Sie sind auf Seite 1von 56

Ideen - Taten - Fakten Nr.

2
Tagung Mallnitz / Kärnten, 26. - 27. November 2008

Bergsteigerdörfer
Ein Modell für die Umsetzung der Alpenkonvention

MIT UNTERSTÜTZUNG VON BUND UND EUROPÄISCHER UNION

Europäischer Landwirtschaftsfonds
für die Entwicklung des ländlichen
Raums: Hier investiert Europa in
die ländlichen Gebiete.
Herausgeber: Oesterreichischer Alpenverein, Fachabteilung Raumplanung-Naturschutz
Olympiastr. 37, 6020 Innsbruck
Titelbild: Peter Angermann, Blick auf Mallnitz
Bilder: Hannes Schlosser
Textbearbeitung: Hannes Schlosser
Übersetzungen Deutsch - Englisch: Intralp, Aosta/Cuneo
Redaktion: Christina Schwann und Hannes Schlosser
Layout: Christina Schwann auf Basis des Corporate Designs Bergsteigerdörfer von Christian Süß
Druck: Aristos, Innsbruck
Finanziert aus Mitteln des Österreichischens Lebensministeriums und des Ständigen Sekretariats der
Alpenkonvention.

Ein herzliches Dankeschön gebührt Peter Angermann (Tourismusdirektor Mallnitz) und dem Team des „BIOS“
für die Organisation vor Ort sowie Peter Rupitsch (Direktor des Nationalparks Hohe Tauern Kärnten) für die zur
Verfügung gestellten Räumlichkeiten.
Bergsteigerdörfer
Ein Modell für die Umsetzung der Alpenkonvention

Tagung Mallnitz / Kärnten, 26.-27. November 2008

Ideen - Taten - Fakten Nr. 2

www.bergsteigerdoerfer.at

Innsbruck, Februar 2009


Inhalt

Vorwort - Bergsteigerdörfer - ein solidarisches Projekt


Marco Onida - Generalsekretär der Alpenkonvention 7

Preamble: Mountaineering Villages - a solidary project , Marco Onida


More Recognition for the Mountaineering Villages, Peter Haßlacher 8

Vorwort - Mehr Wertschätzung für die Bergsteigerdörfer
Peter Haßlacher - Fachabteilung Raumplanung-Naturschutz des OeAV 9

Nachhaltige Entwicklung für die Alpen - Was verbirgt sich hinter dem Wort „Alpenkonvention“?
Marco Onida - Generalsekretär der Alpenkonvention 11

Ein gesellschaftspolitisches Instrument - Die Deklaration „Bevölkerung und Kultur“


Ewald Galle - Lebensministerium, focal point Alpenkonvention 15

Vom Nutzwert der Alpen - Alpinismus als integraler Bestandteil der Alpenkultur
Clemens M. Hutter - Journalist und Buchautor 17

Die Alpenkonvention als Entwicklungsinstrument nutzen


Zusammenfassung der ersten Plenardiskussion
Regina Stampfl, Projektteam Bergsteigerdörfer und Hannes Schlosser, Journalist 21

Vom klassischen Erschließertum bis heute


Was machte und was macht Ginzling zum Bergsteigerdorf?
Gudrun Steger - Autorin Alpingeschichte Ginzling 23
Mallnitz - Bergsteigerdorf mit IC-Station
Erich Glantschnig - Autor Alpingeschichte Mallnitz 27

Schutzhütten und Alpintourismus


Nächtigungen auf ausgewählten Schutzhütten und andere alpine Daten
Roland Kals - Geschäftsführer der OeAV-Sektion Salzburg, Projektteam Bergsteigerdörfer 31

„Einfach in der Natur sein“ - Die Bedeutung des Alpintourismus für den Österreich-Gast
Martin Schobert - Österreich Werbung 35

Die Initiative Bergsteigerdörfer


Alpenvereinsimpuls für den naturnahen Alpintourismus
Peter Haßlacher - Fachabteilung Raumplanung-Naturschutz des OeAV 37
Erste Schritte zur Verwirklichung der Initiative Bergsteigerdörfer
Christina Schwann - Fachabteilung Raumplanung-Naturschutz des OeAV,
Projektteam Bergsteigerdörfer 39

Qualitätsvolle Produktentwicklung
Die NationalparkRegion Hohe Tauern Kärnten und ihre Nationalparkpartnerbetriebe
Mea Alber - Tourismusfachfrau Mallnitz 41

Bergsteigerdörfer schrittweise zum Erfolg führen


Zusammenfassung der zweiten Plenardiskussion
Regina Stampfl und Hannes Schlosser 43

Den Lebensraum Bergsteigerdörfer solidarisch sichern


Kernpunkte der Abschlussstatements der Tagung
Hannes Schlosser - Journalist und Fotograf 45

Showing Solidarity to Ensure the Habitat of the Mountaineering Villages
Main points of the final statement of the meeting
Hannes Schlosser - Journalist and Photographer 46

Asterix und die Bergsteigerdörfer - ein Resümee


Hannes Schlosser 47

Asterix and the Mountaineering Villages – A Summary


Hannes Schlosser 49

Anhang
Kriterien für Bergsteigerdörfer 51
Criteria for Mountaineering Villages 53

VertreterInnen der Bergsteigerdörfer im Gespräch mit Hannes Schlosser:


Bürgermeister Martin Ploderer, Lunz am See 13
Monika Bischof, Tourismusverband Großes Walsertal 18
Bürgermeister Ludwig Wolf, Johnsbach im Gesäuse 22
Gerhard Moser (Ötztal Tourismus) und Konrad Klotz (Gemeinderat und Gastwirt), Vent 24
Ortsvorsteher Rudolf Klausner, Ginzling 25
Tourismusdirektor Peter Angermann, Mallnitz 28
Bürgermeister Alois Weidinger, Grünau im Almtal 40
Christine Klenovec, Schutzgebietsbetreuerin Naturpark Weißbach 44

Vorwort

Bergsteigerdörfer – ein solidarisches Projekt

Marco Onida - Generalsekretär der Alpenkonvention

Mit der Alpenkonvention wurde ein leistungsfähiges vention das Ziel, ein geordnetes Wachstum zu erreichen,
Instrument zur Zusammenarbeit in einem besonderen wobei Entscheidungen so weit wie möglich auf Grund-
Territorium mit etwa 14 Millionen Menschen geschaf- lage des Hausverstandes getroffen werden. Die Kon-
fen und der Alpenbevölkerung zur Verfügung gestellt. vention besteht nicht nur aus einer Reihe von Regeln,
Sie dient dazu, ähnlich gelagerte Probleme zu identifi- sondern es handelt sich um eine Reihe strategischer
zieren und Lösungen vorzubereiten, sowie das Potenzi- Prinzipien, die den Schutz der natürlichen Umgebung in
al vorhandener Entwicklungsmöglichkeiten zu nutzen. Übereinstimmung mit der jeweiligen Kultur verfolgen.
Gebirgszüge und Flüsse, die früher einmal dazu dienten, Nach einem Jahrhundert, in dem zwei Weltkriege ver-
Staaten von einander zu trennen, sind heute gemein- heerende Schäden anrichteten, ist die Solidarität zwi-
sames Erbe, wobei politische Grenzen stark an Bedeu- schen Ländern und Völkern ein gemeinsamer Wert all
tung verloren haben und die Vorteile des Zusammenle- jener geworden, die in den Alpen leben oder diese aus
bens und der Zusammenarbeit trotz unterschiedlicher beruflichen oder privaten Gründen besuchen.
Kulturen und Sprachen voll anerkannt sind.
Marco Onida, Generalsekretär der Alpenkonvention.
Die Initiative „Bergsteigerdörfer“ verfolgt genau diese
Zusammenarbeit ist das Schlüsselwort. Die große Be- Richtung. Die Geschichte des Alpinismus ist eine Ge-
deutung der Alpenkonvention kann nur dann bewusst schichte von Männern und Frauen, die das Schicksal der
gemacht werden, wenn man weiß, dass die Konventi- Bergdörfer veränderten. So ist es von großer Bedeutung,
on und ihre Protokolle bei den in den Alpen lebenden dass im Jahre 2009 die Dörfer, die durch diese gemein-
Menschen ansetzen und für sie die Möglichkeit bieten, same Geschichte vereint sind, zusammenarbeiten, um
ihr eigenes Wohlergehen und das zukünftiger Generati- neue Tourismusformen zu entwickeln.
onen zu verbessern. In einer Welt, in der Globalisierung
und Wettbewerb (auch im Tourismussektor) immer Das Ständige Sekretariat der Alpenkonvention freut sich
stärker zunehmen, ermöglicht Zusammenarbeit die daher sehr über die Zusammenarbeit mit dem Lebens-
nachhaltige Nutzung von Entwicklungsmöglichkeiten. ministerium und dem Oesterreichischen Alpenverein im
Zusätzlich ist Zusammenarbeit unabdinglich, um die Projekt „Bergsteigerdörfer“ und stellt mit großer Freude
alten und neuen Herausforderungen zu bewältigen: fest, dass die ausgewählten Gemeinden mit großer Be-
Klimawandel, Naturkatastrophen, Energiesparen, Was- geisterung auf diese Initiative reagiert haben.
serwirtschaft, Mobilität, Konzentration des Tourismus
in der Hochsaison, Verlust der Artenvielfalt, Alterung
der Bevölkerung und Abnahme öffentlicher Dienst-
leistungen gehören zu den Hauptthemen, bei welchen
Zusammenarbeit dazu beitragen kann, die Effizienz der
Verwaltungen zu erhöhen und zugleich natürliche und
wirtschaftliche Ressourcen einzusparen.

Mit der Entwicklung gemeinsamer Aktivitäten und der


Zusammenarbeit in einer Reihe strategischer Maßnah-
men und durch die Identifizierung und Verbreitung er-
folgreicher praktischer Beispiele verfolgt die Alpenkon-


Preamble

Mountaineering Villages - a solidary project


Marco Onida - Secretary General of the Alpine Convention

More appreciation for the Mountaineering Villages


Peter Haßlacher - Austrian Alpine Club

“Mountaineering Villages - a solidary project“ and peoples, after a century in which two words rav- protected nature. These places are largely endangered
Marco Onida aged both the population and the nature, is felt as a today. Potentially poor valleys and peripheral areas suf-
shared value by all those who live in the Alps as well as fer from migration, population aging and a reduction
Through the Alpine Convention, a powerful coopera- those who live elsewhere but visit the Alps on profes- in fundamental functions. Some are tempted to try the
tion instrument dedicated to a specific territory, where sional or leisure grounds. same strategies as the major tourist spots.
approximately 14 million people live, has been set up The Mountaineering Villages initiative goes exactly The problems of these rural areas lie in the fact that their
and put at the disposal of the Alpine population. This in these directions. The history of Alpinism is a history performances – with few exceptions – have a value but
instrument helps searching and preparing solutions to of men and women who changed the destiny of the no price as a public asset. Their recognition can there-
similar problems as well as exploiting the potential of mountain villages. That in 2009, villages united by fore be turned into value creation only in a limited way.
development opportunities. Mountain ranges and riv- this common history cooperate in order to pursue new Here the interests of Alpine clubs meet with those of the
ers, which once where used to divide States, are today forms of tourism, despite the challenges that this may international legal framework of the Alpine Convention
a common heritage where the significance of political sometimes imply, is of great significance. for the sustainable development of the Alpine area. The
borders has drastically decreased and the benefits of “Mountaineering Villages’” project of the Oesterreich-
living and working together, despite the different lan- The Permanent Secretariat of the Alpine Convention ischer Alpenverein (the Austrian Alpine Club, OeAV) is
guages and cultures, are fully recognized. is therefore very pleased of this cooperation with the a concrete implementation project of the Alpine Con-
Cooperation is the key word. The significance of the Al- Lebensministerium and the Oesterreichischen Alpen- vention. It is funded with money from the 2007-2013
pine Convention can only be fully understand by being verein on the Mountaineering Villages’ project and is Austrian Rural Programme and tries to give back to se-
aware that the Convention and its protocols begin with very happy to see that all nominated municipalities lected towns part of the actual value recognition linked
the people living in the Alps and represent an opportu- have responded enthusiastically to this initiative. to largely unspoilt landscapes, people, skills and values.
nity for their well being and that of the future genera- The initiative of OeAV, supported and promoted by the
tion. In a world where globalisation and competition Lebensministerium (Federal Ministry of Agriculture, For-
- also within the tourism sector – increase rapidly, coop- “More appreciation for the Mountaineering Villages” estry, Environment and Water Management) and the
eration helps ensuring that development opportunities Peter Haßlacher Permanent Secretariat of the Alpine Convention, is also
are exploited in a sustainable manner. In addition, co- within the framework of the Tourism protocol, which
operation is indispensable in order to face old and new Adventure, fun, animation and mega-events are the states in Article 6(2): “They (the contracting parties
challenges: climate change, natural hazards, energy expression of the “Beach-philosophy” in world tour- - translator’s note) shall adopt a sustainable policy to
saving, water management, mobility, concentration of ism, often associated with rumble and noise. They can make environmentally-friendly tourism in the Alps more
tourism during peak season, loss of biodiversity, ageing also find their place in the Alps in some areas, but they competitive, and by doing so shall make an important
of population and decrease in the supply of services of are inappropriate as a general tourism strategy for the contribution to the socioeconomic development of the
general interest are among the main topics where co- mountains. Alpine region. Priority shall be given to measures pro-
operation can help to increase efficiency of the adminis- In the Alpine area, characterised by small structures, moting innovation and diversity in tourism.“
trations while saving natural and economic resources. there are still places with ample tranquillity, local roots,
high biodiversity, hospitality and a high degree of well The task now is to reinforce the specific strengths of
Through the development of common activities and being. Its upper valleys and high-value cultural land- the Mountaineering Villages, and combine tradition
cooperation on a number of strategic subjects, and scapes have not been destroyed by large motorways, and Alpine competence with innovation. Despite this
through the identification and diffusion of good prac- loud alpine discos and whirring cable cars. project being a particular challenge for the Alpine Club,
tices, the Alpine Convention aims at achieving a bal- In many of these places, alpine clubs have been at home it covers all its fields of activity and is perfect for our age,
anced growth (Geordnetes Wachstum), where decisions for decades. There they have their alpine infrastructures, where the closeness of the Alpine mountains should be
are taken as much as possible on the basis of common have greatly contributed to the development of tourism preferred to distant journeying and turning recognition
sense (Gesunder Hausverstand). The Convention is not and express their opinion about organization questions into tangible value creation in rural and remote moun-
just a set of rules and “red tape”: on the contrary, it is and issues in the Alpine space. tain regions becomes increasingly urgent.
a strategic set of principles, where the protection of the A long tradition and collaboration connects the Alpine
natural environment is to be pursued in conjunction clubs with the classic Mountaineering Villages and
with culture. And where solidarity between territories with regions oriented to alpine hiking and climbing in


