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Asylrecht

Berami WiWis
Schwerpunkt Wirtschaftsrecht

Dipl. iur. Gizem Erinc

Agenda
1. Einführung in das Asylrecht
2. Einreise in die Bundesrepublik
3. Das Asylverfahren
a) Unterbringung von Asylsuchenden
b) Das Asylverfahren als Verwaltungsverfahren (Antrag Zuständigkeit)
c) Dublin-Verfahren
d) Das nationale Verfahren
e) Flughafenverfahren
f) Verfahrensarten
4. Das materielle Asyl- und Flüchtlingsrecht
a) Flüchtlingseigenschaft
b) Asylberechtigung
c) Subsidiärer Schutz
d) Abschiebungsverbote

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Einführung in das Asylrecht

• Das Institut Asyl ist bis in die Antike zurückzuverfolgen; Zufluchtsort

• Was ist das Asylrecht?

 Heute = Rechtsstatus; Schutz von Menschen, die aus ihren


Heimatländern geflohen sind

• Vor 1938 – Einreise und der Aufenthalt von Ausländern in Deutschland


genehmigungsfrei

• 1938 Aufenthalt von Ausländern erstmals von einer Aufenthaltserlaubnis


abhängig gemacht (Ausländerpolizeiverordnung vom 22.08.1938)

• 1949 wird das Asylgrundrecht im Grundgesetz aufgenommen „Politisch


Verfolgte genießen Asyl.“ Art. 16 Abs. 2 Satz 2 GG

Einführung in das Asylrecht


• Das Genfer Flüchtlingsabkommen (Abkommen über die Rechtsstellung
der Flüchtlinge von 1951) wird durch die BRD ratifiziert

• 1969 das Zusatzprotokoll zur GFK tritt in Kraft, womit die zeitliche
Beschränkung (01.01.1951) aufgehoben wird

© www.unhcr.org

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Einführung in das Asylrecht

• 1993 wird das Grundgesetz geändert : Art. 16 Abs. 2 Satz 2 GG wird gestrichen
(„Asylkompromiss“)

• Art. 16a GG wird neu geschaffen: Abs. 1 hat denselben Wortlaut wie die alte
Fassung „Politisch Verfolgte genießen Asylrecht.“

• Es kommen vier weitere Absätze, die das Asylgrundrecht einschränken

Einführung in das Asylrecht

• Die neue Regelung sieht vor: Keine Berufung auf Asyl, wenn die Einreise
über ein sicheren Drittstaat erfolgte
 Asyl nur noch auf dem Luftweg möglich

 Auf dem Landweg bleibt nur noch die Möglichkeit des Flüchtlingsschutzes
nach der GFK

 Der Flüchtlingsbegriff der GFK gewinnt an Bedeutung durch die EU, die ein
gemeinsames Asylrecht bestrebte (damals noch EG)

 2004 Richtline über Mindestnormen für die Anerkennung als Flüchtling


(Qualifikationsrichtlinie)

 Daher auch die Unterscheidung Asylberechtigter und Flüchtling

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Einführung in das Asylrecht
Rechtsquellen des Asyl- und Flüchtlingsrechts

Internationale Ebene (Völkerrecht)


 Genfer Flüchtlingskonvention
 Die Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK)

Europäische Ebene (Unionsrecht)


 Richtlinie 2003/9/EG (Asylaufnahmerichtlinie)
 Richtlinie 2011/95/EU (Qualifikationsrichtlinie)
 Richtlinie 2013/32/EU (Asylverfahrensrichtlinie)
 Richtlinie 2008/115/EG (Rückführungsrichtlinie)
 Verordnung (EU) Nr. 604/2013 (Dublin–III–VO)
 Verordnung (EU) Nr. 603/2013 (EURODAC–II–VO)

Nationale Ebene
 Grundgesetz
 Asylgesetz
 Aufenthaltsgesetz

Einreise in die Bundesrepublik

 Wie kann man in die Bundesrepublik einreisen?

 Auf dem Landweg

 Auf dem Luftweg

 Aus dem Seeweg

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Einreise in die Bundesrepublik
 Die Einreise in die Bundesrepublik Deutschland wird im Aufenthaltsgesetz
geregelt. Vorausgesetzt wird zunächst:
1. Gültiger Pass
2. Aufenthaltstitel
 Welche Aufenthaltstitel zur Einreise berechtigen ist in § 4 AufenthG aufgeführt:
1. Visum
2. Aufenthaltserlaubnis
3. Blaue Karte EU
4. ICT Karte
5. Mobiler -ICT-Karte
6. Niederlassungserlaubnis

Einreise in die Bundesrepublik


 Was passiert, wenn ein Geflüchteter an der Grenze von der Bundespolizei
aufgegriffen wird und keinen Aufenthaltstitel besitzt?

© bpb

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Einreise in die Bundesrepublik

 Was passiert, wenn ein Geflüchteter an der Grenze von der Bundespolizei
aufgegriffen wird und keinen Aufenthaltstitel besitzt?
 Bei unerlaubte Einreise Zurückweisung an Grenze durch die Bundespolizei
möglich (§ 15 Abs. 1 AufenthG)

 Asylgesuch: Wille des Ausländers, aus dem hervorgeht, dass er Schutz sucht

 Dem Ausländer ist der Aufenthalt im Bundesgebiet zur Durchführung des


Asylverfahrens zu ermöglichen (§ 15 Abs. 4 S. 2 AufenthG „Antrag gestellt“)

 Der Aufenthalt ist jedoch erst mit Ausstellung des Ankunftsnachweises gestattet
(§ 63a Abs. 1 AufenthG)

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Einreise in die Bundesrepublik

 Trotz Asylgesuch Zurückweisung möglich, wenn (§ 18 Abs. 2 Asyl):

 der Ausländer aus einem sichern Drittstaat (nach § 26a AsylG) einreist;

 Anhaltpunkte für die Zuständigkeit eines anderen Staates vorliegen


(Dublinverfahren, Amtshilfe zur Ermittlung einer solchen Zuständigkeit
möglich);

 der Ausländer eine Gefahr darstellt, weil er vor weniger als drei Jahren zu
einer Freiheitsstraffe von mindestens drei Jahren verurteilt wurde.

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Das Asylverfahren

 Grundsätzlich: Beginn Asylverfahren mit dem Asylgesuch

 Weiterleitungspflicht der Grenz-, Polizei- und Ausländerbehörden (§§ 18 Abs. 1


und 19 Abs. 1 AsylG) an Aufnahmeeinrichtung

 Ermittlung der Aufnahmeeinrichtung durch bundesweites Verteilungssystem


(„Königsteiner Schlüssel“, § 45 AsylG)

 Nach Ankunft in der Aufnahmeeinrichtung: Ausstellung des


Ankunftsnachweises nach § 63 a AsylG (damit gilt der Aufenthalt als gestattet)

 Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) wird über die Ankunft
des Ausländers benachrichtigt;

 Das BAMF ist gem. § 5 AsylG die zuständige Behörde für Asylverfahren.

