf ein un-
bedenkliches Maß.

1.2 Anforderungen zur Verhinderung der Bildung gefährlicher


explosionsfähiger Gemische
(1) Bei der Festlegung von Schutzmaßnahmen gemäß Nummer 1.1 Abs. 2 Ziffer 1
zur Verhinderung der Bildung gefährlicher explosionsfähiger Gemische sind
insbesondere folgende Maßnahmen zu treffen:

49
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Anhänge zur GefStoffV

1. es sind Stoffe und Zubereitungen einzusetzen, die keine explosionsfähigen


Gemische bilden können,
2. die betriebsmäßige Bildung von gefährlichen explosionsfähigen Gemischen
ist zu verhindern oder einzuschränken,
3. gefährliche explosionsfähige Gemische sind gefahrlos zu beseitigen,
soweit dies nach dem Stand der Technik möglich ist.
(2) Soweit nach der Gefährdungsbeurteilung erforderlich, sind die Maßnahmen
zur Vermeidung gefährlicher explosionsfähiger Gemische durch geeignete tech-
nische Einrichtungen zu überwachen. Die Beschäftigten sind rechtzeitig über
den Gefahrenfall zu unterrichten, so dass sie sich unverzüglich aus dem Gefah-
renbereich zurückziehen können.

1.3 Anforderungen zum Schutz gegen Brand- und Explosionsgefahren


(1) Die Mengen an Gefahrstoffen sind insbesondere im Hinblick auf die Brand-
belastung und die Brandausbreitung auf das notwendige Maß zu begrenzen.
(2) Zum Schutz gegen unbeabsichtigtes Freisetzen von Gefahrstoffen, die zu
Brand- oder Explosionsgefahren führen können, sind geeignete Maßnahmen zu
treffen. Insbesondere müssen
1. Gefahrstoffe in Arbeitsmitteln und Anlagen sicher zurückgehalten werden
und Zustände wie gefährliche Über- und Unterdrucke, Überfüllungen,
Korrosionen und andere gefährliche Zustände vermieden werden,
2. Gefahrstoffströme von einem schnell und ungehindert erreichbaren Ort
durch Stillsetzen der Förderung unterbrochen werden können,
3. gefährliche Vermischungen von Gefahrstoffen vermieden werden.
(3) Frei werdende Gefahrstoffe, die zu Brand- oder Explosionsgefahren führen
können, sind an ihrer Austritts- oder Entstehungsstelle vollständig zu erfassen
und gefahrlos zu beseitigen, soweit dies nach dem Stand der Technik möglich
ist. Ausgetretene flüssige Gefahrstoffe sind aufzufangen. Flüssigkeitslachen und
Staubablagerungen sind rechtzeitig gefahrlos zu beseitigen.
(4) Kann das Auftreten gefährlicher explosionsfähiger Gemische nicht sicher
verhindert werden, sind Schutzmaßnahmen zur Vermeidung von Zündgefahren
durchzuführen. Dabei sind auch mögliche elektrostatische Entladungen zu
berücksichtigen.

1.4 Schutzmaßnahmen in Arbeitsbereichen


(1) Arbeitsbereiche mit Brand- oder Explosionsgefahr sind
1. mit Flucht- und Rettungswegen sowie Ausgängen in ausreichender Zahl so
auszustatten, dass diese von den Beschäftigten im Gefahrenfall schnell, un-

50
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Anhang III

gehindert und sicher verlassen werden und Verunglückte jederzeit gerettet


werden können,
2. so zu gestalten und auszulegen, dass Übertragungen von Bränden und die
Auswirkungen von Bränden und Explosionen auf benachbarte Bereiche
vermieden werden,
3. mit ausreichenden Feuerlöscheinrichtungen auszustatten. Die Feuerlöschein-
richtungen müssen, sofern sie nicht selbsttätig wirken, gekennzeichnet, leicht
zugänglich und leicht zu handhaben sein und
4. mit Angriffswegen zur Brandbekämpfung zu versehen, die so angelegt und
gekennzeichnet sind, dass sie mit Lösch- und Arbeitsgeräten schnell und un-
gehindert erreichbar sind.
(2) In Arbeitsbereichen mit Brand- oder Explosionsgefahr ist das Rauchen und
die Verwendung von offenem Feuer und offenem Licht zu verbieten. Ferner ist
das Betreten von Bereichen mit Brand- oder Explosionsgefahr durch Unbefugte
zu verbieten. Auf die Verbote muss deutlich erkennbar und dauerhaft hinge-
wiesen sein.
(3) Arbeitsbereiche, in denen gefährliche explosionsfähige Atmosphäre auftre-
ten kann, sind an ihren Zugängen mit dem Warnzeichen nach Anhang III der
Richtlinie 1999/92/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom
16. Dezember 1999 über Mindestvorschriften zur Verbesserung des Gesund-
heitsschutzes und der Sicherheit der Arbeitnehmer, die durch explosionsfähige
Atmosphären gefährdet werden können (Fünfzehnte Einzelrichtlinie im Sinne
von Artikel 16 Abs. 1 der Richtlinie 89/391/EWG) (ABl. EG Nr. L 23 S. 58) zu
kennzeichnen.

1.5 Lagervorschriften
(1) Gefahrstoffe dürfen nur an dafür geeigneten Orten gelagert werden. Sie
dürfen nicht an solchen Orten gelagert werden, an denen dies zu einer Gefähr-
dung der Beschäftigten oder anderer Personen führt.
(2) In Arbeitsräumen dürfen Gefahrstoffe nur gelagert werden, wenn die Lage-
rung mit dem Schutz der Beschäftigten vereinbar ist und in besonderen Einrich-
tungen erfolgt, die dem Stand der Technik entsprechen.
(3) Gefahrstoffe dürfen nicht zusammengelagert werden, wenn dadurch gefähr-
liche Vermischungen entstehen können, die zu einer Erhöhung der Brand- oder
Explosionsgefahr führen. Gefahrstoffe dürfen ferner nicht zusammengelagert
werden, wenn dies im Falle eines Brandes oder einer Explosion zu zusätzlichen
Gefährdungen für Beschäftigte oder andere Personen führen kann.
(4) Bereiche, in denen hochentzündliche, leichtentzündliche oder entzündliche
Gefahrstoffe in solchen Mengen gelagert werden, die zu einem Schadenfeuer

51
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Anhänge zur GefStoffV

führen können, sind mit dem Warnzeichen „Warnung vor feuergefährlichen


Stoffen“ nach Anhang II Nr. 3.2 der Richtlinie 92/58/EWG des Rates vom
24. Juni 1992 über Mindestvorschriften für die Sicherheits- und/oder Gesund-
heitsschutzkennzeichnung am Arbeitsplatz (Neunte Einzelrichtlinie im Sinne
von Artikel 16 Abs. 1 der Richtlinie 89/391/EWG) (ABl. EG Nr. L 245 S. 23)
zu kennzeichnen.

1.6 Organisatorische Maßnahmen


(1) Der Arbeitgeber darf Tätigkeiten mit Gefahrstoffen, die zu Brand- und
Explosionsgefahren führen können, nur zuverlässigen, mit den Tätigkeiten, den
dabei auftretenden Gefahren und den erforderlichen Schutzmaßnahmen ver-
trauten Beschäftigten übertragen.
(2) Werden in Arbeitsbereichen, in denen Tätigkeiten mit Gefahrstoffen durch-
geführt werden, die zu Brand- und Explosionsgefahren führen können, mehrere
Beschäftigte tätig und kommt es dabei zu einer besonderen Gefährdung, ist eine
zuverlässige, mit den Tätigkeiten, den dabei auftretenden Gefahren und den
erforderlichen Schutzmaßnahmen vertraute Personen mit der Aufsichtsführung
zu beauftragen. Der Aufsichtsführende hat insbesondere dafür zu sorgen, dass
1. mit den Tätigkeiten erst begonnen wird, wenn die in der Gefährdungsbeur-
teilung festgelegten Maßnahmen getroffen sind und ihre Wirksamkeit nach-
gewiesen ist,
2. ein schnelles Verlassen des Arbeitsbereiches jederzeit möglich ist und
3. Unbefugte aus Arbeitsbereichen mit Gefahrstoffen, die zu Brand- und
Explosionsgefahren führen können, ferngehalten werden.
(3) In Arbeitsbereichen mit Gefahrstoffen, die zu Brand- und Explosionsgefah-
ren führen können, ist bei besonders gefährlichen Tätigkeiten und bei Tätigkei-
ten, die durch Wechselwirkung mit anderen Tätigkeiten Gefahren verursachen
können, ein Arbeitsfreigabesystem mit besonderen schriftlichen Anweisungen
des Arbeitgebers anzuwenden. Die Arbeitsfreigabe ist vor Beginn der Tätigkei-
ten von einer hierfür verantwortlichen Person zu erteilen.

Anhang III Nr. 2


Partikelförmige Gefahrstoffe

2.1 Anwendungsbereich
Nummer 2 gilt für Tätigkeiten mit Exposition gegenüber allen alveolengängigen
und einatembaren Stäuben. Nummer 2.4 gilt ergänzend für Tätigkeiten, bei
denen Asbeststaub oder Staub von asbesthaltigen Materialien freigesetzt wird

52
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Anhang III

oder freigesetzt werden kann. Abweichungen von Nummer 2.4.2 bis 2.4.5 sind
möglich, sofern es sich um Tätigkeiten handelt, die nur zu einer geringen Expo-
sition führen.

2.2 Begriffsbestimmungen
(1) Stäube einschließlich Rauche sind disperse Verteilungen fester Stoffe in der
Luft, entstanden insbesondere durch mechanische, thermische oder chemische
Prozesse oder durch Aufwirbelung.
(2) Einatembar ist derjenige Anteil von Stäuben im Atembereich eines Arbeit-
nehmers, der über die Atemwege aufgenommen werden kann. Alveolengängig
ist derjenige Anteil von einatembaren Stäuben, der die Alveolen und Bronchio-
len erreichen kann.
(3) Asbest im Sinne dieser Verordnung sind folgende Silikate mit Faserstruktur:
1. Aktinolith, zum Beispiel CAS-Nr. 77536-66-4
2. Amosit, zum Beispiel CAS-Nr. 12172-73-5
3. Anthophyllit, zum Beispiel CAS-Nr. 77536-67-5
4. Chrysotil, zum Beispiel CAS-Nr. 12001-29-5
5. Krokydolith, zum Beispiel CAS-Nr. 12001-28-4
6. Tremolit, zum Beispiel CAS-Nr. 77536-68-6.

2.3 Ergänzende Schutzmaßnahmen für Tätigkeiten mit Exposition


gegenüber einatembaren Stäuben
(1) Die Gefährdungsbeurteilung bei Tätigkeiten mit Stoffen, Zubereitungen und
Erzeugnissen, die Stäube freisetzen können, ist unter Beachtung ihres Stau-
bungsverhalten vorzunehmen.
(2) Bei Tätigkeiten mit Exposition gegenüber einatembaren Stäuben, für die
kein stoffbezogener Arbeitsplatzgrenzwert festgelegt ist, sind die Schutzmaß-
nahmen entsprechend der Gefährdungsbeurteilung so festzulegen, dass mindes-
tens die Arbeitsplatzgrenzwerte für den einatembaren Staubanteil und für den
alveolengängigen Staubanteil eingehalten werden.
(3) Maschinen und Geräte sind so auszuwählen und zu betreiben, dass mög-
lichst wenig Staub freigesetzt wird. Staubemittierende Anlagen, Maschinen und
Geräte müssen mit einer wirksamen Absaugung versehen sein, soweit dies nach
dem Stand der Technik möglich ist und die Staubfreisetzung nicht durch andere
Maßnahmen verhindert wird.
(4) Bei Tätigkeiten mit Staubexposition ist eine Ausbreitung des Staubs auf
unbelastete Arbeitsbereiche zu verhindern, soweit dies nach dem Stand der
Technik möglich ist.

53
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Anhänge zur GefStoffV

(5) Stäube sind an der Austritts- oder Entstehungsstelle möglichst vollständig


zu erfassen und gefahrlos zu entsorgen. Die abgesaugte Luft ist so zu führen,
dass so wenig Staub wie möglich in die Atemluft der Beschäftigten gelangt. Eine
Rückführung abgesaugter Luft in den Arbeitsbereich ist nur nach ausreichender
Reinigung zulässig.
(6) Ablagerungen von Stäuben sind zu vermeiden. Ist dies nicht möglich, so
sind die Staubablagerungen mit Feucht- oder Nassverfahren nach dem Stand
der Technik oder saugenden Verfahren unter Verwendung geeigneter Staubsau-
ger oder Entstauber zu beseitigen. Das Reinigen des Arbeitsbereiches durch
trockenes Kehren oder Abblasen von Staubablagerungen mit Druckluft ist
grundsätzlich nicht zulässig.
(7) Einrichtungen zum Abscheiden, Erfassen und Niederschlagen von Stäuben
müssen dem Stand der Technik entsprechen. Bei der erstmaligen Inbetriebnah-
me dieser Einrichtungen ist der Nachweis einer ausreichenden Wirksamkeit zu
erbringen. Die Einrichtungen sind mindestens jährlich auf ihre Funktionsfähig-
keit zu prüfen, zu warten und gegebenenfalls in Stand zu setzen. Die Prüfungen
sind zu dokumentieren.
(8) Für staubintensive Tätigkeiten sind geeignete organisatorische Maßnahmen
zu treffen, um die Dauer der Exposition so weit wie möglich zu verkürzen.
Ergibt die Gefährdungsbeurteilung, dass die Arbeitsplatzgrenzwerte nach Ab-
satz 2 nicht eingehalten werden, hat der Arbeitgeber geeignete persönliche
Schutzausrüstungen, insbesondere Atemschutz, zur Verfügung zu stellen. Diese
sind von den Beschäftigten zu tragen. Den Beschäftigten sind getrennte Aufbe-
wahrungsmöglichkeiten für Arbeits- und Straßenkleidung und Waschräume
zur Verfügung zu stellen.

2.4 Ergänzende Vorschriften zum Schutz gegen Gefährdung


durch Asbest

2.4.1 Ermittlung und Beurteilung der Gefährdung durch Asbest


Der Arbeitgeber hat bei der Gefährdungsbeurteilung festzustellen, ob Beschäf-
tigte bei Tätigkeiten Asbeststaub oder Staub von asbesthaltigen Materialien
ausgesetzt sind oder ausgesetzt sein können. Dies gilt insbesondere für Ab-
bruch-, Sanierungs- oder Instandhaltungsarbeiten mit asbesthaltigen Erzeugnis-
sen oder Materialien. Insbesondere hat der Arbeitgeber zu ermitteln, ob Asbest
in schwach gebundener Form vorliegt.

54
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Anhang III

2.4.2 Mitteilung an die Behörde


(1) Tätigkeiten gemäß Nummer 2.1 Satz 2 müssen der zuständigen Behörde
mitgeteilt werden. Der Arbeitgeber hat den Beschäftigten und dem Betriebs-
oder Personalrat Einsicht in die Mitteilung zu gewähren.
(2) Die Mitteilung muss spätestens 7 Tage vor Beginn der Tätigkeiten durch den
Arbeitgeber erfolgen. Sie muss mindestens folgende Punkte enthalten:
1. Lage der Arbeitsstätte,
2. Verwendete oder gehandhabte Asbestarten und -mengen,
3. Durchgeführte Tätigkeiten und angewendete Verfahren,
4. Anzahl der beteiligten Beschäftigten,
5. Beginn und Dauer der Tätigkeiten,
6. Maßnahmen zur Begrenzung der Asbestfreisetzung und zur Begrenzung der
Asbestexposition der Beschäftigten.
(3) Abbruch-, Sanierungs- oder Instandhaltungsarbeiten mit Asbest dürfen nur
von Fachbetrieben durchgeführt werden, deren personelle und sicherheitstech-
nische Ausstattung für diese Tätigkeiten geeignet ist. Bei den Arbeiten ist dafür
zu sorgen, dass mindestens eine weisungsbefugte sachkundige Person vor Ort
tätig ist. Der Nachweis der Sachkunde wird durch die erfolgreiche Teilnahme
an einem von der zuständigen Behörde anerkannten Sachkundelehrgang er-
bracht.
(4) Abbruch- und Sanierungsarbeiten bei Gegenwart von Asbest in schwach
gebundener Form dürfen nur von Fachbetrieben durchgeführt werden, die von
der zuständigen Behörde zur Durchführung dieser Arbeiten zugelassen worden
sind. Die Zulassung ist auf schriftlichen Antrag des Arbeitgebers zu erteilen,
wenn der Nachweis einer für diese Tätigkeiten notwendigen personellen und
sicherheitstechnischen Ausstattung im notwendigen Umfang erbracht wurde.

2.4.3 Ergänzende Schutzmaßnahmen bei Tätigkeiten mit Asbestexposition


(1) Die Ausbreitung von Asbeststaub ist durch staubdichte Abtrennung des
Arbeitsbereichs oder durch geeignete Schutzmaßnahmen, die einen gleicharti-
gen Sicherheitsstandard gewährleisten, zu verhindern.
(2) Durch eine ausreichend dimensionierte raumlufttechnische Anlage ist sicher
zu stellen, dass der Arbeitsbereich durchlüftet und ein ausreichender Unter-
druck gehalten wird.
(3) Der Arbeitsbereich ist mit einer Personenschleuse mit Dusche und einer
Materialschleuse auszustatten.
(4) Den Beschäftigten sind geeignete Atemschutzgeräte, Schutzanzüge und
erforderlichenfalls weitere persönliche Schutzausrüstungen zur Verfügung zu

55
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Anhänge zur GefStoffV

stellen. Der Arbeitgeber hat sicher zu stellen, dass die Beschäftigten die persön-
lichen Schutzausrüstungen verwenden.
(5) Kontaminierte persönliche Schutzausrüstung und die Arbeitskleidung muss
entweder gereinigt oder entsorgt werden. Eine Reinigung kann auch in geeigne-
ten Einrichtungen außerhalb des Betriebs erfolgen. Die Reinigung ist so durch-
zuführen, dass Beschäftigte Asbeststaub nicht ausgesetzt werden. Das Reini-
gungsgut ist in geschlossenen, gekennzeichneten Behältnissen aufzubewahren
und zu transportieren.
(6) Den Beschäftigten müssen geeignete Waschräume mit Duschen zur Verfü-
gung gestellt werden.
(7) Vor Anwendung von Abbruchtechniken sind asbesthaltige Materialien zu
entfernen.

2.4.4 Arbeitsplan
Vor Aufnahme von Tätigkeiten mit Asbest, insbesondere von Asbestabbruch-,
-sanierungs- und -instandhaltungsarbeiten hat der Arbeitgeber einen Arbeits-
plan aufzustellen.
Der Arbeitsplan muss Folgendes vorsehen:
1. Vorgehensweise und Arbeitstechniken bei der Entfernung und Beseitigung
von Asbest und asbesthaltigen Materialien,
2. Angaben zur persönlichen Schutzausrüstung,
3. Überprüfung, ob im Arbeitsbereich nach Abschluss der Abbruch- oder
Sanierungsarbeiten keine Gefährdung durch Asbest mehr besteht.

2.4.5 Ergänzende Bestimmungen zur Unterweisung der Beschäftigten


(1) Die Unterweisung muss regelmäßig und erforderlichenfalls, in Abhängigkeit
von der Gefährdungsbeurteilung, bezogen auf die konkrete Tätigkeit erfolgen.
Der Arbeitsplan nach Nummer 2.4.4 ist zu berücksichtigen.
(2) Bei der Unterweisung sind insbesondere folgende Punkte zu vermitteln:
1. Eigenschaften von Asbest und seine Wirkungen auf die Gesundheit ein-
schließlich der verstärkenden Wirkung des Rauchens,
2. Arten von Erzeugnissen und Materialien, die Asbest enthalten können,
3. Tätigkeiten, bei denen eine Asbestexposition auftreten kann und die Bedeu-
tung von Maßnahmen zur Expositionsminderung,
4. Sachgerechte Anwendung sicherer Verfahren und persönlicher Schutzaus-
rüstungen,
5. Maßnahmen bei Störungen des Betriebsablaufes,
6. Sachgerechte Abfallbeseitigung,
7. Arbeitsmedizinische Vorsorge.

56
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Anhang III

Anhang III Nr. 3


Tätigkeiten in Räumen und Behältern

3.1 Anwendungsbereich
(1) Nummer 3 gilt für folgende Tätigkeiten an Innenflächen und Einbauten von
Räumen einschließlich Schiffsräumen und Behältern:
1. Reinigen einschließlich Restmengenbeseitigung,
2. Tätigkeiten zum Aufbringen von Beschichtungen. Hierzu gehören auch
Anstrichtätigkeiten,
3. Klebetätigkeiten,
4. Nebenarbeiten im Zusammenhang mit Tätigkeiten nach Nummer 1 bis 3,
wenn dabei mit Gefahrstoffen umgegangen wird.
(2) Nummer 3 gilt nicht für Bohrungen im Erdreich und für die Herstellung
von unterirdischen Hohlräumen.

3.2 Vorsorgemaßnahmen

3.2.1 Beschränkungen und Verbote


(1) Werden die in Nummer 3.1 Abs. 1 genannten Tätigkeiten durchgeführt,
dürfen in den betroffenen Räumen
1. nur die zum ungehinderten Fortgang der Tätigkeiten erforderlichen Mengen
an Gefahrstoffen bereitgehalten werden,
2. gefährliche Zubereitungen nicht hergestellt werden, dies gilt nicht, sofern die
Herstellung am Arbeitsplatz betriebstechnisch erforderlich ist,
3. Reinigungstätigkeiten mit Lösemitteln an Geräten zum Auftragen von An-
strich-, Beschichtungs- und Klebstoffen nicht ausgeführt werden; dies gilt
nicht für betriebstechnisch notwendiges Spülen der Geräte,
4. gleichzeitig neben den in Nummer 3.1 Abs. 1 genannten Tätigkeiten keine
anderen Tätigkeiten durchgeführt werden, es sei denn, sie sind für den Fort-
gang der Tätigkeiten erforderlich und ohne Erhöhung der Gefährdung mög-
lich,
5. nach Abschluss der in Nummer 3.1 Abs. 1 genannten Tätigkeiten andere
Tätigkeiten nicht durchgeführt werden, solange im Raum mit gefährlicher
explosionsfähiger Atmosphäre zu rechnen ist,
6. nach Abschluss der in Nummer 3.1 Abs. 1 genannten Tätigkeiten andere
Tätigkeiten ohne Atemschutz nicht durchgeführt werden, solange im Raum
noch der Arbeitsplatzgrenzwert überschritten wird oder Sauerstoffmangel
herrscht,

57
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Anhänge zur GefStoffV

7. Innenwände oder Einbauten nicht so erwärmt werden, dass gefährliche


Zersetzungsprodukte entstehen, solange sich Beschäftigte in den Räumen
aufhalten.
(2) Die Verbote nach Absatz 1 Nr. 4, 5 und 6 gelten nicht in solchen Bereichen
von Räumen, in denen der Arbeitsplatzgrenzwert unterschritten wird oder in
denen die Bildung einer gefährlichen explosionsfähigen Atmosphäre ausge-
schlossen und ausreichend Sauerstoff vorhanden ist.

3.2.2 Leitung und Beaufsichtigung der Tätigkeiten


(1) Der Arbeitgeber hat vor der Aufnahme der Tätigkeiten nach Nummer 3.1
Abs. 1 eine zuverlässige, mit den Tätigkeiten, den dabei auftretenden Gefahren
und den erforderlichen Schutzmaßnahmen vertraute Person als Aufsichtsfüh-
renden zu beauftragen.
(2) Der Aufsichtsführende hat insbesondere dafür zu sorgen, dass
1. mit den Tätigkeiten erst begonnen wird, wenn die festgelegten Maßnahmen
getroffen sind,
2. die Beschäftigten während der Arbeit die vorgesehenen persönlichen Schutz-
ausrüstungen benutzen,
3. ein schnelles Verlassen des Raumes jederzeit möglich ist und
4. Unbefugte von der Arbeitsstelle ferngehalten werden.
(3) Bei den in Nummer 3.1 Abs. 1 genannten Tätigkeiten muss ständige Verbin-
dung mit einem zuverlässigen, außerhalb des Raumes befindlichen Sicherungs-
posten bestehen. Der Sicherungsposten muss jederzeit Hilfe herbeiholen kön-
nen. Der Sicherungsposten ist nicht erforderlich, wenn der Raum durch Türen
verlassen werden kann.

3.2.3 Zugangsöffnungen
(1) Mit den in Nummer 3.1 Abs. 1 genannten Tätigkeiten darf nur begonnen
werden, wenn der Raum Zugangsöffnungen von solcher Art, Größe, Anzahl
und Lage hat, dass der Raum schnell verlassen werden kann und Verunglückte
jederzeit gerettet werden können.
(2) Absatz 1 gilt als erfüllt, wenn,
1. mindestens zwei Zugangsöffnungen vorhanden sind, die mindestens
0,20 Quadratmeter groß sind, wobei keine der Abmessungen der Öffnungen
350 Millimeter unterschreiten darf; das gilt bei der Unterteilung des Raumes
auch für die Öffnungen in den Zwischenwänden,
2. die Öffnungen möglichst an entgegengesetzten Enden des Raumes liegen.

58
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Anhang III

Abweichend von Satz 1 genügt eine Öffnung, wenn


1. keine der Hauptabmessungen des Raumes größer als 3 Meter ist oder wenn
2. keine der Hauptabmessungen des Raumes größer als 35 Meter ist und diese
Öffnung mindestens 0,50 Quadratmeter groß ist, wobei keine der Abmes-
sungen der Öffnung 500 Millimeter unterschreiten darf und die Öffnung von
allen Raumteilen aus ohne Behinderung durch Zwischenwände, andere Ein-
bauten, Arbeitsgerüste oder dergleichen, leicht erreichbar ist.
(3) Abweichend von Abs. 2 muss bei Behältern eine Zugangsöffnung mit min-
destens
1. Nennweite 600 oder
2. Nennweite 500, sofern die Stutzenhöhe nicht mehr als 250 Millimeter be-
trägt, vorhanden sein.
(4) Abweichend von Absatz 3 genügt bei Behältern bis 10 Kubikmeter Inhalt,
die am 1. Oktober 1986 betrieben wurden, mindestens eine Zugangsöffnung,
wenn
1. deren Abmessung mindestens 350 x 450 Millimeter beträgt und
2. die Stutzenhöhe nicht mehr als 150 Millimeter beträgt und
3. der Behälter mindestens eine zusätzliche Belüftungsöffnung von mindestens
Nennweite 100 besitzt und
4. nachgewiesen ist, dass in der Atmosphäre im Behälter der Arbeitsplatz-
grenzwert unterschritten und ausreichend Sauerstoff vorhanden ist.
(5) Von Absatz 2 und 3 kann bei Instandhaltungstätigkeiten in Schiffsräumen
und bei Tätigkeiten in Triebwasserwegen und vergleichbaren Wasserwegen von
Kraftanlagen abgewichen werden, wenn
1. auf Grund baulicher Besonderheiten oder sicherheitstechnischer Bestim-
mungen vorhandene Öffnungen nicht erweitert oder zusätzliche, ausrei-
chende Öffnungen nicht geschaffen werden können und
2. eine schriftliche Erlaubnis des Arbeitgebers für Tätigkeiten in den Räumen
erteilt ist, die die für den Einzelfall erforderlichen besonderen Schutzmaß-
nahmen enthalten muss.

3.2.4 Technische Lüftungsmaßnahmen


(1) Mit den in Nummer 3.1 Abs. 1 genannten Tätigkeiten dürfen Beschäftigte
nur bei ausreichender technischer Lüftung des Raumes beschäftigt werden.
(2) Durch die Lüftung soll auch sichergestellt werden, dass
1. sich keine gefährliche explosionsfähige Atmosphäre bildet und
2. kein Sauerstoffmangel auftritt.

59
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Anhänge zur GefStoffV

(3) Zur Belüftung muss Frischluft verwendet werden. Sauerstoff oder Luft mit
erhöhtem Sauerstoffanteil darf zur Raumbelüftung nicht verwendet werden.
(4) Ist damit zu rechnen, dass in der Abluft der Arbeitsplatzgrenzwert über-
schritten oder eine gefährliche explosionsfähige Atmosphäre vorhanden ist, ist
die Abluft so abzuführen, dass Beschäftigte oder andere Personen nicht gefähr-
det werden.
(5) Wenn die Lüftung unwirksam wird, sind die Tätigkeiten sofort einzustellen
und, soweit erforderlich, der Raum zu verlassen.
(6) Die Lüftung ist nach Beendigung der in Nummer 3.1 Abs. 1 genannten
Tätigkeiten fortzusetzen, solange in den Räumen der Arbeitsplatzgrenzwert
nicht unterschritten ist oder sich gefährliche explosionsfähige Atmosphäre
bilden kann und hierdurch Personen gefährdet werden können.

3.2.5 Explosionsschutz
Besondere Explosionsschutzmaßnahmen sind erforderlich, wenn bei den in
Nummer 3.1 Abs. 1 genannten Tätigkeiten gefährliche explosionsfähige Atmo-
sphäre vorhanden ist oder sich bilden kann, weil die Lüftung nicht oder nicht
ausreichend wirksam durchführbar ist.

3.2.6 Rettungseinrichtungen
Es müssen geeignete Rettungseinrichtungen leicht erreichbar bereitgestellt sein.
Die Beschäftigten müssen in deren richtige Benutzung eingewiesen sein.

Anhang III Nr. 4


Schädlingsbekämpfung

4.1 Anwendungsbereich
Nummer 4 gilt für die Schädlingsbekämpfung mit sehr giftigen, giftigen und
gesundheitsschädlichen Stoffen und Zubereitungen sowie Zubereitungen, bei
denen die genannten Stoffe oder Zubereitungen freigesetzt werden, soweit die
Bekämpfung nicht bereits durch andere Rechtsvorschriften geregelt ist. Num-
mer 4 gilt für jeden, der Schädlingsbekämpfung
1. gewerbsmäßig oder selbständig bei einem Anderen oder
2. nicht nur gelegentlich und in geringem Umfang im eigenen Betrieb, in dem
Lebensmittel hergestellt, behandelt oder in Verkehr gebracht werden, oder in
einer in § 36 des Infektionsschutzgesetzes vom 20. Juli 2000 (BGBl. I

60
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Anhang III

S. 1045), zuletzt geändert durch Artikel 12 des Gesetzes vom 24. Dezember
2003 (BGBl. I S. 2954) genannten Einrichtung
durchführt. Von einer Freisetzung ist auch auszugehen, wenn Wirkstoffe nach
Satz 1 erst beim bestimmungsgemäßen Gebrauch entstehen. Anhang III Nr. 4
Schädlingsbekämpfung gelangt nicht zur Anwendung, wenn eine Schädlingsbe-
kämpfung in deutschen Flugzeugen oder auf deutschen Schiffen auf der Grund-
lage internationaler Gesundheitsvorschriften außerhalb des Staatsgebietes der
Bundesrepublik Deutschland durchgeführt wird.

4.2 Begriffsbestimmung
Schädlingsbekämpfungsmittel sind Stoffe und Zubereitungen, die dazu be-
stimmt sind, Schädlinge und Schadorganismen oder lästige Organismen un-
schädlich zu machen oder zu vernichten.

4.3. Allgemeine Anforderungen


Schädlingsbekämpfung ist so durchzuführen, dass Mensch und Umwelt nicht
gefährdet werden.

4.4 Mitteilungspflicht
(1) Wer Schädlingsbekämpfungen nach Nummer 4.1 durchführen oder nach
mehr als einjähriger Unterbrechung wieder aufnehmen will, hat dies mindestens
sechs Wochen vor Aufnahme der ersten Tätigkeit der zuständigen Behörde
mitzuteilen.
(2) Die Mitteilung muss insbesondere folgende Angaben enthalten:
1. den Nachweis, dass die personelle, räumliche und sicherheitstechnische
Ausstattung des Unternehmens für diese Arbeiten ausreichend geeignet ist,
2. die Zahl der Beschäftigten, die mit den Schädlingsbekämpfungsmitteln um-
gehen,
3. a) Bezeichnungen,
b) Eigenschaften,
c) Wirkungsmechanismen,
d) Anwendungsverfahren und
e) Dekontaminationsverfahren
der zur Schädlingsbekämpfung vorgesehenen Schädlingsbekämpfungsmittel,
4. die Bereiche der vorgesehenen Schädlingsbekämpfung sowie Zielorganismen,
gegen die die Schädlingsbekämpfung durchgeführt werden soll, und
5. Ergebnis der Substitutionsprüfung nach § 7 Abs. 1 Satz 2 Nr. 5.

61
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Anhänge zur GefStoffV

(3) Änderungen bezügliche der Angaben in der Mitteilung nach Absatz 2 Nr. 1
bis 5 sind vom Arbeitgeber der zuständigen Behörde mitzuteilen.
(4) Eine ausreichende personelle Ausstattung liegt vor, wenn geeignete sach-
kundige Personen beschäftigt werden. Geeignet ist, wer
1. mindestens 18 Jahre alt ist,
2. die für den Umgang mit Schädlingsbekämpfungsmitteln erforderliche Zuver-
lässigkeit besitzt und
3. durch das Zeugnis eines Arztes im Sinne von § 7 Abs. 1 der Verordnung zur
arbeitsmedizinischen Vorsorge nachweist, dass keine Anhaltspunkte vorlie-
gen, die ihn körperlich oder geistig ungeeignet erscheinen lassen, mit Schäd-
lingsbekämpfungsmitteln umzugehen. Das Zeugnis darf nicht älter als 5 Jah-
re sein.
(5) Sachkundig im Sinne der Nummer 4.4 Abs. 4 ist, wer
1. die Prüfung gemäß der Verordnung über die Berufsausbildung zum Schäd-
lingsbekämpfer / zur Schädlingsbekämpferin vom 15. Juli 2004 (BGBl. I
S. 1638) in der jeweils gültigen Fassung abgelegt hat oder
2. die Prüfung gemäß der Verordnung über die Prüfung zum anerkannten
Abschluss „Geprüfter Schädlingsbekämpfer/Geprüfte Schädlingsbekämpfe-
rin“ vom 19. März 1984 (BGBl. I S. 468) in der jeweils gültigen Fassung ab-
gelegt hat oder
3. die Prüfung zum Gehilfen oder Meister für Schädlingsbekämpfung nach
nicht mehr geltendem Recht in den alten Bundesländern oder nach dem
Recht der ehemaligen DDR abgelegt hat oder
4. in einem Mitgliedstaat der Europäischen Gemeinschaften nachweislich eine
vergleichbare Sachkunde erworben hat und
5. sich regelmäßig fortbildet.
Sachkundig ist auch, wer eine Prüfung abgelegt oder eine Ausbildung erfolg-
reich abgeschlossen hat, die von der zuständigen Behörde als den Prüfungen
nach Satz 1 gleichwertig anerkannt worden ist. Beschränkt sich die vorgesehene
Schädlingsbekämpfung auf bestimmte Anwendungsbereiche, ist sachkundig
auch, wer eine Prüfung abgelegt oder eine Ausbildung erfolgreich abgeschlos-
sen hat, die von der zuständigen Behörde für diese Tätigkeiten als geeignet
anerkannt worden ist.

4.5 Einsatz von Hilfskräften


Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen nach Nummer 4.1 dürfen nur solche Per-
sonen durchführen, die die Anforderungen nach Nummer 4.4 Abs. 4 und 5
erfüllen. Hilfskräfte dürfen nur unter der unmittelbaren ständigen Aufsicht des

62
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Anhang III

Sachkundigen eingesetzt werden und müssen entsprechend ihrer Tätigkeit


nachweislich regelmäßig unterwiesen sein.

4.6 Schädlingsbekämpfung in Gemeinschaftseinrichtungen


Die Anwendung von Schädlingsbekämpfungsmitteln in Gemeinschaftseinrich-
tungen, insbesondere Schulen, Kindertagesstätten und Krankenhäusern, ist der
zuständigen Behörde schriftlich in der Regel 14 Tage vor Beginn der Durchfüh-
rung dieser Tätigkeit unter Angabe des Umfanges, der Anwendung, des Mit-
teleinsatzes, Ausbringungsverfahrens und der vorgesehenen Schutzmaßnahmen
mitzuteilen.

4.7 Dokumentation
Anwendungen von Schädlingsbekämpfungsmitteln sind ausreichend zu doku-
mentieren. Die Aufzeichnungen sind mindestens fünf Jahre aufzubewahren und
auf Verlangen der zuständigen Behörde vorzulegen.

Anhang III Nr. 5


Begasungen

5.1 Anwendungsbereich
(1) Nummer 5 gilt für Tätigkeiten mit folgenden Stoffen und Zubereitungen,
sofern sie als Begasungsmittel zugelassen sind und als solche eingesetzt werden:
1. Hydrogencyanid (Cyanwasserstoff, Blausäure) sowie Stoffe und Zuberei-
tungen, die zum Entwickeln und Verdampfen von Hydrogencyanid oder
leicht flüchtigen Hydrogencyanidverbindungen dienen,
2. Phosphorwasserstoff und Phosphorwasserstoff entwickelnde Stoffe und
Zubereitungen,
3. Ethylenoxid,
4. Formaldehyd sowie Stoffe und Zubereitungen, die zum Entwickeln oder
Verdampfen von Formaldehyd dienen,
5. Sulfuryldifluorid (Sulfurylfluorid).
(2) Nummer 5 gilt auch für Begasungstätigkeiten mit anderen sehr giftigen und
giftigen Stoffen und Zubereitungen, die
1. als Biozid-Produkt nach Abschnitt IIa des Chemikaliengesetzes von der
Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin oder
2. als Pflanzenschutzmittel nach dem Pflanzenschutzgesetz vom Bundesamt für
Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit

63
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Anhänge zur GefStoffV

für Begasungen zugelassen sind. Dies gilt auch für Biozid-Produkte, auf die die
Übergangsbestimmungen des § 28 Abs. 8 des Chemikaliengesetzes anzuwenden
sind.

(3) Auf Tätigkeiten an begasten Transporteinheiten jeder Art wie zum Beispiel
Fahrzeugen, Waggons, Schiffen, Tanks und Containern, die im Ausland mit
giftigen oder sehr giftigen Begasungsmitteln behandelt wurden und in den
Geltungsbereich dieser Verordnung gelangen, ist Nummer 5 anzuwenden.

(4) Nummer 5 gilt nicht für Tätigkeiten mit Begasungsmitteln in automatischen,


Programm gesteuerten Gassterilisatoren im medizinischen Bereich mit einem
Kammervolumen von weniger als 1 m³, soweit die Tätigkeiten entsprechend
eines vom Ausschuss für Gefahrstoffe ermittelten und vom Bundesministerium
für Arbeit und Soziales veröffentlichten verfahrens- und stoffspezifischen Kri-
teriums durchgeführt werden.

5.2 Verwendungsbeschränkung

(1) Wer Tätigkeiten mit Begasungsmitteln nach Nummer 5.1 Abs. 1 und 2
durchführen will, bedarf der Erlaubnis der zuständigen Behörde.

(2) Absatz 1 gilt nicht für Tätigkeiten, die ausschließlich der Forschung und
Entwicklung oder der institutionellen Eignungsprüfung von Begasungsmitteln
und -verfahren dienen.

(3) Abweichend von Absatz 1 bedarf es keiner Erlaubnis jedoch eines Befähi-
gungsscheines nach Nummer 5.3.1 Abs. 2

1. bei nicht nur gelegentlichen, insbesondere gewerblichen Tätigkeiten mit


portionsweise verpackten Stoffen und Zubereitungen, die bei bestimmungs-
gemäßer Verwendung nicht mehr als 15 Gramm Phosphorwasserstoff entwi-
ckeln und zur Schädlingsbekämpfung im Erdreich eingesetzt werden sowie
2. für das Öffnen, Lüften und die Freigabe begaster Transporteinheiten.

(4) Während der Beförderung dürfen Schiffe und Transportbehälter nur mit
Phosphorwasserstoff oder einem anderen nach Nummer 5.1 Abs. 2 für diesen
Zweck zugelassenen Mittel begast werden.

(5) Ethylenoxid darf nur in vollautomatischen Begasungskammern verwendet


werden.

(6) Genehmigungs- und Zulassungserfordernisse sowie Verwendungsbeschrän-


kungen nach anderen Rechtsvorschriften bleiben unberührt.

64
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Anhang III

5.3 Allgemeine Vorschriften für Begasungstätigkeiten

5.3.1 Erlaubnis und Befähigungsschein

(1) Die nach Nummer 5.2 Abs. 1 erforderliche Erlaubnis erhält, wer
1. als Antragsteller die erforderliche Zuverlässigkeit und, soweit er Tätigkeiten
mit den in der Erlaubnis benannten Begasungsmitteln selbst leitet, eine Befä-
higungsschein nach Absatz 2 besitzt sowie
2. über Befähigungsschein-Inhaber nach Absatz 2 in ausreichender Zahl ver-
fügt.
(2) Einen Befähigungsschein erhält von der zuständigen Behörde, wer
1. die erforderliche Zuverlässigkeit für Tätigkeiten mit Begasungsmitteln be-
sitzt, die von Nummer 5.1 erfasst werden,
2. durch das Zeugnis eines Arztes im Sinne von § 7 Abs. 1 der Verordnung zur
arbeitsmedizinischen Vorsorge nachweist, dass keine Anhaltspunkte vorlie-
gen, die ihn körperlich oder geistig ungeeignet erscheinen lassen, Tätigkeiten
mit Begasungsmitteln auszuüben,
3. die erforderliche Sachkunde und ausreichende Erfahrung für Begasungen
nachweist und
4. mindestens 18 Jahre alt ist.
Den Nachweis der Sachkunde nach Satz 1 Nr. 3 hat erbracht, wer ein Zeugnis
über die Teilnahme an einem von der zuständigen Behörde anerkannten Lehr-
gang für die beabsichtigte Tätigkeit und über die bestandene Prüfung vorlegt.
Der Befähigungsschein ist entsprechend dem geführten Nachweis der Sachkun-
de zu beschränken. Die Prüfung ist vor einem Vertreter der zuständigen Behör-
de abzulegen.
(3) Die Erlaubnis nach Absatz 1 und der Beschäftigungsschein nach Absatz 2
können befristet und unter Auflagen, insbesondere beschränkt auf bestimmte
Begasungstätigkeiten, erteilt werden. Auflagen können auch nachträglich ange-
ordnet werden.
Die Erlaubnis nach Absatz 1 und der Befähigungsschein nach Absatz 2 können
widerrufen werden, wenn infolge wiederholter oder besonders schwerwiegen-
der Verstöße gegen diese Verordnung begründete Zweifel an der Zuverlässig-
keit des Inhabers bestehen.
(4) Ein Befähigungsschein erlischt, wenn der zuständigen Behörde nicht spätes-
tens sechs Jahre nach der Ausstellung des Zeugnisses nach Absatz 2 Nr. 2 ein
neues Zeugnis vorgelegt wird.

65
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Anhänge zur GefStoffV

5.3.2 Mitteilung
(1) Wer außerhalb einer ortsfesten Begasungskammer Begasungen mit Bega-
sungsmitteln nach Nummer 5.1 durchführen will, hat dies der zuständigen
Behörde spätestens eine Woche – im Falle von Schiffs- oder Containerbegasun-
gen in Häfen 24 Stunden – vorher schriftlich mitzuteilen. Die zuständige Be-
hörde kann in begründeten Fällen Ausnahmen hiervon zulassen. Satz 1 gilt
nicht, soweit es sich um Begasungen im medizinischen Bereich handelt.
(2) In der Mitteilung sind anzugeben:
1. der Begasungsleiter,
2. der Tag der Begasung,
3. der Ort (Lageplan) der Begasung und das zu begasende Objekt mit Angabe
der zu begasenden Güter,
4. das eingesetzte Begasungsmittel sowie die vorgesehenen Mengen,
5. der voraussichtliche Beginn der Begasung,
6. das voraussichtliche Ende der Begasung,
7. der voraussichtliche Termin der Freigabe und
8. der Zeitpunkt der Dichtheitsprüfung, falls diese erforderlich ist.
(3) Absatz 1 gilt nicht für Erdreichbewegungen im Freien mit Phosphorwasser-
stoff.
(4) Das Ausscheiden oder der Wechsel von Befähigungsschein-Inhabern ist der
zuständigen Behörde unverzüglich mitzuteilen.

5.3.3 Niederschrift
(1) Über Begasungen mit Begasungsmitteln nach Nummer 5.1 ist eine Nieder-
schrift zu fertigen. Aus der Niederschrift sollen insbesondere
– Art und Menge der Begasungsmittel,
– Ort, Beginn und Ende der Verwendung und
– der Zeitpunkt der Freigabe
hervorgehen. Auf Verlangen ist der zuständigen Behörde eine Abschrift zu
übersenden.
(2) Werden Fahrzeuge, Waggons, Container, Tanks oder andere Transportbe-
hälter begast, sind in die Niederschrift zusätzlich Anweisungen über die Besei-
tigung von Rückständen des Begasungsmittels sowie Angaben über die ver-
wendeten Begasungsgeräte aufzunehmen. Die Niederschrift ist dem
Auftraggeber zu übergeben.
(3) Absatz 1 gilt nicht für Erdreichbegasungen im Freien mit Phosphorwasser-
stoff.

66
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Anhang III

5.4 Anforderungen bei Begasungen

5.4.1 Allgemeine Anforderungen


(1) Begasungen sind so durchzuführen, dass Personen nicht gefährdet werden.
Objekte, die begast werden sollen, wie zum Beispiel Gebäude, Räume oder
Transporteinheiten, sind hierfür nach dem jeweiligen Stand der Technik hinrei-
chend abzudichten.
(2) Für jede Begasung ist ein verantwortlicher Begasungsleiter zu bestellen. Der
Begasungsleiter muss einen für die vorgesehene Begasung ausreichenden Befä-
higungsschein besitzen. Für Begasungen in vollautomatischen Sterilisatoren mit
Rauminhalten von weniger als 1 m³, auf die Nummer 5.1 Abs. 4 nicht anwend-
bar ist, genügt die Bestellung eines Begasungsleiters (Sterilisationsleiter) für die
in einem räumlich zusammenhängenden Bereich betriebenen Sterilisatoren.

5.4.2 Organisatorische Maßnahmen


(1) Zur Begasung dürfen nur Personen eingesetzt werden, die sachkundig im
Sinne der Nummer 5.3.1 Abs. 2 sind. Satz 1 gilt nicht, soweit Hilfskräfte bei
Begasungen nach Absatz 4 eingesetzt werden oder die Anwesenheit und Mit-
wirkung dazu dient, im Rahmen einer Sachkundeausbildung unter Aufsicht
eines Begasungsleiters die nach Nummer 5.3.1 Abs. 2 Nr. 3 erforderliche Erfah-
rung zu erlangen.
(2) Bei Begasungen müssen während der wesentlichen Arbeitsschritte mindes-
tens der Begasungsleiter und eine weitere Person anwesend sein, die die Voraus-
setzungen der Nummer 5.3.1 Abs. 2 Nr. 3 erfüllt. Erfolgen die Begasungen in
vollautomatischen Sterilisatoren, auf die Nummer 5.1 Abs. 4 nicht anwendbar
ist, ist die Anwesenheit einer Person mit Befähigungsschein während der we-
sentlichen Arbeitsschritte ausreichend, sofern eine zweite Person verfügbar ist,
welche die Voraussetzungen nach Nummer 5.3.1 Abs. 2 Nr. 3 erfüllt.
(3) Bei Begasungen mit Hydrogencyanid oder Sulfuryldifluorid dürfen nur
Befähigungsschein-Inhaber eingesetzt werden, soweit die Teilnahme nicht der
Sachkundeausbildung oder dem Nachweis ausreichender Erfahrung gemäß
Nummer 5.3.1 Abs. 2 dient und die Aufsicht durch eine ausreichende Zahl von
Befähigungsschein-Inhabern gewährleistet ist.
(4) Soweit für Begasungen gebrauchsfertig portionierte Phosphorwasserstoff
entwickelnde Zubereitungen verwendet werden, dürfen unter unmittelbarer
Aufsicht einer ausreichenden Zahl von Personen nach Nummer 5.3.1 Abs. 2
auch vorher unterwiesene Hilfskräfte, die gesundheitlich geeignet sind, einge-
setzt werden.

67
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Anhänge zur GefStoffV

5.4.3 Begasung von Räumen und ortsbeweglichen Transporteinheiten und


Gütern in Räumen
(1) Die Benutzer angrenzender Räume und Gebäude sind mindestens
24 Stunden vor Beginn der Begasung mit Begasungsmitteln nach Nummer 5.1
schriftlich unter Hinweis auf die Gefahren der Begasungsmittel zu warnen.
Satz 1 gilt nicht bei Begasungen in Sterilisatoren.
(2) An den Zugängen zu Räumen, die begast werden sollen, sind vor Beginn der
Begasung Warntafeln mit einer Aufschrift nach Nummer 5.4.4 Abs. 2 anzu-
bringen. Zusätzlich sind die Zugänge zu den Räumen mit dem Namen, der
Anschrift und der Telefonnummer des Begasungsunternehmens zu versehen.
(3) Nach der Einbringung des Begasungsmittels bis zur Freigabe der begasten
Räume muss ein Begasungsleiter im Bedarfsfall verfügbar sein.
(4) Der Begasungsleiter darf Räume, begaste Güter oder die Nutzung von Ein-
richtungsgegenständen erst freigeben, wenn durch geeignete Nachweisverfah-
ren sichergestellt ist, dass keine Gefährdung mehr durch Begasungsmittelreste
zu besorgen ist.

5.4.4 Begasung ortsbeweglicher Transporteinheiten im Freien


(1) Transporteinheiten wie zum Beispiel Fahrzeuge, Waggons, Container,
Tanks oder andere Transportbehälter dürfen im Freien nur mit einem allseitigen
Sicherheitsabstand von mindestens 10 Metern zu Gebäuden begast werden. Sie
sind von dem Begasungsleiter auf ihre Gasdichtheit zu prüfen, abzudichten
sowie für die Dauer der Begasung abzuschließen, zu verplomben und allseitig
sichtbar mit Warnzeichen zu kennzeichnen sowie zusätzlich mit dem Namen,
der Anschrift und der Telefonnummer des Begasungsunternehmens zu verse-
hen. Das Warnzeichen muss rechteckig, mindestens 300 Millimeter breit und
mindestens 250 Millimeter hoch sein. Die Aufschriften müssen schwarz auf
weißem Grund sein.
(2) Das Warnzeichen muss mindestens folgende Angaben tragen:
1. das Wort „GEFAHR“,
2. das Gefahrensymbol für „Giftig“,
3. die Aufschrift „DIESE EINHEIT IST BEGAST“,
4. die Bezeichnung des Begasungsmittels,
5. das Datum und den Zeitpunkt der Begasung und
6. die Aufschrift „ZUTRITT VERBOTEN“.
Eine Abbildung dieses Zeichens ist nachstehend dargestellt.

68
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Anhang III

GEFAHR

DIESE EINHEIT IST BEGAST


MIT [Bezeichnung des Begasungsmittels *]
SEIT [Datum, Uhrzeit *]

ZUTRITT VERBOTEN

* entsprechende Angaben einfügen

(3) Auf Schiffen dürfen unter Gas stehende Transportbehälter nur transportiert
werden, wenn die Laderäume mit einer mechanischen Lüftung ausgerüstet sind,
die verhindert, dass sich Gaskonzentrationen oberhalb der Arbeitsplatzgrenz-
werte entwickeln.
(4) Steht für die erforderliche Öffnung begaster Fahrzeuge, Waggons, Contai-
ner, Tanks oder anderer begaster Transportbehälter eine sachkundige Person
nach Nummer 5.3.1 Abs. 2 nicht zur Verfügung, so dürfen diese nur unter
Aufsicht einer fachkundigen Person geöffnet werden, die in der Lage ist, mögli-
che Gefährdungen von Beschäftigten oder Dritten zu ermitteln, zu beurteilen
und die erforderlichen Schutzmaßnahmen zu veranlassen.

5.4.5 Begasung auf Schiffen im Hafen und während der Beförderung


(1) Begasungen auf Schiffen sind nur zulässig, wenn die Sicherheit der Besat-
zung und anderer Personen während der Liegezeit im Hafen und auch während
eines Transits hinreichend gewährleistet ist. Neben den begasungsspezifischen
Regelungen dieses Anhangs sind hierzu international geltende Empfehlungen
der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (IMO) für die Anwendung
von Schädlingsbekämpfungsmitteln auf Schiffen anzuwenden, sofern diese in
der Anlage zum Schiffssicherheitsgesetz vom 9. September 1998 (BGBl. I
S. 2860) in nationales Recht umgesetzt sind.

69
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Anhänge zur GefStoffV

(2) Der Begasungsleiter hat dem Kapitän nach angemessener Begasungszeit und
vor Verlassen des Hafens schriftlich mitzuteilen,
1. welche Räume begast wurden und welche weiteren Räume während der
Beförderung nicht betreten werden dürfen,
2. welche zur Durchführung der Begasung erforderlichen technischen Ände-
rungen am Schiff vorgenommen wurden,
3. dass die begasten Räume hinreichend gasdicht sind und
4. dass die an die begasten Räume angrenzenden Räume von Begasungsmitteln
frei sind.
(3) Nummer 5.4.4 Abs. 2 findet entsprechende Anwendung.
(4) Während der gesamten Beförderungsdauer muss die Gasdichtheit der begas-
ten Räume mindestens alle acht Stunden geprüft werden. Die Ergebnisse sind in
das Schiffstagebuch einzutragen.
(5) Die Hafenbehörden sind spätestens 24 Stunden vor Ankunft eines begasten
Schiffes über die Art und den Zeitpunkt der Begasung sowie die begasten Räu-
me und Transportbehälter zu unterrichten.

5.4.6 Ortsfeste Begasungskammern


(1) Begasungen in Begasungskammern sind nur zulässig, wenn diese
1. in Räumen errichtet sind, die nicht zum ständigen Aufenthalt von Menschen
dienen, ausgenommen Begasungen in vollautomatischen Gassterilisatoren in
Arbeitsbereichen der Sterilgutversorgung,
2. gasdicht sind und
3. für Mensch und Umwelt gefahrlos entlüftet werden können.
(2) Begasungskammern, ausgenommen vollautomatische Gassterilisatoren,
dürfen nur mit Normal- oder Unterdruck betrieben werden.
(3) Begasungskammern sind vor jeder Begasung vom Begasungsleiter auf
Dichtheit zu prüfen. Über die durchgeführten Begasungen ist Buch zu führen.

70
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Anhang III

Anhang III Nr. 6


Ammoniumnitrat

6.1 Anwendungsbereich
(1) Nummer 6 gilt für das Lagern, Abfüllen und innerbetriebliche Befördern
von
1. Ammoniumnitrat,
2. ammoniumnitrathaltigen Zubereitungen (Zubereitungen).
(2) Nummer 6 gilt nicht für
1. Zubereitungen mit einem Massengehalt an Ammoniumnitrat bis zu 10 %,
2. Ammoniumnitrat und Zubereitungen der Gruppe A und E in Mengen bis zu
100 Kilogramm,
3. Zubereitungen der Gruppe B, C und D in Mengen bis zu 1 Tonne,
4. Ammoniumnitrat und Zubereitungen, die aufgrund ihrer Eigenschaften dem
Sprengstoffgesetz unterliegen.

6.2 Begriffsbestimmungen
Ammoniumnitrat und die Zubereitungen werden in folgende Gruppen einge-
teilt:

1. Gruppe A:
Ammoniumnitrat und Zubereitungen, die zur detonativen Umsetzung
fähig sind oder die nach Tabelle I hinsichtlich des Ammoniumnitratgehalts
den Untergruppen A I, A II, A III und A IV zugeordnet sind.

2. Gruppe B:
Zubereitungen, die zur selbstunterhaltenden fortschreitenden thermischen
Zersetzung fähig sind.

3. Gruppe C:
Zubereitungen, die weder zur selbstunterhaltenden fortschreitenden ther-
mischen Zersetzung noch zur detonativen Umsetzung fähig sind, jedoch
beim Erhitzen Stickoxide entwickeln.

4. Gruppe D:
Zubereitungen, die in wässriger Lösung oder Suspension ungefährlich, in
kristallisiertem Zustand unter Reduktion des ursprünglichen Wassergehalts
jedoch zur detonativen Umsetzung fähig sind.

71
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Anhänge zur GefStoffV

5. Gruppe E:
Zubereitungen, die als Wasser-in-Öl-Emulsionen vorliegen und als Vor-
produkte für die Herstellung von Sprengstoffen dienen.

6.3 Allgemeine Bestimmungen


(1) Für Ammoniumnitrat und Zubereitungen, die den Gruppen A, B, C, D oder
E zuzuordnen sind, findet Nummer 6.4 Anwendung.
(2) Ammoniumnitrat und Zubereitungen der Gruppe A, B, C oder E müssen in
ihren Bestandteilen fein verteilt und innig gemischt sein und dürfen sich wäh-
rend der Lagerung, Beförderung oder Abfüllung nicht entmischen.
(3) Ammoniumnitrathaltige Düngemittel in Abmischungen als NK- oder NPK-
Düngemittel (Bulk Blends) müssen nach den Vorschriften der Gruppe B oder
nur nach Maßgabe der festgestellten Gefährlichkeit gelagert werden. Werden
bei der Abmischung Düngemittel der Gruppe A verwendet, muss die Lagerung
nach den Vorschriften der Gruppe A oder ebenfalls nach Maßgabe der festge-
stellten Gefährlichkeit erfolgen.
(4) Als Ammoniumnitrat zu rechnen sind alle Nitrationen, für die ein Äquiva-
lent Ammoniumionen vorhanden ist.
(5) Der Massenanteil an verbrennlichen Bestandteilen ist bei Zubereitungen der
Untergruppe B II unbeschränkt, bei Ammoniumnitrat und Zubereitungen der
Untergruppe A I auf bis zu 0,2 % und bei Zubereitungen aller übrigen Unter-
gruppen der Gruppen A, B, C und D auf bis zu 0,4 % beschränkt.
(6) Als verbrennlicher Bestandteil ist bei Ammoniumnitrat und Zubereitungen
der Untergruppe A I, soweit es sich um organische Stoffe handelt, der Kohlen-
stoff zu rechnen.
(7) Inerte Stoffe im Sinne dieses Anhanges sind Stoffe, die die thermische Sensi-
bilität und die Sensibilität gegen einwirkende Detonation nicht erhöhen. Im
Zweifelsfall ist dies durch ein Gutachten der Bundesanstalt für Materialfor-
schung und -prüfung nachzuweisen.

72
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Anhang III

Tabelle I: Rahmenzusammensetzungen und Grenzen für Ammoniumnitrat


und Zubereitungen für die Zuordnung zu einer der Gruppen nach
Nummer 6.2

Unter- Massenanteil an Andere Bestandteile Besondere Bestimmungen


gruppen Ammonium-
nitrat in %
AI ≥ 90 Chloridgehalt ≤ 0,02 % Keine weiteren Ammoniumsalze
Inerte Stoffe ≤ 10 % erlaubt.
A II > 80 bis < 90 Kalkstein, Dolomit
oder Calciumcarbonat
< 20 %
A III > 45 bis < 70 Ammoniumsulfat Inerte Stoffe sind erlaubt.
A IV > 70 bis < 90 Kaliumsalze, Phosphate
in NP-, NK- oder
NPK- Düngern,
Sulfate in N-Düngern;
Inerte Stoffe
BI ≤ 70 Kaliumsalze, Phospha- Bei einem Massenanteil von
te, inerte Stoffe und mehr als 45 % Ammoniumnitrat
andere Ammoniumsalze darf der Massenanteil von Am-
in NK- oder NPK- moniumnitrat und anderen
Düngern Ammoniumsalzen zusammen
nicht mehr als 70 % betragen.
B II ≤ 45 Überschüssige Nitrate Unbeschränkter Gehalt an
≤ 10 % verbrennlichen Bestandteilen.
Über den Gehalt an Ammoni-
umnitrat hinausgehende über-
schüssige Nitrate als Kaliumnit-
rat berechnet.
CI ≤ 80 Kalkstein, Dolomit Kalkstein, Dolomit oder Calci-
oder Calciumcarbonat umcarbonat mit minimaler
≥ 20 % Reinheit von 90 %.
C II ≤ 70 Inerte Stoffe
C III ≤ 45 Phosphate und andere
Ammoniumsalze in
NP-Düngern
> 45 bis < 70 Phosphate und andere Massenanteil an Ammonium-
Ammoniumsalze in nitrat und anderen Ammonium-
NP-Düngern salzen darf zusammen 70 %
nicht übersteigen.

73
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Anhänge zur GefStoffV

Unter- Massenanteil an Andere Bestandteile Besondere Bestimmungen


gruppen Ammonium-
nitrat in %
C IV ≤ 45 Ammoniumsulfat Inerte Stoffe sind erlaubt.
DI ≤ 45 Harnstoff, Wasser In wässriger Lösung.
D II ≤ 45 Überschüssige Nitrate In wässriger Lösung oder Sus-
≤ 10 %, Kaliumsalze, pension. Überschüssige Nitrate
Phosphate und andere als Kaliumnitrat berechnet.
Ammoniumsalze in Grenzgehalt aus Spalte 2 darf
NP-, NK- oder NPK- sowohl in der flüssigen als auch
Düngern; Wasser bei Suspensionen in der festen
Phase nicht überschritten werden.
D III ≤ 70 Ammoniak, Wasser In wässriger Lösung.
D IV > 70 bis ≤ 93 Wasser In wässriger Lösung.
E > 60 bis ≤ 85 ≥ 5 % bis ≤ 30 % Was- Anorganische Salze;
ser, ≥ 2 % bis ≤ 8 % Zusätze
verbrennliche Bestand-
teile, ≥ 0,5 % bis ≤ 4 %
Emulgator

(8) Ammoniumnitrat und Zubereitungen, die den in der Tabelle festgelegten


Rahmenzusammensetzungen und Grenzen innerhalb der Gruppen A, B, C, D
oder E nicht zuzuordnen sind oder den Forderungen der Absätze 2 und 5 nicht
entsprechen, dürfen nur nach Vorliegen eines Gutachtens der Bundesanstalt für
Materialforschung und -prüfung über ihre Gefährlichkeit und nach Maßgabe
der darin festgelegten Anforderungen gelagert, abgefüllt oder innerbetrieblich
befördert werden.
(9) Zubereitungen der Gruppe B können nach den für die Gruppe C geltenden
Vorschriften gelagert, abgefüllt oder innerbetrieblich befördert werden, wenn
diese Zubereitungen nach einem Gutachten der Bundesanstalt für Materialfor-
schung und -prüfung frei von den Gefahren einer selbstunterhaltenden fort-
schreitenden thermischen Zersetzung sind.
(10) Bei Zuordnung von Ammoniumnitrat und Zubereitungen nach den Absät-
zen 3, 8 oder 9 ist die Kennzeichnung der Gruppe entsprechend dem Gutachten
der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung vorzunehmen.

74
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Anhang III

6.4 Vorsorgemaßnahmen

6.4.1 Grundmaßnahmen bei der Lagerung von Stoffen und Zubereitun-


gen der Gruppen A, B, C, D und E
Bei der Lagerung von Stoffen und Zubereitungen der Gruppen A, B, C, D und
E sind geeignete Maßnahmen zum
1. Schutz gegen Witterungseinflüsse
2. Schutz gegen Verunreinigungen und gefährlicher Zusammenlagerung
3. Schutz vor unbefugtem Zugang
4. Brandschutz
5. Schutz vor unzulässiger Beanspruchung
zu treffen.

6.4.2 Zusätzliche Maßnahmen für Stoffe und Zubereitungen der


Gruppen A, D IV und E

6.4.2.1 Allgemeine Maßnahmen


(1) Ausgelaufene oder verschüttete Stoffe und Zubereitungen und verunreinigte
Stoffe und Zubereitungen müssen unmittelbar verbraucht oder gefahrlos besei-
tigt werden.
(2) Die Stoffe und Zubereitungen der Gruppe A dürfen nur verpackt gelagert
und befördert werden.
(3) Im Lagerraum oder in einem Umkreis von 10 m um den Ort der Lagerung
von Stoffen und Zubereitungen der Gruppe A dürfen keine brennbaren Materi-
alien gelagert werden.
(4) Zubereitungen der Gruppen D IV und E sind vor thermischer Zersetzung
zu schützen.

6.4.2.2 Zusätzliche Maßnahmen für die Lagerung von mehr als 1 Tonne
(1) Stoffe und Zubereitungen der Gruppe A in Mengen von mehr als 1 Tonne
dürfen nur in geeigneten Gebäuden mit entsprechenden Schutzmaßnahmen und
nach dem Stand der Technik gelagert werden.
(2) Zubereitungen der Gruppe D IV und E in Mengen von mehr als 1 Tonne
dürfen nur in geeigneten Lagerbehältern mit entsprechenden Schutzmaßnah-
men und nach dem Stand der Technik gelagert werden.
(3) Die Stoffe und Zubereitungen der Gruppe A und Zubereitungen der Grup-
pe E sind vor der Lagerung in Teilmengen von bis zu 25 Tonnen zu unterteilen.

75
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Anhänge zur GefStoffV

(4) Teilmengen bis zu 25 Tonnen der Gruppe A dürfen nur gelagert werden,
wenn sie
1. voneinander durch Wände aus Mauerziegeln oder Wandbausteinen ähnlicher
Festigkeit oder aus Beton getrennt werden, deren Zwischenraum mit un-
brennbaren Stoffen voll ausgefüllt ist und sie einschließlich des Zwischen-
raumes eine Mindestdicke d aufweisen, die sich aus der jeweils größten
Teilmenge M nach folgender Beziehung errechnet:
d = 0,1 M1/3 mit d in „Meter“ und M in „Kilogramm“
2. in Fällen, in denen die Trennwände nicht bis zur Decke reichen, nur bis zu
einer Höhe von 1 Meter unterhalb der Wandhöhe gelagert werden.
(5) Der Ort der Lagerung muss von Gebäuden, die dem dauernden Aufenthalt
von Menschen dienen, einen Mindestabstand (Schutzabstand) E haben, der sich
aus der jeweils größten Teilmenge M nach folgender Beziehung errechnet:

E = 11 M1/3 mit E in „Meter“ und M in „Kilogramm“


Für Betriebsgebäude gilt dies nur, wenn sie Wohnzwecken dienen.
(6) Der Schutzabstand zu öffentlichen Verkehrswegen beträgt zwei Drittel des
Abstandes nach Absatz 5.
(7) Abweichend von Absatz 5 und 6 beträgt der Schutzabstand für Lagermen-
gen bis zu 3 Tonnen zu bewohnten Gebäuden und zu öffentlichen Verkehrs-
wegen 50 Meter.

6.4.2.3 Zusätzliche Maßnahmen für die Lagerung von mehr als 25 Tonnen
(1) Wer beabsichtigt, Stoffe und Zubereitungen der Gruppe A, D IV und E in
Mengen von mehr als 25 Tonnen zu lagern, hat dies spätestens zwei Wochen
vorher der zuständigen Behörde schriftlich anzuzeigen.
(2) Die Mitteilung muss enthalten:
1. Name und Anschrift des Mitteilungspflichtigen,
2. Art und Höchstmenge der zu lagernden Stoffe oder Zubereitungen,
3. Beschreibung der Bauart und Einrichtung des Lagers mit Grundrissen und
Schnitten,
4. Lageplan, aus dem die Lage zu Gebäuden und öffentlichen Verkehrswegen
im Umkreis von 350 Meter ersichtlich ist,
5. Angaben darüber, welche der im Lageplan eingezeichneten Gebäude zum
dauernden Aufenthalt von Menschen oder zu Wohnzwecken dienen.
(3) Bei Änderungen des Inhalts der Mitteilung gelten die Absätze 1 und 2 ent-
sprechend.

76
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Anhang III

(4) In Lagergebäuden für Stoffe und Zubereitungen der Gruppe A dürfen Räu-
me nicht zum dauernden Aufenthalt von Personen, ausgenommen Aufsichts-
und Bedienungspersonal, dienen.
(5) Stoffe und Zubereitungen der Gruppe A dürfen nur in eingeschossigen
Gebäuden gelagert werden.

6.4.3 Zusätzliche Maßnahmen für Zubereitungen der Gruppe B

6.4.3.1 Allgemeine Maßnahmen


Feuerstätten und sonstige Zündquellen dürfen in Lagerräumen nicht vorhanden
sein.

6.4.3.2 Zusätzliche Maßnahmen für die Lagerung von mehr als 100 Tonnen
(1) Die Temperatur der Zubereitungen darf bei der Einlagerung 70 Grad Celsi-
us nicht überschreiten.
(2) Fördermittel und ihre baulichen Einrichtungen müssen so beschaffen sein
oder so betrieben werden, dass entstehende Wärme keine Zersetzung des La-
gergutes einleiten kann.

6.4.3.3 Zusätzliche Maßnahmen für unverpackte Zubereitungen über


1500 Tonnen oder ausschließlich verpackte Zubereitungen über
3000 Tonnen
(1) Die Zubereitungen sind in Teilmengen von jeweils höchstens 3000 Tonnen
zu unterteilen. Die Unterteilung kann durch feuerbeständige Zwischenwände,
durch Haufwerke aus nichtbrennbarem Lagergut oder durch einen jederzeit
freizuhaltenden Zwischenraum von mindestens 2,50 Meter Breite vorgenom-
men werden. Reichen die Zwischenwände nicht bis zur Decke, so darf das
Lagergut nur bis zu einer Höhe von 1 Meter unterhalb der Wandhöhe geschüt-
tet werden.
(2) Absatz 1 ist nicht anzuwenden, wenn gleichzeitig
1. geeignete Löscheinrichtungen vorhanden sind,
2. Löschwasser in ausreichender Menge zur Verfügung steht,
3. eine jederzeit einsatzbereite Werkfeuerwehr vorhanden ist,
4. das ins Lager gelangende Lagergut abgesiebt wird,
5. die Luft im Lagerraum und in den unterhalb der Lagerfläche befindlichen
Ausspeicherkanälen fortlaufend überwacht wird.

77
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Anhänge zur GefStoffV

6.4.4 Sicherheitstechnische Maßnahmen für Zubereitungen der Gruppe D


Die Zubereitungen sind vor Austrocknung zu bewahren.

6.5 Erleichternde Bestimmungen

6.5.1 Erleichternde Bestimmungen für bestimmte Stoffe und


Zubereitungen
Stoffe und Zubereitungen der Gruppe A I und A II sowie Zubereitungen mit
inerten Stoffen der Gruppe A IV und der Gruppe E können abweichend von
1. Nummer 6.4.2.2 Abs. 3 in Teilmengen (Stapel) von höchstens 100 Tonnen
unterteilt werden und
2. Nummer 6.4.2.2 Abs. 5 in einem Schutzabstand, der der Hälfte des dort
geforderten Wertes entspricht, gelagert werden,
wenn durch ein Gutachten der Bundesanstalt für Materialforschung und
-prüfung der Nachweis erbracht ist, dass die Stoffe und Zubereitungen der
Gruppen A I, A II und A IV die Beschaffenheitsanforderungen des Anhangs III
der Verordnung (EG) Nr. 2003/2003 des Europäischen Parlaments und des
Rates vom 13. Oktober 2003 über Düngemittel erfüllen und Stoffe und Zube-
reitungen der Gruppe E nicht detonationsfähig sind.

6.5.2 Erleichternde Bestimmungen für ammoniumnitrat- und spreng-


stoffherstellende Betriebe
Für ammoniumnitrat- und sprengstoffherstellende Betriebe
1. sind Nummer 6.4.2.1 Abs. 2 und Nummer 6.4.2.3 Abs. 1 bis 3 für Stoffe und
Zubereitungen der Gruppe A nicht anzuwenden,
2. ist ein um die Hälfte verminderter Schutzabstand nach Nummer 6.4.2.2
Abs. 5
anzusetzen.

6.6 Ausnahmen
Ausnahmen nach § 20 Abs. 1 der Verordnung durch die zuständige Behörde
von den in den Nummern 6.4.2 genannten Maßnahmen für Stoffe und Zuberei-
tungen der Gruppe A, D IV und E sind nur im Einvernehmen mit der Bundes-
anstalt für Materialforschung und -prüfung gestattet.

78
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Anhang IV

Anhang IV
Herstellungs- und Verwendungsverbote
Inhaltsübersicht
Nr. 1 Asbest
Nr. 2 2-Naphthylamin, 4-Aminobiphenyl, Benzidin, 4-Nitrobiphenyl
Nr. 3 Arsen und seine Verbindungen
Nr. 4 Benzol
Nr. 5 Hexachlorcyclohexan (HCH)
Nr. 6 Bleikarbonate
Nr. 7 Quecksilber und seine Verbindungen
Nr. 8 Zinnorganische Verbindungen
Nr. 9 Di-µ-oxo-di-n-butylstanniohydroxyboran
Nr. 10 Dekorationsgegenstände, die flüssige gefährliche Stoffe oder
Zubereitungen enthalten
Nr. 11 Aliphatische Chlorkohlenwasserstoffe
Nr. 12 Pentachlorphenol und seine Verbindungen
Nr. 13 Teeröle
Nr. 14 Polychlorierte Biphenyle und Terphenyle sowie Monomethyltetra-
chlordiphenylmethan, Monomethyldichlordiphenylmethan und
Monomethyldibromdiphenylmethan
Nr. 15 Vinylchlorid
Nr. 16 Starke Säure-Verfahren zur Herstellung von Isopropanol
Nr. 17 Cadmium und seine Verbindungen
Nr. 18 Kurzkettige Chlorparaffine
Nr. 19 Kühlschmierstoffe
Nr. 20 DDT
Nr. 21 Hexachlorethan
Nr. 22 Biopersistente Fasern
Nr. 23 Besonders gefährliche krebserzeugende Stoffe
Nr. 24 Flammschutzmittel
Nr. 25 Azofarbstoffe
Nr. 26 Alkylphenole
Nr. 27 Chromathaltiger Zement
Nr. 28 Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK)
Nr. 29 Toluol
Nr. 30 1,2,4-Trichlorbenzol
Nr. 31 Korrosionsschutzmittel
Nr. 32 Perfluoroctansulfonate (PFOS)

79
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Anhänge zur GefStoffV

Anhang IV Nr. 1
Asbest
(1) Folgende asbesthaltige Gefahrstoffe dürfen nicht hergestellt oder verwendet
werden:
1. Asbest,
2. Zubereitungen, die einen Massengehalt von mehr als 0,1 % Asbest enthalten,
3. Erzeugnisse, die Asbest oder Zubereitungen nach Nummer 2 enthalten.
(2) Absatz 1 gilt nicht für
1. Abbrucharbeiten,
2. Sanierungs- oder Instandhaltungsarbeiten an bestehenden Anlagen, Fahr-
zeugen, Gebäuden, Einrichtungen oder Geräten mit Ausnahme von
– Überdeckungsarbeiten an Asbestzementdächern,
– Reinigungs- und Beschichtungsarbeiten an unbeschichteten Asbestze-
mentdächern,
– Arbeiten, die zu einem Abtrag der Oberfläche von Asbestprodukten füh-
ren, wie zum Beispiel Abschleifen, Druckreinigen oder Abbürsten, es sei
denn, es handelt sich um emissionsarme Verfahren, die behördlich oder
berufsgenossenschaftlich anerkannt sind.
3. die Gewinnung, Aufbereitung, Weiterverarbeitung und Wiederverwendung
natürlich vorkommender mineralischer Rohstoffe und daraus hergestellter
Zubereitungen und Erzeugnisse, die Asbest mit einem Massengehalt von
nicht mehr als 0,1 % enthalten,
4. Materialien, die als Versatzmaterial im Untertage-Bergbau verwendet wer-
den und in denen Asbest mittels hydraulischer Bindung durch Zement oder
andere gleichwertige Stoffe in Formkörpern oder in Gebinden eingeschlos-
sen ist, bei denen eine Freisetzung von Asbestfasern ausgeschlossen ist,
5. die Verwendung von vor dem 31. Dezember 1994 hergestellten Acetylenfla-
schen mit chrysotilhaltigen porösen Massen bis zum Ende ihrer Lebensdau-
er, wenn eine Exposition der Beschäftigten ausgeschlossen ist.

