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Internationales Jahrbuch für Wissens-

und Religionssoziologie

International Y earbook for Sociology


of Knowledge and Religion
Internationales Jahrbuch für Wissens- und Religionssoziologie
International Yearbook for Sociology of Knowledge and Religion

Herausgegeben von Günter Dux, Freiburg


Edited by Thomas Luckmann, Konstanz

In Zusammenarbeit mit Peter L. Derger, New York


In Celloboration with Norman Birnbaum, Amherst
Mary Douglas, London
Hans-Peter Dreitzel, Berlin
Friedrich Fürstenberg, Linz
Dietrich Goldschmidt, Berlin
Norbert Greinacher, Tübingen
Rene König, Köln
Joachim Matthes, Dielefeld
Vojin Milic, Deograd
Jean Seguy, Paris
P. H. Vrijhof, Utrecht

All correspondence should be adressed to:


Günter Dux, D 78 Freiburg, Günterstalstr. 67, Soziologisches Institut
Band X Beiträge zur Wissenssoziologie
Beiträge zur Religionssoziologie

Valurne X Contributions to the Sociology


of Knowledge
Contributions to the Sociology
of Religion

1976 Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH


© 1976 Springer Fachmedien Wiesbaden
Ursprünglich erschienen bei Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1976

Satz: Günter Hartmann, Nauheim

Alle Rechte vorbehalten. Auch die fotomechanische Vervielfältigung des Werkes (Fotokopie,
Mikrokopie) oder von Teilen daraus bedarf der vorherigen Zustimmung des Verlages.

ISBN 978-3-531-11355-5 ISBN 978-3-663-14483-0 (eBook)


DOI 10.1007/978-3-663-14483-0
Inhaltsverzeichnis

Table of Contents

Fritz Schütze Zur soziologischen und linguistischen Analyse


von Erzählungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7
Summary . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 41

Günter Dux Believing - Evaluating - Knowing


Logic and Legitimation in Max Weber's Study of Law . 43

IL

Roy A. Rappapart Liturgiesand Lies . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 75


Summary. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 104

Paul Ransohoff A Psychological Approach to Religious Autobiography. 105

Albert Fuchs Untersuchungen zur emotionalen Bedeutung


religiöser Konzepte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 117
Summary . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 148

Falk Wagner Systemtheorie und Subjektivität.


Ein Beitrag zur interdisziplinären theologischen
Forschung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 151
Summary . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 178

Fred Göricke und The Orthodox Church of Ethiopia as a Social


Friedrich Heyer Institution . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 181
Zusammenfassung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 239

Anschriften der Herausgeber . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 242

Anschriften der Autoren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 243


Zur soziologischen und linguistischen Analyse von Erzählungen 7

Teil I:

Fritz Schütze

Zur soziologischen und linguistischen Analyse von Erzählungen*

1. Zur Definition der Phänomene "Geschichte" und "Erzählung"

Sowohl in der Sprachwissenschaft als auch in den Sozialwissenschaften im enge-


ren Sinne ist eine -wenn auch eher rezessive -Tradition beobachtbar, narrative
Darstellungen von Gesellschaftsmitgliedern um dieser selbst willen oder als Sym-
ptome bzw. Repräsentationen für zugrundeliegende Ereignisabfolgen oder Gegen-
standshereiche zu erforschen (van Dijk u. a. 1973, Labov und Waletzky 1973,
Köngäs-Maranda und Maranda 1973; Schatzman und Strauss 1955).
"Geschichte" soll hier als Abfolge von tatsäeblichen oder fiktiven Ereignissen
verstanden werden, die (a) in einer Beziehung zeitlicher oder kausaler Aufeinander-
folge zueinander stehen, die (b) allesamt, wenn auch sicherlich nicht in allen Aspek-
ten, von mit Intentionen und Selbstbewußtsein begabten Wesen zumindest erfahren
oder gar "erlitten" (um die aristotelische Formulierung zu benutzen - vgl. van Dijk
u. a. 1973: 53-55), mit Notwendigkeit jedoch zum Teil auch hervorger~fen werden
und die (c) in gerafftem Zusammenhang von einer oder mehreren Personen fakti-
schen oder möglichen Adressaten berichtet werden. Geschichten sind somit stets
der Gegenstand von Erzählungen, in denen in grundsätzlicher Anlehnung an die
chronologische Abfolge der Geschichten-Ereignisse über letztere berichtet wird.
Sieht man von Rückblenden, Einblendungen und ähnlichen "Rahmenschaltungen"
ab, so kann man mit Labov und Waletzky ( 1973: 96) sagen, daß die Reihenfolge
der narrativen Teilsätze der Erzählung der Reihenfolge der berichteten Ereignisse
notwendig entspricht.
Als Grundtyp von Erzählung dürfte die rückblickende mündliche Darstellung
eigener alltagsweltlicher Erfahrungen (im Rahmen aktuell erlebter und z. T. auch
aktiv weitergetriebener Handlungskontexte) anzusehen sein -von Erfahrungen, die
der Sprecher einem in der aktuellen Sprechsituation anwesenden Hörer direkt über-
mittelt. Diese Annahme entspricht unserer Auffassung, daß die sozialen Institutio-
nen des Handlungsbereichs, zu denen auch das Erzählen gehört, in ihren entwick-
lungstheoretisch gesehen einfachsten Formen auf der Ebene der "face-to-face-Inter-

* Für minitiöse Kritiken, Kommentare und Yerbesserungsvorschläge, die mich zur Überarbei-
tung "von Grund auf'' veranlaßten, sei Ralf Bohnsack, Werner Meinefeld, Gerhard Riemann,
Ansgar Weymann (alle Bielefeld), Ernst Reitmann (Aurich) und Dieter Wunderlich (Düssel-
dorf) herzlich gedankt.
8 Fritz Schütze

aktionen" bzw. alltagsweltlichen Direktinteraktionen anzutreffen sind (Mead-1968:


Teil IV; Schütz 1962: 208-229). Die Grundfunktion von Erzählungen, Nichtbetei-
ligte an in sich relativ geschlossenen Ereigniskonstellationen erlebter Wirklichkeit,
d. h. an Geschichten, vermittelt teilhaben zu lassen, wird hier in elementarer und
reiner Form realisiert.
In alltagsweltlichen Direktinteraktionen kann der Erzähler am einfachsten und
flexibelsten feststellen, was der Hörer an Informationen benötigt, um die zu erzäh-
lende Geschichte vermittelt erleben zu können, und der Hörer vermag in ihnen am
einfachsten und flexibelsten sein Interesse an bestimmten Aspekten von Miterleben
kundzutun und die notwendigen Voraussetzungen für letzteres durch die Bitte um
weitere Hintergrundinformationen sicherzustellen. Das synchrone wechselseitige
Aufeinandereinspielen und Ausgleichen der Kommunikationsinteressen, das in all-
tagsweltlichen Direktinteraktionen stattfindet, ist bei vermittelten Interaktionskon-
takten wie etwa brieflichen Korrespondenzen nicht mehr möglich. Und bei Kom-
munikationen zwischen Autor und anonymen Adressaten (insbesondere literari-
scher Art) fehlt zudem die Spezifizität der Interessenkalibrierung, bzw. sie wird gar
nur in einseitiger Antizipation der Reaktionen des Publikums vom Autor vollzogen.
Damit aber nicht genug. Da der Sprecher in dem von uns in den Vordergrund
geschobenen Erzähltyp die zu erzählende Geschichte selbst als Handelnder erlebt
hat, steht ihm ihre "Ereignisgestalt•• besonders konturiert und in ihren Einzelheiten
gesichert vor Augen, denn in das Erleben einer derartigen Geschichte sind die
eigenen Handlungsinteressen als strukturierendes Gerüst eingegangen. Zudem kann
der Erzähler einer eigenerlebten Geschichte dem Bedürfnis des Zuhörers nach
zusätzlichen Hintergrundinfo~mationen nahezu beliebig weit entgegenkommen. In
der Erzählung fremderlebter Geschichten ("Geschichten aus zweiter Hand") fehlt
das strukturierende Gerüst unmittelbaref Handlungsinteressen, und deshalb ist das
Erleben der Geschichtengestalt (auch für den Erzähler) häufig nicht so intensiv wie
bei eigenerlebten Geschichten. Außerdem ist der Vorrat existierender geschichts-
relevanter Hintergrundinformationen bald erschöpft.
Jede Erzählung ist prinzipiell Interaktion und unterliegt der doppelten Kontin-
genz des Interaktionsprozesses, nicht allein von den eigenen Aktivitätsimpulsen aus-
gehen zu dürfen, sondern auch diejenigen des bzw. der Interaktionspartner berück-
sichtigen zu müssen (Parsons 1968: 436 f.) -wenn auch dieser Notwendigkeit bei
an anonyme Publika gewendeten Erzählungen nur noch in genereller Antizipation
Genüge getan werden kann. An der in "face-tc-face-Kontakten .. vollzogenen münd-
lichen Erzählung eigenerlebter Geschichten ist allerdings das Zusammenwirken der
Interessen des Erzählers an der Übermittlung und des Zuhörers am Nacherfahren
der zu berichtenden Ereigniskonstellation besonders deutlich und einfach zu beob-
achten. Zudem lassen sich die elementarsten Restriktionen des Erzählvorgangs -
wie die Hemmung des Erzählers, bestimmte Handlungsvorgänge wegen eigener
Interessenverstrickung und/oder möglicher Nichtlegitimierbarkeit der betreffenden
Handlungsabschnitte offenzulegen, und die Hemmung des Zuhörers, Interesse und
Wohlwollen zu bekunden, da er die Erzählung langweilig findet oder sich mit den
Zur soziologischen und linguirtirchen Analyre von Erzählungen 9

dargestellten Handlungsentscheidungen und mitgeteilten Bewertungen von Ereig-


nissen nicht identifizieren kann - in ihrer unmittelbaren Auswirkung auf den Inter-
aktionspartner und in der rückgekoppelten Wirkung dieser auf den ursprünglichen
Initiator unmittelbar beobachten und analysieren. (Gerade das ist von besonderem
Interesse für die soziologische Feldforschung. Vgl. Schütze 197Sb, Abschnitt 4.)
Im Falle der mündlichen Erzählung eigenerlebter Geschichten im Rahmen von
"face-ta-face-Kontakten" ist der Hörer nicht (relativ) passiver Rezipient, sondern
(relativ) aktiver Interaktionspartner, da er in seiner Rolle als Zuhörer Interessen zu
bekunden, Fragen zu stellen, Bewertungen abzugeben hat, die für die Gestaltung des
Erzählvorgangs unmittelbar relevant werden. (Bei anderen Erzähltypen kommt der
Einfluß des Adressaten nur in abgeschwächter Form zum Tragen.) Während bei den
abgeleiteten Erzähltypen häufig eine institutionelle Präformierung des Erzählvor-
gangs, welche die Rollen von Erzähler und Zuhörer langfristig festlegt, zu Beginn
des Erzählvorgangs bereits ("mühelos") vorliegt, muß ein Sprecher, der eigenerlebte
Geschichten in aktueller Direktkommunikation erzählt, die Bedingungen für den
erfolgreichen Vollzug von Erzählrolle und Zuhörrolle erst selbst in einer relativ
mühevollen Eigenleistung herstellen und fortlaufend aufrechterhalten. In der all-
tagsweltlichen Direktkommunikation besteht nämlich die Tendenz zur relativen
Gleichgewichtigkeit der Redebeiträge der beteiligten Interaktionspartner - sowohl
in OrientierungamIdeal interaktiver Egalitarität sprachlicher Kommunikation (vgl.
Schütze 197Sa, Abschn. 10.3) als auch aus der Tendenz heraus, die eigenen Aktivi-
täten stets im Rahmen vertretbarer Leistungsökonomie zu belassen.
Der Sprecher, der eigenerlebte Geschichten in alltagsweltlicher Direktkommuni-
kation erzählt, kann nur dann die psychische Barriere überwinden, die völlig
ungleichgewichtige Verteilung der Redebeiträge zu seinen Gunsten bzw. das-not-
wendige Sprechmonopol des Erzählers herzustellen, und er vermag nur dann die An-
strengungen der Erzählrolle über eine längere Zeitdauer durchzuhalten, wenn er fak-
tisch von folgenden Voraussetzungen ausgehen kann: (1) der Hörer habe ein grund-
sätzliches Interesse daran, mit dem Sprecher kommunikativ zu interagieren (Grice
1968: Kap. 2). (2) Der Hörer habe ein Interesse daran, vom Sprecher eine Ge-
schichte anvisierter Themenstellung und anvisierten Inhalts erzählt zu bekommen.
(Insbesondere: die Geschichte biete dem Zuhörer zumindest aspektuelle Neuheits-
effekte. Jedoch: im alltagsweltlichen smalltalk-und zwar vor allem dann, wenn
sich die Interaktionspartner wie etwa Ehepartner, Freunde und Nachbarn im Tages-
ablauf fortlaufend begegnen - braucht dieses Interesse an der Neuigkeit faktisch
nicht über eine gelinde Neugierde, ein bloßes Aufhorchen hinauszugehen. Zudem
wird nicht der Fall nicht-egalitärer machtstrukturierter Interaktionen erörtert, in
denen der Zuhörer zum Anhören der Geschichte des Interaktionsdominanten aus
Interesse an der Vermeidung von empfindlichen Sanktionen gezwungen ist. Zu
nicht-egalitären Interaktionen und Kommunikationen allgemein vgl. Schütze
1975 a: Abschnitt 9.9 und 10.1.) (3) Der Hörer sei mit der speziellen Art einver-
standen, in der die Geschichte vom Sprecher erzählt wird. Er verstehe die still-
schweigenden Voraussetzungen hinsichtlich des Inhalts der Erzähldarbietung. Er
10 Fritz Schütze

werde Stellen möglicher Redeübernahme (Sacks u. a 1973) für das Stellen von Fra-
gen benutzen, falls er weitere Hintergrundsinformationen benötige. Der Sprecher
könne deshalb darauf verzichten, zu detailliert zu berichten. Er dürfe sich in weiten
Strecken auf abkürzende Andeutungen (Garfinkel/Sacks 1970: 342-345) beschrän-
ken. (4) Der Hörer sei mit den stillschweigenden Voraussetzungen hinsichtlich des
zwischen Sprecher und Hörer aktualisierten Interaktions- bzw. Beziehungsaspektes
einverstanden (Watzlawick u. a. 1969: 53-56, 61-71), der insbesondere den Ver-
such des Sprechers, den Hörer für seine eigene Definition sozialer Wirklichkeit zu
gewinnen (Garfinkel1973: 190-195), und die Auseinandersetzung des Hörers mit
diesem Versuch beinhaltet. Der Hörer sei zudem -auch das gehört zu den still-
schweigenden Voraussetzungen hinsichtlich des zwischen Sprecher und Hörer
aktualisierten Beziehungsaspektes - mit den vom Sprecher dargebotenen Bewer-
tungen der erzählten Handlungsereignisse einverstanden.
Damit der Sprecher von derartigen notwendigen Voraussetzungen der Erzähl-
kommunikation ausgehen kann, muß der Hörer fortlaufend an dafür vorgesehenen
Stellen Interesse bekunden, Aufmerksamkeit dokumentieren, Bestätigung und
Ermutigung yermitteln sowie um Verdeutlichung bitten. Das geschieht in erster
Linie durch parasprachliche Phänomene (z. B. durch ,,hm, hm.. und Lachen) sowie
durch Gesten (wie z. B. Gesichtsausdruck, Kopfnicken u. ä.), da diese Phänomene
synchron zum Ablauf der Erzählsprechakte anwendbar sind und letztere nicht stö-
ren. Auch daraus erklärt sich der grundlegende Status von Erzählungen eigenerleb-
ter Geschichten in alltagsweltlicher Direktkommunikation. Interessant ist in diesem
Zusammenhang nämlich nicht nur das Charakteristikum, daß die Geschichten in
face-ta-face-Kontakten ·erzählt werden, sondern gerade auch die Eigenschaft des uns
interessierenden Erzähltyps, eigenerlebte Geschichten darzubieten. Denn nur in
eigenerlebten Geschichten kann der Erzähler Aspekte und Bewertungen des Erzähl-
inhaltes sowie die Dosierung der Detaillierungen des Erzählinhaltes unter Ansehung
der Bedürfnisse, Bewertungen und manifesten Reaktionen des Zuhörers außeror-
dentlich weitgehend und situationsflexibel berücksichtigen, ohne die "Gestalt" der
Gesamtgeschichte aus dem Auge zu verlieren. Beim Erzählen von Geschichten
"zweiter Hand .. ist der narrative Handlungsspielraum, d. h. die Entscheidungskon-
tigenz bzw. die Freizügigkeit des Erzählers zur "Geschichtenexpansion.. und
"-reduktion", bereits sehr weitgehend eingeschränkt -obwohl natürlich auch hier
der Erzähler auf die angedeuteten Punkte im Verhalten des Zuhörers relativ flexi-
bel reagiert.
Der von uns in den Vordergrund geschobene Erzähltyp der mündlichen Rekapi-
tulation von eigenerlebten Geschichten in alltagsweltlicher Direktkommunikation
ist -um es zusammenfassend zu sagen -im Vergleich zu anderen Erzähltypen in
besonders intensivem Maße das gemeinsame Interaktionsprodukt von Erzähler und
Zuhörer als in der Alltagswelt kommunikativ Handelnden. Aber auch in Fällen
generalisierender und/oder anonymer Übermittlung, wie etwa bei der Produktion
derjenigen schriftlichen Erzähltexte, die sich nicht an spezielle, den Textproduzen-
ten bekannte Adressaten wenden (Tagebücher, narrative Aufzeichnungen für die
Zur soziologischen und linguistischen Analyse von Erzählungen 11

"Nachwelt", literarische Texte), muß der Geschichtenerzähler mit Notwendigkeit


zumindest allgemeinste Reaktionstypen der möglichen Rezipienten antizipieren.
Geht man davon aus, daß als Grundtyp des Erzählens von Geschichten die münd-
liche Rekapitulation eigener Erfahrungen in alltagsweltlicher Direktkommunikation
anzusehen ist, kann man aus der vorgeschlagenen Definition des Phänomens "Erzäh-
len von Geschichten" sechs Folgerungen ableiten:

( 1.1) Eine Geschichte muß stets zumindest eine soziale Einheit - im Normalfall
zumindest eine Einzelperson - aufweisen, welche als durchlaufendes Patiens und
Agens (Aristoteles: Poetik, Kap. 3) durch prozessuale Veränderungen ihres psychi-
schen und sozialen Zustandes die berichteten Ereignisse miteinander verknüpft: den
Träger der Geschichte (van Dijk u. a. 1973: 54, 68 f.).

( 1.2) Der (Die) zumindest fiktiv in der Unterstellung des Erzählers mit Bewußtsein
seiner (ihrer) selbst partiell oder vollständig begabte(n) erleidende(n) bzw. erfah-
rende(n) sowie verursachende(n) Träger der Geschichte müßte(n) prinzipiell selbst
die Geschichte erzählen können: Ihm (Ihnen) wird vom Geschichtenerzähler- der
im prototypischen Falle mit dem (den) Geschichtenträger(n) identisch oder Inter-
aktionspartnerdes (der) Geschichtenträger(s) in zumindest einigen der berichteten
Interaktionsszenen ist - kommunikative Kompetenz zugesprochen. Es ist mithin
die Folgerung erlaubt, daß für Geschichtenträger und Geschichtenerzähler derselbe
Grundbestand an Basisregeln kommunikativen Handeins auf dem Steuerungsniveau
spezifisch menschlicher Gesellschaft -zur Übernahme der Perspektive von Inter-
aktionspartnern, zur Herstellung einer den Interaktionspartnern gemeinsamen Ver-
ständigungsplattform, zur interpretativen Anwendung eines allgemeinen Normorien-
tierungs- und Wissensbestandes auf spezielle Interaktionssituationen, zur Entwick-
lung und Durchhaltung von Handlungsfigurationen und Interaktionsstrategien usw.
(vgl. Garfinkell973: 22-42; Bohnsack 1973: Kap. 1; Schütze 1975a: Abschn. 9.51,
11.1, 11.6) - zumindest fiktiv in der (zeitweiligen oder generellen) Unterstellung
des Erzählers partiell oder vollständig gilt. (Die gerade formulierte Folgerung trifft
faktisch prinzipiell auch auf Erzählungen über psychisch Behinderte zu, da diese je
nach Art und Schweregrad der Erkrankung mehr oder weniger große spezifische Be-
reiche der kommunikativen Basisregelkompetenz faktisch immer noch beherrschen
- vgl. Schütze 1975a: Abschn. 9.62 -, undfiktiv prinzipiell auch auf Erzählungen
über außermenschliche Wesen wie Götter, Tiere usw.: diese sind in der dargestellten
Geschichte fiktiv vermenschlicht.)

(1.3) Die vom Geschichtenerzähler gegebene Darstellung der Ereignisse ist retro-
spektiv: alle berichteten Ereignisse werden vom Geschichtenerzähler vom zentralen
Gesichtspunkt eines bereits bekannten End- bzw. Zielzustandes her konstruiert und
berichtet. Der Geschichtenerzähler ist in der Position eines Historikers, der die zu
berichtenden Ereignisse als vergangene überschaut und deshalb auch um ihre jeweili-
gen Folgen und ihre jeweilige Bedeutsamkeit weiß (Danto 1968). Er kann deshalb
12 Fritz Schütze

aus dem tatsächlich abgelaufenen Ereignisstrom das herausheben, was aus seiner
Sicht für die Erreichung des Endzustandes der in einer historischen Gesamtfigur
erfaßten Ereignisabfolge besonders wesentlich ist: er kann die zu berichtenden Ein-
zelereignissein den Zusammenhang einer Globalstruktur bringen, wie sie sich etwa
in den Stadien Vorspiel/Exposition/Orientierung, Auftauchen von Krisenfaktoren/
Komplizierung, Konfrontation/Krise/Höhepunkt, Krisenabwicklung/Schlichtung/
Auflösung, sowie Endzustand/Konklusionausdrückt (vgl. Labov und Waletzky
1973: 111-125; van Dijk u. a. 1973: 69 f.; Gülich 1973). Zwar kann der Geschich-
tenerzähler auch eine fiktive Zukunftsgeschichte berichten: jedoch wird selbst diese
retrospektiv, d. h. vom Standpunkt eines vorgestellten Endzustandes aus, erzählt
(Schütz 1974: 279).

( 1.4) Jede Geschichtenerzählung - besonders intensiv jedoch jede mündliche Ge-


schichtenerzählung- beinhaltet nicht nur eine Gesamtfigur vergangener Ereignisse,
sondern zudem eine zumindest implizite Vermittlung dieser Ereignisse mit speziel-
len oder globaleren Problemkonstellationen zum Zeitpunkt der aktuellen Erzählsi-
tuation, die den Kommunikationspartnern für die Deutung ihrer aktuellen Lebens-
situation und die Bewältigung ihrer aktuellen Interaktionsprobleme relevant erschei-
nen sowie zumindest aspektuell ihnen gemeinsam sind (und deshalb einen gewissen
Geteiltheits- und Allgemeinheitsgrad aufweisen müssen). Solche Problemkonstella-
tionen sind erstens generell mit dem Umstand verbunden, daß ein Informationsge-
fälle zwischen den Interaktionspartnern besteht, das diese zu narrativer Kommuni-
kation, d. h. zur retrospektiven Übermittlung von Erfahrungen veranlaßt. (Mit ande-
ren Worten: es gibt ein "Kernaggregat" von Mitgliedern der jeweiligen Ortsgesell-
schaft, die die in Rede stehende Problemkonstellation besonders intensiv und
authentisch miterlebt haben.) Zweitens sind die Problemkonstellationen, die den
Kommunikationspartnern zum Zeitpunkt der Erzählsituation gemeinsam deutungs-
und/oder handlungsrelevant sind, zumindest in Teilaspekten und/oder dem generel-
len Typ nach thematischer Gegenstand der Erzählung. (Es besteht also zumindest
eine partielle und/oder übertragene thematische Gemeinsamkeit zwischen der sozio-
kulturellen Problemkonstellation, in wel~he die Erzählsituation eingebettet ist, und
dem soziokulturellen Problemrahmen und Problemgeflecht der berichteten
Geschichte.) Drittens ist das Merkmalsensemble der soziokulturellen Problemkon-
stellation, in welche die aktuelle Erzählsituation eingebettet ist, zumindest mitent-
scheidend für den besonderen Darstellungsmodus der Erzählung.
Zur Begründung dieser dreigegliederten Behauptung läßt sich folgendermaßen
argumentieren. Als lebensweltlicher Interaktionsprozeß ist der Erzählvorgang im
Rahmen soziokultureller Problemkonstellationen situiert, die den Kommunikations-
partnern gemeinsam sind. Diese Problemkonstellationen -zum Teil sehr globaler
Art wie z. B. die Auswirkungen eines Unwetters, das die Bewohner einer Stadt
heimsuchte - schlagen sich auf der Interaktionsebene in aktuellen Deutungs- und
Handlungsfragestellungen nieder, die eine diffuse allgemeine Neugierdehaltung gegen-
über dem soziokulturellen Gesamtproblemkomplex im Hintergrund und darüberhin-
Zur soziologischen und linguistischen Analyse von Erzählungen 13

aus spezifische Fragestellungen hinsichtlich besonderer Aspekte dieses Problemkom-


plexes bei den Interaktionspartnern implizieren. Die aktuellen Deutungs- und Hand-
lungsfragestellungen können z. T. nur dadurch angegangen werden, daß die Interak-
tionspartner die Erfahrungen, die sie mit spezifischen historischen Ereignissen dieser
Problemkonstellation machen konnten, in retrospektiven, Schritt für Schritt rekapi-
tulierenden Darstellungen austauschen. Derjenige (Diejenigen) 'Interaktionspartner,
der (die) seinem (ihrem) Informationsbedürfnis entsprechend zu wenig über die
interessierende Ereignisabfolge zu wissen wähnt (wähnen), wird (werden) zum (zu)
Zuhörer(n); derjenige (diejenigen), der (die) einen entsprechenden Informationsvor-
sprung zu haben meint (meinen), zum (zu) Erzähler(n). Es gibt Erzählsituationen,
die vom Erzähler initiiert werden, da dieser ein entsprechendes Informationsbedürf-
nis des Zuhörers voraussetzt; und es gibt Erzählsituationen, in denen der präsumtive
Zuhörer die Geschichte durch Erzählfragestellungen hervorlockt. Stets muß jedoch
der Zuhörer fortlaufend verdeutlichen, daß er am Erzählen der Geschichte interes-
siert ist. Und der Erzähler steht vor der Aufgabe, den Zuhörer an der Geschichte zu
interessieren; er muß deshalb die Interessenlage - die besondere Art der Neugierde-
haltung, die Fragestellung und Problemlage -des Zuhörers antizipieren.
Anders ausgedrückt: der Erzähler hat daflir Rechnung zu tragen, daß die in der
Geschichte berichtete Problemkonstellation, seine eigene aktuelle Interessenlage
und die Interessenlage des/der beteiligten Zuhörer(s) einen diesem/diesen plausiblen
und prinzipiell thematisierbaren Zusammenhang bilden. Das ist aber nur dann mög-
lich, wenn der Erzähler - sofern nicht zentral thematisiert, so doch zumindest indi-
rekt vermittels des Erzählrahmens, der Nebenelemente der Erzählung (wie der Ein-
flechtung von ironischen, bewertenden, kritisierenden Distanzierungen oder von
bekräftigenden Legitimationsfiguren; wie der Unterstellung gemeinsamer Vorausset-
zungen usw.), der Modi der Erzählung (Realität, Fiktion, Möglichkeit/Gerücht usw.)
-von Aspekten der soziokulturellen Problemkonstellation ausgeht, die für Zuhörer
und Erzähler gemeinsam situationsaktuell relevant ist (und deshalb einen gewissen
Angerneinheitsgrad aufweisen muß), sowie wenn er sich immer wieder auf diese
zurückbezieht. Und auch die Kommunikationsleistungen des Zuhörers (Verstär-
kung, Nachfragen usw.) unterliegen dieser Notwendigkeit. Sie haben in der Regel
exakt die Funktion, die Erzählung immer wieder an die den Kommunikationspart-
nern gemeinsame aktuelle Problemkonstellation zu koppeln (und wenn es nur
darum geht, einen interessanten geselligen Zeitvertreib sicherzustellen). In diesem
Zusammenhang ist zudem der Umstand zu betrachten, daß der Erzähler die Ge-
schichtenfigur in Verbindung mit eigenen Deutungen und Bewertungen darbietet,
die den Zuhörer immer wieder auf die Interessantheit und Wichtigkeit der Ge-
schichte hinweisen und dessen Interpretationsvorgang steuern sollen. Gerade die
Deutungen und Bewertungen des Erzählers sind ein wesentliches Medium, durch das
die Erzählung in die aktuellen soziokulturellen Problemkonstellationen zum Zeit-
punkt der Erzählung eingebettet wird.

(1.5) Das Erzählen von selbsterlebten Geschichten verwickelt, da nun schon ein-
14 Fritz Schütze

mal der Erzähler den Entschluß faßte, über die von ihm mitgestalteten und miter-
fahrenen Handlungszusammenhänge der Reihe nach zu berichten, in Detaillierungs-
zwänge. Der Ablauf der faktischen Ereignisse muß zumindest grundsätzlich durch
die Reihenfolge der narrativen (Teil-) Sätze der Erzählung rekonstruiert werden,
und wenn eine bestimmte Ereigniskonstellation beschrieben wurde, so müssen prin-
zipiell auch ihre unmittelbar folgenden Konsequenzen beschrieben werden, sofern
diese von Relevanz sind und das heißt: selbst wiederum erwähnenswerte Konse-
quenzen im Lichte der Gesamtfigur der zu erzählenden Geschichte nach sich ziehen
(bzw. deren Endresultat darstellen). Zu den zu beschreibenden Ereigniskonstellatio-
nen der Geschichte als Abläufen von Handlungsfiguren, die den Basisregeln alltags-
weltlichen Handeins unterworfen sind (vgl. 1.2), gehören nun allerdings auch die
Motivationen und Interessen des "in Personalunion befindlichen" Geschichtenträ-
gers und Erzählers als eines Aktors, der in der damals abgelaufenen Geschichte han-
delte und die damaligen Handlungen in sekundärer Erfahrungsaufbereitung rekapi-
tuliert. Auch die Interessen und Motivationen, die damals verfolgt wurden, sowie
besondere Handlungsereignisse, die diese Motivationen und Interessen dem Zuhörer
notgedrungen deutlich werden lassen, müssen vom Erzähler prinzipiell berichtet
werden, selbst wenn er sich - was sehr häufig eintritt -scheut, diese dem Zuhörer
zu kommunizieren. Prinzipiell bleibt ihm im letzteren Falle nur die Möglichkeit, aus
dem Prozeß der narrativen Darstellung partiell oder vollständig auszutreten. Die
empirisch einfach aufzuzeigenden Versuche des Erzählers, dem narrativen Detail-
lierungszwang durch abnehmenden Narrativitätsgrad der Darstellung, durch Rede-
übergabetaktiken und ähnliches zu entkommen, sind selbst wiederum textlich loka-
lisierbare Belege für die Interessenverflechtung des Erzählers.

( 1.6) Dadurch, daß der Erzähler die wesentlichen Zentralereignisse aus dem abge-
laufenen Ereignisstrom herausgreift und zur Globalstruktur der Geschichte "ver-
dichtet", sich dabei jedoch zugleich an den faktischen Ereignisablauf halten muß,
tritt der Effekt ein, daß in Geschichten Diskrepanzen zwischen früheren Handlungs-
planungen auf der einen Seite und eingetretenen Handlungsergebnissen sowie neuen
Handlungsplanungen auf der anderen Seite "kondensiert" in Erscheinung treten -
obwohl diese Diskrepanzen dem Erzähler selbst häufig nicht bewußt werden. Die
genannten Diskrepanzen treten auch in aktuellen (außemarrativen) Handlungspro-
zessen auf -nur sind sie hier durch die vielen Zwischenschritte aktuellen Handelns,
die in der retrospektiven Darstellung ausgefiltert werden, in der Regel unkenntlich.
Die Widersprüche zwischen Handlungsplanungen und ihren faktischen Ergebnissen
sind Ausdruck heteronomer Systembedingungen des aktuellen (außernarrativen)
Handeins (vgL Matthes und Schütze 1973: 34 ff.). Heteronome Systembedingungen
entstammen Handlungssphären, die von den in einer konkreten Situation unmittel-
bar handelnden Interaktionspartnern ausnahmslos nicht durch eigenes Handeln oder
die Veranlassung fremden Handeins kontrolliert, großenteils aber auch nicht antizi-
piert werden können. Sie bestehen nicht nur aus den sachstrukturellen Vorausset-
zungen des Interaktionstableaus: etwa aus den vorhandenen materiellen und psychi-
Zur soziologischen und linguistischen Analyse von Erzählungen 15

sehen Ressourcen, sondern auch aus den in fremden Interaktionskontexten gefäll-


ten Entscheidungen über die Zuteilung der sachstrukturellen Voraussetzungen des
unmittelbaren Interaktionstableaus. (Diese Entscheidungen haben keinen intentio-
nalen Bezug zur unmittelbaren Interaktionssituation, sondern werden in der Regel
unbeabsichtigt, d. h. nur durch ihre Systematik bzw. z. T. sogar nur durch ihre
ungeplanten Konsequenzen zu sachstrukturellen Voraussetzungen des unmittelba-
ren lnteraktionstableaus.) Die von heteronomen Systembedingungen des Handelns
verursachten Diskrepanzen zwischen Handlungsplanung und eingetretenen Ereignis-
sen werden außerhalb retrospektiver Kognitions- und Kommunikationszusammen-
hänge (vgl. Abschnitt 2 f) nur in den seltensten Fällen bewußt. Der aktuell (außer-
narrativ) Handelnde versucht, mit ihnen durch routinisierte Praktiken des Auswei-
chens, Umgehens, Kompensierens, Rationalisierens fertig zu werden.

Soweit die sechs Folgerungen aus der Definition des Phänomens "Erzählen von Ge-
schichten". Zusammenfassend kann man zur Problematik dieser Definition und
ihrer Folgerungen sagen: der Prototyp von Geschichtenerzählung beinhaltet in all-
tagsweltlicher Direktkommunikation dargebotene deutende und bewertende Reor-
ganisationen eigener Erfahrungen sozialer Ereignisse, soweit diese jeweils als in sich
zusammenhängende Ereignisabfolgen mit durchlaufendem roten Faden nicht nur
nach endgültigem Abschluß der historischen Ereignisfigur retrospektiv gedeutet,
sondern zumindest bruchstückhaft vom Geschichtenträger/Erzählerauch aktuell als
handlungsthematische Problematiken protentiv, d. h. mit dem offenen Zukunfts-
horizont aktueller Handlungsschritte (Garfinkell973: 232-235; Schütz 1960:
55-62) im Zusammenhang von Handlungsintentionen erlebt worden sind -das
freilich auf der Grundlage sich allmählich aufschichtender und zur historischen
Figur verdichtender retrospektiver Deutungen. Die These von der "narrativen Gene-
rierungskraft" eigener, sich allmählich aufschichtender Erfahrungszusammenhänge
für das Erzählen von Geschichten und vom prototypischen Charakter der Erzählung
eigenerlebter Geschichten erscheint aufgrund des sowohl wissenschaftlich als auch
alltagsweltlich festgestellten Faktums plausibel, daß Geschichten aus zweiter Hand
- bzw. allgemeiner: fremderlebter Erfahrungszusammenhänge -in mündlicher
Übermittlung dazu tendieren, unzusammenhängend-konfus "wiedergegeben" zu
werden (Labov und Waletzky 1973: 112, 114 f.). Dieser Eindruck des Zuhörers ist
darauf zurückzuführen, daß die insbesondere durch die eigene Erfahrungsaufschich-
tung des Erzählers geförderte Globalstrukturierung der Geschichte, die mit entspre-
chenden Deutungen und Bewertungen des Erzählers verbunden ist, bei der Erzäh-
lung fremder Geschichten nicht in dem Maße vorhanden ist, daß sie dem Zuhörer
systematisch zusammenhängende Interpretationshilfen liefern könnte, auf deren
Grundlage der Zuhörer den "Gesamtsinn" der Geschichte zu erfassen in der Lage
wäre. Die mit der Globalstrukturierung mitgelieferten Deutungen und Bewertungen
des Erzählers passen die Geschichte in den interpretativen Zusammenhang gegen-
wärtiger Deutungs- und Bewertungsschemata ein, die nach Antizipation des Erzäh-
lers (auf Grundlage einer in der Vorstellung vollzogenen Übernahme der Hörerrolle)
auch für den Hörer orientierungsrelevant sein dürften.
16 Fritz Schütze

2. Die Kompetenz zum Geschichtenerzählen

Geschichtenerzählen setzt die kategoriale ( d. h. die jedem geistig nicht wesentlich


behinderten Gesellschaftsmitglied prinzipiell zu Gebote stehende) Fähigkeit voraus,
eigene Erfahrungen sozialer Ereignisse retrospektiv zu verarbeiten und kommunika-
tiv darzubieten. Geschichtendarbietung verlangt somit sehr viel mehr als Sprechper-
formanz im engeren Sinne: sie ist als Aktualisierung des kategorischen Fähigkeitsbe-
reiches retrospektiver Kompetenz anzusehen, und diese setzt die ihrerseits wie-
derum aufeinander aufbauenden unterschiedlichen Schichten sozialer und sprach-
licher Kompetenzen voraus. In grober Andeutung sind diese Schichten nach ihrer
Elementarität geordnet:
(a) die soziale Grundlagenkompetenz (zum Kategorisieren, Differenzieren und
Verallgemeinern von Erfahrungen, zur kausalen Verknüpfung von Erfahrungen,
zum Vollziehen von Referenzen, zum Prädizieren, zur Sicherung der Reziprozi-
tät der Perspektiven der Interaktionspartner usw.),
(b) die linguistische Kompetenz im engeren Sinne (zur Beherrschung der imma-
nenten Universalien des Sprachapparates als Voraussetzung der Beherrschung
jeder beliebigen menschlichen Sprache als Muttersprache),
(c) die Sprachgebrauchskompetenz zur Entscheidung darüber, ob bestimmte
sprachliche Formen zur Aktualisierung bestimmter Sprachfunktionen zu dienen
vermögen (Hymes 1973),
(d) die kommunikative Kompetenz im eigentlichen Sinne (d. h. abzüglich der
Schicht der sozialen Grundlagenkompetenz; kommunikative Kompetenz in die-
sem Sinne umfaßt: die Fähigkeit zur Sicherung signifikanter Rollenübernahme,
d. h. zur Verständigung auf der Grundlage eines allseits geteilten Symbolsystems,
das prinzipielle Sinnübereinstimmung eigener und fremder Interpretationen von
Kommunikationsaktivitäten sicherstellt; die Fähigkeit, die je unterschiedliche
durchlaufende Perspektivität der beteiligten Handlungszentren bzw. Interak-
tionspartner zu erfassen, in Rechnung zu stellen und zu kontrollieren; die Fähig-
keit zur Formulierung eigener Handlungsintentionen, zur Aufspürung fremder
Handlungsintentionen sowie zum Aushandeln und Aufeinandereinstellen der
eigenen und der fremden Handlungsintentionen; die Fähigkeit zur Antizipation
der Konsequenzen intendierter Handlungen; die Fähigkeit zur Herauskristallisie-
rung und Sicherstellung gemeinsamer Interessen in und an der Interaktions- bzw.
Sprechsituation usw.), sowie
(e) die Sprechhandlungskompetenz und die Interaktions- bzw. Kommunika-
tionsstrategiekompetenz (z. B. zum "Fangen" und "Verteidigen" im Verhör; aber
auch ganz allgemein: zur Deutung und Einschätzung des jeweiligen aktuellen Sta-
diums der Interaktionssituation sowie zum Verstehen der eigenen und der frem-
den Handlungsrollen im Rahmen sozialer Beziehungen, ob diese nun bereits prä-
formiert sind oder in ihrer Struktur gerade erst durch den Interaktionsprozeß
entstehen).
Sprachperformanzen im engeren Sinne fußen dagegen lediglich auf den Fähigkeits-
Zur soziologischen und linguistischen Analyse von Erzählungen 17

hereichen (a) bis (c). Mit anderen Worten: Erzählungen lassen sich sinnvoll nur im
Rahmen interaktiver Handlungsmuster abwickeln, verstehen und analysieren, wäh-
rend Sprechaktivitäten im engeren Sinne auch in relativer Isolierung vom sozialen
Kontext vollziebar und analysierbar sind -obwohl natürlich auch das lediglich im
Rahmen einer künstlichen Aktivitäts- und Analyseanordnung möglich ist. (Vgl. zum
gesamten gerade gestreiften Komplex sozialer und sprachlicher Kompetenzen:
Schütze 197 Sa, Abschnitte 6.314 und 11.6.)
Geschichtenerzählung ist mithin als besonders komplexe Form sozialen Handeins
anzusehen und kann nicht in reduktionistischer Loslösung vom Handlungskontext
analysiert werden, wie das bei der Analyse von Sprachperformanzen unter gewissen
linguistischen Fragestellungen noch möglich ist. Daß die soziale Leistung des Ge-
schichtenerzählers u. a. auf den Fähigkeitsschichten der kommunikativen Kompe-
tenz (d) und der Interaktionsstrategiekompetenz (e) gründet, drückt sich einerseits
darin aus, daß der präsumtive Erzähler die "Interaktionspostulate" des Erzählens
voraussetzen muß, um überhaupt erzählen zu können (vgl. Abschnitt 1). Anderer-
seits müssen folgende spezielle Leistungen zur Aufrechterhaltung der Interaktivität
des Geschichtenerzählens erfüllt sein, die ebenfalls im Gesamtbereich der kommuni-
kativen und interaktionsstrategischen Kompetenz verortet werden müssen:

(da) Der Erzähler muß die Fähigkeit aktualisieren, das Interesse des Zuhörers
wachzuhalten und in seinem Intensitätsgrad zu kontrollieren. Er baut deshalb in
den Erzählduktus Spannungshöhepunkte ein; er gewährt in speziellen Erzählrah-
men präsentierte Vorschau- und Rückschau-Überblicke; er verdeutlicht, daß
bestimmte Erzählsequenzen lustige, traurige, erschreckende bzw. andere Gefühls-
qualitäten enthalten; er streut "Stichwörter" und Teilsätze in die Darstellung ein,
die Neugierde wachrufen; er versichert sich durch Elemente sympathetischer Zirku-
larität (Bernstein 1964: 253 B), auf die der Zuhörer bestätigend antworten soll
(z. B. " ... nicht?"- "hm, hm"), daß der Zuhörer noch interessiert ist und die
selbstverständlichen Voraussetzungen, die in der .Erzählung vom Sprecher ins Spiel
gebracht und dem Zuhörerangesonnen wurden, mitvollzieht. Der Zuhörer muß ent-
sprechend die Fähigkeit aktualisieren, den Sprecher am Erzählen zu halten, indem
er an den vorgesehenen Stellen Interesse bekundet, indem er Nachfragen stellt usw.

(ea) Der Erzähler ist gehalten, die Aktivitätsimpulse des Zuhörers soweit zu verstär-
ken, daß dieser zwar seine Zuhörerrolle aktiv vollziehen kann, dabei jedoch die Er-
zählaktivität des Erzählers nicht so häufig und intensiv durchkreuzt, daß letzterer
nicht mehr die Gestaltschließung seiner Erzählung bewerkstelligen kann. Der Er-
zähler muß mithin die Fähigkeit besitzen, einerseits dem Adressaten immer wieder
die Chance zu Nachfragen und zu kommunikativen Eigenimpulsen zu geben, ande-
rerseits jedoch diese Nachfragen und kommunikativen Eigenimpulse des Zuhörers in
den eigenen Erzählduktus zu inkorporieren. Werden die Eigenimpulse des Zuhörers
zu stark, so muß der Erzähler, um das Interesse des Zuhörers nicht völlig abzutöten
bzw. um die Kommunikation überhaupt aufrechterhalten zu können, Raum für
18 Fritz Schütze

Zwischenerzählungen des Zuhörers und für Strecken außernarrativer, in den Ge-


sprächs bei trägen ausgeglichener Kommunikation geben. Wichtig ist in diesem Falle,
daß der Erzähler durch globale Rahmenschaltungen (Goffman 1972, Kap. 2-6, 13)
die Kommunikationsaktivitäten des als Zuhörer zu Beginn der Erzählung wechsel-
seitig zumindest implizit definierten Interaktionspartners als untergeordnete Bei-
träge in den eigenen Erzählduktus einbauen kann. Dem als Zuhörer definierten
Interaktionspartner obliegt die Aufgabe, derartige unterordnende Rahmenschaltun-
gen des Erzählers zu akzeptieren und z. T. gar selbst vorzunehmen, damit die "Ge-
staltschließung" der Globalerzählung - sofern die Interaktionspartner sich zunächst
einmal auf eine derartige Globalerzählung interaktiv einließen und aus diesem Anlaß
die Rollen von Erzähler und Zuhörer verteilten - nicht behindert und der Kommu-
nikationsabbruch vermieden wird.
Es gibt allerdings auch Fähigkeitsbereiche, die für das Geschichtenerzählen spezi-
fisch sind und in ihrer ausgebauten Form nicht mehr aus den Schichten der kommu-
nikativen und der interaktionsstrategischen Kompetenz abgeleitet werden können:
die Fähigkeitsbereiche der retrospektiven Kompetenz (f). Die Fähigkeitsschicht der
retrospektiven Kompetenz weist drei Unterbereiche auf, die jedoch in jedem Erzähl-
prozeß sehr eng miteinander verwoben sind.

(fa) Die Fähigkeit zum narrativen In-den-Zusammenhang-Stellen. Zunächst ein-


mal muß beim Geschichtenerzählen die vom aktuellen ("außersprachlichen") Han-
deln detachierte spezialisierte Aktivität beherrscht werden, Aktivitäten, Ereignisse
und Elemente der sozialen Lebenswelt in allgemeinere Sinn- und Erfahrungszusam-
menhänge zu stellen, von denen aus diese Aktivitäten, Ereignisse und Elemente
ihren spezifischen Stellenwert in der Geschichtenerzählung erhalten. Der Zusam-
menhang ist insbesondere dadurch konstitutiert, daß das (im buchstäblichen oder
fiktiven Sinne) historische Ergebnis des Ereignisverlaufs zumindest dem Erzähler
schon bekannt ist und von diesem wenigstens zu Beginn der Erzählung (aber
gewöhnlich auch zwischendurch immer wieder) als allgemeines "Thema" bzw.
"Sinn" der Erzählung angedeutet wird. (Garfinkel nennt dieses Darstellen und Ver-
stehen von Einzelaspekten im Rahmen eines immer wieder angedeuteten Gesamt-
kontextes "dokumentarische Methode der Interpretation"; das In-den-Zusammen-
hang-Stellen von Einzelereignissen und -aspekten, wie es beim Geschichtenerzählen
geleistet wird, ist eine spezifische Form der dokumentarischen Methode der Inter-
pretation. - Vgl. Garfinkel 1973: 199 ff., 235-241 ). Beim Geschichtenerzählen
vollzieht sich das In-den-Zusammenhang-Stellen von Aktivitäten, Ereignissen und
Elementen dominant auf der Zeitachse: die Abfolge der Erzählsätze soll die Abfolge
der Erreignisse grundsätzlich widerspiegeln. (Natürlich wird beim Erzählen auch die
Darstellung außerzeitlicher Zusammenhänge - wie z. B. die Verknüpfung sozialer
Einheiten im sozialtopischen Raum vollzogen; das ist jedoch kein spezifisches Cha-
rakteristikum von Erzählungen, sondern trifft als zumindest implizite Leistung auf
jede sprachliche Kommunikation zu.)
Man könnte die Fähigkeit, die Konsequenz und Konsistenz von Ereignisabfolgen
Zur soziologischen und linguistischen Analyse von Erzählungen 19

in der Form der Darstellung durch Reihung von Erzählsätzen unmißverständlich


abzubilden, als "spezielle narrative Kompetenz" bezeichnen. Natürlich kann in Er-
zählungen nichtalldas in narrativen Teilsätzen angesprochen werden, was in eige-
ner oder fremder Primärerfahrung erlebt wurde. Deshalb beinhaltet die spezielle
narrative Kompetenz zusätzlich die Fähigkeit, eigene und fremde Erfahrungen in
vom primären Erfahrungsprozeß unabhängigen Reproduktionsschritten sekundär
aufzubereiten, und das bedeutet insbesondere: unter Ansehung des historischen Ge-
samtzusammenhanges in Haupt- und Nebenereignisstränge bzw. -aktivitätsstränge zu
differenzieren und unter Erhaltung der "Kulminationspunkte" des Ereignisablaufs
auf das Wichtigste hin zu "kondensieren" (Goffman 1972: 662 f., 55, 95, 170).

(fb) Die Fähigkeit zum Darstellen der intentionalen Motivationszusammenhänge


und der Zusammenhänge von Ursache und Wirkung. Der Erzähler muß natürlich die
erwähnten Haupt- und Nebenstränge des Aktivitäts- und Ereignisablaufs im Verlauf
der Erzählung konsequent durchhalten. Das ist eine spezielle, keineswegs in ihrer
Erfüllung automatisch gesicherte Aufgabe im Vollzug des Geschichtenerzählens, da
der Erzähler vom darzustellenden Erfahrungs-, Aktivitäts- und Ereignisablauf zum
Zeitpunkt seiner Sprechaktivität ja detachiert ist und diesen rekonstruieren muß.
Träger des Aktivitäts- und Ereignisablaufs sind einerseits Aktoren, die bestimmte
Handlungsabsichten verfolgen, und andererseits Objekte, auf die eingewirkt wird -
und über das "Handeln" und "Erleiden" (bzw. "Einwirkungen Erfahren") dieser
Träger konstituiert sich der interne und externe Zusammenhang, d. h. die Konsi-
stenz und die Verflechtung der Stränge des Aktivitäts- und Ereignisablaufes.
Natürlich handelt es sich bei der Trennung von Aktoren und Objekten lediglich
um eine analytisch-aspektuelle Aufteilung: Aktoren als Handlungszentren und Ob-
jekte als "Erleidens"- bzw. "Einwirkungszentren" fallen natürlich großenteils, ins-
besondere sofern es sich um Menschen handelt, faktisch überein. Sei dem wie ihm
sei- denjenigen Ereigniszusammenhang einerseits, den Aktoren als Handlungszen-
tren aufspannen, kann der Erzähler dadurch sicherstellen und verdeutlichen, daß er
die Erlebnisperspektiven, Motivationen und Handlungsabsichten der Aktoren
beschreibt und miteinander in Beziehung bringt. Das Geschichtenerzählen setzt
mithin die Fähigkeit voraus, die Perspektiven, Motivationen und Intentionen der
Handelnden nicht nur aktuell zuzurechnen, sondern auch detachiert (und das impli-
ziert: retrospektiv) auszudeuten, analytisch zu reinterpretieren und als ein systema-
tisches Intentionsgeflecht zu präsentieren und durchzuhalten. Denjenigen Ereignis-
zusammenhang andererseits, den Objekte als "Erleidens"- bzw. "Einwirkungszen-
tren" aufspannen, kann der Erzähler dadurch sicherstellen und verdeutlichen, daß
er die Konsequentialität der Aktivitätsbeiträge und die Ursachen von Ereignissen
und Zuständen beschreibt und miteinander in Beziehung bringt. Das Geschichten-
erzählen setzt mithin auch die Fähigkeit voraus, Auswirkungen von Aktivitäten und
Ursachen von Zuständen nicht nur aktuell in Rechnung zu stellen, sondern auch in
Detachierung vom Handlungskontext (und das bedeutet mit Notwendigkeit: retro-
spektiv) systematisch zu analysieren und permanent in kausalen Erklärungen und
20 Fritz Schütze

Prognosen sprachlich zu repräsentieren. (Prognosen in narrativen Darstellungen sind


sehr häufig. Sie haben gewöhnlich die Form: "Ich sagte mir: das wird so und so
kommen". Ein Charakteristikum narrativer Prognosen besteht darin, daß sie vom
VerlatV' der berichteten Ereignisse eingeholt werden bzw. ihr "zukünftiges" Ereig-
niskorrelat bekannt ist. Deshalb besteht beim Geschichtenerzählen eine überpropor-
tionale Tendenz zu richtigen Prognosen - im Gegensatz zu den offenen Prognosen
im Verlauf des faktischen damaligen Handelns, über das berichtet wird. Des weite-
ren: in narrativen Darstellungen sind unmarkierte Prognosen stets richtige Progno-
sen; "falsche" Prognosen müssen stets als solche bereits während des Vollzuges
gekennzeichnet werden, z. B. "Ich war damals in der irrigen Erwartung ... ".)

(fc) Die Fähigkeit zur spezialisierten Bewertung und Rechtfertigung. Mit dem nar-
rativen In-den-Zusammenhang-Stellen, mit der systematischen Motivrepräsentation
und mit dem systematischen Aufzeigen der Konsequentialität von Aktivitätsbeiträ-
gen ist unmittelbar die Notwendigkeit verbunden, Aktivitätsbeiträge zu bewerten,
Motive zu kritisieren, zu rechtfertigen bzw. zu verschleiern sowie mißglückte Hand-
lungsdurchführungen im Verweis auf nicht zu verantwortende Insuffizienzien (wie
etwa mangelnde Informiertheit, Krankheit usw.) zu entschuldigen. Die Notwendig-
keit hierzu ergibt sich daraus, daß sämtliche Ereignisse und Aktivitätsbeiträge aus
der Perspektive des Gesamtzusammenhanges der Geschichte berichtet werden und
nur in diesem ihren Stellenwert erhalten, dieser Gesamtzusammenhang aber wie-
derum für Erzähler und Zuhörer aktuelle ("wertbeladene") Relevanz in der Sprech-
situation besitzt. Mit dem Geschichtenerzählen ist also stets eine detachierte retro-
spektive Einstellung gegenüber den dargestellten Ereignissen aus der mit der Gegen-
wart vermittelten Gesamtsicht der Geschichtengestalt konstituiert, und eine derar-
tige Loslösung vom unmittelbaren (nicht-narrativen) Handlungsstrom ruft automa-
tisch evaluative, kritische oder auch legitimierende Aktivitäten der "Urteilskraft"
gegenüber diesem hervor.
Aus den beiden letzten Absätzen (fb) und (fe) wird deutlich, warum in das Er-
zählen von Geschichten prinzipiell Prognosen, Erklärungen, Bewertungen und
Rechtfertigungen eingelassen sind. Die Fähigkeiten hierzu sind nicht der kommuni-
kativen Kompetenz im engeren Sinne (d) und der interaktionsstrategischen Kompe-
tenz (e) zu subsumieren, da es sich bei ihnen um Fähigkeiten handelt, die lediglich in
prinzipieller Distanz. gegenüber dem unmittelbar ablaufenden Interaktionsprozeß
aktualisiert werden können, und eine derartige Distanz ist lediglich retrospektiv und
nicht in der naiv-finalen Handlungsorientierung auf offene Zukunft hin möglich.
(Vgl. Mead 1968: 217-221, 241 f., 246 ff.; Schütz 1962: 22, 214-217; Garfinkel
1973: 196, 232 ff.; Matthes und Schütze 1973: 38-49.) Die narrative Kompetenz
im engeren Sinne (fa) ist lediglich eine Unterform der retrospektiven Kompetenz
insgesamt (f) -neben der Motivexplikations-und Erklärungskompetenz (fb) sowie
der Bewertungs- und Rechtfertigungskompetenz (fc); in natürlichen Erzählsituatio-
nen kann sie allerdings nicht ohne die beiden übrigen Unterformen der retrospekti-
ven Kompetenz aktualisiert werden.
Zur soziologischen und linguistischen Analyse von Erzählungen 21

Mit der Aktualisierung eines jeden der drei Aspekte der retrospektiven Kompe-
tenz ist andererseits natürlich auch der Rückgriff auf tieferliegende Kompetenz-
schichten verbunden: gerade auch in aktuellen Interaktionssituationen (ohne narra-
tive Aktivität) werden Referenzen vollzogen, Intentionen geschöpft und zugerech-
net, Auswirkungen in Rechnung gestellt und bewertende Einschätzungen vollzogen.
All das geschieht allerdings lediglich implizit und nicht in spezialisierter Aktivität,
und so kommt es nicht zur systematischen Explikation eines Geflechtes zusammen-
hängender Referenzen und deiktischer Bezüge, wie es gerade für das Erzählen von
Geschichten - d. h. speziell: zur Sequenzierung der narrativen Teilsätze und zum
Aufzeigen der Konsistenz ihrer Abfolge -unabdingbar ist; es kommt nicht zu syste-
matischen Repräsentationen von Motivzusammenhängen, zu echten Erklärungen
und ausgebauten Rechtfertigungen. - Vielleicht läßt sich das Geschichtenerzählen
gerade dadurch ganz allgemein charakterisieren, daß die in aktuellen (außer-narrati-
ven) Interaktionssituationen implizit erbrachten Leistungen in Erzählungen explizit
und spezialisiert vollzogen werden.

3. Schon realisierte Aspekte der Geschichtenanalyse in den Sprach- und


Sozialwissenschaften

Soweit dem Phänomen "Erzählen von Geschichten" in Philosophie, Linguistik und


Sozialwissenschaft bisher Beachtung geschenkt worden ist, müssen folgende
Aspekte betont werden:

3.1 Die Struktur des Geschichtenerzählens als rekapitulierender Erlebnis- und


Erfahrungsverarbeitung

Philosophen und Linguisten von Aristoteles bis in die jüngsten Entwicklungen der
Textlinguistik hinein haben Geschichten als Mittel der Erfahrungs- und Existenzver-
arbeitung par excellence betrachtet und ihre jeweilige ästhetische Realisierung in
den unterschiedlichen Kunstgattungen (Epos, Drama, Tanz, Film usw.) untersucht
(vgl. Gülich 1973; van Dijk u. a. 1973). Hierbei wurden auch schon früh -etwa bei
Aristoteles -elementare Konstituenten von "Geschichte" (wie Handlungssehemal
Anordnung von Ereignissen, Geschichtenträger wie Agentes und Patientes sowie die
flir sie charakteristischen Handlungen und Gedanken) sowie Elemente der Global-
struktur von "Geschichte" (wie etwa die Fünfteilung des Dramas) als formale Phä-
nomene herausgearbeitet. Auch die formale textlinguistische Analyse kleinster nar-
rativer Einheiten und der Globalstruktur der Geschichtenerzählung, wie sie wohl am
weitesten von Labov vorangetrieben ist, weiß sich dieser Tradition noch verpflichtet
(vgl. Labov und Waltzky 1973: 79 f.; Labov 1972: 354 f.).
Allerdings muß zugegeben werden, daß in neueren generativ-textgrammatischen
Arbeiten die formale Struktur von Erzählungen in den Vordergrund tritt und der
22 Fritz Schütze

Gesichtspunkt, daß Erzählungen ein Hauptinstrument retrospektiver, die einzelnen


Erlebnisabschnitte rekapitulierender Erfahrungsverarbeitung sind, in den Hinter-
grund gedrängt wird (vgl. zu dieser Analyserichtung Gülich 1973: 326 f.). Die Ana-
lyse von Erzählungen unter dem Gesichtspunkt ihrer Hauptfunktion, nämlich der
retrospektiven Erfahrungsverarbeitung (mit einer referentiellen und einer bewerten-
den Unterfunktion- vgl. Labov und Waletzky 1973: 79), und die Formalanalyse
von narrativen Textstrukturen sind also keineswegs identisch. Allerdings halten wir
die realistische (und nicht nominalistisch-formalistische) grundlagentheoretische
Position Labovs für überzeugend und zukunftsweisend, sowohl die Globalstruktur
von Geschichtenerzählungen als auch ihre formalen Einzelelemente -wie die Struk-
tur und Abfolge narrativer Teilsätze, ihre Verbindung mit nicht-narrativen Teilsät-
zen, die besonderen Realisierungsformen der globalen Stadien von Erzählungen wie
insbesondere des Evaluationsstadiums, die syntaktischen Operatoren der Evaluation
(vgl. Labov 1972: 375-393) -aus der lebensweltlich-interaktionsbezogenen
Hauptfunktion des Erzählens von Geschichten abzuleiten.
In diesem Zusammenhang soll auch noch kurz auf die Analyse von "Geschichten
zweiter Hand" hingewiesen werden. In ihnen werden nicht eigenerlebte Primär-
erfahrungen narrativ verarbeitet, sondern Geschichten, die von "ersten" Interak-
tionspartnern bereits in Erzählungen verarbeitet wurden, im Vollzug einer Vermitt-
lerrolle (Adler 196 7: I 0-16) an Dritte weitergeleitet und hierbei sekundär aufberei-
tet und verändert. Wir wiesen schon darauf hin, daß Geschichten zweiter Hand die
Tendenz zu eigen ist, die scharf konturierte Geschichtengestalt der "Erzählung
erster Hand" aufzulösen. Allerdings liegen bisher keine zureichenden Forschungser-
gebnisse darüber vor, in welchen spezifischen Formelementen sich "Geschichten
zweiter Hand" von Primärgeschichten unterscheiden. Man könnte denken an Phä-
nomene wie: zusätzliche Einführungs- bzw. Rahmengeschichten, die den Zitatcha-
rakter der mitzuteilenden inhaltlichen Geschichte "metasprachlich" verdeutlichen;
Modalisierungen, die den Wahrheitsanspruch der erzählten Geschichte abschwächen;
Rückbildungen des Evaluationselementes (vgl. Labov und Waltzky 1973: 114) usw.
Da "Geschichten zweiter Hand" in natürlich-alltagsweltlichen Situationen insbeson-
dere im Medium von "Klatschkommunikationen" und von "Gerüchteepidemien"
weitergegeben werden, sollte hier die linguistische Analyse des Geschichtenerzäh-
lens Anschluß an die sozialpsychologische Gerüchteforschung suchen (vgl. etwa
Schachterund Burdick 1955). Andererseits ist diesbezüglich sicherlich auch Vor-
sicht geboten, da Gerücht und Klatsch in ihrem Wesen keineswegs ausschließlich aus
Übermittlungsstörungen im Übertragungskanal zu erklären sind (d. h. aus "Ge-
schichten zweiter Hand" abgeleitet wurden), sondern zumindest z. T. in ihrem (fik-
tiven bzw. partiell fiktiven) Informationsgehalt bereits als Gerüchte entstehen -
nämlich z. B. in Krisensituationen, in denen keine authentischen Informationen zur
Verfügung stehen, kognitiv dissonante Phänomene jedoch erklärt werden müssen
(Shibutani 1966: 29, 62, 183). Vielleicht könnte man sogar zu dem Schluß kom-
men, daß die in "Klatschkommunikationen" und/oder "Gerüchteepidemien" gerade
erst geschaffenen fingierten Geschichten in ihrer formalen Struktur ex ovo wie
Zur soziologischen und linguistischen Analyse von Erzählungen 23

buchstäbliche "Geschichten zweiter Hand" konstruiert sind, d. h. wie Geschichten,


die faktisch von eigenerlebten Geschichten (.,erster Hand") abgeleitet sind.

3.2 Erzählmaterial als Textkorpus für außernarrativistische Fragestellungen,


die Sprachverhalten betreffen

Insbesondere in jüngerer Zeit wird die Hervorlockung von Geschichten in münd-


lichen Erzähldarbietungen von Linguisten im engeren Sinne und von Konversations-
analytikern (auch außerlinguistischen) benutzt, um Textkorpora zu erhalten, durch
deren Analyse die Strukturen natürlich gesprochener Umgangssprache wissenschaft-
lich rekonstruierbar sind. Hier lassen sich zwei prinzipiell unterschiedliche, wenn
auch faktisch häufig miteinander verflochtene, Fragestellungen unterscheiden.
(a) Die linguistische Variantenforschung möchte eine möglichst exakte Beschreibung
natürlich gesprochener Standardsprachen erarbeiten und stößt dabei auf phonolo-
gische, .syntaktische und semantische Unterschiede der Art und Weise, wie die Stan-
dardsprache in unterschiedlichen geographisch festgelegten Räumen und in sozialen
Aggragaten wie Schichten, Mobilitätsgruppen, ethnischen Subgruppen umgangs-
sprachlich realisiert bzw. abgewandelt wird. Um derartige Dialekte und Soziolekte
deskriptiv exakt erfassen zu können, ist die Hervorlockung von Proben natürlich
gesprochener Umgangssprache strategisch. Beim Erzählen von Geschichten - so die
Kalkulation der Datenerhebungstechnik- verliert der Informant zumindest partiell
die Hemmungen, die für formale Erhebungssituationen typisch sind, denn die Ver-
tiefung in die konturierte Gestalt und den Ereignisablauf der Geschichte läßt die
formalisierte Kommunikationssituation vergessen - sofern es tatsächlich zur Erzäh-
lung kommt. Da der zuhörende Forscher den Geschichtenerzähler durch die typi-
schen Zuhörerreaktionen unterstützen muß, wird allmählich eine Kommunikations-
struktur aufgebaut, die der alltagsweltlichen ähnelt. (Auch diese Datenerhebungs-
techniken sind flir die Methode Labovs als des bedeutendsten gegenwärtigen Feld-
linguisten kennzeichnend.- Vgl. Labov 1964: 164-176.)- (b) Ethnomethodolo-
gisch orientierte Soziologen begannen sich in den letzten zehn Jahren für die prag-
matische Struktur alltagsweltlicher Konversation als Grundform sprachlich bewäl-
tigter Interaktionen zu interessieren. Hierbei beschäftigte sie insbesondere die
sequentielle Organisation sprachlicher Aktivitäten, und hierfür liefern Erzählungen
besonders eindeutige und leicht zu erhebende Beispiele ( vgl. insbes. Sacks 1972).
Während sich Linguisten und Konversationsanalytiker für die Struktur der Um-
gangssprache selbst - wenn auch das in völlig unterschiedlicher Weise - interessie-
ren, benutzen soziologisch orientierte Sprachbarrierenforscher (hierunter finden
sich auch Fachlinguisten) Strukturen relativ natürlicher Sprachproduktionen für die
Verfolgung ganz anderer, auf die Textproduzenten als Vertreter unterprivilegierter
sozialer Aggregate bezogener Fragestellungen. Sprachbarrierenforscher der Bernstein-
Schule (wie etwa Hawkins 1973) verwenden Techniken der Hervorlockung von Er-
zählungen- insbesondere der Hervorlockung sprachlicher Reproduktionen von
24 Fritz Schütze

Bildgeschichten -,um auf der Grundlage eines vorliegenden Textkorpus relativ


natürlicher Sprachproduktionen die Sp~;.echfertigkeit der jeweiligen Erzähler als Ver-
treter des interessierenden sozialen Aggregates beurteilen und Eigenschaften ihres
Sprechstils angeben zu können. (Allerdings ist das Erzählen von Bildgeschichten nur
in seltenen Fällen eine vollständig natürliche Kommunikationsaufgabe.)

3.3 Das Erzählen von Geschichten als institutionalisierte retrospektive


Reaktualisierung kanonischer Erfahrungskategorien und kultureller
Werte einer Gesellschaft

Anthropologen (wie etwa Levi-Stauss 1964, 1967) und volkskundlich orientierte


Sprachforscher (wie etwa der russische Märchenforscher Propp, 1972; und der Pike-
Schüler Dundes, 1962, 1964) haben Geschichten gesammelt und analysiert, sofern
diese für die untersuchte Gesellschaft kanonischen kulturellen Wert besaßen: Mär-
chen, Sagen, Witze, Gerüchte u. ä. Auch sie waren häufig auf die mündliche Repro-
duktion der interessierenden Geschichten angewiesen, zumal, wenn sie eine schrift-
lose Gesellschaft untersuchten. Allerdings legten sie im Gegensatz zu den unter
(3.2) genannten Linguisten darauf Wert, die Geschichten durch allgemein als solche
anerkannte "fachkompetente" Geschichtenerzähler reproduzieren zu lassen, und sie
hatten auch kein Interesse an Soziolektischen Unterschieden der konkreten Erzähl-
performanz. Anthropologen und Spachforscher mit diesem Interesse gingen davon
aus, daß in den für eine Gesellschaft kanonischen Geschichten die für diese Gesell-
schaft elementaren sozialen Kategorien und Ereignisse (die durchaus z. T. aus para-
digmatischen Krisen bestehen können - wie etwa im Falle des Märchens) in alltäg-
lich routinisierter - wenn auch häufig sicherlich verzerrender - Erfahrungsverarbei-
tung dargeboten würden: eine These, die für einfache Gesellschaften plausibel sein
mag, auf komplexe Gesellschaften aber sicherlich nicht zutrifft - sofern man nicht
versucht, die in mündlicher Direktkommunikation (sowohl im tagtäglichen small
talk als auch in Sozialisationsgesprächen in Familie und formalen Sozialisationsin-
stanzen) und über die Massenmedien 1 weitergegebenen aktuellen Sozialmythen
jeweiliger sozialer Untergruppen und Unteraggregate dieser komplexen Gesellschaf-
ten zu erfassen (vgl. Barthes 1964, 1966).

3.4 Das Interesse am Erzählen von Geschichten, um Auskunft über unbekannte


oder nur partiell bekannte Ereigniskonstellationen zu erhalten

Das natürlichste Interesse an der Hervorlockung von Geschichten liegt wohl darin,
Auskunft über relevante Ereignisse und krisenhafte Ereigniszuspitzungen innerhalb
eines intere~sierenden Handlungstableaus oder auch innerhalb eines größeren sozia-

1 Inwieweit und in bezug auf welche soziale Aggregate Massenmedien die elementaren Orien-
tierungskategorien von Gesellschaftsmitgliedern bereitstellen, ist freilich eine empirische
Frage.
Zur soziologischen und linguistischen Analyse von Erzählungen 25

len Ereignisbereiches zu erhalten - Ereignisse, die dem präsumtiven Zuhörer über-


haupt nicht oder nur partiell bekannt sind. Von wissenschaftlicHem Interesse ist in
diesem Falle der thematische Informationsgehalt der Geschichte; die Form der Dar-
bietung ist nur dann wichtig, wenn auch sie Aufschluß über die in der Geschichte
angesprochenen Ereignisse und Erfahrungsverarbeitungen gibt. (Man denke etwa an
die diffamierende Kolportage von Machenschaften und Interessenverfilzungen poli-
tischer Gegner hinter vorgehaltener Hand.) Das Hervorlocken (und Analysieren) von
Geschichten ist als Instrument für die Ermittlung sozialer Fakten insofern strate-
gisch, als das Erzählen von Geschichten den Erzähler in Detaillierungszwänge bringt,
innerhalb derer er auch über Ereignisse berichten muß, die er wegen eigener lnteres-
senverfilzung, wegen eigener zu verantwortender Planungs- und/oder Realisierungs-
fehler, aus Fairness gegenüber anderen, die in den zu berichtenden Handlungszusam-
menhängen versagten, bzw. aus Furcht vor diesen oder auch wegen des allgemeinen
Skandalcharakters der zu berichtenden Ereignisse lieber verschweigen würde (vgl.
Abschnitt l.S). Derartige Hemmungen tauchen selbst dann auf, wenn der Erzähler
generell durchaus bereit war, über das gestellte Thema zu berichten.
Das thematisch-inhaltliche Interesse an Geschichten findet sich sowohl in alltags-
weltlichen als auch in wissenschaftlichen Kommunikationszusammenhängen: im
tagtäglichen Klatsch, in polizeilichen und gerichtlichen Ermittlungen und Verhören,
in psychiatrischen Interviews, in biographischen Selbstdarstellungen im Rahmen
soziologischer Erhebungen, in journalistischen Reportagen und insbesondere in
soziologischen Einzelfallstudien, die den Verlauf vergangener Ereigniszusammen-
hänge von sozialwissenschaftlichem Interesse rekonstruieren wollen, dabei jedoch
nicht oder nur unzureichend auf Aktualtexte rekurrieren können, die in den interes-
sierenden Handlungssituationen aktuell produziert und festgehalten wurden bzw.
werden müßten (zur grundlagentheoretischen und forschungsstrategischen Bezie-
hung zwischen Aktualtexten und narrativen Texten vgl. Schütze 197 Sa, Abschnitt
9.8).
Die gerade angesprochenen soziologischen Einzelfallstudien zielen auf Ereignis-
konstellationen ab, die auch von hohem lebensweltlich-praktischem (insbesondere
gesellschaftspolitischem) Interesse für die entsprechenden Gesellschaftsmitglieder
sind: man denke etwa an Streiks, große Unglücksfälle (Barton 1969), Auseinander-
setzungen der betroffenen Bürger mit einer Gebietsreform usw. Eine soziologische
Erhebung, die auf ein derartiges thematisch-praktisches Interesse der als Informan-
ten angesprochenen Gesellschaftsmitglieder zu rekurrieren versucht, bietet dem So-
zialforscher zwei Vorteile. Einerseits erlaubt sie die natürliche Hervorlockung von
Geschichten selbst bei Gesellschaftsmitgliedern, die im Vollzugjeder anderen Form
der Geschichtenerzählung (insbesondere bei der biographischen Rekonstruktion
des eigenen Lebensweges und bei der Erzählung kanonischer "Fremd"-Geschichten)
psychisch blockiert sind (weil die eigene Biographie auf Grund erfahrener persön-
licher Schwierigkeiten verdrängt wird; weil man fürchtet, dem Leistungsdruck der
richtigen Erzählung einer kanonischen Geschichte nicht gerecht zu werden usw.).
Andererseits ist es in ihrem Gesamtrahmen durchaus möglich, auch alle anderen
26 Fritz Schütze

Aspekte der Geschichtenanalyse zu verfolgen: insbesondere denjenigen der Ermitt-


lung elementarer Aufordnungskategorien von Welt (vgl. Punkt 3.3), da sicherlich
die Annahme plausibel ist, daß gerade im Vollzuge der erzählenden Rechenschafts-
legung über Krisensituationen und das eigene Verhalten in diesen -und weniger in
bereits kanonisierten und ritualisierten Erzähldarbietungen "archetypischer" Erfah-
rungen - die orientierungs- und handlungsrelevanten elementaren Kategorien zur
Aufordnung der sozialen Lebenswelt (einschließlich der eigenen Ich-Identität und
des eigenen Handelns) aktiviert werden.

4. Neue Verwendungsmöglichkeiten der Geschichtenanalyse in der Soziologie:


das Interesse am Erzählen von Geschichten, um Auskunft über den Wissens be-
stand, die Einstellungen und/oder die Interessen des/der Erzähler(s) zu erhalten.

Mit dem Interesse daran, sich eine Geschichte erzählen zu lassen, um Auskunft
über interessante, bisher zumindest z. T. unbekannte Vorgänge zu erhalten, ist häu-
fig das Interesse verbunden, genauer zu erfahren, was und wieviel der andre wohl
über jene Vorgänge weiß, wie er dazu steht, wie seine "Interessenverfilzung" mit
den berichteten Vorgängen aussieht. Erkenntnisse, die Antworten auf solche Fragen
darstellen, sind oft genug wichtig, um die Vorgänge, die den Zuhörer interessieren
und über die er noch nicht ausreichend informiert ist, besser kennenlernen und ein-
schätzen zu können. Denn wenn der Erzähler zumindest "Mitträger" der berichte-
ten Geschichte ist - wir hatten das für den Grundtyp des Geschichtenerzählers vor-
ausgesetzt -, so sind sein ·Wissensbestand, seine Einstellungen und seine Interessen
wesentlicher Bestandteil der berichteten Handlungsereignisse. Bei dieser Feststel-
lung handelt es sich nicht nur um die Formulierung der Binsenweisheit, daß inten-
tionales Handeln nicht ohne die dem "äußeren" Verhalten entsprechenden Phäno-
mene des Wissens, der Absichten, der Einstellungen und der Interessen zureichend
erfaßt und verstanden werden kann (Habermas 1967: Kap. 4, 9). Zusätzlich ist in
dieser Überlegung vorausgesetzt, daß man von den in der Erzählung aktuell (und in
der Regel unbeabsichtigt) zum Ausdruck gebrachten Wissensbeständen, Einstellun-
gen und Interessenkonstellationen zum Zeitpunkt der Sprechsituation zumindest
z. T. auf die entspechenden Phänomene in der Ebene aktuellen Handelns, die in der
erzählten Geschichte als Geschehenes dargestellt werden, zurückschließen kann.
Zum Beispielläßt sich aus der Tatsache, daß ein Erzähler einen bestimmten Er-
eignisaspekt (den der Zuhörer aus anderen Erzählungen, aus Dokumenten oder
Eigenbeobachtungen kennt oder noch erfährt) überhaupt nicht berichtet, darauf
schließen, daß er für ihn in der aktuellen Handlungssituation nicht relevant war -
sofern er diesen Aspekt nicht bewußt oderunbewußt verschleiert, was sich z. T. aus
dem Erzählduktus (aus logischen und sachlichen Widersprüchen, aus unbeabsichtig-
ten Andeutungen, aus parasprachlichen Phänomenen wie Verzögerungspausen und
verlegenem Lachen, aus der Abnahme des Narrativitätsgrades der Darstellung und
der Zunahme von Legitimationen, aus Versuchen der Redeübergabe usw. - vgl.
Zur soziologischen und linguistischen Analyse von Erzählungen 27

Schütze 1975 b, Abschnitt 4.4 a) erschließen läßt. Ereignisaspekte, die in der Er-
zählung den Fakten widersprechend dargestellt werden, erfuhren auch in der aktuel-
len Handlungssituation eine falsche oder inadäquate Wahrnehmung und waren als
Fehler in der Situationsdefinition eine psychische Realität - sofern nicht die schon
angesprochene bewußte oderunbewußte Täuschungsabsicht vorliegt bzw. die inadä-
quate Sicht erst später aufkam und die Erinnerung an die richtige Sicht verloren-
ging (ein Fall, der selten ist und Widersprüche in der narrativen Darstellung provo-
ziert). Schließlich wird das, was für eine Handlungsmotivation an Wissen, Einstellun-
gen und Interessen faktisch relevant war, vom Erzähler häufig in der narrativen Dar-
stellung der Ereignisse eingeflochten mit Formulierungen wie: "ich sagte mir", "ich
dachte", "ich wollte eigentlich" usw.
Gerade auch in nichtwissenschaftliehen Interaktionskontexten gibt es allerdings
noch andere Gründe dafür, den Wissensbestand, die Einstellungen und die Interessen-
lage des Interaktionspartners über das Hervorlocken und Anhören von Erzählungen
erfahren zu wollen. Im alltagsweltlichen Interaktionskontext kann man auf diese Art
herausbekommen, ob auch der andere bereits das weiß, was man selbst in Erfahrung
brachte: anderenfalls könnte man ihn überraschen, mit der Ankündigung einer Neu-
igkeit Spannung erregen, den anderen in seiner Unwissenheit kalkuliert "auf's Kreuz
legen" usw. Man könnte über das Hervorlocken und das Anhören von Geschichten,
die der andere selbst erlebte, Klarheit darüber erhalten, welche Absichten der
andere verfolgt hat und immer noch verfolgt; von welchen Interessen er sich leiten
ließ und läßt und vielleicht auch nur: "wie raffiniert" oder "dumm", wie "engstir-
nig" oder "umsichtig", wie "unverfroren" oder "moralisch" usw. der andere ist. Im
Kontext der Rechtspflege - bei Polizei- und Gerichtsverhören - werden narrative
Darstellungen hervorgelockt, um die Motive und die Verantwortlichkeit des Tatver-
dächtigen herauszubekommen. Im Kontext der Medizin hat das Hervorlocken der
Erkrankungs- und Krankheitsgeschichte des Patienten ätiologische Funktion, und
der psychoanalytisch orientierte Psychotherapeut versucht auf diesem Wege an Ver-
drängungen des Patienten heranzukommen.
All die gerade angedeuteten Funktionen des Hervorlockens und Anhörens von
Erzählungen kann man natürlich auch im Bereich wissenschaftlicher Fragestellungen
weiterentwickeln. Gerade an der Erzählung eigenerlebter Geschichten läßt sich
besonders zuverlässig der selbstverständliche alltagsweltliche Wissensbestand des Er-
zählers nicht nur als Erzähler, sondern auch als im Rahmen des thematisierten Pro-
blemkontextes Handelnder abschätzen - eine Methode, die zwar mitunter von An-
thropologen angewandt wurde (Kluckhohn 1949, HalloweH 1955:97 ff., 216-235),
im Rahmen der Soziologie bisher jedoch leider zu wenig Verwendung gefunden hat.
Außerdem eignet sich das Hervorlocken und Anhören von Erzählungen - insbeson-
dere natürlich eigenerlebter Erzählungen, weil in ihnen die Einstellungs- und Bewer-
tungskomponente narrativer Darstellungen besonders deutlich zum Tragen kommt
(vgl. Labov und Waletzky 1973: 114 f.) - zur Aufdeckung und Analyse von Wert-
haltungssyndromen, Interessenkonstellationen und ideologischen Sprechweisen.
Denn in Erzählungen ist der Sprecher nicht allein gezwungen, die eigen- bzw. fremd-
28 Fritz Schütze

erlebte Ereigniskette dem faktischen Ereignisfluß entsprechend zu rekonstruieren;


er ist darüberhinaus gezwungen, die Einstellungen, Werthaltungen und Interessen
der Handelnden und auch seine eigenen (ob der Erzähler nun Selbst- oder Fremder-
lebtes erzählt) gegenüber diesen Ereignissen zum Ausdruck zu bringen. Die berichte-
ten Ereignisse bekommen nämlich lediglich auf der Ebene intentionalen Handeins
ihren sinnhaften Stellenwert innerhalb des narrativen Gesamtkontextes der darge-
stellten Geschichtengestalt, und die Ebene intentionalen Handeins wird gerade auch
mitkonstituiert durch die Relevanzstrukturen sozialen Handeins und Erfahrens, wie
sie sich in Handlungsmotivationen, Einstellungen und Interessen ausdrücken (vgl.
Schütz 1962: 9 f., 227 f., 283-286, 351; 1964: 102 Anm. 11, 235 ff., 286 f.). Ge-
rade auch Verschleierungstendenzen auf der Grundlage von Interessenkonstellatio-
nen, d. h. modo grosso gesprochen: ideologische Sprechweisen, sind Ausdruck des
immanenten Zwanges narrativen Darstellens zur Explikation der Einstellungen und
Interessen des Erzählers: Verschleierung ist gerade nur dort erforderlich, wo der
Zwang zur Explikation besteht; und es kann aufgezeigt werden, daß gerade ideolo-
gische Verschleierungen mit dem Versuch verbunden sind, aus dem Zwang zur nar-
rativen Darstellung auszubrechen (vgl. Schütze 1975b, Abschnitte 4.1 und 4.4 a). -
Leider ist die Erzählanalyse auch im Rahmen einer derartigen gerade angedeuteten
soziologischen Interessen- und Ideologieforschung noch nicht systematisch zur An-
wendung gelangt.

