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VDI-W¾RMEATLAS

Herausgeber:
Verein Deutscher Ingenieure
VDI-Gesellschaft Verfahrenstechnik
und Chemieingenieurwesen (GVC)

Zehnte, bearbeitete und erweiterte Auflage

13
Verein Deutscher Ingenieure
VDI-Gesellschaft Verfahrenstechnik
und Chemieingenieurwesen (GVC)

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ISBN-10 3-540-25504-4 Springer-Verlag Berlin Heidelberg New York


ISBN-13 978-3-540-25504-8 Springer-Verlag Berlin Heidelberg New York

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Vorwort zur 10. Auflage

Der VDI-Wärmeatlas wird inzwischen seit mehr als fünfzig Jahren erfolgreich publiziert und genutzt.
Er hat sich, der Entwicklung des Fachgebietes entsprechend, von Auflage zu Auflage verändert und
erweitert. Die zehnte Auflage wurde vom Redaktionsausschuss, bestehend aus den Herren
Prof. Dr.-Ing. Volker Gnielinski, Karlsruhe,
Prof. Dr.-Ing. Stefan Kabelac, Hamburg,
Prof. Dr.-Ing. Matthias Kind, Karlsruhe,
Prof. Dr.-Ing. Holger Martin, Karlsruhe,
Prof. Dr.-Ing. Dieter Mewes, Hannover,
Prof. Dr.-Ing. Karlheinz Schaber, Karlsruhe und
Prof. Dr.-Ing. Peter Stephan, Darmstadt,
unter Berücksichtigung neuerer Entwicklungen strukturell und inhaltlich vorbereitet. Die organisato-
rische Vorbereitung lag in den Händen von Frau Sigrid Cuneus, Frau Simone Schlegel und Herrn Tho-
mas Lehnert, Berlin. Bei der Auswahl neuer Bearbeiter wurde ± wie schon bei den Vorauflagen ± auf
ausgewiesene Fachleute besonderer Wert gelegt.

Gegenüber der 9. Auflage wurden folgende Abschnitte neu verfasst:


Da Berechnungsmethoden für Stoffeigenschaften
Dba Stoffwerte von Wasser
Dbb Stoffwerte von Luft
Dca Stoffwerte von sonstigen chemisch einheitlichen Flüssigkeiten
Dd Stoffwerte von technischen Wärmeträgern
Dea Stoffwerte von reinen Metallen und Metalllegierungen
Deb Stoffwerte von feuerfesten Materialien
Dec Stoffwerte von Kälte- und Wärmedämmstoffen
Ded Wärmeleitfähigkeit von Erdreich, Mauerwerk, Holz und Baustoffen
Dfb Dampf-Flüssigkeit-Gleichgewicht von Polymerlösungen
Lbb Druckabfall von Gas-Flüssigkeitsströmungen in Rohren
Lbd Berechnen von kritischen Massenströmen
Lcc Druckverlust in pneumatischen Transportanlagen
Lcd Zyklone zum Abscheiden fester Partikel aus Gasen
Me Wärmeübertragung an nichtnewtonschen Flüssigkeiten.

Wesentlich überarbeitet wurden die Abschnitte:


Hab Behältersieden
Je Spontane Kondensation und Aerosolbildung
Ka Strahlung technischer Oberflächen
Kb Einstrahlzahlen
Kc Gasstrahlung; Strahlung von Gasgemischen
Kf Superisolationen
Lba Gas-Flüssigkeitsströmungen
Lca Bewegung fester Partikel in Gasen und Flüssigkeiten
Lda Bildung und Bewegung von Tropfen und Blasen
Ldc Lamellentropfenabscheider
Ldd Zyklone zur Abscheidung von Tropfen.

Darüber hinaus wurden zahlreiche Aktualisierungen und Ergänzungen vorgenommen, denen zum Teil
Zuschriften der Leser zu Grunde lagen.

Diese Abschnitte des Wärmeatlas wurden ± entsprechend der Vorgehensweise bei den Voraufla-
gen ± einem umfassenden fachlichen Prüfverfahren unterzogen, in das auch die Mitglieder des
VDI-GVC-Fachausschusses ¹Wärme- und Stoffübertragungª einbezogen waren. Damit erhält der
Nutzer dieses Werkes ein Höchstmaû an Sicherheit, dass die Berechnungsverfahren, Aussagen
und Daten dem neuesten Stand des Wissens entsprechen, soweit dieses veröffentlicht vorliegt.
Gleichwohl ist vom Nutzer des VDI-Wärmeatlas eine hinreichende fachliche Kompetenz zu for-
dern, da eine unsachgemäûe Anwendung der Formeln und Daten zu fehlerhaften Ergebnissen füh-
ren kann.
Am Grundkonzept des VDI-Wärmeatlas, wie im Vorwort der ersten Auflage beschrieben, hat sich
nichts geändert. Allen Bearbeitern und Fachgutachtern sowie den Mitgliedern des Redaktionsaus-
schusses und des VDI-GVC-Fachausschusses ¹Wärme- und Stoffübertragungª wie auch den Da-
men und Herren vom Springer-Verlag sei an dieser Stelle für ihre Mitarbeit an diesem Standard-
werk gedankt.

Karlsruhe und Düsseldorf, Juni 2005 VDI-Gesellschaft Verfahrenstechnik


und Chemieingenieurwesen (GVC)

Vorsitzender des Redaktionsausschusses


Professor Dr.-Ing. H. Martin
Vorwort zur 1. Auflage

Die vorliegende Sammlung von Diagrammen soll die schnelle Berechnung von Wärmeaustauschern ermöglichen.
Sie unterscheiden sich in ihrer Art grundsätzlich von den bisher bekannten Lehr- und Handbüchern, die eine Dar-
stellung der verschiedensten theoretischen und experimentellen Erkenntnisse bringen. Der VDI-Wärmeatlas gibt
demgegenüber für ein bestimmtes Wärmeübergangsgebiet nur eine Gleichung an, die nach eingehender Prüfung
aller verfügbaren Arbeiten als zur Zeit zuverlässigste Lösung angenommen wird. In allen Fällen ist die Begren-
zung der Gültigkeitsbereiche angegeben, in denen eine experimentelle Bestätigung vorliegt oder in denen nach
den derzeitigen theoretischen Erkenntnissen keine merkliche Abweichung zu erwarten ist. Durch die besondere
Vorarbeit einer Sichtung, Beurteilung und Auswahl des Schrifttums wird dem Benutzer eine umfangreiche Arbeit
abgenommen, für die dem in der Praxis tätigen Ingenieur nicht nur die Zeit und die oftmals schwierig zu beschaf-
fende Literatur, sondern auch die theoretischen Spezialkenntnisse fehlen.
Die Berechnung von Wärmeaustauschern erfordert trotz aller Schematisierung in der Anwendung von Formeln
ein besonderes Einfühlungsvermögen in die physikalischen Vorgänge. Eine allgemeine Einführung in die theoreti-
schen Grundlagen soll dies erleichtern. Die Kenntnis der mathematischen Ansätze und das Wissen um die verhält-
nismäûig wenigen analytischen Lösungen für geometrisch einfache Körperformen sind dabei ebenso wichtig wie
die Vermittlung der Fähigkeit, sich den Strömungsverlauf bewegter Medien oder den Wärmefluû in Körpern vor-
stellen zu können.
Bei allen Bewegungsvorgängen, sowohl bei der natürlichen wie auch bei der erzwungenen Strömung spielt die
Art dieser Strömung, ob laminar oder turbulent, eine besondere Rolle für den Wärmeübergang. An der Grenze
beider Bereiche, dem kritischen Strömungszustand, scheiden sich die physikalischen Vorstellungen und Glei-
chungsformen, das Grenzgebiet selbst ist mathematisch kaum zu fassen.
Die Vielzahl der Variablen, die durch Strömungsvorgänge, wärmeaustausch- und temperaturabhängige Stoffwerte
bedingt werden, erschwert die experimentelle und rechnerische Behandlung von Wärmeübergangsproblemen au-
ûerordentlich. Hier hilft die Anwendung von ¾hnlichkeitsbetrachtungen, die zu besonders übersichtlichen und
klaren Gleichungsformen mit weitgreifenden und allgemein anwendbaren Gültigkeitsbereichen führen. Diese in
der Praxis noch viel zu wenig gewürdigte und geübte Darstellungsart wird im vorliegenden Werk weitgehend an-
gewandt. Die Hauptgleichung für jedes Wärmeübergangsproblem wird in einem ersten Blatt möglichst in den di-
mensionslosen Kenngröûen (Reynolds-Zahl, Prandtl-Zahl, Nuûelt-Zahl usw.) dargestellt. Für Wasser und Luft als
häufigste Stoffe folgen meist besondere Blätter, zum Teil mit Tabellen, die eine Umrechnung auf andere Stoffe
ermöglichen.
Die Abschnitte Leitung und Strahlung enthalten neben graphischen Darstellungen zahlreicher analytischer und
experimenteller Lösungen, die die Berechnung der meisten in der Technik gegebenen Aufgaben ermöglichen,
noch umfassende Diagramme und Tabellen für Wärmeleitzahlen und Strahlungszahlen.
Bei der Wärmeübertragung durch Kondensation und Verdampfung mit ihren auûerordentlich hohen Übergangs-
zahlen spielen Grenzschichtprobleme und Oberflächeneigenarten eine besondere Rolle. Zum Verständnis dieser
Fragen und zur richtigen Beurteilung ihrer Einflüsse an technischen Apparaten waren ausführlichere Erläuterun-
gen im Textteil erforderlich.
Ein besonderer Abschnitt enthält Stoffwerte der häufigst vorkommenden Flüssigkeiten und Gase. Diese sind vor-
wiegend in Tabellen dargestellt, da in Kurvenblättern die Linien sich zu sehr überschneiden.
Als Sondergebiete sollen der Wärmeübergang in Rührkesseln, in Füllkörperschichten, periodische Vorgänge, be-
rippte Oberflächen u. ä. behandelt werden.
Eine groûe Erleichterung für den Berechnungsingenieur wird die Aufstellung anzunehmender überschläglicher
k-Werte für verschiedenartige Stoffe und Formen technischer Wärmeaustauscher bieten ebenso ein besonderer
Abschnitt über die Konstruktion von Apparaten.
Das Erscheinen des vorliegenden Werkes entspricht einem dringenden Bedürfnis der Praxis, vor allem aus dem
Kreis der in der chemischen Industrie und verwandten Gebieten tätigen Ingenieure. Eine Arbeitsmappe ähnlicher
Art war bereits seit vielen Jahren in den Werken des früheren I.G. Farben-Konzerns in Gebrauch. Der I.G.-Wärme-
atlas war von den Werken Ludwigshafen und Oppau, unter Leitung von Prof. Dr.-Ing. W. Wilke, bearbeitet und
herausgegeben worden, wobei zahlreiche Anregungen und Beiträge von den übrigen Konzernwerken kamen. Die
hervorragende Eignung und die praktische Bewährung sowie die Anerkennung, die man auch auûerhalb des I.G.
Farben-Konzerns dem Wärmeatlas zusprach, gaben den Anlaû dazu, denselben dem Verein Deutscher Ingenieure
zur Verfügung zu stellen und damit der Allgemeinheit zugänglich zu machen. Dieser Entschluû enthielt aber auch
die Verpflichtung zu einer Neubearbeitung und Ergänzung, da die ersten Anfänge des I.G.-Wärmeatlasses bis in
die Jahre 1930±1933 zurückreichten und teilweise veraltet waren.
Als nach Kriegsende solche Arbeiten wieder möglich wurden, übernahm der Arbeitsausschuû ¹Wärmeaustauscher
und Verdampferª in der VDI-Fachgruppe Verfahrenstechnik diese offensichtlich in sein Arbeitsgebiet fallende
Aufgabe. Es ist der unermüdlichen Vorarbeit von Dr.-Ing. Gg. Kling zu danken, daû schon auf der ersten Sitzung
des Ausschusses 1947 in Marburg ein Programm als Gerippe für die Neubearbeitung vorlag. Die einzelnen Wär-
meaustauschgebiete wurden dann auf einen Mitarbeiterkreis aufgeteilt, dem folgende Herren angehören:
Dr.-Ing. J. Blomert, Farbenfabriken Bayer, Leverkusen,
Prof. Dr.-Ing. Fr. Bosnjakovi^c, Technische Hochschule, Braunschweig,
Prof. Dr.-Ing. H. Brauer, Technische Universität, Berlin,
Prof. Dr.-Ing. W. Fritz, Phys.-Techn. Bundesanstalt, Braunschweig,
Dr.-Ing. U. Grigull, Farbenfabriken Bayer, Leverkusen,
Prof. Dr.-Ing. H. Hausen, Technische Hochschule, Hannover,
Dr.-Ing. Gg. Kling, Badische Anilin- u. Sodafabrik, Ludwigshafen/Rh.,
Dr.-Ing. H. Komoûa, Deutsche Worthington G.m.b.H., Hamburg,
Dr.-Ing. H. Krauûold, C.H. Boehringer Sohn, Ingelheim,
Dr.-Ing. C. A. Landfermann, Dr. Schmitz & Apelt, Wuppertal-Langerfeld,
Dipl.-Ing. K. Lehmann, Chemische Werke Hüls, Marl/Westf.,
Dr.-Ing. G. Lück, Badische Anilin- und Sodafabrik, Ludwigshafen/Rh.,
Prof. Dr. L. Schiller, Weilburg/Lahn,
Prof. Dr.-Ing. T.H.E. Schmidt, Technische Hochschule, Karlsruhe,
Dipl.-Ing. R. Schumacher, Rütgerswerke, Frankfurt,
Dr.-Ing. M. Schunck, Badische Anilin- und Sodafabrik, Ludwigshafen,
Dr.-Ing. R. Söhngen, Farbenfabriken Bayer, Leverkusen,
Dr.-Ing. Jos. Spangler, Farbwerke Höchst, Frankfurt-Höchst,
Priv. Doz. Dr.-Ing. K. Stephan, Mannesmann-Forschungsinstitut, Duisburg-Wanheim,
Dipl.-Ing. W. Wanninger, Phys.-Techn. Bundesanstalt, Braunschweig.
Obwohl hiermit die eigentliche Ausarbeitung der Beiträge gesichert war, bestanden lange Zeit erhebliche Schwie-
rigkeiten in der Ausführung der zeichnerischen und rechnerischen Darstellung, wodurch sich die Herausgabe des
Werkes mehrmals verzögerte.
Erst als es dem Obmann der Fachgruppe Verfahrenstechnik, Dir. Dr.-Ing. E. h. K. Rieû, gelang, Geldmittel für
hauptamtliche Bearbeiter zu beschaffen (von denen hier Prof. Dr.-Ing. A.Geberg besonders genannt sei) und die
Farbenfabriken Bayer in Leverkusen die erforderlichen Arbeitsräume bereitstellen, konnte das Werk unter der
Leitung von Dr.-Ing. R. Söhngen und Dr.-Ing. J. Blomert rasch gefördert werden. Geschäftstelle und Verlag des
Vereins Deutscher Ingenieure haben uns mit allen Kräften unterstützt.
Allen beteiligten Stellen und Mitarbeitern, die eine oft sehr mühevolle Arbeit neben ihrer eigentlichen Berufstätig-
keit geleistet haben, sei an dieser Stelle besonders gedankt.
Was heute vorliegt, ist ein erster Teil, weitere Blätter werden laufend bearbeitet und können in den Ringordner
eingefügt werden. Ebenso ist es gegebenenfalls möglich, überholte Darstellungen gegen neue auszuwechseln. An-
regungen zu Ergänzungen und Erweiterungen aus dem Kreis der Benutzer des Atlasses werden wir gern entgegen-
nehmen.
Arbeitsausschuû ¹Wärmeaustauscher und Verdampferª
der Fachgruppe Verfahrenstechnik
im Verein Deutscher Ingenieure
H. Krauûold, Obmann
VDI-Wärmeatlas
10. Auflage 2006
Inhalt

A Einführung in die Lehre von der Wärmeübertragung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . A 1 bis A 27

B Formelzeichen, Einheiten, Dimensionslose Kenngröûen


a) Formelzeichen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ba 1 bis Ba 2
b) Einheiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Bb 1 bis Bb 6
c) Dimensionslose Kenngröûen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Bc 1 bis Bc 3

C Berechnung von Wärmeübertragern


a) Berechnung von Wärmeübertragern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ca 1 bis Ca 34
b) Wärmedurchgang . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Cb 1 bis Cb 7
c) Überschlägige Wärmedurchgangskoeffizienten bei einigen Wärmeübertragerbauarten . . . . . . . Cc 1 bis Cc 4
d) Wärmeübertragungsnetzwerke . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Cd 1 bis Cd 11
e) Kosten und Wirtschaftlichkeit von Wärmeübertragern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ce 1 bis Ce 4

D Stoffwerte und Zustandsgröûen


a) Berechnungsmethoden für Stoffeigenschaften . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Da 1 bis Da 30
ba) Stoffwerte von Wasser . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dba 1 bis Dba 15
bb) Stoffwerte von Luft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dbb 1 bis Dbb 16
bc) Stoffwerte von Stickstoff . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dbc 1 bis Dbc 17
bd) Stoffwerte von Kohlendioxyd . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dbd 1 bis Dbd 17
Alle Rechte vorbehalten  Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2006

be) Stoffwerte von Sauerstoff . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dbe 1 bis Dbe 17


bf) Stoffwerte von Ammoniak . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dbf 1 bis Dbf 17
bg) Stoffwerte von R134a (1,1,1,2-Tetraflourethan) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dbg 1 bis Dbg 17
ca) Stoffwerte von sonstigen chemisch einheitlichen Flüssigkeiten und Gasen . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dca 1 bis Dca 46
cb) Stoffwerte bei Sättigung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dcb 1 bis Dcb 23
d) Stoffwerte von technischen Wärmeträgern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dd 1 bis Dd 64
ea) Stoffwerte von reinen Metallen und Metallegierungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dea 1 bis Dea 15
eb) Stoffwerte von feuerfesten Materialien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Deb 1 bis Deb 9
ec) Stoffwerte von Kälte- und Wärmedämmstoffen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dec 1 bis Dec 4
ed) Wärmeleitfähigkeit von Erdreich, Holz, Holzwerkstoffen,
allgemeinen Baustoffen und Mauerwerk . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ded 1 bis Ded 12
ee) Wärmeleitfähigkeit von Schüttschichten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dee 1 bis Dee 9
ef) Stoffwerte von Kunststoffen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Def 1 bis Def 3
fa) Dampf-Flüssigkeit-Gleichgewichte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dfa 1 bis Dfa 35
fb) Dampf-Flüssigkeit-Gleichgewicht von Polymerlösungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dfb 1 bis Dfb 7
fc) Dampfdrücke über wäûrigen Salzlösungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dfc 1 bis Dfc 12

E Wärmeleitung
a) Wärmeleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ea 1 bis Ea 12
b) Wärmeverlust von Wänden und Rohrleitungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Eb 1 bis Eb 6
c) Instationäre Wärmeleitung in ruhenden Körpern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ec 1 bis Ec 24

F Wärmeübertragung bei freier einphasiger Strömung


a) Wärmeübergang durch freie Konvektion an umströmten Körpern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Fa 1 bis Fa 6
b) Wärmeabgabe von Heizkörpern beim Betrieb mit Warmwasser . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Fb 1 bis Fb 5
c) Wärmeübergang durch freie Konvektion in geschlossenen Fluidschichten . . . . . . . . . . . . . . . . . . Fc 1 bis Fc 7
d) Freie Konvektion in offenen Fluidschichten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Fd 1 bis Fd 4
e) Wärmeübergang durch Mischkonvektion (überlagerte freie und erzwungene Konvektion)
an umströmten Körpern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Fe 1 bis Fe 3

G Wärmeübertragung bei erzwungener einphasiger Strömung


a) Wärmeübertragung bei der Strömung durch Rohre . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ga 1 bis Ga 9
b) Wärmeübertragung im konzentrischen Ringspalt und im ebenen Spalt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Gb 1 bis Gb 10
c) Wärmeübertragung bei der Strömung durch Rohrwendeln . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Gc 1 bis Gc 2
d) Wärmeübergang bei der Strömung längs einer ebenen Wand . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Gd 1 bis Gd 5
e) Wärmeübertragung an einzelnen längsumströmten Zylindern, Drähten und Fäden . . . . . . . . . . . Ge 1 bis Ge 5
f) Wärmeübertragung bei Querströmung um einzelne Rohre, Drähte und Profilzylinder . . . . . . . . Gf 1 bis Gf 4
g) Wärmeübertragung bei der Querströmung um einzelne Rohrreihen und durch Rohrbündel . . . . Gg 1 bis Gg 4
h) Wärmeübertragung im Auûenraum von Rohrbündel-Wärmeübertragern mit Umlenkblechen . . Gh 1 bis Gh 6
j) Wärmeübertragung Partikel ± Fluid in durchströmten Haufwerken . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Gj 1 bis Gj 2
k) Wärmeübergang bei Prallströmung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Gk 1 bis Gk 6
VDI-Wärmeatlas
Inhalt 10. Auflage 2006

H Wärmeübergang bei der Verdampfung


aa) Behältersieden unterkühlter Flüssigkeiten (Sieden bei freier Konvektion) . . . . . . . . . . . . . . . . . . Haa 1 bis Haa 10
ab) Behältersieden (Sieden bei freier Konvektion) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Hab 1 bis Hab 28
ba) Strömungssieden unterkühlter Flüssigkeiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Hba 1 bis Hba 12
bb) Strömungssieden gesättigter Flüssigkeiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Hbb 1 bis Hbb 35
bc) Kritische Siedezustände . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Hbc 1 bis Hbc 37
bd) Wärmeübergang nach der Siedekrise (bei erzwungener Konvektion) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Hbd 1 bis Hbd 19

J Wärmeübergang bei der Kondensation (ruhende und strömende Dämpfe)


a) Filmkondensation reiner Dämpfe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ja 1 bis Ja 16
ba) Filmkondensation von binären Gemischen ohne und mit Inertgas . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Jba 1 bis Jba 13
bb) Kondensation von Mehrstoffgemischen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Jbb 1 bis Jbb 38
c) Tropfenkondensation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Jc 1 bis Jc 6
d) Misch- und Einspritzkondensation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Jd 1 bis Jd 6
e) Spontane Kondensation und Aerosolbildung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Je 1 bis Je 32

K Wärmestrahlung
a) Strahlung technischer Oberflächen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ka 1 bis Ka 11
b) Einstrahlzahlen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kb 1 bis Kb 10
c) Gasstrahlung; Strahlung von Gasgemischen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kc 1 bis Kc 11

Alle Rechte vorbehalten  Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2006


d) Wärmestrahlung von Gas-Feststoff-Gemischen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kd 1 bis Kd 9
e) Wärmestrahlung in Brennräumen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ke 1 bis Ke 12
f) Superisolationen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kf 1 bis Kf 22

L Druckverlust
aa) Druckverlust in einphasigen Strömungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Laa 1 bis Laa 2
ab) Druckverlust in durchströmten Rohren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Lab 1 bis Lab 5
ac) Druckverlust in Leitungen mit Querschnittsänderungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Lac 1 bis Lac 9
ad) Druckverlust in querangeströmten Bündeln aus glatten sowie berippten Kreis-
und Ovalrohren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Lad 1 bis Lad 15
ae) Druckverlust im Auûenraum von Rohrbündel-Wärmeübertragern mit und ohne Einbauten . . . . Lae 1 bis Lae 10
af) Druckverlust bei der Strömung durch Schüttungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Laf 1 bis Laf 5
ag) Druckverlust bei der Durchströmung von Lochplatten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Lag 1 bis Lag 4
ah) Druckverlust bei der Strömung von Suspensionen und Schlämmen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Lah 1 bis Lah 4
aj) Maximaler Gasdurchsatz in laminar durchströmten Rohren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Laj 1 bis Laj 3
ba) Gas-Flüssigkeitsströmungen ± relative Phasenanteile . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Lba 1 bis Lba 8
bb) Druckverlust von Gas-Flüssigkeitsströmung in Rohren, Leitungselementen und Armaturen . . . Lbb 1 bis Lbb 15
bc) Druckverlust in durchströmten Verdampferrohren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Lbc 1 bis Lbc 3
bd) Berechnen von kritischen Massenströmen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Lbd 1 bis Lbd 16
be) Druckverlust für Gas-Flüssigkeits-Filmströmung in vertikalen Kanälen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Lbe 1 bis Lbe 5
bf) Druckverlust und Flutpunkt in berieselten Packungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Lbf 1 bis Lbf 8
bg) Nasser Druckverlust und Leerblasen von Kolonnenböden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Lbg 1 bis Lbg 3
ca) Bewegung fester Partikel in Gasen und Flüssigkeiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Lca 1 bis Lca 9
cb) Strömungszustände und Druckverlust in Wirbelschichten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Lcb 1 bis Lcb 11
cc) Druckverlust in pneumatischen Transportanlagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Lcc 1 bis Lcc 17
cd) Zyklone zum Abscheiden fester Partikel aus Gasen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Lcd 1 bis Lcd 12
da) Bildung und Bewegung von Tropfen und Blasen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Lda 1 bis Lda 15
db) Entstehen und mechanisches Zerstören von Schäumen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ldb 1 bis Ldb 10
dc) Lamellentropfenabscheider . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ldc 1 bis Ldc 3
dd) Zyklone zur Abscheidung von Tropfen und feststoffbeladenen Tropfen aus Gasen . . . . . . . . . . . Ldd 1 bis Ldd 3
de) Zerstäubung mit Hohlkegeldüsen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Lde 1 bis Lde 6

M Sonderprobleme der Wärmeübertragung


a) Wärmeübergang und Rührleistung in Rührbehältern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ma 1 bis Ma 27
b) Wärmeübergang an berippten Oberflächen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Mb 1 bis Mb 4
c) Wärmeübertragung durch Wände mit aufgeschweiûten Rohrschlangen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Mc 1 bis Mc 8
d) Wärmeübergang an senkrechten berieselten Flächen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Md 1 bis Md 8
e) Wärmeübergang an nichtnewtonschen Flüssigkeiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Me 1 bis Me 5
f) Wärmeübergang in Wirbelschichten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Mf 1 bis Mf 9
g) Wärmeübergang von einer Heizfläche an ruhende oder mechanisch durchmischte
Schüttungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Mg 1 bis Mg 16
h) Wärmeleitung und Dispersion in durchströmten Schüttungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Mh 1 bis Mh 15
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Inhalt

j) Berechnung von Rückkühlwerken . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Mj 1 bis Mj 15


k) Be- und Entfeuchten von Luft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Mk 1 bis Mk 18
l) Wärmerohre . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ml 1 bis Ml 11
m) Druckverlust und Wärmeübergang in Plattenwärmeübertragern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Mm 1 bis Mm 7
n) Wärmeübertragung bei schallnahen Strömungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Mn 1 bis Mn 17
o) Wärmeübergang und Strömung in verdünnten Gasen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Mo 1 bis Mo 17

N Wärmeübertragung in Regeneratoren
a) Wärmeübertragung in Regeneratoren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Na 1 bis Na 14
b) Kombinierte Wärme- und Stoffübertragung in Regeneratoren mit bewegter Speichermasse . . . Nb 1 bis Nb 16

O Konstruktive Hinweise für den Bau von Wärmeübertragern


a) Arten der Wärmeübertragung und die für sie üblichen Bauformen der Wärmeübertrager . . . . . . Oa 1 bis Oa 2
b) Konstruktive Hinweise für den Bau von Wärmeübertragern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ob 1 bis Ob 24
c) Schwingungen in Wärmeübertrager-Rohrbündeln . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Oc 1 bis Oc 36
d) Verschmutzung von Wärmeübertragerflächen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Od 1 bis Od 30
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Autorenverzeichnis

Auracher, H., Prof. Dr.-Ing., Berlin Hbc Mersmann, A., Prof. Dr.-Ing., München Lbf, Ldb
Anders, K. ², Dr.-Ing., Stuttgart Mo Mewes, D., Prof. Dr.-Ing., Hannover Lbe
Mitra, N. K. ², Prof. Dr., Bochum Mn
Bender, E. ², Prof. Dr.-Ing., Kaiserslautern Dfa
Müller, J., Dr.-Ing., Ludwigshafen Ja
Bodmer, T., Dipl.-Ing., Marl Dea
Müller-Steinhagen, H., Prof. Dr.-Ing., Stuttgart Od
Bornhütter, K., Dr.-Ing., Dorsten Lbf
Muschelknautz, E., Prof. Dr.-Ing., Stuttgart Lcc, Ldc,
Brodhagen, A., Dr.-Ing., Dannstadt Lbd
Ldd, Lde
Brummel, H. G., Dr.-Ing., Berlin Kd
Muschelknautz, S., Dr.-Ing., Höllriegelskreuth Lbb
Buggisch, H., Prof. Dr. rer. nat., Karlsruhe Lah
Muschelknautz, U., Dr. rer. nat., Stuttgart Lcc, Lcd
Burghardt, A., Prof. Dr., Gliwice (Polen) Jbb
Busweiler, U., Prof. Dr.-Ing., Darmstadt Mk Neubronner, M., Dr.-Ing., Gehrden Dea, Def
Numrich, R., Prof. Dr.-Ing., Marl Ja
Chawla, J. M. ², Prof. Dr.-Ing., Ettlingen Lbc
Palen, J. W., Dr., Bandung (Indonesien) Md
Dahl, H. D., Dr.-Ing., Marl Ldc, Ldd, Lde
Poppe, M., Dr.-Ing., Leverkusen Mj
Drescher, G., Dipl.-Ing., Erlangen Hbc
Räbiger, N., Prof. Dr.-Ing., Bremen Lda
Ehrler, F., Dr., Karlsruhe Je
Reiss, H., Prof. Dr. rer. nat., Heidelberg Kf
Elgeti, K., Prof. Dr.-Ing., Leverkusen Ea, Eb
Richter, W. ², Dr.-Ing., Essen Ke
Eschner, A., Dr., Wiesbaden Deb
Roetzel, W., Prof. Dr.-Ing., Hamburg Ca, Cb, Cc, Ce
Frohn, A., Prof. Dr. rer. nat., Stuttgart Mo Rögener, H., Prof. Dr., Hannover Mj
Fullarton, D., Dr.-Ing., Köln Jba Roth, H., Dr.-Ing., Duisburg Cd
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Fütterer, G., Dr.-Ing., Ludwigshafen Ob


Sandner, H., Dr.-Ing., München Dea
Gaddis, E., Dr., Clausthal-Zellerfeld Gh, Lad, Lae, Ma Schabel, W., Dr.-Ing., Karlsruhe Dfb
Gaiser, G., Dr.-Ing., Stuttgart Nb Schaber, K., Prof. Dr.-Ing., Karlsruhe Je
Gampert, B., Prof. Dr.-Ing., Essen Ge Schlünder, E.-U., Prof. Dr.-Ing. Dr. h.c. / INPL,
Gelbe, H., Prof. Dr.-Ing., Berlin Oc Karlsruhe Jba, Laj
Glück, A., Dr.-Ing., Ebersbach Dd Schlüter, M., Dr.-Ing., Bremen Lda
Gnielinski, V., Prof. Dr.-Ing., Karlsruhe Ga, Gb, Gc, Schmidt, F., Dipl.-Ing., Hannover Lbd
Gd, Gf, Gg, Gh, Gj Schmidt, H., Dr.-Ing., Erlangen Lba
Gorenflo, D., Prof. Dr.-Ing., Paderborn Hab Schmidt, K. G., Prof. Dr.-Ing., Duisburg Mb
Görner, K., Prof. Dr.-Ing., Essen Ke Schnabel, G., Dr.-Ing., Biberach Md
Schröder, J. J. ², Dr.-Ing., Hannover Haa, Hba
Hahne, E., Prof. Dr.-Ing., Stuttgart Ea Schröder, K. ², Dipl.-Ing., München Oc
Hauck, J., Dipl.-Ing. (FH), Ludwigshafen Ob Seelinger, P., Dr.-Ing., Ludwigshafen Ob
Heidemann, W., Dr.-Ing., Stuttgart Mc Sommerfeld, M., Prof. Dr.-Ing. habil., Halle Lca
Hein, D., Prof. Dr.-Ing., München Hbc Span, R., Dr.-Ing., Paderborn Dbb, Dcb
Herbst, O., Dipl.-Ing., Erlangen Hbc Spang, B., Dr.-Ing., Hamburg Ca, Cb, Cc, Ce, Lad
Hochberg, U., Dr.-Ing., Offenburg Jd Steiner, D. ², Prof. Dr.-Ing., Karlsruhe Dfa, Hbb
Hunold, D., Dr.-Ing., Bielefeld Dd Stephan, P., Prof. Dr.-Ing., Darmstadt Ml
Joh, R., Dr. rer. nat., Frankfurt/Main Da, Dca Stichlmair, J., Prof. Dr.-Ing., Garching Lag, Lbg
Sucker, D., Prof. Dr.-Ing., Düsseldorf Na
Kabelac, S., Prof. Dr.-Ing., Hamburg Ka, Kb, Kc
Kasparek, G., Dr.-Ing., München Dec Tsotsas, E., Prof. Dr.-Ing., Magdeburg Dee, Mg, Mh
Kast, W., Prof. Dr.-Ing., Darmstadt Laa, Lab, Lac Ulrych, G., Dr.-Ing., Erlangen Hbc
Katsaounis, A., Prof. Dipl.-Ing., Berlin Hbc, Hbd
Kefer, V., Dr.-Ing., Erlangen Hbc Vortmeyer, D., Prof. Dr., München Ka, Kb, Kc
Kirchner, G., Dipl.-Ing. (FH), Ludwigshafen Ob
Wagner, M. H., Prof. Dr.-Ing., Stuttgart Me
Klan, H., Dr.-Ing., Darmstadt Fa, Fb, Fc, Fd, Fe
Wagner, W., Prof. Dr.-Ing., Bochum Dba, Dcb
Kleiber, M., Dr.-Ing., Karlsruhe, Da, Dca
Wellenhofer, A., Dipl.-Ing., Höllriegelskreuth Lbb
Köhler, W., Dr.-Ing., Erlangen Hbc
Werner, H. W., Prof. Dr.-Ing., München Ded
Krauss, R., Dipl.-Ing., Stuttgart Dbc, Dbd, Dbe, Dbf,
Wirth, K.-E., Prof. Dr.-Ing., Erlangen Laf, Lcb
Dbg
Wolf, H., Dr.-Ing., Rieden bei Nussbaumen (Schweiz)
Kuhn, P., Dipl.-Ing., Düsseldorf Na
Dfc
Leipertz, A., Prof. Dr.-Ing., Erlangen Jc
Zeller, M., Prof. Dr.-Ing., Aachen Mk
Mach, E., Dr.-Ing., Heidelberg Oa Ziada, S., Prof. Dr.-Ing., Hamilton (Kanada) Oc
Martin, H., Prof. Dr.-Ing., Karlsruhe A, Ba, Bb, Bc, Ea,
Ec, Gk, Mf, Mm
VDI-Wärmeatlas
Inserentenverzeichnis 10. Auflage 2006

Alfa Laval Mid Europe GmbH Fragol


Wilhelm-Bergner-Str. 1 Schmierstoff GmbH & Co. KG
D-21509 Glinde Reichspräsidentenstraûe 21±25
Tel.: ++49(0)40/72 74-27 55 D-45470 Mülheim
Fax: ++49(0)40/72 74-2 22 48 Tel.: ++49(0)208/3 00 02-22
E-Mail: info.mideurope@alfalaval.com Fax: ++49(0)208/3 00 02-46
Internet: www.alfalaval.com E-mail: info@fragol.de
4 seitiger Einhefter zw. S. Ca 34/Cb 1 Internet: www.fragol.de Lesezeichen

API Schmidt-Bretten GmbH & Co. KG Funke Wärmeaustauscher


Langenmorgen 4 Apparatebau GmbH
D-75015 Bretten Zur Dessel 1
Tel.: ++49(0)7252/53-0 D-31028 Gronau
Fax: ++49(0)7252/53-2 00 Tel.: ++49(0)5182/5 82-0
E-Mail: info@apischmidt-bretten.de Fax: ++49(0)5182/5 82-48
Internet: www.APISchmidt-Bretten.de S. Ml 12 E-mail: info@funke.de
Internet: www.funke.de S. Bc 4
Bertrams Heatec AG
Bizenenstr. 55 HES
CH-4132 Muttenz Heat Exchanger Systems GmbH

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Tel.: ++41(0)61/4 67-75 75 Hohe-Flum-Str. 31
Fax: ++41(0)61/4 67-75 00 D-79650 Schopfheim
E-Mail: sales@bertrams-heatec.com Tel.: ++49(0)76 22/6 66 89-0
Internet: www.bertrams-heatec.com S. Cd 12 Fax: ++49(0)76 22/6 66 89-30
E-Mail: hes@hes-kapp.de
Calorplast Wärmetechnik GmbH Internet: www.hes-kapp.de vor S. A 1
Siempelkampstr. 94
D-47803 Krefeld HTT
Tel.: ++49(0)2151/87 77-0 energy systems GmbH
Fax: ++49(0)2151/87 77-33 Füllenbruchstr. 183
E-Mail: info@calorplast.de D-32051 Herford
Internet: www.calorplast.de S. Mm 8 Tel.: ++49(0)5221/3 85-0
Fax: ++49(0)5221/3 85-12
Wilhelm Deller GmbH & Co. KG E-Mail: info@htt.de
Langenauer Str. 2 Internet: www.htt.de
D-57078 Siegen 2-seitiger Einhefter zw. S. Dcb 24/Dd 1
Tel.: ++49(0)8 06-0
Fax: ++49(0)8 06-215 Lauterbach Verfahrenstechnik
E-Mail: info@wilhelm-deller.de Spöcker Weg 23 a
Internet: www.wilhelm-deller.de S. Mn 18 D-76344 Eggenstein
Tel.: ++49(0)721/97 82 20
Dow Europe GmbH Fax: ++49(0)721/78 21 06
Bachtobelstr.3 E-Mail: info@LV-soft.de
CH-8810 Horgen Internet: www.LV-soft.de
Tel.: ++8 00-3-6 94-63 67 Einhefter vor Inhaltsverzeichnis
oder ++32/3/4 50-22 40 (gebührenfrei)
Fax: ++32/3/4 50-28 15
Internet: www.dow.com S. Dcb 24
VDI-Wärmeatlas A
10. Auflage 2006
Einführung in die Lehre von der Wärmeübertragung *) A1

Gliederung

1 Begriffe und Grundgesetze. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . A 1 2.6.2 Schüttungen, Wirbelschichten . . . . . . A 14


1.1 Wärme, Arbeit, Energiebilanz . . . . . . . . . . . . . . A 1 2.6.2.1 Wärmeübergang
1.2 Kinetik der Wärmeübertragung . . . . . . . . . . . . . A 2 Fluid/Partikel . . . . . . . . . . . . . A 14
1.2.1 Wärmeübertragung durch Kontakt . . . . A 2 2.6.2.2 Wärmeübergang
1.2.2 Wärmeübertragung durch Strahlung . . . A 3 Wand/Schüttgut . . . . . . . . . . . A14
1.3 Gröûenordnung von Wärmeströmen . . . . . . . . A 3 2.7 Kopplung der Wärmeübertragung
1.4 Gröûenordnung der wichtigsten mit anderen Vorgängen. . . . . . . . . . . . . . . . . . A 14
Stoffeigenschaften . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . A 4 2.7.1 Freie Auftriebsströmung . . . . . . . . . . . A14
1.4.1 Volumetrische Wärmekapazität . . . . . . . A 4 2.7.2 Kondensation und Verdampfung
1.4.2 Wärmeleitfähigkeit. . . . . . . . . . . . . . . . . . A 4 reiner Stoffe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . A 15
1.4.3 Emissionsverhältnis . . . . . . . . . . . . . . . . . A 5 2.7.3 Stoffübertragung, Diffusion . . . . . . . . A 18

2 Berechnung von Wärmeübergangs- 3 Zur Auslegung von Wärmeübertragern. . . . . . A 19


koeffizienten. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . A 5 3.1 Begriffe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . A 19
2.1 Definition des Wärmeübergangs- 3.2 Wärmedurchgangskoeffizienten . . . . . . . . . . A 20
koeffizienten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . A 5 3.3 Temperaturverlauf, mittlerer Temperatur-
2.2 Stationäre Wärmeleitung in ruhenden unterschied, Stromführung . . . . . . . . . . . . . . . A 20
Medien. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . A 6 3.4 Kennzahlen für Wärmeübertrager. . . . . . . . . A 21
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2.3 Instationäre Wärmeleitung in ruhenden 3.5 Wirtschaftlich optimale Auslegung . . . . . . . A 22


Medien. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . A 7 3.5.1 Optimale Strömungsgeschwindigkeit A 22
2.4 Stationär durchströmte Kanäle . . . . . . . . . . . . . A 9 3.5.2 Optimale Temperaturänderung . . . . . A 23
2.4.1 Kolbenströmung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . A 9
2.4.2 Laminare Strömung . . . . . . . . . . . . . . . . . A 9 4 Möglichkeiten zur Verbesserung der Wärme-
2.4.3 Turbulente Strömung . . . . . . . . . . . . . . A 10 übertragung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . A 24
2.4.4 Analogie zwischen Impuls- und 4.1 Vergröûerung der Übertragungsfläche . . . . . A 24
Wärme- oder Stofftransport . . . . . . . . A 11 4.2 Vergröûerung der Wärmeübergangs-
2.5 Überströmte Einzelkörper . . . . . . . . . . . . . . . A 12 koeffizienten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . A 25
2.5.1 Reibungsfreie Umströmung . . . . . . . . A 12 4.2.1 Durch Strukturierung der Oberfläche A 25
2.5.2 Schleichende Umströmung . . . . . . . . . A 13 4.2.2 Durch Strukturierung der Strömung . A 26
2.5.3 Laminare Grenzschichtströmung . . . . A 13 4.2.3 Durch Einwirkung äuûerer Feldkräfte A 26
2.5.4 Turbulente Umströmung . . . . . . . . . . . A 13 4.3 Hinweise zur Vertiefung. . . . . . . . . . . . . . . . . A 26
2.6 Durchströmte Haufwerke . . . . . . . . . . . . . . . . A14
2.6.1 Rohrbündel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . A 14 5 Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . A 26

1 Begriffe und Grundgesetze Innere Energie, U, ist damit der im Inneren des Systems
gespeicherte Anteil der Energie, der durch Zufuhr von
1.1 Wärme, Arbeit, Energiebilanz Wärme und Arbeit erhöht wird. In den meisten Anwen-
dungen aus dem Bereich der Wärmeübertragung spielt
Der Begriff Wärme ist definiert durch den ersten Haupt-
die ¾nderung der potentiellen und der kinetischen Ener-
satz der Thermodynamik (Mayer, 1842)
gie eines Systems keine Rolle, so daû
DE=Q+W. (1)
DE=DU (3)
Er sagt aus, daû die Energie, E, eines abgeschlossenen
Systems durch Zufuhr von Wärme, Q, und durch Zufuhr gesetzt werden kann.
von Arbeit, W, geändert wird. Mit dem Begriff ¹Systemª Mit der Definition der Enthalpie, H, als Summe von in-
wird dabei ein gedanklich abgegrenzter Bereich des Uni- nerer Energie, U, und dem Produkt aus Druck, p, und
versums ± ein Bilanzraum ± bezeichnet. Bei einem ab- Volumen, V,
geschlossenen System wird über die Grenze des Bilanz-
raums hinweg keine Masse transportiert. H=U+p V (4)
Die Energie des Systems kann noch in innere Energie, U,
potentielle Energie, Epot , und kinetische Energie, Ekin , kann man den ersten Hauptsatz für abgeschlossene
unterteilt werden. Systeme dann auch in der Form

DE=D(U+Epot+Ekin). (2) DH=Q+W+D(p V) (5)

*) Bearbeiter des Abschnitts A: Prof. Dr.-Ing. H. Martin, Karlsruhe


A VDI-Wärmeatlas
A2 Einführung in die Lehre von der Wärmeübertragung 10. Auflage 2006

schreiben. Bei konstantem Druck, p=p0 , ist Die zugehörige Massenbilanz am festen Volumen V
D(p V)=p0 DV. Für einen volumenfesten Bilanzraum lautet
folgt daraus DH=DU. Für einen massefesten Bilanz- dr _
raum, dessen Grenze (z. B. die Oberfläche eines Festkör- V ˆ Mzu ab : …13†
dt
pers) sich gegen die Umgebung verschieben kann, bleibt
von D(p V) bei konstantem Druck, p=p0 nur der Term Der letzte Term in Gl. (12), (Ðh dr/dt), ist also gleich
p0 DV, der die vom System gegen die Umgebung gelei- Null, wenn zu- und abflieûende Massenströme die glei-
stete Verschiebearbeit darstellt. Falls keine sonstige chen Beträge haben. Bei konstantem Druck (dp/dt=0)
Arbeit über die Systemgrenze geleistet wird, kann in diesem Fall die zeitliche ¾nderung der Tempera-
(W+p0 DV=0), lautet der erste Hauptsatz für einen mas- tur eines offenen Systems auf die Differenz der zu- und
sefesten Bilanzraum bei konstantem Druck also abgeführten Summen von Wärme-, Arbeits- und Enthal-
pieströmen zurückgeführt werden. In den Bilanzgln. (8)
DH=Q. (6) bis (13) sind die nicht (mit ¹zuÐabª) indizierten Gröûen
(H, h, r cp , T, b, p, r) jeweils als Mittelwerte dieser Zu-
Für offene Bilanzräume, d. h. solche, über deren Grenzen standsgröûen über das betrachtete Bilanzvolumen V zu
Masse, M, zu oder abströmen kann, wird die Energie des verstehen. Die Ströme (Q Ç , W,
_ H,_ M)
_ treten dagegen nur
Inhalts zusätzlich durch die mit diesen Zu- und Abströ- an den Rändern, d. h. an der Oberfläche des Bilanzvolu-
men verbundenen Energieinhalte geändert. Mit jedem mens V, auf. Neben den hier dargestellten Bilanzglei-
zu- oder abflieûenden Massenstrom, M, _ ist ein Enthal- chungen für die Energie (1. Hauptsatz) und für die
_
piestrom, H, verknüpft, der sich als Produkt aus dem Masse (Massenerhaltung, Kontinuitätsgleichung) benö-
Massenstrom und der massenspezifischen Enthalpie, h, tigt man zur Beschreibung der Strömungsvorgänge zu-

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darstellen läût. sätzlich Impulsbilanzen.
_ M_ h. Die geeignete Wahl des Bilanzraumes hängt von der Art
H= (7)
des zu lösenden Problems ab. Generell sollte der Bilanz-
Für ein differentielles Zeitelement dt lautet der erste raum so groû wie möglich und nur so klein wie nötig ge-
Hauptsatz für offene Systeme mit volumkonstanter Bi- wählt werden.
lanzraumgrenze (und vernachlässigbarer ¾nderung von Wenn Aussagen über lokale Verteilungen von Zustands-
potentieller und kinetischer Energie) gröûen gemacht werden sollen, dann muû man notwen-
digerweise differentielle Volumenelemente dV als Bi-
dH  dp
ˆ Q_ ‡ W
_ ‡ H_ ‡V : …8† lanzräume wählen. Dabei kann ein solches Volumenele-
dt zu ab dt ment in einer, in zwei oder in drei räumlichen Koordina-
tenrichtungen differentiell gewählt werden. Man spricht
Der Index ¹zuÐabª an dem Term, der Wärmeströme,
dann von 1-D-, 2-D- oder 3-D-Modellierung des betrach-
Leistungen (=Arbeitsströme) und Enthalpieströme ent-
teten Vorgangs.
hält, soll andeuten, daû hier alle dem System zugeführten
Energieströme positiv, alle abgeführten Ströme negativ Die differentiellen Formen der Bilanzgleichungen für
zu addieren sind. Bei konstantem Druck wird der letzte Masse, Impuls und Energie findet man in vielen Lehr-
Term auf der rechten Seite zu Null. und Handbüchern der Strömungsmechanik sowie der
Wärme- und Stoffübertragung. Auch in einzelnen Ab-
Die Enthalpie kann stets als Produkt aus Masse, M=V r,
schnitten des VDI-Wärmeatlas werden, soweit erforder-
und spezifischer Enthalpie, h, geschrieben werden.
lich, spezielle Formen dieser differentiellen Bilanzglei-
dH=d(M h)=V r dh+h d(V r). (9) chungen angegeben.

Die spezifische Enthalpie, h, hängt von Temperatur, 1.2 Kinetik der Wärmeübertragung
Druck und Zusammensetzung ab. Für konstante Zusam-
mensetzung, d. h. ohne stoffliche Veränderung im Bi- Mit dem ersten Hauptsatz der Thermodynamik, Gln. (1),
lanzraum, gilt (5), (8) und (12), ist zwar gesagt, wie Wärme (und Ar-
beit) mit Energieänderungen des Systems zusammen-
r dh=r cp dT+(1Ðb T) dp. (10) hängen, es ist aber noch nichts darüber ausgesagt, wie
die Wärme auf die Körper übertragen wird, deren Ener-
Darin ist b der thermische Ausdehnungskoeffizient gie sie ändert. Grundsätzlich kann Wärme auf zwei Arten
  übertragen werden: durch Kontakt und durch Strahlung.
1 ¶r
bˆ , …11†
r ¶T p 1.2.1 Wärmeübertragung durch Kontakt
der für ein ideales Gas bideal, g=1/T wird, so daû generell Die Berechnung der Wärmeübertragung durch Kontakt
für ideale Gase und speziell für konstanten Druck der geschieht mit Hilfe des Grundgesetzes der Wärmeleitung
zweite Term auf der rechten Seite von Gl. (9) verschwin- nach Fourier [1]:
det. Gleichung (7) wird für volumfeste Bilanzgrenzen ¶T
mit Gl. (8) und Gl. (9) q_ ˆ l : …14†
¶s
dT 1 _  dp dr Hierin ist q_ die Wärmestromdichte, q=dQ
_ Ç /dA, d. h., der
rcp ˆ Q‡W _ ‡ H_ ‡b T h : …12†
dt V zu ab dt dt auf die Durchtrittsfläche A bezogene lokale Wärme-
VDI-Wärmeatlas A
10. Auflage 2006
Einführung in die Lehre von der Wärmeübertragung A3

strom; l ist die Wärmeleitfähigkeit des betreffenden e1=e2=1 (¹schwarze Strahlerª) wird c12=s. Allge-
Stoffes und s eine Ortskoordinate, die normal (d. h. senk- mein ist c12 kleiner als die Stefan-Boltzmann-Konstante
recht) zur Durchtrittsfläche A gewählt wird. Die lokale s.
Wärmestromdichte, eine vektorielle Gröûe, ist demnach
dem (negativen) lokalen Gradienten des Temperaturfel-
1.3 Gröûenordnung von Wärmeströmen
des direkt proportional.
Die Wärmeströme, die für das menschliche Leben auf
der Erde von Bedeutung sind, liegen in einem sehr wei-
1.2.2 Wärmeübertragung durch Strahlung ten Bereich unterschiedlichster Gröûenordnungen. An
Die Berechnung der Wärmeübertragung durch Strahlung der oberen Grenze dieses Bereiches liegt die von der
einer ¹grauenª Oberfläche geschieht mit Hilfe des Ste- Sonne auf die Erde eingestrahlte Leistung von
fan-Boltzmann-Gesetzes, das Stefan 1879 aus damals be-
kannten Versuchsdaten ermittelt und Boltzmann fünf Q_ zu; Erde ˆ E_ 0 p rE2 , …17†
Jahre später [2] theoretisch begründet hat. Boltzmann hat für welche man mit der Solarkonstanten E_ 0=1367
in seiner sehr einfachen und klaren Begründung den nach W/m2 und mit dem mittleren Erdradius rE=6370 km
Maxwell bekannten Zusammenhang zwischen dem den Wert
Strahlungsdruck prad und der inneren Energie eines eva-
kuierten Hohlraums pro Volumeneinheit, urad=dUrad/ Ç zu, Erde=1,7 ´ 1017 W
Q
dV, prad=urad/3, mit den Hauptsätzen der Thermodyna-
mik verknüpft und daraus die Proportionalität dieser berechnet. Die Solarkonstante, die nach Messungen den
Energie (und damit auch der ausgestrahlten Leistung)
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Wert
zur vierten Potenz der absoluten Temperatur gefunden.
E_ 0=1367 W/m (18)
Noch in der zweiten Auflage seiner ¹Principien der Wär-
melehreª [3] im Jahre 1900 hat Mach diese Arbeiten sei- hat, ist die Wärmestromdichte der Sonnenstrahlung auf
ner Zeitgenossen Stefan und Boltzmann ignoriert und das einer Kugeloberfläche A=4 p r2 mit dem mittleren
ältere, von Dulong und Petit 1817 empirisch gefundene Erdbahnradius r=rB=149,6 Gm (ein Gigame-
Gesetz mitgeteilt, wonach die Strahlungsleistung expo- ter=109 m=106 km) um den Sonnenmittelpunkt. Mul-
nentiell mit der Temperatur ansteigen sollte. Erst die tipliziert man E_ 0 mit dieser Fläche, so erhält man die ins-
Herleitung des Gesetzes der Energieverteilung im Nor- gesamt von der Sonne in den Raum abgestrahlte
malspektrum durch Planck [4] im Dezember 1900, die Leistung
den Beginn der modernen Physik (Quantentheorie) mar- Q_ ab, Sonne ˆ E_ 0 4 p rB2 , …19†
kiert, hat dem Stefan-Boltzmann-Gesetz zum Durch-
bruch verholfen. Aus der Integration des Planckschen die mit 3,8 ´ 1026 W mehr als 2 Milliarden mal gröûer als
Strahlungsgesetzes über alle Wellenlängen folgt eben- der auf die Erde eingestrahlte Teil ist. Auf der Sonnen-
falls das Stefan-Boltzmann-Gesetz oberfläche mit dem Radius rS=0,696 Gm ist die Wär-
_ mestromdichte im Verhältnis (rB/rS)2, d. h. 46 200mal
E=e sT 4 . (15)
gröûer als die Solarkonstante; sie beträgt
Hierin ist e das Emissionsverhältnis der Oberfläche; e ist
kleiner, höchstens gleich Eins und von der Natur der E_ S=63,2 ´ 106 W/m2.
Oberfläche abhängig. s ist die Stefan-Boltzmann-Kon-
stante; sie hat den Wert s=5,67 ´ 10 ±8 W m ±2 K ±4. T ist Aus dem Stefan-Boltzmann-Gesetz, Gl. (15), errechnet
die absolute Temperatur und E_ die emittierte flächenbe- sich damit die Oberflächentemperatur der Sonne als
zogene Strahlungsleistung. Die Konstante s, die zuvor ¹schwarzem Strahlerª (e=1) zu TS=5777 K.
nur empirisch zu ermitteln war, ist durch das Plancksche Solche Überlegungen wurden offenbar in ähnlicher Form
Gesetz mit dem dabei erstmals postulierten Wirkungs- schon um 1885 angestellt (man vergleiche dazu den Auf-
quantum h und zwei anderen Naturkonstanten, der Vaku- satz von Cheng und Fujii [5] zur Geschichte der Wärme-
um-Lichtgeschwindigkeit und der Boltzmann-Konstan- übertragung sowie die erst kürzlich wiederentdeckte An-
ten, verknüpft. trittsvorlesung von Hertz, die er als 28jähriger Physik-
Der Wärmestrom, der durch Strahlung zwischen zwei professor am 20. April 1885 in Karlsruhe zum Thema
grauen Oberflächen der Temperaturen T1 und T2 durch ¹Der Energiehaushalt der Erdeª gehalten hat [6]).
den leeren Raum oder auch durch einen gasgefüllten Aus einer Energiebilanz um einen ¹schwarzenª Planeten,
Raum übertragen wird ± insbesondere die ein- und zwei- der seine Bahn mit dem Radius rB um eine ¹schwarzeª
atomigen Gase sind für die Strahlung weitgehend durch- Sonne mit der Oberflächentemperatur TS und dem Ra-
lässig ± berechnet sich daraus zu dius rS zieht, läût sich mit dem Stefan-Boltzmann-
Q_ 12 ˆ c12 …e1 ; e2 ; j12 † A1 …T14 T24 †: …16† Gesetz ein sehr einfacher Zusammenhang zwischen der
mittleren Temperatur des Planeten TP (im Beharrungs-
Dabei ist c12 von den Emissionsverhältnissen e1 , e2 der zustand, d. h. bei dT/dt=0) und der Oberflächentempe-
beiden Oberflächen und von der geometrischen Lage der ratur der Sonne herleiten:
Flächen zueinander (Winkelverhältnis j12) abhängig (s. r
Abschn. Ka). Für j12=1 (d. h., die gesamte von Fläche 1 rS
TP ˆ TS : …20†
ausgehende Strahlung trifft auf Fläche 2) und 2 rB
A VDI-Wärmeatlas
A4 Einführung in die Lehre von der Wärmeübertragung 10. Auflage 2006

Mit den vorstehend verwendeten Werten rS=0,696 Gm, Für ideale Gase gilt mit r ~ T zur Abschätzung
~=p/R
rB=149,6 Gm und TS=5777 K erhält man die Tempera- p
tur einer fiktiven schwarzen Erde (oder eines schwarzen …r cp †g ˆ 3,5 : …23†
T
Sonnensatelliten auf Erdbahn) von TP=279 K (  6 C).
Dabei gilt der Wert 3,5 für zweiatomige Gase wie Was-
Die Temperatur TP nach Gl. (20) hängt offensichtlich
serstoff, Stickstoff oder Sauerstoff. Bei einatomigen Ga-
nicht von der Gröûe des Planeten ab. Da die reale Erde
sen gilt stattdessen der Vorfaktor 2,5. Für mehratomige
keineswegs ein scharzer Strahler ist, erfordert eine sinn-
Gase erhöht sich der Zahlenwert weiter; er wird auch
volle Bilanzierung eine wesentlich komplexere Model-
stärker temperaturabhängig. Mit dem Normaldruck
lierung, die die wechselseitige Beeinflussung der zu- und
p0=105 Pa und der Normtemperatur T0=298,15 K er-
abgeführten Energieströme durch Reflektion, Absorpti-
hält man (Pa=N/m2=J/m3)
on und Emission auf Wasser, Erdboden, Eisschichten,
die Atmosphäre und darin v. a. die Wolken berücksichti- (r cp)g, 0=1,174 kJ m ±3 K ±1 (24)
gen muû.
Dieser Wert liegt sehr nahe (0,2% zu niedrig) an dem
Die Energiebilanz des menschlichen Körpers zeigt, daû aus der Dichte und der massenspezifischen Wärmekapa-
die mit der Nahrung aufgenommene Energie von etwa zität bei 1 bar und 25 C in den Tabellen von Abschn.
2000 kcal/Tag (4187 J/kcal, 86 400 s/Tag) bei einem Dbb zu findenden Wert.
durchschnittlichen Erwachsenen zu einer Wärmeabgabe
Für Flüssigkeiten und für Feststoffe findet man, daû das
im Ruhezustand von rund
Produkt r cp viel weniger variiert als die Dichten und die
Ç ab, Mensch, Ruhe  100 W
Q (21) massenspezifischen Wärmekapazitäten für sich. Für
Überschlagsrechnungen ist es daher sinnvoll, sich den

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führen muû. Dieser Energiestrom setzt sich je nach Um- Bereich
gebungszustand aus unterschiedlichen Anteilen von
1 MJ m±3 K±1  (r cp)l, s  4 MJ m ±3 K ±1 (25)
Strahlung, Kontakt mit der Umgebung (Konvektion)
und Verdunstung zusammen. Der Verdunstungs-Anteil zu merken. Dabei liegt Wasser mit 4,18 MJ m ±3 K ±1 an
besteht aus den Enthalpieströmen, die mit der Wasser- der oberen Grenze; einige Metalle liegen ebenso hoch.
dampfbeladung der Atemluft und dem aus den Schweiû- Organische Stoffe liegen eher im mittleren und unteren
drüsen verdunstenden Wasser verbunden sind. Bei Um- Bereich. Wenn man also die Kapazität und die Dichte
gebungstemperaturen von 37 C und darüber bleibt nur nicht kennt, dann ist (r cp)l, s  2 MJ m ±3 K ±1 eine sinn-
noch dieser letztere Anteil für die Wärmeabgabe übrig. volle erste Schätzung. Es ist wichtig zu wissen, daû die
volumetrischen Kapazitäten von Flüssigkeiten und Fest-
1.4 Gröûenordnung der wichtigsten körpern um den Faktor 1000 (MJ gegen kJ) höher liegen
Stoffeigenschaften als diejenigen der Gase bei Normalbedingungen. Für
mehrphasige Systeme, die Gase bei Normalbedingungen
Die wichtigsten Stoffeigenschaften zur Berechnung von enthalten, kann deshalb oft vereinfachend angenommen
Wärmeströmen und Temperaturen aus den Bilanzglei- werden, daû die gesamte Wärmekapazität in den konden-
chungen und den Ansätzen für die Kinetik der Wärme- sierten Phasen (Flüssigkeit und Feststoff) konzentriert
übertragung sind die volumetrische Wärmekapazität r cp sei. Die Temperatur der Gasphase folgt dann quasistatio-
(s. Gln. (10) und (12)), die Wärmeleitfähigkeit l (in när dem Temperaturverlauf dieser kondensierten Pha-
Gl. (14)) und die Emissionsverhältnisse e der strahlen- sen.
den Oberflächen (in Gl. (15, 16)).

