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Tanz auf dem Vulkan

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Die goldenen 2Oer in Bildern, Szenen
und Objekten

Sonderausstellung des Landesmuseums


für Technik und Arbeit in Mannheim
vom 10. September 1994 bis 31. .lanuar 1995

Begleithefte zur Ausstellung

Bilder, Szenen H. Steffens/M. Unser


und Objekte

Radio f ür alle U. Kern/H. Steffens

Literatur und K. Möser/Ch. Kleppel


Buch kultur

Norrrrielurrc; 1 V. Ben;,rd.Wagenlto{f / R. Seliz

Normierung 2 K. Budde

M asse n spo rt H. Steffens/M. Unser

Bilderwelten H. Steffens

Volksvergn üqen H. Steffens/J. Abele

lmpressum

GestaItLt nq ; Heike lt4orath


Fotograf ie: Brigitte Grassmann, Klaus
Lugrnsland, Rainer Paasche, Regina Spät
Text r ed a kti on : Gerha rd Zr,veckbron ner

O beim Herausgeber:
Landesmuseum für Technik und Arbeit
in [,4annheinr
l.4user,nrs,lrdße l, 681b5 MannlreiIr
Alle Rechte vorbehalten, l,4annheim 1994
Geclruckt nrit f reundlicher Unterstittzur-rg des
f.4useumsvereins f ür Technik und Arbeit e.V

Die Deutsche Bibliothek - CIP-Einheitsaufnahme:

Tanz auf denr Vulkan


Nornrierung l: Rationalisierung und Psychotechnik
Hrsg. vonr Landesmuseunr für Technik und Arbeit
in Mannheim
Benad-Wagenhoff , Volker/5eltz, Rüdiger
lsBN 3-980401 s-3-7
Ileirrriclt Iloerle:
De tt k tn a I de r t ttt lte kd nnten
Protlsesen, 193O
W)tt de| Fle,t dt-llIuse utn,
Vuppertal

"Wer kann voraussehen, wohin die Herrschaft


der Maschinen [...] führen wird? Zuerst wird sich
die Menschheit mit Fabrikation von Werkzeugen
intensiver beschäftigen. Nach und nach wird sie
Führermaschinen erbauen, Maschinen, die man
auf verschiedene Weise regulieren kann, um
durch sie die notwendigen Maschinen für neue
Bedürfnisse zu schaffen. "
Ozenfant, J. : Kunst, Wissenschaft und die Gesell-
schaft von morgen, in: Europa-Almanach '1925
R.tio,."risierung und
Psychotechnik
Die Rationallsierung der maschlnenbaullchen
Fertigung in den 2OerJahren

Soll sichdie deutsche lndustrie nach diesem Industrlelle Rationalisierung


Weltkriege wieder einen Platz auf dem Welt- Obwohl der Begriff erst in der 20er Jahren All-
markt erobern, so kann sie es nur durch spar- gemeingut wurde, ist Rationalisierung viel äl-
samsfe Bewirtschaftung der Rohstoffe, hohe ter. Was aber in vorindustrieller Zeit meist un-
Wirtschaftlichkeit in den Arbeitsverfahren und beabsichtigtes Ergebnis vieler kleiner Verbes-
eine weise Preispolitik (Hülle, 1919, S. lll). serungen war, wurde in der auf Gewinn und
Wachstum ausgerichteten Produktionsweise
des Kapitalismus, die sich mit der lndustriellen
Was ist Ratlonalisi€rung?
Revolution durchgesetzt hatte, zur bewußten
"Rationalisierung" bezeichnet die zweckorien- und allgegenwärtigen Zielsetzung.
tierte (Um)-Gestaltung von Arbeitsprozessen
bei der Planung, Herstellung und Vermarktung Ein erster großer Schub dieser "industriellen"
von Gütern. Sie erfaßt im Prinzip alle Seiten Rationalisjerung war vom Ende des 18. bis in
dieser Prozesse: Arbeitsgegenstände, Arbeits- die Mitte des 19. Jahrhunderts die von Groß-
mittel und menschliche Arbeitskräf-
te werden dem Ziel angepaßt, mit
möglichst geringem Aufwand einen ffi-
möglichst großen Effekt zu erreichen.
Dabei heißt rationalisieren nicht, unter
allen Umständen modernste Technik
einzuf uhren. Auch "altmodische" Me-
thoden können in der aufs Betriebs-
wirtschaftliche beschränkten Logik
des Einzelunternehmens noch ratio-
nell sein, wenn sie Kostenvorteile
gegenüber der Konkurrenz bringen.

Ahh. I
I Ierk(intnl li. l)e Ferti-
llt tn gs( )rgd Ir i s(r I i ( ) t t

2
britannien ausgehende Herausbildung der Fa- nen. Mit stärkeren Antrieben, steiferen Maschi-
brik, das heißt der auf Maschinen gegründeten nengestellen, intensiver Kühlschmierung der
Werkstatt (Marx), als der charakteristischen Werkzeugschneiden und mit dem 1900 einge-
Form des lndustriebetriebes. Mit ihr entstand führten Schnellarbeitsstahl ließen sich die pro-
der industrielle Maschinenbau als Träger der duktiven Hauptzeiten drastisch verringern. Für
Rationalisierung: Er liefert und verbessert seit- massenhaft benötigte kleinere Teile breitete
dem die Mittel fur rationelles Produzieren in sich die punktuell schon vor 1890 verwirklichte
allen Gewerbezweigen. Allerdings entwickelten automatische Fertigung weiter aus, während
sich im Maschinenbau selbst vorerst nur aus- handgesteuerte Bearbeitungsprozesse mit im-
nahmsweise Ansätze von Massenproduktion. mer mehr automatisierten Teilschritten durch-
setzt wurden. Es gelang durch die steiferen Ge-
Ein zweiter Schub der industriellen Rationali- stelle, durch Ausbreitung des Schleifens und
sierung begann im Maschinenbau um 1890. ln durch lntegration von Feinmeßmitteln in die
den USA, aber auch in Deutschland setzten Werkzeugmaschinen, deren Fertigungsgenau-
lebhafte Bemuhungen ein zur Steigerung der igkeit so zu steigern, daß sie fertige, exakt pas-
Produktivität auch in Bereichen, die bis dahin sende Einzelteile lieferten. Damit wurde die
keine Massenfertigung kannten. Dieser zweite Nachbearbeitung von Hand im Prinzip über-
Schub gewann seinen bis weit ins 20. Jahrhun- f lüssig.
dert anhaltenden Schwung aus der Tatsache,
daß er nicht nur die fertigungstechnischen As- Diese Ergebnisse ließen sich dann in eine Ver-
pekte des Produktionsprozesses erfaßte, son- besserung der betrieblichen Organisation um-
dern stärker als früher auch die betriebsökono- münzen, wenn es gelang, die Produktpalette
mischen und humanwissenschaftlichen. eines Betriebes auf wenige Maschinenarten zu
beschränken ("Spezialisierung"), bei diesen
Dre fertigungstechnischen Veränderungen ziel- wenige, klare Maschinentypen zu brlden ("Typ-
ten auf Beschleunigung, Automatisierung und ung"), und durch "Normung" die Vielfalt der
Genauigkeitssteigerung der maschinellen Be- Einzelteile so zu vereinheitlichen, daß möglichst
arbeitungsprozesse. Durch bessere Gestaltung viele gleiche Normteile vorkamen. Die ließen
und Anordnung der Bedienelemente verkürzte sich dann in großen Stückzahlen rationell, das
man unproduktive Nebenzeiten an den Maschi- heißt zumindest teilweise automatisch fertigen.

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Parallel dazu entstand eine immer präzisere schinen zugeteilt. Damit war man in der Fer-
Kostenrechnung, mit der sich feststellen ließ, tigung von Einzelstucken und von kleinen und
wo im Betrieb sparsam und wo verschwende- mittleren Serien recht flexibel, hatte aber einen
risch gewirtschaftet wurde. Desweiteren ver- großen Transportaufwand zu bewältigen. Bei
suchte man rationellere Fertigungsformen ein- der nun angestrebten "Linienfertigung" wur-
zuführen. Bis dahin hatte man die Betriebe den die Maschinen in der Reihenfolge der Be-
nach dem "Werkstattprinzip" gegliedert, bei arbeitungsschritte aufgestellt, damit die Teile
dem die Maschinen nach den Bearbeitungs- ohne großes Hin und Her ihren Weg durch die
verfahren zu Abteilungen zusammengefaßt Fabrik nehmen konnten. Als ldeal galt die
waren (Dreherei, Fräserei usw.). Die Werkstük- "Fließfertigung", bei der das im strengen Takt
ke liefen zwischen den Abteilungen hin und geschah, um totes Kapital in Gestalt von Zwi-
her und wurden jeweils den gerade freien Ma- schenlagern zu vermeiden. Henry Ford hatte
das in den USA schon vor 1914 teilweise ver-
Abb.2 wirklicht. Er wurde damit zum Vorbild für deut-
Vo r nt o t t t d ge ba t d ft: i r sche Firmen. Eine davon war die Landmaschi-
Sclrleppergehiebe
nenfabrik Lanz in Mannheim, die in den 20er
Jahren begann, Ackerschlepper am Fließband
zu montieren.

