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Teil III Geldwirtschaft: Zusammenfassung

A. Geld und Inflation


• Geld
• Quantitätstheorie
• Geldnachfrage und Quantitätstheorie
B. Geldangebot vs. Geldnachfrage
• Geldschöpfung in Theorie
• Geldschöpfung in Praxis
• Geldangebot vs. Geldnachfrage
C. Geld und Zins
• Zinskonzept
• Preistheoretische Bedeutung
• Zinsbestimmung auf dem Kreditmarkt
• Zins und Inflation

Prof. Dr. W. Gebauer Makro I, Geldwirtschaft: 1


Zusammenfassung
Fragestellungen in der Geldwirtschaft I
• Welche Rolle spielt Geld im Kreislauf der Volkswirtschaft?
• Welche Funktionen hat Geld?
→ Bezahlung von Güter- und Dienstleistungen ⇒ Zahlungsmittel
→ Vergleichbarkeit von Güter- und Dienstleistungen ⇒ Recheneinheit
→ Zeitweilige Aufbewahrung von "Wert" ⇒ Wertaufbewahrungsmittel
• Was wird als Geld bezeichnet?
→ Erfüllung der 3 Funktionen des Geldes
→ Liquiditätsgrad des Geldes
• Was ist die Geldmenge (z.B. im Vergleich zur Gütermenge)?
→ Unterscheidung von Geldmengenaggregaten
• Was ist der Nutzen des Geldes?
→ Subjektiver und objektiver Nutzen
• Wie wird der Wert des Geldes gemessen?
→ Kaufkraft des Geldes
→ Zusammenhang zwischen Geldwert und Preisniveau

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Zusammenfassung
Fragestellungen in der Geldwirtschaft II
• Gibt des einen Markt für Geld?
→ Theoretisches Konzept: makroökonomischer Geldmarkt mit
Geldangebot, Geldnachfrage und Zinssatz als "Preis des Geldes".
• Welcher Zusammenhang besteht zwischen Geldmenge und Preisniveau?
→ Quantitätsgleichung, -theorie und ihre Erweiterungen
• Was ist unter Geldangebot zu verstehen? Wer "bietet" Geld an?
→ Geldschöpfungsprozeß des Bankensystems (in Theorie und Praxis)
→ (Basis-)Geldschöpfungsprozeß der Zentralbank (in Theorie und Praxis)
→ Kritik über die Annahme des exogenen (Basis-)Geldangebots
• Was ist unter Geldnachfrage zu verstehen? Warum wird Geld nachgefragt?
→ Transaktionskasse und Spekulationskasse
• Inwiefern ist das theoretische Konzept des makroökonomischen
Geldmarktes in die Realität übertragbar?
→ Vergleich des makroökonomischen Geldmarktes mit dem
praxisorientierten Geldmarktes

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Zusammenfassung
Fragestellungen in der Geldwirtschaft III

• Wie wird das Phänomen Zins begründet?


→ Agio-Konzept, realer und nominaler Zins als intertemporaler Preis
• Zusammenhang zwischen Rendite (= impliziter Zinssatz) und
Gegenwartswert eines zukünftigen Gutes (=Kurswert)
• Zusammenhang zwischen Zins und Kredit
• Zusammenhang zwischen nominalem Zins (Geldzins), realem Zins
(Güterzins) und Inflation?
→ Fisher-Theorem
• Zusammenhang zwischen: Geldmenge, Preisen und Zinssätzen
→ Feedback-Zusammenhang

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Zusammenfassung
Kreislauf der Geldströme
Arbeits- Entlohnung
einkommen
Arbeitsmarkt für Arbeit

Zinseinkommen Zinskosten
Kreditmarkt
Ersparnis
*)
Finanzierungsmittel
Steuern Kredite
Haushalte Staat Unternehmen
Investitionen
Staatskonsum

Konsum Umsatz / Erlös


Gütermarkt
*) Finanzierung des Staatsdefizits
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Zusammenfassung
Funktionen des Geldes

1. Zahlungsmittel
Die Zahlungsfunktion steht in einer "Hirarchie der Geldfunktionen" ganz
oben, an erster Stelle: Wird sie – in der privaten Wirtschaft – nicht (mehr)
umfassend erfüllt, so muß dem betreffenden "Gut" der Geldcharakter
grundsätzlich abgesprochen werden.
2. Recheneinheit (numeraire)
Die - abstrakte – Funktion des Geldes als (allgemein akzeptiertes)
Rechenmittel besteht darin, dass die Werte aller Güter und
Dienstleistungen in einer Volkswirtschaft in Geldeinheiten ausgedrückt
und damit unmittelbar vergleichbar und addierbar gemacht werden.
3. Wertaufbewahrungsmittel
Der grundsätzliche Zeitbedarf bei Transaktionen von Ware in Geld und
Geld in Ware erzwingt in der Praxis Geldhaltung für eine gewisse
Mindestzeit. Insofern ist die Wertaufbewahrungsfunktion eine aus der
Zahlungsfunktion des Geldes abgeleitete Funktion.
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Zusammenfassung
Liquiditätsspektrum finanzieller Aktiva
• Welchen Liquiditätsgrad haben die Komponenten der
Geldmengenaggregate?
Bargeldumlauf
Sichteinlagen
Termineinlagen

Spareinlagen

M3 Wertpapiere

Geldmarktfonds
Repogeschäfte

(sonstige Aktiva)

Geldgrad bzw. Liquiditätsgrad


1 0
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Zusammenfassung
Alternative Geldmengenaggregate und ihre Komponenten
(Euro-Währungsgebiet, Stand Dezember 2002, in Mrd. €)

• Was ist Geldmenge (im Vergleich zu Gütermenge)?

