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Hölderlin-Lieder

für eine hohe Singstimme und Klavier


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1. Sonnenuntergang

Wo bist du? Trun ken däm mert die See le mir von all dei ner

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Won ne! Denn e ben ist’s, daß ich ge lauscht, wie, gold ner

Tö ne voll der ent zü cken de Son nen jüng ling sein A

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bend lied auf himm li scher Lei er spielt. Es

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tön ten rings die Wälder und Hü gel nach. Doch fer ne ist er zu from men

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Völ kern, die ihn noch eh ren, hin weg ge gan gen.

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2. Der Frühling
Sanft bewegt
dolce

Wenn auf Ge fil den neu es Ent zücken keimt und sich die

rubando, tranquillo
4

3
An sicht wieder ver schönt und sich an Ber gen,

3
7

wo die Bäu me grü nen, hel le re Lüf te, Ge wöl ke

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zei gen: O! wel che Freu de ha ben die Men schen!

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froh gehn an Ge sta den Ein sa me.

16 4

Ruh und Lust und Won ne der Ge


4

4
19 dolce

- sund heit blü het, freund li ches La chen ist auch nicht

*)

ritard. - -
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fer ne, ist auch nicht fer ne.

*) Autograph unklar: eis eventuell dis


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[ 3.] Abendphantasie
Largo, un poco andante
dolce 3

Vor sei ner Hüt te ru hig im Schat ten sitzt der Pflü ger, dem Ge

- nüg sa men raucht sein Herd. Gast freund lich

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tönt dem Wan de rer im fried li chen Dor fe die A bend

dolce

15 leggiero, ma tranquillo

- glo cke. Wohl keh ren

dolce espr.

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19
3

itzt die Schiffer zum Ha fen auch, in fer nen

poco cresc.

23 3
3

Städ ten fröhlich verrauscht des Markts ge schäftger Lärm; in stil ler

3 3

27 3 3

Lau be glänzt das ge sel li ge Mahl den Freun den.

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Wo hin denn ich? Es le ben die Sterb li chen von Lohn und

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Ar beit; wech selnd in Müh und Ruh –

belebend
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ist al les freu dig; wa rum schläft denn

3 3 3 3 3 3
3 3 3

rubato ritard.
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nimmer nur mir in der Brust der Sta chel?

abnehmend

3
3
3
3

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ruhig fließend
47 dolce leggiero 3 3

Am A bend him mel blü het ein Früh ling auf; un zäh lig blü hen die

50 3

Ro sen, und ru hig scheint die gold ne Welt; o dort hin nimmt mich purpurne

3 3

3 3 3

poco rit.
54 3 3
3 3 3

Wol ken und mö ge dro ben in Licht und Luft mir zer rin nen Lieb’ und

3
3
3 3
3 3

sub. 3
3 3 3
3 ma espr.

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a tempo ritard. allmählich immer ruhiger


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Leid. Doch, wie ver scheucht von tö ri ger Bit te,

6
3

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flieht der Zau ber; dun kel wirds und ein sam

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un ter dem Him mel, wie im mer, bin ich.

72 wie zu Anfang

Komm du nun, sanf ter Schlum mer; zu

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- viel be gehrt das Herz; doch end lich, Ju gend,ver

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- glühst du ja! Du ru he lo se, träu me ri sche! Fried lich und hei ter

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ist dann das Al ter.


espr.

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cresc.
dim.

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