Sie sind auf Seite 1von 5

VGH München, Beschluss v. 09.03.2017 – 3 CE 16.

2549

Titel:
Aufforderung zur amtsärztlichen Untersuchung
Normenketten:
VwGO § 123, § 146 Abs. 4 S. 1
BayBG Art. 65 Abs. 2 S. 1

Leitsätze:
1 Mit dem Hinweis auf eine seit langem bestehende Dienstunfähigkeit, die bisherige
Krankengeschichte einschließlich stationärer Behandlung, dienstunfallbedingte Fehlzeiten sowie
Zweifeln an der psychischen Eignung ist die Anordnung einer amtsärztlichen Untersuchung
hinreichend begründet. (redaktioneller Leitsatz)
2 Die so dargelegten Zweifel an der Dienstfähigkeit rechtfertigen eine allgemeine amtsärztliche
Untersuchung in körperlicher Hinsicht sowie ein eingehendes Anamnesegespräch, das auch
psychische Beschwerden einschließt. (redaktioneller Leitsatz)

Schlagworte:
Beamtenrecht, Hauptwerkmeister (Bes.Gr. A8), Überprüfung der Dienstfähigkeit, Anordnung einer
amtsärztlichen Untersuchung, Formelle und inhaltliche Anforderungen an die Untersuchungsanordnung, Art
und Umfang der amtsärztlichen Untersuchung, Bestimmtheit, amtsärztliche Untersuchung, Dienstfähigkeit,
Untersuchungsanordnung, Anamnesegespräch

Vorinstanz:
VG München, Beschluss vom 07.12.2016 – M 5 E 16.5438


Tenor

I. Die Beschwerde wird zurückgewiesen.

II. Der Antragsteller trägt die Kosten des Beschwerdeverfahrens.

III. Der Streitwert für das Beschwerdeverfahren wird auf 2.500,-- € festgesetzt.

Gründe

I.

1
Der 19** geborene Antragsteller steht als Hauptwerkmeister (BesGr. A 8) im Justizvollzugsdienst des
Antragsgegners. Seit dem 21. Dezember 2015 ist er durchgehend dienstunfähig erkrankt.

2
Mit Anordnung vom 28. Juni 2016 wurde der Antragsteller aufgefordert, sich zur Klärung seiner
Dienstfähigkeit amtsärztlich untersuchen zu lassen. Ein Untersuchungsauftrag vom gleichen Tag an die
Medizinische Untersuchungsstelle der Regierung von Oberbayern (MUS) war der Anordnung beigefügt.
Sowohl die Untersuchungsanordnung als auch der Untersuchungsauftrag enthielten eine ausführliche
Darstellung der Krankengeschichte des Antragstellers. Der Antragsgegner brachte in diesem
Zusammenhang zum Ausdruck, dass in der Gesamtschau erhebliche Zweifel bestünden, ob der
Antragsteller den Anforderungen eines Beamten der 2. Qualifizierungsebene noch gewachsen sei. Unter
anderem habe sich der Antragsteller bei einem Wegeunfall am 21. Mai 2001, der in der Folge als
Dienstunfall anerkannt worden sei, einen Handwurzelknochenbruch rechts zugezogen. In diesem
Zusammenhang habe der Antragsteller erst drei Jahre später seine volle tätigkeitsbezogene
Leistungsfähigkeit wieder erlangt (s. Schreiben MUS vom 22. April 2004). Infolge dieses Dienstunfalls sei
beim Antragsteller zunächst eine Schwerbehinderung von 30 Prozent, seit dem 16. Januar 2013 eine
Schwerbehinderung von 60 Prozent festgestellt worden. Bereits im Herbst 2011 und Frühjahr 2012 habe
sich der Antragsteller stationär im Psychosomatischen Krankenhaus Naturamed in B** … sowie in einem
Fachkrankenhaus für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin in B** … behandeln
lassen. Aufgrund von vermehrt aufgetretenen Konflikten mit Kollegen, habe der Antragsteller in der
Folgezeit seine Versetzung in eine andere Justizvollzugsanstalt beantragt. Nachdem einvernehmlich eine
anderweitige Einsatzmöglichkeit nicht gefunden werden habe können, sei dem Antragsteller, der
ursprünglich bis dahin als stellvertretender Betriebsleiter der Malerei eingesetzt gewesen sei, intern eine
andere Tätigkeit zugewiesen worden. Trotz eines anfänglich positiven Verlaufs seien nach wenigen
Monaten im neuen Arbeitsumfeld vermehrt Spannungen und Schwierigkeiten aufgetreten. Seit dem 21.
Dezember 2015 sei der Antragsteller durchgehend dienstunfähig erkrankt, nähere Einzelheiten zur
Erkrankung seien jedoch nicht bekannt. Vom 20. Januar 2016 bis ca. Mitte April 2016 habe sich der Kläger
zur stationären Behandlung im Akutkrankenhaus für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in B**
… befunden. Die stationäre Behandlung sei zwischenzeitlich beendet, da die Krankenversicherung eine
Verlängerung nicht mehr übernommen habe. Seit dem 14. April 2016 befinde sich der Kläger nunmehr in
ambulanter Behandlung. Zu Art und Umfang der amtsärztlichen Untersuchung war zudem in der
Untersuchungsanordnung vom 28. Juni 2016 folgendes ausgeführt:

