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Brückenmaßnahme für

Wirtschaftswissenschaftlerinnen/
Wirtschaftswissenschaftler
Teil III und IV: Kostenstellenrechnung und Kostenträgerrechnung

Diplom Betriebswirtin (FH) Adalet Ertas

Wissen durch Praxis stärkt Seite 1


Teil I: Einführung in die Kosten- und
Erlösrechnung
Teil II: Kostenartenrechnung

Teil III: Kostenstellenrechnung


8. Aufgaben und Inhalt der Kostenstellenrechnung
9. Betriebsabrechnungsbogen: Verteilung primärer Gemeinkosten

Teil IV: Kostenträgerrechnung

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Gliederung Kapitel 8:

8. Aufgaben und Inhalt der Kostenstellenrechnung


8.0 Lernziele
8.1 Aufgaben der Kostenstellenrechnung
8.2 Begriff und Gliederung der Kostenstellen
8.3 Probleme der Kostenzurechnung und Kostenverteilung
8.4 Nachbereitung und Vorbereitung

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8.0 Lernziele

Im achten Kapitel der Veranstaltung …


… lernen Sie die wesentlichen Aufgaben und Inhalte der Kostenstellenrechnung
kennen.
… werden Sie mit den allgemeinen Grundsätze der Kostenstellenbildung vertraut gemacht.
Ferner erfahren Sie, nach welchen Gesichtspunkten Kostenstellen untergliedert werden
können.
… erhalten Sie einen Überblick über die drei Prozessschritte – Primärkostenverteilung,
innerbetriebliche Leistungsverrechnung, Bestimmung von Zuschlagssätzen – zur Verteilung
von Kosten im Rahmen der Kostenstellenrechnung.

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Gliederung Kapitel 8:

8. Aufgaben und Inhalt der Kostenstellenrechnung


8.0 Lernziele
8.1 Aufgaben der Kostenstellenrechnung
8.2 Begriff und Gliederung der Kostenstellen
8.3 Probleme der Kostenzurechnung und Kostenverteilung
8.4 Nachbereitung und Vorbereitung

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8.1 Aufgaben der Kostenstellenrechnung

Ablauf der Kosten- und Erlösrechnung in der Übersicht


Daten aus der Finanzbuchhaltung, der Material-, Lohn- und Gehalts-
sowie der Anlagenrechnung

Kostenartenrechnung Welche Kosten sind angefallen?

Kostenstellenrechnung Wo sind die Kosten angefallen?

Kostenträgerrechnung Wofür sind die Kosten angefallen?

Informationen für die


Planung, Steuerung, Kontrolle und Dokumentation

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Aufgaben der Kostenstellenrechnung im Einzelnen
− Die Kostenstellenrechnung schafft Transparenz bezüglich der Frage:
Wo im Unternehmen sind welche Kosten angefallen?
− Sie liefert Informationen über einzelne Abrechnungsbezirke (Kostenstellen).
− Genauere Kostenplanung und -kontrolle von Verantwortungsbereichen:
Überwachung der Einhaltung von Kostenbudgets durch die einzelnen Kostenstellen.
Abstimmung mit den kostenstellenbezogenen Kostenplänen.
− Wirtschaftlichkeitsbeurteilung von Verantwortungsbereichen
− Verrechnung von Gemeinkosten auf die Kostenträger.

Die Kostenstellenrechnung liefert hierzu Informationen


− Erfassung und Verteilung der Gemeinkosten (Primärkostenverteilung).
− Kosten innerbetrieblicher Leistungsströme
(Innerbetriebliche Leistungsverrechnung / Kostenstellenumlage).
− Belastung von Kostenstellen durch Kostenträger (Ermittlung von Zuschlagssätzen).

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Gliederung Kapitel 8:

8. Aufgaben und Inhalt der Kostenstellenrechnung


8.0 Lernziele
8.1 Aufgaben der Kostenstellenrechnung
8.2 Begriff und Gliederung der Kostenstellen
8.3 Probleme der Kostenzurechnung und Kostenverteilung
8.4 Nachbereitung und Vorbereitung

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8.2 Begriff und Gliederung der Kostenstellen

Definition Kostenstelle
− Kostenstellen sind die Orte der Kostenentstehung und der
Kostenzurechnung.
− Kostenstelle = rechnungsmäßig abgegrenzter Bezirk.

Merke: Unter einer Kostenstelle versteht man einen betrieblichen


Teilbereich, der kostenrechnerisch selbständig abgerechnet wird.

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Grundsätze der Kostenstellenbildung
− Identität von Kostenstelle und Verantwortungsbereich
Verantwortlicher Kostenstellenleiter muss die Höhe der Kosten beeinflussen können
und darf nicht mit Kosten belastet werden, die er nicht zu vertreten hat.
− Homogenität der Kostenverursachung
Eindeutige Beziehung zwischen Kostenstellenkosten und den für die Kostenplanung
und -kontrolle in der Kostenstelle verwendeten Bezugsgrößen.
− Vollständigkeit und Eindeutigkeit
Kosten müssen den Kostenstellen eindeutig und überschneidungsfrei zurechenbar
sein.
− Wirtschaftlichkeit
Tiefe der Kostenstellengliederung nur soweit, wie dies wirtschaftlich gerechtfertigt
erscheint und die Übersichtlichkeit nicht gefährdet.
Problem: Zielkonflikt zwischen Detaillierungsgrad der Kostenstelleneinteilung und
Wirtschaftlichkeit.

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Praktische Kriterien zur Kostenstellenbildung
− Kostenträgergesichtspunkte
Beispiel
Beanspruchung der Kostenstellen durch die Kostenträger bzw. Produkte.
− Funktionale Gliederung des Betriebs
Beispiel
Vertriebs- und Fertigungskostenstellen.
− Räumliche Gesichtspunkte
Beispiel
Abgeschlossene Werkstatt als Kostenstelle.
− Organisatorische Gesichtspunkte
Beispiel
Selbständige Verantwortungsbereiche.
− Abrechnungstechnische Gesichtspunkte
Beispiel
Unterscheidung von Vor- und Endkostenstellen.