Schließlrch gab es seit dem Ende des 19. Jahr-


hunderts eine immer intensivere Einbeziehung
humanwissenschaftlicher Erkenntnisse. So ent-
stand schon vor 1914 ein neuer Bereich der
Ingenieurwissenschaften, die " Psychotechnik".
Sie zielte darauf, Mensch und sachtechnische
Ausrüstung optimal zu kombinieren. (Siehe da-
zu den Beitrag von Rüdiger Seltz)

Die "Rationalisierungswelle" der 2Oer Jahre


fußte auf diesen Ansätzen. Sie war in ihren

4
DER ZUG NACH

sachtechnischen und arbeitsorganisatorischen

I
Elementen keine neuartige Erscheinung, son-
AHERIKA REISE ,I924
dern beruhte auf der Ausbreitung und Popula-
risierung von Voraussetzungen, die im wesent-
lichen vor dem Ersten Weltkrieg geschaffen
worden waren. Neu waren das breite öffentli-
che lnteresse an Rationalisierung und ihr Aus- Abb.3
Bucbtitel aus dett
greifen auf Bereiche wie Buro und Haushalt. 2OerJalsren

Das amedkanlsche Vorblld

Auffällig ist in den 20er Jahren der stete Bezug Die Amerikaner konnten

auf das Vorbild USA. Schon im 19. Jahrhun- ihre Vorreiterrolle im


dert waren dort für einzelne, in großen Men- 20. Jahrhundert behaup-
gen nachgefragte maschinenbauliche Produkte ten, weil ihre gunstigen
wie Handfeuerwaffen und Nähmaschinen For- ökonomischen Randbedin-
men der rationellen Massenfertigung entstan- gungen es ihnen erlaub-
den, weil das Land über einen riesigen Binnen- ten, rationelle Massenfertigung in rmmer neu-
markt verf ügte, auf dem sich große Mengen en Bereichen anzuwenden und technisch wie
standardisierter Güter absetzen ließen, und organisatorisch weiterzuentwickeln. Für diesen

weil gleichzeitig qualifizierte Facharbeiter fehl- Fortschritt stehen Frederick Winslow Taylor
(1856-1915) und Henry Ford (1863-i947) Iay-
ten. ln diesem "amerikanischen System der
Fertigung" versuchte man konsequent, unpro- lor hat um die Jahrhundertwende versucht,
duktive Zeitanteile im Fertigungsprozeß ein- das Wissen um maschinenbauliche Fertigungs-

zusparen und sich von qualifizierter Facharbeit prozesse zu erweitern, zu bündeln und zu for-

unabhängig zu machen, indem man Know- malisieren, damit das Management in die Lage

how in Maschinen und Einrichtungen hinein- versetzt würde, Betriebsabläufe wirksam zu


verlegte. straffen und zu kontrollieren. Auch wenn das
Ziel einer "wissenschaftlichen Betriebsführung"
nicht erreicht wurde, haben er und seine Schü-

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ler dem Rationalisierungsstreben doch nachhal- Das amerikanische Vorbild wurde in Deutsch-
tige lmpulse gegeben. Ford und seine lngenieu- land nicht erst in den 20er Jahren entdeckt.
re haben zum ersten Mal in der Geschichte das lngenieure und Betriebsleiter waren, nachdem
sie bis dahin ihr Know-how aus Großbritannien
bezogen hatten, seit 1870 immer wieder in die
U5,A gereist. lnden Fachzeitschriften wurde da-
rüber ausführlich berichtet. Man bewunderte
vieles, war sich aber im klaren, daß sich längst
nicht alles übertragen ließ und daß man selbst
auch etwas zu bieten hatte. So setzte vor dem
Ersten Weltkrieg eine lebhafte Debatte über
die Vor- und Nachteile der vor allem von Taylor
propagierten "wissenschaftlichen Betriebsf uh-
rung" ein. Der Umgang der Fachleute mit dem
amerikantschen Vorbild war selbstbewußt, dif-
ferenziert und kritisch. Das blieb bei vielen auch
in den 2Oer Jahren so, wurde aber uberlagert
von einer Euphorie, deren Träger oft Nicht-Fach-
leute waren. Die Gründe dafür lagen in den
Abb.4
Motttagebdnd des Ford Erfahrungen des Krieges und in der speziellen
Mrxlell T deutschen Nachkriegssituation.

Automobil - ein hochkomplexes technisches


Produkt - zu einem für breite Bevölkerungs- Randbedlngungen und Merkmale der
"Rationalisierungswelle" in den 20er Jahren
schichten erschwinglichen, massenhaft gefer-
tigten Konsumgut gemacht, mit allem, was Der Erste Weltkrieg war für die Maschinenbau-
a n fertigun gstech nischen Vora ussetzu ngen da- betriebe in Deutschland ein drastischer Ein-
zugehörte. Und das war weit mehr als das schnitt. Die Facharbeiter kamen an die Front;
"Fließband", das einem gewöhnlich einfällt, in die Fabriken rückten Arbeitskräfte vom Lan-
wenn der Name Ford genannt wird. de und Frauen ein: Hilfskräfte, die noch nie an

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Abb.5
Frctuenarbeit in der
.*"+ m ec b a tilsc lt et t I.-e17 ig tt ng

Maschinen gestanden hatten. Außerdem muß- befaßten sich jetzt weite Teile der Öffentlich-
ten die vorhandenen Kapazitäten in kürzester keit: Politiker, Journalisten, Künstler, Gewerk-
Zeit auf die Fertigung von Waffen und Muniti- schafter Ford und Taylor wurden im breiten Be-
on umgestellt werden. Dieser militärische Mas- wußtsein zu Pionieren einer neuen Produktions-
senbedarf konnte nur befriedigt werden durch technik. die aus der Krise herausf ühren sollte.
veränderte innerbetriebliche Organisation und
durch zentrale Koordination der vielen Betrie- Geradezu idealtypisch zeigt sich der Charakter
be, die an der Herstellung beteiligt waren. Die ingenieurmäßiger Rationalisierung bei der Wie-
überbetriebliche Normung häufig wiederkeh- dereingliederung von kriegsversehrten Drehern.
render Teile wurde entschlossen in Angriff ge- So war die im 19. Jahrhundert für mittlere Se-
nommen; sie mündete schließlich in den DIN- riengrößen entwickelte Revolverdrehmaschine
Normen. lnsqesamt waren die Betriebe zwar auf den zwar körperlich intakten, aber minder-
durch die Umstellung auf den Krieg enormen
Belastungen ausgesetzt, es entstand aber eine
viel größere, in die Breite gehende Vertrautheit
mit Methoden und Problemen moderner, ratio-
neller Massenfertigung.

Die wirtschaftliche Lage Deutschlands nach


dem Krieg - Verlust von Exportmärkten, Repara-
tionslasten, lnflation, Arbeitslosigkeit, Reinte-
gration von häufig kriegsversehrten Frontsolda-
ten und die schwierige Wettbewerbssituation
auf dem Weltmarkt - verstärkte das lnteresse
an "Rationalisierung" zuallererst bei lngenieu-
ren und Betriebsleitern. Sie wurde aber weit Abb.6
Anrcikartische
über den Kreis der Fachleute hinaus zur Parole Retrth:erdreb-
der Hoffnung. Was vor dem Krieg in Deutsch- nmscbine unl
1865
land nur die Fachleute interessiert hatte. damit

7
Abb.7
Oherdriltstilntpf nrit
I) i z aps d t tc l.r b o l.t ru t t g

arbeitet", daß sie problemlos an die normier-


ten Ersatzglieder paßten und daß die verblie-
benen Muskeln optimale Kraft und Ausdauer
erbrachten. Beides offenbart schlaglichtartig
Kehrseiten der Rationalisierung: Sie verstLim-
melt menschliches Arbeitsvermögen, und ihre
Befürworter nehmen das wie selbstverständ-
lich hin. Es zeigt aber auch den naiven Optimis-
mus, mit dem die Ingenieure darauf bauten,
daß Rationalisierung gesellschaftlich erzeugte
Probleme lösen könne.

