Sie sind auf Seite 1von 61

Alpingeschichte kurz und bündig

Lunz am See
Werner Tippelt

MIT UNTERSTÜTZUNG VON BUND UND EUROPÄISCHER UNION


Alpingeschichte kurz und bündig
Lunz am See

Werner Tippelt

Oesterreichischer Alpenverein
Innsbruck, 2013

Die Initiative „Bergsteigerdörfer” ist ein Projekt des Oesterreichischen Alpenvereins


und wird aus Mitteln des österreichischen Bundesministeriums für Land- und Forst-
wirtschaft, Umwelt- und Wasserwirtschaft (Lebensministerium) und des Europäi-
schen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums gefördert.
Inhalt

Vorwort 6
Daten und Fakten 9
Lunz als Bergsteigerdorf 11
Die Lunzer Seen und das Seetal 15
Geologie und Höhlenkunde 19
Pflanzen- und Tierwelt 27
Geschichtlicher Überblick 35
Holz, Eisen und Kohle 41
Tourismus im Tal 51
Alpintourismus 67
Wintertourismus 91
Perspektiven als Bergsteigerdorf 103

Literatur 105
Adressen 109
Bergsteigerdörfer – Bestelladresse und weiterführende Literatur 111
Bildnachweis 118
Impressum 118


6 7

Vorwort
Fundament für die Umsetzung der Projektes. Das Ergebnis trägt zur ver-
Der Oesterreichische Alpenverein ist Verlust öffentlicher Dienstleistungen Alpenkonvention und auch für dieses tieften Einsicht in die alpinistische Ent-
traditionell dem ländlichen Raum und Grunddaseinsfunktionen betrof- Projekt mit ausgewählten österreichi- wicklung der Gemeinden bei Besuche-
des Berggebietes verbunden, wo der fen. Ohne Zweifel gehören diesen schen Alpendörfern. Die Deklaration rInnen und Gästen bei und bietet auch
Schwerpunkt seiner alpinen Infra- Regionen auch die Sympathien und weist in zwei Artikeln ausdrücklich der einheimischen Bevölkerung besse-
strukturen liegt, die Arbeitsgebiete der die Wertschätzung zahlreicher Freun- auf die in der Grundkonzeption des re Einblicke in die Alpinhistorie. Beides
Sektionen zu betreuen sind und sich dInnen. Das macht stolz, trägt aber Bergsteigerdorfprojektes verankerten soll den Stellenwert des Alpinismus in
die alpine Heimat für Tausende von wenig zur Sicherung der wirtschaftli- Ziele hin: der Gemeinde erhöhen und festigen.
BergsteigerInnen, BergwanderInnen chen Existenz bei. Es gilt also, die of- - Anerkennung der Bedeutung der Denn Alpinismus und naturnaher Al-
und FreundInnen der Alpen auftut. fensichtliche Wertschätzung in mehr alpinen ländlichen Räume als viel- pintourismus – wie ihn die Alpenkon-
Der OeAV hat sich auch verpflichtet, Wertschöpfung münden zu lassen. fältige, heterogene, eigenständige vention als Teil der Nachhaltigkeits-
das von den acht Alpenstaaten und Die Alpenkonvention spricht sich in Wirtschafts-, Natur- und Kultur- strategie für den Alpenraum versteht
der Europäischen Gemeinschaft ge- mehreren Durchführungsprotokol- standorte und Förderung integrier- – brauchen eine geistige Verankerung.
meinsam entwickelte und getragene len für die Stärkung des ländlichen ter Strategien, die an ihre jeweiligen Zugleich geht es darum, dem Alpinis-
Vertragswerk der Alpenkonvention zu Raumes aus. Etwa im Tourismuspro- Potenziale angepasst sind; mus und damit der Möglichkeit zu
fördern und umzusetzen. Die Alpen- tokoll, wo sich die Vertragsparteien - Erforschung, Erhaltung und Ent- Individualität, Spontanität und per-
konvention ist d a s Instrument zur verpflichten, die Wettbewerbsfähig- wicklung des vorhandenen materi- sönlicher Entfaltung genügend Raum
nachhaltigen Entwicklung des Alpen- keit des naturnahen Alpentourismus ellen und immateriellen Kulturerbes zu geben, nachdem die verschiedenen
raumes. Daraus leiten sich gemein- zu stärken. sowie der überlieferten Kenntnisse. Interessen und Widmungen am Ge-
same Interessen ab, die sich im OeAV- Das Projekt „Bergsteigerdörfer“ des Für den OeAV sind der Alpinismus so- birgsraum stetig steigen.
Projekt zur Stärkung österreichischer OeAV weist nicht nur eine Nähe zu den wie die Tätigkeit der alpinen Vereine Der Oesterreichische Alpenverein be-
Bergsteigerdörfer im Rahmen des Durchführungsprotokollen „Touris- von der Pionierzeit bis herauf zu den dankt sich beim Autor dieses Bandes
Programms „Ländliche Entwicklung mus“ und „Raumplanung und nach- von der einheimischen Bevölkerung zur Alpingeschichte von Lunz am See
2007−2013” des österreichischen Le- haltige Entwicklung“ auf, sondern mitgetragenen Ausprägungen ein sowie bei allen, die mit ihrem Wissen
bensministeriums treffen. insbesondere zur Deklaration „Bevöl- ganz wesentlicher Bestandteil des und/oder ihrer Mitarbeit einen Beitrag
Der naturnahe Alpintourismus ist kerung und Kultur“. Diese Deklaration dörflichen und regionalen Kulturerbes dazu geleistet haben.
ein wichtiges Standbein für die wurde 2006 auf der IX. Alpenkonfe- und der Identität der Menschen.
wirtschaftliche Existenz vieler Berg- renz der Umweltminister in Alpbach/ Neben der Darstellung des alpintou-
regionen, vor allem in entwick- Tirol beschlossen und ist eine Klam- ristischen Angebots ist deshalb die Peter Haßlacher
lungsschwachen und entlegeneren mer der Konvention zu den in den Aufarbeitung der Alpingeschichte die- Leiter der Fachabteilung
Alpentälern. Meist sind diese Gebiete Alpen lebenden und wirtschaftenden ser Orte in kurzer und bündiger Form Raumplanung/Naturschutz
von Bevölkerungsschwund sowie dem Menschen. Sie ist ein tragfähiges ein Meilenstein im Gesamtmosaik des des Oesterreichischen Alpenvereins
9
Eich- und Vermessungswesen in Wien, T2013/103032)
Kartenausschnitt ÖK, Originalmaßstab 1:200.000 (© BEV 2013 Vervielfältigung mit Genehmigung des BEV − Bundesamt für

Daten und Fakten

Die Gemeinde Lunz am See liegt auf gipfel (1.878 m), der tiefste befindet
einer Seehöhe von 605 m und hat sich im Ybbstal bei der Einmündung
eine Fläche von 101 km². des Stiegengrabens (558 m), wo-
Der höchste Punkt des Lunzer Ge- raus eine Reliefenergie von 1.320
meindegebiets ist der Dürrenstein- Höhenmetern resultiert.

Jahr 1971 1981 1991 2001 2012

EinwohnerInnen 2.301 2.218 2.154 2.045 1.838

Lunz am See 1914


10 11

Lunz als Bergsteigerdorf


Jahr 1990 2000 2012

Touristische Betten ca. 700 ca. 600 387* Wiener TouristInnen haben schon gerdorf zu entwickeln. Außerdem
im 19. Jahrhundert die landschaft- trugen Lunzer Geologen dazu bei,
* zusätzlich gibt es 280 Plätze am Campingplatz
lichen Schönheiten des oberen sogar im Ausland das Interesse für
Ybbstales und die glasklaren Fluten die Lunzer Bergwelt zu wecken,
Jahr 1990 2000 2010 des Lunzer Sees schätzen gelernt, und die wissenschaftlichen Arbei-
zumal die Region ab 1898 auch mit ten der Biologischen Station er-
Nächtigungen gesamt 66.681 42.780 33.973 der Eisenbahn zu erreichen war. reichten auf internationaler Ebene
Bergtouren auf den Dürrenstein einen ähnlichen Bekanntheitsgrad.
Sommer 52.367 31.982 23.269 und zum nahe gelegenen Ötscher Viele prominente Wissenschaftle-
startete man am besten von Lunz rInnen und KünstlerInnen wählten
Winter 14.314 10.798 10.704 aus – Gegebenheiten, um Lunz daher bereits um 1900 Lunz als Ur-
schon sehr früh zu einem Bergstei- laubsziel, was zum raschen Ausbau
Der Markt Lunz am See liegt im
oberen Ybbstal, das im Süden und
Osten von den höchsten Bergen
der Ybbstaler Alpen begrenzt wird.
Die beiden höchsten Berge Ötscher
(1.893 m) und Dürrenstein (1.878 m)
liegen zur Gänze auf niederösterrei-
chischem Gebiet, während über das
Hochkar (1.808 m) die niederöster-
reichisch-steirische Grenze verläuft.
Da Lunz nur im Bereich des Seetales
und des Lechnergrabens Anteil am
Dürrensteinmassiv hat, werden in
die Darstellung der Alpingeschichte
der Region auch die beiden Nach-
bargemeinden Gaming (mit dem
Ötscher) und Göstling (mit dem
Lunzer See mit Scheiblingstein Hochkar) einbezogen. Lunzer See mit Scheiblingstein 1914
12 13

einer touristischen Infrastruktur Wasserkraft. So aber kam es sehr durch verschiedene Bautätigkei- mit der Seenkette des Seetales
führte, die auch gehobenen An- früh zum endgültigen Niedergang ten verändert. Großteils unverän- und der eindrucksvollen Felsland-
sprüchen genügen konnte. der Kleineisenindustrie, 1961 zur dert geblieben ist jedoch die wun- schaft des „Naturschutzgebietes
Trotz der frühen Hinwendung zum Einstellung des Kohlenbergbaus derschöne Landschaft rings um Lechnergraben“. Weiters lädt die
Fremdenverkehr hätte sich die und 1968 zur Schließung der Pap- den Ort. Im Norden ein noch in- Verwaltung des „Wildnisgebietes
Wirtschaft in Lunz auch in ganz penfabrik in Kasten. Kurz nach dem taktes Bergbauerngebiet mit dem Dürrenstein“ Naturliebhaber dazu
andere Richtungen entwickeln Ersten Weltkrieg wurde das Kraft- „Naturschutzgebiet Kothbergtal“, ein, im Rahmen von geführten
können, etwa zu einem verstärk- werksprojekt Lunzer Seen verhin- in unmittelbarer Ortsnähe der zum Exkursionen den größten Urwald
ten Ausbau der Eisenindustrie, des dert. Naturschutzgebiet erklärte Lunzer Mitteleuropas oder andere Phäno-
Kohlenbergbaus, der Holzindustrie Das Ortsbild von Lunz hat sich See und im Süden das hochalpi- mene der Tier- und Pflanzenwelt
oder der Energiegewinnung aus während der letzten Jahrzehnte ne Bergmassiv des Dürrensteins kennenzulernen.

Lunz 1910
14 15

Die Lunzer Seen und das Seetal

Tief eingeschnitten in die Nordseite nen Sumpfgebietes „Rotmoos“, die


des Dürrensteinmassives liegt das teilweise als sogenannte „Ponore“
landschaftlich wunderschöne See- unterirdisch durch kleine Höhlen
tal (einst auch „Hirschtal“ genannt) fließen. Beim „Brüllenden Stier“
mit seinen drei Bergseen – Lunzer kann man sogar das Brausen eines
See, Mittersee und Obersee. Durch unterirdischen Wasserfalles hören.
tektonische Kräfte und die Schürf- Der Obersee entstand nach der Eis-
wirkung eiszeitlicher Gletscher ent- zeit in einem großen Durchgangs-
stand hier ein sehr abwechslungs- kar, in dem sich einst die Gletscher
reiches Landschaftsbild, in dem die von Lueg, Lärchengraben und
eigenartig verworfenen Felsbänke Ritzeltal vereinigten. Seine Größe
der „Hackermäuer“ besonders ins beträgt derzeit ungefähr acht Hek-
Auge fallen. Aber auch die gegen- tar und seine größte Wassertiefe
überliegenden „Seemäuer“ weisen 15 Meter. Im vorderen Teil des Sees
beachtliche Wandbildungen auf. ragt eine Felsinsel empor, die mit
Entlang des Seebaches können mehreren Fichten bewachsen ist.
mehrere hydro-
graphische Phä-
nomene beob-
achtet werden,
Lunz von oben mit Blick Richtung Ötscher wie etwa der fast
50 Meter hohe
Ludwigsfall un-
terhalb des Ober-
sees. Sehr inter-
essant sind auch
die Karstgerinne
in der Umgebung
des Obersees und
des nahgelege- Bootsvermietung am Westufer des Lunzer Sees
16 17

An den Uferrändern die Ausschürfung weicher Gestei-


und rund um die In- ne der „Lunzer Schichten“ entstand,
sel bildet sich ständig wobei am unteren Seeende Oppo-
neuer, auf dem Was- nitzer Kalke einen Felsriegel aus
ser schwimmender widerstandsfähigeren Gesteinen
Schwingrasen, so- bildeten. Derzeit ist der See 1,6 Ki-
dass die Verlandung lometer lang, bis zu 0,6 Kilometer
dieses Sees nur eine breit und 34 Meter tief. Der See
Frage der Zeit ist. war durch mehrere Jahrhunderte
Der kleine Mittersee im Besitz der Gaminger Kartäuser,
liegt eingebettet in die aus diesem Gewässer ihren Be-
einem schmalen Tal- darf an Fischen deckten. 1826 ging
boden inmitten der der Besitz an Graf Festetitcs über,
steil aufragenden der jedoch den See und das Seetal
Mittersee, 1912 Felsabstürze von Hö- 1833 für 50 Jahre an den Hammer-
herstein und Hacker- herrn Andreas Töpper verpachtete.
mäuern. Seine Ent- Heute befinden sich das Seetal und
stehung verdankt er ein Teil des Dürrensteingebietes im
einem riesigen Berg- Besitz der Familie Kupelwieser, die
sturz von der östli- das Schloss Seehof bewohnt. Die-
chen Talflanke. Der ses liegt östlich des Sees und war
Mittersee wird haupt- einst ein Maierhof der Kartause Ga-
sächlich durch Was- ming. Als 1882 von Graf Festetitcs
ser aus Quelltrichtern die Bootsfahrt auf dem See und die Ludwigsfall
am Grunde des Sees Begehung des Seetals freigegeben
gespeist. Der Lunzer wurden, entwickelte sich bald ein erklärt. Nach dem Ersten Weltkrieg
See ist ein subalpiner reger Fremdenverkehr. Nach einem konnte der Bau eines Wasserkraft-
Wannensee, dessen längeren Rechtsstreit wurde der See werkes verhindert werden, für das
Wanne während der 1906 der Gemeinde Lunz zugespro- die Errichtung einer sieben Meter
Obersee letzten Eiszeit durch chen und 1927 zum Naturdenkmal hohen Staumauer vorgesehen war.
18 19

Geologie und Höhlenkunde

Lunz liegt inmitten der Niederös- ckentheorie wurde eindrucksvoll


terreichischen Kalkalpen. Abgese- durch die Erdölbohrungen von Ga-
hen von wenigen Ausnahmen − ming und Mitterbach bewiesen.
wie geringen Gosauablagerungen, In der Umgebung von Lunz tritt das
Lunzer Schichten oder eiszeitlichen Erscheinungsbild unterschiedlicher
Ablagerungen − bestehen diese Decken sehr klar zu Tage. Nördlich
Gebirge durchwegs aus Gestei- des Ybbstales sieht man die lang-
nen, die im Erdmittelalter aus den gezogenen Bergrücken der „Lunzer
Sedimenten organischer Stoffe in Decke“, die kaum die Tausendme-
tropisch warmen Meeren entstan- termarke überragen, und südlich
den sind. Es handelt sich dabei um der Talfurche streben die höchsten
Kalkgesteine mit verschiedenen Ei- Gipfel der „Ötscherdecke“ meist
genschaften. Vor und während der unvermittelt mit steilen Waldhän-
Gebirgsbildung in späteren erd- gen bis zur Baumgrenze empor.
geschichtlichen Epochen wurden Die Gipfel von Ötscher, Dürrenstein
diese Ablagerungen zu Schichtpa- und Hochkar erreichen Höhen von
keten zusammengepresst und in über 1.800 m.
Form von „Decken“ übereinander Innerhalb der „Ötscherdecke“ lagern
geschoben, wobei die älteren Ge- über Ramsaudolomit ein schma-
steine einer höher gelegenen De- les Band von Raibler Schichten, ein
cke über den jüngeren Gesteinen mächtiges Paket von Dachstein-
der darunterliegenden Decke zu dolomit und die auffallend dick-
liegen kamen. Bei dieser Gebirgs- bankigen Schichtpakete des Dach-
bildung wurden nicht nur die je- steinkalkes. Letztere verleihen den
weiligen Kalkdecken, sondern auch Gipfelregionen der höchsten Berge
die weiter im Norden gelegenen ihr typisches Aussehen, wie dies
Ablagerungen der Flysch- und Mo- etwa an den stark gebänderten
lassezone und die wesentlich ältere Felswänden dieser Berge beson-
Böhmische Masse von Süden nach ders deutlich zu erkennen ist.
Aufstieg zum Eisdom des Geldlochs um 1910 Norden überschoben. Diese De- Die „Lunzer Decke“ besteht aus
20 21

Gutensteiner Kalk, Reiflinger Kalk, decke die Lunzer Decke aufgerollt, Lunzer Schichten
Lunzer Schichten, Opponitzer Kalk sodass südlich des Lunzer Sees
und Hauptdolomit. Hinsichtlich der und des Ybbstales die Schichten Als Besonderheit sind die kalkar- Fossilien von Farnen, Riesenschach-
Tektonik sei auf das Phänomen der der Lunzer Decke verkehrt liegen. men „Lunzer Schichten“ hervorzu- telhalmen und palmähnlichen
„Lunzer Musterfalte“ hingewiesen, Daher finden sich dort über Lunzer heben, denn sie bestehen haupt- Pflanzen, aber auch von Fischen,
bei der es sich um auffallend regel- Schichten Reiflinger Kalk und zu- sächlich aus Lunzer Sandstein, Krebsen, Muscheln, Ammoniten
mäßig gelagerte Gesteinsschichten oberst Gutensteiner Kalk, während Aonschichten, Reingrabner Schie- etc. erlangten die Lunzer Geologen
handelt, die östlich von Lunz be- nördlich der Ybbs über den Lunzer fern, Kalkmergel und dazwischen Josef Haberfellner und Prof. Anton
ginnend bis hinunter nach Göstling Schichten Opponitzer Kalk und eingelagerten Steinkohleflözen. Ruttner auf internationaler Ebene
reichen. Dabei wurde durch den Hauptdolomit in üblicher Reihen- An der Erdoberfläche kann man sie hohe Anerkennung. Auch heute
Druck der vorrückenden Ötscher- folge lagern. an sanfteren Geländeformen und werden von Paläontologen Teile
üppigerer Vegetation erkennen, dieser Funde noch als mesophy-
welche auf eine größere Wasser- tische „Lunzer Flora“ bezeichnet.
undurchlässigkeit der Gesteins- Haberfellner spielte eine wichtige
schichten zurückzuführen ist. Ihre Rolle bei den Lagerstättenfunden
Entstehung verdanken die Koh- für Kohlebergwerke, und Ruttner
leflöze einer ziemlich trockenen wirkte unter anderem an der Erar-
Periode der mittleren Trias, in der beitung von Geologiekarten mit.
Tiere und Pflanzen der damaligen Im Tertiär und Quartär entstanden
Zeit samt Einschwemmungen von schließlich durch die Einwirkungen
Quarzsand und Ton im Schlamm von Eis und Wasser die derzeitigen
von Brackwasserseen und Sümpfen Geländeformen. Die rasche Verwit-
unter Luftabschluss gelangten und terung der Kalkgesteine führte zu
dadurch teilweise verkohlten. Die einer extremen Verformung des
Abdrücke dieser organischen Ein- Reliefs, zu einer Landschaft mit
schlüsse erlaubten als sogenannte teils senkrechten Felswänden, bi-
Fossilien bereits vor 1900 durch zarren Felstürmen, Schuttfeldern,
Vergleiche eine erste Altersbestim- Schluchten, Klammen etc., wie sie
mung von Gesteinen. Durch die vor allem in Kalkgebirgen vorzu-
Blick vom Hetzkogel ins Ybbstal mit den Bergen der „Lunzer Musterfalte“ Funde zahlreicher verschiedener finden ist. Obwohl während der
22 23