Bargeldumlauf C 341 M1
Sichteinlagen D 2.083 (2.424)
M2 (4.959)
Termineinlagen T 1.076
Spareinlagen S 1.459
Repogeschäfte
227 M3 (5.783)
RP
Geldmarktfonds-
470
anteile GF
Geldmarktpapiere
und Schuldver- 127
schreibungen GS
Quelle: EBZ Monatsbericht, Februar 2003, S.16*-17*, Tab. 2.4.1

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Zusammenfassung
Nutzen des Geld
Nutzen des Geldes kann einzelwirtschaftlich ("subjektiv") und
gesamtwirtschaftlich betrachtet werden:
• Subjektiver Geldnutzen erwächst aus der Geldhaltung eines
Individuums. Er kann inhaltlich aus verschiedenen Motivationen
herrühren:
1. Präferenz für jederzeitige Zahlungsfähigkeit (Liquiditätspräferenz),
wenn Unsicherheit bzw. mangelnde Informationen über künftige
Zahlungseingänge und –ausgänge vorliegt.
2. Gefühl der materiellen Sicherheit, Vorsorge und Bequemlichkeit
3. "Lust am Bargeld" ("Dagobert"-Sicht) oder auch Geld als Prestige-
oder Machtsymbol
• Objektiver Geldnutzen = gesamtwirtschaftliche Produktivität des
Geldes bezeichnet. Geld ist ein Mittel zur Reduzierung der Informations-
und Transaktionskosten des Gütertauschs. ⇒ Alternative produktive
Verwendung der eingesparten Kosten.

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Zusammenfassung
Wert des Geld

• Wert des Geldes wird üblicherweise im Rahmen einer aggregierten


Betrachtung als objektiv ermittelbare Größe konzipiert. Dieser objektive
Geldwert ('value in exchange') wird auch als Kaufkraft des Geldes (1/P)
bezeichnet:

1 Y
=
P M
P = Preisniveau; Y = reale Güter; M = Geldmenge

• Wert des Geldes wir somit gemessen an der Menge der Waren und
Dienstleistungen, die man mit einer Geldeinheit bei den herrschenden
Preisen erwerben kann.

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Zusammenfassung
Geldwert und Inflation

• Zusammenhang zwischen Geldwert und Inflation?


• Zunächst Definition von Geldwert und Inflation:

P − Pt −1
Inflationsrate = t ⋅100 = π t (%)
Pt
1 Y
Geldwert = Kaufkraft = =
P M
1
⇒ π >0 ⇒ ↓
↑P

⇒ Was sind die Bestimmungsgründe für Preisniveau? – Zusammenhang


zwischen Geldmenge und Preisniveau.

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Zusammenfassung
Theoretisches Konzept: Makroökonomischer Geldmarkt

S
M = exogenes Geldangebo t

i = Zinssatz

D
M = Geldnachfr age

M S ,M D

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Zusammenfassung
Langfristige Quantitätstheorie
• Makroökonomische Fragestellung: Wie wirkt eine exogene Veränderung
der Geldmenge auf das Preisniveau? (Annahme: Geldmenge M =
exogenes Geldangebot MS)
• Analyserahmen ist Fisher's "equation of exchange"
M ⋅V = P ⋅ T
mit M = nominale Geldmenge (" money supply")
V = Umlaufgeschwindigkeit des Geldes V = Hä
Häufigkeit, mit der
Geldeinheiten im
Durchschnitt einer
P = Preisniveau Periode zu Zahlungen
verwendet werden.
T = Transaktionsvolumen

• Aussage: Alles, was umgesetzt, transferiert wird, das wird auch bezahlt.
(erfüllte Identität)
• Annahme: In der langen Frist sind Umlaufgeschwindigkeit und
Transaktionsvolumen konstant: V = V , T = T ⇒
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Zusammenfassung
Langfristige Quantitätstheorie
• Langfristige Aussage für den säkularen Trend (über Zyklen hinweg):
Bei Konstanz von Umlaufgeschwindigkeit und Transaktionsvolumen
verursacht eine exogene Geldmengenänderung eine proportionale
Änderung des Preisniveaus ("Proportionalitätstheorem").
• Formal: V M T
MV = PT ⇒ P = ⋅ M ⇔ =
T P V
dP V
Mit V = V und T = T folgt =
dM T

