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7 | 2009

Sterne und Weltraum

astronomie-heute.de
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Pos

40 Jahre Apollo 11
Wie die Menschheit den
Erdtrabanten eroberte
D 5496

Die Mond-Pioniere herschel und Planck Nachtseite der Venus Praxistest


Zeitzeugen schildern das Europas neue Per Infrarot unter den Ein Newton-Teleskop
große Abenteuer Weltraumteleskope Schleier geschaut für die Astrofotografie
Editorial
Juli 2009  SuW 48  Nr. 7

Uwe Reichert
Chefredakteur

Mond-Geschichte(n)
Liebe Leserin, lieber Leser,

der 20. Juli 1969 ist in den Geschichtsbüchern der Menschheit ein besonderes
Datum. Erstmals betraten Astronauten einen anderen Himmelskörper. Und etwa
eine halbe Milliarde Menschen waren dank des noch jungen Massenmediums
Fernsehen live dabei. Gebannt verfolgte auch ich die stark verrauschten TV-Bilder
vom Mond. Neil Armstrong, Edwin Aldrin – der seinen Vornamen später amtlich
in Buzz ändern ließ – und, nicht zu vergessen, Michael Collins wurden zu den Hel-
den meiner Jugend und einer ganzen Generation.

Anlässlich des 40. Jahrestags der ersten Mondlandung haben wir einen Teil des
vorliegenden Hefts dem »kleinen Schritt für einen Menschen, aber großen
Sprung für die Menschheit« gewidmet. Wir lassen Zeitzeugen zu Wort kommen:
Harro Zimmer und Günter D. Roth saßen damals in Rundfunk- und Fernsehstu-
dios an privilegierter Stelle und erzählen aus ihren Erinnerungen (S. 28 und 42).
Der Raumfahrtjournalist Gerhard Daum interviewt den »zweiten Mann auf dem
Mond«, Buzz Aldrin (S. 46), und Eugen Reichl schildert anhand des Funkverkehrs
zwischen Apollo 11 und der Bodenstation, was wirklich die ersten Worte auf dem
Erdtrabanten waren (S. 40).

Auf andere Weise schrieb der Mond bereits vor 400 Jahren Geschichte, als Galileo
Galilei ein Fernrohr auf ihn richtete und Berge und Krater erkannte. Die Folge-
rungen, die der Gelehrte aus diesen und anderen Beobachtungen zog, stürzten ein
Weltbild – und lösten einen Disput zwischen Wissenschaft und Kirche aus, der die
Gemüter noch immer erregt. Der Wissenschaftshistoriker Elio Nenci fasst im letz-
ten Teil unserer Galilei-Serie den Streit um den »Fall Galilei« zusammen (S. 50).

Welche Geschichte der Mond wohl künftig schreibt? Zum Titelbild:


Apollo-11-Astronaut Buzz Aldrin war – nach
Herzlich grüßt Ihr Neil Armstrong – der zweite Mensch, der
seinen Fuß auf die staubige Oberfläche des
Erdmonds setzte. In einem Interview erin-
nert er sich an dieses Abenteuer (S. 46).

NASA

www.astronomie-heute.de Juli 2009 3


Inhalt
inhalt

D. Einsel / G. Daum
24
Herschel und Planck: 46
Gipfeltreffen im All Interview mit Buzz Aldrin
Großer Jubel herrschte beim erfolgreichen Als sei es gestern gewesen: Vierzig Jahre
Start der beiden Weltraumobservatorien nach der ersten Mondlandung erzählt der
im Europäischen Weltraumkontrollzen- Apollo-11-Astronaut von seinem großen
trum ESOC in Darmstadt. Abenteuer.

ESA

Blick in die Forschung Welt DER WISSENSCHAFT AKTUELLES AM HIMMEL


Nachrichten Titelthema – 62 Monatsthema:
12 • Orionnebel noch aktiver Raumfahrt-Geschichte Statio Tranquillitatis – auf den
als gedacht 28 Apollo 11 auf dem Mond Spuren von Apollo 11
• Schwache Signale einer Vorgeschichte und Flugverlauf 63 Feldstechertipp:
Sternleiche der ersten bemannten Landung Die beiden Sternhaufen
13 • Keine Gefahr für die Erde auf dem Erdtrabanten. M 16 und M 17
durch Gammastrahlen-Bombe  Von Harro Zimmer
WR 104 Der Himmel im Überblick
Die Mondlandung 64 Abend- und Morgenhimmel
14 • Eine wilde Hochzeit
40 Die ersten Worte
• Der 61. Saturnmond 67 Astronomische Ereignisse
auf dem Mond
16 • Weltraumteleskop Hubble
Das Sonnensystem
ist runderneuert Raumfahrt-Geschichte
68 Der Lauf des Mondes
• SuW-Gewinnspiel 42 Achter mit Steuermann
Die Planeten
17 • Infrarotteleskop Spitzer Achtköpfiges Expertenkollegium
nun ohne Kühlmittel mit Moderator unterstützt 69 Zwergplaneten
Apollo-Sonderberichterstattung 70 Planetoiden
Kurzberichte  Von Günter D. Roth 71 Meteore • Kometen
18 Wo werden die
Interview Objekte des Monats
Kometenkristalle gebacken?
46 mit Buzz Aldrin 72 Der Sternhimmel
20 Ein neuer substellarer
Methusalem? Galileo-Serie, Teil 9 74 Der Sternhaufen M 11
50 Glaubenshüter und Paladine und die Gasblase NGC 6888
21 Die Distanz des Spirografnebels
der Vernunft 76 Der Planetarische Nebel
IC 418
Der historiografische Streit um NGC 6210 im Sternbild Herkules
23 Zum Nachdenken – Galilei vom 17. bis zum 19. Jahr-
Der Spirografnebel hundert Von Elio Nenci
24 Herschel und Planck –
Gipfeltreffen im All

RUBRIKEN 114 Lösungen: Zum Nachdenken,


3 Editorial Wer war’s?, Kreuzworträtsel,
8 Leserbriefe Gewinnspiel
10 Leser fragen, Experten antworten 117 Impressum, Kleinan­zeigen
105 Termine 118 Astromarkt, Autoren
108 Neu erschienen 120 Empfehlungen der Redaktion
113 Wer war’s?, Kreuzworträtsel 122 Vor­schau

6 Juli 2009 Sterne und Weltraum


28, 40, 42
TITELTHEMA
Apollo 11 auf dem Mond
Was geschah Mitte Juli 1969 auf dem Erd-
trabanten, und wie berichteten seinerzeit
die Medien über diesen »großen Sprung für
die Menschheit«?
NASA

Astronomie und Praxis


Teleskope
78 Bresser Messier PN-203: ein foto-
optimiertes Newton-Teleskop
 Von Bernd Weisheit
Beobachtungen
84 Die Nachtseite der Venus
 Von Silvia Kowollik
Wunder des Weltalls
90 Leserbildgalerie:
Die Brennweite ist entscheidend: 50
Große Felder – winzige Details Glaubenshüter und
Paladine der Vernunft
Astroszene
Der Konflikt zwischen Wissen und
96 100 Stunden Astronomie
96 Zufriedene Gesicher Glauben von Galilei bis heute.
in Deutschland Von Bernd Weisheit
97 Fantasiereiches Treiben
in Österreich Von Thomas Posch
 und Gabriel Stöckle
99 Romantik in den Schweizer
78
Alpen Von Mirco Saner
Bresser Messier
PN-203
102 Die Astronomiebörse ATT 2009  Dieses Teleskop ist spe-
 Von Bernd Weisheit
ziell für die Astrofoto-
106 Kunstausstellung »Der Mond« in grafie ausgelegt. Hält
Silvia Kowollik

Köln • Kepler-Tage für die Schule das Instrument, was es


u.v.m. verspricht?

84
Die Nachtseite
der Venus
das sind unsere Coverthemen Mittels moderner Bildbearbeitungs-
it
ishe

Unser Projekt programme werden im Infraroten


d We

»Wissenschaft in die Schulen!« Wolkenstrukturen und Details der


Bern

Zum Nachdenken festen Oberfläche sichtbar.

www.astronomie-heute.de Juli 2009 7


Leserbriefe

Satellitenkolli­sionen
und Aliens

Die kleinen grünen Männchen haben bald


keine Chance mehr: Die Trümmerwolken
(siehe SuW 4/2009, S. 26) und die vielen
Satelliten, die unsere Erde umkreisen,
werden irgendwann so zahlreich sein,
dass sie quasi einen Schutzschild gegen
die auf unseren Planeten eindringenden
grünen Männchen bilden. Wir kommen
natürlich dann auch nicht mehr weg von
hier. Die Menschen bauen sich einen

ESA / SuW
Zaun um ihr Zuhause …
 Roland Newald, Crimmitschau

Tierkreissternbilder vor 1928


Ich möchte mich kurz vorstel- Grenzen festlegte? Zum Es gibt keine Tabellen mit gab vor dem Jahr 1928 niemals
len: Ich bin keine Astronomin, Beispiel, wie waren sie in den prä-IAU-Grenzen für die Stern- eine präzise Definition.
sondern Psychologin; ich Himmelsatlanten des 17. und bilder. In Himmelsatlanten des Anscheinend war der fran-
beschäftige mich als Hobby 18. Jahrhunderts eingetragen? 19. Jahrhunderts, zum Beispiel zösische Kartograf Didier Ro-
mit dem Frühlingspunkt, der War Ophiuchus, der in Bodes »Uranographia« von bert de Vaugondy (1723 – 1786)
Präzession und verwandten Schlangenträger, damals auch 1801, sind oftmals Grenzen der erste, der jemals Stern-
Fragen. Was ich gerne wissen schon ein Tierkreissternbild? eingezeichnet. Aber diese bildgrenzen zeichnete, und
würde: Wie war die Größe der Gibt es eine Tabelle mit den sind einfach nur freihändig zwar auf einem Paar von Pla-
einzelnen Tierkreissternbilder vor-IAU-Grenzen? Vielleicht derart gezogen worden, dass nisphären, die er im Jahr 1764
(in ekliptikaler Länge) ange- besitzt bei Ihnen jemand alte alle Sterne, die früher einmal publizierte. Der erste deutsche
nommen worden, bevor die Atlanten und kann für mich einem bestimmten Sternbild Atlas mit Sternbildgrenzen war
Internatio­nale Astronomische nachschauen? zugewiesen worden sind, inner- Johann Elert Bodes »Vorstel-
Union sie auf ihre heutigen  Pamela aus Brasilien halb dieser Grenzen lagen. Es lung der Gestirne auf XXXIV
Kupfertafeln nach der Pariser
Ausgabe des Flamsteedschen
Himmels Atlas« aus dem Jahr
1782 (siehe Karte links).
Was nun im Speziellen die
traditionellen Grenzen der
Tierkreissternbilder anbelangt:
Die­se könnte man grob ermit-
teln, indem man die östlichsten
und westlichsten Sterne
heraussucht, die zum Beispiel
Johann Elert Bode: Vorstellung der Gestirne auf XXXIV Kupfertafeln

im »Almagest« des Ptolemäus


oder in anderen alten Stern-
katalogen dem jeweiligen
Sternbild zugewiesen worden
sind. Ophiuchus wurde auch
in diesen alten Quellen von
der Ekliptik durchschnitten, ist
aber trotzdem nie als Tierkreis-
sternbild betrachtet worden.
 Robert van Gent,
 Arbeitskreis
 Geschichte der
 Astronomischen
 Gesellschaft

8 Juli 2009 Sterne und Weltraum


Briefe
Es war wirklich der Komet C/1618 III an die Redaktion
Weitere Einsendungen finden Sie
Den interessanten Beitrag »Komet über einen langen Schweif gehabt haben; auf unserer Homepage unter www.
Heidelberg« von Stefan Oldenburg in Landgraf gibt seine Helligkeit aber nur astronomie-heute.de/leserbriefe, wo
SuW 4/2009, S. 94 – 97, habe ich zum An- mit maximal 1,5 bis 3,5 Größenklassen an. Sie auch Ihren Leserbrief direkt in ein
lass genommen, einmal selbst etwas zu  Joachim W. Ekrutt, Formular eintragen können.
recherchieren. Dabei darf ich Sie auf zwei  Hamburg Zuschriften per E-Mail: 
wichtige Werke hinweisen, die seine Inter- leserbriefe@astronomie-heute.de
pretation bestätigen, und zwar einmal Schön, dass Sie sich mit der Geschichte
ó Gary W. Kronk: Cometography, Band alter Kometen befassen. Zu Ihrem Artikel
1, Seite 335 ff., 1999 (das Standardwerk habe ich noch einige Dinge gefunden.
schlechthin, das in Ihrem Beitrag erstaun- Herr Oldenburg hat wahrscheinlich Darstellung um die Ansicht dieses Kome-
licherweise nicht erwähnt wird), und Recht: Es handelt sich wohl um den ten am Morgenhimmel über Heidelberg
ó Werner Landgraf, Die Sterne, S. 351, hellen Schweifstern aus dem November handelt, dann zeigt der Schweif nicht in
1985 (dort enthalten die einzige mir des Jahres 1618, denn im Jahr 1619 gab die richtige Richtung, denn der Schweif
bekannte Bahnberechnung des Kometen es keine nennenswerten Kometen. war in der Zeit um den 20. November 1618
1618 III) Allerdings gibt mir die Darstellung des wohl nach West bis Westnordwest aus-
Von Kronk werden alle bekannten Schweifs Rätsel auf: Wenn es sich bei der gerichtet. Vielleicht hat der Künstler das
Beobachtungen referiert. Danach war der genauso vernachlässigt wie eine exakte
Komet allerdings nur vom 11. November Darstellung des Sternhimmels.
bis 9. Dezember 1618 zu sehen, so dass Ihre In meinem Besitz befindet sich eine
Angabe ab Anfang September wohl nicht Klippe, eine eckige Medaille der Stadt
stimmen kann. Der Komet war nur am Frankfurt am Main aus dem Jahr 1618, die
Morgenhimmel sichtbar. Die von Landgraf eben diesen hellen Novemberkometen
en
ds
ar

und Kronk angegebenen Positionen zeigt. Zu sehen ist die Darstellung des
ich
kR

stimmen mit dem Kupferstich (Richtung Kometen neben einem Stern. Dabei wird
an
Fr

Südosten) gut überein, denn dort sind es sich wohl um Merkur handeln, der zu
morgens im November die Sternbilder jener Zeit recht deutlich neben dem Kome-
Wasserschlange, Jungfrau und Rabe zu ten sichtbar war. Unter der Darstellung ist
sehen. Im November 1618 war am 16. das Datum zu lesen »ANNO 1618, 19. NO«.
Neumond, so dass kein Mondlicht störte, Ein weiterer recht brauchbarer Hinweis
und helle Planeten waren nicht zu sehen. zu diesem Kometen findet sich übrigens
Mit der Schweiflänge und der Hellig- auch in den Ulmer Stadtchroniken.
keit hat Merian aber wohl etwas übertrie- Der Komet von 1618, dargestellt auf einer  Frank Richardsen,
ben. Zwar soll der Komet im November Klippe, einer eckigen Medaille.  STARNBERG

Hingelegt?
Auch nachdem ich mir das schlagsort eines Objekts dieser
Foto des Sudan-Meteoriten Größe verändert – selbst bei
(siehe SuW 5/2009, S. 20, wesentlich geringerer Ge-
2008 TC3 – Vom Asteroiden schwindigkeit.
zum Meteoriten) in Original-  Michael Pongs,
auflösung angeschaut habe:  Mönchengladbach
Peter Jenniskens / NASA

Das Fundstück – angeblich


rund zehn Zentimeter groß Zunächst ist der Fundort nicht Der Meteoriten-Suchtrupp
und in unveränderter Fund- unbedingt der Aufschlagort. in der nubischen Wüste im
lage – sieht aus wie hingelegt, Der Meteorit ist sehr wahr- Norden des Sudan.
keinesfalls wie aus größerer scheinlich nach dem ersten
Höhe gefallen. Aufschlagen noch ein wenig
Der Boden um das Fund- gesprungen oder gerollt. Das einer so genannten Endwüste bis drei Zentimeter ein (Bild
stück sieht auf dem Foto nicht ist auf fester Unterlage der – ist erstaunlich stabil und oben). Insofern ist nicht von
so aus, als ob er sich irgendwie Normalfall. fest. Ein Mensch kann darauf einer Fälschung auszugehen,
aufgewölbt hätte. Im nächstge- Zum anderen ist auf dem gehen, ohne die geringste Spur die auch keinen Sinn hätte,
legenen Sandkas­ten kann sich Bild nur scheinbar ein lockeres zu hinterlassen, und selbst ein sondern höchstens den wissen-
jeder davon überzeugen, wie Sand-Kies-Gemisch zu sehen. tonnenschwerer LKW drückt schaftlichen Wert des Fundes
sich der Boden um den Ein- Dieser Boden – die Oberfläche sich an vielen Stellen nur zwei schmälern würde.  Red.

www.astronomie-heute.de Juli 2009 9


Leser Fragen – Experten Antworten

Geomagnetische Stürme selbst beobachten?


Kann man durch systematische und langfristige Beobachtung einer Kompassnadel (Kompass irgendwo fest
montiert) magnetische Stürme auf der Sonne und deren Einfluss hier auf der Erde nachweisen?
Nach den Berichten über die Auswirkungen bei Magnetstürmen auf der Sonne – Ausfall des Funkverkehrs
und sogar Zusammenbruch der Stromversorgung – kam mir die Vermutung, dass man das sehen können
müsste.  Mit freundlichen Grüßen von den Philippinen, Klaus Bambey

D ie klare Antwort darauf lautet: ja! »Erdmagnetische Stürme«


waren sozusagen – zusammen mit Polarlichtbeobachtungen
– die ersten Beobachtungsdaten über solare Flares, als man noch
gar nicht wusste, dass und wie das alles mit der Sonne zusam-
menhängt. Und dies bereits Anfang des 19. Jahrhunderts!
Der letzte sehr starke Sturm ereignete sich am 29. Oktober
2003, bei dem sich die Magnetfeldrichtung in Europa für einige
Zeit um volle drei Grad änderte. Schwankungen der Magnetfeld-
richtung um einige Zehntel Grad sind bei erdmagnetischen Stür-
men und Polarlichtbeobachtungen relativ häufig. Also, das sollte
sich mit etwas Sorgfalt ganz gut beobachten lassen.
Ich bin eigentlich kein Experte auf dem Feld der solarter-
restrischen Beziehungen. Aber als »Leserbrief-Onkel« von SuW
interessiere ich mich für vielerlei Themen. Die Frage von Herrn
Bambey hat mich neugierig gemacht, deshalb habe ich ein wenig
recherchiert. Und siehe da: Es gibt eine richtige Hobbybeob­achter-
Szene.

SOHO / Lasco C2
Die europäische Amateur-Selbstbau-Magnetometer-Gemeinde
findet man unter www.sam-europe.de; nette und relativ einfa­che
Bauanleitungen finden sich unter www.astro.uni-bonn.de/
~kbagschi/magnet-d.shtml und www.mydarc.de/dl3hrt/sam.htm
Einen ersten Einstieg in das Thema der geomag­ne­tischen Einen koronalen Massenauswurf von der Sonne (links), der von
Stürme bietet unter anderem Wikipedia: de.wikipedia.org/wiki/ einer starken chromosphärischen Eruption ausgelöst wurde,
Magnetischer_Sturm. Genauere Informationen über die Häufig­ beobachtete die Raumsonde SOHO am 24. Januar 2007. Wenn
keit und Auswirkungen von Stürmen – klassifiziert nach dem so eine solche Gaswolke die Erde trifft, dann löst sie Änderungen des
genannten Kp-Index – fand ich bei www.swpc.noaa.gov/ Erdmag­netfelds, Polarlichter und möglicherweise auch technische
NOAAscales/, und die zu deren Interpretation nötige Defini- Störungen auf der Erde und bei Satelliten aus.
tion des Kp-Index und dessen Übersetzung in tatsächliche
Magnetfeldvaria­tionen in Nanotesla steht in www.swpc.noaa.
gov/info/Kindex.html.
Aus all dem ergab sich (nach meinem
Änderungen des Erdmagnetfelds
Verständnis und nach etwas Rechne-
rei, unter der Annahme einer totalen Größe der Änderung Häufigkeit
Horizontalkomponente des Magnetfelds volle Ablenkungen von 3 Grad selten
bei mittleren Breiten von 20 Mikrotesla) Änderungen von 1,5 Grad ca.     4 mal pro 11 Jahre (an     4 Tagen)
die nebenstehende kleine Tabelle für den Änderungen von 1,0 Grad ca.   100 mal pro 11 Jahre (an    60 Tagen)
potenziellen Praktiker. Die letzte Zeile be-
Änderungen von 0,7 Grad ca.   200 mal pro 11 Jahre (an   100 Tagen)
sagt, dass mit ausgefeilten Amateurme-
Änderungen von 0,2 Grad ca. 2000 mal pro 11 Jahre (an 1000 Tagen)
thoden beobachtbare Effekte im Mittel
alle paar Tage, und während des Flecken-
maximums wohl fast täglich eintreten.
Ulrich Bastian ist Astronom am Astronomischen Rechen-Institut
in Heidelberg. Sein professioneller Arbeitsbereich ist die hochgenaue
Positions- und Parallaxenmessung mit Satelliten. Nebenbei ist er seit
fast 15 Jahren der Leserbriefredakteur von SuW.

Senden Sie uns Ihre Fragen zu Astronomie und Raumfahrt! Wir bitten Experten um Antwort und stellen die interessantesten Beiträge vor.

10 Juli 2009 Sterne und Weltraum


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Blick in die Forschung: Nachrichten

Orionnebel noch aktiver als gedacht

E in internationales Astro-
nomenteam nutzte Bilder
und spektroskopische Daten,
wurde dabei vom Weltraumte-
leskop Spitzer in noch lang-
welligeren Infrarotbereichen
um die Sternbildungsaktivität ergänzt. Das Submillimeter-
in der Orion-Molekülwolke Interferometer des Instituts
zu kartieren. Diese erstreckt für Radioastronomie im Milli-
sich über rund sechs Grad am meterbereich (IRAM) auf dem
Himmel, das entspricht dem Plateau de Bure in Frankreich
zwölffachen Durchmesser des erstellte zusätzlich Karten der
Vollmonds. Aber der größte ausgedehnten kalten Molekül-
Teil dieser riesigen Wolke ist und Staubwolken.
unsichtbar und lässt sich nur Zwar war schon seit Lan­gem
im Infraroten untersuchen, da bekannt, dass sich im Orionne-
dichte Staubwolken im Visu- bel viele Sterne bil­den, aber
ellen die Sicht versperren. die Intensität der Sternbildung
Die Orion-Molekülwolke überraschte die Forscher nun
füllt fast das ganze Sternbild doch. Bei ihrer Durchmuste-
Orion aus, sie be­ginnt deutlich rung hielten sie Ausschau
oberhalb des Kopfs des Him- nach den so genannten Jets, 22,5 Bogenminuten

JAC / UKIRT
melsjägers und ragt noch über schnellen Gasströmen, die von 10 Lichtjahre
seine Füße hinaus. Der am sehr jungen Sternen kurz nach
leichtesten zu beobachtende der Zündung der Kernfusion
Teil der Orion-Molekülwolke in ihrem Inneren ausgestoßen Diese Infrarotaufnahme des Großen Orionnebels entstand mit dem
ist der Große Orionnebel. werden. Diese Jet-Phase dauert 3,8-Meter-UKIRT-Teleskop auf Hawaii.
Für die Durchmusterung der nur etwa 10 000 Jahre.
Orion-Molekülwolke setzte das Insgesamt 110 Jets machten
Forscherteam um Chris Davis die Forscher aus, in denen die Forscher bei fast allen Jets aus der Umgebung an sich
vom Joint Astronomy Centre sich heißes Gas mit Geschwin- die verursachenden jungen ziehen können und damit ihre
auf Hawaii mehrere Instru- digkeiten zwischen rund Sterne. Sie sind meist noch Masse erhöhen. Außerdem
mente ein, die unterschied- zehn und einigen Hundert von einer dichten Hülle aus lässt sich damit die Frage
liche Wellenlängenbereiche im Kilometern pro Sekunde Gas und Staub umgeben, klären, was das Wachstum der
Infraroten und im Submillime- in eng begrenzten Strahlen einem Überrest der Wolke, aus jungen Sterne beendet und
terbereich abdecken. bewegt. Die Jets können sich der sie sich einst bildeten. das weitere Anwachsen ihrer
Das 3,8-Meter-Teleskop dabei über mehrere Lichtjahre Mit einer solch hohen Massen verhindert. Außerdem
UKIRT (United Kingdom ausbreiten. Durch die Kom- Anzahl an Sternen in dieser erhofft man sich Aufschluss
In­­frared Telescope) auf dem bination der Aufnahmen in kurzlebigen Jet-Phase lassen darüber, wie benachbarte
Mauna Kea, Hawaii, lieferte unterschiedlichen Wellenlän- sich Aussagen darüber treffen, Sterne die Geburt neuer Sterne
Übersichtsaufnahmen und genbereichen identifizierten wie lange diese Gas und Staub beeinflussen.

Schwache Signale einer Sternenleiche


ESA / XMM-Newton / EPIC (P. Esposito et al.)

SGR 1627–41
M it dem europäischen Röntgensa-
telliten XMM-Newton gelang es
einem Team um Sandro Mereghetti am
lung aussendet und dann für mehrere
Jahre verstummt.
Derzeit sind fünf dieser Objekte
Istituto di Astrofisica Spaziale e Fisica bekannt, davon befinden sich vier in
Cosmica in Mailand, die Rotationsperio­ unserem Milchstraßensystem und eines
de eines »Soft Gamma-Ray Repeaters« in der Großen Magellanschen Wolke.
(SGR) zu messen. Dabei handelt es sich SGRs unterscheiden sich von anderen
um einen Neutronenstern mit etwa der Neutronensternen dadurch, dass sie ein
anderthalbfachen Masse der Sonne, der etwa tausendmal so starkes Magnetfeld
Der Röntgensatellit XMM-Newton lichtete immer wieder für einige Tage oder Wo- besitzen. Daher werden sie von manchen
die schwache Quelle SGR 1627-41 ab. chen kurze Blitze weicher Gammastrah- Astronomen auch als Magnetare be-

12 Juli 2009 Sterne und Weltraum


zeichnet. Das Forscherteam aus Mailand
beobachtete das rund 36 000 Lichtjahre
Keine Gefahr für die Erde
von uns entfernte Objekt SGR 1627–41
im südlichen Sternbild Winkelmaß durch Gammastrahlen-Bombe WR 104
(lateinisch: Norma). SGR 1627–41 war
bereits im Jahr 1998 mit dem US-Röntgen-
satelliten Compton entdeckt worden, aber
die Ausbrüche brachen ab, bevor sich mit
W olf-Rayet-Sterne wie WR 104 im Sternbild Schütze sind sehr kurzlebige, mas-
sereiche Sterne, die nach wenigen Millionen Jahren kollabieren und während
einer Supernova-Explosion enorme Mengen an kollimierter Gammastrahlung von
empfindlicheren Röntgenteleskopen die beiden Polen aussenden. WR 104 dürfte in den nächsten hunderttausend Jahren
Rotationsperiode bestimmen ließ. explodieren, denn sein Spektrum enthält Hinweise auf eine starke Instabilität.
Im Sommer 2008 begann SGR 1627–41 Anfang 2008 machten Nachrichten die Runde, dass WR 104 mit seiner
erneut, Blitze weicher Gammastrahlung Rotations­achse direkt auf das Sonnensystem weisen würde. Da der Stern nur
auszusenden. Allerdings konnte der etwa 8000 Lichtjahre von uns entfernt ist, könnte sein Gammastrahlenblitz das
Röntgensatellit XMM-Newton zu dieser Leben auf der Erde vernichten.
Zeit nicht zu jener Himmelsregion aus- WR 104 ist ein Doppelsternsystem (s. Grafik unten). Es besteht aus dem Wolf-
gerichtet werden, da die Sonne im Weg Rayet-Stern selbst und einem etwas masseärmeren Begleiter vom Spektraltyp
war. Die Forscher mussten deshalb rund OB. Sie umrunden in rund acht Monaten ihren gemeinsamen Schwerpunkt.
vier Monate warten, bis durch die Um- WR 104 stößt als typischer Wolf-Rayet-Stern einen sehr starken Sternwind aus,
laufbewegung der Erde die betreffende der mit Geschwindigkeiten von bis zu 2000 Kilometern pro Sekunde abströmt.
Himmelsregion mit XMM-Newton gut Dieser Sternwind trifft auf den normalen Sternwind des OB-Begleiters, so dass in
erreichbar war. dessen Nähe eine ausgeprägte Stoßfront entsteht. Dabei wird das vom Wolf-Rayet-
Allerdings sank die Intensität der Stern abströmende Gas stark komprimiert. Da es sehr viel Kohlenstoff enthält, ent­­
Gammastrahlenblitze in diesem Zeit- stehen große Mengen an Staub, der als Schweif das System verlässt. Durch des­­sen
raum schon wieder stark ab. Dennoch schnelle Rotation wird der Schweif wie der Wasserstrahl eines rotierenden Rasen­
konnte das Team um Sandro Mereghetti sprengers zu einer Spirale ausgezogen. Das System ließ sich mit Hilfe von bildge-
mit dem Instrument EPIC an Bord bender Interferometrie und adaptiver Optik im Infraroten mit den 10-m-Keck-Tele-
von XMM-Newton das Objekt noch skopen im Detail abbilden (Bild links).
beobachten und seine Rotationsperiode Anhand der Bilder des rotierenden
bestimmen: Der Neutronenstern rotiert Systems vermuteten Astronomen, dass
mit einer Periode von 2,6 Sekunden um ein Pol des Wolf-Rayet-Sterns direkt zur
seine Achse. Damit weist SGR 1627–41 Erde weise. Ein Forscherteam um Grant
die zweitkürzeste Rotationsrate aller Hill am Keck-Observatorium auf Hawaii
Peter Tuthill / University of Sydney

Magnetare auf. bestimmte nun die Ausrichtung des


Nach wie vor ist den Astrophysikern Systems mit höherer Genauigkeit als
unklar, warum Magnetare solch starke zuvor: Es ergab sich, dass die Pole des
Magnetfelder besitzen. Möglich ist, Sterns um mindestens 30 Grad an der
dass diese Neutronensterne anfänglich 100 Millibogensekunden Erde vorbeiweisen. Unser Sonnensys­
rasend schnell rotieren und sich alle 160 Astron. Einheiten tem liegt also nicht in der Schusslinie
zwei bis drei Millisekunden einmal von WR 104.
um ihre Achse drehen. »Normale«
Neutronensterne rotieren kurz nach zum Beobachter
der Supernova-Explosion maximal ein Rotationsachse
Zehntel so schnell. Die schnelle Rota- Spirale aus
heißem Staub
tion eines Magnetars verbunden mit
besonderen Konvektions­strömungen
im Inneren ermöglicht einen extrem
starken Dynamo-Effekt, wodurch sich OB-Stern

ein enormes Magnetfeld aufbaut.


Mit einer Rotationsperiode von nur Stoßfront
Grant Hill et al. / SuW-Grafik

noch 2,6 Sekunden hat SGR 1627–41 offen- WR-Stern


bar schon viel Rotationsenergie verloren
und über das Magnetfeld abgegeben.
Die Forscher hoffen, wenn der Magnetar
wieder Gammastrahlenblitze aussendet,
Ausströmen primär in der Ebene
erneut die Rotationsperiode bestimmen der Umlaufbahn beider Sterne
zu können. Aus der dann eventuell mess-
baren Veränderung ließe sich bestimmen, Der Doppelstern WR 104 ist von einer Spirale aus warmen Staub umgeben, der im
mit welcher Rate SGR 1627–41 seine Rota- System entsteht.
tionsenergie verliert.

www.astronomie-heute.de Juli 2009 13


kurz & bündig

Eine wilde Hochzeit


Astronaut Bolden soll NASA-
Chef werden
Der Astronaut Charles F. Bolden (63),
I m Sternbild Waage, rund 70 Millionen
Lichtjahre von uns entfernt, sind zwei
Galaxien dabei, sich zu einer größeren
dies ist der Zentralbereich einer der
beiden Vorgänger-Welteninseln. Es sind
Zwerggalaxien ähnlich den beiden Ma-
Veteran von vier Spaceshuttle-Missi- Welteninsel zusammenzuschließen. Dies gellanschen Wolken, Begleitern unseres
onen, soll der neue Administrator der geht aber nicht ohne ein Feuerwerk über Milchstraßensystems.
US-Raumfahrtbehörde NASA werden. die Bühne: Starke Gezeitenkräfte regen Das Objekt trägt die Bezeichnung Arp
Dies wurde nach einem Treffen von die in beiden Galaxien vorhandenen Wol- 261, nach Halton Arp (geboren 1927), der
Bolden mit US-Präsident Barack Obama ken aus Gas und Staub zur massenhaften im Jahr 1966 einen Katalog »ungewöhn-
Mitte Mai 2009 bekannt.
Bildung von Sternen an, ein so genannter licher« Galaxien veröffentlichte. Arp 261
Starburst entsteht. war das 261. Objekt auf seiner Liste von
Weicher Boden bringt Mars- Dabei bilden sich in kurzer Zeit Millio­ insgesamt 338 Galaxien.
rover »Spirit« in Gefahr nen von Sternen gleichzeitig, darunter Diese Aufnahme enthält auch sehr
Der seit mehr als fünf Jahren auf dem auch Tausende massereicher Sonnen. viel näher liegende Objekte: Die beiden
Roten Planeten aktive Rover hat sich Diese strahlen ungestüm in einem bläu- kurzen bunten Streifen links und ober-
mit seinen Rädern in weichen Mars- lich-weißen Licht, ein Hinweis darauf, dass halb von Arp 261 sind zwei Asteroiden
boden eingegraben und droht nun für sie sehr heiß sind. Massereichen Sternen von je etwa fünf Kilometer Durchmesser.
immer festzusitzen. ist allerdings nur ein kurzes Leben beschie- Da das Bild ein Komposit aus mehreren
den; schon nach wenigen Millionen Jahren durch unterschiedliche Farbfilter aufge-
Pulsar beim »Anschalten« blähen sie sich zunächst zu Roten Riesen nommenen Schwarz-Weiß-Fotos ist und
beobachtet auf, um anschließend in Supernova-Explo- sich die Asteroiden während der einzel-
Der Röntgendoppelstern J1023 hat sich sionen zu vergehen. Aus astronomischer nen Belichtungen relativ zum Sternhin-
in einen der seltenen Millisekunden- Sicht kann man in Anbetracht der kurzen tergrund bewegten, wurden sie zu bunten
Pulsare gewandelt. Ein Forscherteam Lebensdauern dieser Sterne durchaus von Spuren ausgezogen.
um Anne Archibald an der McGill Uni- einem Feuerwerk sprechen.
versity in Kanada fand den Pulsar an Der untere rechte Bereich der ver-
der Stelle der im Jahr 2001 entdeckten schmelzenden Galaxien leuchtet in Im Sternbild Waage befinden sich die ver-

ESO
Röntgenquelle, die vorher keine Pulse einem weißlich-gelben Licht (Bild rechts), schmelzenden Galaxien von Arp 261.
abstrahlte.

Sechsköpfige Stammmann-
schaft für die ISS
Mit dem Start der Raumkapsel Sojus
Der 61. Saturnmond

E
TMA-15 am 27. Mai 2009 wurde die inen ungewöhnlich ist nur rund 500 Meter Tatsächlich dürfte dieser
bisher dreiköpfige Stammbesatzung kleinen Saturnmond groß und umkreist den Mond die Quelle der
der Internationalen Raumstation ISS fand das Wissenschaftler- Ringplaneten innerhalb feinen Partikel dieses
nun auf sechs Personen aufgestockt. An team der US-Raumsonde des G-Rings, der sich dünnen Rings sein.
Bord der ISS befindet sich jetzt für sechs Cassini: S/2008 S1, so die außerhalb des hellen Bei allen Staubringen
Monate auch der belgische Astronaut vorläufige Bezeichnung, Ringsys­tems befindet. im Saturnsystem fanden
Frank de Winne.

Satellit GOCE fliegt


störungsfrei
Der europäische Satellit zur genauen
Kartierung des Erdschwerefelds (siehe
SuW 5/2009, S. 17) hat seinen Betrieb
aufgenommen und durchfliegt mit
seinen aktiven Antriebssystemen nun
ohne Probleme die Ausläufer der Erd-
atmosphäre in 260 Kilometer Höhe.

Weitere aktuelle Meldungen


NASA / JPL / SSI

aus Astronomie und Raumfahrt


finden Sie auf

www.astronomie-heute.de
Der nur 500 Meter große Mond S/2008 S1 umkreist Saturn im G-Ring.

14 Juli 2009 Sterne und Weltraum


9 Bogensekunden

3000 Lichtjahre

sich bislang ein oder meh- Ringbogen, der dichter gleichen mit dem kleinen
rere zugehörige Monde, mit Partikeln besetzt ist. Saturnmond Pallene ab,
die durch Einschläge von Dieser erstreckt sich über der nur etwa drei bis vier
Mikrometeoriten feinen rund ein Sechstel des Kilometer groß ist.
Staub aus ihren Ober- gesamten Ringumfangs. Die Umlaufbahn von
flächen freisetzen. Nur Messungen mit Plasma- S/2008 S1 wird von der
der G-Ring bildete eine und Staubdetektoren Schwerkraft des 400
Ausnahme, kein Mond wiesen darauf hin, dass Kilometer großen Mondes
schien sich in seiner Nähe sich in diesem Ringbogen Mimas gestört, denn die
zu befinden. eventuell Eisbrocken Umlaufzeiten der beiden
Daher suchte das For- verbergen, die größere Himmelskörper stehen in
scherteam um Carolyn Mengen an feinem Staub einem Verhältnis von 7:6.
Porco an der University freisetzen können. Während sieben Umläufen
of Boulder (Colorado) Das erste Mal fiel der von S/2008 S1 umkreist
gezielt nach kleinen kleine Mond auf Aufnah- Mimas den Saturn sechs
Monden, die sich im men vom 15. August 2008 Mal, das heißt, die beiden
Inneren des Rings aufhal- auf, danach fand er sich Monde stehen in Resonanz
ten könnten. Über einen noch auf zwei früheren zueinander. Dadurch wird
Zeitraum von mehr als Bildern. Der Mond ist die Bahn des Zwergmonds
600 Tagen beobachtete zu klein, um von der immer wieder verändert,
das Team den G-Ring mit Telekamera von Cassini so dass sich die von ihm
den Kameras von Cassini. im Detail aufgenommen freigesetzten Partikel
Als Erstes stießen sie zu werden. Daher leitete auf dem Ringbogen im
bei der systematischen das Forscherteam seine G-Ring verteilen und ihn
Beobachtung auf einen Größe aus Helligkeitsver- erhalten.

www.astronomie-heute.de Juli 2009 15


Weltraumteleskop Hubble ist runderneuert

A m 11. Mai 2009 startete die


US-Raumfähre Atlantis zur
lang­ersehnten Wartungs- und Repa-
Unter anderem wurde die altgediente
Weitfeld/Planetenkamera-2 durch ihren
verbesserten Nachfolger WFC-3 ersetzt.
Mit Blick auf die klobigen Hand-
schuhe der Raumanzüge wurden die
Arbeiten der Astronauten scherzhaft
raturmission zum Weltraumteleskop Dadurch erweitert sich der zugängliche auch als »Hirnoperationen mit Boxhand-
Hubble. Ursprünglich sollte die Atlantis Spektralbereich von bisher 250 bis 1000 schuhen« bezeichnet. Die Reparaturen
bereits im Oktober 2008 abheben, aber Nanometer auf nunmehr 200 bis 1800 gelangen weitgehend, nur der hochauf-
ein weiterer neu aufgetretener tech- Nanometer; er überdeckt also nun den lösende Kanal der ACS scheint nicht zu
nischer Defekt am Weltraumteleskop Bereich vom Ultravioletten bis zum mitt- funktionieren. Für einen weiteren Re-
sorgte für eine Verschiebung um ein leren Infrarot. paraturversuch hatten die Astronauten
halbes Jahr. Kompliziert waren die Reparaturen an jedoch keine Zeit.
Der Start der Raumfähre verlief ohne den Instrumenten NICMOS, einem abbil- Am 19. Mai 2009 wurde das Welt­
Probleme und bereits zwei Tage nach denden Infrarotspektrometer, und der raumteleskop wieder auf seine Erdum-
dem Abheben hatte die siebenköpfige Advanced Camera for Surveys (ACS), die laufbahn entlassen. Die Atlantis kehrte
Besatzung Hubble am Haken. Am 14. Mai seit einem Defekt der Stromversorgung nach zwei Zusatztagen im All wegen
2009 begann der erste von fünf geplanten vor zweieinhalb Jahren fast völlig nutzlos schlechten Wetters am Landeplatz in
Raumausstiegen. Alle fünf Raumaus- war. Beide Instrumente mussten von den Florida am 24. Mai 2009 zur Erde zurück
stiege von je zwei Astronauten verliefen Astronauten im Weltall geöffnet werden, und setzte sicher auf dem Ausweich-
erfolgreich und erbrachten fast immer obwohl die Gehäuse nicht für eine Repa- landeplatz Edwards im US-Bundesstaat
die gewünschten Resultate. ratur mit Raumanzügen ausgelegt waren. Kalifornien auf.

»Sterne und Weltraum«-Gewinnspiel

M it etwas Glück können Sie bald ein echtes Stück vom


Mond oder einen der beiden anderen interessanten Preise
Ihr Eigen nennen.

1. Preis: Ein Stück eines Mondmeteoriten aus der Sahara, zur


Verfügung gestellt von www.science-shop.de.

2. Preis: Das fantastische Buch »Der Mond« von Ralf Jaumann


und Ulrich Köhler aus dem Fackelträger-Verlag, Köln (siehe
Rezension auf S. 108).

3. Preis: Ein original NASA-Mondglobus, gesponsert von www.


geosmile.de.

Wenn Sie die folgenden Fragen richtig beantworten, nehmen Sie Frage 3: Wieviele Menschen betraten bislang den Mond?
an der Verlosung unserer »Mondpreise« teil. a) 6 b) 9 c) 12
Frage 1: Welcher Apollo-Flug umrundete als erster den Mond? Frage 4: Wie stark ist die Schwerkraft auf dem Mond?
a) Apollo 7 a) etwa ein Sechstel der irdischen Schwerkraft
b) Apollo 8 b) etwa ein Drittel der irdischen Schwerkraft
c) Apollo 10 c) etwa das Doppelte der irdischen Schwerkraft
Frage 2: Wieviel Kilogramm Mondgestein brachten Neil
Armstrong und Edwin Aldrin zur Erde? Senden Sie die Ziffern der Fragen und den jeweils zugehörigen
a) 21,5 Kilogramm Buchstaben der richtigen Lösung bis zum 15. Juli 2009 per E-
b) 11,3 Kilogramm Mail mit der Betreffzeile »Mond« an: gewinnspiel@astronomie-
c) 110,7 Kilogramm heute.de

Teilnahmebedingungen: Alle »Sterne und Weltraum«-Leser, die bis zum 15. Juli Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH und deren Angehörige. Die Preise sind wie
2009 die richtigen Lösungen zusammen mit ihrer Postanschrift an die genannte beschrieben. Ein Tausch der Gewinne, eine Auszahlung in bar oder in Sachwerten ist
E-Mail-Adresse senden, nehmen an der Verlosung teil. Maßgebend ist der Tag des nicht möglich. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Mit der Teilnahme am Gewinn-
Eingangs. Ausgeschlossen von der Teilnahme sind die Mitarbeiter der Spektrum der spiel erkennt der Einsender diese Teilnahmebedingungen an.

16 Juli 2009 Sterne und Weltraum


Sternwartensysteme
Sternwartensysteme

Sternwartensysteme von Meade

MEADE und das M-Logo sind eingetragene Warenzeichen der Meade Instruments Corporation. ® USA und ausgewählte Länder. © 2008 Meade Instruments Corp. Alle Rechte vorbehalten. Änderungen und Irrtümer vorbehalten. Hergestellt unter den US-Patenten Nr. 6.304.376 und 6.392.799; weitere Patente in den USA und anderen Ländern angemeldet.
Die Sternwartensysteme der Marke SkyShed Pod
Ein Astronaut bei aus Kanada bilden einen vorgefertigten
der Arbeit am Schutzbau aus Polyethylen (UV-resistent, doppel-
wandig und hitze- bzw. kältebeständig). Die
Weltraumteleskop
Kuppel lässt sich in Form einer Halbschale öffnen
Hubble und schließen, welches die Teleskopnachführung
NASA

bei Langzeitbelichtung ohne aufwendige motori-


sche Steuerung des Kuppelkranzes vereinfacht.
Desweiteren kann diese Form der Sternwarte vom
Endkunden leicht selbst aufgebaut werden.
Bis zum 12“ LX200 kann jedes Teleskop innerhalb
dieser Kuppel platziert werden.
Infrarotteleskop Spitzer nun ohne Kühlmittel

A m 15. Mai 2009 ging


dem Weltraumtele-
skop Spitzer endgültig das
einer Temperatur von –271
Grad Celsius erreichen die
beiden Geräte nicht die
eignen sich beispielsweise
zur Beobachtung von in-
terstellaren Staubwolken.
als Kühlmittel erforder- nötigen niedrigen Be­ Von vorneherein war
liche flüssige Helium aus. triebs­temperaturen. Des- klar, dass das zum Kühlen
Dennoch geht die Mission halb steigt ihr thermisches der Instrumente benutzte
weiter, allerdings lassen Rauschen derart stark an, Helium nur für einen
sich nun zwei wichtige dass sie für astronomische begrenzten Zeitraum Bay
Beobachtungsinstrumente Beobachtungen unbrauch- ausreichen würde. Nach
nicht mehr betreiben. bar werden. Bestimmung der Helium-
Es handelt sich um das Zwei Beobachtungska- Verlustrate nach dem Start
bildgebende Langwellen- näle der Infrarotkamera, im Jahr 2003 hatten die
Jedes XL3 System besteht aus drei sogenannten
Multi­band-Fotometer und die im kurzwelligen nahen Betreiber der NASA damit
Stauräumen (bays) zwecks Aufnahme von
den Infrarotspektrografen. Infrarot arbeiten, lassen gerechnet, dass der Heli- Regalen oder Computerzubehör.
Ohne flüssiges Helium mit sich weiterhin nutzen und umvorrat im Jahr 2009 zur
Neige gehen würde. Die neuen Sternwartensysteme sind kinderleicht
Nun erwärmen sich vom Kunden selbst aufzubauen.
sich die Detektoren
langsam auf etwa –242
Grad Celsius. Diese Tem-
peratur kann durch die
Aufbau passiven
aufwändigen
Kühlsysteme des Spitzer-
Aufbau
Satelliten, wie Abschirm-
SkyShed Pod (Basisversion mit einer Tür) ist ab
bleche und Strahlungs- 2890 Euro* inkl. MwSt. erhältlich.
kühler, aufrecht erhalten
werden. Die NASA hofft,
NASA / JPL-Caltech

das Infrarotteleskop mit MEADE Instruments Europe GmbH & Co. KG


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diesen Einschränkungen Tel.: (0 28 72) 80 74 - 300
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www.astronomie-heute.de Juli 2009 17


Blick in die Forschung: Kurzberichte

Eine gravitative Instabilität in der zirkum-


stellaren Scheibe führt zum Einsturz grö-
ßerer Mengen von Gas und Staub auf den

Alle Illustrationen: NASA / JPL / Caltech


Zentralstern EX Lupi (a). Dadurch wird ein
Helligkeitsausbruch des Sterns ausgelöst,
der die oberflächennahen Schichten der
Scheibe aufheizt (b). Wenn amorphe Staub-
teilchen in diesen Schichten nach dem
Ausbruch wieder abkühlen, nehmen sie die
kristalline Struktur und die grüne Farbe des
Minerals Forsterit an (c).

Wo werden die Kometenkristalle gebacken?


Silikatkristalle entstehen aus amorphem Material durch Erhitzen auf hohe
Temperaturen. Wie haben sie dann ihren Weg in den Kometenstaub am eisigen
Rand des Sonnensystems gefunden? Neue Beobachtungen an einem jungen,
sonnenähnlichen Stern haben die Lösung dieses Rätsels erbracht.