3
„Zur Klärung Ihrer Dienstfähigkeit wird im Rahmen der vorgesehenen Untersuchung neben einer
körperlichen Untersuchung im Hinblick auf eine Beeinträchtigung der uneingeschränkten Dienstfähigkeit in
Zusammenhang mit der festgestellten Schwerbehinderung, die wohl in Zusammenhang mit den Folgen
eines Unfalls im Jahr 2001 steht, zudem voraussichtlich auch ein ausführliches Anamnesegespräch zur
diagnostischen Erhebung Ihrer Krankheit geführt werden. Dabei werden Sie wohl zu Ihrem
zwischenzeitlichen und aktuellen gesundheitlichen Befinden befragt und gegebenenfalls derzeit bestehende
psychologische und psychiatrische Beschwerden und Störungen sowie daraus nachfolgende physische
Somatisierungen sowie aktuelle Konfliktkonstellationen exploriert werden. Gegenstand des Gesprächs
können dabei unter anderem auch eine Familienanamnese mit psychosozialer Situation, die frühkindliche
und schulische Entwicklung, die Pubertät und das frühe Erwachsenenalter, Partnerschaften, Ehe, Familie,
sozioökonomische Verhältnisse, Freizeitgestaltung, Suchtanamnese und frühere psychische und physische
Erkrankungen sein.“

4
Mit Schreiben der MUS vom 18. November 2016 wurde der Antragsteller zu einem Untersuchungstermin
am 8. Dezember 2016 geladen. Ein zuvor zum Termin versandter Fragebogen der MUS wurde vom
Antragsteller erst ausgefüllt, nachdem ihm disziplinarrechtliche Folgen angedroht worden waren.

5
Der Antragsteller beantragte daraufhin am 2. Dezember 2016 im Wege der einstweiligen Anordnung,

6
den Antragsteller vorläufig von der Verpflichtung der Durchführung einer amtsärztlichen Untersuchung
aufgrund der Untersuchungsanordnung der Justizvollzugsanstalt M. vom 28. Juni 2016 bis zum
rechtskräftigen Abschluss des Hauptsacheverfahrens über die Feststellung der Verpflichtung des
Antragstellers, die Untersuchungsanordnung vom 28. Juni 2016 zu befolgen, freizustellen.

7
Der Umfang der körperlichen Untersuchung sei zu unbestimmt, über weitere Untersuchungen würden
lediglich Vermutungen angestellt. Dies äußere sich in Formulierungen, wonach „voraussichtlich“ ein
Anamnesegespräch geführt und er „wohl“ zu bestimmten Umständen seines aktuellen Befindens und seiner
Beschwerden befragt werde. Der tatsächliche Umfang der amtsärztlichen Untersuchung sei deshalb für den
Antragsteller nicht nachvollziehbar. Art und Umfang der ärztlichen Untersuchung hätten zudem keinen
Eingang in den Untersuchungsauftrag an die MUS gefunden, so dass die diesbezüglichen Ausführungen in
der Untersuchungsanordnung vom 28. Juni 2016 ins Leere gingen. Art und Umfang der ärztlichen
Untersuchung dürften aber nicht dem Arzt überlassen bleiben.