Euphorie und Realität in den 20erJahren


Abb.8
A ntpulierle r nt it Ets0lz- Die hochgespannten Erwaftungen in Fachwelt
d rnr, itr Tcst.44xtrdtur
und Öffentlichkeit an die Rationalisierung ha-
eingesPlt nrlt
ben sich nicht erf ullt: Nach der Rationalisie-
rungswelle Mitte der 20er Jahre kam die Welt-
qualif izierten angelernten Arbeiter zugeschnit- wirtschaftskrise, nach der Euphorie der Katzen-
ten. Zum einen erwies sich dieses Maschinen- jammer. Nun machte das Schlagwort von der
konzept nun für Einarmige als besonders ge- "Fehlrationalisierung" die Runde. Aber auch
eignet; diese leisteten fast ebenso viel wie ihre das war nur die halbe Wahrheit. Selbst als die
gesunden Kollegen, denn der Krieg hatte Kör- öffentliche Begeisterung abebbte, liefen die
perteile und Geschicklichkeiten amputiert, die Bemühungen der Fachleute weiter. Mit Verei-
im rationalisierten Arbeitsprozeß ohnehin kaum nen und Arbeitskreisen wie dem "Reichsku-
noch gebraucht wurden. Zum anderen boten ratorium für Wirtschaftlichkeit" (RKW), dem
die arztlichen Eingriffe an den Versehrten die "Reichsausschuß für Arbeitszeitermittlung"
seltene Chance, den Arbeiter "konstruktiv" (REFA), der "Arbeitsgemeinschaft deutscher Be-
an die sachtechnische Einrichtung anzupassen: triebsingenieure" (ADB), dem "Ausschuß fur
Die Armstümpfe wurden chirurgisch so "be- wirtschaftliche Fertigung" (AWF), die damals
von Industrie und Ingenieurverbänden gegrun-
det wurden, gewannen Rationalisierungsbe-
mühungen eine feste institutionalisierte Gestalt. Abb.10
ZutisL l.tetrluger
Die Erfahrungen aus Erfolgen und Mißerfolgen fe rt i gqe t I r c b t e r k tI lte t t

gingen nicht verloren. Man schaffte zwar den


schnellen Durchbruch nicht, war aber in einen
zähen Prozeß ständigen Ringens um Rationali- einer Bearbeitungsstation zLlr nächsten weiter-
sierung eingetreten. Straffung der Produktions- gegeben würden und es dazwischen keinerlei
abläufe blieb auf der Tagesordnung. Werkstucklager gäbe. Wenn man das hätte rea-
lisieren können, dann hätte man eine sehr ho-
Exemplarisch zeigt sich das an der Fließferti- he KapitalausnutzLrnq erreicht, weil immer alle
gung, die in Gestalt des "laufenden Bandes" Teile in Bearbeitung oder in notwendige Trans-
zum Synrbol der Rationalisierung geworden portoperationen und alle Maschinen immer in
war; sich aber in ihrer ldealfornr kaum realisie- produltive Abläufe einbezogen gewesert wä-
ren ließ. Denn konsequente Fließfertigung ren. Aber. Bei Fließarbeit ist jede Operation an
hieße, daß sowohl die Teilefertigung als auch die tibrigen gebunden, und es treten Schwie-
die Montage nach dem Fließprinzip organisiert rigkeiten auf bein Versagen erner Arbeitsstelle
wären, alle Werkstucke im gleichen Takt von (Mäckbach, 1926, S. B), das heißt: Stillstand
an einer Stelle blockiert das qesanrte Sy-
stem. Bei konrplexen Stuckgütern, wie
BTTCIfBg IIITUilG
für die OFeS-Bel€qt(hdla sie im Maschinenbau entstehen, war und
ist das bis heute kaum zu vermeiden.
Deswegen sind in der Realität immer trur
Abschnitte der Fertigungsfolge f ließend
organis,iert, dazwischen gibt es Werk-
I
stucklager, die das Weiterarbeiten auch
Rüssel{,eün r. }1., den li. \oren,b.. 1929

dann ernröglichen, wenn in vorgeordne-


Abb.9 ten Bereichen Stillstand eintritt. Außer-
Kt tltf t I e r SP D -Bct r ie bsza i - dem blieb man danrals in vielen Abschnit-
tilttgJ1:ir (lic opt'ltrt'rhe irt
Rii ssel sl.tci trt, 1 929
ten bei der herkörrnrlichen Orqanisati-

9
Abb.11
FIießbandmoiltage des
GrrlSbulldog HR 2 bei
rler Heinrich lartz AG
in Mannbeiil, ab 1926

onsform des Werkstattprinzips. Dazu kam, daß Ersten Weltkrieg in ihren Grundelementen ent-
Fließorganisation nur mit großem Aufwand auf wickelt worden waren, einen festen Platz in
ein anderes Produkt umzustellen war. Deshalb den Zielkatalogen von lndustrie und lngenieur-
eignete sie sich nur für Produkte, die über aus- verbänden sichern konnten. ln der Rüstungs-
reichend lange Zeit in großen Stückzahlen ge- produktion für den nationalsozialistischen An-
braucht wurden. griffskrieg wurde auf diese Methoden eben-
so zurückgegriffen wie in der Phase des deut-
Das gab es in Deutschland viel seltener als in schen Wiederaufbaus nach dem Zweiten Welt-
den USA. lnsofern war die Fließfertigung von krieg. ln vieler Hinsicht brachten erst die 50er
Ackerschleppern bei Lanz in Mannheim eine und 60er,lahre eine breitere Durchsetzung
Ausnahme, zugleich aber typisch für dieses Pro- "amerikanischer" Fertigungsmethoden, wie
dukt, das in großer Stückzahl gefertigt wer- man sie sich in den 20ern erträumt hatte - et-
den konnte. Die Kompromisse, die man bei der wa beim VW-Käfer, der 1972 als erster Pkw-
Übernahme der neuen Organisation üblich- Typ eine größere Gesamtstückzahl erreichte
erweise eingehen mußte. werden durch die als das T-Modell von Ford.
zeitgenössischen Bilder belegt. Sie zeigen, daß
man den Fertigungsprozeß auch hier nicht Volker Benad-Wagenhoff
durchgängig fließend aufgebaut hatte, son-
dern nur Teilstrecken, die durch Werkstückla-
ger getrennt waren. Als besondere Leistung ist
zu werten, daß man keinen Neubau "auf die
grüne Wiese" stellte, sondern sich in den alten
Gebäuden einrichtete, unter Verwendung vor-
handener Werkzeugmaschinen. Offenbar war
man angesichts der Nachkriegsprobleme be-
müht, lnvestitionsmittel zu sparen.

Trotz aller Abstriche muß man festhalten, daß


sich in den 20er Jahren die modernen Formen
der betrieblichen Rationalisierung, die vor dem

10
"Laboratorien der Moderne":
Psychotechnlk und
"Ratlofl elle Menschenwirtschaft"

Rationalisierung, Mechanisierung, Die Schlag' physik mit Untersuchungen zur Ermüdung,


worte der neuesren Zeit. Die Wirtschaft wiegt zum Antrieb, zur Berufseignung und Erhöhung
sich nicht mehr im Walzertakt, sie schreitet der men's,ch ichen Leistun gstüchtigkeit, kurz
I

auch nicht mehr im Marschtempo, ihre Musik zur Erforschung und Beeinflussung des Arbei-
ist von atemberaubender Wucht und voller sinn- ters als der "Kraftmaschine Mensch" (Kraepe-
verwirrender Dissonanzen (Rössiger, 1930, S. B0) lin, 1902) gab es zwar schon vor dem Ersten
Weltkrieg. lhren eigentlichen Siegeszug aber
"Amerikanisierung" von Betrieb und Wirtschaft trat die industrielle Psychotechnik erst unter den
nach Taylor und Ford, Rhythmik und Dynamik Bedürfnissen der Kriegswirtschaft in Deutsch-
der Maschinenwelt lösten in den 20er Jahren land und der sich rasch ausbreitenden Rationa-
einen "Rationalisierungs-Rausch" aus, in des- lisierungswelle in den 20ern an. Die Rationali-
sen Gefolge auch der Faktor "Mensch" einem sierung des menschlichen Faktors - die "Men-
wahren "Rationalisierungs-Unwetter" ausge- schenökonomie" - wurde wichtigstes Ratio-
setzt wurde. Einem zeitgenössischen Beobach- nalisierungsanliegen der deutschen lndustrie.
ter zufolge lief durch die deutsche Wirtschaft Von der lndienstnahme der verheißungsvollen
in den 2Oern die Parole: Unsere Betriebe sind Menschenwirtschaft der Psychotechnik ver-
veraltet! Wir sind nicht konkurrenzfähig! Wir sprach man sich Hilfestellung bei der "Fähig-
müssen unsere Betriebe rationalisierenl (Bauer, machung" und "Fertigmachung" des Men-
1931, S. 161). Diese Rationalisierungsparole schen zum Zwecke des reibungslosen Einrei-
gab den Auftakt zu einer beispiellosen Erfor- hens in den rationalisierten Betrieb. Diesen
schung der psychosozialen Seiten der mensch- Erwartungen entsprach auch weitgehend das
lichen Arbeitskraft. Selbstverständnis maßgeblicher deutscher Psy-
chotechniker wie Hugo Münsterberg, Walter
Moede, Georg Schlesinger oder Fritz Giese: Sie
ttKr.ft- und Arbeltsmaschine Mensch"
glaubten, mit Hilfe ihrer neuen Wissenschaft
ln der industdellen Psychot€chnlk
das "betriebliche Menschenproblem" lösen zu
Bei der Suche nach neuen Möglichkeiten zur können.
"rationellen Menschenwirtschaft" spielte die
industrielle Psychotechnik eine herausragende Als praktisch-experimentelle Wissenschaft von
Rolle. Angewandte Psychologie oder Psycho- der "Menschenbehandlung" wußte man sich