Vorwort

Mehr Wertschätzung für die Bergsteigerdörfer

Peter Haßlacher - Fachabteilung Raumplanung-Naturschutz des OeAV

Abenteuer, Fun, Animation und Mega-Events sind Aus- teln des Ländlichen Programms Österreich 2007-2013
druck der „Strand-Philosophie“ im Welttourismus und finanziert und versucht, den ausgewählten Gemeinden
stets mit Rummel und Lärm verbunden. Sie mögen ein Stück konkreter Wertschätzung an großartig erhal-
punktuell auch in den Alpen ihren Platz finden, als all- tene Landschaften, Menschen, Fähigkeiten und Werte
gemeine Tourismusstrategie für die Berge sind sie je- zurückzugeben. Die durch das Lebensministerium und
doch untauglich. das Ständige Sekretariat der Alpenkonvention unter-
Im kleinstrukturierten Alpenraum gibt es sie noch, stützte und geförderte Initiative des OeAV steht unter
die Plätze mit weitläufiger Ruhe, Bodenständigkeit, anderem auch im Zeichen des Tourismusprotokolls, wo
hoher Biodiversität, Gastfreundlichkeit und hohem es in Artikel 6(2) heißt: „Die Vertragsparteien leiten
Wohlfühlgrad. Ihre Talschlüsse und hochwertigen Kul- eine nachhaltige Politik ein, welche die Wettbewerbs-
turlandschaften sind nicht durch breite Autostraßen, fähigkeit des naturnahen Tourismus im Alpenraum
dröhnende Alpendiscos und surrende Seilbahnen zer- stärkt und damit einen wichtigen Beitrag zur sozio-
Peter Haßlacher - Oesterreichischer Alpenverein, Fachabteilung
schnitten. ökonomischen Entwicklung des Alpenraumes leistet.
Raumplanung-Naturschutz. In vielen dieser Orte sind die Alpenvereine seit Jahr- Dabei sind Maßnahmen zu bevorzugen, welche die
zehnten daheim. Sie haben dort mit ihrer alpinen In- Innovation und die Diversifizierung des Angebots
frastruktur einen wichtigen Beitrag für die Entwicklung fördern.“
des Fremdenverkehrs geleistet und äußern sich zu Fra- Es gilt jetzt, die spezifischen Stärken der Bergsteiger-
gen und Problemen der Alpinen Raumordnung. dörfer zu stärken, Tradition und Alpinkompetenz mit In-
Mit den klassischen Bergsteigerdörfern sowie Regionen novation zu verbinden. Zugleich stellt dieses Projekt für
mit bevorzugter Eignung für alpines Weitwandern und den Alpenverein eine besondere Herausforderung dar,
Klettern in geschützter Natur verbindet den Alpenverein deckt es doch alle seine Tätigkeitsfelder ab und passt
eine lange Tradition und Kooperation. Zum Großteil in unsere Zeit, in welcher die Nähe der Alpenberge dem
sind diese Orte heute in Gefahr. Täler mit wenig wirt- Fernreisen vorzuziehen ist und der Transfer der Wert-
schaftlichem Potenzial und periphere Gebiete leiden schätzung in konkrete Wertschöpfung in ländlichen
unter Abwanderung, Überalterung und der Ausdün- und entlegenen Bergregionen immer dringender wird.
nung der Grunddaseinsfunktionen. Vereinzelt lockt
noch immer der Versuch, es den großen touristischen
Konzentrationen gleich zu tun.
Die Probleme dieses Ländlichen Raumes bestehen dar-
in, dass seine Leistungen – mit wenigen Ausnahmen
– zwar einen Wert, aber als öffentliche Güter keinen
Preis haben. Wertschätzung kann nur begrenzt in Wert-
schöpfung umgewandelt werden.
Hier treffen sich die Interessen der Alpenvereine und des
völkerrechtlichen Vertragswerkes der Alpenkonvention
für eine auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Entwicklung
des Alpenraumes. Das Projekt „Bergsteigerdörfer“ des
Oesterreichischen Alpenvereins ist ein konkretes Umset-
zungsprojekt dieser Alpenkonvention. Es wird aus Mit-
10

Wanderer im Dösental bei Mallnitz. Foto: Peter Angermann.

„Von vielen Seiten wurde der Bereich „Bevölkerung und Kultur“ als elementar für die Umsetzung der Alpenkonvention
gesehen. Die vielen, zwangsläufig im Zuge dieser Umsetzung auftauchenden Fragen sollten Triebfeder dafür sein,
nicht nur eindimensional den Schutz der Alpen hervorzuheben, sondern auch dazu beitragen, das Selbstwertgefühl
der hier lebenden Menschen und deren Wahrnehmung von sich selbst nachhaltig positiv zu beeinflussen.“

Ewald Galle, Lebensministerium, Mallnitz, 2008.


11

Nachhaltige Entwicklung für die Alpen

Was verbirgt sich hinter dem Wort „Alpenkonvention“?

Marco Onida, Generalsekretär der Alpenkonvention

Die Alpen sind Natur- und Kulturlandschaft, Lebens- Tab. 1: Flächenanteile und Verwaltungseinheiten in den einzelnen Vertragsparteien (Stand: 2008).
Verwaltungseinheiten mit Anteil am
und Wirtschaftsraum für knapp 14 Mio. Bewohner- Konventionsgebiet
Innen, Trinkwasserreservoir für einen großen Teil Eu- Staat Fläche in km2 Anteil an der NUTS 2 LAU 1 Ein- LAU 2
gesamten Einheiten heiten (Provin- Einheiten
ropas und attraktives Tourismusziel für rund 120 Mio. Konventionsflä- (Regionen, zen, Kantone, (Gemeinden)
che (%) Bundesläner) Bezirke, Kreise)
Gäste jährlich.
Deutschland 11.160 5,8 2 13 285
Die Alpenkonvention ist das einzige internationale Frankreich 40.801 21,4 2 9 1.749
Vertragswerk, dessen Zielsetzung die nachhaltige Italien 51.995 27,2 7 24 1.756

Entwicklung eines spezifischen Territoriums, des Al- Liechtenstein 160 0,1 1 1 11


Monaco 2 < 0,01 1 1 1
penraumes, ist. Dabei spielen die regionalen und lo-
Österreich 54.759 28,7 8 29 1.147
kalen Gebietskörperschaften eine Schlüsselrolle. Schweiz 25.211 13,2 5 15 856
Der Grundgedanke der nachhaltigen Entwicklung Slowenien 6.871 3,6 1 7 62

zieht sich durch die Rahmenkonvention und alle Alpen gesamt 190.959 100 27 99 5.867

Protokolle. Mit ihrem ganzheitlichen Ansatz, der die Quelle: Ruffini, F. (2008)

ökologische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Di-


mension einbezieht, war und ist die Alpenkonvention
ein Vorreiter für andere Berggebiete und Konventi-
!

Augsburg Linz
! !

onen.
!
Wien
München
GERMANY
!
Freiburg
www.alpconv.org !

!
Kempten Salzburg
!
Basel

Zahlen zum Alpenraum


! Bregenz Leoben
! !
Zürich
!
Innsbruck
S WI TZ E R LAN D Vaduz
!
AUST RIA !
Graz
Luzern !

Bern !
!
LIECHTENSTEIN
Das Anwendungsgebiet der Alpenkonvention nimmt !
Thun
Villach ! Klagenfurt Maribor
!
!

eine Fläche von 190.879 km2 ein. Das Gebiet erstreckt !


Lausanne
!
Bolzano
!
Jesenice

sich über acht Staaten und etwa 1.000 km von den !


Genève !
Kranj

Ljubljana
Ligurischen Alpen im Westen bis kurz vor Wien im Annecy
!
Trento
!
Nova Gorica
!

Zagreb
Lyon
!
SLOVENIA !

Osten. In ihrer Nord-Süd Ausdehnung sind die Al- !

Trieste
Bérgamo
Chambéry !

pen an ihrer breitesten Stelle zwischen Rosenheim


!
!
Bréscia
Milano
Novara Pádova ! Venézia
!
! Verona Rijeka
und Verona maximal 300 km breit. Der Alpenhaupt-
! ! ! !
Grenoble
!

kamm erreicht eine maximale Höhe von 4.810 m. Das !


Torino

Overview map perimeter Alpine Convention


Konventionsgebiet umfasst Teile des Staatsgebietes ITALY !
Parma
City
FRANCE
!

in Frankreich, Italien, der Schweiz, Deutschland, Ös- Bologna River


!
Génova
terreich und Slowenien sowie jeweils das gesamte ! Lake
Glaciated area (> 3000 m)
Staatsgebiet der Kleinstaaten Liechtenstein und !
La Spézia National border
Perimeter Alpine Convention
Monaco. Österreich und Italien haben mit 54.759 Firenze
Nice ! Data source (base data): DEM (hillshade): SRTM (NASA 2000), modified by Zebisch,

bzw. 51.995 km2 flächenmäßig den größten Anteil an


! EURAC (2006); DEM (elevation classes, glaciated area): GTOPO30 (USGS 1996);

MONACO
¯
Perimeter Alpine Convention: SABE (Vers. 1.1) & Ruffini, Streifeneder, Eiselt (2004),
processed by Zebisch, EURAC (2006) based on EuroBoundaryMap (2004) and modified
by ifuplan (2007) and Umweltbundesamt (2007); National Borders, Cities: EuroGlobal-

der Konventionsfläche (Tab. 1). !


Marseille Map (EuroGeographics, 2004); Rivers & Lakes: CCM River and Catchment Database
(European Commission - JRC, 2007)
0 75 150 km
Map created by Austria, 10/2008

Karte: Anwendungsbereich der Alpenkonvention


Nachhaltige Entwicklung für die Alpen 12

Einen hohen prozentualen Anteil an der Landesflä- Die Bevölkerungsentwicklung verteilt sich nicht ho- ches seinen Sitz in Innsbruck mit einer Außenstelle
che nimmt der Alpenraum in Österreich, der Schweiz mogen auf die einzelnen Regionen. Viele Gemein- in Bozen hat. Die Alpenkonvention ist in vielen The-
und Slowenien ein. Im Gebiet der Alpenkonvention den, insbesondere in den westlichen und östlichen menfeldern vom Verkehr bis zum Klimawandel aktiv.
lebten 2005 rund 13,9 Mio. Menschen. Der größte Teilen der Alpen kämpfen mit einem dramatischen Im Lichte der Diskussionen um den Klimawandel
Anteil davon lebt in den italienischen Alpen. Bevölkerungsrückgang und einer damit einherge- wurde im Jahr 2006 bei der IX. Alpenkonferenz eine
henden Überalterung der Bevölkerung. Aus diesem Deklaration beschlossen. Ziel dieser Deklaration ist
Grund kann in vielen dieser Gebiete die öffentliche es, die gesamte Thematik des Klimawandels genaues-
Grundversorgung nicht mehr gewährleistet werden, tens zu diskutieren und einen konkreten Aktionsplan
Bevölkerungsentwicklung in den was wiederum die Abwanderungstendenzen ver- mit alpenspezifischen Maßnahmen auszuarbeiten.
Alpengemeinden stärkt. Diese sollen sich direkt auf die Alpen und die alpine
Bevölkerung auswirken – beispielsweise in den Berei-
Die Alpengemeinden sind vorwiegend klein struktu- chen Verkehr, Tourismus und Berglandwirtschaft.
riert. In 90 % der Alpenkonventionsgemeinden woh-
Aktivitäten der Alpenkonvention
nen nicht mehr als 5.000 EinwohnerInnen. Fast ein Im Rahmen der Alpenkonvention nimmt der Verkehr
Drittel aller Gemeinden weist Bevölkerungszahlen eine zentrale Rolle ein. Das Protokoll Verkehr ist eines
von weniger als 500 auf. Lediglich 14 Gemeinden er- Die Umsetzung und die Arbeit im Rahmen der Alpen- der prominentesten im Gefüge der Alpenkonvention.
reichen mehr als 50.000 EinwohnerInnen. Trotzdem konvention erfolgt in verschiedenen Arbeitsgruppen Darin geht es um die Schaffung von Rahmenbedin-
muss darauf hingewiesen werden, dass ca. zwei Drit- und Plattformen. Zur Unterstützung dieser Arbeit gungen, welche eine sinnvolle Verkehrsentwicklung
tel der heutigen Alpenbevölkerung in Städten lebt. wurde ein Ständiges Sekretariat eingerichtet, wel- ermöglichen sollen.

Karte 2: Bevölkerungsdichte
13

I n t e r v i e w
Zum Beispiel Lunz am See
(Niederösterreich)
Bürgermeister Martin Ploderer im Gespräch

Was macht Lunz zum Berg-


steigerdorf?
Ein Großteil des Warenverkehrs zwischen Nord- und türlichen Ressourcen und der Landschaft umgehen
Wir haben aufgrund der ge-
Südeuropa konzentriert sich entlang der wichtig- und diese nicht schädigen.
schichtlichen Entwicklung
sten alpenquerenden Transitkorridore (z.B. Brenner Die Alpen sind das Wasserschloss für einen großen
eine relativ unberührte
zwischen Österreich und Italien). Seit 1984 hat sich Teil von Europa. Bis zu 90 % der Wasserressourcen
Naturlandschaft und der
der alpenquerende Güterverkehr mehr als verdop- werden für die Produktion von Energie aufgewendet.
Lunzersee ist ein Natur-
pelt (2006). Gleichzeitig hat sich der „Modal Split“ Das Wassermanagement in den Alpen benötigt eine
denkmal. Der Ausbauplan
im Güterverkehr stark von der Schiene in Richtung Koordination und die Berücksichtigung von alpinen
für ein großes Skigebiet ist
Straße verschoben. Entlang der Transitkorridore ver- Besonderheiten, vor allem vor dem Hintergrund des
vor 40 Jahren gescheitert. Das Positive daran ist,
schärfen die alpenspezifischen, klimatischen und dramatischen Abschmelzens der Gletscher und des
dass unsere Berge jetzt unverbraucht und nur zu
topografischen Gegebenheiten die negativen Aus- Temperaturanstieges.
Fuß erreichbar sind. Sie sind nicht besonders hoch,
wirkungen des Verkehrs und beeinträchtigen die Ge-
aber 1000 Höhenmeter sind bei uns genau so viel
sundheit und die Lebensqualität der dort lebenden
wie in Tirol.
Menschen.
Umsetzung der Alpenkonvention
Was steckt in der Initiative Bergsteigerdörfer?
Der Transitverkehr stellt im gesamten Verkehrsauf-
Ich sehe ein enormes Potenzial. Der vor 20 Jahren
kommen in den Alpen jedoch nur acht Prozent dar. Die globale Erwärmung führt zu immer mehr Natur-
propagierte sanfte Tourismus war im Ansatz gar
20 % des Verkehrsaufkommens entfallen auf den gefahren, welche die Alpen vor große und kostspie-
nicht so schlecht. Nur haben die Durchführungs-
Tourismus, den mit Abstand höchsten Anteil stellt lige Herausforderungen stellen, darunter die Frage
bestimmungen gefehlt. Die Kriterien der Berg-
mit 72 % der inneralpine Verkehr dar. der Biodiversität. Die Erhaltung von 30.000 Tier- und
steigerdörfer erfüllen diesen Zweck. Wenn wir
13.000 Pflanzenarten und insbesondere von 388 en-
uns daran halten, können wir eine Gästeschicht
Die Alpen zählen weltweit zu den beliebtesten Ur- demischen Pflanzenarten ist eine weitere Priorität
gewinnen, die länger bleibt, mit dem vorhande-
laubszielen. Tourismus findet jedoch nicht überall der Alpenkonvention. In diesem Zusammenhang
nen Angebot zufrieden ist und nicht beim ersten
in den Alpen mit derselben Intensität statt. Das Pro- setzt sich die Alpenkonvention für die Erhaltung
Regentropfen nach Animateuren schreit.
tokoll Tourismus der Alpenkonvention verlangt Pla- von ökologischen Korridoren ein, um den wichtigen
nung und Organisation des touristischen Angebotes. Austausch zwischen den natürlichen Habitaten zu er-
Sie streben ein größeres Hotel für Lunz an?
Dieses touristische Angebot soll sorgsam mit den na- möglichen beziehungsweise zu erhalten.
Der sanfte Tourismus der Bergsteigerdörfer wird
nur dann funktionieren, wenn das Dorf lebens-
fähig ist. Aufgrund unserer wirtschaftlichen und
geografischen Situation brauchen wir einen Be-
herbergungsbetrieb gehobener Klasse und guter
Kapazität.

Welche Größenordnung hat der Tourismus in


Lunz?
Bei 2.000 Einwohnern kommen auf 300 Gäste-
betten 30.000 Nächtigungen. Wir hatten bei hö-
herer Bettenzahl schon ein Niveau von 80-90.000
Nächtigungen. Vor 30, 40 Jahren waren die Qua-
litätsansprüche vollkommen anders. Der See hat
genügt und die Leute sind gekommen. Wir wollen
unsere Strukturen in Ordnung bringen und stre-
ben keine riesigen Projekte an: Bergsteiger- und
sanfter Tourismus, dazu im Sommer Kulturtouris-
mus mit unserer Seebühne.

