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Hauptbeitrag

Ger J Exerc Sport Res Christian Kröger · Wolf-Dietrich Miethling


https://doi.org/10.1007/s12662-020-00674-7 Institut für Sportwissenschaft, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Kiel, Deutschland
Eingegangen: 22. Januar 2020
Angenommen: 14. August 2020

© Der/die Autor(en) 2020 Biographische Entwicklungen


von Sportspielern – eine
explorative Interviewstudie mit
aktuellen Spitzenspielern im
Fußball und Handball

Einleitung (Olaf Thon, Magnus Wislander) getrof- Fragestellungen und


fen. Diese sind in den Ballschulkonzep- Forschungsansatz
Unsere Überlegungen schließen an ein ten von Kröger und Roth (1999), Roth,
früheres (unveröffentlichtes) Pilotprojekt Kröger und Memmert (2015) sowie Roth Die leitenden Fragestellungen der Unter-
von Hamsen, Greco und Samuski (2000)1 und Kröger (2015) zu finden. suchung lauten folgendermaßen:
aus den 1990er-Jahren an, indem dama- Offenbar bildete die „Kinderstube“ 4 Wodurch sind die Werdegänge
lige Spitzenspieler nach ihrer sportlichen solcher Sportler einen selbstarrangier- von aktuellen Spitzensportspielern
Kindheit und Jugendzeit befragt wur- ten Spielraum in der nahen sozial- gekennzeichnet?
den. So berichtete z. B. der Fußballspieler ökologischen Umwelt (die sog. Straßen- 4 Lassen sich Muster in Form von
Mehmet Scholl (1998) rückblickend: „Ich spielkultur), in dem das Faszinierende übereinstimmenden Merkmalen in
war immer ein bewegliches Kind, und verschiedener (Ball-)Spiele sowie ande- der Karriereentwicklung bedeutender
wenn ein Ball dabei war, egal was für ei- rer Sportarten erkundet und ausgelebt Sportspieler identifizieren?
ner, war ich glücklich. Mittags bin ich aus werden konnte. 4 Gibt es einen zentralen Zusammen-
dem Haus und abends heim, ob Regen Nun wandeln sich die Bedingungen hang (eine Kernkategorie) zwischen
oder Schnee war – nebensächlich. Ich des Aufwachsens in vielerlei Hinsicht. den relevanten Merkmalen (Katego-
habe einfach gespielt, wie ich Spaß hat- Stichwortartig seien die Enttraditionali- rien) der Biographien?
te: mal Tischtennis, dann Basketball oder sierung von Lebensläufen „Patchwork-
Handball, also alles, was mit Bällen zu tun Biographien“, die Vermehrung soziokul- Der Forschungsansatz. Die Bedeutung
hatte.“ Und in ähnlicher Weise erzähl- tureller Freiheiten, z. B. in den Berei- qualitativer Ansätze für die Erforschung
te der Handballspieler Jackson Richard- chen von Mode, Musik, Medien, Freizeit- individueller Entwicklungsverläufe von
son (1997): „Ich habe auf Réunion ange- oder Beziehungsgestaltung, die verän- Hochleistungssportlern haben bereits
fangen. Es ging gar nicht darum, in ei- derten Bildungserwartungen und stärke- Conzelmann, Gabler und Nagel (1998)
ner Sportart unbedingt weiterzukommen re Institutionalisierung sowie die Erwei- hervorgehoben, indem sie für eine Ver-
oder etwas dazu zu lernen. Ich wollte ein- terungen und Verschiebungen der An- bindung von nomothetischen und ideo-
fach Spaß haben und alles ausprobieren. gebote in der Sport- und Bewegungskul- graphischen Verfahren mit ihrer jeweils
In meinem kleinen Heimatdorf haben tur aufgeführt (vgl. Neuber & Salomon, eigenständigen, gleichwohl anschluss-
wir Kinder uns jeden Tag auf dem Dorf- 2015). Deshalb gewinnt die Frage nach fähigen Perspektivität plädieren. Die
platz, am Strand oder sonst irgendwo den biographischen Entwicklungen einer vorliegende rein qualitative Untersu-
getroffen und irgendetwas gespielt.“ Sehr neuen Generation von Spitzensportspie- chung ist eine Explorationsstudie, die im
ähnliche Aussagen wie die zitierten von lern auch insofern an Bedeutung, als sie Sinne berufsbiographischer Forschung
Scholl und Richardson werden auch von Aufschlüsse über relevante Gelingensbe- angelegt ist. Als solche geht sie von bio-
anderen professionellen Spitzenspielern dingungen aktuell erfolgreicher Sportler- graphietheoretischen Annahmen aus,
karrieren vor dem Hintergrund gesell- die Biographien als Zusammenhang
1
schaftlicher Wandlungsprozesse zu er- stiftende Konstruktionen des Biogra-
Hamsen, G., Greco, P. & Samulski, D. (2000).
Biografien hoch kreativer brasilianischer und kennen verspricht. phieträgers fassen, in denen Ereignisse
deutscher Sportspieler. Unveröffentlichter Pro- und Erfahrungen des gelebten Lebens
jektbericht. Heidelberg: ISSW. mit Bedeutungen versehen und in einen