Anhang IV Nr. 2
2-Naphthylamin, 4-Aminobiphenyl, Benzidin, 4-Nitrobiphenyl
Gefahrstoffe, die
1. 2-Naphthylamin oder seine Salze,
2. 4-Aminobiphenyl oder seine Salze,
3. Benzidin oder seine Salze oder
4. 4-Nitrobiphenyl

80
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Anhang IV

mit einem Massengehalt von gleich oder mehr als 0,1 % enthalten, dürfen nicht
hergestellt oder nicht verwendet werden. Satz 1 gilt nicht für die Herstellung
und Verwendung, wenn die Stoffe während einer chemischen Reaktion in ei-
nem geschlossenen System entstehen und umgewandelt werden, so dass sie am
Ende der Reaktion oder des Arbeitsvorgangs im Endprodukt in einer Konzent-
ration von weniger als 0,1 % vorhanden sind.

Anhang IV Nr. 3
Arsen und seine Verbindungen

(1) Gefahrstoffe mit einem Massengehalt von gleich oder mehr als 0,3 % Arsen
dürfen nicht verwendet werden
1. zum Reinigen in befahrbaren Behältern und anderen engen Räumen,
2. in Farbmitteln und Anstrichstoffen,
3. in Schädlingsbekämpfungsmitteln,
4. beim Herstellen von Flachglas (zum Beispiel Fensterglas) und Ver-
packungsglas für Lebensmittel,
5. bei der Lederherstellung, der Aufbereitung von Rauchwaren, der Textilver-
edelung und der Tierpräparation,
6. bei der Herstellung von Emaille,
7. in Beiz- und Reinigungsmitteln, ausgenommen Phosphorsäurebeizen,
8. bei der chemischen (reduktiven) Metallabscheidung zur Oberflächenbe-
handlung,
9. bei der Herstellung von pyrotechnischen Gegenständen,
10. in Metallklebern.
(2) Arsenverbindungen und Zubereitungen, die Arsenverbindungen enthalten,
dürfen nicht verwendet werden
1. zur Aufbereitung von Wasser im industriellen, gewerblichen und kommuna-
len Bereich, unabhängig von seiner Verwendung.
2. zur Verhinderung des Bewuchses durch Mikroorganismen, Pflanzen oder
Tiere an
a) Bootskörpern,
b) Kästen, Schwimmern, Netzen sowie anderen Geräten oder Einrichtungen
für die Fisch- und Muschelzucht,
c) vollständig oder teilweise untergetauchten Geräten oder Einrichtungen
jeder Art,

81
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Anhänge zur GefStoffV

3. als biozide Wirkstoffe in Farben zur Verhinderung des Bewuchses durch


Mikroorganismen, Pflanzen oder Tiere an Gegenständen (Antifoulingfar-
ben),
4. zum Schutz von Holz.
(3) Das Verbot des Absatzes 2 Nr. 4 gilt nicht für Kupfer-Chrom-Arsen-
verbindungen (CCA) Typ C (Chrom als CrO3 47,5 %, Kupfer als CuO 18,5 %,
Arsen als As2O5 34,0 %), die gemäß § 12a des Chemikaliengesetzes zugelassen
worden sind und in Industrieanlagen im Vakuum oder unter Druck zur Im-
prägnierung von Holz verwendet werden.
(4) Mit Kupfer-Chrom-Arsenverbindungen behandelte Hölzer nach Absatz 3
dürfen, sofern das Holzschutzmittel vollständig fixiert ist, für folgende gewerb-
liche und industrielle Zwecke verwendet werden:
1. als Bauholz in öffentlichen und landwirtschaftlichen Gebäuden, Büroge-
bäuden und Industriebetrieben, sofern der Einsatz aus sicherheitstechni-
schen Gründen erforderlich ist,
2. in Brücken und bei Brückenbauarbeiten,
3. als Bauholz in Süßwasser und in Brackwasser zum Beispiel für Molen,
4. als Lärmschutz,
5. als Lawinenschutz,
6. als Leitplanken,
7. für aus entrindeten Nadelrundhölzern gefertigte Weidezäune,
8 in Erdstützwänden,
9 als Strom- und Telekommunikationsmasten,
10. als Bahnschwellen für Untergrundbahnen.
(5) Die Verwendung der in Absatz 4 genannten Hölzer ist jedoch verboten
1. in Wohnbauten, unabhängig von Ihrer Zweckbestimmung,
2. für Anwendungen mit dem Risiko eines wiederholten Hautkontakts,
3. in Meeresgewässern,
4. für landwirtschaftliche Zwecke, ausgenommen Weidezäune und Bauholz
gemäß Absatz 4,
5. für Anwendungen, bei denen das behandelte Holz mit Zwischen- oder End-
produkten in Kontakt kommen kann, die für den menschlichen oder tieri-
schen Verzehr bestimmt sind.

Anhang IV Nr. 4
Benzol
Gefahrstoffe mit einem Massengehalt von gleich oder mehr als 0,1 % Benzol
dürfen nicht verwendet werden. Satz 1 gilt nicht für

82
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Anhang IV

1. Treibstoffe, die zum Betrieb von Verbrennungsmotoren mit Fremdzündung


bestimmt sind,
2. die Verwendung von Stoffen und Zubereitungen, die bei industriellen Ver-
fahren in geschlossenen Systemen zur Anwendung kommen,
3. die Verwendung von Rohöl, Rohbenzin und Treibstoffkomponenten, die bei
industriellen Verfahren zur Anwendung kommen.

Anhang IV Nr. 5
Hexachlorcyclohexan (HCH)
Hexachlorcyclohexan (HCH) darf nicht als biozider Wirkstoff in Farben zur
Verhinderung des Bewuchses durch Mikroorganismen, Pflanzen oder Tiere an
Gegenständen (Antifoulingfarben) verwendet werden.

Anhang IV Nr. 6
Bleikarbonate, Bleisulfate
(1) Gefahrstoffe, die folgende Bleiverbindungen enthalten, dürfen nicht als
Farben verwendet werden:
1. wasserfreies neutrales Bleikarbonat,
2. Bleihydrokarbonat,
3. Bleisulfate.
(2) Absatz 1 gilt nicht für die Verwendung als Farben, die zur Erhaltung oder
originalgetreuen Wiederherstellung von Kunstwerken und historischen Be-
standteilen oder von Einrichtungen denkmalgeschützter Gebäude bestimmt
sind, wenn die Verwendung von Ersatzstoffen nicht möglich ist.

Anhang IV Nr. 7
Quecksilber und seine Verbindungen
(1) Gefahrstoffe, die Quecksilberverbindungen enthalten, dürfen nicht verwen-
det werden
1. zum Schutz von Holz,
2. zur Imprägnierung von schweren industriellen Textilien und von zu deren
Herstellung vorgesehenen Garnen,
3. zur Aufbereitung von Wasser im industriellen, gewerblichen und kommuna-
len Bereich, unabhängig von seiner Verwendung.
(2) Quecksilberverbindungen dürfen nicht als biozide Wirkstoffe in Farben zur
Verhinderung des Bewuchses durch Mikroorganismen, Pflanzen oder Tiere an
Gegenständen (Antifoulingfarben) verwendet werden.

83
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Anhänge zur GefStoffV

Anhang IV Nr. 8
Zinnorganische Verbindungen
(1) Gefahrstoffe, die zinnorganische Verbindungen enthalten, dürfen nicht zur
Aufbereitung von Wasser im industriellen, gewerblichen und kommunalen
Bereich, unabhängig von seiner Verwendung, verwendet werden.
(2) Zinnorganische Verbindungen dürfen nicht als biozide Wirkstoffe in Farben
zur Verhinderung des Bewuchses durch Mikroorganismen, Pflanzen oder Tiere
an Gegenständen (Antifoulingfarben) verwendet werden.

Anhang IV Nr. 9
Di-µ-oxo-di-n-butylstanniohydroxyboran
Gefahrstoffe mit einem Massengehalt von gleich oder mehr als 0,1 %
Di-µ-oxo-di-n-butylstanniohydroxyboran dürfen nicht hergestellt oder ver-
wendet werden. Satz 1 gilt nicht für die Verarbeitung zu Endprodukten, in
denen Di-µ-oxo-di-n-butylstanniohydroxyboran mit einem Massengehalt von
weniger als 0,1 % enthalten ist.

Anhang IV Nr. 10
Dekorationsgegenstände, die flüssige gefährliche Stoffe oder Zubereitungen
enthalten
Dekorationsgegenstände mit flüssigen Stoffen oder Zubereitungen, die nach
dem Zweiten Abschnitt dieser Verordnung als gefährlich eingestuft oder einzu-
stufen sind, dürfen nicht hergestellt werden.

Anhang IV Nr. 11
Aliphatische Chlorkohlenwasserstoffe
1. Tetrachlormethan (Tetrachlorkohlenstoff),
2. 1,1,2,2-Tetrachlorethan,
3. 1,1,1,2-Tetrachlorethan,
4. Pentachlorethan,
5. Trichlormethan (Chloroform),
6. 1,1,2-Trichlorethan,
7. 1,1-Dichlorethylen,
8. 1,1,1-Trichlorethan,
9. Stoffe, Zubereitungen und Erzeugnisse mit einem Massengehalt der Stoffe
nach Nummer 1 bis 4 von 0,1 % oder darüber,

84
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Anhang IV

10. Stoffe und Zubereitungen mit einem Massengehalt der Stoffe nach Num-
mer 5 bis 8 von 0,1 % oder darüber
dürfen nur in geschlossenen Anlagen verwendet werden.

Anhang IV Nr. 12
Pentachlorphenol und seine Verbindungen
(1) Folgende Stoffe, Zubereitungen und Erzeugnisse dürfen nicht hergestellt
oder verwendet werden:
1. Pentachlorphenol,
2. Pentachlorphenolnatrium sowie die übrigen Pentachlorphenolsalze und
-verbindungen,
3. Zubereitungen mit einem Massengehalt von insgesamt mehr als 0,01 % der
in den Nummern 1 und 2 genannten Stoffe sowie
4. Erzeugnisse, die mit einer Zubereitung behandelt worden sind, die Stoffe
nach Nummer 1 oder 2 enthielt und deren von einer Behandlung erfassten
Teile mehr als 5 Milligramm pro Kilogramm (ppm) der Stoffe nach Num-
mer 1 oder 2 enthalten.
(2) Das Verbot nach Absatz 1 gilt nicht für Holzbestandteile von Gebäuden
und Möbeln sowie für Textilien, die vor dem 23. Dezember 1989 mit Zuberei-
tungen behandelt wurden, die Stoffe nach Absatz 1 Nr. 1 oder 2 enthielten. In
dem in Artikel 3 des Einigungsvertrages genannten Gebiet tritt an die Stelle des
23. Dezember 1989 der 3. Oktober 1990.
(3) Absatz 1 Nr. 4 gilt nicht für Altholz, welches nach der Altholzverordnung
verwertet wird.

Anhang IV Nr. 13
Teeröle

13.1 Verbote
(1) Holzschutzmittel, die Rohteere, Teeröle oder deren Bestandteile oder Des-
tillationsrückstände (Pech), insbesondere
1. Kreosot 8001-58-9
2. Kreosotöl 61789-28-4
3. Destillate (Kohlenteer), Naphthalinöle 84650-04-4
4. Kreosotöl, Acenaphthenfraktion 90640-84-9
5. höhersiedende Destillate (Kohlenteer) 65996-91-0
6. Anthracenöl 90640-80-5

85
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Anhänge zur GefStoffV

7. Teersäuren, Kohle, roh 65996-85-2


8. Kreosot, Holz 8021-39-4
9. Niedrigtemperatur-Kohleteeralkalin,
Extraktrückstände 122384-78-5,
enthalten, dürfen nicht hergestellt oder verwendet werden.
(2) Erzeugnisse, die ganz oder teilweise aus Holz oder Holzwerkstoffen beste-
hen und die mit den in Absatz 1 genannten Holzschutzmitteln behandelt wor-
den sind, dürfen nicht verwendet werden.

13.2 Ausnahmen bei Holzschutzmitteln


(1) Das Verbot nach Nummer 13.1 Absatz 1 gilt nicht für das Herstellen und
das Verwenden von Holzschutzmitteln mit einem Massengehalt von weniger
als 50 Milligramm pro Kilogramm Benzo(a)pyren und einem Massengehalt von
weniger als 3 % wasserlöslicher Phenole in geschlossenen Anlagen
1. in industriellen Verfahren oder
2. zu gewerblichen Zwecken für die Wiederbehandlung vor Ort.

13.3 Ausnahmen bei Erzeugnissen


(1) Das Verbot nach Nummer 13.1 Abs. 2 gilt nicht für
1. Erzeugnisse, die mit Holzschutzmitteln nach Nummer 13.2 behandelt wur-
den und ausschließlich für gewerbliche oder industrielle Zwecke verwendet
werden (zum Beispiel Eisenbahnschwellen, Strom- und Telegrafenmasten,
Zäune, Baumstützen für die Landwirtschaft, Rebpfähle, Spundwände für
Häfen und Wasserwege) und
2. gebrauchte Erzeugnisse, die vor der Anwendung dieser Verordnung mit
Holzschutzmitteln nach Nummer 13.1 Absatz 1 behandelt wurden, die nicht
den Anforderungen der Nummer 13.2 entsprechen, sofern diese ausschließ-
lich erneut als Eisenbahnschwellen oder Strom- und Telegrafenmasten oder
für gewerbliche oder industrielle Zwecke anderer Art gemäß dem ursprüng-
lichen Herstellungszweck wiederverwendet werden.
(2) Die Verwendung der in Absatz 1 genannten Erzeugnisse ist jedoch verboten
1. in Innenräumen, unabhängig von deren Zweckbestimmung,
2. bei der Herstellung von Spielzeugen,
3. auf Spielplätzen,
4. in Gärten und Parks sowie anderen Orten, sofern die Gefahr eines häufigen
Hautkontakts besteht,
5. bei der Herstellung von Gartenmobiliar,
6. als Behälter von lebenden Pflanzen,

86
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Anhang IV

7. als Verpackungen, die mit Roh-, Zwischen- oder Enderzeugnissen für die
menschliche oder tierische Ernährung in Berührung kommen können und
8. als sonstiges Material, das die in Nummer 6 und 7 genannten Erzeugnisse
kontaminieren kann oder zu deren Herstellung oder Wiederaufbereitung
dient.
(3) Das Verbot nach Nummer 13.1. Abs. 2 gilt nicht für Altholz, welches nach
der Altholzverordnung verwertet wird.

Anhang IV Nr. 14
Polychlorierte Biphenyle und Terphenyle sowie Monomethyltetrachlor-
diphenylmethan, Monomethyldichlordiphenylmethan und Monomethyl-
dibromdiphenylmethan
(1) Folgende Stoffe, Zubereitungen und Erzeugnisse dürfen nicht hergestellt
oder verwendet werden:
1. polychlorierte (das heißt tri- und höherchlorierte) Biphenyle (PCB),
2. polychlorierte Terphenyle (PCT),
3. Monomethyltetrachlordiphenylmethan,
4. Monomethyldichlordiphenylmethan,
5. Monomethyldibromdiphenylmethan,
6. Zubereitungen mit insgesamt mehr als 50 Milligramm pro Kilogramm der
Stoffe nach Nummer 1 bis 5,
7. Erzeugnisse, die Stoffe nach Nummer 1 bis 5 oder Zubereitungen nach
Nummer 6 enthalten,
8. Zubereitungen und Erzeugnisse, bei denen der Verdacht besteht, dass sie
unter Nummer 6 oder 7 fallen, solange bis das Gegenteil bewiesen ist.
(2) Das Verbot nach Absatz 1 gilt nicht für
1. die in § 2 Abs. 1 Nr. 1 und 2 und Absatz 2 Satz 1 des Chemikaliengesetzes
aufgeführten Stoffe und Zubereitungen,
2. das Mischen gleicher Stoffe, Zubereitungen oder Erzeugnisse nach Absatz 1,
sofern es nicht dem Wiederauffüllen von Erzeugnissen dient, die PCB oder
PCT enthalten,
3. die Verwendung von Erzeugnissen nach Absatz 1 Nr. 7 und 8 zum Zwecke
der Verwertung nach § 2 Abs. 2 der PCB/PCT-Abfallverordnung,
4. Altholz, welches nach der Altholzverordnung verwertet wird,
5. Holzhackschnitzel, Holzspäne, Holzwerkstoffe und daraus hergestellte
Erzeugnisse, die nicht insgesamt mehr als 5 Milligramm pro Kilogramm der
Stoffe nach Absatz 1 Nr. 1 bis 5 enthalten,

87
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Anhänge zur GefStoffV

6. die vorübergehende außerbetriebliche Überlassung von Transformatoren


zum ausschließlichen Zweck einer zulässigen Instandhaltung, Beförderung
oder Neubefüllung,
7. das Neubefüllen von PCB- oder PCT-kontaminierten Transformatoren mit
Isolierflüssigkeiten, die kein PCB oder PCT enthalten, wenn
a) die PCB-Konzentration in der auszutauschenden Isolierflüssigkeit einen
Wert von 2000 Milligramm pro Kilogramm (ppm) nicht überschreitet und
b) die PCB-Konzentration der Isolierflüssigkeit nach der Neubefüllung
auch nach einer Betriebszeit von sechs Monaten den in Absatz 1 Nr. 6
genannten Grenzwert nicht überschreiten wird; nach Ablauf dieses Zeit-
raumes hat der Betreiber die Einhaltung des Grenzwerts nach Absatz 1
Nr. 6 durch eine Messung der PCB-Konzentration der Isolierflüssigkeit
zu überprüfen.
(3) Das Verbot nach Absatz 1 gilt nicht für die Reinigung und anschließende
Neubefüllung von Transformatoren, die Isolierflüssigkeiten mit mehr als 1000
Milligramm pro Kilogramm PCB enthalten und für Reinigungsverfahren, die
zur unmittelbaren Zerstörung der in der Isolierflüssigkeit enthaltenen PCB
oder PCT führen, wenn
1. die PCB-Konzentration der Isolierflüssigkeit nach Beendigung des Reini-
gungsprozesses, der einmaligen Neubefüllung mit Isolierflüssigkeiten, die
kein PCB oder PCT enthalten, und erforderlichenfalls einer Nachreinigung
ohne Neubefüllung den Grenzwert nach Absatz 1 Nr. 6 dauerhaft nicht
überschreiten wird,
2. die insgesamt bei der Entleerung und Reinigung anfallende Menge flüssiger
Abfälle das 1,2-fache der maximal zulässigen Füllstandsmenge des Trans-
formators nicht überschreitet,
3. die ordnungsgemäße Entsorgung der anfallenden Abfälle sichergestellt ist,
4. die bei Außerbetriebnahme des gereinigten Transformators anfallende Iso-
lierflüssigkeit ordnungsgemäß verwertet wird, und
5. Gefahren für Leben und Gesundheit des Menschen oder für die Umwelt
nicht zu besorgen sind.
Der Betreiber des Transformators hat die Reinigung nach Satz 1 der zuständi-
gen Behörde sechs Wochen vor Beginn anzuzeigen sowie mitzuteilen, wer die
Reinigung durchführt, welches Verfahren dabei angewendet wird und welcher
zeitliche Ablauf vorgesehen ist. Die Reinigung darf nur von einem behördlich
anerkannten Betrieb durchgeführt werden. Das angewandte Reinigungsverfah-
ren ist auch im Verfahren zur Anerkennung des Betriebes darzulegen. Die
Anerkennung ist zu erteilen, wenn keine Bedenken gegen die Zuverlässigkeit
des Betriebes und die Eignung des Reinigungsverfahrens bestehen. Nach Ab-
schluss der Maßnahme ist die dauerhafte Einhaltung des Grenzwerts nach Ab-

88
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Anhang IV

satz 1 Nr. 6 durch Vorlage der Ergebnisse einer Messung der PCB-
Konzentration in der Isolierflüssigkeit der zuständigen Behörde nachzuweisen,
die nach einer Betriebszeit von einem Jahr nach der Neubefüllung oder von
sechs Monaten nach einer abschließenden Nachreinigung durchzuführen ist.
Anschließend hat der Betreiber die PCB-Konzentration in der Isolierflüssigkeit
des Transformators nach vier Jahren zu messen und das Messergebnis der zu-
ständigen Behörde mitzuteilen.
(4) Stoffe im Sinne von Absatz 1 Nr. 1 bis 5, Zubereitungen im Sinne von Ab-
satz 1 Nr. 6 oder 8 sowie Bauteile in Erzeugnissen im Sinne von Absatz 1 Nr. 7
oder 8, die PCB als Dielektrikum enthalten, sind zu entfernen und nach der
PCB/PCT-Abfallverordnung zu beseitigen.

Anhang IV Nr. 15
Vinylchlorid
Erzeugnisse, die Vinylchlorid (Chlorethen) als Treibgas für Aerosole enthalten,
dürfen nicht hergestellt oder verwendet werden. Ausgenommen von dem Ver-
bot nach Satz 1 sind die in § 2 Abs. 1 Nr. 1 und 2 und Abs. 2 Satz 1 des Chemi-
kaliengesetzes aufgeführten Stoffe und Zubereitungen.

Anhang IV Nr. 16
Starke Säure-Verfahren zur Herstellung von Isopropanol
Isopropanol darf nach dem Starke Säure-Verfahren nicht hergestellt werden.

Anhang IV Nr. 17
Cadmium und seine Verbindungen

17.1 Cadmium und seine Verbindungen zur Einfärbung


(1) Cadmium und Cadmiumverbindungen dürfen nicht zum Einfärben von
Erzeugnissen oder ihrer Bestandteile, die aus den folgenden Stoffen und Zube-
reitungen hergestellt wurden, verwendet werden:
1. Polyvinylchlorid (PVC),
2. Polyurethan (PUR),
3. Polyethylen niedriger Dichte mit Ausnahme des für die Herstellung von
Pigmentpräparationen („master batch“) verwendeten Polyethylens niedri-
ger Dichte,
4. Celluloseacetat (CA),
5. Celluloseacetobutyrat (CAB),

89
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Anhänge zur GefStoffV

6. Epoxidharze,
7. Melaminharzformaldehyd (MF),
8. Harnstoffformaldehyd (UF),
9. ungesättigte Polyester (UP),
10. Polyethylenterephthalat (PET),
11. Polybutylenterephthalat (PBT),
12. Polystyrol glasklar/Standard,
13. Acrylnitrilmethylmethacrylat (AMMA),
14. vernetztes Polyethylen (VPE),
15. Polystyrol, schlagfest (SB) und
16. Polypropylen (PP).
Das Verbot nach Satz 1 gilt nicht für Erzeugnisse, soweit sie aus Sicherheits-
gründen mit Cadmium oder Cadmiumverbindungen gefärbt oder stabilisiert
werden müssen.
(2) Anstrichfarben und Lacke mit einem Massengehalt an Cadmium oder Cad-
miumverbindungen von über 0,01 % dürfen nicht verwendet werden. Das
Verbot nach Satz 1 gilt nicht für Zubereitungen mit hohem Zinkanteil, sofern
der Massengehalt von Cadmium oder Cadmiumverbindungen so niedrig wie
möglich gehalten wird und 0,1 % nicht übersteigt.

17.2 Cadmium und seine Verbindungen als Stabilisierungsmittel


Cadmium und seine Verbindungen dürfen nicht als Stabilisierungsmittel in den
nachstehend aufgeführten Erzeugnissen aus Vinylchloridpolymeren und
-copolymeren verwendet werden:
1. Verpackungsmaterial,
2. Bürobedarf und Schulbedarf,
3. Beschläge,
4. Bekleidung und Accessoires (einschließlich Handschuhe),
5. Boden- und Wandverkleidungen,
6. imprägnierte, bestrichene oder beschichtete Textilien,
7. Kunstleder,
8. Schallplatten,
9. Rohre und Anschlussteile,
10. Pendeltüren,
11. Innen- und Außenverkleidung sowie Karosserieböden von Straßenver-
kehrsmitteln,

90
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Anhang IV

12. Beschichtung von im Baugewerbe oder in der Industrie verwendeten Stahl-


blechen sowie
13. Kabelisolierungen.
Das Verbot nach Satz 1 gilt nicht für Erzeugnisse, soweit sie aus Sicherheits-
gründen mit Cadmium oder Cadmiumverbindungen gefärbt oder stabilisiert
sein müssen.

17.3 Cadmium und seine Verbindungen zur Cadmierung


(1) Cadmium und seine Verbindungen dürfen nicht zur Oberflächenbehand-
lung metallischer Oberflächen verwendet werden
1. von folgenden Erzeugnissen:
a) Haushaltsgeräte,
b) Möbel,
c) sanitäre Anlagen,
d) Zentralheizungen und Klimaanlagen,
e) Personenkraftwagen und landwirtschaftliche Fahrzeuge,
f) Schienenfahrzeuge,
g) Schiffe,
h) in der Materialflusstechnik eingesetzte Einrichtungen,
2. von Geräten und Maschinen zur Herstellung von
a) Erzeugnissen im Sinne der Nummer 1 Buchstabe a bis g,
b) Textilien und Bekleidung,
c) Papier und Pappe,
d) Lebensmitteln sowie
3. von Geräten und Maschinen für
a) die Landwirtschaft,
b) das Gefrieren und Tiefgefrieren,
c) Druckereien und Buchbindereien.
Das Verbot gilt auch für Bestandteile dieser Erzeugnisse, Geräte und Maschi-
nen.
(2) Absatz 1 gilt nicht für
1. Erzeugnisse und deren Bestandteile, sofern die Anwendung
a) in der Luft- und Raumfahrt,
b) im Bergbau,
c) in der off-shore-Technik sowie
d) im Kernenergiebereich
ein hohes Sicherheitsniveau erfordert,

91
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Anhänge zur GefStoffV

2. Komponenten von Sicherheitseinrichtungen in


a) Straßenverkehrsmitteln,
b) landwirtschaftlichen Fahrzeugen,
c) Schienenfahrzeugen und
d) Schiffen,
3. elektrische Kontakte von Geräten, wenn es für deren Zuverlässigkeit erfor-
derlich ist.

Anhang IV Nr. 18
Kurzkettige Chlorparaffine (Alkane, C10-C13, Chlor)
Kurzkettige Chlorparaffine sowie Stoffe und Zubereitungen, die kurzkettige
Chlorparaffine mit einem Massengehalt von insgesamt mehr als 1 % enthalten,
dürfen nicht verwendet werden
1. in der Metallverarbeitung und Metallbearbeitung sowie
2. zum Behandeln von Leder.

Anhang IV Nr. 19
Kühlschmierstoffe
(1) Kühlschmierstoffe, denen nitrosierende Agenzien als Komponenten zuge-
setzt worden sind, dürfen nicht verwendet werden.
(2) Der Arbeitgeber hat sich im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung nach § 7
zu vergewissern, dass den eingesetzten Kühlschmierstoffen keine nitrosierenden
Stoffe zugesetzt wurden.

Anhang IV Nr. 20
DDT
1,1,1-Trichlor-2,2-bis(4-chlorphenyl)ethan und seine Isomere (DDT) sowie
Zubereitungen, die DDT als Wirkstoff enthalten, dürfen nicht hergestellt oder
verwendet werden.

Anhang IV Nr. 21
Hexachlorethan
Hexachlorethan darf zur Herstellung oder Verarbeitung von Nichteisenmetal-
len nicht verwendet werden.

92
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Anhang IV

Anhang IV Nr. 22
Biopersistente Fasern
(1) Folgende mineralfaserhaltige Gefahrstoffe dürfen nicht zu Zwecken der
Wärme- und Schalldämmung im Hochbau einschließlich technischer Isolierun-
gen und bei Lüftungsanlagen hergestellt oder verwendet werden:
1. künstliche Mineralfasern (künstlich hergestellte ungerichtete glasige (Silikat-)
Fasern mit einem Massengehalt von über 18 % an Oxiden von Natrium, Ka-
lium, Calcium, Magnesium und Barium),
2. Zubereitungen und Erzeugnisse, die künstliche Mineralfasern mit einem
Massengehalt von insgesamt mehr als 0,1 % enthalten.
(2) Absatz 1 gilt nicht, wenn die künstlichen Mineralfasern eines der folgenden
Kriterien erfüllen:
1. ein geeigneter Intraperitonealtest hat keine Anzeichen von übermäßiger
Kanzerogenität zum Ausdruck gebracht,
2. die Halbwertszeit nach intratrachealer Instillation von 2 mg einer Fasersus-
pension für Fasern mit einer Länge größer 5 Mikrometer, einem Durchmes-
ser kleiner 3 Mikrometer und einem Länge-zu-Durchmesser-Verhältnis von
größer 3 zu 1 (WHO-Fasern) beträgt höchstens 40 Tage,
3. der Kanzerogenitätsindex KI, der sich aus der Differenz zwischen der Sum-
me der Massengehalte (in %) der Oxide von Natrium, Kalium, Bor, Calci-
um, Magnesium, Barium und dem doppelten Massengehalt (in %) von Alu-
miniumoxid ergibt, ist bei künstlichen Mineralfasern mindestens 40,
4. Glasfasern, die für Hochtemperaturanwendungen bestimmt sind, die
a) eine Klassifikationstemperatur von 1000 Grad Celsius bis zu 1200 Grad
Celsius erfordern, besitzen eine Halbwertszeit nach den unter Satz 1
Nr. 2 genannten Kriterien von höchstens 65 Tagen oder
b) eine Klassifikationstemperatur von über 1200 Grad Celsius erfordern, be-
sitzen eine Halbwertzeit nach den unter Satz 1 Nr. 2 genannten Kriterien
von höchstens 100 Tagen.
(3) Spritzverfahren unter Verwendung von krebserzeugenden Mineralfasern
sind verboten.

Anhang IV Nr. 23
Besonders gefährliche krebserzeugende Stoffe
Die folgenden Gefahrstoffe dürfen nur in geschlossenen Anlagen hergestellt
oder verwendet werden:
1. 6-Amino-2-ethoxynaphthalin,
2. Bis(chlormethyl)ether,

93
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Anhänge zur GefStoffV

3. Cadmiumchlorid (in atembarer Form),


4. Chlormethyl-methylether,
5. Dimethylcarbamoylchlorid,
6. Hexamethylphosphorsäuretriamid,
7. 1,3-Propansulton,
8. N-Nitrosaminverbindungen, ausgenommen solche, bei denen sich in ent-
sprechenden Prüfungen ein Hinweis auf krebserzeugende Wirkungen nicht
ergeben hat,
9. Tetranitromethan,
10. 1,2,3-Trichlorpropan.

Anhang IV Nr. 24
Flammschutzmittel
Pentabromdiphenylether (C12H5Br5O) und Octabromdiphenylether
(C12H2Br8O) sowie Stoffe und Zubereitungen mit einem Massengehalt von
insgesamt mehr als 0,1 % dieser Stoffe dürfen nicht verwendet werden.
Das Verbot gilt bis zum 31. März 2006 nicht für die Verwendung von Pen-
tabromdiphenylether und Pentabromdiphenyletherhaltigen Zubereitungen in
Notevakuierungssystemen von Flugzeugen sowie deren Bestandteilen.

Anhang IV Nr. 25
Azofarbstoffe
Stoffe und Zubereitungen mit einem Massengehalt von mehr als 0,1 % des
„Blauen Farbstoffs“ mit der EG-Nummer 405-665-4 (Gemisch aus: Dinatrium-
(6-(4-anisidino)-3-sulfonato-2-(3,5-dinitro-2-oxido-phenylazo)-1-naphtholato)
(1-(5-chlor-2-oxido-phenylazo)-2-naphtholato) chromat(1-) und Trinatrium
bis(6-(4-anisidino)-3-sulfonato-2-(3,5-dinitro-2-oxido-phenylazo)-1-naphtho-
lato)chromat(1-)) dürfen zum Färben von Textil- und Ledererzeugnissen nicht
verwendet werden.

Anhang IV Nr. 26
Alkylphenole
Nonylphenol [C6H4(OH)C9H19] und Nonylphenolethoxylate [C15H23O
(C2H4O)nH] sowie Zubereitungen mit einem Massengehalt von insgesamt mehr
als 0,1 % Nonylphenol oder 0,1 % Nonylphenolethoxylate dürfen für folgende
Zwecke nicht verwendet werden:

94
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Anhang IV

1. zur industriellen und gewerblichen Reinigung, ausgenommen in geschlosse-


nen Anlagen für die chemische Reinigung sowie in sonstigen Reinigungsan-
lagen, sofern die Reinigungsflüssigkeit aus den vorgenannten Anlagen recy-
celt oder verbrannt wird,
2. zur Haushaltsreinigung,
3. zur Textil- und Lederverarbeitung, ausgenommen Verarbeitungsprozesse,
bei denen kein Nonylphenolethoxylat in das Abwasser gelangt, sowie in An-
lagen zum Entfetten von Schafshäuten, sofern die organische Fraktion vor
der biologischen Abwasserbehandlung vollständig aus dem Prozesswasser
entfernt wird,
4. als Emulgator in Zitzenbehandlungsmitteln,
5. zur Metallbearbeitung und Metallverarbeitung, ausgenommen in geschlosse-
nen Anlagen, bei denen die Reinigungsflüssigkeit recycelt oder verbrannt
wird,
6. zur Herstellung von Zellstoff und Papier,
7. als Bestandteil von kosmetischen Mitteln,
8. als Bestandteil von sonstigen Körperpflegemitteln, ausgenommen als Sper-
mizid,
9. als Formulierungshilfsstoff in Pflanzenschutzmitteln und Bioziden, ausge-
nommen vor dem 17. Juli 2003 zugelassene Pflanzenschutzmittel und
Biozide bis zum Auslaufen der Zulassung, sowie Biozide, die der Über-
gangsregelung nach § 28 Abs. 8 des Chemikaliengesetzes unterliegen.

Anhang IV Nr. 27
Chromathaltiger Zement
Zement und Zubereitungen, die Zement enthalten, dürfen nicht verwendet
werden, wenn in der nach Wasserzugabe gebrauchsfertigen Form der Gehalt an
löslichem Chrom VI mehr als 2 Milligramm pro Kilogramm Trockenmasse des
Zements beträgt. Hiervon ausgenommen ist die Verwendung in überwachten
geschlossenen und vollautomatischen Prozessen sowie in solchen Prozessen, bei
denen Zement und zementhaltige Zubereitungen ausschließlich mit Maschinen
in Berührung kommen und keine Gefahr von Hautkontakt besteht.

95
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Anhänge zur GefStoffV

Anhang IV Nr. 28
Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK)

Weichmacheröle mit einem Gehalt an Benzo(a)pyren von mehr als 1 mg pro kg


oder einem Gehalt an Benzo(a)pyren, Benzo(e)pyren, Benzo(a)anthracen,
Chrysen, Benzo(b)fluoranthen, Benzo(j)fluoranthen, Benzo(k)fluoranthen und
Dibenzo(a,h)anthracen von insgesamt mehr als 10 mg pro kg dürfen ab dem
1. Januar 2010 nicht für die Herstellung von Reifen oder Reifenbestandteilen
für Kraftfahrzeuge, Lastkraftwagen, Schwerlaster, Krafträder und landwirt-
schaftliche Fahrzeuge verwendet werden. Die genannten Grenzwerte gelten als
eingehalten, wenn der Gehalt an polyzyklischen aromatischen Verbindungen,
gemessen gemäß der Norm IP346 (Bestimmung der polyzyklischen Aromaten
in nicht verwendeten Schmierölen und asphaltfreien Erdölfraktionen – Di-
methylsulfoxid (DMSO)-Extraktion-Brechungsindex-Methode des Institute of
Petroleum von 1998) weniger als 3 Masseprozent beträgt. Die Einhaltung der
Grenzwerte sowie die Korrelation der Messwerte mit dem DMSO-Extrakt sind
vom Hersteller oder Importeur nach jeder größeren Änderung der Betriebsver-
fahren, spätestens jedoch alle sechs Monate, zu überprüfen.

Anhang IV Nr. 29
Toluol

Toluol und Zubereitungen mit einem Massegehalt von 0,1 % oder mehr Toluol
dürfen ab dem 15. Juni 2007 nicht in Klebstoffen und Sprühfarben, die für die
Abgabe an den privaten Endverbraucher bestimmt sind, verwendet werden.

Anhang IV Nr. 30
1,2,4-Trichlorbenzol

1,2,4-Trichlorbenzol und Zubereitungen mit einem Massegehalt von 0,1 % oder


mehr 1,2,4-Trichlorbenzol dürfen ab dem 15. Juni 2007 nicht verwendet wer-
den. Das Verbot nach Satz 1 gilt nicht für die Verwendung
1. als Synthesezwischenprodukt,
2. als Prozesslösemittel in geschlossenen chemischen Anwendungen für Chlo-
rierungsreaktionen oder
3. bei der Herstellung von 1,3,5-Trinitro-2,4,6-triaminobenzol (TATB).

96
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Anhang IV

Anhang IV Nr. 31
Korrosionsschutzmittel
(1) Korrosionsschutzmittel, die gleichzeitig nitrosierende Agenzien oder deren
Vorstufen (z.B. Nitrit) und sekundäre Amine (einschließlich verkappter sekun-
därer Amine) enthalten, dürfen nicht verwendet werden. Ausgenommen sind
sekundäre Amine, deren zugehörige N-Nitrosamine nachweislich keine krebs-
erzeugenden Stoffe der Kategorie 1 oder 2 sind.
(2) Wassermischbare und wassergemischte Korrosionsschutzmittel, die im
Anlieferzustand nitrosierende Agenzien oder deren Vorstufen (z.B. Nitrit)
enthalten, dürfen nicht verwendet werden.
(3) Der Arbeitgeber hat sich im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung nach § 7
zu vergewissern, dass die eingesetzten Korrosionsschutzmittel den Anforde-
rungen gemäß den Absätzen 1 und 2 entsprechen.

Anhang IV Nr. 32

Perfluoroctansulfonate (PFOS)
(1) Perfluoroctansulfonate (PFOS; Perfluoroctansulfonsäure, -metallsalze,
-halogenide, -amide und andere Derivate einschließlich Polymere) und Zuberei-
tungen mit einem Massengehalt von 0,005 % PFOS oder mehr dürfen ab dem
27. Juni 2008 nicht verwendet werden.
(2) Das Verbot nach Absatz 1 gilt nicht für folgende Stoffe und Zubereitungen
und für Stoffe und Zubereitungen, die zur Herstellung dieser Stoffe und Zube-
reitungen verwendet werden:
1. Fotoresistlacke und Antireflexbeschichtungen für fotolithografische Pro-
zesse,
2. fotografische Beschichtungen von Filmen, Papieren und Druckplatten,
3. Antischleiermittel für nichtdekoratives Hartverchromen (Chrom VI) und
Netzmittel für überwachte Galvanotechniksysteme, bei denen die Menge der
PFOS-Emissionen in die Umwelt durch vollständigen Einsatz der besten
verfügbaren Technologien gemäß der Richtlinie 96/61/EG des Rates vom
24. September 1996 über die integrierte Vermeidung und Verminderung der
Umweltverschmutzung auf ein Mindestmaß reduziert wird,
4. Hydraulikflüssigkeiten für die Luft- und Raumfahrt.
(3) Abweichend von Absatz 1 dürfen Feuerlöschschäume, die vor dem 27. De-
zember 2006 in den Verkehr gebracht wurden, bis zum 27. Juni 2011 verwendet
werden.

97
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Anhänge zur GefStoffV

(4) Der Anmeldestelle nach dem Chemikaliengesetz und der zuständigen Lan-
desbehörde sind in elektronischer Form unter Verwendung des auf der Inter-
netseite der Anmeldestelle bereitgestellten elektronischen Formulars von den
Besitzern bis spätestens zum 30. August 2008 anzuzeigen:
a) die vorhandenen Bestände von PFOS enthaltenden Feuerlöschschäumen,
b) Prozesse, für die die Ausnahmeregelungen nach Absatz 2 Nr. 3 gelten, sowie
Angaben zu den dabei verwendeten und freigesetzten Mengen an PFOS.

98
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Amtliche Begründung

Begründung zum Entwurf einer Verordnung zur


Anpassung der Gefahrstoffverordnung an die
EG-Richtlinie 98/24/EG und andere EG-Richtlinien

A. Allgemeiner Teil

A.I. Ausgangslage
Die Bundesregierung ist verpflichtet, die inzwischen erlassenen EG-Arbeits-
schutz-Richtlinien zu Gefahrstoffen rechtzeitig in nationales Recht umzuset-
zen.
Insbesondere ist die Richtlinie 98/24/EG über den Schutz der Arbeitnehmer
vor Gefährdungen durch chemische Arbeitsstoffe bei der Arbeit in vollem
Umfang umzusetzen. Nach Auffassung der Bundesregierung ist dies bereits im
wesentlichen mit den Änderungsverordnungen zur Gefahrstoffverordnung seit
1998 erfolgt. Die EG-Kommission teilt diese Auffassung jedoch nicht. Sie hat
der Bundesregierung ein Klageverfahren wegen unzureichender Umsetzung der
EG-Richtlinie 98/24/EG angedroht. Den Bedenken der EG-Kommission wird
nunmehr durch die Umsetzung der EG-Richtlinie 98/24/EG in der Gefahr-
stoffverordnung begegnet. Die Richtlinie 98/24/EG wird dabei weitgehend
inhaltsgleich und in sprachlich angepasster Form übernommen. Darüber hinaus
sind die Ausweitung der sogenannten „Krebs-Richtlinie“ 90/394/EWG auf
erbgutverändernde Stoffe (Richtlinie 99/38/EG) und die umfangreiche Ände-
rung der Richtlinie 83/477/EWG über den Schutz vor Asbest (Richtlinie
2003/18/EG) in nationales Recht umzusetzen.
Die Bundesregierung hat ferner erklärt, dass sie die ILO-Übereinkommen
Nr. 170 zum Schutz der Arbeitnehmer vor Gefährdungen durch chemische
Arbeitsstoffe und Nr. 184 über den Arbeitsschutz in der Landwirtschaft ratifi-
zieren wird. Der vorliegende Verordnungsentwurf schafft die Voraussetzungen
für die Ratifizierung dieser Übereinkommen.
Die Umsetzung der überwiegend nicht aufeinander abgestimmten Rechtstexte
muss so erfolgen, dass eine widerspruchsfreie Rechtsvorschrift entsteht, die den
europäischen und internationalen Verpflichtungen der Bundesregierung gerecht
wird. Gleichzeitig sind bewährte nationale Schutzstandards beizubehalten.

99
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Amtliche Begründung

A.II. Ziel
Die EG-bedingten Rechtsvereinfachungen im Gefahrstoffbereich, die formale
Umsetzung der EG-Richtlinien, insbesondere der Richtlinie 98/24/EG, sowie
die Vorbereitung der Ratifizierung der ILO-Übereinkommen erfolgen im
Rahmen einer Artikelverordnung zur Neufassung der Gefahrstoffverordnung.
Die Novelle der Gefahrstoffverordnung (Artikel 1) konzentriert sich im we-
sentlichen auf eine weitgehend inhaltsgleiche und sprachlich angepasste Umset-
zung der einschlägigen EG-Richtlinien sowie auf die formale Angleichung des
Aufbaus der Verordnung an das Arbeitsschutzgesetz. Anforderungen aufgrund
der zu ratifizierenden ILO-Übereinkommen wurden in den Verordnungsent-
wurf eingearbeitet, soweit sie nicht bereits in den EG-Regelungen erkennbar
enthalten sind.
Die Artikel 2 bis 16 dienen der Rechtsangleichung anderer Rechtsverordnungen
an die novellierte Gefahrstoffverordnung.
Der Bundesrat hat zugestimmt.

A.III. Kosten und Preiswirkungen

A.III.1 Finanzielle Auswirkungen auf die öffentlichen Haushalte


a. Haushaltsausgaben mit geringfügigem Vollzugsmehraufwand (im Bund)
Finanzielle Auswirkungen sind geringfügig zu erwarten (für den Bund).

b. Vollzugsaufwand
Es bestehen geringfügige finanzielle Auswirkungen auf den Vollzugsaufwand
des Bundes insbesondere aufgrund eines dauerhaften Personalmehrbedarfs von
2 Personenjahren bei der Unfallkasse des Bundes; bei entsprechend geringfügi-
ger Entlastung der Länder. Insgesamt werden keine neuen Vollzugsaufgaben
geschaffen, da die materiellen Regelungen der EG-Richtlinien sowie der ILO-
Übereinkommen bereits jetzt weitgehend durch die Gefahrstoffverordnung
und das zugehörige Regelwerk umgesetzt sind.

A.III.2 Sonstige Kosten


Für die sozialen Sicherungssysteme entstehen keine Mehrkosten.
Für die Wirtschaft entstehen durch die Novelle der Gefahrstoffverordnung
keine zusätzlichen Kosten, da praktisch keine neuen materiellen Regelungen
eingeführt werden.

100
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Amtliche Begründung

B Besonderer Teil

B.I. Zu Artikel 1 [Verordnung zum Schutz vor Gefahrstoffen


(Gefahrstoffverordnung – GefStoffV)]

Erster Abschnitt: Anwendungsbereich und Begriffsbestimmungen

§1 Anwendungsbereich
Absatz 1 legt den Anwendungsbereich der gesamten Verordnung in allgemeiner
Formulierung fest. Einschränkungen des Anwendungsbereichs ergeben sich aus
§ 2 Abs. 3 bis 5 und § 19 Abs. 1 des Chemikaliengesetzes, der festlegt, dass
Maßnahmen zum Schutz der Beschäftigten nur insoweit nach dem Chemika-
liengesetz festgelegt werden können, als nicht bereits entsprechende Vorschrif-
ten nach dem Atomgesetz, Bundes-Immissionsschutzgesetz, Pflanzenschutzge-
setz oder Sprengstoffgesetz bestehen. Auf Beschluss des Bundesrates wurde
eingefügt, dass die Gefahrstoffverordnung neben Regelungen zum Schutz der
Beschäftigten auch solche zum Schutz der Umwelt vor stoffbedingten Schädi-
gungen enthält.
Die Absätze 2 und 5 entsprechen dem § 2 Abs. 1, 2, 4 und 5 der bisherigen
Verordnung. Es wird klargestellt, dass der Zweite Abschnitt nicht gilt für Le-
bensmittel oder Futtermittel in Form von Fertigerzeugnissen, die für den End-
verbraucher bestimmt sind (Art. 1 Abs. 2 der Richtlinie 67/548/EWG und
Art. 1 Abs. 5 der Richtlinie 1999/45/EG).
Absatz 3 entspricht dem § 2 Abs. 3 der bisherigen Verordnung in einer den
umgesetzten EG-Richtlinien angepassten Form.
Absatz 4 klärt den Anwendungsbereich der Gefahrstoffverordnung in Bezug
auf die gesetzlichen Regelungen im Transportbereich.
Hinweis: § 1 der bisherigen Verordnung ist ersatzlos entfallen.

§2 Bezugnahme auf EG-Richtlinien


§ 2 entspricht dem § 1a der bisherigen Verordnung. Die EG-Richtlinien sind im
Wortlaut im Internet auf der Homepage der Bundesanstalt für Arbeitsschutz
und Arbeitsmedizin (http://www.baua.de) oder der EU-Kommission verfüg-
bar.

§3 Begriffsbestimmungen
Absatz 1 übernimmt wörtlich die Definition des Begriffs „Gefahrstoffe“ aus
dem § 19 Abs. 2 Nr. 1 bis 4 des Chemikaliengesetzes, die weitgehend mit der

101
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Amtliche Begründung

Definition des Begriffs „gefährlicher chemischer Arbeitsstoff“ in der Richtlinie


98/24/EG übereinstimmt. Eine weitere Konkretisierung soll in der TRGS 001
erfolgen.
Absatz 2 definiert „krebserzeugend“, „erbgutverändernd“ und „fruchtbarkeits-
gefährdend“ gemäß den einschlägigen EG-Richtlinien im Hinblick auf den
Dritten und Vierten Abschnitt der Verordnung.
Absatz 3 definiert den Begriff „Tätigkeit“ nach Artikel 2 Buchstabe c) der EG-
Richtlinie 98/24/EG und entspricht inhaltlich dem § 3 Abs. 2 der bisherigen
Verordnung.
Absatz 4 definiert den Begriff „Lagern“ entsprechend § 3 Abs. 3 der bisherigen
Verordnung.
Absatz 5 befasst sich mit dem Begriff „Arbeitgeber“. Der Arbeitgeberbegriff
wird in § 2 Abs. 3 des Arbeitsschutzgesetzes definiert. Inhaltlich wird der Be-
griff aus der bestehenden Verordnung übernommen. Zur Klarstellung wird
darauf hingewiesen, dass der gewerbliche Betreiber im Sinne der Betriebssi-
cherheitsverordnung und der Störfallverordnung dem Arbeitgeber gleichzuset-
zen ist. Die Definition des Begriffes „Beschäftigte“ wird entsprechend dem
Vorschlag des Bundesrates angepasst. Zum schutzwürdigen Personenkreis
gehören demnach z. B. auch Doktoranden, Forschungsstipendiaten und sonsti-
ge Personen, die Tätigkeiten mit Gefahrstoffen an anderen Einrichtungen oder
Instituten, die nicht Hochschule sind, durchführen.
Absatz 6 und 7 definieren die Begriffe „Arbeitsplatzgrenzwert“ und „biologi-
scher Grenzwert“ und orientieren sich dabei weitgehend an den Definitionen
gemäß Artikel 2 Buchstabe d) und e) der Richtlinie 98/24/EG und des § 3
Abs. 5 und 6 der bestehenden Verordnung. Die EG-Definitionen der genannten
Begriffe mussten im Wortlaut an die Grenzwertdefinitionen der deutschen
MAK-Kommission und des Ausschusses für Gefahrstoffe angepasst werden.
Absatz 8 definiert die Begriffe „explosionsfähiges Gemisch“, „gefährliches
explosionsfähiges Gemisch“ und „explosionsfähige Atmosphäre“ entsprechend
Anhang V Nr. 8.2 der bisherigen Verordnung.
Absatz 9 definiert den Begriff „explosionsfähig“ und entspricht § 4 Abs. 2
Nr. 1 der bisherigen Verordnung.
Absatz 10 definiert den Begriff „Stand der Technik“ und entspricht § 3 Abs. 9
der bisherigen Verordnung.

102
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Amtliche Begründung

Zweiter Abschnitt: Gefahrstoffinformation

§ 4 Gefährlichkeitsmerkmale entspricht dem § 4 Abs. 1 der bisherigen Verord-


nung und setzt EG-Binnenmarktrecht um.

§5 Einstufung, Verpackung und Kennzeichnung

Absatz 1 entspricht dem § 4a Abs. 1 und 3 der bisherigen Verordnung und setzt
EG-Binnenmarktrecht um.

Absatz 2 entspricht dem § 4b Abs. 1 der bisherigen Verordnung und setzt


EG-Binnenmarktrecht um.

Absatz 3 entspricht dem § 4a Abs. 4 der bisherigen Verordnung und setzt


EG-Binnenmarktrecht um.

Absatz 4 entspricht den §§ 5 Abs. 1 und 12 Abs. 6 der bisherigen Verordnung


und setzt EG-Binnenmarktrecht um.

Absatz 5 verweist auf bestimmte Grundpflichten und zusätzliche Kennzeich-


nungs- und Verpackungsvorschriften des § 12 der bisherigen Verordnung, die
jetzt in Anhang II eingestellt sind.

§6 Sicherheitsdatenblatt

Absatz 1 entspricht dem § 14 Abs. 1 der bisherigen Verordnung und setzt EG-
Binnenmarktrecht um. Die Erstellung des Sicherheitsdatenblattes hat durch
eine fachkundige Person zu erfolgen. Wer Stoffe und Zubereitungen in Verkehr
bringt, muss sicherstellen, dass die fachkundigen Personen entsprechend ge-
schult und weitergebildet sind.

Absatz 2 entspricht den §§ 14 Abs. 3 und 35 Abs. 2 der bisherigen Verordnung


in jetzt EG-konformer Anwendung.

Absatz 3 entspricht dem § 14 Abs. 4 der bisherigen Verordnung und setzt EG-
Binnenmarktrecht um.

Absatz 4 enthält eine Bestimmung aus der Richtlinie 1999/45/EG zu


Gebrauchsanweisungen für giftige, sehr giftige und ätzende Zubereitungen, die
insbesondere im Hinblick auf den Verbraucherschutz relevant ist, und zur
Erleichterung für den Hersteller aufgenommen wurde.

103
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Amtliche Begründung

Dritter Abschnitt: Allgemeine Schutzmaßnahmen

§7 Informationsermittlung und Gefährdungsbeurteilung

Absatz 1 setzt Teile des Artikel 4 Abs. 1 der Richtlinie 98/24/EG um. Er über-
nimmt aus der Richtlinie 98/24/EG die grundlegenden Bestimmungen für die
Durchführung der Gefährdungsbeurteilung.

Absatz 2 setzt Artikel 8 Abs. 3 und Teile des Artikel 4 Abs. 1 der Richtlinie
98/24/EG um.

Danach hat sich der Arbeitgeber die für die Gefährdungsbeurteilung notwendi-
gen Informationen beim Inverkehrbringer oder bei anderen ohne weiteres zu-
gänglichen Stellen zu beschaffen. Satz 2 verweist dabei insbesondere auch auf
die Beurteilungen, die aufgrund von EG-Richtlinien zu chemischen Stoffe für
die Verwender erstellt werden müssen. Als Beispiel hierfür ist die EG-
Altstoffverordnung zu nennen, die eine Verpflichtung zur Durchführung einer
Gefährdungsbeurteilung für die Verwender enthält. In der Diskussion um die
künftige EU-Chemikalienpolitik („REACH-Verordnung“) wird dieser Ansatz
ebenfalls übernommen. Im Rahmen der Registrierung der Chemikalien wird die
Durchführung einer Risikobewertung und die Erstellung eines sog. „Chemical
Safety Reports“ (CSR) durch den Inverkehrbringer gefordert. Dieser CSR
könnte zusammen mit dem Sicherheitsdatenblatt eine gute Grundlage für die
Gefährdungsbeurteilung im Hinblick auf eine konkrete praktische Verwendung
der Stoffe im Betrieb darstellen.

Darüber hinaus wird bestimmt, dass der Arbeitgeber Stoffe und Zubereitungen,
die nicht vom Inverkehrbringer gemäß § 5 Abs. 1 oder 2 eingestuft und gekenn-
zeichnet worden sind, gemäß den Richtlinien 67/548/EWG oder 1999/45/EG
selbst einstufen muss, zumindest aber die von den Stoffen oder Zubereitungen
ausgehenden Gefährdungen für die Beschäftigten ermitteln muss.

Absatz 3 setzt Artikel 4 Abs. 1 und 4 der Richtlinie 98/24/EG im Hinblick auf
die Brand- und Explosionsgefahren um. Da die Gefahrstoffverordnung im
Unterschied zur Betriebssicherheitsverordnung auch den Brand- und Explosi-
onsschutz unter nichtatmosphärischen Bedingungen erfasst, wird insbesondere
darauf hingewiesen, dass sich unter diesen Bedingungen die für den Explosions-
schutz relevanten sicherheitstechnischen Kenngrößen verändern und entspre-
chend der geänderten Gegebenheiten neu berechnet werden müssen. Dies ist in
der Gefährdungsbeurteilung gesondert zu berücksichtigen.

Absatz 4 setzt Artikel 4 Abs. 3 der Richtlinie 98/24/EG um.

Absatz 5 setzt Artikel 4 Abs. 4 der Richtlinie 98/24/EG um.

104
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Amtliche Begründung

Absatz 6 setzt Artikel 4 Abs. 2 der Richtlinie 98/24/EG um und übernimmt


einen Teil des Artikels 3 Abs. 2 der Richtlinie 90/394/EWG.
Absatz 7 bestimmt, dass die Gefährdungsbeurteilung nur von einer fachkundi-
gen Person durchgeführt werden darf. Sofern der Arbeitgeber nicht selbst über
die entsprechenden Kenntnisse verfügt, muss er sich fachkundig beraten lassen.
Diese Regelung übernimmt die Vorgaben aus dem Arbeitssicherheitsgesetz, die
Modelle zur Kleinbetriebsbetreuung aus den Unfallverhütungsvorschriften und
konkretisiert dies für den Gefahrstoffbereich. Anders als in der bisherigen Ge-
fahrstoffverordnung werden wesentliche Entscheidungen und Regelungen
unmittelbar an die Gefährdungsbeurteilung angebunden. Dies erfordert ein
Mindestmaß an Fachkenntnis, da Fehlentscheidungen direkt zu erheblichen
Gesundheitsgefährdungen für die Beschäftigten führen. Satz 3 stellt klar, dass
der Betriebsarzt und die Fachkraft für Arbeitssicherheit fachkundige Personen
im Sinne des Satzes 2 sind. Sofern diese nach dem Arbeitssicherheitsgesetz
bestellt sind, soll die Beratung sowohl durch den Betriebsarzt als auch durch die
Fachkraft für Arbeitssicherheit erfolgen. Unabhängig davon soll die fachkundi-
ge Beratung des Arbeitgebers zur Durchführung der Gefährdungsbeurteilung
auch durch externe fachkundige Personen/Unternehmen möglich sein. Weiter-
hin wird bestimmt, dass der Arbeitgeber bei der Festlegung der Maßnahmen
eine vom Inverkehrbringer oder Hersteller mitgelieferte Gefährdungsbeurtei-
lung übernehmen kann, wenn die in seinem Betrieb durchzuführenden Tätig-
keiten mit den zugrunde gelegten Angaben und Festlegungen übereinstimmen.
Dies ist vom Arbeitgeber im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung zu prüfen.
Die Regelung bringt eine erhebliche Erleichterung vor allem für Handwerksbe-
triebe und kleine und mittlere Unternehmen, da vom Arbeitgeber die erforder-
lichen Maßnahmen lediglich anhand der vom Hersteller/Inverkehrbringer mit-
gelieferten Gefährdungsbeurteilung überprüft und ggf. angepasst werden
müssen. Der Gefährdungsbeurteilung des Herstellers stehen Beurteilungen von
Behörden gleich, wie sie im Rahmen eines gesetzlich vorgeschriebenen Zulas-
sungsverfahrens z. B. bei Pflanzenschutzmitteln oder Arzneimitteln durchge-
führt werden und die in der vorgeschriebenen Gebrauchsanleitung enthalten
sind.
Absatz 8 setzt Artikel 10 Nr. 4 des ILO-Übereinkommens Nr. 170 um.
Absatz 9 entspricht im Grundsatz Artikel 5 Abs. 4 der Richtlinie 98/24/EG.
Jedoch wurde in den Anhörungen zur Verordnung und in den schriftlichen
Stellungnahmen einvernehmlich die Regelung in der EG-Richtlinie kritisiert,
dass als einziges Kriterium für die Entscheidung über eine geringe Gefährdung
die Menge eines Gefahrstoffes herangezogen wird. Absatz 9 Satz 1 benennt
daher in Anlehnung an die Grundnorm des Absatz 1 Satz 2 neben der Stoff-
menge weitere Kriterien (Arbeitsbedingungen, Höhe und Dauer der Expositi-
on. Wird im Rahmen der Gefahrdungsbeurteilung festgestellt, dass Tätigkeiten

105
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Amtliche Begründung

mit geringer Gefährdung vorliegen, und reichen die Maßnahmen nach § 8 aus
um den Schutz der Beschäftigten zu gewährleisten, brauchen keine weiteren
Schutzmaßnahmen nach den §§ 9 bis 17 ergriffen werden. Bei der Gesamtbe-
trachtung der genannten Kriterien müssen alle Kriterien für sich erfüllt sein
(Schutzstufe 1). Satz 2 stellt klar, dass für Gefahrstoffe, die mit dem „Toten-
kopfsymbol“ (z.B. giftige, sehr giftige, krebserzeugende Stoffe) gekennzeichnet
werden, eine geringe Gefährdung nicht in Betracht kommt. Eine solche Unter-
scheidung ist fachlich gerechtfertigt, praxisgerecht und entspricht den Empfeh-
lungen des Ausschusses für Gefahrstoffe. Eine weitere Differenzierung der
Gefährlichkeitsmerkmale, wie z.B. die Unterscheidung zwischen giftigen und
krebserzeugenden Stoffen, ist dem Arbeitgeber erschwert, da die genannten
Gefahrstoffe nach dem EG-System einheitlich mit dem „Totenkopf“-Symbol
gekennzeichnet werden. Dennoch besteht natürlich grundsätzlich die Möglich-
keit einer eindeutigen Differenzierung der gefährlichen Stoffe und Zubereitun-
gen. Die vollständige Einstufung und auch die Kennzeichnung gefährlicher
Stoffe und Zubereitungen umfasst über das Gefahrensymbol hinaus zusätzliche
Angaben und Informationen (z.B. R- und S-Sätze), die eine eindeutige Aussage
über die gefährlichen Eigenschaften und die Zuordnung zu einem oder mehre-
ren Gefährlichkeitsmerkmalen ermöglichen. Diese Angaben sind neben dem
Gefahrensymbol auf der Verpackung/dem Etikett des gefährlichen Stoffes oder
der Zubereitung angegeben oder können in umfassender Form dem Sicher-
heitsdatenblatt entnommen werden. Dabei ist jedoch zu bedenken, dass die
Einstufung und Kennzeichnung der gefährlichen Stoffe und Zubereitungen
immer auf der Basis der verfügbaren Stoffdaten erfolgt. Gleichzeitig beginnt mit
Absatz 9 der Einstieg in das Schutzstufenmodell der Verordnung (geringe Ge-
fährdung = Maßnahmen der Schutzstufe 1).
Bei den in Satz 2 genannten krebserzeugenden und erbgutverändernden Ge-
fahrstoffen handelt es sich insbesondere um Stoffe und Verfahren, die in der
EG-Krebsrichtlinie ausdrücklich genannt und die ins technische Regelwerk
übernommen worden sind. Ergibt sich aus der Beurteilung gemäß Abs. 3, dass
Brand- und Explosionsgefahren vorliegen, sind die Schutzmaßnahmen des § 12
immer anzuwenden. In diesem Fall kann eine geringfügige Gefährdung nicht
unterstellt werden.
Absatz 10 beschreibt die Abgrenzung bzw. den Übergang von § 9 zu den §§ 10
und 11. Absatz 10 ist als Ausnahmeregelung formuliert, damit das Gesamtsys-
tem mit den aufeinander aufbauenden Schutzstufen für die toxischen Gefähr-
dungen erkennbar bleibt. Für geringe Gefährdungen gilt § 8 Abs. 1 bis 8. Sofern
keine geringe Gefährdung vorliegt, bilden die Regelungen in den §§ 9, 10 und
11 ein aufeinander aufbauendes Schutzstufenkonzept. Als Bewertungsgrundla-
ge dient dafür die mit den Tätigkeiten verbundene Gefährdung. Werden keine
Tätigkeiten mit Gefahrstoffen durchgeführt, die mit dem Totenkopf gekenn-

106
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Amtliche Begründung

zeichnet sind, und reichen aufgrund der Gefährdungsbeurteilung die Schutz-


maßnahmen nach den §§ 8 und 9 aus, dann müssen die Maßnahmen nach den
§§ 10 und 11 nicht getroffen werden. „Totenkopf“-Stoffe werden in Absatz 10
eindeutig benannt. Es sind dies giftige und sehr giftige Stoffe sowie krebserzeu-
gende, erbgutverändernde und fruchtbarkeitsgefährdende Stoffe der Kategorie 1
oder 2.
Obwohl dies auf den ersten Blick nicht sofort erkennbar wird, sind mit der
Regelung in Absatz 10 erhebliche Erleichterungen für die Unternehmen ver-
bunden, wobei davon insbesondere Kleinbetriebe profitieren werden. Die ge-
nannten sehr gefährlichen „Totenkopf“-Stoffe werden im allgemeinen insbe-
sondere in Kleinunternehmen nur in ganz bestimmten Ausnahmefällen
verwendet. In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle werden die Maßnahmen
der §§ 8 und 9 ausreichen, um die Gefährdung der Beschäftigten zu minimieren.
Die Regelung ist jedoch nicht nur auf Kleinbetriebe beschränkt. Auch große
Unternehmen können von dieser Erleichterung profitieren, sofern sie die in
Absatz 10 genannten Kriterien erfüllen. Gleichzeitig bietet diese Regelung einen
Anreiz für die Unternehmen, auf „Totenkopf“-Stoffe soweit wie möglich zu
verzichten, da auf diese Weise weitere Schutzmaßnahmen entbehrlich werden.

§8 Grundsätze für die Verhütung von Gefährdungen; Tätigkeiten mit


geringer Gefährdung (Schutzstufe 1)
Absatz 1 setzt Artikel 5 Abs. 1 der Richtlinie 98/24/EG um und übernimmt
Inhalte aus § 10
Abs. 1 der Biostoffverordnung in für Gefahrstoffe angepasster Form. Absatz 1
Satz 3 beinhaltet außerdem die Vermutungswirkung für die vom Ausschuss für
Gefahrstoffe verabschiedeten Technischen Regeln. Dies bedeutet, dass bei An-
wendung und Einhaltung der Technischen Regeln davon auszugehen ist, dass
die Anforderungen der Gefahrstoffverordnung erfüllt sind. Hierin liegt eine
erhebliche Erleichterung für die Praxis, da über die Technischen Regeln kon-
kretisierende Handlungshilfen bereitgestellt werden, die in Einklang mit den
Bestimmungen der Verordnung stehen.
Absatz 2 entspricht Artikel 5 Abs. 2 der Richtlinie 98/24/EG. Er setzt gleich-
zeitig Anforderungen des Artikels 5 Abs. 5 der EU-Krebsrichtlinie um, die
entsprechend der Richtlinie 98/24/EG in vergleichbarer Weise auch für nicht
krebserzeugende Stoffe gelten. Der Arbeitgeber hat auf der Basis der Gefähr-
dungsbeurteilung die erforderlichen Schutzmaßnahmen durchzuführen. Nach
§ 7 Abs. 1 Satz 2 Nr. 8 ist die Wirksamkeit der getroffenen oder zu treffenden
Schutzmaßnahmen zu prüfen. Eine wiederkehrende Prüfung ist notwendig, um
die Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen auf Dauer zu gewährleisten. Der Un-
ternehmer kann die Fristen für die wiederkehrende Überprüfung der Wirksam-

107
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Amtliche Begründung

keit der technischen Schutzmaßnahmen entsprechend des fortschreitenden


Standes der Sicherheitstechnik festlegen. Die Prüfung muss jedoch spätestens
nach 3 Jahren erfolgen. Zur Minimierung des Aufwandes kann die Prüfung
auch im Rahmen von Prüfungen nach anderen Rechtsvorschriften durchgeführt
und aufgezeichnet werden. Die Aufzeichnung kann jedoch auch der Dokumen-
tation der Gefährdungsbeurteilung beigefügt werden.
Absatz 3 legt fest, dass der Arbeitgeber gemäß der Gefährdungsbeurteilung
auch bei Tätigkeiten mit Stoffen und Zubereitungen, die nicht vom Inver-
kehrbringer eingestuft und gekennzeichnet worden sind (siehe § 7 Abs. 2
Satz 4), geeignete Schutzmaßnahmen nach den §§ 8 bis 18 zu treffen hat.
Absatz 4 setzt wesentliche Teile von Artikel 10 Nr. 1 in Verbindung mit Arti-
kel 7 Nr. 1 und 2 des ILO-Übereinkommens Nr. 170 um. Weiterhin wird Arti-
kel 8 Abs. 2 der Richtlinie 98/24/EG umgesetzt. Eine Pflicht zur innerbetriebli-
chen Kennzeichnung besteht nicht, wenn der Gefahrstoff bereits aufgrund
gesetzlicher Vorschriften gekennzeichnet ist, z. B. bei Pflanzenschutzmitteln.
Eine Kennzeichnung von Rohren und Apparaturen kann beim Ausbringen von
Pflanzenschutzmitteln entfallen, wenn die Unterrichtung der Beschäftigten auf
andere Weise sichergestellt ist.
Absatz 5 setzt Artikel 10 Nr. 2 in Verbindung mit Artikel 7 des ILO-
Übereinkommens Nr. 170 um. Zur Konkretisierung dieser Anforderung hat
der Ausschuss für Gefahrstoffe die TRGS 440 „Ermitteln und Beurteilen der
Gefährdungen durch Gefahrstoffe am Arbeitsplatz: Ermitteln von Gefahrstof-
fen und Methoden zur Ersatzstoffprüfung“ erlassen. Der Wortlaut der TRGS
ist über die Homepage der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin
(http://www.baua.de) verfügbar. Absatz 5 Satz 2 enthält eine wesentliche Er-
leichterung für wissenschaftliche Laboratorien, in denen neue Stoffe entwickelt
werden. Die Pflichten des Arbeitgebers zur Gefährdungsermittlung, Einstufung
und Kennzeichnung nach Absatz 3 Satz 2 und 3 sowie Absatz 4 gelten demnach
nicht für neue Stoffe, wenn eine Exposition der Beschäftigten bei Tätigkeiten
mit diesen Stoffen verhindert wird. Da bei der Entwicklung neuer Stoffe in der
Regel keine Aussagen über ihre gefährlichen Eigenschaften gemacht werden
können, würden die Forderungen nach Absatz 3 Satz 2 und 3 und Absatz 4 eine
fast unüberwindbare Hürde bedeuten. Ziel sollte es daher sein, bei diesen Tä-
tigkeiten die Exposition der Beschäftigten mit diesen Stoffen zu vermeiden. Da
in der Laborpraxis im allgemeinen unter Abzügen oder in geschlossenen Syste-
men gearbeitet wird, entspricht diese Regelung dem Stand der Technik und
kommt den Anforderungen der Anwender entgegen.
Die Absätze 6 und 7 entsprechen § 24 Abs. 1 und 2 der bisherigen Verordnung.
Sie wurden auch zur Beibehaltung des bestehenden Verbraucher- und Umwelt-
schutzniveaus in die Verordnung aufgenommen.

108
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Amtliche Begründung

Absatz 8 setzt Artikel 14 des ILO-Übereinkommens Nr. 170 um.

§9 Grundmaßnahmen zum Schutz der Beschäftigten (Schutzstufe 2)


Absatz 1 setzt Artikel 6 Abs. 1 und den ersten Teil des Absatzes 2 der Richtli-
nie 98/24/EG um. Es wird bestimmt, dass bei der Festlegung der Schutzmaß-
nahmen im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung der Grundsatz der Minimie-
rung der Gefährdung zu beachten ist. Demnach müssen die Maßnahmen so
festgelegt werden, dass die Gefährdung für die Gesundheit der Beschäftigten
entweder vermieden oder auf ein Minimum beschränkt wird. Da dieses Ziel
idealerweise durch eine Substitution des Gefahrstoffes oder durch ein weniger
gefährliches Produktions- oder Arbeitsverfahren zu erreichen ist, hat der Ar-
beitgeber bevorzugt diese Möglichkeiten zu prüfen und durchzuführen. Für
den Fall, dass der Arbeitgeber auf eine mögliche Substitution verzichtet, hat er
dies in der Dokumentation der Gefährdungsbeurteilung zu begründen. Als
Kriterium für eine mögliche Substitution wird in der Regel die Einstufung der
gefährlichen Stoffe und Zubereitungen herangezogen. Ein Pflicht zur Substitu-
tion besteht bei Pflanzenschutzmitteln nicht, wenn andere Stoffe, deren Ver-
wendung möglich wäre, ebenfalls als Gefahrstoff in einer vergleichbaren Kate-
gorie eingestuft sind. Bezüglich weiterer Einzelheiten wird auf die einschlägigen
Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS) verwiesen.
Absatz 2 entspricht dem zweiten Teil des Artikels 6 Abs. 2 der Richtlinie
98/24/EG und legt in den Nummern 1 bis 3 die Rangfolge der Schutzmaßnah-
men fest. Sofern eine Gefährdung durch eine Substitution entsprechend Ab-
satz 1 nicht vermieden oder minimiert werden kann, sind im nächsten Schritt
sichere Arbeitsverfahren nach dem Stand der Technik anzuwenden und geeig-
nete Arbeitsmittel zur Verfügung zu stellen. Dabei kann es zweckmäßig sein,
den Stand der Technik branchenbezogen anzuwenden. Erst danach ergibt sich
die Möglichkeit, über kollektive und schließlich persönliche Schutzmaßnahmen
die Gefährdung zu reduzieren.
Absatz 3 bestimmt, dass Beschäftigte bereitgestellte persönliche Schutzausrüs-
tungen benutzen müssen, solange eine Gefährdung besteht. Weiterhin schränkt
Absatz 3 den Einsatz von belastender persönlicher Schutzausrüstung ein. Die-
ser darf keine ständige Maßnahme sein, da damit zusätzliche Gesundheitsge-
fährdungen für die Beschäftigten verbunden sein können. Diese Forderung ist
berechtigt, da entsprechend Artikel 7 Abs. 3 der RL 98/24/EG bei Tätigkeiten
nach einem Unfall, Zwischenfall oder Notfall das Tragen von persönlicher
Schutzausrüstung keine ständige Maßnahme sein darf. Eine Verallgemeinerung
ist erforderlich. Weiterhin werden in Absatz 3 Teile von Artikel 10 Abs. 1 der
Richtlinie 90/394/EWG umgesetzt, die von allgemeiner Gültigkeit sind. Eine
getrennte Aufbewahrung von Arbeits- und Straßenkleidung ist immer dann

109
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Amtliche Begründung

erforderlich, wenn beim Umgang mit Gefahrstoffen eine Verschmutzung der


Arbeitskleidung auftreten kann und in der Folge mit einer Gefährdung der
Beschäftigten zu rechnen ist. Absatz 3 Satz 4 setzt Teile von Artikel 10 Abs. 1
der Richtlinie 90/394/EWG um.

Absatz 4 setzt Artikel 6 Abs. 4 und 5 der Richtlinie 98/24/EG, Artikel 5 Abs. 4
der Richtlinie 90/394/EWG und Artikel 12 Buchstabe a) und c) des ILO-
Übereinkommens Nr. 170 um. Absatz 4 eröffnet die Möglichkeit die Einhal-
tung der Arbeitsplatzgrenzwerte außer durch Arbeitsplatzmessungen auch
durch gleichwertige Beurteilungsverfahren zu ermitteln. Voraussetzung für die
Anwendung des Beurteilungsverfahrens ist es jedoch, dass damit die Einhaltung
der Arbeitsplatzgrenzwerte beurteilt werden kann und die Qualität des Ergeb-
nisses gewährleistet wird.

Eine hervorgehobene Stellung wird auch den vom AGS für bestimmte Tätigkei-
ten und Verfahren ausgearbeiteten verfahrens- und stoffspezifischen Kriterien
(VSK) eingeräumt, die als Technische Regeln vom Bundesministerium für Wirt-
schaft und Arbeit veröffentlicht werden. Verfährt der Arbeitgeber entsprechend
dieser VSK, kann er von einer Einhaltung der Arbeitsplatzgrenzwerte ausgehen.

Die Verordnung unterstellt, dass durch geeignete Schutzmaßnahmen im allge-


meinen die Arbeitsplatzgrenzwerte eingehalten werden. Wird jedoch bei der
Ermittlung festgestellt, dass die Arbeitsplatzgrenzwerte überschritten sind,
muss der Arbeitgeber gemäß Absatz 5 unverzüglich die Gefährdungsbeurtei-
lung erneut durchführen und die Schutzmaßnahmen in der Art anpassen, dass
die Arbeitsplatzgrenzwerte schließlich eingehalten werden.

Sofern trotz der zusätzlich ergriffenen technischen und organisatorischen


Schutzmaßnahmen die Einhaltung des Arbeitsplatzgrenzwertes nicht möglich
ist oder bei hautresorptiven, reizenden, ätzenden oder hautsensibilisierenden
Gefahrstoffen oder Gefahrstoffen, welche die Gesundheit der Beschäftigten
irreversibel schädigen können, eine Gefährdung durch Hautkontakt besteht, hat
der Arbeitgeber unverzüglich zusätzliche Schutzmaßnahmen durchzuführen
insbesondere persönliche Schutzausrüstung bereitzustellen.

Absatz 6 legt fest, dass Personen, die Arbeitsplatzmessungen durchführen, über


die notwendige Fachkunde und die erforderlichen Einrichtungen verfügen
müssen. Dadurch soll die Qualität der Messungen und die Zuverlässigkeit der
Messergebnisse gewährleistet werden. Bei Beauftragung einer akkreditierten
Messstelle kann der Arbeitgeber davon ausgehen, dass sie über die notwendige
Fachkenntnis verfügt und die von dieser Messstelle ermittelten Ergebnisse
zutreffend sind. Dies entspricht § 18 Abs. 2 der bisherigen Verordnung.

Absatz 7 entspricht § 18 Abs. 4 der bisherigen Verordnung.