Die Betriebe tragen die Orientierung auf Bergstei-


ger mit?
Es ist noch nicht in allen Details in allen Köpfen,
aber von der Grundstimmung her, ja.
Ein typisches Dorf in den Alpen. Foto: Marco Onida.
Nachhaltige Entwicklung für die Alpen 14

Die Alpenkonvention hat nicht nur die Natur bzw. Zusammenarbeit zwischen den Alpenländern und terstützt die Initiative „Bergsteigerdörfer“ als äußerst
den Naturschutz im Auge. Einen zentralen Anknüp- nichtstaatlichen Organisationen (beispielsweise der geeignetes Instrument zur Umsetzung der Alpen-
fungspunkt stellt der Mensch dar, sowohl aus der so- internationalen Alpenschutzkommission CIPRA oder konvention, insbesondere der Protokolle Tourismus,
zialen wie auch aus der wirtschaftlichen Perspektive. des Club Arc Alpin) sowie anderen PartnerInnen (VIA Raumplanung und nachhaltige Entwicklung sowie
ALPINA, Gemeindenetzwerk „Allianz in den Alpen“) Naturschutz und Landschaftspflege. An dieser Stelle
Die Alpenkonvention und ihre Gremien haben sich im Dienste der nachhaltigen Entwicklung des Alpen- soll insbesondere die Deklaration „Bevölkerung und
zum Ziel gesetzt, künftig die Bevölkerung viel stärker raumes. Kultur“ erwähnt werden, die durch das Projekt „Berg-
als bisher in die Alpenkonvention einzubinden. 2006 steigerdörfer“ beispielhaft umgesetzt wird.
wurde eine Deklaration über „Bevölkerung und Kul- Im Jahr 2008 wurde auch die Webseite der Alpenkon-
tur“ in den Alpen angenommen. vention www.alpconv.org grundlegend erneuert.
Insbesondere seit der IX. Alpenkonferenz im Jahr
2006 hat das Ständige Sekretariat seine Aktivitäten
im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit intensiviert, u.a.
Zusammenarbeit mit den Berg- durch Publikationen und Informationsveranstaltun-
steigerdörfern gen.
Das Projekt „Bergsteigerdörfer“ fügt sich ideal in
Die Alpenkonvention wird einerseits mit Gesetzen das Anliegen zur Förderung des sanften Tourismus
und Verwaltungsentscheidungen der verantwort- ein, wie es die Protokolle der Alpenkonvention er-
lichen Behörden auf nationaler, regionaler und loka- wähnen. Die Fokussierung auf die Alpenkonvention
ler Ebene umgesetzt. Andererseits erfolgt die Umset- ermöglicht eine bewusste Auseinandersetzung mit
zung aber auch durch spezifische Kooperations- und diesem Instrument, das mit seinem integralen Ent-
Kommunikationsprojekte. wicklungsansatz einzigartig im Alpenraum ist.
Die Alpenkonvention ist ein gutes Beispiel für die Das Ständige Sekretariat der Alpenkonvention un-

Informationen zum Autor

Marco Onida (geb. 1966)


ist seit 2007 Generalse-
kretär der Alpenkonven-
tion. Er arbeitete von
1991 bis 1994 im Europä-
ischen Parlament und bis
2006 in der Europäischen
Kommission im Themen-
bereich europäisches
Umweltrecht und europäische Umweltpolitik.

Literatur

Ruffini, Flavio (2008): Die Alpen. In: Alpensignale


1, Alpenkonvention Nachschlagewerk (2.
Auflage). Publikation. Innsbruck (wird 2009
veröffentlicht).

Ständiges Sekretariat (2008): Alpenkonvention


– die Alpen nachhaltig entwickeln. Faltblatt.
Innsbruck (Januar 2008).

Ständiges Sekretariat/ Region Piemont (2008):


Tourentagebuch Via Alpina. Innsbruck (2007).

Das Dösental bei Mallnitz mit Säuleck im Hintergrund, Foto: Peter Angermann.
15

Ein gesellschaftspolitisches Instrument

Die Deklaration „Bevölkerung und Kultur“der Alpenkonvention

Ewald Galle, Lebensministerium, focal point Alpenkonvention

Die Alpenkonvention normiert in ihrem Artikel 2 die und Kultur“ ist nun endlich diese Lücke geschlossen Der dritte Themenbereich „Lebensraum, Lebensqua-
Vorgaben für alle Durchführungsprotokolle. Als erstes worden. Ob der auf politischem Konsens beruhende lität und Chancengleichheit“ wird mit Hilfe von
Ziel wird dabei die „Achtung, Erhaltung und Förderung Weg erfolgreich ist, entgegen den sonst üblichen •) Siedlungsbedingungen und –strukturen,
der kulturellen und gesellschaftlichen Eigenständigkeit rechtsverbindlichen Protokollen zunächst eine un- •) Dienstleistungen von allgemeinem Interesse
der ansässigen Bevölkerung unter Sicherstellung ihrer verbindliche Rechtsquelle zu verabschieden, wird und Grundversorgung,
Lebensgrundlagen, insbesondere der umweltverträg- die Zukunft noch zeigen. Eines soll aber unabhängig •) Schulische und berufliche Aus- und Weiterbil-
lichen Besiedlung und wirtschaftlichen Entwicklung davon bereits geschehen, nämlich das pro-aktive dung sowie Erwachsenenbildung,
sowie der Förderung des gegenseitigen Verständnisses Heranziehen der Deklaration „Bevölkerung und Kul- •) Freizeitangebot,
und partnerschaftlichen Verhaltens zwischen alpiner tur“, sei es als Begründungshilfe, sei es als Argumen- •) Kommunikation und Information sowie
und außeralpiner Bevölkerung“ festgelegt. tarium. •) Gemeinschaftsleben
präzisiert.
Es kommt nicht von ungefähr, dass die Zielvorgabe
zu Bevölkerung und Kultur an oberster Stelle dieses Der Themenbereich „Wirtschaftsraum“ wird in die
zentralen Artikels in der Alpenkonvention steht. Trotz-
Aufbau der Deklaration drei Punkte
dem haben die Alpenstaaten lange gezögert, diese •) Regionalentwicklung,
für alle Protokolle maßgebliche Vorgabe in Angriff Die heterogene Struktur der Mutterkonvention spie- •) Wertschöpfungsketten und
zu nehmen. Lediglich die Schweiz forderte bereits gelt sich auch im Aufbau der Deklaration „Bevölke- •) Beschäftigung
1992 ein eigenständiges Protokoll „Bevölkerung und rung und Kultur“ wider. So werden zunächst als Rah- unterteilt.
Wirtschaft“, was dazu führte, dass als Kompromiss men fünf Großbereiche identifiziert:
der damalige Protokollentwurf zum Bereich Raum- 1. Gemeinschaftsbewusstsein und Kooperation Die letzte Vorgabe betrifft
planung um Aspekte der nachhaltigen Entwicklung 2. Kulturelle Vielfalt •) die Beziehungen zwischen Städten und Um-
erweitert wurde, das Protokoll in „Raumplanung und 3. Lebensraum, Lebensqualität und Chancen- land,
nachhaltige Entwicklung“ umbenannt und einzelne, gleichheit •) die Beziehungen zwischen Städten innerhalb
mittlerweile standardisierte Artikel in alle Protokolle 4. Wirtschaftsraum und außerhalb der Alpen sowie
aufgenommen wurden. 5. Rolle der Städte und der ländlichen Räume. •) die Rolle der ländlichen Räume.

Im Nachhinein war es wohl eine vergebene Chance, Diese grob abgesteckten Bereiche finden eine wei- Eine Anlage zur Deklaration teilt nun eine Fülle von
noch bevor erste Protokolle vorlagen, soziokulturelle tere Diversifizierung in Form von Zielvorgaben. Maßnahmen mit beispielhaftem Charakter den eben
Rahmenbedingungen zu schaffen, was mit großer So wird der erste Bereich „Gemeinschaftsbewusst- angeführten Unterpunkten zu und spricht zum Teil
Wahrscheinlichkeit die Inhalte einiger Durchfüh- sein und Kooperation“ weiter aufgeteilt in sehr detailliert Handlungsaufträge gegenüber den
rungsprotokolle wohl verändert hätte. Abgesehen •) Gemeinschaftsbewusstsein und Identität, Vertragsstaaten der Alpenkonvention aus.
von den angesprochenen Modifizierungen und Er- •) Alpine und außeralpine Kooperation sowie
weiterungen hat dieser Bereich seine elementare •) Transparenz und Partizipation.
Bedeutung für die Umsetzung der Alpenkonvention
Inhalt der Deklaration
aber immer beibehalten. Die zweite Gruppe zur „Kulturellen Vielfalt“ besteht
aus dem
Mit der im Rahmen der letzten Ministerkonferenz •) materiellen und immateriellen Kulturerbe, Inhaltlich kann festgestellt werden, dass der allen
der UmweltministerInnen im November 2006 ver- •) der Sprachenvielfalt und dem Handlungsempfehlungen und Maßnahmen gemein-
abschiedeten Deklaration zum Bereich „Bevölkerung •) kreativen künstlerischen Schaffen. same Wert die Vielfalt des Alpenraumes ist, was sich
Ein gesellschaftspolitisches Instrument 16

ja auch in den Bergsteigerdörfern widerspiegelt. So Aber die Aufklärung und vor allem später die Indus- ben sein, wie der Bevölkerung im Alpenraum eine
ist es auch nicht verwunderlich, dass die zentrale For- trialisierung ließen in der bürgerlichen Gesellschaft soziale, kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung
derung der Erhaltung und Förderung der kulturellen das Bedürfnis nach unberührter Natur als bewussten im Gleichklang mit einer geschützten und nachhal-
Vielfalt im Alpenraum gilt. Gegensatz zu Stadt und Industrie einhergehend mit tig bewirtschafteten Umwelt gewährleistet und wie
einer durchaus verklärten und romantisierenden der diesem Lebensraum drohende Strukturverlust
Der vitale Anspruch der im Alpenraum lebenden Vorstellungswelt entstehen. Generell wird die Zeit aufgehalten werden kann.
Bevölkerung, dauerhaft zu überleben und zu wirt- ab Mitte des 19. Jahrhunderts als das goldene Zeit- Von vielen Seiten wurde der Bereich „Bevölkerung
schaften, einschließlich des Rechtes auf Chancen- alter des Alpinismus beschrieben mit zahlreichen und Kultur“ als elementar für die Umsetzung der
gleichheit in Bezug auf die außeralpine Bevölkerung, Erstbesteigungen und Expeditionen, vielfach von Alpenkonvention gesehen. Die vielen, zwangsläufig
wird als wichtige Orientierungshilfe ausdrücklich sportlichem Ehrgeiz aber auch Eroberungsgedanken im Zuge dieser Umsetzung auftauchenden Fragen
festgehalten. Wesentliche Teile betreffen den Erhalt getrieben. sollten Triebfeder dafür sein, nicht nur eindimensio-
und die Vermittlung von überliefertem Wissen und nal den Schutz der Alpen hervorzuheben, sondern
Traditionen, etwa im Bereich der Forstkultur. Zudem Heute ist der Alpinismus ein nicht mehr wegzuden- auch dazu beitragen, das Selbstwertgefühl der hier
verschließt sich die Deklaration auch nicht neuen, kender Wirtschaftsfaktor, der wie so viele andere lebenden Menschen und deren Wahrnehmung von
aktuellen Herausforderungen, wie dem demogra- Eingriffe des Menschen auch zu nicht übersehbaren sich selbst nachhaltig positiv zu beeinflussen.
phischen Wandel oder Fragen der sprachlichen Inte- Nutzungskonflikten führt. Im Kletterbereich steht
gration von MigrantInnen. mehr denn je die leistungsbezogene Bewegung
des eigenen Körpers im Mittelpunkt, die oft Hand
in Hand geht mit einer fast spirituellen Suche nach
emotionalen Erlebnissen, nach dem Ausloten der ei-
Exkurs „Alpinismus“
genen körperlichen Grenzen bis hin zur Mystik.

Da diese Veranstaltung auch ganz wesentlich dem Die Deklaration „Bevölkerung und Kultur“ hat inmit-
Themenkomplex „Alpinismus“ gewidmet ist, erlau- ten dieser unterschiedlichen Nutzungskonflikte die
ben Sie mir die Frage, was denn unter Alpinismus Funktion, Brücken zu bauen und Kompromisse an-
zu verstehen ist? Wikipedia etwa subsummiert dar- zubieten. Gerade in den Bergsteigerdörfern werden
unter neben dem Bergsteigen im eigentlichen Sinn, uns die verschiedenen Formen des Bergsteigens
worunter Wandern, Felsklettern, Eisklettern, Skiberg- angeboten, die nicht zwangsweise dazu führen, dass
steigen, Expeditionsbergsteigen und Höhenberg- der Wert der Natur und die vorhandenen Ressourcen
Informationen zum Autor
steigen verstanden wird, auch Trekking, Erforschen dauerhaft beeinträchtigt oder beschädigt werden.
unbekannter Berggebiete, die Kartographie dieser Genau damit kann die Beweisführung gelingen, dass
Ewald Galle, geboren am
Gebiete, genauso wie den Naturschutz oder das Tourismus auch im Einklang mit Natur und Umwelt,
25.02.1965 in Villach. Auf-
Bergführerwesen. ebenso wie mit den sozialen Gegebenheiten in den
gewachsen und Schule
Kommunen und betroffenen Regionen möglich ist.
am Faaker See und Vil-
Als Geburtsstunden des Alpinismus werden die Erst- Bergsteigen ist Teil der in den Alpen gelebten Kultur
lach; Matura in Villach. Ab
besteigung des Mount Ventoux (1.912 m) am 23. und von großer Bedeutung für die Identität der hier
1984 Studium der Rechts-
April 1336 durch Francesco Petrarca, aber auch die ansässigen Bevölkerung und mittlerweile - wie schon
wissenschaften in Wien.
Besteigung des Mount Aiguille (2.085 m) 1492 durch angesprochen – ein nicht zu unterschätzender Wirt-
Ab 1990 im Umweltmi-
eine Söldnertruppe von Karl VIII. bezeichnet. Allen schaftsfaktor.
nisterum. Von Beginn an
ist aus dem Geschichtsunterricht auch die Überque-
zuständig für Belange der Alpenkonvention, in
rung des Alpenbogens durch das Heer von Hannibal
den ersten Jahren vor allem für internationale
im Zuge des zweiten Punischen Krieges mit absolut
Resümee und Ausblick Aufgabenbereiche, danach auch für alle natio-
alpinuntauglichen Kriegselefanten in Erinnerung.
nalen Fragestellungen.
Im Jahre 2002 Veröffentlichung des Buches „Al-
Andere wiederum meinen, dass der Alpinismus, wie Mit der vorliegenden Deklaration, für deren Imple-
penkonvention“.
er heute verstanden wird, erst seit Mitte des 19. Jahr- mentierung ich mir durch diese Veranstaltung wei-
hunderts existiert. Davor war die Lust des Menschen, tere Impulse erhoffe, eröffnet sich die Chance, die
Seit 1991 verheiratet und zwei Kinder.
auf Berge zu steigen, ausgenommen für wirtschaft- Alpenkonvention als gesellschaftliches Instrument
liche oder religiöse Aktivitäten, kaum vorhanden. zu etablieren. Vorrangig werden Antworten zu ge-
17