5. Neue Verwendungsmöglichkeiten der Geschichtenanalyse in der Soziologie:


das Interesse am Erzählen von Geschichten, um Auskunft über die unterschied-
lichen Fähigkeiten sozialer Aggregate zu erhalten

Insbesondere Soziologen interessieren sich dafür, welche Fähigkeiten- "Kapazi-


täten" im Sinne quantitativ unterschiedlicher, kontinuierlich variabler Fertigkeits-
niveaus und nicht im Sinne kategorialer Kompetenzen, die jedem geistig nicht
wesentlich behinderten Gesellschaftsmitglied prinzipiell zur Verfügung stehen (vgl.
Schütze 1975a, Abschnitt 6.314)- Mitglieder unterschiedlicher sozialer Aggregate
im sprachlichen und außersprachlichen Handeln aufweisen, um die sozialstrukturel-
len, einschließlich der materiellen, Bedingungen sozialen Handeins (Schütze u. a.
1973: 469-473) und die kapazitätsfördernden bzw. reduzierenden Auswirkungen
dieser Bedingungen auf das soziale Handeln analytisch erfassen und empirisch erfor-
schen zu können. Da in den Geschichtenerzählungen des von uns in den Vorder-
grund geschobenen Typs eigene Handlungs- und "Leidens"-Erfahrungen retrospek-
tiv dargeboten werden müssen, liegt es nahe, auch die Frage nach unterschiedlichen
sozialen Kapazitäten über die Technik der Hervorlockung und Analyse von Ge-
schichtenerzählungen anzugehen. Es ist selbstverständlich, daß die hervorzulocken-
den Geschichten für die differentielle Kapazitätsanalyse unterschiedlicher sozialer
Aggregate vergleichbar sein müssen. Vergleichbarkeit ist prinzipiell aber nur dann
gegeben, wenn die Bedingungen der Erzählproduktion und die dargestellten Gehalte
der Geschichten kontrolliert werden.
Zur roziologirchen und linguirtirchen Analyre von Erzählungen 29

Zur Vergleichbarkeit der Bedingungen der Gerchichtenproduktion soll hier-


unter Absehung der Beeinflussung der Geschichtenproduktion durch die Gesprächs-
bzw. die Interviewanordnung (vgl. Schütze 1975b, Abschnitt 4.1)- nur folgendes
angemerkt werden. Die zu analysierenden Geschichten sollten von allen vorgesehe-
nen Informanten ohne grundlegende Erzählhemmungen erzählt werden können,
soweit diese vom interessierten Zuhörer - d. h. insbesondere: vom Interviewer -ver-
ursacht werden. Derartige überflüssige Erzählhemmungen können insbesondere·
dann umgangen werden, wenn der interessierte Zuhörer bzw. Interviewer eine Miß-
trauen erregende Präsentationsweise vermeidet und wenn die vorgeschlagene The-
matik- nach Einschätzung der sozialen Charakteristik des Informanten und seiner
Lebenssituation -für diesen persönlich nicht allzu "heikel" und im untersuchten
sozialen Bereich von selbstverständlichem Interesse ist. Die Erzählhemmung kann
insbesondere dadurch abgebaut werden, daß die Thematik der Erzählung für den
Erzähler zwar persönlich und aktuell orientierungsrelevant ist (vgl. Abschnitt 3.4),
aber dennoch einen gewissen folkloristischen Einschlag aufweist (vgl. Abschnitt 3.3):
sich über eine persönlich wichtige Thematik auszulassen, die bei allen Interaktions-
partnern im Untersuchungsfeld auf ein "mildes" oder auch ein offizielllegitimiertes
Interesse stößt - eine Thematik, über die vielleicht alle ein wenig schmunzeln -,
kann nicht weiter gefährlich sein.
Inhaltliche Vergleichbarkeit wird im Idealfall dadurch erzielt, daß man allen In-
formanten dieselbe Erzählthematik vorgibt. Die ist allerdings nur dann gerechtfer-
tigt, wenn die Themenstellung auf eine Ereigniskonstellation abzielt, die für alle zu
befragenden Informanten gleich relevant ist, und das ist z. B. bei allgemeinen Krisen
der Fall, von denen eine Ortsgesellschaft insgesamt bzw. innerhalb der Fragestellung
der Untersuchung interessierende wichtige soziale Aggregate einer Ortsgesellschaft
wie z. B. ihre Kommunalpolitiker zentral erlaßt werden: man denke an verheerende
Unwetter, Zechenstillegungen, Gemeindefusionen usw.
Die Kapazitätsanalyse des Sozialforschers kann sich auf drei unterschiedliche
Ebenen sozialer Fähigkeiten der zu untersucl~enden und zu vergleichenden sozialen
Aggregate beziehen:

(5.1) Sie kann sich auf die Fähigkeit zum Vollzug der Erzählperformanzen selbst
richten. Die zentrale Frage ist hier: in welchem Ausmaße•sind Erzähler bzw. die Ge-
samtheit der Erzähler eines sozialen Aggregates in der Lage, eigene Erfahrungen
sozialer Ereignisse retrospektiv zu verarbeiten und kommunikativ darzubieten?
Ginge es lediglich um Kapazitätsniveau und Performanzstil des Sprechens im enge-
ren Sinne, dann fiele diese Fragestellung mit einer der in Abschnitt 3.2 angegebenen
Forschungsalternativen zusammen (mit der Analyse von Sprachperformanzkapazi-
täten im Sinne der Bernstein-Schule). Geschichtendarbietung verlangt jedoch sehr
viel mehr als Sprechperformanz im engeren Sinne. Um noch einmal die Überlegun-
gen von Abschnitt 2 zusammenzufassen:
Im Erzählen von Geschichten, insbesondere im Erzählen eigenerlebter Geschich-
ten, werden Erfahrungen, die ein Erlebender bzw. Handelnder in einer bestimmten
30 Fritz Schütze

(faktischen oder fiktiven) sozialen Welt - diese insbesondere umrissen durch einen
eigenen Zeithorizont und durch einen spezifischen allgemeinen Erwartungsfahrplan
(vgl. Schütz 1962: 230-233, Matthes und Schütze 1973: 23)- faktisch oder fiktiv
machte, retrospektiv, ob als eigene oder fremde, aufgearbeitet oder kommunikativ
vermittelt. Handlungen und Ereignisse in einer derartigen sozialen Welt sind in zwei-
facher Weise generell charakterisiert. Einerseits laufen sie "in den Schienen" der for-
malen Konstitutionsregeln dieser sozialen Welt ab - Konstitutionsregeln, wie sie im
spezifischen kognitiven Stil einer sozialen Welt niedergelegt sind. Für die Existenz-
welt der tagtäglichen Arbeit, nicht jedoch für die Welt des Traumes gilt z. B., daß
ein Kernproblem sozialen Handeins die Sicherung interaktiver Reziprozität ist (vgl.
Schütz 1962: 244, 230) und daß diese über wechselseitige Idealisierungen wie die
der Austauschbarkeit der Standpunkte und der Kongruenz der Relevanzsysteme
sichergestellt wird (vgl. Garfinkel 1973: 205, 254 ff.; Matthes und Schütze 1973:
2 5). Für alle kulturellen Versionen der Existenzwelt tagtäglicher Arbeit, d. h. für
alle faktisch existierenden Gesellschaften, ihre speziellen Lebensbereiche, ihre Sub-
gruppen und sozialen Aggregate, ist der angedeutete kognitive Stil identisch, und
insofern kann man hier von universalen Basisregeln der Interaktion sprechen, die
von jedem geistig nicht wesentlich behinderten Mitglied der menschlichen Gesell-
schaft beherrscht werden müssen. Andererseits sind Handlungen und Ereignisse
einer sozialen Welt an inhaltlich-normativen Regeln orientiert, die im für eine Ge-
sellschaft, einen Lebensbereich, eine Subgruppe soziahistorisch spezifischen Erwar-
tungsfahrplan niedergeigt sind (Matthes und Schütze 1973, Abschnitt III).
Da die Geschichtenerzählung den Ereignisablauf innerhalb der betreffenden
sozialen Welt retrospektiv in einer dem tatsächlichen Erfahrungsablauf entsprechen-
den Sequenz narrativer Teilsätze rekonstruieren soll, dieser als solcher jedoch ledig-
lich im Rahmen der konstitutiven und normativen Regeln jener sozialen Welt über-
haupt erfaßbar und verständlich ist, muß der Geschichtenerzähler auch die konsti-
tutiven und normativen Regeln jener sozialen Welt auf dem für ihn kennzeichnen-
den Kapazitätsniveau sozialen Handeins beherrschen. Mit anderen Worten: selbst
um den ersten Aufgabenteil des Geschichtenerzählens, d. h. die Aufgabe der sekun-
dären Erfahrungsverarbeitung, vollziehen zu können, setzt die narrative Kompetenz
die Schichten der kommunikativenKompetenz im weiteren Sinne (einschließlich der
sozialen Grundlagen- und Interaktionsstrategiekompetenz) voraus. Selbstverständ-
lich gilt das um so mehr für den zweiten Aufgabenteil beim Geschichtenerzählen,
d. h. für die Aufgabe der kommunikativen Vermittlung der aufbereiteten Erfah-
rungsgehalte: der Erzähler muß, um den Zuhörer permanent zu interessieren, dessen
Rolle als Zuhörer übernehmen und für die Stimulierung und Kontrolle der Hand-
lungsimpulse des Zuhörers, insbesondere zu deren globaler Inkorporation in den
narrativen Handlungsduktus des Erzählers, ein Mindestmaß an kommunikativer Ka-
pazität und Interaktionsstrategie-Kapazität entwickeln.
Da Erzähler und Zuhörer nicht unmittelbar in den dargestellten Handlungsfluß
verwoben sind, muß der Erzähler zudem - gerade um den Handlungs- und Ereignis-
ablauf sekundär zu vergegenwärtigen und kommunikativ zu vermitteln -,die dem
Zur soziologischen und linguistischen Analyse von Erzählungen 31

Handlungs- und Ereignisverlauf impliziten Zeit-, Raum-, Motivations- und Kausalzu-


sammenhänge explizit rekonstruieren und repräsentieren. Der Erzähler muß insbe-
sondere in der Lage sein, die durch die spezifischen konstitutiven und normativen
Regeln der sozialen Welt geprägten Motivations- und Kausalzusammenhänge der dar-
zustellenden Aktivitätsabläufe und Ereigniskonstellationen systematisch zu erfas-
sen, mit einander in Beziehung zu setzen, durch den Erzählverlauf hindurch durch-
zuhalten und gereinigt von unwichtigen Nebenerscheinungen "kondensiert" vorzu-
tragen. Weil der Erzähler die Ereignisabfolge in einem (faktischen oder fiktiven)
"historischen" Gesamtzusammenhang darstellt, der für ihn aktuelle "wertbeladene"
Relevanz besitzt, ist er darüberhinaus an allen entscheidenden Stellen - bei Einfüh-
rung neuer sozialer Einheiten, bei der Explikation von Motivzusammenhängen, bei
der Darstellung von Kulminationspunkten usw. -angehalten, Bewertungen vorzu-
nehmen, deren kommunikativen Vollzug- insbesondere in lediglich andeutenden,
indirekten Stellungnahmen (vgl. Schütze 197 5a, Abschnitt 10.14) -er ebenfalls
kategorial beherrschen muß, um überhaupt erzählen zu können. Damit ist schließ-
lich der Umstand verbunden, daß der Erzähler in eigenerlebten Geschichten - ohne
daß er das gewöhnlich bewußt beabsichtigt und berücksichtigt - Rechenschaft über
sein eigenes Verhalten ablegt.
Die Bewältigung all der hier angedeuteten Aufgaben im Gesamtrahmen der retro-
spektiven Kompetenz ist auf unterschiedlichen Kapazitätsniveaus und in unter-
schiedlichen Performanzstilen möglich. Es ist durchaus sinnvoll, soziale Aggregate
(wie etwa soziale Schichten) auf diesen Fähigkeitskatalog hin differentiell zu unter-
suchen, da die retrospektive Kompetenz von entscheidendem Stellenwert für die
kognitive Aufordnung der jeweiligen Lebenswelt ist und sehr eng mit Handlungs-
kompetenzen außerhalb narrativer Aktivitäten verbunden ist (vgl. Abschnitt 5.2).
Erste Analysen lassen vermuten, daß sich soziale Aggregate in der faktischen Be-
herrschung dieses wichtigen sozialen Fähigkeitsbereiches - d. h. in der ,,retrospek-
tiven Kapazität", aber nicht im kategorialen, "kompetenzmäßigen" Zugang zu die-
sem- erheblich unterscheiden (vgl. Schatzman und Strauss 1955).

(5.2) Der Sozialforscher kann sich jedoch auch für die in der Geschichte dargestell-
ten inhaltlichen Handlungskapazitäten insbesondere des Erzählers und in zweiter
Linie auch anderer Interaktionspartner, die in der erzählten Geschichte mithandeln,
interessieren. Wichtig sind in dieser Forschungsperspektive Fragen wie: inwieweit
und in welcher Form können die Handelnden eigene und fremde Handlungszüge
vorausplanen; inwieweit können die Handelnden die Motive und Interessen von
Interaktionspartnern antizipieren sowie sozialstruktureHe Voraussetzungen des Han-
deins richtig einschätzen; inwieweit können die Handelnden den allgemeinen Erwar-
tungsfahrplan ihrer Handlungsorientierung (einschließlich von Normorientierungen)
für mögliche spezielle Handlungssituationen offen halten und an aktuell eingetre-
tene Handlungssituationen anpassen; inwieweit vermag der dominante Interaktions-
partner Herrschaftsimpulse freizusetzen, ohne die grundsätzliche Egalitarität kom-
munikativen Handeins auf dem Entwicklungsniveau spezifisch menschlicher Gesell-
32 Fritz Schütze

schart zu verletzen; inwieweit kann sich umgekehrt der Interaktionsunterlegene


Machtansprüchen entziehen, die jene grundsätzliche Egalitarität verletzen; usw. (vgl.
zu den hier angedeuteten Fragestellungen Garfinkel 1973; Bohnsack 1973, Kap. 1;
Matthes und Schütze 1973, Abschnitt III; Schütze 197 Sa, Abschnitte 9. 51, 10.1,
11.1, 11.6).
Die Klärung von Fragen, die solche ,,inhaltlichen", d. h. in den erzählten Ge-
schichten zum Ausdruck kommenden "buchstäblichen" bzw. außernarrativen,
Handlungskapazitäten betreffen, ist je nach Informationslage, d. h. je nach Qualität
und Verfügbarkeit unterschiedlicher Geschichtenerzählungen und primären Beob-
achtungs- und Dokumentenmaterials, auf vier prinzipiell verschiedenen, aber
dennoch in der Datenerhebungspraxis gewöhnlich miteinander verbundenen Wegen
möglich.
Am günstigsten ist die Informationslage natürlich dann, wenn primäre Beobach-
tungen bzw. Teilbeobachtungen des erzählten Ereignisablaufes und der freigesetzten
Handlungskapazitäten der Beteiligten von Seiten des Forschers oder doch zumin-
dest aktualtextliche historische Dokumente des Ereignisablaufes und der Hand-
lungskapazitäten der Beteiligten (wie Briefwechsel, Zeitungsausschnitte, Filmmate-
rial usw.) zur Verfügung stehen. (a) Der Forscher kann in diesem Falle zumindest
z. T. primär aus seiner eigenen wissenschaftlichen Aufmerksamkeitsspannweite her-
aus (vgl. zu diesem Konzept Schütze u. a. 1973: 436 f.) eine Geschichte bzw. Teil-
geschichte des Ereignisablaufs bzw. eines Teils des Ereignisverlaufs rekonstruieren
und die freigesetzten Handlungskapazitäten der in die Geschichte verwickelten ·
Interaktionspartner einschätzen. Sodann kann er die eigengeschöpfte Geschichte
bzw. Teilgeschichte mit den von Informanten erhaltenen Geschichten vergleichen.
Sinnvoll ist diese Prozedur natürlich nur dann, wenn die Eigenbeobachtungen und
das dokumentarische Material des Forschers nicht so vollständig und authentisch
sind, daß der Forscher eine abgerundete Geschichte einschließlich der Handlungs-
kapazitäten der in die Geschichte verwickelten Aktoren aus seiner eigenen wissen-
schaftlichen Aufmerksamkeitsspannweite heraus konstruieren kann, und/oder falls
der Forscher seine eigene Perspektive mit derjenigen anderer Mit- und/oder Nacher-
lebender vergleichen will, um einen "objektiveren", d. h. verschiedene Erlebnis-
perspektiven berücksichtigenden, Standpunkt beziehen zu können.
Wenn Geschichten hervorgelockt und erzählt werden, ist das natürlich stets ein
Anzeichen dafür, daß die "direkte" Informationslage auf der Basis von aktualtext-
lichen Eigenbeobachtungen und Dokumenten unzureichend ist: sonst würde der
Forscher (oder auch ein entsprechender alltagspraktisch Interessierter) nicht auf Ge-
schichten rekurrieren. Und selbst wenn aktualtextliches Material scheinbar lücken-
los vorliegt, kann das Hervorlocken und Analysieren von Geschichten erforderlich
sein, um jene aktualtextlichen Versatzstücke in einen plausiblen "historischen" Ge-
samtzusammenhang zu bringen. Das gilt insbesondere für die Analyse von Hand-
lungskapazitäten als person-spezifischen Aspekten jenes Gesamtzusammenhangs,
da auf diese bei der Primärbeobachtung "im Eifer des Gefechtes" aktueller Hand-
lungsabläufe häufig nicht geachtet wird, um die gesamte Aufmerksamkeitsenergie
Zur soziologischen und linguistischen Analyse von Erzählungen 33

der Erfassung der Ereigniskonstellation als solcher widmen zu können. Zudem ist
gerade dokumentarisches Material gewöhnlich so unzureichend, daß aus ihm das
"Wie" der abgelaufenen Handlungsvollzüge als Erkenntnisvoraussetzung für die Zu-
rechnung von Handlungskapazitäten nicht rekonstruiert werden kann. Es läßt sich
mithin folgern: Da in den Sozialwissenschaften soziahistorisch-spezifische Ereigilis-
konstellationen im Vordergrund des Interesses stehen, die zumindest z. T. bereits
vergangen sind, -selbst wenn es lediglich um die Beschreibung gegenwärtiger Struk-
turen und ihrer Funktionen geht, sind diese nur erfaßbar und plausibilisierbar aus
bereits vergangenen exemplarischen Vorgängen -,wird in ihnen generell das Her-
vorlocken und Analysieren von Geschichten zu einem zentralen Forschungsinstru-
ment. Die Frage ist deshalb durchaus sinnvoll, inwieweit der sozialwissenschaftliche
Forscher gerade unabhängig von aktualtextlichem Beobachtungs- und Dokumenten-
materiallediglich aus den erzählten Geschichten, die häufig das einzige sind, was
noch die aktuelle Forschungssituation mit den interessierenden vergangeneu Ereig-
niskonstellationen verbindet, die Handlungskapazitäten der in die Geschichte ver-
wickelten Interaktionspartner rekonstruieren kann.
Nicht vergessen werden sollte zudem der Gesichtspunkt, daß auch der sozialwis-
senschaftliche Forscher im Vollzuge der Analyse von primärem Beobachtungs- und
Dokumentenmaterial nichts anderes tut, als die Geschichte einer Ereigniskonstella-
tion zu rekonstruieren. Und da jede Geschichtenerzählung die spezielle Perspektive
und die subjektiven Gesichtspunkte des Erzählers aufweist, sollte grundsätzlich
auch der sozialwissenschaftliche Forscher die eigenkonstruierte Geschichte mit
fremdkonstruierten (Laien- oder auch Wissenschaftler-) Geschichten über denselben
Ereignisablauf vergleichen. Geschichtenanalyse ist also nicht nur ein Ersatzinstru-
ment der sozialwissenschaftliehen Forschung, wenn das Primärmaterial unzurei-
chend ist, sondern zugleich auch ein "Forschungsinstrument erster Wahl", das dazu
dient, die Objektivität der wissenschaftlichen Perspektive des Forschers zu erhöhen,
d. h. seine Aufmerksamkeitsspannweite zu der tatsächlichen umfassendsten hin-
sichtlich der interessierenden Ereigniskonstellation zu machen. Um den Objektivi-
tätszuwachs durch den Vergleich der eigenen "Wissenschaftler-Geschichte" mit
fremden Geschichten jedoch überhaupt realisieren zu können, muß der Forscher
jene Geschichten auch unabhängig von der eigenkonstruierten Geschichte analysie-
ren können. Diese methodische Notwendigkeit gilt nicht zuletzt auch für die Ana-
lyse der Handlungskapazitäten der in die Geschichte verwickelten Interaktionspart-
ner, die in der Regel erst beim "zweiten Hinsehen" jenseits der Aufmerksamkeits-
spannweite aktuellen Handeins und Erlebens, der letztlich auch die teilnehmende
Beobachtung als lebensweltliche Aktivität unterworfen ist, in teils kürzeren, teils
weiteren Aufmerksamkeitsspannweiten im Vergleich zur Aufmerksamkeitsspann-
weite aktuellen Handeins und Erlebens erfaßt werden können, und solche Aufmerk-
samkeitsspannweiten lassen sich insbesondere in der Analyse rekonstruierender nar-
rativer Darstellungen einnehmen.
Nach dem gerade Angedeuteten erscheint es sinnvoll zu sein, das Für und Wider
der aktualtextlichen Primäranalyse (auf der Grundlage von Beobachtungs- und Do-
34 Fritz Schütze

kumentenmaterial) und der narrativen Sekundäranalyse sowie ihrer immer schon


vollzogenen bzw. noch erst möglichen methodischen Verbindung nun an dieser
Stelle auf sich beruhen zu lassen (vgl. aber die etwas eingehenderen Formulierungen
in Schütze 1975a, Abschnitt 9.8), und sich lediglich auf die Frage zu beschränken,
wie die narrative Sekundäranalyse dann vollzogen werden muß, wenn allein in
ihrem Rahmen, d. h. ohne das Rekurrieren auf primäres Beobachtungs- und Doku-
mentenmaterial, inhaltliche Handlungskapazitäten der in die jeweilige interessie-
rende Ereigniskonstellation verwickelten Interaktionspartner abgeschätzt werden
sollen.
Wie auch den Strafverfolgungsinstanzen Polizei und Gericht steht dem im For-
schungsfeld "ermittelnden" Sozialwissenschaftler die Möglichkeit offen, bei ver-
schiedenen Informanten eine Erzählung über die interessierende Ereingiskonstella-
tion und die in ihr freigesetzten Handlungskapazitäten der Beteiligten hervorzulok-
ken. Glückt ihm das, so kann der Forscher die einzelnen "Zeugenaussagen" syste-
matisch miteinander daraufhin inhaltlich vergleichen, in wieweit die Beteiligten X,
Y, Z usw. die interessierenden Handlungskapazitäten entwickelt haben oder nicht.
Prinzipiell gibt es für die Einlösung dieser Fragestellung zwei unterschiedliche Wege:
die Analyse der berichteten faktischen Aktivitätsmuster (b) und die Analyse der in
den Erzählungen geäußerten Einschätzungen der Handlungskapazitäten der betei-
ligten Aktoren X, Y, Z usw. von Seiten der Erzähler (c).
In Verfolg der ersten Alternative (b) versucht der Forscher zunächst einmal,
aus den verschiedenen Berichten einen authentischen Aktivitätsablauf für jeden der
interessierenden Hauptbeteiligten zu rekonstruieren. Sodann untersucht er die
jeweiligen Aktivitätsabläufe daraufhin, auf welchem Kapazitätsniveau die in die Ge-
schichte verwickelten Hauptaktoren die allgemeinen Problemstellungen interakti-
ven Handeins durch Vollzug der Basisregeln interaktiven Handeins bewältigten (wie
wir sie im Rahmen der Rubriken "kommunikative Kompetenz", "interaktionsstrate-
gische Kompetenz", "Motivationsexplikations- und Erklärungskompetenz" sowie
"Bewertungs- und Rechtfertigungskompetenz" katalogartig andeuteten - vgl. die
Abschnitte 2d, 2e, 2fb und 2fc). Außerdem sollte der Forscher in diesem Zusam-
menhang im Rahmen der Analyse des jeweiligen Aktivitätsablaufes die Frage stel-
len, in welchem Ausmaße der Beteiligte mit den großenteils nicht antizipierbaren
Auswirkungen übergreifender Systemstrukturen auf die eigene Handlungsplanung
und -durchführung (heteronomen Systembedingungen des Handeins - vgl. Ab-
schnitt 1.6) fertig wird. Einzelfragen sind hier (in lockerer, untechnischer Aufzäh-
lung): Inwieweit entwickelt der interessierende Aktor eine eigene explizite Hand-
lungsmotivation? Inwieweit wird diese Handlungsmotivation systematisch durchge-
halten? Inwieweit kann der Aktor systematisch die Perspektiven anderer Interak-
tionspartner einnehmen und bei seiner eigenen Handlungsplanung konstant in Rech-
nung stellen? Inwieweit kann der interessierende Aktor adäquat die Motivationen
der anderen Interaktionspartner und ihre Haltung ihm gegenüber einschätzen? (Der
Adäquatheitsgrad ist durch den Geschichtenvergleich prinzipiell kontrollierbar,
sofern die entsprechenden Hauptaktoren allesamt und unabhängig voneinander zum
Zur soziologischen und linguistischen Analyse von Erzählungen 35

Erzählen gebracht werden!) Inwieweit ist der Aktor in der Lage, seine eigenen
Handlungsabsichten mit denen anderer Interaktionspartner flexibel auszugleichen?
(Auch das ist u. U. durch den Vergleich unterschiedlicher Geschichten auf unter-
schiedlichen Entwicklungsstufen des Geschichtenablaufes empirisch kontrollier-
bar!) Inwieweit ist der interessierende Aktor in der Lage, unterschiedliche Aufmerk-
samkeitsspannweitender Handlungsplanung einzunehmen, und d. h. insbesondere:
einerseits in Krisensituationen Detailschritte minitiös voranalysieren und anderer-
seits die großen Entwicklungstendenzen des Sozialsystems auf die eigene langfristige
Handlungsplanung beziehen zu können? Inwieweit ist der Aktor in der Lage, den
allgemeinen Erwartungsfahrplan und die normativen Regeln, an denen er sein Han-
deln orientiert, auf die konkrete aktuelle Handlungssituation - die doch stets
anders ist - in extemporierten Ad-hoc-Schritten anzupassen, ohne dabei seine
eigene systematische Handlungsplanung aufzugeben? Inwieweit kann er seine Hand-
lungsplanung für neue, unantizipierbare krisenhafte Entwicklungen offenhalten, die
sich auf der Ebene aktuellen Handeins als heteronome Systembedingungen des Han-
deins niederschlagen? Inwieweit hat er die Kapazität, detaillierte Vermutungen
darüber anzustellen, was und wie etwas in anderen Handlungssphären außerhalb sei-
ner eigenen Handlungsreichweite abläuft und wie sich das auf die eigene Handlungs-
sphäre auswirkt? Inwieweit ist er in Situationen erzwungener kontrafaktischer
Handiungsplanung in der Lage, stillschweigende routinisierte Praktiken zur Harmo-
nisierung der Diskrepanzen zwischen Handlungsplanungen und eingetretenen Ereig-
nissen selbst anzuwenden und bei anderen in Rechnung zu stellen? Inwieweit ist er
in der Lage, seine Interessen im Verweis auf universale Regelsysteme als legitime
auszuweisen und die relevanten Interaktionspartner auf die Mitberiicksichtigung die-
ser Interessen festzulegen? Inwieweit ist er in der Lage, sich illegitimen Machtansprii-
chen durch expliziten Protest im Verweis auf generelle universale Regelsysteme ega-
litären Handeins und/oder durch unausgesprochene routinisierte Praktiken zu ent-
ziehen? Inwieweit ist er in der Lage, eigene Herrschaftsansprüche als legitime zu
präsentieren und durchzusetzen, ohne die Basisregeln egalitären Handeins zu verlet-
zen?
Natürlich können in einer konkreten Analyse nicht alle diese Fragen verfolgt
werden. Es ist sinnvoll, im Vollzuge einer Einzeluntersuchung lediglich diejenigen
Kapazitätsdimensionen zu analysieren, die in der von der Geschichtenerzählung
erfaßten Ereigniskonstellation von besonderer thematischer Relevanz und Voraus-
setzungen für "Fachbefähigungen" sind, welche in dieser Ereigniskonstellation spe-
ziell benötigt werden. Untersucht man etwa die Geschichte einer Gemeindezusam-
menlegung und ihre Auswirkungen auf die Gemeindepolitik, so interessieren z. B.
insbesondere Fähigkeiten zur Einschätzung der Motivationen und Interessen ande-
rer Interaktionspartner und zur Bewältigung heteronomer Systembedingungen des
Handeins (vgl. Schütze 197Sb).
Zur zweiten Alternative, durch inhaltliche Analyse der erzählten Geschichten die
Handlungskapazitäten der in die Geschichte Verwickelten einschätzen zu können,
ist nicht viel zu sagen. Diese Analysealternative (c) geht von den Bewertungen der in
36 Fritz Schütze

der Geschichte handelnden Aktoren und ihrer Handlungsbeiträge aus, die der Erzäh-
ler in seine Erzählung einstreut. Insbesondere wenn eigenerlebte Geschichten
erzählt werden, führt der Erzähler die Personen und die Bewertungen der in der Ge-
schichte mithandelnden (bzw. gerade auch: kontrahierenden) Interaktionspartner
relativ systematisch in den Aktionszusammenhang der Geschichte ein, und zwar das
gewöhnlich vermittels eines relativ stereotypen Evaluationsrahmens in Appositions-
stellung hinter der ersten Nennung des jeweiligen Eigennamens. Und zusätzlich wird
jeder wesentliche Handlungsbeitrag der betreffenden Interaktionspartner im Verlaufe
der Geschichte mit weiteren, in der Regel nicht so formelhaft wie bei der ersten Na-
mensnennung dargebotenen Bewertungen belegt. Es ist nun möglich, für jeden der
in die Geschichte verwickelten Hauptaktoren -etwa auf der Grundlage der Osgood-
schen Bewertungsanalyse (vgl. Osgood 1959: 41-54) -erstens ein Durchschnitts-
maß aller geäußerten Bewertungen zu bilden, zweitens spezifische Bewertungsmaße
für spezielle Kapazitätsbereiche zu erstellen und drittens danach zu fragen, ob die
Bewertungen polarisiert nach faktischen Parteiungen im Interaktionsraum der
erzählten Geschichte vollzogen werden. Schließlich können die ermittelten Bewer-
tungsmaße mit den in den Forschungsalternativen (a) und/oder (b) ermittelten
"faktischen" Handlungskapazitäten verglichen werden.
Nun ist natürlich auch der ungünstige Fall denkbar, daß der Forscher nur eine
einzige Erzählung über die ihn interessierende Ereigniskonstellation zur Verfügung
hat und nicht die Möglichkeit sieht, weitere Informanten dazu zu bewegen, über
die interessierende Ereigniskonstellation narrativ zu berichten, und die so erhalte-
nen Erzählungen auf die Handlungskapazitäten der in die Geschichte verwickelten
Aktoren hin vergleichend zu untersuchen. Aber selbst in diesem ungünstigen Fall
der Datenerhebungssituation ist eine Analyse aktueller Handlungskapazitäten mög-
lich, sofern es sich bei der vorhandenen einzelnen Erzählung um die Erzählung einer
eigenerlebten Geschichte handelt. Bei selbsterfahrenen Geschichten kann auch auf
relativ "formalem", d. h. den Erzählprozeß selbst in den Vordergrund des Interes-
ses rückendem, Wege geprüft werden, inwieweit der Erzähler als Geschichten- und
Handlungsträger die angedeuteten sozialen Kapazitäten zur Handlungsplanung, Rol-
lenübernahme usw. besitzt (d). In diesem Falle interessieren weniger explizite
inhaltliche Darstellungen von Handlungen und ihre bewertende Einschätzung, son-
dern die Frage, ob aus dem Duktus der Erzählung- also aus Elementen der Erzähl-
struktur - darauf geschlossen werden kann, daß der Erzähler als Geschichten- und
Handlungsträger diese Fähigkeiten besitzen könnte. Relevante Fragen sind hier:
berücksichtigt der Erzähler in seiner Darstellung die Intentionen seiner Interaktions-
partner; sind Widersprüche in seiner Darstellung erkennbar; kann er im Duktus sei-
ner Darstellung seine Handlungssequenzen als langfristige Aktivitätsverkettung und
-struktur ins Spiel bringen und die der Interaktionspartner langfristig in Rechnung
stellen; ist er in der Lage, Diskrepanzen zwischen dem Bericht früherer Handlungs-
motivationen und -planungen auf der einen Seite und der Darstellung entsprechen-
der Handlungsfolgen sowie späterer, veränderter Handlungsmotivationen und -pla-
nungen auf der anderen Seite in der narrativen Darstellung zumindest andeutend zu
Zur soziologirchen und linguiiJtirchen Analyre von Erzählungen 37

erfassen, zumindest in Ansätzen zu reflektieren und zumindest hin und wieder iro-
nisch zu kommunizieren? -Zwar kann bei Verfolg solcher Fragen das Bedenken
aufkommen, daß der Erzähler in Einzelfällen bestimmte Erzählpositionen ver-
schweigt. Zum Beispiel könnte er verschleiern wollen, daß er die Intentionen
bestimmter Interaktionspartner auf dem Interaktionstableau der berichteten Ge-
schichte kannte, um nicht noch im Nachhinein dafür verantwortlich gemacht zu
werden, daß er die Interessen anderer Beteiligter einfach überspielte. Abgesehen
davon, daß es für Verschleierungen dieser und anderer Art in narrativen Texten
durchaus spezielle operational faßbare Indikatoren gibt - wie etwa den abnehmen-
den lndexikalitäts- und Narrativitätsgrad der Darstellung (vgl. Schütze 1975b, 4.1
und 4.4 a) - kommt es bei den angedeuteten, die Erzählform betreffenden Fragen
auf die grundsätzliche Fähigkeit des Erzählers an, die Darstellung der Perspektiven,
Motivationen und Interessen anderer Handelnder immer wieder und systematisch in
den eigenen Erzählduktus einzubringen - ganz gleich, ob das im Einzelfall faktisch
geschieht.

(5.3) Es ist in der Sozialforschung nicht hinreichend abgeklärt, inwiefern und


inwieweit überhaupt von der Forschungsebene 5.1 (Kapazität zum Vollzug der Er-
zählperformanz selbst) auf die Forschungsebene 5.2 (in den Erzählungen zum Aus-
druck kommende inhaltliche bzw. faktische Handlungskapazität) zurückgeschlossen
werden kann. Ganz sicher sind die Fähigkeiten auf der Ebene 5.1 z. T. unabhängig
von den Fähigkeiten auf der Ebene 5.2. Es müßte möglich sein, Fähigkeiten in der
Dimension aktueller Sprechperformanz im engeren Sinne und in der Dimension nar-
rativer Fertigkeiten im engeren Sinne (d. h. abzüglich der beiden übrigen Bereiche
der retrospektiven Kompetenz: der Motivexplikations-und Erklärungskompetenz
sowie der Bewertungs- und Rechtfertigungskompetenz) von den in der Darstellungs-
inhaltsebene zum Ausdruck kommenden Handlungskapazitäten (5.2) analytisch-
operational.abzutrennen. Bevor das technisch durchführbar ist, kann man zumin-
dest unterschiedliche Erzähler in interessierenden sozialen Aggregaten (wie etwa in
sozialen Schichten, Berufsgruppen, ausbildungsgleichen Personenkreisen, in lokalen
Gesamtheiten von Gemeindepolitikern jeweiliger Parteien und jeweiliger Ortshälften
usw.) zusammenfassen und darauf hoffen, daß sich personenbedingte Unterschiede in
der individuellen Sprachperformanz- und Erzählkapazität ausgleichen. Im Endergeb-
nis könnte man so die für das jeweilige soziale Aggregat typische Kapazität zu "fak-
tischem" (außernarrativem) Handeln vermittels der Analyse der nach aggregatspezi-
fischen Erzählergruppen zusammengefaßten Geschichtenerzählungen adäquat erfas-
sen. -Natürlich ist diese Hilfskonstruktion nur bedingt einsatzfähig, da es mög-
licherweise für ganz bestimmte soziale Aggregate (wie etwa die unterschiedlichen
Schichten) aggregattypisch "durchlaufende" Kapazitätsprofile und Performanzstile
gerade auch des Sprech- und Erzählvorgangs gibt.
Abgesehen von den Insuffizienzien der analytischen Operationalisierung der bei-
den Fähigkeitsebenen läßt sich allerdings, wie wir schon andeuteten, auf grundla-
gentheoretischer Ebene ein überlappungsbereich von sozialen Fertigkeiten formu-
38 Fritz Schütze

lieren, der für beide Analyseebenen (5.1 und 5.2) zutrifft: der Überlappungsbereich
grundlegender sozialer Fertigkeiten wie der Fähigkeit zur Figuration von Hand-
lungsplanungen, der Fähigkeit zur Antizipation und In-Rechnung-Stellung der
Handlungsabsichten der Interaktionspartner, der Fähigkeit der Anpassung des allge-
meinen Erwartungsfahrplanes an spezielle situative Bedingungen der Interaktion
usw. Kann ein Erzähler nur sehr unvollkommen auf die Bedürfnisse seiner Zuhörer
in der Erzählsituation eingehen, so wird es ihm - sofern keine durch die Interview-
anordnung eingeführten Störfaktoren vorliegen - auch in den berichteten Hand-
lungssituationen an Rollenübernahmefähigkeit gemangelt haben. Diese Feststellung.
trifft selbst dann zu, wenn sich der Forscher nicht für allgemeine Kapazitäten des
Sprechens, Erzählensund Handeins interessiert, sondern lediglich für themen- und
sachgebundene soziale Fähigkeiten: wie etwa über gemeindepolitische Angelegen-
heiten zu erzählen und faktisch gemeindepolitisch zu handeln. (Jemand, der die Ge-
meindepolitik nicht aus eigener Handlungserfahrung, sondern nur über Gewährs-
leute oder die öffentliche Diskussion kennt, wird auch nur schlecht über gemeinde-
politische Vorgänge erzählen können und entsprechende Informationsbedürfnisse
von Zuhörern befriedigen können.)
Allerdings sollte auch der Fall berücksichtigt werden, daß der Erzähler wegen
Verflochtenheit in aktuelle Interessenkonstellationen, die von der hervorgelockten
Erzählung thematisch tangiert werden, in seiner themengebundenen Erzählbereit-
schaft reduziert ist. Gerade um die thematischen Grenzen der Erzählbereitschaft
des Informanten und damit die Interessenverflochtenheit des Erzählers ausloten zu
können, sollte der Forscher einen Katalog von Fertigkeiten an der Hand haben, die
den Kapazitätsebenen 5.1 und 5.2 gemeinsam sind: ausgehend von der Feststellung
einer allgemeinen hohen Kommunikations-, Retrospektions- und Handlungskapazi-
tät (5.1 und 5.2) wUrde der Abfall der Erzählfertigkeit bzw. -bereitschaft bei
bestimmten Teilthematiken nicht auf eine situations-und sachgebundene Teilre-
duktion von Handlungskapazität schließen lassen, sondern auf Tabuisierung dieses
Darstellungsbereiches wegen Interessenverflochtenheit des Informanten. (Eine spe-
zielle Interviewtechnik müßte darauf abzielen, den Informanten immer wieder vor
derartige Grenzsituationen zu stellen. Vgl. Schütze 197 Sb, Abschnitt 4.1.)

Zusammenfassung

Abgesehen von den klassischen Anwendungsweisen der Erzählanalyse in der Alltags-


kommunikation sowie in Linguistik und Soziologie (Abschnitt 3) ist es denkbar,
daß Interessenkonstellationen (Abschnitt 4) und ein Kernbestand sowohl allgemei-
ner als auch sachgebundener sozialer Fertigkeiten (Abschnitt 2, 5) gerade über die
retrospektive Erfahrungsverarbeitung eigenen sozialen Handeins in mündlichen
Stegreiferzählungen erhoben werden könnten. Die Bereitschaft, selbsterlebte Ge-
schichten zu erzählen, verwickelt nämlich einerseits in Detaillierungszwänge, denn
wenn Handlungsereignisse erzählt werden, müssen auch deren jeweilige Konsequen-
Zur soziologischen und linguistischen Analyse von Erzählungen 39

zenals neue Handlungsereignisse erzählt werden usw. Von diesem Detaillierungs-


zwang der narrativen Darstellung werden auch die damaligen und zumindest z. T.
noch zum Zeitpunkt der Erzählung aktuellen Interessenkonstellationen des Erzäh-
lers erfaßt, denn diese sind in ihrer Motivationswirksamkeit konstituierende Ele-
mente der zu erzählenden Handlungsereignisse. Andererseits heben selbsterlebte
Geschichten auf Grund ihres retrospektiven Charakters auf größere Handlungszu-
sammenhänge ab, an deren Art der Bewältigung sich Grade an Handlungskapazität
beurteilen lassen (Abschnitt 1).
Beide Fragestellungen sind allerdings nur insofern legitim, als die Grundvoraus-
setzung der hier vorgeschlagenen soziologischen Erzählanalyse gegeben ist, daß es
sich in der konkreten erzählten Geschichte nicht nur um subjektiv oder gar fiktiv
eigenerlebte, sondern um faktisch abgewickelte Handlungszusammenhänge handelt.
Diese Voraussetzung der soziologischen Erzählanalyse läßt sich im Hinblick auf die
jeweilige konkrete Erzählung als plausible Unterstellung durch den Gesichtspunkt
rechtfertigen, daß das Erzählen eigenerlebter Geschichten, sofern diese nur wirk-
lich erzählt werden, den roten Faden der zeitlichen und kausalen Verkettung statt-
gefundener Ereignisse in ihrer jeweiligen Beziehung zum Geschichten- und Hand-
lungsträger in der Darstellung einhalten muß, und insofern die existentiellen Bedin-
gungen und Orientierungen des aktuellen Handlungssystems in wichtigen Teildimen-
sionen (abgesehen von der Schicht aktueller Situationsdefinitionen) reproduziert
(Abschnitt 1).

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Summary

Apart from classical ways of using narrative analysis in everyday communication as


well as in linguistics and sociology (eh. 3) it is conceivable to detect the narrator's
interest constellations (eh. 4) and a central stock of his general action capacities and
specific institutional skills (eh. 2,5) by way of bis retrospective interpretation in
verbal off-band narratives of bis own past conduct. His willingness to tellabout per-
sonal experiences gets him into constraints to become more specific on the one
band, for if events are being told their respective consequences as new events have
to be revealed etc. This constraint to become more specific brings up the narrator's
former and partly (at the time of the narrative) still existent actual interest constel-
lations, because those are motivating, constituting elements of the events to be told
about. On the other band personally experienced stories point at wider action con-
texts and interrelationships (due to their retrospective character), and the kind in
which narrators take account of these action contexts and interrelationships reveals
something ab out their different degrees of action capacities (eh. 1).
Both questions are only legitimate if we have the pre-condition of the sociologi-
cal narrative analysis as proposed here: that the action contexts in the narrative are
not just subjectively or even fictiously self-experienced, but really accomplished.
This pre-condition of sociological narrative analysis can be justified as a plausible
imputation by the following aspect: As long as persona~ly experienced stories are
really told as off-band narratives, the telling of them has to keep up the red line of
temporal and causallinkage of past experiences in their respective relationship with
the narrator, who at the sametime is one of the centrat persons of action or at least
of suffering in the story. In that respect telling those stories reproduces the existen-
tial conditions and orientations of the actual action system in important dimensions
(except the layer of actual definitions of the situation) (eh. 1).
Believing - Evaluating - Knowing
Logic and Legitimation in Max Weber's Study of Law*

Guenter Dux

1. The Interestin Max Weber's Study of Law

Max Weber's study of law would long have been forgotten were it nothing more
than the eclectic treatment of a few main problems, as is to be found in his Socio-
logy of Law in 'Wirtschaft und Gesellschaft' (Economy and Society). 1 The distinc-
tions between public and private, subjective and objective law, to mention but a
few of the topics, do not exceed anything, which was not already prevalent in the
juridicallegal theory of Weber's day. Moreover the very core of his sociology of law
- the description of the development of law as a rationalizing process - suffers
from the Iack of historicity of Weber's conceptual framework to such an extent,
that it is difficult to make the embodied insight profitable for the consciousness of
today. If Weber's study of law is still of interest, then for the same reasons that his
treatment of other diverse scientific fields - especially his methodology or his poli-
tical sociology -still command an audience. Weber knew, as no other sociological
thinker of his day, how to expose effectively the logical premises of his thinking in
the different fields he treated. He intentionally formed the objects of his study in
accordance with the premises of his logic. It is exactly this, the consumate reflec-
tion of his thinking, which has assured him attention, even in posterity.
The interest in Weber's study of law is differently motivated. As long as insight
into the development process of logic is lacking, present thinking is continually
compelled to base itself on previously formed Suppositions. Forthis reason, Weber
offers a reserve for a multitude of theorems, for the validity of which his authority
vouches, though meanwhile various arguments have been raised against the logic of
his thinking in generaland especially against the logic of his study of law. Examples
of these are the delineation between jurisprudence and sociology, or the interpreta-
tion of legitimacy. Our interest is of quite another nature.
I intend to elucidate Weber's epistemological premises, and hence the concept of
law and Iegitimation based on these, in the light of the general development process
of logic. Hereby I not only presume that such a process has taken place, but that it

* The following article is taken from a more comprehensive study of the "Strukturwandel der
Legitimation", Freiburg 1976, which is soon tobe published. For the purpose of aseparate
publication this article has been revised.
lf, in the following descourse, I have managed to make myself at least somewhat clear, then
the credit must go entirely to Julia Ballot who has translated the text into English.
44 Guenter Dux

ean be preeisely aseertained. lt eonsists, as I have shown elsewhere, of the develop-


ment ofthat whieh different epoehs understand by "explaining, thinking, under-
standing ete.". In other words, it is the de~elopment of an explieative matrix, whieh
is fundamental to the respeetive eoneeptions of reality. If this presumption is eor-
reet and if it is still further eorreet that this proeess isareflexive one, through
whieh, step by step, one is made more aware of the developmental status of eaeh
epoeh, then Weber beeomes a foeus of interest preeisely beeause of the extent to
whieh he was aware of the premises of his own thinking. By this method I shall be
in a position to aseertain from the general development of logie, i. e. its fundamen-
tal strueture, the regressiveness of Weber's epistemologieal premises and thus of
his study of law based on them. lt is this eognitive interest whieh also determines
the approaeh by whieh Weberand with him the whole Neokantian eoneeptof law
must be revealed. Alone from the logieal strueture and its development ean it be
understood.

2. The Logic of the Neokantian Concept of Law

Neokantian epistemology is often eonsidered regressive simply beeause of its ori-


gins in Kant. Up until the present day the alternatives presented themselves as Kant
or Hegel. 2 This ehoiee ean be reversed. Then the return to Kant is viewed as a pro-
gress towards the present. Be that as it may, from a soeiologieal point of view the
development of logie presents itself in another light. 3
Neokantian epistemology deeisively adopted the result of the Hegelian logie.
This result was the revelation of a fundamental eontradietion; it ean be eoneisely
formulated thus: it had to be realized that the work of history eould no Ionger be
aeeounted for by an absolute spirit. None other than man, empirical man that is
had proved hirnself to be the sovereign subjeet. His was the responsibility as mueh
for the "true" as for the "bad" reality. lt was barder for the established sehools of
philosophy to take the eonsequenee of this realization, than it was for the natural
diseiplines. In the philosophieal form of the transeendental subjeet the dubiety of
the ehange from an absolute subjeet to the subjeetivity of empirieal man endured.
For Weber, however, this ehange was as good as selfevident. Even when he spoke of
the transeendental subjeet as the unity of epistemologieal aehievement, he meant
one, whieh was attaehed solely to the empirieal subjeet. This realization - nota
bene a realization whieh post-Hegelian thinking had made reputable - helperl the
old eonstellation, as it had evolved at the turn of modern times, 'to proeure onee
again reeognition. Thought had to take up again the polarization between the sub-
jeet and the objeet, whieh it eontrolled. The reeoneiliation of the two in an abso-
lute had to be annulled. Weber did so with a peeuliar rigorism of his own. If any
one thing is to be eonsidered as the basie theorem of his epistemologieal presuppo-
sitions, whieh he eontinually refleeted in his work, then it is this: That it is we, we
the observers, who eonstitute that reality whieh we taketobe reality altogether, by
Believing - Evaluating - Knowing 45

constructively creating it ourselves. As by Kant, the Copernican turning point is


connected by Weber with the idea of having to Iook for the foundation of our
knowledge, from now on, in the capability of man to construct this knowledge him-
self. lt is important from the very beginning, to keep this point in mind: The origin
of Weber's conception of science is not - as is tobe read again and again - the ana-
logous diffusion of the Kantian cognitive critique to the cultural sciences. This is a
completely inadequate interpretation. The crucial fact is that the same knowledge
brought its influence to bear on both the natural and the cultural sciences, i. e. the
knowledge of the domination of man over those objects which he made tractable
through an active - both cognitive and practical - participation. The present had
brought with it the domination over the objects of both nature and culture. Even in
the social sciences, therefore, the cognitive process could only be conceived of in
terms of domination. Only so was the historical consciousness comprehensible, that
man had become aware of the part he played: he was left as the solitary actor on
the stage of world history. That is exactly what Weber meant when he attributed
modern man of having eaten from the tree of knowledge. 4
At first sight nothing eise seems to have happened than that an absolute subject
has been replaced by another, God, the absolute spirit, absolute reason or whatever
eise it may be called has been replaced by man. The schema of explanation itself
persists. And, in effect, should it ever be doubted, that the substantial core of the
discussion of the change in the sovereign subject is ab out the perseverance of a logic
which conceives everything which is as the creation of the subject, for whom it
becomes an object, then Weber's interpretation of how science functions must
destroy this doubt: Hisinterpretation is the most determined attempt to prove that
reality - even the reality of the scientist - is an emanation of his own devise -
Weber states: "If the notion that those standpoints can be derived from the 'facts
themselves' continually recurs, it is due to the naive self-deception of the specialist
who is unaware that it is due to the evaluative ideas with which he unconsciously
approaches his subject matter, that he has selected from an absolute infinity a tiny
portion with the study of which he concerns himself." 5
The result is the same as it was by Kant's concept of nature: An object, as it
appears to us, is from the very beginning that, which is pre-formed by these evalua-
tive ideas.

"What is of significance to us, however, cannot be revealed by a presuppositionless analysis of


the empirical phenomenon, but rather the ascertainment of this is the prerequisite that some-
thing becomes the object of analysis."6

In other words the reference to value (Wertbezug) initially creates the sociological
object.
The difficulties arising from this conception are so blatant, that one is always
tempted to eradicate the fundamental structures of Weber's thinking. To persevere
with such a rigorous decisionistic method seems impossible. One is, therefore,
46 GuenterDux

always inclined to take into account from the very beginning that the formation of
concepts is bound to the interconnections within this 'infinity', if these concepts
are to be those of a science of reality (Wirklichkeitswissenschaft). 7 Of course there
can be no doubt that Weber nursed the notion of really grasping reality by this
method. In another context he proclaimed that the theories developed by scien-
tist served only as provisional patterns of order, which were to be tested on the
facts. 11 Such a test is, however, only conceivable when the facts are structured in
such a way as to enable comparison. Much points to the fact that Weber secretly
utilized a concept of reality, which was derived from the every day comprehension
of this. 9 That is not to say, however, that Weber also took the consequences in his
methodological perception. Nor does it mean that that which Weber theroetically
claimed to be the constructive approach did not contradict his actual method.
Weber explicitly stated, that he did not want to use, for the formation of his scien-
tific concepts, the meanings of the social objects as pre-formed in the reality of
these. 10 This is shown quite plainly if one examines more closely the counterpart
to sovereign constructivism, the empirical being (Sein).

3. The Stratum of Empirical Being

The epistemological formula of success with which, at the beginning of modern


times, man thought to secure his sovereign position, consisted of no Ionger questio-
ning the reality 'behind' human constructs. And to regard this as overtaxing
human knowledge. The idea, however, of separating the selfcreated reality from yet
another, lying beyond tlie former, in such a way that the schemata of our percep-
tions and thoughts could be thrown over it like a net, must have at least made plau-
sible the possibility ofthisviolent method. Neokantian epistemology achieved this
by imagining empirical being, before the creative act of man, as a chaotic field of
causal and purely individual relations. For the Neokantians empirical being, there-
fore, presented itself as an abyss of individuality . 11 Through this notion philosophi-
cal doctrine supposed itself once again on the safe ground of modern epistemology.
At the beginning of modern tim es, epistemology had established the antagonism
between the recognising subject and the recognised object as an absolute and had
attributed appearance of general order to the act of thinking and, therefore, to the
part of the subject. Whereas (for this reason) the object took on a both indetermi-
nately concrete and accidental form. Admittedly this characterization could only
be arrived at via negationis. For the sensuous perception already moulds what is.
Objects in absolute particularity i. e. divorced from all impact of universality are
not obtainable. Consequently for Neokantian and Weberian thinking on the Ievel of
being, prior to the act of recognition, a concept of nature was established, by which
nature was not ordered according to generallaws. Here causality reigns in its archaic
form of individual relations between individual factors. Weber hirnself has apostro-
phized this 'everyday subjective causality' ("Subjektskausalität des Alltags"). 12 In
Believing - Evaluating - Knowing 47

this thoroughly irrational (because devoid of alllogic) stratum of chaotic being man
is able to direct and rule with relish, according to his own designs. The formula is
simple: Order is brought into that which Iacks it. That disorder can be put in order,
we, however, already know.
Precisely because this disorder is continually conceived as the condition for the
possibility of an ordering act, the empirical stratum of being is the same for both
the natural and the cultural sciences. The cultural sciences also perceive the field of
objects for the ordering eye of the scientist as an immense pool of causal relations
(interdependencies), in which the observer first creates order. This assumption is
more than problematic. For, other than the object of natural science, to which the
epistemological critique had hitherto orientated itself, the objects of the social
sciences are objectifications of human ideas, thoughts and values. Their very charac-
terization, therefore, is that they are already structured by general rules in them-
selves. Weber never rightly knew, how to master this. The logical constellation
according to which every form and therefore every concrete object as it appears to
us came to rest with the subject, exercised a sort of compulsion. Even the most pro-
minent feature of sociological objects: the objectification of meaningful human
actions presents itself as mere creation of the observer, while the object, even in its
intrinsic meaning is reduced to a chaos of causal relations. 1t was not incidental that
Weber, when he spoke of purchase, exchange etc. referring thereby to the empirical
Ievel of events, attempted to render the events with a description, which veiled the
aspect of meaning and gave everyday occurrences a causalistic-probabalistic coat-
ing.13 There was system in that amusing method which, instead of money, spoke
of small metal plates, which open up certain chances, and instead of policemen,
talked of men with spiked helmets who, with sufficiently high probability, impri-
sion someone by a certain behaviour, on a spot determined for this. The reason for
this is always the same: The human subject bad since the beginning of modern
times realized that it had first to constitute itself its own life-world, both theoreti-
cally and practically. Forthis very reason the objects lost any contours of their
own. lt was this position of the human subject upon which Weber insisted with his
own peculiar radicality - even as far as the objects of the social sciences were con-
cerned. That the sociological objects bad a meaningful structure of their own could
only assert itself secretly and against the logic of this epistemological proposition.

4. The Empirical Reality of Social Phenomena

1t may seem surprising, to someone who is not prejudiced by the epistemological


patterns, in which both Weber and Rickert were compelled to think, to find the
phenomena of the cultural sciences atomized to an utter chaos, in the same way as
those of nature. For the social objects are ofthat fabric which the scientist places
upon them. They are meaningfully determined, i. e.: they are in their course
governed by rules, which for their part are constructed according to meaningful cri-
48 GuenterDux

teria. Naturally Weber was not oblivious to this fact. He emphasized that a game of
skat could only be recognised as such if one already knew the rules of the game.
One has to adopt, therefore, those ideas which determine the actual course of
events. This fact did not give Weber the least occasion to reexamine the absolute
division of the two strata: The meaningfulness of action, attributed to the subject
on the one hand and on the other hand the complementary stratum of natural
being, conceived as a causal-natural being. Weber understood, in an almost brilliant
manner, how to incorporate into his epistemological concept the meaningfulness
of action and the herewith inseparably linked regularity. At the empiricallevel both
act as causal conditions of actions and action-complexes. The argumentation is
easily comprehensible.
Meaning as a factor of actionwas for Weber radically subjective meaning. lt is
the point of egression of all action. The establishing of this meaning precedes the
action, not necessarily in time, but always logically. As the point of reference at
which all action is aimed, it is always "ultimate" meaning. Where the individual
action, as a link in a chain of events, proves itself to be merely a means to an end
of yet a further aim, the meaning of the action must b.e referred to this ultimate
meaning. Precisely because it is the ultimate meaning of action, it is at the same
time the actual causa of the action. The logical duality of this synthesis - on the
one hand the forming factor within the realm of the purely meaningful and, on the
other hand, the causa of action on the level of empirical being - is evinced in that
weil known definition of sociology:
"Sociology shall mean that science which aims at the interpretative understan-
ding of social action and thus at the explanation of its causes, its course and its
effects" 14 • Obviously the emphasis is placed on the "and thus". Actions are thus
causally explained by being referred back to the motive of their egression. Weber
succeeded in letting in at the backdoor what he had turned away at the front door.
Although the observer is dealing with a purely causal stratum, within which nothing
but a myriad of individual causal relations can be discerned, he is also in the posi-
tion to perceive even within the causal study that social objects are pre-structured
and to arrange these accordingly. The fundamental fact of sociological analysis is
that the meaningful behaviour of individual is orientated to norms and is, therefore,
in itself regular. The idea of the norm, states Weber, acts as the real impetus of
action. 15 The norm, therefore, appears to be a causal determinant as countless
others. In comparison to others e. g.: the ability to walk, the norm offers no pecu-
liarities. So Weber says of the game of skat:

"Whoever wanted to causally study a concrete game of skat would, by a causal regress, have to
take into account as a, normally, just as constant determinant, as any other causal 'presupposi-
tion' of the behaviour of the player, the fact that each player takes for granted that the others
follow the factual, usual rule of the game, that is their acquired knowledge of the rule. In so far
there is no difference between this rule and the 'prerequisites' which man needs to live and to
consciously act." 16 ·
Believing - Evaluating - Knowing 49

The strategical approach seems to be assured: Even the social phenomena have
nothing to offer but diverse causal relations. Since the normativity of the social
world is reduced to a determining factor amongst others, the continuous normative
structures - accessible to every observer - remain concealed in favour of the causal
study. It is obvious that these epistemological premises also effectively determine the
concept of the norm.

5. The Being and the Ought

The concept of the rtorm was, for Neokantian epistemology, combined with a speci-
fic interpretation of the difference between being and ought. Every cognitive
interest, which was even slightly connected with the sphere of law had to, there-
fore, pass first of all through a purgatory and explain which order and validity were
to be debated, the normative or the empirical, the juridical or the sociological. If
one tries to ascertain what is meant by the suggested alternatives which at first
glance seems comprehensible, considerable difficulties arise. It is found that the
distinction between an empirical and a normative order does not just consist ofthat
familiar and convincing differentiation between that which really is and that which
ought to be. Nor is meant the still more problematic differentiation between that
which is law according to the practice of jurisdiction and according to a better
knowledge ofthelegal order. lt embraces these and other similar differentiations. lt
goes, however, far beyond these, by placing its own specific meaning upon these
differentiations. If one traces this differentiation back to its origins, its significance
becomes apparent: it is proved that both these forms of legal order are founded in
themselves and are independent of each other. Neokantian theory insisted that, with
the empirical and normative legal orders it was dealing with two heterogeneaus
spheres. The consideration of the one occurs within the sphere of what is, of the
other in the sphere of what ought to be. The antagonism between the two is, accord-
ing to this doctrine totally irreconcilable, a bridge between the two conceptually
inconceivable. 17
How does one arrive at such suppositions? And how does one come to maintain
them with a vehement intransigence which seeks to avenge every violation against
them with the most trenchant verdicts of logic? The answer is delivered by all Neo-
kantian authors in unison: The distinction is directly present in our consciousness.
lt cannot be further explained. lt is, as Simmel states, "a fundamental fact". 111
Fortunately, despite this, all authors offer an explanation. They are at pains to
transform into a discursive, or at least apparently discursive argument, that which is
claimed to be evident. So Kelsen states "no one can deny that from the fact that
something is, it does not follow that something ought tobe, just as from the fact
that something ought tobe, it does not follow that something is." 19
Looked at more closely this statement is not so evident as it appears to be, since
everything depends on how that 'being' which is deduced or not deduced from
50 Guenter Dux

something is interpreted. The conclusion may be permissable, as long as one keeps


in mind the natural reality. It becomes dubious when one tums to the social reality.
For here one can say that it is the reality of sentences. As an institutional organisa-
tion of such sentences it is just as saturated with meaning as that contrasting con-
struct of 'pure theory'. It is not necessary in the present context to pursue further
the implications of this. If anything is correct in this characterization, then the
statement: no one can deny that from the fact that something is, it does not fol-
low that something ought tobe, is invalid. 20 Then namely, it cannot be barred that
social being, according to its nature, aims just as much at procurring a certain result
as does, for instance, the beginning of a logical conclusion. 21
A delineation between being and ought as it was conceived by Neokantianism is,
in effect, evident under only one premise: The continuance of the validity of an
absolutistical matrix as an explanatory paradigm, under present conditions. lt is
simple to demoostrate how the postulated heterogenity came about.
Looking at the structural change in logic more closely, we see that the newly
acquired consciousness, of having first to create reality itself, was still connected to
an absolutistic logic. The recognising subject moves into the opposite position to
the field of recognised objects. The result, that all ideas were accredited to the
sphere of the subject and, therefore, the object itself was bereft of any meaningful-
ness, adheres ipso facto to this dissociation between subject and object. The object
presented itself, therefore, as something "purely natural". This brought with it the
further consequence of attributing even pratical reason and therefore the Realm of
the ought to the part of the subject. For the concept ofthat which ought to be has
part in the ideality of ideas, which take possession of the object. It embodies, more-
over, a creative factor by which that, which has already been established is trans-
cendent. According to this logic this can originate only from subjectivity. Subse-
quently the heterogenity of that which is and that which ought to be, which was
first enduced by the underlying logic, can be taken up by that, admittedly only
apparently, discursive argument, according to which it appears evident that which is
cannot be inferred from that which ought to be, nor that which ought to be from
that which is. Even here the underlying logic determines completely the contents
of the ideas. This argumentation is only evident provided that: 1 the argumentation
is one of logical deduction and that, therefore, 2 the point would be to derive a
'purely ideal' conception of what ought tobe from a 'purely causal' conception
of what is. Und er these premises the maintained absolute heterogenity can be
proved, in fact, to be the result of a simple syllogism. That is:

That which cannot be traced back to one another must, therefore, have independent origins.
The being cannot be deduced from the ought, nor the ought form the being.

Ergo: Being and ought belong to heterogenaus strata, i. e. to spheres with different origins.

Between phenomena of different origins there can be no bridge. Precisely that is


what Weber is trying to drive home to his readers.
Believing - EvalUilting - Knowing 51

The above considerations prove yet again that it is imperative to elucidate philo-
sophical theorems by the exposure of the development of their logical fundamental
structures. Only when one becomes aware, that the realization of having to first
achieve knowledge and to create one's own "life-world", is determined asever by
an absolutisticallogic, does the claimed absolute disparateness of what is and what
ought to be also become comprehensible. Otherwise it must remain particularly
obscure why the allocation of the norms to a realm of the pure ought, completely
severed from the empirical reality, goes hand in hand with a subjectivism by the
determination of the normative. Both belong, however, inseparably together. The
heterogenity of what is and what ought to be and the subjectivity of the normative
a~e expressions of the same process: The polarization between subject and object in
the course of the development of the fundamental structures of logic. Through
this alone is it intelligible how it came to that strange, and by a closer examination
hardly still comprehensible, separation of the validity of a norm from its genesis.

6. The Separation from the Genesis

That the validity of a norm is not dependant on its origin, is also one of those pro-
positions which were evident for Neokantian epistemology. Once one has become
accustomed to these premises, the supposition is, in effect, persuasive: The genesis
of a norm is a process on the empiricallevel of being. As long, however, as one is
acting on the empiricallevel, the question can only be aimed at discovering causal
relations, for there is nothing eise to be found at this Ievel; whereas the normative
questions ·are to be posed on the Ievel of the ought. Solely on this Ievel are the ulti-
mate values to be established which mould the normative system. The logical ela-
boration of the system occurs on this Ievel, and only at this Ievel can a gauge be
found with which the concrete empirical facts can be measured. This gauge must be
heteronomous to the empirical facts. For a gauge, so a farniliar saying, cannot
belong to that which it is supposed to measure. Thus the two operations are divided
amongst different sciences. The empirical Seiences have already been refused the
question as to the validity in the specific normative sense. 22
Neokantian epistemology was capable of supporting the evidence with which the
separation of the validity from the genesis presented itself with a knowledge which
can hardly be contested, nor was it, in fact, ever contested. The sheer circumstance
that every thing is not as it ought to be, demonstrated that the question as to the
validity of a norm was not identical with the question as to its origin. Even to the
present day this proposition has not ceased to exercise its fascination on scientific
theory. And yet the herewith combined unleashing of the validity from the genesis
is more than problematic. The problematic would need no special mention in the
present context were it not suitable to demonstrate the precarious condition of that
logic in which it is rooted.
Weber, of course, was aware that there was also an empirical side to the norma-
52 GuenterDux

tive orders. Current normative ideas of epoch, which are elaborated into systems,
are dependent on an abundance of empirical events. As the actual order changes so
also do the normative contents. lnsofar the way is cleared for a causal analysis; and
it is insofar legitimate to ask how a certain normative order has been generated in
the course of history, without, therefore, crossing the dividing line between that
which is and that which ought to be. This way it is considered possible not to even
slightly touch the question of the validity of an order. Although aware of the
"empirical dependency" ofthat which is valid here and now, the Neokantian
theory of law persisted in interpreting the causal genesis of a system of norms as
merely preparation of the normative order. The evaluation begins with the next act,
after the consciousness has left the empiricallevel behind it and has ascended to the
normative. This method was not simply the formallogical consequence of the once
postulated heterogenity between what is and what ought to be; by it a factor of
"historical truth" was voiced. The separation of the validity from the genesis was
supposed to take into account the specifically modern concept of the ought.
Wehave seen that, with the coming of modern times, a distance to the esta-
blished relations of social reality accrued, by which that which ought to be is not
only a category in which being is sustained, it is transcended by it. Furthermore it
is reasonable and necessary to disassociate oneself from that which actually exists.
By the question as to what ought tobe, all meaningful activity becomes question-
able. This process can be anticipated. Even that which today not yet is, but tomor-
row predicta bly will be, cannot claim ipso facto validity. There is also a positivism
of history, or rather, of that which claims to be historical thinking. Insofar the refu-
sal to allow the genesis of a norm to decide its validity, is completely at the height
of contemporary consciousness.
Yet the consequence of the disjunction of genesis and validity was for Neokan-
tian epistemology one which disavowes this knowledge and perverted it to the con-
trary. Instead of putting both, the existing social order and the current ideas of
what ought to be into the crucible of yet another reflexion, it postulates the theo-
retical irrelevance of the genesis for the validity. lt would not have irritated Neo-
kantian theory in the slightest, could it have been proved that all current normative
. ideas of an epoch were, strictly speaking, causally determined by the empirical rea-
lity. These notions, however, problematic their approach may be, were quite pre-
valent in Weber's day. It would suffice to establish that - even in this case where
the empirical order determines without further theoretical consideration what is to
be regarded as valid - a transposition occurs on to another level as soon as validity,
in a normative sense, is contested. This transposition can be evoked quite easily.
Every social occurence can be stylized as the expression of a norm. It is, therefore,
possible to reflect unimpaired empirical being in the normative sphere without sub-
stracting anything. If heterogenity of the spheres is excepted, then reality is not
single but twofold. The positivism is perfect. lt does not omit the slightest triviality
of the existing.
By this result it becomes obvious in how far, by the initial thesis - of conceiving
Believing - Evaluating - Knowing 53

what is and what ought to be as two absolutely heterogenaus Ievels - the in itself
correct concept, of not permitting the genesis to decide the validity, is deprived of
success. lt inhibits the herewith inavoidable question, by which means the criteria
of validity are to be won. The historically reflected cognitive interest does not
intend at all to claim as the ought, the crude facticity ofthat store of normative
ideas, which has been built up in the course of social change. 1t insists solely that,
what is finally determined as that which ought to be, cannot be determined apart
from the historical facts. History not only causes a changed external reality, it has
as a consequence a changed knowledge of man. If the explanation of this relation
has not yet been achieved, then it is because thought still suffers from the impact of
an absolutistic logic. Instead of comprehending itself through the relation of the
historical conditions in which it finds itself, it refers itself back to some abstract
absolute position. Thereby is it quite irrelevant if the absolutism proceeds from the
subjective decision of the individual, as by Weber, or lies in eternally valid universal
values, as by Rickert, or avail themselves of the logic of a basic norm as by Kelsen.
The difference between the historical and the absolutistical attempt at a founda-
tion of the ought cannot be reduced to the difference of cognitive interests. To do
this it would have to be proved that the absolutistical recourse incurs a knowledge
which is no where else to be found. But it is definitely not so. Even the theorist of
the pure ought concede that normative ideas are as much determined by conjunc-
tures as are, in a narrower sense, cognitive ideas. The recourse to an absolute cannot
avoid being taken in by that empirical reality, from which it tries so boisterously to
disassociate itself.
Epistemology runs into no lesser difficulties, by applying absolute heterogenity
to the field of law. lt separates a pure normative from a pure empirieallegal order.
If any one thing of Max Weber's sociology of law has been taken up, it is the meti-
culous differentiation between the two. lt has become constitutive for the self-
interpretation of both sociology and jurisprudence. On the basis of this the truce
between the two disciplines was made possible. That sociology of law dealt only
with the actuallegal order, was so in accordance with the general concept of this
science and became so much the point of departure for all sociological discussions
on law, that no one considered it necessary to give any more thought as to what the
actuallegal order embraces, moreover when it comes into contradiction with the
normative.

7. The Normative and the Empirical Legal Order

Weber's central idea, as far as it is concerned with the normative order, becomes
apparent against the background of his previously discussed suppositions: The nor-
mative order is an intellectual construct, considered tobe valid. It lies totally within
the field of the ideal. The single norms of this order desire validitiy (wollen gelten).
Forthis reason Weber also speaks of the ought, as the desire of the norms them-
selves to achieve validity (das Geltenwollen der Normen).
54 Guenter Dux

Their determination in partieular is a question of a eoneeptual and that is, a


purely eoneeptual, analysis. The eontent of this order must, therefore, be aseer-
tained by a formallogieal operation whieh remains solely in the realm of the ideal.
The question of normative validity of one rule or another is, therefore, a question
of the "dogmaties of meaning". 23 It is the task of jurists to establish the eorreet,
i. e. systematically eorreet and, therefore, valid, meaning.
Curiously it is more diffieult to state what is to be understood by the empiri-
eallegal order. Our eontemporary thought is so far removed from the attempts of
the Neokantians, that one seems no Ionger to be in a position of eomprehending the
exaetness with whieh it was attempted to eonduet the distinetion between the two
orders. For the moment the differentiation is tobe understood as though by it the
diserepaney between statute law and the reality of·law, between the initially ideal
system and the now ineongruous reality is to be demonstrated. Even if the diffe-
renee between the ideal and the reality is involved, one eannot, however,just claim
"the" reality as the empirieal order. Whieh reality is meant? It is tobe remembered,
that for Weber the empirieal reality eonsisted of an abundanee of eausal proeesses.
lt is, therefore, not possible to imagine the respeetive legal matter - for instanee
aetual tenaney - as an empirieal order in eontrast to the normative order of the
eivillaw. For, the tenaney situation is determined by all sorts of faetors, by eustom,
eonvention, tradition, innovations ete. We do not have here the "empirieallegal
order of tenaney" before us in eontrast to a normative one. It is eontinually disre-
garded that the erux of the matter is to find the empirical counterpart of a particu-
lar legal order, that the one must therefore be congruent with the other. For other-
wise the specifie feature of being a legal order would disappear. In any ease this was
Weber's approach of the differentiation. When he spoke of the empirieallegal order
in contrast to the normative, he meant that which arises from an orientation based
on the normative order and, precisely because of this, causes a certain regularity of
behaviour. The empirieallegal order is, therefore, an idea of something that ought
to be. Precisely as an idea of so mething that ought to be it eonstitutes a preeept of
certain behaviour and this becomes a causal faetor in a chain of empirical events. 24
Completely eontrary, therefore to the general pearl of wisdom which claims, that
the reality is different to the written word of law or the theory of law in the heads
of the seholars, Weber conceives the written word and the concomitant idea of law
as a specific criterion of the empirieallegal order. He states of an "empirically valid
norm" that it is in the first plaee the fact that "Whoever takes those paper-fascicles,
known as the Civil Code, regularly finds printed in a certain plaee something which
awakens in his conseiousness, with more or less clarity, certain ideas formed aecord-
ing to the prineiples of 'interpretation' whieh he has empirieally acquired, about
the aetual consequences which a eertain external behaviour eould mean. " 25 Weber
rigorously perseveres, even by the differentiation of a normative from an empirical
legal order, with the methodological approach, aceording to whieh the hiatus
between the realm of being and the realm of ought is aceounted for by the polarity
between the observer and the object. He establishes the normative sphere as abso-
Believing - Evaluating - Knowing 55

lute (i. e. it is founded in itself) and tries then to transfer normativity into an empi-
ricallevel by means of the idea of the normative as a causal factor. It can hardly be
argued that this differentiation is not consistent. lf the normative legal order is
understood as a purely ideal construct then every interpretation of it falls into the
empirical sphere. For, by every interpretations this ideal order is already given as
the object of motive determination.
The fact that the normative legal order becomes empirical in the minds of those,
who attempt to orient themselves towards this order, has a peculiar consequence: It
limits the practical relevance of the normative to the circle of its professional inter-
preters. Only they, the judges, lawyers, administrators and, even more than these,
the academic jurists are concerned with the interpretation or the normative order.
When, however, someone else asks what is legal he orientates hirnself much more
towards the "empiricallegal order", namely those ideas present in the minds of the
members of the sanctioning body, which serves as the maxim of their actions, that
is their adjudgements. 26 Forthis someone the empirieallegal order constitutes the
normative one. Weber took this fact into account. From the start he moulded the
normative legal order to fit the juristical dogmatics of the euro-continental type.
A legal order is, in the case of the normative one, composed of "a system of ideas
and concepts, which the academic legal dogmatist uses as standards of value in
order to measure the behaviour of certain people: 'judges', 'lawyers', 'delinquents',
'citizen' etc. according to juristical values and to recognize or reject this behaviour
as complying with or not complying with the ideal norms". 27
The normative legal order is, therefore, as Weber states elsewhere that certain
chain of thought that "should be valid" (das Geltensollen) for the juristic intellect.
Conceptual jurisprudence (Begriffsjurisprudenz) had in Weber's lifetime already
seen its hey-day. Just as Weber did, this doctrine unterstood, the work of the juristi-
cal dogmatists in reaching unanimity on the strength of human reason, as a some-
how formally logical process of placing phenomena in relation to each other. The
"jurisprudence of interests" has questioned its fundaments more thoroughly than
the "Free Law School" 211 • Weber considered this form of jurisprudence tobe still
valid. He was forced to adhere to it, not only for epistemological reasons. The idea
of a conceptuality completely devoid of all empirical reality ensured one thing: It
relieved jurisprudence from the task of "evaluating". Its judgements were "correct"
in a strictly logical sense. The law itself was, therefore, likewise relieved of evalua-
ting. As a mere formal system of relations the material principles lie beyond its
bounds. Law offers only the pure form.
Similar to the differentiation between what is and what ought to be and the
herewith associated differentiation between the empirical and normative orders, the
interpretation of the Iegitimation of law is totally determined by the underlying
logic and its structural development. The decisionistic method in dealing with the
logical model of an order turns every Iegitimation into a question of mere belief.
Even in this field Weber has been of great importance for sociology up until the pre-
sent day.
56 Guenter Dux

8. The Legitimacy of an Order

Weber deals with the complex of the legitimacy problern in two different contexts:
As the legitimacy of domination, and as the legitimacy of an order. In both cases it
is the same aspect on which his interest is focussed. Legitimacy is conceived of as a
stabilizing factor. A purely habitual or goal orientated order is essentially more
unstable than one which can offer the prestige of "legitimacy". Allorders attempt,
therefore, to give themselves this halo. Weber goes so far as only speaking of the
validity of a system if it is adorned with the prestige of legitimacy. 29
The relation between an order and the reasons which supposedly assure its legi-
timacy are of no problern for Weber. Since legitimacy is a question of value-judge-
ment, and every such judgement is after all irrational, with the bases of legitimacy
one is dealing with nothing more than some kind of value-rational belief. 30 The
only thing left to do is to ascertain these bases empirically. Weber thought to have
embraced these in the four categories of legitimacy:

a) By tradition; a belief in the legitimacy of what has always existed.


b) By virtue of affectual, especially emotional, faith legitimizing the validity of the
newly revealed or the exemplary.
c) By virtue of a value-rational faith ( wertrational). Valid isthat which has been
deduced as absolute demanded.
d) By virtue of positive enactment of recognized legality. 31

In the present context it is not necessary to discuss the intrisic systematic of the
classification. It is important that, due to the reduction of legitimacy to a mere que-
stion of faith, further discussion of it has for the present day become almost impos-
sible. To-day the question poses itself differently tlian in the past. In the past it was
to a certain extent justifiable simply to ask after the reasons why a given order was
supposed tobe obligatory. For, during a considerably large period of history, law
was, at least in principle, considered tobe preexistent in an absolute order. The dis-
posal or at least the knowledge of the disposal of man over the legal and social
order, as we have initially seen, is altogether a modern achievement. With it, how-
ever, the question of legitimation changes. The main interest is no langer the search
for the reasons which cause the members of the same legal system to adore a prin-
cipally established la w with the stigma of legitimacy, but rather how la w must be
constituted in order to partake of this stigma. It is this development which brought
about a changed quality in the realm of the ought. The archaic mode of this realm
is applicable to the already established reality; the modern mode is relevant for a
projected future reality.
Weber yielded to the idea of having embraced even the present legitimation pro-
blematic with his universallist if the bases of legitirnacy. For, however the question
might for the present be answered, one thing was for Weber a priori certain: Even
today some kind of faith was the base of legitimacy. And even the model of future
Believing - Evaluating - Knowing 57

law would be accomodated somewhere between affectual and value-rational propo-


sitions. If, however, under modern circumstances the task of ascertaining the legiti-
macy of an order is not merely to assign the legitimizing bases to an already estab-
lished order, but instead to first ferret out which order and which law can be at all
legitimate, then, by the reference to some sort of faith, the question is simply
bereft of all meaning.
One would have thought that this result would have imposed itself precisely on
Weber. For decisions on the strength of faith are for Weber value-decisions and vice
versa. Value decisions, however, are in the last instance subjective, that is, they are
the expression of the individuality of he who has to make them. Admittedly the
subjectivity of value-decisions is embedded in the general development of culture
and- cultural values; that, however, does not detach from their subjectivity. Then if
anything at all, the present has helped this subjectivity to recognition. If subse-
quently the question of the legitimacy of law under present conditions is referred to
"a faith", it means unavoidably that legitimacy is delivered up to a radically subjec-
tive value-judgement. Legitimacy becomes thus arbitrary to such an extent, that it
is bereft of its very meaning. It is not to be overlooked that this consequence is
basically just as true of the caracteristically deemed belief of modern times in a legi-
timacy by virtue of a procedual system, as it is for the reknown Iegitimation based
on charisma. This consequence was not critical for Weber, since he did not see him-
self impeded by the subjectivity of evaluation, in attributing values with an objec-
tive or at least quasi-objective validity.
Values are for Max Weber ideal standa~ds for measuring the events of empirical
reality on. They do not forfeit any of their "nature" of imperative standards by the
fact that they are only formed by a single individual and, regards of their contents,
are an expression ofthisindividual personality. 32 This would have supposed a
dependency of the validity of a norm on its origin and, therefore, one would have
been guilty of a metabasis from the realm of being into that of the ought. The
objectivity of values is given solely by the factthat the values claim validity at all.
Ideal being consists ofthat which thoughts express. And so, considered on their
own, thoughts can be just as little true or false as any entity within the field of phy-
sical being. If, to use a Cartesian example, I visualize a goat or a chimera, as mental
pictures, the reality of both is identical. If I say that something is considered tobe
an ultimate value of life, it may, as far as the contents are concerned, convey com-
pletely different goals - for the one the experience of his own charisma reflected
by the crowd; foranother the pleasure of a rose garden - regards validity, the one
is no different than the other. They are both conceived of as valid and belong,
therefore, in the realm of validity. It is obvious that this is a suitable argumentation
to assure norms, of arbitrary contents, objectivity. Every, even passing thought,
which assumes an imperative form is reified and achieves thus a claim to validity
and thus to recognition. lndeed, Weber committed hirnself to this consequence.
Within the Weberian logic of law it does not matter that the contents of norms
arise from purely subjective arbitrariness. On the contrary! The emphasis with
58 GuenterDux

which Weber articulates the model character of reality gives him cause to persistent-
ly hold on to this subjectivity. Values are for him, so to speak, compromised sub-
jectivity. Their objectivity is even then assured when everyone pursues just one
goal in life - namely "the living to the full" of bis completely unique personality.
Forthis very reason Webercantalk of a "realm of values" without making the
slightest concession that one might be dealing with "eternal values". This realm of
objective values exists for Weber, even when nothing eise is tobe found in it than
the ideal duplicate of those "Bonvivants". The absolute division of the empirical
causal sphere form the ideal normative had only emphasized this fact all the more.
In the realm of the ideal everything is, in the last instance, similarly true. Of course,
due to this, the consequences arealso intensified. This method embodies the most
enduring guarantee ofthat dogmatism which is so extremely compatible with rela-
tivism, because from now on everyone has the right to make absolutistical claims. Is
further proof necessary that the question as to the legitimacy of law is herewith
bereft of all meaning? If alllegitimacy of law and, therefore, the willingness to obey
it, is made ultimately dependent on judgements which are only binding for ones
own person, then the dignity of law is replaced by the arbitrariness of the indivi-
dual.
Weber distantly recognized this consequence. He thought, however, tobe able to
escape it. Modern times have taken precautions against this onset of individual
postulates. It had, if we follow Weber, arranged law according to purely rational cri-
teria.

