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Universität Leipzig 09.12.

2009
Modul 101 – Einführung in die Kommunikation- und Medienwissenschaft
Wintersemester 2009/10
Schreiberin des Excerpts: Sandra Friedrichs

Excerpt zum Text „Medieninhalte-Die Einführung“(S.11-34) von Marcus Maurer und Carsten Reinemann
Marcus Maurer und Carsten Reinemann stellen in ihrem Text die Gründe dar, aus denen die Massenmedienangebote
wissenschaftlich analysiert werden. Darüber hinaus sind sie der Auffassung, dass „hinter inhaltsanalytischen
Untersuchungen implizit oder explizit immer entweder die Absicht steht, etwas über die Entstehungsbedingungen der
Medieninhalte oder über ihre mögliche Wirkungen auszusagen.“(S.11)
Gründe für die Untersuchung von Medieninhalten
Die Ziele der Inhaltsanalyse beschrieb Früh (2004: 41 ff.) mit einem formal-deskriptiven(„anhand rein äußerlicher, nicht
inhaltlicher Merkmale“(Früh, 2004:41 ff.)), diagnostischen(„Eine Schlussfolgerung (Inferenz) von Inhalten auf die
Bedingungen und Prozesse, die zu ihrer Entstehung geführt haben.“(S.11)) und prognostischen(Schlussfolgerung von
Mitteilungsmerkmalen auf deren Wirkung beim Rezipienten(S.11)) Ansatz. Merten beschrieb zwar den „Schluss vom Inhalt
auf den Kommunikator bzw. den Schluss vom Inhalt auf den Rezipienten“(Merten. 1995: 14 ff.) ebenso als zentrale Ziele der
Medieninhaltsuntersuchungen, doch sein Verständnis des formal-deskriptiven(Keine eigenständige Variante der
Inhaltsanalyse(S.12)) Ansatzes unterschied sich von Frühs. Außerdem gab Merten als drittes Ziel einer Inhaltsanalyse „den
Schluss vom Inhalt auf die Situation“(Merten. 1995: 14 ff.) an.
Maurer und Reinemann beziehen sich aber lediglich auf zwei zentrale Ziele der Inhaltsanalyse: Entweder will eine
Inhaltsanalyse „Aussagen über die Entstehungsbedingungen von Medieninhalten(diagnostischer Ansatz/Schluss auf den
Kommunikator) und/oder Aussagen über mögliche Wirkungen von Medieninhalten(prognostischer Ansatz/Schluss auf den
Rezipienten) machen“(S.12). Zur Veranschaulichung haben sie eine kurze Darstellung konstruiert, die alle wichtigsten
Erkenntnisse der Ziele der inhaltsanalytischen Untersuchungen von Medieninhalten wiedergibt. In den nächsten zwei
Kapiteln erklären die Autoren Punkte „Entstehung“ und „Wirkung“, die in der Darstellung erkennbar sind.

(Maurer, Reinemann: „Medieninhalte – Die Einführung“. S.13)