dP P dP M V M V T
⇒ ε P, M = = ⋅ = ⋅ = ⋅ =1
dM M dM P T P T V
• Aussage: Elastizität des Preises in Bezug auf die Geldmenge
(= prozentuale Veränderung des Preises in Bezug auf prozentuale
Veränderung der Geldmenge) muß 1 sein.
• Kausalität: M → P.
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Zusammenfassung
Kurzfristige Quantitätstheorie
Neoklassische Quantitätstheorie
• Kurzfristige Aussage für die Dauer eines Konjunkturzyklus ("transition
period, ca. 7-10 Jahre)
• Das Preisniveau hängt nicht nur von der Geldmenge M ab, sondern auch
von deren Umlaufgeschwindigkeit V und dem Transaktionsvolumen.
• Formal: (+ ) ( + ) (−)
P = f (M , V , T )
• Mit den folgenden Hypothesen über die drei Determinanten von P:
M = M (Zinssatz, Kreditgewährung, Zahlungsbilanz)
V = V (Zahlungsgewohnheiten, Technik des Zahlungsverkehrs)
T = T (Güterproduktion )
Ergebnis:
• Keine Proportionalität zwischen M und P
• Interdependenzen der einzelnen Komponenten der Verkehrsgleichung
• Kausalität: M ↔ P.

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Zusammenfassung
Transaktionsvolumen und reales BIP

• Transaktionsvolumen T läßt sich statistisch nicht direkt und eindeutig


ermitteln.
• Daher heute Verwendung von realem BIP Y anstelle von T.
• Y ist kleiner als T
• Y erfaßt immer nur die Wertschöpfung der einzelnen Stufen der
Verarbeitung bzw. den Wert aller Endprodukte
• T erfaßt Summe aller Umsätze/Periode, z.B. Auto wird 4x verkauft.

MV = PY

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Zusammenfassung
Cambridge-Gleichung
• Betonung der Geldnachfrage und (abgeleitete) Wertaufbewahrungs-
funktion des Geldes
• Fokus auf Geldhaltung ("Geldnachfrage")
• Mikroökonomische Fragestellung: Wie hoch ist die Kassenhaltung eines
Wirtschaftssubjektes?
• Analyserahmen ist die "Cambridge-Gleichung" (Pigou, Robertson)

mit M d = Kassenhaltung (" money demand" )


M d = k ⋅ P ⋅Y k = Kassenhaltungskoeffizient
P = Preisniveau
Y = Realeinkommen
• Annahmen: k = k : konstante Kassenhaltung

M S = M S : exogenes Geldangebot
M S = M D : Geldmarktgleichgewicht
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Zusammenfassung
Cambridge-Gleichung
• Aussage: Bei konstantem Kassenhaltungskoeffizient und Realeinkommen
verursacht eine exogene Geldangebotserhöhung eine proportionale
Erhöhung des Preisniveaus (Aussage über gleichgewichtiges Preisniveau)

• Beziehung zu Fisher's Verkehrsgleichung:


Aggregiert und für Y=T gilt k = 1/V, d.h. die durchschnittliche "Ruhezeit"
des Geldes ist das inverse Konzept der Umlaufgeschwindigkeit des
Geldes.

⇒ " Fisher" = " Cambridge"

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Zusammenfassung
Von der Geldnachfrage zur Quantitätsgleichung:
Geldnachfrage als Portfoliotheorie
(1) M D = f ( PY , R * , u )
mit M D = Geldnachfrage
P = Preisniveau
Y = Realeinkommen
R * = Vektor erwarteter nominaler Zinssätze
(Ertragsraten auf finanzielle Vermögenswerte;
jeweils impliziert: erwartete Inflationsrate π *
(+) R *M (Geld)
(-) R *B (Anleihen)
(-) R *E (Aktien)
u = andere Einflussfaktoren (z.B. subjektiver Nutzen der Geldhaltung)
• Annahme: P verändert sich um den Faktor 1/PY. Bei linearer
Homogenität von MD in Bezug auf PY (und bei Homogenität vom Grade
Null bezüglich R* und u):

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Zusammenfassung
Von der Geldnachfrage zur Quantitätsgleichung

(2) M D / PY = f ( R*;u) bzw.


(2´) M D = f ( R*;u)PY Für f(R*;u) = k ist

(3) M D = kPY („Cambridge-Gleichung“)

• Bei makroökonomischem Geldmarktgleichgewicht (MD=M) kann


Gleichung (3) zur Fisher´schen Quantitätsgleichung umgeformt werden:

(4) MV = PY
Mit M = exogenes Geldangebot
V = Umlaufgeschwindigkeit des Geldes, wobei V = 1/k, mit k =
Kassenhaltungskoeffizient des privaten Sektors

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Zusammenfassung
Geldschöpfungsprozeß des Bankensystems

• Akteure: Banken, Nichtbanken (Publikum)


• Ausgangspunkt: Einzahlung in Höhe von 1000 € vom Publikum bei der
Bank.
• Annahme: Bank muß 200 € (rr = 0,2) als Reserve halten und der
eingezahlte Betrag wird nicht abgehoben.
• Folge: Bank kann 800 als Kredit vergeben und somit Sichtdepositen in
Höhe von 800 € schaffen.
• Schleife: Diese 800 € werden abgehoben (in bar ausgezahlt) und bei einer
anderen Bank eingezahlt.
• Bank hält 20% (= 160 €) als Reserve. Sichteinlagen werden nicht
abgehoben.
• Folge: Bank kann 640 € als Kredit vergeben und somit Sichtdepositen in
Höhe von 640 € schaffen.
K ↑→ D ↑ → M ↑ weil M1 = C + D