Vom Nutzwert der Alpen

Alpinismus als integraler Bestandteil der Alpenkultur

Clemens M. Hutter, Journalist und Buchautor

Warum heißen schwarze Löcher im Boden selbst Andrerseits hinterließen uns die Römer das Grund- Poststationen die zweite Form von „Schutzhütten“.
im niederrheinischen oder schlesischen Flachland muster der mittelalterlichen Besiedlung der Alpen- Im 14. Jahrhundert setzte starkes Bevölkerungs-
„Bergwerk“, obschon dort keine Berge stehen? Of- täler. Im Abstand von annähernd fünf römischen wachstum ein. Damit wurden die Täler für die exten-
fensichtlich unterstreicht der Begriff „Bergbau“ den Meilen (ca. sieben Kilometer) errichteten sie Poststa- sive Landwirtschaft langsam zu eng. Also erschloss
Nutzwert der Alpen. Und die Geschichte des Alpi- tionen für Unterkunft, Pferdewechsel, Verpflegung man Almen für die Viehwirtschaft. Über die Almen
nismus ist eines der letzten Kapitel in der Geschichte und Reparatur – etwa die Station „In Alpe“ auf dem hinauf wagten sich aber nur Gold- und Schatzsucher,
dieses Nutzwertes. Radstädter Tauern, den Urahn unserer Alpenver- Jäger, Wilderer und Schmuggler. Die hochalpine Ter-
Die Besiedlung der Alpentäler reicht in die Vorge- eins-Hütten. So eine Station hieß auch „postum“. An ra incognita galt nämlich als unberechenbare Brut-
schichte zurück. Im Gebirge fanden die Menschen diesen „Posten“ bauten die Menschen ab dem Hoch- stätte von Gewittern, Muren und Lawinen sowie als
das Überlebensmittel Salz, die Werk- und Waffenstof- mittelalter Dörfer rund um eine romanische oder Sitz von Geistern, verwunschenen Seelen und Un-
fe Kupfer und Eisen sowie die Prunk- und Zahlungs- gotische Kirche und das Wirtshaus „Zur Post“ – im geheuern. Diese beschrieb der Naturwissenschafter
mittel Gold und Silber. Abstand von annähernd sieben Kilometern. Diese Johann Jakob Scheuchzer 1711 vom Hörensagen
Als erste systematische Erschließer wagten sich die Dörfer boten sich Jahrhunderte später dem Alpinis- ziemlich genau.
Kelten in die Alpen, um Salz in Hallein oder Hallstatt, mus als Basen an. Die Morgendämmerung der Aufklärung leitete ab
Kupfer in Mühlbach am Hochkönig und Eisen in Hüt- Mitte des 18. Jahrhunderts die große Wende ein
tenberg zu gewinnen. Sie prägten auch zwei Schlüs- – das wissenschaftliche Interesse an den Alpen. Man
selbegriffe: „Alpen“ wurzelt ihn ihrem Wort für „Berg“ wollte u. a. ergründen, wie versteinerte Meerestiere,
oder „hoch“ und „Tauern“ in „Tur“, das heißt „Pass“.
Alpenhauptkamm als Völkergrenze Salz, Gold und Eisen in das Hochgebirge gelangten;
Die Römer gaben der Alpen-Erschließung den nächs- wie die Alpen und die Gletscher entstanden oder ein-
ten systematischen Schub – allerdings aus strate- Nach der Völkerwanderung überschichtete der erste fach wie die Welt von oben aussieht. Also machten
gischen Gründen. Sie bauten Passstraßen für ihre Besiedlungsschub in unserem Raum die dünne Be- sich wagemutige Naturwissenschafter – vor allem
Legionen, Händler und berittenen Postboten. Aller- völkerung der romanisierten Walchen. Im 7. Jahrhun- Geologen, Mineralogen, Geografen, Geometer, Bo-
dings scheuten sie das Gebirge. Ihre Schriftsteller be- dert zogen Slawen vom Süden in die Alpentäler und taniker - ohne Landkarten, Wege, Markierungen,
schrieben die Alpen als scheußliche, gefährliche, un- kurz darauf die Bajuwaren von Norden. Der Alpen- Führer, Routenbeschreibungen und entsprechende
nahbare und wüste Gegend, in der kein Wein wächst. hauptkamm bildete die „Völkergrenze“, die bis heute Ausrüstung an die abenteuerliche Erkundung der
Man überließ diese scheußlichen Alpen und ihre an den slawischen und bajuwarischen Flur- und Orts- alpinen Terra incognita.
Gletscher dem Halbgott Herkules und opferte ihm namen erkennbar ist. Solche Bezeichnungen von
an kleinen Heiligtümern auf Pässen ein paar Münzen auffallenden Punkten dienten der Orientierung - als
– wie auf dem Heiligenbluter Hochtor. Auch die Grie- erste Vorformen unserer „Markierungen“.
Drei markante Episoden
chen schreckten vor dem Hochgebirge zurück und Der nächste Entwicklungsschub setzte im Hochmit-
erklärten deshalb den Olymp zum Sitz der Götter, telalter ein: Das Aufblühen der Städte steigerte den
dem sich kein Sterblicher nähern dürfe. Bedarf an Konsumgütern. Diese schaffte der transal- Der Franzose Déodat de Dolomieu (1750 – 1801)
Aus Respekt vor den unnahbaren Alpen beließ es der pine Handel zwischen Subtropen und Außertropen „entdeckte“ die entlegenen Dolomiten und dass dort
berühmte Plinius mit der Schätzung aus sicherer Ent- auf Saumpfaden oder auf Karrenwegen über die sogar Menschen leben, die ein sonderbares Latein
fernung, dass diese Berge bis zu 75.000 Meter (!) hoch Alpenpässe herbei – im ausgehenden 16. Jahrhun- sprechen.
seien. Gleichwohl überwand Habgier die Scheu vor dert allein über Brenner und Katschberg mit jährlich 1762 bestieg der Gasteiner Bergmann N. Patschg al-
den Alpen. Polybius berichtete, dass das Gold bei den 14.000 Tonnen Güter. lein aus purer Neugier den Ankogel; er war der erste
Tauriskiern die Römer derart anlockte, dass ihre Aus- Aus jener Zeit stammen auch an Passwegen die „Tau- Mensch auf einem vergletscherten Dreitausender in
beute den Goldpreis in Rom auf ein Drittel drückte. ernhäuser“ in den Talschlüssen – nach den römischen den Ostalpen.
I n t e r v i e w 18

Zum Beispiel Großes Walsertal


(Vorarlberg) Von 1782 – 1786 durchstreifte und beschrieb der Ernst Graf von Hohenwarth, Kardinal Friedrich Fürst
Monika Bischof (TVB Großes Walsertal) im Gespräch Laibacher Medizinprofessor und Geologe Belsazar zu Schwarzenberg, Professor Peter Carl Thurwieser
Hacquet de la Motte (1739 – 1815) – ein gebürtiger sowie die Geistlichen Franz Senn, Erasmus Francisci
Das Große Walsertal ge- Bretone – die Ostalpen und bereitete damit ihrer oder Valentin Stanig.
hört zu den Bergsteiger- touristischen Erschließung den Weg. Höchst bemer-
dörfern, ist aber kein Dorf, kenswert ist seine Anleitung für das Bergsteigen:
Verheiratete taugen dafür nicht, weil das Risiko zu
sondern ein Tal. Was macht 15 Kirschbäume in Heiligenblut
den Unterschied? hoch ist und längere Abwesenheit „vom schönen
Wir sind sechs Dörfer und Geschlecht bewirkt, dass dieses Gewohnheiten an-
seit acht Jahren als Bio- nimmt, die nicht dem häuslichen Frieden dienen“. Im Sog der Aufklärung interessierten sich alsbald
sphärenpark ausgezeich- Und: Wilddiebe sind die „besten Geleiter“, weil sie aus Menschenfreunde für das Leben der vermeintlich
net. Seither rücken wir in allen Schwierigkeiten herausfinden und weil man bei naiven Alpenkinder, Maler entdeckten die Pracht
vielen Sachen zu einem großen Dorf zusammen. ihnen nicht verhungert. der Alpen, die ersten „Reiseschriftsteller“ rühmten
Die Kirchtürme sollten kleiner werden, daher ist es Unter dem Eindruck der Erstbesteigung des Mont den Erlebniswert der Alpen. Die „Einheimischen“
für uns ganz logisch, dass nicht ein einzelnes Dorf Blanc 1786 bewog Hacquet den Klagenfurter Fürst- entdeckten hingegen die Gäste als neuen Markt der
mitmacht, sondern das Große Walsertal gemein- bischof Franz II. Xaver Altgraf von Salm-Reifferscheidt Volksmedizin, darunter die heilkräftigen Körperteile
sam. Das Zusammenhalten im Tal wird inzwischen zu den Glocknerexpeditionen, an deren zweiter ein der Steinböcke und Murmeltiere, die man für wan-
von allen für notwendig gehalten, weil es alleine Dutzend prominente Wissenschafter teilnahmen. delnde Apotheken hielt und deshalb nahezu ausrot-
nicht geht. Das gilt insbesondere für den Touris- Dieser Fall belegt, dass neben den Naturwissenschaf- tete. Sie entdeckten ebenso, dass man die betuchten
mus. tern auch Theologen zu den Pionieren des Alpinis- Herrschaften kräftig ausnehmen könne – drastisch
mus zählten – u. a. die Bischöfe Salm und Sigismund beschrieben 1804 vom Arzt Joseph August Schultes
Was erwarten sich Gemeinden und Tourismus vom
Projekt Bergsteigerdörfer?
Es passt perfekt zu unserer Philosophie. Wir sind
nicht in der Lage, irgendwo noch Anlagen zu bau-
en oder zu erweitern. Das geht im Großen Walser-
tal nicht, weil das Gelände nicht dafür da ist. Der
Kampf geht eher in die umgekehrte Richtung,
vorhandene Infrastruktur - etwa eine Gondelbahn
- zu erhalten. Wandern und Genuss sind zwei Be-
reiche, die mit dem Thema Biosphärenpark sehr
gut verknüpfbar sind. Die größte Fläche im Tal sind
Pflege- und Kernzonen des Biosphärenparks. Wan-
dern und nicht anderes ist hier im Sommer wie im
Winter aktuell.

Trägt diese Orientierung schon Früchte?


Wir gelten nach außen als Modellregion, weshalb
uns viele Fachgruppen besuchen. Von den Teil-
nehmern kommen dann immer wieder welche auf
Urlaub zu uns. Wir wollen den kritischeren Gast,
der nachhaltigen, verträglichen Urlaub sucht. Uns
ist bewusst, dass wir woanders nicht hin können,
mit den Großen können und wollen wir nicht mit-
halten. Früchte trägt es auch insofern, als handge-
machte Produkte von Frauen jetzt mehr angenom-
men werden. Es beginnt zu wirken, auch wenn wir
vom Nationalpark wissen, dass es zehn Jahre dau-
J. Pögl (Kopie nach L. u. I. Scheffer v. Leonhardshof) Erstersteigung des Großglockners, Öl/Leinwand, 1928.
ert, bis erste Auswirkungen messbar werden.
(c) Alpenverein-Museum Innsbruck.
19
Vom Nutzwert der Alpen

am Beispiel Heiligenblut, das er als Dorf mit einer go- von 1881 illustriert diese Entwicklung auf einzigar- ten: Die Angst vor dem Gebirge schlug in die Angst
tischen Kirche, zwei gemauerten Häusern, acht bis tige Weise. Und die Bergsteiger brauchten Unter- um das Gebirge durch die technische Erschließung
zehn Holzhütten und 15 Kirschbäumen beschrieb. künfte – die Einheimischen boten sie. um. Dafür prägte vor 30 Jahren der „Rheinische Mer-
Die Wende von der wissenschaftlichen Expedition Die soziologische Geschichte der Alpen lässt sich auf kur“ den Schreckbegriff „Alpenapokalypse“.
zur Lust am Erobern von Gipfeln begann spätestens eine einfache Formel bringen: Erst kam der Bergwer- Die Angstreaktion auf die Erschließung der Alpen
1828 mit der misslungenen (und erst 1841 geglück- ker, später der Bauer, dann der Pfarrer, ab der Aufklä- hatte freilich schon kurz nach Anbruch des Eisen-
ten) Erstbesteigung des Venedigers. Einen Markstein rung der Lehrer, Mitte des 19. Jahrhunderts der Arzt bahnzeitalters eingesetzt: Erst mit dem Pflanzen-
setzte schließlich 1846 der Geograf Adolf Schaubach und schließlich der Tourist. schutz, um u.a. den schwunghaften Handel mit dem
mit seinen fünfbändigen „Deutschen Alpen“. Seine Sogleich rührten sich allerdings auch die ersten „Grü- Edelweiß zu unterbinden, dann mit dem Naturschutz
umfassenden touristischen Angaben machten das nen“: Romantiker, Literaten und Nostalgiker beklag- und schließlich mit Nationalparks. Das sollte verhin-
Bergsteigen erst planbar und berechenbar. ten, dass der anbrechende alpine Massentourismus dern, dass touristische Nomaden die Alpen ratzeputz
Eine revolutionäre Veränderung des Alpinismus vom „alle Idylle“ aus den Alpentälern vertreibe und pfif- abgrasen.
Sport betuchter Eliten zum Sport des kleinen Man- fige Wirte das große Geschäft auf Kosten der Natur- Freilich ist Kulturpessimismus angesichts dieser Ent-
nes löste Mitte des 19. Jahrhunderts die Ablösung schönheit machen. wicklung absolut verzichtbar, weil unproduktiv, so
der Postkutsche durch die Eisenbahn aus. Sie machte Ab 1900 erlebte der Alpinismus den nächsten revolu- lange man nur den (touristischen) Managern vor-
den schnellen und preiswerten Massentransport von tionären Schub durch den Anbruch des automobilen wirft, von allem den Preis und von nichts den Wert
Menschen und Gütern erst möglich. Die Reise von Zeitalters und den Bau von Alpenstraßen. Damit zu kennen. Sinnvoller ist es, darüber nachzudenken,
Wien nach Salzburg dauerte auf der 1860 eröffneten setzte die Urbanisierung der Alpendörfer mit voller dass und warum unbestreitbare Werte des tech-
Westbahn acht Stunden statt viereinhalb Tage mit Wucht ein. Hotelbauten entstanden und mit ihnen nischen und sozialen Fortschritts einen ethischen
der Postkutsche und war um fast 80 Prozent billiger. Serviceberufe. Erstmals tauchte aber auch die Sorge Preis haben.
Am Beginn des Eisenbahnzeitalters steht auch die um die Moral der Dörfler und den Charakter der alpi- Das führt uns mitten in die gängige Diskussion von
Gründung des Alpenvereins 1862 mit dem Ziel, „die nen Gesellschaft sowie ihrer Lebensweise auf. Philosophen und Psychiatern über die Sinnkrise, die
Kenntnisse von den Alpen zu verbreiten und zu er- Um 1900 setzte noch ein revolutionärer touristischer massive Fremdberhythmung statt selbstbestimmter
weitern und ihre Bereisung zu erleichtern“. Schub ein: Der Skilauf brachte dem alpinen Touris- Freiheit, das Burnout der gestressten Menschen, die
Die revolutionären Leistungen des AV als Wegberei- mus eine zweite Saison und die Technisierung des touristische Allzweckfloskel „Erlebnis“ und das, was
ter und Themenführer des Alpinismus können gar Sports: Ab den Zwanzigerjahren mit Seilbahnen, man gerne als Auswüchse wertet: „No risk – no fun“
nicht überschätzt werden. Neben dem Bau und der ab den Vierzigern mit Liften, ab den Sechzigern mit oder die Degradierung der Berge zum Sportgerät.
Pflege von Wegen und Hütten förderte er Forschung dem Gletscherskilauf. Hinterschattige Alpendörfer Der berühmte Logotherapeut und ausgezeichnete
und Wissenschaft. Klassisches Beispiel dafür sind die mutierten zu Hotelsiedlungen für touristische No- Alpinist Viktor Frankl fasste diesen Zustand in einem
„Jahrbücher“, ohne die Eduard Richter 1892 seine „Er- maden. Die Urbanisierung über-
schließung der Ostalpen“ nicht hätte schreiben kön- lagerte zunehmend massiv die
nen. Nicht minder wichtig sind die Leistungen des gewachsene Dorfkultur. Dörfler
AV durch die Herausgabe von Führerliteratur, von ex- waren zumindest in den Touris-
akten Landkarten und die Arbeitsbeschaffung für die mussaisonen nicht mehr auf das
alpinen Dörfler. Beispielsweise entwarf Johann Stüdl, Auspendeln oder auf die „Land-
der alpinistische Erschließer der Glockner- und der flucht“ in die Industriezentren
Venedigergruppe, für die Kalser die erste Bergführer- angewiesen.
ordnung überhaupt – und rüstete sie von Tragkörben Dafür ein klassisches Beispiel: In
auf Rucksäcke um! den Vierzigern und Fünfzigern
entdeckten die Schulen sparta-
nisch ausgestattete Bauernhöfe
für Skilager. Mittlerweile haben
Träger und Bergführer
sich diese Bauernhöfe zu schi-
cken Hotels ausgewachsen. Und
Die Erschließung der Alpen veränderte langsam, der überflüssige Bügelhalter bei
aber unaufhaltsam die Soziologie: Die Bergsteiger Schleppliften betreibt längst eine
brauchten verlässliche Träger und Bergführer – die Schirmbar.
Einheimischen waren es. Die kleine Autobiographie Die Reaktion auf diese Entwick- Franz Pracher, Spitze des Großvenedigers Lithografie, um 1841.
des Kapruner Tischlers und Bergführers Anton Hetz lung ließ nicht lange auf sich war- (c) Alpenverein-Museum Innsbruck.
Vom Nutzwert der Alpen 20

