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Kurze Einführung:

Titel: Celan sagt, im Spiegel wäre Sonntag


Autor: Cornelia Travnicek
Textsorte: Kurzgeschichte/ Kurzprosa
Quelle: Aurora Borealis- Sammlung von neuen Prosatexten
(Erscheinungsjahr: 2008)
Thema: die menschliche Kälte, besser gesagt die Unmöglichkeit der
Liebe

Thema der Kurzgeschichte:


Eine erstarrte, routinierte, reizlos gewordene Liebe und der Wunsch
nach etwas Wärme.

Inhalt:
Die Kurzgeschichte handelt von einem jungen Paar, das zusammen in
einem Haus wohnt. Zu Beginn gibt es ein Dialog zwischen den beiden
über eine rhetorische Frage und später ein paar willkürliche Gedanken
der Frau. Der Leser taucht in das Leben dieses Paares an
unterschiedlichen Tagen. An einem Samstagabend trinkt der Mann
Bier und raucht, während die Frau ihn beobachtet. Danach erfährt die
Frau , dass der Mann eine Verabredung an dem Abend hat und der
Mann geht, ohne der Frau etwas zu sagen. Am nächsten Tag ist die
Frau alleine und liest ein Buch in der Hängematte, der Mann fehlt. Es
wird auch gezeigt, wie das Paar zwar zusammen in einem Bett
schlafen, voneinander aber Abstand halten. Währenddessen wünscht
sich die Frau, sie wäre mit einer anderen Person zusammen. Doch
wenn der Mann bei Auftritten ist, vermisst die Frau ihn am meisten.
Oft ignoriert der Mann die Frau und hört ihr gar nicht zu. Während
Autofahrten reden sie kaum und auf seinen Auftritten wird die Frau
auch nicht mitgenommen. Der Mann gibt der Frau öfters Geschenke,
die sie gar nicht mag. Später geht der Mann mit seinen Freunden auf
einen Skiurlaub. Dabei ruft er die Frau nur dann an, wenn er in einer
Bar ist. Als der Mann auf einer Tour für mehrere Wochen fort ist, ruft
er die Frau an und macht ihr einen Heiratsantrag. Sie stimmt zu,
obwohl sie sich sicher ist, dass der Mann den Abend davor getrunken
ist, und ganz genau weiß, dass die Hochzeit nicht so sein wird, wie sie
sich wünscht.

Stil:
 Verdichtete Sprache
 Zeitform ist Präsens
 Licht, Schatten, Dunkelheit werden eingesetzt, um Stimmungen
und Gefühle zu verdeutlichen
 Offener Anfang und offenes Ende
 Aus der Perspektive der Frau (Der Leser taucht förmlich in ihre
Gedankenwelt ein. Ihre Gedanken und Wünsche haben oft
keine logische Verbindung zwichen ihnen, aber auch zum
Geschehen.)
 Mehrdeutigkeit ( Der Leser wird im Unklaren gelassen und
muss sich selber Gedanken über die Geschehnisse machen.)
 Viele Leerstellen (Was ist der Hintergrund der Protagonistin?;
nähere Informationen zu der Beziehung)
 Überraschende Wendung: Obwohl die Liebe zwischen den
beiden wie gestorben ist, erfolgt trotzdem ein Heiratsantrag.
 Erzähltempo ist beschleunigt
 Sprache ist schlicht und ungekünstelt und auf das Wesentliche
konzentriert