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Zusammenfassung
Geldschöpfung des Bankensystems bei
Fractional Reserve Banking
Bankensystem mit A Bank A P
Reservehaltung gemäß K 800 D 1000
0 < rr < 1, wobei
rr = Reserve-Einlage- R 200
Relation → rr = R / D.
A Bank B P
Annahme: K 640 D 800
Bareinzahlung von 1.000
R 160
€ bei Bank A, rr = 0,2.
A Bank C P
K 512 D 640
R 128
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Zusammenfassung
Fractional Reserve Banking

Mankiw (5. Aufl. 2003, S. 558):


• “Jeder Euro der ursprünglichen Einlage schafft somit
(1/rr) Euro Geld …”
• Aus dem Betrag von 1.000 € werden durch den
Geldschöpfungsprozeß bei rr = 0,2

(1/rr) • 1000 € = 5 • 1000 € = 5.000 €

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Zusammenfassung
Das „Grundproblem der Geldverfassung“
(Lutz 1936)

A Bankensystem P

Kreditgewährung Monetäre Depositen

„LOANS DRIVE DEPOSITS“

Prinzipiell freier Geldmengenkontrolle als


Wettbewerb im privaten „nominaler Anker“ für die
Banksektor Kaufkraft des Geldes

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Zusammenfassung
Geldschöpfung der Zentralbank

• Zentralbank ist (exogener) Produzent von Basisgeld (= Bargeld +


Bargeldreserven + Zentralbankguthaben des Bankensystems)
• Daher kann Zentralbank exogen über Geldschöpfung entscheiden.
• Wie hängen Basisgeld und Geldmenge (M1-Aggregat) zusammen?
→ Friedman's Multiplikatormodell
• Kritik über Exogenität der Geldbasis

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Zusammenfassung
Friedman´s Multiplikator-Modell des Geldangebots wird wie
folgt hergeleitet:
Gegeben sind die beiden Definitionsgleichungen für die
Geldmenge M = M1 sowie für das Basisgeld:
(1) M=C+D
(2) B=C+R
Division von (1) durch (2) ergibt
M C+ D
(3) =
B C+ R
Erweitert man die rechte Seite von (3), indem Zähler und
Nenner mit 1/D multipliziert werden, so erhält man
C D
+
(4) M D D
=
B C R
+
D D
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Zusammenfassung
Man setzt nun cr = C/D und rr = R/D und erhält
cr + 1
(5) M = cr + rr ⋅ B

cr + 1
Der Ausdruck cr + rr wird als Multiplikator m
bezeichnet, so daß man schließlich auch schreiben kann
(6) M = m • B.
Im Fall von 100% Reserven ist rr = 1, so daß auch m = 1
wird (keine multiple Geldschöpfung). Wird z.B. rr = 0,1 und
cr = 0,4 gesetzt, so beträgt m = 2,8. Jeder Euro der Geld-
basis generiert insofern 2,80 Euro Geldmenge.

⇒ Kritik zum Multiplikator-Modell s.u. Musterklausur zu Teil III Geldwirtschaft

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Zusammenfassung
Reserven des Bankensystems
R RC Kassenbestände der
Kreditinstitute
RC RS RÜ RS Reserve-Soll
(„Mindestreserve“)
ZG RÜ Überschuß-Reserve
ZG Zentralbankguthaben
BL BL Akutelle Bankenliquidität

B = Geldbasis = R + C,
Wobei C = Bargeldumlauf außerhalb
des inländischen Bankensystems.
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Zusammenfassung
Geldschöpfung I
Schöpfung monetärer Depositen (Interaktion Kreditinstitute -
Nichtbankenpublikum

A Kreditinstitut (KI) B
1) +K +D
2) + WP +D
1) Kreditgewährung an Nichtbanken (Bilanzverlängerung bei KI und Kreditnehmer) M↑
2) Rückkauf/Tilgung einer Bankschuldverschreibung durch das KI (Bilanzverlängerung bei KI
und Aktivtausch bei Nichtbank).
M↑

Gegenbuchung
Nichtbank
A (Unternehmer oder Haushalt) B
1) + D +K
2) + D
- WP

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Zusammenfassung
Geldschöpfung II
Schöpfung monetärer Depositen (Interaktion Kreditinstitute -
Nichtbankenpublikum
A Kreditinstitut (KI) P A Nichtbank P
1) -RC -D 1) -D
+C
2) +RC
+GK 2) +GK
-C
1) Barauszahlung der Bank an den Kunden zu Lasten seiner Sichtdepositen
(Bilanzverkürzung bei Kreditinstitut; Aktivtausch bei Nichtbank). M
Ergebnis: Substitution von D durch C. Die Geldmenge bleibt unverändert: der
Bargeldumlauf ist in dem Umfang gestiegen, in dem Sichtdepositen gesunken sind
2) Kunde kauft Sparbrief gegen Barzahlung; „Passivgeschäft der Bank“.
(Bilanzverlängerung bei Kreditinstitut; Aktivtausch bei Nichtbank). M↓
Ergebnis: Der Bargeldumlauf C – und damit die Geldmenge – ist in dem Maße gesunken,
in dem die längerfristige Mittelanlage (Geldkapitalbildung) gestiegen ist.
Hinweis: Die Kassenreserven RC der Kreditinstitute zählen nicht zur Bargeldkomponente
C der Geldmenge M.
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Zusammenfassung
Zentralbankgeldschöpfung
Schaffung von Zentralbankguthaben und/oder Kassenreserven der
Kreditinstitute (Interaktion Zentralbank – Kreditinstitute)
Eurosystem
A (EZB + NZBn) P
1) +WR
+ ZG/ +RC
2) +K