1.4.2 Wärmeleitfähigkeit
1.4.1 Volumetrische Wärmekapazität
Wärmeleitfähigkeiten l, die durch das Fouriersche Ge-
Die volumetrische Wärmekapazität r cp kann als Zu- setz definiert werden, hängen sehr stark von der Natur
standsgröûe bei mehrphasigen Systemen einfach volu- des Stoffes ab (s. auch Seite Dea 1). Für Gase bei Nor-
menanteilig gemittelt werden. Dies ist bei der kineti- malbedingungen liegen sie etwa im Bereich
schen Stoffeigenschaft l nicht möglich. Für überschlägi-
ge Rechnungen, die sehr häufig schon über die Frage der 0,015 W K ±1 m ±1  lg, 0  0,15 W K ±1 m ±1. (26)
Realisierbarkeit eines Prozesses entscheiden können, ist
Als typischen Wert für technisch wichtige Gase kann
es wichtig, die Gröûenordnung dieser Stoffeigenschaften
man sich l für Luft bei 1 bar und 80 C und für Wasser-
zu kennen.
dampf bei 140 C im Sattdampfzustand, d. h. bei 3,6 bar,
Das Produkt aus Dichte r und massenspezifischer Wär- merken:
mekapazität cp kommt in den Energiebilanzen stets nur lLuft, 80 C=lSattdampf, 140 C=0,03 W K ±1 m ±1. (27)
gemeinsam vor, wenn man die Temperatur als die geeig-
nete Variable zur Beschreibung eines Vorgangs dieser Niedrigere Werte findet man für gröûere Gasmoleküle
Art verwendet. Dieses Produkt r cp ist das Gleiche, wenn wie SO2 und CO2 , deutlich höhere Werte nur für die bei-
man statt der Massendichte r die molare Dichte r~ und den leichtesten Gase H2 (l25 C=0,18 W K ±1m ±1) und
statt der massenspezifischen Wärmekapazität cp die mo- He (l25 C=0,15 W K ±1m ±1). Die Wärmeleitfähigkeiten
lare Wärmekapazität ~cp verwendet. vieler Flüssigkeiten (ohne flüssige Metalle) liegen im
Bereich
r ~cp .
rcp=~ (22) 0,1 W K ±1m ±1  ll, 0  0,6 W K ±1m ±1. (28)
VDI-Wärmeatlas A
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Einführung in die Lehre von der Wärmeübertragung A5

Der Wert an der oberen Grenze ist auch der Merkwert für durch molekularen Transport übertragen wird, so daû
flüssiges Wasser ll, Wasser  0,6 W K ±1m ±1, das demnach dort das Fouriersche Grundgesetz, Gl. (14), gilt.
20mal besser leitet als Luft. Viele organische Flüssigkei-
ten und auch feste Polymere haben Wärmeleitfähigkei-
2.1 Definition des Wärmeübergangskoeffizienten
ten um 0,1 bis 0,3 W K ±1m ±1.
Für viele nichtmetallische Festkörper liegt l im Bereich Der Wärmeübergangskoeffizient a ist definiert durch
von etwa den linearen Ansatz für die Kinetik der Wärmeübertra-
gung, Q Ç =a A DT :
ls, Nichtmetall  1 . . . 10 W K ±1m ±1. (29) Q_
aˆ : …31†
Eis (festes Wasser) hat am Schmelzpunkt eine Wärme- A…TMedium TKontaktfläche †
leitfähigkeit von etwa 2 W K ±1m ±1. Der Temperaturunterschied TMediumÐTKontaktfläche (all-
Bei reinen Metallen liegen die Werte um ein bis zwei gemein DT ) und in gewissen Grenzen auch die Durch-
Gröûenordnungen höher: trittsfläche A können mehr oder weniger willkürlich fest-
gelegt werden. Der Zahlenwert von a hängt von diesen
lCu  400 W K ±1m ±1, lAl  200 W K ±1m ±1, Festlegungen ab. Er ist ein Maû für die Intensität des
lFe  85 W K ±1m ±1, lCr  95 W K ±1m ±1, Wärmestroms; die Wärmestromdichte (Q Ç /AÇ=q)
_ wird
lNi  95 W K ±1m ±1, lPb  35 W K ±1m ±1. auf einen treibenden Temperaturunterschied bezogen:
_
a=q/DT.
Legierungen weisen stets kleinere Leitfähigkeiten auf als
ihre Komponenten: Der lineare Ansatz (31) entspricht der experimentellen
Erfahrung bei der Wärmeübertragung durch Kontakt.
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lStahl, 18Cr8Ni  (15 . . . 20) W K ±1m ±1. Das Newtonsche Abkühlungsgesetz für die zeitliche ¾n-
derung der Temperatur eines zuvor erhitzten metalli-
1.4.3 Emissionsverhältnis schen Festkörpers im Wind (s. [5]),
Emissionsverhältnisse e, die die Minderung der emittier- ÐdT/dt=DT/tc , (32)
ten Strahlung einer realen Festkörperoberfläche gegen-
erfordert eine solche lineare Kinetik. Die Zeitkonstante
über derjenigen des ¹schwarzen Strahlersª beschreiben,
tc im Newtonschen Abkühlungsgesetz, Gl. (32), ergibt
sind Zahlen im Bereich von 0 bis 1 (s. Abschn. Ka).
sich aus der Bilanz, Gl. (12), und der linearen Kinetik,
Bei Raumtemperatur liegen die Emissionsverhältnisse Gl. (31), zu tc=M cp/(a A), wenn die Temperatur der
vieler Nichtmetalloberflächen (unabhängig von ihrer Körperoberfläche (Kontaktfläche A) praktisch gleich der
sichtbaren Farbe) bei mittleren Temperatur des (gut leitenden) Festkörpers der
eNichtmetall=0,8 . . . 0,95. (30) Masse M und der spezifischen Wärmekapazität cp ist.
Auch das Fouriersche Grundgesetz der Wärmeleitung,
Solche Oberflächen reflektieren nur 5% bis 20% der ein- Gl. (14), ist ein (differentieller) linearer Ansatz. In inte-
fallenden Strahlung und absorbieren 80% bis 95%. grierter Form kann man es für einen stationären Zustand,
Für metallische Oberflächen ist e generell niediger und d. h. zeitlich unveränderliche Temperaturen mit
dabei sehr stark vom Zustand der Oberfläche (hoch- T1=T (s1), T2=T (s2), s=(s2Ðs1), auch
glanzpoliert, poliert, vorpoliert, oxidiert, stark oxidiert l
etc.) abhängig. Für walzblankes Aluminium bei 170 C Q_ ˆ A…T1 T2 † …33†
s
findet man beispielsweise eAl, walzblank=0,05. schreiben, was für T1 ± T2=DT und a=(l/s) vollständig
In diesem Fall ist demnach die Emission von Strahlung mit Gl. (31) übereinstimmt. Der Wärmeübergangskoef-
auf 5% derjenigen des ¹schwarzen Strahlersª bei glei- fizient a ist demnach als Quotient der Wärmeleitfähig-
cher Temperatur reduziert. Die Verkleidung einer Appa- keit l und einer Länge s zu verstehen, die man bei ge-
ratur oder einer Rohrleitung mit Aluminiumfolie kann krümmten Temperaturprofilen als thermische Grenz-
also zu deutlich verminderten Wärmeverlusten durch schichtdicke bezeichnen kann.
Abstrahlung genutzt werden. Hat der Körper, auf den Wärme übertragen wird, eine für
den Vorgang maûgebende Abmessung von der Länge d,
so läût sich der Wärmeübergangskoeffizient in dimen-
2 Berechnung von sionsloser Form mit dem Fourierschen Grundgesetz der
Wärmeübergangskoeffizienten Wärmeleitung, Gl. (14), schreiben:
Befinden sich die Körper, zwischen denen Wärme durch ad …¶T=¶s†Kontaktfläche
ˆ …34†
Kontakt übertragen wird, relativ zueinander in Ruhe, so l DT=d
spricht man von ¹Wärmeübertragung durch Leitungª. a d/l wird als Nuûelt-Zahl Nu bezeichnet. Die Wahl der
Befinden sich die Körper, zwischen denen Wärme über- Länge d ist willkürlich. Die Nuûelt-Zahl Nu=a d/l miût
tragen wird, relativ zueinander in Bewegung, so spricht den Wärmeübergangskoeffizienten a in Vielfachen von
man üblicherweise ± wenn auch thermodynamisch nicht (l/d), was nach Gl. (33) der Wärmeübergangskoeffizi-
ganz korrekt ± von ¹Wärmeübertragung durch Konvek- ent für die stationäre Wärmeleitung durch eine ruhende
tionª. Beide Fälle unterscheiden sich, wie Nuûelt [7] Schicht der Leitfähigkeit l und der Dicke d wäre. Da
schon 1915 erkannte, nicht grundsätzlich voneinander, nach Gl. (33) die Gröûe (l/a) als thermische Grenz-
da die Wärme an der Kontaktfläche der Körper stets schichtdicke zu verstehen ist, kann man die Nuûelt-Zahl
A VDI-Wärmeatlas
A6 Einführung in die Lehre von der Wärmeübertragung 10. Auflage 2006

auch als Verhältnis der (gewählten) charakteristischen 2.2 Stationäre Wärmeleitung in ruhenden Medien
Länge d zu dieser Grenzschichtdicke auffassen. Letztere
Für den stationären, d. h. zeitlich unveränderlichen
wird i. allg. von der Zeit, vom Strömungszustand des Me- Ç =konst) durch eine ruhende Schicht der
Wärmefluû (Q
diums und von seinen Stoffeigenschaften abhängen. Der
Dicke s gilt Gl. (33), die integrierte Form des Fourier-
Wärmeübergangskoeffizient a ist deshalb keine Stoff-
schen Grundgesetzes. Definiert man hierfür einen Wär-
eigenschaft, sondern eine bezogene Wärmestromdichte,
meübergangs- oder besser Wärmedurchgangskoeffizien-
d. h. eine Gröûe, die von allen Variablen des betrachteten
ten für stationäre Wärmeleitung
Vorgangs beeinfluût wird.
Wärmeübergangskoeffizienten a lassen sich natürlich Q_
as ˆ …37†
auch dann definieren, wenn die Kinetik der Wärmeüber- Am …T1 T2 †
tragung nicht einem einfachen linearen Gesetz wie in
den Gln. (31) und (32) folgt. Sie sind dann zusätzlich so folgt unmittelbar as=l/s. Die Durchtrittsfläche wird
vom treibenden Temperaturunterschied selbst abhängig. als geeigneter Mittelwert Am zwischen einer inneren Flä-
Dies ist z. B. dann der Fall, wenn das treibende Tempera- che Ai (an der T=T1 herrscht) und einer äuûeren Fläche
turgefälle über die temperaturabhängige Dichte eine Aa(T=T2) definiert, wenn die Schicht zylindrisch oder
Strömung erzeugt (freie Konvektion, Kondensation, kugelförmig gekrümmte Oberflächen hat. Aus der ent-
Verdampfung). Zu Vergleichszwecken kann die Defini- sprechenden Integration des Fourierschen Grundgeset-
tion a=f (DT) dennoch auch in diesen Fällen durchaus zes für diese Geometrien findet man für Am das logarith-
nützlich sein. Die Definition eines Wärmeübergangs- mische Mittel von Ai und Aa für Zylinderschalen (z. B.
koeffizienten für die nichtlineare Kinetik des Wärme- Rohrwände); für Kugelschalen erhält man das geometri-

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transports durch Strahlung führt beispielsweise zu einer sche Mittel (s. auch Abschn. Cb). Der Wärmeübergangs-
zweckmäûigen linearisierten Form des Stefan-Boltz- oder Wärmedurchgangskoeffizient für die eindimensio-
mann-Gesetzes für den Strahlungsaustausch zwischen nale stationäre Wärmeleitung durch eine Schicht der
zwei grauen Oberflächen (s. Gl. (16)): Dicke s hängt demnach nur von der Wärmeleitfähigkeit
l der Schicht und von der Schichtdicke (oder dem Leit-
Q_ 12 ˆ arad A…T1 T2 † …35† weg) s ab. Würde man auch für diesen einfachsten Fall
mit eine Nuûelt-Zahl, Nu=a s/l, mit der Schichtdicke s als
c12 …T14 T24 † charakteristischer Länge definieren, so erhielte man als
arad ˆ
…T1 T2 † erste ¹Standardgleichungª der Wärmeübertragung
oder  2 !
DT Nus=1 (Wärmeleitung, stationär, 1-D). (38)
arad ˆ 4 c12 Tm3 1‡
ST Daraus berechnet man as=(l/s) Nus . Die Definitionen
eines Wärmeübergangskoeffizienten as und einer Nu-
Der Koeffizient c12 , der von den Emissionsverhältnissen ûelt-Zahl sind hier offensichtlich unnötig. Im Hinblick
(e1 , e2) und der geometrischen Anordnung (Winkelver- auf das Verständnis dieser Gröûen als Basis für die fol-
hälnis j12) der beiden Oberflächen abhängt, ist stets klei- genden komplizierteren Fälle kann eine solche Einheits-
ner als die (höchstens gleich der) Stefan-Boltzmann- Nuûelt-Zahl für die stationäre eindimensionale Wärme-
Konstante (c12  s). Tm=ST/2 ist der arithmetische leitung aber sicher eine brauchbare Gedächtnishilfe sein.
Mittelwert, DT die Differenz und ST die Summe der bei- ¹Standardgleichungenª zur Berechnung von Wärme-
den absoluten Temperaturen T1 und T2 . In vielen Fällen übergangskoeffizienten werden häufig ± auch im VDI-
ist das Quadrat von Differenz durch Summe der absolu- Wärmeatlas ± in der Form
ten Temperaturen sehr klein gegen Eins. Selbst im Ex-
tremfall (wenn die tiefere Temperatur gegen den absolu- Nu=f (P1 , P2 , P3 , . . . ) (39)
ten Nullpunkt geht) kann dieses Quadrat höchstens den
Wert Eins haben. Man kann also die linearisierte Form dargestellt, wobei die dimensionslosen Kennzahlen Pi
des Stefan-Boltzmann-Gesetztes in guter Näherung mit Potenzprodukte der physikalischen Einfluûgröûen (Län-
einem Wärmeübergangskoeffizienten arad schreiben, der gen, Zeiten, Geschwindigkeiten, Stoffwerte etc.) enthal-
der dritten Potenz der mittleren absoluten Temperatur ten, von denen der Wärmeübergangskoeffizient für den
proportional ist. Bei einer mittleren Temperatur von jeweils betrachteten Standardfall abhängt.
Tm=300 K (=26,85 C) und (DT/ST)2  1 ist Die eindimensionale stationäre Wärmeleitung hat für die
arad(300 K)  6,12 W m ±2 K ±1. Praktisch kann man sich Kugelschale einen interessanten, auch praktisch wichti-
mit c12  0,8 s bei nichtmetallischen Oberflächen gen Grenzfall. Nach Gl. (37) gilt mit dem geometrischen
arad(300 K)  5 W m ±2 K ±1 (36) Mittel von Innen- und Auûenfläche Am=(Ai Aa)1/2=
4 p ri ra für den stationären Wärmefluû durch die Kugel-
für Überschlagsrechnungen merken. Erhöht man die schale der Dicke s=raÐri
mittlere absolute Temperatur auf das Vierfache
l
Tm=1200 K (=926,85 C), dann erhält man den Q_ ˆ 4 p ri ra DT …40†
64fachen Wert (43=64) ra ri

arad(1200 K)  320 W m ±2 K ±1 Läût man den Auûenradius ra der Schale gegen unend-
lich gehen, während der Innenradius ri=r die Oberfläche
für den Wärmeübergangskoeffizienten durch Strahlung. (4 p r2) einer kleinen Kugel konstanter Oberflächen-
VDI-Wärmeatlas A
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Einführung in die Lehre von der Wärmeübertragung A7

temperatur To bezeichnet, erhält man bildung eine analytische Lösung für diese Problemklasse
la (Formfaktoren für reguläre konzentrische n-Eck-Rohre)
Q_ min ˆ 4 p r2 …To Ta †: …41† zu finden. Für n ! 1 erhält man daraus wieder Gl. (45).
r Die heute verfügbaren Computer-Algebra-Programme
Die Leitfähigkeit der (unendlich dicken) Kugelschale (z. B. MAPLE) erleichtern diese analytische Arbeit, v. a.
wird jetzt zweckmäûigerweise mit ¹aª indiziert, wie die auch die Auswertung von analytischen Lösungen, be-
Temperatur am Auûenrand, d. h. in hinreichend groûer trächtlich.
Entfernung von der Oberfläche der kleinen Kugel. Für Für die stationäre Wärmeleitung in ruhenden Körpern
dieses Problem ist die Definition eines Wärmeüber- gilt generell, daû die Nuûelt-Zahlen (oder auch die
gangskoeffizienten mit der mittleren Fläche Am natürlich Formfaktoren) nur von der geometrischen Anordnung
nicht mehr sinnvoll, da mit ra auch Am ! 1 geht. Hier abhängige Konstanten sind. Wärmeübergangs- oder
bietet es sich an, die kleine Oberfläche 4 p r2 als Bezugs- -durchgangskoeffizienten sind folglich der Wärmeleit-
fläche zu wählen. Dann erkennt man sofort aus Gl. (41), fähigkeit direkt und der charakteristischen Abmessung
daû ein damit definierter Wärmeübergangskoeffizient umgekehrt proportional.
amin=la/r (42)
und eine mit dem Durchmesser d=2 r der kleinen Kugel 2.3 Instationäre Wärmeleitung in ruhenden Medien
gebildete Nuûeltzahl Nu=a d/l den konstanten Zahlen-
wert Für die instationäre Wärmeleitung in ruhenden Körpern
hängt der Temperaturverlauf im Innern von Ort und Zeit
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Numin=2 (43) ab; damit ist auch der Wärmefluû über die Oberfläche
hat. Diese zweite Standardgleichung hat eine praktische nicht mehr zeitlich konstant. Definiert man nach Schlün-
Bedeutung als Grenzfall für den äuûeren Wärmeüber- der [9] (s. dazu auch Cheng und Fujii [5]) den Momen-
gang von kleinen Kugeln, die von einem ausgedehnten tanwert ai, t und integralen zeitlichen Mittelwert ai eines
Fluid überströmt werden (überströmte Einzelkörper (s. inneren Wärmeübergangskoeffizienten für die instatio-
auch Abschn. Gj)), wenn die Reynolds-Zahl Re=w d/n näre Wärmeleitung
als die maûgebliche Kennzahl für die Strömung (w Rela- _ O
q…t†
ai, t ˆ  Momentanwert), (46)
tivgeschwindigkeit, n kinematische Viskosität), die den T…t† TO …t†
Kugeldurchmesser d in Vielfachen der ¹Längeª n/w
miût, gegen Null geht. 1 „t
ai ˆ ai, t …t 0†dt 0 (integraler zeitlicher Mittelwert),
t0
Für die stationäre zweidimensionale Wärmeleitung in ru- (47)
henden Körpern wird nach Langmuir (zitiert in [8]) ein
so können diese im Prinzip exakt aus der Kenntnis des
Formfaktor Sl definiert, der den konstanten Wärmestrom
Temperaturfeldes berechnet werden. Der Index ¹Oª steht
zwischen zwei Isothermen T1 und T2 (Linien in der Zei-
in Gl. (46) für die Oberfläche. Diese inneren Wärme-
chenebene), bezogen auf die Länge l einer zylindrischen
übergangskoeffizienten für die instationäre Wärmelei-
Anordnung senkrecht zur Zeichenebene, in dimensions-
tung sind naturgemäû nicht nur von der geometrischen
loser Form darstellt:
Anordnung (charakteristische Länge X) und der Leitfä-
Q_ higkeit l, sondern auch von der Zeit t und damit zusätz-
Sl ˆ …44† lich auch von der volumetrischen Wärmekapazität r cp
l l…T1 T2 †
abhängig (s. auch Abschn. Ec)
Mit QÇ /DT=a A kann man also auch Sl=a(A/l)/l schrei-
ben, was nichts anderes als eine Nuûelt-Zahl mit der cha- ai=f (X, l, r cp , t, . . . ).
rakteristischen Länge A/l ist. Tabellen mit Formeln für
solche Formfaktoren findet man in Abschn. Ea. Dabei zeigt sich, daû man für kurze Zeiten (z. B. kurz
nach dem Eintauchen eines heiûen Festkörpers in eine
Für den (eindimensionalen) Fall der Wärmeleitung kältere Umgebung konstanter Fluidtemperatur) asym-
zwischen zwei konzentrischen Kreiszylinderflächen, ptotische Lösungen für
das Kreisrohr, findet man aus Gl. (37) mit dem lo-
garithmischen Mittel der Innen- und Auûenflächen Nui=ai X/l
Am=2 p l(ra ± ri)/ln(ra/ri) sowie aus Gl. (44) den Form-
faktor findet, die für konstante Oberflächentemperatur, d. h. für
einen äuûeren Wärmeübergangskoeffizienten (Ober-
Sl=2 p/ln(ra/ri). (45)
fläche/Fluid) aa  (li/X),
Exakt den gleichen Sachverhalt kann man in diesem Fall aa X
auch durch die Nuûelt-Zahl Nus=1, Gl. (38), darstellen. Bi ˆ , Bi ! 1 …48†
Für den Fall, daû man das Kreisrohr durch ein Rohr von li
Polygonquerschnitt (gleichseitiges Dreieck, Quadrat, (oder Biot-Zahl gegen unendlich), als Momentan- bzw.
Fünfeck, Sechseck, ..., reguläres n-Eck) ersetzt, war man Mittelwerte
bisher für jeden Einzelfall auf numerische Berechnung
1 2
oder Abschätzung angewiesen. Erst kürzlich gelang es Nui, t, 0 ˆ p bzw: Nui, 0 ˆ p …49†
Nickolay et al. [8] mit der Methode der konformen Ab- p Fo p Fo
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A8 Einführung in die Lehre von der Wärmeübertragung 10. Auflage 2006

nur von der dimensionslosen Zeit (Fourier-Zahl) Fo ab- ai  3(li/X) für die Platte der Dicke 2 X,
hängen ai  4(li/R) für den Zylinder des Durchmessers 2 R,
lt at
Fo ˆ ˆ , …50† ai  5(li/R) für die Kugel des Durchmessers 2 R.
r cp X 2 X 2
Diese einfachste Näherung ist insbesondere für kleine
in der man die kombinierte Stoffeigenschaft l/(r cp) Biot-Zahlen (Bi<1) meist völlig ausreichend. Sie
auch als Temperaturleitfähigkeit a abkürzt. Nach stimmt exakt mit dem Grenzwert für Bi gegen Null (und
Gl. (49) ist der Wärmeübergangskoeffizient für den Be- damit auch für die Randbedingung q_ 0=konst) und
ginn eines plötzlichen Abkühl- oder Erwärmungsvor- Fo ! 1 überein. Bei gröûeren Biot-Zahlen liefert sie für
gangs formal zunächst unendlich groû und nimmt umge- kurze Zeiten zu niedrige, für lange Zeiten etwas zu hohe
kehrt proportional zur Wurzel aus der Zeit ab. In diesem Werte.
asymptotischen Grenzfall spielt die charakteristische
Die exakte Rechnung nach Fourier [1] zeigt, daû Nui für
Länge X noch keine Rolle. Schreibt man Gl. (49) in der
instationäre Wärmeleitung von Fo, Bi und av* abhängt.
Form
r Verbesserte Näherungsgleichungen, die dies berücksich-
p l r cp
Nui, t, 0 p Fo ˆ 1 oder ai, t, 0 ˆ , …51† tigen, findet man in Abschn. Ec. (Dort sind auch die ex-
pt akten Fourierschen Reihenlösungen für die instationären
Temperaturfelder angegeben, die man mit den heute ver-
so erkennt man leicht, daû sich die Länge X herauskürzt. fügbaren Hilfsmitteln (Computeralgebra- und andere
Im anderen Grenzfall (lange Zeiten) ändern sich die Mathematikprogramme, Tabellenkalkulation etc.) ein-
Temperaturverläufe im Innern geometrisch ähnlich an fach auswerten kann).

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jeder Stelle exponentiell abklingend mit der Zeit. Zähler Die inneren Wärmeübergangskoeffizienten ai für insta-
und Nenner in Gl. (46) folgen dann demselben Zeitge- tionäre Wärmeleitung hängen danach von der Wärme-
setz, der Quotient ist konstant. leitfähigkeit, der Form und Abmessung des Körpers, der
Zeit, der volumetrischen Wärmekapazität und zusätzlich
Nui, 1=konst. (52)
auch noch von dem äuûeren Wärmeübergangskoeffi-
Der Zahlenwert der Konstanten hängt von der Körper- zienten, d. h. von der Randbedingung, ab. Für einfache
form (z. B. Platte, Zylinder, Kugel) ab und auch von der Näherungen kann diese letztgenannte Abhängigkeit, ge-
gewählten Randbedingung. Für Bi ! 1 ergeben sich die gebenenfalls sogar die Zeitabhängigkeit (s. ¹nullte Nähe-
Werte Nui, 1=2,467 (Platte), Nui, 1=2,892 (Zylinder), rungª, Gl. (53)), vernachlässigt werden.
Nui, 1=3,290 (Kugel). Für eine grobe (nullte) Bild ;1 zeigt für den Grenzfall 1/Bi=0 (oder Bi ! 1)
Näherung kann man die Zeitabhängigkeit des inneren den Verlauf der momentanen (inneren) Nuûelt-Zahl über
Wärmeübergangskoeffizienten vernachlässigen und mit der Fourier-Zahl für Platte, Zylinder und Kugel. Für kur-
einem konstanten Mittelwert rechnen [10]: ze Zeiten (kleine Fourier-Zahlen) folgt die Kurve der
asymptotischen Lösung nach Gl. (49), d. h. der Steigung
Nui, X  2 ‡ a
…0†
v …nullte Näherung†: …53† Ð1/2 im log-log-Diagramm; für lange Zeiten werden
die konstanten Endwerte nach Gl. (52) erreicht. Die cha-
Darin ist av*=A X/V, und man erhält mit der charakte- rakteristische Länge X ist hier die halbe Dicke einer Plat-
ristischen Länge X als halber Dicke einer Platte (av*=1), te bzw. der Radius eines Zylinders oder einer Kugel. Für
Radius eines Zylinders (av*=2) oder einer Kugel endliche Biot-Zahlen sehen die Kurven prinzipiell ähn-
(av*=3) die Werte lich aus (in Bild 1 nicht dargestellt). Die Kurzzeitasym-

Bild 1.
Momentaner Wärmeübergang
Kugel, Zylinder, Platte
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Einführung in die Lehre von der Wärmeübertragung A9

ptote verschiebt sich dabei maximal (d. h. für Bi ! 0) Kreisrohr mit dem Durchmesser d.
um den Faktor p/2 parallel nach oben. Die Endwerte für …0†
lange Zeiten werden maximal (d. h. für Bi ! 0) um die Nud  8 …55†
Faktoren 1,52 (Kugel), 1,38 (Zylinder) und 1,22 (Platte) Der Zahlenwert 8 ist zugleich der exakte Endwert (für
gröûer. Fo ! 1, d. h. Gz ! 0) Nuq, 1=8 (bzw. Nuq, 1=6) für
lange kolbenförmig durchströmte Kreisrohre (bzw. ebe-
ne Spaltkanäle) bei konstanter Wärmestromdichte an der
Wand.
2.4 Stationär durchströmte Kanäle
2.4.2 Laminare Strömung
2.4.1 Kolbenströmung
Für vollständig ausgebildete laminare Strömung (Poi-
Die Erkenntnisse aus dem vorangehenden Abschnitt las- seuille-Strömung), bei der die Strömungsgeschwindig-
sen sich sinngemäû auch auf die Wärmeübergangskoef- keiten parabolisch über den Querschnitt verteilt sind
fizienten an stationär strömenden Medien in Kanälen (Haftbedingung, d. h. u=0 an der Wand, maximale Ge-
konstanten Querschnitts übertragen. Insbesondere im schwindigkeit auf der Achse), ergeben sich im Vergleich
Grenzfall der Kolbenströmung, d. h. gleiche Verweilzeit zur Kolbenströmung kleinere Endwerte von Nud, 1  4.
aller Fluidelemente, kann das Problem der Heizung oder Der bekannte theoretisch berechnete Wert bei konstanter
Kühlung eines Fluids in einem ebenen Kanal bzw. in ei- Wandtemperatur (aus der zuerst von Graetz 1885, dann
nem Rohr auf das instationäre Erwärmen oder Abkühlen unabhängig nochmal von Nuûelt 1910 für voll ausgebil-
einer Platte bzw. eines Zylinders zurückgeführt werden, dete Laminarströmung im Kreisrohr gefundenen analyti-
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wenn man für die stationäre Strömung ein mitbewegtes schen Lösung des Graetz-Nuûelt-Problems) ist für lange
Koordinatensystem verwendet (Lagrangesche Betrach- Rohre, d. h. Gz ! 0,
tung). Statt der Wegkoordinate x in Strömungsrichtung
l
und der Geschwindigkeit u, die das Problem im ortsfe- aJ, 1 ˆ 3,657
sten Koordinatensystem (Eulersche Betrachtung) cha- d
rakterisieren, tritt beim mitbewegten System die Ver- (Graetz-Nuûelt-Asymptote, x/d  Re Pr/40). (56)
weilzeit tv in einer beheizten oder gekühlten Strecke des Die andere Asymptote, für den thermischen Anlauf bei
Kanals, die gerade gleich x/u ist. Für die stationäre Kol- voll ausgebildeter Laminarströmung im Kreisrohr, d. h.
benströmung kann man also die bekannten Lösungen der für kurze Rohre (Gz ! 1), wurde erstmals 1928 von
entsprechenden instationären Wärmeleitprobleme direkt LeÂv†que [11] gefunden.
übertragen. Dies ist mit sehr guter Näherung erlaubt,
 1=3
wenn die Wärmeleitung in Strömungsrichtung hinrei- 2  31=3 l2 r cp u
chend klein gegenüber dem konvektiven Transport von ax, J, L ˆ
G…1=3† xd
Enthalpie in dieser Richtung bleibt. Die Peclet-Zahl
(LeÂv†que-Asymptote, x/d  Re Pr/40). (57)
Pe=u d/a
In dimensionsloser Form, mit der Konstanten
muû dazu hinreichend groûe Werte, Pe  1, aufweisen,
c=31/3/G(1/3)=0,538366, also 2 c  1,077 als lokale
was in vielen Anwendungsfällen zutrifft. Die Nuûelt-
und als integral örtlich gemittelte (Num=(3/2)
Zahlen für durchströmte Kanäle sollten danach ebenfalls
Nux(x=L)) Nuûelt-Zahlen ergibt sich
von Fo, von der Querschnittsform (av*) und von der
Randbedingung abhängen wie in Bild 1 für konstante Nux, J, L=1,077 Gzx1/3,
Wandtemperatur (1/Bi=0) dargestellt. Schreibt man für
die Zeit in Fo, das nun üblicherweise mit dem Durchmes- Num, J, L=1,615 Gz1/3. (58)
ser d (und nicht wie bei der instationären Wärmeleitung
Die Indizes ¹x, J, Lª stehen für ¹lokal, bei konstanter
mit dem Radius d/2) des Kanals gebildet wird, t=tv=x/
Wandtemperatur, nach LeÂv†queª. Die Graetz-Nuûelt-
u, wobei x die Koordinate in Strömungsrichtung vom Be-
und die LeÂv†que-Asymptoten schneiden sich bei
ginn der beheizten oder gekühlten Strecke ist, so findet
Gz  40 (genauer bei (3,657/1,077)3=39,1). Für
man die Zusammenhänge zwischen der Fourier-Zahl
L/d<Re Pr/40 nimmt der Wärmeübergangskoeffizient
(mitbewegtes System) und anderen gebräuchlichen
also umgekehrt proportional zur Kubikwurzel aus der
Kennzahlen (ortsfestes System):
Verweilzeit (tv=x/u) ab und erreicht für groûe Verweil-
1 d2 u d2 d d zeiten den Endwert ax, J, 1
ˆ ) ˆ Gz, Gz ˆ Pe ˆ RePr : …54†
Fod a t ax x x Um die Intensität der Wärmeübertragung bei gleichem
Die Graetz-Zahl, die man auch als Produkt von Pe und DT zu verdoppeln, müûte man also beispielsweise im Be-
d/x oder ± durch formales Erweitern mit der kinemati- reich L/d<Re Pr/40 die achtfache Strömungsgeschwin-
schen Viskosität n ± als Produkt von Reynolds-Zahl, digkeit aufwenden!
Prandtl-Zahl (Pr=n/a) und d/x schreiben kann, ist die Für gleichzeitigen hydrodynamischen und thermischen
wichtigste Kenngröûe für die Wärmeübertragung in sta- Anlauf ± wenn sich beim Eintritt in einen Kanal nicht
tionär durchströmten Kanälen. Als nullte Näherung, ent- nur das Temperatur-, sondern auch das Strömungsprofil
sprechend Gl. (53) mit Nud=a d/l, erhält man nun die erst ausbilden muû ± ergibt sich nach Pohlhausen
konstante Nuûelt-Zahl für Kolbenströmung durch das (1921) aus der von Prandtl (1904) vorgeschlagenen
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A 10 Einführung in die Lehre von der Wärmeübertragung 10. Auflage 2006

Grenzschichttheorie statt der LeÂv†que-Asymptote eine hängigkeit des Wärmeübergangskoeffizienten von der
Abhängigkeit von der Quadratwurzel aus der Graetz- Verweilzeit, nur noch eine wesentlich geringere Rolle,
Zahl (wie bei der Kolbenströmung). da der asymptotische Endwert Nu1 (s. die Werte am
rechten Rand von Bild 2, für groûe Verweilzeiten) für
Nux, J, P  0,332 Pr 1=6 Gz1=2
x die turbulente Strömung i. allg. wesentlich höher liegt als
(Pohlhausen-Asymptote). (59) für die laminare. Die turbulente Quervermischung im
Kern der Strömung sorgt dafür, daû die Temperaturgra-
Der Vorfaktor, der bei der Kolbenströmung nach dienten in Wandnähe wesentlich höher als bei laminarer
Gl. (49) eine konstante Zahl (1/p1/2=0,5642) ist, wird oder auch bei reibungsfreier (Kolben-) Strömung sind.
für diesen Fall eine schwache Funktion der Prandtl-Zahl. Aus einem Zweischichtenmodell der turbulenten Strö-
Die Pohlhausen-Asymptote gilt nur in den Bereichen, mung (vollturbulenter Kern, viskose Unterschicht) er-
wo sie gröûere Werte als die LeÂv†que- oder die Graetz- gibt sich nach umfassendem Vergleich mit sehr vielen
Nuûelt-Asymptoten liefert. Für sehr kleine Prandtl-Zah- experimentellen Daten die von Gnielinski [12; 13] emp-
len gilt Gl. (59) nicht, sie wird dort durch die Gleichung fohlene und weltweit als Standardgleichung verwendete
für Kolbenströmung (Gl. (49), reibungsfreie Strömung) Beziehung (s. dazu z. B. [14])
nach oben begrenzt.
…x=8†RePr
Nux, J, 0 ˆ …Gzx =p†1=2 , Pr ! 0 …60† Nu1 ˆ p ,
1 ‡ 12,7 x=8…Pr2=3 1†
Im Gültigkeitsbereich der Pohlhausen-Asymptote, d. h.
etwa für x/d<Re/1200 (und natürlich Nux, J, P>3,657),
Re  10 000, Pr > 0,6 : …61†

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ist der Wärmeübergangskoeffizient der Wurzel aus der
Verweilzeit (tv=L/u) umgekehrt proportional. Eine
Verdopplung der Intensität der Wärmeübertragung wäre Der Reibungsbeiwert x, der zur Berechnung des
in diesem Bereich also durch die Vervierfachung der Druckabfalls Dp der Rohrströmung definiert wird ±
Strömungsgeschwindigkeit zu erzielen. Gleichungen, Dp=x(r/2)u2L/d ± , ist darin nach der Gleichung von
die die hier diskutierten asymptotischen Grenzfälle ent- Konakov zu berechnen.
halten und im gesamten Bereich von Re, Pr, d/L gültig
sind, findet man in den Abschn. Ga und Gb. Die unterste
Kurve in Bild 2 (Re<2300) ist nach diesen Gleichungen x=(1,8 log10 ReÐ1,5) ±2 (Konakov-Gleichung). (62)
für Pr=4 (z. B. für Wasser bei etwa 45 C, 1 bar) berech-
net. Man erkennt wieder die prinzipielle ¾hnlichkeit zu
Für Pr=1 vereinfacht sich Gl. (61) zu der häufig als
der Kurve für die instationäre Wärmeleitung in Bild 1.
Reynolds-Analogie bezeichneten linearen Beziehung
Die anderen Kurven in Bild 2 für Reynolds-Zahlen
zwischen der Stanton-Zahl St=Nu/(Re Pr)=a/(rcp u)
Re=3000 . . . 100 000 sind nach den Gleichungen für tur-
und dem Reibungsbeiwert, St=(x/8). Allgemein werden
bulente Strömung aus Abschn. Ga berechnet. Die Rey-
Gleichungen, die den Wärme- oder Stofftransport in Ab-
nolds-Zahl wird dabei zusätzlich zur Graetz-Zahl eine
hängigkeit der Reibungskraft (Impulstransport) darstel-
wichtige Einfluûgröûe (s. im folgenden).
len, oft Analogien genannt.
2.4.3 Turbulente Strömung Die Konakov-Gl. (62) ist eine sehr gute Näherung für
Bei der turbulenten Strömung in Kanälen spielt der ther- die implizite Gleichung nach Prandtl, die üblicherweise
mische und der hydrodynamische Anlauf, d. h. die Ab- (s. [14] und Abschn. Lab) als Standardgleichung für die

Bild 2.
Lokaler Wärmeübergang bei
Rohrströmung Pr=4
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10. Auflage 2006
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Reibung bei turbulenter Rohrströmung empfohlen wird. Die kritische Reynolds-Zahl der Rohrströmung,
Recrit=2300, entspricht also einer kritischen Hagen-Zahl
x=(log10(x Re2)Ð0,8) ±2(Prandtl-Gleichung). (63) Hgcrit=73 600.
Der Quotient Hg/(4 Re)=(tv/Du) d/h ist das Impuls-
Die Prandtl-Gleichung läût sich nicht explizit nach x(Re) transport-Analogon zur Nuûelt-Zahl Nu=q/DT) _ d/l. In
auflösen. Es erscheint hier zweckmäûig, eine neue Kenn- der Literatur wurde dafür der Name Poiseuille-Zahl Po
zahl ± die Hagen-Zahl ± einzuführen, die proportional vorgeschlagen. Allgemein könnte man das Hagen-Poi-
zum Antrieb der Strömung, der Druckkraft Dp S, ist. seuille-Gesetz für die ausgebildete Laminarströmung in
x 2 D p d3 tw d 2 g d2 Kanälen also Hg ˆPo(A d/V) Re schreiben. Der Zahlen-
nur
Hg ˆ Re ˆ ! 4 ˆ4 : …64† wert Po=8 für die voll ausgebildete laminare Strömung
2 r DL n2 Reibung rn 2 n
im Kreisrohr ist deshalb nicht zufällig gleich dem Wert
Dabei ist S die Querschnittsfläche (S=(p/4)d2 beim Nuq, 1=8 nach Gl. (55) für die Wärmeübertragung an
Kreisrohr) und A die innere Oberfläche (A=p d L beim ein kolbenartig durchströmtes langes Kreisrohr bei kon-
Kreisrohr) des Kanals. Dp S/A kann man auch mit der stanter Wärmestromdichte an der Wand. Umgekehrt
Reibungskraft pro Wandfläche, d. h. der Wandschub- kann man nun auch aus Nuq, 1=6 für den ebenen Spalt
spannung tw , gleichsetzen, wenn der Druckabfall nicht den Analogieschluû ziehen, daû die Poiseuille-Zahl für
noch andere Ursachen als die Wandreibung hat (z. B. Be- die Spaltströmung den Wert Po=6 haben muû. Mit A d/
schleunigung). Der Zahlenfaktor 4 auf der rechten Seite V=2 für den Spalt folgt Hg=12 Re. Charakteristische
der Gl. (64) ist A d/V, wenn das Volumen V=S L ist. Für Länge ist dabei die Spaltweite d. Wählt man stattdessen,
Newtonsche Fluide ist der Quotient aus Wandschub- wie meist in der Literatur üblich, den hydraulischen
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spannung tv und Vikosität h (=r n) gleich der Steigung Durchmesser dh=4 S/uS , d. h. vier mal die Querschnitts-
der Wandtangente an das Geschwindigkeitsprofil fläche durch deren Umfang, was für den Spalt dh=2 d er-
tw/h=(du/dy)w . Diese Steigung hat die Dimension einer gibt, dann lautet das Hagen-Poiseuille-Gesetz für die
reziproken Zeit und wird in der Rheologie auch als Spaltströmung natürlich Hgh=48 Reh oder x=96/Re.
Scherrate g bezeichnet. Bei laminarer Strömung liegt der Exponent m der Rey-
Mit Gl. (64) kann die Prandtl-Gleichung explizit nach nolds-Zahl (in Gz=Re Pr d/L) in einem Potenzgesetz
Re(Hg) aufgelöst werden, d. h., man kann den Durchsatz Nu=konst Rem (s. vorangehende Abschnitte) im Be-
(proportional Re) durch ein Rohr für ein gegebenes reich
Druckgefälle (proportional Hg) explizit ausrechnen.
0  m  1/2. (69)
p
Re ˆ 2  lg10 …Hg  2=100;8 †Hg1=2 , …2=100;8  0; 3170†: Dabei ist jedoch zu beachten, daû der Exponent m=1/2,
d. h. die Pohlhausen-Asymptote, Gl. (59), nur für den
(65)
gleichzeitigen hydrodynamischen und thermischen An-
Damit läût sich die Gnielinski-Gl. (61) für die voll aus- lauf gilt. In diesem Bereich ist der Druckabfall naturge-
gebildete turbulente Rohrströmung auch in Abhängigkeit mäû höher als nach dem Hagen-Poiseuille-Gesetz, das
vom Druckabfall (der Hagen-Zahl) anstelle der Rey- nur für die voll ausgebildete Laminarströmung gilt. Die
nolds-Zahl schreiben: LeÂv†que-Asymptote, Gln. (57) und (58) mit m=1/3,
enthält eigentlich von ihrer theoretischen Grundlage her
Hg1=2 Pr
Nu1 ˆ p : …66† nicht die mittlere Geschwindigkeit u, sondern nur die
4 2 log10 …0; 3170 Hg† ‡ 25,4…Pr2=3 1† Steigung der Wandtangente an das Geschwindigkeits-
Man erkennt aus dieser Form der Gnielinski-Gleichung, profil g=(duloc/dy)w . In der LeÂv†queschen Theorie wird
daû der Wärmeübergangskoeffizient bei turbulenter Ka- nämlich die wandparallele Geschwindigkeitskompo-
nalströmung höchstens der Wurzel aus dem Druckabfall nente uloc(y) in der partiellen Differentialgleichung für
proportional ist. Für sehr zähe Medien, Pr  1, folgt als das Temperaturfeld durch ihre Wandtangente approxi-
Asymptote miert uloc(y)=g y. Für die voll ausgebildete laminare
Rohrströmung ist g=8 u/d. Die LeÂv†que-Asymptote,
Nu1=0,03937 Hg1/2 Pr1/3, Pr  1. (67) Gln. (57) und (58), kann also in der Form
Für kleinere Prandtl-Zahlen ist die Abhängigkeit vom  2 1=3
31=3 gd d
Druckabfall etwas schwächer als mit der Wurzel aus Hg. Nux, J, vL ˆ 
G…1=3† a x
  …70†
Hg Pr d 1=3
2.4.4 Analogie zwischen Impuls- und Wärme- ˆ 0,5384   ,
4 x
oder Stofftransport
Für die ausgebildete laminare Rohrströmung gilt das Ha- der verallgemeinerten LeÂv†que-Gleichung, geschrieben
gen-Poiseuille-Gesetz x=64/Re, das sich mit der Ha- werden. Für voll ausgebildete laminare Rohrströmung ist
gen-Zahl als einfacher linearer Zusammenhang zwi- Hg/4=8 Re, 81/3=2, und damit wird Gl. (70) wieder zu
schen Druckabfall und Durchsatz darstellt (A d/V=4): Gl. (58). Nimmt man für den Reibungsanteil der Rohr-
einlaufströmung die lokale Wandschubspannung der la-
Hg=8(A d/V) Re, Re<2300 (Hagen-Poiseuille-Gesetz). minaren Plattengrenzschicht nach Blasius,

(68) tw ˆ 0,332  r u2 Rex 1=2 , …71†


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A 12 Einführung in die Lehre von der Wärmeübertragung 10. Auflage 2006

und bringt dies mit Gl. (64) und Rex=u x/n= multiplizieren ist.
Re x(Re=u d/n, z=x/d) in die Form einer lokalen Ha-
gen-Zahl, Nux ={1+1/3(d/x)2/3} Nu1 ,
Num={1+(d/L)2/3} Nu1 . (76)
3/2 ±1/2
Hgx=1,328 ´ Re z , (72)
Bei einer Lauflänge von x=6 d ist damit die lokale Nu-
ûelt-Zahl Nux gerade noch 10% höher als der Endwert
so muû in Gl. (70) nun ein geeigneter Mittelwert von Nu1 , der Mittelwert wäre für L=6 d immerhin noch
x=0 . . . x für die stark veränderliche Wandschubspan- 30% höher als der Endwert.
nung eingesetzt werden, um den lokalen Wärmeüber-
gang an der Stelle x zu berechnen. Nach einer von Schuh Für durchströmte Strukturen, bei denen die Strömung
(1953) mit dem LeÂv†queschen Grundgedanken, aber praktisch nur aus räumlich periodischen Anlaufvorgän-
nun mit g=g(x) gefundenen analytischen Lösung der gen mit kleinen Lauflängen L/dh besteht (z. B. in quer
Grenzschichtgleichung für die überströmte Platte ist der durchströmten Rohrbündeln, in den Kanälen von Platten-
korrekte Mittelwert in diesem Fall wärmeübertragern mit gekreuzten Winkel-Wellen-Prä-
p  1=2 gungen oder in Schüttungen von Feststoffpartikeln),
Hgx 3=2 3 d kann die verallgemeinerte LeÂv†que-Gl. (70) verwendet
Hg ˆ Hgx z ˆ 1,328  Re : …73† werden, um den Wärmeübergang aus dem (Reibungs-)
1 „ p 4 x
Hgx dz Druckabfall zu berechnen, wie erst 1996 zunächst nur für
z0
die Plattenwärmeübertrager in [16] (s. dazu auch
Setzt man diesen Mittelwert in Gl. (70) ein, so ergibt Abschn. Mm), dann auch für die quer durchströmten

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sich Rohrbündel in [17] gezeigt wurde.
Nux, J=0,3387 Pr1/3 ´ (Re d/x)1/2 (Schuh-Asymptote)
(75)
2.5 Überströmte Einzelkörper
eine Gleichung, die praktisch mit der Pohlhausen-Asym-
ptote, Gl. (59), für den thermischen und hydrodynami-
2.5.1 Reibungsfreie Umströmung
schen Anlauf übereinstimmt (Pr1/2/Pr1/6=Pr1/3), der
Zahlenfaktor 0,3387 ist nur 2% höher als 0,3321. Der Für die Wärmeübertragung an einzelne Körper in einer
Vorfaktor 0,332 Pr1/3 war bei Pr=1 als exakter Wert ge- ausgedehnten erzwungenen Strömung findet man ähnli-
funden worden. Der Exponent 1/3 ist dagegen dort nur che Abhängigkeiten des Wärmeübergangs von der Ver-
näherungsweise zutreffend. Gleichung (75) ist die kor- weilzeit (tv=L/u1) des strömenden Fluids auf der be-
rekte asymptotische Lösung der Grenzschichtgleichung heizten oder gekühlten Körperoberfläche, wie sie auch
für Pr ! 1. Praktisch ist sie im Bereich 0,6<Pr<1 an- für durchströmte Kanäle gelten. Der Grenzfall des rei-
wendbar. Daraus kann man den Schluû ziehen, daû die bungsfrei überströmten Körpers läût sich auch hier wie-
verallgemeinerte LeÂv†que-Gl. (70) nicht nur für den der, wie schon bei Gl. (60), aus dem entsprechenden Fall
thermischen Anlauf bei hydrodynamisch ausgebildeter der instationären Wärmeleitung für kurze Zeiten analog
Strömung, sondern auch für den gleichzeitigen hydrody- übertragen. Gleichung (49) mit Nu=a X/l und Fo=a t/
namischen und thermischen Anlauf gilt. Der Zusammen- X2 ergibt, wenn man statt X die Überströmlänge L als
hang zwischen Wärmeübergangskoeffizient (Nuûelt- charakteristische Länge in den Kennzahlen wählt,
Zahl) und Druckabfall (Hagen-Zahl) hat demnach für la- r
2 l r cp u1
minare Strömung generell die Form der Gl. (70) für den am, J, B ˆ p , Pr ! 0
Einlauf und die Form der Gl. (56) für den Endwert. Man p L
muû also bei laminarer Strömung mindestens den achtfa- (Boussinesq-Asymptote). (77)
chen Druckabfall aufwenden, um die Intensität der Wär- Boussinesq hat entsprechende Berechnungen für rei-
meübertragung bei sonst unveränderten Bedingungen zu bungsfrei umströmte Körper unterschiedlicher Form
verdoppeln. schon 1903 publiziert (s. [11, S. 237/255]).
Dimensionslos lautet Gl. (77)
Nulam=konst  (Hg Pr d/L)n, 0<n<1/3.
2 p
Num, J, B ˆ p Pe, Pr ! 0: …78†
Die verallgemeinerte LeÂv†que-Gl. (70) kann darüber p
hinaus auch für den thermischen Anlauf bei turbulenter Die Gröûe Pe=u1 L/a ist eine Pecletzahl, die wieder
Strömung verwendet werden (s. dazu auch [15; 16]). formal ± durch Erweitern mit der hier nicht erforder-
Dies liegt daran, daû die Grenzschicht im Anlauf immer lichen Viskosität n ± als Produkt von Re=u1 L/n und
zunächst laminar ist, auch dann, wenn im Kern die Strö- Pr=n/a geschrieben werden kann. Gleichung (77) gilt
mung schon stark verwirbelt sein kann. Für die voll tur- für eine (dünne) ebene parallel überströmte Platte. Mit
bulente Rohrströmung ist der thermische Anlauf wegen der empirisch (für reibungsbehaftete Strömung) vorge-
des hohen Endwertes nach Gl. (61) oder (66) nur wenige schlagenen Definition ¹Überströmlänge=Oberfläche/
Rohrdurchmesser lang. Der gemeinsame Anlaufeffekt Umfang der Projektionª
auf den lokalen Wärmeübergangskoeffizienten bei voll
turbulenter Strömung wird empirisch durch einen Faktor A
Lˆ , …79†
{1+1/3(d/x)2/3} berücksichtigt, mit dem Gl. (61) zu uP
VDI-Wärmeatlas A
10. Auflage 2006
Einführung in die Lehre von der Wärmeübertragung A 13

worin A die Oberfläche des überströmten Körpers und uP NuKugel=2+0,991 Pe1/3 (Pr ! 1). (84)
die Länge des Umfanges seiner Projektionsfläche in
Strömungsrichtung sind, gilt Gl. (77) auch für andere 2.5.3 Laminare Grenzschichtströmung
Körper. Für die reibungsfrei überströmte Kugel des Zwischen der oberen (Boussinesq-) Asymptote (Pr=0)
Durchmessers d ± mit A=p d2 und uP=p d, also mit und der unteren Asymptote (Pr ! 1) wird bei den lami-
L=d ± ist Gl. (77) ebenfalls eine exakte asymptotische nar überströmten Einzelkörpern die aus der Grenz-
Lösung (Boussinesq, 1903). Für den langen (oder den an schichttheorie für die ebene Platte gültige Gl. (43) in der
den Stirnflächen adiabaten) quer überströmten Zylinder Form Nux, P =0,332 Pr ±1/6Pe1/2 bzw. als Mittelwert
des Durchmessers d findet man als Überströmlänge
L=p d/2. Bei reibungsfreier Strömung müûte hier exakt Num, P  0,664 Pr ±1/6Pe1/2 (Pohlhausen-Asymptote)
ein etwas kleinerer Wert LBoussinesq=p2 d/8 eingesetzt (85)
werden. oder r
1=6 l r cp u 1
am, P  0,664 Pr , Pr > 0,6 ,
L
2.5.2 Schleichende Umströmung
mit der Überströmlänge L nach Gl. (79) empfohlen. Von
Für den Grenzfall der ¹schleichenden Umströmungª
der Boussinesq-Asymptote für reibungsfreie Strömung
(Re<1) kann man wieder die LeÂv†quesche Idee heran-
unterscheidet sie sich nur im Vorfaktor, der hier statt
ziehen. Dann erhält man beispielsweise für die schlei-
einer Konstanten eine schwache Funktion der Prandtl-
chende Umströmung der Kugel nach Stokes für den lo-
Zahl (mit dem Exponenten Ð1/6) ist.
kalen Wert der Scherrate g=tw/h bzw. die lokale Ha-
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gen-Zahl
2.5.4 Turbulente Umströmung
1 g d2 u1 d Für die ebene überströmte Platte liegt die kritische Rey-
Hgq ˆ ˆ3 sin q: …80†
4 n n nolds-Zahl, oberhalb der eine Strömung turbulent wer-
Dabei ist J der vom Staupunkt aus gemessene Winkel, den kann, bei Rekrit  5 ´ 105; dabei ist die Reynolds-Zahl
0  J  p, der mit z=r cos J die Achse z der Richtung der mit der ungestörten Anströmgeschwindigkeit u1 in gro-
Auûenströmung u1 darstellt. Als geeigneten Mittelwert ûer Entfernung von der Plattenoberfläche und mit der
der Scherrate über den Strömungsweg hat man in diesem Lauflänge x von der Vorderkante (=Plattenlänge L) zu
Fall (vgl. Gl. (73)) für die Kugel das Argument der ver- bilden. Für die voll ausgebildete turbulente Plattenströ-
allgemeinerten LeÂv†que-Gl. (70) als Funktion von J mit mung kann man wieder Gl. (61) verwenden, wenn man
Re Pr=Pe=u1 d/a zu schreiben: statt des Druckverlustbeiwertes x für die Rohrströmung
(x/8)=Hg/(2 Re)2 ) tw/(r u12)=cf den Reibungsbei-
Hg Pr d sin2 q wert der turbulenten Plattenströmung einsetzt. Mit
 ˆ 3  Pe  sin q  q : …81†
4 x 1„ 2 cf=0,037 Re ±0,2 (d. h. Hg=0,148 Re1,8 oder
sin q dq Re=2,890 Hg10/18) erhält man
20
0,037 Re0,8 Pr
Als lokale Nuûelt-Zahl erhält man daraus, wie Levich Nuturb ˆ …86†
(für den analogen Fall der Stoffübertragung) gezeigt hat 1 ‡ 2,443 Re 0,1 …Pr2=3 1†
[18, S. 80/87], oder
0 11=3 Hg1=2 Pr
1=3 3 Nuturb ˆ ,
3 B 12 Pe sin q C 11,56  Hg1=18 ‡ 25,4…Pr2=3 1†
Nuq ˆ @ A , Pr ! 1; Re < 1:
G…1=3† 1
q sin…2 q† t w L2
2 (82) Hg ˆ 4 , …87†
r n2
Dieser lokale Wert hat ein Maximum von
Nu0=1,411 Pe1/3 am vorderen Staupunkt und fällt mo- in der die Nuûelt- und Reynolds-Zahlen (oder auch die
noton auf den Wert Null am hinteren Staupunkt ab. Inte- Hagen-Zahlen) mit der Länge L nach Gl. (79) zu
griert über die Kugeloberfläche, findet man als Mittel- bilden sind. Die zweite Form der Darstellung (87) zeigt
wert wieder, daû der Wärmeübergang höchstens (für groûe
Prandtl-Zahlen) der Wurzel aus der Reibungskraft pro-
Num=0,9914 Pe1/3 (Levich-Asymptote). (83) portional ist. Für Prandtl-Zahlen um Eins ist diese
Für kleine Peclet-Zahlen würde danach der Wärmeüber- Abhängigkeit ein Potenzgesetz mit dem Exponenten
gangskoeffizient einer überströmten Kugel gegen Null 8/18=4/9=0,444.
gehen. Hier bleibt aber als endlicher Grenzwert der bei Für überströmte Körper werden in Abschn. Ge und Gf
der stationären Wärmeleitung gefundene Minimalwert Gebrauchsformeln angegeben, die auf den hier erläuter-
Numin=2 erhalten, der die Wärmeleitung von einer ten asymptotischen Gesetzen beruhen.
Kugeloberfläche in ein unendlich ausgedehntes Fluid
beschreibt (s. Gl. (43)). Praktisch kann man also als un-
2.6 Durchströmte Haufwerke
tere Grenze des Wärmeübergangs an überströmten (klei-
nen) Kugeln die Summe der Werte aus den Gln. (43) Die Gesetzmäûigkeiten der Wärmeübertragung in durch-
und (83) schreiben: strömten Haufwerken ± regelmäûigen oder statistisch
A VDI-Wärmeatlas
A 14 Einführung in die Lehre von der Wärmeübertragung 10. Auflage 2006

verteilten Anordnungen von Einzelkörpern in einem lierte Vergleich mit vielen Meûdaten aus der Literatur
Behälter ± wie Rohrbündeln, regelmäûigen Packungen gezeigt hat [18].
(dazu kann man auch die Kanäle von Plattenwärmeüber-
tragern aus strukturierten Platten zählen) oder auch 2.6.2.2 Wärmeübergang Wand/Schüttgut
Schüttungen und Wirbelschichten lassen sich prinzipiell
Neben dem Wärmeübergang zwischen dem durchströ-
entweder aus den entsprechenden Gesetzmäûigkeiten für
menden Fluid und den Partikeln einer Schüttung oder
durchströmte Kanäle (s. dazu auch den letzten Teil von
einer Wirbelschicht interessiert in vielen technischen
Abschn. A 2.4.4) oder aus den Gesetzmäûigkeiten für
Anwendungen der Wärmeübergang von den Behälter-
überströmte Einzelkörper entwickeln. Beide Ansätze fin-
wänden oder von Einbauten an ruhende, durchmischte
den sich in der Literatur neben rein empirischen For-
und strömende Schüttgüter. Einen guten Überblick zu
meln, die auf keinen der beiden Grenzfälle Bezug neh-
diesem Thema liefert [20], das die Forschungsergebnisse
men.
auf diesem Gebiet für die Anwendung zusammenfassend
darstellt. Die Abschn. Dee, Mf, Mg und Mh befassen sich
2.6.1 Rohrbündel mit diesem Aspekt der Wärmeübertragung an Gas-Fest-
Die derzeit im VDI-Wärmeatlas empfohlenen Gleichun- stoff- oder Flüssigkeits-Feststoff-Systeme.
gen für die Wärmeübertragung in durchströmten Rohr- Die konkurrierenden Berechnungsmethoden, Modelle
bündeln (Abschn. Gg) bauen auf dem Konzept des über- und Theorien in diesem Bereich der Wärmeübertragung
strömten Einzelkörpers ± hier des quer überströmten Zy- sind teilweise im Schrifttum noch heftig umstritten, so
linders ± auf. daû es für den Anwender nicht einfach ist, sich zurecht-
zufinden. Im VDI-Wärmeatlas wird deshalb stets ver-