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Das Asylverfahren

Unterbringung in der Aufnahmeeinrichtung

 Pflicht, in der Aufnahmeeinrichtung zu wohnen: bis zu 6 Wochen – längstens 6


Monate (§ 47 AsylG), wenn das Asylverfahren nicht (rechtskräftig)
abgeschlossen

 Bei Personen, die aus „Sicheren Herkunftsländern“ i.S.d. § 29a AsylG kommen,
besteht die Wohnpflicht bis zur Entscheidung und ggf. bis zur Abschiebung in
sog. „besonderen Aufnahmeeinrichtungen“

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Das Asylverfahren
 „Sichere Herkunftsstaaten nach § 29a AsylG sind in der Anlage II zum AsylG
definiert:
 Albanien
 Bosnien und Herzegowina
 Ghana
 Kosovo
 Mazedonien
 Montenegro
 Senegal
 Serbien

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Das Asylverfahren

 Während des Aufenthalts in der Aufnahmeeinrichtung:

 Aufenthaltsgestattung ist räumlich Beschränkt (§ 56 AsylG,


Residenzpflicht)

 Asylsuchende erhalten vorrangig Sachleistungen, aber auch


Geldleistungen zur Deckung persönlicher Bedürfnisse (siehe § 3
Asylbewerberleistungsgesetz)

 Erwerbstätigkeit nicht erlaubt (§ 61 AsylG); frühstens nach drei


Monaten und mit Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit

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Das Asylverfahren
Das Asylverfahren als Verwaltungsverfahren

 Förmlicher Antrag im Asylverfahren erforderlich (§§ 1; 14 AsylG)

 Das BAMF wurde über den Asylsuchenden informiert; es legt einen Termin zur
persönlichen Antragstellung fest und teilt diesen über die Aufnahmeeinrichtung
dem Asylsuchenden mit

 Mit förmlichem Antrag „Asylsuchender“ „Asylbewerber“

 Das BAMF hat nach § 31 Abs. 1 AsylG bei einem Asylantrag zu prüfen:
 Asylberechtigung nach Art. 16a GG
 Internationalen Schutz
 Flüchtlingseigenschaft nach § 3 AsylG
 Subsidiären Schutz nach § 4 AsylG
 Abschiebeverbote nach § 60 Abs. 5 und Abs. 7 AufenthG

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Das „Dublin-Verfahren“

© BAMF

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Das „Dublin-Verfahren“

 In dem sogenannten „Dublin-Verfahren“ wird ermittelt, welcher Mitgliedstaat


für die Durchführung des Asylverfahrens zuständig ist

 Das Dublin-Verfahren findet vor Prüfung des Asylantrags statt

 Rechtsgrundlage: Dublin-III-VO (Verordnung (EU) Nr. 604/2013)

 Zweck: Nur ein Asylverfahren innerhalb der Dublin-Staaten „one chance only“;
Vermeidung des Zustands, dass sich kein als Staat zuständig sieht „no refugee
in orbit“

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Das „Dublin-Verfahren“
 Dublin-Mitgliedstaaten:

 EU-Mitgliedstaaten
 Norwegen
 Island
 Schweiz
 Lichtenstein
 aktuell noch Großbritannien

 Auch ohne einen Asylantrag kann das Dublin-Verfahren durchgeführt werden


(vgl. § 18 Abs. 2 Nr. 2 AsylG), z.B. wenn die Person an der Grenze von der
Bundespolizei aufgegriffen wird

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Das „Dublin-Verfahren“

 Die Zuständigkeit eines Mitgliedstaates kann sich ergeben aus:


 Erster illegaler Grenzübertritt (Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO)
 Staat der ersten Antragstellung (Art. 3 Abs. 2 S. 1 Dublin-III-VO)
 Ununterbrochener Aufenthalt in einem Mitgliedstaat von fünf Monaten
(Art. 13 Abs. 2 Dublin-III-VO)
 Einreise über Transitbereich eines Flughafens (Art. 15 Abs. 1 Dublin-III-
VO)
 Zuständigkeit für einen Familienangehörigen (Art. 8 – 11 Dublin-III-VO)
 Erteilung eines Aufenthaltstitels oder eines Visums (Art. 12 Dublin-III-VO)
 Ermöglichung der legalen visafreien Einreise (Art. 14 Abs. 1 Dublin-III-VO)

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Das „Dublin-Verfahren“

 Zur Ermittlung der Zuständigkeit: Pflicht der Mitgliedstaaten zur


erkennungsdienstlichen Behandlung aller illegalen Drittstaatsangehörigen

 Fingerabdrücke werden an eine Datenbank übersendet und dort gespeichert


(EURODAC) – alle Mitgliedstaaten haben Zugriff auf diese Datenbank;
Abgleich der Fingerabdrücke (erst ab 14 Jahren)

 Rechtsgrundlage: EURODAC-VO (Verordnung (EU) 603/2013)

 Fingerabdrücke können ggf. bis zu 10 Jahre in der Datenbank gespeichert


werden

 Auch die Information, ob ein Asylantrag gestellt wurde, wird in der Datenbank
gespeichert

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Das „Dublin-Verfahren“

 Der Asylsuchende ist im Rahmen des „Dublin-Verfahrens“ anzuhören


(„Anhörung zur Zulässigkeit); Anhaltspunkte können sich auch aus den
Angaben der Personen ergeben

 Wird die Zuständigkeit eines anderen Mitgliedstaates festgestellt, muss ein


Ersuchen an diesen Staat gestellt werden („Übernahme-/
Wiederaufnahmeersuchen“)

 Frist bei Treffermeldung von der Datenbank: 2 Monate und höchstens 3


Monate ab Kenntnis vom Asylgesuch

 Frist bei anderweitiger Erkenntnis: 3 Monate ab Asylgesuch

 Wird die Frist nicht eingehalten; wird der Staat zuständig

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Das „Dublin-Verfahren“

 Wird die Frist für das Übernahmeersuchen eingehalten; läuft nun für den Staat,
der ersucht wurde eine Frist für die Antwort:

 Zwei Monate, wenn noch gar kein Antrag gestellt wurde


 Zwei Wochen, wenn in diesem Staat schon ein Antrag gestellt wurde

 Möglichkeit des Selbsteintrittsrechts nach Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO; rein


objektives Recht: kein Anspruch auf Selbsteintritt

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Das „Dublin-Verfahren“

 Reaktionsmöglichkeiten des Mitgliedstaates auf ein Übernahmeersuchen:


 Zustimmung ersuchter Staat ist zuständig
 Ablehnung ersuchender Staat wird zuständig
 Keine Antwort ersuchter Staat wird zuständig (Zustimmungsfiktion)

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Das „Dublin-Verfahren“

 Liegt die Zustimmung eines anderen Mitgliedstaates vor, beginnt eine


Überstellungsfrist: 6 Monate (ab Zustimmung, bzw. ab Ablauf der Antwortfrist);
bei flüchtig sein = 18 Monate

 Der Asylantrag wird gem. § 29 Abs. 1 Nr. 1a AsylG als unzulässig abgelehnt; dem
Asylsuchenden wird der für ihn zuständige Mitgliedstaat mitgeteilt

 Eine Prüfung zu § 60 Abs. 5 und Abs. 7 AufenthG hinsichtlich des Mitgliedstaates


erfolgt ebenfalls (im Rahmen der Anhörung zur Zulässigkeit dazu zu befragen)

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Das „Dublin-Verfahren“

 Läuft die Überstellungsfrist ab, ohne dass der Asylsuchende überstellt wird, wird
der ersuchte Staat zuständig; der Dublin-Bescheid ist aufzuheben

 Das Asylverfahren wird im nationalen Verfahren fortgesetzt

 Es kann auch dazu kommen, dass der Asylsuchende bereits in einem


Mitgliedstaat einen Schutzstatus erhalten hat:

 In diesem Fall ist die Dublin-III-VO nicht anwendbar, da bereits ein


Asylverfahren erfolgreich abgeschlossen

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Das „Dublin-Verfahren“

 Erlöschen der Zuständigkeit nach Dublin:

 Der Asylsuchende hat das Hoheitsgebiet der Mitgliedstaaten für 3 Monate


verlassen

 Abschiebung aus dem Hoheitsgebiet nach Ablehnung oder Rücknahme


erfolgt

 Illegaler Grenzübertritt liegt länger als 12 Monate zurück

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Das nationale Verfahren

 Wird im Dublin-Verfahren die Zuständigkeit der Bundesrepublik Deutschland


festgestellt, beginnt das nationale Verfahren, also das
Asylanerkennungsverfahren

 „Kernstück“ des Asylanerkennungsverfahrens ist die persönliche Anhörung

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Das nationale Verfahren


Die Anhörung

© BAMF

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Das nationale Verfahren

Die Anhörung

 Nach Antragstellung kommt die persönliche Anhörung (§ 24 AsylG) zu den


Fluchtgründen, wenn die BRD nach Dublin zuständig ist.