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Sinnzusammenhang gesetzt werden (vgl. ring (2015) in folgenden Schritten: Die Kurzportraits
Marotzki, 2004; Ernst, 2018, S. 46). Ent- aufgenommenen Interviews wurden
wicklungstheoretisch gesehen wird des transkribiert und für jedes transkribierte Porträt A: Mit Spaß an der Sache –
Weiteren davon ausgegangen, dass sich Interview wurde eine (paraphrasieren- späte Spezialisierung
die Entwicklung von Personen in der de) Zusammenfassung erstellt. Erste 4 Er spielte bis zum 11. Lebensjahr in
handelnden Auseinandersetzung der (globale) Vergleiche zwischen diesen Schule, Verein und mit Freunden vor
Akteure mit den Gegebenheiten rele- Zusammenfassungen (Porträts) erga- allem Fußball.
vanter Situationen und deren Kontexten ben inhaltliche Übereinstimmungen, 4 Angeregt durch Handball spielende
vollzieht. Kurzum: Biographien werden aber auch bemerkenswerte Differenzen Geschwister und Mutter geht er mit
verstanden als subjektive Konstruktio- zwischen den biographischen Narratio- 11 Jahren zusätzlich in einen Hand-
nen über bedeutsame Situationen und nen (s. Kap. 4.1). Weitergehend wurden ballverein, trainiert 2 × wöchentlich,
Verläufe einer Lebensgeschichte. De- die Porträts hinsichtlich unterscheidba- kommt in die Kreisauswahl und
ren Exploration im Hinblick auf die rer Themen (Kategorien) kodiert und erhält dadurch 1 × wöchentliches
Karriereentwicklungen von professio- mit den betreffenden Interviewpassagen Zusatztraining.
nellen Sportspielern ist das Anliegen abgeglichen. Dadurch konnte der Bedeu- 4 Mit 13 Jahren wechselt er den Verein,
dieser Untersuchung. Auf spezifische tungsgehalt der Kategorien gesichert und trainiert mehrfach wöchentlich (auch
gegenstandsbezogene Befunde und An- Ankerzitate gewonnen werden. Die Kate- mit einer jahrgangshöheren Mann-
nahmen, wie im Review-Beitrag über gorien wurden beschrieben und tieferge- schaft) und spielt in der Kreis- und
„Kinder und Jugendliche im Leistungs- hend interpretiert (s. Kap. 4.2.1–4.2.6). Bezirksauswahl.
sport“ von Güllich und Richartz (2015) Schließlich richtete sich die Inhalts- 4 Mit 16 Jahren wechselt er erneut,
sowie im Artikel von Güllich (2017) analyse auf die Frage nach möglichen diesmal in einen entfernteren höher-
über „International medallists’ and non- Zusammenhängen zwischen den Kate- klassigen Verein, fährt zum Training
medallists’ developmental sport activi- gorien, die zur Generierung einer sog. direkt nach der Schule mit zwei
ties“, wird im Kap. 4.2.5 sowie in Kap. 5 Kernkategorie führte (s. Kap. 4.2.7). anderen Jugendlichen dorthin und
(Diskussion) Bezug genommen. wird abends von einem Elternteil
Ergebnisse zurückgefahren. Er spielt in einer
Untersuchungsdesign jahrgangshöheren Mannschaft. Neben
Der Ergebnisteil ist entsprechend dem dem Vereinstraining nimmt er an
Das Untersuchungsdesign besteht in Auswertungsvorgehen folgendermaßen Lehrgängen der Landesauswahl und
Form vergleichender Fallanalysen, deren aufgebaut: Nationalmannschaft teil. Schulische
Zielsetzung nicht die Überprüfung von Zunächst (1) werden zwei prototypi- Belange und Freundschaftsbezie-
Hypothesen, sondern die Gewinnung sche Kurzporträts vorgestellt, zwischen hungen leiden unter dem zeitlich-
eines gegenstandsverankerten (empi- denen sich Gemeinsamkeiten, aber auch organisatorischen Aufwand seines
risch gestützten) Theoriegebildes ist. Die deutliche Kontraste der biographischen Handballengagements.
Rekonstruktion der Biographien erfolg- Verläufe zeigen. Anschließend (2) erfolgt 4 Ein Jahr später entscheidet er sich,
te mittels teilstandardisierter, narrativer die Darstellung von sechs über sämtli- in eine größere Stadt umzuziehen
Leitfadeninterviews im Jahr 2017. Die che biographischen Narrationen gewon- und sich dort einem Erstligisten
Dauer der Interviews reichte von einer nenen relevanten Kategorien, die im Hin- anzuschließen mit der Option,
halben bis zu einer dreiviertel Stunde. blick auf ihre ambivalenten Bedeutun- zunächst bei einem Nachbarverein
Der Leitfaden kann bei den Verfassern gen interpretiert werden. Interpretativ in der 2. Bundesliga zu spielen. Er
eingeholt werden. weitergehend wird danach eine zusam- nimmt zeitweise am Training beider
Die Rekrutierung der Probanden re- menhangsstiftende Kernkategorie expli- Mannschaften teil. Unter diesen
sultierte aus persönlichen Kontakten der ziert und somit ein theoretischer Entwurf besonderen Belastungen kann er
Verfasser zu Vereinen der ersten Bun- über die sportbiographischen Entwick- die in ihn gesetzten Erwartungen
desliga (im Fußball wie im Handball). lungen gewonnen. Abschließend findet nicht erfüllen, sodass er in die
Dabei zeichneten sich alle befragten im Kap. 5 (Diskussion) eine Auseinander- 2. Mannschaft (Regionalliga) des
Spieler durch internationale Spielerfah- setzung mit allgemeineren Befunden und Erstligisten abgestellt wird.
rungen aus. Es handelte sich um ins- Annahmen spitzensportlicher Karriere- 4 Es gelingt ihm, auch mit Hilfe eines
gesamt n = 10 professionelle, männliche forschung bei Kindern und Jugendlichen Psychologen, diese krisenhafte Situati-
Sportler (jeweils 5 aus dem Handball und statt, die zur Vertiefung und Erweiterung on allmählich zu bewältigen. Ein Jahr
Fußball); 9 Probanden waren zum Zeit- der theoretischen Konstruktion führt. danach wechselt er zu einem anderen
punkt der Befragung zwischen 21 und Zweitligisten, steigt mit diesem in
28 Jahre und ein Proband 32 Jahre alt. die 1. Liga auf und gilt heute – nach
Die induktive Auswertung der In- weiteren Wechseln – als national
terviews erfolgte in Anlehnung an die und international hoch erfolgreicher
„qualitative Inhaltsanalyse“ sensu May- Handballer.

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Zusammenfassung · Abstract

4 Aufgrund seiner Erfahrungen rät er Ger J Exerc Sport Res https://doi.org/10.1007/s12662-020-00674-7


potenziellen Nachwuchsspielern: © Der/die Autor(en) 2020
j Sich mit Spaß an der Sache weiter-
zuentwickeln, C. Kröger · W.-D. Miethling
j bei der Vereinswahl darauf zu Biographische Entwicklungen von Sportspielern – eine
achten, dass man auf seiner Posi- explorative Interviewstudie mit aktuellen Spitzenspielern im
tion Konkurrenten hat, die man Fußball und Handball
verdrängen kann und
j er formuliert abschließend die Zusammenfassung
Maxime: „Jeder, der mehr macht, Mit unserer explorativen Studie rekonstruie- in den sportbiographischen Entwicklungen.
ren wir die biographischen Entwicklungen Dabei kristallisieren sich sechs bedeutsame
wird im Endeffekt auch mehr
von aktuellen professionellen Sportspielern. Merkmale bzw. Kategorien heraus, die auf
belohnt“. Basierend auf entwicklungs- und biogra- einen zusammenhangsstiftenden Kern,
phietheoretischen Annahmen wurden eine sog. Kernkategorie verweisen. Im
Porträt B: Die Sache ernst nehmen 10 männliche, international erfahrene Beitrag werden Biographieverläufe skizziert,
– frühe Spezialisierung Fußball- und Handballspieler mittels teil- die ermittelten Kategorien expliziert und
standardisierter Leitfadeninterviews befragt. interpretiert sowie das daraus resultierende
4 Er spielte – soweit seine Erinnerung
Die Auswertung der Interviews erfolgte Theoriegebilde mit Bezügen zur spitzensport-
zurückreicht – von Anfang an gerne anhand der Qualitativen Inhaltsanalyse lichen Karriereforschung von der Kindheit bis
Fußball. nach Mayring. Die Intention der Studie ist ins frühe Erwachsenenalter diskutiert.
4 Der Eintritt in einen Fußballver- es, einen qualitativ orientierten Beitrag zur
ein erfolgt mit 4 Jahren. Er ab- spitzensportlichen Karriereforschung zu Schlüsselwörter
liefern, im Rahmen dessen der empirisch Biographieforschung · Karrieren von
solviert 2 × wöchentliches Training
belegbare Möglichkeitsraum solcher Spitzenspielern · Explorationsstudie ·
und betreibt daneben Leichtathletik Entwicklungen ausgeleuchtet wird. Die Entwicklungsverläufe · Kategorien und
(2 × wöchentliches Training). Sei- Ergebnisse zeigen eine erhebliche Variabilität Kernkategorie
ne freie Zeit verbringt er auf dem
Fußballplatz.
4 Seine Eltern und Großeltern unter- Biographical developments in team sport players—an explorative
stützen ihn, insbesondere der Vater – interview study with current top-level players in football and
teilweise als Mit- und Zusatztrainer – handball
engagiert sich stark.
4 Er wechselt im 1- bis 2-Jahres-Rhyth- Abstract
This exploratory study aimed to analyze the in biographical developments. There are
mus die Vereine, bis er ab 10 Jahren six significant characteristics or categories
biographical developments of professional
die Fußballjugendausbildung bei team sport players. We interviewed 10 male that are coherently rooted in one core
einem nahe gelegenen Großstadt- internationally experienced football and category. The article outlines the biographical
verein (Bundesligist) durchläuft. handball players, based on developmental developments, explicates and interprets
Dort trainiert er 4 × wöchentlich, and biographical assumptions by using the identified categories, and discusses the
semi-standardized interview guidelines. A resulting theory with reference to top-level
hinzukommen zwei Vormittage sports career research from childhood to early
qualitative content analysis according to
Athletiktraining – die Partnerschu- Mayring was used to interpret the interviews. adulthood.
le des Vereins lässt das Versäumte The objective of the study was to empirically
nachmittags nachholen. Zudem explore the chances of such careers and to Keywords
spielt er mit 13, 14 Jahren in der contribute to top-level sport career research Biographical research · Top-level careers ·
with qualitative research methodology. Our Explorative study · Development · Categories
Landesauswahl und danach in den and core concept
results revealed considerable variability
U-Nationalmannschaften.
4 Mit 16 Jahren wird er von einem
ausländischen Erstligisten verpflichtet.
Sein Vater begleitet ihn und kündigt auch die Hilfe eines Psychologen in 4 Aufgrund seiner Erfahrungen rät er
dafür seine bisherige berufliche Anspruch. potenziellen Nachwuchsspielern:
Anstellung auf. Seiner Mutter fällt 4 Es folgen wechselnde Einsätze im jDie Sache frühzeitig ernst zu neh-
die Trennung schwer, doch stimmt U 21- und Erstligateam – auch eine men, frühe Professionalisierung,
sie dem Unternehmen zu. Dort spielt kurze Ausleihe an einen anderen jzur Bereitschaft, Opfer zu bringen
er zunächst in Nachwuchsteams ausländischen Erstligisten findet (bzgl. Zeitaufwand, Freundeskreis,
und kommt mit 18 Jahren zu seinem statt. Familie) und
Erstligadebüt. In dieser Zeit fällt 4 Mit 21 Jahren wechselt er in die Deut- jer formuliert das abschließende
er aufgrund einer Verletzung für sche Bundesliga, spielt dort jeweils Statement: „Jeder muss wissen,
mehrere Monate aus und nimmt eine Saison für zwei Erstligisten (teil- wieviel wert es einem ist“.
zur Aufarbeitung dieses Rückschlags weise auf Leihbasis) und muss dabei
weitere Verletzungen verkraften.