klassischen Satz zusammen: Dem modernen ge- der Konsument nicht ab, dann endet sie im Archiv wie der Kampf gegen die technische „Alpenapoka-
stressten Menschen fehlen sinnhafte Herausforde- oder im Papierkorb. lypse“ – sei es durch Gletscherskigebiete oder durch
rungen, also baut er sich Hürden auf, um sie zu über- Aus diesem Blickwinkel ist der Alpenverein einer von Talsperren.
winden und Selbstwert zu gewinnen. hunderten Anbietern, die auf Abnehmer hoffen. Der französische Spitzenalpinist Lionel Terray defi-
Frankl bietet somit auch eine Erklärung für den Boom Dieses Schicksal bietet nicht den mindesten Anlass nierte das Bergsteigen als Eroberung des Unnützen
des Joggens und Nordic Walkens sowie der Renais- zur Resignation. Im Gegenteil. Denn aus meiner Sicht – will heißen: des wirtschaftlich nicht Nutzbaren.
sance des Bergsteigens im Sommer wie im Winter. erfüllt der Alpenverein drei gesellschaftspolitisch un- Warum also gehen wir in die Berge und warum brau-
Daraus spricht auch die Natursehnsucht unserer Zeit. verzichtbare Funktionen: chen wir den Alpenverein?
Die Frage ist nur, was unsere urbanisierte Gesellschaft Erstens gehört er in die Kategorie des „modernen Eine Antwort darauf gab der Theologieprofessor
unter Natur versteht. Eine Studie in Deutschland fand Brauchtums“, das sinngebundene und zielgerichtete Peter Carl Thurwieser (1789 – 1865), der in der ers-
unlängst heraus, dass Stadtkinder Kühe für blau und Gemeinschaft ohne traditionelle Rituale und Festka- ten Hälfte des 19. Jahrhunderts unzählige Gipfel
Enten für gelb halten – weil sie so in der Werbung er- lender pflegt und damit Identität stiftet – genau so zwischen Dachstein und Ortler – zum Teil als Erster
scheinen. wie Amateur-Fußballklubs, die freiwillige Feuerwehr – bestiegen hat: „Ich gehe in die Berge, um die Herr-
oder das Rote Kreuz. lichkeit der Werke Gottes zu bewundern und mich
Zweitens ist er eine Organisation, die über die Ge- gründlich aufzuheitern und zu erholen.“
meinschaft eines Vereins hinaus den Menschen durch Eine zweite Antwort gab eine Familie, die jüngst die
Information als Holschuld
die Erhaltung der alpinistischen Infrastruktur das Er- Zahl der Alpenvereinsmitglieder über die Schwelle
lebnis Berg ermöglicht – vom gemütlichen Wandern von 350.000 gebracht hat.
Der Alpenverein steht dieser Entwicklung keines- bis zum Extremklettern und Expeditionstourismus. Eine sehr subjektive Antwort möchte ich auch noch
wegs mittellos gegenüber. Doch er leidet ebenso Drittens spielt der Alpenverein eine entscheidende beisteuern: Ohne AV-Wege, ohne AV-Markierungen,
wie andere Organisationen an der zeitgenössischen Rolle als wissenschaftlicher Themenführer in alpiner ohne AV-Landkarten, ohne AV-Hütten und ohne AV-
Informationsflut, die beinahe täglich ungebeten aus Ökologie, Umweltbildung und Klimatologie. Aktuelle Bibliotheken wäre mir das Vergnügen lebenslangen
den Postkasteln quillt: Information ist längst keine Beispiele sind Glaziologie und Permafrost. Das löst Bergsteigens verwehrt geblieben.
Bringschuld mehr, sondern eine Holschuld. Holt sie beständig ebenso beträchtliches Medienecho aus

Auffi zum Chillen


Informationen zum Autor
Othmar Behr - Salzburger Nachrichten, 26.11.2008

Clemens M. Hutter,
Mit Après-Ski hatte es begonnen. Die Mander und die Dirndln in die Berg waren nicht mehr allein mit ihrem hoch-
Jahrgang 1930, Dr. Phil.
alpinen Dialekt. Gipfel und Pisten bekamen ihr internationales Flair und wer heute etwas auf sich hält, genießt die
(Philosophie, Politolo-
Hüttengaudi mit urbaner Feelgood-Music.
gie, Volkskunde, Sport-
wissenschaft), Journalist
Angekündigt wird dies jedenfalls für das „98.3 Superfly Soulrider presented by Besson - dem chilligsten Winterstart
und Autor, sieben Jahre
in den Alpen“. Das Ganze findet von 12. bis 14. Dezember auf der Schmittenhöhe in Zell am See statt. Wen es dort-
im Ausland (beide Ame-
hin auffiziacht, den erwarten knackige Beats, treibene Percussions, fette Basslines, gefühlvolle Keys, funky Guitarlicks,
rikas, Afrika, Westasien),
samtige Vocals und eine üppige Hornsection. Die Aussendung des Veranstalters, eine private Radiostation aus Wien,
bis 1995 Ressortleiter
verspricht einiges. Ein DJ Collective spannt einen Bogen von Rare Grooves über Disco bis House. Good Vibes sind
Ausland der „Salzburger Nachrichten“, ca. 45
garantiert (warum eigentlich nicht guaranteed?). Teifi eini noch amoi!
Buchpublikationen (Schwerpunkte Zeitgeschich-
te, Totalitarismus, Sozialgeschichte der Ostalpen
Es geht animated, äh munter weiter. Das Soulrider Package für das Soulful Weekend kann unter www.soulrider.at
und Alpinistik).
gebucht werden. Vier Locations werden beschallt. Natürlich bekommen die Soulrider Welcome Drinks und eine Loca-
tion Map. Wenn schon Schmittenhöhe, dann auch Sport. Wer nicht nur soulful Music genießen will, kann beim Ski &
Verheiratet, drei Söhne.
Gear Test die Competition mit seinen Freunden starten. Abends bekommen die Soulrider wieder ausgesuchte Tunes
und brandheiße News vom Puls der Szene in den Bars von Zell am See serviert. Richtig bescheiden mutet dagegen
Lebensmotto: Gesund und neugierig bleiben,
die Präsentation der neuesten und trendigsten Outfits der Wintersaison 2008/2009 an. Der Blick zu www.soulrider.at
dann stimmt die Lebensqualität.
lohnt sich. Dort gibt es Program, Line-up und How To Get There. Gibt‘s noch Questions?
21

Die Alpenkonvention als


Entwicklungsinstrument nutzen

Zusammenfassung der ersten Plenardiskussion

Regina Stampfl, Projektteam Bergsteigerdörfer und Hannes Schlosser, Journalist

Die Diskussionsrunde am Vormittag wurde von Klaus ten deshalb mehrere NGOs ein Forum Alpenkonven-
Küchenhoff, 2. Vorsitzender der DAV-Sektion Breslau, tion gebildet, dessen Aufgabe die praktische Prüfung
eingeleitet. Er kritisierte an der Alpenkonvention „die der Umsetzung der Alpenkonvention sei. Als zweites
vielen Ausschüsse“, während Ergebnisse fehlen wür- Beispiel nannte Zedrosser das Verkehrsprotokoll mit
den. dem Verbot weiterer hochrangiger Straßenverkehrs-
Marco Onida, Generalsekretär der Alpenkonvention, achsen. Beim Projekt des Ausbaus der Klagenfurter
hob hervor, dass die Aufgabe der Ausschüsse unter Schnellstraße S37 zu einer Autobahn würden daher
anderem darin bestünde, Entscheidungen vorzube- Bürger und NGOs die Alpenkonvention nutzen, um
reiten, die den Ministern vorbehalten sind. „Der Stän- Druck auf Politik und Verwaltung auszuüben.
dige Ausschuss etwa ist ein Gremium, in dem Mit- Marco Onida erwähnte das 2006 für Österreich
glieder aus verschiedenen Staaten zusammentreffen herausgegebene sehr umfassende Umsetzungs-
und Informationen austauschen“, erläuterte Onida. handbuch. „2008 wurde dazu auch eine Datenbank
Er erwähnte auch, dass die Alpenkonvention Publi- erstellt, wo sich alle Gemeinden, die Interesse an der
kationen zu verschiedenen Themen herausgebe und Alpenkonvention haben, informieren können.“ In
nicht zuletzt deshalb eine eben erneuerte Website Deutschland haben das Bayerische Umweltministe-
betreibe, um die zahlreichen Publikationen einem rium und CIPRA-Deutschland Umsetzungsleitfäden
breiten Publikum zur Verfügung zu stellen. herausgegeben. An der Entwicklung ähnlicher In-
Ewald Galle vom Österreichischen Lebensministeri- strumente für Frankreich, Italien und Slowenien wer-
um unterstrich den völkerrechtlichen Charakter der de gearbeitet, schloss Onida.
Alpenkonvention, die daher auch eine bestimmte Clemens Hutter brachte sich mit dem Blickwinkel
Struktur habe: „Es gibt das Beschlussgremium der Mi- des Journalisten in die Diskussion ein und stellte
nister, das ausführende Gremium der Beamten, auf die These auf, dass weniger als ein Prozent der ös-
dieser Ebene gibt es auch Überprüfungsausschüsse terreichischen Journalisten wissen würden, „was die
und ein eigenes Verfahren zur Einhaltung der Pro- Alpenkonvention ist und worum es dabei geht“. In
tokollverpflichtungen. Als Servicedrehscheibe gibt Salzburg gebe es aktuell eine Auseinandersetzung
es das Ständige Sekretariat der Alpenkonvention.“ um eine 380-kV-Leitung, die auch über die Medien Klaus Küchenhoff, 2. Vorsitzender der DAV-Sektion Breslau.
Daneben gebe es auch fachlich arbeitende Gremien, ausgetragen werde. „Wenn irgendwo einmal ans
die sich etwa mit Fragestellungen des Verkehrs, der Licht kommt, dass es ja eine Alpenkonvention gibt,
Naturgefahren oder mit dem Wasserhaushalt im Al- dann fehlt aber in den Redaktionen das Hintergrund-
penraum beschäftigen würden. material.“ Hutter regte daher an, seitens des Ständi-
Björn Zedrosser vom OeAV-Landesverband Kärnten gen Sekretariats den Kontakt zu Journalisten zu su-
konkretisierte die Argumente zur Alpenkonventi- chen. Für einen Journalisten sei es wichtig, jemanden
on mit Beispielen aus der Naturschutzarbeit. Er er- anrufen zu können, wenn er zu einem bestimmten
wähnte dazu die im Naturschutzprotokoll enthaltene Thema etwas brauche. Sinnvoll sei es auch, wenn die
Verpflichtung, wonach Schutzgebiete nicht belastet Redaktionen kurz gefasste Darstellungen „auf Lager“
oder verkleinert werden dürfen.„Will jemand in einem hätten, um bei aktuellen Themen die Alpenkonventi-
Schutzgebiet ein Hotel bauen, kann man mit den Ar- on ins Gespräch zu bringen.
gumenten der Alpenkonvention sehr wohl punkten Ewald Galle holte dann noch zu einer sehr grund-
und das geschieht auch sehr häufig.“ In Kärnten hät- sätzlichen Betrachtung aus: „Die Alpenkonvention ist
Björn Zedrosser - OeAV-Landesverband Kärnten.
I n t e r v i e w 22

Zum Beispiel Johnsbach


(Steiermark) nicht die Mega-Keule mit der alles verhindert werden Entwicklung zu lenken. „Die Alpenkonvention ist
Bürgermeister Ludwig Wolf im Gespräch soll. Das ist genau die Ecke aus der wir sie herausho- aber auch ein konkretes und herzeigbares Entwick-
len wollen. Die Alpenkonvention ist ein rechtliches lungsinstrument. Das Projekt der Bergsteigerdörfer
Bergsteigerdorf – was be- Instrument, mit dem in Prozessen der Interessenab- ist dafür ein lebendiges Beispiel“, schloss Galle.
deutet das für Johnsbach? wägung Denkanstöße, Begründungshilfen und Argu- Abgeschlossen wurde diese Diskussionsrunde vom
Nichts anderes, als wir le- mente entwickelt werden können.“ Vor zehn Jahren Direktor des Nationalparks Hohe Tauern Kärnten
ben und immer gewesen sei der Fehler gemacht worden, die Alpenkonvention Peter Rupitsch, der die gesamte Vormittagssitzung
sind. Wir sind eine alpine oft für Kleinigkeiten ins Spiel zu bringen. „Das hatte der Konferenz moderiert hatte. „Ich glaube, der Na-
Gemeinde und haben eine den Effekt, dass sie unattraktiv geworden ist. Die Ad- tionalpark Hohe Tauern mit seinen Gemeinden und
bergsteigerische Tradition ministration hat sie weg geschoben und die Politiker seinem Schutz- und Entwicklungsanspruch ist auch
schon über 100 Jahre. Wir wollten nichts mehr davon hören.“ Tatsächlich sei die ein Beispiel für die Umsetzung der Alpenkonventi-
wurden von den Wiener Alpenkonvention auch ein rechtliches Instrument, on“, sagte Rupitsch. Tatsächlich würden in diesem
Bergsteigern entdeckt, darunter die AV-Sektionen mit dem Dinge verhindert werden können, betonte Zusammenhang positive Aktivitäten meist als Erfolg
Austria, Mödling, Reichenstein und der Gebirgs- Galle und erwähnte den Bau einer Skipiste in Tirol, des Nationalparks verkauft und nicht als Beitrag zur
verein. Diese Leute haben bei uns Hütten gebaut, der durch die unmittelbare Anwendung des Boden- Alpenkonvention. „Bei der Alpenkonvention wird viel
Wege erschlossen und Erstbesteigungen gemacht. schutzprotokolls abgelehnt worden ist. Allerdings zu sehr das Negative herausgekehrt und diese immer
Sehr viele dieser Alpinisten sind in Johnsbach am habe die Alpenkonvention keine Parteistellung, weil nur als Verhinderungsinstrument gesehen. Die vielen
Friedhof begraben, das ist ein Geschichtsbuch des dies Kommissionen nicht zukomme, setzte Galle fort. kleinen positiven Dinge, die ja auch geschehen und
Alpinismus mitten im Ort. Diese Parteistellung hätten in vielen Fällen Bürger- vielleicht nicht so spektakulär sind, gehen dabei lei-
initiativen und Private. Die Alpenkonvention biete der oft unter“, erklärte Rupitsch.
Was sind die Zukunftsperspektiven des Ortes? einen Fundus an Argumenten und Begründungen,
Wir sind eine große Gemeinde mit wenigen Ein- um Verfahren in Richtung einer umweltverträglichen
wohnern und versuchen mit allen Mitteln, die
dörfliche Infrastruktur zu erhalten. Wir haben noch
einen eigenen Pfarrer und das bei 153 Einwoh-
nern. Unsere Volksschule mit derzeit elf Kindern
ist auf Jahre gesichert und wir haben noch einen
Nahversorger. Einzig die Post hat zugesperrt.
Was mir abgeht, ist eine lückenlose Erreichbarkeit
am Handy als Beitrag zur alpinen Sicherheit. Wir
stellen uns vor, zum Teil auf Autos zu verzichten,
dazu müssten aber Ruftaxis von überall her an-
gerufen werden können. Die neun Bauern im Ort
sind alle gut situiert und vermarkten ihre Produkte
in den Gasthäusern.
Bei uns gibt es gut funktionierende Schutzhütten,
schöne bewirtschaftete Almen und sogar noch
drei Gasthäuser - richtige Bergsteigergasthäuser!

Wie ist die Resonanz auf die Initiative Bergstei-


gerdörfer im Ort?
Wir sind auch beim Verein Österreichs Wander-
dörfer dabei. Innerhalb einer Stunde haben sich
alle Betriebe samt Gasthäusern und Schutzhütten
bereit erklärt, bei den Wander- und den Bergstei-
gerdörfern mitzumachen. Die Betriebe und die
Bevölkerung fahren voll auf diese Orientierung ab.
Das ist der Weg, von dem wir leben können.

Die Diskussionen wurden von den TeilnehmerInnen aufmerksam verfolgt.


23

Vom klassischen Erschließertum bis heute

Was machte und was macht Ginzling zum Bergsteigerdorf?