110
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Amtliche Begründung

Absatz 8 regelt, wie bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen vorzugehen ist, die über
keinen Arbeitsplatzgrenzwert verfügen und setzt damit auch Artikel 6 Abs. 4
der Richtlinie 98/24/EG um. In diesem Fall kann der Arbeitgeber auf Beurtei-
lungsverfahren zurückgreifen, wie sie vom AGS z.B. in der TRGS 440 aufge-
stellt worden sind. Sofern er auf solche Beurteilungsverfahren verzichtet, sind
auch in diesen Fällen Arbeitsplatzmessungen durchzuführen. Diese können
eine Aussage über die Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen machen (Messung
der Luftkonzentration vor und nach der Durchführung der Schutzmaßnah-
men).
Absatz 9 setzt Teile von Artikel 10 Abs. 1 der Richtlinie 90/394/EWG um und
entspricht § 22 Abs. 2 der bisherigen Verordnung. In den Anhörungen und den
schriftlichen Stellungnahmen wurde gefordert, dass das Verbot Nahrungs- und
Genussmittel zu sich zu nehmen, für alle Tätigkeiten mit Gefahrstoffen gelten
soll, bei denen eine Gesundheitsgefährdung für die Beschäftigten besteht.
Absatz 10 setzt Artikel 5 der Richtlinie 1999/92/EG unter Berücksichtigung
des erweiterten Geltungsbereichs der Richtlinie 98/24/EG um und sieht vor,
dass für Beschäftigte, die Tätigkeiten mit Gefahrstoffen alleine durchführen,
eine ausreichende und angemessenen Aufsicht zu gewährleisten ist. Die Auf-
sicht kann auch durch technische Mittel, wie z.B. durch eine Videoüberwa-
chung oder ein automatisches Meldesystem („Totmann-Schaltung“) sicherge-
stellt werden. Diese Forderung wurde in den Anhörungen und in den
schriftlichen Stellungnahmen gestellt. Sie ist berechtigt, da durch diese Maß-
nahmen die Gefährdung für den Beschäftigten z.B. im Hinblick auf einen Un-
fall ausgeschaltet oder zumindest erheblich reduziert werden kann.
Absatz 11 entspricht § 15f der bisherigen Verordnung.
Absatz 12 dient der rechtsförmlichen Anbindung von Anhang III der Verord-
nung und entspricht § 25 der bisherigen Verordnung.

Vierter Abschnitt: Ergänzende Schutzmaßnahmen

§ 10 Ergänzende Schutzmaßnahmen bei Tätigkeiten mit hoher


Gefährdung (Schutzstufe 3)
Absatz 1 enthält im Rahmen des aufeinander aufbauenden Schutzstufenkon-
zepts Maßnahmen bei hoher Gefährdung. Die Schutzmaßnahmen des § 10 sind
ergänzend zu denen der §§ 8 und 9 anzuwenden, sofern die Voraussetzungen
nach § 7 Abs. 10 dafür vorliegen (siehe Ausführungen zu § 7 Abs. 10). Der
gefährdungsbezogene Stufenaufbau der Schutzmaßnahmen in der Gefahrstoff-
verordnung wird hier konsequent weitergeführt. Falls eine Substitution nicht
möglich ist, muss die Herstellung und die Verwendung des Gefahrstoffes, so-

111
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Amtliche Begründung

weit technisch möglich, im geschlossenen System stattfinden. Ist die Anwen-


dung eines geschlossenen Systems technisch nicht möglich, muss die Exposition
der Beschäftigten durch ergänzende technische oder organisatorische Maßnah-
men oder durch Anwendung von persönlicher Schutzausrüstung soweit wie
möglich verringert werden. Auch in diesen Fällen gilt die Einschränkung, dass
die Verwendung belastender persönlicher Schutzausrüstung keine ständige
Maßnahme sein darf (siehe § 9 Abs. 3). Hinsichtlich des Begriffs der Substitu-
tion wird insoweit auf die Ausführungen zu § 9 Abs. 1 verwiesen.
Absatz 2 setzt Artikel 6 Abs. 4 der Richtlinie 98/24/EG und Artikel 12 Buch-
stabe c) und d) des ILO-Übereinkommens Nr. 170 um. Außerdem setzt er
Teile des Artikel 6 Abs. 5 der Richtlinie 98/24/EG sowie Artikel 5 Abs. 4 der
Richtlinie 90/394/EWG und Artikel 12 Buchstabe a) des ILO-Über-
einkommens Nr. 170 um. Im Vergleich zu § 9 Abs. 4 wird in § 10 Abs. 2 ein
stärkeres Gewicht auf die Durchführung von Messungen zur Überprüfung der
Einhaltung der Arbeitsplatzgrenzwerte gelegt. Messergebnisse sind aufzuzeich-
nen, aufzubewahren und den Beschäftigten und ihren Vertretern zugänglich zu
machen. Die Arbeitsplatzmessungen können nur durch gleichwertige Nach-
weisverfahren ersetzt werden, die eindeutig belegen, dass der Arbeitsplatz-
grenzwert eingehalten wird. Dies kann z. B. eine Dauerüberwachungseinrich-
tung mit automatischer Alarmeinrichtung bei Überschreitung des Grenzwertes
sein. Dagegen werden z. B. Berechnungsverfahren, die in § 9 Abs. 4 noch als
Alternative anerkannt werden, aufgrund der damit verbundenen Unsicherheiten
in § 10 Abs. 2 bei Vorliegen einer hohen Gefährdung („Totenkopf“-Stoffe)
nicht mehr akzeptiert. Auf Arbeitsplatzmessungen kann auch verzichtet wer-
den, wenn ein vom Ausschuss für Gefahrstoffe festgelegtes verfahrens- und
stoffspezifisches Kriterium Anwendung findet.
Sofern der Arbeitsplatzgrenzwert bei besonderen Tätigkeiten, z. B. bei Ab-
bruch-, Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten, nicht eingehalten werden
kann, hat der Arbeitgeber zur Verringerung der Gefährdung zusätzliche Maß-
nahmen zu ergreifen, insbesondere persönliche Schutzausrüstung bereitzustel-
len (entsprechend auch Anwendung von § 9 Abs. 3). Diese zusätzlichen Maß-
nahmen sind im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung zu dokumentieren.
Absatz 3 setzt Artikel 9 der Richtlinie 90/394/EWG um. Demnach hat der
Arbeitgeber dafür zu sorgen, dass Arbeitsbereiche, in denen Tätigkeiten mit
„Totenkopf“-Gefahrstoffen durchgeführt werden, nur Beschäftigten zugänglich
sind, die mit der Durchführung konkreter Aufgaben direkt zu tun haben. Wei-
terhin wurde eine Bestimmung zur Lagerung und Aufbewahrung von „Toten-
kopf“-Stoffen aus § 24 Abs. 3 der bisherigen Verordnung aufgenommen, die
neben dem Schutz der Beschäftigten auch dem Schutz anderer Personen dient.

112
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Amtliche Begründung

§ 11 Ergänzende Schutzmaßnahmen bei Tätigkeiten mit krebserzeugen-


den, erbgutverändernden und fruchtbarkeitsgefährdenden Gefahr-
stoffen (Schutzstufe 4)
§ 11 enthält ergänzende Schutzmaßnahmen für Tätigkeiten mit krebserzeugen-
den, erbgutverändernden und fruchtbarkeitsgefährdenden Gefahrstoffen der
Kategorie 1 oder 2 und beschreibt damit das Niveau der Schutzstufe 4 der Ver-
ordnung. Vor dem Hintergrund der Gefährdungsbeurteilung beinhaltet § 11
Absatz 1 eine ganz wesentliche Neuerung, die in vielen Fällen eine wesentliche
Entlastung für die Betriebe bedeuten kann.
Absatz 1 legt fest, dass die Schutzmaßnahmen der Absätze 2 bis 4 nicht ange-
wendet werden müssen, wenn für krebserzeugende, erbgutverändernde und
fruchtbarkeitsgefährdende Gefahrstoffe der Kategorie 1 oder 2 ein Arbeits-
platzgrenzwert vom Ausschuss für Gefahrstoffe festgelegt wurde und dieser bei
Tätigkeiten mit diesen Stoffen eingehalten wird. Diesem Ansatz liegt die Idee
eines gefährdungsbezogenen Grenzwertsystems zugrunde. Bei der Festlegung
der bisherigen Technischen Richtkonzentrationen wurden im wesentlichen nur
Aspekte der praktischen Durchführbarkeit nach dem Stand der Technik be-
rücksichtigt. Gefährdungsbezogene Kriterien und toxikologische Fragestellun-
gen waren dagegen bei der Festlegung des TRK- Wertes nur von nachrangiger
Bedeutung. Deshalb müssen die Technischen Richtkonzentrationen vom AGS
durch gefährdungsbezogene Arbeitsplatzgrenzwerte ersetzt werden. Bemer-
kungen zum gefährdungsbezogenen Grenzwertkonzept („Ampelmodell“) in
der GefStoffV finden sich auf der Homepage der Bundesanstalt für Arbeits-
schutz und Arbeitsmedizin:
http://www.baua.de/prax/ags/bewertungskonzept.htm
Der Ausschuss für Gefahrstoffe (AGS) wurde vom BMWA mit der Konkreti-
sierung des Absatzes 1 beauftragt. Für eine Reihe von Stoffen liegen entspre-
chende Grenzwertvorschläge der MAK-Kommission bereits vor.
Im Übrigen müssen die Absätze 2 bis 4 auch nicht berücksichtigt werden, wenn
ein verfahrens- und stoffspezifisches Kriterium, das vom Ausschuss für Gefahr-
stoffe festgelegt wurde, Anwendung findet.
Absatz 2 setzt Teile von Artikel 5 Abs. 5 der Richtlinie 90/394/EWG um.
Absatz 3 entspricht Artikel 8 Abs. 1 der Richtlinie 90/394/EWG.
Absatz 4 entspricht dem bisherigen § 36 Abs. 7 GefStoffV und hat sich in der
Vollzugspraxis bewährt. Er dient der Klarstellung des Präventionsansatzes in
§ 11 Absatz 1 und Absatz 2. Die Luftführung in einem Arbeitsbereich ist bei
der Bestimmung der herrschenden Arbeitplatzkonzentration eine maßgebliche
Einflussgröße. Wird z.B. die Einhaltung eines Arbeitsplatzgrenzwertes nicht
durch kontinuierliche Messungen überwacht, so muss dies durch eine geeignete

113
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Amtliche Begründung

Maßnahme wie die Anwendung behördlich oder berufsgenossenschaftlich


anerkannter Verfahren oder Geräte für die Luftrückführung oder durch verfah-
rens- und stoffspezifische Kriterien ausreichend sichergestellt werden.

§ 12 Ergänzende Schutzmaßnahmen gegen physikalisch-chemische


Einwirkungen, insbesondere gegen Brand- und Explosionsgefahren
§ 12 setzt Artikel 6 Abs. 6 der Richtlinie 98/24/EG um und bindet Anhang III
Nr. 1 der Verordnung ein, der Anhang V Nr. 8 der bisherigen Verordnung
entspricht und die gefahrstoffbezogenen Teile der Richtlinie 1999/92/EG um-
setzt. Außerdem wird klargestellt, dass durch die Regelungen des § 12 und des
Anhangs III Nr. 1 die Vorschriften der Betriebssicherheitsverordnung unbe-
rührt bleiben.

§ 13 Betriebsstörungen, Unfälle und Notfälle


Absatz 1 entspricht Artikel 7 Abs. 1 der Richtlinie 98/24/EG.
Absatz 2 entspricht Artikel 7 Abs. 2 der Richtlinie 98/24/EG.
Absatz 3 entspricht Artikel 7 Abs. 3 der Richtlinie 98/24/EG.
Absatz 4 entspricht Artikel 7 Abs. 4 der Richtlinie 98/24/EG.
Absatz 5 entspricht Artikel 7 Abs. 5 der Richtlinie 98/24/EG.
Es ist vorgesehen, § 13 durch Überarbeitung der TRGS 300 zu konkretisieren.

§ 14 Unterrichtung und Unterweisung der Beschäftigten


Eine schriftliche Betriebsanweisung kann entfallen, wenn eine Gebrauchsanlei-
tung gesetzlich vorgeschrieben ist und bereits die erforderlichen Informationen
enthält, wie bei Arzneimitteln oder Pflanzenschutzmitteln. Sind die Beschäftig-
ten selbst sachkundig, kann die Unterweisung entsprechend angepasst werden.
Absatz 1 setzt Artikel 8 Abs. 1 der Richtlinie 98/24/EG, Artikel 11 Abs. 1 der
Richtlinie 90/394/EWG sowie zusätzlich Artikel 11 und Artikel 15 Buchstabe
d) des ILO-Übereinkommens Nr. 170 um. Gleichsam wird das Konzept der
Betriebsanweisung aus der bestehenden Verordnung übernommen.
Absatz 2 übernimmt die Regelung zur betrieblichen Unterweisung aus der
bestehenden Verordnung und setzt Artikel 8 Abs. 1 der Richtlinie 98/24/EG
um. Es wird klargestellt, dass der Arbeitgeber nicht selbst mündlich unterwei-
sen muss, sondern lediglich für die angemessene Unterweisung zu sorgen hat.
Absatz 3 verpflichtet den Arbeitgeber dafür zu sorgen, dass alle Beschäftigten,
die Tätigkeiten mit Gefahrstoffen durchführen, arbeitsmedizinisch-toxi-
kologisch beraten werden. Eine arbeitsmedizinische Beratung ist im Falle von

114
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Amtliche Begründung

Tätigkeiten, die durch § 7 Abs. 9 abgedeckt werden, dagegen nicht notwendig


(s.a. Begründung zu Artikel 9 – § 12 Abs. 3).
Absatz 4 entspricht Artikel 12 der Richtlinie 90/394/EWG.

§ 15 Arbeitsmedizinische Vorsorge
§ 15 setzt Artikel 10 Abs. 1 - 4 und Artikel 6 Abs. 3 der Richtlinie 98/24/EG
sowie Artikel 14 und Artikel 15 der Richtlinie 90/394/EWG um. Er übernimmt
in einer weiterentwickelten Form die mit der Biostoffverordnung und der Gen-
technik-Sicherheitsverordnung eingeführte Neukonzeption der arbeitsmedizi-
nischen Vorsorge hinsichtlich der Differenzierung nach Pflicht- und Angebots-
untersuchungen auch für den Gefahrstoffbereich.
Absatz 1 definiert den Begriff „arbeitsmedizinische Vorsorge“.
Absatz 2 definiert die arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen und ent-
spricht in diesem Zusammenhang dem § 28 Abs. 1 der bisherigen Verordnung.
Die Festlegung auf Stoffe der Kategorien 1 und 2 ist erforderlich, um die nach-
gewiesenermaßen krebserzeugend und erbgutschädigenden Stoffe eindeutig zu
erfassen. Die Einschränkung entspricht der EG-Krebsrichtlinie (Artikel 2). Es
werden darüber hinaus Detailausführungen darüber gemacht, was arbeitsmedi-
zinische Vorsorgeuntersuchungen in der Regel umfassen müssen. Weiterhin
wird festgelegt, dass Biomonitoring, sofern anerkannte Verfahren dafür zur
Verfügung stehen, Bestandteil der arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchun-
gen ist. Für das Biomonitoring muss neben dem anerkannten Analysenverfah-
ren auch ein entsprechender Beurteilungswert vorhanden sein, um die Belas-
tung und die Gesundheitsgefährdung von Beschäftigten zu erfassen. Als
Beurteilungswert soll dabei vorzugsweise der biologische Grenzwert nach
Artikel 1 § 3 Abs. 7 zur Anwendung kommen. Um die Stellung des Biomonito-
rings im Rahmen der arbeitsmedizinischen Vorsorge zu fördern, ist es erforder-
lich, Rahmenbedingungen für Biologische Grenzwerte zu erarbeiten. Dazu
wird der Ausschuss für Gefahrstoffe das bestehende Konzept für die Biologi-
schen-Arbeitsstoff-Toleranzwerte (BAT-Werte) überarbeiten und neuen Über-
legungen und Entwicklungen anpassen.
Absatz 3 legt die Informationspflichten des Arbeitgebers gegenüber dem zu-
ständigen Arzt fest und bestimmt die Anforderungen an dessen Qualifikation.
Dabei wird von einer Ermächtigung der Ärzte durch die zuständigen Behörden
der Länder abgesehen, da aufgrund der beruflichen Aus- und Weiterbildung
eine solche Zusatzanforderung nicht für erforderlich gehalten wird. Lediglich
arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen, die besondere Fachkenntnisse
und eine spezielle Ausrüstung erfordern, dürfen nur von Ärzten durchgeführt
werden, die diese Anforderungen erfüllen und die von der zuständigen Behörde
ermächtigt wurden. Der Arbeitgeber, der die arbeitsmedizinische Vorsorgeun-

115
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Amtliche Begründung

tersuchungen sicherzustellen hat, soll nur den durch ihn beauftragten Arzt als
Partner bei den arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen haben. Die
weitergehenden Aufgaben, wie z.B. Vorsorgeuntersuchungen, die besondere
Fachkenntnisse oder eine spezielle Ausrüstung erfordern, sollen durch den
beauftragten Arzt sichergestellt werden. Besondere Fachkenntnisse sowie spe-
zielle Ausrüstungen können z.B. bei der Erkennung eines durch Holzstaub
verursachten Nasenkarzinoms oder spezifische radiologische Untersuchungen
erforderlich sein. Der Arbeitgeber wie z.B. ein Tischler ist mit dieser Aufgabe
überfordert. Ärzte, die besondere Fachkenntnisse oder eine spezielle Ausrüs-
tung benötigen, sind in der Regel Fachärzte eines speziellen Fachgebietes, bei
denen die erforderlichen spezifischen medizinischen Kenntnisse sowie speziel-
len Ausrüstungen für die Diagnostik und Therapie vorhanden sind. Daher
kann, auch im Sinne der Deregulierung, auf eine Ermächtigung verzichtet wer-
den. Anderenfalls kann es zu Problemen bei der arbeitsmedizinischen Vorsor-
geuntersuchung kommen, sofern sich keine Fachärzte durch die zuständige
Behörde ermächtigen lassen. In diesem Fall kann der beauftragte Arzt die Ver-
pflichtung dieser Regelung nicht erfüllen. Um möglichst eine Betreuung aus
einer Hand zu gewährleisten, gibt die Verordnung in Satz 4 der Durchführung
der arbeitsmedizinischen Vorsorge durch den Betriebsarzt nach § 2 Arbeits-
sicherheitsgesetz den Vorrang, sofern ein solcher für den Betrieb bestellt ist.

Aufgabe des Betriebsarztes ist die Durchführung der arbeitsmedizinischen


Vorsorge. Daher ist es sinnvoll, dass dieser auch mit der Durchführung der
speziellen arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen beauftragt wird.

Absatz 4 entspricht inhaltlich weitgehend dem § 31 Abs. 1 und 2 der bisherigen


Verordnung. Er legt darüber hinaus fest, dass Erkenntnisse, die im Zusammen-
hang mit der Durchführung der arbeitsmedizinischen Vorsorge nach dieser
Verordnung gewonnen wurden, bei der Erfüllung der Aufgaben nach § 3 Ar-
beitssicherheitsgesetz berücksichtigt werden müssen.

Absatz 5 legt fest, dass für jeden Beschäftigten, bei dem arbeitsmedizinische
Vorsorgeuntersuchungen nach § 16 Abs. 1 durchgeführt werden, eine Vorsor-
gekartei zu führen und auf dem neuesten Stand zu halten ist.

Absatz 6 regelt die Aufbewahrung und Weitergabe der Vorsorgekartei. Die


Verordnung sieht vor, dass der Arbeitgeber die Vorsorgekartei für jeden Be-
schäftigten bis zu dessen Ausscheiden aufzubewahren hat. Danach ist dem
Beschäftigten der ihn betreffende Auszug aus der Kartei auszuhändigen. Der
Arbeitgeber hat eine Kopie des dem Beschäftigten ausgehändigten Auszugs wie
Personalunterlagen aufzubewahren. Dies gilt auch für das Verzeichnis nach § 14
Abs. 4 Nr. 3 (Verzeichnis der durch Gefahrstoffe gefährdeten Beschäftigten).

116
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Amtliche Begründung

§ 16 Veranlassung und Angebot arbeitsmedizinischer Vorsorge-


untersuchungen
§ 16 dient der Umsetzung von Artikel 10 Abs. 1 - 4 und Artikel 6 Abs. 3 der
Richtlinie 98/24/EG sowie von Artikel 14 der Richtlinie 90/394/EWG.
Absatz 1 formuliert das Entscheidungskriterium für die Durchführung von
Pflichtuntersuchungen bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen des Anhangs V Nr. 1.
Danach sind bei Tätigkeiten mit diesen Gefahrstoffen bei Überschreitung des
Grenzwertes Pflichtuntersuchungen durchzuführen, selbst dann, wenn bei den
Tätigkeiten persönliche Schutzausrüstung (Atemschutz) getragen wird. Weiter-
hin sind Pflichtuntersuchungen durchzuführen, wenn bei Tätigkeiten mit
hautresorptiven Gefahrstoffen des Anhangs V Nr.1 direkter Hautkontakt be-
steht.
Außerdem müssen arbeitsmedizinische Pflichtuntersuchungen bei den in An-
hang V Nr. 2.1 genannten Tätigkeiten durchgeführt werden.
Absatz 2 entspricht § 28 Abs. 2 der bisherigen Verordnung. Danach ist die
Durchführung der arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchung nach § 16
Abs. 1 Voraussetzung für die Beschäftigung bzw. Weiterbeschäftigung.
Absatz 3 legt fest, dass der Arbeitgeber den Beschäftigten arbeitsmedizinische
Vorsorgeuntersuchungen anbieten muss, wenn diese Tätigkeiten mit den in
Anhang V Nr. 1 aufgelisteten Gefahrstoffen ausführen und der Arbeitsplatz-
grenzwert eingehalten wird. Vorsorgeuntersuchungen sind auch im Falle der in
Anhang V Nr. 2.2 aufgeführten Tätigkeiten anzubieten. Bei Tätigkeiten mit
Karzinogenen oder Mutagenen der Kategorie 1 oder 2 sind die in § 15 Abs. 2
Nr. 4 aufgeführten Nachuntersuchungen auch nach Beendigung der Beschäfti-
gung anzubieten.
Gemäß Absatz 4 sind arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen in den
Fällen anzubieten, in denen sich Beschäftigte eine Erkrankung zugezogen ha-
ben, die auf Tätigkeiten mit Gefahrstoffen zurückzuführen sein kann. Dies gilt
ebenso für Beschäftigte, die vergleichbare Tätigkeiten ausführen, wenn An-
haltspunkte dafür bestehen, dass sie ebenfalls gefährdet sind.
Absatz 5 entspricht weitgehend dem § 31 Abs. 2, 4 und 5 der bisherigen Ver-
ordnung.

§ 17 Zusammenarbeit verschiedener Firmen


Die Absätze 1, 2 und 3 dienen der Konkretisierung von § 8 des Arbeitsschutz-
gesetzes, der Ablösung der entsprechenden Regelungen in der berufsgenossen-
schaftlichen Vorschrift BGV B 1 (Gefahrstoffe) sowie der Umsetzung von
Artikel 6 des ILO-Übereinkommens Nr. 184 und Artikel 6 Nr. 2 des ILO-

117
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Amtliche Begründung

Übereinkommens Nr. 148. Die genannte berufsgenossenschaftliche Vorschrift


kann zur Rechtsbereinigung ersatzlos aufgehoben werden.
Absatz 4 dient der Umsetzung von Artikel 10a der Richtlinie 2003/18/EG zur
Änderung der Richtlinie 83/477/EWG und gründet sich darüber hinaus auf
Vorschläge des Ausschusses für Gefahrstoffe.

Fünfter Abschnitt: Verbote und Beschränkungen

§ 18 Herstellungs- und Verwendungsverbote


Absatz 1 setzt Artikel 9 Abs. 1 und 2 der Richtlinie 98/24/EG um und ent-
spricht § 15 der bisherigen Verordnung. Mit der Formulierung in § 18 Abs. 1
Satz 3 soll klargestellt werden, dass mit den Verwendungsverboten nach Satz 1
kein Sanierungsgebot für vor Inkrafttreten der jeweiligen Verbote rechtmäßig
verwendete Stoffe, Zubereitungen und Erzeugnisse (z.B. Asbestzementdächer,
Bahnschwellen) ausgelöst werden soll, sofern in Anhang IV nicht etwas anderes
bestimmt ist (Bestandsschutz). Dies war erforderlich, nachdem die Regelung
des § 15 Abs. 1 Satz 2 der bisher gültigen GefStoffV im Vollzug zu Problemen
beim Durchsetzen z.B. von Anordnungen zum Ausbau verbotswidrig einge-
bauter teerölimprägnierter Bahnschwellen geführt hat.
Absatz 2 entspricht weitgehend § 15c der bisherigen Verordnung.

Sechster Abschnitt: Vollzugsregelungen und Schlussvorschriften

§ 19 Unterrichtung der Behörde


Die Absätze 1 und 2 entsprechen weitgehend den Regelungen des § 16 der
Biostoffverordnung in einer für Gefahrstoffe angepassten Form und setzen
Teile von Artikel 4 Abs. 2 sowie Artikel 6 der Richtlinie 90/394/EWG um.
Eine Mitteilung an die zuständige Behörde sollte nicht nur im Falle von Voll-
beweisen von Krankheits- oder Todesfällen erfolgen, sondern schon bei be-
gründeten Anhaltspunkten für die Verursachung von Krankheiten oder Todes-
fällen, damit die zuständige Behörde rechtzeitig eingreifen kann (Primär-
prävention).
Absatz 3 entspricht Artikel 10 Abs. 3 Satz 4 der Richtlinie 98/24/EG.
Absatz 4 knüpft an die Forderung des Bundesrates an, nach der die Erstellung
des Sicherheitsdatenblattes durch eine fachkundige Person zu erfolgen hat (§ 6
Abs. 1 Satz 3). Wer Stoffe und Zubereitungen in Verkehr bringt, muss sicher-
stellen, dass die Personen über die entsprechende Fachkunde verfügen. Diese ist
der zuständigen Behörde auf Verlangen nachzuweisen.

118
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Amtliche Begründung

§ 20 Behördliche Ausnahmen, Anordnungen und Befugnisse


Die Regelungen der Absätze 1 bis 5 entsprechen den Bestimmungen der §§ 41
bis 44 der bisherigen Verordnung. Absatz 1 Satz 2 dient der Klarstellung, dass
erteilte Ausnahmen keineswegs auch eine Ausnahme von Verboten nach ande-
ren Rechtsvorschriften z. B. für das Inverkehrbringen verbotener oder be-
schränkter Stoffe, Zubereitungen oder Erzeugnisse implizieren.
Absatz 6 wurde auf Beschluss des Bundesrates eingefügt. Mit ihm sollen Prob-
leme beseitigt werden, die sich mit der Einführung des „gleitenden Verweises“
im Vollzug der Regelungen zur Einstufung gefährlicher Stoffe und Zubereitun-
gen ergeben haben. Die mit dem „gleitenden Verweis“ in nationales Recht
umgesetzten EG-Richtlinien enthalten im Gegensatz zu den direkt anzuwen-
denden EG-Verordnungen keinen Auftrag an die zuständigen Behörden der
Mitgliedstaaten, die Einhaltung der Vorschriften zu überwachen. Festgestellte
Verstöße gegen die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung können somit
von den zuständigen Behörden ebenso wenig geahndet werden, wie z. B. die
Verweigerung eines Auskunftsersuchens.

§ 21 Ausschuss für Gefahrstoffe


Die Regelungen der Absätze 1 bis 6 entsprechen den Bestimmungen des § 52
der bisherigen Verordnung. In Absatz 3 Nr. 4 und 5 sind Regelungen aus Arti-
kel 3 und Artikel 10 der Richtlinie 98/24/EG übernommen.

§ 22 Übergangsvorschriften
Absätze 1 bis 5 entsprechen § 54 Abs. 1, 2, 6 bis 8 der bisherigen Verordnung.

Siebter Abschnitt: Ordnungswidrigkeiten und Straftaten

§§ 23 bis 27 bestimmen Ordnungswidrigkeiten und Straftaten.

Anhänge
Anhang I entspricht dem Anhang I der bisherigen Verordnung in angepasster
Form.
Anhang II Nr. 1 entspricht den §§ 6 Abs. 1 und 2, 7 Abs. 1 und 3 und 5 Abs. 3
der bisherigen Verordnung.
Anhang II Nr. 2 entspricht dem § 12 Abs. 2, 8, 9 10 und 11 der bisherigen
Verordnung.
Anhang III Nr. 1 entspricht dem Anhang V Nr. 8 der bisherigen Verordnung.

119
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Amtliche Begründung

Anhang III Nr. 2 enthält Bestimmungen zu Schutzmaßnahmen bei Staub-


Expositionen entsprechend den Empfehlungen des Ausschusses für Gefahrstof-
fe sowie der einschlägigen berufsgenossenschaftlichen Regelungen und setzt die
Richtlinie 2003/18/EG zur Änderung der Richtlinie 83/477/EWG um.
Anhang III Nr. 3 entspricht Anhang V Nr. 1 der bisherigen Verordnung.
Anhang III Nr. 4 entspricht Anhang V Nr. 6 der bisherigen Verordnung.
Anhang III Nr. 5 entspricht Anhang V Nr. 5 der bisherigen Verordnung.
Anhang III Nr. 6 entspricht Anhang V Nr. 2 der bisherigen Verordnung.
Anhang IV entspricht dem Anhang IV der bisherigen Verordnung in aktuali-
sierter Form.
Anhang V Nr. 1 und 2 entspricht Anhang VI der bisherigen Verordnung in
aktualisierter und entsprechend den Empfehlungen des Ausschusses für Ge-
fahrstoffe angepasster Form.

B.II. – B.VIII. hier nicht abgedruckt.

120
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Ausgabe: Februar 2007

Technische Regeln Einstufung und Kennzeichnung


für von Stoffen, Zubereitungen TRGS 200
Gefahrstoffe und Erzeugnissen

Die Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS) geben den Stand der Technik,
Arbeitsmedizin und Arbeitshygiene sowie sonstige gesicherte wissenschaftliche
Erkenntnisse für Tätigkeiten mit Gefahrstoffen, einschließlich deren Einstufung und
Kennzeichnung, wieder. Sie werden vom
Ausschuss für Gefahrstoffe (AGS)
aufgestellt und von ihm der Entwicklung entsprechend angepasst.
Die TRGS werden vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) im Ge-
meinsamen Ministerialblatt (GMBl.) bekannt gegeben.

Inhalt
1 Anwendungsbereich
2 Begriffsbestimmungen
3 Ermittlung und Bewertung von Basisinformationen
4 Einstufung von Stoffen
5 Einstufung von Zubereitungen
6 Besondere Kennzeichnung für bestimmte Stoffe, Zubereitun-
gen und Erzeugnisse
7 Kennzeichnung in besonderen Fällen
8 Abgrenzung zu anderen Rechtsgebieten
9 Ausführung der Kennzeichnung
10 Verpackungen
11 Literatur
Anlagen

1 Anwendungsbereich
(1) Diese Technische Regel gilt nach § 1 Abs. 1 GefStoffV für Stoffe, Zu-
bereitungen und bestimmte Erzeugnisse sowie für Abfälle zur stofflichen Verwer-
tung. Abfälle zur thermischen Verwertung können nach den Maßgaben der TRGS
201 eingestuft und gekennzeichnet werden.
(2) Durch diese TRGS werden insbesondere die im Zweiten Abschnitt (§§ 4 und 5)
und im Anhang II der GefStoffV genannten Regeln für die Umsetzung in die Praxis
näher bestimmt und entsprechende Handhabungsregelungen gegeben. Sie gilt für
– die Einstufung und Kennzeichnung von gefährlichen Stoffen und Zubereitungen,
– die Kennzeichnung bestimmter Erzeugnisse,
– die Abgrenzung gegenüber den verkehrsrechtlichen Vorschriften über die Beför-
derung gefährlicher Güter und
– die Verpackung bestimmter gefährlicher Stoffe und Zubereitungen.

121
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 200 Seite 2

(3) Diese TRGS gilt nach § 2 Abs. 1 und 2 ChemG nicht für
– Lebensmittel im Sinne des Lebensmittel-, Bedarfsgegenstände- und Futtermittel-
gesetzbuches, die zur Abgabe an den Verbraucher bestimmt sind.
– Tabakerzeugnisse und kosmetische Mittel im Sinne des Lebensmittel-, Bedarfs-
gegenstände- und Futtermittelgesetzbuches,
– Einzelfuttermittel und Mischmuttermittel, die ohne weitere Be- und Verarbeitung
verfüttert werden, sowie die Futtermittel-Zusatzstoffe im Sinne des Lebensmittel-,
Bedarfsgegenstände- und Futtermittelgesetzbuches
– Arzneimittel, die einem Zulassungs- oder Registrierungsverfahren nach dem Arz-
neimittelgesetz oder nach dem Tierseuchengesetz unterliegen, sowie sonstige
Arzneimittel, soweit sie nach § 21 Abs. 2 des Arzneimittelgesetzes einer Zulassung
nicht bedürfen oder in einer zur Abgabe an den Verbraucher bestimmten Verpa-
ckung abgegeben werden,
– Abfälle und Altöle sowie sonstige Stoffe, Zubereitungen und Erzeugnisse, soweit
sie nach den Bestimmungen des Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetzes zu be-
seitigen sind.
– radioaktive Abfälle im Sinne des Atomgesetzes,
– Abwasser im Sinne des Abwasserabgabengesetzes, soweit es in Gewässer oder
Abwasseranlagen eingeleitet wird.
(4) Zweck der Einstufung und Kennzeichnung von Stoffen und Zubereitungen sowie
bestimmten Erzeugnissen ist es, der Allgemeinheit und den Personen, die mit diesen
Stoffen und Zubereitungen umgehen, wesentliche Informationen über deren gefährli-
che Eigenschaften und Möglichkeiten zur Vermeidung von Gefahren zu vermitteln.
Ziel der Einstufung ist die Bezeichnung aller physikalisch-chemischen, toxischen und
ökotoxischen Eigenschaften von Stoffen und Zubereitungen, die bei gebräuchlicher
Handhabung oder Verwendung1) eine Gefahr darstellen können. Die Kennzeichnung
berücksichtigt alle potenziellen Gefahren, die bei der gebräuchlichen Handhabung
und Verwendung gefährlicher Stoffe und Zubereitungen auftreten können, wenn diese
in einer Form vorliegen, in der sie in den Verkehr gebracht werden. Sie bezieht sich
aber nicht unbedingt auf eine Form, in der diese Stoffe und Zubereitungen letztend-
lich verwendet werden können (z. B. verdünnt).
(5) Verantwortlich für die Einstufung und Kennzeichnung sind
– Inverkehrbringer
– Hersteller,
– Einführer (Importeure),
– Vertreiber (Vertriebsunternehmer)
sowie bei Tätigkeiten
– Hersteller,
– Verwender (Arbeitgeber).
Stoffe und Zubereitungen, die nicht vom Inverkehrbringer gemäß § 5 Abs. 1 oder 2
GefStoffV eingestuft und gekennzeichnet worden sind (z.B. bei innerbetrieblicher
Herstellung), hat der Arbeitgeber gemäß den Richtlinien 67/548/EWG oder

1) Formulierung aus Anhang VI, Nummer 1.4 der Richtlinie 67/548/EWG

122
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 200 Seite 3

1999/45/EG selbst einzustufen, zumindest aber die von den Stoffen oder Zubereitun-
gen ausgehenden Gefährdungen für die Beschäftigten zu ermitteln.
(6) Diese TRGS ist immer im Zusammenhang mit dem ChemG, der GefStoffV und
den dort in Anhang I in Bezug genommenen EG-Richtlinien einschließlich Anhang I
der Richtlinie 67/548/EWG („Stoffliste“) sowie Anhang VI der Richtlinie 67/548/EWG
(Leitfaden für die Einstufung und Kennzeichnung von Stoffen und Zubereitungen, im
Folgenden als „Kennzeichnungsleitfaden“ bezeichnet), und insbesondere der Richtli-
nie 1999/45/EG („Zubereitungsrichtlinie“) anzuwenden. Dies setzt die Kenntnis dieser
Vorschriften voraus.
(7) Stoffe, Zubereitungen und Erzeugnisse, die nach heutigem Wissensstand und
aufgrund derzeitiger Einstufungsvorschriften nicht zu kennzeichnen sind, können
nicht allein deswegen als ungefährlich betrachtet werden.

2 Begriffsbestimmungen

2.1 Stoffe
(1) Stoffe sind nach § 3 ChemG chemische Elemente und ihre Verbindungen in
natürlicher Form oder hergestellt durch ein Produktionsverfahren, einschließlich der
zur Wahrung der Produktstabilität notwendigen Zusatzstoffe und der bei der Herstel-
lung unvermeidbaren Verunreinigungen mit Ausnahme von Lösungsmitteln, die von
dem Stoff ohne Beeinträchtigung seiner Stabilität und ohne Änderung seiner Zusam-
mensetzung abgetrennt werden können.
(2) Auch Stoffe mit unbekannter oder variabler Zusammensetzung, komplexe Reak-
tionsprodukte und biologische Materialien (UVCB-Stoffe)2), die im EINECS [1] oder
ELINCS [2] aufgelistet sind, sind Stoffe im Sinne des § 3 ChemG. Wässrige Lösungen
sind Zubereitungen; dieses gilt insbesondere auch für Säuren und Basen.
(3) Wurden Verunreinigungen, Beimengungen oder einzelne Bestandteile von Stof-
fen ermittelt, sind diese zu berücksichtigen, wenn ihre Konzentration gleich oder
größer als die festgelegten Konzentrationsgrenzen in Anhang VI Nr. 1.7.2.1 der Richt-
linie 67/548/EWG ist.
(4) Alte Stoffe sind nach § 3 Nr. 2 ChemG Stoffe, die im Europäischen Altstoffver-
zeichnis EINECS [1] genannt sind.
(5) Neue Stoffe sind nach § 3 Nr. 3 ChemG Stoffe, die nicht alte Stoffe im Sinne von
Absatz 4 sind.

2.2 Zubereitungen
Zubereitungen sind nach § 3 Nr. 4 ChemG Gemenge, Gemische und Lösungen, die
aus zwei oder mehreren Stoffen bestehen.

2) UVCB*-Stoffe = Stoffe mit unbekannter oder komplexer Zusammensetzung, komplexe Reaktionspro-


dukte und biologische Materialien (*Unknown or Variable composition, Complex reaction products and
Biological materials)

123
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 200 Seite 4

2.3 Erzeugnisse
(1) Erzeugnisse sind nach § 3 Nr. 5 ChemG Stoffe oder Zubereitungen, die bei der
Herstellung eine spezifische Gestalt, Oberfläche oder Form erhalten haben, die deren
Funktion mehr bestimmen als ihre chemische Zusammensetzung.
(2) Granulate, Flocken, Späne und Pulver sind z. B. in der Regel keine Erzeugnisse.
(3) Eine Beispielsammlung zur Abgrenzung von Erzeugnissen zu Stoffen und Zube-
reitungen wird auf der Internetseite der Gefahrstoffdatenbank der Länder veröffent-
licht3).

2.4 Produkte
Produkte im Sinne dieser Technischen Regel sind Stoffe, Zubereitungen oder Er-
zeugnisse.

2.5 Gefährliche Stoffe oder gefährliche Zubereitungen


Gefährlich sind Stoffe oder Zubereitungen nach § 3 GefStoffV, die mindestens eines
der folgenden Gefährlichkeitsmerkmale nach § 4 GefstoffV aufweisen:
1. explosionsgefährlich,
2. brandfördernd,
3. hochentzündlich,
4. leichtentzündlich,
5. entzündlich,
6. sehr giftig,
7. giftig,
8. gesundheitsschädlich,
9. ätzend,
10. reizend,
11. sensibilisierend,
12. krebserzeugend,
13. fortpflanzungsgefährdend (reproduktionstoxisch),
14. erbgutverändernd (mutagen) oder
15. umweltgefährlich.

2.6 Einstufung
Einstufung nach § 3 ChemG ist die Zuordnung zu einem Gefährlichkeitsmerkmal
entsprechend der Nummer 2.5 dieser TRGS.

2.7 Tätigkeit
Eine Tätigkeit nach § 3 Abs. 3 GefStoffV ist jede Arbeit, bei der Stoffe, Zubereitungen
oder Erzeugnisse im Rahmen eines Prozesses einschließlich Produktion, Handha-
bung, Lagerung, Beförderung, Entsorgung und Behandlung verwendet werden oder

3) www.gefahrstoff-info.de , Veröffentlichung der unter den Ländern abgestimmten Vollzugsfragen [3]

124
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 200 Seite 5

verwendet werden sollen oder bei der Stoffe oder Zubereitungen entstehen oder
auftreten. Hierzu gehören insbesondere das Verwenden im Sinne des § 3 Nr. 10 des
Chemikaliengesetzes sowie das Herstellen. Tätigkeiten im Sinne der GefStoffV sind
auch Bedien- und Überwachungsarbeiten, sofern diese zu einer Gefährdung von
Beschäftigten durch Gefahrstoffe führen können.

2.8 Verwenden
Verwenden nach § 3 Nr. 10 ChemG ist das Gebrauchen, Verbrauchen, Lagern, Auf-
bewahren, Be- und Verarbeiten, Abfüllen, Umfüllen, Mischen, Entfernen, Vernichten
und innerbetriebliches Befördern.

2.9 Produktionsgang
Als Produktionsgang im Sinne dieser TRGS ist das gesamte Herstellungsverfahren
einschließlich Be- und Verarbeitung zu verstehen. Zum Produktionsgang gehören
auch die Beförderung und die zeitlich begrenzte Lagerung von Zwischenprodukten
innerhalb eines nicht abgeschlossenen Produktionsverfahrens.

3 Ermittlung und Bewertung von Basisinformationen


3.1 Zur Einstufung von gefährlichen Stoffen und Zubereitungen kann eine Reihe von
Informationen und Daten erforderlich sein, die Aussagen zu folgenden Punkten ent-
halten sollten:
– chemische Zusammensetzung, Reinheit, Hilfsstoffe, Verunreinigungen,
– mögliche Reaktionen der Ausgangsstoffe bei der Herstellung von Zubereitungen
(z. B. Neutralisation),
– Verwendungszweck, Anwendungsverfahren, Handhabung,
– Expositionsmöglichkeiten des Verwenders bei bestimmungsgemäßer Verwendung
und bei vorhersehbarem Missbrauch mit dem Produkt,
– Erscheinungsbild des Produktes, wie es in den Verkehr gebracht oder verwendet
wird,
– physikalisch-chemische Eigenschaften,
– toxikologische Daten,
– Erfahrungen aus der Praxis (z. B. am Menschen),
– ökotoxikologische Daten,
– Verhalten des Produktes beim Freisetzen, z. B. Verteilung in der Umwelt, mögliche
Reaktionen, Abbau,
– die Bekanntmachungen des BMAS (z.B. TRGS 905),
– sonstige einstufungsrelevante Informationen.
3.2 (1) Werden Prüfungen zur Bestimmung der Eigenschaften von Stoffen und Zube-
reitungen durchgeführt, sind diese vorrangig nach den Methoden des Anhangs V der
Richtlinie 67/548/EWG durchzuführen. Werden Daten aus der Literatur herangezo-
gen, so ist zu prüfen, ob die verwendeten Methoden den Prüfvorschriften des An-
hangs V entsprechen und somit als gesicherte wissenschaftliche Erkenntnis gelten
können.

125
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 200 Seite 6

(2) Liegen nur Daten vor, die den vorgenannten Kriterien nicht entsprechen, müssen
sie – gegebenenfalls nach Beurteilung durch Fachleute – ebenfalls zur Einstufung
herangezogen werden, wenn sie plausibel und valide sind. Dies gilt insbesondere für
die Beurteilung subchronischer, chronischer und irreversibler Wirkungen.
3.3 Physikalisch-chemische Daten und sicherheitstechnische Kenngrößen sind
durch Messung am Produkt zu bestimmen, soweit nicht andere Verfahren nach An-
hang I der Richtlinie 1999/45/EG bzw. Anhang VI Nr. 9 der Richtlinie 67/548/EWG
zulässig sind.
3.4 (1) Toxikologische Daten werden meistens aus Untersuchungen an Tieren ge-
wonnen. Da bei der Versuchsdurchführung an lebenden Tieren eine Vielzahl von
Randbedingungen eine Rolle spielt, sind die Ergebnisse deshalb schwieriger zu
bewerten als die von chemischen und physikalischen Prüfungen. Ähnliches gilt für
ökotoxikologische Daten.
(2) Liegen mehrere nicht übereinstimmende valide Daten vor, muss in der Regel4)
der Wert für die Einstufung herangezogen werden, der die größte Gefährdung wider-
spiegelt.
3.5 (1) Liegen ausreichende Erfahrungen aus der Praxis vor, dass sich die toxischen
Wirkungen der Stoffe und Zubereitungen auf den Menschen von denen unterschei-
den, die sich aus den Ergebnissen der Tierversuche oder aufgrund der konventionel-
len Methode nach Artikel 6 Abs. 1 Buchst. a der Richtlinie 1999/45/EG ergeben, so
sind diese Stoffe und Zubereitungen entsprechend ihrer Toxizität für den Menschen
einzustufen. Es dürfen keine Versuche am Menschen durchgeführt werden und nicht
als Gegenbeweis zu positiven Daten aus Tierversuchen herangezogen werden.
(2) Die Beurteilung derartiger Erfahrungen sollte daher durch einen Experten mit
toxikologischen oder arbeitsmedizinischen Kenntnissen erfolgen, um die Entschei-
dung über eine Einstufung treffen zu können.
(3) Quellen für die Erhebung von Erfahrungen aus der Praxis können sein:
– Berichte von Giftinformationszentren
– Klinische Berichte von Unfällen
– Erkenntnisse aus arbeitsmedizinischen Untersuchungen
– Erfahrungen bei der Herstellung
– Erfahrungen bei der Verwendung
– Erkenntnisse von Verbrauchern
– Ergebnisse von klinischen Prüfungen
– Berichte von Tests mit freiwilligen Probanden (z. B. auf Reizwirkung).

4 Einstufung von Stoffen


4.1 (1) Für Stoffe, die von der Kommission der Europäischen Union im Rahmen des
Anhangs I der Richtlinie 67/548/EWG (Stoffliste) eingestuft worden sind, ist die ange-

4) In begründeten Fällen kann davon abgewichen werden, den Wert zu verwenden, der zur Einstufung
mit der höchsten Gefährlichkeit führt. Dazu ist aber die Beurteilung durch einen Experten auf dem je-
weiligen Gebiet erforderlich.

126
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 200 Seite 7

gebene Einstufung und Kennzeichnung verbindlich5) (Listenstoffe, Listenprinzip,


Legaleinstufung).
(2) Die Einstufung komplexer Stoffe gemäß Absatz 1 ist in den meisten Fällen un-
vollständig, da diese komplexen Stoffe nur in Hinblick auf die im Anhang I zur Richtli-
nie 67/548/EWG angegebenen Gefahren beurteilt worden sind. Die Einstufung für
diese Stoffe ist nach Maßgabe von Nummer 4.2 zu ergänzen.
(3) Liegen dem Inverkehrbringer, Hersteller, Einführer oder Vertreiber von Stoffen,
die durch die Einstufung von Stoffgruppen (z. B. Bariumverbindungen oder Methacry-
late) erfasst sind, Erkenntnisse vor, die über die Einstufung der Stoffgruppe hinaus-
gehen, so ist das Verfahren gemäß Nummer 4.5 dieser TRGS einzuleiten und die
Erkenntnisse sind im Sicherheitsdatenblatt an geeigneter Stelle anzugeben (z.B. im
Kapitel „Mögliche Gefahren“).
4.2 (1) Stoffe, die nicht in der Stoffliste aufgeführt sind, muss der Hersteller oder
Einführer nach den im Anhang VI der Richtlinie 67/548/EWG („Kennzeichnungsleitfa-
den“) genannten Kriterien prüfen und ggf. einstufen (Definitionsprinzip).
(2) Bei der Einstufung von Stoffen nach dem Kennzeichnungsleitfaden sind alle
gefährlichen Eigenschaften zu berücksichtigen. Hierbei sind heranzuziehen:
– Informationen aufgrund praktischer Erfahrungen,
– Ergebnisse von Prüfungen,
– gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse (z. B. Informationen über Stoffe aus
den verschiedenen Altstoffprogrammen, sonstige Veröffentlichungen),
– die in Zulassungsverfahren gewonnenen Erkenntnisse (z. B. nach Pflanzen-
schutzmittelgesetz),
– Informationen aus internationalen Regelungen über den Transport gefährlicher
Güter,
– Gegebenenfalls können auch die Ergebnisse validierter Struktur/Aktivitäts-
beziehungen6) und Sachverständigengutachten herangezogen werden.
(3) Die Bekanntmachung von als krebserzeugend, erbgutverändernd oder fortpflan-
zungsgefährdend eingestuften Stoffen erfolgt durch das Bundesministerium für Arbeit
und Soziales nach Beratung durch den AGS mit der TRGS 905. Ist der Stoff in der
Stoffliste nach Anhang I der Richtlinie 67/548/EWG nicht oder hinsichtlich der krebs-
erzeugenden, erbgutverändernden oder fortpflanzungsgefährdenden Wirkung mit
einer Einstufung aufgeführt, die von der TRGS 905 abweicht, so sind bei der Ermitt-
lung der gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnisse die Angaben der TRGS 905 zu
berücksichtigen.
4.3 (1) Neue Stoffe sind nach den Ergebnissen der Prüfungen nach § 7, § 9 und § 9a
des ChemG einzustufen. Neue Stoffe, deren gefährliche Eigenschaften nicht hinrei-
chend bekannt und die von der Anmeldung nach dem ChemG § 5 Abs. 1 Nr. 2-4

5) Bei leicht ersichtlichen „Druckfehlern“ (z. B. R33/38) kann nach Rücksprache mit der zuständigen
Behörde von der angegebenen Einstufung und Kennzeichnung abgewichen werden.
6
) Strukturaktivitätsbeziehungen erlauben es, aufgrund von Analogiebetrachtungen toxikologische bzw.
ökotoxikologische Wirkungen von Stoffen vorherzusagen. Dieses geschieht häufig durch Anwendung
von Computermodellen. Da kein Modell bislang die Wirkung jeder chemischen Struktur hinlänglich
abschätzen kann, ist der Rat und die Erfahrung von Fachleuten auch hier unumgänglich.

127
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 200 Seite 8

ausgenommen sind, werden nach ihren bekannten Eigenschaften eingestuft und


zusätzlich mit der folgenden Kennzeichnung versehen:
„Achtung – noch nicht vollständig geprüfter Stoff“.
(2) Bei alten Stoffen ist der Hersteller oder Einführer verpflichtet, die einschlägigen
und zugänglichen Daten zu ermitteln und eine entsprechende Einstufung vorzuneh-
men.
4.4 (1) Stoffe, die gefährliche Verunreinigungen oder Beimengungen enthalten oder
sich aus einzelnen Bestandteilen zusammensetzen (z.B. UVCB-Stoffe), werden nach
Maßgabe von Anhang VI Nr. 1.7.2.1 der Richtlinie 67/548/EWG wie Zubereitungen
eingestuft.
(2) Die Kennzeichnung erfolgt als Stoff gemäß der Richtlinie 67/548/EWG.
4.5 (1) Ist es aufgrund neuer Ergebnisse aus Prüfungen oder aufgrund neuer gesi-
cherter wissenschaftlicher Erkenntnisse notwendig, eine Einstufung der Stoffliste zu
verändern, soll der Hersteller oder Einführer diese neu veränderte Einstufung mit allen
notwendigen Daten über die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin7)
der EG-Kommission zur Entscheidung vorlegen. Hierzu sollte zweckmäßigerweise ein
EG-Dossier bezogen auf die neuen bzw. geänderten Gefährlichkeitsmerkmale erstellt
werden.
(2) Grundsätzlich bleibt die in der Stoffliste angegebene Einstufung bis zur Veröf-
fentlichung einer Änderung in der Stoffliste verbindlich. Der Hersteller oder Einführer
soll seinen Abnehmern die Daten für eine geänderte Einstufung in geeigneter Weise,
insbesondere mit dem Sicherheitsdatenblatt, bekannt geben.
4.6 (1) Stuft der Hersteller oder Einführer einen alten Stoff, der nicht in der Stoffliste
aufgeführt ist, aufgrund der Kriterien in Anhang VI Nr. 4 der Richtlinie 67/548/EWG als
krebserzeugend, erbgutverändernd oder fortpflanzungsgefährdend ein, so hat er die
seiner Einstufung zugrunde liegenden Daten unverzüglich der Anmeldestelle nach
dem Chemikaliengesetz7 mitzuteilen.
(2) Verfügt der Hersteller oder Einführer zu alten Stoffen, die in der Stoffliste aufge-
führt sind, über neue Daten, die für eine Einstufung als krebserzeugend, erbgutverän-
dernd oder fortpflanzungsgefährdend von Bedeutung sind, hat er diese Daten unver-
züglich der Anmeldestelle nach dem Chemikaliengesetz mitzuteilen.
(3) Für diese Mitteilung sollte zweckmäßigerweise ein EG-Dossier bezogen auf die
neuen bzw. geänderten Gefährlichkeitsmerkmale erstellt und über die Bundesanstalt
für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin der EG zur Entscheidung vorgelegt werden,
wenn der Stoff weiterhin in Verkehr gebracht wird.
(4) Manchmal bestehen Zweifel hinsichtlich der Anwendung der einschlägigen
Kriterien, insbesondere wenn diese Expertenwissen voraussetzen. In solchen Fällen
sollte der Hersteller, Vertreiber oder Importeur den Stoff aufgrund einer Beurteilung
durch eine fachkundige Person vorläufig einstufen und kennzeichnen.
(5) Unbeschadet des Nachforschungsgebotes nach Artikel 6 der Richtlinie
67/548/EWG kann in Fällen, in denen das oben dargelegte Verfahren angewandt
wurde und in denen uneinheitliche Anwendung befürchtet wird, ein Vorschlag zur

7) Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Postfach 17 02 02, 44061 Dortmund

128
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 200 Seite 9

Eintragung der Einstufung in Anhang I dieser Richtlinie übermittelt werden. Der An-
trag ist in einem Mitgliedstaat einzureichen und sollte die einschlägigen wissenschaft-
lichen Daten umfassen (siehe Nummer 3.1).
(6) Entsprechend kann vorgegangen werden, wenn Informationen bekannt werden,
die Zweifel an der Richtigkeit eines Eintrags in der Stoffliste auslösen.

5 Einstufung von Zubereitungen


Das Einstufungsverfahren der Richtlinie 1999/45/EG („Zubereitungsrichtlinie“) unter-
scheidet zwischen gasförmigen und nicht-gasförmigen Zubereitungen. Bei den nicht-
gasförmigen Zubereitungen müssen die physikalisch-chemischen Gefahren – sofern
relevant – immer durch Prüfung bestimmt werden. Bei den gasförmigen Zubereitun-
gen können in einigen Fällen bestimmte physikalisch-chemische Gefahren auch
berechnet werden. Die Gesundheits- und Umweltgefahren werden einheitlich für
beide Zubereitungsarten durch gleichartige Verfahren ermittelt: Definitionsprinzip und
konventionelle Methode.

5.1 Definitionsprinzip (Anwendung des Kennzeichnungsleitfadens)


(1) Zubereitungen können wie Stoffe durch Anwendung der Kriterien des Anhang VI
der Richtlinie 67/548/EWG nach den Ergebnissen von Prüfungen eingestuft werden.
(2) Die Einstufung der nicht gasförmigen Zubereitungen erfolgt hinsichtlich der
physikalisch-chemischen Gefahren nur durch Prüfung, d. h. Zubereitungen, die Stoffe
mit explosionsgefährlichen, brandfördernden, hoch-, leichtentzündlichen oder ent-
zündlichen Eigenschaften enthalten, müssen auf diese Eigenschaften geprüft werden.
Das gilt unabhängig von den Konzentrationen dieser Bestandteile.
(3) Die brandfördernden oder in bestimmten Fällen auch die entzündlichen Eigen-
schaften von Gasgemischen können nach Anhang VI Nr. 9 der Richtlinie 67/548/EWG
berechnet werden. Siehe hierzu auch ISO 101568.
(4) Die Prüfungen sollen nach den Methoden des Anhangs V der Richtlinie
67/548/EWG oder einer anderen international anerkannten Methode durchgeführt
werden.
(5) Sollte eine derartige Methode nicht zur Verfügung stehen, so ist die Einstufung
aufgrund praktischer Erfahrung vorzunehmen. Dies ist z. B. der Fall bei festen Zube-
reitungen mit Alkali- oder Erdalkalioxiden.
(6) Werden toxikologische Prüfungen zur Einstufung von Zubereitungen verwendet,
so muss für jeden Aufnahmeweg bzw. jede Eigenschaft ein Prüfergebnis vorliegen,
wenn die R-Sätze eines oder mehrerer Stoffe auf eine entsprechende Gefährdung
(z. B. ätzend) hinweisen. Ist eine Zubereitung nur für einzelne Aufnahmewege geprüft

8) Die in der EG-Richtlinie 67/548/EWG (Anhang VI; Nr. 9.1.1.1) zitierte ISO 10156:1990 wurde durch die
Neuausgabe dieser Norm 1996 ersetzt. Zurzeit befindet sich die ISO 10156:1996 in Revision im Hin-
blick auf die Bestimmung der Entzündlichkeit. Daher wird von der Berechnung der entzündlichen
Eigenschaften nach den von der ISO 10156:1996 angenommenen Methoden wegen möglicher fehler-
hafter Ergebnisse z. Zt. abgeraten.

129
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 200 Seite 10

worden, so müssen die übrigen Aufnahmewege nach der konventionellen Methode


(siehe Nummer 5.2) bewertet werden.
(7) Die Ergebnisse von Prüfungen haben Vorrang vor den Ergebnissen der konven-
tionellen Methode.
(8) Die Einstufung hinsichtlich der krebserzeugenden, erbgutverändernden oder
fortpflanzungsgefährdenden Wirkungen darf bei Zubereitungen nicht nach dem
Ergebnis von Prüfungen, sondern muss ausschließlich nach der konventionellen
Methode unter Berücksichtigung der Einzelkonzentrationen dieser Stoffe erfolgen.

5.2 Konventionelle Methode


(1) Die konventionelle Methode ist ein Verfahren zur Einstufung von Zubereitungen
als gesundheitsgefährdend oder umweltgefährlich durch Berechnung. Für diese
Berechnung werden sogenannte Konzentrationsgrenzen L sowie der Gehalt des
jeweiligen Stoffes in der Zubereitung benötigt.
(2) Stoffspezifische Konzentrationsgrenzen finden sich in der Stoffliste (Anhang I der
Richtlinie 67/548/EWG). Ist der Stoff dort nicht aufgeführt oder sind dem Stoff keine
stoffspezifischen Konzentrationsgrenzen zugeteilt, so finden die allgemeinen Kon-
zentrationsgrenzen nach Anhang II Tabelle I bis VI (bzw. IA bis VIA für Gase) für ge-
sundheitsgefährdende Eigenschaften sowie nach Anhang III Tabelle I a bis V der
Richtlinie 1999/45/EG für umweltgefährliche Eigenschaften Anwendung. Stoffspezifi-
sche Konzentrationsgrenzen in der Stoffliste haben Vorrang vor den allgemeinen
Konzentrationsgrenzen. Die stoffspezifischen Konzentrationsgrenzen können größer
oder kleiner als die allgemeinen Konzentrationsgrenzen sein.
(3) Die Konzentrationsgrenze L hängt von dem Stoff und der zu ermittelnden Wir-
kung der Zubereitung ab, z. B. beträgt die Konzentrationsgrenze L für einen sehr
giftigen (nicht gasförmigen) Stoff

LT+ für die Einstufung der Zubereitung als sehr giftig 7 %,


LT für die Einstufung der Zubereitung als giftig 1 % und

LXn für die Einstufung der Zubereitung als gesundheits- 0,1 %,


schädlich
sofern keine stoffspezifischen Konzentrationsgrenzen in der Stoffliste festgelegt sind.

5.2.1 Konventionelle Methode zur Beurteilung gesundheitsgefährdender


Eigenschaften
Akut letale Wirkung (T+, R26, 27, 28; T, R23, 24, 25; Xn, R20, 21, 22) sowie ätzen-
de/reizende Wirkung (R-Sätze 34 bis 38 und 41) sind additiv, alle übrigen Wirkungen
sind nicht additiv zu bewerten.
5.2.1.1 (1) Für die additiven Eigenschaften (akut sehr giftig, akut giftig, akut gesund-
heitsschädlich, ätzend, reizend) besteht das Prinzip darin, dass der Quotient P/L aus
dem Prozentgehalt P eines Stoffes in der Zubereitung und seiner Konzentrations-
grenze L bestimmt wird.

130
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 200 Seite 11

(2) Alle Verhältniswerte P/L einer Gefahrenebene (T+, T, Xn sowie C R35, C R34, Xi
R41 und Xi R36/38) werden addiert. Ist die Summe der Quotienten ≥ 1, so ist die
Zubereitung nach dieser Eigenschaft einzustufen.
(3) Die Methode ist stufenweise anzuwenden.
(4) Bei einer Zubereitung mit akut letal wirkenden Stoffen ist festzustellen, ob die
Zubereitung aufgrund der/des sehr giftig eingestuften Stoffe(s) ebenfalls als „sehr
giftig“ einzustufen ist. Ist das nicht der Fall, ist zu ermitteln, ob die Zubereitung auf-
grund des Gehaltes an sehr giftig und giftig eingestuften Stoffen als „giftig“ einzustu-
fen ist. Ist auch dieses zu verneinen, ist zu errechnen, ob die Zubereitung aufgrund
des Gehaltes an sehr giftig, giftig und gesundheitsschädlichen eingestuften Stoffen
als „gesundheitsschädlich“ einzustufen ist. Dies geschieht durch Anwendung der
Berechnungsformeln (A), (B) und (C):

§ P +·
(A) ¦ ¨¨© LTT ¸¸¹ ≥ 1
+
ergibt T+

§P P ·
(B) ¦ ¨¨© LTT + LTT ¸¸¹ ≥ 1
+
ergibt T

§P P P ·
(C) ¦ ¨¨© LXnT + LXnT + LXnXn ¸¸¹ ≥ 1
+
ergibt Xn

dabei ist
PT+ die Konzentration der einzelnen sehr giftigen Stoffe
PT die Konzentration der einzelnen giftigen Stoffe
PXn die Konzentration der einzelnen gesundheitsschädlichen Stoffe
(5) Bei der Ermittlung der ätzenden/reizenden Wirkung einer Zubereitung kommen
analoge Berechnungsformeln wie (A) bis (C) zur Anwendung. Auch hier wird stufen-
weise vorgegangen. Zuerst wird ermittelt, ob die Zubereitung „Ätzend“ mit R35 wirkt,
wenn sie ätzende Stoffe mit R35 (Verursacht schwere Verätzungen), oder ob die
Zubereitung „Ätzend“ mit R34 wirkt, wenn sie ätzende Stoffe mit R35 oder R34 (Ver-
ursacht Verätzungen) enthält. Danach wird um die reizenden Eigenschaften zu
bestimmen zuerst die Gefahr ernster Augenschäden mit R41 ermittelt, dann die
reizende Wirkung mit R36, R38 und R37:
– in die Berechnung des R41 gehen die Stoffe mit R35, R34 und R41 ein,
– in die Berechnung des R36 bzw. R38 die Stoffe mit R35, R34, R41 und R36 bzw.
R38,
– in die Berechnung des R37 bei nicht gasförmigen Zubereitungen die Stoffe mit
R37, bei gasförmigen Zubereitungen die Stoffe mit R35, R34 und R37.
(6) Bei Einstufung einer nicht gasförmigen Zubereitung als ätzend ist die Reizung
der Atemwege separat durch Anwendung der Formel in Anhang II Nr. 5.4.2 Teil A der

131
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 200 Seite 12

Zubereitungsrichtlinie zu bewerten (und bei einer Quotientensumme über 1 eine


Einstufung als Xi mit R37 vorzunehmen).
(7) Führt mindestens ein als ätzend eingestufter Stoff (R34 oder R35) in einer nicht
gasförmigen Zubereitung nach der konventionellen Methode zur Einstufung der
Zubereitung als reizend, ist diese zwingend mit dem R36/38 zu versehen. Es ist
jedoch zu beachten, dass in bestimmten Fällen – ausgenommen sind Stoffe, die im
Anhang I der Richtlinie 67/548/EWG mit spezifischen Konzentrationsgrenzen genannt
werden – eine zusätzliche Vergabe des R37 sinnvoll ist (z.B. Zubereitungen, die ät-
zende Stoffe mit hohem Dampfdruck enthalten; stark staubende Zubereitungen, die
ätzende Stoffe enthalten).
5.2.1.2 Bei den nicht als additiv zu bewertenden Eigenschaften einer Zubereitung
(akut nicht letal, chronisch giftig, chronisch gesundheitsschädlich sowie sensibilisie-
rend, krebserzeugend, erbgutverändernd, fortpflanzungsgefährdend, jeweils Katego-
rie 1, 2 oder 3,) genügt bereits die Anwesenheit eines Stoffes mit einer dieser Eigen-
schaften (ab der festgelegten Konzentrationsgrenze) in einer Zubereitung, um die
entsprechende Einstufung zu bewirken. Andererseits ist eine Zubereitung nicht einzu-
stufen, wenn keiner der gefährlichen Inhaltsstoffe seinen Grenzwert erreicht, selbst
wenn die Summe der Konzentrationen der gefährlichen Einzelstoffe (z. B. zwei oder
mehrere krebserzeugende Stoffe) die festgelegte Konzentrationsgrenze erreicht oder
überschreitet.

5.2.2. Konventionelle Methode zur Beurteilung umweltgefährlicher


Eigenschaften
(1) Die Ermittlung der Umweltgefahren geschieht in einem mehrstufigen Verfahren.
(2) Zu beachten ist, dass für Stoffe mit einer Einstufung N; R50 oder N; R50-53 die
neu gefassten Tabellen 1b und 2 im Anhang III der Richtlinie 1999/45/EG (geändert
durch Richtlinie 2006/8/EG) anzuwenden sind. Für Stoffe, die im Anhang I der Richtli-
nie 67/548/EWG mit N, R 50 oder N, R 50-53 eingestuft und für die keine spezifi-
schen Konzentrationsgrenzwerte angegeben sind, kann im Regelfall davon ausge-
gangen werden, dass der L(E)C50 zwischen 0,1-1 mg/l liegt. Liegen Erkenntnisse für
eine aquatische Toxizität ≤ 0,1 mg/l vor, so ist dieser Wert heranzuziehen. G
(3) Bei der Anwendung der Tabellen 1b und 2 ist darauf zu achten, dass sich der
EC50-Wert sowohl auf die Effect Concentration (Schwimmunfähigkeit der Daphnie) als
auch die Inhibition Concentration (Reduzierung der Wachstumsrate der Alge9) bezie-
hen kann.
(4) Für das Einstufungsverfahren ist der niedrigste verfügbare aquatische Toxizi-
tätswert heranzuziehen, der unter folgenden Bedingungen ermittelt wurde:
96-Stunden-LC50-Wert für Fische
48-Stunden-EC50-Wert für Daphnien
72-Stunden-IC50-Wert für Algen.

9) IC50 oder EC50

132
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 200 Seite 13

Schritt 1:
Zuerst wird mit Hilfe der Berechnungsformel (D) ermittelt, ob die Zubereitung als
umweltgefährlich mit dem Symbol N, R50-53 einzustufen ist.

§P ·
(D) ¦ ¨¨© LNN,, RR5050––5353 ¸¸¹ ≥ 1 ergibt N, R50-53.

Schritt 2
Ist diese Summe der Quotienten nach Formel (D) kleiner als 1, so muss geprüft wer-
den, ob die Zubereitung als umweltgefährlich mit dem Symbol N, R51-53 einzustufen
ist. Berechnungsformel (E) findet Anwendung:

§P P ·
(E) ¦ ¨¨© LNN,, RR5051––5353 + LNN,, RR5151––5353 ¸¸¹ ≥ 1 ergibt N, R51-53.

Schritt 3
Ist diese Summe der Quotienten nach Formel (E) kleiner als 1, so muss geprüft wer-
den, ob die Zubereitung als umweltgefährlich mit R52-53 einzustufen ist. Berech-
nungsformel (F) findet Anwendung:

§ PN, R50 – 53 PN , R 51– 53 P ·


(F)
¦ ¨¨© LR52 – 53
+
LR 52 – 53
+ R 52 – 53 ¸ ≥ 1
LR 52 – 53 ¸¹
ergibt R52-53.

Schritt 4
Ist die Summe der Quotienten nach Formel (D) kleiner als 1, so muss geprüft werden,
ob die Zubereitung als umweltgefährlich mit N, R50 einzustufen ist. Berechnungsfor-
mel (G) findet Anwendung:

§P PN, R50 – 53 ·
(G) ¦ ¨¨© LNN,, RR5050 + LN, R 50 ¸¹
¸≥1 ergibt N, R50.

Obwohl die Kriterien für eine Einstufung von Stoffen mit R52 nicht festgelegt sind,
enthält Anhang III der Richtlinie 1999/45/EG vorsorglich eine entsprechende Berech-
nungsformel, um gegebenenfalls Zubereitungen so bewerten zu können. Da sie z. Z.
keine Anwendung finden kann, wird verzichtet, sie hier wiederzugeben.

133
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 200 Seite 14

Schritt 5
Auch wenn die Kriterien für eine Einstufung von Stoffen mit R52 nicht im Detail fest-
gelegt sind, gibt es einige wenige entsprechende Einstufungen. Berechnungsformel
(H) findet dafür Anwendung:

§P ·
(H) ¦ ¨¨© LRR5252 ¸¸¹ ≥ 1 ergibt R52.

Schritt 6
Ferner muss jetzt ermittelt werden, ob die Zubereitung aufgrund der Stoffe mit einer
chronischen Wirkung im aquatischen Kompartiment mit R53 in Hinblick auf die Um-
weltgefahren eingestuft werden muss. Berechnungsformel (I) findet Anwendung:

§P PN, R50 – 53 PN, R51– 53 PR52 – 53 ·¸


(I) ¦ ¨¨© LRR5353 + LR53
+
LR53
+
LR53 ¸¹
≥1 ergibt R53.

Schritt 6 ist immer anzuwenden, es sei denn, die Schritte 1 bis 3 haben zu einer
Einstufung geführt.

Schritt 7
Die Ergebnisse der Schritte 1 bis 6 resultieren nicht notwendigerweise in einer ein-
deutigen Zuordnung der R-Sätze: Zu berücksichtigen ist, dass wenn N; R50 zusätz-
lich zu N; R51-53 oder R52-53 oder zu dem R-Satz 53 allein zugeordnet wurde, nach
Nummer 7.4.3, Buchstabe c, (ii) des Anhangs VI der Richtlinie 67/548/EWG N;
R50-53 zu verwenden ist.
Bei den Berechnungsformeln (D) bis (I) ist
PN,R50-53 die Konzentration der einzelnen als N, R50-53 eingestuften Stoffe
PN,R50 die Konzentration der einzelnen als N, R50 eingestuften Stoffe
PN, R51-53 die Konzentration der einzelnen als N, R51-53 eingestuften Stoffe
PR52-53 die Konzentration der einzelnen als R52-53 eingestuften Stoffe
PR53 die Konzentration der einzelnen als R53 eingestuften Stoffe
PR52 die Konzentration der einzelnen als R52 eingestuften Stoffe
Zur Einbeziehung der nicht als additiv zu bewertenden Eigenschaft R59 „Gefährlich
für die Ozonschicht“ einer Zubereitung in den Einstufungsprozess wird entsprechend
Nummer 5.2.1.2 verfahren.
(4) Die Einstufung von Zubereitungen als umweltgefährlich aufgrund von ökotoxiko-
logischen Prüfungen an der Zubereitung erfolgt nach folgenden Maßgaben:
– Liegen zu einer Zubereitung ökotoxikologische Untersuchungen vor, so haben
diese Vorrang bei der Einstufung vor der konventionellen Methode, wenn Untersu-
chungen an allen Organismen (Fische, Daphnien und Algen) durchgeführt worden
sind.

134
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 200 Seite 15

Es gelten folgende Ausnahmen:


– die Daten zu ein bzw. zwei Organismen führen bereits zur Einstufung mit N,
R50-53 bzw. N, R50
– die vorliegenden Prüfungen wurden vor Inkrafttreten der Richtlinie 1999/45/EG
(31.07.1999) durchgeführt.
In diesen beiden Fällen ist es nicht notwendig, ergänzende Prüfungen durchzuführen.
(5) Prüfdaten, auch zu einer einzigen Spezies, müssen immer vorrangig betrachtet
werden, sofern diese Prüfdaten zu einer schärferen Einstufung führen als die konven-
tionelle Methode.
(6) Die ökotoxikologische Einstufung der Zubereitung basierend auf den ökotoxiko-
logischen Testergebnissen mit der Gesamtzubereitung wird gemäß den Kriterien der
Stoffeinstufung vorgenommen.

Ökotoxizität ≤ 1 mg/l N, R50


Ökotoxizität > 1 und ≤ 10 mg/l N, R51 (nur zusammen mit R 53 aus der
konventionellen Methode)
Ökotoxizität > 10 und ≤ 100 mg/l R52 (nur zusammen mit R 53 aus der
konventionellen Methode)

(7) Die Einstufung hinsichtlich längerfristiger Wirkungen auf die Umwelt (R53, abge-
leitet von biologischer Abbaubarkeit und Bioakkumulationspotenzial) kann wissen-
schaftlich sinnvoll nicht nach den Ergebnissen von Prüfungen an der Zubereitung
erfolgen. Z. B. kann eine Zubereitung als ‚leicht abbaubar‘ erscheinen, obwohl sie
nicht abbaubare Komponenten enthält. Die Einstufung als ‚biologisch abbaubar‘ kann
daher ausschließlich nach der konventionellen Methode erfolgen. Das Bioakkumulati-
onspotenzial (abgeleitet vom log Pow bzw. BCF) kann nur für Einzelkomponenten
bestimmt werden. Daher bleibt eine nach der konventionellen Methode erfolgte Ein-
stufung mit R53 alleine oder einem kombiniertem R-Satz mit R53 in jedem Fall erhal-
ten und muss bei der Gesamtkennzeichnung neben dem ökotoxikologischen Kenn-
zeichnungsteil (R50, 51 oder 52) beibehalten werden.

5.2.3 Berücksichtigungsgrenzen
(1) In die Bewertung gehen nur die Stoffe ein, deren Konzentrationen die Berück-
sichtigungsgrenze erreichen. Sofern in der Stoffliste keine niedrigeren stoffspezifi-
schen Konzentrationsgrenzen festgelegt sind, sind Stoffe zu berücksichtigen, wenn
sie die folgenden Konzentrationen in den Zubereitungen erreichen:

135
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 200 Seite 16

Einstufung des Stoffes Berücksichtigungsgrenze


des Stoffes
Gasförmige nicht gas-
Zubereitung förmige
Zubereitung
[Volumen-%] [Gewichts-%]
Sehr giftig R26, R27, R28, R39/* 0,02 0,1
Giftig R23, R24, R25, R39/*, 0,02 0,1
R48/*
Krebserzeugend, R45, R46, R49, R60, 0,02 0,1
erbgutverändernd oder R61
fortpflanzungsgefähr-
dend Kategorie 1 oder 2
Gesundheitsschädlich R20, R21, R22, R48/*, 0,2 1
68/*
Ätzend R34, R35 0,02 1
Reizend R36, R37, R38, R41 0,2 1
Sensibilisierend R42, R43 0,2 1
Krebserzeugend, erb- R40, R62, R63, R68 0,2 1
gutverändernd oder
fortpflanzungsgefähr-
dend Kategorie 3
Umweltgefährlich R 50, R50-53 0,1**
Umweltgefährlich R51-53 0,1
Umweltgefährlich R59 0,1 0,1
Gefährlich für die Ozon-
schicht
Umweltgefährlich R52, R53, R52-53 1

* = Expositionsweg(e), sofern angegeben


** = sofern LC/EC/IC50 < 0,1 mg/l gelten jedoch die Konzentrationen der neu gefassten Tabellen 1b
und 2 im Anhang III der Richtlinie 1999/45/EG.

