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1. Texte.......................................................................................................................................

1.1. malamud ächtung des bösen.............................................................................................2

1.2. pohl making manslaughter..............................................................................................14

1.3. Burghartz Leib Ehre Gut...................................................................................................26

1.4. Schlögl Vergesellschaftung..............................................................................................30

1.5. Schwerhoff öffentlichkeit.................................................................................................33

1.6. Arlinghaus Gnade und Verfahren.....................................................................................33

1.7. Ruoff Blut- oder Malefizrat..............................................................................................37

1.8. Pohl – She was killed wretchedly.....................................................................................39

1.9. Cummins Kounine - Confronting Conflict in Early Modern Europe...................................45

1.10. Jordan Rethinking Disputes and Settlements...................................................................46

1.11. Hürlimann - er hab vil klener kind....................................................................................49

1.12. Schneider Types of peacemaking.....................................................................................50

1.13. Kounine the witch on trial................................................................................................51

1.14. Gilomen soziale Beziehungen..........................................................................................51

1.15. Pohl uneasy peace...........................................................................................................54

1.16. Weiss Registatur der Archiven.........................................................................................61

1.17. Burghartz Diszipinierung oder Konfliktregelung..............................................................62


1. Texte

1.1. malamud ächtung des bösen

Ablauf eines Gerichtsprozesses


1

Ablauf Prozess Rechtstag Blutgericht


2

akkusatorische Verfahren: eigene Position soll glaubhaft dargestellt werden


Die Parteien erzählen dem Gericht das, was sie es zum eigenen Vorteil glauben machen wollen.
Fassbar wurden diese Strategien in den Rats- und Richtbüchern insbesondere in denjenigen Fällen, in
denen eine Gegendarstellung des/der Beklagten in Form einer Gegenklage vorliegt: 3

Alte Denkmuster in Gewaltzuschreibung


Die «geringere» verbale Gewalt als Ausdruck des passiven, «schwachen Ge- schlechts» und die
höhere Gewaltbereitschaft der Männer als Ausdruck von Mut, Stärke und Aktivität wurden auf die
Gegensatzpaare «stark - schwach», «aktiv_ passiv», «männlich - weiblich» reduziert. Sie lassen eher
auf alte Denkmuster des «Männlichen» und des «Weiblichen» schliessen, die hier scheinbar als
kulturelle Selbstverständlichkeiten die Geltung von anthropologischen Konstanten haben. 4

Aufsätze aus 90er zur Kirminalität


5

Bedeutung der Symbilzuweisung


Nachzugehen ist des- halb den Symbolzuweisungen, die Geschlechterdifferenzen erst hervorbringen.
y Dabei sollen nicht nur die Diskurse, sondern auch die an den Diskursen teilneh- menden Subjekte
und ihre Handlungen in ihrem historisch-sozialen Kontext Berücksichtigung finden. 6

bestimmte Gerichtsfälle und «Urteils- kategorien» der Gerichtstätigkeit des Zürcher Rates nicht oder
nur teilweise in Ratsbücher
Eine vergleichende Quellenanalyse machte deutlich, dass bestimmte Gerichtsfälle und «Urteils-
kategorien» der Gerichtstätigkeit des Zürcher Rates nicht oder nur zum Teil in die Rats- und
Richtbücher übertragen wurden.7

Bilogisch-psychologischer Ansatz Lobrosos zur weiblichen Delinquenz und Gegenstimme


Frauen sind heimlicher und anders kriminell, aber gleich häufig wie Männer
-> sexistische Vorprägung8
1
2 Malamud, Die Ächtung des Bösen, S. 83
3 ebd., S. 88
4 ebd., S. 52
5 ebd., S. 35
6 ebd., S. 28
7 ebd., S. 40
8 ebd., S. 42
ebd., 18-19
Boom der historischen Kriminalitätsforschung in den 90er
g , neunziger Jahre seien im Begriff, «eine Hochzeit der Kriminalitätshistoriograp~e in 1996
konstatierte Eibach in seiner Darstellung zur Kriminalitätsgeschichte die g p Deutschland zu
werden».49 Besonders im Bereich des Mittelalters und der frohen Neuzeit erlebte das letzte
Jahrzehnt geradezu einen «Boom» an historisch-krimino- logischen Publikationen.50 9

Burghartz setzte abweichendes Verhalten von Frauen weniger …


Burghartz setzte abweichendes Verhalten von Frauen weniger in Beziehung zu abstrakten
geschichtlichen Strukturen und Prozessen als vielmehr zu einer geschlechtsspezifischen Nutzung des
Ratsgerichts. Nach ihren Ausfüh- rungen waren Rechtsnormen und das Gerichtswesen beides
Systeme, die «von Männern für Männer nach den Bedürfnissen von Männem»89 entwickelt wurden.
Die vor dem Rat verhandelten Konflikte waren Ausdruck der herrschenden Rechtsnormen, die sich an
Verhaltensmustern und -vorschriften von Männern und am männlichen Ehrencodex orientierten. 10

Das Textkorpus der Gerichtsquelle als Korpus für Diskursanalyse


Das Textkorpus der Gerichtsquellen eignet sich besonders gut für eine Diskursanalyse, da sie im
Wesentlichen die Forderungen einer Diskurstheorie als Analyseinstrument erfüllen. Die serielle
Überliferung zeigt gemeinsame Redeweisen, Sprachmuster, stereotype Erzählstrategien und
typisierte Textphänomene, mit denen in einer bestimmten Kommunikationssituation durch Rückgriff
auf allgemeine Vorstellungswelten und Werte Sinn produziert wurde. Dabei geht es nicht um die
Begebenheiten und die Frage nach der Wirklichkeit oder der Wahrhaftigkeit der Vorkommnisse,
sondern wie die Personen die Ereignisse darstellten und die Art und Weise, wie die « Wirklichkeit»
durch ihre geschickte Schilderung konstituiert wurde, damit sie plausibel erschien. 11

Dem kulturgeschichtlichen Trend in der Geschichtswissenschaft folgend …


Dem kulturgeschichtlichen Trend in der Geschichtswissenschaft folgend, verlager- te sich der
methodische Forschungsschwerpunkt in den neunziger Jahren auf die qualitative Methode.82
Jüngere Studien standen der Quantifizierung mit wachsen- dem Argwohn gegenüber; besonders
Vertreterinnen der Geschlechtergeschichte stellten die Brauchbarkeit von Statistiken zur Erforschung
abweichenden Verhal- tens von Frauen in Frage. 12

Die erzählende Darstellung eines Falles geschah nicht ohne Absicht


Die erzählende Darstellung eines Falles geschah nicht ohne Absicht, sondern im Hinblick auf eine
möglichst günstige Beurteilung durch das Gericht: Je einleuchtender und plausibler die Erzählung
war, desto grösser war die Chance, den Prozess für sich zu etscheiden oder mit einer gelinden Strafe
davonzukommen. Zur Erreichung dieses Zieles wurden dem Gericht die Geschichten und Bilder im
Rahmen eigener und allgemeiner gesellschaftlicher Werte, Moralvorstellungen und Erwartungen
präsentiert. Durch stereotype Elemente, Erzählstrategien und Redeweisen lassen sich Vorstellungen
von allgemein akzeptierten, plausiblen Verhaltensformen oder Werten, Topoi, Selbst- und
Fremdbildern ermitteln. Es stellt sich die Frage, ob hier nur die Sicht der Richter, beziehungsweise ein
"Obrigkeitsbild" wiedergegeben wird, da der Inhalt der Gerichtsprotokolle von den Betroffenen vor
Gericht im Hinblick auf die Beurteilung durch die Richter konstruiert und durch die Obrigkeit
verschriftet wurde. Ein Gericht, dessen Wertvorstellungen nicht mehrheitlich auf einem allgemeinem
Konsens beruhte oder sich gar diametral von dem der "Untertanen" unterschied, hätte nicht
bestehen können. Auch hatten die Konfliktparteien im spätmittelalterlichen Zürich noch keine
rechtlich ausgebildeten Anwält zur Seite, die sie genau über ihr Verhalten und ihre Wortwahl vor

9
10 ebd., S. 25
11 ebd., S. 32
12 ebd., S. 95
ebd., S. 31
Gericht instruieren konnten, wie dies heute der Fall ist. Deshalb blieb den KlägerInnen und Beklagten
keine andere Wahl, als in ihrer Argumentation auf allgemeine Wertvorstellungen zurückzugreifen. 13

Ermittlungsverfahren
Das Vorverfahren war das eigentliche Ermitt- lungsverfahren, das im Geheimen stattfand. Es bestand
aus dem Sammeln von Beweismitteln und vor allem - als einfachste und schnellste Methode - aus der
Befragung des Täters oder der Täterin. Bestritt ein Verdächtigter seine Schuld, konnte er der Folter
unterzogen werden. Kam trotz dreimaliger Folterung kein Geständnis zustande, wurde der
Verdächtigte auf Urfehde freigelassen. Gestand der oder die Angeklagte seine/ihre Schuld, hatte er
oder sie das Geständnis nach der Folter und ohne Zwang nochmals zu wiederholen, damit dieses
seine Gültigkeit erlangte.14

Erst kürzlich beurteilte Schwerhoff in seinem Überblick …


Erst kürzlich beurteilte Schwerhoff in seinem Überblick über die Methode in der historischen
Kriminalitätsforschung zusammenfassend die meisten Arbeiten als eine «Integra- tion quantitativer
und qualitativer Ansätze mit deutlichem Übergewicht der letzteren».87 Nach der Wende weg vom
sozialgeschichtlichen Ansatz zum Kultur- ansatz wurde gerade die Kriminalitätsforschung als ein
Arbeitsgebiet proklamiert, in dem eine Synthese beider Ansätze möglich erscheint. 15

Erwerb Blutgerichtsbarkeit. Reichsvogt wird hierzu von Stadt gewählt aus eigenen Reihen
16

Etiketierungsansatz und Labeling


Täterorientierte Theorien werden als damit unhaltbar abgelehnt
Kriminelle Frauen waren nicht aufgrund ihres Verhaltens deviant, sondern ihr Verhalten wurde als
solches definiert.
Labeling-Theoretikerlnnen erklärten die geringe Frauenkriminalität mit einer
geschlechtsspezifischen Selektion und Kriminalisierung durch die Instanzen sozialer
Kontrolle.17

Fragwürdiger Realitätsgehalt von Verhörprotokollen, Klagen und Zeugenaussagen


Unbestritten ist der fragwürdige Realitätsgehalt von Verhörprotokollen, Klagen und Zeugenaussagen
bei deren Entstehung zahlreiche «Filter» auf den verschiedensten Ebenen mitwirken, die es zu
berücksichtigen gilt: Auslassung und Verzerrungen entstehen nicht nur durch den Akt der
Verschiftung, sondern auch durch die rechtlichen Rahmenbedingungen beim Zustandekommen
einer Aussage.18

Frauen hatten zwar Zugang zum Ratsgericht …


Frauen hatten zwar Zugang zum Ratsgericht, doch aufgrund semer Onentierung auf männliche
Lebenswelten war dieses nicht der eigentliche Ort weiblicher Konfliktaustragung. 19

Frauen in Stadt Zürich voll prozessfähig, keine männliche Vertretung


20

13
14 ebd., S. 93
15 ebd., S. 86
16 ebd., S. 32
17 ebd., S. 82
18 ebd., 21-22
19 ebd., S. 51–52
20 ebd., S. 33
ebd., S. 82–83
Gerichtsprache in Verschriftlichung
Die formalisierten Wendungen geben eher die
Gerichtssprache als die individuelle Aussage wieder. 21

Hinsichtlich des Verfahrens galt beim Bussengericht grundsätzlich …


Hinsichtlich des Verfahrens galt beim Bussengericht grundsätzlich die Dispositionsmaxime, das heisst,
der oder die Verletzte musste Klage erheben, damit die Tat vor das Geliebt kam. Nur wenn Straftaten
innert einer bestimmten Frist- Ende des 15 Jahrhunderts waren es zwei Monate - nicht geklagt
worden waren, leitete der Rat ein Untersuchungsverfahren ein; in den Quellen als so genannter
Nachgang verzeichnet.22

In wirtschaftlicher Hinsicht erlebte Zürich im 15. Jahrhundert eine Rückgang


23

In Zürich gab es weitere Gerichte


Vogt, Schultheissen, geistliches und zunftinternes Gerichts, aber keine klare Quellenlage 24

Malamuds Quellenkorpus
25

obrigkeitsperspektive in Geständnissen
Verhörer projiziert vorgefasste Meinung in Beschuldigte hinein 26

Probleme bei isolierter Auswertung der Rats- und Richtbücher


Die Auswertung der Rats Fälle in den Rats- und Richtbüchern liefern wenig Material, um in die
Hintergründe von Konflikten, Emotionen, Motiven und materiellen Interessen der Beteiligten Einblick
zu gewinnen. Deshalb läuft man Gefahr, die Konflikte auf das immer wiederkehrende Ringen um
Erhaltung, Wiederherstellung und Vermehrung der d Ittations Ehre zu reduzieren 27

Projekt Soziale Beziehungen und Alltag ener spätmittelalterlichen Statd, Zürch im 15.Jh
enthält Gerichtsfälle, Steuerlisten, Schuldverhältnisse und Transkripte

Kleiodatenbank28

Quelle zu Ablauf des blutgerichtlichen Verfahrens


Der Ablauf des blutgerichtlichen Verfahrens im mittelalterlichen Zürich ist in einem undatierten
Entwurf des Stadtschreibers Michael Graf aus dem ersten Viertel des 15. Jahrhunderts überliefert. 44
StAZH, A 43.1, Nr. 1.5: undatiert. Der Stadtschreiber Michael Stehler, genannt Graf, ~~us Stockach
war in der Zeit zwischen 1428 bis 1443 in Zürich tätig und hatte den Entwurf im Auftrag von
Bürgermeister und Rat, einem hier nicht genannten ~rt über das ~erfa~en Auskunft zu erteilen wie
man in Zürich über «schädliche Leute» nchtet, angefertigt. Siehe '
21
22 ebd., S. 53
23 ebd., S. 82
24 ebd., S. 78
25 ebd., S. 49
26 ebd., S. 40
27 ebd., S. 52
28 ebd., S. 42
ebd., S. 42–43
Ruoff 1958, S. 578 f.29

Rechtsgrundlage der Urteile mischung aus gewohnheitsrechtlichen und schriftlihc fixierten


Rechtsnormen
30

Rechtstag, förmliche Verurteilung


Dann erfolgte die förmliche Verurteilung am endlichen Rechtstag. Dieser Teil des Verfahrens wurde
auf herkömmliche Weise abgehalten mit Erhebung der Anklage, «Überführung» des Täters oder der
Täterin durch das Zeugnis der Amtspersonen, die das Geständnis in der Folterkammer mitgehört
hatten, sowie die Urteilsfrage des Richters an die Urteiler. 31

Rolle der Ehre in Zusammenhang mit Gewalt


32

So fragte Burghartz nicht mehr nach den Eigenschaften der Delinquentinnen, sondern warum so
selten vor Gericht verhandelt
So fragte Burghartz nicht mehr nach den Eigenschaften der Delinquentinnen, sondern danach,
warum weibliche Konflikte so selten vor Gericht verhandelt wurden, das heisst nach der Funktion von
Strafrecht und Gericht. 107 Sie vertrat mit ihrer Interpretation, dass das Ratsgericht aufgrund seiner
Ausrichtung auf die männliche Lebenswelt kein Ort für Frauen sei, die These von der
aussergerichtlichen Sanktionierung weiblicher Delinquenz. 33

sozialen Kontrolle nicht nur «von oben», sondern auch «von unten»
Das erweiterte Konzept der sozialen Kontrolle nicht nur «von oben», sondern auch «von unten» liess
die Handlungsmöglichkeiten und Beteiligungsstrategien der Frauen ins Blickfeld der Forschung
treten.34

Veraltete Erklärungsansätze zur geringere n Beteiligung der Frauen an Gewaltdelikten


35

Verhältnis der alten Kriminalitätsforschung zur weiblichen Delinquenz


Wohl deshalb war das Verhältnis der kriminologischen Forschung zur weiblichen Delinquenz
seit dem Beginn der Kriminologie von einer deutlichen Ambilvanz geprägt.
Einerseits blieben Frauen aufgrund ihrer geringen Krnmnahtatsrate in der Forschung und
Theoriebildung weitgehend unbeachtet. Das kriminelle Verhalten von Frauen wurde mit den
Erscheinungsformen der männlichen Kriminalität gleichgesetzt, die zugleich als Basis für allgememe
theoretische Erklarungsansätze des Phänomens Kriminalität diente. Andererseits evozierte gerade
die quantitative sowie qualitative «Andersartigkeit» weiblicher Kriminalität das Forschungsinteresse
einiger Kriminologen und führte seit über einem Jahrhundert zu den
merkwürdigsten kriminalbiologischen, -psychologischen und -soziologischen Theorien. Suchten ältere
ätiologische Theorien die Ursachen der Kriminalität in der Persönlichkeit der Rechtsbrecherlnnen,

29
30 ebd., S. 86
31 ebd., S. 89
32 ebd., S. 86
33 ebd., S. 37
34 ebd., S. 36
35 ebd., S. 38
ebd., S. 35
interpretieren jüngere Arbeiten seit dem Paradigmenwechsel der «kritischen Kriminologie» in den
sechziger Jahren Kriminalität als «von aussen» zugeschriebenes Konstrukt.36

Vorgehen hohes Gericht


Anders als bei der niederen Gerichtsbarkeit wurden Blutgerichtsfälle im Inquisi- tionsvedahren
behandelt. Die Einleitung peinlicher Prozesse erfolgte bei schwerem Vergehen wie Mord, Diebstahl,
Raub, Brandstiftung, Ketzerei, Vergewaltigung Minderjähriger, Homosexualität, Sodomie, Blasphemie
oder Hexerei. Die Intitiative zur Verbrechensahndung und Verfahrensdurchführung hatte von
amtlicher Seite auszugehen, das heisst, es galt die Offizialmaxime. Ebenso lag die Beweisführung
beim Rat ( Instruktionsmaxime);...37

Wie sind Kriminalitätsstatistiken zu lesen?


Ergiebiger erscheint der neuere Ansatz, Statistiken nicht als Kriminalitätsindikatoren, sondern als
Folge von Selektion und Kriminalisierung durch Instanzen sozialer Kontrolle zu lesen: Die Zahlen
werden als Ergebnis der Interaktion zwischen bestimmten sozialen Gruppen beziehungsweise
Individuen, die als kriminell etikettiert werden, und den Instanzen sozialer Kontrolle
wahrgenommen.38

Wieso Gerichtsquellen als Historiker*in überhaupt untersuchen?


Die vor Gericht dargestellten Handlungen und Argumentationsstrukturen widerspiegeln zwar nicht
das wahre Geschehen, doch muss die "konstruierte Wahrheit" zur Erreichung des Zieles in Form
einer Begnadigung, eines Freispruchs oder mildernder Umstände für die Zeitgenossen
nachvollziehbar und damit "wahr" erscheinen. Die erzählten Geschichten müssen mit
gesellschaftlichen Werten, Wahrnehmungen und Erfahrungen übereinstimmen, um überhaupt für
glaubwürdig zu gelten. In den "fiktiven" Geschichten werden "Wirklichkeitsmodelle" entworfen, die
sich am geltendem Realitätsvorstellungen orientieren und von den Erfahrungen, Wahrnehmungen
und Vorstellungen der Sprechenden beeinflusst sind. In diesem Sinne lassen sich aus den Texten
soziales "Alltagswissen", gesellschaftliche Konventionen, Wahrnehmungsformen, Stereotype und
Erwartungen herausschälen, die eine Handlung beeinflussen und erklärbar machen. 39

Zeugenaussagen von Fraeun verlieren im Lauf des 15. Jh. an Wert


40

Zsf- zur historischen Krimiforschung


Die Forschungsergebnisse spiegeln alle ein bekanntes Phänomen wider: Frauen waren vor allen
Gerichtsarten unterrepräsentiert, und ihnen wurde eine im Vergleich zur Männerdelinquenz andere
Deliktstruktur nachgewiesen. Sie ver-
stiessen nicht nur seltener gegen Verhaltensnormen, sondern ihre Kriminalitats-
beteiligung war umso geringer, je schwerwiegender die Delikte waren: 41

Zsf. zu Zuständigkeiten der div. Gerichte in Zürich


42

36
37 ebd., S. 18
38 ebd., S. 86
39 ebd., S. 50
40 ebd., S. 53
41 ebd., S. 84
42 ebd., S. 29
ebd., S. 91–92
Zsf: theoretische Ansätze zur «Frauenkriminalität"
Im Rückblick auf die veschiedenen theoretischen Ansätze zur 'Frauenkriminalität' gilt es folgendes
fest zuhalten: Biologistische Erklärungsmodelle weiblicher Kriminalität waren eng mit einer
traditionellen ideologischen Sicht von der 'natürlichen Andersartigkeit' der Frau verbunden.
Soziokulturelle Faktoren blieben unberücksichtigt. Zur Interpretation weiblicher Kriminalität trugen
die neueren Arbeiten seit den sechziger Jahren zumindest so viel bei, dass nicht mehr die Biologie
weibliche Abweichung determinierte. Sozialisations - und rollentheoretische Ansätze verstanden die
weibliche Rolle nicht mehr als biologisches, sondern als kulturelles Produkt. Die weibliche
Abweichung wurde als ein von der jeweiligen
Frau selbst gewähltes Verhalten gesehen, das im Vergleich zu den Männern auf anderen Mustern
basieite . Obwohl sich durch den Einbezug des gesellschaftlichen Kontextes und der Theorien der
differentiellen Sozialisation geschlechtsspezifische Verhaltensweisen plausibel erklären liessen,
blieben die meisten Analysen dem «Defizitär-Ansatz» verhaftet, indem sie auf die «mangelnde
Autonomie», die beschränkte sozioökonomische Rolle beziehungsweise in dem den Frauen
zugewiesenen privaten Raum der Familie eine Erklärung für die geringe weibliche Delinquenz sahen.
Zudem liessen es die Arbeiten meist bei der Beschreibung des
Zusammenhanges zwischen der Sozialisation oder der Rolle der Frauen und ihrem kriminellen
Verhalten bewenden, ohne die unterschiedlichen Rollen in ihrer historischen Bedingtheit zu sehen
und in ihrer Funktion zu hinterfragen. Weibliche Sozialisation und die Geschlechterrolle erschienen
deshalb beide praktisch als etwas natürlich Gegebenes und nicht als kulturell geprägtes,
zugewiesenes und damit selbst erklärungsbedürftiges Konstrukt.43

Zürich Bevölkerung ca. 4200 (1444) und 4500 (1467)


44

Zuständigkeiten der Gerichte (niederes und hohes)


45

Klage auf Basis der Sicht der Kläger*innen


nen rage- un Kl F d Antwortspiel g z . . . . Ur Sichtweise dienten und somit nur die «Wirkli'ch h
g auf emm vorgegebe sondern auf der Erzahlung des Klagers oder d 46

StAZH, B VI 227a, fol. 444r: 1471 . Klage Frau gegen Frau


StAZH, B VI 227a, fol. 444r: 1471 .47

Quellen mit Klagenerzählungen


Szene wird durch plötzlichen Angriff/ Beleidigung unterbrochen:
StAZH B VI 212 fol 28v (1436)
StAZH B VI 214 fol. 242v. (1442)
StAZH B VI 217 fol 260r (1451)
StAZH B VI 222 fol. 228v (1461)
StAZH B VI 226 fol 131r u. 153r/v (1468)
StAZH B VI 227a fol 390r/v (1471)
StAZH B VI 228 fol 32r/v (1472)
StAZH B VI 234 fol 255 r/v (1473)48
43
44 ebd., S. 24
45 ebd., S. 80
46 ebd., S. 82
47 ebd., S. 98
48 ebd., S. 101
ebd., S. 103
typische Erzählstrategie zur Verteidigung
Nach den erfolglosen Vermeidungsversuchen und Schlichtungsangeboten blieb
der Klägerin als Nächstes keine andere Möglichkeit mehr, als sich zu verteidigen. 49

strategisch Wichtig, nicht Vorsätzlich zu wirken


Von strategisch grösster Wichtigkeit war es, bei der Erklärung der eigenen Tat g g allen Verdacht auf
Vorsätzlichkeit, Arglist oder bösen Willen zu eliminieren 50

Wut praktisch einzige Emotion die erwähnt wird, da strategisch nützlich


\1., d . ier Trauriokeit über zugefügtes Leid noch der Reue uber em Vergehe "' e et c d d
wurde grosser Stellenwei1 zugemessen; alle~n ~r t~er wie e~kehrende Topos der plötzlich
aufsteigenden Wut war v?n W1~ht1gke1t, den? er diente als Beweis einer Affekthandlung ohne
Prämed1tat10n.51

Quellenbeispiel zu es esch en Witz gsi... StAZH B VI 209, fol. 35r: 1430


schi . . lachendem Mund», ~as ~eisst 1m Scherz, in «keinem bösen», in «spotts- oder Umständlich
erklärte Heini Hafners Frau dem
schimpfswise» und mcht 1m Ernst. p Gericht in ihrem Gnadengesuch die ehrverletzende Äusserung
gegenüber ihrem häufigen Gast: Sie trieben wiederholt «vilerley spottred in allem guoten» und g
hielten das immer gegenseitig für einen «schimpf». Als dann jemand nach ihrem Gast fragte sagte
sie, er sei am Galgen, da gehöre er hin, aber «nit us argem g , g gründen sondern us luterm
schimpf>>. Sie war überzeugt, die fragende Person g , würde den Sinn ihrer Worte richtig verstehen,
da diese von ihrer Eintracht und
37 Ein «Schimpf» unter Freundinnen wurde anders
engen Freundschaft wusste. g wahrgenommen als ein «Schimpf» mit Fremden; je nach der
Beziehung zu einer Person hatten Worte eine andere Bedeutung. 52

Funktion des Schweigens / Vergessens / Nichtwissens


Sie zeigte, dass «Schweigen», «Nicht- wissen», «Nichterinnern» nicht nur aus Furcht vor gerichtlichen
Sanktionen oder zum Selbstschutz geschah, sondern auch aus Angst vor, Rücksicht auf oder
Abhängigkeit von einem im Hintergrund stehenden Netz involvierter Personen. Qualitativ
unterschied sich weibliches von männlichem Schweigen, indem Ersteres mehr auf Zwang, Letzteres
mehr auf Loyalitätsverhältnissen beruhte.46 Das
1 Zürcher Klagen eher Teil einer kommunikativen Strategie gewesen zu sein, die als g g g g j e
Schweigen und Vergessen von Beklagten und Klägerinnen scheint jedoch in den
Selbstschutz und zur Durchsetzung eigener Interessen eingesetzt werden konnte. 53

Angeklagte verwendet juristische Argumentation um auf Verjährung zu plädieder


StAZH, B VI 234 fol. 232r/v: 1473.
StAZH B VI 236b, fol 457v: 148754

49
50 ebd., S. 104
51 ebd., S. 105
52 ebd., S. 106
53 ebd., S. 107
54 ebd., S. 108
ebd., S. 109
Bei Nacht und Nebel
Die Paarformel «bei nacht und nebel» beinhaltete das Element der Heimlichkeit, das durch zwei
Begriffe, die sich beide auf die Dunkelheit und die schlechten Sichtverhältnisse bezogen, verstärkt
wurde. Die Erwähnung der Tageszeit diente eindeutig zur Steigerung der Dramatik und der
Heimtücke der Gegnerin; rechtlich wirkte sich die Nacht als Tatzeit weder in den normativen
Bestimmungen noch in der Praxis des Bussgerichtes strafverschärfend aus. 55