Medieninhalte als Indikatoren für ihre Entstehungsbedingungen
Bei der Untersuchung von Medieninhalten gilt es herauszufinden, welche Prozesse und Einflüsse bei ihrer Produktion,
Publikations- und Programmentscheidungen wirksam werden. Deshalb ist es wichtig, dass „Medieninhalte ihre
Entstehungsbedingungen reflektieren“(S.14). Jedoch sind neben einer Inhaltsanalyse noch weitere Informationen
(theoretische Annahmen[beruht auf Plausibilität] und/oder empirische Daten[beruht auf Validität]) von Nöten, um
„Schlussfolgerungen von den Charakteristika von Medieninhalten auf ihre Entstehungsbedingungen rechtfertigen zu
können“(S.15).
Bei der theoretischen Ebene gibt es das Problem, welche Faktoren man wirklich als solche benennt, die Einfluss auf
Medieninhalte haben. Esser (1998) hat dafür vier Ebenen von Einflüssen auf den Journalismus unterschieden, die er als
 Individualsphäre: „Merkmale einzelner Journalisten, die die von ihnen produzierten Medieninhalte potentiell
beeinflussen können.“(S.16). Studie (vgl. S.17) ergab, dass bestimmte Ereignisse in bestimmten Medien
vorkamen und in anderen nicht. Das liegt auch an den individuellen Ansichten der Journalisten.
 Institutionensphäre: Alle Faktoren der Medienorganisation bzw. Redaktion. Studie (vgl. 17 f.) ergab, dass die
Kommentare in Zeitungen nicht nur Einzelmeinungen, sondern die Redaktionsansichten insgesamt widerspiegeln.
 Medienstruktursphäre: Rechtlich-normative, professionelle oder ökonomische Faktoren für alle
Medienorganisationen eines Landes. Selektier- und Bearbeitungsvorgänge werden beobachtet.
 Gesellschaftssphäre: historisch-kulturelle Rahmenbedingungen, wodurch Gesellschaft, Journalist und
Medieninhalte geprägt werden. Studie (vgl. S.19) ergab, dass Medieninhalte Auskunft über die Werte und
Überzeugungen in einer Gesellschaft geben und, dass Veränderungen in Medieninhalten als Indikatoren für
Veränderungen in der Gesellschaft betrachten können => Die Werte und Überzeugungen der Medieninhalte sind
die dominierenden Wertvorstellungen und Überzeugungen der Gesellschaft. Gründe:
o Journalisten selbst durch die Zeit geprägt
o Medieninhalte sind aus wirtschaftlichen Gründen an den Rezipienten ausgerichtet und müssen inhaltlich
die Interessen der Zuschauer und Leser berücksichtigen. Außerdem kann man an der Berichterstattung
der Medien „ablesen, welche Erwartungen, Meinungen und Werte in einer Gesellschaft
dominieren“(Medienauftrag; S.20). Drei Analysemöglichkeiten für Rückschluss auf Veränderungen in der
Gesellschaft:
 formale Merkmale der Medienbeiträge (Bsp.: Länge, Schnittfolge: Hektik, Schnelllebigkeit einer
Gesellschaft)
 Vorkommen bestimmter Wörter (Bsp.: religiöse Wörter weniger: nicht religiöse Gesellschaft)
 inhaltliche Merkmale der Medienbeiträge (Bsp.: Themen: Wichtigkeit in einer Gesellschaft)
Zwei Einschränkungen für diese Schlussfolgerungen
1. Verhältnis von Mediendarstellung und gesellschaftlicher Realität. Medieninhalte
geben die Realität bedingt wieder (fiktionale Medieninhalte und Werbung, aktuelle
Berichterstattung). Das liegt einerseits an den Journalisten („Vorreiter des
gesellschaftlichen Wandels“[S.21]), aber auch an den Medieninhalten, welche die
Realität in ihrer ganzen Komplexität nicht wiedergeben können(subjektiver
Auswahlprozess). Deshalb müssen die Meinungen und Werte der Medien nicht mit
denen aus der Gesellschaft übereinstimmen.
2. Verhältnis von Ursache und Wirkung: Medien können selbst die Ursache
gesellschaftlicher Werte- und Meinungsverteilungen sein.
bezeichnet. Bestimmte Faktoren können aber auch zu unterschiedlichen Ebenen zugerechnet werden.
Medieninhalte als Indikatoren für Medienwirkung
Wenn der Rezipient direkt oder indirekt von Medieninhalten beeinflusst wird, spricht man von Medienwirkung. (S.22)
Entweder können die Medien die relativ kurzfristigen Meinungen, die relativ langfristigen Einstellungen, die
Realitätsvorstellungen(Einfluss der Massenmedien auf das Wissen der Rezipienten), die Emotionen oder das Verhalten der
Rezipienten beeinflussen. Medieninhalte können „neue Meinungen, Einstellungen, Realitätsvorstellungen, Emotionen oder
Verhaltensweisen generieren“(S.22), bestehende verstärken oder verändern. Wie stark die Wirkung von Medieninhalten ist,
hängt von den Inhalten, dem Kommunikator und den Rezipienten ab.
Wenn man die Medieninhalte selbst untersucht, kann nichts Sicheres über die Wirkung gesagt werden (jeder Medienhalt hat
bei unterschiedlichen Rezipienten eine andere Wirkung). Deswegen müssen zu den Inhaltsanalysen noch externe Daten
herangezogen werden. Dafür sind zwei Beweisführungen möglich:
 indirekte Beweisführung (Beruht nur auf Inhaltsanalysedaten und für die Inferenzen wird auf Ergebnisse anderer
Studien verwiesen; keine zweifelsfreie Belegung, nur plausibel)
 direkte Beweisführung (Inhaltsanalyse mit externe Daten gleichzeitig erhoben und miteinander kombiniert)
Zur direkten Beweisführung gibt es eine Vier-Felder-Tabelle, die auf Seite 24 dargestellt wird.
 Rangkorrelationen: Stimmt die Rangfolge der Häufigkeiten in den Medieninhalten mit der Rangfolge in der
Bevölkerung überein(Agenda-Setting-Forschung)?
 Zeitreihenanalyse: Wie Rangkorrelation, nur über einen längeren Zeitraum und mehrmalige Erhebung
 Produkt-Moment-Korrelationsanalyse: Untersuchung der Mediennutzung der Rezipienten wegen der Vermutung,
dass die Unterschiede in der Nutzung der Medieninhalte die Urteile der Rezipienten beeinflussen.
 Panelanalyse: Eine bestimmte Gruppe von Rezipienten mit identischen Fragen mehrmals befragt (nach
Mediennutzung und Urteilen) -> individuelle Meinungsveränderungen können untersucht werden
Die Qualität von Medienangeboten
Ein großer Teil der Inhaltsanalysen befasst sich mit Qualitätsfragen, jedoch gibt es „Probleme bei der Definition und
Unterscheidung verschiedener Qualitätsdimensionen.“(S.28) Schatz und Schulz (1992) haben die Qualitätsmerkmale zu
Dimensionen zusammengefasst und Vorschläge für ihre empirische, inhaltsanalytische Erfassung gemacht. Maurer und
Reinemann konzentrieren sich auf drei Dimensionen von Qualität:
 Vielfalt (bezeichnet die inhaltliche Breite des Medienangebots)
 Relevanz (entscheidend für die Qualität von Informationsangeboten, Schlüsselkriterium zur Beurteilung
journalistischer Auswahlentscheidungen)
 Professionalität („bezieht sich auf die Art der Selektion, Aufbereitung und Präsentation (…) entlang anerkannter –
journalistischer – Arbeitsregeln und steht zusammen mit Vielfalt im Zentrum der Betrachtung journalistischer
Qualität“(Fahr 2001: 20)). Relevanz und Vielfalt sind Ergebnisse des professionellen journalistischen Handelns.
o gestalterische Professionalität
o inhaltliche Professionalität
 analytische Qualität (bezieht sich auf die Kritik- und Kontrollfunktion der Medien)
 deskriptive Qualität/Objektivität (bezieht sich auf die Vermittlungsfunktion der Medien)
 Sachgerechtigkeit der Inhalte (Aktualität, Richtigkeit, Vollständigkeit)
 Unparteilichkeit der Inhalte (Ausgewogenheit, Neutralität)

(Maurer, Reinemann: „Medieninhalte – Die Einführung“. S.32)