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Gliederung Kapitel 8:

8. Aufgaben und Inhalt der Kostenstellenrechnung


8.0 Lernziele
8.1 Aufgaben der Kostenstellenrechnung
8.2 Begriff und Gliederung der Kostenstellen
8.3 Probleme der Kostenzurechnung und Kostenverteilung
8.4 Nachbereitung und Vorbereitung

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8.3 Probleme der Kostenzurechnung und Kostenverteilung

Schematische Darstellung

Kostenartenrechnung Kostenstellenrechnung Kostenträgerrechnung

Vorkostens Vorkostens Endkostens Endkostens


telle telle telle telle
1
Primäre GK Primäre GK -- -- Einzelkosten

-- --
Gemeinkosten
2 -- -- Gemeinkosten
(GK)
0 0
ΣGK ΣGK
Einzelkosten
Zuschlagsbasis Zuschlagsbasis
3 Zuschlagssatz Zuschlagssatz

Gemeinkosten
Einzelkosten
(EK)
1 Primärkostenverteilung 2 Innerbetriebliche Leistungsverrechnung
3 Zuschlagssätze

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Verteilung der Kosten
(1) Auf Kostenstellen (Primärkostenverteilung)
Gemeinkosten aus der Kostenartenrechnung werden auf Basis unter-
schiedlicher Verteilungsschlüssel auf Vor- und Endkostenstellen verteilt.

(2) Zwischen Kostenstellen (Innerbetriebliche Leistungsverrechnung ILV)


Innerbetriebliche Leistungsverrechnung: Weiterverrechnung der Kosten der Vorkostenstellen
auf diejenigen Endkostenstellen, die Leistungen von ihnen
in Anspruch nehmen.

(3) Auf Kostenträger (Bestimmung von Zuschlagssätzen)


Verrechnung der Kosten von den Endkostenstellen auf die Kostenträger mit
Hilfe von Zuschlagssätzen. Für jede Kostenstelle wird (mindestens) ein Zuschlagssatz
ermittelt.

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Gliederung Kapitel 8:

8. Aufgaben und Inhalt der Kostenstellenrechnung


8.0 Lernziele
8.1 Aufgaben der Kostenstellenrechnung
8.2 Begriff und Gliederung der Kostenstellen
8.3 Probleme der Kostenzurechnung und Kostenverteilung
8.4 Nachbereitung und Vorbereitung

Seite 15
8.4 Nachbereitung und Vorbereitung

Literaturempfehlung zur Vorlesung


− Friedl, G.; Hofmann, C.; Pedell, B. (2010):
Kostenrechnung – Eine entscheidungsorientierte Einführung, Kapitel 4,
insbesondere 4.1.

Seite 16
Internes Rechnungswesen

9. Betriebsabrechnungsbogen: Verteilung primärer Gemeinkosten

Dipl. Betriebswirtin (FH) Adalet Ertas

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Gliederung Kapitel 9:

9. Betriebsabrechnungsbogen: Verteilung primärer Gemeinkosten


9.0 Lernziele
9.1 Aufbau des Betriebsabrechnungsbogens (BAB)
9.2 Verteilung der Gemeinkosten auf die Kostenstellen
9.3 Nachbereitung und Vorbereitung

Seite 18
9.0 Lernziele

Im neunten Kapitel der Veranstaltung …


… lernen Sie Aufbau und Inhalt des Betriebsabrechnungsbogens im Rahmen
der Kostenstellenrechnung kennen.
… erfahren Sie, wie primäre Gemeinkosten mit Hilfe von Schlüsselgrößen
(Mengen- und Wertschlüssel) auf die Kostenstellen verteilt werden können.

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Gliederung Kapitel 9:

9. Betriebsabrechnungsbogen: Verteilung primärer Gemeinkosten


9.0 Lernziele
9.1 Aufbau des Betriebsabrechnungsbogens (BAB)
9.2 Verteilung der Gemeinkosten auf die Kostenstellen
9.3 Nachbereitung und Vorbereitung

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9.1 Aufbau des Betriebsabrechnungsbogens (BAB)

Kennzeichnung des Betriebsabrechnungsbogens


− Zentrales Instrument der Kostenstellenrechnung.
− Tabellarischer Aufbau
Der BAB enthält zeilenweise die Kostenarten und spaltenweise die Kostenstellen
des Unternehmens.
− Für jede Kostenart ist eine eigene Zeile enthalten (z.B. für Gehälter, Mieten,
Brenn- und Treibstoffe).
− Mitaufnahme der Einzelkosten
Einzelkosten lassen sich definitionsgemäß bereits verursachungsgerecht den Kostenträgern
zurechnen. Durch Aufnahme in den BAB wird deutlich, welche
Kostenstelle für sie verantwortlich ist.
Ermittlung von Kalkulationssätzen.

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Beispiel 1: Klassischer Aufbau
Kosten- Gesamt- Vorkostenstellen Endkostenstellen Ausglie-
stellen betrag derungs-
(Zeilen- stellen
Hauptkosten-
summe) Hilfskostenstellen Hilfskostenstellen
stellen

Kosten- Allgem.
Fertigungs- Material- Fertigungs- Verwaltungs- Vertriebs-
arten Kosten-
hilfsstelle stelle hauptstelle stelle stelle
stellen

Einzelkosten

Gemein-
kosten
Summe
primäre
Kostenarten
Stellen-
umlage

Gesamt-
kosten

Bezugsbasis
Zuschlagssatz

Seite 22
Beispiel 2: Aufbau und Verrechnungsschritte
Kostenstellen Vorkostenstellen Endkostenstellen

Instand-
Kostenarten Energie Gebäude Material Fertigung Verwaltung Vertrieb
haltung

Einzelkosten
Einzelkostenart 1

Einzelkostenart m

Primäre Gemeinkosten
Gemeinkostenart 1
1 Verteilung von primären Gemeinkosten auf Kostenstellen

Gemeinkostenart n

Sekundäre Gemeinkosten
Entlastung von Vorkostenstellen 2 Innerbetriebliche Leistungsverrechnung von den Vor- auf die Endkostenstellen
Belastung von Endkostenstellen

Gesamte Gemeinkosten

Bezugsbasis Ermittlung der Gemeinkostenzuschlags-sätze


3
für die Endkostenstellen
Zuschlagssatz
(= gesamte GK / Bezugsbasis)
Quelle: Friedl, G. / Hofmann, C. / Pedell, B. (2010), S. 127.

