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Originalien

Nervenarzt 2005 · 76:960–966 R. Feldmann1 · R. Kiefer2 · U. Wiegard1 · S. Evers2 · J. Weglage1


DOI 10.1007/s00115-005-1877-x 1 Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin, Universitätsklinikum Münster
Online publiziert: 17. Februar 2005 2 Klinik und Poliklinik für Neurologie, Universitätsklinikum Münster
© Springer Medizin Verlag 2005

Intelligenz, Aufmerksamkeit
und Gedächtnis bei Patienten
mit Myasthenia gravis

B ei Patienten mit Myasthenia gravis


(MG) sind wiederholt eingeschränkte Ge-
sche Vigilanz, eigentlich sensitiv für ACh-
Rezeptor-Verlust, scheint nach einer kon-
diger, 8 Patienten (35) in medikamenten-
gestützter Remission, 10 Patienten (43)
dächtnisleistungen gefunden worden. Tu- trollierten Studie von Lewis et al. [13] bei zeigten eine persistierende Symptomatik
cker et al. [23] und später Iwasaki et al. [9] MG-Patienten nicht betroffen. (Ptosis, Muskelschwäche). Ander weiti-
berichten von schlechteren Ergebnissen Frühere Studien zu Gedächtnisleistun- ge, neurologische Funktionen der Patien-
untersuchter MG-Patienten im Vergleich gen von Patienten mit MG kommen, wie ten betreffende Diagnosen konnten ausge-
zu gesunden Kontrollpersonen in klassi- dargestellt, zu widersprüchlichen Ergeb- schlossen werden.
schen Testverfahren zum verbalen und vi- nissen [17]. Die Frage nach einer zentra- Die neuropsychologische Testbatterie
suellen Gedächtnis. Bohbot et al. [3] fan- len Beteilung bei MG ist damit bislang enthielt Verfahren zur Erfassung von In-
den ein schwächeres räumliches Gedächt- nicht zu beantworten. Vorgestellt werden telligenz, Lern- und Gedächtnisleistun-
nis bei MG-Patienten. Verschiedentlich hier Ergebnisse einer kontrollierten Studie gen sowie von Aufmerksamkeit und Be-
wurde bei MG-Patienten auch eine verrin- an MG-Patienten, die Elektrophysiologie lastbarkeit.
gerte Informationsverarbeitungsgeschwin- und Testpsychologie zugleich umfassen.
digkeit gemessen [1, 16]. Eingeschränkte Die Testverfahren im Einzelnen:
Gedächtnisleistungen sollen nach jünge- Patienten und Methoden F Der „Culture Fair Intelligence Test –
ren Funden mit der Krankheitsaktivität Scale 2“ (CFT 20) nach R.B. Cattel wur-
korrelieren [5]. Neuerdings werden je- In einer kontrollierten Querschnittsstudie de von Weiss [26] entwickelt und stan-
doch Gedächtnisleistungen von MG-Pati- wurden 23 MG-Patienten (11 weiblich) im dardisiert. Es handelt sich um einen
enten mitgeteilt, die keine Defizite zeigen, Alter von 9–77 Jahren (M: 46,7 Jahre, SD: „kulturunabhängigen“ IQ-Test, inso-
ja sogar über den Leistungen der von den 18,4 Jahre) neurologisch und testpsycholo- weit die Untersuchung von der Sprach-
genutzten Tests referierten Normstichpro- gisch untersucht. Ebenfalls testpsycholo- fertigkeit des Probanden unabhängig
ben liegen [1, 7, 15]. gisch untersucht wurden 23 nach Alter, Ge- ist.
MG ist eine chronische Muskelerkran- schlecht und sozioökonomischem Status F Der Zahlen-Verbindungs-Test (ZVT)
kung, die durch Schwäche und rasche Er- gematchte Kontrollpersonen (13 weiblich, ist ein sprachfreier Intelligenztest zur
müdbarkeit der Skelettmuskulatur gekenn- 15–71 Jahre, M: 40,5 Jahre, SD: 13,4 Jahre). Messung der kognitiven Leistungsge-
zeichnet ist. Die Muskelschwäche beruht Die Diagnose „Myasthenis gravis“ erfolg- schwindigkeit [14]. Die Autoren entwi-
auf einer Störung der Reizübertragung an te aufgrund des klinischen Erscheinungs- ckelten ein motivations- und milieuu-
den motorischen Endplatten. Ein (Azetyl- bildes, Tensilon-Testes, Antikörpertiter nabhängiges Verfahren unter Berück-
cholin- [Ach-])Rezeptorverlust wird hier und myographischen Befundes. Die mitt- sichtigung basaler Informationsverar-
auf die bei über 80 der MG-Patienten lere Krankheitsdauer betrug 8,3 Jahre (1– beitungsprozesse. Intelligenz wird hier
nachweisbaren ACh-Rezeptor-Autoanti- 30 Jahre); 15 Patienten (65) hatten gene- als Informationsverarbeitung definiert.
körper zurückgeführt [11, 24]. ACh-Re- ralisierte, 8 Patienten (35) okuläre MG. Dem Probanden werden nacheinander
zeptor finden sich u. a. in Hippokampus, Klinische, neurologische, testpsychologi- 4 Matrizen mit Zahlen von 1–90 vorge-
Hypothalamus, aber auch im Kortex. Da- sche und elektrophysiologische Untersu- legt, die möglichst schnell der Reihen-
mit korrespondieren Berichte über eine chung wurden jeweils am gleichen Tag folge nach durch Bleistiftstriche ver-
schnellere Ermüdung akustisch evozierter durchgeführt. Erhöhte Antikörpertiter bunden werden sollen. Im Einzelver-
Potenziale [2]. Allerdings bleibt ein zentra- fanden sich bei 17 Patienten (74). Fünf such wird die benötigte Zeit protokol-
ler cholinerger Effekt umstritten. Akusti- Patienten (22) befanden sich in vollstän- liert. Der aus den Zeitangaben ermit-