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Interpretation. Die skizzierten Biogra- Erfolg; stattdessen handelt es sich um die ich – aufgrund dessen auch diesen Weg
phien weisen sowohl Ähnlichkeiten als individuelle Bahnung in einem Wege- eingeschlagen habe.“
auch Differenzen auf. So durchlaufen bei- netz. Die Akteure erweisen sich also als
de Spieler das Fördersystem ihrer jewei- durchaus aktive Gestalter ihrer Entwick-
ligen Sportverbände und sie werden bei- lungsbahnen, auch in diesem besonderen Interpretation. Die Sportler erfahren
de von ihren Familien stark unterstützt. Feld des professionellen Sports. durchweg eine hohe Unterstützung durch
Doch schon hinsichtlich der familiären verschiedene Familienangehörige. Die-
Unterstützung zeigen sich deutliche Un- Relevante Kategorien der ser „social support“ erschöpft sich nicht
terschiede. Im Fall B ist die treibende biographischen Narrationen in der Hilfe für die Alltagsorganisation
Kraft der Vater, der sich schon sehr früh (Fahrdienste) oder in der Rollenüber-
als Zusatztrainer, Berater und Betreu- Im Folgenden finden sich sechs inhalts- nahme als Trainingspartner, sondern er
er überaus engagiert; während im ande- analytisch gewonnene Kategorien, die vermittelt den jungen Sportlern zugleich
ren Fall das motivierende Vorbild sei- anhand von Zitaten umschrieben und das Gefühl der Anerkennung, Wert-
tens der Mutter und Geschwister erst im Hinblick auf ihre ambivalenten Be- schätzung und Bestätigung dafür, den
in vergleichsweise späteren Jahren sport- deutungen ausgeleuchtet werden. Dies richtigen „Weg eingeschlagen zu haben“
spezifisch zu wirken beginnt. Es sind al- sind die Kategorien: familiäre Unter- (s. oben). Die individuelle Karriere wird
so nicht nur die zeitlichen Differenzen stützung, mentale Stärke, Spaß an der gewissermaßen zum familiären Gemein-
der familiären Unterstützungen auffällig, Sache, Lernen von Älteren, institutionelle schaftsprojekt. Dieser familiäre Rückhalt
sondern es ist auch die Unterschiedlich- Förderung und frühe Spezialisierung. wirkt förderlich, birgt allerdings auch Ri-
keit der Einflussnahmen: Modellwirkung siken. Wenn das familiäre Engagement,
zum einen und umfänglich begleiten- Familiäre Unterstützung z. B. des Vaters, nicht mehr mit- oder
de Förderung zum anderen. Auch wer- „Äh, ja, ne, ich wurde immer gefahren. Al- nachvollziehend, sondern vorauseilend
den beide Spieler im späteren Verlauf so meine, äh, also mein Opa hat das über- und dominierend ausgeübt wird, kann
ihrer Karrieren mit ernsthaften Krisen nommen. Weil meine Mutter musste ar- das einen Erwartungsdruck erzeugen,
konfrontiert. Jedoch sind diese Krisen beiten, mein Vater hat auch gearbeitet . . . “ der für den Heranwachsenden proble-
von unterschiedlicher Art und Bedeu- „Und mein Vater, sag’ ich mal, war derje- matisch wird. (Im zweiten Zitat – „der
tung. So handelt es sich beim Einen um nige, der es von Anfang an unterstützt hat überall Krieg hatte“ – klingt eine solche
eine schwerwiegende körperliche Verlet- und auch ein bisschen, sag’ ich mal, über- väterliche Hyperaktivität an.) Ein über-
zung, während der Andere sich mit der all Krieg hatte, dass ich überhaupt da rein höhter elterlicher Erwartungsdruck kann
frustrierenden Situation auseinanderset- komme, weil ich ja so jung war.“ im ungünstigen Fall demotivierend und
zen muss, die selbst- und fremdgesetzten „Ja, also ich hab’ ja noch einen jüngeren für die Selbstentwicklung hinderlich wir-
Erwartungen nicht hinreichend erfüllt zu Bruder und seit der irgendwie mit laufen ken. Die Bereitschaft und Fähigkeit, in
haben. konnte . . . , hab’ ich den eigentlich wirk- unerwartetenoderkritischenSituationen
Hinsichtlich des Aspekts der Spezia- lich dazu gezwungen, mit mir tagein tag- selbständige Entscheidungen zu treffen,
lisierung ist der Fußballspieler (B) schon aus Handball zu spielen, genauso wie mei- wären demzufolge gering ausgeprägt und
sehr früh auf seine dominante Sportart ne Eltern, wenn die zuhause waren und dies könnte sich nicht zuletzt im sportli-
festgelegt, auch wenn er in seiner Ju- sogar unsere, äh, – das weiß ich noch – chen Geschehen negativ auswirken. Die
gend noch nebenbei eine andere Sport- unsere Babysitterin musste sich immer ins familiäre Unterstützung ist also nicht
art (Leichtathletik) für einen gewissen Tor stellen.“ per se eine positive Gelingensbedingung
Zeitraum ausübt. Demgegenüber startet „. . . , dass meine Eltern einen Riesenanteil für die sportliche Karriereentwicklung.
der Spieler (A) sehr viel später seine ju- zur Unterstützung beigetragen haben . . . Ihre Wirkung hängt sehr von der Art
gendliche Handballkarriere, nachdem er ich weiß, dass sie jedes Wochenende auf ihrer Gestaltung ab und diese scheint bei
zuvor ausgiebig in institutionellen und dem Fußballplatz gestanden haben . . . ; den befragten Sportspielern – summa
informellen Kontexten Fußball gespielt mein Vater, der kannte sich auch ein biss- summarum – geglückt zu sein.
hat. Interessanterweise zeigt sich – über chen mehr aus. Ich habe ja auch noch
alle Interviewten hinweg gesehen –, dass nie Alkohol getrunken. Das kommt auch Mentale Stärke
lediglich zwei der befragten Fußballer, daher, weil er einfach gesagt hat: ,Junge, „Was willst Du denn werden? Ja, Fußball-
jedoch sämtliche Handballer außer ihrer wenn du wirklich Fußballprofi werden profi. Und Die: das will jeder Zweite wer-
zentralen Sportart noch andere Sportar- willst, dann musst du in anderen Berei- den. Ich: ja, ich werde es aber! Und dafür
ten betrieben haben. chen zurückstecken‘. Und klar, hat mir das haben die Lehrer mich so gehasst; weil ich
Insgesamt betrachtet lässt sich feststel- nicht immer gefallen. Es ist ganz normal, hatte echt so Selbstbewusstsein in der Ju-
len, dass die Biographien der Spitzen- wenn du 16, 17 bist, dann willst du auch gend. Und war echt so fokussiert, dass ich
sportler nicht deckungsgleich geformt, mal raus und irgendwas erleben. Aber das schaffe und war auch von mir selber
sondern durch eine bemerkenswerte Va- im Endeffekt bin ich meinen Eltern heu- so überzeugt, dass ich das packe“.
riabilität gekennzeichnet sind. Es gibt al- te sehr, sehr dankbar, dass ich – glaube
so nicht die einspurige Schnellstraße zum