Gudrun Steger, Autorin Alpingeschichte Ginzling

Der Zillertaler Alpenhauptkamm unterscheidet sich 1840 rasch anwachsende Touristenstrom benötigte
von anderen großen Gebirgsgruppen der Ostalpen schließlich Gaststätten, Herbergen und Führer. Ginz-
durch den gewaltigen Höhensprung vom nur etwa ling wurde zum Bergsteigerdorf, hier waren um die
600 m hoch gelegenen Mayrhofen über die knapp Jahrhundertwende mehr Bergführer stationiert als
3000 m hohen „Hausberge“ bis zu den immer noch in allen umliegenden Dörfern zusammen. Für die
vergletscherten Gipfeln am Hauptkamm, deren Entwicklung einer eigenen Gemeinde war es aber zu
höchster, der Hochfeiler, 3.510 Meter erreicht. Die vier spät. Man kann es nicht sehen, nur der immer seltener
Quellflüsse des Ziller (Tuxer Bach, Zemmbach, Stil- verwendete Doppelnamen Ginzling-Dornauberg
lupper Bach und Ziller) haben sehr tiefe Einschnitte deutet darauf hin: der Zemmbach blieb Gemeinde-
geschaffen und brechen durch enge, unwegsame und Diözesangrenze zwischen Mayrhofen (Salzburg)
Klammen in den Talkessel von Mayrhofen heraus. und Finkenberg (Innsbruck).
Innerhalb dieser Schluchten weiten sich die Täler
und verzweigen sich in mehrere Seitentäler. Entlang
steiler, oft von mächtigen Felswänden durchsetzten Hütten und Wege für die Bergsteiger
Waldhängen bieten sie zumindest ein wenig Platz für
vereinzelte Siedlungen, Asten und Almen. Sie werden Bis in die 1880er Jahre zählte der Zillertaler Haupt-
„Innere Gründe“ genannt, weil sie Jahrhunderte lang kamm zu den unberührten Gebirgsgegenden der
lediglich als Weidegründe genutzt werden konnten.
Wie tief der Einschnitt der Täler ist, zeigte schon Fer-
dinand Löwl 1878 anhand eines Vergleiches der re-
lativen Höhen vom letzten Bergdorf zu den Gipfeln:
zwischen Ginzling und dem Hochfeiler ist sie größer
als zwischen Heiligenblut und dem Großglockner.
Brandberg und Ginzling-Dornauberg sind die ein-
zigen Dörfer in diesem Gebirgsstock: Die Höfe der
Bergbauerngemeinde Brandberg liegen begünstigt
auf einer südexponierten Terrasse hoch über dem
Zillergrund und gehen auf mittelalterliche Schwai-
gen zurück. Das Dorf Ginzling entwickelte sich trotz
uralter Wurzeln erst seit dem Beginn des 19. Jahrhun-
derts im engen, schattigen Zemmgrund entlang der
dem Bachlauf folgenden ehemaligen Landesgrenze
zwischen Salzburg und Tirol, wo die Landwirtschaft
kaum etwas abwerfen konnte. Kleinere Bergbaue
(z.B. Granat), ein bedeutendes fürstliches Jagdre-
vier im Floiten- und Gunggltal oder der Übergang
von Mayrhofen nach Sterzing mit ein wenig regio-
nalem Handel boten so viel zusätzliches Einkommen,
dass ein paar Familien hier leben konnten. Der seit
Ginzling im Zillertal. Foto: Archiv Hochgebirgs-Naturpark Zillertaler Alpen.
I n t e r v i e w 24

Zum Beispiel Vent (Tirol)


Gerhard Moser (Ortsausschuss Ötztal Tourismus)
und Konrad Klotz (Gemeinderat und Gastwirt) im Ge-
spräch

Was macht Vent zum Bergstei- Ostalpen. Etliche Berggipfel waren zwar schon touris- Vor allem der Erste Vorsitzende der Sektion Prag,
gerdorf? tisch erstiegen und in der Szene durchaus bekannt – Johann Stüdl, regte mit seinem Einsatz für das Gast-
Klotz: Die Berge an sich, das ist vor allem der Olperer – die „Massen“ an Bergsteigern haus Roßhag die Entwicklung der Gastronomie an,
unser Kapital, samt unserer alpi- hielten sich aber an Glockner, Großvenediger, Ortler einschließlich privater Schutzhäuser, wie etwa die
nistischen Infrastruktur. oder das Vidum des Kuraten Franz Senn in Vent im Alpenrose auf der Waxeggalm. Bergführer wurden
Moser: Dazu kommt die Ge- Ötztal. Zufällig fand Enno Schumann auf der Schwar- autorisiert, Tarife festgelegt und gleichzeitig die alpi-
schichte, wie der Alpinismus bei zensteinalm den Bauplatz für die Berliner Hütte (eröff- nistischen Nüsse geknackt – mit dem Höhepunkt der
uns entstanden ist. net 1879), da man sich anderswo nicht einig gewor- spektakulären führerlosen Ersteigung des Feldkopfes
den war, während der junge Ferdinand Löwl aus der durch die Brüder Otto und Emil Zsigmondy.
Welche Möglichkeiten hat das Sektion Prag am Roßhag „Familienanschluss“ fand, Noch vor 1900 standen die meisten Hütten und
Bergsteigerdorf Vent in der Zu- und 1878 mit seiner lebendigen Beschreibung „Aus bis zum Ersten Weltkrieg wurden sie oft mehrmals
kunft? dem Zillertaler Hochgebirge“ ein breites Publikum vergrößert. Im Lauf der folgenden Jahrzehnte wur-
Klotz: Unsere Vorgänger haben sich schon zum auf das Tal, seine Berge und Bewohner aufmerksam den von der europäischen Bergsteigerelite immer
Bergsteigerdorf und sanften Tourismus bekannt. machte. Zusammen mit der Sektion Zillertal (gegrün- schwierigere Routen eröffnet (z.B. von Hans Fiechtl,
Unsere Generation verfolgt diesen Weg weiter. det 1871) und der kleineren Sektion Greiz entfalteten um nur einen zu nennen), und ein breiter internati-
Der Trend wird noch stärker in Richtung Natur und die Berliner und Prager eine rege Geschäftstätigkeit onaler Strom an Wanderern konnte dank der Hütten
Ruhe gehen und Vent hat daher keine schlechten im Zemmgrund: der Weg von Mayrhofen bis zum und Wege recht bequem Ruhe und Erhabenheit des
Karten für die Zukunft. Was wir in Vent haben, ist Pfitscher Joch wurde so ausgebaut, dass er gefahrlos Hochgebirges erleben. Vor allem aus diesem Kreis
historisch und real, während andere Orte oft ein und zu Pferd zurückgelegt werden konnte, und der gibt es eine große Anzahl an Reiseschilderungen,
Kasperltheater bieten. Reihe nach entstanden Berliner-, Olperer-, Domini- Berichten und Lichtbildsammlungen aus verschie-
Moser: Wir brauchen nichts künstlich erfinden. cus- und Rifflerhütte, das Furtschaglhaus und die densten Blickwinkeln, die bis heute immer wieder
Wenn man sich zu den Bergsteigerdörfern be- Greizer Hütte. neu verlegt und veröffentlicht werden: Juhani Aho
kennt und jeder Betrieb und jede Person sich auf
dieses Ziel orientiert, kann man schon etwas Be-
sonderes machen.

Welche Entwicklungsmöglichkeiten gibt es im Som-


mer?
Moser: Die klassischen Aktivitäten im Sommertou-
rismus sind bei uns extrem ausgeprägt. Wandern
und Bergsteigen findet bei uns wirklich statt. Ver-
besserungen sind vielleicht noch bei den Ange-
botspaketen möglich.
Klotz: Die TirolWerbung forciert jetzt das Schlag-
wort vom „Nature Watching“. Es gibt bei uns Wan-
der- und Bergführer, die mit den Leuten schon lan-
ge „Nature watchen“ und vermitteln, dass bei uns
noch Wildnis und Natur stattfinden.

Welche Erwartung gibt es an die Gemeinschaft der


Bergsteigerdörfer?
Moser: Meine Haupterwartung liegt beim Marke-
ting. Ein Gast, der Berge, Ruhe und Erholung will
und sich eines der Bergsteigerdörfer aussucht,
muss sicher sein können, dass die von uns erarbei-
teten Kriterien erfüllt werden.
Klotz: Vent war immer schon etwas Besonderes.
Im erlesenen Kreis der Bergsteigerdörfer dabei zu
sein, ist noch eine Stufe höher. Karlsteg um 1884.
Foto: Archiv Hochgebirgs-Naturpark Zillertaler Alpen.
25

I n t e r v i e w
Zum Beispiel – Ginzling (Tirol)
(„Dies und das aus Tirol“), Martin Pollak („Anklage Va- umwelttechnischen Stand, die Sektion Neumarkt riss Ortsvorsteher Rudolf Klausner im Gespräch
termord“) und Karl Kaser („Vom Brenner ins Zillertal“) die neu erworbene Olpererhütte kurzerhand ab, um
seien genannt, um die Vielfalt anzudeuten. einen auffallenden Neubau zu schaffen. Für das We- Was macht Ginzling zum
Die beiden Weltkriege brachten natürlich eine Zäsur, genetz hat die 130jährige Tradition ein zeitgemäßes Bergsteigerdorf?
wobei sich zeigte, dass sich die Ginzlinger mit der Modell in der „ARGE Höhenwege“ gefunden, in der Auf den großen Boom mit
„Bergsteigerei“ identifiziert hatten. Den Wirten war alle hüttenbesitzenden Sektionen, die Sektion Ziller- den Bahnen konnte man
es zuzuschreiben, dass die Hütten die Krisenzeiten tal, die Gemeinden, Tourismusverbände, Seilbahnen nicht aufspringen und mit
halbwegs unbeschadet überstanden. Das Friesen- und die Verbundgesellschaft zusammenarbeiten. Sie der Verordnung des Ruhe-
berghaus (Sektion Berlin) erinnert mit seiner Ge- betreuen die sehr gut angenommenen Abschnitte gebiets war eine Richtung
denkstätte gegen Intoleranz und Hass im besonde- der Weitwanderwege („Berliner Höhenweg“, „Zillerta- vorgegeben. Bergsteigen,
ren an den massiven Antisemitismus innerhalb des ler Runde“, „Zentralalpenweg 02“ und „Via Alpina“, für Klettern, Wandern - das ha-
DuOeAV, in dessen Spannungsfeld das Haus in den die Ginzling ein Etappenort ist). ben wir alles im Ort. Für uns ist es wichtig, bei den
1920er Jahren errichtet worden war. Bergsteigerdörfern mitzuleben und dabei zu sein.
Die alten Hütten müssen mit viel Aufwand renoviert
werden und auch für den Erhalt der Wege stehen bis Was sind die Zukunftsperspektiven?
Tourismusboom und Speicherbau
heute die Alpenvereine, die sich aber zunehmend in Keine Frage, momentan leben wir den schwie-
Servicevereine verwandeln, deren Mitglieder vom rigeren Tourismus als die großen Skigebiete. Aber
Verein betreut werden wollen und ihn nicht mehr Erst seit 1971 hat Ginzling ein eigenes Dorfstatut auf lange Sicht ist es der richtige Weg, dass bei uns
so selbstverständlich wie früher mit Rat, Tat und oft und damit so viel dörfliche Gestaltungsmöglichkeit nicht alles verbaut und noch die Natur da ist.
viel Geld unterstützen. Einzelne Hütten wurden ver- wie eine eigenständige Gemeinde. Zuvor scheiterte
kauft, um die Last aufzuteilen. Die Sektion Otterfing manches Projekt an der fehlenden Vereinbarung Stehen die Leute im Dorf dahinter?
kaufte die Gamshütte und brachte sie auf höchsten beider Muttergemeinden, wie etwa Liftanlagen in 1991 hat das Land das Ruhegebiet verordnet,
wobei kurz davor noch die Verbindung zwischen
Schlegeis und Hintertuxer Gletscher angestan-
den ist. Damals waren 60-70 % gegen das Ruhe-
gebiet. Auch ich habe lange gedacht, mit einer
Verbindung zum Tuxer Skigebiet kommt der Auf-
schwung. Ich bin seit 1992 Chef im Ort und mir ist
es immer darum gegangen, dass sich im Dorf mehr
bewegt. Heute stehen 80-90 % hinter der Berg-
steigerdorfidee, weil wir das leben und konkrete
Projekte umsetzen. Wir haben in den letzten Jah-
ren kontinuierliche, wenn auch geringe Zuwächse
bei den Nächtigungen. 2008 sogar zwölf Prozent
- das sind sichtbare Erfolge. Wenn die Bevölkerung
sieht, dass sie auch eine Kleinigkeit damit verdie-
nen kann, ist die Akzeptanz anders, als wenn nur
geredet und nichts getan wird.

Wie reagieren die großen Nachbargemeinden?


In Ginzling wirst du von jeher belächelt. Mit Na-
turparkhaus, Klettersteig, Freilichtbühne und
Sportkletterprojekten haben wir viel umgesetzt.
Jetzt horchen die Nachbarn auf, auch weil da öf-
fentliche Gelder fließen. Sie sehen, es gibt Leute,
die das suchen und unser Weg wird touristisch
gewaltig gut angenommen. Jetzt ist speziell im
Sommertourismus eine Akzeptanz da, wenn nicht
Das Furtschaglhaus der Sektion Berlin um 1888. sogar ein gewisser Neideffekt.
Foto: Archiv Hochgebirgs-Naturpark Zillertaler Alpen.
Vom klassischen Erschließertum bis heute 26

den 1950er Jahren oder der wintersichere Ausbau bessere Straße bis ins Dorf, es kam aber inmitten Der Alpenverein blieb aber gut hundert Jahre nach
der Zufahrtsstraße. Dabei konnte das Dorf nach dem des Wirtschaftsaufschwungs zu einem völligen Er- dem Bau der ersten Hütte präsent. Diesmal war es die
Krieg an die große Vergangenheit anknüpfen, der liegen des Tourismus: Ginzling wurde für ein paar örtliche Sektion Zillertal des OeAV, die mit Unterstüt-
Tourismus boomte am Beginn der 1950er Jahre und Jahre Baulager, nur die Bergsteiger hielten sich an zung der Gesamtvereinsleitung für eine Betreuung
es gab immer noch vermögende Bürger, die investie- die Hütten. Mit der Verordnung des Ruhegebietes des zunächst ungeliebten Schutzgebietes sorgte, in
ren wollten. Zillertaler Hauptkamm (dem heutigen Naturpark) der festen Überzeugung, dass im Bergsteigen und
Der Bau der Speicher, Überleitungen und Kraft- im Jahr 1991 mussten großtechnische touristische seiner Ausstrahlung auf ein breiteres Publikum nicht
werke in den 1960er/70er Jahren brachte zwar eine Erschließungspläne gänzlich aufgegeben werden. nur die Vergangenheit, sondern auch die Zukunft
von Ginzling-Dornauberg liegen kann. Die moderne
Bergsteigeratmosphäre ist nach wie vor von den Hüt-
ten bestimmt, vom Naturparkhaus als ansprechende
Anlaufstelle, vom Wandern als Trendsport, vom Klet-
tersteigboom und von der unübersehbaren Sport-
kletterszene. Mit Gerhard Hörhager ragt einer der
Pioniere dieser sportlichen Entwicklung heraus, des-
sen Familie seit Generationen als Hüttenwirte und
Bergführer für Ginzling als Bergsteigerdorf steht.

Informationen zur Autorin

Gudrun Steger (geb. Fi-


scher, 1967) stammt aus
dem unteren Gailtal in
Kärnten und begann nach
ihrem Studium (Lehramt
Geographie und Ge-
schichte in Wien) im Jahr
1991 mit der Betreuung
des Ruhegebietes Zil-
lertaler Hauptkamm im Auftrag des OeAV, FAbt.
Raumplanung/Naturschutz. Nach Gründung des
Trägervereins (1996) wurde sie dessen Geschäfts-
führerin bis zu ihrer Familiengründung 1998.