 Über die Anhörung wird eine Niederschrift verfasst (§ 25 AsylG)

 Anhörung dient zur Sachverhaltsaufklärung (ggf. sogar Mobiltelefon auslesen)

 Sprachmittler ist hinzuzuziehen

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Das nationale Verfahren

Die Anhörung

 Der Asylbewerber muss alle Tatsachen von sich aus in der Anhörung erzählen
und alle Dokumente und Beweismittel, die er hat, vorlegen

 Verspätetes Vorbringen (also nach der Anhörung) kann unberücksichtigt bleiben


(§ 25 Abs. 3 AsylG)

 Erscheint der Asylbewerber nicht zur Anhörung, wird nach Aktenlage


entschieden

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Das nationale Verfahren

Beweislast

 Problem des Asylbewerbers: Keine Beweise

 Dies wird im Asylverfahren berücksichtigt: Glaubhaftmachung genügt

 Setzt voraus: schlüssiger Vortrag zu den Fluchtgründen (in sich stimmig und bei
Wahrunterstellung Gefahr der Verfolgung beachtlich wahrscheinlich)

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Das nationale Verfahren

Beweislast

 Diese Beweiserleichterung gilt nicht für Asylbewerber aus „Sicheren


Herkunftsländern“ nach § 29a AsylG

 Für diese Staaten gilt die gesetzliche Vermutung, dass dort weder
eine Verfolgung noch eine unmenschliche oder erniedrigende
Behandlung droht

 Hier muss der Asylbewerber beweisen, dass diese Vermutung in


seinem Fall nicht zutrifft

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Das nationale Verfahren
Die einzelnen Entscheidungsmöglichkeiten des BAMF

 Stattgabe: Anerkennung der Asylberechtigung; Zuerkennung internationalen


Schutzes
 Teilstattgabe; Ablehnung der Asylberechtigung und der Flüchtlingseigenschaft;
aber Zuerkennung subsidiären Schutzes oder Feststellung eines
Abschiebeverbots nach § 60 Abs. 5 oder Abs. 7 AufenthG
 Ablehnung:
 Als unzulässig: Schutz in einem anderen Staat; Dublin-Verfahren
 Als offensichtlich unbegründet: sichere Herkunftsländer; nur aus wirtschaftlichen
Gründen oder aufgrund allgemeiner Notsituation; gefälschte Beweismittel;
Identitätstäuschung; u.a.
 Einfach unbegründet: Negativer Bescheid mit Abschiebungsandrohung

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Das nationale Verfahren


Wirkung der Entscheidung

 Bei Ablehnung als unzulässig oder als offensichtlich unbegründet:


 Ausreisefrist: 1 Woche (§ 36 Abs. 1 AsylG)
 Klagefrist: 1 Woche (§ 74 Abs. AsylG)
 Entscheidung ist sofort vollziehbar; keine aufschiebende Wirkung der Klage (§ 75
AsylG); evtl. Entscheidung in der Hauptsache erst nach der Abschiebung
 Bei einer Ablehnung als (einfach) unbegründet:
 Ausreisefrist: 30 Tage (§ 38 Abs. 1 AsylG)
 Klagefrist: 2 Wochen (§ 74 Abs. AsylG)
 Klageerhebung hat aufschiebende Wirkung (§ 75 AsylG)

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Das nationale Verfahren

Rechtsschutzmöglichkeiten

 Kein Widerspruchsverfahren ( § 11 AsylG)


 Direkt Klage beim zuständigen Verwaltungsgericht

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Das nationale Verfahren


Die Nicht-Betreibens-Fiktion

 Der Asylbewerber/Antragsteller betreibt das Verfahren nicht mehr; das wird z.B.
dann angenommen, wenn er seine aktuelle Anschrift dem BAMF nicht mitteilt,
wenn er ausreist, oder wenn er zur Anhörung nicht erscheint

 Der Antrag gilt als zurückgenommen (§ 33 AsylG).

 Das Verfahren wird eingestellt.

 Meldet der Asylbewerber sich innerhalb von 9 Monaten nach der Einstellung,
wird das Verfahren fortgeführt

 Meldet er sich nach über 9 Monaten wieder, wird sein Antrag als Folgeantrag
behandelt

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Das nationale Verfahren

© bpb

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Das nationale Verfahren

Verfahrensarten

 Erstverfahren: noch kein Verfahren / kein erfolglos abgeschlossenes Verfahren

 Folgeverfahren (§ 71 AsylG): bereits ein erfolglos abgeschlossenes Asylverfahren


in der BRD

 Zweitverfahren (§ 71a AsylG): bereits ein erfolglos abgeschlossenes Asylverfahren


in einem Dublin-Mitgliedstaat

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Das nationale Verfahren
Besonderheit bei Folge- oder Zweitanträgen

 Liegt ein Folge- oder Zweitantrag vor, wird ein erneutes Verfahren nur
durchgeführt, wenn die Voraussetzungen des § 51 Abs. 1 Nr. 1 bis Nr. 3 VwVfG
vorliegen:

 Die Sach- oder Rechtslage hat sich geändert

 Es gibt neue Beweismittel, die vorher nicht vorhanden waren

 Voraussetzungen von § 580 ZPO (die Grundlagen für das Urteil sind
derart falsch, dass ein Festhalten am Urteil nicht zumutbar ist)

 Kein Verschulden: z.B. der Antragsteller hatte keine Möglichkeit die


neuen Beweismittel im Erstverfahren vorzulegen

 Frist: 3 Monate ab Kenntnis

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Flughafenverfahren
 Einreise auf dem Luftweg

 Nur wenn: Einreise aus „sicheren Herkunftsländern“ oder kein gültiger Pass

 Asylverfahren vor Einreise in die Bundesrepublik (Unterbringung im


Transitbereich)

 Falls Asylsuchender einreist, Flughafenverfahren nicht mehr möglich

 Befriedigung elementarer Bedürfnisse muss gewährleistet sein

 Gesamtes Asylverfahren soll höchstens zwei Tage dauern (§ 18a Abs. 6 Nr. 2
AsylG)

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Flughafenverfahren
 Lässt sich der Antrag nicht als offensichtlich unbegründet oder innerhalb der
Frist entscheiden: Einreise in das Bundesgebiet

 Lehnt das BAMF innerhalb der Frist ab, wird die Einreise verweigert;
Entscheidung sofort vollziehbar; aber drei Tage wird Zeit gewährt für
Klageeinreichung / Antrag auf Eilschutz

 Der Antrag kann bei der Bundespolizei gestellt werden

 Kostenlose Rechtsberatung Vorort

 Gericht muss innerhalb von 14 Tagen entscheiden, andernfalls wird die Einreise
erlaubt

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Das materielle Asyl- und Flüchtlingsrecht

© BAMF

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Das materielle Asyl- und Flüchtlingsrecht

 Asylberechtigung Art. 16a GG

 Internationaler Schutz

 Flüchtlingseigenschaft § 3 AsylG
 Subsidiärer Schutz § 4 AsylG

 Familienschutz von Asylberechtigten, Flüchtlingen, Subsidiär


Schutzberechtigten, § 26 AsylG

 Abschiebungsverbote § 60 Abs. 5 und Abs. 7 AufenthG

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Das materielle Asyl- und Flüchtlingsrecht

 Status des Asylberechtigten unterscheidet sich nicht vom Status des Flüchtlings

 Unterschiede gibt es nur hinsichtlich der Tatbestandsvoraussetzungen

 Voraussetzungen für die Asylberechtigung sind viel strenger sind als die
Voraussetzungen für die Flüchtlingseigenschaft

 Liegen die Voraussetzungen für die Flüchtlingseigenschaft nicht vor, liegen


die Voraussetzungen für die Asylberechtigung erst recht nicht vor.

