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Alt-christliche Baudenkmale von Constantinopel vom V. bis XII.


Jahrhundert

Salzenberg, Wilhelm

Berlin, MDCCCLIV. [1854]

ETH-Bibliothek Zürich
Shelf Mark: Rar 9985

Persistent Link: http://dx.doi.org/10.3931/e-rara-56427

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STANDO

ALT CHRISTLICHE -

BAUDENKMALE

VON

VOM V . BIS XII . JAHRHUNDERT .

AUF BEFEHL

SEINER MAJESTÄT DES KÖNIGS


AUFGENOMMEN UND HISTORISCH ERLÄUTERT

w . SALZENBERG .

IM ANHÄNGE

DES S1LENTIARIUS PAULUS BESCHREIBUNG

DER HEILIGEN SOPHIA UND DES AMBON .


.MITRISCH ÜBERSETZT UND MIT ANMERKUNGEN VERSEHEN

C . W. KORTÜM .

IIERAÜSGEGEBEN

VON DEM KÖNIGE . MINISTERIUM FÜR HANDEL , GEWERBE UND ÖFFENTLICHE ARBEITEN .

BERLIN MDCCCLIV .

VERLAG VON ERNST & KORN .


A Kat

B. DEL « 89
VORWORT .

D ie christliche Baukunst ist


,
im Verlaufe der letzten fünfzig Jahre Gegenstand vielfacher Forschungen gewesen , namentlich
sind die Baudenkmale des Mittelalters vom X . Jahrhundert abwärts in England , Frankreich , Deutschland und Italien man¬
nigfach untersucht , gezeichnet und beschrieben worden ; Bauwerke , deren Alter in das erste Jahrtausend hineinreicht , sind
schon seltener , und über die Entwickelung der christlichen Kunst in der ersten Hälfte dieses Zeitraums ist bisher sehr
wenig festgestellt .
Während der ersten drei Jahrhunderte , der Zeit des Kampfes und der Verfolgung , als das Evangelium vorzugsweise
der Trost der Niederen und Unterdrückten war , darf man wohl kaum die Errichtung kirchlicher Prachtbauten vermuthen ,
und wenn auch von einzelnen reichen Gemeinden mehr gethan war , als das Bedürfniss erheischte , so mögten schwerlich
erhebliche Bauwerke den Folgen des Edictes vom 24 Februar 303 entgangen sein , in welchem Diocletian befahl , sämmt -
.

liclie christliche Kirchen in allen Provinzen des Reiches dem Erdboden gleich zu machen .
Als aber Constantin seine Siege unter dem Zeichen des Kreuzes erfochten , ohne Nebenbuhler den Thron der Cäsaren
in Besitz genommen und sich dem Christentlium zugewendet hatte , da wurde dieses auch die Religion der Reichen und
Mächtigen ; es wurde Staats Religion , der Byzantinische Hof wurde vorzugsweise ein christlicher und Constantinopel die
-

Capitale des orientalischen Christenthums , wie es jetzt die des Islam ist . Kirchen , Klöster und Betliäuser wurden in
grosser Zahl errichtet , reich ausgestattet und die gottesdienstlichen Handlungen mit Pomp und Glanz umgeben — Du Cange .

führt nicht weniger als 430 kirchliche Gebäude namentlich an , welche nach den Zeugnissen Byzantinischer Schriftsteller
allein in Constantinopel und dessen Vorstädten vorhanden waren .
Erst vom IV Jahrhundert an können uns demnach Denkmale der christlichen Baukunst erhalten sein , und im Orient ,
.

der Wiege des Cliristentliums , vorzüglich in Constantinopel , wurden stets Reste vermuthet , welche mehr Licht über den
Entwickelungsgang der christlichen Kunst verbreiten könnten . Dass bisher nur so wenig über dieselben bekannt geworden ,
liegt in den vielfachen Hindernissen ihrer nähern Untersuchung und Aufnahme ; da fast alle noch vorhandenen alt christ¬
lichen Kirchen in Moscheen verwandelt sind , deren Besuch der orthodoxe Muselmann höchst ungern dem Giaur gestattet ,
Ein Reparaturbau der Sophienkirche in den Jahren 1847 und 1848 , welcher die Möglichkeit einer näheren Untersuchung
derselben hoffen liess , veranlasste den Befehl Seiner Majestät des Königs zu meiner Reise nach Constantinopel . Ich fand
den Bau voller Gerüste bis in die höchste Kuppelspitze und die technische Leitung der Restaurations Arbeiten in den -

Händen des umsichtigen und verdienstvollen Architekten Fossati ; die Gerüste , vorzugsweise darauf berechnet , die höchst
interessanten Mosaik Arbeiten an den Gewölben von ihrer hundertjährigen Kalktünche zu befreien , erleichterten jede
-

wünschenswerthe Untersuchung und Messung , und der zuvorkommenden Freundlichkeit des Herrn Fossati , welcher mit
regem Kunstsinn ) jede artistische Forschung gern unterstützte , verdanke ich die Vergünstigung , die erforderlichen
*

Arbeiten ohne erhebliche Hindernisse ausführen zu können ; der Zufall wollte , dass noch zwei in Moscheen verwandelte
Kirchen im Umbau begriffen waren , zu anderen Gebäuden fand sich auch der Zugang , und so ist es gelungen , in einem
Zeitraum von fünf Monaten das Material zu sammeln , dessen Bearbeitung , günstig durch den Anhang von der kundigen
Hand meines verehrten Freundes vervollständigt , ich hiermit auf höhere Anordnung der Oeffentlichkeit übergebe , hoffend ,
*

dadurch einen nicht unwichtigen Beitrag zur Geschichte der christlichen Baukunst , zu liefern .
Erfurt , im Juni 1854 .
W . Salzenberg .

° ) Gr . Fossati hat 1852 in London ein Werk unter dem Titel : Aya Sofia Constantinople , as recently restored by Order of H . M . The Sultan Abdul Medijd , herausgegeben , welches
ein interessantes Bild von den malerischen Ansichten namentlich des Innern der Sophienkirche gewährt .
INHALT DES TEXTES

EINLEITUNG . Fenster und Thüren : Seite


Seite Fenster - Oeffnungen . 25
\ erläll der römisclien Ivunst iin III . Jahrhundert . l Fcnster - Construction . 25
Gründung Constantinopels durch Constantin den Grossen . l Thür - Einfassungen
Grosse Anzahl der in kurzer Zeit errichteten Bauwerke . . 26
1 Thür zwischen Säulen . 26
Folgen für die Baukunst im Oriente . Bronzethür am Süd - Ende des Nartliex
2 . 26
Gründung von Architektur - Schulen durch Constantin . Wandbekleidungen
2 mit Marmor :
Abneigung der ersten Christen gegen die Kunst und Einfachheit ihres Gottesdienstes . 2 Anordnung . 27
Wunderbare Ausbreitung des Christenthums , dessen Sieg über das Ileidentlium und Ein¬ Täfelung des Schilfes . 27
führung als Staats - Religion durch Constantin . 2 Täfelung des Bema . 27
Folgen für den Cultus und die Kunst . Desgleichen der Seitenhallen .
2 28
Beschreibung des Cultus , Eintheilung und Rangordnung der Gemeindeglieder . . . . 3 Desgleichen des Frauenchores . 28
Abtheilungen des Kirchenraumes , deren Benennung und Einrichtung . 3 Technik der Marmor - Mosaik . 28
Form des Kirchengebäudes bis zum VI . Jahrhundert . 4 Fusshöden . 28
Abweichende Formen für besondere Zwecke . 4 Glasstift - Mosaik :
Form der Kirchen im VI . und den folgenden Jahrhunderten . 4 Material und Technik . 28
Styl und Technik der Kirchengebäude bis zum VI . Jahrhundert . 5 Anordnung . 29
Desgleichen im VI . Jahrhundert . C Wölbung des Nartliex . 29
Schwäche des Byzantinischen Reiches nach dem VI . Jahrhundert . 7 Wölbung der Seitenhallen . 29
Styl der Architektur nach dem VI . Jahrhundert . 7 AVölbung des Gynaeceums . . . . . 29
Glocken und Glockentlxürme . 8 Wölbung der Hauptkuppel und des Schilfes . 29
Ausbreitung des Byzantinischen Styls . 8 Bild über der Haupt - oder Königsthür . 30
Bilder im westlichen Bogen .
30
Bilder an den Fensterwänden des Schilfes . 30
BESCHREIBUNG DER BAUDENKMALE ZU CONSTANTINOPEL . Bilder im östlichen Bogen . 31
Bilder des Bema .
VERSCHIEDENE 32
BAURESTE DER ÄLTEREN ZEIT . Bilder der Hauptkuppel . 32
Pilastercapitäl aus Smyrna . Bilder des Frauenchores .
11 32
Ara des Serails zu Constantinopel . Einrichtungen für den Cultus .
11 32
Korinthisches Capitäl , im Serail gefunden . 11
Capitäl mit Canälen , in der Stadt gefunden AGIA IRENE ;
. 11 wahrscheinlich aus dem VIII . Jahrhundert .
Säule des Kaisers Marcian ( Mitte des V . Jahrhunderts ) .
11 Geschichte und Situation .
33
Beschreibung des Gebäudes .
AGIOS JOHANNES , KLOSTERKIRCHE DES STUDIOS ; 33

4G3 erbaut . AGIA TIIEOTOKOS , KLOSTERKIRCHE DES LIPS ;


Situation und Geschichte . 12 Ende des IX . Jahrhunderts .
Beschreibung des Gebäudes und der Details . 12 Situation . 34
Geschichte . 34
AGIOS SERGIOS , KIRCHE DES KLOSTERS HORMISDAS ; Beschreibung des Gebäudes .
34
im Anfänge des VI . Jahrhunderts erbaut .
Beschreibung der Details .
35
Situation und Geschichte . 13
AGIOS PANTOKRATOR ;
Beschreibung des Gebäudes und der Details . 14
erste Hälfte des XII . Jahrhunderts .
Situation und Geschichte .
AGIA SOPHIA ; Beschreibung des Gebäudes
35
von 532 bis 538 erbaut . . 35
Beschreibung der Details .
Einleitung und Geschichte : 35

Geschichte des Bauwerkes unter den Griechen . . . . 15 KIRCHE DES KLOSTERS CHORA ;
Desgleichen unter den Türken . 15 aus dem XI . und XIII . Jahrhundert .
Historische Quellen . IG Situation und Geschichte . 36
Beschreibung des Bauwerkes :
Situation . KIRCHE DES KLOSTERS PANTEPOPTAE ;
16
Das Atrium . 16 Anfang des XII . Jahrhunderts .
Situation und Geschichte . g
Der Nartliex . 17 3

Das Schilf . 17 SAALBAU DES IIEBDOMON ;


Die Seitenhallen . 17 wahrscheinlich aus dem IX . Jahrhundert .
Das Gynaeceum oder das Frauenchor . 17 Situation und Beschreibung des Gebäudes . g
An - und Nebenbauten . 17 Vermutliung über dessen ursprüngliche Bestimmung nebst geschichtlichen
3
Notizen . . .
Vorhallen des Nartliex . 17 Beschreibung der Details .
37

37
Aufgänge zum Frauenchor . 18
Diaconicum oder Secrctarium . 18 CISTERNE DES PHILOXENOS ( BIN - BIR - DIREK ) .
Sceuopliylacium . 18 Zweck und Grösse der alten Cisternen Constantinopels . g
3
Baptisterium . 19 Beschreibung und Geschichte der Cisterne des Pliiloxenos . g
3
Cisternen . 19 Cisterna basilica . g
3
Stützpfeiler . 19
Baumaterial . WASSERPFEILER ODER SUTERASI .
19
Construction : Zweck der Wasserpfeiler . g
3
Umfassungsmauern . Beschreibung eines solchen aus Byzantinischer Zeit .
20 39
Tragbogen nach Ost und West nebst Widerlager . . . 20 KIRCHEN AUS KLEIN - ASIEN ;
Tragbogen nach Süd - und Nord nebst Widerlager . . . 20 nach den Aufnahmen von Texier .
Ilauptpfeiler . 21 Kirche des heiligen Clemens zu Aneyra .
Kuppelbasis . 39
21 Kirche des heiligen Nicolaus zu Myra .
Kuppelgewölbe . 39
21 Kirche am Cassaba in Lycien .
Halbkuppehi und Nischen des Schilfes . • . . 39
21
Gewölbe der Seitenhallen . ANMERKUNGEN . 39
22
N artliexgewölb e . 22
Atriums - Halle . ANHAND .
22
Verankerungen . 22 METRISCHE UEBERSETZUNG
Dächer und deren Treppen .
Plastischer 22 DES SILENTIAR . PAULUS BESCHREIBUNG DER H . SOPHIA UND DES AMBON .
Schmuck :
Säulen . 23
von Dr . C . W . Ivortüm .
Vorwort des Verfassers .
Bogen . 24
Gesimse . I . Die heilige Sophia des Silentiarius Paulus . Scitc
24 Abschnitt I . Vers 1 — 276 . 1 — III
Besondere Capitäle . 24 Abschnitt II . Vers 1 — 503 . III — \ T
Gesimse des Propyläums . 25 II . Der Amhon . Vers 51 — 304 . yn _ jx
Ornamente der Spannbalken . 25 Anmerkungen . IX — XIV
EINLEITUNG .

D ,
cm goldenen Zeitalter des römischen Reiches , der Glanzperiode seiner Kunst , in der ein Augustus sich rühmen konnte das backsteinerne
Rom in ein marmornes umgeschaffen zu haben , ein Hadrian die Kunst mit dem Purpur vereinte , Provinzen und Städte in Errichtung
grossartiger Werke mit den Kaisern wetteiferten und ein ITerodes Atticus sein unermessliches Vermögen auf Bauten des öffentlichen
Nutzens und Vergnügens verwendete , waren die Verwirrungen der inneren Kriege , die Anmassungen der prätorianisclien Cohorten und die
Einfälle der Barbaren gefolgt . Eine Reihe ungebildeter Krieger , im Feldlager gross gewachsen und vom Heere mit dem Purpur bekleidet ,
besetzte den Thron der Cäsaren ; mit der Sicherheit verschwand der öffentliche Wohlstand , die römischen Bürgertugenden erlagen der
allgemeinen Sittenverderbniss , und die Kämpfe an den Grenzen erschöpften die öffentlichen Kassen .
Solche Zeiten sind den Künsten nicht günstig , wie die wenigen bis auf uns gekommenen Denkmale dieser Periode bezeugen , und
wenn auch Bauwerke des Diocletian und Maxentius schliessen lassen , dass man in Rom die Construction grosser Gewölbe - Anlagen sehr
wohl noch verstand , oder der Palastbau zu Salona uns manche neue Motive vorführt , so geht doch aus Allem hervor , dass der feinere
Sinn für die sorgsame Durchbildung eines Werkes , das Verständniss der Formen und die plastische Kunst des Meisseis verloren gegangen
waren und man sich begnügte , in Grösse und Weitläuftigkeit der Anlagen dem Beispiel der Vorzeit nachzuahmen .
Der kluge Diocletian hatte zwar mit kräftiger Hand Ruhe und Ordnung aufrecht erhalten , die Grenzen sicher gestellt und durch
Veränderung der Staatsform die Zustände des Reiches zu verbessern gesucht ; allein das Staatsleben , wie die Kunst erheben sich nicht
auf Befehl , beide bedürfen eines gesunden Bodens und der sorgsamen Pflege vieler Geschlechter zum Gedeihen . Dem Cliristenthume
war es Vorbehalten , durch Umgestaltung der moralischen Grundlagen den Sturz des schon wankenden Römerreiches noch viele Jahr¬
hunderte aufzuhalten und der gesunkenen Kunst neue Kraft und einen Geist zu verleihen , der auf spätere Geschlechter und jüngere
Nationen vererbt viele ; herrliche Werke in ' s Leben rief .
Das Fundament der christlichen Kunstentwiekelung im Oriente bildet der Neubau Constantinopels .
Es lag schon in der wohl verstandenen Politik Diocletian ' s , Rom und den Einfluss der Erinnerungen seiner früheren Macht und
Freiheit zu meiden , er rcsidirte in Mailand und Nicomedia ; eine viel glücklichere Wahl für die Hauptstadt eines so grossen Reiches
traf Constantin . — Das alte Byzanz auf der Grenzlinie von Asien und Europa mit dem Hafen ohne Gleichen und der zweiarmigen See¬
verbindung nach Nord und nach Süd mit den entferntesten Theilen der Erde war von Natur für einen Weltverkehr bestimmt , liier
konnten die leitenden Fäden eines so viel gegliederten Reiches mit Sicherheit in einer Hand vereint , von hieraus mit Schnelligkeit
Befehle in die entferntesten Provinzen entsendet , Truppen und Kriegsmaterial nach den bedrohten Punkten geführt werden . Die feste
Lage auf der Spitze einer Landzunge , die leicht gegen den Angriff eines Belagerungslieercs vertlieidigt werden konnte , während die
beiden Wasserseiten dem freien Verkehr offen blieben , hatte sieh schon früher bei mehrfachen Gelegenheiten bewährt , und die reizenden
Bilder , welche dem Blicke auf den wechselnden Zug der Küsten , auf das Meer , die Inseln und fernen Berge sieh darboten , verbunden
mit dem heiteren Himmel und dem durch die Nähe der See gemässigten Clima erhöhten die Annehmlichkeiten eines so günstig gelegenen
W ohnsitzes .
Im Jahre 324 begrenzte Constantin nach alter Sitte mit der Pflugschaar den Raum für die neu zu erbauende Stadt , von der Land¬
zunge ein Dreieck abschneidend , dessen Landseite gegen Nordwest , jetzt , nach einigen Vergrösserungen unter Tlieodosius dem Jüngeren ,
etwa eine Länge von W Meilen einnimmt , dessen etwas über W Meilen lange Südseite die Propontis bespült und dessen Nordseite sich
etwas über W Meilen längs dem goldenen Horn ausdehnt , dem Meile weit in das Land hinein ziehenden durchschnittlich V Meile breiten
und sehr tiefen Hafenbecken , dessen Mündung im Bosporos die Verbindung mit dem schwarzen Meere und der Propontis herstellt und
gegen alle Seestürme geschützt liegt . Das Dreieck der jetzigen Stadt , seit Tlieodosius Zeit unverändert , nimmt bei einem Gesammtumfange
von 2 Meilen eine Fläche von ungefähr 4 Quadratmeile ein , wovon das alte Byzanz an dessen Ostspitze kaum den siebenten Theil bedeckte .
Das neue Rom , wie die Schöpfung Constantins zuerst genannt wurde , sollte dem alten an Glanz nicht nachstehen , und dem Herren
von drei Welttheilen und 120 Millionen 1 ) gehorsamer Untertliancn konnte es an materiellen Mitteln nicht fehlen . Die Wälder der schattigen
Ufer des Eäixinus lieferten Holz , die berühmten Marmorbrüche der Insel Proconnesus Steinmaterial zu den Bauten , und die Städte Griechen¬
lands und Asiens ihre besten Kunstschätze zu deren Schmuck . Die Mauern , die öffentlichen Portiken und Aquaeducte haben nach den
Berechnungen von Gibbon '2 ) eine Summe von etwa 17 Millionen Tlialcr in Anspruch genommen . Das Haupt der öffentlichen Plätze , das
lbrum constantinum , in elliptischer Form mit Säulenhallen umgehen , erhielt zwei Triumphbogen als Eingänge , und in der Mitte eine
100 Fuss hohe Porphyrsäule auf 20 Fuss hohem Postamente , deren Reste noch jetzt unter dem Namen der verbrannten Säule existiren .
Sie trug eine Broncc - Statue des Apollo und die Hallen umher waren mit Statuen gefüllt .
Der Hippodrom , vom Kaiser Severus nach der Einnahme des alten Byzanz begonnen , wurde vollendet und reich mit Säulen und
plastischen Kunstwerken geschmückt , von denen noch jetzt die erzene Schlangensäule , die angeblich den aus Delphi entnommenen Drei -
fuss trug , so wie zwei später errichtete Spitzsäulen , deren eine ein aegyptischer Obelisk , die Lage der ehemaligen Spina andeuten .
Das lbrum augusteum , an der Südseite der Sophienkirche belegen , widmete Constantin dem Andenken seiner Mutter Helena durch
Errichtung ihres Standbildes auf einer Porphyrsäule und ordnete es als reich geschmückten Vorhof des grossen Kaiserpalastes , der sich
mit seinen Säulengängen , Höfen , Gemächern und Gärten von der Sophienkirche bis in die Gegend der später erbauten aber noch heute
existirenden St . Sergius - und Bacchus - Kirche erstreckte , demnach eine Längen - Ausdehnung von mindestens 1500 Fuss einnahm .
Die Bäder des Zeuxippus , zum alten Byzanz gehörend , wurden mit hohen Säulen , Marmor - Arbeiten und über 00 Bronze - Statuen
bereichert : kurz mit allem was die Würde der Hauptstadt heben und zu dem Wohle und dem Vergnügen ihrer zahlreichen Bewohner
beitragen konnte , wurde Constantinopel reichlich versehen . Eine specielle Beschreibung der Stadt , etwa ein Jahrhundert nach ihren*
Gründung angefertigt , nennt : ein Capitol oder Unterrichts - Anstalt , einen Circus , zwei Theater , acht öffentliche und hundert und drei
und fünfzig Privatbäder , zwei und fünfzig Portiken , fünf Kornmagazine , acht Aquaeducte oder Wasserreservoire , vier geräumige Hallen
für Senats - Versammlungen oder Gerichts - Sitzungen , vierzehn Kirchen , vierzehn Paläste und vier tausend drei hundert und achtzig
Häuser , welche sieh wegen ihrer Grösse und Schönheit vor der grossen Menge gewöhnlicher Wohnungen auszeichneten . In Rom wurden
■)

nur ein tausend sieben hundert und achtzig grosse Häuser , domus , gerechnet ; wahrscheinlich aber bezeiclmete liier das Wort ein
ausgezeichneteres Gebäude . Die alte Capitale hatte vier hundert und vier und zwanzig , die neue drei hundert und zwei und zwanzig
Strassen )
. :i

Von allen diesen Werken ist nichts bis auf unsere Zeit gekommen ; in wenigen Jahren errichtet , bedurften sie unter den nächsten
Nachfolgern Constantins schon bedeutender Reparaturen , um vom Untergange gerettet zu werden , und bekundeten so die geringe Solidität
ihrer übereilten Construction . Wenn unter diesen Umständen eine sorgsame Ausbildung , überhaupt für den Augenblick ein wirklicher
Fortschritt der damaligen Kunst nicht erwartet werden darf , so trug diese grosse Bautliätigkeit doch wenigstens dazu bei , Erfahrungen
zu sammeln , die technische Fertigkeit zu üben , aus allen Theilen des Reiches , vorzugsweise aus Griechenland und Klein Asien , antike
-

Kunstwerke und Baurestc herbeizuführen , die als Muster dienen konnten , und so in Constantinopel den Grund zu einer Architektur¬
schule zu legen , aus welcher die späteren Erfolge des christlichen Kirchenbaues hervorgingen . Dass Constantin selbst den Mangel tüchtiger
und geschickter Architekten fühlte und deren Bildung zu bewirken suchte , beweiset sein Ediet vom Jahre 334 ) durch welches die
, 4

Magistrate der Provinzen angewiesen werden , Schulen zu errichten , Professoren zu bestellen und durch Hoffnung auf Belohnung und
Privilegien talentvolle Jünglinge von guter Erziehung zum Studium und zur praktischen Ausübung der Baukunst zu vermögen .
Die ascetische Strenge der ersten Christengemeinden war der Kunst keinesweges günstig , im Gegentheil , ihre Lehrer eiferten
gegen dieselbe als eine Dienerin des Heidentlimns und ein Beförderungsmittel des Götzendienstes ; ihr ganzes Bestreben ging dahin , die
Christen von allen den Vergnügungen und Lebensgenüssen fern zu halten , welche die Verweichlichung und das Sittenverderbniss der
römischen Welt so sehr befördert hatten . Dagegen stellen uns diese Gemeinden ein Bild der Sittcneinfalt und Sittenreinheit , des festen
unerschütterlichen Glaubensmutlies und der gegenseitigen Anhänglichkeit und Liebe dar , das wir in den späteren Zeiten der siegreichen
Kirche vergebens suchen .
Die gottesdienstlichen Versammlungen der ersten Zeiten wurden gewöhnlich in den Privathäusern wohlhabender Gemeinde¬
mitglieder abgehalten , und scheinen dazu Säle in den oberen Stockwerken gedient zu haben , welche das Eindringen Unberufener mehr
erschwerten . Der Gottesdienst selbst bestand in gemeinsamer Betrachtung der heiligen Schrift , nämlich Vorlesung , Erklärung und An¬
wendung derselben , so wie im gemeinsamen Gebet und Gesang . Nach diesem Gottesdienste fanden Versammlungen zu dem Liebesmahle
statt , an welches sich die Feier der Communion anschloss . Jedoch schon im Anfänge des . Jahrhunderts wurde die Communion mit
II

den gottesdienstlichen Versammlungen verbunden ) . 5

Die gemeinsamen Bedürfnisse wurden aus den freien Gaben bei den gottesdienstlichen Versammlungen bestritten , die Verwaltung
der Gemeinde Angelegenheiten lag dem Collegium der Gemeinde Alten
- - ob , an deren Spitze später der Bischof als Vorsteher
( irqEcrß -vrsqoi )

trat . Ausserordentlich war die Sorge der Gemeinden für ihre leidenden Brüder ; die Armen wurden auf gemeinsame Kosten unterhalten ,
die Kranken und Gefangenen gepflegt , und zwar nicht blos von den hierzu eigends angestellten Diakonen und Diakonissen , sondern auch
viele Gcmeindcgliedcr , vorzüglich die Frauen , unterzogen sich persönlichen Dienstleistungen für die Leidenden ). 0

Eine Lehre , die auf die Güter dieser Welt wenig Werth legte , ja deren Genüsse geradezu gering schätzte , und durch die bestimmte
Verlieissung eines glückseligen Zustandes nach dem Tode den Blick und das Verlangen der Gläubigen auf das Jenseits richtete , musste
grossen Anklang finden bei den Nothleidenden und Bedrängten der grossen Masse der unteren Volksklassen und der Sklaven , denen die
Genüsse der Wohlhabenden und Besitzenden nicht zu Theil wurden : zugleich musste aber auch die strenge Sittlichkeit ihrer Bekenner
und deren zarte Fürsorge für die leidenden Brüder gegenüber dem allgemeinen Sittenverderbniss und Egoismus ihr die Herzen der bes¬
seren und edleren Menschen zuführen . Die schnelle Verbreitung des Christenthums ohne alle äusseren Mittel ist wunderbar : in wenigen
Jahrhunderten war die Gesellschaft der Bekenner Christi , in Gemeinden geordnet und fest mit einander verbunden , eine Macht geworden ,
der die Beherrscher der römischen Welt sich anschliessen und die Religionen der alten Götter unterliegen mussten .
Der Sieg des Christcnthums war der Sieg einer grossen Idee : der Gleichstellung aller Menschen vor Gott : er war eine geistige
Revolution , die eine völlige Umgestaltung aller Verhältnisse zur Folge haben musste .
Die zeitweiligen Verfolgungen konnten diese Resultate nicht auf halten ; die Gewaltthat cn der weltlichen Macht waren erfolglos
.

Menschen gegenüber , deren Herz nicht an den Gütern dieser Erde hing , und die freudig dem Tode entgegen gingen , um der ewigen
Seligkeit theilliaftig zu werden . Der letzte energische Versuch unter Diocletian , der Entscheidungskampf des Heidentlimns , hatte hin¬
länglich bewiesen , dass eine Unterdrückung der christlichen Lehre nicht mehr möglich sei ; und vielleicht war die Reue über die nutz¬
losen Opfer des Edictes vom 24sten Februar 303 nicht das letzte Motiv zur Thronentsagung seines Urhebers . Constantin musste der neuen
Richtung sich anschliessen , wenn er an der Spitze der Bewegung bleiben , wenn er eine dauerhafte Herrschaft gründen wollte ; und dass
er es that , ist ein Beweis seiner Einsicht .
Durch die christlichen Soldaten erfocht er seine Siege gegen die Mitkaiser , wobei die geheimen Verbindungen der Christen , über
das ganze Reich verbreitet , nicht ohne Einfluss waren . Die Einführung des Christenthums als Staatsreligion befestigte seine Herrschaft ,
und der fast tausendjährige Fortbestand des schon morschen , ringsum von mächtigen Feinden und jungen kräftigen Nationen angegriffenen
Reiches bekundet am besten die neue Lebenskraft , welche ihm aus der christlichen Lehre erwuchs .
Aus der patriarchalischen Einfachheit der ersten Christen - Gemeinden hatte sich schon während des . und III . Jahrhunderts
II

allmälilig eine wohlgeordnete Kirchen Verfassung und ein geregelter Cultus entwickelt . Die Begünstigungen des IV Jahrhunderts fügten
- .

Reichthum und äusseren flanz hinzu .


(

Der Byzantinische Hof verband seine Interessen eng mit denen der Kirche ; die Kaiser zeigten Puter und Ehrfurcht für den Cultus ,
sie erbauten Gotteshäuser in Menge , dotirten sie mit Grundeigentlium und wiesen bedeutende Summen für kirchliche Zwecke , Armen -
und Krankenpflege auf die öffentlichen Kassen an .
Das 313 zu Mailand erlassene Toleranz Edict hatte das Corporationsrecht der Kirche feierlich anerkannt und den Christen das
-

ihnen geraubte Pugenthum zurückgegeben ; acht Jahre später ertheilte Constantin allen seinen Untertlianen die freie Fhlaubniss , ihr Ver¬
mögen der Kirche zu vermachen ; eine ergiebige Quelle von Reichthum , da die Wohlhabenden sich beeiferteil , das Beispiel ihrer Herrscher
in Freigebigkeit gegen die Kirche nachzuahmen .
Von den jährlichen Revenüen des Kirchenvermögens bezog der Bischof allein den vierten Theil , die übrigen drei Viertel fielen
der niederen Geistlichkeit , der Armenpflege und dem öffentlichen Gottesdienste zu gleichen Theilen zu . Die bevorzugte Stellung der
Bischöfe an der Spitze der Kirchenverwaltung reizte nicht selten deren Ehrgeiz ; Vermehrung des untergebenen Klerus , so wie Pracht
und Glanz der öffentlichen Religionshandlungen waren die Mittel , den Phnfluss und das Ansehen der Bischöfe zu heben .
Ein reich ausgebildeter Cultus , eine entsprechende Ausbildung der Kirchengebäude und deren Ausschmückung mit kostbaren
Geräthen , Stoffen und Kunstgegenständen war die natürliche P olge dieser Umstände .
'

Wenn in dem Folgenden auf eine nähere Betrachtung dieser Gegenstände eingegangen wird , so geschieht dieses vorzugsweise mit
Hinblick auf die orientalische Kirche , da die christlichen Gebäude in Constantinopel den Hauptzweck dieser Betrachtungen bilden .
Der Cultus , die gemeinsame öffentliche Gottesverchrung , zerfiel in zwei Haupttheile : an dem ersten , der missa catechumenorum ,
nahmen alle Gemeindegliedcr Theil . Nach der Einleitung durch gemeinschaftliche Absingung von Psalmen folgte das Preislied der Gott¬
heit , die Doxologie , welchem eine Vorlesung der heiligen Schriften in einzelnen Abschnitten mit Gesängen abwechselnd sich anschloss ;
den Beschluss machten die Predigt und die Kirchengebetc . Mit den letzteren wurden die Kateclmmenen , . h . die zur Taufe sich
d
*)

Vorbereitenden , so wie die Pönitenten , die öffentlich Büssenden und daher eine Zeit lang von der Kirchengemeinschaft Ausgeschlossenen ,
entlassen , Es blieben nur die getauften Gläubigen zu ha * ihnen besonders gewidmeten zweiten Abtheilung , der missa fidelium . welche :
(

vorzugsweise in der Feier des Abendmahles bestand . Die Elemente des Abendmahles , Brod und Wein , wurden bis zum XI Jahrhundert .

aus den freiwilligen Gaben oblationes ) der Gläubigen entnommen ) Die Feier begann mit dem Fricdensgrusse des Biscliofcs und dem
( . 7

gegenseitigen Bruderkuss der Communicanten , worauf die Oblationen zum Altäre gebracht wurden . Demnächst sprach der Bischof den
Segenswunsch und das Dankgebet , an dessen Schluss die Gemeinde mit dem Trisagion einfiel . Den eigentlichen Mittelpunkt der Feier
machte die Darbringung oblatio ) und Weihung conseeratio ) der Abendmahls Elemente durch den Bischof aus , dem sich das allgemeine
( ( -

Kirchengebet , nämlich die Fürbitte für die Kirche und deren Diener , das Staats Oberhaupt , die Obrigkeit , das Heer etc . anschloss . Nach
-

dem Vaterunser und der Lobpreisung Gottes begann demnächst die Communion unter Absingung von Psalmen , deren Schluss Dankgebete
und der Segen des Bischofs bildeten . Die Austheilung des Abendmahles geschah der Rangordnung nach und an dem jedem Stande
gebührenden Orte ) . 8

Bei den gottesdienstlichen Versammlungen wurde nämlich eine strenge Rangordnung beobachtet : jedem Stande war sein beson¬
derer Platz angewiesen .
Die zwei Haupt Abtheilungen waren Lehrende und Lernende , Priester und Laien ; sie waren in der Kirche geschieden durch
-

Erhöhung des Platzes und Schranken . Eine Scheidewand trennte die höhere und niedere Geistlichkeit , den Priester vom Gehülfen und
Diener , das Stockwerk die Geschlechter , wie schon im antiken Wolmhause . und die Katecliumenen und Pönitenten harrten vor den
Thüren des Tempels ihrer Aufnahme in die Gemeinschaft der Gläubigen .
Der Priester stand dem Osten , dem Lichte zunächst , der Büssende dem Westen , dem Untergange , der Finsterniss zu .
Der Platz für die Priester , der Ort , wo die heiligen Mysterien verrichtet wurden , liiess das Bema ; die Diakonen , Subdiakonen ,
Cantoren und Lectoren standen auf der Solea im Westen vor dem Bema ; von da bis zu den westlichen Thüren erstreckte sich der Naos ,
das Schiff der Kirche , der Standort der Gläubigen ; und die Halle vor den Thüren , wo die Büssenden sich aufhielten , hiess der Nartlicx ,
die Ruthe , von seiner länglichen Gestalt . Der Aufenthalt der Frauen wurde Gynaikonitis und Catecliumenium rd xar xo ueva ) genannt . ( ^ ^

Das Bema , das Allerlieiligste , zu betreten , war alleiniges Vorrecht des Priesters , jeder Andere bedurfte dazu der Erlaubniss des
Bischofs ; die Wand , welche dessen Abschluss gegen das Schiff' zu bildete , die Caneellen xiyxAiides ) genannt , enthielt drei Thüren , die hei¬
(

ligen ayiat ZrvQau , iruKai) , eine mittlere grössere und zwei zu den Seiten , welche mit Vorhängen xaraitEräa ^ ara , vcla ) versehen waren ) Der
( ( - . 9

heilige Tisch ayia rqu ^ , Svcriacrr 'tßiov , auf Säulenfüsscii ruhend , innerhalb der Caneellen für die Darbringung und Weihung der Abend¬
( a )

mahls Elemente bestimmt , war von einem hohen Schirmdache , dem Ciborimn , beschattet , das sich auf vier Säulen erhob und mit dem
-

Kreuzeszeichen gekrönt war . Zwischen den Säulen wallten Vorhänge herab , das ganze Ilciligtlmin einhüllend , und nur in gewissen
Momenten wurden dieselben zurückgeschlagen , . B . vor der Communion , indem der Priester , hinter dem heiligen Tische stehend , das
z

Gesicht der Gemeinde zugewendet , die Elemente hoch empor hielt ) und der Gemeinde zeigte . An der hinteren Wand des Bema , gegen
10

Osten , die dasselbe halbkreisförmig abschloss und ein Halbkuppel Gewölbe , die Conclia , trug , standen die Sitze der Priester , der Syntlironos ,
-

und in deren Mitte der Thron oder Katheder des Bischofs . Dieser Theil hiess die Apsis und sprang aus der Umfassungsmauer der Kirche
gen Osten vor . Das Bema war gewöhnlich um einige Stufen gegen den übrigen Theil der Kirche erhöht .
Zu den Seiten des Bema befänden sich zwei Nischen , Conchulen , Nebenapsiden , deren eine zur Rechten , vom Bema aus gerechnet ,
Prothesis , die andere Diakonikon hiess ) Die erstere diente zur Aufstellung der Oblationen der Gläubigen und Vorbereitung der Abend¬
. 11

mahls IMemente , die demnächst zum heiligen Tische durch den Diakon getragen wurden ) die andere für Aufstellung der heiligen Bücher ,
- , 12

Gefässc und Bekleiden des Priesters mit dem zur Verrichtung der Mysterien erforderlichen Gewände ) Diese Vorbereitungen fänden vor . 13

den Augen der Gemeinde statt , während die Vorhänge des Ciboriums die eigentlichen Mysterien verhüllten .
Vor dem Bema , gleichsam die Schwelle desselben bildend , lag die Solea , etwas über dem Fussbodcn des Schiffes erhaben ) sie ; 14

diente der niederen Geistlichkeit zum Aufenthalte und wurde daher auch das Bema der Lectoren genannt ; von ihr führte eine Treppe
zum Ambo hinauf ein erhöhter Platz oder eine Rednerbühne , von welchem herab die heiligen Schriften verlesen und Predigten so wie
( )

Ansprachen an die Gemeinde gehalten wurden . Der Ambo befand sich am Westende der Solea , frei in der Mitte der Breite derselben von
Süd nach Nord , und hatte , dem Aufgange von Osten , vom Bema her , entgegengesetzt , einen Niedergang nach Westen , dem Schiffe
zu gekehrt :) . 1 >

Zu beiden Seiten des Schiffes waren erhöhte Gallerien für die Frauen angebracht , unter denen sich somit die Seitenhallen , Por¬
tiken oder Aulen des Schiffes bildeten . Die Oeffnungen dieses Frauencliores nach dem Schiffe zu waren mit Brüstungen versehen , und
Treppen cochleae ) mit gesonderten Zugängen von Aussen führten zu demselben hinauf .
(

Der Nartliex fehlt an keiner griechischen Kirche , er erstreckt sich am Westende längs ihrer ganzen Breite , und wenigstens drei
Thüren führen von demselben in die Kirche , deren mittlere und grössere bei den Hauptkirchen den Namen der Königlichen führte . Vor
den Thüröffnungen hingen Vorhänge , die während der Katecliumenen Messe zurückgeschlagen waren . Im Nartliex an den Thüröffnungen
-

standen , wie schon gesagt , die Katecliumenen und Pönitenten . Ueber dem Nartliex befindet sich meistens ein zweites Geschoss , welches
mit zum Gynaikonitis gehört . Auch ist mitunter vor demselben noch ein äusserer oder Exonarthex angebracht , in welchem die unterste
Klasse der Büssenden , die Fleutes , standen ) fehlte der Exonarthex , so standen die Weinenden an den äusseren Thüren des Nartliex in
; 10

dem Portikus , welcher das Atrium cuA ? ) umgab . ( /

Das Atrium war nämlich ein offener viereckiger Hof mit Säulenhallen , Portiken , umgeben , der vor dem Nartliex gegen Westen
lag , und zu welchem eine westliche Eingangshalle , Propylaion , so wie andere Zugänge von verschiedenen Seiten führten .
In der Mitte des offenen Raumes stand ein Wasserbecken , die Pliiala , der Kantharos , an welchem die Gläubigen die Abwaschungen
(lustrationes , symbolische Reinigungen , vornalimen , bevor sie dem Gottesdienste beiwohnten . Der Mahomcdancr beobachtet noch heutigen
)

Tages ganz dieselbe Sitte , und die Weihwasserbecken der römisch katholischen Kirchen sind nichts Anderes als die an den Eingang des
-

Schiffes versetzten Filialen des alten Atriums .


Solcher Gestalt war der Raum der christlichen Kirche dem Cultus entsprechend geordnet ; der Rangordnung der Gemeindeglieder
gemäss bilden Nartliex , Naos und Bema deren drei Ilaupttlieilc . Durch die Waschung im Atrium zur Beiwohnung des Gottesdienstes
vorbereitet , durchschreitet der Gläubige den Nartliex und nimmt im Naos seinen Platz ein ; der Katcehumcne und Pönitent bleiben im
ersteren zurück . Der Priester , nachdem er in der Prothesis das heilige Opfer vorbereitet und im Diakonikon die Festkleider angetlian
hat , betritt das Bema , den dienenden Kleriker auf dessen Schwelle zurücklassend , und verrichtet sein heiliges Amt . Der Diakon , der
Gehiilfc des Priesters , überwacht die vorgeschriebene Ordnung , der Cantor führt den gemeinsamen Gesang , der Lector trägt die heiligen
Schriftstücke * vor und der Ostiarius bewacht die Thüren , dass kein Uneingeweihter den Raum der Kirche betrete .
Aus der vorbesehriebeuen Ordnung des Gottesdienstes und der Geineindeglicder entwickelt sich fast, von selbst ein länglich vier¬ -

eckiger Grundplan mit vortretender Apsisnische , von Westen nach Osten orientirt , wie die Apostolischen Constitutionen ) schon vor¬ 17

schreiben . War der weite Raum des Schiffes mit Holzbalken überdeckt , so fänden dieselben eine Stütze an dem Stockwerksbau des
Gynaikonitis , gebildet aus je zwei über einander gestellten Säulenreihen , und es entstanden zugleich die Seitcnhallen , Portiken oder
Aulen , zu beiden Langseiten des Schiffes , als Zierde und Gliederung des Raumes . Ein derartiger Langhausbau mit Ilolzdecken , gestützt
durch Säulenreihen von West nach Ost laufend und gleichsam den Geineinderaum in mehrere Schiffe thcilend obgleich die alten Kirchen - (
4

Schriftsteller nur von einem Schiffe reden , wird jetzt gewöhnlich eine Basilika 4 genannt , und es scheint nach den geschichtlichen
) '

Zeugnissen nicht zweifelhaft , dass ebenso , wie nach allgemeiner Annahme im Occident , auch im Orient his zum VI Jahrhundert für die .

eigentliche Ecclesia , dv , Kirelu , den gewöhnlichen Versammlungsraum der ganzen Gemeinde zum sonntäglichen Gottesdienste )
; , 1' 1

diese Bauart vorwaltend als Norm galt , und erst nach der Justinianischen Zeit der Gewölbe - und Kuppelhau für dieselben in der Byzan¬
tinischen Schule feststehende Regel wurde .
So wird die vor 323 . erbaute Ilauptkirche von Tyrus in der Kirchengeschichte des Eusebius ) dieser Bauweise entsprechend be¬ 2U

schrieben , und der beiden Säulenreihen , in jeder die Säulen stockwerkartig über einander gestellt , mit Bestimmtheit Erwähnung getlian .
Der erste von Constantin gegründete Bau der Agia Sophia zu Constaiitinopel war ein Langbau ; er wird als rennbalmartig cyuxot ) ( <ft ? ,'

bezeichnet ) Für die Vennuthung einer Ilolzdccke sprechen die vielfach sich wiederholenden Brandbeschädigungen , welche auch den
. 21

Kaiser Justinian veranlassten , gewölbte Decken und Vermeidung aller brennbaren Stoffe seinen Baumeistern heim Neubau zur ersten
Bedingung zu machen .
Die Kirchen des heiligen Agathonicus und des heiligen Acacius , ebenfalls von Constantin in seiner neuen Hauptstadt erbaut ,
werden der Sophienkirche ähnlich und mit demselben Ausdruck als Langbaue bezeichnet ) , 22

Von der Helena , Mutter des Kaisers Constantin , wurde zu Bethlehem eine Kirche erbaut , die , später vonEudocia , der Gemahlin
Theodosius , erneuet , noch heute als Basilikenbau existirt .
II .

Dass mehrere afrikanische Kirchen während der Donatisten - Streitigkeiten im IV . Jahrhundert keine gewölbten , sondern bloss
Balkendecken hatten , geht aus einer Stelle des Optatus hervor ) . 23

Der Bischof Paulinus beschreibt die von ihm zu Anfang des V . Jahrhunderts in Nola erbaute Basilika in den Briefen an seinen
Freund Severus und im Felixliede hinlänglich genau mit getäfelter Decke und Scitenportikcn in zwei Stockwerken , auch die beiden
Neben - Conchen zu den Seiten der Hauptapsis führt er an ) . 24

Unter den noch erhaltenen Monumenten zeigt die auf Blatt . dargestellte Johannis Kirche des Studius zu Constaiitinopel , aus
II -

dei Mitte des V Jahrhunderts stammend , ein Beispiel dieses Basilikenbaues .


* .

Ravcnna s Basiliken , im V . und VI . Jahrhundert unter Byzantinischem Einfluss erbaut , bieten eine ganze Reihe von Beispielen

dieser Bauweise ’ ) Der von Agincourt mitgetheilte Grundriss von St, Apollinaris zu Ravenna zeigt ebenfalls die Nebenapsiden zu den
. 2 ’ d ’

Seiten der Bema Apsis ) - . 26

Ein ähnlicher Bau aus dem Jahre 542 ist die noch vorhandene Kathedrale zu Parenzo in Istrien , ebenfalls mit drei Apsiden ) . 27

Selbst von Justinian wurde die Marienkirche zu Jerusalem mit Cedernbalken gedeckt , und Säulenreihen in zwei Stellungen über
einander angebracht , wie Procop erzählt 28) .

Es kommen allerdings schon zu Constantin s Zeit Bauten von anderer Form vor , . B . wird die zu Antiochia durch Constantin
’ z

erbaute Kirche vom Eusebius als Achteck mit hohem Mittclrauine , von Kapellen , Exedern und Emporen umgeben , beschrieben , jedoch
nennt Eusebius sie ausdrücklich eine ganz cigenthümliche Kirche ixxXycnaA , folglich von der gebräuchlichen Art
{^ ovoyeveq n xq ^ ua
abweichend ). 2 !)

Bei mehreren Gebäuden dieser Zeit lässt sieh nachweisen , dass ein besonderer Zweck der abweichenden Form zuin Grunde la . <>'

Die von Constantin über dein heiligen Grabe zu Jerusalem errichtete Kirche war ein Rundbau 30) allein sie war ein Martyrium , ,

ein Grabdenkmal , und schon im hohen Alterthumc war die runde Form dem Grabdenkmale geweiht .
Als im Lauft ; des IV . Jahrhunderts die öffentliche Verehrung der Glaubenshelden , der Märtyrer , eine so grosse Ausdehnung ge¬
wann , wurden über deren Gräbern oder Leidensstätten Gedäclitnisskirclien , martyria , memoriae , errichtet ) und daselbst an den Todes¬ , 31

tagen der Märtyrer grosse Feierlichkeiten unter dein Zuströmen von bedeutenden Volksmasscn abgehalten ' ) auch zu anderen Zeiten ; 32

wurden diese Orte von Andächtigen und Wallfahrern besucht, Ein Rund - oder Polygonbau war für derartige Zwecke sehr wohl geeignet ,
und die Mitte eines solchen Baues bot einen schicklichen Platz für die Aufstellung eines Sarkophages oder sonstigen Denkmals , wie sich
denn auch das heilige Grab in der Mitte des Rundbaues zu Jerusalem befand . Manchem noch vorhandenen kirchlichen Gebäude dieser
Form mag die Idee des Martyriums zum Grunde liegen .
Die sogenannte Himmelfahrtskirche auf dem Oelberge bei Jerusalem , von Constantin s Mutter erbaut , bestand aus Säulenhallen , ’

welche einen runden unbedeckten Mittelraum umgaben ) eine schöne Idee für die würdige Bezeichnung des Ortes , an welchem der
; 33

Heiland die Erde verlassen .


Constantin baute für sich und seine Nachfolger in der Hauptstadt eine Begräbnisskirclie , den heiligen Aposteln geweiht , und gab
ihr die Gestalt des Kreuzes ) Justinian behielt bei deren Neubau diese Form bei , über der Kreuzung eine erhöhte Kuppel errichtend ,
; 34

unter der sich das Sanctuarium befand ) Dieselbe Form hat die Grabkirche der Galla Plaeidia zu Ravenna und eine ähnliche das zu
. 35

Rom im Jahre 1838 entdeckte antike Grabmal ) . 36

Die achteckige Grundform war für die alten Baptisterien , welche als abgetrennte Gebäude neben den bischöflichen Hauptkirchen
standen , eine allgemein gebräuchliche . Das Baptisterium des Constantin bei der Laterankirche zu Rom , mehrere zu Ravenna ) das der , 37

Sophienkirche zu Constaiitinopel Blatt VI . und VII , und verschiedene andere bekunden dieses noch heutigen Tages .
( .)

Zu den nicht vorzugsweise dem Gemeinde Gottesdienste bestimmten Gebäuden gehören auch die Klosterkirchen und die Gebet¬
-

kapellen , Oratorien , für den Privatgebrauch ) und mögen bei diesen auch besondere Anordnungen und Formen mitunter in Anwendung
, 38

gekommen sein .
Bis zum VI . Jahrhundert scheint an der Bauform der Ekklesien nicht viel geändert zu sein , allein unter dem religionseifrigen ,
dabei baulustigen und prachtliebenden Kaiser Justinian wurde der Gewölbe - und Kuppelbau sehr kultivirt , und bei den Tausenden von
Kirchengebäuden , die er während seiner 38jährigen Regierung tlieils neu erbaute , theils herstellte , hatten seine Architekten und Werk¬
leute hinlängliche Gelegenheit , diese Bauweise auszubilden und Erfahrungen darin zu sammeln . Durch die Verbindung der Kuppel mit dem
Langbau erhielt das Gebäude im Innern wie im Aeussern mehr Pracht , mehr Formenwechsel , mehr Reichthum ; die Gewölbe gewährten
Feuersicherheit und deren innere Flächen boten eine günstige Gelegenheit zur Entwickelung des glänzenden prachtvollen Mosaikschmucks .
Seit dieser Zeit scheint die gewölbte Kuppelkirche vorherrschende Bauform im orientalischen Kaiserreiche geworden zu sein , während im
Occidente , namentlich in den germanischen Ländern , erst viel später der Gewölbebau Regel wurde , auch eine andere , dem Langbau mehr
entsprechende Richtung annahm , bei welcher der Thurmbau die Wirkung der Kuppel im Aeussercn vertrat ,
Der Hauptbau Justinian , die Sophienkirche zu Constaiitinopel Blatt VI . und VII , zeigt mehrere Abweichungen von der frühe *
’s ( .) ]

gebräuchlichen Anordnung des Grundplanes , welche zunächst aus der Deckenconstruction hervorgehen . Das Gewölbeprinzip , welches
bei dieser Kirche im ausgedehntesten Maasse zur Anwendung gekommen ist , und später eine feststehende Norm bildet , besteht in einem
Kuppelgewölbe über einem quadratischen Raume , von vier gleich grossen Tragbogen oder Tonnengewölben getragen ; dass je zwei dieser
Tonnengewölbe eine gemeinschaftliche Axe haben und diese Axcn sich rechtwinklig kreuzen , bedarf wohl kaum der Erwähnung .
Auf diese Weise ist die Mitte der Kirche überdeckt , und sogenannte Pendentifs oder Zwickel vermitteln den Uebergang von den
Tragbogen zu dem Rund der hoch aufstrebenden Kuppel . Nach Osten und Westen scliliessen sich den nur kurzen Tragbogen Ilalbkuppcln
an , deren jede wieder von einem Tonnengewölbe und zwei kleineren Halbkupp ein getragen wird . Dieser Oonstruction entsprechend hat
der Grundplan des Schiffes eine längliche , an beiden Enden abgerundete Form , jedoch in den Abrundungen noch durch jo drei Nischen
5

erweitert , deren mittelste gen Osten das Bema enthält und mit der gewöhnlichen Apsis scliliesst . Die beiden Halbkreisnischen zu den
Seiten des Bema dienten als Prothesis und Diakonikon .
Zu beiden Seiten des Schilfes , zwischen dessen Gewölbestützen hinein und niedriger als dasselbe , sind die Seitenhallen und darüber
das Gynaeceum erbaut , und nach demselben Principe überwölbt , jedoch statt der Kuppeln nur mit Kugelkappen , deren Zwickel nicht
besonders abgetrennt sind . Das Ganze ist mit vier Umfassungsmauern , beinahe ein Quadrat einschliessend , umgeben , aus welchem die
Bema Apsis gegen Osten vorspringt . An der Westseite liegt der Narthex und das Atrium in gewöhnlicher Weise .
-

Man sieht hier , trotz der Constructions Schwierigkeiten bei der weit gedehnten Kuppel , dennoch das Streben , das Rechteck des
-

Grundplanes und die längliche Gestalt des Schiffes beiznbehalten .


Bei der Irenenkirche zu Constantinopel Blatt XXXIII ) ist das längliche Rechteck des Planes noch entschiedener festgehalten ,
( .

indem man dem mittleren Kuppelsysteme noch ein ähnliches gegen Westen hinzugefügt hat . Der Mittelraum des letzteren ist nicht
quadratisch , sondern oblong , und mit einer ovalen Sphäroid Kappe überdeckt ; diese Abnormität möchte wohl einen besonderen Grund
-

haben , und die Betrachtung des Ganzen erweckt den Gedanken , dass der Ban den Grundmauern einer alten Basilika folgend angeordnet
sei , wie denn bekanntlich der Justinianische Neubau an die Stelle eines alten Constantinischen Gebäudes trat ) . 39

Die Kuppel ist im Yerhältniss höher als die der Sophienkirche und hat eine Art von Tambour ; die tragenden Tonnengewölbe sind
länger und mit Satteldächern abgedeckt , die , dem Unterbau der Kuppel sich anschliessend , im Aeussern eine Kreuzkirchenform zeichnen .
Beides sind Anordnungen , die bei den späteren Byzantinischen Kirchen fast durchgängig angetroffen werden . Es ist überhaupt aus mehreren
Einzelheiten der Ausführung zu schliessen , dass der jetzt noch vorhandene Bau nicht ganz der Justinianischen Zeit angehört , sondern
aus einer Restauration , Folge der Beschädigung durch ein Erdbeben in der ersten Hälfte des VIII . Jahrhunderts , hervorgegangen ist .
Die Anordnung der Byzantinischen Kuppelkirchen , welche sich aus den Justinianischen Bauten entwickelt hat , und bis in die
späten Zeiten des Mittelalters allenthalben als feststehende Norm angetroffen wird , ist etwa folgende : man denke sich eine Kreuzkirche ,
die Kreuzarme mit Tonnengewölben überdeckt , über der Kreuzung eine hohe Kuppel mit Tambour errichtet , und dieses Ganze innerhalb
eines quadratischen Grundplanes , dessen vier Eckräume , in den Winkeln der Kreuzarme niedriger als diese , mit Kugelkappen über¬
deckt sind , so hat man den Hauptbau des Schiffes . Der östliche Kreuzarm ist gewöhnlich für das Bema verlängert und schliesst mi t
der Haupt Apsis ; die beiden Eckräume nach Osten sind dem entsprechend ebenfalls verlängert , mit den Neben Apsiden schliessend .
- -

An der Westseite liegt der einfache oder doppelte Narthex , längs der Breite der Kirche sich erstreckend . Das Ganze hat also einen
oblongen Grundplan , aus welchem gen Osten die drei Apsiden vorspringen , und in welchem das Schiff als Kreuz gezeichnet ist ; bei
kleineren Kirchen ist auch wohl die östliche Verlängerung fortgelassen und die drei Apsiden schliessen sich unmittelbar dem quadratischen
Grundplan an , der nur nach Westen durch den Narthex verlängert wird .
Bei den grösseren Parochialkirchen mit Frauenchören sind die letzteren in die südlichen und nördlichen Kreuzarme , so wie in
deren Eckräume hineingebaut und die Stützmauern der Tonnengewölbe nur mit Bogenöffnungen durchbrochen , wie schon die Irenen¬
kirche hiervon ein Beispiel giebt . Der Narthex ist in diesem Falle zweistöckig , um die Emporen der beiden Langseiten in Verbindung
zu setzen . Die Sophien - und Irenenkirche haben diese Einrichtung ebenfalls . Beispiele der beschriebenen Anordnungen findet man
ausserdem in dem Werke von Texier über Klein Asien , welcher eine Kirche aus dem Thale des Cassaba 40) die St . Nicolaskirche bei
- ,

Myra in Ly eien ) und die Kirche des heiligen Clemens in Ancyra ) gezeichnet hat , und mehrere andere noch vorhandene erwähnt . Die
41 42

letztgenannte , ganz von Ziegeln erbaut , scheint älter als die beiden anderen , mit abwechselnden Quader - und Ziegelschichten construirten ,
zu sein , und erinnert in einzelnen Theilen an die Sophienkirche zu Constantinopel . In der Kirche des heiligen Nicolas sind die Säulen
des Bema Abschlusses so wie die vier des Ciboriums noch an ihren Stellen erhalten .
-

Bei den kleineren Kirchen ohne Frauenchöre , Klosterkirchen etc , ruhen die Tonnengewölbe der Kreuzarme auf Gurtbogen , die
.

an den Umfassungen auf Wandpfeilern nach der Kuppel zu auf vier freien Säulen oder Pfeilern aufsetzen . Eine zierliche Anordnung ,
bei welcher der quadratische Raum des Schiffes fast ganz frei wird und die Gewölbe nebst Kuppel im Innern nur auf den vier Säulen
ruhen ; sie gehört durchgängig der späteren Zeit an . Beispiele hiervon geben die Klosterkirchen der Theotokos und des Pantokrator zu
Constantinopel Blatt XXXIV , XXXV und XXXVI , so wie vier kleine Kirchen in Griechenland , deren Blouet in der Expedition de Moree
( . . .)

erwähnt ) Bei zweien derselben ) sind die Stützwände zu den Seiten des Bema beibehalten und nur mit Thüren durchbrochen , und
. 43 44

in einer ) ist die Caneellenwand , das Bema zugleich mit den Seiten Conchen vom Schiff abschliessend , vorhanden .
45 -

Aus dem Bedürfniss , dem Cultus und der Organisation der christlichen Gesellschaft musste die eigenthümliche Gestaltung der
christlichen Architektur hervorgehen , wie überhaupt nur durch Lösung neuer National Aufgaben etwas wahrhaft Neues in der Kunst
-

erfunden und durch die lebendige Theilnahme einer Reihe von Generationen ausgebildet wird . Die christliche Kunst begann jedoch nicht
mit rohen Anfängen , wie der Tempelbau der antiken Völker . In der Mitte eines grossen Staatsverbandes und einer cultivirten Gesellschaft
allmählig sich ausbreitend fand das Christenthum eine ausgebildete Technik und eine , wenn auch gesunkene , Kunstübung vor , deren es
sich im Anfänge aus Abneigung und religiöser Strenge nur schüchtern bediente ; nach gewonnenem Siege und erlangter Sicherheit benutzte
es jedoch davon , was für seine Zwecke brauchbar war , und gewann nur im Laufe der Zeit seinen eigenthümlichen Ausdruck .
Obgleich über Styl und Technik der Bauten unter Constantin nur wenig Bestimmtes nachgewiesen werden kann , da in Constan¬
tinopel nichts mehr von denselben existirt , und die Werke , welche ihm in Rom zugeschrieben werden , theils unsicher datirt , theils aus
antiken Resten zusammengesetzt sind , so darf man doch annehmen , dass die Kunstweise dieser Zeit zunächst in der Richtung weiter
geschritten sei , welche bei den späten Werken zu Baalbeck , Palmyra und Rom , so wie bei dem Palastbau in Salona eingeschlagen ist .
Wäre das goldene Thor zu Jerusalem , der Meinung Fergusson ) entsprechend , wirklich von Constantin erbaut , so würde es eine
’ s 46

Bestätigung dieser Annahme sein ; auch die zu Constantinopel aufgefundenen Baureste einer etwas späteren Zeit deuten auf eine Fort¬
setzung der spät römischen Kunstweise hin .
-

Eine Haupt Eigen thümlichkeit , welche an dem Palaste des Diocletian zu Salona besonders hervortritt , ist die Anordnung von
-

Bogen auf Säulen gestützt , daneben ein horizontales Fortführen der Bogeneinfassung über dem Säulencapitäl , so dass die Archivolte
gleichsam einen gebogenen Architrav darstellt . Das goldene Thor zu Jerusalem zeigt etwas Aehnliches . Für die freie Räumlichkeit des
Schiffes der christlichen Basilika war eine grosse Zwischenweite der Säulen wünschenswerth , deshalb die Anwendung des Bogens ,
unmittelbar auf der Säule ruhend , sehr brauchbar für Säulenwände , welche hohe Mauern so wie die Last des Daches zu tragen hatten ;
man findet diese Anordnung schon früh beim Holzdeckenbau , bei dem späteren Gewölbebau durchgängig , und war dieselbe von
wesentlichem Einfluss auf die Gestaltung des christlichen Baustyls .
Die Baureste zu Constantinopel aus der Zeit vor Justinian zeigen in der Composition der Säulen und deren Gebälk zunächst eine
Nachahmung der römisch korinthischen und compositen Säulenordnung , wenn auch mit mannigfachen bedeutenden Abweichungen , wie
-

an den Capitälen Blatt . Fig . . und , an der Säule nebst Gebälk Blatt III . Fig . . und , und auch noch an den Gebälken Blatt V .
I 3 5 . 1 3 .

Fig . . und Blatt XX . Fig . 10 . und 11 . zu ersehen ist . Das Blattornament zeigt nicht die römische Behandlungsweise , sondern mehr die
6

hellenische , ein Akanthusblatt darstellend ; ohne Zweifel eine Einwirkung der Reste alter Bauwerke , welche aus Griechenland und Klein -
Asien bei dem Aufbau Constantinopels zusammengeschleppt wurden , von denen Texier in seinem Werke über Klein Asien viele noch an -

Ort und Stelle existirende Beispiele gezeichnet hat , und Blatt . Fig . und . Muster , oder doch wenigstens getreue Nachahmungen geben .
I 1 . 4

Diese akanthusartige Behandlung des Blattornamentes pflanzt sich in der Byzantinischen Schule bis in die späteste Zeit unter
eigenthümlichen Modificationen fort , und auch im Abendlande tritt uns bei den Bauwerken des Mittelalters etwas ganz Aehnliches entgegen .
( j

An dem Capitäle Blatt III Fig . . ist die doppelte Blattlage und die feinere Auszackung bemerkenswert ; wie denn das Capital , über¬
. 1 !]

haupt das ganze Bauwerk , zu dem es gehört , eine eigentliümliehe lleissige Ausbildung , freilich im Sinne der spät römischen Kunst , zeigt .
-

Eine Eigenthüinlichkeit dieser Zeit , so wie durchweg auch der späteren , sind die hohen und starken Glieder an den Enden der
Säulenschafte im Gegensatz von dem feineren Astragal und Ablauf der antiken Säulen ; bei der Säule Blatt III . Fig . . tritt dieses ganz
1

besonders hervor . Als Basis erscheint gewöhnlich eine Nachbildung der attischen .
Bei den drei schon erwähnten Gebälkcn , Nachahmungen der römisch compositen , sind die Abweichungen von den besseren Mustern
der Vorzeit in den Proportionen der Theile so wie in den Profilen der Glieder und deren Anordnung sehr aulfallend . Der niedrige
Architrav ist durch Pcrlstäbe in drei schmale Streifen getlieilt und mit einem mächtigen Eierstabe gekrönt ; bei Blatt V . Fig . kommt
. 6

ein gewundener Stab im Architrav vor . Den unteren Raum des zweitheiligen hohen Frieses nimmt ein stark gebauchtes Glied , mit gewun¬
denem Akanthusblatt geziert , ein , als Nachahmung des gebauchten Frieses spät römischer Bauten . Der verliältnissmässig niedrige Kranz
-

besteht der Hauptsache nach aus einem hohen Rinnleisten , einem Streifen mit plattgedrückten Modilions und einem Zahnschnittbande ;
die Hängeplatte fehlt . Die Modillons sind mit einem Eierstabe gekrönt , ohne Voluten , nur durch ein Haches Karniesglied , mit einem
Akanthusblatt belegt , gezeichnet .
Das Fortlassen der Hängeplatte , dieses so charakteristischen Kranzgliedes der hellenischen Architektur , gehört der späten Zeit der
römischen Kunst an , und Palmyra hat mehrere Beispiele davon aufzuweisen 47) Auch in dem Kranzgesimse über den inneren Säulen
.

der von Maxentius erbauten , später nach Constantin genannten Basilika zu Rom , früher unter dem Namen des Friedenstempels bekannt ,
fehlt die Hängeplatte ) und hat dessen Anordnung der Glieder , so wie die Verzierung derselben , viel Aelmliches mit denen der vorhin
, 48

angeführten Kranzgesimse in Constantinopel .


Eine Vorliebe für Ornamentirung , besonders für Eier - und Perlstäbe so wie für Canäle tritt bei den erwähnten Gebälken sehr hervor .
Diese Einzelheiten werden die früher aufgestellte Annahme eines Fortwirkens der spät römischen Kunstweise in der ersten
-

Periode der Byzantinischen Schule rechtfertigen .


Für die Beurtheilung des Basilikenbaues im Oriente ist bis jetzt kein anderes Beispiel bekannt , als die Klosterkirche des Studius
zu Constantinopel , Blatt ; auch dieses ist leider nicht vollständig , da nur die Umfassungsmauern nebst westlichem Porticus , die unteren
II .

Säulenstellungen nebst Architraven im Innern und etwa die Hälfte von der Höhe der Apsismauern in ihrem ursprünglichen Zustande
erhalten sind ; die obere Säulenstellung nebst Deckenwerk hat nach den aufgefundenen Resten restaurirt werden müssen , wobei die
jetzige äussere Form des Daches beibehalten wurde .
Die Umfassungen sind höchst einfach in Backsteinmauerwerk , nur an den Ecken und am westlichen Giebel mit vortretenden
Lisenen aufgeführt .
Diese grosse Einfachheit des Aeusseren der christlichen Kirche im Gegensatz von dem Säulenschmuck des antiken Tempels tritt
uns allenthalben in den früheren Jahrhunderten entgegen und hat einen tiefen inneren Grund . Der Heide feierte seine pomphaften
Feste ausserhalb des Tempels in dem vom Peribolus umgebenen Vorhofe ; vor den Stufen des Tempels stand der Altar für das solenne
Opfer , und der Tempel selbst enthielt ursprünglich nur die Cella für die Aufstellung des Götterbildes nebst den Pronaos . Der Christ
wohnte innerhalb seiner Kirche den religiösen Belehrungen bei und feierte innerhalb derselben das Gedäclitnissmahl seines Herrn . Er
bedurfte für seinen Gottesdienst weiter überdeckter Räume und schmückte diese im Innern zum Preise seines Gottes und zur Erhebung
seines Gemüthes ; das Aeussere war ihm Nebensache . Dieser Unterschied war von wesentlichem Einfluss auf die Gestaltung der christ¬
lichen Kunst , und man hat nicht mit Unrecht die christliche Architektur vorzugsweise eine Architektur des Innern , und die antike eine
Architektur des Aeussern genannt . Später hat sich dieses allerdings geändert und man wendete auch dem Aeusseren mehr Sorgfalt zu ,
ja in der neueren Zeit ist letztere häufig überwiegend ; — so spiegelt das Bauwerk stets den Charakter der Zeit .
Für das Innere der Basilika war der Stockwerksbau des Gynaeceum ein günstiger Anlass zum Schmuck , und wir finden hier auch
stets die Säule angewendet . In der Kirche des Studius ist bei der unteren Säulenstellung noch der Arcliitravbau beibehaltcn , die oberen
Säulen müssen aber , nach der Gestalt des noch Vorgefundenen Capitäls Blatt III . Fig . 10 ) zu urtlieilen , Bogen getragen haben , und ist
( .

es bemerkenswert , dass schon bei diesem frühen Bauwerke ein Versuch zu der besonderen Capitälform , den Uebergang vom Rund der
!!

Säule zu dem Viereck des aufsitzenden Bogens vermittelnd , vorkommt , welche in der späteren Periode der Byzantinischen Architektur
so allgemeine Anwendung findet .
Einen anderweitigen Anlass zur Schmückung des Innern gewährten die Holzdecken , deren Felder zwischen den Balken mi t,
geschnitztem Täfelwerk ausgefüllt und häufig zugleich mit den Balken reich vergoldet waren , wie aus mehrfachen Zeugnissen der alten
Schriftsteller hervorgeht . Auch die Wände , so wie die stets gewölbte Apsisnische wurden nicht vergessen und schon früh mit Malereien
bedeckt , welche nicht allein zum Schmuck , sondern auch zur Belehrung dienten ) oder den Gläubigen Vorbilder der Glaubenstreue und
, 49

des christlichen Wandels zur Nacheiferung vorführten . Selbst Verse und Schriftstellen der heiligen Bücher findet man zur Belehrung und
Erbauung an verschiedenen Stellen des Gebäudes angebracht 50) .

Ein Beispiel , wie der Fussboden mit verschiedenen edelen Marmorarten geschmückt war , zeigt Blatt IV .
In den Justinianischen Kuppelbauten finden wir die Architektur des Orients auf ihrem eigenthümliclien Wege schon weit vor¬
geschritten , ja man kann wohl sagen , dass die gewaltigen Bau Unternehmungen dieses Kaisers ihre Glanzepoche bilden , welche Form
-

und Styl für die Folgezeit feststellte , da die späteren Bauten , wenn auch mit Modificationeu , stets als Nachahmungen der Sophienkirche
erscheinen , und ein starres Festhalten überlieferter und einmal festgestellter Formen tief in dem Wesen und der Geschichte des Byzan¬
tinischen Staats begründet ist,
Mit dem Aufgeben des Basilikenbaues und der Holzdecken verloren der antike Säulenbau so wie die Anordnungen seines Epistyls
völlig ihre Bedeutung , wozu schon die Anwendung des Mauerbogens , unmittelbar auf der Säule ruhend , den Weg angebalmt hatte . Die
Last der gewölbten Decke steigt unmittelbar zu ihrer Stütze , dem Mauerpfeiler oder der Säule , hinab . Die Säule , zur Gewinnung möglichst
grosser Raumöffnung angewendet , hat stets eine viel geringere Dicke als die Leibung des gestützten Gewölbbogens ; dem entsprechend
,

erhält das Capitäl eine nach oben sich kräftig ausbreitendc Form , dem viereckigen Auflager der Bogen sich anschliessend . Gesimse
erscheinen nur als einzelne Trennungsglieder der Massen . Alle Wölblinien folgen dem Halbkreise , der mitunter etwas überhöht ist .
Durch die hohen Wölbungen , nach dem schon beschriebenen Systeme aufgeführt , erhielt der innere Raum eine imponirende
Würde , und grosse Kosten wurden zu dessen Schmuck verwendet ; allein es war nicht die Sculptur der antiken Kunst , sondern Farben¬
glanz und kostbares Material , was dem prachtliebenden Sinn der orientalischen Christen entsprach . Die Wände wurden mit vielfarbigen
kostbaren Marmorarten getäfelt , zu den Säulen suchte man seltene Marmorschafte von antiken Gebäuden zu gewinnen , und über die
Gewölbe ward der Glanz der prachtvollen Mosaikarbeiten verbreitet , welche den Gemäldeschmuck der Basilikenwände mit dem Goldglanze
der Holzdecken vereinte . Procopius vergisst in seinen Berichten nie die Profusion von Gold und Marmor hervorzuheben , mit welcher
Justlnian seine neuen Gebäude ausstattete .
Neben dem Farbenglanze der Mosaik und des bunten Marmors konnte das freie Relief eines weissen Steines nur wenig wirken ,
man findet daher die Sculpturzierden , wo sie Vorkommen , nur in der Fläche liegend , mit tief eingeschnittenen Contouren und meistens
vergoldet . Das Blattornament , akanthusartig , hat schon den schematischen Charakter der Byzantinischen Schule : die Blattpartie , meist
dreizackig , durch starke Oesen abgetrennt , hat stets eine lang ausgeschweifte Seite , in deren Bogen die Zacken der nächstfolgenden
Partie liegen .
Da die Farbe zur Wirkung des Lichtes bedarf , so findet man die Wände , namentlich die Kuppeln , mit vielen Fenstern durch¬
brochen , welche ein Meer von Licht in das Innere senden ; jedoch auch des Nachts entbehrte die Kirche nicht des Lichtes . Da bei vielen
Festen ein nächtlicher Gottesdienst , die sogenannte Vigilie , stattfand , so war durch einen grossartigen Apparat von Kronen , Candelabern
und Ampeln mit vielen Tausenden von Flammen für die nächtliche Beleuchtung gesorgt , und Procopius so wie Paulus Silentiarius können
nicht genug die der Sophienkirche rühmen .
Die Mahomedaner haben diesen Brauch wie manches Andere aus dem christlichen Cultus übernommen .
Von dem Marmorschmuck der Fussböden sind noch Reste vorhanden , und die Pracht der Geräthe wird von Silentiarius in seinem
Preisgedichte der Sophia , so wie von vielen anderen Schriftstellern beschrieben .
Die Mauern und Gewölbe sind gewöhnlich von Backstein aufgeführt , und die Einfachheit des Aeussern ist selbst bei dem Prachtbau
der Sophienkirche beibehalten . Nur die nackten Constructionsformen bilden die Gliederungen der Massen , welche höchstens durch ein¬
fache horizontale Gesimse getlieilt und gekrönt sind . Da die äussere Dachdeckung meistens unmittelbar auf den Gewölben ruht , so sieht
man auch deren Formen überall den Bau krönen . Die Kuppel giebt dem Gebäude den Hauptcharakter hn Aeussern , und das Dach
derselben , die hoch aufgeführte Hintermauerung mit abdeckend , hat einen flachgewölbten , an den Enden nach aussen geschweiften Con -
tour , dem des antiken Merkurhutes nicht unähnlich . Die Fenster , zwischen Strebepfeilern hegend , bilden mit letzteren eine Art von
Tambour unter diesem Daclie . Alle Fensteröffnungen sind in Rundbogen überwölbt , und die der Umfassungen hegen gewöhnlich gruppen¬
weise in den Schildmauern der grossen Gewölbebogen , welche auch in den Aussenmauern gezeichnet sind . An der Sophienkirche ist
meistens die ganze Gewölböffnung durch eine Pilaster Architektur als Fenster ausgebaut )
- . 51

Hinsichtlich der Gewölbe ist noch anzumerken , dass dieselben bei der Sophienkirche fast durchweg aus Tonnen - und Kuppel¬
gewölben bestehen , selbst da , wo die Gewölbe mit Kreuzgraden anfangen , wie bei den unteren Seitenhallen des Schiffes und beim inneren
Narthex , gehen diese allmählig in eine Kugelkappe über , deren Wölbziegel in Ringschichten geordnet sind . In späteren Bauten kommen
wirkliche Kreuzgewölbe , meistens in untergeordneten Räumen , vor , und es möchten deshalb die Kreuzgewölbe des äusseren Narthex
der Sophienkirclie ein späterer Zusatz sein , wofür auch andere Gründe sprechen .
Die Apsiden haben bei allen Kirchen Constantinopels an der Aussenseite keinen runden , sondern stets einen drei - oder mehr¬
flächigen Schluss .
Dass der Uebergang von der mehr antiken Richtung in die eigenthümlich Byzantinische Kunstweise , von dem Basilikenbau zu
dem Gewölbe - und Kuppelbau , nicht urplötzlich statt fand , lässt sich wohl annehmen , obgleich in Constantinopel zu wenig Gebäude
erhalten sind , um den Gang genau verfolgen zu können ; nur die Kirche des heiligen Sergius und Bacchus Blatt V ) giebt einen Anhalt
( .

hierfür , indem bei der unteren Säulenstellung noch der horizontale Architravbau beibehalten ist , und die Kuppel nicht über einem vier¬
eckigen , sondern über einem achteckigen Raume ruht , auch in einer anderen Weise wie die späteren , nämlich mit Rippen und Kappen
gewölbt ist . Die Anordnung des Schiffes in einer quadratischen Umschliessung und die Andeutung der Kreuzform kommt auch schon
bei diesem Bauwerke vor .
Es ist darauf hingedeutet worden , dass die Resultate der Kunstbestrebungen während der glänzenden Regierungsperiode
Justinian s den folgenden Jahrhunderten als Muster dienten ; ein Blick auf die Geschichte des Byzantinischen Reiches macht dieses leicht

erklärlich , denn von dieser Zeit an ging das Reich mit schnellen Schritten abwärts , und keine Erhebung von Bedeutung findet sich bei
den späteren Historikern aufgezeichnet,
Schon unter dem nächsten Nachfolger Justinian s ging ein grosser Theil des durch die Siege Belisar s wieder gewonnenen Italiens
’ ’

an die Longobarden verloren , und um das Jahr 621 hatten die Eroberungen der Perser und Avaren das Reich bis auf die Mauern von
Constantinopel , einige Ueberbleibsel von Griechenland , Italien und Africa , und einige Seestädte an der asiatischen Küste reducirt . Durch
die heklenmüthige Erhebung des Kaisers ILeraclius gegen die Perser wurden Syrien , Aegypten und Klein Asien wieder gewonnen , dagegen
-

begannen um dieselbe Zeit die Araber unter Mahomed ihre stürmischen Welteroberungen , und noch vor dem Tode des ILeraclius war
der grösste Theil der eben genannten Provinzen in den Händen der Sarazenen .
Das VII . und VIII . Jahrhundert wird von Gibbon ) als eine Zeit der Uneinigkeit und der Finsterniss bezeichnet , in welcher rohe
52

Unwissenheit und Verachtung der Wissenschaften die Fürsten der Heracleischen und Isaurischen Dynastien schändete . Zu Anfang des
VIII . Jahrhunderts , unter Kaiser Leo III , begann der berüchtigte Bilderstreit , in welchem die vielleicht sehr notliwendige Abstellung der
.