Gegnüber als Gefahr für öffentliche Ordnung darstellen


Besonders durch den Vorwurf der Missac~tung ~es Rechtsgebotes oder gar der Ablehnung der
Stallung wurde die Gegn~nn zu emer gefährlichen Unruhestifterin hochstilisiert. Der Verstoss gegen
das Fn~densgebot implizierte den Ungehorsam gegenüber der Obrigkeit, wodurch sie zu emer
Gefahr für die öffentliche Ordnung wurde. 56

dramatisierte Erzählung eines Gewaltaktes


StAZH, B VI 227a, fol. 32 r/v: 1472
StAZH, B VI 227a, fol. 390 r/v: 147157

In seinen Grundzügen unterschied sich der Klagediskurs der Frauen kaum von demjenigen der
Männer, vielmehr wiesen beide erstaunliche Übereinstimmungen auf.
In seinen Grundzügen unterschied sich der Klagediskurs der Frauen kaum von demjenigen der
Männer, vielmehr wiesen beide erstaunliche Übereinstimmungen auf. 58

White: jede Erzählung enthält plotstruktur, die auf moralität verweist


59

Männer wie Frauen argumentierten vor Gericht zuerst innerhalb des normativen Rahmens und
geschlechtsunspezifischer Ehrkonzept
Männer wie Frauen argumentierten vor Gericht zuerst innerhalb des normativen Rahmens und
geschlechtsunspezifischer Ehrkonzepte, weshalb das «Grundgerüst» der Klagen mit wenigen
Nuancen praktisch identisch war. Männer und Frauen konstruierten vor Gericht einen
«geschlechtsneutralen» Idealtypus von friedlichen, sozialverträglichen Bürgerinnen, die sich korrekt
nach den Regeln der ritualisierten
Ehrenhändel verhielten.60

sprachstrategien ändern sich ab gewisser eskalationsstufe


( ten) Provokationen oder Angriffe - erreicht, änderte sich das Sprachverhalten von War ein gewisser
Punkt im Konfliktverlauf - die Unerträglichkeit der (wiederhol- p von Männern und Frauen.
Klägerinnen schilderten, wie sie sich nach ihren gescheiter- ger ten Schlichtungs- und
Beruhigungsversuchen von der Eskalation zurückzogen gen, entweder direkt den Rechtsgang wählten
oder den Ehemann beziehungsweise i geise einen männlichen Verwandten in Kenntnis der Lage
setzten und die Fortsetzung d des Konfliktes und die Wiederherstellung ihrer Ehre ihm überliessen
7861

55
56 ebd., S. 110
57 ebd., S. 111
58 ebd.
59 ebd., S. 114
60 ebd., S. 115
61 ebd., S. 117
ebd., S. 118
Das geschlechtsspezifische Sprechen über Gewaltanwendung als Strafe …
Das geschlechtsspezifische Sprechen über g Gewaltanwendung als Strafe für unrechtmässiges
Verhalten zeigt, dass hierarchisch strukturierte Vorstellungen der Befugnisse der Bestrafung von
Männern und Frauen vorlagen. Frauen konnten allenfalls andere Frauen oder Kinder g bestrafen - die
Gewalt gegenüber Männern musste als Notwehr charakterisiert werden Frauen argumentierten hier
innerhalb der Vorstellung von der Ordnung g der Geschlechter und der Führungsposition des Mannes
gegenüber der Frau, wie dies im mittelalterlichen Geschlechterdiskurs beschworen wurde. 62

StAZH, B VI 226, fol. 67r: 1468; waffe zücken gegen Frau, verharmlosungsstrategie
StAZH, B VI 226, fol. 67r: 1468;63

Männer fordern ein, dass sie ihre Frau strafen und nicht andere. StAZH, B VI 225, fol. 440r-44lr: 1467
Der Nordikon reichte Klage ein, nachdem der Hedinger seine Ehefrau geschlagen hatte, obwohl er ihn
«vor j jahr gebetten bette, im sin wib unbescbalcket zuolassen, und täte sy im utzit, so sölte er es im
sagen, denn er wölte sy in sölichs maß straffen, dass sy im nützit zuo leid tuon sölte». 64

Rolle als Fnedensstifte


Frau greift bei Gatte als Friedensstifterin ein 65

Motiv der Frau als Friedensstifterin …


Motiv der Frau als Friedensstifterin66

StAZH B VI 108, fol. 226r. 1505. Gattin wird vorgeworfen nichtschlichtend eingegriffen zu haben,
gück traf die Witwe und ihre Tochter. Als ehrbare Leute sie tadelten, ihren Mann nicht «als wol
gehan als die fröw jr man», antworteten die beide O d d h j Hi ti di an», antworteten die beiden: «O,
do er da her us gieng do sprach er zuo uns, wz er anfiengi, dz wir jnn nicht jrren sölten und öch an jnn
noch an sin gewer nicht hangen oder er erstech üns 105 67

"männlicher Ehrenhändel" zwischen 2 Frauen, Stazh b vi 209, fol 166v


Cllya gnff m ihrer Argumentation nicht auf stereotype weibliche Verhaltensweisen, sondern auf
regelkonformes Verhalten in Ehrenhändeln zurück: Ehrverletzung - offene Konfrontation - Drohung -
Aufforderung zum Kampf - Wiederherstellung der Ehre. Ihre ausführliche Beschreibung der korrekten
Kon- frontation entsprach ganz den ritualisierten Kampfregeln der Ehrenhändel. Genau dies hatte Elsi
in ihrer Klage zuvor in Frage gestellt, indem sie Cilya durch den Vorwurf, sie habe sie nachts vor dem
Tor abgepasst und hinterrücks geschlagen, Vorsätzlichkeit und Heimlichkeit unterstellt hatte. 107 68

geschlecht der täter*innen bei sanktionierung von gewalt irrelevant


In der Gerichtspraxis wurden «männlich» handelnde Frauen auch nicht schärfer sanktioniert. In
keinem einzigen Fall berücksichtigte der Rat in der Beurteilung von Gewalttaten das Geschlecht des
Täter beziehngsweise der Täterin selbst wenn die Frau mit brutaler Gewalt vorgegangen war. 69

62
63 ebd., S. 120
64 ebd., S. 121
65 ebd., S. 123
66 ebd., S. 124
67 ebd.
68 ebd.
69 ebd., S. 125
ebd.
Der geschlechtsspezifische Diskurs lässt sich mit den dichotomischen …
Der geschlechtsspezifische Diskurs lässt sich mit den dichotomischen Termini «Wehrhaftigkeit -
Unterlegenheit», «Schutz - Hilflosigkeit», «Standhaftigkeit - Rückzug», «Schwäche - Stärke» und
«Strafe - Notwehr» umschreiben. Geschlechtsspezifische Rollenerwartungen an die Geschlechter
sowie normative Vorstellungen von « Weiblichkeit» und «Männlichkeit» waren im Bewusstsein der
Beteiligten verankert und deshalb bestimmend für das Verhalten und bei der Darstellung bestimmter
Ereignisse.70

Begriffe in Quellen für sexuelle Verhältnisse


In den Gerichtsprotokollen des Zürcher Rates finden sich ganz allgemeine Formulierungen, die ein
sexuelles Verhältnis näher umschreiben, wie «zu schaffen haben» oder «süntliche» beziehungsweise
«lipliche werke» tun.71

Bei Sexualdelikten wichtig, dass Frauen sich passiv geben


1· h Unabhängig vom Sprecher oder der Sprecherin ist allen Beschreibungen des Geschlechtsaktes
die aus männlicher Perspektive aktive, aus weiblicher Sicht passive Formulierung gemein: Frauen
sagten, sie hätten seinen Willen getan oder sich «minnen» lassen. 120
119
Aus diesen Redeformen war keinerlei aktive Begierde zu lesen; der Geschlechtsverkehr beruhte allein
auf der Erfüllung männlichen Begeh- rens. Selbst die Freiwilligkeit des Sexualverkehrs wurde
gerechtfertigt: Gingen Frauen auf den Geschlechtsverkehr ein, dann nur wenn ein Eheversprechen
vorlag oder aus Armut oder wegen Erpressung.121 Sexuelle Gelüste entsprachen einem
Weiblichkeitsstereotyp, das es unbedingt abzuwenden galt. 72

juristisch nur vergewaltigung,wenn frau sich laut wehrte


122 . Dei Wille der Frau war nur · i ' sexueller Gewalt - «e1 nunnte sy uber iren willen» _ von Bed . .. .
eu ung, a allem 1hr d . . . g offensichthcher und horbarer Widerstand durch Schreien u d W h . g, . . .
mung was von annern 111 1 ren Aussagen zur Rechtfertigung a . usgenutzt wurde: ' · · · n · ·h . · · .
rechtlich als Vergewaltigung quahf.tz1erte. Schon ihr Schweigen g lt 1 z . M.. e ren die Tat a a s ustim-
. Mehr noch als auf die weibliche Zustimmung zielten die Rechtfertigungs- strategien der Männer auf
den Vorwurf der Verführung, indem sie die ganze Sache als eindeutige Aufforderung seitens der Frau
darstellten: das Opfer lud sie «dik und vil» ein beziehungsweise hiess sie kommen, deshalb wurden
sie «dartzuo gereitzet und gebrächt».124 Als Beispiel einer weiblichen und männli- chen
Argumentation seien hier die Klage des V ergewaltigungsopfers und die Gegenklage des
Vergewaltigers gegenübergestellt: Nach der Version des Opfers Nessli Ambühl kam der Täter an der
Fastnacht ins Haus ihres Bruders, um nach allgemeinem Brauch den Fastnachtskuchen zu essen. Sie
ging deshalb in den Keller, um Wein zu holen. Da schlich ihr der Täter nach, löschte sein Licht, zog das
Mädchen in den hintersten Winkel und «verbracht sinen muettwillen mit im» .125 Gegenteilig war
die Darstellung des Täters Lienhard Stemmeli: Mehrmals schon war er von ihr eingeladen worden.
Als er an diesem Abend auf ihre erneute Einladung zu Besuch kam, forderte sie ihn auf, mit ihm in
den Keller zu gehen. Da ging er mit und «weite sin beil an im versuecht haben, nach dem und es inn
dick und vil zue im bette heissen komen». Doch als sie sich wehrte, liess er von ihr ab 126 Bei der
Beurteilung einer Vergewaltigung war nicht nur der TatbeStand des vollzogenen
Geschlechtsverkehrs, sondern auch die intakte Ehre ~~s Op~ers von entscheidender Bedeutung.
Beide Aspekte versuchte Stemmeh m sem~r Gegenklage glaubhaft darzustellen, indem er dem Opfer
den aktiven Part un~ die gg g I • . . nit1at1 ve zuschob, sie als Verführerm un s1c se . d · h lbst als
Opfer we1bhcher .. . Frauen als «leichtfertig» und verantwortungs os zu 1

70
71 ebd., S. 126
72 ebd., S. 127
ebd., S. 128
122

..
123 StAZH A 27 2 Nr 3.71 Zum gleichen Resultat kam Roper fur das 1 · a r_ un , · p lt' ngsfällen in
mittelalterlichen , 9 , StAZH, A 27.2, Nr. 3.71 : um 1490. Zum Diskurs m Verg~w; ;~u S ! 24- 141 ; zur
Frühneuzeit StAZH, A 27.2, Nr. 3.71 : um 1490. Zum Diskurs m Vergw; ;u S ! 24 141 ; zur Frühneu e t
Gerichtsquellen vgl Prevenier 1999 S 190-197; Ha~a:a L.t ra~ur)· Gleixner 1994, S. 91- 93. 1 9 1
siehe Walker 1998, S. 1-25 (mit weiterführender enghsc er l24 StAZH, B VI 229, fol. 243r: 1475. l25
StAZH, B VI 221, fol. 292v: 1455. 126 StAZH B VI 221 fol. 296r: 1455.
e
'
definieren und ihnen em
Lüsternheit präsentierte. Mit dem Bild der Verführerin versuchten M~nner, d~e
· , 6 J h h dert Roper 1991, S. 187- 190,
mann1 tc en Willens und z . m usammenhang mit 73

Vergewaltigungsprozess, STAZH B VI 221 fol. 243r un fol. 296r 1455


Nach der Version des Opfers Nessli Ambühl kam der Täter an der Fastnacht ins Haus ihres Bruders,
um nach allgemeinem Brauch den Fastnachtskuchen zu essen. Sie ging deshalb in den Keller, um
Wein zu holen. Da schlich ihr der Täter nach, löschte sein Licht, zog das Mädchen in den hintersten
Winkel und «verbracht sinen muettwillen mit im» 74

StAZH, B VI 220, fol. 36r: 1456. frau wird vorgeworfen liebhaber zu haben, deshalb vergewaltigung
okay...
StAZH, B VI 220, fol. 36r: 145675

Frauen müssen darstellen, dass sie kein "einladenres verhalten" zeigten. erzählmuster
Aus der Vorstellung der weiblichen sexuellen Begierde ergab sich für Frauen die Notwendigkeit,
durch absolut eindeutiges Verhalten jeden Verdacht auf «einladendes» Benehmen von sich zu
weisen. In Vergewaltigungsklagen legten Frauen den Schwerpunkt ihrer Darstellung auf die
ausführliche Beschreibung ihres absolut korrekten Verhaltens. 76

STaZH B VI 213 FOL 26V. Die Klage enthielt alle strafrechtlich relevanten Punkte für richtiges
Auftreten.
Die Klage enthielt alle strafrechtlich relevanten Punkte für richtiges Auftreten: Sie trieb sich nicht auf
der Strasse herum, sondern schlief bei abgeschlossener Tür. Und als sie trotzdem überfallen wurde,
wehrte sie sich und rief um Hilfe. Weiter versicherte sie dem Gericht, sie habe sich seinen
vorausgegangenen Avancen immer wieder widersetzt und sei auf seine Geldan- gebote nie
eingegangen.77

73
74 ebd., S. 129
75 ebd.
76 ebd., S. 130
77 ebd.
ebd., S. 131
Ein zu spät erfolgter Widerstand gegen einen Vergewaltiger …
Ein zu spät erfolgter Widerstand gegen einen Vergewaltiger musste erklärt werden 78

Sexuell aufforderndes Verhalten oder aussereheliche Beziehungen wurden …


Sexuell aufforderndes Verhalten oder aussereheliche Beziehungen wurden als Überschreitung der
Grenzen normkonformer Sexualität definiert. Diese Grenzen waren weniger im juristischen als im
gelehrten Diskurs über Frauen festgelegt. 79

Männer hatten offensichtlich grössere Chancen, ihre Version glaubwürdig durch- zusetzen, denn sie
konnten mit einer patriarchalen Ideologie des Weiblichen als Verführerin argumentieren, die dem
männlich besetzten Gericht sofort glaubwürdig erscheinen musste. Die Asymmetrie der sexuellen
Verhaltensnormen bedeutete für Frauen geringere Chancen, sich gerichtlich durchzusetzen.
Männer hatten offensichtlich grössere Chancen, ihre Version glaubwürdig durch- zusetzen, denn sie
konnten mit einer patriarchalen Ideologie des Weiblichen als Verführerin argumentieren, die dem
männlich besetzten Gericht sofort glaubwürdig erscheinen musste. Die Asymmetrie der sexuellen
Verhaltensnormen bedeutete für Frauen geringere Chancen, sich gerichtlich durchzusetzen. 80

StAZH B VI 233, fol 21r. 1481. Starke Diebstahlstrafe (Tod) abgewendet durch Verweis auf Prostituion
und Schulden des Mannes
Starke Diebstahlstrafe (Tod) abgewendet durch Verweis auf Prostituion und Schulden des Mannes 81

Fälle mit Zeugenaussagen; StAZH B VI: 296, fol. 145v; fol 320r-324v, fol. 336r (1424); 233, fol. 139r
-140r, fol 245r/v (1481)
82

StAZH, B VI 208, fol. 390r: 1429, diebstahl mit zeugenaussagen


StAZH, B VI 208, fol. 390r: 142983

StAZH, B VI 205, fol. 315r: 1422. Totschalg mit Zeugenaussage


StAZH, B VI 205, fol. 315r: 1422.84

StAZH B VI 205 fol 30r: 1420, kollektive Vertuschung?


StAZH B VI 205 foJ 30r- 1420. '85

typische formulierungen in quellen, wenn man sagen will man sei plötzlich angegriffen worden und
hätte selbst nichts gemacht
Typisch für dieses Beispiel ist die Beteuerung der Klägerin, die Gewalttat in keiner Weise provoziert
zu haben. Insbesondere Opfer von Gewalttaten versicherten immer wieder, sich «ungevarlich»
( ohne böse Absichten) an einem Ort aufgehalten zu haben «unverdienet und unverschult»
geschlagen worden zu sein und sich «deheins argen zue nieman versehen» zu haben. 86

78
79 ebd.
80 ebd., S. 133
81 ebd.
82 ebd., S. 134
83 ebd., S. 136
84 ebd.
85 ebd., S. 138
86 ebd., S. 139
ebd., S. 103
StAZH, A 27.4 Zeuginnen bestätigen zwar verbrechen, stellen Geschädigte aber so dar, dass der Mann
nicht verurteilt wird, 1510-1520
StAZH, A 27.4: undatiert, 1510-152087

1.2. pohl making manslaughter

interessante literatur
Simon-Muscheid, Katharina. “Tater, Opfer und Komplizinnen—geschlechtss
pezifische Strategien und Loyalitaéten im Basler Mortthandel von 1502.’ In
Kriminalitdtsgeschichte. Eds. Andreas Blauert and Gerd Schwerhoff. Constance,
2000, pp. 649-668.88

Extrajudicial agreements in homicide cases …


Extrajudicial agreements in homicide cases, the so-called Totschlagssiihne, were a typical feature of
late medieval German legal culture. They were always a matter of negotiation, and depended on the
status and social position of both slayer and victim. The negotiation of such agreements was mostly
restricted to killings which occurred during a quarrel and in response to some provoca- tion, such as
physical or verbal assault, sometimes called schlechter/ehrlicher todslag (‘simple/honorable
manslaughter’”).?89

The regulation of man- slaughter occurred as part of an ongoing negotiation with customady forms of
justice
The regulation of man- slaughter occurred as part of an ongoing negotiation with customary forms of
justice. Although the stakes rose for slayers during the early modern period and the settlement of
manslaughter increasingly served governmental needs, an analysis of the trial records illustrates the
strategies and positions still avail- able to disputants in this changed setting. The analysis that follows
here con- firms recent findings that the prosecution of interpersonal violence in early modern
Murope continued to be influenced by “traditional patterns of private retaliation, compensation and
negotiation.”4 This study traces both the course and (he legitimation of these negotiations. 90

definition kultur bei pohls arbeit


Following the discussions of recent cultural history, “culture” is understood in this study as
constituted by “historically constructed and transformed systems of meaning and distinction that
interpret the world.”! ollowing the discussions of recent cultural history, “culture” is understood in
this study as constituted by “historically constructed and transformed sys- tems of meaning and
distinction that interpret the world.”!° The present dis- cussion of legal culture seeks firstly to
uncover assumptions and concepts behind the definition, prosecution and punishment of non—
capital versus capital homicide, and secondly to analyze the dynamics influencing the application of
these definitions and assumptions in legal practice." These analyses are influenced by a practice-
oriented approach which asserts that culture or “structure” only exists if it is practiced and produced
by social actors: struc
ture is thus “lived, it is enacted, but it is also challenged, renewed, changed.”!#

87
88 ebd., S. 137
89 Pohl-Zucker, Making manslaughter
90 ebd., S. 1
ebd., S. 2
Practice theorists thus argue that the interaction between actors and structure can result in
transformation and change. Anthropologist Sherry Ortner, in particular, stresses the dynamic quality
of this interaction. Her notion of structure emphasizes its internal contradictions and tensions. These
can act as catalysts for differences or changes in social activity because actors are forced again and
again to find solutions to these contradictions. 91

Einflüsse auf den juristischen Umgang mit Tötung


Where manslaughter is concerned, its legal treatment was influenced by specific cultural concepts
that could come into conflict: on the one hand, a cultural code that validated the use of violence in
the defense of honor, and on the other a code that emphasized peaceful conflict avoidance,
promoted by re- ligious and political norms.'92

The relationship between legal norms and their implementation …


The relationship between legal norms and their implementation has been widely dis- cussed in the
literature of Kriminalitdtsgeschichte; see, for, example 93

This study analyses how legal meanings were produced,


94

Extrajudicial agreements in homicide cases …


Extrajudicial agreements in homicide cases, the so-called Totschlagssiihne, were a typical feature of
late medieval German legal culture. They were always a matter of negotiation, and depended on the
status and social position of both slayer and victim. The negotiation of such agreements was mostly
restricted to killings which occurred during a quarrel and in response to some provoca- tion, such as
physical or verbal assault, sometimes called schlechter/ehrlicher todslag (‘simple/honorable
manslaughter’”).?95

Dinges Justiznutzung
Extrajudicial and judicial solutions were not separate, but constituted over- lapping spheres of
activity. While government officials frequently promoted extra-judicial solutions, legal actors also
embraced the court system as a convenient forum for the settlement of their disputes. Martin Dinges
coined the Term Justiznutzung” (“ase of justice” or “forum shopping”) to draw attention (o the fact
that the extension of early modern court systems occurred not only through government initiatives
but also in response to local demands." In late medieval Zurich, for example, victims’ families
increasingly initiated accusa- lions against slayers in front of the court, and thus simultaneously
endorsed und contributed to the growth of centralized criminal justice. 96

Zürich verfolgt Tötung meistens erst durch private Aufforderung


In Zurich, proceedings in manslaughter cases continued to be initiated by private parties throughout
the early modern period. The city council ordered a trial ex officio only if no such party came
forward.97

91
92 ebd., S. 5–6
93 ebd., S. 6
94 ebd.
95 ebd., S. 7
96 ebd., S. 1
97 ebd., S. 9
ebd.
soziale Unterstützungsnetzwerke für Ankläger*innen und Angeklagte
In Wiirttemberg and Zurich, networks of support were regularly activated after a homicide: friends
and families of slayers and victims addressed government authorities to plead for their relatives. 98

The communal acceptance or rejection of a defendant, their social status and their position within a
community, all exerted a significant influence on their official treatment. The restoration and
stabilization of communal relations was therefore a central goal of the administration of justice.
The communal acceptance or rejection of a defendant, their social status and their position within a
community, all exerted a significant influence on their official treatment. The restoration and
stabilization of communal relations was therefore a central goal of the administration of justice. 99

Zürich. staatstatuten regeln Rechtsgrundlage für Tötung


in Zurich, the situation differed, since judges neither used the Carolina nor reg- larly requested
consilia, but based their decisions instead on the city statutes concerning homicide. Yet these legal
norms were not only modified several times during the fifteenth and sixteenth centuries, but were
also negotiated with pragmatic considerations concerning the promotion of peaceful and
economically stable social relations. As a result of these negotiations, man- slaughter continued to be
punished leniently in both Württemberg and Zurich throughout the sixteenth and seventeenth
centuries.100

Weshalb rhethorische Strategien vor Gericht anwenden?


Slayers who stood trial in the early modern period nevertheless faced tougher odds than during the
late Middle Ages, when monetary sanctions had constituted the standard form of punishment. Legal
authorities made subtle differentiations between various forms of manslaughter and imposed a
wider Hinge of sanctions. As a consequence, slayers adopted rhetorical strategies that downplayed
their responsibility in court.101

StaZH B vi 191, fol. 141, 1381 Eskalation eines Wortstreites zum Gewalteinsatz
StaZH B vi 191, fol. 141, 1381, According to the witness Valkenstein, Bruegglin said: “du
verhitter lotter, du solt die red nit légnen, die du gerett hast, and Neisideller retorted:
“gebrist du iitzit, so tiist es d dazti. Des zuckt H. Briiggeli sin swert und stechet gegen dem
Neisideller ...”102

Eskalation eines Wortstreites zum Gewalteinsatz


A late medieval witness statement from Zurich is an example of the cultial svript that guided the
dynamics of fights centered on the defense of honor. A witness named Valkenstein told the council
that “Heini Briigglin
wid to Neisideller, “you fucking bastard, you won’t deny what you said,” und that Neisideller then
answered with a challenge: “if you have a problem, just do something about it’, whence “Briigglin
drew his sword and stabbed Neisideller’48 [t was important not only to requite, but to top the
opponent’s insult so that the use of violence was often a matter of course. Contestants fre- uently
exhausted their verbal weapons quickly and preceded to the stage of physical violence.49 103

98
99 ebd., S. 10
100 ebd., S. 11
101 ebd., S. 15
102 ebd.
103 ebd., S. 19
ebd.
Relevanz des "Anlass" im Gerichtsverfahren (Provokation rechtfertigt Gewalt)
According to Southern German und Swiss medieval laws, it was important to prove that the Anlass
(“cause”) lay with the opponent.®! Although descriptions of fights in legal records often contain little
detail, they centered on this point and conveyed that a slayer had reacted to a verbal or physical
provocation. Judges distributed fines according (o their evaluation as to whose actions had provided
the Anlass. Only violence (hat was a response to an Anlass could be considered honorable. Such
violence was usually punished leniently, i.e. with monetary fines rather than corporal
sanctions.104

StAZH B VI 198, fol 40v: Quellenbeispiel einer weiblichen Täterin (Verurlteilt wegen Mord)
More often, however, women might appear as protagonists in murder cases. The case of Hy Guerin
illustrates that a woman who participated in a homicide had to pay a high price, Nify had conspired
with her lover in the slaying of her husband, Her erime was doubly dubious. Women’s honor was
closely bound up with how well they were able to keep their sexual purity intact. An adulterous wile
who killed her husband was a monstrosity, and equally monstruous was the punishment dealt out to
her. In Elfy Gugerin’s case, she had counseled her lover to kill her husband, and was sentenced to be
buried alive. A hole was first dug in the ground and covered with foot-long thorns. Elfy was placed on
the thorns, another layer of thorns was put on her, and then she was crushed with stones, the thorns
penetrating her body.105

Ehrenhafte Tötung ist männlich und öffentlich


Besides masculinity, there were other prerequisites of the honorable slayer. \lis violence had to
conform to cultural distinctions between secret and open (leeds; secrecy was associated with
dishonorable behaviour and openness with lionorable.5§ Since honor was conferred on individuals
by others, it was only possible to escape the damaging effect of an insult if vengeance was taken
openly or at least made publicly known afterwards.>? To escape being named i murderer, a slayer
had to publicize his deed by announcing it to the family of the victim, thereby allowing the
opportunity for vengeance.106

Quellenbeispiele zur Relevanz der öffentlichkeit von Tötungen


The importance of publicity endured, even after the legal definition of murder was no longer limited
to the hiding of the body. A good example is a case from Zurich from 1383, where the slayer Chuni
Torman announced his unwitnessed slaying of Jo. Graf. As a witness testified, Chuni Torman had told
him on the day of Graf’s death that “someone was lying on the mountain, whom he had killed. What
had happened to him [the dead man] had been done by him and no one else.’©? In later legal
compilations, the emphasis is mostly no longer on the actual hiding of the body, but rather on the
secretive—and therefore reprehen- sible—disposition that accompanied murder, such as denial and
treachery
StaZH B vi 192, 1383: “... dz einer an dem berg leg, den hetti er geslagen und wz dem be-
schechen wer, dz hett er getan und nieman anderen.’ Another example of the killer an-
nouncing his deed, although more indirectly, is a Zurich case from 1376, in which Claus
Oeninger killed Claus Boescher. The witness Jo. Kung told the council that Oeninger, after
a tavern dispute with Boescher which spilled into the street, “re-entered the house with
a drawn sword that was bloody, and the said Claus Oeninger said, go down the street,

104
105 ebd.
106 ebd., S. 20–21
ebd., S. 21
Claus Boescher is lying there stabbed” (“... do kam Claus Oeninger wider in die stuben mit
bloessem swert, und wz dz bluotig, und sprach der selb Claus Oeninger, gand abhin, Claus
Boescher lit da nidnan und ist erstochen”) (StaZH B v1 190, fol. 85r). The verdict suggests
that Oeninger fled immediately afterwards. Even though Oeninger did not directly admit
to having killed Boescher, his reappearance in the tavern with a bloody sword to alert the
company to the dying man may be considered tantamount to an announcement of the
killing.107

"Stallung" als Begriff in Zürcher Recht


In Zurich this legal custom was called “Stallung.’®” By law, every /urich citizen who witnessed a fight
was obliged to intervene and ask the op- ponents to promise Frieden (“peace”) or Stallung (“to still or
quiet a fight’; the Swiss sources use both terms interchangeably). Stallung was a unique legal state. It
was a truce, a state of suspended hostile animation, comprising nei- iher war nor final settlement.
Any further hostilities, whether verbal or physi- cal, would break the Stallung. And breaking Stallung
was expensive. Wounds und insults given “over the Stallung,” as the sources refer to it, were
punished with a higher fine than those given outside the Stallung state. A killing that violated a
Stallung was treated as murder and punished with the death penalty. The state of truce officially
ended only when the disputants “drank it off”: after a formal toast the Stallung state was
suspended108

Konflikt zwischen ehrerhaltenem Zurückschlagen und Stallung inkl. Quelle; StaZH Bv vi 200, fol. 95v,
1410 u StaZHB vi 217, 190v fol 1451
It is important not to imagine the legal requirement of Stallung in necessary opposition to the
requirements of a code of honor which demanded retaliation rather than peacemaking. In legal
practice, these behavioral guidelines were often intertwined; the course of a Stallung ritual could, for
example, become subordinated to the rules governing the dynamics of challenge and riposte. A
Zurich case from 1410 illustrates that a demand for Stallung could actually be considered an insult
and a challenge. When Cuni Snider felt threatened by Hensli Snider, his acquaintance Hans
Nuessboem acted as a peacemaker. Consequently, Nuessboem demanded Stallung from Hensli
Snider on Cueni’s behalt. Hensli, however, did not take this interference kindly: he had, he said, no
quarrel with Cueni. Nuessboem persisted. After he had demanded Stallung for the third time, Hensli
Snider lost his patience and cursed “samer box zers,’ he did not want to give him Stallung.®® Enraged
by this insult, Nuessboem at- tacked and a fight ensued, The course of a Stallung ritual could also be
influ- enced by a peacemaker's ties of loyalty and friendship. If he was friends with one of the
contestants, he could escape this dilemma and subvert the Stallung rule by playing on the factor of
time and waiting until his friend had the upper Hine, In i491, & peacemaker was accused for taking
Stallung unfairly because he did not demand the peace from all contestants. When a bystander called
him on this, he retorted; “If you think that we are taking Stallung unfairly, then why don't you do it
yourself!” In consequence of this heated exchange, both abandoned any effort at peacemaking, and
began to hit each other until Stallung had to be taken from them. Although the city council
condemned such manipulations of the Stallung ritual, offenders were often punished leniently. The
balance between an official tolerance towards honorable violence and governmental efforts to
protect the peace was adjusted in each legal interac- tion according to the context. The development
of the prosecution of man- slaughter was constituted by similar negotiations.
StaZH Bv vi 200, fol. 95y, 1410. Box (God's) zers was a strong insult. Zers referred to a man’s

107
108 ebd., S. 22
ebd., S. 23–24
genitals.
StaZHB vi 217, 19o0v, 1451. “Bedunket dich das wir nit recht gescheiden habind, warum bluff
du nit selb hinzu und scheidt selb.”109

Entwicklung der Verfahren (trial)


Trials were traditionally initiated by private parties, on whom also fell the burden of proof. In the
traditional accusation procedure, the slayer was al- lowed to clear himself with oath helpers, and
under certain circumstances a duel was permitted.’9 With the increasing influence of canon law,
authorities gradually began to initiate proceedings ex officio, and other methods of proof, sich as
witness testimony and confession, came to coexist with more traditional
methods.8° Whether initiated ex officio or by private accusation, injured par- (ies in manslaughter
cases could usually expect financial compensation which was frequently negotiated extrajudicially.8!
The boundaries between legal and arbitration proceedings were often quite fluid. At times, trial
proceedings could, for example, be interrupted if the parties had reached an agreement.®” ‘The
extrajudicial atonement for homicide often followed a set protocol, ilthough details could vary
according to region. Despite the Christian con- demnation of violence, ecclesiastics contributed
greatly to the development of certain ritualized forms which the negotiated settlement of homicide
ac- uired in the course of the late Middle Ages. Al 110

Tötungsdelikt im 14. Jh. StaZH B VI 190 fol 92v.


