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Kraft

Mag. Thomas Möst, BSc

Die Kraft ist eine der wichtigsten physikalischen Größe. Es gibt verschiedene Kräfte, die unter-
schiedlicher Herkunft und unterschiedlich stark sind. Grundsätzlich gilt, wenn auf einen Körper eine
Kraft wirkt, dann verändert sich der Bewegungszustand des Körpers oder dieser wird deformiert. Bei
der Veränderung des Bewegungszustandes wird die Bewegungsrichtung und/oder der Betrag der Ge-
schwindigkeit verändert. Bewirkt die Kraft einen Deformation so verändert sich die Form des Körpers.
Die Kraft F~ trägt als Grundeinheit die Einheit Newton N .

Kraft F~ Newton N

Die Kraft ist einen vektorielle Größe und besitzt daher immer einen Betrag und eine Richtung. Bei
eindimensionalen Problemen, wird in weiterer Folge die Kraft als skalare Größe betrachtet. Sobald die
Kräfte in zwei oder drei Dimensionen (x,y,z) wirkt, muss diese als Vektor angegeben werden.
Auf einen Körper können auch mehrere Kräfte gleichzeitig einwirken. Im folgenden Beispiel wirken
die drei Kräfte Fa (cyan), Fb (blau) und Fc (rot) gleichzeitig.

Wirken mehrere Kräfte auf einen Körper, so addieren sich diese zu einer Gesamtkraft Fg (schwarz).
Dabei nutzt man die aus der Mathematik bekannte Vektoraddition. Die Vektoren werden dabei an-
einander gehängt und die Gesamtkraft ergibt sich vom Anfangs- bis zum Endpunkt.

F~g = F~a + F~b + F~c

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Die Gesamtkraft gibt an, in welche Richtung und wie stark die auf den Körper wirkenden Kraft
insgesamt ist. Es besteht dabei auch die Möglichkeit, dass sich die einzelnen Kräfte so addieren, dass
die Gesamtkraft Null ergibt und somit der Körper kräftefrei ist, obwohl eigentlich auf ihn mehrere
Kräfte wirken.

1 Newtonsche Axiome
Grundlage für die Mechanik und wesentlich für die Anwendung von Kräften sind die Newtonschen
Axiome. Ein Axiom ist ein Grundgesetz dessen Richtigkeit keinen Beweis benötigt.
1. Trägheitssatz:
Ein Körper bleibt im Zustand der Ruhe oder der gleichförmigen Bewegung, solange die Summe
der äußeren Kräfte auf den Körper gleich Null ergibt.
ΣF~ = 0
Der Trägheitssatz bildet die Grundlage für ein Inertialsystem, eine besondere Form des Bezugs-
systems.
2. Aktionsprinzip:
Eine Kraft bewirkt die Veränderung des Bewegungszustandes
F~ = m · ~a
Das Aktionsprinzip zeigt, dass jede Kraft eine Beschleunigung bewirkt. Beschleunigung und
Kraft sind direkt proportional zueinander und haben die selbe Richtung.
3. Reaktionsprinzip:
Wirkt der Körper A eine Kraft auf den Körper B, so wirkt vom Körper B einen Kraft auf Körper
A, die gleich groß aber entgegengesetzt ist.
F~AB = −F~BA

Zwei Personen stehen jeweils auf einem Skateboard. Zwischen den beiden ist ein Seil gespannt und
eine Person zieht daran. Obwohl nur eine Person zieht, bewegen sich beide aufeinander zu. Es wirkt
also auf beide Personen jeweils eine Kraft, die entgegengesetzt aber gleich stark sind.