Persönliche Stellungnahme:
Meiner Meinung nach hat die Autorin ein schwieriges Thema
gewählt, dennoch sehr gut interpretiert. Im echten Leben ist die
Liebe nicht nur schön, sondern auch schmerhaft und in vielen
Beziehungen verschwindet sie mit der Zeit und hinterlässt eine
Kälte zwischen den Partnern, die sich plötzlich einsam fühlen.
Dennoch gehen sie nicht getrennte Wege, denn sie (zumindest ein
Partner) streben vergeblich nach etwas Wärme und Geborgenheit.
Die Autorin zeigt das stille, für andere unsichtbare menschliche
Leid der Protagonistin und ihre innere Verwüstung, indem sie ihr
eine Stimme verleiht und sie selbst zum Leser sprechen lässt. Aus
meiner Sicht möchte die Autorin verdeutlichen, dass es nicht
immer die Möglichkeit einer positiven Entwicklung und es somit
auch hoffnungslose Fälle gibt. Was mich nachdenklich macht, ist
die Tatsache wie echt die Geschichte rübergekommen ist. Ich hatte
das Gefühl, selbst die Protagonistin zu sein und konnte alles mit ihr
fühlen. Am Ende der Geschichte wollte ich ihre Fortsetzung
erfahren, wusste aber dass es diese nicht gibt. Außerdem weiß ich
auch aus eigener Erfahrung, dass es solche Geschichten auch in der
Wirklichkeit gibt. Doch das Thema des Textes kann auch auf
andere Lebensbereiche übertragen werden, den nes gibt viele
Menschen die an dieser unsichtbaren Kälte, die im Text dargestellt
wird, frieren und erfrieren.

Rezensionen:

Gerhard Geisler
5,0 von 5 Sternen Neun kleine Perlen
Rezension aus Deutschland vom 19. März 2008
Die Erzählungen beginnen wie hingeworfene, aufmerksam
gesammelte Alltagsgeschichten. Wahrend man liest, unauffällig in
ihren Bann gerät, kommt man zu dem Punkt wo es einem den
Magen zusammenzieht, so ähnlich wie in der Kindheit und Jugend
bei Schularbeiten oder gefährlichen kleinen Abenteuern. Heimlich
schleichen sich fast mystische, kalte Gegebenheiten in die
Hoffnungen der Protagonisten ein, um sie schlußendlich in einen
Strudel der Zerstörung zu ziehen.
Auch die beigefügten Bilder zeichnen eine trostlos romantische
Patina über die einzelnen Kurzgeschichten und am Schluß fühlt
man sich als würde man selbst in dem schwarz-weiß gehaltenen
Teehaus in Schanghei sitzen und dieses wundervolle kleine Buch
in Händen halten.
Für die Zukunft wünsche ich der noch jungen Autorin, dass sie in
ihren noch folgenden Werken diese Perlen der einzelenen
Erzählungen an eine Romanschnur hängen, und uns weiter auf
ihrer violetten Seele treiben lassen möge, dann ist ihr ein Platz
unter den ernsthaften SchriftstellerInnen auch auf internationaler
Ebene sicher

„ …reflektierte, formal ausgereifte Texte voller Poesie. Ein


überzeugender, allemal lesenswerter Erstling.“ 
Jelena Dabic, www.literaturhaus.at

„Diese Sätze sind es, die die LeserInnen an den Seiten halten. Sätze
mit einfach schönen Wortreihen, die vom Leid erzählen, das man
doch nicht sehen will und die Augen trotzdem nicht von den Zeilen
nimmt. […]Aurora Borealis, das Nordlicht, von welchem
österreichischen Punkt aus kann Cornelia Travnicek es sehen und
wie kann sie so viel davon sehen?“
Nadja Bucher, schreibkraft

„Cornelia Travnicek beobachtet sehr genau und schreibt auf den


Punkt. Sie erzählt mit der Haltung eines Meisterkaligraphen -
außerordentlich konzentriert, ohne jedes überflüssige Wort, jeden
ablenkenden Schnörkel, mit einem wunderbaren Blick für das
Wesentliche.“
Mischa Bach
„ …ein erstaunliches Erstlingswerk gelungen. […] Dies ist ein
Buch, das unter die Haut geht.“
Claudia Zawadil, City-Flyer St.Pölten

Autorin Claudia Travnicek:

 1987 in St. Pölten, Niederösterreich


 hat Sinologie und Informatik an der Universität Wien
studiert 
 arbeitet nebenbei als wissenschaftliche Mitarbeiterin
am VRVis Zentrum für Virtual Reality und Visualisierung .
 einige ihrer Arbeiten wurden ins Englische, Spanische,
Italienische, Polnische und Serbische übersetzt.
 wird von der Simon Literary Agency vertreten
 Auszeichnungen: Wohnschreiber Klagenfurt (2013)
 Aurora Borealis. Prosa. war ihre erste Veröffentlichung