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Tabelle 1

Kognitive und motorische Leistung der Patienten- und Kontrollgruppe


MG-Patienten (n=23) Kontrollgruppe (n=23) pa
M±SD Quartile Range M±SD Quartile Range
CFT (IQ) 103,2±13,2 94/101/113 63–123 106,8±14,8 99/112/120 75–140 n.s.
Lerndurchgänge (DCS) 4,6±1,7 3,5/5/6 1–6 4,4±1,7 3/4/6 1–6 n.s.
Kumulative Reproduktion (DCS) 31,0±14,6 21,5/31,5/43,7 3–52 36,5±14,6 33,5/43/50,5 4–54 n.s.
Unmittelbare Wiedergabe (VLMT)b 6,0±2,4 4/5/7,75 3–12 8,2±1,7 7/8/9 5–12 <0,01
Lernleistung (VLMT)b 5,5±1,7 4/6/7 2–8 5,9±2,4 5/6/7 2–15 n.s.
Verlust nach Interferenz (VLMT)b 1,6±1,4 0/2/2 0– 5 1,5±1,6 0/1/3 0–5 n.s.
Wiedererkennungsleistung (VLMT)b 11,8±4,1 11/14/15 1–15 13,6±2,4 14/14/15 6–15 n.s.
Gesamtzahl (G; d2) 368,3±109,2 270/367/439 178–580 415,5±88,9 329/404/476 266–555 n.s.
Fehler (F; d2) 32,3±33,6 12/23/39 4–153 34,0±27,9 9/20/38 9–127 n.s.
G−F (d2) 336,3±102,5 257/341/411 155–485 381,4±95,1 302/374/448 216–530 n.s.
Aiming (MLS)c 11,0±2,4 8,6/11,4/13,4 7,3–16,2 8,0±1,6 7,1/8,2/9,5 5,8–15,7 d

Tapping (MLS) 186,2±26,7 164/183/200 152–244 203,8±24,5 185/200/217 114–241 n.s.


Stifteumstecken (MLS)c 41,2±6,7 37,6/39,7/42,6 30,8–52,1 36,8±4,7 34,2/36,1/39,5 31,2–53,0 n.s.
Gesamtwert (ZVT)c 98,0±29,8 76/95/119 51–180 81,6±40,2 58/66/93 45–212 n.s.
Motorische Geschwindigkeit (ZVT)c 49,4±21,9 31/49/66 22–110 37,6±16,7 27/33/43 18–83 <0,05
Geschwindigkeit der Informations- 45,8±14,6 34/47/65 10–114 41,7±22,3 26/32/55 18–140 n.s.
verarbeitung (ZVT)c

aMann-Whitney-U-Test; bAnzahl der Wörter; cZeit in Sekunden; n.s. nicht signifikant (jeweils nach Bonferroni-Korrektur).