übertriebenen und abergläubigen Bilderverehrung in eine blinde Raserei gegen die Erzeugnisse der Kunst ausartete ; die Secte der Ikono -
klasten von sechs auf einander folgenden Kaisern unterstützt , zerstörte die Bildnisse Christi , der Jungfrau und der Heiligen , oder überzog die
,

Mauern , an denen sich dieselben befanden , mit einem deckenden Mörtel . Im Volke fanden diese Maassregeln heftigen Widerstand ; Lärm ,
Verschwörungen und blutige Aufstände waren die Folgen ; besonders zeigten sich die Mönche als unversöhnliche Widersacher der Kaiser ,
welche dagegen die geistlichen Orden aufhoben und die Klöster mit ihren Besitzungen confiscirten . Hundert und zwanzig Jahre lang gerieth
über diese Controverse der Osten mit dem Westen in Conflict , indem die Päbste zu Rom sich für die Verehrung der Bilder erklärten ; sie
bewirkten den Abfall Italiens , sagten sich vom Kaiser los , und stellten ihre Souverainität unter den Schutz der fränkischen Herrscher ) . 53

hn IX . Jahrhundert wurde die Verehrung der Bilder wieder hergestellt , und die Cultur der Wissenschaften nahm einen neuen
Aufschwung unter den Herrschern der macedonischen Dynastie , deren Stifter , Basilius , ein tüchtiger Regent von 867 bis 886 , den Zu¬
I .

stand des Reiches nach Innen und Aussen verbesserte , die Hauptstadt und die Provinzen verschönerte und an hundert Kirchen erbaute 54) .

Die letzten Sprossen dieses Stammes regierten jedoch nur schwach , und erst gegen Ende des XI . Jahrhunderts traten wieder gute und
gebildete Regenten aus der Familie der Comnenen auf , welche Gesetz und Ordnung herzustellen suchten , tapfer gegen die Reichsfeinde
fochten und Kunst und Wissenschaft pflegten . Allein die von allen Seiten auf das sinkende Reich eindringenden Missgeschicke lähmten
ihre Kraft ; im Osten hatten die Türken von Persien bis zum ILellespont sich ausgebreitet , im Westen waren die Normannen eingedrungen ,
von der Donau her ergossen sich neue Barbaren Schwärme , und die Kreuzzüge , von denen man Hülfe und Unterstützung gegen den
-

Erbfeind hoffte , trugen nur dazu bei , den Fall des Reiches zu beschleunigen . Im Jahre 1204 ward Constantinopel mit Sturm von den
Kreuzfahrern genommen und geplündert .
Von der vorübergehenden Usurpation der Stadt und des geringen Gebietes in Europa durch die Herrscher fränkischen Stammes
darf man keine Einwirkung auf die Baukunst erwarten , und die Dynastie der Palaeologen , welche 1261 wieder in den Besitz Constanti¬
nopels gelangte , hatte ihre geringen Kräfte auf die Herstellung der Gebäude zu verwenden , welche durch die Lateiner verwüstet waren .
1453 fand der letzte Palaeologe einen rühmlichen Tod auf den Mauern , als die Türken die Stadt erstürmten .
Obgleich mm die späteren Architekten der Byzantinischen Schule die Muster der Justinianischen Periode stets fest im Auge
behielten und sich in der Anordnung des Baues nur die geringen schon angedeuteten Abweichungen erlaubten , so scheinen sie doch
dem Aeusseren mehr Sorgfalt zugewendet zu haben , indem sie für den lebendigen Formenwechsel , der aus der Gebäude Anlage von -

selbst erfolgte , zierlichere Proportionen zu erlangen , auch mehr Schmuck anzubringen suchten .
Die Kuppel , später immer mit einem Tambour versehen , erhielt im Aeusseren kleine Säulen , einen Bogenkranz tragend ; die
Kreuzform des Schiffes wurde im Aeusseren hervorgehoben und die Satteldächer der Tonnengewölbe wurden mit Giebeln versehen . Die
beliebte Kuppelform wurde mitunter im verkleinerten Maasse auch über dem Narthex angebracht , sogar in dreifacher Wiederholung , die
Flächen wurden durch Nischen belebt und die Mauern mit Ziegelgesimsen aus glatten und übereckgelegten Schichten gekrönt . Eine
flauptcharakteristik der Bauten späterer Zeit ist die Anwendung verschiedenfarbiger Materialien im Aeusseren , der hellen weisslichen
Marmorquadern und der dunkelen Backsteine , so wie deren Vertheilung in abwechselnde Streifen und zierliche Muster .
Unter den noch vorhandenen Kirchen Constantinopels scheint die der Irene das älteste Beispiel mit diesem äusseren Schmucke
zu sein ; ihr letzter Restaurationsbau fällt nach der schon früher ausgesprochenen Vermuthung in die Zeit der Ikonoklasten , und dieser
Umstand führt auf den Gedanken , dass die äussere Zierde als Ersatz für den Mangel des Bilderschmucks im Innern habe dienen sollen .
4
8

Die wahrscheinlich dem Ende des IX Jahrhunderts angehörende Tlieotokoskirche Blatt XXXIV ) zeigt ebenfalls ein Beispiel dieser
. ( .

Verzierungsweise und zugleich der hübschen Verhältnisse , welche man den Gebäuden zu geben verstand ; ganz besonders zeichnet sich
der Saalbau des Hebdomon Blatt XXXVII und XXXVIII , dessen Bauzeit vielleicht in die Mitte des IX Jahrhunderts zu setzen ist , durch
( . .) .

seine schönen Verhältnisse und die reiche Ausschmückung mit verschiedenfarbigem Materiale in Streifen und zierlichen Mustern aus .
Viele der jetzt noch in Hellas und auf den Inseln des Archipelagus existirenden kleinen griechischen Kirchen haben diese polychrome
Architektur im Aeussern , und sie ist auch auf die Bauwerke der Sarazenen und Türken übergegangen .
Später scheint man zu Constantinopel diesen äusseren Schmuck wieder aufgegeben zu haben , wenigstens die Kirche des Panto¬
krator , im XII Jahrhundert erbaut , so wie die Kirche des Klosters Chora , deren letzte Restauration des Aeusseren in das XIII Jahrhundert
. .

fällt , zeigen denselben nicht und sind blos von Backstein erbaut , obgleich der schöne und reiche Fussboden der ersteren Blatt XXXVI , ( .)

so wie die von Gyllius ebendaselbst noch Vorgefundene Marmorbekleidung der inneren Wände beweisen , dass man die würdige
Ausschmückung des Innern keinesweges vernachlässigte .
Unter den Säulencapitälen der späteren Bauten sind vorzugsweise zweierlei Formen bemerkbar ; die eine , wovon Fig . und 15 . . 2

Blatt XXXVIII . Beispiele geben , entspricht mehr oder weniger der Gestalt des sogenannten Würfelcapitäls , mit in die Fläche eingeschnit¬
tenem Ornament , die andere ist eine korinthisirende mit freierem Blattornament , wie Fig . und . Blatt XXXV . zeigen , welche ich für
. 4 5

die spätere , und zwar für eine Wiederaufnahme der Formen aus der Zeit vor Justinian halte ; der äussere Narthex der Tlieotokoskirche , an
welchem diese Beispiele Vorkommen , muss aus der Restauration am Ende des XII . Jahrhunderts hervorgegangen sein . Es ist jedoch
schwierig , hierüber ein festes Urtheil zu gewinnen , da sich in Constantinopel der Brauch , bei der Errichtung neuer Gebäude schöne
Reste von alten wieder zu benutzen , bis in die späteste Zeit fortgepflanzt zu haben scheint , wie denn das Capitäl Fig . Blatt XXXV , . 2 .

offenbar der Zeit vor Justinian angehörend , an demselben Narthex mit Fig . und . vorkommt , und dicht daneben eine Capitälform ,
. 4 5

die Blatt XVIII . Fig . 12 . und 13 . dargestellt ist und sowohl in der Sophienkirche als in der fast gleichzeitigen Kirche des Sergius und
Bacchus angetroffen wird . Ebenso scheint das Capitäl Fig . . Blatt XXXVIII . einer früheren Periode anzugehören , als das Fig . desselben
1 . 2

Blattes , obgleich beide an demselben Bauwerke Vorkommen .


So viel ist indess gewiss , dass die Formen des sogenannten Würfelcapitäls , welche gewöhnlich als eine Erfindung des Abendlandes
in der ersten Zeit des Mittelalters betrachtet werden , viel früher in Constantinopel Vorkommen . Am einfachsten zeigt sie die Cisterne
des Philoxenos Blatt XXXVIII . Fig . 17 , deren Erbauungszeit in das IV . Jahrhundert verlegt wird , und ausser bei den beiden schon an¬
.

geführten Capitälen erscheint bei denen der Sophienkirche , Blatt XX . Fig . und , eine ganz ähnliche Formenbildung .
. 6 8 .

Von Glockenthürmen habe ich in Constantinopel keine Spur vorgefunden ; die Kirchenglocken sind bekanntlich eine Erfindung
des Abendlandes , deren zuerst im Anfänge des VII . Jahrhunderts Erwähnung gethan wird , indem das Heer des Königs Clothar bei der
Belagerung von Orleans vor dem ungewohnten Schalle die Flucht ergriffen haben soll ) Bei den griechischen Kirchen war zur Zusammen¬
. 55

berufung der Gemeinde das Simantrum ( cr ^


im Gebrauch , eine Tafel von hartem Holze , 5 Finger breit ,
avTqov )
Finger dick und l \
14 Fuss lang , welche mit der schmalen Seite auf die linke Schulter gelegt , vermittelst einer in der Mitte befestigten Schnur mit den
Zähnen gehalten und mit zwei hölzernen Hämmern vor den Kirchthüren geschlagen wurde , wobei sich der Schlagende im Kreise drehte ) . 56

Im Jahre 865 soll der Kaiser Michael vom Dogen Ursus Patricius zwölf Kirchenglocken zum Geschenk erhalten hab ui ) ob diese , 57

in einem Thurme aufgehängt wurden , ist jedoch ungewiss . Grelot ) giebt zwar in seinen äusseren Ansichten der Sophienkirche vor
58

deren Westseite einen viereckigen Glockenthurm an , allein diese Ansichten enthalten mehrere Unrichtigkeiten , . B . sec is Strebebogen z

an der Westseite , wo nur vier vorhanden sind , und ein oberes Stockwerk des Frauenchores an der Süd - und Nordseite mir einer Fenster¬ ,

reihe , die gar nicht existirt ; so dass diese Angabe sehr zweifelhaft wird , zumal auch die Localität nicht sehr geeignet für einen
Glockenthurm erscheint .
Dass man jedoch in späteren Zeiten ausserhalb Constantinopels zuweilen neben den griechischen Kirchen besondere Glockenthürme
erbaut habe , geht aus der Mittheilung von Texier ) hervor , wonach sich neben der Sophienkirche zu Trapezunt , im XIII . Jahrhundert
59

gegründet , ein abgesondert stehender viereckiger Glockenthurm befindet , welcher im Innern das Bildniss Alexius des Comnenen enthält .
Der Gebrauch der Orgel in den Kirchen Constantinopels muss ebenfalls bezweifelt werden , da keine Andeutungen von deren
früherem Vorhandensein existiren , und in den schriftlichen Zeugnissen nur von einer Unterstützung des Gemeindegesanges durch die
Cantoren die Rede ist .
Die Formen und die Kunstweise der Byzantinischen Schule haben ihre Herrschaft über einen grossen Theil der östlichen Welt
ausgebreitet ; in Europa , Klein Asien , Palästina , Aegypten undAfrica , so weit der Scepter Justinian s über Christen herrschte , dienten sie
- ’

als Normen bei Errichtung der Gotteshäuser . Als im VII . Jahrhundert die Araber auf flüchtigen Rossen ihren Siegeszug durch Asien
und Africa bis in das Herz von Europa machten , brachten sie aus den Steppen ihres Vaterlandes keine heimische Kunst mit ; das Gottes¬
haus der Muslimin ward von dem in griechischer Schule gebildeten Künstler errichtet 60) und selbst als im VIII . Jahrhundert die Chalifen
;

des Abbassiden - Stammes die Früchte der früheren Siege verschwendeten und ihre glänzende Residenz in Bagdad errichteten , war es
griechische Kunstfertigkeit und Bildung , welche ihrer Prachtentwickelung als Mittel diente . Künstler und Gelehrte wurder von Constan¬
tinopel herangezogen , und die Werke der griechischen Literatur in s Arabische übersetzt ) Der Wetteifer der Ommajaden in Spanien
’ . 61

verfolgte denselben Weg ; Bildhauer und Architekten aus Constantinopel , als die geschicktesten Künstler dieser Zeit anerkannt , wurden
nach Cordova berufen , um den Palast von Zehra zu bauen ) und bis zu den neuesten Zeiten können die Moscheenbauten der Türken
, 62

ihren Byzantinischen Ursprung nicht leugnen .


Hellas und die Inseln des Archipelagus , so wie die Küstenländer des adriatischen Meeres , haben noch jetzt viele Kirchen im
Byzantinischen Styl aufzuweisen , und die Bewohner der weitgedehnten Länder des grossen Reiches der Czaren halten noch heutigen
Tages treu an den Kirchenformen fest , welche ihren Vorfahren von den Griechen im X . Jahrhundert ) mit der christlichen Lehre 63

zugeführt wurden .
Calabrien , Sicilien und die Gegend von Neapel bewahren noch in manchen alten Gebäuden die Spuren der theilweise bis in s ’

X . Jahrhundert 64 ) reichenden Herrschaft des Byzantinischen Scepters .


S . Marco in Venedig und die alten Kirchen Ravenna s sind bekannte Beispiele des griechischen Styls , aber auch im übrigen Italien

finden sich Spuren Byzantinischer Kunstweise , und noch im VIII . Jahrhundert führte der Ikonoklasten Sturm viele Maler us Constanti¬ -

nopel nach Italien , welche dort die heimische Kunst verbreiteten . ■ [

Auch über die Alpen zu den Ländern tief im Westen ist griechischer Einfluss gedrungen , die Verbindungen Carls des Grossen
und der deutschenOttonen mit dem Byzantinischen Hofe sind bekannt ; Achen und Essen scheinen Zeugniss für diese Einflüsse abzulegen .
Lange vor den Kreuzzügen gingen die Pilgerfahrten zum heiligen Grabe den sicherem Landweg über Constantinopel ; im Jahre 1064 ,
32 Jahr vor dem ersten Kreuzzuge , schlugen der Erzbischof von Mainz nebst den Bischöfen von Utrecht , Bamberg und Regensburg mit
sieben tausend Begleitern diesen Weg ein , und wurden zu Constantinopel gastfreundlich vom Kaiser aufgenommen ) es lässt sich nicht ; 65

annehmen , dass der Anblick der prachtvollen und berühmten Kirchen Constantinopels keinen Eindruck bei den Abendländern zurück¬
gelassen habe , und viele Byzantinische Anklänge in den Bauwerken des Mittelalters mögen in den Reminiscenzen der zurückgekehrten
Pilger ihren Ursprung haben .
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VERSCHIEDENE BAURESTE DER JELTEREN ZEIT .
BLATT . I

Fig . 1 . Pilastercapitäl aus Smyrna .


enn die antiken Bauwerke Griechenlands und Klein Asiens Einfluss auf die christliche Kunst zu Constantinopel hatten , so nahmen
-

die von Smyrna , früher als Königin der Städte Anatoliens , Krone Joniens und Zierde Asiens gepriesen , wohl nicht den letzten Platz
unter denselben ein .
Das nach Pausanias von Alexander dem Grossen erbaute Smyrna hatte allmählig die Einwohner der in der Nähe nördlich
vom Flusse Meies gelegenen alten aeolisch jonischen Stadt Smyrna in sich aufgenommen . Blühend unter den Römern ward es im
-

XI . Jahrhundert vom Kriegsunglück heimgesucht und verwüstet . Noch im Anfänge des XIII . Jahrhunderts lag die Stadt in Ruinen , mit

Ausnahme der Akropolis , welche von Johannes dem Comnenen hergestellt und verschönert war . 1402 ward Smyrna von Tamerlan mit
Sturm genommen und verwüstet ,
Das heutige Smyrna breitet sieh längs dem Ufer des Meeres unter dem Berge Pagus aus , auf dessen Rücken wahrscheinlich die
alte Stadt lag . Reste der alten Stadtmauern sind noch vorhanden , auch lässt sich daneben die Lage des Stadiums und des Theaters
erkennen . Den nördlichen Gipfel des Berges nimmt die weitläuftige und hohe Ringmauer einer verfallenen Burg ein ; ein Werk späterer
Zeit , aber wahrscheinlich an derselben Stelle , auf welcher früher die alte Akropolis stand . Die Nachgrabungen haben hier verschiedene
antike Reste zu Tage gefördert , unter Anderem den schönen , jetzt im Museum zu Leiden befindlichen Bacchuskopf. In dem , gleich dem
Vordertheile eines Schiffes zugespitzten Nordende liegt ein ebenso zugespitztes altes Grabgewölbe , dessen Wände mit schön geglättetem
rothen Stuck überzogen sind ; die Decke ist zum Theil eingebrochen und der Inhalt wohl schon lange entführt .
In der Ringmauer dieser Burg ist ausser anderen alten Bauresten auch das Fig . . dargestellte Pilaster Capitäl von weissem
1 -

Marmor eingemauert ; die Arbeit scheint hellenischen Ursprungs , und obgleich sie nicht der Blüthezeit der griechischen Kunst angehört ,
ist doch eine freie , gewandte Technik daran erkennbar . Die Form der Eckblätter lässt vermutlien , dass ähnliche Vorbilder auf die Byzan¬
tinische Schule eingewirkt haben .

Fig . 2 . Ara im dritten Hofe des Serails zu Constantinopel , von rothem orientalischen Porphyr .
Als Ara oder heidnischer Altar betrachtet , wäre dieses kein christliches Werk , dennoch befindet sich in der Vorstadt Kassim -
Pasclia eine kleine runde Ara von weissem Marmor der Propontis mit der Inschrift : -f 1MA20EO2 AAMO20ENET2 , deren Kreuz wohl auf
christlichen Ursprung deutet . Die letztere Ara , mit Fruchtgehängen geziert , ist sehr beschädigt und dient jetzt , auf den Kopf gestellt ,
der hölzernen Säule eines türkischen Hauses als Basis . Wie und woher die Porphyr Ara in den dritten Hof des Serails kommt , in
-

welchem sie als Schmuck aufgestellt ist , möchte schwer zu ermitteln sein , da über das Innere des Serails sehr wenig bekannt ist und
dem Europäer der flüchtige Besuch eines geringen Tlieils desselben nur unter grossen Beschränkungen gestattet wird . Zur Skizzirung
des in Fig . . Dargestellten waren ebenfalls nur wenige Minuten vergönnt .
2

Fig . 3 . Korinthisches Capitäl von weissem Marmor .


Dasselbe soll mit noch drei andern ganz gleichen im Innern des Serails gefunden sein ; bei meiner Anwesenheit lag es im ersten
Hofe vor der Irenenkirche . Fs gehört ohne Zweifel der ersten Periode der Byzantinischen Schule vor der Justinianischen Zeit an : die
Arbeit hat etwas Schablonenmässiges und Trockenes , obgleich sie nicht ohne Effect ist . Bezeichnend sind die Behandlung des Abacus
und die Blattüberwürfe mit eingegrabenen Rippchen .

Fig . 4 . Capitäl mit Canälen und Blättern , in Constantinopel gefunden , von weissem Marmor .
Ueber den speciellen Fundort dieses Capitäls kann ich nichts Näheres angeben ; wahrscheinlich wurde es beim Ausheben einer
Fundamentgrube entdeckt und als Marmor Material an einen türkischen Steinmetzen verkauft , in dessen Werkstätte ich es antraf und
-

sofort - aufnahm . Drei Tage nachher war das Blattwerk herunter geschlagen und das Ganze in einen Mörser verwandelt . Auf ähnliche
Weise gehen noch häufig alte Baureste in Constantinopel zu Grunde .
Anordnung und Behandlungsweise dieses Capitäls erinnern sehr an antike Muster ; das bekannte Grabmal zu Mylasa hat ähnliche
Säulencapitäle , und Texier , der in seinem Werke : Asie mineure , tome III . planclie 187 , ein ganz entsprechendes Antencapitäl eines kleinen
l' .

Tempels zu Patara in Ly eien mittheilt , erwähnt , dass dergleichen Capitäle in Carien sehr in Gebrauch gewesen seien .

Fig . 5 . Säule des Marcian .


Von den in Constantinopel noch aufrecht stehenden monumentalen Säulen ist die des Kaisers Marcian , der von 450 bis 456 regierte ,
wohl die interessanteste . Sie steht südlich von der Maliomedia in der Mitte der Stadt , von den drei Hauptspitzen derselben ziemlich
gleich weit entfernt , in dem Garten eines Privathauses , und wird Kis taschi , . . Mädchenstein , genannt ; sie ist von weissem Marmor
- d h

und nach von Hammer ( ) Angabe inel . Postament 35 Fuss hoch . Auf drei Seiten des Postamentes , dessen Anblick mir nicht vergönnt
’s i(i

ward , sollen sieh Kränze , auf der vierten zwei geflügelte Genien und folgende Inschrift ) befinden : 0'

PRINCIPISHANG ST ATU AM MARCIANI


GERNE TORUMQUE
TER VOVIT QITOD T ATI ANUS
OPUS
12

In dem Capitäle dieser Säule , Fig , ist uns ein ziemlich sicher datirtes Beispiel der Kunstweise ans der Mitte des V .lahrlmnderts
. 5 .
.

zu Constantinopel gegeben ; es scheint der römisch compositen Ordnung nacligebildet zu sein , obgleich die Eckvoluten kleiner und mehr
-

nach Art des korinthischen Capitäls mit Blättern unterstützt sind . Die Blätter zeigen ganz die Byzantinische Behandlungsweise des
Akantlius , und der Säulenschaft ist mit dem hohen Bande gekrönt , an Stelle des antiken Astragals . Der Aufsatz des Capitäls trug ehe¬
mals das Standbild des Kaisers und ist an den Picken mit Adlern geschmückt , so dass das Standbild gleichsam von vier Adlern getragen
wurde . Pline gute Idee , welche den Uebergang vom Capitäle zum Sockel des Standbildes glücklich vermittelt .
Vergleicht man dieses Capitäl mit dem Fig . , so möchte man geneigt sein , letzteres für etwas älter zu halten .
3 .

Eine freistehende Säule im Serail hart hinter der Mauer , welche den neuen Garten vom Hofe des Harems trennt , und am Fuss -
gcstelle die Inschrift : OB DEVICTOS GOTPIOS FORTUNAE REDUCI trägt , schien mir bei flüchtiger Besichtigung viel Aehnliches mit der
des Marcian zu haben , nur von minder guter Arbeit , mithin später und etwas kleiner zu sein . Einen Aufsatz für ein Standbild hatte
dieselbe nicht,

AGIOS JOHANNES , KLOSTERKIRCHE DES STUDIOS .


BLATT II . III . IV .

Von dem Goldenen Tliore des Cyklobions an der Südwestspitze Constantinopels bis zu der Ehernen Pforte des Kaiserpalastes am
Ostende der Stadt erstreckte sich die grosse Prachtstrasse , aecr ) Mittelstrasse genannt , durch welche sich die Festzüge des neuen Roms
{ ^

bewegten ; wenn die sieggekrönten Kaiser unter dem Vortritt der Senatoren und Patricier und unter den Glückwünschen des Volks
( mAXot xqovoi ) dieselbe triumpliirend durchzogen , war sie mit Lorbeern und Rosen , Myrtlien und Rosmarin bestreut und mit scharlachnen
Gewändern und Sandeltüchern geschmückt . Der Zug berührte nach den Angaben des Constantinus Porpliyrogenitus G8) das Forum des
Arcadius jetzt avret basar , das Forum des Constantin durch die noch stehende Porphyrsäule bezeichnet ) und das Augusteum zwischen
( - ) ( (

der Sophienkirche und dem Kaiserpalaste an der Südseite der ersteren belegen ) und noch jetzt ist diese alte Triumphstrasse sehr wohl
erkennbar .
Nicht weit von dem alten Cyklobion , von den Türken zu einem Staatsgefängniss umgeschaffen und als Schloss der sieben Tliürme
( jcdi Kuleler ) weltbekannt , in dem noch heutigen Tages Psamatia genannten Stadttheile und dicht an der vorhin bezeichnten
-
Triumph¬
strasse , liegt eine altchristliche Kirche , wohl die älteste der in Constantinopel noch vorhandenen . Es ist dieses ohne Zweifel dieselbe ,
welche Gyllius ) als Klosterkirche des Studios beschreibt , und Du Cange ) als Kirche Johannes des Täufers aufführt . Nach den von
69 70

letzterem gesammelten Beweisstellen Byzantinischer Schriftsteller sind Kirche und Kloster von dem Patricier Studios im sechsten Regie¬
rungsjahre Leo des Grossen , also 463 , erbaut , und die Mönche von dem Orden der Nichtschläfer axoi ^ rpcov ) daselbst eingesetzt worden .
(

Jedoch war nach Suidas die Kirche vor der Einrichtung des Klosters eine Parochialkirche , auch lag sie vor der Vergrösserung der Stadt
ausserhalb der Mauer . Nach der Verwüstung des Klosters durch die Lateiner , 1204 bei Eroberung der Stadt , stellte Constantin Palaeo -
logus Porpliyrogenitus , Bruder des Kaisers Andronicus II ., welcher von 1283 bis 1328 regierte , dasselbe wieder her , umgab es mit einer
festen Mauer und versah die Kirche mit einem neuen Dache .
Nach den Angaben von Hammer ’ s 71 ) wurde die Kirche von dem berühmten türkischen Baumeister Sinan , dem Erbauer der Sulei -
mania , in eine Moschee verwandelt und trägt jetzt den Namen Imrachor Dschamissi . -

Das Kloster soll über tausend Mönche gezählt haben , von denen stets ein Drittel mit öffentlichem Gebete beschäftigt war , daher
der Name der Nichtschläfer ; es war sehr berühmt wegen der gelehrten Männer , welche daraus hervorgingen , und selbst Prinzen wurden
in demselben erzogen .
Wie aus dem Grundrisse , den Aufrissen und den Durchschnitten Blatt . hervorgeht , war die Kirche eine Basilika mit zwei Säulen -
II

Stockwerkcn an den Seiten und mit einer Holzdecke , im Innern 77 Fuss breit und 81 Fuss lang excl . der Apsis , welche inwendig halb¬
kreisförmig , auswendig dreiseitig geschlossen ist . Der Nartliex bildet hier zum Tlieil eine offene Halle und an der Ostseite der Kirche
fehlen die Nebenapsiden , an deren Stelle zwei Tliüren treten ; vielleicht hatte diese Anordnung in der Bestimmung des Gebäudes als
Klosterkirche ihren Grund . Die Umfassungen , von Backsteinen aufgeführt , sind in der Weise , wie sie Blatt . darstellt , gut erhalten und II

scheinen die ursprünglichen zu sein , nur das Apsisgewölbe , nicht in die jetzige Moschee mit cingcsclilosscn , ist verschwunden , und von
den Umfassungsmauern der Apsis steht nur noch etwa ein Drittel der Höhe , die übrigen zwei Drittel nebst dem Gewölbe sind nach den
Vorgefundenen Spuren restaurirt . Die punktirtc Linie in Fig . und . giebt. an , wie hoch die Apsismauern noch vorgefunden wurden .
. 2 6

Im Innern der Kirche sind noch die Säulen der unteren Stellung von verde antico erhalten und tragen Stein Arcliitrave ; die oberen -

Säulen sind jetzt von Holz und offenbar , wie die gerade , mit Holz getäfelte Decke in der Höhe der Umfassungsmauern , eine türkische
Arbeit . Gyllius sah noch die alten oberen Säulen an ihrem Platze , und auch der Graf Clioiscul Gouffier ) spricht noch von gut propor -
- 72

tionirten steinernen Säulen des oberen Stockwerkes und dem sculptirten Marmor Friese der unteren . In Fig . und . ist der Versuch
- . 3 4

gemacht , die obere Säulenstellung und das Dachwerk unter Berücksichtigung der alten Umfassungen und der jetzigen Dachform zu
restauriren . Ein Capitäl , Blatt III . Fig . 10 , und eine Basis , Fig . 11 . ebenda , das ersterc in der Vorhalle der Kirche , die letztere auf dem
.

freien Platze vor derselben gefunden , liessen wegen ihrer passenden Verhältnisse vermuthen , dass sie der oberen Säulenstcllung angehört
hätten , und sind demnach bei deren Restauration benutzt worden .
Vor der Westseite der Kirche lag ohne Zweifel ein mit Hallen umgebenes Atrium , was der noch vorhandene freie Platz und die
Mauerreste genugsam bekunden ; ein Theil der Atriumshallen , oder wenigstens die beiden linden der KirchenVorhalle , scheinen zweistöckig
gewesen zu sein , und vielleicht haben mit diesem oberen Stock die Aufgänge zu dem oberen Stockwerke der Kirche in Verbindung
gestanden , von denen sich weiter keine Spur auffinden liess .
An der Südseite des Atriums , wo sich jetzt eine türkische Unterrichts Anstalt für junge Geistliche befindet , mag das Kloster gelegen
-

haben . Südlich von der Kirche liegt eine alte Cisterne mit korinthischen Säulen , die ich nicht , näher habe untersuchen können . Nach
von Hammer ) ist sie 70 Schritte lang und 57 breit , und hat drei und zwanzig ? Fuss im Durchmesser starke Säulen , die 10 Fuss weit
7 ,5 1 4

von einander abstchen und die gewölbte Decke tragen . Eine steinerne Treppe im Winkel nimmt die Stelle der vier und zwanzigsten Säule
ein . Die Oeffnung des Canals , durch den die Cisterne ehemals mit Wasser versorgt wurde , liegt 3 Fass hoch über dem Fussboden .
Sowohl die Anordnung des Ganzen wie die Behandlung des Einzelnen der Johanneskirche zeigt noch eine nahe Verwandtschaft
mit der antiken Bauweise . Das Säulcncapitäl und Gebälk der Vorhalle , Blatt RI . Fig . bis . im Detail dargestellt , sind eine Nachbildung
1 . 9

der römisch compositen Ordnung , freilich mit sehr bedeutenden Abweichungen . Bemerkenswerth sind die doppelt auf einander liegenden
-

Blätter des Capitäls mit ihrer feingegliederten reichen Ausbildung , in Fig . näher detaillirt , so wie der starke mit Blättern gezierte Wulst
. 9 ,

nebst Perlstab unter dem Capitäle , auch die hohen Endglieder des Säulenschaftes , welche , wie schon mehrfach erwähnt , ein charakte¬
ristisches Zeichen der Säulen aus christlicher Zeit sind . Der Rankenschmuck des gebauchten Frieses zeigt schon vollständig das Byzan¬
tinische Akantliusblatt , und auf die Eigenthümlichkeit des Kranzgesimses mit den flachen Modillons ohne Voluten und der zu einem
13

schmalen Bande zusammengeschrumpften Hängeplatte ist schon früher aufmerksam gemacht worden . Der Karniess oder Rinnleisten hat
jedoch seine volle Bedeutung behalten und tritt allenthalben als krönendes Glied auf ; sehr gross , fast das ganze Gesims einnehmend und
mit Canälen geziert , erscheint er an der Krönung der Pfeiler oder Mauerenden der Vorhalle , welche den freien Architrav der Säulen
aufnehmen , wie Blatt III . Fig . 15 . im Detail zeigt . Da diese Mauerenden stärker sind , als der Architrav . den Säulen entsprechend . sein
kann , so sind Architrav und Fries beim Uebergange auf die Mauern verkröpft .
Eine untere Ansicht der Moclillons des Kranzes und einzelne Sculpturzierden der Zwischenfelder sind in Fig . bis . dargestellt : . 5 8

man bemerkt überhaupt in der ganzen Composition dieser Säulenstellung ein Streben nach Reichthum und eine Anwendung der freien
Sculptur , welche in den späteren Zeiten der Byzantinischen Schule immer seltener wird und fast ganz verschwindet . Die Basis ist sehr
einfach ; das Material der Säulen und des Gebälkes , überhaupt aller Steinmetzarbeiten mit Ausnahme der unteren Säulenschafte im Innern
der Kirche , besteht aus prokonnesischem Marmor .
Zwischen den Säulen der Vorhalle stehen zwei Thürgerüste siehe Blatt . Fig . . und . und Blatt III . Fig . 16 . und 17 . im Detail ,
( II 1 5 )

deren Anschluss an die Säulen so angeordnet ist , dass möglichst wenig von dem Umrisse der Säulen verdeckt wird , wie aus dem Grund¬
risse Fig . 17 . hervorgeht ; wahrscheinlich waren die übrigen Säulenzwischenräume mit Gittern verschlossen .
Die Tliüreinfässung nebst Verdachung Blatt III . Fig . 14 . gehört den von der Vorhalle in die Kirche führenden Thüren und den beiden
Ausgängen der Ostseite an ; der Krönungskarniess der Verdachung ist mit drei Kreuzen geziert , welches Zeichen überhaupt vielfach
angebracht ist.
Auf dem freien Platze vor der Kirche liegt ein Capitäl , Blatt III . Fig . 12 und 13 . in zwei Ansichten dargestellt , dessen obere Platte
.

eine schmale und eine breite Seite hat , und dessen Form ohne Zweifel zur unmittelbaren Aufnahme von Bogen hergerichtet ist . Es ist
sehr wahrscheinlich , dass dieses Capitäl den Hallen des Atriums angehörte , denn die breite Seite der oberen 3 Fuss 6 Zoll messenden Platte
stimmt genau mit der Dicke der Mauer , welche , von der Vorhalle abgehend , die innere Wand des Atriums gebildet haben muss . An eben
dieser breiten Seite des Capitäls , welche demnach die Bogenleibung trug , befindet sich ein Steg von 3 Zoll Breite , welcher auf einen
Glas - oder Gitterverscliluss der Hallen deutet ,
An diesem Capitäl kommen dieselben Doppelblätter mit derselben Behandlungsweise vor , wie an dem Capitäle der Vorhalle ; es
scheint demnach mit dem letzteren , welches seinem ganzen Charakter nach dem ursprünglichen Bau angehört , gleichzeitig zu sein .
Hieraus liesse sich folgern , dass schon in der Mitte des V . Jahrhunderts in Constantinopel Bogen unmittelbar auf Säulen gesetzt , und
dem entsprechende neue Capitälformen erfunden wurden . Diese Betrachtung war auch Veranlassung , das in der Vorhalle gefundene Capitäl
Fig . 10 , welches ebenfalls für einen unmittelbaren Bogenaufsatz componirt ist , als dem ursprünglichen Bau , und zwar der oberen Säulen¬
.

stellung im Innern der Kirche angehörend , anzunehmen .


Ein Theil des alten Marmorfussbodens der Kirche ist noch erhalten und auf Blatt IV . dargestellt . Er besteht aus grossen Platten
von verde antico , eingefasst mit Friesen von giallo antico und einem andern hellen Marmor , so wie mit verschlungenen Bändern von
serpentino , orientalischem Porphyr und verschiedenen anderen weniger bekannten , aber sehr schönen und glänzenden Marmorarten . Ein¬
zelne Bänder sind aus kleinen Stücken , in zierlichen musivischen Mustern geordnet , hergestellt und auf Blatt IV . nach einem grösseren
Massstabe im Detail gezeichnet .
Das Aeussere der Kirche so wie die Vorhalle sind genau gemessen ; für das Innere , mit Ausnahme des Fussbodens , kann ich
weniger einstehen , da meine Arbeit durch den religiösen Eifer eines orthodoxen Türken unterbrochen wurde .

AGIOS SERGIOS , KIRCHE DES KLOSTERS HORMISDAS .


BLATT V .

Diese Kirche , den bei den Dar dauern und Illyriern hoch verehrten Märtyrern Sergius und Bacchus geweiht , ist eine der ersten in
der grossen Reihe von Monumenten , welche der Kaiser Justinian während seiner acht und dreissigjährigen Regierung , von 527 bis 565 ,
errichtete . Sie stellt südwestlich unter dem Hippodrom nahe dem Meere bei Tschatladi Kapu an der früheren Westgrenze des alten
Kaiserpalastes , und war auf den Grundstücken des ehemaligen Palastes des Hormisdas erbaut , welchen Justinian als Privatmann bewohnte
und nach seiner Thronbesteigung dem grossen Kaiserpalaste hinzufügte . Das zu derselben gehörige Kloster hiess daher auch das des
Hormisdas , und war nach den von Du Gange ) beigebrachten Notizen der Oberherrschaft des päpstlichen Stuhles zu Rom unterworfen .
74

Dicht daneben war gleichzeitig , nach dem Zeugnisse des Procopius ) die Kirche der Apostel Petrus und Paulus erbaut , mit der
, 75

sie Porticus , Atrium und Propyläum gemeinsam hatte ; beide waren gleich an Grösse und Schmuck , nur darin verschieden , dass die
letztere ein Langbau war , diese dagegen mehr als Rundbau erscheint . Die Kirche der Apostel existirt nicht mehr .
Im Innern des Schiffes der Sergius - und Bacchuskirche ist folgende Inschrift , erhaben in Stein gehauen , auf dem Friese der unteren
Säulenstellung rings umher laufend , wohl erhalten :
AYAOI MEN BA2IAHE2 ETIMH2ANTO © ANONTA2
ANEPA2 S2N AN0IIT02 EHN II0N02 • IIMETEP02 AE
ET2EBIHN 2KIfflT0TX02 I0T2TINIAN02 AEXS2N
2EPriON AirAHENTI AOMS2 0EPA11ONTA TEPAIPEI
XPI2TOT 1IAMMEAE0NT02 TON OT IITP02 ATM02 ANAITTßN
OT EBP02 OTK ETEPH BA2ANS2N ETAPAHEN ANATKH
AAAA 0EOT TETAHKEN TriEP XPI2TOIO AAMHNAL
AIMATI KEPAAINS2N AOMON OTPANOT • AAA ENI IIA21N
KOIPANIHN BA2IAH02 AKOIMHTOIO OTAAaOI
KAI KPAT02 ATEII2EIE © E02TEOE02 0EOAS2PA2
H2 N002 ET2EBIII OAIAPTNETAI H2 II0N02 AIEI
KAI KTEAN & N 0PEnTTIPE2 AOEIAEE2 EI2IN ATS2NE2 .

im Deutschen etwa folgendermaassen lautend :


Andere Könige , bedachten mit Ehren verstorbene Männer ,
Weil im Leben sie Grosses vollbracht ; doch Justinianus ,
Unser das Scepter tragende Fürst , hat , Frömmigkeit ehrend ,
Sergius , Christi Knechte , gewidmet den leuchtenden Tempel ,
Weil ihn nicht lodernde Gluth der Flamme , nicht Schärte des Schwertes ,
Noch auch die marternde Qual der Folter zu schrecken vermochte .
14

Sondern für Christus , den Herrn , den Tod zu erleiden entschlossen ,


Er mit dem eigenen Blut sich die Wohnung des Himmels erworben .
Er vor allen beschütze nun auch die Herrschaft des Königs
Und Tlieodora ’ s Macht , der von Gott gekröneten Kön ’ gin ,
Die in Frömmigkeit strahlend mit unablässiger Sorge
Eifrig zu pflegen sich mühet des Landes segnenden Wohlstand .

Mahommed , der Eroberer Constantinopels , verwandelte die Kirche in eine Moschee , und sie wird jetzt von den Türken Kutsclmk
II .

aja Sofia , h . die kleine agia Sophia , genannt ; eine Bezeichnung , die in mancher Beziehung viel Treffendes hat .
d .

In der Anordnung des Grundplanes und der Gewölbe zeigt sich schon die eigenthümliche Entwickelung der Byzantinischen Schule ,
ln dei * Mitte der quadratischen Umfassung erhebt sich das hohe Schiff , mit einer Kuppel überdeckt und von zweistöckigen gewölbten
Hallen umgeben . Die Kuppel wird von acht , in die Winkelpunkte eines Achtecks gestellten Pfeilern getragen ; vier Zwischenräume dieser
Pfeiler überkreuz sind mit kurzen Tonnengewölben überspannt , die vier anderen nehmen Halbkreisnischen ein , mit Halbkuppeln oder
Gonehengewölben überdeckt . Die vier Tonnengewölbe , von West nach Ost und von Süd nach Nord gerichtet , bezeichnen gewisser¬
maßen schon das Kreuz , welches in den späteren Kirchenanlagen viel deutlicher hervortritt . Zwischen diesen acht Wölbungen ist durch
acht Pendentifs eine kreisförmige Basis gewonnen , auf welcher die Kuppel mit sechszehn Rippen und eben so viel Kappen aufgeführt ist .
lieber jedem Pendentif steht eine flach ausgerundete Nische unter dem Kappengewölbe , während unter den acht übrigen Kappen gerade
Sehildmauern mit Fenstern angebracht sind , und eben dieser Fenster wegen ist wahrscheinlich die Rippen - und Kappenconstruction der
Kuppel gewählt . Im Aeusseren treten die Kappengewölbe erhaben vor , indem die Bleidecke unmittelbar auf denselben liegt , und geben
der Kuppel das Ansehn einer gerippten Melone ; die Fenster - und Nischenmauern bilden im Aeussern eine Art von kleinem Tambour .
Die beiden Stockwerke der Seitenhallen sind in den Zwischenräumen der Kuppelpfeiler nach dem Schiff zu durch Säulenstellungen
geöffnet , deren untere ein horizontales Gebälk trägt , während auf die oberen Säulen sich unmittelbar Bogen stützen ; der Zwischenraum
gegen Osten ist jedoch frei , ohne Stockwerksbau und durch ein Tonnengewölbe verlängert , welches mit der Halbkuppel der Apsis ab -
sehliesst . Den Raum unter diesem Gewölbe nahm wahrscheinlich früher das Bema ein ; die im Innern halbkreisförmige Apsisnische des
Bema ist im Aeussern dreiseitig geschlossen . Längs der ganzen Westseite erstreckt sich der Narthex , dessen oberes Geschoss mit dem
oberen Stockwerk der Seitenhallen in Verbindung steht ; die Gestalt der Umfassungsmauer an der Südseite scheint darauf hinzudeuten ,
dass ehemals hier sich die Kirche der Apostel Petrus und Paulus angeschlossen habe .
Die Kuppelpfeiler sind von Werkstein aufgeführt , die Säulencapitäle und Gesimse bestehen aus weisslichem prokonnesischen Marmor ,
die Säulenschafte theils aus demselben Material , theils aus verde antico und anderem farbigen Marmor , das übrige Mauerwerk und die
Gewölbe sind aus Backstein verfertigt .
Das horizontale Gebälk der unteren Säulenstellung , Blatt V . Fig . im Detail dargestellt , welches im ganzen Schiff mit Ausnahme
. 6

des Bema umherläuft und auf dem Friese die oben erwähnte Inschrift trägt , ist offenbar einem ähnlichen Muster nachgebildet , als das
der Johanneskirche , Fig . und . Blatt III ; jedoch sind die Verhältnisse hier viel plumper und von den guten antiken Monumenten noch
1 . 3 .

mehr abweichend . Die Hängeplatte ist ganz unterdrückt , die untere Ansicht der Modilions nebst Zwischenfeldern , Fig , weniger reich
. 7 .

ausgebildet , und der gebauchte Theil des Frieses hat fast ein Halbkreisprofil . So weit das Gebälk über die Kuppelpfeiler hinläuft , ist
unter demselben eine Art Kämpfer - oder Pfeilergesims angebracht , welches aus einem grossen Karniess und einer Platte besteht und
in Fig . sowohl im Profil als in der Ansicht angegeben ist . Da sich in den Zwischenräumen der Pfeiler hinter diesem Gebälke das
. 6

Gewölbe der Seitenhallen verbergen muss , so hat es daselbst über dem Rinnleisten einen Aufsatz , eine Art Attika , erhalten , dessen Ober¬
kante mit dem Fussboden des oberen Stockwerkes gleich hoch liegt und worauf die oberen Säulen stehen . Diese oberen Säulen , in
Fig. 3 ., . und . dargestellt , haben eine ganz eigenthümliche Form ; das Capitäl besteht aus einem starken Wulste , aus dem vier Eck¬
4 5

voluten hervortreten ; der Wulst ist zwischen diesen Voluten so abgeflacht , dass ein geschweifter Contour , wie an einigen antiken jonischen
Capitälen , entsteht ; über diesem Theile des Capitäls steht ein hoher viereckiger Aufsatz in Form einer abgekürzten , mit der schmaleren
Seite nach unten gewendeten Pyramide , deren Seitenflächen mit flachem Relief geziert sind , und auf diesem Aufsatze stehen unmittelbar
die Anfänge der Bogen ; die Kuppelpfeiler sind in der Höhe dieser Capitäle mit einem Kämpfergesimse gekrönt , welches in Fig . mit . 8

seiner Verzierung dargestellt ist und ebenfalls die Bogenanfänge aufnimmt ; der Säulenbasis fehlt der Plintlius , an dessen Stelle der oben
erwähnte Aufsatz des unteren Gebälkes tritt ; der Säulenschaft ist mit den hohen Bändern an den Enden versehen .
Die Capitäle der unteren Säulen sind denen auf Blatt XVIII . Fig . 12 . und 13 . dargestellten ganz ähnlich , und deshalb hier nicht
besonders gezeichnet ; auch mag noch bemerkt werden , dass die auf Blatt XVII . Fig . und . gezeichneten Capitäle des Frauenchores
. 3 4

der Sophienkirche von denen auf Blatt V . Fig . und . wesentlich nur in der Verzierung des Aufsatzes abweichen .
. 3 4

Aus der näheren Betrachtung dieser Details geht hervor , dass trotz der veränderten Constructionen und des Bestrebens der Byzan¬
tinischen Künstler , denselben gerecht zu werden , dennoch bei der Ausbildung der Formen die antiken Elemente eine grosse Rolle spielen ,
und man dieses Gebäude wohl mit Recht als der Uebergangsperiode angehörend betrachten kann .
Nur die Hauptdimensionen des Gebäudes sind gemessen , und war überhaupt zu seiner Aufnahme und Untersuchung nur wenig
Zeit gestattet .

AGIA SOPHIA .
BLATT VI - XXXII .

Einleitung und Geschichte .


Der Tempel der göttlichen Weisheit , ein Jahrtausend hindurch der Stolz der Christen des Orients , seit vier Jahrhunderten das
verehrte Heiligthum des Islam bei dessen Einweihung Justinian mit hochschlagendem Herzen ausrief : Salomon , ich habe dich besiegt »
, « !

bildet den Glanzpunkt der Byzantinischen Schule . Wenig Werke alter und neuerer Zeit haben einen so weit verbreiteten und dauernden
Einfluss auf die Kunst geübt , als dieser Prachtbau des VI . Jahrhunderts , und an Kühnheit der Wölbungen , an Wirkung und Pracht des
Innern möchte er keinem Bauwerke ähnlicher Art vor und nach ihm weichen .
Der Dom des Pantheon des Agrippa zu Rom hat 130 Fuss Durchmesser , er ruht jedoch auf der Erde ; die Sophienkuppel hat nur
100 Fuss Durchmesser , aber sie schwebt in der Luft . Im St . Peter zu Rom muss man bis unter die Kuppel vorschreiten , um sie zu
schauen , und die Stützflächen betragen die Hälfte des freien Raumes ; unter der Eingangspforte der Sophia überschaut man den grössten
Theil des innern Raumes so wie der Kuppel mit einem Blick , und die Stützflächen betragen kaum ein Zehntel des freien Raumes .
St . Peter hat im Schiff nur ein Stockwerk , das Detail ist kolossal ; die Sophia ist zweistöckig , ihr Detail ist mässig , sie erscheint
daher gross beim ersten Blick , die Peterskirche wird es erst durch Reflexion . Die Marmorbekleidung des Innern der Sophienkirche ist
reicher , als die des Pantheon , und der Mosaikglanz der Gewölbe überstrahlt weit den von St , Peter .
15
Geschichte des Bauwerks
unter den Griechen .Als die Raserei des berüchtigten Nike - Aufstandes im Januar des Jahres 532 verraueht war , lag die halbe Stadt so wie der von
Constantin gegründete ' Tempel der ewigen Weisheit in Trümmern , und die Christen Constantinopels erkannten , wie gewöhnlieh zu spät , wie
bitter die Früehte der blinden Leidenschaft , sind . Justinian beschloss den schleunigen Wiederaufbau des zerstörten Gotteshauses , mit dem
Vorsatze , ein Werk zu schaffen , welches würdig sei , das erste der Christenheit zu heissen ; und er war der Mann , nicht nur einen grossen
Gedanken zu denken , sondern auch die geeigneten Mittel zu dessen Ausführung zu ergreifen . Schon früher hatte er das grösste archi¬
tektonische Talent seiner Zeit , Anthemios von Tralles , in seine Dienste gezogen ; diesen beauftragte er mit der Anfertigung des Planes ,
und 40 Tage nach dem Brande , am 23steil Februar , wurde der Grundstein zum Neubau gelegt .
Anthemios war ein technisches Genie , von dessen Kcnntniss der Naturkräfte und der Mathematik Agathias 76 ) Zeugniss ablegt , und
die Kühnheit seiner Constructionen beweisen seine Fähigkeit . Ihm zur Seite stand der nicht minder gerühmte Isidor von Milet . Alle
Behörden der Provinzen erhielten Befehl , an werthvollen Materialien herbeizuschaffen , was zu erlangen war , und die antiken Tempel in
Klein - Asien und Griechenland wurden geplündert , um den Bau der Sophia zu schmücken . Alle disponiblen Einkünfte des weitläuftigen
Reiches wurden auf den Bau verwendet , und sogar neue Taxen aufgelegt , um die enormen Kosten zu bestreiten . Die Zahl der Werk¬
leute wird in den phantastischen Berichten der späten Byzantinischen Schriftsteller bis zu 10 , 000 übertrieben ; Justinian selbst besuchte
fast täglich den Bau , um die Arbeiter anzufeuern und das Werk durch Lob oder Tadel zu fördern ; auf diese Weise ward es möglich , den
grossen Bau mit all seiner Pracht in 5 Jahren . 11 Monaten und 10 Tagen , vom Tage des Brandes an , wieder herzustellen . Die Ein¬
weihung erfolgte am 26sten December 537 . 77 ) ;
Die erste Gründung der Sophia wird Constantin dem Grossen zugeschrieben und das Jahr 326 als das der Grundsteinlegung
angenommen ; da jedoch dieser erste Bau zu klein befunden wurde oder nach einer anderen Meinung durch ein Erdbeben beschädigt
war , so stellte Constantius , der Sohn Constantius , denselben grösser und prächtiger her , und weihte diesen Neubau im Jahre 360 mit
einer grossen Festlichkeit ein . 404 , bei der Revolte wegen der Vertreibung des Patriarchen Chrysostomus unter dem Kaiser Arcadius
ward der östliche Tlieil der Kirche durch Feuer beschädigt , und während der Minderjährigkeit des Kaisers Tlieodosius des Jüngeren
scheint abermals eine Beschädigung durch Feuer stattgefunden zu haben ; die Herstellung erfolgte im Jahre 415 unter eben diesem Tlieo -
dosius . Von da ab bis zu dem zerstörenden Brande im Jahre 532 blieb die Kirche unversehrt . 78 )
Dieser frühere Bau scheint eine Basilika mit Holzdecke gewesen zu sein , worauf die Bezeichnung als Langbau ( dQo ,utx ^ ) in den
Byzantinischen Schriftstellern und die vielen Feuerbeschädigungen hindeuten ; Justinian machte Feuersicherheit seinen Architekten zur
ersten Bedingung , und die consequent durchgeführten Gewölbeconstructionen haben seinen Bau bis auf den heutigen Tag gegen die in
Constantinopel so häutigen Brände geschirmt , Dagegen ward ihm ein anderes Uebcl der dortigen Gegend gefährlich ; zwei und zwanzig
Jahre nach der Einweihung stürzte der östliche Theil der Kuppel in Folge eines heftigen anhaltenden Erdbebens ein , den Ambo und das
Ciborium nebst dem heiligen Tisch zertrümmernd . Justinian schritt sofort zur Wiederherstellung ; er liess die Widerlager verstärken , die
Kuppel selbst um 25 Fuss höher aufführen , die innere Pracht erneuern , und fünf Jahre nach diesem Unglücksfalle , am 24stcn December 563 ,
wurde die Kirche von Neuem eingeweiht . 79 ) :
Wenn man die vielen und heftigen Erderschütterungen in Betracht zieht , welche im Verlauf von dreizehn Jahrhunderten Con¬
stantinopel mit ihren zerstörenden Wirkungen heimgesucht haben , 80 ) so erscheint es als ein Wunder , dass die Sophienkirche mit ihren
gewagten Constructionen alle diese Stürme überdauert hat . und in diesem langen Zeiträume nur verhfdtnissmässig wenig Ilauptrepara -
turen von der Geschichte aufzuzeichnen waren .
Die erste bedeutende Reparatur , von der sich eine Nachricht vorfindet , hatte in der zweiten Hälfte des IX . Jahrhunderts unter
dem Kaiser Basilius Macedo statt , welcher den westlichen , sehr destruirten und den Einsturz drohenden Tragbogen der Kuppel wieder
hersteilen , auch die Bilder der Mutter Gottes so wie der Apostel Petrus und Paulus iu musivischer Arbeit darauf anbringen liess . Die
Reparatur eines anderweitigen grossen Bogens , ( Vielleicht in der ersten Hälfte des X . Jahrhunderts , ist wegen Mangelhaftigkeit der Nach¬
richten nicht näher nachzuweisen : ein Kaiser Romanus führte sie aus . 81 )
Im Jahre 987 , unter Basilius Bulgaroktoi us , stürzte abermals ein Theil der Kuppel in Folge eines Erdbebens ein , doch muss dieser
Schaden nicht gar zu bedeutend gewesen sein , - da die Reparatur , wie es scheint , von Hängegerüsten aus vorgenommen wurde . 82 )
Durch die Plünderungen der Lateiner bei der Eroberung der Stadt im Jahre 1204 ward die Sophienkirche eines grossen Theiles
ihres werthvollen Schmuckes beraubt , und auf die Unterhaltung des Gebäudes mochte während der Fremdherrschaft auch keine grosse
Sorgfalt gewendet sein ; die Byzantinischen Kaiser hatten daher nach der Wiederbesitznahme von Constantinopel mancherlei mit Repa¬
raturen zu schaffen .
Vermittelst neuer Anbauten an den östlichen Ecken des Tempels , welche Nicephorus Gregoras Pyramiden nennt , 8 '1) suchte Andro -
nicus Palaeologus der Aeltere im Anfänge des XIV . Jahrhunderts die Mauern zu stützen , welche sich schadhaft zeigten und den Einsturz
drohten , und die Beschädigungen des Bema so wie des grossen Porticus daneben in Folge eines Erdbebens begann Anna , die Wittwe
seines Nachfolgers , gegen die Mitte desselben Jahrhunderts wieder herzustellen , doch gingen diese Iiestaurations - Arbeiten zuerst auf den
Kaiser Cantacuzenus , und dann auf den Johannes IV . Palaeologus über , welcher die letzte Hand anlegte und auch für die Restauration
des Mosaikschmuckes Sorge trug . 84 )
<ien V nuLn . Am 29 steil Mai 1453 gewannen die Türken endlich die Stadt mit Sturm , welche sie so oft vergeblich belagert hatten , und die
weltberühmte Metropolitane des Ostens ward , nachdem sie ihrer , für den christlichen Cultus bestimmten , reichen Ausstattung beraubt
war , von Mahomed II . dem Dienste des Islam geweiht .
Die Folgen dieser Umgestaltung sind mehr im Aeussern der Agia Sophia sichtbar , als im Innern ; die Ausstattung einer Moschee
für den Cultus ist nur einfach , wie überhaupt der Gottesdienst des Muslim , welcher vorzugsweise in den täglichen Gebeten besteht .
Das Mihrab , eine Nische zur Bezeichnung der Richtung nach Mecca , in welcher der Koran liegt , der Minber , ein erhöhter Stand , von
weichem herab an den Freitagen das Gebet für eil Sultan verlesen wird , das Malifil , eine Terrasse von massiger Erhöhung für die Koran -
Vorleser , die Lampen für die glänzende Erleuchtung am Beiramsfeste und der Teppich , über den ganzen Fussboden des Gotteshauses
ausgebreitet , bilden die Requisite eines Dschami oder Versammlungsortes der Gläubigen , und diese wurden leicht in den weiten Räumen
der Sophienkirclic untergebracht , wozu noch ein umschlossener erhöhter Sitz , Makssure , für den Sultan an der Nordseite des ehemaligen
Bema trat . Das Forträumen der reichen Ausstattung des Bema , der Solea und des Ambo , so wie die Uebcrtünchung der goldstrahlenden
Gewölbedecken mit ihren Mosaikbildern durch Weisskalk , auf welchem an einzelnen Stellen mächtig grosse Koran - Inscliriften angebracht
wurden , veränderten hauptsächlich das Anschn des Innern .
Im Aeussern haben dagegen die Anbauten der Minarchs , das Forträumen oder die Umgestaltung der ehemaligen Nebenräume ,
besonders aber die aus Bcsorgniss und Ungeschicklichkeit der türkischen Architekten gegen die Umfassungsmauern aufgethürmten Strebe¬
massen die Erscheinung des Gebäudes so verändert , dass man kaum noch dessen ehemalige Gestalt aus diesem Gewirre heraus¬
linden kann .
Das erste Minardi baucte schon Mahomed der Eroberer an der Südostecke , nachdem er ebendort gewaltige Stützpfeiler auf¬
geführt hatte ; 8 ’1) Selim II . , welcher von 1566 bis 1574 regierte , erbauete das zweite Minardi an der Nordostecke , auch wird ihm eine
Herstellung der durch Erdbeben beschädigten östlichen Halbkuppel zugeschrieben ; der nächste Nachfolger dieses Sultans , Amurath III . ,
errichtete die letzten zwei Minarehs an den beiden noch übrigen Ecken des Gebäudes gegen Westen .
In der neuesten Zeit war die Unterhaltung des weltberühmten Baues sein * vernachlässigt , und der jetzt regierende Gross Sultan
-

Abdul Mcdschid beschloss im Jahre 18 47 die dringend nothwendige Herstellung , welche sieh jedoch unter der umsichtigen und verdienst¬
-

vollen Leitung des italienischen Architekten Fossati nicht blos auf Aushesserung der Schäden und Forträumung von entstellenden über -
llüssigen Stützmassen beschränkte , sondern eine tlieilweise Wiederherstellung der alten Pracht zum Gegenstand hatte . Der Marmorschmuck
des Innern wurde in Ordnung gebracht , gereinigt , und dessen Glanz wieder hergestellt ; die ; goldglänzenden Mosaikdecken wurden von
der verhüllenden Kalkkruste befreit , die fehlenden Stellen durch Blattvergoldung und Ornament in Oellärhe ergänzt , und nur die durch
den Koran verbotenen figürlichen Darstellungen überzog man von Neuem mit einem deckenden Stuck , um sie künftigen Geschlechtern
aufzubewahren . Die Aussenwände wurden , nach ihrer Reparatur , mit einem Kalkputz überzogen und hellgelbliche mit röthlichen Streifen
wechselnd , im Sinne der späten Byzantinischen und arabischen Architektur , verschiedene Steinschichten darstellend , darauf gemalt .
Die Baugerüste , welche in Folge dieser umfassenden Reparatur bis zu dem höchsten Punkte der Kuppel errichtet waren , boten
die gewiss nicht bald wiederkehrende Gelegenheit , dieses merkwürdige Gebäude in allen seinen Theilen und Constructioncn genau zu
untersuchen und die auf Blatt VI . bis XXXII . dargestellten Aufnahmen zu bewerkstelligen , in denen auch das untergeordnete Detail , so
weit es möglich war , durch speciellc Messung bestimmt ist .
" “5 Die Agia Sophia , die Ilauptkirche
yÜeiien . des Byzantinischen Patriarchats und der Schauplatz der grössten und heiligsten Staatshand¬
lungen , der Krönungen und der Triumphe , der Vermählungen und der öffentlichen Kirchenaufzüge der Kaiser , war für die Christen des
Orients so wie für die Geschichte des Byzantinischen Reiches von hoher Bedeutung , und eine ganze Reihe Autoren alter und neuerer
Zeit hat sich mit deren Beschreibung und Baugeschichte beschäftigt . Jedoch sind unter den Byzantinischen Schriftstellern vorzugsweise
nur drei , Procopius , Paulus Silentiarius und Agathias , welche als Zeitgenossen in Betreff des Justinianischen Baues volles Vertrauen
verdienen . Der erste ) hat sich in seiner Relation über den Bau sehr kurz gefasst ; das beschreibende Gedicht des Silentiarius über
80

die Sophienkirche und deren Ambo enthält sehr viel Interessantes , namentlich über die innere , jetzt nicht mehr vorhandene Ausstattung
für den christlichen Cultus , und ist dessen metrische Uebertragung in die deutsche Sprache in dem Anhänge vorliegendem Werke bei¬
gefügt . Agathias ) giebt nur einige Nachrichten über die Wiederherstellung der eingestürzten Kuppel durch Justinian , und über die
87

bewundernswerthen Kenntnisse des Architekten Anthemius von Tralles . Die späten griechischen Schriftsteller , namentlich der Anonymus
bei Banduri ) bringen in ihren Berichten über die Begebnisse vor ihrer Zeit so viel offenbare Unwahrheiten zu Tage , dass man ihren
, 88

phantastischen Erzählungen , wo sie mit denen der vorgenannten Schriftsteller nicht übereinstimmen , keinen Glauben schenken kann .
Ueber den Zustand der Sophienkirche unter der türkischen Herrschaft gehen die beiden Reisenden Gyllius ) und Grelot ) Nach¬
89 90

richt , welche das Bauwerk im XVII Jahrhundert sahen und beschrieben ; eines der wichtigsten Hülfsinittel für die Geschichte der Sophia
.

gewährt jedoch die schon mehrmals citirte Arbeit des gelehrten und tleissigen Du Gange , welcher im dritten Buche seiner Beschreibung
von Constantinopel alle bezüglichen Stellen der Byzantinischen Schriftsteller gesammelt und kritisch beleuchtet hat .
In den vorliegenden Zeichnungen habe ich mich bemüht , alle türkischen Zutliaten zu entfernen und die ursprüngliche Gestalt des
Bauwerkes , in so weit cs noch möglich war , hervorzuheben ; die folgende specielle Beschreibung wird dieses Bestreben vervollständigen .
Bei den geschichtlichen Nachweisungen bin ich vorzugsweise den obengenannten Quellen gefolgt .

Beschreibung des Bauwerkes .


. Die Sophienkirche liegt an dem östlichen Ende der Stadt , wo das alte Byzanz stand , auf einem Hügelrücken , dessen nördlicher
Situation

Auslauf bis zur Spitze des Serails an der Einfahrt zum Goldenen Horn reicht , dessen südliche Fortsetzung der ehemalige Hippodrom , jetzt
Atmeidan genannt , einnimmt , und dessen östliche Seite sich gegen das Meer zu abdacht , dem Gotteshause einen dominirenden Standort
gewährend . An ihrer Südseite lag ehemals das berühmte forum augusteum , der Kirche und dem grossen Kaiserpalaste zugleich als Vorplatz
dienend , und daher auch mitunter Proaulion der Sophia genannt . Es war von allen vier Seiten mit Säulenhallen umgeben , denen sich
verschiedene öffentliche Gebäude anschlosscn , und enthielt unter anderen das Milion , den Meilenzeiger , das Horologium , den Zeitzeiger ,
so wie mehrere Standbilder auf hohen Säulen , . das der Helena , der Mutter Gonstantin , von deren Beinamen Augusta die Benennung
z . B ’s

abgeleitet wird , und die Reiterstatue Justinian , welche , die Erdkugel mit dem Kreuze in der Linken haltend , die Rechte drohend gegen
’s

Osten ausstreckend , von Erz gegossen und vergoldet , an die Stelle der silbernen Statue Theodosius des Ersten getreten war . Mehrere
Portiken gingen vom Augusteum aus , deren einer , nach Nordwest sich erstreckend , die Verbindung mit dem Forum des Constantin und
der grossen Triumphstrasse herstellte . Der grosse Palast muss , vom Augusteum beginnend , längs des Hippodrom bis zur Kirche des
Sergius und Bacchus sich ausgedehnt haben , mit seinen Terrassen und Gärten von der östlichen Abdachung des vorbezeiclmeten Hügels
bis zum Ufer des Meeres hinabsteigend , und stand durch die Säulengänge des Augusteum in naher Verbindung mit der Sophia .
Das Bema der Sophienkirche ist , wie das der meisten altchristlichen Kirchen in Constantinopel , nicht genau gegen Osten , sondern
mehr gegen Südost , die Richtung nach Jerusalem , gewendet .
. Wie gewöhnlich bei den christlichen Kirchen des Orients , empfing auch bei der Sophia den Eintretenden an der Westseite ein
i »aS Atrium

Vorliof oder Atrium , von offenen Hallen umgeben , deren Aussenwände , mit verschiedenen Eingängen versehen , von Backstein aufgemauert
waren , deren innere Seiten jedoch Marmorsäulen und viereckige Backsteinpfeiler , Halbkreisbogen tragend , je zwei Säulen mit einem
Pfeiler abwechselnd , bildeten . Die Hallen waren mit Tonnengewölben bedeckt , wie noch vorhandene Reste schliessen lassen ; die Wände
zierten musivische Arbeiten und die Mitte des Raumes eine Pliiale von iassiscliem Stein mit springendem Wasser , wie aus der Beschrei¬
bung des Paulus Silentiarius hervorgeht ) . 91

Jetzt ist nur der innere Hofraum noch vorhanden , die Stelle der offenen Hallen nehmen die niedrigen Wohnungen der Imams
ein , welche zwischen die alten Säulen - und Mauerreste hineingebaut sind . Was von dem früher Vorhandenen noch mit Bestimmtheit
zu erkennen war , ist in dem Grundriss Blatt VI . durch dunklere Schraffirung angedeutet , das Uebrige ist Conjectur . Die äussere nördliche
Backsteinmauer enthält mehrere grosse Bogenöffnungen , und der am westlichen Ende derselben rechtwinkelig ansetzende Mauerrest giebt
die Westgrenze des Atriums an , weil dicht dahinter das Terrain nicht unbedeutend abfällt . An die Stelle des alten Reinigungsbrunnens
in der Mitte des Platzes ist eine Marmorschale türkischen Ursprungs getreten .
Die Halle am Ostende des Atriums , welche an das Kirchengebäude oder vielmehr an dessen Narthex sich anlelmt , mit Kreuz¬
gewölben bedeckt und mit einer Fensterwand geschlossen ist , hat noch ziemlich ihre alte Gestalt , wenn man , wie in den Zeichnungen
.

geschehen , die türkischen Anhauten sich fortdenkt . Zwui Tlniren führten von den offenen Hallen , und zwei andere von dem offenen
Raume des Atriums in diese geschlossene Halle ; jede der beiden letzteren Thüren ist von zwei mächtigen , weit vorspringenden Pfeilern
eingefasst , zwischen denen Tonnengewölbe eine Art Laube oder Vordach bilden . Vielleicht könnte man dieser Anlage den Namen Pro -
pyleen beilegen , dessen Procopius bei Beschreibung der Sergius - und Bacchuskirche erwähnt ) Die vier Pfeiler , von Quadern aufgeführt ,
. 92

ragen weit über das Dach der Halle hinaus , unten am Fuss der Tonnengewölbe einfache , höher hinauf verzierte Gurtgesimse , und oben
als Endigung Plintlien tragend , die daraufhinzudeuten scheinen , dass auf den Pfeilern sich ein Bildwerkschmuck befunden habe , welche ,
]*

dem Grundffächen Verhältniss zufolge , in Pferden oder Reiterstatuen bestanden haben kann . Eine Restauration dieser Bildwerke ist in
-

der Ansicht und dem Durchschnitte Blatt XII . und IX . versucht .


