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Vorlesung I

die geschichte der germanischen stämme im mittelalter. das 1. deutsche reich. das
hochmittelalter. das 2. deutsche reich

1 Die Entstehung Deutschlands

Seit wann man von «Deutschland» sprechen kann, ist objektiv feststellbar. Weder ethnisch noch
sprachlich noch territorial lässt sich die Bildung einer eigenständigen deutschen Nation eindeutig
datieren.
Das geografische Gebiet des heutigen Deutschlands wurde schon vor der Antike von verschiedenen
Volksgruppen und Stämmen, die unter dem Begriff Germanen zusammengefasst werden, besiedelt.
Diese in der Bronze- und Eisenzeit eingewanderten indogermanischen Stämme bzw. deren
Nachfahren vermischten sich mit den seit Ende der letzten Eiszeit ansässigen «Ureinwohnern» und später
fortwährend mit «durchziehenden» Völkern bzw. Siedlern, zum Beispiel:
- den indogermanischen Kelten im heutigen Süddeutschland, die Europas Kultur in weiten
Landstrichen bis zur Spätantike prägten;
- den Römern im heutigen Süd- und Westdeutschland, deren Truppen den Süden und Westen
Germaniens entlang der Donau und des Rheins bis etwa ins 5. Jh. besetzten;
- den Slawen östlich der Elbe im Rahmen der Ostkolonisation vom 11. bis zum 14. Jahrhundert;
- sowie anderen Völkern während der Völkerwanderung, wie etwa den Sarmaten.
Erst das Frankenreich Karls des Großen (Karolingerreich) einte das Gebiet des kontinentalen
Zentraleuropas zwischen Atlantik, Ostsee und Alpensüdrand.

2 Frühmittelalter: Karolingenreich. Karl der Große. Zerfall des Frankenreiches


Seit dem 19. Jahrhundert ist es im deutschsprachigen Raum üblich, das Mittelalter grob in drei
Phasen zu gliedern:
- Frühmittelalter (Mitte des 6. Jahrhunderts bis Anfang des 11. Jahrhunderts ( 650-1000 n.Chr.));
- Hochmittelalter (Anfang des 11. Jahrhunderts bis ca. 1250);
- Spätmittelalter (ca. 1250 bis ca. 1500).
In das Frühmittelalter fällt unter anderem auch die Zeit der Völkerwanderung. Weitere
entscheidende Entwicklungen sind die weitgehende Christianisierung Europas, der Aufstieg des
Fränkischen Reiches, der Ein fall der Wikinger, der Beginn des Heiligen Römischen Reiches und die
Kämpfe zwischen Kaisertum und Papsttum. Außerdem wirkt der Aufstieg des Islam und sein schnelles
Ausgreifen bis nach Europa prägend. Wirtschaftlich stellt das Frühmittelalter eine Zeit der
Naturalwirtschaft dar. Wesentliche Kulturträger sind die Klöster.
In jener Zeit existierte auch das Fränkische Reich, das auf mehrere germanische Völker der
Völkerwanderungszeit zurückgeht. Das Fränkische Reich war ein Königreich in West- und Mitteleuropa
zwischen dem 5. und 9. Jh, das sich auf dem westeuropäischen Gebiet des Römischen Reichs bildete.
Das Reich der Franken wurde innerhalb von drei Jahrhunderten zum wichtigsten Land
Mitteleuropas. Es entwickelte sich nach dem Zerfall des antiken Römischen Reichs zum Machtzentrum
und später zur Großmacht in Mitteleuropa. Es wurde durch die Dynastien der Merowinger und Karolinger
regiert.
Chlodwig ( 466-511 ), ein fränkischer Fürst aus dem Geschlecht der Merowinger, schuf das
Frankenreich. Er vertrieb die letzten Römer aus Nordgallien, eroberte etliche Gebiete und schaffte durch
List und Verrat alle anderen fränkischen Fürsten aus dem Weg. Im Jahr 482 wurde er zum König des
neuen großen Reichs.
Im Jahre 751 wurde der Karolinger Pippin mit Hilfe des Papstes zum König des Frankenreiches
erhoben.