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Flüchtlingseigenschaft, § 3 Abs. 1 AsylG

(1) Ein Ausländer ist Flüchtling im Sinne des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der
Flüchtlinge (BGBl. 1953 II S. 559, 560), wenn er sich

1.
aus begründeter Furcht vor Verfolgung wegen seiner Rasse, Religion, Nationalität, politischen
Überzeugung oder Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe
2.
außerhalb des Landes (Herkunftsland) befindet,
a)
dessen Staatsangehörigkeit er besitzt und dessen Schutz er nicht in Anspruch nehmen kann oder
wegen dieser Furcht nicht in Anspruch nehmen will oder
b)
in dem er als Staatenloser seinen vorherigen gewöhnlichen Aufenthalt hatte und in das er nicht
zurückkehren kann oder wegen dieser Furcht nicht zurückkehren will

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Flüchtlingseigenschaft, § 3 Abs. 1 AsylG

Begründete Furcht

Verfolgung

Gründe

Außerhalb des Herkunftslandes

Kein Schutz des


Herkunftslandes

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Flüchtlingseigenschaft, § 3 Abs. 1 AsylG
Verfolgung, § 3a Abs. 1 AsylG

(1) Als Verfolgung im Sinne des § 3 Absatz 1 gelten Handlungen, die

1. auf Grund ihrer Art oder Wiederholung so gravierend sind, dass sie eine schwerwiegende
Verletzung der grundlegenden Menschenrechte darstellen, insbesondere der Rechte, von
denen nach Artikel 15 Absatz 2 der Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der
Menschenrechte und Grundfreiheiten (BGBl. 1952 II S. 685, 953) keine Abweichung zulässig
ist, oder

2. in einer Kumulierung unterschiedlicher Maßnahmen, einschließlich einer Verletzung der


Menschenrechte, bestehen, die so gravierend ist, dass eine Person davon in ähnlicher wie der
in Nummer 1 beschriebenen Weise betroffen ist.

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Flüchtlingseigenschaft, § 3 Abs. 1 AsylG


Verfolgungshandlung § 3a Abs. 1 AsylG

 Grundlegende Menschenrechte?
Gemeint sind notstandsfeste Menschenrechte: also solche, die nicht einmal zur
Abwendung einer Bedrohung des Lebens der Nation durch Krieg oder eines
anderen öffentlichen Notstands eingeschränkt werden können (s. Art. 15 Abs. 2
EMRK)

 das Recht auf Leben nach Art. 2 EMRK,


 das Verbot von Folter und unmenschlicher oder erniedrigender
Behandlung oder Strafe, Art. 3 EMRK
 das Verbot von Sklaverei und Leibeigenschaft, Art. 4 Abs. 1 EMRK
 das Verbot der Verurteilung ohne Gesetz nach Art. 7 EMRK

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Flüchtlingseigenschaft, § 3 Abs. 1 AsylG
Verfolgungshandlung § 3a Abs. 1 AsylG

 Der Art nach: ein einziger Akt führt bereits zu einer wesentlichen
Beeinträchtigung oder zur völligen Vernichtung eines geschützten Rechtsguts
(Bsp.: Tötung)

 Wiederholung erforderlich: ein einziger Akt führt zu einer noch zumutbaren


Beeinträchtigung, die Wiederholung jedoch zu einer schwerwiegenden
Beeinträchtigung des geschützten Rechtsguts
(Bsp.: Jemand wird einmalig öffentlich geschlagen, weil er an der
Demonstration teilgenommen hat – nicht so schwerwiegend, dass Zuflucht
gewährt werden muss;
anders: Klima willkürlicher Gewalt, in dem es immer wieder zu Verhaftungen
oder Gewaltanwendungen kommen kann

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Flüchtlingseigenschaft, § 3 Abs. 1 AsylG


Verfolgungshandlung § 3a Abs. 1 AsylG

 Kumulation: mehrere Einzelmaßnahmen bewirken in ihrer Gesamtheit die


Eingriffsintensität einer schwerwiegenden Menschenrechtsverletzung
 „in ähnlicher Weise“
 D.h. hierunter können auch Maßnahmen fallen, die keine Menschenrechte verletzen
Bsp.: Freiheitsentzug, der keine Menschenrechtsverletzung darstellt

 Zielgerichtetheit der Handlung:


Verfolgt ist nur, wer persönlich Ziel der Verfolgungshandlung/
Verfolgungsmaßnahme ist
 Das ist bei Hungernot, Naturkatastrophen oder bei allgemeinen Auswirkungen von
Unruhen und Kriegen nicht der Fall

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Flüchtlingseigenschaft, § 3 Abs. 1 AsylG
Verfolgung, § 3a Abs. 2 AsylG

(2) Als Verfolgung im Sinne des Absatzes 1 können unter anderem die folgenden Handlungen gelten:
1. die Anwendung physischer oder psychischer Gewalt, einschließlich sexueller Gewalt,
2. gesetzliche, administrative, polizeiliche oder justizielle Maßnahmen, die als solche diskriminierend sind
oder in diskriminierender Weise angewandt werden,
3. unverhältnismäßige oder diskriminierende Strafverfolgung oder Bestrafung,
4. Verweigerung gerichtlichen Rechtsschutzes mit dem Ergebnis einer unverhältnismäßigen oder
diskriminierenden Bestrafung,
5. Strafverfolgung oder Bestrafung wegen Verweigerung des Militärdienstes in einem Konflikt, wenn der
Militärdienst Verbrechen oder Handlungen umfassen würde, die unter die Ausschlussklauseln des § 3
Absatz 2 fallen,
6. Handlungen, die an die Geschlechtszugehörigkeit anknüpfen oder gegen Kinder gerichtet sind.

(3) Zwischen den in § 3 Absatz 1 Nummer 1 in Verbindung mit den in § 3b genannten Verfolgungsgründen
und den in den Absätzen 1 und 2 als Verfolgung eingestuften Handlungen oder dem Fehlen von Schutz vor
solchen Handlungen muss eine Verknüpfung bestehen.

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Flüchtlingseigenschaft, § 3 Abs. 1 AsylG


Verfolgungshandlung § 3a Abs. 2 AsylG

 Anwendung physischer oder psychischer Gewalt, einschließlich sexueller


Gewalt
 gesetzliche, administrative, polizeiliche oder justizielle Maßnahmen, die als
solche diskriminierend sind
 unverhältnismäßige oder diskriminierende Strafverfolgung oder
Bestrafung,
 Verweigerung gerichtlichen Rechtsschutzes mit dem Ergebnis einer
unverhältnismäßigen oder diskriminierenden Bestrafung
 Strafverfolgung oder Bestrafung wegen Verweigerung des Militärdienstes in
einem Konflikt, wenn der Militärdienst Verbrechen oder Handlungen umfassen
würde
 Handlungen, die an die Geschlechtszugehörigkeit anknüpfen oder gegen
Kinder gerichtet sind.

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Flüchtlingseigenschaft, § 3 Abs. 1 AsylG
Begründete Furcht

 Objektiv: Liegt eine Bedrohungslage vor?

 Subjektiv: Furcht des Betroffenen

 Die Furcht ist begründet, wenn sie durch objektive Tatsachen gerechtfertigt ist

 Es kommt drauf an, ob „in Anbetracht der objektiven Umstände bei einem
vernünftig denkenden und besonnenen Menschen in der Lage des
Asylsuchenden Verfolgungsfurcht hervorgerufen werden kann“

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Flüchtlingseigenschaft, § 3 Abs. 1 AsylG


Begründete Furcht

 Indizien für eine begründete Furcht (Art. 4 Abs. 4 QRL):

 Ein bereits erlittener Schaden

 andere Personen, die mit dem Betroffenen dasselbe Asylmerkmal teilen,


werden verfolgt (Gruppenverfolgung)

 Die Verfolgung von Familienangehörigen reicht grundsätzlich für eine


begründete Frucht nicht aus, da die persönliche Betroffenheit fehlt.