E s war für die Wissenschaft schon seit


Langem ein Rätsel, wie kleine Silikat-
kristalle, deren Bildung eine brennend
löst, dass die zirkumstellare Scheibe insta-
bil wird und aus ihr größere Mengen Ma-
terie auf den Stern einstürzen (siehe Bil-
Sonnensystem beobachtet wird. Und die
Temperatur der Kristalle zum Zeitpunkt
dieser zweiten Beobachtung war wesent-
heiße Umgebung erfordert, ihren Weg ins der oben); etwa alle 50 Jahre kommt es zu lich höher als die Temperatur der Scheibe
Innere der eiskalten Kometen gefunden einem besonders starken Ausbruch. Wahr- im Ruhezustand des Sterns.
haben, die weit draußen in den tiefgekühl- scheinlich hat auch die Sonne in ihrer frü- Diese Befunde ließen sich damit erklä-
ten Außenbereichen des Sonnensystems hesten Kindheit eine solche aktive Phase ren, dass der Kristallisationsprozess gera-
entstanden sind. Diese Kristalle sollten mit unregelmäßigen Helligkeitsausbrü- de während solcher Helligkeitsausbrüche
ursprünglich in der dichten Wolke aus Gas chen variabler Intensität durchlaufen. der jungen Sterne stattfindet – im vorlie-
und Staub, aus der sich das Sonnensystem genden Fall von EX Lupi sozusagen unter
bildete, als amorphe Silikatteilchen exi- Beim Backen zugeschaut den Augen der Beobachter. Die Kristalle
stiert haben. Dieses Rätsel haben nun For- Von EX Lupi und seiner zirkumstellaren entstehen durch Aufheizen und Ausglü-
scher aus Heidelberg, Budapest und Lei- Scheibe hatten die Astronomen mit Spit- hen der Silikatteilchen nahe der Oberflä-
den mit Hilfe von Infrarotbeobachtungen zer bereits 2005 ein Infrarotspektrum auf- che der inneren, dicken Staub- und Gas-
des Weltraumteleskops Spitzer gelöst. genommen. Damals verweilte der Stern in scheibe: Während des Helligkeitsaus-
seinem ruhigen Zustand, und sein Spek- bruchs wird das Material auf eine Tem-
Unruhige Kindheit trum enthielt keinerlei Hinweise auf die peratur erhitzt, bei der seine chemischen
EX Lupi ist ein junger Stern, der unserer Anwesenheit kristalliner Silikate. Aber Bindungen aufgebrochen werden und
Sonne in ihrem Zustand vor viereinhalb im April 2008 erwischten sie den Stern neue, andersartige entstehen; dadurch
Milliarden Jahren sehr ähnlich sieht. Der während eines seiner Helligkeitsausbrü- verändern sich auch die physikalischen
Stern weist zwei Merkmale auf, die für che: Zwar hatte dieser Ausbruch sein Ma- Eigenschaften der festen Teilchen.
sehr junge Sterne typisch sind: Zum einen ximum bereits überschritten, aber die
ist er von einer dichten Scheibe aus Staub Leuchtkraft des Sterns war immer noch Ein neuer Ansatz
und Gas umgeben, in der sich nach un- 30-mal so stark wie im Normalzustand. Dieses Ergebnis bietet einen neuen An-
seren heutigen Vorstellungen gegenwärtig Das neue Spektrum unterschied sich deut- satz zum Verständnis der Entstehung der
sein Planetensystem bildet. Zum anderen lich vom alten und zeigte nun, dass zusätz- Kometenkristalle. Unmittelbar nach ih-
zeigt er etwa alle vier bis fünf Jahre einen lich zu den amorphen Silikaten auch eine rer Entstehung in der Scheibe, solange sie
bis zu einigen Monaten andauernden Hel- kristalline Form vorhanden sein musste noch an deren Oberfläche konzentriert
ligkeitsausbruch, bei dem seine Leucht- – und zwar Forsterit, ein Mineral, das so- sind, prägen sie dem beobachteten Spek-
kraft um das Fünf- bis Zehnfache ansteigt. wohl in zirkumstellaren Scheiben junger trum ihr charakteristisches Merkmal auf.
Solche Ausbrüche werden dadurch ausge- Sterne, als auch in Kometen in unserem Später vermischen sie sich mit dem wei-

18 Juli 2009 Sterne und Weltraum


b c

ter innen liegenden Material und reichern nen Hinweis auf kristalline Silikate ent- dem Ergebnis, dass ein dritter, bisher noch
es auf diese Weise bei jedem Ausbruch des hält. Oder ein größerer Körper, etwa ein nicht in Betracht gezogener Prozess die
Zentralsterns etwas stärker mit kristalli- heranwachsender Planet, löst innerhalb Kristallisation durch Ausglühen bewirkt –
nen Silikaten an. Solange das System noch der Scheibe eine Stoßwelle aus, welche auf nämlich die Aufheizung der amorphen Si-
sehr jung ist, sind die kristallinen Silikate die Staubteilchen kurzzeitig viel Energie likate durch die Helligkeitsausbrüche der
nur während der Ausbrüche beobachtbar, überträgt. Dadurch werden sie rasch auf Zentralsterne während ihrer frühesten Ju-
wenn sie an der Oberfläche der Scheibe, die zur Kristallisation erforderliche Tem- gend. Während dieser aktiven, durch zahl-
wo sie soeben entstanden sind, konzen- peratur erhitzt und kühlen anschließend reiche Ausbrüche gekennzeichneten Pha-
triert sind. ähnlich schnell wieder ab. Aber die hohe se reichern sich die kristallinen Silikate in
Temperatur der während der Dauer des deren zirkumstellarer Scheibe an und ge-
Widerlegte Vorstellungen Ausbruchs beobachteten Kristalle steht hen später in die sich bildenden Kometen-
Bisher hatten die Forscher ausschließlich im Widerspruch zu diesem zweiten Mo- kerne ein. JAKOB STAUDE
zwei andere Möglichkeiten in Betracht ge- dell, denn hier würde man erwarten, dass
zogen, wie die in Kometen und zirkum- die Temperatur der Silikatteilchen unmit-
stellaren Scheiben beobachteten kristal- telbar nach der Stoßwelle auf ihren Nor- Literaturhinweis
linen Silikate durch Ausglühen entste- malwert zurückfällt. Ábrahám, P. et al.: Episodic formation
hen könnten: Entweder das Material im Die Beobachtungen von Péter Ábrahám of cometary material in the outburst of
innersten Bereich der Scheibe wird durch vom Konkoly-Observatorium in Budapest, a young Sun-like star. In: Nature 459, S.
224 – 226, 2009.
die Strahlung des jungen Sterns über län- Attila Juhász vom MPI für Astronomie in
gere Zeit erhitzt – aber dies widerspricht Heidelberg und ihren Koautoren passen Weblinks zum Thema: www.
dem Befund, dass das im Normalzustand also zu keinem der beiden bisherigen Sze- astronomie-heute.de/artikel/997075
des Sterns aufgenommene Spektrum kei- narien. Die Forscher kommen deshalb zu

www.astronomie-heute.de Juli 2009 19


In einem 15 3 12 Bogenminuten großen
Feld, aufgenommen im K-Band, ist die
Position des Sterns 2MASS 1626+3925
markiert. Es handelt sich um einen zehn
E. Schilbach/ZAH, S. Röser/ZAH, R. D. Scholz/AIP, Calar Alto Sternwarte

Milliarden Jahre alten Braunen Zwerg. Das


Sternbildchen hat etwa vier Pixel im Durch-
messer. Die Parallaxe des Sterns entspricht
1/ Pixel, die Messgenauig­keit der Paralla-
15
xe beträgt 1/450 Pixel!

Ein neuer substellarer Methusalem?


Nach aufwändigen astrometrischen Entfernungsbestimmungen an extrem roten
und leuchtschwachen Halosternen unserer Milchstraße entdeckten Astronomen aus
Heidelberg und Potsdam einen der ältesten Braunen Zwerge der Milchstraße.

A ls »Galaktische Archäologen« be-


zeichnen sich gerne diejenigen Astro-
nomen, die nach Resten aus der Frühpha-
xen bestimmen. Betrachtet man einen
Stern vor einem Hintergrund viel weiter
entfernter Objekte, so beschreibt er im
messen. Andererseits sind sie hochinteres-
sant, gehören in diese Gruppe doch einige
der ältesten Objekte im Universum. Ihre
se der Bildung der Milchstraße suchen. Laufe eines Jahres scheinbar eine Ellipse beobachteten Eigenschaften bilden nicht
Solche Reste sind zum Beispiel extrem am Himmel. Dieser Effekt wird durch die nur eine wichtige Grundlage für Model-
metallarme und leuchtschwache Sterne. Bewegung der Erde um die Sonne ver­ur­ le zur Entstehung und Entwicklung dieser
Beide Eigenschaften sind Hinweise auf ihr sacht, wodurch sich der Blickwinkel auf Objekte, sondern für unser Verständnis
langes Dasein aufgrund einer gemächlich den Stern vor dem Hintergrund verändert. der Anfänge des Universums überhaupt.
ablaufenden Kernfusion und ihrer Entste- Aus dem gemessenen Durchmesser der El- Einen Meilenstein astronomischer
hung in einer primordialen Gaswolke. lipse lässt sich dann die tatsächliche Ent- Forschung markieren daher neue Mes-
Wegen der geringen Masse und Leucht- fernung ableiten. sungen, die Elena Schilbach und Siegfried
kraft der Braunen Zwerge lässt sich anhand Für eine Vielzahl von Sternen wurden Röser vom Zentrum für Astronomie der
ihrer beobachteten Eigenschaften vor derartige Parallaxen bereits bestimmt. So- Universität Heidelberg sowie Ralf-Die­ter
allem unser theoretisches Verständnis der gar Satelliten wurden und werden hierzu Scholz vom Astrophysikalischen Institut
Entstehung und Entwicklung massearmer eingesetzt, wie zum Beispiel Hipparcos, Potsdam im Fachjournal Astronomy &
Sterne überprüfen. Besonders wichtig wäre der von 1989 bis 1993 in Betrieb war, oder Astrophysics veröffentlichten (siehe Lite-
die Entdeckung dieser Sterne im Halo un- GAIA, der voraussichtlich im Jahr 2012 raturhinweis). Den Autoren gelang es, die
seres Milchstraßensystems, wo man die äl- starten wird. Leider haben diese Missio­ Parallaxen von zehn Unterzwergsternen
testen Sterne überhaupt vermutet. Ein Pro- nen natürliche Grenzen. Eine Grenze ist der extremen Spektralklassen sdM7 bis
blem besteht darin, dass diese Objekte sehr durch die zur Beobachtung der Sterne er- sdT6 durch Infrarotbeobachtungen im H-
selten sind und ihre wahre Helligkeit bei forderliche Mindesthelligkeit gegeben. Band am 3,5-Meter-Teleskop auf dem Ca-
fehlender Entfernungsbestimmung un- lar Alto in Spanien zu messen. Die ausge-
bekannt ist. Letzteres ist jedoch entschei- Im Halo der Galaxis aufgespürt wählten Sterne waren zuvor bei Himmels-
dend, um sie an der richtigen Stelle im Far- Insbesondere eine Klasse von Sternen durchmusterungen durch ihre besonders
ben-Helligkeitsdiagramm, das auch als ist problematisch, nämlich extrem mas- rote Färbung, ihre große Eigenbewegung
Hertzprung-Russell-Diagramm bezeichnet searme Sterne und Braune Zwerge. Die- und ihre charakteristischen Spektren auf-
wird, zu platzieren. Letztlich hängt daran se Sterne sind außerordentlich leucht- gefallen.
unser gesamtes Wissen über die Sterne, ih- schwach und lassen sich zudem nur im in- Anspruchsvoll gestaltete sich das Mes-
ren Aufbau und ihre Energieerzeugung. fraroten Spektralbereich beobachten. Ih- sen der Parallaxen, da sich die ausgewähl-
Besonders genau lassen sich Entfer- re winzigen parallaktischen Positionsän- ten Sterne auf der Nordhalbkugel und zu-
nungen über trigonometrische Paralla- derungen sind deshalb nur sehr schwer zu dem noch im galaktischen Halo befinden.

20 Juli 2009 Sterne und Weltraum


Verwendet man ferne Hintergrundsterne

NASA and The Hubble Heritage Team (STScI/AURA)


unserer Milchstraße als »Fixpunkte«, so
können diese selbst wiederum eine mess-
bare Parallaxe aufweisen und die Mes-
sungen dadurch verfälschen.
Schilbach und ihre Koautoren gingen
daher einen anderen Weg. Sie nutzten den
Umstand, dass sich in den beobachteten
Feldern ausreichend viele Hintergrundga-
laxien befinden. Deren Zentren erscheinen
dem Beobachter aufgrund ihrer großen
Entfernung nahezu punktförmig und bil-
den ein ideales Referenzsystem für die Par-
allaxenmessung. Es ist überhaupt das erste
Mal, dass mit Ausnahme der Radioastrono-
mie trigonometrische Sternparallaxen di-
rekt relativ zu Galaxien gemessen wurden.
Unter Berücksichtigung der Eigenbewe-
gung ermittelten die Autoren schließlich
nach aufwändigen Analysen die Paral­la­xen
der Sterne – sie liegen zwischen 11 und 163
Millibogensekunden. Daraus konnten sie Der Spirografnebel im Sternbild Hase hat eine Winkelausdehnung von 22 3 20 Bo-
wiederum die Entfernung der Halosterne gensekunden. In der neu bestimmten Entfernung von 1,1 Kiloparsec (3600 Licht-
und damit deren wahre beziehungsweise jahre) entspricht dies 0,4 3 0,35 Lichtjahren. Die seltsamen Strukturen in seinem
absolute Helligkeit bestimmen. Innern, die ihm zu seinem Namen verhalfen, werden einem variablen Sternwind
Die Überraschung war groß, als das As- zugeschrieben, sind allerdings nicht gut verstanden. Die Aufnahme entstand mit der
tronomenteam die Farben und absoluten Wide Field Planetary Camera 2 des Weltraumteleskops Hubble. Die roten Töne des
Helligkeiten im Hertzsprung-Russell-Dia­ Farbkomposits zeigen die Emission des ionisierten Stickstoffs, der grüne Kanal zeigt
gramm mit Modellrechnungen zur Stern- die H-alpha-Emission, und blaue Farben rühren vom ionisierten Sauerstoff her.
entwicklung verglich. Es zeigte sich, dass
sechs der beobachteten Sterne nur etwa
ein dreißigstel der Metallhäufigkeit der

Die Distanz
Sonne aufweisen. Und die Helligkeiten
und Farben des Sterns 2MASS 1626+3925
wiesen ihn als Braunen Zwerg aus. Die Ab-
kürzung 2MASS steht für »Two Micron All
Sky Survey«. des Spirografnebels IC 418
Nach dem Vergleich mit Modellen zur
Entwicklung dieser Objekte entpupp- Mit der astrometrischen Messung der Expansionsrate ließ sich die
te sich 2MASS 1626+3925 als der vermut- Entfernung des Planetarischen Nebels neu bestimmen.
lich älteste bisher entdeckte Braune Zwerg
überhaupt (siehe Bild). Dieser substella-
re Methusalem existiert bereits seit etwa
zehn Milliarden Jahren und hat damit un-
sere Milchstraße zur Zeit ihrer höchsten
P lanetarische Nebel sind weit entfernte
Objekte des interstellaren Raums. Es
handelt sich um das von Sternen im End-
Die Distanzabschätzungen bei Pla­ne­ta­
ri­schen Nebeln sind auch heute noch mit
gro­ßen Unsicherheiten verknüpft. Zu ih-
Sternbildungsaktivität erlebt, als jedes stadium ihrer Entwick­lung abgestoßene rem Verständnis ist aber gerade dieser
Jahr fünfzig bis hundert Sonnenmassen expandierende Gas der äuße­ren Hülle. Para­me­ter von großer Bedeutung. Schließ-
in Sterne umgewandelt wurden. Bestimmt (Zur Entwicklung der Planetarischen Ne- lich hängen direkt von der Entfernung ihre
hat er uns noch einiges über die Vergan- bel siehe den Kasten auf der nächsten Sei- reale Größe, aber auch die Leuchtkraft und
genheit unserer kosmischen Heimat zu er- te.) die Masse ab. Einschließlich des jüngs­ten
zählen. Guido Thimm Die etwas irreführende Bezeichnung Katalogs aus dem Jahr 2006 sind mittlerwei-
»Planetarischer Ne­bel« rührt von ihrem le rund 2200 Planetarische Nebel bekannt.
Erscheinungsbild in kleinen Teleskopen ­Astro­no­men schätzen allerdings, dass ihre
Literaturhinweis her und wurde schon im 18. Jahrhundert Ge­samt­zahl in der Galaxis zwischen 20 000
Schilbach, E.,et al.: Trigonometric par- von zeitgenössischen Beobachtern ge- und 35 000 liegt. Als Quellen schwerer Ele-
allaxes of ten ultracool subdwarfs. In: prägt. Bei visueller Betrachtung ähneln sie mente spielen sie eine wichtige Rolle für
Astronomy & Astrophysics 493, S. L27– nämlich wegen ihrer annähernd runden die Entwick­lung unseres Milchstraßensys­
L30, 2009. Form den äußeren Planeten, etwa Uranus tems und sind ein Indikator (englisch: tra-
und Neptun. cer) für den Verlauf der Sternbildung in ihr.

www.astronomie-heute.de Juli 2009 21


28.6.1986
Die Entwicklung Planetarischer Nebel

E in Stern geringer Masse, vergleichbar derjenigen unserer Sonne, geht mit seinem
Kernbrennstoff sparsam um. Aber irgendwann, nach Milliarden von Jahren, ist
auch sein Wasserstoffvorrat erschöpft, und es kommt durch gravitative Kontraktion
zu einer Temperaturerhöhung in seinem Kern. Sie ermöglicht ihm, Helium – das Ver-
schmelzungsprodukt des Wasserstoffbrennens – zu schwereren Elementen zu fusio-
nieren. Mitunter gerät der Stern in heftige Pulsationen, die so stark sind, dass sie sei-
ne obere Atmosphäre absprengen.
Zunächst bewegt sich das Gas der Sternhülle mit Geschwindigkeiten von 20 bis
40 Kilometern pro Sekunde vom Stern weg. Seine Temperatur liegt bei etwa 10 000
Kelvin. Aus diesem anfänglichen Sternwind mit recht geringer Geschwindigkeit re- Antennenkeule

krutiert sich der Hauptteil der Nebelmasse. Im Verlauf der Entwicklung wird schließ-
lich der heiße Kern freigelegt und beleuchtet die abgeworfene Gashülle mit den von 6.11.2007

seiner 30 000 Kelvin heißen Oberfläche ausgesandten UV-Photonen. Die Gashülle

Lizette Guzmàn et al. / Universität Mexiko / SuW-Grafik


wird von den energiereichen Photonen ionisiert und beginnt als Planetarischer Nebel
zu leuchten.
Durch die ständige Bestrahlung bildet sich eine Ionisationsfront aus, innerhalb
derer das Gas ionisiert ist. Vor der Front ist es neutral. Die Hülle expandiert aber
und trägt dabei die Ionisationsfront mit sich weiter nach außen. Die vom Sternwind
frisch hinzukommende Materie des Sternwinds wird von neuen Photonen ebenfalls
ionisiert. So entsteht um den Stern eine wachsende Blase aus ionisiertem Gas.
Der Sternwind flaut allmählich ab, und schließlich versiegt der Nachschub. Das
ionisierte leuchtende Gas beginnt zu rekombinieren und wird dadurch im Optischen 10 Bogensekunden
un­sichtbar. Die Sichtbarkeitsdauer des Planetarischen Nebels ist also die Zeitspanne 0,17 Lichtjahre
zwischen seiner Bildung und der Rekombination der Gasionen mit zuvor freigesetz-
ten Elektronen; sie beträgt zwischen 30 000 und 70 000 Jahren.
Der Sternrest hat derweil das Stadium eines Weißen Zwergs erreicht. Sterne mit Die Expansion der Ionisationsfront, die den
einer anfänglichen Masse von nicht mehr als etwa acht Sonnenmassen erleiden die­ Rand der leuchtenden Gase definiert, ist im
ses Schicksal, und zwar umso schneller, je größer ihre Ausgangsmasse war. Bei acht Vergleich zwischen den beiden Radiokon-
Sonnenmassen ist die Weiße-Zwerg-Phase bereits nach rund 70 Millionen Jahren er- tinuumsaufnahmen gut zu erkennen. Das
reicht, bei einer Sonnenmasse dauert es gut zwölf Milliarden Jahre. farblich abgehobene Rechteck besitzt in
beiden Teilbildern dieselbe Größe.

Aber nur bei rund 50 nicht allzu weit Angesichts der geringen Zahl präziser man nennt sie die »Expansionsparallaxe«.
entfernten Planetarischen Nebeln ließen Distanzwerte Planetarischer Nebel ist je- Für den Planetarischen Nebel IC 418 er-
sich bislang zuverlässige Distanzwerte de weitere Bestimmung von großem Wert. gibt sich ein Wert von 1,1 ± 0,3 Kiloparsec
bestimmen, und dies schränkt ihre Rolle Lizette Guz­màn, Laurent Loinard und Yo- (3600 ± 1000 Lichtjahre). Siehe dazu »Zum
als Tracer stark ein. Bei etwa einem Drit­ landa Gó­mez vom Centro de Radioastro- Nachdenken« auf der rechten Seite.
tel der Planetarischen Nebel gelang die nomía y Astrofísica der Universität Mexi- Aus den Radiobeobachtungen von Li-
Entfernungsbestimmung mithilfe di­rek­ ko konnten aus zwei mehr als zwanzig Jah- zette Guzmàn und ihren Kollegen folgen
ter Mes­sung ihrer trigonometrischen Pa­ re aus­ein­anderliegenden Be­ob­ach­tungs­ auch die Elektronendichte und die Masse
ral­la­xen. Bei den anderen zwei Drittel ka- kam­pag­nen präzise Winkelgrößen der des ionisierten Gases. Mit 6000 Elektronen
men verschiedene Methoden zum Ein- Ioni­sa­tions­front bestimmen. Ihre Mes- pro Kubikzentimeter und 0,09 Sonnen-
satz, zum Beispiel spektroskopisch be­ sungen des Radiokontinuums von IC 418 massen entspricht dies detaillierten Mo-
stimm­te Pa­ral­laxen der Zentralsterne, mit dem Very Large Array ergaben eine dellrechnungen von Christophe Morisset
die Mit­gliedschaft in einem Sternhau- Ex­pan­sionsrate von knapp einer halben und Leonid Georgiev aus dem Jahr 2009
fen be­kann­ter Entfernung, Rückschlüs- Bogensekunde pro Jahr (siehe Bild oben). unter Verwendung der Beobachtungen
se aus der Rö­tung durch interstellaren Spektroskopische Messungen in Ver- durch das Weltraumteleskop Hubble.
Staub oder, wie im Fall des Spirograf- bindung mit detaillierten Modellrech- Beobachtungen mit dem Very Large
nebels IC 418, die Messung der Aus­deh­ nungen, in denen die dreidimensionale Ar­ray bei einer Wellenlänge von 21 Zenti-
nung der Hülle. Bei dieser Methode ver- Struktur der Fotoionisation des Nebels be­ metern durch A. Russel Taylor und Grant
gleichen die Astronomen die Ge­schwin­ rück­sich­tigt wurde, besagen, dass die Ex- T. Gussie von der Universität von Calga-
dig­keit, mit der die Winkelausdehnung pansionsgeschwindigkeit nahe dem äuße­ ry, Kanada, aus dem Jahr 1989 zeigten,
in der Him­mels­ebene anwächst, mit der ren Rand 30 Kilometer pro Sekunde be- dass der optisch sichtbare Nebel von ei-
spektroskopisch be­stimm­ten Ex­pan­ trägt. Verknüpft man dies mit der gemes- ner ausgedehnten Hülle neutralen Was-
sionsgeschwindigkeit entlang des Seh- senen Expansionsrate in der Himmels­ serstoffs umgeben ist, deren Dichte nach
strahls. ebene, so folgt daraus die Entfernung; außen hin proportional zum Quadrat des

22 Juli 2009 Sterne und Weltraum


Radius abnimmt. In der damals angenom- front etwas schneller bewegt als die Ma-
menen Distanz von einen Kiloparsec (3260 terie selber. Unter Berücksichtigung die-
Lichtjahre) folgerten sie für die Hülle eine ser Arbeit müsste die Entfernung des Spi-
Masse von 0,35 Sonnenmassen – deutlich rografnebels auf 1,3 ± 0,4 Kiloparsec (4200
mehr als der in ionisierter Form vorlie- ± 1300 Lichtjahre) korrigiert werden. Da-
gende Massenanteil von 0,09 Sonnenmas- von unbeeinflusst lässt sich aus der Win-
sen. kelexpansion das Alter des Planetarischen
Die Expansionsparallaxe beherbergt Nebels bestimmen: 1200 Jahre. Der Spiro-
lei­der noch einen möglichen sys­te­ma­ti­ grafnebel begann demnach ungefähr zur
schen Fehler. Während die astrometrisch Zeit von Karl dem Großen zu leuchten.
bestimmte Expansionsrate in der Him-  Axel M. Quetz
melsebene das Voranschreiten der Ioni-
sationsfront beschreibt, rührt die Expan-
sionsrate entlang der Sichtlinie von der Literaturhinweis
bewegten Materie selbst her. Eine Unter- Guzmàn L. et al.: Expansion parallax of
suchung aus dem Jahr 2004 von Garrelt the planetary nebula IC 418. Astrophysi-
Mellema, Sternwarte Leiden, deutet näm- cal Journal 138, S. 46 - 49, 2009.
lich darauf hin, dass sich die Ionisations-

Zum Nachdenken

Der Spirografnebel
I m nebenstehenden Bericht ist darge­
legt, dass die Bestimmung der Dis­
tanzen Planetarischer Nebel kein leich-
Aufgabe 3: Ist der lineare Abstand der
Ionisationsfront vom Stern in der Him-
melsebene r, dann gilt: tan θ  r/D (1).
tes Unterfangen ist und nur für rund Der winzigen Winkel wegen gilt ­weiter:
zwei Prozent von ihnen zuverlässige tan θ  (p/180°)  θ. Mithilfe der zeitli­
Werte bekannt sind. Deshalb ist jede chen Ableitung von Gleichung (1),
. .
neue Messung sehr willkommen. (p/180°)  θ  r/D, bestimme man die
Die mexikanischen Astonomen Li- Dis­tanz D des Spirografnebels. Dabei ist
.
zette Guz­màn, Laurent Loinard und r  yexp  30 km/s die spektroskopisch
Yolanda Gó­mez konnten nun anhand bestimmte ­Expansionsgeschwindigkeit
zweier Radiobilder (siehe Bilder links) der Materie.
die Expansionsrate des Spirografne-
bels IC 418 bestimmen. Aufgabe 4: Man bestimme das dyna-
.
mische Alter tdyn  θ/θ des Spirograf-
Aufgabe 1: Den größten Winkelabstand nebels.
der Ionisationsfront vom Zentralstern
gibt das Team um Lizette Guz­màn zu Aufgabe 5: Um welchen Betrag rdyn hat
θ  6,7 an. Sie passten homolog ge- sich die Materie in der Zeit tdyn entlang
schrumpfte Versionen des jüngeren des Sehstrahls ausgedehnt? Man ver-
Radiobilds dem älteren an und fanden, gleiche mit dem aus dem Winkelbstand
dass die Ionisationsfront auf dem äl- der Ionisationsfront θ folgenden Radi-
teren um den Faktor e  0,018 kleiner us rθ  D tan θ. AMQ
war. Um welchen Betrag Dθ ist der Ne-
bel gewachsen?
Ihre Lösungen senden Sie bitte bis zum
Aufgabe 2: Aus den Aufnahmedaten 15. Juli 2009 an: Redak­tion SuW – Zum
der beiden Radiobilder bestimme man Nach­denken, Max-Planck-Institut für
die zwischen ihnen verstrichene Zeit As­tro­no­mie, Kö­nigstuhl 17, D-69117 Hei­­
Dt und ermittle die Expansionsrate del­berg. Fax: (+49|0) 62 21–52 82 46.
. .
θ der Ionisationsfront θ  Dθ/Dt. Zur Einmal im Jahr werden unter den er­folg­
Darstellung des Ergebnisses verwende reichen Lösern Preise verlost.
man als Ein­heit Millibogensekunden Die Gewinner der abgeschlossenen
pro Jahr: m/a. Runde finden sich auf Seite 115.

www.astronomie-heute.de Juli 2009 23


Herschel besitzt einen 3,5-Meter-Spiegel,
der sich durch Abschirmung gegen Sonne
und Erde passiv auf eine Temperatur von
–190 Grad Celsius abkühlen wird. Bereits
eine Woche nach dem Start waren –90 °C
erreicht. Das superflüssige Helium im Kryo-
staten unterhalb des Hauptspiegels reicht
für mindestens 3,5 Jahre.
ESA

Herschel und Planck –


Gipfeltreffen im All
Eine große Woche für die Astronomie: Mitte Mai startete die Europäische Weltraum­
behörde ESA die beiden Weltraumteleskope Herschel und Planck. Astronauten der NASA
vollendeten die letzte Modernisierung von Hubble in der Umlaufbahn. Und Spitzer
kann weiter beobachten, jetzt auch mit leerem Heliumtank.

E s gibt Ereignisse, die man zu kennen


glaubt, weil man sie schon erlebt hat.
Und dennoch ist jedes Mal eine hohe An-
Die Verantwortlichen der ESA strahlten
große Zuversicht aus, als sie vier Stunden
vor dem Start die Presse über die wissen-
nuten später wurde die Trägerstruktur
Sylda, die den unteren Mitfahrer Planck
umschloss, abgeworfen. Und 28 Minuten
spannung zu spüren, denn das Geschehen schaftlichen Ziele beider Missionen unter- nach dem Start, in einer Höhe von 1700 Ki-
kann glücklich oder jammervoll enden. Der richteten. Auch die Namensgeber der Ob- lometern über dem Indischen Ozean, wur-
Start eines Weltraumobservatoriums mit servatorien wurden vorgestellt (siehe Ka- de Planck freigelassen. Weitere zwölf Mi-
einer feurigen Rakete gehört in diese Kate- sten auf Seite 26). nuten später meldeten sich beide Observa-
gorie. Zehn Jahre Arbeit und Lebensinhalt torien per Funk über die 35-Meter-Anten-
könnten in Sekunden ruiniert wer­den – Starten oder Warten? ne der ESA in New Norcia, Australien.
wie beim Fehlstart der Ariane-5-Rakete mit Zu jenem Zeitpunkt verfinsterte sich der Beide Observatorien sind nun auf dem
den vier Cluster-Satelliten im Jahr 1996. Himmel über Kourou, und es begann zu Weg zum Lagrange-Punkt L2, der sich 1,5
Solche Anspannung erfasste im Mai regnen. Würde das schlechte Wetter län- Millionen Kilometer »hinter« der Erde in
dieses Jahres Hunderte von Wissenschaft- ger anhalten? Dann würden die Instru- antisolarer Richtung befindet. Ein Körper,
lern und Technikern, die seit mehr als mente langsam warm werden, was unter der sich in diesem Punkt befindet, läuft
zwölf Jahren die beiden Weltraumtele- Umständen ein Nachtanken von Helium mit der gleichen Winkelgeschwindigkeit
skope Herschel und Planck mit ihren sehr und somit eine Startverschiebung erfor- um die Sonne wie unser Heimatplanet: Er
komplizierten Instrumenten entwickelt dert hätte. Doch es klarte rechtzeitig auf, ist zwar ein Prozent weiter vom Zentral-
und gebaut hatten. Der gemeinsame Start und pünktlich um 10:12 Uhr Ortszeit hob gestirn entfernt als die Erde, aber auf ihn
beider ESA-Teleskope mit einer Ariane- die 780 Tonnen schwere und 50 Meter ho- wirkt die kombinierte Anziehungskraft
5-Rakete war auf den 14. Mai 2009, 15:12 he Rakete ab. Auf dem riesigen Bildschirm der beiden Himmelskörper.
Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit an- bei ESOC ließen sich die vorausberechne- Herschel und Planck werden in Bahnen
gesetzt. Im Europäischen Weltraumkon- ten Flugdaten wie Höhe und Geschwin- um L2 einschwenken: Herschel in eine ge-
trollzentrum ESOC in Darmstadt wohnte digkeit mit den in Echtzeit gemessenen schlossene Quasi-Halobahn mit Ampli-
eine Auswahl der am Bau Beteiligten und Werten vergleichen: keine sichtbare Ab- tuden von ± 30 Grad von der Erde aus ge-
die Presse der Startübertragung aus Kou- weichung. sehen, Planck in eine Lissajous-Bahn mit
rou bei. Die Spannung war diesmal beson- Über der afrikanischen Ostküste, in ei- Amplituden von ± 15 Grad. L2 wird dabei
ders groß, da der ursprünglich für April ner Höhe von 1150 Kilometern und bei ei- in einem halben Jahr umkreist.
geplante Start wegen einer Überprüfung ner Geschwindigkeit von mehr als neun Für ein gekühltes Infrarot- oder Sub-
der Kaltgasdüsen an der Raketenoberstu- Kilometern pro Sekunde, wurde 26 Minu- millimeter-Observatorium bietet ei-
fe kurzfristig auf den 14. Mai verschoben ten nach dem Start der oberste Mitfahrer ne Bahn um den L2-Punkt den Vorteil ei-
worden war. Gab es doch ein Risiko? Herschel ausgesetzt. Nur anderthalb Mi- ner großen thermischen Stabilität: Die Er-

24 Juli 2009 Sterne und Weltraum


Der 1,5-Meter-Spiegel von Planck wird
sich passiv auf eine Temperatur von –240
Grad Celsius abkühlen. Der Satellit rotiert
einmal in der Minute um seine Hochachse
und kartiert dabei während der mindestens
15-monatigen Mission Streifen für Streifen
den gesamten Himmel im Mikrowellenbe-
reich.
ESA

de ist weit entfernt und lässt sich zusam- logischen Fragen wie Dunkle Energie, In- Spitzer (NASA) und Akari (Japan). Diese
men mit der in gleicher Richtung stehen- flationsphase und Stringtheorie erwar- Observatorien hatten Spiegeldurchmesser
den Sonne abschirmen. Dafür muss in tet. Mit seinem hohen räumlichen Auflö- von 0,6 bis 0,8 Meter. Herschel übertrifft
Kauf genommen werden, dass wegen der sungsvermögen wird Planck auch einen das mit 3,5 Meter bei Weitem und kann
großen Entfernung die Telekommunika- Galaxienkatalog für den Submillimeter- ein ungefähr fünfmal besseres Auflö-
tion aufwändiger wird und große Anten- bereich liefern. sungsvermögen und für Punktquellen hö-
nen erfordert. Beiden Satelliten wurde am here Empfindlichkeit liefern. Sein Haupt-
Tag nach dem Start erfolgreich eine kleine Wegbereiter spiegel ist der größte monolithische, der
Bahnkorrektur befohlen, bei Planck wird Herschel und Planck haben Vorgänger, die je gestartet wurde, und er wird diesen Re-
das wegen der engeren Bahn um L2 noch ihnen wissenschaftlich und technologisch kord möglicherweise für immer behal-
mehrmals wiederholt. den Weg gewiesen haben. Die 2,7-Kelvin- ten. Noch größere, wie der 6,5 Meter mes-
Hintergrundstrahlung wurde von den Sa- sende Spiegel des James Webb Space Te-
Ein neuer Kosmos telliten RELIC und COBE vermessen, dann lescope (JWST) werden erst im Weltraum
Beide Observatorien haben neue wissen- verfeinert von WMAP. Der erste wurde entfaltet. Obwohl Herschels Spiegel die
schaftliche Fähigkeiten und werden Ein- von der Sowjetunion gestartet, die bei- doppelte Fläche wie der des Weltraumtele-
blicke in ein bisher unbekanntes Univer- den letztgenannten sind NASA-Satelliten. skops Hubble aufweist, hat er mit 300 Ki-
sum geben. Herschel wird im fernen In- Plancks 1,5-Meter-Teleskop ist als Schief- logramm nur ein Drittel von dessen Mas-
fraroten und im Submillimeterbereich vor spiegler aus kohlefaserverstärktem Kunst- se. Das ist dem neuen keramikartigen Ma-
allem die Anfänge der Sternentstehung in stoff gefertigt, Glas wäre bei diesen Ab- terial Siliziumkarbid (SiC) zu verdanken.
dichten Molekülwolken untersuchen. Da- messungen zu schwer geworden. Die Vielzahl der neuen Technologien
zu gehört auch die Bildung von Planeten- Planck soll mit höherer Empfindlichkeit auf beiden Satelliten hat einen Preis. An
systemen in den Staub- und Gasscheiben und über einen großen Wellenlängenbe- ihrer Entwicklung haben fast einhundert
um junge Sterne. Herschels Beobachtungs- reich wesentlich detailliertere Karten lie- Firmen und Institute mit bis zu achthun-
programme reichen von kannibalischen fern als seine Vorgänger und erstmals auch dert Mitarbeitern über ein Jahrzehnt ge-
Galaxien mit hohen Sternentstehungsra- die Polarisation der 2,7-Kelvin-Strahlung arbeitet. Die Kosten für Herschel betragen
ten im noch jungen Universum bis zu den
fossilen kalten Gesteinsbrocken, die unse- Mit 3,5 Meter Durchmesser ist der Spiegel von Herschel
re alte Sonne seit ihrer Entstehung in gro- der größte, der jemals ins All gebracht wurde.
ßer Entfernung umrunden.
Planck wird den hochrotverschobenen bestimmen. Eines seiner beiden Instru- 1,1 Milliarden Euro, für Planck 700 Millio-
Überrest des Urknalls kartieren. Die- mente betreibt eine einzigartige Kühlket- nen Euro, das schließt die Startkosten be-
ser stellt heute eine den ganzen Himmel te für die hochempfindlichen Strahlungs- reits ein. Aber es ist nicht nur die Spitzen-
überziehende Schwarzkörperstrahlung empfänger: hintereinandergeschaltet sind stellung in Technik und Wissenschaft, die
mit einer Temperatur von 2,7 Kelvin dar. Strahlungskühler, Wasserstoffsorptions- Europa hier erreicht und die erfahrungs-
Die Karten von Planck werden uns ein Bild kühler, Joule-Thomson-Kühler und Heli- gemäß langfristig zu neuen Erzeugnis-
des Universums etwa 380 000 Jahre nach um-Mischkühler. In der Endstufe wird so sen führen wird. Wir dürfen auch dankbar
dem Urknall zeigen. Aus winzigen Tempe- eine Temperatur von –273  Grad Celsius sein, dass sich ein zivilisiertes Europa um
raturabweichungen, die wie ein Flicken- erreicht – ein Wert, der nur 0,1  Grad über die gro­ßen Fragen der Menschheit küm-
teppich aussehen, können die Anfangsbe- dem absoluten Nullpunkt der Temperatur- mert: den Rückblick zum Anfang der Zeit,
dingungen für die Entstehung von Struk- skala liegt. Für die nächsten Jahre wird die­s unsere Stellung im Universum und die
turen und Galaxien im ganz jungen Uni- der kälteste Punkt im Weltall sein. Zukunft des Kosmos.
versum abgeleitet werden. Und es werden Wegbereiter für Herschel waren IRAS Auf dem gut zwei Monate dauernden
neue Informationen zu wichtigen kosmo- (Start im Jahr 1983, NASA), ISO (1995, ESA), Flug zur L2-Bahn werden alle Untersys­

www.astronomie-heute.de Juli 2009 25


teme der beiden Satelliten genau unter-

Die Namensgeber sucht und kalibriert. Eine Woche nach


dem Start wurden die ersten Instrumente

W ilhelm Herschel (1738 – 1822) gilt als Entdecker der Infrarotstrahlung. Er


bemerkte sie im Jahr 1800, als er mit einem Prisma das Sonnenlicht spektral
zerlegte: Jenseits des roten Endes des Spektrums stieg die Temperatur durch eine
in den noch geschlossenen Kryostaten
eingeschaltet und getestet: Alles läuft so
gut wie zuvor im irdischen Labor.
nicht sichtbare, Wärme vermittelnde Strahlung an. »Erstes Licht« für die Instrumente von
Herschel stammt aus Hannover, das damals mit dem englischen Königshaus Herschel wird es nach Öffnen des Kryo­
verbunden war. Er wurde als Oboist Militärmusiker und ging mit der Garde nach Eng- staten-Deckels etwa 30 Tage nach dem
land. Nach einem Zwischenspiel als Organist widmete er sich schließlich ganz dem Start geben. Erste Himmelsbilder im fer-
Fernrohrbau und der Astronomie. Mit großem Erfolg: Er entdeckte die Struktur der nen Infraroten werden im Juli folgen. Ab
Milchstraße, den Planeten Uranus sowie zwei Saturnmonde und wurde schließlich Oktober beginnt der Observatoriumsbe-
als »Royal Astronomer« geehrt. trieb mit Hunderten von Nutzern.
Anders Planck: Die vollständigen Him-
In Anwesenheit melskarten erfordern eine Messzeit von
von Herschels Urur- 15 Monaten. Auf die kosmologischen Er-
urenkelin Charlotte kenntnisse dieser Mission müssen wir al-
Herschel-Farquhar- so wohl ungefähr zwei Jahre warten.
son wurde das von
Herschel kompo- Gipfelwoche
nierte Oboenkon- In dieser aufregenden Maiwoche ist noch
zert Nr. 2 in C-Dur mehr für die Astronomie im Weltraum
im Kontrollzentrum geschehen. Hubble ist von NASA-Astro-
Dietrich Lemke

ESOC aufgeführt. nauten letztmalig in Stand gesetzt wor-


den. Damit soll die berühmteste Wissen-
schaftsmaschine weitere fünf Jahre Bil-
der und Spektren liefern. Am 15. Mai ver-
I dampfte nach 5,5 Jahren erfolgreicher
Hörner in C
Mission der letzte Tropfen Helium im In-
II
frarotobservatorium Spitzer. Es ist damit
Solo für Oboe zwar blind bei langen Wellenlängen, aber
es kann, nur noch passiv gekühlt, im na-
I hen Infraroten weiter messen. Jetzt wird
Violinen
es neu kalibriert, und dann geht der Beob­
II
achtungsbetrieb weiter – voraussichtlich
Viola bis zum Jahre 2014.
Wünschen wir den vier »Herren« im All
Cello (Bass)
und Fagott wissenschaftlich ergiebige Jahre. Denn auf
die nächsten Starts astronomischer Satel-
liten – LISA-Pathfinder und GAIA – müs-
Max Planck (1858 – 1947) ist einer der größten deutschen Physiker. Wie er selbst sen wir Europäer noch mindestens drei
in einem 1942 gedrehten Dokumentarfilm erzählte, wurde er der einzige Naturwis- Jahre warten. Dietrich Lemke
senschaftler unter vielen Theologen und Philologen seiner Familie, die sich – aus
Schwaben stammend – über ganz Deutschland verteilte. Im Jahr 1900 beschrieb
Planck die elektromagnetische Abstrahlung eines (schwarzen) Körpers in Abhängig-
keit von seiner Temperatur. Dazu musste er das nach ihm benannte elementare Wir- Literaturhinweise
kungsquantum h einführen und die klassische Vorstellung von der stetigen Verände- Lemke, D.: Das Weltraumteleskop Her-
rung der Energie aufgeben. Damit schuf er die Grundlagen schel vor dem Start. In: Sterne und Welt-
Archiv der Max Planck Gesellschaft, Berlin-Dahlem

für die Quantentheorie. raum 1/2008, S. 36–46.


Hechler, M.: Die Bahnen der Welt-
Obwohl damals ein rein akademisches Feld ohne prak-
raumteleskope Herschel und Planck. In:
tischen Nutzen, wird heute ein Drittel unseres Bruttoso-
Sterne und Welt­raum 1/2008, S. 48–55.
zialprodukts durch Anwendungen der Quantentheorie in
Tauber, J., Bersanelli, M., Lamarre, J.-M.:
elektronischen und optischen Erzeugnissen geschaffen.
Die Planck-Mission. In: Sterne und Welt-
raum 2/2008, S. 38–55.
Max Planck berechnete als Erster die spektrale Energie- Weblinks zum Thema:
verteilung für die thermische Strahlung eines Schwarzen www.astronomie-heute.de/artikel/
Körpers. Nach seiner Formel beträgt die Temperatur des 997119
Überrests des Urknalls heute 2,7 Kelvin. www.astronomie-heute.de/hup

26 Juli 2009 Sterne und Weltraum


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Juli 2009 27
Welt der Wissenschaft: Raumfahrt-Geschichte

Apollo 11
auf dem Mond
»Ein kleiner Schritt für einen Menschen – ein Riesensprung für die Menschheit« – dieser
Satz des Astronauten Neil Armstrong schrieb vor 40 Jahren Weltgeschichte.
Zum ersten Mal betraten Menschen einen fremden Himmelskörper und kehrten sicher
zurück.

Von Harro Zimmer

A
ls Zeitzeuge, Chronist und 1969 auf dem Mond oder das erste Bild 1981 und die Ersttaten eines guten Dut-
auch etwas am Rande Mitwir- vom Marsboden, das ich als NASA-Mitar- zend weiterer Missionen. Aber auch bis
kender der hinter uns liegen- beiter im Jahr 1976 beim Viking-Pro- heute ein Trauma: Zeuge der Challenger-
den fünf Jahrzehnte Raum- gramm mit als einer der Ersten sehen Explosion im Jahr 1986 gewesen zu sein.
fahrt lasse ich gerne die Ereignisse noch konnte? Der Einstieg in die Wissen- Unerreicht in der Rückschau aber bleibt
einmal Revue passieren, bevor sie in Bü- schaftspublizistik bei Rundfunk und Fern- das Apollo-Programm als die technisch
chern oder Vorträgen ihren Niederschlag sehen ermöglichte es mir dann, fast rund bedeutendste Leistung des 20. Jahrhun-
finden. Mit zunehmendem zeitlichen Ab- um den Erdball in Sachen »Weltraum« un- derts haften. Die zeitweise spürbare Nei-
stand fragt man sich oft selbst nach den terwegs zu sein. So bleiben mir auch die gung, dessen wissenschaftlichen Erfolg
persönlichen Höhepunkten des Erlebten: Tage und Stunden im Jet Propulsion Labo- klein zu reden, ist im Laufe der Jahrzehnte
War es der Empfang der ersten Satelliten- ratory in Pasadena bei den Passagen von einer objektiveren Betrachtung gewichen.
signale der Sputniks in den Jahren 1957 Voyager 2 1986 an Uranus und Neptun Holen wir mit dem Flug von Apollo 11 den
und 1958 oder der Schritt von der klas- 1989 in Erinnerung: Planeten und ihre Höhepunkt des Programms wieder in die
sischen Sternwarten-Astronomie in das Monde, die wir erstmals aus der Nähe und Gegenwart zurück.
Neuland der Weltraumforschung mit Sa- im Detail zu sehen bekamen.
telliten und Raumsonden? Nicht minder beeindruckend waren Er- Projekt Apollo –
Was bleibt in der Erinnerung länger lebnisse in der Shuttle-Ära: so der Jung- Erste Annäherungen
haften: die Landung von Apollo 11 im Jahr fernflug mit der Columbia am 12. April In den 1960er Jahren war die Trackingsta-
tion der Berliner Wilhelm-Foerster-Stern­
warte unter meiner Leitung in Koopera-
Zu diesem Beitrag stehen jedem Interes- tion mit amerikanischen Institutionen
sierten auf unserer Internetseite www. vorrangig mit der Verfolgung erdnaher
wissenschaft-schulen.de didaktische Satelliten befasst. Wir beobachteten mit
Materialien zur freien Verfügung. Darin funktechnischen Mitteln Satelliten und
wird gezeigt, wie das Thema im Rahmen ihre Übertragungen und konnten damit
des Physikunterrichts in der gymnasialen Oberstufe behandelt werden kann. Unser ihre Umlaufbahnen sehr exakt bestim-
Projekt »Wissenschaft in die Schulen!« führen wir in Zusammenarbeit mit der Landes- men.
akademie für Lehrerfortbildung in Bad Wildbad durch. Es wird von der Klaus Tschira Im Jahr 1966 begannen wir im Hinblick
Stiftung gGmbH großzügig gefördert. auf die zukünftigen Apollo-Missionen die
technische Aufrüstung zum Empfang der

28 Juli 2009 Sterne und Weltraum


Alle Bilder, sofern nicht anders angegeben: NASA

Edwin Aldrin hat gerade das Seismome-


ter für die Untersuchung von Mondbe-
ben einsatzbereit gemacht. Im Hinter-
grund steht die Landefähre Eagle.