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NuBündel=fa(a, b) NuEinzelrohr(Re, Pr). (88)
sucht, jeweils nur eine Berechnungsmethode für ein
Der Anordnungsfaktor fa(a, b) ist aus Versuchen ermit- bestimmtes Problem zu empfehlen. Dies geschieht nach
telt und wird jeweils für versetzte und für fluchtende An- bestem Wissen und Gewissen des jeweiligen Bearbeiters
ordnungen als Funktion von Längs- und Querteilungs- gemeinsam mit den Mitgliedern des Redaktionsaus-
verhältnis (a und b) durch empirische Gleichungen ange- schusses und den Fachgutachtern.
geben.
Bei der alternativen Betrachtung des Rohrbündels als
durchströmtes Kanalsystem kann die verallgemeinerte
LeÂv†que-Gl. (70) verwendet werden, um den Wärme- 2.7 Kopplung der Wärmeübertragung
übergang aus dem (Reibungs-) Druckabfall des durch- mit anderen Vorgängen
strömten Rohrbündels (s. Abschn. Lad) zu berechnen,
2.7.1 Freie Auftriebsströmung
wie erst kürzlich [17] gezeigt wurde. In diesem Fall wird
kein empirischer Anordnungsfaktor benötigt. Beide Be- Sehr häufig tritt die Wärmeübertragung nicht in reiner
rechnungsmethoden liefern insgesamt vergleichbare Form, sondern gekoppelt mit anderen physikalischen
Ergebnisse. Bei versetzten Rohrbündeln ergibt die neue und chemischen Vorgängen auf. Ein einfacher Fall einer
Methode jedoch deutlich geringere mittlere Abweichun- solchen Kopplung ist die freie Auftriebsströmung, die
gen zwischen Berechnung und experimentellem Ergeb- durch Dichteunterschiede im Schwerefeld erzeugt wird,
nis [17]. welche ihrerseits durch Wärmeübertragung an ein Gas
oder an eine Flüssigkeit entstehen. Plattenheizkörper in
2.6.2 Schüttungen, Wirbelschichten Wohnräumen geben typischerweise etwa die Hälfte ihrer
Heizleistung durch freie Konvektion, d. h. Wärmeleitung
2.6.2.1 Wärmeübergang Fluid/Partikel an die durch Auftriebskräfte vorbeiströmende Luft, und
Auch für durchströmte Schüttungen und Wirbelschich- die andere Hälfte durch Strahlung an die umgebenden
ten gründen sich die derzeit empfohlenen Berechnungs- Wände ab. Bei der freien Konvektion ist eine charakteri-
methoden (Abschn. Gj und Mf) für den Wärmeübergang stische Strömungsgeschwindigkeit oder eine damit defi-
zwischen durchströmendem Fluid und den Feststoffpar- nierte Reynolds-Zahl nicht ohne weiteres vorgebbar.
tikeln auf die entsprechenden Beziehungen für über- Geht man aber von der Kennzahl für den Strömungsan-
strömte Einzelkörper: trieb, der Hagen-Zahl, Gl. (64), aus und ersetzt darin den
Druckgradienten Dp/DL durch den im Schwerefeld herr-
NuSchüttung, Wirbelschicht=fa(y) NuEinzelkugel(Re, Pr). (89) schenden Auftrieb g Dr, dann erhält man die für die freie
Konvektion maûgebliche Kennzahl, die nach Grashof
Der Anordnungsfaktor fa hängt in diesem Fall vom Hohl- benannt wird:
raumvolumenanteil (Porosität) y und von der jeweiligen
Form der Feststoffpartikel ab und wird in Form von em- D p d3 Dp=DLˆg Dr g D r d3
Hg ˆ ! Gr ˆ : …90†
pirisch ermittelten Funktionen oder Zahlenwerten für r DL n2 r n2
eine schüttungstypische Porosität angegeben. Der die Strömung antreibende relative Dichteunter-
Bei der alternativen Betrachtung der Schüttung als schied Dr/r wird bei temperaturbedingter Dichteände-
durchströmtes Kanalsystem kann auch hier die verallge- rung zweckmäûigerweise noch mit dem thermischen
meinerte LeÂv†que-Gl. (70) verwendet werden, um den Ausdehnungskoeffizienten b nach Gl. (11) und dem
Wärmeübergang aus dem (Reibungs-)Druckabfall der Temperaturunterschied DT ausgedrückt: Dr/r=b DT.
durchströmten Schüttung zu berechnen, wie der detail- Die Strömungskennzahl Gr ist damit selbst dem Tempe-
VDI-Wärmeatlas A
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Einführung in die Lehre von der Wärmeübertragung A 15

raturunterschied DT proportional: Gr=g b DT ´ d3/n2. Bei gen können, deutlich wichtiger werden. Dies ist bisher
der Wärmeübertragung durch freie Konvektion ist die wohl noch nicht überprüft worden.
Nuûelt-Zahl i. allg. von Gr und Pr abhängig (s. Abschn.
Fa). Für laminare freie Konvektion an einer senkrechten
beheizten Platte findet man beispielsweise analytisch 2.7.2 Kondensation und Verdampfung reiner Stoffe
(Le Fevre, 1956, zitiert nach [21]) den lokalen Wert
Ein weiteres Beispiel für die Kopplung der Wärmeüber-
Nux=f (Pr) Grx1/4 (91) tragung mit anderen Vorgängen ist die Kondensation
von Dämpfen an einer gekühlten Fläche. Im Erdschwere-
mit f (Pr)=0,600 Pr1/2 (für Pr ! 0) feld läuft das Kondensat an der gekühlten Fläche nach
und f (Pr)=0,503 Pr1/4 (für Pr ! 1). unten ab. Der Dampf strömt entsprechend auf die ge-
Der integrale Mittelwert ergibt sich daraus zu kühlte Wand zu. Es handelt sich also auch hier um eine
Num=(4/3) Nux(x=L). durch Dichteunterschiede erzeugte freie Konvektion.
Die Kinetik der Wärmeübertragung ist also wegen Durch den Wechsel von der dampfförmigen in die flüssi-
a  DT 1/4 in diesem gekoppelten Fall nicht mehr linear: ge Phase ist dieser Dichteunterschied meist wesentlich
_
q=konst  DT 5/4, ± ein Ergebnis, das schon 1881 in einer gröûer als im vorher beschriebenen (einphasigen) Fall.
Arbeit von Lorenz gefunden wurde [5; 21]. Diese Nicht- Zusätzlich spielen hier die Phasengrenzflächen mit ihren
linearität ist jedoch relativ schwach, selbst dann, wenn Stoffeigenschaften Oberflächenspannung und Benet-
im turbulenten Fall der Exponent der Grashof-Zahl von zungswinkel eine Rolle.
_
1/4 auf 1/3 steigt (q=konst ´ DT 4/3). Man kann mit Nuûelt hat 1916 erstmals den Prototyp dieses Vorgangs,
brauchbarer Näherung auch hier noch mit der linearisier- die laminare Filmkondensation an einer ebenen, senk-
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ten Kinetik rechnen, wenn der Wärmeübergangskoeffi- rechten, gekühlten Wand, die einen beliebig ausgedehn-
zient bei einer geeigneten mittleren Temperatur berech- ten Dampfraum einseitig begrenzt und vom Kondensat
net wird. des reinen Dampfes vollständig benetzt wird, in einer
Eine bisher kaum beachtete untere Grenze der freien klassischen Arbeit [23] vorbildlich analysiert. Für den
Konvektion für kleine Temperaturunterschiede an einer einfacheren Fall des ¹ruhendenª Dampfes, d. h. ohne er-
senkrechten Platte wurde 1977 von Napolitano gefunden zwungene Dampfströmung, fand er, daû der lokale Wär-
[22]. Das Ergebnis dieser Analyse läût sich etwas allge- meübergangskoeffizient einfach durch den Quotienten
meiner als in [22] (dort nur für Gase, mit b T=1) in der aus der Leitfähigkeit des Kondensats und der lokalen
Form Dicke des Kondensatfilmes gegeben ist. Die Berechnung
der lokalen Filmdicke gelang ihm durch geschickte Ver-
NufK, min=(b T Ec Gr Pr/4)1/4, Ec>1, (92) einfachung des gekoppelten Strömungs- und Wärmelei-
tungsproblems. Für eine konstante Wandtemperatur der
schreiben. Darin ist die Eckert-Zahl als Ec=g L/(cp DT) gekühlten Fläche erhielt er für den lokalen Wert an der
definiert, und auch die Nuûelt- (Nu=a L/l) und Gras- Stelle x (Koordinate in senkrechter Richtung von der
hof-Zahlen (Gr=g b DT L3/n2) enthalten die Plattenlänge Oberkante der Wand aus gezählt) die Formel
L als charakteristische Länge. Der Wärmeübergangsko-
 1=4
effizient a wird damit in dieser Grenze (Ec ! 1) unab- g r Dr Dh l3
hängig von der Plattenlänge L und unabhängig vom ax ˆ : …94†
4 h…TS TW † x
Temperaturunterschied DT! Der Wärmeübergangskoef-
fizient ergibt sich damit nur als Funktion der Fallbe-
Der integrale Mittelwert ist hier wieder am=(4/3) ax
schleunigung g und der Stoffwerte Dichte r, Ausdeh-
(x=L). Die Stoffwerte r, l, h sind für den Kondensatfilm
nungskoeffizient b, dimensionsloser Ausdehnungskoef-
(d. h. die Flüssigkeit bei der mittleren Filmtemperatur)
fizient b T (b T=1 für ideale Gase), Wärmeleitfähigkeit
einzusetzen, die Verdampfungsenthalpie Dh bei der
l und Viskosität h:
Kondensations(=Siede)temperatur TS . Wie bei der ein-
phasigen freien Konvektion hängt auch hier der Wärme-
aFK, min=[(g r)2 b (b T) l3/(4 h)]1/4, L>cp DT/g. (93) übergangskoeffizient a von dem Temperaturunterschied
DT=(TSÐTW) ab, ± allerdings hier mit der Potenz
Für Luft bei 25 C, 1 bar erhält man daraus den sehr klei- ± 1/4 statt +1/4. Die Kinetik der Wärmeübertragung ist
nen Wert aFK, min=0,57 W/m2 K; das ist nur etwa ein _
hier ebenfalls nichtlinear: q=konst  DT 3/4. Im
Zehntel des entsprechenden Wertes für die Wärmestrah- Dichteunterschied Dr=rlÐrg hatte Nuûelt in seiner
lung. Für Wasser bei 25 C, 1 bar findet man entspre- Herleitung die Dampfdichte gegenüber der Flüssigkeits-
chend etwa 19 W/m2 K. In der Nähe des kritischen Punk- dichte vernachlässigt (Dr  rl). Der Enthalpieunter-
tes eines Fluids gehen die nach Gl. (93) berechneten schied Dh sollte neben der Verdampfungsenthalpie
Werte formal gegen 1 (wegen b ! 1). Allerdings geht bei TS auch noch die meist kleine Unterkühlungs-
dort auch cp ! 1, so daû die Bedingung Ec>1 nicht enthalpie des abflieûenden Kondensats enthalten,
erfüllbar ist. Durch Vergleich der asymptotischen Lösun- Dh=Dhv+n cp(TSÐTW); der Faktor n ergibt sich bei
gen (91) und (92) kann man feststellen, dass der Mini- dem von Nuûelt angenommenen linearen Temperatur-
malwert nach den Gln. (92) und (93) praktisch schon bei verlauf im Film und dem parabolischen Geschwindig-
Werten von b T Ec>0,26 (für Pr>0,5) eine Rolle spielt. keitsprofil zu n=3/8. Die Nuûeltsche Gleichung läût
Der Effekt sollte bei Zentrifugalfeldern mit Beschleuni- sich damit auch in der Form Nux=konst(Grx Pr)1/4 dar-
gungen, die ein Vielfaches der Fallbeschleunigung betra- stellen (s. auch [24; 25]):
A VDI-Wärmeatlas
A 16 Einführung in die Lehre von der Wärmeübertragung 10. Auflage 2006

   1=4 nach Nuûelt berechneten. Mit zunehmender Reynolds-


ax x 1 3 g D r x 3 h cp
ˆ Ph ‡  , Zahl durchlaufen die Nuûelt-Zahlen ein Minimum, des-
l 4 8 r n2 l sen Lage und Wert nur von der Prandtl-Zahl abhängt.
Dhv Zur ersten Abschätzung des Wärmeübergangs bei der
Ph ˆ : …95† Kondensation kann man diese Minimalwerte aus der
cp …Ts Tw †
Gleichung
Im Grenzübergang Phasenänderungszahl Ph ! 0, d. h.
Numin=0,16 Pr0,16, Numin=Nu (ReF 0),
beim Übergang aus dem Zweiphasengebiet in die
flüssige, gasförmige oder überkritische Phase (Dhv ! 0, mit
Dr/r ! b DT) folgt aus der Nuûeltschen Theorie für die ReF 0=1393/Pr0,542 (97)
laminare Filmkondensation eine gute Näherung für die
einphasige freie Konvektion mit dem Vorfaktor berechnen, die einen minimalen mittleren (von
(3/32)1/4=0,553, der etwa zehn Prozent über dem theo- x=0 . . . L) Wärmeübergangskoeffizienten amin nur in
retischen Wert nach Le Fevre für groûe Prandtl-Zahlen Abhängigkeit von g, l, r, cp und h ergibt. Für Wasser bei
liegt (s. Gl. (91)). einer mittleren Filmtemperatur von 80 C (und einem
Druck von p=1 bar) erhält man mit den Stoffdaten aus
Nuûelt hat in demselben Aufsatz [23] auch die Wirkung Abschn. Dba eine Nuûelt-Zahl Numin=0,1818 und einen
einer erzwungenen Dampfströmung analysiert. Für den Wärmeübergangskoeffizienten amin=5105 W/m2 K.
ruhenden Dampf hat er darin auch noch die praktisch Die Wärmeleitfähigkeit ist dabei l=0,670 W/K m,
wichtige Kondensation am waagerechten Rohr des Au- die charakteristische Länge in der Nuûelt-Zahl
ûendurchmessers d berechnet, die sich nur durch einen (n2/g)1/3=23,86 mm und die Prandtl-Zahl Pr=2,221.

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anderen Zahlenfaktor von dem Ergebnis für die senk- Die Film-Reynolds-Zahl, bei der der minimale Wärme-
rechte Wand unterscheidet. Generell kann der Wärme- übergangskoeffizient auftritt, ist ReF0=904. Die tatsäch-
übergangskoeffizient bei nichtlinearer Kinetik entweder lichen Werte liegen dann sowohl bei kleineren als auch
als Funktion des Temperaturgefälles, z. B. in Gl. (94), bei gröûeren Film-Reynolds-Zahlen höher als dieser Mi-
oder aber als Funktion des Wärmestroms dargestellt wer- nimalwert, wie man aus Bild 3 erkennt, wo die mittleren
den. Für die Filmkondensation ist der Wärmestrom dem Nuûelt-Zahlen für die Filmkondensation nach den in
Kondensatmassenstrom proportional: Q Ç =M _ F Dhv . Der
Abschn. Ja empfohlenen Gleichungen über der Film-
lokale Massenstrom des Kondensatfilms M _ F, x , bezogen
Reynolds-Zahl Re dargestellt sind. Die offenen Kreise
auf die benetzte Breite der Wand b und die Viskosität h, markieren darin die Minimalwerte nach Gl. (97).
wird als Film-Reynolds-Zahl ReF, x=M _ F, x/(b h) be-
Falls die gekühlte Wand vom Kondensat nicht benetzt
zeichnet (s. Abschn. Ja). Die der Gl. (94) oder (95) äqui-
wird, kann das Kondensat auch in Form von Tropfen ab-
valente Darstellung in dieser Form ist
laufen (s. Abschn. Jc, Tropfenkondensation). Auch in
NuF, x=(3 ReF, x) ±1/3. (96) diesem Fall ist die Kinetik des Wärmeübergangs nicht-
linear.
Dabei ist in dieser Nuûelt-Zahl als charakteristische Län-
ge die Gröûe {r n2/(g Dr)}1/3 eingesetzt, die als geeigne- Bei der Kondensation von Dampfgemischen sind zusätz-
ter Maûstab für die Filmdicke dient. Mit der Proportiona- lich die Gesetzmäûigkeiten der Stoffübertragung zu be-
lität der Reynolds-Zahl zum Wärmestrom folgt natürlich rücksichtigen.
_
auch hieraus wieder q=konst  DT 3/4. Die beiden Dar- Bei der Verdampfung einer ruhenden Flüssigkeit an ei-
stellungen sind äquivalent. Für wellige und zunehmend ner beheizten Wandfläche wird, wie bei der einphasigen
turbulent abströmende Kondensatfilme findet man expe- freien Konvektion, eine freie Auftriebsströmung erzeugt.
rimentell höhere Wärmeübergangskoeffizienten als die Bei kleinen Übertemperaturen DT=TWÐTS findet die

Bild 3.
Wärmeübergang bei der Konden-
sation
VDI-Wärmeatlas A
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Einführung in die Lehre von der Wärmeübertragung A 17

Verdampfung an der freien Flüssigkeitsoberfläche statt. Tw , was zur Zerstörung des Apparats führen kann (engl.:
Für den Wärmeübergang gelten in diesem Bereich des burn out, s. Pfeil von Punkt B zu Punkt D in Bild 4).
¹konvektiven Siedensª prinzipiell die gleichen Gesetz- Theoretische Überlegungen zur Stabilität paralleler von
mäûigkeiten wie bei der freien Auftriebsströmung ohne der Heizfläche abflieûender Dampfstrahlen und experi-
Verdampfung. Der Wärmeübergangskoeffizient wird mentelle Ergebnisse führten zu der Berechnungsvor-
aus Gleichungen von der Art der Gl. (91) berechnet. schrift für die maximale oder kritische Wärmestrom-
_
Man erhält also wieder q=konst ´ DT 5/4 bei laminarer, dichte (Abschn. Hab):
4/3
_
oder q=konst ´ DT bei turbulenter Auftriebsströmung.
Steigert man die Heizleistung und damit die Übertempe- pq 
q_ crit ˆ 0; 13  Dhv rg 4 g s…rl rg †: …99†
ratur über einen vom Stoffsystem, vom Druck und von
den Eigenschaften der Heizwand abhängigen Wert DTu ,
so entstehen an der Heizfläche Dampfblasen, die dort an-
wachsen, dann abreissen und durch den Auftrieb zur frei-
en Oberfläche gelangen. Für Wasser bei Atmosphären-
druck und technisch übliche Metalloberflächen liegt
diese Übertemperatur, bei der die Blasenbildung an der
Heizfläche beginnt, bei etwa 7 K. Die Heizwandtempe-
ratur ist dann also auf etwa TW, u=107 C.
Durch das oberhalb dieser Wandüberhitzung einsetzende
Blasensieden wird die Flüssigkeit intensiv bewegt, was
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zu einem steilen Anstieg des Wärmeübergangs mit


wachsender Übertemperatur führt. Theoretisch lassen
sich die komplexen instationären Vorgänge beim Bla-
sensieden durch Modellberechnungen an einzelnen
Keimstellen zumindest qualitativ erfassen. Die Fachlite-
ratur enthält eine Fülle solcher Modelle. Die grundsätzli-
chen Schwierigkeiten, die durch die Abhängigkeit dieser
Vorgänge von den mikroskopischen Eigenschaften der
Heizfläche (Material, Rauheit, Vorbehandlung, Alte-
rung) in Wechselwirkung mit der Flüssigkeit und dem
Dampf bedingt sind, haben aber bisher eine praktisch an-
wendbare Vorausberechnung des Wärmeübergangs
beim Blasensieden verhindert. Man ist daher noch immer
auf die empirische Beschreibung von Meûergebnissen
angewiesen. Die Kinetik des Wärmeübergangs beim
Blasensieden ist besonders stark nichtlinear:
aBS ˆ C q_ n oder q_ ˆ …CDT †m , 2,5  m  10: …98†
Bild 4. Verlauf der Wärmestromdichte als Funktion der Übertem-
Der Exponent n hängt vom reduzierten Druck pr=p/pc peratur (Nukijama-Kurve) bei der Verdampfung reiner Stoffe
ab und hat Werte von 0,6 (in der Nähe des kritischen
Druckes, d. h. bei pr ! 1) und Werte bis zu 0,9 bei sehr
niedrigen Drücken (pr ! 0) (s. dazu Abschn. Hab). Der
mit n definitionsgemäû gekoppelte Exponent m=1/(1Ð Die Theorie ergibt dabei einen Vorfaktor von
n) variiert daher mit dem Siededruck (und folglich auch p/24  0,13. Versuchsergebnisse lieferten Werte von
mit der Siedetemperatur) im Bereich 2,5<m<10, wie 0,13 bis 0,16. Mit den Stoffwerten von Wasser, das bei
bei Gl. (98) angegeben. Eine Verdopplung der Übertem- 100 C siedet, findet man eine kritische Wärmestrom-
peratur DT=TwÐTS kann also mit einer Vervielfachung dichte von etwas mehr als 106 W/m2. Die kritische Wär-
des Wärmestroms um den Faktor 6 bis 1000 verbunden mestromdichte hängt vom reduzierten Druck ab und hat
sein! Eine Ursache dieser starken Nichtlinearität ist die bei pr  0,29 ein Maximum. Für Wasser liegt dieser Ma-
Zunahme der Anzahl der aktivierten Blasenkeimstellen ximalwert bei etwa 3,8 ´ 106 W/m2 für p=64 bar.
mit wachsender Übertemperatur. Der Vorfaktor C in Oberhalb der kritischen Wärmestromdichte bildet sich
Gl. (98) hängt von der Art und Oberflächenbeschaffen- an der Heizfläche ein aufwärts strömender geschlossener
heit der Heizfläche, von der Natur des Fluids und vom Dampffilm, der z. B. an einer senkrechten beheizten
Druck ab. Wichtig für technische Anwendungen ist die Wand nach oben dicker wird, die Flüssigkeit kann dann
Obergrenze des Bereichs, die maximale Wärmestrom- die Heizwand nicht mehr benetzen. Man spricht dabei
dichte für das Blasensieden. Die immer dichtere periodi- vom ¹stabilen Filmsiedenª. Der Vorgang ist bei lamina-
sche Folge von Dampfblasen wächst im Grenzfall zu ei- rer Strömung des Dampffilms die spiegelbildliche Um-
nem Bündel kontinuierlicher Dampfstrahlen zusammen, kehrung der Nuûeltschen Filmkondensation. Die ent-
die von der Heizfläche abströmen. Bei aufgeprägter sprechende Theorie liefert folglich auch dieselbe
Heizleistung führt eine Überschreitung dieses Wertes zu Gl. (95), wobei die Stoffeigenschaften nun für den
einem drastischen Anstieg der Heizflächentemperatur Dampf einzusetzen sind (Dr und Dhv behalten dabei ihre
A VDI-Wärmeatlas
A 18 Einführung in die Lehre von der Wärmeübertragung 10. Auflage 2006

Bedeutung). Reduziert man im Bereich des stabilen fusion von Fick (1855) nach dem Vorbild des Fourier-
Filmsiedens die Heizflächenbelastung so bleibt man bis schen Wärmeleitungsgesetzes, Gl. (14), formuliert (s.
zu einer minimalen Wärmestromdichte, die um den Fak- auch [28]):
tor 6,5 bis 9,5 unter der kritischen Wärmestromdichte
liegt, in diesem Bereich, bis der Dampffilm instabil wird ¶ci
n_ i ˆ dim : …100†
und die Flüssigkeit wieder die Heizfläche benetzen kann. ¶s
Bei Unterschreiten dieser minimalen Wärmestromdichte
Die Stoffstromdichte einer Komponente i, d. h. der Stoff-
des stabilen Filmsiedens (Leidenfrost-Punkt) geht die
mengenstrom, bezogen auf die Durchtrittsfläche, wird
Wandtemperatur wieder auf die viel kleinere Überhit-
dem negativen Konzentrationsgefälle proportional ge-
zung des Blasensiedenbereiches zurück (Hysterese). Für
setzt. Der Proportionalitätsfaktor heiût Diffusionskoeffi-
Wasser bei p=1 bar beträgt die Übertemperatur bei der
zient dim der Komponente i in der Mischung m. Später
kritischen Wärmestromdichte etwa 30 K, am Leiden-
hat man herausgefunden, daû die Konzentration ci , d. h.
frost-Punkt etwa 90 K und bei gleicher Wärmestrom-
die Stoffmenge einer Komponente pro Volumen, nicht
dichte im Blasensieden etwa 20 K. Bild 4 zeigt den Ver-
allgemein als Maû für das treibende Gefälle geeignet ist.
lauf der Wärmestromdichte als Funktion der Übertempe-
So sollte man den Ansatz nach Gl. (100) nur bei konstan-
ratur (Nukijama-Kurve). Bei Verwendung logarithmi-
ter molarer Dichte n und bei verschwindender Gesamt-
scher Skalen für beide Achsen hat diese Kurve bei klei-
_
stoffstromdichte (n=0) _
n=S n_ j verwenden (äquimolare
nen Übertemperaturen im Konvektionssieden eine Stei-
Diffusion). Allgemeiner ist es zweckmäûig, die Kompo-
gung von 1,25 bis 1,33, bei DT>DTu (rechts vom Punkt
nentenstromdichte n_ i in einen Diffusionsstrom und einen
A); im Blasensieden wird die Steigung dann mit 2,5 bis
Konvektionsstrom (Schleppstrom, Stefan-Strom) aufzu-

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10 (je nach Druckbereich) wesentlich gröûer. Am Burn-
teilen:
out-Punkt B (qcrit , DTcrit) wird ein Maximum erreicht,
die Steigung ist im folgenden Bereich des instabilen ¶~yi X
k
Filmsiedens negativ, am Leidenfrost-Punkt C wird ein n_ i ˆ dim n ‡ ~yi n_ , n_ ˆ n_ j : …101†
¶s jˆ0
Minimum durchlaufen, im stabilen Filmsieden ist die
Steigung wieder positiv, in der Gröûenordnung 1 (theo-
retisch, ohne den Strahlungseinfluû wäre sie 0,75). Im ersten Term auf der rechten Seite ist der Diffusions-
strom dargestellt, indem der Konzentrationsgradient in
Beim Sieden von Gemischen wurde experimentell oft in Gl. (100) durch den Gradienten des Molenbruchs ersetzt
Abhängigkeit der Zusammensetzung eine drastische wird, was bei idealen Gemischen dem thermodynamisch
Minderung des Wärmeübergangskoeffizienten gegen- sinnvollen treibenden Gefälle, d. h. dem Gradienten des
über den reinen Stoffen beobachtet (s. auch Abschn. chemischen Potentials in guter Näherung entspricht. Der
Hab). Unterschiedliche physikalische Erklärungen die- zweite Term auf der rechten Seite ist als der Anteil des
ses Phänomens wurden und werden in der Literatur dis- Komponentenstroms zu verstehen, der durch den Netto-
kutiert. Erst 1982 hat Schlünder [26] aus den Gesetzmä- Gesamtstrom n_ mitgeschleppt wird. Dabei ist zu beach-
ûigkeiten der Stoffübertragung eine einfach zu verste- ten, dass Netto-Gesamtströme auch ohne eine erzwunge-
hende Modellvorstellung für das Gemischsieden entwik- ne Strömung auftreten, wenn der Gesamtvorgang nicht
kelt, die die beobachteten Effekte auch quantitativ sehr gerade äquimolar abläuft. Der Diffusionskoeffizient
gut zu beschreiben erlaubt. Diese Modellvorstellung hat dim hängt i. allg. von den Diffusionskoeffizienten aller
inzwischen zu weiteren experimentellen und verglei- (kÐ1) binären Teilgemische dij sowie von allen k Kom-
chenden Arbeiten geführt und wird zur Auslegung von ponentenströmen und Molenbrüchen ab:
Verdampfern empfohlen (s. Abschn. Hab).
Bei den relativ einfach zu verstehenden Problemen der n_ i ~yi n_
dim ˆ …102†
laminaren Filmkondensation und ihrem Spiegelbild, Xk
1 
~yj n_ i ~yi n_ j
dem stabilen Filmsieden, wird die Kinetik der Wärme- d
jˆ1 ij
übertragung durch die stationäre Wärmeleitung über eine
ebene (oder doch nahezu ebene) Schicht der Dicke d Ersetzt man in Gl. (101) den Diffusionskoeffizienten dim
kontrolliert. Diese Schichtdicke ist im Einzelfall aus der durch Gl. (102), so erhält man die implizite Stefan-Max-
Kopplung der Gesetze für Wärmeleitung und Strömung well-Gleichung der Mehrkomponentendiffusion, die den
zu berechnen. Probleme ähnlicher Art sind auch beim Er- Gradienten des Molenbruches der Komponente i in Ab-
starren und Schmelzen zu finden (s. auch Abschn. Ec hängigkeit aller Ströme, aller Molenbrüche und aller bi-
und [27]). nären Diffusionskoeffizienten darstellt.
2.7.3 Stoffübertragung, Diffusion Vereinfachte Formen dieses komplizierten Zusammen-
hangs erhält man z. B. für Spurenkomponenten 2, 3, ´ k in
Nur für reine Stoffe oder für Gemische ohne ¾nderung
fast reinem Stoff 1,
der Zusammensetzung genügt die Kinetik der Wärme-
übertragung allein, um Wärmeübertragungsvorgänge an dim=di1 , (103)
ruhende oder strömende Medien zu beschreiben. Für Ge-
mische, bei denen eine ¾nderung der Zusammensetzung und für den Fall, dass alle binären Diffusionskoeffizien-
möglich ist, braucht man zusätzlich die Gesetze der Pha- ten dij gleich sind,
sengleichgewichte und die Gesetze der Kinetik der Stoff-
übertragung. Historisch wurde das Grundgesetz der Dif- dim=dij . (104)
VDI-Wärmeatlas A
10. Auflage 2006
Einführung in die Lehre von der Wärmeübertragung A 19

Für binäre Gemische, k=2, folgt aus Gl. (102) natürlich verschwindet. Das Inertgas (2) wird durch den Dampf-
auch dim=d12 . Die integrierte Form der Gl. (101) lautet strom (1) völlig verdrängt, über der Phasengrenze befin-
entsprechend, d. h. bei dim  konst. det sich nur noch reiner Dampf. Damit ist der Vorgang
  nicht mehr vom Stoffübergang, sondern nur noch von
dim ri ~yi, 2 n_ i der Wärmezufuhr kontrolliert. Gleiches gilt für den bei
N_ i ˆ n A  ri ln ; ri ˆ : …105†
s ri ~yi, 1 n_ der Kondensation eines Dampfes aus Inertgas auf die
Phasengrenzfläche gerichteten Dampfstrom. Bei gekop-
wenn die Indizes 1, 2 hier die Molenbrüche der Kompo- pelter Wärme- und Stoffübertragung mit Phasenände-
nente i an den Stellen s1 bzw. s2 der in Richtung des Stro- rung muû auch der Wärmestrom an der Phasengrenze an-
mes weisenden Ortskoordinate und s=s2Ðs1 den Diffu- ders als ohne die Stoffübertragung berechnet werden:
sionsweg bezeichnen. Praktisch ist der Ort 1 oft eine Pha-
F
sengrenze (Index Ph), der Ort 2 ein nicht genau definier- Q_ ˆ a A…T1 TPh † KA , KA ˆ ,
ter Abstand in hinreichender Entfernung davon _N1~cp1 1 e F
(Index 1). Der relative Stoffstrom der Komponente i, ri Fˆ : …109†
aA
in Gl. (105) geht für äquimolare Diffusion (Netto-
Strom=0) gegen unendlich. Dann folgt mit dim/s=bim Die Kennzahl F ist dabei als Quotient eines Enthalpie-
die lineare Gleichung für die Kinetik der Stoffübertra- stromes des Dampfes (Index 1) zum Wärmestrom zu
gung (vgl. Gln. (31) und (33) für die Wärmeübertra- verstehen. Der Korrekturfaktor KA wird Ackermann-
gung): Korrektur genannt. Für negative Werte von F (d. h.
 Stoffstrom entgegen dem Wärmestrom) wird KA < 1, für
N_ i ˆ n bim A ~yi; Ph ~yi, 1 …106† positive wird KA > 1, für kleine Werte von F (d. h.
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kleine Stoffströme) geht die Ackermann-Korrektur ge-


Praktisch verwendet man oft auch bei nichtäquimolarer gen Eins [28; 29].
Diffusion zunächst diesen linearen Ansatz für die Stoff-
übergangskinetik. Dann ist aber i. allg. der Stoffüber- Bei allen Vorgängen mit Phasenänderung spielt die Tem-
gangskoeffizient bim von den Strömen, den Molenbrü- peratur TPh an der Phasengrenzfläche eine Schlüsselrolle
chen und den binären Stoffübergangskoeffizienten bij bei der Berechnung von Wärme- und Stoffströmen.
abhängig. Durch Koeffizientenvergleich mit Gl. (105) Diese Phasengrenzflächentemperatur ergibt sich aus der
oder (102) läût sich die dann erforderliche Korrektur- Kopplung von Energie- und Stoffbilanzen mit den
funktion für den nach Gl. (106) (linear) definierten Gleichgewichtsbeziehungen (Dampfdruckkurven) und
Stoffübergangskoeffizienten ermitteln. der Kinetik der Wärme- und Stoffübertragung. Im allge-
meinen muû diese Temperatur iterativ ermittelt werden.
Bei der Verdunstung (d. h. der Verdampfung in Anwe- Dies ist bei der Kondensation reiner Dämpfe aus Inert-
senheit von Inertgas) von Wasser (1) in Luft (2) (oder gas, bei der Kondensation von Gemischen, bei der Ver-
anderen reinen Flüssigkeiten in Luft oder anderen Inert- dunstungskühlung, bei der Trocknung und bei vielen an-
gasen) ist der relative Stoffstrom N_ 2 an der Phasengrenze deren Prozessen zu beachten.
gleich Null (das Wasser sei bereits abgesättigt; die Lös-
lichkeit von Luft in Wasser ist sehr gering). Der Netto- 3 Zur Auslegung von Wärmeübertragern
Strom N_ ist damit wegen N= _ N_ 1+N_ 2 gleich dem Ver-
dunstungsstrom des Wassers, der die Phasengrenzfläche 3.1 Begriffe
verläût. Daraus folgt der relative Stoffstrom des Wassers Die Grundgesetze der Wärme- und Stoffübertragung so-
zu r1=1. Aus den Gln. (105) und (106) erhält man in wie der Strömung können in Form von Bilanzen, Gleich-
diesem Fall durch Koeffizientenvergleich: gewichtsaussagen und Gleichungen für die Kinetik ge-
  koppelt zur Auslegung von Apparaten, hier hauptsäch-
1 ~y11
ln lich Wärmeübertragern, verwendet werden. Unter Ausle-
d12 1 ~y1 Ph gung soll die Vorausbestimmung der erforderlichen Grö-
b1m ˆ  …107†
s …~y1 Ph ~y11 † ûe des Apparats für eine vorgegebene Aufgabe mit Hilfe
der genannten Gesetze verstanden werden.
Der Korrekturterm in Gl. (107) wird auch als Stefan-
Die thermischen Apparate, in denen zwei oder mehr
Korrektur KS bezeichnet. Für kleine Unterschiede zwi-
Stoffströme direkt oder durch feste Trennwände sepa-
schen den Molenbrüchen an der Phasengrenze (Ph) und
riert, Wärme abgeben bzw. aufnehmen können, werden
im Kern (1), geht die Korrektur gegen den Grenzwert
  im VDI-Wärmeatlas seit 1984 einheitlich als ¹Wärme-
s übertragerª bezeichnet (s. dazu auch das Vorwort in
KS max ˆ b1m
d12 D~y ! 0 [30]). Die früher und teilweise auch heute noch üblichen
  Bezeichnungen ¹Wärmeaustauscherª und ¹Wärmetau-
D~y
ln 1 ‡ scherª sollen hier aus Gründen der sprachlichen und ther-
1 ~y1 Ph 1 modynamischen Logik vermieden werden. Die englische
ˆ lim ˆ : (108)
D~y ! 0 D~y 1 ~y1 Ph Bezeichnung ¹heat exchangerª, die sich weltweit kaum
Die Korrektur ist dann am gröûten. Für Molenbrüche des kurzfristig verändern läût, sorgt naturgemäû für ein
Dampfes an der Phasengrenze gegen Eins geht die Kor- Beharren auf der Verwendung des älteren Sprachge-
rektur gegen unendlich. Das bedeutet natürlich nicht, brauchs in der technischen Praxis.
dass der Verdunstungsstrom beliebig hoch wird. Es be- Im Sinne des Energieverbunds in gröûeren Anlagen
deuted nur, dass der Stoffübergangswiderstand (1/b1m) (Wärmeübertragungsnetzwerke, Abschn. Cd) kann es
A VDI-Wärmeatlas
A 20 Einführung in die Lehre von der Wärmeübertragung 10. Auflage 2006

zweckmäûig sein, den Begriff ¹Wärmeübertragerª (W) Die unabhängige Berechnung der einzelnen Teilwider-
für solche Apparate im Netzwerk zu reservieren, die auf stände aus den Standardgleichungen und deren Addition
beiden Seiten von Prozessströmen beaufschlagt werden zum Gesamtwiderstand nach Gl. (111) ist allerdings
(Wärmerückgewinnung). Ist einer der beiden Ströme da- streng genommen nicht immer korrekt. So zeigt sich bei-
gegen ein externes Betriebsmittel (engl.: utility; Heiz- spielsweise, daû der innere Wärmeübergangskoeffizient
dampf, Kühlwasser etc.), so nennt man diese Apparate bei instationärer Wärmeleitung in ruhenden Körpern und
Heizer (H) oder Kühler (K). analog auch bei stationärer Wärmeleitung an strömende
Fluide von der jeweiligen thermischen Randbedingung
und damit auch vom äuûeren Wärmeübergangskoeffizi-
3.2 Wärmedurchgangskoeffizienten enten abhängt. Bei der verbesserten Näherungsgleichung
Im einfachsten Fall ergibt sich die erforderliche Gröûe für instationäre Wärmeleitung nach [10] ist diese Abhän-
(hier: Übertragungsfläche A) eines Wärmeübertragers gigkeit des inneren (Nui=ai d/li) vom äuûeren Koeffizi-
aus der integralen Kinetik der Wärmeübertragung enten (Bi=aa d/li) bereits berücksichtigt (s. auch
Abschn. Ec), wobei der äuûere Koeffizient aa als kon-
Q_ soll stant und gegeben angesehen wird. Bei strömenden Flui-
Q_ ˆ k A DTM ) Aerforderlich ˆ …110†
k DTM den verzichtet man bisher praktisch immer auf die Be-
Ç soll ist dabei häufig aus rücksichtigung dieser gegenseitigen Abhängigkeiten.
Die zu übertragende Leistung Q
Die dadurch verursachten Fehler sind besonders bei tur-
einer Energiebilanz für einen der beiden Stoffströme
bulent strömenden Fluiden in aller Regel gegenüber an-
durch die geforderte Erwärmung, Kühlung, Verdamp-
deren unvermeidlichen Unsicherheiten vernachlässigbar.
fung oder Kondensation festgelegt. Die erforderliche

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Bei stark örtlich veränderlichen oder selbst vom lokalen
Apparategröûe ist damit dem mittleren Wärmedurch-
Wärmefluû abhängigen Koeffizienten (nichtlineare Ki-
gangskoeffizienten k und dem mittleren Temperaturun-
netik) sollte der Wärmedurchgangskoeffizient nach
terschied der beiden Stoffströme DTM jeweils umgekehrt
Möglichkeit lokal berechnet und erst dann über die Flä-
proportional. Der Gesamtwiderstand für den Wärmefluû
che integriert werden, um die dann nicht mehr vernach-
zwischen dem wärmeren und dem kälteren Stoffstrom
lässigbare gegenseitige Kopplung zu berücksichtigen.
setzt sich meist additiv aus zwei, drei oder mehr Teil-
widerständen zusammen:
3.3 Temperaturverlauf, mittlerer
1 A=Ainnen A=Am A=Aauben Temperaturunterschied, Stromführung
ˆ ‡ Rfi ‡ ‡ Rfa ‡ : …111†
k ainnen …l=s†Wand aauben Der Temperaturverlauf der Fluide und der Trennwand in
einem Wärmeübertrager hängt von der Verteilung der
Hier wurden der Wärmeübergangs- oder besser Wärme- Einzelwiderstände und von der Stromführung (oder der
durchgangskoeffizient aWand=(l/s)Wand für stationäre Verweilzeitverteilung) der Fluide ab. Für konstante oder
Wärmeleitung durch die Trennwand, die ein inneres doch konstant gedachte mittlere Werte des Gesamtwi-
Fluid von einem äuûeren separiert und jeweils ein Ver- derstands ist der Temperaturverlauf nur noch von der
schmutzungswiderstand (engl.: fouling resistance, Rf) Stromführung abhängig. Im einfachsten Fall haben die
für die mögliche Ablagerung von Feststoffen auf der In- Fluide überall im Apparat entlang der Trennwand jeweils
nen- und Auûenseite der Trennwand (s. Abschn. Od) so- eine einheitliche Temperatur, die dann gleich der Aus-
wie je ein Wärmeübergangskoeffizient (ainnen , aauûen) trittstemperatur des jeweiligen Fluids ist (Stichwort:
für den Wärmetransport vom inneren Fluid an die Innen- beidseitiger Rührkessel, Fall b). Der Temperaturverlauf
seite der Trennwand bzw. von der äuûeren Seite der folgt hier einer Sprungfunktion von der Eintrittstempera-
Trennwand an das äuûere Fluid berücksichtigt. Die Wahl tur auf die Austrittstemperatur, die dann längs der Trenn-
einer Fläche A, ohne Index in Gl. (111), ist prinzipiell wand konstant bleibt. Der mittlere Temperaturunter-
willkürlich. Bei ebenen Wänden von parallelen Kanälen schied ist in diesem Fall der Unterschied der Austritts-
sind alle Flächen gleich, die Flächenverhältnisse werden temperaturen (das kleinstmögliche treibende Gefälle für
alle gleich Eins. Für zylindrische Wände hat es sich ein- den Wärmestrom).
gebürgert, die gröûere Auûenwandfläche als Bezugsflä- Bei einer einheitlichen Temperatur des Fluids (2) auf ei-
che für k zu wählen: A/Aauûen=1. Die korrekte mittlere ner Seite und rückvermischungsfreier Strömung des an-
Wandfläche Am im Wandwiderstand ist in diesem Fall deren Fluids (1) entlang der Trennfläche in einer Rich-
ein logarithmischer Mittelwert zwischen Auûen- und In- tung (Stichwort: einseitiger Rührkessel, e) wird der
nenfläche (s. Abschn. Cb). Aus der Addition der Wider- Temperaturverlauf dieses Fluids einer Exponentialfunk-
stände, d. h. der Kehrwerte der Wärmeübergangskoeffi- tion folgen, die sich asymptotisch der Austrittstempera-
zienten in Gl. (111), wird deutlich, daû der Wärme- tur des rückvermischten Fluids T2, aus nähert.
durchgangskoeffizient k stets kleiner als der kleinste
Wärmeübergangskoeffizient min(ai) sein muû (wenn
T1, einÐT1(x)=(T1, einÐT2, aus) {1Ðexp(Ðx)},
die Flächenverhältnisse nahe bei Eins sind). Es kommt
also nicht darauf an, sehr hohe Wärmeübergangskoeffi- 0  x  X. (112)
zienten wie bei der Kondensation oder bei turbulenter
Wasserströmung sehr genau zu berechnen, wenn andere Die dimensionslose Koordinate x läuft dabei von x=0
Widerstände mit wesentlich kleineren Wärmeübergangs- bis x=X, wenn X=k A/(M _ cp)1 die Anzahl der Übertra-
koeffizienten den Gesamtwiderstand dominieren. gungseinheiten (Number of Transfer Units, NTU) des
VDI-Wärmeatlas A
10. Auflage 2006
Einführung in die Lehre von der Wärmeübertragung A 21

Stromes 1 ist. Sind beide Fluide rückvermischungsfrei oder kurz


und strömen parallel (Gleichstrom, p) oder entgegenge- Pi=NTUi q,
richtet (Gegenstrom, c) an der Trennfläche entlang, so i=1, 2 (oder X, Y) als Indizes für die Ströme, (115)
folgen beide Fluidtemperaturen einem Exponentialge-
setz (s. z. B. in [31, S. 35]). wenn man den auf den maximalen Temperaturunter-
schied (d. h. den Unterschied der Eintrittstemperaturen)
Der mittlere Temperaturunterschied ist in jedem dieser bezogenen mittleren Temperaturunterschied mit q be-
vier Fälle (b, e, p, c) als logarithmischer Mittelwert aus zeichnet. Als Wirkungsgrad im eigentlichen Sinn wird
den lokalen Temperaturunterschieden an der Stelle 0 und meist nur die gröûere der beiden dimensionslosen Tem-
an der Stelle 1 (z. B. bei y=Y ) zu berechnen: peraturänderungen Max(Pi), also diejenige des schwä-
DT0 DT1 cheren Stromes mit der gröûeren NTU bezeichnet. Dar-
DTM ˆ …b, e, p, c†: …113† aus folgt unmittelbar, daû sich die Temperaturänderun-
ln…DT0 =DT1 †
gen Pi zueinander wie die NTUi verhalten, d. h. umge-
Im Grenzfall DT0=DT1 , der für den beidseitigen Rühr- kehrt proportional zu den Kapazitätsströmen. Die Pi sind
kessel (b) immer, für den Gegenstrom (c) nur bei glei- damit auch dimensionslose Übertragungsleistungen.
chen Kapazitätströmen und damit gleichen NTUi (X=Y) Grundsätzlich können Pi und q nur im Bereich von 0 bis
eintritt, liefert Gl. (113) einen unbestimmten Ausdruck, 1, NTUi dagegen im Bereich von 0 bis 1 variieren.
dessen Wert sich aber zwangsläufig zu DTM=DT0=DT1
Den gröûten Einfluû der unterschiedlichen Stromführun-
ergibt. Für gegebene Eintrittstemperaturen der beiden
gen auf die Übertragungsleistung findet man, wenn die
Fluide und ein endliches Verhältnis der Kapazitäts-
beiden Kapazitätsströme ähnliche Gröûe haben (d. h.
ströme gilt
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auch NTU1  NTU2) und wenn NTU>1 wird. Für andere


Fälle (NTU2<NTU1<1) ist der Einfluû der Stromfüh-
DTM, b<TM, e<DTM, p<DTM, c;
rung auf die Leistung eher unbedeutend. Insbesondere
dann, wenn die thermische Aufgabe sehr hohe NTU bei
die erforderlichen Übertragungsflächen nehmen also etwa gleichen Kapazitäten erfordert (Energieverbund),
nach Gl. (110) in der Reihenfolge ¹beidseitiger Rührkes- ist die Realisierung einer möglichst günstigen Stromfüh-
sel, bª, ¹einseitiger Rührkessel, eª, ¹Gleichstrom, pª, rung für die Auslegung des Apparats von entscheidender
¹Gegenstrom, cª ab. Bedeutung.
Diese heutigen Ingenieuren so vertraute Erkenntnis hat Die Bedeutung der Kennzahl NTUi=k A/(M _ cp)i für alle
Grashof, Mitbegründer und langjähriger Vorsitzender Wärmeübergangsprobleme, bei denen innere Energie
des VDI, Geheimer Hofrat und Professor am Polytechni- (oder Enthalpie) aus einem ¹Speicherª als Wärme an ein
kum zu Carlsruhe von 1863 bis 1893, durch die wohl anderes Medium flieût, ist offenkundig. In Gl. (112) ist
erstmals von ihm durchgeführte entsprechende Berech- NTUi z. B. als Endwert X einer für dieses Problem geeig-
nung der Temperaturverläufe schon 1875 im Ersten neten dimensionslosen Koordinate x in Strömungsrich-
Band seiner ¹Theoretischen Maschinenlehreª [32, tung aufgetreten. Ersetzt man den Massenstrom M _ durch
S. 946±951] mitgeteilt. Dieser Band trägt den Untertitel _
den Volumenstrom V mal der Dichte r und setzt weiter-
¹Hydraulik nebst Mechanischer Wärmetheorie und All- _
V=V/t V , wobei das Volumen V den Inhalt des Apparats
gemeiner Theorie der Heizungª. und tV die (mittlere) Verweilzeit des Fluids in diesem
Der logarithmische Mittelwert des treibenden Tempera- Volumen bezeichnen, dann erkennt man die physikali-
turgefälles DTM=DTLM über die Heizfläche ist nur in sche Bedeutung dieser Kennzahl als dimensionslose Ver-
den genannten vier schon von Grashof behandelten Fäl- weilzeit (tV, i/tc):
len der Stromführung der ¹richtigeª Mittelwert. Für die
kA
technisch häufig angewandten Kreuzstromführungen er- NTUi ˆ  tV, i …116†
geben sich kleinere mittlere Temperaturunterschiede als …Vr cp †i
für den Gegenstrom. Gleichungen zur Berechnung von
Genau dieselbe Kennzahl ergibt sich auch bei der insta-
DTM für viele verschiedene mehr oder weniger ideali-
tionären Wärmeübertragung an ruhende Körper; die Ver-
sierte Stromführungen zur Auslegung von Apparaten
weilzeit ist dann einfach die Zeit nach der ¾nderung des
sind in Abschn. Ca zu finden.
Umgebungszustands. Die Zeitkonstante tc=V r cp/(k A)
entspricht völlig derjenigen des Newtonschen Abküh-
3.4 Kennzahlen für Wärmeübertrager lungsgesetzes (s. Abschn. A 2.1, Gl. (32); dort ist
Ç eines Wärmeübertragers k  aa). Die Abkürzung NTU, die ursprünglich von Chil-
Die Übertragungsleistung Q
ton und Colburn [33] für die Stoffübertragung in Füllkör-
nach Gl. (110), bezogen auf die bei idealem Gegenstrom
perkolonnen als Number of Transfer Units eingeführt
(mit NTU ! 1, d. h. Ti, aus=Tj, ein) maximal übertragba-
wurde, könnte nach dieser physikalischen Bedeutung als
re Leistung, wird als Wirkungsgrad ei oder auch als di-
dimensionslose Verweilzeit auch für ¹Nondimensional
mensionslose Temperaturänderung (Pi in Abschn. Ca,
Time Unitª stehen. Ist NTUi klein, dann ändert sich die
mit i=1, 2 für die beiden Ströme) bezeichnet. Gleichung
Temperatur des Stromes i nur wenig. Insbesondere gilt
(110) schreibt sich dann dimensionslos
dies für kondensierenden reinen Dampf und verdampfen-
de reine Flüssigkeit (bei konstantem Druck). Beim Pha-
Q_ kA DTM
ˆ …114† senübergang werden cp und damit die Zeitkonstante tc
_ p †i …Ti, ein
…Mc Tj, ein † _ p †i …Ti, ein Tj, ein †
…Mc unendlich. Die dimensionslose Verweilzeit ist damit
A VDI-Wärmeatlas
A 22 Einführung in die Lehre von der Wärmeübertragung 10. Auflage 2006

stets gleich Null, und die Temperatur bleibt konstant, so- parat ist damit eine Schlüsselgröûe für die wirtschaftlich
lange beide Phasen noch vorhanden sind. optimale Auslegung von Wärmeübertragern.
Die dimensionslose Temperaturänderung Pi nach den Durch die Wahl des Strömungsquerschnitts bei der Ap-
Gln. (114) und (115) ist auch parateauslegung wird die Strömungsgeschwindigkeit für
den vorgegebenen Nenn-Massenstrom festgelegt. Hier
Ti; ein Ti; aus
Pi ˆ wird in der Praxis häufig noch mit Erfahrungswerten für
Ti; ein Tj; ein ¹sinnvolleª Strömungsgeschwindigkeiten gearbeitet.
…117†
Temperaturänderung des Stromes i Mit einigen einfachen Annahmen über die wesentlichen
) :
maximaler Temperaturunterschied; i j Kostenfaktoren für Kapital- und Betriebskosten läût sich
diese Vorgehensweise durch eine rational begründete
Damit wird deutlich, daû die NTUi zugleich das Verhält- Vorausberechnung wirtschaftlich optimaler Strömungs-
nis von Temperaturänderung zu mittlerem Temperatur- geschwindigkeiten ersetzen. Solche Berechnungen wur-
gefälle ist, s. Gl. (115), den in ähnlicher Art schon von Gregorig [34] durchge-
NTUi=Pi/q. (118) führt. Die hier dargestellte Berechnung folgt weitgehend
einem Konferenzbeitrag des Bearbeiters dieses Ab-
Mit den Kennzahlen Pi , NTUi und q kann der Einfluû der schnitts [35]. In erster Näherung nimmt man an, die jähr-
Stromführung auf die Übertragungsleistung von Wärme- lichen Investitionskosten CI für einen Apparat seien der
übertragern in kompakter und übersichtlicher Form dar- erforderlichen Übertragungsfläche proportional.
gestellt werden. Für die Auslegung, d. h. die Bestimmung
CI=(CA/tN) A. (121)
der erforderlichen Übertragungsfläche, ist die Form

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q=f (Pi , Stromführung) (119) Dabei ist CA der Preis des jeweiligen Apparats pro m2
Übertragungsfläche, z. B. 400 EUR/m2; tN ist die Nut-
am besten geeignet, da die erforderliche Fläche (NTUi) zungsdauer des Apparats, z. B. tN=10 Jahre, (1/tN nennt
bei Vorgabe der gewünschten Temperaturänderung (Pi) man auch Amortisation, die dann 10% p.a. betrüge, in
dem mittleren Temperaturunterschied (q) umgekehrt [35] als a* bezeichnet).
proportional ist. Für die Nachrechnung der Übertra- Die Betriebskosten seien dem durch den Apparat beding-
gungsleistung eines gegebenen Apparats braucht man ten Anteil der Pumpleistung (V_ Dp) proportional.
eher die Form
_
CB=kel t(1+x) VDp/h p. (122)
q=f (NTUi , Stromführung), (120)
Darin ist kel der Strompreis, z. B. 30 EUR/MWh; t ist die
aus der man durch Multiplikation mit NTUi auch sofort jährliche Betriebsstundenzahl, z. B. 6500 h/Jahr; der
die gewünschte Temperaturänderung Pi (Übertragungs- Faktor x berücksichtigt den Anteil der Pumpleistung für
leistung) erhält. das Fluid auf der anderen Seite (Index a): x (V_ Dp/hP)=
Jede der fünf Kennzahlen (P1 , P2 , NTU1 , NTU2 , q) läût (V_ Dp/hP)a , die nicht indizierten Gröûen stehen für das
sich in Abhängigkeit von nur zwei anderen Kennzahlen Fluid auf einer Seite des Apparats (Auslegungsseite).
darstellen. Wegen P1=NTU1 q und P2=NTU2 q lassen Für symmetrische Verhältnisse, beispielsweise in einem
sich stets die beiden restlichen Kennzahlen eliminieren. Plattenwärmeübertrager mit gleichen Massenströmen,
Bei der Auslegung wird meist die Temperaturänderung gleichen Stoffwerten und gleichen Querschnitten auf
eines Prozessstromes als Forderung vorgegeben. Mit der beiden Seiten wäre x=1. Die mechanische Pumpleistung
Eintrittstemperatur des anderen Stromes liegt dann sofort muû durch den Pumpenwirkungsgrad hP dividiert wer-
der Zahlenwert von Pi fest. Auch das Verhältnis der Ka- den (z. B. hP=0,5), um die elektrische Antriebsleistung
pazitätsströme wird dann schon festgelegt sein. Schon zu erhalten. Zur Entdimensionierung dividiert man die
mit diesen beiden Zahlen läût sich erkennen, ob die Summe von jährlichen Investitions- und Betriebskosten
Stromführung wichtig für die Realisierung der Aufgabe durch einen Normierungswert CN für die Investitionsko-
sein wird oder nicht (s. oben). sten,
CN=(CA/tN) {Vr _ cp d/l} NTU, (123)

wobei der Ausdruck in geschweiften Klammern eine


3.5 Wirtschaftlich optimale Auslegung Übertragungsfläche AN für k=l/d bei der geforderten
3.5.1 Optimale Strömungsgeschwindigkeit NTU bedeuted. Die dimensionslose Gesamtkostenfunkti-
on FC=(CI+CB)/CN läût sich dann mit den bekannten
Gleichung (110) zeigt, daû die erforderliche Gröûe Beziehungen für den Druckabfall und den Wärmedurch-
(Übertragungsfläche) eines Apparats und damit die In- gang in Abhängigkeit von der Strömungsgeschwindig-
vestitions- oder Kapitalkosten dem Wärmedurchgangs- keit oder der damit gebildeten Reynolds-Zahl schreiben:
koeffizienten k umgekehrt proportional sind. Höhere   !
Wärmedurchgangskoeffizienten lassen sich in gewissen x Re 3 1
FC ˆ 1 ‡ …1 ‡ x† : …124†
Grenzen durch erhöhte Strömungsgeschwindigkeiten der 8 Reeco Nuo v
Fluide im Apparat erreichen. Diese müssen aber wegen
der unvermeidlichen Flüssigkeitsreibung an den Wänden Die neue Kennzahl Reeco enthält eine charakteristische
durch erhöhte Pumpleistung in Form von Betriebskosten Geschwindigkeit, die sich aus einer Leistungsdichte qP
erkauft werden. Die Strömungsgeschwindigkeit im Ap- in W/m2=kg/s3 berechnen läût, welche alle erforderli-
VDI-Wärmeatlas A
10. Auflage 2006
Einführung in die Lehre von der Wärmeübertragung A 23

chen wirtschaftlichen Faktoren (CA , tN t, kel) zusammen- tN=10 Jahre Nutzungsdauer,


gefaût enthält. t=6500 h/Jahr Betriebsstundenzahl,
kel=30 EUR/MWh Strompreis,
qP=CA/(tN t kel), (125) x=1 Verhältnis der Pumpleistungen.

ueco=(qP hP/r)1/3. (126) Wasser in den Rohren eines Rohrbündel-Wärmeübertragers


r=997 kg m ±3, n=8,93 ´ 10 ±7 m2 s ±1, Rohrdurchmesser, innen
Die neue Reynolds-Zahl Reeco=ueco d/n ergibt sich d=12 mm, cf=0,3164 und n=0,25 (Blasius-Gesetz der turbulen-
zwangsläufig aus der gewählten Normierung. Nuov ist ten Rohrströmung), m=0,7.
eine mit dem Wärmedurchgangskoeffizienten k anstelle
Aus Gl. (130) Reeco=6296, Reopt=23 734, wopt = 1,77 m/s.
von a gebildete Nuûelt-Zahl, Nuov=k d/l:
1 1‡y
‡ R
Luft in den Rohren eines Rohrbündel-Wärmeübertragers
ˆ wf ; …127†
Nuov Nu r=1,168 kg m ±3, n=1,58 ´ 10 ±5 m2 s ±1, Rohrdurchmesser, innen
dabei steht y für den dimensionslosen Widerstand auf d=12 mm, cf=0,3164 und n=0,25 (Blasius-Gesetz der turbulen-
ten Rohrströmung), m=0,7.
der anderen (Index a) Seite des Wärmeübertragers,
y=a A/(a A)a . Der dimensionslose Wand- und Ver- Aus Gl. (130) Reeco=3372, Reopt=12009, wopt = 15,8 m/s.
schmutzungswiderstand faût die drei mittleren Wider- Diese Ergebnisse stimmen gut mit den bekannten Erfahrungswerten
standsterme der Gl. (111) zusammen und macht sie mit überein. Die Rechnung nach Gl. (130) erlaubt es aber auch, zusätz-
dem Faktor l/d dimensionslos. lich sehr schnell zu prüfen, wie sich andere Stoffwerte (Viskosität
  und Dichte), andere Kostenfaktoren (Flächenpreise, Strompreise,
 l A=Am Nutzungsdauern und Betriebsstundenzahlen) sowie andere Rei-
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Rwf ˆ Rfi ‡ ‡ Rfa : …128†


d …l=s†Wand bungs- und Wärmeübergangsgesetze (z. B. für Plattenwärmeüber-
trager, s. [35]) auf die wirtschaftlich optimalen Strömungsge-
Die Gesamtkostenfunktion FC nach Gl. (124) berück- schwindigkeiten auswirken. Dabei kann man natürlich auch auf die
sichtigt damit im ersten Term (1/Nuov) die mit zuneh- vereinfachenden Annahmen, die zu der expliziten Gl. (130) führen,
mender Reynolds-Zahl abnehmenden Investitions- verzichten und das Minimum der Kostenfunktion FC nach
Gl. (124) numerisch ermitteln. Dies ist auch ein brauchbares Mittel,
kosten, im zweiten Term (proportional x Re3/Nuov) die
um die optimale Version einer Baureihe ähnlicher Wärmeübertra-
mit der Reynolds-Zahl ansteigenden Betriebskosten für ger zu finden, wie dies in [35] für Plattenapparate mit Winkel-Wel-
die Pumpleistung. Die wirtschaftlich optimale lenprägung gezeigt wurde. Bei einem Prägungswinkel von etwa 60
Strömungsgeschwindigkeit findet man also durch Auf- ergab sich nach einer solchen Optimierung ein absolutes Minimum
suchen des Minimums von FC(Re), wobei die Gröûen der Kostenfunktion.
Reeco , Pr, x, y, Rwf
* als Parameter festgehalten werden. Mit der Druckabfall-Kennzahl nach Gl. (64) Hg=(x/2) Re2 und
Bei Verwendung einfacher Potenzgesetze für x(Re) und Re(Hg) kann man die Kostenfunktion natürlich auch mit dem
Nu(Re) und unter Vernachlässigung des von der Rey- Druckabfall (der Hagen-Zahl, Hg) statt der Strömungsgeschwindig-
keit (Re) als unabhängige Variable schreiben. Dann erhält man
nolds-Zahl unabhängigen Widerstands (Rwf*  0) läût durch die Minimierung einen wirtschaftlich optimalen Druckabfall
sich die Suche des Minimums sogar explizit analytisch (Dp/DL)opt .
durchführen.
Die Annahmen 3.5.2 Optimale Temperaturänderung
Rwf
*  0, Die Temperaturänderung im Prozessfluid wird bei der
Auslegung eines Wärmeübertragers meist als Forderung
x(Re)=cf Re ±n und Nu(Re)=ch(Pr) Rem vorgegeben sein. Im Rahmen der Anlagenplanung muû
diese Forderung aber zunächst einmal wirtschaftlich
führen mit F*=FC ch(Pr)/(1+y) zu der modifizierten
sinnvoll gewählt werden. Dazu ist es zweckmäûig, die
Kostenfunktion
  durch die Investition eines Wärmeübertragers für den
 n …1 ‡ x†cf Prozess zurückgewonnene thermische Leistung wirt-
F …Re† ˆ Re ‡ Re3 n m …129†
8Re3eco schaftlich als Einsparung E in EUR/Jahr an thermischer
Energie zu bewerten. Bei theoretisch maximal möglicher
Nullsetzen der Ableitung dieser Funktion nach Re liefert Rückgewinnung wäre
eine einfache Bestimmungsgleichung für die wirtschaft-
_ cp (Tw, einÐTk, ein) t ktherm;
Emax=Vr (131)
lich optimale Strömungsgeschwindigkeit:
 3 1 n darin stehen w, k als Indizes für den wärmeren, kälteren
n m 8 Re3eco Strom; ktherm ist der Preis der thermischen Energie (häu-
wopt ˆ ,
d …3 n m†…1 ‡ x† cf fig etwa zu einem Drittel des Strompreises geschätzt).
  Die tatsächliche Einsparung ergibt sich aus Emax durch
CA hP 1=3 d die Multiplikation mit der dimensionslosen Temperatur-
Reeco ˆ : …130†
tN t kel r n änderung P (oder dem Wirkungsgrad e).
E=Emax P. (132)
Beispiele Die Differenz aus Einsparung minus Gesamtkosten E ± C
CA=400 EUR/m2 Flächenpreis, sollte durch die Wahl der optimalen Temperaturände-
hP=0,5 Pumpenwirkungsgrad, rung P maximiert werden, C=CI+CB , C=CN FC.
A VDI-Wärmeatlas
A 24 Einführung in die Lehre von der Wärmeübertragung 10. Auflage 2006

    den Wärmeübergang zu verbessern, hat wirtschaftliche


CA =…Tw; ein Tk; ein † d
E C ˆ Emax P FC NTU Grenzen, wie der vorige Abschnitt zeigt. Findige Inge-
tN t ktherm l
nieure haben daher schon lange versucht, die Nachteile
(133)
von niedrigen Wärmeübergangskoeffizienten, wie sie
Der Ausdruck in eckigen Klammern enthält wieder eine z. B. bei Gasströmen bei Normaldruck auftreten, durch
von wirtschaftlichen Parametern gebildete Leistungs- konstruktive Maûnahmen bei der Gestaltung der Appara-
dichte in W/m2, te zu kompensieren.
qT=CA/(tN t ktherm), (134)
4.1 Vergröûerung der Übertragungsfläche
die sich von qP nach Gl. (125) nur durch ktherm statt kel
unterscheidet. Der Ausdruck in eckigen Klammern hat Ein Wärmeübertrager, der auf der einen Seite von einem
daher mit qT/DTwk, ein als einem ¹Wärmeübergangskoef- gut leitenden Fluid (Gas unter hohem Druck, Flüssigkeit,
fizientenª die Form einer Nuûelt-Zahl. Analog zu Reeco kondensierender Dampf) mit Wärmeübergangskoeffi-
kann man sie Nueco nennen. (In [35] wurde der Kehrwert zienten von ai  1000 . . . 10 000 W/m2 K, auf der ande-
von Nueco ¹GT ª genannt.) Die zu maximierende Funk- ren Seite aber von einem schlecht leitenden Gas (Luft
tion G(P)=(EÐC)/Emax hat also die Form oder andere Gase bei Normaldruck) mit aa  (10 . . . 100)
W/m2 K durchströmt wird, ist ein typisches Beispiel für
G(P)=PÐ[Nueco] FC NTU. (135)
die Anwendung von Rippen zur Vergöûerung der Über-
Wenn die thermische Einsparung gerade durch die Ge- tragungsfläche auf der Seite mit dem niedrigeren Wär-
samtkosten aufgewogen wird (engl.: break even), ist meübergang. Auf die Heiz- oder Kühlfläche gesetzte