Den Höhepunkt seiner Macht erreichte das Fränkische Reich unter Karl dem Großen, dem ältesten
Sohn von Pippin. Er war der mächtigste Karolingenkönig. Karl der Große wurde wahrscheinlich am 2.
April 748 in Prüm geboren. Seit 768 wurde er König der Franken (die Krönung fand in Noyon statt). Am
25. Dezember 800 wurde er von Papst Leo III in Rom zum römischen Kaiser gekrönt.
Er unterwarfeinige Völker des Abendlandes. Einige Kriege führte er im Auftrag des Papstes. Karl
der Große erließ eine Vielzeit von Gesetzen und Verordnungen. Er ließ die alten germanischen
Stammesrechte aufzuschreiben. Damit schufer eine neue Rechtsordnung. Karl der Große war ein harter
König, daneben sorgte er für die Entwicklung der Kultur im Land. Er gründete in Aachen die königliche
Hofschule, das Zentrum der Abendländischen Gelehrsamkeit. Die Gelehrten bemühten sich, die religiöse
und die geistige Bildung des Volkes zu erneuern. Diese Zeit nennt man jetzt «die karolingische
Renaissance». Es blühten Literatur und Wissenschaften, in der Landwirtschaft und Metallverarbeitung
gab es auch Fortschritte. Erst das Frankreich Karls des Großen (Karolingerreich) einte das Gebiet des
kontinentalen Zentraleuropa zwischen Atlantik, Ostsee und Alpensüdrand.
Nach 46-jähriger Herrschaft starb Karl 814 in Aachen. Sein Sohn Ludwig der Fromme wurde
Kaiser. Dieser versuchte, die Reichseinheit zu wahren und erließ 817 ein Reichsteilungsgesetz. Ludwig
hatte 3 Söhne aus der ersten Ehe, die das Reich erben mussten. Ludwig bestimmte seinen ältesten Sohn
Lothar zum Mitkaiser. Seine Söhne Ludwig und Pippin erbten Bayern und Aquitanien. Der Streit um die
Erbfolge begann, nachdem Ludwig der Fromme die Erbfolgeordnung zugunsten seines Sohnes Karl aus
zweiter Ehe umstürzen wollte. Es kam zum Kampf Ludwigs des Frommen mit Lothar. Später starb
Pippin, und nach dem Tode Ludwig des Frommen standen seine Söhne Ludwig der Deutsche und Karl
der Kahle gegen ihren Bruder Lothar. Es brach ein blutiger Bruderkrieg aus. Das kam zur Teilung des
Reiches zu Verdun 843. Die Reichseinheit wurde nie wieder hergestellt.
Die einzelnen Reichsteile entwickelten unterschiedliche Sitten, Bräuche, Sprachen und wurden so
zu eigenständigen Staaten. Aus dem Westfränkischen Reich ging später Frankreich hervor. Aus dem
Ostfränkischen das heutige Deutschland - oder: das Heilige Römische Reich deutscher Nation - führte die
Tradition des römischen Kaisertums fort. Das «Mittelreich» des Franken- staates, das spätere Burgund
und Lothringen, wurde im Laufe des Mittelalters zwischen Frankreich und dem Ostenfrankreich
aufgeteilt. Unter den Nachfolgern von Ludwig, Lothar und Karl haben sich weitere Teilungen vollzogen.
Das ostfränkische Reich wurde noch nicht «deutsch», schuf aber zumindest einen groben
geografischen Rahmen für das spätere Deutschland. Erst in der fortgeschrittenen Ottonenzeit taucht die
Bezeichnung regnum teutonicum (lateinisch für «Deutsches Reich») auf. Vom Zerfall des Karo-
lingenreiches bis in das Hochmittelalter kann man von einer Übergangsphase bei der Bildung des Begriffs
«Deutschland» sprechen.
Die letzten Karolingerkönige waren im Ostreich schwache Herrscher. Der letzte Karolinger
Ludwig IV., das Kind, starb 911.
3 Die Zeit der Ottonen
Nach der Spaltung des Reiches kam es im Ostfrankenreich zum Verfall des Königtums und zum
Aufstieg einzelner Adelsfamilien. Um eigene Macht nicht zu gefährden, wählten die Stammesherzöge
den Frankenherzog Konrad I. zu ihrem König.