1) EZB „monetisiert“ Devisenbestände der Veränderung der


Kreditinstitute (WR = Währungsreserven Zentralbankguthaben oder
2) EZB gewährt Kredite K an der Kassenreserven RC
Kreditinstitute der Banken

Gegenbuchung
A Kreditinstitute P
1) -Devisen, Keine
+ZG/+RC Veränderung der
2) +ZG/+RC +K Geldmenge M!
Bilanzverlängerung

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Zusammenfassung
Wichtige Implikation aus den praxisorientierten
Geldschöpfungsprozessen

(1) (normalerweise) keine Geschäfte der Zentralbank mit den Nichtbanken-


Publikum (auch keine "Offenmarktoperationen)


Daher: kein direkter (mengenmäßiger) Einfluß der Zentralbank auf die
Geldmenge M (= C + D)

(2) Geldangebot der Zentralbank ist ENDOGEN, weil aus Gründen der
Stabilität des Bankensystems und Konvertibilität des Bankengeldes jede
Nachfrage nach Basisgeld erfüllt wird.

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Zusammenfassung
Geldschöpfung: Bankengeld
(„monetäre Depositen“ D)
1. Banken schöpfen D durch
Kreditgewährung: K ⇒ D
⇒ D ist endogen
2. Durch ∆D entsteht bei einem Mindest-
reservesatz rr zusätzlicher Liquiditäts-
bedarf in Höhe von rr · ∆D. Das
entsprechend höhere Mindestreserve-
Soll ist durch zusätzliche Zentralbank-
guthaben ZG zu decken.

Prof. Dr. W. Gebauer Makro I, Geldwirtschaft: 33


Zusammenfassung
3. Diesen Bedarf an Zentralbankguthaben
kann eine einzelne Bank decken durch:
• Einwerben von Depositen: dadurch
∆ ZG via Zahlungsverkehr
• Kreditaufnahme von ZG am Inter-
banken-Geldmarkt (horizontaler
Liquiditätsausgleich)
• Kreditaufnahme bei der Zentralbank
(ZB)

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Zusammenfassung
4. Das private Bankensystem insgesamt
kann ein gestiegenes Volumen an
Bankengeld nur durch Kreditaufnahme
bei der ZB refinanzieren
5. Die ZB ist dazu immer bereit, wenn auch
zu unterschiedlichen Zinsen (Refinan-
zierungskosten) je nach Zinspolitik
Fazit: ZG ist endogen

Prof. Dr. W. Gebauer Makro I, Geldwirtschaft: 35


Zusammenfassung
Geldschöpfung: Bargeld
1. Die Zentralbank ZB schöpft Bargeld in
Interaktion mit den Banken; Die Zentralbank-
guthaben ZG der Banken werden
entsprechend belastet
⇒ Passivtausch ZG(-); RC(+) bei der ZB
2. Das Bargeld wird in Umlauf gebracht von
Banken in Interaktion mit dem Publikum
⇒ Passivtausch D(-); C(+) beim privaten
Bankensystem
3. Die ZB stellt immer die von den Banken nach-
gefragte Bargeldmenge bereit – schon um die
Konvertibilität D ⇔ C aufrechtzuerhalten
Fazit: Auch Bargeld ist endogen

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Zusammenfassung
Geldnachfrage und Zins
• Zwei Motive der Kassenhaltung (= Geldnachfrage) M D = L
→ Transaktionskasse LT
→ Spekulationskasse LS
• Transaktionsmotiv existiert, weil in der modernen Wirtschaft Geld als
Zahlungsmittel verwendet wird (Graphik 2a).
• Das Spekulationsmotiv existiert, weil Unsicherheit über die zukünftige
Zinsentwicklung besteht und Vermögen entweder in Wertpapiere angelegt
oder als Geld gehalten werden kann.
– Geldhaltung bringt keinen Ertrag, hat aber auch kein Risiko.
– Wertpapieranlage bringt einen Zinsertrag, hat aber das Risiko des
Kurswertverlustes der Wertpapieranlage.
– Zinsertrag und Kurswert verhalten sich invers zueinander
(s.u. Kapitalwertberechnung)