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2 Gravitation
Zwischen zwei Massen wirkt immer einer gravitative Kraft. Die Gravitationskraft wirkt immer an-
ziehend und kann niemals abstoßend sein. Abhängig ist die Gravitationskraft dabei von den beiden
beteiligten Massen m1 und m2 sowie deren Abstand r zueinander.
m1 ·m2
FG = G · r2

m1 , m2 Masse 1, Masse 2
r Abstand der Massen
G Gravitationskonstante

Die Gravitationskraft ist direkt proportional zu den Massen und indirekt proportional zum Ab-
stand. In der Praxis bedeutet dies, dass mit steigender Masse auch die Gravitationskraft zunimmt.
Mit steigendem Abstand wird die Anziehungskraft zwischen zwei Körpern kleiner. Als Proportiona-
litätskonstante wird die Gravitationskonstante verwendet.
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G = 6, 674 · 10−11 kg·s
m
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Die Gravitationskonstante kann mit Hilfe einer Torsionswaage (Gravitationswaage) nach Cavendish
bestimmt werden.

Bei der Torsionswaage nach Cavendish werden zwei Kugel auf an einer Stange befestigt und diese
mit einem Draht aufgehängt. Am Draht befindet sich ein Spiegel auf den ein Laserstrahl gerichtet ist.
Zu den beiden Kugeln wird jeweils eine Kugel (rot) dazu gestellt. Durch die Gravitation ziehen sich
die Kugeln gegenseitig an und der Draht wird verdreht. Dabei dreht sich der Spiegel am Draht mit
und der Laserstahl wird in eine andere Richtung reflektiert. Aus den erhaltenen Messgrößen kann die
Verdrehung des Drahtes uns somit die Gravitationskraft berechnet werden. In weiterer Folge kann die
Gravitationskonstante bestimmt werden.
Alle Körper ziehen sich gegenseitig an. Die für uns bekannteste Gravitationskraft ist die Erdan-
ziehung. Die Anziehung zwischen Erde und einer Masse auf der Erde ist aufgrund der großen Masse
der Erde sehr viel größer als die Anziehung zwischen zwei anderen Körpern untereinander auf der Erde.

Beispiel 1: Berechne die Gravitationskraft, die zwischen der Erde (m1 = 5, 9722 · 1024 kg) und
einer Person (m2 = 80kg) wirkt, wenn sich die Person in Innsbruck befindet und somit der Abstand
zwischen Person und Erdmittelpunkt r = 6367, 792km beträgt.

m1 · m2
FG = G ·
r2
5, 9722 · 1024 · 80
= 6, 674 · 10−11 ·
63677922
= 786, 38N

Beispiel 2: Berechne die Gravitationskraft, die zwischen der Erde (m1 = 5, 9722 · 1024 kg) und einer
Person (m2 = 80kg) wirkt, wenn sich die Person in einem Flugzeug (h = 10km) befindet und somit
der Abstand zwischen Person und Erdmittelpunkt r = 6377, 218km beträgt.

3
m1 · m2
FG = G ·
r2
5, 9722 · 1024 · 80
= 6, 674 · 10−11 ·
63772182
= 784, 06N

Vergleicht man die Ergebnisse der beiden Beispiele miteinander, so erkennt man, dass es einen
Unterschied gibt, der aber nicht sonderlich groß ist. Eine Person wird diesen Unterschied zwischen den
beiden Situationen nicht wahrnehmen.

Beispiel 3: Berechne die Gravitationskraft, die zwischen dem Mond (mM ond = 7, 346 · 1022 kg) und
einer Person (m2 = 80kg) wirkt, wenn sich die Person auf der Mondoberfläche befindet und somit der
Abstand zwischen Person und Mondmittelpunkt r = 1737, 4km beträgt.

m1 · m2
FG = G ·
r2
7, 346 · 1022 · 80
= 6, 674 · 10−11 ·
17374002
= 129, 94N

Man erkennt sofort, dass die Gravitationskraft am Mond wesentlich geringer ist weshalb Astro-
nauten am Mond sich auch ganz anders bewegen können und sich beinahe schwerelos fühlen. Sobald
man von allen Planeten weit genug entfernt ist, ist die Gravitationskraft so gering, dass wir von
Schwerelosigkeit sprechen.