When the butcher Heini Graser was killed by Welti Oechen in a Zurich slaughterhouse in 1377, his
brother sought to portray the deed as murder. The Zurich Ratsgericht, however, rejected the term
outright. The homicide had taken place after aheated quarrel, and witnesses confirmed that Graser
had insulted the honor of Oechen and his family. 111

unterschiedliche Bestrafung von unehrlichem und ehrlichem Töten


Murder was considered a “dishonorable” act, and convicted murderers usually suffered an ignoble
death by the wheel, a punishment that also tarnished family honor. The typical punishment of
honorable manslaughter, on the other hand, was a monetary fine. Honorable slayers, it seems, could
pay (his fine and reassume their place in society without loss of social standing. This was the case
with Welti Oechen: having paid a fine of 10 marks, he resumed lis position and stature as a
respectable member of the butcher's guild. 112

StaZH V v1 181, fol. 60v. StaZH B v1 195, fol. 308v.


When Hans von Frauenfelt killed Stimrn in 1380 after they had quarreled over a game of dice, to
take one example, the record shows that he stabbed him after Stirn had hit him with his fist. He paid
the fine for an honorable manslaughter as did Uli Sanger, who killed Gigenberg after the latter had
spread unpleasant rumors about him.113

1446 Beispiel für Selbstverteidung StAZH A 171.1466


The circumstances are not quite clear but apparently Muelimann had been attacked while he was on
an official mission. The court officials of his village had ordered him to arrest a certain Gilgen Marxen.
Perhaps Hans Gessweder, the victim, had been a friend of Marxen This case may indicate that a

109
110 ebd., S. 24
111 ebd., S. 25–26
112 ebd., S. 204
113 ebd., S. 205
ebd., S. 206
slaying was called self-defense when the viczim's provocation constituted a serious offense, such as
hindering the execution o justice.114

StaZH B VI 191 , fol, 141v. Zeugenaussagen, wer zuerst zur Waffe griff
When Chuono Neisideller killed Hans Bruegglin in 1381, for example, witness testimony made it clear
that Bruegglin had drawn is knife first. Yet the council convicted Neisideller of manslaughter, and
made him pay ihe customary fine of 10 marks. 115

Relevanz der Zeugenaussagen. Nennung einer Provokation


‘The testimony evaluation of such honorable slayings. Their statements usually focu s attack, and th
The testimony of witnesses suggests the
evaluation of such honor provocation that the slayer had suffered prior to his attack, and the counc) i
ye es who
sed on the , :
i the community shared in the
provocation that the s jesponded by applying the verdict of honorable mans] i ye y words i 7 nee
aughter, Witnesses who jesponded by applying wserted that they had never heard an exchange of
angry words i 7 nee ayer had ep i ic Pi wserted that they had neve (isputants implied that they did
not feel that the slayer had ep i ic Pi yel s silence ae re (isputants implied provoked. When the
witnesses in Nesi’s case stressed the slayel s silence ae re si never acknow oper provoked. When the
wit bsence of “bad words,” they indicated that because Nesi never acknow oper dismissed thet si
had forgotten or dismissed thet \ provocation, they simply disagreement. Because slayings that took
p bothtete ee ly not considered murder, Nesi was cong i : im a | lace before witnesses in a public ae
was -
420
\ provocation, they simply assumed that Ne
disagreement. Because space were generally not considered murder, Nesi was cong i : im a ¢ ay i i }
ng s inanslaughter. Yet the council clearly shared the witnesses’ 10 mark ¢ ay i i } ng
inanslaughter. ihe justification of this slaying. In addition to the 10 mark fine, fifteent ihe justificatio
ied from Zurich for five years without mercy. During the fifteenth a to the ae ied from Z council
repeatedly attached additional stipulations to the bee \ u ys
counci nesses expressed doubts about whether the slayer had been rather nesses expressed voked:
the slayer might be required to pay immediately rather than in gradu ee payments, or his hand might
be cut off?116

Dishonorable manslaughter: During the course of the fifteenth century, the breadth of the semantic
concept of honorable slaying was revised to some extent as an additional category came to be used.
During the course of the fifteenth century, the breadth of the semantic concept of honorable slaying
was revised to some extent as an additional category came to be used. In 1468, the judges convicted
a slayer dishonorable manslaughter for the first time. Dishonorable manslaughter referred to some
kinds of homicide formerly covered by the category of honorable manslaughter, namely, those that
were committed in public, but whew the victim had not given a sufficient Anlass, and the slayer thus
had not reacted to a direct provocation. 117
114
115 ebd., S. 207
116 ebd.
117 ebd., S. 209
ebd., S. 208
Quellen zu Unehrenhaftem Totschlag, wenn Zeugen sich unsicher waren; StaZH B VI 191, fol. 252v;
StaZH B VI 204, fol 4r-5v; StaZH B VI 226, fol 86r-87v; StaZH B VI 197, fol. 231r
StaZH B VI 191, fol. 252v; StaZH B VI 204, fol 4r-5v; StaZH B VI 226, fol 86r-87v; StaZH B VI 197, fol.
231r118

offizielle Aufzeichnungen von Verhandlungen, wo Ratsgericht zwischen Konfliktparteien mediierte;


StaZH B VI 195 fol 216r. StaZH VI 205 fol. 204v.
StaZH B VI 195 fol 216r. StaZH VI 205 fol. 204v. 119

Pohl über ihr Zürcher Quellenkorpus


following account of the number of Klagen and Nachgdnge between 1376 and 1600 de those cases
men Inthe following account of I have only included cases tried by the council court. I do not include
those cases men n in Zurich's territory which I have only included cases t tioned in the court books
that were tried in a village or town in Zurich's territory which ege that entailed the right to tioned in
the court books th possessed the privilege of the “higher jurisdiction,” a privilege that entailed the
right to ng in a murder verdict ot possessed the privilege of judge homicide cases. | also do not
include those cases ending in a murder verdict ot es even if the slayer escaped, judge homicide cases.
| also those in which the slaying was called a murder by the judges even if the slayer escaped, ang.
“Murder” was usually those in which the slaying w Such cases continued to be investigated by judges
in a Nachgang. “Murder” was usually ns where the slayer was not Such cases continued to be
associated with cases such as highway robbery or in situations where the slayer was not ng the death
penalty was associated with cases such as immediately identified. In such cases, the accused—
fearing the death penalty was ges therefore often used (or immediately identified. In often reluctant
to admit the deed when finally captured. Judges therefore often used (or ties. Yet the term “murder”
often reluctant to admit the ture to exact a confession, a process unavailable to private parties. Yet
the term “murder” ch occurred after the dispu ture to exact a confession, a was also used for slayings
that resulted from a quarrel but which occurred after the dispu convicted of violating such was also
used for slayings t tants had been brought to promise each other “peace.” Slayers convicted of
violating such found 4 such cases in which tants had been brought to pr a peace were punished, like
murderers, with the wheel. I have found 4 such cases in which 1500. a peace wer such a slaying was
brought by a Klage, 3 before 1500 and 1 after 1500. in a verdict a slaying was brought b L include in
the following count those cases ending in a verdict of honorable or cis , or those that involved L
include in the followin honorable manslaughter, cases in. which the slayer was acquitted, or those
that involved rdict and which were prob honorable manslaughter, c “guests.” | also include cases
that do not have an attached verdict and which were prob ve found a total of “guests.” | also include
ably settled out of court. For the period between 1376 and 1410, | have found a total of in five both
a Klage and an in ably settled out of court. Fo 45 cases. Of these, one case was brought by a Klage,
and in five both a Klage and an in in the court books, But most 45 cases. Of these, one case
vestigation through a Nachgang were recorded or referred to in the court books, But most the period
between 1411 and vestigation through a Nachgan cases, 39 in all, were investigated solely by a
Nachgang. In the period between 1411 and ving both a Nachgang and a cases, 39 in all, were invest
1465, I have found 21 Nachgdnge, 12 Klagen, and 3 cases involving both a Nachgang and a numbers
indicate an increase 1465, I have found 21 Nachgdng Klage.1n3 additional cases, the procedure is
unclear These numbers indicate an increase tis difficult, however, to eval Klage.1n3 additional cases,
of Klagen when compared to the earlier period (1376 1410). Itis difficult, however, to eval sed during
this period, due f Klagen when compared t uate this increase because the total number of cases
decreased during this period, due e that after 1465 the uate this increase becau perhaps to economic
or political instability. It is also important to note that after 1465 the of Klagen rose to roughly 50%,
perhaps to economic or polit total number of cases increased again, and the percentage of Klagen
rose to roughly 50%, und 10 cases in which the procedure is unclear, 1 case 1 total number of cases
118
119 ebd., S. 209
ebd., S. 212
Between 1466 and 1500, I have found 10 cases in which the procedure is unclear, gédnge, and 20
Klage Between 1466 and 1500, I hav which both a Nachgang and a Klage was recorded, 1
Nachgédnge, and 20 Klagen, After hrough private accusation, which both a Nachgang and 1500,
homicides other than murder were regularly initiated through private accusation, 120

Quellen zu Nichttötungsdelikten die aber dennoch als heimlich diffamiert werden. StaZH, B vi 216,
fol. 239r,; StaZH B vi 217, fol. 44r.
See, for example, the use of the term uebel in a verdict for theft, StaZH, B vi 216, fol. 239r, and in
another non-homicide, StaZH B vi 217, fol. 44r. 121

In early modern Zurich, slayers who had killed their opponents during a browl or a tavern fight
usually escaped the death penalty. Proceedings in manslaughter cases allowed disputing parties wide
room for maneuvre to negotiate andd stake their claims.
In early modern Zurich, slayers who had killed their opponents during a browl or a tavern fight
usually escaped the death penalty. Proceedings in manslaughter cases allowed disputing parties wide
room for maneuvre to negotiate andd stake their claims. 122

literaturverweis zu narrativen strategien in franz. gerichtsfällen


Natalie Zemon Davis, Fiction in the Archives. Pardon Tales and their Tellers in Sixteenth Century
France (Stanford, 1987).123

Überblick rhetorische Strategien in Pohls Korpus


124

This discussion adds to our understanding of how different social and legal contexts influenced the
language of violence at court. Beispiel Gender
This discussion adds to our understanding of how different social and legal contexts influenced the
language of violence at court. Disputants adjusted their rhetorical strategies according to these
contexts, Gender was, for example, an important factor that could influence the language of
violence. Sybille Malamud has recently discussed the different ways in which women talked In front
of the late medieval Ratsgericht about the violence that they had used during a dispute. Zurcher
women frequently explained their use of violence in fights with other women by adopting an
assertive stance and justified thel actions by referring to the insults their opponents had levelled at
them. This use of a “male” honor code was accepted by the judges who did not sanction women’s
use of violence more harshly than they did that of men. As Malamud points out, however, women’s
use of this rhetoric was context dependent. In contrast to the aggressive language, she cites several
cases, where women sought to conform to cultural stereotypes of female physical inferiority.’ They
stressed their vulnerability and that they had acted purely in self-defense, fay example, if they had
used violence against men,’ which was less culturally acceptable. 125

Hinweise auf Täteraussagen vor 1500


StaZH B VI 194 fol. 286r.126

120
121 ebd.
122 ebd., S. 215
123 ebd., S. 260
124 ebd.
125 ebd., S. 261
126 ebd., S. 261–262
ebd., S. 264
Täteraussage 1391; StaZH B VI 194, fol. 285r.
In 1391, Hans Habersat killed Hans Eius. When asked by two Nachgänger from the Ratsgericht to
explain himself, Habersat told the judges that Eius had insulted him during their dispute, provoking
his anger by taking a bowl of wheat from his house and throwing it on the floor. According to his
deposition, Habersat then “lifted his hand and said, God’s wounds help me, this will never end well.”
He asserted that the two men subsequently began to hit each other, calling each other liars, and also
“that they had been longstanding enemies,’ In his statement Habersat did not feel it important to
point out who had drawit or attacked first, or to fashion his case as self-defense in any other way.
Nor did he shy away from telling the council that he and Eius had been enemies. His reported gesture
of lifting his hand and uttering a threat, moreover, resembled the ritualized announcement of a feud.
Such enmities and feuds were forbidden by city law, but Habersat felt no hesitation in making them
the backdrop for the slaying. Witnesses further confirmed the long-standing enmity between the two
men, and the council apparently accepted Habersat’s bravado without qualms, assigning bim the
usual fine of 10 marks.127

ehrbare Tötung nur nach Provokation


128

1425 Täter zeigt Reue (einziger Fall in dieser Zeit); StaZh B VI 207, fol. 96v
129

Ueli Muelimann, who killed a delinquent after the offender resisted arrest in 1466. StaZH, A171,
1466.
Ueli Muelimann, who killed a delinquent after the offender resisted arrest in 1466. StaZH, A171,
1466.130

Tötung als ehrbar darzustellen einfacher, als selbstverteidigung zu beweisen. Selbstverteidigung zu


eng definiert, ehrbare Tötung jedoch sehr weit.
patie reason we slayers did not try to escape the not insubstantial line '10 marks with a claim of self-
defense was perhaps rooted in the bread!
of the category of simple manslaughter. I have conjectured that self-dete
|
might have been reserved for cases in which the victim had committ a i ous offense, such as resisting
the execution of justice, as we saw A . J ’ of Ueli Muelimann, who killed a delinquent after the
ditendes resist au al in 1466. Muelimann was convicted of self-defense.3* If it was true aa ; a defense
was so narrowly defined, then those who killed in a tavern fi he
| have thought it useless to claim it. But the concept of honorable al a a ter was broad enough to
cover the typical slayings that resulted durin ‘ofl : pail ini broad concept shielded these slayers from
the death sent if nd a. : . ae. ofa fine, and consequently may have prompted expressions provocation
rather than an emphasis on the dire straits in
whiel
they acted.131

127
128 ebd., S. 266
129 ebd., S. 267
130 ebd., S. 270
131 ebd.
ebd.
Wortgefecht führt zu Tötung. Beleidigungen als Zeichen, das ehre herausgefordert wird. StaZH, B VI
197, fol. 32v. / 33v
StaZH, B VI 197, fol. 32v. / 33v132

Unterschiede in der Rhetoric ziwschen Tötung und Körperverletzung in Bezug auf Wut
Yet when we compare this rhetoric with the accusations centring upon light physical a sputants in
such cases in Yet when we compare this verbal attacks, we can make an interesting observation. If
disputants in such cases in or a blow from a fist, they verbal attacks, we can make sisted on their
right to defend themselves against an insult or a blow from a fist, they at “hey did not deny they
sisted on their right to def often argued-—after detailing the insult they had received——that “hey
did not deny they as so often repeated that it often argued-—after detailin got angry” and therefore
hit their opponent. This statement was so often repeated that it e in the statements of slay got
angry” and therefore hi almost resembles a standard phrase. We do not find this phrase in the
statements of slay may see in this a almost resembles ors. If the absence of this phrase was a
deliberate choice by slayers, we may see in this a
al concession to the more serious circumstances that they found themselves in. liven
pibaern talked the Det. of provocation and not of self-defense, they i, new g
! etter not to emphasize additionally that they had been angry at their opp
nent, shying perhaps away from a too-overt statement that they had wanted to kill. O
ia hand, this omission is perhaps rather due to the paucity of pee a 133

Klage aus 1467: StaZH B VI 225 fol. 418r-426v


134

Bitte um Gnade 1485; StaZH B VI 235 fol. 379r - 381v.


135

Entwicklung der rhetorischen Strategien der Täter vom 14.-17 jh.


When compared with those of the fourteenth century, the defenses of sixteenth-century slayers had
become more varied and included a range of strate The any " teenth-century slayers had beco gies
that they could use to distance themselves from their act. The any " and aie |
gies that they could use to manslaughter had contracted as the categories of self-defense and aie e
sinc
manslaughter able manslaughter had split from it, which—depending on the since oud sekfleining
:
able manslaughte of the slayer and the slayer’s social position—prompted the proud sekfleining trials
or the mol e of the slayer and rhetoric we see in the statements of slayers acquitted at their trials or
the mol e re of their situa rhetoric we see i humble tones of those writing from exile who were less
secure of their situa statements col ld humble tones of tion. The rhetoric of honor apparent in
fourteenth-century statements col ld rical strategies. tion. The rhetoric be combined with, but also
be subordinated to, these rhetorical strategies. w nuances were be combined wit During the course

132
133 ebd., S. 271
134 ebd., S. 272–273
135 ebd., S. 273
ebd., S. 286
of the seventeenth century, we find that new nuances were added to the rhetorical strategies of
slayers.136

Quellen zu Täteraussagen vor 1400


StaZH B VI 191, fol. 60v
StaZH B VI 191, fol. 141v.
StaZH B VI 193, fol. 25v und 60r.
StaZH B VI 195 fol. 9r/9v
StaZH B VI 195, fol. 308v. (1394)
StaZH B VI 195, fol. 330v.137

Strategie hinter Nacherzählung der Beleidigung und Betonung, dass man friedlich sein wollte
(Stadtfrieden einhalten)
By repeating the insults ful ways, both parties implied that their honor had been injured, although
the laws safeguarding the ful ways, both parties imp they also presented their behavior as
conforming to the laws safeguarding the lly tried to avoid conthiet they also presented their
Stadtfrieden, since they stressed that they had initially tried to avoid conthiet in a code of honor,
which Stadtfrieden, since they st Such an emphasis on peacefulness also had a place in a code of
honor, which in such cases both aceus Such an emphasis on peac equally condemned unprovoked
violence. Generally, in such cases both aceus rategies, drawing upon and equally condemned unprov
ers and those accused used a range of rhetorical strategies, drawing upon and nor as well as from a
vo ers and those accused us mixing expressions from a vocabulary of personal honor as well as from
a vo nd its ideal of a peacelul, mixing expressions from cabulary belonging to the concept of
Stadtfrieden and its ideal of a peacelul, ouraged this kind of self cabulary belonging to the modest
citizen. The Klage procedure no doubt encouraged this kind of self eply to direct and often vi
presentation138

Konsens unter Kriminalitätshistoriker*innen; Loetz infrajudicaire; staat unterstützt ausserstaatliche


gerichtlichkeit -
Despite a variety of approaches and differing foci, broad consensus can be found among
Kriminalitdtshistoriker on a number of assumptions regard- ing the dynamics which created this early
modern German legal culture. The discussions in this study intersect with several of these premises
concerning the development of procedure and the application of norms in legal practice. ‘There is,
for example, widespread agreement that early modern criminal pro- cedure developed in interaction
with coexisting systems of out-of-court set- (lement. Francisca Loetz has argued that extra-judicial
strategies of dispute resolution belonging to what she calls, in reference to French historiography,
‘linfrajudiciaire,’ were frequently encouraged by government officials.!® This
is because restitution and reconciliation were just as important within early
modern justice as the punishment of an offense. State authorities were often content to allow
disputants to settle their differences according to traditional norms and rules governing social
interaction in late medieval and early modern communities. The persistence of extrajudicial solutions
into the early modern period should thus not be considered as a sign of governmental weakness, but
rather as constitutive of early modern legal culture.” This study of the settle- ment of manslaughter
in Wiirttemberg and Zurich illustrates changing param- eters for the negotiation between punitive
and restitutive justice during the early modem period.!8 139

136
137 ebd., S. 289
138 ebd., S. 267–269
139 ebd., S. 271
ebd., S. 7–8
1.3. Burghartz Leib Ehre Gut

Transkriptionen zu mehreren Fällen, teilweise komplett teilweise in Auszügen


StaZH B VI 190, fol. 92v-93v:140

Quellen zu Ausschluß vom Gericht …


Ausschluß vom Gericht: Sta2H B VI 190, fol. 212; Ausweisung von Lombarden: StaZH B VI 190, fol.
21v; Blenden: StaZH B VI 190, fol. 135v; Gefängnis/Haft: StaZH B V1217, fol. 279, StaZH B V1191, fol.
63, StaZH B VI 192, fol. 281-283v; Verbannung: StaZH B VI 190, fol. 97, fol. 130v, StaZH B VI 192, fol.
14, StaZH B V1217, fol. 304v, StaZH B VI 192, fol. 295v. 141

Die Zürcher Rats- und Richtbücher umfassen verschiedene Quellentypen: …


Die Zürcher Rats- und Richtbücher umfassen verschiedene Quellentypen:! Die Ratslisten, die jeweils
zu Beginn der neuen Amtsperiode des Natal- bzw. Baptistalrates? die Namen der neuen Räte
verzeichnen, häufig gefolgt von
weiteren Ämterlisten. Diese Ratslisten sind auch für die Datierung der ihnen folgenden eigentlichen
'Gerichtsbücher von Bedeutung.’ Die Gerichtsbücher selbst umfassen drei. Kategorien von
Eintragungen: die Geständnisse, die Nachgänge und die Klagen. Weiter sind in die Rats- und
Richtbücher Eingewinnerverzeichnisse eingebunden, die das Eintreiben privater Geldschulden durch
die vom Rat bestellten Eingewinner verzeichneten.‘ Für das 15. Jahrhundert lie- gen einige
«Verrufbücher» vor, in denen Leute wegen Schulden: aus der Stadt verbannt wurden. Ebenfalls nur
lückenhaft sind für.das 15. und 16, Jahrhundert Vogtbücher erhalten, es handelt sich um
Bußenverzeichnisse der Land- und Obervogteien.’ Schließlich sind im 16. Jahrhundert einige
Ratsbücher überlie- fert, die sich mit Ratsverhandlungen über nicht todeswürdige Verbrechen, aber
auch mit sonstigen, außergerichtlichen Ratsgeschäften beschäftigten. 142

Für das 14. und 15. Jahrhundert sind die Richtbücher fast vollständig erhalten, sie sind
vergleichsweise ausgesprochen umfangreich und enthalten sehr viele, zum Teil detaillierte
Informationen zu den: verschiedenen Delikten, die vom Zürcher Rat gerichtet wurden.
Für das 14. und 15. Jahrhundert sind die Richtbücher fast vollständig erhalten, sie sind
vergleichsweise ausgesprochen umfangreich und enthalten sehr viele, zum Teil detaillierte
Informationen zu den: verschiedenen Delikten, die vom Zürcher Rat gerichtet wurden. 143

Die Anfangsformel für Nachgänge lautete: «Man soll nachgan und richten als ...», diejenige für
Klagen: «Es klagt N. N. conf. sin bürg N. N. ufN.N. ...»'* Wurde in einer später Klage erhoben, so
wurde der Nachgang mit dem Vermerk «ist klagt» bzw. «jud» (für «judicatum es») als erledigt
gestrichen. In beiden Fällen folgten auf die Formulierung der Anklagepunkte die Aussagen der
Zeugen; stimmten diese in allen Punkten mit der Anklage überein, so wurde dies mit «d» für «dicit»
vermerkt, die Aussage nicht mehr im Einzelnen notiert.
Die Anfangsformel für Nachgänge lautete: «Man soll nachgan und richten als ...», diejenige für
Klagen: «Es klagt N. N. conf. sin bürg N. N. ufN.N. ...»'* Wurde in einer später Klage erhoben, so
wurde der Nachgang mit dem Vermerk «ist klagt» bzw. «jud» (für «judicatum es») als erledigt
gestrichen. In beiden Fällen folgten auf die Formulierung der Anklagepunkte die Aussagen der
Zeugen; stimmten diese in allen Punkten mit der Anklage überein, so wurde dies mit «d» für «dicit»
vermerkt, die Aussage nicht mehr im Einzelnen notiert. 144
140
141 Burghartz, Leib, Ehre und Gut, S. 257
142 ebd., S. 243
143 ebd., S. 55
144 ebd.
ebd., S. 59
Erklärung Umgang mit Nachgängen und Klagen
In den Nachgängen verfolgte der Rat «von Amts wegen» Delikte in Bereichen, in denen ein
allgemeines Interesse an einer Strafverfolgung bestand, das auch durchgesetzt werden konnte. Zu
beachten ist jedoch, daß der Nachgang in dem Moment eingestellt wurde, in dem ein privater Kläger
auftrat, was in den Quellen mit einer entsprechenden Randnotiz vermerkt wurde. Daneben war das
Ratsgericht
Klageinstanz für Zürcher in bestimmten, im Richtebrief festgelegten Fällen; es
wurde damit zu einem Instrument, mit dem der Kläger sein Recht durchsetzen konnte. Da der
Zürcher Rat bis Ende des 14. Jahrhunderts nicht im Besitz der Blutgerichtsbarkeit war, enthalten die
Rats- und Richtbücher von 1376 bis 1385 keine Todes- oder Verbannungsurteile und die zugehörigen
Geständnisse. Im allgemeinen galt in den Nachgängen und Klagen das Beweismittel der Zeugen-
aussagen, daneben fand aber auch der Eid immer wieder als Beweismittel Verwendung.!? Nachgänge
und Klagen bildeten — wie beschrieben — den
Hauptinhalt der Richtbücher; vereinzelt sind auch (Beweis-)Urkunden, Briefe,
Inventare, Kundschaften, Erlasse, Gesuche, Urfehden usw. zu finden, die aber zahlenmäßig kaum ins
Gewicht fielen. Sie werden daher im folgenden nicht als eigenständige Kategorien untersucht. 145