8
Das Verwaltungsgericht hat den Antrag mit Beschluss vom 7. Dezember 2016 abgelehnt. Ein
Anordnungsanspruch sei nicht glaubhaft gemacht. Die streitgegenständliche Aufforderung zur
amtsärztlichen Untersuchung sei aus sich heraus verständlich, nach Art und Umfang hinreichend bestimmt
und nicht unverhältnismäßig. Aus ihr lasse sich der konkrete Anlass der Untersuchungsanordnung - die seit
21. Dezember 2015 vorliegende durchgehende Dienstunfähigkeit des Antragstellers - vor dem Hintergrund
der ausführlich dargestellten Krankengeschichte und der denkbaren Zusammenhänge zur Konfliktsituation
mit den Kollegen in Bezug auf das potentielle Tätigkeitsfeld des Antragstellers unproblematisch entnehmen.
Nachdem der Antragsteller wiederholt, zuletzt im Jahr 2016, fachpsychiatrisch stationär behandelt worden
sei, lägen konkrete Hinweise auf gesundheitliche Störungen oder Beeinträchtigungen auf diesem Gebiet
vor. Eine ausführliche Anamnese, die aufgrund konkreter Anhaltspunkte ihrem Inhalt nach auch
psychologische/psychiatrische Beschwerden und Störungen miteinschließe, sei deshalb nicht
unverhältnismäßig. Soweit der Antragsteller im Zusammenhang mit der in der Untersuchungsanordnung
gewählten Formulierung, wonach „voraussichtlich“ ein Anamnesegespräch geführt werde und er „wohl“ zu
bestimmten Umständen seines aktuellen Befindens und seiner Beschwerden befragt werde, ebenso wie die
angegebene körperliche Untersuchung im Hinblick auf den tatsächlichen Umfang für zu unbestimmt halte,
könne der Antragsteller nicht durchdringen. Gegenstand der Anordnung sei eine allgemeine amtsärztliche
Untersuchung, deren typische Untersuchungsbestandteile im Rahmen der Einzelfragen an den
begutachtenden Arzt (S. 6 der Untersuchungsanordnung vom 28. Juni 2016) erläutert würden.
Angesprochen sei hier eine körperliche Untersuchung mit Blick auf die dem Antragsteller aufgrund der
zuerkannten Schwerbehinderung bedingten Einschränkungen und ein ausführliches Anamnesegespräch
zur diagnostischen Erhebung vorliegender Erkrankungen. Zur Erläuterung dessen, was Inhalt des
Anamnesegesprächs sein könne, seien weitere Hinweise gegeben worden, insbesondere in ausführlicher
Form auch im Hinblick auf psychologische und psychiatrische Beschwerden und Störungen. Die so
beschriebenen Untersuchungsinhalte und damit die dem Antragsteller abverlangte Mitwirkung seien ihrer
Art nach klar auf eine körperliche Untersuchung und ein ausführliches Anamnesegespräch eingegrenzt
worden. Der genaue Inhalt des Anamnesegesprächs im Einzelnen sei Sache des Amtsarztes.

9
Mit seiner am 5. Januar 2017 eingegangenen Beschwerde verfolgt der Antragsteller sein Begehren weiter.
Er wiederholte im Wesentlichen seinen bisherigen Vortrag.