telte IQ-Wert des ZVT wird als Wert F Der Verbale Lern- und Merkfähig- F Die Motorische Leistungsserie (MLS)
für die Informationsverarbeitungsge- keitstest (VLMT) ist die deutschspra- ist ein computergestütztes Testver-
schwindigkeit verstanden. Tatsächlich chige Version des von Rey 1964 ent- fahren zur Messung feinmotorischer
aber beeinflusst die motorische Leis- wickelten „auditory verbal learning Leistungen [19, 20]. Es existieren 6
tung des Probanden stark das Ergeb- test“ [8, 21]. Dem Probanden werden Untertests mit den Bezeichnungen
nis im ZVT. Den Patienten wurde da- 15 Substantive im Sekundenabstand Steadiness, Liniennachfahren, Ai-
her auch eine Matrize vorgelegt, auf vorgelesen, die er anschließend in ming, Tapping, Stifteumstecken und
der die richtigen Verbindungen bereits beliebiger Reihenfolge frei repro- Pursuit-Rotor. Ermittelt werden je
vorgegeben waren und nachgezeichnet duzieren soll. Es sind insgesamt 5 Untertest die Fehler, die Fehlerdau-
werden sollten. Die benötigte Zeit wur- Durchgänge vorgesehen, bevor ei- er, die Gesamtdauer und/oder die
de dann von der Zeit abgezogen, wel- ne Inferenzliste mit ebenfalls 15 Wör- Anzahl der Treffer. Aiming, Tapping
che die Patienten für die eigene Erar- tern vorgelesen und vom Proban- und Stifteumstecken geben Auskunft
beitung nicht vorgebahnter Zahlenver- den reproduziert wird. Direkt im An- über Sorgfalt und Schnelligkeit der
bindungen benötigten. Die Differenz schluss erfolgt ein weiterer Abruf der Probanden.
ergibt die tatsächliche, um den motori- ersten Wortliste.
schen Aufwand bereinigte Geschwin- F Der Aufmerksamkeits-Belastungs-Test Die elektrophysiologischen Untersuchun-
digkeit der Informationsverarbeitung. (d2): prüft die allgemeinen Voraus- gen, hier ereigniskorrelierte Potenziale
F Das Diagnostikum für Zerebralschädi- setzungen zur Erzielung von Leistun- (P 300), geschahen für alle MG-Patienten
gung (DCS) ist ein Verfahren zur Prü- gen: Aufmerksamkeit, Konzentration unter gleichen räumlichen wie zeitlichen
fung des figuralen Gedächtnisses vor und Belastbarkeit. Die Testaufgabe er- Bedingungen. Für die Stimulusfrequenz
allem in der Frage nach mnestischen fordert daher ein hohes Maß an Auf- wurden 0,55 Hz, für die Stimulusdauer
Hirnfunktionsstörungen [25, 27]. Ge- merksamkeit und Konzentration, je- 100 ms gewählt [6]. Die Datenanalyse um-
nutzt werden die Angaben zur Zahl doch wenige spezielle Fähigkeiten fasst Mann-Whitney-U-Tests für unab-
der benötigten Lerndurchgänge bis und Fertigkeiten [4]. Genutzt werden hängige Gruppen und Spearman-Korre-
zum Erreichen des Lernkriteriums hier die d2-Werte „Gesamtzahl“ bear- lationen. Die statistischen Analysen nut-
und der Summe der richtig reprodu- beiteter Zeichen, dabei unterlaufene zen SPSS 10.0. Als Gesamt-α-Niveau für
zierten Zeichen über alle Lerndurch- „Fehler“ und der bereinigte Wert „Ge- die statistische Auswertung wurde α=0,05
gänge. samtzahl minus Fehler“. festgelegt.