11
verbunden mit den Bestrebungen der Wirt- nun folgenden raschen und strahlenden Ein-
schaft nach rationeller Betriebsführung und zug der Psychotechnik tn die Betriebe der Wirt-
Menschenökonomie getreu der Devise: "den schaft. Das Institut wurde bald nach der Grün-
geeigneten Mann an den geeigneten Platz" dung zu einem Wallfahrtsort der Psychotechnik
(Moede). Weiter noch ging Hugo Münsterberg f ur lndustrielle und Ingenieure.
mit seinen Leitmaximen, wenn er die neue Wis-
senschaft der Psychotechnik in den "Dienst Bis Mitte der 2Oer Jahre - zur Blütezeit der Psy-
der Kulturaufgaben" stellte und letztlich wirt- chotechnik - bot sich dann rasch eine schillern-
schaftlichen Frieden und soziale Harmonie als de psychotechnische Landschaft mit einer Viel-
Verpflichtung gegenuber der "Kultur" herbei- zahl unterschiedlicher Einrichtungen und Labo-
führen wollte. ratorien. Es gab private Organisationsinstitute,
Hochschulinstitute, Lehrstühle für Psychologie,
Wichtige organisatorische Grundlage f ür den industrieeigene psychotechnische Laboratorien
Sregeszug und raschen Ausbau der Psychotech- und Teststationen, staatliche Forschungs- und
nik war der '19'18 in Berlin gegründete "Aus- Prufungseinrichtungen. 1922 unterhielt die
schuß für industrielle Psychotechnik", dem Ver- deutsche Industrie bereits 170 psychotechni-
treter aus lndustrie und Wissenschaft ange- sche Laboratorien und Teststationen, die wis-
hör1en. Gemeinschaftsziel war, die Auslese und senschaftliche Zuarbeit aus über 20 psycholo-
Zuteilung von Arbeitskräften für bestimmte gischen Universitätsinstituten, Privateinrich-
Arbeitstätigkeiten mit Hilfe psychotechnischer tungen oder industrieeigenen Instituten erhiel-
Eignungstests auf eine objektive wissenschaft- ten (Hinrichs, 1977). Etne ganze Reihe " Psy-
liche Grundlage zu stellen und hierfur betriebs- chotechnischer Stellen " wurde eingerichtet:
ubergreifende generelle Richtlinien zu erarbei- 55 wissenschaftliche Forschungsinstitute, 36
ten. Mit der ebenfalls 1918 an der Technischen Einrichtungen des "Reichs und der Länder"
Hochschule (TH) Berlin-Charlottenburg gegrün- und 96 Einrichtungen der Privatwirtschaft
deten ersten Hochschulforschungsstätte für in- (Homburg, '1991; Moede, 1935).
dustrielle Psychotechnik wurde nicht nur recht
schnell die enge Verzahnung von Wissenschaft lm "Rationalisierungsrausch" der 2Oer entfal-
und lndustrie deutlich, sondern daruber hinaus tete sich die psychotechnische Phantasie in
war dies der wichtigste lmpulsqeber f ür den den Laboratorien und Teststationen zur Aus-

12
lese und Normung des "Menschenmaterials" Arbeitsgemeinschaften der lngenieure, - zu
nahezu grenzenlos: Die Experimente ließen so welch großem, reichgegliedertem, gelehrtem
gut wie kein Arbeitsfeld aus, um Eignungsaus- Apparat hat sich der alte Antreiber, der mit viel
lese, Berufsanpassung und "Fähigmachung" Schreien und Stoßen die Arbeiter zu fleißige-
des menschlichen Faktors f ür die Bedürfnisse rer Arbeit drängte, differenziert!, schrieb Otto
der Wirtschaft zu erreichen. Zur Erzielung "ob- Bauer (1931, S. 79-80) zur zeitgenössischen
yektiver Ergebnisse" wurde die menschliche Rationalisierung des menschlichen Faktors.
Arbeitskraft mit bisher nie gekannten und aus-
gefeilten Pruf ungen und extra angefertigten Die psychotechnischen Zeitschriften der 20er
Apparaturen wie ein Teil einer Maschine erfaßt lahre zeigen, daß sich die psychotechnische
und in einzelne Komponenten zerlegt. Appa- "Behandlung des lebenden Materials" schwer-
ratehersteller ebenso wie Organisationsinstitu- punktmäßig und mit hochgestecktem Anwen-
te boomten und priesen in den Reklameteilen dungsehrgeiz auf die Rationalisierung der "Ar-
ihrer Zeitschriften Apparaturen an zur Prüfung beitszuteilung", der "Anlernverfahren" und
von Sehschärfe und Farbsinn, von Ruhe und der "Arbeitsverfahren" erstreckte, wobei rm
Sicherheit der Hand, von Aufmerksanrkeit und letzten Fall arbeitswissenschaftliche Untersu-
Reaktion, Ausdauer, ArbeitstypLrs, von techn j- chungen menschlicher Bewegungen nach den
scher und allgemeiner Intelligenz. Moedeschen Kriterien "Zeit-Kraft-Form" zur
"Bestgestaltung" der Arbeit im Vordergrund
Zum Spektrum psychotechnischer Meßgeräte standen. lnsbesondere das wissenschaftliche
gehörten auch solche, die wie die "Arbeits- "Eignungswesen" entwickelte sich - in Weiter-
kontrolluhr", der "Betriebspsychograph" oder fuhrung der Taylorschen Prinzipien der syste-
die beruhmte "Arbeitsschauuhr" von Walther matischen Auslese und Anlernunq von Arbei-
Poppelreuter die Arbeitsleistungen des Arbei- tenr - zu einem ausgefeilten Experimentierfeld:
ters an der Maschine automatisch registrierten. Unter den Schlagworten Berufs- und Arbeits-
5o arbeitet jetzt großer Apparat daran, die
ern beratung, Begabungs-, Charakter- und Persön-
Arbeitsleistung der Arbeiter zu erhöhen Von lichkejtsforschung wurden Prüfungen, Tests,
den Laboratorien der Arbeitsphysiologen und sogenannte "komplexe Diagnosen" und Son-
Arbeitspsychologen, von den maschinenrasseln- derprüfungen je nach den berufsspezifischen
den Arbeitsräumen der Statistiker brs zu den Problemen an noch Einzustellenden oder Be-

13
triebsangehörigen durclrgefulrrt (Burrichter, Mit großer VermessungswLrt stürzten sich dle
1983) Untersucht wurden mrt einer Vielzahl Psychotechniker vor allenr auf das große indus-
spezreller Laboratoriunrsapparatu ren und Ge- triel e Arbeitsfeld: Die psychotechnische Zer-
räte nrenschliche "Teil-Komponenten" wie Sin-
Abb.12
nestuchtigkeit, Gedäclrtnis- urrd Intelligenzlei-
li)r ntr n \l r( A,P( t \l (t l
stLrngerr, Willensstärke, Aufmerksanrkeit, Enro-
Abb.13
tionalität und Arbeitseinstellung. Hinzu kanren llrsl.Lkta (;rl('rtkr
Testverfahren, unr eine "objektive" Clrarakter-
beurteilung der Prtlflinge zu erreichen. Neben
diese Ausleseverfahren trat noch die psycho-
technische "Anlernung", die sich rrit der plan-
nräßigen Schulung geeigneter Fertigkeiten be )
NeLrlingen und Berufsanwärtern oder Lehrlin-
)
gen vor. allerr f Llr den Bereich der Metallrndu-
strie beschäftigte.