steht. Dies führt einerseits Ötscherhöhlensystem


zur Auflösung des Kalks und
andererseits nach länge- Die Höhlenkunde (= Speläologie) von Major F. Mühlhofer im Schacht-
rem Einwirken zur Bildung spielt in den Kalkgebirgen eine system des rechten Ganges mit
festen Kalks. Von dieser besondere Rolle. So erregen die Drahtseilleitern eine Tiefe von fast
Korrosion sind allerdings beiden Ötscherhöhlen „Geldloch“ 400 Metern erreichen, was damals
Dolomitgesteine wesentlich und „Taubenloch“ bereits seit dem Weltrekord bedeutete. Am 10. April
weniger betroffen als etwa Mittelalter das Interesse der Bevöl- 1994 gelang es schließlich einem
der Dachsteinkalk. In der kerung. 1592 wollte Kaiser Rudolf II. siebenköpfigen Team (M. Behm, M.
Natur zeigen sich diese Un- durch eine Expedition die Gerüchte Egger, R. Greilinger, E. Herrmann,
Das so genannte „Schneeloch“ ist eine Schacht- terschiede, indem etwa im aufgeklärt wissen, denen zufolge S. Heymann, L. Plan und P. Straka),
doline am Dürrenstein. Dachsteinkalk der höheren schon mehrmals Schätze von „Wä- ausgehend vom Taubenloch eine
Lagen verschiedene Kars- lischen“ aus dem Berg getragen Verbindung zum tagfernsten Teil
letzten Eiszeit die Ybbstaler Alpen terscheinungen wie Karren, Klüfte, worden seien. Diese Expedition des „Geldloches“ zu finden, womit
keine geschlossene Eisdecke auf- Dolinen, Karstgassen, Höhlen etc. wurde vom Freiherrn Richard von die beiden Großhöhlen zum über
wiesen, drangen von den höchsten zu beobachten sind, während man Strein geleitet. An ihr beteiligte sich 27 Kilometer langen und 660 Meter
Bergstöcken gewaltige Gletscher- diese bei den Dolomitgesteinen sogar Bartholomäus P. Maringius, tiefen Ötscherhöhlensystem zusam-
ströme in die Bergtäler vor und der tieferen Lagen vergeblich su- der Prior der Kartause Gaming. Alle mengeschlossen wurden.
formten etwa auf dem Dürrenstein chen wird. Teilnehmer zeigten Mut, denn sie Der Forscher Dr. Max Herbert Fink
das Seetal und den Lechnergraben. Die neuerliche Ausscheidung überwanden nicht nur den teilweise behandelte in seinem Buch „Der
Sogar im Ortsgebiet von Lunz sind von festem Kalk aus kalkhaltigem aufgetauten Eissee im Eingangsbe- Dürrenstein“ um 1970 die Karstland-
solche Relikte in Form mehrerer Hü- Wasser führt z.B. zur Ausschmü- reich und die daran anschließende schaft des Dürrensteins mit dessen
gel zu erkennen, bei denen es sich ckung von Höhlen mit Kalksinter, Eiswand, sondern drangen hin- oberirdischen und unterirdischen
um Erdmoränen eines würmeiszeit- Galmei oder Tropfsteinen. Die in ter dem Eisdom beim Schein von Karstformen und erwähnte dabei
lichen Gletschers handelt. den Vorderen Tormäuern gelege- Kerzen und Kienspänen im linken 120 Höhlen. Inzwischen hat sich de-
Die rasche Verwitterung der Kalk- ne Ötscher-Tropfsteinhöhle und Hauptgang bis zur Gasnerwand und ren Zahl auf 387 erhöht. Im Gebiet
gesteine ist auf die starke Korrosion der Hochkarschacht weisen Tropf- im rechten Gang bis zur Schatzkam- des Stainzenkogels liegen z.B. die
des Kalks zurückzuführen, die beim steinschmuck auf und können als mer vor. 5,5 Kilometer lange und fast 500
Zusammenwirken von Wasser mit Schauhöhlen unter fachkundiger 1923 konnte eine Gruppe des Infan- Meter tiefe Lechnerweidhöhle und
dem Kohlendioxid der Luft ent- Führung besichtigt werden. terieregimentes Nr. 1 unter Leitung die schwierig befahrbare, einen Ki-
24 25

lometer lange Hirschtränkhöhle. Auf 103 Metern. Schwierig war auch die Hubert Trimmel, Wolfgang Fahren-
dem Scheiblingstein sind vor allem Befahrung der im Seetal gelegenen berger, Jeremias Eisenbauer und
die einen Kilometer lange Dachalu- Wasserhöhlen „Lochbachquelle“ Gerhard Knobloch zu erwähnen. In
cke und die im Frühsommer meist und „Trübenbachquelle“, in denen den letzten Jahren gelangen vor al-
stark vereiste Stellnerweglhöhle längere Tauchstrecken überwunden lem Fahrenberger und den Brüdern
(„Hackermauer Eishöhle“) zu erwäh- werden mussten. Reinhard und Walter Fischer zahlrei-
nen. Eine Reihe von Schachthöhlen Die Höhlen der Ybbstaler Alpen che Neuentdeckungen. Besonders
erreichen Tiefen von über 100 Me- liegen im Arbeitsgebiet des Lan- bemerkenswert sind der 305 Meter
tern, wie etwa der Arenaschacht am desvereines für Höhlenkunde in tiefe „Lichtkegelschacht“ westlich
Südhang des Dürrensteins mit 251 Wien und Niederösterreich. Von den des Dürrensteingipfels, in welchem
Metern, der Echoschacht mit 154 Höhlenforschern sind u.a. das Ehe- der tiefste Direktabstieg Niederös-
Metern oder der Schermofen mit paar Helga und Wilhelm Hartmann, terreichs mit 162 Metern gemessen
wurde, und die „Gamsbleamlhöhle“
im Bereich des Büllenbaches, in der
ein 170 Quadratmeter großer See
mit über zehn Metern Wassertiefe
liegt.
Nordwestlich von Lunz liegen im
Opponitzer Kalk der Lunzer De-
cke ebenfalls einige interessante Forscher in der beeindruckenden
Höhlen, wie etwa Herdengelhöhle, Ötscher-Tropfsteinhöhle
Schwabenreithhöhle, Wilheminen-
höhle und Hirschfallhöhle. In den Jahrtausenden oder eine reichhal-
beiden Ersteren konnten in einem tige Gastropodenfauna erforscht
mehrjährigen Projekt unter Leitung werden konnten. Die Wilheminen-
des Paläontologen Dr. Gernot Ra- höhle erfreute sich schon am Ende
beder interessante Ausgrabungen des 19. Jahrhunderts eines regen
vorgenommen werden, bei denen touristischen Besuches, und 1932
z.B. die Evolution des Höhlenbären wurde auch die Hirschfallhöhle für
Höhlenforscher im Eisdom des Geldlochs um 1900 über einen Zeitraum von vielen kurze Zeit touristisch erschlossen.
26 27

Pflanzen- und Tierwelt

Eine Besonderheit der Flora des me, um nur einige zu nennen.


oberen Ybbstales und des im Süd- Von den Alpenrosen gedeihen auf
osten anschließenden Mariazeller Kalksteinen nur die Wimper-Alpen-
Landes bilden im Mai die leider im- rose („Almrausch“) und die zierliche
mer seltener werdenden Narzissen- Zwergalpenrose. Die Enziane sind
wiesen und im zeitigen Frühjahr ziemlich zahlreich vertreten, denn
das massenhafte Vorkommen von neben dem Clusius-Enzian blühen
Frühlingsknotenblumen. Bereits im Frühjahr gleichzeitig der Kleine
1573 entdeckte Carolus Clusius, Frühlingsenzian, im Spätsommer
der Hofbotaniker von Kaiser Rudolf der Ostalpen-Enzian („Pannoni-
II., bei Lunz erstmals Zwiebeln der scher Enzian“), der Schwalben-
Sternnarzisse. Die Beliebtheit die- wurz-Enzian, der Kreuz- und der
ser Blume veranlasste die Lunzer, Fransen-Enzian, in den Gipfelregio-
von 1955 bis 1962 alljährlich einen nen von Dürrenstein und Hochkar
Narzissenkorso zu veranstalten, an der Schnee- und der Bayern-Enzian
dem Dutzende mit Narzissen ge- und in den Quellfluren und Sümp-
schmückte Wagen teilnahmen. fen der Dolomitgebiete der Sumpf-
Clusius entdeckte auf den Lunzer Enzian.
Bergen auch viele Alpenblumen, Auf den kargen Böden der Dolo-
Narzissenblüte im Kothbergtal wie Clusius-Primel, Clusius-Enzian mitgebiete gedeihen vor allem
(stängelloser Kalk-Glocken-Enzian) Rotföhren, und in schattigen Lagen
oder Clusius-Schafgarbe, die heute dringen die Legföhren („Latschen“)
noch seinen Namen tragen. Einige von der subalpinen Zone sogar bis
davon kommen endemisch nur in in tiefgelegene Täler vor. Beson-
den nordöstlichen Kalkalpen vor. ders im Frühjahr entfaltet sich dort
Zu diesen Endemiten gehören die eine auffallende Blütenpracht von
erwähnte Clusius-Primel, die Ostal- Schneeheide („Sennerer“), Schnee-
pen-Nelke, die Österreich-Glocken- rosen, Aurikeln („Petergstamm“),
blume, der Nordost-Alpen-Mohn Silberwurz, Flaum-Steinröserln
oder die Anemonen-Schmuckblu- („Bergröserl“), Clusius-Enzianen,
28 29

lendsten Blüten. Zwei Orchideen nordöstlichen Kalkalpen vor allem


gedeihen nur in der subalpinen und als „Schneerosen-Tannen-Buchen-
alpinen Zone, nämlich das Kohlrös- Wald“, „Waldmeister-Buchen-Wald“
chen und der Zwergständel. Zuletzt oder als „Alpendost-Fichten-Wald“
sei auch noch auf die Krokuswiesen ausgebildet ist. Durch die gewinn-
im Ötschergebiet und im oberen orientierte Forstwirtschaft wurden
Oistal hingewiesen. diese Wälder allerdings größten-
Als wichtigster forstlich genutzter teils zu reinen Fichtenwäldern um-
Wald der Region ist der „Nordost- gewandelt, in die nur vereinzelt
alpine Fichten-Tannen-Buchen- Buchen, Bergahorne, Ulmen, Mehl-
Wald“ anzuführen, der in den beeren, Ebereschen, Tannen, Lär-

Wimper-Alpenrosen am Dürrenstein

Anemonen-Schmuckblumen etc., Naturschutzgebieten erklärt wur-


von denen einige so wie die Lat- den.
schen eigentlich in höher gelege- An Raritäten sind z.B. Mondviolen,
nen Vegetationsstufen beheimatet Arnika, Hundszunge, Türkenbund,
sind und im Tal sogenannte Pflan- Feuerlilie, von den Farnen die ge-
zenenklaven bilden. Zu solchen setzlich geschützte Hirschzun-
Enklaven zählen etwa die Hinter- ge oder verschiedene Arten von
leiten, das oberste Oistal, das Stein- Knabenkräutern und Orchideen
bachtal, der Lechnergraben und zu erwähnen. Bei den Orchideen
das Kothbergtal, von denen die bilden wohl der Frauenschuh und
beiden Letzteren bereits 1942 zu die Sumpf-Ständelwurz die auffal- Blick von der „Alten Bahn“ zum „Großen Urwald“ im Wildnisgebiet Dürrenstein
30 31

chen und Eiben eingestreut sind. der Kategorie Ia handelt, während zwölf Bären geschätzt wurde. Die
Der Urwald im Rotwaldgebiet, ein die im Steinbachkessel gelegene politisch und wirtschaftlich zustän-
daran anschließendes Windwurf- Hundsau als Ib-Gebiet keinem so digen Personen und Institutionen
gebiet und Teile des Steinbach- strengen Betretungsverbot unter- zeigten jedoch wenig Verständnis
kessels wurden 1998 zum „Wild- liegt. Zur Situation der Wälder kann für dieses Projekt, und so scheint
nisgebiet Dürrenstein“ erklärt. allgemein festgestellt werden, dass diese großartige Möglichkeit einer
Der Urwald darf nur im Zuge von in letzter Zeit durch Windwurf und neuerlichen, ökologisch wertvollen
geführten Exkursionen betreten starken Käferbefall in der Umge- Zusammenführung von Mensch
werden, da es sich nun um ein bung von Lunz schwere Schäden und Bär vorläufig zu scheitern.
streng wissenschaftliches Reservat entstanden sind. Wesentlich weniger Probleme
bereitet ein zweites Projekt einer
Wiederansiedlung. Dabei handelt
Bär und Habichtskauz es sich um den hier einst ebenfalls
autochthonen Habichtskauz, eine
In der Tierwelt bildete sicherlich te, herrschte in der Bevölkerung sehr große Eule, die in Österreich
der Braunbär für einige Jahrzehnte große Aufregung. Als „Ötscherbär“ als ausgestorben galt. Seit 2008
ein Aushängeschild dieser Region. sorgte er längere Zeit für Schlagzei- werden im Wildnisgebiet Dürren-
Dass der Bär bis ins 19. Jahrhundert len, und BärenexpertInnen stellten stein jährlich zehn bis 20 gezüch- Haut des letzten, 1842 erlegten Bären
hier autochthon (= alteingesessen) fest, dass die fast menschenleere tete Jungkäuze nach einer gewis-
war, beweisen zahlreiche Gelände- Region südlich des Dürrensteins sen Eingewöhnungszeit von einer Von der Schutzgebietsverwaltung
bezeichnungen wie „Bärenlacke“, für die Neuansiedlung einer Bären- Voliere in die freie Natur entlassen. Wildnisgebiet Dürrenstein wurde
„Bärenrisssattel“ oder „Bärwiesbo- kolonie bestens geeignet sei. Der Nach bisherigen Meldungen dürfte in ihrem Arbeitsbereich die Existenz
den“. Die ablehnende Haltung der WWF nützte die Gelegenheit, um bereits eine größere Zahl von Exem- von 45 verschiedenen Säugetieren
einheimischen Bevölkerung gegen- durch Zuführung von „Wildfängen“ plaren die ersten Winter überlebt und über 70 Brutvögeln festgestellt.
über den gefürchteten Raubtieren aus Kroatien und Slowenien eine haben. Wer den Habichtskauz und Von den Säugetieren ist natürlich in
führte schließlich dazu, dass 1842 neue Population aufzubauen. Mit weitere Vertreter der Eulen genauer erster Linie der große Bestand an
bei Neuhaus der letzte Bär geschos- dem Aussetzen der Bärinnen „Mira“ kennenlernen möchte, dem sei ein Gämsen, Hirschen und Rehen zu er-
sen wurde. (1989) und „Cilka“ (1992) hatte man Besuch des 2012 im Steinbachtal wähnen, der für die Jagd besondere
Als 1973 ein Bär aus Slowenien in die anfangs Erfolg, sodass um 2000 eingerichteten „Eulenweges“ emp- Bedeutung hat. Kurzzeitig wurden
Heimat seiner Urahnen zurückkehr- der Bestand bereits auf zehn bis fohlen. nach dem Zweiten Weltkrieg auch
32 33

Mufflons und Murmeltiere ausge- tes sind Horste von Wanderfalken zeit im Rothwaldgebiet besonders wissenschaftlicher Forschungen.
setzt, doch reduzierten die Jäger und Steinadlern, wachsende Be- um den Schutz des Alpenbocks und 1905 von Carl Kupelwieser gegrün-
die Mufflons wieder auf wenige Ex- stände von Auerhahn, Birkhuhn, Ha- des Scharlachkäfers. Volkskundlich det, widmete sich die Station in ers-
emplare, und auch die Murmeltier- selhuhn und Schneehuhn und das interessant war einst der Beruf des ter Linie der Limnologie.
kolonien auf dem Dürrenstein sind häufige Vorkommen verschiedener „Ameislers“, der die Eier der Wald- Leider wurde die Forschungsstation
kaum mehr feststellbar. Dagegen Spechtarten aufgrund zahlreicher ameisen sammelte, in den Ameis- der Österreichischen Akademie der
dringen in letzter Zeit immer häufi- Totholzbäume. hütten („Oalhütten“) trocknete und Wissenschaften 2003 aufgelassen.
ger Wildschweine vom Donautal bis In der Insektenwelt wecken vor al- als Vogelfutter nach Wien verkaufte. Heute gibt es mit dem „WasserClus-
in die Lunzer Bergwelt vor, aus der lem die seltenen Schmetterlinge In der Lunzer Bergwelt forschten ter Lunz am See“, einem interuniver-
Steinbockkolonie Wildalpen sind ei- und Käfer das Interesse der Entomo- nicht nur berühmte Entomologen, sitären Zentrum, wieder aktive For-
nige Steinböcke zugewandert. logen (= Insektenforscher). So be- sondern entstand mit der Biologi- schungstätigkeiten zu aquatischen
Besonderheiten des Wildnisgebie- mühen sich die ForscherInnen der- schen Station ein Zentrum natur- Ökosystemen.

Steinbock auf dem Scheiblingstein Die restaurierte Biologische Station des 2005 neu geschaffenen „WasserCluster Lunz“
34 35

Geschichtlicher Überblick

Die engen Gebirgstäler rund um von Lunz, an römische Siedlungen.


Lunz waren im Altertum für die Das Gros der Hunnen, Langobar-
Entstehung von Dauersiedlungen den, Awaren etc. zog eher durch
kaum geeignet. Erst im 20. Jahr- das breite Donautal, und erst die
hundert konnte eine dünne Besie- Slawen drangen entlang der Ne-
delung in urgeschichtlicher Zeit benflüsse bis zu deren Oberlauf vor.
nachgewiesen werden. In der Her- An „Sclavinia“ (Reich der Alpensla-
dengelhöhle wurde ein altsteinzeit- wen) erinnern heute noch Namen
licher „Schaber“ aus Hornstein und wie Ötscher (Otcan = Gevatter,
1918 in der Ybbs ein jungsteinzeitli- daher der „Vaterberg“), Gaming
ches Lochbeil aus Serpentin gefun- (Jamnica = Grube), Göstling (Gvozd
den. Die Siedlungen des kelto-illyri- = Wald) oder Lassing (Laznik = wo
Kartäuseralm/Herrenalm um 1900 schen Königreiches Noricum lagen eine Rodung ist). Die Slawen sie-
nördlich im Alpenvorland, und es delten lange Zeit unter awarischer
konnten bisher im Lunzer Gebiet Herrschaft. Erst als Karl der Große
keine keltischen oder römischen 796 die Awaren endgültig besiegte,
Wohnstätten festgestellt werden. nahmen bayrische und fränkische
Die römische Provinz Noricum war Siedler das Land in Besitz. Damals
in Munizipien gegliedert. Der Öt- erlangten mehrere bayrische Bistü-
scher bildete einen Grenzpunkt des mer die Grundherrschaft über wei-
Munizipiums „Cetium“ (St. Pölten), te Gebiete der neu gegründeten
weshalb er damals „Mons Cetium“ „Karolingischen Ostmark“. Da deren
hieß. Lunz lag im Munizipium „Lau- Südgrenze jedoch nirgends genau
riacum“ (Lorch bei Enns). angeführt wurde, ist zu vermuten,
Während der Völkerwanderung dass das im Süden gelegene sla-
waren die Gebirgstäler immer wie- wische Herzogtum Karantanien bis
der Rückzugsgebiete flüchtender ins obere Ybbs- und Erlauftal reich-
Volksgruppen. So erinnern Hof- te. Im „slawischen“ Gaming residier-
und Geländenamen mit „Walchen“, te damals z.B. ein Župan (= Dorf-
Die Herrenalm heute wie etwa „Groß-Walchen“ südlich oberhaupt in slawischen Dörfern).
36 37