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Zusammenfassung · Summary

Ergebnisse Nervenarzt 2005 · 76:960–966


DOI 10.1007/s00115-005-1877-x
© Springer Medizin Verlag 2005
Die 23 MG-Patienten er reichen einen
IQ, der nicht signifi kant vom Durch- R. Feldmann · R. Kiefer · U. Wiegard · S. Evers · J. Weglage
schnitts-IQ der Stan dardpo pu lati on
(X=100, SD=15) abweicht. Dies trifft für Intelligenz, Aufmerksamkeit und Gedächtnis bei Patienten
den Durchschnitts-IQ der Kontrollgrup- mit Myasthenia gravis
pe gleichfalls zu (. Tabelle 1). Zwischen
den Werten von Patienten- und Kontroll- Zusammenfassung
gruppe können keine statistisch signifi- Hintergrund. Patienten mit Myasthenia ten entsprechen den Testergebnissen der
kanten Abweichungen gefunden werden. gravis (MG) erzielen in Tests zum Gedächt- Kontrollgruppe. Die Ausprägung der Symp-
Die mit dem DCS gemessenen figuralen nis und zur Informationsverarbeitung wi- tomatik, die ereigniskorrelierten Potenzia-
Gedächtnisleistungen der MG-Patienten dersprüchliche Ergebnisse. Während eini- le und die Antikörpertiter korrelierten nicht
sind im Vergleich mit der Kontrollgrup- ge Studien von verringerten Leistungen mit den Testergebnissen der Patienten.
pe ebenfalls nicht vermindert. Die Patien- der MG-Patienten berichten, werden neuer- Schlussfolgerung. Bei Patienten mit MG
ten benötigen nicht mehr Lerndurchgän- dings auch unbeeinträchtigte Gedächtnis- scheint keine zentrale Funktionsstörung
ge als die Kontrollgruppe und reprodu- leistungen von MG-Patienten mitgeteilt. vorzuliegen. Leichte Erschöpfbarkeit und
zieren vergleichbar viele Zeichen richtig Patienten und Methoden. Je 23 MG-Pati- Schläfrigkeit im Tagesverlauf können die
(. Tabelle 1). enten und gesunde Kontrollpersonen wur- vormals berichteten schlechten kognitiven
Die mit dem VLMT gemessenen audi- den neurologisch und testpsychologisch Leistungen der MG-Patienten vielleicht er-
tiven Gedächtnisleistungen der MG-Pati- untersucht. Bei den Patienten wurden die klären.
enten zeigen im Vergleich mit den Leis- Antikörpertiter bestimmt, ereigniskorrelier-
tungen der gesunden Kontrollpersonen te Potenziale wurden für beide Gruppen Schlüsselwörter
Defizite im Bereich der unmittelbaren generiert. Myasthenie · Chronische Erkrankung ·
Wiedergabe. Allerdings bleibt davon die Ergebnisse. Intelligenz, Aufmerksamkeits- Neurokognitive Funktionen · Kognitive
Lernleistung der Patienten unberührt, Pa- und Gedächtnisleistungen der MG-Patien- Defizite · Ereigniskorrelierte Potenziale
tienten und Kontrollgruppe lernten glei-
chermaßen viele Wörter dazu. Interferenz
schmälerte die Lernleistung beider Grup- Intelligence, attention, and memory in patients with myasthenia
pen kaum. Und auch nach längerer Zeit gravis
konnten sich beide Gruppen gleicherma-
ßen gut an den Lerninhalt erinnern (. Ta- Summary
belle 1). Für MG-Patienten und Kontroll- Background. In patients with myasthenia re impaired in patients than controls. Event-
gruppe ergeben sich keine signifikanten gravis (MG), poor performance on cogni- related potentials were not delayed in ei-
Unterschiede in der durch den Test d2 ge- tive tests has been found. Performance on ther group. Patients with elevated autoan-
messenen Konzentrationsleistung. Die Pa- memory tasks has been reported to corre- tibody concentrations similarly showed
tienten bearbeiteten eine beachtliche Zahl late with disease activity, but memory in unimpaired neurocognitive and motor
an Zeichen und machen dabei nicht mehr MG patients was also recently found to be functioning.
Fehler als die Kontrollgruppe. unimpaired. Conclusion. In this study, no evidence of
In der MLS benötigten die Patienten Patients and methods. Cognitive function- neuropsychological impairment was found
im Untertest Aiming mehr Zeit als die ing was examined in 23 patients with MG in MG, arguing against the involvement of
Kontrollpersonen (. Tabelle 1). Ebenso and 23 healthy controls. The patients we- higher cortical functions. Sleep abnormal-
brauchten die Patienten mehr Zeit, um re assessed for IQ, memory, attention, and ities rather than central mechanisms may
den ZVT zu durchlaufen. Im Vergleich zur motor performance. Immunoglobulin G an- explain the memory impairments reported
Kontrollgruppe verlangsamt war die moto- tiacetylcholine receptor autoantibody ti- by some studies.
rische Leistung im ZVT. Die um den moto- ters were determined. Event-related poten-
rischen Aufwand bereinigte Geschwindig- tials were generated for patients and con- Keywords
keit der Informationsverarbeitung unter- trols. Myasthenia · Cognitive deficits · IQ ·
schied sich dagegen statistisch nicht signi- Results. Mean IQs of patients were at aver- Event related potentials
fikant von der Verarbeitungsgeschwindig- age. Memory and attention were not mo-
keit der Kontrollpersonen (. Tabelle 1).
Zehn Patienten zeigten eine persistie-
rende Symptomatik, 13 Patienten befan-
den sich in vollständiger oder medikamen-
tengestützter Remission. Zwischen diesen
beiden Patientengruppen fanden sich

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Tabelle 2

Kognitive und motorische Leistung der MG-Patienten mit persistierender Symptomatik und der MG-Patienten
in vollständiger oder medikamentengestützter Remission
MG-Patienten mit persistierender MG-Patienten in vollständiger oder pa
Symptomatik (n=10) medikamentengestützter Remission (n=13)
M±SD Quartile Range M±SD Quartile Range
CFT (IQ) 106,6±11,6 94/106/119 94–123 100,3±14,3 94,5/101/112,5 63–114 n.s.
Lerndurchgänge (DCS) 4,5±1,5 3/4,5/6 2–6 4,6±1,8 3/6/6 1–6 n.s.
Kumulative Reproduktion (DCS) 32,6±16,1 15/35,5/46,5 12–52 29,9±14,2 24,75/31,5/38 3–50 n.s.
Unmittelbare Wiedergabe (VLMT)b 6,2±1,4 5/6/7,5 5–8 5,1±1,3 3,25/4,5/8,5 3–12 n.s.
Lernleistung (VLMT)b 6,1±2,0 4,5/7/7 2–8 5,1±1,3 4/5/6 3–7 n.s.
Verlust nach Interferenz (VLMT)b 2,1±1,8 0,25/2/3,75 0–5 1,3±1,1 0/1,5/2 0–3 n.s.
Wiedererkennungsleistung 12,4±4,8 11,75/14/15 1–15 11,4±3,8 9/12/14 2–15 n.s.
(VLMT)b
Gesamtzahl (G; d2) 393,4±108,2 312/393/473 200–580 348,9±110,3 252/353/435 178–522 n.s.
Fehler (F; d2) 30,2±27,0 11,5/22/38 9–99 34,0±39,1 9,5/28/39 0–153 n.s.
G−F (d2) 363,4±98,4 276/380/453 188–481 315,5±104,5 233/284/399 155–485 n.s.
Aiming (MLS)c 10,9±3,0 8,2/10,5/13,5 7,5–16,2 11,0±2,1 9,4/11,4/12,6 7,3–13,8 n.s.
Tapping (MLS) 201,8±22,9 182/198,5/220,5 170–244 174,2±23,5 158/173/186 138–230 n.s.
Stifteumstecken (MLS)c 39,7±6,4 33,5/37,6/43,9 30,8–52,1 42,4±7,0 38,1/40,3/43,8 36,8–62,6 n.s.
Gesamtwert (ZVT)c 93,4±33,8 79,75/85/92,25 51–180 101,5±27,1 73/117/120 64–146 n.s.
Motorische Geschwindigkeit (ZVT)c 41,3±13,8 30,25/41/50,25 22–60 55,7±25,2 33/55/70 24–110 n.s.
Geschwindigkeit der 45,4±15,2 31,25/50/72,25 19–114 46,2±14,8 32/46/64 10–78 n.s.
Informationsverarbeitung (ZVT)c