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Flüchtlingseigenschaft, § 3 Abs. 1 AsylG
Begründete Furcht

 Auch Aktivitäten nach der Ausreise können zu einer begründeten Furcht führen
 insbesondere wenn die Aktivitäten nachweislich Ausdruck und Fortsetzung einer
bereits im Herkunftsland bestehenden Überzeugung oder Ausrichtung sind

 Aber: Ob die Aktivität nur aufgenommen wurde, um die Voraussetzungen für den
Flüchtlingsschutz zu erfüllen, wird ebenfalls berücksichtigt

 Es kommt auf den Zeitpunkt der Entscheidung des BAMF an


 Ob diese Furcht zum Zeitpunkt der Ausreise aus dem Herkunftsland vorlag oder nicht
spielt also keine Rolle.

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Flüchtlingseigenschaft, § 3 Abs. 1 AsylG


Verfolgungsgründe

 Die Verfolgung muss wegen eines Verfolgungsgrundes stattfinden;

d.h. es muss einen Zusammenhang zwischen der Verfolgungshandlung und dem


Verfolgungsgrund geben

 Die Verfolgungsgründe sind in § 3b AsylG näher geregelt

 Die Verfolgungsgründe sind denen des Art. 16a I GG weitgehend identisch

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Flüchtlingseigenschaft, § 3 Abs. 1 AsylG

Rasse

Bestimmte
soziale Religion
Gruppe

Gründe

Politische
Überzeugung Nationalität

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Flüchtlingseigenschaft, § 3 Abs. 1 AsylG


Verfolgungsgründe, § 3b AsylG

 Rasse: Körperliche Merkmale wie Hautfarbe, aber auch Charakteristiken wie


Herkunft und Zugehörigkeit zu einer bestimmten ethnischen Gruppe

 Religion: theistische, nichttheistische und atheistische


Glaubensüberzeugungen; geschützt sind Teilnahme an religiösen Riten im
öffentlichen Bereich und sonstige religiöse Meinungsäußerungen und
Verhaltensweisen
 Nationalität: Staatsangehörigkeit; Staatenlosigkeit; die Zugehörigkeit zu einer
Gruppe, die durch ihre kulturelle, ethnische oder sprachliche Identität,
gemeinsame geografische oder politische Herkunft oder durch die Zugehörigkeit
zu einer nationalen Minderheit bestimmt wird
 Politische Überzeugung: Meinung, Grundhaltung oder Überzeugung

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Flüchtlingseigenschaft, § 3 Abs. 1 AsylG
Verfolgungsgründe, § 3b AsylG

 Bestimmte soziale Gruppe:

 angeborene, unveränderbare Merkmale


 Merkmale, die so bedeutsam für die Identität oder das Gewissen des
Menschen sind, dass der Verzicht nicht erzwungen werden darf
 Merkmale, die an das Geschlecht / an die geschlechtliche Identität anknüpfen
 Merkmale der sexuellen Orientierung, sofern sie nach deutschem Recht nicht
strafbar sind

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Flüchtlingseigenschaft, § 3 Abs. 1 AsylG


Verfolgungsgründe, § 3b AsylG

 Gemeinsamkeit der Gründe: sie sind auf einmal Merkmal bezogen, dass für den
Betroffenen/Verfolgten unverfügbar

Unverfügbar sind Merkmale, die der Betroffene nicht durch eigenes Verhalten
ändern oder beseitigen kann

 Rasse und Nationalität objektiv unverfügbar

 Religiöse oder politische Überzeugung unverfügbare Merkmale im subjektiven Sinne:


„Wenn man sie ändert, ändert man seine Persönlichkeit.“ Wer stets gegen seinen
Glauben oder seine Überzeugung handelt, handelt gegen sich selbst – „Verrat an sich
selbst“.

62

31
Flüchtlingseigenschaft, § 3 Abs. 1 AsylG
Verfolgungsakteur, § 3c AsylG

 geregelt in § 3c AsylG

 Staat

 Parteien bzw. Organisationen ausgehen, die den Staat oder einen wesentlichen
Teil des Staatsgebiets beherrschen

 Quasi-staatliche Akteure

 Nicht-staatliche Akteure

63

Flüchtlingseigenschaft, § 3 Abs. 1 AsylG


Schutzlosigkeit

 Flüchtlingsschutz setzt voraus, dass der Herkunftsstaat keinen Schutz bietet oder
bieten kann

 Wer Schutz bieten kann ist in § 3d AsylG geregelt:


 der Staat;
 Parteien oder Organisationen einschließlich internationaler Organisationen,
die den Staat oder einen wesentlichen Teil des Staatsgebietes beherrschen;
 sofern sie willens und in der Lage sind, Schutz zu gewähren

 Die Schutzgewährung muss wirksam und dauerhaft sein; der Betroffene muss
Zugang zu den Schutzmaßnahmen haben
Bsp.: Anzeige bei der Polizei

64

32
Flüchtlingseigenschaft, § 3 Abs. 1 AsylG
Schutzlosigkeit

 Der Schutz ist durch den Herkunftsstaat gewährleistet, wenn z.B. wirksame
Rechtsvorschriften zur Ermittlung, Strafverfolgung und Ahndung von
Verfolgungshandlungen

 die bloße Existenz von Rechtsvorschriften genügt für eine Schutzgewährung nicht

 Wirksam ist die Vorkehrung, wenn die Verfolgung dadurch minimal ist

Bsp.: Gesetzliches Verbot der weiblichen Genitalverstümmelung

65

Flüchtlingseigenschaft, § 3 Abs. 1 AsylG


Außerhalb des Landes

 Der Asylsuchende muss sich außerhalb der territorialen Hoheit seines


Heimatlandes befinden

 Asylanspruch entsteht erst mit erreichen des Staatsgebiets der BRD (persönliches
Erscheinen bei der zuständigen Behörde)

 Kein Asylersuchen bei der deutschen Auslandsvertretung möglich; kein Visum


zur Durchführung eines Asylverfahrens vorgesehen

66

33
Flüchtlingseigenschaft, § 3 Abs. 1 AsylG
Außerhalb des Landes

 „diplomatische Asyl“

 Ein Staat gewährt in einem Gebäude seiner diplomatischen Mission (z.B. die
Deutsche Botschaft) Schutz vor dem Zugriff des Staates, in dem sich die
diplomatische Mission befindet.

 völkerrechtlich nicht akzeptiert; Begründung: Eingriff in die


Staatssouveränität

67

Flüchtlingseigenschaft, § 3 Abs. 1 AsylG


Inländische Fluchtalternative, § 3e AsylG

 Es ist zu prüfen, ob dem Asylsuchenden/-bewerber in allen Teilen seines


Herkunftslandes Verfolgung droht oder ob er die Möglichkeit hat, statt ins
Ausland in einen anderen Teil seines Heimatlandes zu fliehen („inländische
Fluchtalternative“)

 Eine inländische Fluchtalternative liegt vor, wenn:

 in einem Teil des Herkunftslandes der Asylsuchende keine Verfolgung zu


befürchten hat

 in einem Teil des Herkunftslandes für den Asylsuchenden die Möglichkeit


wirksamen und dauerhaften Schutz in Anspruch zu nehmen besteht

68

34
Flüchtlingseigenschaft, § 3 Abs. 1 AsylG
Inländische Fluchtalternative, § 3e AsylG

 Bsp.: sog. „mehrgesichtigen Staat“:


der Staat wirkt in einer Region anders als in anderen Regionen desselben
Landes, indem er beispielweise in einem Teil des Landes stärker gegen
separatistische Bestrebungen vorgeht

 Weitere Voraussetzung für die Annahme der inländischen Fluchtalternative:


 der Betroffene muss sicher und legal in diesen Landesteil reisen können
 es ist vernünftigerweise zu erwarten, dass der Betroffene dort aufgenommen
wird und sich dort niederlässt

Wenn eine inländische Fluchtalternative vorliegt, ist die


Flüchtlingseigenschaft zu verneinen!

