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DIN EN ISO 9712:2012-12

Nationales Vorwort
Dieses Dokument (EN ISO 9712:2012) wurde vom Technischen Komitee ISO/TC 135 „Non-destructive
testing“, dessen Sekretariat vom JISC (Japan) gehalten wird, in Zusammenarbeit mit dem Technischen
Komitee CEN/TC 138 „Zerstörungsfreie Prüfung“ (Sekretariat AFNOR, Frankreich) im Rahmen der Wiener
Vereinbarung erarbeitet.

Das zuständige deutsche Gremium ist der Arbeitsausschuss NA 062-08-21 AA „Qualifizierung und
Zertifizierung von Personal der zerstörungsfreien Prüfung“ im Normenausschuss Materialprüfung (NMP) im
DIN.

Der Arbeitsausschuss NA 062-08-21 AA „Qualifizierung und Zertifizierung von Personal der zerstörungsfreien
Prüfung“ empfiehlt, abweichend von der vorliegenden Norm, eine Schulungszeit von 72 h bei RT1 und von
64 h bei UT1 nicht zu unterschreiten.

Für die in diesem Dokument zitierten Internationalen Normen wird im Folgenden auf die entsprechenden
Deutschen Normen hingewiesen:

ISO/IEC 17024 siehe DIN EN ISO/IEC 17024


CEN/TR 14748 siehe DIN-Fachbericht CEN/TR 14748
CEN/TS 15053 siehe DIN CEN/TS 15053

Änderungen

Gegenüber DIN EN 473:2008-09 wurden folgende Änderungen vorgenommen:

a) Einbindung der Infrarotthermografieprüfung und Dehnungsmessstreifenprüfung;

b) Klarstellung der Verantwortung von Arbeitgebern;

c) Neufestlegung der Schulungszeiten;

d) Überarbeitung der Anforderungen an industrielle ZfP-Erfahrung;

e) Einführung elektronischer Qualifizierungsprüfungen und digitaler Zertifikate;

f) Gültigkeit der Prüfungsergebnisse unter bestimmten Voraussetzungen verlängert;

g) Umfang von Rezertifizierungsprüfungen;

h) Beschreibung der Sektoren;

i) redaktionelle Überarbeitung.

Frühere Ausgaben

DIN EN 473: 1993-07, 2001-03, 2006-01


DIN EN 473 Beiblatt 1: 1996-11

2
DIN EN ISO 9712:2012-12

Nationaler Anhang NA
(informativ)

Literaturhinweise

DIN EN ISO/IEC 17024, Konformitätsbewertung — Allgemeine Anforderungen an Stellen, die Personen


zertifizieren

DIN-Fachbericht CEN/TR 14748, Zerstörungsfreie Prüfung — Vorgehensweise zur Qualifizierung von


zerstörungsfreien Prüfungen

DIN CEN/TS 15053, Zerstörungsfreie Prüfung — Empfehlungen für Arten von Inhomogenitäten in
Prüfungsstücken für Prüfungen

3
DIN EN ISO 9712:2012-12

— Leerseite —

4
EUROPÄISCHE NORM EN ISO 9712
EUROPEAN STANDARD
NORME EUROPÉENNE Juni 2012

ICS 03.100.30; 19.100 Ersatz für EN 473:2008

Deutsche Fassung

Zerstörungsfreie Prüfung —
Qualifizierung und Zertifizierung von Personal der
zerstörungsfreien Prüfung
(ISO 9712:2012)

Non-destructive testing — Essais non destructifs —


Qualification and certification of NDT personnel Qualification et certification du personnel END
(ISO 9712:2012) (ISO 9712:2012)

Diese Europäische Norm wurde vom CEN am 2. Juni 2012 angenommen.

Die CEN-Mitglieder sind gehalten, die CEN/CENELEC-Geschäftsordnung zu erfüllen, in der die Bedingungen festgelegt sind, unter denen
dieser Europäischen Norm ohne jede Änderung der Status einer nationalen Norm zu geben ist. Auf dem letzten Stand befindliche Listen
dieser nationalen Normen mit ihren bibliographischen Angaben sind beim Management-Zentrum des CEN-CENELEC oder bei jedem CEN-
Mitglied auf Anfrage erhältlich.

Diese Europäische Norm besteht in drei offiziellen Fassungen (Deutsch, Englisch, Französisch). Eine Fassung in einer anderen Sprache,
die von einem CEN-Mitglied in eigener Verantwortung durch Übersetzung in seine Landessprache gemacht und dem Management-
Zentrum mitgeteilt worden ist, hat den gleichen Status wie die offiziellen Fassungen.

CEN-Mitglieder sind die nationalen Normungsinstitute von Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich,
Griechenland, Irland, Island, Italien, Kroatien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, den Niederlanden, Norwegen, Österreich, Polen,
Portugal, Rumänien, Schweden, der Schweiz, der Slowakei, Slowenien, Spanien, der Tschechischen Republik, der Türkei, Ungarn, dem
Vereinigten Königreich und Zypern.

EUROPÄISCHES KOMITEE FÜR NORMUNG


EUROPEAN COMMITTEE FOR STANDARDIZATION
COMITÉ EUROPÉEN DE NORMALISATION

Management-Zentrum: Avenue Marnix 17, B-1000 Brüssel

© 2012 CEN Alle Rechte der Verwertung, gleich in welcher Form und in welchem Ref. Nr. EN ISO 9712:2012 D
Verfahren, sind weltweit den nationalen Mitgliedern von CEN vorbehalten.
DIN EN ISO 9712:2012-12
EN ISO 9712:2012 (D)

Inhalt
Seite
Vorwort ................................................................................................................................................................4
Einleitung .............................................................................................................................................................5
1 Anwendungsbereich .............................................................................................................................6
2 Normative Verweisungen ......................................................................................................................6
3 Begriffe ...................................................................................................................................................7
4 Verfahren und Abkürzungen ............................................................................................................. 11
5 Verantwortlichkeiten .......................................................................................................................... 11
5.1 Allgemeines ......................................................................................................................................... 11
5.2 Zertifizierungsstelle ............................................................................................................................ 11
5.3 Autorisierte Qualifizierungsstelle ..................................................................................................... 12
5.4 Prüfungszentrum ................................................................................................................................ 12
5.5 Arbeitgeber .......................................................................................................................................... 13
5.6 Kandidat ............................................................................................................................................... 14
5.7 Zertifikatsinhaber ................................................................................................................................ 14
6 Qualifizierungsstufen ......................................................................................................................... 14
6.1 Stufe 1 .................................................................................................................................................. 14
6.2 Stufe 2 .................................................................................................................................................. 14
6.3 Stufe 3 .................................................................................................................................................. 15
7 Zulassungsvoraussetzung ................................................................................................................ 15
7.1 Allgemeines ......................................................................................................................................... 15
7.2 Schulung .............................................................................................................................................. 16
7.3 Industrielle ZfP-Erfahrung ................................................................................................................. 17
7.3.1 Allgemeines ......................................................................................................................................... 17
7.3.2 Stufe 3 .................................................................................................................................................. 18
7.3.3 Reduzierungsmöglichkeiten .............................................................................................................. 18
7.4 Anforderungen an die Sehfähigkeit – alle Stufen............................................................................ 19
8 Qualifizierungsprüfung ...................................................................................................................... 19
8.1 Allgemeines ......................................................................................................................................... 19
8.2 Inhalt und Bewertung der Prüfung für die Stufen 1 und 2.............................................................. 19
8.2.1 Allgemeine Prüfung ............................................................................................................................ 19
8.2.2 Spezielle Prüfung ................................................................................................................................ 20
8.2.3 Praktische Prüfung ............................................................................................................................. 20
8.2.4 Bewertung von Qualifizierungsprüfungen für die Stufe 1 und Stufe 2 ......................................... 21
8.3 Prüfungsinhalt und Prüfung für die Stufe 3 ..................................................................................... 22
8.3.1 Allgemeines ......................................................................................................................................... 22
8.3.2 Prüfung der Grundlagenkenntnisse ................................................................................................. 22
8.3.3 Prüfung im Hauptverfahren ............................................................................................................... 23
8.3.4 Bewertung von Qualifizierungsprüfungen für die Stufe 3 .............................................................. 23
8.4 Durchführung der Prüfungen ............................................................................................................ 24
8.5 Prüfungswiederholung ....................................................................................................................... 24
8.6 Prüfungsbefreiungen ......................................................................................................................... 24
9 Zertifizierung ....................................................................................................................................... 25
9.1 Verwaltung ........................................................................................................................................... 25
9.2 Zertifikate und/oder Ausweiskarten .................................................................................................. 25
9.3 Digitale Zertifikate ............................................................................................................................... 25
9.4 Gültigkeit ............................................................................................................................................. 26
9.4.1 Allgemeines ......................................................................................................................................... 26
9.4.2 Verlängerung ....................................................................................................................................... 26

2
DIN EN ISO 9712:2012-12
EN ISO 9712:2012 (D)

Seite
10 Erneuerung .......................................................................................................................................... 26
11 Rezertifizierung .................................................................................................................................... 27
11.1 Allgemeines ......................................................................................................................................... 27
11.2 Stufe 1 und 2 ........................................................................................................................................ 27
11.3 Stufe 3 ................................................................................................................................................... 27
12 Dokumente ........................................................................................................................................... 28
13 Übergangszeitraum ............................................................................................................................. 28
14 Übergang zwischen EN 473:2008[4], ISO 9712:2005 und dieser Internationalen Norm ............... 29
Anhang A (normativ) Sektoren ........................................................................................................................ 30
A.1 Allgemeines ......................................................................................................................................... 30
A.2 Produktsektoren .................................................................................................................................. 30
A.3 Industriesektoren ................................................................................................................................ 30
Anhang B (normativ) Mindestanzahl und Art der Prüfungsstücke für die praktische Prüfung in den
Stufen 1 und 2 ...................................................................................................................................... 31
Anhang C (normativ) Strukturiertes Kreditsystem für die Stufe 3-Rezertifizierung .................................. 32
Anhang D (normativ) Wichtung praktischer Prüfungen ............................................................................... 34
D.1 Bewertung der praktischen Prüfung in den Stufen 1 und 2 – Anleitung zur prozentualen
Wichtung .............................................................................................................................................. 34
Anhang E (informativ) ZfP-Ingenieurstätigkeiten .......................................................................................... 36
E.1 Definition .............................................................................................................................................. 36
E.2 Liste der enthaltenen Aktivitäten, nicht abschließend .................................................................... 36
Anhang ZA (informativ) Beziehung zwischen dieser Europäischen Norm und den grundlegenden
Anforderungen der EU-Richtlinie 97/23/EG ...................................................................................... 37
Literaturhinweise .............................................................................................................................................. 38

3
DIN EN ISO 9712:2012-12
EN ISO 9712:2012 (D)

Vorwort
Dieses Dokument (EN ISO 9712:2012) wurde vom Technischen Komitee ISO/TC 135 „Non-destructive
testing“ in Zusammenarbeit mit dem Technischen Komitee CEN/TC 138 „Zerstörungsfreie Prüfung“ erarbeitet,
dessen Sekretariat vom AFNOR gehalten wird.

Diese Europäische Norm muss den Status einer nationalen Norm erhalten, entweder durch Veröffentlichung
eines identischen Textes oder durch Anerkennung bis Dezember 2012, und etwaige entgegenstehende
nationale Normen müssen bis Dezember 2012 zurückgezogen werden.

Es wird auf die Möglichkeit hingewiesen, dass einige Texte dieses Dokuments Patentrechte berühren können.
CEN [und/oder CENELEC] sind nicht dafür verantwortlich, einige oder alle diesbezüglichen Patentrechte zu
identifizieren.

Dieses Dokument ersetzt EN 473:2008.

Diese vierte Ausgabe von ISO 9712 annulliert und ersetzt die dritte Ausgabe, (ISO 9712:2005), die technisch
überarbeitet wurde.

Änderungen gegenüber der dritten Ausgabe sind u. a.:

 Klärung der Verantwortlichkeiten der Zertifizierungsstelle, der Qualifizierungsstelle und des Prüfungs-
zentrums;

 Neuentwurf des Abschnittes „Schulung“ zur Klarstellung und Änderung der Anzahl der benötigten
Stunden;

 Neuentwurf des Abschnittes „Erfahrung“ zur Klarstellung;

 Einführung von „digitalen Zertifikaten“;

 weitere, kleinere technische und redaktionelle Änderungen.

Dieses Dokument wurde unter einem Mandat erarbeitet, das die Europäische Kommission und die
Europäische Freihandelszone dem CEN erteilt haben, und unterstützt grundlegende Anforderungen der
EU-Richtlinien.

Zum Zusammenhang mit EU-Richtlinien siehe informativen Anhang ZA, der Bestandteil dieses Dokuments ist.

Entsprechend der CEN/CENELEC-Geschäftsordnung sind die nationalen Normungsinstitute der folgenden


Länder gehalten, diese Europäische Norm zu übernehmen: Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland,
Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Island, Italien, Kroatien, Lettland, Litauen, Luxemburg,
Malta, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Schweiz, Slowakei,
Slowenien, Spanien, Tschechische Republik, Türkei, Ungarn, Vereinigtes Königreich und Zypern.

Anerkennungsnotiz

Der Text von ISO 9712:2012 wurde vom CEN als EN ISO 9712:2012 ohne irgendeine Abänderung
genehmigt.

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DIN EN ISO 9712:2012-12
EN ISO 9712:2012 (D)

Einleitung
Da die Effektivität jeder Anwendung von zerstörungsfreier Prüfung (ZfP) von den Fähigkeiten des
ausführenden Personals bzw. der für die Prüfung verantwortlichen Personen abhängt, wurde eine
Vorgehensweise entwickelt, mittels der die Verfahren zur Bewertung und Dokumentation der Kompetenz der
Personen, deren Aufgabe angemessene theoretische und praktische Kenntnisse der von ihnen
anzuwendenden zerstörungsfreien Prüfverfahren erfordern, spezifiziert, supervisiert, überwacht oder bewertet
werden. Ein zusätzlicher Anreiz stammt aus der weltweiten Vergleichbarkeit der Vielfalt von industriellen
Anwendungen, die vergleichbare Ansätze für zerstörungsfreie Prüfungen verlangen.

Wenn eine Zertifizierung von ZfP-Personal in Produktnormen, Gesetzen, Regelwerke oder Spezifikationen
gefordert ist, dann ist es wichtig, dass dieses Personal in Übereinstimmung mit dieser Internationalen Norm
zertifiziert wird. Wenn in dieser Internationalen Norm ein Ermessensspielraum gegeben ist, dann hat die
Zertifizierungsstelle die letzte Entscheidung bezüglich der Festlegung der spezifischen Anforderungen.

Wenn es keine Anforderungen in der Gesetzgebung, in Normen oder in dem Auftrag für die Zertifizierung von
ZfP-Personal gibt, entscheiden die Arbeitgeber des ZfP-Personals, wie sie sicherstellen, dass dieses
sachkundig ist Arbeitsaufträge auszuführen. So können sie entweder bereits zertifiziertes Personal einstellen,
oder sie müssen ihr eigenes Fachwissen heranziehen, um sich selbst davon zu überzeugen, dass ihre
Mitarbeiter über die geforderte Sachkunde verfügen. Im letztgenannten Fall werden verantwortungsvolle
Arbeitgeber diese Internationale Norm als Bezugsdokument nutzen.