a Mann-Whitney-U-Test; b Anzahl der Wörter; c Zeit in Sekunden; n.s. nicht signifikant (jeweils nach Bonferroni-Korrektur).

Leistungsunterschiede weder im kogniti- Kontrollgruppe (im Mittel: 4,21±1.41 μV, (6 von 15 Wörtern) sich vom in der Vali-
ven noch im motorischen Bereich (. Ta- p=0,804). dierung des VLMT [21] an gesunden Per-
belle 2). sonen gefundenen Wert (6,7 von 15 Wör-
Fünfzehn Patienten hatten generalisier- Diskussion tern) und selbst den von Tucker et al. [23]
te, 8 Patienten okuläre MG. Die Patienten berichteten Zahlen (5,75 für MG-Patien-
mit der generalisierten MG zeigten kog- Bei MG-Patienten konnte eine normale, ten, 7,19 für gesunde Kontrollpersonen)
nitive und motorische Leistungen, die de- im Vergleich zur gesunden Kontrollgrup- nicht unterscheidet. Auch Paul et al. be-
nen der Patienten mit rein okulärer MG pe nicht verminderte Intelligenzleistung richten von normalen unmittelbaren Ge-
gut entsprachen (. Tabelle 3). nachgewiesen werden. Das Ergebnis ent- dächtnisleistungen und eingeschränkten
Siebzehn Patienten wiesen erhöhte spricht den Befunden von Lewis et al., die Lernleistungen bei MG-Patienten [16].
AchR-Antikörper-Konzentrationen von für die von ihnen untersuchten 5 Patien- Die Lernleistung unserer Patienten war
über 0,25 nmol/l auf (Range 0–120, im ten mit MG einen Durchschnitts-IQ von nicht eingeschränkt. Verglichen mit der
Mittel 11,4±25,9). Die Antikörpertiter kor- 105 berichten [13]. Die mit dem verbalen Kontrollgruppe erschien weder die Lern-
relierten nicht mit den kognitiven und mo- Lern- und Merkfähigkeitstest (VLMT) ge- leistung im VLMT noch der kumulative
torischen Leistungen der Patienten. Auch messenen Gedächtnisleistungen der MG- Reproduktionswert im DCS gemindert.
Patienten mit erhöhtem Antikörpertiter Patienten zeigten im Vergleich mit den Überdies entspricht die ungestörte Lern-
zeigten der Kontrollgruppe gegenüber un- Leistungen der Kontrollpersonen Defizi- leistung unserer Patienten ihrer ebenfalls
eingeschränkte Leistungsfähigkeit. te nur im Bereich der unmittelbaren Wort- unbeeinträchtigten Aufmerksamkeitsleis-
Die ereigniskorrelier ten Potenziale wiedergabe. Dies widerspricht den Ergeb- tung im Test d2: Die Patienten arbeiteten
(P 300b) der Patienten waren nicht signifi- nissen von Tucker et al. [23]. Sie fanden zumindest in der kurzfristigen Testsitua-
kant verlangsamt (im Mittel 441,5 ±51,9 ms; bei ihren 12 MG-Patienten eine geringe tion ebenso konzentriert wie die gesun-
Kontrollgruppe: im Mittel 428,9±23,9 ms, Lernleistung, aber eine ungestörte unmit- den Kontrollpersonen. Diese Ergebnisse
p=0,473). Die P 300b „Peak-to-baseline- telbare Wortwiedergabe. Dabei ist aller- stimmen auch gut mit den elektrophysio-
Amplitude“ unterschied nicht zwischen dings zu beachten, dass die unmittelba- logischen Daten überein, die auf unbeein-
Patienten (im Mittel : 4,06±2,17 μV) und re Wiedergabeleistung unserer Patienten trächtigte ereigniskorrelierte Potenziale