5.2.4 Nicht symbolgebundene R-Sätze


(1) Die Vergabe nicht symbolgebundener R-Sätze:
a) den R-Sätzen 1, 4, 5, 6, 7, 14, 16, 18, 19, 30 und 44 kann nur nach dem Definiti-
onsprinzip (Anhang VI Nr. 2.2.6 der Richtlinie 67/548/EWG) oder nach praktischer
Erfahrung erfolgen, wenn zuvor eine Einstufung nach den dortigen Nummern 2.2.1
bis 2.2.5 oder 3, 4 und 5 erfolgt ist;

136
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 200 Seite 17

b) den R-Sätzen 29, 31, 32, 33, 64 und 66 kann nur nach dem Definitionsprinzip
(Anhang VI Nr. 3.2.8 der Richtlinie 67/548/EWG) oder nach praktischer Erfahrung
erfolgen, wenn zuvor eine Einstufung nach den dortigen Nummern 2.2.1 bis 3.2.7
und/oder 4 und 5 erfolgt ist;
c) dem R-Satz 67 kann nach dem Definitionsprinzip (Anhang VI Nr. 3.2.8 der Richtli-
nie 67/548/EWG) aufgrund von Tierstudien oder nach praktischer Erfahrung am
Menschen erfolgen, wenn zuvor der Stoff oder die Zubereitung nach den dortigen
Nummern 2.2.1 bis 3.2.7 und/oder 4 und 5 eingestuft wurde.
Für Zubereitungen erfolgt nach Nummer 6.20 die Vergabe des R67 auch nach ei-
nem mit der konventionellen Methode nach Anhang II der Richtlinie 1999/45/EG
vergleichbaren Berechnungsverfahren, dabei ist es nicht erforderlich, dass die Zu-
bereitung vorher eingestuft wurde.
d) Trägt ein Stoff einen der o. g. R-Sätze, sind diese R-Sätze nur dann anzuwenden,
wenn auch die Zubereitung die entsprechende Eigenschaft hat.
(2) Die Vergabe der R-Sätze 18 und 30 erfolgt, wenn sich beim Gebrauch der Zube-
reitung entsprechende Eigenschaften entwickeln können. Die Vergabe erfolgt jedoch
nicht, wenn die Zubereitung bereits als entzündlich, leichtentzündlich oder hochent-
zündlich nach dem Kennzeichnungsleitfaden eingestuft ist.
(3) Die Vergabe des R-Satzes 44 erfolgt, wenn Stoffe oder Zubereitungen unter
ausreichendem Einschluss erwärmt werden und explodieren können. Die Vergabe
erfolgt jedoch nicht, wenn die Stoffe oder Zubereitung bereits nach dem Kennzeich-
nungsleitfaden als explosionsgefährlich eingestuft sind.
(4) Enthält eine Zubereitung in der Summe mehr als 20 % an Komponenten, die mit
R66 gekennzeichnet sind, so wird empfohlen, die Zubereitung ebenfalls mit R66 zu
kennzeichnen, sofern die Zubereitung keine Gesundheitsgefahren wie Ätz- oder
Reizwirkung nach Hautkontakt aufweist.
(5) Wenn die akut letale Wirkung einer Zubereitung nur hinsichtlich eines Aufnah-
meweges geprüft worden ist, ist die Gesundheitsgefährlichkeit für die nicht geprüften
Aufnahmewege über die konventionelle Methode zu ermitteln, wenn die Zubereitung
Stoffe enthält, die auf den nicht geprüften Aufnahmewegen gefährlich sind. In das
Berechnungsverfahren gehen dann nur noch die Stoffe ein, die auf den nicht geprüf-
ten Wegen gesundheitsgefährlich sind.

5.2.5 Methoden zur Beurteilung der ätzenden Eigenschaften


(1) Die Anwendung der konventionellen Methode bei Zubereitungen, die als ätzend
oder reizend eingestufte Stoffe enthalten, kann zu einer Unter- oder Überbewertung
der Gefährdung führen, wenn andere relevante Faktoren (etwa der pH-Wert der Zu-
bereitung) nicht berücksichtigt werden. Zum Beispiel ist davon auszugehen, dass
enthaltene oberflächenaktive Stoffe (z.B. Tenside oder waschaktive Substanzen) die
Wirkung enthaltener ätzender Stoffe verstärken. Daher sind bei der Einstufung der
ätzenden Wirkung Nummer 3.2.5 dritter Anstrich des Anhangs VI der Richtlinie
67/548/EWG und Artikel 6 Abs. 3 der Richtlinie 1999/45/EG zu beachten.
(2) Gemäß Nummer 3.2.5 dritter Anstrich des Anhang VI der Richtlinie 67/548/EWG
ist ein Stoff oder eine Zubereitung – wenn keine in vivo Daten zur Ätzwirkung vorlie-
gen - als ätzend zu bewerten, wenn dieses Ergebnis vorausgesagt werden kann. Dies

137
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 200 Seite 18

ist beispielsweise bei stark sauren (pH ≤ 2) oder stark alkalischen (pH ≥ 11,5) Eigen-
schaften der Fall. Erfolgt die Einstufung aufgrund eines extremen pH-Werts, ist auch
eine saure/alkalische Reserve nach J. R. Young et al [4]10) zu berücksichtigen.
(3) Wird der Stoff oder die Zubereitung aufgrund der sauren/alkalischen Reserve für
nicht ätzend gehalten, so ist diese Feststellung durch weitere Prüfungen zu bestäti-
gen, wenn möglich durch eine validierte In-vitro-Prüfung. Stoffe und Zubereitungen
sollten nicht ausschließlich aufgrund der sauren/alkalischen Reserve von der Einstu-
fung als ätzend befreit werden.
(4) Beruht die Einstufung auf den Ergebnissen einer validierten In-vitro-Prüfung, so
ist R35 oder R34 anzuwenden (je nach Fähigkeit der Prüfmethode ist zwischen die-
sen beiden R-Sätzen zu unterscheiden).
(5) Kann fundiert begründet werden, dass im TER-Test (Transcutaneous-electricity-
resistance-Test)11) oder im Test am menschlichen Hautmodell ein falsch positives
Ergebnis zu erwarten ist bzw. vorliegt, kann auf den Test verzichtet werden bzw. wird
dies als negatives Ergebnis gewertet.
(6) Beruht die Einstufung ausschließlich auf einem extremen pH-Wert, so ist R35
anzuwenden.
(7) Bei einzelnen Stoffen in wässriger Lösung, für die in Anhang I der Richtlinie
67/548/EWG spezifische Konzentrationsgrenzen festgelegt sind, hat die konventio-
nelle Methode gegenüber der pH-Wert-Methode nach Absatz 2 Vorrang.
(8) Für Zubereitungen mit extremem pH-Wert (≤ 2,0 bzw. ≥ 11,5), die nur einen
sauren oder basischen Stoff ohne stoffspezifischen Konzentrationsgrenzen in Anhang
I der Richtlinie 67/548/EWG und keine oberflächenaktiven Stoffe enthalten, wird es
für ausreichend gehalten, die Einstufung über die Bestimmung der sauren bzw. alka-
lischen Reserve (kein in-vitro Test) oder die Anwendung der konventionellen Methode
vorzunehmen.
(9) Enthalten Zubereitungen Stoffe, deren Einstufung als ätzend oder reizend nicht
aufgrund saurer bzw. alkalischer Eigenschaften erfolgt ist (z. B. Brom oder Phenol),
so kann weder der pH-Wert noch die saure bzw. alkalische Reserve zur Einstufung
herangezogen werden.

5.3 Auswahl der Inhaltsstoffe


(1) Die Inhaltstoffe von Zubereitungen sind in der Kennzeichnung wie folgt an-
zugeben:
– bei Zubereitungen, die als sehr giftig, giftig oder gesundheitsschädlich eingestuft
sind, müssen alle als sehr giftig, giftig oder gesundheitsschädlich eingestuften
Stoffe genannt werden, deren Konzentration in der Zubereitung die niedrigste
Konzentrationsgrenze für die Einstufung der Zubereitung als gesundheitsschädlich
(Xn) erreicht oder überschreitet. Stoffe mit R65, die allein eine Einstufung der Zu-
bereitung in Xn mit R65 auslösen, müssen jedoch nicht auf dem Etikett genannt
werden.

10) Erläuterung zur Methode von YOUNG et al siehe Anlage 1 dieser TRGS
11) Erläuterung zum TER-Test siehe Anlage 2 dieser TRGS

138
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 200 Seite 19

– bei Zubereitungen, die als ätzend eingestuft sind, müssen alle die als ätzend
eingestuften Stoffe genannt werden, deren Konzentration in der Zubereitung die
niedrigste Konzentrationsgrenze für die Einstufung der Zubereitung als reizend (Xi)
erreicht oder überschreitet.
(2) Auf dem Kennzeichnungsschild muss die Bezeichnung der Stoffe, auf deren
Grundlage die Zubereitung in eine oder mehrere der nachstehenden Gefahrenkatego-
rien eingestuft wurde, angebracht sein:
– krebserzeugend, Kategorie 1, 2 oder 3,
– erbgutverändernd, Kategorie 1, 2 oder 3;
– fortpflanzungsgefährdend, Kategorie 1, 2 oder 3;
– sehr giftig, giftig oder gesundheitsschädlich aufgrund von nichtletalen Wirkungen
nach einmaliger Exposition;
– giftig oder gesundheitsschädlich aufgrund von schwerwiegenden Wirkungen nach
wiederholter oder längerer Exposition;
– sensibilisierend.
Dies bedeutet, es müssen alle Stoffe mit R45, 49, 46, 60, 61 ,39, 40, 42, 43, 48, 62,
63 und 68 genannt werden, wenn ihre Konzentration so hoch ist, dass die Zuberei-
tung mit einem oder mehreren dieser R-Sätze oder Kombinationen dieser R-Sätze
einzustufen ist.
(3) Das sind im Allgemeinen folgende Konzentrationen in der Zubereitung:
[gasförmige andere
[Volumen-%] [Gewichts-%]
für sehr giftige Stoffe mit
R26, R27, R28, R39/* 0,02 0,1
für giftige Stoffe mit
R23, R24, R25 0,5 3
R39/*, R48/* 0,5 1
für krebserzeugende und erbgutverändernde
Stoffe mit
R45, R49, R46 0,1 0,1
R40, R68 1 1
für fortpflanzungsgefährdende Stoffe mit
R60, R61 0,2 0,5
R62, R63 1 5
für gesundheitsschädliche Stoffe mit R20, R21, R22 5 25
R68/*, 48/* 5 10
für ätzende Stoffe mit
R35 0,02 1
R34 0,5 5
für sensibilisierende Stoffe mit
R42 0,2 1
R43 0,2 1
* Expositionsweg(e), sofern angegeben

139
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 200 Seite 20

(4) Unbedeutend ist dabei, ob die Einstufung nach der Definitions- oder der konven-
tionellen Methode vorgenommen worden ist. Falls für einzelne Stoffe abweichende
stoffspezifische Konzentrationsgrenzen in der Stoffliste bestehen, sind diese anstelle
der genannten Werte zu beachten.
(5) In der Regel brauchen nicht mehr als 4 chemische Namen angegeben zu wer-
den, um die Stoffe zu bezeichnen, auf die die wichtigsten gefährlichen Eigenschaften
im wesentlichen zurückzuführen sind, die für die Einstufung und die Wahl der ent-
sprechenden Gefahrensätze ausschlaggebend waren. In bestimmten Fällen können
jedoch mehr als 4 chemische Namen erforderlich sein.
(6) Die Bezeichnung des Stoffes hat so zu erfolgen, wie sie in der Stoffliste angege-
ben ist. Ist dort mehr als eine Bezeichnung zu finden, kann eine davon ausgewählt
werden. Ist der Stoff dort nicht aufgeführt, muss er nach einer international anerkann-
ten Nomenklatur bezeichnet werden. Es wird empfohlen, den korrekten Namen des
Altstoffverzeichnisses EINECS [1] zu verwenden. Für konzentrierte Zubereitungen, die
ausschließlich für die Parfümindustrie bestimmt sind, kann gemäß Anhang VI Nr.
7.2.2 der Richtlinie 67/548/EWG von den Regelungen des Artikel 10 Nr. 2.3 der Richt-
linie 1999/45/EG abgewichen werden.
(7) Bei Zubereitungen müssen die Inhaltsstoffe nicht aufgeführt werden, die aus-
schließlich als explosionsgefährlich, brandfördernd, hochentzündlich, leicht entzünd-
lich, entzündlich, reizend und/oder umweltgefährlich eingestuft sind.
(8) Die besonderen Kennzeichnungsvorschriften nach Anhang V der Richtlinie
1999/45/EG sind zusätzlich zu beachten (siehe auch Kapitel 6)

5.4 Bestimmung der R-Sätze aufgrund des Aufnahmeweges


(1) Die Anwendung der konventionellen Methode ergibt keine Aussagen dazu,
welche R-Sätze bei akut sehr giftigen, giftigen oder gesundheitsschädlichen Zuberei-
tungen hinsichtlich des Aufnahmeweges zu wählen sind.
(2) Die Kennzeichnung muss einen oder mehrere R-Sätze gemäß der ermittelten
Einstufung aufweisen. Es müssen die R-Sätze der Stoffe angegeben werden, die
allein oder in der Summe in einer solchen Konzentration vorhanden sind, dass die
Zubereitung auf diesem Aufnahmeweg gefährlich wird.
(3) Beispiele für Zubereitungen

Beispiel 1:
Stoff A mit T+, R26; LT = 1; Gehalt = 1,3 % führt zu Zubereitung mit T, R23.

Beispiel 2:
Stoff B mit T, R25; LXn = 3; Gehalt = 1,8 %
Stoff C mit Xn, R22; LXn = 25; Gehalt = 19,4 % führt zu Zubereitung mit Xn, R22.
– Angabe des oder der R-Sätze der Stoffe mit den höchsten Quotienten, wenn die
Zubereitung zwar gefährlich, aber auf keinem Aufnahmeweg allein gefährlich ist.

140
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 200 Seite 21

Beispiel 3:
Stoff D mit T, R23/25; LXn = 3; Gehalt = 0,7 %
Stoff E mit Xn, R21; LXn = 25; Gehalt = 6 %
Stoff F mit Xn, R22; LXn = 25; Gehalt = 15 % führt zu Zubereitung Xn mit R22.
– Sinnvolle Auswahl der R-Sätze der anderen Aufnahmewege in Abhängigkeit von
der Gefährlichkeit und Konzentration. Bei Beispiel 3 ist es sinnvoll, auf die Gefähr-
dung beim Einatmen hinzuweisen, wenn es sich beim Stoff D um einen Stoff mit
hoher Flüchtigkeit handelt, wie z. B. Ammoniak oder Methanol.
– Im Sinne einer differenzierten Kennzeichnung ist es nicht sinnvoll, die R-Sätze für
alle Aufnahmewege anzugeben, ohne das Vorstehende in Betracht gezogen zu
haben.
– Bei Anwendung der Tabellen V bis VIA des Anhang II der Richtlinie 1999/45/EG ist
bei Vergabe eines R-Satzes mindestens das dem R-Satz entsprechende Symbol
zu verwenden.

5.5 Anpassung der R-Sätze


(1) Die R-Sätze werden so angepasst, dass sie der Einstufung der Zubereitung
entsprechen. Sehr giftige Stoffe können z. B. in einer so geringen Konzentration in
der Zubereitung enthalten sein, dass die Zubereitung nur noch „gesundheitsschäd-
lich“ ist. Bei Kombinationen von R-Sätzen passt man in gleicher Weise an. Das Prin-
zip wird in der folgenden Tabelle dargestellt:
T+ T Xn
R26 R23 R20
R27 R24 R21
R28 R25 R22
R39/26 R39/23 R68/20
R39/27 R39/24 R68/21
R39/28 R39/25 R68/22
R48/23 R48/20
R48/24 R48/21
R48/25 R48/22

C C Xi
R35 R34 R3812)
Xi Xi
R41 R36

Xi Xi
R41 R36
N N
R50/53 R51/53 R52/53

12) bei gasförmigen Zubereitungen auch immer R37; bei nicht gasförmigen Zubereitungen unter be-
stimmten Voraussetzungen auch der R37 (siehe Nummer 5.2.1.1 Abs. 6)

141
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 200 Seite 22

(2) Die R-Sätze 39, 48 und 68 können Stoffen auch abhängig vom Aufnahmeweg in
mehrfachen Kombinationen zugeordnet sein. Auch in diesem Fall sind Anpassungen
bei der Einstufung der Zubereitung vorzunehmen, z. B.:

T+ T Xn
R39/26/27 R39/23/24 R68/20/21.

5.6 Zubereitungen aus Zubereitungen


(1) Werden Zubereitungen zur Herstellung anderer Zubereitungen verwendet, so ist
es notwendig, die Zusammensetzung der Ausgangszubereitung zu kennen, um die
Zubereitung nach der konventionellen Methode einstufen zu können. Bekannte Ver-
unreinigungen sind hierbei zu berücksichtigen. Ist eine Ausgangszubereitung als
solche ausgeprüft, so wird sie für die Einstufung wie ein Stoff behandelt.
(2) Ist dem Hersteller, der die Ausgangszubereitung als Bestandteil einer eigenen
Zubereitung verwenden möchte, eine ordnungsgemäße Einstufung und Kennzeich-
nung nicht möglich, hat der für das Inverkehrbringen der Ausgangszubereitung Ver-
antwortliche dem Hersteller auf begründete Anfrage unverzüglich alle für eine ord-
nungsgemäße Einstufung und Kennzeichnung der neuen Zubereitung erforderlichen
Daten über die enthaltenen gefährlichen Stoffe, Verunreinigungen oder Beimengun-
gen zur Verfügung zu stellen. Dies ist insbesondere der Fall, wenn der Informations-
gehalt der Kennzeichnung einer Zubereitung und/oder die Angaben im Sicherheitsda-
tenblatt nicht vollständig, nicht plausibel oder fachlich nicht richtig sind.

6 Besondere Kennzeichnung für bestimme Stoffe, Zubereitungen


und Erzeugnisse
(1) Die besonderen Kennzeichnungsvorschriften sind wie folgt zusammen gefasst:
– Nummer 6.1 – 6.5: Besondere Kennzeichnungen nach Richtlinie 67/548/EWG
(Stoffrichtlinie)
– Nummer 6.6 – 6.23 Besondere Kennzeichnungen nach Richtlinie 1999/45/EG
(Zubereitungsrichtlinie)
– Nummer 6.24 – 6.32 Besondere Kennzeichnungen nach Richtlinie 76/769/EWG
(Beschränkungsrichtlinie)
– Nummer 6.33 – 6.38 Sonstige Sonderkennzeichnungen aus anderen Rechtsvor-
schriften (Die Aufzählung einiger ausgewählter sonstiger Kennzeichnungen aus
anderen Rechtsvorschriften erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit)
(2) Die Nummern 6.1 – 6.38 enthalten Kennzeichnungshinweise zu folgenden Punk-
ten:

Aerosole, Aerosolpackung 6.32 Arsenhaltige Holzschutzmittel 6.26


Ammoniumnitrat 6.33 Asbesthaltige Erzeugnisse 6.32
Aktivchlor 6.15 Aspirationsgefahr 6.5/6.24/6.32
Aromatische Amine und Salze 6.25 Biozide 6.35

142
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 200 Seite 23

Blei 6.11 Jedermann erhältlich 6.3/6.7/6.7/6.15


Butan 6.23 Krebserzeugend 6.28
Cadmium 6.16 Lampenöle (R65) 6.24
Chlor, Aktiv- 6.15 Legal eingestufte Stoffe 6.1
Chlorkohlenwasserstoffe 6.30 Noch nicht vollständig geprüft 6.2/6.17
Cyanacrylat 6.12 Nicht gefährlich 6.22
Detergenzien 6.38 Nicht für private Abnehmer 6.22
Dieselkraftstoff 6.34 Ottokraftstoff 6.34
Düngemittel (Ammoniumnitrat) 6.33 PCB 6.37
Einzelhandel 6.4/6.7/6.15 Pentachlorphenol 6.27
Erbgutverändernd 6.28 Pflanzenschutzmittel 6.6
Epoxid 6.14 Propan 6.23
Flüssiggas 6.23 R33 6.9
Formaldehyd 6.36 R64 6.10
Fortpflanzungsgefährdend 6.28 R65 6.5/6.24/6.32
Gasbehälter 6.4/6.23 R67 6.20
geprüft, nicht vollständig 6.2/6.17 Sensibilisierend 6.18
Halogenkohlenwasserstoffe 6.19/6.30 Teerölhaltige Holzschutzmittel 6.29
Holz, Holzschutzmittel 6.26/6.29 Verspritzen, Versprühen 6.8
Isocyanat 6.13 Zement, Zementhaltige
Zubereitungen 6.21

6.1 Legal eingestufte Stoffe (Richtlinie 67/548/EWG, Anhang I, Stoffliste)


Stoffe, die im Anhang I der Richtlinie 67/548/EWG aufgeführt sind, müssen gemäß
Artikel 23 Abs. 2 Buchstabe f der Richtlinie 67/548/WG, mit EG-Nummer und folgen-
der zusätzlichen Kennzeichnungsaufschrift versehen werden:
„EG-Kennzeichnung“.

6.2 Noch nicht vollständig geprüfte neue Stoffe


(1) Noch nicht vollständig geprüfte neue Stoffe sind nach ihren bekannten Eigen-
schaften einzustufen und zu kennzeichnen.
(2) Stoffe, die nach § 5 Abs.1 Nr. 2 – 4 des ChemG von der Anmeldung ausgenom-
men sind oder nur eingeschränkt nach §7a ChemG angemeldet wurden (<1 t) und
deren Eigenschaften noch nicht vollständig bekannt sind, sind zusätzlich mit dem
Satz
„Achtung – noch nicht vollständig geprüfter Stoff“
zu kennzeichnen (Artikel 13 Abs. 3 der Richtlinie 67/548/EWG umgesetzt durch § 13
Abs. 1 Satz 3 ChemG).

143
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 200 Seite 24

(3) Der Warnhinweis nach Absatz 2 gilt nicht für Arzneimittelwirkstoffe, die aus-
schließlich dazu bestimmt sind, in zulassungs- oder registrierungspflichtigen Arznei-
mitteln oder in Medizinprodukten verwendet zu werden, da diese gemäß Chemika-
liengesetz §2 Absatz 3 Nr. 1 von den Anmelde- und Mitteilungspflichten nach den
Vorschriften des 2. Abschnitts, der §§16, 16a, 16c, 16d und §23 Abs.3 des Chemika-
liengesetz ausgenommen sind. Die mit diesen Vorschriften verbundene Sonderkenn-
zeichnung entfällt somit auch.

6.3 Stoffe, die für jedermann erhältlich sind


Diese Stoffe sind zusammen mit Zubereitungen, die für jedermann erhältlich sind,
unter Nummer 6.7 abgehandelt.

6.4 Gasbehälter für Propan, Butan oder Flüssiggas


Diese Gasbehälter sind zusammen mit Gasbehältern für Zubereitungen, die odorier-
tes Propan, Butan oder Flüssiggas enthalten, unter Nummer 6.23 abgehandelt.

6.5 Stoffe und Zubereitungen mit Aspirationsgefahr


(1) Flüssige Stoffe und Zubereitungen, die aufgrund ihrer niedrigen Viskosität eine
Aspirationsgefahr für den Menschen darstellen, sind nach Anhang VI Nr. 3.2.3 der
Richtlinie 67/548/EWG als gesundheitsschädlich einzustufen und mit
R65 „Gesundheitsschädlich: Kann beim Verschlucken Lungenschäden verur-
sachen“
S62 „Bei Verschlucken kein Erbrechen herbeiführen. Sofort ärztlichen Rat ein-
holen und Verpackung oder dieses Etikett vorzeigen“
zu kennzeichnen.
(2) Stoffe und Zubereitungen, die wegen einer Aspirationsgefahr für den Menschen
als gesundheitsschädlich eingestuft werden, müssen nicht nach Absatz 1 gekenn-
zeichnet werden, wenn sie in Aerosolpackungen oder Behältern mit versiegelter
Sprührichtung in den Verkehr gebracht werden. Eine versiegelte Sprühvorrichtung ist
dadurch gekennzeichnet, dass sie fest und nicht zerstörungsfrei lösbar mit dem
Behältniskörper verbunden ist.

6.6 Pflanzenschutzmittel
Pflanzenschutzmittel (Schädlingsbekämpfungsmittel) im Sinne der Richtlinie
91/414/EG sind nach den Maßgaben der Richtlinie 1999/45/EG einzustufen und zu
kennzeichnen. Nach Artikel 10 Nr. 1.2 der Richtlinie 1999/45/EG ist zusätzlich die
Aufschrift
„Zur Vermeidung von Risiken für Mensch und Umwelt ist die Gebrauchsanlei-
tung einzuhalten.“
zu ergänzen.

144
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 200 Seite 25

6.7 Stoffe und Zubereitungen, die für jedermann erhältlich sind


(1) Sehr giftige, giftige und ätzende Stoffe und Zubereitungen, die für jedermann
erhältlich sind, sind nach Anhang V, Teil A, Nr. 1.1 der Richtlinie 1999/45/EG und
Anhang VI der Richtlinie 67/548/EWG obligatorisch mit folgenden Sicherheitsratsch-
lägen zu kennzeichnen:
S1 „Unter Verschluss aufbewahren“
S2 „Darf nicht in die Hände von Kindern gelangen“
S45 „Bei Unfall oder Unwohlsein sofort Arzt hinzuziehen (wenn möglich dieses
Etikett vorzeigen)“
(2) Andere als in Absatz 1 genannte gefährliche Stoffe und Zubereitungen sind nach
Anhang V Teil A Nr. 1.1 der Richtlinie 1999/45/EG in Verbindung mit Anhang VI der
Richtlinie 67/548/EWG obligatorisch mit folgenden Sicherheitsratschlägen zu kenn-
zeichnen:
S2 „Darf nicht in die Hände von Kindern gelangen“
S46 „Bei Verschlucken sofort ärztlichen Rat einholen und Verpackung oder
Etikett vorzeigen“
Ausgenommen sind Stoffe und Zubereitungen, die ausschließlich als gefährlich für
die Umwelt eingestuft sind.
(3) Bei gefährlichen Stoffen und Zubereitungen, die verschluckt werden können und
nicht erbrochen werden sollten oder dürfen, sollte anstelle mit S46 mit S62 „Bei
Verschlucken kein Erbrechen herbeiführen. Sofort ärztlichen Rat einholen und Verpa-
ckung oder dieses Etikett vorzeigen“ gekennzeichnet werden.
(4) Für als sehr giftig, giftig oder ätzend eingestufte Zubereitungen, die für jeder-
mann erhältlich sind, ist nach Anhang V Teil A Nr. 1.2 der Richtlinie 1999/45/EG eine
genaue und allgemein verständliche Gebrauchsanweisung auf der Verpackung anzu-
bringen. Ist dies technisch nicht möglich, so ist die Gebrauchsanweisung als Pa-
ckungsbeilage beizufügen.
(5) Die Gebrauchsanweisung muss genaue Informationen zur bestimmungsgemä-
ßen und sicheren Anwendung sowie zur Dosierung enthalten.
(6) Soweit zutreffend, sind folgende Informationen in die Gebrauchsanweisung
aufzunehmen:
– mögliche schädliche Auswirkungen auf die Gesundheit sowie sonstige schädliche
Auswirkungen, die auftreten können, insbesondere bei vorhersehbarem Miss-
brauch oder fehlerhaftem Gebrauch,
– geeignete Schutzmaßnahmen bei der Anwendung; z. B. das Material der zu ver-
wendenden Handschuhe, des Körperschutzes, Vermeiden von Vermischen mit
bestimmten anderen Stoffgruppen oder Zubereitungen,
– Sofortmaßnahmen, z. B. bei Unfällen zur Ersten Hilfe, zur Brandbekämpfung,
sofern das übliche Verbraucherverhalten zu einer weiteren Gefahr führt,
– geeignete Aufbewahrung, Beseitigungs-/Dekontaminationsmöglichkeit/ Neutrali-
sation bei unbeabsichtigter Freisetzung und
– geeignete Entsorgung von Produktresten sowie der ungereinigten Leerverpa-
ckung.

145
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 200 Seite 26

(7) Werden Einzelpackungen in einer größeren Verpackungseinheit zusammenge-


packt in Verkehr gebracht, reicht es aus, dieser Verpackungseinheit nur eine
Gebrauchsanweisung beizufügen, wenn diese in kopierfähiger Form vorliegt.
(8) Behälter, die mit T+, T, C, Xn, F+ oder F gekennzeichnete Stoffe oder Zuberei-
tungen enthalten, müssen nach den Bestimmungen des Artikel 22 der Richtlinie
67/548/EWG bzw. Artikel 9 Nr. 1.3 der Richtlinie 1999/45/EG mit tastbaren Warnzei-
chen nach EN/ISO 11683 (Ausgabe 1997) versehen sein. Bei Verpackungen mit
Boden muss der vollständige tastbare Gefahrenhinweis an der aufrechten Handha-
bungsfläche nahe der Kante angebracht werden, und zwar derart, dass die Spitze
des Dreiecks nicht mehr als 50 mm vom Boden der Verpackung entfernt ist. Für
Aerosoldosen, Behälter für brennbare Gase und Kunststoffverpackungen mit kom-
pletter Öffnung (Spritzguss-Herstellung) wurden für die Anordnung des tastbaren
Warnzeichens besondere Festlegungen getroffen. Bei Tuben und Patronen (Verpa-
ckungen ohne Boden) muss der tastbare Gefahrenhinweis kreisförmig um die Tuben-
öffnung auf der Schulter angeordnet werden. Satz 1 gilt nicht für Zubereitungen in
Form von Aerosolen, die lediglich als F+ oder F eingestuft und gekennzeichnet sind
(Anhang IV Teil B Richtlinie 1999/45/EG). Siehe auch Nummer 10 bzgl. kindergesi-
cherter Verschlüsse für Stoffe und Zubereitungen, die für jedermann erhältlich sind.
(9) Siehe auch Nummer 7.3 bzgl. ausreichender Information bei Verzicht auf Mitlie-
ferung eines Sicherheitsdatenblattes.

6.8 Zubereitungen, die durch Verspritzen aufgetragen werden


(1) Die Kennzeichnung von gefährlichen Zubereitungen, die durch Verspritzen auf-
getragen werden, muss gemäß Anhang V Teil A Nr. 2 der Richtlinie 1999/45/EG
zusätzlich den Sicherheitsratschlag S23 „Aerosol nicht einatmen“ enthalten. Entspre-
chendes gilt auch für gefährliche Zubereitungen, die durch Versprühen aufgetragen
werden bzw. zur Verwendung als Sprays bestimmt sind.
(2) Sehr giftige oder giftige Zubereitungen nach Absatz 1 müssen nach Anhang V
Teil A Nr. 2 der Richtlinie 1999/45/EG zusätzlich mit dem Sicherheitsratschlag S38
„Bei unzureichender Belüftung Atemschutzgerät anlegen“ gekennzeichnet werden,
wenn sie in Industrie oder Landwirtschaft eingesetzt werden.
(3) Stoffe oder Zubereitungen nach Absatz 1 müssen nach Anhang V Teil A Nr. 2
der Richtlinie 1999/45/EG zusätzlich mit dem Sicherheitsratschlag S51 „Nur in gut
gelüfteten Bereichen verwenden“ gekennzeichnet werden, wenn sie für die allgemei-
ne Öffentlichkeit bestimmt sind und S38 nicht geeignet ist.

6.9 Zubereitungen mit Stoffen, denen der Satz R33 „Gefahr kumulativer
Wirkungen“ zugeordnet wurde
Enthält eine nach Artikel 5, 6 oder 7 der Richtlinie 1999/45/EG eingestufte Zuberei-
tung mindestens einen Stoff, dem der R-Satz R33 zugeordnet wurde, so ist nach
Anhang V Teil A Nr. 3 dieser Richtlinie auf dem Kennzeichnungsschild der Zuberei-
tung der Wortlaut des R-Satzes R33 anzugeben, wenn der Stoff in der Zubereitung in
einer Konzentration • 1 % enthalten ist, sofern in Anhang I der Richtlinie 67/548/EWG
keine anderen Werte festgelegt sind. G

146
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 200 Seite 27

6.10 Zubereitungen mit einem Stoff, dem der Satz R64 „Kann Säuglinge über
die Muttermilch schädigen“ zugeordnet wurde
Enthält eine nach Artikel 5, 6 oder 7 der Richtlinie 1999/45/EG eingestufte Zuberei-
tung mindestens einen Stoff, dem der R-Satz R64 zugeordnet wurde, so ist nach
Anhang V Teil A Nr. 4 dieser Richtlinie auf dem Kennzeichnungsschild der Zuberei-
tung der Wortlaut des R-Satzes R64 anzugeben, wenn dieser Stoff in einer Konzent-
ration ≥ 1 % enthalten ist, sofern in Anhang I der Richtlinie 67/548/EWG keine ande-
ren Werte festgelegt sind. G

6.11 Bleihaltige Anstrichmittel und Lacke


Das Kennzeichnungsschild der Verpackung bleihaltiger Anstrichmittel und Lacke,
deren Gesamtbleigehalt – bestimmt nach der Norm ISO 6503/1984 – 0,15 % (ausge-
drückt in Gewicht des Metalls) des Gesamtgewichts der Zubereitung überschreitet,
muss nach Anhang V Teil B Nr. 1.1 der Richtlinie 1999/45/EG folgenden Vermerk
tragen:
„Enthält Blei. Nicht für den Anstrich von Gegenständen verwenden, die von
Kindern gekaut oder gelutscht werden könnten.“
Bei Verpackungen mit einem Inhalt von weniger als 125 ml muss der Hinweis wie
folgt lauten:
„Achtung! Enthält Blei“.

6.12 Cyanacrylathaltige Zubereitungen


(1) Die Verpackung, die unmittelbar Klebstoffe auf der Grundlage von Cyanacrylat
enthält, muss nach Anhang V Teil B Nr. 2 der Richtlinie 1999/45/EG folgende Auf-
schrift tragen:
„Cyanacrylat.
Gefahr.
Klebt innerhalb von Sekunden Haut und Augenlider zusammen.
Darf nicht in die Hände von Kindern gelangen.“
Entsprechende Sicherheitsratschläge müssen der Verpackung beigegeben werden.
(2) Es wird empfohlen, zusätzlich folgende Sicherheitsratschläge auf dem Etikett
anzugeben:
S23 „Dampf nicht einatmen“ und
S51 „Nur in gut gelüfteten Bereichen verwenden“.

6.13 Isocyanathaltige Zubereitungen


(1) Isocyanate werden gemäß Anhang VI Nr. 3.2.7.1 der Richtlinie 67/548/EWG als
sensibilisierend eingestuft und mit Xn; R42 gekennzeichnet, es sei denn, es liegt ein
Nachweis vor, dass das betreffende Isocyanat keine Überempfindlichkeit am Atem-
trakt bewirkt.
(2) Das Kennzeichnungsschild der Verpackung von Zubereitungen, die Isocyanate
enthalten (Monomer, Oligomer, Prepolymer usw. als solche oder als Gemische), muss

147
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 200 Seite 28

nach Anhang V Teil B Nr. 3 der Richtlinie 1999/45/EG nachstehenden Angaben ent-
halten:
„Enthält Isocyanate.
Hinweise des Herstellers beachten.“
(3) Ist eine isocyanathaltige Zubereitung nach § 5 GefStoffV bereits mit dem Namen
mindestens eines Isocyanates gekennzeichnet, kann auf den ersten Satz der Kenn-
zeichnung („Enthält Isocyanate“) nach Absatz 1 verzichtet werden.

6.14 Zubereitungen, die epoxidhaltige Verbindungen mit einem mittleren Mole-


kulargewicht ≤ 700 enthalten G
(1) Das Kennzeichenschild der Verpackung von Zubereitungen, die epoxidhaltige
Verbindungen mit einem mittleren Molekulargewicht von ” 700 enthalten, muss nach
Anhang V Teil B Nr. 4 der Richtlinie 1999/45/EG die nachstehenden Angaben enthal-
ten: G
„Enthält epoxidhaltige Verbindungen.
Hinweise des Herstellers beachten.“
Die geforderten „Hinweise des Herstellers“ sind im Sicherheitsdatenblatt auszufüh-
ren.
(2) Wird nach den Methoden des Anhang V der Richtlinie 67/548/EWG nachgewie-
sen, dass die Epoxide nicht sensibilisierend sind, kann der Hinweis nach Abs. 1
entfallen. Dieses Testergebnis ist im Sicherheitsdatenblatt unter Kapitel 11 an-
zugeben.
(3) Ist eine epoxidhaltige Zubereitung nach §5 GefStoffV bereits mit dem Namen
mindestens eines Epoxids gekennzeichnet, kann auf den ersten Satz der besonderen
Kennzeichnung („Enthält epoxidhaltige Verbindungen“) nach Absatz 1 verzichtet
werden.

6.15 Zubereitungen, die im Einzelhandel angeboten werden bzw. für jedermann


erhältlich sind und Aktivchlor enthalten
Die Verpackung von Zubereitungen, die mehr als 1 % Aktivchlor enthalten, muss
nach Anhang V Teil B Nr. 5 der Richtlinie 1999/45/EG mit folgender Aufschrift verse-
hen sein:
„Vorsicht! Nicht zusammen mit anderen Produkten verwenden, da gefährliche
Gase (Chlor) freigesetzt werden können.“

6.16 Cadmiumhaltige Zubereitungen (Legierungen), die zum Löten oder


Schweißen verwendet werden
Die Verpackung solcher Zubereitungen muss gut leserlich und unzerstörbar folgende
Aufschriften nach Anhang V Teil B Nr. 6 der Richtlinie 1999/45/EG tragen:
„Achtung! Enthält Cadmium.
Bei der Anwendung entstehen gefährliche Dämpfe.
Anweisung des Herstellers beachten.
Sicherheitsanweisungen einhalten.“

148
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 200 Seite 29

6.17 Zubereitungen, die nicht vollständig geprüfte neue Stoffe enthalten


(1) Zubereitungen, die nicht vollständig geprüfte neue Stoffe enthalten, sind nach
ihren bekannten Eigenschaften einzustufen und zu kennzeichnen.
(2) Enthält eine Zubereitung mindestens einen Stoff, dem gemäß Art. 13 Abs. 3 der
Richtlinie 67/548/EWG der Satz „Achtung – noch nicht vollständig geprüfter Stoff“
zugeordnet ist, so ist nach Anhang V Teil B Nr. 8 der Richtlinie 1999/45/EG auf dem
Kennzeichnungsschild der Satz „Achtung, diese Zubereitung enthält einen noch nicht
vollständig geprüften Stoff“ anzugeben, wenn die Konzentration dieses Stoffes min.
1 % beträgt. Es ist keine Addition mehrerer Stoffe mit der oben erwähnten Aufschrift
unterhalb von 1 % Gehalt vorgesehen.
(3) Der Warnhinweis nach Absatz 2 gilt nicht für Zubereitungen von Arzneimittel-
wirkstoffen, die ausschließlich dazu bestimmt sind in zulassungs- oder registrie-
rungspflichtigen Arzneimitteln oder in Medizinprodukten verwendet zu werden, da
diese gemäß Chemikaliengesetz (§ 2 Abs. 3 Nr. 1) von den Anmelde- und Mittei-
lungspflichten nach den Vorschriften des 2. Abschnitts, der §§ 16, 16a, 16c, 16d und
§ 23 Abs. 3 des Chemikaliengesetz ausgenommen sind. Die mit diesen Vorschriften
verbundene Sonderkennzeichnung entfällt somit auch.

6.18 Zubereitungen, die nicht als sensibilisierend eingestuft sind, aber


mindestens einen sensibilisierenden Stoff enthalten
(1) Nach Anhang V Teil B Nr. 9 der Richtlinie 1999/45/EG, sind Zubereitungen, die
nicht als sensibilisierend eingestuft sind, aber 0,1 % oder mehr eines sensibilisieren-
den Stoffes enthalten mit der folgenden Aufschrift zu kennzeichnen:
„Enthält [Name des (der) sensibilisierenden Stoffe(s)]. Kann allergische Reaktio-
nen hervorrufen.“
(2) Ist im Anhang I der Richtlinie 67/548/EWG für den sensibilisierenden Stoff, eine
andere Konzentrationsgrenze als 0,1 % ausgewiesen, so findet diese Konzentrati-
onsgrenze Anwendung. Bei Salzen, für die in Anhang I der Richtlinie 67/548/EWG die
Anmerkung 1 oder 3 vergeben wurde, ist die Konzentration auf den Masseanteil des
sensibilisierenden Ions in der Zubereitung zu beziehen13).
(3) Ist eine Zubereitung als sensibilisierend eingestuft (z.B. Haut) und enthält min-
destens einen auf anderem Wege sensibilisierend wirkenden Stoff (z.B. Atemwege) in
einer Konzentration < 1 %, der selbst nicht zur Einstufung führt, wird empfohlen
diesen Stoff in der nach Abs. 1 bis 2 beschriebenen Weise in der Kennzeichnung
anzugeben.

6.19 Flüssige Zubereitungen, die Halogenkohlenwasserstoffe enthalten


(1) Die Verpackung von Zubereitungen, die keinen Flammpunkt oder einen Flamm-
punkt von mehr als 55 °C haben und einen Halogenkohlenwasserstoff und mehr als
5 % entzündliche oder leicht entzündliche Stoffe enthalten, muss, falls zutreffend,
nach Anhang V Teil B Nr. 10 der Richtlinie 1999/45/EG folgende Aufschrift tragen:

13) Anmerkung 3 bezieht sich auf Chromationen, nicht Chromionen (Übersetzungsfehler in der deutschen
Fassung).

149
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 200 Seite 30

„Kann bei Gebrauch leicht entzündlich werden“ bzw. „Kann bei der Verwendung
entzündlich werden“
Siehe auch Nummer 6.30.

6.20 Zubereitungen, die einen Stoff enthalten, dem der Satz R67 zugeordnet ist:
Dämpfe können Schläfrigkeit und Benommenheit verursachen
Enthält eine Zubereitung mindestens einen Stoff, dem der R-Satz 67 zugeordnet ist,
so muss nach Anhang V Teil B Nr. 11 der Richtlinie 1999/45/EG das Kennzeich-
nungsschild der Zubereitung den Wortlaut dieses Satzes enthalten, wenn die Ge-
samtkonzentration der in der Zubereitung enthaltenen derartigen Stoffe 15 % oder
mehr beträgt, außer wenn:
– der Zubereitung bereits aufgrund der Einstufung der Satz R20, R23, R26, R68/20,
R39/23 oder R39/26 zugeordnet ist oder
– die Verpackung der Zubereitung nicht mehr als 125 ml enthält.

6.21 Zement und Zementzubereitungen


(1) Die Verpackung von Zementen und Zementzubereitungen, mehr als 0,0002 %
(2 ppm) des gesamten Trockengewichts des Zements an löslichem Chrom(VI) enthal-
ten, muss gemäß Anhang V Teil B Nr. 12 der Richtlinie 1999/45/EG folgende Auf-
schrift tragen:
„Enthält Chrom(VI). Kann allergische Reaktionen hervorrufen.“
Dies gilt nicht, wenn die Zubereitung bereits mit Satz R43 als sensibilisierend einge-
stuft und gekennzeichnet ist.
(2) Werden Reduktionsmittel verwendet, so ist gemäß Anhang I Nr. 47 der Richtlinie
76/769/EWG auf der Verpackung deutlich lesbar und dauerhaft anzugeben, wann das
Erzeugnis abgepackt wurde sowie unter welchen Bedingungen und wie lange es
gelagert werden kann, ohne dass die Wirkung des Reduktionsmittels nachlässt und
der Gehalt an löslichem Chrom(VI) den Wert von 0,0002 % des gesamten Trocken-
gewichts des Zements überschreitet. Zemente und zementhaltige Zubereitungen die
nach Hydratisierung weniger als 0,0002 % (2 ppm) des gesamten Trockengewichts
des Zements an löslichem Chrom(VI) enthalten („chromatarme Zemente und chro-
matarme zementhaltige Zubereitungen“) sind hinsichtlich des Chromatgehaltes nicht
mit dem R 43 einzustufen und zu kennzeichnen.
(3) Die Kennzeichnungsvorschriften gemäß Absatz 2 finden keine Anwendung auf
das Inverkehrbringen zur Verwendung in überwachten geschlossenen und vollauto-
matischen Prozessen, in denen Zement und zementhaltige Zubereitungen aus-
schließlich mit Maschinen in Berührung kommen und keine Gefahr von Hautkontak-
ten besteht.

6.22 Nicht für die private Abnahme bestimmte, nicht gefährliche Zubereitungen
Zubereitungen, die nicht als gefährlich eingestuft und nicht für die private Abnahme
bestimmt sind, jedoch mindestens einen gesundheitsgefährdenden oder umweltge-
fährlichen Stoff oder einen Stoff, für den es gemeinschaftliche Grenzwerte für die

150
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 200 Seite 31

Exposition am Arbeitsplatz14) gibt, in Konzentrationen ≥ 1 Gewichts-% enthalten (bei


Gasen ≥ 0,2 Volumen-%), sind gemäß Richtlinie 1999/45/EG (Anhang V Teil C Nr. 1)
mit der Aufschrift:
„Sicherheitsdatenblatt auf Anfrage für berufsmäßige Verwender erhältlich.“ zu
kennzeichnen.

6.23 Gasbehälter für Zubereitungen, die odoriertes Propan, Butan oder Flüssig-
gas enthalten
(1) Diese Stoffe sind in Anhang I der Richtlinie 67/548/EWG eingestuft; Zubereitun-
gen, die diese Stoffe enthalten, sind gemäß Artikel 5, 6 und 7 der Richtlinie
1999/45/EG einzustufen. Sie stellen für den Menschen keine Gesundheitsgefährdung
dar, wenn sie in verschlossenen nachfüllbaren Zylindern oder nicht nachfüllbaren
Kartuschen entsprechend EN 417 als Brenngase, die nur zur Verbrennung freigesetzt
werden, in den Verkehr gebracht werden (EN 417, Ausgabe vom September 1992,
über „metallische Einwegkartuschen für Flüssiggas, mit oder ohne Entnahmeventil,
zum Betrieb von tragbaren Geräten; Herstellung, Prüfung und Kennzeichnung“).
(2) Diese Zylinder bzw. Kartuschen sind mit dem ihrer Entzündlichkeit entsprechen-
den Gefahrensymbol und den zugehörigen R- und S-Sätzen zu kennzeichnen. Ge-
mäß Anhang VI Nr. 8.2 und 9.2 der Richtlinie 67/548/EWG ist auf dem Kennzeich-
nungsschild keine Angabe über Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit
erforderlich. Die Informationen über die Auswirkungen auf die menschliche Gesund-
heit, die auf dem Kennzeichnungsschild hätten angegeben werden sollen, sind je-
doch von dem für das Inverkehrbringen Verantwortlichen den berufsmäßigen Ver-
wendern im Sicherheitsdatenblatt zu übermitteln. Den nicht berufsmäßigen
Verwendern sind ausreichende Informationen zu übermitteln, damit sie die für den
Gesundheitsschutz und die Sicherheit erforderlichen Maßnahmen ergreifen können.
(3) Gasbehälter für Propan, Butan oder Flüssiggas und Gasbehälter für Zubereitun-
gen, die odoriertes Propan, Butan oder Flüssiggas enthalten, müssen, sofern sie nicht
für den berufsmäßigen Verwender bestimmt sind und sofern sie > 0,1% Butadien
enthalten, folgende Sicherheitsratschläge tragen:
a) Stahlflaschen:
„Gas nicht unverbrannt ausströmen lassen. Nicht einatmen.“
b) Kartuschen:
„Gas nicht unverbrannt ausströmen lassen. Nicht einatmen. Behälter nicht gewalt-
sam öffnen.“

6.24 Flüssige Stoffe oder Zubereitungen, die aufgrund ihrer Aspirationsgefahr


als gefährlich eingestuft und mit R65 gekennzeichnet sind
Die Verpackung von flüssigen Stoffen oder Zubereitungen, denen der R65 zugeord-
net wurde und die als Brennstoff in Zierlampen verwendet werden können, verpackt
in Mengen von 15 l oder weniger in den Verkehr gebracht werden und keinen Farb-
stoff – außer aus steuerlichen Gründen – und/oder ein Parfüm enthalten, müssen

14) Zum Zeitpunkt der Erstellung der TRGS sind die gültigen Arbeitsplatzgrenzwerte in den Richtlinien
2006/15/EG, 2000/39/EG und 91/322/EWG enthalten.

151
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 200 Seite 32

gemäß Anhang I Nr. 3 der Richtlinie 76/769/EWG, mit folgender zusätzlichen Kenn-
zeichnungsaufschrift versehen werden:
„Mit dieser Flüssigkeit gefüllte Lampen sind für Kinder unzugänglich aufzube-
wahren.“

6.25 Bestimmte aromatische Amine und seine Salze


Auf der Verpackung von Zubereitungen, die:
2-Naphtylamin (CAS 92-87-5),
Benzidin (CAS 92-87-5),
4-Nitrobiphenyl (CAS 92-93-3) oder
Biphenyl-4-ylamin (CAS 92-67-1)
enthalten, muss gemäß Anhang I Nr. 13 bis 16 der Richtlinie 76/769/EWG, folgende
Kennzeichnungsaufschrift angegeben werden:
„Nur für gewerbliche Verbraucher“.

6.26 Arsenhaltige Holzschutzmittel/Holz


(1) Mit arsenhaltigem Holzschutzmittel behandeltes Holz, dessen Inverkehrbringen
gemäß Anhang I Nr. 20 der Richtlinie 76/769/EWG nicht verboten ist, ist einzeln zu
kennzeichnen mit folgender Aufschrift:
„Verwendung nur in Industrieanlagen und zu gewerblichen Zwecken, enthält
Arsen.“
(2) Pakete, die mit arsenhaltigen Holzschutzmitteln behandeltes Holz enthalten,
dessen Inverkehrbringen gemäß Anhang I Nr. 20 der Richtlinie 76/769/EWG, nicht
verboten ist, sind darüber hinaus mit folgender Kennzeichnungsaufschrift zu verse-
hen:
„Bei der Handhabung des Holzes Handschuhe tragen. Wird dieses Holz ge-
schnitten oder anderweitig bearbeitet, Staubmaske und Augenschutz tragen.
Abfälle dieses Holzes sind von zugelassenen Unternehmen als gefährliche Abfäl-
le zu behandeln.“

6.27 Pentachlorphenol, seine Salze und Ester sowie Zubereitungen, die diese
Stoffe enthalten
Gemäß GefStoffV (Anhang II Nr. 2) sind abweichend von Anhang I Nr. 23 der Richtli-
nie 76/769/EWG Pentachlorphenol, seine Salze und Ester sowie Zubereitungen mit
diesen Stoffen mit folgender Aufschrift zu versehen:
„Nur für Fachleute im Bereich Forschung und Analyse.“

6.28 Krebserzeugende, erbgutverändernde und fortpflanzungsgefährdende


Stoffe und Zubereitungen der Kategorie 1 oder 2
Krebserzeugende, erbgutverändernde und fortpflanzungsgefährdende Stoffe der
Kategorie 1 oder 2 sowie Zubereitungen, die aufgrund dieser Stoffe als krebserzeu-
gend, erbgutverändernd oder fortpflanzungsgefährdend der Kategorie 1 oder 2 ein

152
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 200 Seite 33

zustufen sind, sind gemäß Anhang I Nr. 29-31 der Richtlinie 76/769/EWG zusätzlich
mit folgendem Satz zu kennzeichnen:
„Nur für den berufsmäßigen Verwender“

6.29 Bestimmte teerölhaltige Holzschutzmittel


Verpackungen folgender teerölhaltiger Holzschutzmittel, deren Verwendung nach
Anhang I, Nr. 32 der Richtlinie 76/769/EWG nicht verboten ist, müssen zusätzlich mit
folgender Kennzeichnungsaufschrift versehen werden:
„Verwendung nur in Industrieanlagen und zu gewerblichen Zwecken.“

CAS-Nr.:
Kreosot 8001-58-9
Kreosotöl 61789-28-4
Destillate (Kohlenteer) Naphthalinöl 84650-04-4
Kreosotöl Acenaphthanfraktion 90640-84-9
Höhersiedende Destillate (Kohlenteer) 65996-91-0
Antracenöl 90640-80-5
Teersäuren, Kohle, Rohöl 65996-85-2
Kreosot, Holz 8021-39-4
Niedrigtemperatur-Kohlenteeralkalin, Extrarückstände 122384-78-5

6.30 Aliphatische Halogenkohlenwasserstoffe


Bestimmte Chlorkohlenwasserstoffe (Chloroform; Tetrachlormethan; 1,1,2 Trichlo-
rethan; 1,1,2,2 Tetrachlorethan; 1,1,1,2 Tetrachlorethan; Pentachlorethan; 1,1 Dichlo-
rethen; 1,1,1 Trichlorethan) und Zubereitungen, die mindestens 0,1 Massen-% eines
dieser Chlorkohlenwasserstoffe enthalten, sind nach Anhang I Nummer 33 bis 40 der
Richtlinie 76/769/EWG mit der folgenden Aufschrift zu kennzeichnen:
„Nur zur Verwendung in Industrieanlagen“.

6.31 Asbesthaltige Erzeugnisse


(1) Die Verpackung asbesthaltiger Erzeugnisse muss gemäß Anhang II Teil A Nr. 1
der Richtlinie 76/769/EWG mit einem speziellen Symbol und der folgenden Kenn-
zeichnungsaufschrift versehen werden:
„Enthält Asbest“ oder, wenn es Krokydolith enthält, „Enthält Krokydolith/ blauen
Asbest“
(2) Der Kennzeichnung asbesthaltiger Erzeugnisse sind gemäß Anhang II Teil A
Nr. 5 der Richtlinie 76/769/EWG, für die weitere Verwendung insbesondere folgende
zusätzliche Sicherheitsratschläge beizufügen:
„Nach Möglichkeit im Freien oder in gelüfteten Räumen arbeiten!“

153
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 200 Seite 34

„Möglichst handbetriebene oder langsam laufende Geräte, erforderlichenfalls mit


Staubauffangvorrichtung, verwenden! Werden schnell laufende Geräte verwen-
det, sollten diese stets mit solchen Vorrichtungen versehen sein.“
„Vor dem Schneiden oder Bohren möglichst befeuchten.“
„Staub befeuchten, in ein gut schließendes Behältnis füllen und gefahrlos besei-
tigen!“
(3) Die Kennzeichnung von zur Verwendung im Haushalt bestimmten Erzeugnissen,
die nicht unter Absatz 2 fallen und bei denen während ihrer Verwendung Asbestfa-
sern freigesetzt werden können, sollte, falls erforderlich, folgenden Sicherheitsrat-
schlag enthalten:
„Bei Abnutzung ersetzen!“

6.32 Aerosolpackungen
(1) Alle Aerosolpackungen sind unabhängig von ihrem Inhalt nach § 3 der 13. Ver-
ordnung zum Geräte- und Produktsicherheitsgesetz (13. GPSGV) in Verbindung mit
der Richtlinie 75/324/EWG (Anhang, Ziffer 2.2, 2.3)15) mit zusätzlichen vorbeugenden
Gebrauchsanweisungen zu versehen, die den Verbraucher über die spezifischen
Gefahren des Produkts unterrichten sollen. In jedem Fall sind folgende Hinweise
aufzunehmen:
„Behälter steht unter Druck. Vor Sonnenbestrahlung und Temperaturen über
50°C schützen. Auch nach Gebrauch nicht gewaltsam öffnen oder verbrennen.“
(2) Im Falle brennbarer Bestandteile16) sind neben den unter Absatz 1 aufgeführten
Angaben noch gemäß Richtlinie 75/324/EWG (Anhang, Ziffer 2.3) die folgenden
Warnhinweise erforderlich:
„Nicht gegen Flamme oder auf glühenden Gegenstand sprühen“
„Von Zündquellen fernhalten – Nicht rauchen“
„Außer Reichweite von Kindern aufbewahren“
(3) Wenn der für das Inverkehrbringen von Aerosolpackungen Verantwortliche
anhand von geeigneten Versuchen oder Analysen nachweisen kann, dass die betref-
fenden Aerosolpackungen zwar entzündliche Bestandteile enthalten, aber unter
normalen oder vernünftigerweise vorhersehbaren Verwendungsbedingungen kein
Entzündungsrisiko darstellen, kann er selbst entscheiden, die Bestimmungen gemäß
Absatz 2 nicht anzuwenden. In diesem Fall müssen auf dem Etikett der Aerosolpa-
ckung die enthaltenen entzündlichen Bestandteile angegeben werden:
„Enthält X Massenprozent entzündliche Bestandteile“.
(4) Bei der Einstufung und Kennzeichnung ist das Treibmittel ein Bestandteil der
Zubereitung. Siehe auch Nummer 6.24 dieser TRGS bzgl. Stoffe und Zubereitungen
mit Aspirationsgefahr.

15) Richtlinie 75/324/EWG vom 20. Mai 1975 zur Angleichung der Rechtsvorschriften über Aerosol-
packungen (ABl. EG Nr. L 147 S. 40) in der jeweils geltenden Fassung
16) „Brennbare Bestandteile“ sind Stoffe und Zubereitungen, die den für die Kategorien „hochentzünd-
lich“, „eichtentzündlich“ und „entzündlich“ im Anhang VI der Richtlinie 67/548/EWG festgelegten Kri-
terien genügen. Die Verfahren zur experimentellen Bestimmung der Entzündungseigenschaften von
Aerosolen sind in Anhang V, Teil A der dieser RL beschrieben. (siehe hierzu auch Fußnote Nr. 8).

154
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 200 Seite 35

(5) Der für gefährliche Stoffe, und Zubereitungen, die für die Öffentlichkeit bestimmt
sind (d. h. für jedermann erhältlich), vorgeschriebene S-Satz 2 muss auf dem Etikett
von brennbaren Aerosolen nicht angegeben werden, da er inhaltlich bereits durch die
unter Absatz 2 aufgeführte zusätzliche Kennzeichnung abgedeckt wird. Alle anderen
S-Sätze, sowie alle R-Sätze sind nach Maßgabe des Anhangs VI der Richtlinie
67/548/EWG vollständig anzugeben.
(6) Stoffe und Zubereitungen, die als Aerosolpackungen für Unterhaltungs- und
Dekorationszwecke in Verkehr gebracht werden und brennbare Bestandteile enthal-
ten, soweit sie nicht unter Artikel 9a der Aerosolrichtlinie fallen, sind gemäß Anhang I
(zwischen Nr. 28 und 29) der Richtlinie 76/769/EWG, zusätzlich mit folgender Auf-
schrift zu kennzeichnen:
„Nur für gewerbliche Verbraucher“.
(7) Ferner müssen Imprägnierungsmittel in Aerosolpackungen für Leder- und Textil-
erzeugnisse, die für den häuslichen Bedarf bestimmt sind – ausgenommen solche,
die Schäume erzeugen – auf der Aerosolpackung und der Verpackung der einzelnen
Aerosolpackung gemäß Anlage 7 zur Bedarfsgegenständeverordnung (zu § 9) mit
folgendem Warnhinweis versehen werden:
„Vorsicht! Unbedingt beachten! Gesundheitsschäden durch Einatmen möglich!
Nur im Freien oder bei guter Belüftung verwenden! Nur wenige Sekunden sprü-
hen! Großflächige Leder- und Textilerzeugnisse nur im Freien besprühen und gut
ablüften lassen! Von Kindern fernhalten!“
Die nachfolgende Aufzählung einiger ausgewählter sonstiger Kennzeichnungen aus
anderen Rechtsvorschriften erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

6.33 Ammoniumnitrat und ammoniumnitrathaltige Zubereitungen (Düngemittel)


(1) Bei Tätigkeiten mit Ammoniumnitrat und ammoniumnitrathaltigen Zubereitungen
(Düngemittel) ist nach TRGS 511 Nummer 4 Abs. 1 und 2 eine zusätzliche Kenn-
zeichnung gefordert. Danach sind Ammoniumnitrat und ammoniumnitrathaltigen
Zubereitungen mit der Aufschrift:
„Kennzeichnung nach Gefahrstoffverordnung“
und der Bezeichnung
„Ammoniumnitrat“ oder „Düngemittel mit Ammoniumnitrat“
und der Gruppe nach Nummer 2 Abs.1 der TRGS 511 zu kennzeichnen.
(2) Bei unverpackten Zubereitungen muss die Kennzeichnung nach Absatz 1 am Ort
der Lagerung sichtbar angebracht werden.

6.34 Ottokraftstoff und Dieselkraftstoff


(1) Ottokraftstoff und Dieselkraftstoff darf nur in Kanister/Behälter gefüllt werden,
die den Vorschriften für die Beförderung gefährlicher Güter entsprechen. Beim Ver-
kauf eines mit Ottokraftstoff oder Dieselkraftstoff gefüllten Kanisters ist dieser mit der
vorgeschriebenen Kennzeichnung nach GefStoffV zu versehen. Beim Befüllen eines
nicht gekennzeichneten Kanisters mit Ottokraftstoff oder Dieselkraftstoff ist dem

155
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 200 Seite 36

Kunden ein Aufkleber mit der nach GefStoffV erforderlichen Kennzeichnung mit-
zugeben.
(2) Beim Betanken von Kraftfahrzeugen mit Ottokraftstoff oder Dieselkraftstoff
entfällt diese Verpflichtung. Die Kennzeichnungspflicht wird dadurch erfüllt, dass die
Zapfsäule wie eine Verpackung gekennzeichnet wird. Die Abmessung der Kennzeich-
nung muss mindestens dem Format 105 x 148 mm entsprechen. Sie muss an gut
sichtbarer Stelle angebracht sein.
(3) Bei benzolhaltigen Kraftstoffen ist folgender zusätzlicher Sicherheitshinweis
aufzunehmen:
„Nie zu Reinigungszwecken verwenden.“
Der S-Satz 53 kann verkürzt wiedergegeben werden:
„Exposition vermeiden.“
Die Zusatzaufschrift
„Nur für den berufsmäßigen Verwender“
kann entfallen.
(4) Die Regelungen der Absätze 1 bis 3 gelten auch für ethanolhaltige Ottokraftstof-
fe, die Regelungen der Absätze 1 und 2 auch für biodieselhaltige Dieselkraftstoffe.
(5) Ein Mischkraftstoff aus Ottokraftstoff und mehr als 5 Volumen-% Bioethanol muss
nach Bundesimmissionsschutzverordnung an der Zapfsäule zusätzlich ausgezeichnet
werden mit:
„Enthält mehr als 5 Volumen-% Bioethanol“.
(6) Ein Mischkraftstoff aus Dieselkraftstoff und mehr als 5 Volumen-% Biodiesel
muss nach Bundesimmissionsschutzverordnung an der Zapfsäule zusätzlich ausge-
zeichnet werden mit:
„Enthält mehr als 5 Volumen-% Biodiesel“.

6.35 Biozid-Produkte
(1) Biozid-Produkte sind gemäß Richtlinie 1999/45/EG einzustufen und zu kenn-
zeichnen. Gemäß Anhang II Nr. 2 GefStoffV gelten für Biozid-Produkte zusätzliche
Kennzeichnungsvorschriften nach Artikel 20 Abs. 2 Satz 2 und Absatz 3 Satz 2 und 3
Buchstabe a, c, f bis j, l und m sowie im Falle zugelassener oder registrierter Biozid-
Produkte zusätzlich die Buchstaben b, d, e und k der Richtlinie 98/8/EG.
(2) Biozid-Produkte mit beigefügtem Merkblatt in der Verpackung sind gemäß
Richtlinie 98/8/EG, Artikel 20 mit folgender Aufschrift zu kennzeichnen:
„Vor Gebrauch beiliegendes Merkblatt lesen.“
(3) Zusätzlich zu der Angabe der Gefährlichkeitsmerkmale ist gemäß § 15 a Abs. 2
ChemG bei der Werbung für Biozid-Produkte der Hinweis „Biozide sicher verwenden.
Vor Gebrauch stets Kennzeichnung und Produktinformation lesen.“ hinzuzufügen.
Weitere Informationen stellt die Zulassungsstelle für Biozid-Produkte17) zur Verfü-
gung.

17) Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Postfach 17 02 02, 44061 Dortmund

156
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 200 Seite 37

(4) Biozid-Produkte sind gemäß Biozid-Meldeverordnung (ChemBiozidMeldeV) mit


der von der Zulassungsstelle mitgeteilten Registriernummer zu versehen.

6.36 Formaldehydhaltige Zubereitungen und Erzeugnisse


(1) Textilien mit einem Massengehalt von mehr als 0,15 vom Hundert an freiem
Formaldehyd, die beim bestimmungsgemäßen Gebrauch mit der Haut in Berührung
kommen und mit einer Ausrüstung versehen sind, sind nach Bedarfsgegenstände-
verordnung, Anlage 9 (zu § 10 BedGgstV, Abs. 6) mit folgender zusätzlicher Kenn-
zeichnung zu versehen:
„Enthält Formaldehyd. Es wird empfohlen, das Kleidungsstück zur besseren
Hautverträglichkeit vor dem ersten Tragen zu waschen.“
(2) Reinigungs- und Pflegemittel, die für den häuslichen Bedarf bestimmt sind, mit
einem Massengehalt von mehr als 0,1 vom Hundert Formaldehyd sind nach Bedarfs-
gegenständeverordnung, Anlage 9 (zu § 10 BedGgstV, Abs. 6) mit folgender zusätzli-
cher Kennzeichnung zu versehen:
„Enthält Formaldehyd.“
(3) Die Kennzeichnung nach Absatz 1 und 2 ist auf dem Bedarfsgegenstand oder
der Verpackung oder dem Etikett anzubringen, das sich auf dem Bedarfsgegenstand
oder seiner Verpackung befindet.

6.37 PCB-haltige Geräte


Dekontaminierte PCB-haltige Geräte im Sinne der Richtlinie 96/59/EG müssen nach
dem Anhang dieser Richtlinie gekennzeichnet werden.

6.38 Detergenzien
(1) Auf der Verpackung von Detergenzien, die für jedermann erhältlich sind, sind die
Inhaltsstoffe – zusätzlich zu den Kennzeichnungsvorschriften nach den Richtlinien
67/548/EWG und 1999/45/EG – nach Maßgabe von Anhang VII Abschnitt A der EG-
Verordnung Nr. 648/2004 anzugeben.
(2) Bei Detergenzien, die ausschließlich im industriellen und institutionellen Bereich
verwendet und nicht der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt werden, brauchen die
oben genannten Anforderungen nicht erfüllt zu sein, falls gleichwertige Informationen
mittels technischer Datenblätter, Sicherheitsdatenblätter oder auf eine ähnliche ge-
eignete Weise gegeben werden.

7 Kennzeichnung in besonderen Fällen

7.1 Kennzeichnungserleichterungen und Ausnahmen

7.1.1 Kleinmengen
(1) Allein als brandfördernd, leichtentzündlich, entzündlich oder reizend eingestufte
Stoffe brauchen nicht mit Gefahrenhinweisen (R-Sätzen) und Sicherheitsratschlägen

157
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 200 Seite 38

(S-Sätzen) gekennzeichnet zu werden, wenn sie in Verpackungen mit nicht mehr als
125 ml Inhalt in den Verkehr gebracht werden. Satz 1 gilt auch für gesundheitsschäd-
liche Stoffe in der gleichen Menge, wenn sie nicht für jedermann erhältlich sind.
(2) Enthält die Verpackung einer Zubereitung nicht mehr als 125 ml, so ist nach
Artikel 10 Nr. 4 der Richtlinie 1999/45/EG
– im Falle von allein als leichtentzündlich, brandfördernd und reizend eingestuften
Zubereitungen (mit Ausnahme der Zubereitungen, denen R41 zugeordnet ist) oder
von allein als umweltgefährlichen eingestuften Zubereitungen, denen das Symbol
N zugeordnet ist, die Angabe der R-Sätze oder der S-Sätze nicht erforderlich;
– im Falle von allein als entzündlich oder umweltgefährlich eingestuften Zubereitun-
gen, denen das Symbol N nicht zugeordnet ist, die Angabe der R-Sätze, nicht je-
doch die Angabe der S-Sätze erforderlich.
(3) Die Vergabe des R-Satzes 67 für eine Zubereitung muss gemäß Anhang V B 11
der Richtlinie 1999/45/EG nicht erfolgen, wenn die Verpackung der Zubereitung nicht
mehr als 125 ml enthält.
(4) Portionspackungen, die in einem nach dem Zweiten Abschnitt und dem An-
hang II der GefStoffV gekennzeichneten Gefäß vorrätig gehalten und nur zum Zwecke
der Verwendung nach der Betriebsanweisung entnommen und sofort entleert wer-
den, brauchen nicht gekennzeichnet zu werden.
(5) Die Bestimmungen von Absatz 1 und 2 gelten auch für Sets, Kits und Kombipa-
ckungen, wenn jede gefährliche Einzelkomponente die oben genannte Menge nicht
überschreitet.

7.1.2 Ortsbewegliche Gasbehälter


(1) Gemäß Anhang VI Nr. 8.1 und 9.1.2 der Richtlinie 67/548/EWG können bei Gas-
flaschen mit einer Wasserkapazität von < 150 l Format und Abmessungen des Kenn-
zeichnungsschildes auch den Bestimmungen der ISO-Norm ISO/DP 7225 (Ausgabe
von 1994) über „Gasbehälter – Warnaufkleber für Gasflaschen“ entsprechen. Bei
Zubereitungen kann in diesem Fall auf dem Kennzeichnungsschild der Gattungsname
oder die Industrie-/Handelsbezeichnung aufgeführt werden, vorausgesetzt, dass die
gefährlichen Bestandteile der Zubereitung auf der Gasflasche eindeutig und unver-
wischbar angegeben werden.
(2) Die in Artikel 23 Abs. 2 der Richtlinie 67/548/EWG bzw. Artikel 10 der Richtlinie
1999/45/EG genannten Informationen können auch auf einem am Behälter fest ange-
brachten, dauerhaften Informations- oder Kennzeichnungsschild enthalten sein.

7.1.3 Metalle in kompakter Form


Einige dieser Stoffe stellen, obwohl sie nach Richtlinie 67/548/EWG eingestuft sind, in
der Form, in der sie in Verkehr gebracht werden, weder für die menschliche Gesund-
heit durch Einatmen, Verschlucken oder Hautkontakt noch für die Gewässer eine
Gefahr dar. Für solche Stoffe ist gemäß Anhang VI Nr. 8.3 der Richtlinie 67/548/EWG
kein Kennzeichnungsschild nach Artikel 23 dieser Richtlinie notwendig. Allerdings hat
die für das Inverkehrbringen dieser Metalle verantwortliche Person dem Verwender
alle Informationen, die auf dem Kennzeichnungsschild hätten aufgeführt werden
müssen, im Sicherheitsdatenblatt zu übermitteln.

158
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 200 Seite 39

7.1.4 Legierungen und Zubereitungen, die Polymere bzw. Elastomere enthalten


(1) Einige dieser Zubereitungen stellen, obwohl sie nach Artikel 6 und 7 der Richtli-
nie 1999/45/EG eingestuft sind, in der Form, in der sie in den Verkehr gebracht wer-
den, weder für die menschliche Gesundheit durch Einatmen, Verschlucken oder
Hautkontakt noch für die Gewässer eine Gefahr dar. Für solche Zubereitungen ist
gemäß Anhang VI Nr. 9.3 der Richtlinie 67/548/EWG oder Artikel 10 und Anhang V B
Nr. 9 der Richtlinie 1999/45/EG kein Kennzeichnungsschild notwendig. Allerdings hat
die für das Inverkehrbringen dieser Zubereitungen verantwortliche Person dem be-
rufsmäßigen Verwender alle Informationen, die auf dem Kennzeichnungsschild hätten
aufgeführt werden müssen, im Sicherheitsdatenblatt zu übermitteln. Entsprechendes
gilt auch für durch Sintern hergestellte Produkte in kompakter Form.
(2) Wenn die Kriterien nach Absatz 1 erfüllt werden, ist keine weitere besondere
Kennzeichnungsaufschrift nach Richtlinie 1999/45/EG, Anhang V erforderlich.

7.1.5 Behördliche Genehmigungen


(1) Die zuständige Behörde kann in Anwendung des § 20 Abs. 3 GefStoffV zulassen,
dass die Vorschriften des § 5 Abs. 4 und Anhang II Nr. 1 GefStoffV auf das Inver-
kehrbringen von Stoffen und Zubereitungen ganz oder teilweise nicht angewendet
werden, wenn es sich um allein als brandfördernd, leichtentzündlich, entzündlich,
gesundheitsschädlich, umweltgefährlich oder reizend eingestufte Stoffe oder Zuberei-
tungen in so geringer Menge handelt, dass eine Gefährdung nicht zu befürchten ist.
(2) Die in Artikel 25 der Richtlinie 67/548/EWG bzw. Artikel 12 der Richtlinie
1999/45/EG genannten geringen Mengen sollten die nachstehend aufgeführten Gren-
zen nicht überschreiten:
– leichtentzündliche flüssige Stoffe und Zubereitungen 25 ml oder g
– entzündliche flüssige Stoffe und Zubereitungen 125 ml oder g
– leichtentzündliche feste Stoffe und Zubereitungen 50 g
– reizend wirkende Stoffe und Zubereitungen 25 ml oder g
– brandfördernde Stoffe und Zubereitungen 50 ml oder g
– umweltgefährliche Stoffe und Zubereitungen, 50 g
soweit sie nicht mit N, R50 oder N, R50/53 gekennzeichnet sind.
Für Gase gelten die Grenzen hinsichtlich der Volumina der Behälter.
(3) Ausnahmen nach Absatz 1 dürfen nicht gewährt bzw. in Anspruch genommen
werden für
– sensibilisierende Stoffe und Zubereitungen (erkennbar an den Gefahrenhinweisen
R42 und/oder R43),
– cyanacrylathaltige Zubereitungen nach Anhang V Buchst. B Nr. 2 der Richtlinie
1999/45/EG
– Biozid-Produkte
(4) Die Bestimmungen von Absatz 1 und 2 gelten auch für Sets, Kits und Kombipa-
ckungen, wenn jede gefährliche Einzelkomponente die dort genannten Mengen nicht
überschreitet.

159
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 200 Seite 40

7.2 Sets, Kits und Kombipackungen


(1) Ein Set oder Kit ist eine kombinierte Packung, die zwei oder mehrere Einzelpa-
ckungen oder Einzelfächer mit unterschiedlichen Komponenten enthält. Wegen ihrer
Vielfalt werden sie wie folgt unterteilt:
a) Sets, Kits oder Kombipackungen mit entnehmbaren Einzelbehältnissen,
b) Sets, Kits oder Kombipackungen mit Einzelfächern bzw. Einzelkammern,
c) Sets, Kits oder Kombipackungen mit Einzelkammern, deren Trennwand zum
Mischen durchstoßen wird, wobei eine gefährliche Zubereitung entsteht, die ande-
re Gefahren beinhaltet als die Ausgangskomponenten (Kombipackung).
(2) Sets, Kits und Kombipackungen unterliegen den Bestimmungen des zweiten
Abschnittes und dem Anhang II der GefStoffV, wenn eine Einzelpackung oder ein
Einzelfach mindestens einen gefährlichen Stoff, eine gefährliche Zubereitung oder ein
gefährliches Erzeugnis nach § 4 GefStoffV beinhaltet.
(3) Bei den in Absatz 1 genannten Sets, Kits und Kombipackungen ist wie folgt zu
verfahren:
1. Für die Größe des Etiketts auf einer kombinierten Verpackung ist die Summe der
Volumina aller Einzelkomponenten maßgebend. Das Etikett auf dem Set, Kit oder
der Kombipackung selbst ist in so viele Teile zu gliedern, wie nötig sind, um die
Kennzeichnung jeder gefährlichen Einzelkomponente zu ermöglichen. Es ist dar-
auf zu achten, dass eine gute Lesbarkeit des Etiketts erhalten bleibt.
2. Ist es aus technischen Gründen nicht möglich, die vorgenannte Kennzeichnung
direkt auf der Verpackung oder auf einem mit der Verpackung verbundenen Schild
anzubringen, so sind zumindest der Herstellername, die Produktbezeichnung und
das Gefahrensymbol der gefährlichsten Einzelpackung oder -faches auf der Ver-
packung des Sets, Kits oder der Kombipackung anzugeben.
3. Es ist ausreichend, wenn eine kombinierte Verpackung nur einmal Namen und
Adresse des Herstellers oder Einführers trägt.
(4) Sind Einzelpackungen aus der kombinierten Verpackung zu entnehmen und ist
es technisch nicht möglich, diese vollständig zu kennzeichnen, ist es ausreichend,
diese mit dem Gefahrensymbol sowie mit Namen, Buchstaben oder einer Nummer so
zu kennzeichnen, dass eine schnelle Identifizierung des Inhalts erfolgen kann. Eine
Kennzeichnung der Einzelpackungen kann entfallen, wenn sichergestellt ist, dass die
Einzelpackungen nicht aus der kombinierten Packung entnommen werden können.
(5) Einzelfächer und -packungen sollen so bezeichnet sein, dass der Inhalt identifi-
ziert werden kann. Die Identifizierung soll auf dem Etikett oder einer beizufügenden
Anlage mit der Kennzeichnung mindestens der jeweiligen Komponente wiederholt
werden.
(6) Kombipackungen nach Absatz 1 Buchstabe c sind ausreichend gekennzeichnet,
wenn jede Komponente nach ihren Eigenschaften gekennzeichnet ist und die Kenn-
zeichnung der Mischung im Sicherheitsdatenblatt der Stammkomponente aufgeführt
wird. Zusätzlich wird empfohlen bzgl. der Kennzeichnung der entstehenden Mi-
schung auf dem Etikett einen Hinweis auf das Sicherheitsdatenblatt zu geben. Ist die
Mischung gefährlicher als die Stammkomponente(n), kann nach den Eigenschaften
der Mischung gekennzeichnet werden. Diese Kennzeichnung nach den Eigenschaften
der Mischung stellt dann keine Überkennzeichnung dar.