10
Der Antragsgegner hat die Zurückweisung der Beschwerde beantragt. Angesichts der ausführlichen
Darstellung der Krankheitshistorie, der Schilderung des Anlasses für den Gutachtensauftrag und der
angeführten Zweifel an der psychischen und physischen Eignung des Antragstellers bestünden keine
Zweifel, dass die MUS sowohl mit einer körperlichen Untersuchung beauftragt gewesen sei als auch damit,
Beschwerden und Störungen auf psychologischem wie psychiatrischem Gebiet zu erheben. Eine
Beschränkung der körperlichen Untersuchung auf einzelne Körperteile oder Krankheitszeichen sei
angesichts der früher bestehenden Krafteinschränkungen, der anerkannten Schwerbehinderung und des
mehrmonatigen stationären Aufenthalts ohne nähere Erläuterungen durch den Antragsteller nicht in
Betracht gekommen. Ein neuerlicher Untersuchungstermin sei für den 24. Januar 2017 anberaumt worden.
Gleichzeitig legte der Antragsgegner ein Schreiben der Justizvollzugsanstalt M. vom 11. Januar 2017 an die
MUS vor, in dem diese auf die im Untersuchungsauftrag vom 28. Juni 2016 fehlenden Ausführungen
gegenüber dem Antragsteller hingewiesen wurde. Zwar sei nach Auffassung des Antragsgegners im
ursprünglichen Schreiben vom 28. Juni 2016 an die MUS für den Amtsarzt bereits hinreichend deutlich zum
Ausdruck gekommen, dass der Dienstherr eine Untersuchung zur „psychischen und physischen Eignung“
benötige, dem Antragsteller solle aber mit dem erläuternden Schreiben vom 11. Januar 2017 die Sorge
genommen werden, er müsse den ihm erläuterten Umfang des Untersuchungsauftrags etwa selbst
gegenüber der MUS durchsetzen.

II.

11
Die zulässige Beschwerde des Antragstellers hat keinen Erfolg.

12
Das Verwaltungsgericht hat den Antrag nach § 123 VwGO, den Antragsteller vorläufig von der Verpflichtung
der Durchführung einer amtsärztlichen Untersuchung gemäß Art. 65 Abs. 2 BayBG aufgrund der
Untersuchungsanordnung der Justizvollzugsanstalt M. vom 28. Juni 2016 bis zum rechtskräftigen Abschluss
des Hauptsacheverfahrens freizustellen, mit Beschluss vom 7. Dezember 2016 zu Recht abgelehnt. Die
durch den Antragsgegner angeordnete amtsärztliche Untersuchung des Antragstellers ist formell und
inhaltlich nicht zu beanstanden (vgl. BVerwG, B.v. 10.4.2014 - 2 B 80/13 - juris; BayVGH, B.v. 16.7.2015 - 3
CE 15.1046 - juris Rn. 27). Ein Anordnungsanspruch wurde nicht glaubhaft gemacht, auf das Vorliegen
eines Anordnungsgrundes (im Hinblick auf zeitlich überholte konkrete Untersuchungstermine) kommt es
insofern nicht an.

13
Die gegen die Entscheidung des Verwaltungsgerichts vom Antragsteller innerhalb der Frist des § 146 Abs. 4
Satz 1 VwGO vorgetragenen Beschwerdegründe, auf deren Prüfung der Senat gemäß § 146 Abs. 4 Satz 1
VwGO beschränkt ist, führen zu keiner anderen Beurteilung.

14
Die Anordnung einer amtsärztlichen Untersuchung gemäß Art. 65 Abs. 2 Satz 1 BayBG muss wegen der
mit ihr verbundenen Eingriffe in die grundrechtsbewehrte persönliche Sphäre des Beamten nach dem
Grundsatz der Verhältnismäßigkeit bestimmten formellen sowie inhaltlichen Anforderungen genügen (vgl.
BVerwG, B.v. 10.4.2014 a.a.O; BayVGH, B.v. 23.2.2015 - 3 CE 15.172 - juris Rn. 15). Die Behörde ist zum
Erlass einer Untersuchungsanordnung berechtigt, wenn Zweifel an der Dienstfähigkeit des Beamten
bestehen. Der Untersuchungsanordnung müssen tatsächliche Feststellungen zugrunde liegen, die die
Dienstunfähigkeit des Beamten naheliegend erscheinen lassen. Der Behörde obliegt es, die tatsächlichen
Umstände, auf die sie Zweifel an der Dienstfähigkeit stützt, in der Aufforderung anzugeben. Der Beamte
muss anhand dieser Begründung die Auffassung der Behörde nachvollziehen und überprüfen können, ob
die angeführten Gründe tragfähig sind. Er muss erkennen können, welcher Vorfall oder welches Ereignis
zur Begründung der Anordnung herangezogen wird (BayVGH, B.v.18.2.2016 - 3 CE 15.2768 - juris Rn. 22).
Die Behörde darf insbesondere nicht nach der Überlegung vorgehen, der Adressat werde schon wissen,
„worum es geht“ (BVerwG, U.v. 30.5.2013 - 2 C 68/11 - juris Rn. 20). Ferner muss die Anordnung Angaben
zu Art und Umfang der ärztlichen Untersuchung enthalten (BVerwG, U.v. 30.5.2013 a.a.O. Rn. 18-23). Nur
wenn in der Untersuchungsanordnung selbst Art und Umfang der geforderten ärztlichen Untersuchung
nachvollziehbar enthalten sind, kann der Betroffene auch nach Maßgabe des Grundsatzes der
Verhältnismäßigkeit ihre Rechtmäßigkeit überprüfen. Dementsprechend muss sich der Dienstherr bereits im
Vorfeld des Erlasses zumindest in Grundzügen darüber klar werden, in welcher Hinsicht Zweifel am
körperlichen Zustand oder der Gesundheit des Beamten bestehen und welche ärztlichen Untersuchungen
zur endgültigen Klärung geboten sind (BayVGH, B.v 18.2.2016 a.a.O. Rn. 23).