9. The Rationality of Law

Weber viewed the world's historical development as a rationalizing process. He was


unable, as he hirnself admitted, to reduce this process in the various fields of life to
a common denominator and, therefore, simultaneously to determine the common
factor in the development of rationalization. The development of rationality
appeard to him in detail to have taken too different courses and to be on too dif-
ferently advanced stagestobe able to do so. 33 Summa summarum, however, this
development had everywhere got under way. lts commencement reaches back to
the beginning of humanity. Even the first cultural achievement of man: the creation
of religion signifies a development of the rationalizing faculties of man. By this,
man freed hirnself of the chains of a naturalistical Weltanschauung. 34 The subjective
forces, which up until then adhered to things and events, were deducted from them,
rendered independent and were, so to say, placed behind them. This was an intellec-
tual process of abstraction with far reaching consequences. Even law which was
totally determined by religion, experienced at this stage of development its initial,
formal structuring. The influence of magic in legal controversies provided the
course of primitive law with a strictly formal character. 35 Further development, so
Weber, consisted of gradually robbing reality of its subjective character. This pro-
Believing- Evaluating- Knowing 59

cess has progressed differently in the various societies, according to the favour of
the historical conditions. In the Occident it has reached its perfection. Here reality
is as good as totally freed of any subjective and that means meaningfully acting for-
ces. It is exactly this which constitutes the process of rationalization and seculari-
zation. In lieu of the subjective forces of once an interpretative system has been
developed through which things and events are explained by intrinsic self-contained
relations. They have been fixed as constants in the form of laws. This pecularity is
not only characteristic of natural reality. Even social reality is increasingly similarly
conceived. The systematization to which nature must submit itself, also becomes
the mostdominant characteristic of social reality. The legal system, especially regi-
sters a development from the irrationality of magic to the systematization of the
euro-continental type. 36 Logical Sublimation, deductive rigour and rational technic
- three characterizations of the thoroughly rational development - do not come
from nowhere. However the causal relations may be, one thing is certain, that a
capitalistical economic order, which guarantees distribution of goods via a market
system, could not exist without this quality of law. The dispersed production of
goods requires a legal system which permits calculation of the consequences of an
action. This exclusively goal orientated economy i. e. an economy free of all ethical
imperatives, requires a legal order which likewise remains free of all value-rational
interventions. This isomorphism has become reality in the liberal, capitalistic states.
In these states both, economy and law are based on the principle of formal equa-
lity. It is this principle on which the formality of law hangs. Due to the fact that all
judgements are based on the principle of formal equality, it is possible to develop a
juridical system that, in effect, is relieved to a great extent of any value-rational
decisions. For Max Weber, therefore, law is, under present conditions, a system of
formallogic by which nothing else is determined than the consequences for social
intercourse arising from the supposition of totally equal subjects before the law.
Equality is, therefore, the prerequisite of the rationality of law. Notabene, it is a
strictly formal equality, that which proclaims equal rights for poor and rich alike to
sleep under the bridges.
Weber had good reasons for maintaining the principle of formal equality as the
dominant principle of law in modern times. Equality was thought tobe a dam
against the penetration of a danger unseparably bound with modern times: Exactly
because Weber placed the creation of values in the hands of the individual and made
him into the ultimate principle of action Weber fared the same as Hobbes before
him: The freedom of the individual which, since the beginning of modern times had
not let the topic of equality come to rest, turned around and threatened to become
a naked struggle for power of all against all. Precautions had to be taken against
this threat. Weber saw no other alternative than to eliminate all questions of value
from law. Only thus could the highly'ethical, legal consciousness of impartiality
which had been formed in the earlier history of law be preserved. That is, there-
fore, the reason why Weber maintained a system which, already during his lifetime,
was discredited as the theory of legal interpretation: The Begriffsjurisprudenz (Con-
60 GuenterDux

ceptualism in jurisprudence) was supposed to guarantee that all, or almost all,


questions of value would be excluded and that judgements would be made accord-
ing to a purely formal process of logic.
It is a peculiar contradiction which becomes apparent in Weber's perception of
the present situation. On the one band Weber could not emphasize enough that the
empirical subject, that is lastly everyone for hirnself alone, is the only one who
makes the decisions of faith and value. On the other band he tried to set up barriers
against exactly these premises in analready thoroughly rationalized, quasi-autono-
maus reality. In reality whenever the individual attempts to demonstrate his sove-
reign attitude according to his own individual value patterns, he comes up against
the "nature of things" i. e. a reality which is adverse to his own intentions. Here the
time shows its genuine face. He who does not submit, perishes. The market-commu-
nity, Weber states, knows formally no coercion on the strengthofpersonal autho-
rity. lt produces in its stead "a special kind of coercive situation which, as a prin-
ciple applies without any discrimination to workers, enterprises, producers and
consumers, viz., in the impersonal form of the inevitablility of adaptation to the
purely economic 'laws' of the market. The sanctions consist in the loss or decrease
of economic power and, under certain conditions, in the very loss of one's econo-
mic existence."37
The contradiction on the one band of attributing all to the power of disposition
of man and on the other band to submit him to an unalterable reality, is a faithful
replica of the theoretical approach. Due to the radical confrontation between the
subject and the object both are rendered independent. This consequence applies
also to law. lt is the declared goal of the identification of law with a value-free
rational order to withdraw this field from the power of disposition of man and to
relinguish it to its own immanent logic.
It would be senseless to reproach Weber with the argument that this value-neu-
trality of conceptualism in jurisprudential thought exists only apparently. Weber
knew the charges against the law from Proudhon toMengeras weH as others. He
was very much aware that the mere formality of the conceptual system of law
served the interests of those who had the economic resources at their disposal to
make the law subservient to them. 311 lf, nevertheless, he could not suppress a slight
sarcastical and, at times, even resigning undertone as soon as the question of legal
decisions according to material criteria arose, then it is as the result of intellectual
despondency. Before justice there is no respecter of person. As long as law was sup-
posed to be formed in accordance with these impartial criteria an alternative was
not feasible. lt is simply not obvious from where, with a claim to scientific substan-
tiation, material criterion should be taken. Under these circumstances it seemed bet-
ter to maintain the conceptual-jurisprudential notion of a judgement on the
grounds of a formally logical system. By this doctrine inequality could at least not
be charged to the account of law. Inequality fell into that stratum of facticity so
radically separated from law.
Logical contradictions - the hitherto arguments have tried to make this clear -
Believing - EvalUilting - Knowing 61

are often the expression of a historical development. The impetus of this develop-
ment prevents the contradictions from becoming lastingly dogmatized. The same is
true here. As may be remernbered the Neokantian theory attempts to conceive rea-
lity both on the epistemological as on the praticallevel as a design of man. Precisely
this, the knowledge of the Power of disposition even over the social order, is con-
trary to the attempt to stabilize a legal order on the basis of liberal capitalistic pro-
positions. The proclamation of these propositions of a value-free, purely formally
logical, legal order is based not last on a mistaken interpretation of the historical
development. The result of this development has been the extension of the directive
capacity of the political system. It is impossible under the conditions of this process
to keep the law free of material aspects. Those discriminated by this sublime neutra-
lity do not voluntarily resign themselves to this situation. Certainly, in Weber's day
law was only to a certain degree a political instrument. 39 The penetration of poli-
tics into law was, however, already visible. In the long run, therefore even law could
not escape political control and thus the concomitant task of regulating economic
distribution -, i. e. the redistribution. 40 Thus the intrinsic contradiction of Weber's
legal theory revealed a development which, up until to-day, one has not been able
to check. It was, strictly speaking, directed at the capitalistic system of a solely for-
mal equality of all subjects which was stabilized by law. The material postulates to
which law was increasingly submitted, destroyed the appearance that the interests
of those who avail themselves of the formally logical procedure, do not belong to
the system itself. They claim for themselves that which, up until then, had been laid
claim to by others. Weber had seen this development coming. 41 He could not coun-
ter it in any other way than by means of the given tracks of his conceptual
approach. Exactly because equality was a strategically indispensible tenet of his
concept of law - even the Iegitimation of law could only maintain its binding force
for all by the recognition of a strictly formal equality - it seemed to him that by
this development something very much like a disaster was brewing up. History had
carried life and thought to the heights of rationality. To have reached this goal had
so mething of festivity, somethin~ of the quiet of the seventh day of creation about
it. Now, however, everyday religious life invaded even, that is, into law.
"The many ancient gods, enchanted, i. e. in the shape of impersonal powers rise
from their graves, strive after the domination of our lives and commence again with
one another their eternal struggle."42
Material postulates were unequivocally a question of belief. No one could do
otherwise than follow his life's demon. The hopelessness which was to arise by the
attempt at answering the question of the Iegitimation of law, very soon disclosed
itself. It expressed itself first and foremost in politics. It was to be demonstrated
that even politics is not immuned from what science thinks or is capable of
thinking.
62 GuenterDux

10. The Responsibility for Auschwitz

Not only the sociologists, but still more the reknowned average man in the street
would meet the derivation of what ought to be from the decision of an individual
with a totallack of comprehension. Everybody knows that the individual, when his
subjective convictions are in opposition to the established social order, can achieve
very little. Has not Weber hirnself demonstrated that the established circumstances
are persistently against him. The individual, however, as an indeterminate one, as
an "everyman", was not at all meant when the "how" and "what" of politics in
Weber's political theory was similarly dealt with as a question of faith and, there-
fore, of an ultimate value-reference. Rather were meant those individuals who had
managed to leave the others behind them; those men of deeds who make history.
Politics, so one of the central propositons of Weber's political theory, are only
made by a few. The many, the all too many, constitute as the mere mass the
medium for the charismatic Ieader. They become mere followers. Their function is
limited to acclaiming and following the Ieader. With this, of course, the problern of
the bases of law and Iegitimation takes on a different form.
As long as the problern was referred to the values and interests of the indeter-
minate individual, it was not definite what importance these values had for practical
politics and, therefore, for the creation of law in the present day. This reference
contained an expedient possibility: The postulated struggle of a1l against all could
have been solved by the now materially understood equal treatment of each and
everyone. This referenpe takes on a completely different development when politics
becomes a matter of a few. Then namely, the conviction that allmaterial criteria of
politics are a matter of faith, means that from now on the Ieaders have no other
task than to Iook for a following for a faith and to convert this into a deed, a faith
for which lastly there is no rational fundament, which, therefore, evades all cri-
tique. Political theory thus proclaims, there can be no doubt about this, a princi-
pally boundless totalitarianism. With some justification, therefore, it has been
charged with the political consequences. 43 Weber had to put up with the accusa-
tion of having paved the way for National Socialism. This accusation has, however,
been exposed to a formidable misunderstanding. 44 It has been interpreted as a
moral question, as if what mattered were the moral qualities of Weber's Weltan-
schauung. There is system in the moral pervertion of this accusation. lt is in the
interests of the actual aims of this analysis to go into this matter further. For, if
anything at all, I am trying to prove by this that the sciences of Law and politics
deal in the first place not with morality but with logical judgements, in the widest
sense of the word.
1t is the consequence of an argumentation which is accustomed to ascribing the
development of thought to the heroes of metaphysics, which now even in politics,
Iooks for those from whose thinking the incriminating practice could have arisen.
The question which poses itself under such a premise, is: Was Weber a pupil of
Nietzsche, Carl Schmitt a pupil of Weber? In this way one hopes to discover the ori-
Believing - Evaluating - Knowing 63

gins of catastrophies, as far as they aretobe found at all in the realm of theory.
The sins are avenged on the pupils unto the third and fourth generations. The accu-
sation is, therefore, not only aimed at Weber. Hegeland the adepts of his dialectic
are also accused of all totalitarian systems. Durkheim had to posthumously carry
the responsibility for Auschwitz. And 'Kelsen, mainly considered a relentless adver-
sary of Weber, is likewise accused of having held the stirrup for National Socialism.
This method is more than problematic. The part of thinking in the catastrophies
of history becomes merely a private error of one individual or the other, at the
most a delusion of a generation. Intellectual shortsightedness, but more often still,
an immorality on the level of intellectual activity, are the reasons offered for this.
In other words, one acts as if the only question at stake is that thought should be
honorable. As long as insight into the logical premises of Weltanschauung is lacking,
it is difficult to argue against this view. Morality steps into the gap which thought is
incapable of closing. Under these conditions it is only reasonable to view the
"predicament of the law at the time" in the oblivion or negation of absolute
values. 45
The previous considerations have presented another picture: Legaland political
theories, as any other theories, are bound to the underlying structure of logic. lt is
the structure of logic which determines the core of argumentation, before know-
ledge, sagacity, idiosyncrasies or whatever else at the disposal of the theorist, might
shape the details of his doctrine. Political theories can, for this very reason, have
consequences, which arenot identical with the intentions of the author. They can
even be exactly opposed to the verbal utterences. The structure of the logic of a
system proves itself to be stronger than the mere verbal precautions against its
unwanted consequences. This is exactly the point at issue: One must be aware that
political events on the stage of world history, in any case up until now, did not
occur contrary to all reasons, or that which was considered to be reason, but have
always been in strict harmony with this. Weber's personalistic logic demands a lea-
der. And Weber did not hesitate to take the consequences. It was always the charis-
matic leader who had formed world history. It had tobe all the moresuch leaders
who shaped history, after one had become aware that it was the faith of man in
hirnself which determined it. lf, under the present conditions, any form of domina-
tion had the prospect of being considered legitimate then it was the charismatic.
It has occasionally been objected that the type of leader Weber had in mind was
not identical with that which, not long after, was brought forth by Fascism. With-
out question, one can rest assured that Weber would have passionately opposed an
ideology of leadership as propagated by the fascists. Weber had already wanted to
take precautions, even for the "Reichspräsident", against an eventual breach of con-
stitution, and to face him always with the threat of the gallows. 46 Apart from the
question of whether reliance on this deterrent could be at all effective, if one thinks
in political categories of "leaders ~nd followers", the sole crucial matter, even here,
is in how far later events developed in accordance with the logic of political theory.
In so far there can be no doubt about the answer. Even here the actual events are
64 Guenter Dux

extremely close to theory. In order to make this obvious one only needs to ask
after its consequences. These are unequivocal: The ideology of Totalitarianism,
which was initiated by referring the leader to ultimate value-decisions, opened up
all sorts of possibilities for ideological accoutrements. Thus, there existed a speci-
fic affinity to a naturalistic-biologistic version. 47 Ultimate values, which fulfill that
function, which Weber accredited them with, namely as the organizing factor of the
life of man, do not exist. Where ever, despite this, ultimate values arestill main-
tained, ideological substitutes have tobe found for them. And exactly these are
often all too easily ofthat crude biologistic kind with which we are already
acquainted from the past. A recapitulation of the logic of decisions, as it appeared
in Weber's theory, will bring this into the open.
The aim of winning decisions from a single superior value which had to be estab-
lished before hand was, as we have seen, the result of the development of a mille-
nium old logic. 1t was the continuation of this logic under the requirements of the
present day. This continuation got into difficulties. Since the Greeks the unity of
reality, be it as a whole or one of its special fields, was formed by a pyramid of ever
ascending conceptuality. The class of the next highest concepts left behind it the
particuliarities of the lower concepts. This logic was supported by the notion that
the universal possessed the capability of singleing out the concrete. Since due to the
emanitive structure of argumentation everything which becomes the object of
attention, is reified and presents itself as an object, the general concepts are ren-
dered independent. As universals they become special particuliarities beside and
above the more concrete. This was to give logic some trouble as it was not obvious
how these reified universals were connected with the more concrete particuliari-
ties beneath them. Even within the cognitive process it was not discernable how the
retrocession from the superior concepts to those which it had surpassed was to be
accomplished. For the superior concepts had forfeited precisely that concreteness
which characterized the others. 48 Hegel, therefore, missed no opportunity of vehe-
mently opposing the notion of a void absolute. The truth was concrete. Thus abso-
lutistic logic reached a consciousness, which threatened its own validity. For, if the
concrete had its origins asever in the absolute, insight into the absolute was first
possible through recognition of the concrete. A realization, however, which for the
time being was bound to maintain the relation between the two. The absolute is,
therefore, always that which the concrete (to which the absolute has formed
itself) presents it as.
The notion of deducing something alone from a superior principle, had already
been surmounted in the Hegelian dialectic. Today, more than ever, we have occa-
sion not to forget that general statements only have, in effect, their appointed func-
tion in an order if by their designation the subordinate facts are not lost, but
retained. This observation is likewise true for the principle of a personal way of life.
lt destroys the attempt of looking for this principle in an ultimate value-decision
and of wanting to arrange ones own biography in accordance with this principle. An
ultimate decision such as Weber was searching for, a decision that is which could
Believing- Evaluating- Knowing 65

function as the integrating ap~x of numerous others, is only possible, if the nume-
rous individual decisions already exist and are known. Admittedly, the evaluation
of every single one of these already known facts is not left untouched by this trans-
position into generality, but this allegedly superior decision does not serve the pur-
pose Weber required of it: That of establishing the subordinate system. The reliance
of the superior decision on every single concrete one, therefore, fails as a behaviou-
rial determinant of the continual decisions of everyday life. Decisions gain their
significance precisely by the fact that they evolve from new Situations and open up
new possibilities. If subsequently the superior value of action is always determina-
ted by the concrete values, then,at the moment of decisions, so many superior
values of action and life are at stake as there are - dependent on the quality of the
moment - possibilities of action. Every new situation changes, in other words, the
system and with it the integrative formula by which it is generally expressed. One
can not, therefore, check the destruction of superior values of life, not even by refe-
rence to the fact that by all decisions the same subjectivity brings itself to bear.
For the subjectivity of man principally changes with every new situation. For the
subjectivity of man is characterized by the "categorical subjunctive" 49 , i.e . within
the scope of its subjectivity, and only this is ever involved in a decision, man is con-
stitutionally required to first determine what he wants tobe. The subjectivity of
man is persistently misunderstood if one interprets that "become, what you are" as
an order to live according to an established principle.
What, therefore, is the consequence when, despite the impossiblity of deducing
life from ultimate value-decisions, theory nevertheless adheres to them? Into the
gap between theory and the lack of explanation jumps a vitalistic conception of life
and the will to live - the sole conception that does not seem to need an explana-
tion. Weber, too, resorted to this. As the "ultimate never failing value remains the
living to the full of ones own personality". 50 One must accept this residual category
as it is meant The reference is to a vitalistic level of existence, an unquestionable
will to live, that knows and needs nothing else than this vital dynamic. Every inter-
pretation which leaves this sphere of vitality would bereave this value of its residual
function and retrocede to the old problematic. For if one transcends this vitality, it
is not discernable what is meant by "living to the full". By a personal decision the
concern is always that which is fitting for the own peronality. Weber kept this vita-
lism in mind, so to say, only as a reserve for a case of necessity. In reality it was the
almost inevitable consequence. Of course this consequence is not limited to the
individuallevel. Even peoples and nations, so this doctrine, live in accordance with
"ultimate values". However these values might be adorned for the individuality of a
people or a nation, this is not our interest, political theory had in so far also paved
the way for the possibility of a biological version. 51
It may still be permissable to charge the outcome of a dictatorship to Weber's
political theory. For, it simply cannot be overlooked that a theorist who thinks in
terms of Ieaders and followers, at least considerably increases the risk of a dictator-
ship. To ascribe, however, Weber's theory with an affinity to such a brutal primitive
66 GuenterDux

ideology asthat of 'blood and soll', seems, so one might object, tobe going too
far. One can rest assured that Weber would have been the last to have had even a
twinkling of sympathy for it. But this is precisely my intention, to emphasize it yet
again, to demonstrate the discrepancy between that which someone declares as his
personal political point of view and that which arises as a consequence of the inhe-
rent logic of his theory. Due to this discrepancy Dieter Henrich's attempt at exon-
eration had to miscarry.
Weber, as we have seen, deduced cognitive and normative systems from a supe-
rior value. Since no agreement about ultimate values is to be reached, in any case
not in a rational way, the inevitable consequence is an unlimited value-relativity.
Reason, whatever may be meant by that, can only play a secondary role. lt is by
nature an instrumental reason.lt is always at the command of previous value-deci-
sions, it is always, therefore, subject to basically irrational ends. Contrary to this
Henrich states: "In ethics and methodology, so it will be proved, the pragmatic
interpretation of Max Weber is incorrect. Reason is here not understood as a func-
tion in life, but what is postulated is to live a life ruled by reason. " 52 This defence,
however, does not hit upon the core of interest. It is not a question of Weber being
obsessed by the idea of being obligated to a rational way ofJife. According to his
opinion this was the distinctive aspect of humanity. That, however, did not cause
Weber to even slightly readjust his supposition, that it is ultimate value-decisions
which determine the respective attitudes in life. Even the principal decision to live
in accordance with rationality is as he always emphasized, an evaluating one and is,
therefore, in the last instance, irrational. 1t is certainly possible to discern a hidden
contradiction behind these statements. There can be no doubt, however, that We-
ber saw reason and rationality as merely formalmeans at the service of purely sub-
jective principles. Reason and rationality had to be contented with second place.
They first come into consideration after the decisions, which determine their con-
tent and direction have been made. The consequence linked with this is just as
obvious as it is peremtory. Sub specie of public life an unlimited relativism is pro-
claimed. lt is certainly no "simple relativism" as Henrich argues. 53 It is an
extremely qualified relativism: exactly that, produced as the result of a strictly
maintained absolutism. It is precisely that with which I am dealing. Nothing
more is left than the maxime to be determinedly consistent. The content becomes
completely negligible. 54 Under these circumstances, however, the postulate of lead-
ing a sensible life experiences a qualitative turn. One can still maintain that the life
of an individual is subjected to reason. Under the arbitrariness of the material postu-
lates, the ratio becomes an incamate principle of irrationality. Politically, therefore,
to repeat it once more, the way is paved for totalitarianism. That Weber's own
expressedly confessed positionwas opposed to this, is here of no matter.
Believing - Evaluating - Knowing 67

11. Equality and the Destruction of Law

Wherever the domination of man over the social order came into sight, the problern
of equality arose as a consequence. Modern times was not to rid itself of this pro-
blem. For this reason a ghost had already been evoked by Hobbes. The threat of a
struggle of all against all. Certainly, at all times this danger was more theoretical
than practical. 55 For the real consequence of a strictly formal proposition of equa-
lity not only left the established order untouched, it cemented the system with its
own creed. The proclamation of the proposition of an only formal equality signi-
fied the surrender of the social order to those who held power, to aid their beliefs
and their gods to victory. On this statement agreement reigned. And naturally We-
ber had also seen this consequence. This has already been indicated.
The postulate of equality as a means and method to assure inequality was not
alarming to Weber, because he looked upon this sort of equality as occurring
beyond the sphere of law; while law itself was characterized precisely by the fact
that the precept of equality was strictly executed. Wehave already seen, however,
that the impending fight over the law by the onslaught of the material postulates
changed the situation, even when viewed through the eyes of Weber. For before
long, that had tobe valid for law which Weber hirnself had already ascertained for
politics: The recognition of the pure facticity of power. Even legitimacy can, under
these premises, have no other significance. If nothing can be dicerned than the
final decisions of faith and the struggle for their validity, then he who knows how to
stand his own ground and to assert hirnself is legitimated to do so. Theoretically,
that means the total destruction of law and its legitimacy. For, whatever up until
then may have been claimed as law, on one thing all were agreed, that it was ele-
vated beyond the mere facticity of power. Thus a renewed praemium is practically
placed on the established power in society. Certainly, revolutionary changes of the
established system can also be legitimized by this method. For the time being, how-
ever, those who hold power have the last say. And one is well advised to secure
their cooperation.
Weber's interpretation of law contained an aspect, to which hitherto little atten-
tion has been paid, which due to its inherent structure could have served as a
remedy. The justice-value of law is based, as we have seen, even according to Weber,
to such an extent on the principle of equality that all inequality was considered to
be beyond the sphere of law. If that is correct and if this value wastobe main-
tained, then there was only one way out: To substitute the principle of merely for-
mal equality with that of material equality. lt is possible that this is the reason for
that measure of sympathy which Weber nurtured, purely ad valorem, after the No-
vember Revolution for the socialist ideas. 56 But naturally, theoretically little
would have been gained by this assessment. For even the decision in favour of mate-
rial equality would have been one amongst indeterminate many, similarly valid deci-
sions. But with this the old whirlwind would have brewed up from anew. Systems
68 Guenter Dux

of logic can be harsh. Exactly that is why one has to become aware that those con-
sequences, with which I am dealing, must be understood through their underlying
logic. And only by insight into its development can one rid oneself of it.
Weber plays, due to the rigorous trimsfer of reality to the empirical subject, an
essential part in this development. For, with the same rigorousness with which he
tried to emphasize this approach to reality the consequence became obvious: the
absolutistic logic can no Ionger be upheld by the role of the empirical subject. How
fictive this logic had become in the meantime, is demonstrated more easily still by
an antipode of Weber's concept of law, by Kelsen's Pure Theory of Law and the
heart of its logic: the basic norm.

12. The Logic of the BasicNorm (Excursus)

The emanative nature of absolutisticallogic requires that only similar phenomena


be placed in a sequence. The effect cannot be different from the cause and vice
verse. Weber, according to old tradition, made the act and the norm converge in the
subject. As demonstrated above the goal of action, resulting from a decision was
transformed into a "norm" for the actor. 57 He was, therefore, long suspected of
having been guilty of a metabasis, that of having based the norm on an act of pure
facticity. The logic of the schema requires that a norm always has its basis in yet
another norm. A purely normative analysis compels every norm, therefore, to have
exclusively and finally its basis in a basic norm. 58
Precisely this attempt, to base law on a basic norm and through this to legitimize
law was undertaken by Kelsen. 59 The cardinal question is naturally, where does
this basic norm come from? Kelsen placed it on a transeendental Ievel. He explicitly
took Kant as his model:

"Just as Kant asks, how is it possible to interpret uninfluenced by metaphysics, the facts as
they present themselves to our senses into the formulated naturallaws of the natural sciences;
so the Pure Theory of Law asks how is it possible to interpret the subjective meaning of certain
facts as a system of written valid legal norms, without basing the interpretations on a meta-legal
authority such as God or nature. 60

Ofthis comparison only one thing is correct: The desire to arrive at a foundation of
the system. Otherwise, this argument has nothing eise in common with Kant's cri-
tique. Kant searched for the principles prior to all experience, by which experience
becomes at all possible. In comparison Kelsen by no means searches for the prin-
ciples prior to all normativity which enable its constitution. But rather he has in
mind (as will soon be demonstrated more closely) specific norms for specific legal
orders.
Kelsen's theory is at first exposed to the same questions as are all other
attempts to find the origin of Law in an absolute and to deduce from this the legiti-
Believing - Evaluating - Knowing 69

mation of law. What purpose does it serve? Can the norm achieve the service that
Kelsen attributes it with, namely that of the creation of at least a formallegitima-
tion ofthelegal norms? The task of legitimation is always to justify a concrete legal
norm or a concrete legal order. It does not matter if one seeks legitimation by mate-
rial postulates or on the strength of a formal process. Even when one conceives the
legitimizing norm purely as a provision of jurisdiction, that which has to be legiti-
mized is the specific jurisdiction for a specific authority. That implies, however,
that the basic norm must have already embraced the concrete legal system. Conse-
quently, the content of this norm can, each time, only be recognized and revealed
out of the concrete order. Even for this normthat is applicable, which was general-
ly ascertained of the absolutisticallogic: The argumentation is only verbally
derived from the absolute. In effect the procedure is the reverse. It is, therefore, out
of the question that the basic norm is given a priori as are the Kantian forms of per-
ception and his categories. If, however, we try to grasp reality, we add the basic
norm a posteriori. The system of law, converging in the constitution, is asked what,
under consideration of all its prescriptions, the basic norm is, so that this constitu-
tion is not only factually but also logically valid. The single function of the basic
norm is, therefore, to satisfy an intellectual need of not only wanting to be logical
but also of incurring a self-presentation of logic. 61
In effect this mode of thought needs a fixed point of departure or else it
becomes itself incomprehensible. Kelsen has named this point. Nothingelse is to be
expected on the basis of this explanatory schema.
The effort to determine a basic norm could be discarded as an inevitable set
exercise of a sufficiently known system of thought were not the basic norm as ever
before accredited with the function of delivering the reason of validity for a legal
order and in so far of legitimized norms subordinate to it. We know that exactly
this has been the, so to say, natural obligation of the all embracing absolute origin.
This, however, was connected with a specific premise: Where ever the schema of an
absolute origin established itself, it was only able to play its role as an "explicans"
because it had been ascribed an immanent strength which somehow or other deter-
mines the subordinate being. The plausibility lay in the subjectivity of the absolute.
Precisely for this reason the recourse to the absolute only fulfills the function of
legitimation, as long as it can be viewed as the real impetus of all that which is. For
then the reason why this is and not that lies simply at the "volition" of those to
whom concrete reality was already accredited. This quality, however, is completely
lacking by the basic norm. The basic norm delivers only the concise concept of
that, which others have done without it. It cannot offer any explanation of the
legal order. Consequently, such a norm is without any legitimizing power. At the
best, it is the norm which is legitimized and not vice versa. Exactly, this, the total
powerlessness of the basic norm (nota bene: precisely as a theoretical figurein the
system of the Pure Theory of Law, its incapability to explain neither the individual
nor the unity, as a whole) led Carl Schmitt in his critique of Kelsen to substitute on
his part the basic norm with the decision of the subject. With the superiority of one
70 Guenter Dux

who has assured hirnself of the true logic of the underlying schema, he insisted that
the legal order can only be unified in the subject.62 That even this premise was no
Ionger existent and that the schema could not be held in the person of temporal
potentates, was his own error.
Kelsen knew, as well as we, that a basic norm has, in a traditional sense, no legiti-
mizing power, that the argumentation takes in reality rather the reverse course:
Only under the condition that the theoretically subordinate order is valid, is the
basic norm valid. The only problern which concerns Kelsen is to determine how
normative orders aretobe augmented, in ordertobe complete as systems. He,
therefore, states:

"The basic norm established by the Pure Theory of Law as a pre-requisite of the objective vali-
dity of law, constitutes, however, the validity of every positive legal order, that is every more or
less effective order of constraint set up by an human act ... and precisely in its concept of the
basic norm, the pure theory of law proves itself to be a positivistic one. ,,6 3

If, inspite of knowing that law depends on the individual decisions anp not on the
basic norm, Kelsen enjoys establishing the Pure Theory of Law as a positivistic one,
then for the reason that otherwise alllogic threatens to elude him. This, and
nothing else, is the reason why he maintains a premise for which the socio-historical
pre-requisites no longer exist: One already knows what law is and what one is
obliged to consider as law and assigns it with a legitimizing reason of being. By this
endeavour every question as to the validity of law is exhausted. There is no room in
this system for any other question. It was never capable of achieving anything else
than the monotone explanation that there is a general normofthat which states
that it also ought to be.
All his life Kelsen was convinced of the prolific value of the logic of his system.
What he did not realize, was that the problern lies precisely in the continuation of
this apparently self-evident logic. This logic compels thought to a positivism of law.
For according to it the theory of law has no other task, than to augment what is
under the guise of a deductive system. Thus once again the initially proposed pro-
position is confirmed: lt is not the lack of absolute values which has led to the
abandonment of all claims of justice. lt is much more the notion of being obligated
to absolute positions, which destroys the concept of law and thus enables reality to
have a clear intellectual conscience. The much discussed legal predicament of the
time fies precisely in that which was acclaimed everywhere as its eure, in the repu-
diation of thought in favour of absolutistic bastions.
The pure theory of law has been exposed to profuse, to some extent ingenious,
critique. 64 It is decisive to comprehend the core of the contradiction. The logic to
which Kelsen's thinking adheres has become obsolete. The resort to a basic norm
has no explicative value whatsoever for the subordinate norms. - It cannot, how-
ever, simple be disregarded. For the basic norm isotates the concept of law from the
determination of the functional relationship in which law is formed, endures and
Believing - Evaluating - Knowing 71

develops. lt is the continuation of this logic, by which this concept of law, keeping
in mind its logical premises, is compelled to declare itself positivistic.
The proof that it is the logic itself which prescribes the central core of philoso-
phical systems, even those of political theory, lends history a natural-historical trait.
That is all the more the case if it is true that the progression of logic cannot other-
wise occur than by its articulation in the various stages of its·development. This:
articulation took place hitherto unaware of the necessity of presenting it in tran-
situ. However the factor of constraint in history may appear to be, to present it and
guard it against misinterpretation would need more extensive deliberation than is
here possible. So much is certain, the reproach, if it is one at all, cannot be meant
morally. Thus we come back to the question of responsibility for Auschwitz. No
one can be accused of the mainly unpredictable consequences, which arise from
nothing more than the fact, that he is a: contemporary, thinks what fundamentally
all think, only more consciously and articulated than others. If the diagnosis is cor-
rect, that the dilemma of each of these theories, easily depricated today as positi-
vistic or decisionistic, is generated by the underlying structures of thought, the
moral undertone can be discarded. The problematic is thus sought here, where it
has its origins: In the antinomies which have arisen during the history of thought.
Admittedly, here arealso intellectual short sightedness and ideological blindness at
work. As a rule, however, they can pride themselves of a clear conscience. For they
know themselves to be in harmony with that which hitherto was considered to be
the truth and law. Conseq uently, against a determinedly historical analysis the apolo-
gies which were offered in reaction to the reproaches also grow pale. Kelsen's
theory cannot be guarded against critique by the indication that apart from the
scientific approach to legal theory he, by no means denies an evaluation of the legal
theory .65 The "reproach" aimed exactly at placing the gauges of value outside of
theory and, therefore, the valuation itself, as likewise the law, were open to any
usurpation. No one asks after Neokantian systems any more. Positivism and decisio-
nistic method have fallen into disrepute. Weber's differentiation between a purely
factual and a purely normative, juristical view is admittedly no Ionger so rigorously
defended as before. On the Continent, however, Kelsen's legal theory, according to
several philosophers of law, is on the march. 66 And the question as to what ought
to be, still remains according to the preponderate self interpretation of sociology,
beyond its competence. This fact should cause some reflection. One would expect
that the insight in the social sciences that the ought is also determined by the social
system would Iead to including even normativity in the canon of the cognitive inter-
ests. If the social sciences are, however, not prepared to take this consequence,
then because, although the contradictions of the hitherto argumentation have
become clear, their actual cause has not, or at least very vaguely: The development
of the explicative matrix ofthat which explanation or interpretation signifies. For
this reason that occurs which could long be observed in the philosophy of law: The
schools of philosophy change, the problems, however, bring themselves to bear in a
new guise, again and again.
72 Guenter Dux

Notes

1 It is questionable what eise is tobe considered as within the scope ofWeber's sociology of
law.
Cf. J. Winckelmann, Max Webers Rechtssoziologie, in: Webers Rechtssoziologie, Neu-
wied 1960, p. 15 seq.; Max Rheinstein (Ed.), Max Weber on Law in Economy and Society,
Cambridge (Mass.) 3/1969.
2 S. Carl Mayer, Die Marx-Interpretation von Max Weber, Soziale Welt 1974, p. 265 seq.
3 Cf. my article: Gegenstand und Methode, in: Sachlichkeit, Festschrift zum 80. Geburtstag
von H. Plessner, Cologne 1973, p. 187 seq.
4 Max Weber, Die "Objektivität" sozialwissenschaftlicher und sozialpolitischer Erkenntnis, in:
Gesammelte Aufsätze zur Wissenschaftslehre (WL) Tübingen 3/1968, p. 154.
I do not share the opinion of Henrich that Weber had separated the methodology of science
from the epistemological context.
D. Henrich, Die Einheit der Wissenschaftslehre, pp. 15, 35.
5 M. Weber, Die "Objektivität", WL p. 181.
6 M. Weber, Die "Objektivität", WL p. 175 seq.
7 D. Henrich, Die Einheit der Wissenschaftslehre, pp. 14, 19.
8 M. Weber, R. Stammlers "Überwindung", WL, pp. 357, 330.
9 D. Henrich, Die Einheit der Wissenschaftslehre, p. 12.
10 Cf. Leo Strauss, Naturrecht und Geschichte, p. 79 seq.
11 Weber is hereby for the most part in keeping with H. Rickert, I<:ulturwissenschaft und Na-
turwissenschaft, pp. 32 seq., 54 passim.
12 M. Weber, Roseher und Knies und die logischen Probleme der historischen Nationalökono-
mie, WL p. 1 seq. (107).
13 Cf. P. W"mch, Die Idee der Sozialwissenschaft, Frankfurt 1966, p. 148 seq.
14 M. Weber, Wirtschaft und Gesellschaft, Cologne 1964, 1, 1, 1, p. 3.
15 M. Weber, R. Stammlers "Überwindung" der materialistischen Geschichtsauffassung, WL,
p. 329.
16 M. Weber, R. Stammlers "Überwindung", WL, p. 339.
17 M. Weber, Nachtrag zu dem Aufsatz über R. Stammlers "Überwindung" der materialisti-
schen Geschichtsauffassung, WL, p. 381.
It is incomprehensible how one can overlook this crucial content of the Neokantian theory
and reduce this to the simple differentiation between the being and the ought, as is to be
found in the everyday comprehension of these concepts. This is, however, the intent of R.
Hauser, Norm, Recht und Staat, p. 160.
It does not occur to anyone to contest the mere differentiation between the being and the
ought. One can, therefore, claim that this differentiation is reflected in the empirical reality.
If one, however, states the sameofthat antagonism which the Neckantians and above all
Weberand Kelsen meant, then one is simply making oneself epistemologically ignorant.
18 G. Simmel, Einleitung in die Moralwissenschaft (892/93), Stuttgart 1904, p. 12 seq.
19 H. Kelsen, Reine Rechtslehre, Vienna 2/1960, p. S.
20 This common inference is alsotobe found by G. Radbruch, Rechtsphilosophie, Stuttgart
6/1956, p. 100.
21 The same doubt in the evidence of the postulates arises if one tries to ascertain what is
meant by something "follows" from something else. One cannot contest that it is meaning-
ful to claim that: From a certain situation there follows a certain consequence for someone.
This can be said even of a purely natural event. Thus the consequence of a thunderstorm for
someone can be that he forbears an urgent purchase. One may object that it is not meant in
this sense. For, in this case the consequence is entirely at the will of the person concerned.
But how is it when someone takes the consequences of a social situation, for instance, when
a pupilleaves school after the discussion of his grades?
22 Weber explains: herein "lies the differentiation between the empirical sciences of action: of
sociology and history in comparison to all dogmatic, jurisprudence, logic, ethic and aesthe-
tic, which wish to analyse the 'correct', 'valid' meaning of their objects." Wirtschaft und
Gesellschaft 1, 1, 1, p. 4.
Believing - EJ/Qluating - Knowing 73

23 M. Weber, R. Stammlers "Überwindung", WL, p. 334; Cf. also Wirtschaft und Gesellschaft
1, 1,1, p. 4.
24 M. Weber, R. Stammlers "Überwindung", WL, p. 347.
25 M. Weber, R. Stammlers "Überwindung", WL, p. 346.
26 M. Weber, R. Stammlers "Überwindung", WL, p. 350 seq.
27 M. Weber, R. Stammlers "Überwindung", WL, p. 348.
28 F. Wieacker, Privatrechtsgeschichte der Neuzeit, Göttingen 1952, p. 341 seq.
29 M. Weber, Wirtschaft und Gesellschaft, 1, 1, S, p. 22 seq.
30 This relationship is quite similar tothat between law and ethic; cf. Wirtschaft und Gesell-
schaft, 1, 1, 1,6,p. 26.
31 M. Weber, Wirtschaft und Gesellschaft, 1, 1, 7, p. 26.
32 Obviously values mean something else for Weber than they do for Rickert. Rickert claimed
an universal validity of norms which, in the last instance, binds everyone. H. Rickert, Kul-
turwissenschaft und Naturwissenschaft, 1übingen 1928, p. 132 seq.
It has often been stated that in this point Weber did not follow Rickert. S. J. J. Schaaf, Ge-
schichte und Begriff, 1übingen 1946, p. 59.
33 M. Weber, Die protestantische Ethik, Ges. Aufsätze z. Relig. Soz. Bd. I, pp. 11, 35,61 seq.
34 M. Weber, Wirtschaft und Gesellschaft 2, S, 1, p. 317 seq.
35 ldem 2, 7, 3, p. 564 seq.
36 Weber summarized the stages of the development of law in the following manner:
"From this perspective, the formal qualities of the law emerge as follows: arising in primi-
tive legal procedure from a combination of magically conditioned formalism and irrationa-
lity conditioned by revelation, they proceed to increasingly specialized juridical and logical
rationality and systematization, passing through a stage of theoretically or patrimonially
conditioned substantive and informal expediency. Finally, they assume, at least from an
external viewpoint, an increasingly logical sublimation and deductive rigor and develop an
increasingly rational technique in procedure."
M. Weber, Wirtschaft und Gesellschaft, 2, 7, 8, p. 645. {Translation fromM. Rheinstein, l.c.
pp. 303, 304.)
37 ldem 2, 7, 2, p. 563.
According to this, the process of rationalisation bad not freed man, it bad only replaced the
constraints, to which man used to be subjected to, by new ones. Since he has escaped the
subjective powers, he is now subjected to the tragical confüct of baving indeed received the
power of disposition, but of no Ionger being able to do anything with tbis power. He is
pushed aside into a purely private sphere, where he can try to compensate the constraint of
rationalization with mere intellectualization. Cf. Wissenschaft als Beruf, WL, p. 612.
38 Cf. for instance Wirtschaft und Gesellschaft 2, 7, 2, pp. 562, 602.
39 Christian von Ferber points this out. Die Gewalt in der Politik, Stuttgart 1970, p. 81.
40 Cf. the interesting, if intellectually somewbat nebulous modell of G. A. Almond: Politische
Systeme und politischer Wandel, in: W. Zapf {Ed.), Theorien des sozialen Wandels, Cologne
1969, p. 211 seq.
41 Cf. especially Wutschaft und Gesellschaft 2, 7, 8, p. 644 seq.
42 M. Weber, Wissenschaft als Beruf, WL, p. 605.
43 W. Mommsen, Max Weber und die deutsche Politik 1890-1920, 1übingen 1959; idem, Zum
Begriff der "plebiszitären Führerdemokratie" bei Max Weber, Kölner Zeitschrift für Soziolo-
gie und Sozialpsychologie 15 {2) 1963, p. 295 seq.
44 K. Löwenstein, Max Weber als "Ahnherr" des plebiszitären Führerstaats, in: Kölner Zeit-
schrift für Soziologie und Sozialpsychologie 13, 1961, p. 258 seq.
45 It is consistent in these circumstances to dispense absolution if such confessions can some-
how or other still be proved. Cf. for instance Fritz Loos, Zur Wert- und Rechtslehre Max
Webers, 1übingen 1970, p. 111 seq.
46 Max Weber, Der Reichspräsident, Gesammelte Politische Schriften, 1übingen 1958, p. 486
seq. {487).
4 7 A brilliant analysis of the process is tobe found in H. Plessner, Die verspätete Nation, Stutt-
gart 4/1959.
Plessner emphasizes that the devaluation of the claim of consciousness to objectivity always
occurs on the background of the elevation of some other being, before which consciousness
gives way.
74 Guenter Dux

48 E. Cassirer, has already given us an extensive critique.


E. Cassirer, Substanzbegriff und Funktionsbegriff, Darmstadt 1969.
49 Forthis ingenious concept see H. Plessner, Der kategorische Konjunktiv, in: Verstehen und
Vertrauen, Festschrift flir Friedrich Bollnow zum 65. Geburtstag, Stuttgart 1968.
50 Max Weber, Die "Objektivität" sozialwissenschaftlicher und sozialpolitischer Erkenntnis, in:
WLp.152.
51 In his inaugurallecture in Freiburg, Weber attempted to substantiate his option for a deci-
sive national-state oriented political economy against all possible critique, even by reference
to the "physical and psychological qualities of race ". But here he already entertained doubts
as to social Darwinism.
M. Weber, Der Nationalstaat und die Volkswirtschaftspolitik, in: Ges. Politische Schriften,
p. 1 seq. (4 seq.)
E. Nolte goes as far as viewing the inaugurallecture in Freiburgas one of the most impor-
tant impulses for Hitler's "Mein Kampf". At the same time, however, he also emphasizes the
differences. E. Nolte, Max Weber vor dem Faschismus, in: Der Staat, 2, 1963, p. 1 seq.
52 D. Henrich, Die Einheit der Wissenschaftslehre, p. 3.
53 ldem, p. 123.
54 Henrich also seeshirnself compelled to recognize this; idem p. 129.
55 C. 8. Macpherson, Die Politische Theorie des Besitzindividualismus (1962) Frankfurt 1967,
p. 21 seq.
56 Cf. Marianne Weber, Max Weber. Ein Lebensbild. Tübingen 1926, p. 642 seq.
57 Max Weber, R. Stammlers "Überwindung" der Materialistischen Geschichtsauffassung, WL,
p. 328 seq.
58 The categorial validity ofthis statement is tobe found not only by Kelsen but also by G.
Radbruch, Rechtsphilosophie, Stuttgart 5/1956, p. 100.
59 Cf. with the following H. Kelsen, Reine Rechtslehre, Vienna 2/1960, especially p. 196 seq.
60 ldem p. 205.
61 Thus E. Adamson Hoebel, The Law of Primitive Man, Cambridge (Mass.) 1964, p. 6.
62 C. Schmitt, Politische Theologie, München 2/1934, p. 30.
63 H. Kelsen, Reine Rechtslehre, p. 224.
64 A short summary is to be found in K. Larenz, Methodenlehre der Rechtswissenschaft, Ber-
lin 1960, p. 68 seq.
65 G. Winkler, Wertbetrachtung im Recht und ihre Grenzen, Vienna 1969, p. 12.
66 A. Kaufmann, die ontologische Struktur des Rechts, p. 506.
R. Marcic, Um eine Grundlegung des Rechts, p. 514.
Teil II:

Liturgies and Lies*

Roy A. Rappaport

This essay is concerned with the lie in evolution and the evolution of the lie. Lie
willlead to liturgy and to sanctity, and we shall be concerned as much with them as
with lying. Ordinary lies and their relationship to sanctity will be considered first,
and then we shall proceed to the rituals in which sanctity is grounded and out of
which it may have emerged, attending largely to liturgical form and performance
and tauehing only lightly on what their symbols may represent. Discussion of ritual
and sanctity will make it possible to identify forms bearing a family resemblance to
ordinary lies. I designate them vedic lies, lies of oppression, diabolic lies and idola-
try.

I.

I use the term "ordinary He" to refer to the willful transmission of information
known by the transmitter to be false. Lying is often associated with deceit, but
deceit seems to be more general in scope. "Deceit" implies, I think, an intention to
mislead to the disadvantage of the misled. Both terms imply intention, but the defi-
ning intention of He is related to the signal transinitted, that of deceit to the effect
upon, or more specifically to the response of, the receiver. It may be that lies are
usually deceitful and that deceit often employs lies, but some lies, like telling a
dying man that he will be well, may not be deceitful and deceitful acts may be
other than lies in a strict sense. The horse that the Greeks left for the Trojans was
not a lie, but it was the central element in what seems a rather implausible deceit.
There are problems with these simple definitions, or rather characterizations, of lie
and deceit but they are sufficient for our purposes.
Lying seems largely a human problem, but deceit may be more widespread. At
least there are phenomena of considerable importance throughout the animal world
that do share characteristics with deceitfulness: mimicry, bluff, camouflage, broken
wing behaviour, playing possum. But intentionality is lacking from some of these
phenomena, and besides, the intention to mislead may not be sufficient to identifiy

* This paper was prepared for the symposium "Lying and Deceit", Mary Douglas, Convenor,
held at Cumberland Lodge, Egham, February 22-24, 1974, under the jointsponsorship of
The Royal Anthropological Institute and The King George VI and Queen Elizabeth Pounda-
tion of St. Catherine's.
76 Roy A. Rappoport

deceitfulness. There are contexts in which it is acceptable to mislead. For instance,


a feint in fighting or a trap in chess are not considered deceitful, and perhaps implic-
it to the notion of deceit isarelationship of trust which deceit then violates. It
may be significant that aside from bluffing the sorts of instances that I have noted
among animals are generally employed by members of one species to mislead mem-
bers of others with whom they do not share a communication code and with whom
they certainly don't stand in a relationship of trust. Be this as it may, even if deceit
is more widespread than lying, and even if lying is not always deceitful, lying
expands the possibilities for deceit enormously.
The contention that lying is largely a human problern is not novel. Hobbes
(1930: 31 ff., 164 ff.) said as much, and so in this century has Buber (1952: 7).
More recently Hockett and Altmann ( 1968) have added the ability to prevaricate to
Hockett's earlier list of the "design features" of human language. Thorpe, an eth-
nologist, in a discussion of Hockett and Altmann, observes that this ability is " highly
characteristic of the human species and is hardly found at all in animals ( 1972 :33)".
Thorpe's qualification should be noted, for there do seem to be some well attested
cases of animals lying or doing something very much like it. A non-domesticated
adolescent male chimpanzee called Figans by the researchers at the Gombe research
station in Tanzania was oberserved to do something that might well qualify. It was
the practice of the ethologists to leave bananas in a certain clearing to attract the
animals for observation. Expectably, highranking adult males dominated the assem-
blages and appropriated most of the fruit for themselves. Now when chimpanzees
have been at rest, if one gets up and leaves briskly others are likely to follow him,
perhaps because he is assumed to have seen or heard something. On a number of
occasions Figans led the group away from the feeding area in such a manner,
coming back quietly and alone a short while later to gorge hirnself in solitude. Van
Lawick-Goodall states "quite obviously he was doing it deliberately (1971: 96)".
Margaritha Thumdahl (personal communication) who watched Figans on other
occasions suggests that his guile was even more elaborate. He would act as if he had
heard something and then would dash off vocalizing, thus stimulating others to
vocalize as well, and he would return under the cover of the commotion.
We can admire Figans' ingenuity, but our very admiration is a recognition of
how exceptional is such intelligence even among the apes. And our admiration also
recognizes how awkward and difficult is such lying, which relies upon physical
action, and how few must be the occasions in which it is possible. It is not surpris-
ing that even for apes for whom lying is evidently possible it is uncommon. But for
many, indeed, most other species lying may be non-existant because of a certain
familiar feature of animal signalling recently characterized by J. C. Marshall (1970:
234), a linguist, as follows:

The most striking differences between animal signs and language behaviour are to be found,
then, in the rigid, stereotyped nature of the former and in fact that they are under the control
of independantly specif'Jable external stimuli and internal motivational states.
Liturgies and Lies 77

In other words, given a particular state of affairs, internal or external, a particular


signal will be transmitted because the signal is related to the event in roughly the
same way that a nimbus on the horizon is related to forthcoming rain. The rustling
of the peacock's fan, this is to say, is as intrinsic to hissexual arousal as his tumes-
cence. It is a perceptible aspect of an event indicating to the observer the occur-
rence of other non-perceptible aspects of the same event. It is a simple sign (In
Pierce's terms "index". 1960: Vol. II, p. 143 ff.), ofthat event. In contrast, linguis-
tic signals are not intrinsic, but only conventionally related, to their significata.
They are, to follow Pierce (1960: Vol. II, p. 143 f.) and a usage widespread in Ame-
rican anthropology, symbolic.
The advantages of symbolic communication are so enormous that some anthro-
pologists (White 1949: 22 ff.) have claimed that its emergence in evolution can be
compared in importance and novelty only to the appearance of life. Symbolic sig-
nals can be transmitted in the absence of their referents and therefore discourse can
excape from the here and now into the past, the future, the distant and the hypo-
thetical. The scope of thought and action is increased by magnitudes and dimen-
sions by the use of the symbol, but the problern with which we are concerned is
intrinsic to its very virtues. When a signal can be transmitted in the absence of its
referent or when, conversely, an event can occur without ineluctably signalling
itself, lying becomes possible. It may be noted that the criterion of intentionality is
implicit here. When communication is symbolic transmission is no Ionger "under
the control of external stimuli and internal state", no Ionger under the control of
that which it signifies. It is, rather, subject to a higher order control to which
choices are available, and choice irnplies intention.
It is no doubt the case that Marshall (as others before him have done) overdraws
the distinction between the communication of animals and of men if "animal signs"
are taken tobe found only among animals and "symbolic communication" only
among humans. Men continue to communicate through "animal signs" (Bateson
l972a: 177 ff.), and there seems to be some symbol use by animals other than man,
even some animals not taught symbols by men, and, as we have noted, some instances
of what might be lying has been observed among them. The point is that lies are
the bastardoffspring of symbols. While there may be some use of symbols by non-
human animals, the reliance of humans upon symbols surpasses by magnitudes any
rudimentary use of symbols by other species, and therefore lying is essentially a
human problem.
I take this problern to be fundamental. The survival of any population of animals
depends upon social interactions characterized by some minimum degree of orderli-
ness, but orderliness depends upon reliable communication. If the recipients of mes-
sages are not willing to accept the messages they receive as sufficiently reliable to
inform their actions, their responses are likely to tend towards randomness,
becoming increasingly less predictable, leading to yet more random responses, red uc-
ing orderliness yet further. When the communication system can accommodate lies
it becomes a problern to assure the recipients of messages that the informtion that
they receive is sufficiently reliable to act upon.
78 Roy A. Rappapart

Notall symbolically encoded messages are problematic, of course. Those com-


municating necessary truths or well-known and immutable facts or empiricallaws
may not present difficulties. The message that 1 + 1 = 2 does not troub1e a normal
receiver. Given the meanings assigned to the terms it would be self-contradictory to
deny this statement. Similarly, the assertion that the application of sufficient heat
to ice producesliquid water is not like1y to stimu1ate doubt. But most socially
important information is not of these kinds. A 1aw concerning heat, water, melting
points, boiling points and so on does not tell us what the temperature of a distant
lake is at this time, or whether the fish are now biting. That 1 + 1 = 2 does not teil
us how many men are coming to he1p us or how many pounds remain in the treas-
ury. Theinformation upon which men must take action is seldom concerned
direct1y with the generallaws in accordance with which systems - psychological,
biological, social, ecological, physical - operate, but rather with the contemporary
or future states of those systems. Frequently it is not feasible for the receiver to
verify such information transmitted to him; often, indeed, there is no possible way
for him to do so. For instance, among the Maring, a people among whom I lived for
a while in New Guinea, men communicate their pledge to give military assistance to
groups of which they arenot members by dancing at those groups' religious festi-
vals. (Rappaport 1968) There is no way for their hosts to verify or validate the
sincerity of or steadfastness of their pledges. How then can they rely upon them?

//.

With symbolic communication there emerges not only the posibility oflying, but
also an antidote to lie, albeit awkward and partial, namely sanctification.
Sanctity seems to emerge out of ritual, or at least it is continually reestablished
in religious ritual, but ritual is more widespread than religious belief. Indeed, the
term has been used to refer to phenomena bearing certain resemblances to religious
ritual observed not only in other species but in other phyla. Among the obvious
shared characteristics of all that is called ritual are stereotypy, material non-instru-
mentality, performance, and, possibly, emotional significance. It is also generally
accepted that among both men and animals ritual is a mode of communication.
In all ritual, both animaland human, there is transmitted what Lyons ( 1972:
71 ff.), following Abercrombie ( 1967), and Laver ( 1968) calls "indexical informa-
tion", that is, information concerning the current physiological, psychological or
social state of the transmitter. This is probably all that is transmitted in most or all
animal rituals. For instance, when one baboon presents his rump to another he is
communicating his submission, when the other mounts he is communicating his
dominance. Nothing else seems to be communicated, which is to say that the mes-
sage content of the ritual is exhausted by the indexical messages transmitted in the
ritual. But some human rituals are different. Although all human rituals have an
indexical component, and although this component is always of great importance -
Liturgiea and Liea 79

a matter to which we shall return - the message content of some human rituals is
not exhausted by the indexical messages transmitted in them. Additional messages
are embodied in the liturgy, the fixed sequence of formal acts and utterances not
encoded by the performers but merely transmitted by them. The originators or
encoders are likely to be taken to be creators, or ancestors, or spirits or ancient
heros.
The messages encoded in liturgies vary, but in some of them rather curious pro-
positions, typically without material referents, are likely tobe found. Included here
are such sentences as the Shema of the jews and those included in the Christian
creeds. In the rituals in which Maring men pledge their future military support there
are addresses to ancestors, and it is reasonable to posit as an analogous proposition
"Deceased ancestors persist as sentient and powerful beings".
Such propositions, being without material referents are not in their nature falsi-
fiable, nor can they be verified, and yet they are taken to be unquestionalbe. I take
sanctity to be the quality of unquestionableness imputed by the faithful to such
unfalsifiable propositions. This use of the term "sacred" is idiosyncratic, and restric-
ted. I use it to refer to one aspect of a more inclusive category, "the holy", that
includes not only the discursive sacred, but also the non-discursive or emotional
aspect of religious phenomena, which I call the "numinous". In my usage, "sanc-
tity" is that part of the holy that can be expressed in language and that, as it were,
faces conscious reason and discourse. Indeed, it accords with this usage to say that
sanctitiy is a characteristic or quality of discourse rather than of the objects, real or
putative, with which the discourse is concerned.
While sanctity may have its source, so to speak, in "ultimate sacred proposi-
tions", it flows to other sentences which, unlike them, do include references to
material objects and activities, sentences directly concerned with the affairs of
society. In literate societies theological exposition may sometimes be the vehicle for
transporting sanctity from ultimate sacred propositions to sentences including mate-
rial terms, but ritual association, which does not depend upon writing, is surely
more ancient and remains more widespread, and it is also - for reasons that I shall
develop- more persuasive. Be this as it may, the message "We shall help you in
warfare", transmitted by Maring men by dancing at the festivals of their friends
seemingly partakes of the truthfulness which is a property of the ultimate sacred
propositions with which it is associated. To santify messages is to certify them. This
function of sanctity remains important in the swearing of oaths.
I am not arguing that sanctity eliminates falsehood, although it may decrease its
prevalence. I do argue that santification increases the willingness of recipients of
sy.mbollically encoded messages to accept the messages they receive as sufficiently
reliable to act upon. To the extent they do so accept them their actions will tend to
be non-random, and therefore predictable. Moreover, the regularity of their responses
may bring about the state of affairs that they assume. To put it a little differ-
ently, the validity of some messages is a function of their acceptance (Bateson
19 51 : 212 ff.), and their acceptance is a function of their sanctification. As far as
80 Roy A. Rappapart

informing behavior is concerned sanctified truth is a third member of the set that
also includes the necessary truth of logic and the empirical truth of experience.
I am also not arguing that all the messages of any society have ever been directly
sanctified in ritual. I am merely claiming that the sanctification of strategic mes-
sages must have been important in the evolution of mankind, and whereas the
sacred would be literally unthinkable without symbols so the emergence of symbol-
ic communication might not have been possible without the sacred.
Like lies, the ultimate sacred propositions from which sanctity flows are made
possible by symbolic communication, by freeing the signal from that which it sig-
nifies. Thus the quality of language out of which the problern of falsehood arose
also proposed its solution through a move of astanishing - yet inevitable - bold-
ness.and profoundity. Whereas lies are made possible by the freeing of signals from
material significata, ultimate sacred propositions are made possible by the freeing of
significata from material embodiment altogether. It may be noted, in passing, that
if lying is the intentional transmission of information known by the transmitter to
be false then ultimate sacred propositions, insofar as their key terms are not mate-
rial, cannot be falsified, and therefore cannot be lies in an ordinary sense. They can
however, be faulty in ways related to lying. Weshallreturn to them later.
The emergence of sanctity may be an example of the evolutionary principle that
Hockett and Ascher (1964: 137) have called "Romer's Rule", which proposes that
the initial effect of an evolutionary change is conservative in that it makes it pos-
sible for a previously existing way of life to persist in the face of changed condi-
tions. For example, in the passage that inspired Hockett and Ascher the zoologist
Alfred Romer (1954: Vol. I, p. 43 f.) argued that through the enlargement of their
fins and other relatively minor organizational modifications of certain of their
organs, the lobe-finned fish, who were ancestral to the amphibia, became able to
migrate overland from one drying up body of water to another, and thus were able
to maintain their general aquatic way of life in the face to the intermittent dessica-
tion presumed to have characterised the Devonian period. Similarly, sanctity may
have permitted the persistence of some previously existing mode of social organiza-
tion, or even the survival of the associations of organisms termed "societies", in the
face of the threat posed to orderly sociallife by an increasing ability to lie.
The certification of questionable information is logically, and perhaps tempo-
rally, the first of sanctitiy's offices, but it is surely not the only one. Allsorts of
sentences may be sanctified, including directives specifying particular rules, such as
"thou shalt not kill", and homilies like "it is more blessed to give than to receive",
and they may also include sentences certifying authorities, like "Elizabeth is by
grace of God queen". Sanctification, this is to say, may well extend to all of the
sentences through which society is regulated. These are likely to include those in
terms of which thought and attitude are organized: the truisms of child-rearing and
kinship obligation, and all of the mythic discourse in which pangoiins unite (Doug-
las 1966: 170 f.), snakes corrupts and cassowaries are related to your brother-in-
law (Bulmer 1967) - all of the myth and classification in terms of which the world
is ordered.
Liturgies and Lies 81

First we saw the unquestionab1eness of sanctitiy certify the truthfulness of fac-


tual information, now we see it certifying the correctness of convention. Truthful-
ness and correctness are, of course, related notions, and it is of interest here that,
according to some scholars, in the Zaroastrianism of the ancient Persian empire
(Duchesne-Guillemin 1966: 26 ff.) as well as in vedic India (Brown 1972: 252 ff.)
the term rta meant both truth and order, and the word anrta may have been used
for both lie and violation of correct order. We may again cite Romer's Rule. While
the initial effect of an innovation is conservative its subsequent effects might not
be. As the terrestrial vertebrates emerged out of the genetic changes initially making
it possible for the lobe-finned fish to maintain an aquatic way of life, so sanctity,
once emerged, provided a principle upon which the great range of nove1 human
social organizations could rest. This is a matter of great importance given another
evo1utionary trend that was surely associated with the emergence of language. I
refer to the decrease in the degree to which behavior and patterns for behavior are
genetically specified. The replacement of genetic by cultural specifaction has per-
mitted men to enter and eventually to dominate the great range of environments
the world presents to them. But intrinsic to increasing flexibility is the concomi-
tant problern that men are no Ionger genetically constrained to abide by the con-
ventions of the societies in which they do happen to live. Sanctity in the absence of
genetic specification of behaviour stabilizes the conventions of partiewar societies
by certifying directives, authorities who may issue directives, and all of the mythic
discourse which connects the present to the beginning, establishing formen particu-
lar meanings from among the great range of meanings available to their genetically
unbounded imaginations.
Put a little differently, with an increasing range of cultural orders becoming
genetically possible for any human organism, possibilities for disorder increase. If
cultural orders are built upon words there is not only the possibility of false words
but also of many words, not only of lie but of babel, of overwhelming alternative.
So, if there are any words it may be necessary to establish the word. Sanctity not
only transforms the dubious into the acceptable, but the arbitrary and conventional
into what appears to be necessary and natural.

II/.

This account suggests that sanctity escapes from the confines of ritual. But sanctity
is, nevertheless, founded in ritual. Ultimate sacred propositions are central to the
rituals in which they occur, andin certain religions are seldom or never expressed
outside of them. Moreover, there is reason to believe that their unquestionable qua-
lity derives from certain characteristics of liturgy. I therefore turn now to a brief
discussion of liturgical orders. Liturgical orders, as I have said, are the more or les-
sinvariant sequences of conventional or stereotyped acts and utterances that to-
82 Roy A. Rappaport

gether from the frameworks of the events we recognize as rituals, and which, in
some instances, stipulate virtually all of the actions occurring within them. They
may, of course, extend beyond the compass of individual events. Annual rounds of ri-
tuals arenot uncommon; the ritual cycles of some New Guinea peoples, for instance,
take a decade or more to complete (Rappaport 1968). The term liturgical order, there-
fore, designates both the more or less invariant sequences of formal acts and utteran-
ces making up particular rituals and the more or less invariant seq uences of rituals that
make up ritual cycles or other series. "Order" is, I think, an especially appropriate
term because these series of events constitute orders in serveral seneses beyond the
obvious one of sequence. They arealso orders in the sense of organization or form
( synonymaus with "order" in such phrases as "social order", "political order", and
so on), and as such the constitute order, or maintain orderliness as contrasted with
disorder. They are, further, orders in that they are directives.
1t is well known that among some peoples extended liturgical sequences are
important in the regulation of political, social or ecological relations. (Brookfield
and Brown 1963, Firth 1967, Ford 1971, Meggitt 1972, Ortiz 1970, Rappapart
1968). This is to say that liturgical orders frequently, if not always, are imposed
upon the flow of events outside of ritual. Butthis is not to say that liturgical orders
"reflect" or "interpret" or "represent" in any simple way the social or physical
world. They arenot simply social orders or psychic orders played out in symbols.
Some liturgies make no reference to existing social orders or, if they do, at one and
the same time, sometimes in the self-same symbol, they may refer both to putative
entities transcending the existing social orders and to the private processes of indivi-
duals (Campbelll9 59: 461 ff., Turner 1967: 28 passim etc.). Liturgical ordersbind
together disparate entities and processes, social physical and imagined, through the
presentation of sequences of multivocalic symbols. It is this binding together, and
not what is bound together, that is peculiar to liturgical representations, I believe. A
liturgical order is meta-order, or order of orders, and if we were to characterize in a
phrase the relation of entire liturgical orders to what lies outside them we might say
that they mend over and over again worlds that are forever breaking apart. 1 Liturgi-
cal orders may include representations of social, political, physical, psychic or cos-
mic entities or pressures, but they are not in their wholeness (a wholeness implicit
in the term "order" as form or organization) simply representations of those enti-
ties or processes. Liturgical orders represent - re-present (Babcock-Abrahams 1973:
27) themselves again and again.
There is considerable range in the references gathered together and organized in
the representations of liturgical orders, as we all know. Some rituals, such as the
Mass, seem to be largely taken up with representations of cosmological entities,
although they include profound body symbolism as well. Others include more pro-
minently, representations, either mystified or explicit, of aspects of sociallife.

1 This is not to say, of course, that ritual and taboo may not distinguish and separate catego-
ries and phenornena frorn each other (see Douglas 1966).
Liturgiesand Lies 83

Rules concerning social behaviour are explicitly enunciated in some, and some litur-
gies incorporate conventional procedures for achieving conventional effects - trans-
forming young men into knights, princes into kings, infants into members of the
community, dances into committments to help in warfare, ordinary words into
oaths. Sometimes a full range of messages are encoded in a single ritual, as among
the Maring of New Guinea where the ritual that establishes truces in accordance
with conventional procedures also represents deceased ancestors as sentient power-
ful beings. But some, such as the Mass or jewish sabbath services, hardly refer to the
existing social order. They represent cosmological entities to which may be connec-
ted other rituals more intimately involved in social particulars, and from which the
latter draw their sanctity. For instance, if a king is tobe crowned in the name of
God in a coronation ritual, or if men are to swear in the name of God to tell the
truth in the rituals of the courtroom, it is necessary that the existance ofthat God
be established. This may be done in rituals, such as the Mass, which are separate
from crowning and courtrooms.
Liturgical orders seem to have, then, a hierarchical as well as sequential structure,
a hierarchical structure which may be manifested both in single rituals and in sets
of related rituals, some contingent upon others from which they derive their sanc-
tity. This is to say that the hierarchical structure of liturgy is a hierarchy of sanctity.
The fundamental or ultimate components of liturgical orders, those upon which
others are contingent and from which they derive their sanctity, are those con-
cerned with ultimate sacred propositions. Earlier it was noted that an important
characteristic of ultimate sacred propositions is that they are without material refe-
rents. Now we may add that they are likely to comprise the most invariant and per-
sistent components of liturgical orders. For instance, the shema persists in the litur-
gies of ashkenazic, sephardic, karaite (Idelsohn 1967: 31 0) beni (Strizower 1971:
13) and falasha (Leslau 1969: 124) jews despite the fact that the rest of their litur-
gies have diverged widely. The Mass persists, but many rituals which were contin-
gent upon it and which were once frequently performed seldom if ever take place
anymore - homage, fealty, exorcism.
The association of the sacred with the invariant Ieads us back to the suggestion
made earlier that sanctity emerges from certain characteristics of liturgy. There
are other features of ritual that may be significant in this regard, but it may be
proposed first that the unquestionableness definitive of sacred propositions derives
from the invariance of the liturgy in which they are expressed. Anthony F. C. Wal-
lace (1966: 234) has observed that in the light of formal information theory reli-
gious ritual - by which he means liturgy - is a very peculiar form of communica-
tion. Information in the information theoretical sense is quantitative. It can be
measured, the units being bits, a bit being that which eliminates the uncertainty
between two equally likely alternatives, roughly the answer to a yes-no question.
But to the extent that rituals unfold in invariant ways, to the extent that know-
ledgeable participants know what is coming next, no information is transmitted by
the ritual because its progress eliminates no uncertainty. Therefore, liturgy, Wallace
84 Roy A. Rappaport

proposes, is devoid of information. But to say that liturgy is devoid of information


is not to say that it is meaningless if meaning, or meaningfulness, is taken to be the
effect a message has upon a recipient's understanding of hirnself or the world. Wal-
lace asserts that the meaning of the fixed liturgy, the liturgy that has no alternative
and therefore reduces no uncertainty, is certainty. That for which no alternative is
recognized is certain. "Certain" and "unquestionable" are related notions, and the
certainty implied by invariance may be one of the foundations of unquestionable-
ness. More recently Morris Bloch ( 1973), approaching liturgical orders from a some-
what different direction, has come to rather similar conclusions but he also empha-
sizes that the expression of authority is instrinsic to invariance. His discussion fur-
ther suggests that the idea of supernatural agencies may be implied in the very act
of uttering authoritative words that the speaker did not hirnself encode. They must
obviously have a source other than himself, and this source is likely to seem extra-
ordinary simply because men subordinate themselves to it by punctiliously uttering
the words and performing the acts it has specified. Moreover, the words and acts
preserved by precision, prohibition and precaution tend to become immemorial,
implying that the source is remote from the perform er in time and perhaps space, exist-
ing in antiquity, or beyond antiquity at the beginning of time, or even out of time
and space altogether. In sum, authority and unquestionableness arealso related
notions, and authority, like certainty, is implied by the invariance of the liturgical
performance. The notion of authorities may arise out of authority, and the author-
ity of such authorities is enhanced by imputing to them extraordinary characteris-
tics. Such extraordinary characteristics may emerge naturally out of liturgical
orders and may themselves strengthen the unquestionableness of the acts and
utterances with which they are associated.
Another possible basis for unquestionableness is rather different, for it does not
reside in the formal characteristics of ritual but in certain of the immediate conse-
quences of performing at least some of them. The performance of rituals in which
ultimate sacred propositions are enunciated frequently invokes emotions in the par-
ticipants. There is considerable variety in these experiences, but what seems to be
common to them isthat they are "ineffable". That is, they cannot be described in
words. They are non-discursive.
The non-discursive or numinous effect of religious experience seems to me to
be of great importance. Inasmuch as it is an experience, and emotional rather than
discursive, it is not the sort ofthing that can possibly be falsified. Indeed, the oppo-
site seems to be the case. The validity of such an experience seems to be sufficiently
demonstrated by its mere occurence. It happens, it is felt, and it carries with it a
subjective validity which can, as Otto ( 1923) and James ( 1923) and many others
have testified, be extremely persuasive.
Since the experience is taken by the communicant to be a response to an expres-
sion of an ultimate sacred proposition, that proposition partakes of the same sense
of validity. This is to say that the subjective, affective validity of the experience is
likely to be transformed in ritual into the rational, objective truth of the proposi-
tion.
Liturgies and Lies 85

The sacred and the numinous, it may be noted, are inversions of each other. The
sacred is descursive but not material, the numinous is material but not discursive.
This remarkable relationship, in which the unfalsifiable supported by the self-vali-
dating yields the unquestionable, which in turn certifies the dubious, the arbitrary,
the conventional and the indescribable links in ritual the physical, psychic and cul-
tural orders in which human life is grounded, and it may be the base upon which
symbolic communication rests. As such it is an important part of the foundation of
the human mode of existance. That the structure of mutual validation or support
proposed here approaches the circular need not trouble us because it does not
trouble the faithful. Indeed, its very circularity suggests cybernetic properties to
which we shall return.
In sum, the unquestionable quality ofultimate sacred propositions may rest upon,
or emerge out of, 1) the invariance of liturgical order, and its implication of cer-
tainty, 2) the substantive implication of the invariance of utterances, i. e. that they
have come from some ultimate and authoritative source, and 3) the persuasive, even
self-validating quality, of the emotions stimulated by ritual performance. Although
there is no way to demonstrate it, it may be suggested that the idea of the sacred
emerged in the course of evolution out of the assimilation of developing language
into the non-verbal rituals of man's infra-human forebears.

IV.

We may now turn from invariance with its implication of certainty, authority and
unquestionableness to another salient characteristic of liturgical orders, namely that
they must be performed. Without performance there is no ritual, no liturgical order.
Liturgical orders are realized only in their performance. We have available to us in
books liturgies performed in Ur and Luxor, but they are dead, for they are no Ion-
ger given voice by men's breath nor energy by their bodies.
1t may seem gratuitous if not downright absurd to insist upon what seems to be
one of ritual's obvious defining characteristics. But such insistence is justified
because the obvious is easily overlooked in favor of the profound, and anthropolo-
gists, in their concern to plumb the depths of ritual's symbolic content, have been
inclined to take for granted, which is to say ignore, the simple fact that rituals must
be performed. In ignoring performance they have ignored what distinguishes ritual
from other modes of communication and have tended to regard it tobe, simply, an
alternate mode for communicating messages that may equally well be communica-
ted in other ways. For example, in her introduction to a recent collection of
anthropological essays in the interpretation of ritual, La Fontaine observes "In this
book ritual actions are seen as exemplifying in another medium the cultural values
that find verbal expression in statements about the world, society man - state-
ments which we call beliefs and which are elaborated in narratives of myths ( 1973:
xvii)." And we may of course recall Leach's famous dieturn of two decades ago:
86 Roy A. Rappapart

"Myth •.• is the counterpart of ritual; .myth implies ritual, ritual implies myth, they are one
and the same ... as I see it, myth regarded as a statement in words 'says' the same thing as
ritual regarded as a statement in action (1954: 13-14)."

But the orders expressed in liturgy cannot be fully expressed in other ways, for
other ways of expressing the symbolic content of liturgy lack the aspect of perform-
ance. This is not to say, simply, that a book or a myth is not a ritual. It is rather
to say that performance is not merely one way to present or express a liturgical
order, but a crucial aspect of liturgical order. A liturgical order isanordering of for-
mal acts and utterances, and as such it is enlivened or. realized only when those acts
are performed and those utterances voiced. This relationship of the act ofperform-
ance to what is being performed cannot help but to specify the relationship of the
performer to what he is performing. He is not merely transmitting messages
encoded in the liturgy. He is participating in - becoming part of - the order to
which his own body and breath give life. Since that order is an order in the sense of
authoritative directive as weil as in the sense of a formal sequence of acts and
utterances this simple participation is an acquiescence. This is to say that it is not
possible- it would be self-contradictory, a contradiction in his own terms- for a
performer to reject a liturgical order being realized by his performance at the same
time that he is participating in it. Therefore, by performing a ritual the performer
accpets, and indicates to hirnself as well as to others that he accepts, the liturgical
order in which he participates.
The structural relationship of the performer to what he is performing distin-
guishes ritual from myth not only on formal grounds, but on the grounds of the
substance of its message. Instrinsic to the structural relationship of performer to
performance that I take to be definitive of liturgical ritual is the substantive mes-
sage - or metamessage - of acceptance. The simple recital of a myth, on the other
hand, does not specify the relationship of either the speaker, the writer or the
audience to the myth. Myth may sometimes imply ritual, and ritual myth, but they
are surely not one and the same, even when the ritual is simply an enactment of the
myth.
Ritual may also be distinguished from drama by the relationship of those present
to what is being performed. While an audience is in attendance at a drama, a congre-
gation is present at a ritual. An audience merely watches and listens but a congrega-
tion participates, usually in some degree actively: singing, praying, dancing, knee-
ling or responding in litany. And while those who enact a drama are "only acting"
in a play, those who celebrate rituals are "not playing" or "play-acting", they are
taking action, and it is often very serious action.
It is of interest with regard to the acceptance implied by ritual performance that
almost allliturgies include more than utterance. They almost always specify formal
physical acts, and often the use of objects and substances as well. When a performer
does something like kneeling or prostrating hirnself it may seem that he is not
merely stating his subordination to an order; he is actually subordinating hirnself to
Liturgies and Lies 87

that order, at least for the time being. Since cosmological and social orders are
themselves conventional their components and states can be signified only conven-
tionally. But the relationship of the signal to what it signifies may not be simply
that of symbolic reference, for the signal itself may be taken to produce the con-
ventional state that it signifies. That is, the signal (e. g. kneeling) does not report
Subordination but is itself an act of subordination. In the terms of the philosopher
J. F. Austin (1962) it is a "performative act", in O'Doherty's (1973a) it is "facti-
tive".
_lt may be objected that the connection of the ritual acts to the states they sig-
nify are no less conventional than words would be and that, as Austin and others
have argued, at length, words too have performative or illocutionary force (Austin
1962: 99 ff. passim, Searle 1969: passim). lndeed, without language which is, after
all, the source from which even non-human symbols are drawn there could be no
performative, or factitive, acts. There is not space to discuss this matterat length
here. I would only recall an Observation made long ago by Bateson that ''in the dim
area where art, magic and religion overlap we can sometimes recognize and attempt
to deny the difference between map and territory and to get back to the absolute
innocence of communication by pure mood signs (I 972a: 183)." I would tenta-
tively suggest that display in human ritual is an attempt, as it were, to obliterate the
distinction between signal and signified that is the sine qua non and strength of
words but may nevertheless sometimes be an embarrassment to trust. To make
themselves more than ordinarily credible or convincing articulate men may leave
behind the subtleties of language and express themselves in actions that appear to
be as Straightforward and trustworthy as those of the speechless beasts. To voice
subordination is simply to declare it, but to kneel subordination is to demonstrate
it. Linguistic philosophy has been concerned over the last two decades with speech
acts, acts of speech in which "saying is doing". We note here the inverse. Ritual
"doing" is an especially powerful way of "saying" perhaps because it seems to be
more than "mere talk" or "empty words". As the Limba people of Sierra Leone
say "it makes the words heavy (Finnegan 1969: 539)". It is also significant that
there seems to be implicit in some religious thought the notion that while word,
and perhaps word alone, can provide form, word alone is not full existant in this
world of matter and energy. To become effective it has to be made substantial, and
creation in many myths is not the creation of matter ex nihilio, but the infusion of
a previously existing but inchoate substance by an informing word. Insofar as litur-
gical performances include both utterance and act or substance they substantiate
form and inform substance. The paradigm of creation thus seems to be intrinsic to
the very structure of ritual. But whether or not his is the case, the substantiation
that the physical act literally provides may make the message of acceptance more
compelling than could unsubstantial words alone.
But I do not wish to make too much here of the physical aspect of ritual. The
main point in the present context is that acceptance is the indexical message com-
mon to participation in allliturgical rituals and it isthat which distinguishes them
88 Roy A. Rappapart

from other modes of communication. Further, this message is never trivial because
the performer, since he is not genetically bound to acceptance, could do otherwise.
Nevertheless, the assertion that the acceptance of a liturgical order is intrinsic to its
performance requires some clarification and perhaps qualification if it is not to be
vacuous or tautologous.
First, by acceptance I do not mean belief in whatever metaphysical assumptions
the liturgical order may represent. Belief I taketobe some sort of in ward state,
knowable subjectively if at all. Acceptance, on the other hand, is not an inward
state but an act, highly visible both to witnesses and to the performer himself. This
is to say that participation in ritual demarcates a boundary, so to speak, between
private and public processes. Liturgical orders are public, and participation in them
constitutes a public acceptance of a public order, regardless of the private state of
belief of the individual.
Belief is not a sufficiently firm base upon which to found public orders. Whereas
belief is subject to ambiguity and ambivalence, acceptance is not. One participates
or one does not. Participation is the outcome of a dichotomaus choice. It is in its
nature unambiguous and while it may not dissolve the ambivalence of private pro-
cesses it subordinates them to itself. Acceptance is a social act, and a perfectly clear
one, one that can provide a firm ground for public orders.
It may be that the private processes of individuals are often persuaded by their
ritual participation to come into conformity with their public acts, or, to put it dif-
ferently, belief, which is perhaps to be associated with the numinous, may be
encouraged by acceptance. Butthis is not always the case. That it isn't suggests that
participation in liturgy while a visible act is not necessarily a very profound one, for
it neither indicates nor necessarily produces an inward state that conforms to it
directly. But, in a sense, it is for this very reason very profound, for it makes it pos-
sible for the performer to transcend his own doubt by accepting in defiance of it.
Acceptance in this sense has much in common with some theological notions of
faith(O' Doherty 1973b: 8 ff., Tillich 1957; 16 ff.)
Be this as it may, there is often a disparity between the act of acceptance and
the inward state coinciding with it. One can accept that which he doubts, disap-
proves or even privately denies.
With such a relationship between the public and the private a range of what J. L.
Austin (1952: 95 ff., passim) called "infelicities", insincerities and the like, become
possible, and they include possibilities for deceit. But the alternative to the possibil-
ity of deceit rnight weil be the certainty of non-arder or disorder if public order
were to depend upon the continuing acquiescence of the private processes of those
supposedly subject to it - upon their belief, sincerity conviction, good will, for
these surely must fluctuate continuously. While this is obvious it is perhaps worth
stating simply to make explicit that insincerity and the possibilities of deceit are
intrinsic to the very acts that make sociallife possible for symbol using organisms,
organisms, that is, who relate to each other in accordance with convention rather
than in ways more narrowly defined by their genotypes.
Liturgies and Lies 89

We may turn to the second general qualification or clarification of acceptance. I


have argued that the performance of a liturgical order perforce conforms to that
order and that, therefore, authority is intrinsic to liturgy. To say that the perform-
er accepts the authority of the order is not~ of course, necessarily to claim that he
does anything very grave. The gravity of the act of accepting a liturgical order is con-
tingent upon whatever it is that the liturgical order encodes.
Moreover, to say that a liturgical order is authoritative is not to say that in
accepting it the performer will necessarily abide by whatever social rules or norms it
encodes. A man may accept in liturgy a commandment against adultery or thieving
and commit robbery or adultery on his way home from church, but this violation
does not nullify his acceptance. To recognize this is not to agree that liturgical
acceptance is hypocritical or meaningless (Douglas 1970: 20), and it is not to refute
claims for the social efficacy of acceptance through liturgical performance. It is, in
fact, to substantiate them. The function of liturgical acceptance is not primarily
that of controlling behaviour directly, although it may help to do so, but of establi-
shing the norms or rules or conventions in accordance with which behaviour is sup-
posed to proceed. His participation in a ritual prohibiting adultery may not prevent
a man from commiting adultery, but it does establish the prohibition of adultery as
a rule that he has accepted as he has enlivened it. It makes it clear to him that by
committing adultery he is in violation of a rule that be hirnself has accepted. Put a
little differently, whether or not he abides by the rule, his acceptance has obligated
him to do so, and if he does not he has Violated an obligation that he has avowed.
The assertion here is similar to that of the philosopher J ohn Searle who has argued
that:

... when one enters an institutional activity by invoking the rules of the institution one
necessarily commits oneself in such and such ways, regardless of whether one approves
or disapproves of the institution. In the case of linguistic institutions like promising [I would
add accepting) the serious utterances of the words commit one in ways which are determined
by the meaning of the words. In certain fust person utterances the utterance is the undertaking
ofan Obligation. (1969: 189)
Searle later notes that the notion of obligation is closely related to the notions of
accepting, acknowledging, recognising. This is to say that there is no obligation
without acceptance.
While the acceptance of conventional understandings, rules and procedures is
possible outside of ritual the formal and often public nature of liturgical perform-
ance makes very clear that an act of acceptance is taking place, that the accept-
ance is serious and what it isthat is being accepted. It is, in J. L. Austin's (1962:
passim) sense "explicitly performative". But much more is involved in ritual accept-
ance than simply making clear and weighty what is being done and in respect to
what it is being done. Liturgical performances are not merely performative or facti-
tive in that they are utterances or the symbolic equivalent of utterances the perfor-
mance of which achieves conventional affects. They are meta-performative or meta-
90 Roy A. Rappoport

factitive in that they establish (by which I mean enunciate and accept) the conven-
tions in terms of which conventional effects are achieved. This is a matter of utmost
importance.
1t may be that certain conventions of a more or less neutral sort - for instance
linguistic conventions - can emerg~ out of ordinary usage and be maintained in
ordinary usage in sufficient stability to allow meaningful and orderly social interac-
tion. As Leach has recently put it, "the norm is identical with the statistical average
(1972: 320)". Variation with respect to some conventions can be comfortably tol-
erated and usage may be allowed to establish, maintain, or change them. But in other
aspects of sociallife - those based upon understandings having no material refer-
ents, and therefore no ordinary usage, such as ultimate sacred propositions, and
those that are highly charged, dangerous or require coordination, variation may be
less tolerable, but whether or not much variation in behaviour is tolerable much
variation and uncertainty in the conventions with respect to which the behaviour
varies may not be. Ordinary usage which always varies, is unlikely to be able to
establish or maintain such "norms" or conventions. Indeed, it is necessary to
establish or maintain them in a way which protects them from dissolution in the
variations unavoidable in ordinary usage and from overthrow by the violations in
which usage aböunds. Some norms or conventions, this is to say, must be made
independant of the statistical averages arising out of behaviour. Liturgy preserves
convention inviolate in the face of the continual violations of usage and in this
respect may be without functional equivalents.
Conventions promulgated by decree and maintained by the coercive power of
the promulgating authority may also be insulated from the vicissitudes of usage, of
course, but acceptance by those subject to it is not intrinsic to decree. lt may also
be noted here in passing that the conditions that make it possible for some men to
promulgate conventions by directives to which other men must conform seem to
have developed relatively recently, probably not antedating by much, if at all, the
appearance of plant and animal cultivation 10,000 or so years ago. Ritual on the
other hand, does not require Superordinate human authorities, and must have ante-
dated forms that do and it is plausible to suggest that ritual, in the very structure of
which both authority and aquiescence are implicit, is the primordial means by
which men established conventions.
Ritual is, I believe, unique in at once realizing conventions, accepting them and
insulating them from destruction in usage. But the performance of liturgy not only
establishes conventions. It also invests them with morality and veils them in a
seeming naturalness. It need only be mentioned that liturgy may make the arbitrary
and conventional seem natural and necessary not only by eliminating alternatives as
mentioned earlier, but by ascribing to conventional effects causes which, if not
natural, operate in a way which is parallel to the natural. For instance, the transfor-
mation in ritual of Charles into "Charles, the most pious Augustus, crowned by
God, the great and peace-keeping Emperor (Sullivan 1959: 2)" might seem to the
outsider to have been a conventional procedure having a conventional effect. But
Liturgiesand Lies 91

those participating may have seen the transformation to have been achieved by
God's grace entering Charles through crown, anointing oil or word, in a manner sim-
ilar to the way the earth is transforerod by energy flowing from the sun. The natu-
ralness of such a process may seemingly be carried beyond analogy by the attribu-
tion to Hirn from whom grace flows the creation of the sun from whom energy
flows. Having the same source grace might seem no less real, although less palpable,
than sunlight.
The matter of morality is of greater interest and importance. lt has already been
noted that acceptance obliges one to abide by that which he accepts. Fallure to do
so is generally, perhaps even universally, categorized as immoral or unethical or
wrong. Butthereisa subtler way in which morality is built into the very structure
of ritual performance. While not confined to them, this point may be illustrated
most clearly by reference to low order rituals, like dubbing young men to knight-
hood, or establishing truces.
Dubbings and declarations of truce are instances of Austin's performative acts,
and it is of interest to compare such performative acts to ordinary descriptive state-
ments. Austin initially tried to say that they differ from descriptive statements in
not being true or false (1970: 233 ff.) but later found this nottobe the case. They
do, however, differ from statements in a related way, which he did not note, a way
that does have to do with truth, and with the foundations of morality. The ade-
quacy of a descriptive statement is assessed by the degree to which it conforms to
the state of affairs that it purports to describe. lf it conforms sufficiently it is said to
be true, accurate or correct. lf it does not it is said to be false, mistaken, erroneous,
inaccurate or lying. We judge the statement against the state of affairs. The rela-
tionship of performatives to the states of affairs with which they are concerned is
exactly the inverse. If, for instance, a young man is properly dubbed to knighthood
and then proceeds to violate all of the canons of chivalry, or if peace is made in a
properly conducted ritual but is subsequently violated by one of the parties to it, it
is not said that the dubbing or the peace declaration is faulty, butthat the state of
affairs is faulty. That is, we judge the state of affairs by the degree to which it con-
forms to whatever the performative ritual was presumed to have established. Thus,
liturgical orders provide criteria in terms of which events - usage and history -
may be judged. As such they are intrinsically moral. Morality is intrinsic to the
structure of ritual performance, prior to whatever liturgical orders may state about
morality itself, or about whatever may be moral. We may recall here that ancient
Persians and Indians may have referred to states of affairs which departed from the
proper order established in liturgy by a term - anrta - that also meant lie.
In sum, a paradigm of creation, the substantiation of form and the informing of
substance, lies within the structure of ritual performance. The specification and
acceptance of conventions are also intrinsic to this structure. So is morality, and a
sense of naturalness may surround it. Liturgical performance is the basic social act
for humans, for social contract or even convenant is implicit in its very structure.
92 Roy A. Rappoport

V.