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G(P)=0. Damit wird der kritische dimensionslose mitt- Rippen können den Nachteil der niedrigen Über-
lere Temperaturunterschied q=P/NTU bei G(P)=0 ge- gangskoeffizienten auf der Gasseite durch Vervielfa-
rade chung der Oberfläche kompensieren. Die Rippenwir-
kung wird aber wegen der endlichen Leitfähigkeit auch
q0=Nueco FC(Re, Reeco , . . . ). (136) gut leitender Metalle mit zunehmender Höhe (Abstand
Für den idealen Gegenstrom-Wärmeübertrager mit glei- von der Grundfläche) der Rippen immer geringer, so daû
chen Kapazitätsströmen ist beispielsweise q=1ÐP und eine weitere Vergröûerung der Oberfläche (Materialauf-
damit NTU=P/(1ÐP). Setzt man dies in Gl. (135) ein, wand) keine merkliche Erhöhung des Wärmeübergangs
so ergibt sich durch Ableiten von G nach P und Nullset- mehr bewirkt, da der lokale Temperaturunterschied zwi-
zen schen Rippenoberfläche und Gas mit zunehmender Rip-
penhöhe asymptotisch gegen Null geht.
Popt=1Ðq01/2. (137)
Die klassische Modellvorstellung der einfachen Rippe
Der optimale Wirkungsgrad Popt ist damit kleiner als der als einem gut leitenden Stab konstanter (aber beliebig
kritische Wert P0=1Ðq0 , da q eine Zahl <1 ist. Hohe geformter) Querschittsfläche S, der an der Grundfläche
Wirkungsgrade (Temperaturänderungen) sind also nur die dort herrschende Temperatur T0 hat und deshalb die
dann wirtschaftlich sinnvoll, wenn q0 , d. h. das Produkt längs durch den Stabquerschnitt geleitete Wärme über
aus Nueco und der Gesamtkostenfunktion FC nach seine Oberfläche dA=(A/L)dz an eine schlecht leitende
Gl. (124) sehr klein wird. Umgebung abgibt, ist schon von Fourier [1] mathema-
  ! tisch formuliert, gelöst und diskutiert worden. Man fin-
x Re 3 Nueco
q0 ˆ 1 ‡ …1 ‡ x† …138† det dieses Beispiel der stationären Wärmeleitung in
8 Reeco Nuov Längsrichtung eines Stabes mit kontinuierlicher Wärme-
abgabe über seine äuûere Oberfläche in jedem besseren
Für Re=Reopt wird FC minimal. Die neue Kennzahl Lehrbuch der Wärmeübertragung (s. z. B. bei Baehr und
Nueco wird z. B. sehr klein, wenn der maximale Tempera- Stephan [36], Abschn. A 2.2.2). Eine eindimensionale
turunterschied zwischen den Eintrittstemperaturen der (1-D-) Modellierung der Wärmeleitung in Längsrich-
beiden Fluide groû ist, wenn die thermische Energie teu- tung des Stabes liegt hier nahe, da der quer dazu über dA
er ist, wie bei Temperaturen, die weit unter der Normal- an die Umgebung (Temperatur T1) abflieûende Wärme-
temperatur liegen. In der Tieftemperaturtechnik sind strom durch den hohen äuûeren Widerstand (1/aa) kon-
Wärmeübertrager mit sehr hohen Wirkungsgraden not- trolliert wird. Im einfachsten Fall ± für den Grenzfall
wendig (z. B. bei der Luftverflüssigung) und auch wirt- des sehr langen Stabes (0  x<1) ± erhält man als
schaftlich sinnvoll. Lösung der gewöhnlichen Differentialgleichung zweiter
Ordnung für den Temperaturverlauf längs des Stabes
eine abklingende Exponentialfunktion:
s !
4 Möglichkeiten zur Verbesserung der T…x† T1 aa …dA=dx†
Wärmeübertragung ˆ exp  x (langer Stab).
T0 T1 li S
(139)
Die Gröûe der Übertragungsfläche, der Wärmeüber-
gangskoeffizienten und des mittleren Temperaturunter- Der Umfang des Stabes (dA/dx) ist konstant, und
schieds hat unmittelbare Auswirkung auf die Kosten, die (dA/dx)=A/L. Für Rippen (oder Stäbe) endlicher Länge
für Anlagen und Apparate aufgewandt werden müssen. L ist zusätzlich die Exponentialfunktion mit dem positi-
Die Steigerung der Strömungsgeschwindigkeiten, um ven Argument in der Lösung zu verwenden. Man kann
VDI-Wärmeatlas A
10. Auflage 2006
Einführung in die Lehre von der Wärmeübertragung A 25

diese Lösungen dann auch durch die Hyperbelfunktionen Seite, kondensiert dort wieder und wird durch kapillaren
sinh(z)=(ezÐe ±z)/2 und cosh(z)=(ez+e ±z)/2 darstel- Zug (und/oder Schwerkraft) zurückgefördert. Die bei-
len. Das Argument der Exponential- oder Hyperbelfunk- den Gasströme sind dann durch intern umlaufende
tionen ist eine dimensionslose Rippenhöhe (Stablänge) Dampf-Flüssigkeitsströme gekoppelt, ähnlich wie bei
L/Lc . Die charakteristische Länge Lc , über die der einem rotierenden Regenerator (zu Regeneratoren s.
Grundtemperaturunterschied (T0ÐT1) im Stab auf 1/e, Abschn. Na und [30]), wo die umlaufende Feststoffma-
d. h. auf 36,8% abklingt, ist also mit dem Umfang dA/ trix denselben Zweck erfüllt. Ohne Kenntnis der Vorgän-
dx=A/L und mit der Querschnittsfläche S=V/L, ge im Inneren stellt sich das Wärmerohr in seiner Wir-
r kung wie eine Überrippe mit nahezu unendlich groûer
li V Wärmeleitfähigkeit dar. Die ¹Wärmeleitfähigkeitª eines
Lc ˆ …140†
aa A Wärmerohres kann im geeigneten Temperaturbereich
(zwischen dem Tripelpunkt und dem kritischen Punkt
Die Rippenhöhe L sollte nicht viel gröûer als Lc gewählt der Füllung) um Gröûenordnungen höher sein als die ei-
werden, um einen hohen Rippenwirkungsgrad zu erzie- nes Vollzylinders gleichen Durchmessers aus Kupfer
len. Der Rippenwirkungsgrad der ebenen Rippe konstan- oder Aluminium.
ter Querschnittsfläche ist hR=tanh(x)/x, mit x=(L/Lc)
(s. z. B. [31; 36; 37] und Abschn. Mb). Bei L=Lc beträgt
4.2 Vergröûerung der
der Rippenwirkungsgrad rund 76%
Wärmeübergangskoeffizienten
(tanh(1)=0,76159 . . . ), d. h., die zusätzliche Rippenflä-
che wirkt so, als seien 76% davon auf der Temperatur T0
der Grundfläche. Umgekehrt sollte ein Pfannenstiel oder 4.2.1 Durch Strukturierung der Oberfläche
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sollten die Griffe einer Schmiedezange wesentlich länger Berippte Flächen werden durchaus nicht nur bei der
als Lc gewählt werden, damit man auch bei hohen Tem- Wärmeübertragung an schlecht leitende Gase ange-
peraturen gefahrlos damit hantieren kann. Für einen wandt. Sie finden auch in anderen Bereichen interessante
kreiszylindrischen oder quadratischen Stab des Durch- Anwendungen. So werden z. B. auch beim Sieden von
messers d oder der Kantenlänge d ist V/A=d/4, für den Flüssigkeiten berippte Rohre eingesetzt (s. auch Abschn.
sehr langen Rechteckquerschnitt der ¹ebenen Rippeª ist Hab), obwohl der Wärmeübergang beim Sieden ohnehin
V/A=d/2, wenn d die Dicke der Rippe bezeichnet. schon hoch ist. Dies hat beispielsweise den Vorteil, daû
Für ein vorgegebenes Rippenvolumen V=b d L (be- der Bereich von Übertemperaturen, bei denen zumindest
grenzter Materialaufwand für die Rippe) erhält man eine auf einem Teil der Heizfläche Blasensieden auftritt,
optimale Rippenhöhe Lopt , mit A=2 b L aus der Nullstel- durch die Berippung vergröûert wird.
le der Ableitung des Wärmestroms durch die Rippe nach Durch spezielle Rippenformen, die durch Überwalzen
der Höhe L [36]. Die charakteristische Länge Lc ist bei eines zuvor gefrästen Rippenrohrprofils oder durch Auf-
dieser Nebenbedingung selbst von L abhängig, Lc ist pro- sintern von porösen Metallschichten erzeugt werden, läût
portional L ±1/2. Das Argument x=L/Lc wird damit (L/ sich die für den Beginn des Blasensiedens erforderliche
LV)3/2, LV=(li V/(aa 2 b))1/3. Mit x=(L/LV)3/2 ist Übertemperatur z. T. drastisch senken. Die Vergröûe-
schlieûlich der Wärmestrom durch die Rippe der Funk- rung oder Strukturierung der Oberfläche erhöht in diesen
tion f(x)=tanh(x)/x1/3 proportional, deren Maximum Fällen den Wärmeübergangskoeffizienten.
bei x=1,4192 liegt (Lopt=(1,4192)2/3 L V). Der Rippen- Dies ist auch bei den längsgewellten Gregorig-Rohren
wirkungsgrad hR=tanh(x)/x ist dort 62,7%. Dieses Pro- der Fall, die für die Kondensation am oder im senkrech-
blem wurde zusammen mit weiteren ähnlichen Proble- ten Rohr verwendet werden können. Das Kreisrohrprofil
men bereits 1926 von Schmidt [38] gelöst. ist in diesem Fall durch eine feine Wellung in Längsrich-
Für luftgekühlte Wärmeübertrager sind auûenberippte tung überlagert, deren Amplitude und Wellenlänge im
Rohre schon lange üblich. Bei Wärmeübertragern mit mm-Bereich liegen. Wegen der Krümmung der Wand
schlecht leitenden Fluiden auf beiden Seiten (Gas ± Gas zieht die Oberflächenspannung das Kondensat von den
± WÜT ) sind beidseitig berippte Flächen grundsätzlich Wellenbergen in die Täler. Auf den Bergen ist der lami-
möglich, und werden auch gelegentlich realisiert. Die nare Kondensatfilm sehr dünn und damit sein Wider-
endliche Leitfähigkeit der Metalle begrenzt aber die stand klein, in den Tälern ist der Film wesentlich dicker,
wirtschaftliche Rippenhöhe, so daû die Gaskanäle in ih- flieût folglich schneller nach unten und führt wegen des
ren Abmessungen beschränkt sind. Hier hat die (zweimal dadurch turbulenten Strömungsverhaltens ebenfalls zu
patentierte) Erfindung des ¹Wärmerohresª (engl.: heat erhöhten Wärmeübergangskoeffizienten. Bei einer
pipe, US Patente von Gaugler, 1944, und Grover, 1966) Oberflächenvergröûerung von nur etwa 20% gegenüber
Abhilfe geschaffen. dem glatten Rohr ergaben die Versuche von Schnabel
Das Wärmerohr (s. Abschn. Ml) ist ein beidseitig ver- [39] mit solchen gewellten Oberflächen eine Erhöhung
schlossenes Rohr mit einer Kapillarstruktur (¹Dochtª) des Wärmedurchgangskoeffizienten bei Kondensation
im Inneren, das vor dem Verschlieûen mit einer Flüssig- mit Fallfilmverdampfung um den Faktor 2 bis 2,5.
keit und deren Dampf gefüllt wurde (möglichst ohne In- Die gekreuzten Winkel-Wellenstrukturen von Platten-
ertgas). Solche Rohre können ± beispielsweise auûen wärmeübertragern (Abschn. Mm) erreichen ebenfalls
berippt ± zwei Gaskanäle durch die Trennwand hin- durch eine nur geringfügige Oberflächenvergröûerung
durch miteinander verbinden. Auf der wärmeren Seite eine im Vergleich zur ebenen Platte erhebliche Vergrö-
verdampft die Flüssigkeit, strömt als Dampf zur kälteren ûerung des Wärmeübergangs (bei der einphasigen Strö-
A VDI-Wärmeatlas
A 26 Einführung in die Lehre von der Wärmeübertragung 10. Auflage 2006

mung), die natürlich auch durch höheren Druckabfall er- Felder berichtet worden, z. B. durch Elektrostatische Fel-
kauft wird. Hier ist der periodisch wiederholte Anlauf, der mit sehr hohen Spannungen (z. B. 100 000 V) , aber
d. h. die dünne Temperaturgrenzschicht, die wichtigste praktisch stromlos. Dadurch lassen sich beim Sieden von
Ursache dieser Erhöhung. Flüssigkeiten erhebliche Verbesserungen des Wärme-
Wie schon in Abschn. A 2.4.4 erwähnt, läût sich dieser übergangs erzielen.
Effekt des periodisch wiederholten Anlaufs durch die
verallgemeinerte LeÂv†que-Gl. (70) beschreiben, die es 4.3 Hinweise zur Vertiefung
erlaubt, den Wärmeübergang aus dem Druckabfall zu er-
mitteln. Periodische Anlaufvorgänge findet man auch in Die groûe Zahl der Möglichkeiten zur Verbesserung der
durchströmten Schüttungen, in querdurchströmten Rohr- Wärmeübertragung hat zu einer kaum noch überschau-
bündeln und in weiteren technisch interessanten Struktu- baren Fülle von Fachliteratur zu diesem Themenkreis ge-
ren. führt. Übersichtsbeiträge zur Wirksamkeit der unter-
schiedlichsten Maûnahmen, die zur Verbesserung der
4.2.2 Durch Strukturierung der Strömung Wärmeübertragung vorgeschlagen und erprobt worden
sind, wurden immer wieder von Bergles vom Rensallaer
Bei der Anströmung einer Fläche mit periodisch ange- Polytechnic Institute, Troy, N.Y. publiziert. Die neuesten
ordneten Düsen, der Prallströmung aus Düsenfeldern Beiträge findet man in [40; 41].
(s. Abschn. Gk), wird der Wärmeübergang durch Ver-
kürzung der Kontaktstrecken zwischen dem Fluid und Bücher zur Wärmeübertragung und zu verwandten
einer festen Wand (im Vergleich zur parallelen Überströ- Themen gibt es in groûer Zahl. Allein die Suche im Inter-
mung der Wand) erhöht. Die dafür verfügbaren Berech- net unter den amerikanischen Büchern liefert derzeit

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nungsgleichungen beruhen auf experimentellen Untersu- 743 Titel zum englischen Stichwort ¹heat transferª, da-
chungen. Es zeigte sich, daû die Nuûelt-Zahlen sowohl gegen nur 13 Titel zum Stichwort ¹heat exchangersª.
für Runddüsen- als auch für Schlitzdüsenfelder der Rey- Das deutsche Verzeichnis lieferbarer Bücher (unter
nolds-Zahl am Düsenaustritt mit dem Exponenten 2/3 buchhandel.de) enthält derzeit 99 Titel zum Thema
proportional sind. ¹Wärmeübertragungª.

Nu=f (Pr, Anordnung) Re2/3. (141) Die hier in Abschn. A aus dem Schrifttum zitierten älte-
ren und neueren Bücher zu den Themen Wärmeübertra-
Aus der verallgemeinerten LeÂv†que-Gl. (70) bekommt gung [1; 3; 20; 21; 31; 32], Stoffübertragung [28], Wär-
man genau denselben Reynolds-Exponenten 2/3, wenn me- und Stoffübertragung [29; 36] und Wärmeübertrager
man annimmt, daû das Druckgefälle Dp (in der Hagen- [30; 34; 37] stellen also nur eine kleine und naturgemäû
Zahl Hg) für den Antrieb der wandparallelen Scherströ- subjektive Auswahl aus dem reichhaltigen Angebot dar.
mung der unter dem Prallstrahl erzeugte Staudruck ist.
Dieser ist proportional (r/2) w2 (d. h. Hg1/3Re2/3) und
hängt zusätzlich von den geometrischen Verhältnissen
der Düsenanordnung ab. Es wurde bisher noch nicht ge-
prüft, ob diese Vorstellung mit den empirischen Ergeb- 5 Literatur
nissen auch in dieser Hinsicht, also möglicherweise nicht [1] Fourier, J.: Theorie analytique de la chaleur. Paris: Didot
nur im Reynolds-Exponenten, übereinstimmt. 1822. Nachdruck: Paris: Éditions J. Gabay 1988. Siehe auch:
Grattan-Guinness, I., u. J. R. Ravetz: Joseph Fourier, 1768±
Rotierende Einbauten (in Rührbehältern, Dünnschicht- 1830. Cambridge, MA (USA): MIT Pr. 1972.
verdampfern, Kratzkühlern etc.) führen häufig ebenfalls [2] Boltzmann, L.: Ableitung des Stefanschen Gesetzes, betref-
zu Strömungen, die an den Wänden der Apparate peri- fend die Abhängigkeit der Wärmestrahlung von der Tempera-
odische Stauzonen und wandparallele Scherströme bil- tur aus der electromagnetischen Lichttheorie. Ann. Physik.
den. Bei den empirischen Gleichungen für den Wärme- Ser. 2. 22 (1884) S. 291/294.
[3] Mach, E.: Die Principien der Wärmelehre, historisch kritisch
übergang in Rührbehältern (s. Abschn. Ma) findet man
entwickelt. 2. Aufl. Leipzig: Verlag von Johann Ambrosius
auffallend häufig den Reynolds-Exponenten 2/3; sie ha- Barth 1900.
ben ebenfalls die Form der Gl. (141). Ein weiterer Fall [4] Planck, M.: Über das Gesetz der Energieverteilung im Nor-
für die Anwendung der LeÂv†que-Analogie? malspektrum. Ann. Physik 4 (1901) S. 553/563.
[5] Cheng, K. C., u. T. Fujii: Isaac Newton and heat transfer. Heat
Feststehende Einbauten (statische Mischer, Drallerzeu-
transfer engineering 19 (1998) S. 9/21.
ger, Packungen) führen zu Strömungen, die mit denen in [6] Hertz, H.: Der Energiehaushalt der Erde. Fridericiana, Z. Univ.
Schüttungen oder in Plattenwärmeübertragern mit Win- Karlsruhe (TH) (1998) 54, S. 3/15.
kel-Wellenprägung vergleichbar sind. Sie sind z. B. bei [7] Nuûelt, W.: Das Grundgesetz des Wärmeüberganges. Ge-
hochviskosen Flüssigkeiten geeignet, um periodische sundh. Ing. 38 (1915) S. 477/482 u. 490/496.
Anlaufeffekte nutzbar zu machen. [8] Nickolay, M., C. Cramer u. H. Martin: Analytical solution for
the potential flow through the wall of n-sided hollow cylinders
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ebenfalls zur Verbesserung der Wärmeübertragung füh- 43 (2000) S. 139/145.
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VDI-Wärmeatlas A
10. Auflage 2006
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VDI-Wärmeatlas Formelzeichen *) Ba 1
10. Auflage 2006 (Die Werte in Klammern sind unsichere Werte.)

Die folgenden, in alphabetischer Reihenfolge aufgeführten Formelzeichen werden im VDI-Wärmeatlas verwen-


det. Weitere spezielle Bezeichnungen oder Symbole, die von den hier angegebenen abweichen, sind in den ein-
zelnen Abschnitten nach Bedarf zusätzlich vereinbart. B

Lateinische Buchstaben
(Die Kurzzeichen in Klammern sind ebenfalls üblich und zulässig.)

Kurz- Einheit Bedeutung Kurz- Einheit Bedeutung


zeichen zeichen
A m2 Oberfläche, Phasengrenzfläche q_ W mŸ2 Wärmestromdichte
a m sŸ1 Schallgeschwindigkeit R J kgŸ1 KŸ1 individuelle Gaskonstante
a (k) m2 sŸ1 Temperaturleitfähigkeit ~
R J molŸ1 KŸ1 universelle Gaskonstante
C W mŸ2 KŸ4 Strahlungskoeffizient r m Radius
c p, c v J kgŸ1 KŸ1 spezifische Wärmekapazität bei S J KŸ1 Entropie
konstantem Druck bzw. Volumen s J kgŸ1 KŸ1 spezifische Entropie
~cp, ~cv J molŸ1 KŸ1 molare Wärmekapazität bei kon- J molŸ1 KŸ1 molare Entropie
Alle Rechte vorbehalten  Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2006

stantem Druck bzw. Volumen s m Dicke


Dij (dij) m2s-1 Diffusionskoeffizient T K thermodynamische Temperatur
d m Durchmesser t s Zeit
dh m hydraulischer Durchmesser U J innere Energie
dh = 4  Querschnittsfläche/ u J kgŸ1 spezifische innere Energie
Umfang ~u J molŸ1 molare innere Energie
E J Energie u m Umfang
f (Aq, S) m2 Querschnittsfläche u m sŸ1 Geschwindigkeit in x-Richtung
G J freie Enthalpie V m3 Volumen
g J kgŸ1 spezifische freie Enthalpie V_ m3 sŸ1 Volumenstrom
~g J molŸ1 molare freie Enthalpie v_ m3 mŸ2 sŸ1 Volumenstromdichte
g m sŸ2 Fallbeschleunigung v m3 kgŸ1 spezifisches Volumen
H J Enthalpie ~v m3 molŸ1 molares Volumen (Molvolumen)
H_ J Enthalpiestrom v m sŸ1 Geschwindigkeit in y-Richtung
h J kgŸ1 spezifische Enthalpie w m sŸ1 Geschwindigkeit in z-Richtung
~h J molŸ1 molare Enthalpie Xj, Yj kg kgŸ1 Beladung in der Flüssigkeits-
h m Höhe bzw. Dampfphase (bezogen auf
k W mŸ2 KŸ1 Wärmedurchgangskoeffizient Teilmenge des Stoffes)
k0 m sŸ1 Stoffdurchgangskoeffizient ~ j, Y~ j
X mol molŸ1 Beladung in der Flüssigkeits-
L (W) J Arbeit bzw. Dampfphase (bezogen auf
L_ (W)
_ W Leistung Teilmasse des Stoffes)
L, l m Länge xj , yj kg kgŸ1 Gehalt in der Flüssigkeits- bzw.
M kg Masse Dampfphase (bezogen auf Ge-
M ~ kg kmolŸ1 molare Masse (Molmasse) samtmasse)
M _ kg sŸ1 Massenstrom ~xj, ~yj mol molŸ1 Molenbruch in der Flüssigkeits-
m_ kg mŸ2 sŸ1 Massenstromdichte bzw. Dampfphase (bezogen auf
N mol Stoffmenge gesamte Stoffmenge)
N_ mol sŸ1 Stoffmengenstrom x* 1 Strömungsgasgehalt (Verhältnis
n (~r) mol mŸ3 molare Dichte Gasmassenstrom/Gesamtmas-
n_ mol mŸ2 sŸ1 Stoffmengenstromdichte senstrom)
n 1 Anzahl x m laufende Koordinate in Strö-
p Pa; bar Gesamtdruck mungsrichtung
pj Pa; bar Partialdruck der Komponente j y m laufende Koordinate quer zur
p0j Pa; bar Dampfdruck der Komponente j Strömungsrichtung
Q J Wärme z m laufende Koordinate quer zur
Q_ W Wärmestrom Strömungsrichtung

*) Bearbeiter des Abschnitts Ba: Prof. Dr.-Ing. H. Martin, Karlsruhe


VDI-Wärmeatlas
Ba 2 Formelzeichen 10. Auflage 2006

Griechische Buchstaben Zeitlicher Bezug:


B (Die Kurzzeichen in Klammern sind ebenfalls üblich A Anfang
und zulässig.) t Momentanwert
E Ende
Kurz- Einheit Bedeutung
zeichen
Örtlicher Bezug:
a W mŸ2 KŸ1 Wärmeübergangskoeffizient a auûen
bi m sŸ1 Stoffübergangskoeffizient für die aus (00 ) am Austritt
Komponente i ein (0 ) am Eintritt
b KŸ1 räumlicher Wärmeausdehnungs- i innen
koeffizient loc lokaler Wert
dij (Dij) m2 sŸ1 Diffusionskoeffizient o (O) an der Oberfläche
e 1 Emissionsverhältnis w an der Wand
e(y) 1 Gasvolumenanteil
e* 1 Gasvolumenstromgehalt
h Pa s dynamische Viskosität Für den Zustand:
J C Celsiustemperatur c am kritischen Punkt
k(a) m2 sŸ1 Temperaturleitfähigkeit p bei konstantem Druck
l W mŸ1 KŸ1 Wärmeleitfähigkeit r reduziert (auf den Wert am kritischen Punkt
u m2 sŸ1 kinematische Viskosität bezogen)

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r kg mŸ3 Dichte v bei konstantem Volumen
~(n)
r mol mŸ3 molare Dichte 0 00 000
, , an den Phasengrenzkurven
s N mŸ1 Oberflächenspannung
s W mŸ2 KŸ4 Stefan-Boltzmann-Konstante
Für den Vorgang:
y(e) 1 Porosität, Gasvolumenanteil
lam bei laminarer Strömung
turb bei turbulenter Strömung
rev reversibel
Indizes
Sonstige:
Für die Phase: ges gesamt
f (F) Fluid LM logarithmisches Mittel
g (G) Gasphase m Mittelwert
l (L) flüssige Phase GO gesamter Massenstrom als Gas
s (S) feste Phase LO gesamter Massenstrom als Flüssigkeit
VDI-Wärmeatlas
10. Auflage 2006
Einheiten *) Bb 1

1 Gesetzliche Einheiten Gröûe SI-Einheit


Kurz- B
Im Juli 1970 traten das ¹Gesetz über Einheiten im Meû- zeichen
wesenª vom 2. Juli 1969 [1] und die ¹Ausführungsver-
ordnung zum Gesetz über Einheiten im Meûwesenª vom elektrischer Widerstand Ohm W
26. Juni 1970 [2] in Kraft. Die für den Gebrauch des elektrischer Leitwert Siemens S
VDI-Wärmeatlas wichtigen Basisgröûen und abgeleite- Elektrizitätsmenge,
ten Gröûen sind im folgenden zusammengestellt. Aus- Ladung Coulomb C
führliche Erläuterungen und die Übergangsbestimmun- Temperatur Grad Celsius C
gen enthalten die Schriften [3; 4].

1.4 Dezimale Vielfache und Teile der Einheiten


1.1 Die für die Basisgröûen festgesetzten
Basiseinheiten des internationalen Dezimale Vielfache und Teile von Einheiten können
Einheitensystems (SI) durch Vorsilben vor dem Namen der Einheit bezeichnet
Basisgröûe Basiseinheit werden.
Kurz- Faktor Vorsilbe Kurz- Faktor Vorsilbe Kurz-
zeichen zeichen zeichen
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Länge Meter m 1018 Exa E 10Ÿ1 Dezi d


Masse Kilogramm kg 1015 Peta P 10Ÿ2 Zenti c
Zeit Sekunde s 1012 Tera T 10Ÿ3 Milli m
elektrische Stromstärke Ampere A 109 Giga G 10Ÿ6 Mikro m
thermodynamische 106 Mega M 10Ÿ9 Nano n
Temperatur Kelvin K 103 Kilo k 10Ÿ12 Pico p
Stoffmenge Mol mol 102 Hekto h 10Ÿ15 Femto f
Lichtstärke Candela cd 101 Deka da 10Ÿ18 Atto a

1.2 Atomphysikalische Einheiten


Gröûe atomphysikalische Einheit 1.5 Zusammenhang zwischen den abgeleiteten
Kurz- Einheiten und den Basiseinheiten
zeichen
Teilchenmasse atomare u 1 min= 60 s
Masseneinheit 1 h = 60 min = 3600 s
Energie Elektronenvolt eV 1 d = 24 h = 1440 min = 86 400 s
1 Hz = 1/s
1.3 Abgeleitete Einheiten 1 N = 1 kg m/s2
kg m 1 kg
Gröûe SI-Einheit 1 Pa ˆ 1 N=m2 ˆ 1 2 ˆ1 2
s m 2 s m
Kurz-
zeichen kg m 1 kg
1 bar ˆ 105 N=m2 ˆ 105 2 ˆ 105 2
s m 2 s m
Zeit Minute min
kg m 1 kg
Stunde h 1 Pa s ˆ 1 N s=m2 ˆ 1 ˆ1
Tag d s m2 ms
Frequenz Hertz Hz kg m kg m2
1J ˆ 1 Ws ˆ 1 Nm ˆ 1 m ˆ 1
Kraft Newton N s2 s2
Druck, mechanische Pascal Pa
kg m 1 kg m2
Spannung 1 W ˆ 1 J=s ˆ 1 Nm=s ˆ 1 m ˆ 1
Bar bar s2 s s3
dynamische Viskosität Pascalsekunde Pa s J Nm
1 V ˆ 1 W=A ˆ 1 ˆ1WAˆ1
Energie, Arbeit, sA As
Wärmemenge Joule J J Nm
Leistung, Energie- 1 W ˆ 1 V=A ˆ 1 W=A2 ˆ 1 2 ˆ 1 2
sA sA
strom, Wärmestrom Watt W
elektrische Spannung, 1 S = 1/W
Potentialdifferenz Volt V 1 C =1 As
*) Bearbeiter des Abschnitts Bb: Prof. Dr.-Ing. H. Martin, Karlsruhe
VDI-Wärmeatlas
Bb 2 Einheiten 10. Auflage 2006

2 Umrechnung verschiedener Maûeinheiten Energie siehe Arbeit


B in SI-Einheiten
Enthalpie siehe Arbeit
Arbeit, Energie, Wärme
1 Nm = 1,0000 J Enthalpie, spezifische
1 Ws = 1,0000 J
1 kcal/kg = 4,1868  103 J/kg
1 dyn cm = 1,0000  10Ÿ7 J
1 Btu/lb = 2,3260  103 J/kg
1 erg = 1,0000  10Ÿ7 J
1 Chu/lb = 4,1868  103 J/kg
1 Dyn m = 1,0000 J
1 kp m = 9,8067 J
Entropie siehe Wärme, spezifische
1 kcal = 4,1868  103 J
1 kWh = 3,6000  106 J Fläche
1 PSh = 2,6478  106 J 1 in2 = 6,4516  10Ÿ4 m2
1 Btu = 1,0551  103 J 1 ft2 = 9,2903  10Ÿ2 m2
1 Chu = 1,8991  103 J 1 yd2 = 8,3613  10Ÿ1 m2
1 ftpdl = 4,2139  10Ÿ2 J 1 acre = 4,0469  103 m2
1 ftlbf = 1,3558 J 1 mile2 = 2,5900  106 m2
1 hp hr = 2,6845  106 J

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(britisch) Geschwindigkeit
1 therm = 1,0551  108 J 1 ft/hr = 8,4667  10Ÿ5 m/s
1 ft/min = 5,0800  10Ÿ3 m/s
Ausdehnungskoeffizient (volumetrisch)
1 ft/s = 3,0480  10Ÿ1 m/s
1 g/cm3 C = 1,0000  103 kg/m3 K
1 mile/hr = 4,4704  10Ÿ1 m/s
1 lb/ft3 C = 1,6018  10 kg/m3 K
1 lb/ft3 F = 2,8833  10 kg/m3 K Heizflächenbelastung siehe Wärmestromdichte

Beschleunigung
Kalorische Gröûen, volumenbezogene
1 ft/s2 = 3,0480  10Ÿ1 m/s2
1 kcal/m3 = 4,1868  103 J/m3
Dichte 1 Btu/ft3 = 3,7260  104 J/m3
1 Chu/ft3 = 6,7067  104 J/m3
1 grain/ft3 = 2,2884  10Ÿ3 kg/m3
1 therm/ft3 = 3,7260  109 J/m3
1 lb/ft3 = 1,6018  10 kg/m3
1 lb/UK gal = 9,9779  10 kg/m3
1 lb/US gal = 1,1983  102 kg/m3 Kraft
1 kp = 9,8097 N
Diffusionskoeffizient siehe Viskosität, kinematische
1 dyn = 1,0000  10Ÿ5 N
1 Dyn = 1,0000 N
Druck, mechanische Spannung
1 pdl = 1,3825  10Ÿ1 N
1 bar = 1,0000  105 Pa 1 lbf = 4,4482 N
1 at = 9,8067  104 Pa 1 ton f = 9,9640  103 N
1 kp/cm2 = 9,8067  104 Pa
1 atm = 1,0133  105 Pa
1 Torr = 1,3332  102 Pa Länge
1 mmHg (1 mm QS) = 1,3332  102 Pa 1Š = 1,0000  10Ÿ10 m
1 mm WS = 9,8067 Pa 1m = 1,0000  10Ÿ6 m
1 dyn/cm2 = 1,0000  10Ÿ1 Pa (micron)
1 pdl/ft2 = 1,4881 Pa 1 in = 2,5400  10Ÿ2 m
1 lbf/ft2 = 4,7880  10 Pa 1 ft = 12 in = 3,0480  10Ÿ1 m
1 pdl/in2 = 2,1429  102 Pa 1 yd = 3 ft = 35 in = 9,1440  10Ÿ1 m
1 in water = 2,4909  102 Pa 1 thou = 2,5400  10Ÿ5 m
1 ft water = 2,9891  103 Pa 1 mile (statute) = 1,6094  103 m
1 in Hg = 3,3866  103 Pa 1 mile (nautical) = 1,8533  103 m
(1 in mercury) 1 rod = 1 perch = 5,5 yd = 5,292 m
1 lbf/in2 (oder psi) = 6,8948  103 Pa 1 chain = 2,0117 m
1 ton f/in2 = 1,5444  107 Pa 1 furlong = 2,0117  102 m
VDI-Wärmeatlas
10. Auflage 2006
Einheiten Bb 3

Leistung, Wärmefluû Viskosität, dynamische


1 m kp/s = 9,80665 W 1 kp s/m2 = 9,80665 Pa s
B
1 kcal/h = 1,1630 W 1 kp h/m2 = 3,532  10Ÿ4 Pa s
1 erg/s = 1,0000  10Ÿ7 W 1 Poise = 1 g/cm s = 1,0000  10Ÿ1 Pa s
1 PS = 7,3548  102 W 1 lb/ft hr = 4,1338  10Ÿ4 Pa s
1 m3 atm/h = 2,8150  10 W 1 kg/ft hr = 9,1134  10Ÿ4 Pa s
1 ft lbf/min = 2,2597  10Ÿ2 W 1 lb/ft s = 1,4882 Pa s
1 ft lbf/s = 1,3558 W
1 ft pdl/s = 4,2139  10Ÿ2 W
1 Btu/hr = 2,9308  10Ÿ1 W Viskosität, kinematische
1 Chu/hr = 5,2754  10Ÿ1 W (s. a. Tabelle Maûeinheiten 2)
1 hp (britisch) = 7,4570  102 W
1 Stoke = 1 cm2/s = 1,0000  10Ÿ4 m2/s
1 ton = 3,5169  103 W
1 dm3/hr in = 1,0936  10Ÿ5 m2/s
refrigeration
1 ft2/hr = 2,5806  10Ÿ5 m2/s
1 therm/hr = 2,9308  104 W
1 ft2/s = 9,2903  10Ÿ2 m2/s
Masse
1 kp s2/m
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= 9,80665 kg Volumen
1 grain = 6,4800  10Ÿ5 kg
1 lb = 4,5359  10Ÿ1 kg 1 in3 = 1,6387  10Ÿ5 m3
1 ton (short) = 20 cwt brit. = 9,0718  102 kg 1 ft3 = 2,8317  10Ÿ2 m3
1 ton (long) = 20 cwt UK = 1,0160  103 kg 1 yd3 = 7,6455  10Ÿ1 m3
1 US gal = 3,7853  10Ÿ3 m3
Massenstrom 1 UK gal = 4,5460  10Ÿ3 m3
1 US bushel (dry) = 3,5239  10Ÿ2 m3
1 lb/hr = 1,2600  10Ÿ4 kg/s
1 UK bushel (dry) = 3,6369  10Ÿ2 m3
1 ton/day (short) = 1,0500  10Ÿ2 kg/s
1 barrel (petroleum US) = 1,5898  10Ÿ1 m3
1 ton/day (long) = 1,1760  10Ÿ2 kg/s
1 lube oil barrel = 2,0819  10Ÿ1 m3
1 ton/hr (short) = 2,5200  10Ÿ1 kg/s
1 gill = 1,1829  10Ÿ4 m3
1 ton/hr (long) = 2,8224  10Ÿ1 kg/s
1 register ton = 100 ft3 = 2,8317 m3
Massenstromdichte 1 quater = 8 UK bushels
= 32 pecks
1 lb/hr ft2 = 1,3562  10Ÿ3 kg/m2 s = 64 UK gallons
1 kg/hr ft2 = 2,9900  10Ÿ3 kg/m2 s = 256 quarts
1 lb/s ft2 = 4,8824 kg/m2 s = 512 pints = 2,9095  10Ÿ1 m3

Spannung, mechanische siehe Druck


Volumen, spezifisches
Temperatur (s. a. Tabelle Maûeinheiten 1) 1 ft3/kg = 2,8317  10Ÿ2 m3/kg
J/ C = xC: T = (xC + 273,15) K 1 ft3/lb = 6,2428  10Ÿ2 m3/kg
 
5
J/ F = xF: T ˆ …xF 32† ‡ 273; 15 K
9
(Fahrenheit) Volumenstrom
5 1 ft3/hr = 7,8658  10Ÿ6 m3/s
1 R (Rankine) ˆ K
9 3
1 ft /min = 1 cu min = 4,7195  10Ÿ4 m3/s
1 ft3/s = 1 cu sec = 2,8317  10Ÿ2 m3/s
Temperaturdifferenz 1 US gal/hr = 1,0515  10Ÿ6 m3/s
1 C =1 K 1 UK gal/hr = 1,2628  10Ÿ6 m3/s
5 1 barrel/day (petroleum US)= 1,8401  10Ÿ6 m3/s
1 F ˆ K 1 US gal/min = 6,3089  10Ÿ5 m3/s
9
5 1 UK gal/min = 7,5766  10Ÿ5 m3/s
1 R ˆ K 1 mgd = 106 UK gal/day = 5,2617  10Ÿ2 m3/s
9
VDI-Wärmeatlas
Bb 4 Einheiten 10. Auflage 2006

Wärme siehe Arbeit Beispiel


Btu
B Der Wärmeübergangskoeffizient a ˆ 200 2  ist in die Einhei-
ft hr F
ten des SI-Systems umzurechnen.
Wärmedurchgangskoeffizient
1 kcal/m2 h C = 1,1630 W/m2 K Lösung:
1 cal/m2 s C = 4,1868  104 W/m2 K a) über die Umrechnung der Basiseinheiten
1 kcal/ft2 hr C = 1,2518  10 W/m2 K 1 Btu = 1,0551  103 J
Ÿ1
1 = 1,0551  103 J/Btu
1 ft = 3,0480  10 m 1 = 3,0480  10Ÿ1 m/ft
1 Btu/ft2 hr F = 5,6785 W/m2 K
1 hr = 3600 s 1 = 3600 s/hr
1 Chu/ft2 hr C = 5,6783 W/m2 K 5 5
1 F ˆ K 1 ˆ K= F
9 9
Btu 3 J 1 ft2
Wärmefluû siehe Leistung a ˆ 200 2  1; 0551  10 2
ft hr F Btu …3; 0480  10 † m2
1

1 hr 9 F
Wärmeleitfähigkeit  ˆ
3600 s 5 K
J W
1 kcal/m h C = 1,1630 W/m K ˆ 1135; 7 2
m sK
ˆ 1135; 7 2
m K
1 cal/cm s C = 4,1868  102 W/m K
1 Btu/ft2 hr ( F/in) = 1,4423  10Ÿ1 W/m K b) aus dem angegebenen Umrechnungsfaktor
1 Btu/ft hr F = 1,7308 W/m K Btu
1 Chu/ft hr C = 1,7308 W/m K 1 ˆ 5; 6785 W=m2 K

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ft2 hr  F
W ft2 hr  F
1 ˆ 5; 6785 2
m K Btu
Wärmekapazität, spezifische
Btu W ft2 hr  F
a ˆ 200 2  5; 6785 2
1 kcal/kg C = 4,1868  103 J/kg K ft hr F m K Btu
W
1 cal/g C = 4,1868  103 J/kg K a ˆ 1135; 7 2
m K
1 Btu/lb F = 4,1868  103 J/kg K
1 Chu/lb C = 4,1868  103 J/kg K

Wärmestromdichte, Heizflächenbelastung Literatur


[1] Gesetz über Einheiten im Meûwesen. Vom 2. Juli 1969,
1 kcal/m2 h = 1,1630 W/m2 Bundesgesetzblatt 1969, Teil I, Nr. 55, S. 709.
1 kcal/ft2 hr = 1,2518  10 W/m2 [2] Ausführungsbestimmungen zum Gesetz über Einheiten im
Meûwesen. Vom 26. Juni 1970, Bundesgesetzblatt 1970,
1 cal/cm2 s = 4,1868  104 W/m2
Teil I, Nr. 62, S. 981.
1 Btu/ft2 hr = 3,1546 W/m2 [3] Haeder, W., u. E. Gärtner: Die gesetzlichen Einheiten in der
1 Chu/ft2 hr = 5,6784 W/m2 Technik. 2. Aufl. Berlin, Köln, Frankfurt: Beuth-Vertrieb
1971.
[4] Hahnemann, H. W.: Die Umstellung auf das internationale
Wärmeübergangskoeffizient Einheitensystem in Mechanik und Wärmetechnik. 2. Aufl.
siehe Wärmedurchgangskoeffizient Ingenieurwissen 4. Düsseldorf: VDI-Verlag 1964.
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10. Auflage 2006
Einheiten Bb 5

K C F R K C F R
0,00 Ÿ273,15 Ÿ459,67 0,00 1500,00 1226,85 2240,33 2700,00 B
25,00 Ÿ248,15 Ÿ414,67 45,00 1525,00 1251,85 2285,33 2745,00
50,00 Ÿ223,15 Ÿ369,67 90,00 1550,00 1276,85 2330,33 2790,00
75,00 Ÿ198,15 Ÿ324,67 135,00 1575,00 1301,85 2375,33 2835,00
100,00 Ÿ173,15 Ÿ279,67 180,00 1600,00 1326,85 2420,33 2880,00
125,00 Ÿ148,15 Ÿ234,67 225,00 1625,00 1351,85 2465,33 2925,00
150,00 Ÿ123,15 Ÿ189,67 270,00 1650,00 1376,85 2510,33 2970,00
175,00 Ÿ98,15 Ÿ144,67 315,00 1675,00 1401,85 2555,33 3015,00
200,00 Ÿ73,15 Ÿ99,67 360,00 1700,00 1426,85 2600,33 3060,00
225,00 Ÿ48,15 Ÿ54,67 405,00 1725,00 1451,85 2645,33 3105,00
250,00 Ÿ23,15 Ÿ9,67 450,00 1750,00 1476,85 2690,33 3150,00
275,00 1,85 35,33 495,00 1775,00 1501,85 2735,33 3195,00
300,00 26,85 80,33 540,00 1800,00 1526,85 2780,33 3240,00
325,00 51,85 125,33 585,00 1825,00 1551,85 2825,33 3285,00
350,00 76,85 170,33 630,00 1850,00 1576,85 2870,33 3330,00
375,00 101,85 215,33 675,00 1875,00 1601,85 2915,33 3375,00
400,00 126,85 260,33 720,00 1900,00 1626,85 2960,33 3420,00
425,00 151,85 305,33 765,00 1925,00 1651,85 3005,33 3465,00
450,00 176,85 350,33 810,00 1950,00 1676,85 3050,33 3510,00
475,00 201,85 395,33 855,00 1975,00 1701,85 3095,33 3555,00
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500,00 226,85 440,33 900,00 2000,00 1726,85 3140,33 3600,00


525,00 251,85 485,33 945,00 2025,00 1751,85 3185,33 3645,00
550,00 276,85 530,33 990,00 2050,00 1776,85 3230,33 3690,00
575,00 301,85 575,33 1035,00 2075,00 1801,85 3275,33 3735,00
600,00 326,85 620,33 1080,00 2100,00 1826,85 3320,33 3780,00
625,00 351,85 665,33 1125,00 2125,00 1851,85 3365,33 3825,00
650,00 376,85 710,33 1170,00 2150,00 1876,85 3410,33 3870,00
675,00 401,85 755,33 1215,00 2175,00 1901,85 3455,33 3915,00
700,00 426,85 800,33 1260,00 2200,00 1926,85 3500,33 3960,00
725,00 451,85 845,33 1305,00 2225,00 1951,85 3545,33 4005,00
750,00 476,85 890,33 1350,00 2250,00 1976,85 3590,33 4050,00
775,00 501,85 935,33 1395,00 2275,00 2001,85 3635,33 4095,00
800,00 526,85 980,33 1440,00 2300,00 2026,85 3680,33 4140,00
825,00 551,85 1025,33 1485,00 2325,00 2051,85 3725,33 4185,00
850,00 576,85 1070,33 1530,00 2350,00 2076,85 3770,33 4230,00
875,00 601,85 1115,33 1575,00 2375,00 2101,85 3815,33 4275,00
900,00 626,85 1160,33 1620,00 2400,00 2126,85 3860,33 4320,00
925,00 651,85 1205,33 1665,00 2425,00 2151,85 3905,33 4365,00
950,00 676,85 1250,33 1710,00 2450,00 2176,85 3950,33 4410,00
975,00 701,85 1295,33 1755,00 2475,00 2201,85 3995,33 4455,00
1000,00 726,85 1340,33 1800,00 2500,00 2226,85 4040,33 4500,00
1025,00 751,85 1385,33 1845,00 2525,00 2251,85 4085,33 4545,00
1050,00 776,85 1430,33 1890,00 2550,00 2276,85 4130,33 4590,00
1075,00 801,85 1475,33 1935,00 2575,00 2301,85 4175,33 4635,00
1100,00 826,85 1520,33 1980,00 2600,00 2326,85 4220,33 4680,00
1125,00 851,85 1565,33 2025,00 2625,00 2351,85 4265,33 4725,00
1150,00 876,85 1610,33 2070,00 2650,00 2376,85 4310,33 4770,00
1175,00 901,85 1655,33 2115,00 2675,00 2401,85 4355,33 4815,00
1200,00 926,85 1700,33 2160,00 2700,00 2426,85 4400,33 4860,00
1225,00 951,85 1745,33 2205,00 2725,00 2451,85 4445,33 4905,00
1250,00 976,85 1790,33 2250,00 2750,00 2476,85 4490,33 4950,00
1275,00 1001,85 1835,33 2295,00 2775,00 2501,85 4535,33 4995,00
1300,00 1026,85 1880,33 2340,00 2800,00 2526,85 4580,33 5040,00
1325,00 1051,85 1925,33 2385,00 2825,00 2551,85 4625,33 5085,00
1350,00 1076,85 1970,33 2430,00 2850,00 2576,85 4670,33 5130,00
1375,00 1101,85 2015,33 2475,00 2875,00 2601,85 4715,33 5175,00
1400,00 1126,85 2060,33 2520,00 2900,00 2626,85 4760,33 5220,00
1425,00 1151,85 2105,33 2565,00 2925,00 2651,85 4805,33 5265,00
1450,00 1176,85 2150,33 2610,00 2950,00 2676,85 4850,33 5310,00
1475,00 1201,85 2195,33 2655,00 2975,00 2701,85 4895,33 5355,00
3000,00 2726,85 4940,33 5400,00
3025,00 2751,85 4985,33 5445,00
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Bb 6 Einheiten 10. Auflage 2006

Tabelle: Maûeinheiten 2. Umrechnung von Engler-Graden E, Sayboldt-Sekunden S und Redwood-Sekunden R in kine-


matische Zähigkeit n in m2/s nach L. Ubbelohde1)
B
E S R 106  n E S R 106  n E S R 106  n
38 C 99 C 21 C m2/s 38 C 99 C 21 C m2/s 38 C 99 C 21 C m2/s

1,000 ± ± ± 1,00 3,46 118,9 119,7 104,2 25,0 19,74 693,0 697,9 607,4 150
1,027 ± ± ± 1,20 3,58 123,3 124,2 108,1 26,0 20,40 716,1 721,2 627,7 155
1,052 ± ± ± 1,40 3,70 127,7 128,6 111,9 27,0 21,06 739,2 744,4 647,9 160
1,075 ± ± ± 1,60 3,82 132,1 133,0 115,8 28,0 21,71 762,3 767,7 668,1 165
1,098 ± ± ± 1,80 3,94 136,5 137,5 119,7 29,0 22,37 785,4 790,9 688,4 170
1,119 32,6 32,8 30,2 2,00 4,07 140,9 141,9 123,7 30,0 23,03 808,5 814,2 708,7 175
1,140 33,3 33,6 30,7 2,20 4,19 145,3 146,3 127,5 31,0 23,69 831,6 837,4 728,9 180
1,160 34,0 34,3 31,2 2,40 4,32 149,7 150,8 131,5 32,0 24,35 854,7 860,6 749,1 185
1,179 34,7 35,0 31,7 2,60 4,44 154,2 155,3 135,4 33,0 25,00 877,8 883,8 769,3 190
1,198 35,4 35,6 32,2 2,80 4,57 158,7 159,8 139,3 34,0 25,66 900,9 907,0 789,6 195
1,217 36,0 36,2 32,7 3,00 4,70 163,2 164,3 143,3 35,0 26,3 924,0 930,5 809,8 200
1,235 36,6 36,9 33,2 3,20 4,82 167,7 168,9 147,2 36,0 27,0 947,1 953,6 830,0 205
1,253 37,3 37,5 33,7 3,40 4,95 172,2 173,4 151,2 37,0 27,6 970,2 977,0 850,3 210
1,271 37,9 38,2 34,3 3,60 5,08 176,7 177,9 155,2 38,0 28,3 993,3 1000 870,6 215
1,289 38,5 38,8 34,8 3,80 5,21 181,2 182,5 159,2 39,0 28,9 1016 1024 890,8 220
1,307 39,1 39,4 35,3 4,00 5,33 185,7 187,0 163,2 40,0 29,6 1039 1047 922,0 225
1,324 39,7 40,0 35,8 4,20 5,46 190,2 191,5 167,2 41,0 30,3 1063 1070 931,4 230
1,341 40,4 40,7 36,3 4,40 5,59 194,7 196,1 171,2 42,0 31,0 1086 1093 951,0 235

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1,359 41,0 41,3 36,8 4,60 5,72 199,2 200,6 175,2 43,0 31,6 1109 1117 971,8 240
1,376 41,7 42,0 37,4 4,80 5,85 203,8 205,2 179,2 44,0 32,3 1132 1140 992,0 245
1,393 42,3 42,6 37,9 5,00 5,98 208,4 209,9 183,2 45,0 32,9 1155 1163 1012 250
1,410 42,9 43,2 38,4 5,20 6,11 213,0 214,5 187,2 46,0 33,6 1178 1186 1033 255
1,427 43,6 43,9 38,9 5,40 6,23 217,6 219,1 191,2 47,0 34,3 1201 1210 1053 260
1,444 44,2 44,5 39,5 5,60 6,37 222,2 223,8 195,3 48,0 34,9 1224 1233 1072 265
1,461 44,9 45,2 40,0 5,80 6,50 226,8 228,4 199,2 49,0 35,5 1247 1256 1093 270
1,479 45,5 45,8 40,5 6,00 6,62 231,4 233,0 203,3 50,0 36,2 1271 1279 1114 275
1,496 46,1 46,5 41,0 6,20 6,88 240,6 242,3 211,3 52,0 36,8 1294 1303 1134 280
1,513 46,8 47,1 41,3 6,40 7,14 249,9 251,6 219,3 54,0 37,5 1317 1326 1154 285
1,530 47,4 47,8 42,1 6,60 7,41 259,0 260,8 227,4 56,0 38,2 1340 1349 1174 290
1,547 48,1 48,4 42,7 6,80 7,67 268,2 270,1 235,5 58,0 38,8 1363 1372 1194 295
1,564 48,7 49,0 43,2 7,00 7,93 277,4 279,3 243,5 60,0 39,4 1386 1396 1215 300
1,582 49,4 49,7 43,7 7,20 8,19 286,6 288,6 251,5 62,0 40,8 1432 1442 1255 310
1,599 50,0 50,4 44,3 7,40 8,45 295,8 297,9 259,6 64,0 42,1 1478 1489 1296 320
1,616 50,7 51,0 44,8 7,60 8,71 305,0 307,1 267,7 66,0 43,4 1525 1535 1336 330
1,634 51,3 51,7 45,4 7,80 8,97 314,2 316,4 275,8 68,0 44,7 1571 1582 1377 340
1,651 52,0 52,4 46,0 8,00 9,23 323,4 325,7 283,9 70,0 46,1 1617 1628 1417 350
1,669 52,7 53,1 46,6 8,20 9,50 332,6 335,0 291,9 72,0 47,4 1663 1675 1458 360
1,687 53,4 53,7 47,1 8,40 9,76 341,9 344,3 300,0 74,0 48,7 1709 1721 1498 370
1,704 54,0 54,4 47,7 8,60 10,02 351,1 353,5 307,7 76,0 50,0 1756 1768 1539 380
1,722 54,7 55,1 48,3 8,80 10,28 360,4 362,9 315,8 78,0 52,6 1848 1861 1620 400
1,740 55,4 55,8 48,9 9,00 10,54 369,6 372,2 322,9 80,0 55,3 1940 1955 1701 420
1,758 56,1 56,5 49,4 9,20 10,81 378,8 381,4 332,0 82,0 57,9 2033 2048 1781 440
1,776 56,8 57,2 50,0 9,40 11,07 388,1 390,6 340,1 84,0 60,5 2125 2141 1862 460
1,794 57,4 57,8 50,5 9,60 11,33 397,3 400,0 348,2 86,0 63,2 2218 2234 1943 480
1,813 58,1 58,5 51,2 9,80 11,59 406,6 409,3 356,3 88,0 65,8 2310 2328 2024 500
1,831 58,8 59,2 51,7 10,0 11,86 415,8 418,6 364,4 90,0 72,4 2541 2560 2227 550
1,924 62,3 62,7 54,8 11,0 12,12 425,0 427,8 372,5 92,0 78,9 2772 2792 2429 600
2,02 65,9 66,4 57,9 12,0 12,38 434,3 437,2 380,6 94,0 85,5 3003 3025 2632 650
2,12 69,6 70,1 61,1 13,0 12,64 443,5 446,4 388,7 96,0 92,1 3234 3259 2834 700
2,22 73,4 73,9 64,4 14,0 12,91 452,8 455,8 396,8 98,0 98,7 3465 3491 3037 750
2,32 77,2 77,7 67,7 15,0 13,17 462,0 465,2 404,9 100 105,3 3696 3737 3239 800
2,43 81,1 81,7 71,1 16,0 13,83 485,1 488,5 425,1 105 111,8 3927 3956 3441 850
2,53 85,1 85,7 74,6 17,0 14,48 508,2 511,7 445,4 110 118,4 4158 4189 3644 900
2,64 89,2 89,9 78,1 18,0 15,14 531,3 535,0 465,7 115 125,0 4389 4421 3846 950
2,75 93,3 94,0 81,7 19,0 15,80 554,4 558,2 485,9 120 131,6 4620 4656 4049 1000
2,87 97,5 98,2 85,4 20,0 16,45 577,5 581,6 506,1 125 144,7 5082 5120 4453 1100
2,98 101,7 102,4 89,2 21,0 17,11 600,6 604,8 526,4 130 157,9 5544 5584 4858 1200
3,10 106,0 106,7 92,9 22,0 17,77 623,7 627,8 546,7 135 171,1 6006 6050 5263 1300
3,22 110,3 111,1 96,7 23,0 18,43 646,8 651,2 566,9 140 184,2 6468 6514 5668 1400
3,34 114,6 115,4 100,4 24,0 19,08 669,9 674,3 587,1 145 197,4 6930 6992 6073 1500

1
) L. Ubbelohde: Zur Viskosimetrie, Leipzig 1943
VDI-Wärmeatlas
10. Auflage 2006
Dimensionslose Kenngröûen *) Bc 1

Die im VDI-Wärmeatlas aufgeführten Gleichungen Beispiel


werden in vielen Fällen in dimensionsloser Schreibweise
angegeben. Die dabei verwendeten dimensionslosen
Kugeln aus PVC mit der Wärmeleitfähigkeit li = 0,15 W/m K B
und dem Radius R = 2 cm sollen in einem Luftstrom gekühlt
Kenngröûen sind im folgenden zusammengestellt und werden. Der äuûere Wärmeübergangskoeffizient betrage
jeweils mit einem Zahlenbeispiel erläutert. aa = 60 W/m2 K.
Es gilt l = R = 2  10Ÿ2 m. Die Biot-Zahl beträgt
Kurzzeichen Bedeutung Definition 2
60  2  10
Bi ˆ ˆ 8,00:
Ar Archimedes-Zahl gl3Dr/(rn2) 0,15
Bi Biot-Zahl aa l/li
Fo Fourier-Zahl at/l2
Die Fourier-Zahl Fo ist als dimensionslose Kenngröûe
Fr Froude-Zahl w2/(gl)
für die Zeit bei instationären Wärmeleitungsproblemen
Ga Galilei-Zahl g l3/n2
gebräuchlich (Abschn. A und Abschn. Ec, Gl. (12)).
Gr Grashof-Zahl gbDT l3/n2
Gz Graetz-Zahl l2/(a tv) Beispiel
Hg Hagen-Zahl (Dp/DL)l3/(rv2)
Eine Stahlkugel mit der Temperaturleitfähigkeit
Ka Kapitza-Zahl gh4/(rs3) a = 7,0  10Ÿ6 m2/s und dem Radius R = 1 cm wird 1 min lang in
Le Lewis-Zahl a/d einem Wasserbad gekühlt.
Nu Nuûelt-Zahl a l/l Mit den Werten t = 1 min = 60 s und l = R = 10Ÿ2 m errechnet
Pe PeÂclet-Zahl w l/a sich die Fourier-Zahl zu
Pr Prandtl-Zahl n/a 6
7,0  10  60
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Ra Rayleigh-Zahl gbDTl3/(na) Fo ˆ 4
ˆ 4,2:
10
Re Reynolds-Zahl rwl/h
Sh Sherwood-Zahl b l/d
Sc Schmidt-Zahl n/d Die Froude-Zahl Fr, die als Verhältnis von Trägheits-
St Stanton-Zahl a/(rcpw) kraft zu Schwerkraft gedeutet werden kann, tritt bei der
We Weber-Zahl w2lr/s Beschreibung von Bewegungsvorgängen im Schwere-
feld auf, z. B. bei freien Flüssigkeitsoberflächen und bei
der Mehrphasenströmung.
Die Archimedes-Zahl Ar dient häufig zur Beschreibung Beispiel
von Partikel-, Tropfen- oder Blasenbewegungen in
Gasen und Flüssigkeiten (Abschn. Lcb und Abschn. In einem waagerechten Rohr mit dem Durchmesser di = 25 mm
ströme ein Wasser-Wasserdampf-Gemisch mit einer mittleren
Mf). Sie tritt meist zusammen mit der Reynolds-Zahl Re Geschwindigkeit der flüssigen Phase von wl = 5 m/s. Wählt man
auf. Der Ausdruck Ar/Re2 kann als Verhältnis von Ge- als charakteristische Länge l = di = 25  10Ÿ3 m, so beträgt die
wichtskraft minus Auftriebskraft zur Trägheitskraft ge- Froude-Zahl für die flüssige Phase
deutet werden: 52
Fr ˆ ˆ 102:
Ar Dr=r gl3 Dr 9,81  25  10 3
ˆ ˆ 2 2:
Re2 Fr rw l
Die Galilei-Zahl Ga läût sich durch die Kenngröûen Re
Als charakteristische Länge l wird in der Regel der und Fr ausdrücken: Ga = Re2/Fr. Sie ist auch in Ar und
Durchmesser eines Teilchens, eines Tropfens oder einer Gr enthalten:
Blase eingesetzt.
Dr
Beispiel Ar ˆ Ga ; Gr ˆ Gab D T
r
Für Quarzsand mit der mittleren Korngröûe d = 500 mm und der Beispiel
Dichte rS = 2610 kg/m3, der in Luft von p = 1 bar und
J = 300 C aufgewirbelt werden soll, findet man mit In dem Beispiel für die Archimedes-Zahl ist Ga = 0,5302 und
rg = 0,6072 kg/m3 und ng = 48,09  10Ÿ6 m2/s (Abschn. Dbb: Dr/r = 4297.
Stoffwerte von Luft) gemäû der Definition für Ar
l = 500  10Ÿ6 m, r = 0,6072 kg/m3, n = 48,09  10Ÿ6 m2/s
Die Grashof-Zahl Gr ist ähnlich wie die Archimedes-
Dr = (2610 Ÿ 0,6) kg/m3 = 2609 kg/m3;
Zahl Ar gebildet. Der Term Dr/r, der bei Ar die relative
9,81  …500  10 6 †3  2609
Ar ˆ ˆ 2278: Dichtedifferenz zwischen zwei verschiedenen Phasen,
0,6072  …48,09  10 6 †2 z. B. Feststoff ± Gas, bedeutet, ist bei der Grashof-Zahl
durch den Ausdruck
 