Ihm folgte der Sachsenherzog Heinrich I. aus dem Geschlecht der Ottonen. Nach seinem Tode
wurde Otto I. 936 zum König gewählt.
Schon im Jahre seiner Wahl begannen für ihn die Schwierigkeiten, sich gegenüber den mächtigen
Stammesherzögen durchzusetzen. Es gab viele Aufstände. Otto I. warf die Herzoge nieder und versuchte
die Einheit des Reiches dadurch zu sichern, dass er Verwandte mit den Herzogtümern belehnte. Einige
dieser Verwandten erhoben sich aber auch gegen Otto. Als Otto I erkannte, dass seine Familienpolitik
nicht zur Festigungder Königsmacht führte, versuchte er, sich an die Kirche anzulehnen. Er setzte
Bischöfe und Äbte als Verwaltungsbeamte ein, die mit Herr- schaftsrechten oder mit Grafschaften belehnt
wurden. Die kirchlichen Großen erlangten damit eine ähnliche Stellung wie die Reichsfürsten. Da
Erblichkeit bei ihnen wegen des Zölibats ausschied, konnten ihre Stellen immer erneut mit Anhängern
des Königs besetzt werden. Otto I. wählte die Bischöfe selbst aus und setzte sie in ihr Amt ein. Doch
konnten sie nicht alle ihnen übertragenen weltlichen Angelegenheiten wahrnehmen. Es waren Vögte
eingesetzt, die aus adeligen Familien stammten. Die Vögte übernahmen einige weltliche Aufgaben der
kirchlichen Herrschaftsträger. Dieses ottonische Reichskirchensystem konnte funktionieren, nur wenn der
König das Recht besaß, Bischöfe einzusetzen, und wenn zwischen der weltlichen und kirchlichen Macht
Einvernehmen herrschte. Die Konflikte mit dem Papst konnten es zerstören.
Auch in der Außenpolitik wirkten Staat und Kirche zusammen. Otto I. kämpfte auch erfolgreich
gegen Ungarn. 955 schlug er Ungarn bei Augsburg. Europa war damit von der Ungarngefahr befreit.
Otto I, der Große, unternahm auch Italienzüge. 962 wurde er in Rom gekrönt.
Der Sohn Ottos des Großen Otto II. versuchte die Politik des Vaters fortzusetzen. Er wollte ganz
Italien unter seine Herrschaft bringen. Auf einem Feldzug im Süden Italiens unterlag Otto II. einem
arabischen Heer. 983 starb er an Malaria. Unter Otto II. verlor das Reich einige Gebiete sowohl im Süden
als auch im Norden des Landes.
Als Otto II starb, war sein Sohn erst drei Jahre alt. Otto III. wurde schon mit 15 Jahren für mündig
erklärt. Er hatte weitgehende Pläne. Er wollte das Römische Reich wieder herstellen und es gemeinsam
mit dem Papst, seinem Lehrer und Freund, regieren. Ein vorzeitiger Tod (Otto III. starb 1002 im Alter
von 22 Jahren) bereitete diesen Plänen ein rasches Ende.
Die Kultur der ottonischen Zeit wird die «Ottonische Renaissance» genannt. Sie war im
Wesentlichen auf den geistlichen Stand beschränkt.
4 Zwischen der Ottonenzeit und dem Reich der Staufer
Der letzte sächsische Kaiser war Heinrich II. Nach den Sachsen kamen die Salier an die Macht. Der
erste salische König Konrad II wurde 1027 in Rom zum Kaiser gekrönt. Konrads Nachfolger Heinrich
III., der gebildet erund fromm war, unterstützte die Kirchenreform. Die Reformanhänger erstrebten eine
Erneuerung des klösterlichen Lebens durch Rückkehr zu den strengen Regeln und die Unabhängigkeit
von weltlicher Oberhoheit. Die Herrschaft Heinrichs III. bildete einen Höhepunkt in dem Bestreben, im
engen Zusammenwirken von Kaiser und Papst ein christliches Reich in Europa zu errichten. Doch barg
diese Zusammenarbeit den Keim für einen Konflikt in sich. Bald begann der Kampf zwischen Papst und
Kaiser um den Vorrang. Heinrich III. starb, bevor er seine Stellung festigen und sichern konnte.