Seite 23
Gliederung Kapitel 9:

9. Betriebsabrechnungsbogen: Verteilung primärer Gemeinkosten


9.0 Lernziele
9.1 Aufbau des Betriebsabrechnungsbogens (BAB)
9.2 Verteilung der Gemeinkosten auf die Kostenstellen
9.3 Nachbereitung und Vorbereitung

Seite 24
9.2 Verteilung der Gemeinkosten auf die Kostenstellen

Direkte und indirekte Verteilung


− Bei der Verteilung der primären Gemeinkosten soll dem Verursachungsprinzip
soweit wie möglich Rechnung getragen werden.
− Direkte Verteilung
Kostenstelleneinzelkosten: Zuordnung zur Kostenstelle aufgrund der Kontierung auf
den Kostenartenbelegen.
Beispiel
Fremdreparaturen, Fertigungshilfslöhne.
− Indirekte Verteilung
Kostenstellengemeinkosten: Indirekte Verteilung mittels Umlageschlüsseln
(Bezugsgrößen).
Beispiel
Mieten, freiwillige Sozialleistungen.

Seite 25
Verteilung auf Basis von Schlüsselgrößen
− Annahme der Proportionalität zwischen Schlüsselgrößen und Kostenverbrauch.
− Umlage von Kostenstellengemeinkosten erfolgt mittels Wertschlüssel oder Mengenschlüssel.
− Mengenschlüssel
Zuschlagssätze pro Bezugsgrößeneinheit (Schlüsseleinheit).
Grundlage für die Verteilung sind z.B. Fertigungsstunden, Maschinenstunden,
Raumflächen.
− Wertschlüssel
Prozentuale Zuschlags- (Umlage-, Kalkulations-) Sätze.
Grundlage für die Verteilung sind z.B. Fertigungslöhne, Materialkosten,
Anlagenwert, Herstellkosten.

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Typische Mengen- und Wertschlüssel für die Kostenverteilung
Kostenart Kostenschlüssel Schlüsselart
Raumkosten Quadratmeter oder Kubikmeter
Stromkosten Kilowattstunden
Kantinenkosten Zahl der Beschäftigten
Buchhaltungskosten Zahl der Buchungen
Mengenschlüssel
Fertigungsstunden oder
Fertigungskosten
Maschinenstunden
Kilometer, Kubikmeter, Tonnen oder
Transportkosten
Kombination aus diesen Schlüsseln
Reparaturkosten Arbeitsstunden
Zinsen Betriebsnotwendiges Kapital
Instandhaltungskosten Anlagenwert
Verwaltungskosten Herstellkosten Wertschlüssel
Vertriebskosten Herstellkosten oder Umsatz
Lagerkosten Wareneingangswert

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Beispiel 3: ABC GmbH – Ausgangsdaten
Kosten- Betrag Verteilungs- Vorkostenstellen Endkostenstellen Summe
arten schlüssel Vertei-
Allgem. lungs-
Fertigungs- Fertigungs- Material- Verwal- Vertriebs-
Kosten- schlüssel
hilfsstelle hauptstelle stelle tungsstelle stelle
stellen

Gehälter 320.000,- Lohnscheine 12.000,- 97.000,- 24.000,- -- 124.000,- 63.000,- 320.000,-

Hilfsarbeiter-
Hilfslöhne 280.000,- 23.000 65.000 132.000 10.000 25.000 25.000 280.000
stunden [h]

Soziale Löhne u.
225.000,-
Aufw. Gehälter [€]

Betriebs- Maschinen-
32.000,- -- 10 30 -- -- -- 40
stoffe zahl

Abschrei- Umbaute
470.000,- 190 205 885 130 530 410 2.350
bungen Fläche [qm]

Investierte
Zinsen 114.000,- 180,- 200,- 960,- 140,- 440,- 360,- 2.280,-
Werte [T€]

Sonstige Zahl der


260.000,- 2 5 16 1 9 7 40
GK Mitarbeiter

Seite 28
Beispiel 3: ABC GmbH – Verrechnungssätze
− Hilfslöhne = 280.000 € / 280.000 h = 1€/h
− Soziale Aufwendung = 225.000 € / 600.000 € = 0,375
− Betriebsstoffe = 32.000 € / 40 Maschinen = 800 €/Maschine
− Abschreibungen = 470.000 € / 2.350 qm = 200 €/qm
− Zinsen = 114.000 € / 2.280.000 € = 5%
− Sonstige Gemeinkosten = 260.000 € / 40 MA = 6.500 €/MA

Seite 29
Beispiel 3: ABC GmbH – Primäre Gemeinkosten
Kostenarten Betrag Vorkostenstellen Endkostenstellen