Die Biot-Zahl Bi kann als Verhältnis zweier hinterein- 1 ¶r
andergeschalteter Wärmeübergangswiderstände betrach- b DT ˆ DT,
r ¶T P
tet werden: (l/li)/(1/aa). Sie wird beispielsweise bei
Berechnungen benötigt, die sich auf die Erwärmung oder d. h. durch eine relative Dichtedifferenz innerhalb einer
Kühlung fester Körper in einem Flüssigkeits- oder Gas- Phase (flüssig oder gasförmig) aufgrund eines Tempera-
strom beziehen (Abschn. Ec). turunterschiedes DT ersetzt. Für ein ideales Gas gilt
*) Bearbeiter des Abschnitts Bc: Prof. Dr.-Ing. H. Martin, Karlsruhe
VDI-Wärmeatlas
Bc 2 Dimensionslose Kenngröûen 10. Auflage 2006

b = 1/T. Die Grashof-Zahl ist die wichtigste Kenngröûe Die Kapitza-Zahl Ka enthält auûer der Fallbeschleu-
zur Beschreibung des Wärmeüberganges bei freier Kon- nigung g nur Stoffgröûen, nämlich die Viskosität, die
B vektion (Abschn. A und Abschn. Fa). Dichte und die Oberflächenspannung. Sie spielt bei
Filmströmungen, wie z. B. bei der Filmkondensation,
Beispiel
eine Rolle. Der Kehrwert der Kapitza-Zahl rs3/(gh4)
Ein plattenförmiger, senkrecht angeordneter Heizkörper mit der wird gelegentlich auch als Filmkennzahl KF bezeichnet.
Höhe l = 60 cm habe bei einer Raumtemperatur von Ka läût sich auch durch die Kenngröûen We, Fr und Re
J 1 = 20 C eine Oberflächentemperatur von J0 = 60 C. ausdrücken: Ka = We3/(Fr Re4).
Wählt man als Bezugstemperatur für die Stoffwerte
Jm = (J0 + J 1 )/2 = 40 C, so erhält man aus Abschn. Dbb für Beispiel
Luft
Mit den Daten für Wasser von 20 C im Sättigungszustand aus
b40 C = 1/313,15 K = 3,1  10Ÿ3 KŸ1, Abschn. Dba ergibt sich
n40 C = 16,92  10Ÿ6 m2/s,
9,81  3,2  10 3  40  …0,6†3 9,81  …1002  10 6 †4 11
Gr ˆ ˆ 9,474  108 : Ka ˆ ˆ 2,574  10 :
…16,92  10 6 †2 998,19  …72,74  10 3 †3

Die Lewis-Zahl Le ist das Verhältnis zweier Stoffwerte,


Die Graetz-Zahl Gz ist der Kehrwert der Fourier-Zahl d. h. der Quotient aus Temperaturleitfähigkeit und Diffu-
Fo. Sie wird hauptsächlich in Berechnungen bei stationär sionskoeffizient. Bei gekoppeltem Wärme- und Stoff-
strömenden Medien verwendet, in denen die Zeit tv (z. B. transport, wie z. B. bei der Trocknung oder der Verdun-
als Verweilzeit in einem beheizten oder gekühlten Rohr-

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stungskühlung, tritt diese Kenngröûe auf. Sie läût sich
stück) in der Regel durch die Länge L und die mittlere auch durch Pr und Sc ausdrücken: Le = Sc/Pr.
Strömungsgeschwindigkeit w ausgedrückt wird
(Abschn. A). Die charakteristische Länge l ist in diesem Beispiel
Fall der Kanaldurchmesser d: Für die Verdunstung von Wasser in (trockene) Luft bei p = 1 bar
d2 wd 2 wd n d d d und T = 273,15 K gilt mit dWasser-Luft =
Gz ˆ ˆ ˆ ˆ Ped ˆ Red Pr : 22,6  10Ÿ6 m2/s und a = 19,1  10Ÿ6 m2/s
a tv aL n aL L L
19,1
Le ˆ ˆ 0,845:
Beispiel 22,6

Ein Rohr mit dem Innendurchmesser di = 18 mm sei von Wasser


mit einer mittleren Temperatur von 30 C mit der Strömungs- Die Nuûelt-Zahl Nu ist ein dimensionsloser Wärme-
geschwindigkeit von w = 1,5 m/s durchströmt und auf einer Län-
übergangskoeffizient. Bildet man bei stationärer Wärme-
ge von L = 3,0 m beheizt. Mit a30 C = 0,148  10Ÿ6 m2/s, tv = L/
w = 2 s und l = di = 18  10Ÿ3 m erhält man leitung durch eine ruhende Schicht mit der Dicke l und
der Wärmeleitfähigkeit l mit a = q/DT_ die Nuûelt-Zahl
…18  10 3 †2
Gz ˆ ˆ 1095: al/l, so ist deren Zahlenwert definitionsgemäû gleich
0,148  10 6  2
eins. Als charakteristische Länge l wird z. B. der Durch-
messer eines durchströmten Kanals (Abschn. Ga), die
Länge einer püberströmten
 Platte (Abschn. Gd), aber auch
Die Hagen-Zahl Hg ist eine Kennzahl, die den Druck- die Gröûe 3 n 2 =g, die die Dimension einer Länge hat
gradienten (Dp/DL) als Antrieb einer erzwungenen Strö- (Abschn. A und Abschn. Ja), verwendet. In jedem Ein-
mung enthält (s. dazu Abschn. 2.4.3). Ersetzt man diesen zelfall sind die Definition von a, die Wahl der charakte-
Antrieb durch den statischen Druckgradienten g Dr oder ristischen Länge l und die Bezugstemperatur für die
g r b DT im Schwerefeld, so geht diese Kennzahl in die Stoffwerte anzugeben.
Archimedes-Zahl Ar bzw. in die Grashof-Zahl Gr für die
freie Auftriebsströmung über. Das Hagen-Poiseuille- Beispiel
Gesetz der voll ausgebildeten laminaren Rohrströmung Für einen quer von Luft überströmten Zylinder mit dem Auûen-
(Re  2300) schreibt sich mit dieser Kennzahl in der durchmesser d = 25 mm sei nach Abschn. Gf die Nuûelt-Zahl
Form Hg=32 Re, wenn man den Rohrinnendurchmesser Nul = 126,3 ermittelt. Die Bezugstemperatur sei Jm = 100 C,
als charakteristische Länge l verwendet. d. h. l = 31,81  10Ÿ3 W/m K. Die charakteristische Länge für
quer angeströmte (lange) Zylinder ist nach Abschn. Gf l = (p/2)
Beispiel d = 39,27  10Ÿ3 m. Somit erhält man den Wärmeübergangs-
koeffizienten
An einer Rohrleitung des Innendurchmessers d ˆ 0,022 m wird
über die Länge DL ˆ 10 m ein Druckverlust von Dp ˆ 103 Pa l 31,81
a ˆ Nul ˆ  126,3 W=m2 K ˆ 102,3 W=m2 K:
gemessen. Wasser bei 20 C flieût hindurch: r ˆ 998,21 kg/m3, l 39,27
n ˆ 1,004  10 6 m2/s. Wählt man als charakteristische Länge l
den Rohrinnendurchmesser d, so erhält man als Hagen-Zahl
103 0,0223 Die PeÂclet-Zahl Pe kann nach Erweitern mit der
Hg ˆ  ˆ 1 058 227: kinematischen Viskosität n als Produkt von Re und Pr
10 998,21  …1,004  10 6 †2
Man kann also eine voll turbulente Rohrströmung erwarten, denn
geschrieben werden: Pe = Re Pr. Sie wird für die Lösung
die kritische Hagen-Zahl für den Umschlag von der laminaren in von Problemen bei der Wärmeübertragung durch
die turbulente Rohrströmung ist Hgcrit=73 600 (Hg=32 ´ Re, erzwungene Konvektion benötigt (s. a. die Kenn-
entsprechend einer kritischen Reynolds-Zahl von Recrit=2300). gröûen Gz, Re und Pr).
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10. Auflage 2006
Dimensionslose Kenngröûen Bc 3

Beispiel Die Sherwood-Zahl Sh ist ± wie in entsprechender Wei-


se die Nuûelt-Zahl ± als dimensionsloser Stoffübergangs-
Bei einer Reynolds-Zahl Re = 1400 hat die PeÂclet-Zahl für Luft
koeffizient gebildet. Im älteren Schrifttum wird sie auch B
bei 0 C (Pr = 0,7) den Wert Pe = 1400  0,7 = 980; für Wasser
bei 0 C (Pr = 13,0) ergibt sich Pe = 1400  13,0 = 18 200. als Nuûeltsche Kennzahl zweiter Art mit Nu0 bezeichnet.
Die Gleichungen in der Form Nu = Nu (Re, Pr, . . .) zur
Berechnung des Wärmeübergangskoeffizienten a lassen
Die Prandtl-Zahl Pr ist wie die Kenngröûen Le und Sc sich auch zur Berechnung des Stoffübergangskoeffizien-
ein Stoffwert-Verhältnis; mit n = h/r und a = l/(rcp) ten b verwenden, wenn man Nu durch Sh und Pr durch
läût sie sich auch in der Form Pr = hcp/l schreiben. Sc ersetzt (Analogie zwischen Wärme- und Stofftrans-
Beispiel port).

Flüssiges Benzol bei 50 C hat die Stoffwerte Beispiel


h = 43,6  10Ÿ5 Pa s, cp = 1,821  103 J/kg K und Der Diffusionskoeffizient von Wasserdampf in Luft bei 1 bar
l = 0,134 W/m K. Man ermittelt Pr = 5,93. und 25 C beträgt d = 26,5  10Ÿ6 m2/s. Mit n =15,6  10Ÿ6 m2/s
erhält man Sc = 0,589. Setzt man diesen Wert an Stelle von Pr
Das Produkt Gr Pr wird auch als Rayleigh-Zahl Ra z. B. in Gl. (5) von Abschn. Gd mit Rel = 104 ein, so erhält man
bezeichnet. (an Stelle von Nu) den Wert Shl = 73,8. Dieser kann auch aus
dem Diagramm Bild 3 in Abschn. Gd abgelesen werden. Den
Die Reynolds-Zahl Re kann als Verhältnis der Träg- Stoffübergangskoeffizienten b ermittelt man daraus mit
heitskraft zur Reibungskraft angesehen werden. Für die l = 10 cm (die Strömungsgeschwindigkeit der Luft müûte dann
w = 1,56 m/s betragen, damit Rel = 104 wird) zu
Frage, ob eine Strömung stabil laminar bleibt, oder ob
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sich eine turbulente Strömung einstellen kann, ist der d 26,5  10 6 m mm


b ˆ Sh ˆ  73,8 ˆ 19,6 :
Zahlenwert der Reynolds-Zahl das entscheidende Krite- l 10  10 2 s s
rium: Bei der Strömung eines Gases oder einer Flüssig-
keit durch ein Kreisrohr ist die kritische Reynolds-Zahl Die Schmidt-Zahl Sc steht in Analogie zur Prandtl-
Rekr = 2300. Für Re < Rekr bleibt die Strömung laminar, Zahl Pr; im älteren Schrifttum wird sie auch als Prandtl-
für Re > Rekr kann sie turbulent werden. Die charakteri- sche Kennzahl zweiter Art mit Pr0 bezeichnet. Zur weite-
stische Länge l ist in diesem Fall gleich dem Rohr- ren Erläuterung dient das Beispiel zur Sherwood-
innendurchmesser (Abschn. Ga). Bei der Strömung über Zahl Sh. Es gilt auch der Zusammenhang Sc = Le Pr.
eine ebene Platte (Abschn. Gd) ist die charakteristische
Länge l die von der Vorderkante an gemessene Länge x Der Quotient Nu/Pe = a/(rcpw) wird auch als Stanton-
in Strömungsrichtung. Die so gebildete kritische Rey- Zahl St bezeichnet.
nolds-Zahl Rex,krit beträgt etwa 5  105. Bei Filmströ-
mungen hängt die Stabilität nicht nur von Re ab, sondern
auch von einer Kenngröûe, die die Oberflächenspannung Die Weber-Zahl We enthält wie die Kapitza-Zahl Ka
enthält, wie z. B. Ka oder We. die Oberflächenspannung s. Sie spielt demnach eine
Rolle z. B. bei Strömungsvorgängen mit freien Oberflä-
Beispiel chen, bei der Tropfenbildung und beim Zerstäuben von
Ein Massenstrom Wasser von M _ = 8000 kg/h flieûe durch eine Flüssigkeiten; sie läût sich auch durch die Kenngröûen
Rohrleitung mit dem Innendurchmesser di = 52 mm. Die Was- Ka, Fr und Re ausdrücken: We = (Ka Fr Re4)1/3.
sertemperatur sei 10 C, d. h. r = 999,8 kg/m3:
Beispiel
_
M 8000=3600 m m
wˆ ˆ ˆ 1,047 ; Ein Wassertropfen von d = 5 mm Durchmesser fällt in ruhender
p 2 p 2 s s Luft (20 C, 1 bar) mit einer Geschwindigkeit von w = 11 m/s.
r d 999,8 …52  10 3 †
4 4 Bildet man die Weber-Zahl mit rg = 1,188 kg/m3 und der cha-
l = di = 52  10Ÿ3 m; rakteristischen Länge l = d = 5  10Ÿ3 m, so erhält man mit
n = 1,300  10Ÿ6 m2/s, s20 C = 72,78  10Ÿ3 N/m
Re = 41 900.
112  5  10 3  1,188
We ˆ ˆ 9,88:
72,78  10 3
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Berechnung von Wärmeübertragern *) Ca 1

Gliederung

1 Bezeichnungen, Definitionen und grundlegende 3.6 Spiralwärmeübertrager . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ca 11


Gleichungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ca 1 3.7 Doppelrohrapparat als Einbauwärme-
übertrager . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ca 12
2 Berechnungskonzepte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ca 2 4 Systeme von Wärmeübertragern . . . . . . . . . . . . Ca 12 C
2.1 Zellenmethode . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ca 2 4.1 Gekoppelte Wärmeübertrager . . . . . . . . . . . . Ca 12
2.2 Konzept der mittleren Temperaturdifferenz . Ca 4 4.2 Koppelung zweier Wärmeübertrager
2.3 Erläuterung der Diagramme. . . . . . . . . . . . . . . Ca 4 durch einen umlaufenden Wärmeträger-
2.4 Näherungsgleichung zur einheitlichen strom . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ca 14
Berechnung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ca 5 4.3 Phasenänderung mit Überhitzung
und Unterkühlung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ca 15
3 Berechnungsunterlagen für gebräuchliche 5 Anwendungsbeispiele . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ca 15
Stromführungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ca 6 5.1 Nachrechnen vorhandener Wärme-
3.1 Rührkessel. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ca6 übertrager . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ca 15
3.2 Gegenstrom und Gleichstrom . . . . . . . . . . . . . Ca 7 5.2 Entwerfen oder Bemessen von Wärme-
3.3 Rohrbündelwärmeübertrager . . . . . . . . . . . . . . Ca 7 übertragern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ca 17
3.4 Kreuzstromwärmeübertrager . . . . . . . . . . . . . . Ca 9
3.5 Plattenwärmeübertrager . . . . . . . . . . . . . . . . . Ca 11 6 Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ca 34
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1 Bezeichnungen, Definitionen tragenen Wärmestrom


und grundlegende Gleichungen „
Q_ ˆ q_ d A: …2†
Bei der Berechnung von Wärmeübertragern gibt es sehr A
unterschiedliche Aufgaben, die von der thermischen Führt man einen mittleren Wärmedurchgangskoeffizien-
Nachrechnung oder Bemessung über die Festigkeits- und ten k und eine mittlere Temperaturdifferenz DJm ein,
Kostenrechnung bis hin zur Optimierung von Wärme- dann kann man an Stelle von Gl. (2) und (1) auch schrei-
übertragern und Systemen reichen. Im folgenden bezieht ben
sich der Begriff Berechnung nur auf die thermische Be-
rechnung, und es werden nur stationär betriebene Wär- _
Q=k A DJm . (3)
meübertrager mit festen Trennwänden zwischen zwei
Fluiden beschrieben [1]. Einer der beiden Mittelwerte muû gesondert definiert
werden. Es wird festgelegt
Bild 1 zeigt das Schema eines Wärmeübertragers mit
den wichtigsten Bezeichnungen beider Stoffströme. 1 „
DJm ˆ …J1 J2 †d A, …4†
AA

wobei (J1 Ÿ J2)* eine hypothetische örtliche Tempera-


turdifferenz ist, die sich bei konstanten Wärmekapazitä-
ten und einem konstanten Mittelwert k einstellen würde.
Dieser Mittelwert k ist dann durch Gl. (3) definiert, seine
Bild 1. Schematische Darstellung eines Wärmeübertragers
Berechnung wird in Abschn. Cb behandelt. In dem Son-
_ 1, M
M _ 2 Massenstrom derfall, daû der örtliche Wärmedurchgangskoeffizient
_
W 1 , W_ 2 Wärmekapazitätsstrom kloc und beide Wärmekapazitäten über der Übertragungs-
h1 , h2 spezifische Enthalphie fläche konstant sind, gilt k=kloc .
J1 , J2 Temperatur
Die mittlere Temperaturdifferenz DJm wird wie der
Wärmestrom Q_ positiv gerechnet, wenn die Wärme von
Die örtliche Wärmestromdichte q_ an der Übertragungs- Fluid 1 auf Fluid 2 übertragen wird (J01 > J02 ). Sie hängt
fläche kann durch die örtliche Temperaturdifferenz von der Stromführung im Apparat und vom Grad der
(J1 Ÿ J2) zwischen beiden Fluiden und den örtlichen Vermischung innerhalb beider Stoffströme ab. Ihre
Wärmedurchgangskoeffizienten kloc ausgedrückt wer- (implizite oder explizite) Berechnung liefert bei den ein-
den: fachen Berechnungsverfahren den übertragenen Wärme-
strom bei vorgegebener Fläche bzw. die erforderliche
_
q=k loc (J1 Ÿ J2). (1) Fläche bei vorgegebenem Wärmestrom.
Durch Integration der örtlichen Wärmestromdichte über Mit Hilfe der Energiebilanzgleichungen für die beiden
der Übertragungsfläche erhält man den insgesamt über- Fluide im Wärmeübertrager läût sich der übertragene

*) Bearbeiter des Abschnitts Ca: Prof. Dr.-Ing. W. Roetzel und Dr.-Ing. B. Spang, Hamburg
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Ca 2 Berechnung von Wärmeübertragern 10. Auflage 2006

Wärmestrom im stationären Zustand auch durch die kA


Enthalpieänderungen beider Stoffströme ausdrücken: NTU2 ˆ , …12†
W_2
wobei 0  NTUi  1 (i=1, 2).
Q_ ˆ M
_ 1 …h01 _ 2 …h02
h001 † ˆ M h002 †: …5†
d) Wärmekapazitätsstromverhältnisse
In Gl. (5) sind Wärmeströme an die Umgebung, kine-
C tische und potentielle Energien sowie von auûen zuge- _1
W
R1 ˆ …13†
führte Leistungen (z. B. Dissipation von Rührleistung) _2
W
vernachlässigt. Gl. (5) gilt für Temperaturänderungen in _2 1
W
einphasigen Systemen und für Phasenänderungen oder R2 ˆ ˆ , …14†
chemische Reaktionen. Bei einphasigen Systemen kann _ 1 R1
W
man den Wärmekapazitätsstrom W_ einführen, um die wobei 0  Ri  1 (i=1, 2).
Enthalpieänderung durch eine Temperaturänderung aus-
zudrücken: Aus Gl. (7) ergeben sich die folgenden Zusammenhänge
zwischen den dimensionslosen Kennzahlen:
0 00
_ i ˆ Mi …h
W i hi † _
ˆ Mi cpm, i , …i ˆ 1, 2†: …6† P1 NTU1 1
J0i J00i ˆ ˆ ˆ R2 …15†
P2 NTU2 R1

Ist die Enthalpie unabhängig vom Druck (wie z. B. beim P1 P2


qˆ ˆ : …16†
idealen Gas) oder ist der Druckabfall in Strömungsrich- NTU1 NTU2

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tung vernachlässigbar (isobare Zustandsänderung), dann
ist cpm, i die zwischen der Ein- und Austrittstemperatur
gemittelte, isobare spezifische Wärmekapazität. Bei
Phasenänderung von Einstoffsystemen (und konstantem
2 Berechnungskonzepte
Druck) wird der Wärmekapazitätsstrom unendlich.
Gl. (3) und (5) gehen mit Gl. (6) über in Für die Berechnung von Wärmeübertragern gibt es eine
Reihe von Berechnungsmethoden, die sich durch das
Q_ ˆ k A D Jm ˆ W
_ 1 …J01 _ 2 …J002
J001 † ˆ W J02 †: …7† Anwendungsgebiet sowie durch den Rechenaufwand
und die Genauigkeit unterscheiden. Am genauesten, aber
Dividiert man Gl. (7) durch die betragsmäûig gröûte im auch am aufwendigsten sind Differenzenverfahren oder
Wärmeübertrager auftretende Temperaturdifferenz schrittweise Rechnungen. Dabei kann neben dem Tem-
(J01 J02 ) und durch den Wärmekapazitätsstrom W_ 1 peraturfeld auch das Strömungsfeld zunächst unbekannt
bzw. W_ 2 , so erhält man die folgenden dimensionslosen sein. In diesem Fall müssen neben der Energiegleichung
Kennzahlen, die für die Berechnung von Wärmeübertra- auch die Kontinuitätsgleichung und die Impulsgleichun-
gern geeignet sind: gen numerisch gelöst werden. Die Ergebnisse hängen in
starkem Maûe von der Güte von Ansätzen und Modellen
a) Dimensionslose mittlere Temperaturdifferenz ab, die für die Rechnung verwendet werden (Turbulenz-
modelle, Ansätze für Strömungswiderstände von Ein-
D Jm bauten usw.). In Anbetracht des hohen Aufwandes und
qˆ , …8† der dennoch vorhandenen Unsicherheit ist die Anwen-
J01 J02
dung solcher Verfahren für die Berechnung von Wärme-
übertragern gegenwärtig nur in Ausnahmefällen gerecht-
wobei 0  q  1.
fertigt. Sie werden deshalb hier nicht behandelt. Einfa-
cher zu handhaben ist dagegen die Zellenmethode, wie
b) Dimensionslose Temperaturänderungen der Stoff-
sie von Gaddis und Schlünder [2; 3] zur Berechnung von
ströme 1 und 2
Rohrbündelwärmeübertragern mit Umlenkblechen ent-
wickelt wurde.
J01 J001
P1 ˆ …9†
J01 J02

2.1 Zellenmethode
J00 J02
P2 ˆ 20 , …10† Bei der Zellenmethode wird die Austauschfläche in Teil-
J1 J02
bereiche unterteilt, die nacheinander in gleicher oder un-
terschiedlicher Reihenfolge von beiden Fluidströmen
wobei 0  Pi  1 (i=1, 2).
oder Anteilen davon überströmt werden. Jede Teilfläche
c) Anzahl der Übertragungseinheiten (Number of wird als Fläche eines Einzelapparates aufgefaût mit indi-
Transfer Units) der Stoffströme 1 und 2 viduellen Ein- und Austrittstemperaturen beider Fluide.
Jedem Einzelapparat wird eine möglichst realistische in-
dividuelle Stromführung zugeordnet. Auf diese Weise
kA
NTU1 ˆ …11† entsteht an Stelle des Gesamtapparates ein System aus
W_1
zusammengeschalteten Einzelapparaten.
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Berechnung von Wärmeübertragern Ca 3

Mit den für die jeweilige Stromführung gültigen Glei- Führt man dimensionslose Temperaturen für die Stoff-
chungen (Abschn. 3) können aus gegebenen Eintritts- ströme entsprechend
temperaturen jedes Einzelapparates (Zelle) die Austritts-
temperaturen berechnet werden, wenn der Wert von J1 J02 J2 J02
T1 ˆ und T2 ˆ 0 …18†
(k  A) der Zelle bekannt ist. J01 J02 J1 J02

Werden mit beiden Stoffströmen nacheinander (oder ein, dann gilt für die Zelle j (Bild 3)
C
parallel) alle Zellen durchlaufen, so lassen sich für jede …1 P1 † T100p T100j ‡ P1 T200q ˆ 0 …19†
Zelle zwei Gleichungen für den Zusammenhang zwi-
schen den Ein- und Austrittstemperaturen beider Stoff- und
ströme aufstellen.
P2 T100p T200j ‡ …1 P2 † T200q ˆ 0: …20†
Beginnend mit den beiden bekannten Eintrittstemperatu-
ren in die jeweils erste Zelle erhält man somit bei n Zel-
len für beide Stoffströme insgesamt 2 n Gleichungen für
2 n unbekannte Austrittstemperaturen. Durch Lösung des
Gleichungssystems erhält man alle Zwischentemperatu-
ren und die Austrittstemperaturen beider Fluide aus dem
Gleichungssystem.
Mit den Zwischentemperaturen lassen sich auch indivi-
duelle Stoffwerte und damit Wärmedurchgangskoeffi-
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zienten für jede Zelle ermitteln. Das Zellenmodell kann


auf diese Weise verfeinert werden. Auch unterschied-
liche Berechnungsgleichungen für die Wärmeüber-
gangskoeffizienten sowie unterschiedliche Übertra-
gungsflächen und Stromführungen in den einzelnen
Zellen sind denkbar.
Bild 3. Zelle j des Wärmeübertragers
Zur Veranschaulichung der Zellenmethode soll als
Beispiel ein Rohrbündelwärmeübertrager mit n inneren
und einem äuûeren Durchgang sowie mit z mantel-
seitigen Umlenkblechen behandelt werden. In Bild 2 ist
ein solcher Apparat mit n=2 und z=2 zusammen mit Wenn die Gesamtstromführung festliegt, sind der Zelle j
dem Zellenmodell dargestellt. Vereinfachend werden jeweils eindeutig die Nachbarzellen p und q zuzuordnen.
jetzt gleiche Zellen mit gleichen NTU-Werten angenom- Ist die Zelle j die Eintrittszelle des Stoffstromes 1 oder 2
men. in den Gesamtapparat, dann ist
T100p ˆ 1 bzw: T200q ˆ 0 …21†
zu setzen.
Schreibt man die Gl. (19) und (20) für alle n (z+1)
Zellen, so erhält man ein lineares Gleichungssystem für
die 2 n (z+1) unbekannten Zellenaustrittstemperaturen,
das mit bekannten Methoden gelöst werden kann. Tritt
Bild 2. Rohrbündelwärmeübertrager mit einem äuûeren und zwei der Stoffstrom 1 in der Zelle m aus dem Gesamtapparat
inneren Durchgängen sowie zwei mantelseitigen Umlenkblechen, aus, dann erhält man die dimensionslose Temperatur-
Längsschnitt und Zellenmodell änderung
P1 ges ˆ 1 T100m : …22†
Die Zellenmethode ist zu empfehlen zur Berechnung
von Stromführungen, für die keine der im folgenden be-
Die Zahlen der Übertragungseinheiten des gesamten Ap-
handelten analytischen Lösungen existiert, oder für die
parates seien NTU1 ges und NTU2 ges=R1 NTU1 ges . Für
Untersuchung des Einflusses von Effekten, die bei der
die einzelne Zelle gilt:
analytischen Lösung nicht berücksichtigt werden können
(z. B. kleine Zahl von Umlenkblechen bei Rohrbündel-
NTU1 ges NTU2 ges
NTU1 ˆ und NTU2 ˆ : …17† wärmeübertragern, Abschn. 3.3). Es ist zu beachten, daû
n…z ‡ 1† n…z ‡ 1† auch bei Unterteilung in viele Zellen (wobei die Wahl
der individuellen Stromführung keinen groûen Einfluû
Die individuelle Stromführung der Zelle (z. B. Kreuz- hat) das Ergebnis nicht genauer ist als die verwendeten
strom mit quervermischtem Mantelstrom und nicht ver- Wärmedurchgangskoeffizienten. Die Anwendung der
mischtem Rohrstrom, Abschn. 3) liefert dann mit NTU1 Zellenmethode zum Nachrechnen eines vorhandenen
und R1=NTU2/NTU1 die dimensionslosen Temperatur- Wärmeübertragers wird anhand eines Beispiels in
änderungen P1 und P2 der Zelle. Abschn. 5.1 erläutert.
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Ca 4 Berechnung von Wärmeübertragern 10. Auflage 2006

2.2 Konzept der mittleren Temperaturdifferenz gangskoeffizient konstant ist. Diese Voraussetzung ist
nicht notwendig für die Berechnung von Austritts-
Es ist meist ausreichend, mit einfachen Berechnungsver- temperaturen, wenn man den nach Gl. (3) definierten
fahren zu arbeiten, die das Konzept der mittleren Tempe- mittleren Wärmedurchgangskoeffizienten verwendet
raturdifferenz für den Gesamtapparat verwenden. Hier- (Abschn. Cb).
bei kommen Diagramme und Gleichungen zur Anwen-
In Abschn. 3 sind Gleichungen für gebräuchliche Strom-
C dung, die eine einfache und genügend genaue Berech-
führungen angegeben. Dabei ist die dimensionslose
nung erlauben.
Temperaturänderung P1 als Funktion von NTU1 und R1
Diese Gleichungen werden durch Integration der ört- ausgedrückt. In dieser Form lassen sich die Gleichungen
lichen Energiebilanzgleichungen für eine bestimmte unmittelbar zum Nachrechnen vorhandener Wärmeüber-
Stromführung unter Verwendung des Ansatzes nach trager anwenden. Nur in wenigen Fällen kann man diese
Gl. (1) bis (4) hergeleitet. Die Stromführung wird hier- Gleichungen nach NTU1 auflösen. Für die Auslegung
bei durch idealisierende Annahmen hinsichtlich der von Wärmeübertragern muû daher in der Regel die Glei-
Strömungsrichtungen und des Grades der Längs- und chung P1=f (NTU1 , R1) iterativ gelöst werden. Bei sym-
Quervermischung gekennzeichnet. Die idealisierte metrischen Stromführungen darf man den Index 1 bei P,
Stromführung kann erheblich von der tatsächlichen NTU und R durch den Index 2 ersetzen. In den Gleichun-
Stromführung abweichen, wie z. B. bei Rohrbündel- gen für diese Stromführungen steht bei den
wärmeübertragern mit Umlenkblechen (Abschn. 3.3). dimensionslosen Kenngröûen der Index i, wobei i=1
Dennoch sind die für die idealisierten Stromführungen oder 2 einzusetzen ist.
hergeleiteten Gleichungen zur thermischen Berechnung In Abschn. 3 sind auûerdem Diagramme für 31 Strom-

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in der Regel ausreichend genau. Nur bei extremen führungen angegeben. Diese Diagramme wurden über-
Bedingungen, z. B. bei groûen NTU-Werten (NTU wiegend mit den in den Tabellen angegebenen Gleichun-
siehe Abschn. A 3.4) oder geringer Anzahl von Umlenk- gen berechnet. Nur für einige wenige Stromführungen,
blechen, empfiehlt sich eine genauere Berechnung nach für die keine geschlossenen Gleichungen bekannt sind,
der Zellenmethode (Abschn. 2.1) oder mit Hilfe des wurden analytische oder numerische Methoden verwen-
axialen Dispersionsmodells, bei dem Abweichungen von det und hierbei die gleichen, zuvor erläuterten Annah-
der idealisierten Stromführung durch eine scheinbare men getroffen.
Wärmeleitung in Längsrichtung beschrieben werden
[4; 5].
Neben den idealisierenden Annahmen über die jeweilige
Stromführung werden die folgenden vereinfachenden 2.3 Erläuterung der Diagramme
Annahmen getroffen: Die Anwendung der Diagramme soll an Hand von Bild 4
± Der Wärmeübertrager wird im stationären Zustand erläutert werden [6]. Auf den Koordinatenachsen sind
betrieben. die dimensionslosen Temperaturänderungen P1 und P2
der durch die Skizze geometrisch definierten Stoff-
± Die Enthalpie der Stoffströme ändert sich nur auf- ströme 1 und 2 aufgetragen. Bei symmetrischen Strom-
grund des übertragenen Wärmestroms (keine ¹Wär- führungen, deren Diagramme zur Achse P1=P2 symme-
meverlusteª an die Umgebung). Kinetische und po- trisch sind, können P1 und P2 vertauscht werden; dies
tentielle Energien werden vernachlässigt. wird durch die Indizes 1, 2 bzw. 2, 1 ausgedrückt. Es gilt
jeweils der erste bzw. der zweite Index.
± Falls keine Phasenänderung auftritt, sind die spezifi-
schen Wärmekapazitäten (und damit die Wärmekapa-
zitätsströme) konstant. Zur Berücksichtigung tempe-
raturabhängiger Wärmekapazitäten siehe Abschn. Cb
6.2.
± Falls Phasenänderung auftritt, so bleibt dabei entwe-
der die Temperatur konstant (Reinstoffe unter kon-
stantem Druck, unendlich groûer Wärmekapazitäts-
strom) oder der Zusammenhang zwischen Enthalpie
und Temperatur ist linear (konstanter, endlicher Wär-
mekapazitätsstrom). Zur Berechnung von Wärme-
übertragern, in denen neben der Phasenänderung auch
Überhitzung oder Unterkühlung stattfindet, siehe
Abschn. 4.3.
Bild 4. Schematische Darstellung des Diagramms
± Wärmeleitung und Vermischung in Strömungsrich-
tung werden vernachlässigt (Ausnahme: Rührkessel,
Abschn. 3.1.)
Auf dem Randmaûstab oben ist das Wärmekapazitäts-
Zur Berechnung von Temperaturfeldern im Apparat muû stromverhältnis R1 (0  R1  1) und auf dem Randmaû-
man auûerdem voraussetzen, daû der Wärmedurch- stab rechts das Wärmekapazitätsstromverhältnis
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Berechnung von Wärmeübertragern Ca 5

R2=1/R1 (0  R2  1) aufgetragen. Die Verbindungs- fällt bei allen anderen Stromführungen mit der Kurve
gerade vom Randmaûstab zum Koordinatenursprung ist F=0 zusammen.
der geometrische Ort des am Randmaûstab angegebenen
Wärmekapazitätsstromverhältnisses.
2.4 Näherungsgleichung zur einheitlichen
In das Diagramm sind zwei verschiedene Kurvenscharen Berechnung
eingezeichnet. Die durchgezogenen Kurven gelten ober- C
halb der Diagonalen für NTU1=const, unterhalb für Für Stromführungen, bei denen keine Längsvermischung
NTU2=const. Wegen Gl. (15) treffen sich Kurven mit auftritt, kann auch folgende Näherungsgleichung zur
NTU1=NTU2 auf der Diagonalen. Nur die Grenzkurve schnellen und einheitlichen Berechnung des Korrektur-
NTU=1 für unendlich groûe Wärmeübertragungsflä- faktors F für die logarithmische mittlere Temperaturdif-
chen hat dabei keinen Knick. Bei einigen Stromführun- ferenz verwendet werden [7]:
gen (z. B. beidseitig quervermischter Kreuzstrom, 1
Bild 32) wird die maximale thermische Leistung nicht Fˆ b c
, …24†
…1 ‡ a Rdb
1 NTU1 †
bei unendlich groûer Wärmeübertragungsfläche
(NTU=1) erreicht, sondern schon bei endlichen Wer- wobei a, b, c und d anpaûbare Parameter sind, die für
ten. In diesen Fällen ist zusätzlich die Ortskurve dieser eine groûe Zahl von Stromführungen durch Ausgleichs-
maximal möglichen dimensionslosen Temperaturände- rechnung bestimmt wurden [7]. Für gebräuchliche sym-
rungen eingezeichnet und mit Pmax gekennzeichnet. metrische Stromführungen, bei denen immer d=0,5 ist,
Betriebspunkte oberhalb der Grenzkurve NTU=1 bzw. sind in Tabelle 1 die Werte der Konstanten a, b und c an-
der Kurve Pmax sind nicht möglich. Bei einigen Strom- gegeben. Die Werte von a, b, c und d für gebräuchliche
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führungen (z. B. reiner Gegenstrom, Bild 17) fällt die asymmetrische Stromführungen findet man in Tabelle 2
Grenzkurve NTU=1 mit dem rechten und oberen Rand (zur Bezeichnung der Stromführungen und zur Zuord-
(P1=1, P2=1) zusammen. nung der Ströme 1 und 2 bei asymmetrischen Stromfüh-
rungen s. Abschn. 3). Die in den Tabellen angegebenen
Als zweite Kurvenschar sind in die Diagramme Kurven Werte gelten für F>0,25 und den gesamten Bereich des
mit konstanten Werten des Korrekturfaktors F für die Wärmekapazitätsstromverhältnisses 0  R1<1, Werte
logarithmische mittlere Temperaturdifferenz gestrichelt
eingezeichnet. Der Faktor F ist definiert durch
Tabelle 1. Werte der Konstanten a, b und c der Nähe-
q NTUiG rungsgl. (24) für symmetrische Stromführungen
Fˆ ˆ …i ˆ 1, 2†, …23†
qG NTUi Stromführung a b c
reiner Gleichstrom 0,671 2,11 0,534
wobei qG und NTUiG die dimensionslose mittlere Tem-
peraturdifferenz bzw. die Anzahl der Übertragungsein- Rohrbündelwärmeübertrager mit 0,317 2,09 0,543
einem äuûeren und zwei inneren
heiten des reinen Gegenstromwärmeübertragers ist, der Durchgängen, e=1/2
die gleichen dimensionslosen Temperaturänderungen P1
reiner Kreuzstrom 0,433 1,60 0,267
und P2 erreicht wie die untersuchte Stromführung mit q
und NTUi . Für reinen Gegenstrom gilt F=1 im gesam- beidseitig quervermischter 0,251 2,06 0,677
Kreuzstrom
ten Bereich des Diagramms. Die Grenzkurve NTU=1

Tabelle 2. Werte der Konstanten a, b, c und d der Näherungsgl. (24) für asymmetrische Stromführungen
Stromführung a b c d
Rohrbündelwärmeübertrager mit einem äuûeren und vier inneren Durchgängen 0,274 2,08 0,624 0,508
Rohrbündelwärmeübertrager mit einem äuûeren und sechs inneren Durchgängen 0,262 2,07 0,650 0,509
Rohrbündelwärmeübertrager mit einem äuûeren und acht inneren Durchgängen 0,258 2,07 0,661 0,509
Rohrbündelwärmeübertrager mit einem äuûeren und drei inneren Durchgängen, 0,431 2,33 0,371 0,450
zwei im Gegenstrom, e=1/3
Rohrbündelwärmeübertrager mit einem äuûeren und zwei inneren Durchgängen, 0,168 2,18 0,490 0,395
beide im Gegenstrom
Rohrbündelwärmeübertrager, geteilter Auûenstrom mit einem Durchgang, ein innerer 0,272 1,86 0,529 0,329
Durchgang (engl.: divided flow)
Rohrbündelwärmeübertrager, geteilter Auûenstrom mit einem Durchgang, 0,230 2,03 0,733 0,531
zwei innere Durchgänge (engl.: divided flow)
Rohrbündelwärmeübertrager, geteilter Auûenstrom mit Längsumlenkblech 0,0763 2,05 0,536 0,344
und jeweils zwei Durchgängen, zwei innere Durchgänge (engl.: split flow)
Rohrbündelwärmeübertrager, zweimal geteilter Auûenstrom mit zwei Längsumlenkblechen 0,0749 2,00 0,544 0,337
und jeweils zwei Durchgängen, zwei innere Durchgänge (engl.: double split flow)
Kreuzstrom mit einer Rohrreihe 0,234 1,91 0,597 0,668
Kreuzstrom mit zwei Rohrreihen und einem Durchgang 0,158 1,53 0,705 0,617
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Tabelle 2. (Forts.)
Stromführung a b c d
Kreuzstrom mit drei Rohrreihen und einem Durchgang 0,150 1,38 0,722 0,596
Kreuzstrom mit vier Rohrreihen und einem Durchgang 0,167 1,34 0,648 0,583
Kreuzstrom mit fünf Rohrreihen und einem Durchgang 0,195 1,35 0,560 0,569
C Kreuzstrom mit sechs Rohrreihen und einem Durchgang 0,226 1,37 0,486 0,559
Kreuzstrom mit zehn Rohrreihen und einem Durchgang 0,333 1,50 0,338 0,535
Kreuzgegenstrom mit zwei Rohrreihen und zwei Durchgängen, gegensinnig 0,0737 1,97 0,553 0,640
Kreuzgegenstrom mit drei Rohrreihen und drei Durchgängen, gegensinnig 0,0332 2,01 0,540 0,640
Kreuzgegenstrom mit vier Rohrreihen und vier Durchgängen, gegensinnig 0,0188 2,01 0,540 0,650
Kreuzgegenstrom mit sechs Rohrreihen und sechs Durchgängen, gegensinnig 0,00820 2,03 0,537 0,659
Kreuzgegenstrom mit vier Rohrreihen und zwei Durchgängen, gegensinnig 0,0649 1,63 0,625 0,608
Kreuzgegenstrom mit zwei Rohrreihen und zwei Durchgängen, gleichsinnig 0,0537 1,88 0,621 0,651
Kreuzgegenstrom mit drei Rohrreihen und drei Durchgängen, gleichsinnig 0,0227 1,88 0,632 0,657
Kreuzgegenstrom mit zwei Durchgängen, unvermischtem Rohrstrom, gegensinnig 0,149 1,76 0,264 0,497
Kreuzgegenstrom mit drei Durchgängen, unvermischtem Rohrstrom, gegensinnig 0,0711 1,85 0,253 0,422
Kreuzgegenstrom mit vier Durchgängen, unvermischtem Rohrstrom, gegensinnig 1) 0,0419 1,89 0,246 0,399

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Plattenwärmeübertrager, ein Durchgang für Strom 1, zwei Durchgänge für Strom 2 0,272 1,86 0,529 0,322
Plattenwärmeübertrager, ein Durchgang für Strom 1, drei Durchgänge für Strom 2, 0,211 1,85 0,582 0,292
zwei im Gegenstrom
Plattenwärmeübertrager, ein Durchgang für Strom 1, vier Durchgänge für Strom 2 0,244 1,90 0,577 0,323
Plattenwärmeübertrager, zwei Durchgänge für Strom 1, vier Durchgänge für Strom 2, 0,0748 1,87 0,525 0,317
Gegenstromschaltung
1
) Eine Näherungsgleichung für gegensinnigen Kreuzgegenstrom mit unvermischtem Rohrstrom und beliebiger Anzahl von Durchgängen ist
in [25] angegeben

der Konstanten a, b, c und d für weitere Stromführungen Strömungsrichtung und quer dazu vermischt. Der
findet man in [7]. Strom 1 ist nur quer zur Strömungsrichtung vermischt.
Mit dem Korrekturfaktor F läût sich die dimensionslose Beim beidseitigen Rührkessel sind beide Ströme in allen
Temperaturänderung P1 in bekannter Weise nach Richtungen vollständig durchmischt. Der beidseitige
Rührkessel hat im Gegensatz zum einseitigen Rührkessel
1 exp‰…R1 1† NTU1 FŠ eine symmetrische Stromführung.
Pi ˆ für R1 6ˆ 1 …25†
1 R1 exp‰…R1 1† NTU1 FŠ Die Kurven NTUj=konst des in Strömungsrichtung
bzw. durchmischten Stroms j münden in den Punkten
NTU1 F
Pi ˆ für R1 ˆ 1 …26† NTUj
1 ‡ NTU1 F Pj ˆ …27†
1 ‡ NTUj
berechnet.
Im Gültigkeitsbereich F>0,25 ist der Fehler der Nähe- in die Koordinatenachse. Die Kurven des nicht in Strö-
rungsgl. (24) mit den Werten nach Tabelle 1 oder 2 für mungsrichtung vermischten Stroms i münden dagegen
den Korrekturfaktor F bei R=1 i. allg. kleiner als 5%, in den Punkten
der Fehler für die dimensionslose Temperaturänderung
P kleiner als 3%. Schränkt man den Gültigkeitsbereich NTUi
Pi ˆ 1 e …28†
weiter ein, so ergeben sich noch deutlich kleinere Fehler-
grenzen. So ist im praktisch wichtigen Bereich F>0,7 in die Koordinatenachse. Die Einmündungspunkte nach
der Fehler von F für R=1 in allen Fällen kleiner als 1% Gl. (28) gelten für alle im folgenden behandelten Strom-
und der Fehler von P für 0  R1<1 kleiner als 2%. führungen, denn bei diesen wird idealisierend weder
Durchmischung noch Wärmeleitung in Strömungsrich-
tung (Längsvermischung) angenommen.
3 Berechnungsunterlagen für gebräuchliche Durch Längsvermischung wird die Leistung eines Wär-
Stromführungen meübertragers vermindert. Eine Behandlung als Rühr-
kessel (in Fällen, in denen Längsvermischung befürchtet
3.1 Rührkessel
werden muû) liefert Ergebnisse auf der sicheren Seite. In
Der Rührkessel ist der einzige Wärmeübertrager mit Bild 15 und Bild 16 sind die schematischen Flieûbilder
einer Stromführung, bei der Vermischung und Wärme- und die Diagramme für beide Rührkessel dargestellt. Die
leitung in Strömungsrichtung angenommen wird. Beim Berechnungsgleichungen sind in Tabelle 3 zusammen-
einseitigen Rührkessel ist der Strom 2 vollständig in gefaût.
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Tabelle 3. Gleichungen für Rührkessel


Stromführung P = f (NTU, R) NTU=f (P, R) Grenzkurve
beidseitiger Rührkessel NTUi Pi 1
Pi ˆ NTUi ˆ Pi 1 ˆ
i=1, 2 1 ‡ NTUi …1 ‡ Ri † 1 Pi …1 ‡ Ri † 1 ‡ Ri
 
einseitiger Rührkessel 1 1 Pi 1
P1
ˆ R1 ‡
1 e NTU1
NTUi ˆ ln 1
1 Ri Pi
P1 1 ˆ
1 ‡ R1
C

Tabelle 4. Gleichungen für Gegen- und Gleichstrom


Stromführung P=f (NTU, R) NTU=f (P, R) q=f (P1 , P2) Grenzkurve
8
reiner
1 exp‰…Ri 1† NTUi Š 1 1 Ri Pi P1 P2 < 1; Ri  1
>
Gegenstrom R1 6ˆ 1 Pi ˆ NTUi ˆ ln qˆ
1 Ri exp‰…Ri 1† NTUi Š 1 Ri 1 Pi 1 P2 Pi 1 ˆ 1
ln >
: ; Ri > 1
NTU P 1 P1 Ri
R1=1 P ˆ NTU ˆ
1 ‡ NTU 1 P q=1 Ÿ P

reiner Gleichstrom 1 exp ‰ NTUi …1 ‡ Ri †Š ln ‰1 Pi …1 ‡ Ri †Š …P1 ‡ P2 † 1


i=1, 2 Pi ˆ NTUi ˆ qˆ Pi 1 ˆ
1 ‡ Ri 1 ‡ Ri ln ‰1 …P1 ‡ P2 †Š 1 ‡ Ri
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3.2 Gegenstrom und Gleichstrom gegebenen Gleichungen für Gegen- und Gleichstrom so-
wie die zugehörigen Diagramme (Bild 17 und 18) zu
Der Gegenstrom und der Gleichstrom sind die bekann-
verwenden.
testen Stromführungen. Beide Stromführungen sind
symmetrisch. Bei gegebenen NTU-Werten liefert der In Bild 19 bis Bild 27 sind die Diagramme für neun wei-
Gegenstrom die gröûtmöglichen Werte von P. Bei vor- tere Stromführungen dargestellt. Das Diagramm für den
gegebenen Werten von P benötigt der Gegenstrom die Rohrbündelwärmeübertrager (RWÜ) mit einem äuûeren
kleinsten NTU-Werte. Der Gleichstrom stellt bezüglich und fünf inneren Durchgängen (1,5-RWÜ, Bild 23) wur-
der thermischen Leistung eine sehr ungünstige Strom- de mit einem analytischen Berechnungsverfahren [8; 9],
führung dar. Nur die beiden Rührkessel liefern eine noch das Diagramm Bild 27 für die Stromführung mit zwei-
geringere thermische Leistung. mal geteiltem Mantelstrom (,,Double Split Flowª) nach
einer geschlossenen Gleichung [10] berechnet. Die Glei-
Bezeichnet man mit DJa und DJb die örtlichen Tempera-
chungen für die anderen Stromführungen sind in
turdifferenzen an den beiden Enden des Wärmeübertra-
Tabelle 5 zusammengefaût.
gers, dann ist sowohl für Gegenstrom als auch für
Gleichstrom die mittlere Temperaturdifferenz nach Das in den Gleichungen für den 1,2-RWÜ und den 1,3-
Gl. (4) der logarithmische Mittelwert von DJa und DJb: RWÜ auftretende NTU-Verhältnis e des Gleichstrom-
durchgangs ist definiert durch
D Ja D Jb
D Jm ˆ : …29† …k A†Gleichstromdurchgang
D Ja
ln eˆ : …31†
D Jb …k A†ges
Im Grenzfall DJa ! DJb (bei Gegenstrom für R1 ! 1, bei Die Gröûe e erlaubt die Berücksichtigung unterschiedli-
Gleichstrom für NTU ! 0) geht der logarithmische Mit- cher Wärmeübertragungsflächen der Durchgänge und
telwert in den arithmetischen Mittelwert über: unterschiedlicher Wärmedurchgangskoeffizienten für
1 die einzelnen Durchgänge (beim 1,3-RWÜ mit der Ein-
DJm ˆ …D Ja ‡ D Jb †: …30† schränkung, daû die Produkte k  A der beiden Gegen-
2
stromdurchgänge untereinander gleich sind [12]).
Die den Gl. (29) bzw. (30) entsprechenden Gleichungen
in dimensionsloser Schreibweise sind in Tabelle 4 zu- Die Temperaturabhängigkeit des rohrseitigen Wärme-
sammengefaût. Die Diagramme für beide Stromführun- übergangskoeffizienten kann man beim 1,2-RWÜ
gen sind in Bild 17 und Bild 18 dargestellt. dadurch berücksichtigen, daû man für jeden Durchgang
einen individuellen Wärmedurchgangskoeffizienten
berechnet, und zwar mit dem arithmetischen Mittelwert
3.3 Rohrbündelwärmeübertrager der Ein- und Austrittstemperaturen des Durchgangs als
Bezugstemperatur. Hierzu wird die Zwischentemperatur
Für asymmetrische Stromführungen wird hier der In- J2 Z (am Austritt aus dem ersten und Eintritt in den
dex 1 dem äuûeren Strom (Mantelstrom) und der Index 2 zweiten Durchgang) benötigt. Sie unterscheidet sich bei
dem inneren Strom (Rohrstrom) zugeordnet. den beiden möglichen Schaltungen I und II. Bei Schal-
Im einfachsten Fall (ein äuûerer, ein innerer Durchgang tung I ist der erste Durchgang im Gegenstrom zum Au-
und keine oder eine ausreichend groûe Anzahl von man- ûenstrom geschaltet, bei Schaltung II im Gleichstrom.
telseitigen Umlenkblechen) sind die in Abschn. 3.2 an- Die Gleichungen zur Berechnung der Temperaturen JI2Z
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Ca 8 Berechnung von Wärmeübertragern 10. Auflage 2006

und JII2Z sind in Tabelle 5 angegeben. Auch temperatu- RWÜ besitzen. Für den üblichen Fall, daû die Flächen
rabhängige Werte cp (J) können nachträglich durch eine aller Durchgänge untereinander gleich sind und daû mit
Korrektur der Bezugstemperaturen und der individuellen einem für den gesamten Apparat konstanten, mittleren
Wärmedurchgangskoeffizienten berücksichtigt werden Wärmedurchgangskoeffizienten gerechnet wird, ist für
[17]. den 1,2-RWÜ e=1/2 und für den 1,3-RWÜ e=1/3
einzusetzen. Für diesen Fall gelten auch die Diagramme,
C Den 1,2-RWÜ kann man auch als Näherungsmodell für Bild 19 und Bild 21.
einen 1, n-RWÜ mit gerader Zahl n von etwa gleich Die Stromführung mit einem äuûeren Durchgang und
groûen Durchgängen verwenden [8; 9]. Der Modellappa- unendlich vielen inneren Durchgängen (1, n-RWÜ mit
rat (1,2-RWÜ) muû die gleiche Gegenstromfläche und n ! 1) entspricht dem beidseitig quervermischten
die gleiche Gleichstromfläche wie der wirkliche 1, n- Kreuzstrom (Abschn. 3.4) [18].
Tabelle 5. Gleichungen für Rohrbündelwärmeübertrager
Stromführung Gleichung Grenzkurve
  
ein äuûerer und zwei innere 1 1 1 2
ˆ 1 ‡ R ‡ m coth m NTUi Pi 1 ˆ
Durchgänge Pi 2 2 1‡R‡m
[8; 9]
oder
i=1, 2  
2 2 Pi …1 ‡ Ri †
NTUi ˆ ar coth
m m Pi
mit
q
1 ‡ R2i ‡ 2 Ri …2 e 1†

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NTU-Verhältnis e nach Gl. (31)
Temperatur J2 z des Rohrstroms zwischen den Durchgängen
 
NTU1
m P1 exp …1 ‡ R1 …2 e 1††
JI2 z J02 2
Schaltung I: ˆ1  
J01 J02 NTU1
2 sinh m
2
 
NTU1
m P1 exp …1 ‡ R1 …2 e 1††
JII2z J02 2
Schaltung II: 0 0 ˆ 1 P 1  
J1 J2 NTU1
2 sinh m
2

q 0 s1
ein äuûerer und 2 n innere Durch-  2 2
1 1 ‡ …R1 =n†2 R1 R1 =n 1@ R1 R1 A P1 1 ˆ q
gänge, n ˆ 1, 2, . . . , 1 ˆ  q ‡ ‡ 1‡ 1‡
P1 1 eR1 NTU1 1 eR1 NTU1 =n 2 n n 1 ‡ 2 R1 R1 =n ‡ 1 ‡ …R1 =n†2
[1; 11] 1 exp NTU1 1 ‡ …R1 =n†2

ein äuûerer und drei (


m1 …em1 ‡ em3 † …em2 1† ‡ m2 …em2 ‡ em3 † …1 em1 † ‡ NTU1 …1 R1 † …em2 em1 † …1 ‡ em3 † 1; R1  1
R1 6ˆ 1 P1 ˆ P1 1 ˆ 1
innere Durchgänge, m1 …em1 ‡ em3 † …R1 em2 1† ‡ m2 …em2 ‡ em3 † …1 R1 em1 † ‡ NTU1 …1 R1 † …em2 em1 † …1 ‡ R1 em3 † ; R1 > 1
zwei im Gegenstrom [12] r R1
p p2
m1=2 ˆ  q
2 4
1
m3 ˆ R1 NTU1 …1 e†
2
 
1
p ˆ NTU1 1 R1 …1 3 e†
2
1
qˆe …1 e† NTU21 R1 …1 R1 †
2
NTU-Verhältnis e nach Gl. (31)
 
P e …1 e† 1‡e 2
R1=1 ˆ NTU 2 ‰…e 0,5 NTU …1‡3 e† 1† 1
‡ …e0,5 NTU …1 e†
‡ 1† 1 Š 1
1 P 1‡ 3e 1‡ 3e

ein äuûerer und zwei …eNTU1 …0,5 R1 1† 1† …e0,5 R1 NTU1 ‡ 1† 2=…2 ‡ R1 †; R1  2
innere Durchgänge, R1 6ˆ 2 P1 ˆ P1 1 ˆ
…0,5 R1 1† …eNTU1 …0,5 R1 1† ‡ e0,5 R1 NTU1 † ‡ …R1 e0,5 R1 NTU1 ‡ 1† …eNTU1 …0,5 R1 1† 1† 1=R; R1 > 2
beide im
Gegenstrom [12] 1 1 1
R1=2 ˆ1‡ ‡
P1 NTU1 1 ‡ exp … NTU1 †

geteilter Auûenstrom 1 …2 R1 † …2 ‡ R1 exp ‰ NTU1 …1 ‡ R1 =2†Š† 2=…2 ‡ R1 †; R1  2
mit einem Durchgang R1 6ˆ 2 P1 ˆ P1 1 ˆ
R1 R1 …2 ‡ R1 † …2 R1 exp ‰ NTU1 …1 R1 =2†Š† 1=R; R1 > 2
und ein innerer
1 1 ‡ exp … 2 NTU1 †
Durchgang [13] R1 6ˆ 2 P1 ˆ
2 4 …1 ‡ NTU1 †

geteilter Auûenstrom mit einem  


1 R1 ek NTU1 ‡ 1 2 k e0,5 NTU1 …1‡k† k e0,5 NTU1 …k 1† 1 R1
ˆ 1 ‡ ‡ k k NTU 1 ˆ1‡ ‡k
Durchgang und zwei innere P1 2 e 1 1 k 1 ‡ …k ‡ 1† ek NTU1 1 ek NTU1 P1 1 2
Durchgänge [14] q
x ˆ 0,5 R21 ‡ 4

8
geteilter Auûenstrom 1 …1 b†2 …1 g† < 2 ‡ R1
mit Längsumlenkblech R1 6ˆ 2 P1 ˆ ; R1  2
R1 R1 2 b2 …1 g† P1 1 ˆ 2 ‡ R1 ‡ R21
und jeweils zwei Durchgängen :
1=R1 ; R1 > 2
und zwei innere Durchgänge 1 exp‰ NTU1 …2 ‡ R1 †=4Š

(rohrseitiger Austritt auf der 1 ‡ 2=R1
Seite des mantelseitigen 1 exp‰ NTU1 …2 R1 †=2Š
Eintritts) [15; 16] gˆ
2=R1 exp‰ NTU1 …2 R1 †=2Š
…1 ‡ 2 NTU1 † eNTU1 e NTU1
R1=2 P1 ˆ
2 ‡ …3 ‡ 4 NTU1 † eNTU1 e NTU1
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10. Auflage 2006
Berechnung von Wärmeübertragern Ca 9