Während der Regentschaft für den unmündigen Heinrich IV. wurde die Reichsgewalt geschwächt.
Geistliche und weltliche Fürsten wollten die Führung des Reiches an sich reißen. Viele königliche Güter
waren in fremde Hände übergegangen. Als Heinrich mündig geworden war, wollte er den verlorenen
Königsbesitz wiedergewinnen. Er begann damit in Sachsen, wo sich reiche Silbergruben befanden. Er
ließ dort neue Burgen bauen, die nicht mit Adeligen, sondern mit königlichen Dienstmannen besetzt
wurden. Das reizte die Sachsen zum Widerstand. 1073 brach der sächsische Aufstand los. Der König floh
nach Worms, verhandelte mit den Sachsen und gestand zu, dass seine sächsischen Burgen niedergelegt
werden sollten. Aber beim Zerstören riss das Volk sogar Kapellen und die Gräber der königlichen Familie
in Harzburg nieder. Es wurde von den Fürsten missbilligt, sie schickten jetzt dem König Hilfe. Heinrich
IV. wurde wieder Herr im Lande. Da begann der Konflikt des Kaisers mit dem Papst. Rom verbot die
«Investitur» der Bischöfe durch den König. Der Papst drohte Heinrich IV. mit dem Ausschluss aus der
Kirche. Heinrich IV. versammelte die deutschen Bischöfe in Worms, und die Versammlung erklärte den
Papst für abgesetzt. Der Papst untersagte Heinrich IV. Reichsleitung. Das fand die Unterstützung der
Fürstenopposition, die drohte, einen anderen König zu wählen. Erst unter Heinrich V. kam es zu einem
Ausgleich mit der Kirche.
5 Das Reich der Staufer
Nach dem Tode Heinrichs V. (1125), des letzten Saliers, wählten die Fürsten den König nicht aus
dem Verwandtenkreis. Sie versuchten ihr freies Wahlrecht durchzusetzen und wählten Lothar von
Supplinburg, den Herzog von Sachsen, zum König. Lothar regierte aber nur kurze Zeit.
Nach seinem Tod wurde Konrad von Staufen zum König. Es kam zu th- einem Konflikt zwischen
den Staufern und den Weifen, es waren zwei mächtige Geschlechter, die um die Königskrone kämpften.
Es begann der Bürgerkrieg, Konrad III. konnte deswegen sogar nicht zum Kaiser gekrönt werden.
Vor seinem Tode bezeichnete er seinen Neffen Friedrich von Schwaben aus dem Geschlecht der
Staufer als den Nachfolger. Friedrich versöhnte sich mit dem Weifen Heinrich dem Löwen. Heinrich der
Löwe zog nach dem Osten und regierte in Braunschweig. Friedrich I. zog nach dem Süden, nach Rom,
wo er 1155 die Kaiserkrone gewann. Die Italiener gaben ihm den Beinamen Barbarossa (d. h. «Rotbart»).
Barbarossa (1152-1190) hatte eiserne Willenskraft und menschliche Liebenswürdigkeit, große
Staatsmannschaft mit Feldherrntalent. Er erweiterte das Krongut durch eine zielstrebige
Reichslandpolitik. Dabei stützte er sich auf die Städte und den niederen Adel. Mit Hilfe der Fürsten
konnte er sich gegen Heinrich den Löwen durchsetzen. Das Ansehen Kaiser Barbarossa stand auf dem
Höhepunkt. Da sah er sich vor eine große Aufgabe gestellt. Damals wurde Jerusalem von Saladin, dem
Sultan von Ãgypten, im Sturm genommen. Barbarossa rief zu einem Kreuzzug gegen die Unchristlichen
auf. Er war bereits über 60 Jahre alt, als er das Kreuz nahm und die christliche Ritterschaft in den Kampf
führte. Im Jahre 1189 brach er von Regensburg zu diesem dritten Kreuzzug auf. Aber noch vor dem
Erreichen des Zieles starb der Kaiser 1190 in der Türkei in den Fluten des Flusses Saleph.
Friedrichs Nachfolger Heinrich VI. strebte eine enge Verbindung zwischen Deutschland und dem
Königreich Sizilien an. Doch starb er 1197, bevor er seine Pläne verwirklichen konnte. Sein Tod führte zu
einem Zusammenbruch der kaiserlichen Machtstellung. Sein Sohn Friedrich Roger war erst 3 Jahre alt.
