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B1: Politische, wirtschaftliche


und soziale Veränderungen im 19. Jahrhundert

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Informationsblatt

Politische Ereignisse

Die Französische Revolution


Voraussetzung für die meisten Verän-

B1 Das 19. Jahrhundert: Informationsblatt 1/2


derungen im 19. Jh. war die Franzö-
sische Revolution von 1789 bis 1792.
Sie begann mit dem ‘Sturm auf die
Bastille’ (die Bastille war ein Gefäng-
nis und somit ein Symbol für die
Gewaltherrschaft) und brachte dem
französischen Volk einen Sieg über
den ‘Absolutismus’.
Der ‘Ständestaat’ wurde abge-
schafft, die Menschenrechte wurden
erklärt: Die Begriffe Liberté, Egalité
und Fraternité (also persönliche
Freiheit, Rechtsgleichheit und Welt-
bürgertum) sollten von nun an die
Grundlagen des Zusammenlebens im
Staat sein.
Die Folgen dieses Aufstands in Paris
waren Bauernerhebungen im ganzen
Land, Massenflucht des Adels und ‘Die Freiheit führt das Volk an’ von Eugène Delacroix, 1830, Louvre, Paris.
damit verbunden ein völliger Zusam-
menbruch der Verwaltung. Den All-
tag bestimmten Unsicherheit, Macht- Neuordnung Europas mehr bereit, sich dem alten poli-
kämpfe und Morde. tischen System des Absolutismus
In diesem Chaos ließ sich Napoleon Die Neuordnung Europas sollte in
unterzuordnen: Große Revolutionen
zum Kaiser krönen und überzog einem Friedenskongress, an dem fast
begannen.
Europa mit Krieg. 1815 wurde das alle Staaten und Fürsten Europas teil-
Nach der ‘Julirevolution’ von 1830
letzte napoleonische Heer in der nahmen, erfolgen. Der ‘Wiener Kon-
erfasste die Revolution von 1848 alle
Schlacht bei Waterloo vernichtet. gress’ (1814 / 1815) war in erster Linie
großen europäischen Staaten mit
ein Werk Fürst Metternichs (österrei-
Ausnahme von England und Russ-
chischer Außenminister), der alle libe-
land. Die Unruhen begannen in
ralen und revolutionären Ideen der
Frankreich und griffen auf Deutsch-
Zeit als staatsgefährdend ablehnte.
land und Österreich über. Während
Im Vordergrund des Kongresses
radikale Kräfte eine demokratische
stand nicht nur die Wiederherstel-
Republik anstrebten, begnügte sich
lung des politischen Zustandes von
das Bildungsbürgertum mit gemä-
1792. Überall herrschte wieder Kon-
ßigten Positionen.
servativismus und Traditionalismus
Doch die liberalen, nationalen und
(das Bewahren überkommener Le-
sozialistischen Kämpfe endeten in
bensformen aus Erfurcht vor dem
Niederlagen und leiteten eine Epoche
Gewordenen, der Tradition).
neuerlicher Machtpolitik ein. Trotz
der starken konservativen Kräfte (die
Neue Revolutionen das Bestehende bewahren wollen),
Der ‘Kutscher Europas’: Klemens Wen- Doch die Unterdrückung der neuen setzte aber langsam und unaufhalt-
zel Fürst Metternich hat maßgeblichen Ideen blieb nicht erfolgreich und viele sam ein Demokratisierungsprozess
Anteil ander Neuordnung Europas. Menschen in Europa waren nicht ein.