17

Jetzt sind von jedem Pfeiler aus zwei Strebebogen gegen die hohe Westwand der Kirche aufgeführt , wie in Blatt XIII . durch
punktirte Linien angegeben ist . Eine nähere Betrachtung des Mauerwerkes und der Stellung dieser Pfeiler erweckt die Vermuthung ,
dass sie nicht gleichzeitig mit dem Kirchenbau . sondern später aufgeführt seien , jedoch aus altem Material , wenigstens was die oberen
Gurtgesimse ( BlattXX . Fig . 9 . und 10 . ) betrifft , deren Verschiedenheit , Form und zusammengestückelte Fügung zu dieser Annahme nöthigen .
Es ist möglich , dass bei Aufführung dieser Pfeiler eine Stützung der von Ge wölbbogen gedrängten Westwand des Narthex beabsichtigt
wurde , allein die jetzt vorhandenen Strebebogen , wenigstens die oberen spitzbogigen , sind ohne Zweifel türkischen Ursprungs .
DerNar ^ . Fünf Thüren führen aus der eben beschriebenen Halle in eine weitere und höhere , längs der ganzen Breite der Kirche sich
erstreckende , den eigentlichen Narthex , welche ihr Licht durch Fenster über dem Dache jener empfängt , an den Wänden mit bunt¬
farbigem Marmor getäfelt und im Gewölbe mit Mosaik geschmückt ist , während Wände und Gewölbe der vorgedachten Halle , wenigstens
jetzt , ganz schmucklos erscheinen . Zwei Tliüren , am Süd - so wie am Nordende des Narthex je eine , vervollständigen die Zahl der Ein -
gangsthüren zu Sieben , deren auch Paulus Silentiarius Erwähnung tliut , und neun andere eröffnen das Innere der Kirche , drei in der
Mitte zum Schiff führend , deren mittlere , gross und prächtig , die eigentliche Königsthür war .
Das Schiff. Die Umfassungsmauern der Kirche umschliessen beinahe ein Quadrat , da die Länge im Innern , ausschliesslich der Apsis , 241 , die
Breite 224 Fuss beträgt ; in der Mitte desselben erhebt sich die Kuppel , im Lichten des Fusskranzes 100 Fuss , dicht über demselben in
der Wölbung 104 Fuss weit , und im Scheitel 179 Fuss über dem Fussboden hoch . Die Kuppel schwebt , von vier mächtigen Bogen
getragen , über einem quadratischen Raum , dem sich gegen Osten und Westen im Grundriss halbkreisförmige Räume , und jedem derselben
wieder drei Nischen anschliessen . Die grossen Halbkreisräume sind mit Halbkuppeln , von Paulus Silentiarius Conchen genannt , über¬
wölbt , welche sich gegen die Tragbogen der Hauptkuppel lehnen , und zum Theil von den in dieselben einschneidenden Gewölben der
Nischen getragen werden . Je zwei der Nischen sind ebenfalls halbkreisförmig mit Conchen gedeckt , und könnten füglich Exeder genannt
werden ; die beiden mittleren haben dagegen Tonnengewölbe zur Decke und der östlichen schliesst sich noch ein Halbkreis , aus der
Umfassung vortretend und mit einer Conclie gedeckt , an , die gewöhnliche Apsis bildend .
sekenhaiien . Alle diese Räume zusammengenommen bilden das Schiff , Naos , den eigentlichen Tempel , zwischen ihm und den äusseren Um¬
fassungen längs der Süd - und Nordseite erstrecken sich die beiden zweistöckigen Seitenhallen , deren jede in drei Abtheilungen zerfällt .
Als Stützen der Kuppelbogen stehen nämlich in den Ecken des mittleren Quadrats vier mächtige Hauptpfeiler , und hinter diesen nach
Süden und Norden in den Umfassungen vier Strebepfeiler , mit den crsteren durch Bogen verbunden ; diese Constructionen bewirken
die Dreitheilung der Hallen , deren Theile jedoch vermöge der eben erwähnten Verbindungsbogen im Zusammenhänge sind . Gegen Osten
und Westen , neben den mittleren Nischen und an die äusseren Umfassungen sich anschliessend , erheben sich noch vier Nebenpfeiler ,
welche sowohl den Tonnengewölben der mittleren Nischen als auch zum Theil den grossen Halbkuppeln und den Conchen der Exeder
zur Stütze dienen und mit kleinen , von Süd nach Nord laufenden Bogengängen , durchbrochen sind . Die vier Haupt - und diese vier
Nebenpfeiler tragen das ganze Gewölbe des Schiffes nebst der Kuppel und noch einen Theil der Gewölbe der Hallen .
Die Seitenhallen sind zwischen den Pfeilern nach dem Schiff zu durch Säulenstellungen mit Bogen geöffnet . In jeder Exeder -
wand stehen unten zwei grosse Säulen mit drei Bogen , und darüber sechs kleinere mit sieben Bogen ; jede der beiden mittleren Abthei¬
lungen ist unten vom Schiffe durch vier mächtige Säulen mit fünf Bogen getrennt , über denen sich sechs kleinere , durch sieben Bogen
verbunden , erheben . Auf diesen Säulen ruht eine Fensteinvand , welche über dem nur bis zumFusse der Kuppelbogen reichenden Dache
der Seitenhalle die Oeffnung eben dieser Bogen sowohl gegen Süden als gegen Norden abschliesst . Jede Abtheilung der Hallen hat im
Innern des Raumes vier freistehende Gewölbestützen ; die acht , den östlichen und westlichen Umfassungen zunächst stehenden , sind
viereckige Pilaster , die übrigen runde Säulen .
GvnleTeum . Den oberen Stock der Seitenhallen nimmt das Frauenchor , Gynaeceum , auch Catechumenium genannt , ein ; dasselbe erstreckt
sich aber auch über den Narthex , welcher zweistöckig ist , und die beiden getrennten Seitentheile in Verbindung setzt . Die Abtheilungen
des Frauenchores entsprechen in ihrer Form und ihren Stützen genau denen der unteren Hallen ; der grösseren Säulenzahl in den
Oeffnungen gegen das Schiff zu ist schon Erwähnung gethan und nur noch anzumerken , dass hier die vier Hauptpfeiler mit Bogen¬
öffnungen durchbrochen sind , die unten nicht Vorkommen . Der Raum über dem Narthex öffnet sich nach dem Schiff zu in drei grossen
Bogen , zwischen denen je zwei gekuppelte Säulen stehen ; über diesen Bogen erhebt sich ein grosses Halbkreisfenster , das Tonnengewölbe
der mittleren westlichen Nische des Schiffes abschliessend . Alle Oeffnungen gegen das Schiff hin sind mit Marmorbrüstungen versehen .
Alle Räume sind gewölbt , und ausser den Pfeilern und Umfassungen stützen diese Gewölbe im unteren Theile vierzig Säulen
und acht freie Pilaster , im oberen sechzig Säulen , die gekuppelten in der Wand der Narthexseite nicht mitgerechnet , also in Summa
hundert Marmorsäulen ; vielleicht ist diese Zahl Veranlassung zur Anordnung der acht unteren Pilaster gewesen .
Fenster in grosser Zahl sind in den Umfassungen rings umher angebracht , auch die Kuppelgewölbe sind damit versehen ; das der
Hauptkuppel enthält sogar vierzig am unteren Kranze , so dass von allen Seiten Licht in die Kirche strömt , und die Marmorbeklei¬
dungen der Wände so wie der Mosaikschmuck der Gewölbe im hellen Glanze strahlen .
Der Gesammteindruck , den dieser vielgegliederte Bau auf den Eintretenden macht , ist der der Grösse , der Erhabenheit , der Pracht ;
die Raumentfaltung ist überraschend : zuerst eilt der Blick über das weite Schiff , dringt tief in die Seitenhallen und das Gynaeceum und
erhebt sich dann , von Bogen zu Bogen steigend , bis zum erhabenen Dom , dessen ehemaliges Scheitelbild , über 30 Fuss Durchmesser
haltend , schon von der Schwelle der Mittelthür aus ganz sichtbar war . Jeder Schritt vorwärts eröffnet neue Seitenblicke , und die Fülle
von glänzendem Material so wie die Harmonie der Verhältnisse erwecken in dem Beschauer die Empfindungen von Wohlbehagen und
Befriedigung ; denkt man sich nun noch die ehemalige reiche Ausstattung des Bema , der Solea und des Ambo , so wie den Glanz von
Edelsteinen und Metallen an Gefässen und Geräthen , die reichen Gewänder und das Heer von Ampeln und Candelabern hinzu , so ist das
Entzücken der alten Schriftsteller bei Beschreibung der Schönheiten der Sophia sehr begreiflich .
Nebenhauten Von den vielen An - und Nebenbauten der Sophienkirche , theils gleichzeitig mit derselben , theils in späteren Zeiten errichtet ,
sind nur wenige in ihrer ursprünglichen Form erhalten ; mehrere sind ganz verschwunden , und ein grosser Theil ist durch die Bauten der
Türken so verändert , dass das Ursprüngliche sich schwTer erkennen lässt . Wie schon erwähnt , haben die Aufführungen der Minarehs so
wie der ohne Wahl und Geschick angelegten Strebemassen viele Theile des Gebäudes verdunkelt . Diese Strebemassen sind gewaltige ,
dossirte Werksteinpfeiler , weiche sich wie Berge an die äusseren Umfassungen anlegen , wo nur ein Raum zwischen den Fenstern vor¬
handen war , und zuw Tcilen ist gar ein Theil der Fenster selbst verbaut . In dem Grundrisse Blatt VI . ist die Lage dieser Pfeiler in Con -
touren angegeben , auch die der Minarehs angedeutet ,
ae? “ x. Zunächst befinden sich an dem Nord - und Südende des Narthex hohe und lange , mit Tonnengewölben gedeckte Vorhallen , die
noch aus Byzantinischer Zeit stammen . In der ersten steigt man vom äusseren Terrain auf vierzehn Stufen zum Planum des Narthex
hinab ; der äussere Eingang ist von den Türken umgebaut , daher dessen Ansicht auf Blatt XIII . Conjectur . Die letztere möchte wolil
diejenige sein , welche von Hammer 98 ) als Vorhalle der Krieger bezeichnet , und von der Nicetas erwähnt , dass der Erzengel Michael , mit
gezogenem Schwerte Wache haltend , in derselben musivisch dargestellt war . Wenn der Kaiser im feierlichen Zuge vom Palaste oder von
der Triumphstrasse aus durch das Augusteum sich zur Kirche begab , so war es diese gegen Süden , gegen das Augusteum gewendete
Vorhalle , welche den Weg zum Narthex und zu der Königsthür eröffnete . Vor dem Eintritt in das Gotteshaus mussten die Waffen
abgelegt werden . 94 ) wozu eben diese Vorhalle geeignet war , in welche . r denn auch e.in Theil der stets den Kaiser begleitenden Krieger 9 ' ’)
18

als Wache Zurückbleiben mochte ; ein kleines noch vorhandenes Seitengemach konnte zur Aufbewahrung der Waffen dienen , und die
Bronze Thür zwischen dieser Vorhalle und dem Narthex mit der Inschrift : MIXAHA NlKHTGJN , ist vielleicht nicht ohne Beziehung auf diese
-

Bestimmung der Halle . Das Gewölbe schien noch Mosaikreste zu enthalten , doch habe ich dieselben nicht aufgedeckt gesehen .
JÄJw . Dicht neben diesen beiden Vorhallen , ostwärts , liegen zwei Aufgänge zum Frauenchor mit geneigten Ebenen in mehrfachen
Windungen , nur in den obersten Theilen befinden sich einige Stufen . Der nördliche ist von der Vorhalle , der südliche dagegen von
einem kleinen Verbindungsgange neben dem Baptisterium aus zugänglich . Westwärts von den Hallen in den Winkeln , welche dieselben mit
den Portiken des Atriums bilden , erheben sich die beiden von Amuratli III . erbauten Minarehs ; bei dem südlichen derselben befinden sich
verschiedene Anbauten , in denen Byzantinisches und Türkisches so unter einander gemengt ist , dass sich die ursprüngliche Form nicht
mehr erkennen lässt ; es sind daher in der Ansicht Blatt XII . sowohl der untere Theil des Minarehs bis zum Dache des Narthex , als die
daran liegenden Räume mitgezeichnet .
In der Höhe des Frauenchores haben die südliche Vorhalle , der Aufgang daneben , so wie die Anbauten des Minarehs , ein zweites
Geschoss von mehreren zusammenhängenden Räumen Blatt VII , deren Bestimmung unbekannt ist . Die Wände der beiden grösseren
( .)

Räume sind mit Marmor bekleidet und die gewölbten Decken mit Mosaik verziert ; in dem südlichen Rundbogenfenster des Raumes über
der Treppe kommen Theilungen von Pfeilern mit Spitzbogen vor .
Den eben beschriebenen Aufgängen zum Frauenchor entsprechen zwei ähnliche an den östlichen Ecken der Kirche , von denen
jedoch nur einer erhalten ist ; die Stelle des anderen nimmt der Steinkoloss ein , welcher , zur Stützung der Südostecke aufgeführt , dem
von Mahomed . erbauten Minareh als Grundlage dient . Auf Blatt XIII . und XIV . ist dieser Aufgang dem nördlichen gleich restaurirt ,
II

ausserdem auf Blatt XIII . der nördliche Aufgang zum Theil durchschnitten und abgebrochen dargestellt , um sowohl die innere Einrichtung
als das Dahinterliegende zeigen zu können .
Zu der östlichen Thür des noch vorhandenen Aufganges von dem hochgelegenen Terrain eintretend , wendet man sich sogleich
rechts zu den aufsteigenden Rampen , kann aber auch geradeaus abwärts , dann links durch eine Vorhalle zum inneren Kirchenraum
gelangen , rechts aber wieder eine Treppe hinaufsteigen , die zu dem später zu erklärenden Rundbau führt . Die unterwölbten geneigten
Ebenen oder Rampen liegen um eine Art Lichthof , der von unten bis oben ohne Unterbrechung fortgeht , jedoch sein Licht nur über die
Rampen hin erhält und oben abgedeckt ist . Es scheint , als wenn dieser Aufgang früher noch höher aufgeführt war , als das jetzige Dach
liegt ; denn ein Theil der westlichen Umfassungsmaüer desselben reicht noch etwa 4Fuss über das Dach hinaus und zeigt Reste von einer
Fensteranlage . Ob diese Aufgänge für die von Andronicus Palaeologus im XIV . Jahrhundert aufgeführten , von Nicephorus Gregoras
Pyramiden genannten Verstärkungsbauten zu nehmen sind , lasse ich dahingestellt sein .
Alle diese Aufgänge erscheinen zu sehr als Anbauten , um sie dem ursprünglichen Plane beizählen zu können ; die Treppen zum
Frauenchore mögen zuerst in den vier Strebepfeilern hinter den Hauptpfeilern der Kuppel in der nördlichen und südlichen Umfassung
gelegen haben , in deren Aufbau noch jetzt Treppen vom Frauenchore bis zur Basis der Kuppel hinaufführen Blatt VII und VIII , und erst
( . .)

bei Verstärkung der Kuppel Widerlager mag mit denselben eine Veränderung vorgenommen worden sein . In dem zweiten , östlichen , Pfeiler
der Südseite habe ich noch einen Theil dieser Treppen , vom Frauenchor abwärts führend , vorgefunden , obgleich jetzt unter demselben ein
Gewölbe angebracht ist Blatt VI . In dem ersten Pfeiler dieser Südseite ist das unten befindliche Gewölbe , von welchem eine Thür nach
( .)

dem davor liegenden Anbau führt , mit Mosaik geschmückt , und darüber im Frauenchor hat die höher führende Treppe einem Durchgänge
zum zweiten Stocke des Anbaues weichen müssen , jedoch ist namentlich letzteres sehr wohl als eine spätere Umänderung erkennbar .
„ dersecritarium . Zwischen den beiden Aufgängen der Ostseite zeigen sich noch Reste einer Reihe einstöckiger gewölbter Räume , deren Dächer
etwa bis zu den unteren Apsisfenstern gereicht haben ; den Aufgängen zunächst liegen zwei Vorhallen , von denen Thüren in das Innere
der Kirche führen . Die eine , und zwar die südliche derselben , diente vielleicht früher dem Kaiser als Eingangshalle , wenn er nicht im
festlichen Aufzuge zur Kirche ging , da sie zu dem Theile der unteren südlichen Seitenhallen des Schiffes führt , in welchem nach Paulus
Silentiarius ) der besonders abgeschlossene Sitz des Kaisers stand , und der Kaiser das Vorlesen der heiligen Bücher mit anzuhören pflegte .
9G

Jede Seitenwand der vorderen Abtheilung ist mit drei Säulen geschmückt , deren erste , an jeder Seite , aus Porphyr besteht und ein mit
Tauben , auf einem Korbe sitzend , verziertes Marmor Capitäl trägt Blatt XX . Fig . . Diese Säulen gingen ohne Zweifel aus einer Byzan¬
- ( 1 .)

tinischen Werkstätte hervor , obgleich das Gewölbe darüber , namentlich der Eingangsbogen , türkischen Ursprungs zu sein scheint . Sieben
Stufen führen in dieser Halle zur Kirche hinab . Die zweite nördliche Vorhalle ist bei der neuesten Restauration während meiner An¬
wesenheit abgebrochen , um einem neuen , mehr geschmückten Eingänge Platz zu machen , der zu einer erhöhten , reich umschlossenen
Loge für den Grossherrn in der nördlichen Seitenhalle des Schiffes nahe dem ehemaligen Bema führt . Die offene Bogenhalle vor dieser
nördlichen Vorhalle war türkischen Ursprungs , und das Minareh daneben ist vom Sultan Selim . erbaut .
II

Die übrigen Räume zwischen diesen beiden Vorhallen sind jetzt ganz mit Werkstein Mauerwerk ausgefüllt , wahrscheinlich zur Ver¬
-

stärkung der unteren Gebäudetheile , und über denselben erheben sich noch gewaltige Strebepfeiler und Strebebogen zur Stützung der oberen
Gebäudetheile ; nur aus den mit Blei abgedeckten Satteldächern , deren Kehlen das Regenwasser vermittelst Gussrinnen durch die vor
dem Ganzen aufgeführte Mauer ableiten , lassen sich noch die ehemaligen Raumabtheilungen vermuthen . Thüren , zwei von den Vorhallen ,
eben so viele von der Kirche aus , alle vier jetzt zugemauert , deuten auf frühere Verbindungen mit diesen Räumen , welche man , aller
Wahrscheinlichkeit nach , als das bei den Byzantinischen Schriftstellern mehrfach genannte grosse Diaconicum oder Secretarium annehmen
darf. Dasselbe enthielt nämlich eine Reihe von Gemächern zu verschiedenen Zwecken . Es wurden daselbst die priesterlichen Gewänder
und heiligen Geräthe aufbewahrt ; der Kaiser hatte darin Gemächer zum Aufenthalte und zum Ausruhen vor und nach dem Gottesdienste ,
der Patriarch einen Raum , die Begrüssungen und Ansprachen der Gläubigen vor der heiligen Handlung entgegenzunehmen , daher die
Namen vestiarium , metatorium , salutatorium . Die Diakonen hielten dort Berathungen über kirchliche Angelegenheiten , Synoden wurden
daselbst abgehalten , und sogar straffällige Geistliche büssten in diesen Räumen durch Gefangenschaft ihre Vergehen . Auch der Aedituus
oder Kirehenaufseher hatte daselbst seine Wohnung ) Auf Blatt XIV . ist eine Restauration der äusseren Ansicht dieser Gemächer , den
. 97

Dächern folgend und der Ansicht der Westseite entsprechend , versucht worden .
Sccuophyiacium . Unter den Nebenräumen der Sophienkirche wird ein besonderes Gebäude mit der Benennung Sceuophylacium erwähnt 98) in,

welchem die heiligen Geschirre , sacra vasa , aufbewahrt wurden ; daselbst standen auch die Prachtbahren für die Begräbniss Feierliclikeiten
-

der Vornehmen , unter denen die des Studios und Stephanos , als Geschenke von diesen Männern , so wie eine noch prächtigere , ganz
mit Gold bekleidete , besonders hervorgehoben werden . Für eine derartige Verwendung erscheint der an der Nordjvesjfecke der Kirche
abgesondert gelegene Rundbau ganz geeignet zu sein . Er ist mit einer Kuppel überwölbt , im Innern durch einen hölzernen Fussboden in
zwei Stockwerke getheilt , hatte keine Fenster , wahrscheinlich zur Sicherung gegen Einbruch und Feuer , sondern oben sowohl wie unten
zwölf Wandnischen , deren eine unten die Thür enthielt , und stand vermittelst einer schon früher erwähnten Treppe und der jetzt
abgebrochenen Vorhalle mit der Sakristei und der Kirche in Verbindung . Den Anfang der Treppe überdeckte eine offene Halle . Jetzt
dient dieses Gebäude als Magazin von Speisevorrätlien der daneben liegenden Armenküche imareli ) und hat demgemäss Veränderungen
(

erlitten : Fenster sind eingebrochen und die Thür ist verlegt . Für meine Aufnahme und Untersuchung desselben war nur ein kurzer
Zeitraum gestattet , jedoch ausreichend , um die Ueberzeugung zu gewinnen , dass es nicht als Baptisterium gedient haben kann , wie in
neuerer Zeit mehrfach angenommen worden , und dass es nicht achteckig ist , wie Grelot es in seinem Plane gezeichnet hat : jedocli
könnte es zugleich als Schatzhaus gedient haben .
19

. Das ehemalige Baptisterium , unten , im äusseren Contour , vierseitig , im Innern aclitseitig mit vier Nischen über Kreuz , oben
Baptisterium

auch im Aeussern achteckig und ursprünglich mit acht Fenstern , überwölbt mit einer Kuppel ohne abgetrennte Zwickel , gen Osten mit einer
Apsisnische , gen Westen mit einem Narthex versehen , liegt dem Sceuophylaciuin diametral gegenüber an der Südwestecke der Kirche Blatt VI . (

VII . XI XII . Aus den Aeusserungen des Codinus ) und Anonymus bei Banduri geht nämlich hervor , dass das Baptisterium in der Nähe
. .) "

des Narthex stand ; letzterer sagt ausserdem , dass es früher Oratorium Johannis des Täufers genannt und von Justinian eher , als die
Sophienkirche , in der Nähe des Horologiuins erbaut worden sei ) Horologium und Milion lagen aber , wie schon früher erwähnt , im
; 100

Augusteum , also an der Südseite der Sophia . Auffallend ist der rechteckige Schluss der Apsisnische im Aeussern , abweichend von den
übrigen Kirchen Constantinopels , überhaupt die Form , welche auf eine der Sophienkirche vorhergehende Bauperiode hinzudeuten scheint ,
so wie die etwas gekünstelte Verbindung mit der Kirche . Denn ausser dem westlichen Eingänge hatte das Gebäude eine jetzt zugemauerte
nördliche Thür , welche in eine Halle und von da in einen kleinen Hof führte . Die grosse Bogenöffnung der Flalle nach dem Hofe zu war
mit einer Säulenarchitektur ausgebaut , zwischen der sich eine Thür und ein Fensterverschluss befanden ; die Thüreinfassung und die Säulen
sind noch vorhanden Blatt XVIII , Fig — 13 , das Sprosswerk der Fenster ist aber verschwunden . Am Ostende der Halle führte eine
( . . 9 .)

jetzt zugemauerte Bogenöffnung in den Anbau des ersten Strebepfeilers der Kirchenumfassung , welcher mit dem Durchgänge eben dieses
Strebepfeilers nach der Kirche zu in Verbindung stand . Die innere Eintlieilung des Anbaues auf Blatt VI . ist nicht zu ebener Erde , son¬
dern auf einem höher gelegenen Fussboden gemessen , zu welchem eine neuerdings angelegte Treppe von dem Durchgänge des Pfeilers
aus hinaufführt und unter welchem die vorbezeichnete Verbindung lag , zu der ich nicht gelangen konnte . Früher scheint dieser Zwischen¬
.

boden mit dem zweiten Stockwerk der Halle vide Blatt XI ) und weiter mit dem Aufgange der Südwestecke verbunden gewesen zu sein ;
( .

jetzt ist diese Passage nicht zugänglich . Von dem Zwischenboden aufwärts ist die Treppe alt bis in der Höhe des Frauenchores . Hier befin¬
det sich in diesem Anbaue eine kleine , mit einem Kuppelgewölbe im viereckigen Raume gedeckte Capelle Blatt VII . Die vier Zwickel ( .)

des Gewölbes zieren Engelsgestalten in schlechter musivischer Arbeit , welche mit ihren erhobenen Händen gleichsam die Calotte der
Kuppel tragen . Früher hatte die Capelle kein Licht ; bei der letzten Restauration ist in der Mitte der Calotte eine Lichtöffnung einge¬
brochen und in der Dachfläche mit Glas eingedeckt . Eine Verbindung der Capelle mit dem Frauenchor durch die Umfassungsmauer der
Kirche ist offenbar später , wahrscheinlich von den Türken , eingebrochen und demnächst wieder vermauert worden ; bei dem Forträumen
der Vermauerung fand man in der Leibung rohe Bruchflächen ohne Putz . Diese Capelle gilt in den Traditionen Constantinopels für die¬
jenige , in welcher der messelesende Priester bei dem Eindringen der Türken in die Sophienkirche hinter den sich dann von selbst schliessen -
den Mauern verschwunden sein soll , und aus welcher derselbe einst bei der Zurückeroberung Constantinopels durch die Christen wieder hervor¬
gehen wird , um das heilige Amt fortzusetzen . Als inan bei der letzten Restauration die Zugänge öffnete fand man sie ganz mit Bauschutt gefüllt .
,

Das Baptisterium war von den Türken in ein Oelmagazin behufs der Erleuchtung der Sophienkirche umgewandelt , und wurde
bei dem plötzlichen Tode des Sultans Mustafa . zu dessen Turbe oder Grabmal eingerichtet
I ) später wurde auch seines Bruders Sohn ,
; 101

Sultan Ibrahim , darin beigesetzt . Als Grabmal dieser Sultane dient es noch , und eben dieser Umstand erschwert den Eintritt in dasselbe ,
weshalb seine Existenz bisher unbekannt geblieben sein mag , wie denn auch zu meiner Untersuchung nur wenig Zeit gestattet war . Die
übrigen Turbe türkischer Sultane an der Südseite der Sophia sind alle türkischen Ursprungs . Das Oelmagazin ist jetzt in die Halle und
den Hof an der Nordseite des Baptisteriums verlegt .
. Hier möchte noch zu erwähnen sein , dass der ganze westliche Theil des Fussbodens der Sophienkirche unterwölbt zu sein scheint
cistemen

und eine weitläuftige Cisterne enthält , deren Wasser man bei dem letzten Baue vermittelst einer kreisrunden Oeffnung im Fussboden der
südlichen Seitenhalle in Blatt VI . punktirt angegeben ) zwischen dem ersten Haupt - und Strebepfeiler , von Westen ab gerechnet , schöpfte ;
(

eine zweite derartige Oeffnung befindet sich im Schiffe nahe dem nordwestlichen Exeder . Das hochstehende Wasser und der Mangel eines
Zuganges ausser diesen beiden Löchern verhinderten eine nähere Untersuchung der Cisterne .
. Es sind nun noch zwei Anbauten Byzantinischen Ursprungs , genau in der Mitte der nördlichen und südlichen Umfassung , anzu¬
Stützpfeiler

führen , welche , nach der Stärke des Mauerwerkes zu schliessen , vorzugsweise zu Stützpfeilern der wandelbaren Umfassungen bestimmt
waren ; der südliche ist in diesem Sinne durch türkisches Mauerwerk verlängert . In der Mitte eines jeden befindet sich ein Gang , wahr¬
scheinlich um die unten belegenen Thüren sowohl , als die Fenster darüber , nutzbar zu erhalten in dem nördlichen war das Sprossenwerk (

eines Fensters , früher der Kirchenumfassung angehörend , noch vorhanden , weshalb auch der nördliche im oberen Tlieile ein grosses
)

Fenster hat ; Reste von Treppenanlagen und Seitenverbindungen finden sich ebenfalls im nördlichen Anbau vor . Da diese Anbauten als sehr
späte Zuthaten und vielleicht nothwendige Uebelstände erscheinen , so sind sie nur in Contouren auf Blatt VI . und X . angedeutet .
Wohl weisen noch Mauerreste auf andere bauliche Anlagen längs der Süd - und Nordseite der Kirche hin ; sie gewähren aber zu
wenig Anhalt für einigermassen begründete Folgerungen .
Baumaterial .
Als Hauptmaterial dieses Baues sind Backstein und Werkstein , eine Art Peperino , in Anwendung gekommen , der letztere bei den¬
jenigen Constructionstheilen , welche einem grossen Drucke zu widerstehen haben , nämlich bei den vier Hauptpfeilern der Kuppel , den vier
Nebenpfeilern und den Pfeilern der Gurtbogen in den Seitenhallen und dem Gynaeceum zwischen den Haupt - und Strebepfeilern . Auch
geht eine 2 Fuss hohe horizontale Schicht dieser Steine , etwa 4 Fuss hoch über dem Fussboden anfangend , rund um den ganzen Bau .
Die Umfassungsmauern und Gewölbe des ursprünglichen Baues bestehen durchweg aus Backstein , bei den späteren Anbauten
findet man abwechselnde Schichten von Backstein und Bruchstein , und die türkischen Verstärkungen sind durchschnittlich aus Werk¬
stein aufgeführt .
Die Backsteine sind gewöhnlich 14 Zoll lang und 2 Zoll stark . Gewölbsteine , aus dem Abbruche der östlichen Vorhalle erfolgt ,
welche ich genauer messen konnte , hatten eine quadratische Form von 14 Zoll Seite und 2 Zoll Dicke , auf der einen Fläche ein : fjj Zeichen ,
wahrscheinlich mit drei Fingern von der Hand des Formers gemacht , ausserdem folgende , mit einem viereckigen Stempel aufgedrückte
+ lcYPieBo
Inschrift : ein anderer hatte die Inschrift : ein dritter nicht aus diesem
+ Gewölbe ,
H € r ~r aber von gleichen Dimensionen
, : HercbHzn ;
+ KOCT € KKA ^
AN THH HOINÄZS

das ) am Ende der ersten Zeile ist jedoch wegen Undeutlichkeit des Abdruckes nicht ganz sicher .
(

Im unteren Tlieile der Hauptkuppel sind die Backsteine 27 Zoll lang , 9 Zoll breit und 2 Zoll dick , auch scheinen deren von
27 Zoll im Quadrat vorzukommen ; da im oberen Theile der Kuppel die Gewölbdicke nur 24 Zoll beträgt in der Büchse für die Lampen - (

ketten gemessen , so können die Gewölbsteine hier nicht wohl länger sein . Von den leichten , in Rhodos gefertigten Ziegeln , deren der
)

Anonymus und andere späte Schriftsteller erwähnen , war keine Spur zu finden , alle bis zum Scheitel der Kuppel von mir untersuchte
Steine bestanden aus gewöhnlicher Ziegelerde , waren aber gut gebrannt , Nur in den Zwickeln oder Pendentifs unter der Kuppel ist als
Füllmittel ein leichtes weissliches Sintermaterial mit Pflanzenabdrücken gefunden worden , das aber nicht geformt war .
Der Mörtel hat eine röthliche Farbe und scheint mit Zusatz von Ziegelmehl bereitet zu sein ; die Mörtelfugen sind 1 bis 2 Zoll stark .
Zu den Gesimsen , Säulencapitälen und Basen , verschiedenen Säulenschaften und den Fensterstöcken ist Marmor von der Insel
Procomiesus jetzt , Marmora ) in der Propontis jetzt Marmora Meer ) verwendet ; er hat eine weissliche Farbe , mitunter lichtgraublau
( ( -

schattirt , ähnlich dem sogenannten Architektur Marmor zu Carrara . Sehr viele Säulenschafte und die inneren Wandbekleidungen sind
-

von verschiedenen kostbaren Marmorsorten und Porphyren , von denen später die Rede sein wird . io
20

In den Grundrissen ist das Material durch verschiedene Töne der Sehraftirung ausgedriiekt : der dunkelste Ton gieht den Marmor ,
der etwas hellere den Werkstein und ein noch lichterer das Backstein Mauerwerk an ; hei letzterem sind die, Anbauten am hellsten be¬
-

halten , und die türkischen Bauwerke sind durch eine Strichlage in entgegengesetzter Richtung angedeutet .
.

Construction .

Umfassungsmauern . Die etwa 70 Fuss hohen Umfassungen haben oben wie unten an der Nord - und Südseite eine Stärke von etwa 3 Fuss
0 Zoll , an der Ostseite von 4 Fuss G Zoll und an der Westseite zwischen Schiff und Narthex von 5 Fuss ; bis auf Zolle genau waren die
Dimensionen wegen der inneren Marmorverkleidungen nicht zu bestimmen . Jedoch gilt dieses eigentlich nur von den Schildmauern in
den Bogenöffnungen der Gewölbe ; denn da , wo Gurtbogen sich gegen die Umfassungen leimen , sind nach innen Pfeiler vorgelegt , die
durcligeliends incl . Umfassungsmauer eine Widerlagsstärke von 7 Fuss bieten . In der Regel gehen die grossen Gewölbbogen des Innern
durch die Umfassung bis an deren Aussenfläche . Alle Fenster - und Thüröffnungen sind im Halbkreis überwölbt , und erst nach Vollendung
des Mauerwerkes wurden die Fensterstöcke und Thüreinfassungen von Marmor in diese Ocffnungen eingefügt .
Höchst interessant sind die Gewölbe Constructionen und die scharfsinnige Anordnung der Stützflächen und Widerlager in Bezug
-

auf möglichst freie Raumentwickelung .


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agb ° gcn ^
^n Uiid Die Hauptkuppel scheint , wie schon erwähnt , beim ersten Anblick auf vier 100 Fuss weiten Tragbogen zu ruhen ;
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dies ist jedoch nur bei den nach Osten und Westen den Raum öffnenden Bogen wahr ; bei den beiden anderen verhält sich die Sache
anders , wie später gezeigt wird . Von Süd nach Nord stehen die Hauptpfeiler 106 Fuss weit auseinander und haben in eben dieser Rich¬
tung 15 Fuss 8 Zoll Stärke ; durch 3 Fuss starke Vorsprünge , auf welche der östliche und westliche Tragbogen aufsetzen , ist diese Ent¬
fernung bis auf 100 Fuss , die Spannweite der Bogen , eingeschränkt und den Bogen zunächst ein Widerlager von 18 Fuss 8 Zoll gewährt .
Hinter jedem Hauptpfeiler in 29 ' Fuss Entfernung nach der eben bezeichneten Richtung steht ein Strebepfeiler von 17 Fuss 4 Zoll Stärke
2

bis zur Aussenfläche der Umfassungen und 24 ^ Fuss Länge , welcher jedoch mit Gängen und Treppen durchbrochen ist ; Tonnengewölbe ,
sowohl unter dem Fussboden des Frauenchores , als in dessen Decke liegend , von etwa 4 Fuss Bogenstärke , verbinden diese Pfeiler , um
den Gewölbeschub vom Hauptpfeiler auf den Strebepfeiler zu übertragen . Ursprünglich scheinen die letzteren nur bis zum Dache des
Frauenchores , also beiläufig bis zum Fusse der grossen Bogen , gereicht zu haben ; denn Cedrenus ) erzählt , dass Justinian bei Wieder¬
102

herstellung der eingestürzten Kuppel in der Gegend der Hauptpfeiler ausserhalb des Gebäudes , also über den Dächern des Frauenchores ,
vier Treppen , cochleas , bis zur Kuppel reichend , aufgeführt habe , um die Bogen und Gewölbe zu stützen ; auch Tlieoplianes m ) spricht
von neuen Pfeilern , die Justinian zur Stützung der Kuppel aufgeführt habe . Der von Procopius ) angeführte Umstand , dass bei der ersten
104

Aufführung des östlichen Tragbogens die Pfeiler plötzlich gefährliche Risse gezeigt haben und nur durch den beschleunigten Schluss des
Bogens dem Ruine vorgebeugt sei , so wie der später erfolgte Einsturz eben dieses Bogens mit einem Theile der Kuppel , scheinen gleich¬
falls darauf hinzudeuten , dass die ersten Widerlager bei deren Höhe und der Last der Kuppel auf den Bogen nicht ausreichend waren .
Demzufolge sind die beiden Strebemauern , welche jeden Hauptpfeiler über den Frauenchor Dächern gegen seinen höher aufgeführten
-

Strebepfeiler abstützen , über den Dächern auf zwei Druckbogen von verschiedenen Halbmessern ruhen , um die darunter befindlichen
Gewölbe nicht zu helasten , und unter sich durch zwei Tonnengewölbe , eines an den oberen Enden , das andere ungefähr in der Mitte der
Höhe , verbunden sind , ebenfalls noch von Justinian erbaut . Sie reichen bis zu 18 Fuss unter der Kuppelbasis und bilden mit den die Trep¬
pen enthaltenden Strebepfeilern zusammen die am Aeussern des Gebäudes weit vortretenden vier Strebemassen , welche liotliwendig sein
mochten , aber dem äusseren Anselm sehr schaden . Ob die vier Strebebogen , welche von den oberen Enden der Strebemauern unter
halben rechten Winkeln nach den Stirnen der zunächst liegenden Tragbogen abgehen und die Mauerwinkel mit konischen Gewölben fül¬
len , ebenfalls aus der Justinianischen Zeit stammen , scheint zweifelhaft ; es waren von diesen Bogen aus noch Strebemauern höher hin¬
auf gegen das Kuppelgewölbe geführt , welche jedoch hei der letzten Restauration für unnütz erkannt und fortgenommen wurden .
Unter jedem der schon erwähnten acht Tonnengewölbe , welche die Haupt Teiler mit den Strebepfeilern in den Seitenhallen und
]

dem Frauenchore verbinden , befinden sich noch zwei Gurtbogen , welche auf 5 Fuss weit vorspringenden Werksteinpfeilern ruhen , die
nachträglich angebracht sind ; denn diese Stützen sind ohne Verband gegen die daran liegenden Hauptpfeiler gesetzt , und aus der Beschrei¬
bung des Paulus Silentiarius ) geht hervor , dass früher Säulen an deren Stelle standen . Uebrigens sind diese Tonnengewölbe nebst den
105

Gurtbogen fast alle deformirt und nach aussen gedrängt , und die Ausweichung der beiden nördlichen Hauptpfeiler beträgt bis zum Kämpfer¬
gesimse 14 bis 15 Zoll ; alles wahrscheinlich Folgen der Erdbeben .
'rragbogen Nord pq e Anordnung des südlichen , so wie des nördlichen Tragbogens der Kuppel wird die nachstehende Zeichnung deut¬
^nacii ^süd ^und

lich machen , welche einen Theil der Südseite des Schiffes in der Ansicht ohne Mosaikbekleidung und im Grundriss darstellt .
Die Hauptpfeiler stehen von Ost nach West nur 72 Fuss weit auseinander , folglich hat jeder Tragbogen in dieser Richtung auch
nur 72 Fuss Spannung bei 15 Fuss 8 Zoll Länge in der Axe . Der Bogen selbst ist 4 Steine oder 5 Fuss stark , in zwei gleichen Ringen
ohne Verband unter sich gewölbt , und dessen Fuss , an jeder Seite ein Achtel des Halbkreises betragend , in horizontalen an den Enden
verhauenen Ziegelschichten aufgeführt , so dass die eigentliche Wölbung nur drei Viertel des Halbkreises beträgt . Die unter diesem Bogen
stehende 4 Fuss starke Fensterwand ist nach innen mit demselben bündig und mit dessen horizontalen Schichten in Verband aufgeführt ;
allein die Bewegungen des Bogens haben eine Trennung dieses Verbandes veranlasst , wie in der nachstehenden Zeichnung angedeutet
worden . Procopius erzählt , 100 ) dass diese Wand , gleichzeitig mit dem Bogen aufgeführt , hei dessen Schlüsse Druck empfangen habe , und
dass von den die Wand tragenden Säulen Splitter und Schilbern abgesprungen seien ; um der ferneren Beschädigung vorzubeugen , habe man
schnell den oberen Theil abgebrochen , und erst nachdem das Bogemnauerwerk ausgetrocknet gewesen oder vielmehr sich gesetzt hatte ,
( )

sei die Wand wieder vollständig aufgeführt worden . Allein trotz dem haben diese sowohl an der Süd - als an der Nordseite vom Fuss¬
boden des Schiffes bis unter die Bogenleibung 119 Fuss hohen vielfach durchbrochenen Wände in späterer Zeit , namentlich bei den Erschüt¬
terungen des Gebäudes durch Erdbeben , mannigfach gelitten , und es ist ein Wunder , dass sie noch stehen . Die nördliche ist in dem
oberen Theile zugleich mit dem Bogen um 29 Zoll nach Aussen gewichen , und , ihnen mehr Festigkeit zu geben , sind die in der Zeich¬
nung in ihrer ursprünglichen Form mit der doppelten Ueberwölbung dargestellten Fenster jetzt mit Werksteinen bis zu einer lichten
Weite von durchschnittlich \ Fuss und einer entsprechenden Höhe verengt worden .
3

Die Mauermassen über dem Scheitel der eben beschriebenen Tragbogen sind bis zum Fusse der Kuppel 12 Fuss 3 Zoll hoch , vor
denselben , nach Innen 3 Fuss vorspringend , liegen zwei Bogen , an der Süd - und an der Nordseite einer , welche auf die früher erwähn¬
ten Vorsprünge der Hauptpfeiler aufsetzen , 100 Fuss Spannung und mit dem östlichen und westlichen Tragbogen gleiche Pfeilhöhe und
Bogenstärke haben ; sie vervollständigen die Quadratform unter dem Fusskranze der Kuppel und erregen den Schein , als würde die Kup¬
pel von vier 100 Fuss weiten Bogen getragen , indem die eigentlichen Tragbogen der Süd - und Nordseitc in den Fensterwänden versteckt
liegen , auch in der Dekoration nicht hervorgehoben sind und nur im Aeussern des Gebäudes zur Erscheinung kommen .
Nach der Erzählung des Agatliias ) zu scliliessen , sind diese Bogen ein Zusatz , welchen Isidor der Jüngere bei der Wiederher¬
107

stellung der Kuppel unter Justinian anbrachte , obgleich man sich nicht vorstellcn kann , wie ohne dieselben früher eine quadratische
Basis des Kuppelkranzes vorhanden gewesen sei , wenn inan nicht gleichzeitig eine Verlängerung des östlichen und westlichen Bogens
nach der Mitte der Kuppel zu annimmt .
21

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10 5 30 40 no Fuss Preus'

. Die vier Hauptpfeiler sind sehr sorgfältig aus Schnittsteinen construirt , deren Fugen nach Procopius mit Blei vergossen wurden :
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Paulus Silent ) spricht dagegen von dem Pulver eines gebrannten Steines also eines Gementes , welches mit Wasser gemengt zur Ver¬
. 108 ( )

bindung der Steine angewendet worden sei , und erst später , bei der Construction des Fusskranzes der Kuppel , erwähnt er eines Ver -
giessens mit Blei . Ihre Höhe vom Fussboden des Schiffes bis einschliesslich des Kämpfergesimses am Anfänge der Wölbungen beträgt 73 Fuss .
und die Form ihres Grundrisses am oberen Ende giebt die vorstehende Zeichnung . Aus dieser geht hervor , dass sie den 72 Fuss weiten
Tragbogen zunächst ein Widerlager von 24 ° Fuss bieten , mit Hinzurechnung der Trapeze aber , welche den Gewölben der Exeder zum
Anschluss dienen , beträgt das Widerlager etwa 29 Fuss . Diese Trapeze sind jedoch in dem Stockwerk des Frauenchores vide Blatt VII ) ( .

nur durch Bogen und Säulen unterstützt , und über den Dächern der Exeder endigen sie mit einer besonderen Abdeckung .
Kuppeibasis. Die vier grossen Bogen unter dem Fusse der Kuppel scheinen ebenfalls 4 Steine oder 5 Fuss stark zu sein , was jedoch wegen der
Mosaikbekleidung nicht zu sehen war ; einschliesslich der Uebennauerung und des Fusskranzes der Kuppel ist die Stärke im Scheitel durch¬
schnittlich W Fuss ; sie sind nach einem um Fuss überhöhten Halbkreise aufgeführt und ihre Hintermauerung bildet im Aeussern die
viereckige Plattform der Kuppelbasis . Ihre Winkel füllen die Zwickel oder Pendentifs , welche , nach oben in einen 100 Fuss weiten
Kreis zusammenscliliessend , den Fusskranz der Kuppel tragen . Letzterer besteht aus Schnittsteineil , welche die obere Fläche , auf ha * (

die Kuppel fusset , abdecken und am inneren Rande etwa 9 Zoll vorspringen . In die Fugen dieser Abdeckungssteine sind , wie Paulus Silen -
tiarius erzählt ) Bleiplatten gelegt , und ausserdem wurden alle noch etwa vorhandenen Zwischenräume mit Blei ausgegossen , damit die
, 109

Steine eine nachgebende Bettung hätten und unter der Last der Kuppel nicht zerbrächen . Eine sehr notliwendige Vorsicht bei dem zwei¬
felsohne verschiedenen Setzen der Tragbogen und der Zwickel nebst ihrem Füllmauerwerk .
Kuppelgewölbe . Die über dem Fusskranze aufgeführte Kuppel besteht zunächst aus 40 , an der inneren Seite der Basis 3 Fuss 5 Zoll brei¬
ten , in der Richtung des Radius 8 ^ Fuss langen Pfeilern , die , von aussen sich verjüngend , im Mittel 15 Fuss hoch und durch Bogen
zusammengewölbt sind , welche die im Innern ^ Fuss weiten Fenster bilden . Im Aeussern springen diese Pfeiler vor und tragen jetzt
4

über den Fenstern Blechbogen ; wahrscheinlich befanden sich früher an deren Stelle Ziegelbogen , welche mit den Pfeilern einen lebendig
gekrönten Tambour der Kuppel gleichsam deren Fuss und Widerlager bildeten kleine postament älmliclie Aufsätze über den Pfeilern jedoch
, ; - ,

schon in der eigentlichen Kuppelwölbung liegend , deuten noch auf anderweitigen Schmuck . Die Pfeiler setzen sich im Innern des Ge¬
wölbes , das über den Fenstern in 29 Zoll Stärke anhebt , als Rippen fort , im Anfänge 6 Zoll vorspringend , allmälig abnehmend und bei
dem 37 ^ Fuss im Durchmesser grossen Mittelschilde sich ganz verlaufend . Im Scheitel ist die Kuppel nur 24 Zoll stark . In den Fenster¬
öffnungen befindet sich eine 5 Fuss hohe Brustmauer , die im Bogen abfallend bis an die Aussenfläclie der Pfeiler vortritt . Die inneren
Flächen am Fusse der Pfeiler sind 104 Fuss im Durchmesser von einander entfernt , so dass vor denselben ein
. Fuss breiter Gang auf
dem Fusskranzc bleibt , welcher nach Paulus Silent für den Lampenanzünder diente ; der höchste Punkt der Kuppel erhebt sich 46 ^ Fuss über
,

diesem Gange , die Wölbung ist demnach unter dem Halbkreise . Die erste Kuppel muss viel flacher gewesen sein : nach Agatliias wurde
die zweite enger und höher gemacht ; Tlieophanes giebt diese Erhöhung auf 20 und Zonaras mit Anderen auf 25 Fuss an ) Auf der . 110

Kuppel stand ein Kreuz ) Wie mancher harte Schlag diese ei unwürdige Wölbung im Verlauf von 13 Jahrhunderten getroffen , empfindet
. 111

man bei deren Betrachtung in unmittelbarer Nähe ; da zeigt sie nicht mehr eine regelmässige Form , sondern viele Ausbauchungen und
Verdrückungen , die freilich vom Boden aus gesehen verschwinden , und zugleich beweisen , wie standfest überhaupt ein Kuppelgewölbe
ist , wenn nur sein Unterbau feststellt .
^
HaH .fcuppctau cn | cm m Vorstehenden näher entwickelten Ilaupttlieile der Wölbung schliessen sich die übrigen Gewölbe an , welche den
N .sc-i. ) j

Raum des Schiffes erweitern und zugleich den Ilauptthcil mit stützen . Zunächst den Enden des Schiffes liegen die beiden 47 Fuss weiten
Tonnengewölbe , welchen die vier 15 3 Fuss starken ebenfalls von Schnittsteiiieii construirten Nebenpfeiler als Stütze und Widerlager die¬
2

nen . Ihnen folgen , zwischen den Haupt - und Nebcnpfcilern eingebaut , die vier 41 Fuss weiten halbkreisförmigen Nischen oder Exeder ,
deren laibkupp ein oder Concliengcwölbe sich tlieils auf die genannten Pfeiler , theils auf die im Halbkreis gestellten Mauern und Säulen
I

stützen . Ueber diesen Gewölben , theils auf ihnen , theils auf den Pfeilern ruhend , erheben sich dann die beiden grossen Halbkuppeln ,
welche den östlichen und westlichen Tragbogen der Kuppel sich anschliessen und dieselben von der Seite stützen .
li
22

Alle Iialbkuppeln , sowohl die beiden grossen als die Exeder , sind im Aeussern , älmlieli der Ilauptkuppel , mit Tambourn versehen ,
welche die Fenster enthalten und zugleich als Widerlager dienen ; die Conchen der Exeder haben in der vorderen Stirn , wo die grossen
Halbkuppeln aufsitzen , ohne Zweifel verstärkte Tragbogcn , um den Gewölbedruck auf die Haupt - und Nebenpfeiler zu leiten , worauf die
Formen dieser Pfeiler hindeuten . Diese Bogen kommen zugleich den Widerlagern der südlichen und nördlichen Tragbogen zu Hülfe ;
sie haben jedoch nicht ganz den Seitendruck gegen die Conchen der Exeder und dessen Wirkungen auf die darunter stehenden Saiden
hemmen können ; denn die oberen Säulen des südöstlichen Exeder waren so nach Aussen übergewichen , dass man sich veranlasst sah ,
sie bei der letzten Restauration gerade zu richten , was durch Absteifen der Bogen , Fortmeissein der alten Basen und Unterbringen neuer
zweitheiliger mit vielem Geschick ausgeführt wurde , wobei die Säulen in einem starken Ilolzgcrüste eingeschlossen und aufgehängt waren .
Die Bogenstärke des westlichen Tonnengewölbes beträgt 4Fuss , die der grossen östlichen Halbkuppel ist auf 3 Fuss berechnet , da
eine unmittelbare Messung nicht möglich war ; das westliche Halbkuppclgewölbe muss jedoch bei irgend einer Reparatur im Aeussern eine
bedeutende Verstärkung erhalten haben , da es sich am Fusse der Ilauptkuppel viel höher erhebt , als das östliche .
Gewölbe der Seitenhallen . Die Seitenhallen zerfallen , wie schon früher erwähnt , an jeder Seite in drei Hauptabtheilungen , deren Ueberwölbung nach
einem System , ähnlich dem der Ilauptkuppel , angeordnet ist : vier Tonnenbogen nämlich , einen rechteckigen Raum umschliessend , tragen
ein flaches Kuppelgewölbe , welches den rechteckigen Mittelraum deckt . Die Tonnen ruhen auf Gurtbogen , welche theils von vier in die
Ecken des Mittelraumes gestellten freien Stützen , theils von den Umfassungen getragen werden . Die Eckräume , welche zwischen diesen
Gurtbogen und den Umfassungen entstehen , werden von kleinen Kappen überdeckt . Dieses System ist jedoch mannigfach abgeändert je
nach der Form der zu überwölbenden Räume jede Mittelabtheilung B hat zwei dergleichen Systeme erhalten , bei denen die westlichen und
; z . .

östlichen Tonnen durch die Gewölbe zwischen den Haupt - und Strebepfeilern ersetzt werden , folglich vier Säulen fortfallcn . In der Mitte ,
wo beide Systeme Zusammentreffen , sind zwischen den Säulen von Süd nach Nord nur Gurtbogen gespannt , und zwischen diese ist ein
Tonnengewölbe mit steigenden Kappen gelegt , um die Bogenöffnung nach dem Schiff zu und die Fensteröffnung in der Umfassung frei
zu halten . Die Gurtbogen haben 4 Zoll starke eiserne Zuganker , welche von den Umfassungen bis zu den hohen Säulen des Schiffes
durchgehen und letztere umgreifen , da die Säulen in der Halle , welche das Gewölbe tragen wegen der Pfeilhöhe der Gurtbogen viel niedriger
,

sind als jene . Aus letzterem Grunde sind auch für die kleinen Gurtbogen , auf welchen die Tonnen zunächst der Säulenwand des Schiffes
ruhen , steigende Viertelkreise gewählt . Dies gilt jedoch nur von den unteren Hallen ; im Frauenchore , wo die Gurtbogen nicht gerade
auf eine Säule treffen , wegen der engeren Säulenstellung im Schiff , ist längs der letzteren ein hochliegendes Tonnengewölbe angebracht ,
und unter die eisernen Zuganker sind noch hölzerne Spannbalken zur Absteifung gelegt . Ein Blick auf den Durchschnitt Blatt X . wird
dieses klarer machen , indem an der rechten Seite ein Schnitt durch die Mitte des Gewölbesystems , an der linken ein Schnitt durch das
Tonnengewölbe dargestellt ist , welches beide Systeme verbindet .
In den Endabtheilungen der Seitenhallen stehen die Sänlenstützen der Tonnen neben den Haupt - und Strebepfeilern diesen so
nahe , dass statt der Gurtbogen Werksteinarcliitrave zur Ueberdeckung des Zwischenraumes angewendet werden konnten ; ausserdem sind
in den Winkeln zunächst den Nebenpfcilern besondere Tonnengewölbe gespannt , welche mit den sie rechtwinkelig kreuzenden Tonnen
des Gewölbesystems hinter den Exedern in einem steigenden Grad zusammen schneiden . Das Nähere ergeben der Durchschnitt Blatt XI .
und die Grundrisse Blatt VI . und VII . Es ist noch anzumerken , dass die der Länge der Hallen nach spannenden Tonnen in der Breite
29V Fuss von einander entfernt und so angeordnet sind , dass ihnen die Haupt - und Strebepfeiler theilweise als Widerlager dienen , ausser¬
dem eiserne Zuganker über den Säulencapitälen noch mitwirken .
Die Kuppeln der unteren Hallen sind sehr flach und eigentlich ein Gemisch von Kreuzgewölben und Kugelkappen , indem sie am
Fusse der Gurtbogen mit Graden anfangen , die sich allinälig in der Kugelkappe des Scheitels verlieren . Demgemäss sind auch die Wölb¬
steine in horizontalen Kreisen geordnet , und die Wirkungen der Gewölbe sind denen der sogenannten böhmischen Kappen ähnlich , sowohl
gegen die Ecken des überdeckten Raumes und die daselbst befindlichen Stützen , als auch gegen die Stirnen der Tragbogen spannend . Die
musivische Decoration spricht diese Anordnung richtig aus , indem stets vier Kreuzgrade , in einem mittleren Kreise sich vereinend , ge¬
zeichnet sind Blatt XXIV . Die Kuppeln des Frauenchores erheben sich dagegen höher , und ihre Form entspricht einer Kugelfläche ,
( . )

deren Durchmesser gleich der Diagonale des rechteckigen Raumes ist , über welchem sie errichtet sind . Die musivische Decoration spricht
dieses ebenfalls aus Blatt XXV .
( .)

Narthex . Gewölbe . Der Narthex ist mit flachen Kuppeln gedeckt , welche denen der unteren Seitenhallen des Schiffes ähnlich sind ; 6V Fuss breite
gedrückte Gurtbogen , welche 26 Fuss weit zwischen die 5 Fuss starke Westmauer des Schiffes und die 7 Fuss starken Ausscnpfeiler ge¬
V

spannt sind , scheiden dieselben , und um den Seitendruck gegen diese Gurte allmälig zu mindern , nehmen deren Zwischenräume von
16V Fuss , in der Mitte dss Narthex , bis auf 13V Fuss , gegen dessen Enden zu , ab . Die Pfeiler sind über den Fenstern zusammengewölbt
und unter den Fenstern die Oeffnungen durch schwächere Schildmauern geschlossen . Der obere Stock des Narthex ist mit einem Ton¬
nengewölbe im Halbkreis gedeckt , in welches die Fensterbogen , zwischen den Pfeilern der Aussenseite liegend , einschneiden . Diese
Pfeiler , über den unteren stehend , haben nur 6 Fuss Breite und 7 Fuss Widerlagsstärke , und sind daher vor dem Drucke des 26V Fuss
weiten Tonnengewölbes in der Mitte der westlichen Wand gewichen , weshalb nachträglich die schon früher erwähnten Strebebogen , von
den starken Pfeilern des Propyläums aus , dagegen geführt wurden .
Atrium , . uaiie . In der Atriums Halle längs des Narthex befinden sich , wie schon erwähnt , gewöhnliche Kreuz¬
-

gewölbe zwischen Gurten , welche von späterer Construction als die übrigen Gewölbe zu sein scheinen ; die
Gurte haben bei 14V Fuss Weite 7 Fuss Widerlager . Es ist möglich , dass diese Gewölbe , in Verbindung mit
den starken Pfeilern des Propyläums , aus einem Umbau der Halle zur Unterstützung der schwachen West¬
wand des Narthex hervorgegangen sind .
Verankerungen . Es ist noch zu erwähnen , dass alle Bogen , welche auf Säulen gestützt das Schiff umgeben , so¬
wohl unten als im Frauenchor , mit eisernen Zugankern versehen sind ; in den drei grösseren Bogen am
Westende des Schiffes , zum Frauenchor gehörend , liegen unter diesen eisernen Ankern noch hölzerne Spann¬
balken . In der unteren Fensterreihe der südlichen sowohl als der nördlichen Fensterwand des Schiffes war
ebenfalls ein eiserner Zuganker zu sehen , welcher durch die ganze Spannweite der daselbst befindlichen
Tragbogen zu reichen schien .
Dächer und deren Treppen . Sämmtliche Gewölbe , insofern sie nicht zugleich Fussböden bilden , sind im Aeusseren mit
Blcitafeln von etwa V Zoll Stärke abgedeckt , welche ohne eine hölzerne Dachrüstung , nur auf einer Holz¬
latten Unterlage befestigt , unmittelbar auf den Gewölben ruhen . Diese Deckung kann daher nur von
-

Aussen reparirt werden , und es ist durch verschiedene Treppen und Gänge dafür gesorgt , dass man zu der¬
selben gelangen kann . Nur das Kuppeldach muss vermittelst einer Leiter von der Kuppelbasis aus erstiegen
werden . Zu den Dächern der Seitenhallen und des Narthex gelangt man auf den Treppen der Strebepfeiler ,
welche von Backstein mitunter in einem sehr engen Raum construirt sind , Im nordöstlichen Pfeiler ist die -
sei * Raum nur 4 Fuss 8 Zoll lang bei 6 Fuss 7 Zoll Weite .
in welcher Weite die beiden 2 Fuss 8 Zoll brei¬
ten Treppenarme auf wechselseitig in entgegengesetzter Richtung aufsteigenden Bogen mit IV Fuss Zwischen¬
raum liegen , wie die nebenstehende Zeichnung näher nachweiset . Am Ende jedes Treppenarmes sind in
23

den Mauern 4 Fuss breite Nisehen angebracht . welche als Podeste dienen , um von einem Treppenarm zum andern gelangen zu können .
3 J

Bei einer andern Treppe ' war der ganze Raum 3 Fuss länger , und vor jeder Mauernische in U Fuss breiter , oben horizontal abgegliche¬
(' 4

ner Bogen gespannt , der als Podest diente .


Ueber den Dächern der Seitenhallen steigen diese Treppen noch höher hinauf bis zur oberen Fläche der Strebepfeiler , und münden
hier bei jedem in einem überdeckten Raum , von dem man auf einen mit Brustmauern versehenen offenen Gang über dem Tonnengewölbe
der Strebemauern und von da in die Pieke der Kuppelbasis gelangen kann . Hier lagen früher zweiarmige überwölbte Treppen , die zur
Plattform ha * Kuppelbasis führten : eine derselben , die südöstliche in Blatt VIII . punktirt . ist noch ganz erhalten , wiewohl am oberen
( ( )

Faule geschlossen ; von der nordwestlichen finden sieh nur noch Reste vor . die beiden übrigen sind ganz verschwunden . Pis ist wahr¬
scheinlich , dass früher über den Austritten dieser Treppen Aufbauten lagen , welche Pickzierden der Plattform bildeten ; auch eine zu -
geinauertc Seitenthür der Südost Treppe gegen Norden führend und Bogenreste in der Nordwest Treppe an der Nordwand der Plattform
- -

deuten daraufhin , dass hier oben noch Gänge , vielleicht offene Bogengallerien existirt haben .
Zu dem Daehe des Tonnengewölbes am Westende des Schiffes gelangt man vermittelst zweier Wendelstiegen in den beiden run¬
den Thürmchen , welche dieses Gewölbe im Aeussern flankiren Blatt XI . und XII , und diese Thürmchen sind vom Dache des Narthex
( . )

aus erreichbar . Unter dem Narthexdache längs der Brüstungswand des grossen westlichen Bogenfensters läuft ein fang Blatt IX . und
( (

Blatt XVII . Fig . 11 . und 12 , welcher durch eine Oeffnung eben dieser Brüstungswand nach Innen mit der Oberfläche des obersten
. )

Gurt - oder Kämpfergesimses in Verbindung steht , auf der man um das ganze Schiff gehen kann ; wahrscheinlich wurde früher diese Ver¬
bindung für die nächtliche Beleuchtung der Kirche benutzt . Für den Fusskranz der Kuppel war ein Zugang in der Brüstung eines Kup¬
pelfensters angelegt .

Plastischer Schmuck .

Wenn aus der näheren Betrachtung der Oonstructionen hervorgeht , dass an Kenntniss und Geschicklichkeit in der Bauteehnik ,
an genauer Abwägung der Last und Stütze und kluger Anordnung derselben gegen einander , so wie an Kühnheit bei Aufführung weit ge¬
spannter Wölbungen die christlichen Baumeister des neuen Roms den heidnischen des alten keinesweges nachstanden , ja in manchen
Stücken sie wohl überflügelten ; so lässt sich dies von der deeorativen Ausbildung der Arcliitekturformen , namentlich der plastischen ,
nicht sagen . Es ist jedoch schon in der Einleitung darauf hingedeutet , dass die christliche Kunst im Gegensätze zur antiken vorzugs¬
weise die Ausschmückung des Innern der Gotteshäuser bedachte , dagegen das Aeussere vernachlässigte , dass die Säule beim Gewölbebau
-

eine ganz andere Anwendung ümd , als beim antiken Architravbau , woraus eine veränderte Capitälform und eine Umgestaltung des
Epistyls , so wie dessen verminderte Bedeutung folgte , endlich dass bei der Vorliebe der Orientalen für Glanz und Pracht kostbare schim¬
mernde Stoffe und glänzende Farben zur Ausschmückung verwendet , wurden , denen gegenüber das einfache Relief nur von geringer Wir¬
kung gewesen wäre , weshalb die Sculpturzierden in der Regel nur in die Flächen der Architekturfonnen mit scharf unterarbeiteten
Oontouren eingesclmitten und meist vergoldet erscheinen ; überhaupt die Sculptur in untergeordnete Bedeutung zurücktritt ,
Dieser Kunstrichtung entspricht die dccorative Ausbildung des Sophienbaues , bn Aeussern erscheinen die nackten Oonstructions -
fonnen ohne besonderen Schmuck , nur durch einfache Trennungsglieder geschieden ; die Westfronte des Narthex allein , dem Atrium
zugewendet , war mit Tafeln von Prokonnesisehem Marmor bekleidet , wovon noch viel erhalten ist : die übrigen Flächen zeigten das
Backsteinmaterial .
Im Innern dagegen sind sämmtliche Wände mit buntfarbigen kostbaren Marmorarten getäfelt , und die fewölbe mit Glasmosaik
(

in glänzenden Farben bekleidet ; die Einrichtungen und das Gerätli für den Cultus prangten nach der Beschreibung von Paulus Silentiarius
in Ueberfülle von cdelen Metallen und kostbarem Gestein .
Zur Trennung der Hauptmassen laufen zwei Gurtgesimse , deren oberes zugleich Kämpfer der Wölbungen ist , rund um das Schiff,
und ein Kranzglied um den Fuss der Kuppel ; die Mauern der Seitenhallen krönt ein Kämpfergesims . Alle diese Gesimse sind von
weissem Marmor einfach in der Profilirung und mit Reliefornament geschmückt . Die untere von Säulen getragene Bogenarchitektur
zwischen den Pfeilern des Schiffes ist mit weissen Marmorplatten bekleidet , welche ganz von Reliefornament bedeckt sind ; die obere
am Frauenchor ziert Mosaik von farbigem Marmor . Alles Rcliefornament bewegt sich , wie gesagt , in den Flächen der Glieder , ist
an den Contouren scharf unterarbeitet , und die einzelnen Blätter sind mit vertieften Rippen versehen . Es war den alten Beschreibungen
zufolge vergoldet , und noch vorhandene Farbenreste deuten auf eine Zeichnung der vertieften Contouren und Blattösen mit dünke - 1

rother Farbe .
. Die Gewohnheit , werthvolle Säulenstämme dem Säulenreichthum der verlassenen Tempel zu entnehmen und neu zu verwenden ,
Säulen

ward auch bei dem Bau der Sophia befolgt . Vorzugsweise scheint der dunkelgrüne thessalische Marmor , jetzt verde antico genannt , be¬
liebt gewesen zu sein . Sämmtliche Säulenschafte im Umfange des Schiffes , so wie die in den unteren Hallen bestehen aus diesem Ma¬
terial , mit Ausnahme der acht in den unteren Thcilen der vier Exeder , welche von dunkelrotliem thebaischen Porphyr sind , und aus
Rom , wo sie beim Aurelianischen Sonnentempel verwendet waren , herbeigeschafft wurden . Nicht immer mochten sich Säulen von
gleicher Höhe und Stärke in genügender Anzahl vorfinden , auch mochte der Abbruch und weite Transport derselben nicht ohne Be¬
schädigung abgehen : allein die Seltenheit des Materials liess diese Mängel übersehen , und man findet manche Differenzen in Durchmes¬
sern und Ilölien , so wie nothdürftig ausgeglichene Beschädigungen in den Umflächen der Säulen . Antike Capitäle sind bei diesen Säulen
nie verwendet , alle Capitäle und Basen gehören der Byzantinischen Schule an und stammen , wie durchgängig der vom Byzantinischen
Meissei bearbeitete Architekturmarmor , aus den berühmten Brüchen der Insel Proconnesus in der Propontis .
Die Form der Säulcncapitäle bleibt sich , so weit antike Säulenschafte zur Verwendung kamen , fast durchgängig gleich ; nur die
Grösse ist je nach der Höhe der Säulen verschieden . Fig . . und . Blatt XV . stellt das Capitäl der acht grossen unteren Säulen dar ,
1 3

welche die beiden mittleren Abtheilungen der Seitenhallen vom Schiff trennen . Es hat einen mit Blattwerk belegten Krater nach einer
kräftig aufwärts geschwungenen Linie gebildet , dessen Uebcrgang von dem Rund der Säule zu dem Viereck des Abacus und der darauf
sitzenden Bogen durch Schnecken und Polster , der ionischen Säulenordnung entlehnt , vermittelt ist . Das Blattwerk des Kraters , tlieils
Aeanthus , tlieils Palmenblätter darstellend , ist tief unterarbeitet , fast frei auf dem Grunde liegend , und die Mitte der Vorder - und Hin¬
teransicht trägt in einem vorgebauchten Schilde ein Monogramm , das bei den einzelnen Säulen wechselt . Die ganze Form ist kräftig
massenhaft , der darauf ruhenden grossen Last entsprechend : das Blattwerk war vergoldet .
Unter dem Capitäle liegt ein HA Zoll hoher Bronzering , aus drei Gliedern bestehend , mit einer Art Schloss an der Schiffseite ,
worauf ein dem Mittelschilde des Capitäls gleiches Monogramm sich befindet . Am Fusse des Säulenschaftes über der Basis Fig . ) ist ( 2 .

ein ähnlicher Ring von 9 Zoll Höhe angebracht , Ob diese Bronzeringe , welche bei sämmtlichen Säulen aus antikem Material , mit Aus¬
nahme der beiden gekuppelten am Westende des Schiffes , Vorkommen , die etwa beim Transport beschädigten Enden der Säulenschafte
decken oder die Enden gleichsam binden und gegen Absplitterung unter der grossen Last schützen sollen , ist schwer zu entscheiden ; sic
scheinen in die Schäfte eingelassen zu sein und waren nach Paulus Silentiarius Angabe vergoldet . Ausser diesen gegliederten Ringen
- findet man an mehreren Säulen , namentlich an den Porphyrsäulen der Exeder . rohe einfache Ringe von rechteckigen Querschnitten an¬
gebracht . wie es scheint , an solchen Stellen , wo sieh Risst ' und Schadhaftigkeiten zeigten , also mit dem Zwecke , das Zerplatzen der Säulen
12
24

zu verhüten ; mitunter befinden sieh drei bis vier solcher Ringe an demselben Säulenstamme in verschiedenen Höhen . Bei den von Byzan¬
tinischen Gebäuden entlehnten Säulen der türkischen Moscheen , B . im Harem oder Vorhofe der Suleimannia , sind vielfach Ringe der
z .

letzteren Art zu bemerken , und ist es daher möglich , dass sie türkischen Ursprungs sind .
Die Säulenbasen zeigen durchschnittlich dieselbe Form , welche an die der attischen Base erinnert ; nur bei den Porphyrsäulen der
Exeder kommt eine Art Säulenstuhl vor Blatt XV . Fig . ( ; vielleicht weil die Schäfte nicht die erforderliche Länge hatten .
6 . )

Dass Paulus Silentiarius die acht grossen Säulen des Schiffes von verde antico , welche aus Ephesus nach Constantinopel trans -
portirt wurden , so höchlich rühmt , ist bei ihrer Grösse und Materialschönheit sehr erklärlich ; jeder Schaft aus einem Stück hat inel .
Bronzeringe eine Höhe von 25h Fuss und einen unteren Durchmesser von 3 Fuss 7 Zoll . Das Capitäl ist 3 Fuss 10 Zoll hoch und in
der oberen Platte 5 Fuss 8 Zoll breit . Die ganze Säulenhöhe inel Base und Capitäl beträgt 33h Fuss . Die Porphyrsäulen der westlichen
.

Exeder haben 31 Fuss Gesammthölie , und der Schaft ist nur 22 \ Fuss lang bei 3 Fuss 1 Zoll unterem Durchmesser . Ihr Capitäl ist
4 Fuss hoch und dessen obere Platte nach dem Schiff zu 4 Fuss 9 Zoll , nach der Seitenhalle zu 4 Fuss 11 Zoll und in den Bogenleibun¬
gen 5 Fuss lang wegen der Rundung der Nischenmauer , der zufolge auch die Bogenöffnungen nach der Halle zu sieh erweitern .
Die Säulen im oberen Stock zwischen Frauenchor und Schiff stehen einander näher und sind bedeutend kleiner , als die untern ,
ihre Gesammthölie beträgt in den mittleren Abteilungen 22 Fuss 5 Zoll , in den Exedern 21 Fuss bei jFuss unterem Durchmesser ; die 2 !

Capitäle sind 31 Fuss und die Basen , einschliesslich des 6 Zoll hohen Bronzeringes , 2 Fuss 1 Zoll hoch Blatt XVI Fig
, und . Die 3 Fuss
( . . 1 . 5 .)

10 Zoll hohen Brustgeländer von weissen Marmortafeln Blatt XVI . Fig . in der Vorderansicht , Fig . im Durchschnitt ) zwischen diesen
( . 5 . 6

Säulen , so wie in den übrigen Bogenöffnungen des Frauenchores , stehen gleich den Säulen auf einem schlichten Absätze von U* Fuss
Höhe über dem unteren Gurtgesimse , hinter welchem Absätze das Fussboden Gewölbe liegt . Es ist überhaupt bemerkenswert , wie
-

künstlich die weiten Wölbungen der Hallen hinter der Bogenarchitektur der unteren Säulenstellungen versteckt sind .
Wenn im Innern der Seitenhallen die 24 Fuss 7 Zoll hohen , 2 Fuss 4 bis 8 Zoll im unteren Durchmesser starken Gewölbestützen
Iiinsichtlich der Capitäle und Basen den letztgenannten Säulen ziemlich gleichen , so zeigen dagegen die im Innern des Frauenchores ,
deren Schafte aus prokonnesischem Marmor bestehen , ein Capitäl von ganz anderer Form Blatt XVII . Fig . 12 . und 13 ; Fig . 14 . giebt die
( .

dazu gehörige Basis , und Fig . . die ganze Säule nach einem kleineren Massstabe im Zusammenhänge mit den Gewölben , welches dem
2 )

bei der Sergius - und Bacchus Kirche beschriebenen sehr ähnlich ist Blatt V . Fig . . und ) und nur in der Verzierung des Aufsatzes
- ( 3 4 .

mit Akantliusranken und einer Epheuguirlande als Krönung von letzterem abweiclit . Ein ähnliches Capitäl zeigen die Doppelsäulen am
Westende des Schiffes in den Bogenöffnungen des Frauenchores , obgleich deren Schafte aus verde antico bestehen ; nur sind hier die
Voluten nicht übereck gestellt und haben in der Seitenansicht Polster , welche über beide gekuppelte Säulen fortlaufen : ihr Aufsatz hat
mehr Ausladung und eine weniger schön behandelte Rankenverzierung , als der in Fig . 12 . Dem Capitäle der Doppelsäulen gleicht das
der Atriumssäulen , die Polster sind jedoch kürzer , der Aufsatz hat weniger Ausladung und ist mit einem flachen Eierstabe gekrönt . Ca¬
pitäl und Schaft der letzteren Säulen bestehen aus weissem Marmor .
Bei den Gewölbestützen ist noch die schöne Composition des Capitäls hervorzuheben , welches die acht Pfeiler der unteren Hallen
zunächst den westlichen und östlichen Umfassungen schmückt ; in den Verzierungsmotiven , den unteren Säulencapitälen genähert , hat es
doch eine eigenthümliche , dem viereckigen Pfeiler entsprechende Bildung , die einen kräftigen angenehmen Eindruck macht . Blatt XVI .
Fig . . giebt dessen Ansicht und Fig . . die der zugehörigen Basis im Detail ; sowohl Capitäl und Basis , wie der Pfeiler selbst bestehen
7 8

aus prokonnesischem Marmor .


. Was nun die Bogenarchitektur über den unteren Säulen des Schiffes betrifft , so ist die Süd - und Nordseite zwischen den Haupt¬
i !<,g en

pfeilern auf Blatt XV . in Fig . . und . detaillirt . Den Bogen bezeichnet eine reich gegliederte und mit Blattornament gezierte Archivolte ,
1 7

die über dem Säulencapitäl in horizontaler Richtung fortgeht , gleichsam einen gebogenen Arcliitrav darstellend ; eine Anordnung , welche
man , wie in der Einleitung erwähnt ist , schon an dem Pallaste Diocletians zu Salona und dem goldenen Tliore zu Jerusalem findet. Den
Bogenzwickel füllt eine vielfach gewundene Akantliusranke , deren Mitte eine Scheibe von buntem Marmor einnimmt die wiederum mit ,'

einem verschlungenen Bande , in weissem Marmor gemeisselt , umgeben ist . Die Bekleidung der Bogenleibung besteht aus je fünf Tafeln
in der Breite und sieben in der Rundung des Bogens , deren verschlungenes Rankenornament ein fortlaufendes Muster bildet , wie
Fig . . zeigt . An den Hauptpfeilern enden diese Leibungen auf einer Art Pilastercapitäl mit geringem Relief , das merkwürdiger Weise
7

Schnecken und Polster zugleich zeigt Blatt XV . Fig . . und


( 7 , gleichsam eine pcrspectivische Darstellung des runden Säulencapitäls ;
8 . )

jedenfalls ein Missgriff . Unter demselben ist der Pilaster in der Marmortäfelung durch die gezackten Bänder gezeichnet .
. Die beiden rund um das Mittelschiff laufenden Gurtgesimse haben eine höchst einfache Hauptprofilirung , bestehend in einer weit
<iesin .se

vorgekragten Platte , durch eine schräge Fläche unterstützt ; ein Profil , das fast bei allen horizontalen Trennungs - und Krönungsgesimsen
der späteren Byzantinischen Bauten angetroffen wird . Diese Gesimse dienten zugleich als Laufgallerien für die Lampenanzünder , und
die Form ist diesem Zwecke einfach entsprechend , ohne Aufwand von überflüssigem Steinmaterial . Das Motiv der Ornamentirung ist
dem antiken Kranzgesimse entlehnt ; die schräge Fläche , durch einen Perlstab in zwei Abteilungen geteilt , trägt in der obern eine
Reihe Akanthusblätter , in der untern die schon mehrfach erwähnten flachen Modillons , durch Eierstab und Akanthusblatt gezeichnet , da¬
zwischen Felder mit verschiedenem Blattornament . Bei der Beleuchtung von Innen und der Ansicht von Unten wäre eine Karniess -
bewegung der Blätter und ein horizontales Vortreten der Modillons nur wenig bemerkbar gewesen ; man scheint daher bei Anordnung
des Ornaments vorzugsweise den malerischen Effect im Auge gehabt zu haben . Blatt XV . Fig . . giebt die vordere Ansicht , Fig . . das
1 4

Profil und Fig . . die Ansicht normal zur schrägen Fläche des unteren Gesimses ; in Blatt XVI . Fig . . ist nur die letztere und in Fig . .
5 2 3

das Profil des oberen Gesimses gegeben .


Auf Blatt XXVI . in Fig . und . findet man den Fusskranz der Kuppel detaillirt und auf Blatt XVI . in Fig . das Kämpfergesims
. 3 4 . 9

der unteren Seitenhallen mit seiner einfach strengen Profilirung und dem schön componirten Ornament , Ob dieses letztere , ursprünglich
von weissem Marmor , aber an vielen Stellen in Gypsstuck ergänzt , aus einem früheren Baue stammend , hier eine neue Verwendung
gefunden hat , wie die von der übrigen Plastik der Sophia sehr abweichende Ornamentirung fast vermuthen lässt , muss dahin gestellt
bleiben . Der Fries unter demselben besteht aus bunter Marmormosaik .
Das Fussgesims , Fig . 10 . Blatt XVI , umgiebt das Schiff ringsum , und das Fig . Blatt XV . die Pfeiler und Mauern in den unteren
. . 8

Hallen ; beide sind aus weissen Marmorplatten gebildet und als Vertäfelung an dem Werk - und Backsteinmauerwerk befestigt , weshalb
die Profilirung sich nur in feinen , wenig ausladenden Gliedern bewegt .
Besondere . Auf Blatt XX . ist eine Reihe einzelner Architekturtheile zusammengestellt , welche keinen uninteressanten Beitrag zur näheren
capitäle

Kenntniss der Byzantinischen Kunstweise liefern ; sie scheinen verschiedenen Zeiten anzugehören und namentlich die von Fig . . bis . 1 5

dargestellten einer früheren , als die andern . Fig . . giebt eines der Capitäle von weissem Marmor , welche die beiden ersten Porphyr¬
1

säulen der südöstlichen Vorhalle schmücken ; der Bogen , unter dem sie jetzt stehen , ist ein türkisches Werk , und kann es daher zwei¬
felhaft erscheinen , ob ihnen ursprünglich dieser Platz angewiesen war , wenngleich , nach der schon früher ausgesprochenen Meinung ,
hier der Privateingang des Kaisers vermuthet werden muss . Den Krater des Capitäls umgiebt ein sehr künstliches , fast ganz frei gearbei¬
tetes Korbgeflecht , auf dessen Rande vier Tauben stehen , den Uebergang vom Rund der Säule zum Viereck des Abakus auf eine schöne
Weise vermittelnd , dazwischen erheben sieh vier Passionsblumen mit dem Kreuze , ebenfalls ganz frei gearbeitet , an einen Vorsprung
der Abakusplatte sieh anlelmend , wodurch das Ganze eine freie lebendige Bewegung erhält , welche man bei den übrigen plastischen
Arbeiten cles Sophienbaues vermisst , Diesem naeh seheint das Capital früher nicht zur Unterstützung einer Last bestimmt , sondern
mehr für einen Ornamentbau berechnet zu sein ; man könnte es sich . . sehr wohl als Schmuck eines Ciborinms über dem z B

heiligen Tische denken . Das Ciborinm der Sophienkirche wurde jedoch nicht von Porphyrsäulen getragen , sondern von solchen , die
mit Silber überzogen waren , wie Paulus Silentiarius ) erzählt , Die obere viereckige Deckplatte des Capitäls mit der grossen Hohl¬
112

kehle scheint ein späterer Zusatz zu sein ; Fig . . giebt einen Theil des Querschnittes parallel mit der Ansicht , und Fig . . einen der¬
2 3

gleichen übereck .
Die beiden Pilastercapitäle Fig . und Fig . sind Bruchstücke , etwa 3 Zoll dicke Platten von weissem Marmor , welche sich inner¬
. 4 . 5

halb des von den nordöstlichen Strebemauern zwischen dem Haupt - und dem Strebepfeiler eingeschlossencn Raumes über dem Dache
des Frauenchores unter Bauschutt und Resten zerbrochener Fenstersprossen vorfanden . Sie müssen früher zu den oberen Theilen des
Behändes und vielleicht zu einem später veränderten Ausbau der dicht neben dem Fundorte belegenen Fensterwand unter dem nördlichen
Tragbogen gehört haben ) denn sonst wäre wohl kein Grund , diese Stücke zugleich mit den Fensterresten auf unbequemen Wegen nach
; 113

dem hochgelegenen Orte zu tragen . Die Arbeit dieser Bruchstücke unterscheidet sich sehr von den übrigen Sculpturen der Sophienkirche
und stellt der antiken Behandlungsweise näher ; man ist versucht , sie noch vor den Arbeiten der Johannes Kirche des Studius zu da - -

tiren , obgleich das Blattornament einige Aehnliclikeit mit dem an den Capitälen des letzteren Bauwerkes hat, Vielleicht sind es Reste
des ersten Sophienbaues , welche bei dem Neubau wieder Verwendung fanden .
Eine ganz andere Compositions - und Behandlungsweise , völlig der späteren eigcnthümlichen Richtung der Byzantinischen Schule
entsprechend , ohne Anklänge antiker Vorbilder , zeigt das kleine einschliesslich des achteckigen Halses und der Deckgliedcr nur 8 Zoll hohe
Capital , Fig , welches eine der vier decorativen Säulchen schmückt , die sich über den Theilungspfeilern der Brüstung des Frauenchores
. 6 .

zwischen den Doppelsäulen am Westende des Schiffes erheben Blatt XL . Die Säulchen , mit den Pfeilern darunter aus einem Stück
( )

gearbeitet , bestehen , so wie die Brüstungen aus verde antico , die Capitäle aus weissem Marmor ; ob dieselben noch etwas getragen haben ,
ist ungewiss . Nicht alle vier Capitäle sind einander gleich , sondern die drei übrigen , llf Zoll hoch , haben in Form und Verzierung viel 2

Aehnlichkeit mit dem Pfeilercapitäle der Fenster , Blatt XVII . Fig . , nur dass sie nach unten der Säule entsprechend abgerundet sind .
4 .