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DIN EN ISO 9712:2012-12
EN ISO 9712:2012 (D)

1 Anwendungsbereich
Diese Internationale Norm legt die grundlegenden Anforderungen für die Qualifizierung und Zertifizierung von
Personal, das industrielle zerstörungsfreie Prüfungen (ZfP) ausführt, fest.
ANMERKUNG 1 Der Begriff „industriell“ bedeutet den Ausschluss der Anwendung für das Gebiet der Medizin.

Das in dieser Internationalen Norm beschriebene System, kann auch auf andere ZfP-Verfahren oder neue
Techniken innerhalb bestehender ZfP-Verfahren angewendet werden, wenn ein umfassendes
Zertifizierungsprogramm existiert und das Verfahren oder die Technik durch internationale, regionale oder
nationale Normen abgedeckt ist oder aber das neue ZfP-Verfahren oder die neue Technik zur Zufriedenheit
der Zertifizierungsstelle als effektiv nachgewiesen werden konnte.
ANMERKUNG 2 CEN/TR 14748 [5] kann als Richtlinie genutzt werden.

Die Zertifizierung deckt die Befähigung in einem oder mehreren der folgenden Verfahren ab:

a) Schallemissionsprüfung;

b) Wirbelstromprüfung;

c) Infrarotthermografieprüfung;

d) Dichtheitsprüfung (ausgenommen Wasserdruckprüfung);

e) Magnetpulverprüfung;

f) Eindringprüfung;

g) Durchstrahlungsprüfung;

h) Dehnungsmessstreifenprüfung;

i) Ultraschallprüfung;

j) Sichtprüfung (ausgenommen direkte Sichtprüfungen ohne Hilfsmittel und Sichtprüfungen, die während
der Anwendung eines anderen ZfP-Verfahrens durchgeführt werden).
ANMERKUNG 3 Diese Internationale Norm legt praktisch die Anforderungen für Konformitätsbewertungssysteme von
unabhängigen Prüfstellen fest. Diese Anforderungen gelten nicht unmittelbar für die Konformitätsbewertung durch
Lieferanten oder interne Stellen, aber auf zutreffende Abschnitte dieser internationalen Norm kann in solchen
Begutachtungen verwiesen werden.

ANMERKUNG 4 Immer wenn geschlechtsspezifische Wörter wie „seine“, „ihre“, „er“ oder „sie“ in dieser Internationalen
Norm erscheinen, gelten diese auch für das andere Geschlecht.

2 Normative Verweisungen
Die folgenden zitierten Dokumente sind für die Anwendung dieses Dokuments erforderlich. Bei datierten
Verweisungen gilt nur die in Bezug genommene Ausgabe. Bei undatierten Verweisungen gilt die letzte
Ausgabe des in Bezug genommenen Dokuments (einschließlich aller Änderungen).

ISO/IEC 17024, Conformity assessment — General requirements for bodies operating certification of persons

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DIN EN ISO 9712:2012-12
EN ISO 9712:2012 (D)

3 Begriffe
Für die Anwendung dieses Dokuments gelten die folgenden Begriffe.

3.1
autorisierte Qualifizierungsstelle
Stelle, die unabhängig vom Arbeitgeber ist und durch die Zertifizierungsstelle autorisiert wurde,
Qualifizierungsprüfungen vorzubereiten und durchzuführen

3.2
Prüfung der Grundlagenkenntnisse
schriftliche Prüfung in der Stufe 3, die die Kenntnisse des Kandidaten in Werkstoffkunde und Werkstofftechnik
und Arten von Inhomogenitäten, die Kenntnis des Qualifizierungs- und Zertifizierungssystems nach dieser
Internationalen Norm und der für die Stufe 2 erforderlichen Grundlagen der ZfP-Verfahren bestätigt
ANMERKUNG 1 Zur Erläuterung der 3 Qualifizierungsstufen siehe Abschnitt 6.

ANMERKUNG 2 Das Qualifizierungs- und Zertifizierungssystem ist in dieser Internationalen Norm festgelegt.

3.3
Kandidat
Person, die die Qualifizierung und Zertifizierung beantragt hat, und die unter Beaufsichtigung von Personal,
das eine für die Zertifizierungsstelle akzeptable Qualifikation hat, Erfahrung sammelt

3.4
Zertifikat
Dokument, das von der Zertifizierungsstelle nach spezifizierten Regelungen ausgestellt wurde und das
ausweist, dass die angegebene Person die im Zertifikat festgelegte(n) Kompetenz(en) nachgewiesen hat
ANMERKUNG Die Regelungen sind in dieser Internationalen Norm festgelegt.

3.5
Zertifizierung
Vorgehensweise der Zertifizierungsstelle, mittels derer bestätigt wird, dass die Qualifizierungsanforderungen
für ein Verfahren, eine Stufe und Sektor erfüllt wurden, und die zur Ausstellung eines Zertifikates führt

3.6
Zertifizierungsstelle
Stelle, die eine Vorgehensweise zur Zertifizierung nach festgelegten Anforderungen durchführt
ANMERKUNG Die Anforderungen sind in dieser Internationalen Norm festgelegt.

3.7
Arbeitgeber
Organisation, für die der Kandidat regelmäßig arbeitet
ANMERKUNG Ein Arbeitgeber kann auch gleichzeitig Kandidat sein.

3.8
Prüfungszentrum
Zentrum, das von der Zertifizierungsstelle anerkannt ist und in dem Qualifizierungsprüfungen durchgeführt
werden

3.9
Prüfungsbeauftragter
Person mit Stufe 3-Zertifizierung in dem Verfahren und dem Produkt- oder Industriesektor, für das/den sie von
der Zertifizierungsstelle autorisiert ist, Qualifizierungsprüfungen zu leiten, zu überwachen und zu bewerten

3.10
allgemeine Prüfung
schriftliche Prüfung in Stufe 1 oder Stufe 2, die sich mit den Grundlagen eines ZfP-Verfahrens befasst

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DIN EN ISO 9712:2012-12
EN ISO 9712:2012 (D)

3.11
industrielle Erfahrung
unter qualifizierter Aufsicht in der Anwendung des ZfP-Verfahrens in dem betroffenen Sektor gewonnene
Erfahrung, die von der Zertifizierungsstelle akzeptiert wird, und die notwendig ist, um die Fertigkeiten und
Kenntnisse zur Erfüllung der Qualifizierungsvorgaben zu erwerben

3.12
Aufsichtführender
Person, die von der Zertifizierungsstelle für die Beaufsichtigung von Prüfungen autorisiert ist

3.13
tätigkeitsspezifische Schulung
Schulung des Zertifikatsinhabers durch den Arbeitgeber (oder seinen Vertreter) in den Aspekten der
zerstörungsfreien Prüfung, die spezifisch für die Produkte, die ZfP-Ausrüstung, ZfP-Verfahrens-
beschreibungen und anwendbare Regelwerke, Normen, Spezifikationen und Verfahrensbeschreibungen sind,
und die zur Ausstellung der Autorisierung führt

3.14
Prüfung im Hauptverfahren
schriftliche Prüfung in der Stufe 3, die dem Kandidaten die allgemeinen und spezifischen Kenntnisse sowie
die Fähigkeit zur Erstellung einer ZfP-Verfahrensbeschreibung für das ZfP-Verfahren bestätigt, wie sie in dem
beantragten Industrie- oder Produktsektor, für den eine Zertifizierung beantragt wurde, angewendet wird

3.15
Auswahlantwort-Prüfaufgabe
Aufgabenstellung mit vier möglichen Antworten, von denen nur eine richtig ist und die restlichen drei falsch
oder unvollständig sind

3.16
ZfP-Prüfanweisung
schriftliche Beschreibung der exakten Schritte, die befolgt werden müssen, wenn nach einer bestehenden
Norm, Regelwerk, Spezifikation oder ZfP-Verfahrensbeschreibung geprüft wird

3.17
ZfP-Verfahren
Fachrichtung, die ein physikalisches Prinzip in der zerstörungsfreien Prüfung anwendet

BEISPIEL Ultraschallprüfung.

3.18
ZfP-Verfahrensbeschreibung
schriftliche Beschreibung aller wesentlichen Parameter und Vorsichtsmaßnahmen, die bei der
zerstörungsfreien Prüfung von Produkten entsprechend Norm(en), Regelwerk(en) oder Spezifikation(en)
gelten

3.19
ZfP-Technik
spezielle Art der Anwendung eines ZfP-Verfahrens

BEISPIEL Ultraschalltauchtechnik.

3.20
ZfP-Schulung
Prozess der theoretischen und praktischen Unterweisung in dem ZfP-Verfahren, in dem die Zertifizierung
beantragt werden soll, in Form von Schulungskursen nach einem von der Zertifizierungsstelle genehmigten
Lehrplan

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DIN EN ISO 9712:2012-12
EN ISO 9712:2012 (D)

3.21
Prüfungsautorisierung
vom Arbeitgeber ausgestellte schriftliche, auf dem Umfang der Zertifizierung basierende Erklärung, die die
Person zur Ausführung definierter Aufgaben autorisiert

ANMERKUNG Eine derartige Autorisierung kann von der Durchführung tätigkeitsspezifischer Schulungen abhängig
sein.

3.22
praktische Prüfung
Prüfung der praktischen Fertigkeiten, in der der Kandidat Vertrautheit mit und Fähigkeit zur Durchführung der
Prüfung zeigt

3.23
Qualifizierung
Nachweis von körperlicher Eignung, Kenntnissen, Fertigkeiten, Schulung und Erfahrung, der zur
fachgerechten Ausführung von ZfP-Aufgaben notwendig ist

3.24
Qualifizierungsprüfung
Prüfung, die von der Zertifizierungsstelle oder der autorisierten Qualifizierungsstelle durchgeführt wird, und in
der die allgemeinen, speziellen und praktischen Kenntnisse und Fertigkeiten des Kandidaten bewertet werden

3.25
qualifizierte Aufsicht
Beaufsichtigung von Kandidaten beim Erwerb von Erfahrung durch ZfP-Personal, das in demselben Verfahren
zertifiziert ist oder durch Personal, das nach Meinung der Zertifizierungsstelle die Kenntnisse, Fertigkeiten,
Schulung und Erfahrung besitzt, die zur korrekten Durchführung einer solchen Beaufsichtigung notwendig
sind

3.26
Sektor
bestimmter Bereich der Industrie oder Technik, in dem besondere ZfP-Praktiken genutzt werden, die
spezifische produktbezogene Kenntnisse, Fertigkeiten, Geräte oder Schulung erfordern

ANMERKUNG Ein Sektor kann auf ein Produkt (Schweißverbindungen, Gussstücke) oder auf einen Industriezweig
(Luft- und Raumfahrt, wiederkehrende Prüfungen) bezogen sein. Siehe Anhang A.

3.27
wesentliche Unterbrechung
Fehlen oder Wechsel in der Tätigkeit, welches/welcher die zertifizierte Person daran hindert, für einen
zusammenhängenden Abschnitt von mehr als einem Jahr oder für zwei oder mehr Abschnitte mit einer
Gesamtzeit von zwei Jahren in der Stufe, dem Verfahren und dem/den Sektor(en) für die sie zertifiziert ist, die
entsprechenden Aufgaben auszuführen

ANMERKUNG Gesetzliche Urlaubstage oder Krankheitstage oder Schulungen von weniger als 30 Tagen werden bei
der Berechnung der Unterbrechung nicht berücksichtigt.

3.28
spezielle Prüfung
schriftliche Prüfung in der Stufe 1 oder Stufe 2, die sich mit den Prüftechniken in einem bestimmten Sektor/ in
bestimmten Sektoren einschließlich der Kenntnisse des/der zu prüfenden Produkte(s) und der Regelwerke,
Normen, Spezifikationen, Verfahrensbeschreibungen und Zulassungskriterien befasst

3.29
Spezifikation
Dokument, das Anforderungen festlegt

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DIN EN ISO 9712:2012-12
EN ISO 9712:2012 (D)

3.30
Prüfungsstück
in der praktischen Prüfung verwendete Probe, die repräsentativ für die in dem anzuwendenden Sektor
typischerweise zu prüfenden Produkte ist, möglicherweise einschließlich von Durchstrahlungsbildern und
Datensätzen

ANMERKUNG Dies kann mehr als einen Prüfbereich oder ein Prüfvolumen umfassen.

3.31
Prüfungsstückdokumentation
Musterantwort, die das optimale Ergebnis einer praktischen Prüfung unter definierten Bedingungen
(Gerätetyp, Einstellungen, Technik, Prüfungsstück usw.) angibt und gegen die der Prüfbericht des Kandidaten
gewertet wird

3.32
Beaufsichtigung
Ausführung der Leitung der Durchführung von ZfP, die durch anderes ZfP-Personal ausgeführt wird,
einschließlich der Kontrolle der Tätigkeiten, die die Vorbereitung der Prüfung, die Durchführung der Prüfung
und die Dokumentation der Ergebnisse umfassen

3.33
Validierung
Erbringen des Nachweises, dass eine verifizierte Verfahrensweise in der Praxis anwendbar ist und die
beabsichtigte Funktion erfüllt, normalerweise erzielt durch tatsächliche Beobachtung, Demonstration, Feld-
oder Laborprüfungen oder ausgewählte Probeläufe

3.34
Erneuerung
Vorgehensweise zur Verlängerung eines Zertifikates ohne Prüfung zu jeder Zeit bis zu 5 Jahren nach einer
erfolgreichen Erst-, Ergänzungs- oder Rezertifizierungsprüfung

3.35
Rezertifizierung
Vorgehensweise zur Verlängerung eines Zertifikates durch Prüfung oder durch andere Maßnahmen, die die
Zertifizierungsstelle zufriedenstellt, dass die veröffentlichten Kriterien für die Rezertifizierung erfüllt sind

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DIN EN ISO 9712:2012-12
EN ISO 9712:2012 (D)

4 Verfahren und Abkürzungen


Für die Anwendung dieser Internationalen Norm werden die in Tabelle 1 aufgelisteten Abkürzungen zur
Kennzeichnung der ZfP-Verfahren verwendet.

Tabelle 1 — Verfahren und Abkürzungen

ZfP-Verfahren Abkürzung
Schallemissionsprüfung AT
Wirbelstromprüfung ET
Infrarotthermografieprüfung TT
Dichtheitsprüfung LT
Magnetpulverprüfung MT
Eindringprüfung PT
Durchstrahlungsprüfung RT
Dehnungsmessstreifenprüfung ST
Ultraschallprüfung UT
Sichtprüfung VT

5 Verantwortlichkeiten
5.1 Allgemeines

Das Zertifizierungssystem, das von einer Zertifizierungsstelle (wenn nötig, mit Unterstützung von autorisierten
Qualifizierungsstellen) kontrolliert und verwaltet werden muss, beinhaltet alle notwendigen Vorgehensweisen,
um die Qualifizierung eines Einzelnen zur Ausübung bestimmter Aufgaben in einem bestimmten ZfP-
Verfahren und Produkt- oder Industriesektor aufzuzeigen, mit dem Ziel einer Zertifizierung der Kompetenz.