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„. . . Dann war ich hier im Internat und tungsresistente Sturheit und somit einen Interpretation. Der intrinsischen Moti-
dann hat man mal ein bisschen Heim- möglichen Realitätsverlust zu vermei- vation – ausgedrückt als Spaß an der Sa-
weh . . . “ den. Bemerkenswerterweise schwingt in che – wird in allen Interviews eine hohe
„. . . Es ging halt nur noch um Leistung den Erzählungen resümierend auch ein Bedeutung für die eigene Betätigung zu-
und nicht mehr so unbedingt viel nach, gewisses Maß an Verwunderung darü- gesprochen. Dies reicht so weit, dass das
äh, nach Menschlichkeit. Also nach der ber mit, dass dies so gelingen konnte. Spielen ohne „Lust und Spaß“ als „sinn-
U-15 und vor der U-15 da wurden halt Irgendwie – so scheint es – hätte es los“ bewertet wird (s. 4. Zitat). Der Spaß
viele Leute aussortiert und ähm, sowas auch anders kommen können. Man hät- an der Sache ist Antrieb und Ergebnis
halt . . . “ te z. B. auch zu den Deselektionierten engagierten Spielens und (selbst-)gesteu-
„. . . Also, die wollten jemanden, der, der gehören und statt Aufwärtsspirale in erten Lernens. Er wurzelt in der grundle-
vorangeht, der Entscheidungen trifft und eine Abwärtsspirale der Karriere geraten genden Spannung, der Ergebnisoffenheit
ich glaube, danach wurde schon ein Stück können. Das Selbstbewusstsein und die und den Unwägbarkeiten der Spielaktivi-
weit sortiert, aussortiert . . . “ Willenskraft wären dann auf eine andere tät (zusammengefasst: in der Kontingenz
Weise herausgefordert und im Ergebnis des Spielens (Gaum & Prohl, 2018; 202)).
offen. Und er umfasst auch positive Gemein-
Interpretation. Die Beharrlichkeit in schaftserfahrungen als ein Miteinander
der Zielverfolgung, die Selbstwirksam- Spaß an der Sache im Gegeneinander („geile Mannschaften
keitsüberzeugung und die Bereitschaft, „Ich glaube, es ist noch keiner Handball- mit geilen Typen“), oder das individuelle
„Opfer“ zu erbringen, entwickeln sich in profi geworden, der das Ziel hatte Profi zu Ein- und Ausüben bestimmter sportspe-
der Auseinandersetzung mit erheblichen werden, aber dabei keinen Spaß hatte.“ zifischer Handlungen, wie z. B. das Tore-
psychosozialen Herausforderungen. Da- „. . . also das war echt so intensiv als junger Schießen bzw. -Werfen, mit denen sich
zu gehören: Spieler. Man hatte immer so Bock auf Fuß- dramaturgische Höhepunkte des Spiels
4 die frühe Herauslösung aus Fami- ball. Wenn man frei hatte nach der Schu- beliebig wiederholen lassen. Diese „pu-
lie und Freundeskreis (Stichwort: le, ist man ja Bolzen gegangen und danach re Lust“ an den Bewegungsspielen be-
„Heimweh“), ist man zum Training gegangen. Man hat- stimmt in der Kindheit die Alltagsge-
4 der hohe zeitlich-organisatorische te ja echt immer Bock, . . . , hat sich riesig staltung, wird in der Jugendzeit sport-
Aufwand, auch in Bezug auf schu- darauf gefreut. Und ich muss auch sagen: spezifisch kanalisiert und gilt als „Spaß
lische Belange (Stichwort: forcierte in meiner Jugendzeit hatte ich immer eine an der Sache“ auch für die erwachsenen
Institutionalisierung von Kindheit geile Mannschaft, auch mit geilen Typen Spitzensportler noch als ein zentraler Be-
und Jugendzeit), drin, was halt echt Spaß gemacht hat.“ weggrund für ihre Tätigkeit, neben der
4 der steigende Konkurrenz-/ „Es lief ziemlich glatt damals in der Ju- Selbstbestätigung, der sozialen Anerken-
Selektions- und Bewährungsdruck, gend. Ich bin dann nochmal draußen nung und dem Geldverdienen.
der sich an Verwendungsinteressen geblieben und habe nochmal ein paar Im letzten Satz des 4. Zitats wird
und kaum mehr an persönlichen Torschüsse gemacht oder so. Aber das war allerdings auch eine Sorge bzw. War-
Entwicklungen orientiert (Stichwort: jetzt nicht unbedingt so: du bist hinten nung ausgesprochen. Der interviewte
„Menschlichkeit“), dran, du musst mehr machen. Sondern (vergleichsweise ältere) Handballspieler
4 die Überwindung verletzungsbe- die Lust war halt einfach da zu spielen, wechselt dabei von der Ich- in die Du/Sie-
dingter Auszeiten, die als „kritische am Ball zu sein, einfach zu kicken. Und Perspektive: Die „Jungs“ sollten darauf
Situationen“ wahrgenommen werden es war jetzt nicht irgendwie konstruktiv, achten, dass sie trotz des dazugehörigen
und die den Willen und die Bereit- quasi unter Anleitung als Extratraining.“ „Reingebolzes“ – also der Anstrengun-
schaft erfordern, sich von Spezialisten „Ich wollte halt immer, dass ich Spaß ha- gen und Intensitäten von Training und
(Ärzten, Athletiktrainern und Psy- be, klar, auch dass wir gewinnen, das ist Wettspielen – weiterhin „Bock drauf
chologen) helfen zu lassen (Stichwort: gar keine Frage dann irgendwann. Aber haben“ – eben so, wie es bei ihm noch
Hilfslosigkeit). dann, als ich Auswahlmannschaften ge- der Fall ist. Offenbar nimmt er wahr,
spielt habe, war das natürlich eine große dass sich der Spaß an der Sache bei
In den biographischen Erzählungen Ehre für mich, auch viel Anerkennung, (jüngeren) Spielern im professionellen
der Befragten finden sich durchgängig viel Leistung . . . Also klar, ich bin total Sport verringert, an Bedeutung verliert
Beschreibungen dieser belastungsinten- froh, dass ich damit mein Geld verdie- und die Sache folglich sinnlos würde.
siven Herausforderungen, und sie be- nen kann, oder eine Zeit lang jetzt. Aber Damit spricht er eine zentrale Problema-
schreiben deren Bewältigung als einen ich mache das immer noch, weil ich da- tik des modernen, kommerzialisierten
Lernprozess, der durch die Beharrlichkeit rauf Lust habe und Spaß habe . . . Also, Spitzensports an. Denn die sportlichen
der Zielverfolgung, der Selbstwirksam- es bringt jetzt nichts, dieses Reingebolze, Inszenierungen in einer „Gesellschaft
keitsüberzeugung („Man muss immer ich meine, das gehört halt dazu; aber die des Spektakels“ (Gebauer, 2002) lau-
an sich glauben“) und der Opferbe- Jungs müssen da auch Bock drauf haben, fen Gefahr, dass die Leistungen und
reitschaft maßgeblich gesteuert wurde. weil sonst macht das keinen Sinn.“ Leistungsbereitschaften der Sportler zur
Dabei gelingt es den Sportlern, eine bera- Ware auf einem konkurrenzgeprägten