Es hat daher den Anschein , als wenn das Capital Fig . . nicht gleichzeitig mit den übrigen gearbeitet oder als ob es von einem anderen
6

Bau hierher versetzt worden sei , und dies um so mehr , weil sich über dem Deckgliede ein abgebrochener Bogenansatz vorfindet , den die
anderen nicht haben . Eine grosse Uebereinstimmung in Behandlung und Ornament mit diesem Capital zeigt das Pilastercapitäl Fig . , 7 .

welches über ^ Meile von der Sophienkirche entfernt , ungefähr im Mittelpunkte der Stadt , als Pflasterstein verwendet worden .
Verwandt mit Fig . , doch dem Pfeilercapitäle Fig . . Blatt XVII . näher stehend , ist das Säulencapitäl Fig . , welches , von sei¬
6 . 4 8 .

nem Schafte getrennt , ohne besondere Bestimmung in der nördlichen Säulenhalle lag .
. In Fig . . bis 11 . sind Theile von den oberen Gesimsen der vier starken Pfeiler des Propyläums dargestcllt . Wie schon
( iosimse des Propyiäums 9

früher bemerkt , erscheinen diese Gesimse in ihrer jetzigen Gestalt aus alten Resten zusammengestückelt , daher auch ihre Verschieden¬
heit ; namentlich zeigt das Gesims Fig . 10 , dessen Untersicht zum Theil in Fig . 11 . gegeben ist , eine verkrüppelte Nachahmung der
.

antiken Kranzgesimse , schon bei der Johannes Kirche näher beschrieben , jedoch schlechter als die dortige , welche auf eine dem Bau
-

der Sophienkirche vorangehende Zeit hindeutet . Das in Fig . . gezeichnete ist besser componirt und gearbeitet , in den vertieften Blatt¬
9

rippen effectvoll mit Bohrlöchern behandelt ; beide sind von weissem Marmor . Die unteren Gesimse der Pfeiler , worauf die Bogen vor
den Eingangsthüren ruhen , bestehen aus einfachen unten abgerundeten rohen Gliedern ohne Ornament .
Ornament
Die Spannbalken verschiedener Bogen , unter den eisernen Zugankern hegend , deren schon bei Beschreibung der Gcwölbe -
der Spannbalken .

construction gedacht worden , die einzigen beim Bau der Sophia vorkommenden Hölzer , sind an den Seiten - und Unterllächen mit orna -
mentirten Brettern bekleidet . Fig . 12 . zeigt einen Theil des geschnitzten Ornaments an der Untersicht eines solchen Balkens in der
mittleren Oeffnung des Frauenchores am Westende zwischen den gekuppelten Säulen , dessen Seitenansichten eben so behandelt sind .
Fig . 15 . ist die Seiten - und Fig . 16 . die untere Ansicht eines in der mittleren Abtlieilung des südlichen Frauenchores hegenden Spann¬
balkens , und Fig . 13 . und 14 . kommen im nördlichen Frauenchor vor . Das Ornament des Schnitzwerkes zeigt fast gar keine Verwandt¬
schaft mit antiken Motiven , und es wäre möglich , dass dasselbe der späteren Zeit der Byzantinischen Schule angehörte , da die Brctt -
bekleidung leicht erneuert werden konnte .

Fenster und Thüren .

Die Erleuchtung des Innern der Sophienkirche kann man brillant nennen ; wo nur der Raum und die Construction es ge¬
Fensteröffnungen .

stattete , sind Fenster in grosser Zahl oder von bedeutenden Dimensionen angebracht , so dass sich in Wahrheit ein Meer von Licht durch
das Gotteshaus ergiesst .
Am Fusse der Kuppel strömt das Licht durch 40 Fenster ein ; jede der sieben Halbkuppeln hat 5 Fenster , um den Glanz ihres
Mosaikschmuckes zu heben ; der Osten sendet seine ersten Strahlen durch die 6 grossen Apsisfenster in das Schiff , und die Abendsonne ,
durch das grosse Halbkreisfenster dringend , taucht die Gewölbe in Gluth ; 12 Fenster , zu einer Gruppe geordnet , verbreiten das Tages¬
licht vom südlichen und eben so viele vom nördlichen Tragbogen aus , und eine Fülle von Licht dringt durch die Bogenöffnungen des
Schiffes von den Seitenhahen her unten und oben .
Zwar geben jetzt nicht mehr alle Fenster das Licht , wie früher ; von den Conchenfenstern der vier Exeder sind mehrere zu¬
gemauert , die Gruppenfenster des südlichen und nördlichen Tragbogens sind bis auf geringe Lichtöffnungen verkleinert , und die grossen
Bogenöffnungen an den Enden der Seitenhahen , sowohl der Süd - als Nordseite , scheinen schon zu Byzantinischer Zeit mit kleineren
Fenstern nachträglich ausgebaut zu sein ; wenigstens deuten Pfeilerreste Blatt XIII ) daraufhin , dass sic früher eine eben solche Pilaster¬
( .

architektur enthielten , wie die der mittleren Abtheilungen und die an den Ostenden der Seitenhahen Blatt XIV . Demungeaclitet ist ( . )

auch jetzt noch die Lichtmasse sehr gross , und namentlich ist das Frauenchor sehr hell erleuchtet .
Gewarnt durch die wiederholten Zerstörungen , welche das Feuer bei der früheren Bauart der Sophienkirche angerichtet hatte ,
stellte Justinian seinen Baumeistern die Bedingung , brennbare Stoffe beim Neubau durchaus zu vermeiden ; bis auf die Fenster und Thü¬
ren hinab ist diese Vorschrift befolgt , selbst das Sprossenwerk der crstcrcn ist von Stein , und die Thürflügel sind von Bronze oder
mit Bronze bekleidet .
. Auf Blatt XVII . ist in Figur . beispielsweise eine innere Ansicht des mittleren Fensters des Frauenchores an der Südseite ,
Fensterpoiistruction 1

und in Fig . . ein Querschnitt davon gezeichnet ; Fig . . bis . geben die Details nach einem grösseren Massstabe . In die mit Backstein
2 3 7

überwölbte Maueröffnung wurde eine Pfeilerstellung , zweifach übereinander und durch eine dünne Architravplatte getheilt , hinein gebaut ;
sie bildet das starke Rahm werk der sechs Fensterabtheilungen , zwischen welches die Brüstungen und das Sprossenwerk eingefügt sind .
Die Pfeiler haben , bei oblonger Grundfläche , die schmale Seite dem cinfallenden Lichte zugewendet , und an den Leibungen der Mauer -
öffnung ruhen die Enden des Architravs nur auf dünnen Pfeilerplatten . Brüstungen und Sprossenwerk bestehen aus 4 Zoll starken
Marmortafeln , die bei dem letzteren , durchschnittlich 3 bis 4 Fuss breit und 6 bis 7 Fuss hoch , für die Lichtöffnungen durchbrochen sind
und in den übrig gebliebenen Stegen das Sprosswerk darstellen . Die Lichtöffnungen , durchschnittlich 7 bis 8 Zoll breit und 9 bis 10 Zoll
hoch , schliessen Glasscheiben , Liren älteste einzeln gegossen waren , obgleich daraus nicht gefolgert werden kann , dass es auch die
(
26

ursprünglichen sind . Die Sprossen haben eine Breite von , Zoll und wenden nach Innen eine schmalere Kante , wie aus dem Detail
6 '

Fig . . ersichtlich : der Glasfälz liegt nach Aussen : jedoch an den Bändern der Tafeln sind die einzelnen Sprossen nur
7 , Zoll breit , wo¬ 2 :1

durch am Stoss eine Sprossenbreite von ^ Zoll entsteht . Die Brüstungen , der Höhe nach getheilt und mit Kuss und Krönungsgliedern
5

versehen , haben in den unteren Abtheilungen Füllungsverzierungen , in den oberen dagegen Luftöffnungen mit aufgehenden Flügeln ,
ebenfalls aus Steintafeln construirt , wie die feststehenden Fenster darüber .
Die decorative Ausbildung der einzelnen Theile geben die Fig . . bis . im Detail , und zwar Fig . . das Capital der oberen 3 7 3

Pfeiler , Fig . . das der unteren nebst Vorderansicht des Architravs , Fig . . den Fuss der unteren Pfeiler , Fig . . das Profil und Fig . .
4 5 6 7

die untere Ansicht des Architravs . Jedoch sind nicht alle Fenster in dieser Weise durchgebildet , wahrscheinlich in Folge nachträglicher
Reparaturen .
Von der ganz ähnlichen Construction des grossen Halbkreisfensters am Westende des Schiffes giebt Fig . einen Tlieil der inneren
. . 8

Ansicht , Fig . . einen Tlieil des Profils und Fig . 10 . die Hälfte des Grundrisses . Hier ist die verticale Theilung der grossen Oeffnung
9

durch zwei Säulen mit sehr einfachen Capitälen und Basen ohne Arcliitrav bewirkt , deren Querschnitt aus dem Grundrisse ersichtlich
ist : die untergeordnete horizontale Theilung , nur von Säule zu Säule reichend , besteht aus einem Trennungsgliede , ähnlich dem Krö -
nungsgliede der Brüstungen profilirt vidc Blatt IX . mul XII . Die letzteren , aus einzelnen Marmortafeln und cannelirten Pfosten gebildet
( .)

und zugleich das dahinter liegende Nartliexdach nebst Verbindungsgang deckend , tragen als Verzierung Kreuze über Scheiben , die Weltkugel
darstellend , und auf letzteren Monogramme , deren Anbringung in dieser Höhe , wo sie nur von dem auf dem oberen Kranzgesimse ver¬
kehrenden Lampenanzünder gelesen werden konnten , etwas Seltsames hat . Die Monogramme der zweiten Fensterhälfte sind in Fig . 11 .
der Reihenfolge nach dargestellt .
Die kleineren Fensteröffnungen des Gebäudes haben keine Theilung durch Pfeiler , sondern nur eine Ausfüllung mit Sprossenwerk
von Stein ; vor den Apsisfenstern der Ostseite sind jetzt nach Innen Doppelfenster mit farbiger Verglasung angebracht , deren Muster den
türkischen Ursprung verratlien , daher sie in den Zeichnungen fortgelassen sind .
Thüreinfassunsen . Die Thüreinfassungen wurden , wie die Fensterstöcke , erst nach Vollendung und Ueberwölbung der Maueröffinnigen in die¬
selben eingesetzt ; sie bestehen durehgehends aus buntem Marmor von der Zeichnung des pavonazetto , nur die Einfassung der grossen
Mittelthür , der Königlichen , vom Narthex zum Schiff führend , ist aus Bronze . Blatt XVIII . Fig . . giebt ihre Ansicht vom Narthex aus .
* 1

und Fig . . das Profil . Bei allen Thüreinfassungen ist ein grosser Rundstab vorherrschend , so auch bei dieser ; er trägt über der Thür
2

eine Reihe Haken , in Form von Zeigefingern , an welchen vermittelst noch vorhandener Ringe und Lederösen die vor den griechischen
Kirchenthüren gebräuchlichen Vorhänge oder Velen aufgehängt waren . Fig , das Profil der Einfassung naeli grösserem Massstabe , und . 5 .

Fig . , die Vorderansicht der Haken darstellend , werden dies deutlicher machen .
6 .

Die Verdachung der Thür in einfacher Hauptfonn ist in der Mitte mit einem flachen Relief geschmückt : unter einem Bogen auf
Säulen und auf einem Throne ruhend , durch den heiligen Geist in Gestalt einer Taube vom Himmel gebracht , das Evangelium in Buch¬
form , bezeichnet mit den Worten Johannes Cap . 10 . Vers . und : So sprach der Herr , ich bin die Thür zu den Schaafen , so jemand
7 9 .

durch mich eingehet , der wird selig werden , und ) wird ein - und ausgehen , und Weide finden -f ein N O KC ertü 6IMI H0TPATGJX
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€ KNOMIIN e TPHCei ) Fig . . giebt diese Darstellung nach vcrgrössertem Mass¬
€ € K € € ^ 3

stabe . Die zierliche Guirlande Fig . umgiebt das Licht der Thüreinfassung , sie ist wegen ihrer geringen Dimension nach einem doppelt
. 4

so grossen Massstabe , wie die übrigen Details , dargestellt . Die jetzt vorhandenen höchst einfachen Bronze Thürflügel schienen nicht die -

ursprünglichen zu sein , weshalb sie in der Zeichnung fortgelassen wurden .


Als Beispiel der Thüreinfassungen von Stein ist in Fig ’ . und . Blatt XVIII . die Ansicht und das Profil der östlichen Thür der
' 7 8

nördlichen Seitenhalle , und in Fig . . das Profil des Sturzes nebst Verdachung in grösserem Massstabe gezeichnet . Die Thürflügel , gegen
9

die mit Marmortafeln bekleidete Mauerleibung schlagend , treten hinter der äusseren Thüreinfassung zurück , so dass sie geöffnet mit den
Leibungen beider Einfassungen bündig liegen . Bei dieser , wie bei allen Einfassungen Byzantinischer Tliüren , ruht der Sturz nicht mit
horizontalen Lagerfläclien über den aufrechten Pfosten , sondern ist mit denselben auf der Gehrung zusammen gefügt ; vielleicht weil hier¬
durch das Einbringen und Befestigen der Einfassungen in der schon vorhandenen Maueröffnung erleichtert oder weil die schwierige Ar¬
beit der Wiederkehr der Glieder an den Sturzenden erspart wurde . Die übrigen Thüreinfassungen des Gebäudes sind zwar in der Grösse , ■

aber nur wenig in den Gliederungen von der hier gegebenen abweichend .
um , zwischen . Eine ganz besondere Anordnung ist noch in Fig . 10 . bis 14 . Blatt XVIII . dargestellt ; es ist der Ausbau der Bogenöffnung ,
säukn

welche zwischen dem Baptisterium und dem kleinen Hofe an der Südseite der Kirche liegt Blatt VI und XI . Wahrscheinlich war diese ( . .)

Oeffnung , wie schon früher gesagt , mit Fenstern geschlossen , die nicht mehr vorhanden sind , und hatte zugleich eine Thür nach dem
kleinen Hofe zu . Der Ausbau ist , ähnlich wie bei den grossen Fensteröffnungen , durch eine doppelte Säulenstellung über einander und
eine dünne Architravplatte bewirkt . Die Thür steht in der mittleren Abtheilung zwischen den beiden unteren Säulen und , damit deren
Einfassungen möglichst wenig von dem Contour der Säulen verdecken , sind sie mit ganz dünnen Kanten gegen letztere gestellt , wie der
Grundriss der Säule nebst Thüreinfassung in Fig . 14 . näher nachweiset , wo auch der Anschluss der Verdachung an die Säule in punk -
tirten Linien angedeutet ist . Einer ähnlichen Anordnung wurde schon früher bei der Johannis Kirche des Studius Erwähnung gethan -

( Blatt III . Figur 17 . .)

Eine Abweichung von den bisher beschriebenen Capitälformen der Sophienkirche zeigen auch die unteren Säulen , in Fig . 12 . und
13 . dargestellt . Diese Form findet sich bei den Gebäuden der Justinianischen Zeit mehrfach vor , . . zu Ravenna in . Vitale , bei z B S 114 )

der unteren Säulenstellung in der Kirche des Sergius und Bacchus , wie schon früher erwähnt wurde , und auch bei der später zu be¬
schreibenden Vorhalle der Tlieotokos Kirche wird dieselbe angetroffen . Die oberen Säulen haben einen ähnlichen Querschnitt , wie
- 115 )

die des westlichen Halbkreisfensters im Schiff Fig . 10 . Blatt XVII , für den Anschluss des Fensterrahmwerkes vorgerichtet ; ihr einfaches
( .)

Capitäl ist nur mit einem Kreuze geziert .


m„ sadenTdesNarthex . Was noch von alten Thürflügeln vorhanden ist , hat nicht viel Bedeutung , mit Ausnahme der beiden am Südende des
Narthex , in der Thüröffnung nach der Vorhalle zu befindlichen und auf Blatt XIX . dargestellten ; diese aber sind von hohem In¬
teresse . Die Bekleidung der aus 4 bis 5 Zoll starken Hölzern zusammengefügten Thürflügel bilden Bronzetafeln , bei deren etwas ge¬
nauer Betrachtung man leicht an der Composition und technischen Ausführung des Ornaments erkennt , dass man ein Werk sehr
verschiedener Zeiten vor sich habe . Die reiche effectvolle Gliederung , welche die vier grossen Füllungen umgiebt , mit ihrem graeiösen
Ornament ist so schön componirt und so meisterhaft modellirt , dass man sie wohl nicht anders , als in die Blüthezeit der hellenischen
Kunst versetzen kann : die Rahmen dagegen mit ihren Knöpfen , Blättern und Rosetten , das Ornament der Schlagleisten , so wie das
( hu* oberen und unteren schmalen Füllungen und die mit Monogrammen gezierten Tafeln der vier grossen Füllungen tragen ganz den
Charakter der Byzantinischen Schiffe . Auch die Metallstärke des Gusses spricht für diese Annahme , sie beträgt \ bis A Zoll bei den er -
steren Theilen , dagegen a8 bis a Zoll bei den letzteren . Es ist wahrscheinlieh , dass die älteren Theile einem antiken Gebäude entnom¬
men und durch Hinzufügung der neueren der Grösse der Thürflügel anpassend gemacht wurden . Die Bronzebekleidung ist der Vorhalle
zugewendet , und von dieser aus gerechnet trägt der rechtseitige Flügel in der obersten Füllung die in Silber ausgelegte Inschrift :
MIX AHA TslKllTtüN . Ob in der entsprechenden Füllung des linkseitigen Flügels ebenfalls eine Inschrift vorhanden gewesen , war nicht zu
ermitteln . Die Monogramme der Fülhmgstafeln sind ebenfalls in Silber eingelegt , und verschiedene Löcher dieser Tafeln deuteten darauf
27

hin , dass noch andere , wahrscheinlich Reliefzierden , auf denselben befestigt waren . . . gicbt die Ansicht - beider Thürlliigel . Fig . .
Fig 1 2

ihren Grundriss , Fig . . einen Theil der Ansicht nach einem viermal grösseren Massstabe und Fig . . das zugehörige Profil .
3 4

Fällige Bronzeflügel Byzantinischer Zeit , jedoch von plumper Arbeit , in den Füllungen mit Kreuzen geziert , sind in den Thür¬
öffnungen der westlichen Ansicht Blatt XII . gegeben .

Wandbekleidungen mit Marmor .


Von den drei bei Ausschmückung des Innern der Sophia in Anwendung gekommenen Decorationsmitteln , der Sculptur , der Be¬
kleidung mit farbigem Marmor und der Malerei mit Glasstiften eine Malerei mit Farbenpigmenten kommt nicht vor , wenn man die Ver¬
(

goldung des Reliefornainents nicht- etwa dahin rechnen will , erhielt das erste , wie wir gesehen haben , nur eine untergeordnete Be¬
)

deutung ; vorzugsweise der verlassenen Kunstrichtung angehörend , wurde es der neuen , wo es unumgänglich nothwendig schien , mit
mehr oder weniger Glück angepasst , und man fühlt allenthalben , dass cs nicht das eigentliche Lebenselement der Byzantinischen
Kunstweise ist, Das zweite dagegen , die Vertäfelung mit buntfarbigem Marmor , entsprach ganz der neuen Richtung : hierdurch konnte
der orientalischen Prachtliebe Genüge geschehen , und der Ueberfluss an seltenem und kostbarem Material , der Raub von so manchem
antiken Tempel , durch die Fürsorge Justinian s in den Provinzen des weitläuftigen Reiches gesammelt und zum Neubau der Agia Sophia

nach Constantinopel geschafft , seine Stelle finden . Sämmtliche Wände des Innern der Kirche sowohl , als des Nartliex , vom Fusse
bis zum Kranzgesimse , sind mit verschiedenfarbigen und kostbaren Steintafeln bekleidet , und Paulus Silentiarius führt mit sichtbarem
Wohlgefallen von Vers 617 . bis 646 . eine grosse Reihe derselben namentlich an , Farben und Zeichnung mit poetischen Worten be¬
schreibend .
. Um Ordnung in diese bunte Masse zu bringen und die Farbe des einen Gesteins durch die des anderen zu heben , wurden an
Anordnung

den Wänden in verschiedenen Höhen breite horizontal durchlaufende Bänder von gleicher Steinart angeordnet , zwischen diesen durch
ähnliche aber verticale Streifen einzelne Felder abgethcilt , und letztere mit ausgezeichneten Tafeln geschmückt . Alle diese Bänder und
Streifen , so wie die Felder sind mit schmalen etwa 2 Zoll breiten und 1 Zoll vortretenden Rändern von weissem Marmor , deren Vor¬
1 '

derfläche wie ein Mäander ausgezackt ist , die Haupttafeln aber mit 11 Zoll breiten sculptirten Rahmen , ebenfalls von weissem Marmor ,
verschlungene Bänder mit kleinen Rosetten zwischen Mäandern und Perlstäben darstellend , eingefasst , wodurch eine markirte Scheidung
der verschiedenen Marmorarten erreicht wurde .
Einzelne Friese und Felder erhielten einen noch reicheren Schmuck ; hier sind nämlich durch eine Art Marmormosaik , ähnlich der
florentinischen , von verschiedenfarbigen Marmorarten , eine in die andere eingelegt , bald schematische Muster bald Blätter und Ranken¬
werk , mit Blumen Früchten Gelassen und Thieren untermischt , dargestellt , welche diese Friese und Felder füllen .
weil . Die horizontalen Bänder , welche die Wände des Schiffes theilen , sind folgende : vide Blatt IX ) zunächst über dem Fuss -
,„ r de * schm « ( .

gesimse ein breites von verde antico , dicht darüber ein schmaleres helleres von einem Marmor , der Aelmlichkeit mit dem pavonazetto
hat , aber reicher geadert ist , dann folgt ein Band von gelbem Marmor , ähnlich dem giallo antico : die vertiealen Streifen zwischen den
beiden letzteren Bändern bestehen aus der eben bezcichncten Pavonazettoart , und die Felder füllen Tafeln eines dunkelcn Marmors , der
einen gelblichen Grund und verschieden bewegte Zickzackbänder ins Braune und Schwarzbraunc übergehend hat .
Ueber dem zuletzt genannten Giallobande folgt eine Reihe Felder um das ganze Schiff , die mit den breiteren sculptirten Rahmen
eingefasst ist , und in der abwechselnd eine Tafel rosso antico zwischen zwei Tafeln eines dunkelcn Marmors stellt , der sich am besten
mit dem porto venere vergleichen lässt , aber dessen goldgelbe Adern entbehrt . Hierüber folgen bis zum Gurtgesimse zwei horizontale
Bänder von giallo , mit einer Streifen - und Felderabtheilung , der untersten ganz gleich .
Ueber dem Gurtgesimse besteht das erste Band aus dem pavonazetto . worauf unmittelbar ein Band von verde folgt ; die darüber
stehende Felderreihe ist durch Streifen des dunkelcn Marmors der untersten Felder abgethcilt , und jedes Feld noch mit giallo umrahmt ;
die Mitte des Feldes füllt eine Platte von rotliem orientalischen Porphyr . Hierüber folgt ein Band von giallo und dann eine Feldcr -
abthcilung , gleich der untersten und obersten des unteren Stockwerkes .
Den Schluss unter dem Kämpfergesims bildet ein Fries von Marmormosaik , welcher Blatt XVI . Fig . . detaillirt gezeichnet ist . 4

In dieser Zeichnung sind die verschiedenen Farben des Marmors durch abwechselnde Strichlagen angedeutet ; den Grund des Ornaments
bildet ein schwarzbrauner Marmor von der Farbe des Biesters . in der Zeichnung durch horizontale Striche angedeutet ; das Ranken¬
ornament besteht aus einem gelblich weissen Steine von der Farbe des gewöhnlichen Lithographirsteines , in der Zeichnung ganz weiss
-

gelassen ; bei dem Ucbrigen bedeuten die vertiealen Striche die blassrotlie Farbe einer Art rosso antico , und die von links nach rechts
schräg abfallenden die grüne Farbe eines harten und glänzenden serpentino .
Eine ganz ähnliche Arbeit schmückt die Bogenarcliitcktur über den Säulen des Frauenchores , wovon ein Theil zu den Exedern
gehörend auf Blatt XVI . Fig . . detaillirt gegeben und mit derselben Farbenbezeichnung wie in Fig . . dargestellt ist . Die Mitte des
1 4

Bogenzwickels ziert eine Scheibe von grünem Marmor , und das Ganze fasst ein bis 3 Zoll breiter Streifen jenes blassrotlien rosso ein ,
welcher auch den Fries Fig . . umgiebt . Bei dieser Bogenverzierung kommen eigenthümliche Zeichen an den horizontalen Armen der
4

Kreuze in den Kreisen über dem Scheitel der Bogen vor , welche den an Pergamentstreifen hängenden Urkundensiegeln vergleichbar
sind ) und wohl auf die symbolische Bezeichnung des Kreuzes als Siegel Bezug haben ) Die Glasstiftmosaik , welche die Leibungen
, 110 . 117

des Bogens schmückt , ist Blatt XXV . Fig . . in Farben dargestellt .


(5

Täfelung Von der Decoratioii des Schiffes weicht die hu Wände des Bema und der Apsisnische in etwas ab , wie aus Blatt XXI . und
des
( *

den Details Blatt XXII . Fig . . bis . ersichtlich sein wird .


1 8

Die beiden Bema wände unter dem Tonnengewölbe sind fast ganz mit Tafeln von Marmormosaik bedeckt ; zwischen diesen Wän¬
den stand früher der heilige Tisch , und sie bildeten mit dem Gewölbe zusammen gleichsam den Triumphbogen , unter welchem das Gibo -
rium , der Baldachin des heiligen Tisches , von vier Säulen getragen , reich mit Silber und Gold , so wie mit edelein Gestein geschmückt
und mit dem Kreuze gekrönt , thnrmartig hervor ragte . Erzengel mit der Lanze in der Hand bewachten hoch oben vom Gewölbe herab¬
schauend das Ileiligthum .
Blatt XXII . Fig . . zeigt den obersten Fries dieser Wände dicht unter dem Kranzgesimsc und die Hälfte der beiden ersten Tafeln
1

darunter , von der rechten Seite in Blatt XXL anfangend ; Fig . . die Hälfte der beiden folgenden Tafeln ; die Mitte zwischen diesen vier
2

Tafeln nimmt eine glatte Platte von orientalischem Porphyr ein . Tiefer unten neben der Bogenöffnung des Frauenchores steht eine
Porphyrplatte mit schwachem Relief geziert , in Fig . zur Hälfte gegeben ; sie ist mit giallo antico umrahmt . Eine Brüstung von weissem
. 3

Marmor und darüber ein Rahmen von demselben Material , früher ein Bronzegitter enthaltend , schliesst den unteren Theil der Bogen¬
öffnung , deren Vorderansicht Fig . . zum Theil und deren Profil Fig . gicbt. Die Zeichnung des Bronzegitters ist Conjectur , indem nur
4 . 5

die Löcher der Stäbe noch vorhanden sind .


Den oberen Theil vom unteren Stockwerk dieser Wände nehmen zwei Tafelreihen ein , durch horizontale Bänder von verde an -
fico geschieden . Fig . . zeigt den Fries dicht unter dem Gurtgesimse , den Porphyr Pilaster mit Capital von weissem Marmor , welcher
6 -

diesen unteren Stock der verschiedenen IIöhentheilung halber gegen das Schiff hin abschliesst , so wie die Hälfte der ersten latel der ober¬
sten Reihe mit ihrer Umrahmung von weissem sculptirten Marmor . Die vierte Tafel ist in ähnlicher Weise behandelt , und die beiden .
28

zwischen der ersten und vierten liegenden Tafeln sind glatt von rosso antieo , doch in derselben Weise umrahmt . Füg . . triebt den
je *, 7

Fuss des Pilasters und die IIiillltt * der ersten Tafel der unteren Reihe , welche der vierten gleich ist und wieder an zwei glatte Tafeln
von rosso grenzt .
Die weniger reiche Dccoration der Apsisnische ist aus Blatt XXL ersichtlich , und nur den Fries dicht unter dem Kranzgesimse
giebt Fig . . Blatt XXII . im Detail ; die Porphyrrahmen desselben haben einige schwach vortretende Glieder , eben so ist die grüne Zeich¬
8

nung von glänzendem harten serpentino des Frieses Fig . . über dem rotlien Grunde von rosso antieo etwas erhaben . Um die Decora -
G

tion der Apsiswand mit ihren abweichenden Ilölientheilungen entschieden von der Dccoration der anstossenden Wände zu trennen , sind
an der schmalen Fläche des Absatzes , der durch die geringere Weite der Apsis entsteht , Pilasterstreifen von rothem Porphyr mit weissen
Capitälen verwendet , Blatt X ) in ähnlicher Weise , wie in Fig . . und . Blatt XXII . gezeichnet ist .
( . G 7

Den unteren Theil der Apsiswand , an welchem früher der Thron des Patriarchen und die Priestersitze umherstanden , bedecken
jetzt Tafeln eines weissgrauen geaderten Marmors . Diese Wandbedeckung könnte wohl eine spätere Veränderung von türkischer Hand
sein , da der vorhandene Absatz mehr für das Auflegen des Koran bei dessen Verlesung , als für die Aufstellung der Priestersitze geeignet
erscheint und auch die Nische des Milirab , die Richtung nach Mecca andeutend , unter dem südlichen Apsisfenster von demselben Ma¬
teriale in diese Vertäfelung eingebaut ist : vielleicht könnte demzufolge die Höhe der ehemaligen Cancellenwand , das Bema von der Solea
abschliessend , der Höhe dieser Umänderung gleich angenommen werden .
Täfelung der Seitenhallen . Bei der Vertäfelung der Seitenhallen ist eine ähnliche Anordnung befolgt , wie bei der des Schiffes : auf das unterste
Pavonazettoband und dem Bande von verde antieo dicht darüber folgt in der Höhe des Bogenanfanges der untersten Fenster das Band
eines sehr schönen und seltenen Marmors mit wellenförmigen Bändern von Weiss , in Pffrsichblüthen roth , Blut - und Braunrotli allmälig
-

übergehend . Dicht unter dem Kämpfer - oder Krönungsgesimse liegt der schon früher erwähnte Fries von Marmormosaik , welcher
Blatt XVT Fig . im Detail und mit gleicher Farbenbezeichnung , wie der Fig
. . 9 . 4 ., gegeben ist . Zwischen diesen Bändern stehen Tafeln von
verde und pavonazetto mit einander abwechselnd , an ausgezeichneten Stellen aber , . B . an den Flächen der Pfeiler unter den Gurt¬
z

bogen der Tonnengewölbe zwischen Haupt - und Strebepfeiler , Tafeln von Marmormosaik , der auf Blatt XXII Fig . gezeichneten ähnlich .
. . 6

Täfelung des Fraueneliores , Das Frauenchor hat nur zwei Fussbänder gleich den unteren Hallen und ein oberes Band von dem wellenförmig weiss
und roth geaderten Marmor , dazwischen eine Reihe senkrechter Tafeln : Fries und Kranzgesims fehlen hier , und der Hauptschmuck liegt
in der Gewölbemosaik , welche allein von unten aus zwischen den Säulen hindurchgesehen werden konnte .
Technik Marmonnosaik .
der sind noch einige Worte über die technische Ausführung der Marmormosaik an den Friesen und einzelnen Tafeln zu
Ilj S

sagen . Sie hat das Besondere , dass die einzelnen Tlieile unter sich und mit der Mauer durch ein dunkelbraunes Harz verbunden wurden ,
welches brennend einen dem Weihrauch ähnlichen Geruch von sich giebt . Der Marmor ist in dünne Platten gesägt , die bei den feineren
Ranken und Blättern nur eine Dicke von 4 bis ^ Zoll haben ; genau nach den Formen der Zeichnung ausgeschnitten , wurden die ein¬
zelnen Tlieile , wie es scheint , auf dem Boden eines Formkastens , der die Zeichnung enthielt , dieser entsprechend mit der glatten Fläche
nach unten sorgfältig zusammengelegt , und alsdann wurde eine 4 Zoll dicke Lage des flüssigen Harzes , mit Marmor und Ziegelgrand
3

vermengt , darüber gegossen , welche , dem Steine gleich erhärtet , die Marmortheile sehr festhält . Die so gebildeten etwa 1 Zoll dicken
Tafeln wurden demnächst mit demselben flüssig gemachten Harze an den betreffenden Mauerstellen festgeklebt und vergossen .
Die grösseren Tafeln der Marmorbekleidung , 1 bis 2 Zoll dick , sind mittelst eiserner Klammern und Kalkmörtel an den Mauern
befestigt,
Fussböden .
Die Fussböden des Schiffes der unteren Hallen und des Frauenchores sind jetzt durchgängig mit Platten eines weisslichen dun¬
kelgrau geaderten und gestreiften Marmors belegt , und nur in der Südostecke des quadratischen Raumes unter der Kuppel , an der in
Blatt VI . näher bezeiclmeten Stelle , befindet sich ein quadratisches Stück buntfarbiger Marmormosaik , welches Blatt XXII . Fig . . zur 9

Hälfte abgebildet ist, Pis besteht aus einer 10 Fiiss 2 Zoll im Durchmesser grossen runden Mittelplatte von graubraunem Granit , um
welche Scheiben verschiedenartigen Marmors und von ungleichen Durchmessern , innerhalb eines das Ganze umfassenden 10 Zoll brei¬
ten Rahmens von verde antieo , geordnet sind . Die Scheiben , wie die Mittelplatte , umgeben Bänder eines weisslichen , graugeaderten
Marmors , und einzelne Scheiben sind innerhalb dieser Bänder noch mit schmalen musivischen Rändern , aus ganz kleinen farbigen Mar¬
morstücken , eingefasst , wovon füg . 11 . und 12 . Beispiele nach einem grösseren Massstabe geben , ln die Zwischenräume der Scheiben
sind Platten verschiedene * Form und kleinere Scheiben buntfarbigen Marmors eingelegt und die dann noch bleibenden Winkel wieder
]

mit musivischer Arbeit von kleinen Stücken in verschiedenen Mustern gefüllt , von denen Füg . 13 . 14 . und 15 . Beispiele darstellen . In
den viel * Ecken befindet sich eine musivische Rosette , aus giallo antieo und rothem , blauem und grünem Glasfluss gebildet , die in
Fig . 10 . nach einem grösseren Massstabe gegeben ist .
Auch in dem westlichen PTauenchore dicht hinter den Doppelsäulen befindet sich , so weit die drei Bogenöffnungen reichen , ein
ausgezeichneter , 1 P uss 10 Zoll breiter musivischer Streifen im Fussböden , welcher in der Mitte aus verde antieo , an dem östlichen Rande
'

aus giallo und rosso , an dem westlichen aus giallo und serpentino gebildet und zum Theil in Fig . IG . dargestellt ist.
Der zuerst beschriebene Fussbodentheil erinnert an die in den älteren Kirchen Roms so häufig verkommenden musivischen Fuss -
böden , der letztere Streifen zeigt dagegen mehr eine antike Behandlungsweise , wie . . die Fussböden in den Thermen des Caracalla
z B

zu Rom und die aus Pompeji im Museo Borbonico zu Neapel aufbewahrten .

Grlasstift Mosaik .
-

Die musivische Kunst , ursprünglich im Oriente entstanden , von Hellenen und Römern zunächst bei Verzierung der Phissböden
verwendet , wurde von den Byzantinischen Künstlern mit grosser Vorliebe gepflegt und zum Schmucke der Wände und Gewölbe benutzt :
ganz besonders war die Mosaik von farbigen Glasstiften beliebt , mit deren Farbenpracht die gewölbten Decken durchweg bekleidet wur¬
den und in deren Herstellung die Byzantiner wohl als Lehrmeister gelten können . Diese solide Art der Malerei kann man eine wahrhaft
monumentale nennen ; noch heute glänzen die mit Hülfe derselben geschaffenen Werke mit einer Farbenfrische , als oh sie eben aus der
Hand des Künstlers hervorgegangen wären : nicht der Staub von Jahrhunderten , nicht die Kalktünche des Muslim , noch die Drathbürste
und kaustische Lauge der letzten Restauration hat ihren Glanz vermindert .
mdTechnik .
Material . Das Material ist fast, von unbeschränkter Dauer : Glasflüsse , in vollen schönen Farben , sind in Würfel von 1 bis 2 Linien
Seite gespalten , und diese vermittelst eines festhaftenden Kittes dicht an einander gegen die Gewölbflächen befestigt . Für die Gold¬
flächen , welche in grosser Ausdehnung Vorkommen , ward ein heller Glasfluss mit einem dünnen Goldplättchen belegt , und dann ein
dünnes durchsichtiges Ueberfangglas darüber geschmolzen , welches die glänzende Goldfläche gegen alle äusseren Funwirkungen abschliesst .
Piben so sind die Silberstifte behandelt , und möchte es wohl anzumerken sein , dass der Gebrauch des Silbers bei der Glasstiftmalerei
eine Besonderheit dei * Sopliienkirehe bildet , die . . meines Wissens bei den italienischen Mosaiken nicht verkommt .
z B

Protz der Freigebigkeit , mit welcher die Unzahl goldglänzender Würfel über die weit gedehnten Gewölbe * der Sophia ausgegossen
ist . wurde doch mit weiser Umsicht da gespart , wo die Situation es erlaubte . Wenn nämlich von hochgelegenen senkrechten Flächen
21
)

der Beschauer nicht weit abtreten konnte , die Sehlinie sie also immer unter spitzen Winkeln treffen musste , so wurden die Würfel
in einzelnen horizontalen Reihen dicht an einander mit vorn übergeneigten . also nicht mit der Wand parallelen . Vorderflächen an¬
gebracht , diese Reihen aber in Entfernungen von ein . zwei bis drei Würfelhöhen , je nach dem möglichen Sehwinkel , übereinander ge¬
ordnet , so dass für den Blick des Beschauers die vorhängende Kante der untern Reihe den Fuss der nächstfolgenden darüber deckte .
Es wurde durch diese Anordnung zweierlei erreicht , einmal ein besserer Reflex des Goldglanzes und dann eine Ersparung von der Ilälffe
des Materials bis Dreiviertel : man findet sie vorzugsweise bei den Schildmauern der Gewölbebogen in den unteren Seitenhallen angewendet .
Die farbigen Würfel des Ornaments u . . w . sind jedoch stets in gewöhnlicher Weise dicht aneinander gestellt , weil bei den verschiede¬
s

nen Ornamentwindungen die Schwierigkeiten der Arbeit die Materialersparung überwogen .


An Farben kommen , neben dem Gold und Silber , Roth . Blau und Grün am häufigsten vor . doch findet man in den Köpfen der
Figuren vielerlei Farbennuanccn , deren Stifte nur klein , meistens unter \ Linie breit sind .
. Es sclieint Priiicip gewesen zu sein , Alles , was den Gewölben angehört , von den Kämpfergesimsen an , also auch die Schild¬
Anordnung

mauern der Bogenöffnungen , mit Glasstift Mosaik zu bedecken ; den Grund , die eigentliche Flächenfarbe , in Gold zu halten , die Con -
-

structionslinien durch farbiges Ornament hervorzuheben und die so entstehenden Felder durch Ornament oder an bedeutsamen Stellen
durch figürliche Darstellungen zu schmücken , welche im altchristlichen Sinne den Gläubigen zur Belehrung und Nacheiferung dienen
sollten , und daher meistens in einzelnen Portraitgestalten bestehen , mitunter von Bibelstellen begleitet. Die Gewölbe des Narthex . des
Schiffes , des Bema , der Seitenhallcn und des Frauenchores sind in dieser Weise behandelt .
Die Elemente , aus denen die schematischen Ornamente zusammengesetzt sind , bestehen vorzugsweise in dem Zickzackbande oder
Mäander , dem Herzen , dem Herzblatte und dem Kreuze , welche in Kreise , Quadrate oder andere geometrische Figuren eingeschlossen
sind ; doch findet man auch einzelne Blüthen - namentlich Lilienkelche und freie Rankenbildungen mit Akanthusblatt u . . w in mehr antiker s .

Weise . Es ist bemerkenswert , dass an den Gewölben nie scharfe Kanten und Winkel Vorkommen , sondern dass dieselben stets ab -
!!

oder ausgerundet sind , und die Ornamentbänder , welche diese Constructionsgrenzen begleiten , stets mit der Mittelaxe auf der Kante oder
in der Kehle liegen , jede Hälfte auf den anliegenden Flächen ausbreitend . Diese Abrundungen haben ihren Grund in der praktischen
Ausführbarkeit der Mosaikbekleidung , welche bei einer scharfen Kante nicht wohl herstellbar war .
Wölbung . Auf Blatt XXIII . ist die Mosaikdecoratioii des Narthexgewölbes dargcstellt . Fig . . zeigt eine Gewölbeabtheilung zwischen
des Narthex 1

zwei Gurtbogen mit dem zugehörenden Fenster im Grundriss , Fig . . einen Längendurchschnitt dieser Abtheilung nach Osten gesehen ,
2

also mit der durch ein Kreuz verzierten Schildmauer ; nur eine dieser Schildmauern , die über der Königsthür , hat figürliche Darstellun¬
gen , von denen später die Rede sein wird . Fig . . giebt die Verzierung der Gurtbogen und Fig . . die der Gewölbefelder im Detail .
3 4

Fig . 5. ist der vergrösserte Grundriss des Fensters mit dem Ornament des Fensterbogens , und Fig . die Rosette im Gurt dicht vor dem . 6

Fensterbogen , ebenfalls im grösseren Massstabe .


Die Hauptconstructionslinien sind hier durch breite , gleichsam mit Edelsteinen und Perlen geschmückte Zickzackbänder gezeich¬
net ; auf den Gurtflächen liegen zwischen diesen Bändern Rosetten , abwechselnd in Kreise und Quadrate eingeschlossen ; in der Gewölbe -
abtheilung sind , der schon früher erwähnten Construction gemäss , durch diese Bänder Kreuzrippen gezeichnet , die sich in einem , mit
einem Doppelkreuze verzierten Mittelschilde vereinen . Die vier dadurch entstehenden dreieckigen Gewölbefelder haben achtspitzige
Schilde mit Rosen in der Mitte und Blättern mit Aepfeln abwechselnd an den Spitzen . Zwischen den Pfeilern des Fensters befindet sich
ein freies Rankenornament und im Gurtbogen davor eine Mittelrosette nebst zwei Kreuzen . Die Farben sind aus der Zeichnung zu ersehen .
Wölbung
Die Gewölbeverzierung der Seitenhallen des Schiffes , auf Blatt XXIV . dargestellt , hat in der Anordnung viel Aehnliclies
der Seitenliallen .

mit der des Narthex . Fig . . giebt einen Theil des Grundrisses der Südseite , und zwar : die westliche Endabtheilung , das Tonnengewölbe
1

nebst Gurtbogen zwischen Haupt - und Strebepfeiler und die Hälfte der Mittelabtheihmg . Das breite Band , wodurch die Constructionslinien
bezeichnet werden , das Mittelschild jeder flachen Kuppel und die Verzierung der dreieckigen Gewölbefeldcr sind aus Fig . im Detail zu . 2

ersehen . Die Tonnengewölbe , welche die flachen Kuppeln tragen , sind mit blauen und rotlien Kreuzen verziert , deren Ausschmückung
Fig . . und . im Detail zeigen . Die Gurtbogen der Tonnengewölbe zwischen Haupt - und Strebepfeiler sind besonders durch ein ver¬
. 4 . 5 6

schlungenes Band hervorgehoben , wovon Fig . . das Detail giebt . Fig . . ist ein Detail von der Verzierung des kleinen Tonnengewölbes ,
3 7

welches die Decke über den Durchgang des Strebepfeilers bildet .


Wölbung
Die Gewölbe des Frauenchores , welche vom Schiff aus in einer sehr günstigen Beleuchtung gesehen werden konnten ,
des Gynaeceums .

hatten eine viel reichere Decoration , als die unteren Hallen : leider ist davon nur wenig erhalten . Die in der mittleren Abtheilung der
Südseite Vorgefundenen Reste sind auf Blatt XXV . in dem restaurirten Grundrisse Fig . . dargestellt . Ein und dasselbe gemusterte Band
1

begleitet auch hier alle Kanten der Gurtbogen und Tonnengewölbe ; die mittlere Kuppel hat jedoch , der Construction entsprechend , keine
Kreuzrippen , sondern eine Meereswelle umgiebt ihren äusseren Gontour , und in der Mitte ist eine Kugelcalotte abgetheilt , welche eine
Darstellung der Ausgiessung des heiligen Geistes enthält , während Gruppen zuschauenden Volkes die Zwickel einnehmen .
Das Mosaikmuster des Tonnengewölbes zunächst den Fenstern nebst Kantenband ist in Fig . . nach einem grösseren Massstabe 2

dargestellt : nach demselben Massstabe enthält Fig . die Verzierung des halben Gurtbogens zunächst der Säulenstellung nach dem Schiff
. 3

zu nebst Kantenband und der Welle , welche den Contour der mittleren Kuppel umgiebt ; Fig . und . zeigen die Rauten und Rosetten ,
. 4 5

welche in der zweiten Hälfte dieses Gurtbogens Vorkommen . Fig . . giebt das Rankenornament nebst Kantenband , womit sämmtliclie
G

Leibungen der auf Säulen ruhenden Bogen rund um das Schiff geschmückt sind , und Fig . . das Muster am Tonnengewölbe des west¬
7

lichen Frauenchores über dem Narthex . Der Querschnitt Blatt X . wird die Vorstellung von der Anordnung der Mosaikdecoratioii , sowohl
im Frauenchor als in den unteren Hallen , ergänzen .
« ^ el Die Details der Decoration der Hauptkuppel sind auf Blatt XXVI . zusammengestellt ; die Gesammtanordnung wird aus
w ,",1'” " dd Q ' hi 1,1,

den Durchschnitten Blatt IX . und X . so wie aus der einen Hälfte des Grundrisses Blatt VIII , zu entnehmen sein . Ein einfaches Zickzack¬
. .

band zeichnet die Kanten der Gewölberippen und der Fenster : dass die Rippen nicht bis zum Scheitelpunkte gehen , sondern schon früher
in der Wölbung sich verlaufen , ist in der Decoration genau ausgesprochen , wie aus Fig . . Blatt XXVI . hervorgeht ; zugleich zeigt diese
1

Figur einen Theil des breiten Rahmens , welcher das \ Fuss im Durchmesser weite Scheitelfeld der Kuppel umgiebt ; die figürliche Dar¬
3 2

stellung dieses Scheitelfeides ist verschwunden . Die Flächen der Rippen sind abwechselnd mit gezackten Quadraten und Kreuzen geziert ,
die nach unten zu mit der Verbreiterung der Rippen grösser werden , eben so wie das Zickzackband der Kanten ; Fig . , welche einen 2 .

Theil des Gewölbes in der Höhe der Fensterbogen enthält , wird dieses deutlich machen . Fig . ist ein Querschnitt dieser Partie bis an
. 5

den Fensterrahmen : sie zeigt den Vorsprung der Rippen im unteren Theile des Gewölbes , und die Decoration der Fensterleibung , welche
durch ihren Silberglanz die Wirkung des einfällenden Lichts sehr erhöht , Fig . . giebt den Fuss einer Rippe nebst den anschliessenden
3

Brustmauern der Fenster ohne. Mosaikbekleidung , weil diese Theile , wie aus dein Querschnitt Fig . . hervorgeht , von unten gesehen 4

durch den vorspringenden Fusskranz der Kuppel gedeckt werden .


Ferner giebt Fig . . die Vorderansicht des Fusskranzes , das breite Mosaikband darunter , welches ringsum den Fuss der Kup¬
3

pel umgiebt . und eine Hälfte des breiten Bandes , welches die Kanten der grossen Tragbogen zeichnet, Dieses Muster kommt noch
(‘ inmal bei den Figuren Blatt XXVUI . und XXIX . mit etwas anderen Farben vor ; ich glaube , dass die in Fig . . gegebenen , welche 3

am Scheitel des östlichen Tragbogens sich befanden , nicht die ursprünglichen , sondern aus einer späteren Reparatur hervor gegan¬
gen sind . 15
30

Dasselbe Muster zeielmet aueli die Kanten der Exeder Conehen . wie aus den Dureliselinitten Blatt IX . und X . ersichtlich : die
-

Kanten des östlichen Tonnengewölbes und der Apsis Conclie des Bema sind jedoch von dem schönen Ornameiitbande begleitet , welches
-

in Fig . . Blatt XXVI . dargestellt ist und gleichfalls die Fensterkanten der letztgenannten Conclie ziert . Die Fensterkanten der grossen
0

Ilalbkuppeln , so wie die der Exeder Conehen der Ostseite zeichnet das in Fig . . gegebene Muster ; ob diese Ilalbkuppeln noch ander¬
- 7

weitigen Ornamentschmuck enthielten , war nicht mehr zu ermitteln , da deren Mosaikbekleidung zum grössten Theil verschwunden war ,
namentlich die der westlichen Halbkuppeln gänzlich .
Bild über der Hauptthür . Unter den ßgürlichen Darstellungen , welche der vorbeschriebenen Mosaikdecoration an bedeutsamen Stellen , jedoch in
massiger Anzahl , beigefügt sind , erscheint zuerst die in dem Bogenfelde über der Königs - oder Hauptthür im Narthex Blatt XXVII , in ( .)

welcher Christus auf dem Throne die Eintretenden mit der erhobenen Hechten und den Worten des Evangelienbuches : Friede sei mit
euch , ich bin das Licht der Welt 6IPHNH TMIN ertü 6LM1 TO OOJC TOT KOCMOT ) empfängt . Vor dem Throne , auf dem Boden liin -
(

gcstreckt , liegt die Figur eines Kaisers , mit Diadem und Mantel in der Stellung , welche das orientalische Ilofceremoniel dem Untertlian
vor dem Throne des Monarchen vorschreibt , wahrscheinlich Justinian darstellend , da die zu den beiden Seiten des Thrones in Medaillons
abgebildeten himmlischen Erscheinungen , die fürbittende Maria und der Erzengel Michael , als die besonderen Schutzheiligen dessel¬
ben gelten .
Die Darstellung Christi über dem Haupteingange ist um so bedeutsamer , als Ihm , welcher gleichbedeutend der göttlichen Weisheit
ist, 118 ) der ganze Bau geweiht war . Der Kopf scheint einen bestimmten Portraittypus zu haben , besonders unterscheiden sich die runden
Augen von den mehr griechischen länglich geschlitzten der übrigen Köpfe . Der Nimbus mit den drei Strahlen steht nach den Regeln
der griechischen Kirche nur dein Christusbilde zu , und die Fingerstellung der erhobenen Hand entspricht eben diesen Regeln für den
Gestus beim Segnen , den Namen Jesus Christus andeutend , nämlich : der Zeigefinger den Buchstaben , der grosse Finger gekrümmt
I

das C , griechische S , also beide den Anfangs - und Endbuchstaben des ersten Wortes darstellend , und in gleicher Beziehung der mit dem
Daumen gekreuzte Ringfinger das griechische X und der kleine Finger wieder das C für das zweite Wort ) Diese Fingerstellung wie¬
. 119

derholt sich bei vielen Figuren der Sophienkirche .


Das Untergewand der Christusfigur ist von Seide gedacht , daher die Lichter mit Silber gegeben sind : eingewirkt darin sind breite
Goldstreifen , wie es bei dem Aufkommen der seidenen Gewänder unter den späteren Kaisern in Rom Sitte war . Das Obergewand scheint
ein weisser wollener Stolf zu sein : Weiss war die den ersten Christen von ihren strengen Lehrern vorgeschriebene Farbe , im Gegensätze
zu den bunten bei den Heiden beliebten Gewandfarben , daher die Darstellungen altchristlicher Gestalten in der Sophia durchgängig mit
lichten Gewändern erscheinen ; nur die der Maria macht hiervon eine Ausnahme .
Das Perlen Diadem , welches das Haupt des Kaisers schmückt , ursprünglich die Herrscherzierde der orientalischen Despoten ,
-

wurde schon vom Diocletian angenommen , wie auch die bunte orientalische Kleidung statt des römischen Purpurs ) Der Nimbus um
. 120

das Haupt des Kaisers erklärt sich aus der griechischen Sitte , nicht ausschliesslich einen Heiligen des neuen Bundes , wie in der lateini¬
schen Kirche , damit zu bezeichnen , sondern jede Kraft aus beiden Testamenten , selbst den Teufel und den vielköpfigen Drachen der
Offenbarung ) Die Darstellungen des Justinian und der Theodora in . Vitale zu Ravenna sind ebenfalls mit Heiligenscheinen versehen )
. 121 S . 122

Die rothen mit Perlen gestickten Stiefel , welche der Kaiser trägt , waren ein ausschliessliches Vorrecht der Byzantinischen Herrscher .
Der Ausdruck in dem Kopfe des Erzengels ist ein strenger , ernster , fast zürnender ; diesen hohen Ernst scheint man in der By¬
zantinischen Kunst vorzugsweise den himmlischen Erscheinungen beigclegt zu haben : die Cherubimköpfe in den Zwickeln der Haupt¬
kuppel zeigen ihn ebenfalls . Der Stab in der Linken des Erzengels bezeichnet vielleicht den Hüter des Heiligthums .
Bilder im westlichen .
Bogen Der westliche Tragbogen , beim Eintritte in das Schiff zunächst sichtbar , enthält die Darstellungen der Maria , als Mutter
Gottes ( /z ? rr/Q
} oü , des Petrus
> ^ £ ) und des Paulus , erstere Brustbild im Medaillon , am Scheitel des Bogens , die beiden anderen ganze
Figuren , zu den Seiten , und zwar Petrus rechts gegen Süden . Diese Bilder sind sehr beschädigt und nur noch einzelne Reste davon
vorhanden ; Blatt XXXII . Fig . . giebt die Reste im Zusammenhänge mit dem Ornament der Bogenkanten , und Fig . bis . das Einzelne
1 . 2 4

nach einem grösseren Massstabe , und zwar die Gestalt des Paulus nach einem halb so grossen , als die beiden Köpfe .
Der 6 Zoll breite Rahmen , welcher das Brustbild der Maria umgiebt , bestellt aus den Regenbogenfarben : Blau , Blaugrün , Hellgrün ,
Gelb , Orange , Hellrotli , Dunkelroth , Blauviolett , und zwar von Aussen nach Innen gerechnet , an beiden Seiten mit einem Goldrande
eingefasst ; der Nimbusring ist rotli . Die hohe Strenge und reine Jungfräulichkeit der äusserst regelmässigen Kopfbildung ist ganz die¬
selbe , welche bei allen späteren Darstellungen dieses Gegenstandes der Byzantinischen Schule erscheint ; die Farben des Gesichts sind
frisch , die Wangen leicht geröthet , die Augen braun . Der Schleier ist hellblau mit einem goldenen Kreuze und einem goldenen Saume ,
ebenfalls hellblau ist die Farbe des Gewandes . Die Kopfbedeckung unter dem Schleier besteht in einer Art von Wulst oder Bund rund um
den Kopf , wie noch jetzt die Frauen der spanischen Juden zu Constantinopel tragen , und hat eine hell blaugrüne Farbe mit weissem Lichte
und dunkleren Streifen : das Kopfhaar ist nicht sichtbar . Vor der Maria muss sich das Christuskind befunden haben , wovon jedoch blos
der rotlie Nimbuskreis mit drei silbernen Strahlen auf Goldgrund erhalten ist . Nach anderweitigen Darstellungen zu schliessen , lagen die
Hände der Maria auf den Schultern des Christuskindes , dessen rechte Hand mit dem früher bezeiclmeten Gestus dargestellt wird , wäh¬
rend die linke das Evangelienbuch hält .
Petrus , von dem allein der kräftige , markige Kopf erhalten ist , hat eine frische , wettergebräunte Gesichtsfarbe und graubraunes
Kopf - und Barthaar ; die Augen sind braun , der Nimbus ist blau , der Rest des Gewandes hellblaugrau , das goldene Kreuz auf dem gol¬
denen Stabe gegen die linke Schulter gelehnt hat rothe und blaue Ränder .
Paulus Silentiarius beschreibt ) die Petrusgestalt des Ciboriumvorlianges ebenfalls mit einem solchen Kreuze , und die des Paulus
123

mit der heiligen Schrift , was hier als Anhalt für die Bezeichnung der Figuren dienen musste , da die Inschriften fehlen , und Constantinus
im 54 . Capitel der Lebensbeschreibung des Kaisers Basilius Macedo nur angiebt , dass bei der Restauration des westlichen Bogens die Bil¬
der der Mutter Gottes und der Apostel Petrus und Paulus von diesem Kaiser angebracht seien . 124 )
Von dem Paulus , Fig . , ist der grösste Theil der Gestalt erhalten , der Kopf fehlt . Die Gewandung hat helle Farben , die des
4 .

Obergewandes ist grünlich mit Silberlicht , die des Untergewandes grüngelb . Die ganze Figur hat etwa 17 Fuss Höhe : der Kopf des Petrus
ist 2 Fuss hoch .
Weiter vorgeschritten im Schiff* erblickte man an den Fensterwänden unter dem südlichen und nördlichen Tragbogen
Hilder a dedse sItffeser ' väIlden

eine reichere Entwickelung von Figuren . Die sieben um 7 Zoll vertieften Nischen an jeder Seite unter der ersten Fensterreihe enthielten
Märtyrer und Bischöfe der ersten Jahrhunderte in ihrer Amtskleidung , darüber auf den Fensterpfeilern waren die Propheten dargestellt ,
an jeder Seite sechs kleine und zwei grosse , letztere am Anfänge und am Schlüsse jeder Reihe , auch im Masse höher gehalten als
die übrigen . Dann folgten in der Höhe der zweiten Fensterreihe wahrscheinlich Engelsgestalten , von denen jedoch nur einige Füsse
erhalten sind .
Ein grosser Theil dieser Figuren ist jedoch nicht mehr vorhanden ; die sich noch vorfanden , sind folgende : an der Südseite in der
zweiten Nische von Osten anfangend Antliimos , Bischof von Nicomedia , der unter Maximin im Jahre 311 den Märtyrertod litt ) in der ; 125

dritten Basileios , Bischof von Cesarea in Capadocien , geboren 329 . Er studirte in Constantinopel unter Libanius , dann zu Athen und war
sehr befreundet mit Gregor von Nazianz ; seine Mutter Emilia und seine Schwester Macrina wurden Nonnen . 370 wurde er Bischof und
litt 379 den freiwilligen Märtyrertod unter dem arianisclien Kaiser Valens und dem Modestus , Exarchen von Anatolien . Er galt für sehr
31

gelehrt und erhielt die Beinamen Uranophantor und Megas . Diese beiden Figuren sind auf Blatt XXVIII . in der Anordnung , wie sie in
den Nischen mit dem einschliessenden Ornament neben einander Vorkommen , in Farben dargestellt ; es ist nur anzumerken , dass die
Gesichter mit sehr feinen Stiften ausgeführt und deren Halbschatten mit grünen Tönen gegeben waren , was durch die Lithographie nicht
genau ausgedrückt worden . Diese grünen Schatten sind wahrscheinlich wegen der Wirkung des Goldgrundes gewählt . Auf dem grünen
Streifen über diesen Figuren stehen die Propheten .
In der vierten Nische folgt Gregorios Theologos , Patriarch von Constantinopel . Er wurde zu Arianz , einem Dorfe in Capadocien ,
geboren , nicht weit von Nazianz , wo sein Vater Gregor später Bischof ward . Seine Studien machte er zu Cäsarea in Palästina , dann
in Alexandria , zuletzt in Athen , wo er mit Basileios Freundschaft schloss . Zuerst Presbyter der Kirche zu Nazianz , wurde er später
Bischof von Sassima ; im Jahre 378 trat er in der zweiten ökumenischen Synode zu Constantinopel gegen die Arianer auf und wurde da¬
selbst zum Patriarchen ernannt , Er beherrschte die Kirche bis 383 , nahm dann seinen Abschied , kehrte nach Nazianz zurück und starb
391 im achtzigsten Lebensjahre .
Die fünfte Nische stellt Dionysios den Areopagiten dar . Athenienser von Geburt und Senator in seiner Vaterstadt , wurde er von
Paulus bekehrt und nach den Kirchentraditionen erster oder zweiter Bischof von Athen im Jahre 50 . Im Jahre 96 soll er den Märtyrer¬
tod ebendaselbst erlitten haben .
Die sechste Nische nimmt die zum Theil beschädigte Gestalt des Nieolaos , Bischofs von Myra in Lycicn , ein ; er lebte unter Con -
stantin dem Grossen , war einer der 318 heiligen Väter der ersten ökumenischen Synode zu Nicäa im Jahre 325 und starb 330 .
In der siebenten Nische ist Gregorios Armeniacos , Bischof von Gross Armenien , dargestellt . Er stammt aus der in Armenien re¬
-

gierenden Parthischen Königsfamilie der Arsaeiden : wurde 240 geboren , studirte zu Cäsarea in Capadocien , wurde vom Leontius , Erz¬
bischof von Cäsarea , zum Bischöfe ernannt , bekehrte viele Armenier , auch den Tiridates , König von Armenien , und starb als Mönch 325 .
Diese vier letzten Figuren sind auf Blatt XXIX . zusammengestellt ; sie stehen in derselben Anordnung , wie die auf Blatt XXVIII ; .

hier ist jedoch nur die Rückwand jeder Nische dargestellt und zugleich darüber das Ornament , welches in der 7 Zoll breiten Leibung
jeder Nische umherläuft ,
Von den Prophetengestalten dieser südlichen Wand war bloss die des Jesaias vor dem ersten , östlichen , Fenster erhalten , welche
jedoch bei meiner Ankunft in Constantinopel schon wieder mit Stuck bedeckt war . Nach den Mittheilungen des Architekten Fossati war
das Untergewand hellgrün mit Silberlicht , das Obergewand weiss von einem wollenen Stoffe . Mit der rechten Hand nach dem Bema
zeigend , trug er in der Linken eine aufgewickelte Pergamentrolle mit folgender Inschrift : IAOT H 1IAP0ENOC EN TACTPI AlüPETAl KE
TESETAI . . ON Jesaias ( . 14 . Siehe , eine Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebäliren . Unter der Figur befand sich fol -
7 )

gendes Monogramm : k-f4) (

Zuoberst der südlichen Fensterwand soll sich folgender Rest einer Inschrift gefunden haben : bpo ^ EAKllPATCiW : e
) Cl) I ^ 'C (^

punktirte Linie bezeichnet die Mitte der Wand .


An der nördlichen Fensterwand habe ich von den Figuren der unteren Nischen gar nichts erhalten gesehen , dagegen mehr von
der Prophetenreihe in der Höhe der ersten Fenster .
Die Reihe eröffnet , von Osten ab gerechnet vor dem ersten Fenster stehend , Jeremias Fig . . Blatt XXX ; eine kräftige Gestalt
1 .

mit lang wallendem Haupt - und Barthaare von hellbrauner Farbe und einem offenen grossartigen Antlitze , dessen beredtem Munde eben
die schönen Klagelieder entströmt zu sein scheinen . Fig . giebt diesen Kopf nach einem grösseren Massstabe . Das Obergewand besteht
. 4

aus einem hellen gelblich braunen Wollenstoff , das Untergewand hell grünlich scheint von Seide zu sein und enthält halb blaue halb
rothe breite Streifen eingewirkt , Die Rechte ist erhoben mit dem früher beschriebenen Gestus , die Linke hält eine offene Pergamentrolle ,
deren Inschrift die Zeichnung deutlich giebt. Der Fussboden ist grün , der rechte Ellenbogen war etwas beschädigt .
Dicht daneben auf dem Pfeiler zwischen dem ersten und zweiten Fenster folgt wahrscheinlich Jonas , Fig . . Blatt XXX ; denn
2 .

die beiden Buchstaben AG an der linken Seite des Kopfes sind noch erhalten , und die rechte Seite bot nicht gut mehr als für drei Buch¬
staben Raum . Er hat das helle graubraune Obergewand nach Art der römischen Senatoren umgenommen , das helle bläulich grüne Un¬
tergewand mit Silberlicht ist mit breiten rothen Streifen durchweht . Die Pergamentrolle der linken Hand ist mit Gold und Silber ver¬
ziert , das braunschwarze Haupt - und Barthaar kurz verschnitten und der Nimbus von blauer Farbe .
Der über dem Kopfe dieser Figur befindliche Inschriftrest : NTIAOC möchte zu der früher darüber , neben dem ersten Fenster der
zweiten Reihe , stehenden Figur gehört haben , von der nur ein Fuss mit Sandalen und der mit grünen Quadrat - und Kreislinien ver¬
zierte Saum eines weissen Kleides erhalten ist , und die vermuthlieli eine Engelsgestalt darstellte , da sie nicht auf dem Grün der Erde
stand , wie die Propheten .
Von dem dritten Propheten in der Reihe ist nur der jugendliche Kopf ohne Bart , ein Theil der Brust und der rechte Arm mit
der erhobenen Hand erhalten , wie Fig . . Blatt XXX . darstellt , und ist dieses nach der Inschrift ohne Zweifel Habakuk . Die übrigen
3

Figuren dieser Wand sind vernichtet .


Bilder östlichen
im Bogen. Den Figurensclnnuck des östlichen Tragbogens kann ich nur nach einer kurzen Besichtigung vor dessen Wiederbedeckung
beschreiben :
In dem Scheitel der Leibung befand sich ein ähnliches Medaillon , wie im westlichen Bogen , jedoch mit weissem Grunde . Darin
war dargestellt ein niedriger goldener Tisch , auf dem zwei grüne Kissen über einander lagen , darüber vorne herabhängend eine blaue
Decke mit weissem Saume ausgebreitet und darauf ein goldenes Buch mit roth eingefassten Deckeln liegend . Auf dem Buche stand ein
goldenes Kreuz mit drei Querbalken , deren mittlerer länger als die beiden anderen und im Kreuzpunkte mit dem senkrechten oder Leib¬
balken von einem weissen Kreise umgeben war . Zur rechten Seite davon , gen Süden , befand sich die Figur Johannes des Täufers , mit
erhobener rechter Hand , in der linken auf einem Stabe ein Kreuz mit drei Querbalken , ähnlich dem vorbeschriebenen , haltend . Er hatte
lang herab wallendes Haar und einen zweitheiligen Bart , als Unterkleid ein braunes zottiges Fell und ein fliegendes helles Obergewand ,
die linke Schulter bedeckend ; überhaupt war die Figur in sein * bewegter tanzartiger Stellung , sehr verschieden von den bisher be¬
schriebenen streng gezeichneten Gestalten und von schlechter Ausführung .
Zur Linken des Medaillons , dem Johannes gegenüber , befand sich Maria als Mutter Gottes vNou ) bezeichnet ; nach griechi¬

scher Art betend mit ausgebreitet erhobenen Armen und Händen . Die Kleidung bestand in einem blaugrünen Schleier mit Goldsaum ,
einem braunrothen , am Halse geschlossenen , über die Arme nach hinten zurückgeworfenen Obergewandc und einem weissen Unter -
gewande , das durch eine goldene Schnur über den Hüften gebunden war . Auch diese Figur hatte viel Bewegung und ermangelte der
strengen Zeichnung .
Unter dieser Maria war die Portraitfigur des Kaisers Johannes Paläologus angebracht , welcher , wie schon früher erwähnt , in der
Mitte des XIV . Jahrhunderts die letzte Hand an die Restauration der Sophienkirche legte und auch einige Mosaiken wieder lierstellen
liess ; es ist demnach sehr wahrscheinlich , dass alle Figuren dieses Bogens aus dessen Zeit stammen , wofür sowohl die bewegten weniger
streng gezeichneten Stellungen , als die schlechte Ausführung und die Schrift Charaktere sprechen , welche nicht mehr den monumen¬
-

talen Styl der älteren Inschriften tragen , sondern mehr den einer Currentschrift . Auch Kreuze mit drei Querbalken kommen in den
übrigen Mosaiken der Sophia nicht vor . Der Kaiser trug auf dem Haupte einen mit Edelsteinen und Perlen geschmückten Kronenreif ,
an jeder Seite mit herabhängenden grossen Perlenschnüren , ein über und über mit Perlen . Edelsteinen und Stickereien bedecktes dicht
K »
anliegendes goldenes Untergewand , einen eben so behandelten Mantel von der linken Sehulter herabhängend und um Hals und Brust
eine Art breiten Ringkragen , ebenfalls reich gestickt , ln der rechten Hand hielt er einen Seepter . dessen Krönung fehlte , auf der lin¬
ken eine rotlie Rolle mit einem weissen herabhängenden Tuche umschlungen . Der untere Tlieil der Figur war beschädigt .
BiMprdes . Von der Figurendec atioii der Beuiagewölbe kann ich nicht aus eigener Anschauung Nachricht geben : nach dem mir Mit -
Bema <) i *

getheilten befindet sich an der linken , südlichen Seite des Tonnengewölbes ein Erzengel mit einem Stabe , Lanzen - oder Standarten -
scliaft ) in der Rechten und einer Weltkugel in der Linken , wie ihn Blatt XXL darstellt . Die Kleidung ist weiss mit Bold durchwirkt ,
, 12 “

an den Füssen trägt er die rothen Kaiserlichen Stiefel .


Der Bogen an der Stirn der Apsisconche trug eine Inschrift , von der bloss das Ende : CEIE 1IAAIN erhalten ist ; die Mitte dieser
Gonehe über den fünf Fenstern schmückt , die Darstellung der Mutter Bottes : auf einem Throne sitzend , vor sich zwischen den Knieen das
stehende Christuskind haltend . Das hellblaue Obergewand , dem Kopfe zugleich als Schleier dienend , hüllt die ganze festalt ein , nur an (

der Brust , an den Unterarmen und dicht über den Füssen das weisse mit fold verbrämte Untergewand freilassend . Die rechte Hand
(

ruht auf der rechten Schulter des Christuskindes , die linke an dessen linker Hüfte . Christus hält die Rechte vor sieh erhoben , die Linke
gegen die Brust gelehnt : sein einfaches Kleid ist weiss , über den Hüften mit einer Boldschnur gebunden : das Haupthaar frei herabwal¬
lend , der Nimbus mit den drei Strahlen versehen . Der Thron ist golden mit rothem Ornament ohne Rücklelmc , das Sitz - und F usskis - '

sen von grüner Seide .


Ueber der Mitte des Schiffes in den vier Zwickeln der Hauptkuppcl befinden sich Cherubimköpfe , jeder mit sechs Flügeln ,
Bilder der Hauptkuppcl .
wie Fig . . Blatt XXXI . zeigt ; in Fig . 10 . ist einer der 4 Fuss 2 Zoll hohen Köpfe nach einem grösseren Massstabe gegeben . Der Ernst
9

des Ausdrucks erinnert an die antiken Darstellungen des Medusenhauptes , das gelockte Haupthaar hat eine braune Farbe , die Oberfedern
der Flügel sind lieht blaugrün , die Unterfedern hellbraun ; letzteres ist in Fig . . durch eine dunklere Tönung angedeutet ,
9

Das grosse Scheitelbild der Kuppel ist verschwunden , nach Du Gange ) war daselbst Christus als Weltrichter auf dem Regen¬
127

bogen sitzend dargestellt ,


Die Kuppeln des Frauenchores , Oynaeceum , scheinen Darstellungen aus dem neuen Testamente enthalten zu haben ;
Bilder des Frauenchores .

nur von einer derselben , der Ausgiessung des heiligen feistes über die zwölf Apostel , sind Reste vorhanden , wie auf Blatt XXXI Fig . .
( . 1

angegeben ist . Fig . bis . geben die Ueberbleibsel der Apostel nach einem grösseren Massstabe , die einzelnen Köpfe sind 1 Fuss 2 Zoll
. 2 5

hoch . Die Bewänder sind hell weisslieh mit Silberlicht , der in Fig . . dunkler angegebene Streifen ist halb roth , halb blau . Hinter den
2

Aposteln zog sieh ein brauner Teppich umher , dessen oberer Rand mit einem Mäander , halb blau , halb roth , verziert war . Von dem
Throne in der Mitte war nur ein Tlieil erhalten , darauf ein grünes Kissen und herabhängend ein Stück blaues Bewand mit goldenen
Zierden . Die Darstellung auf Blatt XXV . Fig . . ist eine Restauration , aus der die Anordnung der Farben ersehen werden kann , mit
1

Ausnahme der des Christusbildes , welches aus der Darstellung Blatt XXVII . entlehnt ist, Fig . . Blatt XXXI . giebt den Tlieil der noch 6

erhaltenen Volksgruppen in den Kuppelzwickeln , welche der heiligen Handlung zuschauen ; auffallend ist die Charakterisirung des nie¬
deren Volkes im Begensatze zn den edlen Apostclgestalten . Wenn man , in der Mitte des Raumes stehend , diese Kuppel betrachtet , so
scheinen die Apostel aufrecht zu stehen und die lichtgrauen Strahlen mit den rothen feurigen Zungen aus dem Himmel auf dieselben
herab zu schiessen .
Ueber der südlichen Thür des Frauenchores , am Westende der Kirche , nach dem Raume über der südlichen Vorhalle des Narthex ,
befänden sich in einem Bogenfelde Figurenreste , welche jedoch nicht mehr genau zu erkennen waren . Von den Figurenresten in dem letzt¬
genannten Raume giebt Blatt XXXI . Fig . ein Beispiel : diese ; festalt befindet sieh in einer Bogenscheibe der östlichen Wand unter dem
. 7 (

( fewölbe und hat ein hellblaues Bewand mit Boldzierden . Die gewölbte Decke des Bemaches neben diesem Raume , über der Treppe , ist
mit einem grünen Rankenornamente auf foldgrund geschmückt , wovon Blatt XXXI Fig . die Hälfte darstellt . Zuletzt enthält die kleine
( , . 8

Kuppel der Capelle neben dem Frauenchore der Südseite , in dem Anbau des ersten Strebepfeilers , vier Engel , mit erhobenen Händen ein
Medaillon in der Mitte der Kuppel tragend , von ähnlicher Anordnung , wie in der Seitencapelle bei Sa . Prassede ) zn Rom , jedoch von I2S

schlechter musivischer Arbeit .


Im Vorstehenden sind sämmtliche figürliche Darstellungen angeführt , die zu meiner Kenntniss gelangt sind ; die meisten , mit Aus¬
nahme des westlichen und östlichen Tragbogens , möchten der Zeit Justinian s angehören , wenngleich Paulus Silentiarius , der sonst so

genau ist , nicht , in eine nähere Beschreibung derselben eingeht .