Bedeutung einzelner Kürzel in den Rats- und Richtbüchern


Das Kürzel «jud», mit-dem Fälle, in denen eine Verurteilung erfolgte, bezeichnet wurden.’ Eine
weitere, relativ häufig vorkom- mende Randnotiz war «no», «nota» oder «notanda». Wurden vom
Rat Zeugen bestellt, so konnte dies mit «vocetur» vermerkt werden. Schließlich legten die Schreiber,
wie schon erwähnt, auch bestimmte Rubriken unter den Über- schriften «plasphemie» und
«homicidia» an, unter denen entsprechende Fälle
getrennt, vor den übrigen Nachgängen im Richtebuch des jeweils amtierenden
Rates aufgeführt wurden.146

Anschuldigungen wegen Beleidigung, übler Nachrede besonders häufig


Anschuldigungen wegen Beleidigung, übler Nachrede und. Verleumdung gehörten vor dem Zürcher
Ratsgericht zu ‘den ‚besonders häufig vorgebrachten Vorwürfen. Während die Beschimpfungen
anderer Personen .ein wichtiger Bestandteil der Ehrverletzung und damit des ganzen auf Ehre
ausgerichteten Systems! von Verhaltensweisen und Anschuldigungen waren, die vor diesem Gericht
verhandelt wurden, stellen die blasphemischen Äußerungen, die sich gegen Gott richteten, eine
Sonderform der Verbaldelikte dar, die die Beziehun- gen der Rechtsgemeinschaft zu Gott und damit
die Allgemeinheit bedrohten; sie
sollen daher gesondert behandelt werden. 147

Ehrencode ist implizit


nach dem für sie geltenden Ehrencode, der sich besonders deutlich zwischen Männer und Frauen
unterschied. Bezeichnend für alle war, daß der Code nicht explizit gemacht werden mußte, sondern
von den Beteiligten gewußt wurde, ein Umstand der die historische Untersuchung keineswegs
erleichte148

145
146 ebd.
147 ebd., S. 60
148 ebd., S. 123
ebd., S. 126
schwierig, den Hintergrund solcher Verbaldelikte zu erfassen und abzuschätzen, wieweit es um reine
Ehrverletzungen ging, deren einziges Ziel die Bloßstellung des Angegriffenen war, und inwiefern die
Verleumdungen dazu benutzt wurden, andere Tatbestände, etwa Eigentumsverletzungen,
auszudrücken
In den Quellen wird über die Motive fast vollständig geschwiegen. Daher ist es oft ausgesprochen
schwierig, den Hintergrund solcher Verbaldelikte zu erfassen und abzuschätzen, wieweit es um reine
Ehrverletzungen ging, deren einziges Ziel die Bloßstellung des Angegriffenen war, und inwiefern die
Verleumdungen dazu benutzt wurden, andere Tatbestände, etwa Eigentumsverletzungen,
auszudrücken und öffentlich zu machen; inwiefern also die Anschuldigungen in unserem Sinn einen
«realen» Gehalt hatten und nicht nur die Ansichten des Angreifers über die Person des Beleidigten
zum Ausdruck brachten.149

Beschimpfungen für Männer


Welche Schimpfwörter bzw. -bilder verwendet wurden, hing zum einen von der Situation und den
Streitigkeiten ab, die die Beteiligten austragen wollten, wurde aber andererseits entscheidend
dadurch beeinflußt, welches Geschlecht die zu beleidigende Person hatte. Männer wurden in erster
Linie als «Lügner» beschimpft oder des «Meineids» bezichtigt. Wichtige Beschimpfungen waren
außerdem «böswicht» und «dieb». Eine Variante dieses Vorwurfs war die Beschimpfung, der Vater
oder Sohn sei ein Dieb. Beschimpfungen als Mörder waren schon seltener, ebenso Beleidigungen der
Mutter, wobei es sich meist um
sexuelle Anspielungen handelte (und zwar auf das Verhalten der Mutter oder das Verhältnis von
Sohn und Mutter). Die Bezeichnung «schelm» kam eher selten vor. Nur in einem Fall wurde der
Ausdruck «verhiter jud» verwendet! Die Ehre von Männern — und zwar von christlichen wie
jüdischen — wurde also in erster Linie dadurch angegriffen, daß die Aufrichtigkeit und
Glaubwürdigkeit ihrer Aussagen in Zweifel gezogen wurden, in dem sie wegen Wortbruch oder
Falschaussagen verleumdet wurden. Der zweite wichtige Bereich, war die Beschimpfung als Dieb, d.
h. als ehrlose Person, die das Eigentum anderer nicht achtete und daher aus der Gesellschaft
auszustoßen war und hingerichtet werden konnte.’ Die Beschimpfungen als «böswicht» und als
«schelm»'° hatten dagegen stärker die allgemeine Reputation des Beleidigten, bzw. sein
unehrenhaftes Verhalten im Auge. F150

Beschimpfungen für Frauen


Für Frauen, und zwar wiederum für christliche und jüdische, war «hür» beziehungsweise der Vorwurf
der Hurerei in allen möglichen Kombinationen die weitaus häufigste Beleidigung. Mit großem
Abstand folgte die Beschimpfung als «diebin», gefolgt vom Vorwurf «bös» zu sein, zu lügen oder
meineidig zu sein. Beschimpfungen von Vater und Mutter kamen vor, waren aber eher selten. Der
Ruf von Frauen wurde also in allererster Linie über ihr sexuelles Verhalten gegenüber Männern
definiert und sie wurden entsprechend beschimpft. Mit großem Abstand folgten die Bereiche
Eigentumsverletzung und Wortbruch (Lügen und Meineid), schließlich hatten allgemein negative
Charakterisierungen, etwa als «bös», eine-gewisse Bedeutung. Die typischsten Beschimpfungen
(Dieb, Lügner, Hure) und ihre geschlechtsspezifische Zuordnung scheinen weit verbreitet gewesen zu
sein. Sie sind ebenso für Avignon im 14. Jahrhundert!' wie für schleswig-holsteinische Städte im 16.
Jahr- hundert'? und italienische Städte im 16. und 17. Jahrhundert belegt.' 151

Gewalt im Mittelalter
wird in einigen neueren Untersuchungen? Gewalt als Form ritualisierten Verhaltens interpretiert, das
integrierter Bestandteil des Alltags war.’ Dabei wird mit der Betonung des Rituals. darauf
hingewiesen, daß es sich nicht. um Formen naturwüchsig unzivilisierten Verhaltens, sondern um
149
150 ebd.
151 ebd., S. 127
ebd., S. 127–128
kulturell geprägte und erlernte Muster handelt. Beiden Ansätzen gemeinsam ist die These von der
Allgegenwärtigkeit von Gewalt im Spätmittelalter, über die Interpretation dieses Phänomens gehen
dagegen die Meinungen diametral auseinander. Die bereits angeführten Unter- suchungen zur
Deliktstruktur in verschiedenen spätmittelalterlichen Städten und Regionen bestätigen, wie wichtig
Gewaltdelikte waren, welch enormen Anteil sie an der Gesamtdeliktstruktur ausmachten, wie
omnipräsent insbesondere die interpersonelle Gewalt in dieser Zeit war. Auch für Zürich hat sich
diese These bestätigt. Gewalt war auch hier völlig alltäglich und nahm einen entsprechenden Platz in
der Deliktstruktur ein.152

Bei Männer Gewaltandrohung als auftakt


Bei den Männern, die vor dem Ratsgericht erschienen, scheinen Gewaltandrohungen oft nur der
Auftakt für gewalttätige Auseinandersetzungen gewesen zu sein, die häufig bis zum Einsatz von
Waffen eskalierten.153

Warum in Anklagen die Aussage nur Gutes gredet zu haben


Auffallend und typisch an diesen Fällen, wie an zahllosen anderen, ist die Versicherung der
KlägerInnen, sie hätten keinen Anlaß gegeben, sich nicht ungebührlich verhalten, nur «Gutes»
geredet, auf jeden Fall mit ihrem eigenen Verhalten die beklagte Gewalttat nicht
provoziert. Hinter diesen Versicherungen stand der: Versuch, den oder die Beklagte(n) schwerer zu
belasten, jede eigene Mitschuld auszuschließen, daneben aber auch die Annahme, daß es
Verhaltensweisen und Situationen gab, die andere zur Gewaltanwendung berechtigten, oder diese
doch zumindest entschuldbar erscheinen ließ. Ihr rechtliches Äquivalent hatte diese Vorstellung von
der möglicherweise berechtigten Gewalt, im Konzept des «Anlaß», das auch im Richtebrief verankert
war.?154

Vergewaltigungen
Noch zentraler war diese Vorstellung wohl bei Vergewaltigungen. Hier ent- schied das «korrekte»
Verhalten des Opfers darüber, wie (und als was) die Tat zu bewerten war. Frauen, die sich zur
falschen Zeit am falschen Ort aufhielten oder sich in einer Art verhielten, die für eine. ehrbare Frau
gegenüber einem «fremden» Mann? nicht angemessen war, mußten damit rechnen, ohne Konse-
quenzen für den Mann vergewaltigt zu werden. 155

gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen Männern die weitaus häufigste Konfliktkonstellation …


gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen Männern die weitaus häufigste Konfliktkonstellation,
mit der sich das Ratsgericht zu beschäftigen hatte. 156

Die meisten Stechereien und Schlägereien fanden öffentlich statt


Die meisten Stechereien und Schlägereien fanden öffentlich, in den Straßen und auf den Plätzen
Zürichs statt. Ein anderer Ort, an dem Konflikte nicht selten eskalierten, waren die Wirtshäuser und
Trinkstuben.157

hinterhalt verunmöglicht Stallung und daher besonders verwerflich


Eine solche Stallung hätte mit einiger Wahrscheinlichkeit eine allzu heftige Eskalation und den
tödlichen Ausgang des Konfliktes verhindern können. So entsprach Näsis Vorgehen in zweifacher
152
153 ebd., S. 139
154 ebd., S. 140
155 ebd., S. 144–145
156 ebd., S. 145
157 ebd., S. 146
ebd., S. 148
Hinsicht nicht den Regeln, indem er sich erstens nicht dem offenen Kampf stellte und damit zweitens
auch verhinderte, daß der Mechanismus des Friedengebietens funktionieren konnte. Von daher wird
es um
so verständlicher, daß der Richtebrief das heimliche Waffentragen besonders
unter Strafe stellte.°?158

Wie funktioniert Stallung


Einen Versuch, die Gewalt einzudämmen, zu regeln und ein Stück weit zu formalisieren, um
Auswüchse zu verhindern, stellte die Stallung dar. Frieden bieten und bewahren wurde damit zu
einer Gemeinschaftsaufgabe. Alle Bürger’° und ganz besonders die Amtsinhaber waren verpflichtet,
in Streitfällen Stallung zu nehmen (d. h. Frieden zu bieten) und zu versuchen, bereits begonnene
Auseinandersetzungen zu schlichten. War der Frieden geboten und Stallung gegeben, so konnten
sich im Prinzip beide Konfliktseiten sicher fühlen, sie hatten keine plötzlichen Angriffe oder
Racheakte zu befürchten.’! Entsprechend wurde der Stallungsbruch im Richtebrief mit 10 Mark
besonders hoch, gleich wie Totschlag, bestraft.” Trotz dieser hohen
Strafandrohung wurde aber auch die Stallung immer wieder gebrochen. Wenn
der Stallungsbruch tatsächlich nachgewiesen werden konnte, wurde die Buße
von 10 Mark verhängt.’? Der gebotene Friede erstreckte sich dabei nicht nur auf die direkt
betroffenen Kontrahenten, sondern auch auf deren Angehörige (und
auch auf ihr Gesinde). Vereinzelt wurde das Stallungbieten mißbraucht, um
einer der beiden Parteien einen Vorteil zu verschaffen.’* Solche Klagen waren aber vor dem
Ratsgericht äußerst selten. Die Stallung konnte nicht nur gebrochen, das Stallungbieten mißbraucht
werden, sondern es konnten auch diejenigen, die ihrer Pflicht zu scheiden und Stallung zu bieten
nachkamen, dabei verletzt werden.159

1.4. Schlögl Vergesellschaftung

Die These dieses Sammelbandes ist …


Die These dieses Sammelbandes ist, dass es notwendig und zwischenzeitlich auch möglich ist, einen
Begriff von der Politik der vormodernen Stadt zu entfalten, der nicht in erster Linie die
traditionsstiftenden Kontinuitäten, sondern die historische Differenz betont. Diese Fremdheit wird
fassbar, sobald neben den Themen der Politik und den Semantiken der politischen Theorie
insbesondere die sozialen Formen des Politischen in ihren elementaren kommunikativen Strukturen
und Funktionsweisen beobachtet werden. 160

die Akteure städtischer Politik nicht Einzelpersonen waren …


die Akteure städtischer Politik nicht Einzelpersonen waren, sondern Familien- und
Verwandtschaftsverbände handelten, so dass die städtischen Oligarchien sich wiederum als ein stark
hierarchisiertes Gefüge von Familienclans darstellten, deren Machtkonkurrenz wesentlich auch die
Gegenstände des Politischen in der Stadt bestimmte. 161

158
159 ebd.
160 ebd., S. 151
161 Schlögl, Vergesellschaftung unter Anwesenden, S. 11
ebd., S. 14
Politik: Gegenbegriff zu webberschem Politikbegriffverständnis
Während Historiker gewohnt sind, sich in ihrem Politikbegriff an Max Webers Staatsvorstellung und
der dort vorgegebenen Konzentration auf gewaltgestütztes Handeln eines Verwaltungsstabes zu
orientieren, formiert sich in der laufenden kulturwissenschaftlichen Diskussion ein weitaus stärker
formalisierter, prozessorientierter und zugleich auf die Konstruktion von Bedeutungen ausgerichteter
Politikbegriff. Politik wird hier verstanden als (bedeutungsvolles) soziales Geschehen, in dem bezogen
auf Kollektive Entscheidungen hervorgebracht und so kommuniziert werden, dass sie allgemeine
Verbindlichkeit beanspruchen können.?” Ein Kollektiv konstituiert sich überhaupt erst als
Gemeinschaft, indem es sich selbst zum Objekt von strukturbildenden Beschlüssen macht. Durch
Politik geben Kollektive sich nicht nur Form und Struktur, sie tun dies in einem reflexiven Modus, der
es ihnen ermöglichte, von ihrer Verfasstheit eine diskursiv bearbeitbare Vorstellung zu gewinnen, die
dann wiederum zurückwirkt auf Inhalte und Parameter der kollektiv relevanten Entscheidungen.
Deswegen ist Politik stets mit Prozessen der Identitätsbildung verbunden. Insofern es um
Entscheidungen allgemeiner Verbindlichkeit geht, ist Politik auch in diesem Verständnis ein
Handlungsgefüge, das auf Macht beruht. 162

methodische Grundüberlegung zur Untersuchung von Interaktion und Herrschaft


163

Entscheidungsfindung in verfahrensmäßig geordneter Kommunikation eine überaus


voraussetzungsvolle Errungenschaft ist
Es ist inzwischen Gemeingut der Forschung, dass Entscheidungsfindung in verfahrensmäßig
geordneter Kommunikation eine überaus voraussetzungsvolle Errungenschaft ist, über die insbeson-
dere vormoderne Gesellschaften nicht mit Selbstverständlichkeit verfügen und sich deswegen an
dieser Stelle häufig mit Ritualen behelfen.# 164

Politische Macht - Kommunikation - Gewalt


Schließlich (politische) Macht: Max Weber hatte sie als mindestens la- tentes Gewaltverhältnis
gedacht und in der politischen 'Theorie der Moderne wurde sie als Handlungspotential soweit
substantialisiert, dass man sie als delegier- und übertragbar behandeln konnte. Wird Macht
hingegen als Medium der Vermittlung von Bedeutungen in Kommuni- kationszusammenhängen
beobachtet, stellt sich die Frage, wie soziale Situationen geformt werden müssen, damit Handlungen
oder Entschei-
dungen der machtunterlegenen Seite auf die machtüberlegene zugerech- net werden. Macht baut
Kausalität in unübersichtliche soziale Gefüge ein und lässt Handlungsketten entstehen, die für die
Beteiligten oder für die Außenstehenden wahrnehmbar sind. Macht muss gerade weil sie als
Relationierung von Kommunikation arbeitet, auf offene Gewalt
verzichten können. Wohl kann und muss sie sich gelegentlich in der Fähigkeit zur Gewaltanwendung
symbolisch verdichten, aber wer zu
Gewalt greift, hat im Normalfall seine Macht schon verloren.5° Deswe- gen bedarf es
durchgreifender struktureller und institutioneller Trans- formationen, bis Herrschaft zur Politik
wird.165

162
163 ebd., S. 21–22
164 ebd., S. 23–24
165 ebd., S. 24
ebd., S. 25–26
Binnenhierarchiebildung in der Stadt
zialordnung. Diese sozioökonomische Dimension städtischer Politik, wie Andreas rbeitet, ist in Diese
sozioök Würgler sie in seiner Studie für Bern beispielhaft herausarbeitet, ist in eder hervorgehoben
wor- Würgler sie in seiner St der stadtgeschichtlichen Forschung immer wieder hervorgehoben wor-
st allerdings entscheidend, dass der stadtgeschichtlichen Fors den. In der hier gewählten Perspektive
ist allerdings entscheidend, dass dt als eine der sozialen Rah- den. In der hier gewählten dies der
sozialen Form der Politik in der Stadt als eine der sozialen Rah- ihre kommu- dies der sozialen
menbedingungen nicht äußerlich blieb, sondern sie bis in ihre kommu- nikativen Grundelemente
hinein bestimmte. Wahlen in Ämter und menbedingunge nikativen Grundelemente hinein
bestimmte. Wahlen oraussetz nikativen Grundelemen Ratsgremien gestalteten sich unter diesen
Voraussetzungen zu hoch- chachtelte Selektionsvorgänge Ratsgremien gestalteten si komplexen
Verfahten, in denen durch verschachtelte Selektionsvorgänge wesenheit von Kandidaten komplexen
Verfahten, in den und eingebaute Kontrollen wie etwa die Anwesenheit von Kandidaten wurde, dass
die Familienver- und eingebaute Kontrollen w oder auch ihrer Verwandten sichergestellt wurde, dass
die Familienver- n war die Ver- oder auch ihrer Ve bände um ihre Position nicht fürchten mußten.® In
Bern war die Ver- in ein System der „rechnenden bände um ihre Position ni gabe der städtischen
Ämter eingebettet in ein System der „rechnenden Stimmvergabe zwischen den gabe der städtischen
Ämter Geselligkeit“, bei dem die Koalitionen der Stimmvergabe zwischen den Ausgleich gebracht
wurden Geselligkeit“, bei dem die Ko Familien geschmiedet und miteinander in Ausgleich gebracht
wurden trug die politische Kultur der (Andreas Würgler). 166

gl. künftig Franz-Josef A Franz-Josef Arlinghaus, Gesten, Kleidung und die Etablierung von Diskurs-
räumen im städtischen Gerichtswesen (1350-1650), in: Johannes Burkhardt (Hg), Kom- munikacion
und Medien in der Frühen Neuzeit, München 2004
gl. künftig Franz-Josef Arlinghaus, Gesten, Kleidung und die Etablierung von Diskurs- räumen im
städtischen Gerichtswesen (1350-1650), in: Johannes Burkhardt (Hg), Kom- munikacion und Medien
in der Frühen Neuzeit, München 2004, passim. Zu Ritual und Verfahren vgl. oben Anm. 47. 167

Methodisch macht der kommunikationstheoretische Zugriff darauf aufmerksam,


Methodisch macht der kommunikationstheoretische Zugriff darauf aufmerksam, dass soziale
Ordnung sich aus Kommunikation heraus die mikrologische aufmerksam, dass reproduzieren und
stabilisieren muss. Das bindet die mikrologische er- reprodu Sicht und die Makroebene zusammen.
Zusätzlich wird in dieser Per- ndament sozialer Ord- Sicht und die Makr spektive deutlich, dass Werte
nicht per se das Fundament sozialer Ord- n Streit geraten. Nut spektive deutlich, das nung darstellen
können. Über Werte kann man in Streit geraten. Nut ch nun durch kommunikative Arrangements ist
sicherzustellen, dass sie auch „gelten“.168

1.5. Schwerhoff öffentlichkeit

Political Culture
„Political Culture“ meint die komplexe Gemengelage von Grundannahmen, Kenntnissen,
Einstellungen, Gefühlen und Wertvorstellungen, die die Menschen in Bezug auf das politische System
haben, gleichsam die subjektive, die ‚weiche‘ Dimension der Politik. 169
166
167 ebd., S. 32
168 ebd., S. 38
169 ebd., S. 60
Schwerhoff, Öffentliche Räume und politische Kultur in der frühneuzeitliche Stadt, S. 113
Die ‚Öffentlichkeit‘ bestimmter Orte und ihre Definition …
Die ‚Öffentlichkeit‘ bestimmter Orte und ihre Definition als „Öffentliche Räume“ wird dabei ganz
pragmatisch durch verschiedene, untereinander nicht spannungsfreie Kriterien bestimmt. Einmal
wäre ein öffentlicher Raum ein solcher, der für verschiedene so- ziale Gruppen zugänglich ist, ein
Raum, der nicht-exklusiven und nicht- privaten Charakter trägt, Andererseits soll dieser Raum jedoch
kommunikativ und interaktiv relevant und profiliert sein. ‚Öffentlich‘ wäre ein Raum deshalb auch
dann, wenn hier ‚Öffentlichkeit‘ hergestellt wurde, wenn Meinungsbildungsprozesse betrieben
wurden, Verhandlungen stattfanden und Entscheidungen getroffen wurden, die für eine größere
Anzahl von Menschen relevant und von Interesse waren. 170

Charakteristikum des städtischen Rathauses ist seine Multifunktionalität …


Charakteristikum des städtischen Rathauses ist seine Multifunktionalität: Neben seiner Bestimmung
als Tagungsort für Räte und Ausschüsse, konnte es die vielfäligsten Gerichts- und
Verwaltungsaufgaben besitzen und als Archiv, Kämmerei und Waffenlager, aber auch als
Handelsumschlagplatz und Festhalle fungieren. 171

Teilzeit-Weinzapfer, deren Stube vorübergehend zur Gaststube


Das Beispiel der Teilzeit-Weinzapfer, deren Stube vorübergehend zur Gaststube wurde, verweist
bereits darauf, dass partiell auch den bürger- lichen Wohnhäuser ein öffentlicher Charakter
zukommen konnte. Z172

1.6. Arlinghaus Gnade und Verfahren

alte Grundannahme Fericht will für Gerechtigkeit sorgen


Geschichte und Rechtsgeschichte haben immer schon die Art der Verfahrensgestaltung in das
Zentrum ihres Interesses gerückt. Dies geschah zum einen, weil man hier die Entwicklung weg von
einem streng formalistischen, zudem oft religiös gebundenen und dem Ansehen der Person über die
Maßen Rechnung tragenden Verfahren hin zu einem ‚modernen‘, auf Tatsachenerhebung und
Sacherwägungen abstellenden Prozess aufzudecken hoffte. Dabei wurde mehr oder weniger explizit
davon ausgegangen, dass es vor Gericht darum ging, ein möglichst gerechtes, und das hieß zumeist
ein rational begründbares Urteil zu fällen. Dies, so die stillschweigende Überzeugung, habe dann
auch die größte Chance, bei Kläger, Beklagtem und ihren Verwandten und Freunden Akzeptanz zu
finden.173

Gerade in vormoderner Zeit fühlen sich ja Zünfte oder Viertel durch das Urteil gegen eine Person aus
ihren Reihen schnell in ihrer kollektiven Ehre verletzt und wissen dies durchaus zu artikulieren.
Gerade in vormoderner Zeit fühlen sich ja Zünfte oder Viertel durch das Urteil gegen eine Person aus
ihren Reihen schnell in ihrer kollektiven Ehre verletzt und wissen dies durchaus zu artikulieren. 174

170
171 ebd., S. 117–118
172 ebd., S. 118
173 ebd., S. 125
174 Arlinghaus, Gnade und Verfahren, S. 137
ebd., S. 138
Rat als städtisches Führungsgremium zugleich politische, administrative und nicht zuletzt
repräsentativ-identitätsstiftende Funktionen
Man denke erwa an die Gerichtsbarkeit des Rates;* der ja als städtisches Führungsgremium zugleich
politische, administrative und nicht zuletzt repräsentativ-identitätsstiftende Funktionen wahr-
zunehmen hatte.175

Wie und in welchem Maße gelten nun diese Beobachtungen, so ist zu fragen, für das Gericht in der
spätmittelalterlichen Stadt? Welchen Beitrag leistet hier das Verfahren zur Akzeptanz des Gerichts
und seines Urteils?
Die skizzierte theoretische Grundlage ist vornehmlich auf der Analyse des modernen Gerichtswesens,
das ja in einer bereits stark ausdifferen- zierten Gesellschaft operiert, entwickelt worden. Wie und in
welchem Maße gelten nun diese Beobachtungen, so ist zu fragen, für das Gericht in der
spätmittelalterlichen Stadt? Welchen Beitrag leistet hier das Ver- fahren zur Akzeptanz des Gerichts
und seines Urteils? A176

in spät ma stadt, streitende wirken stärker mit am verfahren


Andererseits kann man gerade in der spätmittelalterlichen Stadt beobachten, dass sich die
Streitenden mehr und mehr darum bemühen mussten, die behaupteten Rechtsansprüche etwa
durch das Verweisen auf Einträge im Stadtbuch zu begründen. Hervorzuheben gilt hier nicht so sehr
die stärkere Sachbezogenheit des Verfahrens als vielmehr die Tatsache, dass die Parteien nun in ganz
anderer Weise am Ausgang des Verfahrens mitwirkten, sich also in eine andere Form der
Selbstbindung führten als im streng formalistischen Verfahren. 177

Etablierung von Diskursräumen im städti- schen Gerichtswesen (1350 bis 1650),


Franz- Josef Arlinghaus, Gesten, Kleidung und die Etablierung von Diskursräumen im städti- schen
Gerichtswesen (1350 bis 1650), in: Johannes Burckhardt (Hg), Kommunikation und Medien in der
Frühen Neuzeit, HZ Beiheft. Bd., München (im Druck). 178