160
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 200 Seite 41

7.3 Ausreichende Information nach Artikel 1 Abs. 3 Richtlinie 91/155/EWG


(1) Gefährliche Stoffe und Zubereitungen, die für jedermann erhältlich sind und für
die gemäß Richtlinie 91/155/EWG, Artikel 1 Abs. 3 kein Sicherheitsdatenblatt mitge-
liefert wird, sind mit ausreichenden Informationen zu versehen, die es dem Verwender
ermöglichen, die erforderlichen Maßnahmen für Gesundheitsschutz und Sicherheit zu
ergreifen. Verlangt ein berufsmäßiger Verwender jedoch ein Sicherheitsdatenblatt so
muss ihm dieses geliefert werden. Die Anforderungen an die Kennzeichnung nach
dieser TRGS bleiben hiervon unberührt.
(2) Als ausreichende Informationen nach Absatz 1 sind anzusehen:
– Name, Adresse und Telefonnummer des Inverkehrbringers
– Notrufnummer (soweit vorhanden)
– Angaben zu Erste-Hilfe-Maßnahmen (nach Aufnahmeweg)
– Hinweise zu Handhabung und Lagerung
– Angabe der persönlichen Schutzausrüstung
– Hinweise auf Brand- und Explosionsgefahr
– Hinweise zum Beseitigen von Resten und nach Verschütten
– Der Hinweis: ,Sicherheitsdatenblatt auf Anfrage für den berufsmäßigen Verwender
erhältlich‘
(3) Die jeweiligen Angaben und Hinweise brauchen nicht nochmals aufgeführt wer-
den, wenn sie in der Kennzeichnung enthalten sind und der Verwender die Maßnah-
men für den Gesundheitsschutz und die Sicherheit schon durch die Befolgung der
Sicherheitsratschläge (S-Sätze) ergreifen kann.

7.4 Kennzeichnung bei Tätigkeiten


(1) Auch bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen gelten grundsätzlich die Kennzeich-
nungsvorschriften des Zweiten Abschnitts und des Anhangs II der GefStoffV.
(2) Der Arbeitgeber hat sicherzustellen, dass alle bei Tätigkeiten verwendeten Stoffe
und Zubereitungen identifizierbar sind. Die Identifizierbarkeit ist gewährleistet, wenn
die verwendeten Stoffe und Zubereitungen anhand der betrieblichen Dokumentation
(z. B. Arbeitsanweisungen, Betriebsvorschriften, Fließbilder) eindeutig feststellbar
sind.
(3) Gefährliche Stoffe und Zubereitungen sind innerbetrieblich mit einer Kennzeich-
nung zu versehen, welche die wesentlichen Informationen zu ihrer Einstufung, den
mit ihrer Handhabung verbundenen Gefahren und den zu beachtenden Sicherheits-
maßnahmen enthält.
(4) Der Arbeitgeber stellt sicher, dass Apparaturen und Rohrleitungen, die Gefahr-
stoffe enthalten, so gekennzeichnet sind, dass mindestens die enthaltenen Gefahr-
stoffe sowie die davon ausgehenden Gefahren eindeutig identifizierbar sind. Kenn-
zeichnungspflichten nach anderen Rechtsvorschriften bleiben unberührt. Unter
Apparaturen und Rohrleitungen fallen alle Teile einer Anlage zur Produktion oder
Verarbeitung, wie z. B. Reaktoren, Rührkessel, Kolonnen, Wärmetauscher, Ansatz-
und Zwischenbehälter sowie Verbindungsleitungen. Bezüglich der Ausführung der
Kennzeichnung wird auf die Arbeitsstättenregel ASR A 1.3 „Sicherheits- und Ge-
sundheitsschutzkennzeichnung“ verwiesen.

161
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 200 Seite 42

(5) Bei Stoffen und Zubereitungen, die sich im Produktionsgang befinden, kann auf
eine Kennzeichnung verzichtet werden, wenn sie technisch oder aus anderen Grün-
den nicht möglich ist (z. B. bei kurzzeitigem Gebrauch, häufig wechselndem Inhalt,
fehlende Zugangsmöglichkeit), sofern die enthaltenen Stoffe, die von ihnen ausge-
henden Gefahren (R-Sätze) und die erforderlichen Maßnahmen anhand betrieblicher
Unterlagen eindeutig für die Beschäftigten identifizierbar und bekannt sind (z. B.
durch Betriebsanweisungen und Unterweisungen.) Dies gilt auch für zugelassene
Pflanzenschutzmittel, die sich in Pflanzenschutzgeräten befinden.
(6) Standgefäße in Laboratorien, wissenschaftlichen Instituten und Apotheken, in
denen die für den Handgebrauch erforderlichen Mengen gelagert und zur Verwen-
dung bereitgehalten werden, ist die Kennzeichnung mit dem Namen des Stoffes oder
der Zubereitung und dem Gefahrensymbol mit der dazugehörigen Gefahrenbezeich-
nung ausreichend, sofern die beteiligten Arbeitnehmer die damit verbundenen Gefah-
ren und die zu ergreifenden Schutzmaßnahmen aus den am Arbeitsplatz vorhande-
nen Unterlagen (z. B. Betriebsanweisungen oder Sicherheitsdatenblätter) entnehmen
können und diese ihnen bekannt sind.
(7) Ortsfeste Behälter, wie Lagertanks und –silos und Rohrleitungen, die nicht Stoffe
im Produktionsgang enthalten, sind mit dem Namen des Stoffes bzw. der Zuberei-
tung, mit dem Gefahrensymbol und der Gefahrenbezeichnung zu kennzeichnen. An
Stelle der Gefahrensymbole können gemäß Anhang III der EU-Sicherheitskenn-
zeichnungsrichtlinie 92/58/EWG auch die Warnzeichen nach Anhang II derselben
Richtlinie verwendet werden.
(8) Zur Kennzeichnung von Tankcontainern oder Aufsetztanks für den innerbetriebli-
chen Transport genügt ebenfalls die Angabe des Namens des gefährlichen Stoffes
oder der gefährlichen Zubereitung mit dem Gefahrensymbol und der Gefahrenbe-
zeichnung. Werden die Behälter auch über öffentliche Straßen transportiert, sind die
transportrechtlichen Vorschriften anzuwenden.
(9) Werden Versandstücke zum Transport gelagert, reicht die Kennzeichnung nach
den verkehrsrechtlichen Vorschriften über die Beförderung gefährlicher Güter aus.
(10) Werden gefährliche Stoffe und Zubereitungen unverpackt in loser Schüttung
gelagert, ist eine vollständige Kennzeichnung an der Lagerstätte anzubringen.
(11) Werden Gebinde mit kennzeichnungspflichtigen Produkten nicht vom Einführer
entladen oder ausgepackt, sondern vom Verwender, dann muss der Einführer die
richtige Kennzeichnung spätestens zu diesem Zeitpunkt sicherstellen. Die Kenn-
zeichnungspflichten bei eigenen Tätigkeiten des Einführers mit dem kennzeichnungs-
pflichtigen Produkt (z.B. Lagern im Sinne von § 3 Abs. 4 GefStoffV) sowie die ver-
kehrsrechtlichen Vorschriften für die Beförderung gefährlicher Güter bleiben
unberührt.

8 Abgrenzung zu anderen Rechtsgebieten


Neben den Kennzeichnungsverpflichtungen nach der GefStoffV bestehen noch Rege-
lungen nach anderen Rechtsvorschriften. Diese werden im Folgenden beispielhaft
aufgeführt.

162
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 200 Seite 43

8.1 Transportrecht
(1) Wegen der Unterschiede zwischen der Klassifizierung von Gefahrgütern und der
Einstufung nach der Gefahrstoffverordnung können sich abweichende Kennzeich-
nungen von Versandstücken nach den Vorschriften des Gesetzes über die Beförde-
rung gefährlicher Güter zu denen der Gefahrstoffverordnung ergeben, z. B. ,ätzend‘
nach Transportrecht und ,reizend‘ nach der Gefahrstoffverordnung oder: ,entzündend
(oxidierend) wirkend‘ nach Transportrecht, aber ,brandfördernd‘ nach der Gefahr-
stoffverordnung. Das kann dazu führen, dass unterschiedliche Symbole nebeneinan-
der auf einer Verpackung angebracht werden müssen. Dieses stellt keine Über- oder
Unterkennzeichnung dar.
(2) Für mehrfach verpackte Stoffe und Zubereitungen genügt nach Artikel 24 der
Richtlinie 67/548/EWG bzw. Artikel 11 der Richtlinie 1999/45/EG auf der Außenverpa-
ckung die Kennzeichnung nach den Vorschriften des Transportrechts. Eine Innenver-
packung ist jedoch nach Gefahrstoffrecht zu kennzeichnen. In diesem Fall stellt die
Außenpackung (Versandpackung) nicht die Verkaufspackung dar.
(3) Ist die Verpackung eines Versandstücks die einzige Verpackung, gestattet Arti-
kel 24 der Richtlinie 67/548/EWG bzw. Artikel 11 der Richtlinie 1999/45/EG, dass die
Symbole nach Gefahrstoffrecht durch die entsprechenden gleichwertigen Gefahren-
zettel ersetzt werden können.

Gefahrenzettel Nr. ersetzt Gefahrstoffsymbol


1 E
2.1 F+ bei Gasen
3 F+ oder F bei Flüssigkeiten
4.1 F bei Feststoffen1)
4.2 F bei Feststoffen oder
Flüssigkeiten2)
4.3 F bei Feststoffen oder
Flüssigkeiten3)
5.1 O4 )
5.2 O5 )
6.1 T+ oder T
8 C
nur in Verbindung mit: 1)R11; 2)R17; 3)R15; 4)R8 oder R9; 5)R7
Nicht aufgeführte Gefahrenzettel (z.B. Klasse 9 „Verschiedene gefährliche Stoffe und
Gegenstände“ = „Miscellaneous dangerous substances and articles“) haben kein
gleichwertiges Gefahrensymbol.
(4) Die Ziffern der Gefahrenzettel beziehen sich auf die Angaben nach
– dem Europäischen Übereinkommen über die internationale Beförderung gefährli-
cher Güter auf der Straße (ADR) und der Richtlinie 94/55/EG
– der Ordnung über Internationale Eisenbahnbeförderung gefährlicher Güter (RID)
und der Richtlinie 96/49/EG
– der Verordnung über die Beförderung gefährlicher Güter auf dem Rhein (ADNR)
– dem International Maritime Dangerous Goods Code (IMDG-Code) für die Beförde-
rung gefährlicher Güter im Seeverkehr

163
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 200 Seite 44

– en Technical Instructions der Internationalen Zivilluftfahrt Organisation (ICAO-TI)


für die Beförderung gefährlicher Güter im Luftverkehr.
(5) Eine Umverpackung nach Transportrecht, die der Ladungssicherung dient z. B.
eine Schrumpffolie, ist keine Verpackung im Sinne der Gefahrstoffverordnung.
(6) Für Tanks auf Fahrzeugen, die Bestandteile von Fahrzeugen sind (z. B. Straßen-
fahrzeuge, Satteltankauflieger) und für Behälter, die während des Transports mit dem
Fahrzeug fest verbunden sind (Tankcontainer, Aufsetztanks), soweit diese nur zur
Bereitstellung und Beförderung von Gefahrstoffen dienen, reicht die Kennzeichnung
nach den verkehrsrechtlichen Vorschriften über die Beförderung gefährlicher Güter
für die Befüllung bzw. die Bereitstellung zum Versand ebenso aus wie bis zur Entlee-
rung bzw. Lagerung im Eingangslager.

8.2 Sonstige Rechtsgebiete


Die gleichzeitige Kennzeichnung nach zwei oder mehreren Rechtsvorschriften ist in
vielen Bereichen üblich und daher auch für Grenzregelungen zum Beispiel zwischen
Arzneimittelgesetz und GefStoffV (z. B. Produkt zur Haut- und Flächendesinfektion)
oder Medizinproduktgesetz und GefStoffV (z. B. Produkt zur Desinfektion von Medi-
zinprodukten (keine Implantate o. Ä.) und Flächen) möglich und sinnvoll, da die Richt-
linien unterschiedliche Regelungen betreffen. Grundsätzlich gilt, dass bei Doppelaus-
lobungen die am weitesten gehende Rechtsvorschrift anzuwenden ist. Ansonsten ist
das Produkt getrennt dem jeweiligen Verwendungszweck zuzuordnen und zu kenn-
zeichnen.

9 Ausführung der Kennzeichnung


Die Bestimmungen zur Ausführung der Kennzeichnung sind dem Artikel 24 der Richt-
linie 67/548/EWG bzw. Artikel 11 der Richtlinie 1999/45/EG zu entnehmen. Es folgen
Erläuterungen und Vorschläge zur Umsetzung der Ausführungsbestimmungen.
9.1 (1) Der Hersteller oder Einführer eines gefährlichen Stoffes oder einer gefährli-
chen Zubereitung hat diese zu verpacken und gemäß der zuvor erfolgten Einstufung
zu kennzeichnen.
(2) Eine wasserlösliche Folie, die z. B. eine staubarme Verwendung ermöglichen
soll, ist keine Verpackung.
9.2 Die Mindestangaben, die eine Kennzeichnung enthalten muss, sind den Artikeln
22 bis 24 der Richtlinie 67/548/EWG, Artikeln 4 und 10 sowie dem Anhang V der
Richtlinie 1999/45/EG zu entnehmen. Zusätzlich gilt für Biozid-Produkte Artikel 20
Richtlinie 98/8/EG sowie für Aerosole die 13. Verordnung zum Geräte und Produktsi-
cherheitsgesetz (13. GPSGV – Aerosolpackungs-Verordnung) in Verbindung mit der
Richtlinie 75/324/EWG (Anhang, Ziffer 2.2).
9.3 (1) Sofern Beschaffenheit und Abmessung der Verpackung das Anbringen einer
Kennzeichnung nicht zulassen, darf die Kennzeichnung auch auf einem mit der Ver-
packung fest verbundenen Schild angebracht sein.

164
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 200 Seite 45

(2) Bei Stoffen und Zubereitungen, die nicht als T+, T oder C eingestuft sind, kann
als Schild die Verkaufsverpackung oder Blisterpackung dienen, sofern diese so ge-
staltet ist, dass das Produkt darin dauerhaft aufbewahrt werden kann.
9.4 (1) Die Kennzeichnung muss in deutscher Sprache abgefasst sowie groß genug
(z.B. siehe DIN 1450) und deutlich lesbar sein. Die Lesbarkeit der Schrift sollte durch
ausreichenden Kontrast zwischen Schrift und Hintergrundfarbe der Kennzeichnung
sichergestellt werden.
(2) Auch bei der Gestaltung mehrsprachiger Kennzeichnungsschilder muss deren
Abmessung die Lesbarkeit der Schrift sicherstellen. Es ist auch in diesen Fällen dar-
auf zu achten, dass das Gefahrsymbol immer mindestens ein 1 cm² und mindestens
ein Zehntel der Fläche des Kennzeichnungsschildes einnehmen muss.
9.5 (1) Sofern die Abmessung der Verpackung nicht gestattet, den Text der Kenn-
zeichnung in gut leserlicher Weise wiederzugeben, ist die Verwendung eines auf-
trennbaren Kennzeichnungsschildes zulässig.
(2) Das auftrennbare Etikett soll so gestaltet sein, dass beim Auftrennen die einzel-
nen Blätter des Kennzeichnungsschildes nicht völlig entfernt werden, sondern mög-
lichst großflächig und dauerhaft mit der Verpackung verbunden bleiben. Gefahren-
symbole, Gefahrenbezeichnungen und R-Sätze sollen auf dem nicht aufgetrennten
Schild sichtbar sein.
9.6 Aus Gründen der Drucktechnik als auch aus Gründen lang überlieferter und mit
warenzeichenähnlicher Qualität verbundener Kennzeichnungsschildgestaltung ist es
zulässig, von den in Artikel 24 der Richtlinie 67/548/EWG bzw. Artikel 11 der Richtli-
nie 1999/45/EG geforderten Formaten abzuweichen. Dabei muss die dem jeweiligen
Format entsprechende Fläche der Kennzeichnung sowie die Mindestgröße der Ge-
fahrensymbole eingehalten werden.
9.7 Die Verwendung handelsüblicher oder verschlüsselter Bezeichnungen für den zu
kennzeichnenden Stoff ist zulässig, wenn die in der Stoffliste veröffentlichte Stoffbe-
zeichnung zusätzlich ausgewiesen ist.
9.8 (1) Der Aufdruck des Kennbuchstabens des Symbols auf dem Kennzeichnungs-
schild sowie die Einbeziehung des Kennbuchstabens und der Gefahrenbezeichnung
in die Fläche des Symbols ist zulässig, aber nicht verpflichtend.
(2) Gefahrensymbol und Gefahrenbezeichnung sind so wiederzugeben, dass sie als
Einheit verstanden werden.
9.9 Die für eine schnelle Gefahrenabschätzung erforderlichen Kennzeichnungsele-
mente sind auf der Kennzeichnung vorzugsweise als Informationseinheit darzustellen
und von den sonstigen Angaben abzugrenzen. Diese Informationseinheit soll Gefah-
rensymbole, Gefahrenbezeichnungen, R- und S-Sätze und gegebenenfalls anzuge-
bende Stoffbezeichnungen umfassen.
9.10 (1) Die Kennzeichnung muss den vollen Wortlaut der R- und S-Sätze enthalten.
Zusätzlich können die Zahlenschlüssel angegeben werden. Die R-Sätze 45, 46, 49,
60 und 61 müssen als erste der R-Sätze genannt werden. Das gleiche gilt für den
S-Satz 53 sinngemäß.
(2) Stoffe mit besonderen Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit, die als
krebserzeugend, erbgutverändernd oder fortpflanzungsgefährdend in die Kategorie 1

165
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 200 Seite 46

oder 2 eingestuft wurden, erhalten die Anmerkung E der Stoffliste, wenn sie gleichzei-
tig auch als sehr giftig (T+), giftig (T) oder gesundheitsschädlich (Xn) eingestuft wer-
den. Bei diesen Stoffen wird den Gefahrensätzen R20, R21, R22, R23, R24, R25,
R26, R27, R28, R39, R68, R65 und R48 sowie allen Kombinationen dieser Gefahren-
sätze das Wort „Auch“ vorangestellt.
9.11 Das Nationalitäten-Kennzeichen sollte vor der Postleitzahl in der Adresse
mitgeführt werden.
9.12 Die Verwendung von Warenzeichen oder Logos auf der Kennzeichnung ent-
hebt nicht von der Verpflichtung einer vollständigen Angabe der Adresse.
9.13 (1) Bei kennzeichnungspflichtigen Stoffen ist in der Kennzeichnung die EG-
Nummer anzugeben. Für Stoffe der Stoffliste ist zusätzlich zu der EG-Nummer in der
Kennzeichnung die Angabe
„EG-Kennzeichnung“ aufzuführen.
(2) Beides gilt nicht für Stoffe als Bestandteile in Zubereitungen.
(3) Die Index-Nummern der EG (Bsp. Formaldehyd 605-001-00-5) sind nicht Be-
standteil der Kennzeichnung.
(4) Die EG-Nummer findet man für
– alte Stoffe im Altstoffverzeichnis EINECS [1], wenn sie nicht in der Stoffliste in An-
hang I der Richtlinie 67/548/EWG aufgeführt sind.
Die EG-Nr. beginnt mit 200-XXX-Y oder 300-XXX-Y,
– neue Stoffe im Verzeichnis der neuen Stoffe ELINCS [2], wenn sie nicht in der
Stoffliste in Anhang I der Richtlinie 67/548/EWG aufgeführt sind.
Die EG-Nr. beginnt mit 400-XXX-Y,
– alte und neue legal eingestufte Stoffe in der Stoffliste in Anhang I der Richtlinie
67/548/EWG,
– „No-longer-polymere“ in der „No-longer-polymer-Liste“ [6].
Die EG-Nr. beginnt mit 500-XXX-Y.
(5) Neue Stoffe, die nicht vollständig geprüft sind, und Polymere erhalten keine EG-
Nummer. Da Hydrate nicht im Altstoffverzeichnis aufgeführt sind, erhalten sie die
EINECS-Nummer des nicht hydratisierten Salzes18).
(6) Ist für bestimmte Stoffe in der Stoffliste keine EG-Nummer angegeben, braucht
die EG-Nummer in der Kennzeichnung nicht aufgeführt zu werden.
9.14 Werden gefährliche Stoffe und Zubereitung als Bulkladungen in Verkehr ge-
bracht, so kann von den Erleichterungen nach § 5 Abs. 4 Satz 2 GefStoffV auch dann
Gebrauch gemacht werden, wenn es sich nicht um feste Produkte handelt. Die Maß-
gaben von § 5 Abs. 4 Satz 2 GefStoffV sind entsprechend anzuwenden.
9.15 R- und S-Sätze, die aufgrund der Ausnahme nach Artikel 23 der Richtlinie
67/548/EWG bzw. Artikel 10 der Richtlinie 1999/45/EG für Verpackungsgrößen bis
125 ml nicht auf der Verpackung angegeben werden müssen, können auf einem
Beipackzettel angegeben werden. Dabei müssen Auswahl und Wortlaut der R- und
S-Sätze den Vorschriften der Gefahrstoffverordnung entsprechen. Das Sicherheitsda-

18) Salze, die Reaktionsprodukte von EINECS gelisteten Säuern/Basen sind, sind nicht automatisch
ebenfalls EINCES gelistet, d. h. sie können „neue Stoffe“ im Sinne des ChemG darstellen.

166
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 200 Seite 47

tenblatt für den beruflichen Verwender muss die vollständige Kennzeichnung aufwei-
sen.

10 Verpackungen
(1) Die Verpackung muss Artikel 9 Nr. 1.2 der Richtlinie 1999/45/EG entsprechen.
(2) Behälter von gefährlichen Stoffen oder Zubereitungen müssen unabhängig von
ihrem Fassungsvermögen mit einem kindergesicherten Verschluss versehen sein:
– wenn sie Stoffe oder Zubereitungen enthalten, die für jedermann erhältlich sind
und als sehr giftig, giftig oder ätzend zu kennzeichnen sind,
– wenn sie flüssige Stoffe enthalten, bei denen eine Aspirationsgefahr besteht (Ein-
stufung mit Xn; R65); dies gilt nicht für Aerosolpackungen oder Behälter mit einer
versiegelten Sprühvorrichtung,
– wenn sie flüssige Zubereitungen enthalten, die für jedermann erhältlich sind und
bei denen eine Aspirationsgefahr besteht (Einstufung mit Xn; R65); dies gilt nicht
für Aerosolpackungen oder Behälter mit einer versiegelten Sprühvorrichtung,
– wenn sie Zubereitungen enthalten, die für jedermann erhältlich sind und mit min-
destens 3% oder mehr Methanol oder 1% oder mehr Dichlormethan enthalten.
(3) Kindergesicherte Verschlüsse von wieder verschließbaren Verpackungen müs-
sen der ISO-Norm 8317 (1. Juli 1989)19), nichtverschließbare Verpackungen der CEN-
Norm EN 862 (März 1997)19) entsprechen. Kindergesicherte Verschlüsse von wieder
verschließbaren Verpackungen müssen dauerhaft kindergesichert sein.
(4) Der Nachweis, ob eine Verpackung in ausreichendem Maße kindergesichert ist,
darf nur von einem Labor erbracht werden, welches nachweislich die Qualitätsanfor-
derungen nach den europäischen Normen der Serie 45000 erfüllt. Über die Prüfung
erstellt das Prüflabor eine Bescheinigung, die auf Verlangen der zuständigen Behörde
vom Inverkehrbringer vorzulegen ist.
(5) Nicht geprüft werden müssen Verpackungen, wenn der Inhalt ohne Werkzeug
nicht zugänglich ist.
(6) Transportrechtliche Verpackungsvorschriften bleiben unberührt. Die Verpa-
ckungsvoraussetzungen gelten als erfüllt, wenn die Verpackung des Versandstückes
den verkehrsrechtlichen Vorschriften entspricht.

11 Literatur
[1] EINECS Europäisches Verzeichnis der auf dem Markt vorhandenen chemischen
Stoffe; http://ecb.jrc.it/existing-chemicals/
[2] ELINCS European List of New Chemical Substances; http://ecb.jrc.it/elincs/
[3] Veröffentlichung der unter den Ländern abgestimmten Vollzugsfragen zur Einstu-
fung und Kennzeichnung; www.gefahrstoff-info.de/AK_Einstuf/Mitteilungen.htm

19) Die Fassungen der ISO 8317 vom 1. Juli 1989 und der CEN-Norm EN 862 vom März 1997 (siehe
Anhang IX Teil A der RL 67/548/EWG) sind veraltet, empfohlen wird die Anwendung der aktuell gülti-
gen Normenversionen.

167
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 200 Seite 48

[4] J.R. YOUNG, M.J. HOW, A.P. WALKER and W.M.H. WORTH Classification as
corrosive or irritant to skin preparations containing acidic or alkaline substances;
Toxic in vitro, Vol. 2, No. 1, pp 19-26, 1988
[5] NLP-Liste; „No-longer-polymer-Liste“; http://ecb.jrc.it/esis/
[6] Weitere Regelungen aus anderen Rechtsvorschriften; z.B. www.baua.de oder
www.gefahrstoff-info.de

Anlagen
Anlage 1: Erläuterung zur Methode von YOUNG et al zur Bestimmung der alkali-
schen bzw. sauren Reserve
Anlage 2: Erläuterung zu In-vitro-Prüfungen zur Bestimmung der Ätzwirkung im
Anhang V der Richtlinie 67/548/EWG

168
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 200 Seite 49

Anlage 1: Erläuterung zur Methode von YOUNG et al zur Bestimmung der


alkalischen bzw. sauren Reserve
Die Bestimmung der sauren bzw. alkalischen Reserve nach YOUNG et al.20) erfolgt
durch Titration der zu prüfenden Zubereitung mit Natronlauge bzw. Schwefelsäure.
Feststoffe werden in zehnprozentiger wässeriger Lösung bzw. Aufschwemmung
titriert. Die Methode differenziert zwischen „ätzend“, „reizend“ und „weder ätzend
noch reizend“.
Die physiologische Wirkung von sauren oder basischen Lösungen wird nicht allein
durch den pH-Wert bestimmt sondern auch durch die Pufferkapazität.
Mit dieser Methode wird die alkalische oder saure Pufferkapazität von Zubereitungen
bestimmt. Je höher die Pufferkapazität einer sauren oder basischen Zubereitung ist,
desto stärker wirkt sie reizend bzw. ätzend.
Die Ergebnisse, die durch diese Titrationsmethode für Zubereitungen erhalten wer-
den, stimmen gut mit Daten zur Hautreizung/-ätzung überein, die für dieselben Zube-
reitungen im Tierversuch experimentell bestimmt wurden.

Praktische Durchführung:
Für die Einstufung nach Anhang VI Nr. 3.2.5 (3. Spiegelstrich) der Richtlinie
67/548/EWG wird die Methode von Young et al in Bezug auf das Gefährlichkeits-
merkmal „Ätzend“ verwendet. Daher wird im Folgenden auch nur dieser Teil der
Methode abgebildet:

1. Alkalische Reserve:
Es wird die Menge (g) NaOH Äquivalent zur Menge (g) H2SO4 / 100 g alkalischer
Substanz bestimmt, die zur Erreichung des pH 10 notwendig ist.
(Praxis: Titration mit 0,5 M H2SO4)

2. Saure Reserve:
Es wird die Menge (g) NaOH / 100 g saurer Substanz bestimmt, die zur Erreichung
des pH 4 notwendig ist (Praxis: Titration mit 1M NaOH).

Berechnung:
Alkalische oder saure Reserve = Titrationsvolumen [ml] x 0,4
→ Ätzend:
pH + 1/12 alkalische Reserve ≥ 14,5 G
→ Ätzend:
pH – 1/12 saure Reserve ≤ -0,5

20) J. R. Young, M. J. How, A. P. Walker, W. M. H. Worth, Classification as Corrosive or Irritant to Skin of


Preparations Containing Acidic or Alkaline Substances without Testing on Animals, Toxic. in Vitro,
Bd. 2, Nr. 1, 1988, S. 19 – 26.

169
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 200 Seite 50

Anlage 2: Erläuterung zu In-vitro-Prüfungen zur Bestimmung der Ätzwirkung


im Anhang V der Richtlinie 67/548/EWG
Mit der 27. Anpassung der Richtlinie 67/548/EWG sind zwei Alternativmethoden zu
Tierversuchen in den Anhang V dieser Richtlinie aufgenommen worden (Nr. B.40)21).
Diese dienen der Prüfung auf hautätzende Wirkungen. Als Ergebnis liefern beide
Methoden die Einstufung „ätzend“ oder „nicht ätzend“. Eine Differenzierung bezüg-
lich der möglichen Reizwirkung ist nicht vorgesehen.
Der TER-Test und der Test am menschlichen Hautmodell wurden entwickelt, um die
Wirkungen von Stoffen zu charakterisieren, nicht die von Zubereitungen. Ziel der
Methodenentwicklung war es, eine große Bandbreite ätzender und nicht-ätzender
Stoffe zu testen, nicht jedoch speziell die mit pH-Wert und alkalische- bzw. saurer
Reserve verbundene Korrosivität zu untersuchen.

1 TER- (Transcutaneous electrical resistance-) Test


Für den TER-Test wird Haut von tierschutzgerecht getöteten Ratten verwendet22.
Die Messung beruht auf der Tatsache, dass aufgrund von Ätzwirkung geschädigte
Haut einen geringeren elektrischen Widerstand aufweist als intakte Haut.

2 Test am menschlichen Hautmodell („Human Skin Model“, HSM-Test)


Für den HSM-Test (zwei Anbieter: EpiSkinTM und EpiDermTM) wird ein dreidimen-
sionales Modell menschlicher Haut benötigt (Ursprung Operationsabfall), das eine
rekonstruierte Epidermis mit funktionaler Hornhaut besitzt. Das Testprinzip beruht
auf der Hypothese, dass ätzende Chemikalien die Hornhaut durchdringen können
und ausreichend zytotoxisch sind, um in darunterliegenden Schichten das Abster-
ben von Zellen bzw. eine Abnahme der Lebensfähigkeit der Zellen zu bewirken.

21) Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften L 136 vom 8.6.2000, S. 90 – 97.


22) Die Vorbehandlung der Tiere mit Antibiotika gilt in Deutschland zur Zeit als anzeigepflichtiger Tierver-
such. Der TER-Test selbst ist eine In-vitro-Methode.

170
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Ausgabe: September 2007

Bekanntmachung Bekanntmachung
zu Gefahrstoffen
Sicherheitsdatenblatt 220

Die Bekanntmachungen zu Gefahrstoffen geben den Stand der Technik, Arbeitsme-


dizin und Arbeitshygiene sowie sonstige gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse
für Tätigkeiten mit Gefahrstoffen, einschließlich deren Einstufung und Kennzeich-
nung, wieder. Sie werden vom

Ausschuss für Gefahrstoffe (AGS)

aufgestellt und von ihm der Entwicklung entsprechend angepasst.


Diese fachlichen Empfehlungen werden vom Bundesministerium für Arbeit und So-
ziales (BMAS) im Gemeinsamen Ministerialblatt (GMBl) bekannt gegeben. Sie sind
eine Auslegungshilfe zur Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 (REACH), für die nicht die
Vermutungswirkung nach § 8 Abs. 1 Satz 3 GefStoffV in Anspruch genommen wer-
den kann.

Inhalt

1 Anwendungsbereich
2 Begriffsbestimmungen
3 Gefährlichkeitsmerkmale
4 Allgemeines zum Sicherheitsdatenblatt
5 Form des Sicherheitsdatenblattes
6 Hinweise zum Erstellen
Anlagen

1 Anwendungsbereich
(1) Diese Bekanntmachung gibt Erläuterungen für das Sicherheitsdatenblatt nach Ar-
tikel 31 und Anhang II der Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 (REACH-Verordnung)1) in
Verbindung mit § 6 Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) für:
1. gefährliche Stoffe und Zubereitungen, die nach ihren Eigenschaften mindestens
einem der in Nummer 3 dieser Bekanntmachung aufgeführten Gefährlichkeits-
merkmale zuzuordnen sind,

*) Die Texte von EG-Vorschriften sind im Internet unter folgenden Adressen zu finden:
http://eur-lex.europa.eu/RECH_legislation.do
Die REACH-Verordnung ist auch über die Homepage der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Ar-
beitsmedizin im „Kompendium Einstufung und Kennzeichnung“ aktuell verfügbar:
http://www.baua.de

171
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Bekanntmachung 220 Seite 2

2. für persistente, bioakkumulierbare und toxische (PBT) sowie sehr persistente und
sehr bioakkumulierbare Stoffe (vPvB) gemäß den Kriterien des Anhangs XIII der
Verordnung (EG) Nr. 1907/2006,
3. für Stoffe, die aus anderen Gründen als den beiden vorgenannten in die gemäß
Artikel 59 Absatz 1 der REACH-Verordnung erstellte Liste (dort Anhang XIV) auf-
genommen wurden;
4. die nach Artikel 5, 6 und 7 der Richtlinie 1999/45/EG als nicht gefährlich eingestuf-
ten Zubereitungen,
a) die bei nicht gasförmigen Zubereitungen in einer Einzelkonzentration von
≥ 1 Gewichtsprozent und bei gasförmigen Zubereitungen in einer Einzelkon-
zentration von ≥ 0,2 Volumenprozent mindestens einen gesundheitsgefährden-
den oder umweltgefährlichen Stoff enthalten oder
b) ≥ 0,1 Gewichtsprozent mindestens einen persistenten, bioakkumulierbaren und
toxischen (PBT) oder sehr persistenten und sehr bioakkumulierbaren Stoff
(vPvB) gemäß den Kriterien des Anhangs XIII der REACH-Verordnung enthalten
oder
c) die einen Stoff enthalten, für den es gemeinschaftliche Grenzwerte für die
Exposition am Arbeitsplatz gibt.
5. bestimmte Stoffe, Zubereitungen und Erzeugnisse, die in Anhang V zur Richtlinie
1999/45/EG bzw. im Anhang I zur Richtlinie 76/769/EWG aufgeführt sind,
6. für die in Anhang II Teil A bzw. B zur Richtlinie 76/769/EWG aufgeführten Erzeug-
nisse,
7. für Stoffe, Zubereitungen und Tätigkeiten, die in einer Bekanntmachung des Bun-
desministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) nach § 21 Abs. 4 GefStoffV als
krebserzeugend, erbgutverändernd oder fortpflanzungsgefährdend bezeichnet
werden (z.B. TRGS 905, TRGS 906).
(2) Gemäß der REACH-Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 ist das Sicherheitsdatenblatt
für die Übermittlung geeigneter sicherheitsbezogener Informationen über Stoffe und
Zubereitungen einschließlich Informationen aus den einschlägigen Stoffsicherheitsbe-
richten über die Lieferkette zu den nachgeschalteten Anwendern bestimmt. Hierzu
wird das bestehende Sicherheitsdatenblatt als Kommunikationsmittel in der Lieferket-
te von Stoffen und Zubereitungen weiterentwickelt und in das durch die Verordnung
einzurichtende System übernommen. Die Bestimmungen der REACH-Verordnung
und damit auch die Anforderungen an die Inhalte des Sicherheitsdatenblattes bzw.
dessen Anhänge werden nach einem abgestuften Zeitplan wirksam. Dieser Zeitplan
orientiert sich u.a. an den Herstellungs- oder Einfuhrmengen des Stoffes. Gegenwär-
tig sind allerdings noch nicht alle Bestimmungen der REACH-Verordnung bezüglich
des Sicherheitsdatenblattes und seiner Anhänge (insbesondere z.B. zur Gestaltung
des Stoffsicherheitsberichtes; der Expositionsszenarien) so weit konkretisiert, dass
eine Aufnahme in diese Bekanntmachung möglich ist. In der vorliegenden Fassung
der Bekanntmachung können daher nur die bereits in der Verordnung geregelten
Sachverhalte wiedergegeben werden.
(3) Diese Bekanntmachung gilt auch bei Anforderungen eines Arbeitgebers nach § 7
Abs. 2 Satz 3 GefStoffV, sofern die EG-Vorschriften, insbesondere die Richtlinie
67/548/EWG und die Richtlinie 1999/45/EG keine Informationspflicht vorsehen. Dies
kann z. B. der Fall sein bei

172
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Bekanntmachung 220 Seite 3

1. Stoffen, Zubereitungen und Erzeugnissen, die nach den Kriterien des Anhangs VI
der Richtlinie 67/548/EWG nicht als gefährlich einzustufen sind, die aber explo-
sionsfähig sind oder aus denen bei der Verwendung gefährliche Stoffe oder
explosionsfähige Stoffe entstehen oder freigesetzt werden können,
2. Stoffen, die auf Grund von arbeitsplatzbezogenen Grenzwerten messtechnisch zu
überwachen sind.
(4) Diese Bekanntmachung gilt nicht für
1. radioaktive Stoffe im Anwendungsbereich der Richtlinie 96/29/Euratom;
2. Stoffe als solche, in Zubereitungen oder in Erzeugnissen, die der zollamtlichen
Überwachung unterliegen, sofern sie weder behandelt noch verarbeitet werden,
und die sich in vorübergehender Verwahrung oder in Freizonen oder in Freilagern
zur Wiederausfuhr oder im Transitverkehr befinden;
3. nicht-isolierte Zwischenprodukte;
4. die Beförderung gefährlicher Stoffe und gefährlicher Stoffe in gefährlichen Zube-
reitungen im Eisenbahn-, Straßen-, Binnenschiffs-, See- oder Luftverkehr;
5. Abfall im Sinne der Richtlinie 2006/12/EG;
6. die folgenden für den Endverbraucher bestimmten Zubereitungen in Form von
Fertigerzeugnissen:
a) Human- oder Tierarzneimittel im Anwendungsbereich der Verordnung (EG)
Nr. 726/2004 und der Richtlinie 2001/82/EG und im Sinne der Richtlinie
2001/83/EG;
b) kosmetische Mittel im Sinne der Richtlinie 76/768/EWG;
c) Medizinprodukte, die invasiv oder unter Körperberührung verwendet werden,
sofern die Gemeinschaftsbestimmungen für gefährliche Stoffe und Zu-
bereitungen Einstufungs- und Kennzeichnungsbestimmungen enthalten, die
das gleiche Niveau der Unterrichtung und des Schutzes sicherstellen wie die
Richtlinie 1999/45/EG;
d) Lebensmittel oder Futtermittel gemäß der Verordnung (EG) Nr. 178/2002, ein-
schließlich der Verwendung
– als Lebensmittelzusatzstoff im Anwendungsbereich der Richtlinie
89/107/EWG;
– als Aromastoff in Lebensmitteln im Anwendungsbereich der Richtlinie
88/388/EWG und der Entscheidung 1999/217/EG;
– als Zusatzstoff für die Tierernährung im Anwendungsbereich der Verord-
nung (EG) Nr. 1831/2003;
– für die Tierernährung im Anwendungsbereich der Richtlinie 82/471/EWG.
(5) Diese Bekanntmachung gilt ferner nicht für die Abgabe an den privaten End-
verbraucher.

2 Begriffsbestimmungen
(1) Stoffe sind chemische Elemente oder chemische Verbindungen, wie sie natürlich
vorkommen oder hergestellt werden, einschließlich der zur Wahrung der Stabilität
notwendigen Hilfsstoffe und der durch das Herstellungsverfahren bedingten Verun-

173
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Bekanntmachung 220 Seite 4

reinigungen, mit Ausnahme von Lösungsmitteln, die von dem Stoff ohne Beeinträch-
tigung seiner Stabilität und ohne Änderung seiner Zusammensetzung abgetrennt
werden können (§ 3 Nr. 1 ChemG).
(2) Zubereitungen sind Gemenge, Gemische und Lösungen, die aus zwei oder
mehreren Stoffen bestehen (§ 3 Nr. 4 ChemG). Wässrige Lösungen sind Zubereitun-
gen; dies gilt in der Regel auch für Säuren und Basen.
(3) Erzeugnisse sind Stoffe oder Zubereitungen, die bei der Herstellung eine spezifi-
sche Gestalt, Oberfläche oder Form erhalten haben, die deren Funktion mehr
bestimmen als ihre chemische Zusammensetzung (§ 3 Nr. 5 ChemG). Granulate,
Flocken, Späne und Pulver sind in der Regel keine Erzeugnisse sondern Stoffe oder
Zubereitungen in der für die Verwendung bestimmten Form.2)
(4) Einstufung ist die Zuordnung zu einem Gefährlichkeitsmerkmal (§ 3 Nr. 6
ChemG). Die Einstufung kann die Zuordnung zu einem oder mehreren Gefährlich-
keitsmerkmalen umfassen.
(5) Produkte im Sinne dieser Bekanntmachung sind Stoffe, Zubereitungen und
Erzeugnisse, die gehandelt (auf den Markt gebracht) werden.
(6) Branchen- oder tätigkeitsspezifische Hilfestellungen sind von Fachgremien
erarbeitete und konkret auf bestimmte Tätigkeiten, Verfahren oder Gefahrstoffe be-
zogene Empfehlungen. Sie unterstützen den Arbeitgeber bei der Erfüllung der Anfor-
derungen der Gefahrstoffverordnung. Branchen- oder tätigkeitsspezifische Hilfestel-
lungen können z. B. von staatlichen Stellen, den Trägern der gesetzlichen
Unfallversicherung, den Sozialpartnern, von Verbänden oder Organisationen erarbei-
tet werden.
(7) Gefahrstoffe im Sinne der GefStoffV sind
1. Stoffe und Zubereitungen, die mindestens eines der 15 Gefährlichkeitsmerkmale
nach § 3a ChemG oder sonstige chronisch schädigende Eigenschaften besitzen.
Ihnen sind Stoffe und Zubereitungen und Erzeugnisse gleichgestellt, bei deren
Herstellung oder Verwendung Stoffe und Zubereitungen mit solchen Merkmalen
oder Eigenschaften entstehen,
2. Stoffe, Zubereitungen und Erzeugnisse, die explosionsfähig sind oder bei deren
Herstellung und Verwendung explosionsfähige Stoffe und Zubereitungen entste-
hen,
3. Nicht als gefährliche Stoffe und Zubereitungen eingestufte chemische Arbeitsstof-
fe, die aufgrund ihrer physikalisch-chemischen, chemischen oder toxikologischen
Eigenschaften und der Art und Weise, wie sie am Arbeitsplatz verwendet werden
oder dort vorhanden sind, für die Sicherheit und die Gesundheit der Beschäftigten
ein Risiko darstellen können (Artikel 2b der Richtlinie 98/24/EG).
(8) Lieferant ist der Hersteller, Importeur, nachgeschalteter Anwender oder Händler,
der einen Stoff als solchen oder in einer Zubereitung oder eine Zubereitung in Verkehr
bringt.

2
) Eine Beispielsammlung zur Abgrenzung von Erzeugnissen zu Stoffen und Zubereitungen wird auf der
Internetseite der Gefahrstoffdatenbank der Länder veröffentlicht unter: http://www.gefahrstoff-info.de/,
Veröffentlichung der unter den Ländern abgestimmten Vollzugsfragen zur Einstufung und Kennzeich-
nung

174
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Bekanntmachung 220 Seite 5

(9) Inverkehrbringen ist die Bereitstellung für Dritte, so z.B. das Anbieten zum Er-
werb, die Abgabe an Anwender und Verbraucher. Im Sinne der Richtlinie
67/548/EWG ist auch die Einfuhr in das Zollgebiet der Europäischen Gemeinschaft
als Inverkehrbringen zu betrachten (§ 3 Nr. 9 ChemG).

3 Gefährlichkeitsmerkmale
Gefährlich sind Stoffe und Zubereitungen nach § 4 der GefStoffV, wenn sie eine oder
mehrere der folgenden Eigenschaften (siehe TRGS 200) aufweisen:
1. explosionsgefährlich,
2. brandfördernd,
3. hochentzündlich,
4. leichtentzündlich,
5. entzündlich,
6. sehr giftig,
7. giftig,
8. gesundheitsschädlich,
9. ätzend,
10. reizend,
11. sensibilisierend,
12. krebserzeugend,
13. fortpflanzungsgefährdend,
14. erbgutverändernd,
15. umweltgefährlich.

4 Allgemeines zum Sicherheitsdatenblatt


(1) Das Sicherheitsdatenblatt ist dazu bestimmt, dem berufsmäßigen Anwender die
bei Tätigkeiten mit Stoffen und Zubereitungen notwendigen Daten und Umgangs-
empfehlungen zu vermitteln, um die für den Gesundheitsschutz, die Sicherheit am
Arbeitsplatz und den Schutz der Umwelt erforderlichen Maßnahmen treffen zu kön-
nen. Insbesonderesollten die Sicherheitsdatenblätter dem Arbeitgeber ermöglichen:
– festzustellen, ob am Arbeitsplatz Tätigkeiten mit Gefahrstoffen durchgeführt oder
ob Gefahrstoffe bei diesen Tätigkeiten entstehen oder freigesetzt werden, und
– alle hiervon ausgehenden Gefährdungen für die Gesundheit und Sicherheit der
Beschäftigten zu beurteilen.
(2) Mit dieser Bekanntmachung soll sichergestellt werden, dass die zwingenden
Angaben zu jedem der in Artikel 31 Abs. 6 der REACH-Verordnung aufgeführten
Punkte (s. Nummer 5 Absatz 1 dieser Bekanntmachung) konsistent und exakt sind.
Die Angaben sind kurz und klar abzufassen.
(3) Diese Bekanntmachung erläutert die Anforderungen der REACH-Verordnung,
Anhang II zur Weitergabe der physikalisch-chemischen, sicherheitstechnischen,
toxikologischen und ökotoxikologischen Daten und der hieraus resultierenden ar-

175
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Bekanntmachung 220 Seite 6

beitsschutzbezogenen Empfehlungen bei Tätigkeiten sowie Empfehlungen zum


Umweltschutz. Angesichts der Vielfalt der Eigenschaften von Stoffen oder Zuberei-
tungen können in einigen Fällen zusätzliche Informationen erforderlich sein. Sind in
anderen Fällen Informationen über bestimmte Eigenschaften erwiesenermaßen ohne
Bedeutung oder aus technischen Gründen nicht zu ermitteln, so ist dies in dem ent-
sprechenden Abschnitt genau zu begründen. Zu jeder gefährlichen Eigenschaft sind
Informationen zur Verfügung zu stellen. Wird festgestellt, dass eine bestimmte gefähr-
liche Eigenschaft nicht vorliegt, so ist genau anzugeben, ob derjenige, der die Einstu-
fung vornimmt, über keine Informationen verfügt, oder ob negative Prüfergebnisse
vorliegen.
(4) Das Sicherheitsdatenblatt fasst die zum Zeitpunkt der Erstellung vorliegenden
sicherheitsrelevanten Angaben für den Umgang mit Stoffen und Zubereitungen zu-
sammen. Nach Artikel 6 der Richtlinie 67/548/EWG hat der Inverkehrbringer sich die
verfügbaren Informationen zu den Komponenten zu beschaffen und nach Überprü-
fung auf Validität zur Einstufung und der Erstellung des Sicherheitsdatenblattes zu
verwenden.
(5) Jeder Akteur der Lieferkette, der gemäß Artikel 14 Abs. 1 oder Artikel 37 der
REACH-Verordnung für einen Stoff eine Stoffsicherheitsbeurteilung durchführen
muss, sorgt dafür, dass die Informationen im Sicherheitsdatenblatt mit den Angaben
in dieser Beurteilung übereinstimmen. Wird das Sicherheitsdatenblatt für eine Zube-
reitung erstellt und hat der Akteur der Lieferkette für diese Zubereitung eine Stoffsi-
cherheitsbeurteilung ausgearbeitet, so brauchen die Informationen im Sicherheitsda-
tenblatt nicht mit dem Stoffsicherheitsbericht für jeden einzelnen Stoff in dieser
Zubereitung, sondern lediglich mit dem Stoffsicherheitsbericht für die Zubereitung
übereinzustimmen.
(6) Die Informationen sind dem Abnehmer spätestens bei der ersten Lieferung des
gefährlichen Stoffes oder der gefährlichen Zubereitung und später nach jeder Über-
arbeitung, die aufgrund wichtiger neuer Informationen im Zusammenhang mit der
Sicherheit, dem Gesundheitsschutz und der Umwelt vorgenommen wird, auf Papier
oder elektronisch kostenlos zu übermitteln. Das Bereitstellen von Sicherheitsdaten-
blättern im Internet erfüllt nicht die Verpflichtung des Inverkehrbringers zur Übermitt-
lung der Sicherheitsdatenblätter an seine Kunden; spezielle Vereinbarungen zwischen
Lieferanten und Kunden bleiben hiervon unberührt. Eine wichtige, neue Information
ist zumindest dann gegeben, wenn die Neubewertung eines Stoffes oder einer Zube-
reitung andere Einstufungen oder Schutz- und Vorsichtsmaßnahmen beim Umgang
erfordert.
(7) Die neue Fassung des Sicherheitsdatenblattes ist mit der Angabe „überarbeitet
am ... (Datum)“ zu versehen und allen Abnehmern, die den Stoff oder die Zubereitung
in den vorausgegangenen zwölf Monaten erhalten haben, kostenlos zu übermitteln.
Die Änderungen, die bei der Überarbeitung eines Sicherheitsdatenblattes vorgenom-
men werden, sind dem Abnehmer zur Kenntnis zu bringen.
(8) Das Sicherheitsdatenblatt muss nicht geliefert und aktualisiert werden, wenn
gefährliche Stoffe und Zubereitungen, die im Einzelhandel für jedermann erhältlich
sind, mit ausreichenden Informationen nach Art. 31 Nr. 4 der REACH-Verordnung
versehen sind, die es dem Anwender ermöglichen, die erforderlichen Maßnahmen für
den Gesundheitsschutz und die Sicherheit zu ergreifen. Nummer 6.7 der TRGS 200
(Stoffe und Zubereitungen, die für jedermann erhältlich sind) ist zu beachten.

176
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Bekanntmachung 220 Seite 7

(9) Verlangt ein berufsmäßiger Anwender jedoch ein Sicherheitsdatenblatt, so muss


ihm dieses geliefert werden.
(10) Für die Angaben im Sicherheitsdatenblatt ist der im Sicherheitsdatenblatt aufge-
führte Inverkehrbringer des Stoffes oder der Zubereitung zuständig. Im Falle eines
nicht in der Europäischen Gemeinschaft ansässigen Inverkehrbringers ist der im
Geltungsbereich ansässige Lieferant verantwortlich.
(11) Die Angaben sind kurz und klar abzufassen.
(12) Das Sicherheitsdatenblatt ist von einer fachkundigen3) Person zu erstellen, die
die besonderen Erfordernisse der Anwender, soweit diese bekannt sind, berücksich-
tigt4). Wer Stoffe und Zubereitungen in Verkehr bringt, hat sicherzustellen, dass die
fachkundigen Personen entsprechende Schulungen einschließlich Auffrischungskurse
erhalten haben. Anforderungen an die Fachkunde gemäß Anhang II der REACH-
Verordnung zum Erstellen von Sicherheitsdatenblättern sind in Anlage 2 erläutert.
(13) Eingehende EG-Sicherheitsdatenblätter (z.B. für Produkte zur Weiterverarbei-
tung) sollten auf Plausibilität geprüft werden.4)
(14) Die Angaben geben den Stand der Kenntnisse des Inverkehrbringers wieder. Sie
sind keine vertragliche Zusicherung von Qualitätseigenschaften des Produktes/der
Lieferspezifikation. Das Sicherheitsdatenblatt ist dem Abnehmer in der Bundesrepu-
blik Deutschland in deutscher Sprache zur Verfügung zu stellen.
(15) Das Sicherheitsdatenblatt hat nicht die Aufgabe eines Informationsträgers für
andere Rechtsbereiche, z.B. Zoll- und Steuerrecht. Es kann jedoch an geeigneter
Stelle hierauf verweisen.
(16) Auch für Produkte, die nicht den vorgenannten Gefährlichkeitsmerkmalen zuge-
ordnet werden können, kann die Form des Sicherheitsdatenblattes als Informations-
träger für den Abnehmer dienen. Der Artikel 31 der REACH-Verordnung sieht die
Abgabe eines Sicherheitsdatenblattes auf Anfrage auch für bestimmte Zubereitungen
vor, die nicht als gefährlich eingestuft sind, aber gefährliche Inhaltsstoffe enthalten.
(17) Sicherheitsdatenblätter müssen auch für bestimmte, in Nummer 8 und 9 des
Anhangs VI der Richtlinie 67/548/EWG angegebene spezielle Stoffe und Zubereitun-
gen (z.B. Metalle in kompakter Form, Legierungen, komprimierte Gase) vorgelegt
werden, für die Ausnahmebestimmungen zu den Kennzeichnungsvorschriften gelten.
Das Sicherheitsdatenblatt muss in diesem Fall die vollständige Einstufung und Kenn-
zeichnung enthalten.
(18) Verbleiben nach Abgabe des Sicherheitsdatenblattes Ungewissheiten über die
auftretenden Gefährdungen, so hat der Hersteller/Inverkehrbringer oder Einführer
dem berufsmäßigen Anwender auf dessen Verlangen über die Angaben des Sicher-

3) Die Verordnung (EG) 1907/2006 Anhang II verwendet den Begriff „Sachkunde“.


4) Informationen und Arbeitshilfen zur Erstellung und Prüfung von Sicherheitsdatenblättern finden sich
z. B.
– bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), http:// www.baua.de > > Ge-
fahrstoffe > > Sicherheitsdatenblatt
– beim Verband der Chemischen Industrie e.V. (VCI), http://www.vci.de > > Leitfaden Sicherheitsda-
tenblatt mit Hinweisen zur Einstufung und Kennzeichnung
– beim Gefahrstoff-Informationssystem der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (GISBAU),
http://www.gisbau.de > > Checkliste für die Überprüfung von Sicherheitsdatenblättern

177
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Bekanntmachung 220 Seite 8

heitsdatenblattes hinaus die gefährlichen Inhaltsstoffe sowie die von den Gefahrstof-
fen ausgehenden Gefahren und die zu ergreifenden Maßnahmen mitzuteilen5).
(19) Auf begründetes Verlangen können zu arbeitssicherheitstechnischen Zwecken
weitere Inhaltsstoffe sowie davon ausgehende mögliche Gefahren und zu ergreifende
Maßnahmen abgefragt werden. Ein begründetes Verlangen ist z.B. anzunehmen bei
isocyanathaltigen Zubereitungen zur Ermittlung der Isocyanat-Gesamtexposition
nach TRGS 430 oder zur Einstufung von Zubereitungen, die aus Zubereitungen her-
gestellt wurden.
(20) Im Sicherheitsdatenblatt zu Stoffen und Zubereitungen nach § 3 Abs. 2 Nr. 3
GefStoffV, die in einer Bekanntmachung6) des Bundesministeriums für Arbeit und
Soziales (BMAS) nach § 21 Abs. 4 GefStoffV als krebserzeugend, erbgutverändernd
oder fortpflanzungsgefährdend (z.B. TRGS 905) bezeichnet werden, ist auf die ent-
sprechende Wirkung dieser Stoffe und Zubereitungen hinzuweisen. Erforderlichenfalls
sind Angaben zur sicheren Verwendung aufzunehmen. Diese Angaben sollten in
Abschnitt 2, 11 und 15 erfolgen.
(21) Im Sicherheitsdatenblatt zu Stoffen und Zubereitungen ist auch auf Tätigkeiten
oder Verfahren nach § 3 Abs. 2 Nr. 3 GefStoffV hinzuweisen, die in einer Bekanntma-
chung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) nach § 21 Abs. 4
GefStoffV als krebserzeugend, erbgutverändernd oder fortpflanzungsgefährdend
(z. B. TRGS 906) bezeichnet werden.

5 Form des Sicherheitsdatenblattes


(1) Das Sicherheitsdatenblatt nach REACH-Verordnung muss folgende Angaben in
nachstehender Reihenfolge enthalten:
1. Bezeichnung des Stoffes bzw. der Zubereitung und des Unternehmens,
2. Mögliche Gefahren,
3. Zusammensetzung/Angaben zu Bestandteilen,
4. Erste-Hilfe-Maßnahmen,
5. Maßnahmen zur Brandbekämpfung,
6. Maßnahmen bei unbeabsichtigter Freisetzung,
7. Handhabung und Lagerung,
8. Begrenzung und Überwachung der Exposition/Persönliche Schutzausrüstung,
9. Physikalische und chemische Eigenschaften,
10. Stabilität und Reaktivität,
11. Toxikologische Angaben,
12. Umweltbezogene Angaben,
13. Hinweise zur Entsorgung,

5) Ein Vorschlag für ein derartiges Anschreiben ist unter http://www.gisbau.de > > Anschreiben bei
Ungewissheiten des Verwenders zu finden.
6
) Diese Bekanntmachungen erfolgen vorzugsweise als Technische Regeln für Gefahrstoffe im Gemein-
samen Ministerialblatt (GMBl) und dem Bundesanzeiger. Alle TRGS sind unter http://www.baua.de
verfügbar.

178
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Bekanntmachung 220 Seite 9

14. Angaben zum Transport,


15. Rechtsvorschriften,
16. Sonstige Angaben.
(2) Die Umsetzung der REACH-Verordnung erfolgt nach einem festgelegten mehr-
jährigen Zeitplan. Zeitpunkt und Inhalt der Weitergabe von Informationen entlang der
Lieferkette richten sich nach Stoffmenge und gefährlichen Eigenschaften der Stoffe.
Frühestens 2008, spätestens jedoch ab 2010 werden die von der REACH-Verordnung
nach Artikel 14 bzw. 37 Abs. 4 geforderten Stoffsicherheitsberichte erstellt und mit
dem Sicherheitsdatenblatt weitergegeben.
(3) Jeder Akteur der Lieferkette, der einen Stoffsicherheitsbericht zu erstellen hat,
fügt die einschlägigen Expositionsszenarien (gegebenenfalls einschließlich Verwen-
dungs- und Expositionskategorien) dem die identifizierten Verwendungen behandeln-
den Sicherheitsdatenblatt als Anlage bei, einschließlich der spezifischen Bedingun-
gen, die sich aus der Anwendung des Anhangs XI Nr. 3 der REACH-VO ergeben.
(4) Jeder nachgeschaltete Anwender bezieht bei der Erstellung seines eigenen
Sicherheitsdatenblattes für identifizierte Verwendungen die einschlägigen Expositi-
onsszenarien aus dem ihm zur Verfügung gestellten Sicherheitsdatenblatt ein und
nutzt sonstige einschlägige Informationen aus diesem Sicherheitsdatenblatt.
(5) Jeder Händler gibt bei der Erstellung seines eigenen Sicherheitsdatenblattes für
Verwendungen, für die er Informationen nach Artikel 37 Abs. 2 der REACH-VO wei-
tergegeben hat, die einschlägigen Expositionsszenarien weiter und nutzt sonstige
einschlägige Informationen aus dem ihm zur Verfügung gestellten Sicherheitsdaten-
blatt.
(6) Für das Sicherheitsdatenblatt ist nach der REACH-Verordnung kein Formblatt
festgelegt. Die dort vorgegebenen Unterkapitel müssen angeführt werden. Das
Sicherheitsdatenblatt kann in Papierform oder aber elektronisch geliefert werden,
sofern der Empfänger über die erforderlichen Empfangseinrichtungen verfügt
(s. Artikel 31 Abs. 8 der REACH-Verordnung. Für die strukturierte elektronische
Übermittlung von Sicherheitsdatenblättern im XML-Austauschformat wurde eine
öffentlich verfügbare Spezifikation (PAS 1046, Ausgabe September 2004) erarbeitet7).
(7) Die Abgabe eines Sammelbandes an Stelle einzelner Datenblätter ist zulässig.
(8) Sind die physikalisch-chemischen, sicherheitstechnischen, toxischen und öko-
toxischen Eigenschaften von Zubereitungen weitgehend identisch, so können sie in
einem „Gruppen-Sicherheitsdatenblatt“ beschrieben werden. Dieses muss alle Infor-
mationen enthalten, die dem Anwender eine eindeutige Identifizierung und einen
sicheren Umgang ermöglichen.

6 Hinweise zum Erstellen


(1) Die folgenden „Hinweise zum Erstellen“ enthalten ergänzende Informationen
zum Text des Artikel 31 und des Anhang II der REACH-Verordnung. Das Sicherheits-
datenblatt muss nach den angegebenen 16 Abschnitten und den nach den in An-

7
) zu beziehen über Beuth Verlag: http://www.beuth.de; siehe auch www.edas.org

179
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Bekanntmachung 220 Seite 10

hang II der REACH-Verordnung vorgegebenen Untergliederungen strukturiert werden.


Soweit sinnvoll, kann eine weitere Aufgliederung erfolgen.
(2) Zu den einzelnen Abschnitten bzw. Unterkapiteln ist jeweils angegeben, welche
Inhalte dort erscheinen sollen.
(3) Auch für Zubereitungen, die nicht als gefährlich eingestuft sind, sind nach Arti-
kel 31 Abs. 1 b und c sowie Artikel 31 Abs. 3 der REACH-Verordnung Sicherheitsda-
tenblätter vorgeschrieben. Die in den einzelnen Abschnitten zu liefernden Informatio-
nen unterscheiden sich nur im Abschnitt 3 „Zusammensetzung/Angabe zu
Bestandteilen“ von den Angaben, die für als gefährlich eingestufte Zubereitungen
erforderlich sind.
(4) Ist die Prüfung auf bestimmte Eigenschaften nicht sinnvoll, sollte z.B. eine For-
mulierung wie „nicht anwendbar (n.a.)“ , „nicht zutreffend“ oder „nicht relevant“
verwendet werden. Liegen zu bestimmten Abschnitten keine Daten vor, so soll eine
Angabe wie „keine Daten vorhanden“ aufgeführt werden.
(5) Im Sicherheitsdatenblatt können auch Hinweise sinnvoll sein, die, durch wissen-
schaftliche Daten oder anderweitig belegbar, nicht vorhandene Gefahren beschrei-
ben. So können z.B. Hinweise „nicht wasserlöslich“ etc. für den Anwender bei der
Gestaltung seiner Sicherheitsmaßnahmen durchaus hilfreich und sinnvoll sein. Die
Aufnahme solcher Angaben in das Sicherheitsdatenblatt richtet sich nicht gegen das
Verbot der Richtlinie 67/548/EWG (Artikel 23 Abs. 4) und Richtlinie 1999/45/EG (Arti-
kel 10 Abs. 5), die verharmlosende Angaben wie ,nicht giftig', ,nicht gesundheits-
schädlich', ,nicht umweltbelastend', ,ökologisch' oder ähnliche Angaben untersagen.
(6) Empfehlenswerte Angaben sind zum Beispiel, soweit zutreffend:
– Kein gefährlicher Stoff im Sinne der Richtlinie 67/548/EWG in der gültigen Fas-
sung.
– Keine gefährliche Zubereitung im Sinne der Richtlinie 1999/45/EG in der gültigen
Fassung.
– Nicht kennzeichnungspflichtig im Sinne der Richtlinie 1999/45/EG.
– Die Mindestschutzmaßnahmen nach der TRGS 500 sind zu beachten.
– Nicht reizend nach OECD-Methode 405.
– Kennzeichnungsschild kann gemäß Richtlinie 1999/45/EG (Artikel 12 Abs. 2) ent-
fallen.
– Kennzeichnungserleichterung für geringe Mengen nach Artikel 10 Nr. 4 Richtlinie
1999/45/EG anwendbar.
– Nicht einstufungs- und kennzeichnungspflichtiges Erzeugnis.
(7) Bei den Angaben ist darauf zu achten, dass eine Referenz wie z.B. ,OECD-
Methode 405' angegeben wird, die die Aussage belegen kann.
(8) Wenn inhaltliche Anforderungen an das Sicherheitsdatenblatt aus anderen
Rechtsgebieten gefordert werden, sollten diese an entsprechender Stelle gegeben
werden8).

8
) Zu solchen speziellen Anforderungen zählt z.B. die TRGS 611 für Kühlschmierstoffe, die folgenden
Hinweis verlangt: „Dieser Kühlschmierstoff darf nur unter den Bedingungen der Nummern 3.4 und 4.6
der TRGS 611 eingesetzt werden. Vorliegende Erkenntnisse können beim Hersteller erfragt werden“.

180
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Bekanntmachung 220 Seite 11

(9) Für die sprachliche Gestaltung der Aussagen in Sicherheitsdatenblättern sind


Formulierungsvorschläge als Glossare erarbeitet worden, z. B. BDI-Standardsatz-
katalog9). Die Verwendung solcher Standardsätze wird empfohlen. Es ist jedoch zu
bedenken, dass diese Listen nicht abschließend sind, sondern fortgeschrieben wer-
den und die für den Anwender erforderlichen Hinweise – je nach Stoff, Zubereitung,
Verwendungszweck und -art etc. – ggf. vom Ersteller des Sicherheitsdatenblattes zu
ergänzen sind.
(10) Das Datum der Erstellung des Sicherheitsdatenblatts ist auf der ersten Seite
anzugeben. Darüber hinaus sollte jede Seite eines Sicherheitsdatenblattes zur ein-
deutigen Identifizierung vorzugsweise im Kopf der Seite folgende Angaben enthalten:
– EG-Sicherheitsdatenblatt,
– Handelsname,
– Hersteller-/Lieferanten-Identifizierung,
– überarbeitet am,
– Seiten-Nr./Gesamtseitenzahl.
(11) Die Angabe unter „Datum“ beschreibt den Ausgabezeitpunkt/Stand oder das
Druckdatum des Datenblattes. Die Angabe in der Kopfzeile nach „überarbeitet am:“
gibt den Zeitpunkt an, zu dem das Sicherheitsdatenblatt zuletzt aufgrund neuer wich-
tiger Informationen im Zusammenhang mit der Sicherheit, dem Gesundheitsschutz
oder dem Umweltschutz überarbeitet wurde. Weiterhin soll jeweils die Seitennummer
– bezogen auf die Gesamtseitenzahl – angegeben werden. Der in Nummer 6.1.3
genannte Hersteller, Einführer oder Händler, sollte zur Identifizierung auf jeder Seite
kenntlich gemacht werden.
(12) Das Sicherheitsdatenblatt ist unverzüglich zu aktualisieren,
1. sobald neue Informationen, die Auswirkungen auf die Risikomanagementmaß-
nahmen haben können, oder neue Informationen über Gefährdungen verfügbar
werden; dies ist insbesondere der Fall
a) für in Anhang I der Richtlinie 67/548/EWG erfasste Stoffe und für einstufungs-
pflichtige Zubereitungen, die solche Stoffe enthalten,
– bei Änderung der Listeneinstufung,
– bei Bekanntwerden neuer Erkenntnisse, die eine geänderte Einstufung er-
forderlich machen,
– bei Änderung sonstiger sicherheitstechnischer und/oder arbeitsschutzrele-
vanter Grenzwerte (z. B. Arbeitsplatzgrenzwerte gem. TRGS 900),
b) für Stoffe und Zubereitungen, die anhand von vorliegenden Daten nach dem
Definitionsprinzip (Anhang VI der Richtlinie 67/548/EWG) als gefährlich einge-
stuft werden,
– bei Bekanntwerden neuer Erkenntnisse, die eine geänderte Einstufung
und/oder Kennzeichnung erforderlich machen,
– bei Änderung sonstiger sicherheitstechnischer und/oder arbeitsschutzrele-
vanter Grenzwerte (z. B. Arbeitsplatzgrenzwerte gemäß TRGS 900),

9
) http://www.bdi-online.de/de/fachabteilungen/2394.htm (DE)
http://www.bdi-online.de/de/fachabteilungen/2391.htm (EN)

181
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Bekanntmachung 220 Seite 12

c) für Stoffe und Zubereitungen, die aufgrund der vorliegenden Daten bislang
nicht als gefährlich eingestuft und/oder gekennzeichnet wurden:
– bei Bekanntwerden neuer Daten, die eine erstmalige Einstufung und Kenn-
zeichnung als gefährlich erforderlich machen,
– bei erstmaliger Veröffentlichung sicherheitstechnischer und/oder arbeits-
schutzrelevanter Grenzwerte für den Stoff (z.B. Arbeitsplatzgrenzwerte gem.
TRGS 900).
(13) Außerdem ist das Sicherheitsdatenblatt zu aktualisieren,
1. sobald eine Zulassung erteilt oder versagt wurde;
2. sobald eine Beschränkung erlassen wurde.
(14) Es wird empfohlen, auch bei unveränderter Datenlage die Datenblätter für Stoffe
oder Zubereitungen in regelmäßigen Abständen (empfohlen etwa jährlich) auf Aktuali-
tät ihres Inhaltes zu überprüfen. Der Zeitraum liegt in der Verantwortung des Erstel-
lers.

6.1 Bezeichnung des Stoffes bzw. der Zubereitung und des Unternehmens

6.1.1 Bezeichnung des Stoffes oder der Zubereitung


(1) Die verwendete Bezeichnung muss mit derjenigen in der Kennzeichnung über-
einstimmen und Artikel 23 Abs. 2 Buchstabe a) Richtlinie 67/548/EWG bzw. Artikel 10
Nr. 2.1 Richtlinie 1999/45/EG entsprechen.
(2) Bei Stoffen, die der Registrierung unterliegen, muss die Bezeichnung mit der für
die Registrierung angegebenen übereinstimmen; ferner ist die nach Artikel 20 Abs. 1
der REACH-Verordnung zugeteilte Registrierungsnummer anzugeben. Auch hierbei
ist der Zeitplan der REACH-Verordnung zu beachten.
(3) Gibt es andere Bezeichnungen, so können diese auch aufgeführt werden.
(4) Die Bezeichnung muss mit der Produktbezeichnung auf dem Kennzeichnungs-
schild übereinstimmen. Ist neben der Bezeichnung zur eindeutigen Identifizierung
eine zusätzliche Buchstaben- oder Ziffernkombination erforderlich, so ist diese Be-
standteil des Handelsnamens im Sicherheitsdatenblatt. Bei Stoffen ist die chemische
Bezeichnung nach Anhang I der Richtlinie 67/548/EWG oder, falls der Stoff dort nicht
aufgeführt ist, nach einer international anerkannten chemischen Nomenklatur, vor-
zugsweise entsprechend EINECS oder ELINCS anzugeben.
(5) Bei Gruppensicherheitsdatenblättern müssen die Gruppen eindeutig bezeichnet
werden. Die zugeordneten Produkte müssen identifizierbar sein.

6.1.2 Verwendung des Stoffes/der Zubereitung


(1) Anzugeben sind, soweit bekannt, die Verwendungen des Stoffes bzw. der Zube-
reitung, z.B. entsprechend den Angaben im Technischen Merkblatt. Wenn es mehre-
re Verwendungsmöglichkeiten gibt, genügt es, nur die wichtigsten oder häufigsten
Verwendungen aufzuführen. Hier sollte auch kurz beschrieben werden, was der Stoff
bzw. die Zubereitung tatsächlich bewirkt (z.B. Flammschutzmittel, Antioxidationsmit-
tel).

182
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Bekanntmachung 220 Seite 13

(2) Ist ein Stoffsicherheitsbericht (siehe Hinweis Nummer 5 Abs. 2) vorgeschrieben,


so muss das Sicherheitsdatenblatt Informationen über alle identifizierten Verwendun-
gen enthalten, die für den Empfänger des Sicherheitsdatenblatts relevant sind. Diese
Informationen müssen mit den im Stoffsicherheitsbericht identifizierten Verwendun-
gen und den im Anhang des Sicherheitsdatenblatts aufgeführten Expositionsszena-
rien übereinstimmen.

6.1.3 Bezeichnung des Unternehmens


(1) Anzugeben ist, wer in der Europäischen Union für das Inverkehrbringen des
Stoffes oder der Zubereitung verantwortlich ist, sei es Hersteller, Einführer (Importeur)
oder Händler. Es sind die vollständige Anschrift und die Telefonnummer dieser Per-
son sowie die E-Mail-Adresse der fachkundigen Person, die für das Sicherheitsda-
tenblatt zuständig ist, anzugeben.
(2) Falls diese Person nicht in dem Mitgliedstaat niedergelassen ist, in dem der Stoff
oder die Zubereitung in Verkehr gebracht wird, ist nach Möglichkeit zusätzlich die
vollständige Anschrift und die Telefonnummer der in diesem Mitgliedstaat verantwort-
lichen Person anzugeben.
(3) Bei Hersteller/Inverkehrbringern mit Sitz außerhalb der Europäischen Union ist
Name und Anschrift dessen anzugeben, der den Stoff oder die Zubereitung in die
Europäische Union einführt oder erneut in Verkehr bringt.
(4) Handelt es sich um Registrierungspflichtige, so muss die Angabe dieser Person
mit den für die Registrierung gemachten Angaben zum Hersteller oder Importeur
übereinstimmen (siehe Hinweis Nummer 5 Abs. 2).
(5) Die Angabe einer Kontaktstelle für technische Informationen ist erwünscht.

6.1.4 Notrufnummer
(1) Es ist die Notrufnummer der Firma und/oder der zuständigen öffentlichen Bera-
tungsstelle (dies kann die mit der Entgegennahme der Informationen über die Ge-
sundheitsaspekte beauftragte Stelle im Sinne von Artikel 17 der Richtlinie
1999/45/EG sein) anzugeben. Die Notrufnummer des Unternehmens kann identisch
mit der Telefonnummer des Unternehmens sein, z. B. mit Anrufumleitung an Abenden
und Wochenenden.
(2) Diese Notrufnummer sollte jederzeit erreichbar sein. Ist diese Telefonnummer nur
während der Bürozeiten erreichbar, so ist dies anzugeben (z.B. „Diese Nummer ist
nur zu Bürozeiten besetzt.“). Die unter dieser Rufnummer erreichte Person sollte im
Stande sein, Auskunft über geeignete ärztliche Maßnahmen bei Vergiftungen zu
geben (z.B. Giftnotrufzentralen).

6.1.5 Die Informationen sollten wie folgt gegliedert werden:


– Hersteller/Lieferant,
– Straße/Postfach,
– Nationales Kennzeichen/Postleitzahl/Ort,
– Telefon (wenn möglich zusätzlich Telefax und E-Mail),

183
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Bekanntmachung 220 Seite 14

– E-Mail-Adresse der sachkundigen Person, die für das Sicherheitsdatenblatt zu-


ständig ist,
– Kontaktstelle für technische Informationen,
– Notrufnummer.