Kirchlicher Besitz schaft Gleiß, ein Lehensträger des nehmende Unterdrückung und
Bistums Passau, besaß die Gründe Ausbeutung der Bauern und Bäuer-
Nach der Entscheidungsschlacht den Reformen des habsburgischen am rechten Ybbsufer bis ins Gebiet innen durch die Landesherren und
auf dem Lechfeld (955) kam es zur Kaisers Josef II. einen fixen Bestand der Katastralgemeinde Ahorn. Das Grundbesitzer in Form von Steu-
Gründung der „Ottonischen Ost- haben. Lunz lag daher lange Zeit im Lunzer Ortszentrum, die Katastral- ern, Zehent und Robot führte auch
mark“. Unter der Herrschaft der Schnittpunkt durchwegs kirchlicher gemeinde Hohenberg und ein Teil im oberen Ybbstal zur Auflehnung
Babenberger entstanden ähnliche Besitzungen. Entlang des linken der Katastralgemeinde Lunzamt gegen das kirchlich-feudale Herr-
Grenzen wie bereits 200 Jahre zu- Ybbsufers reichte der Besitz des Bis- gehörten zur Herrschaft Hausegg, schaftssystem. Am Bauernaufstand
vor. Diesmal sollten jedoch die neu- tums Freising von Waidhofen an der und der Rest (Ritterlehen Lunz mit 1597 nahmen die Lunzer und Göst-
en Machtstrukturen fast ein halbes Ybbs flussaufwärts bis zur Einmün- Lunzer See, Katastralgemeinden linger Bauern des freisingischen
Jahrtausend bis zu den tiefgreifen- dung des Lechnergrabens. Die Herr- Weißenbach und Seekopf und ein Gebietes erst nach zweimaliger
Teil von Lunzamt) gelangte durch Aufforderung durch die Anführer
Schenkungen von Herzog Albrecht II. teil, während die Bauern aus dem
in Form von zwei Stiftungsbriefen Herrschaftsgebiet der Hausegger
(1330, 1358) an das von ihm ge- wesentlich stärker motiviert waren.
gründete Kartäuserkloster Gaming. Das Bauernheer plünderte u.a. die
Die Grenze zwischen der Kartause Kartause Gaming und die Burg Nie-
Gaming und dem Stift Lilienfeld derhausegg und zog schließlich in
bildete der Ötscher, wodurch heute Richtung St. Pölten. Dort wurden
noch die Nordseite des Berges zur sie in der Nacht von den „schwarzen
Gemeinde Gaming und die Südseite Reitern“ des Freiherrn Wenzel Mo-
zur Gemeinde Mitterbach gehören. rakshy überfallen, womit der Auf-
Südlich von Ötscher, Dürrenstein stand abrupt ein blutiges Ende fand.
und Hochkar schienen mit den Stif- Als nach den Revolutionen des Jah-
ten Lilienfeld, St. Lambrecht und res 1848 die Leibeigenschaft der
Admont ebenfalls kirchliche Institu- Bauern aufgehoben wurde, änderte
tionen als Grundbesitzer auf, wobei sich das Steuerwesen grundlegend
die beiden Letzteren bereits in der durch die Bildung von Orts- und
Steiermark liegen. Katastralgemeinden. In Lunz ent-
Kartause Gaming, Aquarell von Rudolf von Alt 1832 Die im Laufe der Jahrhunderte zu- standen aus den Rotten die schon
38 39

angeführten Katastralgemeinden. der Rotten Polzberg und Schlapper- reichischer Regimenter, als sich am
Eine größere Veränderung der Ge- hart an, doch lehnte die Gemeinde 8. November 1805 das Corps des
meindegrenzen erfolgte im Ybbstal Gaming ab. Im Rahmen der öf- Generals Graf v. Merveldt mit hinhal-
1940, wodurch Lunz Gebiete am fentlichen Verwaltung wurden die tendem Kampf von einem Teil der
linken Ybbsufer und im Stockgrund Gemeinden Göstling, Lunz und Ga- französischen Armee unter Führung
dazubekam und die Rotte Pernegg ming 1850 der Bezirkshauptmann- von Marschall Louis Nicolas Davoust
an die Gemeinde Göstling abgeben schaft Scheibbs zugeordnet. 1957 absetzen wollte. Auf dem Grubberg
musste. Die Gemeinde Lunz strebte erreichte Lunz die Erhebung zur konnten tapfere Bauern den ersten
damals auch die Eingemeindung Marktgemeinde. Angriff der Franzosen kurzzeitig
verzögern, doch waren danach bei
den schweren Kämpfen in der Lan-
Kampfgebiet und Rückzugsraum gau, unterhalb von Neuhaus und
vor den Toren Mariazells auf öster-
Wie erwähnt, bildete das obere Jahre nach der Ersten Türkenbe- reichischer Seite 250 Tote und über
Ybbstal in Krisenzeiten immer wie- lagerung Wiens, als 1532 Kasim 2.000 Gefangene zu beklagen. In
der ein Rückzugsgebiet für sich Pascha mit 14.000 wilden Reitern, diesen Krisenjahren erwies sich der
absetzendes Militär oder die zivi- sogenannten „Akindschis“, sengend Lunzer Hammerherr Franz Amon als Statue „Maria im Goldenen Sessel“ aus
le Bevölkerung. Trotzdem bekam und brennend durch das gesamte besonders hilfsbereiter und tapferer dem 15. Jahrhundert in der Pfarrkirche
auch diese Region viele Kriege in Ybbs- und Erlauftal zog und auch Mensch, der zahlreichen Flüchtlin- von Lunz am See
ähnlicher Form zu spüren wie die in Lunz schwerste Schäden zu be- gen half, die Naturallieferungen für
meisten niederösterreichischen Ort- klagen waren. Ein Türke soll sogar die französische Armee organisierte fangenen, doch kam es nur mehr
schaften. Zwar konzentrierten sich in der Pfarrkirche dem Gesicht der und sich stets für die Versorgung weiter östlich im Traisental zu letz-
die Hussitenkriege und die Kämpfe kostbaren Marienstatue einen Sä- der Bevölkerung einsetzte. ten Kampfhandlungen zwischen
mit den Schweden im Dreißigjähri- belhieb versetzt haben. Eine Kerbe Im Ersten Weltkrieg starben auf den Soldaten der deutschen Wehrmacht
gen Krieg hauptsächlich auf Gebie- ist heute noch zu sehen. Schlachtfeldern Europas 84 Lunzer und der Roten Armee. Niederöster-
te nördlich der Donau, doch hielten Während der Franzosenkriege tob- und im Zweiten Weltkrieg sogar reich gehörte danach zur sowjeti-
seit dem Beginn der Neuzeit die Tür- ten die schwersten Kämpfe, die je 189. Knapp vor Ende des Zweiten schen Besatzungszone, und Lunz
kenkriege fast 200 Jahre das ganze in dieser Region ausgefochten wur- Weltkrieges erlebten die Lunzer den musste gleich nach Kriegsende die
Land in Atem. Die ärgsten Schäden den. Den Höhepunkt bildete das fast endlosen Durchzug von flüch- Einquartierung von ca. 3.000 sowje-
erlitt die Lunzer Bevölkerung drei Rückzugsgefecht mehrerer öster- tenden Zivilisten, Soldaten und Ge- tischen Soldaten verkraften.
40 41

Holz, Eisen und Kohle

Die ersten Siedler mussten im obe- (Erweiterung der Weiden), „Ge-


ren Ybbstal zunächst Urwälder schwendens“ (Reinigen der Weiden
roden, um neuen Siedlungsraum von Sträuchern), „Schneitelns“ (Ent-
zu schaffen. Hofnamen mit „-reith“ asten von Bäumen bis in bestimmte
(„reuthen“ = roden) und „-schlag“, Höhe) und „Schintelns“ (Entrinden
von denen es vor allem nördlich von von stehenden Bäumen).
Lunz noch über ein Dutzend gibt, Eigentlich standen die Hochwälder
erinnern daran. Die Bauern verwen- einschließlich Jagd- und Fischerei-
deten das Holz nur zum Bauen oder recht lange Zeit den Landesherren
Heizen und bezogen das sogenann- zur Verfügung, was jedoch gegen-
te „Fürholz“ aus der unmittelbaren über den Lehensherren zu Konflik-
Nähe ihrer Höfe. Die weiter entfernt ten führen konnte. So forderte Kai-
gelegenen großen Nadelwälder (= ser Ferdinand II. in Ausübung seines
„Schwarzwälder“) der Herrschaften Regals für die Eisengewinnung am
wurden kaum genützt. Als jedoch steirischen Erzberg vom Stift Ad-
ab dem 14. Jahrhundert die Eisen- mont die Schlägerungsrechte in
verarbeitung im Gebiet immer grö- den riesigen Wäldern südlich des
ßere Bedeutung gewann, stieg auch Dürrensteins, was ab 1625 von der
Holzverladearbeiten in der Langau 1890 der Holzverbrauch, da es zur Ver- „Innerberger Hauptgewerkschaft“
hüttung des Eisens große Mengen ausgiebig genützt wurde. Für die
an Holzkohle benötigte. Dies führte Schlägerungen im hintersten Oistal
ab dem 17. Jahrhundert sogar zu wurden Holzabstockungsverträge
riesigen Kahlschlägerungen. Um die mit der Kartause Gaming abge-
totale Vernichtung der Wälder zu schlossen.
verhindern, regelten Waldmeister Mit dem steigenden Wert des Hol-
mit Waldordnungen die Benützung zes wuchs auch das Interesse von
und Bewirtschaftung der vorhan- Spekulanten und Unternehmern,
denen Wälder. Dies führte zur Ein- Wälder zu kaufen oder zumindest
schränkung der Nutzungsrechte für Abstockungsverträge abschließen
Bauern hinsichtlich des „Gereutens“ zu können.
42 43

und Waidhofen kau- konnte das Holz in Form von Flößen Technisch besonders beeindru-
fen. Den letzten Groß- transportiert werden. An der Nord- ckend war die Holzbringung mit
einkauf tätigte Dr. Carl seite des Dürrensteins entstanden Waldbahnen. Ein Meisterwerk wa-
Kupelwieser, der 1897 kleinere Anlagen von Klausen und ren wohl die Pferdebahnen vom
von Festetics den restli- Rechen im Seetal, am Hagenbach Rothwald zur Oisklause und von
chen Lunzer Besitz und in der Höll und im Steinbachkessel. Maierhöfen über Lackenhof bis
in der Folgezeit einige Im Seetal führte sogar eine Holzrie- zum Ranecksattel, wodurch von
daran angrenzende se über den Mittersee hinweg und 1856 bis 1867 auf Holzschienen der
Bauerngründe erwarb. landete das Holz schließlich in der Holztransport vom Dürrensteinge-
Nördlich von Lunz la- „Länd“. Dort und im Steinbachtal biet zum Triftsystem der Erlauf und
gen neben den Bauern- standen einst zahlreiche Kohlen- weiter bis Wien ermöglicht wurde.
wäldern die Raabschen meiler. Damals musste das Holz von der
Waldgüter bei Schöfftal
Hubertusklause in der Hinterleiten um 1890 und die Wälder des Gra-
fen Seefried im Stock-
grund.
Bereits 1745 erhielt F. J. Giegl von Die Holzbringung konnte bis zum
Kaiserin Maria Theresia das Privi- Beginn des 20. Jahrhunderts größ-
leg der Scheiterschwemme auf der tenteils nur mit Hilfe des Wassers
Erlauf, um dringend benötigtes bewerkstelligt werden. In kleinen
Brennholz nach Wien zu liefern. Bächen ließ man das Holz wei-
Nach der Aufhebung der Kartause te Strecken dahintreiben, was als
Gaming kaufte Graf Johann Feste- „Triften“ bezeichnet wurde. Kleine
tics de Tonla den gesamten Besitz, Stauanlagen („Klausen“) dienten
doch verpachtete er bereits 1835 als Wasserspeicher, um zu gegebe-
die einmalige Abstockung des Lun- ner Zeit über größere Wassermen-
zer Seetals an den Hammerherrn gen zu verfügen. Das „Ausländen“
Andreas Töpper. Schließlich konnte des Holzes erfolgte an geeigneten
Baron Albert Rothschild 1875 den Stellen mittels Holzrechen. Auf grö-
Großteil der Herrschaften Gaming ßeren Flüssen wie Salza und Ybbs Waldbahn Lunz–Langau um 1930
44 45

Oisklause bis zum Rechen in Maier- nach Maierhöfen und führte sogar dem Hammer fertige Eisenwaren Zeug zu den Kleinschmieden und
höfen getriftet werden. Personenwagen mit. In der heutigen zu produzieren. schließlich die fertigen Eisenwaren
Als 1911 der Holzschwemmbetrieb Zeit durchzieht ein Netz von Forst- In die Organisationskette Rad- zu den „Legorten“ (z.B. Pöchlarn,
eingestellt wurde und alles Holz mit straßen das Lunzer Bergland und bei werk–Zerrennhammer–Kleineisen- St. Pölten, Wien). Im Gegenzug führ-
Pferdefuhrwerken abtransportiert den großen Forstbetrieben erfolgt industrie schaltete sich auch sehr ten sie Nahrungsmittel (= „Provi-
werden musste, errichtete die Roth- die Bewirtschaftung der Wälder früh der Eisen- und Provianthandel ant“) von den Märkten in Scheibbs,
schildsche Forstverwaltung 1920 nach modernen Gesichtspunkten dazwischen. Die „Provianthändler“ Gresten oder Purgstall nach Eisen-
eine Waldbahn mit einer Spurweite mit möglichst geringem Personal- führten demnach das Flosseneisen erz. Aufgrund strenger Widmungen
von 700 Millimetern. Diese verkehr- aufwand durch große Schlägerungs- von den Radwerken zu den Zer- durften z. B. die Lunzer Bauern ihre
te bis 1974 vom Bahnhof Lunz bis und Holztransportfirmen. rennhämmern, das geschlagene Produkte nur auf dem Scheibbser

Eisen als Wirtschaftsmotor


Lunz liegt im Gebiet der niederös- ßeren Zone das mit Schlacke und
terreichischen „Eisenwurzen“. Die Kohle verunreinigte „Flosseneisen“
Nähe des steirischen Erzberges (C-Gehalt über 2%). Das Flossen-
führte nämlich dazu, dass in den eisen (auch „Rauheisen“) musste
umliegenden Tälern schon seit dem erst durch mehrmaliges Schmelzen
Mittelalter Betriebe entstanden, die (= „Auffrischen“) und Hämmern
das von Eisenerz („Innerberg“) ge- (= „Zerrennen“) zu schmiedbarem
lieferte Eisen in unterschiedlichster Stahl verarbeitet werden, was in
Form verarbeiteten. Beim Schmelz- sogenannten „Zerrennhämmern“
vorgang des Eisenerzes in den In- geschah. Die meisten Zerrenn-
nerberger „Radwerken“ entstand hämmer lagen im oberen Ybbstal.
durch Temperaturunterschiede Ei- Von dort bezogen die meist weiter
sen mit verschieden hohem Gehalt nördlich gelegenen kleinen Ham-
an Kohlenstoff (C). Im Schmelzkern merwerke der „Faustschmiede“
bildete sich die stahlähnliche „Maß“ das schmiedbare Stangeneisen
(C-Gehalt unter 2%) und in der äu- (= „geschlagenes Zeug“), um mit Im Amonhaus sind das Gemeindeamt, das Tourismusbüro und Museen untergebracht.
46 47

Wochenmarkt verkaufen. Im 16. kriege große Leistungen vollbrach- cherei. Bei der Großzeugschmiede wurde 1879 aufgelassen und sein
Jahrhundert ließen die Proviant- te. Er besaß mehrere Hammer- in Kasten handelte es sich übrigens Puddlingwerk wurde erst gar nicht
händler von Scheibbs, Gresten und werke, und sein bereits 1551 von um das 1854 errichtete Walzwerk in Betrieb genommen. Die Gussei-
Purgstall die Straße von Lunz nach Martin Ofner erbautes Wohnhaus des berühmten Hammerherrn An- senfiguren der westlich von Lunz
Eisenerz ausbauen, wodurch sich wird heute noch als „Amonhaus“ dreas Töpper, der 1856 am gegen- gelegenen Töpperbrücke sind heu-
die Bezeichnung „Dreimärkterstra- bezeichnet. überliegenden Ybbsufer sogar ein te noch Zeitzeugen dieser Epoche.
ße“ (großteils ident mit der heuti- Leider mussten die Hammerwerke modernes, bereits mit Steinkohlen Weiters erinnert in Kasten ein von
gen B25) einbürgerte. seiner Söhne 1864, 1868 und 1875 betriebenes „Puddlingwerk“ (Er- der Innerberger Hauptgewerk-
In Lunz lebte von 1774 bis 1825 aufgelassen werden. Ähnlich erging zeugung von Stahl aus Roheisen) schaft errichtetes großes Gebäude
der berühmte Hammerherr Johann es auch den anderen Lunzer Be- errichten ließ. Auch der große Pio- („Kasten“), in das man bis ins 18.
Franz von Amon, der als Eisenge- trieben, einer Großzeugschmiede, nier Töpper konnte sich dem im 19. Jahrhundert in mehreren Etagen
werke eines Großzerrennhammers einer Hackenschmiede, zwei Nagel- Jahrhundert einsetzenden Nieder- Getreide und andere Nahrungsmit-
vor allem während der Franzosen- schmieden und einer Büchsenma- gang der Kleineisenindustrie nicht tel einlagerte, an den einstigen Pro-
widersetzen, denn sein Walzwerk vianthandel.

Kohlenbergbau bis 1961


Im Kapitel Geologie wurde bereits Bedeutung der „Alpenkohle“ und
auf die Steinkohlenvorkommen in ließ daher in erster Linie das obere
den „Lunzer Schichten“ hingewie- Ybbstal gründlich erforschen. Der
sen. Wegen des hohen Heizwertes Hammerherr Engelbert Ritter von
dieser Kohlen bemühten sich ab Amon wurde schon 1825 als „Stein-
dem 18. Jahrhundert mehrere ei- kohlengewerke“ bezeichnet, da er
senverarbeitende Betriebe um de- nördlich von Lunz im Pramelreither-
ren Gewinnung, zumal durch den zug mit der Kohlegewinnung be-
Raubbau der Wälder ein zunehmen- gonnen hatte. Später folgte der Ab-
der Mangel an Holzkohlen herrsch- bau weiterer Kohlelagerstätten im
te. Die k.k. Geologische Reichsan- Pöllenreitherzug, am Nordostufer
li.: Die Töpperbrücke bei Kasten 1903; re.: Der Heilige Florian ist eine der Brückenfiguren. stalt erkannte schon damals die des Lunzer Sees und zuletzt sogar
48 49

an der Südwestseite des Seekopfs. melboden für über 100 Knappen für kurze Zeit reaktivieren konnte. Heinrich Ita geleitet wurde. In Lunz
Der Bergbau von Pramelreith wurde Barackenlager errichtet werden, Während des Zweiten Weltkrieges erfolgte die Förderung von 1948 bis
vom Lunzer Geologen Josef Haber- was politische Unruhen hervorrief, erfolgte der Kohleabbau durch die 1958 im Pöllenreitherzug, doch ver-
fellner fachkundlich betreut. aber auch viel Geld brachte. 1936 „Reichsstelle für Bodenforschung“ lagerte sich nun der Schwerpunkt
Eine großangelegte Steinkohlege- musste der Betrieb wegen finan- und die „Süddeutsche Gewerk- nach Gaming. Dies führte dazu,
winnung begann erst 1918 mit der zieller Schwierigkeiten eingestellt schaftsunion“. dass nach der Schließung des Lun-
Gründung der „Ybbstaler Steinkoh- werden, was für Lunz eine wirt- Die letzte Blütezeit erlebte der Koh- zer Bergwerks ein Teil der Angestell-
lewerke de Majo GesmbH“. Diese schaftliche Katastrophe bedeutete. lebergbau von Lunz und Gaming ten mit der Ybbstalbahn nach Ga-
reaktivierte die Stollen von Pramel- Ähnlich erging es auch E. Braun mit durch die Gründung der „Öster- ming fahren musste, wo allerdings
reith und Gaming-Mitterau. Vor- der „Steinkohlegewerkschaft Glück reichischen Gewerkschaftsunion 1961 die endgültige Einstellung des
übergehend mussten auf dem Hel- auf“, der den Bergbau nur mehr Glück auf“, die vom Hutfabrikanten Kohlebergbaus erfolgte.