Das Gesammte der hier beschriebenen musivischen Decoration , ohne Zweifel der Hauptschmuck des Innern , macht auf den Be¬
schauer einen wunderbar fesselnden Eindruck ; der Goldglanz der vielfach gebogenen Flächen wechselt , vom hellsten Strahl bis zum tie¬
fen Schattendunkel , stets einen neuen Gegensatz zu den leuchtenden Farben des Ornaments bildend , und diese , bald hell , bald dunkel
auf dem wechselnden frunde sich abhebend , schimmern in den verschiedensten Nuancirungen . Das Auge kann sich an diesem Spiele
(

der Farben nicht satt sehen , und Paulus Silentiarius sagt nicht mit Unrecht : wer einmal den Fuss in diesen Tempel gesetzt hat , begeh¬
ret nicht wieder zurück ' ) . 1 20

Einrichtungen für len Cultus .


(

Der Narthex , das Schiff , die Seitenhallen und das Frauenchor , überhaupt der Laienraum hat , wie schon erwähnt , durch die Ver¬
*

wandlung der Agia Sophia in eine Moschee keine wesentliche Umänderung erlitten , wohl aber der Raum für den Clerus : das Bema und
die Solea nebst Zubehör . Die ehemals trennenden Schranken sind niedergerissen ; die Priestersitze mit dem Thron des Patriarchen , der
heilige Tisch nebst Ciborium , der Ambo und all das Festgeräth sind verschwunden und nur Vennuthungen können über deren frühere
Stätte beigebracht werden .
Die Körperschaft des Clerus der Sophienkirche war sehr bedeutend ; die hundert und dritte Justinianische Novelle 130 ) welche die ,

masslosen Ernennungen des Patriarchen beschränkte , weil die Einkünfte für die Besoldungen nicht mehr ausreichten , setzte folgende
Zahlen für deren Mitglieder fest : Priester GO , männliche Diaconen 100 , weibliche 40 , Subdiaconen 90 , Lectoren 110 , Cantoren 25 , zusam¬
men 425 Personen , und mit den 100 Thürstehern ostiarii ) 525 . Allein schon unter dem Kaiser Heraclius hatte abermals eine allmälige
(

Vermehrung der Geistlichkeit in der Weise stattgefunden , dass die den einzelnen Rangordnungen angewiesenen Plätze der grossen Kirche
kaum ausreichten , und der Kaiser sich genöthigt sah , die damals bestehenden Zahlen als nicht mehr zu überschreitende in folgender
Weise festzustellen ) Priester 80 , männliche Diaconen 150 , weibliche 40 , Subdiaconeu 70 , Lectoren 160 , Cantoren 25 und Tliürstelier 75 ,
: 131

also in Summa 600 Personen .


Es muss jedoch hierbei bemerkt werden , dass die Geistlichkeit der Sophia auch den Dienst in noch drei anderen , derselben nahe
gelegenen Kirchen versah , nämlich in der Mutter Gottes Kirche , von der Verina , und in der Kirche des Märtyrers Theodorus , von dem
- -

Sporatius erbaut , so wie in der Irenenkirche , welche alle drei keinen eigenen Clerus hatten .
Der den Priestern allein zustehende Raum , das Bema , muss , nach der Oertlichkeit zu schliessen , die mittlere östliche Nische un¬
ter der Apsiseonehe und dem davor liegenden Tonnengewölbe eingenommen haben , so dass dessen Abschluss , die Cancellenwand , an
der Grenze der grossen östlichen Halbkuppel zwischen den das Tonnengewölbe stützenden Nebenpfeilern stand . Die Solea , für die nie¬
dere Geistlichkeit bestimmt , nahm wahrscheinlich den ganzen Raum unter der östlichen Halbkuppel ein , und scheint sich an deren Grenze
33

gegen das Schiff hin ebenfalls eine wenn auch niedrige Schranke zwischen den beiden östlichen Hauptpfeilern befunden zu haben ; denn
Evagrius ) giebt das Längenmass der Kirche von der heiligen Conche ) bis zur gegenüber liegenden Thür zu 190 griechische Fuss
133 134

an , und dieses Mass , von der westlichen Ilauptthür ab gerechnet , trifft ungefähr in den Anfang der östlichen Halbkuppel . Zwei andere
vom Evagrius angegebene Dimensionen : 260 Fuss für die ganze Länge der Kirche von Westen nach Osten , und 180 Fuss für die
Höhe des Kuppelraumes über dem Fussboden , stimmen mit den von mir nach preussischem Masse gefundenen resp . 259 und 179 Fuss so
nahe zusammen , dass hiernach das griechische Fussmass dem preussischen ziemlich gleich geachtet werden kann . Die Breite der Kirche ,
welche ich im Schiff unter der Kuppel zwischen den Hauptpfeilern zu 106 Fuss gefunden habe , giebt er zu 115 Fuss an , ohne jedoch
genau zu sagen , wo er gemessen habe .
Von der Solea aus zugänglich muss der Ambo noch etwas weiter nach Westen in das Schiff vorgeschoben gestanden haben ; denn
Paulus Silentiarius weiset ihm seinen Platz in der Mitte der Kirche , jedoch etwas mehr nach Osten , an . Da von dem Ambo herab die
Evangelien und Episteln vorgelesen , die Predigten und Anreden an die Gemeinde gesprochen , auch die Kaiser auf demselben gekrönt
wurden 135 ) so musste er der Versammlung im Schiffe nahe gerückt sein und zugleich einen westlichen Aufgang vom Schiffe aus haben ,
,

wie auch Paulus Silentiarius angiebt . Unter demselben innerhalb der umgebenden Schranken hatten die Sänger ihren Platz , welche den
Gemeindegesang , in Ermangelung der jetzt gebräuchlichen Orgeln , durch Vorsingen leiteten . Die Einrichtung und Ausschmückung die¬
ses Prachtbaues ist aus der im Anhänge übersetzten Beschreibung des Paulus Silentiarius zu entnehmen , welcher ein Restaurations¬
versuch beigefügt ist .
Der nördliche Exeder , zunächst der rechten Seite des Bema , muss als Prothesis und der südliche als Diaconicum gedient haben ,
da andere Nischen für dergleichen Zwecke nicht vorhanden sind . Beide Benennungen Prothesis und Diaconicum ) kommen in der Be¬
(

schreibung der Krönungs - Ceremonien bei Cantacuzenus vor , ausserdem die letztere noch bei Codinus ) In diesen Räumen waren vor¬
. 130

zugsweise die Diakonen bei den Vorbereitungen zu den heiligen Handlungen beschäftigt , und zwischen den Säulen hindurch konnten
sie leicht zu der Sacristei und dem Bema mittelst der Bogengänge in den Nebenpfeilern gelangen .
Die Cancellenwand des Bema hatte 12 Säulen und dazwischen 3 Tliüren , die heiligen : eine mittlere grössere und zwei kleinere
zu den Seiten ) Diese Säulen müssen , je drei , näher zusammen gestanden haben , wie schon aus der Verschiedenheit der Thürweiten
. 137

hervor geht ; denn bei dreizehn gleichen Zwischenweiten kämen von der 47 Fuss grossen Entfernung der Nebenpfeiler , zwischen denen
die Wand stand , noch nicht 3 Fuss auf jedes Intercolumnium nach Abzug der Säulenstärke . Vielleicht standen sie auf einem Stylobat ,
wie in . Marco zu Venedig , welches die Tliüren durchschnitten ; über denselben befand sich ein Fries von silbernen Relieftafeln
S ) . 138

Die Gesammthöhe der Wand , nach der früher erwähnten Umänderung der Marmortäfelung zu scliliessen , kann beiläufig 14 Fuss be¬
,

tragen haben .
Der heilige Tisch von Gold auf goldenen Säulen und Stuffen ) wird der mittleren Cancellenthür gegenüber , etwa in der Mitte
139

des mit dem Tonnengewölbe bedeckten Raumes , gestanden haben ; der fungirende Priester befand sich bekanntlich an dessen Ostseite , mit
dem Gesichte der Gemeinde zugewendet , Ueber demselben erhob sich der Prachtbau des Ciboriums auf vier silbernen Säulen , zwischen
denen reich geschmückte Vorhänge herab hingen . Die hochragende achtseitige Spitze krönte , auf einem Blätterkelche ruhend , eine sil¬
berne Weltkugel , auf der das Kreuz stand . Von der Decke des Ciboriums hingen herab die den heiligen Geist darstellende Taube mit
der Kapsel pyxis , welche die Eucharistie für die Kranken enthielt , und verschiedene Kränze und Kronen
( ) ) Die nähere Beschreibung. 140

dieses Prachtwerkes giebt Paulus Silentiarius ) . 141

An der gebogenen Rückwand des Apsis befanden sich die Sitze der Priester und in deren Mitte der Thron des Patriarchen ) . 142

Den reichen Apparat von Kandelabern , Ampeln und Kronen zur nächtlichen Erleuchtung der Sophienkirche hat Paulus Silentia¬
rius . Vers 390 u . f. sehr umständlich beschrieben .
II

Der gewöhnliche Sitz des Kaisers , von einer Schranke umgeben , befand sich nach Paulus Silentiarius ) in der südlichen Seiten¬ 143

halle , und nach einer Stelle des Codinus ) neben dem Diaconicum , also am östlichen Ende der Halle ; der Sitz der Kaiserin aber nach
144

Evagrius in einer der mittleren Abtheilungen des Frauenchores ) vielleicht ebenfalls an der Südseite , wo sich das mit der Ausgiessung
, 14 ;’

des heiligen Geistes geschmückte Gewölbe befindet , weil der Weg vom Palaste zunächst nach der Südseite der Kirche führte .
Für die Krönungsfeierlichkeiten wurde ein besonderes Throngerüst im Schiff' der Kirche erbaut , vielleicht an der Stelle , welche ,
wie früher erwähnt , durch musivische Muster im Fussboden ausgezeichnet ist,

A 6 I A IRENE .
BLATT XXXIII .

Die alte Kirche der heiligen Irene wurde von Constantin dem Grossen , also im Anfänge des IV . Jahrhunderts , erbaut ; sie lag
nahe bei der Sophienkirche , eingeschlossen in deren Umfriedigung und von demselben Clerus verwaltet , weshalb sie auch den Beinamen :
die Patriarchale arqiao /' lov ) führte
( TT. ^ )
. 14 <>

Im fünften Regierungsjahre Justinian s theilte sie das Schicksal der Sophienkirche ; sie brannte im Nika Aufstande ab . Justinian
’ -

bauetc sie ebenfalls neu auf , und zwar in einer Ausdehnung , dass , wie Procopius versichert ) sie in Constantinopel nur der Sophien -
, 147

kirchc an Grösse nachstand .


Im acht und dreissigsten Regierungsjahre Justinian s brannte abermals das Mesaulon und ein Theil des Narthex der Kirche ab ;

und unter Leo dem Isaurier , in der ersten Hälfte des VIII . Jahrhunderts , wurde sie von einem Erdbeben zertrümmert , Notizen über
ihre Wiederherstellung sind mir nicht bekannt .
Die im ersten Vorhofe des Serails dicht hinter der Sophia liegende , auf Blatt XXXIII . dargestelltc Kirche , jetzt von den Türken
zur Aufstellung einer Waffensammlung benutzt , wird allgemein die Kirche der heiligen Irene genannt .
Die Situation und jetzige Bestimmung des Gebäudes begünstigten die Aufnahme desselben nicht ; die Dimensionen sind theils nach
Schritten , theils durch Vergleiche nach dem Augenmasse bestimmt , wobei ein Ucbcrblick von den Dächern der Sophienkirche aus sehr nütz¬
lich war . Im Innern habe ich nur den ehemaligen Narthex und das Schiff' betreten können ; die Treppen Anlagen am Ostende , die daran-

liegenden Räume , so wie die unteren Seitenhallen des Schiffes sind daher nur nach Vermuthungen aufgezeichnet , Mehrere Oeffnungen
sind jetzt zugemauert , jedoch im Aeusseren noch an den Ueberwölbungen kenntlich , . B . die beiden grossen Fenster der Nordseite
z

und zwei diesen entsprechende an der Südseite , deren Pilaster Ausbau jedoch eine Conjectur ist ; ferner die Apsisfenster der Ostseite
-

und die Fenster der mutlnnasslichen Treppenräume daneben .


Die jetzige Gestalt des Gebäudes mögte wohl aus einer Restauration nach dem Erdbeben im VIII . Jahrhundert hervor gegangen
sein ; die Bauweise der Aussenwände , aus abwechselnden Schichten von weisslichen Marmorquadern und Ziegeln , welche der späteren
Zeit der Byzantinischen Schule angehört , spricht für diese Annahme . In der Anlage ist die Kreuzform in Verbindung mit dem Kuppel¬
system deutlich ausgesprochen , jedoch mit der Besonderheit , dass das Schiff' gegen Westen durch einen Raum verlängert ist , dessen
17
34

mittlere Abtlieilung ein elliptisches Kappengewölbe deckt , gegen Norden und Süden getragen von Tonnengewölben , die ebenfalls nach
elliptischen Bogenlinien aufgeführt sind . Der Irundplan hat dadurch eine Annäherung an die Form der Basilikenkirchen erhalten , und
(

es wäre möglich , dass man bei dem Neubau zu Justinian s Zeit dem Grundplane eines alten Basilikenbaues gefolgt wäre .
'

Die Hauptkuppel , wie gewöhnlich von Tonnengewölben getragen , hat einen vollständigen Tambour , aussen mit Strebepfeilern
zwischen den 20 Fenstern , und zeigt , wie der ganze Bau , angenehme Verhältnisse . Die Oeffnungen der Tonnengewölbe in den Aussen -
mauern der Süd - und Nordseite sind mit etwas zurücktretenden Scliildmauern geschlossen , welche Fenstergruppen enthalten : der untere
Tlieil dieser Schildmauern hegt jedoch bündig mit den Stirnen der Tonnengewölbe . Die Strebepfeiler an der Nordseite könnten wohl
spätere Zusätze sein . Der Stockwerksbau des Frauenchores liegt in den südlichen und nördlichen Tonnengewölben ; der Narthex hat
ebenfalls ein oberes Geschoss , und westlich schliesst sich demselben ein Atrium mit Hallen an , das neuerdings zu einer Art Museum für
antike Baureste eingerichtet ward .
Die äusseren Mörtelfugen , namentlich der Ziegelsteinschichten , sind 2 bis 2 Zoll stark , und haben das Eigenthümliche , dass sich
1 '

Reliefmuster etwa in folgender Weise : nLJn


J ,LJ ' r darauf befinden , die mittelst einer Form aufgedrückt zu sein scheinen . Die Krö¬
nungsgesimse sind von Ziegelsteinen gebildet , Eckschichten mit glatten abwechselnd . Die Dächer sind mit Blei gedeckt , die Giebelmauern
aber mit Dachsteinen .
Das Innere ist sehr einfach nur durch einige stark profilirte Gesimse von weissem Marmor gegliedert : die Brüstungen des Gynä -
ceums fehlen jetzt , ob früher noch anderer Schmuck vorhanden war , ist nicht mehr sichtbar .

AG1A THEOTOKOS , KLOSTERKIRCHE DES UPS .


BLATT XXXIV . XXXV .
Am westlichen Abhange des Hügels , den die Soleimaniah krönt , im Dshir dshir mahalessi , liegt eine kleine , ehemals christliche ,
jetzt , wie fast alle ihre Schwestern , dem Islam dienstbar gemachte Kirche , von zierlichen Verhältnissen . Dieselbe ist schon früher von
Alb . Lenoir gezeichnet und in Gailhabaud ’s, monuments anciens et modernes tome me unter dem Namen eglise de Theotokos bekannt
2

gemacht . Diese Darstellung enthält jedoch mehrere Abweichungen von dem jetzigen Zustande und einige nicht unerhebliche Unrich¬
tigkeiten .
Eine Feuersbrunst schien den umliegenden Stadttheil lange vor meiner Anwesenheit verwüstet und die Kirche selbst beschädigt
zu haben ; während meines Aufenthalts in Constantinopel wurde dieselbe für den türkischen Gottesdienst wieder hergestellt . Bei dieser
Restauration sind verschiedene Veränderungen vorgenommen , so . B . habe ich die Halle mit vier Säulen an der Südseite der Kirche ,
z

von Lenoir noch gezeichnet , nicht mehr vorgefunden , und nur ihren östlichen Schluss im Fundamente , vor dessen Abbruch , noch messen
können . Die Brüstungen zwischen den Säulen des äusseren Narthex , bei meinem ersten Besuche der Kirche noch vorhanden , waren
später verseil wunden ; sie bestanden aus verde antico ; von den über denselben in der Lenoirschen Zeichnung angegebenen Fensterstöcken
ist mir nichts zu Gesicht gekommen . Eine Krönung des äusseren Narthex nach Bogenlinien war nicht vorhanden , statt dessen ein horizon¬
tales Krönungsgesims ; jedoch wäre es möglich , dass dieses bei dem Restaurationsbau abgeändert worden ; durchaus unwahrscheinlich ist
mir dagegen das frühere Vorhandensein der rechteckigen Umrahmung der Eingangsthür , wie Lenoir sie gezeichnet hat ; denn an den
Stellen zu beiden Seiten der Thür , wohin die aufrechten Tlieile dieser Umrahmung treffen würden , sind jetzt unbestreitbar alte Nischen
vorhanden . Eben so wenig kann die kleine Kuppel des Narthex über dieser Thüröffnung offene Fenster gehabt haben , da im Innern
sich sechszehn feine Rippen Abtheilungen mit Resten alter Mosaikzierden vorfanden ; überhaupt sind sämmtliche Kuppeln , die drei klei¬
-

neren des Narthex sowohl , als die grössere über der Mitte des Schiffes , von Lenoir nicht ganz richtig gezeichnet . In den Verhältnissen
der Apsisseite habe ich auch mehrere Abweichungen gefunden , und die Breite der Seitenhallen des Schiffes etwa 2 Fuss geringer ,
als Lenoir .
Dieses zur Rechtfertigung der Differenzen zwischen meinen und den im Gailliabaud sclieii Werke gegebenen Zeichnungen .

Ueber den ehemaligen Namen dieser Kirche habe ich nichts Bestimmtes erfahren können ; Lenoir sagt , dass sie von den heutigen
Griechen Geöroxog
roh Xißov
genannt würde soll wohl heissen
( wenn diese Bezeichnung richtig ist , so hätten wir
Ai
Gso - oxog rou ßöq ) \
hier die Klosterkirche vor uns , welche Du Cange unter Nr . XXVI ) der Mutter Gotteskirchen aufführt . Darnach gehörte sie zu dem
. 148 -

Kloster , welches der Patrizier Constantinus Lips unter dem Kaiser Leo Philosophos , der von 886 bis 911 regierte , im Stadttheil Marso -
dagare in der Nähe der heiligen Apostelkirche erbaute oder neu herstellte . Später wurde es von Theodora , der Mutter des 1185 grausam
ermordeten Kaisers Andronikus , renovirt , und sind die Leichen ihrer beiden Söhne , so wie ihre eigene hier begraben ; auch Irene , die
erste Gemahlin Andronikus des Jüngeren , welcher 1328 dem Thron entsagte , ist hier beigesetzt .
Bei einer näheren Betrachtung des Bauwerkes , welches auf Blatt XXXV . Fig . . im Grundriss und auf Blatt XXXIV . in den ver¬
1

schiedenen Ansichten und im Längendurchschnitt nach einem doppelt so grossen Massstabe , als der des Grundrisses dargestellt ist , ergiebt
sich , dass die eben angeführten geschichtlichen Notizen wohl zu demselben passen . Das kleine Gebäude hat sehr zierliche Verhält¬
nisse , mancherlei , mitunter etwas gekünstelte , decorative Anordnungen im Aeussern und eine polychrome Architektur von Marmor¬
quadern und Ziegelstreifen , was alles einer Bauzeit zu Ende des IX . oder Anfang des X . Jahrhunderts entspricht . Wiederherstellung
und Hinzufügung einzelner Theile lassen sich auch erkennen , namentlich erscheint der äussere Narthex , in dem Grundriss Figur . 1

Blatt XXXV . durch hellere Schraffirung bezeichnet , als ein späterer Erweiterungsbau , obgleich daran Säulencapitäle Vorkommen , deren
Formen , wie schon erwähnt , einer sehr frühen Zeit angehören . Die jetzt abgebrochene Halle an der Südseite nebst dem vorspringenden
durch eine Kugelkappe gedeckten Raume sind gewiss spätere Anbauten und könnten wohl als Begräbnisskapellen für die hier beigesetz¬
ten Mitglieder der Kaiserfamilie bestimmt gewesen sein . An der Nordseite liegt hinter dem äusseren Narthex , ehemals durch eine Thür
mit demselben verbunden , noch ein abgesonderter Raum , der mir jedoch nicht zugänglich war .
Die vermuthlich ursprüngliche Anlage ist in Blatt XXXV . Fig . . durch dunklere Schraffirung hervorgehoben ; sie entspricht ganz
1

den in der Einleitung näher beschriebenen kleinen Kirchenanlagen der späten Byzantinischen Zeit . Bcachteriswerth ist , dass sich am
Aeusseren der Bema Apsis nicht , wie bei den früheren Kirchen , ein dreiseitiger , sondern ein fünfseitiger Schluss vorfindet , und die
-

Neben Apsiden , die Prothesis und das Diaconicum , im Aeussern nur durch Mauereinschnitte gezeichnet sind .
-

Die Tonnengewölbe , welche die Hauptkuppel stützen und mit Satteldächern abgedeckt sind , treten über den Seitendächern her¬
vor und zeichnen im Aeusseren die Kreuzfonn , über der sich die Kuppel erhebt . Diese hat einen Tambour , von kleinen Säulen geschmückt
und mit einem Bogenkranze gekrönt . Ueber dem äusseren Narthex sind abermals drei Kuppeln mit Tambouren angebracht : eine der¬
artige Wiederholung der Kuppelform ist gewiss nur bei Bauwerken der späten Zeit anzutreffen , da sie der früheren Einfachheit des
Aeusseren widerstreitet . Die Krönungsgesimse sind von Ziegeln : bei der Bogenkrönung der Hauptkuppel wechseln zwei Eckschichten
mit glatten ab ; bei den übrigen kommt nur eine Eckschicht vor . Die Dächer sind mit Dachziegeln gedeckt , mit Ausnahme der Haupt¬
kuppel , welche bei der letzten Restauration mit einer einentschicht überzogen wurde .
( ■
35

Auf Blatt XXXV . sind verschiedene Details dieses Bauwerks mitgetheilt : Fig . . giebt das Capital der ersten Säule in der äusseren
2

Wand des Exonartliex . von Süden an gerechnet : Fig . . die dazu gehörende Basis ; das Capitäl der zweiten Säule ist dem in Fig . 12 .
3

Blatt XVIII . gegebenen ähnlich . Diese beiden Capitäle waren sehr beschädigt und schienen , einem anderen Bauwerke entlehnt , ihrer
jetzigen Stelle nur nothdürftig angepasst zu sein . Das Capitäl Fig . gehört zu den Säulen im Innern des Exonartliex dicht an der Wand
. 4

gegen den inneren Nartliex , und das Fig . . zu den beiden Säulen , welche am Nordende des Narthex vor der Thür zu dem oben er¬
5

wähnten abgesonderten Raume stehen , der mir nicht zugänglich war . Die Formen der beiden letzten entsprechen der Bauzeit der Kirche
besser , als die der ersten und waren auch besser erhalten . Fig . . ist eine Ansicht der Thüreinfassung zwischen dem äusseren und in¬
6

neren Narthex , und Fig . . ein Profil des Sturzes derselben nach einem grösseren Massstabe . Das Material dieser Einfassung ist ein
7

geaderter pavonazettoartiger Marmor , die Capitäle bestehen aus prokonnesischem Marmor , so auch die meisten Säulenschafte ; mehrere
derselben sind jedoch auch von dem pavonazettoartigen Marmor .
Fig . . stellt ein unter dem Bauschutt der letzten Restauration Vorgefundenes Stück von weissem Marmor dar , welches als Ver¬
8

dachung einer Fensteröffnung gedient zu haben schien , etwa ^ Fuss lang war und an der Vorderkante die in Fig . , in der Mitte der
6 9 .

Unterfläche die in Fig . 10 , beide nach einem grösseren Massstabe , gezeichneten Verzierungen hatte .
.

Ein anderes Bruchstück , ebenfalls unter dem Bauschutt gefunden , ist in Fig . 12 . gegeben ; es enthält den Rest einer Inschrift -
Tafel und schien mir wegen der Schriftcharaktere interessant .
Die Gewölbe und Kuppeln des äusseren Narthex waren mit musivischer Arbeit geschmückt . Die Kalktünche , welche dieselben
bedeckte , liess zwar wenig davon erkennen , doch an den Bogenleibungen der Oeffnungen in der Aussenmauer waren die Ornamente ge¬
nauer sichtbar , von denen in Fig . 11 . ein Theil dargestellt ist . Abweichend von den bei der Sophienkirche beschriebenen Mosaikarbeiten
bestand hier der Grund aus einem weissen Kalkputz , in welchem nur die Ornamentmuster mit blassrothen und schwarzen Sternchen
ausgelegt waren . Die hellere Schrafhrung bedeutet in Fig . 11 . die blassrothe , die dunklere die schwarze Farbe . Der breite rothe Strei¬
fen an der rechten Seite war ebenfalls gefärbter Putz , aus dem nach Aussen die Ziegelsteine der Bogenwölbung hervor traten .
Die beiden in Fig . 13 . und 14 . gegebenen Marmorarbeiten gehören nicht zu dieser Kirche ; die erste , Bruchstück eines Gesimses ,
war in einer Futtermauer in der Nähe der Pantokratorkirche eingemauert : die andere , wahrscheinlich eine Brüstungstafel , wurde beim
Fundamentiren eines Gebäudes an der Südseite der Sophienkirche , in der Gegend , wo sich ehemals das Augusteum befand , ausgegraben
und könnte einer sehr frühen Zeit angehören . Beide waren von prokonnesischem Marmor .

AGIOS PANTOKRATOR .
BLATT XXXVI .

Die Klosterkirche des Allmächtigen £ TravroxqdroQog ) wurde vom Kaiser Johannes Oomnenus oder vielmehr von dessen Gemahlin
( ro

Irene in der ersten Hälfte des XII . Jahrhunderts , ostwärts von der Kirche der heiligen Apostel , deren Stelle jetzt die Mahomedia ein -
nimmt . hart am Rande eines Hügels erbaut , der seine schroffen Abhänge nach Osten dem goldenen Horn zuwendet und von den Türken
Sirek , . . die Höhe , genannt wird . Dem zum Theil für den mahomedanischen Cultus eingerichteten Gebäude ist jetzt der Name Kilisse
d h

Dsliami beigelegt , und ein alter Sarkophag aus verde autico vor dem westlichen Eingänge , von der Tradition als Grabstein der Kaiserin
Irene bezeichnet , dient als Wasserbehälter zu den üblichen Reinigungen der Muslimin vor dem Gebet .
Die Kirche war mit mehreren Seltenheiten ausgestattet , . . mit einem Muttergottesbilde , das , als vom heiligen Lutras gemalt ,
z B

unter grossem Zudrange des Volkes verehrt wurde ; dann mit einem rothen Steine , auf welchem der Sage zufolge der Körper Christi
nach der Abnahme vom Kreuze balsamirt und in Todtengewänder gehüllt ward , und den der Kaiser Manuel . von Ephesus herbeischaffen
I

liess . Das Grabmal dieses Kaisers befand sich in einem besonderen Heroum zur Seite der Kirche , und der erwähnte Stein war dicht
daneben aufgestellt ) Ausserdem waren die Gemahlinnen dreier Comnenen , des Johannes
. 149 , des Manuel . und des Andronicus . in
II . I I

dem Kloster dieser Kirche begraben , das ursprünglich für 70 Mönche vom Orden des heiligen Antonius bestimmt war ) . 150

Das Gebäude , dessen Grundriss Fig . . Blatt XXXVI . darstellt , besteht aus drei mit einander verbundenen Räumen ; zwei davon
1

sind mit Mittelkuppeln , jede auf vier Säulen , genau nach Art der späteren griechischen Kirchenanlagen , erbaut und stellen jede für sich
eine besondere Kirche mit ihrem Bema dar , jedoch hat nur die südliche einen Narthex , und zwar einen Doppel Narthex . Zwischen bei¬
-

den Kirchen , von denen die nördliche nur als Klosterkirche , die südliche als Parochialkirche dienen mogte , befindet sich ein länglicher
Raum mit zwei Kuppeln und einer Apsisnische , welcher aller AVahrscheinlichkeit nach das für das Grabdenkmal des Kaisers Manuel und
für die Aufstellung des Salbsteins Christi besonders erbaute Heroum ist und dessen Verbindung mit der Klosterkirche , nach der Erzäh¬
lung des Nicetas , durch in die Seitenwand der Kirche eingebrochene Bogenöffnungen hergestellt wurde .
Alle drei Hauptapsiden sind im Aeusseren siebenflächig geschlossen ; es scheint demnach , als näherte man sich im Laufe der Zeit
durch Vervielfältigung der Flächen mehr und mehr dem runden Abschluss , der auch ausserhalb Constantinopels nicht selten vorkommt .
Die Nebenapsiden sind bei diesem Gebäude im Aeusseren auch schon mehr hervorgehoben , und bei der südlichen Kirche sind sowohl
an diesen als an der Hauptapsis sehr zierliche schlanke Nischen angebracht , die der östlichen Ansicht einen lebendigen , hübschen Schmuck
gewähren . Das Baumaterial ist Ziegel ohne Beimischung von Marmorquadern .
Im Innern muss diese Kirchenanlage früher viel reicher mit Marmor geschmückt gewesen sein , als die heutigen Reste es zeigen .
Gyllius ) sah die inneren Wände noch mit verschiedenen Marmorarten bekleidet und die Kuppel der südlichen Kirche von vier röthlichen
151

Granitsäulen lapis pyrrhopoecilus , granito rosso ) getragen , jede mit 7 Fuss Umfang oder 2 Fuss \ Zoll Durchmesser , so wie die der
( 2

nördlichen von vier Säulen thebaischen Marmors porfido rosso ; jetzt sind die ersten durch weisse mit Stäben und Hohlkehlen gegliederte
( )

Marmorsäulen , wie Fig . . und . der Tafel XXXVI . im Detail zeigen , 4s Fuss im Durchmesser haltend , und die letzten durch viereckige
7 8

Pfeiler von verschiedenen Dimensionen ersetzt . Von der Marmorbekleidung der Wände ist ebenfalls nichts mehr vorhanden , als die Ein¬
fassungen der Mittelthür zwischen dem ersten und zweiten Narthex , von einem fleischfarbenen Marmor . Wahrscheinlich sind die kost¬
bareren Materialien von den Türken zu anderweitigen Bauten verwendet , und die jetzt vorhandenen Säulen an deren Stelle gesetzt wor¬
den , als die zuerst zu einer Gerberwerkstätte benutzte Kirche für den mahomedanischen Gottesdienst eingerichtet wurde .
Ein sehr schöner Schmuck ist jedoch noch übrig geblieben , nämlich der Rest eines Marmorfussbodens , welchen Fig . Blatt XXXVI . . 2

darstellt . In Fig . . ist der Ort , wo derselbe sich befindet , angegeben ; er besteht aus zwei Haupttheilen : der eine gehört zu dem Fuss -
1

boden , welcher , wahrscheinlich in derselben Weise fortgesetzt , das ganze Schiff der südlichen Kirche bedeckte oder vielleicht grössten
Theils noch bedeckt , was wegen des Teppichs der Moschee nicht genauer zu ermitteln war ; der andere bildet ein in sich geschlossenes
Ganzes , welches von der südlichen Kirche und durch eine Bogenöffnung hindurch bis in die Mitte des muthinasslichen Heroums des Kai¬
sers Manuel sich erstreckt und vielleicht die Stelle für dessen Grabmal oder für den Salbstein Christi auszeichnete . Er ist aus besonders
schönen Marmor - und Porphyrarten in eleganter Zeichnung zusammengesetzt und sehr sauber gearbeitet , Von den früher mitgetheilten
ähnlichen Arbeiten der Sophien - und der Johanniskirche unterscheidet er sich vorzugsweise 1 durch die Felder mit dem zierlichen Ranken -
18
36

Ornament und den figürlichen Darstellungen , welche , wie es scheint , Thaten des Herkules abbilden sollen . Von dem zuerst genannten
Fussbodentheile ist die Hälfte der einen Marmorscheibe , welche von farbigen Zickzackbändern umschlungen wird , in Fig . . nach einem 3

grösseren Massstabe dargestellt , und in Fig . ein Tlieil des Musters , welches den Fries um diese und die daran liegenden Scheiben und
. 4

Platten füllt . Die Zickzackbänder , so wie die weiss und grünen Eckfeldchen , sind von Glasflüssen zusammengesetzt ; das andere besteht
durchweg aus Marmormosaik . Dieser Fussboden liefert den Beweis , dass man auch in später Zeit zu Oonstantinopel schöne Marmor¬
mosaiken zu fertigen verstand und in dieser Richtung der Geschmack nicht zurückgegangen war .
In Fig . . und . sind zwei Ansichten des oben erwähnten Sarkopliages von verde antico gegeben ; neben Fig . . steht ein Profil
5 6 5

der Gliederung des unteren Kastens und neben Fig . . ein solches der Glieder des Deckels .
6

Die Aufnahme zweier Kirchen Constantinopels , welche der späteren Zeit angehören , hat mir nicht gelingen wollen : bei der einen
wurde auch nicht der flüchtigste Anblick des Innern gewährt : es ist dieses :
DIE KIRCHE DES KLOSTERS C1I0RA ,
in der Nähe des Adrianopeler Thores . Das Kloster des Feldes uo ^ rijg d Qag , früher ausserhalb der Stadt belegen , wurde zuerst vom
( ( % > )

Kaiser Justinian erbaut ; nachdem es vor Alter zusammengefallen war , baute Maria , die Gemahlin des Andronicus Ducas und Schwie¬
germutter des Kaisers Alexius Comnenus , etwa gegen Ende des XI Jahrhunderts , die Kirche in anderer Form vom Fundamente aus neu
.

auf. Später , als die Kirche wieder den Einsturz drohte , wurde sie vom Gross Logotheta Theodorus Metochita , unter der Regierung des
-

Andronicus , welcher von 1283 bis 1328 den Thron besass , restaurirt und fast Alles daran neu gemacht , mit Ausnahme der Mitte des
II .

Tempels also wahrscheinlich mit Ausnahme der Mittelkuppel


( ) ) . 152

Gyllius ) führt diese Kirche auf dem siebenten Hügel , zwischen dem Constantins Palaste und dem Adrianopeler Tliore liegend ,
153 -

unter dem Namen x tarog ^ an , und erzählt , dass sie von drei Seiten mit einem Porticus umgeben und an den inneren Wänden mit
verschiedenartigen quadratischen Marmortafeln bekleidet sei , die von unten nach oben durch Stäbchen , theils mit Perlen versehen , theils
glatt ohne Perlen , getrennt wären , lieber diesen quadratischen Tafeln liefen drei Bänder hin und drei Astragale , davon zwei rund , deren
oberster aber ein viereckiger Stab sei ; über diesem Bande oder Friese befänden sich Zahnschnitte und über letzteren korinthische Blät¬
ter . Ueberhaupt sei der Marmor so in Glieder getheilt , dass daraus die korinthische Anordnung hervorgehe , wie dieses jedoch bei der
Sophienkirche noch deutlicher einleuchte . Nach dieser Beschreibung zu schliessen , müsste die innere Decoration eine Nachahmung der
Marmortäfelungen in der Sophienkirche sein .
Die Kirche ist jetzt in eine Moschee verwandelt und trägt den Namen Kahrije Dshami . von Hammer ) giebt an , dass in den 154

Gewölbezwickeln der Kuppel noch Seraphimgestalten in musivischer Arbeit vorhanden seien , und über der Thür das Bild des Stifters
Theodorus Metochita , der den Plan der Kirche Christus dem Herren darbringt .
Das zweite nicht näher untersuchte altchristliche Gebäude ist nach der Meinung von Hammer ) ’ s : 155

DIE KIRCHE DES KLOSTERS PANTEPOPTAE ,


des Allsehenden . Sie liegt nicht weit von der eben erwähnten gegen Süden , auf dem Gipfel des fünften Hügels der Stadt , und ist unter
dem Namen Fetliije Dshami dem mohamedanischen Gottesdienste geweiht .
Nach Du Cange ) wurde das Kloster des Allsehenden rov TravTeirÖTCTov ) von Anna Ducaena , der Mutter des Alexius , also gegen
156 (

Ende des XI . oder Anfang des XII Jahrhunderts erbaut ; die Kirche ist nicht so bedeutend , wie die vorhergehende : in einer Seitenkuppe ]
.

derselben befindet sich die musivische Darstellung der zwölf Apostel , ähnlich der im Gynaeceum der Sophienkirche , jedoch viel kleiner
und von minder guter Arbeit .

SAALBAU DES HEBDOMON


BLATT XXXVII . XXXVIII .

In der Nordspitze Constantinopels , zwischen Edreneh Kapu dem Adrianopeler Thore , ehemals das Thor Polyandria , und Egri
( )

Kapu , dem ehemaligen Charsias Thore , in den Mauern der Landseite , liegt ein altes Byzantinisches Gebäude , das die Türken Tekfur -
-

Serai nennen , und in welches sich eine Colonie spanischer Juden eingenistet hat .
Die Stadtmauer , vom Adrianopeler Thore her in nordöstlicher Richtung gerade auf den Hafen , das Goldene Horn , hin sich er¬
streckend , macht plötzlich bei diesem Gebäude eine Wendung nach Nordwest , parallel mit dem Hafen , so dass ein einspringender Win¬
kel die Richtung der Stadtmauer unterbricht . Ohne Zweifel ist dieses die Stelle , wo sich die neue Mauer der alten Tlieodosianischen
anschloss , als ein Theil des Hebdomon und des Blacliernen Quartiers , welche früher eine Vorstadt bildeten , in die Umwallung der Stadt
-

gezogen wurden . Tekfur Serai liegt demnach auf der Höhe , welche ehemals den Namen Hebdomon führte . Die Anlage des Gebäudes
-

ist eine ganz besondere : Die Landmauern Constantinopels sind bekanntlich zweifach , vor der inneren höheren liegt eine niedrigere äussere ,
der Raum zwischen beiden hat etwa 22 Fuss Breite ; in einigem Abstande von der äusseren Mauer folgt ein breiter Graben , dessen Re -
vetementsmauer an der Feldseite etwas über dem Terrain vortritt und crenelirt ist . Zwischen diese Mauern , und zwar zwischen die
nordwestlich gewendeten , ist das dreistöckige Gebäude so hinein gebaut , dass die beiden unteren Stockwerke innerhalb des hier 55 Fuss
breiten Zwischenraumes liegen , das oberste dagegen hoch über den Mauern hervorragt , seine Giebel auf die innere und äussere Stadt¬
mauer stützend .
Den unteren Stock bildet eine auf zwei Säulenreihen gewölbte Halle , die an der nördlichen Seite mittels vier grosser Bogen¬
öffnungen , von einem Zwischenpfeiler und zwei Paar gekuppelter Säulen abgetheilt , mit dem freien Raume zwischen den Stadtmauern
in Verbindung steht ; die Südseite dieser Halle ist ganz geschlossen , eben so die Ost - und Westseite durch die Stadtmauern .
Der zweite Stock ist ein Zwischengeschoss , jetzt von den erbärmlichen Wohnungen der Juden mit ihren Dächern eingenommen ,
so dass sich keine frühere Eintheilung mehr unterscheiden lässt ; die Fensteröffnungen befinden sich auch hier nur an der Nordseite , und
ist deren letzte westliche mit einem Aufgange aus dem Hofraume , an der äusseren Stadtmauer liegend , in Verbindung gesetzt .
Das dritte Geschoss scheint früher Elin grosser Saal von 33 V Fuss Breite , 74 Fuss Länge und einigen zwanzig Fuss Höhe im In¬
nern gewesen zu sein . Fussboden , Decke und Dach fehlen jetzt , doch sind die Umfassungsmauern und selbst die Dachgiebel noch wohl
erhalten . Dieser Saal hat an allen vier Seiten Oeffnungen ; an der östlichen liegt auf der inneren Stadtmauer ein Altan auf Bogen und
Kragsteinen , von dem man eine vortreffliche Aussicht über die Stadt und das Goldene Horn hat . An der südlichen Ecke schliesst
dieser Altan über einer Art Eckthurm ab . der wohl früher eine Wendeltreppe zu der unteren Halle enthalten haben könnte . An der
37

südlichen Langseite befindet sieli ein , wie es scheint , später angelegter kleiner Erker , der aber wegen der hohen Lage der Lichtöffnungen
nicht für eine; Aussicht bestimmt gewesen sein kann . Der westliche Diebel ist nach dem Campus des Ilebdomon , dem Exercir - oder
IJebungsplatze des Byzantinischen Heeres gewendet . Der Saal stand sowohl an der Nordostecke , als an der Südwestecke , mit den Gän¬
gen der Stadtmauern in Verbindung .
Die heutigen Griechen bezeichnen das Gebäude als Palast OonstantiiVs , die späten Byzantinischen Schriftsteller scheinen es auch
dafür angesehen zu haben , und Gyllius betrachtet es ebenfalls als einen Tlieil des Palastes , den Constantin der Grosse ausserhalb der
Mauer im Ilebdomon gründete und der . von verschiedenen Kaisern vergrössert , häutig unter dem Namen Magnaura bei den Byzanti¬
nischen Schriftstellern vorkommt . Die Kaiserpaläste bestanden aus verschiedenen Hallen und Saalbauten , Triklinien , die durch Höfe
und Säulengänge mit einander in Verbindung gesetzt waren , und ein solches Triklinium des Magnaurapalastes könnte wohl der in Rede
stehende Saal gewesen sein . Allein vor der ersten Hälfte des IX . Jahrhunderts ist das febäude schwerlich errichtet ; denn obgleich der
(

Kaiser Heraclius im Jahre 635 das Blachernen Quartier zuerst mit einer Mauer umgab , um den berühmten Blaehernen Palast nebst der
- -

Muttergotteskirche gegen die Streifereien der Avaren und Hungarn sicher zu stellen : so legte doch erst Leo Armenius , welcher von 813
bis 820 regierte , eine starke zweite Mauer mit einem breiten und tiefen Graben vor der Blach erneu Mauer an , und nur diese Mauer
-

kann es sein , auf welcher das Gebäude ruhet .


Vorzugsweise war es Kaiser Tlieophilus . der Hersteller der Stadtmauern an der See - und Hafenseite , welcher , von 829 bis 842
regierend , den Palast Magnaura schmückte , auch unter anderen Prunkstücken einen goldenen Baum mit singenden Vögeln , zwei goldene
Orgeln , brüllende , die Augen rollende Löwen von Gold etc , Nachahmungen ähnlicher Werke im Chalifenpalaste zu Bagdad , darin auf¬
.

stellen liess : und die zierliche polychrome Architektur des Saales auf der Stadtmauer könnte wohl dieser Zeit angehören , in welcher die
Kaiser zu Constantinopel mit den Abbassiden zu Bagdad im Luxus wetteiferten .
Leonclavius 157j und Gyllius erzählen beiläufig , dass in der ersten türkischen Zeit Eleplianten in diesem Gebäude unterhalten wur¬
den . Fand dieses zu griechischer Zeit ebenfalls statt , so wäre die absonderliche Anlage leicht dahin zu erklären , dass der untere Raum
zwischen den Stadtmauern nebst der gewölbten Halle als Zwinger für die Eleplianten diente , das Zwischengeschoss für den Wärter der¬
selben und die Futtervorräthe und das oberste als Pracht - und Festsaal , der sowohl einen unterhaltenden Blick auf die Thiere , als eine
herrliche Aussicht nach allen Seiten über die Stadt , den Hafen und das Feld gewährte . Die Verbindung mit den übrigen Theilen des
Palastes muss von den Gängen der Stadtmauern aus stattgefunden haben .
Die verschiedenen Belagstellen für das Vorstehende , so wie Mehreres über den Constantinspalast , Magnaura , den Ilebdomon und
die Blachernenmauer findet man in Du Gange Constantinopolis christiana lib . . pag . 4L , üb . . pag . 125 — 129 und pag . 172 — 173 .
I II

Fig . . Blatt XXXVII . stellt den Grundriss der unteren Halle und Fig . . den Grundriss des oberen Saales dar ; in Fig . . ist die
1 2 3

Ansicht der Nordseite nebst , Durchschnitt der beiden Stadtmauern , in Fig . . der obere Tlieil der Südseite und in Fig . . der obere Tlieil
4 5

der Ostseite nach einem doppelt so grossen Massstabe als die Grundrisse dargestellt , Das Dach ist in Fig . . und . restaurirt .
3 4

Das Mauerwerk der Stadtmauern besteht aus grossen Quadern und Bruchsteinen : das Gebäude selbst ist von Ziegelsteinen auf¬
geführt , die an den Aussenflächen mit gelblich weissen Marmorsteinen in Streifen und zierliehen Mustern abwechseln . Die schmalen
Trennungs - und Krönungsglieder , die Thür - und Fenstereinfassungen , so wie die Kragsteine . Säulen und deren Oapitäle sind ebenfalls
aus dem weissliehen Marmor angefertigt .
Nur ein Tlieil der Oeffnungen des obersten Stocks hat jetzt noch Einfassungen , bei denen tiefer hinabgehende , thürenartige mit
anderen mehr fensterartigen abgewechselt , zu haben scheinen . Fig . 13 . Blatt XXXVIII . giebt das Profil und einen Tlieil der vorderen An¬
sicht, einer Fenstereinfassung der Ostseite im Detail : Fig . . einen Tlieil eines Fensterpfeilers nebst den Anfängen der Bogen über den
6

Oeffnungen und die dazwischen liegende gemusterte Bekleidung von Ziegel - und Marmorsteinen an der Südseite . Jede Bogen Wölbung
ist, doppelt , die äussere etwa 5 bis 6 Zoll vor der inneren vorspringend , und jeder einzelne Bogen ist mit einem eigentlüimlichen Orna¬
,

mente eingefasst , das aus zwei Reihen kleiner Töpfe von gebranntem Ton bestellt , Fig . 11 . zeigt das Profil eines solchen Töpfchens und
,

Fig . 12 . einen Theil der Doppelreihe in der vorderen Ansicht nach einem grösseren Massstabe . Das Innere dieser 1 !4 Zoll im Geviert

grossen Töpfchen ist grün glasirt , und die Stiele derselben sind in Kalkmörtel eingedrückt und befestigt . Der Effect dieser so einfach her¬
,

gestellten Verzierung ist sehr gut : sie erscheint als ein Kranz grünschillernder Blumen .
Fig . . bis incl . 10 . geben verschiedene andere Beispiele der gemusterten Ausfüllung der Zwickel zwischen den Bogenwölbungen
7

der Süd - und Nordseite . Fig . . bis incl . . zeigen Muster der äusseren Bogeneinfässungen an den überwölbten Oeffnungen der unteren
3 5

Halle , in Ziegel - und Marmorsteinen ausgeführt . Die Wölbungen selbst bestehen , wie aus Fig . Blatt XXXVII . ersichtlich , aus Marmor¬
. 3

quadern , die durch Verzahnung mit einander verbunden sind , wahrscheinlich weil eine ziemlich grosse Mauerlast auf denselben ruht ,
Der Schlussstein einer jeden Wölbung trägt merkwürdiger Weise eine Art Wappenschild .
Die Säulen , auf denen diese Wölbungen ruhen , stehen doppelt hinter einander und sind in der Richtung der Mauerdicke gekup¬
pelt , indem das Deckstück über beide Oapitäle fortgeht . Eines dieser Oapitäle ist, in Fig . . Blatt XXXVI11 . detaillirt gezeichnet . Fig . .
2 1

desselben Blattes stellt eines der Oapitäle dar , auf denen die Gurtbogen der inneren Wölbungen der unteren Halle ruhen . An den öst¬
lichen und westlichen Wänden setzen diese inneren Gurtbogen auf doppelt gestellte Consolen auf.
Auch dieses Gebäude scheint , wie so viele andere in Gonstantinopel , theilweise mit altem Material aufgeführt zu sein , wenigstens
trägt das Gapitäl Fig . . einen ganz anderen Charakter , als das Fig
1 . 2 . , und scheint einer früheren Periode anzugehören ; auch passten die
Oapitäle nicht gehörig auf den Säulen . An einem der Consolen der westlichen Wand in der unteren Halle befand sieh folgender Inschrift¬
rest : AOEPOT2A lßANNH MEM _ , aber auf dem Kopfe stehend , eingemauert .
Die Kragsteine des Altans , auf welchen die Ziegelbogen desselben ruhen , bestehen jeder aus drei über einander vorgekragten Stei¬
nen ; drei des Eckthurmes waren an der Vorderfläche mit einem Adler , Widder - und Löwenkopfe geziert, Der eine Kragstein des
-

Erkers an der Südseite ruhete ebenfalls auf einem Thierkopfe .


An dem oberen Rande der südlichen Umfassung waren noch die Stellen bemerkbar , wo die Köpfe der Deckenbalken gelegen hat¬
ten , und darunter waren kleine Löcher sichtbar , die vielleicht zur Befestigung einer Frieszierde gedient hatten . Die kleineren Kragsteine
des östlichen Giebels könnten wohl zur Befestigung einer Zeltdecke über dem Altan gedient haben .
Fig . 14 . Blatt XXXVIII . zeigt, einen Theil der Inschriften von weissem Marmor an den Mauerthürmen der Hafenseite , welche von
dem Kaiser Tlieophilus in der ersten Hälfte des IX Jahrhunderts bei Herstellung dieser Mauern angebracht wurden : ein Beispiel der Mo¬
.

nument alschrift damaliger Zeit .


Auf demselben Blatte in Fig . 15 . und 16 . ist ein Gapitäl mit wahrscheinlich dazu gehöriger Basis von weissem Marmor gegeben ,
das im nördlichen Theile des Blachernen Quartiers auf der Höhe nicht weit von der Moschee Aivas Effendis unter mehreren anderen
-

Trümmern gefunden wurde .

19
38

CISTEILNE DES IMIILOXENOS ( IILN - BIIM IKEK


) ) .
BLATT XXXVIII . Km . 17 .

Der Felsboden Constantinopels liefert kein trinkbares Wasser ; dasselbe muss von entfernt liegenden Quellen herbei geschafft wer¬
den , und schon früh wurden zu diesem Zwecke grossartige Wasserleitungen angelegt , wovon noch heute ein Theil der vom Kaiser
Valens aus den Quadern der Stadtmauern Chalcedons erbauten , in der Mitte der Stadt mit hohen Bogen über die Häuser fortgehend ,
Zeugniss ablegt . Diese Aquaeducte ergossen ihren überflüssigen Wasserreichthum in grosse Reservoirs , sogenannte Cisternen , um in dei *
trockenen Jahreszeit bei geringerer Ergiebigkeit der Quellen dem Wassermangel aus dem gesammelten Ueberflusse zu begegnen . Ausser¬
dem hatten diese Cisternen zugleich die Bestimmung , für den Fall einer Belagerung und Unterbrechung des Wasserzuflusses durch den
-

Feind einen auf längere Zeit zur Ernährung der Stadt ausreichenden Wasservorrath aufzunehmen , woraus ihre grosse Anzahl und ihre
zum Theil sehr bedeutende Dimensionen zu erklären sind , von Hammer ) beschreibt zwölf Cisternen als noch vorhanden , von denen eine
1,s

in der Nähe des Adrianopeler Tliores , deren Gewölbe und Säulen jetzt fehlen , 750 Fuss lang und 201 Fuss breit ist . Du Cange führt
zwanzig Cisternen auf ) deren von den Byzantinischen Schriftstellern Erwähnung getlian wird . Der grösste Theil derselben , wenigstens
, 159

die von bedeutendem Umfange wohl alle , sind in den beiden ersten Jahrhunderten nach Erbauung der Stadt angelegt , und schon der
Kaiser Ileraklius liess aus Aberglauben , weil ihm nach einer Prophezeihung vom Wasser Gefahr drohen sollte , mehrere derselben ver¬
schütten , welche jedoch vom Kaiser Basilius Maeedo wieder geöffnet wurden .
Die Türken haben das von den Byzantinern schon angewendete Mittel , Thäler durch starke Dämme abzuschliessen und dadurch
Wasserreservoirs , sogenannte Bends , zu bilden , noch mehr ausgebeutet , und in den Tbälern der waldigen Höhen bei dem zwei Meilen
von der Hauptstadt belegenen Dorfe Belgrad eine solche Anzahl von Bends gebildet , dass der Wasserzufluss in jeder Jahreszeit für die
reichbevölkerte Stadt und die Vorstädte ausreicht . Sie vertheilen das Wasser unmittelbar an die Ausströmungsstellen und haben fast
alle Cisternen ausser Gebrauch gesetzt und verfallen lassen , sind dafür aber auch bei einer engeren Belagerung von der Landseite her
unbedingt dem Wassermangel preis gegeben .
Die Cisternen liegen gewöhnlich im Erdboden vertieft , sind mit Futtermauern umgeben und mit Gewölben aus Ziegelsteinen be¬
deckt , welche auf schlanken Marmorsäulen ruhen . Die Cisterne Bin bir direk oder der Tausend und einen Säule , soll den Angaben von
- -

Hammers zufolge aus drei Stockwerken über einander bestehen : die Säulen des obersten sind von Mitte zu Mitte 12 Fuss der Länge und
Breite nach von einander entfernt , 24 Fuss incl . Capital hoch und 22 Zoll über dem Gurt im Durchmesser stark . Das Capitäl ist ein
einfaches Würfelcapitäl ; von Säule zu Säule sind im Geviert Gurtbogen gespannt und dazwischen Kreuzgewölbe aufgeführt , wie Fig . 17 .
Blatt XXXVIII . in der perspectivischcn Ansicht dieser Gewölbe zwischen zwei Säulenreihen zeigt . Der Länge nach habe ich 15 , der
Breite nach 14 Säulen in jeder Reihe gezählt , woraus sich beiläufig eine Gesammtlänge von 192 Fuss und eine Breite von 180 Fuss
ergiebt ; bei der Annahme von 30 Fuss durchschnittlicher Höhe würde sich der kubische Raum auf 030 800 Kubikfuss , ohne Abzug 1 , ,

der Säulen , berechnen . In dem zweiten Stockwerke , das mir nicht zugänglich war , sollen die Säulen noch 7 Fuss 7 Zoll hoch aus dem
Bodensätze der Cisterne hervor ragen , und aus der Abtäufung eines Brunnens von da an soll sich das Vorhandensein eines dritten
Stockwerks ergeben haben ) . 16 °

Ueber die Grösse der Bevölkerung Constantinopels steht nichts Bestimmtes fest . Fergusson ) schätzt dieselbe mit Ausschluss der l ,u

Vorstädte auf 300 000 Seelen ; nimmt man dieses und den täglichen Bedarf an Trink , Koch - und Waschwasser durchschnittlich per Kopf
, -

zu Kubikfuss an , so würde der tägliche Wasserbedarf ür die Stadt 270 000 Kubikfuss ) betragen , und die in Rede stehende Cisterne ,
( , 162

alle drei Stockwerke von gleichem Inhalt angenommen , gefüllt das nöthige Wasser auf 10 bis 12 Tage für die ganze Stadt enthalten haben .
Die Situation der Cisterne Bin bir direk ist zwischen dem Hippodrom und der sogenannten verbrannten Säule , die früher dem
- -

Forum Constantin s angehörte , nicht weit von der ehemaligen Triumphstrasse ; eben dort muss der berühmte Palast des Lausus an¬

genommen werden ) und mit diesem stand die Cisterne des Philoxenos in naher Verbindung ) Gyllius vermutliet daher nicht mit
, 163 . 164

Unrecht , dass die jetzt unter dem Namen Bin bir direk bekannte Cisterne jene berühmte des Philoxenos sei , welche dem Codinus zu¬
- -

folge unter Constantin dem Grossen , also in der ersten Hälfte des IV . Jahrhunderts , erbaut sein soll . Jedenfalls muss diese Cisterne
wegen ihrer Lage im Ilaupttheile der Stadt und wegen ihrer bedeutenden Dimensionen zu den frühen Anlagen dieser Art gerechnet
werden und ist das Würfelcapitäl ihrer Säulen wohl das älteste Beispiel dieser Capitälform . Gegenwärtig wird in der Cisterne Seide
gehaspelt .
Gyllius beschreibt ) eine von ihm aufgefundene , noch Wasser enthaltende und daher vermittelst eines Kahnes untersuchte Cisterne ,
165

die 336 Fuss Länge und 182 Fuss Breite hatte , mit 336 Säulen , 12 Reihen der Breite und 28 Reihen der Länge nach . Die Säulen waren
407 Fuss hoch und hatten tlieils ausgearbeitete , tlieils unausgearbeitete korinthische Capitäle mit hohen Aufsätzen , welche Ziegelgewölbe
trugen . Er nimmt diese für die von Jusfinian erbaute cisterna basiliea und giebt. ihre Lage 80 römische Schritte ä 5 Fuss ) südwestlich (

von der Sophienkirche an . von Hammer hält die jetzt unter dem Namen Jere batan Serai unterirdischer Palast ) bekannte und hinter (

der Pforte des Grossvessirs liegende Cisterne , welche auch Säulen mit korinthischen , den von Gyllius beschriebenen ähnlichen Capitälen
hat , deren nähere Untersuchung mir bei dem hohen Wasserstande ohne Kahn nicht möglich war , mit der von Gyllius untersuchten für
identisch . Dieselbe liegt aber viel weiter von der Sophienkirche entfernt und zwar in nordwestlicher Richtung . Man muss daher , wenn
die Meinung von Hammers Geltung haben soll , annehmen , dass Gyllius in Angabe der Lage sich geirrt habe , wofür auch spricht , dass
an der von ihm bezeiclmeten Stelle jetzt keine so grosse Cisterne bekannt ist .
Eine nähere Untersuchung säimntlicher in Constantinopel noch vorhandener Cisternen könnte in architektonischer Beziehung eine
interessante Ausbeute gewähren , da , wie gesagt , diese Anlagen durchgängig der älteren Zeit angeboren und vermuthlich wenig Um¬
änderungen erlitten haben : ein derartiges Unternehmen hat jedoch seine besonderen Schwierigkeiten .

WA SSE KP EE1 LE K ODER 81 TEIIASI .


BLATT XXXVIII . Kig . IS .

Hat eine unterirdische Wasserleitung , ein Thal durchschneidend , in demselben eine Anhöhe zu übersteigen , so sammeln sich am
höchsten Punkte der Anhöhe Luftblasen , welche , allmälig anwachsend , die Bewegung des Wassers so hemmen , dass die Leitung kein
Wasser mehr ausströrnt . Diesem Uebel zu begegnen , werden bei den Wasserleitungen im Oriente an den betreffenden Stellen Wasser¬
pfeiler oder Wasserthürme , suterasi von den Türken genannt , errichtet , mit einem kleinen offenen Reservoir im höchsten Punkte , dessen
Wasserspiegel beiläufig in der geraden Linie liegt , welche man sich von der Quelle bis zur Ausmündung der Leitung gezogen denken
kann . Das ankommende Wasser steigt an der inen Seite in Röhren bis zu dem Reservoir hinauf , nachdem es hier seine Luftblasen
(‘
39

abgesetzt , sieh gelüftet hat , fallt es an der anderen Seite wieder in Röhren hinab , um seinen Weg bis zur Ausinnndung der Leitung fort¬
zusetzen . Zugleich werden solche Thürine auch angeordnet , um Nebenleitungen abzuzweigen , zuweilen für letzteren Zweck allein errichtet .
Man findet dergleichen Suterasi viele in und um Constantinopel , meistens aus türkischer Zeit : der in Fig . 18 . Blatt XXXVIII . dar¬
gestellte schien mir jedoch nach seiner von den übrigen sehr abweichenden und mehr ausgebildeten Architektur zu schliessen noch in
die Byzantinische Zeit zu gehören , weshalb ich denselben gezeichnet habe . Er ist von Werksteinen aufgeführt , achteckig , an vier ein¬
ander gegenüber liegenden Seiten mit schlanken Säulen versehen , die im Grundplane gerade die Ecken des Quadrats ausfüllen würden ,
welches durch Verlängerung der vier leeren Seiten entstände . Oben sind die Säulencapitäle auf geschickte Weise mit dem Krönungs¬
gesimse des Ganzen verbunden , über welchem das Reservoir mit seinem besonderen Dache sich erhebt .
Dieser Wasserthurm steht nicht gar weit von der Marcianssäule und zwar südöstlich von derselben .

KIRCHEN AUS KLEIN AS1E -

BLATT XXXIX .

Zur Vergleichung mit den Kirchen Constantinopels und um näher nachzuweisen , dass auch in den übrigen Theilen des Byzanti¬
nischen Reichs der Bau der Sophienkirche nach dem VI . Jahrhundert ziemlich allgemein als Vorbild galt , sind aus dem Werke Texier ’ s
über Klein - Asien die Zeichnungen von drei Kirchen entnommen und in Blatt XXXIX . mitgetheilt . Zur besseren Vergleichung sind diese
Zeichnungen auf denselben Massstab reducirt . welcher bei den übrigen Grund - und Aufrissen dieses Werkes angewendet ist und fio der
Natur beträgt .
Fig . 1 . zeigt den Grundriss und Fig . 2 . den Längendurchschnitt einer kleinen Kirche zu Ancyra , welcher Texier den Namen
St . Clemens beilegt . Sie ist von Ziegeln erbaut und liegt zum Tlieil in Ruinen . Der Ziegelbau , so wie die Verhältnisse und architekto¬
nischen Anordnungen des Innern scheinen auf eine frühe Bauperiode hinzudeuten , welche den Ueberlieferungen der antiken Kunst noch
näher lag . Der Pilasterausbau der Fenster erinnert an den der Sophienkirche in Constantinopel : von dem Detail ist jedoch in diesen
Zeichnungen zu wenig mitgetheilt , um daran Vergleiche anknüpfen zu können .
Zu Myra , in der Nähe eines Klosters , liegt eine andere verlassene und verfallene , am Westende zum Theil mit Schutt gefüllte
Kirche , welche Texier St . Nicolas nennt , und für die Basilika hält , welche der Kaiser Tlieodosius II . unter dem Namen der Kirche von
Syon gegründet hat , als Myra zur Hauptstadt von Lycien erklärt wurde . Der jetzt noch vorhandene Bau gehört nach der Meinung Texier ’ s
dem VIII . oder XI . Jahrhundert an : er könnte aber wohl älter sein . Fig . 3 . giebt den Grundriss , Fig . 4 . den Längendurchschnitt derselben
und Fig . 5 . das Detail des Kämpfergesimses zu Anfang der Deckengewölbe des Schiffes . Am Ende des Schiffes sind vier Säulen erhalten ,
welche ohne Zweifel die Cancellenwand des Bema bezeichnen , und die vier anderen dahinter stehenden haben sehr wahrscheinlich dem
Ciborium angehört . Wenn der rechteckige Abschluss der Bemä - ApSis im Aeussercn wirklich vorhanden ist , so wäre dieses eine beson¬
dere Ausnahme , welche meines Wissens nur noch an der Apsis des Baptisteriums der Sophienkirche in Constantinopel , jedoch in einem
sehr kleinen Massstabe vorkommt . Die Narthexanlage der Westseite erscheint sehr bedeutend , und daran schliessen sich vier Neben¬
räume mit kleinen Nischen , deren Bestimmung nicht leicht zu erklären ist . Das Ornament des Kämpfergesimses hat noch viel antike
Reminiscencen . Texier sagt , dass zu Dere - Agazi eine ähnliche Kirche liege .
In einem Thale an dem Ufer des Cassaba , nicht weit von den Ruinen einer unbekannten Stadt , zwischen Smyrna und Sardes .
fand Texier eine wohl erhaltene Kirche , deren Grundriss in Fig . 6 . und deren Längendurchschnitt in Fig . 7 . dargestellt ist . Er versetzt
«
ihren Bau in das VII . oder VIII . Jahrhundert und giebt an , dass sie aus Bruchstein mit Ziegelstreifen erbaut sei .
Der Bau scheint aus einem Guss zu sein und trägt ganz den Charakter der Byzantinischen Schule nach Erbauung der Sophien¬
kirche in Constantinopel . An den beiden Enden des Nartliex liegen die Treppen zu dem Frauenchor noch über dasselbe thurmartig hin¬
aufgeführt . Von den achteckigen Nebenbauten mögte der an der Nordseite für das Baptisterium und der an der Südseite für das
Sceuophylacium zu nehmen sein , weil letzterer dem Bema näher liegt . Die Säulencapitäle der Seitenhallen des Schiffes und des Frauen¬
chores haben Aufsatzstücke mit Kreuzen geziert .

ANMERKUNGEN .

1) So hoch berechnet Gibbon in seinem Werke : history of the decline and fall of tlie Roman gebildeten Architekten Constantin ’s angewendet , auch die Benennung wegen der Con -
empire , cliap . II . , die Bevölkerung des römischen Reiches unter dem Kaiser Claudius . structions - Aehnlichkeit übertragen wurde , ist sehr wahrscheinlich , ohne dass daraus die
2 ) Gibbon , 1 . c . cliap . XVII . Anordnung des christlichen Gotteshauses als eine directe Nachbildung dieser Gebäude¬
3 ) Ueber das hier Angeführte siehe die Nachweisungen bei Gibbon , 1. c . cliap . XVII . gattung gefolgert werden kann , wie häufig geschieht . Diese Anordnung ergab sich aus dem
4 ) Codex Tlieodos . , 1. XIII . tit . IV . leg . 1 . Bedürfniss , dem Cultus , wie er sich im Laufe der ersten drei Jahrhunderte festgestellt
5 ) Rheinwald , die kirchliche Archäologie , § . 92 . und 93 . hatte . — Melireres hierüber bei Kreuser , der christliche Kirchenbau , Band I . Seite 18 — 29 .
0 ) Rheinwald , 1. c . § . 41 . , auch n . 15 . 19 ) Du Cange , 1. c . lib . III . pag . 3 . , nennt ihn ecclesia catholica oder parochia .
7 ) Rheinwald , 1. c . § . 110 . n . 1 . 20 ) Eusebius , hist . eccl . lib . X . cap . IV .
8 ) Rheinwald , 1. c . § . 119 . n . 24 . 21 ) Du Cange , 1. c . lib . III . pag . 7 .
9 ) Diese Wand kommt noch jetzt in den griechischen Kirchen unter dem Namen Ikonostas vor . 22 ) Du Cange , ibidem p . 7 .
10 ) Rheinwald , 1. c . § . 119 . sagt fälschlich « ehe die Consecration erfolgte » , wie aus § . 119 . 23 ) Optat . , de Seliism . Don . II . 8 . 18 . Siehe auch Kreuser , der christliche Kirchenbau Bd . I .
n . 12 . erhellt . Seite 23 n . 1 .
11 ) Du Cange , Constantinopolis cliristiana , lib . III . pag . 59 . u . 00 . ed . Paris ; auch Rheinwald , 24 ) Paul . Nol . ep . 32 . § . 12 . etc . ; auch bei Rheinwald , 1. c . § . 52 . n . 6 . und bei Kreuser . 1. c .
Bd . I . Seite 15 n . 4 .
1. c . § . 53 . n . 8 .
12 ) Rheinwald , 1. c . § . 119 . n . 5 . 25 ) von Quast , altchristliche Bauwerke zu Ravenna .
13 ) Du Cange , 1. c . lib . III . pag . 00 . 26 ) Seroux d ’Agincourt , Sammlung der vorzüglichsten Denkmale der Architektur vom IV .
14 ) Du Cange , 1. c . lib . III . pag . 64 . etc . bis XVI . Jahrhundert , pl . XVII . fig . 17 .
15 ) Siehe den Ambo des Paulus Silentiarius im Anhänge . 27 ) Cesar Daly , revue generale de l ’architecture , annee 1840 p . 324 fig . 3 .
10 ) Ueber die verschiedenen Klassen der Büssenden siehe Rheinwald , 1. c . § . 44 . und § . 51 . n . 1 . 28 ) Procopius , de aedificiis lib . V . cap . 6 .
17 ) Constitutiones Apostolicae , II . 57 ; siehe bei Rheinwald , 1. c . § . 48 . n . 4 . Diese Constitu¬ 29 ) Eusebii vita Const . lib . III . cap . 50 . ; bei von Quast , 1. c . Seite 30 , eine Uebersetzung der
tionen wurden wahrscheinlich am Ende des II . und während des III . Jahrhunderts ge¬ bezüglichen Stelle .
sammelt und im IV . und V . Jahrhundert überarbeitet . Rheinwald , 1. c . § . 0 . n . 4 . 30 ) Eusebii vita Const . lib . III . cap . 25 . etc .
18 ) Die Benennung Basilika wird schon früh auf christliche Kirchen , namentlich grössere , 31 ) Rheinwald , 1. c . § . 47 .
angewendet , z . B . von Constantin selbst in einem Schreiben ( Ep . ap . Optat . ed . Dupin , 32 ) Rheinwald , § . 84 . , auch n . 7 .
189 . ) auf die von ihm zu Constantine in Africa neu erbaute . 33 ) Adamnanus , bei Beda III . Seite 363 ; siehe auch von Quast , 1. c . Seite 30 .
p .
Die Römer verstanden unter Basiliken Praclithalleh mit Säulenstellungen zu ver¬ 34 ) Euseb . vita Const . lib . IV . cap . 58 . etc . und Gregor . Nazianzen . carin . non . v . 55 — 60 . ; bei
schiedenen Zwecken , besonders bedeckte Kaufhallen , wie Zestermann ( die antiken und von Quast , 1. c . Seite 30 .
die christlichen Basiliken , Leipzig 1847 ) nachweiset ; dass deren Construction für die 35 ) Procop . , de aedif. lib . I . cap . 4 .
christlichen Kirchen sehr brauchbar war , und auf diese von den in römischer Bauweise 36 ) Beide bei von Quast 1. c . Tafel VI . Eig . I . und 3 . abgebildet .
20
40