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Tabelle 3

Kognitive und motorische Leistung der Patienten mit generalisierter und okulärer MG
Patienten mit generalisierter MG (n=15) Patienten mit okulärer MG (n=8) pa
M±SD Quartile Range M±SD Quartile Range
CFT (IQ) 101,3±14,0 94/101/111 63–120 107,3±11,2 99/101/119 94–123 n.s.
Lerndurchgänge (DCS) 4,1±1,8 2/4,5/6 1–6 5,4±1,0 4/6/6 4–6 n.s.
Kumulative Reproduktion (DCS) 29,8±17,3 12,5/30/44,5 3–52 33,3±8,2 28/33/38 21–47 n.s.
Unmittelbare Wiedergabe (VLMT)b 6,0±2,1 4/7/8 3–9 6,0±3,5 4/5/8,5 3–12 n.s.
Lernleistung (VLMT)b 5,5±1,6 4/6/7 2–7 5,4±2,1 3,5/5/7,5 3–8 n.s.
Verlust nach Interferenz (VLMT)b 1,5±1,1 0/2/2 0–3 2,0±2,3 0/1/4,5 0–5 n.s.
Wiedererkennungsleistung (VLMT)b 11,9±4,6 11/14/15 1–15 11,6±2,8 9/11/14,5 9–15 n.s.
Gesamtzahl (G; d2) 377,9±111,8 278/393/461 200–580 346,3±107,9 257/361/439 178–467 n.s.
Fehler (F; d2) 38,8±38,1 12/36,5/41,25 4–153 17,7±12,9 7/21/23 0–39 n.s.
G–F (d2) 339,6±105,7 259/333/452 188–485 328,9±102,4 257/351/411 155–444 n.s.
Aiming (MLS)c 10,9±2,6 8,3/11,4/12,9 7,3–16,2 11,2±2,1 9,3/11,4/13,6 8,5–13,8 n.s.
Tapping (MLS) 188,9±23,3 170,75/186,5/ 152–230 180,0±34,7 157/180/200 138–244 n.s.
204,75
Stifteumstecken (MLS)c 41,3±4,9 37,6/40,1/44,4 35,7–52,1 40,9±10,2 35,2/38,4/41,2 30,8–62,6 n.s.
Gesamtwert (ZVT)c 98,8±34,6 71/90,1/130,9 60,3–141 96,0±15,9 77,8/86,8/105,5 70,3–109,5 n.s.
Motorische Geschwindigkeit (ZVT)c 50,1±22,3 31,5/49,5/65,5 24–110 47,9±22,6 30/45/71 22–84 n.s.
Geschwindigkeit der Informations- 47,3±15,8 31,3/45,9/60,6 23,75–73,75 42,6±12,0 36,75/45, 21,5–59,75 n.s.
verarbeitung (ZVT)c 75/48,25

a Mann-Whitney-U-Test; b Anzahl der Wörter; c Zeit in Sekunden; n.s. nicht signifikant (jeweils nach Bonferroni-Korrektur).

der MG-Patienten hinweisen. Bartel und vollständiger oder medikamentengestütz- (und angepasst auch in der Kontrollgrup-
Lotz berichten, dass Patienten mit MG im ter Remission zeigen vergleichbare kogni- pe). Zwar wurden nur Testverfahren ge-
Motorischen Leistungstest langsamer wa- tive Leistungen. Die Patienten mit genera- nutzt, die den Testkriterien gemäß für das
ren als die Kontrollpersonen und auch ge- lisierter MG zeigten kognitive und motori- gesamte Altersspektrum geeignet waren.
ringere Trefferzahlen erreichten [1]. Unse- sche Leistungen, die denen der Patienten Gleichwohl ist sicherlich eine homogene
re Ergebnisse zur motorischen Leistung mit rein okulärer MG gut entsprachen. Altersstruktur für Nachfolgestudien sehr
der Patientengruppe stimmen damit teil- Die Antikörpertiter korrelierten nicht mit wünschenswert. Die insgesamt gut geeig-
weise überein: Um gute Trefferzahlen (Ai- den kognitiven und motorischen Leistun- nete Testbatterie prüft Aufmerksamkeit
ming) zu erreichen, brauchten die Patien- gen der Patienten. Auch Patienten mit er- nur in einer kurzen Belastungssituation
ten signifikant mehr Zeit. Auch brauchten höhtem Antikörpertiter zeigten gegen- (Test d2). Sie sollte um (computergestütz-
die Patienten mehr Zeit, um den Zahlen- über der Kontrollgruppe uneingeschränk- te) Verfahren zur Erfassung von Dauerauf-
Verbindungs-Test zu durchlaufen. Dabei te Leistungsfähigkeit. Es scheint also, dass merksamkeit ergänzt werden.
waren die motorische Leistung statistisch weder die Ausprägung der Symptomatik Zusammenfassend ist festzu halten,
signifikant und die um den motorischen noch die Antikörpertiter Einfluss auf die dass unsere Studie frühere Funde zu ein-
Aufwand bereinigte Geschwindigkeit der kognitive Leistungsfähigkeit der MG-Pati- geschränkten kognitiven Leistungen bei
Informationsverarbeitung zumindest nu- enten haben. Patienten mit MG nicht bestätigen kann.
merisch verlangsamt. Von einer verlang- Kritisch ist sicherlich anzumerken, Dennoch mag die Studie zu einem vertief-
samten Informationsverarbeitung bei MG- dass zwar frühere Studien auf kleineren ten Verständnis der Symptomatik bei MG
Patienten berichten Bartel und Lotz sowie Stichproben fußen, unsere Stichprobe al- beitragen. Patienten berichten ja selbst im-
Paul et al. [1, 16]. Allerdings fanden beide lerdings ebenfalls für die Abbildung aller mer wieder von subjektiv erlebten kogni-
Autorengruppen nur eine Verlangsamung, möglichen Gruppeneffekte wohl noch zu tiven Beeinträchtigungen. Wenn nun ob-
nicht aber eine Qualitätsminderung der In- klein sein dürfte. Die Studienpatienten ka- jektive Nachweise für eine zentrale Funkti-
formationsverarbeitung. men zu regulären Verlaufsuntersuchun- onsstörung ausbleiben, sind andere Ursa-
Die Krankheitsaktivität scheint sich auf gen in das Klinikum. Eine Auswahl nach chen für das beeinträchtigte subjektive Er-
die kognitiven Leistungen der MG-Patien- anderen als Diagnosekriterien fand nicht leben zu suchen. So berichten Stepansky
ten nicht auszuwirken. Patienten mit per- statt. Entsprechend ergibt sich ein weites et al. über eingeschränkte Gedächtnisleis-
sistierender Symptomatik und solche in Altersspektrum in der Patientengruppe tungen bei MG-Patienten mit nächtlicher