In der Forschung wird immer wieder darauf hingewiesen, dass die in Stadtrechtsbüchern für
bestimmte Vergehen angedrohten Sanktionen in der vorgeschriebenen Härte selten angewandt
wurden.
In der Forschung wird immer wieder darauf hingewiesen, dass die in Stadtrechtsbüchern für
bestimmte Vergehen angedrohten Sanktionen in der vorgeschriebenen Härte selten angewandt
wurden. Schon
Wilhelm Ebel bemerkte, cs sei in der spätmittelalterlichen Stadt nicht üblich gewesen, das eigentlich
zugemessene Strafgeld in voller Höhe zu
entrichten. „Man einigte sich auf einen niedrigeren Betrag, gewährte
dafür auch Ratenzahlung oder gänzlichen Erlass“.!? Was Ebel für Nord- deutschland feststellt, gilt in
ähnlicher Weise auch für die übrigen Räume nördlich der Alpen, wie etwa die Arbeit von Peter
Schuster ge- zeigt hat.!? Andreas Blauert resümiert auf der Basis süddeutscher Quel- len des 14. bis
18. Jahrhunderts, dass „Fürbitte und Gnade, die zur straf- losen oder strafgemilderten Entlassung
eines Delinquenten aus der Haft führten, [...] als zentrale Institute im System vormoderner Rechts-
sprechung begriffen werden“ müssen.!* Gerd Schwerhoff hat für Köln herausgearbeitet, dass „der
Sanktionsverzicht in der Strafrechtsprasis des 16. Jahrhunderts offen und systematisch vertreten und
175
176 ebd., S. 139
177 ebd.
178 ebd., S. 140
ebd., S. 141
angewandt wurde.“!5 Pr betont darüber hinaus, dass Urteils nicht etwa — wie heute üblich — primär
die persönlichen und sozialen Verhältnisse des Delinquenten entscheidend waren. Ausschlag-
gebend war vielmehr die Intensität, mit der sich Freunde und Ver- wandte für ihn um Strafnachlass
bemühten.!6 Will man diese Äußerun- gen zusammenfassen, kann man die Gnadenbitte zum einen
als Teil des Verfahrens betrachten, zum anderen waren bei der Bitte um ein mildes Urteil nicht die
‚persönlichen Verhältnisse‘ des Delinquenten das zent- rale Argument, sondern die Zahl und das
Gewicht derjenigen, die für ihn einzutreten bereit waren. 179

Zwei Erklärungen für Strafnachlasspraxis


Zum einen wird auf die Schwäche der Exekutive hingewiesen, die die Admi- nistration der
vormodernen Stadt kennzeichnet und eine Durchsetzung von Urteilen mit polizeilichen Mitteln kaum
ermöglichte. Zweitens
etont man, dass das Gewähren von Gnade ein königliches bzw. fürstli- ches Verhalten darstellte und
sich der städtische Magistrat damit als der territorialen Herrschaft ebenbürtig stilisieren konnte.!” 180

Die Legitimation im Verfahrensgang erfolgt also, so die These, durch eine selbstbindende Teilnahme
gerade auch des sozialen Umfeldes am Verfahren
Die der Fürbitte zugrunde liegende kommunikative Struktur stellte, so die Annahme, ein wesentliches
Moment zur Legitimation des Gerichts dar. Denn strukturell geschen geht es darum, über die
Gnadenbitte das soziale Umfeld für ein Eingagement im Prozess zu gewinnen. Engagierte Teilnahme
bedeutet aber zugleich (implizite) Anerkennung des Verfahrens; für den Delinquenten, aber hier
eben auch für seine Freunde und Verwandten ist es dann schwerer (aber natürlich nicht unmöglich),
ihre Distanz zu der gerichtlichen Entscheidung zu kommunizieren, an deren Zustandekommen sie
selbst mitgearbeitet haben. Die Legitimation im Verfahrensgang erfolgt also, so die These, durch eine
selbstbindende Teilnahme gerade auch des sozialen Umfeldes am Verfahren. Dieses Einbeziehen des
Umfeldes ist dann, um vorzugreifen, dem unten unter dem Stichwort „Ausdifferenzierung“
beleuchteten weitgehenden Ausgrenzen der Bekannten und Verwandten gegenüber zu stellen. 181

Gnadengesusch als Druckmittel gegen Rat (Zürich)


In Zürich kam es dagegen 1489 zu Unruhen, als Hans Stemmily trotz Fürbitte nicht sofort begnadigt
wurde. Stemmily selbst soll seinen Fürbittern vorgeschlagen haben, das Rathaus zu stürmen und die
Ratsherrn zu foltern. Der Rat zeigte sich diesen Argumenten gegenüber aufgeschlossen und beugte
sich dem Druck der ‚Bittsteller‘. 182

Eidhelfer,
Eidhelfer, die in Zahlen von zwei, sechs und mehr für die Partei eintraten. Das Institut der Eidhelfer
scheint, soweit sich sehen lässt, im Verlauf des 14. Jahrhunderts mehr und mehr durch den
allgemeinen Leumund einer Person abgelöst worden zu sein.
Bekanntlich ist es nicht primär das Ziel des Gerichts, durch die Eidhelfer — meist sind es sechs —
Informationen über die zu entscheidende Sache zu erhalten (etwa Tathergang,
Eigentumsverhältnisse). Das Gericht erfährt aber, wer aus der Gerichtsgemeinde bereit ist, „durch
die Verpfündung [seines] Seelenheils und somit [seiner] ganzen Persönlichkeit“ die Partei in ihrer
Rechtsbehauptung zu unterstützen; Planck, Gerichtsverfahren 2, 8. 45 ff. (Zitat $. 45), S. 55 ff. (zu den
Stadtrechten), $. 76 FE. (zu den Inhalten der Ride), $. 129 ff. (Zahl der Eidhelfer). 183

179
180 ebd., S. 141–142
181 ebd., S. 142–143
182 ebd., S. 143
183 ebd., S. 144
ebd., S. 147
Funktion der Fürbitte für das Verfahren
Von zentraler Bedeutung für die verfolgte Argumentation ist, dass das soziale Umfeld über die
Fürbitte zu einer aktiven Mitwirkung am Verfahren veranlasst wurde. Man bezog die „Freunde“ in die
Kommunikation über das Vergehen ein; sie nahmen damit am Gerichtsverfahren teil und ihr
Engagement spielte eine wich- tige Rolle bei der Zumessung des Strafmaßes. Durch seine aktive Teil-
nahme trug das soziale Umfeld, sicherlich oft ungewollt, zur Legiti-
ierung der Entscheidung bei und führte alle Beteiligten letztlich in die Selbstbindung. Dadurch waren
weitere Proteste nicht ausgeschlossen, aber es war schwieriger, bedurfte eines höheren
kommunikativen Auf-
wandes, vor sich selbst und anderen gegen ein Urteil aufzubegehten, an dem man selbst mitgewirkt
hatte.184

das spät- mittelalterlich-frühneuzeitliche Gerichtswesen darauf abstellte, im und durch das Verfahren
selbst Akzeptanz herzustellen, über die regulierte Partizipation, über die kommunikative
Einbeziehung auch des größeren sozialen Umfeldes in das Verfahren und die Entscheidungsfindung.
das spät- mittelalterlich-frühneuzeitliche Gerichtswesen darauf abstellte, im und durch das Verfahren
selbst Akzeptanz herzustellen. Anders als heute erfolgte dies jedoch — zunächst einmal — nicht über
die Isolierung der Parteien und der Bearbeitung des Konflikts in einem eigenständigen Diskursraum,
sondern über die regulierte Partizipation, über die kommunikative Einbeziehung auch des größeren
sozialen Umfeldes in das Verfahren und die Entscheidungsfindung. In diesem Sinne dürften neben
der Fürbitte auch Umstand und Leumund sowie das Stellen von Bürgen und Eidhelfern auf je
spezifische Weise zu einer Einbindung von Verwandten, Freunden und Nachbarn in den
Verfahrensgang ge- führt haben. Der zentrale Modus einer vormodernen „Legitimation durch
Verfahren“ wird damit gerade in einer solchen, mehr oder weni- ger regulierten, sich über die
Jahrhunderte durchaus wandelnden beziehung der gesellschaftlichen Umwelt in den gerichtlichen
Prozess- verlauf zu sehen sein.185

In Zürich warIn Zürich war nach 1424 die Zahl der Bittsteller eigentlich auf zehn beschränkt.
In Zürich war nach 1424 die Zahl der Bittsteller eigentlich auf zehn beschränkt. Aber hier, wie auch in
den anderen Städten, stellten diese
Regelungen keinen wirksamen Schutz gegen Eskalation dar, wie insbe-
sondere die Beispiele Henkin van Turne und Stemmily gezeigt haben. Die Gründe hierfür sind wohl
weniger in einer mangelnden Sozial-
disziplinierung des vormodernen Menschen zu sehen. In einer oft emo-
tional aufgeladenen Situation setzt die Regelung voraus, dass jemand aus
den zum Gericht oder Rat drängenden Verwandten, Nachbarn und
Zunftgenossen sechs oder zehn Personen auswählen und den Rest nach
Hause schicken konnte. Damit wäre in einer ähnlichen Situation wohl
auch heute jeder überfordert.186

184
185 ebd., S. 148–149
186 ebd., S. 149
ebd., S. 151
Die Herstellung von Recht und Gerechtigkeit galt als eine der zentralen Aufgaben des städtischen
Patriziats; über diesen Bereich legitimierte es seine dominante Stellung in der Stadt. Rechtswesen
und kollektive kommunikative Prozesse (Verfahren) als Element der Stadtwerdung
Ein wesentlicher Grund für diese Zurückhaltung spätmittelalterlicher Städte hinsichtlich einer
rascheren und durchgeformteren Ausdifferenzierung des Gerichtswesens scheint darin zu liegen,
dass dadurch der Stadt allgemein und ihrer sich im Rat konzentrierenden Führungsschicht im
besonderen ein zentrales, unersetzbares Feld kommunikativer Repräsentation genommen worden
wäre. Die Herstellung von Recht und Gerechtigkeit galt als eine der zentralen Aufgaben des
städtischen Patriziats; über diesen Bereich legitimierte es seine dominante Stellung in der Stadt. Aber
damit nicht genug. Unabhängig davon, ob man der These, die Stadt sei aus der Gerichtsgemeinde
hervorgegangen, zustimmt oder nicht, wird man hierin sicherlich ein wichtiges Moment des
Stadtwerdungsprozesses sehen können. Von ihrem Selbstverständnis her war die Stadt auch im
Spätmittelalter mehr als eine bloße politische Institution, sondern — das bedarf keiner näheren
Erläuterung — verstand sich eben als religiös fundierte Rechts- und Wertegemeinschaft. Nach innen
und außen — gegenüber den Bürgern und gegenüber dem Stadtherrn — fand der Diskurs über
kommunale Autonomie und Unabhängigkeit wesentlich auf dem Feld des Gerichtswesens statt.
Bestimmungen, die die Inanspruchnahme der Bürger von geistlichen Gerichten oder Femegerichten
verhindern sollten,” ebenso wie die Auseinandersetzung mit dem Stadtherrn um Einfluss und
Zuständigkeit bei der Rechtspflege sind keine Kölner Besonderheiten.”! Wenn zudem durch das
Fehlverhalten eines einzelnen immer auch die gesamte Stadt betroffen war — man denke an das
Fluchen der Heiligen, das Unheil und Gotteszorn über die gesamte Gemeinschaft herauf beschwor —,
ist es trotz der beschriebenen Gefahren schwer vorstellbar, dass sich innerhalb der Stadt ein eigener,
separater Diskursraum aufspannen ließ, der sich weit- gehend unabhängig von religiös-politischen
Kommunikationsfeldern nur auf die Bearbeitung von Konflikten konzentrierte, Die Kommunikation
über das städtische Selbstverständnis einer, wenn man so will, ‚ganzheitlichen‘, religiös fundierten
Bürgergemeinschaft artikulierte sich wesentlich eben auch über den wichtigen Bereich des
Justizwesens. Erst ganz allmählich erschließt sich die Kommune eigene Kommunikationsräume (man
denke etwa an das Schützenwesen), die zwar nicht ausschließlich, aber doch vornehmlich das Thema
„städtische Identität“ akzentuieren.187

1.7. Ruoff Blut- oder Malefizrat

Ausverkauf von Reichsrechten durch Wenzel


Dass auch zahlreiche schweizerische Gemeinwesen an dem Ausverkauf von Reichsrechten durch
Wenzel teilnahmen war längst allgemein bekannt, hier aber wurde wohl erstmals ein¬ dringlich auf
die Möglichkeit auch schweizerischer, formell echter, aber in fehlerhaftem Verfahren entstandener
und daher anfechtbarer Privilegien Wenzels hingewiesen. 188

Beschluss von Bürgermeister und Räten vom 4. Februar 1405, blutgerichtsbarkeit an sich zu ziehen
Beschluss von Bürgermeister und Räten vom 4. Februar 1405, nach dem «all die nütz und hören»,
hinfort der Stadt zufallen sollen und ihr bleiben «all g gült so einem Vogt von Zürich von des richs
wegen zuo gedie wile, so die selb vogty von gemeiner statt nicht erlöset ist». 189

187
188 ebd., S. 160
189 Ruoff, Der Blut- oder Malefizrat in Zürich von 1400-1798, S. 573
ebd., S. 573–574
Übergabe Blutgerichtsbarkeit an Zürich 24.06 1400
Ich will das hier in bezug auf das bekannte Privileg des Königs, mit dem er am 24. Juni 1400, also
kerne zwei Monate vor der Absetzung, Zürich die Reichsvogtei, die Wahl des Reichsvogtes und die
Blutbannleihe übergab,190

Entwicklung Gerichtswesen Zürich bis 1400


Die Entwicklung war bis 1400 soweit gediehen, dass bei Malefizfällen sicher in der Regel nicht mehr
die Parteien den Beweis erbrachten, sondern dass der Rat mittels einer Untersuchung den
gefangenen Täter seiner Schuld überführte. Zur Erreichung dieses Zieles wendete er seit kurzem auch
die Folter an. Hingegen war die eigentliche Verurteilung — einige Ausnahmen im letzten Jahrzehnt
dürfen wir hier wohl übergehen - nach wie vor Sache des Weiteren Vogtgerichtes, das heisst des
Hohen Gerichtes des Reichsvogtes, das auf dem Lindenhof zusammentrat. Dort wickelte sich nun ein
Verfahren äusserlich ganz in landgerichtlicher Weise ab. 191

Noch immer traten vor Gericht Parteien auf …


Noch immer traten vor Gericht Parteien auf, als Kläger zum Teil die Verletzten oder Geschädigten
selbst, zum Teil aber auch bereits, sozusagen als Vertreter der durch die Missetat verletzten
Öffentlichkeit, der Bürgermeister. Auf der anderen Seite erschien auch der Täter, durch die Stadt
vorgeführt, gefangen allerdings, aber im Verfahren äusserlich alle die Rechte geniessend, die im alten
Klageverfahren den beiden Parteien gleichmässig zustanden. Der Reinigungseid war ihm weitgehend
verlegt. Es blieb ihm nach der Überführung durch den Rat eigentlich nur das Geständnis. Gestand er
nicht, so kannte man aus dem Übersiebnungsverfahren ja auch eine Art Zeugenbeweis, den man nun
so anwendete, dass die Ratsmitglieder, die die Untersuchung geführt hatten, das Ergebnis derselben,
wohl in der Regel ein Geständnis, in Form eines gültigen Zeugnisses ein¬ brachten. Auf Grund von
Geständnis oder Zeugnis erfolgte dann die Verurteilung. Wir haben also ein ausgebildetes
Untersuchungsverfahren, den Inquisitionsprozess in der Form nur des alten Klageverfahrens vor
uns.192

Zusammensetzung Gericht vor 1400


Auch stand vor 1400 offenbar der Ausgang des Verfahrens vor dem Vogte keineswegs immer fest. Es
gab eigentlich gar kein Reichsvogteigericht, sondern im Grunde genommen nur einen Reichsvogt, der
sein Gericht bei jeder Sitzung neu aus dem Umstand zusammenstellen musste. Dass er dabei in
erster Linie die anwesenden Honoratioren berücksichtigte, scheint mir aus den Anschauungen der
Zeit heraus selbstverständlich zu sein. Bekannt ist aus den Stadtbüchern die Bestimmung von 1341,
nach der jedes Ratsmitglied und jeder Fürsprech gebüsst werden soll, falls er der Aufforderung, auf
den Hof zu gehen, wenn man über jemanden richten wdl, nicht nachkommt. Dem Zusammenhang
nach scheint es der Rat selber gewesen zu sein, und nicht etwa der Vogt, der die Räte und
Fürsprechen «dar rufen wurden. Auf diese Weise erhielt er Einfluss auf das Gebot», die dann wohl in
erster Linie in den engern Umstand beschehen. 193

Gefahr, das Öffentlichkeit sich in Verfahren einmischt,


Ob nun noch ein Zustimmungsrecht des Volkes bestand oder nicht, der Fall zeigt schlaglichtartig die
Gefahr der Einwirkung der « Strasse », verfahren findet daher später drinnen statt 194

190
191 ebd., S. 573
192 ebd., S. 575
193 ebd., S. 576
194 ebd., S. 576–577
ebd., S. 577–578
Wie sah nach 1400 das Verfahren aus, zeitgenössische Beschreibung A 43,1;
Michael Stebler, gen Graf aus Stockach, kaiserlicher Notar und Geistlicher der Diözese Konstanz, ein
sehr tüchtiger Beamter, aber von antieidgenössischer Gesinnung, war von 1428 bis 1443, wo er bei
Sankt Jakob an der Sihl fiel, Stadtschreiber von Zürich.
A 43,1; 4 Seiten. Eine sprachlich modernisierte und von einem Kommentar
durchsetzte Ausgabe besorgte Albert Rosenberger unter dem Titel: «Die Zürcher Blutgerichtsordnung
des XV. Jahrhunderts», im Zürcher Taschenbuch für das Jahr 1927. Nur den Kern der Ordnung, dafür
wissenschaftlich zulänglich, ver¬
öffentlichte Ernst Gagliardi in seiner Sammlung: «Dokumente zur Geschichte Hans Waldmanns»,
Quellen zur Schweizer Geschichte, NF, Akten Bd. II, 1913, S. 31, Anm. II. 195

Zuerst Untersuchung, die von zwei Gliedern des Neuen oder notfalls des Alten Rates, was der
Gefangene gesteht, sehr genau (eigenlich) aufschreibt.
Zuerst ist in einem kurzen Abschnitt die Rede von der Untersuchung, die von zwei Gliedern des
Neuen oder notfalls des Alten Rates durchgeführt wird. Wie, wird nicht gesagt, lediglich, dass man
das, was der Gefangene gesteht, sehr genau (eigenlich) aufschreibt. 196

Ablauf Rechtstag
197

1.8. Pohl – She was killed wretchedly

emerging courts in medieval Europe coexisted with systems of vengeance and peacemaking
Rather than replacing private mechanisms of dispute resolution, emerging courts in medieval Europe
coexisted with systems of vengeance and peacemaking, and not always in a way that favored the
former. Litigants could use the courts as just another form of vengeance, adding the possibility of
stigmatizing their enemies in a public forum to physical violence. In a recent study on the justice
system in fourteenth century Marseille, Daniel Smail has argued that a prominent blood feud that
tore the city apart in the 1350's was actually aided by the courts, because they gave contestants an
opportunity for the "telling of a history" (Smail, 1997, 187). This public fashioning of tales of violence
solidified party lines, as each faction created a group memory that justified their pursuit of
vengeance and blackened their opponents. 198

study of sixteenth century remission letters, Natalie Zemon Davis analyzes the compromise that
symbolizes an exchange between state authority and defendants.
At times, this language can represent a compromise that symbolizes an exchange between state
authority and defendants. In her study of sixteenth century remission letters, Natalie Zemon Davis
analyzes the parameters of such an exchange. The French kings made concessions to the culture of
violence by extending the possibility of a pardon to slayers. While the government thus indirectly
sanctioned the use of violence in French disputing culture, defendants had to play by the rules of the
state. The procedure defendants had to follow in order to obtain a remission letter underscored the
authority of the king and his ultimate claim to a monopoly on the execution of violence; and in these
195
196 ebd., S. 578–579
197 ebd., S. 579
198 ebd., S. 580
Pohl, She was killed wretchedly and without a cause, S. 248
letters, slayers could not tell their stories like a "hero in a folktale showing his strength," but had to
distance themselves from their violence (Zemon Davis, 1987, 57). 199

Aufgaben des Ratsgerichts


This court settled disputes ranging from quarrels over debts to verbal and physical injury. It was also
the only court that adjudicated grave breaches of the peace, like homicides. 200

Wer verwendet das Ratsgericht hauptsächlich


Accusers and perpetrators who appeared before the court were seldom marginal citizens, but
respectable, tax-paying citizens; guild members or their apprentices. Those too poor to pay the tax
that granted citizenship or lacking respectable professions, day laborers or vagrants, rarely made use
of the Ratsgericht to settle their disputes. The underprivileged helped instead to make up the
bloodier chapters of the history of the Ratsgericht. Easily labeled as perpetrators of dishonorable
violence, of murder, highway robbery, and theft, they are. the most frequent protagonists of
execution verdicts. Members of the nobility were also apparently subject to a different code, as they
rarely appeared in front of the court. 201

The overwhelming majority of the protagonists of fifteenth-century …


The overwhelming majority of the protagonists of fifteenth-century homicide cases thus are
members of the middle and upper-middle stratum of society. They were also mostly male - both as
victims and perpetrators. Violence and its accusation before the court was the domain of honorable
men of relatively equal status.202

stereotypical pattern. The family of the victim tried to stigmatize the slayer and his act as much as
possible in order to obtain a heavy punishment.
Accusations in homicide cases in front of the Zürcher council court commonly followed a rather
stereotypical pattern. The family of the victim tried to stigmatize the slayer and his act as much as
possible in order to obtain a heavy punishment. 203

unterscheidung ehrehafte und unehrenhafte gewalt so wie graubereiche


Accusers utilized a cultural distinction between dishonorable and honorable violence that also
influenced the legal categorization of slayings. Violence was considered an acceptable and even
expected tool to defend male honor. Killings that occurred during a heated dispute were classified by
the court as honorable manslaughter. Slayings committed in secret or with a reprehensible
motivation were considered murder. Honorable manslaughter was punished with a monetary fine
and was not morally condemned by the judges. Yet honorable violence demanded honorable
vengeance, and judges granted private parties the right to chose between blood vengeance and a
negotiated financial settlement for the slayer. This was not an option in the case of murder:
murderers were crushed with the wheel, a punishment that shamed their families as well. Between
honorable manslaughter and murder, a third category existed. Slayings that took place in public, but
without a justifiable cause were considered dishonorable, if not murder. 204

199
200 ebd.
201 ebd., S. 249
202 ebd.
203 ebd.
204 ebd., S. 250
ebd.
by 1468, the court had developed a legal …
by 1468, the court had developed a legal category for such slayings - dishonorable manslaughter. The
punishment was execution with the sword. 205

Was erhoffen Anklagende sich


An accusation in front of the court could result in a heavy fine for the slayer, permission to pursue
blood vengeance, and perhaps even the death penalty. An accusation was also a chance to slur the
reputation of the slayer, by proclaiming in a public forum that he had killed dishonorably. 206

friends and families of the deceased commonly started a gossip campaign through which they spread
rumors that the killing had been less than honorable.
friends and families of the deceased commonly started a gossip campaign through which they spread
rumors that the killing had been less than honorable. 207

If there was a significant difference in social status, judges paid less attention to the circumstances of
a slaying and tended to be lenient towards those of higher status.
If there was a significant difference in social status, judges paid less attention to the circumstances of
a slaying and tended to be lenient towards those of higher status. The social status of the slayer may
have influenced the language of Johann Nell's accusation. Probably, Nell would have liked to spice his
accusation with condemnatory adjectives but did not dare to use stronger language against the noble
slayer Huenenberg.208

Quellenbeispiele für milde vorgetragene klagen gegen höhere


The accusation of Hans Appenzeller against the city constable Heini Etter is fairly neutral as well. The
victim was a woman and Appenzeller's wife. The constable killed her under extremely dubious
circumstances, in defiance of his oath to help maintain the city peace. He broke into Etter's house
while he was drunk and killed the defenseless woman. But Appenzeller's accusation nevertheless
lacks judgemental adjectives. He merely told the court that "Heini Etter had stabbed and killed his
wife Nesi in his own house and he asked that Heini Etter be punished for a manslaughter".6 In 1474,
Ruedi Hirny lacked assertiveness when he accused the slayer of his wife. Uely Luety had entered
Ruedi Hirny's house at night, killing Anna Hirny while she was lying in bed with her small child. But
Ruedi Hirny did not exploit these facts to the fullest in order to stigmatize the slayer. His accusation
included judgemental adjectives, such as that the slaying had been "undeserved and without a
cause" and that the slayer had killed his wife "poorly and wretchedly" ("unverschult und unverdient"
StaZH, B VI, 229 fol. 127r). Yet he also told the court that he and his relatives "did not know how such
a case should be judged, how high or how severe a punishment they should ask for. They felt
themselves to be simpleminded, but it seemed that such a slaying should be considered to be more
grave than a manslaughter. When an innocent wife is killed, it appears to them that everyone should
have the right to peace and quiet, therefore there was no merit in this affair. They gave it to my lords
to judge how high a punishment they should ask for and how this should be judged according to the
laws of the city of Zürich".7 Ruedi's statement implied that he considered the slaying dishonorable,
but the self-confident tone and demand for the death penalty that is typical of other accusations is
lacking.209

205
206 ebd., S. 251
207 ebd.
208 ebd.
209 ebd., S. 252
ebd., S. 252–253
The council was in general willing to punish slayers of women less severely than slayers of men.
The council was in general willing to punish slayers of women less severely than slayers of men. 210

Manslaughter that was not preceded by an open quarrel was dishonorable.