69

Flüchtlingseigenschaft, § 3 Abs. 1 AsylG


Ausschlussgründe, § 3 Abs. 2 AsylG

 Ein Verbrechen gegen den Frieden gegen die Menschlichkeit oder ein
Kriegsverbrechen

 Handlungen im Rahmen eines Angriffskriegs

 Mord, ethnische Ausrottung, Versklavung, Deportation und andere


unmenschliche Akte gegen die Zivilbevölkerung

 z.B. wahllose Angriffe gegen die Zivilbevölkerung

70

35
Flüchtlingseigenschaft, § 3 Abs. 1 AsylG
Ausschlussgründe, § 3 Abs. 2 AsylG

 eine schwere nichtpolitische Straftat außerhalb des Bundesgebiets


 z.B. Kapitaldelikte, die aus persönlichen Gründen oder aus reinem
Gewinnbestreben begangen wurden

 Handlungen, die den Zielen und Grundsätzen der Vereinten Nationen zuwider
stehen
 Die Ziele und Grundsätze der VN sind u.a. die Wahrung des Weltfriedens, der
Grundrechte und der Gleichberechtigung

71

Flüchtlingseigenschaft, § 3 Abs. 1 AsylG


Ausschlussgrund, § 3 Abs. 3 AsylG

 Personen, die den Schutz oder Beistand einer Organisation oder einer
Einrichtung der Vereinten Nationen genießen unterfallen nicht dem
Flüchtlingsbegriff

 Derzeit betrifft dieser Tatbestand nur palästinensische Flüchtlinge, die dem


Mandat der United Nations Relief and Works Agency (UNRWA) unterstehen.

72

36
Flüchtlingseigenschaft, § 3 Abs. 1 AsylG
Ausschlussgrund, § 60 Abs. 8 AufenthG

 Der Asylbewerber stellt eine Gefahr für die Sicherheit der BRD oder eine Gefahr
für die Allgemeinheit dar.
 Das BAMF hat eine Prognose der künftigen Gefährlichkeit (mögliche
Wiederholungsgefahr) zu treffen.
 Vergangene Straftaten haben insoweit lediglich Indizwirkung
 Eine strafrechtliche Verurteilung von mindestens einem Jahr wegen einer
Straftat gegen bestimmte Rechtsgüter wie
 das Leben
 die körperliche Unversehrtheit
 die sexuelle Selbstbestimmung
 das Eigentum und bei bestimmten Regelungsmodalitäten („mit Gewalt, unter
Anwendung von Drohung,“ u.a.)
kann einen Ausschluss von der Flüchtlingseigenschaft rechtfertigen

73

Die Asylberechtigung, Art. 16a Abs. 1 GG

Politisch Verfolgte genießen Asylrecht.

74

37
Die Asylberechtigung, Art. 16a Abs. 1 GG
Verfolgung

 Eine Beeinträchtigung von Rechtsgütern, die den Betroffenen in eine ausweglose


Lage bringen.
 Dies beurteilt sich nach den objektiven Umständen, die geeignet sind, bei dem
Betroffenen die begründete Furcht vor Verfolgung hervorzurufen
 Die Beeinträchtigung muss einen Eingriff in Leib, Leben oder persönliche
Freiheit darstellen
 Eingriff in andere Rechtsgüter nur relevant, wenn er eine die Menschenwürde
verletzende Intensität aufweist und über allgemeinen Zustände hinausgeht
 Die Verfolgung muss den Asylbewerber selbst treffen und gegenwärtig oder
gegenwärtig zu befürchten sein (Verfolgung von Familienangehörigen genügt
nicht)

75

Die Asylberechtigung, Art. 16a Abs. 1 GG


Verfolgung

 Politisch ist die Verfolgung, wenn sie auf bestimmte persönliche, für den
Betroffenen unverfügbare Merkmale abzielt, die sein Anderssein prägen.
 Die Gründe der Verfolgung müssen auf
 Rasse
 Religion
 Nationalität
 politische Überzeugung
 Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe abzielen

76

38
Die Asylberechtigung, Art. 16a Abs. 1 GG
Verfolgungsakteur

 Staat
 Vereinigungen, die Machtbefugnisse und Einflüsse in einem Umfang ausüben,
die hoheitlicher Gewaltausübung entsprechen
 „private Verfolgung“, wenn der Staat Einzelne oder Gruppen zu
Verfolgungsmaßnahmen anregt oder derartige Handlungen unterstützt, billigt
oder tatenlos hinnimmt („mittelbare staatliche Verfolgung“)

77

Die Asylberechtigung, Art. 16a Abs. 1 GG


Zeitpunkt der Verfolgung

 kausaler Zusammenhang zwischen der Verfolgung, der Flucht und der


Schutzsuche in der BRD erforderlich
 „Verfolgter“ kann nur sein, wer zum Zeitpunkt der Ausreise bereits eine
Verfolgung erlitten hat
 ein Verfolgungsgrund, der nach der Ausreise entstanden ist, findet nur
ausnahmsweise nach Art. 16a Abs. 1 GG Rücksicht
 Objektive Nachfluchtgründe können grundsätzlich zur Asylberechtigung führen
 Subjektive Nachfluchtgründe sind gem. § 28 Abs. 1 S. 1 AsylG grundsätzlich
unerheblich; Ausnahmen hierzu bestehen, wenn sich die Aktivitäten im Bundesgebiet
als Ausdruck und Fortführung einer bereits im Herkunftsland vorhandenen und
erkennbar betätigten festen Überzeugung erweisen

78

39
Die Asylberechtigung, Art. 16a Abs. 1 GG
Ausschlussgründe

 Ausschluss bei inländischer Fluchtalternative: Verfolgung im


Herkunftsland droht nicht landesweit; Voraussetzungen identisch mit denen der
Flüchtlingseigenschaft

 Ausschluss wegen Einreise aus einem sicheren Drittstaat, Art. 16a


Abs. 2 GG: Betroffener reist über einen sicheren Drittstaat in die BRD ein
(sichere Drittstaaten in Anlage I zum AsylG)

 Art. 16a Abs. 2 GG wird einfachrechtlich durch § 26a AsylG umgesetzt

 Ausschluss wegen Zugehörigkeit zu einem sicheren Staat, Art. 16a


Abs. 3 GG: sog. verfolgungsfreier Herkunftsstaat; keine Asylberechtigung, außer
die gesetzliche Vermutung wird durch Tatsachen wiederlegt

79

Die Asylberechtigung, Art. 16a Abs. 1 GG


Ausschlussgründe

 Ausschluss wegen anderweitigen Verfolgungsschutzes, § 27 AsylG:


Gemeint ist ein sonstiger Staat, der nicht ein sicherer Drittstaat nach § 26a AsylG
und nicht dem Hoheitsgebiet des Verfolgerstaates zuzurechnen ist.