5.2 Zertifizierungsstelle

5.2.1 Die Zertifizierungsstelle muss die Anforderungen nach ISO/IEC 17024 erfüllen.

5.2.2 Die Zertifizierungsstelle:

a) muss das Zertifizierungssystem nach ISO/IEC 17024 und dieser Internationalen Norm einführen, fördern,
erhalten und anwenden;

b) muss Spezifikationen für Schulung inklusive der Lerninhalte veröffentlichen, die den Inhalt von
anerkannten Dokumenten z. B. der ISO/TR 25107 [2] oder äquivalenten umfassen;

c) darf unter ihrer direkten Verantwortung die Ausführung des Qualifizierungsverfahrens in allen
Einzelheiten an die autorisierten Qualifizierungsstellen übertragen, denen sie Spezifikationen und/oder
Vorgehensweisen für Ausstattung, Personal, Kalibrierung und Kontrolle von ZfP-Ausrüstung,
Prüfungsmaterialien, Prüfungsstücke, Prüfungsdurchführungen, Prüfungsbewertung, Aufzeichnungen
usw. vorgeben muss;

d) muss eine Erstbegutachtung und regelmäßig wiederkehrende Überwachungsaudits der autorisierten


Qualifizierungsstelle(n) durchführen, um die Übereinstimmung mit den Spezifikationen zu sichern;

e) muss alle delegierten Funktionen in Übereinstimmung mit einer dokumentierten Vorgehensweise


überwachen;

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DIN EN ISO 9712:2012-12
EN ISO 9712:2012 (D)

f) muss personell und gerätetechnisch angemessen ausgestattete Prüfungszentren anerkennen, die sie
regelmäßig überwachen muss;

g) muss ein angemessenes Archivierungssystem einrichten, in dem die Unterlagen für mindestens eine
Zertifizierungsperiode (10 Jahre) aufbewahrt werden müssen;

h) muss die Verantwortung für die Ausstellung aller Zertifikate übernehmen;

i) muss verantwortlich für die Festlegung der Sektoren (siehe Anhang A) sein;

j) muss sicherstellen, dass die Sicherheit aller Prüfungsmaterialien (Prüfungsstücke, Musterlösungen,


Fragenkataloge, Prüfungsdokumente usw.) sichergestellt ist und dass Prüfungsstücke nicht für
Schulungszwecke verwendet werden;

k) muss von allen Kandidaten und Zertifikatsinhabern eine unterschriebene oder gestempelte Erklärung
fordern, mit der sie sich verpflichten, die berufsethischen Regeln zu befolgen, die sie dafür aufgestellt und
veröffentlicht hat.

5.3 Autorisierte Qualifizierungsstelle

5.3.1 Sofern eingerichtet, muss die autorisierte Qualifizierungsstelle:

a) unter der Lenkung der Zertifizierungsstelle arbeiten und die Spezifikationen der Zertifizierungsstelle
anwenden;

b) unabhängig von jedweden dominanten Einzelinteressen sein;

c) sicherstellen, dass sie unparteiisch gegenüber allen Kandidaten ist, die qualifiziert werden wollen und
dass sie jede reale oder potenzielle Gefährdung seiner Unparteilichkeit der Zertifizierungsstelle meldet;

d) ein dokumentiertes Qualitätsmanagementsystem anwenden, das von der Zertifizierungsstelle genehmigt


ist;

e) über notwendige Mittel und Sachkenntnisse zur Einrichtung, Überwachung und Kontrolle von
Prüfungszentren einschließlich Prüfungen und Kalibrierung und Kontrolle von Gerätschaften verfügen;

f) Prüfungen unter der Verantwortung eines von der Zertifizierungsstelle autorisierten Prüfungsbeauftragten
vorbereiten, überwachen und verwalten;

g) angemessene Qualifikations- und Prüfungsnachweise nach den Vorgaben der Zertifizierungsstelle


führen.

5.3.2 Falls es keine autorisierten Qualifizierungsstellen gibt, müssen die Anforderungen an die
Qualifizierungsstelle von der Zertifizierungsstelle erfüllt werden.

5.4 Prüfungszentrum

5.4.1 Das Prüfungszentrum muss:

a) unter der Lenkung der Zertifizierungsstelle oder einer autorisierten Qualifizierungsstelle arbeiten;

b) die von der Zertifizierungsstelle anerkannte(n) Qualitätssicherungsvorschrift(en) anwenden;

c) die zur Durchführung von Prüfungen erforderlichen Mittel, einschließlich der für die Kalibrierung und
Überwachung von Geräten, besitzen;

d) angemessen qualifiziertes Personal, geeignete Räumlichkeiten und Gerätschaften besitzen, um


zufriedenstellende Qualifizierungsprüfungen in den jeweiligen Stufen, Verfahren und Sektoren
sicherzustellen;

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DIN EN ISO 9712:2012-12
EN ISO 9712:2012 (D)

e) Prüfungen unter Verantwortung eines von der Zertifizierungsstelle autorisierten Prüfungsbeauftragten


vorbereiten und unter der ausschließlichen Verwendung von Prüfungsfragenkatalogen und
Prüfungsstücken durchführen, die von der Zertifizierungsstelle für diesen Zweck entwickelt oder
freigegeben wurden;

f) nur solche Prüfungsstücke verwenden, die entweder von der Zertifizierungsstelle oder der
Qualifizierungsstelle für die praktische Prüfung, die in dem Zentrum durchgeführt wird, vorbereitet oder
zugelassen wurden (wenn mehr als ein Prüfungszentrum existiert, muss jedes Prüfungsstücke von
vergleichbarem Schwierigkeitsgrad mit ähnlichen Inhomogenitäten haben) — Unter keinen Umständen
dürfen Prüfungsstücke für Schulungszwecke eingesetzt werden;

g) angemessene Qualifizierungs- und Prüfungsnachweise nach den Bestimmungen der Zertifizierungsstelle


führen.

5.4.2 Ein Prüfungszentrum kann auf dem Gelände eines Arbeitgebers eingerichtet sein. In diesem Fall
muss die Zertifizierungsstelle zusätzliche Kontrollen zur Sicherung der Unparteilichkeit fordern und die
Prüfungen dürfen ausschließlich in Anwesenheit und unter Kontrolle eines autorisierten Repräsentanten der
Zertifizierungsstelle erfolgen.

5.5 Arbeitgeber

5.5.1 Der Arbeitgeber muss den Kandidaten bei der Zertifizierungsstelle oder bei der autorisierten
Qualifizierungsstelle anmelden und die Gültigkeit der vorgelegten personenbezogenen Angaben bestätigen.
Diese Information muss eine Erklärung über die für die Zulassung des Kandidaten erforderliche Ausbildung,
Schulung und Erfahrung sowie Sehfähigkeit beinhalten. Wenn der Kandidat arbeitslos oder aber selbstständig
ist, muss die Erklärung zur Ausbildung, Schulung und Erfahrung durch mindestens eine unabhängige Partei
bestätigt werden, die von der Zertifizierungsstelle akzeptiert wird.

5.5.2 Weder der Arbeitgeber noch seine Mitarbeiter dürfen direkt in die Qualifizierungsprüfung eingebunden
sein.

5.5.3 In Bezug auf das zertifizierte Personal, das ihm unterstellt ist, ist der Arbeitgeber verantwortlich für:

a) alles, was die Autorisierung zur Prüfung betrifft d. h. das Bereitstellen tätigkeitsspezifischer Schulung
(sofern nötig);

b) das Ausstellen einer betrieblichen Autorisierung in schriftlicher Form;

c) die Ergebnisse aus ZfP-Tätigkeiten;

d) die Sicherstellung, dass die Anforderung an die Sehfähigkeit nach 7.4 a) jährlich erfüllt sind;

e) die Bestätigung fortlaufender Tätigkeit in der Anwendung des ZfP-Verfahrens ohne wesentliche
Unterbrechung;

f) die Sicherstellung, dass das Personal gültige Zertifikate hat, die für ihre Aufgaben innerhalb der
Organisation relevant sind;

g) das Aufbewahren von angemessenen Nachweisen.

Es wird empfohlen, diese Verantwortlichkeiten in einer Verfahrensbeschreibung zu dokumentieren.

5.5.4 Selbstständige müssen die gesamte Verantwortung übernehmen, die dem Arbeitgeber zugeschrieben
ist.

5.5.5 Zertifizierung nach dieser internationalen Norm stellt eine Bestätigung der allgemeinen Kompetenz
des ZfP-Prüfers dar. Sie ist in keinem Fall eine betriebliche Autorisierung, da dies die Verantwortlichkeit des
Arbeitgebers ist, und der zertifizierte Angestellte möglicherweise zusätzliche Spezialkenntnisse z. B. über
Gerätschaften, ZfP-Verfahrensbeschreibungen, Materialien und Produkte, die spezifisch für den Arbeitgeber
sind, benötigt.

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EN ISO 9712:2012 (D)

Wenn in gesetzlichen Vorgaben und Regelwerken gefordert, muss die betriebliche Autorisierung in
schriftlicher Form in Übereinstimmung mit der Qualitätsanweisung, die jedwede Anforderung des Arbeitgebers
an tätigkeitsspezifische Schulung und Prüfung beschreibt, die dazu dienen, die Kenntnisse des
Zertifikatsinhabers über relevante Industrieregelwerke, Normen, ZfP-Verfahrensbeschreibungen, Geräte und
Zulassungskriterien für die zu prüfenden Produkte zu bestätigen, erfolgen.

5.6 Kandidat

Kandidaten, entweder angestellt, selbständig oder arbeitslos, müssen:

a) einen überprüfbaren, schriftlichen Nachweis über die zufriedenstellend abgeschlossene Schulung


vorlegen;

b) einen überprüfbaren Nachweis vorlegen, dass sie die benötigte Erfahrung unter qualifizierter Aufsicht
erworben haben;

c) einen schriftlichen Nachweis über die Sehfähigkeit vorlegen, der den Anforderungen nach 7.4 genügt;

d) die von der Zertifizierungsstelle veröffentlichten berufsethischen Regeln befolgen.

5.7 Zertifikatsinhaber

Zertifikatsinhaber müssen:

a) die von der Zertifizierungsstelle veröffentlichten berufsethischen Regeln befolgen;

b) sich einer jährlichen Sehfähigkeitsüberprüfung in Übereinstimmung mit 7.4 a) unterziehen und die
Prüfergebnisse dem Arbeitgeber vorlegen;

c) die Zertifizierungsstelle und den Arbeitgeber informieren, falls die Bedingungen für die Gültigkeit der
Zertifizierung nicht erfüllt werden.

6 Qualifizierungsstufen
6.1 Stufe 1

6.1.1 Eine Person, die in der Stufe 1 zertifiziert ist, hat die Fähigkeit nachgewiesen, ZfP nach einer
Prüfanweisung und unter der Aufsicht von Stufe 2- oder Stufe 3-Personal auszuführen. Das Stufe 1-Personal
darf innerhalb des auf dem Zertifikat festgelegten Geltungsbereiches durch den Arbeitgeber autorisiert
werden, Nachstehendes in Übereinstimmung mit ZfP-Prüfanweisungen auszuführen:

a) ZfP-Geräte einzustellen;

b) Prüfungen durchzuführen;

c) Prüfergebnisse aufzuzeichnen und auf der Grundlage schriftlicher Kriterien einzuordnen;

d) über die Ergebnisse zu berichten.

6.1.2 Stufe 1-Personal darf weder für die Auswahl des anzuwendenden Prüfverfahrens oder der
Prüftechnik noch für die Auswertung von Prüfergebnissen verantwortlich sein.

6.2 Stufe 2

Eine Person, die in der Stufe 2 zertifiziert ist, hat die Fähigkeit nachgewiesen, zerstörungsfreie Prüfungen
nach ZfP-Verfahrensbeschreibungen durchzuführen. Das Stufe 2-Personal darf innerhalb des auf dem
Zertifikat festgelegten Geltungsbereiches durch den Arbeitgeber autorisiert werden:

a) die ZfP-Prüftechnik für das anzuwendende Prüfverfahren auszuwählen;

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b) die Grenzen für die Anwendung des Prüfverfahrens festzulegen;

c) ZfP-Regelwerke, Normen, Spezifikationen und Verfahrensbeschreibungen in Prüfanweisungen, die den


realen Arbeitsbedingungen angepasst sind, umzuwandeln;

d) Geräte einzustellen und die Einstellungen zu verifizieren;

e) Prüfungen durchzuführen und zu überwachen;

f) Prüfergebnisse nach anzuwendenden Normen, Regelwerken, Spezifikationen oder Verfahrensbeschrei-


bungen auszulegen und zu bewerten;

g) alle Tätigkeiten in oder unterhalb der Stufe 2 durchzuführen und zu überwachen;

h) Personal in oder unterhalb der Stufe 2 anzuleiten;

i) Ergebnisse von zerstörungsfreien Prüfungen zu dokumentieren.

6.3 Stufe 3

6.3.1 Eine Person, die in der Stufe 3 zertifiziert ist, hat die Fähigkeit nachgewiesen, ZfP-Tätigkeiten
auszuführen und zu leiten, für die sie zertifiziert ist. Stufe 3-Personal hat

a) die Kompetenz zur Bewertung und Interpretation von Ergebnissen auf Basis existierender Normen,
Regelwerken und Spezifikationen;

b) ausreichend praktische Kenntnisse über anzuwendende Materialien, Herstellung, Prozess- und


Produkttechnologien, um ZfP-Verfahren auszuwählen, ZfP-Techniken zu etablieren und bei der
Erstellung von Zulassungskriterien mitzuwirken, wenn diese anderweitig nicht verfügbar sind;

c) allgemeine Kenntnisse über andere ZfP-Verfahren

nachgewiesen.

6.3.2 Stufe 3-Personal darf innerhalb des auf dem Zertifikat festgelegten Geltungsbereiches autorisiert
werden:

a) die volle Verantwortung für eine Prüfeinrichtung oder ein Prüfungszentrum und die Belegschaft zu
übernehmen;

b) ZfP-Prüfanweisungen und Verfahrensbeschreibungen aufzustellen, auf redaktionelle und technische


Richtigkeit zu prüfen und zu validieren;

c) Normen, Regelwerke, Spezifikationen und Verfahrensbeschreibungen auszulegen;

d) die zu verwendenden Prüfverfahren, Verfahrensbeschreibungen und ZfP-Prüfanweisungen festzulegen;

e) alle Aufgaben in allen Stufen auszuführen und zu überwachen;

f) ZfP-Personal aller Stufen anzuleiten.

7 Zulassungsvoraussetzung
7.1 Allgemeines

Der Kandidat muss die Mindestanforderungen an Sehfähigkeit und Schulung vor der Qualifizierungsprüfung
und die Mindestanforderungen an die industrielle Erfahrung vor der Zertifizierung erfüllen.

