Sie sind auf Seite 1von 4

Rolf H.

Krauss - Kunst mit Fotografie

• Öfters zwei Auffassungen in der heutigen Theoriediskussion


o empirische Untersuchung zwischen Kunst und Fotografie → Analyse der
Intention des Werkes, des Herstellungsprozesses und der Ästhetik.
o Fokus auf das Medium selbst →Analyse in Bezug auf die Mediengeschichte.
Die Kunst ist der große Parameter, an dem alles gemessen wird.
• Konventionelle Komponente des Mediums: Sinn der Fotografie in sich. Sie erzeugt
Bilder um der Bilder willen.
• Konzeptionelle Komponente des Mediums: Die Fotografie ist mittel zum Zweck. Sie
hat eine Vermittlungsfunktion und es wird nach künstlerischen bzw. kunsthistorische
Maßstäbe bewertet.
• Herausragende fotografische Leistungen werden als "Künstlerische Fotografie"
bezeichnet obwohl die vielleicht nur Bemühung zeigen gegenüber der bildenden
Kunst gleichzutun.
• Laut Rolf H. Krauss ist die Fotografie ein Medium was von Künstlern zur Herstellung
von Kunstwerken benutzt wird. Es gibt neben der konventionellen auch eine
konzeptionelle Ausprägung gibt.
• Marcel Duchamps "Ready-Mades" und die Dada-Bewegung machten den Weg frei
für eine multimediale Kunstausübung. → Keine Grenzen. Entdeckung der Fotografie
als medium der Kunst.

Fotocollage, Fotomontage und Fotogramm


• Erste Periode: Manifestation der Fotografie als Kunst erst im 20. Jahrhundert mit dem
Dadaismus → Fotocollage und Fotomontage. → Fotografie als "stellvertretendes
Tatsächlichkeit".
• Fotocollagen und -montagen nur fast ausschließlich in gedruckter Form zu finden.
• Fotogramme: Fotografisches Prozess ist in der Lage das Licht direkt zu fixieren, ohne
den Umweg über einem Pigment, wie in der Malerei. Das Fotogramm gestatte die
reinste, unmittelbarste und faszinierendste Form des "Malens mit Licht".
• Diese Erscheinungsformen sind Ausfluss neuer künstlerischen Problemstellungen. In
beiden Fällen ist die Fotografie nicht Selbstzweck, sondern ein Mittel, künstlerische
Aufgaben zu lösen.

Pop-Art
• Zweite Periode: 50er Jahre des 20. Jahrhunderts. Fotografie wurde seit den 20er Jahre
nicht benutzt (ausser Ausnahmen).
• Fotomontage des Malers Richard Hamilton ist von Kritikern als den Beginn der Pop-
Art-Bewegung angesehen.
• Das Interesse der PopArt-Künstlern liegt nicht auf den Gegenstand sondern auf sein
Abbild, dass sich auf die Massenmedien bezieht. → Das Medium wird zur Botschaft.
• Der Einfluss der Fotografie bei der Übermittlung von Werbung, Mode Politik,
Bildung, Wissenschaft und Technik; kurz: auf alle Bereiche des modernen
menschlichen Zusammenleben, ist beherrschend. Die Reaktion der PopArt-Künstler
auf die "gesellschaftliche Wirklichkeit" ist eine Reaktion auf die "fotografische
Wirklichkeit" unserer Welt.
Happening und Fluxus
• Künstler (Allan Kaprow, Robert Filliou o. Wolf Vostell) begannen Ereignisabläufe zu
inszenieren → Neue Kunstbewegung als "Happening" oder "Fluxus" bezeichnet
worden. Reine Anti-Kunst.
• Mit Hilfe von "Ereignissen", multi und intermedialen Veranstaltungen (Events or
Gests), die das Publikum mehr oder weniger einbezogen. →Happening
• Beim Fluxus ging es mehr um Demonstrationen wo der Zuschauer seine eher passive
Rolle nahm. Ziel derartigen Handlung war die Handlung selbst.
• "Fall Outs" sind Objekte die bei diesen Veranstaltungen übrig bleiben und hier springt
die Fotografie ein. Diese Objekte werden von der Fotografie als "Tatsachenmaterial"
fixiert. → Vorläufige Dokumentationsaufgabe der Fotografie.

Concept Art
• Joseph Kosuth (1965) "One And Three Windows" → Abbildung mit Blatt Papier das
die Idee erklärt und vermittelt.
• Sol Le Witt. "Ideen allein können auch Kunstwerke sein. Sie sind Teil einer
Entwicklung, die irgendwann einmal Form finden mag. Nicht alle Ideen müssen
physisch verwirklicht werden. Zu jedem Kunstwerk, das verwirklicht wird, gibt es
viele unausgeführte Variationen. Ein Kunstwerk läßt sich als Verbindung zwischen
dem Geist des Künstlers und dem des Betrachters zu verstehen." → Definiert das
"Concept Art"
• Kunst wird zu einem Nachdenken über Kunst. "Art idea as idea". Metaphysisches
Betrachten der Kunst als Kunst.
• Die Fotografie wird nicht nur als Dokumentationsmittel benutzt sondern auch als
Transportmittel von Ideen, als Träger von Informationen, als Verweis auf etwas, was
außerhalb ihrer selbst liegt.