Some of the implications of the discussion so far do not differ markedly from those
of more familiar arguments, especially that of Durkheim from which, despite some
important differences and disagreements, it is descended. I take liturgy not only to
contain within its structure a paradigm of creation but to be in fact creative, for it
establishes conventional truth and order, and thereby makes human life possible. I
have argued that elaborate structures of liturgy, sacred understandings and sancti-
fied conventions have evolved in response to the possibilities for lie and alternative
that are concommitants of symbolic communication and threaten the social orders
built upon it. But can it not be said that in some sense these liturgical operations
and the sacred and supernatural entities at once conceived through them and ration-
alizing them are as false as the lies for which I claim them to be antidotes?
It has already been noted that ultimate sacred propositions cannot be lies in any
simple sense because, to the extent that their terms are non-material, they are non-
falsifiable. Moreover, even if they could be shown tobe in some sense false there
may not be on the part of those transmitting them any intention to transmit false
information. More important, it is possible to argue that ultimate sacred proposi-
tions, which are without material referents, are members of the class of statements
the validity of which is a function of their acceptance (Bateson 19 51), and the same
may be said of the regulatory sentences they sanctify. The process of naturalization
that occurs in some liturgies is likewise straighttorward and natural, and the states
of affairs that come into being through liturgical actions are, finally, as much of
nature as those that come about through tectonic activity. "Brute" and "institutio-
nal" facts (Searles 1969: 50 ff.) are inseparable in nature.
Other possible flaws not encompassed by any narrow definition of lie but
related to lie may, however, be intrinsic to liturgical orders, and to the conceptions
ernerging out of them of forces or sentient beings transcending morality and
society, or even space and time. I note first, mainly to disagree with it, the charge
that they are illusory and therefore deceitful. In the next section we shall turn to
more the substantial difficulties that may beset liturgy and sanctity.
It is well known that Freud ( 1927) took religious conceptions to be illusions,
and for much the same reason that Durkheim took all religion to be in some sense
true Marx ( 1842, 1844) took it to be false (Skorupski 1973: 27 ff.). Durkheim who
largely rested his case upon Australian aboriginal material, took religious concep-
tions tobe symbolic representations of society, veils of mystification being perhaps
necessary because men are likely to find the necessity of the apparantly natural,
and the authority of the naturalizing supernaturals, to be more compelling then
naked rational conventions as bases for living in some degree of concord with other
men and nature. Marx, who was concerned largely with state societies, took reli-
gious conceptions not to be more or less valuable mystifications but deceptions
facilitating the manipulation of the many by the few.
Both Freud and Marx were in considerable agreement in seeing religious concep-
Liturgiesand Lies 93

tions not only to be illusions, but because illusory deplorable, for illusion denies to
man the illuminations with which his unclouded reason could provide him, and pre-
vents him from establishing social orders founded upon reason. But the twentieth
century has perhaps taught us that the faith of the nineteenth in reason may not
have been altogether reasonable. I think we know now that conscious reason has
not been an imprisoned angel that would save us if only it were freed from its bond-
age to the irrational. To the extent that it has been possible to free reason it has
been freed perhaps as never before in the time of our fathers, our grandfathers and
ourselves, and it has discovered evolution and relativity and the double helix. It has
also spawned monsters of such powerthat they threaten the existance of the spe-
cies that reasoned them into being. But we do not need history to tell us that noble
conceptions are not alone in being born of conscious reason. It is in consciousness
that men scheme and conspire against their fellows, and if reason is not always
downright treacherous it is, at least, often narrowly self-serving. lndeed, the word
"rational" in economics, the discipline that probably more than any other guides
the affairs of modern societies, has come to refer to a dass of activities that pits
men against their fellows and which must be, in some sense, anti-social: the applica-
tion of scarce means to differentially graded ends to maximize the position of the
actor vis a vis others. If rationality in the economic sense is what reason can come
to it may be suggested that reason alone could not provide a secure and sound basis
for sociallife even if it could be freed from the non-rational. Fortunately it can't
be, for the non-rational is not only the home of rage and fear, but also of art, poe-
try and whatever it isthat people mean by the term "love". Moreover, the under-
standings that eventually lead to formal theories concerning space, time, matter and
energy are as likely to be grasped initially by the left hand of the non-rational as the
right hand of conscious reason (Bruner 1970).
Conscious reason is incomplete, and so are its unaided understandings. The com-
mon sense of conscious reason which has its loci in individual organisms, proposes a
sense of separation. Consciousness separates men from each other, ea.ch man in soli-
tude behind his own eyes, each one imprisoned by his own skin, each enclosed
alone between the dates of his birth and of his death. The common sense of Separa-
tion endorses the common sense of self-sufficiency and autonomy, notions that are
sanctified virtually to the point of apotheosis in Western capitalist society. But of
course they are illusions. Although men are metabolically separate from one
another, and although consciousness is individual, men are not self-sufficient and
their autonomy is relative and slight. Men are parts of larger systems upon which
their continued existance is contingent. But the wholeness, if not indeed the very
existance of these systems may be beyond the grasp of their ordinary conscious-
ness. Conscious reason is incomplete and so are its unaided understandings, but the
mode of understanding encouraged by liturgy may make up for some of the defi-
ciencies inherent in consciousness. Participation in rituals may enlarge the aware-
ness of those participating in them, providing them with understandings of per-
fectly natural aspects of the social and physical world that may enclude unaided
reason.
94 Roy A. Rappoport

Gregory Bateson's recent (1972b: 448 ff.) discussion of mind casts light on
those aspects of nature which may be grasped by ritual's insight. Bateson suggests
that the minimum unit of idea is a "difference which makes a difference", a bit in
information theory. The elementary cybernetic circuits around which such units of
information flow are the simplest units of mind. Mind, that is to say, is immanent
in cybernetic systems. While it is surely the case that some such circuits are con-
tained entire within individual consciousness, the mind of the individual is more
comprehensive than his consciousness alone, as Freud long ago showed us. We also
know directly from experience that our information processing circuits include
more than our brains because in response to some information wc experience
changes in our visceral states, and these changes enter into the compuhttions that pro-
duce our total reactions to the information received. We further imply here that the
information circuits which are significant to us include not only more than our
brains but more than the selves which our skins bound. We are dependent upon cir-
cuits that include portians of environments; some of them include many individ-
uals, often individuals of a number of species. Whereas anima1s are, as a rule, quite
separate from each other as far as metabolism is concerned they are less autono-
maus with respect to information processing. This is to say that matter-energy pro-
cessing systems and information processing systemsarenot coextensive. But the
adequate functioning, indeed the very surviva1, of metabolically autonomaus individ-
uals as well as societies is contingent upon supra-individual information processing
circuitry immanent in social and ecological systems, and disruptions of such circuits
are likely to Iead to results not formally dissimilar from the effects of brain lesions
or neuroses. In the absence of reliab1e information, total systems or their parts
cease tobe self-correcting. The doctrine of 1-Thou which Buber ( 1970) proposes as
an ethical dieturn is in fact an adaptive imperative, and it does not denigrate Til-
lich's concept of the "Ground of Being" or "Being Itself" (McKelwy 1964: 123 ff.)
to suggest that the structure of information processing in nature accords with it.
Bateson has recognized these similarities.

" ... there is a larger Mind of which the individual mind is only a subsystem. This larger Mind is
comparable to God and is perhaps what some people mean by 'God' but it is still immanent in
the total interconnected social system and planetary ecology (1972: 461)."

Conscious reason may of course provide us with knowledge about the structure and
function of such ecological and social systems and present to us reasonable argu-
ments for complying with their imperatives. But such knowledge and reasons are
likely tobe overcome by what economists call rationality.'To ask conscious reason
to lead unaided the separate individuals in which it resides to favor the long term
interests of ecosystems and societies over their own immediate interests may be to
ask to much of it. Sustained compliance with the imperatives of !arger systems not
only may require more than ordinary reason, but may have to be maintained in
defiance of a consciousness that in its nature informs men of their separateness. 1t
Liturgiesand Lies 95

may, indeed, require that the common sense of Separation be transcended and
replaced from time to time by an extraordinary sense of participation, of being
joined together with entities, from which one is separated by the evidence of the
senses and by competitive rationality, into wholes- societies and ecosystems-
that are natural, but not in their nature directly perceptibel.
To perform a liturgical order is to participate in it, act as part of it, and where
the ritual is public it is to join with others in this participation. In many rituals
strong emotions are engendered and consciousness altered. Not infrequently there is
a feeling of "loss of self" - that is a loss of the sense of separation - and a feeling
of union with the other members of the congregation and even more embracing
entities. It is obviously important that singing, dancing and speaking in unison are
common features of public rituals. To sing or dance in concert or in unison with
others, to move as they move and speak as they speak is, literally, to actaspart of a
larger entity, to participate in it, and as the radical separation of the everyday self
dissolves in the communitas (Turner 1969) of participation - as it sometimes does
- the larger entity becomes pdpable. Such extraordinary or even mystical exper-
iences seem tobe profoundly satisfying but, more irnportant here, they also may pro-
vide deeper and more compelling understandings of perfectly natural and extremely
important aspects of the physical and social world than can be provided by reason
alone. In sum, liturgical order does not always hide the world from conscious rea-
son behind a veil of supernatural illusions. Rather it may pierce the veil of illusions
behind which unaided reason hides the world from comprehensive human under-
standing.

VI.

But admiration for liturgy and sanctity must be tempered, for they are both subject
to problems and make problems akin to lying and deceit.
First, it is obvious that if liturgical orders naturalize some conventions they must
stipulate, at least tacitly, that others are unnatural. As a consequence, the conven-
tions of other cultural groups are likely to be thought not tobe sirnply different, nor
even merely immoral, but abominable. Those practicing them may, consequently,
be taken tobe other than, or less than, human, and treated accordingly. To use Erik
Erikson's ( 1966} term, cultural groups become pseudo-species. Sanctity and
liturgy may magnify minor cultural differences into apparantly major natural differ-
ences. They may not only envenom enmities for which they themselves were not
initially responsible, but are themselves capable of setting men against each other.
Less obvious problems arise from difficulties or anomalies in the structure of sanc-
tity. lt will be recalled that liturgical orders, and thus the discourse they embody,
have a hierarchical structure. At the apex, so to speak, are ultimate sacred proposi-
tions which are themselves without material content, but which are the sources
from which sanctity flows to other lower order sentences which do include material
terms and which are directly involved in the regulation of social systems.
96 Roy A. Rappapart

That sanctity supports social systems is an ancient notion in anthropology. That


it may do so by facilitating social change is perhaps a less familiar idea. An aspect
of ultimate sacred propositions already discussedin a different context is significant
in this respect. 1t was noted then that the vacuity of these sentences - their lack of
material referents - puts them beyend falsification. Now it may be suggested that
this same vacuity is significant with respect to the adaptive processes of living
systems as wholes. Whole living systems are what the cybernetician Gordon Pask
( 1968) calls "General Purpose Systems", for they do not have special goals or out-
puts, their goal being that most general of all possible goals: survival. They are, as
the biologist Laurence Slobodkin ( 1968) has put it, "players of the existential
game", agame in which there are no payoffs valuable external to the game because
the player can't leave the table, andin which, therefore, the only reward for suc-
cessful play is to be allowed to continue to play. Since the conditions and even the
rules of play are likely to change flexibility is advantageous, rigid committment to
particular modes of play - particular conventions or institutions- disadvantageous,
or even lethal. Now ultimate sacred propositions which contain no material terms do
not in themselves specify particular material goals or institutions, and can, therefore
sanctify any institution while being bound to none. Continuity can be maintained
while allowing change to take place, for the association of particular institutions or
conventions with ultimate sacred propositions is a matter of interpretation and that
which must be interpreted can always be reinterpreted without being challenged.
So, gods may remain unchanged while the conventions that they sanctify are trans-
formed through reinterpretation in response to changing conditions. Usage is not
sufficient to establish conventions but the conventions established in liturgy may be
modified, through reinterpretation, in response to changing usage arising out of
changed historical conditions. It may be suggested here that reinterpretation is faci-
litated by the cryptic as well as the non-material nature of ultimate sacred proposi-
tions. It is important, if a proposition is to be taken to be unquestionably true, that
no one understand it. It is not suprising that ultimate sacred propositions are often
"mysteries". 2
Ultimate sacred propositions, then, sanctify Sentences that do include material
terms and that are directly implicated as directives in the regulation of society. Now
if adaptive systems are to remain flexible, the degree of sanctity accorded to direc-
tives should be inversely correlated with their material specificity. A problernthat
may be intrinsic to sanctification becomes apparant here, for dissonance may deve-
lop between sanctity and specificity. Highly specific directives may become over-
sanctified. A case in point might be birth control prohibitions in catholicism. To an
outsider it would seem that birth control devices could be made acceptable
through reinterpretation without challenge to dogma. But this highly specific low-

2 A Catholic Dictioruzry dermes a "mystery properly so called" as a "truth which, though it is


not against reason, so far transcends it that no created intelligence could ever discover it,
and which, even when it is revealed, is impenetrable by any created intelligence (Attwater
1961: 336)".
Liturgies and Lies 97

order sanctified directive is being treated virtually as an ultimate sacred proposition,


as dogma, and the church may suffer general defection as well as a more general but
less radicalloss of authority because of its stand on this particular issue. Oversancti-
fication of the specific, stifling change, is a possibility intrinsic to sanctification, but
it may be suggested that it becomes an especially serious problern in state organized
societies in which specialized clergy, possibly in possession of powerful means for
establishing their positions, ajudicate questions of orthodoxy.
But oversanctification of the specific may develop for reasons other than an
inflexible orthodoxy's confusion of specific material practices with non-material
doctrines. General purpose systems - both organisms and societies - are made up
of special purpose subsystems, for instance organs and industrial firms. These sub-
systems, and their subsystems, do have special goals or outputs, presumably set by
the !arger general purpose systems of which they are parts. But as the subsystems of
societies become increasingly differentiated - that is, as they become increasingly
specialized and identified with particular individuals - and as they become increas-
ingly powerful, there is a tendency for them to attempt to elevate their special pur-
poses to positions of predominance in the more inclusive systems of which they are
merely components. As they are elevated the highly specific goals of low order sub-
systems capture the sanctity of the !arger systems they come to dominate. To use a
crude example, if, asPresident Coolidge once declared, "The business of America is
business", and if "America is one nation under God", as the pledge of allegience stip-
ulates, then business and all that is related to it - profit, private enterprise and
enormous emphasis on material consumption, is highly sanctified. lndeed, these
material concerns can become ultimate. The theologian Paul Tillich (Greene 1952:
51 ff., McKelway 1964: 119, 234; Tillich 19 57: 11 ff.) characterised this absoluti-
zing of the relative and relativizing of the absolute, which identifies the ultimate
with the material, as idolatry, and took it to be false and evil.
Whether or not it is an evil, it is maladaptive for to accord a high degree of sanc-
tity to the specific and material, for instance, to what is good for General Motors,
or even all of industry or business, is to narrow the range of conditions under which
the system can survive to those that favor business or industry. Oversanctification
of the material and specific reduces the evolutionary flexibility of the systems in
which it occurs. That is, it reduces their ability to respond effectively to changed
circumstances (Rappaport 1971, 1974 in press).
If we can take tobe "adaptively true" propositions the acceptance of which
enhances chances of survival we can, I think, take idolatrous propositions to be
adaptively false, for the apotheosizing of the material; it is ironic to observe, defeats
the material goal of survival. I take idolatrous propositionstobe false, be it noticed,
regardless of the degree of acceptance accorded them. This is to say that consent
and consensus are not in themselves sufficient to establish even conventional truth.
The only ultimate sacred propositions that.ean be adaptively true are those which,
having no material terms, do not irrevocably commit the societies accepting them
to particular institutions or conventions. "The lie", said Martin Buher, "is from
98 Roy A. Rappaport

time and will be swallowed up by time; the truth, the divine truth, is from eternity
andin eternity, andin devotion to the truth ... partakes of eternity (1952: 13 f.)."
The very quality of non-idolatrous ultimate sacred propositions that seem to ren-
der them rationally illusory make them adaptively true. Be this as it may, the possi-
bility of idolatry, which bears a family resemblance to lie, is intrinsic to sanctity.
However, its likelihood is perhaps increased with increasing social differentiation
and technological development, both of which tend to increase disparities in the
distribution of power among the subsystems of societies.
The problems of oversanctification suggest a yet more general problern affecting
sanctity and to which sanctity contributes. I refer to failure of the cybernetic func-
tioning of the liturgical order and the regulatory apparatus that it sanctifies. I have
argued:
1. The regulatory structures of societies are sanctified by their relationship to ulti-
mate sacred propositions enlivened in rituals.
2. But that the persistance of ultimate sacred propositions is contingent upon their
acceptance by those subject to the regulatory structures that they sanctify.
3. There is, thus, a closed cybernetic loop, which implies that if the operation of
the regulatory structure, which may include both discrete authorities such as
chiefs and kings, and specific directives, does not produce conditions satisfactory
to those subject to it for long periods of time it may be deprived of its sanctity.
This is to say that if authorities wish to maintain their sanctity they must keep the
operations of the regulatory structures they administer in reasonable working order.
lf they do not, they may find themselves deprived of sanctity, either passively as
people withdraw from participation in rituals supporting existing hierarchies (pos-
sibly because they no Ionger experience numinous emotions while performing
them) or actively by being deposed through sanctified procedures (e. g. Frazer
Vol. I, 308 ff.), or possibly through the instigation of prophets who challenge their
connection to the sources of sanctity or even declare new ultimate sacred proposi-
tions.
This ultimate corrective loop inheres in systems as wholes. It is interesting in this
regard that the etymology of the word "holy" is shared with the words "whole"
and "health". In this light the use of the term holy for the !arger category that
includes both the discursive sacred and the non-discursive numinous seems to me to
be especially appropriate. The sacred and the numinous, the rational and the affec-
tive, the everyday formal structure of society and its occasional ritual or festive
state of communitas, form wholes through the mobilization of which the ambitions
of separate men may be subordinated to common interest while at the same time the
operations of society are continually reviewed and tempered by the needs of those
composing it.Wholeness, holiness and adaptiveness are closely related.
This outline of the holy may sound unreal to anyone born and raised in contem-
porary society, and it should. The cybernetics of the holy are likely tobe disrupted
in the course of social evolution, perhaps as a concommitant of technological
advance. Such advance places in the hands of authorities coercive instruments at
Liturgiesand Lies 99

once increasingly powerful and decreasingly available to their subjects. The posses-
sion of such means of coercion diminishes the dependance of the authority upon
his sanctity. As he becomes increasingly powerful he can stand more upon power
(a function of men, resources and organisation, see Bierstadt 1950: 730 ff.) and less
upon sanctity.
This is not to say that powerful authorities necessarily dispense with sanctity. It
is to say that as power accumulates the relationship between sanctity and authority
is likely to be inverted. Whereas in the technologically simple society the authority
is contjngent upon its sanctity in the technically advanced society sanctity may be
degraded to the status of authority's instrument.
An aspect of this degradation may be a change in the basis of the unquestionable
status of ultimate sacred propositions. Whereas they once rested upon the uncoerced
acceptance of the faithful, perhaps supported by numinous experiences, they come
to rest ultimately, upon force - heretics are burned, infidels put to the sword.
When acceptance is coerced it becomes a lie, but it is not the lie of he who accepts.
It is the lie of the coercer. We may refer to theselies as "lies of oppression". In lies
of oppression the coercer is not only the liar but also the ultimate victim of his own
lie, for if, as I have just argued, both acceptance and its waning inform the regula-
tory operations of society then for an authority to coerce acceptance is for it itself
to distort the information by which it is guided. Power threatens truth and threa-
tens the cybernetics of adaptive systems, for adaptation relies upon information
concerning current conditions that is in some degree accurate. This is to suggest
that oppression is not only inhumane but maladaptive.
I do not argue that with the degradation of sanctity by power religious experien-
ces no Ionger occur, nor that acceptance is never freely given. But, invoked in the
churches of state organized societies by visions of ultimate or otherwordly salva-
tion, they may be disconnected, so to speak, from corrective effect upon the here
and now. They no Ionger form part of the encompassing adaptive structure outlined
above. Indeed, to the extent that ritual participation alleviates the anxieties of the
faithful without alleviating the causes of their anxieties it bears formal resemblance
to neurosis as Freud (1907) claimed, and to opiates as Marx (1844) claimed, and
rituals are parts of deceits if they lead the faithful into bondage while promising sal-
vation. Sanctity, itself the foundation of truth and correctness, and the numinous
supporting it, when subordinated to the powerful and material become false, for
they falsify consciousness. But the cost is great even for those who arenot deluded.
For them ritual becomes empty and meaningless, indeed the very termritual comes
to denote empty form (Douglas 1970: 19). The act of ritual acceptance, once more
profound than belief, becomes a paradigm of hypocrisy. But in refusing to partici-
pate hypocritically no less than in hypocritical participation the conscious minds of
men become divorced from those deep and hidden portions of themselves to which
ritual participation introduced and bound them. The self becomes fragmented and
some of the fragments may be lost. The consciousness that remains is likely to
remain trapped in its radical separation. Forthose not deluded there is alienation.
100 Roy A. Rappaport

So the sacred and the numinous may get detached from each other and from
their cybernetic or corrective functions. Given the association I have made between
wholeness and holiness it is not inappropriate to say that they become unholy. As
holiness stands to wholeness, adaptiveness and survival, so does unholiness to frag-
mentation, maladaptation and annihilation. It is of interest that in the Kabbalahof
Isaac Luria (Scholem 1969: 110 ff.) the origin of evil is not ascribed to the appear-
ance of any particular substance or Being, but to the fragmentation of a primordial
unity. The disruption of the cybernetics of holiness is such a fragmentation. We
may recall once again the vedic and zoroastrian notion of lie as violation of sacred
order, but now the order itself becomes disorderly, disrupting ecosystems, opressing
men, leading societies into their decline and fall. Many years ago de Rougemont
(1944) made a distinction between ordinary lies and what he called "diabolicallies"
in recognition of the putative proclivity of "The Father of Lies" for appearing as
his own opposite. Diabolicallies are not simply false transmissions but lies which
tamper with the very canons of truth. I think it not wrong to assign to this category
assertions of sanctity for discourse the unquestionable status of which rests ultima-
tely upon force, which is subject rather than superior to the authorities it sanc-
tifies, which misleads ritual acceptance and numinous experience away from correc-
tive effect upon the here and now, which encourages fragmentation and maladapta-
tion while promising wholeness and heaven.
Diabolicallies arenot new to this world, as Buber's (1952: 7 ff.) analysis of the
12th Psalm informs us. The psalmist in that ancient Jerusalem

"no longer suffers merely from liars but from a generation of the lie, ... the lie in this genera-
tion has reached the highest level of perfection as an ingeniously controlled means of supre-
macy ... [removing] completely ... the basis of men's common life ... those the psalmist has
in mind speak 'delusion' ... they breed 'delusion' in their hearers, they spin illusions for
's
them ... instead of completing their fellow-men experience and insight with the help of their
own, as is required by men's common thinking and knowing, they introduce falsified material
into his knowledge of the world and of life, and thus falsify the relations of his soul to his
being ... In order that the lie may bear the stamp of truth, the liars as it were manufacture a
special heart, an apparatus which functions with the greatest appearance of naturalness, from
which lies well up to the 'smooth lips' like spontaneous utterances of experience and insight ...
all this is the work of the mighty in order to render tractable by deceits those whom they have
oppressed (pp. 8-10)."

Diabolicallies, like lies of oppression and idolatrous lies are the products of power,
and if they are not new to this world, new and increasing possibilities for diabolical
lying are affered by the increasing ability of ever smaller groups of men and ever
more specialized institutions to control the flow of ever greater volumes of informa-
tion more comprehensively and the disposition of increasing concentrations of
energy more totally. This ability has been enhanced by advances in technology,
which is to say that it is correlated with what seems to have been the central factor
in cultural evolution.
Liturgiesand Lies 101

It thus may be that man's fall is one with his evolution: as his evolution has
been founded upon his possession of words, so may his possession by words have
sealed his fate. Of words are inevitably born not only ordinary lies and vedic lies,
which may be benign, but also lies of oppression, idolatrous lies, diabolic lies, and
no doubt other forms, that join tagether into the encompassing and world-dissol-
ving generations of the lie that seem to vex our times even more than the times of
the psalmist. Be this as it may, ancient divines understood as well as we do, or bet-
ter, the paradoxes of the human condition, and there is an early medieval Jewish
legend of creation (Schalem 1969: 179 ff.) that also seems to identify the fall with
the ward. Before He breathed sense into the earth that wastobe man, God put his
seal on His creation's forehead. The three letters, Aleph, Mem and Tov of which the
seal was composed encompasses all speech, for they are the first, middle and last
letters of the alphabet. But in the mystical tradition of which this legend is a part,
words themselves are creative and even identified with God hirnself (Schalem 1969,
167 ff. passim), and thus, the three letters in encompassing alllanguage encompass
all things: they are beginning, end and continuity. They also spell the ward Emet,
which means "truth". When thesensethat God had breathed into him led man, as
it inevitably did, into disobedience (vedic lie) and lie, God erased from his forehead
the Ietter Aleph which, signifying the beginning of all things, was associated most
closely and unambiguously with himself. This left on man's forehead the ward Met,
"death".
But in attending to ancient words we should remernher that when they were
expelled from Eden ("bliss") the hebrew name that man bestowed upon the woman
who wastobe "the mother of all the living" was Chaia, meaning "life". It is not
only human death that the fall invents, but also human life, a mode of existance
characterized by discourse, and the reason and choice discourse makes possible. For
human life to persist it was necessary for the one commandment that had for a
while preserved Eden to be replaced by the 613 derived from the Torah for, being
founded upon words for whose lies there is no sure eure, the conditions of human
life are tenuous. But if discursive reason and speech are unique on this earth to
human life, human life remains more than reason and speech, and the generation of
the lie is continuously challenged by the living - by prophets, mystics, youth, revo-
lutionaries and reformers - who, in their search for wholeness, restore holiness ever
again to the breaking world by re-establishing the adaptive connection of the time-
less sacred and immediate numinous to the continuing here and now.
102 Roy A. Rappoport

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Summary

This essay is concerned with the lie in evolution, and with the evolution of the lie.
Concern with lying willlead to a consideration of liturgy, to the idea of the sacred,
and to the relationship of sanctity to lying. Ordinary lies and their relationship to
the use of symbols and to sanctity will be taken up first, and then ritual, in which
sanctity is grounded and out of which it may have emerged, will be considered.
Attention will be focused not upon what may be represented by the symbols of
which rituals are composed, but upon what may be intrinsic to the ritual form
itself. The essence of the ritual form (or structure) is the relationship between the
performer and his own performance of a more or less invariant sequence of formal
acts and utterances that he hirnself did not encode. It will be argued that social con-
tract and morality are inherent in, or entailed by, the structure of ritual, that this
structure contains within itself a paradigm of creation, and that the idea of the
sacred emerges out of it "naturally". Considerations of ritual's structure and of
sanctity willlead back to forms bearing a family resemblance to ordinary lies. These
forms are designated vedic lies, lies of oppression, diabolicallies and idolatry. Their
relation to power is dicussed, and the essay ends with a discussion of the degrada-
tion of sanctity in the course of social evolution.
A Psychological Approach to Religious Autobiography*

Paul Ransohoff

I.

Autobiograpby bas a double nature; it is botb bistorical and literary. Particular


autobiograpbies may embody aspects oftbis duality witb varying degrees of purity
or mixture, but, just as importantly, tbese two qualities are constituted by tbe
approacb taken by tbe interpreters of tbe texts. From a bistorical point of view an
autobiograpby may be seen eitber as a source of data for biograpbical studies or as
one biograpby among otbers - it is essentially a bistorical record, a source of infor-
mation about the occurrence, sequence, and pattern of events. From a literary per-
spective an autobiograpby can be taken as a dramatic recounting of a particular
period of time or as an imaginative presentation of a cbaracter from a unique per-
spective. Wbereas questions about accuracy, comprebensiveness, and distortion
migbt occupy tbe historian, matters of form, style, intention, and effect would inter-
est tbe literary critic.. This essay seeks to contribute to tbe study of religious auto-
biograpby, first, by relating tbese two perspectives to tbe psycbological concepts of
identity and generativity, and second, by examining a sbift in tbe development of
tbe Protestant etbic 1 as it is reflected in tbe autobiographical writings of Jobn Bun-
yan and Benjamin Franklin.

II.

Religious studies may adopt eitber one of tbese general orientations wben taking
autobiograpby as a subject matter. On tbe one band, a religious autobiograpby can
be seen as tbe record of a religious life, the story of someone wbo participated in
bis own way in a religious tradition. On tbe otber band, some autobiograpbies can
be interpreted as a form of religious literature. While from one perspective tbe qual-
ity of "religiousness" is assigned to wbat is recorded, from tbe otber perspective it
is an aspect of tbe act of recording.
We may call one tbe life-bistory of a religious individual and tbe otber tbe reli-
gious bistory of an individuallife. Tbe first is comparable to otber biograpbies of

* A briefer version of this paper was presented at the annual meeting of the Society for the
Scientific Study ofReligion, in San Francisco, October 1973.
106 Paul Ransohoff

the sameindividual and complementary to historians' attempts at locating him in


political or cultural history; the second is comparable to the autobiographies of
other individuals and complementary to other works by the same author.
It is important to recognize that these orientations toward autobiographies are
meant as complementary perspectives, not as exclusive categories or as evaluative
norms. Some critics have erected the biographical or literary emphases into critical
standards and have assessed the value of particular works in terms of their fulfilling
or deviating from these norms. Works which achieve a biographical unity by means
of a principle of selection have been highly esteemed by writers such as Shumaker
and Mandel 2 . Others, eg. Gusdorf and Pascal 3 , have idealized those autobiographies
which embody a process of revelation and discovery rather than those which pre-
sent a complete and coherent picture.
More recent studies of autobiography have tended to be less exclusive and take
into consideration a wide range of factual accounts, quasi-fictional dramatizations,
and lyrical evocations. 4 The attitude taken here is more in this direction. After spe-
cifying a few elements that are central to the autobiographical genre, one can
appreciate the varieties of motivation, form, and style with which individuals have
brought the genre to life. Following Hirsch 5 and Sacks6 , a particular genreis not
understood as having a pre-formed essence, but neither is it simply anything that a
writer wants it tobe; rather it is a willed type of meaning (Hirsch), a form of intui-
tive knowledge that makes possible the recognition of a work as a particular
instance of a generaltype (Sacks). A generic distinction is used by the writer in
composing and by the reader in understanding a text; it serves neither as a classifi-
catory pigeon-hole nor as a binding structure, but as an organizing principle that is
elaborated and refined in the creation and interpretation of a work's meaning.
In this sense genres can be understood as social institutions or conventions which
arise, persist, and undergo change along with the historical development of the cul-
ture in which they participate. Autobiographies can be examined in such contexts
as the social or religious groups which produce them 7 , or in relation to the evolving
literary genres (eg., hagiography, biography, lyric) from which they are distin-
guished. 8 In a psychological approach, however, such perspectives are subordinate
to a primary consideration of the author's self-conception, as it is presented directly
in the portrayed main character, and implied indirectly in the narrator's voice and
stance towards character and audience.
One important aspect of an autobiography is the type of character it presents.
William Howarth, borrowing Northrop Frye's classification of fictional modes
according to the elevation of the hero in respect to the audience 9 , distinguishes
three kinds of autobiography 10 : oratory (Frye's high mimetic), in which the supe-
rior qero teaches a lesson; drama (low mimetic), whose hero entertains by presen-
ting his many roles and skills; and poetry (ironic), in which the reader is drawn into
the hero's uncertainty and self-study. According to this scheme, Bunyan's didactic
lesson belongs to the first type, while Franklin's success story of American charac-
ter and society in commercial and political ventures is an example of the second.
A Psychological Approach to Religious Autobiography 107

Analysis of this sort reveals a central aspect of an autobiographer's self-conception,


the type of hero produced by or presented to his cultureo This corresponds approxi-
mately to the biographical or historical approacho
A different perspective can bring out characteristics of the autobiography as a
literary acto One can focus on the hero not only as a particular kind of presentation
by the author, but also as inviting specific sorts of reception by the audienceo In an
excellent paper on this subject, Hans Robert Jauss transposes Frye's fictional modes
into the terms of a receptional esthetics by elaborating on the types of audience or
reader participation evoked by different kinds of workso 11 J auss does not refer
directly to autobiography, but he does propose kinds of response that arerelevant
to the present discussion, in particular, his concepts of admiring and sympathetic
identificationo In admiring identification, one responds to the hero as the perfection
of a model, a model that surpasses one's hopes for actual attainment, yet which is
rendered more vivid than maxims or doctrines by presentation through the life of
an ideal heroo Sympathetic identification overcomes the distance in idealizing and
admiration, and, by presenting an imperfect hero, can more readily evoke solidarity
and emulationo Both kinds of identification are involved in Bunyan's and Franklin's
autobiographies, as will become evident later For the moment it is enough to
0

appreciate the variety of stances that an autobiographer can take towards his
audience as well as towards his pasto
These varieties are possible because every autobiography has, in effect, two main
characters: protagonist and narratoro On the one hand, there is the explicit self-ref-
erence of narration, and on the other hand, there is the implicit self-reference of a
particular mode of speakingo 12 Or, to employ a distinction made by Emile Benve-
niste, autobiography involves two kinds of statement: historic, narrating past
events; and discourse, in which a speaker tri es to influence a Iisten er in some way o13
It is a mixed entity, which is distinguishable from biography, in which the pro tago-
nist is not identical with the narrator, and from autobiographical fiction, in which
the protagonist may be identical with the narrator but remains distinct from the
authoro An eiemental aspect of the autobiographical contract 14 or convention is the
identity of narrator and protagonist, who are nevertheless analytically separableo In-
deed, it is the way in which the discontinuity between the two is managed that
lends variety and interest to autobiographieso For, as Starobinski points out, a pri-
mary motivation for the writing pf an autobiography is the experience of having
undergone an exemplary transformation which distinguishes a past from a present
self, despite pronomial identityo This characteristic is one of the reasons for the par-
ticular appropriateness of autobiography for describing religious conversionso There
is a tendency for the narration to stop when the role of the protagonist begins to
merge with that of the narratoro Thus, for example, John Henry Cardinal Newman
begins the last chapter of his autobiography, "From the time that I became a Ca-
tholic, of course I have no further history of my religious opinions to narrateo " 15
This matter of identity within difference will become important in our discus-
sion of psychological issues in autobiography Although it is an aspect common to
0
108 Paul Ransohoff

most autobiographies, there are still many variable dimensions to it. Autobiogra-
pherg may not only present different kinds of transformations, but they may assess
differently the source, degree, and significance of change, as well as their personal
means of attainment, their self-acknowledgment as examples, and their responsibi-
lity for the events portrayed and for the potential effects of portraying them.
Because autobiographies are discourse as well as history, and are oriented
towards affecting an audience as weil as towards prohing the riddle of a personal
past, they perform a variety of activities in the course of recounting a life. That is,
they do not only say what they say about that life, but, with particular intentions,
they aim that saying at particular kinds of readers. They may perform a variety of
illocutionary acts 16 ; to assert, confess, apologize, confide, defend, exhort, etc ....
are some examples of activities that can be performed through autobiographical
statement. The actual effect on an audience isaseparate question; the perlocutio-
nary force of a statement, what is accomplished by saying it, is not entirely in the
control of the speaker. Whereas a statement's perlocutionary action depends on the
specific attitudes and responses of an audience, an illocutionary act can be success-
ful if it fulfills particular conventions and is performed in appropriate circum-
stances. For autobiography, the history of its perlocutionary forceisamatter for the
history of taste, while its changing illocutionary activity involves changes in the
social contract of generic conventions. Before turning to an example of such a
change between the times of Bunyan and Franklin, it will be useful to examine
some of the psychological phenomena involved in autobiographical writing.

111.

The organizing principles and literary force of autobiography can be understood


psychologically by drawing upon the work of Erik Erikson and by relating two rele-
vant concepts of his to the viewpoints of other psychological writers. The concepts
of "identity" and "generativity" can be associated respectively with the mimetic
and didactic thrusts of religious autobiography. Issues of identity come into play in
the autobiographer's efforts to establish a unifying theme in his self-presentation,
eg. Augustine's humble confessor, Bunyan 's tortured sinner, or Franklin 's good citi-
zen - these only indicate some of the ways of establishing unity within change.
These self-images are formed and selected under the infuence of ideals and values,
which arealso reflected in the literary act of communicating the self-image. In what
may be characterized as an act of generativity, an author attempts to pass on to his
readers the values that have shaped and sustained his life, by presenting his actual or
idealself as a model for identification.
For purposes of application to autobiography, it will be useful to place Erikson's
concepts of identity and generativity in the context of other discussions of ideals
and the self.
The concept of identity was introduced by Erikson, who discerned in adolescent
A Psychological Approach to Religious Autobiography 109

character formation some decisive developments that reached back towards child-
hood and anticipated adult social experience. He suggested that the term "identity"
connote many things, some of the most important of which are: a conscious sense
of individuality, an unconscious striving for continuity of character, a realistic self-
esteem, and the maintenance of solidarity with a group's ideals. 17 It has already been
indicated that the issues of continuity and change are almost inherent in autobio-
graphy. The importance of self-esteem and group solidarity will become evident in
the course of the discussion of ideals.
The notion of identity has proved suggestive to workers in the area of psycholo-
gy and history 18 , but many psychologists have feit obligated to criticize or attempt
to clarify it. Part of the debate has centered on the problern of whether the concept
belongs to depth psychology or to social psychology. David de Levita has cast it pri-
marlily into the context of roles and their psychic representations. 19 Norman Ta-
bachnick has emphasized the dual aspects of social definition and self-realization. 20
Although Rapaport has appropriated Erikson's work on the epigenetic principle of
psychosocial development, of which identity forms a key part, as a legitimate
extension of ego psychology 21 , other psychoanalytic writers have criticized the
concept. While Edith Jacobson 22 complains of the concept's vagueness, but pro-
ceeds to clarify it and employ it in her discussion of self- and object-differentiation,
Edward Glover 23 and Nathan Lr.ites 24 argue that the term adds little to psychologi-
cal knowledge and is reducible to more basic concepts.
One of the most useful critiques, despite its attempt to disown the concept of
identity as foreign to introspective psychology, comes from Heinz Kohut 25 , who
considers the "identity crisis" of adolescence not as a unique developmental task
but as one of the ''vicissitudes of self-cohesion" common to any transitional
period. 26 This cohesiveness, which may not be unrelated to Erikson's notion of
continuity and wholeness, requires a certain level of self-esteem, which entails some
positive narcissistic cathexis of the self. Following Kohut's line of thought, Gedo,
Wolf, and Terman have discussed adolescence as a period for the completion of psy-
chic structure through the integration into the personality of ideals from a social
network wider than the family. 27 The value of this perspective is that it relates the
phenomenon of sense of self, or sense of identity, to a context of the maintenance
of self-esteem in terms of the development of narcissism and the maturation of
ideals. In this sense, identity can be understood as a synthesis of self-images into an
organized self-representation 28 , which yields self-esteem in accordance with the dis-
crepancy br harmony of this representation with the individual's ideal concept of the
self. 29 As Schafer points out, there will always be some tension between the actual
self-representation and the ideal shape of the self, for the ideal will change as the
actual progresses. Erikson has made this same point in only slightly different terms:

Ego identity could be said to be characteri2ed by the more or less actually attained but forever-
to-be-revised sense of the reality of the self within social reality; while the imagery of the ego
ideal could be said to represent a set of to-be-strived-for but forever-not.quite-attainable ideal
goals for the self. 30
110 Paul Ransohoff

The terminological discrepancy should not obscure the fundamental agreement on


the nature of ideals and self-images in psychic life. In relation to autobiography, it
will become evident that the ideals which give shape and direction to the presented
self also inform the kind of literary act that the autobiographer performs in trans-
mitting those values through presenting hirnself to an audience.
The notion of generativity has received less critical attention than identity, but
it too can be clarified for our purposes in relation to identitiy and in the context of
discussions of ideals and the self. Erikson conceives of generativity as the care and
responsibility for the establishment and maintenance of the well-being of future
generations. Operating primarily in the context of the family, it also functions, par-
ticularly in the "cultural workers" or "great men" of history, in more symbolically
elaborated forms such as productivity or creativity. That this is an essentially psy-
chosocial concept is indicated by the fact that Erikson's fullest discussion of genera-
tivity is in relation to Gandhi's religio-political activity. 31 Erikson's work on history
and leadership can be seen as an elaboration of Freud's view of the role of the ego
ideal in the constitution of groups, "A primary group isanurober of individuals
who have substituted one and the same object for their egoideal and have conse-
quently identified with one another in their ego" 32 •
Beyond the aspects of identification of audiences with heroes in literature,
which Jauss has described, there are parallels between the psychological processes
of religious and politicalleadership described by Freud and Erikson and the influen-
ces exerted by artistic activity. These have been most fully investigated by Ernst
Kris 33 , who examines art as a process of communication involving a message, a sen-
der, and a receiver. The message is not simply a paraphraseable proposition, but is
embedded in the communicative act and its context of sharing varieties of informa-
tion, experience and action. In distinguishing among the communicative activities
of the artist, politician, educator, and priest, Kris characterizes religious communi-
cation as "a call to a common spiritual experience, linking communicator and
audience to an ideal to which both submit"34 •
In religious autobiography this ideal would be present both in the shape of the
protagonist's life, and in the narrator's stance towards his audience. This dualloca-
tion follows from the way in which the identity of a narrator and protagonist in
autobiography modifies the phases of esthetic experience. Kris describes three steps
in esthetic experience: first, recognition of the subject matter; second, identifica-
tion with the subject portrayed; and third, identification with the artist or creator
of this subject. In autobiography, because the author is identical to the subject,
the second and third stages coalesce. This results in the reader's experiencing in his
identifications whatever tensionsexist between the protagonist's experiences and
the narrator's ideals. This lends immediacy to the author's act of generativity in the
sharing of his ideals and values with his contemporaries and with posterity. As we
shall see, this act can stir up issues of humility and shame opposing the pride and
exhibitionism of presenting one's life as a warning or as an example.
A Prychological Approach to Religious Autobiography 111

IV.

John Bunyan's Grace Abounding to the Chief of Sinners and Benjamin Franklin's
Autobiography make for an interesting comparison, not only because they illustrate
quite different autobiographical styles and intentions, but also because there exist
between them important historic and thematic links which illuminate a stage in the
evolution of autobiographical conventions. While Bunyan's work is an outstanding
example of Puritan autobiography as it flourished in seventeenth century England,
Franklin's is an example of the secularized Protestant ethic. Max Weber, of course,
in The Protestant Ethic and the Spirit of Capitalism 35 , saw Franktin as a paradigma-
tic expression ofthat ethos. Other writers have drawn attention to the Puritan
background of his tife and work, even to the extent of calling him "an American
Bunyan" 36 • Some light can be shed on the similarities and differences of these two
autobiographers by examining, in turn, their self-representations as protagonists,
the means they employ for bridging the gap between their actual and ideal selves,
and their goals as narrators imparting exemplary values to their readers.
Bunyan's and Franklin's protagonists differ in the nature of their ptights and
their remedies. Bothof them undergo exemplary transformations, but Bunyan's is
from conviction of sin to reception of grace and assurance of salvation, while
Franklin's is from poverty and obscurity to affluence and reputation. Bunyan epito-
mizes the Puritan autobiography, which arose as a genre on the basis of the require-
ment that each person continuously examine his experience for signs of the assu-
rance of grace and for temptations to forsake that assurance. Following a typical
conversion pattern, autobiographies traced a pilgrim's progress from complacency
through a feeting of depravity to a conviction of divine grace. But this final convic-
tion had to be re-won continually, and Bunyan vividly portrays his repeated and
haunting fears of having sold his only hope for eternal happiness.
In contrast to Bunyan's alternating periods of elation and gloom, corresponding
to the momentary congruence or gross discrepancy between his ideal and actual
self-image, Franklin's equanimity reflects his rational pursuit of more itemized and
secularized virtues. Poverty and affluence, which had been for the Puritan merely
outward signs of in ward states of sin and grace, become for Franktin the titeral con-
ditions to be escaped and goals to be reached. Whereas for Bunyan the experience
of anguish and the promise of comfort determine the necessity of faith, for Frank-
tin an initiation into the world of self-interest and public opinion gives him a feel
for the practical utility of virtue. Bunyan represents the saved sinner, telling his tale
for the glory of God and for the edification of the unregenerate; Franklin is the
good citizen, hoping to contribute to the happiness and welfare of his countrymen.
As means for reaching their respective goals, Bunyan and Franktinshare in
assigning high value to self-observation. They both employ what Weber calls the
method of "retigious account books" 37 , paying close attention to and keeping
records of significant experiences of success and failure. This ancient tradition had
been used by Catholics in ordertobe able to make a more complete confession; for
112 Paul Ransohoff

the Protestant it became a means for taking the pulse of one's religious and moral
progress. For Bunyan, the mode of attending to experience takes precedence over
any other, and his drama unfolds in a completely interior landscape, devoid of the
everyday markings of geographical space and chronological time. Franklin's story
takes place in the concrete commercial and political worlds of Boston and Philadel-
phia, but his chart of moral virtues occupies a central place in the narrative and is
important in reflecting and forming the character that can successfully negotiate
those worlds.
Despite the similarities, there are significant differences in the authors' uses of
self-observation. Formally, Bunyan's book-keeping is less differentiated, but it is
more intense and decisive, than Franklin's. Bunyan watches fearfully for signs of
having committed the one, fatal sin against the Holy Ghost, which for him would
be to sell Christ. In this state he experiences hirnself as a passive battleground for
struggles between God and the Devil and for shouting-matches between saving and
condemning Biblical passages. Franklin, rather than guarding against one sin, con-
structs a chart of thirteen virtues which he strives to convert into habits, by concen-
trating especially on one virtue per week. As he goes over the chart repeatedly, mar-
king down his lapses, he aims at improving by small increments. But his mistakes do
not 1oom up with the all-or-nothing finality of Bunyan 's; they are correctable, like
the printer's errata to which he compares some of his faults. When repeated erasures
have worn holes in his paper chart, he good-humored1y transfers it to ivory, in anti-
cipation of the continued occurrence of his lapses, and as if to symbolize their per-
manent erasability.
Perhaps the most interesting comparisons that can be made between Bunyan and
Franklin concern their stances as narrators and the mixtures of pride and humility
with which they tell of their lives. Each one presents hirnself for the edification of
his readers, using his life by turns as an exemplum or as a warning. The ideals which
gave order and meaning to his life are held up as worthy of emulation, while the
mistakes due to ignorance or the deviations due to a weak will are meant to warn
the reader.
Both Bunyan and Franklin speak with a parental voice. Bunyan follows the Puri-
tan tradition of addressing his "children", "for the support of the weak and
tempted People of God"; Franklin literalizes this stance and addresses the autobio-
graphy to his son, William, and to "the manners and situation of a nsing people".
Both attitudes reflect a sense of the importance of diligence in one's calling, doing
public duty in the service of others.
There are differences, however, in the responsibility that each author assumes
for his fortunes, and corresponding differences in the kind of gift which he aims to
bestow on his readers. Neither one of them advocates the direct imitation of his
experience. For Bunyan, "because the experience is carefully defined as an effect
rather than a cause of grace, its imitation would be pointless."38 For Franklin, it is
not his achievment that is exemplary, but his method, the "Means and Manner of
obtaining Virtue." Whereas Bunyan, despite his stress on the value of self-examina-
A Psychological Approach to Religious Autobiography 113

tion, sees man ultimately as the passive recipient of divine grace, Franklin points to
the smaller but cumu1ative benefits of active self-education and experimentation.
The responsibility of the pious Puritan is to strive to find out whether or not he is
predestinated among the elect; the self-made man, having been given certain oppor-
tunities and talents, owes it to hirnself and to his countrymen to achieve whatever
success and render whatever service he can.
Related to this difference in the kind of responsibility that each autobiographer
assumes for hirnself and attempts to impart to his reader is the pride and humility
he fee1s in presenting hirnself before an audience. Bunyan, of course, pictures him-
self.as an abject and horrible sinner. Before God he is completely humbled and
debased, yet there is a certain arrogance towards other men. He is not just any sin-
ner, but the chief of sinners; hissins are compared to those of Paul; and, after all,
he is among the elect. Barrett Mandell captures something of the paradox of this
pride-in-humility:

By narrating as a humble, self-torturing, self-abnegating, God-glorifying, grace-recognizing Chri-


stian, he is in fact magnifying hirnself by the standards of the community for which he writes,
where tobe the most humble, most contrite, most guilty, is tobe a culture hero. 39

lt is the act of narrating that provedes him the opportunity to change from being
passively victimized by his experiences to serving actively as a didactic instrument
ofGod.
Humility is a goal for Franklin, too, but he is less sure than Bunyan of the possi-
bility of attaining it. Whereas Bunyan's immense self-abasement before God allows
him his self-advertising as one of the elect before man40 , Franklin's candid admis-
sion of his failure to achieve humility tends to justify his equally candid, but never
extravagant, pride in his accomplishments. To Franklin, vanity is less a sin than an
obstacle to carrying out projects. He finds that, despite his failure to achieve the
reality of humility, his marked success in achieving the appearance of it has proved
quite useful. He sees pride as an aspect of human behavior, as something that is per-
haps correctable, but not warranting severe censure. This point of view shows itself
in the way he suggests a change in a couplet of Pope's that deals with this very
issue. Pope's lines read:

Immodest words admit of no defense,


For want of modesty is want of sense.

Franktin comments:

Now, is not want ofsense (where a man is so unfortunate as to want it) some apology for his
want of modesty? and would not the lines stand more justly thus?
Immodest words admit but this defense,
That want of modesty is want of sense.
This, however, I would submit to better judgements.41
114 Paul Ransohoff

In a humble and inquiring fashion he commits the rather immodest act of correc-
ting a famous poet. Furthermore, he changes the senses of the words "defense" and
"apology" so that they suggest explanationrather than justification. He then
(humbly) defers to the better judgment of others, recalling another line from Pope
which he has just quoted, "To speak, tho' sure, with seeming diffidence." This iro-
nic mixture of modesty and immodesty is both humorous and winning. Franklin's
goal is to convey to his readers a sense of the possibility and some of the methods
of improving themselves and their fellow citizens. To do so, he must establish him-
self, in Weber's terms, as "an honest man of recognized credit", and his candor
serves this end. When he explains that "there is perhaps no one of our natural pas-
sions so hard to subdue as pride ... ; even if I could conceive that I had completely
overcome it, I should probably be proud of my humility'.42 , he is reporting the
results of his experience. He suggests to his readers that they, too, can afford a little
pride as they attain some success in life.
Both Bunyan and Franklin idealize themselves by attaching themselves to a lar-
ger reality. And both of them attempt to transmit t~ their audience a sense of the
source ofthat idealization and a method by means of which they can share in it.
While Bunyan seeks to join his readers with him in submission before an omnipo-
tent divinity, Franklin aims at solidarity and industrious pride in the progress of a
"rising people". Psychologically, these represent alternative cultural expressions of
some of the narcissism of group life. 43 That Bunyan and Franklin not only make
manifest but also contribute to the development of religious values and national
prestige indicates the force of the ideals which autobiographies can both embody
and impart.

Notes

1 M. Weber, The Protestant Ethic and the Spirit of Capitalism, translated by Talcott Parsons,
New York 1958.
2 W. Shumaker, English Autobiography: Its Emergence, Materials, and Form, Berkeley, Calif.,
1954; B. J. Mandell, The Autobiographer's Art, in: Journal of Aesthetics and Art Criticism,
vol. 27, no. 2, Wmter 1968, pp. 215-226.
3 G. Gusdorf, Conditions et limites de l'autobiographie, in: Formen der Selbstdarstellung:
Analekten zu einer Geschichte des literarischen Selbstportraits, ed. G. Reichenkron, Berlin,
1956; R. Pascal, Design and Truth in Autobiography, Cambridge, Mass.,1960.
4 F. Hart, Notes for an Anatomy of Modern Autobiography, in: New literary History, vol. 1,
1969-70, pp. 485-511;
W. L. Howarth, Some Principles of Autobiography, in: New Literary History, vol. 5,
1973-74,pp.363-83;
P. Lejeune, Le pacte autobiographique, in: Poetique, no. 14, 1973, pp. 137-162;
E. W. Bruss, L'autobiographie consideree comme acte litteraire, in: Poetique, no. 17, 1974,
pp.14-26.
5 E. D. Hirsch, Validity in Interpretation, New Haven, Conn., 1967.
6 S. Sacks, The Psychological Implications of Genre Distinctions, in: Genre, vol. 1, 1968,
pp. 106-15.
A Prychological Approach to Religious Autobiography 115

7 D. Ebner, Autobiography in Seventeenth.Century England: Theology and the Self, The


Hague, 1971.
D. Shea, Spiritual Autobiography in Early America, Princeton, 1968.
0. C. Watkins, The Puritan Experience: Studies in Spiritual Autobiography, New York,
1972.
8 E. W. Bruss, Autobiography: The Changing Structure of a Uterary Act, Ph. D. dissertation,
U niversity of Michigan, 1972.
9 N. Frye, The Anatomy of Criticism, Princeton, N. J ., 1957.
10 Howarth, op. cit.
11 H. R. Jauss, Levels of ldentification of Hero and Audience, in: New Literary History, vol. 5,
197'3-74, pp. 283-318.
12 This distinction, and several points in this paragraph, are madeinan excellent paper by
J. Starobinski, The Style of Autobiography, in : S. Chatman, ed., Literary Style: A Sympo-
sium, New York, 1971.
13 Problemes de linguistique generale, Paris. 1966, p. 242; cited in Starobinski, op. cit.
14 Fora full discussion of the autobiographical contract, and the relationship to fiction, biogra-
phy, and other genres, cf. Lejeune, op cit.
15 Apologia Pro Vita Sua, New York, 1968, p. 184.
16 The theory ofillocutionary acts was developed by J. L. Austin, How to Do Things with
Words, New York, 1965, and J. R. Searle, Speech Acts, Cambridge, 1969. The application
ofthis theory to Iiterature has begun tobe made by R. Ohmann, Speech, Action, and Style,
in: S. Chatman, ed., op. cit.; Speech Acts and the Defmition of Literature, in: Philosophy
and Rhetoric, vol. 4, 1971, pp. 1-19. The specific connection with autobiography has been
made by Bruss, op. cit. '
17 E. Erikson, ldentity and the Life Cycle, New York, 1959, pp. 23, 102.
18 cf. eg., R. Bushman, Jonathan Edwards as Great Man: ldentity, Conversion and Leadership
in the Great Awakening, in: Soundings, vol. 52, 1969, pp. 15-46.
19 The Concept of ldentity, The Hague, 1965.
20 Self-Realization and Social Defmition: Two Aspects of ldentity Formation, in: Internatio-
nal Journal of Psycho-analysis, vol. 48, 1967, pp. 68-75.
21 D. Rapaport, Historical Introduction, in: E. Erikson, op. cit.
22 E. Jacobson, The Self and the Object World, New York, 1964.
23 E. Glover, Metapsychology or Metaphysics: A Psychoanalytic Essay, In: Psychoanalytic
Quarterly, vol. 35, 1,66, pp. 173-190.
24 N. Leites, The New Ego, New York, 1971.
25 H. Kohut, The Analysis ofthe Self, New York, 1971.
26 H. Kohut, Thoughts on Narcissism and Narcissistic Rage, in: The Psychoanalytic Study of
the Child, vol. 27, 1972, pp. 360-400.
27 E. S. Wolf, J. E. Gedo, and D. M. Terman, On the Adolescent Process as a Transformation of
the Self, in: Journal of Youth and Adolescence, vol. 1, 1972, pp. 257-72.
28 J. Sandlerand B. Rosenblatt, The Concept ot the Representational World, in: The Psycho-
analytic Study ofthe Child, vol. 17, 1962, pp. 128-45.
29 Fora discussion of ideal self, see J. Sandler, A. Holder, and D. Meers, The Ego Ideal and the
Ideal Self, in: The Psychoanalytic Study ofthe Child, vol. 18, 1963, pp.139-58; seealso
R. Schafer, Ideals, the Ego Ideal, and the Ideal Self, in: R. R. Holt, ed. Motivesand Thought,
Psychological lssues Monograph, no. 18/19, New York, 1967.
Fora discussion of self-esteem as a function of harmony or discrepancy between the ideal
and the actual self, see W. G. Joffe and J. Sandler, Some Conceptual Problems in the Consi-
deration of Disorders of Narcissism, in: Journal of Child Psychotherapy, vol. 2, 1967,
pp. 56-66; also A. Reich, Pathologie Forms of Self-Esteem Regulation, in: The Psychoana-
lytic Study ofthe Child, vol.15, 1960, pp. 213-232.
30 Erikson, op. cit. p. 149.
31 Erikson, Gandhi's Truth, New York, 1969.
32 Group Psychology and The Analysis of the Ego, 1921.
33 E. Kris, Psychoanalytic Explorations in Art, New York, 1952, especially pp. 29-32, 39.
34 ibid., p. 39.
35 M. Weber, op cit.
116 Paul Ranrohoff

36 C. L. Sanford, An American Pilgrim 'r Progre", in: American Quarterly, vol. 6, 1954,
pp. 297 -310; cf. also Shea, op. cit., p. 293, and R. Sayre, The Examined Self, Princeton,
N. J., 1964, p. 34.
37 Weber, op. cit., p. 124.
38 Shea, op. cit., p. 241.
39 B. J. Mandel, Bunyan and the Autobiographer's Art, in: Criticism, vol. 10, 1968, p. 236.
40 L. D. Lerner, Puritanism and the Spiritual Autobiography, in: Hibbert Journal, vol. 55,
1956-57, pp. 373-86.
41 The Autobiography of Benjamin Franklin, New York, 1940, p. 24.
42 ibid., p. 114.
43 Kohut, 1972, op. cit., pp. 397-8.
Untersuchungen zur emotionalen Bedeutung religiöser Konzepte*

Albert Fuchs

Einleitung

Die vorliegenden Untersuchungen wurden als Erkundungsstudie zur Struktur des


emotionalen Gehalts einer rudimentären religiösen Erfahrung konzipiert. Glocks
(1969, engl. 1962) Analyse der Hauptdimensionen der Religiosität diente dabei als
kategoriales Bezugssystem. Denn statt Religiosität als einzige Variable zu betrach-
ten, muß man unseres Erachtens mit diesem Autor von einem religiösen Verhaltens-
und Erlebensbereich ausgehen, in dem zahlreiche Variablen zu identifizieren und
hypothetisch miteinander und mit Antezedens- und Sukzedensbedingungen in Be-
ziehung zu setzen sind (vgl. Dittes 1969). Andererseits imponiert Glocks Analye
als adäquate vortheoretische Darstellung dieser Variablenvielfalt, weil sie keine ein-
seitige Festlegung des Referenzrahmens zur operationalen Bestimmung von Religio-
sität beinhaltet, sondern weit genug erscheint für einen Ausgang vom Selbstver-
ständnis der Befragte.n wie von normativen Vorstellungen organisierter religiöser Sy-
steme (Kirchen) (vgl. Boos-Nünning 1972, 28 ff.).
Bei Betrachtung der verschiedenen uns bekannten Weltreligionen glaubt Glock
(1969) trotz aller Variationen der religiösen Ausdrucksformen und trotz der Viel-
falt der im Laufe der Geschichte von verschiedenen Kulturen als "religiös" definier-
ten Phänomene eine gewisse Übereinstimmung über allgemeinere Dimensionen zu
finden, in denen sich Religiosität nach den Erwartungen dieser Religionen an ihre
Anhängerschaft ausdrücke. Und zwar können nach ihm fünf derartige Dimensionen
unterschieden werden, so daß die vielfältigen Manifestationen der Religiosität jeweils
der einen oder anderen Dimension zuzuordnen sind: ( 1) Die Dimension der religiö-
sen Erfahrung soll dem Umstand Rechnung tragen, daß alle bekannten Religionen
davon ausgehen, irgendwann gewinne der religiöse Mensch einen direkten Zugang
zur letzten Wirklichkeit oder werde von einer religiösen Gemütsbewegung erfaßt.
(2) Die ideologische Dimension bezieht sich darauf, daß von jedem religiösen Men-
schen erwartet wird, daß er sich zu bestimmten Glaubenssätzen seiner Religion
bekennt. (3) Die ritualistische Dimension schließt alle spezifischen Praktiken ein, an

* Dieser Beitrag stellt einen überarbeiteten Teil der im Juli 1973 von der Philosophischen
Fakultät der Universität Bonn angenommenen Inaugural-Dissertation des Verf. dar.
Sämtliche Berechnungen wurden auf der Rechenanlage der Gesellschaft flir Mathematik und
Datenverarbeitung (GMD) an der Universität Bonn durchgeführt.
118 Albert Fuchs

die sich die Anhänger einer Religion zu halten haben. (4) Die intellektuelle Dimen-
sion bezieht sich auf die exegetisch-kirchengeschichtlichen Kenntnisse und das Wis-
sen um die Glaube~slehre. (5) Die Dimension der Konsequenzen soll schließlich alle
säkularen Folgen religiösen Glaubens, religiöser Praxis und religiösen Wissens zusam-
menfassen.
In unserem Zusammenhang von besonderem Interesse ist eine eingehendere Ana-
lyse der Dimension der religiösen Erfahrung, wobei davon auszugehen ist, daß man
religiöses Erleben nicht mit den dramatischen Vorkommnissen (Konversion, Ek-
stase ... ) identifiziert, sondern unterschiedliche Formen in Betracht zieht, die mit
religiösem Glauben und religiöser Praxis einhergehen. Starks (1965) "Taxonomie
der religiösen Erfahrung" stellt in diesem Sinne mögliche Graduierungen dieser Er-
fahrung in Rechnung. Im Anschluß u. a. an James ( 1902) betrachtet er als wesent-
liches Element einer vom Individuum als religiös definierten Erfahrung

" ... some sense of contact with a supernatural agency", d. h. "all religious experiences ... con-
stitute occasions defmed by those experiencing them as an encounter between themselves and
some supernatural consciousness" (Stark 1965, 99).

Da die "Begegnung mit dem Heiligen" demnach zum Zweck der phänomenalen
Analyse als interpersonale Begegnung zu konzipieren ist, stellt der Grad der Intimi-
tät zwischen den beiden Partnern einen Hauptordnungsgesichtspunkt religiöser Er-
fahrung dar. Nach Stark (1965) lassen sich vier allgemeine Konfigurationen solcher
"interactor-relations" mit religiöser Valenz beschreiben:

"1. the human actor simply notes (feels, senses etc.) the existence or presence of the divine
actor. 2. mutual presence is acknowledged, the divine actor is perceived as noting the presence
of the human actor. 3. the awareness of mutual presence is replaced by an affective relationship
akin to Iove or friendship. 4. the human actor perceives hirnself as an confident of and/or fellow
participant in action with the divine actor" (a.a.O., 99).

Diesen Konfigurationen entsprechen nach Stark (1965) vier Typen religiöser Erfah-
rung- "confirming experience", "responsive experience", "ecstatic experience"
und "revelational experience" -, bei denen wiederum verschiedene Untertypen zu
differenzieren sind. Der Autor vermutet, daß die gleiche Rangfolge hinsichtlich der
intra- und intersubjektiven Auftretenshäufigkeit dieser Erfahrungsformen, hinsicht-
lich des Grades der Ermutigung durch religiöse und säkulare Normen und unter
einem Entwicklungsgesichtspunkt gilt, das letzte, sofern jemand von den weniger
komplexen zu den komplexeren Formen fortschreiten dürfte. Entsprechende Typen
diabolischer Erfahrung seien zumindest aus historischen Gründen anzunehmen, da_·
diese in der Religionsgeschichte des Westens kaum eine geringere Rolle gespielt habe
als die Begegnung mit dem Heiligen ..
"Glock (1969) weist selbst auf diffusere Formen religiöser Erfahrungen hin, die er
mit den Begriffen "religiöses Bedürfnis", "Erkennen", "Vertrauen (oder Zuver-
Untersuchungen zur emotionalen Bedeutung religiöser Konzepte 119

sieht)" und "Furcht" umschreibt. So liegt es nahe, einen dem ersten der Starksehen
Typen noch vorausliegenden religiösen Erfahrungstyp zu hypostasieren, bei dem die
Objektivation eines transzendenten Gegenübers auf ein Minimum reduziert sein
dürfte. Die Struktur des emotionalen Gehalts speziell dieser Erfahrung steht im fol-
genden zur Frage.
Dabei wird davon ausgegangen, daß religiöse Sprache, genauer: religiöses Voka-
bular, einen Zugang zu diesem Bereich ermöglicht. Dazu ist anzunehmen, daß die
emotionale Bedeutung religiöser Konzepte psychischen Prozessen entspricht, die
partiell mit den durch die bezeichnete Erfahrung konstituierten Prozessen überein-
stimmen. Eine solche Annahme kann sich auf die vor allem von Osgood (1952; 1953;
1971) entwickelte Mediationstheorie der Bedeutung stützen, wonach Bedeutungspro-
zesse Teilreaktionen der Gesamtreaktion auf die dem jeweiligen Konzept entsprechen-
de Erfahrung darstellen. Als empirischer Beleg für die Annahme einer engen Beziehung
zwischen affektiven Prozessen und emotionaler Bedeutung von Wörtern sei ein Be-
fund Bousfields ( 1950) erwähnt, wonach auf die gleichen Stimuli bei (selbsteinge-
schätzter) positiver Stimmung deutlich mehr positiv getönte Assoziationen produ-
ziert wurden als bei negativer (während allerdings bei negativer Stimmung nicht
wesentlich mehr negative Assoziationen geäußert wurden als bei positiver). Weiter
wird vorausgesetzt, daß man von der übersituativen und interindividuell relativ inva-
rianten Bedeutung qes religiösen Vokabulars ausgehen kann, um zu möglichst allge-
meinen Aussagen über den spezifizierten religiösen Erfahrungstyp zu gelangen. Die
Gültigkeit dieser Annahme wird anhand unseres Datenmaterials zu prüfen und zu
diskutieren sein.
Es gibt allerdings keine völlig objektive, direkte Methode, die Bedeutung verbaler
Einheiten zu erfassen. Die Schritte der indirekten Erfassung von Bedeutung, die Mil-
ler (1967) für den allgemeinen Fall skizziert, gelten auch für unseren Fall: (1) Be-
stimmung der Bedeutungsähnlichkeit der interessierenden verbalen Einheiten (für
eine spezifizierte Beurteilerpopulation); (2) Ermittlung der einer auf diese Weise
erhaltenen Datenmatrix zugrundeliegenden Struktur; (3) Identifikation der resultie-
renden Faktoren oder Cluster in terminiseiner semantischen Theorie bzw. mög-
lichst adäquate Interpretation dieser Faktoren oder Cluster. Im vorliegendeq Fall
wurde ein semantisches Differential ( Osgood 1952; 1971; Osgood et al. 1957) zur
Ermittlung der durch ihre emotionale Bedeutung bedingten Ähnlichkeitsbeziehun-
gen zwischen den Konzepten herangezogen, vor allem weil diese Methode als beson-
ders geeignet gilt, die emotionale Bedeutung von symbolischem Material zu erfassen
(vgl. Ertell964). Sodann bietet diese Technik durch Verwendung bestimmter Beur-
teilungsgesichtspunkte (Skalen) eine Interpretationshilfe bei der Deutung der Kon-
zeptstruktur, sofern diese nach dem Reziprozitätsprinzip von Burt (1937; zit. n.
Pawlik 1968: 280) auf die entsprechende Skalenstruktur bezogen und dadurch mit
anderen Konzeptstrukturen verglichen und theoretisch sinnvoll eingeordnet werden
kann.
Die Methodenunabhängigkeit der Ergebnisse wäre idealiter durch ein nicht-verba-
les, möglichst strikt experimentelles Verfahren nachzuweisen. Geht man im Sinne
120 Albert Fuchs

der dieser Arbeit zugrundeliegenden Bedeutungstheorie davon aus, daß auch die Be-
deutung von Gefühlsbezeichnungen aus Teilen der das jeweils bezeichnete Gefühl
konstituierenden Totalreaktion besteht, und berücksichtigt man ferner die wieder-
holt nachgewiesene Bedeutungsähnlichkeit von Stimuluswörtern und Assoziationen
auf diese Stimuli (vgl. De Burger & Donahoe 1965; Pollio 1964; Staats & Staats
1959), liegt es nahe, den emotionalen Bedeutungsgehalt religiöser Konzepte anhand
gefühlsbezogener Ausdrücke, die auf sie assoziiert werden, zu bestimmen bzw. die
affektiven Bedeutungsbeziehungen zwischen den Stimuluswörtern anhand derarti-
gen Beobachtungsmaterials zu rekonstruieren und mit den mit Hilfe des semanti-
schen Differentials ermittelten zu vergleichen. Eine geeignete Analysetechnik hat
Deese (1962; 1964) entwickelt.

Methode

Konstruktion eines bereichsspezifischen semantischen Differentials: Um möglichst eindeutige


Ergebnisse im Sinne der Fragestellung zu erhalten, war nicht davon auszugehen, daß ein beliebi-
ges semantisches Differential zur Erfassung der emotionalen Bedeutung religiöser Konzepte ver-
wendet werden kann. Entsprechend den vorausgehenden allgemeinen methodischen Erwägun-
gen erschien dazu ein aus unmittelbar gefühlsbezogenen Merkmalen bestehendes Instrument am
geeignetsten. Sofern es zur Gewinnung von Indikatoren für prinzipiell "private" Prozesse
benützt werden sollte, war die erl11bte Einschlägigkeit der Merkmale, ihre spezifische Relevanz
flir die interessierende Konzeptklasse bei einer bestimmten Beurteilerpopulation, als weitere
inhaltliche Voraussetzung valider Ergebnisse zu berücksichtigen (vgl. Fuchs & Schäfer 1972). Im
Hinblick auf die formale Voraussetzung der Eindimensionalität der Skalen bei der Meßwertbil-
dung war besondere Vorsorge zu treffen, daß "echte" Polaritäten verwendet wurden. Zunächst
war dementsprechend ein bereichsspezifisches semantisches Differential zu konstruieren.
In einem ersten Konstruktionsschritt wurden mit Unterstützung von je drei Studenten der
Ev. und Kath. Fakultät der Universität Bonn 28 Hauptbegriffe des traditionellen religiösen
Vokabularsanhand des "Deutschen Wortschatzes" von Wehrte & Eggers (1961) ermittelt und
dann einer Stichprobe von N =110 erwachsenen Personen, die nach dem Quotenverfahren
unter Berücksichtigung der Variablen Alter, Geschlecht, Schulbildung und Konfession ausge-
wählt worden waren, mit der Instruktion vorgelegt, die Ausdrücke für Gefühle, die ihnen zu den
einzelnen Begriffen einfielen, zu äußern. Von den 267 auf diese Weise erhaltenen Ausdrücken
für Gefühle wurden jene 60 als relevant betrachtet, die sowohl hinsichtlich der Nennung durch
die Vpn wie hinsichtlich des Auftretens bei den Reizwörtern im oberen Quartillagen. 16 wei-
tere Ausdrücke des ursprünglichen Pools wurden trotz konventionsgemäß zu geringer Auftre-
tenshäufigkeit über Vpn und/oder Stimuli beibehalten, teils im Hinblick auf den nächsten Kon-
struktionsschritt, d. h. weil sie als Antonyme hinlänglich relevanter Assoziationen in Frage zu
kommen schienen, teils mit Rücksicht auf ihre Verwendung bei Versuchen zur Bestimmung der
Dimensionen der Affektivität (vgl. Traxe/1960; Traxel & Heide 1961).
In einem zweiten Konstruktionsschritt waren zu den als relevant ausgewählten Gefühlsbe-
zeichnungen Antonyme zu fmden. Zwei Gruppen von insgesamt N =120 Personen (61 Studen-
ten und 59 Erwachsene mit Volks- und Mittelschulbildung, 57 m und 63 w, im Alter zwischen
18 und 33 Jahren) wurden gebeten, zu jedem der in konstanter Zufallsordnung gebotenen
76 Merkmale einen Ausdruck von gegensätzlicher Bedeutung aus der alphabetisch geordneten
Liste dieser Stimuli zu suchen. Von den auf diese Weise erhaltenen Wortpaaren wurden die als
"echte" Polantäten ausgewählt, bei denen die relative Häufigkeit, mit der beide Glieder wechsel-
seitig als Gegensätze genannt worden waren, möglichst hoch war. Um eine größere Anzahl von
Untersuchungen zur emotionalen Bedeutung religiöser Konzepte 121

Polaritäten im Merkmalpool zu behalten, mußte das Kriterium allerdings - offensichtlich, weil


sich im Ausgangsmaterial zahlreiche Synonyme und Quasisynonyme befanden - auf einen Wert
von p ;>. 25gesetzt werden. Doch fanden nur noch Gegensatzpaare Berücksichtigung, bei denen
in beiden Gruppen dieser kritische Wert nicht unterschritten wurde. Nach Eliminierung einiger
sehr bedeutungsähnlicher Polaritäten verblieben folgende 21 (in Zufallsfolge und mit zufälliger
Anordnung der Pole): Freiheit-Zwang (FRE-ZWA), Freude-Trauer (FRE-TRA), Unsicher-
heit-Sicherheit (UNS-SIC), Erleichterung-Belastung (ERL-BEL), Ohnmacht-Macht (OHN-
MAC), Ruhe-Unruhe (RUH-UNR), Schwäche-Stärke (SCH-STA), Zufriedenheit-Unzufrie-
denheit (ZUF -UNZ), Verehrung-Verachtung (VERe-VER), Haß-Liebe (HAS-LIE), Angst-
Mut (ANG-MUT), Dank-Undank (DAN-UND), Freude-Ärger (FRE-AER), Gleichgültigkeit
-Verantwortung (GLE-VER), Beruhigung-Erregung (BER-ERR), Vertrauen-Mißtrauen
(VER-MIS), Neugierde-Gleichgültigkeit (NEU-GLE), Verlassenheit-Geborgenheit (VER-
GEB), Zuversicht-Verzweiflung (ZUV -VER), Stolz-Demut (STO-DEM), Gleichgültigkeit -An-
teilnahme (GLE-ANn.
Von den 28 religiösen Konzepten, die bei dem Assoziationsversuch als Stimuluswörter
gedient hatten, wurden 16 nach zwei Gesichtspunkten ausgewählt: Erstens sollte der Wehrle·
Eggers'sche Bereich "Religiöse Einrichtungen" unberücksichtigt bleiben. Zweitens sollten die
Wortformen, damit ihre Bekanntheit bei allen Beurteilern gewährleistet war, unter den ca. 10
Mill. Formen des Kaedingschen Mischtextes (Meier 1964) wenigstens 100mal vorkommen.
Nach diesen Kriterien wurden folgende Begriffe verwendet (in Zufallsfolge): Glaube (GL), Gott
(GO), Hölle (HO), Engel (EN), Heiliger Geist (HG), Jenseits (JE), Heilige(r) (HE), Gottesdienst
(GD), Sünde (SU), Gebet (GE), Gnade (GN), Predigt (PR), Teufel (TE), Offenbarung (OF),
Himmel (Hl), Jesus Christus (JC).
Datenerhebung: Skalen und Konzepte wurden einander in systematischer Rotation zugeord-
net, so daß eine Höchstzahl von Items zwischen den Wiederholungen der einzelnen Skalen und
Konzepte lag und Bedeutungs-sättigungsprozesse kaum auftreten konnten. Obwohl alle Beurtei-
ler das Differential in konstanter Anordnung der Konzepte und Skalen vorgelegt erhielten,
scheint dadurch nach den einschlägigen Untersuchungen von Kane (1971) kaum die Gefahr
einer Verzerrung der Ergebnisse gegeben. Um bessere Diskriminationsleistungen als mit 7-stufi-
gen Skalen zu erhalten (vgl. Gulliksen 1958), wurden die Polaritäten mit 9 Beurteilungsalterna-
tiven vorgegeben.
Als Beurteiler fungierten 82 Erwachsene, die in gleicher Weise wie die beim Assoziationsver-
such herangezogene Stichprobe ausgewählt worden waren und vermutlich der gleichen Popula-
tion angehörten.
Diese Beurteiler erhielten das semantische Differential in graphischer Form vorgelegt. In der
Instruktion wurde ihnen einleitend erklärt, es gehe darum, ein Instrument zu entwickeln, mit
dem man die gefiihlsmäßige Bedeutung religiöser Begriffe erfassen könne und das dazu dienen
solle, die Voraussetzungen flir ein besseres Verständnis zwischen Mitgliedern verschiedener Reli-
gionsgemeinschaften zu erforschen. Die Aufgabe wurde im einzelnen in enger Anlehnung an die
Standardinstruktion von Osgood et al. (1957: 82 ff.) dargelegt und exemplifiziert. Allerdings
wurden die Vpn im Hinblick auf die Intention der Arbeit ausdrücklich dazu angehalten, zwar
nach ihrem Sprachempfinden ein Urteil darüber abzugeben, welche der gegensätzlichen Gefühle
man am ehesten mit dem betreffenden religiösen Begriff im allgemeinen in Verbindung brif!ge
und wie ausgeprägt oder eindeutig dies geschehe, jedoch nach Möglichkeit von einer persön-
lichen Stellungnahme abzusehen. Diese Modifikation der Aufgabe bedeutet, daß das Paradigma
der Stimulusskalierung zugrundegelegt wurde (vgl. Torgersan 1958).
Zum Zwecke einer kriterienbezogenen Validierung der Untersuchung mit dem semantischen
Differential konnte auf die zur Konstruktion des bereichsspeziftschen Instruments gewonnenen
gefiihlsbezogenen Assoziationen als Ausgangsmaterial zurückgegriffen werden.
Datenanalyse: Die zur Beantwortung der Einzelfragen herangezogenen mathematisch-stati-
stischen Verfahren werden im Kontext des folgenden Ergebnisberichts dargestellt.
122 Albert Fuchs

Ergebnisse:

Generalisierbarkeit der Bedeutungsratings

Einleitend wurde die Untersuchungsfrage als Frage nach der allgemeinen, relativ
beurteiler-und situationsunabhängigen emotionalen Bedeutung religiöser Konzepte
präzisiert. Dementsprechend war bei der Erhebung der Bedeutungsratings versucht
worden, die Beurteiler durch die Instruktion zu einem Verhalten im Sinne des Para-
digmas der Stimulusskalierung zu veranlassen. Ebenso legt die meßtechnische An-
alyse des semantischen Differenzierens - wonach die Beurteiler (bei reizzentrierten
Untersuchungen) als Diskriminationsinstrumente aufzufassen sind, während die
Konzepte die eigentlichen Meßob~ekte darstellen und die jeweilige Skala das Meß-
kriterium abgibt -nahe, von der prinzipiellen Äquivalenz der Beurteiler auszuge-
hen. Andererseits hat man im Bereich des religiösen Erlebensund (verbalen) Verhal-
tens vermutlich mit einer hohen interindividuellen Variabilität zu rechnen. Dem-
nach erschien es unumgänglich, vor der inhaltlichen Analyse die Frage der Generali-
sierbarkeit der vorliegenden Ratings unter verschiedenen Aspekten zu prüfen.
Um ein Kriterium zu erhalten, das festzustellen erlaubte, ob ein Beurteiler signi-
fikant von den als "wahre Werte" betrachteten Gruppenmittelwerten abwich,
wurde folgenderweise verfahren: Über die L x M Zellen der Skalen-Konzept-Matrix
wurden die Produkt-Moment-Korrelationen aller Beurteilerpaare berechnet. Nach
Umwandlung der erhaltenen Koeffizienten in z' -Werte nach Fisher (vgl. Guilford
1965: 162 ff.) konnten für jeden Beurteiler die mittlere Korrelation mit den übrigen
Beurteilern und der Mittelwert der mittleren Korrelationen aller Beurteiler mit allen
anderen als Schätzung des Populationswertes mit den Vertrauensgrenzen, innerhalb
derer man mit 1%iger Irrtumswahrscheinlichkeit den ensprechenden Populations-
wert erwarten kann, bestimmt werden ( vgl. Lienert 196 7: 261 f.):

Mrii = .595, CL = .496 und CL = .678


0 0

Nach Eliminierung der Ratings von 12 Beurteilern, deren mittlere Korrelationen mit
den übrigen unter der unteren kritischen Grenze lagen, ergaben sich folgende Werte:

Mrii = .662, CL0 = .574 und CL0 = .734


Im Hinblick auf die Orientierung der vorliegenden Arbeit an der allgemeinen emo-
tionalen Bedeutung religiöser Konzepte und auf die Annahme der prinzipiellen
Äquivalenz der Beurteiler wurden diese 12 "Abweichler" nur noch bei den weiteren
Generalisierbarkeitsprüfungen berücksichtigt.
Die Konsistenz der Ratings auf den einzelnen Skalen wurde entsprechend
einem einfaktarieBen varianzanalytischen Versuchsplan mit wiederholten Messun-
gen auf dem Faktor "Beurteiler" ermittelt (vgl. Winer 1962: 124 ff.). Die skalenspe-
zifischen Konsistenzkoeffizienten sind in Tab. 1 wiedergegeben. Diese Tabelle ent-
Untersuchungen zur emotionalen Bedeutung religiöser Konzepte 123

hält außerdem die aus der jeweiligen Inter-Konzept-Variabilität als Ausdruck des
Diskriminationsvermögens einer Skala für die gegebene Konzeptstichprobe und der
Intra-Konzept-Variabilität als Ausdruck der (Un-)Eindeutigkeit der Konzeptbeurtei-
lungen auf dieser Skala gebildeten F-Quotienten. Der F-Wert steht in monotoner Be-
ziehung zur skalenspezifischen Konsistenz und ist als Indikator der konzeptspezifi-
schen Sensitivität einer Skala zu betrachten ( vgl. Fuchs & Schäfer 1972).