Zwischen Staufern und Weifen brach erneut ein langjähriger Bürgerkrieg für die Königskrone aus. So
konnte sich Friedrich II. erst 1212 behaupten. Er führte das Reich der Hohenstaufern zu neuer Blüte.
Friedrich II. regierte von Sizilien aus und vernachlässigte allmählich Deutschland. Die Nachfolger
Friedrichs II. verloren den Kampf um Sizilien mit dem Pappst. Das Geschlecht der Staufer endete mit
dem Enkel Friedrichs II.
Während die Nachfolger Friedrichs II. um Sizilien kämpften, wurde Deutschland vom Streit um die
Königskrone zerrissen. Im Reich begann die kaiserlose Zeit. Es war die Zeit der Unsicherheit und der
Kämpfe. Alle Versuche der Städte und der Fürsten Reichseinheit und Frieden zu erhalten, waren
vergeblich. Das Reich hatte keine richtige Regierung. Es stritten drei Könige um die Krone. Die
Landesfürsten festigten ihre Macht weiter, gegen diese Macht konnte künftig kein König aufkommen. In
ihren Gebieten hatten die Landesfürsten das Recht, Münzen zu prägen, Zoll zu erheben sowie die oberste
Aufsicht über die Gerichte. Endlich wurde 1273 Rudolf von Habsburg zum König gewählt. Der häufige
Wechsel der Dynastien schwächte das Reich.
6 Das Rittertum
Im Mittelalter bestand Europa aus kleinen Staaten, die sich ständig im Kriegszustand befanden. Es
waren harte Zeiten. Im 8. Jahrhundert, als Araber und Ungarn einfielen, mussten im Frankenreich
Truppen von Kriegern aufgestellt werden. Die berittenen und gepanzerten Krieger wurden Ritter genannt.
Sie waren durch eine eiserne Rüstung besonders geschützt. Ihre Rüstung kostete viel Geld (ein Panzer
kostete so viel wie ein Bauernhof). Nur reiche Grundbesitzer konnten sich die Ausrüstung leisten.
Der Herrscher musste dafür sorgen, dass die Ritter ausreichend Land hatten. Der König verlieh
seinen Baronen Bodenrechte, wenn sie als Gegenleistung eine bestimmte Zahl Ritter für sein Heer
stellten. Während der Kriege mussten die königlichen Ritter zu den Waffen eilen. Die Baronen
verpachteten ihr Land an Ritter, die dafür im Krieg für sie kämpfen mussten. Zuerst wurde ein Lehen nur
zur Nutzung auf Lebenszeit vergeben, später wurde es erblich.
Die Ritter betrachteten sich als Stand, der feste Regeln für Verhalten und Lebensweise hatte. Im 13.
Jahrhundert wurde die ritterliche Lebensweise zum Leitbild.
Deutschland befand sich in dieser Zeit an einem Wendepunkt seiner Entwicklung. Es war das
führende Land des Bergbaus, besonders des Erz- bergbaus sowie der Metallbearbeitung. Auch die
Textilproduktion hatte wirklich große für jene Zeitperiode Fortschritte gemacht. Die Landwirtschaft
Deutschlands hatte auch eine neue Entwicklungsphase. Mit dem Übergang zur Geldwirtschaft und der
Ausweitung des Handels eröffneten sich den Bauern neue Märkte. Die feudalen Abgaben nahmen immer
mehr die Form der Geldrente an. Um mehr Geld zu bekommen, erhöhten die feudalen Großgrundbesitzer
die Forderungen an die abhängigen Bauern immer mehr. Mit dem Erstarken der Städte vergrößerte sich
auch ihr Einfluss auf das Land: mit der Vergrößerung der städtischen Märkte bildete sich eine Schicht
wohlhabender Bauern heraus, die zwar selbst noch feu- dalabhängig waren, aber schon Knechte hatten.
Soziale Veränderungen vollzogen sich auch in der herrschenden Klasse. Indem die Fürsten mit der
Herausbildung der Landesherrschaft erstarkten, zersetzte sich der niedere Adel, die Ritterschaft. Die neue
Kriegsweise setzte an die Stelle der einzeln kämpfenden Ritter das Söldnerheer.
