Sie sind auf Seite 1von 2

07.07.

2009, 10:45
  |  
Klonschaf Dolly

Kein Vater, viele Väter


Das erste geklonte Säugetier Dolly starb bereits 2003 – mit nur sechs Jahren. Sein Mitschöpfer Ian
Wilmut feiert heute 65. Geburtstag. Das Klonen von Menschen hat er immer abgelehnt.
Roslin Institute
Die Arbeit des Klonforschers Ian Wilmut machte 1996 international Schlagzeilen: Ihm und seinem
Kollegen Keith Campbell gelang es mit Klonschaf Dolly erstmals, ein Säugetier zu klonen
Ein Schaf brachte ihm Weltruhm. Klonschaf Dolly hatte keinen biologischen Vater, sondern wurde von
Menschenhand geschaffen. Und als der britische Genforscher Ian Wilmut 1997 als einer der geistigen
Väter sein Geschöpf der ungläubigen Öffentlichkeit vorstellte, gerieten Schaf und Wissenschaftler über
Nacht zur Weltsensation. Die Forscher um Wilmut vom Roslin-Institut bei Edinburgh hatten erstmals ein
Säugetier aus einer ausgewachsenen Körperzelle geklont.

Mit seinem Partner Keith Campbell schuf der Schotte erstmals eine genetisch vollkommen identische
Kopie eines Lebewesens – und trat damit eine breite gesellschaftliche Debatte los. Neben ethischen
Fragen kritisierten Gegner die Risiken von Fehl- und Missbildungen. Wie andere Forscher hoffte auch
Wilmut, mithilfe des Klonens Krankheiten wie Parkinson, Diabetes oder Leukämie besser behandeln zu
können.
Die Pflicht zu Klonen

„Wir sollten nicht so ängstlich vor solchen Technologien sein“, sagte er in einem Interview. „Wenn man
damit die Vererbung genetischer krankheitserzeugender Defekte verhindern kann, finde ich es ethisch
vertretbar. Man könnte sogar argumentieren, es wäre unmoralisch, es nicht zu tun.“

Nach der Dolly-Methode entstand in den folgenden Jahren ein ganzer Zoo weiterer Klontiere: Rinder,
Mäuse, Schweine, Ziegen, Kaninchen und mindestens eine Katze. Viele der geklonten Tiere starben
jedoch im Mutterleib oder kurz nach der Geburt. Viele Überlebende waren überdurchschnittlich anfällig
für Krankheiten. Auch Dolly musste mit sechs Jahren wegen einer Lungeninfektion eingeschläfert werden
– nach ihrem Tod wurde sie für ein Museum ausgestopft. Da Dollys Alter nur etwa 40 Menschenjahren
entsprach, bekam die Diskussion um die Gefahr des Klonens weiter Nahrung.
Lizenz zu Klonen

Eigentlich wollte Wilmut als Junge Bauer werden. Seinen Hang zur Wissenschaft entdeckte er über
Umwege. Schon als 14-Jähriger arbeitete er am Wochenende auf Bauernhöfen, weil er gerne in der Natur
war. Er studierte Agrarwissenschaften, entschied sich aber nach einem Praktikum im Labor für eine
Promotion in Biologie. Seit Mitte der 80er-Jahre widmete er sich dem Klonen – also der künstlichen,
genetisch identischen Reproduktion bereits existierender Lebewesen.

2005 sorgte Wilmut für Schlagzeilen, als er die Lizenz zum therapeutischen Klonen für
Forschungszwecke erhielt – dabei wird das Erbmaterial von Menschen in eine entkernte Eizelle
eingesetzt, um genetisch maßgeschneidertes Ersatzgewebe für die Therapie zu bekommen. Stets lehnte es
der dreifache Vater jedoch ab, einen kompletten Klonmenschen zu erschaffen, wie manche obskure
Mediziner es angekündigt hatten.
Schluss mit Klonen

Die komplette Kehrtwende kam im März 2008, als Wilmut seinen völligen Abschied vom Klonen
ankündigte. Seither setzt er auf das Zurückprogrammieren von Hautzellen in einen Zustand, der
embryonalen Stammzellen ähnelt. „Es ist nicht richtig, Frauen um Eizellspenden zu bitten, wenn die
Erfolgswahrscheinlichkeit für das Klonen so gering ist“, sagte Wilmut, der inzwischen an der Universität
Edinburgh arbeitet.

Für seine Verdienste für die Wissenschaft wurde Wilmut von Königin Elisabeth II. erst vor Kurzem zum
Ritter geschlagen. Nach der Zeremonie im Buckingham-Palast erinnerte er daran, dass er die
Auszeichnung stellvertretend für sein ganzes Forscherteam in Empfang genommen habe. Dabei mag er
sich an die Diskussion über den wahren Pionier des modernen Klonverfahrens erinnert haben. Zwar hatte
Wilmut eine „überwachende Rolle“ bei der Dolly-Forschung. Er selbst schrieb später aber seinem Partner
Keith Campbell einen großen Beitrag zu.