Tab. 1: Verwendungskonsistenz und Sensitivität der Skalen -in ()vor Eliminie-


rung signifikant vom "Ideal-Beurteiler" abweichender Beurteiler

Skalil 1'k Fk

FRE-ZWA .978 (.975) 46.011 ( 39.331)


FRE-TRA .990 (.990) 103.007 ( 95.340)
UNS-SIC .986 (.982) 72.389 ( 54.652)
ERL-BEL .991 (.990) 110.422 ( 98.782)
OHN-MAC .964 (.960) 28.042 ( 24.693)
RUH-UNR .986 (.986) 70.291 ( 69.121)
SCH-STA .986 (.984) 71.152 ( 63.943)
ZUF-UNZ .988 (.987) 83.369 ( 75.819)
VERe-VER .994 (.994) 161.104 (154.767)
HAS-LIE .994 (.993) 160.073 (146.822)
ANG-MUT .987 (.986) 78.751 ( 69.270)
DAN-UND .989 (. 989) 94.561 ( 95.006)
FRE-AER .992 (.990) 128.569 (104.847)
GLE-VER(-) .940 (. 931) 16.621 ( 14.390)
BER-ERR .978 (.978) 45.299 ( 46.068)
VER-MIS .992 (.990) 130.672 (104.337)
NEU-GLE(-) .729 (. 734) 3.688 ( 3.761)
VER-GEB .993 (. 991) 135.214 (115.844)
ZUV-VER .993 (.992) 137.767 (119.103)
STO-DEM(-) .872 (.834) 7.802 ( 6.012)
GLE-ANT .951 (.939) 20.542 ( 16.407)

(-) Als relativ verwendungsinkonsistent bzw. insensitiv eliminiert

Als Bedingung, daß die Urteile anhand einer Skala bei der inhaltlichen Analyse
berücksichtigt werden sollten, wurde ein Konsistenzindex von rk ~ .95 bzw. ein ·
Sensitivitätswert von Fk ~·20.00 festgesetzt. Demnach waren die Polaritäten
"Gleichgültigkeit-Verantwortun g", "Neugierde-Gleichgültigkeit" und "Stolz-De-
mut" als relativ verwendungsinkonsistent bzw. insensitiv auszuscheiden. Die Aus-
wirkungen dieses Eingriffs -verbunden mit den Auswirkungen der Elimination der
Ratings vom "Ideal-Beurteiler" abweichender Beurteiler -sind deutlich aufgrund
des nächsten Prüfungsschrittes zu erkennen.
Differenzierten Aufschluß über die Konsistenz des gesamten Datenmaterials ver-
mittelt die Schätzung der Varianzkomponenten nach einem dreifaktorleBen varianz-
I24 Albert Fuchs

analytischen Versuchsplan mit wiederholten Messungen auf den Faktoren "Beurtei-


ler" und "Skalen", wobei vorauszusetzen ist, daß es sich bei den 3 Modi dieses Da-
tensatzes (Beurteiler, Konzepte, Skalen) um ,,random factors" handelt und keine
Positionseffekte vorliegen (vgl. Gleser et al. I965, Plan 1). Zur Ermittlung der Kom-
ponenten war zunächst eine Korrektur der Richtungspolung i. S. durchgängiger Ein-
heitlichkeit vorzunehmen, indem alle Werte auf den Skalen, die nicht in der arbiträr
präferierten Richtung - "links"= "positiv", "recht"= "negativ" -vorgegeben
waren, entsprechend der ursprünglichen Kodierung der Markierungen mit den Zah-
len I bis 9 nach der Formel

transformiert wurden (wobei i = 1, 2, ... , N = Vpn, j = I, 2, ... , M =Konzepte und


k = 1, 2, ... , L: Skalen). 1 Die Spiegelung dieser Werte im Skalenmittelpunkt
gemäß der präferierten Richtung war notwendig, weil andernfalls völlig uncharakte-
ristische Mittelwerte besonders für die Konzepte über Beurteilerund Skalen hinweg
und entsprechenduncharakteristische Varianzschätzungen zustandegekommen
wären, sofern die Werte auf den in einer Richtung gepolten Skalen durch die auf
den in entgegengesetzter Richtung gepolten ausbalanciert worden wären. Die Ergeb-
nisse der im Anschluß an diese Transformation berechneten Varianzanalyse sind in
Tab. 2 wiedergegeben. Zu Vergleichszwecken werden in ()wiederum die Ergebnisse
der entsprechenden Analyse des gesamten ursprünglichen Datensatzes aufgeführt.
Relativ geringfügig - in Übereinstimmung mit der Untersuchungsintention und den
Instruktionsbedingungen -ist die Varianz zu Lasten der Beurteiler (VM 1 -% =
6.67 bzw. 4.11). Der größte Teil der Einstufungsvarianz ist auf Unterschiede zwi-
schen den mittleren Einstufungen der Konzepte über Beurteiler und Skalen hinweg
zurückzuführen, noch eindeutiger nach Eliminierung bedeutsam vom "ldeal-Beurtei-
ler" abweichenderBeurteilerund relativ inkonsistent verwendeter Skalen (V Mj - % =
37.93 bzw. 52.I4). Der minimale Varianzanteil zu Lasten der Skalen bedeutet, daß
Mittelwertsunterschiede zwischen den Skalen vernachlässigt werden können
(VMk -% = .46 bzw ..62). Die Interaktion von Beurteilern und Konzepten stellt
den drittgrößten, auch beim reduzierten Datenbestand noch relativ beachtlichen
Varianzanteil dar (VMij-% = I1.30 bzw. 12.I6). Offensichtlich unterscheiden sich
die Beurteiler merklich hinsichtlich der Einstufung bestimmter Konzepte. Dagegen
fällt die Interaktion zwischen Beurteilern und Skalen wiederum kaum ins Gewicht;
besonders bei dem weiter analysierten Datenmaterial verwendeten die Beurteiler die
Skalen in gleicher Weise (VMjk -% = 6.04 bzw. 3.27). Die Wechselwirkung zwi-
schen Konzepten und Skalen ist in etwa gleich groß (VMjk -% = 6.54 bzw. 3.41),
was dahingehend interpretiert werden darf, daß die Skalen bei den verschiedenen
Konzepten bedeutungsstabil blieben. Die Eliminierung signifikant vom "Ideal-Beur-
teiler" abweichender Beurteilerund relativ inkonsistent verwendeter Skalen hatte
vor allem eine merkliche Reduktion der unerklärten Restvarianz zur Folge
Untersuchungen zur emotionalen Bedeutung religiöser Konzepte 125

(Veb'k -% = 31.06 bzw. 24.29). In diese Größe gehen zwei Komponenten ein, die
isotierbar wären, lägen Re-Test-Daten vor: Die Dreifach-Interaktion "Beurteiler x
Konzepte X Skalen", und die Zufallsvariation "innerhalb der Zellen".

Tab. 2: Variananalyse der Bedeutungsratings -in () Analyseergebnisse vor Elimi-


nierung signifikant vom "Ideal-Beurteiler" abweichender Beurteilerund
relativ insensitiver Skalen

Varianzquellen ss df MS V-Kompo- V-%-


nenten Anteile

Beurteiler 4 928.25 69 71.42 .21 4.11


(10 148.31) (81) (125.29) (.32) (6.67)
Konzepte 47 849.63 15 3 189.98 2.66 52.14
(47 707.88) (15) (3 180.53) (1.83) (37 .93)
Skalen 821.69 16 51.36 .03 .62
(1 220.56) (20) (61.03) (.02) (.46)
Beurteiler x Konzepte 12 196.13 1 035 11.78 .62 12.16
(15 677.56) (1 215) (12.90) (.54) (11.30)
Beurteiler x Skalen 4 316.19 1104 3.91 .17 3.27
(9 952.19) (1 620) (6.14) (.29) (6.04)
Konzepte x Skalen 3 222.88 240 13.43 .17 3.41
(8 188.75) (300) (27 .30) (.32) (6.54)
Rest 20 526.44 16 560 1.24 1.24 24.29
(36 305.00) (24 300) (1.49) (1.49) 31.06)

Gesamt 93 861.19 19 039 4.93 5.10 100.00


(129 200.25) (27 551) (4.69) (4.81) (100.00)

Die in Tab. 3 wiedergegebenen Generalisierbarkeitskoeffizienten , die auf der Grund-


lageder Varianzkomponenten berechnet wurden (vgl. Gleser et al. 1965), sind inso-
fern Indikatoren der Zuverlässigkeit der Bedeutungsratings, als sie Schätzungen der

Tab. 3: Generalisierbarkeit der Bedeutungsratings über verschiedene Universen


- in ( ) bei unreduziertem Datenbestand

Universum Koeffizienten

A Beurteiler und Skalen .992 (.988)


B Beurteiler .996 (.996)
B1 ·Skalen .996 (. 991)

unteren Grenze der quadrierten Korrelation zwischen beobachteten Werten und


"universel scores" - d. h. den Mittelwerten aller denkbaren Einstufungen der glei-
126 Albert Fuchs

chen Meßobjekte mit dem gleichen Meßinstrument unter den durch das jeweilige
Universum bestimmten Bedingungen - darstellen. Nach dem unseren Daten zugrun-
deliegenden Versuchsplan gibt der Index der Generalisierbarkeit auf Universum B
an, wie zuverlässig die Messungen reproduziert werden können, wenn man andere
Beurteileraus der gleichen Population zur Beurteilung der Konzepte anhand dieser
Skalen heranzieht. Die Generalisierbarkeit auf Universum B' entspricht der Repro-
duktionsgenauigkeit der Einschätzungen, wenn man mit den gleichen Beurteilern,
aber mit anderen Skalen aus der zugrundeliegenden Skalenpopulation arbeitet. Der
Index der Generalisierbarkeit auf Universum A gibt schließlich die Reproduktions-
genauigkeit bei einer Auswechselung von Beurteilern und Skalen an. Offensichtlich
können die vorliegenden Ergebnisse unter allen diesen Hinsichten mit einer Ge-
nauigkeit reproduziert werden, welche die im allgemeinen bei "subjektiven" psy-
chometrischen Verfahren beobachtete übertrifft. Dies gilt auch für den unreduzier-
ten Datenbestand.

Emotionales Bezugssystem religiöser Konzepte und Konzeptmetrik 2

Die Frage nach der emotionalen Bedeutung von Konzepten impliziert im Kontext
der Forschung mit dem semantischen Differential die Frage nach der dimensionalen
Struktur des emotionalen Bezugssystems dieser Konzepte - d. h. nach der fakto-
riellen Struktur eines inhaltlich und formal adäquaten Skalensatzes -und die Frage
nach der Konzeptmetrik. Die erste Frage ist wiederum zu differenzieren. Zunächst
ist zu untersuchen, ob der Bezugsrahmen bei allen Konzepten im wesentlichen
gleich ist, oder ob bei einzelnen Konzepten oder Konzeptgruppen deutliche Unter-
schiede hinsichtlich seiner Differenziertheit oder hinsichtlich der Bedeutsamkeit
bestimmter Dimensionen bestehen. 3 In einem zweiten Schritt geht es darum, wie
sich das Bezugssystem in diesem oder jenem Fall nach Anzahl und Eigenart der Di-
mensionen darstellt. Die zweite Hauptfrage zielt darauf, wie sich die Dimensionen
des Konzeptraumes darstellen und in welcher Beziehung sie zu den Dimensionen
des Skalenraumes stehen.
Zur Beurteilung der Gleichheit des Bezugssystems der Konzepte wurde von fol-
genden Überlegungen ausgegangen: Berechnet man die konzept-spezifischen Skalen-
korrelationen und interkorreliert man die auf diese Weise erhaltenen Korrelations-
matrizen über die entsprechenden Zellen als statistisc}).e Einheiten, erhält man eine
Matrix der Korrelationen der konzeptspezifischen Skalenkorrelationsmatrizen, die
man einer Faktorenanalyse unterziehen kann. Im Falle und nur im Falle der Abwe-
senheit jeglicher Konzept-Skalen-Interaktion und damit der völligen Gleichheit des
Bezugssystems bei allen Konzepten würden sämtliche M(M-1)/2 Matrizen-Interkor-
relationen 1.00 betragen, und ein einziger Faktor würde 100 % der Varianz erklä-
ren. Einen in diese Richtung weisenden Befund wird man als Beleg für ein ,,im
wesentlichen" gleiches Bezugssystem betrachten dürfen, um dann zu dessen Analyse
über alle Konzepte hinweg überzugehen. Bedeutsame konzeptspezifische Variatio-
Untersuchungen zur emotionalen Bedeutung religiöser Konzepte 127

nen des Bezugssystems müßten sich in einer komplexeren faktoriellen Struktur die-
ser Matrix manifestieren. Gleichzeitig müßte anhand des Ladungsmusters zu erken-
nen sein, welche Konzepte ein ähnliches Bezugssystem haben, das dann pro Gruppe
gesondert zu analysieren wäre ( vgl. Tanaka & Osgood 196 5).
Entsprechend diesen Überlegungen wurden zunächst Produkt-Moment-Korrela-
tionen für alle Skalenpaare pro Konzept über die Beurteiler als Variationsbedingun-
gen berechnet, in z' -Werten nach Fisher transformiert und dann als Meßwerte zur
Berechnung der Produkt-Moment-Korrelationen der M = 16 Skalenkorrelationsmatri-
zen über deren Zellen als Beobachtungseinheiten benützt. Die resultierende Korrela-
tionsmatrix wurde einer Hauptachsenfaktorenanalyse unterzogen. Das Quadrat des
multiplen Korrelationskoeffizienten diente dabei als Ausgangskommunalitäten-
schätzung, zu deren Verbesserung zweifach iteriert wurde. 4 Die Korrelationen der
konzeptspezifischen Skalenkorrelationsmatrizen waren ausschließlich positiv und
recht hoch (.749.;;;; r.;;;; .941). Wie Tab. 4, die die Eigenwerte und Varianzanteile der

Tab. 4: Eigenwerte und Varianzanteile der 5 ersten Faktoren der Matrix der Korrela-
tionen der konzept-spezifischen Skalenkorrelationsmatrizen

Faktoren Eigenwerte Varianz-% Varianz-% kum.

1 13.999 90.987 90.987


2 .464 3.013 94.000
3 .244 1.585 95.585
4 .211 1.371 96.956
5 .108 .699 97.655

Die Spur ist 15.386

5 ersten Faktoren enthält, zu entnehmen ist, erklärt ein Hauptfaktor annähernd


91 %der gemeinsamen (un~ über 87% der gesamten) Varianz, während der zweit-
wichtigste Faktor lediglich für ca. 3% der gemeinsamen (und 2.9% der gesamten)
Varianz verantwortlich ist, so daß man- nach Guttmans "lower-bound"-Krite -
rium - nur einen Faktor zur Erklärung der zugrundeliegenden Korrelationsmatrix
anzunehmen braucht. 5 Die Ladungen der 16 Variablen auf diesem Faktor liegen
zwischen a = .875 (für die Skalenkorrelationen bei TE) und a = .964 (für die Korre-
lationen bei GN). Aufgrund dieses Ergebnisses konnte bei der weiteren Analyse der
Daten davon ausgegangen werden, daß -obwohl eine geringe Konzept-Skalen-Inter-
aktion vorliegt - die Skalenkorrelationsmuster bei allen Konzepten im wesentlichen
gleich sind und den Konzepteinstufungen ein einheitliches emotionales Bezugssy-
stem zugrundeliegt.
Zur Analyse dieses Bezugssystems, d. h. zur Bestimmung der dimensionalen
Struktur der 17 Skalen über die Konzepte hinweg, wurden die durch Skalierung der
Ratings nach dem Gesetz des kategorischen Urteils anhand eines Iterationsverfah-
rens von Diederich et al. (19 57; vgl. Sixtl 196 7: 234 ff.) erhaltenen Stimuluswerte
128 Albert Fuchs

pro Skala verwendet. 6 Die mittels dieser Werte erhaltene Matrix der Produkt-Mo-
ment-Korrelationen der Skalen wurde ebenfalls einer Hauptachsenfaktorenanalyse
mit dem Quadrat der multiplen Korrelationskoeffizienten als Kommunalitäten-
schätzung unterzogen (R-Analyse). Da der unrotierte erste Faktor zur Erklärung
von über 95% der gemeinsamen (und rund 95% der gesamten) Urteilsvarianz
genügt, spricht das Ergebnis wiederum für eine Einfaktorlösung. In Tab. 5 sind
dennoch die Faktorgewichte und Kommunalitäten der Variablen für die Einfaktor-

Tab. 5: Einfaktor- und varimaxrotierte Zweifaktorenlösung der R-Analyse der


Skalen: Faktorgewichte und Kommunalltäten

Skalen Einfaktorlösung Zweifaktorenlösung


h2 h2
al al all
FRE-TRA .98 .96 .84 -.52 .97
UNS-SIC -.99 .98 -.73 .68 .99
ERL-BEL .99 .98 .85 -.50 .98
OHN-MAC -.88 .77 -.44 .89 .99
RUH-UNR .97 .94 .83 -.SO .94
SCH-STA -.97 .94 -.68 .72 .98
ZUF-UNZ .98 .96 .86 -.49 .98
VER-VER .98 .96 .84 -.51 .96
HAS~LIE -.99 .98 -.78 .62 .99
ANG-MUT -.98 .96 -.78 .59 .95
DAN-UND .98 .96 .87 -.48 .98
FRE-AER .99 .98 .84 -.53 .98
BER-ERR .98 .96 .82 -.53 .96
VER-MIS .99 .98 .78 -.62 .99
VER-GEB -.99 .98 -.80 .59 .98
ZUV-VER .99 .98 .83 -.55 .99
GLE-ANT -.95 .90 -.78 .ss .90
Sp.-QS 16.20 16.20 10.64 5.90 16.54
Var-% 95.31 95.31 62.59 34.71 97.30

und die varimaxrotierte Zweifaktorenlösung wiedergegeben. Auf diese Weise wird


die tendenzielle Ausgliederung eines zweiten Faktors erkennbar. Die Variabilität der
Urteile auf der Polarität "Ohmacht-Macht" wird nämlich durch den Hauptfaktor
relativ unvollständigerfaßt (zu ca. 77 %), durch die Zweifaktorenlösung dagegen zu
annähernd 99 % erklärt, wovon der Hauptanteil nach Varimaxrotation der Dimen-
sionen eindeutig auf den zweiten Faktor entfallen würde (af1/h 2 = .80). Außerdem
würden etwas über 50% der Kommunalität der Variable "Schwäche-Stärke" und
nicht ganz 50% der Kommunalität von "Unsicherheit-Sicherheit" durch den zwei-
ten Faktor erklärt. Alle übrigen Variablen repräsentieren dagegen auch bei dieser
Lösung eindeutig Faktor I. Somit kann - trotz der erkennbaren Tendenz zur Aus-
gliederung eines zweiten Faktors -auch nach Fürntratts ( 1969) Kriterium zur Be-
stimmung "interpretierbar gemeinsamer Faktoren"7 davon ausgegangen werden,
Untersuchungen zur emotionalen Bedeutung religiöser Konzepte 129

daß das emotionale Bezugssystem der beurteilten Konzepte im wesentlichen in


einer einzigen Dimension besteht und alle Polantäten Replikationen dieser Dimen-
sion darstellen. Und zwar handelt es sich um ein bipolares Kontinuum, das kaum
anband der Ladungshöhe bestimmter Variablen interpretativ zu kennzeichnen ist,
da es alle verwendeten fast gleich gut repräsentieren. Aufgrund der Polung der Ska-
len kann es aber als "positive vs. negative Emotionalität" umschrieben werden.
Zur Analyse der Konzeptbeziehungen wurde - wie bei der R-Analyse der Skalen
aufgrund der indirekt skalierten Stimuluswerte - die Matrix der Produkt-Moment-
K~rrelationen der Konzepte erstellt und gleichfalls mit dem Quadrat der multiplen
Korrelationskoeffizienten in der Diagonalen nach der Hauptachsenmethode fakto-
risiert (Q-Analyse). Das Eigenwertprofil entspricht -wie nach Burts (1937) Prinzip
der Reziprozität vonR-und Q-Technik zu erwarten -dem der R-Analyse. Der
Hauptfaktor erklärt wiederum über 95% der gemeinsamen (und knapp 95% der
gesamten) Varianz. Wie Tab. 6 zu entnehmen ist, in der die Ladungen und Kom-
munalitäten der Variablen für die Einfaktor- und für varimaxrotierte Zweifaktoren-

Tab. 6: Einfaktor- und varimaxrotierte Zweifaktorenlösung der Q-Analyse der


Konzepte: Faktorgewichte und Kommunalitäten

Einfaktorlösung Zweifaktorenlösung
Konzepte
h2 an h2
al al
GL -.99 .98 -.76 .64 .98
GO -.99 .98 -.74 .65 .97
HO .98 .96 .85 -.51 .99
EN -.99 .98 -.73 .67 .98
HG -.99 .98 -.79 .59 .98
JE -.85 .72 -.41 .83 .87
HE -.96 .92 -.77 .58 .93
GD -.97 .94 -.79 .56 .94
su .98 .96 .85 -.52 .99
GE -.97 .94 -.73 .63 .93
GN -.99 .98 -.70 .71 .99
PR -.97 .94 -.72 .65 .94
TE .97 .94 .88 -.47 .98
OF -.98 .96 -.74 .64 .96
Hl -.99 .98 -.68 .73 .98
JC -.99 .98 -.74 .66 .99
Sp.-QS 15.11 15.11 9.00 6.39 15.39
Var-% 95.69 95.69 57.00 40.46 97.46

lösungaufgeführt sind, unterscheidet sich die Aufteilung der gemeinsamen Varianz


auf die beiden Faktoren der Zweifaktorenlösung von der Varianzaufteilung bei der
entsprechenden Lösung der R-Analyse. Obwohl das Fürntratt-Kriterium bei 3 Vari-
ablen erfüllt ist - JE, GN und HI -, wäre es kaum begründet, die Zweifaktorenlö-
sung zu favorisieren. Denn lediglich bei JE wird der erklärte Varianzanteil durch die
130 Albert Fuchs

Zweifaktorenlösung merklich erhöht (von 72% auf 87 %). Dem bipolaren Skalen-
kontinuum entspricht offensichtlich eine einfache dualistische Ordnung der religiö-
sen Konzepte.
Berechnet man die Positionen der Konzepte in dem durch die R-Analyse ermit-
telten Bezugssystem, indem man die ursprünglichen Skalenwerte der Stimuli - nach
einer Korrektur der Richtungspolung der Polantäten im Sinne durchgängiger Ein-
heitlichkeit, wobei jetzt das Vorzeichen ihrer Faktorenladungen als Richtungshin-
weis dienen kann - mit dem Ladungsquadrat der jeweiligen Polarität auf dem je
interessierenden Faktor gewichtet und über alle Skalen des Satzes mittelt, d. h. nach
der Formel

DWjq = 1/L L
k=l

(wobei DWjq:;: Dimensionswert des Konzepts j auf Skalenfaktor q, Sjk :; skalierter


Wert des Konzepts j aufSkalakund akq :;: Ladung derSkalakauf Faktor q), lassen
sich intuitive Zuordnungen von Skalen- und Konzeptfaktoren wie die vorausge-
hende genauer beurteilen. Im vorliegenden Fall ergab sich nach diesen Berechnun-
gen hinsichtlich des Hauptfaktors eine Konzeptordnung, die optimal mit der durch
die Ladungen der Konzepte auf dem ersten Faktor der Q-Analyse konstituierten
übereinstimmt (Spearman-Rangkorrelation), und zwar bei der Einfaktor- wie bei der
Zweifaktorenlösung (rs = 1. 00 bzw. rs = 0. 99 8). Dagegen bestätigte dieser Vergleich
im Falle der in beiden Analysen angedeuteten zweiten Faktoren die Vermutung, daß
sie einander nicht zuordenbar sind (rs = -.350).

Validität der Konzeptmetrik

Die Konsistenz der Ergebnisse der verschiedenen Analysen der Bedeutungsratings ist
keine hinreichende Begründung der Annahme, daß die emotionale Bedeutung der
ausgewählten religiösen Konzepte valide erschlossen wurde. Wünschenswert wäre
eine unabhängige Validierung des ermittelten Bezugssystems wie der Konzeptme-
trik. Gelingt es, ein Hauptergebnis als verfahrensinvariant nachzuweisen, wird man
dies aber nach dem schon wiederholt in Anspruch genommenen Reziprozitätsprin-
zip auch als Bestätigung des anderen Aspektes betrachten können.
Das zur Validierung der Konzeptmetrik im folgenden benützte Datenmaterial -
die bei der Konstruktion des semantischen Differentials gewonnenen gefühlsbezoge-
nen (Erst-)Assoziationen- ist im Anhang wiedergegeben. Zur Bestimmung der
Reliabilität des Kriteriums wurden die Assoziationsversuchsprotokolle nach gerad-
zahligen und ungeradzahligen Aufnahmenummern aufgeteilt. Auf der Grundlage der
in beiden Hälften erhaltenen Assoziationsverteilungen wurden im Anschluß an
Deese ( 196 2; 1964) Überlappungskoeffizienten für die 120 Konzeptpaare berech-
net. Man erhält diese Koeffizienten, indem man die Schnittmenge der den Assozia-
tionen auf je zwei Stimuli j und j' entsprechenden Mengen Rj und RJ' bildet- d. h.
Untersuchungen zur emotionalen Bedeutung religiöser Konzepte 131

Die Anzahl Rj&j' der gemeinsamen Assoziationen auf diese Stimuli feststellt -und
zum geometrischen Mittel der beiden Verteilungen als dem Maximum gemeinsamer
Assoziationen in Beziehung setzt, so daß sich Werte zwischen 0.00 und 1.00 erge-
ben:

In Analogie zum Vorgehen bei der Bestimmung der Reliabilität nach dem Testhal-
bierungsverfahren wurde dann die Produkt-Moment-Korrelation der beiden Drei-
ecks-Matrizen der (in z' -Werte umgewandelten) Überlappungskoeffizienten berech-
net: r 12 = .743 bzw. -nach einer Spearman-Brown-Korrektur- r~ 2 = .853. Dem-
nach kann auch das Kriterium, obwohl offensichtlich weniger reliabel als die Bedeu-
tungsratings, als hinreichend verläßlich reproduzierbar gelten. Für die folgenden
Vergleiche wurden die Überlappungskoeffizienten auf der Basis aller Versuchsproto-
kolle berechnet.
Ein erster Vergleich der nach der Methode der Bedeutungsdifferenzierung ermit-
telten Konzeptbeziehungen mit dem Kriterium, den in den Überlappungskoeffizien-
ten zur Darstellung kommenden Konzeptbeziehungen, wurde in Form einer Inter-
korrelation der anhand der Bedeutungsratings gewonnenen Konzeptkorrelationen
mit diesen Überlappungskoeffizienten - nach Transformation beider Wertereihen in
z' -Werte -vorgenommen. Der auf diese Weise berechnete Validitätsindex belief sich
auf rtc = .840, nach einer Minderungskorrektur wegen mangelnder Kriteriumsreliabi-
lität (vgl. Liener 1967: 297 f.) auf r~c = .909. Offensichtlich besteht eine hohe Ähn-
lichkeit der Konzeptbeziehungen im Hinblick auf die emotionale Bedeutung der
Konzepte, wie sie mit beiden Methoden zu erfassen ist.
Von einem Vergleich der Q-Analyse der Bedeutungsratings mit einer entspre-
chenden Analyse der überlappungskoeffizienten ist eine Bestätigung dieses Urteils
zu erwarten. Zum Zweck dieses Vergleichs wurde auch die Matrix der Überlap-
pungskoeffizienten mit Einsen in der Diagonalen faktorisiert. Nach dem vorausge-
hend angewandten Kriterium zur Bestimmung der Faktorenzahl (Eigenwertverlauf)
ist die Zwei- oder Dreifaktorenlösung anzunehmen. In Tab. 7 sind die Ladungen
und Kommunalitäten der Variablen für beide (varimaxrotierten) Lösungen wieder-
gegeben, wobei die Fälle, in denen das Fürntratt-Kriterium erfüllt ist, hervorgeho-
ben sind.
Durch die Zweifaktorenlösung werden knapp SO% der gesamten Varianz aufge-
klärt. Davon entfallen -nach Varimaxrotation -etwa 72% auf den ersten und ca.
28 % auf den zweiten Faktor. Bei der Dreifaktorenlösung, die 56 % der Gesamtvari-
anz- nach Varimaxrotation im Verhältnis 52: 23 : 25%- erklärt, bleibt der
zweite Faktor der Zweifaktorenlösung stabil, während sich der erste nach dem
Fürntratt-Kriterium hinreichend klar in eine Variablengruppe spaltet, die Faktor I
repräsentiert, und in eine zweite, die Faktor Ill kennzeichnet, so daß diese Lösung
als interpretierbar gelten kann. Wie aus Abb. 1, die die Lage der 16 Konzepte im
Zweifaktorenraum veranschaulicht, hervorgeht, stellen in diesem Fall die Faktoren uni-
132 Albert Fuchs

polare Dimensionen dar, die offensichtlich- nach den charakteristischen Variablen-


ladungen zu urteilen - den beiden Polen des Hauptfaktors der Q-Analyse der Be-
deutungsratings entsprechen. Das Auseinandertreten dieses Faktors erscheint
methodisch bedingt, sofern der Überlappungskoeffizient nur positive Werte anneh-
men kann. Der dritte Faktor der alternativen Lösung läßt mit den hoch ladenden
Variablen GD, GE und PR an Glocks (1969) ritualistische Dimension denken; eine
Beziehung zu einem Faktor der Q-Analyse ist nicht erkennbar.
Tab. 7: Varimaxrotierte Zwei- und Dreifaktorenlösung der Konzept-Assoziations-
Überlappungsanalyse: Faktorgewichte und Kommunalltäten

Konzepte Zweifaktorenlösung Dreifaktorenlösung


h2 h2
al all al an aiii
GL .72 -.17 .ss .59 -.12 .43 .ss
GO .72 -.04 .52 .72 -.00 .19 .ss
HO .06 -.77 .59 .13 -.76 -.01 .60
EN .71 -.11 .51 .74 -.07 .14 .51
HG .69 -.07 .48 .63 -.03 .27 .48
JE .59 -.39 .so .70 -.37 .01 .62
HE .64 -.17 .43 .51 -.12 .41 .44
GD .63 -.07 .40 .37 -.01 .64 .ss
su .07 -.74 .56 .02 -.73 .21 .58
GE .74 .OS .ss .51 .11 .60 .63
GN .73 -.04 .54 .61 .01 .42 .54
PR .38 -.35 .27 .03 -.30 .78 .70
TE .04 -.80 .65 .09 -.80 .02 .65
OF .71 -.19 .54 .66 -.14 .30 .54
HI .62 -.23 .44 .74 -.20 -.02 .59
JC .66 .02 .43 .62 .06 .23 .44
SP-QS 5.71 2.23 7.94 4.70 2.09 2.23 9.02
Var-% 35.66 13.96 49.63 29.40 13.04 13.96 56.40

Der interpretative Vergleich der Ergebnisse der Q-Analyse der Bedeutungsratings


und der Assoziations-überlappungsanalyse läßt sich durch einen quantitativen Ver-
gleich stützen. Die Berechnung der 120 Konzept-Distanzen in den durch die in Be-
tracht gezogenen Lösungen beider Analysen bestimmten Faktorenräumen nach der
Distanzformel für den Euklidischen Raum und der Produkt-Moment-Korrelationen
aller Kombinationen der resultierenden Distanzmatrizen führte nämlich zu dem in
Tab. 8 wiedergegebenen Ergebnis. Offensichtlich bestätigt es die interpretative Zu-
ordnung des Hauptfaktors der Q-Analyse der Bedeutungsratings zu den beiden
ersten Faktoren der Assoziations-überlappungsanalyse. Allerdings wäre allein auf-
grund dieses Ergebnisses keine Entscheidung zwischen der Einfaktor- und der Zwei-
faktorenlösung der Q-Analyse möglich.
Untersuchungen zur emotionalen Bedeutung religiörer Konzepte 133

Abb. 1: Lage der Konzepte im Zweifaktorenraum der


Assoziations-tiberla ppungs-Analyse

1.80
GL EN ~rl ,GE
oF·· ~G· 'G .Je
Hi im hn .60
JE

,40

.20

HO• .ßU
TE"
-1.00 -. 80 -.60 -.40 -.20 .20

Tab. 8: Korrelationen der Konzeptdistanzen in den durch Analyse der


Bedeutungsratings und der assoziativen Überlappungen erhaltenen
Faktorräume

Q-Analyse der Ratings


1 Faktor 2 Faktoren

Assoziations-tlber- 2 Faktoren .930 .928


lappungs-Analyse: 3 Faktoren .770 .772

Dirkussion
Zur Generalisierbarkeit der Ergebnisse

Vorausgehend wurde die Frage der Generalisierbarkeit der Bedeutungsratings unter


drei Aspekten untersucht: im Hinblick auf die Äquivalenz der Beurteiler, die Ver-
wendungskonsistenz bzw. Sensitivität der Skalen und die Zusammensetzung der
Urteilsvarianz.
Der als Ausdruck der Äquivalenz der Beurteilerberechnete Mittelwert der Inter-
korrelationen der Ratings aller Beurteiler in Höhe von .595 bzw .. 662 entspricht
den auch sonst bei ,,subjektiven" Verfahren beobachteten Reliabilitätswerten.
Wenn man die anderen für die vorliegenden Daten ermittelten Reliabilitätsindizes in
Betracht zieht, scheint deutlich, daß diese Werte die wiederholt festgestellte gerin-
gere Reliabilität individueller Bedeutungsratings reflektieren (vgl. Norman 19 59).
134 Albert Fuchs

Problematisch erscheinen könnte die Eliminierung der Ratings von 12 Beurteilern


vor der weiteren Verarbeitung der Daten mit Berufung auf die Äquivalenzvorausset-
zung bzw. auf die Intention dieser Arbeit, wenn die "Abweichler" sich ungleichmä-
ßig auf die Kategorien der demographischen Variablen verteilen würden. Dies wäre
nämlich als Hinweis zu werten, daß charakteristische Gruppenunterschiede durch
diese statistische Manipulation ausgeschaltet wurden. Eine Prüfung der Verteilung
der 20 Beurteiler - das sind ca. 20 % der Gesamtstichprobe - mit den geringsten
mittleren Interkorrelationswerten auf die Kategorien der demographischen Variab-
len über Chi 2 gab keine Anhaltspunkte für derartige Bedenken. Wie an der Erhö-
hung des Äquivalenzindex (von .595 auf .662), der Verbesserung der Konsistenz-
bzw. Sensitivitätswerte einzelner Skalen (s. Tab. 1) und an der Veränderung der ein-
schlägigen Varianzkomponenten (s. Tab. 2) zu erkennen ist, wirkte sich der Eingriff
vornehmlich in einer Verringerung des Zufallsfehlers aus. Die Verwendungskonsi-
stenz bzw. Sensitivität der meisten Skalen des benützten Differentials war aber
unter den gegebenen Instruktionsbedingungen ohnehin schon außerordentlich hoch.
Auch änderte sich durch die Eliminierung kaum etwas an der relativen Position der
Skalen diesbezüglich (rs = .994). Offensichtlich kommt in diesen Werten die übliche
hohe Reliabilität von Gruppenratings zum Ausdruck (vgl. Norman 1959). Die
~rgebnisse der Varianzkomponenten- und Generalisierbarkeitsschätzung lassen sich
auch in dem Sinn interpretieren, daß der Anteil der Fehlervarianz an der Gesamtva-
rianz ein Hinweis auf die Reliabilität der Einzelratings ist, während insbesondere der
Index der Generalisierbarkeit über die Beurteiler bei fixiertem Skalensatz einen
Indikator der Reliabilität der Gruppenratings darstellt.
Obwohl die genauen Beziehungen der verschiedenen Konsistenzprüfungen unklar
sind, wird man die Ergebnisse als sich wechselseitig bestätigend betrachten und mit-
hin auch die auf den Ratings basierenden inhaltlichen Ergebnisse als verläßlich repro-
duzierbar ansehen können. Deren Generalisierung auf eine Beurteilerpopulation mit
gleichem institutionell-religiösem und sozialem Hintergrund wie die herangezogene
Stichprobe - bei gegebener Konzeptstichprobe und unter unveränderten Instruk-
tionsbedingungen -erscheint so auf den ersten Blick recht unproblematisch. Es
muß jedoch auf die inhärente Problematik des praktizierten Auswahlverfahrens hin-
gewiesen werden: Quotenstichproben stellen Teilerhebungen dar, "bei denen die
Einheiten der Population keine bekannten und berechenbaren Wahrscheinlichkeiten
haben, in die Teilgesamtheit aufgenommen zu werden", so daß "sich keine Angaben
über die Sicherheit von Schätzungen über Parameter machen lassen" (Roghmann
1969: 67 f.). Man kann daher die vorliegenden Untersuchungen auch unter diesem
Aspekt lediglich als Erkundungsstudie werten.
Wegen der systematischen Auswahl der religiösen Konzepte - im wesentlichen
nach Häufigkeitskriterien - erscheint die Generalisierbarkeit über den gesamten zur
Diskussion stehenden Konzeptbereich erst recht fraglich. Wenn man statt einzelner
Begriffe religiöse Aussagen und (Quellen-, Mystiker-, Kult-) Texte in Betracht zieht,
erfährt dieses Problem eine weitere Verschärfung. Besonders problematisch wäre
schließlich die unbesehene Verallgemeinerung der vorliegenden Befunde über andere
Untersuchungen zur errwtionalen Bedeutung religiöser Konzepte 135

Instruktionsbedingungen. Bereits bei dieser reizzentrierten Untersuchung war ein


relativ hoher Anteil der Urteilsvarianz der Interaktion von Beurteilern und Konzep-
ten zuzuschreiben (V M IJ.. - % = 12.16). Bei reaktionszentrierten, auf interindivi-
duelle und Gruppenunterschiede zielenden Untersuchungen ist mit einer beträcht-
lichen Zunahme dieses Varianzanteils, sicher aber auch mit einer Erhöhung der Va-
rianz zu Lasten der Beurteiler (hier: VMi- % = 4.11) zu rechnen. Natürlich ist hin-
sichtlich der eigentlich kritischen Frage, wie sich bei Änderung der Instruktionsbe-
dingungen individuelle und gruppenspezifische Bezugssysteme darstellen, nicht a
priori auszumachen. Die aufgewiesene Struktur könnte sich auch unter diesen Be-
dingungen durchhalten. Ähnliches gilt für eine Instruktion, die etwa auf die emo-
tionale Bedeutung religiöser Konzepte im normativen Sinn - d. h. nach dem Selbst-
verständnis des religiösen Bedeutungssystems - abzielen würde.

Zur Struktur des emotionalen Bezugssystems religiöser Konzepte

Mit den genannten Einschränkungen kann die Feststellung der Eindimensionalität


des affektiven Bezugssystems religiöser Konzepte und der entsprechenden Eindi-
mensionalität der Konzeptmetrik als gut gesichert gelten.
Ein erster Hinweis auf die geringe Dimensionalität der vorliegenden Bedeutungs-
urteile ist der Varianzanalyse der Ratings zu entnehmen: Nur ein minimaler Anteil
der Gesamtvarianz entfällt auf die Mittelwertsunterschiede zwischen den Skalen
(V Mk - % = .6 2). Dieses Ergebnis impliziert bereits, daß alle Skalen Replikationen
einer einzigen Dimension darstellen. Eine solche Deutung wird bestätigt durch die
hohen Werte der Indizes der Generalisierbarkeit über alle Skalen (VR 8 • = .996) und
überBeurteilerund Skalen (VRA = .992). Denn diese besagen, daß man, wenn man
die Position eines Konzepts auf den gegebenen Skalen bei gegebener Beurteilerstich-
probe kennt, mit höher Zuverlässigkeit seine Position auf allen möglichen Skalen
dieses Grundgesamts bei diesen Beurteilern bzw. auf allen möglichen Skalen und bei
allen möglichen Beurteilern dieser Population voraussagen kann. Beide Generalisa-
tionen setzen aber voraus, daß alle verwendeten Skalen prinzipiell ein und dieselbe
Beurteilungshinsicht induzieren. Über eine Bestätigung dieser Hinweise hinaus bie-
tet die R-Analyse der Skalen die Möglichkeit einer interpretativen Bestimmung der
Hauptbeurteilungsdimension. Aufgrund der Polung der positiv und negativ ladenden
Skalen wurde sie als "positive vs. negative Emotionalität" charakterisiert. Damit soll
darauf hingewiesen werden, daß der Wertungsaspekt der Affektivität für die Kova-
riation der Skalen bestimmend erscheint. Mit dem Ergebnis der R-Analyse stimmt
wiederum das Ergebnis der Q-Analyse überein, das den "religiösen Dualismus" als
Hauptdimension der gegenständlichen Ordnung erkennen läßt. Die Konsistenz bei-
der Analysen stellt sich besonders deutlich dar in der vollkommenen Übereinstim-
mung zwischen der Ordnung der Konzepte nach den aus den Skalenwerten mit
Hilfe der Faktorenladungen der Skalen errechneten Dimensionswerten auf dem Kon-
tinuum "positive vs. negative Emotionalität" und ihrer Ordnung nach den Ladun-
gen auf dem Hauptfaktor der Q-Analyse (rs = 1.00).
136 Albert Fuchs

Der Varianzanalyse ist auch bereits ein Hinweis auf die Geltung dieses eindimen-
sionalen Bezugssystems für alle berücksichtigten Konzepte zu entnehmen: Der
geringe Varianzanteil zu Lasten der Wechselwirkung zwischen Konzepten und Ska-
len (VMjk -% = 3.41) darf in diesem Sinne interpretiert werden. Hoch wahrschein-
lich erscheint, daß ein und dasselbe affektive Bezugssystem für alle Konzepte gilt,
sofern durch die Faktorenanalyse der Matrix der Interkorrelationen der konzeptspe-
zifischen Skaleninterkorrelationsmatrizen nachgewiesen wurde, daß ein einziger
Faktor zur "Erklärung" aller Skaleninterkorrelationsmuster genügt.
Trotz der Konsistenz der Analysen des eigenen Datenmaterials ist angesichts in
etwa vergleichbarer Untersuchungen zu religiösen Begriffen und im Blick auf empi-
rische Dimensionierungen der Affektivität zu fragen, ob das Ergebnis nicht ein
methodisches Artefakt darstellt.
Ausgehend von religionsphänomenologischen Analysen des Heiligen als Katego-
rie sui generis warf Weima ( 1967) die Frage auf, ob der spezifische Charakter der
religiösen Bedeutungsverleihung unter Osgoods drei Grundkategorien falle, ob
näherhin religiöse Qualifikationen als eine Untergruppe der Wertungen aufzufassen
seien oder ob eine unabhängige religiöse Bedeutungsdimension aufgewiesen werden
könne. Nach Ergänzung der an der Verwendungsfrequenz und -diversität orientier-
ten Skalenstichprobe Osgoods et al. (1957) durch vermutlich für die religiöse Be-
deutungsverleihung charakteristische Merkmale und nach Auswahl einer entspre-
chend heterogenen Stichprobe von Begriffen fand der Autor bei einer niederländi-
schen und indischen Studentengruppe,

"daß die religiösen Qualifikationen nicht auf Bewertungs-, Potentialitäts- oder Aktivitätsdeutun-
gen zurückgeflihrt werden können, sondern daß man die Anwesenheit eines vierten, unabhängi-
gen Faktors annehmen muß, der ... sich deutlich auf eine religiöse Bedeutungsdimension
bezieht" (Weima 1967: 95 f.).

Die dieser Dimension zugeordnete Wahrnehmung wird versuchsweise als "allozentri-


sche Wahrnehmung" charakterisiert, in der im Unterschied zur "autozentrischen
Wahrnehmung" das Gegebene "nicht nur Sein für mich", sondern "vor allem ein
Sein an und für sich" sei. Die Relevanz der im Hinblick auf die Hypothese gezielt
ausgesuchten Skalen "heute noch" bezweifelt der Verfasser allerdings selbst. Die
Betonung der Relevanz der Merkmale als entscheidendes Selektionskriterium in
der vorliegenden Arbeit könnte daher unseren völlig andersartigen Befund. verständ-
lich machen.
Sonstige thematisch hergehörende Untersuchungen ( Godin 1967; Gorsuch 1968;
Nelson & J ones 19 57; Siegman 1961 ; Spilka et al. 1964) sind im übrigen nach Fra-
gestellung und Methodik mit der vorliegenden Arbeit kaum vergleichbar. Bestehen
bleibt dagegen das Problem der Inkompatibilität unseres Hauptbefundes mit Ergeb-
nissen einschlägiger Untersuchungen der Dimensionalität der Affektivität (vgl. Bot-
tenberg 1972; Ewert 1965), wonach als gesichert gelten kann, daß das System der
affektiven Erfahrung wenigstens als zweidimensional ("Angenehm-Unangenehm"
Untersuchungen zur emotionalen Bedeutung religiöser Konzepte 137

und "Aktivierung"), bei Berücksichtigung des Sozialbezugs von Gefühlen eher als
dreidimensional ("Submission-Dominanz" neben den genannten Dimensionen) zu
konzipieren ist. Im vorliegenden Fall könnte die Eindimensionalität des Bezugssy-
stems insofern ein methodenbedingtes Artefakt darstellen, als nur Skalen der einen
Dimension in die Stichprobe aufgenomm~n wurden. Dagegen ist zunächst auf das
relativ sorgfältige Vorgehen bei der Konstruktion des benützten Differentials hinzu-
weisen. Das bedeutet: Sollte die geringe Dimensionalität des Bezugssystems instru-
mentell bedingt sein, wäre sie indirekt doch auf die Konzepte zurückzuführen. Eine
Inspektion des Skalensatzes macht zudem deutlich, daß Skalen der "Angenehm-
Unangenehm"-Dimension zwar offensichtlich am häufigsten vertreten sind, daß
aber jeweils zwei Skalen als für die beiden anderen bekannten Hauptdimensionen
der affektiven Erfahrung repräsentativ gelten können: "Ruhe-Unruhe" und "Beru-
higung-Erregung" für die Dimension "Aktivierung", "Ohmacht-Macht" und
"Schwäche-Stärke" für die Dimension "Submission-Dominanz". Die Interpreta-
tion, daß zwar die Skalenstichprobe eine Variation der Urteile in den bekannten
unabhängigen Dimensionen ermöglichte, während die Konzeptstichprobe unter den
gegebenen Erhebungsbedingungen offensichtlich nur hinsichtlich der Wertungsdi-
mension variierte, liegt um so näher, als bei relativ homogenen Konzepten eines spe-
zifischen Bereichs auch von anderen Autoren ein Zusammenfallen im allgemeinen
unabhängiger Dimensionen beobachtet wurde (vgl. Alexander & Husek 1962;
Osgood et al. 1957: 104 ff.; Osgood et al. 1961). Im vorliegenden Fall führte das
Übergewicht wertender Bedeutungsreaktionen offensichtlich zu einer entsprechen-
den Akzentuierung der Bedeutung prinzipiell andere Dimensionen repräsentierender
Skalen. Trotz der Plausibilität dieser Überlegungen ist der Verdacht vorerst nicht
von der Hand zu weisen, daß das Übergewicht des Faktors "Bewertung" bedingt ist
durch die - wenngleich empirisch begründete - Überrepräsentation entsprechender
Skalen. Die Verwendung eines ausgeglichen mehrdimensional repräsentativen Ska-
lensatzes -etwa des Satzes von Ertel ( 1965), soweit dessen Skalen als für unsere
Begriffe relevant gelten können - zur Einschätzung dieser Begriffe unter im übrigen
gleichen Versuchsbedingungen würde einen diesem Problem Rechnung tragenden
Test der Hypothese der Eindimensionalität ermöglichen. Wenn auch dann die An-
nahme der Mehrdimensionalität des emotionalen Bezugssystems der berücksichtig-
ten religiösen Konzepte zurückgewiesen werden müßte, bedeutete dies eine gewich-
tige Bestätigung unseres Befundes. Eine konvergierende Bestätigung würde der mit
Hilfe einer nachweislich mehrdimensional repräsentativen Konzeptstichprobe zu
erbringende Nachweis darstellen, daß der benützte Skalensatz tatsächlich für die
drei affektiven Hauptdimensionen repräsentativ ist, da die Eindimensionalität der
Skalen im vorliegenden Fall dann eindeutig auf eine eindimensionale Konzeptord-
nung zurückzuführen wäre.
Der Versuch, die Validität der mittels der Technik der Bedeutungsdifferenzie-
rung ermittelten Konzeptmetrik durch eine Konzept-Assoziations-überlappungsana-
lyse zu überprüfen, führte zu einem relativ zufriedenstellenden Ergebnis. Sofern
Konzeptraum und Skalenraum einander entsprechen, bedeutet die Validierung der
138 Albert Fuchs

Konzeptmetrik auch eine Validierung des Bezugssystems. In Anbetracht inhärenter


Probleme des Vergleichsverfahrens- besonders der voraussetzungsvollen Annahme,
daß die Verteilung der bei einer Stichprobe einer (homogenen) Population je Stimu-
lus und Vp erhobenen singulären Assoziationen jener Verteilung entspricht, die von
einer beliebigen Vp aus eben dieser Population pro Stimulus und Erhebungszeit zu
gewinnen wäre, d. h. daß die Reaktionshierarchie in einer Stichprobe mit der Hierar-
chie bei einem beliebigen Individuum übereinstimmt -ist der Wert dieses positiven
Ergebnisses als Validitätsnachweis kaum genau einzuschätzen. Es ist offensichtlich
zirkulär, wenn man in der relativ hohen Übereinstimmung der Ergebnisse beider
Analysen eine Rechtfertigung der Wahl dieses Kriteriums sieht. Gleichwohl wird
mim - da jeder (kriterienbezogenen) Validierung eines Verfahrens dieser zirkuläre
Charakter anhaftet und man nicht in einen unendlichen Regreß von Validierungsbe-
ziehungen eintreten kann- in dieser Weise argumentieren dürfen. 8

Religionspsychologische Relevanz des Befundes

Generalisierbarkeit und Methodeninvarianz unseres Hauptbefundes einmal vorausge-


setzt, stellt sich die Frage seiner religionspsychologischen Relevanz.
Zunächst ist er relativ zwanglos in Starks (1965) Taxonomie der religiösen Erfah-
rung einzuordnen. Wie in Abb. 2 angedeutet, liegt es nahe, das aufgewiesene bipo-
lare Kontinuum der fundamentalen Polarität der religiösen Erfahrung, die Stark
( 1965) beschreibt, zuzuordnen und die von ihm analysierten Erfahrungstypen als
zweite unipolare Dimension der Intimität mit dem übernatürlichen Gegenqber zu
konzipieren. Als Ursprung dieser zweiten Dimension ist demnach eine diffuse emo-
tionale Befindlichkeit zu postulieren, von der angenommen wurde, daß sie anhand
des religiösen Vokabulars erschlossen werden kann, da sie sozialisationsbedingt
durch traditionelle religiöse Konzepte auslösbar und organisierbar ist. Im übrigen
kann hinsichtlich dieses Ursprungs der Starksehen Intensitätsdimension kaum noch

Abb. 2: Emotionales Bezugssystem religiöser Konzepte und Typen religiöser


Erfahrung nach Stark (1965)

"possessional ... "revelational ...


"terrorizing . . . "ecstatic ...
"responsive .. . "responsive ..•
"confmning .. . "confuming ...
diabolic experience" divine experience"
"neg. Emotionalität" "pos. Emotionalität"

von religiöser Erfahrung in dem von Stark ( 1965) u. a. explizierten Sinn der Begeg-
nung mit einem übernatürlichen Gegenüber gesprochen werden, wohl aber noch im
Sinne der von Glock ( 1969) in Betracht gezogenen subtileren und unauffälligeren
Untersuchungen zur emotionalen Bedeutung religiöser Konzepte 13 9

Formen. Durch Abb. 2 wird weiter nahegelegt, die von Stark ( 1965) hypostasierte
Dimension der Intensität religiöser Erfahrung als von der emotionalen Tönung
unabhängig zu postulieren, andererseits das in dieser Arbeit aufgewiesene - u. U.
bereichsspezifische - emotionale Bezugssystem auf allen Stufen dieser Dimension
zu erwarten. Diese zweite Annahme definiert ein weiteres Universum, für das die
Generalisierbarkeit des vorliegenden Befundes zu prüfen wäre.
Wenn es gelänge, die Generalisierbarkeit auch in dieser Hinsicht nachzuweisen,
wäre damit wahrscheinlich ein wichtiger Beitrag zur Frage des Spezifikums der reli-
giösen Erfahrung erbracht. Offensichtlich weist das vorliegende Ergebnis hinsicht-
lich dieser Frage nicht in Richtung des radikalen Reduktionismus, für den es bei den
von Gläubigen als religiös definierten Erfahrungen keine anderen Variablen und Va-
riablenbeziehungen geben kann als bei profanen Erfahrungen (vgl. James 1902:
27 ff.), sondern eher in Richtung einer gemäßigt reduktionistischen Position,
wonach die flir religiöse Erfahrung bestimmenden Variablen und Variablenbezie-
hungen zwar auch in anderen Erfahrungsbereichen beobachtet werden können, im
religiösen aber besonders deutlich hervortreten, ähnlich wie das etwa auch für
pathologische Phänomene gilt (vgl. Salman 1967). Das besagt, daß religiöses affekti-
ves Erleben anscheinend dadurch gekennzeichnet ist, daß die verschiedenen Gefühls-
qualitäten zu einer einzigen bipolaren Dimension kollabieren, ohne daß dies aus-
schließlich flir den religiösen Bereich zu gelten braucht.
Abschließend sei eine im engeren Sinn theoretische Interpretation des vorliegen-
den Befundesanhand von Sundens ( 1966, schwed. 1959) Rollentheorie der religiö-
sen Erfahrung angedeutet: Nimmt man an, daß religiöse Erfahrung Rollenüber-
nahme unter starker Beteiligung des Organismus darstellt, daß eine derartige Rollen-
übernahme andererseits ähnlich wie Streß strukturelle Entdifferenzierungen funk-
tionaler Systeme zur Folge haben kann, wird die geringe Differenziertheit des emo-
tionalen Bezugssystems, wie sie nach dem vorliegenden Befund für den religiösen
Bereich charakteristisch zu sein scheint, plausibel. Abgesehen von den Vorbehalten
im Hinblick auf Generalisierbarkeit und Methodenunabhängigkeit unserer Ergeb-
nisse, ist dieser Versuch, sie in einen Erklärungszusammenhang einzuordnen, aller-
dings auch noch mit den Problemen einer Ex-post-facta-Interpretation behaftet.

Zusammenfassung

Im Kontext von Glocks Dimensions-Analyse der Religiosität wird nach der allge-
meinen Struktur des emotionalen Gehalts einer rudimentären religiösen Erfahrung
gefragt. Gestützt auf Osgoods u. a. Mediationstheorie der Bedeutung, wird versucht,
sie über eine Untersuchung der emotionalen Bedeutung religiöser Konzepte primär
mit Hilfe eines semantischen Differentials zu erschließen.
Nach Konstruktion eines spezifischen semantischen Differentials zur Erfüllung
inhaltlicher und formaler Voraussetzungen valider Ergebnisse wurden Bedeutungs-
ratings von 82 Beurteilern zu 16 verwendungshäufigen religiösen Konzepten auf
140 Albert Fuchs

21 Polantäten erhoben (Paradigma der Stimulusskalierung). Nach Prüfung der Äqui-


valenz derBeurteilerund der Verwendungskonsistenz der Skalen wurden die Daten
von 70 Beurteilern auf 17 Skalen einerR-und Q-Faktorenanalyse unterzogen. Zur
kriterienbezogenen Validierung wurde das Ergebnis der Q-Analyse mit dem Ergeb-
nis einer Analyse der Konzeptbeziehungen verglichen, die anhand gefühlsbezogener
Assoziationen von 110 Vpn auf die Konzepte ermittelt wurden (Deese-Technik).
Die Konsistenz der Ratings der einzelnen Beurteiler ist befriedigend, die der
Gruppe optimal. Bei der R- wie bei der Q-Analyse erklärt ein Faktor knapp 95%
der gesamten Urteilsvarianz; beide Faktoren stellen ein affektiv-wertendes Konti-
nuum dar und entsprechen einander. Zwei unipolare Faktoren der Assoziationsana-
lyse sind - u. a. nach einem korrelativen Vergleich der Konzeptdistanzen -den bei-
den Polen des Hauptfaktors des Konzeptraumes äquivalent.
Die inhaltlichen Ergebnisse blieben bei Variation der Analyseverfahren sehr stabil.
Fraglich ist die Generalisierbarkeit des Befundes über das gesamte religiöse Vokabu-
lar und vor allem über andere Instruktionsbedingungen. Das Validierungsverfahren
ist seinerseits mit verschiedenen Problemen behaftet. Das Hauptergebnis läßt sich
in Starks Taxonomie der religiösen Erfahrung integrieren und versuchsweise in
einen Erklärungszusammenhang mit Sundens Rollentheorie dieser Erfahrung brin-
gen. Es scheint einen Hinweis in der Frage nach dem Spezifikum der religiösen
Erfahrung zu bieten.

Anmerkungen

1 In diesem Stadium der Analyse wurde die Korrektur intuitiv vorgenommen. Bei den 17
schließlich verbliebenen Skalen ergab die Faktorenanalyse eine ausnahmslose Bestätigung die-
ses Vorgehens.
2 Aufgrund einer in diesem Bericht übergangenen Prüfung der Skalierbarkeit der Ratings nach
dem "Gesetz des kategorischen Urteils" blieben bei den folgenden Analysen auch die Ein-
schätzungen der Konzepte auf der Skala "Freiheit-Zwang" unberücksichtigt.
3 Diese Teilfrage entspricht der Frage, ob eine "Konzept-Skalen-Interaktion" -eine Verände-
rung der Bedeutung der Polaritäten relativ zu verschiedenen Konzepten - vorliegt, sofern
deutliche Unterschiede bezüglich des Bezugssystems der Konzepte bei gegebenem Skalen-
satz eine entsprechend starke Konzept-Skalen-Interaktion zur notwendigen und genügenden
Voraussetzung haben.
4 Diese und die folgenden Faktorenanalysen wurden mit Hilfe eines von K. H. Steffens unter
Verwendung des DRZ-Programrns PAFA (Schnell & Gebhardt 1965) adaptierten Programms
durchgeführt.
5 Nach dem "Scree-Test" von Cattell wären zwei Faktoren zu berücksichtigen. Da dieses Kri-
terium im allgemeinen aber mehr Faktoren zuläßt als andere Kriterien (vgl. Überla 1970:
123 ff.), wird hier von einem Faktor ausgegangen.
6 Dieses indirekte Skalierungsverfahren wurde gewählt, weil es einfachere Voraussetzungen
bez. des metrischen Niveaus der Ratings macht als das im allgemeinen praktizierte direkte
Verfahren. Es soll aber nicht übergangen werden, daß bei dem vorausgehenden Analyse-
schritt die Intervallcharakteristik der Einstufungen wie üblich unterstellt werden mußte. -
Für die Skalierungsprozedur stellte B. Wolf freundlicherweise ein Computerprogramm zur
Verfügung.
Untersuchungen zur emotionalen Bedeutung religiöser Konzepte 141

7 Damit ein Faktor als interpretierbar gelten kann, sollte nach Fürntratt (1969) bei wenigstens
3 Variablen das Verhältnis a2fh2 >.50 bestehen.
8 Möglichkeiten eines sprachunabhängigen Nachweises der Eindimensionalität des Konzept-
und Skalenraums, der genuinen Bipolarität dieser Hauptdimension und ihres emotional-wer-
tenden Charakters werden in der diesem Bericht zugrundeliegenden Arbeit des Verf. (Fuchs
1973) diskutiert.

Anhang:

Gefühlsbezogene Assoziationen aufreligiöse Konzepte

Vorbemerkung: Im folgenden sind die gefühlsbezogenen Erst-Assoziationen zu den in dieser


Arbeit berücksichtigten religiösen Konzepten nach ihrer Auftretenshäufigkeit geordnet aufge-
führt. Die Angaben über die relative Auftretenshäuf"tgkeit beziehen sich auf eine Stichprobe von
N = 110 Vpn. Werte bei Leerstellen besagen, daß von der speziilZierten Vpn-Zahl keine gefühls-
bezogenen Assoziationen zu dem betreffenden Reizwort produziert wurden.

Engel
Nr. p
.218
1 Geborgenheit .118
2 Freude .101
3- 4 Sicherheit, Zweifel .055
5 Vertrauen .045
6- 7 Glück, Trost .027
8-17 Ablehnung, Beruhigung, Bewunderung, Dankbarkeit, Ehrfurcht, Halt, Heiter-
keit, Hilfsbereitschaft, Seligkeit, Unsicherheit .018
18-36 Anerkennung, Ernst, Fürsorge, Hoffnung, Liebe, Ruhe, Schaudern, Scheu,
Schrecken, Sehnsucht, Skepsis, Stärke, Stolz, Überraschung, Unterlegenheit,
Verehrung, Verinnerlichung, Wohlwollen, Zufriedenheit .009

Gebet
Nr. p
1 Vertrauen .109
2 Ruhe .073
3- 4 Dankbarkeit, Trost .064
5-6 Beruhigung, Geborgenheit .055
7 Hoffnung .045
8- 9 Liebe, Sicherheit .036
.036
10-15 Andacht, Dank, Demut, Kraft, Sehnsucht, Zufriedenheit .027
16-20 Erbauung, Ergriffenheit, Erleichterung, Halt, Zuversicht .018
21-39 Achtung, Ausgeglichenheit, Ausweglosigkeit, Befriedigung, Ehrfurcht, Erhe-
bung, Friede, Gelassenheit, Hingabe, Sammlung, Stärke, Stille, Unsicherheit,
Verbundenheit, Verehrung, Verpflichtung, Versenkung, Wut, Zuneigung .009
142 Albert Fuchs

Glaube
Nr. p
1 Geborgenheit .155
2 Vertrauen .145
3 Sicherheit .100
4 Zweifel .082
5 Halt .073
6 Hoffnung .064
.055
7- 9 Kraft, Zufriedenheit, Zuversicht 036
10 Ehrfurcht .027
11-14 Ablehnung, Beruhigung, Liebe, Ruhe .018
15-27 Anerkennung, Angst, Befriedigung, Demut, Ernst, Festigkeit, Gewißheit,
Hingabe, Stärke, Trauer, Treue, Trost, Zwiespalt .009

Gnade
Nr. p
1 Dankbarkeit .218
.091
2 Glück .082
3 Hoffnung .064
4- 5 Freude, Geborgenheit .055
6 Liebe .045
7 Sicherheit .036
8-10 Erbarmen, Erleichterung, Zufriedenheit .027
11-16 Beruhigung, Demut, Erwartung, Freiheit, Trost, Vertrauen .018
17-34 Befreiung, Befriedigung, Dank, Entspannung, Erniedrigung, Friede, Kraft,
Ruhe, Schwäche, Sehnsucht, Sorge, Stärke, Staunen, Treue, Verantwortung,
Verlangen, Zuversicht, Zweifel .009

Gott
Nr. p
1 Liebe .209
2 Geborgenheit .155
3 Ehrfurcht .145
.064
4 Hoffnung .055
5 Vertrauen .036
6- 7 Sicherheit, Verehrung .027
8-11 Anerkennung, Dankbarkeit, Freude, Zuversicht .018
12-34 Abhängigkeit, Achtung, Anlehnungsbedürfnis, Beruhigung, Bewunderung,
Einheit, Erbarmen, Fürsorge, Furchtlosigkeit, Gleichgültigkeit, Glück, Halt,
Kraft, Macht, Niedergeschlagenheit, Ohnmacht, Ruhe, Schutzbedürfnis,
Sehnsucht, Stärke, Stolz, Verlassenheit, Zweifel .009
Untersuchungen zur emotionalen Bedeutung religiöser Konzepte 143

Gottesdienst
Nr. p

.127
1 Erbauung .073
2- 4 Ehrfurcht, Freude, Gemeinschaft .064
5 Pflich tgeflihl .055
6-10 Geborgenheit, Langeweile, Ruhe, Verehrung, Zwang .036
11-13 Andacht, Beruhigung, Zufriedenheit .027
14-18 Dankbarkeit, Erhebung, Gleichgültigkeit, Hingabe, Trost .018
19--40 Abneigung, Anteilnahme, Ausgeglichenheit, Befriedigung, Begeisterung,
Besinnung, Bewunderung, Demut, Entspannung, gehobene Stimmung, Glück,
Kraft, Liebe, Nachdenklichkeit, Pflicht, Rührung, Sammlung, Stärke, Ver-
lorenheit, Verpflichtung, Vertrauen, Zusammengehörigkeit .009

Heilige(r)
Nr. p
.127
1- 3 Achtung, Bewunderung, Ehrfurcht .109
4 Verehrung .055
5 Anerkennung .045
6- 7 Hochachtung, Liebe .036
8-11 Ablehnung, Hoffnung, Staunen, Zweifel .027
12-14 Demut, Gleichgültigkeit, Zuneigung .018
15-37 Abneigung, Befremden, Beruhigung, Desinteresse, Ehrerbietung, Eifer, Fana-
tismus, Furcht, Geborgenheit, Glück, Hingabe, Interesse, Kraft, Mut, Sehn-
sucht, Stärke, Stolz, Treue, Trost, Überlegenheit, Unbeschwertheit, Verant-
wortung, Verbundenheit .009

Heiliger Geist
Nr. p
.291
1 Ehrfurcht .082
2 Vertrauen .064
3- 5 Liebe, Stärke, Unsicherheit .045
6- 8 Freude, Hoffnung, Trost .036
9-10 Dankbarkeit, Zweifel .027
11-15 Anerkennung, Friede, Glück, Sicherheit, Verbundenheit .018
16-34 Ärger, Angst, Ausgeglichenheit, Bewegung, Ergriffenheit, Gemeinschaft,
Hilflosigkeit, Hochachtung, Kraft, Macht, Mut, Sehnsucht, Treue, Überlegen-
heit, Ungewißheit, Verehrung, Verwirrung, Verwunderung, Zuversicht .009
144 Albert Fuchs

Himmel
Nr. p
1 Freude .218
.118
2 Glück .091
3- 4 Geborgenheit, Hoffnung .082
5-6 Ruhe, Sehnsucht .073
7- 8 Erwartung, Seligkeit .036
9-11 Freiheit, Trost, Ungewißheit .018
12-26 Ablehnung, Begeisterung, Dankbarkeit, Ehrfurcht, Erhebung, Gleichgültigkeit,
Harmonie, Liebe, Lösung, Neugier, Unsicherheit, Verlorenheit, Wonne,
Zuversicht, Zweifel .009

Hölle
Nr. p
1 Angst .227
2 Furcht .109
.109
3- 4 Ablehnung, Schrecken .064
5 Schmerz .036
6-11 Abscheu, Gleichgültigkeit, Grauen, Leiden, Verlassenheit, Verlorenheit .027
12-15 Langeweile, Ungewißheit, Unzufriedenheit, Zweifel .018
16-32 Abneigung, Ausweglosigkeit, Bedrückung, Belastung, Beunruhigung, Desinter-
esse, Entsetzen, Haß, Hoffnungslosigkeit, Schaudern, Schuldgeflihl, Trauer,
Traurigkeit, Unbehagen, Unfreiheit, Unsicherheit, Verzweiflung .009

Jenseits
Nr. p
1 Hoffnung .173
2 Unsicherheit .109
3 Angst .082
4 Freude .073
5 Ungewißheit .064
6 Ruhe .055
.055
7 Geborgenheit .045
8-13 Ablehnung, Beruhigung, Furcht, Sicherheit, Zuversicht, Zweifel .027
14-16 Erwartung, Glück, Neugier .018
17-30 Ausgeglichenheit, Freiheit, Gewißheit, Gleichgültigkeit, Halt, Liebe, Miß-
trauen, Ratlosigkeit, Seligkeit, Trost, Unbehagen, Unruhe, Verlorenheit,
Zufriedenheit .009
Untersuchungen zur emotiontzlen Bedeutung religiöser Konzepte 145

Jesus Christus
Nr. p
1 Liebe .318
.073
2 Ehrfurcht .055
3- 4 Freiheit, Vertrauen .045
5- 7 Bewunderung, Freude, Hoffnung .036
8- 9 Demut, Verehrung .027
10-19 Achtung, Anerkennung, Dankbarkeit, Geborgenheit, Hochachtung, Kraft,
Respekt, Trost, Zutrauen, Zweifel .018
20-32 Erhebung, Faszination, Gewißheit, Glück, Macht, Mitleid, Stärkung, Sympa-
thie, Trauer, Treue, Unterwerfung, Verwunderung, Zuneigung .009

Offenbarung
Nr. p
.145
1 Freude .127
2 Hoffnung .073
3- 4 Dankbarkeit, Sicherheit .055
5-6 Bewunderung, Liebe .036
7-12 Ehrfurcht, Geborgenheit, Glück, Skepsis, Staunen, Zweifel .027
13-17 Anerkennung, Erleichterung, Erregung, Erschütterung, Halt .018
18-41 Ablehnung, Befriedigung, Bejahung, Beruhigung, Erbauung, Ergebenheit,
Ergriffenheit, Erschrecken, Fassungslosigkeit, Freiheit, Furcht, Gespanntheit,
Gleichgültigkeit, Grauen, Hingabe, Kraft, Neugier, Scheu, Sehnsucht, Stärke,
Unsicherheit, Verantwortung, Vertrauen, Zuversicht .009

Predigt
Nr. p
1 Langeweile .218
.164
2 Erbauung .100
3 Andacht .036
4- 5 Angesprochensein, Ergriffenheit .027
6-12 Abneigung, Demut, Erwartung, Ruhe, Stärkung, Trost, Zufriedenheit .018
13-45 Ablehnung, Ärger, Angst, Aufmunterung, Aufregung, Befriedigung, Begeiste-
rung, Besinnung, Betroffenheit, Bewegung, Ehrfurcht, Enttäuschung, Erleich-
terung, Erschütterung, Hingabe, Interesse, Kraft, Liebe, Mißfallen, Mut, Nie-
dergeschlagenheit, Rührung, Schuldgefühl, Skepsis, Sorge, Stärke, Unbehagen,
Unduldsamkeit, Unlust, Unruhe, Unzufriedenheit, Verantwortung, Verstim-
mung .009
146 Albert Fuchs

Sünde
Nr. p
1 Schuldgefühl .145
2 Angst .091
.091
3 Unruhe .073
4- 5 Abscheu, Reue .055
6- 7 Belastung, Scham .036
8-12 Ablehnung, Schuld, Schwäche, Trauer, Zwang .027
13-17 Abneigung, Gleichgültigkeit, Haß, Traurigkeit, Unzufriedenheit .018
18-38 Abwehr, Befriedigung, Beklemmung, Betroffenheit, Einsamkeit, Ekel, Erbar-
men, Erschütterung, Furcht, Haltlosigkeit, Hemmung, Mitgefühl, Niederge-
schlagenheit, Ohnmacht, Sehnsucht, Unbehagen, Verwirrung, Widerstand,
Widerwille, Zorn, Zweifel .009

Teufel
Nr. p
1 Angst .200
.136
2 Schrecken .100
3 Furcht .082
4 Haß .073
5 Abscheu .064
6- 7 Ablehnung, Abneigung .045
8- 9 Verachtung, Zweifel .036
10 Unbehagen .027
11-12 Gleichgültigkeit, Unzufriedenheit .018
13-25 Auflehnung, Erheiterung, Ernst, Gier, Gruseln, Neid, Neug!er, Schmerz, Sorge,
Trauer, Unruhe, Verwirrung, Zorn .009

Literatur

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Summary

Starting from Glock's analysis of religiosity into five components (belief, practice,
feeling, knowledge and effects), this paper inquires into a general structure of the
emotional content in some rudimentary religious experience. The disclosure of this
structure is attempted by determining the affective meaning of some key concepts
of the traditional religious vocabulary using, primarily, the semantic differential
technique. This attempt is based on neobehaviorist mediation theory of meaning
according to which the meaning of verbal signs is to be conceived as consisting of
some portion of the total behavior elicited by the experience for which a given
concept is a sign.
In order to take into account some major substantial and formal prerequisites of
valid results with the semantic differential - scale markings denoting feelings, rele-
vancy of the scales, true bipolarity -, a special instrument had tobe developed for
this inquiry. Then, 21 scales were applied to get ratings of 16 frequently used
religious concepts from 82 subjects. These ratings were gathered according to the
paradigm of stimulus scaling, where the instructions to the Ss are intended to
minimize individual differences between them in judging the stimuli. Having tested
this assumption as weil as the Ss' consistency in using the scales, the ratings of 70
Ss on 17 scales were factor analysed in order to find the most important scale and
Untersuchungen zur emotionalen Bedeutung religiöser Konzepte 149

concept dimensions (R-and Q-factor analysis). An effort was made to validate the
concept structure based on the semantic ratings by comparing it with the results of
an analogaus analysis of the concept relations, established by means of the inter-
sections of the feeling-related associative distributions produced by 110 Ss for the
concepts (Deese's technique).
The consistency of the ratings of the individual judges was moderate, whereas
group mean ratings turned out to be highly reliable. Both R-and Q-analysis yielded
a single bipolar factor apiece which accounted for nearly 95 % of the total variance.
These two respective factors could be interpreted as representing the same affectiv-
evaluative dimension, given a high correlation between factor loadings and non-
factorial dimension values of the concepts judged. Factor analysis of the inter-
sections of the associative distributions resulted in two unipolar factors matehing
the two poles of the principal dimension of the established concept space.
The main result - unidimensionality of the emotional reference system of this
sample of concepts - proved to be very stable when changing the method of analysis
(analysis of variance vs. factor analysis). It is left open to question, however,
whether this result can be generalized across the complete set of religious concepts
and, above all, across other instructions. Moreover, the validation procedure itself
seems to be problematic. After all, the main result could be integrated into Stark's
taxonomy of religious experience and put tentatively into the context of the role
theory of religious experience conceptualized by Sunden. It may imply an answer
to the question of the uniqueness of this experience.
Systemtheorie und Subjektivität
Ein Beitrag zur interdisziplinären theologischen Forschung

Falk Wagner

Zweifelsohne steht im Zentrum der christlichen Theologie die Tätigkeit der Subjek-
tivität in ihren verschiedenartigen Ausprägungen. Das macht allein schon ein Blick
auf die religiöse Vorstellungswelt des Christentums deutlich, die den Reflexionsge-
genstand der Theologie darstellt. Ob es sich um Gott, Christus oder den Christen
handelt: In allen diesen Vorstellungen wird das Tun der Subjektivität auf jeweils
spezifische Weise thematisiert. So wird mit der Vorstellung der Schöpfung die Tätig-
keit des allgemeinen und absoluten Subjekts expliziert, von dem das Ganze des
Weltprozesses abhängt. Mit den Vorstellungen von Versöhnung und Erlösung wird
das Tun U:nd Leiden Christi als Selbstdarstellung des allgemeinen Selbstbewußtseins
entfaltet. Und wendet man sich der Vorstellung des Geistes zu, so steht die tätige
Aneignung der Versöhnung durch die singuläre Subjektivität auf dem Programm.
Was schon für den religiösen Vollzug gilt, ist erst recht für die Theologie als wis-
senschaftliche Vergegenwärtigung und Dechiffrierung der Religion zwingend. Für
die neuzeitliche Theologie zumal ist grundlegend, daß sie am Ort der selbstbewuß-
ten Subjektivität konstruiert wird. Insofern hat die Theologie die Tätigkeit des
Selbstbewußtseins als Grund jeden produktiven Denkens und Handeins in Wissen-
schaft und Alltagswelt zu ihrem Thema. So ist die Theologie- und Christentumsge-
schichte des 18. und 19. Jahrhunderts bis zum Ersten Weltkrieg als die Geschichte
zu fassen, in der sich die Theologie als positioneHe entfaltet. 1 Der positioneHe Cha-
rakter ist darin begründet, daß die Realisierung des tätigen Selbstbewußtseins auf
wechselnde, nämlich jeweils inhaltlich bestimmte Weise erfolgt - als "moralisches",
"frommes", "erwecktes", "erlöstes", "sittlich-religiöses" etc. Selbst bewußtsein.
Entsprechende Positionsbildungen können ja auch in den gleichzeitigen außertheo-
logischen Aktivitäten identifiziert werden (etwa Parteien- und Klassenbildungen,
Nationwerdung, Naturcontra Geist etc.). Die Theologie des 20. Jahrhunderts ist
demgegenüber nicht etwa als Repristination von Reformation und Orthodoxie zu
bestimmen. Vielmehr radikalisiert sie die positioneHe Theologie dahingehend, daß
sie nicht länger besondere, sondern Selbsttätigkeit und Selbstbestimmung überhaupt
und schlechthin, nämlich als Selbstbestimmung des absoluten Subjekts zur Darstel-
lung bringt. 2 Damit leitet sie zugleich die Selbstthematisierung der Theologie ein.
Theologie, die sich im Durchgang durch die positioneHe und die die freie Selbst-
bestimmung radikalisierende Theologie selbst zum Thema wird, arbeitet sich als
Theope der freien Subjektivität aus. Sie ist als der tätige Vollzug des Denkensund
Handeins zu begreifen, dem es um die Ableitbarkeit aller Gehalte und damit der Ge-
152 Falk Wagner

Samtwirklichkeit aus der Tätigkeit des Selbstbewußtseins zu tun ist. 3 Denn die
Theologie ist in ausgezeichneter Weise in der Lage, die Selbstdurchleuchtung der
tätigen Subjektivität als Grund der Wirklichkeitskonstruktion zu leisten. In der Got-
teslehre expliziert sie das Sich-Gegebensein (Sich-Vorausgesetztsein) des freien und
selbsttätigen Selbstbewußtseins als universale Abhängigkeit vom allgemeinen
Selbstbewußtsein. In der Christologie konstruiert sie den gelungenen Fall der Selbst-
mittei1ung und Selbstdarstellung von Selbstbewußtsein als Grund jeder Kommuni-
kabilität und Intersubjektivität. Und in der Lehre vom Geist vermittelt sie die Tätig-
keit des besonderen Selbstbewußtseins, wie sie sich in den Wissenschaften und in
der Alltagswelt artikuliert, mit der Tätigkeit des allgemeinen Selbstbewußseins.
Dieser Anspruch der Theologie, Theorie der freien Tätigkeit der Subjektivität zu
sein, wird ihr offensichtlich auf fundamentale Weise von einer Theorie streitig
gemacht, die sich als funktionalstrukturelle Systemtheorie begreift. Denn diese
Theorie, die durch Niklas Luhmann vertreten wird und die durch die Habermas/
Luhmann-Kontroverse4 auch über die Grenzen der Soziologie hinaus bekannt
geworden ist, versucht Subjektivität von vornherein in sich zu integrieren. Subjekt,
singuläre Subjektivität und Selbstbewußtsein sollen ihrerseits als (psychisches) Sy-
stem bzw. als Umwelt sozialer Systeme gefaßt werden, so daß der Ausgang bei der
Subjektivität und damit jede (transzendentale) Subjektivitätstheorie durch die Sy-
stemtheorie prinzipiell überholt werden können soll.
Sollte die Systemtheorie Luhmanns Subjektivität tatsächlich so in sich aufheben
können, daß sie diese als Derivat der System/Umwelt-Beziehung fassen kann, so
wäre die Theologie, wenn sie sich nicht blind machen will, genötigt, ihre gesamte
Theoriebildung einer Revision zu unterziehen. Luhmann selbst ist es, der diese Kon-
sequenzen der Theologie deutlich vor Augen stellt. "Inzwischen mehren sich die
Anzeichen dafür, daß die geschichtliche Evolution über eine Lage hinausgeführt hat,
in der es sinnvoll war, soziale Beziehungen auf den Menschen zu beziehen. Neuere
Systemtheorien gehen in Anerkennung dieser Situation vielfach, wenn auch nicht
unumstritten, davon aus, daß Menschen im Sinne individualisierter Personalität
nicht als Elemente, sondern als Umwelt sozialer Systeme ... angesehen werden
müssen. Darin liegt eine Weiterführung der Spezifikation des Sozialen über eine
bloße Desozialisierung der außermenschlichen Welt hinaus in Richtung auf eine Dif-
ferenzierung personaler und sozialer Systeme im Sinne wechselseitig-interdependen-
ter System/Umwelt-Verhältnisse. Hier liegen die vielleicht entscheidensten Konse-
quenzen der neueren Systemtheorie für die religiöse Dogmatik, die nicht gezwungen
ist, aber sich entscheiden muß, ob sie eine solche De-Humanisierung des Sozialen
mitmachen will oder nicht" 5 -und das schon deshalb, weil Theologie und Religion
selber als soziale Systeme interpretiert werden können. Damit ist die Theologie in
der Tat vor eine Entscheidung gestellt, durch die der bisherige Prozeß neuzeitlicher
Theologie beendet werden könnte. Gleichwohl ist diese Entscheidung nicht kraft
Entscheidung, sondern nur durch Argumente zu entscheiden. Ist nach dem An-
spruch der Systemtheorie Luhmanns ein Nebeneinander oder gar eine Alternative
von System- und Subjektivitätstheorie nicht denkbar, so kann sich auch die Theolo-
Systemtheorie und Subjektivität 153

gie mit einem Nebeneinander beider Theorien nicht bescheiden. Vielmehr kann sie
ihren Anspruch, Theorie der freien Subjektivität zu sein, nur dann aufrechterhalten,
wenn es ihr zu zeigen gelingt, daß sich die Systemtheorie als derivative Fassung der
Subjektivitätstheorie begreiflich machen läßt. Die folgenden Ausführungen dienen
daher dem Nachweis, daß die Systemtheorie Luhmanns als eine abkünftige Gestalt
der Theorie der Subjektivität identifiziert werden kann. Dieser Nachweis kann dann
als erbracht gelten, wenn es möglich ist, die Systemtheorie mit den Mitteln der Sub-
jektivitätstheorie zu begreifen und darzustellen. 6 Dann nämlich kann die System-
theorie selbst als eine bestimmte Ausgestaltung der Theorie von Subjektivität erfaßt
werden.