Signale im so genannten S-Band bei 2,2 Sternwarte prominenten Besuch: Frank Fred Haise. Dazu kam ein Supportteam
Gigahertz. Es war uns klar, dass wir mit Borman, der Kommandant von Apollo 8, mit den Astronauten Ron Evans, Ken
unserer bescheidenen Antenne, einem der ersten bemannten Mondorbitalmis­ Mattingly und Jack Swigert. Allerdings
Zwei-Meter-Spiegel, nicht das Geschehen sion im Dezember 1968 (siehe SuW unterschieden sich die Trainingsvorbe-
am Erdtrabanten direkt verfolgen 12/2008, S. 26 – 34). Beim Gespräch mit reitungen der beiden Besatzungen deut-
könnten. Zumindest bestand für uns aber dem Astronauten wurde rasch klar, dass lich. Die erste Crew wurde intensiv – bis
die Chance, einen Teil des Mondflugs die bemannte Landung nicht nur um eine zu 14 Stunden täglich – in Simulatoren
funktechnisch zu beobachten. Größenordnung schwieriger sein würde für die Landung gedrillt, während die
Die gigantischen technischen Di­men­
sio­nen von Apollo begegneten mir dann
Im Rückblick bleibt das Apollo-Programm als die tech-
im Jahr 1966 sehr hautnah erstmals »vor
Ort«. Als NASA-Stipendiat an der Univer- nisch bedeutendste Leistung des 20. Jahrhunderts haften.
sität Miami konnte ich im Juli während
der Mission Gemini 10 das VAB (Vertical als die Mondumrundung, sondern auch zweite Mannschaft im Routinetraining
Assembly Building), das riesige Monta- einige unerwartete Überraschungen er- verblieb.
gegebäude am Cape Kennedy, so hieß es warten ließ. Als ein Beispiel für seine eige- Anfang Februar 1969 legte die NASA
damals, samt der Trägerrakete Saturn V ne Mission erwähnte er die erstaunliche den Flugplan für die kommenden zwölf
und ihrer mobilen Startplattform aus der Tatsache, dass die Besatzung während des Monate vor, der fünf Missionen vorsah,
Nähe und im Detail kennenlernen. gesamten Hinflugs den Mond nicht zu Ge- darunter vier Exkursionen zum Erdtra-
Dann kam der 27. Januar 1967: Bei sicht bekam, was zu erheblichen Irritatio­ banten. Entscheidend für den Fortgang
einem Bodentest des für den 21. Februar nen führte. des Programms, das im Hinblick auf mög-
geplanten ersten bemannten Flugs von Nur knapp einen Monat vor Frank liche sowjetische Aktivitäten unter Zeit-
Apollo-Saturn 204 brach in der Kapsel ein Bormans Visite waren die Besatzungen druck stand, war die Erprobung der
Feuer aus, das die drei Astronauten nicht für die ersten Apollo-Mondflüge zusam- Mondlandefähre, ursprünglich LEM – Lu-
überlebten. Im Nachhinein macht es im- mengestellt worden. So auch für die Mis- nar Excursion Module – genannt. Excur­
mer noch staunen, dass nur 20 Monate sion Nr. 11: Neil Armstrong, Edwin sion, so die NASA später, klang zu sehr
später das bemannte Apollo-Programm »Buzz« Aldrin und Michael Collins. Als nach »Ausflug«, so dass die Nomenklatur
wieder anlaufen konnte. Ersatzmannschaft nominierte die NASA nun in Lunar Module mit der Abkürzung
Am 12. Februar 1969, meinem Geburts- Jim Lovell und Bill Anders – beide bereits LM geändert wurde. Mit der Mission
tag, bekamen wir in der Wilhelm-Foerster- mit Apollo 8 zum Mond geflogen – sowie Apollo 9 wurden im März 1969 Abstiegs-

www.astronomie-heute.de Juli 2009 29


Die Astronauten Neil Armstrong, Michael Jahre exzellente Kontakte zu Wernher
Collins und Edwin »Buzz« Aldrin (von links) von Braun und anderen von dessen Kolle-
posieren in Freizeitkleidung vor ihrer start- gen aus Peenemünde sowie zu weiteren
bereiten Saturn-V-Trägerrakete. führenden Raumfahrtexperten in den
USA aufgebaut. Mehrfach hatte sich RIAS
Berlin in aktuel­len Raumfahrtfragen
nate und Fernschreiben – wurde damals auch an mich gewandt.
noch schmalbandig via Überseekabel ab- Am 22. Mai 1969, an meinem Polter-
gewickelt. Seit Kurzem standen auch zwei abend, erreichte mich die Bitte, die ent-
Kommunikationssatelliten vom Typ Intel- scheidende Phase der Apollo-10-Mission
sat 3 über dem Atlantik und Pazifik zur zum Mond gemeinsam mit zwei Kultur-
Verfügung, die jeweils vier TV-Kanäle oder redakteuren fachlich zu kommentieren.
1500 Telefonverbindungen bedienen Der Köder: Eine Standleitung zur NASA
konnten. nach Houston. Bei diesem Unternehmen
Mit Ausnahme des ehemaligen Ost- mit den drei erfahrenen Astronauten Tom
blocks und Chinas, die das Ereignis be- Stafford, John Young und Eugene Cernan
stenfalls als knappe Nachricht verbreiten an Bord sollte der Ablauf der Mondlan-
würden, wollten die weltweiten Medien dung weitestgehend realistisch erprobt
natürlich auch vor Ort dabei sein, das werden, wobei eine Annäherung der Fäh-
heißt zunächst am Cape und dann in der re an die Mondoberfläche bis auf etwa 14
Missionskontrolle in Houston im US- Kilometer Höhe geplant war. Das gelang
Bundesstaat Texas. In den heimischen problemlos. Zu diesem Zeitpunkt wurde
und Rückkehrstufe im Erdorbit erfolg- Redaktionen und Studios sollte die Koor- dann – nach Plan – die Landestufe des LM
reich getestet. Alle technischen Voraus- dination erfolgen, verbunden mit der abgetrennt und das Triebwerk für den
setzungen für die bemannte Landung Präsentation von Hintergrundinformati- Aufstieg zum Mutterschiff gezündet. Für
waren damit erfüllt. onen und Expertengesprächen. eine Landung wäre übrigens dieses Mo-
Der Hörfunk, das klassische Radio, dell des LM nicht geeignet gewesen, da es
Vorbereitungen schien mit den geplanten TV-Events, zu- für den Aufstieg von der Mondoberfläche
für ein globales Medienereignis mindest in Europa, kaum konkurrieren zu schwer war.
Es war klar, dass die erste Mondlandung zu können. Beim Sender RIAS Berlin Bis weit nach Mitternacht hingen wir
weltweit auf enormes Interesse stoßen (Rundfunk Im Amerikanischen Sektor), gebannt am O-Ton aus dem Kontroll-
würde. In einer Zeit, in der Internet und einer amerikanischen Einrichtung, die zentrum und wurden plötzlich Zeugen
SMS noch in ferner Zukunft lagen und ihren Hörerstamm hauptsächlich in Ber- einer dramatischen Situation: Unmit-
auch interkontinentale Selbstwähltelefo- lin und der damaligen DDR hatte, war telbar vor der Trennung der beiden
nate noch nicht zum Standard gehörten, man anderer Meinung: Bereits seit dem Fährenkomponenten kam es zu einer
war die globale Übertragung der Mission Jahr 1957 wurde hier dem Thema Raum- unkontrollierten Rollbewegung, die erst
in Echtzeit eine logistische Herausforde- fahrt viel Sendezeit eingeräumt. Der ver- kurz nach Abtrennung der Landestufe
rung. Der größte Teil der Kommunikation antwortliche Redakteur, Hans Gerhard gestoppt werden konnte. Nur zwei Se-
zwischen Europa und Amerika – Telefo- Meyer (1912 – 1983), hatte im Laufe der kunden später wäre das LM auf einen

Meilensteine des Apollo-Programms bis zur Mondlandung


Mitte 1958: Noch vor der Gründung der US-Weltraumbehörde 1962 – 1965: weitere neun Testflüge von
NASA beginnt das US-Verteidigungsministerium mit der Entwick- Saturn-I-Trägerraketen in verschiedenen Ent-
lung der Saturn-I-Trägerrakete. wicklungszuständen. Bis heute unerreicht:
Im gesamten Saturn-Raketenprogramm gab
25. Mai 1961: In einer Rede es keinen Fehlstart!
vor dem US-Kongress erhebt
Präsident John F. Kennedy 26. Februar 1966: Erster Test einer Apollo-
die bemannte Mondlandung Kommandokapsel auf einem suborbitalen
noch vor dem Ende des Jahr- Flug.
zehnts zum nationalen Ziel 5. Juli 1966: Erster Test des Apollo-
der USA. Kommandomoduls in der Erdumlaufbahn
27. Oktober 1961: Erster Test-
Alle Bilder: NASA

start einer Saturn-I-Trägerra- 27. Januar 1967: Tragödie von Apollo 1: Wäh-
kete, erfolgreich rend eines simulierten Countdowns fängt
die Raumkapsel Feuer, die Astronauten Virgil

30 Juli 2009 Sterne und Weltraum


Die Mondlandefähre Eagle fotografierte
Michael Collins kurz nach dem Abkoppeln
vom Mutterschiff Columbia. Sehr deutlich
zeigen sich das Haupttriebwerk und die vier
Beine mit den Landetellern.

Crashkurs zur Mondoberfläche geraten.


Vermutlich war die Ursache ein Fehler
des LM-Piloten Eugene Cernan, der dieses
Ereignis auch drastisch kommentierte,
was ihm später nicht nur einen Rüffel
der NASA einbrachte, sondern auch den
Spott der Kollegen: Bei ihrer Rückkehr
– am Cape stand bereits die Rakete für
Apollo 11 auf der Rampe 39A – empfing
die Mannschaft ein Transparent mit der
Aufschrift »Die Mission Apollo 10 – Nur
für ein erwachsenes Publikum!«.

Grünes Licht für Apollo 11


Am 12. Juni 1969 fand in der NASA-Zentra-
le in Washington eine Sitzung unter der nung leitete, besonders wichtig. Berry äu- Houston stand der Raumfahrtjournalist
Leitung des Apollo-Programmdirektors ßerte Bedenken. Die Strapazen des Trai- Werner Büdeler (1928 – 2004) bereit. Im
General Sam Phillips statt, an der etwa ein nings hätten der Crew zugesetzt, man ZDF war Heinrich Schiemann (1916 – 2002),
Dutzend Entscheidungsträger teilnahmen. sollte ihr mehr Zeit lassen. Slayton hatte vor seiner Medienkarriere Luftfahrtinge-
Nur eine Frage stand auf der Tagesord- hingegen keine Einwände für den Startter- nieur, die Schlüsselfigur. Friedrich Müller
nung: Waren die Besatzung und die Tech- min, schlug aber vor, das Training für die war der Mann in Texas.
nik von Apollo 11 bereit für einen Startter- noch verbleibende Zeit etwas zu reduzie- RIAS Berlin entschied sich, die beiden
min am 16. Juli? Phillips: »Ich stimme ren. Anderthalb Stunden später war die Kollegen aus der Kulturredaktion nach
sofort einem Aufschub zu, wenn irgendet- Entscheidung einstimmig gefallen: Wir Houston zu schicken, während Hans Ger-
was noch nicht klar ist oder wir die Män- starten am 16. Juli! hard Meyer und ich, ausgestattet mit dem
ner zu sehr unter Druck setzen. Wenn Auch die Vorbereitungen der Medien O-Ton der NASA sowie mit umfang-
letzteres der Fall ist, verschieben wir auf liefen nun auf Hochtouren an: In Deutsch- reichen Unterlagen, darunter eine 254
August.« land entschieden sich ARD und ZDF für ei- Seiten dicke Presseinformation der
Hinsichtlich der Astronauten war die gene Programme mit entsprechend auf- Raumfahrtbehörde, die Vertretungen im
Einschätzung von Charles »Chuck« Berry, gemachten Studios. Für die ARD war der Studio sein sollten. Unser Vorteil gegenü-
dem verantwortlichen Arzt sowie von Westdeutsche Rundfunk unter Günter ber ARD und ZDF: Wir konnten praktisch
Deke Slayton, der die Mannschaftspla- Siefarth (1929 – 2002) federführend. In zu jedem Zeitpunkt der Mission ins Pro-

Grissom, Edward White und Roger Chaffee sterben qualvoll. Alle 21. – 27. Dezember
weiteren bemannten Flüge verzögern sich um 20 Monate. 1968: Apollo 8:
9. November 1967: Erster unbemannter Testflug der Trägerrakete Erster bemannter
Saturn V unter der Bezeichnung Apollo 4, erfolgreich Flug zum Mond,
aber noch ohne
22. Januar 1968: Apollo 5: Erster unbemannter Flugtest der Mond- Mondlandefähre.
landefähre in der Erdumlaufbahn, erfolgreich Die Apollo-Kapsel
4. April 1968: Apollo 6: Zweiter unbemannter Testflug der Saturn V absolvierte zehn
mit Prototypen der Mondlandefähre und Kom- Mondumläufe, an
mandokapsel, erfolgreich Bord waren die
11. – 22. Oktober 1968: Apollo 7: Erster be- Astronauten Frank
mannter Flug der Apollo-Raumkapsel, an Bord Borman, James A.
befanden sich die Astronauten Walter Schirra, Lovell und William
Donn Eisele und Walter Cunningham. Alle Anders.
Missionsziele wurden erreicht.

www.astronomie-heute.de Juli 2009 31


Angespannt blickt der Capcom und
Astronaut Charles Duke während des
finalen Landeanflugs von Apollo 11 auf
einen Datenmonitor im Missionskontroll-
zentrum in Houston. Neben ihm sitzt
Astronaut James Lovell.

gramm gehen und auch über interessante


Flugabschnitte, die nicht durch TV-Über-
tragungen abgedeckt waren, live berich-
ten.
Alles war für den 16. Juli gerüstet. Was
aber, wenn das Wetter oder ein überra-
schend auftretendes technisches Problem
den Start verhinderte? Das Startfenster
für die Mondmissionen wurde durch drei
Faktoren bestimmt: Treibstoff, Kommu-
nikation und Beleuchtungsverhältnisse
an der Landestelle. Diese waren am Mond-
morgen bei niedrigen Sonnenständen
zwischen 5 und 14 Grad optimal. Ausge-
prägte Schattenwürfe der Formationen in eine für die Landung geeignete Umlauf- Zündete man über Hawaii, so ließ sich
wären dann eine wichtige Orientierungs- bahn um den Erdtrabanten einzutreten. Apollo über dem östlichen Pazifik und
hilfe, und auf der Oberfläche würden mo- Zweimal am Tag bot sich die Gelegenheit: den USA verfolgen. Man hatte also Zeit ge-
derate Temperaturen herrschen. Allein über dem Atlantik und dem Pazifik. nug, bei einer eventuellen Fehlfunktion
die­se Bedingung ergab für eine be- Die NASA entschied sich für den letzte- der dritten Stufe entsprechende Maßnah-
stimmte Landestelle nur ein Startfenster ren, da dies einen Start bei Tageslicht er- men zu treffen. Bedingt durch die Erdro-
pro Monat, an einem einzelnen Tag. Eine laubte und eine optimale Beobachtung tation lag Hawaii natürlich nur einmal
Startverschiebung um 24 Stunden wäre dieses kritischen Manövers durch die Bo- täglich in der richtigen Position, was das
nur unter Anflug einer weiter westlich denstationen ermöglichte. Damals ver- Startfenster weiter einengte. Die S-IVB
gelegenen Landegegend möglich. fügte die NASA – seit den bemannten Flü- konnte wegen ihrer kryogenen Treib-
Die Zündung der S-IVB, der dritten Rake- gen der Programme Mercury und Gemini stoffe, flüssiger Wasserstoff und Sauer-
tenstufe der Saturn V, die den Raumschiff- – über ein weltumspannendes Netz von stoff, nicht allzu lange im Erdorbit fliegen.
komplex in Richtung Mond befördern Bodenstationen, die entlang 28 Grad Nach maximal zwei Umläufen mussten
sollte, geschah auf einer niedrigen Erdum- nördlicher und südlicher Breite installiert die Tanks durch die Zündung weitestge-
laufbahn. Die Himmelsmechanik erfor- waren. Für die Mondmissionen wurde es hend entleert werden oder das Raum-
derte, dass das Triebwerk über der Rückseite auf 17 Bodenstationen, vier Schiffe sowie schiff zur Erde zurückkehren. Alles in
des Mondes gezündet werden musste, um sechs Spezialflugzeuge erweitert. allem resultierte aus dem Zusammenspiel

3. – 13. März 1969: Apollo 9: 16. – 24. Juli 1969:


Flug in die Erdumlaufbahn Apollo 11: Erste
zur bemannten Erprobung bemannte Mond-
der Mondlandefähre. An landung am 20.
der Mission nahmen die Juli 1969. Neil
Astronauten James McDivitt, Armstrong und Ed-
David Scott und Russell win Aldrin betreten
Schweickart teil. als erste Menschen
18. – 26. Mai 1969: Apollo einen fremden Him-
10: Generalprobe für die be- melskörper. An Bord
mannte des Apollo-11-Mut-
Mondlandung und Test der Landefähre auf terschiffs Columbia
der Mondumlaufbahn. Die Mondfähre nä- umflog Michael
hert sich beim Testflug der Mondoberfläche Collins derweil den
bis auf 15 Kilometer an. An Bord von Apollo Erdtrabanten auf einer Umlaufbahn. 21,5 Kilogramm Mondge-
10 befanden sich die Astronauten Tom Staf- stein begleiteten die Astronauten zurück zur Erde.
ford, John Young und Eugene Cernan.

32 Juli 2009 Sterne und Weltraum


dieser Faktoren für den 16. Juli ein Start-
fenster in Richtung Mare Tranquillitatis,
das sich um 14:32 Uhr MEZ öffnete und
um 18:54 Uhr wieder schloss. Eine Ver-
schiebung innerhalb dieses Fensters ließ
sich durch eine Veränderung des Start-
winkels der Rakete kompensieren. Ande-
renfalls hätte die Möglichkeit bestanden,
am 18. oder 21. Juli 1969 Ziele weiter west-
lich anzufliegen. Diese Ersatzlandeplätze
lagen im südwestlichen Teil des Sinus Me-
dii beziehungsweise im Südosten des Oce-
anus Procellarum.

Die Sowjetunion sorgt


für Aufregung
Am 13. Juli kam aus der UdSSR die Nach-
richt vom Start der Mondsonde Luna 15,
verpackt in den gleichen belanglosen
Text wie bei den vorangegangenen Unter-
nehmen, der nichts über die Sonde selbst
und ihre konkrete Aufgabenstellung ver-
riet. Auffällig war allerdings der erstma-
lige Einsatz der Proton-Trägerrakete im
Luna-Programm und die hohe Startmasse
von 5,6 Tonnen. Es verwundert nicht, dass
im Zeitalter des Kalten Kriegs die Gerüch-
teküche brodelte: Luna 15 solle Apollo 11
»stören« oder – harmloser – die Landung Astronaut Edwin Aldrin macht sich bereit, die Landefähre Eagle durch die
aus nächster Nähe beobachten. Über per- enge Ausstiegsluke zu verlassen.
sönliche Kontakte erhielt die NASA aus
Moskau die Zusicherung, dass die Mission
der Sonde das amerikanische Unterneh- plex war so groß, dass man rund zwei Jah- cherche klar: Er saß gewissermaßen als
men in keiner Weise tangieren werde. re für die Wiederherstellung benötigte. Prüfingenieur schon längere Zeit in der
Über das konkrete Ziel schwieg man je- Alle Hoffnungen richteten sich nun auf Apollo-Kapsel, checkte gründlich alle Sys­
doch. Luna 15. Bis sich ihr Schicksal entschied, teme durch und machte das Raumschiff
Heute wissen wir, dass Luna 15 Teil sorgte sie noch für erhebliche Nervosität startklar.
eines größer angelegten Versuchs war, bei der NASA. Auch nach dem Einstieg der Besatzung
den zu erwartenden Erfolg der USA etwas war Haise in der Kapsel in voller Aktion:
zu relativieren: Eine wichtige Rolle kam Mittwoch, 16. Juli 1969: Waren die Gurte richtig angelegt und ge-
dabei dem Raketengiganten N-1 zu, der Die Reise beginnt schlossen? War alles lose Gerät – wie Werk-
mit einem unbemannten Raumschiff Nicht nur rund 3500 akkreditierte Jour- zeugkästen oder transportable Belüfter –
vom Typ Zond sowie einem Funktions- nalisten aller Medien, darunter mehr als entfernt worden? 30 Minuten Zeit hatte
modell einer Landefähre starten sollte 800 ausländische Korrespondenten aus man für diese letzten Überprüfungen ein-
(siehe auch SuW 8/2008, S. 42 – 50 sowie 54 Staaten, tummelten sich am Cape geplant. Dann verließ Haise die Kapsel
SuW 10/2007, S. 26 – 58). Kennedy und in Houston. Rund eine Mil- und schloss die Luke.
Die Aufgabe von Zond bestand darin, lion Schaulustige harrten in der näheren Pünktlich um 15:32 Uhr MEZ hob die
aus dem Mondorbit Multispektralaufnah- Umgebung des Startgeländes bis in Ent- Saturn V von der Rampe 39A ab. Die per-
men von potenziellen Landegebieten zu fernungen von 50 Kilometer aus. Nahezu fekte TV-Übertragung erlaubte eine Kom-
gewinnen. Danach sollte Luna 15 starten, alle Zufahrtstraßen waren hoffnungslos mentierung vom heimischen Studio aus.
weich landen und automatisch eine klei- verstopft. Lange konnten die Zuschauer am Cape
ne Bodenprobe vom Erdtrabanten zu- Am Dienstagabend, um 22:00 Uhr MEZ, und an den Bildschirmen den Aufstieg der
rückführen. hatte der finale Countdown begonnen und Rakete verfolgen. Aber schon an diesem
Am 3. Juli 1969 war es für die N-1 so verlief völlig problemlos. Stunden vor Tag wurde deutlich, was sich später zum
weit: Doch bereits zehn Sekunden nach dem Start war in der NASA-Kommunika­ Problem entwickeln sollte: Überlastete
dem Abheben schalteten in nur 200 Meter tion immer wieder vom Astronauten Fred Leitungen verhinderten zunehmend den
Höhe alle Triebwerke ab. Die vollbetankte Haise die Rede. Er war zwar Mitglied der Kontakt mit den Korrespondenten vor
Rakete fiel auf die Rampe zurück und ex- Ersatzcrew, doch welche Rolle Haise jetzt Ort. Immerhin waren ja zunächst acht TV-
plodierte. Der Sachschaden am Startkom- spielte, wurde uns erst nach einiger Re- Termine eingeplant, so dass in Kombina­

www.astronomie-heute.de Juli 2009 33


Am Abend des 18. Juli gab es eine aus-
gedehnte TV-Übertragung in Farbe und
ausgezeichneter Qualität, die das Innere
des Mutterschiff und der Landefähre
zeigte sowie den Umstieg von Armstrong
und Aldrin zur ersten Inspektion der Fäh-
re. Inzwischen hatte die Crew vom Ein-
schwenken der Sonde Luna 15 in die
Mondumlaufbahn erfahren.
Nur gelegentlich klang an, mit wel-
chen – wenn auch nicht dramatischen
– Widrigkei­ten die Besatzung zu kämpfen
hatte. So gestaltete sich das Rasieren zu
einer zeit­raubenden und umständlichen
Diese Szene ist eine der wenigen Prozedur. Ärgerlicher war schon der Zu-
Aufnahmen, die den Astronauten Neil stand der Bord­apotheke: Offensichtlich
Armstrong auf dem Mond zeigt. Auf fast war dort al­les unter normalem Luftdruck
allen anderen Bilder ist sein Kollege verpackt worden und nun im reduzierten
Edwin Aldrin zu sehen. Kabinendruck aufgequollen, so dass sich
der Inhalt gar nicht oder nur mit Gewalt
entnehmen ließ.
tion mit dem NASA-Ton aus Houston eine gens des Hauptmotors des Mutterschiffs Nach 73 Stunden auf Mondkurs war
umfassende Berichterstattung möglich hätte die Raumkapsel mit Hilfe der Lage- der Erdtrabant erreicht. Nun kam in einer
erschien. regelungstriebwerke sicher zur Erde zu- Höhe von 160 Kilometern über der Ober-
2 Minuten 41 Sekunden nach dem Start rückkehren können. fläche die erste entscheidende Bewäh-
der Rakete war Brennschluss der mäch- rungsprobe für das Haupttriebwerk des
tigen ersten Stufe. Knapp sechseinhalb Auf dem Weg zum Mond Mutterschiffs: Es brannte für 357 Sekun-
Minuten später war die zweite Stufe aus- Die nächsten spannenden Ereignisse den, und Apollo trat dadurch in eine ellip-
gebrannt. Nun wurde die dritte Stufe zum konnte nur der Radiohörer verfolgen: Das tische Umlaufbahn um den Mond ein.
ersten Mal für 147 Sekunden gezündet. Abkoppeln des Mutterschiffs (Command Zweieinhalb Stunden später sahen wir
Danach war die geplante Umlaufbahn mit Service Module, CSM) von der dritten Stu- atemberaubende Bilder der Oberfläche,
hoher Genauigkeit erreicht. Anderthalb fe und sein Wendemanöver zum Ando- darunter auch die potenzielle Landere­
Erdumläufe blieb nun der Besatzung Zeit, cken an die Landefähre, die ja noch in der gion. Eine weitere Zündung senkte Apollo
alle Systeme zu prüfen. Stufe steckte. Zwölf Riegel mussten einra- 11 auf eine nahezu kreisförmige Bahn in
2 Stunden 44 Minuten nach dem Start: sten, um eine sichere Verbindung zwi- rund 110 Kilometer Höhe ab.
Apollo 11 befand sich auf dem aufstei- schen den beiden Komponenten herzu- Langsam wurde es Ernst: Zweimal über-
genden Ast der Bahn über dem Südpazifik, stellen. Erst dann konnte die Kombination prüften Armstrong und Aldrin alle Systeme
als die dritte Stufe für 347 Sekunden zün- LM/CSM von der S-IVB mittels Sprungfe- der Landefähre und machten sie betriebs-
dete und so den Kurs in Richtung des Erd- dern gelöst und auf sichere Distanz zur bereit. Rund 100 Stunden nach dem Start
trabanten einschlug. Es war eine so ge- Stufe manövriert werden. Die dritte Stufe war es dann Zeit für die Trennung. Zwei
nannte »freie Rückkehr«-Bahn, mit einer flog anschließend am Mond vorbei und Raumschiffe waren nun im Mondorbit:
größten Annäherung von 110 Kilometern schlug eine Umlaufbahn um die Sonne Das Mutterschiff Columbia mit Michael
an den Erdtrabanten. Im Falle des Versa- ein. Collins an Bord und die Landefähre Eagle.
NASA/LPScI

34 Juli 2009 Sterne und Weltraum


Für unsere Live-Berichterstattung pas-
sierte das, was wir befürchtet hatten: Viele
der Leitungen von Houston nach Europa
waren total überlastet und brachen zum
Teil für Stunden zusammen: Unsere Kor-
respondenten waren unerreichbar, so dass
wir den Höhepunkt der Mission mit Hilfe
der Standleitung zu NASA Mission Control
Houston und den TV-Bildern von Berlin
aus kommentieren mussten.

War die Landung


tatsächlich in akuter Gefahr?
102 Stunden 33 Minuten nach dem Start:
Der gesteuerte Abstieg der Landefähre be-
ginnt. Rund fünf Minuten später signali-
siert der Computer in der Fähre »Alarm
1202«. Weder Armstrong noch Aldrin ha-
ben die leiseste Ahnung, was er bedeutet.
Das Stichwort »Alarm« schreckt nicht nur
Kommentatoren auf. Es schien ernste Ge-
fahr im Verzug zu sein.
Missionskontrolleur Steve Bales, ver-
antwortlich für die Steuerungssysteme
der Mondfähre, beruhigte: »1202« signali-
siere zwar eine Überlastung des Rechners,
er führe aber seine Arbeit dennoch aus.
Erst wenn es zu einer Daueranzeige werde, erten Abstiegs begannen die Treibstoffe Um die Erde zusammen mit der Landefähre
gäbe es ein Problem. 1000 Meter über der darin herumzuschwappen und verän- Eagle abzulichten, musste sich Astronaut
Mondoberfläche gab es erneut Programm­ derten unregelmäßig die Raumlage der Neil Armstrong weit zurücklehnen, um den
alarm, diesmal 1201, der ebenfalls igno- Fähre. Entsprechend begannen die Kor- sehr hoch am Himmel stehenden Blauen
riert wurde. Die am Boden empfangenen rekturtriebwerke wild zu arbeiten, aber Planeten mit auf das Bild zu bekommen.
Telemetriedaten zeigten, dass der Compu- den raschen Bewegungen konnte der
ter korrekt arbeitete. Ursache für die Computer nicht schnell genug folgen.
Alarme war der fortwährende Zustrom Mit großer Spannung verfolgten wir Erst Jahrzehnte nach der Mondlandung von
von Daten des Rendezvousradars, das hier den weiteren Abstieg und die Suche nach Apollo 11 veröffentlichte die NASA dieses
nicht in Betrieb sein sollte. einem neuen Landeplatz, da sich das zu- Panorama der Landestelle, dessen Einzel-
Ein anderes Problem beeinflusste den erst anvisierte Terrain am West-Krater als bilder Edwin Aldrin mit einer 70-Millimeter-
ohnehin komplizierten Landeanflug noch zu rau herausstellte. In einer Höhe von Fotokamera aufnahm. Mit modernen
mehr, das jedoch erst nach der Auswer- nur noch 30 Metern hörten wir Aldrin: Bildverarbeitungsmethoden entzerrte die
tung der technischen Daten ersichtlich »Five per cent. Quantity light«. Wer die NASA die Einzelbilder und konnte sie
wurde: Mit der Abnahme des Flüssigkeits- umfangreichen NASA-Unterlagen gründ- nahtlos aneinanderfügen (Fortsetzung
spiegels in den Tanks während des gesteu- lich studiert hatte, wusste, dass nun ein nächste Doppelseite).

www.astronomie-heute.de Juli 2009 35


kritischer Punkt erreicht war. Ein rotes oder gar in einem harten und damit kata- große Moment wesentlich früher zu er-
Warnlicht leuchtete im Cockpit der Fähre strophalen Aufsetzen hätte enden können, warten.
auf, wenn der Treibstoffvorrat auf 5,6 Pro- weil nur noch für sieben Sekunden Treib- Um 3:29 Uhr MEZ, wir schrieben in
zent abgesunken war. 114 Sekunden Flug- stoff vorhanden gewesen sei. Aber auch Mitteleuropa bereits den 21. Juli, öffnete
zeit standen dann noch bis zu einer Lan- hier hatte das Schwappen der Treibstoffe sich die Luke. Zwölf Minuten später zeigte
dung oder dem Auslösen des Rückstarts in den Tanks der Technik einen Streich ge- die fest montierte TV-Kamera an der Fäh-
zur Verfügung. spielt und das Warnlicht zu früh ausgelöst. re schemenhaft den vorsichtigen Aus-
Im Kontrollzentrum startete man einen Tatsächlich stand noch für 45 Sekunden stieg Armstrongs. Exakt um 3 Uhr 56 Mi-
94-Sekunden-Countdown. War er abgelau- Treibstoff zur Verfügung. Erst ab Apollo nuten 15 Sekunden MEZ berührte sein
fen, so verblieben Armstrong noch 20 Se- 14 war übrigens das »Schwapp-Problem« Fuß den Mondboden und dann folgte der
kunden zu entscheiden, ob er sicher auf- behoben worden. nun schon historisch gewordene Satz
setzen konnte oder rückstarten musste. »That's one small step for (a) man, one
Als die Fähre bereits in zehn Meter Höhe Die Astronauten auf dem Mond giant leap for mankind« (»Ein kleiner
über dem Mondboden schwebte, betrug Nach der Landung war erstmals etwas Schritt für einen Menschen, ein riesiger
die verbleibende Zeit bis zum Abbruch der Ruhe angesagt, Zeit auch für die Kom- Sprung für die Menschheit«). Allerdings
Landung nur noch 30 Sekunden. mentatoren, das Ereignis zu würdigen gab es mitten im Satz eine Funkstörung,
Charlie Duke, damals der Kommunika- oder auch etwas ausführlicher an Michael so dass unter den Kommentatoren zu-
tionsoffizier (Capcom) für die Gespräche Collins zu erinnern, der im Mutterschiff nächst das große Rätselraten begann, was
zwischen Bodenstation und Raumschiff Columbia den Mond umrundete. Ihm fiel Armstrong eigentlich genau gesagt hatte.
und später bei Apollo 16 der Pilot der Lan- in den nächsten Stunden die Aufgabe zu, 19 Minuten später stieg Aldrin die Leiter
defähre, erzählte mir, dass man wohl kol- die Landestelle der Fähre aus dem Orbit herab.
lektiv im Kontrollraum den Atem ange- zu lokalisieren, jedoch ohne Erfolg. Mit einiger Besorgnis verfolgten wir,
halten habe und nicht genau wusste, ob Auch das Geologenteam mit Eugene wie es um die Standfestigkeit der Beiden
man in diesen kritischen Sekunden Shoemaker kam zunächst nicht weiter. aussehen würde, denn laut der Pressein-
Armstrongs eiserne Nerven bewundern Beschreibungen aus dem Orbit und von formationen der NASA waren in den rela-
oder fürchten sollte. der Oberfläche sowie Bilder der Lunar-Or- tiv starren Raumanzügen für den Aus-
In etwa 1,8 Meter Höhe über Grund si- biter-Sonden führten schließlich zu den stieg die Bewegungsmöglichkeiten von
gnalisierte einer der drei Sensoren, die an offiziellen Landekoordinaten von 0,67408 Armen und Beinen deutlich einge-
den Landebeinen befestigt waren, Boden- Grad nördlicher Breite, 23,47297 Grad öst- schränkt. Doch es lief alles besser als er-
kontakt. Es war der 20. Juli 1969, 21 Uhr 17 licher Länge, knapp sieben Kilometer wartet.
Minuten 39 Sekunden MEZ, als die Lande- westlich des Zentrums der vorgesehenen Für die Geologen lieferten die Astro-
fähre von Apollo 11 auf der Mondoberflä- Landeellipse. nauten eine ausführlichere Beschreibung
che aufsetzte. Anderthalb Sekunden spä- Geplant hatte die NASA den Ausstieg des Mondbodens und der Umgebung. Die
ter waren alle Triebwerke abgeschaltet. von Armstrong und Aldrin knapp zehn Techniker erhielten die beruhigende Mit-
Verblüfft waren nicht nur wir, sondern Stunden nach der Landung. Nun blieb teilung, dass die Landebeine der Fähre
auch Charlie Duke im Kontrollzentrum, also Zeit für eine Atempause auch für die nur wenige Millimeter tief in den Staub
als Armstrong kühl meldete: »Houston, Berichterstatter – aus Houston war jedoch eingesunken waren und der Abstand zwi-
Tranquillity Base here. The Eagle has lan- zu erfahren, dass der genaue Zeitpunkt schen dem Boden und der Triebwerksdü-
ded«. An diese Stationsbezeichnung muss­ von den beiden Astronauten abhängen se gut 30 Zentimeter betrug.
ten wir uns alle erst gewöhnen. würde. Wenn sie nach der Überprüfung Die Studios in Berlin, Köln und Mainz
In der Nachbetrachtung der Landung aller Bordsysteme die Vorbereitungen für wurden natürlich mit unglaublich vielen
war und ist bis heute zu hören, dass sie den Ausstieg getroffen hatten und auf Zuschauerfragen überhäuft, so zum Bei-
auch in einem Abbruch in letzter Sekunde eine Ruhepause verzichteten, war der spiel, ob die Astronauten auf der Oberflä-

36 Juli 2009 Sterne und Weltraum


che ein Gefühl für die Temperaturen in
der Sonne und im Schatten haben. Erst Die Qualität der TV-Übertragung vom Mond
nach der Rückkehr von Apollo 11 konnte
ich detaillierte Fragen dieser Art an
Armstrong stellen:
»Ich weiß gar nicht, wie die Außentem-
D ie mit dem Parabolspiegel des Radioobservatoriums Parkes und in Honeysuckle
Creek in Australien und in Goldstone im US-Bundesstaat Kalifornien empfan-
genen Original-TV-Bilder der Aktivitäten von Armstrong und Aldrin wurden zum Teil
peraturen waren. Ich hörte von Schät- privat oder zur internen Dokumentation vom Bildschirm abfotografiert und erst rund
zungen zwischen 0 und 100 Grad Celsius. 35 Jahre nach der Mondlandung veröffentlicht.
Im Inneren des Anzugs hatte ich kein Der Qualitätsverlust durch Konversion auf das übliche Fernsehbild wird zum
Temperaturempfinden. Und zu keinem Beispiel bei Armstrongs Montage des Behälters mit den Gerätschaften eindrucksvoll
Zeitpunkt habe ich beim Anfassen von sichtbar. Die konvertierte Version, die in Goldstone aufgenommen wurde, ist links
Gegenständen etwas von einem Wärme- zu sehen. Rechts ist die gleiche Szene ohne Konvertierung dargestellt, sie wurde in
durchgang durch die isolierenden Hand- Honeysuckle Creek auf 35-Millimeter-Fotofilm abgelichtet.
schuhe bemerkt, weder an der Fähre selbst
noch an Objekten im Schatten, im Son-
nenlicht oder an den Werkzeugen, der
Flaggenstange, der TV-Kamera oder an
den Steinen, die ich in der Hand hielt.«

Der Mond »riecht«


Viele der merkwürdigen Erfahrungen, die

Colin MacKellar
Armstrong und Aldrin auf dem Erdtra-
banten machten, wurden erst bei den Be-
sprechungen nach der Landung bekannt.
So auch über einen merkwürdigen Ge-
ruch nach dem Wiedereinstieg in die Lan-
defähre: Der lange Übertragungsweg führte zusätzlich zu Qualitätsminderungen, wie sie die
Armstrong: »Es herrschte ein ganz be- beiden konvertierten Bilder – sie zeigen Aldrin am Solar Wind Experiment – verdeut-
stimmter Geruch in der Fähre. Es schien lichen. Links die Aufnahme aus Parkes via Houston wie sie die Welt sah, rechts das
mir nach feuchter Asche wie in einem Ka- Monitorfoto nach der Konversion, aufgenommen in Honeysuckle Creek.
min zu riechen. Behaupten konnten wir
nicht, dass es von dem Mondmaterial her-
rührte, das wir mit in die Kabine gebracht
hatten, aber wir mussten vermuten, dass
es doch der Fall war. Es gab natürlich noch
die Möglichkeit, dass sich die Kabelisolie-
rungen in der Fähre im Vakuum verändert
hätten und für die Gerüche verantwortlich
waren. Aber das schien die weniger wahr-
Colin MacKellar
scheinliche Möglichkeit zu sein.«
Aldrin: »Geruch ist etwas sehr Subjek-
tives, aber für mich hatte das Mondma-
terial einen ganz ausgeprägten Geruch:

www.astronomie-heute.de Juli 2009 37


stechend wie Schießpulver oder leer ge­ Von Anfang war es bei der NASA klar, dass tionen bis nach Houston rund 80 000
schossene Patronen. Wir haben ja eine eine TV-Kamera für den Einsatz auf dem Kilometer, was nicht unwesentlich zur wei-
ganze Menge Mondstaub in die Fähre ein- Erdtrabanten nur eine kleine Bandbreite teren Qualitätsminderung beitrug.
gebracht, mit unseren Anzügen, mit un- besitzen durfte, denn ihre Bilder waren Das alles ist nicht nur pure Theorie: Seit
seren Stiefeln oder mit dem Transportge- nur ein Teil des Datenstroms, der Sprache, einigen Jahren sind Bilder bekannt, die
rät … Wir bemerkten den Geruch sofort.« Telemetrie und biomedizinische Informa- zum Beispiel in Honeysuckle Creek vor der
Alle anderen Mondastronauten bestä- tionen via Landefähre zur Erde übermit- Konversion vom Monitor abfotografiert
tigten diesen Eindruck. Vermutlich ent- teln sollte. 500 Kilohertz Bandbreite, weni- wurden. Sie sind wesentlich detail- und
stand er, als der Mondstaub mit der feuch- ger als ein Zehntel der kommerziellen kontrastreicher als das, was wir auf den
ten Atmosphäre und dem Sauerstoff in TV-Standards, standen zur Verfügung. Bildschirmen zu sehen bekamen. Mit die-
der Landefähre reagierte. In den NASA-La- Nach fünf Jahren Entwicklungszeit prä- sen Aufnahmen stießen die australischen
boratorien ließ sich dieser Effekt mit den sentierte die Firma Westinghouse eine Tracking-Veteranen eine Kampagne an,
Gesteinsproben jedoch nicht verifizieren. leichte und robuste Schwarzweiß-Kamera. die der NASA bis heute noch zu schaffen
Sie besaß eine Auflösung von 320 Zeilen macht: Mit den Originalbändern mit den
Das Geschehen auf dem Mond und lieferte zehn Bilder pro Sekunde. Zum Videosignalen vor der Konversion sollte es
und die TV-Übertragung Vergleich: Der amerikanische TV-Standard möglich sein, die Aktivitäten von
Zwei Stunden und 34 Minuten verbrachten beträgt 525 Zeilen und 30 Bilder pro Sekun- Armstrong und Aldrin im Mare Tranquilli-
Armstrong und Aldrin außenbords, wobei de. Dieses »slow scan«-Fernsehen vom tatis in neuer Qualität zu zeigen. Doch bis
sie sich maximal 60 Meter von der Fähre Mond wurde in den Empfangsstationen in heute ließen sich die Bänder nicht auffin-
entfernten. Es war schwierig, anhand der Goldstone (USA), Honeysuckle Creek und den. Sie wurden zwar korrekt archiviert,
unscharfen und kontrastarmen Fernseh- Sydney (Australien) mit einer speziellen aber wo sie letztlich gelandet sind, kann
bilder die wesentlichen Stationen ihrer Technik auf »normales« Fernsehen kon- zurzeit niemand beantworten.
Aktivitäten, vom Hissen der Flagge über vertiert, mit deutlichen Verlusten an Auf-
das Aufstellen der Messstation (Seismo- lösung, Kontrast und Helligkeit. Zusätzlich Auf dem Weg zur Erde
meter und Laser-Retroreflektor), das Ein- gelangte Rauschen aus der Technik in die Am 21. Juli 1969 um 18:54 Uhr MEZ war es
sammeln von 21,5 Kilogramm Gesteins- Bilder. dann wieder so weit: Nach einer extrem
proben bis hin zum Telefonat mit Präsident Doch das war längst nicht alles: Der größ- unbequemen und kalten Ruhepause und
Nixon adäquat zu beschreiben. Dennoch te Anteil der Übertragung vom Mond kam nach rund 22 Stunden auf dem Mond hob
blieben Berichterstatter und Zuschauer über Australien. Von Sydney aus wurden die das Aufstiegsteil der Landefähre aus dem
gebannt an den Bildschirmen hängen. Sa- Signale zum Satelliten Intelsat 3 über dem Mare Tranquillitatis ab, um in einen Ren-
hen wir aber wirklich die optimale Quali- Pazifik geschickt, in der kalifornischen Sa- dezvousorbit mit dem Mutterschiff Co-
tät, oder gab es wesentlich bessere Bilder? tellitenstation Jamesburg empfangen und lumbia einzuschwenken. Kurz zuvor war
Tatsächlich gab es bessere TV-Bilder. per Leitung analog nach Houston übermit- übrigens die russische Sonde Luna 15
Sehen wir uns zunächst die Kamera und telt. Insgesamt betrug also der Übertra- beim Landeanflug hart aufgeschlagen und
die Übertragungswege etwas genauer an: gungsweg von den australischen Bodensta- dabei zerschellt.
Im Orbit kam jetzt schwierige Arbeit
auch auf Michael Collins zu. Er bekannte
später, dass ihn in den zurückliegenden
Tagen und Wochen Alpträume geplagt
hätten, allein zur Erde zurückkehren zu
müssen. Vor dem Andocken, dreieinhalb
Stunden später, kam es zu einer Reihe von
Manövern und auch zu einem Zwischen-
fall. Während der Driftphase zum Mutter-
schiff fing das Aufstiegsteil unerwartet an
zu taumeln, doch Armstrong bekam die
kritische Situation rasch in den Griff. Bei-
de Astronauten waren verblüfft, wie ex-
zellent sich der »Rest« der Fähre beherr-
schen ließ. Die Kopplung ging nicht ganz
RIAS-Berlin / Archiv Zimmer

problemlos vonstatten. Nach rund 28


Stunden Trennung war die Crew jedoch
schließlich wieder vereint. Die Astro-
nauten verluden die Gesteinsproben und
trennten danach das Aufstiegsteil ab, das
in einem mittleren Mondorbit verblieb.
Der Autor dieses Artikels beteiligte sich zusammen mit seinen Kollegen Noch einmal hielt man nicht nur bei
Ruprecht Kurzrock (links) und Horst Eifler (Mitte) im Studio des RIAS Berlin der NASA den Atem an: Am 22. Juli um
an der Live-Berichterstattung über Apollo 11. 5:56 Uhr MEZ zündete auf der Mondrück-

38 Juli 2009 Sterne und Weltraum


Since
1975
TELESCOPES & BINOCULARS

Orion® StarShoot™
AutoGuider
#52064

IC5070, Pelican Nebula


USIS / Archiv Zimmer

– Orion Image

Astrofotografen aufgepasst :
Endlich wird das
Autoguiding erschwinglich!
Schon wenige Monate nach ihrer Rückkehr tourten die Astronauten von
Apollo 11 durch die befreundeten Länder der USA. Hier trägt sich Michael Die einfache Bedienung des StarShoot AutoGuiders
Collins in das Goldene Buch der Stadt Berlin auf dem Kennedy-Platz vor dem wird bei einem Einsteiger ebenso Anklang finden, als
Schöneberger Rathaus ein.
auch bei erfahrenen Astrofotografen. Die im Lieferum-
fang enthaltene Software erlaubt einen einfachen Ein-
stieg in das Autoguiding, auch ohne Grundkenntnisse.
seite für 152 Sekunden das große Trieb- Viel bekamen wir von den Astronauten
Mit nur einem Mouseklick kalibriert und guided die
Software automatisch Ihr Teleskop. Die Kamera wird
werk des Mutterschiffs. Exakt zur berech- zunächst nicht zu sehen. Auch Präsident
über den High-Speed USB 2.0 Port Ihres Computers
neten Zeit tauchte dann die Columbia am Richard Nixon nicht, der sie auf dem Ber-
mit Strom versorgt. Ein drei Meter langes USB-Kabel
Mondrand auf und war somit auf Erdkurs. gungsschiff, der U.S.S. Hornet, erwartete.
ist im Lieferumfang enthalten. Für den Betrieb des
Auf die Frage von Capcom Charlie Duke, Selbst ihm war nur der Blick durch die
AutoGuiders ist kein weiterer Stromanschluss nötig.
wie es denn gelaufen sei, antwortete Col- Scheibe des mobilen Quarantänelabors
· Preisgünstiger und einfach zu bedienender Autoguider
lins: »Es ist Zeit, die Türen zum Mond- vergönnt. Das große Abenteuer, das min-
für die Langzeit-Astrofotografie
Empfangslabor zu öffnen!« Das bedeutete destens eine halbe Milliarde Menschen an
· Extrem genaue Nachführergebnisse, dank eines 1/2"
im Klartext, dass die Mannschaft von jetzt den Bildschirmen und Radios miterlebt
1,3MP CMOS Chip mit einer Pixelgröße von 5,2 x 5,2 my
an bis zum 10. August 1969 unter Quaran- hatten, war zu Ende. Für die folgenden
· Klein und leicht: Lediglich 6,35cm x 6cm groß und nicht
täne stand. Eine Tatsache, die großes Inte- Missionen zum Erdtrabanten hatten zwar
mal 125gr. schwer
resse bei den Medien fand und Anlass zu sowohl die NASA als auch die Medien ge-
· Automatische Kalibration und Nachführung mit
abenteuerlichen Spekulationen über mög- lernt. Doch spätestens nach Apollo 13 wa-
nur einem Mousklick über die im Lieferumfang
liche gefährliche Mondbakterien gab. ren die Mondexkursionen meist nur ein enthaltene Software
Zweimal noch fanden auf dem Rück- Thema für die Nachrichten. Nur RIAS Ber- · Kein weiterer Stromanschluss nötig, die Kamera
flug aus dem Mutterschiff TV-Übertra- lin hielt seine umfassende Berichterstat- wird über den High-Speed USB 2.0 Port Ihres
gungen in Farbe statt: Bilder von Mond tung vom Start bis zur Landung bei allen Computers betrieben
und Erde, vom Inneren des Mutterschiffs folgenden Apollo-Missionen voll aufrecht. · ST4 kompatible Anschlussbuchse am
und schließlich eine Dankbotschaft der Doch das ist eine andere Geschichte. Kameragehäuse vorhanden
Crew an alle am Unternehmen Beteiligten. Mit dem StarShoot AutoGuider ist das präzise
Der letzte Höhepunkt der Mission, auch in Weblinks zum Thema: Autoguiding für DeepSky-Fotografie noch leichter und
der weltweiten Berichterstattung, war die www.astronomie-heute.de/artikel/996030 preiswerter, als jemals zuvor. Bestellen Sie gleich
Landung. noch heute!
Ganz neu war das Procedere des feu- Harro Zimmer, Jahrgang
rigen Eintritts der Apollo-Kapsel in die At- 1935, studierte an der TU
AUTORISIERTE ORION HÄNDLER
mosphäre mit rund elf Kilometer pro Se- Berlin Chemie und 1966 als Astroshop.de/Nimax-GmbH
kunde und die Landung auf dem Wasser NASA-Stipendiat Welt- Otto-Lilienthal-Str.9, D-86899 Landsberg am Lech
Web: www.astroshop.de
für die Öffentlichkeit nicht. Apollo 8 und raumwissenschaften an
Phone: 08191-94049-1
10 hatten diese Technik bereits erfolgreich der Universität Miami. Von
praktiziert. Wegen schlechter Wetterbedin- 1973 – 1986 war er erster Teleskop-Service Ransburg GmbH
gungen wurde der Aufsetzpunkt noch um Vorsitzender der Wilhelm-Foerster-Sternwarte 85640 Putzbrunn-Solalinden b.München
Keferloher Marktstraße 19 C
395 Kilometer verlegt. Am 24. Juli 1969 um Berlin. Bis 1995 arbeitete er als leitender Redak-
Web: www.teleskop-service.de
17 Uhr 50 Minuten und 35 Sekunden ging teur bei RIAS Berlin und dann bei der Deutschen
Phone: 089-1892870
Apollo 11 im Pazifischen Ozean drei Kilo- Welle TV. Heute ist er als Space Consultant und
meter vom anvisierten Ziel nieder. Publizist aktiv. O.S.D.V. Goettker/Pietsch GmbH
Lohdieksweg 6, D-59457 Werl
Web: www.osdv.de
www.astronomie-heute.de Juli 2009 or-65
Phone: 0049(0)2922/91090-64 39
Welt der Wissenschaft: Raumfahrt-Geschichte
Während der letzten Etappe der Landung
nahm Edwin Aldrin die sich rasch nähernde
Mondoberfläche auf. Der markante
Doppelkrater oberhalb der Bildmitte
besteht aus den Kratern Messier A und B.
NASA

Die ersten Worte auf dem Mond


Was sagten die Apollo-11-Astronauten als Erstes, nachdem sie auf dem Erdtrabanten
gelandet waren? Die Frage scheint kinderleicht zu sein und ist doch recht tückisch.
Selbst gewiefte Raumfahrthistoriker haben damit ihre Probleme.