Allgemeine Fertigungs- Fertigungs- Verwaltungs-


Materialstelle Vertriebsstelle
Kostenstellen hilfsstelle hauptstelle stelle

Gehälter 320.000,- 12.000,- 97.000,- 24.000,- -- 124.000,- 63.000,-

Hilfsslöhne 280.000,- 23.000,- 65.000,- 132.000,- 10.000,- 25.000,- 25.000,-

Soziale Aufw. 225.000,- 13.125,- 60.750,- 58.500,- 3.750,- 55.875,- 33.000,-

Betriebsstoffe 32.000,- -- 8.000,- 24.000,- -- -- --

Abschreibungen 470.000,- 38.000,- 41.000,- 177.000,- 26.000,- 106.000,- 82.000,-

Zinsen 114.000,- 9.000,- 10.000,- 48.000,- 7.000,- 22.000,- 18.000,-

Sonstige GK 260.000,- 13.000,- 32.500,- 104.000,- 6.500,- 58.500,- 45.500,-

Summe 1.701.000 108.125,- 314.250,- 567.500,- 53.250,- 391.375,- 266.500,-

Seite 30
Fallbeispiel – Primärkostenverteilung
Die Surcharge Rate Corp. möchte für Produktkalkulationen die Zuschlagssätze ihrer Kostenstellen ermitteln.
Dazu werden in der Kostenstellenrechnung vier Kostenstellen gebildet. Die in der Abrech-nungsperiode
angefallenen Gemeinkosten und deren Verteilungsschlüssel auf die einzelnen Kosten-stellen ergeben sich aus
folgender Tabelle:

Kostenarten Gemeinkosten Kosten- Materialstelle Fertigung Fertigung Verwaltung und


schlüssel I II Vertrieb

Gehälter 75.000 prozentual 20 % 80%

Löhne und
Sozialkosten 260.000
Gehälter

Hilfsstoffe 120.000 prozentual 50% 30% 20%

kalkulatorische investiertes
45.000 100.000 410.000 640.000 50.000
Zinsen Vermögen
kalkulatorische investiertes
135.000 100.000 410.000 640.000 50.000
Abschreibungen Vermögen
kalkulatorische
90.000 qm 1.000 4.000 3.000 2.000
Miete

Strom 225.000 kWh 4.000 50.000 36.000 10.000

Seite 31
Fallbeispiel – Primärkostenverteilung (Fortsetzung)
In der Abrechnungsperiode sind Einzelmaterialkosten von € 200.000 und Fertigungslöhne von
€ 250.000 angefallen. Die Fertigungslöhne verteilen sich im Verhältnis 3:2 auf die Fertigungs-
kostenstellen I und II.
a) Welche Gemeinkosten ergeben sich in den vier Kostenstellen?
b) Welche Gemeinkostenzuschlagssätze erhält man unter der Annahme, dass die Absatz-
gleich der Produktionsmenge ist, wenn als Zuschlagsbasis für die Materialgemeinkosten
das Einzelmaterial, für die Fertigungsgemeinkosten die Fertigungslöhne und für die Ver-
waltungs- und Vertriebsgemeinkosten die Herstellkosten gewählt werden?

Seite 32
Kostenarten Materialstelle
Fertigung Fertigung
Verwaltung und Vertrieb
I II

Fertigungslöhne

Gehälter

Sozialkosten

Hilfsstoffe

kalkulatorische
Zinsen

kalkulatorische
Abschreibungen

kalkulatorische
Miete

Strom

Summe

Seite 33
Gliederung Kapitel 9:

9. Betriebsabrechnungsbogen: Verteilung primärer Gemeinkosten


9.0 Lernziele
9.1 Aufbau des Betriebsabrechnungsbogens (BAB)
9.2 Verteilung der Gemeinkosten auf die Kostenstellen
9.3 Nachbereitung und Vorbereitung

Seite 34
9.3 Nachbereitung und Vorbereitung

Literaturempfehlung zur Vorlesung


− Friedl, G.; Hofmann, C.; Pedell, B. (2010):
Kostenrechnung – Eine entscheidungsorientierte Einführung, Kapitel 4,
insbesondere 4.2 und 4.3.

Seite 35
Internes Rechnungswesen

10. Einführung Kostenträgerrechnung

Dipl. Betriebswirtin (FH) Adalet Ertas

Seite 36
Teil I: Einführung in die Kosten- und
Erlösrechnung
Teil II: Kostenartenrechnung
Teil III: Kostenstellenrechnung
Teil IV: Kostenträgerrechnung
10. Einführung Kostenträgerrechnung
11. Divisionskalkulation
12. Zuschlagskalkulation

Seite 37
Gliederung Kapitel 10:

10. Einführung Kostenträgerrechnung

10.0 Lernziele
10.1 Aufgaben der Kostenträgerrechnung
10.2 Aufgaben und Verfahren der Kalkulation
10.3 Nachbereitung und Vorbereitung

Seite 38
10.0 Lernziele

Ziele der Veranstaltung


− Sie verfügen über grundlegende Kenntnisse der Kostenträgerstückrechnung,
kennen die wichtigsten Kalkulationsverfahren und können diese anwenden.
− Sie sind mit der kurzfristigen Erfolgsrechnung und deren Verfahren vertraut.
− Ihnen ist die Notwendigkeit und der Inhalt der Deckungsbeitragsrechnung bewusst.
− Sie haben Kenntnisse über die Programmplanung und Programmanalyse mit und
ohne Engpassproblemen erlangt.
− Sie sind in der Lage Entscheidungen zwischen Eigenfertigung und Fremdbezug
zu treffen.
− Sie haben die Bedeutung einer mehrstufigen Deckungsbeitragsrechnung kennen gelernt und
können diese anwenden.

Seite 39
Gliederung Kapitel 10:

10. Einführung Kostenträgerrechnung

10.0 Lernziele
10.1 Aufgaben der Kostenträgerrechnung
10.2 Aufgaben und Verfahren der Kalkulation
10.3 Nachbereitung und Vorbereitung

Seite 40
10.1 Aufgaben der Kostenträgerrechnung

Definition Kostenträger
− Kostenträger der Unternehmung sind in der Regel die von ihr erstellten Güter und/oder
Leistungen.
− „Kostenträger sind die betrieblichen Leistungen, die die verursachten Kosten
tragen müssen. Man unterscheidet hierbei zwischen Absatzleistungen und innerbetrieblichen
Leistungen.“ Haberstock (1987): Kostenrechnung I, 8. Aufl., S. 162.
− Beispiele für Kostenträger: Auto, Transportleistung, Absolvent, Stuhl, ...