Rohrbündelwärmeübertrager mit ungerader Zahl innerer derliegenden Ein- und Austrittsstutzen eine gewisse Ge-
Durchgänge können näherungsweise mit den Gleichun- genstromwirkung erzielt wird. Rechnungen mit der Zel-
gen für den 1,3-RWÜ mit zwei gleich groûen Gegen- lenmethode zeigen [2; 3], daû Schaltung B der Schal-
stromdurchgängen berechnet werden, wenn das NTU- tung A grundsätzlich überlegen und deshalb vorzuziehen
Verhältnis e mit der Summe der Flächen aller Gleich- ist. Die Überlegenheit ist allerdings nur schwach ausge-
stromdurchgänge gebildet wird (z. B. e=3/7 für insge- prägt.
samt sieben Durchgänge gleicher Fläche, davon vier im C
Gegenstrom).
Bei mehreren inneren Durchgängen kann, wie schon
erwähnt, der erste innere Durchgang im Gegenstrom
(Schaltung I) oder im Gleichstrom (Schaltung II) zum
Auûenstrom geschaltet sein. Bei ungerader Zahl innerer
Durchgänge ist immer Schaltung I günstiger, weil die
Zahl der Gegenstromdurchgänge überwiegt. Bei gerader Bild 5. Schaltmöglichkeiten bei Rohrbündelwärmeübertragern mit
Zahl innerer Durchgänge mit gleich groûen Flächen er- zwei inneren und einem äuûeren Durchgang mit mantelseitigen
gibt die Rechnung mit konstanten Wärmedurchgangsko- Umlenkblechen.
effizienten, daû beide Schaltungsvarianten gleichwertig Schaltung A: Die benachbarten Stutzen der Stoffströme 1 und 2
sind. Eine genauere Rechnung mit veränderlichen Wär- sind beide Eintrittsstutzen oder Austrittsstutzen.
medurchgangskoeffizienten zeigt jedoch, daû die Schal- Schaltung B: Die benachbarten Stutzen der Stoffströme 1 und 2
sind ein Eintrittsstutzen und ein Austrittsstutzen
tung günstiger ist, bei der die Wärmedurchgangskoeffi-
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zienten für die Gegenstromdurchgänge gröûer sind als


für die Gleichstromdurchgänge [8; 9].
Daraus läût sich bei gerader Zahl von inneren Durchgän- 3.4 Kreuzstromwärmeübertrager
gen folgende Regel ableiten:
Für asymmetrische Stromführungen wird hier der In-
Bei Erwärmung einer Flüssigkeit in den Rohren sollte dex 1 dem Rohrstrom und der Index 2 dem Auûenstrom
der erste innere Durchgang im Gleichstrom (Schal- zugeordnet. Während bei den Rohrbündelwärmeübertra-
tung II) und bei Abkühlung im Gegenstrom (Schal- gern (Abschn. 3.3) für alle Stromführungen in jedem
tung I) zum Auûenstrom geschaltet sein. Bei Gasen in Durchgang vollständige Vermischung quer zur Strö-
den Rohren gilt die umgekehrte Regel. mungsrichtung angenommen wird, ist bei den Kreuz-
Zur Erzielung gröûerer Temperaturänderungen können stromwärmeübertragern auch der Grenzfall eines über-
mehrere identische 1, n-RWÜ in Serie geschaltet werden haupt nicht quervermischten Stromes von Bedeutung.
(m, (m  n)-RWÜ). Die Berechnung erfolgt nach der für Dadurch ergeben sich drei grundlegende Kreuzstromfüh-
Gegenstromschaltung gleicher Einzelapparate gültigen rungen bei jeweils einem Durchgang auf beiden Seiten:
Koppelungsgleichung (46) bzw. (47) in Abschn. 4.1. ± Beide Ströme nicht quervermischt (Reiner Kreuz-
Für den sehr häufig eingesetzten m, 2 m-RWÜ (Koppe- strom, Bild 30).
lung von m 1,2-RWÜ) sind in Bild 28 und 29 die Dia-
± Strom 1 (Rohrstrom) quervermischt und Strom 2
gramme für 2 und 4 äuûere Durchgänge dargestellt.
(Auûenstrom) nicht quervermischt (Kreuzstrom mit
Die in diesem Abschnitt mitgeteilten Gleichungen und einer Rohrreihe, Bild 31).
Diagramme gelten strenggenommen nur bei fehlenden ± Beide Ströme quervermischt (beidseitig querver-
oder unendlich vielen mantelseitigen Umlenkblechen mischter Kreuzstrom, Bild 32).
und in guter Näherung bei ausreichend groûer Anzahl
von Umlenkblechen. Nach Gardner und Taborek [19] Die Gleichungen für diese Stromführungen sind in Ta-
sind dies für Gegenstrom mindestens 10 und für den belle 6 angegeben. Da durch Quervermischung (in ei-
1,2-RWÜ mindestens 5 Umlenkbleche. Bei kleiner Zahl nem Durchgang) die thermische Leistung erniedrigt
von Umlenkblechen ist zu berücksichtigen, daû zwi- wird, liefert die Rechnung mit vollständiger Quervermi-
schen zwei Umlenkblechen die beiden Ströme im Kreuz- schung Ergebnisse auf der sicheren Seite.
strom geführt werden. Dies läût sich mit der in Abschn. Hinsichtlich der Quervermischung auf der Rohrseite und
2.1 beschriebenen Zellenmethode erreichen, wobei jede der thermischen Leistung liegen die Kreuzstromführun-
Zelle nach den Gleichungen für Kreuzstrom mit 1 Rohr- gen für n Rohrreihen (n=2, 3, . . .) und einem Durch-
reihe (Abschn. 3.4) und quervermischtem Mantelstrom 1 gang zwischen dem Kreuzstrom mit einer Rohrreihe und
(entspricht dem Rohrstrom 1 nach der für Kreuzstrom- dem reinen Kreuzstrom (Bild 33 bis Bild 35 sowie Glei-
wärmeübertrager vereinbarten Indizierung) berechnet chung in Tabelle 6).
wird.
Bei Kreuzstromwärmeübertragern mit mehreren Durch-
Hinsichtlich der Lage der Ein- und Austrittsstutzen zu- gängen ist die thermische Leistung neben dem Grad der
einander muû man bei endlicher Zahl von Umlenkble- Quervermischung in jedem Durchgang auch von der
chen zwei Schaltungsvarianten unterscheiden (Bild 5). Stromführung beider Fluide über den gesamten Apparat
Bei Schaltung A haben die beieinanderliegenden Ein- (Gegen- oder Gleichstrom) und vom Grad der Vermi-
tritts- bzw. Austrittsstutzen eine gewisse Gleichstrom- schung zwischen den Durchgängen abhängig. Ist der
wirkung, während bei Schaltung B durch die beieinan- Auûenstrom nicht quervermischt, dann hängt die thermi-
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Ca 10 Berechnung von Wärmeübertragern 10. Auflage 2006

Tabelle 6. Gleichungen für Kreuzstromwärmeübertrager


Stromführung Gleichung Grenzkurve
(" #" #) 
Reiner Kreuzstrom [20; 21] 1 X1 Xm
1 Xm
1 1; Ri  1
i=1, 2 Pi ˆ 1 e NTUi
NTUji 1 e Ri NTUi
…Ri NTUi †j Pi 1 ˆ
Ri NTUi mˆ0 j! j! 1=Ri ; Ri > 1
jˆ0 jˆ0

Kreuzstrom mit einer Rohrreihe P1 ˆ 1 exp ‰…e Ri NTU1


1†=R1 Š P1 1 ˆ 1 e 1=R1

C [22]
oder
1
NTU1 ˆ ln‰1 ‡ R1 ln…1 P1 †Š
R1

Beidseitig quervermischter Kreuz- 1 1 Ri 1 1


ˆ ‡ Pi1 ˆ
strom [22] Pi 1 e NTUi 1 e Ri NTUi NTUi 1 ‡ Ri
i=1, 2

Kreuzstrom mit n Rohrreihen und n 1 


X  X
n 1   j
nB j n=R1 1 j n
einem Durchgang 1) P1 ˆ 1 e 1 …nj a nj 1 † P1 1 ˆ 1 e 1
jˆ0
n jˆ0
j! n R1
mit v ˆ 0; v0 ˆ 1
1
1   
vj‡1 ˆ n R 1 B 2 ‡ 2 j a ‡ a vj j a2 vj 1 ; j ˆ 0, 1, 2, . . .
j‡1
R1 NTU1 =n
aˆe ; B ˆ …1 a†=R1
 
Kreuzgegenstrom mit zwei Rohr- 1 d d 2 d=R1 2
ˆ ‡ 1 e P1 1 ˆ 1
reihen und zwei Durchgängen, 1 P1 2 2 1 ‡ e2=R1
gegensinnig [23] R1 NTU1 =2
mit d ˆ 1 e

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Kreuzgegenstrom mit drei Rohr-        4
1 d 2 3 d=R1 d d2 d P1 ˆ 1  
reihen und drei Durchgängen, ˆ 1 e ‡ d 1 1 ed=R1 2
1 P1 2 4 R1 2 3 e1=R1 ‡ e3=R1
gegensinnig [23] R1 NTU1 =3 R1
mit d ˆ 1 e

         
Kreuzgegenstrom mit vier Rohr- 1 d d d2 d 2d d d 3 4d=R1 8 1
reihen und vier Durchgängen, ˆ 1 ‡ ‡d 1 1 1 e2d=R1 ‡ 1 e ˆ3‡4 1 e2=R1 ‡ e4=R1
1 P1 2 2 4 2 R1 2 2 1 P1 1 R1
gegensinnig [24] R1 NTU1 =4
mit d ˆ 1 e

     
Kreuzgegenstrom mit vier Rohr- 1 3 2 d2 d d2 1 2 5
reihen und zwei Durchgängen, d 4 d‡ ‡d 1 ‡ …1 e4 d=R1 † ‡ e4 d=R1 3‡ ‡ …1 e4=R1 † ‡ e4=R1
1 2 R1 R1 2 8 1 2 R1 R1 8
gegensinnig [24] ˆ  ˆ  
1 P1 2 2 1 P1 1 1 2
d 1‡
1‡ R1
R1
R1 NTU1 =4
mit d ˆ 1 e

Kreuzgegenstrom mit n Rohrreihen 1 Y


n 1
1 Y
n 1
und n Durchgängen, gleichsinnig 1) ˆ eB dj ˆ e1=R1 dj1
1 P1 jˆ0
1 P11 jˆ0

mit d0 ˆ 1; d1 ˆ eB R1 B2 mit
X
i
mj a mj 1 d0 1 ˆ 1
di ˆ d1 ; i ˆ 2, 3, 4, :::
i 2
iQ1 d1 1 ˆ e1=R1 1=R1
dk
kˆi j‡1 X
i
1
di 1 ˆ d1 1
m ˆ 0; m0 ˆ 1
1
iQ1
jˆ2 j! Rj1 dk 1
1    kˆi j‡1
mj‡1 ˆ R1 B2 ‡ 2 j a ‡ a mj j a2 mj 1 ; j ˆ 0, 1, 2, . . .
j‡1 i ˆ 2, 3, 4, . . .
R1 NTU1 =n
aˆe ; B ˆ …1 a†=R1

1
) Diese Gleichungen wurden von Herrn Dr.-Ing. habil. T. Bes, Institut für Thermodynamik, Universität der Bundeswehr Hamburg, in einer
bisher nicht veröffentlichten Arbeit hergeleitet.

sche Leistung auûerdem davon ab, ob der Rohrstrom die Stromführung mit zwei Durchgängen und zwei Rohr-
zwischen den Durchgängen nur umgelenkt wird (gegen- reihen je Durchgang (Bild 39) sind in Tabelle 6 enthal-
sinnige Stromführung, vgl. z. B. Schema in Bild 36) oder ten. Das Diagramm für sechs Rohrreihen und sechs
zusätzlich auf die andere Seite zurückgeführt wird Durchgänge (Bild 38) wurde nach einer von Nicole [24]
(gleichsinnige Stromführung). Dadurch ergeben sich angegebenen Gleichung berechnet. Die Diagramme für
sehr viele mögliche Stromführungen, von denen aber nur sehr groûe Rohrreihenzahl je Durchgang (jeder Durch-
wenige praktische Bedeutung haben. Bei ausreichender gang wie reiner Kreuzstrom, Bild 40 und Bild 41) wur-
Vermischung beider Ströme zwischen allen Durchgän- den numerisch mit einem Differenzenverfahren berech-
gen sind die Koppelungsgleichungen für Gegenstrom- net, wobei jeder Durchgang in 40 mal 40 Zellen unterteilt
bzw. Gleichstromschaltung nach Abschn. 4.1 zu verwen- wurde.
den. Gegensinnige Kreuzgegenstromapparate mit vier oder
Für den mit Rohrbündelapparaten rechteckiger Quer- mehr Durchgängen und einer Rohrreihe je Durchgang
schnittsform einfach zu realisierenden gegensinnigen lassen sich auch nach folgender Näherungsgleichung be-
Kreuzgegenstrom mit unvermischtem Strom 2 sind in rechnen [25]:  
NTU1 p
Bild 36 bis Bild 41 Diagramme dargestellt. Die Glei- 3 sinh R1
chungen für die Stromführungen mit bis zu vier Durch- n n
Fˆ p    , …32†
gängen und vollständig quervermischtem Strom 1 (eine NTU1 R1 NTU1 p
1 ‡ 2 cosh R1
Rohrreihe je Durchgang, Bild 36 und Bild 37) sowie für n
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wobei n die Anzahl der Durchgänge ist. Die dimensions- realisiert, wobei jede Windung einem Durchgang mit ei-
lose Temperaturänderung Pi (i = 1, 2) ergibt sich dann ner Rohrreihe entspricht.
aus Gl. (25) bzw. (26). Mit wachsender Anzahl der Durchgänge geht diese
Gl. (32) beruht auf einer Herleitung von Hausen [26] für Stromführung in den reinen Gegenstrom über. Bei gro-
den eingeschwungenen Zustand (ohne Berücksichtigung ûen NTU (NTU>5) kann aber erst ab etwa 20 Durch-
der ersten Rohrreihen) und gilt zunächst [26] nur für den gängen mit den Gleichungen für Gegenstrom gerechnet
Sonderfall R1=1. In diesem Sonderfall ist NTU1 = werden. C
NTU2=NTU. Diese Gleichung wurde auf allgemeine
Fälle R1 6ˆ 1 erweitert, indem für NTU der geometrische 3.5 Plattenwärmeübertrager
1=2
Mittelwert NTU ˆ …NTU1  NTU2†1=2 ˆ NTU1  R 1
eingesetzt wurde. Die so gefundene Gl. (32) liefert für Die folgende Darstellung beschränkt sich auf die thermi-
n  4 im gesamten Bereich von 0  R1  1 bis hin zu sche Berechnung bei groûen Plattenanzahlen, d. h. bei
NTU=1 in Verbindung mit Gl. (25) bzw. (26) Fehler Vernachlässigung des thermischen Randeffektes (Rand-
von P von höchstens 1%. kanäle übertragen nur auf einer Seite Wärme). Nach
Kandlikar und Shah [27] kann dieser Randeffekt im all-
Stromführungen mit sehr groûer Rohrreihenzahl je
gemeinen bei mehr als 40 Platten im gesamten Apparat
Durchgang und unvermischtem Strom 2 zwischen den
vernachlässigt werden. Für kleinere Plattenanzahlen und
Durchgängen (Bild 40 und 41) können in erster Nähe-
verschiedene Stromführungen findet man in der Literatur
rung wie eine Gegenstromschaltung von reinen Kreuz-
[27; 28] numerisch bzw. analytisch berechnete Ergeb-
stromapparaten mit Vermischung des Stromes 2 zwi-
nisse.
schen den Durchgängen berechnet werden; Abschn. 4.1,
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Gl. (46) bzw. (47). Plattenwärmeübertrager können nach der Anzahl der
Durchgänge für beide Ströme klassifiziert werden. Der
Die günstigere gleichsinnige Kreuzgegenstromführung
Index 1 wird hier dem Strom mit der kleineren Anzahl
wird technisch durch den Schlangenrohrapparat (Bild 6)
von Durchgängen zugeordnet. Stromführungen mit je-
weils gleicher Anzahl von Durchgängen auf beiden Sei-
ten sind symmetrisch. Für jede Anordnung mit einer be-
stimmten Anzahl von Durchgängen auf beiden Seiten
gibt es mehrere mögliche Stromführungen, die hinsicht-
lich der thermischen Leistung teilweise gleichwertig
sind. Die thermische Leistung kann bestimmt werden, in-
dem man die jeweilige Stromführung in ein System von
seriell und parallel geschalteten Gegenstrom- und
Gleichstromapparaten zerlegt und die Koppelungsglei-
Bild 6.
Schematische Darstellung eines Schlan- chungen (Abschn. 4.1) anwendet.
genrohrwärmeübertragers mit n=10 Win- In Bild 42 bis Bild 45 sind Diagramme für die jeweils
dungen (Durchgängen) günstigste Stromführung von 4 verschiedenen Anord-

Tabelle 7. Gleichungen für Plattenwärmeübertrager [29]


P1c dimensionslose Temperaturänderung für reinen Gegenstrom (Tabelle 4)
P1p dimensionslose Temperaturänderung für reinen Gleichstrom (Tabelle 4)
Stromführung Gleichung Grenzkurve
  
ein Durchgang für Strom 1 1 1 2=…2 ‡ R1 †; R1  2
und zwei Durchgänge für P 1 ˆ P 1c ‡ P 1p R 1 P1c P1p P1 1 ˆ
2 2 1=R1 ; R1 > 2
Strom 2
mit P1c=P1c (NTU1 , R1/2) und P1p=P1p (NTU1 , R1/2)
    
ein Durchgang für Strom 1 1 1 1 …9 R1 †=…9 ‡ 3 R1 †; R1  3
und drei Durchgänge für P 1 ˆ P 1p ‡ P 1c 1 R1 P 1p 2 R 1 P1c P1 1 ˆ
3 3 3 1=R1 ; R1 > 3
Strom 2, zwei Gegen-
mit P1c=P1c (NTU1 , R1/3) und P1p=P1p (NTU1 , R1/3)
stromdurchgänge
  
ein Durchgang für Strom 1 1 …4=…4 ‡ R1 ††2 ; R1  4
und vier Durchgänge für P 1 ˆ d 1 R1 d P1 1 ˆ
4 1=R1 ; R1 > 4
Strom 2  
1 1
dˆ P1c ‡ P1p R1 P1c P1p
2 4
mit P1c=P1c (NTU1 , R1/4) und P1p=P1p (NTU1 , R1/4)

zwei Durchgänge für d …1 d† …1 d R1 † 4=…4 ‡ R21 †; R1  2
Strom 1 und vier Durch- P1 ˆ d ‡ P1 1 ˆ
1 d2 R1 1=R1 ; R1 > 2
gänge für Strom 2,  
1 1
Gegenstromschaltung dˆ P1c ‡ P1p R1 P1c P1p
2 2
mit P1c=P1c (NTU1 , R1/2) und P1p=P1p (NTU1 , R1/2)
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Ca 12 Berechnung von Wärmeübertragern 10. Auflage 2006

nungen von Durchgängen dargestellt. Die Berechnungs- symmetrische Ergebnisse, während die Stromführung
gleichungen sind in Tabelle 7 zusammengefaût. Für An- tatsächlich eine leichte Asymmetrie aufweist.
ordnungen mit gleicher Anzahl von Durchgängen auf
beiden Seiten entspricht die günstigste Stromführung
3.7 Doppelrohrapparat als Einbauwärmeübertrager
dem reinen Gegenstrom.
Die dimensionslose Temperaturänderung P eines Heiz-
C oder Kühlmediums mit dem Wärmekapazitätsstrom W, _
3.6 Spiralwärmeübertrager das einen Doppelrohrapparat mit geschlossenem Rohr-
Spiralwärmeübertrager in Gegenstromschaltung haben ende durchströmt (,,Heizkerzeª, Bild 8) kann nach fol-
bei endlicher Windungszahl eine geringere thermische gender Gleichung berechnet werden [1]:
Leistung als der reine Gegenstrom. Bild 7 zeigt schema- 1 e m NTU
tisch die Stromführung. Mit dem Index 1 wird der Strom, Pˆ2 …36†
1 ‡ m ‡ …m 1† e m NTU
der innen eintritt, gekennzeichnet. Zur Berechnung kann
folgende Näherungsgleichung [30] für den Korrekturfak- mit
tor der logarithmischen mittleren Temperaturdifferenz J 0 J 00 …k A†a
Pˆ NTU ˆ
verwendet werden: J 0 Js W_
  s
1 ‡ C2 …k A†i
ln mˆ 1‡4
1 ‡ n2 C 2 …k A†a
Fˆ , …33†
mit C2
Dabei ist vorausgesetzt, daû die Temperatur Js des zu

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ni
nˆ : …34† heizenden oder zu kühlenden Mediums konstant ist
ni ‡ n
(vollständige Durchmischung oder Phasenänderung).
Dabei ist n die Zahl der Windungen und ni=ri/b das Ver- (k  A)a ist das Produkt aus Wärmedurchgangskoeffizient
hältnis des Kernrohrradius ri zur Kanalbreite b. C ist eine und Fläche am Auûenrohr, (k  A)i das entsprechende
dem NTU-Wert analoge Kennzahl, die mit dem geome- Produkt für das Innenrohr. Gl. (36) gilt unabhängig da-
trischen Mittelwert der Wärmekapazitätsströme und der von, ob das Heiz- oder Kühlmedium am Innen- oder Au-
äuûeren Oberfläche AS=p d0 h0 des Spiralapparates ge- ûenrohr eintritt.
bildet wird:
k AS
C ˆ p : …35†
W_ 1W _2
Gleichung (33) gilt für konstante Wärmedurchgangsko-
effizienten. Zur Berücksichtigung von durch den verän-
derlichen Krümmungsradius und durch temperaturab-
hängige Stoffwerte sich ändernden Wärmedurchgangs-
koeffizienten haben Bes und Roetzel [31] eine Berech-
nungsmethode angegeben. Bild 8. Doppelrohrapparat zur Heizung oder Kühlung eines Medi-
Mit dem Korrekturfaktor F läût sich nach Gl. (25) bzw. ums mit konstanter Temperatur
(26) (Abschn. 2.4) die Temperaturänderung Pi (i=1, 2)
bestimmen. Der relative Fehler von P ist für n  4 und
F>0,8 kleiner als 1%. Die Näherungsgleichung liefert
4 Systeme von Wärmeübertragern
4.1 Gekoppelte Wärmeübertrager
Mehrere Wärmeübertrager gleicher oder unterschied-
licher Bauart können durch Verbindungsleitungen zu
einem Gesamtsystem gekoppelt werden. Von der Schal-
tungsart, dem Verhalten der einzelnen Elemente und
dem Grad der Vermischung der Ströme zwischen den
Elementen hängt es ab, welche Temperaturänderungen
mit dem Gesamtsystem gekoppelter Wärmeübertrager
erreicht werden können.
Im folgenden wird vorausgesetzt, daû die Ströme zwi-
schen den Einzelapparaten vollständig vermischt und die
Wärmekapazitätsströme im Gesamtsystem konstant
sind. Die einfachsten Schaltungsarten sind die Serien-
schaltung im Gleichstrom (Bild 9) und im Gegenstrom
(Bild 10) sowie die Parallelschaltung mit Aufteilung des
Stromes 2 in mehrere Ströme (Bild 11). Von der Schal-
Bild 7. Schematische Darstellung eines Spiralwärmeübertragers tungsart unberührt bleibt die individuelle Stromführung
mit n=3 Windungen der Doppelspirale des Einzelapparates. Für den Einzelapparat gelten ent-
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Berechnung von Wärmeübertragern Ca 13

sprechend der Stromführung die in Abschn. 3 angegebe- Der Zusammenhang zwischen den dimensionslosen
nen Gleichungen und Diagramme. Temperaturänderungen P1i der Einzelapparate und der
Bei allen Schaltungsarten setzt sich die Kenngröûe Temperaturänderung P1ges des Gesamtsystems ist bei
NTU1 ges des Gesamtsystems ebenso wie die Übertra- den einzelnen Schaltungsarten unterschiedlich.
gungsfläche A additiv aus den entsprechenden Kenn- a) Serienschaltung im Gleichstrom
gröûen NTU1i der Einzelapparate zusammen: Es gilt [32]
X n C
Y
n
NTU1 ges ˆ NTU1 i : …37† 1 P1 ges …1 ‡ R1 † ˆ ‰1 P1 i …1 ‡ R1 †Š: …41†
iˆ1 iˆ1
Für gleiche Werte NTU1a=NTU1b = . . . = NTU1 gilt Bei einem Gesamtsystem können Gruppen von Einzel-
apparaten zusammengefaût und als ein Einzelapparat
NTU1 ges=n NTU1 . (38)
aufgefaût werden. Die Gesamtwirkung ist von der Rei-
Bei den Serienschaltungen (Bild 9 und 10) sind die Wär- henfolge der Einzelelemente unabhängig.
mekapazitätsstromverhältnisse R1 bzw. R2 für alle Ein- Für den Sonderfall gleicher dimensionsloser Tempera-
zelapparate gleich und identisch mit den entsprechenden turänderungen in allen Einzelapparaten
Gröûen des Gesamtsystems. Bei der Parallelschaltung P1a=P1b = . . . = P1 , der z. B. bei gleichartigen Einzel-
(Bild 11) gilt apparaten in guter Näherung erfüllt ist, vereinfacht sich
1 X n
1 Gl. (41) zu
ˆ …39†
R1 ges iˆ1 R1 i 1ÐP1 ges (1+R1)=[1ÐP1 (1+R1)]n. (42)
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und für gleiche Werte R1a=R1b = . . . = R1 Bei Gleichstromschaltungen kann es vorkommen, daû
stromabwärts zuvor erreichte und erwünschte Tempera-
1 n turänderungen teilweise wieder rückgängig gemacht
ˆ : …40†
R1 ges R1 werden. Dies geschieht dann, wenn sich im Einzelappa-
rat die Temperaturen kreuzen, d. h. wenn P1i (1+R1) >1
ist. Im nachfolgenden Apparat wird dann durch abermali-
ge Kreuzung die Gesamtwirkung verschlechtert. Dieser
nachteilige Effekt wirkt sich in besonderem Maûe bei ei-
ner geraden Anzahl von Einzelapparaten aus.
b) Serienschaltung im Gegenstrom
Für die im Prinzip wirksamere Gegenstromschaltung gilt
[32]
Yn  
1 P1 ges 1 P1i
ˆ für R1 6ˆ 1 …43†
1 R1 P1 ges iˆ1 1 R1 P1i
Bild 9. Drei gekoppelte Wärmeübertrager in Gleichstromschal-
tung, schematisch bzw.
Pges X
n
Pi
ˆ …44†
1 Pges jˆ1 1 Pi

für R1=1 (Pi=P1 i=P2 i und Pges=P1 ges=P2 ges).


Auûerdem läût sich aus Gl. (43) folgender einfacher Zu-
sammenhang herleiten zwischen dem Korrekturfaktor
Fges für das Gesamtsystem und den Korrekturfaktoren Fi
der Einzelapparate:
X
n X
n

Bild 10. Drei gekoppelte Wärmeübertrager in Gegenstromschal- Fges NTU1 ges ˆ Fges NTU1 i ˆ Fi NTU1 i …45†
tung, schematisch iˆ1 iˆ1

In dem Sonderfall gleicher Temperaturänderungen


Pi=P ergibt sich aus Gl. (43) und (44)
 
1 P1 ges 1 P1 n
ˆ für R1 6ˆ 1 …46†
1 R1 P1 ges 1 R1 P1
bzw.
Pges nP
ˆ für R1 6ˆ 1: …47†
1 Pges 1 P
In diesem Sonderfall gilt Fges=F, wenn F der Korrektur-
Bild 11. Drei Wärmeübertrager in Parallelschaltung, Strom 2 in
drei Teilströme aufgeteilt, schematisch
faktor für den Einzelapparat und Fges der Wert für die
Gesamtschaltung ist.
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Ca 14 Berechnung von Wärmeübertragern 10. Auflage 2006

c) Parallelschaltung mit Teilung des Stromes 2 Für das Gesamtsystem gilt


Es gilt [33] J01 J001
Y
n P1 ges ˆ
1 P1 ges ˆ …1 P1 i †: …48† J01 J02
jˆ1
_1
W 1
Für den Sonderfall gleicher dimensionsloser Tempera- R1 ges ˆ ˆ
C _ 2 R2 ges
W
turänderungen in den Einzelapparaten P1i=P1 verein-
facht sich Gl. (48) zu …k A†eff
NTU1 ges ˆ :
n W_1
1 Ÿ P1 ges=(1 Ÿ P1) . (49)
Auûer den behandelten Schaltungsarten sind beliebig Zum Nachrechnen eines Systems werden zunächst die
viele andere Schaltungsarten denkbar, die meist zwei- dimensionslosen Temperaturänderungen P11 (NTU11 ,
dimensionalen Charakter haben. So ist z. B. eine Kreuz- R11) und P22 (NTU22 , R22) der Einzelapparate mit Hilfe
stromschaltung denkbar, bei der beide Wärmekapazitäts- der Gleichungen und Diagramme aus Abschn. 3 für die
ströme W_ 1 und W_ 2 in m bzw. n parallele Ströme aufge- jeweilige Stromführung des Einzelapparates bestimmt.
teilt werden, die sich in Einzelapparaten schneiden. Für Danach kann die dimensionslose Temperaturänderung
solche Schaltungen kann man aber nur in Sonderfällen des Gesamtsystems nach der Gleichung [1; 34]
einfache Gleichungen für P und Pges angeben. Im allge-
1 1 1
meinen muû man schrittweise von Einzelapparat zu Ein- ˆ ‡ R1 ges R11 , …50†
zelapparat rechnen. P1 ges P11 P22

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Bei der in Abschn. 2 beschriebenen Zellenmethode wird berechnet werden.
ein einziger Apparat als gekoppeltes System von Einzel- Hinsichtlich der Temperaturänderung P1 ges gibt es einen
elementen betrachtet. optimalen umlaufenden Kapazitätsstrom W_ s, opt [1].
Bei zwei Gegenstromapparaten erhält man diesen Um-
laufstrom nach der Gleichung [35]
4.2 Koppelung zweier Wärmeübertrager
durch einen umlaufenden Wärmeträgerstrom 1 k1 k2
ˆ ‡ …51†
_
Ws, opt W_1 W_2
Bei der Wärmeübertragung zwischen zwei Gasen wer-
den gelegentlich aus räumlichen oder aus sicherheits- mit
technischen Gründen zwei Einzelapparate verwendet, …k A†1 …k A†2
die durch einen umlaufenden Wärmeträgerstrom (Flüs- k1 ˆ ; k2 ˆ : …52†
…k A†1 ‡ …k A†2 …k A†1 ‡ …k A†2
sigkeit) gekoppelt sind. Ein solches System ist in Bild 12
dargestellt. Wird der optimale Umlaufstrom gewählt, so läût sich das
System aus zwei gekoppelten Gegenstromapparaten wie
ein einziger Gegenstromapparat mit dem effektiven Wert
von (k A)eff
1 1 1
ˆ ‡ …53†
…k A†eff …k A†1 …k A†2
berechnen [35].
Bei von Gegenstrom abweichenden Stromführungen der
Einzelapparate kann man näherungsweise so vorgehen,
daû man in den Gln. (51) bis (53) die Ausdrücke (k A)1
Bild 12. System von zwei durch einen umlaufenden Wärmeträger- und (k A)2 durch F1(k A)1 bzw. F2(k A)2 ersetzt [35]. Die
strom gekoppelten Wärmeübertragern, schematisch wirtschaftlich optimale Aufteilung der Flächen auf beide
Apparate hängt vom Verhältnis der Korrekturfaktoren
F1/F2 , dem Verhältnis der Wärmedurchgangskoeffizi-
Es gelten folgende Bezeichnungen für die Einzelappara- enten k1/k2 sowie vom Verhältnis der spezifischen Flä-
te. Bei Doppelindizierung bezieht sich der erste Index chenpreise (in e/m2) p1/p2 beider Apparate ab [35]. Mit
auf das Fluid, der zweite auf den Apparat. Schätzwerten dieser Verhältnisse können zunächst opti-
Apparat 1 Apparat 2 male Werte von k1 und k2 nach
r r
1 k2 F 2 p 1 1 k1 F 1 p2
…k A†1 …k A†2 ˆ1‡ , ˆ1‡ …54†
NTU11 ˆ NTU22 ˆ k1 k1 F 1 p 2 k2 k2 F 2 p1
W_1 W_2
W_1 W_2 berechnet werden. Damit können nach Gl. (51) der opti-
R11 ˆ R22 ˆ male Wärmekapazitätsstrom W_ s, opt und nach
W_s W_s
J01 J001 J002 J02 J00s1 ˆ J0s 2 ˆ k1 J01 ‡ k2 J002 ,
P11 ˆ P22 ˆ …55†
J01 J0s1 J0s2 J02 J0s1 ˆ J00s 2 ˆ k1 J001 ‡ k2 J02
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Berechnung von Wärmeübertragern Ca 15

die nicht gegebenen Ein- und Austrittstemperaturen des


Umlaufstroms ermittelt werden. Mit Hilfe der Dia-
gramme oder Gleichungen für die jeweilige Stromfüh-
rung nach Abschn. 3 ergeben sich dann die Korrektur-
faktoren F1 und F2 sowie die erforderlichen Werte von
(k A)1 und (k A)2 . Die Wärmeübergangsrechnung liefert
die Werte von k1 und k2 . Mit verbesserten Werten für die C
Verhältnisse k1/k2 und F1/F2 wird die Rechnung wieder-
holt. Auch der Schätzwert für das Flächenpreisverhältnis
p1/p2 kann im Laufe der Rechnung möglicherweise ver-
bessert werden, wenn die Konstruktion genauer bekannt Bild 13. Temperaturen in Abhängigkeit vom übertragenen Wärme-
ist. strom beim Gegenstromkondensator mit Dampfüberhitzung und
Kondensatunterkühlung

4.3 Phasenänderung mit Überhitzung und


Unterkühlung
5 Anwendungsbeispiele
Ebenfalls als gekoppeltes System von Einzelapparaten
betrachtet man üblicherweise Wärmeübertrager, in de- Bei der Berechnung von Wärmeübertragern gibt es
nen überhitzter Dampf abgekühlt, vollständig konden- grundsätzlich zwei Aufgabenstellungen, nämlich
siert und das Kondensat unterkühlt wird. Das gleiche gilt
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± das Nachrechnen vorhandener Wärmeübertrager und


für den umgekehrten Fall der Verdampfung. Die drei ± das Entwerfen oder Bemessen von (noch nicht vor-
Vorgänge werden wie in getrennten Apparaten berech- handenen) Wärmeübertragern.
net, und die Einzelflächen werden zur Gesamtfläche
Je nach Aufgabe kommen die angegebenen Gleichungen
addiert.
und Diagramme in unterschiedlicher Weise zur Anwen-
In Bild 13 sind die über dem Strömungsquerschnitt ge- dung. Dies sei im folgenden in Form einiger charakteri-
mittelten Temperaturen beider Stoffströme über dem stischer Beispiele erläutert.
vom Dampf im Wärmeübertrager abgegebenen Wärme-
strom Q_ bei Gegenstromschaltung aufgetragen (kon-
stante spezifische Wärmekapazitäten und konstanter 5.1 Nachrechnen vorhandener Wärmeübertrager
Druck bei der Kondensation). Da zunächst nicht bekannt Bei dieser Aufgabe sind die Konstruktion des Wärme-
ist, wie sich die gesamte Übertragungsfläche auf die drei übertragers, die Massenströme (und damit die Wärme-
Teilprozesse aufteilt, müssen Annahmen bezüglich der kapazitätsströme W_ 1 und W_ 2) sowie die Eintrittstempe-
Stromführung im Enthitzungsteil a und im Unterküh- raturen J01 und J02 bekannt. Das Ziel ist die Berechnung
lungsteil c getroffen werden. Diese Annahmen sind an- der Austrittstemperaturen J001 und J002 und der thermischen
hand der Ergebnisse zu überprüfen, und die Rechnung ist Leistung Q._ Aus den konstruktiven Daten und den Mas-
gegebenenfalls zu wiederholen. senströmen kann man mit Hilfe von geschätzten Stoff-
Wenn die Ein- und Austrittstemperaturen für den Ge- werttemperaturen den Wert des Produktes (k A) bestim-
samtapparat sowie die Siedetemperatur Js gegeben sind, men (vgl. Abschn. Cb). Die Schätzwerte für die Stoff-
dann kann man aus den Energiebilanzen für den Enthit- werttemperaturen müssen am Ende anhand der Ergeb-
zungs- und Unterkühlungsteil die Temperaturen J2 a b nisse überprüft werden. Gegebenenfalls ist die Rechnung
und J2 b c und damit die dimensionslosen Temperaturän- mit neuen Stoffwerttemperaturen zu wiederholen.
derungen P1 j und P2 j (j=a, b, c) der drei Teilapparate
berechnen. Aus P1 j und P2 j lassen sich dann für die indi-
viduellen Stromführungen der Teilapparate die Anzahl
der Übertragungseinheiten NTU2 j ( j=a, b, c) nach Beispiel 1
Abschn. 3 bestimmen. Für den Kondensationsteil b gilt Es soll Umgebungsluft (Volumenstrom am Eintritt 2 m3/s, Ein-
dabei immer (unabhängig von der Stromführung) trittstemperatur J02 =20 C, Druck 1 bar) in einem vorhandenen
Gl. (28) mit i=2. Der mittlere Wärmedurchgangskoeffi- Wärmeübertrager mit heiûem Wasser (Massenstrom 1 kg/s, Ein-
zient im Kondensationsteil kann nach dem Drei-Punkt- trittstemperatur J01 =120 C, Druck 10 bar) aufgeheizt werden. Der
Wärmeübertrager besteht aus einem rechteckigen Rohrbündel mit
Verfahren (Abschn. Cb 6) berechnet werden, mit den 120 Rippenrohren (Werkstoff Aluminium) in versetzter Anord-
einphasigen Wärmeübergangskoeffizienten an beiden nung. Die Rohre sind in 6 Rohrreihen mit 6 rohrseitigen Durchgän-
Enden ab und bc. Aus NTU2 j sind (k A)j und Aj gen angeordnet. Die Luft strömt im Auûenraum quer zu den wasser-
( j=a, b, c) unmittelbar zu berechnen und zur Gesamtflä- durchströmten Rohren. Die Rippenrohre haben folgende Abmes-
che aufzuaddieren. sungen:

Dieses einfache Berechnungsverfahren gilt eigentlich Rohrauûendurchmesser 16 mm


nur für die Kondensation und Verdampfung in den Roh- Rohrinnendurchmesser 12 mm
Rohrlänge 1m
ren eines Gegenstromapparates und liefert in anderen Kreisrippen mit Auûendurchmesser 42 mm
Fällen nur sehr grobe Anhaltswerte. Genauere Ergeb- Rippenteilung 400 Rippen/m
nisse sind nur durch eine schrittweise numerische Rech- Rippendicke 0,4 mm
nung zu erzielen [36]. Rohrteilung im Bündel 45 mm
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Ca 16 Berechnung von Wärmeübertragern 10. Auflage 2006

Zu berechnen sind die Austrittstemperaturen und die thermische Beispiel 2


Leistung. Zusätzliche Wärmeübergangswiderstände durch
Schmutzschichten sind dabei zu vernachlässigen. In diesem Beispiel kommt die Zellenmethode (Abschn. 2.1) zur
Anwendung.
Lösung:
Gegeben sind die konstruktiven Daten eines Rohrbündelwärme-
In diesem Fall soll näherungsweise mit dem üblichen Mittelwert als übertragers. Die Stromführung besteht aus zwei inneren Durchgän-
mittlerem Wärmedurchgangskoeffizienten gerechnet werden: k  ~k gen und einem äuûeren Durchgang mit einem mantelseitigen Um-
C (vgl. Abschn. Cb). In Abschn. Cb Beispiel 2, wird gezeigt, daû der lenkblech.
übliche Mittelwert in diesem Fall eine sehr gute Näherung für den
Wärmeübertragung:
tatsächlichen mittleren Wärmedurchgangskoeffizienten ist.
k  A=4749 W/K;
Es müssen die Bezugstemperaturen (arithmetischer Mittelwert von
Ein- und Austrittstemperatur) geschätzt werden: Rohrseite Strom 1 im Auûenraum:
J1=100 C, im Auûenraum J2=60 C. Bei diesen Temperaturen _ 1 ˆ 3500 W=K, J01 ˆ 100  C
W
werden die Stoffwerte von Wasser und Luft bestimmt (Abschn. Strom 2 in den Rohren:
Dba und Dbb). Für den Wärmeübergang auf der Rohrseite ergibt
sich nach Abschn. Ga _ 2 ˆ 3500 W=K, J02 ˆ 20  C:
W
Gesucht sind die Austrittstemperaturen J001 und J002 . Um die Nach-
Re1=1,88  104 und
rechnung dieses Zahlenbeispiels zu erleichtern, wurde (un-
a1=4625 W/m2 K, realistisch) nur ein mantelseitiges Umlenkblech angenommen.

wobei die Korrektur für temperaturabhängige Stoffwerte vernach- Lösung:


lässigt wurde. Für den Wärmeübergang im Auûenraum ergibt sich Der Wärmeübertrager wird als System von vier gleichen Einzel-

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nach Abschn. Mb apparaten aufgefaût (Bild 14).

Re2=3,78  103 und

a2=48,7 W/m2 K.
Damit ist nach Abschn. Cb

k  A=4495 W/K.
Mit den Wärmekapazitätsströmen

W_ 1=4220 W/K und

W_ 2=2404 W/K
können die dimensionslosen Kenngröûen NTU2 und R2 bestimmt
werden:
Bild 14. System von vier gekoppelten Wärmeübertragern als Mo-
NTU2=1,87 (NTU1=1,06) dell für einen Rohrbündelwärmeübertrager mit zwei inneren Durch-
gängen und einem äuûeren Durchgang mit einem mantelseitigen
R2=0,57 (R1=1,76).
Umlenkblech in Schaltung A (Beispiel 2)
Aus dem Diagramm Bild 38 für gegensinnigen Kreuzgegenstrom
mit 6 Rohrreihen und 6 Durchgängen erhält man
Es wird angenommen, daû in den Einzelapparaten der Stoffstrom 2
P1=0,42 (P2=0,74). (in den Rohren) nicht quervermischt und der Stoffstrom 1 (im
Auûenraum) quervermischt ist. Als individuelle Stromführung des
Die gesuchten Austrittstemperaturen errechnen sich nach Gl. (9) Einzelapparates wird also der einseitig quervermischte Kreuzstrom
und (10) zu oder der Kreuzstrom mit einer Rohrreihe (Diagramm Bild 31, Gl. in
Tabelle 6) gewählt.
J001 ˆ 78  C und
Für den Gesamtapparat ergibt sich mit Hilfe von Gl. (11) und (12)
J002 ˆ 94  C:
NTU1 ges=NTU2 ges=1,357 (R1=R2=1).
Nach Gl. (7) ist die thermische Leistung
Entsprechend Gl. (17) erhält man für die einzelne Zelle
_
Q=177 kW.
1
NTU1,2 ˆ  NTU1,2 ges ˆ 0,3392:
Hinweis: 4
Dem Diagramm Bild 38 kann man entnehmen, daû im vorliegenden Aus der Gleichung für Kreuzstrom mit einer Rohrreihe (Tabelle 6)
Betriebspunkt der Korrekturfaktor F gröûer als 0,99 ist. Generell ergibt sich
gilt, daû die thermische Leistung für kleine NTU-Werte kaum von P1=P2=0,25.
der Stromführung beeinfluût wird. Man erhält dann mit den Glei-
chungen für reinen Gegenstrom (oder dem Diagramm Bild 17) Für die weiteren Rechnungen werden zur Vereinfachung dimen-
praktisch die gleichen Ergebnisse. Es läût sich aber keine generelle sionslose Temperaturen T1 und T2 gemäû Gl. (18) eingeführt.
Grenze angeben, unterhalb der der Einfluû der Stromführung ver-
Am Eintritt ist T10 ˆ 1 bzw. T20 ˆ 0. Die noch unbekannten dimen-
nachlässigbar ist (siehe z. B. die Stromführung ¹Beidseitiger Rühr-
sionslosen Austrittstemperaturen der Einzelapparate werden ent-
kesselª nach Bild 15 mit den NTU-Werten und Wärmekapazitäts-
sprechend Bild 14 mit T1 a , T1 b , T1c und T1 d=1 Ÿ P1 ges sowie T2 a ,
stromverhältnissen dieses Beispiels). Es wird empfohlen, immer
T2 b , T2 c und T2 d=P2 ges bezeichnet.
die Gleichung oder das Diagramm für die jeweils vorliegende
Stromführung zu verwenden, da dies keinen wesentlichen Mehrauf- Für die acht Unbekannten können acht Gleichungen angegeben
wand bedeutet. werden, wenn man die individuellen dimensionslosen Temperatur-
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Berechnung von Wärmeübertragern Ca 17

änderungen der Einzelapparate entsprechend den Definitionsglei- Lösung:


chungen (9) und (10) ausdrückt. Verfolgt man zunächst den Stoff- In diesem Beispiel soll ein Rohrbündelwärmeübertrager mit mehre-
strom 2, so ergeben sich der Reihe nach ren äuûeren und der jeweils doppelten Anzahl innerer Durchgänge
T2 a 0 T2 b T2 a gewählt werden. Diese Stromführung entspricht der Koppelung von
P2 a ˆ , P2 b ˆ ,
T1 b 0 T1 c T2 a mehreren gleichen Rohrbündelwärmeübertragern mit jeweils einem
äuûeren und zwei inneren Durchgängen in Gegenstromschaltung.
T2 c T2 b T2 d T2 c
P2 c ˆ , P2 d ˆ : Die dimensionslosen Temperaturänderungen für den gesamten Ap-
1 T2 b T1 a T2 c parat ergeben sich zu C
Bei untereinander gleichen Einzelapparaten ist 300 160
P2 a=P2 b=P2c=P2 d=P2 . Verfolgt man nun den Stoffstrom 1 auf P1 ges ˆ ˆ 0,7
300 100
seinem Weg durch die Einzelapparate, so erhält man
und
1 T1 c T1 c T1 b 270 100
P1 c ˆ , P1 b ˆ , P2 ges ˆ ˆ 0,85:
1 T2 b T1 c T2 a 300 100
T1 b T1 a T1 a T1 d Das Wärmekapazitätsstromverhältnis ist
P1 a ˆ , P1 d ˆ :
T1 b 0 T1 a T2 c
8500
Auch in diesem Fall gilt P1 a=P1 b=P1 c=P1 d=P1 . R1 ˆ ˆ 1,214 …R2 ˆ 0,8235†:
7000
Dieses lineare Gleichungssystem kann iterativ mit den bekannten Damit kann man aus Gl. (46) für die Serienschaltung gleicher Ein-
Verfahren aus der numerischen Mathematik gelöst werden. Die Er- zelapparate im Gegenstrom in Verbindung mit der Gleichung für
gebnisse sind in Tabelle 8 angegeben. den Rohrbündelwärmeübertrager mit einem äuûeren und zwei inne-
Aus den dimensionslosen Austrittstemperaturen T1d und T2d erge- ren Durchgängen (Tabelle 5) berechnen, daû mindestens drei äuûe-
re Durchgänge benötigt werden, um die geforderte Leistung zu er-
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ben sich die dimensionslosen Temperaturänderungen für den ge-


samten Apparat zu reichen. Bei drei äuûeren Durchgängen ist der Korrekturfaktor F
für die logarithmische mittlere Temperaturdifferenz etwas kleiner
P1 ges=P2 ges=0,5 als 0,7. Bei zu kleinen Werten von F (Faustregel F>0,7 bis 0,8,
vgl. aber auch [37]) liegt der Betriebspunkt in einem Bereich, in
und die wirklichen Austrittstemperaturen nach Gl. (9) und (10) zu
dem sich F bei kleinen ¾nderungen von P sehr stark ändert, so daû
J001 ˆ J002 ˆ 60  C: die thermische Leistung gegenüber Schwankungen sehr empfind-
lich ist. Praktisch benötigt man also für die geforderten Tempera-
turänderungen mindestens vier äuûere Durchgänge. Für vier
Tabelle 8. Ergebnisse der Berechnung der dimensions- äuûere Durchgänge ergibt sich mit P1=0,426 NTU1=0,95 und
losen Austrittstemperaturen der Einzelapparate für NTU1 ges=4 ´ 0,95=3,8.
P1=P2=0,25 Da die konstruktiven Details bei der Bemessung zunächst noch
T2 a T2 b T2 c T2 d T1 c T1 b T1 a T1 d nicht festliegen, muû man zur Abschätzung der Übertragungsfläche
auf Erfahrungswerte für den Wärmedurchgangskoeffizienten
0,167 0,333 0,5 0,5 0,833 0,667 0,5 0,5 (Abschn. Cc) zurückgreifen. Mit k=500 W/m2 K (Flüssigkeit in-
nerhalb und auûerhalb der Rohre) ergibt sich die erforderliche Ge-
samtfläche zu
_2
R1 NTU1 ges W
…Ages †erf ˆ  65 m2 :
k
5.2 Entwerfen oder Bemessen von
Wärmeübertragern Nach Festlegung der konstruktiven Details läût sich der Wärme-
durchgangskoeffizient bestimmen und durch Nachrechnen
In einem solchen Fall ist ein Wärmeübertragungspro- (Abschn. 5.1) überprüfen, ob die geforderte Leistung tatsächlich
blem gegeben, und es soll ein Wärmeübertrager entwor- erreicht wird.
fen werden, der die gestellte Aufgabe erfüllt. Das Ent- In diesem Fall lieû sich der NTU-Wert des Einzelapparates aus
werfen oder Bemessen ist eine weit schwierigere Aufga- einer expliziten Gleichung NTU=f (P, R) berechnen. Bei den mei-
be als das Nachrechnen und erfordert viel Erfahrung. Die sten Stromführungen ist dies nicht möglich. Dann muû die Glei-
Vorgehensweise richtet sich nach der speziellen Aufga- chung P=f (NTU, R) iterativ gelöst werden, wenn P und R gegeben
benstellung, besonders danach, welche Gröûen durch die sind und NTU gesucht ist.
Wärmeübertragungsaufgabe vorgeschrieben sind.

Beispiel 3 Beispiel 4
Gegeben sind die Wärmekapazitätsströme und die Eintrittstempera- Bei luftgekühlten Kreuzstromwärmeübertragern sind üblicherweise
turen: die Ein- und die Austrittstemperatur sowie die Wärmekapazität des
Prozeûstromes 1 gegeben, während von der Luft (Strom 2) nur die
W_ 1=8500 W/K, W_ 2=7000 W/K, Eintrittstemperatur bekannt ist. Man kennt jedoch Erfahrungswerte
J01 ˆ 300 C, 
J02 ˆ 100  C: für bevorzugte Luftanströmgeschwindigkeiten w2 bei bestimmten
Rippenrohrbündeln; mit diesen Werten läût sich der Wärmedurch-
Die geforderte Austrittstemperatur für Strom 1 ist J001 ˆ 160  C. Die gangskoeffizient und damit auch die Anzahl der Übertragungsein-
Austrittstemperatur für Strom 2 ergibt sich aus der Energiebilanz heiten NTU2 abschätzen. Hierzu müssen nicht die gesamte Übertra-
für den gesamten Apparat nach Gl. (7) zu J002 ˆ 270  C. gungsfläche A und die Anströmfläche f im einzelnen bekannt sein,
Es soll ein Rohrbündelwärmeübertrager mit mehreren äuûeren sondern nur deren Verhältnis, wie der Zusammenhang
Durchgängen und zwei inneren Durchgängen pro äuûerem Durch-
kA
gang eingesetzt werden. Wie groû muû die Zahl der äuûeren Durch- NTU2 ˆ …56†
gänge sein, und welche Gesamtfläche ist erforderlich? w2 f r2 cp2
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Ca 18 Berechnung von Wärmeübertragern 10. Auflage 2006

zeigt. Man kann auch den auf die Anströmfläche f bezogenen Wär- In Abschn. Cc sind für die überschlägige Berechnung Werte des
medurchgangskoeffizienten Wärmedurchgangskoeffizienten (auf die Auûenfläche bezogen)
von 12 bis 50 W/m2 K angegeben. Mit k=20 W/m2 K ergibt sich
kA
kf ˆ …57†
f
kf=2640 W/m2 K.
einführen, mit dem sich später sofort die erforderliche Anströmflä-
che berechnen läût: Die Luftanströmgeschwindigkeiten liegen üblicherweise im Be-
C reich von 2 bis 5 m/s. Mit w2=2 m/s ergibt sich nach Gl. (56)
…k A†erf
ferf ˆ : …58†
kf NTU2=1,25.
Es werden die Stromführung und die Wärmeübertragungsaufgabe Nach Gl. (9) ist
von Beispiel 1 verwendet.
Gegeben sind die Stromführung, bestehend aus Kreuzgegenstrom P1=0,5.
mit 6 Rohrreihen und 6 Durchgängen, gegensinnig, und die kon-
struktiven Daten des Rippenrohrbündels nach Beispiel 1 auûer der Aus dem Diagramm Bild 38 ergeben sich P2=0,57 und R2=0,88.
Rohrlänge. Der Prozeûstrom (Wasser, W_ 1=4220 W/K) soll von Damit ist
J01 ˆ 120  C auf J001 ˆ 70  C abgekühlt werden. Die Eintrittstempe-
ratur der Luft beträgt J02 ˆ 20  C. Es sollen die benötigte Anström- NTU1=R2 NTU2=1,10
fläche und die Rohrlänge berechnet werden.
und
Lösung:
Aus den geometrischen Daten des Rippenrohrbündels ergibt sich (k A)erf=4640 W/K.
das Verhältnis von Übertragungsfläche A zu Anströmfläche f

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Aus Gl. (58) folgt ferf=1,76 m2. Mit den geometrischen Daten des
A Rohrbündels ergibt sich die erforderliche Rohrlänge zu
ˆ 132:
f 1,96 m  2 m.

