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Brechtgedichte

Bertolt Brecht << ~ >>

Fahrend in einem bequemen Wagen

Fahrend in einem bequemen Wagen

Auf einer regnerischen Landstraße

Sahen wir einen zerlumpten Menschen bei Nachtanbruch

Der uns winkte, ihn mitzunehmen, sich tief verbeugend.

Wir hatten ein Dach und wir hatten Platz und wir fuhren vorüber

Und wir hörten mich sagen, mit einer grämlichen Stimme: Nein

Wir können niemand mitnehmen.

Wir waren schon weit voraus, einen Tagesmarsch vielleicht

Als ich plötzlich erschrak über diese meine Stimme

Dies mein Verhalten und diese

Ganze Welt.
Vom Glück des Gebens

Höchstes Glück ist doch, zu spenden

Denen, die es schwerer haben

Und beschwingt, mit frohen Händen

Auszustreun die schönen Gaben.

Schöner ist doch keine Rose

Als das Antlitz des Beschenkten

Wenn gefüllet sich, o große

Freude, seine Hände senkten.

Nichts macht doch so gänzlich heiter

Als zu helfen allen, allen!

Geb ich, was ich hab, nicht weiter

Kann es mir doch nicht gefallen.

Der Insasse
Als ich es vor Jahren lernte

Einen Wagen zu steuern, hieß mich mein Lehrer

Eine Zigarre rauchen; und wenn sie mir

In dem Gewühl des Verkehrs oder in spitzen Kurven

Ausging, jagte er mich vom Steuer.

Auch

Witze erzählte er während des Fahrens, und wenn ich

Allzu beschäftigt mit Steuern, nicht lachte, nahm er mir

Das Steuer ab. Ich fühle mich unsicher, sagte er.

Ich, der Insasse erschrecke, wenn ich sehe

Dass der Lenker des Wagens allzu beschäftigt ist

Mit Lenken.

Seitdem beim Arbeiten

Sehe ich zu, mich nicht allzu sehr in die Arbeit zu vertiefen.

Ich achte auf mancherlei um mich herum

Manchmal unterbreche ich meine Arbeit, um ein Gespräch

zu führen.

Schneller zu fahren als dass ich noch rauchen kann

Habe ich mir abgewöhnt. Ich denke an

den Insassen.