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Markt werden, der den Prinzipien von Spielern mehr interessiert als die Spiele; sämtlichen Interviews ist, dass die Spie-
Erfolgsmaximierung und Siegfixierung weil da hab’ ich dann versucht, so’n paar ler gerne und mit einem gewissen Stolz
folgt, wobei sich die sozialen Beziehung Übungen abzugucken: Was bringt was? über derartige Beförderungen sprechen.
zweckgebunden verdinglichen können Was macht einen besser? Und im Spiel Die darin liegende Wertschätzung und
und nicht zuletzt die sportlichen Regeln dann irgendwie versucht, die Älteren Selbstbestätigung vermögen es offen-
(versuchsweise) unterlaufen werden. Die nachzuahmen und das mache ich eigent- bar, aufkommende Zweifel am eigenen
Kommerzialisierung des Profi(t)sports lich bis heute, wenn man ehrlich ist. Ich Bewältigungsrepertoire für die neu-
birgt also das Risiko, die Kontingenz des gucke mir immer noch Spiele an von Spie- en Aufgaben zu zerstreuen und eine
Spielens aufzulösen und damit den Spaß lern, zu denen ich so’n bisschen aufsehe, erfolgszuversichtliche Haltung zu be-
an der Sache zu minimieren. oder die Qualitäten haben, die ich auch stärken.
gern hätte oder mir aneignen möchte.“ Ein weiterer Aspekt des „Lernens von
Lernen von Älteren Älteren“ wird im 4. Zitat angesprochen:
„Ja, also, als ich nach B. gegangen bin, Der jugendliche Spieler hält nach Trai-
habe ich ja da in der A-Jugend gespielt. Interpretation. Die Auseinanderset- ningsübungen und Spielweisen (erfolg-
Ich wäre eigentlich noch junger Jahrgang zung mit und das Lernen von Älteren reicher) Erwachsener Ausschau, um sie
B-Jugend gewesen. Also, ich habe mich wird von den befragten Spielern als im Hinblick auf Verbesserungsmöglich-
bewusst dafür entschieden, weil B. was durchwegs bedeutsam für ihre Ent- keiten des eigenen Repertoires zu er-
aufbauen wollte. Und K. war zu dem wicklungsgeschichten geschildert. Dabei proben („Was bringt was? Was macht
Zeitpunkt einfach noch zu weit weg“. findet dieses Lernen sowohl im Kontext einen Besser?“). Das Lernen geschieht
„Ich war immer der Kleinste und der der gegebenen (üblichen) Bedingungen hier nicht allein durch die direkte Ausein-
Leichteste und alles . . . und habe dann viel statt, als auch in Form selbstgewählter andersetzung mit Älteren in Form eines
gelitten und einstecken müssen, was mich Herausforderungen. So zeigt sich (im mitlaufenden Beobachtungs- und Imita-
als kleinen Jungen gekränkt und auch be- 2. Zitat), wie eine andauernde körperliche tionslernens, sondern vollzieht sich als
schäftigt hat. Aber im Nachhinein sage Unterlegenheit zu grenzwertiger Belas- absichtlicher, gezielter Such- und Erpro-
ich, war das genau das Richtige für mich, tung führt („viel gelitten“, „hat mich bungsprozess. Der Spieler steuert also
weil mich das unheimlich doll abgehärtet gekränkt“), deren Bewältigung durch sein Lernen in besonderer Weise; man
hat. Und ich bin dann . . . auf einmal in- wachsende Widerstandsfähigkeit („doll könnte sagen: es handelt sich um eine
nerhalb von vier Monaten 20 Zentimeter abgehärtet“) und einen späteren körper- Lernstrategie höherer Ordnung, gewis-
gewachsen, war dann auf einmal so groß lichen Entwicklungsschub schließlich sermaßen um ein „learning to learn“.
wie die anderen . . . hatte durch diese Grö- mit gestärktem „Selbstvertrauen“ in eine Und diese Lernstrategie hat der Spieler
ße unheimlich mehr Selbstvertrauen als Erfolgsspirale mündet. Solche Entwick- als fruchtbar erfahren, sodass er sie auch
die Jahre zuvor. Und ab dem Jahr ging es lungen sind selbst unter der Bedingung als nunmehr selbst Älterer beibehält.
eigentlich für mich ziemlich steil bergauf. von jahrgangshomogenen Wettspielen Schließlich erleben die Jungprofis
Habe als junger Jahrgang in der ersten keineswegs ungewöhnlich; denn die kör- ihren Eintritt in die erstklassigen Er-
A-Jugend gespielt, durfte dann die erste perlich-psychosozialen Entwicklungen wachsenenteams in einer Mischung aus
Vorbereitung von der Bundesligamann- von Jugendlichen verlaufen – bekannter- Glücksgefühlen (Freude und Stolz über
schaft mitmachen.“ maßen – nicht synchron und kontinuier- das Erreichen eines beharrlich verfolgten
„Ich meine, du kommst aus der Jugend, lich, sondern variieren erheblich, weisen Lebensziels) und geradezu überwältigen-
wo du gegen Jungs spielst, die du kennst, individuelle Plateaus und dann wieder der neuer Herausforderung („Oh, mein
wo du weißt, was du gegen die machst. Schübe oder Sprünge auf. Hinzu kommt Gott!“). Dieser „Unterschied wie Tag
Und dann bist du das erste Mal im Trai- der sog. relative Alterseffekt, nach dem und Nacht“ (s. 3. Zitat) markiert nun-
ning da gegen Weltstars . . . Und denkst die Frühgeborenen einen deutlichen mehr den Beginn einer qualitativ neuen
dir erstmal: Oh, mein Gott! . . . Und das Entwicklungsvorsprung vor den Spät- Lebensphase, für die nicht nur gestei-
ist ein Unterschied wie Tag und Nacht . . . geborenen desselben Jahrgangs haben. gerte sportliche Anforderungen gelten
Das ist quasi Training unter Wettkampf- Insgesamt gesehen ist also die Aus- („quasi Training unter Wettkampfbe-
bedingungen. Man lernt aus jeder Einheit einandersetzung zwischen Spielern mit dingungen“), sondern die auch das Sich-
mit solchen Spielern . . . Und die Belastung recht unterschiedlichen Entwicklungs- Zurechtfinden in einer neuartigen so-
ist dadurch natürlich auch höher, gar kei- ständen auch bei jahrgangshomogenen zialen Konstellation – mit erheblicher
ne Frage, sowohl vom Kopf, als auch vom Mannschaften keine Seltenheit. Daraus Altersspanne und den Erfahrungs-/
Körper. Aber gerade aus solchen Sachen resultiert die Möglichkeit und Notwen- Erfolgsdifferenzen – erfordert. Die in
lernt man so viel für die Zukunft und das digkeit, von den (entwicklungsmäßig) der Jugendzeit erworbenen Mechanis-
bringt einen dadurch nur nach vorne.“ Älteren zu lernen. Diese Erfahrungen men und Strategien des „Lernens von
„. . . , dass ich immer versucht habe, mir erleichtern sodann auch den selbstge- Älteren“ sind für die Bewältigung die-
dann bei den Männern in M. oder im wählten (s. 1. Zitat) oder von Trainern ser neuen Situation gewiss hilfreich,
Fernsehen ein paar Sachen anzugucken. initiierten Aufstieg in eine jahrgangs- gegebenenfalls auch ausbaufähig.
Mich hat meistens das Training von den höhere Mannschaft. Auffällig in nahezu

