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Die spanische Staatskasse ist leer und so kommt Christoph Kolumbus und seine

Idee, auf dem Seeweg in westlicher Richtung Indien zu erreichen, gerade recht.
Königin Isabella von Kastilien sieht sich schon als Herrscherin über neues Land
und hofft so den Staatsbankrott abwenden zu können. So lässt sie den ehrgeizigen
Weber-Sohn in See stechen. Freilich nicht ohne ihm den intriganten
Finanzbeamten Vendrino zur Seite zu stellen, der mögliche Einnahmen
überwachen soll. Als Kolumbus‘ „Santa Maria“ 1492 nach entbehrungsreicher
Reise endlich die neue Welt erreicht, benehmen sich die „Indianer“ ganz anders,
als erwartet.

Von der Uraufführung der Komödie am Leipziger Theater 1932 bis heute ist sich
die Literaturkritik nicht einig, ob das Stück eine witzige, erfolgsorientierte
Unterhaltung mit einigen satirischen Anspielungen auf die moralischen,
wirtschaftlichen, und politischer Zusammenbruch der Weimarer Republik oder
eine Satire, die die unmoralische Seite der herrschenden Klasse, des
konservativen politischen Systems, der Bürokratie, der Kirchen und der rechten
Parteien in der Endphase der Weimarer Republik geißelt.

Ohne gesellschaftspolitische Satire zu leugnen, stellt man auch die Komödie in


den Kontext der europaweiten Wiederbelebung des alten Kolumbus-Kults. Man
lässt keinen Zweifel an den sehr konkreten politischen Interessen dieser
Initiativen und diskutiert die unterschiedlichen kritischen - literarischen
Behandlungen von Kolumbus' Leben und Taten als strategische Bewegungen
innerhalb der ideologischen Kämpfe in jedem Land und jeder Epoche.

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