Bild 15. Beidseitiger Rührkessel


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10. Auflage 2006
Berechnung von Wärmeübertragern Ca 19

C
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Bild 16. Einseitiger Rührkessel

Bild 17. Reiner Gegenstrom


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Ca 20 Berechnung von Wärmeübertragern 10. Auflage 2006

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Bild 18. Reiner Gleichstrom

Bild 19.
Rohrbündelwärmeübertrager, ein äuûerer
und zwei innere Durchgänge, e=1/2
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Berechnung von Wärmeübertragern Ca 21

C
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Bild 20.
Rohrbündelwärmeübertrager, ein äuûerer
und vier innere Durchgänge

Bild 21.
Rohrbündelwärmeübertrager,
ein äuûerer und drei innere Durchgänge,
zwei im Gegenstrom, e=1/3
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Bild 22.
Rohrbündelwärmeübertrager, ein äuûerer
und zwei innere Durchgänge,
beide im Gegenstrom

Bild 23.
Rohrbündelwärmeübertrager,
ein äuûerer und fünf innere Durchgänge,
drei im Gegenstrom
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Berechnung von Wärmeübertragern Ca 23

C
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Bild 24.
Rohrbündelwärmeübertrager, geteilter
Auûenstrom mit einem Durchgang,
ein innerer Durchgang

Bild 25.
Rohrbündelwärmeübertrager,
geteilter Auûenstrom mit einem
Durchgang, zwei innere Durchgänge
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Ca 24 Berechnung von Wärmeübertragern 10. Auflage 2006

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Bild 26.
Rohrbündelwärmeübertrager, geteilter
Auûenstrom mit Längsumlenkblech
und jeweils zwei Durchgängen, zwei
innere Durchgänge

Bild 27.
Rohrbündelwärmeübertrager,
zweimal geteilter Auûenstrom mit zwei
Längsumlenkblechen und jeweils zwei
Durchgängen, zwei innere Durchgänge
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Berechnung von Wärmeübertragern Ca 25

C
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Bild 28.
Rohrbündelwärmeübertrager, zwei
äuûere und vier innere Durchgänge

Bild 29.
Rohrbündelwärmeübertrager, vier äuûere
und acht innere Durchgänge
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Ca 26 Berechnung von Wärmeübertragern 10. Auflage 2006

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Bild 30. Reiner Kreuzstrom

Bild 31.
Kreuzstrom mit einer Rohrreihe,
einseitig quervermischter Kreuzstrom
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Berechnung von Wärmeübertragern Ca 27

C
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Bild 32.
Beidseitig quervermischter Kreuzstrom

Bild 33.
Kreuzstrom mit zwei Rohrreihen
und einem Durchgang
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Bild 34.
Kreuzstrom mit drei Rohrreihen
und einem Durchgang

Bild 35.
Kreuzstrom mit zehn Rohrreihen
und einem Durchgang
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Berechnung von Wärmeübertragern Ca 29

C
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Bild 36.
Kreuzgegenstrom mit zwei Rohrreihen
und zwei Durchgängen, gegensinnig

Bild 37.
Kreuzgegenstrom mit drei Rohrreihen
und drei Durchgängen, gegensinnig
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Ca 30 Berechnung von Wärmeübertragern 10. Auflage 2006

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Bild 38.
Kreuzgegenstrom mit sechs Rohrreihen
und sechs Durchgängen, gegensinnig

Bild 39.
Kreuzgegenstrom mit vier Rohrreihen
und zwei Durchgängen, gegensinnig
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Berechnung von Wärmeübertragern Ca 31

C
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Bild 40.
Kreuzgegenstrom mit zwei Durchgängen,
gegensinnig, Strom 2 unvermischt, Strom 1
nur zwischen den Durchgängen vermischt

Bild 41.
Kreuzgegenstrom mit drei Durchgängen,
gegensinnig, Strom 2 unvermischt, Strom 1
nur zwischen den Durchgängen vermischt
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Ca 32 Berechnung von Wärmeübertragern 10. Auflage 2006

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Bild 42.
Plattenwärmeübertrager, ein Durchgang
für Strom 1, zwei Durchgänge für Strom 2

Bild 43.
Plattenwärmeübertrager, ein Durchgang
für Strom 1, drei Durchgänge für Strom 2,
zwei im Gegenstrom
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Berechnung von Wärmeübertragern Ca 33

C
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Bild 44.
Plattenwärmeübertrager, ein Durchgang
für Strom 1, vier Durchgänge für Strom 2

Bild 45.
Plattenwärmeübertrager, zwei Durchgänge
für Strom 1, vier Durchgänge für Strom 2,
Gegenstromschaltung
VDI-Wärmeatlas
Ca 34 Berechnung von Wärmeübertragern 10. Auflage 2006

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VDI-Wärmeatlas
10. Auflage 2006
Wärmedurchgang*) Cb 1

Gliederung

1 Örtlicher Wärmeübergangskoeffizient. . . . . . . . Cb 1 6.2 Drei-Punkt-Verfahren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Cb 4


6.2.1 Temperaturabhängige Wärme-
2 Mittlere Wärmeübergangskoeffizient. . . . . . . . . Cb 1 kapazitäten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Cb 4
6.2.2 Konstante Wärmekapazitäten . . . . . . . Cb 4
3 Örtlicher Wärmeübergangskoeffizient. . . . . . . . Cb 1 6.2.3 Mittelung der Wärmeübergangs- C
widerstände . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Cb 5
4 Mittlerer Wärmeübergangskoeffizient. . . . . . . . Cb 2 6.2.4 Andere Stromführungen . . . . . . . . . . . Cb 5

5 Berücksichtigung des Längeneffektes . . . . . . . . . Cb 2 7 Verminderung des Wärmedurchgangs infolge


von Schutzschichten und Verschmutzungen . . . Cb 6
6 Berücksichtigung des Temperatureffektes . . . . Cb 4
6.1 Übliche Methode . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Cb 4 8 Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Cb 7

1 Örtlicher Wärmeübergangskoeffizient widerstand Rw läût sich durch Addition der örtliche Wär-
medurchgangswiderstand und somit der örtliche Wärme-
Als Wärmedurchgang wird der stationäre Wärmetrans- durchgangskoeffizient berechnen:
port durch eine ein- oder mehrschichtige Wand mit
1 1 1
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Wärmeübergang an beiden Oberflächen bezeichnet. ˆ ‡ Rw ‡ : …2†


kloc A a1; loc A1 a2; loc A2
Der örtliche Wärmeübergangskoeffizient
aloc = aloc (x, J, Jw) Die Fläche A auf der linken Seite der Gleichung kann be-
liebig gewählt werden.
hängt bei konvektivem Wärmeübergang direkt vom
Strömungsweg x und zusätzlich von den örtlichen Tem- Der Wandwiderstand errechnet sich aus der Schicht-
peraturen des Fluids (J) und der Oberfläche der über- dicke d und der Wärmeleitfähigkeit l des Wandwerk-
strömten Wand (Jw) ab. Die direkte Abhängigkeit vom stoffes nach der Gleichung
Strömungsweg kommt durch die Entwicklung der Ge- d
schwindigkeits- und Temperaturprofile zustande und Rw ˆ ; …3†
l Am
wird Längeneffekt genannt. Die Temperaturabhängig-
keit wird durch die Veränderlichkeit der Stoffwerte mit wobei Am die für die Wärmeleitung maûgebende mittlere
der Temperatur oder durch Strahlung hervorgerufen und Fläche bedeutet.
als Temperatureffekt bezeichnet.
Für ein kreisrundes, zylindrisches Rohr gilt
A1 A2 d1 d2
2 Mittlerer Wärmeübergangskoeffizient Am ˆ ˆ pL …4†
A1 d1
ln ln
Aus den Berechnungsgleichungen für den konvektiven A2 d2
Wärmeübergang (Abschn. Ga) erhält man den mittleren
Wärmeübergangskoeffizienten und für eine Kugelschale
p
1 „L 1„ Am ˆ A1 A2 ˆ d1 d2 p: …5†
aˆ aloc dx ˆ aloc dA: …1†
L xˆ0 AA
Die örtlichen Temperaturen der wärmeübertragenden
Dies ist der bei konstanten Temperaturen J und Jw (oder Oberflächen Jw1 und Jw2 lassen sich nach den folgenden
bei konstanten Stoffwerten) über dem Strömungsweg Gleichungen berechnen:
oder der überströmten Fläche gemittelte Wärmeüber- a1, loc A1 (J1 Ÿ Jw1) = a2, loc A2 (Jw2 Ÿ J2)
gangskoeffizient.
Dieser mittlere Wärmeübergangskoeffizient ist nur be- = kloc A (J1 Ÿ J2). (6)
züglich des Längeneffektes gemittelt und hängt noch
von den örtlichen Temperaturen J und Jw ab: Besteht die Wand aus n Schichten, so errechnet sich der
gesamte Wandwiderstand aus der Summe der einzelnen
a = a (J, Jw). Wandwiderstände:
Xn Xn  
d
Rw ˆ Rwj ˆ : …7†
3 Örtlicher Wärmedurchgangskoeffizient jˆ1 jˆ1
l Am j

Aus den örtlichen Wärmeübergangswiderständen an bei- Die Zwischentemperaturen Jz, p hinter der p-ten Schicht,
den Oberflächen (A1 und A2) der Wand und dem Wand- von der Temperatur Jw1 aus gesehen, erhält man aus
*) Bearbeiter des Abschnitts Cb: Prof. Dr.-Ing. W. Roetzel und Dr.-Ing. B. Spang, Hamburg
VDI-Wärmeatlas
Cb 2 Wärmedurchgang 10. Auflage 2006

der Gleichung Kreuzgleichstrom, bei Gleichstromschaltungen mehrerer


X
n X
p Apparate und bei beidseitig quervermischtem Kreuz-
…Jw1 Jz; p † Rwj ˆ …Jw1 Jw2 † Rwj : …8† strom (gute Übereinstimmung mit Gleichstrom). Bei
jˆ1 jˆ1 reinem Kreuzstrom und Kreuzstromapparaten mit klei-
ner Anzahl von Durchgängen können gröûere Unter-
Der örtliche Wärmedurchgangskoeffizient nach Gl. (2) schiede auftreten [2].
C hängt von beiden Fluidtemperaturen, von beiden Wand-
temperaturen und von beiden Strömungswegen ab: Einschränkungen müssen auch bei den gemischten
Stromführungen gemacht werden, in denen sogenannte
kloc = kloc (J1, J2, Jw1, Jw2, x1, x2). oder echte Gleich- und Gegenstromdurchgänge auftre-
ten. Hierzu gehören die mehrgängigen Plattenwärme-
übertrager (echte Gleich- und Gegenstromdurchgänge)
und Rohrbündelapparate. Hier muû man bei genaueren
4 Mittlerer Wärmedurchgangskoeffizient Rechnungen für jeden Durchgang einen individuellen
(flächengemittelten) Wärmedurchgangskoeffizienten
Zur Anwendung der Gleichungen und Diagramme des berechnen, weil durch die relative Gröûe der Gleich-
Abschnitts Ca muû man einen geeigneten Mittelwert k strom- und Gegenstromdurchgänge (NTU-Werte)
für den über der Übertragungsfläche veränderlichen zueinander die Qualität der Stromführung beeinfluût
(Längeneffekt, Temperatureffekt) Wärmedurchgangs- wird (Abschn. Ca 3.3). Vereinfachend kann man auch
koeffizienten kloc vorausberechnen. Häufig wird ein für alle Gleichstromdurchgänge und alle Gegenstrom-
Mittelwert ~k berechnet, indem in den Gl. (2) und (6) die durchgänge je einen gemeinsamen Mittelwert berechnen

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örtlichen durch die mittleren Wärmeübergangskoeffizi- [3].
enten ersetzt werden: Bei temperaturabhängigen Wärmedurchgangskoeffi-
1 1 1 zienten und gröûeren Abweichungen vom reinen Gegen-
ˆ ‡ Rw ‡ : …9† strom oder Gleichstrom kann bei dem im folgenden be-
~kA a1 A1 a 2 A2
schriebenen Verfahren durch Korrektur der Bezugstem-
Dieser mittlere Wärmedurchgangskoeffizient hängt nur peraturen ein Näherungswert für k berechnet werden [2].
noch von den örtlichen Fluid- und Wandtemperaturen ab: Bei temperaturabhängigen spezifischen Wärmekapa-
~k = ~k (J1, J2, Jw1, Jw2). zitäten muû mit einem scheinbaren Mittelwert gerechnet
werden [2], der sich auch bei Gleich- und Gegenstrom
Bei der Berechnung des Wärmedurchgangskoeffizienten vom Mittelwert k nach Gl. (10) unterscheidet.
nach Gl. (9) oder der Wandtemperaturen sind im allge- Bei der Berechnung des gesuchten Mittelwertes k sind
meinen Iterationen notwendig, weil die Wärmeüber- der Längeneffekt und der Temperatureffekt zu unter-
gangskoeffizienten von den Wandtemperaturen abhän- scheiden; sie werden zweckmäûigerweise getrennt be-
gen und umgekehrt. In einigen praktisch wichtigen Fäl- rücksichtigt.
len kann der Wärmeübergangskoeffizient auch ohne Ite-
ration berechnet werden [1]. Der nach Gl. (9) berechnete
Mittelwert ~k ist nur eine Näherung für den wahren mitt-
leren Wärmedurchgangskoeffizienten k.
5 Berücksichtigung des Längeneffektes
Aus Gl. (1) bis (4) in Abschn. Ca folgt zunächst nur für
eine über der Übertragungsfläche unveränderliche Tem- Bei dem üblichen Mittelwert ~k nach Gl. (9) ist der Län-
peraturdifferenz (DJ = J1 Ÿ J2 = konst) für den wahren geneffekt nur näherungsweise berücksichtigt, denn man
Mittelwert müûte analog zu Gl. (1) entsprechend Gl. (10) den ört-
1 „ lichen Wärmedurchgangskoeffizienten kloc bei konstan-
k ˆ kA ˆ kloc dA; …10† ten Temperaturen (oder Stoffwerten) über der Fläche in-
AA
tegrieren, anstatt einfach mit den bereits integrierten
wobei der örtliche Wärmedurchgangskoeffizient in be- Wärmeübergangskoeffizienten zu rechnen.
liebiger Weise vom Ort und von den Temperaturen ab- Zur Unterscheidung wird deshalb der Mittelwert mit kor-
hängen darf. Wie man zeigen kann, ist darüber hinaus rekter Berücksichtigung des Längeneffektes k bezeich-
der flächengemittelte Wärmedurchgangskoeffizient net. Dieser Mittelwert hängt, ebenso wie der übliche
nach Gl. (10) bei Gleich- und Gegenstrom uneinge- Mittelwert ~k, noch von den örtlichen Fluid- und Wand-
schränkt der wahre Mittelwert, wenn die Wärmekapazi- temperaturen ab:
tätsströme konstant sind.
k = k (J1, J2, Jw1, Jw2).
Bei den meisten anderen Stromführungen gilt Gl. (10)
nicht. Je genauer jedoch das P1, P2-Diagramm im Be- In den meisten praktisch wichtigen Fällen (z. B. turbu-
triebsbereich mit dem Diagramm für reinen Gegenstrom lente Strömung auf beiden Seiten) ist der Längeneffekt
oder dem für reinen Gleichstrom übereinstimmt, um so so schwach ausgeprägt, daû die vereinfachte, übliche Be-
geringer ist der Unterschied zwischen kA und k. rechnungsweise nach Gl. (9) eine brauchbare Näherung
Besonders gering ist der Unterschied bei Kreuzgegen- darstellt (~k  k [5]).
strom und bei Gegenstromschaltungen mehrerer Appara- Bei ausgeprägtem Längeneffekt können allerdings
te (gute Übereinstimmung mit Gegenstrom) sowie bei unzulässige Fehler auftreten. So beträgt bei laminarer
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Wärmedurchgang Cb 3

Strömung der Fehler bis zu 10% auf der unsicheren Seite entwickelt [5; 6]. Bei der Berechnung der mittleren
(~k  k). In diesen Fällen sollte der Näherungswert ~k kor- Wärmeübergangskoeffizienten aL für laminare Strö-
rigiert werden: mung (Abschn. Ga) ist zu beachten, daû die Randbedin-
k = ~k V. gungen von der Stromführung abhängen. So wird bei
(11)
etwa gleich groûen Wärmekapazitätsströmen (R  1)
Die Korrekturfaktoren V  1 können nach den folgenden der Gegenstrom besser mit der Randbedingung ¹kon-
Gleichungen berechnet werden, wobei zwischen mehre- stante Wärmestromdichteª, der Gleichstrom besser mit C
ren Fällen zu unterscheiden ist [6; 7]. der Randbedingung ¹konstante Wandtemperaturª be-
schrieben.
Mit den Abkürzungen
a) Längeneffekt auf einer Seite
a1 = aL 1 A1, a2 = aL 2 A2 (14)
Es wird angenommen, daû der Wärmeübergangskoeffi-
für die Produkte aus den mittleren laminaren Wärme-
zient aL, loc eines der beiden Ströme entsprechend der
übergangskoeffizienten und den Wärmeübertragungs-
Gleichung
  flächen gelten folgende Näherungsgleichungen:
1  x  1=p
aL; loc ˆ aL 1 Gegenstrom
p L
0,65 ‡ 0,23  Rw …a1 ‡ a2 †
mit ganzzahligem p  2 direkt vom Strömungsweg x Vˆ1 a1 a2
abhängt. Bei laminarer Strömung in Kanälen konstanten 4; 1 ‡ ‡ ‡ 3 Rw …a1 ‡ a2 † ‡ 2 R2w a1 a2
a2 a1
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Querschnitts ist p = 3 [5; 6]. Der Wärmeübergangs- (15)


koeffizient des anderen Stromes ist nicht direkt vom
Strömungsweg abhängig. Dann gilt Kreuzstrom
"    0,44 ‡ 0,23  Rw …a1 ‡ a2 †
p 1 p 1 p V ˆ1 a1 a2 :
V ˆ …1‡ u†…p 1† u ln 1‡ 4;1‡ ‡ ‡ 3 Rw …a1 ‡ a2 † ‡ 2 R2w a1 a2
p u…p 1† a2 a1
 j # (16)
p 1
X
p 2 u Gl. (16) gilt zunächst für Kreuzstromführungen mit
p …12†
‡ einem Durchgang auf beiden Seiten. Bei mehreren
jˆ0
p 1 j
Durchgängen mit jeweils neuem thermischen Anlauf
mit der Abkürzung muû Gl. (16) auf jeden Durchgang angewendet werden.
aL AL
uˆ 1;
~k A Gleichstrom
wobei AL die Oberfläche der Wand auf der Seite des vom Mit der Abkürzung
Strömungsweg abhängigen Wärmeübergangskoeffizien- Rw
ten ist. Gl. (12) gilt für alle ganzzahligen Werte p  2 Zˆ …17†
1 1
und beliebige Werte von u. Ihre numerische Auswertung ‡
a1 a2
bereitet aber für p > 5 und u > 1 Schwierigkeiten. In die-
sem Fall kann folgende über eine Reihenentwicklung gilt [7]
hergeleitete Gleichung verwendet werden:   
4 8 3
X
1 V ˆ …1 ‡ Z† 1 Z ‡ Z 2 ln 1 ‡ : …18†
1 3 9 2Z
V ˆ …1 ‡ u† …p 1†  j …13†
jˆ1 p 1 Bei Spiralwärmeübertragern tritt ein zusätzlicher Län-
u …1 p j†
p geneffekt dadurch auf, daû die Wärmeübergangskoeffi-
für u (p Ÿ 1)/p > 1. Gl. (13) gilt auch für nichtganzzahli- zienten vom Krümmungsradius der Kanalwand abhän-
ge Werte von p. Wird die Reihe nach m Gliedern abge- gen, der sich (bei der archimedischen Spirale linear) mit
brochen, so ist der Abbruchfehler stets kleiner als der Be- dem Strömungsweg verändert.
trag des (m + 1)-ten Gliedes. Gl. (12) und (13) gelten Dieser Längeneffekt wird durch die übliche Berech-
für jede beliebige Stromführung (ohne Längsvermi- nungsweise mit gemittelten Wärmeübergangsko-
schung). effizienten genügend genau berücksichtigt, da sich
(ähnlich wie bei zwei laminaren Strömen im Gleich-
strom) die Wärmeübergangskoeffizienten auf beiden
b) Beide Ströme laminar Seiten der gekrümmten Wand in der gleichen Weise
verändern. Die laminaren Längeneffekte sind unabhän-
Die folgenden Gleichungen wurden für laminare Strö- gig davon in der oben beschriebenen Weise zu berück-
mung in Kanälen konstanten Querschnitts mit Längenef- sichtigen.
fekten entsprechend der Gleichung
Andere ausgeprägte Abhängigkeiten der örtlichen
2  x  1=3
aL; loc ˆ aL Wärmeübergangskoeffizienten vom Strömungsweg
3 L treten in Kanälen veränderlichen Querschnitts auf, z. B.
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Cb 4 Wärmedurchgang 10. Auflage 2006

in konischen Rohren. In derartigen Fällen kann auch der der mittleren Stützstelle ¹1/2ª. Er wird wie folgt ermit-
Mittelwert k durch Integration bei konstanten Tempera- telt [4].
turen über dem Strömungsweg x mit mehreren Stützstel- Zunächst berechnet man die dort herrschende, örtliche
len berechnet werden. Beim konischen Rohr wäre es hypothetische Temperaturdifferenz
hierbei vorteilhaft, das Produkt kloc  d über der Länge zu
integrieren. DJ1=2 ˆ …DJa DJb †1=2 : …20†
C
Danach werden die örtlichen spezifischen Enthalpien
beider Fluide h1,1/2 und h2,1/2 mit Hilfe der Gleichung
(i = 1, 2)
6 Berücksichtigung des Temperatureffektes
DJ1=2 DJb
6.1 Übliche Methode hi; 1=2 ˆ hi; b ‡ …hi; a hi; b † …21†
DJa DJb
Die einfachste Methode besteht darin, den temperaturab- berechnet, wobei hi, a und hi, b die Enthalpien an beiden
hängigen Mittelwert k für je eine mittlere Fluidtempera- Enden des Wärmeübertragers bedeuten. Im Grenzfall
tur (Bezugstemperatur), meist den arithmetischen Mit- DJa = DJb (R = 1) nimmt der Quotient in Gl. (21) den
telwert von Ein- und Austrittstemperatur Wert 1/2 an.
1 0 Aus den Enthalpien h1,1/2 und h2,1/2 werden jetzt mit
Ji ˆ …J ‡ J00i † mit i ˆ 1; 2;
2 i Hilfe von Zustandsgleichungen, Tabellen oder Diagram-
zu berechnen. Ebenso wird meist bei der Berechnung des men die örtlichen, wahren Temperaturen J1,1/2 (h1,1/2)

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Druckverlustes verfahren (vgl. Abschn. Laa). Bei stark und J2,1/2 (h2,1/2) ermittelt. Mit diesen Bezugstem-
temperaturabhängigen Stoffwerten oder bei Strahlung peraturen werden die wahre örtliche Temperaturdiffe-
und freier Konvektion kann diese Berechnungsweise zu renz DJ1/2 und der wahre Wärmedurchgangskoeffizient
unzulässigen Fehlern führen. In solchen Fällen wird eine k1/2 (J1,1/2; J2,1/2) sowie daraus der scheinbare Wärme-
genauere Methode mit Berechnung der Wärmeüber- durchgangskoeffizient
gangskoeffizienten an mehreren Punkten des Wärme-
übertragers empfohlen [4; 5]. In ähnlicher Weise kann k ˆ k1=2 DJ1=2 …22†
1=2
DJ1=2
man auch den Druckverlust genauer berechnen [4; 5].
und damit der gesuchte Wärmedurchgangskoeffizient k
6.2 Drei-Punkt-Verfahren nach Gl. (19) berechnet.
Dieser Mittelwert k ist bei veränderlichen Wärmekapazi-
Dieses Verfahren gilt für Gleich- und Gegenstrom (ein- täten ebenfalls als ein scheinbarer Wärmedurchgangsko-
schlieûlich des Grenzfalls W_ 1 = 1 oder W_ 2 = 1 bei effizient aufzufassen, der sich von dem flächengemittel-
beliebigen Stromführungen auûer Rührkessel). Sowohl ten Wert nach Gl. (10) und sogar von einem über der
temperaturabhängige Wärmeübergangskoeffizienten als Übertragungsfläche unveränderlichen Wärmedurch-
auch temperaturabhängige Wärmekapazitäten können gangskoeffizienten k = ka = kb = k1/2 unterscheidet:
berücksichtigt werden.
k 6ˆ k.
Bei gleichzeitig auftretenden, ausgeprägten Temperatur-
und Längeneffekten wird angenommen, daû sich der ört- Bei stark temperaturabhängigen spezifischen Wärme-
liche Wärmedurchgangskoeffizient kloc (wie ein Wärme- kapazitäten oder bei anderen ausgeprägten Nichtlinea-
übergangskoeffizient) im betrachteten Zustandsbereich ritäten zwischen Enthalpie und Temperatur (z. B.
als Produkt einer reinen Ortsfunktion und einer reinen Kondensationskurve h (J) bei der Kondensation von
Temperaturfunktion annähern läût [5]. Gemischen) kann es bei Gegenstrom mit groûen Werten
Der gesuchte Mittelwert k wird nach der Gleichung von NTU1  NTU2 vorkommen, daû sich die Tempera-
turverläufe beider Fluide rein rechnerisch schneiden
1 1 1 2 1 1 1 (J1 = J2). Dies bedeutet, daû der Prozeû so nicht mög-
ˆ ‡  ‡  …19†
k 6 ka 3 k1=2 6 kb lich ist.

berechnet. Ein derartiger Fall liegt vor, wenn bei positiven Werten
von DJa, DJb und DJ1=2 die Temperaturdifferenz DJ1/2
Hierin bedeuten ka und kb die mittleren Wärmedurch- negativ wird oder verschwindet.
gangskoeffizienten an beiden Enden ¹aª und ¹bª des
Gleich- oder Gegenstromapparates, berechnet mit den
dort herrschenden Ein- und Austrittstemperaturen. Die 6.2.2 Konstante Wärmekapazitäten
örtlichen, positiven Temperaturdifferenzen an beiden
Enden werden mit DJa und DJb bezeichnet. Im Sonderfall konstanter Wärmekapazitäten, den man
vielfach näherungsweise annehmen darf, vereinfacht
sich die Berechnung an der mittleren Stützstelle.
6.2.1 Temperaturabhängige Wärmekapazitäten Die hypothetische und die wahre Temperaturdifferenz
Der in Gl. (19) erscheinende Wärmedurchgangskoeffizi- stimmen überein: DJ1=2 ˆ DJ1=2 , ebenso wie der schein-
ent k1=2

ist ein für veränderliche Wärmekapazitäten maû- bare und der wahre Wärmedurchgangskoeffizient
gebender, scheinbarer Wärmedurchgangskoeffizient an k ˆ k1=2 .
1=2
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Wärmedurchgang Cb 5

Auûerdem lassen sich die Bezugstemperaturen J1,1/2 und Gl. (19) und (22) k durch a und 1/Rw ersetzt. Die drei-
J2,1/2 mit Hilfe von Gl. (21) direkt berechnen, indem in malige Anwendung der Gl. (19) liefert dann die für ver-
Gl. (21) die Enthalpien durch die Temperaturen ersetzt änderliche Wärmekapazitäten maûgebenden, schein-
werden: baren Mittelwerte (bezüglich Temperatureffekt) beider
DJ1=2 DJb Wärmeübergangskoeffizienten und des Wandwider-
Ji; 1=2 ˆ Ji; b ‡ …Ji; a Ji; b † : …23† standes.
DJa DJb C
Anschlieûend kann man den bezüglich des Temperatur-
effekts gemittelten Wert ~k nach Gl. (9) und bei laminarer
Beispiel 1 Strömung mit Hilfe der Korrekturgleichungen (11) bis
Durchgerechnet wird ein von Colburn [9] angegebenes Beispiel mit
(18) den gesuchten Mittelwert k = k berechnen.
dem Drei-Punkt-Verfahren.
6.2.4 Andere Stromführungen
In einem Gegenstromwärmeübertrager soll Anilin
(W_ 1 = 5,4 kW/K) von J01 ˆ 125  C auf J001 ˆ 25  C abgekühlt wer- Das streng nur für reinen Gleich- und Gegenstrom gülti-
den. Als Kühlmittel wird Wasser (W_ 2 = 12 kW/K) mit der Ein- ge Drei-Punkt-Verfahren läût sich näherungsweise auch
trittstemperatur J02 ˆ 20  C verwendet. Aus der Energiebilanz folgt auf hinsichtlich des thermischen Verhaltens ähnliche
J002 ˆ 65  C. Der Wandwiderstand sei 1,76  10Ÿ4 K/W. Die Wärme-
Stromführungen anwenden.
kapazitäten sind hier (Flüssigkeiten) in guter Näherung konstant.
Die Strömung ist auf beiden Seiten turbulent, so daû auch Längen- Dem Gegenstrom ähnlich sind die Gegenstromschaltung
effekte keine Rolle spielen. im Spiralwärmeübertrager, alle Kreuzgegenstromfüh-
Für die von Colburn verwendeten Daten kann die Temperaturab- rungen und Systeme von Einzelapparaten in Gegen-
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hängigkeit der Wärmeübergangskoeffizienten durch folgende Zah- stromschaltung. Bei einem System von gleichen Appara-
lenwertgleichungen ausgedrückt werden [9] (in SI-Einheiten umge- ten kann ein für alle Apparate gültiger, gemeinsamer
rechnet): mittlerer Wärmedurchgangskoeffizient wie für einen
a1 ˆ 829 ‡ 8,3 J1 ‡ 0,0834 J21 einzigen Gegenstromapparat berechnet werden. Die Ge-
a2 = 6092 (1 + 0,0127 J2) samtwirkung wird dadurch richtig beschrieben, Zwi-
schentemperaturen werden allerdings mit dem gemein-
J in C, a in W/(m2K).
samen Mittelwert nicht richtig berechnet. Bei gröûeren
Die übliche Methode (Berechnung der Wärmeübergangskoeffizien- Abweichungen vom reinen Gegenstrom empfiehlt sich
ten bei den mittleren Fluidtemperaturen J1m = 75 C bzw.
eine zusätzliche Korrektur der Bezugstemperaturen zur
J2m = 42,5 C) liefert hier mit A1 = A2 = A den Näherungswert
k = 1245 W/(m2K). Berechnung des wahren Wärmedurchgangskoeffizienten
[7]. Hierbei wird als Maû für die Abweichung vom rei-
Beim Drei-Punkt-Verfahren müssen zunächst die mittleren Wärme- nen Gegenstrom der Korrekturfaktor F verwendet. Die
durchgangskoeffizienten ka und kb an den beiden Enden berechnet
werden. Daraus ergibt sich
Korrektur verschwindet, wenn F = 1 wird.
ka (J1 = 125 C, J2 = 65 C) = 1720 W/(m2K) Zur Vereinfachung wird nur am mittleren Bezugspunkt
kb (J1 = 25 C, J2 = 20 C) = 816 W/(m2K).
¹1/2ª korrigiert, und diese Korrektur wird zum Aus-
gleich mit dem vergröûerten Gewicht 3/2 versehen [2].
Die örtliche Temperaturdifferenz DJ1=2 ˆ DJ1=2 (konstante Wär- Die Korrekturgleichungen lauten dann für i = 1, 2 und
mekapazitäten) an der mittleren Stützstelle ¹1/2ª ist nach Gl. (20) den Bezugspunkt ¹1/2ª
DJ1=2 ˆ 17; 3 K. Aus Gl. (23) ergeben sich die Stoffstromtempera-
turen an der Stützstelle ¹1/2ª zu 3
Ji; 1=2; korr ˆ Ji; 1=2 ‡ … 1†i
J1,1/2 = 47,4 C und J2,1/2 = 30,1 C 2
1 F : …24†
und damit der mittlere Wärmedurchgangskoeffizient zu  …J1; 1=2 J2; 1=2 † 2=3
k ˆ k1=2 ˆ 996 W=…m2 K†: 1 ‡ Ri
1=2
Mit Gl. (19) erhält man als Näherung für den gesuchten Mittel- Die beiden korrigierten Bezugstemperaturen werden nur
wert k = 1030 W/(m2K). Eine numerische Rechnung mit zur Berechnung der wahren Wärmedurchgangskoeffizi-
einem Differenzenverfahren führt zu einem exakten Wert enten k1/2 verwendet; die übrigen Gleichungen bleiben
k = 1034 W/(m2K).
unberührt.
Die Colburn-Methode [9] liefert für dieses Beispiel
ebenfalls gute Ergebnisse, weil der Wärmedurchgangs- Beispiel 2
koeffizient zufällig nahezu linear von der Temperatur Es soll überprüft werden, ob der für die Rechnung in Beispiel 1 des
des Anilins abhängt, was für ihre Gültigkeit Vorausset- Abschnitts Ca verwendete übliche Mittelwert ausreichend genau
zung ist. In allgemeineren Fällen kann die Colburn- ist.
Methode sehr fehlerhafte Ergebnisse liefern, während
das vorgeschlagene Drei-Punkt-Verfahren seine Genau- Lösung:
igkeit beibehält.
Da die Strömung in diesem Fall auf beiden Seiten turbulent ist,
muû nur der Temperatureffekt berücksichtigt werden: k = ~k. Die
6.2.3 Mittelung der Wärmeübergangswiderstände Wärmekapazitäten des Wassers und der Luft ändern sich im vorlie-
genden Temperaturbereich und bei den vorliegenden Drücken nur
Wegen der Additivität der Wärmeübergangswiderstände geringfügig, so daû hypothetische und wahre Temperaturdifferenz
in Gl. (9) und (19) lassen sich die Gl. (19) bis (23) auch sowie scheinbarer und wahrer Wärmedurchgangskoeffizient prak-
getrennt auf 1/a1, Rw und 1/a2 anwenden, indem man in tisch übereinstimmen.
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Cb 6 Wärmedurchgang 10. Auflage 2006

Zunächst müssen die Austrittstemperaturen geschätzt werden. Man eher wie Gegenstrom und der beidseitig quervermischte
verwendet die in Abschn. Ca, Beispiel 1, errechneten Austrittstem- Kreuzstrom eher wie Gleichstrom.
peraturen. Somit sind die Temperaturen an den beiden Enden des
Wärmeübertragers Bei gemischten Stromführungen mit Gleich- und Gegen-
stromdurchgängen gelten besondere Überlegungen. Bei
J1; a ˆ J01 ˆ 120  C; J2; a ˆ J002 ˆ 94  C
einem Rohrbündelapparat, z. B. mit einem äuûeren und n
und inneren Durchgängen (1, n-RWÜ), sollte man für jeden
C Durchgang ,, jª einen individuellen Mittelwert kj berech-
J1; b ˆ J001 ˆ 78  C; J2; b ˆ J02 ˆ 20  C:
nen. Hierzu kann man einen für alle Durchgänge gülti-
Die Temperaturdifferenz an der mittleren Stützstelle ¹1/2ª ist nach gen, mittleren Wärmeübergangskoeffizienten a1 für den
Gl. (20) DJ1=2 ˆ DJ1=2 . Für die Fluidtemperaturen an der Stützstel- Auûenstrom nach dem Drei-Punkt-Verfahren berechnen
le ¹1/2ª ergibt sich aus Gl. (23) (konstante Wärmekapazitäten)
und hierbei den Gesamtapparat als Gleichstromapparat
J1,1/2 = 103 C, J2,1/2 = 64 C. Da der Korrekturfaktor F gröûer ist
als 0,99 (Abschn. Ca Beispiel 1), ist die Korrektur nach Gl. (24) auffassen.
vernachlässigbar. Die individuellen Wärmeübergangskoeffizienten a2, j für
Bei den Fluidtemperaturen an den beiden Enden a und b sowie an den Rohrstrom lassen sich (bei kleinen Temperaturände-
der mittleren Stützstelle ¹1/2ª werden den Tabellen in Abschn. Dba rungen in jedem Durchgang) nach der üblichen Methode
und Dbb (gegebenenfalls durch Interpolation) die Stoffwerte für mit einer einmaligen Berechnung beim arithmetischen
Wasser beim Druck von 10 bar und für Luft bei 1 bar entnommen. Mittelwert der Endtemperaturen des betreffenden Durch-
Mit diesen Stoffwerten ergeben sich nach Abschn. Ga für die rohr- gangs errechnen [3; 4]. Der individuelle Mittelwert kj
seitigen Wärmeübergangskoeffizienten kann dann, wie beschrieben, falls erforderlich mit dem
an der Stelle a: a1, a = 4912 W/(m2K), jeweiligen Korrekturfaktor V für Gleich- bzw. Gegen-

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an der Stelle b: a1, b = 4129 W/(m2K) und strom, berechnet werden.
an der Stelle ,,1/2ª: a1,1/2 = 4668 W/(m2K).
Auch temperaturabhängige Wärmekapazitäten kann
Im Auûenraum ergibt sich nach Abschn. Mb man beim 1, n-RWÜ berücksichtigen [3; 4]. Der Effekt
an der Stelle a: a2, a = 50,3 W/(m2K), ist jedoch bei Flüssigkeiten auf beiden Seiten vernach-
an der Stelle b: a2, b = 46,8 W/(m2K) und lässigbar.
an der Stelle ,,1/2ª: a2,1/2 = 49,0 W/(m2K).

Gl. (9) liefert die mittleren Wärmedurchgangskoeffizienten k = ~k.


Es ergibt sich
7 Verminderung des Wärmedurchgangs
an der Stelle a: ka A = 4679 W/K,
an der Stelle b: kb A = 4253 W/K und durch Schutzschichten und
an der Stelle ,,1/2ª: k1/2 A = 4528 W/K, Verschmutzungen
wobei die Fläche A beliebig ist. Nach Gl. (19) ist der gesuchte Mit-
telwert k A = 4504 W/K. Im vorliegenden Fall weicht also der übli- Viele Wärmeübertragungsflächen müssen wegen korro-
che Mittelwert k A = 4495 W/K nur geringfügig vom tatsächlichen dierender Stoffe mit einer Schutzschicht versehen wer-
Mittelwert ab. den. Auûerdem können sich durch chemische Umsetzun-
gen zwischen dem Übertragungswerkstoff und dem strö-
Für Gleichstromspiralapparate, Kreuzgleichstrom und menden Medium teils erwünschte, teils unerwünschte
Systeme von Wärmeübertragern in Gleichstromschal- Schichten bilden, z. B. Oxidschichten. Ferner werden die
tung gelten entsprechende Überlegungen wie für Gegen- Heiz- oder die Kühlflächen häufig durch Abscheidungen
strom. Das Gleichstromsystem kann zur Berechnung des aus dem strömenden Stoff belegt. Hierbei entstehen
gemeinsamen Mittelwertes k als ein Gleichstromapparat mehr oder weniger festhaftende Schichten (Abschn.
aufgefaût werden, solange P1ges + P2 ges < 1 ist. Od).
Bei anderen Stromführungen läût sich durch Vergleich Alle diese Ablagerungen hemmen den Wärmefluû durch
des P1, P2-Diagramms mit dem des Gegenstroms bzw. die Wandung. Ihr Einfluû hängt auûer von der Dicke der
des Gleichstroms entscheiden, ob die betreffende Strom- Schicht und ihrer Wärmeleitfähigkeit vor allem von dem
führung eher dem Gegenstrom oder dem Gleichstrom zu- Wärmedurchgang durch die Wand selbst ab. Während
zurechnen ist. So verhält sich z. B. der reine Kreuzstrom z. B. eine Verbleiung der Heizfläche bei einem Gasküh-

Tabelle 1. Wärmeleitfähigkeit in W/m K bei Raumtemperatur

Schutzschichten Verschmutzungen
Zinn 65 Oppanol 0,2 bis 0,35 Kesselstein, gipsreich 0,6 bis 2,3
Blei 35 säurefeste Steine  1,2 Kesselstein, silikatreich 0,08 bis 0,18
Glas 0,76 bis 0,84 Kohlenstoffstein 1,6 bis 4,7 Ruû, trocken 0,035 bis 0,07
Quarzglas 1,34 Porzellan 1,7 bis 3,5 Kohlenstaub, trocken 0,11
Email 0,9 bis 1,2 Eis 1,75 bis 2,3
Gummi 0,15 bis 0,17 Kühlwasser-Gallertschicht  0,35
Asphalt 0,76 Sole-Gallertschicht  0,46
Igelit 0,16 Salz  0,6
(PVC-Folie)
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10. Auflage 2006
Wärmedurchgang Cb 7

ler praktisch ohne Wirkung auf den Wärmedurchgang [2] Spang, B., u. W. Roetzel: Test of a Thermal Design Method
ist, kann dieselbe Bleischicht die Wärmeleistung eines Considering Variable Transfer Coefficients and Heat Capaci-
Verdampfers bei den hier üblichen hohen Wärmestrom- ties for Cross-Flow Arrangements. Heat Transfer, 3rd UK
Natnl. Conf. Incorp. 1st Europ. Conf. Thermal Sciences,
dichten stark herabsetzen. IChemE Symp. Ser. No. 129, 1992, Vol. 1, S. 435/442.
Die Verminderung des Wärmedurchgangs läût sich [3] Roetzel, W., u. B. Spang: Analytisches Verfahren zur thermi-
durch den Berichtigungsfaktor ausdrücken: schen Berechnung mehrgängiger Rohrbündelwärmeübertra-
ger. Fortschr.-Ber. VDI, Reihe 19, Nr. 18. Düsseldorf: VDI- C
k = j k o. (25) Verlag 1987.
[4] Roetzel, W.: Analytische Berechnung von Wärmeübertragern
Hierbei ist ko der Wärmedurchgangskoeffizient ohne Be- mit nachträglicher Berücksichtigung temperaturabhängiger
rücksichtigung der Schichten und k der wirkliche Wär- Wärmekapazitäten. Wärme- und Stoffübertragung 23 (1988)
medurchgangskoeffizient. Mit den Schichtdicken dj und S. 175/177.
[5] Roetzel, W.: Berücksichtigung veränderlicher Wärmeüber-
den entsprechenden Wärmeleitfähigkeiten lj ergibt sich
gangskoeffizienten und Wärmekapazitäten bei der Bemes-
Xn   sung von Wärmeaustauschern. Wärme- und Stoffübertragung
1 d
ˆ 1 ‡ ko A : …26† 2 (1969) S. 163/170.
j jˆ1
l Am j [6] Peters, D. L.: Heat Exchanger Design with Transfer Coeffici-
ents Varying with Temperature or Length of Flow Path. Wär-
Tabelle 1 gibt die Wärmeleitfähigkeit einiger Schutz- me- und Stoffübertragung 3 (1970) S. 222/226.
schichten sowie von Verschmutzungen wieder. Weitere [7] Roetzel, W.: Heat Exchanger Design with Variable Transfer
Werte für die Wärmeleitfähigkeit besonders von Bau- Coefficients for Cross-Flow and Mixed Flow Arrangements.
stoffen und Dämmschichten finden sich in Abschn. Dec, Int. J. Heat Mass Transfer 17 (1974) S. 1037/1049.
[8] Roetzel, W.: Calculation of Single Phase Pressure Drop in Heat
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Ded, Werte bezüglich Schmutzschichten in Abschn. Od. Exchangers Considering the Change of Fluid Properties along
the Flow Path. Wärme- und Stoffübertragung 6 (1973) S. 3/
13.
8 Literatur [9] Colburn, A. P.: Mean Temperature Difference and Heat Trans-
fer Coefficient in Liquid Heat Exchangers. Ind. Eng. Chem.
[1] Roetzel, W.: Iteration-Free Calculation of Heat Transfer Coef- 25 (1933) S. 873/877.
ficients in Heat Exchangers. Chem. Eng. J. 13 (1977) No. 3,
S. 233/237.
VDI-Wärmeatlas Überschlägige Wärmedurchgangskoeffizienten Cc 1
10. Auflage 2006 bei einigen Wärmeübertragerbauarten*)

Die im folgenden zusammengestellten Erfahrungswerte keit, dünnen Flüssigkeitsschichten, optimalen Mengen-


sollen zur überschlägigen Berechnung von Wärmeüber- verhältnissen der beiden Stoffe zueinander und bei sau-
tragern dienen. Die kleineren Werte gelten für verhält- beren Oberflächen) einzusetzen. Die angegebenen Werte
nismäûig unvorteilhafte Bedingungen (z. B. bei kleinen können in Sonderfällen nach oben oder unten überschrit-
Strömungsgeschwindigkeiten, zähen Flüssigkeiten, frei- ten werden; sie sind deshalb mit der nötigen Kritik und
er Konvektion und bei der Neigung zu Verschmutzun- Vorsicht zu verwenden. In diesen k-Werten sind die
gen), die groûen Werte sind bei besonders geeigneten Wärmeleitwiderstände von Isolier- und Schutzschichten C
Bedingungen (z. B. bei groûer Strömungsgeschwindig- nicht berücksichtigt.

Bauart Übertragungsbedingungen überschlägiger


k-Wert
W/m2 K

Gas (  1 bar) innerhalb und 5 bis 35


Gas (  1 bar) auûerhalb der Rohre
Gas, Hochdruck (200 bis 300 bar) auûerhalb und 150 bis 500
Gas, Hochdruck (200 bis 300 bar) innerhalb der Rohre
Flüssigkeit auûerhalb (innerhalb) und 15 bis 70
Gas (  1 bar) innerhalb (auûerhalb) der Rohre
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Gas, Hochdruck (200 bis 300 bar) innerhalb und 200 bis 400
Flüssigkeit auûerhalb der Rohre
Flüssigkeit innerhalb und auûerhalb der Rohre 150 bis 1200
Heizdampf auûerhalb und 300 bis 1200
Flüssigkeit innerhalb der Rohre
als Verdampfer und Kondensator
siehe unten

Heizdampf auûerhalb der Rohre


1. mit natürlichem Umlauf
a) zähe Flüssigkeiten 300 bis 900
b) dünne Flüssigkeiten 600 bis 1700
2. mit Zwangsumlauf 900 bis 3000
Ammoniak-Verdampfer, mit Sole geheizt 200 bis 800

Kühlwasser innerhalb und 300 bis 1200


organische Dämpfe oder Ammoniak
auûerhalb der Rohre
Dampfturbinenkondensator 1500 bis 4000
(reiner Wasserdampf; dünne Messingrohre)
k-Wert nimmt mit wachsendem Inertgas-Anteil
stark ab.

*) Bearbeiter des Abschnitts Cc: Prof. Dr.-Ing. W. Roetzel und Dr.-Ing. B. Spang, Hamburg
Cc 2 Überschlägige Wärmedurchgangskoeffizienten VDI-Wärmeatlas
bei einigen Wärmeübertragerbauarten 10. Auflage 2006

Bauart Übertragungsbedingungen überschlägiger


k-Wert
W/m2 K

heiûe Gase innerhalb der Rohre und 15 bis 50


siedendes Wasser auûerhalb der Rohre
C

Wasserdampf oder Heiûwasser innerhalb der


Rippenrohre und
Gas auûerhalb der Rippenrohre
a) freie Strömung (Heizkörper) 5 bis 12
b) erzwungene Strömung 12 bis 50

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Gas (  1 bar) innerhalb und 10 bis 35
Gas (  1 bar) auûerhalb der Rohre
Gas, Hochdruck (200 bis 300 bar) innerhalb und 20 bis 60
Gas (  1 bar) auûerhalb der Rohre
Gas, Hochdruck (200 bis 300 bar) innerhalb und 150 bis 500
Gas, Hochdruck (200 bis 300 bar) auûerhalb der Rohre
Gas, Hochdruck (200 bis 300 bar) innerhalb und 200 bis 600
Flüssigkeit auûerhalb der Rohre
Flüssigkeiten innerhalb und auûerhalb der Rohre 300 bis 1400

Kühlwasser auûerhalb und 20 bis 60


Gas (  1 bar) innerhalb der Rohre
Kühlwasser auûerhalb und 150 bis 350
Gas, Hochdruck (200 bis 300 bar) innerhalb der Rohre
Kühlwasser auûerhalb und 300 bis 900
Flüssigkeit innerhalb der Rohre
Berieselungskondensator, z. B. für Kältemittel:
Kühlwasser auûerhalb und 300 bis 1200
kondensierender Dampf innerhalb der Rohre

Kühlwasser oder Sole auûerhalb und 20 bis 60


Gas (  1 bar) innerhalb der Rohrschlange
Kühlwasser auûerhalb und 150 bis 500
Gas, Hochdruck (200 bis 300 bar)
innerhalb der Rohrschlange
Kühlwasser oder Sole auûerhalb und 200 bis 700
Flüssigkeit innerhalb der Rohrschlange
Kühlwasser oder Sole auûerhalb und 350 bis 900
kondensierender Dampf innerhalb der Rohrschlange
VDI-Wärmeatlas Überschlägige Wärmedurchgangskoeffizienten Cc 3
10. Auflage 2006 bei einigen Wärmeübertragerbauarten*)

Bauart Übertragungsbedingungen überschlägiger


k-Wert
W/m2 K

ebene Kanäle, Gas an Wasser 20 bis 60


C
ebene Kanäle, Flüssigkeit an Wasser 350 bis 1200

Profilplatten, Flüssigkeit an Flüssigkeit 1000 bis 4000

Gas an Gas (  1 bar) 10 bis 35


Gas an Flüssigkeit 20 bis 60
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Flüssigkeit an Flüssigkeit 700 bis 2500


kondensierender Dampf an Flüssigkeit 900 bis 3500

A. Auûenmantel
kondensierender Dampf auûerhalb und 500 bis 1500
Flüssigkeit innerhalb des Kessels
kondensierender Dampf auûerhalb und 700 bis 1700
siedende Flüssigkeit innerhalb des Kessels
Kühlwasser oder Sole auûerhalb und 150 bis 350
Flüssigkeit innerhalb des Kessels
B. Schlange innen
kondensierender Dampf innerhalb der Schlange und 700 bis 2500
Flüssigkeit innerhalb des Kessels
kondensierender Dampf innerhalb der Schlange und 1200 bis 3500
siedende Flüssigkeit innerhalb des Kessels
Kühlwasser oder Sole innerhalb der Schlange und 500 bis 1200
Flüssigkeit innerhalb des Kessels
C. Auûenberohrung auf Mantel aufgeschweiût 500 bis 1700
kondensierender Dampf innerhalb der Heizkanäle und
Flüssigkeit innerhalb des Kessels
kondensierender Dampf innerhalb der Heizkanäle und 700 bis 2300
siedende Flüssigkeit innerhalb des Kessels
Kühlwasser oder Sole innerhalb der Kühlkanäle und 350 bis 900
Flüssigkeit innerhalb des Kessels
Cc 4 Überschlägige Wärmedurchgangskoeffizienten VDI-Wärmeatlas
bei einigen Wärmeübertragerbauarten 10. Auflage 2006

Formel- Bedeutung SI-Einheit W_ Wärmekapazitätsstrom, W/K


zeichen Abschn. Ca, Gl. (6)
A Übertragungsfläche m2 x Koordinate des Strömungswegs m
cp isobare spezifische Wärmekapazität J/kg K z Anzahl der Umlenkbleche ±
d Durchmesser m a mittlerer Wärmeübergangskoeffi- W/m2 K
F Korrekturfaktor für die logarithmi- ± zient
C sche mittlere Temperaturdifferenz, d Schichtdicke m
Abschn. Ca, Gl. (23) e NTU-Verhältnis des Gleichstrom- ±
h spezifische Enthalpie J/kg durchgangs, Abschn. Ca, Gl. (28)
k mittlerer Wärmedurchgangskoeffi- W/m2 K dimensionslose mittlere Tempera- ±
zient turdifferenz, Abschn. Ca, Gl. (8)
kA flächengemittelter Wärmedurch- W/m2 K J Temperatur K
gangskoeffizient nach Abschn. Cb, DJ Temperaturdifferenz K
Gl. (10) DJm mittlere Temperaturdifferenz K
k Mittelwert des Wärmedurchgangs- W/m2 K l Wärmeleitfähigkeit W/m K
koeffizienten mit korrekter Berück-
sichtigung des Längeneffekts
~k Mittelwert des Wärmedurchgangs- W/m2 K
koeffizienten nach Abschn. Cb,
Gl. (9) Indizes

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L Länge m 1, 2 Stoffstrom 1, 2
M _ Massenstrom kg/s 1/2 an der mittleren Stützstelle
n Anzahl der Durchgänge, Rohrreihen, ± a, b an den Enden des Wärmeübertragers
Windungen, Apparate oder Schichten a, i auûen, innen (Abschn. Ca, Gl. (42))
NTU Anzahl der Übertragungseinheiten, ± G für reinen Gegenstrom
Abschn. Ca, Gl. (11), (12) ges gesamt
P dimensionslose Temperaturänderung, ± L auf der Seite des laminaren Stroms
Abschn. Ca, Gl. (9), (10) loc örtlicher Wert
Q_ Wärmestrom W m mittlerer Wert
q_ Wärmestromdichte W/m2 w Wand
R Wärmekapazitätsstromverhältnis, ± z Zwischenwert
0
Abschn. Ca, Gl. (13), (14) am Eintritt
00
Rw Wandwiderstand K/W am Austritt
T dimensionslose Temperatur, ± * scheinbarer Wert (bei a und k), hypothetischer
Abschn. Ca, Gl. (18) Wert (bei Temperaturen)
VDI-Wärmeatlas
10. Auflage 2006
Wärmeübertragungsnetzwerke *) Cd 1

Gliederung

1 Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Cd 1 2.2 Maximale Anzahl der erforderlichen Wärme-


übertrager für die Prozeûheizung und
2 Grundlagen der Wärmeintegrationsanalyse . . . Cd 1 -kühlung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Cd 5
2.1 Minimaler Betriebsmitteleinsatz für die 2.3 Abschätzung der erforderlichen Wärme-
Prozeûheizung und -kühlung . . . . . . . . . . . . . . Cd 2 übertragungsfläche . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Cd 6 C
2.1.1 Graphische Ermittlung des minimalen
Betriebsmitteleinsatzes für 3 Entwurf von Wärmeübertragernetzwerken . . . Cd 7
Prozeûheizung und -kühlung . . . . . . . . Cd 2 3.1 Verschaltung aufzuheizender und
2.1.2 Rechnerische Ermittlung des minimalen abzukühlender Stoffströme . . . . . . . . . . . . . . . Cd 7
Betriebsmitteleinsatzes für
Prozeûheizung und -kühlung . . . . . . . . Cd 3 4 Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Cd 11

1 Einleitung 2 Grundlagen der


Wärmeintegrationsanalyse
Zur Optimierung von Wärmeübertragernetzwerken ist in
Für die Durchführung einer Wärmeintegrationsanalyse
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den letzten Jahren eine Reihe von Methoden entwickelt


und erfolgreich in der industriellen Praxis einangewandt werden zunächst folgende Festlegungen und Annahmen
worden. Mit diesen Methoden konnte die Wärmeintegra- getroffen:
tion in existierenden und/oder zu planenden Prozessen ± Die eingesetzten Wärmeübertragungsapparate sind
überprüft und nach vorzugebenden Kriterien verbessert reine Gegenstrom-Wärmeübertrager.
werden.
± Die Temperaturen und Enthalpien der ein- und austre-
Diese Verfahren zeichnen sich dadurch aus, daû sie tenden Stoffströme sind vorgegeben.
± Die ¾nderungen der potentiellen und kinetischen
± die Zielfunktion ± i. allg. die jährlichen Gesamtkosten
Energien der Stoffströme werden vernachlässigt.
für den Betrieb des Netzwerkes ± durch eine mög-
lichst geringe Anzahl unabhängiger Variablen dar- ± Die Wärmeverluste an die Umgebung werden ver-
stellen, nachlässigt.

± die Berechnung der Zielfunktion vereinfachen, indem Das Ziel einer Wärmeintegrationsanalyse ist die Erstel-
sie diese in einfache, unabhängige Funktionen, z. B. lung eines nach ökonomischen Kriterien optimierten
die erforderlichen Investitions- und Betriebskosten, Wärmeübertragungsnetzwerkes, das unter den vorgege-
zerlegen und benen Randbedingungen die geringsten jährlichen Ge-
samtkosten Kges aufweist.
± den Lösungsraum der Struktur- und Arbeitsparameter Die jährlichen Gesamtkosten Kges für den Betrieb eines
durch die Einbeziehung thermodynamischer Überle- Wärmeübertragernetzwerkes setzen sich aus den jährli-
gungen erheblich einschränken. chen verbrauchs- und betriebsgebundenen Kosten, die in
Ein etabliertes Verfahren ist die Wärmeintegrationsana- erster Näherung den Energiekosten KE entsprechen, so-
lyse nach der Pinch-Methode. Sie ermöglicht die Ab- wie den annualisierten Kapitalkosten zusammen. Beide
schätzung Kostenarten weisen tendenziell einen gegenläufigen
Verlauf auf. Es gilt näherungsweise
± des minimalen Wärme- und Kühlbedarfs eines Pro-
KI
zesses, Kges ˆ ‡ KE : …1†
tN
± der Anzahl der erforderlichen Wärmeübertrager und
In Gl. (1) steht KI für die Summe der Investitionen und
± der Wärmeübertragungsfläche; tN für die Nutzungszeit der Anlage. Die Investitionssum-
me kann nach
zudem zeigt sie
X
n
± mögliche Verschaltungen von aufzuheizenden und KI ˆ Ki …2†
abzukühlenden Stoffströmen sowie iˆ1

± die jeweiligen Betriebsmittel für die Aufheizung bzw. aus der Summe der Kosten Ki für die n einzelnen Wärme-
Abkühlung von Stoffströmen. übertrager bestimmt werden. Diese Kosten können durch
den empirischen Ansatz
Dieses Verfahren wird in den folgenden Abschnitten be-
schrieben und an einfachen Beispielen erläutert. Ki ˆ a ‡ c Abi …3†

*) Bearbeiter des Abschnitts Cd: Dr.-Ing. H. Roth, Duisburg


VDI-Wärmeatlas
Cd 2 Wärmeübertragungsnetzwerke 10. Auflage 2006

korreliert werden. In Gl. (3) sind a und c empirisch er-


mittelte Kostenparameter, die im wesentlichen Material
und Bauart der Wärmeübertrager berücksichtigen. Ai ist
die Wärmeübertragungsfläche des Wärmeübertragers i
und b ein empirischer Degressionskoeffizient.
Die jährlichen Energiekosten KE werden durch die spezi-
C fischen Kosten CH und CK für das Heiz- und das Kühl-
medium, den Wärme- bzw. Kühlbedarf Q_ H und Q_ K und
die jährliche Betriebsdauer tB nach
KE=tB(Q_ H CH+Q_ K CK) (4)
Bild 1. Darstellung der Zustandsänderungen aufzuheizender und
bestimmt. _
abzukühlender Stoffströme im T,D H-Diagramm
Vor dem eigentlichen Entwurf eines Wärmeübertrager-
netzwerkes ist es sinnvoll, aus den Prozeûdaten und den
jeweiligen Rahmenbedingungen natürliche Unter- bzw. die Ein- bzw. Austrittstemperaturen der einzelnen heiûen
Obergrenzen für die wesentlichen Einfluûgröûen Stoffströme festgelegt. Für die gesamte Enthalpiestrom-
± minimaler Betriebsmitteleinsatz für Prozeûheizung änderung der heiûen Stoffströme in einem Intervall i gilt
Q_ H min und -kühlung Q_ K min X
DH_ Hi ˆ DTi W_ j: …7†
± maximale Anzahl der erforderlichen Wärmeübertra- j

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ger nW, max und
± minimale zu installierende Wärmeübertragungsflä- Dabei läuft j über alle in diesem Temperaturintervall
che Amin , existierenden abzukühlenden Stoffströme. Die Enthal-
die die Kosten für das Netzwerk dominieren, zu ermit- piestromänderungen der abzukühlenden Stoffströme
teln. über alle Temperaturintervalle können zusammengefaût
und als ¹ heiûe Summenkurveª in einem Linienzug in
_
einem T, DH-Diagramm dargestellt werden.
2.1 Minimaler Betriebsmitteleinsatz
Analog gilt für die Enthalpiestromänderung der aufzu-
für die Prozeûheizung und -kühlung
heizenden Stoffströme in einem Temperaturintervall i
X
2.1.1 Graphische Ermittlung des minimalen DH_ Ki ˆ DTi _ j:
W …8†
Betriebsmitteleinsatzes für Prozeûheizung j

und -kühlung
Hier läuft j über alle im Temperaturintervall existieren-
Für die Zustandsänderung, die ein Stoffstrom i mit der den aufzuheizenden Stoffströme. Eine Aufsummierung
Anfangstemperatur Ta und der Endtemperatur Te durch der Enthalpiestromänderungen der aufzuheizenden
die Zu- oder Abfuhr von Wärme erfährt, gilt unter Be- Stoffströme über alle Temperaturintervalle liefert die
rücksichtigung der zuvor getroffenen Annahmen nach Summenkurve der aufzuheizenden Stoffströme.
dem 1. Hauptsatz der Thermodynamik
Bild 2 veranschaulicht diese Vorgehensweise für die in
Q_ i=DH_ i . (5) Bild 1 dargestellten aufzuheizenden und abzukühlenden
Stoffströme. Die Enthalpiestromdifferenz zwischen An-
Die durch die Wärmezu- oder -abfuhr hervorgerufenen
fangs- und Endpunkt einer Summenkurve ist ein Maû für
Zustandsänderungen der Stoffströme lassen sich als
den insgesamt von den jeweiligen Stoffströmen aufzu-
Strecken mit der Steigung
nehmenden bzw. abzugebenden Wärmestrom. Die Un-
DTi 1 stetigkeitsstellen dieser Linienzüge sind durch die Ein-
si ˆ ˆ …6†
DHi W _i tritts- oder Austrittstemperatur eines Stoffstromes vorge-
geben.
_
in einem T, DH-Diagramm veranschaulichen. Der Kehr-
wert der Steigung s kann als mittlerer Wärme-
kapazitätsstrom W_ interpretiert werden. Beispielhaft
sind in Bild 1 für einen Prozeû die Zustandsänderungen
von zwei aufzuheizenden und zwei abzukühlenden
Stoffströmen schematisch dargestellt. Die Strecken, die
die Zustandsänderungen eines Stoffstromes im T, DH- _
Diagramm repräsentieren, sind ohne Informationsverlust
oder -verfälschung horizontal, d. h. isotherm verschieb-
bar.
Wie Bild 1 zeigt, gibt es in diesem Prozeû Temperaturin-
tervalle, bei denen nur ein heiûer Stoffstrom existiert,
und solche, in denen zwei heiûe Stoffströme existieren. Bild 2. Darstellung der Summenkurven aufzuheizender und abzu-
Die Grenzen dieser Temperaturintervalle werden durch kühlender Stoffströme
VDI-Wärmeatlas
10. Auflage 2006
Wärmeübertragungsnetzwerke Cd 3

Die Annäherung beider Summenkurven wird durch eine ströme um DTmin/2 angehoben. Damit berühren sich die
vorher festgelegte minimale Temperaturdifferenz DTmin _
Summenkurven im T, DH-Diagramm am Pinch. Durch
bestimmt. Die Stelle, an der sich die minimale Tempera- diese vertikale Verschiebung der Summenkurven wer-
_
turdifferenz im T, DH-Diagramm einstellt, fällt i. allg. den weder der Wärmebedarf noch der Kühlbedarf des
mit einer Ein- bzw. Austrittstemperatur eines Prozeûstro- Prozesses oder die Temperaturdifferenzen zwischen den
mes zusammen. Diese Stelle wird auch als ¹Pinchª be- Ein- und Austrittszuständen der einzelnen Stoffströme
zeichnet. Hat man beide Summenkurven, wie es in Bild 2 verändert. C
angedeutet ist, soweit verschoben, daû sie sich am Pinch Anschlieûend werden Temperaturintervalle DTi defi-
bis auf die zuvor festgelegte minimale Temperaturdiffe- niert. Die Grenzen der Temperaturintervalle DTi werden,
renz DTmin angenähert haben, so können aus dem T, DH- _
wie in Bild 3 gezeigt, durch die Unstetigkeitsstellen der
Diagramm der dem Prozeû mindestens zuzuführende verschobenen heiûen und kalten Summenkurven, d. h.
Wärmestrom Q_ H min und der mindestens aus dem Prozeû letztlich durch die Ein- bzw. Austrittstemperaturen der
abzuführende Wärmestrom Q_ K min abgelesen werden. Je heiûen und kalten Stoffströme, festgelegt. Zwangsläufig
kleiner die minimale Temperaturdifferenz DTmin gewählt ist damit auch die Pinch-Temperatur eine Intervallgren-
wird, desto geringer ist der Betriebsmitteleinsatz für die ze. Innerhalb dieser Temperaturintervalle können die
Prozeûheizung und -kühlung. heiûen Stoffströme einen Wärmestrom abgeben, der
Damit sind auch die jährlichen Energiekosten nach ihrer Enthalpiedifferenz in diesem Intervall entspricht.
Gl. (4) als Funktion nur noch einer Variablen ± der mi- Analog haben die kalten Stoffströme einen entsprechen-
nimalen Temperaturdifferenz DTmin ± darstellbar. den Wärmebedarf. Durch die Anhebung bzw. Absen-
Für die Stoffströme, die unmittelbar am Pinch auftreten, kung der Ein- und Austrittstemperaturen der Prozeû-
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gilt oberhalb des Pinch ströme unterscheiden sich die Temperaturen heiûer und
X X kalter Stoffströme in einem Temperaturintervall genau
W_ Kj  W_ Hj …9† um DTmin. Das Wärmeangebot der heiûen Stoffströme hat
j j damit nach thermodynamischen Kriterien gerade die
Qualität ± nicht jedoch unbedingt die Quantität ± , die
und unterhalb des Pinch
X X ausreicht, um den Wärmebedarf der kalten Stoffströme
W_ Kj  W_ H j: …10† zu decken.
j j

Der Pinch unterteilt den Prozeû in zwei wärmetechnisch


getrennte Teilprozesse. Dem Teilprozeû oberhalb des
Pinch muû über das Heizmedium der Wärmestrom Q_ H min
zugeführt werden; er stellt deshalb eine Wärmesenke
dar. Der Teilprozeû unterhalb des Pinch gibt den Wärme-
strom Q_ K min an das Kühlmittel ab. Es gelten folgende Re-
geln:
± keine Wärmeabfuhr über das Kühlmittel aus dem
Teilprozeû ¹Wärmesenkeª oberhalb des Pinch,
± keine Wärmezufuhr über das Heizmedium in den
Teilprozeû ¹Wärmequelleª unterhalb des Pinch,
Bild 3. Verschobene Summenkurven und Temperaturintervalle
± keine Wärmeübertragung vom Teilprozeû ¹Wärme-
senkeª auf den Teilprozeû ¹Wärmequelleª.
Eine Regelverletzung würde in jedem Fall zu einem Ausgehend vom Intervall mit dem höchsten Temperatur-
Mehreinsatz von Betriebsmitteln und damit zu einer niveau kann jetzt für jedes Temperaturintervall DTi das
Steigerung der Energiekosten führen. Wärmeangebot der heiûen Stoffströme, der Wärmebe-
darf der kalten Stoffströme und der resultierende Wär-
meüberschuû bzw. das resultierende Wärmedefizit nach
!
2.1.2 Rechnerische Ermittlung des minimalen X X
_Qi ˆ _
WK j _
WH j DTi …11†
Betriebsmitteleinsatzes für Prozeûheizung j j
und -kühlung
Für Prozesse mit sehr vielen Stoffströmen ist die graphi- berechnet werden.
sche Ermittlung des minimalen Wärme- bzw. Kühlbe- Es ist grundsätzlich möglich, Wärmeüberschüsse aus
darfs sehr aufwendig. Mit der Temperaturintervallanaly- Temperaturintervallen mit einem höherem Temperatur-
se steht ein Rechenalgorithmus zur Verfügung, der eine niveau zur Deckung der Wärmedefizite von Temperatu-
genaue Berechnung auf eine schnelle und sichere Weise rintervallen mit einem niedrigerem Temperaturniveau
ermöglicht. einzusetzen. Umgekehrt ist die Nutzung der Wärmeüber-
Für die Anwendung dieses Rechenverfahrens werden die schüsse heiûer Stoffströme aus Temperaturintervallen
Eintritts- und Austrittstemperaturen der heiûen Stoff- auf niedrigerem Temperaturniveau zur Deckung des
ströme um DTmin/2 abgesenkt und die der kalten Stoff- Wärmebedarfs kalter Stoffströme auf einem höheren
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Cd 4 Wärmeübertragungsnetzwerke 10. Auflage 2006

Temperaturniveau nicht möglich. Die Wärmeüberschüs- Beispiel 1


se bzw. -defizite der einzelnen Temperaturintervalle
Für den in Bild 5 vorgestellten Prozeû mit jeweils zwei aufzuhei-
werden nun ± angefangen vom höchsten Temperaturin- zenden und zwei abzukühlenden Stoffströmen sollen der minde-
tervall ± addiert. Diese addierten Werte sind in Bild 4 stens zuzuführende Wärmestrom Q_ Hmin und der mindestens abzu-
als sog. Wärmestromprofil dargestellt. führende Wärmestrom Q_ Kmin ermittelt werden. In den verwendeten
Gegenstrom-Wärmeübertragern soll eine minimale Temperaturdif-
C ferenz DTmin=10 K nicht unterschritten werden.

a) Man stelle die Summenkurven der aufzuheizenden und abzu-


_
kühlenden Stoffströme in einem T, DH-Diagramm dar.
b) Durch Parallelverschiebung der ¹kaltenª Summenkurve zur
_
DH-Achse sollen der dem Prozeû mindestens zuzuführende
Wärmestrom Q_ Hmin und der mindestens aus dem Prozeû abzu-
führende Wärmestrom Q_ Kmin graphisch ermittelt werden.
c) Durch die Anwendung der Temperaturintervallanalyse berechne
man die dem Prozeû mindestens zu- bzw. abzuführenden Wär-
meströme.