Schließlich befaßte sich die Psychotechnik noch


../t ,-)

.:--- äl'
nrit den unnrittelbaren Probienren der Arbeit
bzw. der körperlichen Leistungsfähigkeit Man
rrntersrrchte Irnr.iotrrg, ÜbL,ng, Rlrythlrt,s,

t
Zwangslauf und lvlonotonre. Psychotechn sche
Versuche Lrnd "Arbeitsbestgestaltungs-Maßnah-
men" wr-rr.den z B dLirchgefLlhrt nrit Kraftwa-
genf ührern (ca 24 000), ungelernten Arbeitern,
Lokonrotivf ührern, Lelrrlingen f ür die lVetal lin-
dustrie (ca. 750), Straßenbahnfahrern (ca. 100),
G :..
,.!
Wicklerinnen, Facharbeitern, Schwerbeschä- 1J
digten, Feuerwehrleuterr, Krinri nala nwä rtern,
Frisörinnen, Druckern und Setzern (Schlesin-
ger, 1920, Praktische Psychologie, 1920).

t4
Abh- 14

<-

stuckelung der nrenschlichen Handgriffe und Versr-rchsperson die Frage gestellt: Wie sehen
Sinne errerchte hier ihrerr Höhepunkt. Eine Viel- die Verkrrupf ungen der beweglichen Stäbe
zahl von Apparaten und Geräten werrden dabei aus? Je nachdenr, wie diese Aufgabe Lrber Aus-
zur Prtrfung eher allgenretner industrrell-hand- probierverhalten gelöst wurde, folgerte nran
werklicher Fähigkeiten entwickelt So wurden auf gerirrge oder große Auspr.ägung techni-
nrit denr " Formensteckkasten " räunrliches schen Verständnisses.
Denken und das Arbeitsverhalten wie z. B. Pro-
blemlösungstechniken gemessen. Ein Holzka- Die "Große Vermessung" f reilich f iel über den
sten enthielt r-rnterschiedliche Durchsteckprof il- "indr-rstriellen Lehrling" her So offerierte das
löcher, durch die hindurch von der Versr.rchs- "Psychotechnische Labor" der TH Berlin-Char-
person entsprechende Holzprofile sortiert wer- lottenburg 1919 ern breites psychotechnisches
den nrußten. Räumliches Denker-r und Ver- Progranrnr zur Untersuchung des industriellen
ständnis für Schwerkraft wurden ber der "Lot- Lehrlings, das sich auf insgesamt 32 Funktio-
probe" geprrift: An einenr auf einer Holzplatte nen erstreckte und 4 Stunden daLrerte Der psy-
befestigten Kegel hängt ein nach allen Seiten clrotecbnischen Vision des " nornrierten " in-
drehbarer "Baurr" mit verschiedenen Ebenen dusiriellen Lehrlings rllckte nran nrit einer Viel-
und unterschiedtich iangerr "Asten". Ar,l jederrr zahl unterschiedlichster Maschinen, Appara-
"Ast" sitzen verschiebbare Gewichte. Auf die- turen, Meß- und Fragebögen und sonstigen
sen Seitenästen nrußte vorr der Versuchspersor-r versuchstechnischen Utensilien zu Leibe. Prü-
das hängende Element nrit dem Bodenzapfen fungen der SinnestLlchtigkeit, des räLrmlich-
in eine Linie gebracht werden. Bei denr Ver- flächenhaften Vorstellungsverrnögens und der
sr,rchsgerät "Versteckte Gelenke" wLlrde der Zertaufteilung, des Beobachtungs- und Unter.

r5
Abb. 16 Abb.17
VigS4ly-Bktck Stangettfrrll
dPPar.tt

scheidungsvermögens, der Reaktionseigen-


schaften, der technisch-konstruktiven Fähigkei-
ten: all das sollte meßbar werden und wurde
gemessen. Mit "WinkelschäIzer" und "Opto-
meter" wurde das Augenmaß getestet. Über
Hand-, Gelenk- und Fingergefühl erwartete man
sich Aufschluß durch Funktionstests mit dem
"Großen Gelenkprüfer", dem "Kinematome-
ter", dem "Bolzeneinpasser", dem "Feingelenk- Über räumliches Vorstellungsvermögen und
prüfer" und dem "Tastsinnprufer"; das "Trakto- Denken sollte die Art und Weise, wie die Ver-
meter" diente zur Prüfung der Handoberflächen- suchsperson die neun Holzteile beim "Wiggly-
Empfindlichkeit; mit dem sogenannten "Zwei- Block" zusammenfügte, lnformation ergeben.
handprufer", dem "lmpulsmesser" und dem Beim "Stangenfallapparat" wurden zwei durch
"Tremometer" schließlich wollte man Gleichmä- Magnete arretierte Metallstangen elektrisch ge-
ßigkeit, Zielsicherheit, Ruhe und Sicherheit der löst, wobei gleichzeitig ein Lichtsignal gegeben
Hand ganz exakt bestimmen (Homburg, 1991). wurde. Die Versuchsperson hatte die Aufgabe,
die Stangen so schnell wie möglich zu ergreifen
und festzuhalten. Der Versuch sollte Aufschluß
geben über die Reaktionsgeschwindigkeit; ins-
besondere wurden auch Reaktionsdifferenzen
zwischen linker Hand und rechter Hand geprüft.

Apparate zur Bestimmung des "Arbeitstypus",


des "Sorgsamkeitswillens" oder der "Registrier-,
Reiz- und Reaktionsleistung" rundeten diese
breit gefächerte Prüfungspalette zur Menschen-
auslese ab. Bei der Arbeitstypus-Bestimmung

Abb.15
GroJier Gelenkprtllftr

16
wurde der von Poppelreuter so genannte "Ar- stiert wurden, fur ihre Verwendung als Einrich-
beitsantrieb" bestimmt durch den Grad der Re- ter an Werkzeugmaschinen oder an automa-
gelmäßigkeit der gemessenen Arbeitsleistung: tisch laufenden Maschinen.
1e regelmäßiger, umso eher war aus psychotech-
technischer 5icht der Kandidat für die unter-
suchte Arbeitstätigkeit geeignet. Ein sogenann-
ter "Zweihandprüfer", der die unabhängige Be-
wegungsfähigkeit beider Hände testete, sollte
den Willen zu sorgfältiger Arbeit prüfen. Ent-
sprechende Aufzeichnungen auf dem "Univer-
salkymographion" sollten Zügigkeit der Arbeits-
leistung, Verwirrung bei der Erfüllung einer ge-
stellten Arbeitsaufgabe oder einfaches Drauflos-
gehen erkennen lassen.

Die psychotechnischen Eignungsprüf ungen f ür


"ungelernte Arbeiter" wurden von großen Tei-
len der Industrie als ein ganz wichtiges N/ittel
zur Erreichung des rationellen Betriebes ange-
sehen. Ungelernte Arbeiter wurden in einem
ersten Schritt auf "Sinnestüchtigkeit, Gelenk-
empfindlichkeit, gutes Gesicht und Gehör" ge- Abb. ß
prüft. Über die endgültige Arbeitszuteilung zu Chattffetnprobe

einem bestimmten Arbeitsplatz entschieden


dann weitere Prüfverfahren: Gepruft werden Auch die damals stark auf kommenden "Lenk-
sollten "Arbeiter mit gutem Gefühl" auf ihre berufe" wurden recht schnell zum psychotech-
Eignung für eine spätere Verwendung in der nischen Experimentierfeld. Beim Funktionstest
Metallindustrie; "Arbeiter mit gutem Gesicht" für "Lenkprufungen" wurde bei der sogenann-
für die Schleiferei und Arbeiter, denen all diese ten "Chauffeurprobe" die Handgeschicklichkeit
Merkmale und dazu noch gutes Gehör atte- geprüft: Durch einen mit Metallstiften auf einem

t7
Abb.19
Maschineniibtntg der
Wa g e nfti b re r I e b rl i n g e
zur Erlemung der Be,
dienungsgriffe

abb.20
Einübung der Be-
dienungsgrife für das
Riickuärtsfabren

B rett abgesteckten versch un genen "lrrga rten"


I

mußte die Versuchsperson ein Kügelchen so


manövrieren, daß es die Stifte nicht berührte.

Einen breiten Raum nahmen die Eignungs-


prüfungen von Lehrlingen für Fahrberufe ein.
Bei der "rationellen Ausbildung des Fahrper-
sonals" für Straßenbahnen gab zunächst ein Abb.21
Geuöbnung an Gefab-
detaillierter Katalog Auskunft darüber, was ren uegen plötzlicber
Abb.22 Kurzscblu/3flammefl
alles zu beachten war, um einen "Straßen- Beaegungen beim Not-
bahnwagen ordnungsgemäß in Bewegung bre rnse n : pb ot ograp bß c b e
Aufnabme mit Hilfe elek,
zu setzen oder anzuhalten": Bedienungsgrif-
trßcher Iämpcben
fe, Entfernungs- und Bewegungsschätzen,
Sinnestäuschungen beim Entfernungs- und
Bewegungsschätzen, Erkennung und Besei-
tigung der Betriebsstörungen, Gefahrbewäh-
rung, Vorschriften und Signale, Strecken-
kenntnisse. Die einzelnen Wagenführertätig-
keiten wurden mittels übungsprozeduren bis
zur Übungs- und Gedächtnisfestigkeit trai-
niert - bis sie, wie es dem Zeitgeist der Me-
chanisierung entsprach, "mechanisiert" wa-
ren. Hierzu wurden eigens sogenannte Grup-
penführerstände entwickelt, auf denen die