Der Nervenarzt 8 · 2005 | 965


Fachnachrichten

Apnoe [22]. Sie beobachteten Apnoe oder 6. Evers S, Bauer B, Grotemeyer KH et al. (1998) Event- Medikamenten-induzierter
related potentials (P300) in primary headache in
Hypopnoe bei 60 ihrer Patienten mit childhood and adolescence. J Child Neurol 13:322– Kopfschmerz
MG und betrachten die gefundenen kog- 326 Rückfallrisiko im ersten halben Jahr des
7. Glennerster A (1996) Memory in Myasthenia gra-
nitiven Störungen als symptomatisch für vis: neuropsychological tests of central cholinergic Medikamentenentzugs am höchsten
die nächtlichen Atemstörungen bei MG. function before and after effective immunologic
treatment. Neurology 46:1138–1142
Keesey und Paul et al. vermuten ebenfalls, 8. Helmstaedter C, Durwen HF (1990) VLMT: Verbaler Die häufige Einnahme von Schmerzmitteln
dass Atemprobleme und subjektiv erlebte Lern- und Merkfähigkeitstest. Schweiz Arch Neurol - an mehr als zehn Tagen pro Monat - kann
Psychiatr 141:21–30
Erschöpfbarkeit die Testleistung der Pati- 9. Iwasaki Y, Kinoshita M, Ikeda K et al. (1989) Cogniti-
einen Dauerkopfschmerz verursachen, den
enten mindern [11, 16]. Paul et al. konnten on in myasthenia. Neurology 39:1002 so genannten Medikamenten-induzierten
zeigen, dass ein solches subjektives Erle- 10. Jaretzki A, Barohn RJ, Ernstoff RM et al. (2000) My- Kopfschmerz, auch MOH genannt (medi-
asthenia gravis. Recommendations for clinical rese-
ben mit immerhin 4 von insgesamt 11 Sub- arch standards. Neurology 55:16–23 cation overuse headache). Der dumpf-drü-
skalen der den Patienten vorgelegten Ge- 11. Keesey JC (1999) Does myasthenia gravis affect ckende Schmerz im ganzen Kopf tritt täg-
the brain? J Neurol Sci 170:77–89
dächtnistests zumindest moderat korre- 12. Kirkcaldy B (1986) Differential psychomotor skills lich oder fast täglich auf und setzt bereits
liert [18]. Möglicherweise müssen künfti- in a clinical group. Pers Indiv Differ 7:853–859 beim Aufwachen am Morgen ein. Von die-
13. Lewis SW, Ron MA, Newsom-Davis J (1989) Ab-
ge Studien subjektiv benannte Faktoren sence of central function cholinergic deficits in ser Kopfschmerzform betroffen sind schät-
und etwa auch Atemstörungen der MG- myasthenia gravis. J Neurol Neurosurg Psychiatry zungsweise ein bis zwei Prozent der Bevöl-
52:258–261
Patienten vermehrt berücksichtigen. 14. Oswald DW, Roth E (1987) Der Zahlen-Verbin-
kerung - in Deutschland zwischen 800.000
dungs-Test (ZVT), 2. Aufl. Hogrefe, Göttingen und 1,6 Millionen Menschen. Die einzig
Schlussfolgerung 15. Paradis CM, Lazar RM, Kula RW (1994) Cognitive sinnvolle Behandlung ist der Entzug der
function in myasthenia gravis. Neuropsychiatry
Neuropsychol Behav Neurol 7:211–214 Schmerzmittel. Ein Team der Neurologi-
Unsere Untersuchung bestätigt frühere 16. Paul RH, Cohen RA, Gilchrist JM et al. (2000) Cogni- schen Universitätsklinik Essen hat dies im
tive dysfunction in individuals with myasthenia
Ergebnisse zu einer zentralen Funktions- gravis. J Neurol Sci 179:59–64 Rahmen einer mehrjährigen Nachbeobach-
störung bei Patienten mit MG nicht. Sub- 17. Paul RH, Cohen RA, Zawacki T et al. (2001) What tung betroffener Patienten überprüft und
have we learned about cognition in myasthenia
jektiv erlebte Erschöpfbarkeit und ver- gravis? A review of methods and results. Neurosci fand heraus, dass Patienten mit MOH vor al-
mehrte Schläfrigkeit im Tagesverlauf kön- Biobehav Rev 25:75–81 lem in den ersten sechs Monaten nach ei-
18. Paul RH, Cohen RA, Gilchrist JM (2002) Ratings of
nen die schlechten kognitiven Leistun- subjective mental fatigue relate to cognitive per-
nem Arzneimittel-Entzug rückfallgefährdet