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7.2 Schulung

7.2.1 Der Kandidat muss mit schriftlichen, für die Zertifizierungsstelle akzeptablen Belegen nachweisen,
dass er eine Schulung im Verfahren und der Stufe, für die er eine Zertifizierung anstrebt, erfolgreich
abgeschlossen hat.

7.2.2 Für alle Stufen muss der Kandidat eine theoretische und praktische Schulung erfolgreich ablegen, die
von der Zertifizierungsstelle anerkannt wird.

Für Stufe 3 kann zusätzlich zu den in Tabelle 2 angegebenen Mindest-Schulungszeiten eine Vorbereitung auf
die Qualifizierung auf verschiedenen Wegen abhängig von den wissenschaftlichen und technischen
Vorkenntnissen des Kandidaten vervollständigt werden inklusive durch Teilnahme an anderen Schulung,
Konferenzen oder Seminaren, Selbststudium anhand von Büchern, Zeitschriften und anderen spezifischen
gedruckten oder elektronischen Medien.

ANMERKUNG Richtlinien für Schulungsorganisationen für ZfP-Personal sind in ISO/TR 25108 [3] dargelegt.

7.2.3 Die Mindestdauer der Schulung, die ein Kandidat für die Zertifizierung absolvieren muss, ist in 7.2.4
und Tabelle 2 für das jeweilige ZfP-Verfahren mit den in 7.2.5 beschriebenen möglichen Reduzierungen
angegeben.

Die Dauer basiert darauf, dass der Kandidat über angemessene mathematische Fähigkeiten und Kenntnisse
von Materialeigenschaften und Herstellungsverfahren verfügt. Wenn dies nicht der Fall ist, so darf die
Zertifizierungsstelle zusätzliche Schulung verlangen.

Schulungszeiten umfassen sowohl praktischen als auch theoretischen Unterricht.

Wenn Industriesektoren wie in Anhang A beschrieben neu definiert werden, sollte die Zertifizierungsstelle
bedenken, ob die Mindestanforderungen an Schulungszeiten wie in Tabelle 2 ausreichend sind oder erhöht
werden sollten.

7.2.4 Für den direkten Zugang zur Stufe 2 müssen die Gesamtstunden für Stufe 1 und Stufe 2, wie in
Tabelle 2 dargestellt, nachgewiesen werden.

Für den direkten Zugang zur Stufe 3 müssen die Gesamtstunden für die Stufen 1, 2 und 3 nach Tabelle 2
nachgewiesen werden. Unter Berücksichtigung der Pflichten einer zertifizierten Stufe 3-Person (siehe 6.3) und
dem Inhalt des Teils C der Prüfung der Grundlagenkenntnisse für Stufe 3 (siehe Tabelle 6), kann zusätzliche
Schulung über die anderen ZfP-Verfahren erforderlich sein.

Tabelle 2 — Mindestanforderungen an die Schulung

ZfP-Verfahren Stufe 1 Stufe 2 Stufe 3


h h h
AT 40 64 48
ET 40 48 48
LT B-Druckverfahren 24 32 32
C-Gasverfahren 24 40 40
MT 16 24 32
PT 16 24 24
ST 16 24 20
TT 40 80 40
RT 40 80 40
UT 40 80 40
VT 16 24 24
ANMERKUNG Für RT enthalten die Schulungsstunden keine Strahlenschutzschulung.

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7.2.5 Die möglichen Reduzierungen von Schulungszeiten sind nachfolgend dargelegt, unter der Vorgabe,
dass, wenn mehrere Reduzierungsmöglichkeiten anwendbar sind, die Gesamtreduzierung nicht mehr als
50 % der Schulungsdauer betragen darf. Jede Reduzierung bedarf der Zustimmung der Zertifizierungsstelle.

a) Für alle Stufen:

 streben Kandidaten die Zertifizierung in mehr als einem Verfahren (z. B. MT, PT) an oder sind bereits
zertifiziert und wollen in einem weiteren Verfahren zertifiziert werden, darf die Gesamtstundenzahl der
Schulung für diese Verfahren (z. B. PT, MT, VT) in Übereinstimmung mit den Lehrplänen reduziert
werden, wenn in diesen Lehrplänen bestimmte Aspekte doppelt aufgeführt sind (z. B.
Produkttechnologie);

 für Kandidaten, die den Abschluss in einem relevanten Fach einer Technischen Hochschule oder
Universität haben oder mindestens 2 Jahre eines relevanten Ingenieur- oder Naturwissenschaftsstudiums
an einer Hochschule oder Universität abgeschlossen haben, darf die Gesamtzahl der Schulungsstunden
um bis zu 50 % reduziert werden.

ANMERKUNG Das Fach sollte von Bedeutung für das ZfP-Verfahren sein (Chemie, Mathematik oder Physik)
und/oder zu dem Produkt- oder Industriesektor (Chemie, Metallurgie, Ingenieurswesen usw.)

b) Wenn für Stufe 1 und Stufe 2 eine eingeschränkte Zertifizierung

 in der Anwendung (z. B. automatisierte ET-, UT-Prüfung von Langprodukten, Rohren und Draht; oder
Wanddickenmessung und Schichtdickenmessung mit UT von gewalzten Stahlblechen);

 in Prüftechniken (z. B. RT nur für Radioskopie)

angestrebt wird, darf die Schulungszeit um bis zu 50 % reduziert werden.

c) Für den direkten Zugang zu Stufe 2 im Verfahren RT mit eingeschränkter Zertifizierung für die
Filmauswertung und für nur einen Produktsektor beträgt die Mindestanforderung an die Schulungszeit
56 h.

7.3 Industrielle ZfP-Erfahrung

7.3.1 Allgemeines

Die Mindesterfahrungszeit in dem Sektor, für den der Kandidat die Zertifizierung beantragt, muss wie in
Tabelle 3 angegeben sein, wobei mögliche Reduzierungen unter 7.3.3 angeführt sind. Wenn ein Kandidat die
Zertifizierung in mehr als einem Verfahren anstrebt, dann muss die Gesamterfahrungszeit gleich der Summe
dieser Erfahrung in jedem Verfahren sein.

Im Sinne dieser internationalen Norm umfasst die Arbeitserfahrung für eine Stufe 2-Zertifizierung
Erfahrungszeit in Stufe 1. Wird eine Person direkt und ohne Erfahrungszeit in Stufe 1 für die Stufe 2
qualifiziert, muss die Erfahrungszeit die Summe aus den für die Stufe 1 und Stufe 2 erforderlichen
Erfahrungszeiten sein. In diesem Fall ist keine Reduzierung der Erfahrungszeit erlaubt.

Für alle Stufen muss eine Mindesterfahrungszeit, die vor der Prüfung im entsprechenden Sektor gesammelt
werden muss, von der Zertifizierungsstelle festgelegt werden (ein angemessener Teil oder Prozentsatz der
Gesamtanforderung nach Tabelle 3). Für den Fall, dass ein Teil der Erfahrung erst nach der erfolgreich
abgelegten Prüfung gesammelt wird, müssen die Ergebnisse der Prüfung für zwei Jahre oder für die gesamte
Erfahrungszeit, die für die betroffenen Verfahren notwendig ist, gültig bleiben, was immer länger ist.

Ein schriftlicher Nachweis über die Erfahrung muss durch den Arbeitgeber bestätigt und bei der
Zertifizierungsstelle eingereicht werden.

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Tabelle 3 — Mindestanforderungen an die industrielle ZfP-Erfahrung


Erfahrung
ZfP-Verfahren in Monaten a
Stufe 1 Stufe 2 Stufe 3
AT, ET, LT, RT, UT, TT 3 9 18
MT, PT, ST, VT 1 3 12
a Die Arbeitserfahrung beruht auf einer nominellen 40-Stunden-Woche oder der
gesetzlichen Wochenarbeitszeit. Arbeitet eine Person mehr als 40 h/Woche, darf ihr
die Erfahrungszeit aufgrund der Gesamtstunden angerechnet werden, aber sie
muss verpflichtet werden, Nachweise über diese Erfahrung zu liefern.

7.3.2 Stufe 3

Verantwortlichkeiten der Stufe 3 erfordern Kenntnisse, die über den technischen Umfang von jedwedem
spezifischen ZfP-Verfahren hinausgehen. Diese umfassenden Kenntnisse können durch vielfältige
Kombinationen von Ausbildung, Schulung und Erfahrung angeeignet werden. Tabelle 3 beschreibt genau die
Mindesterfahrung für Kandidaten, die erfolgreich eine technische Schule oder mindestens 2 Jahre eines
Ingenieur- oder naturwissenschaftlichen Studiums an einer Fachhochschule oder Universität abgeschlossen
haben. Ist dieses nicht der Fall, muss die Dauer mit dem Faktor 2 multipliziert werden.

Im Sinne dieser internationalen Norm umfasst die Arbeitserfahrung für eine Stufe 3-Zertifizierung
Erfahrungszeit in Stufe 2. Wird eine Person direkt und ohne Erfahrungszeit in Stufe 1 für die Stufe 3
qualifiziert, ohne Erfahrungszeit in Stufe 2, muss die Erfahrungszeit die Summe aus den für die Stufe 2 und
Stufe 3 erforderlichen Erfahrungszeiten sein. In diesem Fall ist keine Reduzierung der Erfahrungszeit erlaubt.

7.3.3 Reduzierungsmöglichkeiten

7.3.3.1 Die nachfolgend beschriebenen Reduzierungen der Erfahrungszeiten sind unter der
Voraussetzung möglich, dass, wenn mehrere Reduzierungsmöglichkeiten bestehen, die Gesamtreduzierung
nicht mehr als 50 % der Erfahrungszeit beträgt. Jedwede Reduzierung bedarf der Zustimmung der
Zertifizierungsstelle.

Wenn eine mögliche Reduzierung der Erfahrungszeiten erwägt wird, sollte die Zertifizierungsstelle folgende
Aspekte berücksichtigen:

 die Qualität der Erfahrung kann variieren und Fähigkeiten können in einem Umfeld, in dem umfangreiche
Erfahrung vorhanden ist, schneller erlernt werden, und von wesentlicher Bedeutung für die angestrebte
Zertifizierung sein;
 wenn Erfahrung gleichzeitig in zwei oder mehr Oberflächenverfahren d. h. MT, PT und VT gesammelt
wird, kann die bei der Anwendung eines ZfP-Verfahrens gesammelte Erfahrung komplementär zu der in
einem oder mehreren anderen Oberflächenverfahren gesammelten sein;
 Erfahrung in einem Sektor eines ZfP-Verfahrens, für das bereits eine Zertifizierung besteht, kann
komplementär zu der Erfahrung in anderen Sektoren des gleichen ZfP-Verfahrens sein;
 das Niveau und die Qualität der Ausbildung eines Kandidaten sollte ebenfalls berücksichtigt werden.
Dieses gilt insbesondere für Stufe 3-Kandidaten, kann aber auch für andere Stufen anwendbar sein.

7.3.3.2 Eine Anrechnung von Erfahrungszeit darf gleichzeitig in zwei oder mehreren ZfP-Verfahren nach
dieser internationalen Norm erworben werden, wobei eine Verringerung der gesamten erforderlichen
Erfahrungszeit wie folgt festgelegt wird:

 zwei Verfahren: Reduzierung der gesamten erforderlichen Zeit um 25 %;


 drei Verfahren: Reduzierung der gesamten erforderlichen Zeit um 33 %;
 vier oder mehr Verfahren: Reduzierung der gesamten erforderlichen Zeit um 50 %.
In jedem dieser Fälle muss der Kandidat nachweisen, dass er für jedes der Verfahren, für das er eine
Zertifizierung anstrebt, mindestens 50 % der Erfahrungszeit, die in Tabelle 3 gefordert ist, hat.

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7.3.3.3 In jedem dieser Fälle muss der Kandidat nachweisen, dass er für jedes ZfP-Verfahren / und jede
Sektor-Kombination, für die er eine Zertifizierung anstrebt, mindestens die Hälfte der Erfahrung nachweisen
kann, und diese darf nie weniger als einen Monat betragen.

7.3.3.4 Wenn die beantragte Zertifizierung im Geltungsbereich eingeschränkt ist (z. B. Dickenmessung,
oder automatisierte Prüfung), dann darf die Erfahrungszeit um bis zu 50 %, jedoch nicht auf weniger als einen
Monat reduziert werden.

7.3.3.5 Bis zu 50 % der praktischen Erfahrungszeit dürfen durch ein geeignetes Praktikum erworben
werden, wobei die Dauer mit einem Faktor von höchstens 5 gewichtet werden darf. Diese Vorgehensweise
darf nicht in Verbindung mit den in 7.3.3.4 spezifizierten Punkten angewendet werden. Das Praktikum muss
auf die praktische Lösung häufig vorkommender Prüfprobleme konzentriert sein und sollte eine
aussagekräftige Anzahl zu prüfender Übungsstücke mit bekannten Fehlern umfassen. Das Programm muss
von der Zertifizierungsstelle anerkannt sein.

7.4 Anforderungen an die Sehfähigkeit – alle Stufen


Der Kandidat muss den schriftlichen Nachweis zufrieden stellender Sehfähigkeit, in Übereinstimmung mit den
folgenden Anforderungen erbringen:
a) die Nahsehfähigkeit muss ausreichen, um die Jaeger-Nummer-1-Buchstaben oder Times Roman 4,5
oder gleichwertige Sehzeichen (mit einer Höhe von 1,6 mm) in einem Abstand von nicht weniger als
30 cm mit mindestens einem Auge, mit oder ohne Sehhilfe, lesen zu können;
b) das Farbsehvermögen muss ausreichend sein, dass der Kandidat Kontraste zwischen Farben oder
Grauschattierungen erkennen und unterscheiden kann, die bei den betreffenden ZfP-Verfahren, wie vom
Arbeitgeber festgelegt, benutzt werden.

Die Zertifizierungsstelle darf den Ersatz der Anforderungen unter a) durch die Erfüllung einer geeigneten
Alternative in Betracht ziehen.

Nach der Zertifizierung müssen die Prüfungen der Nahsehfähigkeit mindestens einmal jährlich durchgeführt
und durch den Arbeitgeber bestätigt werden.

8 Qualifizierungsprüfung

8.1 Allgemeines

Die Qualifizierungsprüfung muss ein bestimmtes ZfP-Verfahren abdecken, wie sie in einem Industriesektor
oder einem oder mehreren Produktsektoren angewendet wird. Die maximale Zeit, welche dem Kandidaten
zum Ablegen jeder Prüfung eingeräumt wird, muss, basierend auf Anzahl und Schwierigkeit der Fragen, von
der Zertifizierungsstelle festgelegt und veröffentlicht werden. Der Mittelwert der zugestandenen Zeit für frei zu
formulierende Antworten muss von der Zertifizierungsstelle festgelegt werden.

8.2 Inhalt und Bewertung der Prüfung für die Stufen 1 und 2

8.2.1 Allgemeine Prüfung

Die allgemeine Prüfung darf nur aus Fragen bestehen, die nach dem Zufallsprinzip aus der, zum Zeitpunkt der
Prüfung gültigen, von der Zertifizierungsstelle oder der autorisierten Qualifizierungsstelle anerkannten
Fragensammlung für allgemeine Prüfungen ausgewählt wurden. Der Kandidat muss mindestens die in
Tabelle 4 angegebene Anzahl der Auswahlantwort-Aufgaben beantworten.