Manslaughter that was not preceded by an open quarrel was dishonorable. 211

four times the manslaughter fine: 40 Marks.


four times the manslaughter fine: 40 Marks.212

These: judges did not consider it their responsibility to pursue violence against women to the fullest,
because the bodies of the women were primarily the responsibility of their male relatives.
the judges did not consider it their responsibility to pursue violence against women to the fullest,
because the bodies of the women were primarily the responsibility of their male relatives. Men were
ceded a large amount of control over the bodies of their wives, sisters, and daughters. They had the
legal right to use violence to punish them (Burghartz, 1990, 142). A striking example of this right is
the legal regulation of adultery in Zürich: A husband could kill his wife and/or her lover with impunity
if he found them in flagranti (see for example StaZH, B V, I 244, fol. 11 lr). This amount of control over
female bodies probably accounts for the fact why there are so few cases of domestic violence that
came in front of the council court. If they were brought in front of the court, the judges tended to be
very lenient. Burghartz cites a case in which a woman died from the beating her husband gave her,
but the husband was acquitted and the court stated explicitly that she had died from "natural
causes" (Burghartz, 1990, 145).213

While violence was an accepted response for men to defend their honor, it brought no honor to
women.
While violence was an accepted response for men to defend their honor, it brought no honor to
women.214

Women's honor was primarily bound up with how well they were able to keep their sexual purity
intact.
Women's honor was primarily bound up with how well they were able to keep their sexual purity
intact.215

the right of men to punish the female members of their families might also have included a duty and
a prerogative to protect them from the violence of other men. Apparently, the court was reluctant to
interfere with this duty.
But while violent women were punished harshly, men who violated women's bodies could expect
relative leniency. Perhaps this was because the right of men to punish the female members of their
families might also have included a duty and a prerogative to protect them from the violence of
other men. Apparently, the court was reluctant to interfere with this duty. 216

210
211 ebd., S. 253
212 ebd.
213 ebd.
214 ebd., S. 254
215 ebd.
216 ebd.
ebd.
Men who brought charges against other men who had injured women of their families were in a way
compromising their authority by admitting to their failure to protect these women thus explaining
the deferential language of the accusations.
Men who brought charges against other men who had injured women of their families were in a way
compromising their authority by admitting to their failure to protect these women thus explaining
the deferential language of the accusations. 217

narrative strategie um den bias des Ratsgerichtes auszunutzen


accusers knew: if it was true that judges did not punish harshly if the perpetrators were of high social
status or the victims were women, they also knew that in Zurich's culture of violence there was little
honor in killing an innocent and defenseless victim. Violence was shameful, if it was unequal, if it
constituted an abuse of authority.218

gain the sympathy of the court by focusing on the very weakness of the female body, dependent on
male protection.
They tried to gain the sympathy of the court by focusing on the very weakness of the female body,
dependent on male protection. Their testimony differs from the testimony found in cases in which
the victim was a man. The actual violence is represented differently because the women's testimony
expresses a stronger emotional concern for the victim and a different representation of the body. 219

Counting Wounds and the Body Suffering


220

Witnesses usually report violence with a casual tone …


Witnesses usually report violence with a casual tone that seems to confirm conventional stereotypes
about the "violent tenor of life" in the middle ages and the indifference to it 221

Funktionsweise Ehre
honor was in the eye of the beholder and one's identity and social status depended on the amount of
honor the community was willing to grant to an individual. A public insult, according to Hans De
Waardt, threatened one's identity, which was dependent on the malleability of community opinion.
It threw the contestants into a 'liminal state,' and immediate measures had to be taken to 'refirm'
the violated boundaries of one's personhood (de Waardt, 1995). A man's honor was closely linked to
his ability both to keep his body inviolate end to use violence to defend his reputation (Spierenburg,
1999, 5-6).222

Violence was a communication tool …


Violence was a communication tool, a language understandable to all bystanders: 223

217
218 ebd., S. 255
219 ebd.
220 ebd.
221 ebd., S. 256
222 ebd.
223 ebd.
ebd.
fights ended when one lost honor and the other gained it. It was therefore not enough to repay the
opponent in kind, contestants sought to top the insults.
Such fights were in the nature of a competitive exchange. The contestants tended to act as if honor
was a scarce commodity, as if there was not enough honor to go around, fights ended when one lost
honor and the other gained it. It was therefore not enough to repay the opponent in kind,
contestants sought to top the insults. 224

details bei beschreibung der verletzungen und hergangs dienen der beantwortung moralischer
fragen,nicht um empathie zu wecken
The witnesses recounted in detail the exchange of wounds and insults. This minute attention to the
specifics of the fight conveyed to the judges that a homicide was preceded by a competition for
honor, and they judged these slayings accordingly as honorable manslaughters. The terse statements
of the witnesses are not a sign of neutrality or indifference, but a moral judgment - that this violence
was justifiable and honorable. But while the statements of the witnesses circle around the bodies of
the contestants, the suffering body is not present in these accounts. Cuts and gashes are
conscientiously enumerated, but empathy with the victim, or grief at their suffering, is absent. But
whether a contestant suffered or not, was not what was important. What was critical was if he had
acted in a culturally accepted way that would have restored his honor. 225

StaZH, B VI, 209, fol. 329r In 1431, Hans Merkli had killed his wife Anna, and her aunt brought the
case in front of the court.
In 1431, Hans Merkli had killed his wife Anna, and her aunt brought the case in front of the court. 226

there is actually a literary convention of telling a story of unjust violence as a mockery of an


execution
there is actually a literary convention of telling a story of unjust violence as a mockery of an
execution.227

describe this instance of violence in a way that appealed to a cultural understanding that violence
that constitued an abuse of authority was wrong.
describe this instance of violence in a way that appealed to a cultural understanding that violence
that constitued an abuse of authority was wrong. 228

StaZH, B VI, 207, fol. 60r-60v, 97r-98v


mordklage, empathie strategie229

effektivität der empathischen narrativen strategie


Judgment in Zürich was the result of a negotiation as the judges carefully considered the cultural
division of violence into honorable and dishonorable deeds as well as the social position and gender
of victim and slayer. If accusers deferred more strongly to this latter standard of adjudication,
witnesses could use a language that emphasized the shamefulness of the slaying without openly
labeling the slaying as dishonorable. Judges valued community opinion as well. The court sought to

224
225 ebd.
226 ebd., S. 257
227 ebd.
228 ebd., S. 259
229 ebd.
ebd., S. 261
restore consensus and harmony among citizens. Punishment was often a compromise as judges tried
to satisfy different standards of adjudication. I 230

1.9. Cummins Kounine - Confronting Conflict in Early Modern Europe

Kritik an Huizinga und Elias Zivilisierungs- und Emotionalitätstheorie


Johan Huizinga’s work was the most famous illustration of these putatively ‘hot’ medieval emotional
styles, and Norbert Elias described the process of restraint in his Civilizing Process. Yet now such
narratives of change are routinely discussed with scepticism rather than accepted as accurate
descriptions of the uniform growth of modernity. 231

extra-legal mediation and vengeance (or other ostensibly ‘unrestrained’ practices) as providing order
and delivering forms of justice.
extra-legal mediation and vengeance (or other ostensibly ‘unrestrained’ practices) as providing order
and delivering forms of justice.232

Vengeance was a satisfying way of settling scores that, as a process, naturally included conciliation at
its very core.
Vengeance was a satisfying way of settling scores that, as a process, naturally included conciliation at
its very core.233

the growth of law and courts has been interpreted not as a story of effective repression but rather as
a result of the growing financial and emotional attractions of legal process.
the growth of law and courts has been interpreted not as a story of effective repression but rather as
a result of the growing financial and emotional attractions of legal process. In this view, state
formation is consumer-led. The decline in private revenge is no longer explained only by the rising
costs of illicit violence but also the emotional, fiscal and strategic uses of legal action.8 234

he ways in which disputes and discord were dealt with could vary from person to person and across
regional, national and religious borders, as well as over the overlapping jurisdictions within states.
The methods and resources available to pursue enmities, to make peace and to resolve conflict
depended on gender, social standing and age.
In early modern Europe the ways in which disputes and discord were dealt with could vary from
person to person and across regional, national and religious borders, as well as over the overlapping
jurisdictions within states. The methods and resources available to pursue enmities, to make peace
and to resolve conflict depended on gender, social standing and age. Despite variation, many
institutions and practices were shared; conflicts could provide moments in which states and
institutions became manifest in the lives of Europeans. Reconciliation could be both a formal and
informal process. The pursuit of conflict and its resolution, moreover, as the contributions to this
volume show, could involve whole villages, and all manner of personnel including local magistrates,
legal faculties, priests and pastors, government officials, nobility and even the Pope. It was also a
deeply gendered process.14 Men and women had different methods of pursuing both conflict and
230
231 ebd.
232 Cummins/Kounine, Cultures of conflict resolution in early modern Europe, S. 1
233 ebd., S. 2
234 ebd.
ebd.
peace and could have varying experiences of legal and communal processes.15 Peacemaking as
practice included the agreement of more or less formal peace pacts between individuals or
families.235

internationale Forschungsliteratur zu genderspezifischen Konfliktführungspraxis


Laura Gowing, ‘Women, Status and the Popular Culture of Dishonour’, Transactions of the Royal
Historical Society, 6 (1996): pp. 225–34;
Elizabeth Cohen, ‘Honor and Gender in the Streets of Early Modern Rome’, Journal of
Interdisciplinary History, 22/4 (1992): pp. 597–625;
Linda Pollock ‘Honor, Gender and Reconciliation in Elite Culture, 1570–1700’, Journal of British
Studies, 46 (2007): pp. 3–29.
Laura Gowing, Domestic Dangers: Women, Words, and Sex in Early Modern London (Oxford, 1998);
Ulinka Rublack, The Crimes of Women in Early Modern Germany (Oxford, 1999);
Alexandra Shepard, ‘Manhood, Credit and Patriarchy in Early Modern England c. 1580–1640’, Past
and Present, 167 (2000): pp. 75–106;
Robert B. Shoemaker, ‘The Decline of Public Insult in London 1660–1800’, Past and Present, 169
(2000): pp. 97–131;
Elizabeth A. Foyster, Manhood in Early Modern England: Honour, Sex and Marriage (London,
1999).236

1.10. Jordan Rethinking Disputes and Settlements

what is legal anthropology?


what is legal anthropology? At its core, it is a methodological approach that attempts to identify
rules, whether legal or otherwise, and to observe how they inform, guide and constrain behaviour. At
the same time, it considers these questions from a human perspective, and asks how people ignore,
adhere to or improvise around rules. Such research is not restricted to courtrooms and other legal
domains. As one of its leading practitioners, Sally Falk Moore, described it:
An anthropological approach to law inquires into the context of enforceable norms: social, political,
economic, and intellectual. This includes, but goes further than, what Western governments and
courts define as law. In anthropology,
while the ‘socio-legal’ includes formal juridical institutions and their social
surroundings, it also encompasses law-like activities and processes of establishing mal, official and
unofficial, surroundings, it also encom order in many other social domains, formal and informal,
official and unofficial, in our own society and in others.* 237

how a case appears before a court is not necessarily representative of how the original quarrel was
experienced or conceived by the participants.
Some of its findings are now well accepted as basic methodological premises. One in particular is the
shaping power of the law, a concept discussed by Roberts in Disputes and Settlements: specifically,
235
236 ebd., S. 4
237 ebd.
Jordan, Rethinking 'Disputes and Settlements', S. 17–18
that how a case appears before a court is not necessarily representative of how the original quarrel
was experienced or conceived by the participants. For a case to appear before a court, the disputants
must present it in a manner that the court will be prepared to hear (which may differ from the
quarrel’s original substance). Other aspects of linguistic research look at judicial testimony and the
stories that people tell in court.” In more recent years, as in legal anthropology more generally,
research has begun to focus on power: how power operates in everyday legal settings, and ‘the
linguistic mechanisms through which power is realized, exercised, sometimes abused, and
occasionally subverted’*238

Was ist ein social field


‘The social field is the small domain, rather than society as a whole, that is observable by the
anthropologist. Society consists of a plethora of social fields that are constantly interacting,
overlapping and interdependent in numerous d fields simultaneously. A social field’s boundaries are
defined by dimensions. Individuals inevitably belong to and operate in several social by a processual
a processual characteristic: che ability to ‘generate rules and coerce or induce compliance to charact
them?» Its composition, whether a corporate group or network of individuals, is not relevant to its
boundaries. This internal capacity to generate rules and ocial field irs boundaries a semi-autonomous
social field irs boundaries induce compliance is what gives and its relative auto can generate rules
and. customs and symbols internally ... itis also vulnerable to hich and its relative autonomy. Moore
casts it as semi-autonomous because, while ‘it itis also vulnerable to can genera rules and decisions
and other forces emanating from the larger world by which tal body rules and decisions and it is
surrounded’ The larger social matrix can be a court, a governmental body or simply a social field with
greater hegemony.239

Moore's social field model


Moore’s model is a potent and effective paradigm for investigating legal ad social change. It gives the
anthropologist (or the historian) the framework to investigate norm enforcement, rule-making and
compliance among the myriad small social groups that dominate everyday life while simultaneously
taking into account the larger, exogenous, hegemonic forces (such as state Jaw) that can directly or
indirectly impact the social field being studied. 240

[Legal] anthropologists are likely to ask the following questions


[Legal] anthropologists are likely to ask in some specific setting about power, control and justice: who
makes the rules, who can undo them, how are they normalized and enforced, and how are they
morally justified. In addition, they ask, what lies outside of the norm-governed domain and is open to
individual or group improvisation? How does this optional domain of behavior intersect with the
mandatory? How do people evade the norms and do they get away with it?” 241

Court records are one of the best - and, at times, the cour only- sources to access the world, thoughts
and even words of non-elites.
Court records are one of the best - and, at times, the cour only- sources to access the world, thoughts
and even words of non-elites.242

238
239 ebd., S. 27
240 ebd., S. 27–28
241 ebd., S. 28–29
242 ebd., S. 29
ebd., S. 30
Überblick über Forschungsarbeiten zum Gebrauch von Gerichten und Verfahren, Handeln der
Akteure in dieses Systemen
243

egal cases that abruptly break off without a court verdict


the large number of medieval and early modern legal cases that abruptly break off without a court
verdict, or at least without a a recorded one, Many historians interpret this to mean that launching a
suit was a bargaining gambit, a tactic designed to pressure an adversary to accept an extralegal
settlement rather than face a potentially more punitive court sanction. In arriving at such an
interpretation, historians me was) have placed great emphasis on the role (they can only presume
was) played the extralegal realm - a realm for which sources rarely survive.” 244

every judicial document in a case is a tissue of lies


It could well be argued that every judicial document in a case is a tissue of lies:
defendants reconstructing theit past to make it seem as innocent as possible;
accusers recasting events to make the accused seem as guilty as possible;
investigators working to fit individuals and events into preconceived notions of
crime; witnesses shaping their testimony because of animosities, friendships, the
desire to please the powerful, or the need to thwart them.” 245

lies can be a potent source revealing contemporary understandings of popular and judicial reasoning,
and what people thought judges could be induced to believe.
lies can be a potent source revealing contemporary understandings of popular and judicial reasoning,
and what people thought judges could be induced to believe. 246

Modell der Sozialen Kontrolle und Forschungen dazu


The sociological concept of social control has a sizeable following, especially within German
historiography; one can hardly name a German study of crime that does not employ it. Definitions
vary, but the central idea is to investigate how society reacts to behaviour it considers deviant.” The
core concept is what its practitioners call the labelling approach: that is, behaviour only becomes
deviant when society labels it as such and takes clear steps against it.” Like legal anthropology, it is
an investigatory model that seeks to draw the historian’s gaze beyond legal institutions and into
social life.247

3 Probleme mit der Anwendung des Soziale Kontrolle Modells


three major shortcomings. First, it is rarely clear whose notion of deviance is being used. Most
historians indicate they focus on how contemporaries or society reacted to deviant behaviour. This
approach simplistically presupposes that conceptions of deviance were homogeneous across society,
or that a univocal concept of deviance existed — or else it simply ratifies the concept imposed by
those in power.” Second, as Marilyn Strathern showed many years ago, in any quarrel there is
significantly more going on than just the application of the label of deviance. Between the involved
parties (and their social neeworks), there is a larger field of exchanges and transactions that are of
243
244 ebd., S. 30–32
245 ebd., S. 32
246 ebd., S. 34
247 ebd.
ebd., S. 35–36
equal, if not greater, importance in understanding the dynamics.” Third, the empirical basis for
theories of social control have come from sociologists working on twentieth-century communal
outsiders, such as juvenile delinquents, thieves and other marginal figures.”
asocial individual as the subject of law is of recent provenance ... The danger of history or
anthropology simply reproducing modern ideology is plain.™ 248

1.11. Hürlimann - er hab vil klener kind

Gerichtsakten sind keine im Wortlaut geführten Protokolle sondern zusammenfassungen, verweis


auf fürsprecher
Gerichtsakten sind keine im Wortlaut geführten Protokolle, sondern nur Zusammenfassungen der
Aussagen, die der Gerichtsschreiber vermutlich nach der Verhandlung verfasste. Sie wurden
normalerweise geschrieben um das Zürcher Ratsgericht über die Vorgänge an den Gerichten in der
Landvogtei zu unterrichten. Es liegt im Wesen einer Zusammenfassung dass nur das Wichtigste
notiert wird. Auch der Gerichtsschreiber notierte nur, was ihm für den Verlauf der
Gerichtsverhandlung wichtig erschien. Deshalb sind uns die Argumentationen nur aus zweiter Hand
überliefert. Es muss davon ausgegangen werden, dass nicht alle vorgebrachten Argumente und
Aussagen überliefert sind, sondern dass der Gerichtsschreiber, was ihm irrelevant erschien,
weggelassen hat. Die sprachlichen Feinheiten in der Ausdrucksweise der Beteiligten können nur
beschränkt anhand der Gerichtsakten untersucht werden. Einerseits handelt es sich wie gesagt nicht
um wortgetreue Protokolle, andererseits war das mittelalterliche und frühneuzeitliche
Gerichtsverfahren durch eine grosse Formstrenge geprägt. Das Wort der Beteiligten galt
normalerweise als unwiderruflich, und kleinere Formverstösse wie Versprechen, Reuspern usw.
konnten zum Prozessverlust führen. Deshalb liessen sich sowohl Kläger wie Angeklagte durch einen
Fürsprecher vertreten, der in ihrem Namen vor Gericht aussagte. Dadurch wurden die Aussagen
schon während der Verhandlung gefiltert; der Fürsprecher war den Umgang mit Richtern gewohnt
und wusste, was nicht gesagt werden durfte.
Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte, Bd. 1, Sp. 1333, Artikel "Fürsprecher. 249

Tabelle zu Konflikte und die vor Gericht vorgebrachten Argumente in Greifensee


250

Gewohnheitsrecht
Rechtsansprüche konnten nicht allein durch Vorlegen einer Urkunde belegt werden. Im Gegenteil es
wurden jeweils Äsätzlich Zcugenverlangi,.diedas in der Urkunde fest- gehalterie Recht bestätigten.
bem ualtin b,uch und harkommsn', dem öewohnheitsrecht" kaÄ nach wie vor grosse Bedeutung zu
Anders ausgedrückt: Rechte, Ansprüche, Vorschriften etc' waren nicht nur recfitsgültig wenn es sich
um ein von der Obrigkeit festgelegtes, schrifilich ii*iertes Recht handelte. Das Gewohnheitsrecht ist
eine über längere Zeit in einer bestimmten Art gehandhabte-Rechtspraxis, die so- *oil dorch die
Untertanen als auch durch die Obrigkeit geprägt sein konnte. Es wurde normalerweise nicht
schriftlich aufgezeichnet, son- dern mündlich tradiert und im Gedächtnis festgehalten.
Veränderungen in der Rechtspraxis wurden mit der Zeit aus dem Gedächtnis elimi- niert12 Das
Gäwohnheitsrecht ist damit Teil einer mündlichen Kultur, die wegen der grossen Bedeutung des
Gedächtnisses auch als Gedächt- niskulär bezeilhnet wird. Es isi nicht grundsätzlich starr, wie in der
Volkskunde I angeZeitangenommen woid., und eine von einer mündli- chen Kultur gelpragte
248
249 ebd., S. 36–37
250 Hürlimann, "Er hab vil klener Kind", S. 71
ebd., S. 72
Gäe[schaft nicht zwangsläufig unflexibel und rückwärtsgerähttl' Im Gegenteil kann das
Gewohnheitsrecht auf
eine relativ fl exible Gesellschaftsordnung hinweisen. Gerade schriftliche Aufzeichnungen halten
einmal festgelegtes Recht genau fest, und das Recht muss deshalb bewusst geändert werden. In
einer mündlichen Kultur hingegen kann sich der Rechtsbrauch langsam ändern. Aus- schlaggebend
ftrr die Gültigkeit eines Rechts ist lediglich, dass bei Strei- tigkeiten in irgendeiner Form belegt
werden kann, dass das umstrittene Recht schon seit langer Z.eit so, wie behauptet wurde,
gehandhabt wurde.251

Übergang und Entwicklung von Schriftlichkeit im Verfahren


Das 75 . /76. Jahrhundert ist eine Übetgangszeit zwischen mündlicher und schriftlicher Kultur. Es
wurde immer mehr aufgeschrieben, aber gleichzeitig an gewissen Bräuchen einer mündlichen Kultur
festgehal- ien, so dass sich mündliche und schriftliche Kultur vermischten. Neben dem mündlich
tradierten Recht gewannen Urkunden, Offnungen", Rödel etc. immer mehr an Bedeutung. Zuerst
wurden Dokumente nur als Gedächtnisstütze angefertigt und damit die beim Rechtsakt anwe-
senden Zeugenleichter wiedergefunden werden konnten. Dann wurden sie auch als Beweismittel
akzeptiert. Das blosse Vorlegen einer Urkunde genügte im 16. Jahrhundert in der Landvogtei
Greifensee nicht, um eine dert 'W'eiterhin spielten Zeugenaussagen neben den
Forderung zu belegen.
Urkunden eine wichtige, in vielen Fällen die wichtigere Rolle 252

1.12. Schneider Types of peacemaking

Roberts: three forms of settlement processes - bilateral negotiation / mediation / umpirage


three forms of settlement processes which the legal anthropologist Simon Roberts described in his
essay in Disputes and Settlements: bilateral negotiation, mediation and umpirage. In bilateral
negotiations, according to Roberts, the parties in conflict resolve their quarrels directly themselves
without the intervention of any neutral peacemakers. They may, however, involve the presence of a
‘passive observer whose mere presence sanctions bilateral decision-making.
In a dispute settlement by mediation, a third party makes the rivals agree on a compromise. The
potential scope of action of conciliators in a mediation is wide. It ranges from peacemakers acting as
mere ‘go-betweens’ to their active participation in the peace talks. In other words, mediators can
restrict their activities to simply enabling communication between the disputants by forwarding
messages and presenting proposals of the rival parties. They can, however, also give advice, express
their opinion and present their own solutions to a dispute, In the end, the conflicting parties are free
to accept or reject the compromise reached.
This freedom of choice for the opponents is absent in the settlement by an umpire. In an umpirage,
Roberts elucidated, the disputants are subject to a legally binding decision taken by either an
arbitrator or an adjudicator. In Roberts's definition an arbitrator is a person to whom the opposing
parties had conceded this authority to take a binding decision. 253

251
252 ebd., S. 74–75
253 ebd., S. 75
Schneider, 'Types' of peacemakers, S. 79
Anklageverfahren, knapp zur funktion
One judicial form for settling legal disputes and repairing criminal offences in medieval and early
modern Europe was the accusatory process. Based on Roman civil law, this legal procedure required
victims to indict their offenders at the competent jurisdictional court as well as to prove their
accusation before a judge.”254

Arbitration - Schlichtungsverfahren als ressourcensparendere Alternative zu Klageverfahren


From the second half of the twelfth century onwards, the importance of arbitration as an alternative
to a decision by a ‘judge’ increased significantly in medieval legal practice, at first mainly in the areas
of modern-day northern Italy, Switzerland and southern Germany.” To those conflicting parties who
agreed to subject themselves to the judgment by a third party of their choice, arbitration offered the
advantage of being ‘less complicated, more flexible, faster and thus altogether fess expensive than
the ... often protracted procedure at the competent court’ which strictly followed legal and
procedural prescriptions." By the late Middle Ages, arbitration had become an important instrument
for the settlement of ‘private’ legal disputes not only in many parts of central and western Europe
but also in ‘public’ and ‘international’ conflicts in spite of difficulties in the enforcement of arbitral
verdicts.”255

1.13. Kounine the witch on trial

Mögliche Probleme bei Aussagegestützten Prozessen


Moreover, those involved in the trial — including the defendant, plaintiff and numerous witnesses -
could offer competing versions of the truth, also liable to change over the course of the trial. Those
on trial had to give an account of themselves in a highly formalized setting. They were forced to
remember and reconstruct events that they may have long forgotten. 256

Hexenprozesse: the trial process worked to solidify and concretize crime and conflict, rather than to
resolve it
In this sense, then, the trial process worked to solidify and concretize crime and conflict, rather than
to resolve it.257

1.14. Gilomen soziale Beziehungen

Der Historiker hat ja nie das tatsächliche Geschehen …


Der Historiker hat ja nie das tatsächliche Geschehen, die Tat selbst vor sich, sondern immer nur Texte
der Beteiligten, welche deren Sicht von der Tat vermitteln. 258

254
255 ebd., S. 80
256 ebd.
257 Kounine, The witch on trial, S. 233
258 ebd., S. 234
Gilomen, Soziale Beziehungen im spätmittelalterlichen Zürich. Neue Forschungen, S. 14
Vielfach folgt in den Zürcher Quellen dem Klageverfahren der einen Partei die Gegenklage der
anderen, und diese unterschiedlichen Konfliktdarstellungen werden dann noch durch
Zeugenaussagen ergänzt.
Vielfach folgt in den Zürcher Quellen dem Klageverfahren der einen Partei die Gegenklage der
anderen, und diese unterschiedlichen Konfliktdarstellungen werden dann noch durch
Zeugenaussagen ergänzt.259

Weshalb Gerichtsfälle untersuchen? Aufgabe der Historiker*innen


Es kann ohnehin nicht etwa darum gehen, dass durch den Historiker nachträglich auf Grund dieser
Texte das tatsächliche Geschehen rekonstruiert werden sollte, sondern es muss darauf abgezielt
werden, das Wertsystem und die Mentalitäten der Zeit, die Stereotypen der Wahrnehmung und die
Deutungsschemata in den Argumentationsstrategien der Konfliktparteien zu erfassen. Für die
Erklärung des Handelns der Menschen jener Zeit, also für die Kernaufgabe der
Geschichtswissenschaft, ist dies wesentlicher als die ohnehin unmögliche rein faktische
Rekonstruktion: wie sollte der Historiker darin klüger sein als die damaligen Richter? Die Menschen
handeln nicht auf Grund der nackten Fakten, sondern auf Grund ihrer immer schon
interpretierenden Wahrnehmung derselben. Deshalb sind die jeweiligen zeitgenössischen Raster,
deshalb ist die Unterscheidung der möglichen von den tabuisierten beziehungsweise von
anachronistischen Diskursen über die Fakten zur Erklärung des Handelns so entscheidend wichtig. 260

Ritualcharakter der Konflikthandlungen und -verläufe; Gegenthese zu Elias


für die Zeitgenossen gab es eine Voraussehbarkeit des Konfliktverhaltens. Das ergibt eine Analyse
des ritualisierten und stereotypen Verhalten in Alltagskonflikten, also der repetitiven Aspekte der
Delinquenz.4 Ritualisierte Formen zeigen sich vor allem bei der Wahrung von Sonderfrieden, des
Hausfriedens und des Stadtfriedens. Auch der Bruch zum Beispiel durch Heimsuchung und durch
Rügebräuche) erfolgte in geregelten Formen. Eine ganze Reihe von beobachteten Konflikthandlungen
waren mit symbolischer Bedeutung aufgeladen und erfolgten stereotyp: der schmähende Angriff auf
die Kopfbedeckung, die Entblössung, das Haaren, das Bewerfen mit Unrat, das Bespucken, das
Verlegen des Weges. Auch die gelegentlich fassbare Behinderung brauchtümlicher Rituale zum
Beispiel die Zerstörung von Maibäumen) war symbolische Provokation. Erkennbaren Regeln
gehorchte auch der Gesamtablauf der Konflikte, wobei besonders heikle Phasen geradezu ritualisiert
erscheinen. Es handelt sich um einen von allen Beteiligten verstandenen Code, der es erlaubte, bei
jeder Provokation die in der Regel eintretende Reaktion einzukalkulieren. Diese durchgreifende
Regelhaftigkeit des Ablaufs, der Eskalation von verbalen Sticheleien bis zu roher brachialer Gewalt
zeigt, dass sich Gewalttätigkeit in der spätmittelalterlichen Stadtgesellschaft keineswegs vorwiegend
spontan, triebhaft und unkontrolliert vollzog, wie die bekannte These vom Zivilisationsprozess des
Norbert Elias behauptet,5 sondern dass sie meist nach allgemein bekannten Spielregeln bewusst und
überlegt eingesetzt wurde.261

Sozialprofile Alltagsdelinquenz
Die dichte Reihe der Zürcher Vermögenssteuerlisten bietet die Grundlage zu einer Schichtung der
Bevölkerung nach Vermögensklassen, dem für Status und Prestige wichtigsten Lagemerkmal.6 Bei
den bussgerichtlich beurteilten Taten handelte es sich um eine alltägliche Delinquenz, ein
obrigkeitlich zwar pönalisiertes, aber doch alltägliches Verhalten, das in der Regel keine sozial
desintegrierenden Folgen hatte. Als Täter finden sich – insbesondere auch im Bereich der
Gewaltdelinquenz – Angehörige aller sozialen Schichten. Die gehobene Mittelschicht dominiert klar,
259
260 ebd., S. 15
261 ebd., S. 14–15
ebd., S. 15
während die Unterschicht unterrepräsentiert erscheint. Auch auf Wiederholungstäter trifft dies zu.
Die Unterschicht der Armen fehlt hier völlig, die gehobene Unterschicht ist mit etwas mehr als einem
Viertel beteiligt, über 30 Prozent der Wiederholungstäter gehörten der Mittelschicht an, rund 14
Prozent der Oberschicht. Dies mag darin seine Begründung finden, dass Angehörige der Unterschicht
zögerten, in ihren Auseinandersetzungen Gerichtsinstanzen anzurufen. Ob dahinter Rücksicht auf die
zu bezahlenden hohen Bussen, grundsätzliches Misstrauen gegenüber der Obrigkeit oder ein
ungeschriebener Ehrenkodex stehen: Gerichts- oder Justiznutzung ist gerade bei den kleinen Leuten
nicht festzustellen.262