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Zusammenfassung
Geldnachfrage und Zins
- Annahme: jedes Wirtschaftssubjekt (WS) hat eine Vorstellung über das
Normalniveau der Zinsen. ⇒ Individuell verschiedene Erwartungen über
den "Normal-Ertrag" einer Wertpapieranlage (Graphik 1).
- Liegt der aktuelle Zinssatz über dem normalen Niveau, erwartet das WS
einen zukünftigen Rückgang des Zinssatzes. ⇒ Ein zukünftiger steigender
Kurswert des Wertpapiers wird erwartet.
- Daher bevorzugt WS, Vermögen in Wertpapier zu halten, um zukünftigen
Kursgewinn mitzunehmen. ⇒ Keine Haltung von Spekulationskasse.
- Aktueller Zinssatz unter dem normalen Zinsniveau ⇒ Geldhaltung, um
keinen Kursverlust zu erleiden.
- Aggregiert über alle WS folgt: Je höher der Zinssatz, desto höher ist der
Anteil der WS, die erwarten, daß der Zinssatz wieder sinken wird und der
Kurswert des Wertpapiers steigt. ⇒ Geringe Kassenhaltung. ⇒ Negativer
Zusammenhang zwischen Spekulationskasse und Zinssatz (Graphik 2b).

Prof. Dr. W. Gebauer Makro I, Geldwirtschaft: 38


Zusammenfassung
Spekulative Kassenhaltung und
Regressive Erwartungsbildung (Graphik 1)

ite+1 = it + α (i − it )

Normales Zinsniveau

Zeit

it < i ⇒ ite+1 ↑ ⇒ regressive Erwartungsbildung

Prof. Dr. W. Gebauer Makro I, Geldwirtschaft: 39


Zusammenfassung
Geldnachfrage nach Keynes
• (Reale) Geldnachfrage ist die gewünschte Kassenhaltung für
Transaktionen und für Spekulationen und abhängig vom Zinssatz und
Realeinkommen).
(+) ( −) MD
D
M = L = LT ( Y ) + LS ( i ) ⇒ = L(i, Y )
P
LT i
LT = kPY LS = 0
Liquiditätsfalle

LS = ∞

Y LS
Graphik 2a Graphik 2b

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Zusammenfassung
Geldmarkt

• Geldangebot: tatsächlich vorhandene Geldmenge


• Geldnachfrage: gewünschte Geldhaltung

• In der Realität: keine Unterscheidung zwischen Geldangebot und


Geldnachfrage möglich, weil nur statistisch eine Geldmenge zu
beobachten ist.

• Wegen Endogenität und Nachfragebestimmung des Geldangebots ist


sowieso die Vorstellung eines makroökonomischen Geldmarktes dubios.

• In der Realität gibt es aber einen Geldmarkt. Worin genau liegen die
Unterschiede zwischen dem theoretischen Konzept des
makroökonomischen Geldmarktes und dem praxisorientierten
Geldmarkt?

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Zusammenfassung
Theoretisches Konzept: Makroökonomischer Geldmarkt

M S = exogenes Geldangebo t

i = Zinssatz

D
M = Geldnachfr age

M S ,M D

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Zusammenfassung
Schematische monatliche Angebotsfunktion der
Zentralbank ZGS und Nachfragefunktion der Kreditinstitute
ZGD am inländischen Geldmarkt
• Was ist unter dem praxisorientierten Konzept des Geldmarktes zu
verstehen?
ZGD
Zinssatz i
(durchschnitt-
licher Refinan-
zierungssatz)

Spitzenrefinanzierungssatz ZGS

Hauptrefinanzierungssatz

ZG
Reserve-Soll

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Zusammenfassung
Geldmarkt: Zwei Konzepte
Theorie Praxis
1. "gehandeltes" Gut M1, M2, M3 Zentralbankguthaben des
Bankensystems

Laufzeit Bis zu 2 Jahren Bis zu 1 Jahr


2. Marktteilnehmer

Nachfrage Nichtbankenpublikum Banken

Angebot Banken und Zentralbanken


Banken und Zentralbanken
Gleichgewicht zwischen • Horizontaler
3. Marktfunktion Geldangebot und Liquiditätsausgleich
Geldnachfrage bestimmt das zwischen Banken
Niveau des langfr. Zinssatzes • Handlungsspielraum für
Zinspolitik der Zentralbank

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Zusammenfassung
Agio-Konzept des Zinssatzes

• Zinssatz ist der intertemporale Preis eines Gutes.


• Der Zinssatz wird als Prämie (Aufschlag) oder Agio (Aufgeld) für
gegenwärtig verfügbare Güter gegenüber gleichartigen, zukünftig
verfügbaren Gütern angesehen.
• Zukünftige Güter werden typischerweise weniger hoch geschätzt als
Gegenwartsgüter: Die Individuen haben eine Gegenwartsvorliebe (Fisher:
time preference).
• Je nach betrachtetem Gut kann das intertemporale Austauschverhältnis
variieren, d.h. jedes Gut hat prinzipiell einen spezifischen Eigenzinssatz
(Keynes: own-rate of interest). In den Worten von Fisher: „The rate of
interest is always relativ to the standard in which it is expressed“.