Lösung
a) In Bild 6 sind die Zustandsänderungen der einzelnen heiûen und
Bild 4. Wärmeüberschüsse und -defizite im Wärmestromprofil _

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kalten Stoffströme des Prozesses in einem T, DH-Diagramm darge-
stellt. Dieser Darstellung ist zu entnehmen, daû sowohl für die auf-
zuheizenden (¹kaltenª) als auch für die abzukühlenden (¹heiûenª)
In einem Temperaturintervall stellt sich das betragsmä- Stoffströme jeweils drei Temperaturintervalle existieren.
ûig gröûte Wärmedefizit ein, d. h., es gibt prozeûintern
keine Überschuûwärme, die eine ausreichende thermo-
dynamische Qualität besitzt, um dieses Wärmedefizit ab-
zudecken. Dieser Wärmestrom muû daher dem Prozeû
von auûen in ausreichender Qualität über das Heizme-
dium zugeführt werden. Der Kühlbedarf des Prozesses
resultiert aus der Addition des Wärmeüberschusses bzw.
-defizits des Temperaturintervalls mit dem niedrigsten
Temperaturniveau und dem Heizwärmestrom. Damit
sind der bisher nur graphisch durch Verschieben der
Summenkurve ermittelte minimale Wärmebedarf Q_ H min
sowie der minimale Kühlbedarf Q_ K minrechnerisch be-
stimmt. Die Konsequenz dieser Maûnahme ist in Bild 4
angedeutet. Auch aus dieser Darstellung wird die Unter- _
Bild 6. Stoffströme im T,DH-Diagramm (Beispiel 1)
teilung des Gesamtprozesses in die beiden Teilprozesse
¹Wärmequelleª und ¹Wärmesenkeª deutlich. ± Summenkurve der heiûen Stoffströme

Die Temperaturintervalle sind durch die Ein- bzw. Austrittstempe-


raturen der zwei heiûen Stoffströme festgelegt:

DTH1=450 KÐ400 K=50 K,

DTH2=400 KÐ350 K=50 K,

DTH3=350 KÐ310 K=40 K.


Im ersten Temperaturintervall existiert nur der Stoffstrom 4 mit
W_ 4=1,0 kW/K. Im zweiten Temperaturintervall treten die beiden
heiûen Stoffströme 1 und 4 auf. Der Wärmekapazitätsstrom wird
damit (W_ 1+W_ 4)=(1,0+2,0)=3,0 kW/K. Im dritten Temperatu-
rintervall existiert nur noch der Stoffstrom 1 mit W_ 1=2,0 kW/K.
Entsprechend folgen die summarischen Enthalpieänderungen der
heiûen Stoffströme in den drei Temperaturintervallen zu

DH_ H1=W_ 4 DTH1=50 kW,

DH_ H2=(W_ 1+W_ 4) DTH2=150 kW,

DH_ H3=W_ 1 DTH3=80 kW.


± Summenkurve der kalten Stoffströme

Die Temperaturintervalle sind durch die Ein- bzw. Austrittstempe-


Bild 5. Verfahrensflieûschema für Beispiel 1 raturen der zwei kalten Stoffströme festgelegt:
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Wärmeübertragungsnetzwerke Cd 5

DTK1=390 KÐ370 K=20 K,

DTK22=370 KÐ330 K=40 K,

DTK3=330 KÐ300 K=30 K.


Im ersten Temperaturintervall der kalten Stoffströme existiert Stoff-
strom 2 mit W_ 2=1,8 kW/K. Im zweiten Intervall treten die beiden
kalten Stoffströme 2 und 3 mit dem Wärmekapazitätsstrom C
(W_ 2+W_ 3)=(1,8+4,0)=5,8 kW/K auf. Im dritten Tempe-
raturintervall der kalten Stoffströme tritt wiederum nur noch der
kalte Stoffstrom 2 auf. Die Summe der Enthalpieänderungen der
kalten Stoffströme in den jeweiligen Temperaturintervallen folgt
damit zu

DH_ K1=W_ 2 DTK1=36 kW,


Bild 8. Verschiebung der Ein- und Austrittstemperaturen der Stoff-
DH_ K2=(W_ 2+W_ 3) DTK2=232 kW, ströme
DH_ K3=W_ 2 DTK3=54 kW.
Die berechneten Enthalpieänderungen der heiûen und kalten Stoff-
ströme in den jeweiligen Temperaturintervallen können nun im zesses. Für dieses Temperaturintervall ergibt sich ein Wärmedefizit
_
T, DH-Diagramm Bild 7 graphisch dargestellt werden. von
b) Durch Parallelverschiebung der kalten Summenkurve in hori- DQ_ 3=(ÐW_ 1ÐW_ 4+W_ 2+W_ 3) DT3=84 kW.
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zontaler Richtung wird an einem Punkt, dem sog. ¹Pinchª, die zu-
lässige minimale Temperaturdifferenz DTmin=10 K zwischen der In den vorhergehenden Temperaturintervallen betrug der addierte
heiûen und kalten Summenkurve vorgegeben. Im vorgestellten Bei- Überschuû des Wärmeangebots der heiûen Stoffströme gegenüber
spiel wird der Pinch durch die Eintrittstemperatur T3 e des kalten dem Wärmebedarf der kalten Stoffströme insgesamt 74 kW. Diese
Stoffstromes 3 festgelegt. Aus dem Diagramm kann für die vorge- können, da das Temperaturniveau und damit die Qualität des Wär-
gebene zulässige minimale Temperaturdifferenz der für den Betrieb meangebots ausreichend ist, zur teilweisen Deckung des Wärmede-
des Prozesses mindestens erforderliche Wärmestrom zu fizits im Temperaturintervall DT3 genutzt werden. Nach diesem In-
tervall hat der Beispielprozeû damit ein kumuliertes Wärmedefizit
Q_ Hmin=48 kW von 10 kW.
und der mindestens abzuführende Wärmestrom zu Tabelle 1 enthält die vollständige Temperaturintervallanalyse und
die daraus abgeleitete Wärmekaskade. Das gröûte kumulierte Wär-
Q_ Kmin=6 kW
medefizit tritt mit 48 kW im Temperaturintervall 4 auf. Dieser Wär-
bestimmt werden. mestrom muû dem Prozeû mindestens ± wie im rechten Tabellen-
teil gezeigt ± über das Heizmedium zugeführt werden. Der mini-
male Kühlbedarf folgt aus der Addition des Wärmedefizits des
Temperaturintervalls 5 und der minimalen Wärmezufuhr Q_ Hmin .

Tabelle 1. Temperaturintervallanalyse und Wärme-


kaskade für den Beispielprozeû
i DTi DQ_ i DQ_ kum DQ_ i DQ_ kum
K kW kW kW kW
H 0 Ð48
1 50 Ð50 Ð50 Ð50 Ð98
2 20 Ð24 Ð74 Ð24 Ð122
3 30 + 84 +10 + 84 +38
4 10 +38 +48 +38 0
K 30 Ð6 +42 Ð6 Ð6
Bild 7. Summenkurven der heiûen und kalten Stoffströme (Bei-
spiel 1)
Die dem Prozeû mindestens zuzuführende Wärme beträgt damit in
Übereinstimmung mit dem graphisch ermittelten Ergebnis a)
c) Für die Temperaturintervallanalyse werden zunächst die
Ein- bzw. Austrittstemperaturen der heiûen Stoffströme um Q_ Hmin=48 kW.
DTmin/2=5 K herabgesetzt und die der kalten Stoffströme um
DTmin/2=5 K angehoben. Bild 8 zeigt die modifizierten Eintritts- Der Kühlbedarf des Prozesses ergibt sich zu
bzw. Austrittstemperaturen der vier Stoffströme des Beispielpro- Q_ Kmin=6 kW.
zesses.
Diese Darstellung zeigt, daû die modifizierten Ein- bzw. Austritts-
temperaturen der Stoffströme fünf Temperaturintervalle definieren,
deren wesentliches Merkmal eine unterschiedliche Anzahl existie- 2.2 Maximale Anzahl der erforderlichen
render heiûer und kalter Stoffströme sind. Für die einzelnen Tempe- Wärmeübertrager für die Prozeûheizung
raturintervalle DTi werden die Wärmeüberschüsse oder -defizite und -kühlung
DQ_ i nach Gl. (11) berechnet. Exemplarisch soll diese Vorgehens-
weise für das Temperaturintervall DT3 zwischen 345 K und 375 K Aus technischen und wirtschaftlichen Gründen sollte die
demonstriert werden. In diesem Temperaturintervall existieren Anzahl der Wärmeübertrager in einem Wärmeübertra-
sowohl beide heiûen als auch beide kalten Stoffströme des Pro- gernetzwerk möglichst gering gehalten werden. Die ma-
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Cd 6 Wärmeübertragungsnetzwerke 10. Auflage 2006

ximale Anzahl von Wärmeübertragern nW, max in einem strömen auf die kalten Stoffströme übertragen werden
Wärmeübertragernetzwerk ist von der Anzahl der Stoff- kann, zugeordnet. Unterstellt man nun eine optimale
ströme des Prozesses nS und der Anzahl der eingesetzten Nutzung des treibenden Temperaturgefälles zwischen
Betriebsmittel nB für die Prozeûheizung bzw. -kühlung den heiûen und kalten Stoffströmen, so hat die Anzahl
abhängig. Sie kann aus dem Euler-Theorem der Gra- der Wärmeübertrager grundsätzlich keinen Einfluû auf
phentheorie bestimmt werden. Nach diesem Theorem die gesamte Fläche des Wärmeübertragernetzwerkes.
C sind für die Verschaltung von (nB+nS) Stoffströmen Kann man mit genügender Genauigkeit von einem kon-
maximal stanten Wärmedurchgangskoeffizienten km für den ge-
samten Prozeû ausgegangen werden, so läût sich der
nW, max ˆ …nB ‡ nS 1† …12†
mindestens für die Wärmeübertragung erforderliche Flä-
wärmeübertragende Apparate zwischen diesen Stoffströ- chenbedarf nach
men erforderlich. Diese nW, max Wärmeübertrager stellen
 
damit ein Wärmeverschiebungssystem dar, über das die 1 X Q_
Abdeckung des Wärme- bzw. Kühlbedarfs jedes Prozeû- Ages ˆ …16†
km i DTln i
stromes sichergestellt wird. Jeder zusätzliche Wärme-
übertrager ist redundant.

2.3 Abschätzung der erforderlichen


Wärmeübertragungsfläche

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Entsprechend den vorangestellten Annahmen werden für
den ersten Entwurf des Wärmeübertragernetzwerkes nur
Gegenstrom-Wärmeübertrager eingesetzt. Die für die
Übertragung eines Wärmestromes Q_ in einem Gegen-
strom-Wärmeübertrager erforderliche Fläche läût sich
nach
Q_
Aˆ …13†
kDTln Bild 9. Festlegung von Enthalpieintervallen aus den Summenkur-
ven
ermitteln. In Gl. (14) steht DTln für die mittlere logarith-
mische Temperaturdifferenz, die für einen Gegenstrom-
Wärmeübertrager durch
abschätzen. In Gl. (16) ist Q_ der im Enthalpieintervall i
…THe TKa † …THa TKe † übertragene Wärmestrom und DTln die mittlere logarith-
DTln ˆ   …14†
THe TKa mische Temperaturdifferenz zwischen den heiûen und
ln
THa TKe kalten Stoffströmen, die dieses Enthalpieintervall reprä-
sentieren.
gegeben ist und k für den Wärmedurchgangskoeffizien-
ten, für den Sind die Wärmeübergangskoeffizienten k der einzelnen
1 1 s 1 heiûen und kalten Stoffströme bekannt, kann der ge-
ˆ ‡ ‡ …15† samte Flächenbedarf des Wärmeübertragernetzwerkes
k aH l aK
aus
gilt. Die Gröûen aH und aK sind die Wärmeübergangsko- !
effizienten des wärmeabgebenden bzw. wärmeaufneh- X 1 X Q_ j
menden Stoffstromes; l ist die Wärmeleitfähigkeit und s Ages ˆ …17†
i
DTln i j
aj
die Dicke der Rohrwand. i

In einem Wärmeübertragernetzwerk wird die Gesamtflä-


che der zu installierenden Wärmeübertrager dann mini- berechnet werden. Die für die Wärmeübertragung min-
miert, wenn das zur Verfügung stehende treibende Tem- destens erforderliche Fläche bestimmt nach Gl. (3) ne-
peraturgefälle für die Wärmeübertragung zwischen hei- ben der Anzahl der zu installierenden Wärmeübertrager
ûen und kalten Stoffströmen optimal genutzt wird. Die- maûgeblich die erforderliche Investition. Diese Fläche
_
ses treibende Temperaturgefälle ist im T, DH-Diagramm ist, wie die vorangegangenen Ausführungen zeigen, in
durch den vertikalen Abstand zwischen den Summenkur- erster Näherung nur vom treibenden Temperaturgefälle
ven der heiûen und kalten Stoffströme gegeben. für die Wärmeübertragung zwischen heiûen und kalten
Stoffströmen des Prozesses und damit letztlich von der
Aus der Darstellung der Summenkurven im T, DH-Dia- _
festgelegten minimalen Temperaturdifferenz DTmin ab-
gramm kann man für einen vorgegebenen Prozeû En- hängig.
thalpieintervalle DH_ i identifizieren. Die Grenzen dieser
Enthalpieintervalle werden, wie Bild 9 zeigt, durch die Damit sind sowohl die Kapitalkosten als auch die Be-
Unstetigkeitsstellen der Summenkurven festgelegt. Je- triebskosten des Wärmeübertragernetzwerkes in erster
dem dieser Enthalpieintervalle DH_ i ist eine mittlere loga- Näherung als Funktion einer einzigen Variablen ± der
rithmische Temperaturdifferenz (DTln)i und ein Wärme- minimal im Wärmeübertragernetzwerk zulässigen Tem-
strom Q_ i , der in diesem Intervall von den heiûen Stoff- peraturdifferenz DTmin ± darstellbar.
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Wärmeübertragungsnetzwerke Cd 7

Beispiel 2
Für den in Bild 5 vorgestellten Prozeû soll die Höchstanzahl der zu
installierenden Wärmeübertrager und der mindestens erforderliche
Flächenbedarf Amin für das Wärmeübertragernetzwerk einschlieû-
lich der externen Heizer bzw. Kühler abgeschätzt werden. Als Be-
triebsmittel sollen Kühlwasser (K) mit TK=konst=290 K und
Heizdampf (H) mit TH=konst=500 K dienen. Die Wärmeüber- C
gangszahlen der einzelnen Stoffströme sind durch

a1=500 W/m2/K, a2=750 W/m2/K, a3=600 W/m2/K,


a4=800 W/m2/K, aK=850 W/m2/K, aH=5000 W/m2/K
gegeben. Die Wärmeleitwiderstände der Rohrwände können ver-
nachlässigt werden.

Bild 10. Enthalpieintervalle für Beispiel 2

Lösung
3 Entwurf von
Die Anzahl der maximal erforderlichen Wärmeübertrager kann aus
der Anzahl der heiûen Stoffströme nH=2, der Anzahl der kalten Wärmeübertragernetzwerken
Stoffströme nK=2 und der Anzahl der Betriebsmittel nB=2 (Heiz-
dampf und Kühlwasser) nach Gl. (12) zu
3.1 Verschaltung aufzuheizender und
abzukühlender Stoffströme
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n=(nH+nK+nB)Ð1=5
Ein wesentliches Problem der Wärmeintegration ist der
bestimmt werden. Entwurf einer Verschaltung von heiûen und kalten Stoff-
Zur Abschätzung des erforderlichen Flächenbedarfes für die Wär-
strömen, die die Realisierung der minimalen Wärmezu-
meübertragung werden zunächst aus den in Bild 10 dargestellten und -abfuhr gestattet. Diese Verschaltung sollte aus tech-
_
Summenkurven der heiûen und kalten Stoffströme im T, DH-Dia- nischen und wirtschaftlichen Gründen mit einer mög-
gramm sieben Enthalpieintervalle DH_ i festgelegt. Für jedes ein- lichst geringen Anzahl von wärmeübertragenden Appa-
zelne Intervall i werden die mittlere logarithmische Temperaturdif- raten durchgeführt werden. Die Anzahl der möglichen
ferenz DTln i und die von den einzelnen Stoffströmen bzw. Betriebs- Verschaltungen nimmt mit der Anzahl der auftretenden
mitteln j aufgenommenen bzw. abgegebenen Wärmeströme Q_ ij er-
mittelt. Aus diesen Daten kann nach Gl. (17) der Mindestflächenbe-
heiûen und kalten Stoffströme nach
darf für die Wärmeübertragung in jedem Enthalpieintervall DH_ i ab- nS ˆ …nH nK †! …18†
geschätzt werden. Die Ergebnisse der Berechnung sind für alle Ent-
halpieintervalle in Tabelle 2 zusammengefaût. Somit kann der min- zu. In Gl. (18) steht nH für die Anzahl der wärmeabge-
destens erforderliche Flächenbedarf für die Wärmeübertragung zu benden heiûen und nK für die Anzahl der wärmeaufneh-
X menden kalten Stoffströme. Für einen relativ einfachen
Ages  Ai ˆ 43,64 m2
Prozeû mit zwei heiûen und zwei kalten Stoffströmen
abgeschätzt werden. existieren damit bereits 24 Möglichkeiten, diese Stoff-

Tabelle 2. Abschätzung des Flächenbedarfs für das Wärmeübertragernetzwerk des Beispielprozesses)


Enthalpieintervall
1 2 3 4 5 6 7
Q_ i 1 kW ± ± ± Ð100,0 Ð20,0 Ð54,0 Ð6,0
Q_ i 2 kW 36,0 3,8 15,5 46,6 6,2 54,0 ±
Q_ i 3 kW ± 8,4 34,4 103,5 13,8 ± ±
Q_ i 4 kW ± ± Ð50,0 Ð50,0 ± ± ±
Q_ i K kW ± ± ± ± ± ± 6,0
Q_ i H kW Ð36,0 Ð12,2 ± ± ± ± ±
THe K 500,0 500,0 450,0 400,0 350,0 340,0 313,0
THa K 500,0 500,0 400,0 350,0 340,0 313,0 310,0
TKe K 370,0 367,9 359,3 333,4 330,0 300,0 290,0
TKa K 390,0 370,0 367,9 359,3 333,4 330,0 290,0
DTln i K 119,7 131,0 59,0 26,9 13,0 11,4 21,5
2
Ai m 0,46 0,16 2,38 18,48 5,48 15,79 0,89
X
Å Ages c Ai ˆ 4364 m2
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ströme miteinander zu verschalten. Von diesen Möglich- Oberhalb des Pinch, d. h. im Subsystem ¹Wärmesenkeª,
keiten sind jedoch nur eine geringe Zahl als technisch muû zunächst die Anzahl der kalten Stoffströme am
und wirtschaftlich sinnvoll anzusehen. Ein Algorithmus Pinch gröûer oder gleich der Anzahl der heiûen Stoff-
zum Auffinden der möglichen Verschaltungen sollte ströme am Pinch sein, also
technisch und wirtschaftlich unsinnige Lösungen von
nK  nH . (19)
vornherein ausschlieûen.
C Das Auffinden und die Visualisierung der jeweiligen Ist diese Forderung nicht erfüllt, muû man einen kalten
Verschaltungsmöglichkeiten geschieht zweckmäûiger- Stoffstrom aufspalten, da es sonst zwangsläufig bei der
weise in einer Gitterdarstellung. In dieser Darstellung Verknüpfung heiûer und kalter Stoffströme zu einer Un-
werden, wie Bild 11 zeigt, die einzelnen Stoffströme terschreitung der minimal zulässigen Temperaturdiffe-
durch waagerechte Strecken repräsentiert. Strecken, die renz in einem Wärmeübertrager kommt. Diese Vor-
für kalte (aufzuheizende) Stoffströme stehen, verlaufen schrift ist in Bild 13 illustriert. Dargestellt sind zunächst
von links nach rechts. Analog verlaufen Strecken, die die heiûe und die kalte Summenkurve oberhalb des
heiûe (abzukühlende) Stoffströme repräsentieren, von Pinch. Es treten zwei heiûe und ein kalter Stoffstrom auf,
rechts nach links. Wärmeübertragende Apparate werden d. h., die Forderung nK>nH ist nicht erfüllt. Während es
durch Kreise symbolisiert. Handelt es sich dabei um Hei- problemlos möglich ist, den heiûen Stoffstrom 1 in
zer und Kühler, so werden diese Apparate durch ein H einem Wärmeübertrager mit dem kalten Stoffstrom zu
oder ein K gekennzeichnet. Wärmeübertrager zwischen verknüpfen, ist eine anschlieûende Verschaltung des hei-
einem heiûen und einem kalten Stoffstrom werden durch ûen Stoffstromes 2 mit dem kalten Stoffstrom nur bei
eine vertikale Linie zwischen den Kreisen markiert. Unterschreitung der minimal zulässigen Temperaturdif-

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ferenz DTmin in diesem Wärmeübertrager möglich. Die-
sen Verstoû kann man durch eine Aufspaltung des kalten
Stromes in die beiden Teilströme a und b verhindern.
Verschaltet man nun den heiûen Stoffstrom 1 mit dem
kalten Stoffstrom a und den heiûen Stoffstrom 2 mit dem
kalten Teilstrom b, so ist die Wärmeintegration in die-
sem Subsystem ohne Unterschreitung der minimalen
Temperaturdifferenz möglich.

Bild 11. Gitterdarstellung eines Wärmeübertragungsnetzwerkes

Zum Entwerfen des jeweiligen Wärmeübertragernetz-


werkes wird nun, wie in Bild 12 angedeutet, der be-
trachtete Prozeû in der Gitterdarstellung in die beiden
Teilprozesse ¹Wärmequelle" und ¹Wärmesenkeª geteilt.
Anschlieûend wird das Wärmeübertragernetzwerk für je-
des dieser Teilsysteme in beliebiger Reihenfolge ge-
trennt entworfen. Durch diese Vorgehensweise ist si-
chergestellt, daû keine Wärme über den Pinch von der
Wärmesenke auf die Wärmequelle übertragen wird. Für
jedes der beiden Teilsysteme wird mit der Verknüpfung
heiûer und kalter Stoffströme am Pinch begonnen. Aus
der Definition, daû sich am Pinch die minimale Tempe-
raturdifferenz zwischen heiûen und kalten Stoffströmen
einstellen muû, folgen einige Regeln und Vorschriften
für die Verknüpfung heiûer und kalter Stoffströme.
Bild 13. Stromteilung bei nh >nk oberhalb des Pinch

Eine weitere wichtige Regel für Verknüpfungen heiûer


und kalter Stoffströme des Subsystems ¹Wärmesenkeª
am Pinch ist, daû für die Wärmekapazitätsströme des
wärmeaufnehmenden kalten Stoffstromes und des wär-
meabgebenden heiûen Stoffstromes die Relation

W_ K  W_ H (20)

gilt. Ist dieses Kriterium nicht erfüllt, muû ein heiûer


Bild 12. Teilprozesse ¹Wärmesenkeª und ¹Wärmequelleª in der Stoffstrom in Teilströme aufgespalten werden, da es
Gitterdarstellung sonst auch in diesem Fall zu einer Unterschreitung der in
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den Wärmeübertragern zulässigen minimalen Tempera-


turdifferenz DTmin kommt.
Bild 14 erläutert dieses Kriterium an einem Beispiel mit
einem heiûen und zwei kalten Stoffströmen. Eine direkte
Verschaltung des heiûen Stoffstromes mit einem der bei-
den kalten Stoffströme ist nicht möglich, da in jedem Fall
in den Wärmeübertragern die minimal zulässige Tempe- C
raturdifferenz unterschritten werden würde. Teilt man
jedoch den heiûen Stoffstrom in die beiden Teilströme a
und b auf, so ist durch eine Wärmeübertragung z. B. zwi-
schen dem heiûen Teilstrom a und dem kalten Stoff-
strom 1 sowie dem heiûen Teilstrom b und dem kalten
Stoffstrom 2 eine Wärmeübertragung ohne Unterschrei-
tung der minimalen Temperaturdifferenz möglich.
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Bild 15. Verschaltung von Stoffströmen im Teilprozeû ¹Wärme-


quelleª

Bild 14. Stromteilung bei W_ k<W_ h oberhalb des Pinch

Durch entsprechende Überlegungen für das Teilsystem


¹Wärmequelleª kommt man zu analogen Regeln wie die
zuvor für das Teilsystem ¹Wärmesenkeª vorgestellten
Forderungen. Unterhalb des Pinch muû demnach die An-
zahl der heiûen Stoffströme am Pinch gröûer oder gleich
der Anzahl der kalten Stoffströme am Pinch sein:

nH  nK . (21) Bild 16. Verschaltung von Stoffströmen im Teilprozeû ¹Wärme-


senkeª

Ist dieses Kriterium nicht erfüllt, muû ein heiûer Stoff-


strom aufgespalten werden. Weiterhin muû für jede Ver- Entfernt man sich vom Pinch, so existieren für die Ver-
knüpfung heiûer und kalter Stoffströme am Pinch schaltung heiûer und kalter Stoffströme keine strengen
Regeln mehr wie vorgestellt. Es ist lediglich zu beachten,
W_ H  W_ K (22) daû in den jeweiligen Wärmeübertragern die minimal
zulässige Temperaturdifferenz nicht unterschritten wird.
sein, andernfalls muû der kalte Stoffstrom so aufgespal- Weiterhin sollte die installierte Wärmeübertragungslei-
ten werden, daû diese Forderung erfüllt ist. Der Ablauf stung jeweils so groû wie möglich gewählt werden.
der Verschaltung heiûer und kalter Stoffströme ist in Nachdem unterhalb des Pinch im Bereich des Teilpro-
Bild 15 für den Teilprozeû ¹Wärmequelleª und in zesses ¹Wärmequelleª der Wärmebedarf der kalten
Bild 16 für den Teilprozeû ¹Wärmesenkeª als Flieûdia- Stoffströme vollständig durch das Wärmeangebot die
gramm dargestellt. heiûen Stoffströme gedeckt wurde, werden die Kühler
Grundsätzlich dimensioniert man einen Wärmeübertra- installiert. Analog werden im Bereich der Wärmesenke
ger für jede Verknüpfung heiûer und kalter Stoffströme die zusätzlichen Heizer dann eingesetzt, wenn die heiûen
so, daû entweder das Wärmeangebot des heiûen Stoff- Stoffströme ihre Wärme vollständig an die kalten Stoff-
stromes vollständig genutzt oder der Wärmebedarf des ströme abgegeben haben. Die skizzierte Vorgehensweise
kalten Stoffstromes vollständig abgedeckt wird. stellt grundsätzlich sicher, daû in den einzelnen Teil-
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Cd 10 Wärmeübertragungsnetzwerke 10. Auflage 2006

prozessen ¹Wärmequelleª und ¹Wärmesenkeª die maxi- Wegen Gl. (20) ist es sinnvoll, den heiûen Stoffstrom 1 mit dem
male Anzahl der erforderlichen wärmeübertragenden kalten Stoffstrom 3 zu verschalten. Der Stoffstrom 1 kann in diesem
Apparate nach Gl. (12) nicht überschritten wird. Nach Bereich noch den Wärmestrom
Abschluû der Verschaltung der einzelnen Teilprozesse
Q_ 1=W_ 1(T1eÐTpH)=120 kW
werden diese in einem Syntheseschritt zum Wärmeüber-
tragernetzwerk des Gesamtprozesses zusammengefügt.
abgeben. Für die Temperaturanhebung des kalten Stoffstromes 3 ist
C ein Wärmestrom
Beispiel 3
Q_ 3=W_ 3(TpKÐT3 a)=Ð160 kW
Für den in Bild 5 vorgestellten Beispielprozeû soll ein Wärmeüber-
tragernetzwerk entworfen werden. Dieses Wärmeübertragernetz- erforderlich. Damit ergibt sich die Übertragungsleistung des Wär-
werk soll sicherstellen, daû bei einer zulässigen minimalen Tempe- meübertragers W2 zwischen den Stoffströmen 1 und 3 zu 120 kW.
raturdifferenz von DTmin=10 K der zuvor ermittelte minimale Wär- Nach dem Wärmeübertrager W2 hat der Stoffstrom 3 die Austritts-
me- bzw. Kühlbedarf des Prozesses nicht überschritten wird. Wie temperatur T=360 K. Diese Temperatur liegt oberhalb der Endtem-
groû ist unter Berücksichtigung der Wärmeübergangszahlen aus peratur des heiûen Stoffstromes 4. Daher ist eine weitere pro-
Beispiel 2 die gesamte vorgesehene Wärmeübertragungsfläche für zeûinterne Aufheizung des Stoffstromes 3 nicht möglich. Der restli-
diesen Netzwerkentwurf? che Wärmebedarf von 40 kW des Stoffstromes 3 wird über den Hei-
zer H1 durch externen Prozeûdampf abgedeckt. Durch die Abküh-
lung des heiûen Stoffstromes 4 kann insgesamt ein Wärmestrom
Lösung von

Für die beiden Bereiche ¹Wärmequelleª (unterhalb der Pinch-Tem- Q_ 4=W_ 4(T4 eÐTpH)=100 kW

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peratur) und ¹Wärmesenkeª (oberhalb der Pinch-Temperatur) wird
das jeweilige Wärmeübertragernetzwerk unter Berücksichtigung
bereitgestellt werden. Der kalte Stoffstrom 2 benötigt einen Wär-
der minimal zulässigen Temperaturdifferenz DTmin=10 K getrennt
mestrom
konzipiert.
Im Teilprozeû ¹Wärmequelleª existieren unter den festgelegten Q_ 2=W_ 2(TpKÐT2 a)=Ð108 kW.
Randbedingungen nur der heiûe Stoffstrom 1 mit W1=2,0 kW/K
und der kalte Stoffstrom 2 mit W2=1,8 kW/K. Für die Verschal-
Damit folgt die Wärmeleistung des Wärmeübertragers W3 zwi-
tung dieser beiden Ströme in einem Wärmeübertrager ist die Bedin-
schen dem heiûen Stoffstrom 4 und dem kalten Stoffstrom 2 zu
gung Gl. (22) erfüllt. Im Temperaturbereich unterhalb der Pinch-
100 kW. Eine Wärmeleistung von 8 kW muû über einen zusätzli-
Temperatur kann der heiûe Stoffstrom 1 den Wärmestrom
chen externen Heizer H2 bereitgestellt werden. Das Wärmeübertra-
Q_ 1=W_ 1 (TpHÐT1a)=60 kW gernetzwerk des Teilprozesses ¹Wärmesenkeª ist in Bild 18 ge-
zeigt.
abgeben und der kalte Stoffstrom 2 den Wärmestrom
Q_ 2=W_ 2 (T2 eÐTpK)=Ð54 kW
aufnehmen. Damit liegt die Übertragungsleistung des Wärmeüber-
tragers W1 zwischen den Stoffströmen 1 und 2 mit 54 kW fest. Über
einen zusätzlichen Kühler K werden die restlichen 6 kW dem hei-
ûen Stoffstrom 1 durch das Kühlwasser entzogen. Die Verschaltung
der Prozeûströme unterhalb des Pinch ist in Bild 17 dargestellt.

Bild 18. Entwurf eines Wärmeübertragungsnetzwerkes für den


Teilprozeû ¹Wärmesenkeª

Bild 19 zeigt das Wärmeübertragernetzwerk des Gesamtprozesses.


Das Netzwerk mit insgesamt fünf Wärmeübertragern stellt damit si-
cher, daû der Wärmebedarf von 48 kW bzw. der Kühlbedarf von
Bild 17. Entwurf eines Wärmeübertragungsnetzwerkes für den
6 kW, die für den Betrieb des Prozesses mindestens erforderlich
Teilprozeû ¹Wärmequelleª
sind, nicht überschritten werden. Die zu installierende Wärmeüber-
tragungsfläche kann zu 44,37 m2 abgeschätzt werden, dieser Wert
Im Temperaturbereich oberhalb des Prozeû-Pinch treten alle vier ist nur um 1,6% gröûer als die vorherige grobe Abschätzung aus
Prozeûströme auf. Dabei erreichen die Stoffströme 1, 2 und 3 die den Enthalpieintervallen. Die Umsetzung der Verschaltung heiûer
jeweilige Pinch-Temperatur, d. h., eine mögliche Verschaltung die- und kalter Stoffströme in ein Verfahrensflieûschema ist in Bild 20
ser Ströme ist den in Bild 16 illustrierten Restriktionen unterworfen. dargestellt.
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Wärmeübertragungsnetzwerke Cd 11

Tabelle 3. Berechnung des Flächenbedarfs für das Wärmeübertragungsnetzwerk (Beispiel 2)


Wärmeübertrager
W1 W2 W3 H1 H2 K
Q_ kW 54,0 120,0 100,0 40,0 8,0 Ð6,0
THe K 340,0 400,0 450,0 500,0 500,0 313,0
C
THa K 313,0 340,0 350,0 500,0 500,0 310,0
TKe K 300,0 330,0 330,0 360,0 385,6 290,0
TKa K 330,0 370,0 367,9 359,3 390,0 290,0
DTln i K 11,43 21,64 37,98 134,94 112,21 15,61
2
Ai m 15,74 20,33 6,80 0,55 0,11 1,22
X
Å Ages c Ai ˆ 4476 m2

In Tabelle 3 sind die berechneten Flächen der einzelnen Wärme-


übertrager für das in Bild 19 dargestellte Wärmeübertragernetzwerk
zusammengestellt. Die Summe der zu installierenden Wärmeüber-
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tragerfläche beträgt 44,76 m2 und weicht damit nur um 1,12 m2


oder relativ um 2,6% vom vorab geschätzten Wert (Beispiel 2) ab.

4 Literatur
[1] Linnhoff, B. u. W. Lenz: Chem.-Ing.-Tech. 59 (1987), S. 851.
Bild 19. Entwurf eines Wärmeübertragungsnetzwerkes für den Ge- [2] Körner, H.: Chem.-Ing.-Tech. 60 (1988), S. 511.
samtprozeû [3] Process integration. Engineering Science Data Unit., Ltd.:
London 1987.
[4] Application of process integration to utilities, combined heat
and power and heat pumps. Engineering Science Data Unit.,
Ltd., London 1989.
[5] Process integration: Process change and batch processe.
Engineering Science Data Unit., Ltd., London 1990.
[6] Gundersen, T. u. L. Naess: Heat recovery Systems & CHP 10
(1990), S. 301.
[7] Kemp, I. C.: Titel des AufsatzesTrans. Inst. Chem. Eng. 69
(1991), S. 471.
[8] Pinch technology: A primer. Electric Power Research Institute,
Palo Alto US-Bundesstaat? (USA) 1990.
[9] Sunden, B.: Optimal design of heat exchanger networks, Göte-
borg (Schweden) 1987.
[10] Linnhoff, B., u. E. Hindmarsh: The pinch design method for
heat exchanger networks, Chem. Eng. Sci. 38 (1983), S. 745.

Bild 20. Darstellung des Wärmeübertragungsnetzwerkes im Ver-


fahrensflieûschema
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Kosten und Wirtschaftlichkeit von Wärmeübertragern *) Ce 1

Zusätzliche Formelzeichen Teil des Ertrags der Gesamtanlage. Die Wirtschaftlich-


keitsrechnung beschränkt sich hier auf eine Minimierung
Formel- Bedeutung Einheit der Kosten durch Kostenvergleichsrechnung.
zeichen
a Amortisationsfaktor 1/Jahr
E_ V Exergieverluststrom W 2 Kosten
C
j Preisindex
l Preis DM Die Gesamtkosten Kges (Währungseinheiten/Jahr) kön-
K Kosten DM/Jahr nen aufgeteilt werden in die Kapitalkosten KK , be-
m Degressionsexponent stehend aus der jährlichen Abschreibung oder Tilgung
n Anzahl der Jahre (Abschreibung) sowie den (kalkulatorischen) Zinsen, und die Betriebs-
z jährlicher Zinssatz % kosten, bestehend aus den Energie- und Stoffkosten KE
sowie den sonstigen Betriebskosten KS (für Wartung,
Reparatur, Personal und ggf. den Ersatz von Wärme-
trägermedien):
Kges ˆ KK ‡ KE ‡ KS : …1†
1 Einführung
Wärmeübertrager sind wesentliche Komponenten von 2.1 Kapitalkosten
chemischen und energietechnischen Anlagen. Für die
Die jährlichen Kapitalkosten hängen vom Kapitalbedarf
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Rentabilität dieser Anlagen spielt deshalb die wirtschaft-


liche Auswahl und Auslegung der Wärmeübertrager eine (Preis oder Anschaffungswert) für den Wärmeübertrager
wichtige Rolle. Unter Wirtschaftlichkeit wird hier das IW und für die Pumpen oder Kompressoren zur Förde-
Verhältnis von Erträgen zu Kosten verstanden. Erträge rung der Fluide durch den Wärmeübertrager IP1 und IP2
und Kosten sind Wertgröûen (Währungseinheiten pro sowie der Anzahl n der Jahre des Abschreibungszeit-
Zeitraum), die mit den in der Technik verwendeten phy- raums und dem Zinssatz z ab:
 
sikalischen Gröûen durch Kostenfaktoren verbunden 1 z
sind. Wendet man den Begriff der Wirtschaftlichkeit auf KK ˆ ‡ …IW ‡ IP 1 ‡ IP 2 † ˆ a…IW ‡ IP 1 ‡ IP 2 †, …2†
n 2
Wärmeübertrager an, kann man entweder Grenzkosten
und Grenznutzen eines übertragenen Wärmestroms ver- wobei lineare Abschreibung und verschwindender Rest-
gleichen (zum Begriff der Grenz- oder Marginalwerte in wert angenommen wird. In Gl. (2) ist berücksichtigt, daû
der Betriebswirtschaftslehre s. [1]) oder die in einem über den gesamten Abschreibungszeitraum im Mittel nur
Zeitraum zu übertragende Wärmemenge als extern vor- die Hälfte des eingesetzten Kapitals gebunden ist.
gegebene Gröûe betrachten. Der Amortisationsfaktor a liegt i. allg. zwischen 0,1/Jahr
Im ersten Fall muû man den Ertrag (meist in Form von und 0,25/Jahr (Abschreibungszeitraum 5 bis 20 Jahre,
niedrigeren Energiekosten) und die Kosten der übertra- Zinssatz 5% bis 15%). Während der Abschreibungszeit-
genen Wärme bzw. deren ¾nderung durch ¾nderung der raum und der Zinssatz extern vorgegebene Gröûen sind,
übertragenen Wärme oder durch Wärmeintegration un- hängen der Kapitalbedarf für den Wärmeübertrager und
tersuchen (s. auch Abschn. Cd). Bei einem Wärmeüber- für die Pumpen von der Auslegung des Wärmeübertra-
trager zur Wärmerückgewinnung führt eine mit einem gers ab. Zur genauen Ermittlung von I müssen Angebote
höheren Apparatepreis verbundene Vergröûerung der bei verschiedenen Herstellern eingeholt werden. Insbe-
Übertragungsfläche zur Verringerung von Energie- sondere im englischsprachigen Schrifttum [2±6] findet
kosten. Der auf die Fläche bezogene übertragene Wär- man zwar zahlreiche Methoden und Daten zur Schätzung
mestrom nimmt mit zunehmender Fläche ab (Abschn. der absoluten Anschaffungskosten für Wärmeübertrager,
Ca). Trägt man den Nettobetrag der ersparten jährlichen diese sind aber mit einer sehr groûen Unsicherheit behaf-
Kosten (eingesparte Energiekosten abzüglich der Be- tet und auch nicht ohne weiteres auf den europäischen
triebskosten einschlieûlich Abschreibung) über dem Raum übertragbar.
Apparatepreis auf, ergibt sich deshalb ein Maximum [2, Zur Kostenschätzung können früher realisierte Projekte
S. 320 f.]. Da die Grenzrendite des eingesetzten Kapitals oder Angebote für ähnliche Apparate anderer Gröûe und
an diesem Maximum gerade null wird, sollte die Übertra- aus anderen Werkstoffen herangezogen werden. Der
gungsfläche allerdings kleiner gewählt werden. Gra- Einfluû der Gröûe des Wärmeübertragers auf den Appa-
phisch ergibt sich die optimale Übertragungsfläche bei ratepreis IW kann über die Gröûe der Übertragungsfläche
einer geforderten Mindestrendite an dem Punkt, an dem A nach folgendem Ansatz berücksichtigt werden:
die Steigung der Kurve gerade dieser geforderten Min-   mW
destrendite entspricht. A
IW ˆ IW 0 …3†
A0
Die folgenden Betrachtungen beschränken sich auf den
Fall, daû der zu übertragende Wärmestrom vorgegeben mit dem Bezugspreis IW 0 eines Apparats mit der Über-
ist. In diesem Fall liegt der Ertrag fest, wenn auch meist tragungsfläche A0 . Der Exponent mW ist i. allg. kleiner
nicht explizit, sondern nur als nicht zu spezifizierender als 1 und wird ¹Degressionsexponentª genannt. Nach der

*) Bearbeiter des Abschnitts Ce: Dr.-Ing. B. Spang und Prof. Dr.-Ing. W. Roetzel, Hamburg
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Ce 2 Kosten und Wirtschaftlichkeit von Wärmeübertragern 10. Auflage 2006

sog. 6/10-Regel [7] kann für grobe Schätzungen ein De- hälter sowie Pumpen und Kompressoren angegeben
gressionsexponent von m=0,6 angenommen werden. werden.
Für Rohrbündelwärmeübertrager mit Übertragungs-
flächen zwischen 2 und 2000 m2 wird ein Wert von
2.2 Energie- und sonstige Betriebskosten
mW=0,59 empfohlen [8].
Entsprechend kann für Pumpen oder Kompressoren die Die gesamten Energie- und Stoffkosten KE setzen sich
C Leistung L_ als Bezugsgröûe genommen werden: aus den Pumpkosten zur Überwindung der Strömungs-
  mP widerstände auf beiden Seiten, den zusätzlichen Energie-
L_ kosten KDT zur Erhöhung der Temperaturdifferenz im
IP ˆ IP0 : …4†
_L0 Wärmeübertrager und den Stoffkosten KM für nicht im
Kreislauf geführte Hilfsstoffe zusammen und sind pro-
Es werden Werte von mP = 0,30 für kleine Kreiselpum- portional zur jährlichen Betriebszeit t (Stunden/Jahr):
pen (0,35 bis 30 kW), mP=0,67 für groûe Kreiselpum-  
pen (30 bis 300 kW) und mP=0,84 für Kompressoren M_ 1 Dp1 M _ 2 Dp2
KE ˆ cel t ‡ ‡ KDT ‡ KM …6†
(0,75 bis 1500 kW) angegeben [8]. r1 hP1 r2 hP2
Unterschiedliche Werkstoffe können durch Korrektur- mit dem Preis elektrischer Energie cel (DM/kWh) und
faktoren berücksichtigt werden, mit denen der Preis der den Massenströmen M _ i , den Druckverlusten D pi , den
Ausführung in einem Bezugswerkstoff zu multiplizieren Fluiddichten ri und den Pumpenwirkungsgraden h P i auf
ist. Als Anhaltswerte können die in Tabelle 1 angegebe- beiden Seiten (i=1 oder 2). Die Energiekosten zur Erhö-
nen Werkstoffkorrekturfaktoren für einen Rohrbündel- hung der Temperaturdifferenz ergeben sich aus den Ko-

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wärmeübertrager mit 140 m2 Übertragungsfläche dienen sten für Brennstoffe, Dampf oder elektrische Energie.
[2]. Es sind sowohl Werte für die Rohre als auch den ge-
samten Wärmeübertrager angegeben. Bezugswerkstoff Gleichung (6) vereinfacht sich in vielen Fällen. Während
ist unlegierter Kohlenstoffstahl. Für kleinere Apparate Pumpkosten zumindest auf einer Seite immer anfallen,
sind die Korrekturfaktoren tendenziell kleiner, für gröûe- entfallen Energiekosten zur Erhöhung der Temperatur-
re Apparate gröûer. differenz bei der Wärmeübertagung zwischen zwei Pro-
zeûfluiden oder bei Kühlung mit Stoffen von Umge-
bungstemperatur. Während bei Kühlung mit Kühlwasser
Tabelle 1. Werkstoffkorrekturfaktoren für Rohrbündel-
i. allg. Kosten für das Kühlwasser anfallen, entfallen die
wärmeübertrager [2]
Stoffkosten ebenfalls bei Wärmeübertragung zwischen
Werkstoff Rohre Wärme- zwei Prozeûfluiden sowie bei Kühlung mit Luft.
übertrager
Unter die sonstigen Betriebskosten KS fallen v. a. War-
Unlegierter Kohlenstoffstahl 1,0 1,0 tungs- und Reinigungskosten. Obwohl diese z. T. wie die
Edelstahl 304L, geschweiût 2,2 1.6
Edelstahl Cu/Ni-90/30, geschweiût 2,4 1,6
Energiekosten proportional zur jährlichen Betriebszeit
Edelstahl Cu/Ni-70/30, nahtlos 2,9 1,8 sind, ist es üblich, sie wie die Kapitalkosten proportional
Edelstahl 316L, geschweiût 3,2 1,8 zum Apparatepreis zu setzen [12]:
Titan, 20 BWG, geschweiût 3,6 1,9
E-Brite-26-1, geschweiût 5,2 2,4 KS = sIw . (7)
Titan, geschweiût 6,8 2,8
Monel-400, geschweiût 7,5 3,0
Für die Kostenschätzung zur wirtschaftlichen Auslegung
Incoloy-825, geschweiût 7,6 3,0 ist dies auch berechtigt, da betriebszeitabhängige oder
Carpenter-20 CB3, geschweiût 8,6 3,3 konstante Anteile der Wartungskosten unabhängig von
Inconel-625, geschweiût 15,1 5,0 der Auslegung des Wärmeübertragers sind. Für den Fak-
Zirkon 20BWG, nahtlos 15,8 5,2 tor s gibt Schnell [12] folgende Anhaltswerte an:
Hastelloy C276, geschweiût 18,2 5,9
Zirkon, nahtlos 25,1 7,7 s=0,01 ... 0,02 für geringen Wartungsaufwand (keine
Verschmutzungs- und Korrosionsgefahr),
Aus früheren Jahren stammende Preise müssen mit Hilfe s=0,02 ... 0,05 für mittleren Wartungsaufwand (ge-
von Preisindizes korrigiert werden: plante Wartungs- und Reinigungsintervalle),
j2 s=0,05 ... 0,10 für hohen Wartungsaufwand (schnelle
Ij 2 ˆ Ij1 …5†
j1 Verschmutzung, starke Korrosion).
mit Ij1 und j1 als dem Preis und dem Preisindex zu einem Die Wartungskosten für die Pumpen können entspre-
früheren Zeitpunkt und Ij2 und j2 als dem Preis und dem chend berücksichtigt werden.
Preisindex zu einem späteren Zeitpunkt. Für Deutsch-
land findet man Preisindizes für Apparate und Maschi-
nen im Index der Erzeugerpreise gewerblicher Produkte,
der monatlich vom Statistischen Bundesamt errechnet 3 Wirtschaftliche Auslegung
wird [9] (zur Berechnung s. [10]). Im englischsprachigen Im allgemeinen Fall werden für die Auslegung eines
Raum kann der Chemical Engineering Plant Cost Index Wärmeübertragers folgende Vorgaben gemacht:
verwendet werden, der regelmäûig in der Zeitschrift
Chemical Engineering [11] veröffentlicht wird und in ± Massenstrom eines der beiden Fluide (Prozeûfluid),
dem u. a. auch Teilindizes für Wärmeübertrager und Be- ± Ein- und Austrittstemperatur des Prozeûfluids.
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10. Auflage 2006
Kosten und Wirtschaftlichkeit von Wärmeübertragern Ce 3

In vielen Fällen liegt auûerdem die Eintrittstemperatur Zwischen der erzeugten Entropie oder dem Exergiever-
des Fluids auf der anderen Seite fest (Hilfsfluid, z. B. lust und den Gesamtkosten besteht i. allg. kein direkter
Kühlung mit Luft oder Kühlwasser) oder beschränkt sich Zusammenhang. In Fällen, in denen die Energiekosten
auf wenige diskrete Werte (z. B. Heizdampf). überwiegen, kann aber eine thermodynamische Analyse
Das Ziel der wirtschaftlichen Auslegung ist die Auswahl Hinweise auf die wirtschaftlichste Lösung geben (vgl.
eines Wärmeübertragers (Bauart, Übertragungsfläche, auch Abschn. Cd zur Optimierung von Wärmeübertra-
konstruktive Details) und die Festlegung der Betriebsbe- gungsnetzwerken). C
dingungen (Massenstrom und ggf. Eintrittstemperatur Eine Exergiebilanz für einen stationär betriebenen, adia-
des Hilfsfluids), so daû die genannten Vorgaben erfüllt baten Wärmeübertrager mit zwei Stoffströmen nach Ab-
und gleichzeitig die jährlichen Gesamtkosten nach schn. Ca, Bild 1, liefert für den Exergieverluststrom E_ V
Gl. (1) minimiert werden.   
E_ V ˆ Tu M_ 1 s 100 s01 ‡ M
_ 2 s 200 s02 , …9†
Im allgemeinen Fall hat man es mit einer groûen Zahl
von z. T. diskreten Einfluûgröûen zu tun. Der formale wobei Tu die Umgebungstemperatur und M _ 1und M _ 2 die
Weg zur Bestimmung des Minimums durch analytische Massenströme der beiden Fluide sind. Durch Wärmever-
oder numerische partielle Ableitung der Kostenfunktion luste an die Umgebung entsteht ein zusätzlicher Exergie-
Gl. (1) nach allen relevanten Einfluûgröûen setzt das verlust. Dieser ist aber i. allg. klein und kann vernachläs-
Vorhandensein einfacher analytischer Zusammenhänge sigt werden. Zur Auswertung von Gl. (9) müssen bei ein-
oder eine umfassende Datenbasis voraus. Wegen des ho- phasigen Systemen jeweils die Temperaturen und Drük-
hen Aufwands zur Beschaffung der Daten und der damit ke am Ein- und Austritt auf beiden Seiten bekannt sein,
verbundenen zusätzlichen Kosten läût sich dies nur in
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damit die spezifischen Entropien s01 , s 100, s02 und s 200 be-
den seltensten Fällen rechtfertigen. stimmt werden können. Bei nassem Dampf eines reinen
Im Sonderfall der Wärmeübertragung zwischen zwei Stoffes müssen die Temperatur oder der Druck sowie der
Prozeûfluiden liegen die Massenströme und die Ein- und Dampfgehalt am Ein- und Austritt bekannt sein, bei
Austrittstemperaturen auf beiden Seiten fest, und es sind Dampfgemischen zusätzlich die Zusammensetzungen
keine Energiekosten zur Erhöhung der Temperaturdiffe- von Dampf und Flüssigkeit.
renz zu berücksichtigen. Die Kostenfunktion vereinfacht Für die einphasigen Modellfluide ¹ideales Gasª und
sich zu ¹raumbeständiges Fluidª, die als gute Näherung für ein
 mW   reales Gas bei niedrigen Drücken bzw. eine Flüssigkeit
A M_ 1 Dp1 M_ 2 Dp2
Kges ˆ …a ‡ s†IW 0 ‡cel t ‡ , …8† angesehen werden können, gelten die folgenden einfa-
A0 r1 hP1 r2 hP2
chen Gleichungen zur Berechnung des Exergieverlustes.
wobei hier die Kapital- und Wartungskosten für die Pum- Sie wurden für konstante spezifische Wärmekapazitäten
pen vernachlässigt wurden. Die erforderliche Übertra- hergeleitet [14].
gungsfläche A hängt nach Abschn. Ca, Gl. (3), vom mitt-
Der Exergieverlust setzt sich aus drei Anteilen zusam-
leren Wärmedurchgangskoeffizienten k und damit von
men:
der Geometrie und den mittleren Strömungsgeschwin-
digkeiten (Abschn. Cb) sowie von der mittleren Tempe- E_ V ˆ E_ V, Q ‡ E_ V, Dp, 1 ‡ E_ V, Dp, 2 : …10†
raturdifferenz DJm und damit von der gewählten Strom-
führung (z. B. Gegenstrom, Abschn. Ca) ab. Die Druck- Der erste Term E_ V, Q stellt den Hauptexergieverlust
verluste Dp1 und Dp2 hängen von den mittleren Strö- durch Wärmeübertragung bei endlicher Temperaturdif-
mungsgeschwindigkeiten und der Geometrie, ferenz dar. Mit darin enthalten ist ein geringfügiger An-
insbesondere der Länge der Strömungskanäle, ab teil, der durch Vermischung von Teilströmen unter-
(Abschn. Lba, Lbb). schiedlicher Temperatur vor dem Austrittsstutzen her-
vorgerufen wird.
Die Minimierung der Kostenfunktion Gl. (8) läût sich
erheblich vereinfachen, wenn eine Analogie zwischen Der Exergieverlust E_ V,Q errechnet sich für Gase und
Wärmeübergang und Druckverlust bekannt ist. Nach Flüssigkeiten nach
Martin [13] kann auf diese Weise eine Analogie nach der  
verallgemeinerten LeÂv†que-Gleichung zur wirtschaft- _ u 1
E_ V, Q ˆ QT
1
 0: …11†
lichen Auslegung von Plattenwärmeübertragern, Rohr- TM, 1 TM, 2
bündeln, Festbetten und anderen kompakten Wärme-
übertragerbauarten verwendet werden. Hierin bedeuten Q_ den von Stoffstrom 1 auf Stoffstrom 2
übertragenen, positiv gerechneten Wärmestrom und TM, i
den logarithmischen Mittelwert der thermodynamischen
Ein- und Austrittstemperatur des Stoffstroms
4 Thermodynamische Analyse i=1 bzw. 2:

Die wirtschaftliche Bewertung auf der Basis von Kosten Ti0 T i00
TM i ˆ : …12†
ist aufwendig und mit hohen Unsicherheiten belastet. T0
Dagegen kann eine thermodynamische Analyse zur ln i00
Ti
Minimierung des Entropieproduktionsstroms oder des
Exergieverluststroms mit Hilfe von Entropie- oder Exer- Der zweite bzw. dritte Term in Gl. (10) stellt den Exer-
giebilanzgleichungen sehr schnell durchgeführt werden. gieverlust durch Reibungsdruckabfall des Stoffstroms 1
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Ce 4 Kosten und Wirtschaftlichkeit von Wärmeübertragern 10. Auflage 2006

bzw. 2 dar. Für Gase errechnet sich dieser Exergieverlust 5 Literatur


des betreffenden Stoffstroms i=1 oder 2 nach
[1] Bartzsch, W. H.: Betriebswirtschaft für Ingenieure. 6. Aufl.
Berlin: VDE-Verl. 1997.
p0i
E_ V, Dp, i ˆ M
_ i Ri ln …13† [2] Peters, M. S., u. K. D. Timmerhaus: Plant design and econo-
p i00 mics for chemical engineers. 4. Aufl. New York: McGraw-Hill
1991.
C mit Ri als der individuellen Gaskonstante sowie p0i und p i00 [3] Costing of heat exchangers. Kap. 4.8 in: Heat exchanger de-
sign handbook. Washington, DC: Hemisphere Publ. Corp.
als den Gasdrücken am Eintritt bzw. Austritt des Wärme- 1983.
übertragers. Für Flüssigkeiten gilt [4] Purohit, G. P.: Heat exchangers, cost of double-pipe and mul-
titube units. In: Encyclopedia of chemical processing and de-
V_ i Dpi sign. Bd. 25. New York: Dekker 1987, S. 310/324.
E_ V, Dp, i ˆ : …14† [5] Vatavuk, W. M.: A potpourri of equipment prices. Chem. Engg.
TM, i 102 (1995) 8, S. 68/73.
[6] Equipment costs. Process engineering. London: Morgan-
Hierin bedeuten V_ i den Volumenstrom, Dpi ˆ p0i p i00den Grampian. (9) Plate heat exchangers. Bd. 77 (1996) 3, S. 16.
positiven Druckverlust und TM , i den logarithmischen (10) Shell and tube heat exchangers. Bd. 77 (1996) 6, S. 18.
(16) Air-cooled exchangers. Bd. 78 (1997) 3, S. 18.
Mittelwert nach Gl. (12).
[7] Williams, R.: ,Six-tenths factor aids in approximating costs.
Im Gegensatz zur allgemeinen Exergiebilanzgl. (9) kann Chem. Engng. 54 (1947) S. 124/125.
man aus den Gln. (10) bis (14) die Aufteilung in den [8] Holland, F. A., u. J. K. Wilkinson: Process economics. Section
durch die Wärmeübertragung bei endlicher Temperatur- 9. In: Perrys chemical engineers handbook. 7. Aufl. New
York: McGraw-Hill 1997.

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differenz verursachten Exergieverlust und die durch die [9] Wirtschaft und Statistik (monatlich) oder Statistisches Jahr-
Reibungsdruckverluste auf beiden Seiten verursachten buch (jährlich). Statistisches Bundesamt, Wiesbaden.
Exergieverluste getrennt ermitteln. Das ist dann von Be- [10] von Minding, B.: Neuberechnung des Index der Erzeugerpreise
deutung, wenn diese aus energetisch unterschiedlich zu gewerblicher Produkte auf Basis 1991. Wirtschaft und Stati-
bewertenden Exergiequellen gedeckt werden (z. B. Heiz- stik, Jahrgang 1994, S. 201/204.
öl für den durch die endliche Temperaturdifferenz verur- [11] Chemical engineering. New York: McGraw-Hill.
[12] Schnell, H.: Technisch-wirtschaftliche Optimierung von Wär-
sachten Exergieverlust und elektrische Energie für die
meaustauschern. In: Wärmeaustauscher, Energieeinsparung
durch den Druckverlust verursachten Exergieverluste). durch Optimierung von Wärmeprozessen. Essen: Vulkan-
Dies spielt keine Rolle, wenn alle Exergieverluste letzt- Verl. 1991, S. 348/353.
endlich durch dieselbe Exergiequelle gedeckt werden [13] Martin, H.: Prediction of heat transfer from pressure drop in
z. B. bei Wärmeübertragern in Wärmekraftanlagen). heat exchangers - a better tool for thermohydraulic and econo-
mic design. Proc. Int. Conf. Heat Exchangers for Sustainable
Development, Lisbon (Portugal), 15.±18.06.1998, S. 249/256.
[14] Roetzel, W.: Vorlesung ¹Prozesse und Apparate der Energie-
technikª. Univ. d. Bundeswehr Hamburg (seit 1983). Siehe
auch Roetzel, W.: Comments on the paper of A. L. London and
R. K. Shah: Costs of irreversibilities in heat exchanger design.
Heat Transfer Engng. 5 (1984), 3±4, S. 15/17 und 6 (1985) 2,
S. 73.
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10. Auflage 2006
Berechnungsmethoden für Stoffeigenschaften *) Da 1

Gliederung

1 Einführung 6.3 Realgaskorrekturen


6.4 Spez. Wärmekapazität der Flüssigkeiten
2 Systematik der Berechnungsmethoden 6.5 Routen zur Enthalpieberechnung

3 Charakteristische Stoffkonstanten 7 Viskosität


3.1 Kritische Daten 7.1 Dynamische Viskosität von Flüssigkeiten
3.2 Azentrischer Faktor 7.2 Dynamische Viskosität von Gasen
3.3 Normalsiedepunkt
3.4 Schmelzpunkt 8 Wärmeleitfähigkeit D
3.5 Standardbildungsenthalpie / Freie Standardbil- 8.1 Wärmeleitfähigkeit von Flüssigkeiten
dungsenthalpie 8.2 Wärmeleitfähigkeit von Gasen
3.6 Dipolmoment
9 Oberflächenspannung
4 Dichte
4.1 Dichte von Flüssigkeiten 10 Diffusionskoeffizient
4.2 Dichte von Gasen 10.1 Diffusionskoeffizient in Gasen
4.3 Räumlicher Wärmeausdehnungskoeffizient 10.2 Diffusionskoeffizient in Flüssigkeiten
10.3 Diffusion in Mehrkomponentengemischen
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5 Dampfdruck
11 Formelzeichen
6 Enthalpieberechnung
6.1 Verdampfungsenthalpie 12 Literatur
6.2 Spez. Wärmekapazität idealer Gase

1 Einführung Allgemeinen relativ gering, wenn auch nicht komplett


vernachlässigbar ist. Eine klare Ausnahme bildet die
In den Gleichungen zur Beschreibung des Wärmetrans- Dichte von Gasen. Bei Gemischen kommt die Abhängig-
ports sind immer Stoffeigenschaften als Parameter ent- keit von der Zusammensetzung dazu.
halten, die einen mehr oder weniger groûen Einfluss auf
das Ergebnis für den Wärmestrom ausüben. So gehen
z. B. bei der Berechnung des Wärmeübergangs bei er- Zahlenwerte für Stoffeigenschaften sollten nach Mög-
zwungener einphasiger Konvektion die Wärmeleitfähig- lichkeit immer auf zuverlässigen Messwerten basieren.
keit, die dynamische Viskosität, die Dichte und die spe- An einigen technischen besonders wichtigen Reinstoffen
zifische Wärmekapazität ein. sind umfangreiche Messungen durchgeführt worden.
Diese Daten sind in Tabellen zusammengestellt. Für
Kommt wie bei der freien Konvektion die Fluidbewe- Wasser, Luft und Kohlendioxid z. B. sind solche Werte
gung durch Temperaturunterschiede