ffi
Abb.23
KämmappaMt

Wagenfahrlehrlinge die Bedienungsgriffe für


das Vonrrärtsfahren und das Rückwärtsfahren
oder das Reagieren auf Gefahren üben muß-
ten. Ergänzend fanden hier auch noch psycho-
technische Bewegungsstudien an "Straßen-
bahnnotbremsen" statt. Mit Hilfe der an Pho-
tographie und Kinematographie orientierten
Bewegungsstudien des Amerikaners Gilbreth
wurden der Versuchsperson an wichtigen
Gelenkpunkten kleine Glühlampen befestigt. Menge des verschütteten Wassers ein Grad für
Wurden von der Versuchsperson Bedienungs- die Schreckhaftigkeit war.
bewegungen vollführt, so nahm eine photo-
graphische Platte ein Bild von den Bewegungs- Bei denAnwärtern für kriminalistische Berufe
bahnen der leuchtenden Glühlampen auf. Ziel suchte man Personen mit gutem Gedächtnis
war die Ermittlung der richtigen, effizienten, und ausgeprägtem Physiognomiensinn, zu-
unnötige Kraft vermeidenden Bewegungsbah- dem Findige, die in der Lage wären, allen "Schli-
nen zur Minimierung der Bedienungszeit für chen des Verbrechers" auf die Spur zu kom-
die Notbremse. men. So beinhaltete beispielsweise der "Ge-
dächtnistest" eine sogenannte "Signalement-
Berichte über eher exotisch anmutende Experi- beschreibung", wobei die Versuchsperson an
mentierfelder finden sich ebenfalls, etwa für einem "Gedächtnisapparat" das Signalement
Berufsfeuerwehrleute, Kriminalbeamte, Frisö- von 6 Personen - Mund, Nase, Ohren - auswen-
rinnen. Bei den psychotechnischen Eignungs- dig lernen mußte. Nach einer bestimmten
prüfungen von Feuerwehrleuten in Dresden Punktewertung wurde die richtige oder falsche
wurde u. a. die "Schreckhaftigkeit" des Anwär- Wiedergabe dieses charakteristischen Signale-
ters durch einen sogenannten " Handzitter- ments festgestellt. Die für zukünftige Kriminal-
schreiber" ("Tremograph") oder mit Hilfe der beamte wichti ge Kombinationsfähigkeit testete
sogenannten "Wassergefäßprobe" getestet, man z. B. mit der "Drei-Wort-Methode", wo-
bei der für den Versuchskandidaten unerwar- bei die Versuchsperson z. B. zwischen "Herum-
tet Schrecksignale gegeben wurden und die schleichender Mörder - Spiegel - Rettung"

'ig:
sämtliche sinnvollen rnöglichen Zusammenhän- Mehr noch: das gesamte Büro geriet in die Nor-
qe herstellen sollte. mungs-, Reglementierungs- und Typisierunqs-
bestrebungen der "ratronellen Organisation".
" Pionierarbeit" leistete die Psychotechnik auclr
ar-rf dem Gebiet des Frisörqewerbes. Bei den als Urlstellungen nach amerikanischem Muster
notwendig erachteten motorischen Leistungen führten zu einer "Zweiteilung der Arbeit in Dis-
wurde z. B mit Hilfe eines "Kämmapparates" positive und Manipulative" lm "neuen System
(Abb 21) die Fährgkeit geprüft, eine Haarsträh- der Br-iroorganisation" verrichtete nun die weit-
ne "mögiichst sanft Llld gleichmäßig durchzu-
kärnrren"; getestet und aufgezeichnet wurden Abb. 24
Sorgfalt und Feinheit des Tastsinnes sowie die K(tri ka t t r -li i r (l i.' l. i rDt (
r

)i tsl St lt rai ltnuts< lt i nt tt


Muskel- und Gelenkempfindung der Hand
"Drehprufer" und "Wendeprüfer" sollter.r die
Geschicklrchkeit bei der Herstellung der in den \''t
20er Jahren gebräuchlicherr "Ondulationswel- .;

len " bzw die räumliche Ausgiebigkeit und


zeitliche Dauer einer "Drehbewegurrg" prüferr.

ltEirg.rp.rrt in die Maschinerie zermalmcnder


Eintönigkeit": Büro-Arbeit,,Amerikanische
Fixigkeit" und Mechanisierung

Fast noch gewaltiger brach das "Rationalisie-


ru n gs-U n\,vetter "
u ber d re errornr a n gewachse-

ne Angestelltennrasse in den Bllros und Ver. ,-<::--

rnraltungen hereirr. Nicht nur avancierte dre "Unr-


gestaltung der Menschenkraft irr den Büros" aus größere Gruppe von Büroangestellten in
nach derr Vorbild der fabriknraßigen Maschi-. großer-r Buroarbeitssälen sclrematische, mecha-
nenarbeit zr-t einem weiteren Experimentierfeld nische Büroarbeit, die nurmehr "automatisches
cler Psychotechnik mit dem Ziel weitEehender Denken" (Mars, 1930) erforderte: Sortieren,
Planbarkeit, Präzision und genauester Steuerung Tippen, Kopieren, Registrieren, Rechnen und

20
Abb.25
-li tI k:sc lt ra i b nu st l: i tc'
t

()rgu-l)ritztl

Volk ss chroibhos chlna

Mark
ORGA AKTIENGESELLSCHAFT
aERLlt NW, f.i.drtbrli lJ{ ,-..,, rt

Zeilen oder Briefe. Derartige Bestrebungen wei-


sen ganz deutlich darauf hin, daß die vollstän-
Buchen. Das waren zugleich Arbeitsbereiche, dige Rationalisierung und Mechanisterunq der
die sich immer mehr zu Domänen weiblicher Büro-Arbeit immer weitere Fortschritte macht
Angestelltenarbeit entwickelten: "Feminisie- (Wittmann, 1929,5. 1).
rung der Bureaus" wurde hierfür das gebräuch- Abb.26
Vbrbrttrll der IIercetIes-
liche Schlagwort.
B t i tt ) tn 0 sL lt iI ILt t IlL,e rke

So, lnrie sich das ausgef uchste Apparatespek-


trum zum psychotechnischen Testen für indu-
strielle Berufe entwrckelte, weitete sich auch im
Bürobereich die psychotechnische apparative
Ausstattung zur "Rationalisierung der Arbeits-
vorgänge" enorm aus. Zur ehemals beherr-
schenden Schreibmaschine traten weitere zahl-
reiche mechanische Hilfsmittel der Organisa-
tion, wie es in den vielen Organisations-Zeit-
schriften der 20er Jahre hieß: Ner-re Generati-
onen von 5chreibmaschinen und Buchungsma-
schinen, Hollerith-Maschinen, Rechenschieber,
Addiermaschinen, Kopiergeräte, Diktiergeräte.
Die Maschinisierunq der Bliroarbeit förderte
Entwicklungen der "rationellen Menschenwirt-
schaft", wie sie bisher nur aus Fabrikhallen
bekannt waren: Akkord-Arbeit im Fabiksad ist
heute eine Selbstverständlichkeit. Akkord -Ar-
beit im Büro dagegen etwas umwälzend Neu-
Itls"il tP
es. Dem Buchhalter ist die Zahl seiner stünd-
lichen und täglichen Buchungen vorgeschrre-
ben, der Schreibmaschinistin die Anzahl der

2l
.';{

Mit dem Eindringen der "Methoden des fließen- der Bühne der Geschichte verschwinden und
den Bandes" (Kracauer), also mit der Anord- einer Agentur modernel kühler, rationeller
nung der Arbeitsplätze genau in der Reihenfol- Büroarbeit weichen (FriIz, 1982).
ge des Arbeitsprozesses, so daß die Arbeit im
wahren 5inne des Wortes von Hand zu Hand Psychotechnische Versuche erstreckten sich
gehen kann (Hanftmann, 1927,5.27) verban- nunmehr auch auf Bewegungsabläufe, d. h die
den sich Bestrebungen ganz im Sinne des "Ar- Raum-Zeit-Bewegungen im Büro, auf die Ar-
beitsteilungs-Experten" Taylor, straffen Arbeits- beitsmethoden und auf die Unzahl vertrauter
fluß und zugiges Hand-in-Hand-Arbeiten, Ordnungsmittel und Bürogeräte, die das Bild
somit die "Fließende Geschäftsabwicklung" des Büros von seinen Anfängen bis zu den 20ern
(Abb. 24) zum obersten Effizienzgebot der Bü- beherrschten. Es galt, auch fur die Büro-Arbeit
rorationalisierung zu erklären. "amerikanische Fixigkeit" zu entwickeln, wie es
in einer Anzeige der Berliner Organisationsfir-
Maschinisierung und Buro-Taylorismus wurden ma Hinz aus dem Jahre 1925 hieß. Um dresem
zu mächtigen 5chrittmachern der "rationellen Ziel neben der Maschinisierung und Arbeitstei-
Menschenwirtschaft", die mehr und mehr von lung näher zu kommen, wurden auch hier wie
der Arbeitswelt der neuen Angestelltenmassen in der Fqbrik kaufmännische Spezialpositionen
Besitz ergriff und deren Arbeit zu l\4assentätig- und ebenso die "Angestelltenseelen" Oblekte
keit degradierle. Kopfarbeit, gerne verkaufen, der Psychotechnik, leisteten Zeit-, Bewegungs-
leichte und saubere Arbeit - die Blütenträume und Kraftstudien nach dem Vorbild des Ame-
reiften nicht für alle, wie Kracauer (1929, S. 17) rikaners Gilbreth Feinsteuerungshilfe.
uber die Angestellten schrieb. Die große Inven-
tur des human capital im Büro war mit den ma- Experimentelle Arbeitsstudien zur Erforschung
schinellen Rationalisierungsmitteln aber noch der Arbeitsleistungen und "Best-Gestaltung der
lange nicht abgeschlossen. Vordringlich mit der Arbeitsbewegungen" betrafen z. B. die Reisen-
"rationellen Arbeitsplatzgestaltung" und einer den aus dem Vertrieb, die Angestellten im Ver-
damit einhergehenden "Taylorisierung der Kör- sand, die Locherinnen oder das Bedienungsper-
perbeweg u n gen " sol lte das vertraut-verstau b- sonal an der Diktiermaschine, dem sogenann-
te, von Tinte und Feder beherrschte, insofern ten "Parlographen". lm ersten Fall testete man
"arbeitshemmende" Büro ein für allemal von die Rede- und Verkaufsgewandtheit, im zwei-