Im Schuljahr 2004/05 holte sie das Unterrichts-


praktikum an der HAK/HAS Schwaz nach und
arbeitet seither freiberuflich – unter anderem für
das mittlerweile als Hochgebirgs-Naturpark Zil-
lertaler Alpen ausgezeichnete Ruhegebiet und
Das Zillertal, einst ein Geheimtipp für Bergsteiger. den OeAV.
Foto: Archiv Hochgebirgs-Naturpark Zillertaler Alpen.
27
Vom klassischen Erschließertum bis heute

Mallnitz – Bergsteigerdorf mit IC-Station

Erich Glantschnig, Autor Alpingeschichte Mallnitz

Mallnitz bietet heute viel von dem, was das Herz eines einer solchen. Der Ort wurde für die Sommerfrische glied der Akademie der Wissenschaften in Wien und
Wanderers, Bergsteigers oder Kletterers erfreut. Ob entdeckt. Träger zahlreicher internationaler Auszeichnungen.
Spazierengehen in den weiten ebenen Tälern, ohne Es waren vor allem Gäste aus Klagenfurt, später Unzählige bis heute gültige Standardwerke zur Ge-
Mühen und allzu große Anstrengungen, ob Wandern Wien, Triest und Prag. Sie wussten, die schöne Na- ologie stammen aus seiner Feder. Ebenso erwarb er
im Bereich oberhalb der Baumgrenze von Schutz- tur, die saubere Luft und die ländliche Atmosphäre sich als einer der bedeutendsten Paläontologen sei-
hütte zu Schutzhütte, ob Erklimmen von etlichen zu schätzen, und verzichteten dafür auf Komfort. Die ner Zeit weltweit einen glänzenden Ruf, unter ande-
Dreitausendern, Mallnitz bietet ein sehr weitläufiges, Sehnsucht der städtischen Bevölkerung nach unbe- rem korrespondierte er auch mit Charles Darwin.
abwechslungsreiches Wegenetz und eine Vielzahl an rührter, Erholung bringender Natur war auch damals Angeregt durch gemeinsame Bergwanderungen
Schutz- und Selbstversorgerhütten. in Zeiten der Industrialisierung und gründerzeit- zählte Mojsisovics schon während seiner Studienzeit
Es bleiben fast keine alpinen Wünsche für Bergwan- licher Hektik schon groß. Rasch war eine Gästeschar 1862 gemeinsam mit seinen Studienkollegen Paul
derer offen und das alles in einer weitestgehend in- jährlich in Mallnitz versammelt. Die damalige Gem- Grohmann und Guido Freiherr von Sommaruga zu
takten Natur mitten im Nationalpark Hohe Tauern. senwirtin und bald auch andere Mallnitzer wussten den Gründungsmitgliedern des Österreichischen
Dieser Ausgangssituation ist es zu danken, dass Mall- mit dieser Situation umzugehen. Man passte sich Alpenvereins. Dies war die erste Gründung dieser
nitz sich auch zu den „kleinen und feinen Bergstei- den Wünschen der Gäste an und stellte sich auf Art auf dem europäischen Festland. Mojsisovics war
gerdörfern“ zählen kann. den aufkeimenden Fremdenverkehr ein. Unter den auch an der Gründung des Deutschen Alpenvereins
Was heute durchaus als eine Auszeichnung gelten Sommerfrischlern befanden sich immer mehr auch 1869 beteiligt und gilt als einer der Hauptinitiatoren
darf, war wohl nicht immer Ziel der touristischen Pla- Bergsteiger, sodass sich auch ein Bergführerwesen der Vereinigung des Deutschen und des Österrei-
nung in Mallnitz. Wie in vielen anderen Alpendörfern in Mallnitz zu entwickeln begann. Karten, Wege oder chischen Alpenvereins 1873.
war die Erschließung von Schigebieten und die Stei- Markierungen gab es noch keine, daher nahmen alle Mallnitz und seine Bergwelt lernte Mojsisovics wahr-
gerung der Gästefrequenz, das Streben nach Mehr Touristen deren Dienste gerne in Anspruch. scheinlich schon in den 60er Jahren des 19. Jahrhun-
und Größerem oberste Priorität und das Wörtchen Noch in den 1890er Jahren erschien im Eigenverlag derts kennen und lieben. Erste Touren führten ihn auf
„klein“ wollte dabei nicht ins Konzept passen. der Gemsenwirtin so etwas wie ein erster Prospekt Ankogel und Hochalmspitze und beinahe alljährlich
von Mallnitz mit Beschreibungen des Ortes, der Na- kehrte er nach Mallnitz zurück. Es war wohl nicht
Mallnitz hat mehrmals den großen Sprung vorgehabt, turschönheiten und der Berge und natürlich waren
ihn dann aber nie wirklich geschafft. „Klein und fein“ darin auch die Vorzüge des eigenen Hauses aufge-
war also weniger eine bewusste Entscheidung, son- listet.
dern vielmehr ein Arrangieren mit den Tatsachen.
Dass es auch Vorteile hat, keine Nobel-Society- oder
Eventdestination im Alpentourismus zu sein und ge-
rade darin die Stärke von Mallnitz liegt, das zu erken-
Sehnsüchte eines Städters
nen, war ein längerer Prozess der noch andauert.
Zu den allerersten Gästen in Mallnitz zählte auch ein
Student der Juristerei aus Wien. Ein junger Herr aus
gutem Hause mit dem klingenden Namen Johann
Anfänge in den 1870er Jahren August Edmund Mojsisovics Edler von Mojsvár.
Mojsisovics, geboren am 18. Oktober 1839 in Wien,
Wie viele touristische Alpendörfer wurde Mallnitz in war ein typischer Vertreter des städtischen Adels mit
den 1870er Jahren „entdeckt“. Allerdings war Mallnitz humanistischer Bildung und einer tiefen Sehnsucht
seit der Antike ein Ort, durch den Reisende zogen. im Herzen nach unberührter Natur und den Bergen.
Das belegen die keltisch-römischen Straßen, die über 1858 immatrikulierte er an der juridisch-politischen
den Mallnitzer- und den Korntauern führten, aber Fakultät der Universität in Wien und beendete sein
auch die mittelalterlichen und neuzeitlichen Saum- Studium 1862 an der Universität Graz Das geolo-
wege über die Berge. Auch der Reiseverkehr über gische Interesse war aber so stark ausgeprägt, dass
die Tauern hielt bis ins 19. Jahrhundert an. Wer eine Mojsisovics niemals als Jurist tätig wurde, sondern
Station für die Nacht brauchte, kehrte beim Gemsen- 1865 als Volontär seine Arbeit in der k.k. Geolo-
wirt ein. Irgendwann fingen die Leute jedoch an zu gischen Reichsanstalt begann und seine wahre Be-
bleiben, nicht nur für eine Nacht, sondern für Tage, rufung in diesem Fach fand. Seine steile berufliche
Wochen und auch Monate. Mallnitz war nicht nur Karriere endete dort in der Position des Vizedirektors,
mehr eine Station auf der Reise, sondern selbst Ziel ausgestattet mit dem Titel eines Hofrates. Er war Mit- Portrait Johann August Edmund Mojsisovics.
Foto: Archiv E. Glantschnig.
I n t e r v i e w 28

Zum Beispiel Mallnitz (Kärnten)


Tourismusdirektor Peter Angermann im Gespräch

Was bedeutet für den Tou- Herbst des Jahres 1906 wurde ein vermeintlich harm-
rismus in Mallnitz die Initia- loses Halsleiden als Krebs diagnostiziert. Nach einem
tive Bergsteigerdörfer? Jahr des qualvollen Leidens verstarb Edmund von
Eine große Chance. Unser Mojsisovics am 20. Oktober 1907, nicht ohne seinem
Tourismus ist ab 1870 von geliebten, im abendlichen Licht der untergehenden
den Alpenvereinen über Sonne glänzenden Ankogel ein letztes Mal zuzuwin-
das Bergsteigen aufgebaut ken, wie uns der damalige Obmann der Alpenver-
worden. einssektion Mallnitz, Oberlehrer Leopold Lackner,
überlieferte. Seine Witwe setzte gemeinsam mit dem
Ist das Bergsteigen heute die tragende Säule? Deutschen und Österreichischen Alpenverein ihrem
Leider nicht, das ist zu 60 Prozent der Wintertouris- Mann ein Denkmal entlang des Hengstenbergweges
mus. Also eher nicht der sanfte Tourismus. Unser hinter der Villa, welches gemeinsam mit der nach
Wunsch ist es, wieder viel stärker auf den Alpintou- ihm benannten Mojsisovics-Spitze an diesen bemer-
rismus zu setzen. kenswerten Wahlmallnitzer und an ein Stück Alpen-
vereinsgeschichte erinnert. Mojsisovics liegt heute
Was sind die Erwartungen an die Initiative? am Wiener Zentralfriedhof begraben, ein imposantes
Gemeinsame Qualitätsstandards mit anderen Grabdenkmal erinnert an diesen großen Wissen-
Bergsteigerdörfern zu formulieren und dadurch schaftler und Bergfreund. Hinter seiner Büste prangt
wirklich Alleinstellungsmerkmale am Markt zu er- als Mosaik eine Ansicht aus Mallnitz, es ist jener Blick
reichen. auf den Ankogel von seiner Villa aus, gestaltet nach
einem Motiv des berühmten Alpenmalers Edward T.
Professor Carl Arnold, Vorsitzender der Sektion Hannover. Compton.
Sollen es harte oder weiche Kriterien sein?
Foto: Archiv E. Glantschnig.
Die Qualitätskriterien sollten hart und wirklich res- Mojsisovics, der beste Kontakte zum Deutschen Al-
triktiv sein, damit wir nichts verwässern. Weich im penverein pflegte, ist es wohl auch zu danken, dass
Sinne der Umsetzung: Jeder Ort, der jetzt schon schon in den 1870er Jahren Mallnitz von Sektionen
dabei ist, muss die Chance haben, gewisse Krite- des Deutschen Alpenvereins entdeckt wurde.
rien die er jetzt noch nicht erfüllt, innerhalb von
drei bis fünf Jahren zu erreichen. sein wissenschaftliches Interesse als Geologe oder
Paläontologe, das ihn nach Mallnitz führte, denn in
seinem umfangreichen wissenschaftlichen Oeuvre
Sektion Hannover
Wie ist die Stimmung dazu in Mallnitz?
Sehr positiv. Wir werden weiter den Skitourismus bleibt diese Region - soweit ich das überblicken kann
haben, weil es doch die Haupteinnahmequelle ist. - eher ausgespart. Es war die Bergwelt selbst, die ihn Besonders wichtig für Mallnitz wurden dabei die Sek-
Im Sommertourismus gab es 30, 40 Jahre deut- als Alpinisten so reizte und faszinierte und über die er tion Hannover und ihr langjähriger Vorsitzender, Prof.
liche Rückgänge, aber jetzt sehen die Mallnitzer zahlreiche Tourenberichte veröffentlichte. Carl Arnold. Vor allem seinem großen Engagement
die Chance, wieder Kompetenz im Sommer zu ge- ist es zu danken, dass Mallnitz sich zu einem Berg-
winnen. In den letzten zwei Jahren waren im Dorf steiger- und Fremdenverkehrsort entwickelt hat. Der
Geheime Regierungsrat Professor Karl Arnold war
schon wieder deutlich mehr Bergsteiger zu sehen. Villa mit Aussicht
Das ist zum großen Teil auf die Initiative Bergstei- Professor an der Veterinärmedizinischen Universität
gerdörfer und die geleisteten Vorarbeiten zurück Hannover und gründete gemeinsam mit dem Hof-
zu führen. Nach seinem Übertritt in den Ruhestand (1900) ging opernsänger und gebürtigen Tiroler Josef Bletzacher
er schließlich daran, sich in Mallnitz eine eigene Villa 1885 eine Alpenvereinssektion in Hannover.
Würde ein Großinvestor weggeschickt? als Sommersitz zu errichten. Das dafür notwendige Prof. Arnold war als begeisterter Bergsteiger auch
Es wird keiner kommen, weil wir ein Bergsteiger- Grundstück wurde mit großer Sorgfalt ausgewählt. des öfteren bereits im Tauerngebiet unterwegs ge-
dorf sind, in dem gewisse Kriterien gelten. Wenn Wer einmal aus den Fenstern oder von der Terrasse wesen, als er 1885 gemeinsam mit Bergkameraden
ein Investor darin Chancen sieht und sich in dieser der Villa den überwältigenden Ausblick auf Ankogel von Gastein aus den Aufstieg auf den Ankogel unter-
Nische wohl fühlt, dann passt er zu uns. Ansonsten und Geisel erlebt hat, der weiß, warum es gerade die- nahm. Auf Mallnitzer Seite wollte man wieder abstei-
muss er sich andere Plätze suchen. Die Kriterien, ser Standort sein musste. gen und nach Villach weiterreisen. Dabei verletzte
die wir jetzt festlegen, sollen für uns der Tourismus Leider war es ihm aber nicht vergönnt, die Vorzüge sich jedoch ihr Führer bei einem Sturz derart schwer,
der Zukunft sein. seiner Villa lange Zeit zu genießen, denn bereits im dass dieser nicht mehr in der Lage war, alleine wei-
29
Vom klassischen Erschließertum bis heute

terzugehen. Der mühevolle Transport des Verletzten wurde. Auch die Errichtung eines Denkmals mitten
ins Tal hat in Prof. Arnold den Gedanken reifen lassen, im Ort wurde ins Auge gefasst, die schlechte wirt-
im bis dahin völlig unerschlossenen Ankogelgebiet schaftliche Situation am Beginn der 1930er Jahre
eine Unterkunft zu errichten. Als 1886 der Haupt- verhinderte dies jedoch.
Ausschuß in München das Ankogelgebiet den Han-
noveranern ans Herz legte, entschloss man sich, den
bisher zur Sektion Klagenfurt gehörenden Ankogel
und seine Umgebung fortan zum Arbeitsgebiet der
Wasser für 11.000 Menschen
Sektion Hannover zu erklären. Damit war Hannover
die erste deutsche Sektion, die sich auf Kärntner Bo- Die erste frühe beschauliche Zeit des Bergtourismus
den niederließ. in Mallnitz erfuhr einen rasanten Wandel mit dem
Prof. Arnold warb in seiner Heimat mit Vorträgen Jahr 1901, als die Gewissheit aufkam, dass die neue
für Mallnitz und die Begeisterung war offensichtlich Eisenbahnlinie der Tauerbahn durch das Mallnitz-
groß, denn sogleich wurde der Bau einer Hütte be- tal führen würde. Man erwartete sich damit einen
schlossen.

Die erste Hannoverhütte

Bei der Auswahl des Standortes der Hütte zählten


kaum praktische Überlegungen, gesucht war viel-
mehr die exponierte, denkmalhafte Lage am Grat
mit dem großartigen Panoramablick. Eine Zeile aus
einem Gedicht zur Eröffnung bringt dies auf den
Punkt: „Wir bauten ein Haus auf sturmtrotzendem
Grat“. Auch im Wegebau zeichnete sich die Sektion
Hannover aus, auch gegen so manchen lokalen Wi-
derstand: Die heimische Jägerschaft fürchtete näm-
lich die Störung der Gamsjagd in ihren Revieren.
Das große Verdienst Professor Arnolds war es aber
auch, andere Sektionen für Mallnitz zu gewinnen. Bis
heute engagieren sich in und um Mallnitz die Sekti-
onen Duisburg, Hagen, Minden, Witten, Göttingen,
Hannover, Goslar, Celle, Osnabrück, Kattowitz-Salz-
gitter, Gießen, Detmold und Graz, und seit 1902 auch
eine eigene Sektion Mallnitz. Diese Sektionen haben
sich zur Arbeitsgemeinschaft Tauernhöhenweg zu-
sammengeschlossen. Dem Einsatz Prof. Arnolds zur
Erschließung der Bergwelt verdankt Mallnitz einen
Gutteil seiner Entwicklung zum Fremdenverkehrsort.
Er wurde dafür zum Ehrenmitglied des Fremdenver-
kehrsverbandes Kärnten ernannt und Kaiser Franz
Josef verlieh ihm das Komturkreuz des Franz Josef-
Ordens. Die Mallnitzer Bevölkerung dankte ihm mit
der Umbenennung der Dorfstraße in Arnoldstraße,
und die Anhöhe, auf welcher das Hannoverhaus
steht, wurde zur Arnoldhöhe. Dort steht auch das
Mausoleum, in welchem seine Urne 1929 beigesetzt Hannoverhütte, Holzstich um 1890.
Foto: Eigentum E. Glantschnig.
Vom klassischen Erschließertum bis heute 30