Vollkostenrechnung
− Traditionell: Alle entstandenen Kosten (fixe und variable) werden dem
Kostenträger entweder direkt oder über Schlüsselung indirekt zugerechnet.

Teilkostenrechnung
− Modern: Belastung der Kostenträger nur mit den durch sie verursachten
variablen Kosten.

Seite 41
Typische Aufgaben der Kostenträgerrechnung im Überblick
− Preiskalkulation
Bestimmung kurz- und langfristiger Preisuntergrenzen. Ermittlung von
„Selbstkosten-plus-Gewinnaufschlag-Preisen“ als Angebotspreise bei
Einzelaufträgen (insbesondere, wenn keine Marktpreise vorhanden sind)
oder bei öffentlichen Aufträgen.

− Programmplanung
Entscheidungen über das Produktionsprogramm: Soll ein Produkt aus dem Produktprogramm
herausgenommen oder ein Zusatzauftrag angenommen
werden?

− Lieferung von Unterlagen für Kontrollaufgaben


Beurteilung unterschiedlicher Fertigungsstätten, Fertigungsverfahren etc.
durch Vergleichskalkulation.

Seite 42
Typische Aufgaben der Kostenträgerrechnung im Überblick – Fortsetzung
− Ermittlung interner Verrechnungspreise
Vorgabe von Lenk- bzw. Verrechnungspreisen – vor allem in Großunternehmen –
zur Steuerung einzelner Geschäftsbereiche, Werke oder Abteilungen.

− Bewertung von Halb- und Fertigfabrikaten


Bereitstellung der nötigen Kosteninformationen für die Bewertung von Halb- und
Fertigfabrikaten, die man neben Erlösinformationen zur Planung, Steuerung und Analyse des
Produktions- und Absatzprogramms benötigt. Grundlage für die Bewertung interner
Leistungen, die zu aktivieren sind.

− Durchführung der kurzfristigen Erfolgsrechnung (Kostenträgerzeitrechnung)


Grundlage zur Durchführung des Gesamt- oder Umsatzkostenverfahrens
(Herstell- oder Selbstkosten).

Seite 43
Gliederung Kapitel 10:

10. Einführung Kostenträgerrechnung

10.0 Lernziele
10.1 Aufgaben der Kostenträgerrechnung
10.2 Aufgaben und Verfahren der Kalkulation
10.3 Nachbereitung und Vorbereitung

Seite 44
10.2 Aufgaben und Verfahren der Kalkulation

Aufgaben der Kalkulation


− Definition Kalkulation:
Erfassung der im Produktionsprozess anfallenden Kosten und Zurechnung zu
Produkten (Kostenträgern).
− Liefert Informationen über:
(Herstell- bzw. Selbst-) Kosten je Produkteinheit.
Struktur der Stückkosten.
− Verwendung der Informationen für:
Planung → Produktionsprogramm, Preis- und Beschaffungspolitik, …
Kontrolle → Kostenkontrolle, Erfolgskontrolle, …
Dokumentation → Bestandsbewertung (Bezug zum externen Rechnungswesen).
− Ergebnis der Kalkulation:
Herstellkosten = Materialkosten + Fertigungskosten.
Selbstkosten = Herstellkosten + Verwaltungskosten + Vertriebskosten.

Seite 45
Verfahren der Kalkulation im Überblick

Kalkulationsverfahren

Divisions- Äquivalenz- Zuschlags- Maschinen- Kalkulation


kalkulation ziffern- kalkulation satzrechnung von Kuppel-
kalkulation produkten
Kapitel 11 Kapitel 12

Seite 46
Einsatzbereiche der Kalkulationsverfahren

Eine Produktart Mehrere Produktarten


Anzahl der
Produktarten

Übereinstimmung Homogen
Einheitliche Gattungs- Individuelle
der Produkte gruppierte
Produkte produkte Produkte
Produkte

Massen- Sorten- Serien- Einzel-


Programmtypen
fertigung fertigung fertigung fertigung

Kalkulations- Äquivalenzziffern-
verfahren Divisions-kalkulation Zuschlags-kalkulation
kalkulation

Seite 47
Gliederung Kapitel 10:

10. Einführung Kostenträgerrechnung

10.0 Lernziele
10.1 Aufgaben der Kostenträgerrechnung
10.2 Aufgaben und Verfahren der Kalkulation
10.3 Nachbereitung und Vorbereitung

Seite 48
10.3 Nachbereitung und Vorbereitung

Literaturempfehlung zur Vorlesung


− Friedl, G.; Hofmann, C.; Pedell, B. (2010):
Kostenrechnung – Eine entscheidungsorientierte Einführung, Kapitel 3,
insbesondere 3.1.

Seite 49
Internes Rechnungswesen

11. Divisionskalkulation

Dipl. Betriebswirtin (FH) Adalet Ertas

Seite 50
Gliederung Kapitel 11:

11. Divisionskalkulation
11.0 Lernziele
11.1 Einstufige Divisionskalkulation
11.2 Zweistufige Divisionskalkulation
11.3 Nachbereitung und Vorbereitung

Seite 51
11.0 Lernziele

Im elften Kapitel der Veranstaltung …


… erfahren Sie, dass die Divisionskalkulation insbesondere im Rahmen der
Massen- und Sortenfertigung angewendet wird.
… lernen Sie die verschiedenen Verfahren der Divisionskalkulation (einstufig,
zweistufig) kennen.
… wird Ihnen bewusst, dass die verschiedenen Verfahren nur eingesetzt werden
können, sofern bestimmte Bedingungen erfüllt sind.