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Institutionelle Förderung Deutlich wird in den Interviews al- „Also, ich habe angefangen Fußball zu
„So, da ging es dann los mit Kreisauswahl, lerdings auch der erhebliche Selektions- spielen mit sechs Jahren im Verein . . .
Bezirksauswahl, Niedersachsenauswahl druck, der auf den jungen Spielern lastet Meine Eltern standen immer extrem hin-
und dann wurde ich von . . . [einem Bun- (s. 3. und 4. Zitat). In den (Erfolgs-)Fäl- ter mir . . . Als Baby schon immer mit
desligisten] entdeckt . . . mit 14 Jahren . . . len der vorliegenden Studie wurden einem Ball aktiv. Und habe von klein auf
bis ich dann in der U 18 zur Jugendna- diese Drucksituationen positiv bewäl- gegen den Ball getreten und ich fand es
tionalmannschaft eingeholt, eingeladen tigt. Gleichwohl weisen Befunde anderer einfach geil“.
worden bin. U 19 Jugendnationalmann- Studien auf eine hohe Fluktuationsra- „Ja, angefangen hat es mit vier Jahren . . .
schaft wurde ich Europameister damals“. te in den Spitzensportfördersystemen Papa hat auch Fußball gespielt und wahr-
„Da habe ich zwar Kreisauswahl gespielt, hin. Diese Befunde zusammenfassend scheinlich war das dann ein bisschen in die
. . . Und dann kam so eine Landesaus- kommen Güllich und Richartz (2015) Wiege gelegt. Und dann habe ich eigent-
wahlsichtung. Da bin ich aber schon, weil zu dem Ergebnis: „Zwar ist eine lang- lich von da an mit vier Jahren komplett
ich so ein Hänfling war, bin ich da gar fristige und durchgängige Einbindung Fußball (gespielt)“.
nicht weiter gekommen. Habe dann auch in die Förderung möglich und kommt „Also, ich habe relativ früh mit Handball
nie Landesauswahl oder irgendwas ande- auch vor. Die meisten jungen Sportler/ angefangen, mit drei Jahren, glaub ich
res gespielt. Und als ich dann gewachsen innen werden aber nach relativ kur- sogar, weil meine Mutter halt auch Hand-
bin, . . . , wurde ich dann auf einmal 7 oder zen Zeiträumen durch andere ersetzt, ball gespielt hat . . . Und auch, bis ich
8 Wochen vor der U 19-Weltmeisterschaft die sich außerhalb des Fördersystems 12 war, parallel Fußball. Aber ich habe
zur Nationalmannschaft eingeladen und erfolgreicher entwickelt haben. Mehr- mich dann irgendwann halt für Handball
bin mit zur Weltmeisterschaft gefahren heitlich entwickelt sich die Population entschieden, weil der Trainingsaufwand
und war dann erste Waffe bei der Welt- erfolgreicher Spitzensportler/innen also zu groß war“.
meisterschaft. Und das war natürlich so weniger aus einem früh einsetzenden,
ein prägendes Erlebnis, muss ich sagen“. langfristigen, kontinuierlichen Förder-
„Es ging halt nur noch um Leistung prozess, sondern kristallisiert sich viel- Interpretation. Die meisten der inter-
und nicht mehr so unbedingt viel nach mehr im Zuge wiederholter Selektions- viewten Sportspieler kommen aus einem
Menschlichkeit. Also nach der U 15 und und Deselektionswellen im Lauf des sportaffinen Elternhaus. Hinsichtlich des
vor der U 15 wurden halt viele Leute aus- Kindes- und Jugendalters heraus“ (oben Eintrittsalters in einen Verein der (spä-
sortiert, sowas halt“. (s. auch Kap. 4.2.2) aufgeführt; S. 151). Talentförderung und ter) dominierenden Sportart unterschei-
„Und [in K.] ging’s dann wirklich dar- Selektionsmechanismus bilden also eine den sich die Fußballspieler jedoch deut-
um, da wurde auch – ich weiß noch –, da durchaus spannungsreiche Konstellati- lich von den Handballspielern: Während
waren wir beim ersten Training – glaube on, die von den interviewten Sportlern vier Fußballspieler mit 4 Jahren einem
ich – 35 Leute. Und da wurde dann auch (der vorliegenden Studie) auch als solche Fußballverein beigetreten sind (und ei-
also gnadenlos aussortiert, wer das dann wahrgenommen wird. ner mit 6 Jahren), variiert das Eintritts-
packen kann und wer das nicht packen Die jugendliche Förderung durch die alter bei den Handballspielern beträcht-
kann“. Verbände und Vereine wird von den Spie- lich, es reicht von 3 bis zu 10 Jahren.
lern dennoch wertgeschätzt. Dabei sehen Hinzu kommt der Umstand, dass ledig-
die Handballspieler die Weiterentwick- lich zwei der Fußballspieler noch eine
Interpretation. Nahezu alle interview- lungen des DHB als positiv an, weisen weitere Sportart (in einem Fall ist es Ten-
ten Spieler haben eine Förderung sei- aber auch auf einen – im Vergleich zum nis, im anderen Fall Leichtathletik) über
tens des DFB bzw. DHB erfahren, sei DFB – noch vorhandenen Nachholbe- einen gewissen Zeitraum ausgeübt ha-
es in Bezirks- und Landesauswahlmann- darf hin. Fraglich bleibt indes, wie das ben; demgegenüber betrieben alle Hand-
schaften oder in den U-Nationalmann- damit verbundene Problem einer mög- ballspieler noch mindestens eine weite-
schaften. Sie berichten, dass sich diese licherweise (zu) frühen Spezialisierung re Sportart (überwiegend Fußball, aber
institutionelle Förderung nicht nur auf (s. folgendes Kapitel) zu lösen ist. auch Tennis, Tischtennis, Schwimmen,
spieltechnische und spieltaktische Belan- Golf, Basketball oder probeweise noch
ge bezog, sondern auch Fragen zur Er- Frühe Spezialisierung anderes . . . [s. oben]). Zweifellos kann
nährung, zum Umgang mit Medien oder „Also, bei uns in der Familie war das man also von einer frühen Spezialisie-
zur weiteren Karriereplanung beinhalte- eigentlich so mit in die Wiege gelegt . . . rung auf Seiten der Fußballspieler spre-
te. Die Nominierung für die Auswahl- mein Vater hat selbst in der National- chen. Die weitergehende Frage, ob eine
mannschaften hat des Weiteren in allen mannschaft gespielt. Mein Opa hat noch frühere oder spätere Spezialisierung die
Fällen dafür gesorgt, dass der Bekannt- Feldhandball gespielt . . . seit ich mich er- späteren Erfolge begünstigt, lässt sich auf
heitsgrad der Spieler für professionelle innern kann, war ich irgendwie in der der Grundlage der vorliegenden Studie
Vereine erhöht wurde und ihre Einbin- Halle. Ich hab’ auch noch viele andere nicht beantworten. Zieht man dafür die
dung in die Nachwuchsförderung durch Sportarten ausprobiert, aber bin dann Befunde einer aktuellen Untersuchung
diese Vereine erfolgen konnte. doch irgendwie beim Handball stehen von Güllich (2017) in Betracht, wonach
geblieben“. Spitzensportler verschiedener Sportarten