Der deutsche Humanismus
Dass Veränderungen notwendig waren, brachte der Humanismus zum Ausdruck. Der Humanismus
war die wichtigste geistige Strömung der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert. Die Bezeichnung
«Humanismus» kommt vom lateinischen Wort «humanus», d. h. menschlich. Die Humanisten erklärten,
dass Mensch, Natur und Geschichte ihren Wert in sich hätten. Der Mensch könne die Natur für sich selbst
entdecken, und die Geschichte sei die historische Entwicklung der Nationen. Der Humanismus war die
Bestrebung der Intellektuellen, die Wissenschaft und die Kultur in den Dienst des Menschen zu stellen,
den Menschen zu erziehen.
Die Schriftsteller der Renaissance sahen ihre Aufgabe darin, die Werke der römischen und
griechischen Gelehrten zu verbreiten und zu erklären und mit den eigenen Werken die Menschen im
humanistischen Sinne zu erziehen. Hervorragende Humanisten der Renaissancezeit waren in erster Linie
Erasmus von Rotterdam (1466-1536) und Ulrich von Hütten (1488-1523). Die Humanisten verfassten
satirische Schriften.
In der Renaissancezeit konnten sich auch einfache Bürger an der Dichtkunst beteiligen. In vielen
Städten entwickelte sich der Meistersang. Das war kollektive Dichtung, die mit dem Gesang in
kirchlichen Bruderschaften verbunden war. Der bedeutendste deutsche Meistersinger war Hans Sachs aus
Nürnberg, der zahlreiche Werke verfasste.

Neue Entdeckungen und Erfindungen


Für die Verbreitung der neuen Ideen hatte die Erfindung des Buchdru- ckes eine große Bedeutung.
Die Technik des Buchdruckes hat Johannes Gutenberg aus Mainz Mitte des 15. Jh. erfunden.
1510 erfand Peter Henlein in Nürnberg die Taschenuhr. Jetzt waren die Menschen von der
Sonnenuhr und vom Wetter unabhängig.
Die deutschen Kaufleute übernahmen in anderen Ländern modern Methoden der Buchführung.
Die Technik erlebte viele Veränderungen. Es entstanden neue Produktionsmethoden.
Es entstanden neue Universitäten. 1386 - in Heidelberg, 1409 - in Leipzig.
Die Kunst der deutschen Renaissance
In der Renaissancezeit erlebten auch Malerei, Bildhauerei und die Baukunst einen Aufschwung.
Die Kunst diente nicht mehr der Religion. Die Zahl der Kirchen, die in Deutschland in der
Renaissancezeit errichtet wurden, war sehr klein, die Zahl der Schlösser und Rathäuser sehr groß. Die
Fürsten ließen auch Jagd- schlösser errichten, die meist klein waren und gewöhnlich auf Bergkuppen oder
inmitten tiefer Wälder lagen. Damit die Feudalherren aber ihre Schlösser bauen konnten, mussten die
Bauern höhere Abgaben zahlen, was die Bauern stark belastete.
Bedeutende Maler und Schnitzer arbeiteten gewöhnlich auf Bestellung. In der Renaissancezeit
wurden viele Bildnisse und Gruppenbildnisse von den reichen Personen und ihren Familienmitgliedern
bestellt. Auf ihren Gemälden stellten die Maler nicht nur lebendige Menschen dar, sondern auch ihre
Umgebung. Ganz genau wurde die Kleidung der Personen dargestellt, alle Gegenstände und auch
Wohnräume, Landschaften wurden wahrheitsgetreu gemalt. Hervorragende Vertreter der deutschen
Renaissancemalerei waren die großen Maler Albrecht Dürer, Hans Holbein der Jüngere, Lukas Cranach
der Altere, Matthias Grünewald, Albrecht Altdorfer und andere. Man schuf zahlreiche Bildnisse,
Selbstbildnisse, religiöse Gemälde, sie stellten auch Tiere, Vögel, Pflanzen dar. Viele von ihnen
beschäftigten sich auch mit Kupferstich und Holzschnitt.