Sozialprofile Blutgerichtsdelinquenz
Anders verhält es sich bei den blutgerichtlich beurteilten Tätern, bei denen das eher marginale, das
seltene Verbrechen in den Blick kommt. Die Auswertung von 90 Ratshalbjahren zwischen 1400 und
1514 mit insgesamt 227 Blutgerichtsfällen10 zeigt hier ein starkes Überwiegen von
Eigentumsdelikten undeinen hohen Anteil an Sittlichkeitsvergehen Sodomie, Homosexualität,
Vergewaltigung, Inzest und Geschlechtsverkehr von Juden mit Christinnen). Von diesen Delinquenten
kann in den Steuerrödeln nur etwa ein Drittel identifiziert werden, was auf einen höheren Anteil aus
der Unterschicht, den Randständigen und den Fremden hindeutet. Auch im Bereich der
blutgerichtlich belangten Delinquenz verkennt aber das bereits zeitgenössische und auch von einem
Teil der modernen Literatur vertretene Bild einer von stadtfremden Tätern dominierten Kriminalität
den bedeutenden Anteil einheimischer Delinquenten. 263

Schichtenverteilung in Zürcherstadteilen, soziale Topographie


Der Bezug zum Raum lässt sich anhand des so genannten Corrodi-Sulzer Planes ohne bedeutende
Fehlerquellen herstellen; die Steuerpflichtigen können den Wohnhäusern auf dem Stadtplan
zugeordnet werden. Die Ergiebigkeit des Ansatzes wurde in einem Querschnitt für die Zeit von 1401–
1425 getestet. Sichtbar wird dadurch der unterschiedliche Charakter verschiedener Stadtteile: der
hohe Reichtum um das Grossmünster mit einer grossen Zahl von Hausbediensteten, die stark
gewerbliche Orientierung des deutlich mittelständischen Niederdorfs mit wenig Hausgesinde, aber
hoher Dichte von Gesellen, die relative Armut des Kratzquartiers mit ungemein dichter Belegung der
Häuser bis hin zu eigentlichen «Mietskasernen» Die grosse Zahl der Dienstboten und Gesellen in der
Stadt zeigt sich darin, dass fast ein Sechstel aller Steuereinträge sie betrifft. Für die Wachten Linden,
Neumarkt und Münsterhof konnten zudem erstmals die Wanderungsbewegungen dargestellt
werden. Dabei wird eine erstaunliche Mobilität vor allem der Mittel- und Unterschichten fassbar. Der
Anteil der sesshaften Wohnbevölkerung betrug über die drei Jahre 1410–1412 hin nur 50 Prozent.
Die Hälfte der Bevölkerung hat in dieser kurzen Zeit den Wohnsitz gewechselt. Sesshaftigkeit im
selben Haus ist im Spätmittelalter nur für die Reichen charakteristisch. Diese Instabilität gilt es bei der
Beurteilung nachbarschaftlicher Interaktion zu berücksichtigen. 264

Delinquenztopografie: kartografische Erfassung der Delikte für die Jahre 1450–1459


Die kartografische Erfassung der Delikte für die Jahre 1450–1459 entwirft eine differenzierte
Delinquenztopografie. Bei 76 Prozent der rund 970 Delikte findet sich eine Ortsangabe. 574 Delikte
wurden in der Stadt verübt, 164 ausserhalb derselben auf dem Land und in anderen Städten. Von
den Bussgerichtsfällen entfallen 90 Prozent auf die Stadt, von den Blutgerichtsfällen 70 Prozent auf
Gebiete ausserhalb derselben, was vor allem auf die Gerichtszuständigkeiten zurückzuführen ist. Im
öffentlichen Raum der Stadt dominiert mit 87 Prozent die verbale und brachiale Gewalt. Im privaten
Raum machen Gewaltdelikte hingegen nur etwa die Hälfte aus, während beachtliche 21 Prozent
262
263 ebd., S. 15–16
264 ebd., S. 16
ebd., S. 16–17
Eigentumsdelikte hier verortet sind. Die Öffentlichkeit der Gewalt könnte mit dem demonstrativen
Charakter von Angriffen auf die Ehre und deren gewalttätiger Abwehr zusammenhängen. Bei den
halböffentlichen Räumen fallen neben Kirchen erstaunlicherweise Badstuben und Bordelle als
deliktarm auf, während rund 70 Prozent der Vergehen in halböffentlichen Räumen sich in
Marktbuden Metzg!), Zunft- und Trinkstuben ereigneten. Die erfasste Delinquenz in privaten Räumen
Privathäuser, Gärten, Gaden) zeigt eine scharfe nachbarschaftliche Sozialkontrolle. 265

Berufstopografie …
Berufstopografie. In einem Querschnitt für die fünf Jahre 1450–1454 konnten 136 Standorte von
Gewerbetreibenden kartiert werden, darunter, um nur die alltäglichsten Berufe zu nennen, 16
Schneider, 25 Schuhmacher, 15 Metzger, 17 Bäcker. Dass bei einer Einwohnerzahl von rund 5000
Personen mit einem Metzger und einem Bäcker auf rund 300 Einwohner, einem Schuhmacher auf
200 Einwohner ein recht grosser Teil der Gewerbetreibenden erfasst werden konnte, lässt sich
abschätzen. Für Metzger gab es damals 33 Banklehen, das heisst, es ist rund die Hälfte derselben
erfasst, was auch auf die anderen Berufe zutreffen kann. 266

Verknüpfung berufliche Interaktionen und Nachbarschaft


berufliche Interaktionen mit dem Thema der Nachbarschaft zu verknüpfen. Dass die soziale
Interaktion zwischen Zunftmeistern und Gesellen sich in der Freizeit fortsetzte, konnte die Analyse
der rund 200 gerichtsnotorischen Konflikte bei Brett-, Würfel-, Kar-ten und Bewegungsspielen in den
Jahren 1446–1475 verdeutlichen: viele der Spielrunden umfassten Meister und Gesellen
nebeneinander.267

informelle soziale Kontrolle durch die Beteiligen selbst / Justiznutzung zur sozialen Kontrolle
Die untersuchten Nachbarschaftskonflikte und deren Schlichtung bieten einen unsere bisherigen, aus
der Erforschung des kriminalisierten abweichenden Verhaltens gewonnenen Kenntnisse weit
übertreffenden Einblick in die informelle Durchsetzung von Normen des Zusammenlebens durch die
Beteiligten selbst, also ausserhalb des obrigkeitlich festgelegten Sozialdisziplinierungskonzepts. In
unterschiedlichen Formen, durch üble Nachrede, Gerücht und Denunziation wurde soziale Kontrolle
verwirklicht, obrigkeitliche Normen und auch informelle eigene Normen, die zu den obrigkeitlichen
kontrastieren konnten, durchgesetzt und dabei obrigkeitliche Institutionen ins Kalkül von
Durchsetzungstrategien einbezogen: «Justiznutzung» zur sozialen Kontrolle 268

klar eine spezifische Bandendelinquenz der männlichen Jugendlichen


Immerhin zeigen die Quellen klar eine spezifische Bandendelinquenz der männlichen Jugendlichen,
die ihre schwebende Stellung zwischen Jugend- und Erwachsenenstatus in einem provokanten
Verhalten durch nächtlichen Unfug, Ruhestörung, Bedrohung und Rügebräuche auslebten. Zu
solchen Banden gehörten auch Personen, die es zu ehrenvollen politischen Ämtern brachten, so der
spätere Vogt von Greifensee und Bürgermeister von Zürich Heinrich Röist. Auch Gruppen von
Metzgern und von Handwerksgesellen fanden sich zu solchem Treiben zusammen 269

265
266 ebd., S. 17
267 ebd., S. 17–18
268 ebd., S. 18
269 ebd.
ebd.
1.15. Pohl uneasy peace

StaZH B VI 201, fol. 25r. Tavernendiskussion artet aus


StaZH B VI 201, fol. 25r.270

Honor, as anthropologists have taught us, is in the “eye of the beholder.”


Honor, as anthropologists have taught us, is in the “eye of the beholder.” A man’s failure to answer
challenges immediately and publicly could reshape community opinion, damage his reputation, and
threaten his place in society. Honor was not static, but continuously contested and reclaimed in an
ongoing dynamic of challenge and riposte.
William Ian Miller, Bloodtaking and Peacemaking: Feud, Law, and Society in Saga Iceland
See for example the discussions of the social economy of honor in the pioneering studies of Pitt-
Rivers on Andalusia or in Pierre Bourdieu’s landmark essay on Kabyle society: Julian Pitt-Rivers, The
Fate of Shechem or the Politics of Sex: Essays in the Anthropology of the Mediterranean (Cambridge,
1977); Pierre Bourdieu, “The Sentiment of Honor in Kabyle Society,” in Honour and Shame, ed. J.G.
Peristiany (Chicago, 1966).271

Forschungsstand zu Women’s honor / Women also actively defended their honor in Zürich, but
cultural norms provided them less leeway. In Zürich, women who resorted to physical violence to
defend their reputation faced stricter punishments.
Women’s honor, as Pitt-Rivers studies centering on the Mediterranean argue, was governed by a
different logic. Female honor was also a matter of public opinion, but it was passive: bound up with a
woman’s sexuality, its violation constituted an insult to her whole family. It was the task of men to
avenge this insult. Scott Taylor’s study in this volume shows, however, that female honor was more
widely defined even in the Mediterranean and that women could actively engage in defending their
honor through insults and slanderous gossip. This is also true for Zürich, where both women and men
were active guardians of their honor. Women fought other men and women or insulted them to
defend or maintain their honor and appeared in front of the courts to sue for such insults. But even
as women did so, cultural norms provided them less leeway. In Zürich, women who resorted to
physical violence to defend their reputation faced stricter punishments. While men were expected to
use physical violence, women were given less respect for doing so.
For a discussion on this matter, see Susanna Burghartz, Leib, Ehre und Gut: Delinquenz in Zürich Ende
des 14. Jahrhunderts (Zürich, 1990), 142-146, 153.
For examples of studies that discuss the relationship between violence and male honor in premodern
Europe and that are influenced by anthropological frameworks, see Katharina Simon-Muscheid,
“Gewalt und Ehre im spätmittelalterlichen Handwerk am Beispiel Basels,” Zeitschrift für historische
Forschung 18 (1991): 2-3;
Hans De Waardt, “Ehrenhändel, Gewalt und Liminalität: ein Konzeptualisierungsvorschlag,” in
Verletzte Ehre. Ehrkonflikte in Gesellschaften des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, ed. Klaus
Schreiner and Gerd SchwerhoV (Köln, Weimar, Wien, 1995), 303-319;
Martin Dinges, “Die Ehre als Thema der Stadtgeschichte. Eine Semantik am Übergang vom Ancien
Regime zur Moderne,” Zeitschrift für historische Forschung 16 (1989): 418,
Gerd Schwerhoff, Köln im Kreuzverhör. Kriminalität, Herrschaft und Gesellschaft in einer
frühneuzeitlichen Stadt (Bonn, Berlin, 1991), 312.272
270
271 Pohl, Uneasy peace, S. 28
272 ebd., S. 29
ebd.
Stallung: Definition; alle veprflichtet diese zu fordern, Bussen
By law, every Zürcher who witnessed a fight was obligated to intervene and ask the opponents to
promise Frieden (“peace”) or Stallung (“to quiet a fight”); the Swiss sources use both terms
interchangeably. Stallung was a unique legal state. It was a truce, a state of suspended hostile
animation, neither war nor final settlement. Any further hostilities, whether verbal or physical, would
break the Stallung. And breaking Stallung was expensive. Wounds and insults given “over the
Stallung,” as the sources refer to it, cost ten Marks. There was also a two Mark fine for refusing to
give Stallung. These were not insubstantial sums; the yearly income of a woodcutter was nine Marks.
Ten Marks was the fine not only for Stallungsbruch (“breaking the Stallung”) but also the punishment
for manslaughter. The parallel emphasizes the importance judges placed on the Stallung. Stallung
safeguarded the city’s peace. To break it was to kill this peace. 273

Stadtfrieden: Konzept und Geltungsbereich


The Stadtfrieden was no mere rosy ideology of harmony and good will but an important legal and
political concept. It was the urban response in the Swiss and German lands to the medieval
“landpeace” (Landfrieden) and treuga dei movements. The Stadtfrieden subordinated citizens to the
city laws and restricted private violence, particularly the feud.5 The Stadtfrieden also marked the
radius of a city council’s jurisdiction. All the villages on Zürich’s territory were under its peace and
thus its law: the sources describe a village belonging to the city as “within its peace.” The
Stadtfrieden thus denoted the willingness of every citizen to uphold the city law, a willingness
reaYrmed publicly in an annual oath.274

for both disputants and judges, conflict and its resolution entailed a constant negotiation between
the implications of a code of honor and a code of peace.
for both disputants and judges, conflict and its resolution entailed a constant negotiation between
the implications of a code of honor and a code of peace. 275

Practice theory / Praxeologie (Bourdieu)


Practice theory transcends a deterministic structuralist approach without moving into the realm of
voluntarism or rational-choice theory. Structure, or in Bourdieu’s terms “habitus,” constrains and
produces the goals of social actors. At the same time, structure only exists if it is practiced and
produced by social actors: structure is “lived, it is enacted, but it is also challenged, renewed,
changed.” Thus, practice theorists argue that the interaction between actors and structure can result
in transformation and change. Ortner in particular stresses the dynamic quality of this interaction.
Her notion of structure emphasizes its internal contradictions and tensions. These can act as catalysts
for differences or changes in social activity because actors are forced again and again to find
solutions to these contradictions.276

Zusammenspiel Stallung und Ehre


More often than not, however, Zürchers tried to juggle both codes: honor and Stallung were not
always mutually exclusive. In practice, the ritual did not work against honor so much as it protected
honor from its most violent consequences. Stallung constrained the dynamic of challenge and
riposte, but also opened up new playing fields for the game of honor. In the language of Bourdieu,
contestants could continue to make moves in this game, while glossing their actions in the name of
the law and claiming performance on the field of the Stadtfrieden. Yet in doing so, they had to
constrain their more violent impulses.277
273
274 ebd., S. 30
275 ebd.
276 ebd., S. 31
277 ebd.
ebd., S. 32
Bedeutung der Stallung wird immer ausgehandelt
Stallung did not always have the same meaning. In their attitudes toward Stallung violations, city
councillors fostered this semantic elasticity of the ritual. Thus, Stallung did not always work according
to the book, but legal practice should not be measured against the prescriptive law—in terms of
conformity and deviance. Instead, legal practice was shaped by a complex interplay between
individual agency (of disputants and judges) and social and cultural constraints, and prescriptive laws
constituted only one among many constraints. This is not to suggest that Zürchers assumed a cynical
distance to their culture, however they negotiated the tension between honor and peace. Ortner
proposes an actor who is “‘loosely structured,’ who is prepared—but no more than that—to find
most of his or her culture intelligible and meaningful, but who does not necessarily find all parts of it
equally meaningful in all times and places.”278

brief description of Zürich’s political and legal culture


brief description of Zürich’s political and legal culture will set the stage. Political power lay with the
artisan and trade guilds and the Konstaffl, the guild of the urban patricians. Each guild annually
elected some of its members to the large city council. From a large council of about two hundred
members arose a small council of some twenty-four. The large council was consulted in certain
important affairs, for example, about war and peace.
Actual power lay with the small council, which met almost daily to regulate the economic, legal, and
political affairs of the city. Henceforth, the term “city council” here refers to the small council. During
the fifteenth century, representatives of the trade guilds and members of the Konstafel dominated
the city council. But there was no urban aristocracy to concentrate power consistently in the hands
of particular families. Within the successful guilds, the fortunes of influential families fluctuated with
trade or politics. It was not until the seventeenth century that elite families could maintain their
power over a long period of time.279

Zürcher Gerichtssystem
Zürich had a complex system of courts whose jurisdictions occasionally overlapped. Of these, the
most important was the court of the city council, the Ratsgericht (“council court”), whose judges
were the twentyfour members of the small city council. Lay judges, they had no formal legal training.
Of all the fora in which Zürich’s citizens settled their disputes, the Ratsgericht was the only institution
to prosecute breaches of the Stadtfrieden, and its records support our analysis of the Stallung
ritual.280

Wer bezahlt bei welchen Gerichten wen


The private arbitrators and the judges of other courts assigned only monetary compensations to be
paid to the injured parties. The judges of the Ratsgericht, however, came to insist onfines to the city
as atonement for the breach of its peace. In addition to this fine, the disputant who had given the
initial provocation also had to pay financial compensation to the other party. 281

Nutzung der Gericht als Mittel der Konfliktaustragung


In her study of late medieval Zürich, Susanna Burghartz characterized the Ratsgericht as a convenient
dispute forum for quarreling citizens, who could continue their fights over honor by launching
accusations before the court. Although the laws officially forbade the feud, the courts often became
stages in long, drawn out conflicts among citizens. In Zürich, as elsewhere in premodern Europe, as
historians influenced by anthropological studies of dispute settlements have noted, the emergence

278
279 ebd.
280 ebd., S. 32–33
281 ebd., S. 33
ebd.
of centralized legal systems did not so much end feuding culture as transform it, by providing new
means through which such enmities could be conducted. 282

The Stallung ritual could also be used strategically by parties with long-standing grudges
The Stallung ritual, devised and imposed from above to maintain the Stadtfrieden, could also be used
strategically by parties with long-standing grudges. The sources do not always allow us insight into
the prior relationships between disputants, but here and there we get a sense that disagreements
over Stallung were expressions of long-standing tensions and enmities. 283

Not all Zürcher citizens were equally able to use the council court to fight over honor
Not all Zürcher citizens were equally able to make use of the council court to conduct or settle their
disputes. The disputants who did so were seldom marginal citizens. They were those whose honor
damage counted: respectable, tax-paying citizens, such as guild members or their apprentices.
Council members themselves were enmeshed in a code of honor; they themselves appeared as
perpetrators of violence in front of the Ratsgericht.
Those too poor to pay the tax that granted citizenship or lacking respectable professions, such as day
laborers or vagrants, rarely used the Ratsgericht to continue fights over honor. They had their own
notion of honor, of course. Yet their honor was less important to the more privileged citizens, and its
damage less important to the judges.284

The underprivileged are labeled as perpetrators of dishonorable violence


The underprivileged helped instead to make up the bloodier chapters of the history of the
Ratsgericht. Easily labeled as perpetrators of dishonorable violence, i.e. of murder, highway robbery,
and theft, they are the most frequent protagonists for execution verdicts. 285

Reiche (Konstaffel) machten kaum Gebrauch von Ratsgericht


The members of Zürich’s prestigious Konstaffel guild, mostly composed of urban aristocrats,
apparently settled most of their disputes among themselves and their culture of dispute settlement
is more dificult to penetrate.286

both men and women could call for as well as give Stallung. Like men, women also refused Stallung,
broke, and manipulated it.
both men and women could call for as well as give Stallung. Like men, women also refused Stallung,
broke, and manipulated it.287

Stallung was divided into three stages - separation, liminality, and reintegration
Stallung was divided into three stages, which—admittedly somewhat loosely—resemble the stages
of transitional rites described by Arnold van Gennep and Victor Turner: separation, liminality, and
reintegration. During the first phase of the ritual, when disputants were asked for and had to “give”
[i.e. promise] Stallung, they were not physically separated from the rest of society. Yet this act
represented a separation of a sort because the promise initiated a legal bond that required specific
rules of interaction. During the liminal phase of “standing in Stallung with each other” as the sources
call it, the disputants could not interact with each other as other citizens might. They were
suspended in a special legal state that could have ambivalent results. Whether their anger would
cool oV or whether the Stallung would be broken was unclear. If the Stallung led to a change in their
282
283 ebd., S. 33–34
284 ebd., S. 34
285 ebd.
286 ebd.
287 ebd.
ebd., S. 35
hostile attitude to each other, a third phase reintegrated the disputants into society as citizens to
whom the regular rules and penalties of the city law applied. This third phase was the “drinking off”
of the Stallung: after a formal toast, the Stallung state was suspended.288

Each of the three phases of the ritual was inherently unstable.


Each of the three phases of the ritual was inherently unstable. 289

A verbal request sufficed, once asked for Stallung, a contestant had to give it.
A verbal request sufficed; the peacemaker did not have to grab the contestant before demanding
Stallung. Rules that determined the response to a demand for peace were rigid: once asked for
Stallung, a contestant had to give it. He could not talk his way out of it. 290

asking for Stallung could be understand as a challenge, so does refuising it


Although the act of asking for Stallung was supposed to halt a fight’s dynamic of challenge and
riposte, Cueni Meyer and Stuki took this act as a challenge and responded aggressively. A concession
might show weakness, comparable to the passive reception of a blow or insult. Meanwhile, the
peacemaker himself could take a refusal as an insult to his honor. 291

Taking an opponent to court was probably somewhat ess honorable than fighting him, but still a way
to get vengeance
Taking an opponent to court was probably somewhat less honorable than fighting him, yet the
enthusiastic use Zürchers made of the courts to harass their opponents is a sign that litigation had
become a routine stage in the pursuit of hostilities. There was no sharp distinction between violent
fights for honor and litigation in court. Litigants could use the courts as just another form of
vengeance and add to physical and verbal violence the chance to stigmatize their enemies in a public
forum.292

Contestants could also take the intervention of a third party as an insult or a challenge. [StaZH BV VI
200, fol. 95r]
Contestants could also take the intervention of a third party as an insult or a challenge. In Zürich’s
dispute culture, arbitrators and mediators were common. When Cueni Snider felt threatened by
Hensli Snider, his acquaintance Hans Nuessboem acted as a peacemaker. Consequently, Nuessboem
demanded Stallung from Hensli Snider on Cueni’s behalf. Hensli, however, did not take this
interference kindly: he had, he said, no quarrel with Cueni. Nuessboem persisted. After he had
demanded Stallung for the third time, Hensli Snider lost his patience: “by the devil’s cock, he
wouldn’t give him Stallung!” Can we expect Hans Nuessboem to ask calmly for Stallung after this?
Mere words were not enough to assuage his injured honor: he attacked and a fight ensued.
Bystanders prevented the worst and took Stallung from both. Things had gone awry: Hans
Nuessboem’s original intention of making peace between Cueni Snider and Hensli Snider had led to a
fight, and Hensli was now in Stallung with Nuessboem rather than with Cueni. Instead of peace there
was probably increased enmity between Cueni and Hensli because Hensli must have resented Cueni
for involving Nuessboem. No violence occurred until the demand for Stallung!

“Samer box zers er woelt im nicht stallung geben.” StaZH BV VI 200, fol. 95r, 1410.293
288
289 ebd., S. 35–36
290 ebd., S. 36
291 ebd.
292 ebd., S. 37
293 ebd., S. 38
ebd., S. 38–39
Spannung zwischen Stallungsschliesspflicht und Persönlichkeit / Bezeihungsnetzen
Peacemaking brought out the tension between a Zürcher’s personalities and his duties as a citizen; a
citizen’s first loyalty was to the city laws. Not only did citizens have to obey these laws scrupulously,
but they also had to denounce violators of these laws regardless of personal ties. The reality of daily
life in Zürich made it often difficult, if not impossible, to comply with this latter demand. Webs of
enmity and friendship enveloped every Zürcher; one’s very place in society was defined by such ties
of loyalty or hostility and depended on one’s readiness to aid friends and to cow enemies. Such ties
ran deep; we can trace disputes between the same families and their support groups over decades. 294

peacemaker might strateggically subvert the Stallung rule by waiting till their frineds have the upper
hand
peacemaker might subvert the Stallung rule by playing on the factor of time. He could wait until his
friend had clearly gained the upper hand. If his friend gave Stallung while he was at an advantage, his
promise also underscored superiority over an opponent who no longer could get the better of him.
Honor and Stallung united felicitously in such an instance; the contestant demonstrated his physical
superiority and obeyed the city law. The peacemaker satised his duty to call for Stallung and
served his friend.295

[StaZH B VI 217, fol. 134r.] Stallung wird ungern Unbekannten gegeben


Consequently, Zürchers suspected peacemakers whom they did not know. In 1450, a disputant
refused to give Stallung to the peacemaker and called out to the bystander Tottengroebel: “I’ll give
you Stallung because I know you!”
“Ich will dir stallung geben, den ich bekenn dich.” StaZH B VI 217, fol. 134r. 296

Hausfrieden / Provokation durch aus dem Haus heraus fordern


The Hausfrieden remained an important legal concept in late medieval Zürich, even after the
prohibition of the feud. The so-called Herausforderung aus dem Haus (i.e. “challenge to a man to
leave his house to fight outside”) was a grave affront. 297

Strategien, um Konflikt weiterzuführen, obwohl man in Stallung steht


Dem Gegenüber Stallungsbruch nachweisen/ unterstellen
indirekter Gossip298

[StAZH B VI 200 86r.] Beispiel Stallungsaufhebung als Mittel um "günstiger" Konflikt weiterzuführen
In 1410, a long-standing disagreement between the two families The Vischturis and Frechenmanns
were part
resulted in a homicide.45 of the same guild, the SchiVsleutezunft (“guild of the shippers”), comprising
both shermen and transport shippers. Both families lived in the village of Meilen. But their
common background only served to enhance the lasting enmity between them. The Vischthuris were
shermen and the Frechenmanns earned their livelihood by transporting freight across Lake Zürich.
Fishermen and shippers had opposing interests: the shers naturally wanted to have as much space
in the lake and the river to cast their nets whereas the shippers were interested in having
unrestrained use of the waterways. The court books of the late fourteenth and early fteenth
century contain numerous records of ghts between
294
295 ebd., S. 39
296 ebd., S. 40
297 ebd.
298 ebd., S. 43
ebd., S. 44–45
the two families and their support groups.46 In 1410, Uli Frechenmann and Cuni Vischturi started a
ght in which their brothers, Heini
Frechenmann and Heini Vischturi, became involved. During the initial dispute, which took place in a
tavern, the host demanded Stallung. Sometime afterwards, Uli told Cuni that he regretted their
dispute and was willing to “drink oV” the Stallung. Cuni agreed, but this agreement was in bad faith.
Soon afterwards, a friend ran into the house, and he whispered a warning to Uli about an ambush
prepared by Cuni and his brother. Indignant, Uli jumped up and shouted that “he was warned
he was to be stabbed although he had just drunk oV the peace!”47 The ambush was genuine, and in
the subsequent ght, Cuni was killed by Uli’s brother Heini. Cuni had apparently agreed to drink oV
the Stallung in order to make a less “expensive” attack on Uli; this strategy failed and cost him his
life.299

Civic morality, i.e. the duty to make peace, provided an excuse for an attack on one man by a whole
group that in other circumstances would have been considered dishonest.
Civic morality, i.e. the duty to make peace, provided an excuse for an attack on one man by a whole
group that in other circumstances would have been considered dishonest. 300

The adjudication of Stallungsversagen and Stallungsbruch was a fairly routine affair. Obvious
violations were punished, always with the same fines
The council court indirectly supported differing attitudes toward Stallung because its response to
Stallung violations was ambiguous. The adjudication of Stallungsversagen and Stallungsbruch was a
fairly routine affair. Obvious violations were punished, always with the same fines; unverifiable
accusations were dismissed. Apparently, judges did not go beyond this routine treatment of Stallung
violations.301