I. Zur Methode der Identifikation

Zielen die folgenden Ausführungen auf einen Vergleich zwischen System- und Sub-
jektivitätstheorie bzw. auf die Identifikation der System- durch die Subjektivitäts-
theorie, so ist vorweg festzustellen, daß sie an der Struktur von Subjektivität orien-
tiert sind. Damit ist gesagt, daß der Begriff der Subjektivität nicht primär an den Be-
griff des Subjekts gebunden werden muß; vielmehr kann die Struktur von Subjekti-
vität auch ohne Bezug auf das Subjekt, das Ich als singuläre Subjektivität entfaltet
werden. In diesem Sinne kann offensichtlich auch Luhmann von der "Subjektivität
des Systems" 7 sprechen. Wird der Begriff der Subjektivität nicht von vornherein an
Subjekte fixiert, sondern steht die Strukturiertheit von Subjektivität im Mittel-
punkt des Interesses, so wird mit dieser Struktur auf den Tätigkeitsvollzug abgeho-
ben, der näherhin als Entwicklung dargestellt werden soll und für alle bestimmten
Tätigkeiten - welcher Subjekte und Systeme auch immer - grundlegend ist. Diese
nicht primär an das Subjekt gebundene Interpretation der Subjektivitätsstruktur
liegt im übrigen insofern in der Konsequenz gegenwärtiger theologischer Theorie-
bildung, als diese nicht mehr wie die positioneHe Theologie das Tun bestimmter
Subjekte, sondern die Tätigkeit von Subjektivität 8 überhaupt zum Zuge bringt.
Soll die Systemtheorie mit den Mitteln der Subjektivitätstheorie erfaßt werden,
so ist es zunächst angebracht, die Struktur von Subjektivität zu skizzieren. 9 Grund-
legend für den Begriff der Subjektivität ist die Bestimmung der Negativität. Durch
sie ist die Subjektivität durch prinzipielle Mediations- bzw. Negationsfähigkeit
gekennzeichnet. Dadurch eignet der Subjektivität die Fähigkeit, jede Bestimmtheit
(Negation) wie zu setzen so auch aufzuheben; sie erweist sich als Negation der Ne-
gation in dem Sinne, daß sie die Negation aller möglichen Negationen (Bestimmthei-
ten) ist. Jede Bestimmtheit kann am Ort der Subjektivität mediatisiert bzw. negiert
werden, so daß die Subjektivität so etwas wie die Örtlichkeit aller Orte oder die
Positionalität aller Positionen repräsentiert, denn jede Bestimmtheit, Gedanke, Vor-
stellung oder Anschauung, kann gewußt, gedacht, vorgestellt oder wahrgenommen
werden. So ist die Subjektivität der allgemeine Mediator für jeden Sachverhalt über-
haupt - wie er auch immer gegeben sein oder gedacht werden mag.
154 Falk Wagner

Was für jede Bestimmtheit und für jeden Sachverhalt gilt, muß auch für die Sub-
jektivität selbst bestimmend sein: Die allgemeine Negationsfähigkeit der Subjektivi-
tät steht unter der Bedingung ihrer selbst. Denn die Subjektivität kann nur dann als
allgemeine Negationsfähigkeit gelten_, wenn sie selbst fähig ist, negiert zu werden.
Damit erfüllt sie den Sachverhalt der Selbstanwendung in exemplarischer Weise:
Subjektivität als Negativität wendet diese auf sich selber an. Entsprechend der
Selbstanwendung entwickelt sich die Subjektivität zur Negation der Negation, näm-
lich zur Negation der allgemeinen Negationsfähigkeit. Die Subjektivität als Örtlich-
keit überhaupt besondert sich damit zu den bestimmten Orten und Positionen; in
Negation ihrer allgemeinen Negations- und Mediationsfähigkeit denkt sie bestimmte
Gedanken und tätigt bestimmte Handlungen. Indem sie als Prinzip sich selbst zum
Prinzipiat durch Selbstanwendung entwickelt, macht sie von sich selber Gebrauch.
Dadurch gewinnt sie Realität, denn sie als Bestimmen von ... bestimmt sich in
Negation ihrer selbst, macht sich zum Bestimmten, aber so, daß sie sich darin als
bestimmt Bestimmtes entfaltet, nämlich als das Bestimmte, das durch sich selbst
bestimmt ist. Im Bestimmten als dem anderen und der Negation des allgemeinen
Bestimmens ist die Subjektivität doch zugleich bei sich selbst, so daß sie, als
bestimmt Bestimmtes, als Selbstbestimmung manifest ist.
Indem sich die Subjektivität durch Negation ihrer selbst als bestimmt Bestimm-
tes, also als das Bestimmte und Negierte begreift, das durch sich selbst bestimmt
und negiert und insofern selbstbestimmt ist, kann ihre Bewegungs- und Tätigungs-
weise als die der Entwicklung im präzisen Sinne des Wortes gefaßt werden. Entwick-
lung besagt, daß sich die Subjektivität durch Selbstanwendung, das ist durch Nega-
tion ihrer allgemeinen Negativität im anderen ihrer selbst - in bestimmten Gedan-
ken, Vorstellungen, Handlungen, an bestimmten Orten und in bestimmten Positio-
nen -selbst zur Darstellung bringt. Entwicklung ist also Selbstdarstellung bzw.
Selbstexplikation in demjenigen, was die Subjektivität (Erleben, Denken, Handeln)
nicht unmittelbar selbst ist. Dadurch kann sich die Subjektivität auf eine unendliche
Weise bereichern, denn sie kann sich in immer neuen und anderen Sachverhalten,
die ihr nicht unmittelbar zu eigen sind, entfalten.
Nun soll beileibe nicht unterschlagen werden, daß mit der Theorie von Subjekti-
vität dann eine Aporie einhergeht, wenn durch sie zugleich die Selbstkonstitution
der Subjektivität geleistet werden soll. Denn soll sich Subjektivität kraft ihres Selbst•
bestimmens und Selbstsetzens als Subjekt-Objekt-Einheit konstituieren und
zugleich als diese Einheit wissen, so setzt sie sich selbst schon als diese Subjekt-
Objekt-Einheit insofern unerklärt voraus, als sie in ihrem Handeln nicht nur aktiv,
also Subjekt, sondern zugleich passiv, also Objekt sein muß, da sie ihr Sich-Setzen
als Wissen auch empfangen können muß. Subjektivität nimmt also zur Erklärung
ihrer selbst, zu ihrer Selbstbegründung, Subjektivität als Subjekt-Objekt-Einheit
schon in Anspruch; die Selbstkonstitution von Subjektivität beruht insofern auf
einer Zirkelargumentation, das heißt sie macht sich einer petitio principii schuldig. 10
Diese Aporie der Subjektivitätstheorie, die seit Kant und Fichte diskutiert wird,
kann aber gerade den Aufbau von Systemen verständlich machen. Denn das System
Systemtheorie und Subjektivität 155

dient dann der Subjektivität dazu, ihrer sich wissenden Selbstkonstitution, wenn
auch nicht mit einem Schlage, so doch iterativ, diskursiv und approximativ innezu-
werden. Das Verhältnis von Subjektivität und System läßt sich auf diese Weise im
Sinne des Funktionsbegriffs von Kant streng fassen: Mittels des Systems bringt die
Subjektivität die Mannigfaltigkeit des Möglichen zur Einheit des sich wissenden
Selbstbewußtseins als obersten Bezugspunkt von Funktionalität überhaupt.
Zugleich hat die Aporie der Selbstkonstitution von Subjektivität dazu geführt,
die Subjektivitätstheorie auf eine Theorie des Absoluten hin zu überschreiten. Denn
denk_t sich die Subjektivität einen absoluten Grund voraus, so thematisiert sie mit
der Abhängigkeit von diesem Grund ihr Sich-Vorausgesetztsein, ihr Sich-Gegeben-
sein als selbsttätige Subjektivität. Daraus erhellt, daß es gerade die Aporie der
Selbstkonstitution von Subjektivität ist, die zur Bildung welterklärender Theorie
veranlaßt.
Die Aporie, die mit der Selbstbegründung von Subjektivität einhergeht, ist
sonach nur deshalb identifizierbar, weil sich Subjektivität immer schon als Subjekt-
Objekt-Einheit sich gegeben weiß. Wäre es anders, so könnte die benannte Aporie
gar nicht namhaft gemacht werden. Insofern ist ihre Benennung der ausgezeichnete
Fall der Anwendung des Begriffs der Subjektivität auf sich selbst. Die Subjektivi-
tät wendet ihren Begriff so auf sich selbst an, daß sie sich in ihrem Sich-Wissen als
immer schon vorausgesetztes, sich gegebenes Subjekt-Objekt ergreift.
Die Darstellung der Systemtheorie am Leitfaden der Subjektivitätstheorie, deren
allgemeiner Begriff vorgestellt wurde, ist zunächst einmal als Vergleich bzw. als
Identifikation von System- und Subjektivitätstheorie zu verstehen. Soll dieser Ver-
gleich aber nicht nur in der subjektiven Tätigkeit des Vergleichenden aufgehen, so
muß für ihn Vergleichbarkeit vorausgesetzt werden, auf die die Verglichenen glei-
cherweise bezogen werden können; andernfalls würden die Verglichenen der Belie-
bigkeit äußerer Reflexionen ausgesetzt und auf diese Weise verdinglicht. Mit der
Vergleichbarkeit wird die Frage nach dem Bezugspunkt der Verglichenen aufgewor-
fen. Dieser Bezugspunkt kann nicht unmittelbar mit einem der verglichenen Stand-
punkte in eins gesetzt werden, sondern er muß sozusagen einen Standpunkt über
den Standpunkten darstellen. Damit ist er als Standpunktmöglichkeit zu charakteri-
sieren; als solcher repräsentiert er die Fähigkeit, die zu vergleichenden Standpunkte
zu mediatisieren.
Die Standpunktmöglichkeit darf aber nicht das bloße Tertium zu den Vergliche-
nen sein. Denn sie muß einerseits für die zu vergleichenden Standpunkte offen und
bestimmbar sein; das ist in der Bestimmung der Standpunktmöglichkeit selbst ange-
legt. Andererseits müssen aber auch die Standpunkte selbst für die Standpunktmög-
lichkeit, für die Fähigkeit, mediatisiert zu werden, bestimmbar sein. Andernfalls
bliebe der Vergleich den Standpunkten äußerlich. Sollen also die zu vergleichenden
Standpunkte offen sein für die Möglichkeit, verglichen zu werden, so müssen sie
selbst schon unter der Bedingung des Wissen-Könnens stehen. Das besagt, daß sich
der bestimmte Standpunkt als solcher auch wissen und identifizieren können muß;
er muß sich selbst zum Gegenstand haben können. Nur dann nämlich, wenn den
156 Falk Wagner

verglichenen Standpunkten schon der Selbstbezug als Möglichkeit jeden Bezuges


eignet, wird der Vergleich an die Verglichenen nicht nur von außen herangetragen.
Vielmehr ist dann die Vergleichbarkeit in der Selbstvergegenständlichung eines
jeden Standpunktes begründet. Durch diese Selbstvergegenständlichung ist jeder
Standpunkt Subjekt und Objekt, Theorie und Gegenstand der Theorie in einem;
diese Subjekt-Objekt-Einheit ist in der Selbstbezüglichkeit der zu vergleichenden
Standpunkte begründet. Sie besagt, daß der jeweilige Standpunkt nicht bloße Theo-
rie eines Gegenstandes ist, sondern zugleich die Beziehung von Theorie und Gegen-
stand der Theorie, die Beziehung von Subjekt und Objekt zum Thema hat. Auf-
grund der Selbstbezüglichkeit ist es sonach möglich, einen Standpunkt nicht nur als
einfache Theorie eines Gegenstandes, vielmehr auch als Metatheorie, das heißt als
die explizierte Beziehung von Theorie und Gegenstand zu betrachten. Nur dann
nämlich, wenn die zu vergleichenden Standpunkte schon von sich aus zur metatheo-
retischen Selbstvergegenständlichung fähig sind, bleibt ihnen ein Vergleich bzw.
eine Identifikation, die ja immer metatheoretischen Charakter hat, nicht bloß
äußerlich. Ein Vergleich verschiedener Standpunkte ist sonach nur unter der Vor-
aussetzung sinnvoll, daß die Verglichenen des Vergleichs, also der metatheoreti-
schen Selbstvergegenständlichung fähig sind.
Von Luhmanns Systemtheorie läßt sich sagen, daß in ihr das Problem der Selbst-
vergegenständlichung und Selbstanwendung explizit gestellt wird. Allerdings erfolgt
diese Selbstvergegenständlichung offensichtlich so, daß Luhmann die Ebenen von
Theorie und Metatheorie verwischt. Denn Luhmann behauptet, daß die "Soziolo-
gie der Soziologie" selbst als System begriffen werden soll. Indem er Soziologie
qua Theorie sozialer Systeme selbst als System zu begreifen sucht 11 , muß die
Soziologie Theorie des Gegenstandes, des Systems, und Gegenstand, System, in
einem sein. Auf diese Weise wird das System durch die Theorie des Systems und die
Theorie des Systems durch das System erklärt, welche Erklärungsweise dann zirkulär
und tautologisch ist. Luhmann schiebt also materiale Theorie und Metatheorie
ineinander, so daß die "Soziologie der Soziologie" selbst aus dem erklärt wird, was
allererst der zu erklärende Gegenstand der Soziologie ist. 12
Da aber die Zirkelhaftigkeit der Luhmannschen Erkärungsweise eingesehen wer-
den und das Wissen der Zirkelhaftigkeit folglich nicht selber zirkulär sein kann,
wenn anders der Zirkel erkannt und erklärt werden können soll, so ist die Interpre-
tation der Systemtheorie Luhmanns mit der Forderung zu versehen, den Selbstbe-
zug der Selbstvergegenständlichung schärfer zu fassen, als Luhmann selbst es tut.
Luhmann irrt eben, wenn er glaubt, die Selbstbezüglichkeit und Reflexivität im Den-
ken des Denkens mit der Bezüglichkeit des Bürstens von Bürsten oder der Erziehung
von Erziehern auf eine Ebene rücken zu können. 13 Denn im Falle des Denkens des
Denkens ist das Denken als Subjekteodem actu Objekt seiner selbst, während im
Falle des Bürstens eine Bürste B zum Objekt einer als Subjekt genommenen Bürste
A gemacht wird; beim Denken des Denkens vertritt also dasselbe Denken die Sub-
jekt- und Objekt-Stelle in einem, während in dem von Luhmann angezogenen Fällen
die Subjekt- und Objekt-Stelle durch jeweils zwei unterschiedene Gegenstände oder
Personen besetzt wird.
Systemtheorie und Subjektivität 157

Der vorliegende Interpretationsversuch wesentlicher Aspekte der Systemtheorie


Luhmanns beruht sonach darauf, den Sachverhalt der Selbstbezüglichkeit, Selbst-
thematisierung und Selbstanwendung.präziser zu artikulieren, als es bei Luhmann
selbst geschieht. Dazu ist es notwendig, das Verhältnis von System und Welt aus
dem Gedanken der Selbstbezüglichkeit bzw. Selbstanwendung zu erklären, und
meine Behauptung ist die, daß es Luhmann ebenso machen müßte, wenn er es ver-
meiden will, einen noch zu gegenständlichen Begriff der Welt zu entwickeln. Auf
Luhmanns Theorie soll also nicht durch Kritik von Details geantwortet werden.
Vielmehr können die Abstraktionen Luhmanns nur durch entsprechende Abstrak-
tionen beantwortet werden, wobei es offenbleiben mag, ob damit "Luhmann" mit
"Luhmann" oder "Luhmann" gegen "Luhmann" erklärt wird.

//. Weltkomplexität und Systemkonstitution

Der letzte Bezugspunkt der funktional-strukturellen Systemtheorie besteht im Pro-


blem der Komplexität, das heißt in dem Problem, daß immer mehr Möglichkeiten
bestehen, als jeweils durch Erleben und Handeln von Systemen verarbeitet werden
können. Genauer gesagt handelt es sich um das Problem der "Reduktion von Kom-
plexität" als letzten Bezugspunkt funktionaler Analyse. 14 Warum aber muß Reduk-
tion von Komplexität als Grundproblem sozialwissenschaftlicher Analyse angesetzt
werden? Diese Frage benennt nicht nur das Kardinalproblem der Luhmannschen
Systemtheorie, sondern jeder Erkenntnis -sei es philosophischer, sei es wissen-
schaftlicher - überhaupt. Denn ohne Reduktion des Übermaßes an Möglichkeiten,
des Mannigfaltigen, würden Erleben und Handeln bzw. das Bewußtsein in so viele
Bewußtseine zerfallen, wie Komplexität und Mannigfaltiges gegeben sind. Wenn
aber Zerstreuung und Verdinglichung des Bewußtseinsaufgrund der geforderten Re-
duktion von Komplexität nicht sein sollen, so dient die besagte Reduktion von
Komplexität offensichtlich der Einheit, Selbständigkeit und Selbsterhaltung des Be-
wußtseins, Erlebensund Handelns. Dann ist zu fragen, wie Selbständigkeit und Ein-
heit des Bewußtseins unter der Bedingung der Komplexität, der Totalität des Mög-
lichen, aufgebaut werden können. Auf diese Frage hatte etwa Kant geantwortet:
Die Einheit in der Mannigfaltigkeit kann nur durch die Funktionen bzw. Kategorien
der transzendentalen Apperzeption verbürgt werden. Entsprechend hatte H. Rickert
von der "Vereinfachung der Mannigfaltigkeit" gesprochen 15 • Luhmann sieht die um
der Einheit und Selbständigkeit des Bewußtseins willen zu vollziehende Reduktion
von Komplexität, die Einheit in der Mannigfaltigkeit des Möglichen, durch den Auf-
bau von Systemen erfüllt: "Soziale Systeme haben die Funktion der Erfassung und
Reduktion von Komplexität. Sie dienen der Vermittlung zwischen der äußersten
Komplexität der Welt und der sehr geringen, aus anthropologischen Gründen kaum
veränderbaren Fähigkeit des Menschen zu bewußter Erlebnisverarbeitung. Diese
Funktion wird durch Systembildung ... erfüllt. " 16
Komplexität und mit ihr die Reduktion von Komplexität ist sonach ein Problem,
158 Falk Wagner

das überhaupt nur auf dem Boden des vorausgesetzten Einheitsbewußtseins sichtbar
wird. Denn andernfalls fiele das Bewußtsein der Mannigfaltigkeit der möglichen
Sachverhalte zum Opfer. Komplexität setzt also in logischer Hinsicht die Selbstän-
digkeit des einheitlichen Bewußtseins voraus. Damit nimmt die Einheitsstifung, der
Vollzug von Einheit in der Mannigfaltigkeit bzw. die Reduktion von Komplexität,
immer schon Einheit bzw. getätigte Reduktion in Anspruch. Für Kant war es des-
halb folgerichtig und notwendig, das Selbstbewußtsein qua Funktion überhaupt
jeder bestimmten Funktion als Handlung zum Zwecke der Einheitsstiftung logisch
vorausgehen zu lassen. Da Luhmann sich auf diese Wendung zu transzendentaler
Theoriebildung nicht direkt einlassen will, ist zu fragen, wie er das Problem löst,
daß für den Vollzug der Reduktion von Komplexität schon Einheit bzw. schon
reduzierte Komplexität in Anspruch zu nehmen ist.
Luhmann legt eine solche Lösung dieses Grundproblems vor, daß mit der Reduk-
tion von Komplexität zugleich Komplexität als Reduktionsmöglichkeit aufgebaut
werden soll. Denn Komplexität als Totalität möglicher Ereignisse und Sachverhalte
stellt zunächst eine Eigenschaft der Welt dar; diese ist der letzte Bezugspunkt für
Systeme und Umwelten. Die Komplexität der Welt wäre aber ohne System nicht
nur unbestimmt, sondern sogar unbestimmbar 17 . Insofern das Problem der Welt-
komplexität nur durch Systembildung adäquat erfaßt werden kann, gibt es sozusa-
gen keine Welt "an sich", sondern von Welt kann nur in Beziehung auf Systeme sinn-
voll gesprochen werden. Deshalb geht Luhmann von der "Gleichursprünglichkeit
von System und Welt" in dem Sinne aus, daß "auf allen Ebenen der Systembildung,
von physischen bis zu sinnkonstituierenden Systemen", "Welt durch Selektion erst
erzeugt" 18 wird. Damit würde die Welt als Totalität der möglichen Ereignisse mit
der Systembildung gesetzt. Sie würde als "Woraus der Selektion" mit der möglichen
Systemselektion aufgebaut. Das aber würde bedeuten, daß die Gleichursprünglich-
keit von Welt und System als einseitige Abhängigkeit der Welt von der Systembildung
anzusehen ist. Damit würde zugleich der Unterschied zwischen Welt und Umwelt
verwischt. Denn obwohl die Weltkomplexität nicht unabhängig von möglicher Sy-
stembildung expliziert werden kann, ist sie doch nicht von jeder bestimmten Sy-
stemstruktur abhängig 19 • Das Problem der Weltkomplexität ist sonach auch als sol-
ches zu erfassen.
Die Systembildung beruht auf der Reduktion von Komplexität bzw. auf der
Selektion aus komplexen Möglichkeiten. Demnach muß durch die Selektion zweier-
lei geleistet werden: Die Selektion muß die Bestimmung von bestimmten Möglich-
keiten und zugleich die Abweisung und Negation anderer Möglichkeiten zum Ziele
haben. Was ist aber die Bedingung der Möglichkeit für das Bestimmen von Möglich-
keiten unter Negation anderer Möglichkeiten? Sie kann nur im "Woraus der Selek-
tion" bestehen, so daß die Welt als "Woraus der Selektion" beides sein muß: Sie.ist
sowohl etwas, das als Bestimmtes selegiert als auch dasjenige, das nicht selegiert
wird. Damit ist sie die Einheit des Bestimmten und Unbestimmten, das heißt die
Einheit von System und Umwelt als den nichtseiegierten Möglichkeiten.
Die Welt geht also im bloßen Gesetztsein durch die Systembildung nicht auf.
Systemtheorie und Subjektivität 159

Vielmehr ist sie insofern auch an sich selbst zu begreifen, als im Zuge des Setzens
von bestimmten Möglichkeiten durch Systembildung andere Möglichkeiten ausge-
schlossen, also nicht gesetzt werden. Relativ zur Systembildung ist die Welt die Ein-
heit von gesetzten und nichtgesetzten, von selegierten und nichtseiegierten Möglich-
keiten. Wird aber von der Systembildung abstrahiert, so kann die Welt als das Nicht-
gesetztsein von Möglichkeiten erfaßt werden. Das Gesetztsein bzw. das Bestimmt-
sein von Möglichkeiten zielt auf die Negation von Möglichkeiten. Soll aber die Welt
als Nichtgesetztsein der Möglichkeiten gedacht werden, so ist sie die Negation der
negierten, also gesetzten und bestimmten Möglichkeiten. Als Negation der selegier-
ten (negierten) Möglichkeiten kann daher die Welt als Negation der Negation, als
Negativität in dem Sinne konzipiert werden, daß sie die Negation aller möglichen
Negationen, die Negation aller möglichen Bestimmtheiten repräsentiert. Folglich
kann die Welt als Negationsfähigkeit überhaupt begriffen werden, nämlich so begrif-
fen werden, daß sie als Negativität das Setzen und Aufheben aller möglichen Nega-
tionen und Bestimmtheiten darstellt. Indem die Welt als das Negieren zu denken ist,
das im Negieren aller möglichen Negationen zugleich mit sich identisch bleibt, ist sie
das Allgemeine schlechthin. Sie verleiht dem Sachverhalt Ausdruck, daß alles fähig
ist, negiert, selegiert und reduziert zu werden. Somit erweist sie sich als allgemeine
Selektions- bzw. Reduktionsmöglichkeit.
Insofern die Welt den Sachverhalt repräsentiert, daß alles fähig ist, selegiert und
reduziert zu werden, kann sie zugleich als Neufassung des kantischen "Ich denke",
das alle meine Vorstellungen muß begleiten können, angesehen werden. Innerhalb
der Systemtheorie nimmt das Problem der Weltkomplexität sonach die Stelle ein,
die in der Transzendentalphilosophie durch das allgemeine Selbstbewußtsein besetzt
wird. Indem sie damit das allgemeine und prinzipielle Wissen-Können als Grund und
Quelle jeden bestimmten Wissens darstellt, kann in theologischer Hinsicht gesagt
werden, daß das Weltproblem das Gottesproblem ablöst oder zumindest an dessen
Stelle tritt.
Die Welt als allgemeine Negations- (Reduktions- und Selektions-) Fähigkeit ist
das oberste Bezugsproblem für die Systembildung. Damit kann gesagt werden, daß
die mit der Systembildung erfolgende Reduktion von Komplexität sich mit der Welt
die Möglichkeit zur Selektion und Reduktion voraussetzt. Die auf der Systembil-
dung beruhende Reduktion von Komplexität erfolgt aber als jeweils bestimmte Re-
duktion. Bezieht sich diese bestimmte Reduktion auf die sich vorausgesetzte allge-
meine Reduktionsmöglichkeit, so vollzieht sie sich als Negation der allgemeinen Re-
duktions- und NegationsfähigkeiL Denn mit der Reduktion von Komplexität wird
ja die Weltkomplexität als allgemeine Reduktionsmöglichkeit reduziert, also auf
bestimmte Weise negiert. Somit kann die Reduktion von Weltkomplexität durch Sy-
stembildung als die Selbstanwendung der Welt auf sich selbst interpretiert werden.
Weil nämlich alles unter der Bedingung der Reduktions- und Selektionsfähigkeit
steht, muß das auch für die Reduktionsmöglichkeit selbst gelten; auch sie muß dem
eigenen Prinzip entsprechend der Selektion und Reduktion fähig sein. Die Reduk-
tion von Komplexität durch Systembildung als negierte Reduktionsmöglichkeit
160 Folk Wagner

hebt sonach die allgemeine Negationsfähigkeit auf und macht sie zur bestimmten
und beschränkten Negation bzw. Reduktion. In diesem Sinne kann die aus der Re-
duktion von Komplexität hervorgehende Systembildung als realisierte, das ist ent-
wickelte und entfaltete Welt, als seihstangewandte Reduktionsfähigkeit begriffen
werden.
Die Reduktion von Komplexität mittels Systembildung zielt also auf die Selbst-
darstellung und Selbstexplikation der Welt im anderen, im System. Diese Selbstdar-
stellung erfolgt auf dem Wege der Selbstnegation. Mit ihr wird die Welt als allge-
meine Selektionsmöglichkeit nicht abstrakt aufgehoben. Vielmehr kann die durch
Selbstnegation der Welt geleistete Systembildung ganz im Sinne Luhmanns als
Selbstsubstitution der Welt gefaßt werden. "Ordnungen sind selbstsubstitutiv, wenn
sie nicht durch Ordnungen eines anderen Typs ... ersetzt, sondern nur im gleichen
Typ fortentwickelt werden können. Die allgemeinste selbstsubstitutive Ordnung ist
die Welt, denn alles, was sie ablösen könnte, nimmt wiederum die Form von Welt
an." 20 Das System als negierte und reduzierte Welt wird nicht nur durch deren
Selbstanwendung konstitutiert, sondern es realisiert und entwickelt zugleich die
Welt in dem Sinne, daß es aus der Welt als Totalität des Möglichen bestimmte Mög-
lichkeiten auswählt.
Indem mit der Systembildung eine bestimmte Negation und Reduktion der allge-
meinen Reduktionsmöglichkeit, der Welt, geleistet wird, bleibt die Welt zugleich als
nichtreduzierte Reduktionsmöglichkeit erhalten. Reduktion und Erhaltung von
Komplexität in einem zu bewerkstelligen: darin besteht die Funktion des Sinnbe-
griffs22. Die Konstitution von Sinn zielt zunächst auf ein Wechselverhältnis ab, in
welchem sich eine selektive Ordnungsform und die über die Selektion hinauswei-
sende Offenheit flir andere als die selegierten Möglichkeiten wechselseitig bedingen.
Luhmann bezieht dieses Wechselverhältnis primär auf das Erleben des Bewußt-
seins22. Das Erleben fällt nicht mit dem Inhalt zusammen, auf den sich das Bewußt-
sein jeweils momentan richtet. Vielmehr verweist jedes bestimmte Erleben zugleich
auf etwas, das momentan nicht Inhalt des Erlebens ist. Das besondere Erleben ist
also immer auf Allgemeines bezogen, das bestimmte Erleben offen für die Unbe-
stimmtheit. "Dieses Über-sich-Hinausgewiesensein, diese immanente Transzendenz
des Erlebens steht nicht zur Wahl, sondern ist jene Kondition, von der alle Freiheit
der Wahl erst konditioniert werden muß. " 23 Die "Form der Erlebnisverarbeitung",
die den Zusammenhang des bestimmten Erlebens mit der Unbestimmtheit anderer
Möglichkeiten herstellt, nennt Luhmann Sinn. Sinn ist also eine Ordnungsfunktion,
deren spezifische Leistung darin besteht, Selektion aus anderen Möglichkeiten und
Verweisung auf andere Möglichkeiten als einen Zusammenhang zu erfassen.
Da das bestimmte Erleben auf mehr Möglichkeiten verweist, als es momentan
auswählt, und da diese Möglichkeiten nur Möglichkeiten sind und insofern anders
ausfallen können, als erwartet worden ist (Enttäuschungsgefahr aufgrund von Kon-
tingenz), nimmt das Erleben die "Form risikoreicher Selektion" 24 an. Die Selektion
des Erlebens erfolgt demnach so, daß die anderen Möglichkeiten, die das Erleben
momentan nicht auswählt, als Komplexität und Kontingenz erhalten bleiben. Auf
Systemtheorie und Subjektivität 161

diese Weise werden die anderen Möglichkeiten als das "Woraus der Selektion", das
heißt als allgemeines Selektionspotential oder als Welt bewahrt.
Soll die Funktion des Sinnbegriffs darin bestehen, die Beziehungen zwischen der
bestimmten Selektion des Erlebens und dem Allgemeinen, der generellen Selek-
tionsmöglichkeit, zu erhalten, so ist Sinn als eine Relationsbestimmung zu denken.
Durch den Begriff Sinn wird die Beziehung der Selektion zwischen bestimmtem Er-
leben und Allgemeinheit oder zwischen dem System und der Welt konstituiert. Da
aber das Erleben selbst eine Beziehung darstellt, nämlich die zwischen dem
bestimmten Erleben und dem "Woraus der Selektion", der Welt, so ist Sinn sonach
als Beziehung der Beziehung und der Bezogenen zu fassen. Sinn ist die Beziehung
der Beziehung von bestimmtem Erleben und Welt und der Bezogenen, Erleben und
Welt. Diese Beziehung, die Sinn konstituiert, kann des näheren als negative Einheit
artikuliert werden. Denn Sinn ist die Einheit von System (Erleben) und Welt, aber
so, daß das bestimmte Erleben (System) das bestimmte Nichts der Welt und die
Welt das bestimmte Nichts des Erlebens ist. Denn durch Sinn wird einerseits das
bestimmte Erleben als Selektion aus dem Überfluß der Möglichkeiten erfaßt, das
heißt mit der Selektion des bestimmten Erlebens wird die Welt als die Überzahl der
vielen Möglichkeiten auf bestimmte Weise negiert, oder, wie Luhmann es ausdrückt,
die Komplexität der Welt wird durch die Selektion des bestimmten Erlebens redu-
ziert. Diese Reduktion der Komplexität erfolgt aber so, daß die Welt als Überfülle
der Möglichkeiten zugleich erhalten bleibt. Daher ist die Welt und ihre Komplexität
andererseits immer auch die bestimmte Negation des jeweils bestimmten Erlebens,
denn das bestimmte Erleben wird ja in dem Sinne durch die Komplexität der Welt
auf bestimmte Weise negiert, daß das jeweils bestimmte Erleben, die bestimmte
Selektion, durch neue Möglichkeiten überholt werden kann, die deshalb im Akt der
bestimmten Selektion erhalten bleiben.
Wenn ich Sinn als negative Einheit von bestimmtem Erleben und Allgemeinheit,
von System und Welt fasse, so hat diese Interpretation insofern einen Anhaltspunkt
an Luhmanns Ausftihrungen selbst, als dieser "den funktionellen Primat der Negati-
vität im sinnkonstituierenden Erleben" 25 herausstellt. Die besondere Leistung der
Negation im sinnkonstituierenden Erleben folgt nach Luhmann daraus, daß Nega-
tion eine reflexive Kategorie ist, die folglich auf sich selber angewandt werden kann.
Das bestimmte Erleben negiert zwar die anderen Möglichkeiten, aber dieses Negieren
kann selbst negiert werden, so daß die zunächst negierten anderen Möglichkeiten
kraft Negation der Negation immer auch erhalten bleiben. Die reflexive Leistung
der Negativität hat also zur Folge, daß bestimmtes Erleben in Negation anderer
Möglichkeiten wie gesetzt so auch aufgehoben werden kann. Damit kommt dem
Sinnbegriff zugleich die Funktion zu, grundlegende Bedingungen der Möglichkeit
von Identifikationen zu sein 26 • Sinn ist identische Selektion aus negierbar gehalte-
nen negierten anderen Möglichkeiten.
Im Zusammenhang des Verhältnisses von Welt und System eignet dem Sinnbe-
griff die wichtige Ordnungsfunktion, Reduktion und Erhaltung von Komplexität,
nämlich Selektion unter Aufrechterhaltung der nichtseiegierten Möglichkeiten zu
162 Falk Wagner

leisten. Aufgrund dieser Leistung kann die Welt zugleich als selbstsubstitutive Ord-
nung gedacht werden: Mit der Reduktion von Weltkomplexität, also mit der Nega-
tion der allgemeinen Negationsfahigkeit, bleiben Komplexität und Negationsfähig-
keit so erhalten, daß die negierte Negationsfähigkeit erneuter Negation zugänglich
ist. Die Welt als selbstsubstitutive Ordnung ist somit als Einheit von Reduziertem
und Nichtreduziertem, von besonderer Reduktion (System) und allgemeiner Reduk-
tionsmöglichkeit zu begreifen. Die Besonderheit dieser Einheit besteht darin, daß
sie negativ ist; als solche ist sie Ausdruck des Prozesses und der Entwicklung des in
sich gedoppelten Negierens bzw. Reduzierens: Wie die Systembildung in Selbstnega-
tion und Selbstanwendung der Welt als allgemeine Reduktionsmöglichkeit erfolgt,
so kann zugleich das System als negierte Negationsfähigkeit seinerseits negiert und
in seinem Reduktionsvollzug revidiert werden. Dieser in sich gedoppelte und so
gegenläufige Prozeß des Negierens garantiert mit der Reduktion von Komplexität.
nicht allein deren Erhaltung, vielmehr leistet der Prozeß zugleich die Steigerung von
Komplexität. Denn indem schon vollzogene Reduktionen und Negationen von
Komplexität wiederum negiert werden können, kann die Welt in jeweils anderen
Möglichkeiten und Sachverhalten zur Selbstdarstellung gebracht werden.
Aufgrund der negativen Einheit, des Prozesses des in sich gegenläufigen Negie-
rens kann die Welt auch als absolute Positivität 27 interpretiert werden. Als absolute
Positivität transzendiert die Welt jede bestimmte Systembildung. Denn einerseits
werden Systeme in Negation der absoluten Positivität, der allgemeinen Negationsfä-
higkeit, aufgebaut. Andererseits erweist sich aber die absolute Positivität insofern
zugleich als Negation jeder bestimmten Systembildung, als das System als negierte
Positivität wiederum negiert werden kann, um der Entfaltung anderer Möglichkei-
ten Platz zu machen. Der Charakter der Welt als absoluter Positivität begründet
somit einen nicht abreißbaren Prozeß von Systembildungen und Systemdifferenzie-
rungen, durch den noch einmal der Sachverhalt beleuchtet wird, daß die Reduktion
von Komplexität immer zugleich deren Erhaltung und Steigerung impliziert. Denn
angesichts der absoluten Positivität ist jede bestimmte Systembildung prinzipiell
überholbar. Diese Überholbarkeit rührt eben daher, daß die Welt als absolute Positi-
vität nicht einem vorfindliehen Seinszustand entspricht, sondern nur im Prozeß des
doppelten Negierens, der Selbstnegation und der Negation dieser Selbstnegation
faßbar ist.
Das prozessuale Welt-System-Verhältnis kann also, wie die vorgängige Interpreta-
tion gezeigt hat, mit den Mitteln der Subjektivitätstheorie und ihrer Struktur iden-
tifiziert werden. Von größter Wichtigkeit ist, daß das System die entwickelte Welt
repräsentiert. Indem diese Entwicklung als Selbstreduktion und Selbstnegation der
allgemeinen Reduktionsmöglichkeit erfolgt, kann das System als ein durch sich
selbst bestimmtes Reduzieren gedacht werden. Als Resultat der Selbstanwendung
der Welt durch Selbstnegation ist es als reduziert Reduziertes begreifbar, nämlich als
das Reduzierte, das in Anwendung der Reduktionsmöglichkeit auf sich selbst durch
sich selbst reduziert ist. In diesem Sinne ist die Entwicklung der Welt zum System
der Ausdruck von Selbstbestimmung. Die Systemtheorie kann somit als der Versuch
Systemtheorie und Subjektivität 163

betrachtet werden, für die Theorie der Freiheit eine neue Stufe der Realisierung zu
gewinnen. Das gelingt ihr dadurch, daß sie die Bewegungs- und Tätigkeitsweise der
Freiheit in den Mittelpunkt ihres Interesses rückt. Denn mit dem Begriff der Ent-
wicklung, dessen kategoriale Struktur über den im 19. Jahrhundert herrschenden
Begriff historischer Entwicklung, geschichtlichen Fortschritts und naturhafter Evo-
lution hinausweist, ist es der Systemtheorie möglich, Freiheit als Selbstexplikation
desselben im anderen zu konzipieren und damit jede positioneHe Gestaltung von
Freiheit prinzipiell zu überholen.

1/L Die Bedeutung der Systemtheorie im Kontext der Theologie

Wenn die Systemtheorie und insbesondere das Welt-System-Verhältnis am Leitfaden


der Subjektivitätstheorie identifizierbar ist, so kann nunmehr gefragt werden, wel-
che Bedeutung der Systemtheorie für die Entfaltung der Subjektivitätstheorie selbst
zukommt. In spezieller Hinsicht zielt diese Frage auf die Bedeutung der System-
theorie im Kontext der gegenwärtigen theologischen Theoriebildung, denn die
Theologie ist, wie schon zu Anfang ausgeführt, die exemplarische und allgemeine
Darstellung der Subjektivitätstheorie selbst. Theologische Theoriebildung erfolgt
und kann nur erfolgen im Kontext der Theologie selbst, d. h~ im Kontext der auch
immer geschichtlich vermittelten Entfaltung der Theologie als Theorie der Freiheit.
Für die neuzeitliche Theologie bis zum l. Weltkrieg gilt, daß sie Freiheit und Selbst-
bestimmung auf positionelle Weise zur Geltung bringt 28 • Im Zentrum der positio-
nellen Theologie steht der Begriff des unmittelbar selbstbestimmenden Selbst be-
wußtseins, wie es den Theorien Kants, Fichtes und Schleiermachers zugrundeliegt.
Auf dieses unmittelbare Selbstbewußtsein sind alle Positionen gleicherweise als auf
ihr Allgemeines bezogen. Das Spezifikum einer Position besteht aber darin, daß sie
ihre Selbständigkeit aus der negativen Beziehung auf anderes, auf ihr Nichtsein
zieht. Eine Position versucht, eine Bestimmtheit des unmittelbar-allgemeinen Selbst-
bewußtseins so zu realisieren, daß sie diese Bestimmtheit von anderen Bestimmthei-
ten abgrenzt. So sind etwa das moralisch bestimmte auf das orthodox-dogmatische,
das fromme auf das denkend-handelnde und das geistig-sittliche auf das natürliche
Selbstbewußtsein negativ bezogen. Das besagt, daß die Selbständigkeit und Selbst-
bestimmung des positionell bestimmten Selbstbewußtseins in Kritik und Negation
anderer Positionen aufgebaut werden. Die Unmittelbarkeit dieser Kritik bringt es
aber mit sich, daß jede Position noch mit dem behaftet bleibt, von dem sie vorgibt,
sie habe sich davon in Ergreifung ihrer Selbständigkeit gerade abgesetzt. Die positio-
neHe Freiheit ist auf etwas bezogen, das von der Freiheit noch unabhängig ist;
diese Unabhängigkeit, das negative Bezogensein auf anderes, macht sozusagen den
"ontologischen" Rest der positionellen Theologie aus. Die Freiheit, die mit der
positionellen Theologie verwirklicht wird, ist daher eine Freiheit der Beziehungen
und Freiheit durch (negative) Beziehungen. Das negative Bezogensein jeder Position
auf eine jeweilige Gegenposition führt den Konkurrenzkampf herauf, der Ausdruck
dafür ist, daß Freiheit an das Privileg begrenzter Bestimmtheiten gebunden ist.
164 Falk Wagner

Freiheit kann aber keine Position sein. Diese Einsicht hebt mit der dialektischen
Theologie die Theoriebildung des 20. Jahrhunderts ins Bewußtsein 29 und leitet
damit das Ende der positionellen Theologie ein. Indem die dialektische Theologie
Freiheit und Selbstbestimmung mit der absoluten Subjektivität Gottes identifiziert,
verleiht sie dem Sachverhalt Ausdruck, daß Freiheit nur aus Freiheit gewonnen und
abgeleitet werden kann. Gleichwohl tritt diese nichtpositioneHe Freiheit selbst noch
in unmittelbarer Gestalt auf. Denn ihre Darstellung ist einseitig an die unbedingte
Selbstbestimmung des absoluten Subjekts als Maßstab gebunden, so daß die Wirk-
lichkeit der unbedingten Selbstbestimmung nur als unmittelbare Entsprechung bzw.
Gleichschaltung ausgesagt werden kann. So besteht die vorrangige Bedeutung der
dialektischen Theologie im Gewinn der Einsicht, daß Freiheit nicht mit den Versu-
chen ihrer positionellen Gestaltung verwechselt werden darf. Jedoch fehlt der mit
dieser Einsicht einhergehenden Affirmation, der an sich selbst, also unbedingt
gedachten Selbstbestimmung, die Möglichkeit der ihr adäquaten Entwicklung. Denn
indem die dialektische Theologie nur dem Anerkennung zollt, was der unbedingten
Selbstbestimmung des absoluten Subjekts unmittelbar entspricht, kommt es nicht
zur Anerkennung dessen, was sich der unbedingten Selbstbestimmung sperrt. Eben
darin besteht die Unmittelbarkeit der in der dialektischen Theologie zum Zuge
gebrachten absoluten Freiheit: sie findet ihre Grenze darin, daß sie dem nicht Iden-
tischen und Fremden nur um der unbedingten Selbstbestimmung, aber nicht um sei-
ner selbst willen Anerkennung verschafft.
Luhmanns mit den Mitteln der Subjektivitätstheorie interpretierte Systemtheorie
erfüllt genau die Bedingungen, die es ermöglichen, das begrifflich-kategoriale Instru-
mentarium zu entfalten, um die mit der dialektischen Theologie gesetzten Grenzen
zu überschreiten. Darin liegt die Bedeutung der Systemtheorie für die gegenwärtige
theologische Theoriebildung. Denn der für Luhmann zentrale Begriff der Entwick-
lung erlaubt es, das Nichtidentische, Fremde und Andere als die Möglichkeit anzu-
sehen, in der dasselbe im anderen zur Darstellung gebracht wird. Entwicklung ist ja
die kraft Selbstnegation und Selbstanwendung erfolgende Selbstexplikation der
Welt, der allgemeinen Negationsfähigkeit im System als negierten Negationsfähig-
keit. Für den Begriff der Entwicklung, der am Leitfaden der Subjektivitätstheorie
identifiziert werden kann, ist sonach die Bestimmung der Selbstanwendung ent-
scheidend. Denn mittels der Selbstanwendung wird die Selbstdarstellung dem
unmittelbaren Identitätszwang entnommen. Insofern nämlich die Selbstanwendung
durch Selbstnegation vermittelt ist, ist das Allgemeine, die Welt als allgemeine Re-
duktionsmöglichkeit, offen und bestimmbar für jede Besonderheit und Bestimmt-
heit. Durch den Begriff der Entwicklung wird die Selbstdarstellung des Allgemeinen
in jeder möglichen Bestimmtheit so geleistet, daß die Bestimmtheit in Negation des
Allgemeinen zugleich ihre Anerkennung erfährt. Damit gewinnt der Begriff der Ent-
wicklung die Bedeutung, daß durch ihn die gesetzte, d. h. vollzogene und realisierte
Ablösung und Aufhebung der positionellen Theologie erreicht ist. Denn nunmehr
müssen Freiheit und Selbstbestimmung weder so konzipiert werden, daß eine Posi-
tion sich in Negation, Kritik und Konkurrenz von und zu anderen, also durch die
Systemtheorie und Subjektivität 165

negative Beziehung auf Anderes zur Geltung bringt, noch so, daß jede mögliche Be-
stimmtheit am Maßstab der unmittelbar-unbedingten Selbstbestimmung beurteilt
und mit ihr gleichgestellt wird. Vielmehr erlaubt es der Begriff der Entwicklung als
Bewegungs- und Tätigkeitsweise der Freiheit, jede mögliche Bestimmtheit so anzu-
erkennen, daß sich die allgemeine Freiheit in ihr auf besondere Weise zur Darstel-
lung bringt. Die allgemeine Freiheit erfährt in jeder möglichen Bestimmtheit eine
Bereicherung ihrer selbst. Das gelingt aber nur dadurch, daß das Allgemeine von
seiner schon gewonnenen Identität abstrahiert und sich in Selbstnegation jeder mög-
lichen Bestimmtheit öffnet.
Ohne Luhmanns Systemtheorie in ihren einzelnen Elementen interpretieren zu
wollen, kann doch gesagt werden, daß sie sich insgesamt vom Begriff der Entwick-
lung aus erschließen läßt. Das gilt in erster Linie für die funktionale Methode, die
auf der Bestimmung der funktionalen Äquivalenz aufbaut 30 . Soll die funktionale
Methode Problemstellungen "durch abstrahierende Konstruktion von Vergleichs-
möglichkeiten"31 rationalisieren, so besteht ihr eigentlicher Sinn darin, durch Ab-
straktion von Bezugsproblemen bzw. von Vergleichsgesichtspunkten "die Gleich-
setzung von Verschiedenartigem zu ermöglichen " 32 . Ein bestimmtes Problem, das
als Vergleichsgesichtspunkt fungiert, kann entsprechend der funktionalen Methode
nicht nur durch eine bestimmte Möglichkeit, sondern durch funktional äquivalente
Möglichkeiten gelöst werden; die Austauschbarkeit und Substituierbarkeit der Mög-
lichkeiten sind allein an die Bedingung gebunden, daß sie auf gleiche Weise geeignet
sind, das entsprechende Problem zu lösen 33 . "Die eigentliche Systemleistung, der
Sinn der Systembildung liegt dann nicht mehr darin, möglichst exklusiv zu sein,
sondern gerade umgekehrt in der strukturellen Offenheit für andere Möglichkeiten.
Eine Handlungsordnung ist dann in dem Maße System, als sie gegenüber Umweltän-
derungen mehrere Reaktionsalternativen bereitstellt, die unter abstrakten, system-
eigenen Gesichtspunkten funktional äquivalent sind. " 34 Funktionale Äquivalenz ist
demnach selbst eine Form von Entwicklung. Von der Perspektive eines bestimmten
Problems aus gesehen ist die Lösung dieses Problems grundsätzlich auch durch eine
andere als die gerade vorgeschlagene Lösungsmöglichkeit vollziehbar. Auf Grund
der Substituierbarkeit gleichwertiger Leistungen bleibt die Selbstdarstellung des Sy-
stems entwicklungsfähig. Von einem bestimmten Bezugsproblem aus betrachtet,
kann sich das Problem auch in anderen Möglichkeiten zur Selbstexplikation brin-
gen. Die mit der funktionalen Äquivalenz verbundene Entwicklungsfähigkeit des
Systems hat zugleich die Steigerung der Systemkomplexität zur Folge. Diese Kom-
plexitätsbereicherung verdankt sich der Logik des Entwicklungsbegriffs, denn funk-
tionale Äquivalenz ist eine Weise der Selbstdarstellung desselben im anderen.
Auch die Strategie der Systemdifferenzierung 35 kann als ein Anwendungsfall des
Entwicklungsbegriffs betrachtet werden. Denn die Systemdifferenzierung beruht
darauf, daß in einem System die Systembildung wiederholt wird. Indem das Sy-
steminnere selbst als Umwelt behandelt wird, bildet das Systeminnere Systemgren-
zen und damit Untersysteme, durch die die Erfassung und Reduktion von Komple-
xität verstärkt werden. Mit der Systemdifferenzierung kommt es zur Selbstanwen-
166 Falk Wagner

dungdes Systems auf sich selbst. Das System als reduzierte Reduktionsmöglichkeit
wird als quasi allgemeine Reduktionsmöglichkeit behandelt, um auf diese Weise die
schon vollzogene Reduktion der (Um-)weltkomplexität noch einmal zu reduzieren.
Im Sinne der funktionalen Differenzierung sind die Untersysteme zwar ungleich. Je-
doch erfüllen sie im Hinblick auf das Gesamtsystem dieselbe Funktion: Sie dienen
der Selektionsverstärkung, also der erhöhten Reduktion von Komplexität. Das
funktional differenzierte Gesamtsystem bringt sich also in den Untersystemen als in
anderen Möglichkeiten so zur Selbstdarstellung, daß es durch die Ungleichheit der
funktional differenzierten Untersysteme hindurch seine eigentliche Leistung, die
Reduktion und Steigerung von Komplexität, verstärkt und wiederholbar macht.
Gewinnt der für Luhmanns Systemtheorie zentrale Begriff der Entwicklung
dadurch Bedeutung für die gegenwärtige theologische Theoriebildung, daß mittels
seiner - der Selbstdarstellung desselben im anderen - die mit der dialektischen
Theologie eingeleitete Aufhebung der positioneilen Theologie als vollzogen erach-
tet werden kann, so ist doch ein etwa aufkommendes Mißverständnis von vornher-
ein auszuräumen. Mit der definitiv gemachten Aufhebung der positionellen Theolo-
gie wird nämlich der Versuch der dialektischen Theologie, die positioneil
bestimmte Selbstbestimmung durch deren Unbedingtheit zu überwinden, nicht als
belanglos abgetan. Vielmehr erfährt die durch die dialektische Theologie erarbeitete
Einsicht, daß Selbstbestimmung nur aus und durch Selbstbestimmung abgeleitet
und realisiert werden kann, mit der konstruktiven Erfassung des Entwicklungsbe-
griffs ihre volle Bestätigung. Jedoch ist gegenüber der dialektischen Theologie gel-
tend zu machen, daß sie nicht das gedanklich-konstruktive Instrumentarium ausge--
arbeitet hat, um das Problem der Gestaltung der Wirklichkeit zufriedenstellend zu
lösen. Indem sie nämlich alles Geschichtlich-Wirkliche allein am Maßstab der unmit-
telbar genommenen unbedingten Selbstbestimmung des absoluten Subjekts gemes-
sen hat, konnte sie das Recht des der unbedingten Selbstbestimmung nicht unmit-
telbar Entsprechenden nicht anerkennen; entweder hat sie es zur Selbstbestimmung
in ein Entsprechungsverhältnis gebracht oder aber - durch gewiß geschickte Inter-
pretationen -von ihr ausgeschlossen. Die Darstellung und Entfaltung der an sich
selbst gedachten Selbstbestimmung in anderen Sachverhalten als in denen der unbe-
dingten Selbstbestimmung selbst konnte die dialektische Theologie auf Grund ihres
unmittelbaren Auftretens, das in der abstrakten Kritik an der positioneilen Theolo-
gie seinen Niederschlag gefunden hat, also nicht leisten. Genau diese Leistung
erbringt der Entwicklungsbegriff, insofern er streng als die durch Selbstanwendung
und Selbstnegation vermittelte Selbstdarstellung desselben im anderen gedacht
wird.
Mit dem Begriff der Entwicklung wird auf den Vollzug der Freiheit abgehoben.
Durch ihn können Freiheit und Selbstbestimmung von allen bestimmten Positionen
und Identifikationen abgelöst werden. Die Ablösbarkeif von historischen Identifika-
tionen erlaubt es, Selbstbestimmung im freien Umgang mit Themen und Sachverhal-
ten so zur Geltung zu bringen, daß Freiheit nicht mit bestimmten Gestalten der Tra-
dition verwechselt werden muß. Die Entwicklung der Freiheit, ihr Vollzug als die
Syrtemtheorie und Subjektivität 167

Selbstdarstellung desselben in anderen Möglichkeiten, besagt, daß Freiheit in jedem


möglichen Sachverhalt zur Entfaltung und Gestaltung gebracht werden kann. Die
innere Motorik dieser Entwicklung gründet in der Negativität; sowohl die Freiheit in
ihrer Allgemeinheit, die durch die prinzipiell-allgemeine Negationsfähigkeit der Sub-
jektivität repräsentiert wird, als auch jede schon besondere und somit identifizierte
Gestalt der Freiheit ist nur dann entwicklungsfähig, wenn sie durch die Negation
ihrer selbst vermittelbar ist. Vom Standpunkt der jeweils schon identifizierten Ver-
wirklichung von Freiheit aus betrachtet, sind für deren Fortbestand, d. h. für deren
Entwicklungsfähigkeit Entäußerung und Entfremdung geradezu konstitutiv. Denn
nur dann, wenn der schon erreichte Stand von Selbstbestimmung in Negation seiner
selbst in anderen Sachverhalten expliziert werden kann, ist Freiheit als Grund der
Wirklichkeit und ihrer Gestaltung ausweisbar.
Ist damit der Stellenwert der Luhmannschen Systemtheorie und des für sie zen-
tralen Begriffs der Entwicklung für die theologische Theoriebildung genannt, so ist
jetzt noch genauerauf den Zusammenhang von Theologie und Entwicklung einzu-
gehen. Luhmann weist in seiner religions- und theologiesoziologischen Arbeit "Reli-
giöse Dogmatik und gesellschaftliche Evolution" 36 im Zusammenhang der Diskus-
sion des Gottesbegriffes darauf hin, daß die "Kontrolle des Zugangs zu anderen
Möglichkeiten"37 nicht mehr durch die Kontingenzformel "Gott" geleistet werden
kann, insofern der Gottesbegriff an spezifische Perfektionsvorstellungen geknüpft ist.
"Kontingenz kann nicht mehr überzeugend in Perfektionen spezifischer oder univer-
seller Art (sc. repräsentiert durch Gott als ens perfectissimum) aufgehoben wer-
den, an die Stelle der Perfektion tritt daher in gleicher Funktion der eigentliche
Charakter selbstsubstitutiver Ordnungen: das Prinzip der Entwicklung. Eine Theolo-
gie, die Kontingenz nach wie vor in einem Gottesbegriff aufhebt, der die (unanaly-
sierte) Begriffsform der Perfektion verwendet, gerät nun in einen Gegensatz zu allen
evolutionär orientierten Wissenschaften, nicht zuletzt zur Soziologie.
Was bleibt? Die Behauptung, Gott sei tot, mag eine bewußt inkongruente Chiff-
rierung dieser Frage gewesen sein, sie formuliert aber das Problem noch zu theolo-
gisch. Beim Vergleich mit dem neuzeitlichen Werdegang anderer Kontingenzfor-
meln fällt ein Doppeltes auf: Durchweg besteht seit dem Ende des 18. Jahrhunderts
eine Tendenz, Perfektion durch Entwicklung zu ersetzen. " 38 Mit den Stichworten
Gott, Tod Gottes und Entwicklung deutet Luhmann Möglichkeiten an, die die
Theologie, die zur "funktionsbewußten Reflexion des Interpretierens" 39 übergegan-
gen ist, nutzen kann.
Die mit der Kontingenzformel "Gott" zum Ausdruck gebrachte Perfektionsvor-
stellung ist nach Luhmann insofern unzureichend, das Problem der Aufhebung von
Kontingenz zu lösen, weil durch sie Kontingenz "bis hin zur Umwertung der Kon-
tingenz in einen modus positivus entis" "entschärft" wird 40 . Indem sich mit der
Formel Gott die Vorstellung höchster, nämlich "notwendig nicht-kontingent(er)"41
Perfektion verbindet, wird Kontingenz, die Tatsache, daß die Realität immer auch
anders sein kann, dadurch absorbiert daß die auf Gott bezogenen Perfektionsvor-
stellungen "in sich selbst zurücklaufen"42 • Auf diese Weise leistet die Kontingenz-
168 Falk Wagner

formel Gott nicht mehr das, was sie eigentlich leisten soll: sie verstellt die Kontrolle
des Zugangs zu anderen Möglichkeiten. Damit käme die Religion ihrer spezifischen
Funktion nicht mehr nach. Sie würde nicht mehr die Reduktionen bereitstellen,
durch die die Unbestimmtheit der Welt in deren Bestimmbarkeit überfUhrt werden
kann 43 . Soll aber die Formel Gott die selbstsubstitutive Ordnung der Welt repräsen-
tieren, so kann sie nicht so konzipiert werden, daß sie den Zugang zu anderen Mög-
lichkeiten und die Kontrolle höchster Weltkomplexität blockiert.
Luhmann läßt die Frage mehr oder weniger offen, ob der Gottesgedanke nach
Ablösung der Perfektionsvorstellung durch den Begriff der Entwicklung noch eine
begründende Funktion bei der Konstitution von Wirklichkeit spielen kann. Unter
der Bedingung, daß der Gottesgedanke und das Prinzip der Entwicklung einander
ausschließen, kann das sicher nicht der Fall sein. Aber spätestens seit Hegel wird mit
dem Gottesbegriff der Begriff der Entwicklung so zusammengedacht, daß der Got-
tesbegriff geradezu den exemplarischen und radikalen Fall von Entwicklung reprä-
sentiert44. Diese Interpretation des Gottesgedankens ist inzwischen innerhalb der
nachdialektischen Theologie, wenn auch namentlich unter dem Vorzeichen der
Eschatologie, aufgenommen worden 45 • In der Absicht, einerseits den Begriff der
Entwicklung für den Gottesgedanken als konstitutiv zu erweisen und andererseits
den Gottesbegriff als die paradigmatische Ausformung des Entwicklungsbegriffs
darzustellen, soll im folgenden eine Interpretation des Gottesgedankens vorgenom-
men werden, die sich zunächst an traditionelle Vorstellungen anschließt, um diese
dann in ihrer Funktion für die Erfassung von Wirklichkeit zu kennzeichnen.
Es gilt also, den Vorstellungsgehalt des durch das "Christusgeschehen", also
durch "Kreuz und Auferstehung" definierten Gottesgedankens möglichst präzise zu
skizzieren46 • Als Schöpfer manifestiert sich Gott als seine Schöpfung, so daß Welt
und Menschen Darstellung Gottes sind, denn Gott als Macht und Substanz läßt inso-
fern nicht ein außerhalb zu, als er dann durch dieses außerhalb bestimmt wäre. Da-
mit aber Gott auch für sich Gott sein kann, muß er den Menschen in Selbständigkeit
entlassen, denn nur in dem seinem Schöpfer frei gegenüberstehenden Men-
schen kann Gott sich als Gott wissen. Der Mensch kann freilich nur dadurch selb-
ständig werden, daß Gott selbst sich zu seinem Geschöpf macht und Mensch wird.
Ist Gott als dieser Mensch Jesus selbst zum Menschen geworden, so ist damit die
absolute Trennung Gottes und des Menschen aufgehoben. Gott ist nicht länger Herr
(Substanz), dessen Macht sich in der Ohnmacht der Menschen (Akzidenzien) mani-
festiert, wie das in weitem Maße flir die alttestamentlich-jüdische Gottesvorstellung
vorauszusetzen ist. Vielmehr ist mit der Menschwerdung Gottes der Unterschied
von Gott und Mensch, von Schöpfer und Geschöpf, von Herrschaft und Beherrscht-
werden, von Herr und Knecht, von Befehl und Gehorsam gefallen. Aus dieser in der
Menschwerdung Gottes begründeten Überwindung der abstrakt-absoluten Herr-
schaft Gottes resultiert notwendig das Wissen um die Freiheit des Menschen, denn
auf Grund seiner Menschwerdung als der Aufhebung des Wesensunterschiedes von
Gott und Mensch erkennt der menschgewordene Gott die Menschen als solche an.
Indem die Menschen als Menschen anerkannt werden, sind sie frei, denn Gott
Systemtheorie und Subjektivität 169

schenkt in seiner Menschwerdung den Geschöpfen die Freiheit, sie selbst sein zu
dürfen.
Mit der Anerkennung des Menschen als freier Subjektivität wird der Mensch ein
anderer- ein "neuer Mensch". Darin liegt es begründet, daß die Gottheit Gottes in
seiner Menschwerdung nicht abstrakt preisgegeben wird. Vielmehr beweist Gott
seine Göttlichkeit jetzt gerade darin, daß vermittels der Menschwerdung Gottes der
Mensch frei geworden ist. Aber der Mensch kann eben nur dadurch frei werden, daß
Gott nicht mehr als Macht außerhalb seiner Geschöpfe oder neben ihnen steht, son-
dern daß er sich selbst seinen Geschöpfen gleichmacht. Und erst dadurch, daß Gott
sich in Negation seiner selbst zum Geschöpf macht, werden der zum Menschen
gew<?rdene Gott und die als frei anerkannten Menschen zu Personen, die von sich
"Ich" sagen können.
Die Menschen aber ergriffen die ihnen durch die Menschwerdung Gottes
geschenkte Freiheit nicht und nahmen sie nicht an; Jesus predigte "verstockten Her-
zen und tauben Ohren". Vielmehr beging der Mensch die absolute Tat, den mensch-
gewordenen Gott zu töten. Die Menschen konnten Gott töten, weil Gott sich als
der Mensch Jesus tötbar gemacht hatte. Jedoch wußten die Menschen nicht, daß sie
den Gottesmord begingen. Denn die Menschen waren vermittels der Menschwer-
dung Gottes an sich frei. Aber sie machten die Freiheit nicht zu ihrem Eigentum, sie
wurden nicht für sich frei, sondern sie begingen in Unkenntnis darüber, daß sie an
sich frei waren, den Gottesmord. Dem Begriffe nach frei zu sein, die Freiheit aber
nicht ergriffen, vielmehr den Gottesmord begangen zu haben, darin besteht die
"absolute Sünde" des Menschen. Indem aber die Menschen im Gottesmord die abso-
lute Sünde begehen, haben sie an sich ihre Freiheit realisiert.
Jesus, der zum Menschen gewordene Gott, nahm den Tod in dem Bewußtsein
auf sich, die Menschen von der absoluten Sünde zu befreien, nämlich ihre Frei-
heit nicht angenommen, ihren Vermittler getötet, und sich damit allererst im
eigentlichen Sinne frei gemacht zu haben. Die Tat Jesu, nämlich die absolute Sünde
des Gottesmordes, die die Menschen real befreite, auf sich genommen zu haben, ist
an sich göttlich. In seinem Getötetwerden vergibt J esus das Töten als die absolute
Sünde des Gottesmordes. In seinem Getötetwerden kommt dem menschgeworde-
nen Gott seine Botschaft, die Freiwerdung des Menschen, gegenständlich, nämlich
als die im Gottesmord vergegenständlichte Freiheit des Menschen entgegen. Indem
Jesus seinen Tod als Vergegenständlichung, als die an sich seiende Realisierung der
menschlichen Freiheit anerkennt, vergibt er den Menschen die Sünde des Gottes-
mordes und erkennt sie als die durch ihn selbst in die Welt gebrachte Möglichkeit an.
In der Anerkennung der Sünde des Gottesmordes als der durch Jesus selbst
ermöglichten Freiheit des Menschen vollzieht sich zugleich die Auferstehung J esu als
Christus, denn Gott, der sich als Jesus negiert, wird im Gottesmord noch einmal
negiert. In Negation der Negation negieren die Menschen das Menschsein Gottes
und machen ihn dadurch wiederum zu Gott. Der Tod Jesu ist in einem seine Aufer-
stehung als Christus - als Gott in der Gestalt des "heiligen Geistes".
Daß der Tod Jesu als die Anerkennung der in der Sünde des Gottesmordes sich
170 Falk Wagner

realisierenden Freiheit des Menschen zugleich die Auferstehung des menschgewor-


denen Gottes zum Christus und darum wieder zu Gott ist, gilt allerdings zunächst
nur an sich, also dem Begriffe nach. Ist die Tat Jesu, nämlich dieübernahmedes
Todes als Vergebung der menschlichen Sünde des Gottesmordes, die Anerkennung
und Verwirklichung der Freiheit des Menschen, so wird der Tod Jesu erst dann real
zur Auferstehung Jesu als der Auferstehung Christi, wenn die Menschen den Tod
Jesu als die Verwirklichung ihrer eigenen Freiheit anerkennen.
Weil der Mensch dem Begriffe nach frei ist, hat er nämlich entweder die Möglich-
keit, den Gottesmord als die absolute Sünde und zugleich als ihre Vergebung anzu-
erkennen; oder der Mensch versteht seine Freiheit in dem Sinne als Prinzip, daß er
eine Welt allein nach dem selbstgemachten Bilde des Menschen bauen will; der
Mensch hat dann keine Einsicht darin, daß seine Freiheit durch die Menschwerdung
und den Tod Gottes vermittelt ist. Vielmehr setzt sich der Mensch dann an die
Stelle, die vormals Gott als abstrakt-absolute Macht innehatte. Der Mensch will
dann das Absolute aus sich selber hervorbringen und darstellen.
Diese "tit~nische", weil abstrakt-absolute Freiheit ist zwar auch erst auf Grund
der Menschwerdung und des Todes Gottes möglich geworden, aber sie bleibt beim
Gottesmord stehen, und der Mensch setzt sich an die Stelle des dann allerdings als
abstrakt-absoh.lte Macht verstandenen Gottes, ohne gewahr zu werden, daß der Got-
tesmord die absolute Sünde ist. Diese Sünde ist zwar dadurch vergeben, daß J esus
den Tod auf sich genommen hat, wodurch der als Jesus menschgewordene und getö-
tete Gott dem Begriffe nach wiederum zu Gott in der Gestalt des Geistes geworden
-auferstanden -ist. Aber die Vergebung des Gottesmordes ist erst dann realisiert,
wenn der Mensch den Gottesmord nicht nur als eine Tat der Befreiung anerkennt,
denn da bleibt seine Freiheit noch äußerlich durch den Gottesmord bestimmt, son-
dern zugleich den von Jesus auf sich genommenen Gottesmord als Vergebung weiß.
Indem der Mensch den Gottesmord als sein Tun im Umweg über die Vergebung
seines Tuns als die Anerkennung des Gottesmordes durch Jesus anerkennt, ist er
wahrhaft frei und lebt im Bewußtsein Gottes als des "heiligen Geistes". Denn aller-
erst vermittels des den Tod Gottes als seine realisierte Freiheit anerkennenden Men-
schen ersteht der in Menschwerdung und Tod doppelt negierte Gott im Selbstbe-
wußtsein der Menschen auf.
Der Geist ist das Sich-wissen der Menschen in Gott in dem Sinne, daß in ihrer
Anerkennung der Vergebung des Gottesmordes Gott als Grund und Ursprung ihrer
Freiheit gegenwärtig ist. Die Gegenwart Gottes als des Geistes im Selbstbewußtsein
der Menschen ist das Wissen der Menschen, daß sie allein frei sein können, insofern
sie im Anderssein bei sich selbst sind. Denn in Anerkennung der Vergebung ihres
Gottesmordes sind die Menschen insofern im Anderssein zugleich bei sich selbst, als
diese Anerkennung in einem ihre Freiheit ist. Die Menschen, die mit dem Bewußt-
sein dieser geschenkten Freiheit leben, leben nicht unter Gott, sondern in Gott als
im Geist, der die Einheit Gottes und des Menschen ist.
Der Mensch, der als dieser freie Mensch sich im Geist im Anderssein bei sich selber
weiß, ist nicht mehr ein besonderer, durch Schranken des Volkes, der Rasse, der Re-
Systemtheorie und Subjektivitiit 171

ligion usw. von anderen Menschen getrennte Mensch, sondern der Mensch. Denn es
ist der eine und einzige Gott, der sich, indem er sich im extremen Anderssein zur
Selbstdarstellung bringt, in das Wissen der Menschen vermittelt hat. Der Mensch,
der seine Freiheit in Anerkennung des anderen Menschen realisiert, verwirklicht den
Geist als die logische Struktur des Jetzt-im-Anderssein-bei-sich-selber-sein, die im
Christusgeschehen ihren Grund und Ursprung hat. Indem der Mensch diese Struktur
verwirklicht, vollzieht er den Rückgang in den Grund und das Sich-Gegebensein sei-
ner Freiheit.
Wird der durch die Vorstellung der Menschwerdung, von Kreuz und Auferste-
hung charakterisierte Gottesgedanke auf seine Funktion hin befragt, so ist deutlich,
daß mit ihm insofern der Extremfall von Entwicklung erfaßt wird, als Gott sich im
extremsten Anderssein zur Selbstdarstellung bringt. Damit wird mit dem Ausdruck
Gott das Paradigma von Entwicklung überhaupt benannt. Das ist darin angelegt, daß
mit Gott die Selbstexplikation in solchen Möglichkeiten gedacht wird, die scheinbar
nicht möglich sind. Auch das offensichtlich Unmögliche, das noch nicht Mögliche
oder das Nichtvorhandene steht unter der Bedingung, als Möglichkeit der Selbstent-
faltung gesetzt zu werden. Mit dem exemplarisch im Gottesgedanken verankerten
Entwicklungsbegriff wird also auf die prinzipielle Ersetzbarkeit von Möglichkeiten
abgehoben. Jede Selbstvergegenständlichung ist daher revidierbar. Die Revidierbar-
keit von Selbstdarstellungen in bestimmten Möglichkeiten zielt damit auf die über-
holbarkeit der unmittelbar vorhandenen Möglichkeiten. Mit der Revidierbarkeit und
Überholbarkeit von Selbstvergegenständlichungen und den ihnen korrespondieren-
den bestimmten Möglichkeiten wird der Sachverhalt bezeichnet, daß die schon
bekannte Wirklichkeit zugleich "über das Vorhandene hinausreicht"47 • Dem Gottes-
gedanken kommt so die Funktion zu, das Bewußtsein der prinzipiellen Veränderbar-
keit der Wirklichkeit offen zu halten.
Wichtig ist, daß das Bewußtsein der Veränderbarkeit an eine kontrollierbare
Revision von Möglichkeiten geknüpft wird. Auch die Selbstdarstellung in solchen
Möglichkeiten, die offensichtlich den Bestand der Unmöglichkeit repräsentieren,
dient immer zugleich der Erhaltung von Möglichkeiten vermittels der Negation
schon gesetzter Möglichkeiten. Das Kriterium von Revision von Möglichkeiten und
Selbstvergegenständlichungen liegt also in der Negativität als Prozeß des in sich
gedoppelten Negierens. Wie die Erweiterung von Möglichkeiten durch die Negation
schon bestimmter Möglichkeiten, der Negationsfähigkeit überhaupt, erfolgt, so kön-
nen auch die erweiterten Möglichkeiten - die Selbstentfaltung im extremsten
Anderssein - nur durch ihre Negierbarkeit überschritten werden. Im Prozeß des
doppelten Negierens geht es also bei der Erhaltung von Möglichkeiten durch die Ne-
gation schon bestimmter Möglichkeiten immer zugleich um die Erhaltung dessen,
was in den revidierbaren Möglichkeiten zur Explikation gelangt. Mit der "Erhaltung
der Possibilität"48 muß also die Erhaltung des Bezugspunktes Hand in Hand gehen.
Bezogen auf die Veränderbarkeit ist nur dann die Erhaltung von Möglichkeiten
gewährleistet, wenn das sich verändernd-identische Subjekt des Veränderns, d. h.
die Subjektivität des Bezugspunktes erhalten bleibt. Genau diesen Sachverhalt der
172 Falk Wagner

doppelten Erhaltung im Prinzip des doppelten Negierens wird mit dem durch Tod
und Auferstehung definierten Gottesgedanken zum Ausdruck gebracht: Gott kann
sich nur erhalten, weil er sich entwickelt, d. h. sich im extremsten Anderssein ent-
faltet. Durch diese Selbstdarstellung in anderen Möglichkeiten kommt es zu Verän-
derung der schon bekannten Realität. Die damit erfaßten Möglichkeiten können
aber nur dann erhalten bleiben, wenn sie auf das Subjekt bezogen werden, das in
Veränderung seiner selbst sich an die neuen Möglichkeiten entäußert.
Aber dieses Subjekt der Entwicklung ist nicht als fixer Bezugspunkt und nicht
als das Zugrundeliegende der Entwicklung zu denken. Vielmehr baut sich das Sub-
jekt im Prozeß der Entwicklung allererst auf. Zunächst ist es bloßer Bezugspunkt
für die Entfaltung von Möglichkeiten. Der Bezugspunkt wird durch das Setzen von
Möglichkeiten als Bestimmtheiten bestimmt. Erst dadurch, daß das Subjekt des Be-
zugspunktes die Bestimmtheiten als seine eigenen bestimmt, nämlich als diejenigen,
in denen es sich zur Selbstexplikation bringt, erfaßt es sich als Subjekt, nämlich als
das bestimmte, das durch sich selbst bestimmt ist - also als selbstbestimmend -
selbsttätige Subjektivität. Entwicklung ist also als ein Sich-Entwickeln zu denken.
Mit dem im Gottesbegriff verankerten Entwicklungsgedanken wird die durchgän-
gige Bestimmbarkeit der Welt zum Ausdruck gebracht. Die Welt ist danach dasje-
nige, was der Bestimmung zugänglich ist. Warum entzieht sich aber die Welt ihrer
Bestimmung, der Komplexitätsreduktion nicht? Warum ist das Unbestimmte im
Prozeß der Bestimmung der Bestimmung fähig? 49 Die Bestimmbarkeit des Unbe-
stimmten kann nur dann sinnvoll behauptet werden, wenn das Unbestimmte selbst
dadurch bestimmt ist, bestimmbar zu sein. Vor aller Bestimmung des Unbestimm-
ten muß dieses selbst schon durch Bestimmbarkeit bestimmt sein. Nur dann näm-
lich gilt der Satz, daß es nichts gibt, was nicht der Bestimmung fähig und zugänglich
ist. Das Bestimmtsein des Unbestimmten durch Bestimmbarkeit zu leisten, darin
besteht die weitere Funktion des Gottesgedankens. Durch den Gottesgedanken wird
also der Gegebenheitscharakter der Welt 50 , ihre Positivität erklärt und begründet.
Denn steht alles unter der Bedingung, der Bestimmung fähig zu sein, so gilt für alles
das Prinzip der Bestimmtheit; alles ist bestimmt durch ... Das Prinzip der Bestimmt-
heit ist dann aber als die unbedingte Bedingung des Prozesses des Bestimmens zu
denken. Als unbedingte Bedingung ist das Prinzip der Bestimmtheit selbst bestimmt
durch ... , nämlich durch sich selbst 51 • Es ist bestimmt Bestimmtes oder absolut
Bestimmendes als Selbstbestimmung, die nur aus sich ist.
Der Sachverhalt, daß alles durch Bestimmbarkeit bestimmt ist, verdankt sich also
dem Prinzip der Bestimmtheit. Als Prinzip kann es aber nicht nach der Logizität des
principiatum gedacht werden. Es kann nicht als eine Bestimmtheit konzipiert wer-
den, die durch anderes bestimmt ist. Vielmehr muß das Prinzip der Bestimmtheit als
absolute Selbstbestimmung begriffen werden, also als die Bestimmtheit, die allein
durch sich selbst bestimmt ist. Nur auf Grund dieser absoluten Selbstbestimmung
kann gesagt werden, daß es nichts gibt, was nicht der Bestimmung zugänglich ist.
Die absolute Selbstbestimmung wird ausgedrückt durch Gott.
Allein mittels des Prinzips der Bestimmtheit als absoluten Selbstbestimmung
Systemtheorie und Subjektivität 173

kann erklärt werden, warum es nichts gibt, was sich der Bestimmung entziehen
könnte. Das Prinzip der Bestimmtheit ist es, das den Prozeß des Bestimmens - im
Sinne Luhmanns: das System-Welt-Verhältnis- begründet und garantiert. Denn
sollte einer Realität keinerlei Bestimmung zukommen können, so wäre eben diese
Realität dadurch bestimmt, keinerlei Bestimmung zu haben. Von keiner Realität
kann also gesagt werden, daß sie schlechthin unbestimmbar sei; alles steht vielmehr
unter der Bedingung des Prinzips der Bestimmtheit, das an sich selbst als radikales
Bestimmtsein durch sich selbst zu denken ist. Gibt es auf Grund des Prinzips der Be-
stimmtheit nichts, was nicht der Bestimmung zugänglich ist, so wird damit die von
Luhmann geforderte Nichtnegierbarkeit der Welt 52 voll bestätigt. Die Nichtnegier-
barkeit der Welt zu begründen, darin besteht dann die weitere Funktion des Gottes-
gedankens. In theologisch verschlüsselter Weise wird die Nichtnegierbarkeit in den
Vorstellungen der Schöpfung und Erhaltung der Welt durch Gott dargestellt. Und
auch der Trinitätslehre, die die Tätigkeiten Gottes als Schöpfer und Erlöser ver-
klammert, kommt zugleich die Funktion zu, einen "demiurgischen, negierbaren
Weltbegriff" 53 abzuweisen.
Ist die Welt als Negations- bzw. Reduktionsmöglichkeit zu fassen, so kann sie -
entsprechend der auf Spinoza zurückgehenden Einsicht: omnis determinatio est
negatio - ebenso als Bestimmtheitsmöglichkeit begriffen werden. Warum aber kann
alles ohne Ausnahme bestimmt werden? Bei Beantwortung dieser Frage kann der
Begriff der Welt nicht schon benutzt werden. Denn dann fiele die Antwort zirkulär
aus. Der Charakter der Welt, Negations- und Bestimmtheitsmöglichkeit zu sein,
kann also nicht durch die Welt selbst erklärt werden, weil dann das zu Erklärende
schon Bedingung der Erklärung wäre; eine derartige Erklärung der Welt liefe auf
eine petitio principü hinaus. Die Bestimmtheitsmöglichkeit der Welt kann sonach
nur aus der Bestimmtheit erklärt werden, die zugleich Prinzip aller Bestimmtheit ist.
Diese Bestimmtheit ist, wie schon gezeigt wurde, die Bestimmtheit, die radikal
durch sich selbst bestimmt ist. Die absolute Bestimmtheit ist als bestimmt Bestimm-
tes Prinzip jeder Bestimmtheit und damit der Bestimmtheitsmöglichkeit überhaupt.
Die absolute Positivität der Welt, die ja nur ein anderer Ausdruck für den Sachver-
halt ist, daß alles bestimmt werden kann, muß also nicht einfach als blanke Positivi-
tät hingenommen werden; vielmehr findet sie ihren Grund in der absoluten Selbst-
bestimmung als Prinzip jeder Bestimmtheit. Nur wer sich mit der unmittelbaren Ge-
gebenheit der Welt reflexionslos abfindet, will mit dem Gottesgedanken zugleich
auf die Begründung und Erklärung der Nichtnegierbarkeit der Welt verzichten.
Wird das Prinzip der Bestimmtheit mit dem Entwicklungsgedanken zusammen
gedacht, so kann gesagt werden, daß mit dem Entwicklungsgedanken auf den Voll-
zug des Prinzips der Bestimmtheit abgehoben wird; dadurch können die Welt und
ihre Bestimmung als Prozeß gedacht werden. Denn mit der Entwicklung als Sich-
Entwickeln erfolgt die Selbstdarstellung in anderen Möglichkeiten nicht als bloße
Ablösung einer Möglichkeit durch eine andere. Vielmehr vollzieht sich die Entwick-
lung als Prozeß in sich gegenläufiger Bestimmung. Wie das Selbst (System) die Mög-
lichkeiten zu Möglichkeiten seiner Selbstdarstellung macht, so bestimmt sich das
174 Falk Wagner

Selbst in Erfassung der Möglichkeiten zugleich selbst. Der Selbstbestimmung des


Selbst eignen also mit dem Prozeß der Entwicklung, der Selbstdarstellung im ande-
ren, die Momente des Bestimmens und Bestimmtwerdens, wobei das Moment des
Bestimmtwerdens als ein Sichbestimmen zu denken ist. Im Prozeß der Entwicklung
findet das Prinzip der Bestimmtheit seine Anwendung im Medium des Auseinander,
der Extension. Die Selbstbestimmung erfolgt nicht als radikales Bestimmtsein durch
sich selbst, sondern das Bestimmtsein durch sich selbst ist durch die Bestimmung
von anderem vermittelt, durch welche Bestimmung sich das bestimmende Selbst
(System) selbst bestimmt. Dadurch, daß die Selbstbestimmung des Selbst (Systems)
durch die Bestimmung anderer Möglichkeiten vermittelt ist, kommt es nicht nur zur
Entwicklung und Bereicherung des Selbst, sondern ebenso zur Steigerung der Welt-
komplexität.
Als Fazit der vorangegangenen Erwägungen kann dies formuliert werden: die
Theologie muß mit der funktionalen Systemtheorie insofern nicht in einen Streit
geraten, als sich diese mit den Bestimmungen der Subjektivitätstheorie identifizie-
ren läßt. Dadurch kann die Systemtheorie selbst als eine Ausdrucksmöglichkeit der
Subjektivitätstheorie interpretiert werden. Das Spezifikum der Systemtheorie kann
dann darin erblickt werden, daß sie Subjektivität in den Vollzug derselben aufhebt.
Mit diesem Vollzug, der sowohl im System-Welt-Verhältnis als auch in dem zentra-
len Begriff der Entwicklung zutage tritt, erfolgt die Hinwendung von der singulären
Subjektivität zum prozessualen Tätigkeitsvollzug von Subjektivität überhaupt,
wobei die Bindung der Subjektivität an das singuläre Subjekt durch die allgemeine
Strukturiertheit von Subjektivität abgelöst wird.
Die so interpretierte Systemtheorie schärft der Theologie das Bewußtsein für ihre
eigenen Möglichkeiten. Das gilt sowohl für den theologiegeschichtlichen Entwick-
lungsstand als auch für die theologische Theoriebildung selbst. Der in der System-
theorie ausgearbeitete Entwicklungsbegriff, der sich aufgrund von dessen eigener
Struktur zugleich von den bestimmten systemtheoretischen Interpretationen ablö-
sen läßt, erlaubt es der Theologie, den mit der dialektischen Theologie erreichten
Reflexionsstand auf begründete Weise, nämlich in kategorialer und struktureller
Hinsicht zu überschreiten. Mit der Feststellung des definitiven Endes der positionei-
len Theologie und der Aufhebung der bloß nicht-positioneilen und daher unmittel-
bar unbl!dingten Selbstbestimmunginden Vollzug der Selbstdarstellung in anderen
Möglichkeiten betritt die Theologie das Feld gegenwärtiger Theoriebildung. Inso-
fern diese Theoriebildung im Durchgang durch die begriffene Theologiegeschichte
gewonnen wird, geht es ihr nicht so sehr um die Bildung von (besseren) Sätzen über
einzelne Inhalte, sondern in erster Linie um die Bildung von (besseren) Sätzen über
Konstitution und Konstruktion der Theologie; die besonderen theologischen In-
halte erhalten so ihre Bedeutung und Funktion im Kontext der Sätze über die Be-
gründung und den Aufbau der Theologie.
Theologie als Theorie der Freiheit arbeitet sich dann als allgemeineTheorie aus;
sie ist auf das Ganze der Wirklichkeit bezogen, denn ihre Begründungsleistung
"bezieht sich auf die Bestimmbarkeit der Welt" 54 • Sie zeigt, daß auf Grund des
Syrtemtheorie und Subjektivität 175

Prinzips der Bestimmtheit alles Fühlbare, Wahrnehmbare, Vorstellbare und Denk-


bare der Bestimmung offen ist. Indem diese Bestimmungsoffenheit in der absoluten
Selbstbestimmung gründet, gilt der Theologie das Prinzip der Freiheit als Konstitu-
tionsprinzip der Wirklichkeit überhaupt. Daß das Ganze der Wirklichkeit der Kon-
struktion aus Freiheit folgt, findet seine Bestätigung im Begriff der Entwicklung.
Entwicklung als Tätigkeitsvollzug der Freiheit macht es möglich, daß Selbstbestim-
mung durch Selbstanwendung und Selbstnegation ihrer selbst in jeder Bestimmtheit
expliziert wird. Die theologische Theoriebildung muß daher alles darauf abstellen,
die absoute Selbstbestimmung als prozessualen Tätigkeitsvollzug zu begreifen, um
so die Mannigfaltigkeit und Komplexität der Phänomene als Selbstvergegenständ-
lichungen von Freiheit durchsichtig zu machen.
Mittels des Begriffs der Entwicklung als Bewegungsweise der Freiheit bringt die
Theologie Selbstbestimmung im Medium der endlichen Zeitlichkeit, das ist im Be-
ziehungsfeld von physischen, psychischen, sozialen und politischen Abhängigkeiten
zur Geltung. Sie arbeitet diese Abhängigkeiten als die Bedingtheiten aus, durch die
sich Selbste (psychische und soziale Systeme) selbst bedingen und bestimmen. Die
Selbste bringen in den Abhängigkeiten und Determinationen Selbstbestimmung durch
einen Akt der Selbstbestimmung selbst zum Zuge, so daß Bestimmtseindurch anderes
als Sichbestimmen gefaßt und damit der Selbstbestimmung als bedingten Bedingtheit
zugerechnet werden kann.
Das im Akt der Selbstbestimmung vorausgesetzte Sich-Gegebensein der Selbstbe-
stimmung erfahrt seine exemplarische Ausarbeitung im christologisch gefaßten
Selbst. Denn die Christologie macht die Struktur der selbstbestimmenden Subjekti-
vität unter Ablösung von historischen Identifikationen insofern darstellbar und
kommunikabel, als mit ihr Selbstbestimmung in radikaler Abhängigkeit so zur Dar-
stellung kommt, daß die Abhängigkeit - das der Selbstbestimmung Negative - als
ein Modus selbstbestimmender Subjektivität expliziert wird. Damit ist die Christolo-
gie zugleich der Ort, an dem sich die Theologie auf exemplarische Weise selbst zum
Thema wird: denn Arbeit und Leistung der Theologie bestehen eben darin, daß sie
in Anerkennung des Nichtidentischen und Negativen, des Abhängig- und Determi-
niertseins dieses gleichwohl als eine Weise der konstruktiven Selbstdarstellung von
Freiheit erfaßt. Erhaltung und Aufbau der schon bekannten Freiheit in unbekann-
ten, aber auf Grund der absoluten Selbstbestimmung bestimmbaren Möglichkeiten
ist daher Thema und Funktion der Theologie.