Sofern durch nationale Vorschriften nichts anders festgelegt wurde, muss für das Verfahren Durchstrahlungs-
prüfung eine zusätzliche Prüfung für den Strahlenschutz abgelegt werden.

In Abhängigkeit von der Vorgehensweise der Zertifizierungsstelle dürfen die Prüfungen im Verfahren
Durchstrahlungsprüfung Röntgenstrahlung und/oder Gammastrahlung beinhalten.

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Tabelle 4 — Erforderliche Mindest-Aufgabenzahl –


Allgemeine Prüfungen

ZfP-Verfahren Anzahl der Fragen


AT, ET, TT, RT, UT 40
LT, MT, PT, ST, VT 30

8.2.2 Spezielle Prüfung

Die spezielle Prüfung darf ausschließlich Fragen beinhalten, die aus der aktuellen Sammlung spezieller
Prüfungsfragen der Zertifizierungsstelle oder der autorisierten Qualifizierungsstelle ausgewählt werden und
die auf den/die betreffenden Sektor(en) bezogen sind.

Während der speziellen Prüfung muss der Kandidat mindestens 20 Auswahlantwort-Aufgaben beantworten,
einschließlich der Fragen, welche Berechnungen, ZfP-Verfahrensbeschreibungen und Fragen zu
Regelwerken, Normen und Spezifikationen beinhalten.

Falls die spezielle Prüfung zwei oder mehr Sektoren abdeckt, muss die Mindestzahl der Fragen, gleichmäßig
auf die betreffenden Produkt- oder Industriesektoren verteilt, mindestens 30 betragen (siehe Anhang A).

8.2.3 Praktische Prüfung

8.2.3.1 Die praktische Prüfung muss die Anwendung des Prüfverfahrens für die vorgegebenen
Prüfungsstücke, die Aufzeichnung (und für Stufe 2-Kandidaten, die Bewertung) der Ergebnisdaten im
erforderlichen Umfang sowie die Protokollierung der Ergebnisse in der geforderten Form beinhalten.
Prüfungsstücke, die zu Schulungszwecken benutzt wurden, dürfen nicht zur Prüfung verwendet werden.

8.2.3.2 Jedes Prüfungsstück muss eindeutig gekennzeichnet sein; für jedes muss eine
Prüfungsstückdokumentation vorliegen, in der alle Geräteeinstellungen für die Erkennung der aufgeführten
Inhomogenitäten innerhalb des Prüfungsstückes enthalten sind. Es muss eindeutig durch eine angemessene
permanente Markierung identifizierbar sein, so dass es vollständig rückverfolgbar ist. Eine derartige
Markierung darf die praktische Prüfung oder Inspektion des Prüfungsstückes nicht stören und muss, wenn
möglich, vor dem Kandidaten geheim gehalten werden, wenn das Stück in der Prüfung genutzt wird. Die
Prüfungsstückdokumentationen für Bewertung von Prüfungen müssen auf der Grundlage von mindestens
zwei unabhängigen Prüfungen erstellt werden und durch einen Stufe 3-Zertifikatsinhaber bestätigt werden.
Die unabhängigen Prüfberichte, aus denen die Prüfungsstückdokumentationen erstellt werden, sind als
Aufzeichnungen aufzubewahren.

8.2.3.3 Prüfungsstücke müssen sektorspezifisch sein, praktische Prüfsituationen abbilden und müssen
typische Inhomogenitäten enthalten, die üblicherweise während der Fertigung oder im Betrieb auftreten. Sie
dürfen natürlich sein, künstlich erzeugt oder eingebracht werden. Für Bewertungsaufgaben in der Stufe 2
können anstelle der realen Prüfungsstücke Datensätze oder Filme benutzt werden.

Prüfungsstücke, welche für die Kalibrierung oder für Messaufgaben benutzt werden (z. B. Wanddicken- oder
Beschichtungsmessungen), müssen keine Inhomogenitäten enthalten. Für RT müssen Prüfungsstücke keine
Inhomogenitäten enthalten, da diese in den Filmen zur Auswertung vorgelegt werden. Für AT, TT und ST
müssen die Prüfungsstücke ebenfalls keine Inhomogenitäten enthalten, da diese in den Datensätzen für die
Auswertung in der Stufe 2 vorgelegt werden.

ANMERKUNG Richtlinien für Fehlerarten in Prüfungsstücken können in CEN/TS 15053 [6] oder ISO/TS 22809 [1]
gefunden werden.

8.2.3.4 Die Zertifizierungsstelle muss sicherstellen, dass die Anzahl der zu prüfenden Oberflächen oder
Volumen der betreffenden Stufe, dem Prüfverfahren und dem Sektor angepasst ist und dass die Oberflächen
oder Volumen auswertbare Inhomogenitäten enthalten. Die Anforderungen bezüglich der Anzahl der in der
praktischen Prüfung in den Stufen 1 und 2 zu prüfenden Prüfungsstücke, Oberflächen oder Volumen sind im
Anhang B wiedergegeben.

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8.2.3.5 Der Stufe 1-Kandidat muss der/den vom Prüfungsbeauftragten bereitgestellten ZfP-Prüfan-
weisung(en) folgen.

8.2.3.6 Der Stufe 2-Kandidat muss die anzuwendende ZfP-Technik auswählen und, bezogen auf
gegebene Regelwerke, Normen oder Spezifikationen, die Arbeitsabläufe festlegen.

8.2.3.7 Prüfungen, bei denen Inhomogenitäten üblicherweise durch künstliche Quellen ersetzt werden
oder aus Datensätzen detektiert werden sollen, muss der Stufe 1-Kandidat seine Fähigkeit nachweisen, das
Prüfgerät einzurichten und zu kalibrieren, dessen Empfindlichkeit zu überprüfen und die Prüfdaten
aufzuzeichnen. Der Stufe 2-Kandidat muss darüber hinaus seine Fähigkeit nachweisen, zuvor aufgezeichnete
Prüfdaten auszuwerten und zu deuten.

8.2.3.8 Die zugestandene Zeit für die Prüfung hängt von der Anzahl der Prüfungsstücke und ihrer
Komplexität ab. Die durchschnittlich zugestandene Bearbeitungszeit muss von der Zertifizierungsstelle
festgelegt werden. Die empfohlene Maximalzeit, die für jede Oberfläche oder jedes Volumen zugestanden
wird, beträgt höchstens
a) für die Stufe 1: 2 h;
b) für die Stufe 2: 3 h.

8.2.3.9 Stufe 2-Kandidaten müssen für ein vom Prüfungsbeauftragten ausgewähltes Prüfungsstück
mindestens eine für Stufe 1-Personal angemessene ZfP-Prüfanweisung entwerfen.

Die empfohlene Maximalzeit, die für diesen Teil der Prüfung zugestanden wird, beträgt 2 h.

8.2.4 Bewertung von Qualifizierungsprüfungen für die Stufe 1 und Stufe 2

8.2.4.1 Die allgemeinen, speziellen und praktischen Prüfungsteile müssen separat bewertet werden.
Wenn konventionelle, auf Papier ausgedruckte Prüfungen genutzt werden, dann ist ein Prüfungsbeauftragter
verantwortlich für die Bewertung der Prüfungen durch den Vergleich mit Musterantworten. Nach Wahl der
Zertifizierungsstelle dürfen E-Assessment-Systeme genutzt werden, die automatisch die Antworten des
Kandidaten mit gespeicherten Daten vergleichen und die abgelegte schriftliche Prüfung gemäß vorgegebener
Algorithmen bewerten.

8.2.4.2 Die praktische Prüfung muss nach den Positionen 1 bis 4 in Tabelle 5 mit den für Stufe und
Verfahren empfohlenen Wichtungsfaktoren bewertet werden.

Tabelle 5 — Themen und Wichtungsfaktoren für die Bewertung — Praktische Prüfung


Wichtungsfaktor
Positiona Thema Stufe 1 Stufe 2
% %
Kenntnis des ZfP-Gerätes einschließlich der Funktionsweise und
1 20 10
Kontrolle der Einstellung des Gerätes
Die Durchführung der ZfP am Prüfungsstück. Diese besteht aus
den folgenden Teilschritten:
für die Stufe 2, Auswahl der Technik und der Festlegung der
Prüfbedingungen;
2 die Vorbereitung (Oberflächenzustand) und Sichtprüfung des 35 20
Prüfungsstückes;
die Einstellung des Gerätes;
die Durchführung der Prüfung;
die Nachbereitung der Prüfung.
Das Auffinden und Protokollieren der Inhomogenitäten sowie für
3 die Stufe 2 deren Charakterisierung (Lage, Ausrichtung, 45 55
Ausdehnung und Art) und die Auswertung.
Für die Stufe 2, Entwurf einer schriftlichen Prüfanweisung für die
4 — 15
Stufe 1.
a Tabelle D.1 unterstützt mit zusätzlichen Einzelheiten für jeden Teilschritt; sie sollte dann genutzt werden, wenn der
Prüfungsbeauftragte es für angemessen hält.

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8.2.4.3 Um zur Zertifizierung zugelassen zu werden, muss der Kandidat in jedem Prüfungsteil (allgemein,
speziell und praktisch) eine Bewertung von mindestens 70 % erreichen. Darüber hinaus muss eine Bewertung
von mindestens 70 % für jedes Prüfungsstück bei der praktischen Prüfung erzielt werden, ebenfalls, sofern
zutreffend, für die schriftliche Prüfanweisung.

8.2.4.4 Der allgemeine und spezielle Teil der Prüfung wird bewertet, in dem die vom Kandidaten
gegebenen Antworten mit den von der Zertifizierungsstelle freigegebenen Musterlösungen verglichen werden.
Jede korrekte Antwort wird mit 1 Punkt gewertet und das Ergebnis des Prüfungsteils entspricht der Summe
der erzielten Punkte. Bei der abschließenden Berechnung wird das Ergebnis jedes Prüfungsteils als
Prozentsatz ausgedrückt.

8.2.4.5 Für Stufe 2-Kandidaten muss das Prüfungsstück, für das die Prüfanweisung erstellt wurde, mit
einem Gesamtwert von 100 nach Tabelle D.1 bewertet werden. Die anderen Prüfungsstücke (ohne
Prüfanweisung), müssen mit einem Gesamtwert von 85 nach Tabelle D.1 (siehe 8.2.4.2) bewertet werden,
wobei die abschließende Wertung als Prozentsatz berechnet werden muss (u 100/85). Die Prüfanweisung
muss mit einem Wert von 15 nach Tabelle D.1 (siehe 8.2.4.2) bewertet werden und für den Vergleich mit den
in 8.2.4.3 geforderten 70 % muss dieser Wert mit 100/15 multipliziert werden.

Die Prüfanweisungen für AT-Prüfungen dürfen sich auf ein Prüfungsstück beziehen, das nicht während der
praktischen Schulung geprüft wurde.

8.3 Prüfungsinhalt und Prüfung für die Stufe 3


8.3.1 Allgemeines

Alle Kandidaten für die Stufe 3-Zertifizierung jeglicher ZfP-Verfahren müssen die praktische Stufe 2-Prüfung
im relevanten Sektor und Verfahren erfolgreich (mit einer Bewertung von t 70 %) abgeschlossen haben;
ausgenommen ist der Entwurf von ZfP-Prüfanweisungen für Stufe 1 (siehe 8.2.3.9). Ein Kandidat, der bereits
Stufe 2 in derselben ZfP-Verfahren und demselben Sektor ist oder erfolgreich die praktische Stufe 2-Prüfung
für das ZfP-Verfahren in einem, wie in Anhang A festgelegten, Industriesektor erfolgreich bestanden hat, ist
von der erneuten praktischen Stufe 2-Prüfung befreit. Diese Befreiung gilt nur für Produktsektoren, die in dem
betroffenen Industriesektor enthalten sind. Andernfalls ist der relevante Sektor der, für den der Kandidat die
Stufe 3-Zertifizierung beantragt.

8.3.2 Prüfung der Grundlagenkenntnisse

8.3.2.1 Diese schriftliche Prüfung muss die Grundlagenkenntnisse des Kandidaten abfragen und dabei
mindestens die Anzahl von Auswahlantwort-Aufgaben nutzen, die in der Tabelle 6 angegeben sind. Die
Prüfungsfragen müssen nach dem Zufallsprinzip aus der aktuellen, von der Zertifizierungsstelle zum Zeitpunkt
der Prüfung freigegebenen, Fragensammlung ausgewählt werden.

Tabelle 6 — Erforderliche Mindest-Anzahl der Fragen der Prüfung der Grundlagenkenntnisse

Anzahl der
Teil Thema
Fragen
A Technische Kenntnisse aus der Werkstoffkunde und Verfahrenstechnologie. 25
Kenntnisse des auf dieser Internationalen Norm beruhenden Qualifizierungs-
B und Zertifizierungssystems der Zertifizierungsstelle. Bei dieser Prüfung dürfen 10
Unterlagen zugelassen werden.
Allgemeine Kenntnisse aus mindestens vier Verfahren, so wie sie für die 15
Stufe 2 erforderlich sind und vom Kandidaten aus den in Abschnitt 1 für jedes
C
aufgeführten Verfahren ausgewählt wurden. Diese vier Verfahren müssen Prüfverfahren
mindestens ein volumetrisches Verfahren (UT oder RT) einschließen. (insgesamt 60)

8.3.2.2 Es wird empfohlen, erst die Prüfung der Grundlagenkenntnisse abzulegen, die unter der
Voraussetzung gültig bleibt, dass danach innerhalb von 5 Jahren die erste Prüfung im Hauptverfahren
abgelegt wird. Ein Kandidat mit gültigem Stufe 3-Zertifikat ist von der Wiederholung der Prüfung der
Grundlagenkenntnisse befreit.

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DIN EN ISO 9712:2012-12
EN ISO 9712:2012 (D)

8.3.3 Prüfung im Hauptverfahren

Diese schriftliche Prüfung muss die Kenntnisse des Kandidaten zu den Inhalten des Hauptverfahrens
abfragen und dabei mindestens die Anzahl der Auswahlantwort-Aufgaben nutzen, die in Tabelle 7 angeben
sind. Die Prüfungsfragen müssen nach dem Zufallsprinzip aus der aktuellen, von der Zertifizierungsstelle zum
Zeitpunkt der Prüfung freigegebenen, Fragensammlung ausgewählt werden.