Seite 52
Gliederung Kapitel 11:

11. Divisionskalkulation
11.0 Lernziele
11.1 Einstufige Divisionskalkulation
11.2 Zweistufige Divisionskalkulation
11.3 Nachbereitung und Vorbereitung

Seite 53
11.1 Einstufige Divisionskalkulation

Anwendungsbereich
− Die einstufige Divisionskalkulation findet häufig Anwendung bei
Einproduktbetrieben bzw. Massen- und Sortenfertigung.
− Beispiele: Elektrizitäts-, Wasser-, Zementwerke, Forstwirtschaft, …
− Selbstkosten je Stück (k) = Periodenkosten (KT) / Herstellmenge (x)

Voraussetzungen
1) Leistungseinheiten müssen völlig gleichartig sein (Homogenitätsbedingung).
2) Synchrone Fertigung, d.h. keine Bestandsänderung an unfertigen Erzeugnissen
(Mengenkontinuitätsbedingung).
3) Produktions- und Absatzmenge müssen übereinstimmen (Absatzbedingung).

Seite 54
Beispiel: Zementwerk

Quelle: http://www.heidelbergcement.com/de/de/country/zement/Zementwerke/Mainz/index.htm

Kostenart Wert (€)


Löhne und Gehälter 200.000,-
Abschreibungen Werk-/Fahrzeuge 100.000,-
Sonstige Verwaltungs- und Vertriebsgemeinkosten 200.000,-
Gesamte Kosten 500.000,-

Produktionsmenge Zement 2.500 t


. €
ü = = = 200 €/
.

Seite 55
Beurteilung der einstufigen Divisionskalkulation
− Vorteile
Sehr einfaches Verfahren.
Geringe Anforderungen an das innerbetriebliche Rechnungswesen.
− Nachteile
Eignung nur für einstufige Produktionsverfahren
(ohne Lagerhaltung und ohne halbfertige Güter).
Ermittlung der Selbstkosten, aber nicht der Herstellkosten
(keine Unterscheidung in Material- und Fertigungskosten bzw.
Verwaltungs- und Vertriebskosten).

Seite 56
Gliederung Kapitel 11:

11. Divisionskalkulation
11.0 Lernziele
11.1 Einstufige Divisionskalkulation
11.2 Zweistufige Divisionskalkulation
11.3 Nachbereitung und Vorbereitung

Seite 57
11.2 Zweistufige Divisionskalkulation

Die Absatzbedingung (Voraussetzung 3) wird aufgehoben


− Es gilt: Produktionsmenge (xp) ≠ Absatzmenge (xa)

"# "''
= + = + ))
$% $(

− mit KH den gesamten Herstellkosten, KVV den gesamten Verwaltungs- und Vertriebskosten, kH
den Herstellkosten je Stück und kvv den Verwaltungs-
und Vertriebskosten je Stück.
− Die Gesamtkosten müssen in die Herstellkosten und die Vertriebs- und Verwaltungskosten
aufgespalten werden.

Merke: Herstellkosten beziehen sich auf die produzierte Menge, die


Verwaltungs- und Vertriebskosten auf die abgesetzte Menge.

Seite 58
Fallbeispiel – Zweistufige Divisionskalkulation
Ein Betrieb produziert in einer Periode 2.000 Mobiltelefone und setzt davon 1.000 Stück auf dem Absatzmarkt
ab. Die Gesamtkosten der Periode betragen 100.000 €, davon sind 20% Verwaltungs- und Vertriebskosten.
a) Ermitteln Sie die Selbstkosten eines Mobiltelefons mit Hilfe der zweistufigen
Divisionskalkulation.
b) Wie hoch sind die Herstellkosten der auf Lager gehenden Mobiltelefone?
c) Welche Selbstkosten hätten Sie bei Anwendung der einstufigen Divisionskalkulation
erhalten?

Seite 59
Fallbeispiel – Zweistufige Divisionskalkulation
Ein Betrieb, der mit einer zweistufigen Divisionskalkulation arbeitet, hat in einer
Abrechnungsperiode 1.600 Stück produziert. Die Gesamtkosten betrugen 800.000 €,
davon waren 40% Verwaltungs- und Vertriebskosten. Wieviel Stück wurden in dieser Abrechnungsperiode
abgesetzt, wenn sich die Selbstkosten auf 620,- € pro Stück beliefen?

Seite 60
Gliederung Kapitel 11:

11. Divisionskalkulation
11.0 Lernziele
11.1 Einstufige Divisionskalkulation
11.2 Zweistufige Divisionskalkulation
11.3 Nachbereitung und Vorbereitung

Seite 61
11.3 Nachbereitung und Vorbereitung

Literaturempfehlung zur Vorlesung


− Friedl, G.; Hofmann, C.; Pedell, B. (2010):
Kostenrechnung – Eine entscheidungsorientierte Einführung, Kapitel 3,
insbesondere 3.3.

Seite 62
Internes Rechnungswesen

12. Zuschlagskalkulation

Dipl. Betriebswirtin (FH) Adalet Ertas

Seite 63
Gliederung Kapitel 12:

12. Zuschlagskalkulation
12.0 Lernziele
12.1 Grundlagen der Zuschlagskalkulation
12.2 Einstufige summarische Zuschlagskalkulation
12.3 Einstufige differenzierende Zuschlagskalkulation
12.4 Nachbereitung und Vorbereitung

Seite 64
12.0 Lernziele

Im zwölften Kapitel der Veranstaltung …


… erfahren Sie, dass bei der Zuschlagskalkulation im Gegensatz zur
Divisions- und Äquivalenzziffernkalkulation eine Trennung von Einzel-
und Gemeinkosten erfolgt.
… lernen Sie, wie Gemeinkostenzuschlagssätze ermittelt werden können
und welche Vor- und Nachteile die einzelnen Verfahren der Zuschlags-
kalkulation aufweisen.