Anmerkungen

1 Vgl. D. Rössler: Positionelle und kritische Theologie, in: ZThK 67 (1970), 215-231;
F. Wagner: Die erschlichene Freiheit, in: Lutherische Monatshefte 10, (1971), 343-349.
2 Vgl. T. Rendtorff, Theorie des Christentums, Gütersloh 1972, bes. 161 ff.; F. Wagner: Syste-
matisch-theologische Erwägungen zur neuen Frage nach dem historischen Jesus, in: KnD
1973; ders., Politische Theorie des Nationalsozialismus als politische Theologie, in: Kritik
176 Falk Wagner

der politischen Theologie, München 1973, 29 ff.; ders.: Gehlens radikalisierter Handlungsbe-
griff, in: ZEE 17 (1973), 213 ff.; ders.: Absolute Positivität- das Grundthema der Theolo-
gie P. Tillichs, in: NZsystThRph 15 (1973), 172 ff.
3 Vgl. F. Wagner: Zur Konstitution und Kommunizierbarkeit theologischer Gehalte, in: H.
Siemers (Hg.): Theologie zwischen Isolation und Anpassung, Stuttgart 1975,49-72.
4 J. Habermas und N. Luhmann: Theorie der Gesellschaft oder Sozialtechnologie 'I -Was lei-
stet die Systemforschung, Frankfurt 1971 (abgek.: H. L.).
5 N. Luhmann: Religiöse Dogmatik und gesellschaftliche Evolution, in: K. W. Dahm, N. Luh-
mann, D. Stoodt: Religion -System und Sozialisation, Darmstadt und Neuwied 1972, 7
(im folgenden abgek.: RD).
6 Ein ähnliches Vorgehen hat Luhmann selbst im Hinblick auf Habermas' Theorie der kommu-
nikativen Kompetenz eingeschlagen, vgl. HL 291 f.
7 Vgl. N. Luhmann: Soziologische Aufklärung, in: ders.: Soziologische Aufklärung (abgek.:
SA), 2. Aufl., Opladen 1971,76, 116; ders.: Zweckbegriffund Systemrationalität (abgek.:
ZS), stw 12, Frankfurt 1973, 13 und u. a.
8 ,,Subjektivität" und "subjektiv" sind also zu unterscheiden. "Subjektivität" stellt die Struk-
tur des Allgemeinen dar, die allerdings an bestimmten Subjekten und damit auch als "sub-
jektiv" identifiziert werden kann.
9 Für eine genaue Entwicklung der Struktur von Subjektivität verweise ich insbesondere auf
Hege!: Wissenschaft der Logik (hrsg. von G. Lasson), Harnburg 1963, II, 213 ff.
10 Vgl. D. Henrich: Fichtes ursprüngliche Einsicht, Frankfurt 1966; ders.: Selbstbewußtsein,
Kritische Einleitung in eine Theorie, in: Hermeneutik und Dialektik, Bd.1, Tübingen 1970,
257-284; U. Pothast: Über einige Fragen der Selbstbeziehung, Frankfurt 1971; P. Reisin-
ger: Reflexion und lchbegriff, in: Hegel-Studien, Bd. 6 (1971), 231-265; F. Wagner: Der
Gedanke der Persönlichkeit Gottes bei Fichte und Hege!, Gütersloh 1971,48 ff.; ders.:
Schleiermachers Dialektik. Eine kritische Interpretation, Gütersloh 1974, 137 ff.
11 Vgl. N. Luhmann, SA 86.
12 Eine ähnliche Kritik äußert R. Bubner: Wissenschaftstheorie und Systembegriff. Zur Posi-
tion von N. Luhmann und deren Herkunft, in: ders.: Dialektik und Wissenschaft, Frankfurt
1973, 112-128, bes.121 ff., 125.
13 Vgl. N. Luhmann, HL 351 Anm. 97 und SA 92 ff. (Reflexive Mechanismen).
14 Vgl. N. Luhmann, SA 73 f., 86, 260 f.; HL 11, 32 f.; ZS 349; Politische Planung, Opladen
1971,73 (abgek. PP) u. a.
15 Vgl. R. Bubner, a.a.O., 115.
16 N. Luhmann, SA 116.
17 Vgl. N. Luhmann SA 261: "Ohne Systeme gäbe es allenfalls völlig unbestimmte Komplexi-
tät, die nichts ausschließt und alles gleich möglich sein läßt, nicht aber jenes Problem struk-
turierter Komplexität, das uns beschäftigt." Vgl. HL 299.
18 N. Luhmann, HL 307 f.
19 Vgl. HL 299.
20 N. Luhmann, RD 61.
21 Vgl. N. Luhmann, HL 25 ff.; SA 116; ZS 176 f.; PP 183 f.; Legitimation durch Verfahren,
Neuwied und Berlin 1969, 23; Rechtssoziologie, Reinbek 1972, Bd. 1, 32.
22 Dabei übergehe ich die Unausgeglichenheit der Luhmannschen Argumentation, die dadurch
entsteht, daß Luhmann einerseits den Sinnbegriff ohne Bezug auf den Subjektbegriff artiku-
lieren will, andererseits aber doch genötigt ist, Sinn an Bewußtsein als eine Form von Sub-
jektsein zu binden; zu diesem Problem vgl. J. Habermas: in: HL 188, 202 ff. und L. G. Ley:
Transzendentale Phänomenologie und Systemtheorie der Gesellschaft, Zur philosophischen
Propädeutik der Sozialwissenschaften, Freiburg 1972, bes. 94 ff.
23 N. Luhmann, HL 31.
24 A.a.O., 33.
25 A.a.O., 35.
26 Vgl. a.a.O., 48 ff.
27 Vgl. F. Wagner: Absolute Positivität- das Grundthema der Theologie P. Tillichs, bes.
180 ff.
28 Vgl. Anm. 1. Ich hoffe bald im Rahmen einer konstruktiven Erfassung der neuzeitlichen
Theologiegeschichte, eine genauere Darstellung der positioneilen Theologie und ihrer Aufhe-
bung durch die dialektische Theologie geben zu können.
Systemtheorie und Subjektivität 177

29 Vgl. Anm. 2.
30 Vgl. N. Luhmann, SA 9 ff. (Funktion und Kausalität); 31 ff. (Funktionale Methode und Sy-
stemtheorie); 64; ZS 236 ff.; HL 89 u. a.
31 N. Luhmann, SA 35.
32 A:a.O., 36.
33 Vgl. HL 89.
34 SA44.
35 Vgl. SA 123 ff.; 148 ff.
36 Diese religions-und theologiesoziologische Arbeit Luhmanns könnte insofern einen neuen
Entwicklungsstand gegenüber der bisherigen Religionssoziologie markieren, als Luhmann
nicht nur die Religion als solche, sondern auch die Theologie unter dem Stichwort der reli-
giösen Dogmatik (vgl. RD 25 f.; 56 f.) soziologisch~ystemtheoretisch behandelt. Damit fin-
det die in der Theologie seit der Aufklärung übliche Unterscheidung von Religion und Theo-
logie (als Reflexion und Theorie der Religion) zum erstenmal ihren Niederschlag in der
soziologischen Theoriebildung.
37 N. Luhmann, RD 22.
38 A.a.O., 62.
39 A.a.O., 97.
40 A.a.O., 60. Luhmann spielt auf Duns Skotus an.
41 A.a.O., 59.
42 A.a.O., 61.
43 Vgl. N. Luhmann: Religion als System. Thesen, in: Religion -System und Sozialisation, 11:
"Die spezifische Funktion der Religion liegt in der Bereitstellung letzter, grundlegender Re-
duktionen, die die Unbestimmtheit und Unbestimmbarkeit des Welthorizontes in Bestimmt-
heit oder doch Bestimmbarkeit angebbaren Stils überführen." Vgl. RD 21: "Die Funktion
der Religion bezieht sich auf die Bestimmbarkeit der Welt."
44 Vgl. Hegel: Phänomenologie des Geistes (hg. J. Hoffmeister) 6. Aufl., Harnburg 1952,
521 ff.; Wissenschaft der Logik li, 213 ff.; Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaf-
ten (1830), § 161; § § 564 ff. (dazu vgl. M. Theunissen: Hegels Lehre vom absoluten Geist
als theologisch-politischer Traktat, Berlin 1970); Vorlesungen über die Philosophie der Reli-
gion (hg. G. Lasson); Bd. li - 2, Harnburg 1966, 350 ff. (dazu vgl. F. Wagner: Der Gedanke
der Persönlichkeit Gottes bei Fichte und Hegel, 227 ff.).
45 Vgl. W. Pannenberg: Der Gott der Hoffnung, in: ders.: Grundfragen systematischer Theolo-
gie, Göttingen 1967, 387 ff.; ders.: Gottesgedanke und menschliche Freiheit, Göttingen
1972; J. Moltmann: Der gekreuzigte Gott, München 1972; E. Jüngel, Vom Tod des lebendi-
gen Gottes, in: ders. Unterwegs zur Sache, München 1972, 105 ff.
46 Vgl. F. Wagner: Über die Legitimität der Mission, München 1968, 28 ff.
47 T. Rendtorff: Gott- ein Wort unserer Sprache? München 1972, 26; vgl. 24 ff.
48 Vgl. N. Luhmann, RD 88: "Das Dogma der Auferstehung nach dem Scheitern am Kreuz
interpretiert die Erfahrung, daß die Möglichkeiten im Scheitern nicht untergehen, sondern
erhalten bleiben."
49 Vgl. N. Luhmann, ZS 349.
50 Vgl. N. Luhmann, SA 115.
51 W. Cramer: Grundlegung einer Theorie des Geistes, 2. Aufl., Frankfurt 1965, 94 f.
52 Vgl. N. Luhmann, RD 73, 95 f.; auch 23.
53 N. Luhmann, a.a.O., 96. Die christliche Theologie hat besonders in der Auseinandersetzung
mit der Gnosis den demiurgischen Weltbegriff als der Einheit von Schöpfung und Erlösung
widerstreitend ausgeschieden; das wird von Luhmann offensichtlich übersehen.
54 N. Luhmann, RD 21.
178 Falk Wagner

Summary*

The christian religion and christian theology strive in all their endeavours to
describe actions of individual persons - whether it is a question of God, Christ, or
man. Christian theology can be understood to this extent as the theory of selfhood
("Selbstbewußtsein"), or better, of subjectivity. System theory of society such as
that of N. Luhmann challenges the self-understanding of theology as the theory of
selfhood and subjectivity. For system theory attempts to explain social systems,
including the religious system as weil as its theology, without reference to the per-
sonor to subjectivity. System theory defines the individual person as an environ-
ment of social systems; the individual person as such has no place therein. For
system theory, therefore, theology, understood as the theory of subjectivity, and
social system theory are incompatible.
If christian theology intends nevertheless to develop as the theory of subjectivity
then it must attempt to Iimit the absolute claim of the system theory. Theology can
do this by undertaking to demonstrate that the system theory of society can be
understood as a derivative of the subjectivity theory. In doing so theology does not
Iimit the concept of subjectivity to individual persons but rather employs the con-
cept to designate the structure of subjectivity as such. This structure is not only
applicable to individuals, but to institutions and social systems as weil. Subjectivity
is concentrated in the explication and presentation of itself in so mething other than
itself. This explication of itself in another is grounded in the application to itself of
its capacity of negation and mediation in general: Subjectivity, which is capable of
negating every determination, turns this capacity of negation against itself, thus
negating itself, but only to gain itself back in the determinate thoughts, ideas and
concepts that it thereby generates. In this sense subjectivity is with itself in others.
Now it can in fact be shown that the relationship of world and system in system
theory can be understood in terms of the concept of subjectivity as the capacity of
negation in general. The system presupposes not only the world but also the world's
capacity in general of reduction, selection and negation. World itself is thereby
understood as the capacity in generat of reduction and negation. The formation of
the system depends uponthe world as capacity of reduction and negation in general
becoming for its part reduced and negated. The formation of the system can there-
fore be traced back to the self-reference of the world: The world surrenders itself to
its own conditions; it reduces its generat capacity to reduce and presents itself in
the system as a determinated and negated capacity of negation, as negated world.
World and system have the same relationship to each other as subjectivity, as
capacity of mediation and negation in general, has to itself as negated and deter-
minate capacity of negation in particular. The system theory of society is thereby
demonstrated tobe capable of interpretation with the means of the subjectivity theory.

* Für die Übersetzung danke ich Herrn F. Gardiner.


Systemtheorie und Subjektivität 179

Inasmuch as the system theory can be interpreted by means of subjectivity


theory it can be related to theology as the theory of subjectivity. Moreover, system
theory acquires thereby significance for contemporary theological theory forma-
tion. System theory reveals to theology its own strength that it possesses in the con-
cept of development. For christian theology is rooted in the concept of the self-
explication as the universal (God) in the particular (man), and the particular in the
universal. This concept is as valid for the doctrine of God as it is for the doctrine of
Christ and for the doctrine of the spirit. The doctrine of God, which articulates
itself in Christology and Pneumatology, can be understood as the most fundamental
and radical explication of development: God is only God insofar as he unfolds him-
self in the extreme other of hirnself and becomes man.
The interpretation of the system theory of society in terms of the theory of sub-
jectivity is thereby the occasion for a theological contribution to an interdisciplinary
themy of development. In this theory the idea of God has the function of holding
open the capacity for changing reality so that the indestructability of the world -
in Luhmann's sense of the term - is preserved. For the idea of God is the definitive
deliberation on the fact of universal determination and negation. If everything is
capable of determination in such a way that it is determined by ... , then the idea
of God designates the determination that is determined by itself alone. This deter-
mination solely by itself is the condition for the ordering of the "world" of deter-
minability and changeability toward a capacity for development. Theology there-
fore does contribute to the foundation and justification of the theory of develop-
ment. The principle of determinateness, anchored in the idea of God, namely a
determination that grounds itself, gives the "world and reality" over to constant
change and development. "World and reality" arenot thereby abstractly negated in
the sense of total change, rather they show themselves to be self-substitutive in
their explication in one another.
The Orthodox Church of Ethiopia as a Social Institution

Fred Göricke and Friedrich Heyer

This study is by two authors of different areas of specialization, each of whom used
different scientific methods. The development sociologist, who comes from the Bie-
lefelder Schule, provided the training in interviewing and the evaluation of the
results of the 410 usable interviews with "population" and "experts". The ecu-
menical comparativist from Heidelberg provided the church historical contextualiza-
tion of the inquiry. The interviews were carried out by teams of matched students
from the University of Heidelberg and from Holy Trinity College (HS I University
in Addis Abeba), from July to November, 1973, and offer, therefore, a church
sociological snapshot approximately one quarter of a year before the political
upheaval which began in February, 1974.
Primarily to possible Ethiopian Orthodox readers, the following is addressed:
The church is not here considered as that which it is for the faithful, as the mystical
body of Christ who is present in the world in this way, but rather as an institution
in society. Not that the spiritual and institutional aspects may be torn apart from
each other. Precisely Orthodox ecclesiastical thought is opposed to such. Institu-
tions serve the realization of a spiritual reality and must for their part be formed
according to the spiritual essence of the church. Even when they change, institu-
tions must satisfy the spiritual standard.
A creative adjustment of the church to changing Ethiopian society is, however,
today demanded. In the confrontation with its own tradition, made unavoidable by
this adjustment, an Orthodox Church like the Ethiopian, which sees in the form of
tradition the mediation of revelation, will have to learn to differentiate in its under-
standing of tradition, just as did the Catholic Church which is not any less based on
tradition, beginning with the Council of Trient and further provoke1 by modernism:
a differentiation of the dogmatic tradition from all of the aspects which men,
naturally also the faithful in the church, tradit and which must be critically
examined.
Here a study is presented by non-Orthodox foreigners, who even with their best
efforts at empathy with Ethiopian Orthodoxy still speak in the concepts and with
the values which are typical of the West. But still, the results could be servicable for
the Ethiopian church strategy which is tobe developed now.
Since the influence of the Ethiopian Church on the social micro-level is not
everywhere the same, due to the geographical, social and ethnic division within the
empire, we have restricted our investigation to the main Orthodox provinces of
Tigre, Begemder, Godjam and Shoa.
182 Fred Göricke and Friedrich Heyer

The Relationship of Church and State

The institutionalization of Ethiopian Orthodoxy was completed not only according


to the standard of canon law, which originated in Byzantium, was then further
developed in the Coptic Church and was part of the Ethiopian Church from the
very beginning, but also - as is the case in_the institutionalization of every religion
- according to the guidelines of the established political and economical structures.
The ethnic group which has to date carried the burden of state, the Orthodox
Amharic people, played themselves the role of colonizers who had the task of
integrating around seventy tribes within the state. Traditionally, the political role
of the Ethiopian Church consisted in the validation of the Amharic claim to sover-
eignty over the whole state. Due to the fact, that the church proved itself to be a
state stabilizing factor of the first order, the demise of the empire was hindered
more than once. The legal system of the state could be organized on the basis of the
canon law of the church (Senodos and Fetha Nagast, the Ge'ez translation of the
coptic nomocanon of Ibn al'Assal of the thirteenth century) a'nd the civillaw
contained in the canon law. In Gondar in the nineteenth century, canon law and
civillegal doctrine blossomed in the form of ecclesiastical exposition (Tergum) of
the Fetha Nagast. As long as canon and civillaw were understood tobe identical,
the church scholars were at the same time the legal scholars. The legal system of the
empire came to its highpoint in the "eight Liqawent of the court".
Because the empire appeared to her to serve the interest of Christ, the church
punished political transgression with ecclesiastical excommunication. At the oath-
taking of the royal court, the metropolitan and echege threatended the violation of
this oath with excommunication. 1 In the battle against the rebel Woggera, the
priest, Sahaya Leda, shouts to the front, just before the hand to hand combat
begins: "Kill the people of Woggera, I give you absolution to do it! Don't say they
are Christians, for they arenot since they no Ionger follow the king". 2 According
to this theological interpretation, a rebel, who refuses repentence, acts "because the
Holy Spirit has left him and he is filled with the spirit of the devil". 3 As late as
December 13, 1960, in the case of the attempted rebellion of Girmane and
Mengistu, the rebels were excommunicated by Patriarch Baselyos. The Orthodox
Church taught the people to respect the emperor as a sacred person. Since St. Takla
Haimanot in 1270 "brought back" the Salomonites to the throne, every other form
of sovereignty has been labelled by the church as Usurpation. Takla Haimanot is
considered tobe the "shepherd of the kingly rule of Ethiopia", who ist engaged in
constant intercession with the holy angels before God for the Salomonic ruler.
''The petition which he makes has great effect.' 14 In Ethiopia, there was no dynastic
house law similar to the law in force in European dynasties, according to which the
eldest son should become the successor to the throne. The institution of the
"crown prince" was first brought in by Haile Selassie. Only that descendant of the
Salomonic family who qualifies hirnself through charisma as the ruler intended by
God is entitled to the throne. In 1855, the church's ritual of enthronement, which
The Orthodox Church of Ethiopill as a Socillllnstitution 183

made the ruler into a sacred person, still took place in the historical imperial city of
Aksum. In a way not different from that of the Russian Czars, according to the law
of the Domostroi, the Ethiopian kings were, according to their sacrality, introduced
into a regulated religious life form. Zara Yaqob, to whom the sight selection for his
new residence, Debra Berhan, was indicated in a vision of light, arranged the build-
ing plan so that he could realize with his royal pages an almost monastic order.
The chronicler, Debtera Zenab, confirms concerning Emperior Tewodros: "God
placed the king over Ethiopia, who despised immorality, did not cling to money,
loved neither lies nor robberies nor any kind of dishonorable act, who feared God,
gave generously, loved the stranger, sympathised with the sick and entered upon
canonical sacramental marriage with only one woman." Because the king con-
sidered hirnselftobe of priestly character, he suffered scruples before his second
marriage. He was of the opinion, that the canonic rule that a priest may not enter
upon a second marriage, applied also to the king.
Service to the church was counted among the royal tasks. Only kings and feudal
lords eager to imitate them functioned as church founders until in the twentieth
century single organizations (Mahaber) also began to fulfil such tasks. Religious
motives determined the government program. The first acts of government on the
part of Tewodros aimed at the abolition of the slave trade and of the custom of
limitless dismissals of wives. The emperor was still determined by the old Ethiopian
Jerusalem idea; he even wrote in hislast letter to General Napier, before the English
stormed his mountain fortress: "Had I subjugated all of my enemies in my land,
then I would lead my army against Jerusalem and drive out the Mohammedans."
Emperor Yohannes IV declared to the missionary, Flad, in 1874: "The boarder of
my country is Jerusalem. As soon as I am lord of Ethiopia, I will conquer Egypt
and Jerusalem.'' 5
The royalty in Gondar took as its motto Psalm 33.16. "A kingisnot helped by
his great power, and horses are also of no help." When the ruler conquers his enemy,
he does so "through the might of the Lord", who according to Psalm 96.9 "directs
the wars in a11 the world, breaks the bows, shatters the spears and burns the wagons
with fire". Out of the mouth of the king comes "a prophetic voice".
lt is the concern of the Orthodox Church to keep alive, in constant liturgical
anamnesis, the history of the sacred empire of Ethiopia as a piece of the history of
salvation. This purpose is served by the liturgical recitation, during the course of the
church year of the sections of the Senkessar, by the Gadl of the saints among whom
many kings are to be counted, and by the royal chronicles composed by the clerical
court chroniclers. "I will tell", says the Gadl of Pantalewon, the kings counselor
among the Nine Saints, "in order that the history of the saints who loved us should
not be concealed. A treasure that remains hidden in the earth is as though it did not
exist.''
Even though the emperor counted as a sacred person, traditional church scholars
still doubted the theologicallegitimacy of the glorification of the emperor, which
especially after the return of Halle Selassie in 1941 became popular in poems for
184 Fred Göricke and Friedrich Heyer

the emperor's birthday. Court poets transferred the artform of the praise of saints
to the living emperor; indeed, in analogy to Christ, a salvific role was attributed to
the emperor. Just as God gave Jesus to the world as savior through the Mother of
God, so the emperor has been given as savior to the land of Ethiopia on the day of
his birth. When Eve is introduced into the poem, this is due to the Eve-Mary
typology; here Eve is, however, identified with Ethiopia, which stands in need of
salvation.
"The Emperor was born to save the world. He transformed the curse into a bless-
ing; He released Eve from prison; She became a great lady with a silk shade. Had
you not been born, 0 Our Savior, this paradisicalland would not have found
another. " 6
A certain neutral attitude on the part of the church overagainst the revolution-
ary beginnings was made easier by the fact, that the emperor, though hirnself
powerless, appeared willing to assume the function of figure head on the ship of
state; at any rate, he legitimated as emperor the reforms which had been forced
upon him. To this extent, there was no immediate reaction caused by the dogmatic
fixation of the church upon the salomonic sovereignty.
In Ethiopian history, a purely spiritual arena for the church cannot be delimited.
For the development of the typical relationship between state and church, three
influences are recognizable:
1. The Ethiopian kingdom is tobe understood as an African "divine kingship", not
substantially different from the kingdom developed among the heathen southern
tribes (Eike Haberland). From this point of departure, the system of sovereignty
was further developed under theological directives as was the heathen cesarism
by Orthodox Byzantium.
2. The Christian beginnings of the empire lie, until the sixth century, in the sphere
of influence of the Byzantine symphony of imperial and hierarchical power.
3. The national epic, Kebra Nagast, develops the idea that the Ethiopian empire is
the direct continuation of the Salomonic empire, with all the characteristics of
divine election. Out of the marriage of the Queen of Sheba (Makeda) with Salo-
mon comes, according to the Kebra Nagast, the one legitimate Ethiopian ruling
family of the Salomonites. The son, Menilek, born to the Queenafter her return
home, who presents hirnself to his father as a twentytwo year old recognizable
by a ring but also by his likeness as son, is annointed by Salomon with holy oil
for his kingdom. The high priest, Zadok, introduces him into the law of Israel.
At the farewell, Salomon gives Menilek everything in the way of wagons, horses,
camels and mules which he would need for the establishment of a new empire in
Ethiopia, which is to be a continuation of Israel, and the high priest gives his son,
Asarja, as a beginning of an Ethiopian priesthood. The blood relationship with the
Old Testament people of salvation, without which the promises of Abraham could
not be passed on, is regarded by Ethiopians as historically certain. A genuine transla-
tio imperii from Israel to Ethiopia took place.
Just how confusing it would be, however, were one to apply the western concept
The Orthodox Church of Ethiopfa as a Socfallnstitution 185

of "state church" to the description of the Ethiopian tradition can be seen from the
fact that already with the institutionalization of the church in the fourth century, a
differentiation of profane from sacred followed, as did not take place in primitive
tribal societies. Thus, profane and sacred methods of healing go their separate ways.
Clergy and court officials constitute themselves as two different systems of office.
The metropolitan, Egyptian by origin, was not a subject of the king. In the matter
of the canonic judgement of the matrimonial relations of King Amda Sion, the
metropolitan also does not shy away from conflict with the ruler. The penitential
sermons of the eremites contained, right up to the very present, an element of
criticism of the state. Thus, the Orthodox Church can be regarded as having the
power, when it carries on this historicalline, to continue functioning also in the
case of the cancellation of its political privlleges as a consequence of a change of
constitution, indeed, even in opposition to state supporting ideologies.
One should not forget, that the position of the church in the totallife of
Ethiopia has already been subjected to profound changes under the rule of Halle
Selassie. Already this emperor cut back the political prerogatives of the church.
Ethiopian Orthodoxy was forced to accept a clear loss of function in the areas of
the judicial system, market authority and schoo1 system. At the provincia11eve1,
taxes which belonged to the church, were taken over to provide the sa1aries of civil
servants and the police.
Changes in the judicial system were provoked by the fact, that after 1954 when
a commission, especially appointed for the purpose, introduced a new codification
of the civillaw and penal1aw, in adaptation of modern European law, as in the face
of social change appeared unavoidable, the church did not show itself willing to
renounce the canon 1aw which it counted as being apostolically 1egitimated. 7
When now, as a consequence of the February revolution and with a view to the
c1aims of Muslimregionsand Non-Orthodox Galla, the religiously neutral state
comes into being, Ethiopian Orthodoxy will have to take leave of its customary
identification with the state and will have to accept a further reduction of its func-
tions, which it has exercised up to this time. The church will have to resist the
temptation to withdraw into ignorant isolation and will have to seek a new kind of
relationship to the state.
Through the future absence of state intervention, the dividedness which the
imperial court brought into the Orthodox Church of the empire will, however, be
healed; this dividedness was caused by the emperor using the patriarch for state
functions on the one hand and by enconraging immediate contact with the wellorganiz-
ed court clergy on the other hand. The roots of this development, which was more pro-
nounced under Halle Selassie, go back quite far. In the royal chronicles, a situation is
reflected which indicates that church scholars, mostly monks, were integrated into the
court, who, placed in a court1y world of officials, fu1filled courtly functions. Among
these, the Serag Masare stands out, who had to annoint the king. (Only on the occasion
of the annointing of Tewodros, in 1855, was this function transferred to the Abun.) The
Aqaba sa'at was responsible for the exact time at court and, to this extent, was respon-
186 Fred Göricke and Friedrich Heyer

sible for the hourly worship services. In his function as supreme judge, the emperor let
himselfbe supported by the Liqawent ofthe court. It wasnot the Egyptian Abun, but the
emperor hirnself who disposed over his clerical court officials. Here lies the his-
torical origin of the exemption of the court clergy from the patriarchal jurisdiction,
which brought disunity into the Ethiopian church. After the restoration of the royal
power through Tewodros, the old courtly world of officials was not again renewed.
But still, court clerics such as Debtera Zenab and Gabra Selassie, became active at
court as imperial chroniclers and the exemption from episcopal jurisdiction was
transferred to the courtly churches, which Emperor Menilek and his successors
established in the new residence in Addis Abeba (Ba'ata, made rich by Menilek's
minister of war; Holy Trinity, founded in 1933, after the return of the emperor
from exile dedicated to the memory of the "patriots" and equipped with a mauso-
leuro for the emperor).
Holy Trinity became the center of wide-reaching church activity independent of
the patriarchate, indeed, in competition with it. The first ranking court cleric, Liqa
Seltanat Habte Maryam Worqneh, a man academically trained in Chalki, achieved
practically unlimited possibilities of power by having entrusted to him at the same
time the Division of Religious Affairs, a part of the imperial private cabinet (in this
function, he w~s the successor of the ecumenically well-known ,Indian theologian,
Paul Verghese). In this official position, Liqa Seltanat had to fulfil, on imperial
orders, a critical function overagainst the patriarchate. He used the exemption
granted to him for the establishment of model reform institutions. A school, at the
foot of the church hill, was annexed, the building of which served in the holiday
periods as a seminar for continuing education for priests and nuns from all over the
country. A bookstore was opened and the institution "Orthodox Mission" was
established, the work of which was highly diversified. The radio work which
provides the Orthodoxstudio of the Radio Voice of The Gospel with programs
(recognized as beingofhigh quality by the broadcasting director Bauerochse) and
the publication of the church magazine, Dimtsa Tewahido, showed the skill with
which Liqa Seltanat employed modern communications in the service of the
church. Youth groups for boys and girls made it clear that the organization of
forms of work which are known in Catholic France as "apostolat specialise" was
not to be expected from the patriarchal administration but rather from Liqa Selta-
nat. One cannot blame the persons involved for the fact, that tensions developed
between the patriarch and the head of the exempt court clergy. The cause of this is
rather rooted in the structures. 8
With the dissolution of the imperial advisary councils (crown council, military
council) in August, 1974, the Division of Religious Affairs in the imperial private
cabinet also had to fall. Along with the life of the royal court, the exemption of the
court clergy and the church activity built up by it on the basis of this exemption,
was not simply extinguished, but the Military Government, exercising temporarily
the rights of the emperor, does not act without respecting the wishes of the patriar-
chate, Liqa Seltanat Habte Maryam was arrested. 9
The Orthodox Church of Ethiopfll as a Socflll Institution 187

The Church as determined by socio-economic and demographic facts.

Socio-economic and demographic data are relevant for the church as an institution.
Although the climatic conditions for agricultural use are quite advantageous in the
relatively fertile highlands, the absence of an efficient infrastructure and the lack of
larger markets have led to the situation that still today subsistance-level economy is
practiced. Only the surface of the ground is worked and that is done only with
hook ploughs without sufficient fertilization. The erosion of the earth (52% of the
land shows an erosion of more than 2,000 tons per square kilometer) 10 , is the
reason for a steady reduction of the harvest production. Only 7.2 % of the land is
covered by forest and the amount of forested land is steadily reduced. The tradi-
tional way of building, i. e., a mixture of latente and chaff is stuffed into a wooden
structure which provides a narrow framework. Forthiskind of building style an
excessive amount of wood is used. Thus, the erosionwill be even more threatening
in the future, especially since the planting of fast growing eucalyptus trees, which
after six years aresoldas building timher for a profit, dry out parts of the land so
drastically that the zones threatened by erosion are steadily increased. In some
parts of the country, the erosion of the ground through wind and water is already
more than 1 cm. per year.
Most farms in Ethiopia are smaller than 1 hectare, so that the harvest product is
just sufficient for the subsistance of the families who live and work there. 11 In the
provinces of Tigre, Godjam and Begemder, the land is worked by owners, thus small
scale farming predominates there which is relatively healthy when the land area at
the disposal of the individual farmer is not all too small and the rainy seasons come
on time.U· In other provinces, especially in the South, a feudal (or quasi feudal)
relationship of dependence between the land owner and the tenant is the rule. The
system of communal, respectively tribailand ownership, traditionally rooted
especially in the southern and south-eastern provinces, has been gradually liqui-
dated through the fact that the government, often by exploiting the ignorance of
the inhabitants, claimed great parts ofthisland area in order to lease them or to
give them away as called for, whereby especially the existence possibility of the
nomadic folk groups was drastically reduced. 13 In addition, in some areas of the
country, parts of the population which leases land are "set loose" through the
rationalisation measures takenon large farms; these people with their families
further increase the urban subproletariat, because generally they have no chance to
lease land again or to find other possibilities of work in urban centers.
In the main orthodox states, with which our investigation is concerned, most of
the land is still worked by land owning small farmers, in other places, however, up to
the proclamation of the land reform by the Provisional Military Government in
March 1975, Ieaseholders had to surrender a large percentage of the gain (between a
fourth and a third of the annual harvest product) to the big land owners, most of
whom live in Addis Ababa and consume their profits there. 14
188 Fred Göricke and Friedrich Heyer

Percebtage of the agricultural property worked by landowners or by those who leas


land (basis of comparison 1965):
agricultural property worked by
Province Owners Those, who leased

Begemder 85% 9%
Gojjam 80% 13%
Tigre 75% 7%
Sidamo 61% 37%
Wollo 60% 17%
Gemu Goffa 53% 43%
Arussi 48% 45%
Hararge 46% 49%
Wollega 41% 54%
Kaffa 38% 59%
Shoa 33% 51%
Illubabor 25% 73%
The population pyramid is typical for developing nations: through the reduction of
infant mortality the percentage of children has been strongly increased.

Population structure of Ethiopia (1971)


Age:
over
60 y.
55-
59 y.
50-
54 y.
45-
49 y.
40-
44 y.
35-
39y. 5.3%
30-
34 y. 6.4% 6.4%
25-
29 y. 7.4% 7.6%
20-
24 y. 8.4% 8.9%
15-
19y. 10.1% 10.7%
10-
14 y. 12.1% 12.4%
5-
9 14.4% 14.9%
r----A
18.4% 18.5%
15 10 5 0 5 10 15
MALE FEMALE
13.129.200 12696.300
The Orthodox Church of Ethiopia as a Sociallnstitution 189

The urban settlements, which only came into being during the twentieth century,
show a continuing attraction for the rural inhabitants, even though the slow
development of the non-agricultural section of production hardly justifies such an
attraction. As a consequence of this, essential divergence between the age composi-
tion of the urban population and the rural population results:

The age structure of urban and country population ( 1971)

Age
over
60y.
55-
59 y.
S0-
54 y.
45-
49 y.
40-
44 y. 5.7%
35-
39y. 7.2%
30-
34 y. 8.5% 6.2%
25-
29 y. 9.2% 7.4%
20-
24 y. 7.9% 8.7%
15-
19y. 9.6% 10.4%
10-
14 y. 11.0% 12.4%
5-
9 y. 13.0% 14.8%
0-
4 y. 15.1% 18.8%
15 10 5 0 5 10 15
URBAN COUNTRY
2.489.000 23.336.500

The rural-urban migrationbegins to draw away the most productive age groups
from the rural areas, whereby the necessary task of improving the living conditions
precisely in these areas, in which the overwhelming majority of Ethiopia's popula-
tion will also live in the future, is not exactly made easier.
The above table gives only an incomplete picture of the actual situation, because
the Iimit of 2,000 inhabitants as characteristic for "town" is definitely too low.
A chracteristic of the urban settlements of Ethiopia is the relatively high surplus
of warnen which is especially noticeable in the case of the !arger towns along the
two all-weather roads between Addis Ababa and Asmara (e. g., Makalle- 13,270
men and 15,910 warnen; Dessie- 21,690 men and 25,460 women; Axum- 5,670
190 Fred Göricke and Friedrich Herer

men and 7,140 women). 15 Thus, eventhough the percentage of women in the total
population is clearly lower than that of men, the relationship in the larger Settle-
ments is exactly the opposite since women are by far the majority.
Officially, there is no explanationtobe had for this phenomenon, however, it is
probably that the existence of such divergence can be traced back to the extensive
spread of prostitution - indicating a decrease of ascetic orientation (Since no rail-
road exists, all goods must be transported by truck between the port towns of Mas-
sawa or Assab and Addis Abawa; since due to the poor quality of the roads night
driving is out of the question and truck transport for the stretch, Massawa-Addis
Ababa, requires on the average one week, settlements have formed along the all-
weather roads, the inhabitants of which live almost exclusively from the incomes
derived from the quite primitive hotels as well as from the prostitution which is
frequently connected directly with them). 16
This explanation is supported by the analysis of the age group composition of
the two sexes in the urban settlements of Ethiopia - whereby, it must also here be
pointed out that the setting of a limit of 2,000 inhabitants delutes all too much the
differences.

The age distribution according to sex in the urban areas (1971)

Age
over
60y.
55-
59y.
so-
54 y.
45-
49y.
40-
44y. 6.1%
35-
39 y. 7.3% 7.1%
30-
34 y. 8~0% 8.9%
25-
29y. 7.7% 10.6%
20-
24y. 6.8% 9.0%
15-
19y. 8.9% 10.2%
10-
14 y. 11.5% 10.5%
5-
9 y. 13.7% 12.4%
0-
4 y. 16.3% 14.0%
15 10 5 0 5 10 15
MEN WOMEN
1.212.400 1.276.600
The Orthodox Church of Ethiopia as a Social Institution 191

The past of the Ethiopian population which is professionally integrated into the
modern sectors of production, distribution and administration, is unusually small;
only the nurober of those who work for the administration and larger firms in Ad-
dis Ababa is available, but this is already clear enough.

Employee in administration and production according to wage groups in Addis


Abeba (1971)

Wage in Eth. Dollar


over
1.500 0.8% 1.7%
1.000-
1.499
800-
999
600-
799
400-
599 7.6%
300-
399 10.9% 13.8%
200-
299 15.4% 12.8%
100-
199 18.0% 16.6%
50-
99 21.3%
25-
49 15.8%
under
25 1.4%
20% 10% 0 10% 20 % Portion of
the
ADMINISTRATION PRODUCTION employee
19.340 14.110 employee

When one considers that with a total population in Addis Ababa of 851 ,61 0, one
has to figure on a potential work force of ca. 250,000 to 300,000 persons, of which
actually only a maximum of 15% find themselves in a regular working condition;
when one considers in addition to this the employment of a further 10 % of this
group as - not comprehended by the statistic - taxi drivers, hausehold personnel,
helpers in family businesses, etc., then one still does not come up with even a
fourth of the potential work capability, which disposes over a regular income as
basis of livelihood.
The church has accomodated itself to these socio-economic facts. In the Ortho-
dox provinces priests and church singers traditionally live without any financial
remuneration from a piece of church land assigned to them, which they themselves
work at the Ievel of subsistence economy. (The only exception is the rector of the
local church - the Aleqa.)
192 Fred Göricke and Friedrich Heyer

In order that the land, which is tied to the service of the church, remain in the
possession of the family, clerical families often, for this reason, let their children be
recruited for training in the localliturgical school for the diaconate or for the
priesthood. Admittedly, there are also landless wandering priests, whose existence is
often secured throught the arrangement that a farmer of a priestly, now non-clerical
family makes him enter in the farming of their church land. If the family would not
act in this way, the church community ( or even the government) threatens to
reclaim the land.
Just like every peasant, a priest can of course also have inherited his own family
land (Rist) and work this in addition to the church land which is given over to his
use. This is often the case in Lasta, but also in Agame.
But to the extent that church institutions were to be founded within the last
seventy years in developed urban areas, one had to rely on a gift of land by the
emperor or by the great land-owning aristocracy; this land was then rented out.
This development was fateful to the extent that it allowed the church to become
involved with the system supporting the feudal class, which provokes so much
criticism anyway. Because its interests in this matter are identical with those of the
feudal class, .the church turned a deaf ear to the call for land reform. The church
could not do otherwise without endangering its own institutions.
In the area of traditional subsistence-level economy, the economic organization
of the church is hardly threatened. The basic material circumstances of priests as
well as the peasants, among whom they live, are approximately the same. Usually,
the priests work the land themselves, so that no gap between them and the sur-
rounding social areas develops;in detail we received the following results:

Ecclesiasticallandownership and its cultivation

Size in comparison to peasant families


!arger same smaller no answer total
total 36 103 16 15 170

Cultivation of the land by:


priests mixed system lease no answer total
total 96 24 35 15 170

The land reform of March 197 5 cancelled the form er obligation of the priest-farmers
to choose the vocation of a priest for one of their sons in order to safeguard the
title of the land. In consequence of these new rules we have to accept for later gene-
rations a reduction of the number of priests.
Immediately affected by the new regulations amongst the local clergy will be the
Aleqa, who was engaged in church work to such an extent that he had to give his
land to a leaseholder. His material subsistence is really endangered by the law of
March 197 5 giving the land to the man, who tills it.
The Orthodox Church of Ethiopia as a Social Institution 193

The status attributed to the priest, as a consequence of this economic activity,


Ieads to a relative stability of position for the social institution, church. For in
every society an indispensable presupposition for the efficacy of a social institution
is that the status of its agents in the framework of economic relationships can be
regarded as stable by its interaction partners.
In the case of Ethiopia, it is tobe considered in this connection, that the
development points in the direction of an expansion of economic activity also in
the agricultural sector. Since the expansion of the money economy is also to be
expected, it is forseeable that this attribution of status will become unstable. There
are three possible ways out of this situation: the first isthat the Separation of office
holders and their previous means of subsistence be quasi accepted through the pay-
ment of wages to priests. However, this is hardly realizable in view of the high
number of priests and debtera. The second possibility consists in making the church
land purposively accessible to modern agricultural production methods and to open
the way to higher profits for the tilling priests. Thirdly: Priests may turn to more
profitable professions like handicraft or may become teachers to gain their sub-
sistence in continuing their priestly function.
The problern of the financial foundation of urban church institutions and of
defending against the loss of role for the church's agents, presents itself more
sharply. The traditional forms of communication between father confessor and con-
fessor, as transferred into the urban situation, decay, and be it simply because of the
educational difference which exists between the priest and the intellectually more
developed layman. The employment of urban, academically trained priests founders
however on the impossiblity of funding; indeed, the previous foundation consisting
of the land rent derived from large estates would be placed in a state of crisis. The
readiness of the church to confront the results of innovations and to fight the
reduction of church influence on sociallife in the towns with the help of suitable
models is small. The marginalisation of the church, also in industrial sectors like
Akaki- with visable church construction but without changes of function - is
unmistakable.
In consequence of the problems raised by the revolutionary proclamation of
land reform bringing to an end the exploitative lease system of the great land-
owning aristocracy, since 1963 the chief demand of the demonstrating students, the
church finance system will be hit at the decisive point. As the church, in the Spring
of 1974, became increasingly suspect both domestically and in foreign countries of
being an antisocial owner of vast lands and after the WCC had convinced the patri-
arch of the necessity to give some sign of reform willingness, the director of the
patriarchal administration, Makonnen Zawde, gave a statement to the press on May
12, 1974, in which the church attempted to defend itself. Makonnen Zawde main-
tained, that church lands encompassed only one percent of the national territory.
"This land had long since been transferred to the disposition of the local clerical
families who then passed on this land in the same family, even when no son of the
family experienced the call to become a priest. In this way, 15,000 churches with
194 Fred Göricke and Friedrich Heyer

more than 200,000 priests and church singers were taken care of. Contrary to the
reproach levelled against the church, the church was the first to give its land to the
common man and should be regarded as a forerunner of land reform."
With that, a justification of the great estates donated by the feudal class on the
land rents of which urban church life rests ( 44 churches in Addis Ababa), had not
yet been achieved.
At the same time, exact statistics on the financial situation of the Ethiopian
church were given. "Of its 30.166 Gasha ( 1. 206.640 hectares), there is normally a
land rent of 2.192.242 Ethiopian dollars. But the ministry of finance recorded for
the same time period a considerably lower amount, namely, 1.429.606 dollars. The
taxes derived from church Iands, which were to be used for the maintenance of the
patriarchal administration, were estimated tobe 599.207 Ethiopian dollars. The
factual income did not exceed 300.000 dollars."
A tendency to get away from the basing of church work on land rents manifested
itself already in 1972 in the publication of the law on the composition of paris councils.
It was here ordered that all the faithful of a certain communal area should be registered.
One sees the significance of this registration not only in the use of this instrument to
better control the matrimonial relations of the members of the community, but even
more in its usefulness in making it possible to 'organize the members of the community
for the purpose of church taxation. According to section twelve of this law, the con-
tributions ofthe faithful which previously were occasioned through clerical services
should be replaced by the tax.
The wide-spread opinion that the church possesses one third of Ethiopian land,
rests upon a legend. Because the monk Takla Haimanot led the Salomonites back to
the throne in the thirteenth century, so says the legend of the saint, King Yekuno
Amlak gave the church one third of the land. This third was, however, never
measured out. The southern provinces which were gained only in the 1880s arenot
included at all in this estimation.
As healthily as the clerical existence appears to be integrated into the peasant
life of the old-Amharic village, still the refusal of a regular clerical salary will not be
able to be sustained for any great length of time. During the wave of strikes in
February, 1974, the priests also registered their financial demands with the patriar-
chate. The priests ( 102 of them), who in 1972/73, at the initiative of the WCC,
were recruited from the whole country for a course in continuing education, were
especially persistent. At that time it was a1ready a basic premise of the graduates,
that whoever possesses a dip1oma must be recognized as entitled to salary.

The Hierarchy

The hierarchical direction of the Ethiopian church has been institutionalized since
Patriarch Athanasius consecrated Frumentius Bishop of the Kingdom of Aksum at
the beginning of the fourth century. Ethiopian Orthodoxy remained jurisdictionally
subject to the See of St. Mark. For the distant metropolitanate the Coptic patriarch
The Orthodox Church of Ethiopian as an Social Institution 195

sent an Egyptian monk, usually from the Antonious Monastery, as abun, until
Emperor Haile Selassie I established national autocephaly after the victory over the
ltalians. With the consecration of Baselyos as Archibishop on January 13, 1951, a
national Ethiopian hierarchy began to rule. On June 28, 1959, on the basis of an
agreement of June 25 between the Coptic mother church and the Ethiopian church,
Baselyos wasenthronedas the first Ethiopian patriarch; with this, the Ethiopian
church was brought into a quasi-autocephalic status. When Baselyos, after lengthy
illness, died on October 12, 1970, a self-constituted electoral synod elected the
acting patriarch, Abuna Tewoflos, on April 6, 1971.
Characteristically, there was no revolt of the Ethiopian monasteries and congrega-
tions against the "foreign domination" during the one and one half millenia of
Coptic jurisdiction - until the stirrings of nationally motivated protests in 1926.
On the contrary, this domination was understood to be divinely legitimated, as can
be seen from the admonition of the holy Yafqarana Egzi, an ascetic of the Tana
lslands in the early thirteenth century, addressed to his disciples: "Beware, my son,
that you not have any other Ieader than the metropolitan, for he is our spiritual
father and apostle. In his hand is authority and in his mouth the sword. Turn
neither to the right nor to the left away from his command."
This apparent passivity is to be explained by the fact that the respective metro-
politan hardly held a control function over the local congregations, because the
communications structure hindered effective administrative activity. In that he thus
did not influence "in a disturbing way" the local autonomy of the Debr Churches,
there existed little opportunity for the development of a conflict of sovereignties.
Until 1881, the Coptic patriarch 's delegate was the only hierarch in the country.
Then, at the demand of Emperor Yohannes IV, four Egyptians, who had been con-
secrated as bishops and delegated to Ethiopia, were distributed among different
provinces. In 1929, national agitation achieved the integration of Ethiopian nation-
als as assistant bishops.
Only after the achievement of national autocephaly was the hierarchy so struc-
tured, that it could take over effective direction and control tasks. Foreach one of
Ethiopia's fourteen provinces, either an archbishop or bish()P was named; further
episcopal seesoutside the country are Jerusalem and, since 1971 Trinidad. In addition,
in the central administration of the patriarchate, vicar bishops for functions such as
the cultivation of foreign relations or supervision of monastefies were installed, to
whom at the same time the episcopal direction of certain awraja was entrusted. In
this way, the institution of the titular bishops, which is controversial in Orthodoxy,
was avoided.
The population considers the achievement of national autocephaly to be almost
exclusively positive; even the loss of local autonomy is accepted by a minority,
which expects an increase in the effectiveness of administrative transactions.
In answering the question of whether such matters as traditionally lie within the
administrative competence of the local churches would be better taken account of
by local or central administrative authority, two things are made clear. First, a
196 Fred Göricke and Friedrich Heyer

strong minority of the population apparently expects something from a departure


from the traditional competence system; the mostfrequent answers given as
grounds for their standpoint were based on hope for greater efficiency in administra-
tion. Secondly, the influence of even quite limited training in the modern secular
school system is in this respect extraordinarily significant.

Centralisation or Localisation of ecclesiastical administration

Central. Local. no answer total


total 85 135 12 232
those with ecclesiastic. training 27 82 8 127
those with secular training 46 37 6 89

Actually, the hope for greater efficiency appears tobe quite unfounded. Outwardly,
this is already clear from the fact that the normal Ethiopian hardly ever in his life
gets the chance to Iook the hierarch who is responsible for him in the face. In
response to the question, whether there had already occured contact, of whatever
kind, between the abun and respondent, the following answers were given.

Contact between respondent and Abun:

no answer: 62
no contact: 116
contact: 54
( of the above ritual cont.: 38
administrative cont.: 7
personal contact: 4
no answer: 5)
total 232

Whereas in the western churches, ordination and visitation are looked upon as basic
functions of the episcopal office, Ethiopian bishops take little notice of the tasks of
visitation, even under the conditions of improved possibilities of transportation and
the numerical expansion of the hierarchy. When bishops do undertake visitations,
such as Abuna Yohannes in 1973 among the monastefies of Shire, then less for
administrative reasons, than out of the traditional pilgrim interest in personal con-
tact with sacred places, which bestow powers of benediction on the visitor. Thus,
these visites produce nothing in the way of consequences, except for the visiting
hierarch himself.
That the Ethiopian hierarchs wait in their residences for the concerns of priests
and faithful to be brought to them, is not to be explained alone out of the
uncritical adoption of the tradition of the coptic abun, who in his residence let be
brought to him the Tabotat for newly erected churches and the candidates for
ordination to the priesthood, who often required several months for the journey.
The Orthodox Church of Ethiopian as an Social Institution 197

Rather, this behavior indicates a lack of functional understanding of office and a


predominance of paternalistic ideas. This is also demonstrated by the unsatisfactory
relationship between the hierarchy and the few academically trained theologians. In
view of the fact, that status within the Ghurch in this thought system is tied to an
office and theologians, who have graduated from Holy Trinity College of the
National University have in this sense no defined status, the hierarchy avoids
attracting academic theologians into its environment. Further, there is the considera-
tion, that overagainst the hierarchs these theologians enjoy an advanced degree of
knowledge, which, with the opening-up of Ethiopia to development innovations, is
increasingly of significance.
"The progress of theological science, especially in the area of exegesis ... , has
led in the course of the last decades to an objective knowledge advance on the part
of the theologians overagainst the ecclesiastical hierarchy, respectively its adminis-
trative staff. For the firsttime in the last decades, a situation has come into being in
which theologians, on the basis of a competative, extraecclesiasticallegitimation of
their knowledge (namely, the secular scientific), can oppose the official ecclesiastical
interpretation of churchly knowledge." 17
This conflict, which is structurally dernonstrahle in all societies, has, in the case
of Ethiopian Orthodoxy, takenon downright grotesque forrns. On the one hand,
these forms signal the incornpatibility of the traditional paternalisrn of the
ecclesiastical office holders with the, at least implicit, conceptions of a function-
alistic character, as are to be found in the "modern" realm of theology. On the
other hand, these forms make clear how little the established hierarchy have been
able to adapt their church to the changed environmental circurnstances.
The tie to the province of one's origin, which is typical of Ethiopians, produces
the result, that a big man, even though he may occupy an hierarchical office has to
become active as a "supporter" of his home province. Those provinces, which have
no powerful supporter, fall behind. The tie to the horne region determines activity,
even when one is responsible for an area which transcends the home region. Even
the patriarch cannot avoid the function, which he is supposed to fulfil as supporter
of hisharne province, Godjam; whoever comes frorn Godjarn has a good chance of
getting a position in the patriarchal administration.
The latent relationship of rivalry between the provinces has the effect, that the
influx of public funds for a certain province reaches an irnproportionate volurne,
while other provinces are blockaded. Take the exarnple of Tigre; Yohannes, the
archbishop of Tigre, refused, on the occasion of the election of the patriarch in
1971, to vote for the present patriarch and it was only on orders frorn the emperor
that he could be brought to attend the patriarchal enthronernent. Since this
occurance, Tigre has been practically excluded from the distribution of ecclesiastical
developrnent funds. Another factor was also decisive for the antipathy between
Tigre and the patriarchate. The non-fulfilment of directives coming frorn the patriar-
chate, as far as they did not correspond to the conviction of Abuna Yohannes, and
the refusal to pay to the patriarchate that which was due were covered by a relative
198 Fred Göricke and Friedrich Heyer

independence of the former provincial governor, Ras Managasha Seyum. With the
exception of the ruling family of Tigre, which reaches back to Emperor Yohan-
nes IV, which family continued ruling as provincial governors (and the family of the
hero of Adua, Ras Kassa, residence on the Entotto), all of the old princely families
had been stripped of their importance by imperial politics. Managasha Seyum was
the only governor who was exempt from the directives of the various ministries in
Addis Ababa. (When in 1974, the military council took power and wanted to arrest
Ras Managasha, the Ras avoided arrest and attempted to achieve a total separation
of !igre from Addis Ababa.)
The tie of the ecclesiasticalleaders to their home provinces is matched, on the
part of the people, by an exclusive readiness to accept only those hierarchs who
come from the province in question. Thus is to be explained the dissatisfaction of
the faithful of the province Shoa, that the office of the echege, which according to
its substance is the priorate of Debra Libanos in Shoa, fell to a son of Godjam,
Abuna Tewoflos, in the patriarchal election of 1971. The cause of the dissension
between the faithful of Aksum and Nebura Ed Ermyas Kebede, who ruled there
until 1972, was the fact that Nebura Ed, who did not come from Aksum, was
incapable of respecting the indigenous traditions.
The dynamic action of the Provisional Military Government, to suppress tribal
rivalry, will bring about a change of consciousness amongst the Ethiopians, effective
also in the ecclesiastical relationships.

The Patriarchal Administration

The organization of a central administration in the residence built by the last


Egyptian metropolitan, Qerellos, presented an innovation which was installed by
the ltalian forces of occupation, for the purpose of gaining a better hold on the
Ethiopian church as a whole trough centrat administration. On his return, Emperor
Halle Selassie recognized the advantages of retaining this institution and in Novem-
ber, 1943, through the "Decree concerning ecclesiastical administration" gave the
institution a legal foundation. Ato Lessanu, who was installed by the emperor as
administrative director, excluded Patriarch Baselyos, who was incapacitated
through increasing illness, from administrative business and in a way reminiscent of
the chief procurator of the Holy Synod of Russia, took orders only from the
emperor. Trained only as a debtera, Lessanu lacked the overview enab1ed by
modern education. Consequently, Ato Lessanu installed only untrained and thus
incompetent men as officials of the patriarchal authority. While the state ministries
were arranged, according to European models, in the Beta Kahnat no department-
alization with corresponding responsibilities took p1ace. lt is, at any rate, difficult
for Ethiopians to exchange personal authority for institutional.
After the retirement of Ato Lessanu in 1965, stabile relations did not again ensue.
Professor Dr. Getachev Haile, director of the Amharic division of the university,
The Orthodox Church of Ethiopian as an Sociallnstitution 199

declined an invitation to assume the office in view of the office's uncertain delinia-
tion of competence. After a three year vacancy, a rapid changeover of authorized
personnet took place. To begin with, Dimetros Gorfu, the leading churchman of
Eritrea, was called, and elevated to ministerial rank, and was given a vice-minister.
In 1972, the patriarch brought in Nebura Ed Ermyas Kebede, who was in difficult
straights in Aksum. In the Spring of 1974, the revolutionary military council
accused Kebede for a Aksum case (or of having embezzled the five dollar per diem
provided by the WCC for priests convened in Addis Ababa for continuing educa-
tion). Ermyas Kebede was dismissed and Makonnen Zawde was installed as the new
director of the patriarchal administration, in order that he introduces the reorienta-
tion called for by the revolutionary conditions. (He was replaced in the harvest-time
by abuna Makarios.)

The confusion over the question of who was competent for what, which reigned
from 1968 to 1972, in which, beside the sick patriarch, the archbishop of Harar,
Abuna Tewoflos, ruled as acting patriarch, with practically the same prerogatives,
however, being exercized by the minister, Dimetros Gorfu, and the general secre-
tary of the patriarchate, Abba Nasibu, was put to an end by the enthronement of
Patriarch Tewoflos, in the sense of a direct line of authority in which instructions
from the patriarch were possible in every direction. At that time, Nebura Ed was
ranked below his predecessor and the general secretary, who was appointed to Liqa
Liqawent of Ba'ata, the wealthiest church in the country, was replaced through a
less weighty person. The whole apparatus, which had previously been oriented to
personalities among the rivalrous authorities, now oriented itself to the person of
the patriarch. Consequently, it was possible for the patriarch to intervene in every
matter. In this sense, the "General plan of the patriarchal administration" is a quite
imprecise clue as to the conduct of affairs in the patriarchate.
The plan of organization, releasedas No. 361/1967 (Ethiopian calendar),
according to Article 17 of the Constitution of. the Ethiopian Church and in accord-
ance with No. 4"8/1959 of the Holy Synod appears, at first sight, not unusual. It
reflects the customary pattern of the structure of administrative organization. The
organizational structure of the Beta Kahnat shows five Ievels. At the top Ievel
stands the patriarch; he is in direct contact with the Holy Synod of Bishops and
with a continuously active Guba'e, which is staffed by eminent traditionalistic
church scholars and which, in its function, one could describe as a court for the
settlement of dogmatic and canonic controversies. At the second level, one finds
the private secretary of the patriarch, Ato Kebede, the office for foreign relations,
which since July, 1973, has been entrusted to abuna Samuel, the titular bishop of
Kambatta, who was trained in Bulgaria and the USA, and the ecclesiastical court. All
of these offices are not under the supervision of the "General Manager" of the
administration, but stand rather in direct relationship to the patriarch. It is only at
the third Ievel that the administrative director is placed, with the Commission for
Development at his side.
200 Fred Göricke and Friedrich Heyer

2 1 3

9 ----c:J
11 12

1 Patriarch
2 Holy Synod 15 Financial Administration
3 Charnber for dogmatic and canonical 16 Department of Development
questions (Guba'e) 1 7 Director of spiritual Services
4 Synodal Secretariate 18 Inner Mission (Radio and j ournaliste
5 Secretariate for Guba'e ministry)
6 Private secretary to the Patriarch 19 Educational Department
7 Foreign Relations (Abuna Sarnuel) 20 Department of History and Literature
8 Ecclesiastical Court 21 Contact with the local authorities of
9 General Manager of the Patriarchate all 14 provinces
10 Interchurch Aid 22 Contact with the Awraja Beta Kahnat
11 Auditor (subprovincial ecclesiastical administration)
12 Legal Service 23 Contact with monasteries and Adbarat
13 Youth work (Greatchurches/Debr Churches) (Abuna
14 Planing Commission Makarios)
The Orthodox Church of Ethiopia as an Social Institution 201

With differing rank, ten departments depend on the patriarch or respectively the
administrative director, all of them without the right of direct contact with the
local ordinaries, the Beta Kahnat of the provinces, and with the Awraja Beta Kah-
nat. Some of the characteristics of the service regulations of the departments (Mam-
ria) will be pointed out in the following.
The office for Missionary Acitivities in public relations has the assignment of
providing written apologetic when and where critical observations on the faith of
the church and its historical tradition are published. 18 This should be accomplished
in cooperation with other official positions. First in line of consideration here are
the censorship authorities, at the head of which stands a traditional church scholar
(in the past Liqa Seyuman Aklilu Gabra Qiros).
Still a second department, "For History and Literature", appears to be instituted
because Ethiopian Orthodoxy feels threatened with a loss of identity due to the
intellectual elite's critical argument with the Ethiopian mythical history and due to
increasing foreign influence. "Ways to glorify the elements of the Christian faith
and the rule of the church" shall be sought and foreign cultural influences deflected.
The task of carrying on apologetics overagainst "unjustified criticism of the
church", already entrusted to the office of missionary activities, is here, for the
second time, given to the department of history.
The assignment of a double function to the office for foreign relations comes
from the same concern. On the one hand, the director of this office is supposed to
enlist "the help, which foreign organizations" can supply; on the other hand, he is
supposed to keep "the missionary activities of different denominations" under con-
trol. Naturally, this office is also the one to which all ecclesiastical visitors to
Ethiopia turn, as well as being the corresponding secretary of the ecclesiasticallet-
ter exchange and point of contact for relations with the non-chalcedonian sister
churches, which have been intensified since January, 1965. 19
It is to be emphasized that the defensive strategy of the patriarchate which is not
to be confused with a theologically legitimated community consciousness of the
church and its distance to the world, but which is here comprehended as a sociolog-
ically describable phenomenon - is reflected in the behavior of believers in their
social environment.
An essential characteristic of industrialization as well as urbanisation is the fact
of the co-existence and interdependence of ethnically or religiously heterogenious
population groups. In the traditionallife style, contact with members of other
religious groups was restricted to trading with muslim merchants or to Falasha
blacksmiths.
The answer to our questions about the extent of contact with members of other
faiths (not to mention a symptomatic reluctance to talk about this theme at all)
shows clearly, how great the social distance between members of different religions
or confessions - as seen by the Orthodox - still is today. ( Commercial contacts,
but also such contacts as are involved in the exercise of administrative or social work
as weil as impersonal contacts involved in the place of work have been compre-
202 Fred Göricke and Frledrich Heyer

hended as "public contacts"; all contacts which imply a certain amount of personal
relationship - thus contacts effected between neighbours or through working
together in organizations - have· been classified as "personal contacts".)

Real contacts to members of other faiths


Contacts to
Moslems Catholics Protestants Falasha total

no contact 62 91 94 96 343
public cont. 48 29 25 20 122
personal cont. 38 15 9 0 62
no answer 84 97 104 116 401
total 232 232 232 232 928

The table shows that the different groups of members of other faiths are
"affected" in different ways by the self-isolation of the Orthodox part of the
population. Muslims are apparently accepted as interaction partners, whereas one
keeps a more deliberate distance overagainst other Christian confessions. That the
Falasha come off even less weil, is to be explained above all by the fact that they
are settled in only one part of Ethiopia.
These differences are also reflected in the judgment of the different groups of
members of other faiths. (These numbers represent the arithmetic means of the
estimation: 1. very positive, 2. positive, 3. neutral, 4. negative, 5. very negative; the
higher the number, the more strongly negative is the heterostereotype of the cor-
responding group.)

Estimation of members of other faiths


Moslems Catholic Protestants

by priests 3.8 3.1 4.2


by laity with eccl. training 3.1 3.0 4.4
by laity without eccl. training 2.6 2.5 3.8

These estimations show quite clearly the determinative influence of the proximity
to ecclesiastical institutions on the negative stereotypisation of foreign groups; the
result of this is that it is especially the ecclesiastically involved groups which do not
want any improvement of contact - and that means, that they do not want any
improvement in living together with groups of members of other faiths:

Desirability of contact with members of other faiths


Ooser contact desired?
yes no no answer total
total 61 105 66 232
Laity with eccl. training 27 58 42 127
Laity with mod. schooling 35 40 14 89
Laity, who own land 13 28 16 57
The Orthodox Church of Ethiopia as an Social Institution 203

This strong anti-attitude overagainst intensification of contact with members of


other faiths is - as the table shows - especially strong amongst those laymen who
stand close to the church and - indeed, still more intensively yet - amongst those
who own land. Hand in hand with this tendency toward self-isolation goes a
remarkably high degree of ignorance concerning the characteristics of the foreign
groups. We have attempted to state thiS by way of the example of the question con-
cerning the differences between the protestant church and sects in Ethiopia:

Knowledgability of differences between protestant groups

yes no no answer total

ls there knowledge of differences between


the groups? 14 130 26 170
Are the different groups delt with
differently? 8 124 38 170

The protestants - and this is equally true of other foreign groups - are regarded as
a monolithic block and stereotyped and treated correspondingly.
The connection between stable, strongly negatively oriented stereotypisations
and actual ignorance concerning the peculiar characteristics of the stereotyped
groups is one of the essential hinderances on the way to a somewhat ordered social
existence. As the results show, the church variable is of great significance for the
negativity of the stereotypisation as well as for the desire to get beyond this isola-
tion, so that it can be said that the church accounts for both and is interested in the
maintenance of both. It is obsious that in a society in which the different ethnic
and religious groups will, within the framework of modernizatior, industrialization
and urbanization, be more strongly dependent upon cooperation in the future, the
church actually acts contrary to its own objective interests.
The revolutionary change of the Ethiopian consciousness has already the effect,
that in the spring of 197 5 the attitude of the young orthodox generation towards
their muslim countrymen was much more favourable. The orthodox have agreed to
celebrate the three high muslim festivals as public holidays.
While, with a strategy of Iimitation, relatively simple answers to the problems of
foreign relations can be found, this is not so for the interior problems of the church.
How should the thirteen to fifteen thousand churches, the 827 registered monas-
teries, the around two hundred thousand priests and church singers, the church
schools (the only kind of school untill906), the societies (Mahabar) which are
attached to practically every church, all be kept under control and be cared for
without a wen functioning administrative apparatus?
For the Department of Monasteries, the Titular Bisbop Makarios, trained in the
Monastery of Jerusalem, who worked under Archbishop Josef of Kafa, was
appointed in 1973. (Today he is the general manager of the patriarchate.) The dis-
position according to purpose of free organizations shall first of all be comprehen-
204 Fred Göricke and Friedrich Heyer

sively categorized in a special department. That the division of schools has been
given the task of proceeding with the expansion of traditional church schools, even
though the drop out tendency here cannot be mistaken and of aiming at the
establishment of "their own university" shows that chimerical ideas rule. That this
division "maintains contact" with the theological Holy Trinity College, which is
part of the National University, is the one link between the church and its institu-
tion of theological education.
The finance office of the patriarchate has the task of keeping account and taking
care of the church's property in land, buildings and other things of value in urban
and rural areas, as far as these things are legally registered; it also has the task of
planning with the Development Commission a new long-range use of these prop-
ertie_s. In a church, the financial system of which rests on land rents, this kind of
planning is like touching nerve endings. Recently, peasant families have moved on
to distant monastery land, which previously has not been used, and have set up
farms there. In 1972, thirty gasha of monastery land, belonging to the Mahabara
Selassie Monastery in the Metemma area, were provided for the organization of a
commercial farm, in order that its incomes could be used to permanently finance
the Debra Tabor Church School. The plan had to be abandoned due to a threat of
legal confrontation with the peasant squatters. According to a report of the abbot
of T'ara gedam (close to Addis Zemen), his monastery has the same difficulties with
squatters. For the priests of Agame, the most troublesome problern isthelegal
uncertainty in the question of land ownership. The law-suits, in which people are
caught, have now been taken over by the state courts.
The finance office is also entrusted with the function of a church office of con-
struction. Construction plans for projected buildings are submitted to this office
and repair of historical church buildings is to be arranged here - an urgent, but to
date unfulfilled task, because local initiative, lamed by the loss of the earlier local
autonomy and the ealier incomes, lags behind.
The reduction of the competence of the ecclesiastical jurisdiction is relatively
negatively valuated by the "experts" whom we questioned, exactly because it is
clear that it is only through the exercise of this competence that a counterweight to
the present apparent decay of the control of the faithful could be created.

Valuation of the reduction of eccletiattical jurildiction

positive negative neutral no answer total

total 41 93 22 14 170
Priests 3 50 6 9 68
Laity with eccl. training 11 30 11 4 56
Laity without eccl. train. 27 13 5 1 46

It is understandabel that the priests as those who are immediately concerned are
negatively oriented to this development, but that the attitude of the ecclesiastically
The Orthodox Church of Ethiopia as a Sociallnstitution 205

trained laity is also so onesidedly .negative is amazing, especially since the attitude
of the third "experts" group is diametrically opposed to this. Apparently, the crite-
rion of ecclesiastical training works at least in this area as a significant orientation
for action.
The ecclesiastical court, the members of which are appointed by the patriarch, is
the authority for the investigation of cases of jurisdiction concerning marriage, con-
tested validity of ordination and congregational conflicts. After the conclusion of
the investigation, the results are to be presented to the Holy Synod. This court is
the place of final decision for the cases which have been transmitted by provincial
bishops.
Traditionally, in cases involving the guilt of an ecclesiastic, the ecclesiastical
court exercised competence in every instance. Now no man can be exempted from
the secular court. It is only with great difficulty that ecclesiastics are able to submit
to the secular court. In a controversy in the monastery, Debra Abbai, in which a
monk had shotdown a man who had broken into the treasury (Iqa bet), the monks
refused to surrender the monk concerned and, as a consequence, the police used
force. The patriarchal administration complies with the new judicial situation, but
attempts to disguise the loss of competence suffered. In the service regulations for
the ecclesiastical court, it is stated: "This court is to make its decisions in close
cooperation with the state court." Further, ecclesiastical courtsalso function in
every provincial episcopal see. The rule is: whomever the provincial bishop has
ordained can also have his ordination rights revoked by the bishop. However, in
cases of mistaken judgement, the patriarchal court counts as court of appeal.
The task of reform assigned to the patriarchal court is important: it is supposed
to strive for "the application of modern methods for the purpose of speedy judge-
ment and for the examination of traditionallaws in order to determine whether
they should be declared obsolete".
Internat questions of discipline can be dealt with in the framework of the single
congregation. When a priest does not fulfil the function assigned to him by the Aga-
fari, then the local Gebez imposes punishment (Dafen) upon him. For example, a
law breaker will be sentenced to pay a fine or part of his church land will be taken
away or he will be suspended from service. In such cases, the state court does not
interfere.
One should not, however, entertain an exaggerated idea of the effectiveness of
the individual departments. Frequent change of office prevents the departmental
director from becoming thoroughly acquainted with his department. Only a few of
the departments are staffed by theologically trained men, such as the graduates of
Holy Trinity College. The influence of the theologians who have been trained at
spiritual academies in the Soviet Union, on the basis of Russian stipends, is quite
significant. When one considers that not one of the theologians trained at a German,
Anglo-Saxon or French university was prepared to receive priestly ordination in
order to serve his home church after his return, then one must conclude that
theological training in the Soviet Union effects a higher degree of ecclesiastical
responsibility.
206 Fred Göricke and Friedrich Heyer

The exercise of independent responsibility within the boundaries of a department is


made difficult by the fact, that the patriarch, following the example of the tradi-
tional paternalism of Ethiopia, gentle though it be, reserves decisions to hirnself and
assigns single tasks to persons outside said department. The Ethiopian institution of
the "Balderaba", which means that a "big man" decides on a representative through
whom the person who wishes to discuss a certain question with him must go, also
stands in the way of maintaining the departmental boundaries.
The reduction of local possibilities of control and sanction and the lax conduct
of the central administration, due to personal and structural weaknesses, make an
unfortunate combination. There is also the uncertainty of whether to go through
the prescribed channels (Awraja Beta Kahnat and provincial bishopric), in cases of
contact between the central administration and single monastefies or congregations.
This could be clearly seen in the case of paying for the replacement of the roof of
the monastery church of Abba Samuel at Seleklaka. (As is so often the case in
Ethiopia, the monastery wanted to replace the grass roof with a tin one.) According
to our information, the petition to assume the costs had already been approved by
the patriarchal administration in Addis Ababa in 1972. However, the provincial
bishop of Tigre, abuna Yohannes, prevented the appropriation of funds on the basis
of reservations about the procedure of petition and approval. In single cases, the
patriarch directly assigns influential church positions within the jurisdictional area
of provincial bishops without consulting them.

Monasticism

Monasticism in Ethiopia is to be regarded as the second infrastructural system sub-


ject to the hierarchy next to that of the Debr churches. The monastic institution
was introduced into Ethiopia at the beginning of the sixth century through mono-
physite Syrian monks, who were persecuted by Byzantium in their horneland
because of their special christological doctrine and who took refuge in the Aksumitic
Kingdom, the so-called Nine Saints. Syrian monasticism had not produced any
monastic rules comparable to the rule of St. Basil. Thus, it remained for the monas-
tic reformers of the thirteenth and fourteenth centuries, Takla Haimanot and Ewos-
tatewos, to formulate rules. In these rules1 the principle of brotherhood becomes
authoritative. Also the regulation of the relationship of abbotal authority to the
assembly of the brotherhood (Guba'e) is formulated.
In some cases, it can be established that the ruling abbot, when he feit his end
approaching, designated his successor himself, or after his death he accomplished
this from heaven through a miraculous sign. Usually, however, the chapter of the
brotherhood (Guba'e) elected the abbot. It was not different for the other office
holders in the monastery, e. g., for the Megabe, who-was responsible for the distribu-
tion of meals. In some monasteries, the abbot is elected for one year, in others he
may serve in his office for his whole life, as long as he is not removed through the
decision of the Guba'e.
The Orthodox Church of Ethiopia as a Social Institution 207

Ethiopian monasticism is aquainted with two different systems, which corre-


spond to the coenobitic and the idiorrhythmic orders of Byzantine Orthodoxy. The
idiorrhythmic congregation (qurit) allow the individual monk to possess private
property and leave it up to him to provide for his own livelihood. 20
But as such, the Echege named regional coadjutors, the Liqa kahnat. From this
organization, which at first was purely monastic, the function of the Liqa kahnat
expanded to that of provincial administration for the entire church. It fell to the
Liqa kahnat to select the candidates for ordination to the altar priesthood, who
were tobe brought to the Egyptian Abun.
In the history of Ethiopia, there have been times of alliance between the Abun
and the monks, e. g., they stood tagether in opposition to the marital practice of
King Am da Sion (1314-1344). When, at the beginning of the seventeenth century,
King Susenyos wanted to lead his country into the Roman union, the Abun and the
monks were tagether at the head of the rebel army which wanted to hold Ethiopia
to the monophysite faith. However, there were also conflicts. In 1845, the Echege
and his monastic followers, who were ad odds with the Abun on account of christ-
ological doctrinal differences, stormed the Abun's residence in Gondar and expelled
the metropolitan. From Tigre, the metropolitan then excommunicated the Echege.
The Echege, the only national church leader and during the times of the vacancy
of the metropolitan's throne the only authority, was considered by the kingstobe
so important that they took measures to exercise influence on the selection of the
Echege and kept him close to the palace. Finally, Menilek li, seven days after his
coronation, appointed his own father-confessor to be the new Echege. With this the
point was reached where the emperor could offhandedly appoint favorites from the
court clergy .21 The next step in the development was the incorporation of the
office of the Echege in the hierarchy. When the former Echege, Baselyos, was
elevated in 19 51 to be the first national metropolitan, he retained the office of
Echege. In this way, the function of the Echege was fused with that of the pa triarch.
The possibility of conflict between the monastic and hierarchical orders was
excluded.
When Abuna Tewoflos, who comes from Godjam, along with his election as the
new patriarch in 1971 also won for hirnself the office of Echege, there were murmurs
of protest among the people from Shoa. In their opinion, the filling of this office is
reserved to the monks of Debra Libanos, that is to say, to the natives of Shoa.
In 1973, a special division for the supervision of monastefies was established in
the patriarchal administration (Beta kahnat) in Addis Ababa and entrusted to Vicar
Bishop Makarios. As the closest ecclesiastical authorities, the A wraja-Beta kahnat,
located in the awraja (subprovince), extended their supervisory duties to their
monasteries. Thus, the individual monasteries, which have already lost their nation-
wide leadership, forfeit their exempt status and come under the jurisdiction of the
new ecclesiastical bureaucracy.
The new organizers of the Ethiopian church are not conscious enough of
problems to be able to see that there is here an ecclesiastical judicial prob-
208 Fred Göricke and Friedrich Heyer

lern of great significance. The Byzantine canon law is acquainted with the granting
of stauropigy to a monastery of·greater importance, which removes the congrega-
tion in question from local jurisdiction, in that it places this congregation directly
under the patriarch. 22 In the Roman church, the Gallican attempt to fit the
monastic orders into the framework of the national church, by making them sub-
ordinate to the local bishops, provoked the constitution "Superna magni patris
familias", of July 21, 1670, which makes the members of monastic orders
dependent on the jurisdiction of locally responsible bishops only for preaching and
hearing confession outside of churches belonging to their order - a regulation
which has proven itself to this day. 23 The question remains unresolved as to how
the traditional monastic organizations, insofar as they extend beyond the awraja
borders or even the provincial borders can continue to exercise their decision mak-
ing processes within their organization. This concerns not only the large organiza-
tions. Abba Samuel, who came from the monastery Benkuel, wandered from place
to place and founded first the monasteries Abba Samuel and Debra Abbai, in
Awraja Shire (province of Tigre), then Waldebba in Semien (province of Begemder).
The three monasteries constitute to this day an organization which crosses borders.
Also of importance in the administration of monasteries is the practice that every
contribution of money which is supposed to be accepted by a congregation must be
examined as to the pure motivation of the contributor (gift to the honour of
God?). Otherwise the gift must be rejected. There are, indeed, monasteries (Abba
Samuel) which keep themselves outside of the money economy, in that they hold
to the idea that where money is used conflicts arise. lt is unclear as to how such
monasteries can be integrated into an administration involving money transactions.
Today, monasticism is increasingly losing its integrative power. This is tobe seen
from the fact, that the recruiting of monks is becoming more difficult. The tradi-
tional reasons for taking up the monastic life - the desire to imitate the way of life
of the Bakimos (Pachomius) - are being reduced to secondary social motives.
Twelve-year-old boys, who have been ord~ined as deacons because one wants to see
persons serving before they reach their age of maturity, hear already after their fif-
teenth birthday that it is time either to marry a woman or to become a monk. With-
out having fullfilled one of these conditions, an eighteen-year-old is no Ionger
allowed to enter upon that which is most holy, the Maqdas. In case the deacon
Iacks the necessary property to get hirnself a bride, but still wants to remain in the
service of the church in order to avoid loss of role, there is for him only the alterna-
tive of monasticism as a way out. lt can be shown that in the case of Debra Bizen
young men have moved into the monastery with the motive of serving a decrepit
aged monk who comes from the same family in order that they can later then
inherit the old monk's monastery hut and his property in cattle and books.
The development of the monk takes place in three steps: after having proven
hirnself for several years, the three vows of obedience, chastity and poverty are to
be taken one after the other, whereby at each stage the monk is dressed with a
symbolic piece of the monastic clothing. First of all, he receives the belt (Qenat, cf.
The Orthodox Church of Ethiopia as a Social Institution 209

Mk. 1.6), then the monk's cap (Qob) which symbolizes Christ's crown of thorns
and which was revealed to the original monk, Anthony, through an angelic vision,
and finally the scapulier (Askema), consisting of twelve crosses, a further develop-
ment of the twelve stones in the breast plate of the Jewish high priest. The man who
is becoming a monk is instructed by monastic scholars. Since the sixteenth century,
this has also included as the basis of instruction the Book of the Monks (Mashafa
Manakosat), Syrian ascetic texts translated into Ge'ez; however, the art of this
tergum is deteriorating today.
In comparison with this monastic education and with the catholic education of
nuns, orthodox intellectuals are aware of the disadvantage that their nuns do not
experience a corresponding instruction as novices. Only in the reform convent Sa-
bata (Gethsemane Gedam), which is patronized by Holy Trinity and Ba'ata 24 , has a
beginning been made to introduce young nuns both to the Ge'ez culture, formerly
withheld from them, and also to modern educational material. However, there is
only a small chance of success for this reform initiative. In 1973, groups of young
nuns broke out of the convent attracted by contact with secularly oriented peers
from the higher secondary school in the capital close by. This appears to confirm
the common idea among Ethiopian people that the asceticism required of young
girls in the convent is too difficult for them. With the declaration, in August, 1974,
that the imperial palaces are state property, it has become questionable whether the
remaining group of nuns will be entitled to keep the emperess's palace, Sabata, as
its harne.
Primarily older people enter the monastic life, guided by the desire to live under
the protection of the church after having become incapable of work and helpless
due to age. The ancient church rule that married couples must dissolve their mar-
riage when they want to take up monastic life is still in force. Debra Libanos exerts
a special attraction for those couples who divorce for the sake of monastic idealism.
A tergum to Mt, 5.29 ("If your right eye bothers you, then pluck it out") justifies
this custom. The sense of the sermon on the mount is supposed tobe: "The right
eye is the wife, the right hand is the children, leave wife and children and become
a monk." The elderly monks and nuns receive small contributions from the muda'e
meswat, the offering box in the church. Elderly people are often attracted by the
peaceful atmosphere of out-of-the-way monasteries or the treatment in the homes
for the aged which, since 1943, have been established through imperial initiative,
each one of which homes presupposes a monastic status (Ba'ata and Debra Libanos).
There are regions in which widowed persons regularly become monks or nuns in
order to set out on pilgrimages to holy places which bestow powers of blessing on a
pilgrim. On the basis of our interview, one may draw the conclusion that the recruit-
ing of monks, even from families in which one member has always for reasons of
tradition belonged to the monastic life will decrease.
Thus, it becomes clear, that the majority of those interviewed, including those in
whose family this tradition has been or is still cultivated, reject this tradition. The
reasons given for this rejection usually areprofane (no material gratification,
210 Fred Göricke and Friedrich Heyer

incompatible with the trend toward modernization, etc.), less frequently pseudo-
religious (it is against God's comtnandment, who after all did say "multiply" and
"it is not good that man should be alone"), or pseudo-psychological (it is against
man's nature).