15
1. Diesen rechtlichen Anforderungen wird die Untersuchungsanordnung vom 28. Juni 2016 gerecht.

16
1.1. Die Gründe für die angeordnete amtsärztliche Untersuchung des Antragstellers zur Überprüfung seiner
Dienstfähigkeit sind in der Untersuchungsanordnung vom 28. Juni 2016 in ausreichender Weise dargestellt.
Neben dem Verweis auf die durchgängig seit dem 21. Dezember 2015 bestehende Dienstunfähigkeit wurde
ausführlich auf die bisherige Krankengeschichte des Antragstellers einschließlich der stationären
Behandlungen, dienstunfallbedingten Fehlzeiten, Wiedereingliederungsmaßnahmen und die im
Kollegenbereich aufgetretenen Spannungen Bezug genommen und damit die bestehenden erheblichen
Zweifel an der psychischen und physischen Eignung des Antragstellers, den dienstlichen Anforderungen
noch gerecht werden, ausführlich begründet. Hiergegen hat der Antragsteller im Rahmen der Beschwerde
keine Einwände erhoben.

17
1.2 Die Untersuchungsanordnung vom 28. Juni 2016 ist auch nicht insoweit zu unbestimmt, als dort die
Untersuchungsbestandteile der körperlichen Untersuchung nicht einzeln erläutert werden. Zu Recht hat das
Verwaltungsgericht die Anordnung einer körperlichen Untersuchung mit Blick auf die Einschränkungen
durch eine zuerkannte Schwerbehinderung vor dem Hintergrund des gestellten Fragenkatalogs als
hinreichend bestimmt angesehen. Sowohl in der Untersuchungsanordnung als auch im ärztlichen
Untersuchungsauftrag wurde ausführlich auf die Krankengeschichte des Antragstellers Bezug genommen.
Die Folgen des Dienstunfalls mit Handwurzelknochenbruch rechts wurden detailliert mit den daraus
bedingten Dienstausfallzeiten und folgenden amtsärztlichen Untersuchungen dargestellt. Ebenso wurde
ausgeführt, dass im Zusammenhang mit dem Dienstunfall zunächst eine Schwerbehinderung von 30
Prozent festgestellt wurde, die sich seit dem 16. Januar 2013 auf 60 Prozent erhöht hat. Den sich aus den
vorangegangenen stationären Klinikaufenthalten bzw. den Spannungen am Arbeitsplatz andeutenden
psychologischen und psychiatrischen Beschwerden oder Störungen des Antragstellers, sollte die
begutachtende Stelle im Rahmen eines ausführlichen Anamnesegesprächs nachgehen.
18
Der Antragsgegner hat insofern in der Untersuchungsanordnung hinreichend deutlich gemacht, in welcher
Hinsicht Zweifel am körperlichen Zustand oder der Gesundheit des Antragstellers bestehen und welche
Fragen er im Rahmen der amtsärztlichen Untersuchung geklärt haben will. Er ist deshalb gerade nicht nach
der Überlegung vorgegangen, der Betroffene wisse schon „worum es gehe“ (BVerwG, U.v. 26.4.2012 - 2 C
17/10 - juris Rn. 20), sondern hat die Gründe seiner Zweifel an der Dienstfähigkeit offengelegt. Zur
umfassenden Information des Antragstellers wurden ihm mit der Untersuchungsanordnung vom 28. Juni
2016 auch der Untersuchungsauftrag vom gleichen Tag und der Fragenkatalog an die begutachtende Stelle
zur Kenntnis gebracht, der im Wesentlichen den Umfang bzw. die Zielrichtung der ärztlichen Untersuchung
bestimmt (BayVGH, B.v 16.7.2015 - 3 CE 15.1046 - juris Rn. 36). Mit dieser Vorgehensweise hat der
Antragsgegner dem Antragsteller ermöglicht, im Rahmen der Untersuchung prüfen zu können, ob sich der
Amtsarzt an die Fragestellung der Behörde hält.