22
I
I
:KRUMMES SITZEN
, a,;. behinderl Almung
und Kreislauf. beengl
die Verdauungsorgane.
{

ten FallAddi-
tions- und Konzentrations-
fähigkeiten, im dritten Fall die Mög-
lichkeit, bei diesem neuen weiblichen Ange-
stelltentyp Ausgleichstätigkeiten zur Abmilde-
rung der einseitigen Belastungen bei der Loch-
arbeit zu schaffen, um Ernrüdung, Leistungs-
mangel und Arbeitsunlust entgegenzuwirken.
Verkürzung der für das Diktat erforderlichen
Zeit schließlich war psychotechnisches Motto Abb.27
"Sitzetklc Skele!le : M()tu)
im letzteren Fall weiblicher Büroarbeit. ln dem lotrie rntd llcktstung lrci dert
Maße, wie das Telefon als "Nervenstrang der ,llust ltitnnsc breibt'ri ttnett

Gesellschaft" der 2Oer Jahre (Gold, ,1994) eine


immer stärkere Schlüsselrolle spielte, avancier-
ten auch die "Fräuleins vom Amt" zu einem Die "Rationalisierung der Schreibmaschine und
bevorzugten Objekt der Psychotechnik. Hör- ihrer Bedienung" aber rückte unter der Devise
und Buchstabenausspracheprüfungen, Reak- der "Taylorisierung der Körperbewegungen" in
tionsmessungen und Prufungen der Aufmerk- das Zentrum psychotechnischen Experimentie-
samkeit durch Ablenkungsmanöver mannig- rens. Apparative Spezialversuche und Messun-
fachster Art, verbunden mit psychotechnischen gen richteten sich zur "Bestgestaltung des
Einstellungstests, sollten einer optimalen Kan- Tastenfeldes" auf Arm-, Hand- und Fingerhal-
didatinnenauswahl Vorschub leisten (Moede, tungen, auf Kraft und Geschicklichkeit der
1e3s) einzelnen Finger, auf die Zusammenarbeit von

23
Fingern und Händen. Fehlerneigung und An- den Symbol rationeller Arbeitsgestaltung. Die
schlagmängel wurden erforscht ebenso wie Schreiberin gehört zur Maschine. 5re hat nur
Möglichkeiten, die Schwingungen des Manu- eine Funktion: Die Bedienung von Hebel und
skripthalters am Schreibmaschinentisch zu be- Iaste, berichtete eine Stenotypistin (Schlier,
seitigen. Schließlich richtete sich die psycho- 1926, S 101 -102), und der scharfsinnige Be-
technische Auf merksamkeit noch auf die Er- obachter seiner Zeit, Sinclair Lewis, sprach da-
höhung der Schreibgeschwindigkeit, d h. der von, daß ste Maschinen waren, dieses ganze
Schreibleistung durch Optimierung der Arm- Heer von Angestellten und ihre größten Riva-
stellungen beim Maschineschreiben Zeitstu- Ien waren die Maschinen aus Stahl und Holz
dien an "Stenografischen Zeichen" rundeten (Lewis, 1929, S 279).
die breite Palette dieser Bedienungsrationali-
sierung ab. 5chreibmaschinen-Tätigkeit, die Massenarbeit an der Schreibmaschine mit ihrer
Schreibmaschinensäle mit ihren " Buro-Arbei- so eigentumlichen inneren Verkettung von
tern" und genormte Schreibtische in Reih Mensch und Maschine blieb freilich nicht nur
und Glied (Abb. 25) wurden zum überragen- Versuchsobjekt der Rationalisierer, auch im
Milieu der Revues wurde dieses The-
ma präsentiert. Das weibliche Perso-
nal wurde zu Massenposen, zum
"Schrerbmascnrnenbrld " grupprert
und gab als leberde Dekorat'on
dem Buhnengeschehen ernen op-
tischen Rahmen.

Abb.28
"Schreibntascl:inett
Tippsen in den lle|ueil
der 2oer -lal:re

24
Pr hä
I

Modell ,,5 Edurn"

Um tatsächlich "Fließarbeit" im Büro zu errei-


chen, bedurfte es in den Augen der Buro-Ra-
tionalisierer allerdings noch mehr als "rationel-
Abb.29
ler Arbeitsplatzgestaltung" bei den maschi- Arbeitsstuhl
nengebundenen Büroarbeitsplätzen. Normung,
Einheitlichkeit und Vereinfachung aller büro-
mäßigen Verfahrensweisen rückten deshalb in Telefonbücher, Kataloge usw., "Organisations-
den Vordergrund. Das betraf die weitgehen- schreibtische" mit dazugehörigen "Sitz- und
de Anwendung von Vordrucken, Formularen, Stehtrog-Pulten" und Karteipulten, Kartothe-
Ordnungs- und Klassifikationsmitteln, den Ein- ken mit Leitkarten, farbigen Reiterbahnen und
satz von Karteien, Heften, Ordnern, Lose-Blatt- Kerbschnitten: All diese Geräte und Hilfsmittel
und Durchschreibverfahren als neue Ordnungs- sollten im Büro der Moderne automatisch funk-
formen im Buro Mehr noch: Von dem kauf- tionierende Apparate sern, einem einheitlichen
männischen Arbeitsgerät war alles launig lndr- Maß unterstellt, monistisch ohne Monotonie,
viduelle abzustreifen, gänzlich zu typisieren, jeder Variation zugänglich, aber immer wieder
hieß es in einer Schrift der BerlinerOrganisa- auf eine Urzelle zurückführbar (Breuer, o. J., 5.
tionsfirma Hinz uber "Kaufmännisches Arbeits- 2t41).
gerä1". Genormte "Vielform-Norm-Geräte"
und typisierte "Kontorapparate" wie beispiels- Die Konstruktion der Arbeitsgeräte war nun-
weise neue drehbare Bürosessel, " Einheits- mehr ausschließlich auf die Seh- und Reich-
tische" mit "wandelbarer Norm" durch zahl- weite ausgerichtet; alles - Arbeitsmittel, Kartei-
reiche Kombinationsformen der "Schiebla- en, Schreibzeug, Arbeitsflächen - mußte dem
den", "Schwingtische" mit Mulden für Telefon, "Sitzenden" erreichbar gemacht werden:

25
I

Griffbereitschaft, Übersichtlichkeit und Kon-


Abb.30 zentration des Arbeitsmaterials (Fritz, 1982;
Zeitschiflenattzeige Bruning, 1993) wurden hier mit Unterstützung
"Orlld-Metboden"
du rch Testergebn isse psychotech n ischer lnsti-

i..r. ta OROANI
tute die entscheidenden Schlagworte zur ratio-
nellen Arbeitsleistung im Buro. Die genannte
Berliner Organisationsfirma schrieb ihren Kun-
den ins Stammbuch: Alles, was weiter als
750 mm von der Nasenspitze entfernt ist, funk-
tioniert nicht. Diesen Satz laut dreimal durch
das Büro schreien! (Brüning, 1993, S. 67).