37 ) vun Quast , 1. c . Seite 4 . und Seite 18 . bäudes mochte sich auf die allerdings von denen der Sophia etwas abweichende Formen
38 ) Du Cange , Const . Christ , lil ) . III . pag . 3 . stützen , ob aber Justinian der Erbauer , dafür möchte das Zeugniss des Anonymus allein
39 ) Du Cange , 1. c . lib . IV . pag . 147 . nicht massgebend sein
40 ) Charles Texicr , desoription de l ’Asie mineure , 111 "" part . pl . 205 . 101 ) von Hammer , 1. c . Bd . I . Seite 482 .
41 ) Ebendaselbst pl . 222 . 102 ) Du Cange , 1. c . lib . III . p . 32 .
42 ) Ebendaselbst I " part . pl . 71 . Siehe auch Blatt XXXIX . 103 ) Ibidem p . 31 .
43 ) Abel Bluet , expedition de Moree , Vol . I . p . 3 . 10 . 19 . und 21 . 104 ) Procopius , de aedificiis 1 . 1 .
44 ) Ebendaselbst Pl . 19 und 21 . 105 ) Paulus Silentiarius , I . Vers 150 .
45 ) Ebendaselbst Pl . 21 . 100 ) Procopius , de aedificiis I . 1 .
40 ) Fergusson , an essay on the ancient topography ol ‘ .lerusalein , London 1847 , pag . 94 , 90 107 ) Agathias , 1. c . lib . AL 9 .
und 97 . Die sogenannte Omar - Moschee oder dorne of the rock , wie Fergusson sie nennt , 108 ) Paulus Silentiarius , II . Vers 455 .
pl . I . und iin Frontispice dargestellt , scheint , nach dein Detail pag . 104 zu urtheilen , aus 109 ) Paulus Silentiarius , II . Vers 473 — 480 .
späterer Zeit zu sein , obgleich der Autor auch dieses Bauwerk dem Constantin zuschreibt . 110 ) Du Cange , 1. c . lib . III . pag . 31 .
47 ) Wood , Palmyra , tab . XXXVIII . XL . und LIV . 111 ) Paulus Silentiarius , II . Vers 78 ; siehe auch die alte Zeichnung bei Du Cange , lib . 111 . pag . 30 .
48 ) Desgodet , les edifiees antiques de Rome , p . 40 . 112 ) Paulus Silentiarius , II . Vers 305 .
49 ) Rheinwald , 1. c . § . 55 . 113 ) Paulus Silentiarius II . Vers 120 . zählt zweimal vier , also acht Fenster unter jedem Trag¬
50 ) Rheinwald , § . 57 . n . 1 . bogen der Süd - und Nordseite ; jetzt sind deren zwölf vorhanden ; es ist daher möglich ,
51 ) S . Clemens zu Ancyra hat auch Pilaster - Architektur in den Fenstcrülfnungen ; siehe dass früher an Stelle der oberen fünf Fenster eine grosse Bogenöffnung vorhanden und
Blatt XXXIX . Fig . 2 . gleich den anderen der Umfassungen mit einer Pilasterstellung ausgebaut war .
52 ) Gibbon , 1. c . chap . LII1 . 114 ) von Quast , die alt - christlichen Bauwerke von Ravenna , hat Tafel VIII . Fig . 2 . eine
53 ) Gibbon , 1. c . cliap . XLIX . Zeichnung davon initgetheilt .
54 ) Gibbon , 1. c . chap . XLVII1 . 115 ) Gailhabaud , monuments anciens et modernes , giebt tome II . auf der 3ten Tafel zur
55 ) Baron , annal . eccles . ad a . 015 . ( Lucae 1742 , t . XI . p . 154 . ) Vita Lupi Senonensis Episc . Tlieotokos - Kirche in Fig . 3 . eine Abbildung dieser Form .
Siehe Rheinwald , die kirchliche Archäologie , § . 58 . n . 4 . 116 ) Nach Du Cange , observations sur l ’histoire de Geolfroy de Ville - IIardouin , zu No . XCVIII .
50 ) Alt , der christliche Cultus , Art . Glocken . pag . 302 edit . Paris , ist schon in der Byzantinischen Geschichte mehrfach von den Sie¬
57 ) Alt , ebendaselbst : auch Rheinwald , 1. c . § . 58 . n . 4 . nach Baronius . geln oder goldenen Kugeln die Rede , welche mit seidenen Fäden den öffentlichen Send¬
58 ) Grelot , Relation nouvelle d ’ un voyage de Constantinople . Paris 1081 . schreiben der Kaiser angeheftet wurden .
59 ) Texier , description de l ’Armenie , la Perse et la Mesopotamie . Paris 1842 . 117 ) Johannes 3 , 3 :? . und Apocalypse c . 5 . etc . wird das Kreuz ( o-qgxxy/e ) Siegel genannt , und
00 ) Z . B . die Kaaba in Mecca zu Anfang des VII . Jahrhunderts ; siehe Batissier , liistoire de Chrysostomus sagt in liomil . de adorat . S . crucis : « es heisst Siegel , weil es alle uns
l ’art monumental , p . 401 . Zum Bau der Moscheen in Medina , Jerusalem und Dainascus vertrauten Güter wie mit Königlichem Stempel bestätigt . »
liess sich der Chalif Walid vom Kaiser Justinian II . Bauleute aus Constantinopel schicken ; 118 ) Rupertus , lib . X . de divin . offic . cap . XV . : Filium namque Dei diciinus veram et incom -
siehe ebenda p . 405 . mutabilem Sapientiam , per quam universam eondidit creaturam . Siehe Du Cange , 1. c .
( il ) Gibbon , 1. c . chap . LII . lib . III . pag . 6 .
02 ) Cardonne , liistoire de l ’Afrique et de l ’Espagne , tome 1 . p . 330 — 33G . Siehe auch Gibbon , 119 ) Siehe Ivreuser , der christliche Kirchenbau , Bd . I . Seite 242 . Man sehe indess auch Kor -
1. c . chap . LII . tüm ’s Erklärung im Anhänge , Anmerkung 55 .
03 ) Gibbon , 1. c . chap . LV . 120 ) Gibbon , decline and fall of the Roman empire , chap . XIII .
04 ) Gibbon , 1. c . chap . LVI . 121 ) Kreuser , 1. c . Bd . I . Seite 241 .
65 ) Baronius , annal . eccles . ad a . 1004 , No . 43 — 50 . Bei Gibbon , 1. c . chap . LVI1 . 122 ) Gally Knight , the ecelesiastical architecture of Italy , vol . I . pl . X .
66 ) von Hammer , Constantinopolis und der Bosporus . Pestli 1822 , Bd . I . Seite 218 . 123 ) Paulus Silentiarius , II . Vers 370 — 375 .
67 ) S . auch eine schlechte Abbildung : Banduri , imperium orientale , tom . II . pag . 668 ed . Paris . 124 ) Du Cange , 1. c . lib . III . pag . 27 .
68 ) Constantinus Porphyr , ed . Reisk . , p . 287 etc . 125 ) Die historischen Daten über diese Bischöfe sind dem Ilemerologion des griechischen
69 ) Gyllius , de Constantinopoleos topographia . Lugduhi Batav . 1032 , lib . IV . cap . IX . pag . 313 . Patriarchats ( Ote Auflage . Venedig 1845 , gr . 8 ° ) entnommen .
70 ) Du Gange , Constantinopolis christiana . Lutetiae Parisiorum 1680 , lib . IAA pag . 103 . 126 ) Texier , description de l ’/Vsie mineure , part . I . pag . 51 , berichtet hinsichtlich der Mosaik¬
71 ) von tlammer , 1 . c . Bd . I . pag . 435 . bilder der Apsis - Conclie einer , nach seiner Meinung vor dem XII . Jahrhundert erbauten
72 ) Choiseul - Gouffier , voyage pittoresque de la Grece . Paris 1809 , tomeil . p . 477 . griechischen Kirche zu Nicaea , dass sich in der Mitte die Mutter Gottes , das Jesuskind
73 ) von Hammer , 1. e . Bd . I . pag . 559 . vor sich haltend , befinde , und zu beiden Seiten Engel in reichem Costüme stehen , mit
74 ) Du Cange , 1. c . lib . IV . p . 135 . Edelsteinen und Perlen geschmückte Standarten tragend , auf denen dreimal das Wort
75 ) Procopius , de aedificiis , lib . I . cap . 4 . cKyiot; ( heilig ) angebracht sei . Ueber dem Haupteiugange des Narthex sah er die Mutter
76 ) Agatliiae Myrinaei historiarum libri quinque . Bonnae 1828 , lib . V . 6 . 7 . und 8 . pag . 289 — 294 . Gottes mit ausgebreiteten Händen im blauen Mantel auf Goldgrund .
77 ) Du Cange , Constantinopolis christiana , lil ) . III . pag . 9 . 127 ) Du Cange , lib . III . pag . 30 .
78 ) Du Cange , 1. c . lib . III . pag . 7 und 8 . 128 ) Siehe Gally Knight , 1. c . vol . I . pl . XXVII .
79 ) Du Cange , 1. c . lib . III . pag . 10 und pag . 31 : auch Paulus Silentiarius , I . Vers 195 . 129 ) Paulus Silentiarius , I . Vers 162 etc .
80 ) von Hammer , Constantinopolis und der Bosporus , Bd . 1 . pag . 36 — 44 , führt nach den 130 ) Du Cange , lib . III . pag . 71 .
Zeugnissen Byzantinischer Schriftsteller vom Anfänge des VI . bis zur Mitte des XIV . Jahr¬ 131 ) Lib . II . Juris Graeco - Romani siehe Du Cange 1. e . lib . HI . pap . 71 .
hunderts drei und zwanzig grössere Erdbeben an , von denen allein sieben auf die Re¬ 132 ) Paulus Silentiarius , I . Vers 240 etc .
gierungszeit Justinian ’s kommen , und das vom Jahre 1033 hundert und vierzig Tage lang 133 ) Evagrius , historia ecclesiastica , lib . IAA cap . XXXI .
o-edauert haben soll . In den türkischen Reichsgeschichten sind von 1511 bis 1765 noch
134 ) Du Cange , lib . III . pag . 43 , nimmt ebenfalls die östliche Halbkuppel als die Conehe des
zehn Erdbeben verzeichnet . Altars an ( xdi ’% t] rou Si ' iriacrrrjplov ) .
81 ) Du Cange , 1. c . lib . III . pag . 27 . 135 ) Kantakuzenus , Hist . lib . I . c . 4L , Krönung des Andronikus . Siehe Anhang Note 65 .
82 ) Du Gange , 1. c . lib . III . pag . 32 . 136 ) Codinus , de offic . cap . XAA n . IAA ; bei Du Cange , lib . III . pag . 36 .
83 ) Du Cange , 1. c . lib . III . pag . 19 . 137 ) Paulus Silentiarius , II . A 7 ers 272 und 301 .
84 ) Du Cange , 1. c . lib . Hl . pag . 34 . 138 ) Paulus Silentiarius , II . Vers 274 etc .
85 ) von Hammer , 1. c . Seite 339 . 139 ) Paulus Silentiarius , II . ATcrs 335 .
86 ) Procopius , de aedificiis 1 . 1 . 140 ) Du Cange , lib . III . pag . 37 und 55 .
87 ) Agathiae Myrinaei historiarum libri quinque , lib . V . 9 . 141 ) Paulus Silentiarius , II . A7 ers 303 etc .
88 ) Banduri , imperium orientale sive antiquitntes Constantinopolitanae . Parisiis 1711 , pars tertia . 142 ) Paulus Silentiarius , I . A7 ers 230 etc . , und Du Cange , lib . III . pag . 57 und 58 .
Anonymus de S . Sophia . Unwahr z . B . ist , dass an jeder Seite des Baues 5000 Arbeiter 143 ) Paulus Silentiarius , II . Ar ers 104 etc .
beschäftigt waren , wobei 20 Mann auf den laufenden Fuss der Länge kämen ; eben so , 144 ) Codinus , de offic . cap . XAA n . IV . Wahrscheinlich war es auch die Stelle des Frauen¬
dass der Kalk mit Gerstensaft eingemengt worden , dass aus diesem Safte in Verbindung chores ( der Katecliumenen ) über diesem gewöhnlichen Sitze des Kaisers , also in dem
mit zerschnittener Weidenrinde 50 Fuss lange und breite und 20 Fuss dicke Körper Exeder des Diaconicum , an welcher sich der Kaiser nach der Erzählung des Kantaku¬
gebildet worden , die , in die Fundamente geworfen , dem Eisen gleich erhärtet seien , wie zenus ( s . Anhang Note 65 ) am Schlüsse der Krönungsfeierlichkeiten dem Volke zeigte ,
pag . 69 erzählt wird . um dessen Acclamationen entgegen zu nehmen . Diese Stelle war von dem grössten
Pag . 70 , 71 und 72 . Die dreimalige Erscheinung des Engels , der nicht allein den Tlieile der mit dem Gesichte nach Osten gewendeten A7 ersammlung im Schiffe sichtbar
Namen für die Kirche und die Bestimmung über die Anordnung des östlichen , ohne und mittels des Aufganges neben der A' orhalle der Kaiserlichen Gemächer an der Süd¬
Zweifel schon im Plane festgestellten Theiles des Baues abgiebt , sondern auch grosse ostecke der Kirche leicht zugänglich .
Geldschätze aus einem gleich wieder verschwindenden Palaste lierbeischalft . 145 ) Du Cange , lib . III . pag . 35 .
Von den pag . 73 beschriebenen leichten Steinen für die Kuppel , 12 gleich einem 146 ) Du Gange , 1. c . lib . IAA pag . 147 .
gewöhnlichen Ziegel wiegend , schreiben die Zeitgenossen des Baues , Procopius , Paulus 147 ) Procopius , de aedificiis lib . 1 . cap . 2 .
Silentiarius und Agathias , kein Wort , eben so wenig von der grossen Masse mit ein - 148 ) Du Cange , 1. c . lib . IV . pag . 92 .
geinauerter Reliquien und den 2 Zoll dicken Goldüberzügen . 149 ) Nicetas Choniata , de Manuele Konmeno , lib . VII . ed . Bonn . p . 289 .
An die pag . 74 beschriebene Composition des heiligen Tisches aus den verschiedensten 150 ) Du Cange , 1. c . lib . IV . pag . 80 und 81 .
Metallen , edlen und unedlen , mit Perlen , Bernstein und Glas in einem Mörser zerstampft , 151 ) Gyllius , de Const . topogr . , lib . 1 \ A cap . II .
dann geschmolzen und in die Form gegossen , kann man mit Recht wohl zweifeln . 152 ) Du Cange , 1. c . lib . IAA pag . 180 und 181 .
Die pag . 75 aufgeführten 365 Tliüren , deren eine sogar aus dem Holze der Arche 153 ) Gyllius , 1. c . lib . IV . cap . IAA
Noae verfertigt war , möchten eben so wenig nachzuweisen sein als der kindische Einfall 154 ) von Hammer , 1. c . Bd . I . Seite 383 .
Justinian ’s : Münzen unter den Bauschutt zu streuen , um die Arbeiter zum Fortscliaffen 155 ) von Hammer , 1. c . Bd . I . Seite 381 .
desselben in der Vesperzeit zu stacheln . 156 ) Du Cange , 1. c . lib . IAA pag . 80 .
Der pag . 78 mit der schönsten Ausmalung der Details unter die Regierung Justinus II . 157 ) Johannes Leonclavius , geboren auf dem Schulzenhofe Lövelingloh im Kirchspiele Amels¬
verlegte Kuppeleinsturz wird zwar pag . 79 wieder unter die Regierung seines Oheims büren bei Münster in AVestplialen , und als Kaiserlicher Rath 1593 zu Wien in seinem
Justinian gebracht , allein die Verflachung der Kuppel um 15 Ellen beim Neubau , um sie sechzigsten Lebensjahre gestorben . Mit ausgezeichneter Gelehrsamkeit und vorzüglicher
standfest zu machen , bleibt bestehen : eben so die Füllung der Kirche 8 Ellen hoch mit Kenntniss der alt - und neugriechischen Sprache und des Rechtes ausgestattet , brachte
Wasser , um beim Ausrüsten die Erschütterungen der stürzenden Gerüsthölzer zu meiden . er einen Theil seines Lebens im Orient zu , und beschäftigte sich sowohl mit selbst¬
89 ) Gyllius , de Constantinopoleos topographia , lib . IV . Lugduni Batavorum 1632 . ständiger Forschung über dessen Geschichte , als mit Uebersetzung byzantinischer und
90 ) Grelot , relation nouvelle d ’un voyage de Constantinople . Paris 1681 . türkischer Quellen . Unter seinen historischen Arbeiten sind besonders bemerkenswerth :
91 ) Paulus Silentiarius , II . Vers 188 etc . und 178 etc . 1 ) Idistoriae musliinanicae turcarum libri 18 .
92 ) Procopius , de aedificiis I . 4 . ; siehe auch Du Cange , 1. c . lib . III . pag . 19 .
2 ) Apologetici duo , prior est libitinarius index Osmanidarum , posterior continet epistolas
93 ) Siehe von Hammer , 1. c . Bd . I . pag . 338 . In der bei von Hammer angezogenen Stelle des de rebus turcicis .
Nicetas Choniata , in Alexio Manuele , ed . Bonn . p . 309 , ist jedoch von einer Vorhalle der 3 ) Commonefactio de praesenti rerum turcicaruin statu .
Krieger nicht die Rede ; das Bild des Erzengels Michael wird daselbst erwähnt . 4 ) Annales turcici cum supplemento et pandectis liistoriae turcicae .
94 ) Nach den Constitutionen des Theodosius und Valentinianus ; siehe Du Cange , lib . Hl . Siehe Dictionaire de Bayle ; auch Driver , bibliotheca monasteriensis , Monasterii 1799 .
pag . 38 am Ende des Artikels XLIII . , Coronae . 158 ) von Hammer , 1. c . Bd . I . Seite 552 — 560 .
95 ) Siehe Paulus Silentiarius , I . Vers 124 etc . 159 ) Du Cange , 1. c . lib . I . pag . 95 — 98 .
96 ) Paulus Silentiarius . II . Vers 166 ; siehe auch Du Cange . 1. c . lib . III . pag . 36 . 100 ) von Hammer , 1. c . Bd . I . Seite 555 .
97 ) Du Cange , 1. c . lib . 111 . pag . 73 — 76 .
101 ) Fergusson , an essay on the ancient topograpliie of Jerusalem , pag . 51 .
98 ) Du Gange , 1. c . lib . III . pag . 78 .
102 ) In der voyage ä remboucliure de la iner noire par Mr . le Comte d ’Andreossy wird der
99 ) Du Gange , 1. c . lib . 111 . pag . 73 . tägliche AVasserbedarf Constantinopels auf 207 , 678 Kubikfuss berechnet .
100 ) Banduri , imper . Orient . , pars tertia . Anonymus pag . 68 . Hinsichtlich der Situation des 103 ) Du Cange , 1. e . lib . II . pag . 132 , und Gyllius , lib . II . cap . XXV .
Baptisteriums kann das Zeugniss dieses sonst unzuverlässigen Schriftstellers Geltung 164 ) Du Cange , 1. c . lib . I . pag . 96 .
haben , da er dieselbe vor Augen hatte , die Tradition von dem höheren Alter des Ge¬ 105 ) Gyllius , 1. c . lib . II . cap . XX .
I .

DES SI LENTI AR US PAULUS I

VORWORT .
I ) er
' Herr Verfasser des Werks « Alt - christliche Baudenkmale Constantinopels » hielt es für angemessen , die auch in litterarischer Beziehung merkwürdige ,
in Hexametern verfasste Beschreihung der H . Sophia des Silentiarius Paulus allen seinen Lesern durch eine deutsche Uebersetzung zugänglich zu machen
und sie als Anhang seinem Werke beizufügen . Der gegen mich ausgesprochene Wunsch , ich möge dazu beliiilflich sein , bewog mich , die willkommene
Gelegenheit zu benutzen , dem Freunde einen Beweis meines seinem Unternehmen gewidmeten lebhaften Interesses zu geben . Ich entschloss mich daher ,
in der Hoffnung , dass die in architektonischer Hinsicht sich darbietenden Schwierigkeiten durch den Rath und Beistand des mit dem grossen Bauwerke
innigst vertrauten Architekten zu überwinden sein würden , mich an der Uebersetzung des Gedichts , jedoch nur der Stellen , welche sich auf die Kirche
und deren Wiederherstellung beziehen , zu versuchen .
Die Beschreibung der Kirche ist , wie bekannt , von Du Cange in lateinische Prosa übertragen , eine Uebersetzung des Ambon meines Wissens bis¬
her noch nie im Druck erschienen . — Die Verse des ersten Abschnitts der Beschreibung der II . Sophia 11 — 20 sind von Kugler im Handbuche der Kunst¬
geschichte lste A . p . 363 , und die 41 ersten Verse desselben Abschnitts von A . Ellissen in dem Versuch einer Polyglotte der europäischen Poesie I . Band
metrisch ins Deutsche übersetzt .
Eine Uebersetzung in Prosa würde die Eigenthümlichkeit des Gedichts ganz verwischt haben , eine Paraphrase unlesbar gewesen sein . Ich konnte
mich daher nur für den metrischen Versuch entscheiden .
Freilich wurde ich bald inne , dass es eben so unzulässig , die den Gedichten aus der Schule des Nonnos eigenthümliche Straffheit des Styls , welche
grösstentlieils in dem sparsamen Gebrauch der für die Uebergänge erforderlichen Partikeln ihren Grund hat , in der Uebersetzung zu mildern , als es möglich
sei , die mit bewundernswürdiger Ivenntniss der Sprache und der Gesetze tles Rhythmus gewählten oder neu gebildeten Epitheta , an welche vorzugsweise
die Genauigkeit der Beschreibung geknüpft ist , überall wieder zu geben . Dennoch schien es mir nötliig , mich , so weit es thunlich , dem Texte anzuschlies -
sen und , wo es auf wesentliche Punkte der Beschreibung ankam , die wortgetreuere der leichteren Darstellung vorzuziehen .
Mein Hauptbestreben blieb darauf gerichtet , denen , welche das Gedicht nicht in der Ursprache lesen können , eine richtige Auffassung desselben
mit seinen Vorzügen zu vermitteln , aber auch die Mängel nicht zu verhüllen , die in einer gewissen Redseligkeit des Dichters , in absichtlichen und un¬
absichtlichen Wiederholungen einzelner Gedanken und Worte , nicht selten auch in prosaischen , bei Beschreibungen der Art kaum zu vermeidenden Wen¬
dungen sich kund geben .
Wie wenig ich nun auch mit der Lösung meiner Aufgabe zufrieden sein kann , so empfehle ich doch die kleine Gelegenheitsschrift der wohlwol¬
lenden Nachsicht der Leser , und besonders derer , welche es der Mühe werth halten möchten , die Uebersetzung mit dem Originale zu vergleichen .
Meinem geehrten Freunde , Herrn Director Dr . Meineke , danke ich verbindlich für die zuvorkommende Güte , mit welcher er mir gestattet hat , seine
für das Verständniss einzelner Stellen des Gedichts wichtigen Textverbesserungen zu benutzen und sie in die der Uebersetzung beigefügten Anmerkungen
aufzunehmen . Diese Anmerkungen sollen den Commentar des Du Cange nicht überflüssig machen . Sie beschränken sich nur auf kurze zur Erleichterung
der Lesung des Gedichts bestimmte Andeutungen und auf einzelne Sacherörterungen , zu denen der Text oder die zur Erklärung desselben benutzten Schrift¬
steller Veranlassung gegeben haben . - - Hinsichtlich des Architektonischen darf ich auf die ausführliche und genaue Beschreibung des Herrn Salzenberg
verweisen , auf welche ich im Einzelnen nicht habe Bezug nehmen können , weil der Anhang gleichzeitig mit dem Hauptwerke gedruckt werden musste .
‘ nachstehenden Berichtigungen mul Zusätze bitte ich zu berücksichtigen .
I ) i(

Abschnitt I . Vers 11 ( 5. 1 . : « Lanze den nie zu erschütternden . » Vers 211 . 1 . : « Würd ’ gen . »
Abschnitt II . Vers 75 . 1 . : « städtebesehirmenden . » Vers 140 . 141 . 1 . : « gleich , doch desselbigen Ursprungs ,

Strahlen im schimmernden Glanz der Blumen des grünlichen Marmors . »


Vers 2511 . 1 . : « Aug ’ und blendend . »
Anmerkung I . im 12 . Absatz 1 . : « der am Ende des Jahres 5 ( 53 schon das 81ste Lebensjahr überschritten hatte . » Im 13 . Absatz 1. : « ob¬
gleich selbst Agatliias dessen als unmittelbarer Folge des von ihm 8 Seiten früher beschriebenen grossen Erdbebens gar nicht ge¬
denkt . » Am Ende dieses Absatzes 1 . : « im ein und zwanzigsten Jahre nach den ersten Enkaenien . »
Anmerkung 4 . im Anfang 1 . : » ( im Jahre 5 ( 53 ) . »
Anmerkung 20 . im ( 5. Absatz am Schlüsse L : « ist » « hat . »
Anmerkung 21 . im 2 . Satz 1 . : « Er ist nach der Bestimmung des Herrn Professors G . Rose »
Anmerkung 29 . 1 . : « A/u -vq ?} »
Anmerkung 47 . im Anfang 1 . : « Nestos . »
Zur leichteren Ucbersicht der in den Anmerkungen 1 . und 4 . berührten Zeitbestimmungen mögen noch folgende Notizen dienen :
Justinianus regierte nach den übereinstimmenden Angaben der von Joh . Pet . v . Ludewig in der Vita Justiniani init . citirten Sehrittsteller , nament¬
lich des Theophanes p . 372 ed . Bonn . , des Kedrenos 1 . p . 642 ed . Bonn , und ausserdem noch des Malalas XVIII . init . ed . Bonn . , 38 Jahre 7 Monate 13 Tage .
Von seinem Oheim , dem Kaiser Justinus I . , 4 Monate vor dessen Tode , als Mitregent ( Augustus ) angenommen , trat er im Jahre 527 nach der
Angabe mehrerer Schriftsteller , unter denen Evagrius hist . eecl . lib . IV . c . 9 . und Malal . a . a . ( ) . die bedeutendsten sind , am 1 . April die Regierung an .
Die Richtigkeit dieses Datums findet v . Ludewig a . a . 0 . p . 49 durch die 47ste Novelle Justinian ’ s : « ut praeponatur nomen imperatoris docu -
meiltis » bestätigt , wo es im 1 . Capitel heisst : ovra te ev dnauLV dvo ^ xa ^ Ea ^ co rd rr ;q ßacsüjELCLq Erif , rr {q te ryxer toaq . . . . iroix 'ir '/MV ov , dg vvv eto vq ivÖEY. arov
ißiETEQaq yqaif >ovcn ßaai 'hEiaq , dq ^ oyLEVO v di rov ' An q lov t ixi } V dg , xar « rrjv nqconjv ißiiqai ’ , xa -V v r^ udg
r - o Z? Eoq r olg Tra/xatcov in iari a s
nqäy ^xaui , SaSixarov erog yodul ' oucri . Die mit gesperrter Schritt gedruckte Stelle übersetzt v . Ludewig : inchoante Aprili mense et prima die , in qua nos
Deus Romanorum superposuit rebus ; andere Uebersetzer haben sogar : incipiente vero primo die mensis Aprilis , quo Deus etc . Zu dieser wunderlichen Auf¬
fassung , wonach von einem anfangenden Monate und seinem ersten Tage oder von einem Anfänge des ersten Tages eines Monats geredet wird , giebt
der griechische Text gar keine Veranlassung . Man verbinde nur nicht noa - yv yuiqav mit ’A nqcXXlov fiyvog , sondern allein mit xaS yv x . r . V , welcher Zu¬
satz nur ein abgeänderter Ausdruck der dem dqyoxxivov vorhergehenden Worte ryg yuEriqaq ßacnXsiag ist . Der Sinn der Stelle , der von den Zeitgenossen
des Kaisers nicht missverstanden werden konnte , ist daher : « im Anfänge des Monats April , am ersten Tage Unserer Regierung » . Es bedurfte auch der
besonderen Angabe des Datums ( 4 . April ) nicht , weil es Jedermann bekannt war .
Demnach widerspricht die Stelle der angeführten Novelle keinesweges der genaueren Angabe des Theophanes I . p . 266 , die so lautet : » r « di ' Anqit *-
/Jo > , m ( 7n d ( 4 . April ) Tf( io qrjj rov nder -ya dcrirEvycraq 6 ßaai % £ vq ' Yovcrrli ’oq nqoE ^ ELqlaaro etl £ dv Eig ßaatKia ’ looc rmnax ’ ov , e (T7 £ x \ ' ev avrov xal avvEßaalhsvaEi ’
auru fxrri ’ aq d ' . Kedren . I . p . 641 wiederholt fast dieselben Worte , ein Beweis , dass er den Theophanes vor Augen hatte ; nur nennt er den 14 . April 16 ’ .
wo das l offenbar ein Fehler des Abschreibers ist . Auch von ihm wird der Tag des Osterfestes genannt , eine Angabe , welche für die Bestimmung des
Datums der Thronbesteigung Justinian ’ s die entscheidende ist , da nach der gefälligen Mittheilung der Herrn Professoren Schellbach und Flicke im Jahre
527 der 1 . April ein Donnerstag war und Ostern auf den nächsten Sonntag , den 4 . April , fiel .
Hiernach kann der Todestag Justinian ’ s nur der 17 . November 565 gewesen sein . Theophanes a . a . O . p . 372 nennt im Widerspruch mit seiner
Angabe der Dauer der Regierung des Kaisers den 11 . { ia ) April ; es muss daher i £ ' ( 17 ) gelesen werden .
lieber das Lebensalter des Justinian sind die Angaben verschieden . Die sicherste ist die des Zonaras ami . XIV . p . 40 , wonach der Kaiser , bereits
45 . Jahr alt , den Thron bestieg , mithin zu einem Alter von 83 Jahren und einigen Monaten gelangte .
Im Anfänge des Jahres 532 , dem 5 . Regierungsjahre des Kaisers , begann der Neubau der im Nika - Aufstande eingeäscherten Sophia . Du ( äuge
( ’ oimnent . p . 65 . Kedren . 1 . p . ( 550 , wo aber statt ß ' e ' zu lesen ist , denn auch welches nach dem Vorhergehenden zu erwarten wäre , würde unrichtig sein .
Am 2 ( 5 . December 537 im 11 . Regierungsjahre die Enkaenien der neuen Kirche .
Im Juni 548 starb die Kaiserin Theodora , Theopli . 1 . p . 350 und Zonaras XIV . C . 9 . p . 54 , nach einer Regierung von 21 Jahren 3 Monaten , also
am Ende des Juni .
Im Spätherbste des Jahres 557 , nicht lange vor dem Wintersolstitium , das grosse von Agatliias V . 3 . geschilderte Erdbeben , dem den Winter hin¬
durch mehrere andere folgten .
Am 7 . Mai 558 , also im 32 . Regierungsjahre des Kaisers , d . i . 20 Jahre 4 Monate 3 Tage nach den ersten Enkaenien des Jahres 537 , der Einsturz
des östlichen Theils der Kuppel . Kedren . I . p . 676 und Theopli . I . p . 359 , welcher Letztere ausdrücklich bemerkt , dass das Gewölbe durch die Erderschfitte -
rungen ( ex tSxv yEvoyxivav uELUfxSyv ) schon einen Riss erhalten habe .
Am 24 . December 5 ( 53 die zweiten Enkaenien . Du Lange Comment . a . a . O .
Im November desselben Jahres 563 die Entdeckung der Verschwörung des Sergius und Marcellus . Malal . XVIII . p . 329 . Kedren . I . p . 679 .
Am 5 . December d . J . die erste Sitzung ( cnXivnov ) im Kaiserlichen Palast wegen der Verschwörung . Noch in demselben Monate die Verurtheilung
der Schuldigen , die Sequestration des Vermögens des Belisarius und der über ihn verhängte Hausarrest . Kedren . a . a . ( ) . xai dqiairy xa -Se ^ eo -4Tai ev ro ; cuxg )
avrov dnqoiToq . Theopli . I . p . 368 .
Am 19 . Juli 564 erhielt Belisarius Vermögen , Würden ( ätlaq ) und Freiheit wieder . Kedren . I . a . a . 0 . Theopli . I . p . 370 .
Er starb im 38 . Jahre der Regierung Justinian ’ s im März 565 . Kedren . I . p . 680 . Theopli . I . p . 371 .
Berlin , im Juiiius 1854 .

Dr . Kortüm .
I .

DIE H . SOPHIA DES SILENTIARIUS * ) PAULUS .

I . ABSCHNITT . Vers 1 - 276 .

iclit der Waffen Geklirr , nicht die Sieg ’ im Süden und Westen , Dumpf erdröhnte die Erd ’ auf “ längere Zeit und der finstre
Nicht die Trophäen , noch triefend vom Blut erschlagner Tyrannen , Staub , mit des Nebels dunkelen Wolken sich mischend , verhüllte
Hufen mich heute herbei , den Jubelgesang zu beginnen . Mitten am Tage den Schein der heiteren Bläue des Himmels .
Ileut auch schweige das Lob des glorreichen Kampfs mit den Medern ! - ) Heiliger Christus , Du hast , ausstreckend die Hand Deiner Gnade .
5 Segen spendender - Friede , Du pflegender Vater der Städte , 60 Nimmer geduldet , dass Dir der Teichinen frevelnde Arglist 7 )
Mehr noch dem Fürsten ersehnt , als der Sieg im Schmucke der Waffen , Deinen geweiheten Boden mit Blut befleckte . Du wolltest
Sei Du mit uns , dass wir preisen die stadtbeglückenden Thaten Nimmer sehen mit reinen und allumschauenden Blicken
Und mit heiligen Hymnen den herrlichen Tempel besingen , Blutbesudelt die Stätte unblutigen Opfers im Tempel !
Ihn , der jeglichen Lohn der Waffen und jeglichen Prachtbau ’ s Aber es stürzte nicht ein das ganze Haus bis zum Grunde ,
10 Hochgefeierten Ruhm an leuchtendem Glanz überstrahlet . 65 Weil es von künstlich verbundenen Ankern wurde gehalten ,
Du aber , hehre Roma , Du widme dem Spender des Glückes , Sondern es mischte sich nur der Bogen der östlichen Wölbung —
Deinem Fürsten , den Kranz der reinsten Gesänge des Lobes , Nur ein Tlieil der das Haus bedeckenden Kuppel — dem Staube .
Nicht , dass er Deinem Joche die Völker der Erd ’ unterworfen , Wunderbar war es von unten zu schau ’n , wie die übrige Wölbung ,
Nicht auch , dass er des Reichs schon unermesslichen Umfang Ihrer stützenden Bogen beraubt , noch schwebt ’ in den Lüften .
15 Hat noch erweitert bis zu des Okeanos fernsten Gestaden , 70 Alle waren gebeugt von der Trauer über den Unfall .
Sondern in Deinem Schoosse den riesigen Tempel errichtet , Strafet mir nicht mi t tadelnden Worten meine Sirene , 8 )
Und Dir höheren Glanz als der Thymbrischen Mutter verliehen . Dass sie noch einmal den Weg des vergessenen Leides durchwandert .
Rühmt als Höchstes nicht länger des kapitolinischen Berges Süsser ist Lachen nach Thränen , Gesundheit süsser nach Krankheit !
Wunder , das sich verhält zu dem grossen Werke des Königs , Nicht so erschrecken den Menschen dem Aether entströmende Gluthen .
20 Wie sich das Götteridol verhält zum lebendigen Gotte . 75 Wenn sie die dürre Decke der schmachtenden Felder versengen
Damit beginnend , will ich , Anthusa im goldnen Gewände , 3 ) Und dem versiegenden Strom entziehen den reichlichen Zufluss ;
Deinen Gebieter im süss ertönenden Liede besingen . Oder wenn über das fruchtbare Land der blitzende Himmel
Denn es hat nicht allein in der Waffenrüstung der König Sich aufthuend eröffnet die Thore dem strömenden Regen
Mit der Spitze der Lanze das Heer der Barbaren bezwungen , Und die üppige Flur mit des Meeres Wogen bedecket .
25 Dass es den stolzen Nacken , von Deinem Zügel gebändigt , 80 Aber es hat mein Fürst , nachdem er das Unheil vernommen ,
Zitternd beugt und sich füget dem Joche Deiner Gesetze , Lange sich nicht der Verzögerung bringenden Trauer ergeben
Sondern es ist auch der knirschende schwarze Verratli 4 ) den Geschossen Und seiner Weisheit leuchtendes Licht nicht lange verhüllet ,
Unseres Fürsten erlegen und vor der Menge der Pfeile Sondern , nachdem er den Stachel des kurz andauernden Schmerzes
Niedergestürzt mit dumpfem Gestöhn in den Wirbel des Staubes . Von sich getlian , sich gerüstet , des Tempels Bau zu erneuern .
30 Komme herbei , Du früher geborne latinisclie Roma ! 85 Zu ihm gewandt sprach also die kriegesmutliige Roma :
Singe gemeinsam das Lied mit der jugendlich blühenden Roma ! « Mächtiger Fürst , der Gerechtigkeit Born , Du Schirmer der Städte .

Komme jauchzend herbei , dass Du schauest die jüngere Tochter , Unmutli hat mich ergriffen ( man freut sich wohl auch der Megära ) . ° )
Wie vor der Mutter sie strahlt , — das ist ja die Freude der Eltern ! 5 ) Dass , da Du noch am Leben , und rettende Hülfe so nah ist ,
Männer , die Ihr bewahrt die heiligen Satzungen Gottes , Unsere Brust noch quälet die offen stehende Wunde .
35 Kommet herbei , legt ab die den Sinn umnebelnde Trauer 90 Aber wohlan , o Fürst , Du kennest die Mittel der Heilung ,
Und umhüllet den Leib mit dem weissen Gewände der Freude ! Oeffne die segnende Hand , die Pflegerin herrlichen Reichthums !
Lasset , nachdem Ihr getrocknet des Leid ’ s fünfjährige Thränen , Alles hab ’ ich , getreu und gehorsam Deinem Befehl , Dir
Fromm 3 ) miteinander uns singen die wohl gemessenen Hymnen . Untertliänig gemacht , und dem Glanze Deiner Triumphe .
Auf der Erde sind nun erschlossen die himmlischen Pforten Nun ruht Mediens Fürst , es schweigt der keltische Kriegsruf , 10 )
40 Von Ausoniens König ; er hat in den Tagen des Festes 95 Und der Indier bringt 11 ) zu Deinem Throne freiwillig
Freuden in Fülle gespendet und jegliche Sorge beschwichtigt . Bundsgenossisches Schwert , Elephanten und Perlen des Meeres .
Denn seit niedergestürzt der Könige prangendes Bauwerk , Auch Karthago nun beuget ihr Knie vor Deinen Trophäen .
Füllte die Stadt nur die Klage des Jammers . — Sei gnädig der Rede , Zu mir eilen die Schiffe , wie nach dem Hafen der Hoffnung ,
Huldvoll und gnädig der kühnen , erhabener Herrscher des Landes ! Folgend auf ihren Fahrten dem Laufe der Bären am Himmel ,
45 Sei ihr gnädig und hold , wenn auch nur ein wenig Dein Ohr sie 100 Dass ich den Kindern sammle den Segen beglückenden Reichthums —
Sollte berühren . Es hat nun die Schönheit des herrlichen Baues Köstliches Gut zu schaffen herbei welin günstig die Winde .
Alle Stacheln des Grams in lethäische Fluthen versenket . Das ist Deiner Bemühungen Folge . Nun aber lass nimmer ,
Leuchtender strahlet ja auch das Licht der Sonne dem Wandrer Nimmer , mächtigster König , das Wunder des göttlichen Bauwerks
Nach der stürmischen Nacht , und liebliche Stille des Meeres Du , in des Schatzes Besitz , in den Strom der Lethe versinken .

50 Giesset Freud ’ in das Herz dem wogendurchirrenden Seemann . 105 Denn wenngleich Dich verehren , o Fürst , Ausoniens Satzung
Sei denn gnädig der Rede , der kühnen , erhabener König ! Untertliänig die Völker des unermesslichen Erdballs ,
Schon war , obgleich auf die stärksten und festesten Bogen sich stützend , Wenn auch die ganze Stadt von Dir uns erbaut ist , so steht doch
Eingestürzet die Hälfte des herrlichen Kuppelgewölbes Deinem erhabenen Thron kein schöneres Denkmal errichtet . »
Und der geweihete Tempel in seinen Festen erschüttert . Also sprach sie und sank in die Knie , die Füsse zu küssen
55 Ueberall in der Stadt erbebte der Grund der Gebäude ; 110 Ihres erhabnen Gebieters . Er aber reichte die Rechte
A
II

Huldvoll der knienden Roma und Iness ihr , sieh zu erheben . Hin zu der kälteren Balm des dem Meer entsteigenden Steinbocks .
Freundlich lächelnd , damit er das seinnerzliehe Wehe verscheuche , 185 Als er so eben verlassen die Strasse des traurenden Schützen .
Sprach er zu ihr die mit heiterer Freud ’ erfüllenden Worte : Da nun erschien der herrliche Morgen , es thaten sich rauschend
« Traure nicht länger , I ) u herrliche Stadt , lass fahren den Schmerz nun ! Auf ' die unsterblichen Pforten des jüngst vollendeten Hauses ,

115 Wie kein Pfeil Dir den Schild zu verletzen , noch je der Barbaren Ladend zu sich das Volk und den mächtigen Herrn . Wie die dunkle,
Lanze den nimmer erschütternden Mnth zu bezwingen vermocht hat , Nacht allmählig entweicht vor der Helle des wachsenden Tages ,
So nun beuge Dich nimmer der eingedrungenen Sorge . 190 So auch war sie verschwunden , als stand im Lichte der Tempel ,
Dulde mit Mutli , Du Kön ’ gin der Städte , und cpiäle das Herz nicht , Jene schmerzliche Nacht ; es strahlte die Sonne der Freude .
Denn durch meine Bemühungen sollst Du noch herrlicher dastelm , Da geziemte es Dir , o Fürst , es geziemte Dir , Roma ,
120 Wenn ich dem Tempel erneuert die schön gerundete Kuppel . » In dem Beginn des erhabenen Gott geweideten Festes
Also sprach er und eilte zum Bau und rasch , wie das Wort war , Eurem Volke zu öffnen die Pforten des göttlichen Tempels .
Folgte sogleich auch die That , denn er wartete nicht , wie es Brauch ist , 195 Es geziemte sich wohl , dass nach dem Tage der Feier
Auf die beschildete Schaar der stets ihn begleitenden Wache , Folgte der Tag der Weihegeburt des Herren und Heilands .
Bis sie den stolzen Nacken mit goldener Kette geschmficket , Und vollbracht war die Nacht , die dem festlichen Morgen voranging .
125 Nicht auf den goldenen Stab , der stets dem Herrscher vorangeht , 1" ) Hohe Freude verkündend . Es hatte der göttliche Herold 19 )
Nicht auf das muthige Heer , geschmückt mit Jugend und Mannheit , Schon empfangen des wachenden Chores Gesang in den neuen
Wie es in schwarzen Schuhen im Kriegesmarsche einherzieht ; 200 Göttlichen Hallen des Schiffes , wo sie mit heiliger Stimme
Plötzlich eilten herbei von allen Seiten die Männer Hatten die Nacht hindurch dem lebenschaffenden Heiland
Zum vorschreitenden Herrscher . Es stiessen die Schild an einander Ununterbrochen ihr Lob gesungen in jubelnden Hymnen .
130 Der sich drängenden Schaaren und weithin hallte das Echo . Als nun aber der Morgen den dunkelen Schleier gelüftet
Als er darauf zum Tempel gelangt ’ und den Grund des Gebäudes Und mit dem leuchtenden Strahl das Gewölbe des Himmels geröthet ,
Fest und sicher erkannte , da wandt ’ er die sorgenden Blicke 205 Da versammelte sicli das Volk , und die Diener des Thrones
Nach der umfassenden Kuppel . Er sah sie und pries des Anthemios l3 ) Kamen herbei , den Befehlen des mächtigen Herrschers gehorchend ,
Hohe Kunst und Verstand , des Mannes besonnenen Willens . Bringend Christus , dem König , ihm wohlgefällige Gaben ,
135 Dieser ja hatte zuerst den Grund zu dem Tempel geleget , Um mit flehender Stimme die göttlichen Hymnen zu singen ,
Eifrig dienend dem Willen der unermüdlichen Kön ’ ge ; 14 ) Jeder in seiner Rechten die weisse brennende Kerze .
Stark in der Kunst , das Centrum zu wählen , Entwürfe zu zeichnen , 210 Und es folgte als Führer des heiligen Chores der Priester ,
Gab er den Mauern genügende Kraft , den Kampf zu bestehen , Den Ausoniens sceptertragender Fürst als den Würdigen
Wenn des feindlichen Dämons Gewalt sie sollte bedrohen . 15 ) Für den Tempel berufen . Die Menge füllte die weiten
140 Denn sie gaben nicht nach dem Sturze des ragenden Gipfels , 16 ) Strassen der Stadt . Es wallte das ganze Volk zu dem Tempel ,
Sondern stützten den Fuss auf die unerschütterte Basis . Darzubringen das Opfer des Danks und jeglicher glaubte ,
Drum vermocht ’ er es auch , der Beherrscher des Thrones Ausoniens , 215 Heilige Hallen des Himmels mit seinem Fuss zu betreten .
Auf den früheren Mauern den neuen Bau zu errichten Oeffnet mir mm die göttlichen Pforten , ja öffnet Ihr Priester ,
Und der untadligen Kuppel die alte Pracht zu erneuern . Oeffnet nun unserer Rede das Inn ’ re des heiligen Hauses !
145 Doch wer gäb ’ es wohl kund , wie er zu dem herrlichen Glanze Auch begleitet das Wort mit Gebet , denn es werden nun alle ,
Wieder erweckte den Tempel ? Wer könnte genugsam die Grösse Die in den Tempel gelangen , auf Euch hin richten die Blicke .
Fördernder Weisheit schildern des sceptertragenden Königs ? 220 Dreifach öffnen nach Morgen sich halbe Bogen des Kreises .
Nicht berühr ’ ich , o Fürst , was die bauende Knust hier geleistet , Ueber dem oberen Rand der senkrecht stehenden Mauern
Nur des Zieles der Müh ’n und der Arbeit , die Du vollbracht hast , Strebet empor ein Viertheil der vierfach getheileten Kugel ,
150 Will ich gedenken , des eben vollendeten Wunders , womit die Gleichend der Wölbung , die über dem Kopf mit dreifachem Helmbusch
Göttliche Liebe die Augen der schauenden Menge bezaubert . Bildet der stolze Pfau mit dem augereichen Gefieder .
Denn selbst wer mit Erstaunen den leuchtenden Himmel betrachtet , 225 Conclie nennen die Wölbung die kunstverständigen Männer .
Kann nicht lange mit übergebogenem Nacken die Blicke Fragst Du warum ? Die Künstler allein wohl mögen cs wissen ,
Richten empor zur gewölbeten Flur im Sternengewande , Ob der besonderen Art von Wölbung der Name ertheilt ist ,
155 Sondern er wendet das Auge zurück zu dem grünenden Hügel , Von der Muschel des Meeres , oder aus technischen Gründen .
Und er sehnt sich zu schau ’ n den blumenumgürteten Bergstrom , Aber die mittlere Muschel umschliesst die Sitze der Priester
Aelirenreiches Gelild ’ und das Schirmdach laubiger Wälder , 230 Sannnt den Stufen im Bogen umher , also dass von diesen
Hüpfende Heerden zudem und den rundumschattenden Del bäum , Sich die untersten Reili ’ n um des Kreises Centrum am Boden
Saftige Reben durch grünes Gezweig der Bäume sich schlingend Enger ziehen zusammen , jedoch die oberen Stufen
160 Und die heitere Stille , die über dein bläulichen Meer ruht , Sich allmählig erweitern , bis sie die silbernen Sitze
Nur von den Rudern durchfurcht des die Fluth durchziehenden Schiffers . Und die umgebende Wand erreichen in grösserem Umfang .
Aber wer einmal den Fuss in den göttlichen Tempel gesetzt hat , 235 Darauf ' folget ein Raum , der von senkrecht stehenden Mauern
Will ihn nicht wieder verlassen , da ihn das bezauberte Auge An den Seiten begrenzt , nach oben aber gewölbt ist ,
Zwinget , nach allen Seiten den biegsamen Nacken zu wenden ; Nicht in Kugelgestalt , nein , gleichend dem halben Cylinder .
165 Nimmer ermüdet das Auge , die Pracht des Innern zu schauen . Diesem scliliessen , mit je zwei Säulen nach Abend gewendet ,
Solchen Tempel hat nun vollendet der immer bewachte 17 ) Andere ähnliche Conclien sich an zur Rechten und Linken ,
König und Herr mit des ewigen Gottes gnädiger Hülfe . 240 Gleichsam als streckten sie aus die beiden gebogenen Arme ,
Denn es ist Dir , o Fürst , um Deiner Bestrebungen willen Um die Chöre der Sänger in ihrem Schoss zu umfangen ;
Christ , der Gelobte , immerdar gnädig . Du wolltest nicht thürmen Und sie werden gestützt von den goldenen Häuptern der Säulen ,
170 Auf des Olympos erhabenes Haupt den felsigen Ossa , 1S ) Welche , in bunten Gebilden abstrahlend die Blume des Purpurs , 20 )
Ueber des Ossa kuppigen Nacken nicht wälzen den Pelion , Tragen , im Halbkreis stehend umher , des Bogens der Wölbung
Um der Sterblichen Tritten den Weg zu dem Himmel zu bahnen . 245 Mächtige Bürde . Bei Theben , der Stadt an dem Strome des Niles ,
Denn nachdem Du vollendet mit heiliger Mühe das Werk hast Sind sie auf felsiger Kuppe des hohen Gebirges gebrochen .
Ueber Erwarten , bedarfst Du nicht weiter der Höhen der Berge , Säulen , je zwei , unterstützen auf beiden Seiten die Wölbung
175 Um in den Himmel zu steigen , Du wandelst auf gradestem Wege Beider Apsiden ; jedoch im unteren Raume der Conclien
Zu dem göttlichen Thron von der Frömmigkeit Schwingen getragen . Hat der verständige Künstler noch kleinere Bogen gewölbet
Doch was soll ich noch zögern , den Tag des Festes der Freude 250 Neben einander , drei an der Zahl , die da werden getragen
Nun zu feiern ? Wozu noch das Reden ausser dem Tempel ? Von den Häuptern der Säulen im Glanze des Erzes und Goldes
Lasset uns gehn und preisen den Herrn in dem Hause ! Ihr Priester , Schön gemeisselt zu schauen , den traurenden Blicken ein Labsal .
180 Flehet ihn an , mir zu sein ein gnädiger Helfer der Rede ! Ueber den porphyrnen stehen im zweiten Geschosse noch andre
Kurz erst ruhte die Sichel , die ihre Schärf ' in dem Weinberg Säulen , strahlend in Blumen des grünen thessalisclien Marmors . 21 )
Hatte verloren und harrte der Garben des künftigen Frühlings . 255 Da nun erblickest Du , schauend empor , der betenden Frauen
Helios lenkte vom Notos empor die Zügel der Rosse Zierliche Hallen , die alle mit Kuppelgewölben bedeckt sind :
m _
Dort aber glänzen nicht zwei , nein sechs thessalische Säulen . Hoch in die Luft getragen in ausgedehnterem Umfang ,
Wohl ist ’ s ein Wunder zn schau ’ n , das Geschick des kundigen Meisters , Gleichend dem Bogen der Iris , hinauf bis zur äussersten Spitze .
Dass sechs Säulen so külm er hat auf den zweien errichtet Seinem Rücken entsteiget die runde Wölbung der Kuppel ,
260 Und es gewagt , in der Luft die Basis ihnen zu gehen . 270 Welche bedeckt wie ein Helm die Mitte des göttlichen Hauses .
Alle die Räume zwischen den Säulen thessalisclien Marmors Also strebet die Conclie zur Höh ’ in weiterem Kreise ,
Schirmt ein Geländer von Stein , auf welches über sich lehnend Oben als Eine sich zeigend , doch unten ruhend auf dreien
Pflegen die schauenden Frauen die rührigen Arme zu stützen . Weiten Bogen , auf deren Rücken gesondert vertheilt sind
Also richtend empor den Blick nach der östlichen Seite , Fünf sich öffnende Fenster , bestimmt das Licht zu empfangen .
265 Schau ’ st Du das Wunder der vielfachen Wölbungen , aber den allen , 275 Dünne Scheiben von Glas verschliessen sie zwar , doch hindurch dringt
Nur in weiterem Kreise , entwächst ein anderer Bogen , Hell der leuchtende Strahl der lehenerweckenden Frühe .

II . ABSCHNITT . Vers 1 - 503 .

Alles , was nach der Seite des Abends im Schiffe Du schauest , Doch zu dem oberen Kranze nur harte Steine verbunden .
Gleicht bis auf Weniges ganz den Formen der östlichen Seite , 60 Untergeleget den Fugen sind Platten von weicherem Bleie ,
Nur fehlt dort in der Mitte die bogenförmige Mauer , Dass nicht der Stein , weil unmittelbar auf ' andre gefüget ,
Welche gen Morgen umscliliesst den Raum , wo die heiligen Priester Hartes zu Hartem gesellend und lastend als Schweres auf Schwerem
5 Ihre Sessel gestellt in dem weitumfassenden Kreise , Oben zerbreche , denn auf dem darunter gegossenen Bleie
Strahlend im silbernen Schein des leuchtenden reichen Metalles . Ruht mit gepresster Basis er nun wie auf weicherem Bette .
Aber gen Abend eröffnen sich weit die kunstreich geschmückten 65 Ein Gesimse von Steinen umgiebt im Kreise die ganze
Tliore , drei an der Zahl , am äussersten Ende des Schiffes , Wölbung des Hauses , da wo die sämmtliclien Bogen der halben
Und ein geräumiger Gang vor den Tliüren , von eben der Länge , Kugel mit ihren Wurzeln den letzten der Kreise berühren .
10 Wie die Breite sich dehnt des ganzen geweiheten Hauses , Dort an dem 23 ) weit vorspringenden Schmucke des schönen Gesimses
Aufzunehmen das Volk , das sich nahet den Pforten des Eingangs . Bilden hangende Steine den ringsumlaufenden schmalen
Dieser Raum wird genannt von griechischen Männern der Narthex . 70 Pfad , auf welchem der Träger des Lichts umher sich bewegend
Dort erfreut sich das Ohr des Heilands und Herren des Lebens Ohne Gefahr anzündet die Flammen der heiligen Leuchter .
An dem geweiheten Klang , der das Innere des Tempels erfüllet , Hoch darüber empor ragt weit in die dunkelen Lüfte
15 Wenn bei nächtlicher Weile die Priester und Chöre der Sänger Rund im Kreise sich windend der Helm des göttlichen Hauses ,
Lassen im Wechselgesang die heiligen Psalmen ertönen Gleich der Decke des leuchtenden Himmels und über dem Scheitel
Davids , des milde gesinnten , von Gottes Stimme gelobten , 22 ) 75 Stehet gezeichnet das Bild des städteschirmenden Kreuzes . 24 )
Vielgefeierten Mannes , dess hochgepriesene Tochter Wahrlich ein Wunder zu schau ’n , wie sanft nach unten der Umfang
Christ , den der Mutter entbehrenden Sohn des allmächtigen Gottes , Zunimmt , während er weiter nach oben allmählig sich mindert .
20 Im jungfräulichen Schosse gehegt , und geboren , damit er Denn nicht steiget die Kuppel empor zu schärferer Spitze ,
Aelmlich werde durch sie den anderen Kindern der Menschen . Sondern vielmehr , wie das Himmelsgewölbe —
Sieben heilige Pforten eröffnen zur Halle den Eingang , ( Von den nächsten 15 Versen sind nur unverständliche Bruchstücke

Einzuladen die Schaaren des Volks ; die eine von ihnen erhalten .)

Wird an der südlichen Seite geöffnet des schmaleren Narthex , 96 Staunen erreget die Weisheit , mit welcher der mächtige Herrscher
25 Aber die zweite dem Boreas zu , indessen die andern Allen den Männern gebot , die der festen Gründung des Tempels
Alle der Kirchner erschliesset in ihren tönenden Angeln Ihre Mühen gewidmet mit grossem Fleiss und Geschicke ,
An der westlichen Wand , der letzten des herrlichen Hauses . Nur von gebrannten Ziegeln die Krümmung der Bogen zu bauen ,
Wohin bin ich gekommen ? Wohin hat die irrende Rede 100 Wie der Apsiden , so auch der gewölbeten Decke des Hauses .
Gleichsam ein Sturm des Meeres entführt ? sie hat ja vergessen Nimmer hätte von Holz , 25 ) vertrauend der Kunst , der verständige
30 Noch der prächtigen Mitte des Schiffs ; so kehre , Gesang , nun Meister das Dach gezimmert dem hoch gewölbeten Tempel ;
Zu dem Wunder zurück , unglaublich zu schau ’ n und zu hören . Denn nicht auf Libanons Iföh ’n im steilen pliönikisclien Lande ,
Denn es stehn zu den Seiten der halben Bogen im Westen , Nicht in den schattigen Wäldern der Felsabhänge der Alpen
Wie im Osten und neben je zwei thebaisclien Säulen 105 Hätten wohl je assyrische Männer und kräftige Kelten
Vier der stärksten und festesten Pfeiler , von vorne zu schauen In den belaubten Hainen mit ihren Aexten gefallet
35 Frei , jedoch auf den anderen Seiten und auch in dem Rücken Fichten und Tannen , mit ihnen die Wölbung des Hauses zu schliessen .
Von den sich eng anschliessenden sicheren Stützen umgeben ; Nicht auch wachsen im Hain bei Daphne am Fluss des Orontes , 26 )
Jeder stehend für sich auf dem nimmer wankenden Grunde Noch auf Patara ’s 27 ) waldiger Höh ’ die schlanken Cypressen ,
Und von harten und so verbundenen Steinen gebauet , 110 Welche zum schirmenden Dach des riesigen Tempels geeignet .
Dass von gebranntem Steine der Staub mit Wasser gemischet Drum hat der mächtige Fürst , weil Bäume genügender Länge
40 Schliesst nach den Regeln der Kunst die dazwischen liegenden Fugen . Ihm die Natur versagte , nur Steine zur Kuppel verwendet .
Drüber erheben sich Kreise von unermesslichem Umfang , So auf vierfachen Bogen erhebt sich die herrliche Wölbung ,
Gleichend dem runden Bogen der farbenstrahlenden Iris , Wie ein umfassender Helm . Er scheint dem irrenden Auge
Einer nach Westen sich biegend und senkend , der andre nach Norden 115 Hoch hinauf bis zum weiten Gewölbe des Himmels zu reichen .
Und der dritte nach Mittag ; der vierte erhebt sich gerichtet Aber nach Morgen und Abend ist unter der Wölbung des Bogens
45 Zu dem leuchtenden Morgen . Die Basis findet ein jeder Nichts zu erblicken , es schauet vielmehr das Aug ’ in das Freie .
An der gemeinsamen Stelle , wo dieser und jener der Bogen Nach dem Notos indess und dem Dürre bringenden Bären
Sich mit dem Nachbar vereinet und dann auch wieder sich trennend Steigt bis zum untersten Rande der Kuppel hinauf die gewalt ’ ge
Steiget empor in die Luft auf sanft gekrümmetem Wege 120 Mauer und glänzet im hellen Scheine des Lichts , das hereinbricht
Immer weiter geschieden von seinem Genossen . Die Räume Durch acht stattliche Fenster . Es ruhet die mächtige Mauer
50 Zwischen den herrlichen Bogen erglänzen von zierlichem Kunstwerk . Auf den steinernen Basen der sechs gereiheten Säulen ,
Denn wo sie nach der Kunst Vorschrift von einander sich wendend Welche , leuchtend im schimmernden Glanz des grünen Smaragdes ,
Offen lassen den Raum , da steiget empor , wie ein Dreieck Auf sich nehmen den festen Verband der gewaltigen Mauer ,
Ueberneigend die Mauer , so weit es genügt zn verbinden 125 Da wo sich öffnet der herrliche Raum für die Sitze der Frauen .
Hier , wie auch dort die Arme zu einem gemeinsamen Kreise . Diese werden getragen von fest auf den Boden gestellten
55 Vierfach strebet die Krümmung empor , damit sie umgebe Säulen , vier an der Zahl , auf ihren goldenen Häuptern ,
Als ein gewundener Kranz den Rücken der Wölbung des Hauses . Rings nmtlian von dem Schmucke der lieblich strahlenden Anmutli ,
In dem Körper der Bogen , durch welche sich bildet die Wölbung , Und von dem Glanz des thessalisclien Marmors . Sie scheiden den freien
Hat zur Mauer der schaffende Künstler gebackene Ziegel . 130 Offenen Baum der Mitte des herrlichen Schiffs von der nahen
B
IV

Sich an der Seite erstreckenden Halle . Hoch nimmer sind Säulen Und den prächtigen Boden verzieren ? Es ist mit des Meisseis
ln den Gruben bewaldeter Ebnen des Landes Molossis '-28 ) 205 Eisernem Zahne gespalten der grünliche Stein von Karystos 35 )
Jemals früher gehauen von ähnlicher Höhe und Anmiith Und zu Platten zerschnitten der bunte ; phrygische Marmor , 30 )
Und so strahlend vom Schmucke der bunten Blumen des Marmors . Der im rosigen Licht und von weissen Wolken durchzogen ,
135 Auch in der Mitte der Hallen hat zwei Paar Säulen Anthemios , Oder in blendendem Weiss mit dunkelen purpurnen Blumen
Jener erfindrische Mann , errichtet , mit ihm Isidoros , Schimmernd zu schauen . Es leuchtet die Menge des seltenen Marmors ,
Eingeweiht in die Kunst ; ( denn beide ja haben , dem Willen 210 Den Lastschiffe herbei auf den breiten Gewässern des Niles 37 )
Unermüdlicher Herrscher mit Eifer zu dienen beflissen , Führen , strahlend in Purpur , geschmückt mit kleineren Sternen .
Diesen riesigen Tempel erbaut . ) Die stattlichen Säulen , Auch erblickst Du das hellere Grün des lakonischen Marmors 38 )
140 Zwar in der Höhe den andern nicht gleich , entstralilen , wie diese Und von anderen Steinen , in vielfachen Windungen strahlend
Aus tliessalisclien Brüchen entnommen , den Glanz des grünlichen Marmors . Solche , welche die Schlucht des iassischen Hügels hervorbringt ,
Aber es ist nicht ge wurzelt in einer Reihe und Richtung 215 Schräge durchzogen von Streifen , die blutroth oder auch mattweiss ;
Auf dem Boden ihr zierlicher Euss , je zwei sind einander Andere , welche das engere Thal der lydischen Berge 39 )
Gegenüber gestellt . Es bieten die Häupter der Säulen , Sendet hervor mit Blumen von blasser • und röthlicher Farbe ,
145 An den Schläfen durchbohrt von vier verbindenden Ankern , Oder die Libyens Sonne mit ihren goldenen Strahlen 40 )
Ihren Rücken zur Stütze den herrlichen Hallen der Frauen . Auf dem weit sich erstreckenden Rücken maurusisclier Berge
Nahe dabei an des stürmischen Boreas Seit ’ ist die Tliüre , 220 Färbt mit goldenem Glanz und dem Schimmer des dunkelen Saffians ,
Welche dem Volk anzeiget den Weg zu dem Brunnen , Oder so viel das Gebirge der Kelten erzeugt in den Gruben 41 )
Der als Reinigungsquell des menschlichen Lebens vertilget 29 ) Schimmernd in schwarzer Farbe , doch so dass Aederchen milch weiss
150 Jeden besudelnden Schmutz der die Seele verderbenden Sünden . Hier und auch dort erscheinen in nicht geregelter Windung ;
Auf vier herrlichen Säulen aus schönem tliessalisclien Marmor Oder so viel durchleuchtet der kostbare Onyx mit seinem 42 )
Reili ’n auf den beiden Seiten , und zwar gen Abend und Morgen , 225 Strahl von gelblicher Färb ’ und so viel die atrakische Landschaft
Diese Hallen entlang sich wölbende halbe Cylinder Pflegt in dem ebenen Feld’ und nicht auf den Höhen der Berge ,
Gegen die Wände 30 ) gelehnt , den freien Durchgang gewährend , Hier in grünlichem Licht , fast ähnlich dem hellen Smaragde ,
155 Künstlich und zierlich geformt . Nach der Seite des nördlichen Bären Dort in gesättigtem Grün sich nähernd der dunkleren Bläue .
Thun im Gange sich auf die Angeln der doppelten Tliüre ; Mancher ist weiss wie der Schnee , doch von schwarzem Schimmer
Doch dem Mittage zu , gegenüber der Pforte der Hallen , umgeben ; 43 )
Oeffnen sich stattliche Räume , den Prunkgemächern vergleichbar . 230 Beide Farben gemischt erhöhen dem Marmor die Anmutli .
Gegen Süden und Norden sind noch zwei andere Säulen Aber bevor der Glanz der geschnittenen Steine hervortrat ,
160 Aus dem liämonisclien Land ’ und zwei prokonnesischen Marmors 31 ) Fügte die Hand des Bildners die dünneren Blättchen zusammen ,
Aufgerichtet , die letzten jedoch in der Nähe der Tliüre . Zeichnend also wie auf Tafeln und Platten zum Schmucke der Wände
Aber nur Ein Thor stehet im Süden , indessen nach Norden Hörner bis oben gefüllt mit den herrlichen Gaben des Herbstes ,
Oeffnet dem Eintritt des Volkes den Weg die doppelte Pforte . 235 Körb ’ und allerlei Blätter und auf den Spitzen der Zweige
Auch die lange und weit sich erstreckende südliche Halle Sitzende Vögel . Am Rande in schön sich windenden Linien
165 Gleicht der nördlichen , nur umfasset sie mehr noch als diese , Läuft umher mit verschlungenen goldenen Reben ein Weinstock ,
Denn sie bewahrt auch den Raum , von besonderen Mauern umschlossen , Flechtend zusammen das Band des Kranzes mit hangenden Büscheln ,
Für Ausoniens König , wo er an den Grössten der Feste , Sanft vorüber sich neigend , so dass er den Marmor der Wände
Mit der Krone geschmückt 32 ) nach Brauch auf erhabenem Throne 240 Mit dem Geflecht der biegsamen Zweig ’ ein wenig beschattet .
Pfleget das Ohr zu leihen dem Worte der heiligen Bücher . Auch in dem Innern des Randes , der über den Säulen umherläuft ,
170 Wer zu den Frauenhallen der beiden Seiten hinaufsteigt , Windet sich Aussen ein zierlich gewundener Kranz von Akanthus ,
Sieht , dass die oberen im Bau vollkommen den unteren gleich sind ; Sanft sich schmiegend , entlang , gleich lose geschlungenem Bande ,
Doch lässt beiden sich nicht die schmalere Halle vergleichen , Lieblich schimmernd im goldenen Schein der zackigen Blätter
Die sich erhebt an der Seite des Westens über dem Narthex . 245 Und umkränzend wie Scheiben gerundete marmorne Flächen , 44 )
Aber draussen am westlichen Ende des göttlichen Tempels Welchen leuchtend entströmet des Porphyrs heitere Anmutli .
175 Siehst Du von vier umlaufenden Hallen umgeben den Vorhof . Alle Platten des Bodens hat Prokonnesos geliefert ,
Eine von ihnen scldiesst sich dem Narthex an , doch die andern Darzubieten den Rücken der bürgerpflegenden Kön ’ gin . 45 )
Sind dem Eintritt eröffnet auf viel sich durchschneidenden Wegen . Auch wohl leuchtet der weisse Schimmer bosporischen Marmors
Auf dem gepriesenen Nabel des lang sich erstreckenden Vorliofs 250 Schillernd hervor , an dem Rande von schwarzen Wölkchen umdunkelt .
Steht die umfassende Schal ’ aus iassiscliem Felsen entnommen . 33 ) Aber die Kuppel umscliliessen mit Gold überzogene Steine , 40 )
180 Da spritzt hoch in die Luft empor die rauschende Quelle , Deren leuchtender Strahl , wie im Blitz umher sich ergiessend ,
Aufzusteigen gezwungen aus einer ehernen Röhre , Unerträglich dem menschlichen Auge , blendend herabströmt .
Allerlei Krankheit heilendes Mittel . Es schöpfet daraus sich Leicht wohl könntest Du glauben , die Mittagssonne des Frühlings ,
In dem Monat der goldnen Gewänder am heiligen Festtag 34 ) 255 Wenn sie mit ihrem Strahl die Höhen vergoldet , zu schauen .
Während der Nacht die Menge das Wasser in reine Gefässe . Doch , da zu Einem Reiche nun ist verbunden der Erdkreis ,
185 Gottes Macht wird verkündet im Quell , denn nimmer berühret Hielt mein Fürst , im Besitz des fremden wie des Auson ’ schen
Fäulniss oder auch Moder das reine Gewässer des Sprudels , Reichthums , nicht für genügend , allein nur mit Marmor zu schmücken
Auch wenn es viele Jahre hindurch , dem Brunnen entnommen , Diesen göttlichen Tempel , an welchen die herrliche Roma
Bleibet bewahrt und geborgen im Hause des bauchigen Kruges . 260 All ihr Hoffen geknüpft und all ihre jubelnde Freude ,
Rings umher an den steinernen Wänden erglänzen Gebilde , Sondern er hat auch reichlich gespendet die Menge des Silbers .
190 Köstliche Werke der Kunst . Den Marmor hat die umflossene Suniums Hölf und der Rücken pangäisclier Berge erschlossen 4 ' )
Prokonnesos erzeugt . Die Verbindung geschnittener Sternchen Ganze Adern von Silber ; es wurden geöffnet die vielen
Gleichet den Strichen des malenden Pinsels , denn diese durchziehen Kammern der herrlichen Schätze , die unsre Kön ’ ge gesammelt .
Nach den Regeln der Kunst geordnet , wie zierliche Adern 265 Denn so weit sich die östliche Nische des göttlichen Hauses
Die von eckigen Steinen gebildete obere Fläche , Als ein gesonderter Raum für das heilige Opfer erstrecket ,
195 So die Gestalt anmuthig naclialimend lebendiger Wesen . Dienen nicht Elfenbein und nicht Erz , nicht geschnittene Steine ,
Hier und dort an den beiden Seiten und äussersten Bogen Sondern durchaus nur Silbermetall zu dem köstlichen Schmucke .
Siehst Du draussen am göttlichen Tempel noch offene Höfe Ja nicht allein die Wand , die den Chor vielstimmiger Sänger 48 )
Ohne schirmende Decke . So hat die Kunst es geordnet , 270 Trennt vom gesonderten Raum für die Schaar der heiligen Priester ,
Dass das göttliche Haus des Herren von Aussen erscheine Hat der Künstler mit Silber belegt , er hat auch die Säulen ,
200 Von dem heiteren Licht umflossen der rosigen Frühe . Zwölf an der Zahl , umhüllt mit dem Schmucke des Silbergewandes .
Wer vermocht ’ es , erfüllt von dem Klang des Homerischen Liedes , Auf dass sie fernhin leuchten in ihrem strahlenden Glanze .
Alle die vielen blumigen Wiesen des Marmors zu singen , Ueber den Häuptern sind scharf von den kunstverständigen Händen
Welche die festen Wände des himmelanstrebenden Tempels 275 Ausgehöhlt mit dem Zahn des Meisseis gerundete Scheiben .
V

In der mittelsten siehst I ) u gezeichnet das Bild des Erlösers . Nicht auch die Kunst der Nadel gestickt in das bunte Gewebe .
Der ungesä ’ t annahm die Gestalt des sterblichen Menschen . 350 Sondern die Spule allein , die durcheinander die bunten 5 :! )
Um ihn erscheint im Bilde die Schaar der geflügelten Engel , Fäden gemischt , das Gespinnst der fremden emsigen Würmer . 54 )
Senkend das Haupt demüthig auf vorgebogenem Nacken , 49 ) Golden strahlet im Schein der rosenarmigen Frühe
280 ( Denn sie blendet der Glanz der den Heiland umstrahlenden Glorie , Leuchtend das Doppelgewand , das die göttlichen Glieder umhüllet .
Weil er selbst in der Hülle der Menschengestalt noch Gott ist , Und es erglänzt im Purpur der tyrischen Muschel der Leibrock ,
Und nur im Fleisch erschienen zur Sühne unserer Sünden . ) 355 Welcher die rechte Schulter umkränzt mit dem schönen Gewebe ,
Anderswo sind von der Hand des Künstlers die Herolde Gottes Denn dort sinket die Hülle herab des weiteren Mantels ,
Dargestellt , die , bevor er Fleisch geworden , verkündet Sich von der Seit ’ auf ’ s Neue erhebend empor zu der linken
285 Im prophet ’ schen Gesang des Erlösers nahende Ankunft . Schulter , jedoch also , dass der Arm und die Hand unbedeckt bleibt
Auch hat nimmer die Kunst die Bilder derer vergessen , Von dem umhüllenden Doppelgewande . Die Finger der Rechten
Welche die Reusen und Netze der Fischer und andres Gewerbe 50 ) 360 Hebt er empor , als verkünd ’ er das Wort der ewigen Wahrheit . 55 )
Mit den kleinlichen Sorgen des niederen Lebens verlassend , In der Linken das Buch , das da zeugt von den göttlichen Reden ,
Willig folgten dem hehren Befehle des himmlischen Königs Jenes Buch , das berichtet , was nach dem rettenden Rathschluss
200 Und als fischende Männer mit höherer Kunst es verstanden , Ward von dem Herren vollbracht , so lang ’ er auf Erden gewandelt .
Auszuwerfen das herrliclic Netz des ewigen Lebens . Golden strahlet der Mantel , denn köstlich windet das Gold sich ,
Anderswo hat auch die Kunst gezeichnet die Mutter des Heilands , 365 Fein gedrehet in Fäden , umher durch das schöne Gewebe
Sie , die als das Gefäss des ewigen Lichts in des Sclioosses In verschiedner Gestalt und Form von Röhren und Pfeifen
Heiligem Dunkel bewahrte und nährte den Schöpfer des Sclioosses . Und als herrliche Zierde des Anmutli strahlenden Kleides ,
295 In der Mitte der Platten der Schranken , welche die heil ’ gen Eingestickt mit der Nadel und Fäden von serisclier Seide .
Priester umgeben und sondern , ist eingegraben vom Meissei Ihm zu den Seiten erblickst Du die zwei Herolde des Herren ,
Ein Buchstabe statt mehrerer Worte , den Namen des Königs , 370 Paulus , den Mann , erfüllet von jeglicher göttlichen Weisheit
Sowie der Königin , fassend zusammen . Auf ähnliche Weise Und den gewaltigen Hüter der Schlüssel der himmlischen Pforten ,
Steht auf dem rundgeformeten Schild in der Mitte der Reihe Der , wie liienieden , dort oben zu binden und lösen die Macht hat . 5 , i )

300 Ausgemeisselt das Zeichen des Kreuzes . Es öffnen die Schranken Jener trüget das Buch mit den reinen Sprüchen der Wahrheit ,
Durch drei Pforten den Priestern den Eingang , doch sind die beiden Dieser auf goldenem Stabe das Zeichen des heiligen Kreuzes .
Tliüren der Seiten an Grösse nicht gleich der mittelsten Pforte . 375 Unter dem Obergewande von lichter Farbe des Silbers
Oben über dem goldnen , geweilieten Tische des Altars Schmücket sie beid ’ ein buntes Gewebe . Doch über den heil ’gen
Strebet zur Höhe empor ein mächtiger Thurm in die Lüfte , 51 ) Häuptern wölbt sich ein goldener Tempel mit zierlichen Bogen ,
305 Ruhend auf vierfachen Bogen , umgossen von strahlendem Silber , Drei an der Zahl , die da ruhen auf vier vergoldeten Säulen .
Und von den silbernen Säulen getragen , auf deren erhabne Rings umher an des leuchtenden Vorhangs äussersten Rändern
Häupter die silbernen Eüsse der vierfachen Bogen gestellt sind . 380 Sind mit goldenen Fäden gezeichnet die herrlichen Werke ,
Ueber den Bogen s.teiget der Thurm dann auf , wie ein Kegel ; Welche zum Wolde des Volkes geschaffen die herrschenden Kön ’ gc .
Doch ist er diesem völlig nicht gleich , denn unten am Fasse Hier erblickst Du die Häuser , erbaut zur Pflege der Kranken ,
310 Bildet der Rand nicht genau die Form des richtigen Kreises , Dort die heiligen Tempel , die Wunderthaten des Heilands ,
Sondern es ist achtseitig die Basis , von welcher der Kegel Christus , unsers Erlösers — und Anmutli strahlet von Allem .
Dann vom weiteren Kreise zur Spitze allmälilig emporstrebt . 385 Auf ' den andern Gewändern erkennst Du die mächtigen Kön ’ ge ,
Dran sind gelegt acht silberne Platten , in ihrer Verbindung Denen Maria die Hand hier reichet , die göttliche Mutter ,
Bildend den lang sich erstreckenden Rückgrat . Jegliche Platte Dort der göttliche Heiland . Es schimmert das Ganze im Strahle
315 Steiget , dem Dreieck ähnlich , empor auf der eigenen Strasse , Goldener Fäden , gewirkt in den Grund des schönen Gewebes .
Bis sie alle vereinet die höchste Spitze des Kegels , Alles strahlet in heiterem Licht . Bewundrung erfüllet
Da wo die Kunst das Bild des herrlichen Kelches geschaffen . 390 Jeden , der es erblickt .
Blätterähnlicher Schmuck umgiebt die nach unten gebognen 52 ) Die Abendbeleuchtung zu schildern
Ränder des Bechers . Inmitten darüber die Kugel des Himmels Reichen Worte der Rede nicht aus ; wohl könnte man sagen ,
320 Blitzend im silbernen Schein , und über dem Himmel emporragt Dass ein Pliöbus der Nacht so strahlend erhelle den Tempel .
Leuchtend das heilige Kreuz . Es gereich ’ uns allen zum Heile ! Denn die umfassende Weisheit des uns beherrschenden Fürsten
Ueber den Bogen umher schlingt sich an des herrlichen Kegels Hat geflochtene Ketten von Erz in vielfacher Windung
Unterstem Rand ein Kranz von spitzigem Dornengeflechte , 395 Schwebend neben einander herabgelassen vom Rande
Gradaus laufende Strahlen , wie die der duftenden Früchte Jenes Gesimses des Kreises , auf dessen sicheren Rücken
325 Wilder Birnen des Waldes , nach oben entsendend , so dass sie Stützet der Tempel den Fuss der himmelanstrebenden Kuppel .
Ragen über den Rand hervor in dem schimmernden Lichte . Und es sinken die Ketten auf langem Pfad bis zum Boden
Unten wo auf dem Rande die mit einander verbundnen Mit einander herab , doch bevor sie diesen erreichen ,
Seiten enden des Kegels , erblickst Du vom Künstler geformte 400 Legen sie wieder zurück den Weg zu der schwindelnden Höhe
Becher , aus Silber gegossen , von denen ein jeglicher trüget Und vollenden zusammen den Reigen mit ihren Genossen .
330 Candelaber mit blinden und nachgebildeten Kerzen , An die Ketten gefügt sind leuchtende silberne Scheiben ,
Nur zum Schmucke bestimmt und nicht zur Erleuchtung des Tempels , Hangend wie Kronen umher in der weiten Mitte des Schiffes ,
Denn in dem blanken Metalle der abgerundeten Formen Und vom Rande herab sich senkend des hohen Gesimses ,
Blitzen sie rings um sich her ; nicht die brennende Flamme des Feuers , 405 Schweben im Kreise sie über den Häuptern der sterblichen Menschen .
Nur den Strahl des Metalls entsenden die zierlichen Kerzen . Vom verständigen Künstler sind alle mit Eisen durchbohret ,
335 Auch den heiligen Tisch unterstützen goldene Säulen ; Dass sie des Glases in glühendem Feuer gedehnete Spitzen
Selber von Golde steht er auf goldener Basis und schimmert Aufzunehmen sieh eignen und also über den Menschen
ln dem Glanz der ihm eingefügeten köstlichen Steine . Schwebe des nächtlichen Lichtes Gefäss . Doch nicht in den Scheiben
Wohin werd ’ ich geführt ? Wohin enteilet die Rede ? 410 Brennet allein das erhellende Licht , denn auch in dem Kreise
Lass das verwegene Wort nicht Deinen Lippen entschlüpfen Schauest Du hin und wieder des Kreuzes leuchtendes Abbild ,
340 Und enthülle Du nicht , was dem Volke nicht ziemet zu schauen . Nahe den anderen Kronen , wie sie mit durclibohretem Rücken
Priester , nur Euch isfis erlaubt , nach den Satzungen dies zu verrichten . Haltend des Lichtes Behältniss . So bildet ein herrlicher Chor sich
Breitet über des Altars Tisch nun das deckende Tuch aus , Leuchtender Flammen umher . Man möchte wahrlich wohl denken ,
Schön gefärbt in der purpurnen Blüthe sidonischer Muschel ; 415 Nahe dem Hüter des Bären und feurigem Haupte des Drachen
Spannet dann aus an den vier mit Silber umgossenen Bogen Am Gewölbe des Himmels zu schauen die funkelnden Sterne .
345 Den umhüllenden Vorhang und zeigt der unendlichen Menge So nun erhellet das nächtliche Licht die Räume des Schiffes
Nun die goldene Pracht und alle die künstliche Arbeit . Mit dem schimmernden Glanz ; doch im engeren Kreise der Mitte
Eins der Gewänder enthält das erhabene Bild des Erlösers . Schauest Du noch eine Krone als Trägerin leuchtender Flammen ,
Dieses aber hat nicht der Meissei des Künstlers geschallen , 420 Denn ein mächtiger Diskos entsendet inmitten des ( Antrums
C
VI

Seine funkelnden Strahlen . Es fliehet das nächtliche Dunkel . Scliau ’ st Du in silbernem Scheine die Becher , die untergestellt sind
Nahe den Hallen sind hier und dort an den Säulen der Seite * Allen den feurigen Bäumen . Inmitten des leuchtenden Haines
Leuchter mit Einem Licht , von einander gesondert , befestigt 465 Strahlet umher das erhabene Bild des heiligen Kreuzes ,
Nach der Reihe , so weit in die Länge der herrliche Tempel Licht den Sterblichen spendend , geschmückt mit funkelnden Buckeln .
425 Sich erstrecket . Den Lampen sind Urnen untergefüget , Noch viel Tausende andrer an Ketten hangender Lampen
Silberne , ähnlich der Form der schwebenden zierlichen Wage , Schliesst in sich ein der von Zauber erfüllete Tempel des Herren ;
Welche die Becher des Oels in ihrem Sclioosse bewahren . Diese erhellen die Gänge zur Seite , und jene die Mitte ,
Doch sind diese nicht alle nach einer Richtung geordnet , 470 Andre den Raum gen Morgen und Abend , noch andre ergiessen
Sondern Du schauest , wie alles woget so oben wie unten , Oben die leuchtenden Flammen ; es strahlet die dunkele Nacht hell
430 Und von den schwebenden Ketten herab in lieblicher Anmuth Wie in dem heiter lächelnden Scheine der rosigen Frühe .
Stufenweise die Luft durchströmen die leuchtenden Strahlen . Wer die leuchtenden Kronen , den Reigen der schimmernden Lampen
So auGh erscheint in zwiefacher Reihe der Glanz der Llyaden , Aller der Bäume betrachtet , den fliehen die Sorgen des Herzens .
Welcher am Himmel leuchtet inmitten der Stirne des Stieres . 475 Manchen ergötzet das Schiff , das feuerentsendende , 59 ) andre ,
Dann auch silberne Schiffe gewahrst Du , sie tragen als Ladung Wenn sie scliau ’ n mit dem einzigen Licht den strahlenden Leuchter ,
435 Den zur Erleuchtung dienenden Stoff , und schwebend durchschiffen Oder auch richten den Blick auf das Zeichen des göttlichen Heilands .
Sie die erhelleten Pfade der Luft , statt der Wogen des Meeres , Wie wenn bei nächtlicher Zeit am heiteren Himmel die Wandrer
Fürchtend weder den Süd , noch auch den Bootes , der spät sinkt . 57 ) Hier wie auch dort aufsteigend erblicken die funkelnden Sterne :
Unten am Boden des Schiffs erblickest Du hölzerne Stäbe , 480 Dieser bewundert des Hesperos Schein und jener ergötzt sich
Durch die Mitte gesteckt des wie Hörner gebogenen Eisens , An dem Gestirne des Stieres , so wie des hellen Bootes ,
440 Deren Flamme geleitet des Tempels heilige Phalanx , Wieder ein anderer an dem Orion , oder des Wagens
Wenn sie schreitet einher nach der vorgezeichneten Ordnung . 58 ) Trockener Bahn . Es erhellt der mit Sternen besäete Himmel
Auch stehn andere Leuchter gesellt zu den Füssen der schlanken Weite Strassen umher , die Nacht ist gezwungen zu lächeln .
Säulen , und andere noch in der Höh ’ auf dem Rande der Wände , 485 So auch werden erhellt die Hallen des göttlichen Tempels
Wo sie neben einander in lange Reihen gestellt sind . Ueberall von dem leuchtenden Strahl der lieblichen Anmuth :
445 Wahrlich auch nicht entbehrt des Gesimses Kranz an der Kuppel Jeden erfüllet das glänzende Licht mit heiterer Freude ,
Des erhellenden Lichts ; es hat der geweiliete Priester Welche den Schleier zerreisst des düsteren Nebels der Seele .
Auf vortretenden Steinen des ringsumlaufenden Kreises Allen strahlet der herrliche Schein , ja selbst auch dem Schiffer ,
Einzelne Leuchter in Reihen gestellt auf eherne Stangen . 490 Wenn er leitet das Steuer zur Fahrt durch die Wogen des Meeres ,
Wie ein herrschender König der lieblichen fürstlichen Jungfrau Mag er , nachdem er die Fluthen des stürmischen Pontos verlassen ,
450 Legt um den zierlichen Nacken ein Anmuth strahlendes Halsband , Steuern sein Schiff durch die engeren Pforten der irrenden Felsen , 60 )
Funkelnd im feurigen Glanz wie von goldumgebenen Lämpchen ; Fürchtend in finsterer Nacht den rechten Weg zu verlieren ,
Also hat auch der König die ganze Basis der Kuppel Oder zum Ilellespont vom Aegäisclien Meere die Barke
Rings umstellet mit Lichtern , den Rand umher zu erhellen . 495 Lenken der Strömung entgegen , die aus der Propontis hervorbricht , 61 )
Ja auch über den Schläfen der silbernen Säulen entlang läuft Wenn der libystische Wind ihm mächtig schwellet die Segel .
455 Für die lampenanzündenden Männer ein schmalerer Fusspfad , Nicht der Blick auf das Licht der beiden Bären am Himmel
Hell erleuchtet vom Licht , das den feurigen Sträussen entströmet , Giebt ihm das feste Vertrauen , am Steuer zu lenken sein Fahrzeug ,
Die , wohl Bäume zu nennen , sind ähnlich belaubten Cypressen Sondern allein des herrlichen Tempels göttlicher Lichtglanz ,
Oder den Pinienzapfen , genährt auf den Höhen der Berge , 500 Der dem Schiffe den Weg anzeiget , doch nicht mit dem Feuer
Scharf zugespitzt nach oben — es folgen dann weiter nach unten Nächtlicher Flammen allein , wie dieses die Ufer des Proteus
400 Grössere Kreise , bis Du von ihnen den letzten erblickest , Spenden auf Pharos , 62 ) dem Eiland an Libyens fernen Gestaden ,
Welcher den Stamm des Baumes umgiebt , der die Blume des Feuers , Sondern zugleich mit der Gnade Geschenk des lebendigen Gottes .
Licht verbreitend , entsendet . Jedoch an der Stelle der Wurzeln
30 Fuss Preuss

DER AMBON

Von Vers 51 ■> zu Ende .