Mundloch Alfredstollen, Steinkohlebergbau, Lunz um 1924 Lunzer Bergknappen 1957


50 51

Tourismus im Tal

Das obere Ybbstal und vor allem Meinung der Bauern, aber auch von
das im Süden in Richtung Steier- Autoren wie Karl Lukan und Franz
mark angrenzende Gebiet blieben Nabl – „schiechen“ (= hässlichen)
bis ins 19. Jahrhundert ein vom Tou- Berge dieser Gegend zu sehen. Am
rismus kaum beachtetes Gebiet, in ehesten zogen Wallfahrer durch
dem neben Mariazell eigentlich nur Lunz, die von Ybbsitz auf schlech-
der Ötscher ein nennenswertes Ziel ten Wegen über den Gscheidsattel
darstellte. Oft wunderten sich die in die Boding und weiter von Lunz
Einheimischen aus Lackenhof, dass über Durchlass und Zellerrain nach
einige Unentwegte große Mühen Mariazell pilgerten. Entlang dieser
auf sich nahmen, um die – nach Route lagen genügend Gasthöfe,

Touristische Idylle am Seeufer – Terrasse der Gastwirtschaft Grubmayr um 1932

Der Lunzer Zellerwirt um 1912


52 53

wie etwa Kirchen- und Zellerwirt in se zum populären Wallfahrtsort. Von spurigen Ybbstalbahn (1898) eine le oder mit dem Stellwagen über
Lunz und die von den Kartäusern Mürzzuschlag durch das Mürztal entscheidende Wende herbeifüh- Gaming und den Grubberg ins Öt-
betriebenen Tavernen in der Lan- oder von Bruck an der Mur über den ren. scherdorf Lackenhof zu gelangen,
gau und in Neuhaus. Seeberg war nun mit dem Stellwa- Vor dieser Zeit bildete Lunz den zumal in Kienberg das Hotel Hübner
Die meisten WallfahrerInnen und gen oder zu Fuß nicht nur Mariazell, besten Ausgangspunkt für Wande- und in der Polzbergrotte die Gast-
TouristInnen gelangten jedoch auf sondern auch das südliche Ötscher- rungen im Ötschergebiet. Nun lag wirtschaft Oberpolzberg lange Zeit
der berühmten „Via Sacra“ von Wien gebiet leichter erreichbar gewor- es jedoch nahe, gleich von Kienberg als Stützpunkt für solche Unterneh-
aus zu Fuß oder zu Pferd in das Ma- den. aus zu Fuß über die Polzbergkapel- mungen zur Verfügung standen.
riazeller Gebiet. Die Gehzeit von 24 Für die Lunzer Gegend und das
Stunden entsprach ungefähr drei nördliche Ötschergebiet sollten erst
Tagesetappen oder einer zwölfstün- der Bau der Westbahn (1859), der Schmalspurbahnen
digen Fahrt mit Postpferden. Erst Niederösterreichischen Südwest-
nach der Eröffnung der Semmering- bahn von Pöchlarn nach Kienberg- 1906 wurde der schwierige Bau der Reith hätte führen sollen. Was
bahn 1854 verkürzte sich die Anrei- Gaming (1877) und der schmal- Mariazeller Bahn vollendet, und damals mit dem Schienenver-
knapp davor war sogar der Ausbau kehr nicht gelang, wurde später
eines Netzes von Schmalspurbah- durch den Bau von Straßen und
nen geplant, mit denen etwa Ma- die Einrichtung von öffentlichen
riazell von Lunz über den Zellerrain Verkehrslinien nachgeholt. So exis-
oder von Göstling über Palfau und tierte seit 1913 eine Verbindung
das Salzatal erreicht werden sollte. von Lunz nach Lackenhof mittels
Zusätzlich war von Palfau aus eine Stellwagen.
Verbindung mit der Ennstalbahn 1927 eröffnete eine Postautolinie,
(„Kronprinz-Rudolph-Bahn“) ange- die Lunz mit Mariazell verband und
dacht. nach Westen über Göstling nach
Vor der endgültigen Fixierung der Weyer bzw. Hieflau führte. Von
Trasse für die Mariazeller Bahn war Göstling nach Lassing verkehrte
sogar der Bau einer Gebirgsbahn bereits im 19. Jahrhundert täglich
ins Auge gefasst worden, die von zweimal die k.k. Post und bewältig-
Lunz über Lackenhof entlang der te diese acht Kilometer lange Stre-
Ein Zug der Ybbstalbahn in der Haltestelle Pfaffenschlag; 1898 Ötschernordseite nach Annaberg- cke in einer Stunde.
54 55

Nach der Eröffnung der Ybbstal- fahrt erfolgte ebenfalls in der Nacht Eisenbahnen während der letz- Seit 2013 wird sogar die Befahrung
bahn erlebte der Fremdenverkehr in zwischen 19.49 Uhr und 01.25 Uhr. ten Jahrzehnte stark ab, sodass es der Strecke Lunz–Göstling angebo-
Lunz einen kräftigen Aufschwung. Ähnliche Aktionen gab es auch in 1988 zur Schließung der Strecke ten.
Bereits nach einem Jahr steigerte der Zwischenkriegszeit, besonders Kienberg–Lunz kam.
sich die Geschwindigkeit des Zuges zwischen 1930 und 1933, bei denen Bereits zwei Jahre
von 20 auf 30 km/h. Die Begeiste- die Touristenzüge aus Wien stets danach begann die
rung für das neue Verkehrsmittel voll besetzt waren. So beteiligten „Österreichische Ge-
war so groß, dass bereits ab 1900 sich 1933 250 Fahrgäste mit Skiaus- sellschaft für Lokal-
Vergnügungssonderfahrten mit rüstungen und Rodeln an einer so- bahnen“ auf dieser
Nachtzügen verkehrten. Abfahrt genannten „Fahrt ins Weiße“. Strecke mit Nostal-
war um 21.15 Uhr in Wien, Ankunft Mit der Zunahme des Autoverkehrs giefahrten, bei de-
in Göstling um 03.40 Uhr. Die Rück- ebbte jedoch die Benützung der nen teilweise alte
Dampflokomotiven
zum Einsatz kom-
men. Nostalgiezug mit Dampflok am Wäschergraben-Viadukt

Strassenverkehr setzt sich durch


Der Großteil des Verkehrs war je- die Post ein Personenverkehr nach
doch seit eh und je an Straßen ge- Gaming und Göstling eingerich-
bunden. Größte Bedeutung für Lunz tet worden (Gaming 11 Uhr – Lunz
hatten die durch das obere Ybbstal 12.50 Uhr – Göstling 14.40 Uhr). Der
führende Dreimärkterstraße (heu- um 1900 einsetzende Autoverkehr
tige B25), die auch „Scheibbs–Ei- brachte es mit sich, dass in der nä-
senerzer Kommerzialstraße“ hieß, heren Umgebung von Lunz zahl-
sowie die über Durchlass und Zel- reiche Straßen gebaut wurden. So
lerrain führende Mariazeller Straße. legte man z. B. 1890 entlang der Ois
Entlang der Dreimärkterstraße war eine Straße durch die enge Schlucht
Lackenhof um 1920 bereits im 19. Jahrhundert durch der „Hinterleiten“ an und verbrei-
56 57

terte unterhalb von Neuhaus die arbeiten staubfrei gemacht werden. Ausbau und die Verbesserung der „Vorderen Tormäuern“ reichte die
Durchfahrt durch die sogenannte Bereits 1959 und 1961 waren die Seehofstraße in den Jahren 1890, Straße vor 1936 von Gaming aus
„Klamm“, was die Verbindung mit Umfahrungen von Göstling und 1914, 1926 und 2012. nur bis zum Gasthaus „Schindlhüt-
Mariazell wesentlich verbesserte. Lassing fertiggestellt, und seit 1974 In Göstling war es schon vor 1850 te“, und in das kleine Dorf Nestel-
Die Trasse der Dreimärkterstraße, entlastet den Ortsverkehr von Lunz möglich, mit Pferdefuhrwerken in berg gelangten Fahrzeuge damals
die im Mittelalter südlich des Grub- eine großzügig geplante Umfah- den Steinbachkessel zu fahren, wo- von Lackenhof nur über Raneck
berges noch an den Höfen Schlap- rungsstraße, wozu eine riesige Brü- bei die Durchquerung der „Noth- und Gsollsattel. Die höchsten Werte
perhart und Öd vorbeiführte, war cke gebaut werden musste. Unter- klamm“ mittels einer leichten Brü- erreichte der Verkehr in Lunz meist
schon sehr früh ins Tal zum Maus- halb dieser Brücke führt eine 1906 cke erfolgte, die ursprünglich auf zu Pfingsten wegen der Narzissen-
rodelteich und in die Schlucht des fertiggestellte Straße ins Boding- Holzpfosten und später auf eiser- blüte. 1914 wurde bereits die Zu-
Weißenbaches verlegt worden. Bis bachtal und weiter nach Gaming. nen Stangen hing. fahrt von über 100 Autos gezählt,
1957 konnte schließlich die Straße Ganz wichtig für den Lunzer Frem- Der Tunnel seitlich der Klamm ent- 1931 waren es 1.865 und 1958 über
bis Göstling durch Asphaltierungs- denverkehr waren außerdem der stand erst knapp vor 1970. In den 4.000.

Straße am Nordufer des Lunzer Sees um 1900 Straße durch die Nothklamm im Steinbachtal um 1910
58 59

Ein Gasthof auf acht Häuser private Villen zu errichten.


Heute stehen entlang des
Die Unterbringung der TouristInnen und der bereits mit Wannenbad nördlichen Seeufers fast nur
erfolgte in der Region um 1900 in ausgestattete Gasthof „Mitterhu- Häuser von Zweitwohnungs-
zahlreichen, größtenteils gut ge- ber“ zu erwähnen. Am Eingang des besitzerInnen, die größten-
führten Gasthöfen und Hotels, aber Steinbachtales stand der Gasthof teils in Wien leben.
auch in Privatquartieren. In Lacken- „Hochries“ (später „Kögerlwirt“), In der langen Liste der Pro-
hof standen seit 1830 den Gästen und unterhalb des Jagdschlosses minenz finden sich hohe
der „Kirchenwirt“ und der „Linden- Steinbach bot die „Kantine Kürsch- Beamte des kaiserlichen Ho-
wirt“ zur Verfügung, und 1902 wa- ner“ die Möglichkeit zur Einkehr. fes, mehrere Adelige und be-
ren im Sommer sogar schon alle Das Hochkar war stets am günstigs- rühmte KünstlerInnen wie die
zusätzlichen Stübchen vermietet. ten von Lassing aus zu besteigen, Balletttänzerin Minna Rath- Schloss Seehof um 1920
In Lunz zählte der „Kirchenwirt“ wo sich der Gasthof „Anderle“ (heu- ner, der Komponist Thomas
(damals noch „Schadensteiner“, spä- te „Nahringbauer“) oder Fanny Stau- Koschat, Burgschauspieler Richard besuchte Erzherzog Franz Ferdi-
ter „Grubmayr“) zu den traditions- dingers Gasthof „Zur steirischen Eybner, Staatsopernsänger Leo Sle- nand Baron Albert Rothschild, der
reichsten Gasthöfen. Grenze“ zur Nächtigung anboten. Es zak und der Dichter Josef Weinheber. dem Erzherzog die Jagdschlösser im
Ab 1895 führte die Familie Helm- würde den Rahmen sprengen, hier Häufig kamen auch Wissenschaftler Steinbachtal und in Holzhüttenbo-
reich das exquisit ausgestattete alle Gasthöfe des oberen Ybbstales aus Deutschland und England, um den zeigte. Es dürfte dies der letzte
„Hotel Lunzerhof“, und den bereits aufzuzählen, denn damals kam im mit den Lunzer Biologen und Geo- Besuch aus kaiserlichem Haus in der
erwähnten „Zellerwirt“ gab es auch Durchschnitt ein Gasthof auf acht logen Kontakt aufzunehmen. 1910 Region gewesen sein.
noch. In der Nähe des Seehofs stand Häuser.
ein kleines Gasthaus, das die Familie Die herrliche Lage der Lunzer Seen
Kupelwieser 1914 kaufte. inmitten einer wunderschönen Ge- Ansichtskartenverbot
Die Kupelwiesers planten 1924 so- birgslandschaft bewirkte schon vor
gar ein Hotel am Ufer des Sees – ein 1900, dass zahlreiche prominente Mit Beginn des Ersten Weltkrie- auf die Anmietung der Sommer-
Projekt, das nie realisiert wurde. In Persönlichkeiten alljährlich hier ih- ges endete die erste Blütezeit des wohnungen zu verzichten, weil
Göstling sind in erster Linie der Gast- ren Urlaub verbrachten. Ähnlich Fremdenverkehrs abrupt. Während sich die Vermieter nicht in der Lage
hof „Zum goldenen Hirschen“ (Rei- wie bei vielen anderen österreichi- des Krieges wurden die einstigen sahen, Nahrungsmittel anzubie-
chenpfader), das „Brauhaus“ (später schen Seen versuchten einige Gäste Sommergäste gebeten, wegen der ten. Das Versenden von Ansichts-
„Dobrowa“, heute „Göstlingerhof“) auch Grundstücke zu erwerben, um schwierigen wirtschaftlichen Lage karten ins Ausland war während
60 61

„Ostmark“ Erholung suchten. 1939 Eine Steigerung der Nächtigungs-


boten in Lunz 70 Häuser Nächti- zahlen erfolgte nach dem Zweiten
gungsmöglichkeiten in 167 Zim- Weltkrieg ungefähr zwischen 1960
mern mit 397 Betten an. Während und 1980. Danach kam es vor allem
des Zweiten Weltkriegs drohte bei den einheimischen TouristIn-
den Sommergästen die vorzeitige nen zu einem deutlichen Rückgang,
Heimreise für den Fall, dass jemand denn der steigende Wohlstand und
bei Hamsterkäufen erwischt wor- günstige Flugpreise lockten ver-
den wäre. mehrt zu Auslandsurlauben.

Verschönerungsvereine
Für den Erfolg bei touristischen stätten errichteten. Der in Lunz
Das Strandbad am Südufer des Lunzer Sees um 1930 Aktivitäten war von Anbeginn das 1895 gegründete Verschönerungs-
Zusammenwirken von Kommu- verein bemühte sich sogleich um
des Krieges verboten. In der Zwi- reinen Sinn der Älpler nicht durch nalpolitikern und ent-
schenkriegszeit nahm der Touris- Bootsfahrten in Badekleidern zu sprechend motivierten
mus trotz politischer Spannungen verletzen“, wie den Pfarrer eine Zei- Privatpersonen aus-
zu, doch bevorzugten viele nun tung zitiert hatte. schlaggebend. Wertvol-
wegen finanzieller Nöte die Unter- In den privaten Wohnhäusern le Arbeit leisteten schon
bringung in billigen Unterkünften rückten die Einheimischen in die- vor 1900 in vielen Ge-
wie Bauernhöfen, Heustadeln oder sen Jahren enger zusammen, um meinden die Verschö-
Schutzhütten. Zimmer für Urlaubsgäste frei zu nerungsvereine, indem
Die katholische Kirche bemühte bekommen. Noch mehr Urlaube- sie Promenadenwege
sich damals noch um die Erhaltung rInnen kamen ab 1938 durch die mit Ruhebänken anleg-
gewisser moralischer Werte, und nationalsozialistische Aktion KdF ten, Wegtafeln und Mar-
so richtete 1931 der Lunzer Pfarrer („Kraft durch Freude“), bei der vor kierungen anbrachten,
Karl Gerjol in einem Gästebrief an allem Gäste aus Deutschland in Feste und Vorträge ver-
die UrlauberInnen die Bitte, „den vierzehntägigen Turnussen in der anstalteten oder Sport- Lunzer See mit Scheiblingstein 1935
62 63

die Gestaltung von Wanderwegen Erholungsgebietes samt Badehütte der Ybbs mussten immer wieder „D‘Scheiblingstoana“ mit dem Ver-
auf den Lunzberg und den Seekopf. am rechten Ybbsufer, 1904 der Bau erneuert werden. Nach solchen schönerungsverein. In dieser Zeit
In Göstling machte sich der bereits einer Aussichtswarte auf dem Ro- Katastrophen war auch meist der tobte ein Konkurrenzkampf zwi-
bestehende „Ritterbund“ um das senstein und 1937 die Errichtung Verbindungssteg zwischen Ort und schen den Fremdenverkehrsver-
Aufblühen des 1887 gegründeten einer Turnhalle. Bei der Betreuung Flussbad zu reparieren, weshalb der bänden Ybbstal und Erlauftal um
Verschönerungsvereines beson- des Erholungsgebietes zeigte der Verein oft scherzhaft als „Stegver- den Einfluss auf das Arbeitsgebiet
ders verdient. Herausragende Leis- Verein besonderes Durchhalte- ein“ bezeichnet wurde. Lunz. Die Lunzer tendierten bis da-
tungen dieses Vereins bildeten vor vermögen, denn die häufig von Neben den Verschönerungsverei- hin eher zu einer Steigerung des
allem um 1890 die Schaffung eines Hochwasser zerstörten Anlagen an nen kümmerten sich auch andere Reiseverkehrs durch das Erlauftal
Vereine um die Belange des Frem- in Richtung Wien, fühlten sich nun
denverkehrs. So beschränkten sich aber von den Erlauftalern im Stich
die Aktivitäten der Alpinvereine gelassen, etwa weil sich diese im
nicht nur auf den Bergtourismus. Winter zu wenig um die Schneeräu-
Sie beteiligten sich etwa an Mar- mung entlang der Grubbergstraße
kierungsarbeiten von Spazierwe- bemüht hätten. Die Erlauftaler er-
gen in Ortsnähe oder unterstütz- widerten, dass die Straße sehr wohl
ten die Fremdenverkehrswerbung mit Pferdefuhrwerken befahrbar
durch Vorträge und Veranstaltun- gewesen sei, eine Durchschaufe-
gen. 1931 kam es in Lunz zu einer lung für den Autoverkehr aber zu
Zusammenlegung des Vereins kostspielig gewesen wäre.

Zwei Pioniere
Größte Bedeutung für den Touris- Weiters kämpfte Paris als Gemein-
mus in Lunz hat der Lehrer Heinrich derat von 1913 bis 1924 erfolgreich
Paris. Er richtete 1914 erstmals im gegen die Errichtung eines Was-
Amonhaus ein Museum ein, das ab serkraftwerkes bei Lunz, wodurch
1951 mustergültig Elisabeth Kraus- der Lunzer See als natürlicher See
Prospekt der Sommerfrische Lunz am See 1937 Kassegg führte und erweiterte. erhalten blieb. Wichtige Aktivitä-
64 65

ten entwickelte er als Mitbegrün- Schutz der Narzisse, denn der „Nar-
der des Verschönerungs- und eines zissentourismus“ hatte damals un-
Turnvereines, als Vizeobmann des geahnte Ausmaße angenommen.
Vereines „D‘Scheiblingstoana“ und Schließlich erwirkte Paris beim In-
ab 1900 als Gründer eines Volksbil- nenministerium, dass Lunz die of-
dungsvereines. Er wirkte also nicht fizielle Postbezeichnung „Lunz am
nur als Lehrer für Kinder, sondern See“ erhielt, um eine Verwechslung
versuchte auch die Erwachsenen von Lunz mit Linz zu verhindern.
mit Kursen, Lichtbildervorträgen In Göstling schuf Eduard Stepan
und einer Bücherei weiterzubilden. ebenfalls ein Museum, das bis 1943
1904 erreichte er bei der Bezirks- im Meedlhaus untergebracht war.
hauptmannschaft die Herausgabe Ähnlich wie Heinrich Paris bemühte
eines Erlasses zum Schutz der Al- auch er sich um den Fremdenver-
Heinrich Paris penflora. 1928 folgte ein Erlass zum kehr. So war Stepan besonders aktiv
als Obmann des Verschönerungs-
vereines, gründete 1900 den Ver- Eduard Stepan 1945
ein „D‘Göstlinger“, 1905 den Verein
„Deutsche Heimat“ und leitete län- ausführlich, und die Lunzer konnten
gere Zeit den „Verkehrs- und Wirt- höchstens bemängeln, dass bei sei-
schaftsverband Ybbstal“. Besondere nen Diavorträgen manchmal Lunz
Werbewirksamkeit erzielte er durch zu Gunsten von Göstling etwas zu
zahlreiche Diavorträge, durch Vor- kurz kam. Großer Idealismus und
träge 1923 und 1925 in den USA ausgeprägte Heimatliebe paarten
und Kanada und durch eine große sich mit einer eindeutig deutsch-
Anzahl von heimatkundlichen Bü- nationalen politischen Ausrichtung.
chern. Außerdem leitete er wäh- Es überrascht daher wenig, dass
rend des Zweiten Weltkrieges als Stepan nach dem Anschluss Öster-
Bürgermeister die Geschicke von reichs an das nationalsozialistische
Sogar auf den von der Gemeinde Lunz nach dem Ersten Weltkrieg herausgegebenen Göstling. In seinen Büchern behan- Deutsche Reich zum Bürgermeister
Notgeldscheinen wurde gegen die Kraftwerkspläne mobilisiert. delte er auch das Lunzer Gebiet sehr von Göstling ernannt wurde.
66 67

Alpintourismus

In der Umgebung von Lunz sind Bergkamm miteinander verbunden


nur die höchsten Berge der Ybbs- sind. Der Ötscher zog wegen seines
taler Alpen für den Alpintourismus markanten Aussehens und seiner
interessant. Im Osten überragt der großen, sagenumwitterten Höh-
freistehende Ötscher (1.893 m) die len schon sehr früh Bergsteiger,
vorgelagerten Waldberge um eini- Abenteurer und Wissenschaftler in
ge hundert Meter, und südwestlich seinen Bann, während die beiden
davon liegen die mächtigen Kalk- anderen Berge lange Zeit unbeach-
stöcke von Dürrenstein (1.878 m) tet blieben. Die meisten Besteigun-
und Hochkar (1.808 m), die durch gen des Ötschers erfolgten anfangs
einen langen, teilweise bewaldeten über seine Südseite, da das Maria-