German Journal of Exercise and Sport Research


Hauptbeitrag

aufzulösen und damit den Spaß an der


Sache zu minimieren.
In den biographischen Schilderungen
der Fuß- und Handballspieler finden sich
zahlreiche Problembeschreibungen, die
sich aus den Ambivalenzen der Katego-
rien ergeben. Gibt es nun – so lässt sich
weiterfragen – einen zentralen Zusam-
menhang zwischen den Kategorien und
ihren Problemgehalten? Ist möglicher-
weise eine der Kategorien zentral, indem
sie einen Referenzpunkt für alle ande-
ren darstellt? Durchaus plausibel ist es
anzunehmen, dass der Spaß an der Sa-
che einen solchen Referenzpunkt bildet,
der wesentlich die Phänomene der an-
dern Kategorien mitbetrifft. Durch diese
intrinsische Motivation erhalten die an-
Abb. 1 8 Das Beziehungsgeflecht der Kategorien und der Kernkategorie deren Kategorien eine gemeinsame fun-
damentale Ausrichtung.
von einem mehrgleisigen sportlichen En- cherweise sind sie auch in spezifischer Auffällig in den Schilderungen der
gagement in frühen Jahren später bedeut- Weise daran gewachsen. Sportler ist allerdings, dass es ihnen –
sam profitieren (vgl. Kap. 5), so könnte selbständig oder mithilfe anderer, auf
man daraus schließen, dass die Fußball- Die Kernkategorie: Entwicklung kurzem oder längerem Wege – gelungen
spieler (der vorliegenden Studie) nicht des Kohärenzsinns ist, Problemlösungen in allen Kategorien
wegen, sondern trotz ihrer frühen Spe- Die bisher skizzierten Kategorien sind zu entwickeln, die sie als zu sich passend
zialisierung erfolgreich geworden sind. keinesfalls risikoarm, sondern ambiva- und „geglückt“ beschreiben. Es handelt
Allerdings könnten auch die praktizier- lent angelegt: Die mentale Stärke kann, sich also um einen Entwicklungsprozess,
ten Trainingskonzeptionen von Vereinen wenn sie zur Beratungsresistenz führt, in dem das Verstehen problematischer
und Verbänden, wenn sie zumindest in auch in Sturheit und damit in Reali- Situationen, das Finden angemessener
Teilen sportartübergreifend oder – alter- tätsverlust umschlagen. Die familiäre Bewältigungsweisen und das Ausrichten
nierend angelegt waren, für einen ge- Unterstützung könnte, wenn sie einen auf bestimmte Zielvorstellungen bzw.
wissermaßen kompensatorischen, posi- hohen Erwartungsdruck aufbaut, nicht einen subjektiven Sinngehalt miteinan-
tiven (langzeitlichen) Lerneffekt gesorgt mehr als Unterstützung, sondern als der verbunden sind. Eben diesen Zusam-
haben. Erfolgszwang wahrgenommen werden. menhang von Verstehbarkeit, Handhab-
Des Weiterenzeigtsich, dass die frühe- Die institutionelle Förderung birgt die barkeit und Sinnhaftigkeit des Denkens
re Spezialisierung in eine frühere Quasi- reale Gefahr der Deselektionierung und und Handelns meint der Begriff des
Professionalisierung mündet. Der sport- damit die Möglichkeit, statt in eine Kohärenzsinns oder auch des Kohärenz-
liche Leistungs-, Bewährungs- und Selek- Aufwärts- in eine Abwärtsspirale der gefühls, das sich im (Selbst-)Vertrauen
tionsdruck steigt, die zeitlichen Umfänge Karriere zu geraten. Die frühe Speziali- auf die eigenen Lebensgestaltungsmög-
und organisatorischen Umfänge wach- sierung kann als Einbahnstraße in einer lichkeiten ausdrückt (vgl. Antonovsky,
sen, die Herauslösung aus familiären und Sackgasse der Entwicklungsmöglichkei- 1997; s. Kap. 5). Gerade dieses gewachse-
freundschaftlichen Beziehung muss er- ten münden. Das Lernen von Älteren ne Selbstvertrauen kennzeichnet die von
tragen, die schulischen Belange in den stellt eine entwicklungsförderliche Her- uns untersuchten Spitzensportler in der
sportzentrierten Alltag integriert werden ausforderung dar, die sich im Falle Phase ihres aktuellen Erfolgs, auch wenn
– insgesamt gesehen bildet sich eine au- andauernder Überforderung auch als sie an manchen Stellen der Selbstbe-
ßergewöhnlich hohe Anforderungssitua- entwicklungshinderlich erweisen kann. richte von „Glück“ sprechen und somit
tion, die von den Heranwachsenden die Der Spaß an der Sache ist Antrieb und eine gewisse Unkalkulierbarkeit ihrer
Mobilisierung ungewöhnlicher Bewälti- Resultat selbstgesteuerten Lernens und biographischen Entwicklungen mitein-
gungsressourcen verlangt. Zu Risiken des erfolgreichen Spielens; er wurzelt im beziehen. Das Beziehungsgeflecht der
Leistungssports im Kindes- und Jugend- Erleben der Kontingenz des Spielens. Kategorien und der Kernkategorie lässt
alter liegt ein ausführlicher Überblicks- Die Kommerzialisierung des Profisports sich also wie folgt (s. . Abb. 1) darstellen:
Beitrag von Güllich und Richartz (2015, mit den Tendenzen der Erfolgsmaximie-
S. 151 ff) vor. Die interviewten Sportspie- rung und Siegfixierung birgt jedoch das
ler konnten diese nicht gerade risikoarme Risiko, diese Kontingenz des Spielens
Situation schließlich bewältigen; mögli-