6.2 Mögliche Gefahren


(1) Hier ist die Einstufung des Stoffes oder der Zubereitung anzugeben, die sich aus
den Einstufungsregeln der Richtlinie 67/548/EWG oder der Richtlinie 1999/45/EG
ergibt. Die Gefährdungen, die von dem Stoff oder der Zubereitung für Mensch und
Umwelt ausgehen, sind kurz und klar zu beschreiben.
(2) Es ist klar zwischen Zubereitungen zu unterscheiden, die als gefährlich und
solchen, die nicht als gefährlich im Sinne der Richtlinie 1999/45/EG eingestuft sind.
(3) Die wichtigsten schädlichen physikalisch-chemischen Wirkungen, die schädli-
chen Wirkungen auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt sowie die Sympto-
me, die bei der Verwendung und einem möglichen Missbrauch realistisch vorherseh-
bar sind, sind zu beschreiben. Die Angaben sollen sich auf Informationen zur
Einstufung stützen, müssen diese jedoch nicht vollständig wiederholen.
(4) Die Informationen sollten wie folgt gegliedert werden:
– Einstufung,
– Zusätzliche Gefahrenhinweise für Mensch und Umwelt.
(5) Unter „Einstufung“ sollen die gefährlichen Eigenschaften (Gefährlichkeitsmerk-
male, auch Kennbuchstaben der Gefahrensymbole) und die zugehörigen R-Sätze
angeführt werden (in der Form wie in Anhang I zur Richtlinie 67/548/ EWG). Es kön-
nen diejenigen Eigenschaften und Gefährdungen hervorgehoben werden, die bei den
zu treffenden Maßnahmen vorrangig zu berücksichtigen sind.
(6) Es kann erforderlich sein, auch andere Gefahren anzugeben (etwa Staubbelas-
tung, Staubexplosionsfähigkeit, Kreuzsensibilisierung, Erstickungsgefahr, Erfrie-
rungsgefahr, Berst- und Explosionsgefahr durch Druckanstieg in Behältern bei Er-
wärmung, Selbsterhitzungsfähigkeit, Korrosion gegenüber Materialien, hohe
Geruchs- oder Geschmackswirksamkeit oder Wirkungen auf die Umwelt wie Gefähr-
dung von Bodenorganismen, Ozonabbaupotenzial, fotochemisches Ozonbildungspo-
tenzial usw.), die keine Einstufung bewirken, die aber zu der Gefährdung, die insge-
samt von dem Material ausgeht, beitragen. Diese Angaben sind unter „Zusätzliche
Gefahrenhinweise für Mensch und Umwelt“ anzugeben.
(7) Enthält eine Zubereitung sensibilisierende Stoffe in einer Konzentration von
0,1 % bis < 1 Gewichts%, sollte an dieser Stelle sowohl für als gefährlich eingestufte
Zubereitungen als auch für nicht als gefährlich eingestufte Zubereitungen auf die
mögliche sensibilisierende Eigenschaft der Zubereitung hingewiesen werden.
(8) Die Angaben zur Kennzeichnung der Zubereitung sind unter Abschnitt 15 an-
zugeben.
(9) Die Einstufung des Stoffes muss mit derjenigen für das Einstufungs- und Kenn-
zeichnungsverzeichnis gemäß Titel XI der Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 überein-
stimmen.

184
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Bekanntmachung 220 Seite 15

6.3 Zusammensetzung/Angaben zu Bestandteilen


(1) Anhand der Angaben muss der Abnehmer problemlos die gefährlichen Eigen-
schaften der Bestandteile der Zubereitung erkennen können und mit Hilfe der ange-
gebenen Einstufung und Konzentrationsbereiche in der Lage sein, die Einstufung der
Zubereitung im Abschnitt 2 des Sicherheitsdatenblattes (sofern nach der konventio-
nellen Methode der Richtlinie 1999/45/EG eingestuft wurde) nachzuvollziehen.
(2) Es ist nicht unbedingt erforderlich, die vollständige Zusammensetzung (Art der
Bestandteile und ihre jeweilige Konzentration) anzugeben; eine allgemeine Beschrei-
bung der Bestandteile und ihrer Konzentrationen oder Konzentrationsbereiche kann
allerdings hilfreich sein. Sind in einem Technischen Merkblatt detaillierte Angaben zur
Zusammensetzung enthalten, sollten diese Angaben auch in das Sicherheitsdaten-
blatt übernommen werden.
(3) Bei einer Zubereitung, die nach der Richtlinie 1999/45/EG als gefährlich einge-
stuft ist, müssen jedoch folgende Bestandteile mit ihren jeweiligen Konzentrationen
oder Konzentrationsbereichen angegeben werden:
1. gesundheitsgefährdende oder umweltgefährliche Stoffe im Sinne der Richtlinie
67/548/EWG, sobald ihr Gehalt in der Zubereitung den niedrigsten der nachste-
henden Werte erreicht oder übersteigt:
– die in Artikel 3 Abs. 3 der Richtlinie 1999/45/EG festgelegten Grenzen,
– die Konzentrationsgrenzen in Anhang I der Richtlinie 67/548/EWG,
– die Konzentrationsgrenzen in Teil B des Anhangs II und des Anhangs III der
Richtlinie 1999/45/EG,
– die Konzentrationsgrenzen in Anhang V der Richtlinie 1999/45/EG.
Bei Zubereitungen, die Isocyanate enthalten, sollten auch Isocyanate, deren Kon-
zentration in der Zubereitung unterhalb der Berücksichtigungsgrenze liegt, in Ab-
schnitt 3 des Sicherheitsdatenblattes aufgeführt werden, da der Arbeitgeber diese
Angaben für die Ermittlung der Isocyanat-Gesamtexposition nach TRGS 430 be-
nötigt.
2. Stoffe, für die es gemeinschaftliche Grenzwerte für die Exposition am Arbeitsplatz
(Richtlinien 91/322/EWG, 2000/39/EG und 2006/15/EG) gibt und die noch nicht
unter 1.) erfasst wurden. Es müssen auch die Stoffe genannt werden, denen ein
Luftgrenzwert zugeordnet ist, auch wenn sie nicht als gesundheitsgefährlich ein-
gestuft sind. Berücksichtigungsgrenze für diese Stoffe sind Gehalte von ≥ 1 %. Ein
Verweis auf die Angaben in „8. Begrenzung und Überwachung der Expositi-
on/Persönliche Schutzausrüstung“ (vgl. Nummer 6.8) ist hier zulässig.
3. Persistente, bioakkumulierbare und toxische Stoffe oder sehr persistente und sehr
bioakkumulierbare Stoffe nach den in Anhang XIII der REACH-Verordnung ge-
nannten Kriterien, wenn die Konzentration eines einzelnen Stoffes 0,1 % oder
mehr beträgt.

185
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Bekanntmachung 220 Seite 16

Berücksichtigungsgrenzen gemäß Artikel 3 Abs. 3 der Richtlinie 1999/45/EG

Einstufung des Stoffes Berücksichtigungsgrenze des


Stoffes

Gasförmige nicht
Zubereitung gasförmige
Zubereitung

[Volumen-%] [Gewichts-%]

Sehr giftig R26, R27, R28, R39/* 0,02 0,1

Giftig R23, R24, R25, R39/*, 0,02 0,1


R48/*

Krebserzeugend, erbgut- R45, R46, R49, R60, R61 0,02 0,1


verändernd oder fortpflan-
zungsgefährdend Kate-
gorie 1 oder 2

Gesundheitsschädlich R20, R21, R22, R48/*, 0,2 1


R68/*

Ätzend R34, R35 0,02 1

Reizend R36, R37, R38, R41 0,2 1

Sensibilisierend R42, R43 0,2 1

Krebserzeugend, erbgut- R40, R62, R63, R68 0,2 1


verändernd oder fortpflan-
zungsgefährdend
Kategorie 3

Umweltgefährlich R50, R50–53 0,1**

Umweltgefährlich R51–53 0,1

Umweltgefährlich R59 0,1 0,1


Gefährlich für die
Ozonschicht

Umweltgefährlich R52, R53, R52–53 1

* = Expositionsweg(e), sofern angegeben


** = sofern LC/EC/IC50< 0,1 mg/l gelten jedoch die Konzentrationen der neu gefassten Tabellen lb
und 2 im Anhang III der Richtlinie 2006/8/EG.

186
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Bekanntmachung 220 Seite 17

4. Bei Biozid-Produkten sollte die genaue Konzentration der bioziden Wirkstoffe


angeben werden. Aufzuführen sind alle gemäß Biozid-Meldeverordnung (Biozid-
MeldeV) bei der Zulassungsstelle gemeldeten Wirkstoffe eines Biozid-
Produktes10).
(4) Bei einer Zubereitung, die nach der Richtlinie 1999/45/EG nicht als gefährlich
eingestuft ist, müssen folgende Bestandteile mit ihren jeweiligen Konzentrationen
oder Konzentrationsbereichen angegeben werden,
a) sobald sie in nicht gasförmigen Zubereitungen in einer Einzelkonzentration von
≥ 1 Gewichtsprozent und in gasförmigen Zubereitungen in einer Einzelkonzentrati-
on von ≥ 0,2 Volumenprozent enthalten sind:
– gesundheitsgefährdende oder umweltgefährliche Stoffe im Sinne der Richtlinie
67/548/EWG (siehe Tabelle unter Nummer 6.2 Abs. 3) oder
– Stoffe, für die es gemeinschaftliche Grenzwerte für die Exposition am Arbeits-
platz gibt,
oder
b) sobald sie in einer Einzelkonzentration von ≥ 0,1 Gewichtsprozent enthalten sind:
– Stoffe, die nach den Kriterien des Anhangs XIII der REACH-Verordnung per-
sistent, bioakkumulierbar und toxisch oder sehr persistent und sehr bioakku-
mulierbar sind.
(5) Kann der für das Inverkehrbringen der Zubereitung Verantwortliche nachweisen,
dass die Offenlegung der chemischen Identität eines Stoffes auf dem Sicherheitsda-
tenblatt Vertraulichkeitsprobleme in Bezug auf sein geistiges Eigentum aufwirft, kann
er für diesen Stoff die vertrauliche Behandlung der Identität dieses Stoffes gemäß
Artikel 15 der Richtlinie 1999/45/EG und die Verwendung eines generischen Namens
bei der Anmeldestelle nach dem Chemikaliengesetz11) beantragen. Diese Regelung
gilt nur für Stoffe, die ausschließlich eingestuft sind:
– als reizend – mit Ausnahme der Stoffe, denen R41 zugeordnet ist – oder als in
Verbindung mit einer oder mehreren der übrigen in Artikel 10 Nummer 2.3.4 der
Richtlinie 1999/45/EG aufgeführten Eigenschaften reizend oder
– als gesundheitsschädlich oder als in Verbindung mit einer oder mehreren der in
Artikel 10 Nr. 2.3.4 dieser RL aufgeführten Eigenschaften mit allein akut letalen
Wirkungen gesundheitsschädlich.
Diese Regelung ist nicht anwendbar auf sensibilisierend eingestufte Stoffe oder auf
Stoffe, für die ein gemeinschaftlicher Grenzwert existiert sowie auf allein als umwelt-
gefährlich eingestufte Stoffe.
(6) Die Vorgehensweise auf vertrauliche Behandlung der chemischen Identität eines
Stoffes ist in Anhang VI der Richtlinie 1999/45/EG beschrieben. Ohne einen gültigen
Behördenbescheid ist die Geheimhaltung und Verwendung eines generischen Na-
mens nicht zulässig. Die Nachfragemöglichkeit gemäß § 7 Abs. 2 GefStoffV zur Erfül-

10
) Zulassungsstelle ist die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA),
Postfach 17 02 02, 44061 Dortmund. Das Verzeichnis der gemeldeten Biozid-Produkte kann unter
https://195.138.41.34/baua_biozid/offen/suchmaske.php eingesehen werden.
11
) Anmeldestelle im Sinne des Chemikaliengesetzes ist die Bundesanstalt für Arbeitsschutz
und Arbeitsmedizin (BAuA), Postfach 17 02 02, 44061 Dortmund.

187
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Bekanntmachung 220 Seite 18

lung der Informationspflicht in der nachgeschalteten Lieferkette bleibt von der Ge-
heimhaltung unberührt.
(7) Damit für Außenstehende erkennbar ist, dass die Verwendung eines generischen
Namens von der dafür zu- ständigen Behörde genehmigt wurde, ist das Aktenzeichen
und der Namen des Mitgliedstaates der EU, in dem der Antrag auf vertrauliche Be-
handlung der chemischen Identität gestellt wurde, auf dem Sicherheitsdatenblatt in
Klammern hinter dem generischen Namen anzugeben.
Beispiel: Aliphatischer Alkohol (Ref.: 72243-034081, Germany)
Zur Gewährleistung einer sicheren Handhabung sind die chemischen Eigenschaften
des Stoffes einschließlich der Gefährlichkeitsmerkmale und R-Sätze entsprechend
Absatz 6 anzugeben.
(8) Für alle in Abschnitt 3 des Sicherheitsdatenblattes genannten Stoffe ist die
jeweilige Einstufung (entsprechend Artikel 4 und 6 der REACH-Verordnung oder
Anhang I der Richtlinie 67/548/EWG oder einem einvernehmlichen Eintrag im Einstu-
fungs- und Kennzeichnungsverzeichnis nach Titel X der REACH-Verordnung ein-
schließlich der für die physikalisch-chemischen gefährlichen Eigenschaften sowie die
Gefährdungen der Gesundheit und der Umwelt zutreffenden Kennbuchstaben der
Symbole und der R-Sätze anzugeben. Die R-Sätze brauchen hier nicht vollständig
wiedergegeben zu werden, ein Verweis auf Abschnitt 16, wo der volle Wortlaut aller
zutreffenden R-Sätze zu vermerken ist, genügt. Erfüllt der Stoff die Einstufungskrite-
rien nicht, so ist der Grund für die Angabe des Stoffes in Abschnitt 3 zu nennen (z.B.
„PBT-Stoff“ oder „Stoff, für den ein gemeinschaftlicher Grenzwert für die Exposition
am Arbeitsplatz gilt“).
(9) Die Bezeichnung und die gemäß REACH-Verordnung (Artikel 20 Abs. 1) zugeteil-
te Registrierungsnummer sowie die EINECS- oder ELINCS-Nummer der oben ge-
nannten Stoffe ist im Einklang mit Richtlinie 67/548/EWG anzugeben. Falls vorhan-
den, können auch die CAS-Nummer und die IUPAC-Bezeichnung hilfreich sein. Die
CAS-Nummer sollte angeben werden, sofern dem Stoff keine EINECS- bzw ELINCS-
Nummer zugeteilt wurde und er gesundheits- oder umweltgefährlich ist. Wird von der
Vertraulichkeit chemischer Namen nach Maßgabe von Artikel 15 der Richtlinie
1999/45/EG Gebrauch gemacht, genügt die Bezeichnung mit dem generischen
Namen, eine genaue chemische Bezeichnung sowie die Angabe der EINECS- oder
ELINCS-Nummer sind nicht erforderlich.

6.4 Erste-Hilfe-Maßnahmen
(1) Zu beschreiben sind die Maßnahmen zur Ersten Hilfe. Es ist anzugeben, ob
sofortige ärztliche Hilfe notwendig ist.
(2) Die Anweisungen für die Erste Hilfe müssen für das Opfer, Umstehende und
Erste-Hilfe-Leistende kurz, klar und verständlich formuliert sein. Symptome und
Wirkungen sind kurz zusammenzufassen. Aus den Angaben muss hervorgehen,
welche Sofortmaßnahmen bei Unfällen zu ergreifen sind und ob mit möglichen verzö-
gerten Wirkungen aufgrund der Exposition gerechnet werden muss.
(3) Die Informationen sind mit Hilfe von Unterüberschriften nach den verschiedenen
Expositionswegen, d.h. Einatmen, Haut- und Augenkontakt und Verschlucken, zu
unterteilen.

188
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Bekanntmachung 220 Seite 19

(4) Es ist anzugeben, ob eine ärztliche Betreuung erforderlich oder angeraten ist.
Bei einigen Stoffen und Zubereitungen kann es von Bedeutung sein, darauf hinzuwei-
sen, dass, um eine gezielte und sofortige Behandlung zu gewährleisten, am Arbeits-
platz besondere Mittel verfügbar sein müssen.
(5) Die Informationen sollten wie folgt gegliedert werden:
– Allgemeine Hinweise,
– nach Einatmen,
– nach Hautkontakt,
– nach Augenkontakt,
– nach Verschlucken,
– Hinweise für den Arzt.
(6) Hierbei sollte Folgendes bedacht werden:
– Die Maßnahmen sind so zu formulieren, dass sie von Laienhelfern durchgeführt
werden können. Wenn keine Maßnahme zur Ersten Hilfe durch ungeschultes Per-
sonal durchgeführt werden kann oder darf, ist dies zu vermerken.
– Weisen besondere Gefahrenhinweise (R-Sätze) unter „15. Vorschriften“ (vgl.
Nummer 6.15) auf eine spezifische Gefährdung durch das Produkt über einen de-
finierten Expositionsweg hin, sind detaillierte Erste-Hilfe-Maßnahmen insbesonde-
re zu diesem Aufnahmeweg anzugeben.
– Erscheinen spezifische Hinweise für den Arzt notwendig (z.B. spezifische Antidot-
behandlung, Überdruckbeatmung, Verbot bestimmter Medikamente bzw. Ge-
nussmittel, o. Ä.), sind diese unter „Hinweise für den Arzt“ (Symptome, Gefahren,
Behandlung) anzugeben. Die hier angegebenen Texte können medizinische Fach-
ausdrücke enthalten und dadurch u. U. für den Laien unverständlich sein.

6.5 Maßnahmen zur Brandbekämpfung


(1) Anzugeben sind die Anforderungen an die Bekämpfung eines Brandes, der von
einem Stoff oder einer Zubereitung ausgeht oder diese betreffen könnte, insbesonde-
re:
– geeignete Löschmittel,
– aus Sicherheitsgründen ungeeignete Löschmittel,
– besondere Gefährdungen durch den Stoff oder die Zubereitung selbst, seine
Verbrennungsprodukte oder entstehende Gase,
– besondere Schutzausrüstung bei der Brandbekämpfung.
(2) Aus Sicherheitsgründen ungeeignete Löschmittel sind solche, die z. B. ein zu-
sätzliches Gefährdungspotential durch zu erwartende chemische Reaktionen herbei-
führen können.
(3) Unter „Zusätzliche Hinweise“ können z.B. Empfehlungen zu Maßnahmen zur
Umgebungssicherung, zur Schadensbegrenzung im Brandfall oder zur Entsorgung
von Löschrückständen gegeben werden.

189
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Bekanntmachung 220 Seite 20

6.6 Maßnahmen bei unbeabsichtigter Freisetzung


(1) Je nach Stoff oder Zubereitung können folgende Informationen erforderlich sein:
– personenbezogene Vorsichtsmaßnahmen: z. B. Entfernen von Zündquellen, Si-
cherstellen einer ausreichenden Belüftung/eines ausreichenden Atemschutzes,
Vermeiden von Staubentwicklung, Verhindern von Haut- und Augenkontakt;
– Umweltschutzmaßnahmen: z.B. Verhütung des Eindringens in die Kanalisation, in
Oberflächen- und Grundwasser sowie in den Boden, eventuelle Alarmierung der
Nachbarschaft;
– Verfahren zur Reinigung: z.B. Einsatz absorbierender Stoffe (Sand, Kieselgur,
saure Bindemittel, Universalbindemittel, Sägemehl usw.) Niederschlagen von Gas
und Rauch mit Wasser, Verdünnung.
Außerdem ist gegebenenfalls auf Mittel, die keinesfalls verwendet werden dürfen,
oder auf geeignete Neutralisierungsmittel hinzuweisen, z. B. „Keinesfalls verwen-
den………………….“, „Neutralisieren mit……………………“.
(2) Gegebenenfalls ist auf die Abschnitte 8 und 13 des Sicherheitsdatenblattes zu
verweisen.

6.7 Handhabung und Lagerung


(1) In diesem Abschnitt sind Angaben zum Schutz der menschlichen Gesundheit,
der Sicherheit der Beschäftigten bei der Arbeit und zum Schutz der Umwelt zu ma-
chen. Sie sollten dem Arbeitgeber helfen, im Einklang mit Artikel 5 und 6 der Richtli-
nie 98/24/EG geeignete Arbeitsabläufe und organisatorische Maßnahmen festzule-
gen.
(2) In den Fällen, in denen ein Stoffsicherheitsbericht oder eine Registrierung erfor-
derlich ist (siehe Hinweis Nummer 5 Abs. 2), müssen die Angaben in diesem Ab-
schnitt mit den Informationen für die identifizierten Verwendungen und die im Anhang
des Sicherheitsdatenblatts aufgeführten Expositionsszenarien übereinstimmen.

6.7.1 Handhabung
(1) Anzugeben sind Schutzmaßnahmen für den sicheren Umgang einschließlich
Empfehlungen für technische Maßnahmen wie Einschluss, örtliche und generelle
Lüftung, Maßnahmen zur Verhinderung von Aerosol- und Staubbildung, Brand-
schutzmaßnahmen, Vorkehrungen zum Umweltschutz (z. B. Verwendung von Filtern
oder Gaswäschern zur Abgasreinigung, Verwendung von Auffangwannen oder Ab-
dichtungssystemen, Maßnahmen zur Aufnahme und Entsorgung von ausgelaufenem
Material) sowie weitere spezifische Anforderungen oder Handhabungsregeln im
Zusammenhang mit dem Stoff oder der Zubereitung (z.B. geeignete oder nicht zuläs-
sige Arbeitsverfahren und Geräte). Die Art der Maßnahme sollte nach Möglichkeit
kurz beschrieben werden.
(2) Die Informationen sollten wie folgt gegliedert werden:
– Hinweise zur sicheren Handhabung,
– Hinweise zum Brand- und Explosionsschutz,
– Weitere Angaben.

190
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Bekanntmachung 220 Seite 21

6.7.2 Lagerung
(1) Anzugeben sind die Bedingungen für eine sichere Lagerung wie z. B. spezielle
Anforderungen an Lagerräume oder -behälter (einschließlich Rückhaltewände und
Belüftung), unverträgliche Materialien, Lagerbedingungen (Temperatur- und Feuch-
tigkeitsgrenze/-bereich, Licht, Inertgas ...), besondere Anforderungen an elektrische
Anlagen und Geräte, sowie Maßnahmen gegen elektrostatische Aufladung.
(2) Anzugeben sind, falls erforderlich, Mengenbegrenzungen in Abhängigkeit von
den Lagerbedingungen. Insbesondere anzugeben sind besondere Anforderungen wie
die Art des Materials, das für die Verpackung/die Behältnisse des Stoffes oder der
Zubereitung verwendet wird.
(3) Die Angabe der Lagerklasse nach dem VCI-Lagerkonzept ist erwünscht12). Die
Lagerklasse wird aus der Einstufung des reinen Stoffes bzw. Zubereitung abgeleitet:
die Verpackung wird dabei nicht berücksichtigt.
(4) Die Informationen sollten wie folgt gegliedert werden:
– Spezielle Anforderungen an Lagerräume und -behälter,
– Zusammenlagerungshinweise,
– Weitere Angaben zu den Lagerbedingungen,
– Lagerklasse.

6.7.3 Bestimmte Verwendung(en)


(1) Bei Endprodukten, die für bestimmte Verwendungszwecke hergestellt wurden,
sind detaillierte und praxisnahe Empfehlungen für diese Verwendungszwecke zu
formulieren. Wenn möglich sollte auf einschlägige Branchenregelungen hingewiesen
werden. Auch Hinweise auf mögliche Ersatzprodukte mit einem geringeren gesund-
heitlichen Risiko können hier angegeben werden.
(2) Im Rahmen einer Branchenregelung für die Bauwirtschaft wurde ein so genann-
ter GISCODE bzw. Produktcode13) erarbeitet. Die Angabe eines solchen Produkt-
Codes ermöglicht es Ersatzprodukte zu identifizieren.
(3) Bei Biozid-Produkten sollten alle Verwendungszwecke, für die das Produkt
gemäß der Biozid-Meldeverordnung (ChemBiozidMeldeV) gemeldet wurde, angeben
werden (z.B. Holzschutz, Desinfizierung, Schleimbekämpfung, Topf-Konservierung
usw.). Gegebenfalls ist auf ein technisches Merkblatt, das Angaben über die Auf-
wandsmenge und die Gebrauchanweisung für jede Verwendung enthält, zu verwei-
sen.
(4) Bei Farben und Lacken sollte die Produktkategorie des gebrauchfertigen Pro-
duktes gemäß Lösemittelhaltige Farben- und Lackverordnung (ChemVOCFarbV)
aufgeführt werden (z.B. Beschichtungsstoff für Außenwände aus mineralischen Bau-
stoffen, Typ Wb).

12
) VCI-Konzept für die Zusammenlagerung von Chemikalien, zu beziehen beim Verband der Chemi-
schen Industrie e.V., Postfach 11 19 43, 60054 Frankfurt
13
) GISBAU – Gefahrstoff-Informationssystem der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft –
Postfach 60 0112, 60331 Frankfurt am Main, http:// www.gisbau.de

191
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Bekanntmachung 220 Seite 22

6.8 Begrenzung und Überwachung der Exposition/Persönliche Schutz-


ausrüstung

6.8.1 Expositionsgrenzwerte
(1) Anzugeben sind spezifische zu überwachende Parameter wie Grenzwerte für die
Exposition am Arbeitsplatz und/oder biologische Grenzwerte für die Stoffe, die im
Abschnitt 3 des Sicherheitsdatenblattes aufgeführt sind. Die Werte sind für den Mit-
gliedstaat anzugeben, in dem der Stoff oder die Zubereitung in Verkehr gebracht
wird. In Deutschland findet man diese Werte in der TRGS 900 „Arbeitsplatzgrenzwer-
te“ und in der TRGS 903 „Biologische Grenzwerte“. Anzugeben sind ferner die aktuell
empfohlenen Überwachungsverfahren.
(2) Wurde für einen Stoff ein gemeinschaftlicher Grenzwert für die Exposition am
Arbeitsplatz festgelegt, so ist dieser anzugeben sofern die nationale Umsetzung
durch eine TRGS noch nicht erfolgt ist.
(3) Sind Stoffe mit Grenzwerten unterhalb der Berücksichtigungsgrenzen enthalten
und ist bei den vom Inverkehrbringer empfohlenen Verarbeitungsverfahren eine Be-
lastung am Arbeitsplatz nicht auszuschließen, so wird empfohlen, diese Stoffe und
ihre Grenzwerte ebenfalls anzugeben. Zum Beispiel bei isocyanathaltigen Zuberei-
tungen, siehe unter Nummer 6.3. Abs. 3.
(4) Ist ein Stoffsicherheitsbericht erforderlich (siehe Hinweis Nummer 5 Abs. 2), so
sind für den Stoff die entsprechenden DNEL- und PNEC-Werte für die im Anhang des
Sicherheitsdatenblatts aufgeführten Expositionsszenarien zu vermerken. Bei Zuberei-
tungen sind Werte für diejenigen Bestandteile nützlich, die unter Abschnitt 3 im Si-
cherheitsdatenblatt anzugeben sind.

6.8.2 Begrenzung und Überwachung der Exposition


(1) Maßnahmen zur Begrenzung und Überwachung der Exposition umfassen alle
Schutz- und Vorsorgemaßnahmen, die während der Verwendung des Stoffes oder
der Zubereitung zu ergreifen sind, um die Exposition der Beschäftigten und der Um-
welt so gering wie möglich zu halten. Ist ein Stoffsicherheitsbericht erforderlich, so
sind die Risikomanagementmaßnahmen unter Abschnitt 8 des Sicherheitsdatenblatts
für die im Sicherheitsdatenblatt identifizierte Verwendungen zusammenzufassen.
(2) Vorliegende Informationen zur Belastung am Arbeitsplatz sollten übernommen
werden. Informationsquellen sind z.B.
– veröffentlichte Stoffbewertungen der Europäischen Union,
– Technische Regeln für Gefahrstoffe,
– branchen- oder tätigkeitsspezifischen Hilfestellungen (z.B. GISBAU, GisChem,
GESTIS, GDL, IGS-public).
(3) Sind über die Angaben unter „7. Handhabung und Lagerung“ (vgl. Nummer 6.7)
hinaus Gestaltungsregeln für technische Anlagen zur Expositionsbegrenzung erfor-
derlich, sollten sie durch „Zusätzliche Hinweise zur Gestaltung technischer Anlagen“
ergänzt werden.
(4) Ein Rückverweis auf die unter „Handhabung“ erfolgten Angaben ist hier zulässig.

192
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Bekanntmachung 220 Seite 23

6.8.2.1 Begrenzung und Überwachung der Exposition am Arbeitsplatz


(1) Der Arbeitgeber trägt diesen Angaben Rechnung, wenn er die Risiken für die
Gesundheit und Sicherheit der Arbeitnehmer bewertet, die von dem Stoff oder der
Zubereitung ausgehen, wie es in Artikel 4 der Richtlinie 98/24/EG vorgeschrieben ist.
Dabei sind nach Wichtigkeit geordnet folgende Angaben erforderlich:
– die Gestaltung geeigneter Arbeitsverfahren und technischer Steuerungseinrich-
tungen sowie die Verwendung geeigneter Arbeitsmittel und Materialien,
– die Durchführung kollektiver Schutzmaßnahmen an der Gefahrenquelle und
– die Durchführung von individuellen Schutzmaßnahmen, die auch eine persönliche
Schutzausrüstung umfassen.
Daher sind geeignete Angaben zu diesen Maßnahmen zu machen, um die Risikobe-
wertung gemäß Artikel 4 der Richtlinie 98/24/EG zu ermöglichen. Diese Angaben
sollen die bereits nach Nummer 6.7.1 empfohlenen Maßnahmen ergänzen.
(2) Detaillierte Angaben sind – bezogen auf den möglichen Expositionsweg –
besonders dann erforderlich, wenn unter „15. Vorschriften“ (vgl. Nummer 6.15) bei
„Hinweise auf die besonderen Gefahren“ (R-Sätze) einer der folgenden R-Sätze:
R 20, 21, 23, 24, 26, 27, 34 bis 43, 45, 46, 48, 49, 60 bis 68 allein oder in Kombinati-
on angegeben ist (bezüglich der R-Sätze 39, 48 und 68 (R68 jedoch nur als Kombina-
tions-R-Satz) gilt dies nur hinsichtlich der inhalativen und dermalen Exposition).
(3) Unter „Schutz- und Hygienemaßnahmen“ sollen Aussagen zum allgemeinen
Arbeitsschutz und zur Arbeitshygiene gemacht werden, vor allem dann, wenn nach
Ansicht des Erstellers keine spezifischen Angaben zur persönlichen Schutzausrüs-
tung notwendig erscheinen. Hier können auch ergänzende oder spezifische Maß-
nahmen wie z.B. Hautschutzpläne genannt werden.
(4) Ist eine persönliche Schutzausrüstung erforderlich, so ist genau anzugeben,
welche Ausrüstung einen angemessenen Schutz gewährleistet. Dabei ist die Richtli-
nie 89/686/EWG zu berücksichtigen und auf die entsprechenden CEN-Normen Bezug
zu nehmen. Sie soll bezüglich Art, Typ und Klasse spezifiziert werden ggf. unter
Berücksichtigung des Umgangs bei bekannter Verwendung des Produktes.

6.8.2.1.1 Atemschutz
Bei gefährlichen Gasen, Dämpfen oder Stäuben ist auf die geeignete Schutzausrüs-
tung, wie von der Umgebungsluft unabhängige Atemschutzgeräte, geeignete Masken
und Filter (z.B. Halb-/Viertelmaske mit Pl-Filter, Halbmaske FFP1) hinzuweisen. Der
allgemeine Hinweis auf die Regeln für den Einsatz von Atemschutzgeräten BGR 190
bzw. GUV-R 190 reicht nicht aus. Auf die Tragezeitbegrenzungen nach § 9 Abs. 3
GefStoffVin Verbindung mit den Regeln für den Einsatz von Atemschutzgeräten soll
hingewiesen werden.

6.8.2.1.2 Handschutz
Anzugeben ist die Art der bei der Handhabung des Stoffes oder der Zubereitung
erforderlichen Schutzhandschuhe einschließlich:
– Handschuhmaterial,
– Durchdringungszeit (darunter ist die maximale Tragedauer zu verstehen) des
Handschuhmaterials in Abhängigkeit von Intensität und Dauer der Hautexposition.

193
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Bekanntmachung 220 Seite 24

Hilfreich sind dabei Angaben z.B.


– zu eigenen Erkenntnissen bzgl. Handschuhfabrikaten (mit Hersteller oder Vertrei-
ber) und deren maximale Tragedauer unter Praxisbedingungen oder
– zur mindestens erforderlichen Materialstärke und zur maximalen Tragedauer unter
Praxisbedingungen.
Falls erforderlich sind zusätzliche Hautmittel anzugeben.

6.8.2.1.3Augenschutz
Anzugeben ist die Art des erforderlichen Augenschutzes wie Sicherheitsglas, Schutz-
brillen (z.B. Gestell- oder Korbbrillen), Gesichtsschutzschilde oder -schirme sowie
ggf. das Material der Gläser.

6.8.2.1.4Körperschutz
Anzugeben sind für den Schutz anderer Hautpartien als der Hände die erforderliche
Art und Qualität der Schutzausrüstung wie zum Beispiel Vollschutz-Schutzanzug,
Schürze, Stiefel. Falls erforderlich, ist auf zusätzliche Maßnahmen zum Schutz der
Haut (Hautmittel) und auf spezielle Hygienemaßnahmen hinzuweisen.

6.8.2.2 Begrenzung und Überwachung der Umweltexposition


(1) Anzugeben sind die Informationen, die der Arbeitgeber zur Erfüllung seiner
Verpflichtungen aus den Umweltschutzbestimmungen benötigt. Gegebenfalls ist auf
Abschnitt 6 des Sicherheitsdatenblattes zu verweisen.
(2) Ist ein Stoffsicherheitsbericht erforderlich (siehe Hinweis Nummer 5 Abs. 2), so
muss eine Zusammenfassung der Risikomanagementmaßnahmen gegeben werden,
mit der die Umweltexposition gegenüber dem betreffenden Stoff für die im Anhang
des Sicherheitsdatenblatts aufgeführten Expositionsszenarien angemessen begrenzt
und überwacht werden kann.

6.9 Physikalische und chemische Eigenschaften


(1) Anzugeben sind sämtliche relevanten Informationen über den Stoff oder die
Zubereitung, insbesondere die unter Nummer 6.9.1 und 6.9.2 genannten, so dass
geeignete Schutzmaßnahmen ergriffen werden können. Ist eine Registrierung erfor-
derlich, so müssen die Angaben in diesem Abschnitt mit den dafür bereitgestellten
Angaben übereinstimmen.
(2) Die im Abschnitt 9 abgefragten Daten sind nicht für jeden Stoff und jede Zube-
reitung bestimmbar; manchmal ist ihre Angabe auch unter dem Gesichtspunkt von
Sicherheit und Umweltschutz überflüssig oder nicht sinnvoll. Falls keine Prüfungen
durchgeführt worden sind, sollte dies – wenn möglich mit einem begründeten Hin-
weis – angegeben werden. Besser als die allgemeine Formulierung „nicht anwend-
bar“ sind konkretere Begriffe wie „nicht erforderlich“, „nicht bestimmbar“, „nicht
sinnvoll“, „nicht sicherheitsrelevant“, „keine“. Auch eine kurze Begründung kann
hilfreich sein.
(3) Die Angaben im Abschnitt 9 des Sicherheitsdatenblattes sollten mit den Anga-
ben zu physikalischen und chemischen Eigenschaften im technischen Merkblatt
(Zahlenwerte und Methoden) übereinstimmen.

194
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Bekanntmachung 220 Seite 25

6.9.1 Allgemeine Angaben


– Aussehen
Aggregatzustand (fest, flüssig, gasförmig) und Farbe des Stoffes oder der Zuberei-
tung im Lieferzustand. Diese Informationen sollten immer angegeben werden.
– Geruch
Ist ein Geruch wahrnehmbar, so ist dieser kurz zu beschreiben. Das Fehlen eines
Eigengeruchs kann vermerkt werden. Nicht sinnvoll sind unspezifische Angaben,
wie z.B. „charakteristisch“ oder „Eigengeruch“.

6.9.2 Wichtige Angaben zum Gesundheits- und Umweltschutz sowie zur Sicherheit
– pH-Wert:
pH-Wert des Stoffes oder der Zubereitung im Lieferzustand oder in wässriger
Lösung. Im letzteren Fall ist die Konzentration und die Temperatur anzugeben
(bei ...g/l Wasser)
– Zustandsänderung:
– Siedepunkt/Siedebereich: (... °C)
– Flammpunkt: (... °C) (Es sollte immer eine Aussage gemacht
werden)
– Entzündlichkeit: (Feste Stoffe, Gase, Berührung mit Wasser,
pyrophore Eigenschaften):
– Explosionsgefahr:
– Explosionsgrenzen:
untere Explosionsgrenze: (UEG) (...g/m³ bzw. ... Vol.-%)
Obere Explosionsgrenze: (OEG) (...g/m³ bzw. … Vol.-%)
– Zündtemperatur: (...°C)
– Brandfördernde Eigenschaften:
– Dampfdruck: bei... °C (hPa) (Es sollte immer eine Aussage
gemacht werden)
– Relative Dichte: bei... °C (sollte immer angegeben werden;
alternativ: Schüttdichte)
– Löslichkeit:
Wasserlöslichkeit:
Fettlöslichkeit (Lösungsmittel angeben):
Löslichkeit in organischen
Lösungsmitteln: (Lösungsmittel angeben)
Verteilungskoeffizient: n-Octanol/Wasser: (log Pow)
Viskosität bzw.
Auslaufzeit: (Art) bei... °C
– Dampfdichte:
– Verdampfungsgeschwindigkeit:
– Lösemitteltrennprüfung: ...%
– Lösemittelgehalt: ...%

195
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Bekanntmachung 220 Seite 26

6.9.3 Sonstige Angaben


Angaben zu sonstigen sicherheitsrelevanten Parametern wie Mischbarkeit, Leitfähig-
keit, Schmelzpunkt/Schmelzbereich, Gasgruppe (bzw. Explosionsgruppe IIA, IIB oder
IIC, wichtig für Richtlinie 94/9/EG), Selbstentzündungstemperatur, Stahl- und Alumi-
niumkorrosion (wichtig für Transporteinstufung). Weitere Hinweise stehen unter Num-
mer 6.9.4 Abs. 6.

6.9.4 Erläuterungen
(1) Die physikalisch-chemischen Eigenschaften der Stoffe werden gemäß den Prüf-
methoden nach Teil A des Anhangs V der Richtlinie 67/548/EWG (§ 2 Abs. 4
ChemPrüfV) oder nach jeder anderen vergleichbaren Methode bestimmt. Der An-
hang V der Richtlinie 67/548/EWG behält seine Gültigkeit zunächst bis 1. Juni 2008
(gemäß Richtlinie 2006/121/EG). Ab dem 1. 6. 2008 gilt Artikel 13 Abs. 3 der REACH-
Verordnung. Dann werden die Versuche nach den Prüfmethoden durchgeführt, die in
einer Verordnung der Kommission niedergelegt sind, oder nach anderen internationa-
len Prüfmethoden, die von der Kommission oder von der Agentur als angemessen
anerkannt sind.
(2) Bei Zubereitungen sind in der Regel die Eigenschaften der Zubereitung selbst
anzugeben. Die Bestimmung erfolgt nach Anhang I der Richtlinie 1999/45/EG „Me-
thoden zur Beurteilung der physikalisch-chemischen Eigenschaften der Zubereitun-
gen nach Artikel 5“. Wird allerdings festgestellt, dass eine gefährliche Eigenschaft
nicht vorliegt, so ist genau anzugeben, ob derjenige, der die Einstufung vornimmt,
über keine Informationen verfügt, oder ob negative Prüfergebnisse vorliegen. Er-
scheinen Angaben zu Eigenschaften einzelner Bestandteile notwendig, so ist genau
anzugeben, worauf sich die Daten beziehen.
(3) Bei einigen der unter Nummer 6.9.2 genannten Eigenschaften ist die Angabe der
Rahmenbedingungen (z.B. pH-Wert: Konzentration, Temperatur) notwendig. Einige
der anzugebenden Eigenschaften werden im nachfolgenden Text näher erläutert:
Aussehen: nennt die Handelsform/Beschaffenheit des Produktes, wie es
in Verkehr gebracht wird, z.B. Gas, Flüssigkeit, Pulver, Granu-
lat, Paste.
Farbe: notwendig zur Beschreibung des Produktes. Die Angabe
„verschiedene“ oder „diverse“ ist zulässig, wenn es sich um
ein Gruppen-Sicherheitsdatenblatt handelt.
pH: wenn zutreffend, ist der pH-Wert unter Nennung der Tempe-
ratur, vorzugsweise bei Raumtemperatur, anzugeben. Der
pH-Wert ist, wenn messtechnisch möglich und sinnvoll, am
Originalprodukt zu bestimmen. Andernfalls ist der Gehalt an
gelöster Substanz anzugeben. Auch ist anzugeben, wenn die
alkalische oder saure Reserve berücksichtigt wurde.
Zustandsänderung: hierunter sind in erster Linie anzugeben: Phasenübergang fest
– flüssig, Phasenübergang flüssig – gasförmig, Phasenüber-
gang fest – gasförmig, wenn ohne chemische Veränderung,
z. B. Siedepunktes/Siedebereichs oder Schmelzpunkts/
Schmelzbereichs.

196
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Bekanntmachung 220 Seite 27

Flammpunkt: In der Regel ist der ermittelte Wert hier anzugeben, bei Anga-
be von Flammpunktbereichen oder Angaben wie ,größer als'
oder ,unter' sind jedoch die Grenzwerte der nationalen bzw.
internationalen Einstufungs-, Transport- und Lagervorschrif-
ten zu berücksichtigen. Auch Angaben wie „nicht brennbar“,
„nicht entflammbar“ sind sinnvolle Angaben (falls zutreffend).
Bei der Angabe ,größer als' ist für die Einstufung die angege-
bene untere Flammpunktgrenze entscheidend.
Explosionsgefahr: Ein Stoff gilt als explosionsgefährlich, wenn bei der Prüfung
auf thermische, Schlag- oder Reibempfindlichkeit ein positi-
ves Ergebnis erzielt wird. Hier sollte aber auch (falls zutref-
fend) auf die Möglichkeit explosionsfähiger Staub-/Luft-
gemische hingewiesen werden.
Explosionsgrenzen: Bei einer Aussage ist (falls zutreffend) auf die Möglichkeit der
Bildung explosionsfähiger Gemische aus Luft und brennbaren
Gasen, Dämpfen, Nebeln oder Stäuben hinzuweisen. Hier ist
die Massenkonzentration in g/m3 oder der Volumenanteil in
% für die obere und untere Explosionsgrenze anzugeben. Die
Angaben der Explosionsgrenzen beziehen sich, wenn nicht
anders vermerkt, auf das Oxidationsmittel Luft bei Normal-
druck.
Dampfdruck: es sollte angegeben werden, ob der angegebene Wert ge-
messen oder berechnet wurde und auf welchen Stoff bzw.
welche Stoffe er sich bezieht.
Relative Dichte: hier kann zusätzlich/alternativ auch die Schüttdichte bei
Feststoffen angegeben werden (für Gase: Luft = 1).
Löslichkeit: Bei Zubereitungen nur bezogen auf die einzelnen Inhaltsstoffe
sinnvoll anzugeben.
Verteilungskoeffizient: bei Zubereitungen nur bezogen auf die einzelnen Inhaltsstoffe
sinnvoll anzugeben.
(4) Für bestimmte Produktgruppen sind Aussagen zur Viskosität (dynamische Vis-
kosität in mPas oder kinematische Viskosität in mm²/s) oder Auslaufzeiten (in s) mit
Messtemperaturangabe zur Lösemitteltrennprüfung und dem Lösemittelgehalt erfor-
derlich. Bei Zubereitungen, die Kohlenwasserstoffe in einer Gesamtkonzentration von
10 % und mehr enthalten, muss nach Maßgabe von Anhang VI Nr. 3.2.3 der Richtlinie
67/548/EWG die Fließzeit oder die kinematische Viskosität bei 40 °C angegeben
werden.
(5) Für Aerosole sollten der Lösemittel- und Treibstoffgehalt zusätzlich in Gewichts-
prozent angegeben werden.
(6) Darüber hinaus können für bestimmte Anwendungszwecke unter „Sonstige
Angaben“ z.B. folgende physikalisch-chemische und sicherheitstechnische Daten
berücksichtigt werden14):
– Weiterbrennbarkeit,
– Temperaturklasse,

14
) Hinweise auf Prüfmethoden siehe auch BDI-Standardsatzkatalog, unter Abschnitt 9

197
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Bekanntmachung 220 Seite 28

– Sauerstoffgrenzkonzentration,
– Normspaltweite (Grenzspaltweite),
– Mindestzündstrom,
– Mindestzündenergie,
– maximaler Explosionsdruck,
– maximaler zeitlicher Druckanstieg,
– Staubexplosionsklasse,
– Mindestzündtemperatur einer Staubwolke,
– Abbrandgeschwindigkeit,
– Brennzahl,
– selbstbeschleunigende Zersetzungstemperatur (SADT – Self Accelerating Decom-
position Temperature),
– Gehalt an aktivem Sauerstoff,
– Tonset-Zersetzungstemperatur,
– Korngrößenverteilung (Medianwert),
– Feuchtegehalt,
– Selbsterhitzungsfähigkeit,
– Kritische Temperatur,
– Kritische Dichte,
– Kritischer Druck,
– Brechungsindex,
– Dissoziationskonstante,
– Oberflächenspannung,
– Adsorptions-/Desorptionsverhalten,
– pKa-Bestimmung,
– Korrosion gegenüber Materialien,
– Löslichkeit in anderen Lösungsmitteln,
– Lichtstabilität,
– Fixierungsgrad (Farbstoffe),
– Auswaschungsgrad (Farbstoffe),
– Optische Drehung,
– Molekulargewichtsverteilung,
– Extraktionsuntersuchungen (für Polymere).

6.10 Stabilität und Reaktivität


Anzugeben sind die Stabilität des Stoffes oder der Zubereitung sowie eventuelle
gefährliche Reaktionen unter bestimmten Anwendungsbedingungen sowie bei der
Freisetzung in die Umwelt.

198
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Bekanntmachung 220 Seite 29

6.10.1 Zu vermeidende Bedingungen


Anzugeben sind Bedingungen wie Temperatur, Druck, Licht, Erschütterung usw., die
zu einer gefährlichen Reaktion führen können. Wenn möglich, ist die Reaktion kurz zu
beschreiben.

6.10.2 Zu vermeidende Stoffe


Anzugeben sind Stoffe wie Wasser, Luft, Säuren, Basen, Oxidationsmittel oder jeder
andere Stoff, der zu einer gefährlichen Reaktion führen kann. Wenn möglich, sind die
Reaktionen kurz zu beschreiben.

6.10.3 Gefährliche Zersetzungsprodukte


(1) Anzugeben sind gefährliche Stoffe, die bei der Zersetzung in kritischen Mengen
entstehen können.
(2) Insbesondere sind anzugeben:
– die Notwendigkeit von Stabilisatoren und ihr Vorhandensein,
– die Möglichkeit einer gefährlichen exothermen Reaktion,
– Auswirkungen einer Änderung des Aggregatzustands des Stoffes oder der Zube-
reitung auf die Sicherheit,
– gegebenenfalls gefährliche Zersetzungsprodukte bei Kontakt mit Wasser,
– mögliche Zersetzung zu instabilen Produkten.

6.11 Toxikologische Angaben


(1) Dieser Abschnitt umfasst die kurze, aber vollständige und verständliche Be-
schreibung der verschiedenen toxischen Wirkungen auf die Gesundheit, die sich
beim Kontakt mit dem Stoff oder der Zubereitung für den Anwender ergeben können.
(2) Anzugeben sind gesundheitsgefährdende Wirkungen durch Exposition gegen-
über dem Stoff oder der Zubereitung, wobei von der Auswertung beispielsweise von
Versuchsdaten und Erfahrungen aus der Praxis auszugehen ist. Die Wirkungen sind
entsprechend den physikalischen, chemischen und toxikologischen Eigenschaften
des Stoffes oder der Zubereitung, nach Expositionswegen (Einatmen, Verschlucken,
Haut- und Augenkontakt) getrennt, zu beschreiben.
(3) Die Wirkungen auf die Gesundheit können mit Hilfe der Ergebnisse von Prüfun-
gen und der daraus abgeleiteten Zuordnung von gefährlichen Eigenschaften
(R-Sätzen) beschrieben werden.
(4) Gegebenfalls sind verzögert auftretende, akute und chronische Wirkungen bei
kurz- und langfristiger Exposition anzugeben, z.B. Sensibilisierung, narkotische Wir-
kungen, Karzinogenität, Mutagenität und Reproduktionstoxizität (Entwicklungsschä-
digung und Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit).
(5) Unter Berücksichtigung der Angaben unter Abschnitt 3 „Zusammensetzung/
Angaben zu Bestandteilen“ kann es erforderlich sein, auf besondere Wirkungen
bestimmter Bestandteile einer Zubereitung auf die Gesundheit hinzuweisen.
(6) Zubereitungen sind in der Regel nicht geprüft, sondern nach der konventionellen
Methode (Berechnungsverfahren nach der Richtlinie 999/45/EG) eingestuft.

199
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Bekanntmachung 220 Seite 30

(7) Ist die Zubereitung bezüglich einzelner oder aller Eigenschaften geprüft, ist in
diesen Punkten wie bei Stoffen zu verfahren.
(8) Falls in einer Zubereitung nur ein Inhaltsstoff die toxischen Eigenschaften be-
stimmt, können auch die Prüfergebnisse zu diesem Stoff dargestellt werden.
(9) Bei Zubereitungen ist es nicht sinnvoll, die toxikologischen Daten aller Einzel-
komponenten aufzuführen. Es sollte eine allgemeine Aussage gemacht werden, die
den Stand der Kenntnisse zu den gesundheitsgefährdenden Eigenschaften der In-
haltsstoffe beschreibt, z.B. durch einen Hinweis wie „Akute Toxizität, Hautreizung,
Schleimhautreizung, erbgutveränderndes Potential und Hautsensibilisierung der
Zubereitung wurden vom Hersteller/Inverkehrbringer auf Basis der zu den Kompo-
nenten vorliegenden Daten bewertet. Zu einzelnen Komponenten bestehen teilweise
Datenlücken. Nach Erfahrungen des Herstellers/Inverkehrbringers sind jedoch über
die Kennzeichnung hinausgehende Gefahren nicht zu erwarten.“
(10) Die Angaben in diesem Abschnitt müssen mit den Angaben für eine eventuell
erforderliche Registrierung und/ oder im eventuell erforderlichen Stoffsicherheitsbe-
richt übereinstimmen und Informationen zu folgenden Gruppen potenzieller Wirkun-
gen umfassen:
– Toxikokinetik, Stoffwechsel und Verteilung,
– akute Wirkungen (akute Toxizität, Reiz- und Ätzwirkung),
– Sensibilisierung (Haut, Atemtrakt),
– Toxizität bei wiederholter Aufnahme (subakut, subchronisch, chronisch),
– CMR-Wirkungen (krebserzeugende, erbgutverändernde und fortpflanzungsge-
fährdende Wirkung),
– Zusammenfassende Bewertung der CMR-Eigenschaften,
– Erfahrungen aus der Praxis (Einstufungsrelevante und sonstige Beobachtungen),
– Sonstige Angaben.
Diese Punkte werden unter Nummer 6.11.1 bis 6.11.8 näher beschrieben.
(11) Im Falle registrierpflichtige Stoffe muss eine Zusammenfassung der in Anwen-
dung der Anhänge VII bis XI (Standarddatenanforderungen) der Verordnung (EG)
Nr. 1907/2006 bereitgestellten Informationen erfolgen.
(12) Bei Stoffen, die vom Hersteller/Inverkehrbringer eingestuft wurden, sollen unter
hier die vorhandenen Prüfergebnisse so dargestellt werden, dass der Empfänger des
Sicherheitsdatenblattes die Einstufung des Produktes nachvollziehen kann. Über
experimentell ermittelte Daten und Ergebnisse hinaus können kurze, erläuternde
Bewertungen der Untersuchungsergebnisse sinnvoll sein. Wenn Prüfungen, die zur
Ermittlung der gesundheitsgefährdenden oder umweltgefährlichen Eigenschaften
(s. Tabelle zu Nummer 6.3. Abs. 3) erforderlich sind, nicht durchgeführt wurden, ist
dies anzugeben und gegebenenfalls zu begründen.
(13) Der Inverkehrbringer kann zu nicht geprüften Wirkungen Aussagen machen, die
von Erfahrungen beim Umgang mit dem Stoff ausgehen oder auf Vergleichen mit
geprüften Stoffen aufgrund der Struktur- und Funktionsähnlichkeit (SAR) basieren.
(14) Bei solchen Aussagen sollte der Inverkehrbringer, je nach eigener Qualifikation,
auf den Sachverstand qualifizierter Stellen zurückgreifen (z.B. Fachverbände, Berufs-
genossenschaften, anerkannte Forschungsinstitute). Diese Stellen sollten unter
„Sonstige Angaben“ im Sicherheitsdatenblatt (Abschnitt 16) genannt werden.

200
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Bekanntmachung 220 Seite 31

(15) Bei Stoffen, die im Anhang I der Richtlinie 67/548/EWG ausgewiesen sind, kann
der Hinweis auf diese Tatsache als Information unter Abschnitt 11 des Sicherheitsda-
tenblattes ausreichen. Falls dem Inverkehrbringer die zur Einstufung herangezogenen
Prüfungen bekannt sind, ist es wünschenswert, diese anzugeben.

6.11.1 Toxikokinetik, Stoffwechsel und Verteilung


Die REACH-Verordnung fordert, dass für Stoffe die registriert werden – falls vorhan-
den – Daten zu Toxikokinetik, Stoffwechsel und Verteilung übermittel werden. Die
Umsetzung der REACH-Verordnung erfolgt nach einem festgelegten mehrjährigen
Zeitplan, in dessen Verlauf die Informationen nach und nach schrittweise erhältlich
werden. Falls bereits vorhanden, sollten diese Informationen in diesem Abschnitt des
Sicherheitsdatenblattes kurz zusammengefasst werden.

6.11.2 Akute Wirkungen


(1) Die Informationen zu den akuten Wirkungen sollten wie folgt gegliedert werden:
– Akute Toxizität (einstufungsrelevante LD50/LC50-Werte),
– Spezifische Wirkungen im Tierversuch,
– Reiz-/Ätzwirkung (Haut, Augen).
(2) Unter „Akute Toxizität“ eines geprüften Produktes können die für die Einstufung
herangezogenen LD50/LC50-Werte (oral, dermal und/oder inhalativ, je nach Aufnah-
meweg) mit Wert/Wertebereich, Spezies und Bestimmungsmethode (vorzugsweise
nach Anhang V der Richtlinie 67/548/EWG in gültiger Fassung bzw. entsprechenden
Methoden nach „OECD Guideline for Testing of Chemicals“) angegeben werden.
(3) Unter spezifische Wirkungen im Tierversuch sind relevante, charakteristische
(z.B. irreversible Schäden nach einmaliger Exposition) zu beschreiben.
(4) Zur „Reiz-/Ätzwirkung“ an Haut und Augen sollen konkrete Aussagen (evtl. als
Standardformulierungen wie z. B. „ätzend nach pH-Methode“ getroffen werden. Sie
sind durch Angabe der Testspezies sowie der Methode – vorzugsweise nach An-
hang V der Richtlinie 67/548/EWG in gültiger Fassung bzw. entsprechenden OECD-
Testmethoden – zu ergänzen. Die Angaben sollen nach der Wirkung auf die Haut und
die Augen gegliedert werden.

6.11.3 Sensibilisierung
Zur sensibilisierenden Wirkung sollen konkrete Aussagen (evtl. als Standardformulie-
rungen), die differenziert nach Haut und Atemtrakt anzugeben sind, getroffen werden.
Sie sollten durch Angabe der Testspezies sowie der Methode – vorzugsweise nach
Anhang V der Richtlinie 67/548/EWG in gültiger Fassung bzw. entsprechenden
OECD-Testmethoden – ergänzt werden.

6.11.4 Toxizität bei wiederholter Aufnahme


Untersuchungen auf „Wirkungen nach wiederholter oder länger andauernder Exposi-
tion“ (subakut, subchronisch, chronisch) sollen mit ihren Ergebnissen und deren
Bewertungen vollständig und verständlich beschrieben werden.

201
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Bekanntmachung 220 Seite 32

6.11.5 CMR-Wirkungen (krebserzeugende, erbgutverändernde und fortpflanzungsge-


fährdende Wirkung)
Untersuchungen auf „krebserzeugende, erbgutverändernde sowie fortpflanzungsge-
fährdende Wirkungen“ sollen mit ihren Ergebnissen und deren Bewertungen vollstän-
dig und verständlich beschrieben werden.

6.11.6 Zusammenfassende Bewertung der CMR-Eigenschaften für registrierpflichtige


Stoffe
(1) Im Falle registrierpflichtige Stoffe muss hier, unabhängig davon, ob ein Stoff-
sicherheitsbericht erforderlich ist oder nicht, eine Beurteilung abgegeben werden, ob
der Stoff die Kriterien nach 67/548/EWG für CMR-Stoffe erfüllt.
(2) Die Bewertung, dass der Stoff keine CMR-Eigenschaften besitzt, sollte ausrei-
chend und nachvollziehbar begründet werden.

6.11.7 Erfahrungen aus der Praxis


(1) Liegen „Einstufungsrelevante Beobachtungen“ zur Wirkung auf den Menschen
vor, so sollen diese in der Reihenfolge der toxikologischen Prüfungen beschrieben
werden. Besonders zu berücksichtigen sind vorliegende Befunde zu krebserzeugen-
der, fortpflanzungsgefährdender sowie sensibilisierender Wirkung am Menschen.
(2) Unter „Sonstige Beobachtungen“ sollen Wirkungen auf den Menschen beschrie-
ben werden, wenn ihre direkte Ableitbarkeit aus tierexperimentellen Daten nicht
gewährleistet ist (z.B. narkotische Wirkung, Verursachung von Kopfschmerzen, Übel-
keit, Reizwirkung auf die Atemwege etc.). Hier soll auch auf die Wirkungen pharma-
kologisch/biologisch aktiver Stoffe hingewiesen werden (z.B. Arzneimittel-/Schäd-
lingsbekämpfungsmittel-Wirkstoffe).
(3) Wenn am Menschen beobachtete Wirkungen im Gegensatz zu den Ergebnissen
durchgeführter Prüfungen stehen, sind diese anzugeben.

6.11.8 Sonstige Angaben


(1) Unter „Sonstige Angaben“ können Ergebnisse von toxikologischen Untersu-
chungen, die nicht zu einer Einstufung beitragen, genannt werden. Aussagen zu
einem möglichen mutagenen Potential (z.B. aufgrund des Ames-Testes) können hier
ebenfalls erfolgen.
(2) Liegen für ein Produkt weder experimentelle Daten noch Erfahrungen aus der
Praxis oder Ergebnisse des konventionellen Rechenverfahrens vor, so ist dies hier zu
vermerken.

6.12 Umweltbezogene Angaben


(1) Zu beschreiben sind die möglichen Wirkungen, das Verhalten und der Verbleib
des Stoffes oder der Zubereitung in der Umwelt (Luft, Wasser und/oder Boden).
Liegen entsprechende Prüfergebnisse vor, so sind diese anzugeben (z. B. LC50 Fisch
≤ mg/l).

202
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Bekanntmachung 220 Seite 33

(2) Die Angaben in diesem Abschnitt müssen mit den Angaben für eine eventuell
erforderliche Registrierung und/oder im eventuell erforderlichen Stoffsicherheitsbe-
richt übereinstimmen.
(3) Zu beschreiben sind die wichtigsten Eigenschaften, die sich auf die Umwelt
auswirken können, in Abhängigkeit von der Beschaffenheit und den wahrscheinlichen
Verwendungsarten des Stoffes oder der Zubereitung. Derartige Angaben sind auch
für gefährliche Produkte zu machen, die bei der Zersetzung des Stoffes oder der
Zubereitung entstehen. Folgende Eigenschaften könnten von Belang sein.

6.12.1 Ökotoxizität
(1) Hier sind verfügbare Daten über die akute und chronische aquatische Toxizität
für Fische, Daphnien, Algen und andere Wasserpflanzen anzugeben. Falls verfügbar
sind auch Daten über die Toxizität für Mikro- und Makroorganismen im Boden sowie
für andere umweltrelevante Organismen, wie etwa Vögel, Bienen und Pflanzen, vor-
zulegen. Wirkt sich der Stoff oder die Zubereitung auf Mikroorganismen aktivitäts-
hemmend aus, so ist auf mögliche Auswirkungen auf Abwasserreinigungsanlagen
hinzuweisen.
(2) Bei Stoffen, die der Registrierung unterliegen, müssen diese Angaben auch
Zusammenfassungen der in Anwendung der Anhänge VII bis XI der REACH-
Verordnung bereitgestellten Informationen umfassen.

6.12.2 Mobilität
Das Potential eines Stoffes oder der entsprechenden Bestandteile einer Zuberei-
tung15), nach einer Freisetzung in die Umwelt in das Grundwasser einzudringen oder
über weite Strecken transportiert zu werden. Folgende Angaben könnten relevant
sein:
– bekannte oder erwartete Verteilung auf Umweltkompartimente,
– Oberflächenspannung,
– Adsorption/Desorption.
Zu sonstigen physikalisch-chemischen Eigenschaften siehe Abschnitt 6.9.

6.12.3 Persistenz und Abbaubarkeit


(1) Das Potential eines Stoffes oder der entsprechenden Bestandteile einer Zuberei-
tung15), sich in den relevanten Umweltmedien durch biologischen Abbau oder andere
Prozesse, wie Oxidation oder Hydrolyse abzubauen, ist anzugeben. Soweit verfügbar
sind die Abbau-Halbwertszeiten anzugeben. Das Potential eines Stoffes oder der
entsprechenden Bestandteile einer Zubereitung15) zum Abbau in Abwasserreini-
gungsanlagen sollte ebenfalls angegeben werden.
(2) Bei Tensiden ist Rate der biologischen Abbaubarkeit gemäß den Methoden zur
Bestimmung der vollständigen biologischen Abbaubarkeit nach Anhang III der Ver-
ordnung (EG) Nr. 648/2004 anzugeben.

15
) Diese Eigenschaft ist Stoff spezifisch und kann daher nicht für die Zubereitung angegeben werden.
Deshalb sollte diese Eigenschaft, soweit verfügbar und relevant, für jeden Bestandteil der Zuberei-
tung, der gemäß Abschnitt 6.2 im Sicherheitsdatenblatt anzuführen ist, angegeben werden.

203
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Bekanntmachung 220 Seite 34

6.12.4 Bioakkumulationspotenzial
Falls verfügbar, sind Angaben über das Potential eines Stoffes oder der entsprechen-
den Bestandteile einer Zubereitung15) zu machen, sich in Biota (Umweltmedien) anzu-
sammeln und sich über die Nahrungsmittelkette anzureichern; soweit verfügbar mit
Angabe von n-Oktanol-Wasser-Verteilungskoeffizient (Kow) und Biokonzentrations-
faktor (BCF).

6.12.5 Ergebnis der Ermittlung PBT-Eigenschaften


Ist ein Stoffsicherheitsbericht erforderlich, so sind die Ergebnisse der Ermittlung der
PBT-Eigenschaften15) entsprechend dem Stoffsicherheitsbericht anzugeben.
Möglich ist dabei die Verwendung von Standardsätzen, wie z.B.:
– „Dieser Stoff erfüllt nicht die Kriterien für eine Einstufung als PBT oder vPvB.“
– „Dieser Stoff ist eingestuft als PBT.“,
– „Dieser Stoff ist eingestuft als vPvB.“,
– „Die Inhaltsstoffe in dieser Zubereitung erfüllen nicht die Kriterien für eine Einstu-
fung als PBT oder vPvB.“.

6.12.6 Andere schädliche Wirkungen


Falls verfügbar, sind Informationen zu anderen schädlichen Wirkungen auf die Um-
welt aufzuführen, z.B. Ozonabbaupotential, photochemisches Ozonbildungspotential
und/ oder Treibhauspotential (GWP – global warming potential). Eine verbale Aussage
zum Gehalt an organisch gebundenem Halogen ist wünschenswert. Sie kann in Form
von Standardformulierungen wie „Das Produkt enthält organisch gebundenes Halo-
gen. Es kann zum AOX-Wert beitragen“ erfolgen.

6.12.7 Weitere Hinweise


(1) Bei Stoffen und Zubereitungen, die bei Reinigungsvorgängen in das Abwasser
gelangen können, sollten Summenparameter wie CSB15) (chemischer Sauerstoffbe-
darf in mg O2/mg) und BSB (Zeitangabe) (biochemischer Sauerstoffbedarf in mg
O2/mg Produkt) angegeben werden. Ebenso kann der BSB/CSB-Quotient15), in Ver-
bindung mit einem der vorgenannten Werte, Hinweise auf das Abbauverhalten geben.
(2) Es ist sicherzustellen, dass auch andere Abschnitte des Sicherheitsdatenblatts
umwelt-relevante Angaben enthalten, insbesondere sollten unter den Abschnitten 6,
7, 13, 14 und 15 Hinweise zur kontrollierten Freisetzung, zu Maßnahmen bei unge-
wollter Freisetzung, zum Transport und zur Entsorgung gegeben werden.

6.13 Hinweise zur Entsorgung


(1) Stellt die Entsorgung eines Stoffes oder einer Zubereitung (Restmengen oder
Abfälle aus der absehbaren Verwendung) eine Gefährdung dar, müssen die Rück-
stände genannt und Hinweise für ihre sichere Handhabung gegeben werden.
(2) Anzugeben sind die geeigneten Entsorgungsverfahren für den Stoff und die
Zubereitung und für verunreinigtes Verpackungsmaterial (Verbrennung, Wiederver-
wertung, Deponie usw.).

204
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Bekanntmachung 220 Seite 35

(3) Ist ein Stoffsicherheitsbericht erforderlich, so müssen die Informationen über


Maßnahmen zur Abfallentsorgung und -verwertung, mit denen die Exposition von
Mensch und Umwelt gegenüber dem Stoff angemessen begrenzt und überwacht
wird, mit den im Anhang des Sicherheitsdatenblatts aufgeführten Expositionsszena-
rien übereinstimmen.
(4) Anzugeben sind einschlägige Gemeinschaftsbestimmungen über die Abfallent-
sorgung. Sind solche Bestimmungen noch nicht erlassen, ist es zweckmäßig, den
Anwender darauf hinzuweisen, dass nationale oder regionale Bestimmungen gelten
können.
(5) Falls für die Entsorgung des bestimmungsgemäß verwendeten Stoffes bzw. der
Zubereitung andere Empfehlungen zutreffen, sind diese gesondert aufzuführen.
(6) Soweit die vom Inverkehrbringer empfohlene Verwendung es erlaubt, die Her-
kunft des Abfalls vorherzusagen, wird darüber hinaus für das Produkt die Angabe der
europäischen Abfallartenkatalognummer (EAK)16) empfohlen.
(7) Analog zur Entsorgung des ungebrauchten Produktes, sind geeignete Entsor-
gungsverfahren für die ungereinigten sowie restentleerten Verpackungen anzugeben.
Falls besondere Reinigungsmittel für die Gebinde angegeben werden können, sollten
diese hier genannt werden.
(8) Die Informationen sollten wie folgt gegliedert werden:
– Produkt,
– Empfehlung,
– verunreinigtes Verpackungsmaterial,
– Empfehlung.

6.14 Angaben zum Transport


(1) Anzugeben sind die besonderen Vorsichtsmaßnahmen, die der Anwender be-
züglich des Transports oder der Transportbehälter innerhalb oder außerhalb seines
Betriebsgeländes zu kennen oder zu beachten hat.
(2) Soweit relevant, sind Angaben zur Einstufung nach den jeweiligen Regelungen
für die verschiedenen Verkehrsarten zu machen: IMDG (Seeverkehr), ADR (Straßen-
verkehr, Richtlinie 94/55/EG), RID (Schienenverkehr, Richtlinie 96/49/EG), ICAO/IATA
(Luftverkehr), ADNR (Binnenschiffverkehr). Hierzu gehört unter anderem:
– UN-Nummer,
– Für ADR/RID/ADNR: Nummer der Gefahrzettelmuster (Hauptgefahr und soweit
vorhanden Nebengefahr(en) sowie für die Klasse 1 zusätzlich den Klassifizierungs-
code,
– Für IMDG-Code: Klasse und ggfs. Zusatzgefahr(en),
– Für ICAO/IATA-DGR: Klasse und ggfs. Nebengefahr(en),
– Ordnungsgemäße Versandbezeichnung des Gutes (Proper Shipping Name), so-
fern zutreffend ergänzt durch die technische Benennung,
– Ggf. Verpackungsgruppe (Packing Group),

16
) in Deutschland: Abfallschlüsselnummer nach Abfallverzeichnisverordnung (AVV)

205
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Bekanntmachung 220 Seite 36

– Meeresschadstoff (Marine Pollutant),


– sonstige einschlägige Angaben (falls relevant und zutreffend z.B. zu mengenmäßi-
gen Freistellungen, Ausnahmen, Sondervorschriften).
(3) Ist ein Produkt auf keinem Transportweg ein Gefahrgut, so kann dies ebenfalls
unter „sonstige einschlägige Angabenangegeben werden; die nach den Transport-
wegen gegliederten Klassifikationen entfallen dann. Außerdem können hier z. B.
spezielle Behandlungshinweise aufgeführt werden.
(4) Es ist darauf zu achten, dass die Angaben zur Transporteinstufung ausreichend
sind, um die korrekten Beförderungsbedingungen daraus ableiten zu können.
(5) Falls die transportrechtliche Einstufung nicht mit der gefahrstoffrechtlichen
Einstufung vereinbar ist, ist es hilfreich zu vermerken, warum dies nicht der Fall ist.
(6) Die gewählte Verpackungsgruppe sollte aufgrund der in Abschnitt 9 angegebe-
nen Daten (z.B. Flammpunkt, Viskosität) sinnvoll und nachvollziehbar sein.

6.15 Rechtsvorschriften

6.15.1 Stoffsicherheitsbeurteilung:
Es ist anzugeben, ob eine Stoffsicherheitsbeurteilung für den Stoff (oder für einen
Stoff in der Zubereitung) durchgeführt wurde.

6.15.2 Kennzeichnung
(1) Anzugeben sind die gesundheits-, sicherheits- und umweltbezogenen Informati-
onen, die in der Kennzeichnung gemäß der Richtlinie 67/548/EWG und der Richtlinie
1999/45/EG erscheinen müssen.
(2) Die Informationen sollten wie folgt gegliedert werden:
– Kennbuchstabe(n) für das(die) Symbol(e) und Gefahrenbezeichnung,
– enthält: (Komponente(n) die auf dem Etikett genannt sind),
– R-Sätze,
– S-Sätze,
– Besondere Kennzeichnung bestimmter Zubereitungen,
– Hinweise zur Kennzeichnung.
(3) Die Informationen müssen mit den entsprechenden Angaben auf dem Kenn-
zeichnungsschild des Produktes übereinstimmen. Für R- und S-Sätze ist der voll-
ständige Wortlaut anzugeben. Ist für bestimmte Produkte eine besondere Kennzeich-
nung auf dem Kennzeichnungsschild anzugeben (z.B.: „Enthält Isocyanate. Hinweise
des Herstellers/Inverkehrbringers beachten“.), so ist diese ebenfalls zu wiederholen.
Siehe hierzu auch TRGS 200, Nummer 6 „Besondere Kennzeichnung für bestimme
Stoffe, Zubereitungen und Erzeugnisse“.
(4) Die für Biozid-Produkte geltenden Kennzeichnungsvorschriften nach Artikel 20
Abs. 3 Buchstaben a, b, d und ggf. g und k der Richtlinie 98/8/EG sollten unter „Be-
sondere Kennzeichnung bestimmter Zubereitungen“ (siehe Absatz 2) aufgenommen
werden. Alternativ ist auch eine Aufnahme der Kennzeichnung nach Buchstabe a in
Abschnitt 2 (siehe Nummer 6.2 Abs. 3 Nr. 3), nach Buchstabe d in Abschnitt 7 (siehe
Nummer 6.7.3 Abs. 3) möglich. Die Kennzeichnungsmerkmale nach Artikel 20 (3)

206
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Bekanntmachung 220 Seite 37

Buchstabe c, e, f, h, i, j und l können an geeigneter anderer Stelle im Sicherheitsda-


tenblatt angegeben werden.
(5) Unter „Hinweise zur Kennzeichnung“ können z.B. Begründungen aufgenommen
werden, wenn ein Stoff oder eine Zubereitung nicht kennzeichnungspflichtig ist oder
Hinweise erfolgen, wenn eine Kennzeichnungserleichterung in Anspruch genommen
werden kann (siehe auch TRGS 200, Nummer 7.1 „Kennzeichnungserleichterungen
und Ausnahmen“).

6.15.3 Weitere EU-Vorschriften


(1) Gelten für Stoffe und Zubereitungen, die in diesem Sicherheitsdatenblatt aufge-
führt sind, besondere gemeinschaftliche Bestimmungen zum Gesundheits- und
Umweltschutz, dann sollten diese soweit wie möglich angegeben werden (z.B. Be-
schränkungen der Verwendung und des Inverkehrbringens nach Richtlinie
76/769/EWG17)
(2) Weitere Beispiele solcher Vorschriften sind:
– Angaben zur Verordnung (EG) Nr. 648/2004 (Detergenzienverordnung),
– Angaben zur Richtlinie 1999/13/EG über die Begrenzung von Emissionen flüchti-
ger organischer Verbindungen (VOC-Richtlinie).
– Angaben zur Richtlinie 2004/42/EG über die Begrenzung der Emissionen flüchtiger
organischer Verbindungen (VOC) durch Beschränkung des Inverkehrbringens lö-
semittelhaltiger Farben und Lacke, umgesetzt durch die Lösemittelhaltige Farben-
und Lack-Verordnung (ChemVOCFarbV).
Gegebenenfalls ist auf andere Abschnitte des Sicherheitsdatenblattes wie beispiels-
weise Abschnitt 9 im Hinblick auf den Lösemittelgehalt oder Abschnitt 12 in Hinblick
auf die biologische Abbaubarkeit von Tensiden zu verweisen.

6.15.4 Nationale Rechtsvorschriften


(1) Nach Möglichkeit ist auch auf nationale Rechtsvorschriften zum Gesundheits-
und Umweltschutz, relevante Technische Regeln und auf andere relevante nationale
Maßnahmen hinzuweisen.
(2) Es ist insbesondere auf Beschäftigungsbeschränkungen für Jugendliche nach
§ 22 Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG) und werdende und stillende Mütter nach
§§ 4 und 5 Verordnung zum Schutz der Mütter am Arbeitsplatz (MuSchArbV), auf die
Störfall-Verordnung (12. BImSchV) sowie in der Technische Anleitung zur Reinhaltung
der Luft (TA Luft) mit ihren chemischen Bezeichnung genannten Stoffe, die Wasser-
gefährdungsklasse (WGK) sowie einschlägige berufsgenossenschaftliche und ar-
beitsmedizinische Vorschriften und sonstige Vorschriften, Beschränkungen und
Verbotsverordnungen einzugehen. Diese Angaben sollten wie folgt gegliedert werden:
– Beschäftigungsbeschränkungen,
– Chemikalienverbotsverordnung,
– Störfall-Verordnung,

17
) bis 1.6.2009; Genehmigungen gemäß Titel VII oder Beschränkungen gemäß Titel VIII der Verordnung
(EG) 1907/2006.