Die Bildhauer der Renaissancezeit strebten nach der Naturtreue. Sie verewigten ihre Zeitgenossen
und schufen Altarbilder. Der bedeutendste deutsche Schnitter und Bildhauer jener Zeitperiode war Tilman
Riemenschneider.
8 Die Kirche im Mittelalter
Im Mittelalter waren die Menschen vom tiefen religiösen Glauben erfüllt. Sie hofften, dass der
Glaube und das Leben nach den christlichen Gesetzen ihnen Rettung bringen könnten. Sie erwarteten von
der Kirche Trost und Hilfe bei den täglichen Schwierigkeiten. Dome und Klöster waren Zentren der
mittelalterlichen Kultur. Im Mittelalter hatte die Kirche die neue Macht, die von der Kirche auf das
politische Leben ausstrahlte. Die Geistlichen beschlossen verschiedene Regeln für die Gläubigen, die
Kirche übernahm auch einige Aufgaben bei der Regierung des Reiches. Manchmal führte die Kirche auch
Streit mit der weltlichen Gewalt um die Herrschaft. Viele Päpste kämpften für die Freiheit der Kirche.
Im 11.-12. Jh. erlebte die Kirche eine große Reform. Kernpunkt der Reform war: Verbot der
Laieninvestitur, der Simonie, Zölibat, Unabhängigkeit der Papstwahl von politischen Machtfaktoren,
strenge Unterordnung der Kirche dem Papst.
9 Die Kreuzzüge
Die heiligen Stätten der Christenheit waren Jerusalem, Bethlehem und Nazareth, die noch 632 von
den Arabern erobert wurden. Doch waren die arabischen Kalifen so tolerant, dass christliche Pilger
ungestört Palästina besuchen konnten. Diese Lage änderte sich, als ein Volk aus Turkestan 1077
Jerusalem eroberte. Der Papst forderte, die heiligen Stätten zurück zu gewinnen. In einer Predigt rief er
die abendländischen Christen zu einem Feldzug gegen die Ungläubigen auf. Ein großes Heer der Christen
zog von den Greisen, Kindern, Bettlern begleitet nach dem Orient. Es war der erste Kreuzzug von 1096.
Die Teilnehmer des Kreuzzuges wurden Kreuzfahrer genannt. Die ersten Kreuzfahrer stammten aus dem
französischen Sprach- gebiet, später nahmen an den Kreuzzügen auch deutsche Könige und viele
deutsche Ritter teil. 1099 eroberten die Kreuzfahrer Jerusalem und gründeten die Kreuzfahrerstaaten
Edessa, Antiochien, Jerusalem und Tripolis.
Dabei vernichteten sie die moslemische und jüdische Bevölkerung ohne Gnade. Sie nannten es
«Gottesurteil».
Den Schutz der neuen Staaten übernahmen die neugegründeten Ritterorden.
Bis 1270 wurden 7 Kreuzzüge unternommen. Die Kreuzfahrer zogen nach Palästina nicht nur aus
religiösen Gründen. Sie hatten auch irdische Ziele: Beschäftigung der jungen Vertreter des niederen
Adels, einige hatten auch eigennützige Interessen. Die Ritter sahen in den Kreuzzügen ein ihren Idealen
angemessenes Betätigungsfeld, außerdem boten sich im Orient die Möglichkeiten zum Erwerb von
Reichtümern. Die Päpste sahen in einem «Heiligen Krieg» die Möglichkeit, das abendländische Europa
zu einigen und die seit 1054 abgetrennte Ostkirche wieder der päpstlichen Autorität zu unterstellen.
Im Heiligen Land führten die Kreuzfahrer ein Feudalsystem ein. Sie beschäftigten sich mit dem
Anbau von Zuckerrohr und beteiligten sich am Fernhandel. Die Moslems griffen aber die
Kreuzfahrerstaaten immer wieder an. Sie begannen eine Eroberungskampagne und beendeten sie mit der
Einnahme der Stadt Akkon 1291. Mit dem Fall Akkons waren die Kreuzzüge beendet.