Tabelle 7 — Erforderliche Mindestanzahl der Prüfungsfragen im Hauptverfahren


Anzahl der
Teil Thema
Fragen
D Stufe 3-Kenntnisse für das angewendete Prüfverfahren 30
Anwendung des ZfP-Verfahrens in dem betreffenden Sektor einschließlich der
anzuwendenden Regelwerke, Normen, Spezifikationen und
E Verfahrensbeschreibungen. Bei dieser Prüfung dürfen Unterlagen wie 20
Regelwerke, Normen, Spezifikationen und Verfahrensbeschreibungen
zugelassen werden.
Entwurf einer oder mehrerer ZfP-Verfahrensbeschreibungen in dem
entsprechenden Sektor. Die geltenden Regelwerke, Normen, Spezifikationen
und anderer Verfahrensbeschreibungen müssen dem Kandidaten zur
Verfügung stehen.
F Für einen Kandidaten der bereits eine ZfP-Verfahrensbeschreibung in einer —
zuvor erfolgreich abgelegten Stufe 3-Prüfung entworfen hat, darf die
Zertifizierungsstelle den Entwurf einer Verfahrensbeschreibung durch eine
Fehleranalyse einer bestehenden ZfP-Verfahrensbeschreibung aus dem
relevanten Verfahren und Sektor ersetzen, die Fehler und/oder Auslassungen
enthält.

8.3.4 Bewertung von Qualifizierungsprüfungen für die Stufe 3

8.3.4.1 Allgemeines

Die Prüfungen in den Grundlagenkenntnissen und in den Hauptverfahren müssen getrennt bewertet werden.
Um für die Zertifizierung zugelassen werden zu können, muss ein Kandidat sowohl die Prüfungen für die
Grundlagenkenntnisse als auch die für das Hauptverfahren bestehen.

Für die drei Teile A, B und C der Prüfung der Grundlagenkenntnisse und die Teile D und E der Prüfung im
Hauptverfahren gelten die folgenden Anforderungen.

Wenn konventionelle, auf Papier ausgedruckte Prüfungen genutzt werden, dann muss ein
Prüfungsbeauftragter verantwortlich für die Bewertung der Prüfungen durch den Vergleich mit
Musterantworten sein. Jede richtige Antwort wird mit 1 Punkt gewertet und das Ergebnis des Prüfungsteils
entspricht der Summe der erzielten Punkte. Bei der abschließenden Berechnung wird das Ergebnis jeder
Teilprüfung als Prozentsatz ausgedrückt.

Nach Wahl der Zertifizierungsstelle können E-Assessment-Systeme genutzt werden, die automatisch die
Antworten des Kandidaten mit gespeicherten Daten vergleichen und die fertiggestellte schriftliche Prüfung
gemäß hinterlegter Algorithmen bewerten.

8.3.4.2 Prüfung der Grundlagenkenntnisse

Um diese Prüfung erfolgreich abzulegen, muss der Kandidat eine Bewertung von mindestens 70 % in jedem
der Teile A, B und C erreichen.

8.3.4.3 Prüfung im Hauptverfahren

Um diese Prüfung erfolgreich abzulegen, muss der Kandidat eine Bewertung von mindestens 70 % in jedem
der Teile D, E und F erreichen.

Die empfohlene Wichtung für die ZfP-Verfahrensbeschreibung ist Tabelle D.2 zu entnehmen.

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8.4 Durchführung der Prüfungen


8.4.1 Alle Prüfungen müssen in Prüfungszentren durchgeführt werden, die von der Zertifizierungsstelle —
entweder direkt oder indirekt durch eine autorisierte Qualifizierungsstelle — eingerichtet, anerkannt und
überwacht werden.

8.4.2 Während der Prüfung muss der Kandidat im Besitz eines gültigen Identifikationsnachweises und einer
offiziellen Einladung zur Prüfung sein, die dem Prüfungsbeauftragten oder dem Aufsichtsführenden auf
Verlangen vorgezeigt werden muss.

8.4.3 Jeder Kandidat, der während des Prüfungsablaufs die Prüfungsordnung nicht befolgt bzw.
Betrugsversuche verübt oder unterstützt, muss von allen weiteren Prüfungen für einen Zeitraum von
mindestens einem Jahr ausgeschlossen werden.

8.4.4 Prüfungsfragen müssen durch die Zertifizierungsstelle für gültig erklärt werden. Wenn konventionell
vorbereitete, auf Papier gedruckte Prüfungen genutzt werden, müssen die Prüfungsunterlagen durch einen
Prüfungsbeauftragten bestätigt und genehmigt werden und die Bewertung muss gemäß der von der
Zertifizierungsstelle genehmigten Vorgehensweise erfolgen (siehe 8.2.4 und 8.3.4). Wenn
E-Assessment-Systeme genutzt werden, welche die Fragen auswählen, die „schriftliche“ Prüfung dem
Kandidaten auf einem Computer bereit stellen und die Prüfung bewerten, dann muss die Zertifizierungsstelle
das E-Assessment-System bestätigen und genehmigen.

8.4.5 Schriftliche (ob E-Assessment oder konventionell) und praktische Qualifizierungsprüfungen müssen
durch einen Prüfungsbeauftragten oder einen oder mehrere geschulte Aufsichtsführende, die unter der
Verantwortung des Prüfungsbeauftragten stehen, beaufsichtigt werden.

8.4.6 Es ist einem Prüfungsbeauftragten nicht gestattet einen Kandidaten zu prüfen:

a) den er für die Prüfung geschult hat, und zwar für einen Zeitraum von 2 Jahren nach Abschluss der
Schulung,

b) der in derselben Einrichtung wie der Prüfungsbeauftragte tätig ist (permanent oder temporär).

8.4.7 In der praktischen Prüfung darf ein Kandidat mit Zustimmung der Zertifizierungsstelle sein eigenes
Prüfgerät benutzen.

8.4.8 Kandidaten dürfen ohne ausdrückliche Erlaubnis des Prüfungsbeauftragten keinerlei persönliche
Hilfsmittel mit in den Prüfungsbereich bringen.

8.5 Prüfungswiederholung
8.5.1 Ein Kandidat, der wegen unethischen Verhaltens durchfällt, muss vor der Wiederbeantragung
mindestens 12 Monate warten (siehe 8.4.3).

8.5.2 Ein Kandidat, der bei einem beliebigen Prüfungsteil nicht das erforderliche Ergebnis erreicht, darf
jeden der nicht bestandenen Prüfungsteile zweimal wiederholen, vorausgesetzt, die Wiederholungsprüfung
findet frühestens nach einem Monat statt, es sei denn, eine zusätzliche, von der Zertifizierungsstelle
akzeptierte Schulung wurde erfolgreich absolviert, und nicht später als 2 Jahre nach der ursprünglichen
Prüfung.
ANMERKUNG Prüfungsteile beziehen sich in diesem Zusammenhang: für Stufe 1 und 2, die allgemeine, spezielle und
praktische Prüfung; für Stufe 3-Grundlagenprüfung, Teile A, B und C; für Stufe 3-Hauptverfahren, Teile D, E und F.

8.5.3 Ein Kandidat, der in allen erlaubten Wiederholungsprüfungen durchfällt, muss die Prüfung erneut
beantragen und ablegen, wobei die für Erstkandidaten festgelegten Regeln gelten.

8.6 Prüfungsbefreiungen

8.6.1 Eine in der Stufe 1 oder Stufe 2 zertifizierte Person, die im gleichen ZfP-Verfahren den Sektor
wechselt oder einen anderen Sektor hinzufügt, muss nur die neue sektorbezogene spezielle und praktische
Prüfung für dieses Verfahren ablegen.

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8.6.2 Eine in der Stufe 3 zertifizierte Person, die im gleichen ZfP-Verfahren den Sektor wechselt oder um
einen anderen Sektor erweitert, ist von der Wiederholung der Prüfung der Grundlagenkenntnisse sowie der
Prüfung im Hauptverfahren Teil D der Stufe 3 (siehe Tabelle 7) befreit.

9 Zertifizierung
9.1 Verwaltung
Ein Kandidat, der alle Zertifizierungsbedingungen erfüllt, muss zertifiziert werden und ein Nachweis dieser
Zertifizierung muss von der Zertifizierungsstelle bereitgestellt werden. Dies kann durch das Ausstellen eines
gedruckten Zertifikats und/oder entsprechender Ausweiskarte(n) und/oder durch elektronisches Hochladen
und Anzeigen der relevanten Information auf der Webseite der Zertifizierungsstelle erfolgen.

9.2 Zertifikate und/oder Ausweiskarten


Zertifikate und/oder entsprechende Ausweiskarten müssen mindestens enthalten:

a) den Nachnamen und Vornamen der zertifizierten Person;


b) das Ausstellungsdatum der Zertifizierung;
c) das Verfallsdatum der Zertifizierung;
d) eine Verweisung auf diese Internationale Norm (ISO 9712:2012);
e) die Stufe der Zertifizierung;
f) den Namen der Zertifizierungsstelle;
g) das/die ZfP-Verfahren;
h) den/die betroffenen Sektor(en);
i) falls zutreffend, den Geltungsbereich von Einschränkungen der Zertifizierungen und/oder besonderer
Anwendungen
j) eine eindeutige persönliche Identifikationsnummer;
k) die Unterschrift der zertifizierten Person;
l) im Fall der Ausweiskarte ein Foto der zertifizierten Person;
m) ein Merkmal, um die Fälschung der Ausweiskarte zur verhindern, z. B. Prägestempel, Laminierung;
n) die Unterschrift eines benannten Vertreters der Zertifizierungsstelle.

Auf dem Zertifikat oder der Ausweiskarte darf sich ein besonderer Bereich für Unterschrift und Stempel des
Arbeitgebers befinden, um den Zertifikatsinhaber für seine Tätigkeit zu autorisieren (siehe 3.21). Damit zeigt
der Arbeitgeber, dass er die Verantwortung für die Prüfergebnisse übernimmt.

9.3 Digitale Zertifikate


9.3.1 Digitale Zertifizierung kann zusammen mit oder anstatt von gedruckten Zertifikaten angeboten
werden. In diesem Fall, sofern nach nationalen Vorschriften zulässig, müssen die folgenden Angaben den
interessierten Kreisen unmittelbar (online, auf der Webseite der Zertifizierungsstelle) zur Verfügung stehen:

 die offizielle Firmenbezeichnung, Kontaktinformationen und, falls zutreffend, der Akkreditierungsstatus


der Zertifizierungsstelle;
 der Nachname und der Vorname der zertifizierten Person;
 eine eindeutige persönliche Identifikationsnummer der zertifizierten Person;
 ein Foto der zertifizierten Person (aufgenommen innerhalb der letzten 10 Jahre);
 das Ausstellungsdatum und das Ablaufdatum der Zertifizierung;
 der Geltungsbereich der Zertifizierung, einschließlich der Stufe, ZfP-Verfahren und Sektor(en);
 jegliche Einschränkungen der Zertifizierung, sofern zutreffend.

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9.3.2 Falls die in 9.3.1 aufgelisteten Angaben direkt von der Webseite der Zertifizierungsstelle ausgedruckt
werden können, so muss der Ausdruck das Druckdatum und einen Hinweis enthalten, dass die derzeitige
Zertifizierung auf der Homepage der Zertifizierungsstelle nachgeprüft werden kann.

9.4 Gültigkeit

9.4.1 Allgemeines

Die Gültigkeitsdauer des Zertifikats beträgt höchstens 5 Jahre. Die Gültigkeitsdauer muss beginnen
(Ausstellungsdatum), wenn alle Anforderungen für die Zertifizierung (Schulung, Erfahrung, zufriedenstellende
Sehfähigkeitsüberprüfung, erfolgreiche Qualifizierungsprüfung) erfüllt sind.

Die Zertifizierung wird ungültig:

a) nach Ermessen der Zertifizierungsstelle, z. B. nach Überprüfung von Hinweisen zu Verhalten, welches
mit den Zertifizierungsregeln unvereinbar ist oder wenn gegen berufsethische Regeln verstoßen wurde;

b) falls die Person körperlich unfähig wird, ihre Aufgaben zu erfüllen, basierend auf dem Nichtbestehen der
jährlich unter der Verantwortung ihres Arbeitgebers durchzuführenden Sehfähigkeitsüberprüfung;

c) falls eine wesentliche Unterbrechung (siehe 3.27) in dem Verfahren eintritt, für das die Person zertifiziert
ist;

d) falls die Person die Rezertifizierung nicht besteht, bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Person die
Anforderungen für eine Re- oder Erstzertifizierung erfüllt.

9.4.2 Verlängerung

Die Zertifizierungsstelle muss die Bedingungen für die Verlängerung in den Fällen 9.4.1 a) und b) festlegen.

Für die Verlängerung einer Zertifizierung nach einer wesentlichen Unterbrechung muss die Person eine
Rezertifizierungsprüfung bestehen. Die Zertifizierung wird für eine neue Gültigkeitsdauer von 5 Jahren
bestätigt.

10 Erneuerung
10.1 Vor Vollendung der ersten Gültigkeitsdauer und alle 10 Jahre danach darf die Zertifizierung durch die
Zertifizierungsstelle für eine weitere Gültigkeitsdauer von 5 Jahren erneuert werden, gegen Vorlage:

a) eines schriftlichen Nachweises einer zufriedenstellenden Sehfähigkeitsüberprüfung, durchgeführt


innerhalb der letzten 12 Monate;

b) eines überprüfbaren Nachweises fortlaufender, zufriedenstellender Berufstätigkeit ohne wesentliche


Unterbrechung (siehe 3.27) in dem Verfahren und dem Sektor, für das die Zertifikatserneuerung
beantragt wird.

Wird das in b) festgelegte Kriterium für die Erneuerung nicht erfüllt, muss die Person dieselben Regeln wie für
die Rezertifizierung (siehe Abschnitt 11) befolgen.

10.2 Es liegt in der Verantwortung des Zertifikatsinhabers, das für eine Erneuerung erforderliche Verfahren
einzuleiten. Die Unterlagen für die Erneuerung sind innerhalb von 6 Monaten vor Ablauf der Zertifizierung
einzureichen. Als Ausnahme dürfen innerhalb von 12 Monaten nach Ablaufdatum vorgelegte Unterlagen für
die Erneuerung berücksichtigt werden, falls die Zertifizierungsstelle dies gestattet. Nach diesem Zeitraum ist
keine Ausnahme mehr zugelassen und dem Kandidaten muss gestattet werden, eine Rezertifizierungsprüfung
abzulegen.

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11 Rezertifizierung
11.1 Allgemeines
Vor dem Ablauf jeder zweiten Gültigkeitsdauer (alle 10 Jahre) darf die zertifizierte Person durch die
Zertifizierungsstelle für eine neue Dauer von 5 Jahren oder weniger rezertifiziert werden, vorausgesetzt die
Person erfüllt die Kriterien nach 10.1 a) und erfüllt die anzuwendenden Bedingungen wie im Folgenden
beschrieben:

Es liegt in der Verantwortlichkeit des Zertifikatsinhabers das Verfahren zur Erlangung der Rezertifizierung
einzuleiten. Wenn die Rezertifizierung mehr als 12 Monate nach Ablauf der Gültigkeit beantragt wird, so ist
eine vollständige Prüfung (allgemein, speziell und praktisch) für Stufe 1 und 2 bzw. im Hauptverfahren für
Stufe 3 erneut erfolgreich abzulegen.

11.2 Stufe 1 und 2


11.2.1 Inhaber von Zertifikaten der Stufen 1 und 2, welche eine Rezertifizierung anstreben, müssen die in
10.1 b) sowie 11.2.2 vorgeschriebenen Bedingungen für die Erneuerung erfüllen.