German Journal of Exercise and Sport Research


Diskussion profitieren diese Sportler, wenn sie sich neuen Herausforderungen in den ver-
in frühen Jahren sportlich mehrgleisig schiedenen Karrierefacetten.
Die Kategorien und ihre Zusammen- engagiert haben, zu späterer Zeit von Ähnlich wie Güllich (s. oben) an-
hänge sind das Ergebnis einer – in der der Langzeitwirkung der Lernprozesse, nimmt, dass kontrastierende sportli-
Spitzensportforschung selten realisierten des sog. „preparation of future learning“ che Lernerfahrungen eine allgemeinere
– biographischen Untersuchung; d. h. es (PFL; Bransford & Schwarz, 1999). Dabei Wahrnehmungs- und Informations-
handelt sich um subjektive (Re-)Kon- greifen zwei Wirkungsweisen ineinan- verarbeitungsfähigkeit entstehen und
struktionen junger Spitzensportler hin- der: verbessern lassen, folgern wir aufgrund
sichtlich bedeutsamer Situationen, Be- 1. Verhaltens(problem)lösungen („skill- der vorliegenden Studie, dass die in den
dingungen und Verläufe ihres sportlich solutions“) werden kombiniert durch verschiedenen biographisch relevan-
gelebten Lebens (vgl. Kap. 2). Für die interne, spezifische (within) Lö- ten Feldern gewonnenen Erfahrungen
Karriereentwicklung ebenso wichtige sungen mit der Variation durch den Sinn für Kohärenz entstehen und
Faktoren und Bedingungen, wie etwa überschreitende („across-skill“) wachsen lassen. Obwohl die beiden Er-
die Umfänge und Qualität des Trainings, Lösungen. klärungsansätze unterschiedlich sind
die Kompetenzen der Trainer oder die 2. Kontrastierende sportliche Lerner- (hier eine biographiebezogene, dort eine
Potenziale der Vereine und Verbände, fahrungen fördern die Wahrneh- skillbezogene Perspektive), besteht eine
geraten dabei nur soweit sie von den mung und Informationsverarbei- deutliche Übereinstimmung darin, dass
Akteuren thematisiert werden in den tungsprozesse – gewissermaßen das sie die Bedeutung von Problemlösungen
Blick. „learning to learn“ – und ermögli- in variierenden Kontexten (Sportar-
Gleichwohl lassen unsere Ergeb- chen dadurch eine bessere Steuerung ten; biographischen Facetten) für eine
nisse durchaus An- und Aufschlüsse des Lernens bzw. der Entwicklung allgemeinere Problemlösefähigkeit der
hinsichtlich anders gelagerter Untersu- von Problemlösungen. Güllich hält erfolgreichen Sportler hervorheben. Un-
chungen zu. So konnte (im Kap. 4.1) die zweite Wirkungsweise für die re- terschiedlichkeit besteht hinsichtlich der
gezeigt werden, dass die Biographien levantere (oben aufgeführt; S. 2286). Annahmen über die Dynamik dieser Ent-
der Sportler nicht deckungsgleich im wicklungen. Während Güllich (s. oben)
Sinne einer „einspurigen Schnellstraße Analog dazu lässt sich die Entwicklung von einer Langzeitwirkung („preparation
zum Erfolg“ geformt sind, sondern eine des Kohärenzsinns oder des Kohärenz- of future learning“) der Lernerfahrun-
deutliche Variabilität im Sinne „indivi- gefühls verstehen. Dieses Konstrukt geht gen ausgeht, ist die Konzeption des
dueller Bahnung in einem Wegenetz“ auf salutogenetische Analysen von Anto- Kohärenzsinns nicht latent-sprunghaft,
aufweisen. Dieser Befund erhärtet die novsky (1997) zurück, weist eine inhaltli- sondern sukzessiv-aufbauend model-
von Güllich und Richartz (2015) getrof- che Nähe und Gemeinsamkeiten mit den liert; das Kohärenzgefühl entwickelt sich
fene, empirisch fundierte Feststellung: psychologischen Konstrukten der Kon- generativ in der Lebensgeschichte der
„Im Einzelnen sind Spitzensportkarrie- trollüberzeugung, Selbstwirksamkeitser- heranwachsenden Sportler. Insgesamt
ren gekennzeichnet durch beträchtliche wartung, des Optimismus, der Hardiness gesehen zeigt sich, dass die Karriere-
interindividuelle Streuungen juveniler und Resilienz auf und meint eine grund- entwicklung erfolgreicher Sportspieler
Trainingsumfänge, Wettkampferfolge legende, stabilisierende Ressource (eine trotz des Wandels in den gesellschaftli-
und des Alters der Spezialisierung, was globale Orientierung), die es ermöglicht, chen Bedingungen des Aufwachsens und
auf die profunde Individualität leis- trotz vorhandener größerer Belastungen der früheren, intensiveren und umfang-
tungssportlicher Karrieren hinweist“ produktiv (lebens)gestalterisch zu han- reicheren Nachwuchsförderung durch
(oben aufgeführt; S. 148). Diesbezüglich deln. Indem die erfolgreichen Sportler – Sportorganisationen auch heute noch
kann auch auf den Überblicksbeitrag von so lautet unsere Annahme – in den bio- maßgeblich vom Gestaltungswillen und
Güllich und Emrich (2014) hingewiesen graphisch relevanten Feldern – also im -vermögen der einzelnen Sportler (und
werden. Diese These von der „profun- Umgang mit Familien, Freunden, Schule der für sie bedeutsamen Beziehungs-
den Individualität leistungssportlicher oder mit der institutionellen Förderung personen) abhängt; sie bleiben aktive
Karrieren“ wird durch die Ergebnisse oder mit Älteren usw. – lernen, die jewei- Gestalter ihrer Entwicklungsgeschich-
der vorliegenden Studie bestätigt und ligen Situationen zu verstehen, für sich ten.
insofern ergänzt, als sie sich eben auch passende Handhabungsweisen zu finden
auf bestimme psychosoziale Aspekte, und dabei lohnende (subjektiv sinnvolle) Korrespondenzadresse
wie dem des „Lernens von Älteren“ oder Ziele zu verfolgen, entwickelt sich ein ge-
der „familiären Unterstützung“ bezieht. neralisiertes Vertrauen in die eigene zu- Dr. Christian Kröger
Institut für Sportwissenschaft,
Des Weiteren korrespondiert die sammenhangsstiftende Wahrnehmungs-
Christian-Albrechts-
theoretische Konstruktion (des Kate- und Gestaltungsfähigkeit, es entsteht ein Universität zu Kiel
goriengeflechts) unserer Untersuchung Kohärenzgefühl. Und dieser „sense of co- Olshausenstr. 74, 24098 Kiel,
mit Annahmen von Güllich (2017) zur herence“ wirkt seinerseits produktiv zu- Deutschland
Entwicklung eines Lerntransfers bei er- rück auf die Problemlösungsprozesse bei ckroeger@email.uni-kiel.de
folgreichen Spitzensportlern. Demnach

German Journal of Exercise and Sport Research


Hauptbeitrag

Funding. Open Access funding provided by Projekt Güllich, A., & Richartz, A. (2015). Leistungssport. In
DEAL. W.Schmidt,etal.(Hrsg.),Dritter Deutscher Kinder-
und Jugendsportbericht. Kinder- und Jugendsport
im Umbruch (S. 140–161). Schorndorf: Hofmann.
Kröger, C., & Roth, K. (1999). Ballschule. Ein ABC für
Einhaltung ethischer Richtlinien Spieleanfänger. Schorndorf: Hofmann.
Marotzki, W. (2004). Qualitative Biographieforschung.
Interessenkonflikt. C. Kröger und W.-D. Miethling In U. Flick, E. von Kardorff & J. Steinke (Hrsg.),
geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht. Qualitative Forschung. Ein Handbuch (3. Aufl.
S. 175–186). Reinbek: Rowohlt.
Mayring, P. (2015). Qualitative Inhaltsanalyse: Grundla-
Für diesen Beitrag wurden von den Autoren keine
gen und Techniken (12. Aufl.). Weinheim: Beltz.
Studien an Menschen oder Tieren durchgeführt.
Neuber, N., & Salomon, S. (2015). Aufwachsen
Für die aufgeführten Studien gelten die jeweils dort
im Wandel. In W. Schmidt, et al. (Hrsg.),
angegebenen ethischen Richtlinien.
Dritter Deutscher Kinder- und Jugendsportbericht
(S. 24–29). Schorndorf: Hofmann.
Open Access Dieser Artikel wird unter der Creative
Roth, K., & Kröger, C. (2015). Ballschule. Ein ABC für
Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz
Spieleanfänger (5. Aufl.). Schorndorf: Hofmann.
veröffentlicht, welche die Nutzung, Vervielfältigung,
Roth, K., Kröger, C., & Memmert, D. (2015). Ballschule
Bearbeitung, Verbreitung und Wiedergabe in jegli-
Rückschlagspiele(3.Aufl.).Schorndorf:Hofmann.
chem Medium und Format erlaubt, sofern Sie den/die
ursprünglichen Autor(en) und die Quelle ordnungsge-
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men wurden.

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einzuholen.

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licenses/by/4.0/deed.de.

Literatur
Antonovsky, A. (1997). Salutogenese: Zur Entmystifizie-
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Bransford, J. D., & Schwartz, D. L. (1999). Rethinking
transfer: a simple proposal with multiple implica-
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Hochleistungssportler – ein Beitrag zum Thema
Sport und Persönlichkeit. Sportwissenschaft,
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German Journal of Exercise and Sport Research

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