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Gliederung Kapitel 12:

12. Zuschlagskalkulation
12.0 Lernziele
12.1 Grundlagen der Zuschlagskalkulation
12.2 Einstufige summarische Zuschlagskalkulation
12.3 Einstufige differenzierende Zuschlagskalkulation
12.4 Nachbereitung und Vorbereitung

Seite 66
12.1 Grundlagen der Zuschlagskalkulation

Ausgangspunkt
− Ausgangspunkt ist die Trennung zwischen Einzel- und Gemeinkosten
Einzelkosten: Dem Produkt direkt zurechenbar (Produkteinheit = Stück),
z.B. Materialeinzelkosten, Fertigungslöhne.
Gemeinkosten: Dem Produkt nicht direkt zurechenbar (Schlüsselung über Bezugsgrößen)
z.B. Abschreibung auf Maschinen mit denen mehrere Produkte gefertigt werden, Personalkosten im
Bereich Verwaltung und Vertrieb, Overhead.
Unterstellung: Proportionalität zwischen Gemeinkosten und Einzelkosten.

Anwendungsgebiet
− Mehrproduktunternehmen (Einzel- und Serienfertigung), z.B.
Produktion eines Spielfilms. Quelle: http://www.constantin-film.de/

Modelle einer Automarke.

Quelle: http://www.bmw.de/de/home.html

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Grundprinzip
− Das Grundprinzip der Zuschlagskalkulation besteht darin, dass auf bestimmte (Kostenträger-)
Einzelkosten bzw. (Kostenträger-) Einzel- und Gemeinkosten
mit Hilfe von Zuschlagssätzen die (Kostenträger-) Gemeinkosten aufgeschlagen werden.
− Bezugsgrößen für die Bildung der Zuschlagssätze
Wertgrößen, z.B. Material- oder Lohneinzelkosten.
Mengengrößen, z.B. Fertigungszeit, Produktgewicht.

Mögliche Zuschläge
− Gesamtzuschlag.
− Zuschläge nach Kostenarten.
− Zuschläge nach Kostenstellen.
− Kombination.

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Gliederung Kapitel 12:

12. Zuschlagskalkulation
12.0 Lernziele
12.1 Grundlagen der Zuschlagskalkulation
12.2 Einstufige summarische Zuschlagskalkulation
12.3 Einstufige differenzierende Zuschlagskalkulation
12.4 Nachbereitung und Vorbereitung

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12.2 Einstufige summarische Zuschlagskalkulation

Bestimmung der Selbstkosten


− Bestimmungsgleichung der Stückselbstkosten:

"-
* = * ∙ 1+ + /0"*
".

ksi = Stückselbstkosten des Produktes i (i = 1,2,…,I)


kei = Einzelkosten je Einheit des Produktes i
Kg = Gemeinkosten der Unternehmung
Ke = Einzelkosten der Unternehmung
kSEKi = Sondereinzelkosten je Einheit des Produktes i

Merke: „Bei der einstufigen summarischen Zuschlagskalkulation werden die gesamten


Kostenträgergemeinkosten über einen einzigen Zuschlagssatz auf
die Kostenträger der Unternehmung verteilt.“ Friedl, B. (2010), S. 196.

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Ermittlungsschema

Materialeinzelkosten
Einzelkosten
Fertigungslöhne
Selbstkosten
Anteilige Gemeinkosten
(bezogen auf die Einzelkosten)

Sondereinzelkosten

Anwendungsbereich
− Unternehmen mit geringem Anteil der Kostenträgergemeinkosten an den Gesamtkosten.
− Aufgrund der Verrechnung der Gemeinkosten als Block ist keine Kosten-stellenrechnung
erforderlich.

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Beispiel: Kalkulation mittels Gesamtzuschlag
Ihre Vertriebsabteilung meldet den Verkauf von 10 Produkten A, welche ihr Unter-nehmen
produziert Sie möchten nun als Controller mittels einer Kalkulation die Selbstkosten der
verkauften Produkte bestimmen. Ihnen liegen folgende Daten
über die angefallenen Kosten der abgelaufenen Abrechnungsperiode vor:

Daten der Abrechnungsperiode

Einzelkosten in € 765.000
Fertigungsmaterial 250.000
Fertigungslohn 300.000
Sondereinzelkosten der Fertigung 95.000
Sondereinzelkosten des Vertriebs 120.000

Gemeinkosten in € 1.995.000
Materialabhängige Gemeinkosten 45.000
Fertigungsabhängige Gemeinkosten 1.310.000
Sonstige Gemeinkosten 640.000

Fertigungszeit in h 49.875

Hergestellte Produkte in Stück 1.000

Seite 72
Beispiel: Kalkulation mittels Gesamtzuschlag – Fortsetzung
1. Bestimmung des Gesamtzuschlags für die Gemeinkosten als wertmäßiger Zuschlagssatz: hier
auf Basis der Lohneinzelkosten.

* ∙> >.BB . ∙>


1 2 3äß67 2 8 9 :; 9<=7 = = = 665%
? * @ A C .

Interpretation: Auf jeden € Fertigungslohn entfallen 6,65 € an Gemeinkosten.

2. Bestimmung des Gesamtzuschlags für die Gemeinkosten als mengenmäßiger Zuschlagssatz:


hier auf Basis der Fertigungszeit.

* >.BB .
G 2 67; 7 ; H :; 9<=7 = = = 40 €/9
? * @ I * JB.KL

Interpretation: Auf jede Fertigungsstunde entfallen 40,00 € an Gemeinkosten.