StaZH B VI 232, fol. 219r (ff). Richteraussage zu Stallungsmissbrauch


StaZH B VI 232, fol. 219r.
“Und wan wir alle in der statt och uff dem land ferlich einist eyde zu gott und den heiligen swurent,
wo einer zu einer zerwurffnisse kumpt, ald daby ist, die zustellen, bis an ein recht, och unser aller
hoechster trost und fryheit ist, frid und stallung in uneinikeiten zu naemen und zu geben, das der
vilgenant Thoman Schmid alles verachtet und darueber understanden haet, einen der von sins
begerns wegen stallung mit im abgetrunken haet von sinem leben zu dem tod zubringen, und den
andern, der frid und stallung nemen wellen och understanden haet ums lip und lebens zu entsetzen,
so ist . . . von dem selben Thoman Schmid umb solich sin uebel und boes mistun gericht, das im der
nachrichter . . . sin hopt mit einem swert von sinem lib slachen,” ibid, fol. 220r-220v. 302

The Stallung rule was the foundation for the well-being of the commonwealth as a well-ordered,
harmonious community, the “highest consolation and privilege.”
The Stallung rule was the foundation for the well-being of the commonwealth as a well-ordered,
harmonious community, the “highest consolation and privilege.” 303

299
300 ebd., S. 45–46
301 ebd., S. 48
302 ebd., S. 49
303 ebd., S. 50–51
ebd., S. 51
The desire for a stricter monitoring of the city peace apparent in these two cases may be
symptomatic of a process of state formation historians have identified in Zürich during the fifteenth
and sixteenth centuries.
The desire for a stricter monitoring of the city peace apparent in these two cases may be
symptomatic of a process of state formation historians have identified in Zürich during the fifteenth
and sixteenth centuries. We can trace the centralization of authority in the hands of the economic
elite of the city and a general stratification of bureaucratic and administrative structures. Zürich’s city
council increasingly treated citizens as subjects subservient to its authority. In order to legitimate its
growing supervision over the citizenry, the council promoted an ideology of civic behavior that
subjected the demands of personal honor to those of the common good and the public peace. The
Reformation would give additional legitimacy to this process. 304

1.16. Weiss Registatur der Archiven

Archivstruktur: Schriftgut des Kleinen und Grossen Rates


Schriftgut des Kleinen und Grossen Rates: Sitzungsprotokolle («Ratsmanualien»), ein- und
ausgehende Schreiben, vom Rat ausgestellte Urkunden, Gerichtsurteile usw., wie es sich aus der
Zuständigkeit der Räte ergab. Charakteristisch für das Anden Regime war dabei die Vermischung von
legislativen, exekutiven und judikativen Aspekten von Herrschaft, ebenso wie die Vermischung von
«politischen» und Verwaltungsfragen.305

Dementsprechend können die Archive der Ratskanzleien des Ancien Regime keineswegs als
«Zentralarchiv der Verwaltung» betrachtet werden, erst das mehr historisch ausgerichtete
«Staatsarchiv» des 19. Jahrhunderts übernimmt dann zunehmend eine solche Funktion.
Dementsprechend können die Archive der Ratskanzleien des Ancien Regime keineswegs als
«Zentralarchiv der Verwaltung» betrachtet werden, erst das mehr historisch ausgerichtete
«Staatsarchiv» des 19. Jahrhunderts übernimmt dann zunehmend eine solche Funktion. 306

1.17. Burghartz Diszipinierung oder Konfliktregelung

Burghartz 1989 Forschungsfrage


Ich gehe dagegen im folgenden davon aus, daß in jeder Gesellschaft das Austragen von Konflikten
nicht unmittelbares Resultat affektiver Impuls ist, sondern durch sozial vermittelte Regeln, Normen
und Muster geprägt wird. Konfliktkultur bezeichnet demzufolge das jeweils aktuelle Set von Regeln,
Normen und Mustern, in denen Konflikte in einer bestimmten Gesellschaft ausgedrückt werden. Mit
der spezifischen Konfliktkultur einer spätmittelalterlichen Gesellschaft als grundlegendem und
typischem Phä nomen möchte ich mich am Beispiel des Zürcher Ratsgerichtes für das Ende des 14.
Jahrhunderts befassen. Mit Hilfe einer sozialgeschichtlichen Strukturanalyse, die auch auf
rechtsgeschichtliche und historisc-kriminologische Fragen eingeht, sollen Aufgaben und Funktionen
eines städtisch Gerichtes untersucht werden. Die Analyse umfaßt zehn Jahre (1376 - 1385) des
Zürcher Ratsgerichtes und basiert auf 1487 Fällen. Es handelt sich a um eine synchrone
Strukturanalyse, mit der die Frage nach diachronen Entwicklungen kaum beantwortet werden kann.

304
305 ebd., S. 52
306 Weiss, "Die Registratur der Archiven", S. 444
ebd., S. 447
Grundlegend sind die Unte scheidung der Gruppen „Männer", „Frauen" und „Juden" und der
Vergleich zwischen diesen Gruppen.307

Zürich Ende des 14. Jh.


Zürich war mit ca. 5500 Einwohnern Ende des 14. Jahrhunderts durchaus von regionaler Bedeutung,
verglichen mit den Großstädten des deutschen Reiches aber doch eine der zahlreichen, typischen
Mittelstädte, die die deutsche Städtelandschaft mitprägten, ohne besonders hervorzutreten. Seit der
Brun' sehen Revolution 1336 waren die Zünfte an der Ratsregierung gleich- berechtigt beteiligt, de
facto hatte sich die Stadt schon längst von der Stadtherrschaft der Äbtissin des Fraumünsters befreit
und regierte sich durch den Rat, der auch - halbjährlich wechselnd - das Ratsgericht bildete. Demo-
graphisch, wirtschaftlich und sozial war das letzte Viertel des 14. Jahrhunderts eine Phase der
Konsolidierung und des langsamen Wiederauf- schwungs nach einer politischen und ökonomischen
Krisenzeit in der Jahrhundertmitte; politisch stand Zürich am Beginn seiner territorialen Expansion 308

Gerichte und Zuständigkeiten in Zürich


Neben dem Ratsgericht, das im folgenden analysiert werden soll, urteilten in Zürich in dieser Zeit
verschiedene andere Gerichte zum Teil in gleichen, zum Teil in anderen Angelegenheiten. Der
Ausdifferenzierungsprozeß der verschiedenen Gerichte setzte spätestens im 13. Jahrhundert ein, er
war um 1400 mit dem formalen Erwerb der Blutgerichtdbarkeit durch den Rat vorläufig
abgeschlossen. Das Ratsgericht ist in Zürich seit dem Ende des 13. Jahrhunderts faßbar; es scheint
ursprünglich zur zusätzlichen Sicherung des Stadtfriedens entstanden zu sein. Zuständig war dieses
Gericht für alle strafbaren Handlungen, sofern sie nicht unter die Blutgerichtsbarkeit des
Reichsvogtes fielen. Hauptsächlich hatte es sich mit Schlaghändeln, Beleidigungen und
Friedensbrüchen, daneben auch mit Eigentums- und Betrugsdelikten zu befassen. Eine gewisse
Konkurrenz bestand bei Gewaltdelikten und Injurien zum sog. „engeren Vogtgericht. Für Klagen
wegen Geld, Fahrnis und Grundeigentum war das Schultheissengericht zuständif. Für alltägliche
Konflikte war mit Sicherheit auch die zunftinterne Gerichtsbarkeit von erheblicher Bedeutung, ohne
daß sie quellenmässig zu fassen wäre. Klare Kompetenzregelungen gab es in geistlichen Fragen.
Eigenes Reecht und eine eigene Rechtsprechung für ihre internen Angelegenheiten hatte auch die
jüdische Gemeinde in Zürich. Da das Laden bzw. der Zug vor fremde Gerichte von und durch Zürcher
Bürger vom städtischen Rat schon während des ganzen 14. Jahrhunderts bestraft wurde, war Zürich
de facto am Ende des Jahrhunderts ein weitgehend geschlossenes Rechtsgebiet, in dem eine
differenzierte Gerichtsstruktur voll ausgebildet war. 309

Nur zu Ratsgericht umfangreiche Quellen, daher Vorsicht bei Gesamtaussagen über Delinquenz in
Zürich
Ein geschlossenes Quellenkorpus, das eine über die Interpretation punktueller Einzelfälle
hinausgehende serielle Auswertung erlaubt, liegt nur für das Ratsgericht seit 1376 vor. Damit muss
sich das Interesse auf die Untersuchung der Struktur und Form dieses Gerichts beschränken; eine
Analyse der Gesamtdelinquenz und ihrer Abhängigkeit von gesamtgesellschaftlichen Veränderungen
ist in Zürich nicht oder nur ansatzweise zu leisten. 310

Fand sich in einem Nachgangsfall ein Kläger, so zog der Rat seinen Nachgang zurück
Fand sich in einem Nachgangsfall ein Kläger, so zog der Rat seinen Nachgang zurück 311

307
308 Burghartz, Disziplinierung oder Konfliktregelung?, 386–387
309 ebd., 387
310 ebd., S. 387–388
311 ebd., S. 388
ebd., S. 389
Das Ratsgericht kannte bis zur Übernahme der Blutgerichtsbarkeit im Jahre 1400 zwei
Verfahrensarten Nachgänge und Klagen
Das Ratsgericht kannte bis zur Übernahme der Blutgerichtsbarkeit im Jahre 1400 zwei
Verfahrensarten: die „Nachgänge", in denen der Rat ex officio einen bestimmten Sachverhalt vor
Gericht brachte, und die „Klagen", die von einem Kläger, der einen Bürgen stellen mußte, gegen den
Beklagten vorgebracht wurden. In beiden Fällen waren Zeugenaussagen als Beweismittel üblich, sie
konnten allenfalls durch den Eid des Angeklagten ersetzt werden. 312

Anteil Nachgänge zu Klagen in den Richtbüchern


In den Jahren 1376 bis 1385 machten Nachgänge fast die Hälfte aller Verfahren aus, ihr Anteil sank
im 15. Jahrhundert stark. Die städtische Rechtsgemeinschaft, vertreten durch den Rat, maß dem
städtischen Friedens- und Einungsrecht demnach große Bedeutung zu, indem sie in fast 50% der Fälle
die Initiative ergriff und Verfahren einleitete; es ging ihr aber, wie sich noch zeigen wird, nicht um die
„staatliche Verfolgung" abweichenden Verhaltens, sondern um die Wiederherstellung des verletzten
Stadtfriedens, der die „Ehre der Stadt Zürich" tangierte. Entsprechend variierte der Anteil von
Nachgängen je nach Deliktart erheblich, nicht alle Konflikte waren für die Rechtsgemeinschaft von
gleichem Interesse.
Die Untersuchung der Jahre 1480 bis 1484 hat ergeben, daß der Anteil der Nachgänge 100 Jahre
später nur noch 15%, derjenige der Klagen dagegen 71% betrug.
Festzustellen ist, daß die Nachgangsfälle nicht als Ausdruck der erstarkenden frühmodernen
Staatlichkeit zu interpretieren sind313

Grafik Anteil der verschiedenen Verfahrensarten


314

Grafik Sanktionsquote
315

Burhartz Analyse der Sozialprofile der Akteure vor Gericht


Die „Angaben zur Person" sind in den spätmittelalterlichen Gerichtsquellen noch sehr rudimentär
und erlauben daher oft keine fundierte, systematische Analyse. Durchgehend und eindeutig faßbar
sind für Zürich nur die Kategorien „Geschlecht" und „Religion". Frauen waren vor dem Ratsgericht
massiv untervertreten, jüdische Männer dagegen waren im Vergleich zu ihrem Anteil an der
Bevölkerung deutlich übervertreten. Zu fragen ist, ob die Präsenz vor Gericht eher als Ergebnis von
Repression und Marginalisierung zu interpretieren ist oder als Chance, an der Rechtsöffentlichkeit zu
partizipieren.316

die beiden untersten Steuergruppen vor Gericht untervertreten


Interessanterweise sind die beiden untersten Steuergruppen vor Gericht untervertreten, während
alle folgenden Steuergruppen vor Gericht leicht bis deutlich überrepräsentiert sind. Dies legt nahe,
daß vor dem Zürcher Ratsgericht nicht in erster Linie Unterschichtendelinquenz verhandelt wurde.
Noch deutlicher wird dieses Ergebnis, wenn man die Rolle der Inhaber städtischer Ämter, wie sie aus
den Ämterlisten für den gesamten Zeitraum bekannt sind, vor dem Ratsgericht untersucht. Nur
knapp 20% der Amtsinhaber Jahren 1376 bis 1385 überhaupt nie auf. Von dem Ratsgericht
erschienen, traten viele aussch gen auf40. Für einen großen Teil der Inhaber st absolut normal, auch
312
313 ebd.
314 ebd.
315 ebd., S. 390
316 ebd., S. 391
ebd., S. 392
als Kläger oder Beklagte Ratsgericht zu erscheinen; mehrmalige Auftritt keine Marginalisierung oder
Ruf Schädigung zur inhaber durchaus auch wegen schwerer Delikt Stallungsbruch, Totschlag, Kritik an
der Obr richt belangt; trotzdem konnten sie weiterhin Ä nehmen. 317

keine feststellbare soziale Ächtung von Mehrfachtäter


Zahlreiche Personen waren vor dem Ratsgericht besonders aktiv. Diese „Mehrfachtäter" stammten
aus allen sozialen Schichten; eine soziale Ächtung aufgrund ihrer zahlreichen Gerichtsauftritte und
Verurteilungen ist nicht festzustellen; weder wurden sie als „Wiederholungstäter" aus der Stadt
gewiesen, noch verloren sie ihre Zunftzugehörigkeit oder allfällige Ämter. Offensichtlich führte
mehrfacher Kontakt mit dem Ratsgericht auch bei schwereren Vergehen keineswegs zwangsläufig zu
sozialer Desintegra-tion und Marginalisierung 318

Burghartz 1989 - Deliktstruktur

319

Das Waffentragen war Symbol des freien männlichen Bürgers, der in der Lage war, sich und seine
Ehre gegen Angriffe zu verteidigen
Das Waffentragen war Symbol des freien männlichen Bürgers, der in der Lage war, sich und seine
Ehre gegen Angriffe zu verteidigen320

317
318 ebd., S. 393–394
319 ebd., S. 394
320 ebd., S. 395
ebd.
Burghartz 1989 - Deliktstruktur Frauen und Juden

321

Die für vormoderne europäische Gesellschaften als typisch bezeichnete Dominanz von
Gewaltdelikten gilt so uneingeschränkt also nur für die Delinquenz christlicher Männer.
Die für vormoderne europäische Gesellschaften als typisch bezeichnete Dominanz von
Gewaltdelikten gilt so uneingeschränkt also nur für die Delinquenz christlicher Männer. 322

Generell wurden Frauen kaum in Nachgangsdelikten verfolgt, sondern nur auf Klagen hin vor Gericht
gezogen
Generell wurden Frauen kaum in Nachgangsdelikten verfolgt, sondern nur auf Klagen hin vor Gericht
gezogen323

rechtlichen Rahmenbedingungen
Zürich kannte in dieser Zeit, wie generell üblich, noch kein systematisches Strafrecht. Ende des 14.
Jahrhunderts lagen jedoch mit den verschiedenen Versionen des Richtebriefes und mit den
Stadtbüchern, die Rechtsbeschlüsse, aber auch Verordnungen und Gesetze enthielten, schriftlich
fixierte Rechtsgrundlagen vor, die bereits eine erhebliche Breite rechtlicher Probleme und Konflikte
abdeckten. Mit dem Richtebrief gab sich die städtische Gemeinde in der Mitte des 13. Jahrhunderts
selbst eine Grundlage, um die anfallenden Konflikte und Probleme des Gemeinwesens zu regeln; so
enthielt er neben Strafbestimmungen bei Friedensbruch bzw. Körperverletzung auch Bestimmungen
zur Wirtschaftsordnung, zu Handelsfragen, Verfassungsbestimmungen über Wahl und Funktion des
Rates und der Gerichte (besonders des Ratsgerichtes). 324

321
322 ebd., S. 396
323 ebd., S. 397
324 ebd.
ebd.
Burhgartz Ehre-Konzeot
Ehre ist in diesen Gesellschaften zunächst ein abstraktes Prinzip, das Wahrnehmung der eigenen
Person und der Beziehung zu anderen strukturiert. Die Ehre einer Person wird durch bestimmte
Verhaltensweisen oder Handlungen hergestellt, verletzt oder eben wiederhergestellt. Sie kann nicht
ein für allemal erworben werden. Die Herstellung, Infragestellung und Wiederherstellung von Ehre
ist somit ein offener, prinzipiell nicht abschließbarer Prozeß des Einzelnen in seinen Beziehungen zu
anderen. Auf der konkreten Handlungsebene bestimmt das Prinzip Ehre verschiedene
Verhaltensanforderungen für je verschiedene Gruppen bzw. Situationen. 325

Gruppenspezifische Ehrencodes
Für Männer und Frauen, Christen und Juden, aber auch für verschiedene ständische Gruppen oder
Marginalisierte bestanden verschiedene Ehrencodes, die jeweils als restringierte Codes vermittelt
wurden. Sie waren „praktisches Wissen", das kaum explizit formuliert werden mußte, und
hinterließen entsprechend in den Quellen kaum direkt faßbare Spuren . 326

Stadtfrieden
Ein zweites grundlegendes Prinzip, das die Wahrnehmung und das Ver- halten vor dem Ratsgericht
wesentlich prägte, war das Konzept des Stadt- friedens. Die an ihm orientierten Normen dienten
einerseits der Regelung von Streitigkeiten zwischen Einzelnen bzw. zwischen zwei Konfliktpar- teien,
andererseits sollten sie Ruhe und Ordnung in der Stadt gewährleisten (für eine Handels- und
Handwerkerstadt ein zentrales Anliegen). Ausge- hend vom Prinzip des Stadtfriedens wurden etwa
durch den Richtebrief (aber auch durch die anderen Gesetze) bestimmte Konfliktformen sanktio-
niert und so auch festgelegt, was in dieser Rechtskultur als strafwürdiges Verhalten galt. Mit der
offiziellen Sanktionierung bestimmter Verhaltens- weisen durch das Ratsgericht war es gleichzeitig
möglich, die jeweiligen Konflikte öffentlich beizulegen. Auf diese Weise nahm das Ratsgericht auch
eine Schiedsrichterfunktion gegenüber den Streitenden ein. Der Stadtfrie- den konnte zugleich der
Wiederherstellung der Ehre des Einzelnen dienen,
indem er mit einem Rechtssystem korrespon bestimmte Formen von Ehrverletzungen vor
damit einerseits eine reinigende, die Ehre wi
Schiedsrichter), andererseits eine sanktionierend verletzungen und andere Rechtsbrüche zu ah
Sanktionierung in bestimmten Fällen auch de haltensweisen oder Gruppen58. Allerdings w
Rechtsnormen und Sanktionierungen, wie gesag
gration von Delinquenten ausgerichtet, wen
hatten. Ausgrenzungsbestrebungen sind allen
zu beobachten. Die Wiederherstellung des Re aufnahme des Rechtsbrechers in die Rechtsg
strafwürdiges Verhalten in diesem Kontext n chendes Verhalten anzusehen ist: abweichend zwar von
der Rechtsnorm, aber nicht unbedingt vom jeweils geltenden Ehrencode. 327

Synthese Ehrencodes und Stadtfrieden


Einerseits stellten Stadtfrieden und Ehrencodes Verhaltensanforderun gen, die zum Teil miteinander
konkurrierten oder widersprachen; andererseits wurden durch den Stadtfrieden endlose
Auseinandersetzungen um verletzte Ehre vermieden, indem den Ansprüchen vor allem des System
männlicher Ehre Grenzen gesetzt wurden. So entstand eine Art Balancesystem zwischen zwei
grundlegenden Normensystemen in dieser Gesellschaft der Aufrechterhaltung des inneren Friedens

325
326 ebd., S. 399
327 ebd.
ebd., S. 399–400
und der Aufrechterhaltung de männlichen Ehre mittels Gewalt und Waffeneinsatz. Deutlich wird
auch, wie sehr die städtischen Rechtsnormen auf den Ehrencode für christliche Männer ausgerichtet
waren. Frauen spielten vor Gericht nur eine marginale Rolle; ihre Konflikte fanden in weniger
öffentlich-rechtlich geprägten Räumen statt. Interessanterweise gelang es jedoch den jüdischen
Männern, ihr spezifischen Konfliktformen vor dem Ratsgericht in erstaunlichem Umfang zur Geltung
zu bringen328

Klage vor Ratsgericht um Ruf / Ehre wiederherzustellen


klagte sie auch vor dem Ratsgericht, um ihren Ruf wiederherzuste 329

Beschimpfung als Hure


Die Beschimpfung als Hure bzw. die Anschuldigung, sich wie eine Hure zu verhalten, war nicht nur in
Zürich die üblichste Form der Beleidigung von Frauen. 330

Warum weniger Frauen am Gericht beteiligt? Oft in Famillie geklärt / patriarchalisches


Züchtigungsrecht / Ehrverletzungen an Frau konnten als Ehrverletzung an deren Mann gelesen
werden.
Konflikte, an denen Frauen beteiligt waren, viel stärker in "privaten" Räumen oder doch mindestens
nicht in Räumen, die zur männlichen Öffentlichkeit zählten, stattfanden. Die väterliche und
eheherrliche Gewalt ermöglichte die Sanktionierung des Verhaltens von Frauen innerhalb der Fymillir
und ihre familiäre Disziplinierung. Dies galt nicht nur für innereheliche Auseinandersetzungen oder
Konflikte zwischen Famillienangehörigen; vielmehr konnten Männer ihre Frauen auch für ihr
Verhalten gegenüber aussenstehenden Männern oder Frauen bestrafen. Zudem wurden in gewissen
Fällen Ehrverletzungen gegenüber Frauen auch als Angriff auf die Ehre ihres Mannes / Vaters
aufgefaßt, so daß das Verhalten immer wieder auch Anlaß für Konflikte unter Männern wurde. Die
Ehre von Frauen wurde in solchen Fällen Teil der Ehre ihrer Männer. 331

Juden als Akteure vor dem Ratsgericht


Buße an die Stadt und 1 Vi Pfd. an den Kläger, Michel, zahlen65.
Juden, und zwar vor allem jüdische Männer, waren vor dem Ratsgeric verglichen mit ihrem
Bevölkerungsanteil überdurchschnittlich präsent. wurden dort keineswegs nur von christlichen
Klägern oder vom christliche Rat wegen Vergehen gegen Christen zur Rechenschaft gezogen, sondern
kamen vor allem auch innerjüdische Konflikte vor dem Gericht zur Sprache und zwar sowohl in
Nachgangsverfahren, die das Ratsgericht anstrengte, al auch in Klageverfahren, die von Juden
eingeleitet wurden. Diese relati Übervertretung hatte einen ambivalenten Charakter. Einerseits bot d
Ratsgericht den Zürcher Juden die Möglichkeit, ihre Konflikte durch Dritt (eine außer jüdische
Instanz) lösen oder wenigstens richten zu lassen; u zwar in einer Situation, in der die kleine jüdische
Gemeinde anscheinen sehr zerstritten und in mindestens zwei Parteien zerfallen war, so daß es kaum
mehr möglich gewesen sein dürfte, ein unabhängiges, von allen aner- kanntes Gericht zu bilden.
Andererseits ermöglichte die Anrufung des Rats- gerichtes (gerade auch in rein innerjüdischen
Angelegenheiten) dem Rat die Einmischung in die internen jüdischen Angelegenheiten, den Ausbau
seiner Rechtshoheit66 - ein Ziel, das er auch bei den eigenen Bürgern verfolgte - und die Einnahme
zusätzlicher Bußen, die z.T. extrem hoch waren67.
Recht deutlich unterschieden sich die Deliktstruktur und entsprechend auch Konfliktformen und
Konfliktkultur der Juden von denjenigen der christlichen Männer. Auseinandersetzungen zwischen
jüdischen Männern oder von Christen mit jüdischen Männern verliefen häufiger rein verbal, allenfalls
328
329 ebd., S. 400
330 ebd., S. 401
331 ebd.
ebd., S. 402
kam es auch zu Schlägereien, der Einsatz von Waffen war zwar nicht völlig unüblich, aber doch
erheblich seltener als bei den Christen. Immer wieder wählten Juden untereinander als
Konfliktmedium religiöse Rituale. Vor allem die Möglichkeit, das Zustandekommen des Rituals zu
verhindern oder durch aggressive Störungen den Ablauf ritueller Handlun- gen zu stören oder zu
blockieren, spielte in der kleinen jüdischen Gemeinde von Zürich eine wichtige Rolle. Bemerkenswert
ist in diesem Zusammen- hang nicht nur die Wahl des Konfliktfeldes, sondern vor allem auch die Tat-
sache, daß Zürcher Juden mit diesen internen Angelegenheiten so häufig vor
das christliche Ratsgericht gingen, um ihr R bemerkenswert ist, daß es ihnen gelang, ihre Kategorien
des christlichen Ratsgerichtes zu richt dazu zu bringen, in solchen Streitfällen Historikerinnen und
Historiker können die Fo gewisse Indexfunktion erfüllen, indem sie sich gen, die sonst allenfalls
formelhafte Bestandt waren. Dadurch, daß Juden immer wieder von „schändlichen", „schmach-
haften" Handlungen berichteten bzw. erklärten, ein bestimmtes Verhalten sei „die größte Schmach,
die ein Jude dem anderen zufügen könne", verwie- sen sie auf Ehre und Schande als zentrale
Wahrnehmungs- und Beurtei- lungskategorien des christlichen Ratsgerichtes. 332

Devianz- und Deffizitmodell funktionieren für Zürcher Delinquenz nicht


Die zu Beginn dieses Artikels geschilderten historisch-kriminologischen Ansätze haben sich für die
Untersuchung des Zürcher Ratsgerichtes als problematisch erwiesen. Verschiedene neuere,
sozialgeschichtliche Arbeiten gehen vom Devianzmodell und damit von einem modernen
kriminologischen Konzept aus, um die spätmittelalterliche Kriminalität zu erklären, die aufgrund der
zeitgenössischen „Strafgerichtsquellen" rekonstruiert wird. In diesem Zusammenhang wird die
Gewaltkriminalität der Zeit als Krisenphänomen interpretiert, in dem sich der Zerfall der
mittelalterlichen Bindungen und des mittelalterlichen Weltbildes in der Krise des 14. Jahrhunderts
niederschlägt. Kriminalität wird so zum Ausdruck für die zunehmende soziale Entwurzelung der
Unterschichten bzw. Randgruppen, auf die die Gesellschaft mit Disziplinierung und Marginalisierung
reagierte. Instru- ment dieser Disziplinierung und Marginalisierung war insbesondere die (städtische)
Gesetzgebung und Rechtsprechung. Solche Tenden
sich für Zürich im 15. Jahrhundert allenfalls f die Dirnen oder die Bettler, bzw. für den Be
feststellen74. Zentral für das Ratsgericht blieb
die Aufgabe, gleichzeitig Konflikte zu regeln un Recht zu sanktionieren. Es handelt sich bei d nicht um
Phänomene, die mit den krisenbeding 14. Jahrhunderts unmittelbar zusammenhäng kriminologischer
Kategorien ist insofern un Wahrnehmungsstrukturen beruhen, die vor Ger gen mit abweichendem
Verhalten gleichsetze Stigmatisierung und Marginalisierung führt. „Ehre" ausgerichteten
Konfliktkultur können si
Neben dem Devianzmodell wird häufig auch zogen, um die hohe Zahl von Gewaltdelikten zu vor dem
Zürcher Ratsgericht zur Diskussion einfach einem Mangel an Zivilisation und Tri folge defizitär,
sondern es war Teil einer andere zentrale Regulativ für die Selbstwahrnehmu Einzelnen zu anderen
und zur Gesellschaft wa keiten normierten gesellschaftlichen Verhaltens Die Protokolle des
Ratsgerichtes verweisen au zierten Balancesystems zwischen individuelle die im allgemeinen als
städtischer Friede be Rechtsbrecher Teil der städtischen Rechtsgem das Urteil des Ratsgerichtes nicht
nur der Fried teien, sondern auch der Friede mit der gesam derhergestellt, der Delinquent
reintegriert werd333

332
333 ebd., S. 403–404
ebd., S. 405–406
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