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Zusammenfassung
Zinskonzept
G1
G1 • Die Marktgerade AB beschreibt
= tan α = 1 + r bzw. = 1 + i das intertemporale
A G0
Tauschverhältnis, d.h. alle G1/G0 -
G1 Kombinationen, die ein
Zukunftsgut

r= −1 Wirtschaftsobjekt durch Verzicht


G0 auf sofortigen Konsum von G0
erreichen kann. Ein solcher
Verzicht bedeutet eine
Kreditvergabe, nämlich ein
zeitweiliges Überlassen von G0.
α B G0 • Der Zinssatz ist der Preis für einen
solchen Kredit.
Gegenwartsgut • Für G = Geld bezeichnet i den
Geldzinssatz (Nominalzinssatz).
• Für G = Weizen bezeichnet r den
z.B.: G1 =110 €; G0 = 100 € Realzinssatz.
1+ i = 110/100 = 1,1, d.h.
i = 0,1 bzw. 10%

Prof. Dr. W. Gebauer Makro I, Geldwirtschaft: 46


Zusammenfassung
Begründung des Zinsphänomens

• Die Existenz des Zinses wird heute, in Anlehnung an Fisher und Böhm-
Bawerk, mit dem Faktor ZEIT begründet, genauer: mit den Einfluß der Zeit
auf die menschliche Wertschätzung der Güter.

• Grundgedanke: Kapitalgüter sind "Zukunftsgüter", weil sie erst nach


Abschluß eines Produktionsprozesses fertige (konsumierbare, verfügbare)
Güter liefern. Zukunftsgüter werden aber systematisch geringer geschätzt
als Gegenwartsgüter. Der Aufschlag (das "Agio") für Gegenwartsgüter
erklärt damit die Existenz des ursprünglichen Kapitalzinses (Böhm-
Bawerk)

Prof. Dr. W. Gebauer Makro I, Geldwirtschaft: 47


Zusammenfassung
Der Zinssatz als Verbindungsglied zwischen
Einkommensstrom und Kapitalwert

physische Produktivität*

Physische künftiges
Kapitalgut
Mengen Realeinkommen

Werte in Gegenwartswert künftiger


Geldeinheiten des Kapitalgutes Einkommenswert

Kapitalzinssatz
*Physische (Kapital)-Produktivität = Output/Kapitaleinheit (=Y/K)

Prof. Dr. W. Gebauer Makro I, Geldwirtschaft: 48


Zusammenfassung
Kapitalwert (III)
(n Perioden, n Zahlungen)

Frage: Wie hoch ist der Gegenwartswert V0 einer gleichbleibenden


Zahlung Y* ("Annuität"), die alljährlich (zum Ultimo) erfolgt?

n
Antwort: V0 = Y ⋅ ∑ (1 + i ) −t
*
t =1

Beispiel: Bei einem konstanten Zinssatz von i = 0,05 und konstanten


jährlichen Zahlungen von Y = 100 € errechnet sich für n = 10 Jahre ein
Gegenwartswert
100 100 100
V0 = + 2
+ L + 10
= 95 + 91 + L ≈ 772 €
1,05 (1,05) (1,05)

Prof. Dr. W. Gebauer Makro I, Geldwirtschaft: 49


Zusammenfassung
Kapitalwert (III)
(n Perioden, n Zahlungen)

Hintergrund: Wenn man umgekehrt jedes Jahr 100 € zu 5%


Jahreszins investiert, ergibt sich der Zukunftswert Vn für n Jahre
gemäß
V0 = 100(1 + i ) + 100(1 + i ) 2 + L
n
= Y ⋅ ∑ (1 + i ) −t
*
t =1

Für eine unendlich große Zahl von Perioden (n = ∞) und bei


konstantem (impliziten) Zinssatz i vereinfacht sich die obige Formel zu
der "Konsolformulierung":
Y* Y* Annuität
V0 = ⇔ i= =
i V0 Gegenwartswert/Kurswert

Prof. Dr. W. Gebauer Makro I, Geldwirtschaft: 50


Zusammenfassung
Zinsbestimmung auf dem Kreditmarkt

• Kredit ist die Überlassung von Kaufkraft (d.h. Geld).

• Gemäß dem Agio-Konzept ist ein Kredit ein Konsumverzicht, für den eine
Entschädigung gezahlt wird, nämlich ein bestimmter Zins.

• "The rate of interest is simply the price of credit, and therefore governed by
the supply of and the demand for credit“

• Kreditgewährung von Banken: Auf was müssen die Banken verzichten,


wenn sie Kredit gewähren?
⇒ Banken können ex nihilo Kaufkraft zur Verfügung stellen.
⇒ Banken müssen auf nichts verzichten.
⇒ Auf Banken und ihre Bankengeldschöpfung kann das Agio-Konzept
nicht angewendet werden.