51 l ^ rei in der Mitte des Tempels mit weitgeöffneten Hallen , Und in die liebliche Farbe des bienenerzeugeten Wachses ,
Mehr nach Morgen gewendet , erhebet , gar zierlich zu schauen , 90 Welches , in reiner Quelle gewaschen , die Sterblichen trocknen
Auserwählt zur geweiheten Stätte der heiligen Bücher , Oft auf des Berges Ilöli ’n an den Strahlen der leuchtenden Sonne ,
Hoch ein Bau sich empor , auf zwiefachem Pfade ersteigbar . So dass die Farbe zwar in dem Ganzen wie Silber erscheinet ,
55 Einer der Weg ’ ist nach Morgen , der andre nach Abend gerichtet ; Dennoch aber die Spur des röthlichen Goldes zurückbleibt .
Beide führen einander entgegen und treffen dann beide So verwandelt das Elfenbein auch , das lange gebraucht ist ,
Oben zusammen auf einer dem Kreise gleichenden Fläche , 95 Seinen silbernen Schmelz in den Schimmer des gelblichen Apfels . •
Nur in der Runde gebildet von einem einzigen Steine . Wohl auch erscheinet die Farbe des Bleies , doch lässt die Natur nicht
Diese Fläche jedoch ist dem völligen Runde nicht ganz gleich , Ueberall sich den trüberen Glanz verbreiten , sie mischet
60 Weil , um die Mitte ein wenig verengt , sie den Bogen des Umfangs Frei auch in diesen hinein gar zierliche bunte Gebilde .
Noch verlängert . Es springet hervor nach Morgen und Abend , Denn weiss leuchtender Schein läuft an den Seiten des Marmors
Ruhend auf Schwellen ein Hals von dem abgerundeten Steine . 100 Rings umher und verbreitet sich hier in breiteren Streiten ,
Unter Platten von Silber hat dann der göttliche König Oben getaucht in die blässere Farbe der blühenden Zwiebel , 03 )
Bis zum Gürtel hinauf gar zierliche Wände gezogen , Dort in schmalerem Zuge , wie wenn beim Erscheinen des neuen
65 Hörnern ähnlich . Indess sind nicht vom Metalle die Steine Mondes entstrahlt den zarteren Hörnern der leuchtende Lichtglanz .
Ganz umgeben , vielmehr nur die herrlichen Kreise der Mitte , Dem so köstlichen Stein verlieh den gepriesenen Namen
Wo die silberne Füllung die Richtung der Wände bezeichnet . 105 Jene heilige Stadt in der Nähe der felsigen Kuppe . 64 )
Zwei ansehnliche Kreise hat offen gelassen der Künstler , Diesem Baue , von festem Gestein errichtet , zu dem sie
Wo nach den beiden Seiten der Weg der Treppen sich öffnet . Tragen hinauf die göttlichen Sprüche der heiligen Bücher ,
70 Auch nicht drohet Gefahr bei dem Niedersteigen ein offner Hat acht herrliche Säulen der Künstler untergestellet ,
Rand der heiligen Stufen ; die Kunst hat schirmende Schranken Zwei dem Boreas zu und zwei gen Mittag gewendet ,
Leuchtenden Marmors errichtet ; sie ragen über die Stufen , 110 Zwei zu dem leuchtenden Morgen und zwei zum dunkelen Abend ,
Menschlicher Hand erreichbar , hervor , dass , wer sie ergreifet , Dass er empor sich erheb ’ und unter der Platte des Steines
Leichten Schrittes den steigenden Weg nach oben zurücklegt . Noch erstehe ein Haus , wo die Priester der göttlichen Weisheit
75 Was aber schirmt als Geländer die schrägen Seiten des Pfades , Lassen der Knaben Gesang « Erbarme Dich unser ! » ertönen . 65 )
Steiget empor und sinkt mit den zwischenliegenden Stufen . Also bildet der Stein für Unten die Decke , für Oben
Wahrlich , nicht absichtslos ist dazu der Marmor gebrochen 115 Aber den Boden , der gleich weit hin sich erstreckender Ebne ,
Einst auf der steil ansteigenden Höhe des rauhen Gebirges , Sicherheit bietet den Tritten der Menschen ; die untere Seite
Mass und Grenze zu sein der hinab sich senkenden Treppe . Hat der Künstler gewölbt ; sie raget über die Häupter
80 Denn reich ist er geschmückt mit zierlichen Werken des Künstlers , Heiliger Männer hinaus nach oben in künstlichem Schmucke ,
Und er schimmert zugleich im Glanz der ihm eigenen Formen . Gleichend dem starkgekrümmeten hörnernen Dach der Chelone 66 )
Wirbel drehn sich umher nach allen Seiten , vergleichbar 120 Oder dem runden Schilde , der über dem Helme sich hochwölbt ,
Hier unendlichen Kreisen und dort von den Formen des Kreises Wenn der gelenkige Mann sich im Waffentanze beweget .
Mehr und mehr sich entfernend in ausgedehnterer Windung . Kunstreich ist auch der Fries des ganzen Marmorgebälkes
85 Hier ist ein Roth zu schauen , das übergehet in Blässe , Ueberall von den silbern leuchtenden Streifen durchzogen ,
Dort der herrliche Glanz , wie der der menschlichen Nägel . Da wo die schaffende Hand des Künstlers mit eisernem Meissei
Anderswo naht sich der Strahl der Farbe des silbernen Lichtes , 125 Vielgestaltige Bäum ’ und herrliche Blumen gebildet ,
Uebergehend jedoch in den Schimmer des gelblichen Buxbaums Zarte Blätter zugleich in dichtgewundenen Büscheln .
D
VIIL

Allen Stufen , wie auch den Schwellen und selber den Säulen 200 Schwer beladen mit Lichtern . Von weiterem Kreise beginnend ,
Hat der kundige Mann , um Sicherheit allen zu gehen , Schleicht er verstohlen hinauf allmählig zur äussersten Spitze .
Untergelegt die festere Basis der steinernen Sohle , Da auch erblickst Du die Seiten des weit umfassenden Gürtels ,
130 Ragend über den Boden um Einen Fuss in die Höhe . Wie sie mit sapphirfarbenem Schmucke getüncht , und umkränzt sind
Doch um den Bau des herrlichen Hauses noch zu erweitern , Von dem Glanze der goldenen Blätter des rankenden Epheu ’ s .
Hat der Künstler den Rumpf zu den beiden Seiten im Halbkreis 205 Nach des Zephyrs Behausung und der des funkelnden Eurus
Auch mit Marmor umgeben und zwar mit stattlichen Säulen , Steht auf den beiden Seiten ein Kreuz von Silber errichtet ,
Die gleichfalls von einander gesondert im Bogen gestellt sind , Wo viel Tausende feuriger Lichter in einzelnen Buckeln
135 Also dass sich erweitert der Raum des zierlichen Baues Hält zusammen ein Stab , an äusserster Spitze gekrümmet ,
Durch vier köstliche Säulen , dem Boreas zu und dem Notos , Gleichend der schön gebogenen Form des Stabes der Hirten .
Und die schirmenden Schranken zu beiden Seiten umscliliessen 210 Also leuchtet im Schmucke mit doppelter Treppe der Ambon ,
Hier wie auch dort das Haus der inmitten liegenden Grotte . Denn so nennen sie ihn , als auf heiligen Wegen ersteigbar ,
Auf mygdonischer Höh ’ in dem weiten Lande der Phryger '” ) Ihn , auf welchen das Volk andächtig die schauenden Blicke
140 Sind von den kundigen Männern die lieblichen Säulen mit starkem Richtet , wenn es vernimmt die göttlichen Worte der Weihe .
Eisen gebrochen , und wer die zierlichen Blumen des Marmors Auch für die Stufen sogar ist ohne Bedacht nicht der Marmor
Schauet , wird meinen , dass Rosen und weisse Lilien sich mischen 215 Ausgewählet , denn mancherlei Adern durchziehen die weisse
Mit Anemonen im Schmucke der nur kurz dauernden Blütlien , 68 ) Fläch ’ und färben sie gleich dem Blute der Muschel des Meeres
Hier in glühendem Roth und im sanften Weiss des Gesteines , Lieblich in Purpurrotli . An den marmornen Stufen der Treppe
145 Dort in leuchtendem Weiss und in blasser Röthe der Rosen . Hat für die Tritte der Männer der Künstler die obere Seite
Hier und dort sind die Adern von zarten Fasern durchschnitten ; Rauh gelassen , damit sie bieten dem Fusse die Stütze
Sanft sich windend umher und durcheinander gegossen , 220 Und bei dem Niedersteigen der leicht ausgleitende Wandrer
Färben Gebilde sie roth mit dem Blut der lakonischen Muschel . Nicht von oben etwa jählings bis zum Boden entstürze .
Unter die Säulen gelegt ist der Sockel von weiterem Umfang , So , wie nach fester Regel , auf eingereiheten Stufen
150 Künstlich gebildet und strahlend in rund gebogener Windung . Folgt dem Steine der Stein allmählig hinauf bis zur Höhe ,
Auf den Sockel gestehet sind feste marmorne Würfel , Dass des Steigenden Tritt in sicherem Wechsel sich stütze .
Aus dem schönen Gestein bosporischer Felsen gemeisselt ; 225 Wie aus den brausenden Wogen des Meeres die Insel hervortritt ,
Liclitweiss schimmert sein Glanz , doch so , dass in einzelnen Linien Reich mit den Aehren des Feldes geschmückt und den Trauben des
Dunkele Adern durchziehen die silbern leuchtende Fläche . Weinstocks ,
155 Zwiefaches Bildwerk zieret aut “ jeglicher Seite den Würfel . Heiter blühenden Wiesen und schön bewaldeten Bergen —
Oben stehet ein Hals von schöner und zierlicher Rundung , Glücklich preist sie der Schiffer , vorüber lenkend die Barke ,
Welchen der Stahl toreutischer Kunst anmuthig geschaffen , Alle die Leiden im Herzen erwägend beschwerlicher Seefahrt —
Dass auf ihn und den Grund des darunter stehenden Würfels 230 Also ragt aus der weiten Mitte des herrlichen Schilfes
Stelle den Fuss unerschüttert die herrlich ragende Säule . Hoch hervor auf Steine gethürmt der erhabene Ambon ,
160 Anmutli strahlet umher durch die weiten Räume des Schiffes Reich geschmückt mit den Blumen des Steins und dem Zauber des
Von den stattlichen Säulen auf wohlgeglätteten Würfeln . Kunstwerks .
Gleichwie , wenn an dem Morgen die neu aufgehende Sonne Aber es stehet der Bau nicht ganz in der Mitte , gesondert
Färbet das weisse Gewölke mit ihren röthlichen Strahlen , Gleich der Insel , die rings von den Wogen des Meeres umschlossen ,
So auch schimmern die vier in dem Halbkreis stehenden Säulen 235 Sondern er gleichet vielmehr von der See umspületem Lande ,
165 Sanft in rötlilicliem Licht . Um des Bogens andere Hälfte Das , in die graue Flutli und die brandenden Wogen vom Istlimos
Sind auch wie dort vier Säulen gestellt , um so zu vollenden Vorgeschoben , noch hängt mit dem Ufer der Feste zusammen ,
Rings das marmorne Kleid der zierlich gebaueten Grotte . Also , dass es deshalb den Namen der Insel verlieret ,
Alle die Räume , die zwischen den je vier Säulen verbleiben , Weil es , zwar von des Meeres gewaltiger Strömung umrauschet ,
Hat der verständige Meister geschlossen durch marmorne Schranken , 240 Doch durch den Istlimos bleibt mit den Hügeln der Küste verbunden .
170 Die nach der Form des Rumpfes der Grotte ein wenig gekrümmt sind . Also auch dieser Bau , denn es führt von der letzten der Stufen
Auch die heilige Stadt entsandte zu diesen den Marmor , Jener Treppe nach Morgen ein langer Gang durch die Mitte ,
Denn es ziemte sich wohl , dass der Stein , der den Bau des geweihten Bis er zum doppelten Thor der silbernen Schranken gelanget
Hauses umgiebt , gleichfalls auch den Namen des heiligen trage . Und mit dem Sockel sich nahet der heiligen Stätte des Opfers ,
Neben des Halbrunds äusserstem End ’ erblickst Du die Tliüre , 245 Aber von ihr durch Wände auf beiden Seiten getrennt bleibt .
175 Sanft gekrümmet , aus welcher hervor der geweihete Mann tritt , Auch nicht schützet die Seiten des Ganges ein hohes Geländer ,
Um zur Höhe hinauf mit den heiligen Büchern zu steigen . Denn es reichet nicht höher hinauf als zum Gürtel des Mannes .
Alle Formen der Grotte , der Säulen , Basen und Schranken Diesen Weg nun durchschreitet , das Buch der fröhlichen Botschaft
Gleichen einander , sowohl auf der Seite des glühenden Notos , Tragend , der heilige Mann , wenn um ihn von dem Drange der Menge ,
Als auch des stürmischen Nords ; doch die Tliüren stellte der Künstler 250 Welche sich naht , Ehrfurcht zu bezeugen dem ewigen Gotte
180 Nicht auf die eine der Seiten allein , denn es stehet gen Abend Und mit Lippen und Händen das heilige Buch zu berühren ,
Eine von ihnen , die andre gen Morgen und jene sich öffnend Brausend sich bricht die gewaltige Woge des wimmelnden Volkes .
Nach dem Boreas zu , und diese zum leuchtenden Mittag . 69 ) Also dehnet sich aus , vorspringendem Istlimos vergleichbar ,
Aber die Schranken sind nicht von der Höhe der stattlichen Säulen , Dieser Gang , der da führt zum erhabenen Tische des Herren
Sondern sie ragen so weit nur über die zierliche Basis , 255 Ihn , den heiligen Mann , nachdem er die Warte verlassen .
185 Als den Männern genügt , sich im Raume der Grotte zu bergen . Von thessalischem grünlichen Stein sind die Schranken des ganzen
Doch die gemeisselten Häupter der acht umstehenden Säulen Pfades erbaut . Es ergötzt sich der Blick an der blumigen Anmutli ,
Ragen über die Schranken hervor , obgleich sie mit ihnen Welche den Marmor schmückt . Zu den Seiten jeglicher Säule
Stehn auf der gleichen Höhe der ihnen gemeinsamen Basis . Von thessalischem Stein sind wechselnd noch andere Säulen
Von den mit Gold durchwundenen Häuptern strahlet hernieder 260 Gleicher Höhe gestellt , doch nicht Cylindern vergleichbar ,
190 Leuchtender Glanz , wie das Licht der goldenen Scheibe der Sonne , Vielmehr würde der Kenner der Messkunst sie nur als Würfel
Wenn mit den blitzenden Pfeilen sie trifft die Kuppen der Berge . Von bedeutender Höh ’ und geringerer Breite bezeichnen .
Alle ragenden Häupter umgiebt als Schmuck ein gewundner Aus molossischem Stein sind auch die bindenden Gurten
Hölzerner Kranz , der über den herrlichen Säulen umherläuft , Von dem kundigen Meister gebildet , doch so dass sie wechselnd
Und gleich Einem umschlingenden Bande verbindet die Häupter 265 Sich einfügen dem anderen Steine , der auch zu dem Baue
195 Aller Säulen , wiewohl sie stehen von einander gesondert . Aus den Gruben der Berge des phrygischen Landes entnommen .
Ueber dem Kranze erblickst Du die Bäume mit feurigen Büscheln , Wer sein Herz zu erfreu ’ n mit forschenden Blicken umherschaut ,
Denen die Blume des Feuers entstrahlt von den silbernen Zweigen . Sieht , wie im herrlichen Stein sich Schlangenlinien winden
Aber nicht frei entsendet der Stamm die sich windenden Aeste , . Und in sanfteren Wellen sich hierhin und dorthin bewegen .
Sondern er steiget empor , gleich wie ein umränderter Kegel , 270 Roth und Weiss und die Farbe , die von den beiden sich mischet ,
IX

Gehen neben einander und bilden in wechselnden Furchen So dass blumiger Reiz umschlinget das grüne Gewebe
Kreise , die sanft sich winden zu wohlgeschlungnen Spiralen . Und die Strahlen des goldenen Fadens in lieblicher Anmuth
Anderswo schauest Du neben einander den Mond und die Sterne 290 Noch erhöhen den Glanz , und Schönes zu Schönem gesellen ;
Von der Natur als Zeichen gegeben dem schimmernden Marmor . Also hat auch der kundige Meister dem grünlichen Marmor ,
27h Auch den oberen Rand der lang sich erstreckenden Schranken Golden strahlenden Schein einfügend des heiligen Steines ,
Rildet der andere Stein , aus den nämlichen Brüchen entnommen , Noch erhöhet den Glanz des den beiden entströmenden Schimmers .
Eingefiiget als Decke , damit , wie die untere Basis An der Nische gen Morgen und vor den Schranken des Altars
Sicher ruhend und fest auf unerschüttertem Grundbau 295 Endet die schmalere Bahn , damit ein leichterer Durchgang
Von thessalischem Steine , so auch das Geländer darüber Werde der Menge gewähret vorüberziehender Wandrer .
280 Werde zusammengehalten von jenem anderen Marmor ; Solch ein Werk hat errichtet der sceptertragende König
Denn es zwinget das deckende Band die Säulen der Seiten , Gott dem Herren , und zu den köstlichen Gaben des Reichthums
Unerschüttert und fest zu stehen auf sicherem Boden . Ausgegossen die Fülle der städteschirmenden Milde
Wie wenn einer den Rand des bunten tyrischen Peplos 300 Ueber den Tempel , auf dass er nach gottgefälligem Willen
Rings an den Seiten durchnähet mit golddurclifloclitenen Fäden , Weih ’ ein lebendes Ehrengeschenk dem Herren der Welten ,
285 Hier den unteren Saum umzieht mit gefälligem Schmucke , Christus , dem Herren der Herrn . Du aber sei gnädig und huldvoll ,
Dort den oberen Tlicil des den Nacken umgebenden Mantels , Du dreieiniges göttliches Licht , sei gnädig der Stadt Rom
Hier an der Wurzel der Hand die weiten Aermel umkränzet , 304 Und den Bewohnern , dem Fürsten , so wie dem bewunderten Tempel .

l
iik | prezi/s .

ANMERKUNGEN .

1 ) -Agatliias liebt ( Prooem . hist . p . 7 und 8 , ed . Bonn . ) unter den Männern , die ihn zur Hie Geschäfte der Silentiare beschränkten sich jedoch nicht auf den Bienst am Hofe
Fortsetzung der Geschichte des Prokopios vorzüglich ermuntert haben , « den ersten allein , sie wurden vielmehr auch zur Ausführung geheimer Befehle und Aufträge an Ein¬
Kaiserlichen Gelieiinsclireiber ( 'ikoyyacpEiJi,’ ) » eine Zierde des Geschlechts heimische und Fremde gesandt und dienten als Befehlshaber von Heeres - Abtheilungen
der Floriden , » besonders hervor . Es ist derselbe , den er im fünften Buche seiner ( duces , tpdA
,ap % <u )
in den Provinzen . ( Malalas Clironogr . p . 434 ed . Bonn . Prokop , de
Geschichte , p . 296 . 297 , als den Verfasser der Beschreibung ( sxcppao-iq ) der heiligen Sophia hello pers . 2 , 21 . vol . I . p . 243 . ) Ja es lässt aus letzterem p . 291 , wo der im kolchisclien
Paulus , den Sohn des Kyros und Enkel des Florus , ersten Silentiarius des Kaisers Kriege von dem Perserkönige Chosroes abgefallene König der Lazen , Gubazes , Silen¬
nennt . Paulus führte daher den Beinamen Silentiarius von dem Amte , welches er be¬ tiarius ( ev rolq <yikgv7L <x $ Loiq Uv ■Kaharl .cri rao -o -d ^ Lsvoq ) genannt wird , sich scliliessen , dass
kleidete . der Titel Silentiarius auch an nicht dienstthuende vornehme Personen verliehen wurde .
Ueber die Bedeutung dieses Amtes ergeben die in den Schriftstellern der Kaiserzeit Jedenfalls war das Amt der Silentiare ein höchst ehrenvolles . Selbst der Kaiser Anasta¬
vorkommenden Nachrichten Folgendes : sius , ein Epirote ( reg . von 491 — 518 ) , hatte es bekleidet ( Malal . lib . 16 . init .) . Um so
Schon frühe scheint es an dem Hofe der Kaiser Beamte gegeben zu haben , welche bereitwilliger mag er daher auch gewesen sein , seinen früheren Amtsgenossen ein neues
dafür zu sorgen hatten , dass in Gegenwart des Herrschers ehrfurchtsvolles Schweigen Privilegium zu ertheilen . ( Cod . Justin . XII . tit . 16 . ) Welchen Rang diese Beamten unter
( silentium , beobachtet werde . Ihr Name silentiarii (■rjo '-uxoatoiot , kq rrp> Tpruyj .av den andern Würdenträgern einnalnnen , ergiebt die Note des Alemannus zu Prokop , hist ,
rpnj % la )
Prokop , hist . vol . I . p . 243 . B . ) ist daher von silentium abzuleiten , welches arc . ( vol . III . p . 457 ) , wo sie mit den Mitgliedern des Senats , den Patriciern , den Befehls¬
uxri ^ eTcjvTEc ; ,
im Laufe der Zeit auch die Audienz der vorzustellenden Personen und der zur geheimen habern in den Provinzen ( o -rparrj ^ dq -ouq ) und den Präfecten ( Aitd $>% oic ) mit dem Zusatz
Conferenz Berufenen , ja selbst den Audienz - oder Conferenzbeschluss und die bei den zusammengestellt werden , slorl yup aZrai itoVur/.^ io/. <r7prx7uxl . ( <rr $>ot7ia im Sinne von militia
Verhandlungen gehaltenen Reden ( Ivinnam . ed . Toll . p . 316 und die Note p . 355 ) bezeiclinete . im Cod . Justin . , Amt , Rang ) . In der Anrede wurde ihnen der Titel des ordo senatorius
Im Anfänge des fünften Jahrhunderts ( Cod . Justinian . lib . XII . tit . 16 . ) bildeten die spectabiles und clarissimi gegeben . ( Cod . Just . lib . III . tit . 28 . lex 30 . und V . tit . 62 . 1. 25 . )
diensttliuenden Silentiare schon ein eigenes Corps ( scliola) von Palastbeamten . Ihre Zahl Wichtig ist auch für ihre Rangstellung das ihnen vom Kaiser Zeno ( Cod . Just . XII . tit . 16 . )
war auf dreissig festgesetzt , deren drei Dccurien drei Decurionen vorstanden . Später ertlieilte Privilegium des eximirten Gerichtsstandes , wonach sie nur bei dem magister offi -
scheint der ganzen Scliola ein Oberster vorgesetzt gewesen zu sein , der in der oben ciorum , Obersthofmeister, ( Prokop , d . b . pers . 1 , 8 . nennt ihn nvv e.v 7 fj diVrj 7ccypux7 ^ v
angeführten Stelle des Agatliias p . 297 ra rfyiAra reXiSv « e $>t ßoccriiG' a “ S’X ’iyeV ) verklagt werden konnten . Auch an dem Hofe der fränkischen Könige gab es
iv 7 olq criyriq f. m -
oT (iratc , bei Job . Lydus de magistr . 2 , 17 . priinus silentiariorum und bei Const . por - Hofbeamte mit dem Titel silentiarii . Murat . antirp 1 . 1 . p . 199 ed . Arret . 1773 .
( praepositus ) genannt wird .
In sofern die diensttliuenden Silentiare die Audienzbeschlüsse des Kaisers vielleicht
phyrog . de admin . iinp . 1 , 10 . p . 73 B . x ^ ana xnroq '
Hie Silentiare trugen Wallen und hielten ad secunduin veluin , d . h . in dem dem zu redigiren , oder geheime Aufträge schriftlich zu erledigen hatten , mögen sie auch , wie
Kaiserlichen Gemache unmittelbar sich anschliessenden V orzimmer , welches deshalb auch die angeführte Stelle des Agatliias beweist , Geheimscbreiber ( xwoysuxcps/c ) des Kaisers
70 (nXsvTiayixKtv genannt wurde , die Wache . In dem zweiten Vorzimmer ( ad primuin genannt worden sein . Hie eigentlichen Schreiber gehörten jedoch zu den in saeris scriniis
vclum ) versammelte man sich zum Eintritt in den grossen Audienzsaal . Prokop , hist . arc . ( Geh . Canzlci ) militantibus . ( Cod . .Tust . 1. XII . tit . 19 . ) Hass aber die Silentiare an den
vol . III . cd . Bonn . not . Alemanni p . 456 . Verhandlungen in den Geheimen Conferenzen Theil genommen haben , also auch als Kai¬
Die Silentiare umgaben den Kaiser in der Audienz , gingen oder ritten ihm voran serliche Rätlie betrachtet worden sind , lässt sich daraus scliliessen , dass noch in späterer
bei feierlichen Processionen , z . B . in der Kirche oder auf dem Wege dahin . Her Kaiser Zeit in Städten Italiens neben den Consuln Silentiare als consiliarii genannt werden .
ertlieilte bei solchen Gelegenheiten seine Befehle unmittelbar dem Präpositus , dessen Paulus , der Enkel des Florus , nahm hiernach als erster Silentiarius eine wich¬
Winkes ( l ’EÜua ) die andern Silentiare und , wenigstens zur Zeit des Oonstantinus Por - tige Stellung am Hofe Justinian ’s ein . Burcli den Adel seines Geschlechts und den ererbten
phyrogenneta , auch die Cubieulare gewärtig waren . I ) ie letzteren sind übrigens mit den Besitz eines ansehnlichen Vermögens entsprach er der Bedingung , an welche die Verlei¬
Silentiaren nicht zu verwechseln , da sie ( Cod . Just . lib . XII . t . V . ) eine besondere Kate¬ hung eines so ehrenvollen Amtes geknüpft war . Er gehörte aber auch zu den gebildetsten
gorie von Hofbeamten bildeten . Her Präpositus führte die zur Audienz Angemeldeten ein und gelehrtesten Männern , die sich während der Regierung Justinian ’ s mit der griechischen
( Prokop , a . a . ( ) . ) , er überreichte beim Osterfeste dem Kaiser die Kerze , scheint also bei Litteratur beschäftigten und nicht umvcrtlie poetische Versuche , in denen sic sich freilich
allen feierlichen Gelegenheiten das Amt eines Obcr - Kammerberrn oder Ceremonienmeisters im Allgemeinen nur auf die Nachahmung der Alten , und zwar hauptsächlich in den Formen
versehen zu haben . Constant . porpli . a . a . O . des heroischen und elegischen Versmasses beschränkten , hinterlassen haben .
E
X

Die griechische Anthologie bewahrt von dem Silcntiarius Paulus 82 Epigramme , zum Reich der Ostgothen im Westen ( llesperien , Italien ) hatte im Jahre 554 sein Ende ge¬
Theil erotischen Inhalts in elegischem , und das Gedicht auf die pythischen Bäder in funden ; mit den Persern ( 3Iedern , wie u . a . auch Thucydides 1 . die alten Persei - so
anakreontischem Versmass auf . Selbst einzelne der 105 Epigramme seines Freundes Aga - nennt , weil sie eines Ilauptstammes mit den 31edern waren und ihr Reich nur als eine
tliias werden ihm zugeschriehen . 31 . s . Jacoh ’s Antliol . gr . t . XIII . catal . poet . , den Anhang Fortsetzung des modischen betrachtet wurde ) war nach blutigen und zum Theil unglück¬
zu Agathias hist . ed . Bonn , und Eabrieii bibliotheca graeca lib . V . 1 , 5 . lichen Kämpfen im Jahre 501 , zwei Jahre vor den Enkaenien , ein Friede , eigentlich nur
Der (Txqiyuim ,' der heiligen Sophia in Hexametern gedenkt Agathias mit grossem Lobe . ein Waffenstillstand auf fünf Jahre , geschlossen .
« Wer entfernt , ( sagt er ) von der Stadt wohnt , und als wäre er an Ort und Stelle alle 3 ) Vers 21 und 22 . Authusa im goldnen Gewände .
Einzelheiten des Baus überschauen und kennen lernen will , der lese des Paulus in Hexa¬ Der Text lautet : ev ^Tev syijv eJj -eAu ve ^ LEhicp ^-öyyoLVL yjt ^ F. iuic .
metern verfasste Beschreibung , die seine übrigen vortrefflichen Gedichte in dem 3Iass % j >oo -o % t7C ) 'i ’ uip - oxs v u 7Euv ( rxrj3t70uxoi ’ uel6e . lv .
übertrill 't , als ihre Aufgabe die grössere ist . » Diese Beschreibung übergeht freilich manche Statt des sichtbar verdorbnen ui ' Zrouvu ( fornix übersetzt es Du Cange ) hatte ich
Einzelheiten , die von späteren Schriftstellern näher beleuchtet , aber nicht ausser allen längst ’fjouo -a vermuthet , als ich sah , dass uvIjovvu und nicht ul ^ owu die hand¬
Zweifel gestellt sind . Indess ist sie die vollständigste , welche ein Zeitgenosse des Bau ’s schriftliche Lesart sei . Antlnisa war einer der vielen Namen , welche Byzanz , seitdem es
geliefert hat , und übertrill 't an Uebersichtlichkeit auch die Beschreibung des Prokopios . zur Kaiserlichen Residenz erhoben war , führte . Schon zu den Zeiten Constantin ’s war
( De aedif . lib . I . 1 . Vol . 111 . p . 173 — 185 ed . Bonn . ) Da jedoch die eine an die andre ihr jener Name beigelegt worden , wie uns Eustathius lehrt zu Dionys , perieg . 803 . p . 253
erinnert , so fragt sich , welche von beiden Beschreibungen die ältere ist ? ed . Bernhardy : övonv <rtTr] ra/ . 6e hüte u iVö ( ! iQ « i ’7/oi j x « i ' Avtiljvluv , ecjc ; « ejurjr izQrjyoe
I
Prokopios überlebte zwar den Kaiser Justinian , der im Jahre 565 starb , also auch x « i o ex .eI. vov 3t « ze ’A '1’7c ) l ’zi ’oc : 3t « y « (Se tov fLsyühou Kco vvtux ' tlvo n xXr ^ tivai uvto ’ Av -

die zweiten Enkaenien des Jahres 563 , nach welchem Paulus sein Gedicht vorlas . Jener Zrovcruv . Vergleicht man hiermit eine. Nachricht bei Job . Laurentius de 3Iens . IV . 25 :
konnte daher seine Bücher de aediliciis , dessen erstes die Beschreibung der Sophia ent¬ Etc 7zp ' 7rjc l ’ cquijc 7z (urji ' • <I>biü >y « i ' yuy « U7ip ’ uii ’OjUU ^ o ) ’ , Ulld 50 : iEyu7ixöv 6e ( 1’ (5 (<i i ; c
hält , noch nach den gedachten Enkaenien herausgeben . Schwerlich aber hat er die zn 'oyL « ) <I >W )ya olvve l' ar ^ oiVa , und 51 : Pz/yiT] <t >V . 3y « , xul r] K (oi ,zr7 « t ’7zl ' ou3toAz .c , riyouv
Abfassung dieser zur Verherrlichung des Kaisers , der im Jahre 505 schon das achtzigste uv ^rovva , so sieht man , dass Constantin weiter nichts tliat , als dass er den hieratischen
Lebensjahr erreicht hatte , bestimmten Bücher so lange ausgesetzt , vielmehr sie bald nach Namen der alten Hauptstadt Flora auf die neue übertrug . Endlich gehört hierher noch
Vollendung seiner bis zum Jahre 552 reichenden Geschichte der Kriege Justinian ’ s ( 31 . s . eine Notiz bei Stephanus Byz . p . 590 , 18 , wo es unter dem Worte 5r >x « i, also heisst :
Prokop . vol . il . S . 172 Z . 3 ed . Bonn . ) geschrieben . Zum Beweise möge Folgendes dienen : •rj 3töhig « u7i ] 3t « y « 7 (1 yEWi .xox avZtsiv "Avfrovtra . Diese Worte , die man an der Stelle ,
Der Einsturz des östlichen Tlieils der Sophienkuppel , von der Paulus in seinem wo sie jetzt stehen , nur auf 2ux « z. beziehen kann , sind nichts als eine an falscher Stelle
Gedichte handelt , wurde durch ein Erdbeben veranlasst , wie ein solches im Jahre 557 eingeschobene Randbemerkung zu dem vorhergehenden AVorte 3t öhig , womit Constantinopel
im 31sten Regierungsjahre des Kaisers ausbrach und von Agathias hist . V . c . 3 . geschil¬ gemeint ist . 3Ieineke .
dert wird . 31an hat daher den Einsturz der Kuppel , obgleich Agathias dessen gar nicht [ Constantin legte auch der Fortuna ( zoxr ] ) der von ihm erneuten und nach ihm
aedenkt , in dieses Jahr 557 versetzen wollen . Nun erwähnt zwar Kedrenos in seiner benannten Stadt Constantinopel den Namen Anthusa bei . S . 3Ialal . XIII . p . 320 . 322 ;
Geschichte vol . I . S . 075 Z . 11 ausdrücklich auch dieses Erdbebens , lässt aber S . 676 Z . 20 desgl . Piper , 3Iytholog . und Symbolik der christlichen Kunst , lster Bd . 3 . Abtli . p . 599 .
folgen : « im 32sten Jahre ( tyV ) des Kaisers Justinian stürzte der nordöstliche Theil der Suxat , das heutige Galata , nahm unter den Byzantinischen Kaisern die dreizehnte Stelle
Kuppel durch die Erschütterung der sich wiederholenden Erdbeben ein . » Ausserdem ist unter den vierzehn Regionen Constantinopels ein . Du Cange , Const . clirist . I . p . 57 . |
die Notiz bei Tlieophanes , Cliron . vol . I . p . 359 , dass der Einsturz am 7ten 3Iai geschehen In den oben angeführten Versen des Paulus liegt aber noch ein anderer Fehler
sei , ferner die Angabe in Du Gange Comment . p . 00 zu des Paulus Silcntiarius 1 . Absclin . versteckt ; denn wer erwartet hier nicht vor dem Worte rzn > crxqxtzoAx 01 ’ ein verbindendes
Vers 37 , dass die Enkaenien der wiederhergestellten Kirche nach fünljäliriger Trauer xaz ? Dich , Anthusa , will ich preisen und Deinen König ! Allein wenn auch diese Ver¬
über den Unfall am 24sten December 503 , im 30sten Regierungsjahre Justinian ’s , statt - bindung auf irgend eine 5Veise hergestellt werden könnte , so bleibt der Gedanke doch
« efunden haben , zu berücksichtigen . Aus allem diesen lässt sich scldiessen , dass , da der immer sonderbar und unwahr . Nicht Constantinopel will der Dichter verherrlichen , son¬
Kaiser im Jahre 505 nach einer Regierung von 38 Jahren 7 3Ionaten und 13 Tagen dern Justinian , dessen Lob er an die Beschreibung des vollendeten Prachtbau ’ s anknüpft .
gestorben ist , und der 7te3Iai schon zu jedem nächstfolgenden Regierungsjahre gehörte , Der Fehler liegt aber wahrscheinlich in dem ersten Verse , den der Dichter vielleicht so
der Einsturz der Kuppel am 7ten 31ai des Jahres 558 stattgefunden haben muss . ( Es ist geschrieben hat : ec ^-eu F. yü >v eP-eAco pElzroqi ^ dyyozu - z x ° $>ez!« zc , ein AYr ort , welches
daher auch in dem Werke Salzenberg ’s p . 15 Z . 27 der Folio - und p . 47 Z . 19 der Quart - durch iLLsX, iröxi >t>oc; und ähnliche Compositionen hinreichend geschützt wird . Leichter
Ausgabe statt des von mir bei der Correctur eingeschobenen zwei und , « im zwei und wäre es zwar , e & eKco yE zu schreiben , allein diese Partikel kennt Paulus ausser der Ver¬
zwanzigsten Jahre » zu lesen . ) bindung mit /ilev und andern einsylbigen Partikeln nicht , und ihre Einfügung würde
Prokopios gedenkt in seiner Beschreibung der Sophia dieses Einsturzes gar nicht , überdies nur ein armseliger Nothbehelf sein . — Endlich ist noch statt eüJje -i ' syc .iv , welches
erzählt dagegen a . a . O . S . 180 Z . 5 . f. ausführlich , wie während des Baues der im Jahre 537 aus mehreren Gründen unzulässig ist , ev ^ ev eAuu herzustellen mit Verweisung auf Ilom .
vollendeten Kirche bei der Errichtung des östlichen Bogens , bevor dessen 31 itte voll¬ Odyss . £ - , 500 : ev ^tev sh ch - , ox- oz* piF. v x . r . h . Dorville zu Charit . 1 , 7 . Meincke .
endet war , die Pfeiler , auf denen seine Arme ruhten , auszuweichen drohten uud die Bau¬ 4 ) Vers 20 . Der knirschende schwarze Verratli u . s . w .

meister Anthemios und Isidoros deshalb in grossen Sorgen waren , der Kaiser aber die Eine Anspielung auf die erst vor Kurzem ( im Jahre 501 ) entdeckte Verschwörung ,
Schliessung des Bogens befahl , « weil er , vollendet , sich selbst tragen und der Pfeiler in der es darauf abgesehen war , den Kaiser bei der 3Iahlzeit zu ermorden . Schon waren
nicht weiter bedürfen werde . » Dies hätte Prokopios nicht schreiben können , ohne den die Zugänge zum Palast von Sclaven besetzt . Da wurde der ruchlose Anschlag entdeckt .
Einsturz der Kuppel , wenn derselbe ihm schon bekannt gewesen wäre , zu erwähnen . 3Ian fand bei den beiden Rädelsführern die Dolche unter dem Gewände . Marcellus tödtete
Hiernach lässt es sich nicht bezweifeln , dass die Beschreibung des Prokopios vor 558 sich selbst , der andere ( Sergius ) entfloh in die Kirche der Tlieotokos in den Blachernen ,
herausgegeben war , mithin älter ist , als die des Paulus Silentiarius . wurde aber dem Asyl entrissen und gefangen genommen . Im Verhör bezeichnete er
Ist dem so , so bleibt nur noch übrig nachzuweisen , dass die Beschreibung des mehrere Alänner , die , wie er , mit Beiisar früher in Verbindung gestanden . So wurde auch
Prokopios dem Paulus bei der Abfassung der seinigen bekannt gewesen ist . Dies dürfte der greise Feldherr zur Untersuchung gezogen und ungerecht mit Sequestration seines Ver¬
sich aus der Vergleichung folgender Stellen ergeben . mögens und mit Hausarrest bestraft , bis nach sechs Monaten seine Unschuld erkannt und
1 . Prokop , a . a. () . p . 174 , wo von Anthemios und Isidoros die Rede ist : x « i, ihm Ehrenstellen und Vermögen zurückgegeben wurden . Er überlebte dieses Ereigniss
^ uj ^ oo ' oitotöc ü i’ « U7 ( ö fVejiot ; ’ lcrnSeiyoc ; , s f. l cp y cj v te x « i irjieitwr ’ lüLioTfi ’twip
nur noch acht Slonate . S . Gibbon , deck et fall . etc . c . 43 . Hauptquelle ist 3Ialal . ehr .
v uhhooc .
p . 493 sq . und , wie bisher noch nicht bemerkt worden , Paulus selbst , der in der seinem
u 3t <> u y y E ( r \iuvihsi .
Paulus II . 130 : ’ ArjrquuK,- « u7tö Gedicht vorangehenden Anrede an den Kaiser Vers 24 — 39 sich über den Vorfall in seiner
Vers ■
stohv l\ u \x iuvoq -rfis vvv
Weise also auslässt :
3t uv v o
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o
q* ’ limnfcjyoq -
ejjiuv vöov • oqu <po7Eyoi
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« Es war der Hinterhalt gelegt und der Tag zur Tliat gekommen . Schon standen
XuhXlTCÖvCDV ßo 'uhljVLV U 3t O rf y l) V V O ’V 7 £ Q ttl 'äxroi 1.
und 1 . Vers 13o : vöov die Verscliwornen im Palast bereit , in die innern Thüren einzudringen und Dich auf Deinem
x « i. ’Ai ’^ -e^ l/oio , XEx « oyLfh ’o ) ’ E ^ Lcpyoi ’t jiouAn .
2 . Prokop , a . a . O . Zeile 14 : ow r] ] <x/ « levov Thron zu überfallen . Dir war alles längst bekannt , doch bliebst Du ruhig , Gott allein
p -F. upiu Exxhi y*EXuhhiV7EVji yEyEi ’ tiTuu ,
vertrauend , der Dich beschirmt und Dir stets den Sieg verleiht . Auch diesmal täuschtest
toll ; /ll sv oycotrii ’ u3tEycp « Eq- , 7oiq - V « xouo 'o vi tiuvteXoc ; uhlvtov .
Paulus . Vers 31 : cQijioq- ]
3toc e « 3tt urrov
Du Dich nicht . Denn was geschah ? Der erste der Verräther nahm sich selbst das Leben ,
II ojtr l6elv , tiuvuiuvtov uxo uvul .
weil die göttliche Gerechtigkeit ihn nicht verschonen wollte — sie wusste ja , dass , wäre
3 . Prokop , a . a . ü . S . 178 Z . 24 : a, £ i ^ iu > vi tu ; uv evtetuxlixevul öö ^ ^ lev oy « /cp
rö di ’ ^ oc .
er lebendig ergriffen worden , Du , wie Du andern Frevlern oftmals gnädig warst , dem
Mitleid und Erbarmen , in welchem Du alle 31ensclien übertriffst , Dich zugewendet haben
Bei Paulus der häufige , freilich auch bei früheren Schriftstellern beliebte AVrgleieli würdest . »
der mannigfaltigen Bildungen des Marmors mit blumigen Wiesen ( Aez/lAcel , ) .
5 ) Vers 33 . Das ist ja die Freude der Eltern , ein dem Homer nachgeahmter Vers -
4 . Prokop , a . a . O . p . 179 : rodrou xöyov ouöelcj tov EKu \iE tivitlote . schluss , wie 7Ö y «y ysyut ; evtl Zrur ’övToyv .
Paulus I . Vers 105 : 3tue . xoyoq - ETJ3t ( Vijxoi ; F. hr \ huT ul exto ^tev ol ' xov .
0 ) Vers 38 . Fromm miteinander uns singen . Im Texte heisst es :
Die Beschreibung des Paulus
ist ein Gelegenheitsgedicht , eine Akroase ( Vorle¬ (UeArTfiOjUei ’ Ei) q) rpL0i >c U3to xelXevl EUjtoJac fyLX ’ouc .
sung ) der Art , wie sie die Römer seit dem letzten Jahrhundert der Republik als Unterhal¬ Ein ähnlicher Gebrauch des dxro im Verse 209 : euxu ^ lutoll : vnu x s k , l! ,rl xr ]$un ’
tung in höheren Kreisen liebten . Ihr Zweck ist die Verherrlichung der Sophia und ihres « i ’« 3t7tui ’ , w' o nach meiner Ansicht statt evxu ^ lutolc « xu ,u « 7otc zu lesen ist . 3Ieineke .
Erbauers und Wiederherstellers . Sie beginnt mit einer Anrede an den Kaiser in achtzig - 7 ) Vers 00 . Telcliinen . Ohne auf die mit den Sagen von den Cureten , Dactylen u . s . w .
jambischen Trimetern , die vor dem Herrscher und seinem Hofstaat im Palast , und zwar in Verbindung stehende 3Iythe von den Telcliinen näher einzugehen , will ich mich hier
im Vorlesezimmer , welches Paulus Vers 80 ^ -eut ^ ov höyojv nennt , gehalten wurde . Es nur auf die Bemerkung beschränken , dass die Telcliinen als ein verläumderisches , neidi¬
folgte dann eine Versammlung in dem der Kirche und dem Palast nahe gelegenen Hause sches Geschlecht mythischer Wesen , erste Erzarbeiter und Zauberer ( Ilesych . [iuvxuvoi ,
des Patriarchen Eutychios , wo nach 48 einleitenden Trimetern die eigentliche Beschrei¬ yör ] 78 <; , qi ^ -omyot ) bekannt sind . S . auch Eustath . zur Ilias 1 , 522 . Vol . II . p . 290 ed . Lips .
bung der Sophia bis zum 27Gsten Verse des Abschnitts I . vorgetragen wurde . Demnächst Diod . Sicul . V . 55 . Strab . XIV . pag . 054 Cas . — Gregor von Nazianz und nach ihm Suidas
begab sich die Versammlung in die Kirche und hörte nach 0 einleitenden Trimetern den ’ haben sie iroi ' rjyoüe x « z | j « <rx « roue (S« t (uoi '« t,- genannt , wie denn die alten Götter von den
ganzen Abschnitt II . bis zu Ende an . Der Schluss dieses Abschnitts ist jedoch nicht Christen im Allgemeinen als böse Dämonen betrachtet wurden . Vergl . Spanli . ad
übersetzt worden , weil er sich auf die Kirche nicht weiter bezieht . Dass übrigens Justi¬ Callim . li . Del . u . 31 .
nian der ganzen Vorlesung beigewohnt habe , be -weisen die häufigen an den Kaiser gerich¬ Aus diesem Grunde giebt auch der Dichter den zaubermächtigen bösen Geistern
teten Anreden . den Namen Telcliinen , und will nichts anderes sagen , als Christi 3Iacht und Gnade sei
Die Beschreibung des Ambon , ebenfalls durch 29 Trimeter und 19 Hexameter ein¬ es zu verdanken , dass bei dein durch jene veraulassten partiellen Einsturz der Kuppel
geleitet , wurde in grosser Versammlung im Palast des Patriarchen in Gegenwart des niemand verletzt und das lleiligthuin nicht mit Blut besudelt wurde .
Kaisers vorgetragen . 8 ) Vers 71 . Sirene , für 3Iuse . S . Sueton . de illust . grammat . 11 .
Zu der Ansicht , dass die Vorlesung in der angegebenen Weise wirklich statt¬ Cato grammaticus , Latina Siren ,
gefunden , und zwar , wie Du Cange , Comment . p . 07 , nachweist , nach dem Feste Epi¬ Qui solus legit ae facit poetas .
phanias , bis wohin die Enkaenien ausgedehnt wurden , haben die Ueberschriften der 9 ) Vers 87 . Der 31egära . Der Unmutli ist für den Dichter eine Qual der Erynnis . Ei -
Abschnitte und die in dem Hauptgedicht selbst auf die Veränderung der Scenen sich fr eut sich ihrer gewissermassen , weil sie eine gerechte ist .
beziehenden \ Y orte des Schriftstellers Veranlassung gegeben . Wenn man aber der Sache 10 ) Vers 94 . Keltischer Kriegsruf , d . i . der Krieg mit den germanischen Völkern , Van¬
näher tritt und die Wunderlichkeit der Anordnung , die Unangemessenheit , ja die Unaus - dalen , Ostgotlien .
lührbarkeit des wirklichen Wechsels der Scenen in Erwägung zieht , so kann man sich 11 ) Vers 95 . Der Indier bringt etc . Gewiss eine Hindeutung auf den indischen Fürsten
der Vermuthung nicht erwehren , dass das Ganze , die Einleitungen sowohl als auch die Eiesboas , der im persischen Kriege sich zum Abfall von den Persern bewegen liess und
eigentliche Beschreibung , an einem und demselben Orte ( wahrscheinlich im Vorlesezimmer dem römischen Gesandten reiche Geschenke an den Kaiser mitgab . ( 31alal . XIII . p . 457 . sq . )
des Kaiserlichen Palastes ) in einem Zuge vorgelesen , und der Wechsel der Scenen nur Auch Kedrenos hist . vol . I . p . 058 erzählt , dass im 23 sten Regierungsjahre des Justinianus
ein fingirter , dem Drama nachgeahmter sei . ein indischer Gesandte mit einem Eleplianten nach Constantinopel gekommen sei .
2 ) Absclin . 1 . Vers 1 — 4 . In diesen Versen wird auf den Frieden hingewiesen , in welchem 12 ) Vers 125 . Nicht auf den goldenen Stab etc . Der Text hat :
sich das römische Reich zur Zeit der Einweihung der wiederhergestellten Sophienkirche oü xer ' irl ] ) ' 7 ( i ’« yotjirfoe .
befand . Das Reich der Vandalen im Süden ( Libyen ) war schon im Jahre 534 durch Paulus kennt von xs , L, <r ° X- nur die dreisylbige Form , daher auch hier xs ’ oo-eiji ’ her¬
Beiisar vernichtet , der später dort ausgebrochene Aufruhr im Jahre 545 gedämpft ; das zustellen ist , und zwar als Anapäst , wie aus Vers 243 : x. u \ tuq ,uei ’ xpoo -Eonru ’ e ?„« tpyt -
XI

4oucrt xaprfi ’otc , und II . Vers 364 : x <j .l nx J ’ oatawTyantTai xpvtrhi <r7oXlq zu ersehen ist ; im Sinne gehabt und , ohne ein genaueres Bild von der Ausdehnung dieser Landschaft
denn liier und in ähnlichen Fällen eine Zusammenziehung anzunehmen verbietet das auch zu besitzen , die Porphyrbrüche in die Nähe von Theben versetzt haben . Jedoch reichte
von Paulus beobachtete Gesetz , nach welchem nie zwei Spondeen aufeinander folgen die dhebais nicht so weit nördlich , dass , wenngleich sie gen Norden an das ägyptische
können . Meineke . Arabien grenzte , der Mons porphyrites ( Dochan ) noch als zu ihr gehörig hätte bezeichnet
13 ) Vers 134 . und pries des Antliemios u . s. w . Anthemios aus Tralles , dessen Paulus werden können . Die bezogne Stelle des Stephan . Byzant . , wie die des Ptolomäus Geogr .
unter II . Vers 136 nochmals gedenkt , leitete den Bau der Sophienkirche . Er war nach IV . o . , wo es heisst :
rrjv
Js 7tocp « 7ox > ’ ApdjiJiou xoAitox ’ oXryv xaycxXiov xoi7e % ouoti ’ ’ Apa (3 -
Agathias lib . V . 6 . u . f. und Prokopius a . a . O . der grösste Mathematiker und Mechaniker aij/xutnoi r) 7ou Tpcoi ’xou , rj
Ix ^rxiocpcxyoi , uv oiq dysival yrxxsiq , 7E xuc , 70 'u ' AXaßao ’7pi ] Voij ,
seiner Zeit . Eustathios zu Ilias s , 4 p . 513 — 517 und Odyss . s , 127 — 162 p . 206 ed . Lips . xai 7] 7 otj nopcpup [ 7 ou ojiod ? x . 7 . X . , beweisen ausdrücklich , dass der Mons por¬
nennt ihn , weil er mittelst Spiegel Feuer anzuzünden und wie Salmoneus künstlich Blitz phyrites Arabien angehört , so wie Strabon 1 , 64 Cas . , dass unter Arabien hier nur das
und Donner hervorzubringen vermochte , einen Nachahmer des Archimedes . Agathias zwischen dem rothen Meere und dem Nilthal nördlich von der Thebais gelegne Arabien
erzählt a . a . O . 7 und 8 , er habe nach der aristotelischen Theorie vom Erdbeben die Decke zu verstehen sei . M . s . auch über dieses Arabien die Note 450 . von Fernow zu Winkel -
des Hauses seines ihm feindlich gesinnten Nachbars Zenon durch explodirende Wasser¬ mann ’s Werken , Ausgabe von Meier und Schulze , Th . II . p . 349 .
dämpfe , die er mittelst Röhren nach oben geleitet hatte ( also durch eine Art von Dampf¬ 21 ) Vers . Des grünen
254 thessalischen Marmors .
maschine ) , erschüttert . Dieser Marmor , der auch in Platten zerschnitten zur Zierde der Wände der St . Sophia
14 ) Vers 136 . unermüdlicher Kön ’ ge . Im Texte , wie auch in Abschnitt II . Vers 138 , ist gedient hat ( s . Salzenberg ’s Beschreibung und die dazu gehörige Tafel ) , ist unter dem Namen
für sTjjca^udro 'v ( von Du Cange durch laboriosorum übersetzt ) obca^ iosrcou zu lesen . ( S . oben verde antico bekannt . Er ist eine Breccie von Serpentin und Kalkstein . Der Serpentin von
Meineke ’s Anmerkung zu Vers 38 .) ßuxc ^ aaros ist nur im passiven Sinne zu verstehen , theils lichterer , theils dunklerer grüner Farbe ist der vorherrschende Gemengtheil ; der Kalk¬
daher auch xdqu cxtoq eukcx ^ uxtoq . Eurip . Bacch . Vers 66 . stein dicht und lichtgrau . Paulus beschreibt ihn Abschn . II . 224 — 229 näher und bemerkt
15 ) Vers 139 . Des feindlichen Dämons . Der Text lautet : dort zugleich , dass der Marmor bei Atrax , einer Stadt am Peneios in der thessalischen
oq ( ’A v ^ s^ uoq ) 7ol % OLq sVEt ] XE rocrox ’ cr ^ si ' oq , ocrirox ’ eyi & iv Landschaft Pelasgiotis ( etwa 10 römische Millien von Larissa entfernt , Liv . XXXII , 15 ) ,
äal/xovoq <xv7l ^ Lolo |3apu7A/rj7oi <m .’ syaoaq . nicht auf Bergen , sondern in der Ebene gebrochen worden sei . Die Brüche scheinen
Der (SatjiLux 1 ist der Teufel , dem die wilden vernichtenden Naturkräfte , wie Feuer , wenigstens im ersten Jahrhundert nach Chr . Geb . noch nicht entdeckt oder ausgebeutet
Erdbeben u . s . w . , als Werkzeuge seiner Gewalt dienen . worden zu sein , da weder Strabon , wiewohl er die Stadt Atrax im neunten Buche 458 Cas .
16 ) Vers 140 und 141 . Sie auch gaben nicht nach . Der Text lautet : anführt , noch Plinius Hist . nat . des thessalischen Marmors gedenkt . Dagegen lässt die
ou yocp axo7 iaaysv7oq SyixL ' rj^ LOio xa ^ rjvo 'u grosse Zahl der in der St . Sophia und andern Kirchen , wie z . B . im Lateran , verwendeten
djx .X (x. <rsv , aXX '> djoTrjrox ' e üxp ( m Ji ^rE^ LEiTcp Säulen , so wie die bis in die Zeit nach dem Kaiser Basilius dem Makedonier in der letzten
L% VOQ EXS (T7 rjyl £, 8V X . 7. X.
Hälfte des neunten Jahrhunderts reichenden Sarkophage , die im Anonym , a . a . O . als
Du Cange übersetzt die Stelle so : neque enim procubuerunt , excelso vertice avulso , 0877 erwähnt werden , vermutlien , dass die Brüche grade vom
•xpacrivoi aXul Xäyvtxxai ;
sed concussam imam partem firinissimo fundamento sustentavit inagni Romanorum imperii fünften bis neunten Jahrhundert stark ausgebeutet worden sind .
rector et super muris prioribus rursum praestantissimi verticis decorem exstruxit . Offenbar Die alten Schriftsteller , besonders die Dichter , benannten die Steinarten nach den
ist aber die im Vers 138 erwähnte Kraft [ cr ^ ivoq ) der Mauern das Subject zu coxAaow Namen der Orte , der Provinzen , der Landschaften u . s . w . , wo sie gebrochen wurden ,
und exscrrript & v . Der Dichter sagt nicht , der untere Theil der Mauern sei erschüttert je nachdem der eine oder der andere Name in rhythmischer Beziehung ihnen der pas¬
worden , vielmehr das Gegentheil , sie seien stehen geblieben mit unerschüttertem Fuss sendste war . Daher auch Paulus den hier erwähnten verde antico nicht nur den thes¬
( « JoVrjrox’ auf den festen Fundamenten . — Uebrigens spricht Paulus hier nur von salischen oder hämonischen , sondern auch den atrakischen , Abschn . II . Vers 160 , und
i 'xvoq )
den Hauptpfeilern der Tragbogen und den Umfassungsmauern der Kuppel , welche hin¬ selbst , wie unten Abschnitt II . Vers 132 dargethan wird , den molossischen Stein nennt .
reichend fundamentirt waren . S . Salzenberg ’s Beschreibung , Abschnitt Construction . 22 ) Abschnitt II . Vers 17 . von Gottes Stimme gelobten . S . Apostelgesch . 13 , 22 . : « Ich
17 ) Vers 166 . Der immer bewachte , <x £ « ppoupq7os > d . i . der stets von der Leibwache habe gefunden David , den Sohn Jesse , einen Mann nach meinem Herzen , der soll thun
umgebene . Siehe oben Vers 123 . allen meinen Willen . »
18 ) Vers 198 . 199 . Auf des Olympos erhabenes Haupt . Nachahmung des Homer , 23 ) Vers 68 . an dem weit vorspringenden Schmucke , d . h . am oberen Rande des
Odyss . X , 315 - 316 . Schmuckes , nicht unter demselben , weil im letzteren Falle der Schmuck von den han¬
19 ) Vers 198 . Es hatte der göttliche Herold etc . , d . i . Christus . Der Text hat : genden ( vorspringenden ) Steinen und deren Geländer verdeckt worden wäre , daher das
£teoÜ j ’ 'UXsäs4 (X70 X ?]pu4 ujto des Textes , weil uitsp nicht zulässig ist , nach Meineke ’ s Vorschlag etwa mit ixl zu
uflLßyoToq « ypuituoio X <x cü v xe/ ,« Jrjpi « % opsi ^ q . vertauschen sein dürfte .
Statt Xacöv , welches das Metrum eben so wenig , als der Sinn gestattet , steht am 24 ) Vers 75 . stehet gezeichnet das Bild des — Kreuzes . Der Text lautet :
Rande der Handschrift « eAcov und 7sXcov , wofür Gräfe 7sXsiv vorschlug . Wahrscheinlich dxpO70C7qi ;
ÖS
ist xXxjcjv zu lesen . Meineke . o-raupdx ’ uresp xopucprjq p oc cp e rj .
ey -ufflxToXcv sy 7tyv
Diese Conjectur wird durch Absclm . II . Vers 13 . bestätigt , wo der Dichter nochmals Ich bin , wie das auch die durch Auslassung einer Silbe entstellte Uebersetzung des
des zuhörenden Christus gedenkt , darunter aber , wie hier , das Bild des Heilandes im Verses beweist , der Ansicht gewesen , dass , weil der Dichter sich des Ausdrucks sypaqiE
Narthex versteht . Dort heisst es : es erfreut der Gesang im Innern der Kirche das Ohr ( grub in eine Fläche ein , zeichnete ) bedient , hier nur an ein Kreuz von Mosaik über dem

des Heilands ( ouazoc ^ sXys . i.) . Uebrigens ist die Stelle für die Charakteristik der Bilder¬ innern Scheitel der Kuppel zu denken sei , wie ähnliche Kreuze in den Tribunenbogen
verehrung im Zeitalter des Justinianus von Wichtigkeit . und Kuppelgewölben anderer älterer Kirchen Vorkommen , z . B . im Tribunenbogen im
20 ) Vers 243 — 245 . Die Blume des Purpurs . Lateran ( Seroux d ’Aginc . Malerei Taf . XVIIL 13 .) , in der Apsis der alten St . Peterskirche
Bei den von hier an folgenden einzelnen Bemerkungen über die in der St . Sophia ( Ciampini de sac . aedif . Cap . IV . Sect . II .) , in S . Nazareo und Celso ( v . Quast Kirchen zu
verwendeten und von Paulus erwähnten Steinarten sind benutzt worden : 1 ) Blasii Caryo - Ravenna Taf . VI .) .
phili opusc . de marmoribus antiquis . Der Verfasser , ein Italiener , liiess Garofalo ( Nelke ) . Die Epitheta dxpozdrq ( den Begriff des frei hervorragenden in sich schliessend ) und
Er hätte daher seinen Namen Caryopliyllus übersetzen sollen . 2 ) Faust . Corsi pietre Epuo -cnvoAii ,' ( die Stadt von oben beherrschend , beschirmend ) haben mich indess bewogen ,
anticlie ed . III . Rom . 1845 . Von ihm sind mit grosser Sorgfalt die Reste der von den der Ansicht von Du Cange ( Comment . p . 91 ) , wonach das auf der äusseren Spitze der
alten Schriftstellern beschriebenen und namhaft gemachten Steinarten mit denen verglichen , Kuppel frei stehende plastische Kreuz gemeint ist , mich anzuschliessen und zuzugeben ,
die als solche , wenn auch unter neueren Namen , noch vorhanden sind und von den Stein¬ dass der Dichter für eovtjo -e das Wort EyponpE , vielleicht auch syXucps gesetzt hat . Nach
metzen verarbeitet werden . dieser Auffassung würde die Uebersetzung lauten müssen :
Mit dem Namen Marmor ( von ^ uxp ^ ux/piD , glänzen , schimmern ) bezeichneten die Gleich dem leuchtenden Himmelsgewölbe ; doch über der Kuppel
Alten alle Steinarten , die Politur annehmen , zu Säulen und anderen grösseren Monu¬ Schuf der Künstler das Bild des die Stadt beschirmenden Kreuzes .
menten und zu Decorationen der Wände und Fussböden verwendet wurden , daher auch 25 ) Vers 101 . Nimmer hätte von Holz u . s. w . Die Handschrift hat eu4uA ,ou dpo ' cpoio ,
die Porphyr - und Serpentin - Arten , die zu dem eigentlichen Marmor nicht gehören . woraus von Du Cange üijjopbcpoio gemacht ist . Vielleicht
Der hier von Paulus erwähnte Porphyr ist der ägyptische dunkelrothe mit milch - xai ycx
p dx ’ fjp äoAiQxtjzii ;,
cxvsLjLisvoq lö/liovi 78 % vrj ,
weissen Punkten , porfido rosso . Der Anon . de sepulc . imp . nennt ihn auch den römi¬ ou 4 'L’A/ü
sl v
dpo’ cpoio 7
syoq 78 78 % %’ r\ 0 ' a7o
X’ rjou ,

schen . Die alten Aegypter kannten ihn nicht . Die Lager des Porphyrs auf dem Mons oder auch x ' rjcp zur Vermeidung des wiederholten Genitivs . Das Adjectiv 4uXdsig ist
Porpliyrites ( jetzt Gebel - Dochan ) und des Granits auf dem Mons Claudianus ( Gebel - Fatireli ) richtig gebildet . Ueber die Form des Neutrums 4 'uA.o' eiv statt 4 uXosiq die der Text ver¬
mögen wohl schon den Ptolomäern bekannt gewesen sein , sind aber erst von den Römern , langt , giebt Hermann ad Orpli . p . 705 Auskunft . Wollte man uUopdcpoio , das aber , wie
so lange sie Aegypten beherrschten , in höherem Masse ausgebeutet worden . gesagt , erst Du Cange gemacht hat , beibehalten , so könnte man vermuthen « 4 'uW >'
Reisende Engländer , M . Burton und Sir Gardner Wilkinson , haben in den Jahren u 'ijiöpo' cpoio oder ou 4uA<ou ( nicht aus Holz ) . Allein ou £, u Xdscv dp dtp oio scliliesst
7syoq ,
1821 und 1822 die Steinbrüche und das Arbeiter - Dorf auf dem Dochan , welches Stephan . sich am treuesten an die Handschrift an . Uebrigens leuchtet nunmehr ein , dass Gräfe ’ s
Byzant . voc . llopcpupi7iq , xdXtq ‘‘Aya ^ iocq zar Aiyuitron nennt , wieder aufgelunden . Vorschlag , im folgenden Verse c he , xtxXou , ou cpo/ixo -o-an zu lesen , abgesehen von der
Der Gebel - Dochan liegt zwischen dem 27sten und 28sten Grad nördlicher Breite , Kühnheit einer solchen Kritik , in Nichts zerfällt . Meineke .
etwa 25 geogr . Meilen nordöstlich von Theben . Mit Recht hat daher Letronne in seiner 26 ) Vers 108 . bei Daphne am Fluss des Orontes .
lehrreichen Abhandlung : sur l ’isthme de Suez , Revue des deux inondes Tome XXVII . Die von griechischen und römischen Schriftstellern wegen ihrer Lage , ihrer Tempel ,
p . 215 seq . , dargethan , dass der Transport des zu Säulen und andern Monumenten ver¬ Bäder und olympischen Spiele hochgefeierte , aber auch wegen ihrer Ueppigkeit übel¬
arbeiteten Granits auf directem Landwege nach Theben durch Gebirge und Wüste un¬ berüchtigte Stadt ( itdA/ic ) Daphne ( m . s . die glänzende Schilderung der Lage des Ortes
möglich gewesen wäre , dagegen die Abhänge der Berge nach der Seite des arabischen von Gibbon , decline et fall . etc . cap . 23 . vol . IV . ed . Lips . ) lag nach Strab . XVI , 750 Cas .
Meerbusens die Herabscliaffüng der Steinmassen bedeutend erleichtern mussten , und vierzig Stadien ( eine deutsche Meile ) südlich von Antiochia , nicht wie diese im Tliale
letztere dann ohne grosse Schwierigkeit zu Schiffe durch den Busen von Suez in den unmittelbar am Flusse Orontes ( jetzt Asy ) , doch zwar ebenfalls auf der linken Seite des
bei Arsinoe mündenden Nilcanal und auf dem unteren Nil ins mittelländische Meer ge¬ Flusses , aber auf dem Abhange der Berge , die von da an das Thal wieder verengen .
bracht werden konnten . Sie war schon eine Stadt ( wie Strab . a . a, O . sagt : ^uszpi' a xazoix/a ) , als Seleukos