gen der MG-Patienten in manchen frühe- formance in patients with myasthenia gravis. J Clin sind. In diesem Zeitraum wurden 31% der
ren Studien vielleicht erklären. Neurosci 9:243–246 insgesamt 96 beobachteten Patienten rück-
19. Quatember R, Maly J (1980) Neuropsychologische
Untersuchungsmethoden altersspezifischer Lei- fällig. Wer diese kritische Zeit übersteht, hat
Korrespondierender Autor tungsparameter. Wien Med Wochenschr 30:688– es in den meisten Fällen geschafft. Bis zum
692
Dr. R. Feldmann 20. Schoppe KJ (1974) Das MLS-Gerät: Ein neuer Test- Ende des ersten Jahres nach dem Entzug er-
apparat zur Messung feinmotorischer Leistungen. höhte sich der Prozentsatz der rückfällig ge-
Klinik und Poliklinik für Neurologie, Diagnostica 20:43–46
Universitätsklinikum Münster, 21. Schweisthal B (1997) Die Leistungen von 7- bis 15- wordenen Patienten nur noch auf 41%. In
Albert-Schweitzer-Straße 33, jährigen Kindern im Verbalen Lern- und Merkfähig- den darauf folgenden drei Jahren wurden
48129 Münster keits-Test (VLMT). Z Neuropsychol 8:129–136
22. Stepansky R, Weber G, Zeitlhofer J (1997) Sleep ap- dann nur noch weitere zwei Patienten rück-
E-Mail: feldrei@uni-muenster.de nea and cognitive dysfunction in myasthenia gra- fällig. Die Essener Studie zeigt somit, wie
vis. Acta Med Austriaca 24:128–131 wichtig eine engmaschige Überwachung in
Interessenkonflikt: Der korrespondierende 23. Tucker DM, Roeltgen DP, Wann PD et al. (1988) Me-
Autor versichert, dass keine Verbindungen mit mory dysfunction in myasthenia gravis: evidence den ersten Monaten nach dem Medikamen-
einer Firma, deren Produkt in dem Artikel ge- for central cholinergic effects. Neurology 38:1173– tenentzug ist. Insgesamt kann die Prognose
1177
nannt ist, oder einer Firma, die ein Konkurrenz- 24. Vincent A, Palace J, Hilton-Jones D (2001) Myasthe- jedoch schlechter ausfallen, wenn man bei-
produkt vertreibt, bestehen. nia gravis. Lancet 357:2122–2128 spielsweise auch depressive Patienten oder
25. Weidlich S, Lamberti G (1993) DCS. Diagnosticum
für Cerebralschädigung nach F. Hillers, 3. Aufl. Hu- solche, die mehrere Substanzen einneh-
Literatur ber, Bern men, mit einbezieht. Auch fanden die Esse-
26. Weiss RH (1987) Grundintelligenztest Skala 2 CFT
20. Hogrefe, Göttingen ner Wissenschaftler heraus, dass Migräne-
1. Bartel PR, Lotz BP (1995) Neuropsychological test 27. Zimmermann W (1986) Zur differentialdiagnosti- patienten deutlich seltener rückfällig wur-
performance and affect in myasthenia gravis. Acta schen Valenz des Diagnosticum für Cerebralschädi-
Neurol Scand 91:266–270 gung (DCS) in der klinischen Praxis. Psychiatr Neu-
den als Patienten, die an chronischem Span-
2. Bergonzi P, Mazza S, Mennuni G et al. (1981) Cen- rol Med Psychol 38:488–496 nungskopfschmerz oder einer Kombination
tral nervous system involvement in myasthenia
gravis. Ann NY Acad Sci 377:810–811 aus Spannungskopfschmerz und Migräne
3. Bohbot VD, Jech R, Bures J, Nadel L et al. (1997) litten. Zudem hatten Migräne-Patienten, die
Spatial and nonspatial memory involvement in my-
asthenia gravis. J Neurol 244:529–532 ihre Attacken mit Triptanen behandelten,
4. Brickenkamp R (1994) Test d2. Aufmerksamkeits- ein geringeres Rückfallrisiko als jene, die An-
Belastungs-Test, 8. Aufl. Hogrefe, Göttingen
5. Davidov-Lustig M, Klinghoffer V, Kaplan-Dinur A algetika genommen hatten.
et al. (1992) Memory abnormalities in myasthenia
gravis: possible fatigue of central nervous system
Quelle: Deutsche Migräne- und
scholinergic circuits. Autoimmunity 14:85–86
Kopfschmerzgesellschaft e.V.

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