Zu: Gerhard Sammer, Doris Schumacher: Ein Komponist der Romantik – Lernzirkel mit Antonín Dvořák. © by Helbling, Rum/Innnsbruck

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Wirtschaftliche und
soziale Veränderungen

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Erfindungen und Entdeckungen
Nicht nur die politischen Ideen waren
radikal neu, es herrschte auch ein
großer Glaube an Fortschritt und
Wissenschaft. Zahllose Erfindungen
und Entdeckungen in der Physik
(Röntgenstrahlen), der Biologie (Ver-

B1 Das 19. Jahrhundert: Informationsblatt 2/2


erbungslehre), der Chemie und Medi-
zin (Äthernarkose, viele neue Opera-
tionsmöglichkeiten), der Nachrich-
ten- und Verkehrstechnik (Elektro-
motor, Benzinmotor, Luftschiff und
Telefon), viele neue Maschinen und Die Schwerindustrie wird aufgrund der immer schnelleren technischen Entwicklung
die steigende Bedeutung der Eisen- zur Leitbranche der Industrialisierung. Abb.: ‘Eisenwalzwerk’ von Adolph Menzel,
bahn verändern die Wirtschaft und Preußischer Kulturbesitz.
das Leben der Menschen stark.
Die wichtigsten politische Strömungen

Konservativismus Ende Februar 1848


erscheint das epoche-
Der Konservativismus ist eine poli- machende Manifest
tische Grundidee im 19. Jh. Man der Kommunistischen
betrachtet Staat und Gesellschaft Partei von Karl Marx
als sich organisch entwickelnde und Friedrich Engels.
Gebilde, die nicht nach neuen
Demokratie
Ideen verändert werden sollten. So
werden alle Einrichtungen und Die demokratische Bewegung hebt
Autoritäten, die für die überlieferte sich von den Liberalen durch die
und gottgewollte Ordnung stehen, Betonung der Gleichheit und der
verteidigt: Monarchie, Kirche, Fa- Volkssouveränität (vor dem Recht
milie, Besitz. des Einzelnen rangiert das Recht
Die Eisenbahnen revolutionieren den
internationalen Verkehr. Abb: ‘Eisen- der Mehrheit) ab. Neben einem
bahntänze‘, Museum für Geschichte der allgemeinen Wahlrecht werden
Liberalismus
Stadt Leipzig. eine gerechtere Verteilung des
Dem gegenüber steht der Libera- Eigentums und die Beseitigung von
Industrialisierung lismus, der die Verwirklichung indi- Klassengegensätzen und Bildungs-
und Sozialprobleme vidueller Freiheit anstrebt. Darun- vorrechten gefordert.
Die Industrialisierung ging von Eng- ter versteht man:
land aus, das bis zum Ende des 19. • die Freiheit der Person, ge-
Nationalismus
Jahrhunderts führend blieb. Es ent- schützt durch Grund- und Men-
standen Ballungszentren in Industrie- schenrechte (Meinungsfreiheit, Das National- und Vaterlands-
gebieten (Verstädterung), National- Glaubensfreiheit, nicht: Besitz- gefühl (Patriotismus) wird, aus-
einkommen und Lebensstandard stie- und Bildungsfreiheit) gehend von der Französischen
gen. Allerdings verloren Handwerk • einen Verfassungsstaat mit Ge- Revolution, zu einer der stärksten
und Kleinbauerntum an Bedeutung waltenteilung und Grundge- politischen Kräfte im 19. Jh. Es
und die Klassenunterschiede ver- setzen, der als Rechtsstaat den erwacht ein ausgeprägtes Ge-
schärften sich. Die sozialen Probleme Bürger schützt und auf Macht- schichtsbewusstsein, somit ein
wurden immer größer: Die Arbeiter politik verzichtet wachsendes Interesse an der
wurden ausgebeutet und lebten im • Mitwirkung des politisch mün- Eigenart von Völkern und Orten.
Elend, Kinderarbeit war alltäglich. digen Bürgers an der Gemein- Man strebt das Selbstbestim-
Der Einzelne musste sich in einer ano- schaft durch Wahl mungsrecht der Nation, den sou-
nymen Masse zunehmend isoliert • freie Wirtschaft veränen Nationalstaat an.
fühlen.

Zu: Gerhard Sammer, Doris Schumacher: Ein Komponist der Romantik – Lernzirkel mit Antonín Dvořák. © by Helbling, Rum/Innnsbruck

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