11.2.2 Die Person muss eine praktische Prüfung erfolgreich abschließen, die die fortgesetzte Fähigkeit
nachweist, Arbeiten innerhalb des im Zertifikat festgelegten Geltungsbereiches auszuführen. Dazu gehört die
Prüfung von Prüfungsstücken (siehe Tabelle B.1), die dem Geltungsbereich der zu verlängernden
Zertifizierung angepasst sind, und zusätzlich in der Stufe 2 die Anfertigung einer schriftlichen Prüfanweisung,
geeignet für Stufe 1-Personal (siehe 8.2.3.9). Falls die Person ein Ergebnis von mindestens 70 % für jedes
Prüfungsstück (nach den Anleitungen in Tabelle 5 gewichtet) sowie in Stufe 2 für die Prüfanweisung, nicht
erreicht, dürfen zwei Wiederholungsversuche der gesamten Rezertifizierungsprüfung frühestens nach sieben
Tagen und innerhalb von 6 Monaten nach dem ersten Versuch der Rezertifizierungsprüfung erlaubt werden.

Falls diese zwei zulässigen Wiederholungsprüfungen nicht bestanden werden, darf das Zertifikat nicht
verlängert werden und um die Zertifizierung für diese Stufe, den Sektor und das Verfahren wieder zu
erlangen, muss der Kandidat eine neue Zertifizierung beantragen. In diesem Fall dürfen keine
Prüfungsbefreiungen zugestanden werden, die mit dem Besitz anderer gültiger Zertifizierungen begründet
werden könnten.

11.3 Stufe 3
11.3.1 Stufe 3-Zertifikatsinhaber, welche eine Rezertifizierung anstreben, müssen den Nachweis
fortgesetzter Eignung erbringen, durch:

a) Erfüllung der Stufe 3-Anforderungen nach 11.3.2 für eine schriftliche Prüfung,

b) Erfüllung der Anforderungen eines strukturierten Kreditsystems, wie im Anhang C vorgegeben.

Die Person darf zwischen der Prüfung und dem Kreditsystem für Rezertifizierung entscheiden. Wenn das
Kreditsystem gewählt wird und die Übermittlung von Dokumenten des Arbeitgebers oder der Zutritt zu
Räumlichkeiten des Arbeitgebers erforderlich wird, so muss die Person der Zertifizierungsstelle eine
schriftliche Zustimmung des Arbeitgebers vorweisen.

In beiden Fällen (schriftliche Prüfung oder Kreditsystem) muss die Person entweder angemessene schriftliche
Nachweise, die den Anforderungen der Zertifizierungsstelle entsprechen, über ihre fortgesetzte praktische
Fähigkeit in dem Verfahren erbringen oder eine praktische Prüfung der Stufe 2, wie in 11.2.2 beschrieben,
ablegen, ausgenommen ist der Entwurf von Prüfanweisungen.

11.3.2 Die Person muss erfolgreich eine Prüfung abschließen, die mindestens 20 Fragen zur Anwendung des
Prüfverfahrens in dem/den betroffenen Sektor(en) enthält, aus denen das Verständnis für aktuelle ZfP-
Verfahren, Normen, Regelwerke oder Spezifikationen sowie anzuwendende Techniken hervorgeht und, nach
Wahl der Zertifizierungsstelle, 5 zusätzliche Fragen zu den Anforderungen aus dem Zertifizierungsprogramm.

11.3.3 Erreicht die Person nicht mindestens ein Ergebnis von 70 % in der Rezertifizierungsprüfung, so sind
maximal zwei Wiederholungen der Rezertifizierungsprüfung zulässig. Der Zeitraum, in dem alle Prüfungen
abzulegen sind, beträgt 12 Monate, es sei denn, die Zertifizierungsstelle gestattet eine Verlängerung.

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DIN EN ISO 9712:2012-12
EN ISO 9712:2012 (D)

Werden diese zwei zulässigen Wiederholungsprüfungen nicht bestanden, darf das Zertifikat nicht verlängert
werden und um die Zertifizierung für den Sektor und das Verfahren wiederzuerlangen, muss der Kandidat die
Prüfung im entsprechenden Hauptverfahren erfolgreich ablegen.

11.3.4 Ein Kandidat, der das Kreditsystem beantragt und die Anforderungen nicht erfüllt, muss nach 11.3.2
rezertifiziert werden. Falls der erste Versuch der Rezertifizierung durch Prüfung misslingt, darf nur eine
Wiederholung der Rezertifizierungsprüfung innerhalb von 12 Monaten nach Antragstellung zur
Rezertifizierung durch das Kreditsystem gestattet werden.

12 Dokumente
Die Zertifizierungsstelle oder ihre autorisierte Qualifizierungsstelle muss bereithalten:
a) eine aktuelle Liste oder Datenbank aller zertifizierten Personen, geordnet nach Stufe, ZfP-Verfahren und
Sektoren;
b) eine personenbezogene Dokumentation für jeden Kandidaten, der nicht zertifiziert wurde, für mindestens
5 Jahre ab Antragstellung;
c) eine personenbezogene Dokumentation für jede zertifizierte Person und für jede Person, deren
Zertifizierung abgelaufen ist, enthaltend:
1) Foto oder Digitalbild, aufgenommen innerhalb der letzten 10 Jahre;
2) Antragsunterlagen;
3) Prüfungsunterlagen einschließlich der Aufgabenblätter, Antworten, Beschreibung der
Prüfungsstücke, Aufzeichnungen, Prüfungsergebnisse, ZfP-Verfahrensbeschreibungen und
Bewertungsbögen;
4) Erneuerungs- und Rezertifizierungsunterlagen einschließlich der Nachweise für Sehfähigkeit und
fortgesetzter Tätigkeit;
5) Begründungen für jedweden Entzug der Zertifizierung.

Personenbezogene Unterlagen müssen unter angemessenen Sicherheits- und Vertraulichkeitsbedingungen


für die Gültigkeitsdauer des Zertifikates und für mindestens einen vollen Zertifizierungszyklus nach Ablauf der
Zertifizierung aufbewahrt werden.

13 Übergangszeitraum
13.1 Ziel dieses Abschnittes ist es, die Schaffung eines Zertifizierungssystems zu ermöglichen, wenn die
Zertifizierungsstelle das Zertifizierungssystem auf ein ZfP-Verfahren anwendet, das bisher von ihrem System
nicht abgedeckt war oder wenn ein neuer Sektor geschaffen wird. Die Zertifizierungsstelle darf für einen
Zeitraum von höchstens 5 Jahren vom Zeitpunkt der Einführung des neuen Verfahrens oder Sektors
entsprechend qualifiziertes Personal befristet zu Prüfungsbeauftragten (siehe 3.9) ernennen mit dem Ziel,
Qualifizierungsprüfungen durchzuführen, zu leiten und zu bewerten. Der 5 Jahres-Einführungszeitraum darf
von der Zertifizierungsstelle nicht dazu genutzt werden, Kandidaten zu zertifizieren, die nicht alle
Qualifizierungs- und Zertifizierungsanforderungen dieser internationalen Norm erfüllt haben.

13.2 Entsprechend qualifiziertes Personal bedeutet, dass dieses Personal:

a) das Wissen zu den Grundlagen der ZfP hat und die speziellen, auf den Sektor bezogenen, Kenntnisse;

b) industrielle Erfahrung in der Anwendung des ZfP-Verfahrens hat;

c) die Fähigkeit hat, Qualifizierungsprüfungen zu leiten;

d) in der Lage ist, Aufgaben und Ergebnisse der Qualifizierungsprüfung auszuwerten.

13.3 Innerhalb von 2 Jahren nach der Ernennung müssen die Prüfungsbeauftragten eine Zertifizierung durch
Erfüllung der Anforderungen für die Rezertifizierung, wie in 11.3.1 beschrieben, erwerben.

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EN ISO 9712:2012 (D)

14 Übergang zwischen EN 473:2008[4], ISO 9712:2005 und dieser


Internationalen Norm
Zertifizierungen nach EN 473:2008 [4] und/oder ISO 9712:2005, die vor der Veröffentlichung dieser
Internationalen Norm erfolgten, bleiben gültig bis zum nächsten, notwendigen Schritt im Zertifizierungsprozess
(d. h. Erneuerung oder Rezertifizierung), welcher dann nach dieser Internationalen Norm ausgeführt werden
muss.

Zertifizierung nach dieser Internationalen Norm erfüllt die Anforderungen sowohl der EN 473:2008 als auch
der ISO 9712:2005; daher ist jede Forderung für die Zertifizierung nach einer dieser beiden Normen durch die
Zertifizierung nach dieser internationalen Norm erfüllt.

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Anhang A
(normativ)

Sektoren

A.1 Allgemeines

Wenn ein Sektor eingerichtet wird, darf die Zertifizierungsstelle gemäß der Norm der Referenzliste der
Sektoren in A.2 und A.3 folgen. Dies schließt die Einrichtung zusätzlicher Sektoren zur Berücksichtigung
nationaler Bedürfnisse nicht aus.

A.2 Produktsektoren
Diese enthalten

a) Gussstücke (c) (Eisen- und Nichteisenwerkstoffe);

b) Schmiedestücke (f) (alle Arten von Schmiedestücken, Eisen- und Nichteisenwerkstoffe);

c) geschweißte Produkte (w) (Alle Arten von Schweißverbindungen, eingeschlossen Lötungen, für Eisen-
und Nichteisenwerkstoffe);

d) Rohre und Rohrleitungen (t), (nahtlos, geschweißt, Eisen- und Nichteisenwerkstoffe, einschließlich von
Flachprodukten für die Herstellung von geschweißten Rohren);

e) Walzerzeugnisse (wp) außer Schmiedestücke (z. B. Flachprodukte, Stangen, Stäbe);

f) Verbundwerkstoffe (p).

A.3 Industriesektoren
Sektoren, die mehrere Produktsektoren für alle oder einige Produkte oder festgelegte Materialien (z. B. Eisen-
und Nichteisenwerkstoffe oder nichtmetallische Werkstoffe wie technische Keramik, Kunststoffe und Ver-
bundwerkstoffe) enthalten:

a) Herstellung;

b) Dienstleistungsprüfung bei Fertigung und Instandhaltung, eingeschlossen Herstellung;

c) Eisenbahn-Instandhaltung;

d) Luft- und Raumfahrt.

Wird ein Industriesektor eingerichtet, muss die Zertifizierungsstelle in ihrer veröffentlichten Dokumentation den
Umfang dieses neuen Sektors in Bezug auf Produkte/Objekte/Stücke genau beschreiben.

Eine in einem Industriesektor zertifizierte Person muss so behandelt werden, als wäre sie auch für die
Einzelsektoren zertifiziert, aus denen der Industriesektor zusammengesetzt ist.

Sektorbezogene Zertifizierung kann in allen drei Stufen für alle ZfP-Verfahren verfügbar sein oder kann auf
besondere Verfahren oder Stufen beschränkt werden. Dennoch ist der Geltungsbereich der Zertifizierung auf
dem Zertifikat zu beschreiben.

Für Verbundwerkstoffe muss die Zertifizierungsstelle die Anforderungen für die Qualifizierungsprüfung
festlegen.

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Anhang B
(normativ)

Mindestanzahl und Art der Prüfungsstücke für die praktische Prüfung in den Stufen 1 und 2

Tabelle B.1 — Mindestanzahl und Art der Prüfungsstücke für die praktische Prüfung in den Stufen 1 und 2

Verfahren und Stufe


Produktsektoren
UT1 UT2 RT1 RT2 ET1 ET2 MT1 MT2 PT1 PT2 LT1 LT2 VT1 VT2 AT1 AT2
Gussstücke 2 2 2 2 + 12 rs 2 2 2 2 2 2 2 2 2 2 1 1 + 2 ds
Schmiedestücke 2 2 2 2 + 12 rs 2 2 2 2 2 2 2 2 2 2 1 1 + 2 ds
geschweißte Produkte 2 2 2 2 + 12 rs 2 2 2 2 2 2 2 2 2 2 1 1 + 2 ds
Rohre und Rohrleitungen 2 2 2 2 + 12 rs 2 2 2 2 2 2 2 2 2 2 1 1 + 2 ds
Walzerzeugnisse 2 2 2 2 + 12 rs 2 2 2 2 2 2 2 2 2 2 1 1 + 2 ds
Industriesektoren
(enthalten zwei oder mehr
Produktsektoren) UT1 UT2 RT1 RT2 ET1 ET2 MT1 MT2 PT1 PT2 LT1 LT2 VT1 VT2 AT1 AT2
Metallerzeugung 2 2 2 2 + 12 rs 2 2 2 2 2 2 2 2 2 2 1 1 + 2 ds
Dienstleistung bei
Fertigung und 3 c/f w 3 c/f w 2cw 2 c w + 24 rs 3tw 3tw 3 c/f w 3 c/f w 3 c/f w 3 c/f w 3 3 3 c/f w 3 c/f w 1 c/f t w 1 + 2 ds c/f t w
Instandhaltung
Eisenbahn-Instandhaltung 2 2 — — 2 2 2 2 2 2 — — 2 2 — —
Luft- und Raumfahrt 3 3 2 2 + 12 rs 3 3 2 2 2 2 — — 2 2 1 1 + 2 ds

Für ST beträgt die Mindestanzahl der Prüfungsstücke 1 für Stufe 1 und 2 für Stufe 2;
Für TT beträgt die Mindestanzahl der Prüfungsstücke 1+2 ds pro industrieller Anwendung
Ist für die praktische Prüfung mehr als ein Prüfungsstück erforderlich, muss sich das zweite und jedes weitere Prüfungsstück in seiner Art von den vorangegangenen unterscheiden, z. B. durch
Produktform, Materialeigenschaften, Form, Größe und Fehlerart.
Falls hinter der Anzahl erforderlicher Prüfungsstücke Produktsektoren mit ihren Kennbuchstaben angegeben sind, müssen die Prüfungsstücke aus diesen Sektoren in die praktische Prüfung
eingeschlossen werden.
Bei Prüfungen in der Durchstrahlungsprüfung müssen Stufe 1- und Stufe 2-Kandidaten mindestens zwei Durchstrahlungsaufnahmen erstellen; Stufe 2-Kandidaten sind davon ausgenommen,
wenn sie eine Stufe 1-Prüfung erfolgreich abgelegt haben, in der mindestens eine Durchstrahlungsaufnahme erstellt wurde.
Falls eine Prüfung in der Dichtheitsprüfung sowohl das Druckdifferenz- als auch das Prüfgasverfahren umfasst, muss mindestens ein Prüfungsstück für jedes Verfahren geprüft werden.
Falls die Prüfung in einem Sektor mehr als eine zu prüfende Produktart umfasst, müssen die Prüfungsstücke repräsentativ für alle Produkte sein oder nach dem Zufallsprinzip vom
Prüfungsbeauftragten aus der Produktgruppe oder den Materialien ausgewählt werden, die für diesen Sektor zusammengestellt worden sind.
Ein Satz Durchstrahlungsbilder/-filme (12 oder 24) müssen als ein Prüfungsstück betrachtet werden.
Legende: c Ł Gussstücke; f Ł Schmiedestücke; w Ł Schweißnähte; t Ł Rohre; c/f Ł Gussstücke oder Schmiedestücke; rs Ł Durchstrahlungsbilder; ds Ł Datensätze

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EN ISO 9712:2012 (D)

Anhang C
(normativ)

Strukturiertes Kreditsystem für die Stufe 3-Rezertifizierung

Nach diesem System sammelt der Stufe 3-Kandidat während der 5 Jahre vor der Rezertifizierung Punkte für
die Teilnahme an den verschiedenen ZfP-Aktivitäten nach Tabelle C.1. Die Höchstzahl der Punkte, die in
jedem Jahr und bei diesen Tätigkeiten über 5 Jahre gesammelt werden können, ist begrenzt, um eine
gleichmäßige Verteilung von Aktivitäten sicherzustellen.