Die Zeit des durch den Canal vermittelten Transports der grösseren Granitmassen Nikator , der Stifter des syrisch - makedonischen Reichs , im ersten Jahre des dritten Jahr¬
auf die beiden ersten Jahrhunderte nach Christi Geburt zu beschränken , weil unter der hunderts vor Chr . Geb . Antiochia gründete . Seleukos verpflanzte dahin den Cult des
Regierung des Kaisers Septimius Severus der Canal schon versandet gewesen sei , ist kein Apollon , erbaute ihm dort einen Tempel in dem von ihm vergrösserten Cypressenliain
Grund vorhanden , da , wie Lepsius in seiner Chronologie der Aegypter p . 356 und 357 und gab dem Orte den Namen Daphne .
durch eine Stelle des Maqrisi ( Laugle ’s Notices et extraits des manusc . T . VI . p . 337 ) - Diese Behauptung stimmt allerdings nicht mit der Ansicht Otfried Müller ’s in seiner
bestimmt nachweist , der Canal bis kurz vor dem Eindringen des Islam fahrbar geblieben Schrift : antiquitates Antiochenae p . 42 u . f. überein , da er Daphne ebenfalls als eine ganz
sei und erst seit der Eroberung Aegyptens durch die Araber die Connnunication auf dem¬ neue Gründung des Seleukos betrachtet zu haben scheint , die später mit der Vorstadt
selben aufgehört habe . Herakleia verbunden , unter demselben Namen als Vorstadt von Antiochia bezeichnet
Gewiss ist , dass noch lange nach Septimius Severus ansehnliche Stücke Porphyrs vom worden sei .
Gebel - Dochan , die ebenfalls schwerlich zu Lande direct an den Nil geschafft werden konn¬ Mir scheint indess die Notiz des Malalas , Chronogr . VIII . p . 260 Ox . , welches Buch
ten , in das europäische Römerreich eingeführt worden sind , wie z . B . die acht grossen Por - bekanntlich neben manchem Fabelhaften auch wichtige Excerpte aus den Relationen des
phyrsäulen der Sophienkirche , die dem vom Kaiser Aurelianus ( nicht Valerianus , wie Codinus Antiocheners Domninos enthält , mehr Berücksichtigung zu verdienen , als ihr Otfr . Müller
angiebt ) zwischen 271 und 274 nach Clir . Geb . ( Zosim . I . c . 61 .) , also mindestens 60 Jahre gewidmet hat . Die Stelle lautet : o äs au7oq 'S.sXsuxoq xcxc slq
7rjx > ’ HpaxAsiJa
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nach dem Tode des Sept . Severus in Rom erbauten Sonnentempel angehört hatten , ferner xoXiv ,
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die Sarkophage der heiligen Helena und der heiligen Costanza im Vatican , die Sarkophage 70 U cp u 7 crai ; x u it oc p L cror ou q und 7ou ’ HpocxA,E’oq 70U 78 -
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Constantins des Grossen , seines Sohnes Constantius , Tlieodosius des Grossen , des Mar - o ü Acicpx ' qx ’ luoc sau70Ü au7r ] X>
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eianus und der Pulcheria in der Apostelkirche zu Constantinopel , des Arkadius , Theodo - TipotxA . £ i Ja xoXlv .
Dies dürfte doch wohl auf den Gedanken führen , dass eine alte
sius II . und der Eudocia im Mausoleum des Justinian . M . s . Anonym , a . a . 0 . , von welchem xoXiq
vor Seleukos vorhanden , diese aber , wie auch andre Iderakleen in der Nähe ,
aber aus dem sechsten Jahrhundert ein porphyrner Sarg nicht weiter erwähnt wird . s . Strab . 16 , 751 Cas . , eine Niederlassung der semitischen Syro - Phöniken , die ja selbst
Wenn aber Paulus in den Versen Abschn . II . 35 , 208 — 210 und 246 die Porphyr¬ unter der Herrschaft der griechischen Könige und der römischen Kaiser noch den grössten
säulen thebaische und bei Theben gebrochne nennt , so kann er dabei nur die Thebais Theil der Bevölkerung des Landes und selbst der Hauptstadt Antiochia ausmachten ,
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wesen sei , und dass in dem heiligen Hain vor der Einführung des Cultus des Apollon
» •(■ sein : e. v F \ ’uX (rFo -u -n < dpono ' /ie oder Fi ' uX <rF <nri yt ’ i/nn o . Au Hainen konnte cs der Gegend
(des Familien - ( iottes der Scleukiden ) ein lleiligtlnun des phönikischon Herakles , der zu¬ wegen der Nähe des l ’ eneios nicht fehlen .
gleich als Gründer des Orts betrachtet wurde , bestanden habe . 29 ) Vers 119 . Rei nigungs que IL d . i . der Tniifhrunncu . 1in Texte steht :
Dass Daphne schon vor Seleukos ein namhafter Ort war , bestätigt auch die mit ru ) c
onro Äopyq
ükkoi. äs xsyl « uriie nuro cpaot eingcleitete Notiz des Eustathius zu Dionys , perieg . V . 91 (5 : o'lmö (5/4 (. jA.E( /foiyioc ; r.Xtx upsru » .
A (jccj) ) ' i ] ex ! ’ Ai '7 ( o yji ’f- >1 tiotf . xdWc LI j > a . x X s (, ul , eL rji ■ xidAxe zmxiicroui ; e q > u7Ei ' (7 £ Für mxo ' richtiger i®i . Reineke .
isÄsuxoc o N ( xarwj >. Dazu kommt noch , dass Antioehia von früher Zeit an zum Unter¬ 30 ) Vers 154 . gegen die Wände gelehnt . Im Text : <5( <><5(uq7oi ' i; xsyJ roiyjn ’c; . Gräfe :
schiede von 12 andern Städten gleiches Namens Antioehia hei Daphne , wie von Strabon <SiuTfii <Toiu; , vielleicht £rEO (5(uqr <>i ' e . Meincke .
a . a . 0 . 749 Cas . i) e*x i Auq >m ; , und von Plinius Ilist . nat . im 5teil und Oten Buche Epi - 31 ) Vers 160 . prokonnesischen Marmors . Die Insel Prokonnesos ist die heutige Mar -
daphnes ( erst hei Agatliias Prooem . p . 19 ' Ai ' TtJ % F. i.a q xyoe ’ Oydrzij « o7 « (a ( p ) genannt mara , von der die Propontis den neuen Namen führt . Paulus erwähnt den Marmor
worden zu sein scheint . Die beiden genannten Schriftsteller wissen noch nichts von einer nochmals in Vers 189 und 247 . Er wurde aber auch auf der gegenüber liegenden klein -
späteren mehr unmittelbaren Verbindung Daplincs mit Ilerakleia , der nachmaligen eigent¬ asiatischen Halbinsel Kyzikos gebrochen und liiess darnach auch der kyzikenisehe . ( Plin .
lichen Vorstadt von Antioehia , haben daher auch keine Veranlassung gehabt , Daphne als II . n . 5 c . 41 . ) N ach Plinius II . n . 36 c . 6 war das Grabmal des Mausolos zu Ilalikarnass

eine Vorstadt zu bezeichnen , vielmehr begegnen wir dieser ungenauen , vielleicht nur zur aus diesem Marmor erbaut ; später auch wurde er zu Sarkophagen der Kaiser und deren
Verherrlichung der Hauptstadt gewählten Benennung erst bei späteren Schriftstellern Gemahlinnen verwendet . Anon . a . a . O . Die Neueren nennen ihn bianeo et nero antico .
vom Ende des zweiten Jahrhunderts an , nämlich bei Dio Cassius im zweiten , Julianus Corsi p . 109 .
und den Antioehenern Eibanius und Ammianus Marcellinus im vierten , Stephan . Byz . und 32 ) Vers 168 . Mit der Krone geschmückt . Im Texte heisst es : ^ FoirTFnrou ; fv iioyrau ; .
Zosimos im fünften Jahrhundert nach dir . Geb . , weil Antioehia unter den römischen Es sind die grossen Feste , wie Eoyrq Xem-roy/hmon ’ Weihnacht , rcon quozeon Lichtmess ,
Kaisern an Pracht zugenommen hatte und unter ihnen der von Strabon bestimmt ange¬ rov uylov nixu -yu u . s . w . , an welchen die Kaiser mit der Krone auf dem Haupte dem
gebne Raum zwischen der eigentlichen Vorstadt Ilerakleia und Daphne durch Villen und Gottesdienste beiwohnten . S . Constant porphyr . a . a . O . und Du Cange comment . p . 100 .
Bäder ausgefüllt sein mochte . Richtiger nennt Droysen , Geschichte des Hellenismus 2ter 33 ) Vers 179 . aus iassischem Felsen entnommen . Der Text hat : Trxo -tr/doe ex7o (uoc
Theil p . (598 , Daphne das Versailles von Antioehia . riexj >qe . Du Cange las ’ lwx/doe , was schon wegen der Verbindung mit dcx $iqe zu verwerfen
Warum indess der Name Ilerakleia , welchen Daphne einst geführt hatte , der spä¬ ist . Im Verse 213 wird des iassischen Steins ( von der nahe an der Westküste Kariens
teren eigentlichen Vorstadt beigelegt sei , lässt sieh wohl nicht ermitteln . Es ist aber gelegenen Insel lasos so genannt ) nochmals gedacht und derselbe als blutrotli und blass -
wahrscheinlich , dass der alte semitische Ilerakleseult nach der Eroberung des Landes gelb beschrieben . Corsi p . 95 vergleicht ihn mit dem Marino Porta santa , wovon u . a . die
durch Alexander bald mit den griechischen Mythen auch die griechische Form angenom¬ Pfosten der Porta santa St . Peters und einige Säulen im Vatican und St . Agnese fuori le
men und ein Ileiligthum des Gottes an der Stelle der nachmaligen , unmittelbar vor dem mura . Er bemerkt , dieser Marmor habe alle Farben , die zwischen Weiss und dunkel
Südwest - Thor , dem daphnctischen , gelegenen Vorstadt sieh erhalten habe , bis die Seleu - Schwarz liegen , doch komme nie Grün , weder helles noch gesättigtes , in ihm vor ; die
kiden im zweiten Jahrhundert ( vielleicht Antioehus Epiplianes ) ihm dort einen neuen Adern und Streifen seien immer gewunden , bald breit , bald schmal , blass - oder dunkel -
Tempel erbauten . ( M . s . Eibanius , Antiocli . p . 911 . Reiske .) rotli . Die Exemplare dieses Steins in der durch Herrn Alex , von Huinboldt ’s Vermitte¬
Mit Sicherheit darf man jedoch behaupten , dass die nachmalige Vorstadt Ilerakleia lung in Rom im Jahre 1805 angekauften , jetzt im mineralogischen Museum der berliner
nicht vor Beendigung der antiochenisclien Vierstadt ( tf. t ^ux -xoXi .q ) , an welcher die Seleu - Universität aufbewahrten Sammlung antiker Marmore sind grösstentheils braunroth mit
kiden , namentlich Scleukos Nikator , Antioehus Soter , Seleukos lvallinikos und Antiochos gelben und hellröthlichen Flecken und Adern .
Epiplianes anderthalb Jahrhunderte gebaut hatten , angelegt und ausgebaut worden ist , 34 ) Vers 183 . In dem Monat der goldnen Gewänder . Der Januar , in welchem die
mithin die Schriftsteller , welche die alte Stadt Daphne Herakleis oder Ilerakleia benennen , Consuln in goldgestickten Kleidern ihr Amt antraten . Du Cange comm . 22 . p . 79 . Cf. Cod .
selbst wenn einzelnes von ihnen Angedeutete an eine Verwechselung der Zeiten erinnern Justin . Novell . CV . de septem processionibus .
sollte , unmöglich an die nachmalige Vorstadt Ilerakleia gedacht haben , und einen unter 35 ) Vers 205 . der grünliche Stein von Karystos . Nach Strabo X . p . 446 C . wurden
diesem Namen neu entstandenen und noch bestehenden Stadttheil nicht als i \ xo7e xd Xi.q in der Nähe der Stadt Karystos am Fussc des Berges Oche , an der Südwestkjiste von
hätten bezeichnen können . Euböa , die karystischen Säulen gebrochen . Der Stein hat nach Corsi p . 83 mit dem
Antioehia , einst neben Seleukia am Tigris die grösste Stadt des Seleukidenreiehs , penthelischcn und liymettischen Marmor in der Euböa gegenüber liegenden Landschaft
nachher des römischen Morgenlandes , der Sitz eines Patriarchen , dann nach einander Attika es gemein , dass er , wenn er bearbeitet wird , ein liydrogenes , nacli Zwiebeln
die Beute der Araber und turanischcr Eroberer , in den Zeiten der Kreuzzüge ein Besitz riechendes Schwefelgas ausströmen lässt , weshalb die italienischen Steinmetzen ihn Ci¬
christlicher Fürsten , ist jetzt zu einer mässigen türkischen Stadt , die nur den sechsten pollin o , und den liymettischen Cipollo nennen . Der karystische hat zur Grundfarbe
Theil des alten Umfangs einnimmt , lierabgesunken . Ausser dem Namen Antakicli und ein fahles Weiss , gelbgrüne , zuweilen ins Dunkelblau übergehende Flecke und bretter -
den bedeutenden Resten alter Festungsmauern ist von ihrer ehemaligen Pracht nichts ähnliche Streifen . Von diesem Marmor sind unter vielen andern die Säulen des Tempels
als die Lage im heiteren Thal des Orontes erhalten . Von Daphne , deren Geschichte mit des Antoninus und der Faustina am Forum zu Rom , auch die des Serapistempels zu
der von Antioehia billigst verbunden war , sind fast alle Spuren verschwunden . Nur die Puzzuoli .
Lage von Beit cl Mä ( Haus des Wassers ) , sechs englische Meilen unterhalb Antakieh , 36 ) Vers 206 . der bunte plirygische Marmor . Unter phrygiscliem ist in der Regel der
hat die Reisenden veranlasst , dort die Stätte von Daphne und des berühmten Apollo¬ synnadische , oder der nach den in der Nähe von Synnada bei dem Dorfe Dokimia
tempels zu suchen . Es ist eine bewaldete , quellenreiche Bergschlucht mit einem in der liegenden Steinbrüchen mit dem Namen des dokimitisclien belegte Marmor zu verstehen ,
Mitte vorspringenden Felsplateau . Hohe Berge , die nördliche Fortsetzung der südlich der jetzt inarmo pavonazzetto genannt wird ( cf. Strab . XII . p . 577 C . Cod . Justin , lib . IX .) .
von der Mündung des Orontes bis zum Vorgebirge Poseidion sich erstreckenden Berg¬ M . s . auch W . J . Hamilton , Researches in Asia minor etc . vol . I . p . 461 und 462 und II . p . 178 .
kette ( in deren Mitte der Mons Casius , jetzt Gebel Okreb ) , ragen , freilich nicht wie die Das to i ’ (ilei ’ — To i ’ (5 e in den beiden folgenden Versen bezieht sich nur auf zwei Varie¬
spitzen Phädriaden des Parnasses über Delphi , im Hintergründe hervor . Von dein Plateau täten des synnadiselien Marmors .
stürzt sich , durch einen Felsvorsprung in zwei Arme getheilt , ein ansehnlicher Wasserfall 37 ) Vers 210 . auf den breiten Gewässern des Niles . Der Text hat nach Gräfe ’ s
hinab , um einige Mühlen , die den Ort el M ;i bilden , zu treiben und dann dem Orontes Vorgang xoroquq/doc , die Handschrift x <>7cqu, r| 7 ( d « , also zu lesen xoroqiuVid « . Meineke .
zuzulliessen , dessen Ufer Myrthenwälder und Maulbeerpflanzungen bis nach Antakieh hin 38 ) Vers 212 . das hellere Grün des lakonischen Marmors . Plin . II . n . 1. XXXAT .
schmücken . Von dem genannten Orte führen noch jetzt Aquäducte das Quellwasser der c . 11 . zählt diesen Marmor zu den kostbarsten Steinen und nennt ihn Lacedaeinonium
Hauptstadt zu . M . s . ausser den von Otfr . Müller eitirten Reisen von Richter und Kinneir viridc cunctisque hilarius . Er wurde besonders in Lakonien bei Ivrokeai gegraben . ( M . s .
auch : Syria , the lioly land etc . illustrated in a scries of views from nature by W . Bart - Pausan . III . 21 . 4 . E . Curtius Peloponnes I . Bd . p . 34 , II . Bd . p . 206 . ) Der Stein gehört
lett etc . vol . I . p . 24 , und über den Mons Casius : Eares et penates , or Cilieia and its go - nicht zu den Marmorarten , sondern ist ein Serpentin - Porphyr — porfido serpentino .
vernors by W . Burkhardt Barker cd . by W . Ainsworth p . 272 . ( Corsi p . 205 . ) Er wird aber auch porfido verde antico genannt .
27 ) Vers 109 . auf Patara ’ s Höhn . Patara gehörte nach Strab . XIV , 606 C . zu den sechs 39 ) Vers 216 . das Thal der lydiselien Berge . Der lydische Marmor ist von dem
Hauptstädten Lykiens und war die grösste nach Xanthos . Jetzt ist davon wenig mehr schwarzen Probirstein , lapis lydius , zu unterscheiden . Corsi p . 141 vergleicht den von
vorhanden , als die Ruine des grossen Theaters und eines kleineren , aber schönen grie¬ Paulus beschriebenen mit dein rosso brecciato .
chischen Tempels . ( S . Fellow ’s travels in Asia minor p . 34 ( 1. ) Berühmt war der dortige . 40 ) Vers 218 . 219 . Oder Libyens Sonne . Bei den Alten marmor Xuinidicum oder Li¬
Tempel des Apollon mit dem ihn umgebenden Hain . Ilorat . Od . III , 4 . (54 : byerin ! . Plin . II . n . V . c . 3 . preist ihn wegen seiner Kostbarkeit . Die Steinbrüche lieferten
qui Eyciae teilet grosse Ausbeute . Rom liebte den Marmor vor allen . Davon zeugen u . a . acht Säulen
Dumeta natalemque silvam im Pantheon , die am Constantinsbogcn , im Lateran , so wie die Menge von Bruchstücken
Delhis et Patareus Apollo . des edlen Marmors , “ die fortwährend bei den Ausgrabungen gefunden und zu kleinen
M . s . auch Schönborn : über das Wesen Apollons p . 58 , wo er den Namen Patara aus Geräthen und Andenken verarbeitet werden . Er heisst jetzt giallo antico .
dem semitischen Stamme IDE ( auslegen ) , als Deuteort , Orakel erklärt . 41 ) Vers 221 . das Gebirge der Kelten erzeugt . Ein dem prokormesischen ähnlicher
28 ) Vers 132 — 134 . des Landes Molossis . Der molossische Stein wird auch im Ambon Marmor , der in den Alpen gebrochen wurde . Die alten Römer nannten ihn marmor cel -
Vers 2G2 erwähnt . Corsi p . 100 hält , auf diese Stelle Bezug nehmend , den Marmor für ticum , bei den neuern heisst er bianeo et nero di Francia .
eine besondere Steinart und vergleicht ihn mit dem in neuerer Zeit so genannten Marino Der Text hat : xeWX uvf . 7. % f. sy/xcq ; schwerlich richtig . Meineke vermuthet ,
di fior di Persico . Dies ist jedoch ein Irrtlium , den Corsi mit Du Cange Coment . § . 10 . daher uvt ]ye .
p . (59 und Caryophylus p . 28 thcilt . Die Anführung der bunten Blumen des Steins ( Ai -^ scrt 42 ) Vers 224 . so viel durchleuchtet der kostbare Onyx . Es darf hier wohl an
duuSu/JoKji ) II . Vers 134 ( der Ausdruck Blumen bezeichnet ja immer nur die mannig¬ den kappadokischen Marmor gedacht werden , den Plin . II . n . XXXVI . c . 22 . Phengites ,
faltigen Bildungen und Farben des Steins ) verträgt sich ganz gut mit der Schilderung Strah . XII . p . 540 C . Onychites nennt , von jenem als ein weisser , durchleuchtender , von
des thessalisclicn Marmors und berechtigt keinesweges , an die Farbe der Pfirsichblütlie diesem als ein elfenbeinfarbiger beschrieben wird . Corsi p . 103 . vergleicht ihn mit dem
zu denken . Aber auch der Sinn der Stelle weist die Erklärung Corsi ’s zurück . Dieser sogenannten marmo bianeo et giallo .
ist nämlich der : « die im Vers 129 thessaliscli genannten Säulen scheiden den Raum der 43 ) Vers 229 . von schwarzem Schimmer umgeben . Es ist hier der unten Vers 249
Mitte des Schilfs von den Seitenhallen — nie aber sind je in Thessalien so grosse Säulen und 250 und im Ambon Vers 151 nochmals beschriebene bosporische Marmor gemeint ,
gebrochen , d . h . es sind die grössten thessalischen Säulen , die bisher vorgekommen . » dessen Brüche am Bosporus Tlirakius und wahrscheinlich hei Chalkedon zu suchen sind .
Es wäre auch widersinnig gewesen , bekannte Säulen mit denen aus einem andern Lande , Plinius erwähnt nämlich II . n . 9 . c . 20 . einen Felsen bei Chalkedon von blendend weissem
das als besondere Provinz Griechenlands durch seine Steingruben gar nicht bekannt Gestein . Die Stelle lautet : Est in euripo Bospori , quo Propontis Euxino iungitur , in
geworden ist , zu vergleichen . ipsis Europam Asiamque separantis freti angustiis saxum min candoris , a vado ad summa
Dass aber der Dichter unter molossiscliem Lande nur Thessalien verstanden hat , perlucens iuxta Chalcedonem in latere Asiae . Hieraus lässt sich schliessen , dass dort
lässt sieh aus zwei Gründen behaupten . Nach der freilich isolirt stehenden , aber unver¬ auch andre ähnliche Felsen vorhanden gewesen , deren weisses Gestein die von Paulus
werflichen und wichtigen Notiz bei Athen . Deipnosoph . XI . p . 468 Cas . : xArjo-ion 6f . 7 q u- hervorgehobne Eigenthümlichkeit der schwarzen Umgebung hatte .
Mo/uomriac rj Tcjkxde , f. v rj o ex ! UeXua aycor Er/p- q , führte eine in der Nähe von Jolkos 44 ) Vers 245 . 246 . umkränzend wie Scheiben gerundete marmorne Flächen . Der
am pagasäisclien Meere ( Golf von Volo ) gelegne Landschaft den Namen Molossia oder Text hat : (5 1 o/acftix.X () F.VTix, XEyurrEcpEi eIxe x ^ adto ' xoie
Molossis . Paulus konnte daher nach Dichterbrauch den Namen eines Theils von Thes¬ XUJltp OI,>E O ( C O' riXSol ’Tüt yj xyL ' I ’ ^TfXS, U^ ^ OI ' U XE7yq .
salien für den der ganzen Provinz setzen . Statt st xe vermuthete Hermann surs vcluti , Gräfe qx « und überdies im zweiten
Indessen hätte der gelehrte Dichter allenfalls auch die epirotische Landschaft Mo¬ Verse xuyo -oqmyon ,' für xopepoyEOie . Auf das Richtige führt die Handschrift , welche nach
lossis im Sinne haben können , da diese eine Colonie ( dxotx/cje ) von Thessalien war , welche Niebulir ’s Angabe Xu6l <rx <..} bietet , statt xkud/o -xo «,' . Mithin schrieb der Dichter :
die Aeakiden , die Nachkommen des thessalischen Myrmidonenfürsten Achilleus , gegründet jUU (>fuocycft d ’ <) .uq >« A.uE 'i ’7 (jc XFy ( u ' 7Eq ) E( eIxe/jüc (5 ( <r x <•)
hatten , und als die einzige aus der Heroenzeit übrig gebliebne griechische Monarchie bis xoyqvuy e q (TtIX J. ovtu % üyiv ^■EÄ^ tqqioi ' c/. X £ 7yqe . 3Ieineke .
zum Anfang des zweiten Jahrhunderts vor dir . Geb . unter der Regierung Philipp ’s III . 15 ) Vers 248 . der bürgerpflegenden Kün ’ gin . Roma ( Constanlinopel ) .
behaupteten . M . s . Strab . VII . 324 , XIII . 594 C . Pausan . I . 11 , 1 . Eustath . Iloin . Odyss . 46 ) Vers 251 . mit Gold überzogene Steine , d . i . Mosaik mit goldglänzenden Täfelchen .
y , 189 . Scliol . ad Pind . Nein . VII . 56 und Seymnos V . 452 . ( Du Cange Com . p . 102 . )
Die Lücke im Verse 133 : x a !l |, f >’7 « c ec . . a/vemr - ist von Gräle durch F. C<üX (rRtrtnv 47 ) Vers 2 ( 52 . Suniums IIöli ’ etc . Der Pangäus , eine Bergreihe am Meer in Thrakien
ojis <r <rir ergänzt worden . Da aber Vers 225 ausdrücklich gesagt wird , der thessalische zwischen den Mündungen des Strymon und des Nestor . Plin . II . n . IV . 17 . ad Nestum
Marmor werde nicht auf Bergen , sondern in der Ebne gebrochen , so dürfte zu lesen aninem Pangaei montis hna ambientem . Auf ihm legten die Phöniken ( Kadmos , der Erfinder
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des Bergbaus ) Goldbergwerke an . ( Clem . Alex . Strom , lib . 1 . p . 307 ed . Paris . Cf . auch die gleich einer Mumie in Tücher eingewickelte Leiche , als spräche er : « Lazarus ,
komme heraus !»
Plin H . n . VI . 57 .) Paulus will nur sagen : Alle Bergwerke mussten ihre Ausbeute an
Gold und Silber liefern . Statt dessen bezeichnete er einzelne berühmte Bergwerke mit 4. Miniaturen in griechischen und andern Handschriften .

Namen , unbekümmert , ob sie damals noch bearbeitet wurden oder nicht . Bekanntlich a ) S . d ’Aginc . Taf . XIX . 14 . , wo Joseph den Traum deutet und er . wie auch Pharao ,

waren die zu Themistokles Zeiten sehr ergiebigen Silberminen von Laurium in der Nähe die Rechte mit dem Fingergestus emporstrecken .

des Vorgebirges Sunium längst aufgegeben . Boeckli , Staatshaushalt der Athen . N . A . b ) In der Handschrift des Virgil im Vatic . 1. 1 . ' S . d ’Aginc . Taf . XXIV . L , wo Dido und

vol . I . p . 420 . Acneas , und Taf . XiXV . 2 . , wo Latinus und Aeneas , und Taf . LXV . 6 . Georgic . . wo

48 ) Vers 2 (59 . vielstimmiger Sänger . Der Text lautet : drei Hirten in ähnlicher Stellung sich unterhalten .

ou (G f .isv oo (5's {iiovou ; Inl 78L % E(nv , ojr .jro ' o -a p/ucrr -rp ' c ) I 11 einer syrischen Handschrift der S . Lorenzo Bibliothek zu Florenz . S . d ’Aginc .

avöya aoXvyXohcrcroio öiaaylr ’ovcnv cqiuAou . Taf . XXVII . 2. Die Verkündigung , wo der Engel und die Jungfrau mit dem gleichen

Der Dichter weist auf die solea hin , in welcher die Subdiakonen und Sänger ihren Gestus der Hand den Gruss und die Antwort andeuten .

Platz hatten . ' ( S . I . Vers 241 .) Es kann daher der Ausdruck « AbyV .nro -oc d ' uc/ . oe nur 5. Das in neuerer Zeit in der A7ia di Faenza in Florenz entdeckte und von einigen

auf den Chor der Sänger , die jedoch mit denen unter dem Ambon nicht zu verwechseln dem Raphael zugescliriebne Wandgemälde , das heilige Abendmahl . Christus erhebt die

sind , bezogen werden . Hiernach gehört die Erklärung des Du Cange im Comment § . 81 . Rechte mit den vorgestreckten Fingern im Moment . wo er sagt : « Einer unter Euch wird
mich verratlien .»
p . 148 und in der Constant . Christiana , wonach unter « oAuyAoo -croe o' uAoc das Volk , das

allerlei Sprachen spricht , verstanden werden soll , nicht zur Stelle . Dagegen empfiehlt Der Gestus der Hand mit den erhobenen Fingern ist selbst da , wo an die Ertheilung

sich dieses Beiwort für « oAijcpJroyyoc und ist im ähnlichen Sinne , wie oben I . Vers 241 des Segens gedacht werden kann , nicht die charakteristische , ihm allein zukommende

der Chor der Sänger Xaua tcoA -ulmi/coc genannt wird , zu nehmen . Fo rm , sondern vielmehr nur die Andeutung des Ausspruchs , der AVorte des Segens ,
also das überlieferte Zeichen der Rede .
49 ) Vers 279 . Senkend das Haupt demüthig etc . Eine ähnliche Darstellung zweier

Engel zu den Seiten Christi befindet sich im Orat . S . Venanzio neben dem Baptisterium des Als ein solches Zeichen der Rede und Betheuerung hat diesen Fingergestus auch

Constantin bei St . Joli . im Lateran aus dem Jahre G40 . Siehe S . d ’Agincourt T . XVII . 1. Paulus Silentiarius anerkannt und damit dargethan , dass zu seinerzeit noch niemand an

50 ) Vers 286 . 287 . die Ileusen und Netze der Fischer . Der Text lautet : die von Didron ( Iconograpliie cliretienne p . 415 Quart - Ausgabe ) aus einem byzantinischen

ovdl [llsv ouV aurcov ■


jtccpadsd 'yope 'L’ f. uSeu Tfixvrj Manuscript entlehnte , von Salzenberg in der Beschreibung der Sophia angeführte gesuchte
Ote X' Sltd (5 (OX’ te
JClJpToe tu tfiWuov — . und hypermystische Erklärung , nach welcher die Finger der Rechten die Anfangs - und

Die epische Sprache verlangt « ö rcov — in dem zweiten Verse ist vielleicht xxiyrot ; vsxdäov Endbuchstaben den Namen Jesus Christus andeuten sollen , gedacht hat . Diese Erklärung
rd te '
S lktxiqv zu lesen . Meineke . gehört zuverlässig einer viel späteren Zeit an : sie ist durch den Schluss der von Didron über¬

51 ) Vers 304 . ein mächtiger Thurm , « opyoc ;. Wie Du Cange im Comm . p . 126 bemerkt , setzten Stelle hinreichend cliarakterisirt , welcher so lautet : « Ainsi par la divine providence

nannten auch die Lateiner das Ciborium turris , so wie die Monstranz turriculum . du Createur les doigts de la main de fliomme , qu ’ils soient plus ou moins longs , sont disposes

52 ) Vers 318 . Blätter ähnlicher Schmuck , welcher die Form einer Lilie hatte . M . s . de maniere ä pouvoir figurer le 110 m de Dieu .» Die genaue Ermittelung des Unterschiedes ,

Du Cange Comm . p . 125 . der etwa zwischen dem griechischen und lateinischen Typus des erwähnten Fingergestus

53 ) Vers 350 . Sondern die Spule allein . Der Text hat : obwaltet , ist wegen der Ungenauigkeit der Abbildungen sehr schwierig und könnte nur

aXXa pETaXXdcycroxxra jtoAv >% po « vr \yu . ra . Ttrji ’r; . aut den Grund der Anschauung einer grossen Menge von Originalen des einen oder des

Ttr'iau ] ist eigentlich nicht die Spule , sondern der Einschlag des Gewebes , die Fäden , andern Styls ein bestimmtes Resultat liefern .

welche die Spule zum Einschlag liefert . Du Cange im gloss . graecit . m . ae . bemerkt , dass Indess zugegeben , dass , wie von Didron behauptet wird , der griechische Typus

die neueren griechischen Schriftsteller unter dem Worte « fp ’l immer ein seidenes Gewebe sich von dem lateinischen durch die Kreuzung des Daumens mit dem Ringfinger unter¬
verstanden haben . schieden habe , so kann diese Behauptung doch die Ansicht , die Darstellung sei der

Die Kunst , Götter - und Heroensagen in Tempel - Vorhänge und heilige Gewänder altchristlichen Kunst von der antiken überliefert worden , nicht widerlegen . Eben so

einzuweben und zu sticken , blühte schon unter den alten Griechen . Man gedenke der wenig vermag dieses die andere Erklärung späterer Symboliker , zu denen auch Durandus

Auläen zu Delphi , Eurip . Jon . Vers 1146 secp , und des Peplos der Athene in den Pana - gehört , wonach die emporgestreckten Finger auf die Dreieinigkeit gedeutet werden .

tlienäen , Meurs . Lectiones Attic . II . c . 12 . Im vierten Jahrhundert nach dir . trug man Die ursprüngliche Bedeutung des Gestus tritt als unzweifelhaft da hervor , wo

Prunkkleider mit eingewebten christlichen Darstellungen ; s . Münter Sinnbilder I . p . 21 . Christus , wie oben in Beispielen gezeigt ist , als zu andern Personen redend dargestellt

Während des ganzen Mittelalters blieb die Kunst der Weberei und Stickerei für kirch¬ wird . In (len Einzelbildern ( ganzen Figuren und Brustbildern ) ist aber die Fingerstcllung

liche Zwecke in Anwendung . S . Kugler ’s Kunstgeschichte lste Ausgabe p . 281 und 282 . ein Zeichen , welches Christum in gleicher Weise , wie der eigentlnimliche Nimbus ( Heiligen¬

Sclinaase , Geschichte der bildenden Künste Bd . 4 . Abtli . 1 . p . 341 . schein ) , ganz bestimmt cliarakterisirt , und zwar nicht etwa nur als den Redenden und

54 ) Vers 351 . das Gespinnst der fremden emsigen Würmer . Im Text wird der Lehrenden , sondern als das Fleisch gewordne Wort ( Xöyoo ), als den im Worte

Seidenwurm ( Ameise ) genannt . Gräfe schlägt vor , statt ,noppig — zu seiner Gnade sich offenbarenden und von sich zeugenden Gottessohn und

lesen . Jedoch bedarf es einer Aenderung des Textes nicht , da der Dichter offenbar die Heiland der Welt . M . s . Apostelgeseh . 14 , 3 : ( xöptoe ) o rep Xdy (.i rrje

X <xpiT oc
uutov , d . i . : « der Herr , welcher zeugete das AVort seiner Gnade ,»
Absicht gehabt hat , den Fleiss und die Emsigkeit der Seidenraupen mit dem der Ameisen
14 :
adv Ey
c. ) ,u a p r u p c.j itsyt tjiuniToij , « Aq ^ qc
evtlv rj ^ LMp 7 u p tu pu ,
. und .Toll . 8 ,
zu vergleichen
otl ontoc , jto ' ^ Ei 1
r]X $ ov aal ttou uä
« /
b
: « So ich von mir selbst zeuge , so ist mein
Ueber den Gebrauch der serischen Gewänder und die Einführung des Seidenbaus

in Griechenland unter Justinian s . m . Gibbon , decl . and f . vol . VII . ch . 40 . p . 82 — 91 . Zeugniss wahr , denn ich weiss von wannen ich gekommen bin und wohin ich gehe .»

55 ) Vers 360 . als verkünd ’ er das Wort etc . Der Text lautet : Gegen diese Erklärung dürfte um so weniger einzuwenden sein , als sie durch die
3e tsuveiv Sprüche , welche in dem häufig geöffnet vorkommenden Buche ( Evangelium ) in der Linken
soLas (o Xptcrröe ) öäaTuXa

r )c;
, ulte piijp -ov asL ^ cbovTa itiqiaocrxco r . des Erlösers zu lesen sind , z. B .: lyoj si/lu t b qu .' c ro -u xdoquou x . r . X. : « Ich bin das

In Betreff der alten Christusbilder darf auf die Erörterungen Willi . Grimm ’s über Licht der AVelt » u . s. w . , und ly co bi/lu rj o <U ) q aal « Aqjä -Eta , aal rj x . r . X. : « Ich bin

und Sclinaase ’s in dem angeführten Werk ver¬ der AVeg , die AVahrheit und das Leben » u . s . w . , vollkommen gerechtfertigt wird .
die Sage vom Ursprung der Christusbilder

wiesen werden . Es sei gestattet , einige auf denselben Gegenstand sich beziehende Bemer¬ Dasselbe gilt von dem gleichen , auf die späteren Darstellungen des Christuskindes

kungen , zu denen der angeführte Vers des Gedichts zunächst die Veranlassung gegeben auf dem Schoosse der Maria übertragenen Gestus .

hat , hinzuzufügen . Es liegt aber auch nahe , bei der erwähnten Fingerstellung an das symbolische

v . llumolir in seinen italienischen Forschungen I . p . 174 bezeichnet diese Bilder als Zeichen des Eidschwurs zu denken . Zwar lässt sich der Zeitpunct , wo die äussere Form

Darstellungen des Weltlehrers , Sclinaase 1. 1. p . 386 als Darstellungen des Lehrers der Welt . des christlichen Eides allgemein geworden , nicht bestimmt angeben , doch kann darüber

Die sehr ins Einzelne gehende Beschreibung des Paulus ( Vers 352 — 368 ) , wohl die älteste so kein Zweifel obwalten , dass sie schon frühe gewählt worden ist , weil sie ein Symbol

ausführliche eines alten Christusbildes , stimmt in allen wesentlichen Puncten mit den ähn¬ des Zeugnisses der AVahrheit in dem geheiligten Typus der alten Christusbilder war .

lichen Darstellungen griechischer und italienischer Künstler der ersten dreizehn Jahrhun¬ 56 ) Vers 371 . 372 . Der , wie liienieden , dort oben u . s. w . Matth . 18 , 18 : « Alles was

derte nach dir . Geb . überein . Nur in der Plaltung und dem Gestus der rechten Pland , so Du auf Erden bindest , soll auch im Himmel gebunden , und alles was Du auf Erden lösest ,

wie in der bekannten Erhebung des Zeige - und Mittelfingers und des ihnen zugewandten auch im Himmel los sein .» Der Text sagt :

Daumens kommen in diesen Bildern manche Verschiedenheiten vor . M . s . die Abbildungen « Der da den ird ’schen gebeut , so wie auch den himmlischen Fesseln .»

von Knight , Serra di Falco , Flittorff und Die Darstellung des Petrus mit dem Kreuze und des Paulus mit dem Buche scheint älter
bei S . d ’Aginc . Malerei und in den Werken
zu sein , als die des ersten mit den Schlüsseln und des letzten mit dem Schwerte .
Zahnt , Buscemi Notizia d . cap . Palatina in Palermo u . a.

Der erwähnte Gestus der Rechten mit der allerdings bedeutungsvollen Fingerstellung 57 ) Vers 437 . Bootes , der spät sinkt , Der Text nach Homer , Odyss . 5 , 272 : aal d -ijis

der Kunstgeschichte und den Beschreibungen der alten Christus¬ öxjoi ’Ta Bocjrrp ’.
wird in allen Handbüchern

bilder als ein Zeichen des Segnens erklärt . Man hat sogar in der Fingerstellung eine 58 ) Ar ers 441 . nach der vorgezeichneten Ordnung . Im Texte : ijn -erdpeue aavovEwcriv

Dreieinigkeit und der Anfangs - und Endbuchstaben des Namens l ^ Euirof .iEvoLcn , nach den richtigen rotli vermerkten Regeln . Dies bezieht sich auf die für
symbolische Andeutung der
. Jesus Christus finden wollen . die Geistlichkeit vorgeschriebenen Regeln , deren einzelne Titel ( Rubriken ) mit Mennig

Mir sind diese Erklärungen immer bedenklich erschienen . Der Segen wurde nach geschrieben oder unterstrichen waren . Du Cange übersetzt regulis rubricantibus . AL s .
dessen Comment .
den sich darauf beziehenden Stellen der heiligen Schrift durch Auflegen der Hand , oder ,

gesegnet werden sollte , durch Aufhebung beider dem Volke 59 ) Vers 475 . das Schiff , das feuerentsendende . Du Cange übersetzt die AVorte des
wenn eine ganze Versammlung

nur dem gedachten Zuschauer offen zugewendeter Hände ertheilt . Ueberdies Textes : ituptcrcrE/pqrox ' luaaT ^ ida , man sieht nicht ab warum , durch rete igne inspersum .
oder auch

als nothwendig das Zeichen des ( AI . s . auch Du Cange , Comment . § . 48 . p . 105 .) ETtaxry/c bedeutet ein leichtes Schiff , eine
knüpfte die alte Kirche schon sehr frühe an den Segen

Kreuzes . An diese Form des Segens erinnert kein einziges der alten Christusbilder . Man Barke , daher der Lampenhalter in der Form eines Schiffes , II . Vers 433 , hier gemeint ist .

wohl näher treten , ob nicht der Gestus der Rechten mit den empor¬ Ein Beispiel einer solchen Darstellung befindet sich bei Aliinter , Sinnbilder Taf . IV . N . 73 .
muss daher der Frage
erestreckten drei Fingern ein natürliches , wenn auch conventipnelles , der an - 60 ) ATrs 492 . der irrenden Felsen . Die aus der Fahrt der Argonauten bekannten Kya -

tiken Kunst nicht fremdes , vielmehr von ihr der alten christlichen Kunst neen , Inseln an der Einströmung des schwarzen Aleers in den thrakischen Bosporus .

überliefertes Zeichen der Anrede , der Versicherung und Betlieurung .sei . 61 ) A7 ers 495 . der Strömung entgegen . Die Ausströmung der Propontis nach AVesten

hat eine Geschwindigkeit von vier engl . Aleilen in einer Stunde .


Einige Beispiele mögen dieses beweisen .

1. Vasenbilder in der Sammlung des Königlichen Museums in Berlin . 62 ) ATers 502 . Pharos . Bekanntlich die Insel des Proteus , am Ausflusse des westlichen
Nilarms in der Nähe von Alexandria , wo der Knidier Sostratos unter dem zweiten Ptolo -
a) N . 1018 . des Katalogs von Gerhard . Herakles , welcher , der von ihm befreiten Hesione
mäer den ersten Leuclitthurm erbaute . Strab . XA r II . p . 791 C .
vorangehend , vor den König Laoinedon tritt und von ihm den Lohn fordernd , die

Rechte mit den vorgestreckten drei ersten Fingern auf ihn richtet , doch so , dass der 63 ) Ambon Vers 100 . Die blässere Farbe der blühenden Zwiebel . Der Text hat :

« xpopiöcqxqe
agoaloio TiEXiövipvToii « c. irux . Da
ayoasoio nur Adjectiv sein kann , so muss
Daumen , nach Innen gebogen , nicht gesehen werden kann . — In gleicher Stellung auf
derselben Vase das Urtheil des Paris , Hermes den Paris anredend . darin ein Substantiv verborgen sein . Gräfe ’s A^ ermuthungen , xyoo -o -oto oder x/pxoio , haben

b ) N . 1945 . Nestor , den Telemachos empfangend , die Rechte auf einen knotigen Stab wenig Empfehlendes . AVahrscheinlicher möchte xpo iuA <» .o sein , ohne dass man dabei an

stützend , doch so , dass er den Daumen und die beiden ersten Finger über den Knopf Cipollino zu denken braucht . Die Bliithe der Cepa hortensis hat ganz die Farbe , welche
die Griechen durch itEAidurjEie bezeichnen . Aleineke .
des Stabes als Zeichen der Anrede emporstreckt .

c) N . 1636 . , wo zwei Frauengestalten mit einander reden und die eine die Hand mit den 64 ) Vers 105 . Jene heilige Stadt . Ilierapolis , Ileiligenstadt . In den ein und zwanzig

drei Fingern erhoben der andern entgegenstreckt . vorhergellenden Versen , so wie weiter unten Vers 266 — 274 , ist der hierapolitische Alarmor

2 . Eine Seulptur , nämlich die in dem foruin von Tusculuin ausgegrahne , jetzt im in der Alannigfaltigkeit seiner Farben und Formen mit besonderer Vorliebe und Weitläuf -

Vatican befindliche Statue der Rutilia P . R . Avia , den rechten Arm , dessen Ellenbogen tigkeit geschildert ; wohl nicht ohne die Absicht , darzuthun , dass der durch den Einsturz

noch von dem Ueberwurf verhüllt ist , emporstreckend , die Hand mit den drei erhobenen der Kuppel zerstörte Ambon , der nach Du Cange , Comment . § . 75 . p . 145 , ganz von

Fingern . S . Canina descriz . di Tusculo p . 142 und 143 , Taf . XXXI1 . Onychites erbaut und mit goldnen Säulen und den kostbarsten Edelsteinen geschmückt
3 . Bilder aus den Katakomben . war , durch einen neuen , von dem schönsten und ausgezeichnetsten Alarmor erbauten

zu den Aposteln redend . ersetzt worden sei . AVie werth auch Justinianus diesen Alarmor gehalten habe , wird
n) S . d ’Aginc . a . a . O . Taf . XII . 9. ( ’ hristus auf dem Thron

h) Auf derselben Tafel N . 12 . Christus in aufrechter Stellung den Lazarus erweckend . dadurch bewiesen , dass er den Sarkophag seiner Gemahlin Theodora aus demselben

Er richtet den rechten Arm und die Hand mit den vorgestreckten drei Fingern auf fertigen licss . AL s . Anonym , a . a . O . p . 205 .
(X
XIV

Bei den älteren Schriftstellern , wie z . B . I ’ liiiius , wird des hierapolitiseheii Marmors wird fortgesetzt . Bei dem dreimal « Heilig » so wie bei der Vorlesung der Epistel oder
gar nicht gedacht . Der Zusatz bei Straf ) . IX . c . 5 . § . 8 . : xal 2ui ’i ’a <hxi | c « \ e $ ix. it ohir ix tu,- , » anderer Abschnitte der heiligen Schrift erheben sieb auch die Gekrönten . Auf den zu
ist von Kramer und 3Ieineke mit Recht als acht bezweifelt . Daher Meineke ’s Ansicht , beiden Seiten des Schills errichteten besondern Tribunen tragen die ersten Ilofsänger
Vindic . Strab . | ) . lf>5 , dass der hierapolitisebe 3Iarmor erst in späteren Zeiten den Hörnern ( Ttyi . yro 'tlxx.hrou und <SopLE <rTixut ) und andere dazu geschickte Geistliche , welche xyuxrui ,

bekannt geworden sei , richtig ist . Indess kann man wohl noch weiter gehen und die clamatores ( Schreier ) genannt werden , Gesänge vor , die für die Feierlichkeit besonders
Zeit der Entdeckung des Marmors näher bestimmen . Denn gewiss ist es docli wohl auf¬ componirt sind . Wenn indess die grosse Procession ( r] f.iF. ytxkr ] ruroöoe ) zur Herbeiführung
fallend , dass dieser ausgezeichnete Stein ( Corsi p . Hb ) zählt ihn mit Recht zu den breccic der Elemente des heiligen Abendmahls beginnt , treten die vornehmsten Diakonen zum
antiche ) bei dem Bau der Sophia Justinian ’s gar nicht berücksichtigt worden , da der in Kaiser und geleiten ihn zur sogenannten Prothesis . Dort wird ihm das goldne Pallium
der Beschreibung der Kirche mehrmals erwähnte phrygische Marmor nur der synnadische QiaMdot ) über Diadem und Purpurmantel angethan . In der Rechten hält er das Kreuz ,
ist . Wäre neben dem letztem auch der liierapolitische schon verwendet worden , so in der Linken den Stab ( i ’« y > ij4 > ferula ) des sogenannten Deputates , dessen kirchliche
würde der Dichter zuverlässig nicht versäumt haben , ihn seiner Schönheit und besonders Function er übernimmt . ( Der Deputates | (5> Äo' ra7ot ,j war ein Diener der Kirche , der
seines Namens wegen zu erwähnen . unter Andern bei den Processioncn in der Kirche der Geistlichkeit voranging , um ihr
Es liegt daher die Verinuthung nahe , die Brüche bei Ilierapolis seien erst unter den freien Durchgang durch das Gedränge des Volks zu bahnen . ( Du fange , gloss . gr .
Justinianus entdeckt worden und hätten vor dem Bau der Sophia noch nicht hinreichende m . ac . ) Die Procession beginnt . Dem Kaiser folgen zu beiden Seiten die Barangen mit
Ausbeute geliefert , diese aber habe sich innerhalb eines Zeitraums von 21 Jahren in dem ihren Beilen ( d . i . die Kaiserliche Leib - und Schlosswache , sogenannt von den nordischen
Masse dargeboten , dass der schöne Marmor nicht nur für den Sarkophag der Kaiserin , Wäringern , die im neunten Jahrhundert in Constantinopel Dienste nahmen ) und die Söhne
sondern auch für den Neubau des Ambon in der wiederhergestellten Kirche gewählt des Adels bewaffnet und unbewaffnet ; hinter diesen die Diakonen und Priester mit den
werden konnte . heiligen Gelassen . Nachdem sie den Umgang durch die Kirche gehalten und wieder zur
Es fragt sich nur noch , welche Stadt Hierapolis hier gemeint , sein kann ? Plinius Solea gelangt sind , bleiben alle Andern draussen stehen , nur der Kaiser allein tritt in
H . n . kennt nur je eine Stadt dieses Namens in Kreta , Syrien und Phrygien . Die letzte , dieselbe ein und vor den Patriarchen hin , der an den heiligen Schranken des Altarraums
von der Strabon XIII . c . 4 . § . 17 . ausführlicher handelt , lag in demjenigen Tlieil von steht . Sie verbeugen sich vor einander . Der Kaiser bleibt vor dem Altarraum , der Pa¬
Phrygien , der nach Westen an Lydien und Karien , im Süden an Lycien , im Osten an triarch in demselben stehen . Dann ergreift ein dem Kaiser zunächst stehender Diakonus
Pisidien grenzte , also zu der nachmaligen Plirygia Pacatiana gehörte . Sie lag Laodicea das Rauchfass mit der Rechten , mit der Linken das Humorale Quxcpojuoi ’) des Patriarchen
gegenüber , in einiger Entfernung vom Lykos , dem Nebenflüsse des Maeauder . Strabon und räuchert den Kaiser an . Dieser neigt sein Haupt , während der Diakonus mit lauter
gedenkt ihrer warmen Quellen , welche die Bildung grosser Tuflhionolitlie veranlassten . Stimme spricht : « Der Herr gedenke der Macht Eures Reiches in seinem Reiche überall ,
Es ist kein erheblicher Grund vorhanden , die späteren hierapolitischen Marmorbrüche nun und ewiglich , Amen ! » Eben so die übrigen Diakonen und Priester , während sie an
dort zu suchen . dem Kaiser vorübergehen . Der Kaiser verbeugt sich nochmals vor dem Patriarchen , legt
Dagegen zieht eine andere Hierapolis die Aufmerksamkeit auf sich , nämlich die von dann das Pallium ab , welches der Ileferendarius der Kirche wegträgt . ( Referendarien
Hierokles Synekdemos ( Wesseling , Itin . Anton , p . 67 (5 ) citirte , in der Eparcliie ( Präfeetur ) hiessen kirchliche Beamte , deren sich der Patriarch zu Missionen an den Kaiser bediente .
Plirygia salutaris . Diese Landschaft ist nämlich , wie auch aus Fellow ’s Journal wr . during Cod . Just . Novell . 2 und 6 , 3 . Du fange gloss . gr . m . ae . )
an excursion in Asia Minor p . 124 seep zu ersehen , ausserordentlich reich an bunten Mar¬ Der Kaiser besteigt dann wieder die Tribüne und setzt sich auf den Thron , doch
morarten , zu denen auch der von dem Anonym , angeführte sangarische und der bithy - erhebt er sich während des Credo ( tr ^ ^ iohov zfjc « Grswc ) , des Vater Unser und der
nisclie gehörten . Ja es dürfte selbst die vorerwälmte Interpolation der Stelle des Strabon , Elevation des heiligen Leibes . Nach der Elevation bleibt er , wenn er an der Communion
nämlich das eingeschobene Wort die Annahme , dass die von Paulus er¬ nicht Tlieil nimmt , bis zum Ende der Messe sitzen . Ist er aber zur Communion vor¬
wähnte f IcpdittAu; die in Plirygia salutaris sei , unterstützen , da , nachdem der hierapoliti¬ bereitet , so holen ihn die Diakonen auf ’s Neue ab und gehn mit ihm in das Adytum ( die
sche Marmor allgemein bekannt geworden war , es dem Abschreiber des Strabon nahe Nische des Altars ) . Dort räuchert er mit dem ihm gereichten Rauchfass den heiligen Tisch
lag , bei der Erwähnung von Synnada auch an die marmorreiche Hierapolis derselben an nach Morgen , Mitternacht , Abend und 3Iittag . Nochmals das Rauchfass nach Morgen
Präfeetur zu denken . schwingend räuchert er auch den Patriarchen an . Dieser verbeugt sich demnächst vor
Gö ) Vers 113 . Lassen der Knaben Gesang u . s . w . Constant . porpliyrog . de caerein . dem Kaiser , nimmt ihm das Rauchfass ab und erweiset ihm dieselbe Ehre . Dann nimmt der
I , 10 . p . 74 erwähnt ebenfalls des Gesanges im Ambon bei Gelegenheit der xv ^ iohiravlxri Kaiser die Krone ab und reicht sie den Diakonen . Der Patriarch giebt ihm einen Tlieil
( eto -odoc ) , d . i . der Osterprocession , zu der das Volk in ungeheurer Zahl sich einfand , des heiligen Leibes in die Hand , dann auch von dem Blute , nicht , wie es sonst geschieht ,
nach deren Eintritt der Chor im Ambon das « Christ ist erstanden » anhob ( xul aus dem Löffel ( /. a ^ G ) , sondern aus dem Kelche selbst . Dann setzt der Kaiser die Krone
« yX ovrea ev t cp a/nßcovi 7o « Xyicrrö c uveo -ti ] ») . — Ausser den gewöhnlichen gottesdienst¬ wieder auf und verlässt das Allerheiligste . Nach der Communion empfängt er mit dem
lichen Handlungen , bei welchen der Ambon benutzt wurde , war derselbe auch der Ort , Volke den Segen und diesen noch besonders von dem Patriarchen und den Priestern ,
wo im Angesichte des Volks die Krönung des Kaisers und der Kaiserin stattfand , woraus und begiebt sich dann hinauf zu den sogenannten Katecliumenen ( m . s . Salzenberg ’s Be¬
sich schon auf die Geräumigkeit der obersten Fläche desselben schliessen lässt . Die Cere - schreibung , Rubrik : Einrichtungen für den Cultus ) , um dort , aus der Ferne gesehen , die
monie der Krönung war nach Kantakuzenus , hist . I . 4L , folgende : Acclamation des Volks entgegen zu nehmen . Wenn auch dieses vollbracht ist , setzen
« Nachdem der zu krönende Kaiser am Königlichen Palast von dem etwa noch sich der Kaiser und die Kaiserin zu Pferde und reiten , während alle Andern zu Fusse
lebenden älteren Kaiser und dem Patriarchen einerseits und von andern hohen Würden¬
folgen , zum Kaiserlichen Palast zurück , um dort mit der Krone auf dem Haupte das
trägern und den angesehensten Senatoren andererseits auf den Schild erhoben ist , und Festmahl einzunehmen . »
die Acclamation des Volks empfangen hat , begiebt sich der Festzug in die St . Sophia , 66 Vers 119 . Chelone , d . i . Schildkröte . Der griechische Name hat beibehalten werden
)
ln einer dazu besonders erbauten Loge legt der Kaiser den Purpurmantel und das müssen , weil das ' deutsche Wort sich dem Verse nicht fügte und wegen des im folgenden
Diadem an , nachdem die vornehmsten Priester darüber den Segen gesprochen haben . Verse vorkommenden Wortes « Schild » auch in der Form Schildpatt unerträglich gewesen
Das Haupt hat er mit einem Kranz oder nach Belieben in anderer Weise bedeckt . In¬ sein würde . Im Texte steht der Name des Erfinders des Waffentanzes ( cf.
zwischen beginnt die Messe . Der Kaiser verlässt die Loge und ersteigt auf Stufen die Strab . X . p . 467 C . ) , für reuyy/xr] - Der hier beschriebene Tänzer findet sich als ein archi¬
in der Nähe erbaute Tribüne , die nach allen Seiten mit rother Seide umgeben ist . Dort tektonischer Schmuck dargestellt in Zahn ’s Ornamenten aus Herkulanuin und Pompeji ,
stehen hohe goldne Throne , zu denen vier bis fünf Stufen hinauf führen . Hier nehmen 2te Folge Taf . 72 .
die zu Krönenden Platz . Vor dem dreimal « Heilig » verlässt der Patriarch die Altarnische 67 ) Vers 139 . Auf mygdonisclier Höh ’, für Phrygien überhaupt . Die Mygdonen waren
und besteigt den Ambon , mit ihm die vornehmsten Priester . Diese holen auf den Wink nach Strab . VII . c . 3 . § . 2 . und XII . c . 3 . § . 20 . wie die Mysier , Bitliynen , selbst die Pliry -
des Patriarchen den zu krönenden Kaiser ab und führen ihn ebenfalls auf den Ambon . gier von Thraeien aus , wo sie einen Tlieil ihres Stammes in der später nach ihnen
Tiefe Stille herrscht umher . Der Patriarch spricht die für die Salbung vorgeschriebenen benannten Provinz Makedoniens « Mygdonia » zurückgelassen hatten , in Kleinasien einge¬
Gebete , einige still für sich , andere allen vernehmbar . Der zu Krönende legt seine Kopf¬ wandert und wohnten zwischen den Mysiern , Bitliynen und Phrygiern , welchen letztem
bedeckung ab . Alle im Tempel Anwesende entblössen ebenfalls das Haupt . Nun salbt sie , nachdem sie schon vorher von den Bitliynen unterworfen waren , später unterthänig
der Patriarch des Kaisers Haupt mit dem heiligen üel in Kreuzesform und spricht mit wurden , daher auch nicht nur ihr von den Phrygern erobertes Land ( >) s3ttx7r ] 7oc ) , son¬
lauter Stimme « Heilig » ( ayioc ) , und nach ihm eben so alle auf dem Ambon Stehenden , dern auch ganz Phrygien von den Dichtern Mygdonia genannt wurde . — Der in dieser
endlich auch das ganze Volk . Dann bringen Diakonen die Krone aus dem Allerheiligsten Stelle angeführte Marmor ist übrigens kein anderer als der synnadische pavonazzetto .
zum Ambon herbei . Ist ein schon gekrönter Kaiser zugegen , so setzt dieser zugleich mit Dagegen wird der als Schmuck des Geländers mit dem tliessalischen Stein wechselnde
dem Patriarchen dem neuen Kaiser die Krone auf und der Patriarch spricht « Würdig » hierapolitische Marmor ( s . Vers 292 ) auch ein plirygisclier genannt ( Vers 266 ) .
( aiioq ) , nach ihm eben so , wie bei der Salbung gesclielin , dreimal die auf dem Ambon 68 ) Vers 143 . AIit Anemonen etc . Dioskorides II . c . 27 . unterscheidet gesäete und wild¬
Stehenden und das ganze Volk . Nach gesprochnem Gebet des Patriarchen verlässt der wachsende ( rjWyot xcu « ; >yiai ) , jene mit rothen , blass - und schneeweissen und violetten
Kaiser nicht auf der westlichen Treppe , auf welcher er hinaufgestiegen war , sondern auf Blumen . Wer einen Frühling in Rom verlebt hat , wird sich der grossen Farbenmannig¬
der der Solea zugewendeten den Ambon . Ist der Kaiser noch unvermählt , so begiebt er faltigkeit der schönen Anemonen in der Villa Pamfili gern erinnern .
sich sogleich wieder auf die Tribüne und setzt sich auf den Thron . Hat er eine Gemahlin , 69 ) Vers 181 . Nach dem Boreas zu . Der Text hat :
so muss auch diese gekrönt werden . Sie wird von den vornehmsten Verwandten oder 70
CthXu f .LEV JtOU
auch , wenn solche nicht vorhanden sind , von Verschnittenen bis an die Treppe des Eumeyityv , To <f sxr ]£, av lunoe • noTirejitol ’ /liev
Ambon an der Seite der Solea dem Kaiser entgegen geführt , wo er die Krönung vollzieht . ityoc, vor Ir ] Se ttuAJc cpME ^rorra Öoxetjei .
Bopsrp ’
Sie kniet vor ihm nieder und beweist ihm die dem Gemahl und König gebührende Ehr¬ Das Ungereimte in den Worten vorLt ] 6 e rruA.it; cp <Soxevei scheint in der
furcht . Der Patriarch , der auch zur Solea hinahgestiegen , spricht das Gebet für den Tliat auf Rechnung des Dichters zu kommen . Er hätte schreiben sollen :
Kaiser , seine Gemahlin und ihre Untertlianen . So krönt der Kaiser die eigne Gemahlin . EdtSylOl ’ {LIE }’
Dann kehren beide auf die Tribüne zurück und nehmen ihre Throne ein . Die Messe 31 e i n ek e .
reydt ; 4 <! q ) o l ’ , ■rjotoi ’ Ae A 1. ]i u l ’ q ) (XE$ OVT (X (foXEUEI .

Berlin , Bedruck ! in der Deckersrhen Geheimen Ober - Hofbuehdrnckerei .


VERZEICHNIS « DER ABBILDUNGEN .

Titelblatt : Mosaikdetails aus der Agia Sophia enthaltend .

BAURESTE DER KELTEREN ZEIT .


Blatt I . I H ig aus Smyrna , von weissem Marmor ; Fig . 2 . Ara im dritten Hofe des Serails zu Constantinopel , von rothem orientali¬
. 1 . Pilastercapitäl
schen Porphyr ; Fig . 3 . ( A der Natur ) korinthisches Capitäl , im Serail gefunden , von weissem Marmor ; Fig . 4 . ( A her Natur ) Capital mit
Canälen und Blättern , in Constantinopel gefunden , von weissem Marmor ; Fig . 5 . Säule des Kaisers Marcian zu Constantinopel , in der Mitte
des Y . Jahrhunderts errichtet , von weissem Marmor .

AGIOS JOHANNES , KLOSTERKIRCHE DES STUDIOS ;


463 erbaut .

Blatt II . Fig . 1 . Grundriss ; Fig . 2 . Ansicht der Nordseite ; Fig . 3 . Längenschnitt ; Fig . 4 . Querschnitt ; Fig . 5 . Ansicht der Westseite ; Fig . ( 5. Ansicht
der Ostseite . Massstah der Natur .
Blatt III . Gebälk und Säulendetails der Vorhalle : Fig . 1 . Ansicht des Gebälkes und des Capitäls ; Fig . 2 . Ansicht der Basis ; Fig . 3 . Profil des Gebälkes
und des Capitäls ; Fig . 4 . ein Tlieil der unteren Ansicht des Capitäls und des Arcliitravs ; Fig . 5 . ein Tlieil der unteren Ansicht des Kranzes ;
Fig . 6 . 7 . und 8 . dazu gehörige Felderzierden ; Fig . 9 . Blatt - Ornament des Capitäls im vergrösserten Massstabe ; Fig . 10 . Capitäl und Fig . 11 . Basis
der Säulen des Frauenchores ; Fig . 12 . Seiten - und Fig . 13 . Vorder - Ansicht des Säulencapitäls der Atriumshalle ; Fig . 14 . Einfassung und Ver¬
dachung der Tliüren von der Vorhalle zur Kirche ; Fig . 15 . Krönung der Pfeiler oder Mauer - Enden der Vorhalle ; Fig . 16 . Profil der Verdachung
und des Sturzes der Thüreinfassung zwischen den Säulen der Vorhalle ; Fig . 17 . Grundriss dieser Einfassung und eines Theiles der daran -
stossenden Säulen . Massstab , Q der Natur .
Blatt IV Fig . 1 . ( 3V der Natur ) ein Tlieil des Marmor - Fussbodens des Schiffes ; Fig . 2 . 3 . und 4 . ( V der Natur ) musivische Bänder dieses Fussbodens .

AGIOS SERGIOS . KIRCHE DES KLOSTERS IIORMISDAS ;


Anfang des VI . Jahrhunderts .
Blatt V . Fig. 1 . Grundriss ; Fig . 2 . Längenschnitt ( A her Natur ) ; Fig . 3 . Ansicht des Capitäls der Säulen des Frauenchores ; Fig . 4 . halber Grundriss
dieses Capitäls ; Fig . 5 . Ansicht der dazu gehörigen Säulenbasis ; Fig . 6 . Ansicht und Profil des Gebälkes der unteren Säulen und der Pfeiler¬
krönung im Schiff ; Fig . 7 . ein Tlieil der unteren Ansicht des dazu gehörenden Kranzes : Fig . 8 . Kämpfergesims des Frauenchores . Massstab
der Details A der Natur .
AGIA SOPHIA ;
erbaut von 532 bis 538 .
Blatt VI . Grundriss zn ebener Erde ( A der Natur ) .
Blatt VII . Grundriss des Gynaeceum oder Frauenchores ( desgl . ) .
Blatt VIII . Halber Grundriss der Gewölbe des Schiffes und halber Grundriss der Ilauptkuppel ( desgl . ) .
Blatt IX . Längenschnitt nach A . B . ( desgl . ) .
Blatt IX a - Contouren des Längenschnitts .
Blatt X . Querschnitt nach C. 1 ) . , Blick gen Ost ( desgl . ) .
Blatt XI . Querschnitt nach E . F . , Blick gen West ; darunter Tlieil des Grundrisses zu ebener Erde ( desgl . ) .
Blatt XII . Ansicht der Westseite ( desgl . ) .
Blatt XIII . Ansicht der Nordseite ( desgl ) .
Blatt XIV . Ansicht der Ostseite ( desgl . ) .
Blatt XV . Fig . 1 . Vorder - Ansicht der unteren Bogen in der Mitte des Schiffes nebst Kranzgesims und Säulen capitäl ; Fig . 2 . Basis der Säule ; Fig . 3 . Seiten -
Ansicht des Säulencapitäls ; Fig . 4 . Profil des Kranzgesimses und der Bogeneinfassung ; Fig . 5 . normale Ansicht der schrägen Fläche des Kranz¬
gesimses : Fig . 6 . Basis der unteren Säulen der Exeder ; Fig . 7 . Profil der unteren Bogen des Schilfes , Ansicht der Bogenleilmng und des
Pilastercapit .äls darunter an den Hauptpfeilern ; Fig . 8 . Ansicht des Fussgesimses im Schiffe ; Fig . 9 . ein Tlieil der Ansicht des Hauptpfeilers im
Schiffe mit der Marmortäfelung und der Seiten - Ansicht des Pilastercapitäls . Massstab A der Natur .
Blatt XVI . Fig . 1 . vordere Ansicht der oberen Bogen des Schiffes nebst Säulencapitäl ; Fig . 2 . normale Ansicht der schrägen Fläche des Kranzgesimses
darüber : Fig . 3 . Profil dieses Gesimses ; Fig . 4 . Fries an den Haupt - und Nebenpfeilern des Schiffes unter dem oberen Kranzgesimse :
Fig . 5 . Ansicht der Basis der oberen Säulen des Schiffes und der Brüstungstafeln zwischen den Säulen ; Fig . 6 . Profil dieser Brüstungstafeln :
Fig . 7 . Ansicht des Pfeilercapitäls in den unteren Seitenhallen und der Glasmosaik an den Gewölben darüber : Fig . 8 . Basis dieses Pfeilers :
Fig . 9 . Kämpfergesims und Fries der unteren Seitenhallen ; Fig . 10 . Fussgeisms der unteren Seitenhallen . Massstab A der Natur .
Blatt XVII . Fig . 1 . Ansicht und Fig . 2 . Profil eines Fensters des Gynaeceum in der Mitte der Südseite nebst dem davorliegenden Gewölbetheile ( A der Natur ) :
Fig . 3 . oberes Pilastercapitäl : Fig . 4 . unteres Pilastercapitäl und Vorder - Ansicht der Architravplatte ; Fig . 5 . Fuss des unteren Pilasters :
Fig . 6 . Profil und Fig . 7 . Untersicht der Architravplatte von dem ebengenannten Fenster ( A der Natur ) : Fig . 8 . ein Tlieil der Ansicht ,
Fig . 9 . ein Tlieil des Profils und Fig . 10 . ein Tlieil des Grundrisses von dem grossen llalbkreisfenster am West - Ende des Schiffes ( A der Natur ) :
Fig . 11 . Monogramm aus der Brüstung eben dieses Fensters ; Fig . 12 . Capitäl der Säulen , welche die Gewölbe des Gynaeceum stützen , und
Glasmosaik dieser Gewölbe ; Fig . 13 . Grundriss eines solchen Capitäls ; Fig . 14 . die dazu gehörige Basis ( A der Natur ) .
Blatt XVIII . Fig . 1 . Ansicht und Fig . 2 . Profil der Einfassung der Königsthür im Narthex ( A der Natur ) ; Fig . 3 . Relief in der Mitte der Verdachung dieser
Thür ( A der Natur ) ; Fig . 4 . Reliefzierde des innersten Gliedes der Einfassung ( ' 5 der Natur ) ; Fig . 5 . Profil des Sturzes ; Fig . 6 . Ansicht der
Haken und Ringe für das Velum , zu eben dieser Thür gehörig ( A der Natur ) ; Fig . 7 . Ansicht , Fig . 8 . Profil der Thüreinfassungen am Ost - Ende
der unteren Seitenhallen ( A der Natur ) ; Fig . 9 . Profil des Sturzes dieser Einfassung ( A der Natur ) ; fig . 10 . Ansicht , Fig . 11 . Profil des Bogens
zwischen dem Gange des Baptisterium und dem kleinen Hofe , nebst Thür und Säulenstellungen ( A der Natur ) ; Fig . 12 . Seiten - Ansicht des
Säulencapitäls und Profil des Thürsturzes . Fig . 13 . halbe Untersicht des Säulencapitäls , Fig . 14 . Grundriss der Säule und der Thüreinfassung
eben dieses Bogens ( V „ der Natur ) .
lilatt . XIX . Fig . . Ansicht , Fig . 2 . Grundriss der Bronzetlüir am Süd - Ende ( los Narthex ( 2U der Natur ) ; Fig . 3 . Detail eines Theilcs dieser Thür : Fig . 4 . das
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dazu gehörige Profil ( '5 der Natur ) .


Blatt . XX . Fig . 1 . Ansicht , Fig . 2 . und 3 . Prolile des Capitäls der Porphyrsäulen in der südöstlichen Eingangshalle ; Fig . 4 . und 5 . zwei Pilastercapitäle¬
im Bauschutt gellinden ; Fig . ( i . Capital einer kleinen Säule in der Brüstung des westlichen Frauenchores ; Fig . 7 . Pilastercapitäl , im Pflaster
gefunden der Natur ) ; Fig . 8 . ein Säulencapitäl ohne Bestimmung , gefunden ; Fig . 9 . und 10 . Kranzgesimse der starken Pfeiler des Propylämn
im Atrium ; Fig . 11 . ein Theil der unteren Ansicht von Figur 10 . ; Fig . 12 . his incl . 1 ( ». llolzsclmitzzierden verschiedener Spannbalken ( d . N . ) .
Blatt XXL Mosaik - und Marmor - Decoration des Bema ( G'0 der Natur ) .
Blatt XXII . Fig . 1 . his 8 . Details der Bema - Decoration ( A der Natur ) ; Fig . 9 . die Hälfte einer verzierten Stelle im Marmorfüssboden des Schiffes ( A der
Natur ) ; Fig . 10 . his 15 . Details dazu ( k der Natur ) ; Fig . 10 . Theil eines Marmorfrieses im Fussboden des westlichen Frauenchores ( 2V d . N . ) .
Blatt XXIII . Fig . 1 . Grundriss , Fig . 2 . Durchschnitt einer Gewölbe - Abtheilung im Narthex nebst Mosaik - Decoration ( 120 der Natur ) ; Fig . 8 . musivische
Details des Gurtbogens ; Fig . 4 . desgleichen im Schluss des Gewölbes und in der Mitte einer Kappe ; Fig . 5 . Grundriss des .Pilasterfensters ;
Fig . 6 . Rosette im Bogen vor dem Fenster ( A der Natur ) .
Blatt XXIV . Fig . 1 . Grundriss von den Gewölben am West - Ende der südlichen Seitenhalle nebst deren Mosaik - Ifecoration ( l2l) der Natur ) ; Fig . 2 . musivische
Details im Schluss der Gewölbe und in einer der Kappen : Fig . 3 . dergleichen in einem der Gurtbogen ; Fig . 4 . und ( 5. dergleichen von den
Kreuzen , welche die Tonnengewölbe zieren ; Fig . 5 . grössere Darstellung von einem dieser Details ; Fig . 7 . musivische Details in dem kleinen
Tonnengewölbe des Strebepfeilers ( - 2V der Natur ) .
Blatt XXV . Fig . 1 . Grundriss von einer der Gewölbe - Abtheilungen in der Mitte des südlichen Frauenchores nebst Mosaik - Decoration ( , 2-„ der Natur ) ;
Fig . 2 . musivische Details der Tonnengewölbe dieser Abtheilung ; Fig . 3 . dergleichen in der einen Hälfte des nördlichen Gurtbogens ; Fig . 4 .
und 5 . dergleichen in der anderen Hälfte dieses Bogens ; Fig . ( ) . dergleichen in den Gurtbogen zwischen den Säulen nach dem Schiffe hin ;
Fig . 7 . dergleichen von dem Tonnengewölbe des westlichen Frauenchores ( A der Natur ) .
Blatt XXVI . Fig . 1 . musivische Details von den Enden der Gewölberippen und der Einfassung des grossen Mittelfeldes der Hauptkuppel ; Fig . 2 . dergleichen
von zwei halben Fensterbogen und der dazwischen liegenden Gewölberippe ; Fig . 3 . dergleichen von dem Fusskranze der Hauptkuppel und der
Tragbogen darunter ; Fig . 4 . Profil zu Figur 3 . ; Fig . 5 . Profil zu Figur 2 . mit den Mosaikdetails der Leibungen der Fensterbogen ; Fig . 0 . Mosaik¬
details von den Kanten der Bema - Gewölbe ; Fig . 7 . dergleichen von den Fenster - Kanten der östlichen Halbkuppel ( A der Natur ) .
Blatt XXVII . Mosaikbild über der Königsthür im Narthex .
Blatt XXVIII . Mosaikbilder der Märtyrer Anthimos und Basileios an der Südseite des Schiffes .
Blatt XXIX . Mosaikbilder der Märtyrer Gregorios Theologos , Dionysios , Nikolaos und Gregorios Armenios an der Südseite des Schiffes .
Blatt XXX . Fig . 1 . Mosaikbild des Propheten Jeremias an der Nordseite des Schiffes ; Fig . 2 . desgleichen des Jonas ; Fig . 3 . desgleichen des Habakuk ;
Fig . 4 . Kopf des Jeremias in vergrössertem Massstabe .
Blatt XXXI . Fig . 1 . Mosaikreste von der Darstellung der Ausgiessung des heiligen Geistes in einer der mittleren Gewölbe - Abtheilungen des südlichen
Frauenchores ; Fig . 2 . bis 5 . Reste der Apostelköpfe dieser Darstellung ; Fig . G . Reste einer Volksgruppe , zu eben dieser Darstellung gehörend ;
Fig . 7 . Rest einer Mosaikfigur im Nebenraume der Sikhvest - Ecke des Frauenchores ; Fig . 8 . Mosaikverzierung des halben Gewölbes in einem
Raume über der Südwest - Treppe des Frauenchores ; Fig . 9 . Cherubim in einem der Zwickel der 1 Iauptkuppel ; Fig . 10 . Kopf des Cherubim
im vergrösserten Massstabe .
Blatt XXXII . Fig . 1 . Reste der Mosaikbilder im westlichen Tragbogen der Hauptkuppel : Fig . 2 . bis 4 . diese Reste in vergrössertem Massstabe , Petrus , Paulus
und Maria darstellend .
AGIA IRENE ;
wahrscheinlich aus dem VIII . Jahrhundert .

Blatt XXXIII . Fig . 1 . halber Grundriss zu ebener Erde und halber Grundriss des Frauenchores ; Fig . 2 . Längenschnitt ; Fig . 3 . Ansicht der Nordseite ;
Fig . 4 . Ansicht der Ostseite ( A der Natur ) .

AGIA TIIEOTOKOS , KLOSTERKIRCHE DES LIPS ;


Ende, des IX . Jahrhunderts .
Blatt XXXIV . Fig . 1 . Längenschnitt ; Fig . 2 . Ansicht der Westseite ; Fig . 3 . Ansicht der Südseite ; Fig . 4 . Ansicht der Ostseite ( 120 der Natur ) .
Blatt XXXV . Fig . 1 . Grundriss ( A der Natur ) ; Fig . 2 bis 5 . Details der Säulen des äusseren Narthex ( A der Natur ) ; Fig . 0 . Ansicht der Thüreinfassung
zwischen dem äusseren und inneren Narthex ( A der Natur ) ; Fig . 7 . Profil des Sturzes dieser Einfassung ( A der Natur ) ; Fig . 8 . perspectivisclie
Ansicht eines Fenstersturzes ; Fig . 9 . und 10 . Details dieses Sturzes ; Fig . 11 . Mosaikverzierung der Bogenleibungen des äusseren Narthex ;
Fig . 12 . Rest einer Inschrifttafel ( ^ der Natur ) .

. 13 . Bruchstück eines Marmorgesimses , in den Futtermauern der Kulisse


Fig - Bscliami eingemauert ; Fig . 14 . Tafel einer Marmor¬
brüstung , im Augusteum neben der Sophienkirche gefunden ( A der Natur ) .

AGIOS PANTOKRATOR :
erste Hälfte des XII . Jahrhunderts .
Blatt XXXVI . Fig . 1 . Grundriss ( A der
Natur ) ; Fig . 2 . ein Theil des Marmorfussbodens ( A 4 er Natur ) ; Fig . 3 . und 4 . Details dieses Fussbodens G d . Natur ) :
Fig . 5 . Vorder - , Fig . ( 5 . Seiten - Ansicht des sogenannten Sarkophags der Kaiserin Irene vor dieser Kirche ( / 0 der Natur ) ; NB . in der Unter¬
schrift dieser Figuren muss es heissen : bei Kilisse - Dschami , statt bei Sirek Dschami ; Fig . 7 . und 8 . Details der wahrscheinlich nicht ursprüng¬
lichen Säulen aus dem südlichen Theile der Kirchen - Anlage GV der Natur ) .

SAALRAU DES HEBDOMON :


wahrscheinlich aus dem IX . Jahrhundert .

Blatt XXXVII . Fig. 1 . Grundriss zu ebener Erde ; Fig . 2. Grundriss des obersten Stocks ( A der Natur ) ; Fig . 3 . Ansicht der Nordseite ; Fig 4 . Ansicht der
Südseite ; Fig . 5 . Ansicht der Ostseite ( A der Natur ) .
Blatt XXXVIII . fig . 1 . und 2 . Säulencapitäle der unteren Halle ( A der Natur ) ; Fig . 3 . bis 5 . Bänder aus Ziegel - und Marmorsteinen über den Bogeneinfassungen
der unteren Hallen ; Fig . 6 . Fensterpfeiler des oberen Saales mit Theilen der Fensterbogen ; Fig . 7 . bis 10 . verschiedene Muster der Ziegel¬
und Marmorbekleidung zwischen den Fensterbogen des oberen Saales ( A der Natur ) ; Fig . 11 . und 12 . Details der Topfverzierungen an den
Fensterbogen ; Fig . 13 . Details der Fenstereinfassungen ( A der Natur ) .
. Bruchstück einer Inschrift der Stadtmauer an der Hafenseite ; Fig . 15 . Capital , und Fig . IG . Base , im Blachernen - Quartier
Fig . 14

gefunden ( A 4er Natur ) ; Fig . 17 . perspectivisclie Ansicht eines der vierzehn Säulengänge der Cisterne des Philoxenos ( bin - bir - direk ) ;
Fig . 18 . perspectivisclie Ansicht eines Wasserpfeilers oder Suterasi .

KIRCHEN IN KLEIN ASIEN ; -

nach den Aufnahmen von Texier .


Blatt XXXIX .
Fig .. Grundriss , Fig . 2 . Längenschnitt der Kirche des heiligen Clemens zu Ancyra ; Fig . 3 . Grundriss , Fig . 4 . Längenschnitt , und Fig . 5 . Details
1

des Kämpfergesimses der Kirche des heiligen Nicolaus zu Myra ; Fig . G . Grundriss , Fig . 7 . Längenschnitt einer Kirche am Cassaba in Lycien
( A 4er Natur ) .
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ALT - CHRISTLICHE

BAUDENKMALE

CONSTANT NOPEL

VOM V, BIS XII , JAHRHUNDERT .

AUF BEFEHL

SEINER MAJESTÄT DES KÖNIGS


AUFGENOMMEN UND HISTORISCH ERLÄUTERT

VON

W . SALZENBERG .

HERAUSGEGEBEN

VON DEM KÖNIGLICHEN MINISTERIUM


FÜR HANDEL , GEWERBE UND ÖFFENTLICHE ARBEITEN

BERLIN 1854
VERLAG VON ERNST * KORN

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