Die Eröffnung der Ybbstaler Hütte 1925

Der Gipfel des Dürrensteins um 1926


68 69

zeller Gebiet durch das Wallfahrer- stieg man am besten von Lunz oder und die Expeditionen zum „Geld- Wer heute entlang einer Forststra-
wesen bereits seit dem Mittelalter Göstling, und für das Hochkar bot loch“ wurde bereits hingewiesen. ße eine ähnliche Route durch den
für den Tourismus gut erschlossen sich das Dorf Lassing an. Interessante touristische Hinweise Winkelbachgraben verfolgt, kann
war. Von Norden führte wohl ein Alle drei Berge dürften aufgrund finden sich auch im Tagebuch des sich nur schwer vorstellen, wo die-
kürzerer und leichterer Anstieg des relativ leichten Geländes Sängerknabenpräfekten Balthasar se Schwierigkeiten aufgetreten
vom Bergdorf Lackenhof auf den bereits im Mittelalter von ein- Kleinschroth, der bei seiner Flucht sein sollen. Kleinschroth beschrieb
Gipfel, doch war dieser Ort vor dem heimischen Jägern und Bauern vor den Türken gemeinsam mit auch die Konturen des Ötscher-
Bau von Bahnen und Straßen von bestiegen worden sein. Auf die seinen Sängerknaben am 17. Juli profils, indem er die Felstürme des
Lunz oder Gaming nur schwierig naturwissenschaftlichen Forschun- 1683 die „sehr hohe Lunz-Alm“ (die Rauhen Kammes mit Häusern und
zu erreichen. Den Dürrenstein be- gen des Botanikers Carolus Clusius heutige Feldwiesalm) überquerte. einem Schloss verglich – Bilder, die
Die Feldwiesalm liegt größtenteils bis heute von den Einheimischen
im Gebiet der Gemeinde Gaming, verwendet werden. Sogar von ei-
doch dürfte damals der Einfluss ner Besteigung des Ötschergipfels
von Lunz noch sehr stark bis zum schwärmte er, die ihm ein Wirt von
Zellerrain gereicht haben. Unter Mariazell versprochen habe, weil
anderem schrieb Kleinschroth: man mit einem Pferd weit hinauf-
„Alsdan seint wir länger alß ein reiten könne und der Aufstieg zum
starckhe stund den berg vollents Gipfel mit einem kundigen Führer
hinab gangen, so sehr gäh, voll le- ziemlich problemlos sei.
diger stein und bisweilen felsicht 1996 erreichte übrigens Herr
war. An theilß orten war der weeg H. Schimon im Sattel seines Islän-
bald über einen felsen, baldt dar- ders „Dagur“ als erster Reiter den
neben nit breiter, alß das 2 perso- Gipfel, und bereits am 6. Septem-
nen neben einander kümmerlich ber 1933 war dem Wiener Georg
gehen kunten und war nur mit ei- Panek, einem Pionier des Moto-
ner schlechten lain oder baumlein cross-Sports, die Bezwingung des
(Anm.: Holzgeländer) versehen, das Ötschers mit einem Motorrad ge-
man nicht in das tieffeste thall über lungen.
die felsen hinab fallen kunte.“
Am Gipfel des Ötschers 1922
70 71

Unterbringung im Tal gelegenen Ortschaften, aber auch sehr schwer zugänglich waren. Da-
prominente Persönlichkeiten wie mit erregte er überall großes Aufse-
Erst in der zweiten Hälfte des 19. tetics, gehandelt hat, geht aus dem der Alpenmaler Gustav Jahn, Skipi- hen.
Jahrhunderts scheint sich der Berg- Text nicht hervor. Zumindest schei- onier Mathias Zdarsky oder der bie- Höhepunkte bildeten für diese
tourismus in der Region stärker ent- nen aber Holzknechte bei ihren dermeierliche Globetrotter Joseph Alpinisten vor allem der Sonnen-
wickelt zu haben, denn Moritz Alois Schlägerungsarbeiten im Seebach- Kyselak (1795–1831) aufscheinen. aufgang auf dem Gipfel und das
Becker schrieb 1860 in seinem Buch tal bereits schwierige Steige in den Kyselak war ein Wiener Beamter, Betrachten des Panoramas. Um das
„Der Ötscher“, dass sich Lunz als der Seemäuern und Hackermäuern be- Abenteurer und Eigenbrötler, der Gesehene festzuhalten, entstanden
Mittelpunkt der Naturschönheiten gangen zu haben. auf seinen Wanderungen nicht nur von vielen Gipfeln Zeichnungen der
des Ötschergebietes im Sommer Da es auf den Bergen noch keine seine engere Heimat erkundete, Panoramen. Von Propst Paul Urlin-
zahlreichen Zuspruches von Ge- Schutzhütten gab, spezialisierten sondern durch halb Europa zog. Auf ger stammen sehr genaue Gipfelpa-
birgsfreunden erfreue, die von dort sich einige Gasthöfe im Tal auf die Grund einer Wette pinselte er mit noramen von Ötscher und Hochkar.
ihre Ausflüge auf Dürrenstein, See- Unterbringung von BergtouristIn- schwarzer Farbe seinen Familienna- Schon damals galt das Hochkar als
mäuer, Ötscher, Hochkohr (= Hoch- nen. Dort gab es auch Fremdenbü- men mit riesigen Blockbuchstaben großartigster Aussichtsberg der
kar), Steinbach etc. gemacht hätten. cher, in die deren Unternehmungen auf Geländestellen, die meist nur Ybbstaler Alpen.
Ob es sich bei den Seemäuern um eingetragen werden konnten. Sol-
eine Begehung des „Grafensteiges“, che Bücher gab es z.B. ab 1845 beim
eines Jagdsteiges des Grafen Fes- Lindenwirt in Lackenhof und an der Jagdkonflikte, erste Führer
Südseite des Ötschers schon
1810 im Gasthof Spielbüch- Die Steige, die in alpines Gelände hung dieser Wege zur Jagdzeit ver-
ler, von wo aus die meisten führten, waren vor 1900 meist nicht boten, und auch in der übrigen Zeit
Zustiege zu den Ötscherhöh- markiert. Eine Ausnahme bildeten mussten sich Wanderer im Forstamt
len erfolgten. die bereits vor 1880 mit weißer Far- Göstling anmelden. Auch für den
Die Eintragungen zeugen be gekennzeichneten Jagdsteige Aufstieg durch das Seetal war vor
von Ehrgeiz, Entdeckerdrang in den Revieren von Baron Albert 1882 mit Ausnahme der Monate
und Naturbegeisterung der von Rothschild im Steinbachkessel Mai, Juni und Juli in der gräflich
damaligen Bergsteiger, un- und in der Langau. Zusätzlich wa- Festeticschen Kanzlei in Gaming die
ter denen häufig die Namen ren dort zur besseren Orientierung Erlaubnis einzuholen. Die wegen
von Professoren, Doktoren, auch schon mehrere Hinweistafeln Jagdinteressen gesperrten Wege
Das Alpengasthaus Spielbüchler um 1890 Honoratioren aus den nahe- angebracht, doch war eine Bege- wurden alljährlich in den Gasthäu-
72 73

sern kundgemacht, und eine Miss- Waldmeistern mit den Touristen darauf angewiesen, einen orts- tion von Anton Kerschbaumer 1856
achtung dieser Verbote führte zu eine neue Landplage gebracht kundigen Führer anzuheuern. Das wirkten die Lackenhofer Führer
einer gemeindeamtlichen Bestra- habe, „da diese gottvermaledeiten Führerwesen organisierten größ- Franz Kurz und M. Lasteiner mit. In
fung. Mit welchen Schwierigkeiten Luftbummler auf allen Bergen und tenteils die Alpinvereine, und die Lunz sind die Führer Franz Fallmann
die Alpinvereine in der Anfangszeit Wänden herumsteigen, jodeln, lär- Führer konnten sich mit einem und Michael Ritzinger zu erwähnen,
beim Anlegen von markierten We- men und das Wild verscheuchen“. Führerbuch des k.k. Bezirksgerichts in Göstling Peter Baumann und Paul
gen mit Jagdbesitzern und Bauern Rosegger behauptete auch, dass es Scheibbs legitimieren. Schon in der Lengauer und in Mariazell A. Weiß,
zu kämpfen hatten, geht aus den im Gebirge nur Privatgrund und da- ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts um nur einige zu nennen. In der
Worten des berühmten Dichters her keine öffentlichen Wege gäbe. wirkte in Lackenhof der legendäre Zwischenkriegszeit nahm die Zahl
Peter Rosegger hervor, der 1888 Mangels markierter Wege waren Ötscherführer Andreas Schöggel, der Führer durch die Zunahme des
schrieb, dass die neueste Zeit den damals die Bergwanderer zumeist der den Ötscher fast 1000 Mal be- führerlosen Bergsteigens ständig
stiegen hat. Bei der Höhlenexpedi- ab.

Gründung alpiner Vereine


Auf allen Bergen dieser Region größeres Schutzhaus, für dessen Fi-
standen zur Nächtigung Almhüt- nanzierung jeder Besucher des Ber-
ten zur Verfügung, wie z.B. auf der ges einen Gulden entrichten sollte.
Nordseite des Ötschers die kleine Zur Durchführung dieses Projektes
Halterhütte am unteren Rand der plante er die Bildung eines „Öt-
großen „Wiesmahd“. 1855 bauten scherhausbaufondsgründungsver-
Lackenhofer Bauern etwas ober- eines“.
halb am Standort des heutigen Solche Pläne sollten jedoch erst
Ötscher-Schutzhauses eine neue nach der Gründung verschiedener
Halterhütte, die bereits den Namen Alpinvereine einige Jahrzehnte
„Ötscherhütte“ trug und später Ba- später verwirklicht werden.
ron Rothschild als Jagdhütte dien- In Ostösterreich und vor allem in
te. Becker wünschte sich an Stelle der Umgebung von Wien leistete
Jäger auf dem Dürrensteingipfel um 1910 der alten Ötscherhütte bereits ein der 1869 gegründete Österreichi-
74 75

sche Touristenklub (ÖTK) wertvolle ein (OeAV) die Gründer in erster Li- zu einer Eingliederung des ÖTK als der sich später in die ÖTK-Sektion
Pionierarbeit bei der Markierung nie geistige und wissenschaftliche Sektion in den DuOeAV/DAV führte. Scheibbs integrierte. 1900 folgte
von Wanderwegen und der Er- Gesichtspunkte vor Augen hatten. Bereits im 19. Jahrhundert gründe- in Göstling die Gründung der al-
richtung von Schutzhütten. Dieser Beide Großvereine widmeten sich te sich eine Sektion in Waidhofen pinen Gesellschaft „D‘Göstlinger“,
Verein versuchte mit seinem Wahl- in der Folgezeit ähnlichen Aufga- a. d. Ybbs im DuOeAV, beim ÖTK die ab 1910 als Sektion „Ybbstaler“
spruch „Mit Herz und Hand fürs Al- ben, was schließlich nach einer entstanden Sektionen in Mariazell dem DuOeAV angehörte, später
penland“ die Bevölkerung für die Hauptversammlung des DuOeAV (1881) und Scheibbs (1887). Die zum ÖTK wechselte und von 1948
heimische Bergwelt zu begeistern, (20.7.1930) und einer außerordent- Sektion Mariazell wechselte aller- bis 1954 nochmals unter der Lei-
während beim schon 1862 gegrün- lichen Generalversammlung des dings 1952 zum OeAV. Die Sektion tung von Altbürgermeister Eduard
deten Österreichischen Alpenver- ÖTK (12.10.1930) von 1931 bis 1945 Waidhofen konzentrierte ihre Ar- Stepan selbstständig als OeAV-
beit in den ersten Jahren vor allem Sektion „Hochwacht“ fungierte.
auf das Voralpengebiet rund um Die „Ybbstaler“ förderten in der An-
Waidhofen, weshalb 1882 ein Wan- fangszeit besonders das Jugend-
derführer feststellte, dass in den wandern und brachten u.a. das Lie-
Ybbstaler Alpen für den Tourismus derbuch „Berg Heil“ heraus. In Lunz
noch wenig Arbeit geleistet wor- gründete Guido von Alth 1907 den
den sei. Verein „D‘Scheiblingstoana“, der
Dies änderte sich erst etwas später, 1931 mit dem Verschönerungsver-
als in den Orten Lunz, Lackenhof ein fusionierte.
und Göstling jeweils Stammgäste Derzeit besteht in Lunz eine „Orts-
aus Wien Vereine gründeten, die gruppe Lunz“ der OeAV-Sektion
sich neben touristischen Aktivitä- Waidhofen, die sich 2005 von der
ten auch um das Wohlergehen der Göstlinger Ortsgruppe „Oberes
ortsansässigen Jugend bemühten, Ybbstal“ abgespaltet hat. In Göst-
sei es durch großzügige Spenden ling entstand 1975 die Ortsgruppe
für alljährliche Weihnachtsfeiern Göstling der OeAV-Sektion Waid-
oder finanzielle Unterstützung bei hofen, die 1983 zur OeAV-Sektion
verschiedenen Projekten. In La- Austria wechselte und sich 1991
ckenhof wurde bereits 1880 der zur „Ortsgruppe Oberes Ybbstal“
Das Ötscher-Schutzhaus um 1910 Verein „D‘Lackenhofer“ gegründet, umbenannte.
76 77

Neue Wege Wurzleiten zu den Ötscherhöhlen schers, in den Ötschergräben, auf


möglich. Becker und Dechant Hört- der Feldwiesalm und im Gebiet der
„D‘Lackenhofer“ errichteten zu- über die Brandmauer, der heute ler veranlassten bereits 1855 die Gemeindealpe markierten die ÖTK-
nächst den „Riffelsteig“ auf den nicht mehr existiert. Der Steig über Herstellung eines bequemeren We- Sektion Mariazell, der Österreichi-
Großen Ötscher, den Zustieg von den „Rauhen Kamm“, der leichte ges von Lackenhof zu den Höhlen, sche Gebirgsverein (ÖGV) und die
Norden von der Bärenlacke zu den Kletterei im Schwierigkeitsgrad I der von der Ötscherwiese über den Alpingesellschaft Alpenrose.
Ötscherhöhlen und eröffneten aufweist, wurde vor 1900 nur sehr Brandkogelsattel, die „Jägerfichte“, Am 1. Juli 1900 genehmigte Carl
1894 eine mit Stiegen, Brücken und selten begangen und erst in der Zwi- die „Pfanne“ (das Kar unterhalb der Kupelwieser Markierungsarbeiten
Geländern versehene Steiganlage schenkriegszeit markiert. Auf blau Ötscher-Nordwand) und den „Rau- an den zwei wichtigsten Wegen, die
beim Trefflingfall. Weiters markier- bezeichnetem Steig war bereits ein hen Kamm-Sattel“ führte, heute von Lunz auf den Dürrenstein füh-
ten die Vereinsmitglieder den Weg sehr steiler Abstieg vom Ötscher- aber nur mehr schwer zu finden ist. ren, nämlich vom Seetal über die
durch die Tormäuer und einen Steig gipfel über das felsige Gelände der Die Wege an der Südseite des Öt- Herrenalm zum Gipfel und von dort

Blick von der Feldwiesalm zum Ötscher Blick vom Ringkogel zur Schmalzmauer im Hochkargebiet
78 79

über den Hühnerkogel und den ben und Alpl oder durch den Kö- bis zur Miesingau und die ÖTK- großartigen Kammwanderung ver-
Lechnergraben zurück nach Lunz. nigsgraben. Den Weg durch den Sektion Krems/Stein für die Nord- ging fast ein Jahrhundert, denn
Der Steig, der von der Eisenstatt Wassergraben wollten zwar die Las- und Südseite des Hochkars. Die der Alpinweg Hochkar–Dürren-
über den Bergkamm in Richtung singer Bauern sperren, was jedoch Gratverbindung vom Dürrenstein stein–Ötscher, der auch durch das
Hühnerkogel führte, existiert nicht Bezirkshauptmann E. Hufnagel zu zum Hochkar fiel in das Arbeitsge- Wildnisgebiet Dürrenstein führt,
mehr und ist durch den weiter west- verhindern wusste, indem er Tafeln biet der AV-Sektion Waidhofen und konnte erst am 26. Juni 1999 mit ei-
lich gelegenen Weg im Gebiet von anbringen ließ, die zum Schließen konnte damals noch nicht markiert nem Festakt bei der Ybbstaler Hütte
Ybbstaler Hütte und Legsteinalm der Weidetore aufforderten. Sogar werden. Bis zur Freigabe dieser eröffnet werden.
ersetzt. Der erste markierte Weg von an der steilen Südflanke des Hoch-
Göstling zur Hütte führte von Stein- kars entstand in dieser Zeit ein be-
bach durch den Goldaugraben und zeichneter Weg, der ursprünglich Ötscher-Schutzhaus
mündete in jenen Steig ein, der von von Fachwerk durch den Unsinnig-
der Haltestelle Stiegengraben über graben zum Steinplantörl hinauf Durch den starken Andrang von zwölf Herren. Auf die Trennung der
Schöckelreith direkt zur Wiesenalm leitete und später nach Westen zum BergtouristInnen aus der nahegele- Geschlechter wurde zu dieser Zeit
hinaufführte. Ein kürzerer Zustieg Kleckplan und Noten verlegt wur- genen Bundeshauptstadt kam es in noch großer Wert gelegt. Außerdem
wurde 1921 vom Goldaugraben de. Auch zum berühmten Palfauer den Ybbstaler Alpen sehr früh zur standen im Bodenraum 22 einfache
über den Gsengriedel zur Bärenla- „Wasserloch“ führte 1912 bereits ein Eröffnung mehrerer Schutzhütten. Schlaflager auf Strohsäcken zur Ver-
cke markiert. Diese Wege gerieten blau markierter, versicherter Steig. Auf dem Ötscher begann der Verein fügung. 1920 plante der Verein den
aber fast in Vergessenheit, nach- 1900 erfolgte eine Einigung über „D‘Lackenhofer“ 1886 mit dem Bau
dem die Wege vom Steinbachtal die Grenzen der Arbeitsberei- des ersten Ötscher-Schutzhauses
übers Dürreck zur Bärenlacke mar- che der verschiedenen Vereine. und konnte dieses 1887 eröffnen.
kiert werden durften. Der schwie- „D‘Lackenhofer“ erhielten die Zu- Der Besucherandrang war in den An-
rige Übergang vom Steinbachtal ständigkeit für das Gebiet nördlich fangsjahren schon so stark, dass das
über den Tremmel nach Wildalpen des Ötschers und die zuvor erwähn- Gebäude bereits 1888 und 1891 ver-
ist schon 1859 bei Becker erwähnt ten Wege auf den Dürrenstein, der größert werden musste. Im Erdge-
und war stets gestattet. Verschönerungsverein Göstling schoß der Hütte befanden sich das
Zur Kremser Hütte und auf das und „D‘Göstlinger“ für die Nord- „Jagersbergerzimmer“, eine Küche
Hochkar (vor 1900 noch „Hoch- westseite des Dürrensteins ab Stie- und ein Gastzimmer und im ersten
kohr“) führen markierte Wege von gengraben, den Steinbachkessel Stock zwei Schlafräume mit feins- Materialtransport zum Ötscher-
Lassing entweder über Wassergra- und die Nordostseite des Hochkars ten Betten für sechs Damen und Schutzhaus um 1930
80 81

Bau eines neuen Schutzhauses, der September. In den Wintermonaten trieb geführt, in dem die Pächter rend eines Schneesturmes zu sei-
aber erst 1926 zur Durchführung war eine Voranmeldung notwendig. häufig wechselten. ner Eröffnung. Nach 1945 benützte
gelangte. Diesen Holzbau ersetzt Den Materialtransport bewerkstel- Ähnliche Bedingungen herrschen die russische Besatzungsmacht die
seit 1962 ein hässlicher Betonbau, ligte er mit einem Esel. auf der benachbarten Gemeinde- Hütte einige Jahre als Beobach-
und erst in jüngster Zeit erinnerte Einmal trug Bernreiter sogar seinen alpe, denn auch dort entstand 1950 tungsposten. Sie musste anschlie-
sich die ÖTK-Sektion Scheibbs bei Neugeborenen in einer Schachtel ein Sessellift, der Mitterbach mit ßend gründlich saniert werden.
Renovierungsarbeiten an eine ge- vom Schutzhaus hinunter ins Tal zur dem auf dem Gipfel gelegenen „Ter- Auch hier entstanden schon mehr-
fälligere Form. Als erster Hüttenwirt Taufe. Nach dem Bau des Ötscherlif- zerhaus“ verbindet. mals Schwierigkeiten hinsichtlich
bewirtschaftete Franz Bernreiter ab tes verlor das Schutzhaus 1964 seine Dieses 1913 vom ÖGV errichtete der Bewirtschaftung, denn die Öff-
1887 dreißig Jahre lang das Ötscher- eigentliche Funktion, denn es wurde Schutzhaus gelangte noch im glei- nungszeiten hängen stark von den
Schutzhaus jährlich von Juni bis nun als moderner Gastronomiebe- chen Jahr am 16. November wäh- Betriebszeiten des Liftes ab.