Prof. Dr. W. Gebauer Makro I, Geldwirtschaft: 51


Zusammenfassung
Fisher-Theorem: Herleitung
• Austauschrelation Geld (G) und Ware (W) zum Preis (P) heute (t) und
morgen (t+1):
(1) PtWt = Gt Anwendung des Pt +1Wt +1 Gt +1
Agio-Konzeptes
= (2′)
(2) Pt +1Wt +1 = Gt +1 PtWt Gt

• Intertemporäre definitorische Beziehungen


(3) Wt +1 = Wt (1 + r ) bei Waren

(4) Gt +1 = Gt (1 + i ) bei Geld

(5) Pt +1 = Pt (1 + π * ) bei Preisen


• wobei: r = Realzins; i = Geldzins (Nominalzins) und
π* = mit "perfekte Voraussicht" erwartete Inflationsrate
(r,i, π* jeweils in Dezimalschreibweise)
Prof. Dr. W. Gebauer Makro I, Geldwirtschaft: 52
Zusammenfassung
Fisher-Theorem: Herleitung
• Einsetzen von Gleichung (3), (4) und (5) in (2') ergibt:

Pt (1 + π * )Wt (1 + r ) Gt (1 + i )
=
PtWt Gt

(1 + π * )(1 + r ) = (1 + i )

FISHER-Theorem

Prof. Dr. W. Gebauer Makro I, Geldwirtschaft: 53


Zusammenfassung
FISHER-THEOREM
Grundgleichung
(6) 1 + i = (1 + r) (1 + π*), wobei
i = Nominalzinssatz
r = Realzinssatz (ex ante)
π* = Mit vollkommener Voraussicht
(perfect foresight) erwartete
Inflationsrate, d.h. Inflationserwartungen
entsprechen der ex-post realisierten
Inflationsrate (π* = π).

Prof. Dr. W. Gebauer Makro I, Geldwirtschaft: 54


Zusammenfassung
Nominalzinstheorem
Gleichung (6) nach i aufgelöst:

(7) i = r + π* + r π*, wobei


r π* = erwartete Geldwertänderungen
der Zinszahlungen. Bei kontinuier-licher
Betrachtung wird r π* = 0.

Für r π* = 0 (compound interest) ergibt sich


(7') i = r + π* (vereinfachtes Nominalzinstheorem)

Prof. Dr. W. Gebauer Makro I, Geldwirtschaft: 55


Zusammenfassung
Realzinstheorem
Gleichung (6) nach r aufgelöst:

(8) r = i - π* / 1 + π*

Für 1 + π* = 1 ergibt sich

(8') r = i - π* (vereinfachtes Realzinstheorem)

• Relevanz des Realzinssatzes r, u.a.:


→ I = I(r)
in der Güterwirtschaft
→ LF-Modell: I(r) = S(Y)
Prof. Dr. W. Gebauer Makro I, Geldwirtschaft: 56
Zusammenfassung
Theoretische vs. empirische Fisher-Relation
• Ausgangsbasis:
Vereinfachtes Nominalzins-Theorem i = r + π*
• Theoretische Implikation:

∆i
=1 („Fisher-Effekt“)
∆π *
Also: Sofortige und vollständige Anpassung des
Nominalzinssatzes an veränderte Inflationserwartungen
(so daß der Realzinssatz r konstant bleibt)

Prof. Dr. W. Gebauer Makro I, Geldwirtschaft: 57


Zusammenfassung
• Empirische Evidenz (Fisher):

Der Realzinssatz r ist nicht konstant,


sondern fluktuiert stark, und zwar noch
stärker als der Nominalzinssatz i.

Der Nominalzinssatz i paßt sich nur


schrittweise („adaptiv“) über einen längeren
Zeitraum an ex post beobachtete
Inflationsraten an.

Prof. Dr. W. Gebauer Makro I, Geldwirtschaft: 58


Zusammenfassung
• Konsequenz: Empirische Fisher-Relation
(9 ) i t = rt + π t ,

wobei π t ein gewichteter Durchschnitt vergangener


beobachteter Inflationsraten ist mit

n
( 11 ) π t = ∑ w j π t− j und
j =1

n
( 12 ) ∑ w j = 1.
j =1

Prof. Dr. W. Gebauer Makro I, Geldwirtschaft: 59


Zusammenfassung
Zur Berechnung des Realzinses in der Praxis

• Der Realzins wird in der Praxis berechnet als: r = i − π ex post


• In der Praxis ist die Berechnung ungenau, da die Fristen nicht
kongruent sind.
• Es besteht keine Fristenkongruenz, weil Inflationsrate sich auf eine
andere Periode bezieht als der Zinssatz.
πt it

t −1 t t +1
• Lösung z.B. π mit 1 Jahr "Vorlauf" nehmen:
π t +1

it
t t +1
Prof. Dr. W. Gebauer Makro I, Geldwirtschaft: 60
Zusammenfassung
Theoretischer Feedback-Zusammenhang zwischen
Geldmenge, Preisen und Zinssätzen

Geld-
angebot

Preis- Inflations- Nominaler


niveau rate Zinssatz

Geld-
nachfrage

Annahme: Realeinkommen = konstant


Quelle: Mankiw (2003): Makroökonomik, Abb. 4-5, S. 113
Prof. Dr. W. Gebauer Makro I, Geldwirtschaft: 61
Zusammenfassung
Praxisorientierter Feedback-Zusammenhang zwischen
Geldmenge, Preisen und Zinssätzen

Geld-
angebot

Preis- Inflations- Nominaler


niveau rate Zinssatz

Geld-
nachfrage

Annahme: Realeinkommen = konstant

Prof. Dr. W. Gebauer Makro I, Geldwirtschaft: 62


Zusammenfassung