207
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Bekanntmachung 220 Seite 38

– Technische Anleitung zur Reinhaltung der Luft,


– Wassergefährdungsklasse,
– relevante Technische Regeln für Gefahrstoffe (z.B. TRGS 905, 906),
– relevante berufsgenossenschaftliche und arbeitsmedizinische Vorschriften und
Regeln,
– Sonstige Vorschriften, Beschränkungen und Verbotsverordnungen.
Unter „Sonstige Vorschriften, Beschränkungen und Verbotsverordnungen“ sollten die
nationalen Rechtsvorschriften aufgeführt werden, die verwendungsbezogen aus
anderen Rechtsgebieten zusätzlich zu beachten sind, z.B.: Verordnung über die
Entsorgung gebrauchter halogenierter Lösemittel (HKWAbf), Wasch- und Reini-
gungsmittelgesetz (WRMG), Chemikalien-Ozonschichtverordnung (Chem-Ozon-
SchichtV), Wasserhaushaltsgesetz (WHG – Einleitungsgenehmigungen).
(3) Es ist auf relevante Technische Regeln für Gefahrstoffe hinzuweisen. Hierzu
gehört die TRGS 905, wenn in dem Produkt Stoffe enthalten sind, die in dieser TRGS
aufgeführt sind und die jeweilige Berücksichtigungsgrenze nicht unterschritten wird.
Fällt der Verwendungszweck des Produktes unter die Regelungen der TRGS 906
(krebserzeugende Tätigkeiten oder Verfahren), ist auf diese TRGS ebenfalls hinzuwei-
sen.
(4) Das Sicherheitsdatenblatt kann so ausgefüllt werden, dass es den Anforderun-
gen nach § 7 Abs. 7 GefStoffV entspricht und daher dem Abnehmer auch als mitge-
lieferte Gefährdungsbeurteilung übermittelt werden kann. Dies ist insbesondere der
Fall, wenn das Sicherheitsdatenblatt auf standardisierte Arbeitsverfahren Bezug
nimmt wie:
– Maßnahmen aus Stoff- und tätigkeitsbezogenen TRGS (einschließlich Verfahrens-
und stoffspezifische Kriterien (VSK) nach TRGS 420)
– Maßnahmen aus branchen- oder tätigkeitsspezifischen Hilfestellungen:
Erstellt der Inverkehrbringer die mitgelieferte Gefährdungsbeurteilung ohne Bezug-
nahme auf bereits existierende Lösungen, so sollte er die Anforderungen beachten,
die in Nummer 5.2 „Mitgelieferte Gefährdungsbeurteilung“ der TRGS 40018) formuliert
sind. Insbesondere muss er fehlenden Informationen über gesundheitsschädigende
Eigenschaften Rechnung tragen.

6.15.5 Sonstige Hinweise


(1) Nach Möglichkeit ist auch auf andere relevante Eingruppierungen hinzuweisen,
die den Anwender bei der Umsetzung nationaler Vorschriften unterstützen z.B. die
Eingruppierung nach dem Produkt-Code oder GISCODE19).
(2) Hinweise auf internationale Rechtsvorschriften, wie die Auflistung von Stoffen in
den Inventarlisten anderer Länder (z. B. USA (TSCA)) oder von Zubereitungen in
Produktinventaren (z.B. Neuseeland (NZIoC) können hier ebenfalls angegeben wer-
den.

18
) Veröffentlichung voraussichtlich Anfang 2008
19
) Zuordnung von Produkten zu einer Gruppeninformation; siehe www.gisbau.de

208
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Bekanntmachung 220 Seite 39

6.16 Sonstige Angaben


(1) Anzugeben sind alle sonstigen Informationen, von denen der Lieferant annimmt,
dass sie für den Gesundheits- und Umweltschutz sowie die Sicherheit des Anwen-
ders von Bedeutung sind, beispielsweise:
– Auflistung der relevanten R-Sätze; anzugeben ist der vollständige Wortlaut aller
R-Sätze, auf die in den Abschnitten 2 und 3 des Sicherheitsdatenblattes Bezug
genommen wird;
– Schulungshinweise;
– empfohlene Einschränkungen der Anwendung (d.h. nichtbindende Empfehlungen
des Lieferanten);
– weitere Informationen (schriftliche, elektronische Quellen und/oder Kontaktstellen
für technische Informationen), so weit nicht unter Abschnitt 1. angegeben;
– Quellen der wichtigsten Daten, die zur Erstellung des Datenblatts verwendet
wurden;
– bei einem überarbeiteten Sicherheitsdatenblatt ist klar kenntlich zu machen, wel-
che Angaben hinzugefügt, gestrichen oder geändert wurden, soweit nicht an an-
derer Stelle angegeben,
– Neue wissenschaftliche Erkenntnisse, soweit sie nicht durch die Einstufung und
Kennzeichnung nach Anhang I der Richtlinie 67/548/EWG wiedergegeben werden.

Anlagen:
Anlage 1 Fließschema zur Erstellung von Sicherheitsdatenblättern
Anlage 2 Fachkunde gemäß Anhang II der REACH-Verordnung zum Erstellen von
Sicherheitsdatenblättern

209
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Bekanntmachung 220 Seite 40

Anlage 1: Fließschema zur Erstellung von Sicherheitsdatenblättern

Empfehlungen und besondere Hilfestellungen für den Ersteller:


(1) Für das Sicherheitsdatenblatt ist nach der Artikel 31 und Anhang II der REACH-
Verordnung kein Formblatt vorgesehen. Das Datenblatt muss aber alle angegebenen
16 Abschnitte mit den nach der Richtlinie vorgegebenen Untergliederungen enthalten.
Die Nummerierung der 16 Abschnitte im Sicherheitsdatenblatt ist nicht zwingend, sie
wird jedoch dringend empfohlen. Andererseits haben praktische Erfahrungen gezeigt,
dass es gerade für den ungeübte Verfasser von Sicherheitsdatenblättern von Vorteil
sein kann, die einzelnen Abschnitte bei der Erstellung nicht in dieser Reihenfolge zu
bearbeiten, sondern anhand des nachfolgenden Fließschemas:

1. Bezeichnung 3. Zusammensetzung/ 9. Physikalisch-chemische


Angaben zu Eigenschaften
Bestandteilen 10. Stabilität und Reaktivität
11. Toxikologische Angaben
12. Umweltbezogene Angaben

7. Handhabung 8. Begrenzung und Über- 14. Transport


und Lagerung wachung der Exposition/ 15. Rechtsvorschriften
Persönliche Schutz-
ausrüstung

4. Erste Hilfe 13. Entsorgung 16. Sonstige Angaben


5. Brandbekämpfung
6. Unbeabsichtigte
Freisetzung

2. Mögliche Gefahren

210
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Bekanntmachung 220 Seite 41

(2) Aus dieser Vorgehensweise folgt, dass Abschnitt 2 mit der Kernaussage des
Sicherheitsdatenblattes erst nach sorgfältiger Überlegung und unter Berücksichti-
gung sämtlicher sicherheitsrelevanter Informationen ausgefüllt werden soll. Auch
wenn der Stoff oder die Zubereitung nicht als gefährlich eingestuft ist, können hier
sicherheitsrelevante Angaben nötig sein.
(3) Obwohl wichtige Hinweise thematisch oft zu mehr als einem Abschnitt passen,
empfiehlt es sich, Aussagen nicht zu oft zu wiederholen, da das auf Kosten der Über-
sichtlichkeit und leichten Lesbarkeit geht. Die Überlegung, wo der Empfänger bzw.
Anwender des Sicherheitsdatenblattes die betreffende Information suchen würde,
kann für die Entscheidung hilfreich sein.
(4) Sollten die nötigen Informationen zu einigen Eigenschaften nicht zu ermitteln
sein, sollte das erwähnt (und begründet) werden.

Anlage 2: Fachkunde20) gemäß Anhang II der REACH-Verordnung


zum Erstellen von Sicherheitsdatenblättern

1 Benennung von fachkundigen Personen


(1) Der Inverkehrbringer (Hersteller, Einführer oder Händler) hat dafür zu sorgen,
dass das Sicherheitsdatenblatt von einer fachkundigen Person erstellt wird, fachlich
richtig sowie vollständig ausgefüllt ist und regelmäßig aktualisiert wird.
(2) Die Ausübung dieser Pflichten kann er an eigenes Personal delegieren oder
Dritte damit beauftragen. Die Fach- künde muss nicht in einer einzelnen natürlichen
Person vereint sein, es muss jedoch einen Gesamtverantwortlichen geben, der mit
den Erfordernissen so weit vertraut ist, dass er die Plausibilität der Aussagen im
Sicherheitsdatenblatt beurteilen kann und für die Abstimmung der unterschiedlichen
Fachgebiete (Abschnitte) im Sicherheitsdatenblatt Sorge trägt.
(3) Die Verwendung einer Software zum Erstellen von Sicherheitsdatenblättern
entbindet nicht von der Verpflichtung, dass der Ersteller der Sicherheitsdatenblätter
über Fachkunde verfügen muss. Auch Softwareanbieter müssen über die Fachkunde
gemäß Anhang II der REACH-Verordnung verfügen.
(4) Fachkundig sind Personen, die durch entsprechende Schulungen und ihre Erfah-
rung über ausreichende Kenntnisse für das Erstellen von Sicherheitsdatenblättern
nach Anhang II der REACH-Verordnung verfügen und mit den Erfordernissen so weit
vertraut sind, dass sie die Plausibilität der Aussagen im Sicherheitsdatenblatt beurtei-
len können. Die Fachkunde ist durch die Teilnahme an Auffrischungskursen auf aktu-
ellem Stand zu halten.
(5) Die fachkundige Person muss ihre Fachkunde gegebenenfalls nachweisen kön-
nen, z.B. durch ihre berufliche Qualifikation oder eine entsprechende Tätigkeit. Die
Behörde kann den Nachweis der Fachkunde verlangen.

2 Anforderungen an die Fachkunde


Bei den nachfolgenden Anforderungen an die Fachkunde handelt es sich um einen
umfassenden Kenntniskatalog. Im Einzelfall sind jedoch nur die Kenntnisse erforder-

20
) Die Verordnung (EG) 1907/2006 Anhang II verwendet den Begriff „Sachkunde“.

211
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Bekanntmachung 220 Seite 42

lich, die für die in Verkehr gebrachten Stoffe und Zubereitungen relevant sind. Ebenso
kann sich die Kenntnistiefe an den Erfordernissen zur Erstellung von Sicherheitsda-
tenblättern orientieren.
1. Kenntnisse der europäischen chemikalienrelevanten Richtlinien und deren Um-
setzungen, der entsprechenden nationalen Gesetze und Verordnungen (in den
jeweils gültigen Fassungen):
a. Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 (REACH-Verordnung)
b. Richtlinie 67/548/EWG (Art 1-6, 22-27, Anh. I-IV, VI, IX), Stoffrichtlinie
c. Richtlinie 1999/45/EG, Zubereitungsrichtlinie
d. Richtlinie 76/769/EWG, Beschränkungsrichtlinie
e. Richtlinie 98/24/EG, Agenzienrichtlinie
f. Richtlinie 91/322/EWG, Richtlinie 2000/39/EG, Richtlinie 2006/15/EG, EU
Gemeinschaftliche Arbeitsplatz-Richtgrenzwerte
g. Richtlinie 2004/37/EG, Gefährdung durch Karzinogene und Mutagene bei der
Arbeit
h. Richtlinie 92/85/EWG, Mutterschutzrichtlinie
i. Richtlinie 89/686/EWG, Persönliche Schutzausrüstungen
j. Richtlinie 91/414/EWG, Pflanzenschutzmittel
k. Richtlinie 98/8/EG, Biozidrichtlinie
l. Verordnung (EG) Nr. 648/2004 Detergenzien-Verordnung
m. Chemikaliengesetz – ChemG
n. Gefahrstoffverordnung – GefStoffV
o. Chemikalien-Verbotsverordnung – ChemVerbotsV
p. Technische Regeln für Gefahrstoffe – TRGS
q. Technische Anleitung zur Reinhaltung der Luft – TA Luft
r. 12. BImSchV (Störfall-Verordnung – Seveso II)
s. 31. BImSchV (Lösemittelverordnung)
t. Lösemittelhaltige Farben und Lackverordnung – ChemVOCFarbV
u. Verwaltungsvorschrift wassergefährdende Stoffe – VwVwS
2. Kenntnis der nationalen oder internationalen Leitfäden des jeweiligen Fachver-
bandes,
3. Kenntnisse über Informationsquellen, z. B. Schriften der Berufgenossenschaften,
4. Kenntnisse der chemischen Nomenklatur,
5. Kenntnisse über physikalisch-chemische Eigenschaften und die Bestimmung
und Bewertung derartiger Eigenschaften wie z.B.:
a. Schmelz- und Siedepunkt
b. Dichte
c. Dampfdruck
d. Flammpunkt
e. Zündtemperatur
f. Explosionsgrenzen
g. Explosionsverhalten von Stoffen

212
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Bekanntmachung 220 Seite 43

h. Verteilungskoeffizient
i. Oberflächenspannung, Viskosität
j. Löslichkeit in Wasser und in organischen Lösungsmitteln
k. pH-Wert
l. Stabilität, Reaktivität, Zersetzung
m. korrodierende Eigenschaften (Stahl, Aluminium)
6. Kenntnisse der Toxikologie/Ökotoxikologie sowie deren Bestimmung und Be-
wertung wie z. B,
a. Aufnahmewege und Wirkungsweise gefährlicher Stoffe
b. Wirkungen (lokal, systemisch; akut, chronisch; reversibel, irreversibel)
c. Kenngrößen (LD50, LC50, IC50, EC50, diskriminatorische Dosis)
d. Besondere Wirkungen (erbgutverändernd, krebserzeugend, fortpflanzungsge-
fährdend)
e. Wirkschwellen,
f. Prüfverfahren
g. Akkumulierbarkeit, Verteilungsverhalten, Abbaubarkeit
h. Nicht-aquatische Umwelt,
7. Kenntnisse der Ersten Hilfe,
8. Kenntnisse der Maßnahmen im Schadensfall
a. Brandbekämpfung, Löschmittel
b. Maßnahmen bei unbeabsichtigter Freisetzung
9. Kenntnisse zu Maßnahmen zum sicheren Umgang
a. Technische und organisatorische Maßnahmen
b. Brand- und Explosionsschutz
c. Bedingungen für eine sichere Lagerung
d. Begrenzung und Überwachung der Exposition, Expositionsgrenzwerte
e. Persönliche Schutzausrüstung
f. Entsorgungsverfahren, EU-Abfallschlüssel
g. Schutz besonders gefährdeter Gruppen, Beschäftigungsbeschränkungen
10. Kenntnisse zu den Transportvorschriften und über die Klassifizierung für die
verschiedenen Verkehrsträger entsprechend:
a. IMDG-Code (Seeverkehr)
b. ADNR (Binnenschiffverkehr)
c. ADR (Straßenverkehr)
d. RID (Schienenverkehr)
e. ICAO/IATA-DGR (Luftverkehr)21)
11. Zusätzliche spezielle Kenntnisse, soweit erforderlich, z. B. wenn Sicherheitsda-
tenblätter für Explosivstoffe zu erstellen sind.

21
) bei Luftverkehr zu beachten: spezielle Schulung und Prüfung erforderlich

213
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
Ausgabe: Januar 2008

Technische Regeln
Gefährdungsbeurteilung
für
für Tätigkeiten mit Gefahrstoffen
TRGS 400
Gefahrstoffe

Die Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS) geben den Stand der Technik,
Arbeitsmedizin und Arbeitshygiene sowie sonstige gesicherte wissenschaftliche
Erkenntnisse für Tätigkeiten mit Gefahrstoffen, einschließlich deren Einstufung und
Kennzeichnung, wieder. Sie werden vom
Ausschuss für Gefahrstoffe (AGS)
aufgestellt und von ihm der Entwicklung entsprechend angepasst. Die TRGS werden
vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) im Gemeinsamen Ministeri-
alblatt (GMBl.) bekannt gegeben.

Inhalt

1 Anwendungsbereich
2 Begriffsbestimmungen
3 Grundsätze zur Durchführung der
Gefährdungsbeurteilung
4 Informationsermittlung
5 Gefährdungsbeurteilung bei vorgegebenen
Maßnahmen (standardisierte Arbeitsverfahren)
6 Gefährdungsbeurteilung ohne vorgegebene
Maßnahmen
7 Festlegungen zur Überprüfung der Wirksamkeit
von Schutzmaßnahmen
8 Dokumentation
Anlage 1: Vorschlag für eine Vorgehensweise bei der Gefähr-
dungsbeurteilung für Tätigkeiten mit Gefahrstoffen
Anlage 2: Checkliste zur Anwendung mitgelieferter
Gefährdungsbeurteilungen nach § 7 Abs. 7 GefStoffV

1 Anwendungsbereich
(1) Die TRGS 400 beschreibt Vorgehensweisen zur Informationsermittlung und Ge-
fährdungsbeurteilung nach § 7 GefStoffV. Sie bindet die Vorgaben der Gefahrstoff-
verordnung in den durch das Arbeitsschutzgesetz (§§ 5 und 6 ArbSchG) vorgegebe-
nen Rahmen ein.

215
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 400 Seite 2

(2) Die TRGS 400 ermöglicht auch ein vereinfachtes Vorgehen bei der Ge-
fährdungsbeurteilung, wenn für eine Tätigkeit mit Gefahrstoffen Maßnahmen als
standardisierte Arbeitsverfahren vorgegeben sind. Dies ist der Fall, wenn
1. eine mitgelieferte Gefährdungsbeurteilung des Herstellers oder Inverkehrbringers
nach § 7 Abs. 7 GefStoffV vorliegt,
2. verfahrens- und stoffspezifische Kriterien (VSK) nach TRGS 420 beschrieben sind,
3. stoff- oder tätigkeitsbezogene TRGS aufgestellt wurden, oder
4. branchen- oder tätigkeitsspezifische Hilfestellungen vorliegen, deren Qualität einer
mitgelieferten Gefährdungsbeurteilung entspricht.
(3) Die TRGS 400 wird insbesondere ergänzt durch die
1. TRGS 401 „Gefährdung durch Hautkontakt – Ermittlung, Beurteilung, Maßnah-
men“ und
2. TRGS 4021) „Ermitteln und Beurteilen der Gefährdungen bei Tätigkeiten mit Ge-
fahrstoffen: Inhalative Exposition“.
(4) Die TRGS 400 ist nach § 3 Abs. 5 GefStoffV auch von Unternehmern ohne Be-
schäftigte zu beachten, die Tätigkeiten mit Gefahrstoffen durchführen, um die auf-
grund der Gefahrstoffverordnung notwendigen Maßnahmen zum Schutz Dritter fest-
legen zu können. Darüber hinausgehend wird Unternehmern ohne Beschäftigte
empfohlen, anhand dieser TRGS auch Maßnahmen für die persönliche Sicherheit und
den Schutz der eigenen Gesundheit zu treffen.
(5) Informationsanforderungen für nachgeschaltete Anwender in der Verantwor-
tungskette nach der Verordnung (EG) 1907/2006 (REACH) sind in der TRGS 400 nicht
berücksichtigt.

2 Begriffsbestimmungen
In dieser TRGS sind die Begriffe so verwendet, wie sie im „Begriffsglossar zu den
Regelwerken der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV), Biostoffverordnung
(BioStoffV) und der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV)“2) des ABAS, ABS und AGS
bestimmt sind. Dies gilt insbesondere für die Begriffe: Arbeitsbedingungen, Arbeits-
stoff, Branchen- oder tätigkeitsspezifische Hilfestellungen, chemische Arbeitsstoffe,
Exposition, Fachkundige für die Durchführung der Gefährdungsbeurteilung, Gefähr-
dung, Gefährdungsbeurteilung, Gefahrstoffverzeichnis, Hautkontakt, mitgelieferte
Gefährdungsbeurteilung, physikalisch-chemische Einwirkung, Schutzmaßnahmen,
Wirksamkeit von Schutzmaßnahmen.

3 Grundsätze zur Durchführung der Gefährdungsbeurteilung

3.1 Organisation und Verantwortung


(1) Die Gefährdungsbeurteilung ist die systematische Ermittlung und Bewertung
relevanter Gefährdungen der Beschäftigten mit dem Ziel, erforderliche Maßnahmen

1) Die Verweise in dieser TRGS beziehen sich bereits auf die Neufassung der TRGS 402, die zzt. erarbei-
tet wird.
2) www.baua.de/nn_57220/de/Themen-von-A-Z/Gefahrstoffe/Glossar/Begriffsglossar.pdf

216
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 400 Seite 3

für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit festzulegen. Grundlage ist eine Beurtei-
lung der mit den Tätigkeiten verbundenen inhalativen (durch Einatmen), dermalen
(durch Hautkontakt) und physikalisch-chemischen Gefährdungen (Brand- und Explo-
sionsgefahren) und sonstigen durch Gefahrstoffe bedingten Gefährdungen.
(2) Der Arbeitgeber darf eine Tätigkeit mit Gefahrstoffen erst aufnehmen lassen,
nachdem eine Gefährdungsbeurteilung vorgenommen wurde und die erforderlichen
Schutzmaßnahmen getroffen wurden. Eine systematische Vorgehensweise ist in
Anlage 1 dargestellt.
(3) Die Gefährdungsbeurteilung muss bei maßgeblichen Änderungen der Tätigkeit
erneut durchgeführt werden. Anlässe hierzu können sein:
1. Einführung neuer Gefahrstoffe in Arbeitsbereiche,
2. Änderungen von Tätigkeiten, Arbeitsverfahren oder Schutzmaßnahmen,
3. neue Erkenntnissen zu gefährlichen Stoffeigenschaften (z.B. Kennzeichnung,
Sicherheitsdatenblatt, TRGS 905 „Verzeichnis krebserzeugender, erbgutverän-
dernder oder fortpflanzungsgefährdender Stoffe“, TRGS 906 „Verzeichnis krebs-
erzeugender Tätigkeiten oder Verfahren nach § 3 Abs. 2 Nr. 3 GefStoffV“ und
TRGS 907 „Verzeichnis sensibilisierender Stoffe“),
4. Ergebnisse aus der regelmäßigen Wirksamkeitsüberprüfung von Schutzmaßnah-
men nach Nummer 7,
5. Änderungen der Gefahrstoffverordnung und des Technischen Regelwerkes (z.B.
Festlegung von Arbeitsplatzgrenzwerten in der TRGS 900) und
6. Erkenntnisse aus der arbeitsmedizinischen Vorsorge.
(4) Die Gesamtverantwortung für die Gefährdungsbeurteilung liegt beim Arbeit-
geber.
(5) Der Arbeitgeber kann die Durchführung der Gefährdungsbeurteilung an eine
oder mehrere fachkundige Personen delegieren oder sich fachkundig beraten lassen.
Er muss sicherstellen, dass die für ihn tätig werdenden Personen über die notwendi-
ge Kenntnisse verfügen. Der Arbeitgeber muss alle für die Gefährdungsbeurteilung
erforderlichen Unterlagen und Informationen zur Verfügung stellen.
(6) Fachkundige nach § 7 Abs. 7 GefStoffV für die Durchführung der Gefährdungsbe-
urteilung sind Personen, die aufgrund ihrer fachlichen Ausbildung oder Erfahrung
ausreichende Kenntnisse über Tätigkeiten mit Gefahrstoffen haben und mit den
Vorschriften soweit vertraut sind, dass sie die Arbeitsbedingungen vor Beginn der
Tätigkeit beurteilen und die festgelegten Schutzmaßnahmen bei der Ausführung der
Tätigkeiten bewerten oder überprüfen können. Umfang und Tiefe der notwendigen
Kenntnisse können in Abhängigkeit von der zu beurteilenden Tätigkeit unterschiedlich
sein und müssen nicht in einer Person vereinigt sein. Verfügt der Arbeitgeber nicht
selbst über die entsprechenden Fachkenntnisse, hat er sich durch fachkundige Per-
sonen, wie dem Betriebsarzt und der Fachkraft für Arbeitssicherheit beraten zu las-
sen. Die Gefährdungsbeurteilung bei Tätigkeiten, für die Vorsorgeuntersuchungen
nach Anhang V GefStoffV anzubieten oder zu veranlassen sind, erfordert besondere
arbeitsmedizinische Kenntnisse (z. B. zum Biomonitoring, zum Metabolismus, zur
Wirkung, zur Deposition von Gefahrstoffen) über die der Arbeitgeber in der Regel
nicht verfügt.
(7) Die Durchführung der Gefährdungsbeurteilung für Tätigkeiten mit Gefahrstoffen
verlangt Kenntnisse

217
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 400 Seite 4

1. zu den für die Beurteilung notwendigen Informationsquellen nach Nummer 4.1,


2. zu den verwendeten Gefahrstoffen und ihren gefährlichen Eigenschaften nach
Nummer 4.2,
3. zu den mit den Gefahrstoffen im Betrieb durchgeführten Tätigkeiten,
4. zum Vorgehen bei der Beurteilung inhalativer, dermaler und physikalisch-
chemischer Gefährdungen nach den Nummern 5 und 6,
5. zu Substitution, technischen, organisatorischen und personenbezogenen Schutz-
maßnahmen,
6. zur Überprüfung der Wirksamkeit von Schutzmaßnahmen nach Nummer 7 und
7. zur Dokumentation der Gefährdungsbeurteilung nach Nummer 8.
(8) Besondere Anforderungen an die notwendige Fachkunde und die erforderlichen
Einrichtungen können nach § 9 Abs. 6 GefStoffV für bestimmte Verfahren zur Beurtei-
lung der inhalativen Exposition, insbesondere für Arbeitsplatzmessungen, erforderlich
sein. Diese Anforderungen beschreibt die TRGS 402.
(9) Werden für die Durchführung von Arbeiten in einem Betrieb Fremdfirmen beauf-
tragt und besteht die Möglichkeit einer gegenseitigen Gefährdung durch Tätigkeiten
mit Gefahrstoffen, haben alle Arbeitgeber, Auftraggeber und Auftragnehmer bei der
Durchführung der Gefährdungsbeurteilung zusammenzuwirken und sich abzustim-
men (§ 17 GefStoffV).

3.2 Gleichartige Arbeitsbedingungen


(1) Grundsätzlich muss der Arbeitgeber für alle Tätigkeiten mit Gefahrstoffen eine
eigene Gefährdungsbeurteilung durchführen. Bei gleichartigen Arbeitsbedingungen
reicht die Beurteilung eines Arbeitsplatzes oder einer Tätigkeit aus (§ 5 Abs. 2
ArbSchG).
(2) Gleichartige Arbeitsbedingungen können für räumlich zusammen liegende oder
räumlich getrennte Tätigkeiten (z.B. Probenahmen) ausgewählt werden und ein oder
mehrere Gefahrstoffe abdecken. Andere Gefährdungen, z.B. durch Arbeitsmittel, bio-
logische Arbeitsstoffe oder Lärm, sollten im Sinne des Arbeitschutzgesetzes bei der
Festlegung berücksichtigt werden. Die Tätigkeiten müssen hierzu hinsichtlich der
Gefährdungen, Expositionsbedingungen, Arbeitsabläufe, Verfahren und Umgebungs-
bedingungen vergleichbar sein.
(3) Tätigkeiten, bei denen die Gefährdung durch besonders gefährliche Eigenschaf-
ten oder eine hohe Exposition maßgeblich bestimmt wird, sollten nicht pauschal,
sondern stets im Einzelfall beurteilt werden. Dies gilt auch für nicht regelmäßig
durchgeführte Tätigkeiten, wie z.B. bei Wartung oder Instandhaltung.
(4) Die für die Gefährdungsbeurteilung als gleichartige Arbeitsbedingungen ausge-
wählten Tätigkeiten müssen aus der Dokumentation nach Nummer 8 ersichtlich sein.

218
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 400 Seite 5

4 Informationsermittlung
4.1 Informationsquellen
(1) Der Arbeitgeber hat zunächst zu ermitteln, ob Beschäftigte Tätigkeiten mit Ge-
fahrstoffen durchführen oder ob Gefahrstoffe, bei diesen Tätigkeiten entstehen oder
freigesetzt werden. Hierzu müssen Informationen beschafft werden
1. über die verwendeten chemischen Arbeitsstoffe,
2. über die Tätigkeiten,
3. zu den Möglichkeiten einer Substitution (ausgenommen bei Tätigkeiten mit gerin-
ger Gefährdung),
4. über mögliche und vorhandene Schutzmaßnahmen und deren Wirksamkeit und
5. zu Schlussfolgerungen aus durchgeführten arbeitsmedizinischen Vorsorgeunter-
suchungen.
(2) Die wichtigsten Informationsquellen für die Gefährdungsbeurteilung bei Tätig-
keiten mit Gefahrstoffen sind das Etikett mit der Kennzeichnung der gefährlichen
Stoffe und Zubereitungen, das Sicherheitsdatenblatt und eine möglicherweise mitge-
lieferte Gefährdungsbeurteilung.
(3) Das Sicherheitsdatenblatt enthält u.a. Angaben zu:
1. Bezeichnung des Gefahrstoffes, Hersteller bzw. Inverkehrbringer,
2. gefährliche Bestandteile von Zubereitungen,
3. Einstufung: gefährliche Eigenschaften und R-Sätze (Abschnitt „Mögliche Gefah-
ren“),
4. Erste-Hilfe-Maßnahmen und Brandbekämpfung,
5. Maßnahmen bei unbeabsichtigter Freisetzung,
6. Maßnahmen für Handhabung und Lagerung,
7. Arbeitsplatzgrenzwerten nach TRGS 900, Biologischen Grenzwerten nach TRGS
903 (Abschnitt „Expositionsbegrenzung und persönliche Schutzausrüstungen“),
8. Begrenzung und Überwachung der Exposition, z.B. Hinweise auf TRGS bzw.
stoff- oder tätigkeitsspezifische Hilfestellungen,
9. Art und Qualität notwendiger persönlicher Schutzausrüstungen,
10. physikalische und chemische Eigenschaften,
11. Toxikologische Angaben, u.a. Hinweise auf noch nicht geprüfte gefährliche
Eigenschaften und
12. Kennzeichnung nach EG-Recht und einschlägige Schutzvorschriften, u.a.
TRGS 905 (Abschnitt „Vorschriften“).
Auf die Bekanntmachung zu Gefahrstoffen 220 „Sicherheitsdatenblatt“ wird hinge-
wiesen.
(4) Das Sicherheitsdatenblatt ist auf offensichtlich unvollständige oder fehlerhafte
Angaben zu überprüfen, insbesondere in den Abschnitten „mögliche Gefahren“
„Handhabung und Lagerung“, „Expositionsbegrenzung und persönliche Schutzaus-
rüstungen“ sowie „Vorschriften“. Erforderlichenfalls müssen beim Inverkehrbringer
fehlende Informationen angefordert und von diesem geliefert werden. Sicherheitsda-
tenblätter werden nur während eines Jahres nach der letztmaligen Lieferung des
Produkts und nur im Fall einer gefährdungsrelevanten Änderung vom Lieferanten
automatisch nachgeliefert. Zur Gefährdungsbeurteilung ist eine aktuelle Fassung zu

219
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 400 Seite 6

verwenden. Erhält der Arbeitgeber die erforderlichen Informationen nicht, muss er


sich diese Informationen selbst beschaffen oder die Gefährdungen, zu denen keine
Informationen vorhanden sind, als vorhanden unterstellen und die entsprechenden
Maßnahmen festlegen. Alternativ wird empfohlen, Produkte zu verwenden, für die der
Hersteller vollständige Informationen liefert.
(5) Bei nicht mit Gefahrensymbolen gekennzeichneten Zubereitungen, die auf dem
Etikett den Hinweis „Sicherheitsdatenblatt auf Anfrage für berufsmäßige Verwender
erhältlich“ enthalten, muss eine Beschaffung der Informationen veranlasst werden.
Auch für Stoffe und Zubereitungen, für die aufgrund der gesetzlichen Vorgaben kein
Sicherheitsdatenblatt mitgeliefert werden muss, können vom Inverkehrbringer die
unter Absatz 3 aufgeführten Informationen verlangt werden, wenn sie für die Gefähr-
dungsbeurteilung erforderlich sind.
(6) Für den Arbeitgeber ohne weiteres zugängliche Informationen sind:
1. Technische Regeln für Gefahrstoffe (Übersicht unter www.baua.de),
2. Angaben auf der Verpackung, Gebrauchsanweisungen, Technische Merkblätter,
die aus Melde-, Risikobewertungs- oder Zulassungsverfahren gewonnene Er-
kenntnisse beschreiben,
3. branchen- oder tätigkeitsspezifische Hilfestellungen (z.B. Regeln und Informatio-
nen der Unfallversicherungsträger, Handlungsanleitungen zur guten Arbeitspraxis,
Schutzleitfäden),
4. branchenbezogene Gefahrstoff- und Produktbewertungen der Unfallversiche-
rungsträger (z.B. GISBAU Gefahrstoffinformationssystem der Berufsgenossen-
schaft der Bauwirtschaft, GisChem Gefahrstoffinformationssystem der Berufsge-
nossenschaft der chemischen Industrie),
5. Stoffinformationen der Bundesländer und der Unfallversicherungsträger (z.B.
Gefahrstoffdatenbank der Länder (GDL), BGIA-Stoffdatenbank (GESTIS), Informa-
tionssystem für gefährliche Stoffe (IGS) des Landes Nordrhein-Westfalen,
6. Einfaches Maßnahmenkonzept Gefahrstoffe (EMKG) der Bundesanstalt für Ar-
beitsschutz und Arbeitsmedizin.

4.2 Gefahrstoffe
(1) Die Kriterien, ob ein chemischer Arbeitsstoff als Gefahrstoff zu behandeln ist,
sind unter § 3 Abs. 3 der Gefahrstoffverordnung beschrieben. Die nachfolgenden
Absätze erläutern diese Begriffsbestimmung.
(2) Vom Hersteller oder Inverkehrbringer als gefährlich eingestufte und gekenn-
zeichnete Stoffe und Zubereitungen sind Gefahrstoffe. Hierzu gehören auch chemi-
sche Stoffe und Zubereitungen, die nicht mit Gefahrensymbolen gekennzeichnet
sind, aber einen oder mehren Gefährlichkeitsmerkmalen nach § 4 GefStoffV zugeord-
net werden können, z.B. mit dem R-Satz 10 gekennzeichnete entzündliche Stoffe und
Zubereitungen.
(3) Selbst hergestellte Stoffe, Zubereitungen oder Zwischenprodukte muss der
Arbeitgeber mit Hilfe der TRGS 200 selbst einstufen.
(4) Kosmetische Mittel, Lebensmittel und -zusatzstoffe, Futtermittel und -zusatz-
stoffe, Arzneimittel, Medizinprodukte, Tabakerzeugnisse, Abfälle zur Beseitigung und
Altöle sowie Abwässer sind in der Regel nicht als gefährliche Stoffe oder Zubereitun-

220
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 400 Seite 7

gen gekennzeichnet, aber trotzdem Gefahrstoffe, wenn sie gefährliche Eigenschaften


im Sinne der Gefahrstoffverordnung haben. Zu den Gefahrstoffen gehören auch
Bestandteile von Pflanzen und Tieren, wenn sie gefährliche Eigenschaften aufweisen
(z.B. sensibilisierend nach TRGS 907).
(5) Gefahrstoffe sind auch alle Stoffe mit Arbeitsplatzgrenzwerten (TRGS 900) oder
Biologischen Grenzwerten (TRGS 903).
(6) Zu den Gefahrstoffen zählen auch nicht als gefährlich eingestufte chemische
Arbeitsstoffe, die zu Gefährdungen für die Sicherheit und Gesundheit von Beschäftig-
ten bei der Arbeit führen können, z.B. durch
1. Hautkontakt (s. TRGS 401),
2. Bildung einer gefährlichen explosionsfähigen Atmosphäre, z.B. durch aufgewirbel-
te brennbare Stäube,
3. tiefkalte oder heiße Flüssigkeiten, Dämpfe und Gase oder
4. erstickende oder narkotisierende Gase.
(7) Im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung sind Stoffe wie Gefahrstoffe zu behan-
deln, wenn grundlegende Prüfungen oder Bewertungen von gefährlichen Eigenschaf-
ten nicht oder nur teilweise vorliegen:
1. Prüfung auf akute Toxizität,
2. Prüfung auf Hautreizung, Schleimhautreizung,
3. Prüfung auf erbgutveränderndes Potenzial,
4. Prüfung auf Hautsensibilisierung und
5. Bewertung der Toxizität bei wiederholter Applikation (Prüfung oder qualifizierte
Bewertung).
Ob die Prüfungen oder Bewertungen durchgeführt wurden, kann anhand des Sicher-
heitsdatenblattes (Abschnitt „Toxikologische Angaben“) festgestellt werden oder
muss anderweitig, insbesondere durch Nachfrage beim Lieferanten ermittelt werden.
(8) Können die Informationen nach Absatz 7 nicht ermittelt werden, so sind für diese
Stoffe bei der Gefährdungsbeurteilung mindestens die Schutzmaßnahmen aufgrund
der Eigenschaft
1. gesundheitsgefährlich (R20, 21 oder 22),
2. hautreizend (R38),
3. Verdacht auf Erbgutveränderung (R68) und
4. hautsensibilisierend (R43)
festzulegen. Dies gilt auch für Zubereitungen, wenn das Sicherheitsdatenblatt keine
qualifizierten Aussagen zu den gefährlichen Eigenschaften macht (s. Bekanntma-
chung 220 „Sicherheitsdatenblatt“ Nummer 6.11 Abs. 9).
(9) Neue Stoffe, die in wissenschaftlichen Laboratorien oder für wissenschaftliche
sowie produkt- und verfahrensorientierte Forschung und Entwicklung (nach Artikel 3
Nr. 22 der Verordnung (EG) 1907/2006) verwendet werden, sind über die Vorgaben
des Absatz 8 hinaus in der Gefährdungsbeurteilung wie giftige Gefahrstoffe zu be-
handeln, wenn keine Erkenntnisse zu den gefährlichen Eigenschaften vorliegen.
(10) Gefahrstoffe können auch bei Tätigkeiten freigesetzte Stäube (einschließlich
Rauche), Gase, Dämpfe oder Nebel sein, die z.B. durch Wechselwirkungen mit Ar-

221
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 400 Seite 8

beitsmitteln (TRBS 2210) oder durch Stör- und Unfälle entstehen. Beispiele für das
Freisetzen oder Entstehen von Gefahrstoffen sind:
1. aus einer Schweißelektrode entstehende Schweißrauche,
2. beim Schleifen freigesetzter Holzstaub,
3. aus Reinigern freigesetzte Lösemittel,
4. beim Bohren in Betondecken entstehende silikogene Stäube,
5. Sanierungsarbeiten in kontaminierten Bereichen,
6. bei Tätigkeiten entstehende Pyrolyseprodukte,
7. die spanabhebende Metallbearbeitung mit Kühlschmierstoffen.
(11) Liegen für Gefahrstoffe nach Absatz 10 keine oder nur unvollständige Informati-
onen über die gefährlichen Eigenschaften vor, so hat der Arbeitgeber die Inhaltsstoffe
und deren gefährliche Eigenschaften zumindest mit Hilfe folgender Informationsquel-
len zu ermitteln:
1. Liste der gefährlichen Stoffe, die nach Anhang I der Richtlinie 67/548/EWG als
gefährlich eingestuft sind („Legaleinstufungen“),
2. TRGS 905 „Verzeichnis krebserzeugender, erbgutverändernder oder fortpflan-
zungsgefährdender Stoffe“,
3. TRGS 906 „Verzeichnis krebserzeugender Tätigkeiten oder Verfahren nach § 3
Abs. 2 Nr. 3 GefStoffV“,
4. TRGS 907 „Verzeichnis sensibilisierender Stoffe“,
5. TRGS 900 „Arbeitsplatzgrenzwerte“,
6. TRGS 903 „Biologische Grenzwerte“ und
7. Quellen mit neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen, z.B. die aktuelle Liste der
Senatskommission der DFG zur Bewertung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe
(„MAK-Liste“).
Darüber hinaus sollten auch die Informationsquellen nach Nummer 4.1 Abs. 6 zur
Bewertung herangezogen werden. Oft kann auch der Hersteller oder Lieferant von
chemischen Produkten oder Arbeitsmitteln im Rahmen seiner Kundenbetreuung
Unterstützung leisten.
(12) Können für die bei Tätigkeiten freigesetzten Stäube (einschließlich Rauche),
Gase, Dämpfe oder Nebel keine ausreichenden Informationen ermittelt werden, so
sollten mindestens die gefährlichen Eigenschaften nach Absatz 8 für die Gefähr-
dungsbeurteilung als vorhanden unterstellt werden.
(13) Sind Dritte an Entscheidungen um die Auswahl und den Einsatz von Arbeitsstof-
fen beteiligt, sollten sie an der Informationsermittlung mitwirken. Dies gilt u.a. für
1. den Einsatz von Bau-Produkten: Architekten, Bauherren und Planer,
2. vorgeschriebene Wartungen im Kfz-Bereich: Automobilhersteller,
3. die Sanierung von kontaminierten Bereichen: Auftraggeber,
4. den Einsatz von Desinfektionsmitteln: Auftraggeber, Gesundheitsbehörden.
Die Mitwirkung entbindet den Arbeitgeber nicht von seiner Verantwortung für die
Gefährdungsbeurteilung.
(14) Neben der Einstufung können für die Gefährdungsbeurteilung folgende stoffbe-
zogenen Informationen relevant sein:
1. das Freisetzungsvermögen des Gefahrstoffes (Staubungsverhalten, Dampfdruck),

222
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 400 Seite 9

2. die hautresorptiven Eigenschaften von Gefahrstoffen (TRGS 900, TRGS 401,


„MAK-Liste“),
3. neue gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse zu gefährlichen Eigenschaften
eines Gefahrstoffes, die noch nicht zu einer Änderung der Einstufung im Anhang I
der Richtlinie 67/548/EWG geführt haben,
4. Hinweise, dass toxikologische oder arbeitsmedizinische Kenntnisse zu wesentli-
chen gefährlichen Eigenschaften für einen Gefahrstoff fehlen („Datenlücken“),
5. Eigenschaften des Gefahrstoffes, die zu einer Gefährdung der Sicherheit und
Gesundheit von Beschäftigten bei der Arbeit führen können, aber nicht zu einer
Einstufung (z.B. Wirkung als Katalysator für die Brandentstehung),
6. belästigende Eigenschaften, die bei der Maßnahmenfestlegung zu berücksichtigen
sind, z.B. starke Geruchsbildung,
7. bestehende Kontaminationen, z.B. Informationen des Bauherrn oder des Auftrag-
gebers im Falle bei Sanierung von Grundstücken oder Gebäuden,
8. Informationen über physikalisch-chemische bzw. sicherheitstechnische Kenngrö-
ßen, z.B. Explosionsgrenzen, Flammpunkt, Zündtemperatur, maximaler Explosi-
onsdruck, Druckanstiegsgeschwindigkeit, Abbrandgeschwindigkeit, selbstbe-
schleunigende Zersetzungstemperatur (SADT Self Accelerating Decomposition
Temperature), Thermische Stabilität (Tonset) Zersetzungstemperatur, Selbstentzün-
dungstemperatur, Korngrößenverteilung.

4.3 Tätigkeiten
(1) Bei den Tätigkeiten sind alle Arbeitsvorgänge und Betriebszustände zu berück-
sichtigen, insbesondere auch An- und Abfahrvorgänge von Prozessen, Reinigungs-,
Wartungs-, Instandsetzungs-, Aufräum- und Abbrucharbeiten, Lagerung, Beförde-
rung, Entsorgung sowie mögliche Betriebsstörungen. Bedien- und Überwachungstä-
tigkeiten sind ebenfalls zu berücksichtigen, sofern sie zu einer Gefährdung von Be-
schäftigten durch Gefahrstoffe bei der Arbeit führen können.
(2) Folgende Informationen sind zu berücksichtigen:
1. Erkenntnisse aus der Begehung des Arbeitsplatzes und aus der Anhörung der
Beschäftigten bzw. des Betriebs- oder Personalrates,
2. den angewendeten Verfahren, Arbeitsmitteln und Arbeitstechniken,
3. Menge der am Arbeitsplatz gelagerten oder verwendeten Gefahrstoffe,
4. Art, Ausmaß, Dauer und Verlauf der Exposition gegenüber Gefahrstoffen durch
Einatmen oder Hautkontakt, ggf. auch zur unbewussten oralen Aufnahme bei
mangelnder Hygiene,
5. vorhandenen Schutzmaßnahmen, z.B. technische Schutzeinrichtungen wie Kap-
selung, Quellenabsaugung, Lüftungseinrichtungen, organisatorische Schutzmaß-
nahmen, persönliche Schutzausrüstung wie Atemschutz, Chemikalienschutzhand-
schuhe, Schutzbrille und
6. möglichen Störungen des Betriebsablaufes, die zu erhöhten Expositionen gegen-
über Gefahrstoffen führen können.
(3) Darüber hinaus können weitere Informationen erforderlich sein:
1. Arbeitsumfeld und -bedingungen, z.B. Raumgröße, Lüftungsverhältnisse, Tempe-
ratur, Luftfeuchtigkeit, Lärm, schwere körperliche Arbeit, belastende persönliche
Schutzausrüstung,

223
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 400 Seite 10

2. Gefahrstoffquellen in der Umgebung mit Zeitpunkt und Dauer einer möglichen


Freisetzung (im Arbeitsbereich oder von angrenzenden Anlagen),
3. Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Gefahrstoffen, die zu Brand- und Explosi-
onsgefahren führen können (TRGS 720, TRGS 721) und
4. Wahrscheinlichkeit des Vorhandenseins oder der Entstehung und des Wirksam-
werdens von Zündquellen einschließlich elektrostatischer Entladungen.
(4) Treten bei Tätigkeiten mehrere Gefahrstoffe gleichzeitig auf, so sind anhand der
Informationsquellen nach Nummer 4.1 bekannte Wechsel- oder Kombinationswirkun-
gen mit Einfluss auf die Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten bei der Arbeit in
der Gefährdungsbeurteilung zu berücksichtigen. Beispiele für bekannte Wechsel- und
Kombinationswirkungen sind z.B.:
1. Lösemittelgemische, die zu Erkrankungen des Nervensystems (Polyneuropathien,
Enzephalopathien) führen können,
2. Asbest und Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) bzw. Rauchen
(Verstärkung der krebserzeugenden Wirkung) oder
3. Stoffe, z.B. bestimmte Lösemittel, die die Aufnahme anderer Gefahrstoffe über die
Haut erhöhen (Carriereffekt).
Wechsel- und Kombinationswirkungen können auch physikalisch-chemische Gefähr-
dungen betreffen (s. Nummer 6.5)

4.4 Informationen über Substitutionsmöglichkeiten


Der Arbeitgeber muss ermitteln, ob Stoffe oder Verfahren mit einer geringeren ge-
sundheitlichen Gefährdung als die von ihm in Aussicht genommenen verfügbar sind
(s. Nummer 6 und TRGS 600 „Substitution“3).

4.5 Informationen über Schutzmaßnahmen und deren Wirksamkeit


Informationen zu möglichen Schutzmaßnahmen und Erkenntnisse aus der Überprü-
fung der Wirksamkeit bereits vorhandener Schutzmaßnahmen sind bei der Gefähr-
dungsbeurteilung zu berücksichtigen. Sie können gewonnen werden aus:
1. Arbeitsplatzmessungen oder anderen Methoden zur Wirksamkeitsprüfung nach
Nummer 7 (innerbetrieblich durchgeführt oder veröffentlichte Beispiele vergleich-
barer Arbeitsplätze ) oder
2. Aufzeichnungen über Unfälle, Störungen des Betriebsablaufes und „Beinahe-
Unfälle“ (innerbetrieblich oder aus einschlägigen Veröffentlichungen).
Nähere Hinweise enthalten die TRGS 401, 402 und 500.

4.6 Schlussfolgerungen aus durchgeführten arbeitsmedizinischen Vorsorge-


untersuchungen
(1) Der Arbeitgeber hat bei Tätigkeiten, für die Vorsorgeuntersuchungen nach An-
hang V GefStoffV anzubieten oder zu veranlassen sind, den untersuchenden Arzt an
der Gefährdungsbeurteilung zu beteiligen. Dies ist erforderlich, da der Arbeitgeber
aufgrund der ärztlichen Schweigepflicht nicht über die Erkenntnisse und in der Regel

3) Wird zzt. erarbeitet.

224
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 400 Seite 11

auch nicht über das Fachwissen verfügt, Schlussfolgerungen aus arbeitsmedizini-


schen Vorsorgeuntersuchungen zu ziehen4).

4.7 Gefahrstoffverzeichnis
(1) Über die ermittelten Gefahrstoffe ist ein Verzeichnis zu führen. Es soll einen
Überblick über die im Betrieb verwendeten Gefahrstoffe geben und muss auf die zu-
gehörigen Sicherheitsdatenblätter verweisen. Gefahrstoffe, die nur zu einer geringen
Gefährdung nach Nummer 6.2 führen, brauchen nicht in das Gefahrstoffverzeichnis
aufgenommen werden.
(2) Das Verzeichnis ist auf dem aktuellen Stand zu halten und mit dem Verweis auf
die Sicherheitsdatenblätter allen betroffenen Beschäftigten und ihren Vertretern
zugänglich zu machen. Es empfiehlt sich, das Verzeichnis nach der betriebsspezifi-
schen Organisationsstruktur aufzugliedern. Das Gefahrstoffverzeichnis kann in Pa-
pierform oder elektronisch geführt werden.
(3) Bei Vorliegen eines Sicherheitsdatenblattes sind im Gefahrstoffverzeichnis fol-
gende Angaben ausreichend:
1. Bezeichnung des Gefahrstoffes (z.B. Produkt- oder Handelsname aus dem Si-
cherheitsdatenblatt) und
2. Hinweis auf den Aufbewahrungsort des Sicherheitsdatenblattes.
Dies gilt auch für nicht kennzeichnungspflichtige Gefahrstoffe nach Nummer 4.2
Abs. 4, wenn Informationen zu Gefährdung und Schutzmaßnahmen in Umfang und
Qualität eines Sicherheitsdatenblattes vorliegen. Die Informationen sollten in die
Sammlung der Sicherheitsdatenblätter aufgenommen werden.
(4) Für Gefahrstoffe ohne Sicherheitsdatenblatt oder vergleichbare Informationen
wird empfohlen, folgende Angaben aufzunehmen:
1. Bezeichnung des Gefahrstoffes und
2. Angabe der gefährlichen Eigenschaften von relevanten Inhaltsstoffen (Gesund-
heitsgefährdung unter besonderer Berücksichtigung krebserzeugender, erbgut-
verändernder und fortpflanzungsgefährdender Eigenschaften (TRGS 905, TRGS
906) sowie Brand- und Explosionsgefahren).
(5) Die Mindestangaben im Gefahrstoffverzeichnis reichen in der Regel für eine
Gefährdungsbeurteilung nicht aus. Es wird daher empfohlen, dieses um dafür not-
wendige Informationen zu erweitern, z.B.
1. verwendete chemische Arbeitsstoffe (unabhängig von der Bewertung als Gefahr-
stoff),
2. Einstufung (gefährliche Eigenschaften, R-Sätze),
3. Arbeitsplatzgrenzwerte (AGW),
4. betroffene Arbeitsplätze, -bereiche oder Tätigkeiten,
5. Angaben zu Gefahrstoffmengen.
Das Gefahrstoffverzeichnis kann als Bestandteil der Dokumentation nach Nummer 8
dienen.

4) Eine Technische Regel „Arbeitsmedizinische Vorsorge“, die diese Vorgaben weiter konkretisiert wird
zzt. erarbeitet.

225
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 400 Seite 12

5 Gefährdungsbeurteilung bei vorgegebenen Maßnahmen


(standardisierte Arbeitsverfahren)

5.1 Grundsätze
(1) Die Gefährdungsbeurteilung vereinfacht sich, wenn
1. eine mitgelieferte Gefährdungsbeurteilung des Herstellers oder Inverkehrbringers
vorliegt,
2. eine stoff- oder tätigkeitsspezifische TRGS bekanntgemacht ist, insbesondere
verfahrens- und stoffspezifische Kriterien (VSK) nach TRGS 420 und
3. die konkreten Maßnahmen oder Verfahren einer branchen- oder tätigkeitsspezifi-
schen Hilfestellung nach Nummer 5.4 zu entnehmen sind.
Diese Vorgaben werden als standardisierte Arbeitsverfahren bezeichnet und müssen
unmittelbar auf die zu beurteilende Tätigkeit übertragbar sein.
(2) Im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung ist zu prüfen, ob die standardisierten
Arbeitsverfahren bei der zu beurteilenden Tätigkeit mit Gefahrstoffen bereits ange-
wendet werden. Ansonsten müssen die fehlenden Maßnahmen nach dem standardi-
sierten Arbeitsverfahren vor Aufnahme der Tätigkeit festgelegt und umgesetzt wer-
den.
(3) Die Anwendung der Gefährdungsbeurteilung bei standardisierten Arbeitsverfah-
ren entbindet nicht
1. vom Führen des Gefahrstoffverzeichnisses und der Dokumentation der Gefähr-
dungsbeurteilung,
2. von der Erstellung einer Betriebsanweisung, der Unterweisung und der arbeitsme-
dizinisch-toxikologischen Beratung,
3. von den erforderlichen Vorkehrungen für Unfälle, Stör- und Notfälle,
4. von Maßnahmen der arbeitsmedizinischen Vorsorge und
5. von der Festlegung und Durchführung einer Wirksamkeitsprüfung nach Num-
mer 7.
Ausnahmen gelten für Tätigkeiten geringer Gefährdung nach Nummer 6.2.

5.2 Mitgelieferte Gefährdungsbeurteilung


(1) Nach § 7 Abs. 7 GefStoffV kann der Arbeitgeber mitgelieferte Gefährdungsbeur-
teilungen des Herstellers oder Inverkehrbringers übernehmen. Anlage 2 enthält eine
Checkliste zur Anwendung mitgelieferter Gefährdungsbeurteilungen.
(2) Für eine mitgelieferte Gefährdungsbeurteilung nach der Gefahrstoffverordnung
gelten folgende Rahmenbedingungen:
1. sie bezieht sich auf eine vom Hersteller oder Inverkehrbringer beschriebene Ver-
wendung,

226
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 400 Seite 13

2. sie ist, auch in Art und Umfang, eine freiwillige Leistung des Herstellers oder
Inverkehrbringers,
3. sie enthält Hinweise auf Informationen nach Nummer 4, die der Arbeitgeber für die
Gefährdungsbeurteilung noch eigenständig zu ermitteln hat und
4. sie enthält neben der Beschreibung der Verwendung mindestens Aussagen zu der
Nummer 2 Buchstabe a bis e der Anlage 2 unter Angabe der angenommenen An-
wendungsbedingungen und der zugehörigen, konkreten Schutzmaßnahmen.
Hierbei kann auf branchen- und tätigkeitsspezifische Hilfestellungen verwiesen
werden.
(3) Ein Sicherheitsdatenblatt kann als mitgelieferte Gefährdungsbeurteilung verwen-
det werden, wenn die Angaben den Vorgaben dieser Nummer 5.2 und der Anlage 2
entsprechen. Dies gilt auch für ein einschlägiges Expositionsszenario auf Grundlage
einer Stoffsicherheitsbeurteilung nach Artikel 14 oder 37 der Verordnung (EG)
1907/2006 (REACH) vom Hersteller oder Importeur eines chemischen Stoffes oder
einer Zubereitung, das z.B. als Anhang zum Sicherheitsdatenblatt vorliegt. Die Anfor-
derung ist auch erfüllt, wenn im Sicherheitsdatenblatt unter Angabe der Fundstelle
Maßnahmen aus stoff- oder tätigkeitsbezogenen TRGS nach Nummer 5.3 oder aus
branchen- oder tätigkeitsspezifischen Hilfestellungen nach Nummer 5.4 empfohlen
sind. Bei der Verwendung von zugelassenen Biozid-Produkten und Pflanzenschutz-
mitteln sind außerdem zusätzliche Herstellerangaben (Kennzeichnung, Gebrauchs-
anweisung) zu berücksichtigen.
(4) Übernimmt der Arbeitgeber eine mitgelieferte Gefährdungsbeurteilung, so hat er
1. zu prüfen, ob er seine Tätigkeit entsprechend den vom Hersteller oder Inver-
kehrbringer gemachten Angaben und Festlegungen durchführt und
2. zur Vervollständigung seiner Gefährdungsbeurteilung ggf. weitere ihm vorliegende
Informationen zu berücksichtigen (z.B. Ergebnisse aus arbeitsmedizinischen Vor-
sorgeuntersuchungen, eingesetzte Produktmenge, Wirksamkeit der getroffenen
Schutzmaßnahmen). Hierbei sind die Vorgaben zur Informationsermittlung nach
Nummer 4 zu beachten (s. auch Anlage 2).
(5) Bei Anwendung einer mitgelieferten Gefährdungsbeurteilung bleibt der Arbeitge-
ber in jedem Fall verantwortlich für die Gefährdungsbeurteilung der jeweiligen Tätig-
keit.

5.3 Anwendung einer stoff- oder tätigkeitsbezogenen TRGS


(1) Werden stoff- und tätigkeitsbezogene Vorgaben einer TRGS zu Gefährdungsbe-
urteilung und Schutzmaßnahmen angewendet, so kann der Arbeitgeber in diesen
Punkten von einer Einhaltung der Vorgaben der Gefahrstoffverordnung ausgehen.
(2) Sind für eine Tätigkeit mit Gefahrstoffen in einer TRGS verfahrens- und stoff-
spezifische Kriterien (VSK) auf Grundlage der TRGS 420 bekannt gemacht, so kann
der Arbeitgeber die dort beschrieben Maßnahmen ohne weitere Prüfung unmittelbar
übernehmen. Zur Überprüfung der Wirksamkeit der getroffenen Maßnahmen sind die
Vorgaben der VSK anzuwenden, Gefahrstoffmessungen zur Wirksamkeitsprüfung
nach Nummer 7 sind nicht erforderlich.
(3) Wird von den Vorgaben einer TRGS abgewichen, so ist dies in der Gefähr-
dungsbeurteilung zu begründen und zu dokumentieren. Die vorgenommenen Maß-

227
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 400 Seite 14

nahmen müssen in vergleichbarer Weise den Schutz und die Sicherheit der Beschäf-
tigten gewährleisten.
(4) Für eine Reihe von chemischen Stoffen oder Stoffgruppen mit gefährlichen
physikalisch-chemischen Eigenschaften (z.B. Explosivstoffe, organische Peroxide,
brandfördernde Stoffe, Ammoniumnitrat, Gase allgemein, Sauerstoff), sowie für be-
stimmte Gefährdungsbereiche (z.B. gefährliche explosionsfähige Atmosphäre), gibt
es detaillierte Vorgaben zu Schutzmaßnahmen in anderen Regelwerken, insbesonde-
re in den Technischen Regeln für Betriebssicherheit (TRBS) sowie in den Vorschriften
des Sprengstoffrechtes.

5.4 Branchen- oder tätigkeitsspezifische Hilfestellungen


(1) Branchen- oder tätigkeitsspezifische Hilfestellungen können für die Beurteilung
von Gefährdungen bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen herangezogen werden. Sie
müssen aktuell sein, d.h. sich auf die geltende Fassung des Arbeitsschutzgesetzes
und der Gefahrstoffverordnung beziehen.
(2) Branchen- oder tätigkeitsspezifische Hilfestellungen können wie eine mitgeliefer-
te Gefährdungsbeurteilung des Herstellers oder Inverkehrbringers nach § 7 Abs. 7
GefStoffV angewendet werden, wenn sie den unter Nummer 5.2 und in der Anlage 2
beschriebenen Vorgaben entsprechen.

6 Gefährdungsbeurteilung ohne vorgegebene Maßnahmen

6.1 Vorgehen
(1) Sind für eine Tätigkeit mit Gefahrstoffen keine Maßnahmen als standardisierte
Arbeitsverfahren nach Nummer 5 vorgegeben oder sind diese nicht anwendbar, so
müssen sie im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung abgeleitet und festgelegt wer-
den. Grundlage ist die Beurteilung der mit den Tätigkeiten verbundenen inhalativen
(Einatmen), dermalen (Hautkontakt) und physikalisch-chemischen (Brand- und Explo-
sionsgefahren) und sonstigen durch den Gefahrstoff bedingten Gefährdungen.
(2) Bei der Beurteilung der Gefährdung sind auch Gefährdungen durch das Ver-
schlucken von Gefahrstoffen (orale Aufnahme) zu berücksichtigen, wenn diese Mög-
lichkeit bei der zu beurteilenden Tätigkeit nicht ausgeschlossen werden kann. Dies ist
z.B. der Fall, wenn mit Schutzhandschuhen gearbeitet und mit diesen unbewusst in
das Gesicht gegriffen wird. Zu berücksichtigen ist auch eine mögliche Kontamination
von Pausenverpflegung und verwendeten Arbeitsmitteln durch unzureichende Hygie-
ne.
(3) Die Beurteilung der Gefährdungen erfolgt mit Hilfe der unter Nummer 4 ermittel-
ten Informationen. Sie ist Grundlage für die Festlegung von Schutzmaßnahmen, die
die Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten bei allen Tätigkeiten mit Gefahrstof-
fen gewährleisten müssen.
(4) Die Beurteilung muss so durchgeführt und dokumentiert werden, dass die auf
ihrer Grundlage getroffenen Entscheidungen nachvollziehbar sind.

228
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 400 Seite 15

6.2 Tätigkeiten mit geringer Gefährdung


(1) Tätigkeiten mit geringer Gefährdung sind Tätigkeiten, bei denen aufgrund der
Arbeitsbedingungen, einer nur geringen verwendeten Stoffmenge und einer nach
Höhe und Dauer niedrigen Exposition Maßnahmen nach § 8 GefStoffV zum Schutz
der Beschäftigen ausreichen. Sind für Tätigkeiten weitergehende Maßnahmen nach
den §§ 9 bis 12 GefStoffV notwendig, so liegen keine Tätigkeiten mit geringer Ge-
fährdung vor.
(2) Für eine Tätigkeit geringer Gefährdung im Sinne von § 7 Gefahrstoffverordnung
müssen die folgenden Bedingungen erfüllt sein:
1. Der verwendete Gefahrstoff ist nicht als giftig, sehr giftig, bzw. krebserzeugend,
erbgutverändernd oder fruchtbarkeitsgefährdend (Kategorie 1 oder 2) eingestuft.
Hierbei sind die TRGS 905 und die TRGS 906 zu beachten.
2. Die bei der Tätigkeit verwendete Stoffmenge muss gering sein. Ein eindeutiger
Maßstab für „geringe Menge“ lässt sich allgemein nicht angeben, da hierzu auch
die gefährlichen Stoffeigenschaften, das Freisetzungsvermögen des Gefahrstoffes
und die konkrete Tätigkeit zu berücksichtigen sind. Dabei muss die Exposition
nach Höhe und Dauer niedrig sein. Hierbei sind inhalative und dermale Anteile zu
berücksichtigen. So liegt z.B. bei Feststoffen eine niedrige inhalative Exposition im
Regelfall bei emissionsarmen Verwendungsformen wie Pasten, Wachse, Granula-
te, Pellets, Masterbatches vor.
(3) Tätigkeiten mit Gefahrstoffen in engen Räumen und Behältern sind grundsätzlich
keine Tätigkeiten mit geringer Gefährdung.
(4) Die Beurteilung, ob hinsichtlich einer dermalen Exposition die Bedingungen für
Tätigkeiten geringer Gefährdung erfüllt sind, kann mit Hilfe der TRGS 401 erfolgen.
Aufgrund dieser Vorgaben kann bei Gefahrstoffen, die das Symbol „ätzend“ (R34,
R35) tragen, eine Tätigkeit geringer Gefährdung nicht vorliegen, wenn ein Hautkon-
takt nicht ausgeschlossen werden kann.
(5) Beispiele für Tätigkeiten geringer Gefährdung sind:
1. Verwendung von Gefahrstoffen, die für den privaten Endverbraucher im Einzel-
handel in Selbstbedienung erhältlich sind („Haushaltsprodukte“), wenn sie unter
für Haushalte üblichen Bedingungen (geringe Menge und kurze Expositionsdauer)
verwendet werden,
2. Ausbesserung kleiner Lackschäden mit Lackstiften oder
3. Verwendung und Aufbewahrung haushaltsüblicher Mengen von Klebstoffen.
(6) Auch wenn bei einer Tätigkeit nicht alle Bedingungen nach Absatz 2 erfüllt sind,
so kann die Gefährdungsbeurteilung trotzdem zu einer Festlegung von Maßnahmen
führen, die weitgehend dem § 8 GefStoffV entsprechen. In diesen Fällen sind jedoch
weitere organisatorische Anforderungen zu beachten, insbesondere zum Führen
eines Gefahrstoffverzeichnisses, der Erstellung einer Betriebsanweisung, der Doku-
mentation der Gefährdungsbeurteilung und zur arbeitsmedizinischen Vorsorge.

6.3 Dermale Gefährdung (Gefährdung durch Hautkontakt mit Gefahrstoffen)


Die Vorgehensweise zur Beurteilung der dermalen Gefährdung bei Tätigkeiten mit
Gefahrstoffen und zur Auswahl geeigneter Schutzmaßnahmen beschreibt die
TRGS 401.

229
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 400 Seite 16

6.4 Inhalative Gefährdung (Gefährdung durch Einatmen von Gefahrstoffen)


(1) Methoden und Vorgehensweisen zur Beurteilung der inhalativen Gefährdung bei
Tätigkeiten mit Gefahrstoffen und zur Überprüfung der Wirksamkeit von Schutzmaß-
nahmen durch Gefahrstoffmessungen und qualifizierte Expositionsabschätzungen
beschreibt die TRGS 402.
(2) Bei Gefahrstoffen, für die in der TRGS 900 ein Arbeitsplatzgrenzwert (AGW)
aufgestellt ist, entscheidet ein Vergleich der Expositionshöhe mit dem AGW über die
Notwendigkeit zusätzlicher Schutzmaßnahmen. Hierbei ist auch die Dauer der Expo-
sition zu berücksichtigen (z.B. Kurzzeitbedingungen). Zur Ermittlung der Expositions-
höhe können Ergebnisse aus Arbeitsplatzmessungen bei vergleichbaren Tätigkeiten
und qualifizierte Expositionsabschätzungen herangezogen werden.
(3) Werden Tätigkeiten mit Gefahrstoffen durchgeführt, für die in der TRGS 900 kein
Arbeitsplatzgrenzwert festgelegt ist, so müssen geeignete Beurteilungsmaßstäbe für
die Luftbelastung am Arbeitsplatz festgelegt werden. Hierzu können Berechnungen
oder Arbeitsplatzmessungen erforderlich sein (vgl. TRGS 402).
(4) Besondere Hinweise zur Gefährdungsbeurteilung und Festlegung von Schutz-
maßnahmen für Tätigkeiten mit Gefahrstoffen, die zu einer Sensibilisierung beim
Einatmen führen können (z.B. Kennzeichnung mit R42) gibt die TRGS/TRBA 406.5)

6.5 Physikalisch-chemische und sonstige durch Gefahrstoffe bedingte


Gefährdungen
(1) Bei der Beurteilung physikalisch-chemischer Gefährdungen sind Brand- und
Explosionsgefahren sowie sonstige durch Gefahrstoffe bedingte Gefährdungen zu
berücksichtigen.
(2) Brand- und Explosionsgefahren können z.B. entstehen durch
1. explosionsgefährliche oder explosionsfähige Stoffe,
2. brennbare Gase, feste Stoffe und Flüssigkeiten (auch wassermischbare, die ent-
zündlich sind), insbesondere hochentzündliche, leichtentzündliche oder entzündli-
che im Sinne von § 4 Nr. 3 bis 5 der Gefahrstoffverordnung,
3. selbstentzündliche Stoffe (pyrophore und selbsterhitzungsfähige Stoffe),
4. Stoffe, die in Berührung mit Wasser oder feuchter Luft hochentzündliche Gase in
gefährlicher Menge entwickeln,
5. aufgewirbelte brennbare Stäube,
6. Stoffe mit brandfördernden Eigenschaften,
7. chemisch oder thermisch instabile Stoffe (z.B. selbstzersetzliche Stoffe und orga-
nische Peroxide) oder
8. gefährliche exotherme Reaktionen.
(3) Hinweise zur Beurteilung gefährlicher explosionsfähiger Atmosphären und zu
entsprechenden Schutzmaßnahmen geben die TRGS 720, 721 und 722.
(4) Sonstige durch Gefahrstoffe bedingte Gefährdungen können z.B. entstehen bei
Tätigkeiten mit

5) Eine TRGS/TRBA 406 „Sensibilisierende Stoffe für die Atemwege“ wird z. Z. erarbeitet.

230
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 400 Seite 17

1. erstickenden oder narkotisierenden Gasen, insbesondere beim Einsteigen in enge


Behälter, Gärkeller („Kohlendioxidsee“),
2. tiefkalten oder heißen Flüssigkeiten, Dämpfen und Gasen, z.B. Metallschmelzen,
Flüssigstickstoff,
3. die Haut verfärbenden Arbeitsstoffen oder
4. Klebstoffen (z.B. Zusammenkleben der Finger durch „Sekundenkleber“).
Zu berücksichtigen ist auch die erhöhte Aufnahme von Gefahrstoffen als Folge von
Stich- oder Schnittverletzungen an kontaminierten Apparateteilen (z.B. Nadeln oder
Kanülen an Laborautomaten). Erforderlichenfalls sind die Gefährdungen im Einzelfall
mit Hilfe der Informationen nach Nummer 4 fachkundig zu beurteilen.

6.6 Festlegung von Schutzmaßnahmen


(1) Im Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung sind die erforderlichen Schutzmaß-
nahmen festzulegen. Die Grundsätze für die Verhütung von Gefährdungen nach § 8
GefStoffV sind unabhängig von der Gefährdungsbeurteilung immer anzuwenden. Sie
sind in der TRGS 500 näher beschrieben.
(2) Die §§ 9 bis 11 der Gefahrstoffverordnung beschreiben Schutzmaßnahmen zur
Beseitigung oder Verringerung einer möglichen Gesundheitsgefährdung durch Ge-
fahrstoffe. Die Einstufung und Kennzeichnung des Gefahrstoffes weisen auf diejeni-
gen Schutzmaßnahmen hin, die bei der Festlegung im Rahmen der Gefährdungsbe-
urteilung zum Schutz vor dermalen und inhalativen Gefährdungen geprüft werden
müssen. Die endgültige Festlegung der konkreten Schutzmaßnahme ist das Ergebnis
der Gefährdungsbeurteilung im Einzelfall. Es wird daher ausdrücklich darauf hinge-
wiesen, dass die Festlegung der „Schutzstufe“ nur ein Hilfsinstrument zur Ableitung
geeigneter Maßnahmen, nicht jedoch das Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung ist.
Die Festlegung von Schutzstufen ist nicht obligatorisch.“
(3) Für Gefahrstoffe mit der Kennzeichnung Xn (gesundheitsschädlich), Xi (reizend)
und C (ätzend) sind Maßnahmen nach § 9 GefStoffV festzulegen. Dies gilt nicht für
Tätigkeiten mit geringer Gefährdung nach Nummer 6.2. Ergibt die Beurteilung
1. der dermalen Gefährdung nach Nummer 6.3 (TRGS 401) eine hohe Gefährdung,
oder
2. der inhalativen Gefährdung nach Nummer 6.4 (TRGS 402 und TRGS/TRBA 406),
dass die Maßnahmen nach § 9 GefStoffV nicht ausreichen,
so sind zusätzliche Maßnahmen festzulegen, ggf. auch Maßnahmen nach § 10
GefStoffV.
(4) Für Gefahrstoffe mit der Kennzeichnung T (giftig) und T+ (sehr giftig) sind Maß-
nahmen der §§ 9 und 10 GefStoffV festzulegen. Unter Berücksichtigung der spezifi-
schen Gegebenheiten des jeweiligen Betriebs, wie Produktionsverfahren, Anlagen-
technik und Produktqualität ist insbesondere zu prüfen, ob sich eine Substitution
oder die Verwendung eines geschlossenen Systems durchführen lässt (vgl. TRGS
500, TRGS 600). Sind weder eine Substitution noch ein geschlossenes System tech-
nisch möglich, so müssen Schutzmaßnahmen nach dem Stand der Technik getroffen
werden, die die Gefährdung ausschließen bzw. falls dies nicht möglich ist, so weit wie
möglich verringern.

231
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 400 Seite 18

(5) Für krebserzeugende, erbgutverändernde oder fruchtbarkeitsgefährdende Ge-


fahrstoffe der Kategorie 1 oder 2 sind zusätzlich Maßnahmen nach § 11 GefStoffV
festzulegen, wenn der Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) nicht eingehalten ist oder nicht
nach verfahrens- und stoffspezifischen Kriterien (VSK) gearbeitet wird. Für eine Reihe
von krebserzeugenden Gefahrstoffen gibt es in Technischen Regeln konkrete Vorga-
ben zur Gefährdungsbeurteilung und zur Festlegung von Maßnahmen.
(6) Bei der Festlegung von Schutzmaßnahmen ist der Vorrang der Substitution vor
technischen und organisatorischen Maßnahmen und vor der Anwendung von Persön-
licher Schutzausrüstung zu berücksichtigen. Dies gilt auch, wenn eine Kombination
aus technischen, organisatorischen und persönlichen Maßnahmen festgelegt wird.
Die Schutzmaßnahmen müssen dem Stand der Technik entsprechen.
(7) Die persönliche Schutzausrüstung ist auf Eignung für den jeweiligen Gefahrstoff
und die Tätigkeit zu überprüfen. Sind im Sicherheitsdatenblatt oder anderen Informa-
tionsquellen keine konkreten Fabrikate für die notwendigen Schutzhandschuhe ge-
nannt, so müssen diese aus den vorliegenden Angaben (Material, Schichtdicke etc.)
selbst ermittelt werden. Nähere Hinweise enthält die TRGS 401.
(8) Bei physikalisch-chemischen Gefährdungen, u.a. bei Tätigkeiten mit Gefahrstof-
fen, bei denen Brand- und Explosionsgefahren entstehen können (siehe Nummer 6.5
Abs. 2) sind zur Vermeidung von Brand- und Explosionsgefahren ergänzende
Schutzmaßnahmen nach § 12 und Anhang III Nr. 1 GefStoffV festzulegen.
(9) Bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen, die nicht gekennzeichnet sind oder keinem
Gefährlichkeitsmerkmal zugeordnet werden können, aber dennoch eine Gefährdung
für die Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten darstellen können, müssen
diejenigen Maßnahmen der §§ 8 bis 10 und 12 GefStoffV ergriffen werden, die zum
Schutz der Beschäftigten notwendig sind.

7 Festlegungen zur Überprüfung der Wirksamkeit von Schutz-


maßnahmen
(1) Als Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung sind auch Methoden und Fristen zur
Überprüfung für die Wirksamkeit der bestehenden und der zu treffenden Schutzmaß-
nahmen festzulegen.
(2) Technische Schutzmaßnahmen, z.B. Lüftungs- und Absaugeinrichtungen, müs-
sen regelmäßig auf ihre ausreichende Funktion und Wirksamkeit überprüft werden.
Dieses muss mindestens jedes dritte Jahr erfolgen. Für technische Einrichtungen zum
Schutz vor einatembaren Stäuben gilt nach Anhang III Nr. 2.3 Abs. 7 GefStoffV eine
Höchstfrist von einem Jahr. Der Arbeitgeber hat innerhalb dieser Vorgaben (bei Ar-
beitsmitteln unter Berücksichtigung der Betriebssicherheitsverordnung) Art, Umfang
und Prüffristen eigenverantwortlich festzulegen. Das Ergebnis der Prüfung ist zu
dokumentieren.
(3) Bei Gefahrstoffen, für die in der TRGS 900 ein Arbeitsplatzgrenzwert (AGW)
aufgestellt ist, ist die Wirksamkeit der getroffenen Schutzmaßnahmen durch Arbeits-
platzmessungen oder durch andere gleichwertige Beurteilungsverfahren (§ 9
GefStoffV) bzw. gleichwertige Nachweismethoden (§ 10 GefStoffV) nachzuweisen.
Dies ist nicht erforderlich bei Anwendung verfahrens- und stoffspezifischer Kriterien
(VSK) nach TRGS 420.