Eröffnung des Ötscher-Schutzhauses 1887 Das Terzerhaus auf der Gemeindealpe um 1914
82 83

Kremser Hütte am Hochkar des Hochkar-Schutzhauses. Noch funden werden kann, die hoch dro-
im selben Jahr konnte der Präsident ben auf einem Berg liegen und mit
Die Kremser Hütte auf dem Hoch- Pfingsten über hundert Touristen des ÖTK, Domprälat Alois Wilde- technischen Transportmitteln nicht
kar wurde am 17. Mai 1891 von an, hauptsächlich Vereinsmitglie- nauer, am 25. Juli auf dem Gipfel erreicht werden können. Mit dieser
den OeAV-Sektionen Krems/Stein der der „D‘Göstlinger“ aus Wien, die des Hochkars ein fünf Meter ho- Romantik war es durch die Erschlie-
und Waidhofen a. d. Ybbs eröffnet. teilweise in den umliegenden Alm- hes Eisenkreuz einweihen. In den ßung des Skigebiets Hochkar durch
Zu dieser Feier mussten die Fest- hütten nächtigen mussten. In den 1950er-Jahren bildete sich ein be- eine Straße schlagartig vorbei. Die
gäste am Pfingstsonntag bei stän- Anfangsjahren erfolgte die Bewirt- achtlicher Stock von Stammgästen alte Kremser Hütte musste moder-
digem Schneefall durch knietiefen schaftung der Hütte durch den Hal- hauptsächlich aus dem Ybbs- und nisiert und 1974 vergrößert werden,
Schnee von Lassing zur Hütte hin- ter der benachbarten Alm, bei dem Erlauftal, angezogen von der Hüt- um fortan als Gastbetrieb bestehen
aufwaten. Die Heimfahrt der Wiener es zumindest Wein, Konserven, Kaf- tenromantik, die nur in Hütten ge- zu können.
Touristen erfolgte am Montag von fee und Milch zu kaufen gab. Nach
Kienberg-Gaming mit einem zwei- dem Ersten Weltkrieg blieb die Hüt-
teiligen Abendzug in dreißig Wag- te teilweise unbewirtschaftet, und Ybbstaler Hütte
gons. Auch 1901 rückten wieder zu der Besucherandrang hielt sich in
Grenzen. Erst ab Der Lunzer Verein „D‘Scheibling- Gröbl baute in unmittelbarer Nähe
1930 gelang es, stoana“ plante schon in seinem die neue Ybbstaler Hütte, die am
durch intensive Gründungsjahr 1907 den Bau einer 28. Juni 1925 unter Abbrennen von
Werbung eine Schutzhütte auf der Herrenalm, Freudenfeuern und einer Festrede
starke Steigerung was aber nicht verwirklicht wer- von August Klose, dem Vorsitzen-
der BesucherIn- den konnte. Fünf Jahre später ge- den der Sektion „Ybbstaler“, eröffnet
nenzahlen zu er- lang es der Göstlinger AV-Sektion werden konnte. Da die Hütte an-
zielen. „Ybbstaler“ auf dem Dürrenstein die fangs nur 40 Schlafplätze bot, wur-
1948 übernah- Rothschildsche Jagdhütte „Wiesen- de sie 1938 erweitert. Bereits 1935
men die ÖTK- alm“ zu pachten. Bereits 1920 als waren Verbesserungen in Form von
Sektion „Ybbstal“ „Dürrensteinhütte“ geführt, konnte heizbaren Zimmern, Holzdauer-
und in weiterer deren AV-Schlüssel in Lunz im Gast- brandöfen und neuem WC erfolgt,
Folge die ÖTK- haus Grubmayer oder in Göstling 1937 war eine Wetterbeobach-
Sektion Scheibbs im Kaufhaus Hofer abgeholt wer- tungsstation eingerichtet worden.
Die Kremser Hütte auf dem Hochkar um 1950 die Betreuung den. Der Göstlinger Zimmermeister 1945 kam es nach Kriegsende zu
84 85

argen Plünderungen, und in den werden kann und in der noch ein
50er- und 60er-Jahren erfolgte eine Hauch alter Bergsteigerromantik zu
Betreuung von Gaming aus durch verspüren ist.
die OeAV-Sektion Austria, wobei In den letzten Jahrzehnten be-
nach dem legendären Wirt Sepp schränkten sich die Aktivitäten der
Moser und der Familie Köttler die Alpinvereine hauptsächlich auf die
Pächter meist nur kurze Zeit blie- Erhaltung und Bewirtschaftung
ben. Die Hütte verwahrloste immer ihrer Schutzhütten und die Betreu-
mehr. Die 1982 gemeinsam mit
der Ortsgruppe „Oberes Ybbstal“
vereinbarte Renovierung konn-
te 1989 abgeschlossen werden.
Seither fungierten die Göstlinger
Familien Putz und Forstner als
Die Ybbstaler Hütte um 1930 Hüttenwirte zur vollsten Zufrie-
denheit ihrer Gäste und dank
einer wesentlich verbesserten
Zufahrt vom Tal unter günsti-
geren Arbeitsbedingungen. Vor
dem Bau einer neuen Forststra-
ße mussten Autos eine extrem
gefährliche Passage oberhalb
der „Höll“ passieren, an der 1972
der Kögerlwirt Ludwig Lengauer
und 1973 der Hüttenwirt Kajetan
Spanring tödlich verunglückten.
Hoffentlich finden sich auch in
Zukunft immer wieder Pächter
für diese Hütte, die bis heute von
Die Ybbstaler Hütte nach dem Umbau 1989 TouristInnen nur zu Fuß erreicht Der Kaisergams-Klettersteig in der Gemeinde Palfau
86 87

ung der markierten Wege. Das Netz der großartigen Dolomitlandschaft höheren Schwierigkeitsgraden zu nistische Leistung des Lunzers Sepp
der bestehenden alpinen Wege hat des „Wasserlochs“ am Südfuß des bewähren. Dem Scheibbser ÖTK- Aigner besonders gewürdigt wer-
sich kaum erweitert, woran auch Hochkars und die Gemeinde Göst- Mitglied Hans Willenpart gelangen den, der in der Zwischenkriegszeit
die Erfindung von Weitwanderwe- ling bei Lassing den wesentlich im Gesäuse mehrere Erstbegehun- ganzjährig im Rahmen einer hoch-
gen, mit teilweise neuen Nummern bequemer begehbaren „Triftsteig“ gen im VI. Schwierigkeitsgrad, und interessanten Kleinklimaforschung
oder anderen Markierungsfarben durch die Schlucht des Mend- 1956 schaffte er im Rahmen einer die Messstationen der Biologischen
versehen, nichts ändert. lingbaches. Neuerdings entstan- „Österreichischen Himalaya-Kara- Station auf dem Scheiblingstein,
Besonders in den Tälern entstan- den auch Klettersteige auf dem korum-Expedition“ gemeinsam mit dem Großen Hetzkogel und im
den zahlreiche neue Kreationen Hochkar, und zwar der „Heli-Kraft- Expeditionsleiter Fritz Moravec und Lechnergraben betreute. Damals
von Spazierwegen durch Initiati- Klettersteig“ auf einer Felswand Josef Larch die Erstbesteigung des mussten die Messdaten mehrmals
ven von Gemeinden oder Vereinen. des „Karls“ und der „Kaisergams- Achttausenders Gasherbrum II. wöchentlich noch direkt von den
So errichtete die Gemeinde Palfau Klettersteig“ an der Westseite des Innerhalb der Region muss die alpi- Messgeräten abgelesen werden.
eine mautpflichtige Steiganlage in Mendlingsteins.

Kein Kletterparadies
Klettertechnisch gab es man- gung der „Ötscher-Nordwand“ stets
gels geeigneter Felswände in den eine Herausforderung vor allem für
Ybbstaler Alpen kaum Probleme Kletterer aus der näheren Umge-
zu bewältigen. Eher gefährliche als bung. Die erste Begehung auf einer
schwierige Aufstiege etwa durch Route im IV. Schwierigkeitsgrad ge-
die Hackermäuer im Seetal oder lang Heinz Fallmann, Hannes Cer-
durch die Südabstürze des Dürren- nym und Ignaz Deimbacher am 11.
steins können wohl nicht als Klet- September 1930.
tertouren bezeichnet werden. Die Kletterer der Alpinvereine muss-
Einzig und allein die sogenannte ten ihre Ziele stets außerhalb der
„Pfannmauer“ an der Nordseite des Region suchen, etwa in den Fels-
Ötschers verdient die Bezeichnung wänden der nahen Hochschwab-
„Wand“, und so bildet die Bezwin- und Gesäuseberge, um sich in Aufstieg am Süd-West-Grat des Kleinen Dürrenstein
88 89

Dabei scheute Aigner keine Mühe, Mitteleuropa gemessen werden. konnten. Für das Gebiet zwischen Aufgaben der Bergrettung. 1964
auch bei widrigsten Wetterbedin- Die klimatische Besonderheit die- Schneeberg und Gesäuse war ab kam es schließlich auch in Göstling
gungen die Messstellen aufzusu- ser Doline am Dürrenstein-Plateau 1897 der „Alpine Rettungsausschuß zur Gründung einer Ortsstelle des
chen. In einer dieser Messreihen nutzten auch die Nazis zu Motoren- Wien“ (ARAW) zuständig, der noch ÖBRD. Inzwischen besitzen alle drei
konnte 1932 im Grünloch mit minus tests im Vorfeld des Russlandfeld- im selben Jahr eine Lokalstelle in Ortsstellen gut eingerichtete Un-
52,6°C der absolute Kälterekord von zugs. Langau einrichtete. 1914 gab es in terkünfte, spezielle Fahrzeuge und
Göstling bereits eine Rettungsstel- die erforderlichen modernen Ret-
le des DuOeAV, die 1924 der ARAW tungsgeräte. Zusätzlich versehen
Bergrettung übernahm. Nach dem Ersten Welt- Mitglieder der Ortsstelle Lackenhof
krieg war auf den Schutzhütten ihren Bereitschaftsdienst auch in ei-
Die wachsende Zahl der TouristIn- te bereits im 19. Jahrhundert zur ein Rettungsbeitrag zu entrichten ner Hütte in der Nähe des Ötscher-
nen und die damit verbundene Gründung von Organisationen, die und 1923 entstanden neue Lokal- Schutzhauses und Mitglieder der
Zunahme von Bergunfällen führ- bei solchen Ereignissen Hilfe leisten stellen in Gaming und Lackenhof. Ortsstelle Lunz in der Legstein-
Außerdem gab es vor 1930 schon Almhütte.
Meldestellen in Lunz, Steinbach und Bei allen drei Ortsstellen hat in den
Lassing. Nach Auflösung der ARAW letzten Jahren die Zahl der Einsätze
entstanden Ortsstellen der Berg- stark zugenommen, was vor allem
wacht (z.B. Lunz 1936), die 1938 in auf die wachsende Zahl der Win-
der Deutschen Bergwacht aufgin- tersportlerInnen zurückzuführen
gen. Diese führte Ortsstellen in La- ist. Daneben kommt es nach wie
ckenhof, Lunz und Göstling. vor zu Suchaktionen nach verirrten
Vom nach 1945 gegründeten Ös- Bergwanderern und zur Bergung
terreichischen Bergrettungsdienst von verletzten oder tödlich verun-
(ÖBRD) entstanden sogleich Orts- glückten BergsteigerInnen aus oft
stellen in Lackenhof und Lunz. La- schwierigem Gelände. Die meisten
ckenhof avancierte 1950 zu einer Todesopfer waren bisher auf dem
speziellen Ausbildungsstätte für Ötscher zu beklagen, denn die
die Bergrettung im Wintersport. Schwierigkeiten der Anstiege auf
Die Legstein-Almhütte (hier um 1930) ist seit 1968 als Außenstelle der Bergrettung In Lunz und Göstling übernahm diesen Berg werden noch immer
adaptiert. teilweise die Alpingendarmerie häufig unterschätzt.
90 91

Wintertourismus

In der Nähe von Lunz liegt die Wie- der Umgebung von Lilienfeld mit
ge des alpinen Skilaufs. Scheint das der Entwicklung der Technik für
Gelände der Ybbstaler Alpen und den alpinen Skilauf. Er fand dann
der in Richtung Wien vorgelagerten am Ostrand der Ybbstaler Alpen bei
Waldberge auch nicht gerade dazu Mariazell ein weitaus günstigeres
angetan, dort den Skisport zu be- Gelände für den neuen Sport und
treiben, so fügte es das Schicksal, konnte dort bereits ab 1905 bei zahl-
dass mit dem Skipionier Mathias reichen Skikursen eine große Schar
Zdarsky ausgerechnet in der Wald- von SportlerInnen für den Skisport
gegend von Lilienfeld der alpine in der damaligen Einstocktechnik
Skisport in Österreich heimisch begeistern. 1905 veranstaltete er
wurde. Zdarsky begann ab 1896 in am Muckenkogel bei Lilienfeld auch

Der Dürrenstein – einsame Skitouren in eindrucksvoller Landschaft

Eisstockschießen am Lunzer See ca. 1930


92 93

das erste Rennen in Form eines Rie- nach Lunz, und als Heinrich Paris Rennen in Lunz führte über den es bald, mit entsprechender Aus-
sentorlaufs mit 24 Teilnehmern, das und die Familie Hörmann auf dem Kalvarienberg, vorbei an der Plai- rüstung die Fahrtechnik so weit
er als „Wettfahrt“ bezeichnete. Zellerwirtkogel die ersten Fahrver- mauer-Schanze und der Seeau, im zu verbessern, dass auch längere
In der Folge setzte Oberst G. Bilge- suche riskierten, wurden sie von weiten Bogen um den Ort herum Steilhänge anstandslos befahren
ri in Mariazell diese Skikurse fort der Bevölkerung noch ausgelacht. und zuletzt über den Abhang des werden konnten − man entdeckte
und lehrte dabei bereits die Zwei- In Lunz und Göstling widmeten sich Lunzberges in das Ziel beim Gast- damit die Vorzüge des Tourenski-
stocktechnik. Die 1906 eröffnete zu dieser Zeit die Wintergäste vor hof Grubmayr. Ein andermal war die laufs. Bereits Zdarsky unternahm
Mariazeller Bahn ermöglichte es allem dem Vergnügen des Rodelns Maiszinkenabfahrt vom Gipfel bis mit seinen Schülern kurze Skitou-
den Wiener SkifahrerInnen, die oder dem Eisstockschießen und Eis- zum Seehof hinunter zu fahren und ren im Gebiet der Gemeindealpe
neu entstehenden Skigebiete von laufen auf dem zugefrorenen Lun- anschließend noch über den See bis und der Zeller Hüte, und nach dem
Puchenstuben, Gösing, Annaberg, zer See. Sogar der Eishockeysport zu dessen unterem Ende zu laufen. Ersten Weltkrieg eroberten die
Mitterbach und Mariazell einfach zu gelangte bereits um 1900 durch In der Zwischenkriegszeit gelang SportlerInnen auch die freien Hän-
erreichen. Bahnarbeiter nach Lunz. Beliebt
Ins obere Ybbstal drang die Kunde waren auch Fahrten mit Pferde-
vom neuen Sport erst einige Jah- schlitten zur Hirschfütterung in die
re später vor. Der Förster F. Prokop Langau oder von Göstling in den
brachte 1904 das erste Paar Skier Steinbachkessel.

Erste Skiwettkämpfe
In den Anfangsjahren wurden so- des Skiclubs Mariazell darum, die
gleich alle Möglichkeiten mit Skiern Strecke von Mariazell nach Wien-
unter den Füßen genützt. Dazu ge- erbruck mit Skiern in kürzest mög-
hörte das Dahingleiten auf ebenen licher Zeit zu bewältigen. Diese Art
Flächen, man erfreute sich am kur- von Wettkämpfen setzte sich auch
zen Besteigen von Hügeln und der noch in der Zwischenkriegszeit
anschließenden Talfahrt. Bereits fort, wobei nach längeren Abfahr-
1893 bei der sogenannten „Maria- ten immer wieder Gegenanstiege
zeller Probe“ ging es 21 Mitgliedern überwunden werden mussten. Ein Skifahrerinnen beim nicht mehr bestehenden Lunzer Jugendheim um 1926
94 95

ge der Lunzer Bergwelt oberhalb als „Ötscher-Heinrich“ bekannte Trä-


der Baumgrenze. Zwar war nach ger Heinrich Prüller schon vor 1930
1918 auf der Ybbstalbahn der Trans- Skikurse beim Ötscher-Schutzhaus,
port von Skiern noch verboten, und und ab 1933 war die Abfahrt von der
auch bei der Post waren strenge Hütte durch eigens dafür angelegte
Verpackungsvorschriften einzuhal- breite Waldschneisen zum Riffelsat-
ten − dies sollte sich aber schon tel und weiter hinunter zum Riffel-
nach wenigen Jahren ändern, denn boden möglich. Diese Ötscherab-
nun begannen die Massentranspor- fahrt existiert übrigens mit kleinen
te von Wiener SkitouristInnen zu Veränderungen heute noch. Im Tal
den Skigebieten mit der Mariazeller baute der Österreichische Arbeits-
Bahn und der Ybbstalbahn. Unter dienst (ein paramilitärisches Projekt
dem Motto „Fahrt ins Weiße“ fuhren der Bundesregierung gegen die
alljährlich Sonderzüge mit bis zu hohe Jugendarbeitslosigkeit) 1934
250 WintersportlerInnen von Wien die Josef-Ippen-Schanze, denn die
zu den Skiorten. Spezialdisziplinen des Skispringens
In Lackenhof veranstalteten der und des Langlaufs gewannen im-
Hüttenwirt Otto Karlitzky und der mer mehr an Bedeutung.

Winterliche Aufschwünge und Krisen Lunzer Winterwerbeprospekt 1937

Der 1927 in Lunz gegründete Win- kamen sechstägige Skikurse und fels auf unpräparierter Piste bis zur Stoßzeiten musste etwa der Wirt
tersportverein veranstaltete ab geführte Skitouren, für den Ge- Legsteinalm führte. der Ybbstaler Hütte sogar die Leg-
1928 die ersten Kurse mit Skilehrern päcktransport von der Haltestelle Durch intensive Werbung für die steinalm zusätzlich bewirtschaften.
der „Arlbergschule“. Die Ybbstaler Stiegengraben zur Hütte standen Skigebiete Dürrenstein und Hoch- Ähnliche Höhepunkte erlebte auch
Hütte wurde nun auch im Winter Träger zur Verfügung. 1935 wur- kar wuchs der Wintertourismus Mariazell, das mitten im Krieg in
bewirtschaftet. 1934 pachtete der de erstmals das Skirennen um den derart an, dass beide Schutzhüt- der Saison 1940/41 die größte Zahl
Tiroler Ernst Egger die Hütte und „Dürrenstein-Pokal“ veranstaltet, ten meist schon lange Zeit vor Os- an Wintergästen in der Steiermark
setzte neue Akzente. Ins Angebot das vom Wechtenkamm des Vorgip- tern ausgebucht waren. In solchen erzielte. Kurz danach erlahmte we-
96 97

gen des Krieges der Skitourismus. einige Jahre, bis im Zuge des wirt- Plaimauer war außerdem ein groß- auch neue Trendsportarten zum
Die Orts- und Kreisleiter der „Nati- schaftlichen Aufschwungs auch im artiger Motorsportler und organi- Zuge kamen.
onalsozialistischen Volkswohlfahrt“ Ybbstal der Ausbau von Skigebieten sierte Monsterveranstaltungen auf
(NSV) versuchten durch zahlrei- begann. Den Anfang machten in La- dem zugefrorenen Lun-
che Sammlungen, wie etwa dem ckenhof der Kirchenwirt August Etz- zer See in Form von Eis-
„Winterhilfswerk“, Engpässe bei der ler mit einem kleinen Schlepplift in rennen und Skijörings.
Versorgung der Frontsoldaten zu Ortsnähe auf dem „Kerninger“ und In den 60er-Jahren star-
beheben. Dazu gehörte nach dem in Lunz der große Sportpionier Leo- teten die Gemeinden
Winter 1941 auch das Sammeln von pold Plaimauer mit dem Bau einer Gaming und Göstling
Skiern für die Wehrmacht. Sprungschanze und eines Schlepp- touristische Großangrif-
Nach dem Krieg dauerte es nur liftes am Lanzenbergerkogel. fe auf Ötscher und Hoch-
kar. Gaming begann
1963 mit der Eröffnung
des Ötscherliftes, dem
1968 ein Lift auf den Ei-
benkogel und 1969 auf 1954 ging der vormalige Skiflugweltrekordler
den Kleinen Ötscher Josef „Bubi“ Bradl über die Plaimauer-Schanze
folgte. Die Göstlinger er-
richteten 1963 bis 1965
die Hochkarstraße und
starteten 1965 mit dem
Ausbau des Skigebietes
Hochkar mit Skiliften
auf den Vorgipfel, die
Häsing, die Leckerplan
und im „Karl“. In beiden
Skigebieten kam es zur
Durchführung von be-
deutenden Skirennen
Teilnehmer am ersten Wettkampf um den „Dürrenstein-Pokal“ 1935 und Events, bei denen Skijöring auf dem Eis des Lunzer Sees um 1960
98 99

Streit um Dürrenstein denn das ausgedehnte Relief des wohl noch eine markierte Abfahrts-
Massivs weist denkbar ungünstige route, die in schwierigem Gelände
In Lunz plante Bürgermeister Kurt füllte durch mehrere Wochen die Voraussetzungen für die Errichtung vom Hirzeck sehr steil nach Kasten
Pfeiller die Erschließung des Dür- Seiten einer Lokalzeitung. Danach von Liften auf. Innerhalb der Hoch- hinunterführte. Damals zogen es
rensteins mit dem Bau einer Seil- begnügte sich die Gemeinde Lunz fläche bestehen nur geringe Hö- jedoch die meisten SkifahrerInnen
bahn, die vom Lunzer See auf den mit Liften auf dem Maiszinken henunterschiede zu den einzelnen vor, wieder zu Fuß von der Ybbsta-
Kleinen Hetzkogel hätte führen (1971) und in Kasten (1981), wo- Nebengipfeln, und die teils felsigen ler Hütte entlang der Aufstiegsspur
sollen. Dies konnte jedoch 1959 durch der Dürrenstein weiterhin und dicht bewaldeten Steilhänge in zur Haltestelle Stiegengraben abzu-
der Grundbesitzer Hans Peter Ku- unversehrt den TourengeherInnen Richtung Tal bieten kaum Möglich- steigen. Auch bei der Abfahrt vom
pelwieser verhindern. Die zum Teil zur Verfügung stand und steht. keiten für den Bau von Abfahrts- Dürrensteingipfel durch das Seetal
sehr heftig geführte Auseinander- Der Dürrenstein hätte sich kaum pisten, die auch von schwächeren überwiegen eher negative Aspekte:
setzung der beiden Kontrahenten für ein großes Skigebiet geeignet, SkifahrerInnen befahren werden der meist vereiste Gipfelhang, der
könnten. Die einzige leichte Ab- überaus steile Hang von der Her-
fahrt führt derzeit vom Bereich der renalm in Richtung Obersee und
Ybbstaler Hütte über schier end- die stark von Lawinen gefährdete
lose Forststraßen ins Steinbachtal. Forststraße hinunter zum Lunzer
In der Zwischenkriegszeit gab es See.