Analog zur psychotechnischen Messung des


Menschen erfuhr also auch das primäre Arbeits-
l-t]T|]'T|l:ll! gerät der Büro- und Kaufleute, der Schreibtisch,
eine auf die Bewegungs- und Griffmöglich-

m $XTIEJTITIIIT
keiten des Menschen abgestimmte genormte
Gestaltung. Symbol für diese "Taylorisierung"
des Schreibtisches ist die auf Taylor selbst zu-
ruckgehende Entwufsskizze eines arbeitswis-
senschaftlich durchgestalteten Sch reibtisches.
Hier ist die Schematisierung aller notwendigen
Bewegungsabläufe auf eine einsame Spitze

ili-l I getrieben, indem der Büroarbeiter nur noch


iili
a--
iil
t-tl
li "mechanisch" nach der betreffenden Stelle, wo
immer dasselbe Gerät liegt, zu greifen braucht.
OPGA AIfi I ENGE $ EII$CIIA]T Die "ldee" dieses rationalisierten Schreibtisches
BEnl.IN llY.68. beruht auf einer Schreibtischplatte mit ver-
tt?f schiedenen Quadraten, die speziellen kaufmän-
nischen und büromäßigen Tätigkeitsbereichen

26
Abb.31 thh4f
-fa.y k v-Sc b re i bt i sc b' :
rutc ls eitter kleenskizze
des Anterikarters F.lY.
Tuykn'

ö
I
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I
OrÄ&n rtit w.
3.nhbaft &44iö.
dardh. .d., hr-

c> <J

zugeordnet sind und die Basis fur optimale briken und Büros im Laufe der 2Oer Jahre recht
G riffbereitschaft und Übersichtlichkeit bieten: bald einzutruben
Die in Quadrate eingeteilte Tischoberfläche
dient zur Normalisierung der Bewegungen, d. h. Es war vor allem die nach wie vor in den Be-
der Handgriffe nach den Schreibgeräten wie trieben gärende "Arbeiterfrage", die ein unge-
Bleistift, Tinte, Federhalter usw., die ihren Nor- löstes Problemfeld fur die Psychotechnik blieb.
malplatz haben [. .]. Tintenfaß, Löscher, Kalen- Diese hatte es in den Augen der lndustrie trotz
der, Lineal usw. alles muß den praktischsten aler verfeinerter Ausleseverfa hren nicht ver-
I

und bequemsten Platz auf dem Schreibtisch mocht, die "Fähigmachung" des deutschen Ar-
einnehmen und diesen Normalplatz ständig be- beiters fur den rationalisierten Betrieb erfolg-
halten, um ein mit der Zeit blindes Hingrei- reich zu lösen, Arbeitsfreude und Leistungs-
fen und Finden der Sachen mit dem geringsten willen herzustellen und den Arbeiter loyal
Zeit- und Kraftaufwand zu ermöqlichen [...]. und "wirtschaftsfriedlich" an den Betrieb zu
Glatte Tische ohne Aufsätze haben sich am binden. Man warf der Psychotechnik sogar
besten bewährt, weil sie die Übersicht im Büro hemmungslose Anwendung und verwirrende,
erleichtern (Witte, 1925, S.23, S. 19). "kunterbunte" Methodik vor. Und selbst Fritz
Giese, einer ihrer maßgeblichen Repräsentan-
ten, warnte vor dem "Hokus-Pokus", der in
Rychotechnik vielen Fällen mit der Psychotechnik getrieben
und die .Seele des deutschen Arbeitefs"
wurde (lndustrie- und Handelskammer, 1928).
Trotz aller Segnungen, die die psychotechni-
sche Rationalisierung f ür die Verbesserung der lm Einklang mit dieser ernüchternden Bilanz
"Menschenökonomie" aus der Sicht der deut- war man sich in Industriekreisen immer klarer
schen lndustrie gebracht hatte, begann sich das geworden über die Grenzen einer umfassen-
Aufstiegs" und "trium-
Brld des "strahlenden den "Taylorisierung" oder "Fordisierung" der
phalen Einzugs" dei Psychotechnik in die Fa- deutschen lndustrie

27
Zwar erklärten die in den 20erjahren entstan- energisch aufzunehmen. 5ämtliche Aktivitäten
denen industrienahen Vereine und Arbeitskreise des Mitte der 20er jahre gegründeten "Deut-
wie das "Reichskuratorium für Wirtschaftlich- sch}l nstituts f ü r Tech n ische Arbeitssch u u n g"
I I

keit" (RKW), der "Reichsausschuß fur Arbeits- (DINTA) galten denn auch der "seelischen Er-
zeitermittlung" (REFA), die "Arbeitsgemein- tüchtigung des deutschen Arbeiters" und der
schaft deutscher Betriebsingenieure" (ADB) Erziehung zum bindungsfähigen neuen "Be-
oder der "Ausschuß für wirtschaftliche Ferti- triebsmenschen" durch verbesserte psychotech-
gung" (AWF) die weitere Verbesserung der nische Ausleseverfahren, Pflege des "Werks-
"Menschenökonomie" nach den Prinzipien des geistes" und des "Betriebsgemeinschaftsgedan-
neuen amerikanischen Wirtschaftsgeistes zu kens" (Bäumer, 1930).
ihrer ureigensten Sache, aber ein Allheilmittel
für.die deutsche lndustrie sah man hierin an- "Die Bewirtschaftung des Menschenmaterials"
gesichts der besonderen deutschen Arbeits- nach dem DINTA-Motto: "Ein Staat, ein Reich,
und Kräfteverhältnisse im Betrieb nicht. Auch ein Volk, ein Geist" überdauerte die 20er Jahre
deshalb nicht, weil zunehmender Rationalisie- 1933 fand eine Umtaufung statt; das DINTA
rungsdruck in Verbindung mit der sich ständig hieß nunmehr "Deutsches lnstitut für National-
ausweitenden Arbeitslosigkeit immer vehe- sozialistische Arbeitsforschung und -Schulung".
menter den Widerstand der Gewerkschaften
und der Beschäftigten in Fabrik und Büro Rudiqer Seltz
hervorrief en.

"Wie kommen wir zum wirtschaftlichen Frie-


den?" - das war deshalb auch die Kernfrage
von Robert Bosch im Jahre 1929 bei einem
Symposium unter dem Motto: "lndustrieller
Friede" (Davis/Luddeke, 1928). Die Antwort
gab die deutsche lndustrie selbst: Um diesem
Hauptziel näherzukommen, war nunmehr
der Kampf um die "Arbeitsfreude" und um die
"Seele des deutschen Arbeiters" (Osthold, 1926)

28
Zitlette und welterführende Literatur

Arbeit, Mensch, Maschine. Burrichtet Günther:


Der Weg in die lndustriegesellschaft. Die lndustrielle Psychotechnik und der durchsichtige
2 Katalogbände des Museums lndustrielle Arbeitswelt. Betrieb.
Steyr 1 988. ln: Rationalisierung 1984.
Katalog der Staatlichen Kunsthalle Berlin und der Neuen
Bargholz, Christina (Hg.): Gesellschaft für Bildende Künste.
Arbeit-lVensch-Gesu ndheit. Berlin 1983.5.57-92.
Katalogbuch zur gleichnamigen Ausstellung des
Hamburger Museums der Arbeit. Buxbaum, Bertold:
Hamburg 1 990. Der deutsche Werkzeugmaschinen- und Werkzeugbau
im 19. Jahrhundert.
Bauer, Otto: ln: Beiträge zur Geschichte der Technik und Industrie,
Kapitalismus und Sozialismus nach dem Weltkrieg. Bd. 9 (1 91 9), S.9t-129.
Rationalisierung - Fehlrationalisierung.
Wien 1 931 . Davis, J./Lüddeke, Th.:
lndustrieller Friede. Ein Symposion.
BäumeL Peter: Berlin 1928.
Das Deutsche lnstitut für technische Arbeitsschulung
(DrNrA). Fritz, Hans-Joachim:
In: Briefs, Götz (Hg.): Probleme der sozialen Werkspolitik Menschen rn Büroarbeitsräumen
(Schriften des Vereins für Sozialpolitik, Bd. 181). München 1982.
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Bildnachweise

Titelseite Abb 26
Endmontageband bei Heinrich Lanz, Mannheim: Auf Deutsches Museunr lt4[rnchen
setzen des vormontierten N/otorblocks auf das Montage-
band für den Bulldog HR 2 Abb 29
Hofer, 1 929, Abb. 35a Vitra design Museunr Weil anr Rhein

Kunstwerk Abb 30
@ VG Bild-Kunst, Bonn 1994 Zeitschrift,,Organisation", Nr. 24, Berlin

Abb 1,2,10,11 Abb 31


Hofer, 1929, Abb. 39 unten, 32,29,35f) Witte,
J. M., Amerikanische Büroorganisation,
München irnd Berlin 1925
Abb 3, 27
Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheinr Rückseite:
Zweihandprüfer
Abb 4 lr-rstitut für Geschichte der Neueren Psychologie,
Fordwerke Köln [Jniversität PassaU

Abb 5
Museum für Verkehr und Technik Berlin
Weitere Bilder von
Abb 6
Buxbaunr 1919, S. 122, Abb. 11 Spur, G.: Produktionstechnik im Wandel, lr4ünchen 1979
Burrichter,1983
Abb 7. 8
Schlesinger, 1920, S. 139 und S. 146

Abb 9
Museum der Stadt Rilsselsheinl

Abb 1 2, 1 3, 14, 16, 17 , 18


Institut für ceschichte der Neueren Psychologie,
Ur-riversität Passau

Abb 15,19,20,21,22,23
Praktische Psychologie, '1. Jg., Hefi 6, Leipzig 1 920

Abb 24
lllustrierte Zeitung vom 12.02.1 I 1 4

Abb 25, 28
Jansen, Wolfgang, Glanzrevuen der 2Oer Jahre,
Berlin 1 987
ff

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