Valuation of the tradition of recruiting of a monk

ls this tradition cultivated in the family?

no yes - in the past yes - to date no answer total


total 105 51 35 41 232

Does this
tradition
make sense? 55 38 22 26 11 22 17 191
no yes no yes no yes no answer total

The Synodal Institutions

The organization of an episcopal synod did not come into question during one and
one half millenia of Ethiopian history, because the Egyptian abun was the only
hierarch in the country. The abun was also in no way involved in synodallife, since
he was cut off from the synods of the Coptic patriarchate. The rule was that once
the imperial gift of money for his having been sent had been brought to Kairo and
the dangerousjourney to Ethiopia had been survived, the metropolitan did not leave
the country until his death. Only at the end of the nineteenth century this rule was
broken as abuna Mattewos, at the order of Emperor Menilek, undertook a mission
to the Russian Orthodox Church by journeying toSt. Petersburg. 25 But still,
synodality as structural principle of the church, was always valid in Ethiopia. Even
though the empire was not represented by even one council father at the first four
ecumenical councils, the conciliarity of Nicea and Ephesus normatively informed
orthodox church life in Ethiopia. Part ofthe iconographical program of numerous
frescoed churches is the scene of the council. For Ethiopian sensitivity, the first and
third ecumenical councils belong so close together, that the council iconography
combines the two in one. In the same scene, Patriarch Alexander teaches against
Arius, whose bowels spill out, and Cyril drivesout Nestorius. The counsciousness is
articulated that the state of doctrine has indeed expanded but that the new dogmas
and canons are identical with the earlier conclusions. 26 The memory of Nicea is kept
alive in the liturgy in that the council fathers are accorded their own anaphora "of
the 318 rightly believing", which is selected not only on the feast day of Nicea, but
also on the days of the heavenly original image of all earthly synods, namely on the
feast of the Four Living Creatures, on the feast of the twenty four Heavenly Priests
and on the day of the assembly of the firstborn. 27 The Two Hundred Fathers of the
The Orthodox Church of Ethiopia as a Social Institution 211

council of Ephesus are remernbered on the twelfth of Maskaram. 28 One of the fun-
damental dogmatic works, the Querellos, consists of nothing other than the record
of the Third Ecumenical Council. In Qene poems, versified sermons as are to be
composed for every Sunday and feast day worship, mention is always made of the
councils. Es'uf Gobaz, the late renowned Qene teacher, composed the following
lines:

Ethiopia is the example of paradise -


It became proud, proud of proud Nicea -
lts pride comes from the killing of a lion (of Pope Leo)
and not from the killing of sowes.

(The pride comes therefore from the defense of the theology of Nicea against Pope
Leo's doctrinalletter which determined the decisions of the Fourth Council.) The
recourse to the model of the first three ecumenical councils is so normal in Ethiopia,
that the tergum teacher of Gondar, Ayelle, could in 1965 on the occassion of a doc-
trinal conference exclaim: "The days of Nicea have renewed themselves." And
when in January, 196 5, the hierarchical heads of the five noilchalcedonian sister
churches came together for a conference in Addis Ababa for the first time in one
and one half millenia of isolated existence from each other - one could also say: to
a first panmonophysitic synod - (something of a religious romance), Emperor Haile
Selassie returned to the tradition of the ecumenical councils. In the convening
speech, he laid claim for hirnself to the Byzantine imperial privilege of calling and
directing councils. He said: "In ancient times, it was the custom of the Byzantine
emperors to direct councils. Since we have resumed the historic throne of Ethiopia,
we have considered it to be our duty to call tagether a meeting of the churches
which belang to the same faith." Even though no synodallife could develop araund
the Egyptian abun, still this was possible within the monastic system, namely
araund the leadership office of the Echege, which came into being at the turn of
the fourteenth century, when a whole family of great monasteries attached them-
selves to the monastic reformer Takla Haimanot.
In the internal constitution of the monastery, a "synodal" element was institu-
tionalized from the beginning, and called by the same name as the synod, the
"Guba'e", a fraternal chapter privileged with the right to elect the abbat and the
other office holders of the congregation. In the great monasteries, the investiture
with the office of abbat was indeed given by the king. This restricts the decision
making competence of the fraternal chapter. Still, most of the decision making
processes of the congregation are concentrated in the Guba 'e. In the case of the
chief monastery, Debra Libanos, the Guba'e was entrusted with the election of the
Echege. Thus, it was only natural that the Echege called together as a synod his
regional Liqa kahnat - one often speaks of the number, twelve, according to the
model of the apostles; this synodwas a general chapter in which the heads of the
great churches (Debr) could also be included. The gathering was called the Beta
kahnat (hause of clerics).
212 Fred Göricke and Friedrich Heyer

The name of this "synod" (Beta kahnat) was then given over to the new bureau-
cratic church administration. The 1eftover title of the Liqa kahnat was new1y
applied to the ecclesiastical provincial chief authorities.
Still, the historical phenomenon shows that a basis orientation towards synodal
existence is inherent in the Ethiopian church, which orientation allows under con-
trary conditions for substitute realizations.
As translation of the Greek, "Synodos", into the Ge'ez language, respectively
into Amharic, the word, ."Guba'e", is used. But the same word also means "gather-
ing" of every kind. When the concept is not more sharply differentiated, then the
genuine1y synodal institution cannot be c1early distinguished from ecclesiastical
gatherings of non-synodal character. Local and regional Guba'e meet everywhere
and often.
The Guba 'e is difficult to define as a part of the ecclesiastical judicatory. Who
has the privilege of convocation and direction? Who is a member with the right to
vote? As a ru1e such membership is granted to those who have been educated in
traditional church schools (approximate1y one twentieth of the population). There
is no application of the principle of representation. It is not certain for which mat-
ters the guba'e is responsib1e and what degree of authority its decisions have. But
that nothing is certain does not create conflicts. Often these gatherings take on the
character of a spontaneaus protest movement with which ecclesiastical scholars,
court officials and folk repress that which appears to be contrary to tradition. More
than the Orthodox church law, as received in Ethiopia (Senodos and Fetha Nagast),
the unwritten popular constitution has given the guba'e its regulatory form.
Annually, the Fetha Nagast appoints two sessions of the episcopal
synod. One of the synods must come together in the fourth week after Easter, a
custom borrowed from Byzantine church law. Since episcopal synods have become
possible, after 1951 that is, this regulation has been followed in every case.
When it was a matter of imperial affairs - clarification of conflicts or new prog-
ram - the Egyptian abun appears to have functioned as convenor in the first period
of the reinstituted Salomonic sovereignty. At any rate, the Egyptian abuna Bartalo-
mewos called in 1399 a first guba'e for the discussion of the observance of the sab-
bath, which had become a problern through the monastic movement of Ewostate-
wos. The great church reformer, King Zara Yaqob, prevented a schism in this ques-
tion by winning the support of the two Egyptian hierarchs, Michael and Gabriel, for
the convening in 1450 of a guba'e in Debra Metmaq which made the sabbath
observance obligatory for the Ethiopians.
Since 1622, the kings have then called "synods". Now it was a matter of settling
the inner Ethiopian christological controversy of whether the "anointing" of Christ,
which is referred to in Acts 4.27 and 5.38 and which one thought tobe connected
with the Jordan baptism, accomplished the unification of divinity and humanity in
Christ for the firsttime or of whether the anointing of Christ, whose unification of
natures was thought to have been already accomplished in the body of the Mether
of God, only gave increased dignity to Christ's humanity. All of the councils having
The Orthodox Church of Ethiopia as a Social Institution 213

to do with this theme were called by kings: 1681, 1699, 1763. Yohannes IV also
used the royal right to call a coun<;il in 1878.
In the achievement of the independence of the Ethiopian church from the
Coptic Patriarchate, a decisive role was played once again by the guba'e. Guba'e of
Ethiopian church scholars came to the conclusion that a national discrimination, as
was to be seen in the exclusion of Ethiopian candidates from the office of bishop,
was foreign to Orthodox church law. 29 The ltalian forces of occupation which
initiated a "national" church policy in 1936, called in November/December, 1937,
a meeting of the abbots and church scholars which claimed tobe a "synod" and
allowed an Ethiopian autocephaly to be proclaimed by this meeting. 30 When
Emperor Haile Selassie I, after his return, intensified the church policy aimed at
independence, but still was able to avoid a break with Cairo which would have
placed the Ethiopian church in an uncanonical status, he used a guba'e called for
the time between November 18 and 26, 1945, as instrument of resistance against the
polity ideas of the Coptic church, which did not want to allow the Ethiopian church a
national Ethipian archbishop with the right to ordain Ethiopian bishops. 31
As a consequence of the present attempt to build up a church administration
system with four levels of administration, the traditional guba'e find a new legally
regulated placement. The goal of institutionalizing an episcopal synod for the
church of the empire was mentioned for the first time in a Ietter from the
Ethiopian authorities to Cairo on June 28, 1944. With the beginning of autocephalic
existence in 1951, according to Coptic legal reckoning in canonical fashion first in
1959, the fulfilment of this demand was achieved. From the beginning, the gathering
of the bishops, with the official name, Qeddus Senodos, was excepted from the area
of canonically unregulated guba'e. In the compound of the patriarchate, there is a
monastically arranged court of cells in which visiting bishops reside during the synod.
The authorities subordinate to the patriarchate were each assigned synodal com-
mittees. The law on the constitution of parish councils of October 25, 1972, con-
tains in articles 13-15 regula tions as to how, on the basis of parish councils of single
communities, constituted through elections, awraja and diocesan synods on a super-
ior Ievel should be constituted and a "general assembly of the church" should
develop on this basis.
In detail, the law stipulates that the whole of the parish councils within the
awraja jurisdiction should constitute tagether the awraja synod, which once every
six montlis has to convene at the main location of the awraja. The diocesan bishop
or a representative named by him is on this occasion supposed to function as chair-
man. The Ieader of the awraja-Beta kahnat, all of the heads of parish churches and
one priest and one layman of each elected from the number of members of the
parish council and elected by this council, are the members of the awraja council.
The organizational preparation and follow-up are entrusted to the awraja-Beta
kahnat. The diocesan synod constitutes itself in a completely analogaus way .32 All
awraja synods within the diocesan jurisdiction form collectively this council which
is supposed to convene annually at the see of the archbishop a few days before the
meeting of the general assembly in Addis Ababa, and if necessary, a second time.
214 Fred Göricke and Friedrich Heyer

The awraja synods of the whole Ethiopian state are supposed to constitute col-
lectively the general assembly of the church, which is supposed to convene once a
year at the patriarchate and which can, at the direction of the patriarch, convene
more often when required. The members of the general assembly are the patriarch,
the members of the qeddus senodos and the guba'e which are attached to the patri-
archate, the president of the patriarchal administration and its departmental heads,
the representatives of the development commisssion, the Ieaders of all provincial
beta kahnats and awraja-beta-kahnats, not less than three, not more than five
delegates which aretobe sent by every awraja synod. Finally, the patriarch has the
right to call a further ten members from the circle of the clergy, of the church
scholars and of the notables. The law says nothingabout the decision making
competence of the assembly, apparently in order to not restriet the prerogatives of
the qeddus senodos of the hierarchy.
How this organizational structure is tobe filled with_content is however not
described by the law. Up to now, no initiative has come to light which concerns
itself with this task.
Apart from the fact that the law is to this date unknown in many communities
and only a few parish councils already are functioning, there is the question of what
this structure can really achieve in the way of a real synodalization of the church, in
a church which does not have at its disposal the possibility of functioning central
control and disposition and whose members, seeking favoritism and mistrustful,
stand overagainst the paternalistic thinking of the high officials.
Apart from this, the ensuing costs especially for the meeting of the diocesan
synods and of the general assembly are presumably underestimated, so that there
already is the threat that this project will fail because of such marginal considera-
tions.

The Educational System

Traditionally, the school system of the Orthodox old provinces of Ethiopia was an
affair of the church. Tothis day, this school is restricted to the teaching of the
traditional ecclesiastical sciences (four disciplines, each taught in a different place).
From this school, there is no access to the modern professional world. As derived
from the Jewish teaching house and from the Alexandrian catechetical school, both
of which were free from every hierarchical subordination, the traditional Ethiopian
Tamari bet stood independently next to the B~ta Krstian, the house of God.
Ethiopian Orthodoxy is not aquainted with a ·magisterium which would be reserved
to the Abun. To the question of an Anglican bishop as to who has authority to
exposit scripture, the answer was given: "The scholars who received the spirit and
are intended to take the place of the apostles." Every scholar knows his place in the
family tree of scholars which reaches back to the originator of his art. Perhaps the
handing down of such chains of scholars comes from the rabbinate. The lists of suc-
The Orthodox Church of EthiopiD as a SociDl Institution 215

cession garantee the authentic transmission of the teaching from generation to gen-
eration and the legitimate transference of the teaching mandate. In such a church as
the Ethiopian which could not claim as its own episcopallists with the succession
of ordination, the chains of succession of native scholars possessed high value.
Monasteries and rieb Debr churches are eager to attract to themselves important
scholars as school masters. The founding of schools was in Ethiopian history an
action of local initiative and not done on the direction of the bishop. As in most
countries of the Third World the state school system has its basis in the transfer of
the institution of the school through the christian mission, in the case of Ethiopia
also through the desire for education on the part of the court aristocracy (1906). In
Ethiopia, the mission schools were not taken over by state argans as a consequence
of decolonisation as was the case in 'other black Mrican states, and neither were the
traditional church schools. But the expansion of the state school sector in recent
years has changed the proportians between the types of schools. Despite the expan-
sion of the educational system even today only a small part of the youth is encom-
passed (totally ca. 700 000 of the ages from 7-14, out of ca. 6 000 000 children in
the age group). The rate of illiteracy in Ethiopia is the highest in Africa.

The Expansion ofthe School System between 1964/65 and 1970/71 1

Supporting Agency mean growth in


1964/65 1970/71 %p.a.

Government:
Teachers 7 334 13 285 11,59
Students 299 384 594 4002 14,08
Private:
Teachers 1 386 2 798 14,45
Students 41 930 103 014 20,81
Mission:
Teachers 1 353 2 210 9,05
Students 38 038 70 746 12,28
Church: 3
Teachers 402 598 6,97
Students 17 732 27 556 7,92
Total:
Teachers 10475 18 891 11,48
Students 397 084 795 716 14,34

1 According to: Imperial Ethiopian Government; Stat. Abstr. 1971; op. cit. p. 189.
2 At another point of the same statistic the number 593, 924 is given- cf.: ibid. p. 195.
3 The church schools are included in this statistic only when they have integrated the cur-
riculum of the Ministry of Education in their plan of instruction; the teachers of the tradi-
tional ecclesiastical sciences in these schools are also not taken into consideration.
216 Fred Göricke and Friedrich Heyer

Even though these schools reach only a minority of young Ethiopians (especially
because they are scattered very unevenly over the whole country and the best
schools are concentrated in urban areas), the expansion up to now with an annual
increase in the number of school children of 14.34 % has led to difficult problems.
These stem from the fact that the development of a labor market outside of the
traditional agricultural activity does not even nearly match such a rate of increase.
In addition to this, the training in the schools of western model is only mini-
mally suited to the mastery of the problems of an African country 33 because this
training aims at almost ecxlusively "academic" education. That an expansion of the
school system manifests more dysfunctional than functional results for the con-
tinuous process of modernization in the economic, social, and political sectors (this
is not only an Ethiopian experience) is due to the following reasons:
a) Normsand normative aggregates, which are included in the associations which
carry the social institutions, may not be for a Ionger period of time incompatible
with the norms established through habit and custom and fixed by law. How-
ever, it is exactly this which takes place through the ill-considered transference
of institutions as is the case with the school.
b) The adaptation of the institution "school" to the conditions which are com-
pletely different in African society as compared to West European has to date
been not even initially attempted. The result of this is that the school children
are educated not for an existence of relevance but rather for one in a social
system which in the African context can only be considered as fictional.
c) This, in connection with the school system's function of creating elites in these
countries 34 , makes the function of the advanced Ievels of the school system as -
popularly expressed - the organization of the cells of post-colonial society
highly questionable, because the quality of such elites is not adapted to the con-
crete historical situation of their own society. Due to the character of their
school education they are neither able to analyze the concrete problems of their
social reality nor are they able in any way to solve them in a way which cor-
responds to the actual social context.
d) The historical function of the school system in the African states transfered the
emphasis from the emancipatory possibility of the systematic teaching of know-
ledge to the functions of prestige and advancement. 35
Exactly this function of .advancement through going to school has in the case of
Ethiopia led to the situation that schools become more and more exclusive middle
class institutions. For on the one hand, material means of a not inconsiderable
amount are neccessary for the realisation of attending school (not least of all must
the family in question be able to dispense with the Iabor power of the student), and
on the other hand, the concurrence of the expansion of the total system with
increasing internal differentiation into "good" and "bad" schools, Ieads to an
increasing advantage of opportunity for children from relatively affluent classes.
The school pyramides, presented in the following diagram, are unmistakably
clear in this regard. Because the school in the course of missionary activity and
The Orthodox Church of Ethiopill as a Socillllnstitution 217

colonialisation was introduced into societies in which the constituitive elements for
a school institutionalization of educative tasks hardly exist even today 36 , the con-
temporary discussion of the alteration of this historical process is also of significance
for Ethiopia.

Number of Schotars in the Government Schools of Ethiopia


(1964/65 and 1970/71)

Number: 1964/65 Class 1970/71

166 4+ 699
169 3 823
464 2 1.038 UNI VER-
SITIES

;
844 1 1.057
2.199 12 5.580
3.566 11 9.525 SENIOR
5.459 10 16.929 SECONDARY

,-
SCHOOLS
8.730 9 23.435
8.976 8 I 28.322 JUNIOR
11.375 7
I 35.083 ~~~~~?~R y

t=
15.669 6 l 54.169 PRIMARY
21.812 5 I 55.351 SCHOOLS
29.078 4 I 67.445
41.115 I 3 1~.663
55.7191 2 84.~68
I 94.043 1 134.687 I
TOTAL: 299.384 593.924

The discussion taken up with regard to other African states about the integration
of a "school of learning and experience" in the context of interaction with other
institutions was not taken up anywhere in Ethiopia before the Revolution. The
only possibility of development was seen in a further expansion which however,
could only lead to a widening of the pyramide of students without increasing the
chances of those who have attended school and of those who have graduated, for a
better life, and this inspite of the extremely high costs which were required for the
realisation of the numbers of students projected by the long-range Addis Ababa
plan. A reorientation can be expected from the current Minister of Education, Prof.
Haile Gabriel Dagne.
Religiously neutral, since the emperor's return in 1941, the state schools, which
engaged Hindu teachers from India or Americans who were oriented towards the
218 Fred Göricke and Friedrich Heyer

ideal of religionless public schools, attract those students who aim at a modern pro-
fession. With their educational adcvance, the students leave behind not only the
customary Orthodox devotion but also lose access to the history of Ethiopia and its
literary Ge'ez culture. The teachers educated in the Faculty of Education and in the
five teacher training schools, institutions which use modern methods of pedagogy,
in 1974 proved to be carriers of the revolutionary will to change. The traditional
church schools, however, still today lay claim to an at least equally large number of
activists and they are also, in contrast to the secular school system, a product of the
native culture and have not come into the country through institution transfer. The
information provided by our respondents concerning their own educational his-
tories clearly reflects the decrease of traditional ecclesiastical sciences during the last
two' generations. We inquired about the three customary steps of ecclesiastical
study: the reading of syllables (Fidel, carried through the reading of the First
Epistle of John and the Psalms), then the study of one of the ecclesiastical sciences
(Qeddase =liturgy, Zema =hymnody, Qene =the composition of versified sermons,
or Tergum = the exposition of the bible or of texts from the church fathers), finally
the training leading to the Liq examination and thereby to the right to teach. From
our respondents among the population, we received the result that over half of
those questioned had attended at least the first stages of the church school (a total
of 232).

EcclerfllstiCJZI rchooltng o[rerpondents

Basic schooüng further sch. complete sch. total

total 75 35 17 127
Laity, who own land 9 16 5 30

Among their fathers, 178 had received education in the traditional ecclesiastical
sciences. The more advanced the training of the father was, the more likely that the
son had had to go through equivalent training. This is to be seen from the following
diagram:

Ecclerfllrttcal schooling ofrespondentr r,md thetr fatherr

Basic sch. further sch. complete sch. total

eccl. schooling of the


rather 93 57 28 178
eccl. sch. of the son 44 7 7 19 21 2 12 7 8 127
B F c B F c B F c total

The answers to our questions about their wishes concerning school training for their
children indicate that the future will not bring any change in the downward trend
The Orthodox Church of Ethiopia as a Social Institution 219

of the church schools which devote themselves exclusively to the teaching of the
traditional ecclesiastical sciences. It is, however, amazing that there is such an
interest in a combination of traditional and modern scientific training, for which
the overwhelming majority of those interviewed had decided:

Desirability of ecclesiastical training for children

exclusively traditional exclusively


traditional church sch. modern no answer total
+ mod. train. school

total 27 160 24 21 232


Laity with eccl. training 21 77 5 14 127
Laity with mod. train. 0 68 17 4 89
Laity, who own land 16 37 1 3 57

Incidentally, also in this case the variable of "landownership" comes more strongly
to the fore with regard to traditional orientation than does the variable of "ecclesi-
astical training", the influence of which is, however, in the same direction also still
relatively 'strong.
Actually, the remarkable openness with regard to a combination of traditional
ecclesiastical sciences and of different areas of modern education is shared by many
groups of the population. The "expert" groups which we interviewed voted in the
following way for the supplementing of the traditional curriculum by modern disci-
plines (multiple answers were possible, thus the total is more than 100 %):

Modern training in church schools

modern acad. agricult. craft


church training training training no answer total
science
Priests 11.6% 24.8% 31.1% 5.6% 14 68
Laity with eccl. train. 31.1% 56.6% 42.2% 40.0% 9 56
Laity without eccl. train. 25.2% 34.8% 66.4% 50.3% 5 46

The rejection of the inclusion of non-traditional elements in the curriculum is


strong here also, especially in the case of priests. Thus the criterion of churchliness
has an extremely restrictive effect on development. Respected ecclesiastical
scholars voted for an exclusively traditional ecclesiastical training in out of the way
monasteries, combined only with the teaching of modern agricultural capabilities -
without awareness of the fact, that these capabilities cannot be achieved without
instruction in mathematics and natural sciences.
Our Observations could be validated on the basis of the result of the attempt to
provide priests with additional training for the demands of the changing social and
economic forms in Ethiopia.
220 Fred Göricke and Friedrich Heyer

On the intitiative of the WCC, Commission of the Churches' Participation in


Development, 102 priests were brought together in the compound of the Kolfi
school (near Addis Ababa), from the Fall of 1972 to the Spring of 1973, in order that
they might be better trained pastorally and theologically (in the morning), as weil as
professionaily trained as partners for the tasks of development (in the afternoon).
In Sections, courses in modern agriculture, craft skills, basics of hygiene, and com-
munity development were offered. (In the following year, an analogous second
course was carried out). The graduates received from the patriarch a diploma and
new priestly clothes and were sent back to their communities. When, in the summer
of 1973, we visited some of these priests we made, however, the discovery that the
positive results which had been expected had not been realised, indeed, that many
of the priests had been shifted into a worse status than they had been in before the
course and that they had slipped into isolation from both their feilow priests and
from the members of their congregation.
On the basis of these experiences, it appears quite unbelievable that a majority
of those interviewed still desire to extend the training of priests to modern scientific
and practical areas:

Desirability of division of priestly training

exclusiv. trad.+ trad. + mod.acad.


tradit. mod. acad. mod.pract. + pract. no answer total
orientat. train. train. train.

total 63 62 43 36 28 232
Laity with eccl. train. 52 31 23 10 11 127
Laity, who own land 30 5 17 2 3 57

Thus it would appear - even though one must be careful in interpreting these State-
ments - that a basis for the reform of the training of priests is at hand, at least as
far as the attitude of expectation of the Ethiopian population is concerned.
The real difficulty appears, on the contrary, to lie with the priests themselves -
and also with the highly trained laity who are closely attached to the church - who
smell the danger of an extraecclesiasticallegitimation of belief systems in scientific
activity and who fear an endangering of their own positions as office holders of an
institution which is legitimated through tradition (which attitude is strengthened,
naturally, through the opinions and ways of acting on the part of a smail group of
"alien to the church" inteiligentia); this mutual reaction comes to light clearly in
the pattern of answers to the question of whether one believes that children can
keep their belief in creation when they are confronted with the explanatory
models of natural science.
It is clear that both the overwhelming majority of the priests as weil as a smail
minority of laymen without ecclesiastical traininganswer this question negatively;
this agreement in statement must be seen, however, against the background of dif-
The Orthodox Church of Ethiopia as a Social Institution 221

ferent points of departure and might lead to diametrically opposed patterns of argu-
mentation and action. Contrastingly, in the case of laymen with ecclesiastical train-
ing, there was a majority opinion for the opposite point of view. One pattern of
argumentation which appears again and again in the interview with this group is
that of the analytical division of the extent of statement within both systems of
knowledge - a bridge-building function for a certain social group could be
indicated here. Especially in the priesthood, however, the argumentative ability to
defend belief in creation is a sad story. Because the priesthood expects a threat to
its position from every scientific innovation, it reacts more conservatively, i. e.,
more bound to tradition, than the surrounding lay population.
Belief in creation vs. natural science

Can belief in creation be maintained in this confrontation?


yes no no answer total

total 58 88 24 170
Priests 6 44 18 68
Laity with eccl. training 31 21 4 56
Laity without eccl. training 21 23 2 46

A good example of this is the area of modern medicine, which is oriented to natural
science; in the judgement of the population, this area compared with the three
traditional methods of healing, Tabal, Azmat and Tenkolla, receives a comparatively
positive evaluation ( which does not necessarily have to do with positive experience
in this area, because a connection between successful healing and evaluation cannot
be read from our data):

Valuation of methods of healing

Tabal Azmat Tenkolla mod.med.no answer total

total 1.21 2.88 3.35 1.44 10 232


Laity with eccl. training 1.18 2.92 3.66 1.58 3 127
Laity who own land 1.10 2.36 3.22 2.05 2 57
The numbers are the arithmetic means of expressing the following judgements: 1. very useful;
2. useful; 3. less useful; 4. useless.
lt hardly needs tobe emphasized that here once again, the conservatism grade as
exemplified in the criteria "ecclesiastical training" and "landownership", which
have already appeared frequently, can be proven. But that the experts - and among
them especially the priests - fall far behind the dominant attitude amongst the
population gives one pause. While the population, more and more, tends toward a
differentiation of chances at healing according to the kind of sickness, in the tradi-
tional or in the modern medical sector and orients its respective behavior on the
basis of this evaluation, the so-called experts judge less differentialedly. To the
222 Fred Göricke and Friedrich Heyer

question of whether they believed that the trust of the people in traditional
methods of healing would decrease when they would experience positive treatment
results as a consequence of the application of modern medicine, the following
answer were given:

Loss of confidence in traditional methods of healing


no partly yes no answer total

total 72 56 28 14 170
Priests 17 22 10 9 68

When one considers, how closely the church is traditionally connected with the
healing experience of the Tabal - and inofficially with that of the Azmat -, one
can only see the position of the priest in this question as an expression of fear of
the threatening reduction of the church's influence. This also explains the stand-
point of the church in the question of cooperation with the representatives of
modern medicine, which Standpoint is seen in the following way by the group of
"experts" - who in this way once again reproduce the perception of reality which
is typical of their group:

The position of the church with regard to modern medicine


combats it neutral supports it no answer total

total 28 66 48 18 170
Priests 18 32 9 9 68
Laity with eccl. training 7 21 22 6 56
Laity without eccl. train. 3 13 27 3 46

In view of these results, one hopes that priests will be acquainted with the modern
sectors of science at least in an introductory way in the course of their training, in
order that an end can be put to the ignorance of office holders which threatens the
future of the church, also that a supply of academic theologians may stand ready.
The idea of providing a place for the academic cultivation of theology also in
Ethiopia came up as Canadian Jesuits after the end of the war founded the Univer-
sity College in Addis Ababa. A communication from the Ethiopian authorities to
the Coptic patriarchate on June 28, 1944, demanded a theological college. 37 In
1960, Holy Trinity College could be established not far from the court church. The
registration of applicants during the first few years was alarmingly weak. The tradi-
tional clergy is mistrustful and does not recruit any applicants. As teachers,
Armenian or Indian academicians were first brought in (Bishop Poladian, Dean
V. C. Samuel); however, an Ehtiopian second generationalso came into being (Sa-
muel Terrefe and Prodeacon Mikre Selassie). Ethiopian Orthodoxy so far has had
little advantage from the graduates of Holy Trinity College. One must consider as
The Orthodox Church of Ethiopia as a Social Institution 223

valid what the conference of the hierarchical heads of the non-chalcedonian


churches declared in 1965: "Whoever attends a college does not seehirnself called
to the priesthood. Doubtlessly, these young men are capable of becoming enthusi-
astic co-workers in ideological groups which dominate their imagination and their
trust. Why? In their scientific and technological age, the young people feel: The
church lives in a time long since forgotten, bound to handed-down patterns of
piety ." 38 Only a few of the graduates have gained positions as departmental direc-
tors in the patriarchal administration; the majority of them enter the service of the
Ministry of Education.
In the beliefthat it might perhaps be more successful to educate theologians in
the sense of the clerus minor below the academic level, a theological seminary was
established at Zway lake with ecumenical funding, where graduates of the Junior
Secondary School can finish their training in four,years. However, because money
was saved at the expense of teacher salaries, the faculty was not sufficiently qual-
ified to attract students. Thus, the capacity of the Zway Seminary was never fully
used. The first class to graduate came into conflict with the patriarchate over the
salary claims which had yet tobe satisfied. A strike of the graduates against the
offer of a monthly salary of seventy five Ethiopian dollars extorted the still quite
modest salary of one hundred twenty five dollars. Working as teachers at modern
church schools, e. g., in Debra Tabor and in Hagere Hiwot, the Zway graduates
acquit themselves noticeably well. The centralization of the governmental school
system in the Ministry of Education and Fine Arts provokes an analogous central-
ism which the patriarchate endeavors to apply overagainst the school system. An
expression of this tendency is the organization of a department of schools, which
since July, 1973, is headed by a monk who achieved his master's and doctor's
degrees in Leningrad (Abba Habte Selassie Tesfa).
It will be easiest to encompass the newly established church schools which unify
the traditional subject matter, taught sofarat different schoollocations and which
combine it with the curriculum of the Ministry of Education. Church schools of
this new type have come into being since 1943 out of various initiatives. The begin-
ning was made by the Ba'ata School in Addis Ababa, established by the richly
endowed Ba'ata Church. This was followed by the foundation of St. Paul's School
contribut~d by the Emperess Itege Menen, at Kolfi not far from Addis Ababa. In
Harar, a school was established under the supervision of the bishop there, the origi-
nal goal of which was to train teachers in a way similar to that of the teacher train-
ing schools. On the initiative of the court cleric, Liqa Seltanat Habte Maryam, there
was established not only a modern church school reaching through the twelfth
grade, located by the church hill of Holy Trinity Church, but also outside the
capital three schools were established by the Orthodox Mission, which was depen-
dent upon Holy Trinity. In 1971, a boarding school was established in the out of the
way awraja capital, Debra Tabor, which was financed by "Brot für die Welt" and
organized by theological teachers and students of the University of Heidelberg as
weil as young Ethiopians who had been recruited as students. In this school, stu-
224 Fred Göricke and Friedrich Heyer

dents who are advanced in the traditional church school system and who come
from villages far away from schools are trained. Even though the church school in
Aksum built by abuna Yohannes with his typical energy (Atse Yohannes School)
affered a roof only to the previously existing Tamari bet without modification of
the curriculum, he also erected in 1973 an imposing school complex in Makalle for
three thousand students with a combined curriculum. In 1973, a school compound
with the same educational goal was established in a ruined ltalian fortress. The
efficient Awraja Beta kahnat of Hagere Hiwot (province of Shoa) has progressed to
the point that sixteen smaller church schools with combined curriculum have been
established and have been placed under a school supervisor out of its own staff of
officials.
The church schools of this expanding new type, financially supported through
"Kindernothilfe", have not only the function of educating the priest, singer, and lay
classes, brought up in the traditional Ge'ez language, but also have the task of
catching the students from the traditional Tamari bet who leave their church
schools at a high drop out rate, because they have become aware that the tradi-
tional school training does not open the way to modern professional possibilities. In
this consideration, it cannot be overlooked, that the Tamari today meet. with dif-
ficulties in attempting to continue their previous custom of running away from
their parental harne without bidding their parents good-by, sacred run-aways, ten
years old, seized by a divine call, who stride through thousands of miles until they
find a teacher close to whom they build themselves a small strawhut and then
subsist perhaps fifteen years from begging in neighbouring villages. In the changing
society of Ethiopia, scholarly begging is no Ionger possible.

The Social Context of the Local Church

Traditionally, the local church in Ethiopian society, in so far as it embraces the


christian-amharic cultural sphere, is the point of cristallisation for sociallife.
Essential social functions are fulfilled within the context of this local church.
Contact with neighbouring villages, whether of economic or communicative character,
is defined through this church, respectively in this area of activity. The placement
into the political system is accomplished via its integration into a quasi state-church
- like constituted church.
Internally, the integration of the community and the social control of its
members are secured through the organizational structure of the church. Externally,
for the purpose of delimitation overagainst other communities or even overagainst
dissenters, the church serves as the sense-making unit which through its autonomy
establishes the differentness of its members from non-members and contributes to
the interaction between the two.
The traditional structure of the church organization of the Getär churches which
are dependent upon the Debr churches indicates, first of all, something which can
The Orthodox Church of Ethiopill as a Socilll/nstitution 225

be seen in the broader social system, namely a hierarchy of autonomy and authority
in which the members of the community are socialized and which forms at the
same time the arena of activity for differentiated external relations, which are dif-
ferentiated on the one hand through dependence and on the other through equality
of rights.
Recently, there have been changes in the social context at the micro-sociallevel
filled out by the local church and that not only in the few urban population centers
of Ethiopia. The change is essentially affects the position of the local church and
with it the social functions of family, neighbourhood and organizations which hang
tagether with the local church.

The Family

In the Ethiopian tradition, the family is not conceived as the cell of christian com-
munity, so that one could develop a concept of the local church which would con-
stitute itself out of a large nurober of family cells. To this extent, the Ethiopian
conception of the family is quite distant from the Lutheran conception of the haus-
hold, from the Catholic idea of family pastoral care as established by Sailer, or also
from a conception of the family as is to be found in Russian Orthodoxy. While in
the antichurch climale of the Soviet Union, it has been proved that the family pos-
sesses the power of tradition to pass on the Christian faith to following generations,
in the Ethiopian family a similar power is not to be found. Being as individualistic
as they are, every Ethiopian lives his faith for himself. Husband and wife do not
customarily attend church together. Each one goes when he is moved to do so for
hirnself and warnen are required to enter by a special door at church. With the
exception of the singular act of sacramental marriage (Bequrban), husband and wife
will never take the sacrament togehter. The person who is able to read and who also
reads church books at harne, and not only in the church court, will not read aloud
to his illiterate family circle. The mother does indeed take the baby to the eucharist
and even breastfeeds it immediately after receiving the sacrament so that the blood
of Christ and the mothers's milk mix, but neither the father nor the mother provide
the growing child with christian instuction. In the event of critical situations during
the rearing of the child, the parents send the child to the father confessor, who
monopolizes the religious instruction. The guest will, at the beginning of the meal,
be affered a piece of Injera (Buraki = bread of blessing) by the father of the house in
an act of prayer, but there is no grace said to introduce the collectiv meal of the
family. Consequently, there is nottobe expected from the Ethiopian family the
resistance to the secularizing environment which is manifested in other countries.
At the baptism, the godfather is more important than the natural father. To
bring Christian consolation to the bed of the woman giving birth is the affair of
pious neighbour women, not of the family. Whoever wants to become a church
scholar and steals away from his family as a boy, exchanges his paternal name for
226 Fred Göricke and Friedrich Heyer

the name of his teacher, whom he has sought out as a wandering scholar. The
recorded lives of the saints constantly display an obedience toward God together
with a tuming against the family, even though there is taken over from the model
of the Greek Bios the stereotypical introductory sentence that the saint "comes
from piouS'"parents". The social weakness of the family can also be explained by the
fact, that the guarantee of the indissolubility of the marriage, which is given in the
sacrament, is lacking in the overwhelming majority of non-clerical families. Only for
deacons and priests is this sacramental form of marriage obligatory, otherwise
desired later in life almost only by older marriage partners, who have gone through
a Iot together and who can survey the rest of their lives and decide to remain
together. Sixteen years ago, the church put on a campaign in sermons, radio and
church magazines on behalf of sacramental marriage (Bequrban). The people, how-
ever, did not allow their customs tobe changed by the church campaign. Often,
families prevent the bridal pair, which is willing and desires tobe married sacramen-
tally, from doing so by raising the objection that the young people arenot mature
enough for the sacramental tie. When one enquires as to the reasons for the Iack of
success met with by the church campaign, one gets the answer: "In the awraja there
is a lack of powerful priestly personalities who could carry this through in practice."
Or: "The marriage partners received insufficient instruction in the Christian doc-
trine of marriage."
Indeed, regulations for a step by step approach to engagement were passed and a
formula of pledge was introduced into the marriage formula for the non-sacramen-
tal marriage (Qal Kidan), as anchored in popular custom. But the pledge of the mar-
riage partners as contained in the formula, to later proceed to sacramental mar-
riage is not fulfilled by very many. Further, the carrying out of the ceremony of the
Qal Kidan is different from region to region. In Tigre, the bridal pair comes to the
church and Iets the priest preside. In Lasta, going to church is unknown and the
cooperation of the priest is dispensable. Among the Orthodox of Galla, the church
has to date been unable to intervene at all in the process of marriage.
In view of the absence of the sacrament, divorce is easy. Some marriage partners
suffer faithfully with a sick partner; others cannot bear to lose his labor power.
Also named as motives for divorce are the non-fertility of the woman, the oppres-
sive poverty of the man, the wasting of money or alcoholism of the partner. In the
case of a divorce in a sacramental marriage, the divorcing partnerloses his or her
claim on the total property, a legal clause which makes such divorces practically im-
possible~
Because the Ethiopian family is out of the question as a significant form of
socialization, especially as regards the passing on of community stabilizing tradi-
tions, it comes as no surprise that a tradition like that of the permanent recruiting
of one member of each family for church service falls by the way. The following is
a formulation of the answers which we received from our respondants to the ques-
tions of whether such a tradition is cultivated in their families and whether they
insist upon the continuation of this tradition.
The Orthodox Church of Ethiopia as a Social Institution 227

Concerning familial-tradition of the recruiting of priests

The tradition exists


yes no no answer total

total 114 102 16 232

The tradit. should be continued 85 22 42 57 10 216


yes no yes no no answer total

To the question of why at least one son should become a priest, the following
reasons were given:

a) family tradition 62
b) personal reason of a religious kind 42
c) personal reasons of a social-economic kind 14
d) other reasons 3
Total 127

One can see from these answers, that the reason of family tradition continues to be
considered important by a minority, butthat the majority tends toward having
done with this custom when it is only "tradition" and no other grounds for its
maintenance can be given which at every level of argumentation are of an individu-
alistic character. Especially in cases of rejecting the tradition, this individualism is
noticeable in the reason given for doing so. Those who expressed themselves
decidedly against the tradition, that one of the sons should enter the service of the
church (free choice of this decision by the children naturally excluded) gave the fol-
lowing reasons:

a) rejection of this tradition 34


b) material reasons 32
c) rejection of the status of the priest 10
d) other reasons 3
Total 79

The reduction of a family tradition, which becomes clear from these answers (and
which could easily be extended to other areas, e. g., to the reading tradition) hangs
together with the fact, that the family under the changed conditions of beginning
industrialization and urbanization is not capable of functioning as a keeper of
tradition and that the local church and its organizations which have previously dis-
charged the task of socialization and determined the family, tend to become
weaker. Their function can, however, not be taken over by a family of traditionally
weak functionality.
228 Fred Göricke and Friedrich Heyer

The System of Organizations

Traditionally, there exists with every church the lay community of the "Sanbat-
association", whose members come tagether after every worship service in the San-
bat bet which is erected near the church or at a selected shady place for an agape
feast of the national food, Injera, Wat and T'alla. One or two families who belang
to the association are supposed to contribute the meal. The men elect a lay leader,
the so-called Moses. Although no Ionger tied to the Sabbath today, it is to be pre-
sumed that this agape feast has developed out of the Ethiopian observance of sab-
bath.l9 Kidan ( Testamenturn domini- a reworking of the church order of Hyppo-
lytus)'counts the sabbath agape as commandment thirty-six which is tobe observed
at every celebration of the sabbath.
If one traces the historical origin back to late judaism, one comes across the eating
association of the "haburah", which was constituted in connection with the syna-
gogue and which was supposed "to fulfil an obligation of compassion". Thus, the
Ethiopian members of this agape association hurry at the signal of the Moses with
the Masob baskets and clay jugs to the beggars waiting outside, sometimes even
before their own meal.
This traditional feeding of the beggars is still today one of the essential functions
of the Sanbat-association. As the 13 7 of the 23 2 members of such associations
reported to us, in sixty-two cases exclusively this function is taken seriously, in
thirty-eight cases individual help which goes beyond this function is given (e. g.,
help through contribution of clothes or money to the sick or to otherwise unfor-
tunate members of the association or the village community), in twenty-six cases
there bad been added to the traditional feeding of the beggars the completely new
important function of organizing "community services" (e. g., the construction and
repair of paths, drainage systems, schools, churches, etc.). However, one cannot
forget, in the consideration of such information, that the community integrating
form of the Sanbat-association can all too easily get lost in the fulfilment of such
tasks. The sabbath associations often predispose the communal policy of the
middle-sized towns. The approximately 250 men who compose the association of
Debra Marqos include all of the influential personalities of the provincial capital
and this association decides in advance the current public problems.
Without infringement upon the character of the free lay community, the priests
also participate. To the extent that they have taken over the function of the Nefs
abbat (father confessor) for a too large number of confessors, (that is for more than
the usual seven confessors) so that the priests cannot carry out the prescribed hause
visits, the sabbath meal gives them the opportunity of meeting with their confes-
sors.
Smaller groups of believers (twelve to forty) have in addition organized them-
selves in groups (Mahabar) for the honoring of selected heavenly patrons, of saints
or of archangels, the warnen, divided from the men, in a Zikirt, mostly for the honor-
ing of the Virgin Mary. Also here, the community is constituted by an agape meal,
The Orthodox Church of Ethiopio as a Social Institution 229

monthly each time in the house of a different member, for the feast day of the
saint according to the standard of tl.le Ethiopian "church calendar". The organiza-
tion's masob is led with a procession into the house of the next host family and
there receives a place of honor for a month. These organizations, on a voluntary
basis, have traditionally an essential definitional function in shaping the structure of
activity within a village community and likewise a significant educational effect.
In urban situations, the Mahabar system has greatly diminished, due to social
reasons. The person who does not produce the basic foods, as does the peasant is
financially overburdened when he is supposed to provide the meal for all of the
agape associates. Teachers as well as the government combat the "Mahabar nuisance"
in order to conteract the aftereffects with regard to the family which has to starve.
In the now maturing generation of modern educated students, the church Maha-
bar tradition comes to an abrupt stop. The young people could, as soon as they
have a profession and a family, join the membership. They join, however, long before
they get to that point in life the new sort of Mahabar provided by the school,
mostly sport organizations which do not cultivate any relationship to a heavenly
patron. Young teachers group together in an ex-student Mahabar of the teacher
training schools (one dollar due monthly) with idealistic purposes: the common
planting of trees in areas of Tigre threatened with erosion, the establishment of
municipallibraries.
That the Mahabar system is weakened is also to be seen from the fact, that in the
smaller towns the usual monthly meeting is dispensed with and instead only one
annual meeting takes place. However, there are beginnings of inner regeneration:
The leading business man of Debra Tabor, hirnself a member of no less than three
Mahabar, wants to see not only a class of affluent people united in the Mahabar
but rather collect from all classes the worshippers of the selected saint in question.
One has no concrete reason to exclude an applicant from acceptance unless his
reputation as a citizen is bad. Nowadays, one strictly regulates the Iimits within
which the contribution of the meal must be kept, in orderthat the possibilities of
poorer members not be overburdened.
Seen as a whole, the following pattern of membership in organizations of this
kind emerged from the interviewing of the population.

Membership in church organizations

nota Member of
member Mahabar Edir no answer total

total 67 104 33 28 232


of these:
Laity with eccl. training 31 70 15 11 127
of these:
Laity who own land 12 31 12 2 57
230 Fred Görlcke and Friedrlch Heyer

The percentage of the laity with church training as well as those who own land is
more strongly represented in the organizations than the other groups, whereby the
variable of "land ownership" is here more pronounced than that of traditional
ecclesiastical scientific training, which supports the thesis mentioned above about
the exclusion of certain social classes which cannot afford to take on the obligatory
contribution of the meal.
The following were given as reasons for non-membership:

a) never been a member 18


b) for economic reasons 26
c) due to change of residence 9
d) no specific information 6
e) no information 5
Total 67

The reasons given for membership also reflect the dilemma in which the organiza-
tions of this kind currently find themselves. Given as reasons were:

a) family tradition 47
b) communication interest 30
c) religious interest 28
d) social obligation 18
e) no information 14
Total 137

When tradtition dominates in this way as the reason given, but also the communica-
tion interest plays an important role, which interest could under changed social
conditions be equally well satisfied through other media, as previously through the
Mahabar, when further the religious interest does not remain stable in its form of
expression, then the future of such an organization cannot be judged especially
optimistically.
The development of the membership in the Zikirt Iooks almost the same:

Membership in the Zildrt

non-member member no answer total


total so 151 31 232

One hundred fifty-one members of the Zikirt described the membership develop-
ment of their organization in the following way:

increased the same decreased no answer total


total 15 56 68 12 151
The Orthodox Church of Ethiopill ar a Socillllnrtitution 231

Those who indicated a reduction of membership gave the following reasons for this
development:

a) economic difficulties 40
b) controversies in the Zikirt 12
c) influence of modern education s
d) other reasons 4
e) no information 7
Total 68

These reas'ons, like those given for the Mahabar, indicate that the traditional organi-
zations will in the future have their importance reduced even more than is already
recognizable, in so far as they do not reorient their functional basis to the new
social structural characteristics which are to be expected. Beginnings in this direc-
tion arealreadytobe seen; thus, we have received the information from Dabat
(province of Hegender) that organizations of this kind could provide the starting
basis for associational organizations in the economic sector. However, the activity
of a Mahabar there has so far restricted itself to the project of a "community hotel"
(Andenat Hotel). It is tobe hoped that with the future mobilization of church
institutions for local and regional development programs, the Mahabar will serve
more frequently the establishment of economic associations. The social welfare
importance of the Mahabar can also increase in the case of spe"ciallocal situations.
A Mahabar in Mahedera Maryam which has previously fed eleven blind people and a
constant group of crippled and aged now is extending its activity to include the
increasing nurober of jobless who vainly seek work. Often, the mutual duty of the
Mahabar associates to assist each other is also strengthened: when one is sick, then
bis associates take care of bis agricultural work and keep bis farm in order. There
can also be seen a transition to collections of money, so that at the bebest of the
priest there will be a collection for public ecclesiastical purposes, such as the repair
of a church wall.
Under the influence of industrialization and urbanisation, a totally different pro-
cess of transition from traditional organizations to modern associational organiza-
tions has taken place in the industrial ceilter of Akaki (in the province of Shoa).
The forty-seven Edir represented here have come together in a "council of edir"
under the aegis of the community development center. This council not only
provides for the regulation of communal services but also decisively assists in shap-
ing the political and social-culturallife of the town, by way of unification of
various offices in the band of one authority and indirectly influencing the "munici-
pal council". However, the associations have in this process largely lost their
religious orientation which is to be seen from the fact that Moslems as well as
Christians are members of the same organizations and the church authorities in
Akaki do not participate in this construction of new forms of social and political
work. A decisive hinderance in the search for new, i. e., appropriate to changed con-
232 Fred Göricke and Friedrich Heyer

ditions, models of community work on social problems consists, however, in the


polarised opinion of the leading circles of Ethiopian society conceming the expan-
sion of the activities of traditional organizations, even when it is not implied that
through an expansion of this kind the religious basis of the organization would be
lost.
The traditional orientation of the priests (but also of the educated laity, who
have been trained in the traditional ecclesiastical sciences) is extraordinarily strong,
especially when the demand for the provision of communal services, which to date
arenot common, is voiced.
The following areas of activity of organizations were rated positively by groups
of ''experts" (multiple answers were possible, thus the sum of the answers is greater
than 100 %).

Positive valuation of the areas of activity of christilzn organizations

Feeding of further communal


the poor individual services no answer total
help

total 82,4% 62,1% 34,2% 26 170


ofthese:
priests 90,0% 60,5% 14,3% 13 68
ofthese:
Laity with eccl. training 85,5% 64,3% 19,0% 5 56

Admittedly, the insuffiency of money, especially in distant areas, contributes to the


fact that more far-reaching provision of help can only be taken over with difficulty;
but that does not explain the specific group differences as are manifested in the
table. The signüicant deviation of priest and laity with ecclesiastical training from
the pattern of evaluation presented by the whole population appears rather to
indicate that in these groups the expansion of the provision of help is not desired.
Here a powerful potential appears to come into being which eventually could
thwart the adjustment of the functions of the organizations to the changed social
structural conditions and with this the basis of their future relevance.

The internal structure of the local church

In the traditional system, which is determined by local autonomy, there is as grada-


tion of rank, namely that between Debr churches and Getär churches. A Debr
church composes with the great number of Getär churches, which are dependent
upon it, a complete organization. The Debr church possesses the church land and
the marketing rights (as far as this is now not laid claim to in the old provinces by
the state). The Aleqa of the Debr church has the right to celebrate the liturgy in
everyone of the dependent Getär churches. The Getär churches are supposed to
The Orthodox Church of Ethiopia as a Sociallnstitution 233

participate in the raising of a small income. (This is the way in the relationship
of the Mahedera Maryam church founded by Sarsa Dengel to its Getär churches.)
With social change, the relationship of the Debr churches to their Getär churches
also changes. In Awraja Debra Tabor, there is no lack of examples of the fact that
the nurober of the Getär churches which were assigned to a Debr church is shrink-
ing, e. g., of the forty Getär churches in the nineteenth century, today there are fif-
teen. The following reasons can be stated: A new system of roads caused resettle-
ments. Because of this, a previous Getär church, due to its more favorable location,
is more freqüented and more richly endowed with gifts. Or, a newly discovered
crypt church like Madhana Alam at Wokro in Tigre, previously in the traditional
position of a poor Getär church, moves into the center of touristic interest and lays
claim to the right to be promoted to a Debr church. Often the nurober of the Getär
churches is reduced by the practice of the assigned priests of celebrating the liturgy
less and less frequently, when possible only once a month, until finally the church
ceases to be a place of worhip.
The tendency toward the levelling of differences between Debr and Getär
churches is already part of the behavior of church goers:

Place of ecclesiastical Visitation

next Debr Pilgrimage


church church church no answer total

total 87 101 29 5 232


Laity with eccl. training 42 61 21 3 127
Laity, who own land 14 30 12 1 57

The differentiating effect of training in the traditional ecclesiastical sciences and


more strongly of land ownership in the behavior of church attendants cannot be
overlooked; however, when one takes as one's point of departure the fact that these
criteria are to be found amongst a minority which is becoming smaller, it becomes
clear that the tendency toward the reduction of differences in rank between Debr
and Getär churches is nottobe halted.
In the course of the present development of a systematic church administration,
the Debr churches are bureaucratically encompassed by the new Awraja-beta kah-
nat. The ltalian forces of occupation had begun with the rational subdivision of the
imperial territory into provinces, subprovinces (awraja) and districts (wärräda) for
administrative purposes. The church follows this systematic territorial division and
creates regional Beta kahnat in every provincial episcopal seeandin every awraja.
The Awraja-beta kahnat is usually located in the compound of the administration of
the subprovince. The director, who is appointed by the responsible archbishop, is
usually a monk as is the caseinHagere Hiwot and Agame or a Mamher, as is the
case in Shire. In Shoa and Godjam, the title of Liqa kahnat is applied to the direc-
tor of the Awraja-beta kahnat. In Agame, where in historical times people were
234 Fred Göricke and Friedrich Heyer

accustomed to this title, it is today suppressed. The administrative staff is usually


composed of a secretary and a clerk, only in Hagere Hiwot does one find a more
developed division of authority. At the provincial episcopal see, the function of the
awraja director and his office is carried out by the bishop hirnself and his office. At
this point, attention must be called to a singularity in Aksum. The historically
handed-down political and ecclesiastical double function of Nebura Ed of Aksum has
been caught up into the new administrative scheme in so far as this title bearer has
been entrusted with the functions of an awraja governor and of a director of the
Awraja-beta kahnat. Of the two leading ecclesiastical offices of the historical
imperial city, the Nebura Ed and the Qesa Gawas, the older office of the two, the
Qesa Gawas, is considered to have been founded by the Israelite priest, Sacharja,
who accompanied the son of the Queen of Sheba and Salomon, the faunder of the
dynasty, Menilek I, with the Ark of the Covenant, from Jerusalem to Aksum. Only
the two families, in whose veins the blood of this Sacharja flows, are entitled to
hold the office of supervision over the approximately five hundred man priesthood
of the Zion Church of Aksum. The office of the Nebura Ed, which is independent
of blood ties, and of equal rank with the Zion Church, encompasses the region. Be-
cause of its political weight, it was often taken over by the kings or princes of Tigre
themselves (by Zara Yaqob for two years so as to introduce order; by Sarsa Dengel
to prevent the latent danger of a competing government of church princes; by
Governor Ras Seyum until the ltalian invasion followed in 1936). While King Yo-
hannes IV had ordered popular election, Haile Selassie introduced the appointment
of the Nebura Ed by the emperor and appointed nonlocals, much to the distress of
the local population. The motto of the present office holder, Gabra Selassie Zahayu,
a native of Aksum, whose grandfather had already been appointed to this dignity,
is: the Nebura Ed must know the local traditions in order to be able to work
tagether with the local people. Similar combinations of political and ecclesiastical
offices are otherwise to be found only on the basis of proven personal qualification,
not on an administrative basis. Through a law passed by the Holy Synod which was
put into force with its publication in Kale Awadi on October 25, 1972, the local
congregation receives a new inner structure. In every congregation parish councils,
composed of an equal nurober of clerics and laity, are to be organized. With this,
the church administration is at the same time systematized on four Ievels.
According to the working of the law, the parish council within the local bounda-
ries of the congregation is responsible for the following tasks: the spiritual service
of all the faithful, the founding of schools, the evangelization of those not yet won,
the initiation of charity activities, the securing of the congregational administration
and the searching out of ways to preserve and increase the church's property. In
order to fulfil these tasks, the parish council is supposed to propose an annual
budget and present it to the office of the archbishop for approval. When one
inquires as to what is to become of the historic congregational offices, such as the
Gebez, to which the administration of the congregation's property was entrusted,
one gets the answer that these will, as a matter of practice, be included in the parish
The Orthodox Church of Ethiopia as a Social Institution 235

council. Through the introduction of the parish councils, the members of the con-
gregation would participate in congregationallife in a qualitatively completely new
way and this outside the context 'of the traditional brotherhoods. Theseregulations
could lead to a reduction of the paternalistic way of looking at things on the part of
the office holders, to the advantage of a functionalistic way of looking at things.
In the congregations themselves, however, this change - with the exception of a
few cases close to the urban areas - is not yet taken seriously, let alone put into
active practice.

Conclusion

The Ethiopian Orthodox Church is increasingly in danger of emigrating out of the


changing society of Ethiopia. Not least of all contributory to this tendency are the
historically conditioned objective structural difficulties of this institution:
1. The holdingfast to the ideal type of the peasant priest is the one possibility for
the church to continue without a reduction in the quantity of its clergy, because
the remuneration of the approximately two hundred thousand priests is not pos-
sible.
2. In this way, however, the church remains bound to the traditional economic
system and its office holders assume the roles ofthat system, which roles ten-
dentially drive them into marginality.
3. In addition, this fixedness of role hinders areform of the education of priests,
such as is ever rnore loudly demanded, especially by the secularly educated laity,
for the role expectations of the rurallocal communities are not flexible enough
to be able to accept any differently defined legitimation.
4. At the same time, however, the centralization policy of the Beta kahnat forces
the local communities to come out of their isolation and - at least symbolically
- to participate in the formative process of the official church's intentionality.
Because the traditional systems of knowledge do not envision such a change of
situation, there is a lack of suitable personnel and of understanding on the part
of the members of the local churches for such an opening.
5. This organizational transformation of the official church may, however, still
further deepen the controversy between the protagonists of the old order and
the "reformers", who orient themselves to the specific group patterns; this might
lead to sharpened discussion of the church as social institution.
When one takes into consideration, that Ethiopian society will be determined ever
more increasingly by secularly educated urbanized classes - even when these are
purely quantitatively in a minority position - there is the latent danger that the
basis for the functionality of the church as a social institution will be so ever
increasingly forced back into areas which areirrelevant to the future existence of
the society.
The attempts to counteract this trend by way of bureaucratisation and introduc-
236 Fred Görtcke and Friedrich Heyer

tion of new organizational structures miss the central problem, which is the falling
away from each other of self image and societal image and the real socio-economic
situation of the traditional majority and of the modernized minority of Ethiopian
society and in the all too close attachment of the official church to the traditional
and now increasingly reduced economic system.
Because there is no example to indicate that a church - or any other social
institution - can transfer its full functional capability from one historical epoch to
another without deslocations and reductions, the one sensible strategy of action for
the office holders of the Ethiopian Orthodox Church is to take leave of the all too
close attachment to an economic system which is becoming anachronistic. This
strategy must not necessarily be defensive; there is by all means the possibility of
going beyond adjustment to the demands of the changes, which can already be seen
coming in the social and economic environment, and of forging ahead in a creative
expansion of the present areas of activity.

Notes

1 Corpus Scriptorum Christianorum Orientalium Series aethiopica (CSCO) II 24 + 25, VI, 55;
R. Pankhurst, Ethiopian Royal Cronicles, 1967, 105.
2 CSCO VI, 83.
3 CSCO III, 41.
4 F. Heyer, Die Kirche Äthiopiens, eine Bestandsaufnahme, Berlin 1971, 229; CSCO VI, 78 f.
5 S. Rubenson, Kingof Kings Tewodros ofEthiopia, Addis Ababa 1966, p. 60 f.; M. Flad,
Ein Leben für Abessinien, 1936, p. 152 + p. 179.
Emperor Yohannes displayed an Orthodox sense of mission by defending against the
attempted conquest promoted by the Egyptian Khedive and the forces of the Mahdi. On the
advice of the monk Mamher Gabra Giyorgis, and of the church scholar Aleqa Beru, he
allowed hirnself to be directed by the thought that his worldly governance was possible only
insofar as be based hirnself on the Orthodox Church. In a song of praise to the king, it is
said: "Your power is in Christ; your sanctuary is in Zion; Christ knows your prayer and
hears your nightly call. Were David to reign again, his prayer would not drown out yours."
In the confrontations with boardering muslim emirates, the Ethiopians counted on a power
increase for the warring emperor which could only be explained supernaturally. An example
of this: as a muslim superior force surprised Emperor Amda Sion, when he was sick in bed,
the ruler still was able to raise hirnself "placing his trust in the Lord who kills and makes
alive, batters and forgives, throws down and crowns, makes poor and rich, weakens the
strong and strengthens the weak, wherefore scripture says: The strength of the Lord mani-
fests itselfin the weak." (F. Heyer, op. cit., 241 f.).
6 F. Heyer, op. cit., p. 247.
7 The reduction of church participation is however still postponed because in different pro-
vinces the regional, often very different habituallaw (Wag) has remained in force. Since a
freelance folk judge (Dagne) can be engaged just as readily as a priest to mediate the con-
troversy on the basis of the Wag, the church has retained an area of judicial practice. In this
way, the superior judicial authorities are less burdened. Indeed, everyone has the possibility
of appealing to the state court; werehe to do so, however, he would be looked down upon
in conservative circles of society.
Numerous Ethiopian fables express the consciousness that it is difficult for the weaker per-
son to gain his right. Therefore, it is not surprising that the judge, who is considered to be
The Orthodox Church of Ethiopia as a Social Institution 237

corrupt, was given noticably bad marks by our respondents in a ranking of professions, with
which we inquired into the social reputation of various professions. A sacred institution of
justice still today intervenes correctively in the traditional execution of justice: in the case
of processions with the Tabot, a person who has been wronged can loudly make accusation
in front of the local dignitaries, who are following the Tabot. The carriers of the Tabot are
required tostop in order to pay attention to the accuser. The church also possesses the right
of asylum. Persons subject to puni~hment, who are being pursued can hurry into the church
and ring the handbell. Then the church offers asylum and assumes the function of mediator
with the authorities.
8 The efforts of the new patriarch to achieve a complete structure of authority from top to
bottom in the whole church, which became clear after his election in 1972, would have suc-
ceeded more quickly, had the neutralisation ofthe activity of Liqa Seltanat, who was
independent of the patriarchal jurisdiction, been accomplished or brought under the respon-
sibility of the patriarchate. There was a chance to accomplish this at the Spring synod of
1973, when the vacant episcopal sees were tobe newly occupied and the name of Liqa Sel-
tanat was included among the number of the eight episcopal candidates. However, the court
cleric recognized that displacement to a distant southern province of weak ecclesiastical sub-
stance would have robbed him of all power and declined the candidacy in time.
9 Certainly not due to his church activities, but rather because he ran an imperial secret
service from the Office of Religious Affairs and the military authority had reason to fear his
function as communicator between various parties.
10M. W. Mariam, An Atlas ofEthiopia, p. 16.
11 Cf. ibid, p. 41.
12 Cf. ibid, p. 40.
13 Cf. ibid, p. 88 f.
14 Naturally, this system of Ieasing hinders the development of the productivity of agricultural
work. cf. ibid, p. 87 f.
15 lbid, p. 31 f.
16 Cf., e. g., B. J. Oddy and J. D. Baker, "Some Aspects ofthe Socio-Economic Structure of
Two Towns in the Semen Region of Ethiopia", in JES Vol. XI, No. 1 (AA, Jan. 1973), esp.
p. 162 f.
17 F. X. Kaufmann, Theologie in soziologischer Sicht, Freiburg 1972, p. 131.
18 The Department of Missionary Activities is at the sametime responsible for the publication
of the patriarchaljournal, "Zena beta krstian". The addition of the service regulations
"responsible for the other ecclesiasticaljournals in every diocese" shows, that a !arger frame-
werk is intended, a genuine realization of which is so far lacking. For there are-with the
exception of two publications edited in Asmara-no ecclesiastical journals in other dioceses.
Further, church publications do not get beyond the city Iimits - just as little as other pub-
lications do, with the exception of the police report.
19 Considering the tolerance, which Ethiopian Orthodoxy has displayed in its history, it is in
contemporary Ethiopia a disturbance of the atmosphere that, on the basis of a synodal
resolution, the ministry of the interior took action against the pentacostal movement in
1973. Tobe sure, influences of the American pentacostal movement played their part in the
beginning. However, the Ethiopian pentacostal movement has long since been nationalized,
which can be seen from the fact, that, for the first time in Ethiopia, pentacastals see them-
selves called upon to refuse military service. The wave of persecution was provoked by the
refusal of the pilots of the Ethiopian airforce to perform their duty. It was especially the
students of the higher secondary school who gathered together in pentacostal groups and
carried the movement even to the most distant villages. In a police action, the prayer houses
of the pentacastals were closed. There were closed to six hundred members of the move-
ment injail awaiting trial. Church and state has seen in the movement a danger, that the
Ethiopian national character was being changed. Even though the capacity for enthusiastic
experience is not unnatural for Ethiopian Christianity, as is shown by the fact, that the
asceticism of the Marian fast Ieads to visions and the singing and spiritual dancing of the
Debtera to ecstacy, the clergymen did not recognize the pneumatic aspects, which con-
fronted them in a strange form in the pentacostal movement. In consequence of the revolu-
tionary change to religious neutrality of the state the pentacastals were released.
238 Fred Göricke and Friedrich Heyer

20 The monastic community of Debra Damo is composed of two congregations, of an idior-


rhythmic one and of a coenobitic one. The so-called First Fraternity is composed of men
who are land owners in the neighborhood; the second, contrastingly, is composed of men
who come from some distance away and who, as a rule, are less well-<1ff. Should there be a
person of some means among them, then this person must surrender his property to the com-
munity. While everone of the monks who belongs to the idiorrhythmic type Jives in his
own stone house, the upper room of which is arranged for hisindividual prayer, the
coenobitic monks ofthe Second Fraternity possess no houses and use a common prayer
room (Salota bet). In the reform period, there came into being not only !arge monasteries
which could house up to six thousand monks in newly invented forms of Settlement, but
also whole monastery families. The monastery farnily in the tradition of the monastedes of
Takla Haimanot developed the leadership office of the Echege. He was the representative of
Takla Hairnanot, who died in 1314. His original function was nothing other than the fulf1l-
ment of the priorate in the leading monastery, Debra Libanos, and in the office of monastery
visitation for the monasteries following in the tradition of Takla Hairnanot.
21 F. Heyer, op. cit., p. 21.
22 P!.acide de Meester, De Monachico statu iuxtam byzantinam disciplinam, in: Fonti di Diritto
orientali, Rom 1943.
23 F. Heyer, Die katholische Kirche von 1648-1870, 1963, p. 10.
24 Gethsemane Gedam received a monthly amount of 750 Eth. Dollars by order of the
emperor from each church. After the imprisonment of the monarch Ba'ata stopped the pay-
ment. The monastery is in a needy situation.
25 F. Heyer, Die Kirche Äthiopiens, p. 5.
26 F. Heyer,.op. cit., p. 257.
27 E. Hammerschmidt, Studies in the Ethiopic Anaphora, Berlin 1961, pp. 26 f., 41.
28 F. Heyer, op. cit., p. 262 f.; Senkessar I, 44.
29 F. Heyer, op. cit., p. 8.
30 Yolande Mara, The church of Ethiopia, The national church in the making, Asmara 1972,
p. 46.
31 The question of the sending of Ethiopian synodal representatives to Coptic synods came
into discussion in a period of transition (Ietter of June 28, 1944). A permanent seat in the
Coptic synod was demanded for an Ethiopian synodal representative residing in Cairo and
the other Ethiopian synodal representatives should at least receive invitations to every meet-
ing. In May, 1946, five Ethiopian monks who had come to receive episcopal ordination,
actually did take part as synodal representatives in the Coptic electoral synod which elected
Abuna Yussab as the 115th. patriarch of the See of St. Mark. However, the Coptic patriar-
chal electoral regulation of 1957 suddenly restricted the number of Ethiopian synodal
representatives admitted to participation. This gave rise to a new situation of conflict. An
Ethiopian synod which convened in November 24, 1957, saw in the new Coptic electoral
regulation a cutting back of rights already granted to the Ethiopians. From this point of
time on, every Coptic patriarchal election occasioned the same scenario: invitation extended
by Egypt, invitation declined by Ethiopia.
Vgl. Yolande Mara, op. cit., p. 60.
32 Counted as synodal representatives are the diocesan bishop, the director of his office and
the Ieaders of all the awraja Beta kahnat, in addition at least three, at the most five, delegates
of the awraja synods, amongst which at least one must be congregational chairman, one a
representative of the clergy and one a representative of the laity, which are to be elected by
the awraja synod from among its own members. The diocesan synod constitutes a continu-
ing committee of at least five and at the most seven especially qualified members from clergy
and laity, which at the direction of the archbishop can convene at any time, in order to
advise the hierarch and to support him in the execution of his office.
33 Whereby, however, it should not be overlooked that the westernvariant of education can
have a thoroughly emancipatory character and that because of the teaching of the rationality
which is its basis, which rationality is to a large extent underdeveloped in African society. Cf.
e. g.: S. B. Caulker in: Educational Services Inc.; A Report of an African Education Program;
Watertown/Mass. 1965; p. 82: "But in our own thinking first of all, one of the most dif-
ficult problems of the African people ... is to even understand that there is any relationship
The Orthodox Church of Ethiopill as a Socilll Institution 239

physically between cause and effect. This is a primary problem: whether typhoid is caused
by drinking dirty water or whether it is caused by someone who has bewitched you ... It is
important, to let these people realize, that there is a direct relationship between the kind of
water you drink and the kind of health you have ...". Still, the possibility of emancipation
from traditional restrictive systems of knowledge and the thereby possible development of
identity and individuality was, from the very beginning, combined with subjection to the
laws inherent in the system introduced and to the rules established by the practitioners of
this system; and thus, this possibillty ot" emancipation was at least partly neutralized.
34 This function was during the colonial period of decisive importance: cf. e. g. J. S. Coleman
(ed.); Education and Political Development; Princeton/N. J. 1968; p. 3 f. or the typical bio-
graphies of African politicians in: G. Hauck; Die politischen Führungsschichten in den neuen
Staaten Schwarz-Afrika'S; Diss. Heidelberg 1965.
35 Especially the more advanced Ievels of the African school system have a much more far-
reaching function of allocation than the comparable European institutions; on the one hand,
this is due to the considerably smaller peak of the student pyramid, and on the other hand,
to the absence of competing·educational institutions (e. g., political parties, unions, etc.).
36 These constituitive parts are: The development of a society of the division of labor and
function, in which the traditional agencies are no Ionger in a position to exercise the pri-
mary socialisation, " ... to enable their members to behave in a way appropriate to the
roles of adulthood ... ", as well as a general tendency toward bureaucratisation of sociallife.
37 Y. Mara, op. cit., p. 58.
38 F. Heyer, op. cit., p. 340.
39 F. Heyer, op. cit., p. 24.

Zusammenfassung

In einer im Umdruckverfahren hergestellten Broschüre von 138 Seiten liegt in deut-


scher Sprache ein ausführlicherer Bericht über die kirchensoziologische Erforschung
der 10 Millionen Gläubige umfassenden orthodoxen Kirche Äthiopiens vor, die das
Konfessionskundliehe Seminar Heidelberg im Herbst 1973 durchführte und eine
Momentaufnahme unmittelbar vor der im Februar 1974 anhebenden revolutionären
Veränderung des Landes darstellt. In dieser Broschüre ist zusätzlich das religions-
soziologische Instrumentarium geklärt, mit dem Kirche im interkulturellen Vergleich
als soziale Institution erfaßt werden kann. Ehe Ergebnisse vorgelegt werden, wird
über die angewandten Erhebungsmethoden, die Qualität des Untersuchungsergebnis-
ses, über die Auswahl der Sampies und deren Charakteristika Rechenschaft abgelegt.
Diese Broschüre kann vom Konfessionskundlichen Seminar Heidelberg, Plöck 66,
bezogen werden.
Sieben Komponenten der Institution Kirche suchte unsere Feldforschung zu klä-
ren:
1. Die sozialpolitische Rolle der Kirche bestand bisher in der Validierung des amha-
rischen Herrschaftsanspruchs über den Gesamtstaat. Eine Abgrenzung eines "rein
kirchlichen" Bereichs war in der äthiopischen Geschichte nie vollzogen, doch die
Maßnahmen Haile Selassies verursachten bereits einen Funktionsverlust ~er Kir-
che im edukativen und richterlichen Bereich. Dadurch, daß der Kaiser einerseits
über den Patriarchen, den er zu Staatsakten in Anspruch hahm, und über die Pa-
240 Fred Göricke and Friedrich Heyer

triarchatsadministration, der gegenüber er sich für weisungsbefugt hielt, die Kir-


chenpolitik bestimmte, andererseits die Hofgeistlichkeit exemt hielt, war eine
strukturelle Zwiegespaltenheit in die Kirche eingetragen.
2. Der sozio-ökonomische Rahmen, innerhalb dessen sich die äthiopische Kirche
institutionalisierte, ist in den orthodoxen Altprovinzen von kleinbäuerlicher Sub-
sistenzwirtschaft, in den seit 1880 eroberten und von der Feudalschicht zu Lati-
fundienbesitz benutzten Südprovinzen von entwicklungshemmendem Pachtbau-
ernsystem gekennzeichnet. In den Altporvinzen lebt der Klerus (rund 200.000)
von selbst bearbeitetem Kirchenland von ähnlicher Größe des Areals, wie sie der
benachbarte Bauer besitzt. Die neuen kirchlichen Institutionen der Hauptstadt
basieren auf der Bodenrente von Latifundienstiftungen der Feudalherren an die
Kirche. Das führt zu einer zwar punktuellen, aber doch fatalen Interessengemein-
schaft der Kirche mit der Aristokratie. Die Verordnung vom Oktober 1972 über
die Einrichtung von parish councils signalisiert die Absicht der Heranziehung der
Gläubigen zu einer Kirchensteuer und des Übergangs der Kirche zur Geldwirt-
schaft.
3. Die Hierarchie wurde erst 19 51 /9 im Zuge der Verselbständigung der äthiopi-
schen Kirche als autokephales Patriarchat ausgebaut. In den 1 1/2 Jahrtausenden
unter der Jurisdiktion des ägyptisch-koptischen Patriarchen, welcher der äthiopi-
schen Kirche einen seiner Mönche als Metropoliten schickte, zeichnete sich kei-
nerlei Revolte gegen diese Art "Fremdherrschaft" ab, bis 1926 der nationalistisch
motivierte Protest begann. Von der Bevölkerung wird die Erreichung der natio-
nalen Autokephalie fast ausschließlich positiv bewertet. Selbst der damit verbun-
dene Verlust traditioneller lokaler Autonomie wird in Kauf genommen. Eine
starke Minorität erwartet von der Abkehr vom traditionellen Kompetenzsystem
eine größere Verwaltungseffizienz. Daß die neue Hierarchie die Visitation der
Ortsgemeinden nicht als Aufgabe ergriffen hat, zeigt eine Fortwirkung der Praxis
des ägyptischen Abun und fehlendes funktionales Verständnis des Amtes bei den
Amtsträgern.
4. Die Patriarchatsadministration, von der italienischen Besatzungsmacht eingerich-
tet, um die Kirche besser in den Griff zu bekommen, von Haile Selassie bei der
Rückkehr 1941 beibehalten und im Nov. 1943 auf einer Verordnung rechtlich
basiert, hat sich 1973 nach Zeiten des Kompetenzenwirrwarrs einen Organisa-
tionsplan gegeben, der gängige Muster reflektiert. Die Dienstanweisung der Mam-
ria (Referate) verraten eine Abgrenzungsstrategie der Kirche, wenn z. B. das Re-
ferat "Missionary Activities in Public Relations" schriftliche Apologetik zu lie-
fern hat, wo Kritik am Glauben laut wird, die gleiche Aufgabe noch einmal dem
Referat "Für Geschichte und Literatur" zugewiesen ist, das zum Zweck der Aus-
einandersetzung mit der intellektuellen Elite, die dem äthiopischen Geschichts-
mythos absagt, gegründet ist, und schließlich das Auslandsamt die fremden De-
nominationen zu kontrollieren hat.
5. Die Synode zu organisieren, lag in der Zeit ägyptischer Jurisdiktion außer Be-
tracht, da der Abun der einzige Hierarch im Lande war. Doch wurden Versamm-
The Orthodox Church of Ethiopia as a Social Institution 241

Iungen (Guba'e), seit dem 15. Jh. nachweisbar, ursprünglich vom Abun, später
vom König einberufen, wenn kanonische oder dogmatische Streitfragen zu
schlichten waren. Ohne Beschreibung rechtlicher Verbindlichkeit der Beschlüsse
bestehen diese Guba'e weiter, doch sucht das Gesetz über die Einrichtung von
parish councils vom Okt. 1972 solchen Guba'e auf den vier Verwaltungsebenen
Ortskirche - Awraja beta kahnat (subprovienzielle Kirchenbehörde) - Ordina-
riat - Patriarchat solchen Versammlungen einen rechtlich beschriebenen Platz zu
geben. Freilich sind die Bestimmungen der Verordnung nur selten realisiert.
6. Die monastische Institution, anfangs des 6. Jh. durch syrisch-monophysitische
Mönche eingetragen, erhielt, da das syrische Mönchtum keine Regeln hervorge-
bracht hatte, erst durch die äthiopischen Mönchsreformen des 13./14. Jh. Re-
geln, die dann auch das Verhältnis von abbatialer Autorität und bruderschaft-
licher Vollversammlung bestimmten. Die Rekrutierung von Mönchen selbst aus
Familien, in denen traditionell ein Mitglied dem Mönchsstand anzugehören
hatte, ist rückläufig.
7. Im sozialen Raum der Ortskirche fällt auf, daß die Familie nicht als Zelle christ-
licher Gemeinsamkeit konzipiert ist. Das freie Vereinswesen (Sanbat-Genossen-
schaft und Mahabar) schrumpft, da für Nichtbauern die ökonomische Basis für
die traditionelle Mahlstiftung, zu der jedes Mitglied verpflichtet ist, nicht aus~
reicht, und Schüler sich in von der Schule angeregten Vereinen organisieren, wei-
tet aber mitunter seine Funktionen über die traditionelle Bettlerspeisung hinaus
aus.
Anschriften der Herausgeber

Prof. Dr. Günter Dux


D-78 Freiburg/Brsg., Institut für Soziologie, Günterstalstr. 67
Prof. Thomas Luckmann, Ph. D.
D- 77 5 Konstanz, Universität, Fachbereich Soziologie

In Zusammenarbeit mit:

Prof. Dr. Peter L. Derger


Rutges University, New York
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Fakultät für Soziologie
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D-78 Freiburg, Institut flir Soziologie, Günterstalstr. 67

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Department of Anthropology, University of Michigan,
Michigan, USA

Prof. Paul Ransohoff, Ph. D.


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1025 East 58th Street
Chicago - lllinois 6063 7

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Psychologisches Institut der Universität Bonn
D- 53 Bonn, An der Schloßkirche

Dr. Falk Wagner


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Dr. Fred Göricke


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Prof. Dr. Friedrich Heyer


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Internationales Jahrbuch für Wissens- und Religionssoziologie
International Yearbook for Sociology of Knowledge and Religion

Herausgegeben von Günter Dux in Zusammenarbeit mit Peter L. Berger, Norman


Birnbaum, Mary Douglas, Hans-Peter Dreitzel, Friedrich Fürstenberg, Dietrich
Goldschmidt, Norbert Greinacher, Rene König, Vojin Milic, Jean Seguy und P. H.
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Band 9 Beiträge zur Wissenssoziologie


Contributions to the Sociology of Knowledge
Beiträge zur Religionssoziologie
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I;>ie Jahrbücher für Wissens- und Religionssoziologie sollen in erster Linie dazu beitragen, der
internationalen Diskussion auf diesem Gebiet wieder zu jenem Bezug zur allgemeinen soziologi-
schen Theorie zu verhelfen, dessen Fehlen in jüngster Zeit immer wieder beklagt worden ist. Sie
bringen Originalbeiträge in deutscher und englischer Sprache, denen jeweils eine Zusammen-
fassung in der anderen Sprache beigegeben ist.

WESTDEUTSCHER VERLAG