Die Kreuzzugsbewegung hatte weit reichende Folgen: das Papsttum überschritt den Höhepunkt
seiner Macht, christliche Kultur kam in Kontakt mit der islamischen, der Fernhandel nahm im
Mitteleuropa einen neuen Aufschwung. Die Kreuzzüge förderten die internationalen Verbindungen, dabei
erstarkte auch das Nationalgefühl der europäischen Völker. Das Blickfeld der Menschen weitete sich,
Kunst, Wissenschaft und Religion entwickelten sich schnell. Den Europäern wurden arabische Ziffern,
Algebra, Chemie bekannt. Die Sprache bereicherte sich um viele arabische Wörter. Solche Wörter und
Bezeichnungen wie: Aprikose, Limonade, Zucker.Kaffee, Sirup, Droge, Jacke, Mütze, Matratze, Sofa,
Koffer, Atlas, Muskat, Benzin, Alkohol, u. a. wurden nach Europa aus dem Orient gebracht. Die im
Orient entstandenen Ritterorden gewannen internationale Bedeutung. Für die deutsche Geschichte war
besonders der Deutsche Orden wichtig, der bei der deutschen Ostkolonisation eine bedeutende Rolle
spielte.
Die Fragen
1. Wann entstand Deutschland?
2. Von wem wurde das geografische Gebiet des heutigen Deutschlands vor der Antike besiedelt?
3. Wann wurde das Gebiet zwischen Atlantik, Ostsee und Alpensüdrand geeint?
4. In welche Phasen gliedert man das Mittelalter?
5. Was versteht man unter dem Begriff «Völkerwanderung»?
6. Nennen Sie weitere Ereignisse, die für das Frühmittelalter wichtig waren.
7. In welcher Zeitperiode und wo existierte das Fränkische Reich?
8. Was ist Ihnen von der Entwicklung dieses Reiches bekannt?
9. Durch welche Dynastien wurde das Fränkische Reich regiert?
10. Nennen Sie die wichtigsten Vertreter des Geschlechts Karolinger.
11. Welcher Vertreter dieses Geschlechts spielte besonders große Rolle für die Entwicklung des
Fränkischen Reiches? Beschreiben Sie kurz seine Tätigkeit.
12. Wodurch ist Ludwig der Fromme bekannt?
13. Warum brach ein blutiger Bruderkrieg nach dem Tod von Ludwig der Fromme aus?
14. Was führte zur Teilung des Reiches zu Verdun 843?
15. Wie entwickelten sich einzelne Teile des Reiches nach der Teilung im Jahre 843?
16. Welches Teil schufeinen groben geografischen Rahmen für das spätere Deutschland?
17. Wann taucht die Bezeichnung regnum teutonicum (lateinisch für «Deutsches
Reich») auf?
18. Wie war das weitere Schicksal des Geschlechts von Karolinger?
19. Nennen Sie alle Könige, die das Ostfrankenreich in der Zeit der Ottonen bis zum Jahr 1002
regierten, in richtiger Reihe.
20. Beschreiben Sie kurz die Tätigkeit jedes Königs in dieser Zeitperiode.
21. Welches Geschlecht kam nach dem Geschlecht der Ottonen zur Macht?
22. Wodurch ist Heinrich III. bekannt?
23. Warum wurde die Reichsgewalt während der Regentschaft von Heinrich IV. geschwächt?
24. Wie hieß der letzte König aus dem Geschlecht von Salier?
25. Auf welche Weise wurde Lothar von Supplinburg, der Herzog von Sachsen, zum König
gewählt?
26. Wie lange regierte Lothar das Land?
27. Wer wurde nach seinem Tod zum König?
28. Welche Rolle hatte für das Land die Regierung von Friedrich von Schwaben aus dem
Geschlecht der Staufer?
29. Welchen Beinamen hatte Friedrich von Schwaben?
30. Welcher Nachfolger von Barbarossa strebte nach einer engen Verbindung zwischen
Deutschland und dem Königreich Sizilien? Verwirklichte er seine Pläne?
31. Wer führte das Reich der Hohenstaufern zu neuer Blüte?
32. Warum vernachlässigte Friedrich II. Deutschland? Was passierte mit dem Reich
nach seinem Tod?
33. Warum mussten Truppen von Kriegern im Frankenreich im 8. Jahrhundert aufge-
stellt werden?
34. Was ist unter dem Begriff «Ritter» zu verstehen?
35. Was für ein Stand war der Stand der Ritter?