G efragt, wie denn die ersten Worte der


Apollo 11-Astronauten auf dem Mond
lauteten, antworten die meisten Menschen
Etwa: »Houston, hier ist der Stützpunkt im
Mare Tranquillitatis. Der Adler ist gelan-
det.«
Armstrong und Edwin Aldrin jetzt alles
andere als ruhig. Ihr Puls liegt bei über
150, wie die Sensoren verraten. In den ver-
wie aus der Pistole geschossen: »Dies ist Doch auch wer darauf tippt, liegt falsch. gangenen Minuten des Abstiegs zur
ein kleiner Schritt für einen Menschen, Und das hat seinen Grund; denn die wah- Mondoberfläche haben sie einen nerven-
aber ein riesiger Sprung für die Mensch- ren ersten Worte auf dem Mond haben zermürbenden Alarm nach dem anderen
heit.« Oder im Original: »This is a small nicht das Zeug, um Legenden zu begrün- überstanden, verursacht durch die Über-
step for a man, but a giant leap for man- den. lastung des Bordcomputers.
kind.« Ein ebenso schöner wie bekannter Begeben wir uns vierzig Jahre zurück in Steigen wir ein in die letzten Momente
und einprägsamer Satz. die Vergangenheit. Wir befinden uns in der vor der Landung. Die Zeitangaben sind in
Er hat nur einen kleinen Nachteil: Er Apollo-11-Landefähre Eagle. Das Triebwerk MET angegeben, in »Mission Elapsed
wurde erst sechseinhalb Stunden nach läuft seit mehr als elf Minuten, und laut Time«, in der Zeit also, die seit dem Abhe-
der Landung gesprochen, und die Astro- Plan sollten die Astronauten jetzt schon ben von der Rampe am Kennedy Space
nauten hatten bis dahin keineswegs ge- auf der Mondoberfläche stehen. Der Treib- Center im irdischen Florida vergangen ist.
schwiegen. stoff wird langsam knapp. Verdammt In Stunden, Minuten und Sekunden. Der
Aber da gab es doch noch ein paar be- knapp. nachfolgende Sprechfunkverkehr ist ins
rühmte Worte. Und die fielen nun wirklich In Kirchturmhöhe über dem Meer der Deutsche übertragen, Höhen- und Ge-
gleich nach der Landung: »Houston, Tran- Ruhe – so die Bedeutung von Mare Tran- schwindigkeitsangaben sind im me-
quillity Base here, the Eagle has landed.« quillitatis – sind die Astronauten Neil trischen System dargestellt. Wichtig zu

40 Juli 2009 Sterne und Weltraum


wissen: Die Astronauten stehen während 102:45:04 Aldrin: »Licht an.« 102:45:43 Armstrong: »Abschalten.«
der Landung in der Fähre. Sitze gibt es In diesem Moment leuchtet eine Warn- 102:45:44 Aldrin: »Okay. Triebwerk aus.«
nicht im Lunar Lander. Doch schauen wir lampe auf – zum zweiten Mal während Armstrong sollte das Triebwerk eigentlich
ihnen nun über die Schulter… dieses Abstiegs –, die darauf hinweist, beim Aufleuchten des Kontaktlichts aus-
dass das Landeradar ausgefallen ist. Der schalten, also etwa zwei Meter über der
102:44:40 Aldrin: »40 Meter.« Ausfall dauert nur wenige Sekunden und Mondoberfläche. Er zögerte aber noch eine
Wir sind 40 Meter über der Mondoberflä- wäre in der niedrigen Höhe ohnehin be- kurze Weile und so geschah das erst im
che. Armstrong steuert die Fähre mit der langlos, denn Armstrong fliegt bereits Moment der Bodenberührung. Dadurch
Handsteuerung. In dieser letzten Phase nach Sicht. war die Landung sehr sanft, und die Lan-
fliegt er nur nach Sicht. Er kann deshalb debeine wurden kaum gestaucht. Tatsäch-
nicht mehr nach unten auf die Instru- 102:45:08 Aldrin: »20 Meter, 0,7 abwärts, lich war es die »weichste« Landung im
mente blicken. Edwin Aldrin versorgt ihn 0,7 vorwärts … 0,7 vorwärts. Das ist gut.« Programm. Armstrong zeigte sich später
laufend mit den wichtigsten Parame- Höhe 20 Meter, Sinkgeschwindigkeit 0,7 außerordentlich verblüfft, dass der Staub,
tern. Meter pro Sekunde, Vorwärtsgeschwindig- der ihn in der letzten Minute so behindert
keit ebenfalls 0,7 Meter pro Sekunde. hatte, im Moment des Abschaltens des
102:44:45 Aldrin: »30 Meter, eins abwärts, Triebwerks von einem Sekundenbruchteil
drei vorwärts. Fünf Prozent. Treibstoffwar- 102:45:17 Aldrin: »16 Meter, 0,7 runter, et- zum anderen verschwand. Eigentlich lo-
nung.« was Staub.« gisch, aber gegen alle Erfahrung, die wir
Die Angaben bedeuten: 30 Meter Höhe, Ab etwa 30 Meter Höhe werden durch den auf der Erde machen. Auf dem Mond gibt
Sinkgeschwindigkeit ein Meter pro Sekun- Abgasstrahl der Landefähre große Men- es einfach keine Staubwolken.
de, Vorwärtsgeschwindigkeit drei Meter gen Staub weggeblasen. Dies verur­sacht
pro Sekunde. Der Treibstoffwarn-Indika- eine halbtransparente Staubströmung Und nun kommen sie: die wahren ersten
tor leuchtet auf, wenn sich weniger als 5,6 dicht über dem Boden. Sie macht es Worte, die Menschen auf dem Mond ge-
Prozent Treibstoff in den Tanks befinden. Armstrong schwer, seine tatsächliche Be- sprochen haben. Wir haben sie nicht über-
Im reinen Schwebeflugmodus reicht der wegung abzuschätzen. Er braucht einige setzt:
Sprit damit noch für 90 Sekunden. Dann Sekunden, um die stationären Steine zu
erklingt ein Warnton, den die Astronauten erkennen und danach die Landegeschwin- 102:45:45 Aldrin: »ACA out of Detent.«
»Bingo« nennen. Danach besteht noch digkeit zu justieren. 102:45:46 Armstrong: »Out of Detent. Auto.«
eine absolute Notfallreserve von 20 Sekun- 102:45:47 Aldrin: »Mode Control, both Auto
den. Die kann der Kommandant entweder 102:45:21 Aldrin: »10 Meter, 0,7 runter … … Descent engine command override off …
dazu verwenden, die Landung doch noch verwischte Schatten.« Engine arm off … 413 is in.«
durchzuführen, was nur geht, wenn er zu Aldrin bezieht sich hier auf die Schatten 102:45:57 Duke: »We copy you down, Eagle.«
diesem Zeitpunkt bereits niedriger als 15 der Steine, die durch den Staub kaum Die Attitude Control Assembly, ACA, ist
Meter ist, keine Lateralgeschwindigkeit noch zu erkennen sind. der Steuerknüppel der Mondfähre. »Out
mehr hat, und sich über einem guten Lan- of Detent« bedeutet, dass ein Steuerim-
deplatz befindet. Andernfalls muss er den 102:45:25 Aldrin: »Eins vorwärts … eins puls vorgenommen werden musste, der
»Abort-Knopf« drücken, die Landestufe vorwärts … treiben etwas nach rechts … sie- das Lageregelungssystem abschaltete.
abwerfen, den Oberstufenmotor zünden ben Meter … 0,2 abwärts.« Nachdem die Mondfähre jetzt auf der
und für den Rest seines Lebens unzähligen 102:45:31 Duke: »30 Sekunden …« Oberfläche stand, feuerten die Steuer-
Menschen erklären, warum er diesen his­ … bis »Bingo«. triebwerke noch wie wild, um die Lage zu
torischen Moment ver­patzt hat. halten, die Armstrong unmittelbar vor der
102:45:32 Aldrin: »Leichte Drift nach vor- Landung als letzten Steuerinput eingege-
102:44:54 Aldrin: »Okay. 20 Meter. Sieht ne. Das ist gut.« ben hatte.
gut aus. Einen halben runter, zwei vor- Um sicher zu gehen, dass er auf einer ebe- »Engine arm off« bedeutet, dass das
wärts.« nen Stelle landet, muss Armstrong sich Landetriebwerk deaktiviert ist.
Das verstehen wir nun problemlos: In ei- nach vorne orientieren. Aus einem unbe- »413« ist ein Befehl für den Bordcom-
ner Höhe von 20 Metern beträgt die Sink- kannten Grund begann sich die Fähre aber puter, damit er weiß, dass die Fähre auf
geschwindigkeit nun 0,5 Meter pro Sekun- jetzt nach rechts hinten zu bewegen. dem Mondboden steht. Jeder Abbruchmo-
de, die Vorwärtsgeschwindigkeit zwei Armstrong korrigiert, aber zuviel. Eine Be- dus würde von jetzt an auf einer gelande-
Me­­ter pro Sekunde. wegung nach links vorne beginnt sich ten Mondfähre basieren.
aufzubauen. Das Abbruch-Limit ist nur
102:45:02 Duke: »60 Sekunden.« noch 18 Sekunden entfernt. Und erst jetzt findet Neil Armstrong die
Der Astronaut Charles Duke ist in Houston Zeit, die historischen Worte zu sprechen,
als so genannter Capcom – Capsule Com- 102:45:40 Aldrin: »Kontaktlicht.« die sich bis heute in das Gedächtnis der
municator – eingesetzt, also als Verbin- Einer der knapp zwei Meter langen Kon- Menschen eingeprägt haben:
dungsmann zu den Astronauten auf dem taktsensoren, die an drei der vier Lande-
Mond (siehe Bild Seite 32). Er informiert beine befestigt sind, hat Bodenberührung 102:45:59 Armstrong: »Houston, Tranquil-
sie, dass bis zum »Bingo-Ruf« jetzt nur festgestellt. Das Landebein mit der Aus- lity Base here. The Eagle has landed.«
noch 60 Sekunden bleiben. stiegsleiter hat keine Kontaktsonde.  Eugen Reichl

www.astronomie-heute.de Juli 2009 41


Welt der Wissenschaft: Raumfahrt-Geschichte

»Achter

mit Steuermann«
Achtköpfiges Expertenkollegium mit Moderator
unterstützt Apollo-Sonderberichterstattung

Der Autor schildert seine Erinnerungen an die erste bemannte Mondlandung, die er im
Apollo-Sonderstudio des WDR in Köln im Juli 1969 live miterlebte.

Von Günter D. Roth

H
eute Geschichte, vor 40 Jahren dem Programm. Das Aufsetzen der Lande­ rufen! Je weiter die Nacht voranschritt
Weltsensation: die ersten Men­ fähre auf dem Mond war am Sonntag­ und je häufiger Programmlöcher drohten,
schen landen auf dem Mond. abend des 20. Juli 1969 das Hauptthema. umso hilfreicher erwies sich die Experten­
Mit dem Raumschiff Apollo 11 Den ganzen Montag hindurch, am 21. Juli runde, die Ernst von Khuon moderierte.
starteten die amerikanischen As­tro­nau­ten 1969, berichteten die Sender über den Immer wenn es bei Günter Siefarth, dem
Neil Armstrong, Edwin Aldrin und Michael Mondspaziergang, die Rückkehr zur Lan­ Redakteur im Studio, mangels Masse zu
Collins am 16. Juli 1969 ih­re his­torische Rei­ defähre, den Rückstart vom Mond und die Informationsengpässen kam, peilte er die
se zum Mond. Die Landung der Mondfähre Ankopplung der Fähre an die Kommando­ Experten an: »Nun wieder die Beantwor­
Eagle (Adler) am 20. Juli sollte der Höhe­ kapsel. Die Fernsehbilder wurden in den tung einiger Zuschauerfragen. Bitte, Ernst
punkt des achttägigen Unternehmens wer­ USA ausgewählt und bestimmten für ARD von Khuon.« Zur weiteren Unterstützung
den. Es war auch ein Höhepunkt in der da­ und ZDF die aktuelle Berichterstattung. der aktuellen Berichterstattung hatte der
mals noch jungen Geschichte des Mediums Für das Ereignis Mondlandung planten WDR eine Ton-Konferenzleitung zu Wer­
Fernsehen. Millionen Zuschauer in aller beide Sender rund 20 Stunden ein. ner Büdeler installiert, dem Reporter vor
Welt verfolgten auf dem Bildschirm die Lan­ Federführend für die ARD organisierte Ort in Houston, Texas.
dung auf dem Mond und sahen die ersten der WDR das Apollo-Studio in Köln. Dort, Als ich damals die Einladung ins Exper­
Schritte von Menschen auf dem Erdtra­ wie übrigens auch im ZDF-Studio der tenteam nach Köln erhielt, dachte ich an
banten. Schon die Aufnahmen und der Bild­ Main­zer, standen je ein Modell der Mond­ solche Probleme nicht. Dafür überlegte
transport zur Erde waren für sich genom­ fähre im Maßstab 1:1 für aktuelle De­ ich, was man inmitten von so viel Fach­
men technische Höchstleistungen. Und dies monstrationen. Als besonderen Knüller kompetenz, vom Astrophysiker bis hin
war nur deswegen möglich, weil sich bereits hatten sich die Verantwortlichen beim zum Weltraummediziner, über Amateur­
beobachter des Mondes und ihre Tele­
Schon am frühen Abend machten Gerüchte die Run­de, der skope erzählen kann. Ob das wohl die
Apollo-verwöhnten Zuschauer überhaupt
Mondspaziergang begänne früher als vorgesehen. interessieren mag? Aber dann erinnerte
ich mich an die ersten Satellitenstarts in
seit mehreren Jahren geostationäre Nach­ WDR ein Expertenkollegium eingeladen, den 1950er Jahren. Das Piep-Signal von
richtensatelliten im Erdumlauf befanden. das an jenem Sonntag und Montag in dem Sputnik 1 rief Funkamateure auf den Plan.
In der Fernsehgeschichte ist bis dato einma­ 750 Quadratmeter großen Apollo-Studio Sie bauten Antennenanlagen und Emp­
lig, dass mit Neil A. Armstrongs Betreten der tagte. Sein Auftrag lautete: Vertiefung der fänger und beteiligten sich an den wich­
Mondoberfläche ein Fernsehprogramm live oft unverständlich gebliebenen NASA- tigen Radioortungen des künstlichen Sa­
von einem anderen Himmelskörper über­ Kommentare und Beantwortung von Zu­ telliten. Für die visuelle Beobachtung
tragen wurde. schauerfragen. Letztere wurden zum Er­ stan­den einfache Instrumente zur Verfü­
Die deutschen Sendeanstalten ARD folgserlebnis der besonderen Art. Im Köl­ gung, die im weltweiten amerikanischen
und ZDF hatten über zwei Tage hinweg die ner Funkhaus registrierten die Telefonis­ Moon­watch-Netz hauptsächlich von Ama­
Höhepunkte der Mission Apollo 11 auf tinnen die ungeheure Flut von 10 861 An­ teu­ren bedient wurden. Zu Weihnachten

42 Juli 2009 Sterne und Weltraum


WDR / Klaus Barisch
Das Apollo-Sonderstudio des WDR war die Zentrale für die Berichterstattung
der ARD. 20 Stunden lang wurde von dort aus über den Flug zum Mond und
die Mondlandung des Raumschiffs Apollo 11 berichtet. Mehrere Modera-
toren und Fachleute gestalteten die lange Sendung.

Die acht Mitglieder des Expertenkollegiums

Z ur Beantwortung von Zuschauerfragen standen sieben


hochkarätige Wissenschaftler und ein Vertreter der Ama-
teurastonomie Rede und Antwort. In der vorderen Reihe saßen
(von links nach rechts): Der Autor, Günter D. Roth, Winfried Petri,
Oberkonservator am Institut für die Geschichte der Naturwis-
senschaften der Universität München, Reimar Lüst, Direktor am
Max-Planck-Institut für Physik und Astrophysik in München, und
Heinrich Wänke, Direktor am Max-Planck-Institut für Chemie in
Bayerischer Rundfunk

Mainz. In der hinteren Reihe saßen: Harry O. Ruppe, Ordinarius


am Institut für Raumfahrttechnik der TH München, Heinz H.
Koelle, Direktor des Instituts für Raumfahrttechnik der TU Berlin,
Heinz Graul, Direktor des Instituts für Strahlenbiologie der
Universität Marburg, und Philipp Hartl, Leiter des Instituts für
Satellitenelektronik der Deutschen Forschungs- und Versuchsan- Als ei­ner der bekanntesten deutschen Amateurastronomen,
stalt für Luft- und Raumfahrt (DFVLR). zudem Prä­si­dent der International Lunar Society und Geschäfts-
Heinz Hermann Koelle und Harry Ruppe waren Mitarbeiter führer der Ver­ei­ni­gung der Sternfreunde e.V., lud ihn die ARD
von Wernher von Braun in den Vereinigten Staaten. Günter D. als Experte in ihr Apollo-Sonderstudio zur Berichterstattung der
Roth war seit 1964 Mitherausgeber von »Sterne und Weltraum«. Mondlandung.

www.astronomie-heute.de Juli 2009 43


Bayerischer Rundfunk

Der Steuermann des Expertenkollegiums,


Ernst von Khuon, richtete die Fragen der
Fernsehzuschauer an die acht Fachleute.

WDR / Klaus Barisch


Günter Siefarth, der Leiter der Apollo-Son-
derredaktion, demonstriert den Umlauf der
Kommandokapsel um den Mond.

1968 überwachten während des Apollo-8- Beifall in den Fernsehlautsprechern: We­ nuten später, um 4:15 Uhr MEZ, steht auch
Flugs neben 30 großen Observatorien der Kameramann noch Regisseur waren Aldrin auf dem Mond. Im Studio erleben
auch rund 70 private Stationen den Mond auf die­ses Intermezzo gefasst. Sie hatten wir atemberaubende Bilder vom Mond­
bezüglich Leuchterscheinungen. Und bei die Kamera auf andere Ziele gerichtet. Die spa­zier­gang. Indessen fällt es zunehmend
der kartografischen Erfassung des Mondes App­lau­dierenden sind die acht Experten, schwerer, die richtigen Erläuterungen zu
für die Apollo-Missionen halfen unter an­ die mit Kommentatoren und Technikern, senden. Hans Heine im WDR-Studio findet
derem auch die Arbeiten der Altmeister mit Beleuchtern und Requisiteuren des den rechten Weg und erläutert kurz, was
visueller Mondbeobachtung Philipp Fauth Apol­lo-Sonderstudios in Köln die schlaf­ zu sehen ist und was nicht. Aus Houston
(1867 – 1941) und Hugh Percy Wilkins lose Nacht der ersten Landung eines be­ kommt via Ton-Konferenzleitung Unter­
(1896 – 1960). Gerade darüber wollten spä­ mann­ten Raumschiffs auf dem Mond tei­ stützung durch Werner Büdeler: Er ist im
ter Anrufer etwas wissen. len. Vorbereitet waren wir zwar alle auf die Besitz eines Flugplans! Es bleibt spannend
Das Quartier für das angereiste Exper­ Mond­lan­dung. Aber dann war doch das bis zum Ende der Mondübertragungen ge­
tenkollegium befand sich in unmittel­ fas­sungs­lo­se Staunen da! gen 6:30 Uhr MEZ.
barer Nähe zum WDR-Studio. Dies war ein Den Ausstieg der Astronauten und das Eine Blitzumfrage der Wickert-Institute
geografischer Vorteil, der sich im Verlauf Betreten der Mondoberfläche hatten wir in Tübingen am 21. Juli ergab, dass 69 Pro­
der »langen Nacht« als sehr nützlich er­ noch vor uns. Der Plan sah jetzt eine Pau­ zent aller Bundesbürger über 16 Jahre bei
wies. »Achter mit Steuermann« nannte se vor, für die Astronauten und auch für der Fernsehübertragung der Mondlan­
ein Journalist im Rückblick auf die Apollo- das Studioteam. Wir gingen zurück ins na­ dung in der Nacht vom 20. auf den 21. Juli
Berichterstattung des WDR die acht in he Hotel. Jetzt bewährte sich die Nähe des bis Mitternacht aufblieben oder sich we­
zwei Reihen vor dem Interviewer Ernst Quartiers zum Studio. Denn kaum ange­ cken ließen. 
von Khuon sitzenden Fachleute. Sie waren kommen, ließ Ernst von Khuon seine
bereit, das Geschehen zu kommentieren Mann­schaft schon wieder heraustrom­ Günter D. Roth ist seit
und die Fragen der Zuschauer zu beant­ meln: Die NASA signalisierte den Ausstieg vielen Jahren Mond- und
worten. der Astronauten bereits für 2:00 Uhr! Planetenbeobachter und
Die Expertenrunde war der Trumpf des Ehrenmitglied der Vereini-
Auf Sendung WDR, um das sich jetzt auftuende Pro­ gung für Sternfreunde
Zunächst lief alles nach Programm. Die grammloch zu schließen, denn der große (VdS). Er war lange Jahre
NASA gab den Takt an. WDR und ZDF hiel­ Augenblick des Ausstiegs kam erst um Mitherausgeber der Zeit-
ten vorsorglich »Füller« bereit, die sich bei 3:56 Uhr MEZ. Bis dahin machten die Zu­ schrift »Sterne und Weltraum«, in deren Beirat
Bedarf einspielen ließen, um den Zeitplan schauer das Programm. Die Telefone stan­ er nun ist.
einzuhalten. Allerdings machten schon den nicht still. Das Frage- und Antwort­
am frühen Sonntagabend unter den Pro­ spiel aktivierte das Fernsehpublikum. Der
gramm­ver­ant­wort­li­chen Gerüchte die Rückgriff auf den »Achter mit Steuer­ Literaturhinweise
Run­de, die Astronauten begännen ihren mann« stabilisierte in später Stunde den Khuon, E. v., Siefarth, G.: Mondflug in
Mondspaziergang früher als vorgesehen. in Unordnung geratenen Programmab­ Frage und Antwort. Experten geben
Dann, um 21:18 Uhr MEZ, ganz im Zeit­ lauf. Auskunft. L. Schwann Verlag, Düsseldorf
plan, landete die Mondfähre auf der Ober­ Und dann endlich: Armstrong betritt 1969.
fläche des Erdtrabanten. Überraschender als erster Mensch den Mondboden. 19 Mi­

44 Juli 2009 Sterne und Weltraum


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www.astronomie-heute.de Juli 2009 45
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Wissenschaft aus erster Hand
Welt der Wissenschaft: Interview

»Welch prächtige Einöde «


Interview mit dem Astronauten Buzz Aldrin
Vierzig Jahre nach der triumphalen Landung von Apollo 11 auf dem Erdtrabanten
erinnert sich der zweite Mensch, der einen fremden Himmelskörper betrat, an dieses
große Abenteuer. Das Interview für »Sterne und Weltraum« führte Gerhard Daum.

Mr. Aldrin, die Mission von Apollo 11 wird Fliegerei wollte. Am Besten ging das über men. Die meisten Astronauten waren Test­
als das größte Ereignis des 20. Jahrhunderts das Militär: 1947 ging ich direkt nach der piloten, und ich war auch noch der einzige
bezeichnet. Welche Bedeutung messen Sie High School auf die Militär­akademie West mit einem akademischen Titel. Meine Kol­
im Rückblick dieser Mission bei? Point. Nach dem Abschluss 1951 kam ich legen gaben mir den Spitznamen Dr. Ren­
Buzz Aldrin: Der Flug von Apollo 11 war zur Luftwaffe, und nach bestandener Pi­ dezvous, da ich mir ein großes Fachwissen
die Verwirklichung eines jahrhunderte­ lotenprüfung schickte man mich sechs über die Ankopplungsmanöver im All er­
alten Menschheitstraumes. Im Jahr 1961 Monate vor Kriegsende nach Korea. Da­ worben hatte. Alle Erstbesatzungen für die
wurde er ein nationales Anliegen in den nach kam ich zur neu gegründeten Akade­ Gemini-Missionen waren ausgewählt, und
USA, als ein junger Präsident namens John mie der Luftwaffe in Colorado Springs, an ich gehörte zu keiner von ihnen.
F. Kennedy die Nation aufforderte, bis zum der die Offiziere ausgebildet werden. Im Sie wurden dann doch noch ausgewählt…
Ende des Jahrzehnts einen Menschen auf Anschluss gehörte ich einem Geschwader Aldrin: Ja, durch tragische Umstände. Im
dem Mond zu landen und wieder sicher im westdeutschen Bitburg in der Eifel an. Februar 1963 kam die Erstbesatzung von
zur Erde zurückzubringen. Im Jahr 1959 beschloss ich, am Massachu­ Gemini 9 ums Leben, als ihr Trainingsflug­
Was musste getan werden, um eine solche setts Institute of Technology zu promo­ zeug während eines Schneesturms über
Herausforderung zu meistern? vieren. Meine Doktorarbeit schrieb ich St. Louis abstürzte. Die NASA bestimmte
Aldrin: Nachdem die Sowjetunion im über Ankopplungsmanöver im All. die für Gemini 12 vorgesehene Erstbesat­
April 1961 den ersten Menschen, Juri Ga­ Hat Sie das dazu inspiriert, Astronaut zu zung, Tom Stafford und Gene Cernan, als
garin, in eine Erdumlaufbahn geschossen werden? Ersatz, und Jim Lovell und ich wurden für
hatte, gab es für die USA nichts Wich­ Aldrin: Als ich 1963 meine Doktorarbeit den letzten Gemini-Flug eingeteilt.
tigeres mehr, als den Wettlauf im All zu beendete, schrieb ich als Nachsatz: »Den Beschreiben Sie Ihre Aufgaben und Erfah-
rungen bei Ihrer ersten Mission.
»Erst das grausame Unglück mit Apollo 1 ermöglichte es Aldrin: Da es die letzte Gemini-Mission
war, stand auf Jims Rücken »The« und auf
uns, sicher auf dem Mond zu landen.« meinem »End«. Die fünf Tage mit Gemini
12 im November 1966 waren eine fantas­
ihren Gunsten zu entscheiden. Die Regie­ Männern des Astronauten-Programms tische Erfahrung, deren Höhepunkte für
rung stellte etwa 25 Milliarden Dollar be­ gewidmet. Ich würde gerne zu ihnen ge­ mich die drei Weltraumspaziergänge sein
reit, und Wissenschaftler, Ingenieure und hören.« Ich hatte mich bereits 1962 bewor­ sollten. Ich hatte ein langes und hartes
Industrie konstruierten die Systeme von ben, aber mir fehlte die Testpilotenausbil­ Training mit unzähligen Stunden in
den Raketen bis zu den Raumanzügen. Bis dung. Im darauffolgenden Jahr wurden einem Schwimmbecken absolviert, und
Ende 1966 flog die NASA zehn bemannte die Vorgaben geändert. Der Schwerpunkt das zeigte seine Wirkung: So konnte ich
Gemini-Missionen, um die technischen lag nun stärker auf dem akademischen bei meinen Ausstiegen mehr als fünf
Voraussetzungen und Prozeduren für eine Hintergrund. Im Oktober 1963 wurde ich Stunden draußen bleiben, ohne in Schwie­
Mondlandung zu entwickeln. ausgewählt. rigkeiten zu kommen oder zu ermüden.
Wie war Ihr persönlicher Werdegang? Welche Erwartungen hatten Sie damals? Wie standen Ihre Chancen, bei den Apollo-
Aldrin: Mein Vater gehörte in den 1920er Aldrin: Wir Neulinge im Astronautenkorps Missionen eingesetzt zu werden?
Jahren zu den Pionieren der Luftfahrt, und hofften, unsere Chance für eine der zehn Aldrin: Wegen der vielen Unwägbarkeiten
irgendwann war klar, dass auch ich zur geplanten Gemini-Missionen zu bekom­ waren noch viele Testflüge geplant. Des­

46 Juli 2009 Sterne und Weltraum


Buzz Aldrin – hier vor einer Triebwerksdüse
der Saturn V – betrat 1969 den Mond.

Flugphase wurden wir mit dem Vierfachen


unseres Körpergewichts in die Sitze ge­
presst. Nach Zündung der zweiten Stufe
wurde der Flug etwas ruhiger, da die Erd­
anziehungskraft immer mehr nachließ.
Welche Aufgaben standen auf dem Weg
zum Mond bevor?
Aldrin: Das Wichtigste war das Wende-
und Andockmanöver. Michael Collins
Alle Fotos: D. Einsel / G. Daum

drehte die Kommandokapsel um 180


Grad, koppelte an die Mondfähre und zog
diese aus der dritten Stufe heraus. Der
Einschuss zum Mond war so präzise, dass
wir weniger Kurskorrekturen vornehmen
mussten als geplant.
Die Einheit aus Kommandokapsel und
Mondfähre umrundete den Mond in etwa
halb konnte noch keiner aus dem Astro­ wählt. Zu diesem Zeitpunkt war die Mond­ 110 Kilometern Höhe. Wie erfolgte der Ab-
nautenkorps damit rechnen, für eine Be­ fähre noch nie mit einer Besatzung geflo­ stieg zur Mondoberfläche?
satzung ausgewählt zu werden, die auf gen, es hatte noch nie ein Rendezvous von Aldrin: Wir trennten uns von der Kom­
dem Mond landen sollte. zwei Raumfahrzeugen im Mondorbit ge­ mandokapsel Columbia und führten ein
Das Apollo-Programm begann mit einem geben, und der speziell für den Einsatz auf Manöver auf der erdabgewandten Seite
herben Rückschlag. Was genau passierte dem Mond entwickelte Raumanzug war durch. Ein kurzer Antriebsschub aus dem
bei Apollo 1? noch nicht erprobt. Diese Aufgaben sollten Landetriebwerk der Mondfähre brachte
Aldrin: Die erste ausgewählte Apollo-Be­ bei Apollo 9 und 10, im März und Mai 1969, uns zum niedrigsten Punkt unserer Um­
satzung, Gus Grissom, Edward White und gelöst werden. Hätte es dabei irgendwelche laufbahn in 15 Kilometern Höhe. Gleich
Roger Chaffee, erstickte am 27. Januar 1967, Probleme gegeben, dann hätten wir die darauf, als wir aus dem Mondschatten he­
als während eines simulierten Count­ noch ausstehenden Aufgaben durchfüh­ raus kamen, sollten wir das Triebwerk für
downs infolge eines Kurzschlusses Feuer ren und die Mondlandung einer späteren den geplanten, zwölf Minuten dauernden,
in der Kapsel ausbrach – ein grausames Besatzung überlassen müssen. Doch die Abstieg zur Mondoberfläche noch einmal
Unglück und ein schwerer Rückschlag für beiden Missionen verliefen erfolgreich, zünden. Beim Austritt aus dem Mond­
das Mondprogramm. Der Brand, so tra­ und somit waren wir die erste Besatzung, schatten brauchten wir schnell Kontakt
gisch er war, gab der NASA aber auch Zeit, die eine Mondlandung durchführen sollte. zur Erde, aber die Funkverbindung war
gravierende Mängel der Kommandokapsel Am 16. Juli 1969 war es dann so weit. Wie undeutlich und abgehackt. Das Kontroll­
zu beheben und Probleme mit der Mond­ empfanden Sie den Start? zentrum entschied, alle Daten und Freiga­
fähre zu lösen. Ich bin mir ziemlich sicher: Aldrin: Der Countdown verlief reibungs­ ben für uns über Mike Collins in der Kom­
Erst dieses Feuer ermöglichte es uns, si­ los. Die Rakete fing leicht an zu vibrieren, mandokapsel an uns weiterzuleiten.
cher auf dem Mond zu landen. als sich die Ventile öffneten, um die Haupt­ Während des Landeanflugs überschlugen
Erst im Oktober 1968 startete mit Apollo 7 triebwerke mit Treibstoff zu versorgen. In sich die Ereignisse. Was passierte genau?
die erste Apollo-Mission. Hielten Sie damals diesem Moment, etwa neun Sekunden vor Aldrin: Armstrong startete das Triebwerk,
eine Mondlandung bis zum Ende des Jahr- dem Start, zündeten die fünf Haupttrieb­ und ich behielt die Daten unseres Bord­
zehnts noch für möglich? werke, und die Vibration wurde immer computers im Auge. Wir flogen schräg
Aldrin: Nein, absolut nicht! Ich hätte nicht stärker, bis wir abhoben. In der ersten vorwärts in der Mondfähre, und das Trieb­
darauf gewettet, dass eine Mondlandung
nach nur vier kurz aufeinander folgenden
Apollo-Flügen möglich sein würde. Im Ok­
tober 1968 flog Apollo 7 und im Dezember
dann Apollo 8 – der zweite Flug mit der
Kommandokapsel und der erste bemannte Buzz Aldrin (links) inspiziert mit Raum-
Flug mit der Saturn V. Bereits Apollo 8 be­ fahrtjournalist Gerhard Daum eine
mannt zum Mond zu schicken war sehr Apollo-11-Mondprobe im Lunar Receiving
gewagt. Neil Arm­strong und ich gehörten Lab im Johnson Space Center in Houston,
zur Reservebesatzung. Im Januar 1969 wur­ Texas. Dort befindet sich das gesamte, von
den wir beide und Michael Collins für den den Apollo-Missionen zur Erde gebrachte
ersten Versuch einer Mondlandung ausge­ Mondgestein (etwa 381 Kilogramm).

www.astronomie-heute.de Juli 2009 47


werk rumpelte leise. Nach einigen Minu­ Stützpunkt im Meer der Ruhe, der Adler ist Danach machte ich Fotos von dem Krater,
ten richtete der Bordcomputer die Mond­ gelandet.« den das Triebwerk bei der Landung verur­
fähre nach vorne aus, und wir konnten Was geschah dann? sacht hatte, und von einigen Bereichen
langsam die Mond­oberfläche durch das Aldrin: Wir schalteten zuerst die Systeme der Mondfähre. Wir mussten all diese Din­
Fenster sehen. Jetzt schaltete sich das Lan­ in der Mondfähre ab, die wir nicht mehr ge dokumentieren, da die Mondfähre
deradar ein und fütterte den Bordcompu­ benötigten. Angesichts der Bedeutung des durch die Landung beschädigt worden
ter kontinuierlich mit Daten über Höhe Ereignisses nahm ich mir etwas Zeit für sein konnte. Anschließend widmeten wir
und Geschwindigkeit. Als ich einen Befehl eine stille Andacht. Nachdem wir etwas uns wie vorgesehen den Experimenten:
in den Computer tippte, schrillte plötzlich gegessen hatten, begannen wir mit den Neil installierte einen Laserreflektor, und
ein Alarm. Auf dem Monitor leuchteten Vorbereitungen für den Ausstieg. Wir ich stellte dann noch eine Folie zur Mes­
die Ziffern 1-2-0-2. Wir wussten in diesem steckten in unseren Raumanzügen, und sung des Sonnenwinds auf.
Moment nicht, was das zu bedeuten hatte nach der Freigabe aus Houston öffnete ich Vor dem Rückstart machten Sie eine unge-
und standen kurz vor einem Abbruch. Im das Ventil, und der Sauerstoff entwich aus wöhnliche Entdeckung in der Mondfähre.
Kontrollzentrum wurde fieberhaft gear­ der Kabine. Ich öffnete die Luke, und Neil Um was handelte es sich?
beitet. Ein Ingenieur dort erinnerte sich, stieg als Erster aus. Nachdem er eine erste Aldrin: Kurz vor unserer Ruhepause
dass es bei Simulationen ähnliche Pro­ Bodenprobe gesichert hatte, folgte ich schaute ich auf den Staub am Boden der
bleme gegeben hatte. Der Bordcomputer ihm 18 Minuten später. Bevor ich herun­ Kabine und sah einen abgebrochenen
war von zu vielen Aufgaben überlastet, terkletterte, zog ich die Luke ein Stück zu, Schalter liegen. Es war der Triebwerkschal­
aber wir konnten weitermachen. und als ich das tat, sagte ich im Scherz zu ter. Ich drückte dann später einen Filzstift
Nach dieser heiklen Phase gab es kein Zu- Neil: »Ich wollte sichergehen, dass ich uns hinein, um das Triebwerk zu starten.
rück mehr. Was folgte dann? nicht aussperre.« Neil lachte und meinte: Wie haben Sie den Rückstart erlebt?
Aldrin: Durch das kleine dreieckige Fen­ »Gute Idee!« Aldrin: Als wir vom Kontrollzentrum die
ster konnte ich unser Landegebiet sehen. Was war das für ein Gefühl, als Sie die Lei- Freigabe erhielten, sagte ich spontan:
Ich konzentrierte mich darauf, für Neil ter herabstiegen? »Houston, wir sind die Nummer 1 auf der
und das Kontrollzentrum kontinuierlich Aldrin: Ich kletterte vorsichtig die neun Startbahn.« Beim Aufstieg, der mit
die Daten über Flughöhe, Geschwindig­ Sprossen hinunter, und als ich die unter­ sanftem Schub erfolgte, konnte ich gerade
keit und Landezeitpunkt mitzuteilen. In ste erreicht hatte, sprang ich auf den Teller noch erkennen, wie die US-Flagge in den
etwa 300 Metern Höhe sahen wir direkt des Landefußes. Ich stand im Schatten der Staub kippte. Wir erreichten den Orbit,
vor uns einen großen Krater, übersät mit Mondfähre und blickte hinaus in die und etwa drei Stunden nach dem Start lei­
Felsbrocken. Neil schaltete auf Handsteu­ Landschaft von strahlender Klarheit. Da teten wir das Rendezvous mit Michael
erung um und flog über den Krater hin­ es keine Atmosphäre gibt, waren die Um­ Collins ein. Nach dem Andocken brachten
weg. Das dauerte länger als bei allen Si­ risse von Felsbrocken am Horizont genau­ wir die Gesteinskisten in die Kommando­
mulationen. Plötzlich hatten wir ein so deutlich wie die Steine vor meinen Fü­ kapsel und nahmen noch ein paar Dinge
Warnlicht, das uns anzeigte, dass wir nur ßen zu erkennen. Ich dachte in diesem aus der Mondfähre als Souvenirs mit.
Wie verliefen der Rückflug und die Lan-
dung auf der Erde?
Aldrin: Nachdem wir die Mondfähre ab­
»Einen Augenblick lang war es ganz still. getrennt hatten, die dann einige Tage spä­
Neil und ich sahen uns an und schüttelten ter auf dem Mond zerschellte, machten
uns fast ehrfürchtig die Hände.« wir uns auf den Heimweg. Auf der Rück­
seite des Mondes zündeten wir das Trieb­
werk und nahmen Kurs zur Erde. Nach
knapp zwei Tagen Rückflug landeten wir
noch für 90 Sekunden Treibstoff hatten. Moment: »Welch prächtige Einöde«, und im Pazifischen Ozean. Wir mussten dann
Wir schwebten in etwa 80 Metern Höhe, dann setzte ich meinen Fuß auf die Mond­ bereits in der Kapsel Isolationsanzüge an­
und Neil hatte das Triebwerk gedrosselt. oberfläche. Ich brauchte ein paar Minuten, ziehen, da man befürchtete, wir könnten
Während die Mondfähre langsam nach um mich an die geringe Schwerkraft zu Bakterien vom Mond einschleppen. Auf
unten ging, wirbelte das Landetriebwerk gewöhnen. dem Bergungsschiff begaben wir uns zu­
auf einmal Staub auf. Daraufhin drosselte Wie war die Mondoberfläche beschaffen? nächst in die Quarantänestation und spä­
er nochmals die Geschwindigkeit. Plötz­ Aldrin: Ich war vom Staub fasziniert. Er ter, als wir in Houston ankamen, in das
lich leuchtete vor mir auf der Instrumen­ war fein wie Puder, und jeder Schritt wir­ Lunar Receiving Laboratory. Die Quaran­
tentafel das blaue Licht »Mondkontakt« belte eine Unmenge davon auf. Um die täne dauerte knapp drei Wochen.
auf. Neil schaltete das Triebwerk ab, und Beschaffenheit zu dokumentieren, machte Wann glauben Sie, wird es die nächste be-
wir setzten sanft auf. ich ein Foto von einem Fußabdruck mit mannte Mission zum Mond geben?
Was empfanden Sie in diesem Moment? meinem Stiefel daneben. Aldrin: Ich schätze, dass im Jahr 2020 wie­
Aldrin: Einen Augenblick lang war es ganz Welche Aufgaben standen auf der Mond­ der Menschen den Mond betreten werden.
still. Neil und ich sahen uns an und schüt­ oberfläche auf dem Programm? Eventuell auch ein Jahr früher – dann wäre
telten uns fast ehrfürchtig die Hände. Dann Aldrin: Zuerst enthüllten wir eine Ge­ es 50 Jahre nach meiner und der ersten
meldete Neil nach Houston: »Hier ist der denktafel am Landegestell der Mondfähre. Landung von Apollo 11. 

48 Juli 2009 Sterne und Weltraum


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Welt der Wissenschaft: Galileo-Serie, Teil 9

Glaubenshüter
und Paladine der Vernunft
Der historiografische Streit um den Fall Galilei
vom 17. bis zum 19. Jahrhundert

Nach der Verurteilung Galileis durch das Inquisitionstribunal von 1633 und
seinem Tod im Januar 1642 entwickelte sich unter den Gelehrten, Kirchenmännern,
Freidenkern und Publizisten in ganz Europa ein erbitterter Kampf um die Beziehung
zwischen Wissenschaft und Glauben. Zwar wurde der Streit seitens der Kirche
1992 formal beigelegt, doch erregt er manche Gemüter noch heute.

Von Elio Nenci

M
it seiner Verurteilung sei, sondern mit Erddrehung ausgestattet. Mathematik einzugreifen, und wies all
am 22. Juni 1633 war der Beide Sätze wurden für »abwegig und jene, die mit solchen Studien befasst wa-
Kampf Galileis für das philosophisch falsch« erklärt, und man ren, darauf hin, dass sie von nun an die
kopernikanische Weltbild brandmarkte den ersten darüber hinaus Forschungsergebnisse laufend überwa-
definitiv beendet. Unverzügliche Folge als »formal betrachtet häretisch, weil chen würde.
jenes Ereignisses war eine einschneidende ausdrücklich gegen die Heilige Schrift ge- Damit verlor die Wahrheit in allen
Beschränkung seiner persönlichen Frei- richtet«, während man beim zweiten nur Wissenschaften, auch in den exakten, ihre
heit, zuerst in Siena, im Palast des Erzbi- so weit ging anzumerken, er werde seitens Unabhängigkeit von den Wahrheiten des
schofs Piccolomini, und bald darauf, bis der Theologie als »zumindest falsch im Glaubens. Dieser Umstand war für jene,
zu seinem Tod am 8. Januar 1642, in der Glauben« angesehen. die in diesen Disziplinen tätig waren, von
Villa Il Gioiello in Arcetri, auf den Hügeln Im Zuge dieses Urteils kam es zum Anfang an offensichtlich, und es fehlte
bei Florenz (siehe Bild auf Seite 58). Widerruf Galileis, und am 30. Juni 1633 nicht an eklatanten Beispielen vorbeu-
Doch ist der Hausarrest, der in den er- wurde der Befehl erlassen, sowohl diesen gender Selbstzensur, wie etwa im Fall De-
sten Jahren nach dem Prozess besonders Widerruf, als auch die Urteilsverkündung scartes’, der darauf verzichtete, sein Werk
streng war, nicht der wichtigste Aspekt
dieser Angelegenheit. Hiermit wurde
Mit der Verurteilung Galileis sanktionierte die Kirche die
lediglich der Schlussteil des durch das Fehlerhaftigkeit des kopernikanischen Weltbilds.
Inquisitionstribunal verkündeten Urteils
ausgeführt; der andere, weitaus bedeu- in Florenz, Padua, Bologna und in allen mit dem Titel »Die Welt, oder Abhandlung
tendere Teil verbot Galileis Hauptwerk, Städten, wo die Nuntiaturen und das In- über das Licht« zum Druck zu geben.
den 1632 erschienenen »Dialog über die quisitionstribunal einen Sitz hatten, dem Die Auswirkung der Verurteilung von
beiden hauptsächlichen Weltsysteme«, gesamten aktiven Klerus und insbeson- 1633 war also bedeutend. Nicht entschei-
und hielt die Fehlerhaftigkeit der beiden dere allen Professoren der Philosophie dend gebremst werden konnte jedoch der
Sätze fest, nach denen die Sonne »Mit- und Mathematik bekannt zu machen. Mit Wachstumsprozess der modernen Wissen-
telpunkt des Weltalls und nicht der Orts- dieser Anordnung unterstrich die Kirche schaften, die sich rasch entwickelten und
veränderung fähig«, und die Erde »nicht unmissverständlich ihr Recht, auf dem immer häufiger Anschauungen vertraten,
Mittelpunkt des Weltalls noch unbewegt« Gebiet der Forschung in Philosophie und die zum Wortlaut der Heiligen Schrift in

50 Juli 2009 Sterne und Weltraum


»Galilei vor der Inquisition«, um 1865, Farblithographie, nach einer Zeichnung von Albert Chereau;  public domain
offenem Widerspruch standen. Aus der greifen; und im Bereich der Kirche gab Diese Fantasiedarstellung zeigt den
hiermit ausgelösten, erbitterten Konfron- man sich vermutlich mit dem erteilten Inquisitionsprozess gegen Galilei nach einer
tation zwischen Wissenschaft und Religi- Signal zufrieden, ein Signal, das klar und Zeichnung von Albert Chereau aus dem
on entstand und erwuchs in der Folgezeit deutlich genug war. Der Tod Galileis 1642 Jahr 1865.
die zunehmende Aufmerksamkeit für die störte dieses prekäre Gleichgewicht und
Gestalt und das Schicksal Galileis. löste das allmähliche Aufkommen einer
Diskussion über die Ereignisse aus, die zur hätte krasser nicht ausfallen können. Aber
Die Entwicklung des Streits Verurteilung von 1633 geführt hatten. diese erste Wiederaufnahme der Debatte
im 17. und 18. Jahrhundert Die Kirche eröffnete den Schlagab- über die kopernikanische Frage war gewiss
Nach der Verkündung urbi et orbi des tausch mit der Neuveröffentlichung der nicht dazu bestimmt, für großes Aufsehen
Urteils und des Widerrufs trat in der ka- italienischen Fassung des Urteils und des zu sorgen: Giorgio Polacco, der Autor des
tholischen Welt eine scheinbare Ruhe ein. Widerrufs im Rahmen eines Werks, das be- »Antikopernikus«, war kein Wissenschaft-
Tatsächlich hatte der gelehrte Pater Marin reits im Titel den Wortlaut der verurteilten ler, sondern ein zwielichtiger Vertreter des
Mersenne bereits 1634 eine französische Sätze wiederaufnahm: »Katholischer An- venezianischen Klerus.
Übersetzung des aus Rom verschickten tikopernikus, oder Katholische Aussagen Weitaus bedeutender war die Auf-
Urteils in seine Abhandlung »Theolo- über die Unbewegtheit der Erde und die nahme des Urteils und des Widerrufs, in
gische, physikalische, moralische und Bewegung der Sonne gegen das koperni- diesem Fall in lateinischer Übersetzung,
mathematische Fragen« aufgenommen, kanische Weltbild«. Dies geschah 1644, im ins »Almagestum Novum« des Jesuiten-
doch das unverzügliche Verbot einer Ver- selben Jahr, als John Milton in seiner »Are- paters Giovanni Battista Riccioli (siehe das
breitung der Einzelheiten des Prozesses opagitica«, einer an das englische Parla- Deckblatt auf Seite 52). In das vierzigste
bei schwerer Strafe trug dazu bei, das ment gerichteten Rede zugunsten der Pres- und letzte Kapitel einer ausgedehnten Wi-
Aufkommen jeglicher Erwägungen zu den sefreiheit, seinerseits von einem Besuch derlegung des kopernikanischen Systems
eben geschehenen Ereignissen zu unter- bei Galilei berichtete, den er eingesperrt eingesetzt, kommt diesem Text hier die
binden. Seitens Galileis und seiner Schü- von der Inquisition antreffen musste, »da Funktion einer letztgültigen Bestätigung
ler bestand sicherlich die Notwendigkeit, er in der Astronomie auf andere Weise der vornehmlich mathematisch-astrono-
ein so schmerzliches und gefährliches gedacht hat, als die Zensoren der Franzis- misch und physikalisch geprägten Über-
Kapitel möglichst nicht wieder aufzu- kaner und Dominikaner«. Der Gegensatz legungen der vorausgehenden 180 Seiten

www.astronomie-heute.de Juli 2009 51


Dieses Titelkupfer zum »Almagestum
Novum« des Giovanni Battista Riccioli zeigt
anschaulich, welches der beiden astrono-
mischen Weltsysteme von Tycho Brahe und
Kopernikus das größere »Gewicht« hat.

phie von demjenigen der Interpretation


der Heiligen Schrift zu trennen, richtete
sich gegen diese Vorbedingung und war
deshalb unzulässig. Diese Position ließ
sich schwerlich umgehen, ohne die eben
erläuterte Hierarchie der Wahrheit erneut
in Frage zu stellen.
So muss es nicht Wunder nehmen,
wenn die ersten Biografen, die sich
in jenen Jahren ans Werk machten, es
vorzogen, die ganze Angelegenheit des
Prozesses in Schweigen zu hüllen. Für
eine echte Neubewertung der Gestalt Ga-
lileis wäre ein radikaler Umsturz der be-
schriebenen Hierarchie der Wahrheiten
erforderlich gewesen, der nur mittels
einer entschlossenen Bejahung einer
Sonderstellung der Vernunft in den Wis-
senschaften hätte gelingen können. Doch
diese Aufgabe sollte dem 18. Jahrhundert
vorbehalten bleiben.