Um für die Rezertifizierung zugelassen zu werden:

a) müssen während der fünfjährigen Gültigkeit des Zertifikates mindestens 70 Punkte gesammelt werden,

b) werden höchstens 25 Punkte je Jahr anerkannt.

In Ergänzung zum Rezertifizierungsantrag muss der Kandidat Nachweise erbringen, dass er die Bedingungen
nach Tabelle C.1 wie folgt erfüllt:

 Tagesordnung und Teilnehmerliste von den unter den Punkten 1 bis 4 aufgeführten Veranstaltungen;

 eine kurze Beschreibung der Forschung und Entwicklung unter Punkt 5;

 Referenzen verfasster technischer oder wissenschaftlicher Veröffentlichungen unter Punkt 5;

 eine Zusammenstellung über absolvierte Schulung unter Punkt 6;

 für jedes Zertifikat den Nachweis über die jährliche aktive Arbeit unter Punkt 7.

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DIN EN ISO 9712:2012-12
EN ISO 9712:2012 (D)

Tabelle C.1 — Strukturiertes Kreditsystem für Stufe-3-Rezertifizierung

Gewährte Maximale
Punkte für Maximale Punktzahl
jede Punktzahl innerhalb
Position Tätigkeit
Position je Jahr und von
(oder Position 5 Jahren je
Funktion) Position
Mitgliedschaft in einer ZfP-Gesellschaft,
Teilnahme an Seminaren, Symposien, Tagungen a
1 1 3 8
und/oder Kursen zu ZfP und verwandten
Wissenschaften und Technologien
Teilnahme an internationalen und nationalen
2.1 1 3 8a
Normenausschüssen
2.2 Vorsitz von Normenausschüssen 1 3 8 a, b
Teilnahme an Sitzungen anderer
3.1 1 3 8a
ZfP-Ausschüsse
3.2 Vorsitz von Sitzungen anderer ZfP-Ausschüsse 1 3 8 a, b
Teilnahme an Sitzungen von
4.1 1 5 15 a
ZfP-Arbeitsgruppen
4.2 Vorsitz von ZfP-Arbeitsgruppen 1 5 15 a, b
ZfP-bezogene, technisch-wissenschaftliche
5.1 3 6 20 c, d
Beiträge oder Veröffentlichungen
5.2 ZfP-bezogene, veröffentlichte Forschungsarbeit 3 6 15 c, d
5.3 ZfP-Forschungstätigkeit 3 6 15 c, d
Technischer ZfP-Ausbilder (je 2 Stunden)
6 1 10 30 d
und/oder ZfP-Prüfungsbeauftragter (je Prüfung)
7 Berufstätigkeit — — —
innerhalb einer ZfP Einrichtung, eines ZfP-
Schulungs- oder Prüfungszentrums oder für die
7.1 10 10 40 d
ZfP-Ingenieurstätigkeit (siehe Anhang E) (für
jedes volle Jahr)
7.2 Behandlung von Reklamationsfällen mit Kunden 1 5 15 d
7.3 Entwicklung von ZfP-Anwendungen 1 5 15 d
a Maximale Punktzahl für die Teilnahme an den Positionen 1 bis 4: 20.
b Punkte für Vorsitz zusätzlich zur Teilnahme.
c Bei mehr als einem Autor muss der Hauptautor die Punkte für die anderen Autoren festlegen.
d Maximale Punktzahl für jeden der Positionen 5 und 6: 30 und für Position 7: 50.

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EN ISO 9712:2012 (D)

Anhang D
(normativ)

Wichtung praktischer Prüfungen

D.1 Bewertung der praktischen Prüfung in den Stufen 1 und 2 – Anleitung zur
prozentualen Wichtung
Tabelle D.1 — Anleitung zur prozentualen Wichtung praktischer Prüfungen in den Stufen 1 und 2
Thema (Position in ISO 9712, Tabelle 5) Stufe 1 Stufe 2
Teil 1: Kenntnisse über die ZfP-Geräte
a) Systemkontrolle und Funktionsprüfungen 10 5
b) Überprüfung der Einstellungen 10 5
Summe 20 10
Teil 2: Anwendung des ZfP-Verfahrens
a) Vorbereitung der Prüfungsstücke (z. B. Oberflächenzustand) einschließlich Sichtprüfung 5 2
b) für Stufe 2, die Auswahl der ZfP-Techniken und die Festlegung der Prüfbedingungen n/a 7
c) Einstellen des ZfP-Gerätes 15 5
d) Durchführung der Prüfung 10 5
e) Nachbereitung der Prüfung (z. B. Entmagnetisierung, Reinigung, Konservierung) 5 1
Summe 35 20
Teil 3: Nachweis und Protokollierung von Inhomogenitäten a
a) Nachweis obligatorisch zu protokollierender Inhomogenitäten 20 15
b) Beschreibung (Art, Lage, Ausrichtung, vermeintliche Abmessungen usw.) 15 15
c) Stufe 2-Bewertung nach Regelwerk, Norm, Spezifikation oder Prüfbedingungen n/a 15
d) Erstellung des Prüfberichtes 10 10
Summe 45 55
Teil 4: Schriftliche ZfP-Prüfanweisungen (Stufe 2-Kandidaten) b
a) Vorwort (Geltungsbereich, verwendete Unterlagen) — 1
b) Personal — 1
c) zu benutzendes Gerät einschließlich Einstellungen — 3
d) Produkt (Beschreibung oder Zeichnung einschließlich Prüfbereich und Prüfzweck) — 2
e) Prüfbedingungen einschließlich der Prüfvorbereitung — 2
f) ausführliche Anweisung zur Durchführung der Prüfung — 3
g) Aufzeichnung und Einstufung der Prüfergebnisse — 2
h) Prüfprotokoll — 1
Summe — 15
Gesamtbewertung für praktische Prüfungen 100 % 100 %
Zum erfolgreichen Bestehen sollte der Kandidat beim Schreiben der Prüfanweisung mindestens 70 % erreichen, also
10,5 von 15,0 möglichen Punkten.
a Der Kandidat, der unter den in der Prüfungsstückdokumentation festgelegten Bedingungen eine dort als registrierpflichtige
Inhomogenität nicht protokolliert, erhält für den Teil 3 der praktischen Prüfung für das jeweilige Prüfungsstück 0 Punkte. Bei RT
sind diese Bedingungen auf die Filmauswertung anzuwenden, d. h. wird eine registrierpflichtige Inhomogenität übersehen, führt
das zu 0 Punkten für den im Teil 3 benutzten Filmsatz.
b Vom Stufe 2-Kandidaten wird gefordert, eine ZfP-Prüfanweisung für ein vom Prüfungsbeauftragten ausgewähltes Prüfungsstück
zu erstellen, die von Stufe 1-Personal anwendbar ist. Prüft ein Stufe 2-Kandidat ein Prüfungsstück, für das keine ZfP-
Prüfanweisung erforderlich ist, so wird das Ergebnis als Prozentsatz von den verbleibenden 85 Punkten berechnet.

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Tabelle D.2 — Anleitung zur prozentualen Wichtung des Stufe 3-Prüfungsteils


„Verfahrensbeschreibung“

Thema % höchstens
Teil 1: Allgemeines
a) Geltungsbereich (Anwendungsbereich, Produkt) 2
b) Prüfung der Unterlagen 2
c) Normative Verweisungen und ergänzende Informationen 4
Zwischensumme 8
Teil 2: ZfP-Personal 2
Teil 3: Materialien und Geräte
a) Wichtigste ZfP-Geräte (einschließlich Festlegung der Justierung und Voruntersuchung 10
der Prüfbarkeit)
b) Zusätzliche Ausrüstung (Vergleichs- und Justierkörper, Verbrauchsmaterial, 10
Messgeräte, Sehhilfen usw.)
Zwischensumme 20
Teil 4: Prüfgegenstand
a) Bearbeitungszustand und Prüfflächenvorbereitung (Temperatur, Zugänglichkeit, 1
Entfernung von Schutzüberzügen, Rauheit usw.)
b) Beschreibung von Prüfbereich oder -volumen, einschließlich Maßbezugspunkt 1
c) Gesuchte Inhomogenitäten 3
Zwischensumme 5
Teil 5: Durchführung der Prüfung
a) Angewendete(s) ZfP-Verfahren und -Technik(en) 10
b) Geräteeinstellung 10
c) Durchführung der Prüfung (mit Hinweis auf ZfP-Prüfanweisungen) 10
d) Beschreibung von Inhomogenitäten 10
Zwischensumme 40
Teil 6: Zulässigkeitskriterien 7
Teil 7: Nachbereitung der Prüfung
a) Umgang mit nicht den Anforderungen entsprechenden Produkten (Kennzeichnung, 2
Aussonderung)
b) Wiederherstellung der Schutzüberzüge (falls erforderlich) 1
Zwischensumme 3
Teil 8: Erstellung des Prüfberichtes 5
Teil 9: Gesamteindruck 10
Endsumme 100

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DIN EN ISO 9712:2012-12
EN ISO 9712:2012 (D)

Anhang E
(informativ)

ZfP-Ingenieurstätigkeiten

E.1 Definition
ZfP-Ingenieurstätigkeiten umfassen alle ZfP-bezogenen Tätigkeiten, vom Entwurf von Geräten und Anlagen
bis hin zur Verantwortung für die Vorbereitung, Einführung und Überprüfung von zerstörungsfreien Prüfungen
(bei Herstellung und Instandhaltung) von Geräten und Anlagen, die zu industriellen oder technischen
Einrichtungen gehören.

E.2 Liste der enthaltenen Aktivitäten, nicht abschließend


Die eingeschlossenen Tätigkeiten enthalten:

a) Auf der Entwicklungsstufe die Definition der Anforderungen, die berücksichtigt werden müssen und/oder
Bestätigung der Prüfbarkeit während der Herstellung und, wo anwendbar, bei der Instandhaltung von
Gerätschaften.

b) Auswahl von ZfP-Techniken, die in der Herstellung und/oder Instandhaltung eingeführt werden;

c) Vergleich von spezifischen Vorschriften aus unterschiedlichen Regelwerken und Normen;

d) Einführung oder Überprüfung von ZfP-Verfahrensbeschreibungen;

e) Technische Bewertung von ZfP-Lieferanten;

f) Bewertung von ZfP-Techniken im Rahmen eines Gutachtens;

g) Behandlung (technische Bewertung) von Abweichungen;

h) Rechtfertigung genutzter Praktiken gegenüber dem Kunden und wo anwendbar gegenüber den
zuständigen Sicherheitsbehörden;

i) Verantwortlichkeit für eine ZfP-Einrichtung

j) Koordination und Überwachung von Tätigkeiten des ZfP-Personals;

k) Qualifizierung — Überprüfung von ZfP-Techniken

1) Definition von Eingangs- Informationen einschließlich der Prüfziele;

2) Definition von notwendigen Modellen für offene und wo notwendig für verdeckte Prüfungen;

3) Einführung von praktischen Prüfungen;

4) Vorbereitung technischer Begründungen, wenn notwendig einschließlich Modellierungen;

5) Vorbereitung oder Überprüfung von ZfP-Verfahrensbeschreibungen;

6) Vorbereitung oder Überprüfung von Qualifizierungsunterlagen;

l) Etablierung von Instandhaltungsprogrammen von Industrieanlagen oder Definition von Regeln für die
Einführung solcher Programme.

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DIN EN ISO 9712:2012-12
EN ISO 9712:2012 (D)

Anhang ZA
(informativ)

Beziehung zwischen dieser Europäischen Norm und den grundlegenden


Anforderungen der EU-Richtlinie 97/23/EG

Diese Europäische Norm wurde unter einem Mandat erarbeitet, welches CEN von der Europäischen
Kommission und der Europäischen Freihandelsassoziation übertragen wurde, um eine Möglichkeit zur
Erfüllung grundlegender Anforderungen der Richtlinie des neuen Konzepts 97/23/EG — Richtlinie 97/23/EG
über Druckgeräte (Druckgeräterichtlinie, DGRL) — zur Verfügung zu stellen.

Sobald auf diese Norm im Amtsblatt der Europäischen Union im Rahmen der betreffenden Richtlinie Bezug
genommen wird und in mindestens einem der Mitgliedstaaten als nationale Norm umgesetzt worden ist,
berechtigt die Übereinstimmung mit den in Tabelle ZA aufgeführten Abschnitten dieser Norm innerhalb der
Grenzen des Anwendungsbereichs dieser Norm zu der Annahme, dass eine Übereinstimmung mit den
entsprechenden grundlegenden Anforderungen der Richtlinie und der zugehörigen EFTA-Vorschriften
gegeben ist.

Tabelle ZA — Zusammenhang zwischen dieser Europäischen Norm und der Richtlinie 97/23/EG
Abschnitt(e) und
Unterabschnitt(e) Grundlegende Anforderungen der Qualifizierende
dieser Europäischen Richtlinie 97/23/EG Bemerkungen/Notizen
Norm

7 Anhang I, 3.1.3

8 Anhang I, 3.1.3

9.4 Anhang I, 3.1.3

10 Anhang I, 3.1.3

11 Anhang I, 3.1.3

WARNHINWEIS — Für Produkte, die in den Anwendungsbereich dieser Norm fallen, können weitere
Anforderungen und weitere EU-Richtlinien anwendbar sein

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DIN EN ISO 9712:2012-12
EN ISO 9712:2012 (D)

Literaturhinweise

[1] ISO/TS 22809, Non-destructive testing — Discontinuities in specimens for use in qualification
examinations

[2] ISO/TR 25107, Non-destructive testing — Guidelines for NDT training syllabuses

[3] ISO/TR 25108, Non-destructive testing — Guidelines for NDT personnel training organizations

[4] EN 473:2008, Zerstörungsfreie Prüfung — Qualifizierung und Zertifizierung von ZfP-Personal —


Grundlegende Anforderungen

[5] CEN/TR 14748, Zerstörungsfreie Prüfung — Vorgehensweise zur Qualifizierung von zerstörungsfreien
Prüfungen

[6] CEN/TS 15053, Zerstörungsfreie Prüfung — Empfehlungen für Arten von Inhomogenitäten in
Prüfungsstücken für Prüfungen

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