232
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 400 Seite 19

(4) Bei Arbeitsplatzmessungen wird unmittelbar die Luftkonzentration des zu über-


wachenden Gefahrstoffes ermittelt (s. TRGS 402). Gleichwertige Beurteilungsverfah-
ren oder Nachweismethoden ermöglichen eine alternative Wirksamkeitsüberprüfung
mit Hilfe von
1. Berechnungen der Gefahrstoffkonzentration (qualifizierte Expositionsabschätzung)
oder Messungen, die einen indirekten Schluss auf die Gefahrstoffbelastung er-
möglichen, z.B. mit Hilfe von Leitkomponenten (s. TRGS 402) oder
2. technischen und organisatorischen Prüfvorgaben, die sich auf die festgelegten
Maßnahmen beziehen (s. TRGS 500).
(5) Für Tätigkeiten mit Gefahrstoffen, für die kein Arbeitsplatzgrenzwert vorliegt,
kann die Wirksamkeit der getroffenen Schutzmaßnahmen durch geeignete Be-
urteilungsmethoden nachgewiesen werden. Geeignete Beurteilungsmethoden be-
schreiben eine gute Arbeitspraxis und die hiermit verbundene (maximale) Höhe der
Exposition. Sie enthalten auch Aussagen, wie die Wirksamkeit der getroffenen
Schutzmaßnahmen überprüft werden kann. Hierzu gehören auch technische Leis-
tungskriterien, die durch Wirksamkeitsmessungen überprüft werden können, z.B.
Prüfung technisch geschlossener Anlagenteile, Funktionselemente und Tätigkeiten
nach TRGS 500.
(6) Liegen geeignete Beurteilungsmethoden nicht vor, ist eine Messung erforderlich,
mit der die Exposition in Verbindung mit den getroffenen Maßnahmen beurteilt wer-
den kann. Dies kann eine Messung des Gefahrstoffes, von Stoffgruppen oder von
Leitkomponenten sein.
(7) Führt die Wirksamkeitsüberprüfung zum Ergebnis, dass die getroffenen Schutz-
maßnahmen nicht ausreichend wirksam sind, so sind zusätzliche Maßnahmen zu
ergreifen und die Gefährdungsbeurteilung neu durchzuführen. Dies gilt auch bei
Anwendung standardisierter Arbeitsverfahren nach Nummer 5.

8 Dokumentation
(1) Bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen muss der Arbeitgeber die Gefährdungsbeurtei-
lung unabhängig von der Anzahl der Beschäftigten dokumentieren.
(2) Die Dokumentation zu Tätigkeiten mit Gefahrstoffen muss als Bestandteil der
Dokumentation nach § 6 ArbSchG mindestens Angaben enthalten zu
1. Zeitpunkt und Personen, die die Gefährdungsbeurteilung durchgeführt haben oder
daran beteiligt waren,
2. Arbeitsbereich und Tätigkeiten mit Gefahrstoffen,
3. den am Arbeitsplatz auftretenden inhalativen, dermalen oder physikalisch-
chemischen Gefährdungen,
4. Häufigkeit der Tätigkeiten, Dauer der Exposition sowie zusätzliche Belastungs-
faktoren, die relevant für eine erhöhte Aufnahme von Gefahrstoffen in den Körper
sind (schwere körperliche Arbeit, hohe Temperatur, ...),
5. den zur Beseitigung oder Verringerung erforderlichen technischen, organisato-
rischen und personenbezogenen Maßnahmen und die Wirksamkeitsprüfung der
technischen Maßnahmen,
6. der durchgeführten Unterweisung der Beschäftigten und

233
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 400 Seite 20

7. dem Ergebnis der Prüfung auf Möglichkeiten zur Substitution (s. TRGS 600).
Ergibt diese Prüfung bei Tätigkeiten, für die ergänzende Schutzmaßnahmen nach
§10 GefStoffV zu treffen sind, dass sich eine Substitution unter Berücksichtigung
des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit nicht durchführen lässt, so sind auch die
bei der Prüfung zu Grunde gelegten Erwägungen nachprüfbar zu dokumentieren.
Darüber hinaus können Informationen zu den bei den Tätigkeiten verwendeten Stoff-
mengen sinnvoll sein. Ferner wird auch die Dokumentation der zuständigen Personen
sowie von Umsetzungs- und Überprüfungsfristen empfohlen.
(3) Die Form der Dokumentation ist dem Arbeitgeber frei gestellt. Es können auch
vorhandene Dokumente genutzt werden, aus denen die o. a. Informationen hervor-
gehen. Die Dokumentation kann auch elektronisch erfolgen. Es können vorhandene
betriebliche Unterlagen als Bestandteil genutzt werden, z. B. Gefahrstoffverzeichnis,
Messprotokolle von Arbeitsplatzmessungen, Betriebs- und Herstellvorschriften,
Betriebsanweisungen, Bestätigung der erfolgten Unterweisung.
(4) Eine detaillierte Dokumentation ist nicht erforderlich, wenn Tätigkeiten mit gerin-
ger Gefährdung nach Nummer 6.2 durchgeführt werden. Auf die Angaben nach Ab-
satz 2 Nr. 3 bis 7 kann in diesen Fällen verzichtet werden. Es ist zu dokumentieren,
dass eine geringe Gefährdung festgestellt wurde.
(5) Eine Dokumentation der Schutzstufe ist nicht erforderlich.
(6) Bei einer Gefährdungsbeurteilung mit vorgegebenen Maßnahmen (standardisier-
te Arbeitsverfahren) nach Nummer 5 sind für die Dokumentation das Gefahrstoffver-
zeichnis und bereits vorhandene Unterlagen ausreichend, wenn aus diesen die not-
wendigen Angaben nach Absatz 2 hervorgehen.
(7) Es wird empfohlen, die Dokumentation der Gefährdungsbeurteilung langfristig
aufzubewahren, insbesondere bei Tätigkeiten mit krebserzeugenden, erbgutverän-
dernden oder fruchtbarkeitsgefährdenden Gefahrstoffen der Kategorie 1 oder 2.
(8) Es wird darauf hingewiesen, dass Sicherheitsdatenblätter nach Verordnung (EG)
Nr. 1907/2006 (REACH) Art. 36 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 35 auch bei den Ver-
wendern (nachgeschalteten Anwendern) mindestens zehn Jahre nach der letzten
Verwendung der Stoffe oder Zubereitungen zur Verfügung gehalten werden müssen.

Anlagen

234
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 400 Seite 21

Anlage 1 zu TRGS 400

Vorschlag für eine Vorgehensweise bei der Gefährdungsbeurteilung


für Tätigkeiten mit Gefahrstoffen

Bestimmen der für die Durchführung der Gefährdungs-


beurteilung beauftragten Personen

Bestimmen der zu beurteilenden Tätigkeiten, bei denen Gefahrstoffe


verwendet, entstehen oder freigesetzt werden

Beschaffen der für die Gefährdungsbeurteilung notwendigen Informationen


und Eintragen der Gefahrstoffe in das Gefahrstoffverzeichnis

Ermitteln der Situation am Arbeitsplatz


und Bewertung der
• inhalativen Gefährdung
• dermalen Gefährdung und
• physikalisch-chemischen Gefährdung Anwendung
standardisierter
Arbeitsverfahren
(nach Nummer 5)
Feststellen der Gefährdungen

Prüfen der Substitution

Festlegen der zu treffenden


(zusätzlichen) Maßnahmen
und der Wirksamkeitsprüfung

Durchführen der Maßnahmen

Dokumentation der Gefährdungsbeurteilung

Wirksamkeitsprüfung der Maßnahmen

235
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 400 Seite 22

Anlage 2 zu TRGS 400

Checkliste zur Anwendung mitgelieferter Gefährdungsbeurteilungen


nach § 7 Abs. 7 GefStoffV
Die Nummern 1 und 2 Buchstabe a bis e müssen mindestens alle mit „ja“ beantwor-
tet sein, um die mitgelieferte Gefährdungsbeurteilung als standardisiertes Arbeitsver-
fahren nach Nummer 5.2 anwenden zu können. Für die übrigen ggf. mit „nein“ be-
antworteten Nummern muss der Arbeitgeber eigenständig Informationen nach
Nummer 4 dieser TRGS ermitteln und bei der Festlegung der Schutzmaßnahmen
berücksichtigen.

ja nein Bemerkungen
1 Werden Tätigkeiten entspre- Falls nein, muss eine eigen-
chend den vom Hersteller/ ständige Gefährdungsbeurtei-
Inverkehrbringer gemachten lung durch den Arbeitgeber
Angaben und Festlegungen durchgeführt werden.
durchführt?
2 Sind in der mitgelieferten
Gefährdungsbeurteilung
Angaben zu den folgenden
Punkten enthalten:
a. gefährliche Eigenschaften Werden Angaben zur Einstu-
der Stoffe oder Zuberei- fung und Kennzeichnung
tungen (R-/S-Sätze und Gefahren-
symbol) des Produktes und
der Inhaltsstoffe gemacht?
Sind Hinweise enthalten, ob
über die Kennzeichnung
hinausgehende Gefährdungen
zu erwarten sind? Nummer
4.2 Abs. 7 gilt entsprechend.
Sind bei fehlenden Prüfungen
oder Bewertungen die gefähr-
lichen Eigenschaften für die
Empfehlung der Schutzmaß-
nahmen Nummer 4.2 Abs. 8
unterstellt worden?
b. Arbeitsplatzgrenzwerte Werden die Grenzwerte der
(AGW) und Biologische TRGS 900 bzw. 903 genannt
Grenzwerte (BGW) (Sicherheitsdatenblatt)? Für
Gefahrstoffe ohne AGW oder
BGW ist dieser Punkt nicht
relevant.

236
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 400 Seite 23

ja nein Bemerkungen
c. Informationen des Herstel- Liegt das Sicherheitsdaten-
lers/Inverkehrbringers zum blatt vor? Werden Angaben zu
Gesundheitsschutz und zur den Rahmenbedingungen für
Sicherheit einen sicheren Einsatz des
Produktes gemacht (z.B.
konkrete Angaben zu persön-
licher Schutzausrüstung,
Lüftung)? Anmerkung: Werden
bei Notwendigkeit des Einsat-
zes von Schutzhandschuhen
keine Fabrikate genannt,
muss der Arbeitgeber diese
selbst ermitteln.
d. Ausmaß, Art und Dauer der Ist die inhalative Exposition
Exposition unter Berück- am Arbeitsplatz und ggf. die
sichtigung aller Expositi- Hautbelastung beschrieben?
onswege
e. physikalisch-chemische Werden Angaben zu Flamm-
Wirkungen punkt und ggf. Explosions-
grenzen etc. gemacht?
f. Arbeitsbedingungen und Werden konkrete Angaben zu
Verfahren, einschließlich den Arbeitsbedingungen und
der Arbeitsmittel und der zum Verfahren, in dem das
Gefahrstoffmenge Produkt eingesetzt wird,
gemacht? Ggf. sind Informati-
onen z.B. zur eingesetzten
Produktmenge vom Arbeitge-
ber zu ergänzen.
g. Möglichkeiten einer Substi- Werden Angaben gemacht,
tution warum keine nicht oder weni-
ger gefährlichen Produkte
bzw. Verfahren eingesetzt
werden können?
Ist dies nicht der Fall, so muss
der Arbeitgeber die Prüfung
von Möglichkeiten der Substi-
tution selbst vorzunehmen.

237
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
TRGS 400 Seite 24

ja nein Bemerkungen
h. Wirksamkeit der getroffe- Werden Hilfestellungen zur
nen oder zu treffenden Überprüfung der Wirksamkeit
Schutzmaßnahmen der beschriebenen Schutz-
maßnahmen unter den in der
mitgelieferten Gefährdungs-
beurteilung gemachten Anga-
ben und Festlegungen gege-
ben (z.B. Einhaltung der
Grenzwerte)? Die Wirksamkeit
der betrieblich eingesetzten
Schutzmaßnahmen muss vom
Arbeitgeber überprüft werden.
i. Schlussfolgerungen aus In der Regel sind diese Infor-
durchgeführten arbeitsme- mationen nicht Inhalt der
dizinischen Vorsorgeunter- mitgelieferten Gefährdungs-
suchungen beurteilung, sondern müssen
vom Arbeitgeber eigen-
ständig ermittelt werden
(s. Nummer 4.7).

238
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
RL 98/24 EG

Richtlinie 98/24/EG
des Rates vom 7. April 1998 zum Schutz von Gesundheit und Sicherheit der
Arbeitnehmer vor der Gefährdung durch chemische Arbeitsstoffe bei der
Arbeit (vierzehnte Einzelrichtlinie im Sinne des Artikels 16 Absatz 1 der
Richtlinie 89/391/EWG)
(EG-ABl. Nr. L 131 vom 5. Mai 1998, S. 11)

DER RAT DER EUROPÄISCHEN UNION –


gestützt auf den Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft, insbe-
sondere auf Artikel 118 a,
auf Vorschlag der Kommission (1), erstellt nach Anhörung des Beratenden
Ausschusses für Sicherheit, Arbeitshygiene und Gesundheitsschutz am Ar-
beitsplatz,
nach Stellungnahme des Wirtschafts- und Sozialausschusses (2),
gemäß dem Verfahren des Artikels 189c des Vertrags (3),
in Erwägung nachstehender Gründe:
(1) Artikel 118a des Vertrags sieht vor, dass der Rat durch Richtlinien Min-
destvorschriften zur Förderung von Verbesserungen insbesondere der Arbeits-
umwelt erlässt, um zu gewährleisten, dass die Sicherheit und die Gesundheit der
Arbeitnehmer in stärkerem Maße geschützt werden.
(2) Gemäß dem genannten Artikel sollen diese Richtlinien keine verwaltungs-
mäßigen, finanziellen oder rechtlichen Auflagen vorschreiben, die der Grün-
dung und Entwicklung von Klein- und Mittelbetrieben entgegenstehen.
(3) Die Verbesserung der Sicherheit, der Arbeitshygiene und des Gesundheits-
schutzes der Arbeitnehmer bei der Arbeit ist ein Ziel, das nicht rein wirtschaft-
lichen Erwägungen untergeordnet werden darf.
(4) Die Einhaltung von Mindestvorschriften für den Schutz von Gesundheit
und Sicherheit der Arbeitnehmer vor der Gefährdung durch chemische Arbeits-
stoffe hat zum Ziel, nicht nur den Schutz von Gesundheit und Sicherheit jedes
einzelnen Arbeitnehmers zu gewährleisten, sondern auch dafür zu sorgen, dass
sämtliche Arbeitnehmer in der Gemeinschaft einen bestimmten Mindestschutz
genießen, wodurch mögliche Wettbewerbsverzerrungen vermieden werden.

(1) ABl. C 165 vom 16. 6. 1993, S. 4.


(2) ABl. C 34 vom 2. 2. 1994, S. 42.
(3) Stellungnahme des Europäischen Parlaments vom 20. April 1994 (ABl. C 128 vom 9. 5. 1994, S. 167), gemeinsamer
Standpunkt des Rates vom 7. Oktober 1997 (ABl. C 375 vom 10. 12. 1997, S. 2) und Beschluss des Europäischen
Parlaments vom 17. Februar 1998.

239
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
RL 98/24 EG

(5) Für die Gemeinschaft als Ganzes ist ein einheitliches Maß an Schutz vor
der Gefährdung durch chemische Arbeitsstoffe vorzusehen, und zwar nicht
durch einzelne Vorschriften und Anforderungen, sondern durch einen Rahmen
allgemeiner Grundsätze, die die Mitgliedstaaten in die Lage versetzen, die Min-
destvorschriften kohärent anzuwenden.
(6) Bei den Tätigkeiten mit chemischen Arbeitsstoffen können die Arbeitneh-
mer Risiken ausgesetzt sein.
(7) Die Richtlinie 80/1107/EWG des Rates vom 27. November 1980 zum
Schutz der Arbeitnehmer vor der Gefährdung durch chemische, physikalische
und biologische Arbeitsstoffe bei der Arbeit (4), die Richtlinie 82/6057EWG des
Rates vom 28. Juli 1982 über den Schutz der Arbeitnehmer gegen Gefährdung
durch metallisches Blei und seine Ionenverbindungen am Arbeitsplatz (erste
Einzelrichtlinie im Sinne des Artikels 8 der Richtlinie 80/1107/EWG (5) und die
Richtlinie 88/364/EWG des Rates vom 9. Juni 1988 zum Schutz der Arbeit-
nehmer durch ein Verbot bestimmter Arbeitsstoffe und/oder Arbeitsverfahren
(vierte Einzelrichtlinie im Sinne des Artikels 8 der Richtlinie 80/1107/EWG) (6)
sollten zwecks Vereinheitlichung und Klarstellung sowie aus technischen
Gründen überarbeitet und in einer einzigen Richtlinie zusammengefasst wer-
den, die Mindestvorschriften zum Schutz von Gesundheit und Sicherheit der
Arbeitnehmer bei Tätigkeiten mit chemischen Arbeitsstoffen festlegt. Die ge-
nannten Richtlinien können aufgehoben werden.
(8) Die vorliegende Richtlinie ist eine Einzelrichtlinie im Sinne des Artikels 16
Absatz 1 der Richtlinie 89/391/EWG des Rates vom 12. Juni 1989 über die
Durchführung von Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit und des Ge-
sundheitsschutzes der Arbeitnehmer bei der Arbeit (7).
(9) Die letztgenannte Richtlinie findet daher unbeschadet strengerer und/oder
spezifischer Bestimmungen der vorliegenden Richtlinie in vollem Umfang auf
Arbeitnehmer Anwendung, die gegenüber chemischen Arbeitsstoffen exponiert
sind.
(10) Strengere und/oder spezifische Bestimmungen für die Beförderung gefähr-
licher chemischer Stoffe sind in bindenden internationalen Vereinbarungen und
Übereinkünften enthalten, die in Gemeinschaftsvorschriften für die Beförde-
rung gefährlicher Güter auf der Straße, der Schiene oder dem Wasser- und dem
Luftweg eingearbeitet wurden.

(4) ABl. L 327 vom 3. 12. 1980, S. 8. Richtlinie zuletzt geändert durch die Richtlinie 88/642/EWG (ABl. L 356 vom
24. 12. 1988, S. 74).
(5) ABl. L 247 vom 23. 8. 1982, S. 12.
(6) ABl. L 179 vom 9. 7. 1988, S. 44.
(7) ABl. L 183 vom 29. 6. 1989, S. 1.

240
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
RL 98/24 EG

(11) Mit den Richtlinien 67/548/EWG (8) und 88/379/EWG (9) zur Anglei-
chung der Rechts- und Verwaltungsvorschriften der Mitgliedstaaten für die
Einstufung, Verpackung und Kennzeichnung gefährlicher Stoffe bzw. Zuberei-
tungen hat der Rat ein System von Kriterien für die Einstufung gefährlicher
Stoffe und Zubereitungen festgelegt.
(12) Die Definition gefährlicher chemischer Arbeitsstoffe sollte alle chemischen
Stoffe umfassen, die diesen Kriterien entsprechen, und außerdem alle chemi-
schen Stoffe, die diesen Kriterien zwar nicht entsprechen, aufgrund ihrer physi-
kalisch-chemischen, chemischen oder toxikologischen Eigenschaften und der
Art ihrer Verwendung oder ihres Vorhandenseins am Arbeitsplatz aber eine
Gefahr für die Sicherheit und die Gesundheit der Arbeitnehmer darstellen.
(13) In der Richtlinie 90/492/EWG (10) hat die Kommission Definitionen und
Vorschriften für ein System zur spezifischen Information über gefährliche
Stoffe und Zubereitungen in Form von Sicherheitsdatenblättern niedergelegt,
die hauptsächlich für berufsmäßige Benutzer bestimmt sind und es diesen er-
möglichen sollten, die zum Schutz von Gesundheit und Sicherheit der Arbeit-
nehmer erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen. Mit der Richtlinie
92/58/EWG des Rates vom 24. Juni 1992 über die Mindestvorschriften für die
Sicherheits- und/oder Gesundheitsschutzkennzeichnung am Arbeitsplatz
(neunte Einzelrichtlinie im Sinne des Artikels 16 Absatz 1 der Richtlinie
89/391/EG) (11) wurde ein System zur Kennzeichnung von Behältern und
Rohrleitungen für gefährliche Stoffe und Zubereitungen bei der Arbeit einge-
führt.
(14) Der Arbeitgeber sollte alle Risiken für die Sicherheit und Gesundheit der
Arbeitnehmer, die sich aus dem Vorhandensein gefährlicher chemischer Ar-
beitsstoffe am Arbeitsplatz ergeben, einer Bewertung unterziehen, um die in
dieser Richtlinie vorgesehenen erforderlichen Vorbeugungs- und Schutzmaß-
nahmen zu ergreifen.
(15) Die im Zuge der Risikobewertung durch den Arbeitgeber festgelegten und
von ihm getroffenen Vorbeugungsmaßnahmen sollten mit der Notwendigkeit
des Schutzes der öffentlichen Gesundheit und der Umwelt im Einklang stehen.
(16) Um die den Arbeitnehmern zugänglichen Informationen zwecks Gewähr-
leistung eines besseren Schutzes zu vervollständigen, ist es erforderlich, dass die
Arbeitnehmer und ihre Vertreter über die durch chemische Arbeitsstoffe mög-

(8) ABl. 196 vom 16. 8. 1967. Richtlinie zuletzt geändert durch die Richtlinie 96/56/EG (ABl. L 236 vom 18. 9. 1996,
S. 35).
(9) ABl. 187 vom 16. 7. 1988, S. 14. Richtlinie zuletzt geändert durch die Richtlinie 96/65/EG der Kommission (ABl.
L 265 vom 18. 10. 1996, S. 15).
(10) ABl. L 275 vom 5. 10. 1990, S. 35.
(11) ABl. L 245 vom 26. 8. 1992, S. 23.

241
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
RL 98/24 EG

licherweise gegebenen Risiken für ihre Gesundheit und Sicherheit sowie über
die zur Minderung oder Abwendung dieser Risiken erforderlichen Maßnahmen
informiert werden und in die Lage versetzt werden zu kontrollieren, ob die
erforderlichen Schutzmaßnahmen getroffen werden.
(17) Die Überwachung der Gesundheit der Arbeitnehmer, für die Ergebnisse
der vorgenannten Bewertung ein Gesundheitsrisiko erkennen lassen, kann
einen Beitrag zu den vom Arbeitgeber zu treffenden Vorbeugungs- und
Schutzmaßnahmen darstellen.
(18) Der Arbeitgeber muss in regelmäßigen Abständen Bewertungen und Mes-
sungen vornehmen und sich im Hinblick auf eine Verbesserung des Schutzes
von Gesundheit und Sicherheit der Arbeitnehmer über neue technische Ent-
wicklungen auf dem laufenden halten.
(19) Unabhängige Wissenschaftler sollten die neuesten wissenschaftlichen
Daten auswerten, um die Kommission bei der Festlegung der Arbeitsplatz-
grenzwerte zu unterstützen.
(20) Zwar lassen es die wissenschaftlichen Erkenntnisse in manchen Fällen
nicht zu, für die Exposition gegenüber einem chemischen Arbeitsstoff einen
Wert festzulegen, unterhalb dessen Gesundheitsrisiken nicht mehr gegeben
sind, doch wird eine Verringerung der Exposition gegenüber den betreffenden
chemischen Arbeitsstoffen diese Risiken mindern.
(21) Mit den Richtlinien 91/322/EWG (12) und 96/94/EG (13) hat die Kommis-
sion Richtgrenzwerte im Sinne der Richtlinie 80/1107/EWG festgelegt. Sie
sollten als Teil des geltenden rechtlichen Rahmens beibehalten werden.
(22) Erforderliche technische Anpassungen dieser Richtlinie sollten von der
Kommission in Zusammenarbeit mit dem durch die Richtlinie 89/391/EWG
eingesetzten Ausschuss ausgearbeitet werden, der die Kommission bei techni-
schen Anpassungen an die im Rahmen der letztgenannten Richtlinie erlasse-
nen Einzelrichtlinien zu unterstützen hat. Die Kommission sollte nach Einho-
lung der Stellungnahme des Beratenden Ausschusses für Sicherheit, Arbeits-
hygiene und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz gemäß dem Beschluss
74/325/EWG (14) außerdem praktische Leitlinien für die Anwendung der vor-
liegenden Richtlinie ausarbeiten.
(23) Die Aufhebung der Richtlinie 80/1107/EWG darf nicht zur Folge haben,
dass die gegenwärtig geltenden Standards für den Schutz der Arbeitnehmer in
Bezug auf chemische, physikalische und biologische Arbeitsstoffe gesenkt wer-
den. Die Standards aufgrund der bestehenden Richtlinien für biologische Ar-

(12) ABl. L 177 vom 5. 7. 1991, S. 22.


(13) ABl. L 338 vom 28. 12. 1996, S. 86.
(14) Abl. L 185 vom 9. 7. 1974, S. 15. Beschluss zuletzt geändert durch die Beitrittsakte von 1994.

242
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
RL 98/24 EG

beitsstoffe, aufgrund der vorgeschlagenen Richtlinie für physikalische Arbeits-


stoffe, aufgrund der vorliegenden Richtlinie sowie aufgrund etwaiger Änderun-
gen der genannten Texte sollten die Standards jener Richtlinie zum Ausdruck
bringen und zumindest wahren.
(24) Diese Richtlinie stellt einen praxisbezogenen Beitrag zur Ausgestaltung
der sozialen Dimension des Binnenmarkts dar –

HAT FOLGENDE RICHTLINIE ERLASSEN:

Abschnitt I
Allgemeine Bestimmungen

Artikel 1
Ziel und Geltungsbereich
(1) Mit dieser Richtlinie, der vierzehnten Einzelrichtlinie im Sinne des Arti-
kels 16 Absatz 1 der Richtlinie 89/391/EWG, werden Mindestanforderungen
für den Schutz der Arbeitnehmer gegen tatsächliche oder mögliche Gefährdun-
gen ihrer Gesundheit und Sicherheit durch die Wirkungen von am Arbeitsplatz
vorhandenen chemischen Arbeitsstoffen oder aufgrund von Tätigkeiten mit
chemischen Arbeitsstoffen festgelegt.
(2) Die Anforderungen dieser Richtlinie gelten in allen Fällen, in denen gefähr-
liche chemische Arbeitsstoffe am Arbeitsplatz vorhanden sind oder vorhanden
sein können; davon unberührt bleiben Vorschriften für chemische Arbeitsstof-
fe, die aufgrund von Richtlinien im Rahmen des Vertrags zur Gründung der
Europäischen Atomgemeinschaft Strahlenschutzmaßnahmen unterliegen.
(3) Für Karzinogene am Arbeitsplatz gilt die vorliegende Richtlinie unbescha-
det strengerer und/oder spezifischer Bestimmungen der Richtlinie
90/394/EWG des Rates vom 28. Juni 1990 über den Schutz der Arbeitnehmer
gegen Gefährdung durch Karzinogene bei der Arbeit (sechste Einzelrichtlinie
im Sinne des Artikels 16 Absatz 1 der Richtlinie 89/391/EWG) (1).
(4) Die Richtlinie 89/391/EWG gilt unbeschadet strengerer und/oder spezifi-
scher Bestimmungen der vorliegenden Richtlinie in vollem Umfang für den
gesamten in diesem Artikel genannten Bereich.
(5) Für die Beförderung gefährlicher chemischer Stoffe gilt die vorliegende
Richtlinie unbeschadet strengerer und/oder spezifischer Bestimmungen der

(1) ABl. L 196 vom 26. 7. 1990, S. 1.

243
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
RL 98/24 EG

Richtlinie 94/55/EG (2), der Richtlinie 96/49/EG (3), des IMDG-Codes, des
IBC-Codes und des IGC-Codes im Sinne der Begriffsbestimmungen in Artikel
2 der Richtlinie 93/75/EWG (4), des Europäischen Übereinkommens über die
internationale Beförderung gefährlicher Güter auf Binnenwasserstraßen und
der Verordnung über die Beförderung gefährlicher Güter auf dem Rhein, wie
sie in Gemeinschaftsrecht übernommen worden sind, sowie der technischen
Vorschriften für die sichere Beförderung gefährlicher Güter in der zum Zeit-
punkt des Inkrafttretens dieser Richtlinie von der Internationalen Zivilluftfahrt-
Organisation veröffentlichten Fassung.

Artikel 2
Begriffsbestimmungen
Im Sinne dieser Richtlinie bezeichnet der Ausdruck
a) „chemische Arbeitsstoffe“ alle chemischen Elemente und Verbindungen,
einzeln oder in einem Gemisch, wie sie in der Natur vorkommen oder durch
eine Arbeitstätigkeit hergestellt, verwendet oder freigesetzt werden – ein-
schließlich der Freisetzung als Abfall –, unabhängig davon, ob sie absichtlich
oder unabsichtlich erzeugt und ob sie in Verkehr gebracht werden;
b) „gefährliche chemische Arbeitsstoffe“
i) alle chemischen Arbeitsstoffe, die die Kriterien für die Einstufung als
„gefährliche Stoffe“ im Sinne des Anhangs VI der Richtlinie
67/548/EWG erfüllen, unabhängig davon, ob diese Stoffe gemäß der ge-
nannten Richtlinie als solche eingestuft werden; dies gilt nicht für Stoffe,
die lediglich die Kriterien für die Einstufung als „umweltgefährlich“ er-
füllen;
ii) alle chemischen Arbeitsstoffe, die die Kriterien für die Einstufung als
„gefährliche Zubereitung“ im Sinne der Richtlinie 88/379/EWG erfül-
len, unabhängig davon, ob diese Zubereitung gemäß der genannten
Richtlinie als solche eingestuft wird; dies gilt nicht für Zubereitungen,
die lediglich die Kriterien für die Einstufung als „umweltgefährlich“ er-
füllen;

(2) Richtlinie 94/55/EG des Rates vom 21. November 1994 zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaa-
ten für den Gefahrguttransport auf der Straße (ABl. L 319 vom 12. 12. 1994, S. 7). Richtlinie geändert durch die
Richtlinie 96/86/EG der Kommission (ABl. L 335 vom 24. 12. 1996, S. 43).
(3) Richtlinie 96/49/EG des Rates vom 23. Juli 1996 zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten für
die Eisenbahnbeförderung gefährlicher Güter (ABl. L 235 vom 17. 9. 1996, S. 25). Richtlinie geändert durch die
Richtlinie 96/87/EG der Kommission (ABl. L 335 vom 24. 12. 1996, S. 45).
4
( ) Richtlinie 93/75/EWG des Rates vom 13. September 1993 über die Mindestanforderungen an Schiffe, die Seehäfen
der Gemeinschaft anlaufen oder aus ihnen auslaufen und gefährliche oder umweltschädliche Güter befördern (ABl.
L 247 vom 5. 10. 1993, S. 19). Richtlinie geändert durch die Richtlinie 97/34/EG der Kommission (ABl. L 158 vom
17. 6. 1997, S. 40).

244
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
RL 98/24 EG

iii) alle chemischen Arbeitsstoffe, die die Kriterien für die Einstufung als
„gefährlich“ nach den Ziffern i) und ii) nicht erfüllen, aber aufgrund ih-
rer physikalisch-chemischen, chemischen oder toxikologischen Eigen-
schaften und der Art und Weise, wie sie am Arbeitsplatz verwendet
werden oder dort vorhanden sind, für die Sicherheit und die Gesundheit
der Arbeitnehmer ein Risiko darstellen können; dies gilt auch für alle
chemischen Arbeitsstoffe, denen im Rahmen des Artikels 3 ein Arbeits-
platzgrenzwert zugewiesen wurde;
c)„Tätigkeit mit chemischen Arbeitsstoffen“ jede Arbeit, bei der chemische
Arbeitsstoffe im Rahmen eines Prozesses einschließlich Produktion, Hand-
habung, Lagerung, Beförderung, Entsorgung und Behandlung verwendet
werden oder verwendet werden sollen oder bei dieser Arbeit auftreten;
d) „Arbeitsplatzgrenzwert“, sofern nicht anders angegeben, den Grenzwert für
die zeitlich gewichtete durchschnittliche Konzentration eines chemischen
Arbeitsstoffs in der Luft im Atembereich eines Arbeitnehmers in Bezug auf
einen gegebenen Referenzzeitraum;
e) „biologischer Grenzwert“ der Grenzwert für die Konzentration in dem
entsprechenden biologischen Material für den jeweiligen Arbeitsstoff, seinen
Metaboliten oder einen Beanspruchungsindikator;
f) „Gesundheitsüberwachung“ die Beurteilung eines einzelnen Arbeitnehmers,
mit der sein Gesundheitszustand in Bezug auf die Exposition gegenüber spe-
zifischen chemischen Arbeitsstoffen bei der Arbeit festgestellt werden soll;
g) „Gefahr“ die einem chemischen Arbeitsstoff innewohnende Eigenschaft,
potentiell Schaden zu verursachen;
h) „Risiko“ die Wahrscheinlichkeit, dass der potentielle Schaden unter den
gegebenen Verwendungs- und/oder Expositionsbedingungen auftritt.

Artikel 3

Arbeitsplatzgrenzwerte und biologische Grenzwerte


(1) Die Kommission bewertet die Zusammenhänge zwischen den gesundheitli-
chen Auswirkungen der gefährlichen chemischen Arbeitsstoffe und dem
Niveau der arbeitsbedingten Exposition anhand einer unabhängigen wissen-
schaftlichen Auswertung der neuesten wissenschaftlichen Daten.
(2) Auf der Grundlage der Bewertung gemäß Absatz 1 schlägt die Kommission
nach Anhörung des Beratenden Ausschusses für Sicherheit, Arbeitshygiene und
Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz europäische Ziele in Form von auf Ge-
meinschaftsebene festzulegenden Arbeitsplatz-Richtgrenzwerten für den
Schutz der Arbeitnehmer vor den Risiken chemischer Arbeitsstoffe vor.

245
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
RL 98/24 EG

Diese Grenzwerte werden gemäß dem Verfahren des Artikels 17 der Richtlinie
89/391/EWG unter Berücksichtigung der verfügbaren Messtechniken festgelegt
oder geändert. Die Mitgliedstaaten unterrichten die Organisationen der Arbeit-
nehmer und der Arbeitgeber regelmäßig über die auf Gemeinschaftsebene fest-
gelegten Arbeitsplatzgrenzwerte.
(3) Für jeden chemischen Arbeitsstoff, für den ein Arbeitsplatz-
Richtgrenzwert auf Gemeinschaftsebene festgelegt wurde, legen die Mitglied-
staaten unter Berücksichtigung des gemeinschaftlichen Grenzwerts einen natio-
nalen Arbeitsplatzgrenzwert fest, dessen Natur sie gemäß ihren innerstaatlichen
Rechtsvorschriften und Gepflogenheiten bestimmen.
(4) Auf Gemeinschaftsebene können verbindliche Arbeitsplatzgrenzwerte
festgelegt werden, die zusätzlich zu den Faktoren, die bei der Festlegung der
Arbeitsplatz-Richtgrenzwerte berücksichtigt wurden, Durchführbarkeitsfakto-
ren widerspiegeln und gleichzeitig die Zielsetzung des Schutzes der Gesundheit
der Arbeitnehmer bei der Arbeit wahren. Diese Grenzwerte, die nach dem
Verfahren des Artikels 118a des Vertrags festgelegt werden, sind in Anhang I
wiedergegeben.
(5) Für jeden chemischen Arbeitsstoff, für den ein verbindlicher Arbeitsplatz-
grenzwert festgelegt wurde, legen die Mitgliedstaaten einen entsprechenden
verbindlichen nationalen Arbeitsplatzgrenzwert fest, der sich auf den gemein-
schaftlichen Grenzwert stützt, aber nicht höher als dieser sein darf.
(6) Auf Gemeinschaftsebene können auf der Grundlage der Bewertung gemäß
Absatz 1 und der verfügbaren Messtechniken verbindliche biologische Grenz-
werte festgelegt werden, die die Durchführbarkeitsfaktoren widerspiegeln und
gleichzeitig die Zielsetzung des Schutzes der Gesundheit der Arbeitnehmer bei
der Arbeit wahren. Diese Grenzwerte, die nach dem Verfahren des Artikels
118a des Vertrags festgelegt werden, sind zusammen mit anderen maßgeblichen
Angaben zur Gesundheitsüberwachung in Anhang II wiedergegeben.
(7) Für jeden chemischen Arbeitsstoff, für den ein verbindlicher biologischer
Grenzwert festgelegt wurde, setzen die Mitgliedstaaten einen entsprechenden
nationalen verbindlichen biologischen Grenzwert fest, der sich auf den gemein-
schaftlichen Grenzwert stützt, aber nicht höher als dieser sein darf.
(8) Führt ein Mitgliedstaat für einen chemischen Arbeitsstoff einen nationalen
Arbeitsplatzgrenzwert oder einen nationalen biologischen Grenzwert ein oder
ändert er diese Werte, so unterrichtet er die Kommission und die anderen Mit-
gliedstaaten davon und übermittelt die entsprechenden wissenschaftlichen und
technischen Daten. Die Kommission trifft die geeigneten Maßnahmen.
(9) Auf der Grundlage der von den Mitgliedstaaten gemäß Artikel 15 übermit-
telten Berichte nimmt die Kommission eine Bewertung der Art und Weise vor,

246
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
RL 98/24 EG

wie die Mitgliedstaaten den gemeinschaftlichen Richtgrenzwerten bei der Fest-


legung der entsprechenden nationalen Arbeitsplatzgrenzwerte Rechnung getra-
gen haben.
(10) Standardisierte Verfahren für die Messung und Evaluierung der Konzent-
rationen in der Luft am Arbeitsplatz in Bezug auf die Arbeitsplatzgrenzwerte
werden nach Artikel 12 Absatz 2 ausgearbeitet.

Abschnitt II
Pflichten der Arbeitgeber

Artikel 4
Ermittlung und Bewertung des Risikos von gefährlichen chemischen Arbeits-
stoffen
(1) Im Rahmen seiner Pflichten gemäß Artikel 6 Absatz 3 und Artikel 9 Ab-
satz 1 der Richtlinie 89/391/EWG stellt der Arbeitgeber zunächst fest, ob es am
Arbeitsplatz gefährliche chemische Arbeitsstoffe gibt. Ist dies der Fall, so un-
terzieht er alle Risiken, die sich aufgrund des Vorhandenseins dieser chemi-
schen Arbeitsstoffe für die Sicherheit und die Gesundheit der Arbeitnehmer
ergeben, einer Bewertung, wobei folgenden Aspekten Rechnung zu tragen ist:
– den gefährlichen Eigenschaften;
– den Informationen, die der Lieferant über die Sicherheit und die Gesundheit
etwa auf dem entsprechenden Sicherheitsdatenblatt gemäß der Richtlinie
67/548/EWG bzw. der Richtlinie 88/379/EWG vorzulegen hat;
– dem Ausmaß, der Art und der Dauer der Exposition;
– den Arbeitsbedingungen im Zusammenhang mit solchen Arbeitsstoffen,
einschließlich ihrer Menge;
– den im Hoheitsgebiet des betreffenden Mitgliedstaats festgelegten Arbeits-
platzgrenzwerten bzw. biologischen Grenzwerten;
– den Wirkungen der getroffenen oder zu treffenden Vorbeugungsmaßnah-
men;
– soweit vorhanden, den aus einer bereits durchgeführten Gesundheitsüber-
wachung zu ziehenden Schlussfolgerungen.
Der Arbeitgeber hat sich die für eine Risikobewertung notwendigen Informa-
tionen beim Lieferanten oder bei anderen ohne weiteres zugänglichen Quellen
zu beschaffen. Soweit geeignet, gehört zu diesen Informationen auch die beson-
dere Bewertung hinsichtlich des Risikos für die Benutzer, die auf der Grundlage
von Gemeinschaftsvorschriften für chemische Stoffe erstellt wird.

247
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
RL 98/24 EG

(2) Der Arbeitgeber muss im Besitz einer Risikobewertung gemäß Artikel 9


der Richtlinie 89/391/EWG sein und angeben, welche Maßnahmen gemäß den
Artikeln 5 und 6 der vorliegenden Richtlinie getroffen worden sind. Die Risi-
kobewertung ist gemäß einzelstaatlichen Vorschriften und Praktiken in geeig-
neter Form zu dokumentieren und kann eine Begründung des Arbeitgebers
einschließen, dass eine detailliertere Risikobewertung aufgrund der Art und des
Umfangs der Risiken im Zusammenhang mit chemischen Arbeitsstoffen nicht
erforderlich ist. Die Risikobewertung ist insbesondere dann zu aktualisieren,
wenn maßgebliche Veränderungen eingetreten sind, so dass sie veraltet sein
könnte, oder wenn sich eine Aktualisierung aufgrund der Ergebnisse der Ge-
sundheitsüberwachung als erforderlich erweist.
(3) In die Risikobewertung sind bestimmte Tätigkeiten innerhalb des Unter-
nehmens oder Betriebs, z.B. Wartungsarbeiten, einzubeziehen, bei denen vor-
herzusehen ist, dass auch nach Ausschöpfung sämtlicher technischer Maßnah-
men die Möglichkeit einer maßgeblichen Exposition besteht, oder die sich aus
anderen Gründen schädlich auf die Sicherheit und Gesundheit auswirken kön-
nen.
(4) Im Fall von Tätigkeiten, die mit einer Exposition gegenüber verschiedenen
gefährlichen chemischen Arbeitsstoffen verbunden sind, ist die Risikobewer-
tung anhand des Risikos vorzunehmen, das sämtliche betreffenden chemischen
Arbeitsstoffe kombiniert darstellen.

(5) Im Fall einer neuen Tätigkeit mit gefährlichen chemischen Arbeitsstoffen


darf die Arbeit erst aufgenommen werden, nachdem eine Bewertung des Risi-
kos dieser Tätigkeit vorgenommen worden ist und alle ausgewiesenen Vorbeu-
gungsmaßnahmen durchgeführt worden sind.

(6) Praktische Leitlinien für die Ermittlung und Bewertung des Risikos sowie
für ihre Überprüfung und erforderlichenfalls Anpassung werden nach Arti-
kel 12 Absatz 2 aufgestellt.

Artikel 5

Allgemeine Grundsätze für die Verhütung von Risiken im Zusammenhang mit


gefährlichen chemischen Arbeitsstoffen und Anwendung der Richtlinie in Be-
zug auf die Risikobewertung
(1) Im Rahmen seiner Verpflichtung, die Gesundheit und die Sicherheit der
Arbeitnehmer bei allen Tätigkeiten mit gefährlichen chemischen Arbeitsstoffen
sicherzustellen, trifft der Arbeitgeber die erforderlichen Vorbeugungsmaßnah-
men nach Artikel 6 Absätze 1 und 2 der Richtlinie 89/391/EWG und schließt
darin die in der vorliegenden Richtlinie genannten Maßnahmen mit ein.

248
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
RL 98/24 EG

(2) Die Risiken für die Gesundheit und die Sicherheit der Arbeitnehmer bei
Arbeiten mit gefährlichen chemischen Arbeitsstoffen werden durch folgende
Vorkehrungen ausgeschaltet oder auf ein Minimum reduziert:
– Gestaltung des Arbeitsplatzes und Arbeitsorganisation;
– Bereitstellung geeigneter Arbeitsmittel für den Umgang mit chemischen
Arbeitsstoffen und entsprechende Wartungsverfahren zur Gewährleistung
der Gesundheit und Sicherheit der Arbeitnehmer bei der Arbeit;
– Begrenzung der Anzahl der Arbeitnehmer, die den chemischen Arbeitsstof-
fen ausgesetzt sind oder ausgesetzt sein können, auf ein Mindestmaß;
– Begrenzung der Dauer und Intensität der Exposition auf ein Mindestmaß;
– angemessene Hygienemaßnahmen;
– Begrenzung der Menge der am Arbeitsplatz vorhandenen chemischen Ar-
beitsstoffe auf das für die Art der betreffenden Arbeit erforderliche Min-
destmaß;
– geeignete Arbeitsverfahren, einschließlich Vorkehrungen für die sichere
Handhabung, Lagerung und Beförderung von gefährlichen chemischen
Arbeitsstoffen und von Abfällen, die derartige chemische Arbeitsstoffe ent-
halten, am Arbeitsplatz.
Praktische Leitlinien für Vorbeugungsmaßnahmen zur Risikobegrenzung wer-
den gemäß Artikel 12 Absatz 2 ausgearbeitet.
(3) Ergibt sich aus den Ergebnissen der Bewertung nach Artikel 4 Absatz 1 ein
Risiko für die Sicherheit und die Gesundheit der Arbeitnehmer, so sind die
besonderen Schutz-, Vorbeugungs- und Überwachungsmaßnahmen der Artikel
6, 7 und 10 anzuwenden.
(4) Ergibt sich aus den Ergebnissen der Risikobewertung nach Artikel 4 Ab-
satz 1, dass aufgrund der am Arbeitsplatz vorhandenen Mengen eines gefährli-
chen chemischen Arbeitsstoffes nur ein geringfügiges Risiko für die Sicherheit
und Gesundheit der Arbeitnehmer besteht, und reichen die nach den Absät-
zen 1 und 2 ergriffenen Maßnahmen zur Verringerung dieses Risikos aus, so
sind die Artikel 6, 7 und 10 nicht anwendbar.

Artikel 6
Besondere Schutz- und Vorbeugungsmaßnahmen
(1) Der Arbeitgeber hat dafür zu sorgen, dass das durch einen gefährlichen
chemischen Arbeitsstoff bedingte Risiko für die Sicherheit und die Gesundheit
der Arbeitnehmer bei der Arbeit ausgeschaltet oder auf ein Mindestmaß verrin-
gert wird.

249
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
RL 98/24 EG

(2) Bei der Anwendung des Absatzes 1 ist vorrangig eine Substitution vorzu-
nehmen; dabei hat der Arbeitgeber die Verwendung eines gefährlichen chemi-
schen Arbeitsstoffs zu vermeiden und diesen durch einen chemischen Arbeits-
stoff oder ein Verfahren zu ersetzen, der bzw. das unter den jeweiligen
Verwendungsbedingungen für die Sicherheit und Gesundheit der Arbeitnehmer
– je nach Fall – nicht oder weniger gefährlich ist.
Lässt sich unter Berücksichtigung des Arbeitsvorgangs und der Risikobewer-
tung nach Artikel 4 das Risiko aufgrund der Art der Tätigkeit nicht durch Sub-
stitution ausschalten, so sorgt der Arbeitgeber dafür, dass das Risiko durch
Anwendung von Schutz- und Vorbeugungsmaßnahmen, die mit der Risikobe-
wertung nach Artikel 4 im Einklang stehen, auf ein Mindestmaß verringert
wird. Zu diesen Maßnahmen gehören in der angegebenen Rangordnung:
a) Gestaltung geeigneter Arbeitsverfahren und technischer Steuerungseinrich-
tungen sowie Verwendung geeigneter Arbeitsmittel und Materialien, um die
Freisetzung gefährlicher chemischer Arbeitsstoffe, die für die Sicherheit und
die Gesundheit der Arbeitnehmer am Arbeitsplatz ein Risiko darstellen
können, möglichst gering zu halten;
b) Durchführung kollektiver Schutzmaßnahmen an der Gefahrenquelle, wie
z.B. angemessene Be- und Entlüftung und geeignete organisatorische Maß-
nahmen;
c) sofern eine Exposition nicht mit anderen Mitteln verhütet werden kann,
Durchführung von individuellen Schutzmaßnahmen, die auch eine persönli-
che Schutzausrüstung umfassen.
Praktische Leitlinien für Schutz- und Vorbeugungsmaßnahmen zur Risikobe-
grenzung werden gemäß Artikel 12 Absatz 2 ausgearbeitet.
(3) Die Maßnahmen gemäß Absatz 2 werden durch eine Gesundheitsüberwa-
chung nach Artikel 10 ergänzt, sofern diese der Art des Risikos angemessen ist.
(4) Sofern der Arbeitgeber nicht mittels anderer Beurteilungen eindeutig nach-
weist, dass in angemessener Weise Vorbeugung und Schutz gemäß Absatz 2
erzielt worden sind, führt er in Bezug auf chemische Arbeitsstoffe, die für die
Gesundheit der Arbeitnehmer am Arbeitsplatz ein Risiko darstellen können,
insbesondere im Hinblick auf die Arbeitsplatzgrenzwerte die erforderlichen
regelmäßigen Messungen durch; diese Messungen sind auch durchzuführen,
wenn sich die Bedingungen ändern, welche die Exposition der Arbeitnehmer
gegenüber chemischen Arbeitsstoffen beeinflussen können.
(5) Der Arbeitgeber berücksichtigt bei der Erfüllung der in Artikel 4 niederge-
legten oder sich aus Artikel 4 ergebenden Verpflichtungen die Ergebnisse der
Verfahren nach Absatz 4.

250
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
RL 98/24 EG

Bei einer Überschreitung eines im Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaats wirksam


festgelegten Arbeitsplatzgrenzwerts trifft der Arbeitgeber auf jeden Fall unver-
züglich unter Berücksichtigung der Natur dieses Grenzwerts Vorbeugungs-
und Schutzmaßnahmen, um Abhilfe zu schaffen.
(6) Auf der Grundlage der umfassenden Risikobewertung und der allgemeinen
Grundsätze der Risikoverhütung im Sinne der Artikel 4 und 5 ergreift der Ar-
beitgeber der Art der Tätigkeit angemessene technische und/oder organisatori-
sche Maßnahmen, einschließlich Lagerung, Handhabung und Trennung unver-
einbarer chemischer Arbeitsstoffe, um die Arbeitnehmer gegen die aufgrund der
physikalisch-chemischen Eigenschaften chemischer Arbeitsstoffe auftretenden
Gefahren zu schützen. Insbesondere trifft er Vorkehrungen in der angegebenen
Rangordnung, um
a) das Auftreten gefährlicher Konzentrationen von entzündlichen Stoffen bzw.
gefährlicher Mengen von chemisch instabilen Stoffen an der Arbeitsstätte zu
verhindern; sollte die Art der Arbeit dies nicht zulassen, so gilt folgendes:
b) das Auftreten von Zündquellen, die zu Bränden und Explosionen führen
könnten, oder von ungünstigen Bedingungen, durch die chemisch instabile
Stoffe oder Stoffgemische zu schädlichen physikalischen Wirkungen führen
könnten, ist zu vermeiden, und
c) die schädlichen Auswirkungen im Fall eines Brandes oder einer Explosion
aufgrund der Entzündung entzündlicher Stoffe auf die Gesundheit und Si-
cherheit der Arbeitnehmer oder von chemisch instabilen Stoffen oder Stoff-
gemischen ausgehende schädliche physikalische Wirkungen sind zu verrin-
gern.
Arbeitsmittel und Schutzeinrichtungen, die der Arbeitgeber zum Schutz der
Arbeitnehmer zur Verfügung stellt, entsprechen im Hinblick auf die Gesund-
heit und Sicherheit den einschlägigen Gemeinschaftsvorschriften über die Aus-
legung, die Herstellung und das Inverkehrbringen. Vom Arbeitgeber ergriffene
technische und/oder organisatorische Maßnahmen werden unter Berücksichti-
gung der Einteilung der Gerätegruppen in Kategorien im Sinne des Anhangs I
der Richtlinie 94/9/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom
23. März 1994 zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten für
Geräte und Schutzsysteme zur bestimmungsgemäßen Verwendung in explosi-
onsgefährdeten Bereichen (1) und in Übereinstimmung mit dieser festgelegt.
Der Arbeitgeber ergreift Maßnahmen für eine ausreichende Kontrolle von
Anlagen, Geräten und Maschinen oder sieht Explosionsschutzeinrichtungen
bzw. Vorkehrungen zur Explosionsdruckentlastung vor.

(1) ABl. L 100 vom 19. 4. 1994, S. 1.

251
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
RL 98/24 EG

Artikel 7
Vorkehrungen für das Verhalten bei Unfällen, Zwischenfällen
und Notfällen
(1) Um die Sicherheit und den Gesundheitsschutz der Arbeitnehmer bei einem
Unfall, Zwischenfall oder Notfall zu gewährleisten, der mit dem Vorhandensein
gefährlicher chemischer Arbeitsstoffe am Arbeitsplatz in Verbindung steht, legt
der Arbeitgeber unbeschadet der Verpflichtungen nach Artikel 8 der Richtlinie
89/391/EWG Verfahren (Aktionspläne) fest, die beim Eintreten eines derarti-
gen Ereignisses angewendet werden können, damit angemessene Maßnahmen
ergriffen werden. Hierzu zählen alle einschlägigen Sicherheitsübungen, die in
regelmäßigen Abständen durchzuführen sind, sowie die Bereitstellung ange-
messener Erste-Hilfe-Einrichtungen.
(2) Tritt eines der in Absatz 1 genannten Ereignisse ein, so ergreift der Arbeit-
geber unverzüglich Maßnahmen zur Minderung der Auswirkungen des Ereig-
nisses und zur Unterrichtung der betroffenen Arbeitnehmer.

Zur Wiederherstellung der normalen Situation


– ergreift der Arbeitgeber so bald wie möglich geeignete Abhilfemaßnahmen;
– dürfen nur diejenigen Arbeitnehmer, die für Instandsetzungsarbeiten und
sonstige notwendige Tätigkeiten unbedingt benötigt werden, in dem betrof-
fenen Bereich arbeiten.
(3) Die Arbeitnehmer, die in dem betroffenen Bereich arbeiten dürfen, sind
mit geeigneter Schutzkleidung, persönlicher Schutzausrüstung, speziellen Si-
cherheitseinrichtungen und besonderen Arbeitsmitteln auszustatten, die sie so
lange benutzen müssen, wie die Situation fortbesteht; diese Situation darf kein
Dauerzustand sein.

Ungeschützte Personen dürfen nicht in dem betroffenen Bereich verbleiben.


(4) Unbeschadet des Artikels 8 der Richtlinie 89/391/EWG ergreift der Ar-
beitgeber die erforderlichen Maßnahmen, um Warn- und sonstige Kommunika-
tionssysteme zur Verfügung zu stellen, die erforderlich sind, um ein erhöhtes
Risiko für die Sicherheit und die Gesundheit anzuzeigen, so dass eine angemes-
sene Reaktion möglich ist und Abhilfemaßnahmen sowie Hilfs-, Evakuierungs-
und Rettungsmaßnahmen im Bedarfsfall unverzüglich eingeleitet werden kön-
nen.
(5) Der Arbeitgeber stellt sicher, dass Informationen über die Notfallvorkeh-
rungen in Bezug auf gefährliche chemische Arbeitsstoffe zur Verfügung stehen.
Die zuständigen innerbetrieblichen und betriebsfremden Unfall- und Notfall-
dienste erhalten Zugang zu diesen Informationen. Hierzu zählen:

252
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
RL 98/24 EG

– Vorabmitteilung von einschlägigen Gefahren bei der Arbeit, von Vorkeh-


rungen zur Feststellung von Gefahren, von Vorsichtsmaßregeln und Verfah-
ren, damit die Notfalldienste ihre eigenen Abhilfemaßnahmen und Sicher-
heitsvorkehrungen vorbereiten können;
– alle verfügbaren Informationen über spezifische Gefahren, die bei einem
Unfall oder Notfall auftreten oder auftreten können, einschließlich Informa-
tionen über die nach diesem Artikel vorbereiteten Verfahren.

Artikel 8
Unterrichtung und Unterweisung der Arbeitnehmer
(1) Unbeschadet der Artikel 10 und 12 der Richtlinie 89/391/EWG stellt der
Arbeitgeber sicher, dass die Arbeitnehmer und/oder ihre Vertreter folgendes
erhalten:
– die gemäß Artikel 4 gewonnenen Daten sowie weitere Informationen, wenn
eine größere Veränderung am Arbeitsplatz zu einer Änderung dieser Daten
führt;
– Informationen über die am Arbeitsplatz auftretenden gefährlichen chemi-
schen Arbeitsstoffe, wie z.B. Bezeichnung der Arbeitsstoffe, Risiken für die
Sicherheit und die Gesundheit, relevante Arbeitsplatzgrenzwerte und sonsti-
ge gesetzliche Bestimmungen;
– Unterweisung und Informationen über angemessene Vorsichtsmaßregeln
und Vorkehrungen, die der Arbeitnehmer zu seinem eigenen Schutz und
zum Schutz der anderen Arbeitnehmer am Arbeitsplatz zu treffen hat;
– der Richtlinie 88/379/EWG und Artikel 27 der Richtlinie 92/32/EWG (2)
zur Verfügung gestellt werden.
Der Arbeitgeber stellt ferner sicher, dass die Informationen
– in einer Form zur Verfügung gestellt werden, die dem Ergebnis der Risiko-
bewertung nach Artikel 4 Rechnung trägt, wobei die Spanne der Unterrich-
tungsmöglichkeiten je nach Art und Umfang des im Zuge der Bewertung
nach Artikel 4 festgestellten Risikos von mündlicher Mitteilung bis hin zu
individueller Unterweisung und Schulung, verbunden mit schriftlicher Un-
terrichtung, reichen kann;
– aktualisiert werden, um veränderten Gegebenheiten Rechnung zu tragen.
(2) Sind Behälter und Rohrleitungen, die für gefährliche chemische Arbeits-
stoffe bei der Arbeit verwendet werden, nicht in Übereinstimmung mit den
einschlägigen gemeinschaftlichen Rechtsvorschriften über die Kennzeichnung
von chemischen Arbeitsstoffen und über die Sicherheitskennzeichnung am

(2) ABl. L 154 vom 5. 6. 1992, S. 1.

253
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
RL 98/24 EG

Arbeitsplatz gekennzeichnet, so stellt der Arbeitgeber unbeschadet der in den


vorgenannten Rechtsvorschriften vorgesehenen Abweichungen sicher, dass der
Inhalt der Behälter und Rohrleitungen sowie die Art des Inhalts und die davon
ausgehenden Gefahren eindeutig identifizierbar sind.
(3) Die Mitgliedstaaten können die erforderlichen Maßnahmen ergreifen, um
sicherzustellen, dass die Arbeitgeber, nach Möglichkeit vom Hersteller oder
Lieferanten, auf Anfrage alle Informationen über gefährliche chemische Ar-
beitsstoffe erhalten können, die zur Anwendung des Artikels 4 Absatz 1 erfor-
derlich sind, sofern die Richtlinien 67/548/EWG und 88/379/EWG keine In-
formationspflicht vorsehen.

Abschnitt III
Sonstige Bestimmungen

Artikel 9
Verbote
(1) Zum Schutz der Arbeitnehmer vor einer Gesundheitsgefährdung durch
bestimmte chemische Arbeitsstoffe und/oder Tätigkeiten mit chemischen Ar-
beitsstoffen sind die Herstellung und Verarbeitung der in Anhang III genannten
chemischen Arbeitsstoffe, ihre Verwendung bei der Arbeit sowie die dort ge-
nannten Tätigkeiten in dem angegebenen Umfang verboten.
(2) Die Mitgliedstaaten können für folgende Fälle Ausnahmen von Absatz 1
zulassen:
– für ausschließlich wissenschaftliche Forschungs-, Versuchs- und Analyse-
zwecke;
– für Tätigkeiten zur Beseitigung von chemischen Arbeitsstoffen in Form von
Neben- oder Abfallprodukten;
– für die Herstellung der chemischen Arbeitsstoffe im Sinne des Absatzes 1 als
Zwischenprodukte und für deren Verwendung als Zwischenprodukte.
Eine Exposition der Arbeitnehmer gegenüber den chemischen Arbeitsstoffen
im Sinne des Absatzes 1 ist insbesondere dadurch zu vermeiden, dass Sorge
dafür getragen wird, dass die Herstellung und die möglichst baldige Verwen-
dung dieser Stoffe als Zwischenprodukte in einem einzigen geschlossenen Sys-
tem erfolgen, dem sie nur entnommen werden dürfen, soweit dies für die Kon-
trolle des Arbeitsvorgangs oder für die Wartung des Systems erforderlich ist.
Die Mitgliedstaaten können Regelungen für Einzelgenehmigungen vorsehen.
(3) Werden gemäß Absatz 2 Ausnahmen zugelassen, so fordert die zuständige
Behörde vom Arbeitgeber folgende Angaben an:

254
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
RL 98/24 EG

– Grund für die Beantragung der Ausnahmeregelung;


– jährlich zu verwendete Menge des chemischen Arbeitsstoffs;
– betroffene Tätigkeiten und/oder Reaktionen oder Verfahren;
– Zahl der voraussichtlich betroffenen Arbeitnehmer;
– geplante Sicherheitsvorkehrungen zur Gewährleistung der Sicherheit und
des Gesundheitsschutzes der betroffenen Arbeitnehmer;
– getroffene technische und organisatorische Maßnahmen zur Verhütung der
Exposition von Arbeitnehmern.
(4) Der Rat kann nach dem Verfahren des Artikels 118a des Vertrags die Ver-
botsliste gemäß Absatz 1 ändern, um weitere chemische Arbeitsstoffe oder
Tätigkeiten einzubeziehen.

Artikel 10
Gesundheitsüberwachung
(1) Unbeschadet des Artikels 14 der Richtlinie 89/391/EWG treffen die Mit-
gliedstaaten Vorkehrungen für die Durchführung einer angemessenen Überwa-
chung der Gesundheit der Arbeitnehmer, für die die Ergebnisse der Bewertung
nach Artikel 4 ein Gesundheitsrisiko erkennen lassen. Diese Vorkehrungen,
einschließlich der Anforderungen für die Gesundheits- und Expositionsakten
sowie deren Verfügbarkeit, werden entsprechend den innerstaatlichen Rechts-
vorschriften und Gepflogenheiten eingeführt.
Eine Gesundheitsüberwachung, deren Ergebnisse bei der Durchführung von
Vorbeugungsmaßnahmen an dem konkreten Arbeitsplatz zu berücksichtigen
sind, ist in den Fällen angemessen, in denen
– die Exposition der Arbeitnehmer gegenüber einem gefährlichen chemischen
Arbeitsstoff mit einer bestimmbaren Krankheit oder einer gesundheitsschäd-
lichen Auswirkung zusammenhängen kann und
– eine Wahrscheinlichkeit besteht, dass die Krankheit oder Auswirkung unter
den besonderen Arbeitsbedingungen des Arbeitnehmers auftritt, und
– das Risikopotential der Untersuchungstechnik für den Arbeitnehmer gering
ist.
Zudem müssen anerkannte Techniken zur Feststellung von Anzeichen der
Krankheit bzw. Auswirkung zur Verfügung stehen.
In den Fällen, in denen ein verbindlicher biologischer Grenzwert nach An-
hang II festgelegt wurde, ist die Gesundheitsüberwachung für Arbeiten mit
dem betreffenden Arbeitsstoff gemäß den in Anhang II vorgesehenen Verfahren
eine zwingend vorgeschriebene Anforderung. Die Arbeitnehmer sind über
diese Anforderung zu unterrichten, bevor ihnen eine Arbeit zugewiesen wird,

255
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
RL 98/24 EG

die mit dem Risiko einer Exposition gegenüber dem angegebenen gefährlichen
chemischen Arbeitsstoff verbunden ist.
(2) Die Mitgliedstaaten treffen Vorkehrungen, um sicherzustellen, dass für
jeden Arbeitnehmer, der der Gesundheitsüberwachung nach Absatz 1 unter-
liegt, persönliche Gesundheits- und Expositionsakten geführt und auf dem
neuesten Stand gehalten werden.
(3) Gesundheits- und Expositionsakten enthalten eine Zusammenfassung der
Ergebnisse der durchgeführten Gesundheitsüberwachung und der für die Expo-
sition der betreffenden Person repräsentativen Überwachungsdaten. Eine bio-
logische Überwachung und damit zusammenhängende Anforderungen können
Teil der Gesundheitsüberwachung sein.
Die Akten sind in angemessener Weise zu führen, so dass sie zu einem späteren
Zeitpunkt unter Berücksichtigung der Schweigepflicht konsultiert werden
können.
Der zuständigen Behörde ist auf Verlangen eine Kopie der entsprechenden
Akten zu übermitteln. Der einzelne Arbeitnehmer erhält auf Verlangen Zugang
zu der ihn persönlich betreffenden Gesundheits- und Expositionsakte.
Stellt ein Unternehmen seine Tätigkeit ein, so sind die Gesundheits- und Expo-
sitionsakten der zuständigen Behörde zur Verfügung zu stellen.
(4) Ergibt die Gesundheitsüberwachung,
– dass ein Arbeitnehmer an einer bestimmbaren Krankheit leidet oder dass
sich bei ihm eine gesundheitsschädliche Auswirkung zeigt, die nach Auffas-
sung eines Arztes oder eines Arbeitsmediziners das Ergebnis der Exposition
gegenüber einem gefährlichen chemischen Arbeitsstoff bei der Arbeit ist,
oder
– dass ein verbindlicher biologischer Grenzwert überschritten worden ist,
so ist der Arbeitnehmer von dem Arzt oder einer anderen entsprechend qualifi-
zierten Person über die ihn persönlich betreffenden Ergebnisse zu unterrichten,
wozu auch Informationen und Beratung über Gesundheitsüberwachungsmaß-
nahmen, denen er sich nach Abschluss der Exposition unterziehen sollte, zäh-
len, und
so muss der Arbeitgeber
– die gemäß Artikel 4 Absatz 1 vorgenommene Risikobewertung überprüfen;
– die vorgesehenen Maßnahmen zur Ausschaltung oder Verringerung von
Risiken gemäß den Artikeln 5 und 6 überprüfen;
– den Rat des Arbeitsmediziners oder einer anderen entsprechend qualifizier-
ten Person oder der zuständigen Behörde berücksichtigen und alle erforder-
lichen Maßnahmen zur Ausschaltung oder Verringerung des Risikos gemäß

256
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
RL 98/24 EG

Artikel 6 durchführen, wozu auch die Möglichkeit zählt, dem Arbeitnehmer


eine andere Tätigkeit zuzuweisen, bei der kein Risiko einer weiteren Exposi-
tion besteht;
– Vorkehrungen für eine kontinuierliche Gesundheitsüberwachung treffen
und für eine Überprüfung des Gesundheitszustands aller anderen Arbeit-
nehmer sorgen, die in ähnlicher Weise exponiert waren. In diesen Fällen
kann der zuständige Arzt oder Arbeitsmediziner oder die zuständige Behör-
de vorschlagen, dass exponierte Personen einer ärztlichen Untersuchung un-
terzogen werden.

Artikel 11

Anhörung und Mitwirkung der Arbeitnehmer


Die Anhörung und Mitwirkung der Arbeitnehmer und/oder ihrer Vertreter in
den von dieser Richtlinie und ihren Anhängen erfassten Angelegenheiten er-
folgt gemäß Artikel 11 der Richtlinie 89/391/EWG.

Artikel 12

Anpassung der Anhänge, Ausarbeitung und Annahme


technischer Leitlinien
(1) Rein technische Anpassungen der Anhänge infolge
– der Verabschiedung von Richtlinien im Bereich der technischen Harmonisie-
rung und Normung betreffend chemische Arbeitsstoffe und/oder
– des technischen Fortschritts, der Entwicklung internationaler Normen oder
Spezifikationen sowie neuer Erkenntnisse über chemische Arbeitsstoffe
werden nach dem Verfahren des Artikels 17 der Richtlinie 89/391/EWG vorge-
nommen.
(2) Die Kommission stellt unverbindliche praktische Leitlinien auf. Diese
Leitlinien beziehen sich auf die in den Artikeln 3, 4, 5 und 6 sowie in Anhang II
Nummer 1 genannten Themen.
Die Kommission hört zunächst den Beratenden Ausschuss für Sicherheit, Ar-
beitshygiene und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz gemäß dem Beschluss
74/325/EWG.
Im Rahmen der Anwendung dieser Richtlinie berücksichtigen die Mitglied-
staaten soweit wie möglich diese Leitlinien bei der Festlegung ihrer einzel-
staatlichen Politik für den Schutz von Gesundheit und Sicherheit der Arbeit-
nehmer.

257
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
RL 98/24 EG

Artikel 13
Aufhebung und Änderung früherer Richtlinien
(1) Die Richtlinien 80/1107/EWG, 82/605/EWG und 88/364/EWG werden zu
dem in Artikel 14 Absatz 1 genannten Zeitpunkt aufgehoben.
(2) Die Richtlinie 83/477/EWG des Rates vom 19. September 1983 über
den Schutz der Arbeitnehmer gegen Gefährdung durch Asbest am Arbeits-
platz (zweite Einzelrichtlinie im Sinne des Artikels 8 der Richtlinie
80/1107/EWG) (1) wird wie folgt geändert:
a) In Artikel 1 Absatz 1 Satz 1 werden folgende Worte gestrichen:
„der zweiten Einzelrichtlinie im Sinne von Artikel 8 der Richtlinie
80/1107/EWG“.
b) Artikel 9 Absatz 2 erhält folgende Fassung:
„(2) Die erforderlichen Änderungen zur Anpassung der Anhänge dieser
Richtlinie an den technischen Fortschritt werden nach dem Verfahren des
Artikels 17 der Richtlinie 89/391/EWG des Rates vom 12. Juni 1989 über die
Durchführung von Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit und des
Gesundheitsschutzes der Arbeitnehmer bei der Arbeit (*) vorgenommen.

(*) ABl. L 183 vom 29. 6. 1989, S. 1.“


c) In Artikel 15 Nummer 1 Unterabsatz 2 werden die Worte „nach dem Ver-
fahren des Artikels 10 der Richtlinie 80/1107/EWG“ durch folgende Worte
ersetzt: „nach dem Verfahren des Artikels 17 der Richtlinie 89/391/EWG“.
(3) Die Richtlinie 86/188/EWG des Rates vom 12. Mai 1986 über den Schutz
der Arbeitnehmer gegen Gefährdung durch Lärm am Arbeitsplatz (2) wird wie
folgt geändert:
a) In Artikel 1 Absatz 1 werden folgende Worte gestrichen:
„die dritte Einzelrichtlinie im Sinne der Richtlinie 80/1107/EWG“.
b) Artikel 12 Absatz 2 Unterabsatz 2 erhält folgende Fassung:
„Die Anpassung der Anhänge I und II an den technischen Fortschritt wird
nach dem Verfahren des Artikels 17 der Richtlinie 89/391/EWG des Rates
vom 12. Juni 1989 über die Durchführung von Maßnahmen zur Verbesse-
rung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Arbeitnehmer bei der
Arbeit (*) vorgenommen.

(*) ABl. L 183 vom 29. 6. 1989, S. 1.“

(1) ABl. L 263 vom 24. 9. 1983, S. 25. Richtlinie geändert durch die Richtlinie 91/382/EWG (ABl. L 206 vom 29. 7.
1991, S. 16).
(2) ABl. L 137 vom 24. 5. 1986, S. 28.

258
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
RL 98/24 EG

(4) In den Richtlinien 83/477/EWG und 86/188/EWG wird jede sonstige


Bezugnahme auf die Richtlinie 80/1107/EWG ab dem Zeitpunkt der Aufhe-
bung der letztgenannten Richtlinie gegenstandslos.
(5) Die Richtlinien 91/322/EWG und 96/94/EG bleiben in Kraft.

Abschnitt IV
Schlussbestimmungen

Artikel 14
(1) Die Mitgliedstaaten erlassen die erforderlichen Rechts- und Verwaltungs-
vorschriften, um dieser Richtlinie spätestens am 5. Mai 2001 nachzukommen.
Sie setzen die Kommission unverzüglich davon in Kenntnis.
Wenn die Mitgliedstaaten Vorschriften nach Absatz 1 erlassen, nehmen sie in
den Vorschriften selbst oder durch einen Hinweis bei der amtlichen Veröffent-
lichung auf die Richtlinie Bezug. Sie regeln die Einzelheiten der Bezugnahme.
(2) Die Mitgliedstaaten teilen der Kommission den Wortlaut der innerstaatli-
chen Rechtsvorschriften mit, die sie auf dem unter diese Richtlinie fallenden
Gebiet bereits erlassen haben oder noch erlassen werden.

Artikel 15
Die Mitgliedstaaten berichten der Kommission alle fünf Jahre über die prakti-
sche Durchführung dieser Richtlinie und geben dabei auch die Standpunkte der
Sozialpartner an. Die Kommission unterrichtet hierüber das Europäische Par-
lament, den Rat sowie den Wirtschafts- und Sozialausschuss.

Artikel 16
Diese Richtlinie tritt am zwanzigsten Tag nach ihrer Veröffentlichung im
Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften in Kraft.

Artikel 17
Diese Richtlinie ist an die Mitgliedstaaten gerichtet.
Geschehen zu Luxemburg am 7. April 1998.
Im Namen des Rates
Der Präsident
D. BLUNKETT

259
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
ANHANG I

260
Verzeichnis verbindlicher Arbeitsplatzgrenzwerte

Arbeitsplatzgrenzwert Arbeitsplatzgrenzwert
EINECS- CAS- 8 Std. (3) Kurzeitgrenzwert (4)
Bezeichnung des Arbeitsstoffs
RL 98/24 EG

Nummer (1) Nummer (2)


mg/m³ (5) ppm (6) mg/m³ ppm
Anorganisches Blei und seine
0,15
Verbindungen

(1) EINECS: Europäisches Verzeichnis der auf dem Markt vorhandenen chemischen Stoffe.
(2) CAS: Chemical Abstracts Service.
(3) Gemessen oder berechnet in Bezug auf einen Referenzzeitraum von 8 Stunden, zeitlich gewichtetes Mittel.
(4) Expositionsgrenzwert, der nicht überschritten werden sollte und der – sofern nicht anders angegeben – auf einen Zeitraum von 15 Minuten bezogen ist.
(5) mg/m³: Milligramm pro Kubikmeter Luft bei 20 °C und 101,3 kPa.
(6) ppm: Volumenteile pro Million in Luft (ml/m³).

Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009


Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
RL 98/24 EG

ANHANG II
Verbindliche biologische Grenzwerte und Gesundheitsüberwachungs-
maßnahmen
1. Blei und seine Ionenverbindungen
1.1. Die biologische Überwachung umfasst die Messung des Blutbleispiegels
(PbB) durch Absorptionsspektroskopie oder ein gleichwertiges Verfah-
ren; der entsprechende biologische Grenzwert beträgt:
70 µg Pb/100 ml Blut.
1.2. Eine medizinische Überwachung wird in folgenden Fällen durchgeführt:
– Exposition gegenüber einer Konzentration von mehr als 0,075 mg/m³
Blei in der Luft, berechnet als zeitlich gewichteter Mittelwert bezogen
auf 40 Stunden pro Woche, oder
– Höhe des individuellen Blutbleispiegels der Arbeitnehmer von mehr
als 40 m g Pb/100 ml Blut.
1.3. Praktische Leitlinien für die biologische und die medizinische Überwa-
chung werden nach Artikel 12 Absatz 2 ausgearbeitet. Einzubeziehen
sind dabei Empfehlungen für biologische Indikatoren (z.B. ALAU, ZPP,
ALAD) und Methoden der biologischen Überwachung.

261
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
RL 98/24 EG

ANHANG III
Verbote
Die Herstellung und Verarbeitung der nachstehend genannten chemischen
Arbeitsstoffe, ihre Verwendung bei der Arbeit sowie die entsprechenden Tätig-
keiten sind verboten. Das Verbot gilt nicht, wenn der chemische Arbeitsstoff in
einem anderen chemischen Arbeitsstoff oder als Bestandteil von Abfällen vor-
liegt, sofern seine einzelne Konzentration unter der angegebenen Grenze liegt.

a) Chemische Arbeitsstoffe

Konzen-
EINECS- CAS-
Bezeichnung des Arbeitsstoffs trationsgrenze
Nummer (1) Nummer (2)
für Freistellung
202-080-4 91-59-8 2-Naphtylamin und seine Salze 0,1 % w/w
202-177-1 92-67-1 4-Aminodiphenyl und seine Salze 0,1 % w/w
202-199-1 92-87-5 Benzidin und seine Salze 0,1 % w/w
202-204-7 92-93-3 4-Nitrodiphenyl 0,1 % w/w

(1) EINECS: Europäisches Verzeichnis der auf dem Markt vorhandenen chemischen Stoffe.
(2) CAS: Chemical Abstracts Service.

b) Tätigkeiten
Keine.

262
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
RL 2004/37 EG

Richtlinie 2004/37/EG
des Europäischen Parlaments und des Rates vom 29. April 2004 über den
Schutz der Arbeitnehmer gegen Gefährdung durch Karzinogene oder
Mutagene bei der Arbeit
(EG-ABl. Nr. L 158 S. 50 vom 30. April 2004)

DAS EUROPÄISCHE PARLAMENT UND DER RAT DER EUROPÄI-


SCHEN UNION –

263
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
RL 2004/37 EG

264
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
RL 2004/37 EG

265
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
RL 2004/37 EG

266
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
RL 2004/37 EG

267
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
RL 2004/37 EG

268
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
RL 2004/37 EG

“,

269
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
RL 2004/37 EG

270
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
RL 2004/37 EG

271
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
RL 2004/37 EG

272
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
RL 2004/37 EG

273
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
RL 2004/37 EG

274
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
RL 2004/37 EG

275
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
RL 2004/37 EG

276
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
RL 2004/37 EG

277
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009
RL 2004/37 EG

278
Quelle: www.arbeitssicherheit.de - Kooperation des DGUV mit dem Carl Heymanns Verlag
Unberechtigte Vervielfältigung verboten. Copyright © 2009