Guter Astronom
oder schlechter Theologe?
Biblioteca Nazionale Braidense, Mailand

Im 18. Jahrhundert führte das neue kultu-


relle Klima der Aufklärung zu einem radi-
kalen Wechsel der Perspektive: Nun wurde
eben jene Urteilsverkündung gegen Galilei
zum eindeutigen Beweis für das wissen-
schaftsfeindliche Vorgehen der Kirche, ein
echtes »Denkmal für Grausamkeit und
Unwissenheit«, wie es der Autor des Gali-
lei gewidmeten Artikels im dritten Band
zu. Diese hoben ihrerseits schon die Vor- sahen, vom Wortlaut der Heiligen Schrift des in Avignon herausgegebenen »Histo-
teile der alten geozentrischen Vorstellung abzuweichen, hätten sie sich ständig der rischen, literarischen und kritischen Lexi-
hervor, jedoch im Licht des von Tycho Gefahr ausgesetzt, sich in fehlerhafte und kon« aus dem Jahr 1759 formuliert.
Brahe vorgelegten Modells; der genaue gefährliche Erörterungen zu verstricken. Die meiste Empörung rief jedoch das
Vergleich mit den Stellen aus der Schrift Der Fall Galilei erwies sich in dieser Hin- gegen die beiden damals als unantastbare
und den Interpretationen der Kirchen- sicht als beispielhaft: Der Wortlaut des Wahrheiten anerkannten astronomischen
väter lieferte schließlich die endgültige Urteils und des Widerrufs wurde, nach Sätze geäußerte Urteil hervor, während
Bestätigung ihrer Wahrhaftigkeit. Abschluss langer Diskussio­nen, gleichsam die Person des Verurteilten weniger im
Die Verträglichkeit von Wissenschaft zum Text der Inschrift für den Grabstein Vordergrund stand: Er hatte schließlich
und Heiliger Schrift, die dann entschei- aller auf das Prinzip der Erdbewegung ge- widerrufen, und das bedeutete für all jene
dend wurde, wenn zwei von demselben stützten astronomischen Theorien. ein wenig konstruktives Beispiel, die sich
Wahrscheinlichkeitsgrad getragene Hy- Das von Riccioli zum Ausdruck ge- bei der aktuellen Auseinandersetzung
pothesen zur Wahl standen (was beim brachte Verhältnis von Wissenschaft und auf Seiten der »Vernunft« bemühten. Wie
Vergleich der Weltbilder von Kopernikus Glauben war eindeutig: Erstere würde der bereits zitierte Artikel besagt: »Gali-
und Tycho Brahe allerdings nicht der demnach niemals eine vollständige lei legte die Schwäche an den Tag, dieses
Fall war), wäre seitens der Verteidiger des Autonomie beanspruchen dürfen. Das lächerliche Urteil über sich ergehen zu
Kopernikus ohnehin nicht erfolgreich von Galilei angestrengte Unternehmen, lassen, und er verzichtete auf eine physi-
herzustellen gewesen. Da sie sich, um den mittels der Sprache der Mathematik kalische Wahrheit, die nicht zum Gegen-
diesen Schritt zu versuchen, gezwungen zugänglichen Bereich der Naturphiloso- stand der Rechtsprechung seiner Richter

52 Juli 2009 Sterne und Weltraum


gehörte, als widerriefe er eine ketzerische ne politische Lage zum Zeitpunkt des ein bedeutendes Echo. Von nun an würden
Ansicht«. Urteils. Während die ersten offenlegten, sich auch die Gegenstimmen zunächst ein
Hier wird die Unfähigkeit offensicht- wie die angebliche Verfolgung sich unter genaueres Bild von den Quellen machen
lich, die historische Lage, in der Galilei weitgehend harmlosen Umständen voll- müssen, und dabei in erster Linie versu-
agierte, objektiv einzuordnen: Im 18. zogen hatte, bezeugte die zweite Galileis chen, direkt Einblick in die Prozessakten,
Jahrhundert rügt man ihn wie einen taktischen Fehler, der nach seiner ersten oder zumindest in vergleichbare, damals
Zeitgenossen, einen Vertreter des Aufklä- Verurteilung von 1616 versuchte, die Dis- durch das Inquisitionstribunal verhan-
rungszeitalters, wobei sein Verhalten im kussion um das kopernikanische System delte Prozesse, zu erhalten. Doch die not-
Grunde zweitrangig ist; was interessiert, neu zu entfachen, also zum denkbar wendigen Dokumente befanden sich wohl
ist vielmehr der von der Kirche vollzogene ungünstigsten Zeitpunkt. So hatte sein verwahrt in den Archiven, und die Kirche
Übergriff gegen die Wissenschaft. Man unüberlegtes Vorgehen die Interven­ war nicht gewillt, sie öffentlich zugänglich
war sich nunmehr einer tatsächlichen Un- tion des Inquisitionstribunals ausgelöst. zu machen. Die mit der Revolution von
verträglichkeit von Glaube und Vernunft Zu sehr auf seine Fähigkeit vertrauend, 1789 ausgelösten Turbulenzen brachten
bewusst geworden, und die Ereignisse seine Gesprächspartner überzeugen zu auch in diesem Bereich bedeutende Verän-
der Vergangenheit dienten lediglich zur können, »wünschte er sich, die Inquisi­ derungen mit sich.
Veranschaulichung dessen, was von jenen tion teile seine Meinung über bestimmte
zu erwarten sein würde, welche die neuen Stellen der Heiligen Schrift«, und das war Ein Märtyrer der Wissenschaft:
wissenschaftlichen Wahrheiten nicht ak- es, was die heftige Reaktion der Kirche Die Figur Galileis zu Anfang
zeptieren wollten. Die Diskussion um die hervorrief. des 19. Jahrhunderts
Person Galileis nahm damit jene Züge an, Der Hintergrund, vor dem sich die Im Jahr 1808 war die französische Revolu-
die sie auch in den nachfolgenden Jahr- dramatischen Ereignisse abspielten, hatte tionsarmee in Rom eingezogen, und nur
hunderten begleiten würden. sich radikal verändert – es ging nicht mehr ein Jahr später war es zur Abschaffung
Hatte das Urteil von 1633 als eine Ver- um die epische Auseinandersetzung zwi- der weltlichen Herrschaft des Papsttums
urteilung der Wissenschaft zu gelten? schen zwei unterschiedlichen Ansichten gekommen. Unter diesen Umständen er-
Zwar war man damals über die Bekannt- der Wahrheit, sondern es stritten die ließ die französische Regierung am 2. Fe-
gabe des Urteils an Philosophen und Ma- gewohnten Zentren politischer Macht, in- bruar 1810 das Dekret zur Besetzung der
thematiker nicht unterrichtet, doch hätte nerhalb derer man sich mit Umsicht und Archive des Heiligen Stuhls. Infolge dieses
allein das Lesen der Gliederung des Ur- Klugheit zu bewegen hatte. Doch trotz Erlasses wurden mehr als 3200 Kisten vol-
teils ausreichen müssen, um diese Frage dieser bedeutenden Veränderung in der ler Dokumente auf den Weg nach Paris
zu bejahen. »Abwegig und philosophisch Darstellung, erschien die Gestalt Galileis gebracht. Darunter befanden sich auch
falsch«, so die Verurteilung der beiden einmal mehr in einem negativen Licht. solche aus dem Archiv des Inquisitions-
kopernikanischen Sätze. Und doch waren Hatte man ihn zuvor dafür kritisiert, die tribunals, nicht jedoch die Prozessakten
nicht alle bereit, diese Auffassung zu tei- Wissenschaft nicht bis zur äußersten zum Fall Galilei. Diese wurden separat
len. Überraschenderweise ging das neue Konsequenz gegenüber der Religion ver- nach Paris übersandt und dem kaiser-
Argument zur Rechtfertigung der von teidigt zu haben, so tadelte man ihn nun lichen Bibliothekar Antoine Alexandre
der Kirche ausgegangenen Handlungen aufgrund seiner maßlosen persönlichen Barbier übergeben, der den Auftrag er-
damals nicht von der Seite des militanten Ruhmsucht. hielt, ihre Übersetzung und Publikation
Katholizismus aus, sondern von einem Der Beitrag Mallet du Pans stützte sich vorzubereiten.
Vertreter der politischen Publizistik, dem teilweise auf neue Dokumente, und erhielt Endlich zeichnete sich die Möglichkeit
Genfer Hugenotten Jacques Mallet du ab, den gesamten Prozessverlauf in all
Pan. seinen Details nachzuverfolgen, doch lei-
In einem Artikel mit der Überschrift der kam es nicht dazu. Einigen Gelehrten
»Gedruckte Lügen über Galileis Ver- gelang es zwar, die wertvollen Dokumente
folgung«, erschienen im »Mercure de zu sichten, ein Teil von ihnen wurde
France« vom Juli 1784, unternahm dieser übersetzt und Manuskripte wurden he-
Autor einen frontalen Angriff auf die hier rumgereicht, doch was in den daraus re-
erläuterte Position, bezeichnete sie als sultierenden Darstellungen ans Licht trat,
»einen Roman« und schrieb: »Galilei ist war sehr fragmentarisch und konnte für
gar nicht als guter Astronom verfolgt wor- die Diskussion kaum neue Anhaltspunkte
den, sondern als schlechter Theologe. Man beisteuern.
hätte ihn seelenruhig die Erde bewegen Die Auseinandersetzung zwischen den
lassen, hätte er sich nicht in die Bibelaus- Paladinen der Vernunft und den Glau-
public domain

legung eingemischt.« benshütern verharrte also nach wie vor in


Hier kam, wenige Jahre vor Ausbruch einem ideologisch begründeten Schlag-
der Französischen Revolution, eine neue abtausch, und dies mindestens bis in die
Sichtweise des Prozesses gegen Galilei Der Publizist Jacques Mallet du Pan 1860er Jahre, als die Prozessunterlagen zu
zum Vorschein, die sowohl Berichte der (1749 – 1800), ein vehementer Bekämpfer Galilei schließlich doch noch zum uner-
florentinischen Gesandten aus Rom der republikanischen Ideen, gilt als Pionier lässlichen Anhaltspunkt für jede ernstzu-
berücksichtigte, als auch die allgemei- des politischen Journalismus. nehmende Studie wurden.

www.astronomie-heute.de Juli 2009 53


Anlässlich der einer anderen Frau verheiratet zu haben,
Pisaner Feierlich- angeführt, und ferner Passagen aus dem
keiten am 18. »Sacro Arsenale«, einem Lehrbuch der
Februar 1864 Prozessführung aus demselben Tribunal.
erwiesen achtzehn Aus beiden Quellen ging hervor, wie die
Mitglieder der im Urteil verwandte Formel an eine be-
Berliner Akademie sondere Phase des Prozesses gebunden
der Wissenschaften sei, nämlich an jene, die darauf abzielt,
dem Andenken die mögliche Schuld als vorsätzlich nach-
Galileis telegrafisch zuweisen. In dem Fall aus Novara waren
ihre Reverenz. Das auch die Vernehmungsprotokolle des un-
Bild zeigt die ter Anwendung der Folter durchgeführten
Transkription des Verhörs nachzulesen, und entsprechend
Telegramms aus den juristischen Vorgaben führten diese
Berlin an Seine alle Klagen und Schreie der Befragten de-
Excellenz, den tailliert mit auf.
Präfekten von Pisa. Nun ergaben sich mehrere Fragen:
Erlaubte die Tatsache, dass bezüglich
Galilei in diesem Punkt nichts bekannt
war, den Schluss, dass ein solches Verhör
nicht stattgefunden hatte? Oder sollte
Staatsarchiv Pisa

man nicht eher annehmen, dass auch in


diesem Fall die Feststellung der Schuld in
Bezug auf die Absicht mit denselben Mit-
teln durchgeführt worden war? Wie aber
Tatsächlich waren die Papiere, mit der von 1633 hatte Frisi angemerkt, dass die war dann das Schweigen der Dokumente
ausdrücklichen Auflage der Veröffent- Worte »wir befanden es für notwendig, zu erklären? Doch sicherlich mit dem In-
lichung, bereits 1846 von Paris an den eine rigorose Prüfung gegen dich einzulei- teresse der Kirche, diesen Akt äußerster
Heiligen Stuhl zurückgegeben worden, ten«, eigentlich »bei jedem Tribunal eine Grausamkeit nicht ans Licht kommen zu
doch die erste Ausgabe, 1850 durch Mari- Prüfung mit Folter« bedeuten müssten; lassen, der aber nach Offenlegung aller
no Marini, den Präfekten des Geheimen doch später hatte er, aufgrund von Auf- Akten ohnehin einsichtig geworden wäre.
Vatikanischen Archivs besorgt, wurde zeichnungen des florentinischen Gesand-
den Erwartungen keineswegs gerecht. ten Niccolini über den Prozessverlauf, 1864:
Entscheidend und einseitig zugunsten der diese Deutung im Fall Galileis faktisch Zum 300. Geburtstag Galileis
Kirche manipuliert, trug sie eher dazu bei, ausschließen können. Eine solche Anklage war freilich darauf
die Gemüter zu erhitzen als sie zu beru- Während die Ausübung der Folter aus, die Gemüter der Leser heftig zu
higen, so dass sich die beiden streitenden seitens der Inquisition mit eben diesen erregen, doch blieb die Polemik nicht
Parteien auf ihre jeweilige Position ver- Argumenten in einer der bedeutendsten allein darauf beschränkt. Die Ereignisse
steiften – auf einer Seite die Ankläger der Galilei-Biografien ausgeschlossen wurde, von 1848, die Einigung Italiens 1861, die
Gewalt durch das Kirchentribunal, das den hielt der exilierte florentinische Mathe- Infragestellung der weltlichen Herrschaft
alten Wissenschaftler mittels der Folter matiker Guglielmo Libri, Autor einer des Papsttums: All das trug dazu bei, die
zum Widerruf seiner wissenschaftlichen grundlegenden »Geschichte der mathe- Auseinandersetzung mitten in die poli-
Überzeugungen genötigt haben sollte, auf matischen Wissenschaften in Italien« mit tische Arena zu verlegen. Anlässlich der
der anderen die Verteidiger der Kirche, Entschlossenheit daran fest. In einem 1841 Feierlichkeiten zum dreihundertsten
Jahrestag der Geburt Galileis wurde diese
Folter eines Alten wegen seiner wissenschaftlichen Über- neue Lage sichtbar.
zeugungen, oder Hetzkampagne gegen die Religion? Zum 18. Februar 1864, dem Geburtstag
Galileis, hatte Pisa, seine Geburtsstadt,
die ihrerseits eine wahre Hetzkampagne in der »Revue des deux Mondes« erschie- einen großen Festtag angesagt, die höch-
gegen die Religion beklagten. nenen und unverzüglich ins Italienische sten Autoritäten aus Politik und Kultur
Zwar hatte der dem Barnabitenorden sowie ins Deutsche übersetzten Artikel hatten die Feierlichkeiten gemeinsam
angehörige Naturforscher Paolo Frisi be- äußerte Libri die Ansicht, der Verweis auf vorbereitet. Erstmals seit der Verurteilung
reits 1775 in seinem »Elogio di Galileo« die »rigorose Prüfung« sei durchaus wört- von 1633 war es nun möglich, des großen
ansatzweise die Frage nach der angeb- lich zu nehmen, und stehe ganz und gar Wissenschaftlers in gebührenden Ehren
lichen Folter Galileis aufgeworfen, sie im Einklang mit der üblichen Praxis des zu gedenken. Eine ganze Flut von Zei-
jedoch aufgrund eines direkten Vergleichs Inquisitionstribunals. tungsartikeln, Sonetten, Epigrammen und
mit zeitgenössischen Quellen sogleich für Als Beweis dafür wurden Akten eines wichtigen noch unveröffentlichten Doku-
unwahrscheinlich eingeschätzt. Bei der 1705 in Novara erfolgten Prozesses gegen menten wurde damals zum Druck gege-
Untersuchung des Wortlauts des Urteils eine Frau, die bezichtigt wurde, sich mit ben. Schulen jeder Art und jeden Standes,

54 Juli 2009 Sterne und Weltraum


Staatsarchiv Pisa

Universitäten und wissenschaftliche Aka- Gleichzeitig boten diese Bekundungen Dieses Gedicht aus Berthold Auerbachs
demien in ganz Europa beteiligten sich an auch die Gelegenheit, vergangene wie ge- »Volks-Kalender auf das Jahr 1864« wurde
der Initiative und schickten Telegramme genwärtige Einmischungen der Kirche in zusammen mit einer italienischen Nach-
und Repräsentanten (Bild oben links). Bereiche, die außerhalb ihrer spezifischen dichtung anlässlich der Pisaner Feierlich-
Der legendäre Slogan »...und sie be- Kompetenzen lagen, zu verurteilen. keiten von 1864 gedruckt.
wegt sich doch!«, der zu Ende des 18. Die antiklerikale Stimmung der Veran-
Jahrhunderts in historiografischen Dar­ staltungen war so ausgeprägt, dass auch
stellungen aufgekommen war, wurde nun das am Morgen in der Taufkirche Gali- der Beteiligung jener Kirche herstellen
­gewissermaßen zum Motto der Veranstal- leis angestimmte Te Deum so manchen konnten, in deren Namen er verfolgt und
tungen. Auf die zahlreichen, im Innenhof Protest der Teilnehmer auslöste: Wie die an der Suche nach der Wahrheit gehin-
der Pisaner Universität aufgestellten Florentiner Tageszeitung »La Nazione« am dert worden war«. Andererseits war das
Schilder geschrieben oder als Bestandteil 22. Februar bemerkte, war die Sache »nicht allgemeine Empfinden derer, die an den
der für das Ereignis entstandenen poe- für alle ganz in Ordnung«, und insbeson- Feierlichkeiten teilnahmen, in der durch
tischen Ergüsse (Bild oben), trug es heftig dere für jene nicht, »die keine rationale Silvestro Centofanti, den Rektor der Uni-
dazu bei, eine mit der Gestalt Galileis ver- Verbindung zwischen dem Wunsch, dem versität Pisa, vorgetragenen Rede trefflich
bundene Mythologie entstehen zu lassen. Gedächtnis Galileis gerecht zu werden und zum Ausdruck gekommen. Bei dieser An-

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Anlässlich der Pisaner Feierlichkeiten von
1864 zu Galileis 300. Geburtstag wurde
auf dem Arno eine Regatta abgehalten.
Aus einer Nummer der Zeitschrift
»Emporio pittorico« jenes Jahres.

und an die Großherzogin Christine von Lo-


thringen hierzu entwickelten Ideen noch
immer nicht umsetzen. Und wenn es da-
rum ging, die Wahrheit einer Behauptung
zu prüfen, die irgendwie in den Kompe-
tenzbereich der Religion fiel – der auch da-
mals schon bedeutenden Schwankungen
ausgesetzt war – hätte die Wissenschaft
ihre untergeordnete Stellung nach wie vor
akzeptieren müssen. Denn die Hierarchie
der Wahrheiten war unmissverständlich:
Staatsarchiv Pisa

Die Wahrheit des Glaubens stand über


derjenigen der Wissenschaft, und wenn
jeder Versuch einer Angleichung beider
sich als vergeblich herausstellen musste,
gelegenheit war der Verrat, den die katho- die abgeschotteten Kreise der Historiker blieb der wissenschaftlichen Wahrheit
lische Kirche am wahrhaftigen Geist des und Literaten zurückzuverlegen. Damit nichts anderes übrig, als ihren Wahrheits-
Christentums verübt hatte, mit Händen hatte eine beachtliche Vereinfachung der anspruch zurückzunehmen.
zu greifen, hatte sie doch »die Religion der von den Vertretern beider Parteien ein- Wenn auch nicht ganz so endgültig
Liebe, der weltverbindenden Brüderlich- genommenen Positionen stattgefunden ausgedrückt, so war dies doch die Posi­
keit und Erlösung des Menschen« in ein – eine Folge der damaligen erbitterten tion, die sich um die sechziger und siebzi-
»Instrument törichter Verfolgungen und politischen Auseinandersetzungen. In ger Jahre des 19. Jahrhunderts in einigen
ungerechter Verurteilungen« verwandelt. Italien war der Streit zwischen Staat und auf direkten Quellenstudien der im Vati-
Angesichts dieser harten Attacken rea- Kirche besonders heftig entbrannt – ein kanischen Archiv aufbewahrten Prozess-
gierte die katholische Presse mit entspre- solches Klima bot keinesfalls die besten akten beruhenden Studien niederschlug.
chender Vehemenz, meistens jedoch ohne Voraussetzungen zur Ausarbeitung strin- Ein einziges Beispiel mag veranschau-
auf die einzelnen Behauptungen einzuge- genter und unparteischer histori­scher lichen, wie damals versucht wurde, das
hen, die möglicherweise mit auf den Pro- Rekonstruktionen der Prozessumstände. Urteil von 1633 zu rechtfertigen.
zessakten basierenden Argumenten hät- Für diese müssen wir uns deshalb den in
ten widerlegt werden können und müssen; anderen Ländern, von Forschern mit mehr Die katholische Sicht:
vielmehr zog man es von kirchlicher Seite Abstand und größerer Aufmerksamkeit Der Prozessverlauf
vor, alle Veranstaltungen als Bestandteile für alle Nuancen der verfügbaren Doku- nach Henry de L’Epinois
eines religionsfeindlichen Gesamtplans mente, angefertigten Untersuchungen Nachdem der Präfekt des Geheimen
abzustempeln, der so gut wie nichts mit zuwenden. Vatikanischen Archivs Marino Marini
der Gestalt Galileis zu tun hatte. Der Wis- Doch auch hier weichen die Bewer- die Prozessakten 1850 mit beachtlichen
senschaftler war als Vorwand benutzt wor- tungen im Fall Galilei weiterhin voneinan- Auslassungen herausgegeben hatte,
den, um zu einem Schlag gegen die Kirche der ab, zumal da in vielen dieser Arbeiten publizierte sie Henry de L’Epinois 1867,
auszuholen, und die Urheber dieses per- ein grundlegender Widerspruch bestehen unter erstmaliger Berücksichtigung der
fiden Unternehmens waren die üblichen blieb, der ohne eine klare Trennung zwi- Dokumentation über die Verurteilung
bekannten Gesichter – »die Schreiberlein schen den Wirkungsfeldern des Glaubens des Kopernikanismus von 1616, mit gro-
der jüdischen Zeitung ›Opinione‹«, eines und der Vernunft nicht zu lösen war: ein ßer Sorgfalt in der »Revue des Questions
liberalen Turiner Blattes, »und andere Pu- unannehmbarer Schritt für die Verteidi- Historiques«, als Anhang seines Artikels
blizisten unter den Freimaurern, die stets ger der kirchlichen Interessen, die zwar »Galilée, son procès, sa condamnation
nur gegen die Religion wettern müssen«. ohne Weiteres bereit waren, eine wohl- d’après des documents inédits«.
überlegte Revision einiger in der Vergan- Die hier gebotene Interpretation der
Die Hierarchie der Wahrheiten genheit durch die Kirche ausgesprochener Vorfälle um Galilei waren nicht neu, wohl
Mit der hier beschriebenen herben Pole- Urteile vorzunehmen, die jedoch die oben aber die Argumentation, und die durch-
mik hatten sich die Streitigkeiten über die genannte Trennung niemals hätten hin- gängigen Verweise auf die Prozessakten
Gestalt Galileis und die Bedeutung seiner nehmen können. verliehen ihr jetzt einen Anschein der
Verurteilung auf die Straßen und Plätze Von diesem Standpunkt aus ließen Zuverlässigkeit, der zuvor noch gefehlt
verlagert. Von diesem Zeitpunkt an sollte sich die von Galilei selbst in seinen zwei hatte. Diese Interpretation basierte zwar
es sich als unmöglich erweisen, sie in berühmten Briefen an Benedetto Castelli auf einer noch unvollständigen Ausga-

56 Juli 2009 Sterne und Weltraum


be der Quellen, dennoch wurde sie für Wahrheit. Die Philosophie des Aristoteles, ung vorlagen, überhaupt keine Schwierig-
etwa zehn Jahre zum Anhaltspunkt jeder oder wenigstens jener Teil, der sich nicht keiten damit, die vorausgegangene Verur-
weiteren Erörterung; an ihr lässt sich die auf die in der Heiligen Schrift vorkom- teilung zurückzunehmen und das
gemeinsame Sichtweise aller Autoren menden Wahrheiten beschränken ließ, Lehrverbot dieser astronomischen Dok-
veranschaulichen, die den Anforderungen war bereits durch die großen christlichen trin aufzuheben.
des Glaubens nahestanden. Philosophen des Mittelalters bekämpft Diese historische Rekonstruktion
Wesentliche Ausgangspunkte der ge- worden, und diese konnten ohne Wei- bringt dieses zutiefst ambivalente Ver-
samten Argumentation waren einmal teres als diejenigen gelten, die den Weg hältnis von Wissenschaft und Religion
mehr die Leugnung, es habe damals eine für die späteren Errungenschaften des ans Licht. Welche Bedeutung hätte diese
direkte Intervention der Kirche in Fra- wissenschaftlichen Denkens frei gemacht »kirchliche Supervision« damals für die
gen der Wissenschaft gegeben, und die hatten. gegenwärtige und zukünftige Forschung
Behauptung, der gesamte Umstand des gehabt? Galt diese nur im Hinblick auf
Prozesses erkläre sich aus Galileis Versuch, Nur gegen Unbewiesenes... etwaige Änderungen, die innerhalb der
eine neue Lesart der Heiligen Schrift vor- Darüber hinaus hatte die Kirche vor dem Doktrin der Kirche durchzusetzen waren?
zuschlagen. Eine Grenzübertretung also, Prozess gegen Galilei in der Diskussion Oder hatte sie immer auch die Gültigkeit
zu welcher sich der Wissenschaftler durch über die Weltsysteme stets die größtmög- der wissenschaftlichen Untersuchungen
die üblichen Feinde der Wissenschaft und liche Freiheit zugestanden, wie die Bei- zu bestimmen? Und gesetzt diesen letzten
der Religion hatte verleiten lassen, jene spiele des Cusanus und des Kopernikus Fall: Hätte dieses Urteil nur mit den der
Peripatetiker, die ihm eine Falle gestellt zeigen – Kleriker, die ihre Werke den höch- Wissenschaft zugehörigen Instrumenten
hatten, in die er dann aufgrund seines sten Amtsträgern der Christenheit gewid- erfolgen dürfen? Oder hatten die reli-
kompromisslosen Charakters getappt war. met hatten. Die Kirche war also nicht ge- giösen Werte, und folglich auch die auf
Demnach wäre der Prozess, seitens gen die wissenschaftlichen Wahrheiten, ihnen begründeten ethischen Werte, stets
des Inquisitionstribunals, gleichsam ein sondern gegen die nicht bewiesenen, als bei der Definition dessen mitzuwirken,
notwendiger und unvermeidlicher Akt Wahrheiten präsentierten Schlüsse. Wie was als wissenschaftliche Wahrheit anzu-
gewesen. Im Übrigen sei das Tribunal, die Vorfälle im Laufe des 19. Jahrhunderts erkennen erlaubt ist? Konnte die Wissen-
wie es die Prozessakten dokumentierten, belegten, hatte die Kirche, sobald sichere schaft in letzter Instanz von der Religion
ohne die gewohnte Härte gegen ihn vorge- Beweise für die kopernikanische Anschau- unabhängig sein? Das sind äußerst wich-
gangen, ganz anders also, als es in vielerlei
historischen Darstellungen geschrieben
steht: Die Autoren dieser Schriften hatten
die Figur Galileis stets instrumentalisiert,
um die Kirche als Gegner der neuen Entde-
ckungen der Wissenschaft erscheinen zu
lassen, doch die Realität war eine andere.
Wie bereits unterstrichen, und angesichts
des Fehlens jeglicher Nennung der am
Teleskop durchgeführten astronomischen
Beobachtungen nicht ohne jede Arglist,
wurde Galilei nicht für seine Untersu-
chungen auf dem Gebiet der Mechanik
verurteilt, die einzigen (nach Meinung des
französischen Gelehrten) wirklich inno- Unter den Doku-
vativen, sondern für seine Verteidigung menten zum
einer nicht neuen astronomischen Dok- Prozess Galileis, die
trin – einer Doktrin, die keinen sicheren heute auf der
Beweis ihrer Gültigkeit bieten konnte, Website des
und die Galilei selbst für absolut wahr Geheimen Vatika-
hielt. Daher führte ihn diese Überzeugung nischen Archivs zu
zu der Forderung, die Kirche müsse die sehen sind, befindet
Interpretation der Heiligen Schrift nach sich dieser am
dem Wortsinn verlassen, doch konnte dies 17. Dezember 1633
nicht bloß auf der Grundlage einer ein- bereits in Arcetri
fachen Hypothese geschehen. Darin also verfasste Dankes-
hatte die Schuld Galileis bestanden. brief Galileis an den
Archivio Segreto Vaticano

Wissenschaft und Religion waren ei- Papst, der ihm


nander nicht unbedingt Feind, wie viele zugestanden hatte,
es glauben machen wollten, und die Ge- seinen Wohnsitz in
schichte der Philosophie des Mittelalters die Villa Il Gioiello
war der leuchtendste Beweis für diese zu verlegen.

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tige Fragen, die sich bei der Lektüre der
Arbeit des französischen Historikers bei-
nahe spontan auftun, die in seinem Buch
Die letzten Jahre
jedoch gänzlich verschwiegen wurden.
Ein in einer neuen, 1878 erschienenen
erweiterten Fassung seiner Untersu-
D ieser Blick in den Innenhof zeigt
die Villa ll Gioiello in Arcetri bei
Florenz nach ihrer kürzlich vollendeten
chanik und Bewegungslehre. Im Einfluss-
bereich der Kirche konnte das Buch nicht
erscheinen: Es wurde von seinen Schülern
chungen »La Question de Galilée, les Instandsetzung. Hier verbrachte Galilei außer Landes gebracht und zunächst 1635
faits et leurs conséquences« eingefügtes im Hausarrest die letzten Jahre seines Le- in Straßburg in lateinischer Übersetzung
Beispiel zeigt allerdings deutlich, wie bens, vom Dezember 1633 bis zu seinem gedruckt. In italienischer Sprache erschien
L’Epinois die Wissenschaft und ihre Ergeb- Tode am 8. Januar 1642. Und hier konnte es 1638 bei dem holländischen Verleger
nisse einschätzte. Indem er das volle Recht er, obwohl fast erblindet, sein zweites und persönlichen Freund Galileis, Louis
der Kirchentribunale anführt, gegen die Hauptwerk »Discorsi e dimostrazioni ma- Elsevier in Leiden.
neue, von Galilei dargelegte Auslegung der tematiche« vollenden. Es ist nicht, wie der Gegen Ende seines Lebens zogen Gali-
Heiligen Schrift vorzugehen, stellt er klar, »Dialog über die beiden hauptsächlichen leis später berühmt gewordene florenti-
dass die Kirche sich in diesem Fall nicht Weltsysteme« der Astronomie und Kos- ner Schüler, die Mathematiker Vincenzo
anders als sonst üblich verhalten hatte. Bei mologie gewidmet, vielmehr begründet Viviani und Evangelista Torricelli, zu ihrem
»analogen Fällen«, zum Beispiel wenn es es gänzlich neue Disziplinen der moder- verehrten Lehrer in das schöne Haus:
darum ging, gemäß der Kirchenlehre fest- nen Physik: Materialwissenschaft, Me- Viviani bewohnte seit 1639 den Raum im
zustellen, ob im Inneren eines Grabes die
Gegenwart einer mit Blut gefüllten Vase
neben dem Leichnam ein hinreichendes
Zeichen zur Feststellung eines Märty-
rertums sei, waren die Tribunale analog
vorgegangen, nämlich die absolute Wahr-
heit dieser Schlussfolgerung bestätigend,
und im Gegenzug alle verurteilend, die
sie zur Entscheidung der Frage für nicht
ausschlaggebend hielten. Auch hier hatte
die zuständige Kongregation »ein Prinzip
Museo di Storia Naturale, Florenz

reiner Wissenschaft bekräftigt und einen


archäologischen Regelfall festgestellt«,
nicht um eine wissenschaftliche Frage zu
entscheiden, sondern um den Glauben
zu verteidigen und die schwerwiegenden
Konsequenzen zu unterbinden, die ein
Verlust der gewohnten Doktrin im Heili-
genkult bewirken konnte.
Dem französischen Historiker zufolge
unterschied sich die Naturwissenschaft mehr als die einzig wahre Trägerin eines lung der Verantwortung zwischen den
und insbesondere die Astronomie ihrem universalen, auf der Wahrheit begründe- Protagonisten der Ereignisse von 1633
Status nach also nicht von der christlichen ten Wissens präsentierte. und ließen dadurch nicht wenige Zweifel
Archäologie, und angesichts der Erforder- Den aus dem Bereich der engagierten hinsichtlich der formellen Korrektheit des
nisse der Religion hätte sie ganz bestimmt Wissenschaft stammenden Gelehrten kam gegen Galilei angestrengten juristischen
keine andere Behandlung erfahren können die vorausgegangene Analogie zwischen Verfahrens aufkommen.
als diejenige, welche ihr tatsächlich zuteil dem Fall Galilei und den Fragen des Heili-
wurde. In dieser Sichtweise wurde die genkults völlig sinnlos vor – ihnen kam es Die Antwort der Wissenschaftler
angebliche Universalität der wissenschaft- dagegen wesentlich darauf an, jedes einzel- und die analytische Erforschung
lichen Wahrheit gänzlich ihrer Bedeutung ne Element der Ereigniskette zu verstehen, der Prozessakten
entleert, und mit ihr vollzog sich der die mit der Verurteilung von 1633 endete. Der Chemiker Emil Wohlwill war mit
Untergang der reinen Möglichkeit einer Die Erforschung der Prozessdokumente Sicherheit einer der scharfsinnigsten Er-
von jeder äußeren Bedingtheit freien wis- wurde so der bevorzugte Weg zur Bestim- forscher von Galileis Kampf zugunsten
senschaftlichen Forschung. Zwischen den mung der in der Vergangenheit gegen die des kopernikanischen Systems. Im Jahr
Zeilen der unparteiischen historischen Wissenschaft eingesetzten Mittel – daraus 1835 in Hamburg geboren, meldete er
Rekonstruktion und auf der Grundlage der ergab sich für letztere die Notwendigkeit, sich im Meinungsstreit über Galileis Ver-
Analyse des dokumentarischen Quellen- ihre eigenen Wahrheitskriterien selbst zu urteilung erstmals 1870 zu Wort, indem er
materials ergab sich schließlich eine mit bestimmen, um so jede mögliche Einmi- eine äußerst genaue Analyse der bis dahin
den Prinzipien der Wissenschaft radikal schung von außen zu verhindern. Die von veröffentlichten Dokumente vorstellte.
kontrastierende Position, während sich die diesen Historikern errungenen Ergebnisse In seinem Werk »Der Inquisitionsprocess
Wissenschaft in diesen Jahren mehr und führten natürlich zu einer neuen Auftei- des Galileo Galilei« konzentrierte sich

58 Juli 2009 Sterne und Weltraum


zu haben, der keine Spur eines derartigen Dokumente unentschieden, doch dem
umfassenden Verbots enthielt. üblichen Vorgehen dieses Tribunals nach
Auf welcher Seite lag die Wahrheit? stellte sich die Wahrscheinlichkeit einer
Erdgeschoss rechts, Torricelli zog im Ok- Welche der beiden Positionen entsprach tatsächlichen Gewaltanwendung durchaus
tober 1641, drei Monate vor Galileis Tod, dem tatsächlichen Verlauf der Ereignisse als begründet dar. Obschon im Fall Galilei
in den Raum im Erdgeschoss links. des Jahres 1616? Offensichtlich ist dieser keine Entscheidung möglich war, hatte die
Die Villa Il Gioiello kann man seit Punkt von zentraler Bedeutung. Der Untersuchung des deutschen Chemikers
April 2009 besichtigen. Der oben ge- Schluss, zu dem der deutsche Chemiker jedenfalls eine von der Kirche regelmäßig
schilderte Streit zwischen Glaubenshü- gelangte, war überzeugend: Das Doku- gegen wehrlose Opfer eingesetzte Praxis
tern und Paladinen der Vernunft wurde ment besaß alle Eigenschaften einer nicht in all ihren Facetten des Grauens darge-
formal im November 1992 beigelegt, als im fraglichen Zeitraum, sondern nachträg- stellt – ein sekundäres Ergebnis der durch-
Papst Johannes Paul II. Galilei rehabi- lich erstellten Akte. Es handelte sich aller geführten Untersuchung, aber zugleich
litierte und den gegen ihn geführten Wahrscheinlichkeit nach um ein künstlich eine grelle Ausleuchtung der im Namen
Inquisitionsprozess für gegenstandslos angefertigtes, also gefälschtes Dokument, der Religion getätigten Missbräuche.
erklärte. Schon eine kurze Recherche im das der nachfolgenden Verurteilung einen Mit dem Werk Wohlwills erreichte die
Internet zeigt allerdings, dass der »Fall legalen Anstrich verleihen sollte. Erkundung der Prozessakten ihre maxi-
Galilei« noch heute manche Gemüter Diese erste Arbeit Wohlwills trug male Vertiefung. Von nun an sollte es sehr
heftig bewegt. J. S. bereits wesentlich dazu bei, die Schwer- schwierig sein, auf diesem Gebiet etwas
punkte der Diskussion entscheidend zu Neues herauszufinden. Doch in denselben
verlagern und in den Fachzeitschriften Jahren, als die Arbeit mit dem wertvollen
eine weitläufige Debatte auszulösen, aber Material begonnen wurde, hatte sich auch
erst sein zweiter Beitrag sorgte für den eine neue Front aufgetan, die umgehend
größten Wirbel. Mit seinem Buch »Ist die Besorgnis der Religionswächter her-
Galilei gefoltert worden?« von 1877 kam vorrufen musste: François Ponsard hatte
der Hamburger Wissenschaftler auf die ein Theaterstück mit dem Titel »Galilée«
viel diskutierte Frage nach der »rigoro- verfasst. Mit dessen Erstaufführung, die
sen Prüfung« zurück, die damals seit der am 7. März 1867 in Paris stattfand, verla-
vollständigen Veröffentlichung der Pro- gerte sich die Auseinandersetzung zwi-
zessakten weitgehend in Vergessenheit schen Glauben und Vernunft gleichsam
geraten war. auf die Bretter, die die Welt bedeuten. So
Die gesamte Dokumentation wurde nahm eine neue Epoche ihren Anfang, die
nun erneut in Betracht gezogen und, so- auch im 20. Jahrhundert einen Großteil
weit damals bekannt, mit dem umfang- der Diskussion um die Gestalt Galileis cha-
reichen Material verglichen, das zur Tätig- rakterisieren würde. Nicht mehr als der
keit des Inquisitionstribunals überliefert Mann, der im 17. Jahrhundert gelebt hat-
ist – in Dublin aufbewahrte Akten von te, wurde er gesehen, sondern als Symbol
Prozessen, die sich zeitlich unmittelbar eines ewigen Kampfes zwischen zwei ent-
an die Verurteilung Galileis anschlossen, gegegengesetzten Weltsichten: Ein ideales
Wohlwill insbesondere auf das bedeu- das bereits von Libri zitierte »Sacro Arse- Sujet also für Theater und Spielfilm.
tende Dokument vom 16. Februar 1616, nale« (hier jedoch in mehreren Ausgaben
in dem man Galilei nahelegte, in keiner konsultiert), dazu neue strafrechtliche Aus dem Italienischen von Antonio Staude
Weise jene Meinung zu vertreten, zu leh- Traktate, die mit den üblicherweise in je-
ren und irgendwie zu verbreiten, weder nem Tribunal verhandelten Fällen in Ver- Elio Nenci forscht am
im geschriebenen noch im gesprochenen bindung standen. Durch einen aufmerk- Max-Planck-Institut für
Wort, nach der die Unbewegtheit und die samen Vergleich der Prozessakten mit Wissenschaftsgeschichte
Mittelstellung der Sonne, sowie die daraus dieser umfangreichen Literatur versuchte in Berlin und an der Staat-
resultierende Erdbewegung behauptet Wohlwill zu zeigen, dass sich der Einsatz lichen Universität Mailand.
wurden. Dies war die Akte, welche die der Folter keinesfalls ausschließen lasse, Er beschäftigt sich vorwie-
nachfolgende Verurteilung von 1633 erst mindestens in Form der »territio realis«, gend mit der Geschichte
ermöglichen sollte und die Galilei, dem also der Verlegung des Angeklagten in die der Mechanik in der Renaissance und im 17.
Tribunal zufolge, absichtlich verschwie- Folterkammer und der darauffolgenden Jahrhundert.
gen hätte, als er das Imprimatur zur Ver- Aufforderung, die an ihn gerichteten
öffentlichung seines »Dialogs« einholte. Fragen wahrheitsgemäß zu beantworten;
In seinen Verhören aber hatte Galilei nicht einfach eine Drohung mit Worten, Literaturhinweis
stets angegeben, nicht über die in diesem wie viele Historiker behauptet hatten, Næss, A.: Als die Welt still stand. Galileo
Dokument explizierte Verbotsklausel sondern die erste Phase der eigentlichen Galilei – verraten, verkannt, verehrt.
unterrichtet gewesen zu sein, und sich Durchführung der Folter. Springer Verlag, Berlin, Heidelberg
vielmehr stets auf einen von Robert Bel- Freilich blieb die Frage auf Grundlage 2006.
larmin an ihn gerichteten Brief bezogen der im Vatikanischen Archiv vorhandenen

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Unser besonderer Tipp: NEU ■ Im Schatten des
Mondes, DVD-Video
Ein kleiner Schritt für einen
Gottfried Beyvers, Elvira Krusch Menschen, aber ein großer
Sprung für die Menschheit.
■ Kleines 1x1 der Relativitätstheorie
2009, Laufzeit. 95 Min., Polyband.
Einsteins Physik mit Mathematik der Mittelstufe
2. Aufl. 2009, 380 S. m. 100 Abb., geb., Springer. Bestell-Nr. 2841.

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»In the Shadow of the Moon« aus dem Jahre 2007
Der Wunsch Albert Einsteins Gedanken nachvollziehen zu können, ist unter als aufwändige DVD-Edition.
naturwissenschaftlich Interessierten weit verbreitet. Dieses Buch bietet
dafür einen idealen Zugang: Mit anschaulichen Gedankenexperimenten, Vor vierzig Jahren wurde ein Traum der Menschheit
exakten Abbildungen, treffenden Analogien und mit strikt auf Mittelschul- Realität: Der erste Mensch betrat den Mond.
mathematik beschränkten Rechenschritten wird der Leser durch die Dieser Film illustriert das Abenteuer Mondflug mit
faszinierende Welt Einsteins geführt – immer mit Blick auf Anwendungen spektakulären Bildern und setzt den beteiligten
in der Astrophysik. Relativitätstheorie so einfach wie möglich, aber Astronauten ein eindrucksvolles, berührendes
nicht einfacher! Denkmal.
Zum ersten Mal führt »Im Schatten des Mondes«
die noch lebenden Crewmitglieder der Apollo-
Missionen zusammen und gibt ihnen die Möglich-
keit, ihre Geschichte aus einer sehr persönlichen
Martin Bojowald Hrsg. v. Thomas Bührke u. Perspektive zu erzählen.
■ Zurück Roland Wengenmayr
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Universums Astrophysik und Kosmologie Digitale Astrofotografie,
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an den Urknall heranzukommen und sogar darüber Strömten auf dem Mars einst gewaltige Flüsse? Bestell-Nr. 2757.
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was vor dem Urknall war – mit verblüffenden Löcher bei der Entwicklung von Galaxien? Solche ist auf dem neuesten Stand der Technik. Es behandelt
Erkenntnissen über eine aufregend unbekannte hochaktuellen Fragen versuchen Astrophysiker umfassend alle Fragen rund um Kamera, Optik,
Welt mit negativer Zeit, umgestülpten Raumver- und Kosmologen in diesem Buch zu beantworten. Montierung, Kamerabedienung und Aufnahmetechnik,
hältnissen und einem Kosmos, der sich zusammen-
»Geheimnisvoller Kosmos« ist ein Reiseführer zu sowie der digitalen Bildbearbeitung. Damit setzt es
zieht, um nach dem Urknall zu expandieren. Alte
den Grenzen der heutigen Erkenntnis. Viele farbige einen neuen Standard für Literatur zu diesem Thema.
kosmologische Modelle über den Zyklus des
Werdens und Vergehens des Weltalls erhalten Bilder und aussagekräftige Grafiken vereinfachen Wer sich ernsthaft mit diesem faszinierenden Gebiet
dadurch eine ganz neue Aktualität. das Verstehen und machen das Lesen zum Genuss. der Astronomie beschäftigen will, kommt nicht daran
vorbei. Gerade der angehende Astrofotograf erhält
in diesem Buch wertvolle Hinweise, wie man mit
Ralf Jaumann, Ulrich Köhler verhältnismäßig einfachen Mitteln die Aufnahmetech-
■ Der Mond Bestellen Sie bequem tele- nik optimieren und das Beste aus seinen Aufnahmen
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der über 40 nützliche Freeware-, Shareware- und
Raumfahrt. Buzz Aldrin und
Demo-Programme zur Astrofotografie enthalten sind.
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und Großer Bär ■ Helden des Himmels
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Sternbilder erkennen
Am 20. Juli 1969, setzt die Landefähre von Apollo 11 auf den ersten Blick. und seinen Entdeckern
im Mare Tranquillitatis auf, Neil Armstrong und Mit einem Vorwort von 2009, 222 S., geb.,
Buzz Aldrin betreten als erste Menschen den Mond. Thomas W. Kraupe Kremayr&Scheriau
Diese Landung veränderte das kollektive Bewusst- 2009, 177 S. m. 80 zweifarb. Bestell-Nr. 2817.
sein der Menschheit und revolutionierte zugleich Sternkarten u. Zeichn., geb.,
unser Wissen um den Mond. Die Autoren Professor Arche Verlag. € 22,90 (D), € 22,90 (A)
Ralf Jaumann und Ulrich Köhler vom Institut für Der Wissenschaftspublizist
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Luft- und Raumfahrt (DLR) in Berlin haben den Stand In Amerika schon seit über 50 Jahren ein Klassiker! faszinierende Geschichten aus der Welt der
dieses Wissens aufbereitet und ein unvergleich- Die wunderbare Einführung in die Astronomie von Astronomie: Wie kamen Löwe, Jungfrau und Waage
liches Porträt des Mondes geschaffen. Eingestimmt H. A. Rey wurde jetzt sorgfältig für den deutsch- an den Himmel? Wieso verheimlichen Kloster-
wir der Leser durch ein ausführliches Gespräch sprachigen Raum aufbereitet. Erlernen Sie damit auf chroniken die unübersehbaren Supernovae des
zwischen zwei Astronautengenerationen: Thomas originelle und unterhaltsame Art das Grundwissen 11. und 12. Jahrhunderts? Was haben die »Hunds-
Reiter trifft auf Buzz Aldrin. Das Buch bietet darüber für die Himmelsbeobachtung mit dem bloßem Auge. tage« mit der römischen Astronomie zu tun?
hinaus zahlreiche großformatige, teilweise zum Der besondere Clou: Die Innenseite des Schutz- Dieses Buch bietet kurzweilige Geschichten aus
ersten Mal veröffentlichte Aufnahmen. umschlags ergibt ausgefaltet eine große Sternkarte. der Astronomiegeschichte.

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und Lösungen 2008, 316 S. m. 88 Farbabb., geb., Park, Terrasse und Balkon
3. Aufl. 2009, 595 S. m. zahlr. Abb., C. Bertelsmann. 2003, 111 S. m. Farbfotos
geb., Springer. u. Farbzeichn. sowie Sternktn.,
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Wert legen die Autoren auf eine gut verständliche, immer auf Augenhöhe mit den neuesten Erkenntnissen sowie Informationen über die Himmelsobjekte.
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bloßem Auge am Himmel sehen können. Etwa die € 19,90 (D), € 20,50 (A) zu solchen Aufnahmen gelangt, erklärt einfach nach-
Hälfte des Buches sind Wolkenarten und Wolkenfor- Glitzernde Sternhaufen, leuchtende Nebel, ferne vollziehbar der erfahrene Astrofotograf Stefan Seip.
mationen gewidmet. Es folgen Wettererscheinungen Galaxien: Deep-Sky-Objekte sind faszinierend, doch Die Bandbreite der Motive reicht dabei von einem
wie beispielsweise Reif, Regen, Hagel, Schnee und mit dem eigenen Teleskop oft gar nicht leicht zu schönen Vollmondaufgang bis hin zum detailreichen
Regenbögen. Danach werden Sonne und Mond vor- finden. Dieses Buch beschreibt leicht verständlich Abbild schwacher Nebel. Dabei behandelt der Autor
gestellt. Sonnenflecken, die Sonne im H-Alpha-Licht, wie man am Himmel navigiert, ohne vom Weg abzu- ausführlich die Fotografie sowohl mit als auch ohne
Nebensonnen und Haloerscheinungen. Die Mond- kommen. Dabei werden sowohl Aufsuchmethoden Fernrohr und gibt Ratschläge zur Bildbearbeitung.
phasen, Krater und Mare, Mondfinsternis, Halo- für moderne Computer-Steuerungen als auch für her- Ein ausführlicher Serviceteil mit zahlreichen Praxis-
erscheinungen um den Mond. Das Buch endet mit kömmliche Teleskope beschrieben. Die Himmels- tipps lässt keine Fragen mehr offen.
astronomischen Objekten und Erscheinungen, touren des Starhoppers erschienen von 1994 bis
die mit bloßem Auge oder einem Fernglas erreichbar 2006 in der Astronomiezeitschrift interstellarum. Besuchen Sie uns im Internet unter:
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sind: Der große Orionnebel, die Plejaden, Polar-
lichter und Kometen. ausgewählt und für dieses Buch neu aufbereitet.

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bietet Ihnen kosmische Beiträge dieser Monatszeitschriften zum Hören.

■ Planetensysteme, ■ Kosmische ■ Unsere Sonne,


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der zweiten Erde Geschichte des 2009. ca. 69 Min., Sprecher:
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Die Frage nach der Existenz von Planeten bei seit 4,5 Milliarden Jahren mit bemerkenswerter Kon-
anderen Sternen – seit Jahrtausenden Gegenstand Beiträge aus Spektrum der Wissenschaft zur stanz. So hat sie sich eine eigene CD in der Hörbuch
von Forschung und Spekulation – ist entschieden. Chronologie des Universums: Im Reich der ersten Edition von Sterne und Weltraum verdient: Sonnenwind
Zwei Artikel aus Sterne und Weltraum berichten Dinge (Editorial von Götz Hoeppe), Welt ohne und Weltraumwetter (Editorial von Uwe Reichert),
über unser neues Verständnis über Planeten: Neue Anfang (von Thomas Thiermann und Markus Von Vorstellungen zu Wissenschaft (von Andreas Kopp
Welten (Editorial von Jakob Staude), Die Bausteine Pössel), Urbild des Universums (von Götz Hoeppe), und Horst Fichtner), Anatomie unserer Sonne (von Rolf
der Planeten (von Mario Trieloff), Was ist ein Und es expandiert doch! (von Marek Abramowicz Schlichenmaier und Hardi Peter), Der Sonnenwind
Planet? (von Günther Wuchterl). und Stanislaw Bajtlik). (von Christian Vocks), Raumsonden (von Bernd Heber).

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Aktuelles Am Himmel

NASA
Am 21. Juli 1969 schrieben die amerika-
nischen Astronauten Neil Armstrong und
Edwin Aldrin Weltgeschichte. Als erste
Menschen betraten sie einen fremden
Himmelskörper. Hier ist Aldrin neben einer
Aluminiumfolie zum Auffangen des
Sonnenwinds zu sehen.

Statio Tranquillitatis –
auf den Spuren von Apollo 11
Vierzig Jahre ist es nun her, seit erstmals Menschen auf dem Mond landeten. Wir möch-
ten Sie einladen, mit Ihrem Fernrohr auf den Spuren der Astronauten zu wandeln. Zwar
sind die Hinterlassenschaften der Mission nicht im Teleskop zu sehen, aber immerhin
lässt sich damit die Umgebung des Landeplatzes erkunden.

»
T ranquillity base here – the Eagle has
landed.« Mit diesen Worten von Neil
Armstrong wurde am 20. Juli 1969 Wirk-
Ergebnisse und rücken den Mond allmäh-
lich wieder in das öffentliche Interesse.
Doch die Bilder der Apollo-Missionen sind
Im Mare Tranquillitatis
Weitaus eindrucksvoller ist es aber, die Re­
gion, in der Apollo 11 landete, selbst in Au-
lichkeit, was noch wenige Jahrzehnte zu- in den Gedanken vieler Menschen weitaus genschein zu nehmen! Um das Gebiet zu
vor als Sciencefiction galt. Gemeinsam stärker präsent. Manchmal fragen Besu- finden, orientiert man sich an markanten
mit Edwin Aldrin landete Armstrong in cher von Beobachtungsabenden, nachdem Mondformationen (Bilder rechts oben):
der Mondfähre Eagle im südlichen Teil des sie die lunaren Krater, Mare und Gebirgs- Westlich des Mare Crisium, etwa dort, wo
Mare Tranquillitatis (siehe S. 28). Während züge erstmals durch ein Fernrohr bestaunt das Mare Serenitatis an das Mare Tranquil-
die beiden Astronauten die Umgebung er- haben: »Und wo ist die US-Flagge?« litatis grenzt, befindet sich der Krater Plini-
kundeten und dabei 21 Kilogramm Mond- Man könnte ihnen nun erklären, dass us. Von hier aus geht es weiter in südsüd-
gestein einsammelten, blieb Michael Col- ein Teleskop mit einem Spiegeldurchmes- westlicher Richtung zu den Kratern Ritter
lins in der Umlaufbahn. ser von mindestens zehn Metern erforder- und Sabine.
Bis 1972 folgten sechs weitere Mondbe- lich wäre, um die Hinterlassenschaften Genau östlich von Sabine befinden sich
suche. Zurück blieben unter anderem drei der Astronauten zu erspähen. Dieser Rie- drei winzige Krater: Aldrin, Collins und
Mondfahrzeuge sowie Laserspiegel, die senspiegel müsste außerhalb der unru- Armstrong. Aldrin misst 3,4 Kilometer,
noch heute der zentimetergenauen Mes- higen Erdatmosphäre betrieben werden, Armstrong 4,6 Kilometer und Collins 2,4
sung der Monddistanz dienen. Heute, 37 um das geforderte Auflösungsvermögen Kilometer. In der mittleren Mondentfer-
Jahre, nachdem der letzte Astronaut den von rund einer Millibogensekunde zu er- nung von 384 400 Ki­lo­metern betragen die
Erdtrabanten verlassen hat, wird unser reichen – sofern man sich nicht raffi- entsprechenden scheinbaren Durchmesser
kosmischer Nachbar wieder aktuell: nierter technischer Kniffe bedient, bei- 1,9, 2,5 und 1,3 Bogensekunden. Bei großer
Raumsonden mehrerer Nationen haben spielsweise der adaptiven Optik und der Luftunruhe erscheinen die drei Krater
den Erdtrabanten erreicht, liefern neue Interferometrie. recht verwaschen. Doch hier hilft ein Trick:

62 Juli 2009 Sterne und Weltraum


Jörg Schlimmer

NASA / SuW-Grafik
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Mare 2° N
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Sabine Aldrin
Sabine Collins Armstrong

Schmidt APOLLO 11
Statio Tranquillitatis

20° O 22° O 24° O 26° O

Ausgehend vom Krater Sabine lässt sich die Region aufsuchen, in


der Apollo 11 landete. In der Übersichtsaufnahme links ist der
Ausschnitt der obigen Detailkarte rot markiert.