19
Zu Recht sieht das Verwaltungsgericht deshalb die dem Antragsteller durch die Untersuchungsanordnung
vom 28. Juni 2016 abverlangte Mitwirkung nach Art und Umfang auf eine körperliche Untersuchung und ein
ausführliches Anamnesegespräch begrenzt. Dem Schutz des Beamten, ihn vor unverhältnismäßigen
Eingriffen in die grundrechtsbewehrte persönliche Sphäre zu schützen (vgl. BVerwG, B.v. 10.4.2014 - 2 B
80/13 - juris; BayVH, B.v. 23.2.2015 - 3 CE 15.172 - juris Rn. 15; BayVGH, B.v. 16.7.2015 a.a.O. Rn. 27),
wird in der Untersuchungsanordnung vom 28. Juni 2016 ausreichend Rechnung getragen.

20
1.3 Etwas anderes ergibt sich auch nicht aus dem Vorbringen des Antragstellers, die Ausführungen zu Art
und Umfang in der Untersuchungsanordnung vom 28. Juni 2016 würden deshalb ins Leere laufen, weil sie
keinen Eingang in den Untersuchungsauftrag der medizinischen Untersuchungsstelle gefunden hätten.
Soweit das Verwaltungsgericht hier zur Auffassung gelangt, dass Gegenstand der Anordnung eine
allgemeine amtsärztliche Untersuchung ist, deren typische Untersuchungsbestandteile im Rahmen der
Einzelfragen an den begutachtenden Arzt aufgeführt sind und deren Inhalte nur dem Antragsteller, aber
nicht dem Amtsarzt gegenüber erläuterungsbedürftig sind, so ist dies rechtlich - insbesondere vor dem
Hintergrund der ausführlich dargelegten Krankengeschichte des Antragstellers, der vorgelegten
Stellenbeschreibung und des Fragenkatalogs - nicht zu beanstanden. Der Dienstherr hat hier - auch
gegenüber der begutachtenden Stelle - gerade nicht offen gelassen, in welcher Hinsicht Zweifel am
körperlichen Zustand oder der Gesundheit des Antragstellers bestehen und welche ärztlichen
Untersuchungen zur endgültigen Klärung geboten sind (vgl. BVerwG, U.v. 30.5.2013 a.a.O. Rn. 23;
BayVGH, B.v. 16.7.2015 a.a.O. Rn. 31). Hinzu kommt, dass die im Untersuchungsauftrag vom 28. Juni
2016 fehlenden zusätzlichen Erläuterungen für den Antragsteller zu Art und Umfang der amtsärztlichen
Untersuchung der begutachtenden Stelle mit Schreiben vom 11. Januar 2017 zur Kenntnis gebracht
wurden.

21
2. Nach alledem war die Beschwerde mit der Kostenfolge aus § 154 Abs. 2 VwGO zurückzuweisen. Die
Streitwertfestsetzung beruht auf §§ 53 Abs. 2 Nr. 1, 52 Abs. 2,

22
GKG i.V.m. Nr. 1.5 des Streitwertkatalogs für die Verwaltungsgerichtsbarkeit (wie Vorinstanz). Dieser
Beschluss ist unanfechtbar (§ 152 Abs. 1 VwGO).

Das könnte Ihnen auch gefallen