Seite 73
Beispiel: Kalkulation mittels Gesamtzuschlag – Fortsetzung 2

Zuschlagskalkulation mit einem Zuschlagskalkulation mit einem


wertmäßigen Gesamtzuschlagssatz mengenmäßigen Gesamtzuschlagssatz

Fertigungsmaterial (250.000/1.000)*10 = 2.500 Fertigungsmaterial (250.000/1.000)*10 = 2.500

Fertigungslohn (300.000/1.000)*10 = 3.000 Fertigungslohn (300.000/1.000)*10 = 3.000

Sondereinzelkosten der Sondereinzelkosten der


(95.000/1.000)*10 = 950 (95.000/1.000)*10 = 950
Fertigung Fertigung
Gemeinkosten Gemeinkosten (Fert.st.- (49.875/1.000)*10*40 =
6,65*3.000 = 19.950
(Lohnzuschlag 665%) zuschlag 40€/h) 19.950
Sondereinzelkosten des Sondereinzelkosten des
120*10 = 1.200 120*10 = 1.200
Vertriebs Vertriebs

Selbstkosten (10 Stück) 27.600 Selbstkosten (10 Stück) 27.600

Seite 74
Beurteilung der einstufigen summarischen Zuschlagskalkulation
− Einfache Abrechnung der Kosten möglich.
− Die Unterstellung einer verursachungsgerechten (proportionalen) Beziehung
zwischen einer Bezugsgröße und allen bzw. weiten Teilen der Gemeinkosten
ist eher unrealistisch.
− Die einstufige summarische Zuschlagskalkulation führt zu verzerrten
Ergebnissen, wenn …
… ein Kostenträger nach verschiedenen Verfahren gefertigt werden kann.
… unfertige Erzeugnisse ge- oder verkauft werden.
… in einem mehrstufigen Produktionsprozess Bestandsänderungen bei
Zwischenprodukten vorliegen.
… Produktions- und Absatzmenge nicht übereinstimmt.
− Aufgrund der fehlenden Trennung von Verwaltungs- und Vertriebsgemeinkosten,
keine Eignung für die Bewertung fertiger und unfertiger Erzeugnisse sowie selbst erstellter
Anlagen (in der Handels- und Steuerbilanz).

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Gliederung Kapitel 12:

12. Zuschlagskalkulation
12.0 Lernziele
12.1 Grundlagen der Zuschlagskalkulation
12.2 Einstufige summarische Zuschlagskalkulation
12.3 Einstufige differenzierende Zuschlagskalkulation
12.4 Nachbereitung und Vorbereitung

Seite 76
12.3 Einstufige differenzierende Zuschlagskalkulation

Bestimmung der Selbstkosten


− Bestimmungsgleichung der Stückselbstkosten:

"-O "-P I''


* = N* ∙ 1+ + ?* ∙ 1+ + /?* ∙ 1+ + /)*
".O ".P >

keMi = Materialeinzelkosten je Einheit des Produktes i (i = 1,2,…,I)


KgM = Materialgemeinkosten der Unternehmung
KeM = Materialeinzelkosten der Unternehmung
keFi = Fertigungslöhne je Einheit des Produktes i
KgF = Fertigungsgemeinkosten der Unternehmung
KeF = Fertigungslöhne der Unternehmung
kSFi = Sondereinzelkosten der Fertigung je Einheit des Produktes i
kSVi = Sondereinzelkosten des Vertriebs je Einheit des Produktes i
zVV = Zuschlagssatz für Verwaltungs- und Vertriebsgemeinkosten

Seite 77
Ermittlungsschema bei Differenzierung nach Kostenarten
Materialeinzel-
kosten
Materialkosten
Materialgemein-
kosten

Fertigungslöhne Herstellkosten

Fertigungs-
Fertigungskosten
gemeinkosten
Selbstkosten
Sondereinzelkosten der
Fertigung

Verwaltungsgemeinkosten

Vertriebsgemeinkosten

Sondereinzelkosten des Vertriebs

Seite 78
Anwendungsbereich
− Unternehmen mit geringem Anteil der Kostenträgergemeinkosten an den Gesamtkosten.
− Verzicht auf eine Kostenstellenrechnung und Differenzierung der Kosten-trägergemeinkosten
bereits in der Kostenartenrechnung nach ihrer Abhängig-
keit von den unterschiedlichen Einzelkostenarten.

Merke: „Die einstufige differenzierende Zuschlagskalkulation ist dadurch gekennzeichnet,


dass die Kostenträgergemeinkosten artenweise differenziert werden und jede
Gemeinkostenart mit einem separaten Gemeinkostenzu-schlagssatz verrechnet wird.“ Friedl, B.
(2010), S. 197.

Seite 79
Fallbeispiel – Einstufige differenzierende Zuschlagskalkulation
In einer Kleiderfabrik ergeben sich aus der Kostenartenrechnung folgende Werte:
Mieten (Verwaltung 50%, Fertigung 50%) 18.000 €
Oberstoffe 25.300 €
Futter- und Hilfsstoffe 2.900 €
Fertigungslöhne 87.500 €
Hilfslöhne 13.100 €
Technische Gehälter 54.700 €
Kaufmännische Gehälter (Vertrieb und Verwaltung) 96.000 €
Gesetzlicher Sozialaufwand
Fertigung (davon 15% Hilfslöhne) 19.800 €
Technische Angestellte 10.000 €
Kaufmännische Angestellte 13.800 €
Werkzeuge und Ersatzteile (Fertigung) 1.080 €
Bürobedarf (Verwaltung) 192 €
Treibstoffe (Verwaltung) 2.600 €
Porti und Fernsprechgebühren (Verwaltung) 13.100 €
Werbekosten 1.820 €
Provisionen 18.000 €
Rechtsberatungskosten 15.000 €
Trennen Sie diese Kosten in Einzel- und Gemeinkosten. Ermitteln Sie die Zuschlagssätze für die einstufige
differenzierende Zuschlagskalkulation sowie die gesamten Herstell- und Selbstkosten.

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Gliederung Kapitel 12:

12. Zuschlagskalkulation
12.0 Lernziele
12.1 Grundlagen der Zuschlagskalkulation
12.2 Einstufige summarische Zuschlagskalkulation
12.3 Einstufige differenzierende Zuschlagskalkulation
12.4 Nachbereitung und Vorbereitung

Seite 81
12.6 Nachbereitung und Vorbereitung

Literaturempfehlung zur Vorlesung


− Friedl, G.; Hofmann, C.; Pedell, B. (2010):
Kostenrechnung – Eine entscheidungsorientierte Einführung, Kapitel 3,
insbesondere 3.2.
− Friedl, B. (2010):
Kostenrechnung – Grundlagen, Teilrechnungen und Systeme der Kostenrechnung,
Kapitel 5, insbesondere 5.2.

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