Etwa zwei Tage vor dem zunehmenden Februar 1965 auf der Mondoberfläche auf, weitaus kleinere Details, beispielsweise
Halbmond und zwei Tage vor dem abneh- nachdem sie mehr als 7000 Bilder zur Erde die Landestufe der Mondfähre Eagle, zu
menden Halbmond fällt das Sonnenlicht übertragen hatte. Surveyor 5 landete am 8. sichten. Bei ruhiger Luft können Sie je-
unter einem sehr flachen Winkel auf die September 1967 weich auf dem Mond. doch versuchen, Bodenformationen nahe
Region. Die Krater lassen sich nun anhand Südlich der Landestelle von Surveyor 5 der Landestelle auszumachen und diese
ihres Schattenwurfs erkennen. befindet sich Statio Tranquillitatis – jener mit den Durchmessern der drei Krater Al-
Unweit der Krater befinden sich auch Ort, an dem Menschen erstmals einen drin, Collins und Armstrong zu verglei-
die Zielorte der Raumsonden Ranger 8 und fremden Himmelskörper betraten. Bereits chen. Wie groß ist das kleinste Detail, das
Surveyor 5. Sie dienten der Vorbereitung beim Betrachten der drei kleinen Krater Sie auf dem Mond erkennen können?
der Apollo-Mission. Ranger 8 schlug am 17. lässt sich erahnen, wie schwierig es wäre,  Martin J. Neumann

Die beiden Sternhaufen M 16 und M 17

W er jetzt in einer dunklen Nacht in der südlichen Sommer-


milchstraße mit dem Fernglas »spazieren geht«, der stößt
unweigerlich auf dieses Paar nebliger Fleckchen. Sie stehen nur
M 16 Christine Treichel

wenige Grad nördlich der auffälligen Sternenwolke Messier 24


im Schützen und etwas rechts des zentralen Bands der Milch-
straße, in der Grenzre­gion zwischen den Sternbildern Schütze,
Schild und östliche Schlange. Es handelt sich hierbei um zwei
junge, im Fernglas nicht auflösbare Sternhaufen, eingebettet in M 17
ihre leuchtenden Muttergaswolken.
Der südlichere Nebel M 17 mit einer Helligkeit von 7 mag
besitzt einen kompakten helleren Kern, und der Sternhaufen ist
zum größten Teil noch im Nebel verborgen. Hier ist die Sternent-
stehung auch noch nicht völlig zum Abschluss gekommen. Im
nördlicher gelegenen M 16, rund 6 mag hell, liegt der Sternhau-
fen dagegen bereits weitgehend frei. Sein Licht dominiert das
Vollmond M 24
noch verbliebene schwach leuchtende Gas, was allerdings erst in zum Vergleich
einem Teleskop deutlich wird. Dieses reizvolle Paar scheint realer
Art sein, denn die beiden Objekte weisen sehr ähnliche Entfer-
nungen zu uns auf, nämlich 5900 und 5600 Lichtjahre, innerhalb Christine Treichel nahm die beiden von Gaswolken umgebenen
der in der Literatur genannten Messfehler sind sie also gleich offenen Sternhaufen M 16 und M 17 und die dichte Sternen-
weit von uns entfernt. Klaus-Peter Schröder wolke M 24 gemeinsam auf.

www.astronomie-heute.de Juli 2009 63


Aktuelles Am Himmel: Der Himmel im Überblick
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Offene Sternhaufen
Kugelsternhaufen
S
Galaxien

Benutzung der Sternkarten: Die Ränder der Karten entsprechen


-1 0 1 2 3 4
dem Ho­ri­zont, ihre Mitten entsprechen dem Punkt über unseren Sternhelligkeit [mag]
Köpfen (Ze­nit). Auffinden eines Sternbildes: Wenn Sie zu einer der
an­gegebenen Zeiten an den Himmel schauen, dann drehen Sie die
Himmelsanblick am Abend (linke Karte) für:
Karte so, dass sich die Himmelsrichtung, in die Sie gerade blicken,
unten befindet. Nun entspricht der Himmelsanblick demjenigen 1. Junihälfte 2009 1:00 Uhr MESZ 24:00 Uhr MEZ
der Karte. Beispiel: Beim Blick in Richtung Norden sollte etwa auf 2. Junihälfte 2009 24:00 Uhr MESZ 23:00 Uhr MEZ
1. Julihälfte 2009 23:00 Uhr MESZ 22:00 Uhr MEZ
halber Höhe zwischen dem Horizont und dem Zenit der Po­lar­stern 2. Julihälfte 2009 22:00 Uhr MESZ 21:00 Uhr MEZ
und unweit davon der Große Wagen, ein Teil des Sternbilds Gro­ßer
Bär, sichtbar sein. Auffinden der hellsten Planeten: Die rote Linie Himmelsanblick am Morgen (rechte Karte) für:
markiert die Ekliptik, entlang der sich der Mond und die Planeten
aufhalten. Gültigkeit: Die Karten sind auch für andere Zeiten 1. Junihälfte 2009 5:00 Uhr MESZ 4:00 Uhr MEZ
2. Junihälfte 2009 4:00 Uhr MESZ 3:00 Uhr MEZ
geeignet, jedoch weicht der dann beobachtbare Himmelsaus- 1. Julihälfte 2009 3:00 Uhr MESZ 2:00 Uhr MEZ
schnitt mehr oder weniger deutlich von den Karten ab. 2. Julihälfte 2009 2:00 Uhr MESZ 1:00 Uhr MEZ

64 Juli 2009 Sterne und Weltraum


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10° Füllen
Beteigeuze
Fische Delphin Atair
α
α g
α Prokyon Bellatrix 14.7.
g
h Kleiner
Hund 7h 0° 6h 5h 4h 3h 2h α
1h 24h 23h 22h α 21h 20h 19h
e d Orion
z Mira
Uranus b
Einhorn M 42
Wassermann
b
g
-10°b b
α
Rigel 12.7. α
Walfisch Neptun
α Sirius Jupiter b
α b
b Sch
-20° 10.7.
Großer Hund Hase
Eridanus Steinbock
d Fomalhaut
8.7.
h e
-30° α
M 55
α Ofen Bildhauerwerkstatt Schütze
b
Südlicher Fisch
SuW-Grafik

p Mikroskop
-40° Taube
Achterschiff Südliche
α Krone
n
s Grabstichel
Pendeluhr
Oben
Phönix ist der Sternhimmel in einem Streifen von +40 bis –40 Grad
Kranich
-50°
Schiffskiel Positionen
t
Kanopus der Planeten um den Himmelsäquator dargestellt. Die rote
Indergeschwungene Linie
Maler
α
repräsentiert die Ekliptik (den Schnittkreis der Erdbahnebene mit
Süden
1 Astronomische Einheit der Himmelskugel). Die Positionen der Sonne und der Planeten sind
am 15. Juli, 0h MEZ
Achernar
α
jeweils für den Monatsanfang eingezeichnet, die Pfeile zeigen die
–60°
bis zum Monatsende zurückgelegte Bahn am Himmel an. Der
Mond kann sich maximal fünf Grad oberhalb oder unterhalb der
Ekliptik aufhalten. Seine Positionen und Phasen sind für jeden
zweiten Tag, jeweils für Mitternacht, angegeben.
Links sehen Sie die Planetenbahnen im inneren Sonnensystem, h
linker
 Rand der Graphik 
wie sie sich einem Betrachter darbieten würden, der von oben auf
Süden @ 24 H
  die Erdbahnebene schaut. Gezeigt sind die Po­si­tionen der Planeten
Merkur, Venus, Erde und Mars zu Mo­nats­an­fang, die Pfei­le ge­ben
 die bis zum Mo­nats­en­de zu­rückgelegte Strecke an. Das Widder-

symbol  markiert die Richtung zum Frühlingspunkt. Die Pfeile
außerhalb der Marsbahn geben die Richtungen zu den äußeren
 Planeten Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun an und sind mit ihrem
jeweiligen Symbol markiert.

 Unten sind die Planeten mit ihren Phasen aus der Fernrohrper­
spektive zum angezeigten Datum beziehungsweise zur Monats-
SuW-Grafik

 1 AE
mitte in einem einheitlichen Maßstab dargestellt: Ein Millimeter
entspricht einer Bogensekunde.

5.7.  10 Bogensekunden

5.7.

15.7.
Ernst E. von Voigt


25.7.
25.7.
   

66 Juli 2009 Sterne und Weltraum


Mizar
b
g
b
g 50°

α
Luchs
b

M 92
b
Jagdhunde
40°
Wega Herkules g
M 13 b
α
α Fuhrman
d Kleiner Löwe α
Kastor
er
e
30°
b Zwillinge
α M3 b
Gemma Haar der Pollux Sonne b
d
Nördliche Berenike
Krone Krebs
b d
g
Praesepe 20°
g α 24.6.
Arktur Löwe
Merkur g
α Bärenhüter b
α α Regulus
α 10°
Saturn 26.6. b Beteigeuze
α g
α Prokyon Be
b
g b Kleiner
18h 17h 16h M5 14h 13h 12h 11h 10h 9h 8h 7h 0° 6h
Hund e d O
Nördliche
Schlangenträger 15h z
d 28.6. Sextant
Wasserschlange
Jungfrau Einhorn M 42
g
-10°b Rigel
α
Spika Becher
30.6. α Sirius
α
hild M 24 b
b -20°
Waage Rabe
M 20 d Großer Hund Hase
M8 Antares 2.7. r
Schiffskompass
α d
-30°
6.7. 4.7. h e

Luftpumpe α
e b
-1 0 1 2 3 4 p
Wolf Sternhelligkeit in Größenklassen Taube
Achterschiff -40°
Segel des Schiffes z Gra
Zentaur
n
s

Teleskop
Astronomische Ereignisse -50°
Winkelmaß t
Schiffskiel Kanopus
α Maler
Altar
Tag MESZ Ereignis

  3. 7. 20:15 Eintritt π Sco (3 mag) am dunklen Mondrand (z. T. vor Sonnenuntergang)
-60°
  3. 7. 21:00 Austritt π Sco (3 mag) am hellen Mondrand
  3. 7. 23:00 Eintritt von HR 5969 (5 mag) am dunklen Mondrand
  4. 7.   3h Erde im sonnenfernsten Punkt (Aphel)
  4. 7. 11h Mond bedeckt Antares (Japan, Hawaii, in Deutschland nicht sichtbar)
Heftmitte rechter Rand der Graphik
  4. 7. Kleinplanet (7) Iris in Opposition (8,8 mag)
  7. 7. 10h Vollmond (Halbschattenfinsternis, in Deutschland nicht sichtbar)
  7. 7. 23h Mond in größter Erdferne (Apogäum, Entfernung = 406 232 Kilometer)
10. 7. 3:25 Austritt 29 Cap (5,5 mag) am dunklen Mondrand
10. 7. 23h Mond 3 Grad nördlich von Jupiter (tief am Südosthimmel)
14. 7. 19h Venus 3 Grad nördlich von Aldebaran (sichtbar am folgenden Morgenhimmel)
15. 7. 11h Halbmond (abnehmend)
17. 7. 0:45 Austritt μ Ari (5,7 mag) am dunklen Mondrand (tief im Ostnordosten)
18. 7. 2 ... Mondsichel bedeckt Plejaden ab Aufgang (siehe S. 68)
19. 7. 6h Venus 5,3 Grad südlich des Mondes (Morgenhimmel)
20. 7. 3h letzte Sichtbarkeit der abnehmenden Mondsichel
21. 7. 21h Mond in größter Erdnähe (Perigäum, Entfernung = 357 463 Kilometer)
22. 7. 4h Neumond (totale Sonnenfinsternis, in Deutschland nicht sichtbar)
23. 7. T Cas (Mirastern, P = 429,8t) im Maximum
24. 7. 21h junge Mondsichel (2,7 Tage) erstmals sichtbar (schwierig)
27. 7. Mars 5 Grad nördlich von Aldebaran
28. 7. 23h Halbmond (zunehmend)
31. 7. 17h Mond bedeckt Antares (Südosteuropa bis Südchina, in Deutschland nicht sichtbar)

www.astronomie-heute.de Juli 2009 67


Aktuelles Am Himmel: Das Sonnensystem

Ernst E. von Voigt


5:20

3:10

Am frühen Morgen des 18. Juli durchquert


der Mond letztmals für die nächsten Jahre
den offenen Sternhaufen der Plejaden, das
Siebengestirn. Dabei bedeckt er nacheinan-
der die hellen Sterne Merope, Alkyone,
Pleione und Atlas.

Der Lauf des Mondes 10. Juli zeigt sich der Erdtrabant in Beglei- Am 20. Juli können wir die schmale Sichel
Zu Monatsbeginn finden wir den zuneh- tung von Jupiter im Sternbild Steinbock. des abnehmenden Mondes letztmals in
menden Mond im Sternbild Jungfrau, er In den nächsten Tagen durchwandert un- der Morgendämmerung aufspüren.
ist schon etwas voller als Halbmond. Der ser Begleiter Himmels­regio­nen ohne helle Am 22. Juli ist Neumond, und an die-
Erdtrabant wechselt von der Jungfrau in Sterne und Planeten, am 15. Juli ist der ab- sem Tag findet über dem nördlichen In-
das Sternbild Waage. In der Nacht vom 3. nehmende Halbmond erreicht. dien und dem südlichen China die einzige
auf den 4. Juli zeigt sich der Mond im Kopf Drei Tage später bedeckt der Erdtrabant totale Sonnenfinsternis des Jahres 2009
des Skorpions. Leider bleibt auch diesmal am frühen Morgen des 18. Juli einige statt, die von Europa aus aber nicht zu be-
die Bedeckung des Hauptsterns Antares Hauptsterne des offenen Sternhaufens obachten ist. Der rund 250 Kilometer brei-
von Mitteleuropa aus unsichtbar, dazu der Plejaden (siehe die Grafiken oben). te Streifen der Totalität wandert über diese
müsste sich der geneigte Beobachter nach Dies ist für 16 Jahre die letzte Gelegenheit, beiden Länder hinweg und dann in den
Hawaii oder Japan bemühen. Zwei Nächte von unseren Breiten aus den Mond in den Pazifischen Ozean hinein. Die maximale
später hat der Erdtrabant schon die mar- Plejaden zu sichten, erst am 10. Januar Dauer der Totalität wird 6m39s über dem
kante Figur der »Teekanne« im Sternbild 2025 beginnt die nächste Serie von Pleja- Ozean betragen, die längste Fins­terniszeit
Schütze passiert, am 7. Juli ist Vollmond. denbedeckungen, die von Mitteleuropa im 21. Jahrhundert.
Da der Erdtrabant den Schatten unserer aus sichtbar ist. Um 3:10 Uhr wandert der Ab dem 24. Juli sollte sich die schmale
Erde streift, findet eine Halb­schat­ten­ Erdtrabant in den Sternhaufen hinein, um Sichel des zunehmenden Mondes in der
finsternis statt. Leider ist sie von 5:20 Uhr, dann schon in der hellen Mor- Abenddämmerung wieder sichten lassen,
Mitteleuro­pa aus nicht sichtbar. Ab dem gendämmerung, verlässt er ihn wieder. der zunehmende Halbmond wird am 28.
Juli durchlaufen.

Julianisches Datum Die Planeten


am   1. Juli 14:00 Uhr MESZ 2 454 014,0 Merkur steht im Juli in oberer Konjunk­tion
am 31. Juli 14:00 Uhr MESZ 2 455 044,0 zur Sonne und ist daher nicht zu sehen.
Venus strahlt am Morgenhimmel. Sie
Sternzeit für Greenwich am 1. Juli um 0 Uhr UT: t0 = 18h36m34s bewegt sich durch das Sternbild Stier und
passiert zur Monatsmitte den Hauptstern
Die Sternzeit für Greenwich für ein anderes Datum D um 0 Uhr UT ergibt sich aus t0 Aldebaran nördlich in einem Abstand von
zu: t0, D = t0 + 3m56s,.555 3 N. Dabei ist N die Anzahl der seit dem Monatsersten drei Grad. Am Monatsanfang geht Venus
vergangenen Tage. um 2:51 Uhr (alle Zeiten sind in MESZ und
Die gesuchte Sternzeit t auf der geo­gra­fischen Länge l und dem Beob­achtungs­ beziehen sich auf Frankfurt am Main) auf,
zeitpunkt T in Weltzeit UT ergibt sich zu: am Monatsende um 2:42 Uhr. Die schein-
t = t0, D + l/15 + 1,002737909 3 T bare Helligkeit sinkt dabei leicht auf –4,0
mag ab. Zu Monatsanfang zeigt sich das
l ist östlich von Greenwich positiv, westlich davon negativ. dann 18 Bogensekunden große Scheibchen
zu 63 Prozent beleuchtet, am Monatsende

68 Juli 2009 Sterne und Weltraum


misst Venus noch 15 Bogensekunden und
Erscheinungen der Galileischen Jupitermonde
ist zu 73 Prozent beleuchtet.
Mars zeigt sich am Morgenhimmel Tag MESZ Ereignis Tag MESZ Ereignis

und ist 1,1 mag hell. Zu Monatsanfang   1. 7.   4:19 Ganymed DE 19. 7.   0:52 Ganymed BE
geht der Rote Planet um 2:30 Uhr auf, am   3. 7.   2:01 Europa VA   2:10 Europa SA; 3:27 DA
Monatsende um 1:32 Uhr. Im Fernrohr ist   5. 7.   1:43 Europa DE 20. 7.   3:00 Io SA; 3:38 DA
ein winziges rotes Scheibchen mit einem   2:01 Io VA 21. 7.   0:17 Io VA; 3:11 BE; 23:47 SE
Durchmesser von nur fünf Bogensekun-   6. 7.   0:06 Io DA; 1:29 SE, 2:24 DE   0:42 Europa BE
  7. 7.   2:21 Callisto DE 22. 7.   0:22 Io DE
den zu sehen.
  8. 7.   0:37 Ganymed SA; 4:11 DA; 4:16 SE 26. 7.   4:13 Ganymed BE
Der Riesenplanet Jupiter nähert sich
10. 7.   4:37 Europa VA   4:44 Europa SA
seiner Oppositionsstellung zur Sonne, die
12. 7.   1:10 Europa DA; 2:27 SE; 4:02 DE 27. 7.   4:54 Io SA
er am 14. August 2009 durchläuft. Zu Mo-   3:55 Io VA 23:10 Europa VA
natsanfang geht Jupiter um 23:39 Uhr auf, 13. 7.   1:05 Io SA; 1:52 DA; 3:23 SE; 4:10 DE 28. 7.   2:11 Io VA; 4:55 BE; 23:23 SA; 23:49 DA
am Monatsende um 21:36 Uhr. Nun ist 14. 7.   1:26 Io BE   2:00 Europa BE
eine gute Zeit, um die Bewegungen der 15. 7.   4:07 Callisto VE 29. 7.   1:41 Io SE; 2:07 DE; 23:21 BE
vier gro­ßen Jupitermonde zu verfolgen   4:37 Ganymed SA   1. 8.   1:27 Callisto BE

und zu beob­achten, wie sie vor der Schei- V = Verfinsterung durch Jupiters Schatten, S = Schattenwurf auf Jupiter, B = Bedeckung durch 
be ihres Mutterplaneten vorüberziehen, Jupiter, D = Durchgang vor der Jupiter­scheibe, A und E = Anfang und Ende der Erscheinung
von ihm bedeckt werden oder in seinen
Schatten ein- oder austreten (siehe Tabelle
West Jupitermonde Ost West Saturnmonde Ost
rechts).
Saturn zieht sich allmählich von der 1 1
Himmelsbühne zurück und wird ab dem 2 2
3 3
Monatsende unsichtbar. Zu Monatsanfang
4 Io 4
geht der Ringplanet um 0:32 Uhr unter,
5 5 Dione
am Monatsende schon um 22:38 Uhr. 6 6
Uranus kommt am 1. Juli im Sternbild 7 7 Rhea
Fische zum Stillstand und beginnt mit sei- 8 8
ner Oppositionsschleife. Der 5,8 mag helle 9 9
Planet geht am 1. Juli um 0:35 Uhr auf, am 10 10
11 Europa 11
30. um 23:40 Uhr.
12 12
Neptun bewegt sich rückläufig durch
13 13
das Sternbild Steinbock und nähert sich 14 Ganymed 14
der Opposition am 17. August. Am Mo- 15 15
natsanfang geht Neptun um 23:35 Uhr 16 16
auf, am Monatsende schon um 21:36 Uhr. 17 17
Am Monatsanfang durchläuft der 7,8 mag 18 Callisto 18
19 19
helle Planet den Meridian um 4:37 Uhr,
20 20
am Monatsende um 2:37 Uhr.
21 21
22 22 Iapetus
Zwergplaneten 23 23
(1) Ceres steht zu dicht bei der Sonne und 24 24 Hyperion
ist daher nicht zu beobachten. 25 25
(134 340) Pluto im Sternbild Schütze 26 26
27 27 Titan
leuchtet mit 13,9 mag und wird nun ein
28 28
Objekt der ersten Nachthälfte.
29 29
 Tilmann Althaus 30 30
31 31
I S
Zentralmeridiane des Jupiter VA S
N
Tag Uhrzeit System I System II
II S
VA
1. 7. 2:00 MESZ 300,6°   93,0° N
W O
Zunahme in 10 s    0,102    0,101 III S
  1 min    0,610    0,604 VA
N
10 min    6,098    6,044
 1h   36,585   36,267 IV S
VA VE N
10 h    5,847    2,667 N
SuW-Grafik

 1d 158,033 150,400 VA, VE = Anfangs- und Endpunkte der scheinbare Bahnen der Saturnmonde
10 d 140,333   64,000 Verfinsterung durch den Schatten Jupiters am Himmel

www.astronomie-heute.de Juli 2009 69


Ernst E. von Voigt große Asteroid umrundet die Sonne auf
Bahn von (16) Psyche einer mäßig exzentrischen (e = 0,14) und
15.6.
um knapp sieben Grad gegen die Ekliptik
1.7. 15.7. Wassermann
geneigten Bahn einmal in 4,6 Jahren. Be-
nannt wurde der Planetoid nach einer
Nymphe aus der griechischen Sagenwelt.
29 1.8.
Steinbock 15.7. Der erst am 26. März 2001 entdeckte
d g Apollo-Asteroid 2001 FE90 nähert sich der
i
Erde am 28. Juni bis auf 0,018 Astrono-
q 1.9. mische Einheiten (AE oder 2,7 Millionen
Kilometer) und erreicht zwei Tage später
k eine größte Helligkeit von 12,3 mag. Das
e 3 h4 5 6 7 8 9 Perihel seiner um knapp neun Grad gegen
die Ekliptik geneigten und stark exzen-
f
trischen (e = 0,49) Bahn liegt nur knapp
c
innerhalb der Erdbahn. Im Aphel ist er da-
Planetoiden Höhe über dem Horizont stattfindet, ist gegen 2,9 AE von der Sonne entfernt. Ein
Von den Planetoiden heller als 10 mag daher neben guter Horizontsicht ein Tele- Sonnenumlauf des 330 bis 730 Meter
kommen im Juli nur (7) Iris und (16) Psy- skop mit mindestens 15 Zentimeter Öff- großen Himmelskörpers dauert 2,7 Jahre.
che in enge Konjunktionen mit hellen nung erforderlich. Vom 28. Juni bis zum 2. Juli durchwandert
Sternen (siehe die Tabelle unten). Am 24. Zwei Kleinplaneten verdienen in die- er die Sternbilder Kopf der Schlange,
Juli begegnet (7) Iris U Sagittarii, einem sem Monat eine besondere Erwähnung. Schlangenträger und Schütze. Der Aste­
Cepheiden im offenen Sternhaufen M 25. Der am 16. Februar 1880 von Christian roid ist dabei heller als 13 mag und lässt
Einen Tag später finden wir die mit Heinrich Friedrich Peters entdeckte Klein- sich so mit Teleskopen ab 20 Zentimeter
11,7 mag allerdings recht lichtschwache planet (213) Lilaea kommt am 11. Juli im Öffnung oder auch fotografisch beobach-
(22) Kalliope nur eine Bogenminute süd- Schützen in Opposition und erreicht dabei ten. Am Morgen des 28. Juni passiert er
lich t Scorpii (2,8 mag). Zur Beobachtung mit 11,3 mag fast seine größtmögliche das Sternenpaar δ und ε Ophiuchi gut 20
dieses Ereignisses, das leider in geringer Helligkeit. Der nur etwa 80 Kilometer Bogenminuten südlich. Erfolgreiche Auf-
nahmen schicken Sie bitte an die Redak­
tion. Eine Ephemeride, die allerdings noch
Planetoiden: Nahe Begegnungen mit anderen Himmelskörpern
mit Unsicherheiten behaftet sein kann,
Tag MESZ Planetoid mPl Abstand Objekt mObj Position 2000 gibt die Tabelle unten.
[mag] und P. W. [mag] a d
(3) Juno bewegt sich durch das Stern-
  1. 7. 23:00   (15) Eunomia 11,0 4,09 107° SAO 157299 6,3 12h27m, 8 –16°389 bild Fische, ist am Monatsanfang 9,7 mag
  3. 7.   3:00 (432) Pythia 11,5 6,0   62 SAO 189966 6,3 21  03,2 –27   44 hell und geht um 0:20 Uhr auf. Bis zum
  3. 7.   3:00 (213) Lilaea 11,5 5,0 145 PPM 235952 7,6 19  24,8 –18   37 Monatsende ist die Helligkeit des Klein-
  8. 7.   1:00 (213) Lilaea 11,4 2,5 159 PPM 235864 9,0 19  20,8 –19   04 planeten deutlich auf 9,0 mag angestiegen
13. 7.   1:00    (7) Iris   8,9 2,5   56 SAO 161754 6,3 18  42,9 –19   17 und er kulminiert um 5 Uhr (alle Zeiten in
18. 7.   3:00 (432) Pythia 11,2 7,0   81 SAO 212521 6,3 20  53,4 –30   43 MESZ).
21. 7.   3:00   (33) Polyhymnia 10,5 3,5   29 17 Cap 5,9 20  46,2 –21   31 (7) Iris kommt am 4. Juli im Schützen in
24. 7.   1:00    (7) Iris   9,1 3,5 122 U Sgr1) var. 18  31,9 –19   08 Opposition zur Sonne und wird 8,7 mag
24. 7. 23:00 (389) Industria 11,4 5,0 308 b Cap 3,1 20  21,0 –14   47 hell. Sie kulminiert Anfang Juli um 1:45 Uhr
24. 7. 23:10 (389) Industria 11,4 3,0 358 SAO 163471 6,1 20  20,8 –14   47 und Ende Juli um 23:10 Uhr. Bis dahin hat
25. 7.   3:00   (16) Psyche   9,6 3,0 100 SAO 164204 6,5 21  11,7 –14   28
ihre Helligkeit auf 9,3 mag abgenommen.
25. 7. 22:55   (22) Kalliope 11,7 1,0 164 t Sco 2,8 16  35,9 –28   13
(16) Psyche wird zur Monatsmitte hel-
26. 7.   0:00   (89) Julia 10,5 7,0   42 59 Psc 6,1   0  47,2 +19   35
ler als 10 mag und kommt am 5. August
1) Cepheide in M 25, Helligkeit: 6,34 bis 7,08 mag, Periode: 6,75 Tage im Steinbock in Opposition zur Sonne
(sie­he Aufsuchkarte oben). Der Planetoid
kulminiert Mitte Juli um 3:15 Uhr, am Mo-
Topozentrische Ephemeride des Planetoiden 2001 FE90
natsende um 1:55 Uhr, dann mit einer
Tag Position 2000 D [AE] r [AE] m [mag] Helligkeit von 9,4 mag.
a d
(18) Melpomene wird in den ersten Ju-
28. Juni 15h32m24s   +9°089140 0,018 1,028 13,1 litagen heller als 10 mag und steigert sich
29. Juni 16  23  44   –4   16   45 0,018 1,031 12,6 bis zum Monatsende auf 9,4 mag. Der As-
30. Juni 17  12  21 –16   24   46 0,020 1,035 12,4 teroid bewegt sich genau entlang der
  1. Juli 17  54  42 –25   25   30 0,023 1,039 12,4 Grenze der Sternbilder Fische und Wal-
  2. Juli 18  29  38 –31   28   53 0,027 1,043 12,7 fisch und geht zum Monatsbeginn um 1
gültig für Mannheim sowie 0 Uhr MESZ, Uhr auf, am Monatsende um 23:35 Uhr.
D = Entfernung von der Erde, r = Entfernung von der Sonne, m = scheinbare Helligkeit  Michael Sarcander

70 Juli 2009 Sterne und Weltraum


Meteore Meteorströme im Juli
Da der zunehmende Mond im Sommer
Datum Anthelionquelle Südl. d-Aquariden Capricorniden Perseiden
tief an unserem Himmel steht, ist die
a d a d a d a d
letzte Julidekade durch das Erste Viertel
am 28. Juli praktisch ungestört. In diesen 30. Juni 291° –21° – – – – – –
Zeitraum fallen einige Maxima von 10. Juli 300° –19° 325° –19° 289° –15° – –
20. Juli 310° –17° 333° –18° 299° –12° 11° +52°
Meteor­strömen mit Radianten im Bereich
30. Juli 319° –14° 340° –16° 308° –10° 29° +54°
des Steinbocks und des Wassermanns.
Gemessen an den auf das Standardmaß
korrigierten Raten sind hiervon die Süd- Sekunde im mittleren Bereich, die Ge- niden mit rund 25 Kilometer pro Sekunde
lichen δ-Aquariden am aktivsten. Im schwindigkeiten von Meteoren variieren nur ein wenig langsamer.
Idealfall, also dem Radianten im Zenit, insgesamt zwischen 11 und 72 Kilometer Ende Juli machen sich auch die Persei-
würden rund 25 Meteore pro Stunde pro Sekunde. den bereits mit ihrer Aktivität bemerkbar,
sichtbar. Jedoch verringert sich die tat- Um den 30. Juli erreichen die α-Capri­ wobei der Radiant dann noch westlich von
sächlich beobachtete Rate mit zuneh- corniden ihr Maximum, das aber nur we- Perseus liegt (siehe die Tabelle oben).
mendem Abstand des Radianten vom Ze- nige Sternschnuppen pro Stunde erwarten In der Tabelle nicht genannt sind die
nit. Bei einer Deklination von –17 Grad lässt. Dafür sind unter ihnen helle Meteore Piscis Austriniden, deren Radiant sich bei
steht der Radiant der Südlichen δ-Aqua­ relativ häufig. Der Radiant liegt ganz in der etwa –30 Grad Deklination befindet. Sie
riden in Mitteleuropa so tief über dem Nähe des Zentrums der Anthelionquelle, liefern von Mitteleuropa aus gesehen nur
Horizont, dass die beobachteten Stern- die eine diffuse Ansammlung von Radi- sehr vereinzelte Sternschnuppen. Die Pis-
schnuppenzahlen sehr mager ausfallen. anten sporadischer Meteore darstellt. Die cis Austriniden sind vor allem für Urlau-
Manche Beobachter werden jedoch un- Positio­nen für beide Radiantengebiete sind ber in Australien, Südafrika oder Südame-
ter Umständen ihren Urlaub auf niedrigen in der Tabelle oben angegeben. Für den vi- rika interessant, wo der Radiant den Zenit
Breiten oder sogar auf der Südhalbkugel suellen Beobachter ist es jedoch nicht so erreichen kann und bei dunklem Himmel
verbringen. Für sie sind die Südlichen leicht, die α-Capricorniden von den Anthe- rund fünf Meteore pro Stunde liefert. Die
δ-Aquariden daher ein guter Tipp. Das lionmeteoren zu unterscheiden. Während Radiantenposition beträgt zum Maximum
Maximum fällt in diesem Jahr voraus- die Meteore der Anthelionquelle mit grö- am 28. Juli a = 341°, d = –30°. Die Eintritts-
sichtlich auf die Nacht vom 27. zum 28. ßerer Streuung mit Geschwindigkeiten um geschwindigkeit in die Erdatmosphäre ist
Juli. Die Eintrittsgeschwindigkeit in die etwa 30 Kilometer pro Sekunde in die At- mit 35 Kilometer pro Sekunde ebenfalls
Atmosphäre liegt mit 41 Kilometer pro mosphäre eintreten, sind die α-Ca­pri­cor­ relativ langsam. Rainer Arlt

Kometen zeigen. Am Abend des 25. Juli wandert die- langsam wieder schwächer. Mit einer
Am 6. Juli passiert der Komet C/2006 W3 ser Komet übrigens in weniger als 15 Bo- ­ungefähren Helligkeit zwischen 8 und 9
(Christensen) den sonnennächsten Punkt genminuten Winkelabstand am Stern Größenklassen lässt sich dieser kurzperio­
seiner Bahn, wobei der Abstand noch Zeta Cygni (3,2 mag) vorbei. dische Komet auch mit kleineren In­
mehr als 465 Millionen Kilometer, also 22P/Kopff hat seine Perihelpassage strumenten visuell beobachten.
mehr als drei Astronomische Einheiten, schon einige Wochen hinter sich und wird  Michael Möller
beträgt. Die Distanz des Schweifsterns zur
Erde liegt dagegen »nur« bei 390 Millionen
Kometenephemeriden im Juli
Kilometer und wird sich danach noch um
weitere 44 Millionen verringern, was ei- Datum Position 2000 D r m1 Elong. Phase P. W.
a d [AE] [AE] [mag]
nen Helligkeitsanstieg nach dem Perihel-
durchgang zu Folge hat. Ob C/2006 W3 C/2006 W3 (Christensen)
dann wirklich heller als 9 mag werden   3. 7. 22h02m,2 +34°449 2,687 3,127 9,1 106°,2 18°,2 226°
  8. 7. 21 52,5 +34 10 2,610 3,126 9,0 111,3 17,6 220
wird, müssen die Beobachtungen noch
13. 7. 21 41,9 +33 23 2,540 3,127 9,0 116,4 16,9 215
18. 7. 21 30,5 +32 23 2,477 3,128 8,9 121,3 16,1 208
Kometenbahndaten im Juli 23. 7. 21 18,6 +31 09 2,422 3,130 8,9 126,1 15,2 200
28. 7. 21 06,4 +29 39 2,377 3,133 8,8 130,5 14,3 192
Komet C/2006 W3 22P/Kopff
  2. 8. 20 54,0 +27 55 2,343 3,137 8,8 134,3 13,4 182
(Christensen)
22P/Kopff
Periheldurch- 2009 Juli  2009 Mai 
gangszeit T    6,6379   25,4030   3. 7. 22h44,m5   –9°039 0,839 1,625 8,1 121°,9 32°,1 249°
q (AE)    3,126339    1,577624   8. 7. 22 49,6   –9 04 0,822 1,637 8,1 125,5 30,4 249
e    0,999782    0,544242 13. 7. 22 53,7   –9 13 0,807 1,651 8,2 129,4 28,4 249
Perihel w 133,°5099 162,°8146 18. 7. 22 56,8   –9 27 0,795 1,666 8,3 133,5 26,2 250
Knoten W 113,°5707 120,°8987 23. 7. 22 58,9   –9 49 0,785 1,683 8,4 137,9 23,9 251
Inklination i 127,°0745    4,°7239 28. 7. 22 59,9   10 16 0,778 1,701 8,5 142,6 21,3 252
H0 [mag]/n    2,0/4    3,0/10,4   2. 8. 23 00,0   10 48 0,775 1,719 8,6 147,5 18,5 254

www.astronomie-heute.de Juli 2009 71


Aktuelles Am Himmel: Objekte des monats
Der Sternhimmel gefüllt, tief im Süden und Südwesten schließlich der helle Deneb (α Cyg), eigent-
Jetzt im Juli steht auch der Nachthimmel dagegen stehen die ebenfalls unschein- lich der Schwanzstern des Schwans, den
ganz im Zeichen des Sommers. Das be- baren Sternbilder Schlangenträger, einge­ man aber genau so gut als die Spitze des
kannte Sommerdreieck steht hoch am rahmt von der westlichen und östlichen »Kreuzes« ansehen kann.
Sternhimmel: Zu Beginn der kurzen Som- Schlange. In einer dunklen Nacht auf dem Lande
mernacht finden wir den Stern Wega in der Das auffälligste Sternbild der Julinäch- lässt sich hier im Schwan auch die Som-
Leier nahe des Zenits, Atair im Adler dage- te ist sicherlich der Schwan, der zurecht mermilchstraße schön erkennen. Gen
gen noch tief im Südosten, und Deneb im auch das »Kreuz des Nordens« genannt Nordost wird sie zunehmend blasser und
Schwan hoch im Südosten. Die Sternbilder wird. Ab etwa Mitternacht rutscht es lang- erreicht die dort bereits aufgestiegene
Bärenhüter und Herkules verabschieden sam in den Zenit, voran sein Kopfstern Al- Kassiopeia (auch als »Himmels-W« be-
sich derweil schon langsam, wenngleich bireo – ein sehr hübscher, farbiger Dop- kannt) und schließlich den Perseus. Letz-
sie anfangs noch gut sichtbar im Westen pelstern für kleine Teleskope. Es folgt der terer erhebt sich in der zweiten Hälfte der
beziehungsweise Südwesten stehen. Die »Querbalken« (eigentlich die inneren Nacht am Nordosthimmel. Dann gehen
Sternregion nördlich dieser beiden promi- Schwingen des Schwans), der von den hel- im Osten auch schon die Herbststern-
nenten Konstellationen wird vom langge- len Sternen Epsilon, Gamma und Delta bilder Pegasus und Andromeda auf.
zogenen, aber unauffälligen Drachen aus- Cygni (ε, γ, δ Cyg) gebildet wird, und  Klaus-Peter Schröder

Namen der Sternbilder Doppelsterne im Juli


Deutscher Lateinischer Abkür- Name Sternbild Position 2000 Abstand P. W. Helligkeiten Bemerkungen
Name Name zung a d [mag]

Adler Aquila Aql 61 Oph Schlangenträger 17h44m, 5   +2°349   20,60   93° 6,2/6,6
Füchschen Vulpecula Vul m Her Herkules 17  46,5 +27   43   34,9 249 3,4/9,8
Herkules Hercules Her 100 Her Herkules 18  07,8 +26   06   14,2 183 5,9/6,0
Leier Lyra Lyr e Lyr Leier 18  44,4 +39   40 210,5 174 4,6/4,7 Vierfachsystem
Pfeil Sagitta Sge e1 Lyr Leier    2,1 352 5,0/6,1 P = 1725 a
Schild Scutum Sct e2 Lyr Leier    2,4   82 5,3 /5,4 P = 724 a
Schlange Serpens Ser 5 Aql Adler 18  46,5   -0   58   12,5 121 5,9/7,0 Farbe: gelb-blau
Schlangenträger Ophiuchus Oph 59 Ser Schlange 18  27,2   +0   12    3,9 320 5,4/7,6
Schütze Sagittarius Sgr u Ser Schlange 18  56,3   +4   12   22,3 104 4,5/5,4
Schwan Cygnus Cyg h 881 Adler 19  18,1   -5   25   32,6 340 7,8/9,1
Steinbock Capricornus Cap p Aql Adler 19  48,8 +11   49    1,4 106 6,3/6,8
Wassermann Aquarius Aqr b Cyg Schwan 19  30,7 +27   58   34,7   55 3,4/4,7 Albireo

Positionen siehe nebenstehende Karte

Deep-Sky-Objekte im Juli
Katalognummer Sternbild Position 2000 Art und  Helligkeit, Bemerkungen
und Eigennamen a d Typ1)

NGC 6205 = M 13 Herkules 16h41m, 7 +36°289 KH (V) 23,29  5,8 mag; Herkuleshaufen
NGC 6210 Herkules 16  44,5 +23   48 PN 0,279   9,8 mag; Schildkrötennebel; Zentralstern: 12,9 mag
NGC 6494 = M 23 Schütze 17  57,1 -18   59 OH (III 1m) 279   5,5 mag; 100 Sterne: 9… mag
NGC 6341 = M 92 Herkules 17  17,1 +43   08 KH (IV) 12,29   6,4 mag; Sterne: 12… mag
NGC 6523 = M 8 Schütze 18  03,9 -24   20 HII 459 3 309   5,0 mag; Lagunennebel
IC 4715 = M 24 Schütze 18  18,5 -18   24 OH (I 1r) 29 3 19 11,1 mag; Kleine Sagittarius-Wolke
NGC 6611 = M 16 Schlange 18  18,8 -13   47 OH (II 3mn) 79   6,0 mag; enthält den Adlernebel
NGC 6618 = M 17 Schütze 18  20,8 -16   11 HII 119   6,0 mag; Omeganebel
NGC 6626 = M 28 Schütze 18  24,6 -24   52 KH (IV) 69   6,8 mag; Sterne 14… mag
NGC 6656 = M 22 Schütze 18  36,4 -23   55 KH (VII) 189   5,1 mag; Sterne 11… mag
NGC 6705 = M 11 Schild 18  51,1   -6   16 OH (I 2r) 149   5,8 mag; Wildentenhaufen
NGC 6720 = M 57 Leier 18  53,6 +33   02 PN 1,279   9,0 mag; Ringnebel; Zentralstern: 15,3 mag
NGC 6779 = M 56 Leier 19  16,6 +30   11 KH (X) 59   8,3 mag; Sterne 11… mag
CR 399 Füchschen 19  25,4 +20   11 OH (III 2p) 609   4,8 mag; Kleiderbügelhaufen
NGC 6818 Schütze 19  44,0 -14   09 PN 0,339   9,2 mag
NGC 6822 Schütze 19  45,0 -14  49 G (irr.) 15,49 3 14,49   8,3 mag; Barnards Galaxie
NGC 6838 = M 71 Pfeil 19  53,8 +18   47 KH (XI) 6,19   8,2 mag
NGC 6853 = M 27 Füchschen 19  59,6 +22   43 PN 6,79   7,0 mag; Hantelnebel
NGC 6888 Schwan 20  12,0 +38   21 HII 179 3 139 10,0 mag; Crescentnebel mit WR-Stern im Zentrum
NGC 6992 Schwan 20  57,5 +31   30 SNR 559 3 59 ~5,0 mag; Ostteil des Cirrusnebels
NGC 7000 Schwan 20  59,5 +44   20 HII 1769 3 909 ~6,0 mag; Nordamerikanebel

1) G = Galaxie; HII = HII-Region; KH = Kugelsternhaufen; OH = Offener Sternhaufen; PN = Planetarischer Nebel; SNR = Supernovaüberrest

72 Juli 2009 Sterne und Weltraum


Drache

M 92

M 13

Schwan e
NGC 7000

Leier Herkules
NGC 6888

M 57 m NGC 6210

100

M 56
NGC 6992 b

Füchschen M 27 CR 399

Pfeil
M 71

Schlangenträger
p
61
Adler
u1

Delfin 59
5

Füllen

h 881 M 11
Schlange
M 16
Wassermann Schild

M 23
M 17
NGC 6818
M 24
NGC 6822

M 22
M 28 M8

Steinbock
Schütze
Ernst E. von Voigt

0 1 2 3 4 5 6
Der Sternhimmel am 15. Juli um 1 Uhr MESZ in Richtung Süden. Die in den nebenstehen-
G HII, SNR KH OH PN
den Tabellen aufgelisteten Doppelsterne und Deep-Sky-Objekte sind markiert.

www.astronomie-heute.de Juli 2009 73


Der Schein trügt

Ernst E. von Voigt


Wegen seiner Lage fast genau in der Milch-
b straßenebene erleidet M 11 etwa 1,2 mag
l
- 5° an interstellarer Absorption und ist daher
h
ganz leicht rötlich verfärbt. Dies einge-
M 11 rechnet wird seine Entfernung auf etwa
a 6200 Lichtjahre geschätzt und seine wahre
e
Größe zu 23 Lichtjahren. Das Alter des
d Haufens wird mit 200 Millionen Jahren
-10° angegeben. Es liegt somit zwischen dem
Schild Alter der Plejaden von rund 100 Millionen
Jahren und dem Alter der Praesepe von
rund 400 Millionen Jahren, also in einem
für offene Sternhaufen sehr typischen Be-
reich. Hierin unterscheidet sich M 11 ein-
g
Aufsuchkarte für deutig von den rund 70-mal älteren, etwa
-15°
M 11 im Sternbild 19h 18h30m zehnmal größeren und bis zu 500-mal
Schild massereicheren Kugelsternhaufen. Aller-
dings, seine im Okular so beeindruckende

Der kompakte Sternhaufen Messier 11 Sterndichte von rund 2,5 Sternen pro
Kubik­lichtjahr ähnelt tatsächlich derjeni-
und die heiße Gasblase NGC 6888 gen eines sehr losen Kugelsternhaufens
Der wunderschöne offene Sternhaufen mens. Es sind mehrere Dutzend Sterne ab der Klasse X! Damit dürfte M 11 zumindest
Messier 11 ist wirklich leicht zu finden, 10 mag vor einem nebligen Hintergrund ein relativ langes Leben beschieden sein,
und mit seiner Helligkeit von 5,8 mag so- zu erkennen, und in der Mitte sticht ein wahrscheinlich noch mindestens ein bis
wie einem Durchmesser von 13 Bogenmi- mit 8 mag besonders heller Stern deutlich zwei Milliarden Jahre, denn sein gravita-
nuten ist er im Sucher oder Feldstecher so- hervor (Bild unten). tiver Zusammenhalt ist sehr gut.
fort als nebliges Fleckchen zu erkennen. Er Höhere Vergrößerungen von der hal­ Ein weiterer großer Unterschied liegt
steht auf halber Strecke zwischen den Ster- ben bis vollen Millimeterzahl der Öffnung in der chemischen Zusammensetzung:
nen Lambda Aquilae (λ Aql) im Adler und lösen das Sterngewimmel besser auf. Ein M 11 ist noch etwas reicher an schweren
Alpha Scuti (α Sct) in der nordöstlichen größeres Teleskop offenbart dann, dass Elementen als die Sonne, was auf seine
Ecke des kleinen Sternbilds Schild (Scu- hier sogar mehrere Hundert Sterne (bis zu Entstehung nahe am galaktischen Zen-
tum), am oberen Rand der bekannten 500 Sterne bis 14 mag) auf engstem Raum trum hinweist. Dort wird das interstellare
Schildwolke (siehe Karte oben). zusammenstehen. Fast ähnelt der Anblick Medium stets stärker von Sternen mit
Schon in einem kleinen Teleskop, bei- von M 11 wegen seiner ungewöhnlichen schweren Elementen angereichert. Ein Ku-
spielsweise einem Drei- oder Vier-Zoll-Re- Kompaktheit einem nicht sehr dicht ge- gelsternhaufen enthält dagegen oft nur
fraktor, bereitet der Anblick von M 11 viel packten Kugelsternhaufen, aber das ist ein ein Hundertstel des Anteils schwerer Ele-
Freude, denn seine Sterndichte ist im- Trugschluss! mente wie in der Sonne, denn zu seiner
Entstehungszeit war die interstellare Ma-
terie der damals noch sehr jungen Galaxis
Andreas Rörig

so gut wie gar nicht mit schweren Ele-


menten angereichert. – All dies soll Sie
nun aber nicht davon abhalten, M 11 für
seine kugelsternhaufenähnliche Kom-
paktheit gebührend zu bewundern!

»Crescent-Nebel« NGC 6888
Dieses spannende Objekt, eine rund 18 3 12
Bogenminuten große Gasblase im Stern-
bild Schwan, kann man ohne Nebelfilter
selbst im Teleskop nur andeutungsweise

Andreas Rörig lichtete den kompakten


offenen Sternhaufen M 11 mit einem
Acht-Zoll-Newton-Teleskop und einer
4 Bogenminuten CCD-Kamera des Typs ST10XME ab. Die
7 Lichtjahre Gesamtbelichtungszeit dieses RGB-Bilds
betrug 33 Minuten.