Extremes Gelände
Ähnliche Bedingungen sind auch mit 4,5 Kilometern Länge über den
auf dem Hochkar gegeben, näm- „Schottenschlag“ und das „Alpl“ zur
lich ein kleinräumiges Skigebiet Mautstelle der Hochkarstraße hin-
oberhalb der Baumgrenze, das bei unterführen soll, fehlt bis heute das
Schlechtwetter extrem den West- nötige Geld.
winden ausgesetzt ist, und das Für TourengeherInnen, die extreme
Fehlen einer geeigneten Talabfahrt. Steilhänge und schwieriges Wald-
Zwei Schlepplifte erschließen den Lunzer Maiszinken zu einem preisgünstigen Für eine seit 1965 geplante Ab- gelände bevorzugen, bieten sich
Familienskigebiet. fahrtspiste, die vom Scheiterkogel in den Ybbstaler Alpen zahlreiche
100 101

oder Wagnerritsche an der Südseite Eine Winterbegehung der Nord-


erfordert hohes technisches Kön- wand gelang der Seilschaft K. Win-
nen und setzt optimale Schneever- ter und L. Obermann bereits am
hältnisse voraus. 11. Februar 1951 bei wenig Eis und
Zu den größten Erlebnissen im Win- viel Schnee. Wesentlich härter hatte
ter zählen sicherlich die Überschrei- wahrscheinlich die Seilschaft H. und
tung des Kammes vom Dürrenstein R. Fidler zu kämpfen, als sie vom 15.
zum Hochkar, bei der auch mit ei- bis 18. September 1968 bei Schnee-
ner Biwaknächtigung gerechnet sturm, donnernden Lawinen und
werden muss, die Begehung des enormem Steinschlag diese Wand
Rauhen Kammes oder gar die Be- bewältigte und dabei zwei Mal bi-
zwingung der Ötscher-Nordwand. wakieren musste.

Der Ötscher vom Grubberg aus

Möglichkeiten. An der Südseite sollte aber auf diese Touren verzich-


des Hochkars gibt es solche Touren tet werden.
etwa in Gipfelnähe im Wachtergra- Besonders extremes Gelände findet
ben oder Lahngraben und weiter sich auf den allseits überaus steil
östlich im Hirschplangraben. Im abfallenden Flanken des Ötschers,
Dürrensteingebiet gab es einst ähn- auf denen leider auch schon meh-
lich extreme Steilabfahrten durch rere tödliche Unfälle zu beklagen
die Eisenstattrinne, vom Sperrriedel waren. Die Befahrung von Fürsten-
in die Hundsau, über den Osthang plan, Kreuzplan, Juckfiedelplan,
ins Ätztal oder vom Lueg hinunter Taubensteinrinne, Himmelleiter
zum Obersee. Seit der Gründung oder Teufelsgrube an der Nordseite
des Wildnisgebietes Dürrenstein und von Südkarrinne, Wurzleiten Am Gipfel des Großen Hetzkogels
102 103

Perspektiven als Bergsteigerdorf

Man hat in Lunz rechtzeitig erkannt, ßerdem können Klettersteige im


den kostbaren Schatz an Natur- Hochkargebiet empfohlen werden.
schönheiten zu bewahren, und ist Wesentlich günstigere Vorausset-
bemüht, den Fremdenverkehr in zungen finden Extremwanderer
eine Richtung zu lenken, die dem vor, die im weglosen Gelände an
sanften Tourismus mehr Bedeutung den teils felsigen Steilflanken des
schenkt. WissenschaftlerInnen und Dürrensteins in landschaftlich
KünstlerInnen finden in Lunz wei- besonders eindrucksvolle Zonen
terhin ein reiches Betätigungsfeld, vordringen können. Dies setzt al-
und für BergsteigerInnen bieten lerdings absolute Trittsicherheit,
die Berge der Ybbstaler Alpen vie- eine gewisse Kletterfertigkeit und
le lohnende Ziele. In die nähere die Berücksichtigung der Bestim-
Umgebung des Ortes führen zahl- mungen hinsichtlich der geltenden
reiche gepflegte Wanderwege, wie Wegefreiheit voraus. Ein Musterbei-
die Seepromenade am Südufer des spiel dafür ist die „Scheibe“, ein Vor-
Lunzer Sees oder der Bahnerlebnis- gipfel des Scheiblingsteins, deren
weg von Holzapfel nach Pfaffen- Gipfel nur auf sehr steilen, unbe-
schlag. Die wichtigsten Zustiege zeichneten Steigen erreicht werden
zu den Gipfeln von Dürrenstein, kann.
Blick vom Kleinen Hetzkogel auf Lunz und den Lunzer See Ötscher und Hochkar sind bestens Bei Bergunfällen innerhalb des Ge-
markiert. Auf allen drei Bergen be- meindegebietes von Lunz ist die
steht in Schutzhütten Übernach- Ortsstelle des ÖBRD zuständig, die
tungsmöglichkeit, wobei vor allem seit 2003 im neuen Vereinshaus ne-
die auf dem Dürrenstein gelegene ben dem Amonhaus untergebracht
und von der OeAV-Sektion Austria ist. Während der letzten Jahre konn-
betreute Ybbstaler Hütte für den te die Ausrüstung auf den moderns-
Lunzer Fremdenverkehr von großer ten Stand gebracht werden, und au-
Bedeutung ist. ßerdem richteten freiwillige Helfer
Zum Klettern bietet sich lediglich 1968 auf dem Dürrenstein die ziem-
die Ötscher-Nordwand an. Au- lich desolate Legstein-Halterhütte
104 105

zu einer Außenstelle des Bergret- reits 1959 der Plan zur Errichtung Literatur
tungsdienstes ein. eines ähnlichen Skigebietes auf
Infolge der starken Präsenz des ÖTK dem Dürrenstein scheiterte. Einen Bachinger, Karl: Der Niedergang der Kleineisenindustrie in der niederösterr. Eisen-
in den Ybbstaler Alpen blieben die Ersatz dafür bildeten die kleinen wurzen (1850–1914); Verlag Notring, Wien 1972
Aktivitäten des OeAV in dieser Ge- Skigebiete auf dem Maiszinken Barth, Hans: Führer durch die Niederösterr.-Steirischen Voralpen samt Veitschalpe
birgsgruppe eher bescheiden, doch und in Kasten. Sehr früh wurde in und Zugängen nach Mariazell; Verlag Artaria, Wien 1922
kam es 2005 in Lunz zur Gründung Lunz ein Weg eingeschlagen, der Baumgartner, Bernhard/Tippelt, Werner: Ötscherland und Pielachtal; Verlag
einer „Ortsgruppe Lunz“ der OeAV- den Intentionen des Projekts Berg- NÖ Pressehaus, St. Pölten 1977
Sektion Waidhofen a. d. Ybbs. steigerdörfer des OeAV entspricht. Baumgartner, Bernhard/Tippelt, Werner: Schifahren in Niederösterreich; Verlag
Der Wintertourismus entwickelte Die herrliche Winterlandschaft des NÖ Pressehaus, St. Pölten 1985 (2. Aufl.)
sich in Lunz völlig anders als in den Dürrensteins dürfte also dauerhaft Baumgartner, Bernhard/Tippelt, Werner: Ötscher-Führer; Verlag NÖ Pressehaus,
Nachbargemeinden Gaming und vom Pistenlärm verschont bleiben, St. Pölten 1995
Göstling. Dort begann nämlich am und über das Eis des Lunzer Sees Baumgartner, Bernhard/Tippelt, Werner: Wandererlebnis Ötscher und Ybbstaler
Beginn der 60er-Jahre der Ausbau donnern schon lange nicht mehr Alpen; Kral-Verlag, Berndorf 2013
größerer Skigebiete auf Ötscher die Motoren der Fahrzeuge großer Becker, Moritz Alois: Reisehandbuch für Besucher des Ötschers; Verlag Leopold
und Hochkar, während in Lunz be- Motorsportveranstaltungen. Grund, Wien 1859
Blamauer, Hubert/Perschl, Georg/Strobl, Hermann: Jahreschronik der Markt-
gemeinde Göstling an der Ybbs 1900–1969; Marktgemeinde Göstling an der Ybbs,
Göstling 2012
Büttner, Rudolf: Das Alpenvorland westlich der Traisen und die nö. Eisenwurzen;
Exkursionsführer für den 8. österr. Historikertag; St. Pölten 1964
Eppel, Franz: Die Eisenwurzen; Verlag St. Peter, Salzburg 1968
Faupl, Peter: Historische Geologie; Facultas Verlags- und Buchhandels AG,
Wien 2003
Fink, Max H.: Der Dürrenstein; Landesverein für Höhlenkunde in Wien und
Niederösterreich, Wien 1973
Fischer, Manfred/Adler, Wolfgang/Oswald, Karl: Exkursionsflora für Österreich,
Liechtenstein und Südtirol; Land Oberösterreich, Linz 2005 (2. Aufl.)
Fruwirth, Carl: Führer auf den Dürrenstein (7. Heft in der Serie Wiener Touristen-
Felsformationen im Lechnergraben Führer); Verlag des ÖTK, Wien 1882
106 107

Gehmacher, Ernst: Zu Fuss durch Österreich; Verlag Fritz Molden, Wien 1982 Bote“): Jahrgang 1891/Nummer 21, 35; 1894/7; 1899/5; 1900/39, 40, 45; 1904/33;
Gutkas, Karl: Die Geschichte des Landes Niederösterreich; Verlag NÖ Pressehaus, 1907/18, 47; 1908/22; 1910/28, 32, 33; 1911/46; 1912/24, 45; 1913/34; 1915/46;
St. Pölten 1974 1917/16; 1920/22; 1921/11; 1923/23, 38; 1924/43; 1926/6, 35, 40; 1925/1, 20, 26;
Hafner, Franz: Steiermarks Wald in Geschichte und Gegenwart; Österreichischer 1927/4; 1928/2, 10, 32; 1929/9; 1930/24, 25; 1931/6, 14, 15; 1932/10, 15, 17, 21, 25,
Agrarverlag, Wien 1979 31, 51; 1933/4, 38; 1934/15, 34, 43, 50; 1935/3, 11,12, 50; 1936/50; 1937/10, 13, 21,
Hartmann, Helga und Wilhelm: Die Höhlen Niederösterreichs, Band 3 und 5; 38, 41; 1938/27; 1939/12, 37; 1940/40; 1941/45; 1942/26; 1943/22, 33, 38; 1944/9,
Landesverein für Höhlenkunde in Wien und Niederösterreich, Wien 2000 19; 1946/28; 1948/32; 1949/8, 13, 15, 30, 41; 1950/2, 9, 38; 1951/11, 38; 1952/4;
Harucksteiner, Karl/Staudinger Wolfgang: Pfarrgeschichte Mendling zu Lassing; 1953/17; 1954/17, 27, 36; 1955/21; 1956/27; 1957/28, 40; 1958/35; 1959/4, 5, 6;
Pfarrgemeinde Lassing 1982 1960/43, 52; 1964/19; 1971/52; 1973/5; 1978/50; 1981/52
Häuser, Luis: Winterführer durch die Mariazeller Berge; Leykam, Graz/Wien 1946 Ressl, Franz: Naturkunde des Bezirkes Scheibbs; Verlag R. & F. Radinger, Scheibbs
Hermann, Michaela: 700 Jahre Göstling; Marktgemeinde Göstling 2005 1980
Hermann, Michaela/Spandl, Alois: Die Kartause Gaming; Eigenverlag Walter Hilde- Ritzinger, Frieda/Krückel, Herbert: Damit es nicht verlorengeht; Dorferneuerungs-
brand, Scheibbs 2007 verein Lunz am See, Lunz 1997
Karlitzky, Felix: Kartause Gaming; Eigenverlag Walter Hildebrand, Wieselburg 1993 Ronninger, Karl: Försters Touristenführer in Wiens Umgebungen, Heft V; Verlag
Kraus-Kassegg, Elisabeth: Chronik der Marktgemeinde Lunz am See; Eigenverlag, Hölder, Wien 1912
Lunz 1979 Schnabel, Wolfgang: Arbeitstagung der Geologischen Bundesanstalt 1979; Thema:
Leditznig, Christoph/Pekny, Reinhold: Die Brutvögel des Wildnisgebietes Dürren- Blatt 71 (Ybbsitz, Lunz); Wien 1979
stein; Schutzgebietsverwaltung Wildnisgebiet Dürrenstein, Scheibbs 2008 Seefried, Otto: Geschichte des Marktes Gresten; Verlag der Gutsinhabung Stiebar;
Leditznig, Christoph/Pekny, Reinhold: Die Säugetiere des Wildnisgebietes Dürren- Gresten 1933
stein; Schutzgebietsverwaltung Wildnisgebiet Dürrenstein, Scheibbs 2009 Sperl, Gerhard/Stögmüller, Hans/ Tippelt, Werner: Österreichische Eisenstraße;
Leditznig, Christoph/Pekny, Reinhold: Wildnisgebiet Dürrenstein; Schutzgebiets Ennsthaler Verlag; Steyr 1992
verwaltung Wildnisgebiet Dürrenstein, Scheibbs 2010 Steffan, Josef/Tippelt, Werner: Ybbstaler Alpen; Bergverlag Rudolf Rother, München
NÖ Bergrettung, Ortsstelle Göstling (Hrsg.): Die ÖBRD-Ortsstelle Göstling a. d. Ybbs 1977
im Wandel der Zeit 1964–2010; Druckerei Queiser, Scheibbs 2010 Stepan, Eduard: Bilder aus den Eisenwurzen; Verlag der Zeitschrift Deutsches Vater-
Österreichischer Touristenklub (Hrsg.): 100 Jahre ÖTK; Verlag Polderer, Wien 1969 land, Wien 1925
Ott, Rudolf: Illustrierter Führer auf der niederösterr.-steirischen Alpenbahn; Verlag Stepan, Eduard: Das Ybbstal, 1. Band; Eigenverlag, Göstling 1948
der Direktion der n.ö. Landesbahnen, Wien 1908 Stepan, Eduard: Das Ybbstal, 2. Band; Eigenverlag, Göstling 1951
Rabl, Josef: Illustrierter Führer durch Nieder-Österreich; A. Hartleben‘s Verlag, Tippelt, Werner/Baumgartner, Bernhard: Niederösterreich Nordisch; Verlag NÖ
Wien 1883 Pressehaus, St. Pölten 1984
Radinger, Rudolf: Wochenzeitung Erlauftalbote (gegründet 1891 als „Erlafthal-
108 109

Tippelt, Werner/Baumgartner, Bernhard: Mariazeller Bergland mit Schneealpe, Adressen


Veitsch und Hochschwab; Verlag NÖ Pressehaus, St. Pölten 1985 (2. Aufl.)
Tippelt, Werner: Gaming; Christian Brandstätter Verlag, Wien 1985 Ybbstaler Hütte (1.344 m) Telefon Hütte: +43/(0)650/587 84 22
Tippelt Werner: Ybbstal & Ötscherland; Ennsthaler Verlag, Steyr 1995 OeAV-Sektion Austria (nur SMS möglich)
Tippelt, Werner: Der Ötscher; Verlag G. Radinger, Scheibbs 2001 Schlafplätze: 4 Betten, 43 Lager herrrenalm@telering.at
Watzl, P. H. (Hrsg.): Flucht und Zuflucht, Das Tagebuch des Priesters Balthasar Klein- Winterraum: 4 Betten (AV-Schloss) www.herrenalm.at
schroth aus dem Jahr 1683; Imprint, H. Böhlaus Nachf., Graz 1983 Bewirtschaftungszeit:
Wegenstein, Peter: Die Ybbstalbahn (aus der Reihe „Bahn im Bild“, Band 30); Verlag Anfang Juni – Ende Oktober Tourismusverein Lunz am See
Peter Pospischil, Wien 1983 (Nationalfeiertag) Amonhaus
Wessely, Gottfried: Geologie der österr. Bundesländer – Niederösterreich; Geolo- 28. Dezember bis 1. Jänner Amonstraße 16
gische Bundesanstalt, Wien 2006 (Anmeldung erforderlich) 3293 Lunz am See
Wissenschaftliche Mitteilungen aus dem Niederösterreichischen Landesmuseum, Telefon Hütte: +43/(0)664/988 68 01 Tel.: +43/(0)7486/80 81 15
20. Band; St. Pölten 2010 yth@aon.at info@lunz.gv.at
Zelinka, Theodor: Scheibbs, Waidhofen a. d. Ybbs, Weier; Verlag Hölder, Wien 1879 www.ybbstalerhuette.at www.lunz.at/tourismus/index.php
Zelinka, Theodor: Führer durch Waidhofen a. d. Ybbs; Verlag des ÖTK, Wien 1886
Ötscherschutzhaus (1.418 m) Marktgemeinde Lunz am See
Österreichischer Touristenklub Amonstraße 16
Schlafplätze: 47 Betten 3293 Lunz am See
Bewirtschaftungszeit: Tel.: +43/(0)7486/8081
Anfang Mai bis Ende Oktober gemeindeamt@lunz.at
(Nationalfeiertag) www.lunz.at
Telefon Hütte: +43/(0)664/301 17 35
mueller.k@hotmail.com Österreichischer Bergrettungsdienst
www.oetscherschutzhaus.at Ortsstelle Lunz
Ortsstellenleiter Norbert Fallmann
Herrenalm (1.327 m) Tel.: +43/(0)664/621 19 64
Weidegemeinschaft Herrenalm
Obmann Hans Buber:
Tel.: +43/(0)7487/2282
Mountainbiken und E-Mountainbiken am Maiszinken Labestation, Nächtigungsmöglichkeit
110 111

Bergsteigerdörfer – www.bergsteigerdoerfer.at
Oesterreichischer Alpenverein Ybbsitzer Straße 67 Das Projekt „Bergsteigerdörfer“ ist eine Initiative des Oesterreichischen Alpenver-
Ortsgruppe Lunz am See (Sektion 3340 Waidhofen an der Ybbs eins. Es handelt sich dabei um kleine Gemeinden, die nach einem strengen Krite-
Waidhofen/Ybbs) wilhelm.weissensteiner@hella-co.eu rienkatalog ausgewählt werden und für ein reichhaltiges Alpinangebot in unver-
Leiter der Ortsgruppe: Anton Hauser www.waidhofen.naturfreunde.at brauchter Naturlandschaft stehen. „Bewegung aus eigener Kraft“ lautet das Motto
Kl. Seeaustraße 9 der Bergsteigerdörfer. Damit sind Aktivitäten wie Wandern, Bergsteigen, Klettern,
3293 Lunz am See Österreichischer Touristenklub Schneeschuhwandern, Skitourengehen und Langlaufen gemeint. Die Initiative steht
Tel.: +43/(0)7482/8062 Sektion Scheibbs unter der Schirmherrschaft der Alpenkonvention, und es ist Aufgabe der Bergstei-
www.alpenverein.at/waidhofen-ybbs Vorsitzender: Peter Frosch gerdörfer, nicht nur selbst nachhaltig zu wirtschaften, sondern auch eine starke Vor-
p.v.frosch@aon.at bildfunktion für andere Gemeinden auszuüben.
Naturfreunde Österreich www.oetk-scheibbs.at Folgende Gemeinden bzw. Talschaften zählen zu den Bergsteigerdörfern: Das Große
Ortsgruppe Waidhofen an der Ybbs Walsertal, Ginzling im Zillertal, Vent im Ötztal, St. Jodok – Schmirn- und Valsertal,
Vorsitzender: Willi Weissensteiner das Sellraintal, das Villgratental, das Tiroler Gailtal, die Gemeinde Lesachtal, Mauthen,
Mallnitz, Malta, Zell–Sele, Weißbach bei Lofer, Hüttschlag im Großarltal, Johnsbach
im Gesäuse, die Steirische Krakau, Steinbach am Attersee, Grünau im Almtal, Lunz
am See und Reichenau an der Rax.