 Reiseausweises nach der GFK

 Aufenthalt in einem sonstigen Drittstaat von drei Monaten, führt zu der


Vermutung, dass der Asylbewerber in diesem Staat sicher war; diese
Vermutung kann wiederlegt werden; insbesondere wenn ihm auch diesem
Staat eine Abschiebung droht

80

40
Rechtsfolgen der Anerkennung
 Asylberechtigte genießen im Bundesgebiet die Rechtsstellung nach dem
Abkommen über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (§ 2 Abs. 1 AsylG)
 Asylberechtigte und Flüchtlinge = Rechtsstellung nach der GFK
 den Inländern gleichgestellt (Art. 23, 24 GFK)
 Anspruch Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis i.S.d. § 7 AufenthG;
 Aufenthaltserlaubnis für die Dauer von drei Jahren erteilt (§ 26 Abs. 1 S. 2 AufenthG)
 Gestattung der Erwerbstätigkeit (§ 25 Abs. 1 S. 4 AufenthG); unbeschränkter Zugang
zum Arbeitsmarkt
 Nach Ablauf von fünf Jahren kann eine unbefristete Niederlassungserlaubnis i.S.d. § 9
AufenthG erteilt werden
 Ausreichende Deutschkenntnisse und überwiegend gesicherter Lebensunterhalt sind jedoch
vorausgesetzt

 nach Ablauf von 8 Aufenthaltsjahren (§ 10 Abs. 1 StAG): Einbürgerung unter


Hinnahme von Mehrstaatigkeit (12 Abs. 1 S. 2 Nr. 6 StAG)

81

Familienasyl und Familiennachzug


 Schutz ist für Ehegatten/ Lebenspartner (§ 26 Abs. 1 AslyG), Kinder (§ 26 Abs. 2
AsylG) und Eltern oder andere sorgeberechtigte Personen
Familienasyl

 Familienangehörige haben keinen eigenen Anspruch auf Anerkennung als


Asylberechtigter oder als Flüchtling
 „abgeleitetes Asylrecht“, § 26 AsylG
 Der Status des Familienangehörigen hängt von dem Schutzstatus des
Asylberechtigten oder des Flüchtlings ab (Stammberechtigter)

Familiennachzug

 Erleichterte Bedingungen im Hinblick auf das Erfordernis ausreichenden


Wohnraums und die Sicherung des Lebensunterhalts aus dem Ausland nach
Deutschland geholt werden.

82

41
Familienasyl und Familiennachzug

 Die Ehe / Familie mit dem Stammberechtigten muss schon in dem


Herkunftsstaat bestanden haben (§ 26 Abs. 1 Nr. 2 AsylG)

 Wird die Ehe erst später geschlossen, ist das Familienasyl ausgeschlossen.

 In diesem Fall besteht aber die Möglichkeit einer Familienzusammenführung


nach § 30 Abs. 1 S. 1 Nr. 3 lit. c AufenthG.

 Allerdings erfolgt das Nachholen von Angerhörigen dann unter erschwerten


Bedingungen, wie z.B. dem Erfordernis deutscher Sprachkenntnisse des
zuziehenden Ehegatten (§ 30 Abs. 1 S. 3 Nr. 1 AufenthG).

83

Der subsidiäre Schutz, § 4 AsylG

(1) Ein Ausländer ist subsidiär Schutzberechtigter, wenn er stichhaltige Gründe für die
Annahme vorgebracht hat, dass ihm in seinem Herkunftsland ein ernsthafter Schaden
droht. Als ernsthafter Schaden gilt:

1. die Verhängung oder Vollstreckung der Todesstrafe,

2. Folter oder unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Bestrafung oder

3. eine ernsthafte individuelle Bedrohung des Lebens oder der Unversehrtheit einer
Zivilperson infolge willkürlicher Gewalt im Rahmen eines internationalen oder
innerstaatlichen bewaffneten Konflikts.

84

42
Der subsidiäre Schutz, § 4 AsylG

Kein Flüchtling

Stichhaltige Gründe für die


Annahme einer tatsächlichen
Gefahr

Ernsthafter Schaden

Außerhalb des Herkunftslandes

Kein Schutz des


Herkunftslandes

85

Der subsidiäre Schutz, § 4 AsylG


Stichhaltige Gründe für die Annahme eines ernsthaften Schadens

1. Stichhaltige Gründe
Umstände, die eine reale, vorhersehbare und persönliche Gefahr begründen und
über eine bloße theoretische Möglichkeit hinausgehen

2. Ernsthafter Schaden
• Verhängung oder Vollstreckung der Todesstrafe
• Folter oder unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Bestrafung
• Individuelle Bedrohung des Lebens oder der Unversehrtheit einer Zivilperson
infolge willkürlicher Gewalt im Rahmen eines internationalen oder
innerstaatlichen bewaffneten Konflikts

86

43
Der subsidiäre Schutz, § 4 AsylG
Allgemeine Voraussetzungen

 Weder eine Asylberechtigung noch eine Flüchtlingseigenschaft liegt vor

 Der ernsthafte Schaden muss im Herkunftsland des Asylbewerbers drohen

 Eine Beschränkung auf staatliche Akteure ist nicht vorgesehen

87

Der subsidiäre Schutz, § 4 AsylG


Ernsthafter Schaden

 Folter: vorsätzliche Zuführung von körperlicher, seelischer oder psychischer


Schmerzen erheblicher Intensität zur Erreichung eines von dem Täter definierten
Zwecks

 Eine unmenschliche Behandlung oder Bestrafung ist die vorsätzliche


Zuführung von physischem oder psychischem Leid

 Eine erniedrigende Behandlung liegt vor, wenn bei dem Opfer Gefühle von
Furcht, Todesangst und Minderwertigkeit verursacht werden, die geeignet sind
einen psychischen oder moralischen Widerstand zu brechen, wobei sie ein
Minimum an Schwere aufweisen

88

44
Der subsidiäre Schutz, § 4 AsylG
Internationaler/Innerstaatlicher bewaffneter Konflikt
 Individuelle Bedrohung des Lebens oder der Unversehrtheit
 „individuell“ = „konkret“
 Es ist nicht erforderlich, dass eine Person auf Grund von persönlichen Gründen
betroffen
 Erforderlich ist, dass der Grad der willkürlichen Gewalt so hoch ist, dass eine
Zivilperson allein durch ihre Anwesenheit in dem Land tatsächlich Gefahr läuft einen
ernsthaften Schaden hinsichtlich Leben oder Unversehrtheit zu erleiden
 Zivilperson
 Willkürliche Gewalt
 Internationaler oder innerstaatlicher bewaffneten Konflikts
 von bloßen Unruhen und Tumulten abzugrenzen
 Kriminelle Gewalt, die sich im Schatten von Bürgerkriegen ergeben finden keine Berücksichtigung

89

Der subsidiäre Schutz, § 4 AsylG


Ausschlussgründe

 Ausschlussgründe i.S.d. § 4 Abs. 2 S. 1 AsylG entsprechen den Ausschlussgründen


nach § 3 Abs. 2 AsylG in identischer Weise

 Ausgenommen: der Tatbestand des § 4 Abs. 2 S. 1 Nr. 4 AsylG; dieser hat einen
größeren Anwendungsbereich:
 Keine Verurteilung wegen einer Straftat erforderlich; allein die vom
Asylbewerber ausgehende Gefahr ist relevant
 Die Gefahrenbeurteilung kann hierbei an die in der Vergangenheit
begangenen Straftaten anknüpfen

90

45
Der subsidiäre Schutz, § 4 AsylG
Rechtsstellung des subsidiär Schutzberechtigten

 Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis nach §§ 25 Abs. 1 S. 1, 26 Abs. 1 S.