74 Juli 2009 Sterne und Weltraum


Fall ist der erste visuelle Eindruck trüge-
Ernst E. von Voigt

a risch. Im Zentrum des Nebels steht näm-


+45° d
lich ein Wolf-Rayet-Stern mit der Bezeich-
nung HD 12163 oder WR 136. Dies ist ein
massereicher (25 bis 40 Sonnenmassen),
entwickelter und dennoch sehr heißer
leuchtkräftiger Riese, der sich mit seiner
Leuchtkraft quasi selbst auseinander bläst.
Schwan
+40° g Dabei kann er in 10 000 Jahren bis zu einer
Sonnenmasse heißes Gas verlieren! Dort,
NGC 6888 wo dieser mehrere Millionen Kelvin heiße,
M 29
von der stellaren Ultraviolettstrahlung zu-
sätzlich ionisierte Wind auf die umge-
bende interstellare Materie trifft, schafft
+35° h sie eine verdichtete Gasfront. Aus dieser
Aufsuchkarte für beob­achten wir die Wasserstoffemission,
e 20h30m 20h NGC 6888 im den sichtbaren Blasenrand. Hier expan-
Sternbild Schwan diert die Blase noch mit etwa 75 Kilometer
pro Sekunde, derzeit ist sie etwa 26 Licht-
erkennen, und Sie müssen es daher per Zoll Öffnung kann der hellere Teil des Bla- jahre groß, bei einer geschätzten Entfer-
Orientierung am Sternfeld »blind« im Su- senrands als sichelförmiger Bogen sicher nung von knapp 6000 Lichtjahren. In Grö-
cher einstellen. Dies ist aber gar nicht erkannt werden, bei sehr guten Bedin- ße und Entfernung ähnelt NGC 6888 also
schwierig, denn NGC 6888 liegt ziemlich gungen auch Teile des noch schwächeren bei aller Verschiedenheit sehr dem offenen
genau zwei Grad südwestlich des hellen Blasenrands gegenüber (Bild unten). In Haufen M 11.
Sterns Gamma Cygni (γ Cyg), und auf glei- größeren Teleskopen, bei etwa 120-facher Von der gesamten heißen Blase eines
cher Deklination, knapp zwei Grad west- Vergrößerung, fällt die Schärfe des äuße- Wolf-Rayet-Winds sollte man Röntgen-
lich, mit dem Sternhaufen M 29 (siehe Kar- ren Rands auf, im Gegensatz zum ausge- strahlung empfangen können. Eine Arbeit
te oben). Mit diesen beiden gut im Sucher fransten Inneren. Dieser Anblick erinnert der Hamburger Astronomen Wrigge und
sichtbaren Objekten bildet unser Objekt an denjenigen des Cirrusnebels in einem Wendker et al. (ApJ 633, S. 248, 2005) über
des Monats ein gleichschenkliges Dreieck kleinen Teleskop bei nur 30-facher Vergrö- NGC 6888 zeigte jüngst, dass wir in diesem
mit einem rechten Winkel bei M 29. ßerung. Fall aber zehnmal weniger Strahlung emp-
Zur Beobachtung empfiehlt sich selbst fangen als erwartet und dass aus dem Bla-
unter einem dunklen, klaren Himmel ein Keine Supernova – noch nicht! seninnern anscheinend gar keine Rönt-
schmalbandiger Nebelfilter, bei einer Ver- Der Cirrusnebel ist bekanntlich ein alter, genemission kommt. Dies legt den Schluss
größerung von einem Drittel bis zur Hälf- weit expandierter Supernova-Überrest. nahe, dass sich NGC 6888 schon in seinem
te der Millimeterzahl der Teleskopöff- Gilt dies also auch für NGC 6888? Entspre- Endstadium befindet: Die Blase ist so groß
nung. Eine Helligkeitsangabe ist schwer chende Einträge liest man in älteren Kata- geworden, dass sie sich innen bereits »ab-
möglich, aber in einem Teleskop ab acht logen immer wieder. Aber auch in diesem gekühlt« hat. Dies ist aber nur relativ zu
verstehen, denn zumindest nahe der
St0ßwellenfront ist das Gas noch mehr als
Olaf Filzinger

eine Million Kelvin heiß, vergleichbar mit


der Temperatur der Sonnenkorona! – Und
die Supernova-Explosion wird hier bald
noch kommen, das heißt in 10 000 bis
20 000 Jahren, denn alle Wolf-Rayet-Sterne
erleiden am Ende einen Kernkollaps und
treten als eine Supernova vom Typ Ib oder
Ic von der Himmelsbühne ab!
 Klaus-Peter Schröder

Die heiße Gasblase NGC 6888 um den


Wolf-Rayet-Stern WR 136 nahm Olaf
Filzinger an der Sternwarte Hofheim mit
einem Sieben-Zoll-Maksutow-Newton-
Teleskop von Intes und einer CCD-Kamera
6 Bogenminuten des Typs ST 2000XM auf. Das LRGBHalpha-
8,5 Lichtjahre Komposit wurde insgesamt 7,3 Stunden
belichtet.

www.astronomie-heute.de Juli 2009 75


Ernst E. von Voigt 77 Grad. Ich konnte das Paar bei 255-facher
z
e Vergrößerung mit meinem 130-Millimeter-
+30° Refraktor von Starfire trennen. NGC 6210
ist im Teleskop schon bei 20-facher Vergrö-
ßerung als ein winziges Scheibchen auszu-
machen; der Hauptkörper des Planeta-
Herkules rischen Nebels misst etwa 20 3 15
Bo­gensekunden, Westnordwest nach Ost-
südost.
+25°
Die Farbe sah ich bei allen Vergröße-
NGC 6210 rungen eher als grünlich statt bläulich. Die
Flächenhelligkeit ist so hoch, dass NGC 6210
selbst bei 255-fach noch »untervergrößert«
b zu sein scheint! Auf den ers­ten Blick ist das
Aufsuchkarte für ovale Scheibchen gleichmäßig hell, aber
+20° den Planetarischen mit der Zeit schält sich ein geringfügig
17h 16h30m Nebel NGC 6210 im dunkleres Zentrum und ein heller innerer
Sternbild Herkules Ring heraus. Diese Details liegen aber an
der Auflösungsgrenze, sie schienen sich
Der Planetarische Nebel NGC 6210 immer wieder zu ändern. Ein im Zentrum
aufblitzendes Sternchen dürfte der Zen-
im Sternbild Herkules tralstern gewesen sein, dessen visuelle Hel-
Der kleine, dafür aber sehr flächenhelle be bei NGC 6210 sah; 1850 beschrieb er den ligkeit mit 12,6 bis 12,9 mag angegeben
Planetarische Nebel NGC 6210 im Herkules Nebel als »intense blue«. Moderne Beob­ wird, die Knoten im Ring sind heller. Visu-
ist mit einer visuellen Helligkeit von achter empfinden diese Färbung als sehr ell erinnert mich NGC 6210 etwas an »Jupi-
8,8 mag eines der hellsten Objekten seiner auffällig. ters Geist« NGC 3242 in der Hydra. NGC 6210
Art am nördlichen Himmel. Sie finden ihn NGC 6210 bildet ein kleines Dreieck von sitzt im Zentrum eines kleinen Dreiecks
an der Position 16h44 m
, 5, +23°489. Dennoch etwa 15 Bogenminuten Durchmesser mit aus 12 mag hellen Sternen mit einer Kan-
ist er verhältnismäßig unbekannt, vermut- S 2094 und einem 7 mag hellen Stern vier tenlänge von zwei bis drei Bogenminuten.
lich weil man beim Sternbild Herkules ein- Grad nordöstlich des 2,8 mag hellen Sterns Die Entfernung von NGC 6210 wird auf
fach nicht an einen Planetarischen Nebel b Her. Alle drei Komponenten dieses Drei- 5000 bis 6000 Lichtjahre geschätzt. Der
denkt. Sein englischer Beiname Turtle Ne- ecks sind problemlos im 7350-Sucher er- Zentralstern weist den Spektraltyp O6 auf,
bula (Schildkrötennebel) geht auf ein Bild kennbar, wobei der Planetarische Nebel was einer Oberflächentemperatur von
des Weltraumteleskops Hubble zurück, ist aber absolut nicht von einem Stern zu un- 70 000 bis 90 000 Grad Celsius entspricht.
aber nicht sehr geläufig. Entdeckt wurde terscheiden ist. S 2094 besteht aus zwei Seine intensive Ultraviolettstrahlung ist
NGC 6210 im Jahre 1825 vom Doppelstern- Komponenten mit Helligkeiten von 7,4 für die Ionisation der mit 20 bis 35 Kilo-
beobachter Friedrich Georg Wilhelm Struve und 7,7 mag in einer Distanz von 1,3 Bo- meter pro Sekunde expandierenden Gas-
(auch der Doppelstern S 2094 15 Bogenmi- gensekunden, der Positionswinkel beträgt hülle verantwortlich. Michael Fritz
nuten südsüdwestlich von NGC 6210 wurde
von ihm entdeckt). Rund 30 Jahre zuvor
Michael Fritz

hatte schon Lalande den Planetarischen


Nebel fälschlicherweise als Stern der 8.
Größenklasse in seiner »Histoire Céleste«
katalogisiert.
Struve beschrieb NGC 6210, wie auch
die kompakten Planetarischen Nebel
NGC 6572 und NGC 7009, als mit die
»kurio­sesten der zahlreichen Objekte, die
man am Himmel sehen kann. Im Sucher
unterscheiden sie sich nicht von Sternen Der Autor zeichnete
der 7. oder 8. Größe, aber im Hauptrohr den Planetarischen
zeigen sie uniforme planetarische Schei- Nebel NGC 6210 im
ben.« John Herschel beschrieb den Nebel Sternbild Herkules
1830 als »very bright, equal to a star of the an seinem
8th or between the 8th and 9th magnitu- 130-Milli­meter-
de, 80 in diameter, and of a uniform light, Refraktor von
but with the edges boiling and ragged. A Starfire. Deut­lich
200
fine object like a star out of focus.« Lord lässt sich eine
Rosse war anscheinend der Erste, der Far- Ringform erkennen.

76 Juli 2009 Sterne und Weltraum


Astronomie und Praxis: Teleskope

Bresser Messier
PN-203
Ein fotooptimiertes Newton-Teleskop
Das von Meade Instruments Europe angebotene Newton-
Spiegelteleskop »Bresser Messier PN-203« ist speziell an die Belange der
Astrofotografie angepasst, es eignet sich aber auch für die visuelle
Beobachtung größerer Himmelsabschnitte. In der Praxis musste
das neue Gerät in Verbindung mit der Systemmontierung LXD-75 seine
Alltagstauglichkeit unter Beweis stellen.

Von Bernd Weisheit

T
eleskope für die Astrofotografie
stellen besonders hohe Anforde­
rungen an die Mechanik. Dies
betrifft beispielsweise die Justa­
gestabilität der Optik, die Fokussiergenau­
igkeit oder die Steifigkeit der Tubuskon­
struktion. Aber auch die Anforderungen
an die Optik lassen solche Teleskope rasch
teurer werden, denn wünschenswert sind
ein lichtstarkes Öffnungsverhältnis oder
ein großer Fangspiegel, der nicht nur den
kleinen Pupillendurchmesser des Beob­
achters, sondern auch die deutlich größe­
re Sensorfläche einer Kamera gleichmäßig
ausleuchtet.
Da die Firma Meade Instruments Euro­
pe bei ihrem Zulieferer für Newton-Spie­
gelsysteme auf ein bereits bewährtes Tele­
eith

skopmodell setzen konnte, ließ sich das


Weis

im Folgenden vorzustellende fotografisch


ernd
en: B

optimierte Newton-Teleskop »Bresser


b

Das für den astrofotogra- Messier PN-203« zu einem attraktiven


gege

fischen Einsatz optimierte Preis realisieren. Im Programm des Anbie­


rs an

Newton-Teleskop »Bresser ters ergänzt das Teleskop hierbei den be­


ande

Messier PN-203« von Meade reits seit dem Jahr 2008 angebotenen Foto-
icht
it n

findet mit der hier gezeigten Newton mit Maksutow-Optik mit einer
owe

Systemmontierung LXD-75 Öffnung von nur 150 Millimetern und


s, s
Foto

eine gut angepasste einem weniger lichtstarken Öffnungsver­


Alle

Plattform. hältnis von 1:5.

78 Juli 2009 Sterne und Weltraum


Das Bresser Messier PN-203 ist speziell
für den Anschluss einer Kamera konstru­
iert. Deshalb befindet sich der Brennpunkt
PN-203 und LXD 75 von Meade auf einen Blick
der Spiegeloptik rund 145 Millimeter au­ Technische Daten des PN-203:
ßerhalb der Tubuswand beziehungsweise Typenbezeichnung: Bresser Messier PN-203
70 Millimeter oberhalb des voll einge­ Spiegel: Parabolischer Newton-Spiegel
fahrenen Okularauszugs. Für die visuelle Durchmesser
Beobachtung liefert der Anbieter eine Ver­ des Hauptspiegels: 203 Millimeter
längerungshülse mit, so dass sich alle Brennweite: 800 Millimeter
Okulare trotz des recht flachen Auszugs Öffnungsverhältnis: 1:4
befestigen und fokussieren lassen. Tubusmaterial: Aluminium
Mit einem Gewicht von neun Kilo­ Fokussiereinheit: Zwei-Zoll-Fokussierer mit 10:1-Untersetzung, System Crayford
gramm ist das PN-203 zwar nicht gerade Nettogewicht: 9 Kilogramm
leicht, der kompakte Tubus wird jedoch Zubehör: integrierter T2-Adapter, 35-Millimeter-Verlängerungshülse,
von einer Montierung der GP-Klasse gut Batteriehalter für Lüfter, 850-Sucher mit Fadenkreuz,
getragen, die auch erste astrofotogra­ Reduzieradapter 2 Zoll auf 1,25 Zoll
fische Ergebnisse ermöglicht. Als Basis ist Einzelpreis: 498 Euro
daher auch die Montierung LXD-75 AT
mit AutoStar-Computersteuerung eine Technische Daten der Montierung LXD 75:
sinnvolle Kombination. Sowohl das Tele­ Typenbezeichung: LXD 75
skop als auch die Montierung bietet Mea­ System: Deutsche Montierung
de einzeln oder als Komplettpaket an (sie­ Antrieb: Motoren in beiden Achsen,
he Infokasten rechts). Mit der jetzt beim Steuerungssystem AutoStar (GoTo)
PN-203 vorliegenden Öffnung und Bau­ Gegengewichte: zwei Gegengewichte zu je 4,5 Kilogramm
länge dürfte die fotografische Leistungs­ Stativ: ausziehbares Stahlrohrstativ
fähigkeit der Systemmontierung LXD-75 mit Mittenstabilisierung und Okularablage
zwar ihre Leistungsgrenze erreicht haben, Ausstattung: beleuchteter Polsucher, Handtaster, Batteriepack
sie liefert aber zufriedenstellende Ergeb­ Einzelpreis: 729 Euro (in Verbindung mit Meade/Bresser-Tubus: 599 Euro)
nisse.
Kurzbewertung:
Ein Blick auf das Fernrohr  gute optische Leistung des Teleskops
Das Spiegelteleskop ist eine Newton-Op­  Montierung mit GoTo-Funktion
tik, deren Hauptspiegel einen Durchmes­  umfangreiche technische Ausstattung
ser von 203 Millimetern und eine Brenn­  dünnwandiger Blechtubus beim Fernrohr
weite von 800 Millimetern aufweist.  Polsucher der Montierung schlecht einsehbar
Hierdurch ergibt sich ein recht großes Öff­  Steuerungssystem speichert Zeitangaben nicht
nungsverhältnis von rund 1:4. Dieses bie­
tet viele Vorteile, bringt aber auch einige Das für diesen Bericht genutzte Gerät wurde zur Verfügung gestellt von Meade
Eigenheiten mit sich. Instruments Europe GmbH & Co. KG, Gutenbergstr. 2, D-46414 Rhede/Westfalen,
Ein derart großes Öffnungsverhältnis Tel.: 0 28 72-8 07 40, Fax: 0 28 72-8 07 44 44, E-Mail: info@meade.de
bedeutet, dass das Teleskop fotografisch
vor allem an flächenhaften Objekten wie
Gasnebeln oder Galaxien sehr lichtstark
ist. So können in an einem durchschnitt­
lichen Beobachtungsort ungefilterte As­
trofotos bereits nach nur wenigen Minu­
ten ausbelichtet sein, aber auch beim
Einsatz von Filtern bleiben die notwen­
digen Belichtungszeiten relativ gering.
Für die visuelle Beobachtung bedeutet Mead
e Inst
rume
eine kurze Brennweite des Spiegels, dass nts Eu
rope
sich mit Weitwinkelokularen langer

Das Bresser Messier PN-203 ist ein


Newton-Teleskop mit 203 Millimeter
Öffnung und 800 Millimeter Brennweite.
Ein 8350-Sucher ist im Lieferumfang
enthalten.

www.astronomie-heute.de Juli 2009 79


Brennweite relativ große Himmelsab­ selbst bei diesem nicht einfach zu beherr­
schnitte überblicken lassen. So erzeugt ein schenden Öffnungsverhältnis den ge­
Zwei-Zoll-Okular mit 35 Millimeter Brenn­ nauen Fokus.
weite und einem scheinbaren Gesichtsfeld Meade hat das kompakte Newton-Tele­
von rund 70 Grad am PN-203 ein wahres skop mit einem 8350-Sucher ausgestattet.
Gesichtsfeld mit drei Grad Durchmesser. Auch wenn sich mit dem Fernrohr selbst
Dies entspricht dem sechsfachen schein­ bereits recht geringe Ver­grö­ßerungen und
baren Durchmesser des Vollmonds, was große Bildfelder realisieren lassen, so ist
für ein Fernrohr mit 20 Zentimeter Öff­ es doch praktisch, beim Beobachten oder
nung einen beachtlichen Wert darstellt. Positionieren zur Astrofotografie auf ei­
Ein gleichgroßes Schmidt-Cassegrain- nen lichtstarken Sucher zurückgreifen zu
Spiegelteleskop mit dem klassischen Öff­ können.
nungsverhältnis von 1:10 würde hier nur Der einzige Wermutstropfen ist die Be­ Der Fangspiegel des PN-203 ist mit einem
magere 1,2 Grad Himmel zeigen. festigungsschiene des Suchers an dem Durchmesser von 70 Millimetern größer als
Der Blick von vorn in den Teleskoptu­ doch recht dünnen Blech des Fernrohrtu­ bei vergleichbaren Teleskopen, die für den
bus lässt einen wuchtigen Fangspiegel er­ bus. Da ein Sucher dieser Größe ein merk­ visuellen Einsatz angeboten werden. Damit
kennen (Bild oben rechts). Um bei diesem liches Gewicht aufweist und bei Transport kann er Kamerasensoren im verbreiteten
Öffnungsverhältnis und einem weit au­ oder Fernrohraufbau auch einmal aneckt, Chipformat APS zufriedenstellend aus-
ßerhalb des Tubus liegenden Brennpunkt lockert sich die Konstruktion mitunter leuchten.
das Licht des Hauptspiegels zum Beobach­ und zeigt dann in eine neue Richtung.
ter zu bringen, bedarf es eines Fangspie­ Eine vorherige Justierung des Suchers
gels mit einem Durchmesser von mindes­ wird dadurch hinfällig. Zwei Unterleg­
tens 68 Millimetern. scheiben und ein Nachziehen der Be­fes­
Der in das PN-203 eingebaute 70-Milli­ tigungsschrauben des Sucherschuhs lösen
meter-Fangspiegel kann dies leisten und das Problem im vorliegenden Fall aber
verspricht noch ein vollständig ausge­ rasch.
leuchtetes Bild. In der Praxis ist beim Ein­ Dünnwandige Blechtuben mögen hin­
satz einer digitalen Spiegelreflexkamera sichtlich ihrer Robustheit nicht der Weis­
mit üblichem APS-Chipformat eine Rand­ heit letzter Schluss sein, wegen ihres ge­
abschattung selbst in einem gut ausbelich­ ringen Gewichts und ihres günstigen
teten Bild kaum erkennbar (Bild auf Seite Auskühlverhaltens bieten sie aber auch
81 oben). Erst eine digitale Nachbearbei­ deutliche Vorteile. Zwei Rohrschellen, die
tung zeigt, dass nur in den Ecken des Bild­ bereits mit einer für GP-Montierungen
felds ein erkennbarer Helligkeitsabfall zu passenden Halteschiene verbunden sind,
verzeichnen ist. komplettieren das Bresser Messier PN-203
Der für ein Acht-Zoll-Spiegelteleskop und lassen rasch den Eindruck eines guten Die Spiegelzelle bietet eine klassische
sehr große Fangspiegel erzeugt eine Ab­ Preis-Leistungsverhältnisses aufkommen. Drei-Punkt-Lagerung für den Hauptspiegel.
schattung von 34 Prozent der Eintrittsflä­ Die Justageschrauben lassen sich auch ohne
che. Die durch den Fangspiegel im Strah­ Das Teleskop in der Praxis Werkzeug bedienen. Sehr pfiffig ist der
lengang verursachte Beugung reduziert Trotz der Anlieferung des Teleskops mit praktische Spiegellüfter mit der in die
die Auflösung des Gesamtsystems etwas, einem Paketservice musste ich die Optik Spiegelzelle integrierten Anschlussbuchse.
wodurch das Teleskop kleine Details, bei­ nur minimal nachjustieren. Nach ausrei­
spielsweise an Mond und Planeten, etwas chender Auskühlzeit bietet die Newton-
weicher wiedergibt als es bei einem klei­ Optik entlang der optischen Achse eine
neren Fangspiegel zu erwarten wäre. Ande­ überraschend gute optische Qualität. Ein
rerseits ist ein Newton-Teleskop mit einem eingebauter Hauptspiegellüfter sorgt da­
Öffnungsverhältnis von 1:4 aber auch nicht für, dass die Auskühlzeit nicht zu lang
das, was sich ein versierter Planetenbe­ wird. Dann aber zeigt das Teleskop intra-
obachter üblicherweise kaufen wird. und extrafokal weitgehend gleiche Beu­
Hinter dem Hauptspiegel, dessen sechs gungsbilder. Damit kann der Käufer des
Justageschrauben sich auch von Hand be­ Geräts von einer Spiegelfläche ausgehen,
tätigen lassen, prangt ein großer Zwölf- die keine bildverschlechternden Formab­
Volt-Lüfter, dessen Stromanschluss pfiffig weichungen aufweist.
in den Rand der Spiegelzelle eingebracht Abbildungsfehler, beispielsweise unzu­
wurde. Das Teleskop wartet mit einem reichende Parabolisierungen oder abge­
rund 75 Millimeter hoch bauenden Oku­ sunkene Kanten, wie sie mitunter bei
larauszug auf, der weich läuft und sich lichtstarken Spiegelsystemen auftreten, Der robuste Okularauszug mit seiner
feinfühlig betätigen lässt. Dank einer Un­ waren beim vorliegenden Gerät nicht er­ 10:1-Untersetzung erlaubt ein feinfühliges
tersetzung von 10:1 findet der Beobachter kennbar. Natürlich ist bei fotografischer, Scharfstellen.

80 Juli 2009 Sterne und Weltraum


In diesem Bild wurden die Himmelsobjekte zu erkennen wären. Auch hier zeigt sich,
herausgefiltert und der Bildhintergrund dass eine Öffnung von acht Zoll und das
stark angehoben, wodurch die Grenzen der Objektangebot eines GoTo-Systems recht
Bildausleuchtung hervortreten. Bei der zur gut miteinander harmonieren.
Aufnahme genutzten digitalen Spiegelre- Selbst an Galaxien und Sternhaufen
flexkamera mit APS-Chipgröße leuchtet die steigert der gefühlvolle Umgang mit dem
Optik des Teleskops eine Lichtsammelfläche Okularauszug die Zahl der erkennbaren
mit rund 15 Millimeter Durchmesser aus. Details beträchtlich: Wer etwas Mühe da­
rin investiert, den exakten Fokus zu fin­
den, wird mit einer Fülle von leichter zu
erkennenden Objektdetails belohnt.
Über­raschend ist, dass die Newton-
aber auch bei visueller Nutzung zu be­ rungen lässt sich auch ohne Komakorrek­ Optik mit kurzer Brennweite selbst an
rücksichtigen, dass ein Spiegel­system mit tor eine über das ganze Bildfeld hinweg den Planeten Venus, Jupiter oder Saturn
einem Öffnungsverhältnis von 1:4 bereits gute Abbildungsqualität erzielen, sofern überzeugt. Direkt auf der optischen Achse
eine beträchtliche Bildfeldwölbung auf­ der Beobachter geeignete Okulare wählt. ist das Bild zufriedenstellend scharf. Zu­
weist und Sternabbildungen in der äuße­ Mit einem Komakorrektor vor der Ver­ dem ist das Bild, wie bei Spiegeloptiken
ren Bildfeldhälfte eine deutliche Koma längerungshülse wird aber auch die Beob­ newtonscher Bauweise zu erwarten, abso­
zeigen, welche die Sternpunkte am Rand achtung großer Sternfelder zum Genuss. lut frei von Farbfehlern.
des Gesichtsfelds zu kleinen kometenför­ Ein 32-Millimeter-Okular mit einem Der Okularauszug des vorliegenden
migen Mustern auseinanderzieht. 67  Grad großen Gesichtsfeld schafft einen Geräts lief für astrofotografische Anwen­
An einem passenden Koma­korrektor zweieinhalb Grad großen Himmelsab­ dung und die Nutzung schwererer Okulare
wird nach Auskunft von Meade Europe schnitt, in dem sich die Beobachtungsob­ etwas zu leicht. Dies lässt sich aber dank
derzeit noch gearbeitet. Handelsübliche jekte inmitten ihrer stellaren Umgebung vorhandener Justageschrauben einfach
Komakorrektoren, beispielsweise von Baa­ schwebend zeigen. beheben. Hingegen war es in der Praxis
der Planetarium oder Lumicon, lassen sich Bereits in den ersten Beobachtungs­ doch mitunter problematisch, dass sich
am PN-203 jedoch mit gutem Ergebnis nächten erwies sich ein 4,7-Millimeter- der Tubus in den Rohrschellen nur schwer
einsetzen. UWA-Okular von Meade bei 170-facher drehen lässt – selbst wenn diese nahezu
Eine am Teleskop genutzte digitale Vergrößerung und mit einem rund 0,5 ganz geöffnet sind. Gerade einen so klei­
Spiegelreflexkamera mit ihrem rund 16 Grad großen Gesichtsfeld als ideales Beob­ nen und kompakten Tubus möchte man
mal 24 Millimeter großen Chip im APS- achtungsokular für Deep-Sky-Objekte. Ein doch mitunter drehen können, um etwa
Format zeigt nur im inneren Bildfelddrit­ noch ausreichend helles Gesichtsfeld, des­ nach größeren Schwenks eine günstigere
tel ausreichend feine Sternabbildungen. sen Vergrößerung aber schon viele Details Einblickposition zu erhalten.
In Kombination mit einem handelsüb­ hervortreten lässt, zeigt eindrucksvoll Während der ausführlichen Erpro­
lichen Komakorrektor wird aus dem PN- Sternhaufen, Gasnebel und Galaxien. bungsphase traten keinerlei Probleme mit
203 jedoch eine leistungsfähige Astroka­ Mit einer erreichbaren Grenzgröße von dem Teleskop auf. In Verbindung mit ei­
mera. Ähnliches gilt für die visuelle rund 14 mag lassen sich im PN-203 zahl­ ner Montierung der GP-Klasse erhält der
Beobachtung durch Zwei-Zoll-Okulare mit reiche Objekte beobachten, die das GoTo- Benutzer ein kompaktes, leicht zu trans­
langer Brennweite. Bei kürzeren Brenn­ System der Montierung ansteuern kann, portierendes Gerät, das Spaß macht und
weiten von 20 Millimetern und weniger die aber in kleineren Fernrohren von vier eine bemerkenswerte optische Leistungs­
sowie entsprechend hohen Vergröße­ oder sechs Zoll Öffnung nicht so deutlich fähigkeit an den Tag legt.

Ein exakt fokussiertes Bild ohne Komakor-


rektor zeigt, wie hier am Beispiel des
Krebsnebels im Sternbild Stier, bereits
außerhalb des innersten Bildfelddrittels
zunehmend längliche Sternabbildungen.
Am äußeren Bildfeldrand sind dann
klassische kometenähnliche Bildverzeich-
nungen zu erkennen.

www.astronomie-heute.de Juli 2009 81


Ein Blick auf die Montierung
Meade liefert das Teleskop auf Wunsch
mit einer lichtgrau lackierten Montierung
vom Typ LXD-75 AT mit AutoStar-Compu­
tersteuerung aus. Ausgestattet mit einem
recht stabilen Stahlrohr-Dreibeinstativ
sowie Antrieben in beiden Achsen bietet
sie eine gute Basis für visuelle Beobach­
tungen und sogar erste Versuche in der
Astrofotografie.
Die LXD-Montierung stammt aus der
bekannten EQ5-Familie und ist damit eine
Montierung der GP-Klasse. Hier gibt es
bekanntermaßen zwischen den zahl­
reichen Varianten verschiedener Anbieter
merkliche Qualitätsunterschiede. Erfreu­
licherweise ist das hier vorliegende Ach­
senkreuz robust und gut verarbeitet. Ein teten Polsucher die Stundenachse exakt nen freien Schwenk lösen, eine manuelle
Achsenspiel ist beispielsweise beim vor­ auf den Himmelspol ausrichten. Damit ist Feinbewegung für gelegentliche Beobach­
liegenden Testgerät in beiden Antriebsein­ die Montierung nicht nur gut motorisiert tungen bietet sie aber nicht. Das in seiner
heiten nicht spürbar. Selbst bei tiefen und für die Astrofotografie geeignet, son­ Höhe verstellbare Dreibeinstativ ist mit
Temperaturen liefen die Achsen leicht­ dern bietet auch ein vielseitiges GoTo-Sys­ einem kleinen Ablagetisch ausgestattet,
gängig und gleichmäßig. In der für GP- tem, mit dem sich das Teleskop auf mehr der drei Okulare im 31,8-Millimeter-Stan­
Montierungen typischen prismenför­ als 30 000 im Handcontroller gespeicherte dardformat aufnehmen kann. Die Stativ­
migen Aufnahmevorrichtung lassen sich Himmelsobjekte direkt ausrichten lässt. beine lassen sich stufenlos ausziehen, da­
nahezu alle gängigen Teleskope direkt auf Eine Ansteuerung mit Computern und mit erreicht das Dreibein Höhen zwischen
der Montierung befestigen. gängigen Astronomieprogrammen ist 70 und 110 Zentimetern.
Die auch von anderen Teleskopbaurei­ über das verbreitete LX-200-Protokoll
hen des Anbieters Meade bekannte Auto­ eben­falls möglich. Praktische Handhabung
Star-Steuerung ermöglicht dem Beobach­ Die Montierung LXD-75 ist mit Servo­ von Montierung und Teleskop
ter nach einer einfachen 1-, 2- oder motoren in beiden Achsen ausgestattet, Der Aufbau des gesamten Teleskops geht
3-Sterne-Initialisierung die Himmelsob­ die das Teleskop den astronomischen Ob­ rasch von der Hand, ein Blick in ein Hand­
jekte per Knopfdruck anzufahren. Zuvor jekten genau nachführen und mit bis zu buch ist hierbei kaum erforderlich. Den­
sollte er mit dem serienmäßigen beleuch­ 4,5 Grad pro Sekunde positionieren kön­ noch liefert Meade aber eine ausführliche
nen. Beim vorliegenden Gerät steuerte die deutschsprachige Anleitung mit. Dies ist
AutoStar-Handbox mit GoTo-Funktion die auch mit Blick auf viele preiswerte Geräte
LXD-75 im gesamten Testzeitraum genau aus Fernost vorbildlich und bei Weitem
und zuverlässig. Angepasste Getriebe in nicht üblich.
beiden Achsen erlauben den Betrieb ohne Zum Ausrichten bringt der Beobachter
merkliches Getriebespiel bei allen der das Teleskop in die Grundstellung, der Tu­
neun möglichen Nachführgeschwindig­ bus blickt hierbei exakt in Nordrichtung
keiten: dem 1-fachen, 2-fachen, 8-fachen, auf den Himmelsnordpol. Leider ließ sich
16-fachen, 64-fachen und 128-fachen der das kleine Polsucherfernrohr für einen
Erddrehung sowie bei 1,5, 3 und 4,5 Grad Brillenträger ohne Sehhilfe nicht ausrei­
pro Sekunde für größere Schwenks. chend nachfokussieren. Mit Brille waren
Der Betrieb ist mit einem Zwölf-Volt- die Sterne dann zwar scharf erkennbar, da
Batteriepack mit acht Batterien der Größe das Bildfeld aber nicht ganz überblickt
D möglich, ebenso ein Anschluss an gän­ werden konnte, war die exakte Einnor­
gige Akkus oder an die Autobatterie. Die dung ebenfalls schwierig. Mit etwas
Montierung ist zudem mit einem für das Übung klappte es aber doch, der Polachse
220-Volt-Hausnetz passenden Transfor­ die korrekte Richtung zu geben.
mator zum Anschluss erhältlich. Für die Nach dem Einschalten der Spannungs­
Beobachtung von der heimischen Terrasse versorgung meldet sich die AutoStar-
aus ist dies sicherlich die sinnvollste und Steuerung und verlangt die Eingabe von
umweltfreundlichste Lösung. Datum, Uhrzeit und Ort. Leider merkt sich
Die Montierung der GP-Klasse bietet ein Die Einstellung der Polhöhe und des die Steuerung diese Eingaben nicht dauer­
schnelles und bewährtes GoTo-Steuerungs- Azimutwinkels erfolgt über zwei jeweils haft, sie gehen bei jedem Ausschalten ver­
system, das per Tastendruck mehr als gegeneinander laufende Paare von Stell­ loren. Ein gepufferter Zeitzähler wäre da­
30 000 Himmelsobjekte ansteuern kann. schrauben. Die Achsen lassen sich für ei­ her wirklich wünschenswert.

82 Juli 2009 Sterne und Weltraum


Diese Aufnahme des Großen Orionnebels samten, rund zwölf Minuten dauernden
Messier 42 gelang bereits ohne weitere Schneckenradumlaufs mit einem Faden­
Ausstattung und Nachführkontrolle. Derart kreuzokular genau an einem Stern nach­
helle Himmelsobjekte lassen sich mit geführt und eventuelle Abweichungen
Belichtungszeiten von 30 Sekunden bis zu von Hand korrigiert. Diese Korrekturen
einer Minute aufnehmen, wenngleich werden abgespeichert und vom Steue­
hierbei die zeitliche Grenze der Nachführ- rungssystem zur fortan genaueren Nach­
genauigkeit mit 800 Millimeter Brennweite führung herangezogen.
erreicht ist. Die Montierung und das Stahlrohrsta­
tiv tragen das Acht-Zoll-Teleskop ausrei­
chend stabil, erst bei Windstößen sind
Schwingungen im Bildfeld oder auf Foto­
grafien zu bemerken. Gerade auch das
Stativ ist im Vergleich zu früheren Leicht­
gewichtkonstruktionen mit dünnen Alu­
miniumleisten robust und mit seinen
zwei Knebelschrauben pro Bein ebenfalls
Im Anschluss an die Eingabe dieser sein Geld wert.
Pflichtdaten lässt sich die Montierung
nun je nach gewünschter Genauigkeit Gute Optik und Ausstattung
mit Hilfe von ein, zwei oder drei Refe­ Für rund 1100 Euro erhält der Sternfreund
renzsternen auf die Himmelskoordinaten ein Teleskop mit vielen Funktionen. Das
abstimmen. Etwas irritierend ist, dass Bresser Messier PN-203 wartet mit einer
beim Ausrichten Hinweistexte rasch über guten Optik und einer guten Ausstattung
das Handdisplay huschen, die dabei aber auf. In Verbindung mit einem am Markt
so verschmieren, dass sie nahezu unles­ erhältlichen Komakorrektor bietet dieses
bar sind. Eine Rückfrage beim Anbieter Instrument dem Beobachter eine leis­
ergab, dass dies bei tiefen Temperaturen tungsfähige Plattform für die Astrofoto­
mitunter der Fall sein kann. Eine einfache grafie im Bereich mittlerer Brennweiten.
Problemlösung besteht darin, hierbei die Die Montierung trägt das Acht-Zoll-Te­
Laufgeschwindigkeit des Texts per Tas­ leskop stabil und bietet ein ausgereiftes
tendruck zu verringern. Dieser Tipp fin­ GoTo-System, einen beleuchteten Polsu­
det sich erfreulicherweise auch in der cher sowie ein stabiles Stahlrohrstativ. Der
deutschen Betriebsanleitung. Einsatz des Teleskops lässt sich rasch er­
Dank einer einfach zu bedienenden lernen und vermittelt in der Praxis schnell
Menüführung kann der Beobachter nun erste Erfolgserlebnisse. Beim Anbieter
mehr als 30 000 Himmelsobjekte auswäh­ Meade sind in Kombination mit der Sys­
len und vom Fernrohr automatisch an­ temmontierung LXD-75 auch andere Spie­
fahren lassen. Das gesamte Prozedere ist gel- und Linsenteleskope erhältlich.
auf Anhieb verständlich und geht auch
relativ schnell von der Hand. Bereits in Weblinks zum Thema:
der ersten klaren Nacht konnte ich so www.astronomie-heute.de/artikel/996436
eine ganze Reihe von Himmelsobjekten
betrachten, von denen einige noch nie
auf meiner Beobachtungsliste standen.
Mit diesem Gerät macht die praktische
Beob­achtung auf Anhieb Spaß.
Schon in der zweiten Nacht brachte
ich eine digitale Spiegelreflexkamera am
Okularauszug an. Bei Belichtungszeiten
von ein bis zwei Minuten führt die Mon­
tierung das Fernrohr ausreichend genau
nach, so dass ein Großteil der Aufnah­
men punktförmige Bilder zeigt. Sehr
praktisch hierfür ist auch die Möglich­ Dipl.-Phys. Ing. Bernd Weisheit ist Technik-
keit, die Nachführung elektronisch zu und Wissenschaftsjournalist und seit
optimieren. Die hierfür angebotene mehr als 25 Jahren aktiver Amateurastronom.
Funktion heißt Periodic Error Control Seit dem Jahr 2003 betreut er in »Sterne
(PEC). Hierbei wird während eines ge­ und Weltraum« die Rubrik »Astroszene«.

www.astronomie-heute.de Juli 2009 83


Astronomie und Praxis: Beobachtungen

Die Nachtseite
der Venus
Im sichtbaren Licht bietet die Venus dem Beobachter am Teleskop kaum mehr als ihre
Phase und ihre rasch veränderliche Größe. Im Infraroten werden dagegen Einzelheiten
ihrer dynamischen Atmosphäre sowie ein schwaches Leuchten auf ihrer Nachtseite
sichtbar. Selbst Einzelheiten der Oberfläche konnte die Autorin nachweisen.

Von Silvia Kowollik

V
isuelle Beobachter erkennen Venuslicht haben? Unser Nachbarplanet Nachbarplaneten umkreist (siehe Kas­ten
im Fernrohr meist nur die Venus besitzt keinen Trabanten, und das rechts)
einheitlich weiße Sichel der Licht ihres nächsten planetaren Nach­ Am Taghimmel ist der Kontrast zwi­
Venus, die fast immer struk­ barn, der Erde, reicht für eine Beleuch­ schen dem Leuchten der Nachtseite der
turlos erscheint. Ihre Phasengestalt verän­ tung ihrer Nachtseite keinesfalls aus. Venus und dem blauen Himmel unserer
dert sich rasch im Laufe eines Beobach­ Das aschgraue Leuchten der Venus ließ Atmosphäre sehr gering. Wartet der Beob­
tungsjahrs von einer sehr schmalen Sichel sich von irdischen Beobachtern nicht bei achter hingegen auf die Dunkelheit, dann
über »Halbvenus« bis hin zur »Vollvenus« jeder Konjunktion beobachten. Sind etwa steht Venus sehr tief am Horizont und die
und wieder zurück. Vereinzelte Beobach­ hierfür Vorgänge in der irdischen Atmo­ damit verbundene bodennahe Luftunru­
tungsberichte und Zeichnungen seit dem sphäre verantwortlich? Verschleiern zu he sowie die deutlich wahrnehmbare
19. Jahrhundert deuten an, dass bei sehr viel Luftunruhe, zu viel Feuchtigkeit, eine Lichtbrechung in der Erdatmosphäre er­
schma­ler Sichel kurz vor und kurz nach zu hohe Belastung der irdischen Atmo­ schweren zusätzlich die Beobachtung.
der unteren Konjunktion zur Sonne die sphäre mit Staub oder Pollen die Sicht? Der Nightglow lässt sich im visuellen
Nachtseite der Venus genau wie diejenige Oder entsteht das Leuchten in der Ve­ Spektralbereich extrem schwer fotogra­
des Mondes in einem aschgrauen Licht er­ nusatmosphäre nicht ständig? fieren. Leichter fällt dies im Infraroten.
strahlt. Eine detaillierte Einführung in Eine Erklärung des aschgrauen Lichts Dort wirkt sich die Luftunruhe nicht so
dieses Thema bieten die Autoren Richard der Venus, im englischen Sprachraum stark aus, und prinzipiell sind auch Auf­
McKim und Patrick Moore in ihrem Arti­ auch Nightglow genannt, gelang erst kürz­ nahmen am Taghimmel möglich. Erste
kel aus dem Jahr 2007 (siehe die Literatur­ lich mit der europäischen Raumsonde Ve­ Amateuraufnahmen des Venus-Night­
hinweise am Ende dieses Artikels). nus Express, die seit April 2006 unseren glow gelangen um die Jahrtausendwende

Optische Täuschung
oder Realität?
Bis ins Raumfahrtzeitalter hinein war
nicht geklärt, ob es sich bei dem rätsel­
haften aschgrauen Leuchten um eine op­
tische Täuschung der Beobachter oder ei­ Die schmale Venussichel erschien am 28.
nen realen Effekt handelt. Auch beim Februar 2009 nur noch zu 19 Prozent
Erdmond ist ein aschgraues Licht zu beob­ beleuchtet. Ihre Beobachtung wurde
achten. Es wird durch die Beleuchtung dadurch erschwert, dass sie nur noch 34
des Mondes von der Erde durch reflek­ Grad von der Sonne entfernt war und in der
tiertes Sonnenlicht verursacht. Doch wel­ Dämmerung bereits tief über dem Horizont
che Ursache könnte nun das aschgraue stand.
Alle Bilder, falls nicht anders angegeben: Silvia Kowollik

84 Juli 2009 Sterne und Weltraum


Hell leuchtete unser innerer Nachbarpla-
net Venus in den ersten vier Monaten
des Jahres 2009 vom Abendhimmel.

Walter Koprolin
Walter Koprolin fing dieses Motiv auf der
Oberberger Alm in der Steiermark ein.

mit Infrarotfiltern und CCD-Kameras am


Nachthimmel.
Theoretisch sollten sich im Infraroten
Rekombination von Sauerstoffmolekülen
sogar Oberflächenstrukturen fotografieren erzeugt Nightglow
lassen. Zwar ist die permanente Wolken­
schicht der Venus im sichtbaren Licht un­
durchsichtig und verwehrt dem Beobach­
ter jeglichen Blick auf die feste Oberfläche.
D ie Venusatmosphäre besteht zu 96 Prozent aus Kohlendioxid und zu 3,5 Pro-
zent aus Stickstoff. Beigemengt sind unter anderem Stickoxide und Schwe-
felverbindungen. Auf der Tagseite zerlegt die kräftige Ultraviolettstrahlung der
Im nahen Infraroten ist die Wolkenschicht Sonne die Stickoxidmoleküle oberhalb der Wolken­obergrenze ab einer Höhe von
bei einigen eng begrenzten Wellenlängen­ 70 Kilometern, und starke Winde in der Hochatmosphäre treiben die Atome und
bereichen aber durchaus transparent, je­ Molekülbruchstücke auf die Nachtseite. Dort gehen die Sauerstoffatome wieder
doch nicht völlig klar. Die Tiefländer der Molekülbindungen ein. Dabei springen ihre Elektronen auf energieärmere Niveaus
Venus sind deutlich heißer als die Hoch­ zurück und geben die überschüssige Energie in Form von Licht ab. Je nach Energie
länder, die Temperaturdifferenz kann im erzeugen sie dabei Strahlung in unterschiedlichen Wellenlängen. Nur bei genügend
Extremfall mehr als 100 Grad Celsius be­ hoher Konzentration der Atome lässt sich dieses schwache Leuchten als »Nightglow«
tragen. Tief liegende Becken sollten also beobachten.
bei diesen Wellenlängen heller erscheinen Mit dem Instrument VIRTIS der europäischen Raumsonde Venus Express konnten
als hohe gebirgige Regio­nen. die Astronomen dieses Leuchten gleich in drei verschiedenen Wellenlängen nach-
weisen. Dabei zeigte sich, dass die Emissionen von Sauerstoff- und Hydroxylionen in
Erfolg beim ersten Versuch 90 bis 100 Kilometer Höhe freiwerden, während Stickoxide in 110 bis 120 Kilometer
Nach langem Literaturstudium startete Höhe leuchten.
ich am 28. Februar 2009 mit einem Der Nightglow verrät Details über die Temperaturen, die Windrichtungen sowie
1000-Nanometer-Infrarotkantenfilter von den Aufbau und die Chemie der Venusatmosphäre. Das Leuchten entsteht jedoch
Edmond Optics und einer CCD-Kamera nicht ständig gleichmäßig in den unterschiedlichen Beob­achtungsfenstern, und der
des Typs DMK 21AF04.AS von The Imaging zugrunde liegende Mechanismus ist noch nicht komplett verstanden. Bisher ließ
Source einen Versuch mit dem 80-Zenti­ sich der Nightglow durch Stickoxide im Infraroten weder in der Atmosphäre von der
meter-Cassegrain-Teleskop der Sternwarte Erde oder derjenigen des Mars nachweisen – die Venusatmosphäre stellt in dieser
Zollern-Alb (siehe Kasten auf S. 87). Venus Hinsicht eine Besonderheit dar.
befand sich an diesem Tag 34 Grad von der
Sonne entfernt. Zuerst fotografierte ich
die sehr schma­le Venussichel mit kurzen
Belichtungszeiten in der Dämmerung (sie­
he Bild links). Dank der gro­ßen Teleskop­

www.astronomie-heute.de Juli 2009 85


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86 Juli 2009
>> w w w . s p e k t r u m . c o Sterne
m / lund
e sWeltraum
ershop
Eigenschaften der verwendeten Kamera

D ie CCD-Kamera DMK 21AF04.AS der Firma »The Imaging


Souce« besitzt einen Schwarz-Weiß-Chip und erlaubt
Belichtungszeiten zwischen 1/10 000 Sekunde und 99 Stun-
den. Sinnvoll nutzen lassen sich Belichtungszeiten von bis zu
mehreren Minuten, bei noch längeren Zeiträumen wird das
interne Rauschen der ungekühlten CCD-Kamera zu stark. Für die
Beob­achtung mit Ultraviolett- oder Infrarotfiltern eignet sich
die­se Kamera sehr gut. Da sich die Belichtungszeiten und die
Verstärkung manuell einstellen lassen, erlaubt sie reproduzier-
bare Ergebnisse und vor allem das Aufnehmen von korrekten
Dunkelbildern. Im nahen Infrarotbereich ist der Chip nicht sehr
empfindlich. Ist das Signal aber stark genug, dann gestatten Be-
lichtungszeiten von zehn Sekunden oder mehr den Nachweis von
Strahlung bis zu Wellenlängen von bis zu 1050 Nanometern.

1,0
spektrale Eigenschaften des Mit dem 80-Zentimeter-Teleskop der Sternwarte Zollern-Alb
CCD-Chips ohne Berücksichtigung nahm die Autorin die Venus im nahen Infrarot auf.
relative Empfindlichkeit

0,8 der Optikeigenschaften und The Imaging Source / SuW-Grafik


der Lichtquelle
0,6

0,4

Die Kamera DMK 21AF04.AS


0,2
von »The Imaging Source«
0 ist trotz ihrer geringen
400 500 600 700 800 900 1000 Größe und fehlender aktiver
Wellenlänge in Nanometer Kühlung empfindlich genug
für Planetenaufnahmen im
Die Kennlinie der verwendeten CCD-Kamera belegt bei einer nahen Infrarot.
Wellenlänge von 1000 Nanometern nur eine sehr geringe
Empfindlichkeit des CCD-Sensors.

öffnung ließ sich die zu 19 Prozent be­ schwachen Strom, den so genannten tungszeiten einen Teil der Nachtseite, und
leuchtete Sichel bei einer Brennweite von Dunkelstrom. Er muss von den Objektbil­ an den Haltestreben des Primärspiegels
acht Metern mit einer Belichtungszeit dern abgezogen werden. Daher lichtete entstanden Reflexe, die sich als weiße
von 1/77 Sekunde fotografieren. ich Dunkelstrombilder, die so genannten Strahlen im Bild bemerkbar machen. Mit
Als sich die Sonne sechs Grad unter Darks, mit derselben Belichtungszeit für Hilfe der vorher aufgenommenen, kurz
dem Horizont befand, begann ich mit die spätere Bildbearbeitung ab. belichteten Bilder der Venussichel konnte
kurzen Bildserien mit immer längerer Auf den Rohbildern ließen sich keine ich eine Maske erstellen, mit der sich ein
Belichtungszeit. Bei einer Belichtungszeit Oberflächenstrukturen erkennen. Aber großer Teil dieser Strahlen und der über­
von 13,7 Sekunden konnte ich auf dem nach Abzug der Dunkelstrombilder, Mit­ belichtete Venusrand abschneiden ließ
Bildschirm schwach den Nightglow er­ teln der Aufnahmen, einer anschlie­ (siehe hierzu die Bilder auf der nächsten
kennen (siehe Bilder unten). Mit dieser ßenden Kontraststeigerung und Schär­ Seite).
Einstellung nahm ich 260 Einzelbilder fung mit dem Bildbearbeitungsprogramm
auf. Dann stand die Venus zu tief für das Giotto traten sehr schwache Strukturen Die Oberfläche entschleiert!
Teleskop. hervor. Nun drehte ich die Venus in eine auf­
Auch ohne äußeren Lichteinfall erzeu­ Die immens helle Sichel der Venus rechte Position und erstellte mit dem
gen die Pixel einer Digitalkamera einen überstrahlte bei diesen langen Belich­ Programm Winjupos aus der Planetenku­
gel eine Merkatorprojektion. Erst jetzt
konnte ich die dunkleren Strukturen aus­
Bei einer Belichtungszeit von 13,7 Sekun- messen und mit den Regionen auf einer
den erscheint auf diesem Rohbild vom 28. Höhenprofilkarte der Venus vergleichen.
Februar 2009 schwach der Nightglow auf Dabei ergab sich eine gute Übereinstim­
der unbeleuchteten Venusseite (links). Er mung (siehe Bilder auf S. 88). Offenbar
wurde durch Bildbearbeitung auf dem hatte ich tatsächlich Oberflächenstruk­
rechten Bild stärker hervorgehoben. turen der Venus fotografiert!

www.astronomie-heute.de Juli 2009 87


Zur besseren Orientierung schnitt die
Autorin die Venus vom 28. Februar 2009
aus und drehte sie in eine aufrechte
Position. Aus dieser Vorlage lässt sich eine
Merkatorprojektion erstellen.

+60° N

Sed
+ 60° N na
Pla
Gu niti
a
in
ev
+30° N Asteria Beta er
Regio Regio eP
+ 30° N la

venerische Länge
ni
tia
venerische Länge


Phoebe
0° Regio

-30° S

– 30° S

-60° S
– 60° S

180° O 210° O 240° O 270° O 300° O 330° O 180° O 210° O 240° O 270° O 300° O 330° O 0°
venerische Breite venerische Breite

Diese Merkatorprojektion der Venus vom 28. Februar 2009 wurde mit dem Programm
Winjupos erstellt (links). Bei den dunklen Strukturen handelt es sich um kühlere
Hochländer auf der festen Oberfläche. Beim Vergleich mit einer Höhenprofilkarte der
Venus lassen sie sich als Beta Regio, Asteria Regio und Phoebe Regio identifizieren
(rechts).