Projektteam:
Oesterreichischer Alpenverein
Peter Haßlacher, Christina Schwann, Roland Kals, Regina Stampfl
Olympiastraße 37
6020 Innsbruck
Tel.: +43/(0)512/59 547-31
Fax: +43/(0)512/59 547-40
christina.schwann@alpenverein.at
www.bergsteigerdoerfer.at

Morgenrot auf dem Gipfel der Scheibe


112 113

Serie Alpingeschichte kurz und bündig: Oesterreichischer Alpenverein (Hrsg.): Bergsteigerdorf Johnsbach im Gesäuse – Ein
Glantschnig, Erich: Alpingeschichte kurz und bündig – Mallnitz; Hrsg. Oesterreichischer alpines Arkadien; 38 Seiten; 2. Auflage, Innsbruck 2011
Alpenverein; 118 Seiten; Innsbruck 2011 Oesterreichischer Alpenverein (Hrsg.): Bergsteigerdorf Hüttschlag – Almen und Berg-
Hasitschka, Josef: Alpingeschichte kurz und bündig – Johnsbach im Gesäuse; Hrsg. mähder im Großarltal; 46 Seiten; 2. Auflage, Innsbruck 2012
Oesterreichischer Alpenverein; 122 Seiten; Innsbruck 2010 Oesterreichischer Alpenverein (Hrsg.): Bergsteigerdorf Lunz am See – Wo die Ois zur
Maca, Willi: Alpingeschichte kurz und bündig – Reichenau an der Rax; Hrsg. Oesterrei- Ybbs mutiert; 46 Seiten; 3. Auflage, Innsbruck 2013
chischer Alpenverein; 126 Seiten; Innsbruck 2013 Oesterreichischer Alpenverein (Hrsg.): Bergsteigerdorf Steirische Krakau – Fernsehen
Mair, Walter: Alpingeschichte kurz und bündig – Das Lesachtal; Hrsg. Oesterreichischer mit Seeaugen; 42 Seiten; 2. Auflage, Innsbruck 2012
Alpenverein; 122 Seiten; Innsbruck 2011 Oesterreichischer Alpenverein (Hrsg.): Bergsteigerdorf Vent im Ötztal – Ein Klassiker
Peters, Robert und Lederer, Sepp: Alpingeschichte kurz und bündig – Mauthen im unter den Bergsteigerdörfern; 50 Seiten; 2. Auflage, Innsbruck 2012
Gailtal; Hrsg. Oesterreichischer Alpenverein; 110 Seiten, Innsbruck 2013 Oesterreichischer Alpenverein (Hrsg.): Bergsteigerdorf Ginzling – Am Anfang war das
Sauer, Benedikt: Alpingeschichte kurz und bündig – Das Villgratental; Hrsg. Oesterreichi- Bergsteigen; 46 Seiten; 2. Auflage, Innsbruck 2012
scher Alpenverein; 118 Seiten; Innsbruck 2011 Oesterreichischer Alpenverein (Hrsg.): Bergsteigerdorf Mallnitz – Perle im Nationalpark
Schlosser, Hannes: Alpingeschichte kurz und bündig – Vent im Ötztal; Hrsg. Oesterrei- Hohe Tauern; 42 Seiten; 2. Auflage, Innsbruck 2012
chischer Alpenverein; 122 Seiten, Innsbruck 2012 Oesterreichischer Alpenverein (Hrsg.): Bergsteigerdörfer Kartitsch, Obertilliach, Unter-
Schmid-Mummert, Ingeborg: Alpingeschichte kurz und bündig – Das Große Walsertal; tilliach – Drei Gemeinden im Tiroler Gailtal; 42 Seiten; 2. Auflage, Innsbruck 2012
Hrsg. Oesterreichischer Alpenverein; 106 Seiten; 2. Auflage, Innsbruck 2012 Oesterreichischer Alpenverein (Hrsg.): Das Große Walsertal – Willkommen im UNESCO-
Steger, Gudrun: Alpingeschichte kurz und bündig – Ginzling im Zillertal; Hrsg. Oesterrei- Biosphärenpark; 46 Seiten; 2. Auflage, Innsbruck 2011
chischer Alpenverein; 114 Seiten; Innsbruck 2010 Oesterreichischer Alpenverein (Hrsg.): Das Lesachtal – Ausgezeichnet naturbelassen;
Tippelt, Werner: Alpingeschichte kurz und bündig – Lunz am See; Hrsg. Oesterreichi- 58 Seiten; Innsbruck 2010
scher Alpenverein; 118 Seiten; Innsbruck 2013 Oesterreichischer Alpenverein (Hrsg.): Grünau im Almtal – Grüne Auen und grünes
Trautwein, Ferdinand: Alpingeschichte kurz und bündig – Grünau im Almtal; Hrsg. Wasser; 42 Seiten; Innsbruck 2010
Oesterreichischer Alpenverein; 110 Seiten; Innsbruck 2010 Oesterreichischer Alpenverein (Hrsg.): Das Villgratental – Herz-Ass in Inner- und Außer-
Wallentin, Gudrun und Herta: Alpingeschichte kurz und bündig – Steinbach am Atter- villgraten; 50 Seiten; Innsbruck 2010
see; Hrsg. Oesterreichischer Alpenverein; 110 Seiten; Innsbruck 2010 Oesterreichischer Alpenverein (Hrsg.): Reichenau an der Rax – Wo Künstler und Thera-
Wiedemayr, Ludwig: Alpingeschichte kurz und bündig – Das Tiroler Gailtal − Kartitsch, peuten in die Berge gehen; 46 Seiten; Innsbruck 2010
Obertilliach, Untertilliach; Hrsg. Oesterreichischer Alpenverein; 106 Seiten; Innsbruck Oesterreichischer Alpenverein (Hrsg.): Malta – Im Tal der stürzenden Wasser; 46 Seiten;
2010 Innsbruck 2010
Oesterreichischer Alpenverein (Hrsg.): Steinbach am Attersee – Kultur und Bergnatur
Broschüren: am Alpenstrand; 42 Seiten; Innsbruck 2010
Oesterreichischer Alpenverein (Hrsg.): Kleine und feine Bergsteigerdörfer zum Genießen Oesterreichischer Alpenverein (Hrsg.): Weißbach bei Lofer – Almen, Klammen, Kletter-
und Verweilen; 158 Seiten, 6. Auflage; Innsbruck 2013 gärten; 46 Seiten; Innsbruck 2011
114 115

Oesterreichischer Alpenverein (Hrsg.): Mauthen im Gailtal – Im Herzen der Karnischen des OeAV, Nr. 2/2010; Innsbruck 2010; S. 82–84
Alpen; 50 Seiten; Innsbruck 2011 Fürhapter, Martin: Villgratental – Geheimnisvolle Bergsteigerdörfer; in: Oesterreichischer
Oesterreichischer Alpenverein (Hrsg.): St. Jodok, Schmirn- und Valsertal – Stolze Berge – Alpenverein (Hrsg.): Bergauf – Mitteilungsheft des OeAV, Nr. 4/2011; Innsbruck 2011;
Sanfte Täler; 46 Seiten; Innsbruck 2012 S. 82–84
Oesterreichischer Alpenverein (Hrsg.): Zell-Sele – Herz der Karawanken; 46 Seiten; Goller, Anton und Wiedemayr, Ludwig: Drei Bergsteigerdörfer im Tiroler Gailtal; in:
Innsbruck 2013 Oesterreichischer Alpenverein (Hrsg.): Bergauf – Mitteilungsheft des OeAV, Nr. 5/2009;
Oesterreichischer Alpenverein (Hrsg.): Region Sellraintal – Hochalpin und stadtnah; 46 Innsbruck 2009; S. 70–72
Seiten; Innsbruck 2013 Guggenberger, Ingeborg: Das Lesachtal – Ein Märchenland; in: Oesterreichischer Alpen-
verein (Hrsg.): Bergauf – Mitteilungsheft des OeAV, Nr. 1/2012; Innsbruck 2012; S. 70–72
Serie Ideen – Taten – Fakten: Haßlacher, Peter: Entwicklung und Förderung von Bergsteigerdörfern – Zukunftsauf-
Oesterreichischer Alpenverein (Hrsg.): Startkonferenz Bergsteigerdörfer im Bergsteiger- gabe bei der Umsetzung der Alpenkonvention; in: Haßlacher, Peter (Red.): Die Alpen-
dorf Ginzling, 10.–11. Juli 2008, Tagungsband; Serie Ideen – Taten – Fakten Nr.1; konvention – Markierungen für ihre Umsetzung (Fachbeiträge des Oesterreichischen
34 Seiten; Innsbruck 2008 Alpenvereins – Serie: Alpine Raumordnung Nr. 24); Innsbruck 2004
Oesterreichischer Alpenverein (Hrsg.): Bergsteigerdörfer – Ein Modell für die Umsetzung Haßlacher, Peter: Wurzeln und Fundament – Die Alpingeschichte der Bergsteigerdörfer;
der Alpenkonvention; Tagung Mallnitz/Kärnten, 26.–27. November 2008; Serie Ideen – in: Oesterreichischer Alpenverein (Hrsg.): Bergauf – Mitteilungsheft des OeAV, Nr.
Taten – Fakten Nr. 2; 54 Seiten; Innsbruck 2009 4/2009; Innsbruck 2009; S. 18–20
Oesterreichischer Alpenverein (Hrsg.): Jahrestagung Bergsteigerdörfer – Öffentlicher Kals, Roland: bergsteigerdoerfer.at – Ein Tourismusprojekt des Alpenvereins zur Um-
Verkehr in peripheren Räumen; Grünau im Almtal; Serie Ideen – Taten – Fakten Nr. 3; setzung der Alpenkonvention – Eckpunkte der Angebotsentwicklung; in: Haßlacher,
70 Seiten; Innsbruck 2010 Peter (Red.): Mosaiksteine der Alpenkonvention – Bergsteigerdörfer, Alpintourismus
Oesterreichischer Alpenverein (Hrsg.): Jahrestagung Bergsteigerdörfer – Berglandwirt- in Österreichs Alpen (Fachbeiträge des Oesterreichischen Alpenvereins – Serie: Alpine
schaft und zukunftsfähiger Bergtourismus – eine untrennbare Einheit; Sonntag im Gr. Raumordnung Nr. 28); Innsbruck 2006; S. 50–63
Walsertal; Serie Ideen – Taten – Fakten Nr. 4; 78 Seiten; Innsbruck 2011 Kals, Roland: Bergsteigerdörfer reloaded – Für einen naturverträglichen Bergtourismus;
Oesterreichischer Alpenverein (Hrsg.): Jahrestagung Bergsteigerdörfer – Nachhaltiger in: Oesterreichischer Alpenverein (Hrsg.): Bergauf – Mitteilungsheft des OeAV, Nr. 2/
Bergtourismus – Kernkompetenz der Bergsteigerdörfer; Johnsbach im Gesäuse; Serie 2009; Innsbruck 2009; S. 8–12
Ideen – Taten – Fakten Nr. 5; 50 Seiten; Innsbruck 2012 Kals, Roland: Die Farbe Grün – Bergsteigen in der Steirischen Krakau; in: Oesterreichi-
Oesterreichischer Alpenverein (Hrsg.): Jahrestagung Bergsteigerdörfer – Raumplanung scher Alpenverein (Hrsg.): Bergauf – Mitteilungsheft des OeAV, Nr. 4/2009; Innsbruck
und nachhaltige Entwicklung; Lesachtal; Serie Ideen – Taten – Fakten Nr. 6; 46 Seiten; 2009; S. 74–76
Innsbruck 2013 Kals, Roland: Lunz am See – Vom Reiz des Unspektakulären; in Oesterreichischer
Alpenverein (Hrsg.): Bergauf – Mitteilungsheft des OeAV, Nr. 1/2010; Innsbruck 2010;
Weiterführende Literatur Bergsteigerdörfer: S. 50–53
Bischof, Monika und Schwann, Christina: Großes Walsertal – Ein von Tobeln durch- Kals, Roland: Grünau im Almtal – Nordwände, Kolkraben und Seenidyll; in: Oesterreichi-
tobeltes Tal; in: Oesterreichischer Alpenverein (Hrsg.): Bergauf – Mitteilungsheft scher Alpenverein (Hrsg.): Bergauf – Mitteilungsheft des OeAV, Nr. 3/2010; Innsbruck
116 117

2010; S. 94–97 Oesterreichischer Alpenverein (Hrsg.): Bergauf – Mitteilungsheft des OeAV, Nr. 5/2012;
Kals, Roland: Dreitausenderjagd – Bergsteigerdorf Malta; in: Oesterreichischer Alpenver- Innsbruck 2012; S. 92–95
ein (Hrsg.): Bergauf – Mitteilungsheft des OeAV, Nr. 4/2010; Innsbruck 2010; S. 62–64 Schwann, Christina: Familien-Zuwachs – St. Jodok ist das neue Bergsteigerdorf; in:
Kals, Roland: So speziell – Reichenau an der Rax; in: Oesterreichischer Alpenverein Oesterreichischer Alpenverein (Hrsg.): Bergauf – Mitteilungsheft des OeAV, Nr. 1/2013;
(Hrsg.): Bergauf – Mitteilungsheft des OeAV, Nr. 1/2011; Innsbruck 2011; S. 46–49 Innsbruck 2013; S. 66–69
Kals, Roland: Weißbach – Klettern, Bergradeln und Almenlust; in: Oesterreichischer Schwann, Christina: Herz-Ass-Runde – Wandereinladung ins Villgratental; in: Oester-
Alpenverein (Hrsg.): Bergauf – Mitteilungsheft des OeAV, Nr. 2/2011; Innsbruck 2011; reichischer Alpenverein (Hrsg.): Bergauf – Mitteilungsheft des OeAV, Nr. 2/2013;
S. 96–99 Innsbruck 2013; S. 84–86
Kendler, Sepp: Rund um die Tauernkönigin – Traumroute im Bergsteigerdörfer-Dreieck; Schwann, Christina: Zwei Neue im Bunde – Zell-Sele und Region Sellraintal; in: Oester-
in: Oesterreichischer Alpenverein (Hrsg.): Bergauf – Mitteilungsheft des OeAV, Nr. 3/ reichischer Alpenverein (Hrsg.): Bergauf – Mitteilungsheft des OeAV, Nr. 3/2013;
2012; Innsbruck 2012; S. 70–73 Innsbruck 2013; S. 76–79
Lederer, Sepp: Mauthen im Gailtal – Im Herzen der Karnischen Alpen; in: Oesterreichi- Schwann, Christina: Vielfältig – unverfälscht – selbstbewusst: Bergsteigerdörfer eben; in:
scher Alpenverein (Hrsg.): Bergauf – Mitteilungsheft des OeAV, Nr. 5/2011; Innsbruck Oesterreichischer Alpenverein (Hrsg.): Bergauf – Mitteilungsheft des OeAV, Nr. 4/2013;
2011; S. 96–98 Innsbruck 2013; S. 70–72
Schlosser, Hannes: Vent – Einzigartigkeit inmitten der Ötztaler Alpen; in: Oesterreichi- Wallentin, Gudrun: Ginzling – Am Anfang war das Bergsteigen; in: Oesterreichischer
scher Alpenverein (Hrsg.): Bergauf – Mitteilungsheft des OeAV, Nr. 5/2010; Innsbruck Alpenverein (Hrsg.): Bergauf – Mitteilungsheft des OeAV, Nr. 3/2011; Innsbruck 2011;
2010; S. 62–63 S. 56–58
Schwann, Christina: Die Bergsteigerdörfer – Ein Beitrag zur Umsetzung der Alpenkon- Wallentin, Gudrun: Steinbach am Attersee – Wo dem Gebirge ein See zu Füßen liegt; in:
vention in ausgewählten Gemeinden; in: Die Alpenkonvention: Nachhaltige Entwick- Oesterreichischer Alpenverein (Hrsg.): Bergauf – Mitteilungsheft des OeAV, Nr. 2/
lung für die Alpen, Nr. 52; Innsbruck 2008; S. 2–3 2012; Innsbruck 2012; S. 100–104
Schwann, Christina: Bergsteigerdörfer – Ein Idealfall der Alpenkonvention; in: Die Alpen-
konvention: Nachhaltige Entwicklung für die Alpen, Nr. 54; Innsbruck 2009; S. 11–12
Schwann, Christina und Stampfl, Regina: Johnsbach im Gesäuse – Ein Bergsteigerdorf
wie aus dem Bilderbuch; in: Oesterreichischer Alpenverein (Hrsg.): Bergauf– Mittei-
lungsheft des OeAV, Nr. 2/2009; Innsbruck 2009; S. 62–64
Schwann, Christina: Verborgenes Paradies – Das Bergsteigerdorf Hüttschlag im Groß-
arltal; in: Oesterreichischer Alpenverein (Hrsg.): Bergauf – Mitteilungsheft des OeAV,
Nr. 3/2009; Innsbruck 2009; S. 76–79
Schwann, Christina: Die Seele baumeln lassen – Bergsteigerdörfer-Partnerbetriebe und
Hütten; in: Oesterreichischer Alpenverein (Hrsg.): Bergauf – Mitteilungsheft des OeAV,
Nr. 4/2012; Innsbruck 2012; S. 88–91
Schwann, Christina: Schneeschuhwandern – Ein Plädoyer für die Langsamkeit; in:
118

Bildnachweis Werner Tippelt, Jahrgang 1942, einstiger Lehrer und


Direktor der Hauptschule Gaming, ist unermüdlich auf
Archiv Gemeinde Lunz am See: Titel, 10, 15, 16 (u.), 31, 33, 40, 45, 62, 84 (u.), 95, 97, Tour: wandernd und kletternd, per Ski oder im Boot,
98, 100, 108 hinter dem Fotoapparat, als Vortragender oder mit Ge-
Archiv Höttl, Johann: 64 (u.) schichtsbüchern unter dem Arm. Seine Wanderungen
Archiv Hottenroth, Hans Hagen: 42 auf einem Großteil der niederösterreichischen, ober-
Archiv Paumann, Erich: 9, 11, 12/13, 16 (o.), 18, 24, 34 (o.), 43, 46 (li.), 48, 49, 50, 51, 52, österreichischen und steirischen Berge (bereits 1986
54, 56, 59, 60, 61, 64 (o.), 67, 68, 72, 74, 82, 84 (o.), 88, 91, 93 hatte er alle niederösterreichischen Tausender be-
Archiv Perschl, Georg: 65 stiegen), seine teils schwierigen Klettertouren in den
Archiv Tippelt Werner: 36, 55, 66, 70, 79, 80, 81, 96 Ost- und Westalpen oder zahlreiche Touren mit dem
Baumgartner, Bernhard: 28, 77, 119 Mountainbike, wie etwa entlang der Ostsee, in Irland,
Kendler, Friederike: 32 im Jemen oder in der Mongolei, sagen über seinen Tourenhorizont ebenso viel aus
Ploderer, Martin: 101, 110, Rückseite wie über seine Kondition.
Schager Hans-Peter: 14 Auf musikalischem Gebiet setzte Tippelt seine Schwerpunkte in der Kirchen- und
Tippelt, Werner: 17, 20, 22, 25, 26, 29, 34 (u.), 39, 46 (re.), 57, 76, 85, 87, 90, 102, 104 Volksmusik, was ihn dazu bewog, sogar ein Buch über das „Ötscherland-Trio“ zu
schreiben, eine Volksmusikgruppe, in der er als Gitarrist mitgewirkt hat.
Ein Großteil von Werner Tippelts Bücher beschäftigt sich mit touristischen und kul-
Impressum turellen Themen. Durch die Arbeit am Buch „Der Ötscher“, seinem bisher umfang-
reichsten Werk, konnte Tippelt auch über das Bergsteigerdorf Lunz entsprechende
Herausgeber: Oesterreichischer Alpenverein, Olympiastr. 37, 6020 Innsbruck Stoffsammlungen anlegen.
Redaktion: Hannes Schlosser und Christina Schwann
Grafik: SuessDesign.de
Layout: Christina Schwann
Druck: Sterndruck, Fügen

Titelbild: Lunz mit der Amonschmiede im Vordergrund um 1870

Foto Rückseite: Wanderer auf der Scheibe, Lunz und sein See im Hintergrund
www.bergsteigerdoerfer.at