3 AufenthG
 Erteilung der Aufenthaltserlaubnis zunächst nur für ein Jahr;
 kann dann von der Ausländerbehörde auf Antrag um zwei weitere Jahre
verlängert werden
 Eine Niederlassungserlaubnis wird erst nach sieben Jahren erteilt
u.a. muss der Lebensunterhalt gesichert sein
 Gestattung der Erwerbstätigkeit
 Anspruch auf Familiennachzug für subsidiär Schutzberechtigte wurde abgeschafft
 Seit dem 01.08.2018: lediglich Familiennachzug aus humanitären Gründen möglich
 monatliche Begrenzung von 1.000 Personen bundesweit (siehe hierzu § 36a AufenthG)

91

Abschiebungsverbote § 60 Abs. 5
AufenthG

Abs. 5

Ein Ausländer darf nicht abgeschoben werden, soweit sich aus der Anwendung der
Konvention vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und
Grundfreiheiten (BGBl. 1952 II S. 685) ergibt, dass die Abschiebung unzulässig ist.

92

46
Abschiebungsverbote § 60 Abs. 5
AufenthG
 § 60 Abs. 5 AufenthG enthält einen Verweis auf die Europäische
Menschenrechtkonvention

 Keine Abschiebung, wenn die Abschiebung gegen die EMRK verstößt

 Nach der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte


und des Bundesverwaltungsgerichts begründet vor allem Art. 3 EMRK einen
Abschiebungsverbot
 Dem Asylbewerber muss im Falle einer Abschiebung im Zielstaat Folter oder
unmenschliche oder erniedrigende Strafe oder Behandlung drohen
 Deckt sich mit der Voraussetzung für subsidiären Schutz
 für § 60 Abs. 5 AufenthG bleibt damit ein geringer Anwendungsbereich
 Erfasst werden unmenschliche oder erniedrigende Behandlungen, die keinem Akteur
zugeordnet werden können

93

Abschiebungsverbote § 60 Abs. 5
AufenthG
 auch schlechte humanitäre Verhältnisse können ein Abschiebeverbot nach § 60
Abs. 5 AufenthG i.V.m. Art. 3 EMRK begründen
 Nur in besonderen Ausnahmefällen, wenn außerordentliche individuelle
Umstände hinzutreten
 Berücksichtigung von
• Zugang zur Arbeit, Wasser, Nahrung, Gesundheitsversorgung
• Chance, eine adäquate Unterkunft zu finden,
• Zugang zu sanitären Einrichtungen
• finanziellen Mittel zur Befriedigung elementarer Bedürfnisse, auch unter
Berücksichtigung von Rückkehrhilfen
 Art. 8 EMRK (Schutz der Familie) begründet keinen Abschiebungsverbot

94

47
Abschiebungsverbote § 60 Abs. 7
AufenthG
Abs. 7

Von der Abschiebung eines Ausländers in einen anderen Staat soll abgesehen werden,
wenn dort für diesen Ausländer eine erhebliche konkrete Gefahr für Leib, Leben oder
Freiheit besteht. § 60a Absatz 2c Satz 2 und 3 gilt entsprechend. Eine erhebliche konkrete
Gefahr aus gesundheitlichen Gründen liegt nur vor bei lebensbedrohlichen oder
schwerwiegenden Erkrankungen, die sich durch die Abschiebung wesentlich
verschlechtern würden. Es ist nicht erforderlich, dass die medizinische Versorgung im
Zielstaat mit der Versorgung in der Bundesrepublik Deutschland gleichwertig ist. Eine
ausreichende medizinische Versorgung liegt in der Regel auch vor, wenn diese nur in
einem Teil des Zielstaats gewährleistet ist. Gefahren nach Satz 1, denen die
Bevölkerung oder die Bevölkerungsgruppe, der der Ausländer angehört, allgemein
ausgesetzt ist, sind bei Anordnungen nach § 60a Abs. 1 Satz 1 zu berücksichtigen.

95

Abschiebungsverbote § 60 Abs. 7
AufenthG
 individuelle, erhebliche und konkrete Gefahr für Leib, Leben oder Freiheit des
Betroffenen im Zielstaat der Abschiebung

 Die Gefahr muss

 dem Asylbewerber selbst und persönlich drohen

 mit einer beachtlichen Wahrscheinlichkeit zu erwarten sein

 und von existenzieller Art sein

96

48
Abschiebungsverbote § 60 Abs. 7
AufenthG
 Ein Abschiebungsverbot kommt nur dann in Betracht, wenn ein außergewöhnlich
schwerer physischer/psychischer Schaden bei Rückführung in den Zielstaat droht

 also eine wesentliche oder lebensbedrohliche Verschlimmerung der Krankheit


 psychische Erkrankungen führen in der Regel zu keinem Abschiebungsverbot
 Corona-Pandemie?
 Weltweit keine medizinische Behandlung
 Betrifft alle im Herkunftsland

Die Ausschlussgründe decken sich weitestgehend mit denen des § 4 Abs. 2


AsylG und § 3 Abs. 2 AsylG

97

Rechtsfolge von Abschiebungsverboten

 Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis

 Die Aufenthaltserlaubnis wird für mindestens ein Jahr erteilt; kann darf nicht
verlängert werden, wenn der Grund weggefallen ist

 Der Familiennachzug ist nur aus völkerrechtlichen oder humanitären Gründen zulässig

 Die Erwerbstätigkeit ist nicht mit der Erteilung der Aufenthaltserlaubnis gestattet (vgl. § 25
Abs. 3 AufenthG und § 25 Abs. 1 AufenthG)

98

49
Aufenthaltsbeendigung

 Wird der Asylantrag abgelehnt, tritt bei Bestands- oder Rechtskraft die Ausreisepflicht
ein
 Reist der Ausländer nicht freiwillig aus, gibt es das Mittel der Abschiebung nach § 58
AufenthG; d.h. die zwangsweise Durchsetzung der Ausreisepflicht
 Rechtmäßige Abschiebung = vollziehbare Ausreisepflicht + ein Abschiebungsgrund; die
Abschiebungsandrohung (§ 34 AsylG) oder -anordnung (§ 34a AsylG) muss
ordnungsgemäß erfolgt sein
 es dürfen keine Abschiebungsverbote oder -hindernisse einschlägig sein und der Ausländer
muss die Ausreisefrist verstrichen haben lassen
 Ein Abschiebungsgrund liegt vor, wenn entweder die freiwillige Ausreise nicht
gesichert erscheint oder wenn die Ausreise Überwachungsbedürftig ist (§ 58 Abs. 3
AufenthG).

99

Erlöschen der Rechtsstellung

 Nach § 72 Abs. 1 AsylG erlöschen die Rechtsstellungen, wenn

 der Ausländer freiwillig in das Herkunftsland zurückkehrt


 sich freiwillig erneut dem Schutz dieses Staates unterstellt
 seine verlorene Staatsangehörigkeit freiwillig wiedererlangt
 eine neue Staatsangehörigkeit erwirbt und den Schutz dessen Staates genießt oder
 seinen Asylantrag zurücknimmt bzw. auf seine Asylanerkennung verzichtet

 Das Erlöschen nach § 72 AsylG beim Stammberechtigten führt auch zum Verlust der
abgeleiteten Rechtsstellung nach § 26 AsylG bei Familienangehörigen.

100

50
Aufhebung der Rechtsstellung

 Ein rechtmäßiger oder auch ein rechtswidriger Verwaltungsakt ist bei veränderten
Umständen zu widerrufen
 eine rechtswidrige Entscheidung ist bei unrichtigen Angaben oder infolge
Verschweigens wesentlicher Tatsachen zurückzunehmen
 Widerrufs- und Rücknahmeverfahren werden von Amts wegen eingeleitet; spätestens
nach drei Jahren erfolgt eine Überprüfung (danach im Ermessen der Behörde)
 Prüft das BAMF ein Widerruf; Mitwirkungspflicht (§ 73 Abs. 3a AsylG)
 Widerruf:
 Änderung der tatsächlichen Verhältnisse im Heimatland
 subjektiven Änderungen
 Hierfür wird ein Vergleich zwischen der Situation vor und nach dem Erlass der
bundesbehördlichen Entscheidung vorgenommen

101

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!


Gizem Erinc
erinc.gzm@gmail.com

102

51