Am 7. März 2009 war die Venussichel nur Zirren verhinderten am 7. März 2009 die Am 21. März 2009 war die sehr schmale
noch zu 13 Prozent beleuchtet, der Abstand Aufnahme von Oberflächenstrukturen der Venussichel noch zu 2,5 Prozent beleuchtet,
zur Sonne hatte sich auf 29 Grad verkürzt. Venus, der Nightglow ließ sich jedoch der Abstand zur Sonne betrug lediglich 13
Dadurch war die Beobachtung durch die nachweisen. Grad. Eine Langzeitbelichtung scheiterte an
tiefe Stellung in der Abenddämmerung Reflexen im Teleskop.
erschwert.

88 Juli 2009 Sterne und Weltraum


In den darauffolgenden Tagen war der dings nur noch 13 Grad, und so versuchte
Abendhimmel leider durch Zirren stark ich, den Planeten am Taghimmel zu beob­
beeinträchtigt, oder es herrschte gar eine achten. Mit dem 1000-Nanometer-Filter
geschlossene Wolkendecke, so dass mir und kurzen Belichtungszeiten gelang dies
keine weiteren Aufnahmen gelangen. Erst problemlos (Bild unten rechts). Eine Lang­
am 7. März 2009 hatte ich erneut eine Ge­ zeitaufnahme er­gab jedoch überbelichte­
legenheit. Allerdings schlug während der te Bilder durch intensives Streulicht.
Aufnahme das Wetter um, und ich konnte Die nächsten Gelegenheiten zur Beob­ Literaturhinweise
nur 60 Aufnahmen belichten – zu wenig, achtung des Nightglows der Venus und Althaus, T.: Venus – Die eigenwillige
um Strukturen auf der Venusoberfläche von eventuellen Oberflächenstrukturen Schwester der Erde. In: Sterne und
nachzuweisen. Doch der Nightglow zeigte ergaben sich ab Mitte April nach der un­ Weltraum 7/2006, S. 32 - 39.
sich auch auf diesen Aufnahmen. Mittler­ teren Konjunktion des Planeten zur Son­ Kowollik, S.: Marsbeobachtung mit
weile war gegenüber den Bildern vom 28. ne. Leider gelang es mir aufgrund der tie­ der Webcam. In: Sterne und Weltraum
Februar die Sichel schmaler und größer fen Stellung der Venus zum Horizont und 11/2003, S. 58 - 61.
geworden. Der Abstand zwischen Venus den schlechten Wetterbedingungen im Kowollik, S.: Die Luftunruhe austrick-
und Sonne hatte sich auf 29 Grad ver­ April nicht, weitere Bilder des Nightglow sen. In: Sterne und Weltraum Basic
kürzt, die Venus erschien nur noch zu 13 beziehungsweise von Oberflächenstruk­ 1/2004, S. 34 - 41.
Prozent beleuchtet (siehe die Bilder links turen aufzunehmen. Kowollik, S.: Der Venus unter den
Schleier geschaut. In: Sterne und
unten).
Weltraum 9/2007, S. 72 - 75.
Eine weitere Gelegenheit zur Venusbe­
McKim, R., Moore, P.: The Ashen Light
obachtung ergab sich für mich erst am 21. Silvia Kowollik ist Mit-
of Venus: a century of observations by
März 2009. Zu diesem Zeitpunkt war die arbeiterin der Sternwarte
McEwen and Moore. In: Journal of the
Venus nur noch zu 2,5 Prozent beleuchtet Zollern-Alb, Rosenfeld-
British Astronomical Association 117,
und die Sichel erschien extrem schmal. Brittheim e.V. Mit Astrono- S. 265 - 272, 2007.
Das 80-Zentimeter-Teleskop lässt sich auf mie beschäftigt sich die
minimal 15 Grad gegen den Horizont nei­ Autorin seit ihrer Jugend, Weblinks zum Thema:
gen, tiefer stehende Objekte lassen sich ihre Liebe zur Planetenfo- www.astronomie-heute.de/
bauartbedingt nicht beobachten. Der Ab­ tografie entdeckte sie im Jahr 2002 nach dem artikel/996099
stand der Venus zur Sonne betrug aller­ Kauf einer Webcam.

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Juli 2009 89
Astronomie und Praxis: Astroszene

100 Stunden
DAS WELTALL
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INTERNATIONALES
ASTRONOMIEJAHR

Astronomie
Anlässlich des Internationalen Jahrs der Astronomie (IYA 2009) fand vom 3. bis zum 5.
April 2009 eine bislang einmalige Aktion statt. Weltweit sollten möglichst viele
Menschen die Möglichkeit erhalten, durch ein Teleskop zum Himmel zu blicken – so,
wie es genau 400 Jahre zuvor der Astronom Galileo Galilei tat. In Deutschland,
Österreich und der Schweiz gipfelte die Aktion am 4. April in landesweiten Astronomie-
tagen.

Zufriedene Gesichter in Deutschland und Sternwarte luden gemeinsam zu


einem dargestellten Spaziergang über den
Himmel ein. Im Planetarium lernten die
Die bundesweite Vereinigung der Sternfreunde e. V. (VdS) hatte den von
Besucher in Kurzvorträgen unter dem
ihr initiierten landesweiten Astronomietag in den Zeitraum von »100 Stunden künstlichen Sternenhimmel all das ken-
Astronomie« verlegt. Das Wetter spielte am 4. April in vielen Teilen des nen, was sie anschließend auf der benach-
Landes mit. Nach ersten Schätzungen erlebten mehr als 20 000 Besucher auf barten Sternwarte selbst beobachten
den 182 der VdS gemeldeten Veranstaltungen den Blick zum Himmel. konnten.
Unter dem Titel »Blick zum Himmel –
100 Stunden Astronomie« standen die Te-

E in kleiner Rundblick zeigt anhand


ganz unterschiedlicher Beispiele, wie
abwechslungsreich die Herangehenswei-
galaxie, die Sternbilder Großer Bär und
Löwe sowie den Polarstern werfen. Poster
und Informationsmaterial thematisier-
leskope der berühmten Sternwarte in
Hamburg-Bergedorf den Besuchern gleich
vier Tage lang zur Verfügung. So war es
sen an das Projekt »100 Stunden Astrono- ten darüber hinaus das Problem der zu- auch nicht allzu schlimm, dass sich hier
mie« waren, denn nicht immer stand nur nehmenden Lichtverschmutzung. der Himmel ausgerechnet am Samstag,
eine Einladung in die Räumlichkeiten der In Berlin bot die Wilhelm-Foerster- dem 4. April, wolkenverhangen präsen-
Sternwarte auf dem Programm... Sternwarte ihren Besuchern den »Him- tierte, denn der Donnerstag und Freitag
Mitten in der Münchner City, auf dem mel zum Greifen nah...« an. Planetarium zuvor sowie der folgende Sonntag boten
Odeonsplatz, befand sich für drei Tage so-
gar eine richtige »Straßen-Sternwarte«.
Die Astronomiefirmen United Soft Media
und Baader Planetarium boten dort unter
der Leitung von Wissenschaftlern des Ex-
zellenzclusters Universe der Technischen
Universität München vom 3. bis 5. April
ein umfangreiches Programm. Tagsüber Eine mobile
ermöglichten drei Sonnenteleskope den Sternwarte wurde
Blick auf das Tagesgestirn in unterschied- mitten in der
lichen Wellenlängen. Großstadt
Ein von Studenten durchgeführtes Ex- München aufge-
periment zur Sonnenkonvektion veran- stellt – sicherlich
Baader Planetarium

schaulichte die Bewegungen innerhalb kein idealer


unseres Tagesgestirns. Zu später Stunde Beobachtungsort,
konnten interessierte Besucher dann ei- aber ganz nah an
nen Blick auf den Mond, die Andromeda- den Menschen.

96 Juli 2009 Sterne und Weltraum


Freunde d. Sternwarte Sonneberg
Astronomischer
Trubel auf dem
Stuttgarter
Schlossplatz. Der
Erfolg des Astrono-
mietags begeisterte
die Stuttgarter
Sternfreunde so
sehr, dass sie Die Sternwarte im thüringischen Sonne-
weitere Beobach- berg bot Astronomie für die ganze Familie.
tungsabende an Beobachtungen im Kuppelgebäude,
dieser Stelle planen. Vorträge und ein computeranimierter und
Klaus Schittenhelm

kindgerecht moderierter »Rundflug durch


das Sonnensystem« wussten Jung und Alt
zu begeis­tern.

bei teilweise bestem Wetter herrliche Be­ tronomie bei ihren Gästen. Ein guter Auf- In Nürnberg nutzte die dort ansässige
ob­achtungsbedingungen. takt gelang am Donnerstag, dem 2. April, Astronomische Gesellschaft den Termin,
Neben den Teleskopen der Sternwarte als sich eine größere Gruppe des Volks- um einen neuen Astronomieweg und ei-
wurden auch die Amateurfernrohre des sternwartenteams mitten auf dem nen Sonnenuhrenweg einzuweihen. Der
Fördervereins Hamburger Sternwarte e. V. Schlossplatz im Herzen Stuttgarts mit ih- Astronomieweg führt jetzt vom Rathenau­
zur Himmelsbeobachtung genutzt. Aber ren Teleskopen positioniert hatte. Die vor- platz vorbei an 25 Stationen durch die
nicht nur diese ermöglichten dem Publi- beikommenden Passanten konnten am Astro­nomiegeschichte der Stadt Nürn-
kum Beobachtungen. Zusätzlich lieferten Himmel den Mond, den Ringplaneten Sa- berg. Der Sonnenuhrenweg führt seitdem
mehrere Teleskope via Internet Live-Bilder turn und den Orionnebel betrachten. Die vom Johannisfriedhof über 19 Stationen
zum Mitbetrachten. Eröffnung einer Ausstellung und ein Vor- an den schönsten Sonnenuhren der Nürn-
In Stuttgart weckten einmal mehr die tragsabend am Freitag leiteten zum darauf berger Innenstadt vorbei. Hier, wie auch
Schwäbische Sternwarte e. V. und das Carl- folgenden gut besuchten Tag der offenen bei den zahlreichen anderen Veranstal-
Zeiss-Planetarium in einer gemeinsamen Tür auf der Schwäbischen Sternwarte tungen landesweit, zeigten sich meist zu-
Aktionsreihe die Begeisterung für die As- über. friedene Gesichter.  Bernd Weisheit

Fantasie­reiches Treiben in Österreich I m Naturhistorischen Museum Wien


fand am 2. April eine Pressekonferenz
statt, bei der das lokale Programm vorge-
Von der Metropole Wien bis in die Höhen eines verschneiten Berggipfels stellt und ein Film zum Thema Lichtver-
herrschten im ganzen Land lebhafte astronomische Aktivitäten. Hier finden Sie schmutzung mit dem Titel »Die Helle
einige Kostproben der rund 50 Veranstaltungen, die engagierte Forscher, Not« präsentiert wurde. Tags darauf lud
Sternfreunde und Künstler organisiert hatten. die Wiener Universitätssternwarte zu
einem Vortragsabend mit Sonderführung
ein. Im Mittelpunkt standen dabei das
neue Buch »Helden des Himmels« von
Christian Pinter, die gerade aktuellen
Ausschnitte aus dem Webcast »Rund um
die Welt mit 80 Teleskopen« sowie der An-
blick des Saturn mit seinen Ringen und
Monden am 68-Zentimeter-Refraktor des
Observatoriums.
Den Höhepunkt des Programms bilde­
te ein Aktionstag am 4. April im und vor
dem Naturhistorischen Museum in der
Wiener Innenstadt. Bei strahlen­dem
Franz Kerschbaum

Großer Andrang herrschte an den Telesko-


pen bis tief in die Nacht auf dem Maria-
Theresien-Platz in Wien.

www.astronomie-heute.de Juli 2009 97


Wet­ter bauten Sternfreunde vor dem Mu-
seum unterschiedlichste Fernrohre auf –
vom 7-Zen­timeter-Coronado-Teleskop für
Sonnenbeobachtungen im H-alpha-Licht
über 20-Zentimeter- und 28-Zentimeter-
Schmidt-Cassegrain-Teleskope bis hin zum
46-Zentimeter-Dobson-Teleskop. Hunder­
te von Passanten blickten staunend durch
die auf irdische und kosmische Objekte
gerichteten Optiken. Zu den guten Beob­
achtungsbedingungen trug bei, dass die
lokale Fassaden- und Parkbeleuchtung
abgeschaltet worden war.
Parallel dazu wurden im Museum Vor-
träge und astronomische Experimente
dargeboten, so etwa »Kometen basteln«
oder »Die Sonne kochen sehen«. Eine
künstlerische Aktion mit dem Titel »Rol-
Hubert Baum

lende Sterne und Planeten« rundete das


Programm ab.
Auch das größte Spiegelteleskop Öster-
reichs stand im Dienst von »100 Stunden
Zahlreiche Interessierte warfen einen Blick durch den 68-Zentimeter-Refrak- Astronomie«. Rund 200 wissbegierige Be-
tor der Universitätssternwarte Wien, der zum Zeitpunkt seiner Inbetriebnah- sucher pilgerten am 5. April auf den noch
me im Jahr 1883 das weltweit größte Linsenfernrohr war. verschneiten 883 Meter hohen Mitter-
schöpfl, um den dort betriebenen
1,52-Meter-Reflektor zu besichtigen.
Im Naturhisto-
rischen Museum Ausflug in die Geschichte
Wien brachten In und bei Graz wurden zwei astronomie-
anschauliche historische Ausstellungen eröffnet: Die
Experimente im Zisterzienserstift Rein gezeigte Aus-
jungen Forschern stellung »Reisen bis zu den Sternen«, die
die Astrophysik noch bis Anfang 2010 zu sehen ist, sowie
nahe. In dem hier die Ausstellung »Astronomia nova«, wel-
gezeigten Experi- che die Universitätsbibliothek Graz noch
Franz Kerschbaum

ment zur Konvek­ bis Anfang Oktober 2009 zeigt. Beide Aus-
tion konnten sie stellungen beinhalten sehr wertvolle Ma-
»Die Sonne kochen nuskripte, Inkunabeln und andere Bü-
sehen«. cher, die unser Weltbild revolutionierten.

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98 Juli 2009 mit zwei Sterne


Würfeln!und Weltraum
R. nen te
1.
Weitere Veranstaltungen in der Landes-
hauptstadt der Steiermark waren »Ein
Romantik in den Schweizer Alpen
Fest für Johannes Kepler« sowie Vortrags-
In der Surselva, einem Bezirk im Westen des Kantons Graubünden, liegt die
abende und Tage der Offenen Tür im In-
stitut für Physik, dem Institut für Welt-
Sternwarte Mirasteilas. Wie in zahlreichen anderen Observatorien
raumforschung, dem Observatorium im Land wurde Interessierten hier am 4. April ein astronomisches Ganz-
Lustbühel und der Sternwarte Steinberg. tagesprogramm geboten.
In Linz trafen sich vom 3. bis zum 5.
April Astrofotografen aus ganz Europa
zur »Central European Deep Sky Imaging
Conference«, bei der sie ihre besten Auf-
nahmen zeigten und Techniken der Bild-
D as Dach über Cedes, dem größten frei
zugänglichen Spiegelteleskop der
Schweiz öffnet sich. Der 47-jährige Marco
Das Bergpanorama, das sich vom West-
horizont bis weit nach Osten zieht, ver-
schwimmt langsam mit dem wolkenlosen
verarbeitung diskutierten. In Salzburg Sutter, Mitglied der Astronomischen Ge- Himmel. Die ersten beiden Besucher – Va-
öffnete die Volkssternwarte ihre Tore sellschaft Graubünden und Demonstrator ter und Sohn – betreten die Beobach-
mehrere Tage in Folge und stellte zusätz- auf Mirasteilas, richtet den 90-Zentimeter- tungsterrasse der Sternwarte. Ihnen folgt
lich auch Teleskope am Salzachkai auf. So Reflektor in der abendlichen Däm­merung ein Elternpaar mit zwei weiteren Kindern.
konnten zahlreiche Salzburger »Astrono- auf den Mond aus. Acht Mal hat die Turm- Augenblicke später wandern ihre Blicke
mie im Vorbeigehen« erleben. Insgesamt uhr in der Ferne soeben geschlagen. Ein mit Cedes und mehr als 400-facher Ver-
mehr als 600 Besucher nutzten diese An- kühler Wind weht über die noch schnee- größerung über die Krater und Mare der
gebote, um sich ein eigenes Bild von der bedeckten Wiesen hier in rund 1200 Meter Mondoberfläche. »Ist das Plato?«, fragt je-
Welt der Planeten, Sterne und Galaxien zu Höhe. Das Thermometer zeigt acht Grad mand. Sutter zieht sein Mobiltelefon aus
verschaffen. an. der Jackentasche und blickt auf die digi-
Das Institut für Astro- und Teilchen-
physik in Innsbruck lud am 5. April zu ei-
ner Rezitation von Gedichten ein, in de-
nen Sterne eine besondere Rolle spielen.
Dadurch sollten die zahlreichen Querver- Das 90-Zentimeter-
bindungen zwischen Astronomie und Li- Teleskop Cedes ist
teratur bewusst gemacht werden. das größte frei
Während der Aktion »100 Stunden As- zugängliche
tronomie« entdeckte ein großes Publi- Spiegelfernrohr der
kum die faszinierende Vielfalt der Astro- Schweiz. Mit ihm
nomie. Persönliche Gespräche zeigten entdeckte der
immer wieder, wie viele Menschen noch Sternwartenleiter
nie mit Teleskopen und mit unserem heu- José de Queiroz im
tigen Wissen über den Kosmos in engere März 2009 zwei
Berührung gekommen sind und diese neue Asteroiden im
José De Queiroz

Möglichkeiten gerne wahrnehmen. Hauptgürtel


 Thomas Posch zwischen Mars und
und Gabriel Stöckle Jupiter.

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www.astronomie-heute.de Juli 2009 99


W
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ring zu werfen. Jedes Teleskop wird getes­
tet, die längste Schlange hat sich vor Cedes
gebildet. Zum Publikumsmagnet wird das
Riesenteleskop aber erst, wenn die Men-
schen schon auf der Sternwarte sind. Nur
wenige Neugierige kommen von weiter
her, um einmal mit dem größten öffent-
lichen Spiegelfernrohr der Schweiz zu be-
obachten. »Die Leute können die Größe
nicht einordnen«, sagt Sutter, der in der
Stadt Chur wohnt. »Aber wenn wir ihnen
José De Queiroz

sagen, was es damit auf sich hat, dann


staunen sie«. Einige Kinder fragen nach
dem hellen Stern, der im Südwesten
glänzt. Sutter richtet seinen Laserpointer
Die Sternwarte Mirasteilas im Kanton Graubünden liegt auf rund 1200 Meter darauf und erklärt ihnen, dass es sich um
Höhe im Tourismusgebiet Flims/Laax. Sirius im Sternbild Großer Hund handelt.
Gleichzeitig installiert sein Demonstra-
torenkollege Martin Huwiler eine Video-
tale Mondkarte, die sich mit zwei Fingern Auf den Wiesen neben Mirasteilas gibt kamera am Takahashi-Refraktor. Ein
auf dem Display vergrößern lässt. »Ja, es einen Skilift, Beschneiungsgeräte garan­ Livebild des Mondterminators erscheint
müsste stimmen«. tieren Fahrspaß bis in den Frühling hin­ auf seinem Laptop. Jemand fragt in der
Mirasteilas ist eine von zwei öffent- ein. Den Aufenthaltsraum der Sternwarte Dunkelheit, wie lange das Licht für die
lichen Sternwarten im größten Kanton nutzen auch Wintersportler. Kritisch wird Strecke vom Mond bis zur Erde benötige
der Schweiz und liegt oberhalb des Dorfes es laut den Amateurastronomen, wenn und weshalb eigentlich das Bild zittere.
Falera, das zum Skigebiet Flims/Laax ge- Beobachtungen und Beschneiungsaktio­ Huwiler erzählt von der Geschwindig-
hört. Die Häuser tragen hier Namen: La nen gleichzeitig stattfinden. keitskonstanten c und von der Luftunru-
Muotta, Casa Camutsch oder Steilalva. Die he. »Vor allem wenn der europäische Jet-
Menschen sprechen Rätoromanisch. Au- Ein Publikumsmagnet stream über uns hinweg zieht, ist es
tos dürfen im Ort nicht fahren. Besucher und ein Jetstream schwierig, ein klares Bild zu erhalten«, er-
parken am Dorfeingang auf dem Parkplatz Neun Uhr abends. Der Mond hat seine klärt er. Mehr als zwanzig Besucher. Es
Fandrels. Zwischen den alten Holzhäusern Kulmination gerade hinter sich. Rund wird eng auf der Terrasse. »Manchmal
und modernen Betonbauten fließt ein fünfzehn Besucher warten mittlerweile rennen sie einem die Bude ein, manchmal
Bergbach. Auf seinem Weg ins Tal kommt vor den Okularen, um einen Blick auf den sitzt man mit zwei, drei Leuten hier, wie
er auch an Mirasteilas vorbei. Dieser Name Erdtrabanten und den schmalen Saturn- heute Nachmittag«, erklärt Sutter.
stammt ebenfalls aus dem Rätoromani­
schen und bedeutet »Sterne betrachten«.
Die im Jahr 2006 erbaute Sternwarte,
die mit dunkelgrauen Eternitplatten ein-
gefasst ist, wurde von der Gemeinde Fale-
ra finanziert. Die Gesamtkosten betrugen
rund 700 000 Schweizer Franken. Die As-
tronomische Gesellschaft Graubünden in-
vestierte nochmals rund 400 000 Franken
für astronomische Geräte, wobei der
Hauptanteil auf Cedes fiel. Neben dem
90-Zentimeter-Spiegel besitzt die Stern-
warte noch einen 15-Zentimeter-Taka-
hashi-Refraktor, ein Binokular und einen
20-Zentimeter-Astrografen.
Mit Cedes entdeckte der Sternwarten-
leiter José De Queiroz in der Nacht vom 16.
auf den 17. März 2009 zwei unbekannte
Asteroiden, die ihre Bahn im Hauptgürtel
Mirco Saner

zwischen Mars und Jupiter ziehen. Über


Nacht wurde Mirasteilas international be-
kannt. Seit Mai 2009 besitzt die Sternwarte
den Stationscode B 67 des Minor Planet Demonstrator Marco Sutter (blaue Jacke) zeigt den Besuchern, was am
Center in Harvard. Firmament zu sehen ist.

100 Juli 2009 Sterne und Weltraum


Reger Betrieb
herrschte bei der
Mondbeobachtung
mit dem Takahashi-
Refraktor.

Vereinigung der
Sternfreunde e.V.
Mirco Saner

Nur wenige profitieren tagsüber vom heit der Sternwarte in der Bergwelt Grau-
Deutschlands größter
Programm der Sternwarte mit Sonnenbe- bündens eine Rolle«. Er betont aber, dass Astronomieverein!
obachtungen und Filmvorführungen. Ku- viele Unternehmen Mirasteilas für einen
muluswolken hängen am Himmel. Eine Betriebsausflug buchen.
Dame aus Flims hat sich am Refraktor von Zehn Uhr abends. Beinahe dreißig ★ Über 4000 Mitglieder!
Marco Sutter gerade die Sonne zeigen las- Menschen stehen vor den Teleskopen.
★ Mitgliederzeitschrift „VdS-
sen. Man diskutiert über die Größe von Deutsch und Rätoromanisch vermischen
Sonnenflecken und die geringe Aktivität sich im Stimmengewirr. Während die Ne-
Journal für Astronomie“,
unseres Zentralgestirns. Joel Thöny sitzt benfernrohre noch immer auf Mond und 3x pro Jahr mit mehr als 420
alleine im abgedunkelten Aufenthalts- Saturn gerichtet sind, schwenkt Marco Seiten praktischer Astronomie
raum von Mirasteilas, der sich unterhalb Sut­ter Cedes auf den Doppelstern Algieba
der Beobachtungsterrasse befindet. Der im Sternbild Löwe. Noch immer stehen
★ Kostenlose Beratung und
fast Fünfzehnjährige sieht sich einen Film die meisten Menschen vor dem 90-Zenti- Betreuung von Mitgliedern
über die Entstehung unseres Sonnensys­ meter-Riesen.
tems an. Auf dem Holztisch neben ihm
★ 20 Fachgruppen, die Sie
steht ein kleiner Refraktor. 2000 Stück die- Vergangenheit und Moderne beraten
ser Teleskope hat die Schweizerische As- Cedes verkörpert die Astronomie des 21.
★ VdS-Sternwarte Kirchheim e.V.
tronomische Gesellschaft bestellt und Jahrhunderts. Er ist aber nicht der einzige
verkauft sie nun für zwanzig Franken pro Grund, weshalb Falera eine astronomische ★ Jugendlager und Exkursionen
Stück an die Besucher. Reise wert ist. Die Sternkunde hat an die-
Er sei schon mehrere Male hier gewe- sem Ort Tradition. Schon vor rund 3500 ★ Rabatt beim Abonnement für
sen, interessiere sich seit langem für Astro- Jahren wurde hier eine bronzezeitliche „Sterne und Weltraum“
nomie, habe Fachbücher und Sternkarten Megalithanlage errichtet, die astrono-
zuhause, sagt Thöny. »Für mich kommen mischen Zwecken diente. Sie heißt heute ★ Aktuelle Informationen
zuerst die Sterne, dann die Frauen«, sagt er Parc La Mutta und kann besichtigt werden. auf unserer Website:
plötzlich, ohne mit der Wimper zu zucken. Seit dem Jahr 2002 findet hier zudem jedes www.vds-astro.de
Dann widmet er sich wieder dem Film. Jahr das Teleskoptreffen Mirasteilas statt.
Draußen spricht Sutter über die jährliche Gegen Mitternacht verlassen die letz- ★ Jahresbeitrag nur 30,- EUR
Besucheranzahl von Mirasteilas. Er habe ten Besucher die Sternwarte. Insgesamt (20.-EUR ermässigter Beitrag)
die Erfahrung gemacht, dass nicht nur das nutzten rund hundert Menschen heute
Wetter darüber entscheide, wie viele Men- die Gelegenheit, sich den Himmel ein
schen Mirasteilas besuchen. Was für Grün- Stück näher bringen zu lassen. Surrend
de noch Einfluss haben, weiß er aber nicht
sicher. »Vielleicht spielt die Abgeschieden-
schließt sich das Dach über Cedes.
 Mirco Saner
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Infomaterial an:
Weitere Berichte über Veranstaltungen im Rahmen von »100 Stunden Astronomie« in
Deutschland, Österreich und der Schweiz finden Sie unter dem Weblink am Schluss des Vereinigung der Sternfreunde e.V.
Beitrags. Der Erfolg von »100 Stunden Astronomie« hat alle Initiatoren so sehr be- Geschäftsstelle · Postfach 1169
geistert, dass es vom 23. bis zum 24. Oktober 2009 mit der »Galileischen Nacht« eine
D-64629 Heppenheim
Wiederholung geben soll.
Fax: 0 62 52 / 78 72 20
Weblinks zum Thema unter www.astronomie-heute.de/artikel/996189 service@vds-astro.de

www.astronomie-heute.de Juli 2009 101


www.vds-astro.de
Volle Gänge und zufriedene Händler: Der
ATT 2009 war aus der Sicht der Veranstalter
ein großer Erfolg.
Alle Fotos: Bernd Weisheit

Zu Besuch auf der Astronomiebörse ATT 2009


Einmal mehr erwies sich der am 16. Mai 2009 zum 25. Mal in Essen veranstaltete
»Astronomische Tausch- und Trödeltreff« (ATT) als eine Astronomiebörse,
die Spaß macht. Die Zahl der Produktneuheiten und der starke Besucherzuspruch
zeigten die gute Stimmung in der Szene. Auf dem diesjährigen Messerundgang
gab es viel zu entdecken.

Z um Jubiläum verlief der Auftakt des


25. ATT etwas anders als in den Vorjah-
ren. In einem Festakt lobte die 2. Essener
tionsteam. Dieter Friedrich und seine
langjährigen Mitstreiter Uwe Lennartz
und Kurt Lachmann wollen sich nun aus
Auf dem Weg in die große Ausstel-
lungshalle säumen viele kleinere Anbieter
pfiffiger Produkte den Weg. Gerd Neu-
Bürgermeisterin, Anette Jäger, das Organi- dem Team zurückziehen, werden aber si- mann jr., vor allem für seine Spezialfilter
satorenteam für 25 realisierte Veranstal- cherlich weiterhin am ATT teilnehmen. und hochwertigen Bauteile bekannt,
tungen. Neben dem noch aktiven Initiator konnte in diesem Jahr gleich ein ganzes
Dieter Friedrich war auch Ingo B. Schmidt Neuartiges Teleskopzubehör Fernrohr präsentieren. Seine Astrografen
angereist, ein Mitbegründer des ATT. Ein- Der Rundgang über die am 16. Mai 2009 sind Teleskope auf Newton-Basis, die er
zig Hans-Ulrich Veh­renberg, der bei der veranstaltete 25. ATT offenbarte viel mit Optiken nach Kundenwunsch be-
ersten Messe den beiden Sternfreunden Neues, darunter allerdings weniger Tele- stückt. Aus seiner Werkstatt liefert er hin-
als Astrohändler zur Seite stand, fehlte. skope, sondern zumeist neuartige Aus- gegen die Bauteile, vom lackierten Perti-
In einem Rückblick schilderte Fried- stattungsdetails und Problemlösungen. nax-Tubus über den Okularauszug bis hin
rich, wie im Jahr 1982 die Idee einer klei- zu Fang- und Hauptspiegellagerung.
nen Astromesse im Ruhrgebiet entstan-
den war. Seinerzeit fand die einzige
derartige Veranstaltung zweimal jährlich
im schwäbischen Laupheim statt. Für den
ersten ATT genügte noch ein Restaurant.
Rund hundert Besucher informierten sich
damals an sechs Ständen über die Arbeit
der Amateurastronomen sowie über Pro-
dukte. Nach kurzem Gastspiel in einem
Jugendzentrum fand der ATT seinen Weg
in die Gesamtschule Bockmühle, wo er
seit dem Jahr 1990 stattfindet.
Im Jahr 2008 besuchten 2015 Astrono-
mieinteressierte die Stände von 58 Aus-
stellern sowie 43 Sternwarten und Verei-
nen. Damit ist die Messe neben der AME Das Wunschteleskop aus dem Baukasten Eine praktische Fokussierhilfe für wenig
in Süddeutschland ein fester Termin im kann Gerd Neumann jederzeit mit Geld gibt es bei Astrooptik Dieter Martini.
Jahreskalender vieler Sternfreunde. Im hochwertigen Komponenten zusammen-
Jahr 2006 bildete sich ein neues Organisa- stellen.

102 Juli 2009 Sterne und Weltraum


Wer so gut ausgestattet nun die Astro- Kamera Alccd 9, die für 2500 Euro bereits vollständiges Durchschwenken erlaubt
kamera gegen den Himmel richten will, mit einer Chipdiagonalen von 23 Millime- und so das Umschlagen beim Wechseln
ist am Stand gegenüber bei Dieter Martini tern aufwartet. von der Ost- auf die Westhemisphäre
an der richtigen Adresse. Für einen güns­ Mit dem Menschenstrom treiben wir vermeidet. Zwei große Friktionsantriebe
tigen Preis bietet er Bachtinow-Masken als weiter in Richtung der Messehalle. Auf in beiden Achsen erlauben zusammen
Fokussierhilfen an. Sie bestehen aus drei dem Weg dorthin hat sich eine starke nie- mit den leistungsstarken Servomotoren
Gruppen schräg zueinander gefräster derländische Bastion etabliert. Gleich eine rasche, aber auch exakte und fein-
Schlitze. Dadurch erhält der zu fokussie- mehrere Händler bieten hier Teleskope, fühlige Nachführung. Mit einem Preis
rende Stern ein charakteristisches Muster, Zubehör und auch manches in Deutsch- von weniger als 7500 Euro schlägt sie auch
das den exakten Fokus genau anzeigt, da- land nicht erhältliche Produkt an. hinsichtlich der Kosten viele Systeme mit
mit das gewünschte Astrobild auch eine Robtics aus Westland an der Rhein- ähnlicher Lastkapazität.
knackige Bildschärfe erhält. mündung beschäftigten sich intensiv mit Gleich am Treppenaufgang der großen
Am Stand nebenan ist Mario Costanti- der Verbesserung der populären EOS-Digi- Messehalle findet sich auch das Team vom
no extra aus München angereist, um die talkameras von Canon. Die Modelle 400D, Science Shop des Verlags Spektrum der
edle Montierung NTM-500 seiner Technik- 450D, 40D, 50D und das Paradepferd 5D Wissenschaft. Fragen zum Abo, ein Ge-
schmiede Astelco vorzuführen. Dank leis­
tungsfähiger Servomotoren und Direkt-
antriebe schwenkt die 85 Kilogramm
Der ATT ist nicht nur eine Produktmesse, sondern auch
schwere Montierung selbst einen wuch- eine Informations- und Ideenbörse.
tigen 16-Zoll-Schmidt-Cassegrain-Tubus
elegant und schnell durch die Luft. Stau- Mark II werden hier jeweils mit astrotaug- spräch mit SuW-Redakteuren oder das
nende Interessenten bilden eine lange lichen Infrarotfiltern angeboten. Doch da- breite Angebot an Sonderpublikationen
Schlange am Steuerungscomputer und mit nicht genug, sind alle Kameras auch locken viele Besucher an den Stand.
verfolgen auf einer Sternkarte die rasche mit peltiergekühltem Chip erhältlich. Ein Einen Großteil der vorderen Messehal-
Wanderung des Zielkreuzes, das die Tele- Lüfter am Gehäuse zeigt, wo die störende le dominiert aber die Firma Baader Plane-
skopbewegung am Himmel markiert. Wärme künftig verschwindet. tarium. Und wie in jedem Jahr präsentiert
Michael Breite von Astrolumina steuert Die Kamera ist so vielleicht nicht mehr Thomas Baader viele Neuheiten, darunter
ebenfalls Interessantes bei. Mit sicherem ganz alltagstauglich, aber technisch und superschnelle Schmidtkameras. Denn mit
Griff zieht er zwei neue CCD-Kameras her- auch hinsichtlich der Gestaltung bestens dem Umbausatz »Hyperstar« wird aus je-
vor und präsentiert stolz eine große Chip- für den Sternfreund geeignet. Nach einer dem Schmidt-Cassegrain-Teleskop von
fläche zum kleinen Preis. Die neusten Mo- taugeschützten Kühlung von 18 Grad un- Celestron eine Primärfokuskamera mit
delle seiner Alccd-Baureihen setzen auf terhalb der Umgebungstemperatur ist einem Öffnungsverhältnis von rund 1:2.
einen 16  24 Millimeter großen Sony- praktisch kein thermisches Rauschen auf Der Fokus kommt über der Fangspiegel-
Farbchip und einen 24  36 Millimeter den Astrobildern mehr zu erkennen. halterung zu liegen. Dank eines aufwän-
großen Schwarz-Weiß-Chip von Kodak. Aus dem niederländischen Oedenrode digen Linsenkorrektors entsteht auf einer
Alle Kameras werden mit einer Bildquali- ist Mesu Optics mit einer recht unge- Kamerachipfläche von 25 Millimetern
tät von 16 Bit, einer zweistufigen Kühlung, wöhnlichen Montierung angereist. Gleich Durchmesser ein fehlerfreies Bild. »Und
einem schnellen USB-2.0-Datenbus und in zweimal 65 Kilogramm trägt die neue wir haben auch schon bis zu 43 Millimeter
einem besonders leichten Gehäuse ange- Mesu-Mount, die ähnlich einer Knicksäu- Bilddurchmesser mit besten Ergebnissen
boten. Gerne empfiehlt Breite auch seine lenmontierung für viele Teleskope ein getestet«, verrät Baader.

Großes Interesse fanden die Alccd-Kameras Dank eines gekühlten Chips wird bei Vom Nordseeufer auf die Messe: Der
von Astrolumina, da sie eine große Robtics eine für den Massenmarkt Astrotüftler Lucas Mesu präsentierte eine
Chipfläche für wenig Geld bieten. gefertigte Kamera zur Astrofoto-Maschine. neu entwickelte Montierung.

www.astronomie-heute.de Juli 2009 103


sung von rund 20 000. Das ist Profiqualität Bei Meade weckt aber auch eine ältere
für den Astroamateur, denn damit kann er Montierung mit einem privaten Teleskop
sogar auf die Jagd nach Exoplaneten ge- die Aufmerksamkeit. Hier kommt der
hen. Und dies zu einem Preis von voraus- neue »Telescope Drive Master« zum Ein-
sichtlich 5000 bis 6000 Euro. satz, eine pfiffige Elektronik, die dank
Am Stand gegenüber gibt es ein großes eines Achsen-Encoders von Heidenhain
Gewimmel aus Menschen, Teleskopen der Mechanik eine hervorragende Nach-
und Kartons. Der Teleskop-Service von führgenauigkeit beibringt. Ein Druck auf
Wolfgang Ransburg entwickelte sich in den Startknopf reduziert den enormen
den letzten Jahren zum Inbegriff für die Schneckenfehler von ± 24 Bogensekunden
Schnäppchenjagd, er hat aber auch Pro- auf rund zwei Bogensekunden – genau ge-
duktinnovationen zu bieten. Dazu gehört nug für langbelichtete Astroaufnahmen.
ein 2,5-Zoll-Bildfeldebner für lichtstarke Nebenan, am Stand von astroshop.de,
Refraktoren mit einem großen Okularaus- stellen Marcus Schenk und Achim Mros
So wird aus einem Cassegrain-Teleskop eine zug, mit dem die Abschattungseffekte ihr neues Großfernglas vor, das auf einem
Schmidt-Kamera. Der neue Umbausatz herkömmlicher Systeme endgültig der Stativ thront. Zweimal 100 Millimeter Öff-
»Hyperstar« von Baader Planetarium macht Vergangenheit angehören. Weitere High- nung mit bildfeldkorrigierender Triplett-
es möglich. lights sind ein rund 800 Euro kostendes Optik sowie zwei Paar Okularen für eine
kompaktes Ritchey-Chretièn-Spiegeltele- 20- und 40-fache Vergrößerung – und das
skop sowie sein größerer Bruder im Acht- alles für weniger als tausend Euro. Das
Aber auch die Besitzer von Spiegeltele- Zoll-Carbon-Tubus für 1800 Euro. Fernglas mit Steckhülsen mit 31,8-Milli-
skopen vom Typ Newton können sich Am Stand von Pentax, bei Rolf Klemme meter-Normmaß lässt auch den Einsatz
freuen. Für sie wird ein bereits als Proto- und Giovanni Donelasci, fällt der Blick auf anderer handelsüblicher Okulare zu.
typ ausgestellter Korrektor künftig nicht ein kompaktes in den USA hergestelltes Vixen Europe präsentiert Teleskope
nur das Bildfeld ebnen, sondern auch den Digitalplanetarium. Vom italienischen und Zubehörangebote. Ein großes Maksu-
Fokus ohne Brennweitenverlängerung um Partner Skypoint aus Udine stammt das tow-Teleskop auf einer Atlux-Montierung
rund 30 Millimeter nach außen verlagern angebotene rund 20 000 US-Dollar kosten- dominiert auch in diesem Jahr den Stand.
– eine echte Hilfe für geplagte Astrofoto- de Schmuckstück. Das Gerät projiziert den Eine Neuerung ist der AX 103S, ein neu
grafen, die um jeden Millimeter Fokusweg Sternhimmel an Kuppeln mit bis zu zehn konstruierter Apochromat mit dreilin-
bangen müssen, aber gerne weiteres Zube- Metern Durchmesser und ist für Vereine sigem Objektiv und mittig sitzender ED-
hör, beispielsweise ein Filterrad, in den und Volkssternwarten interessant. Linse. Eine im Dual-Speed-Okularauszug
Strahlengang bringen möchten. Der Stand von Meade Europe wird von fest eingebaute Bildfeldlinse erzeugt 20
Ebenfalls auf Betreiben von Baader Pla- einer großen Skypod-Kuppel dominiert. Mikrometer messende Sternabbildungen
netarium läuft parallel zur Messe eine Die Neuheiten-Offensive der Anbieter bis an den Rand des Bildfelds.
Vortragsreihe zum Thema Spektroskopie. füllt einen ganzen Sonderprospekt. Mehr Einmal mehr bot die gut besuchte Mes-
Sie mündet schließlich in eine echte Welt- Zubehör gibt es bei den Spiegelteleskopen se spannende Produkte, die in diesem Jahr
premiere: Stolz präsentiert Thomas Baader LX 200ACF und DS-2000MAK, die Dobson- die in den beiden Vorjahren etwas zurück-
zusammen mit seinen beiden Konstruk- Teleskope der Serie »Lightbridge« gibt es gegangenen Besucherzahlen sicherlich
teuren einen neuen Spektrografen. nun mit gründlicherer Tubusschwärzung, wieder wettgemacht hat. Der nächste ATT
»Baches« heißt ein hochauflösendes Echel- moosgummiummantelten Stangen und findet übrigens am 29. Mai 2010 statt.
le-System mit einer Wellenlängenauflö- besserer Spiegelbeschichtung.  Bernd Weisheit

Mit einem großen, neuen Bildfeldebner für Ein Digitalplanetarium im Miniformat gab Die beliebten Dobson-Teleskope im neuen
große Refraktoren wartete der Teleskop- es am Stand von Pentax zu bewundern. Erscheinungsbild präsentierte Meade
Service auf. Europe.

104 Juli 2009 Sterne und Weltraum


gramm. Anmeldung bis zwei Wochen vor
Beginn möglich. Informationen: Werner
Braune, Münchener Str. 26 – 27, D-10825
Berlin, Tel.: 0 30-7 84 84 53,
zentrale@bav-astro.de
29. 8.: Planetenradtour von Osnabrück nach
2009 ist das Internationale Jahr der Astronomie (IYA 2009). Aus diesem Anlass Münster anlässlich des IYA 2009. Zwischen-
laden Planetarien, Vereine, Volkssternwarten und Forschungseinrichtungen zu stationen in maßstabsgerechten Abständen
öffentlichen Veranstaltungen ein. Informationen: www.astronomie2009.de, der Planetenbahnen. Anmeldung: Stern-
www.astronomie2009.at und www.astronomie2009.ch freunde Münster e. V. im LWL Museum für
Naturkunde, Sentruper Str. 285,
D-48161 Münster, Tel.: 02 51-5 91 60 37,
Termine Weblinks und weitere Termine: stfms@sternfreunde-muenster.de
 www.astronomie-heute.de/termine
September
2. 9.: Das 25-Meter-Teleskop auf dem Sto-
Juni 24. 7.: Astronomie als Naturerlebnis.
ckert: Vom Wegbereiter der Radioastronomie
21. 6.: Sonnenwende auf der Halde Hohe- Wanderung zum Thema »Planet Erde« mit
zum technischen Denkmal. Vortrag von Wolf-
ward mit Teleskopen, veranstaltet vom Beobachtung. Ort: Oberleiser Berg, Nieder­
gang Reich, MPI für Radioastronomie,
Ad Astra e. V. und dem Zeiss-Planetarium österreich. Kontakt: Chris Heller,
im Rats- und Bürgersaal Bad Münstereifel.
Bochum. Kontakt: Ad Astra e.V., Im Loh 33, Tel.: +43 (0)6 76-4 32 36 74,
Kontakt: Norbert Junkes, MPI für Radioastro-
D-44869 Bochum, info@adastra-bochum.de heller.leiserberge@aon.at
nomie, Tel.: 02 28-52 53 99, njunkes@mpifr.de
21. 6.: Tag der offenen Tür im Sonnenobser- 25. 7. – 8. 8.: Astronomisches Sommerlager
4. 9.: Paddeln bei Vollmond. Beobachtung
vatorium Schauinsland bei Freiburg. Kon- ASL 2009 in Bischofsheim/Rhön, für Jugend-
liche ab 14 Jahren. Anmeldung: Tobias Opial- und Paddeln im Sportzentrum NF Höflein,
takt: Kiepenheuer-Institut für Sonnenphysik,
la, Reinickendorfer Str. 75, D-13347 Berlin, Donaustr. 72, Höflein an der Donau,
Schöneckstr. 6, D-79104 Freiburg,
Tel.: 0 30-80 61 58 70 oder 01 75-9 60 15 98, Niederösterreich. Kontakt: Martin Brodicky,
Tel.: 07 61-3 19 80, secr@kis.uni-freiburg.de
tobias@vega-astro.de Tel.: +43 (0)6 44-73 78 15 49,
27. 6.: Sternenfest zum IYA 2009 in Bonn, martin@brodicky.at
von 14 bis 23 Uhr auf dem Münsterplatz 25. 7. – 1. 8.: 8. Internationale Astronomiewo-
che Arosa, mit Vorträgen von Wissenschaft- 5. – 19. 9.: SuW-Leserreise nach Teneriffa und
mit Bühnenprogramm und astronomischen
lern über aktuelle Themen der Astronomie La Palma. Informationen: Wittmann Travel,
Beobachtungen. Informationen:
und gemeinsamen Himmelsbeobachtungen Tel.: 0 40-85 10 53 76,
www.astronomie2009.de
in mehr als 2000 Meter Höhe. info@wittmann-travel.de
Juli Informationen: Lorenz Schwarz, Jacob-Burck- 4. – 6. 9.: The Fifth International Congress
2. 7.: Was Sie schon immer über Astronomie hardt-Str. 16, CH-4052 Basel, for Radio Astronomy. Ort: Fachhochschule
wissen wollten. Familienprogramm im Haus lorenz.schwarz@balcab.ch Heidelberg, SRH. Veranstalter: European
Wien Energie, Mariahilfer Str. 63, Radio Astronomy Club und The SETI League,
A-1060 Wien, Tel.: +43 (0)1-5 82 00, August Inc. Vorträge zur Amateur-Radioastronomie
haus@wienenergie.at 2. – 22. 8.: International Astronomical Youth und zur radioastronomischen Forschung.
Camp (IAYC 2009) für junge Menschen im Anmeldung: Peter Wright, Ziethenstr. 97,
4. 7.: Astrofest – Tag der offenen Tür bei In-
Alter von 16 bis 24 Jahren, mit Arbeitsgrup- D-68259 Mannheim, Tel.: 06 21-79 45 97,
tercon Spacetec. Großer Schnäppchenmarkt
pen zu allen Bereichen der Astronomie. erachq@aol.com
von 10 bis 18 Uhr. Sonnen-, Mond und Pla-
Ort: Hotel »Schronisko na Hala Miziowa« in
netenbeobachtung, open end. Informatio­ 5. – 6. 9.: 8. Astronomie und Raumfahrtaus-
den polnischen Karpaten. Anmeldung:
nen: Intercon Spacetec, Gablinger Weg 9, stellung in der Grundschule Braunschweig-
info@iayc.org
D-86154 Augsburg, Tel.: 08 21-41 40 81, Hondelage. Veranstalter: Sternfreunde
info@intercon-spacetec.de 12. 8.: Die Nacht der Wünsche. Beobach- Braunschweig-Hondelage e. V.,
tungen von Jupiter und Meteoren. Kontakt: c/o Hans-W. Zimmermann,
5. 7.: Sternenfrühstück im astronomisch-
Robert Seeberger, Tel.: +43 (0)6 50-2 14 38 01, Ackerweg 1 B, D-38108 Braunschweig,
physikalischen Kabinett, Orangerie, von
Robert.Seeberger@vol.at hans-w.zimmermann@t-online.de
10 bis 13 Uhr. Ort: An der Karlsaue 20 c,
D-34121 Kassel, mit Sonderführung zum 14. 8.: WAA Summer Star Party 2009. Astro- 12. 9.: 3. Schweizer Astronomietag in der
IYA 2009. Thema: Uhren und Quadranten praxis-Wochenende mit Beobachtungen. Kantonsschule Zug unter dem Motto »Astro-
messen Sternabstände. Anmeldung: Ort: Gasthof Postl, Hohe Wand, Österreich. nomie und Philosophie«. Kontakt: Astrophy-
Museumslandschaft Hessen Kassel, Kontakt: Wiener Arbeitsgemeinschaft für sics.ch GmbH, Hammerstr. 78,
Tel.: 05 61-31 68 05 00, Astronomie, Anneliese Haika, CH-8032 Zürich, Tel.: +41 (0)4–33 33 10 38,
info@museum-kassel.de Tel.: +43 (0)6 64-2 56 12 21, info@astrophysics.ch
anneliese.haika@waa.at 12. 9.: Nacht am Aasee. Astronomisches
16. 7.: »Vor 40 Jahren: erste Mondlandung«.
Vortrag von Men J. Schmidt mit Ausstellung 19. – 27. 9.: »Astronomie – das Universum Programm mit Teleskopausstellung und
von Modellen um 20 Uhr. Veranstalter: erforschen«. Wanderausstellung zum IYA Multimedia-Präsentationen, Livebeobach-
Planetarium und Sternwarte Kreuzlingen, 2009 in Lü, Graubünden. Kontakt: Alpine tungen und Führungen über einen Plane-
Breitenrainstr. 21, CH-8280 Kreuzlingen, Astrovillage Lü-Stailas, CH-7534 Lü tenweg. Ort: LWL Museum für Naturkunde
Tel.: +41 (0)7–16 77 38 00, 22. 8.: Beobachten wie Galileo in der Jura- Zeit: 18  bis  24 Uhr. Kontakt: Sternfreunde
info@planetarium-kreuzlingen.ch sternwarte Grenchen, Schweiz. Kontakt: Münster e. V., Sentruper Str. 285,
Stiftung Hugo Jost-Hediger, Lingeriz 89, CH- D-48161 Münster, Tel.: 02 51-5 91 60 37,
16. – 18. 7.: Kepler-Tage auf dem Königstuhl
2540 Grenchen, info@jurasternwarte.ch stfms@sternfreunde-muenster.de
bei Heidelberg. Workshops für Schulklassen,
Lehrerfortbildung, Vorträge, künstlerisches 22. – 30. 8.: BAV- Veränderlichen-Beobach- 17. – 20. 9.: 25. Internationales Teleskoptref-
Rahmenprogramm, Astro-Camp. Kontakt: tung und Urlaubswoche in der VdS- fen (ITT) auf der Emberger Alm in Kärnten.
Cecilia Scorza, Landessternwarte Heidelberg, Sternwarte Kirchheim/Thüringen. Verän- Kontakt: Sattleggers Alpenhof, Emberger
Königstuhl 12, D-69117 Heidelberg, derlichenbeobachtung mit Informationen, Alm 2, A-9761 Greifenburg,