Exkurs: Medienkunst und Medienanalyse


• Massenmedien; der politische Aspekt steht im Vordergrund mit ihrer Fähigkeit zu
informieren aber auch zu manipulieren.
• Foto, Film, und Fernsehen + Video → "neue Medien"
• Malerei, Zeichnung und Bildhauerkunst → klassische Medien
• Die sogenannten "Bildmedien" werden als das angesehen, was sie waren und was sie
heute einerseits immer noch sind, nämlich Träger einer Massenverbreitung von
Information. Entkleidet von ihrem konsumideologischen Makel wurden die
Bildmedien Selbst als Träger künstlerischer Vorstellungen benutzt. Sie wurden in der
tat zu "neuen Medien" für die Kunst.
• Künstler mussten nach einer Übergangszeit der bloßen "Entdeckungen", in der die
Erweiterung der Möglichkeit im Vordergrund stand sich mit den verwendeten Medien
selbst näher auseinandersetzten.
• Sol Le Witt: "Wenn Wörter benutzt werden, und sie aus Gedanken über Kunst
hervorgehen, dann sind sie Kunst und nicht Literatur; Zahlen sind nicht Mathematik"
→ Wenn Fotografie benutzt wird, und wenn sie gedanken über Kunst hervorgeht,
dann ist sie Kunst und nicht Fotografie.

Verselbständigung der Kamera-Fotografie


• Phänomen das in der Nachfolge des Happening und Fluxus auftrat, also innerhalb der
Kunstrichtungen, die man als Prozesskunst, Aktionskunst, Body-Art, Performance
usw. bezeichnet.
• Mit Hilfe der fotografischen Kamera können Ergebnisabläufe fixiert werden. Die
spezifischen Möglichkeiten der Fotografie eröffnen den Künstlern
Darstellungsweisen, wie sie bislang undenkbar waren.
• Künstler entwickeln ein Vokabular, das geeignet ist spezifische inhaltliche und/ oder
formale Anliegen zu vermitteln. Dieser Aneignungs- und Ausprägungsprozess
beschränkt sich nicht auf einzelne Kunstrichtungen, sondern ist quer durch alle
künstlerischen Gruppierungen der siebziger Jahre festzustellen.

Story-Art
• Die Story-Art ist eine Ausstellung erstellt im Jahr 1973 von John Gibson mit Werken
von mehreren Künstlern.
• Mit Story-Art oder auch Narrativer-Art werden "Text-Foto-Synthesen" oder "Text-
Foto-Kombinationen" bezeichnet. →Verbindung beider Medien. Gleiche Wichtigkeit
wird beiden Medien zugewiesen und die Fotografie wird zum Träger von
Geschichten.
• Es wird nicht der Leser, sondern immer nur der Betrachter angesprochen.
• Text und Foto verstärken sich nicht nur im Sinne einer Verdeutlichung der in beiden
enthaltenen gleichen Aussage, sondern schaffen gemeinsame eine neue Aussage. →
"Sprachmuster".

Fotosequenz und Sukzession


• Bestimmte Begriffe wie Fotomontage u. -collage sollten lediglich auf die
diesbezüglichen Erscheinungen der zwanziger Jahre angewendet werden, denn sie
stehen dort in einem gesicherten kunsthistorischen Kontext.
• Innerhalb der fotografischen Bildfolge wird nur sekundär auf die abgebildete
Wirklichkeit, primär jedoch auf das vorangegangene oder nachfolgend Einzelbild
Bezug genommen. Dadurch wird es möglich, Inhaltliches zu verdichten und zu
transponieren und/ oder Formales neu zu strukturieren.
• Fotosequenz: eine Bildreihe, d.h. eine lineare Kontinuität von Bildstationen, die einen
Zustand, einen Vorgang oder eine Entwicklung verdeutlichen. Es will eine Idee
veranschaulichen. → Zeitphänomene darstellen.
• Sukzession: Die Abbildung von Realität in kleinen aufeinanderfolgenden Schritten
mit Hilfe des mediums Fotografie. Es richtet sich an seine Fähigkeit, die Entstehung
von neuen Strukturen zu verfolgen und zu rezipieren.

Eingangs-, analytische und synthetische Phase


• Zwei Beobachtungen zur These der Konzeptionellen Verwendung der Fotografie:
o Die drei Phasen (eingangs-, analytische und synthetische Phase)
o Die fortschreitende Ästhetisierung der Präsentationen von Arbeiten mit
Fotografie

Ästhetisierung der Präsentation


• Läuft parallel mit der Drei-Phasen-Entwicklung und verfolgt die formalen
Erscheinungsformen.
• Fotografien werden lediglich als Verweise benötigt, und jede Eigenständigkeit des
Verweisträgers ist unerwünscht. Sie würde von seiner eigentlichen Funktion, nämlich
die dahinterstehende Idee zu verdeutlichen, ablenken.
• Die Kamera wird als ein nützliches Instrument empfunden, um Erfahrungen, die der
Künstler in irgendeiner Weise auf der ästhetischen Ebene der Wahrnehmung oder der
Begrifflichkeit gemacht hat, sichtbar zu machen.
• "Die Kraftakt, ein neues Nikon Teleobjektiv als Aschenbecher zu benutzen, dient als
untrüglicher Test dafür, in welches Lager man gehört - in das der Fotografie oder in
das der Kunst." - James Collins

Das könnte Ihnen auch gefallen