enormen Aufschwung für den Ort, der auch nicht den Ausbau investiert. 1927 gab es sogar Pläne, eine war zumindest einmal eine Richtung vorgegeben.
ausblieb. Mallnitz, das bis dahin nur über einen nicht erste Seilbahn auf die Romaten zu errichten. Noch in Man erkannte im Nationalpark die Nische, die Mall-
immer befahrbaren Weg aus Obervellach oder über den beginnenden Dreißigerjahren schien dem Auf- nitz befüllen könnte.
die Tauern aus Gastein zu Fuß erreichbar war, im bruch nichts im Weg zu stehen. Der Werbeslogan der Es brauchte allerdings Überzeugungsarbeit für den
Winter oft Wochen oder Monate überhaupt von der damaligen Zeit lautete „Mallnitz, Das Tor in die Welt so genannten „sanften Tourismus“. Mit dem National-
Außenwelt abgeschnitten war, sollte mit einem Mal der Hohen Tauern“, leicht abgewandelt besteht der park Hohe Tauern war der klassische Bergtourist wie-
an das europäische Eisenbahnnetz angeschlossenen Slogan immer noch „Mallnitz, Das Tor zum National- der ein zentraler Gast in Mallnitz und die jeweiligen
werden. Man wusste sich darauf einzustellen. Es wur- park Hohe Tauern“. Dennoch, der Sommer- und Berg- touristischen Leitbilder wurden auch klar in diese
den Gasthöfe ausgebaut, Hotels neu errichtet und steigertourismus war nun nicht mehr dominant, es Richtung ausgelegt.
eine neue Wasserleitung sollte Fließwasser ins Dorf wurde auch schon intensiv für den Wintersport und Anlässlich einer Festveranstaltung vor einigen Jahren
bringen. Mallnitz hatte eine Chance erhalten und die das Tourenschilaufen geworben. Einen Einbruch be- sagte der damalige Landesrat Georg Wurmitzer über
Bevölkerung griff diese bereitwillig auf. Das Dorf, das deutete die politisch instabile Zeit der Dreißigerjah- die Zukunft des Ortes: Mallnitz müsse das Zermatt
rund 500 Einwohner zählte, rechnete mit einer glän- re, die 1000- Mark-Sperre ließ 1933 so manchen Ho- Kärntens werden. Wohl ein etwas zu hoch gestecktes
zenden Zukunft. Die Wasserleitung wurde immerhin telier in die Verschuldung schlittern, spätestens mit Ziel, das aber gar nicht unbedingt anzustreben ist. Es
für 11.000 Menschen konzipiert und ein Bebauungs- Beginn des zweiten Weltkriegs war der Aufschwung genügt, wenn Mallnitz sich selbst und seine absolu-
plan aus dem Jahr 1913 lässt durchaus kleinstädti- beendet. ten Stärken findet und „Mallnitz“ wird.
sche Strukturen erkennen.
Auch die Sektionen reagierten. Für den zu erwar- Heute ist der Wanderer und Bergsteiger im Sommer
tenden Ansturm wurde ab 1909 ein neues Hanno- wieder unbestritten Mittelpunkt. Es gibt Wanderho-
Nächtigungsrekorde
verhaus über der alten Hannover Hütte in wesentlich tels und die Angebotsgruppe TauernAlpin, die spezi-
größeren Dimensionen gebaut und 1911 einge- ell auf diese Zielgruppe ausgerichtet ist. Die Orientie-
weiht. Nach dem zweiten Weltkrieg und dem Abzug der Be- rung auf Wanderer und Bergsteiger hat sich verstärkt,
Auch die bergbegeisterten Mallnitzer selbst reagier- satzung setzte auch der Fremdenverkehr wieder ein, seit die Tourismusagenden der Region in den Natio-
ten auf den zu erwartenden Gästeansturm. Sie grün- die Saisonen verbesserten sich jährlich, Hütten und nalpark Hohe Tauern eingegliedert worden sind.
deten 1902 eine eigene Sektion Mallnitz. Anfänglich Wege wurden wieder instand gesetzt. Investiert wur- Die Verbindung von Nationalpark und Tourismus ist
war es zwischen den sehr aktiven deutschen Sekti- de nun hauptsächlich in den Wintertourismus, 1950 kein Widerspruch und hat sich letztlich bereits sehr
onen sicher nicht einfach, einen geeigneten Aufga- konnte der erste Sessellift Kärntens auf die Häus- bewährt. Für das Bergsteigerdorf Mallnitz scheint es
benbereich zu finden. Man übernahm die Betreuung leralm errichtet werden. 1966 erfolgte die Eröffnung der absolut richtige Weg zu sein.
einiger bestehender Wege, errichtete eine Aussichts- der Ankogelseilbahn, bis in die 70er Jahre wurde im-
warte und engagierte sich auch kulturell bei Musik- mer wieder auch die Erschließung des Tauerntals für
und Gesangsabenden, Lesungen aus den Werken den Wintersport ins Auge gefasst.
von Schiller oder auch bei Theateraufführungen. Bis Mitte der 70er Jahre konnten die Nächtigungs-
Wichtig ist jedoch zu erwähnen, dass von der Sektion zahlen jährlich bis auf über 300.000 gesteigert wer-
Mallnitz eine erste Bergrettungsgesellschaft einge- den. Es hieß zu dieser Zeit, man könne in Mallnitz Informationen zum Autor
richtet wurde. jede Badewanne vermieten.
Alle hochfliegenden Pläne wurden jedoch jäh durch Doch gerade in dieser wirklich prosperierenden Erich Johann Glantschnig,
den Ersten Weltkrieg beendet. Zeit setzte etwas ein, was Mallnitz bis heute prägt. Jahrgang 1968, Mag. phil.
Die Mallnitzer Hotellerie vergaß zu investieren. Die (Studium in Wien, Kunst-
Aufbruchstimmung früherer Zeiten war verflogen. geschichte, Geschichte),
Mallnitz geriet langsam aber bestimmt ins Hintertref- Amtsleiter der Gemein-
Tor in die Welt der Hohen Tauern de Mallnitz in Kärnten,
fen. Andere Tourismusorte in Kärnten und Österreich
überholten Mallnitz, auch dem allgemeinen Wandel Beschäftigung mit der
Mallnitz erholte sich nach dem Krieg als Tourismus- des Ferienverhaltens hatte Mallnitz wenig entgegen- Orts- und Lokalgeschich-
ort relativ schnell. In einem Prospekt aus den 1920er zusetzen. Dies äußerte sich in drastisch sinkenden te, dazu diverse Publika-
Jahren rühmt es sich selbst als „wohl erste Touristen- Nächtigungszahlen und abnehmenden Standards tionen und Ausstellungen, Forschungen über Dr.
station in Österreich“. In diesen Jahren machte sich der Betriebe. Edmund von Mojsisovics.
Mallnitz vor allem auch einen Namen als Wintersport- Es folgte eine Zeit der touristischen Orientierungs-
ort, wo zahlreiche internationale Meisterschaften losigkeit. Mit der Schaffung des Nationalparks Hohe
ausgetragen wurden. Es wurde auch wieder kräftig in Tauern und der Eingliederung der Gemeinde Mallnitz
31

Schutzhütten und Alpintourismus

Nächtigungen auf ausgewählten Schutzhütten


und andere alpine Daten

Roland Kals - Geschäftsführer der OeAV-Sektion Salzburg

„Es gibt auf der Erde keinen Gebirgsraum, der ein so dichtes und so hervorragend
organisiertes Hütten- und Wegenetz besitzt, wie der österreichische Alpenraum.“
Erich ARNBERGER, 1979

Beim Durchblättern aktueller Reisezeitschriften und ten und normierten Alltagslebens schätzen. Wandern gen inakzeptabler Betriebsergebnisse an einen Pri-
Lifestyle-Magazine stößt man immer wieder auf und Klettern sind nach wie vor die bei weitem stärks- vaten veräußert.
Beiträge, die sich mit dem Alpintourismus beschäf- ten Standbeine des sommerlichen Bergtourismus. Die nähere Zukunft wird zeigen, ob tatsächlich eine
tigten. Nicht selten sind dabei die Schutzhütten The- Auch die jüngste Mitgliederbefragung des OeAV un- Talsohle durchschritten wurde und Schutzhütten
ma, was doch einigermaßen überrascht. Gelten doch terstreicht dies: 81 % der Befragten geben Bergwan- wieder stärker „im Trend“ sind. Wir erwarten uns, dass
Schutzhütten landläufig als Metapher für traditions- dern als regelmäßige sommerliche Freizeittätigkeit die Bergsteigerdörfer in dieser Hinsicht starke Impul-
belastete Unmodernität und als Aufenthaltsort eines an, ebenfalls sehr beliebt ist Bergsteigen mit leichter se geben und auch Nutznießer sein können.
Publikums, das vorzugsweise der Generation 50+ Kletterei (38 %) und das Klettersteiggehen (26 %).
angehört, rückständige Verhaltensweisen pflegt und Dieses Bild ist weitaus konservativer als jenes, das
gesellschaftlicher Modernisierung abhold ist. über den Bergsport in den Medien, aber auch von
Die 2006 durchgeführte Studie „Trends und Hand- den alpinen Vereinen selbst, kommuniziert wird.
Schutzhütten als Teil der alpinen
lungsbedarf im Sommer-Bergtourismus“ ordnet das Trendsportarten wie Paragleiten oder Canyoning Kulturtradition
Bergwandern und Bergsteigen eher den älteren, gut werden nur von einer kleinen Minderheit der Berg-
ausgebildeten und meist besser verdienenden Men- wanderer und Bergsteiger ausgeübt. Ein weiteres Die Alpenvereinsschutzhütten sind als „Zeitzeugen
schen zu, die das einfache Leben am Berg, die Prü- Ergebnis der Studie ist eine hohe Zufriedenheit der der Geschichte“ (OBERWALDER, 1992, 227) die lo-
fung der eigenen Leistungsfähigkeit, Naturerfahrung Befragten mit dem gegenwärtigen Zustand und eine gischen Nachfahren jener Notunterkünfte, die min-
und die Gemeinschaft als Alternative zum technisier- skeptische Haltung gegenüber eventuellen künf- destens seit dem Mittelalter an wichtigen Alpen-
tigen Veränderungen (MUHAR, 2006, 30 f.). übergängen und später zur Ersteigung bedeutender
Einigermaßen überraschend ist, dass die Befragten Gipfel errichtet wurden. 1160 wurde beispielsweise
angaben gegenüber früher nicht nur öfter in den Ber- das Hospiz am Semmering, 1386 das berühmte Hos-
gen zu sein, sondern auch deutlich öfter in Schutz- piz St. Christoph am Arlberg errichtet. In diese Kate-
hütten zu nächtigen (vgl. Grafik 1). gorie gehören auch die Tauernhäuser des Fürsterz-
In den Betriebsergebnissen der meisten Schutzhüt- bistums Salzburg, die teilweise bis heute bestehen
ten lässt sich ein derartiger Trend noch nicht ablesen. und im Grunde noch immer die gleiche Funktion
Seit Jahren kämpfen zahlreiche Hütten mit einer erfüllen (z.B. Krimmler Tauernhaus).
rückläufigen Nachfrage bei den Übernachtungen. Das Zeitalter der Aufklärung brachte schließlich
Dabei scheinen vor allem große Häuser Probleme Schutzhütten, die ausschließlich alpinistischen Zwe-
zu haben: die Kürsingerhütte (Venedigergruppe) cken dienten: 1799 ließ Erzbischof Graf Salm eine
erzielte bei 140 Schlafplätzen Mitte der 1980er Jahre Unterkunftshütte im Leitertal am Großglockner er-
noch über 7.000 Übernachtungen und erreicht aktu- richten. Einen Markstein setzte Erzherzog Johann
ell weniger als die Hälfte. 1828 mit der allgemein zugänglichen Gamskarhütte
Auch die Berliner Hütte (Zillertaler Alpen) hat deut- in der Gastein.
liche Rückgänge der Übernachtungszahlen und die 1868, also praktisch zeitgleich mit seiner Gründung,
Grafik 1: Urlaubstage im Gebirge und Nächtigungen in Schutz- Rudolfshütte (Granatspitzgruppe) wurde 2004 we- errichtete der Alpenverein seine ersten Schutzhütten
hütten (aus MUHAR, 2006)
Schutzhütten und Alpintourismus 32

mit dem Ziel, „die Bereisung der Alpen zu erleich- „Ob es uns recht ist oder nicht, die Schutzhütte ist chischen Alpenraum recht gleichmäßig verteilt. In-
tern“: die Stüdlhütte und die Rainerhütte, beide im seit 100 Jahren die Visitkarte des Alpenvereins“, teressant ist, dass die AV-Hütten ihre größte Dichte
Glocknergebiet, die eine südlich, die andere nördlich meinte der langjährige Vorsitzende des OeAV-Ge- in den Tourismusregionen mit den höchsten Anteilen
des Alpenhauptkammes gelegen. samtvereins Luis Oberwalder einmal (OBERWALDER, an Ausländerübernachtungen erreichen, während
Seit damals haben sich die Aufgaben der Schutzhüt- 1992, 225). die Hütten der anderen alpinen Vereine sich eher in
ten eigentlich nicht mehr geändert: den Gebieten mit größerer Bedeutung des Inländer-
•) Jede Person, die die Hütte betritt, muss verpflegt tourismus konzentrieren. (ARNBERGER, 1979, 274).
und beherbergt werden,
Flächendeckende alpine
•) während des Bewirtschaftungszeitraumes (über- Wie alle Hochgebirge zeichnen sich auch die Alpen
wiegend im Sommerhalbjahr) gibt es keinen Ru-
Infrastruktur durch die punkthafte Erschließung und Besiedlung
hetag, auch wenn tagelang kein Gast auf die Hütte der Täler und die durch Höhenzüge zerteilten Ver-
kommen sollte, Die Errichtung der alpinen Infrastruktur in der frühen kehrsnetze aus. Zwar gab es einzelne bis in die Früh-
•) zu jeder Tageszeit soll ein warmes Essen und ein Phase der Alpenerschließung, also im Zeitraum vor zeit zurückreichende Passwege (z. B. die Tauernüber-
Heißgetränk erhältlich sein, dem Ersten Weltkrieg, ist eine beispiellose Erfolgs- gänge der Römerzeit oder die Viehtriebwege von
•) die Ausstattung soll einfach und effizient sein und geschichte. Ohne die damaligen Leistungen, welche Almgenossenschaften), das flächendeckende Netz
dem Charakter als Stützpunkt für Bergsteiger und die meist außerhalb des Alpenraumes beheimateten von laufend gewarteten und markierten Fußwegen
Bergwanderer entsprechen, Alpenvereinssektionen erbrachten, würde der Alpin- im Hochgebirge ist aber das Verdienst der Alpinver-
•) Schutzhütten sind Meldestellen für Bergunfälle, es tourismus heute vermutlich anders aussehen. eine. In Österreich misst dieses Wegesystem etwa
wird erste Hilfe geleistet und die Unfallmeldung Innerhalb eines Zeitraumes von etwa 30 Jahren war 50.000 Kilometer (ARNBERGER, 1979, 276), wovon der
weitergeleitet, das Schutzhütten- und Alpinwegesystem im Ostal- Alpenverein nach eigener Angabe ungefähr 40.000
•) die Hüttenbewirtschafter beobachten das Wet- penraum im wesentlichen „fertig“ und bewährt sich Kilometer betreut. Es verbindet die Schutzhütten
ter und andere Naturphänomene (z.B. Felsstürze, auch heute noch angesichts der im Vergleich zur Er- untereinander und mit den Talorten, erschließt Berg-
Lawinen) und melden besondere Vorkommisse. richtungszeit ungleich stärkeren Nachfrage. gipfel und erleichtert Übergänge über Scharten und
(nach: Leitlinie Schutzhütten, 2007, 3). Sättel.
Der Oesterreichische und der Deutsche Alpenverein In Zeiten des Helikopters und der Forststraßen geht
Mit „Erfindung“ der Schutzhütte etablierte sich in besitzen auf österreichischem Staatsgebiet zusam- der über touristische Zwecke hinausreichende Nutz-
den Hochlagen ein neuer Wirtschaftstyp und der men 550 Hütten mit fast 40.000 Schlafplätzen. wert dieses Wegenetzes dramatisch zurück: Nur
neue Berufszweig des Hüttenwirtes. Zusätzlich er- Dazu kommen die Naturfreunde Österreich, die 184 mehr in Einzelfällen wird es von Waldarbeitern, Alm-
möglichte die umfangreiche Bautätigkeit, aber auch Schutzhütten mit über 7.000 Schlafplätzen betreiben, personal oder Jägern benötigt. Wie gering heute die
der laufende Versorgungsbedarf der Hütten in den davon allerdings ein erheblicher Teil in Talhäusern Fußwege von den Berufstätigen am Berg und den
oft bettelarmen peripheren Berggebieten nicht we- oder Objekten, die nicht unbedingt als klassische Behörden geschätzt werden, verdeutlicht der moder-
nigen Menschen einen akzeptablen Broterwerb. „Der Schutzhütte gelten können. ne Alm- und Forstwegebau: Meist werden die tradi-
Tourismus wurde zu einem goldenen Band im gro- Weitere alpine Beherbergungsangebote hat der Ös- tionellen, oft jahrhundertealten Wege gedankenlos
ben, durchlöcherten Netz wirtschaftlicher und sozi- terreichische Touristenklub mit 53 Häusern und über bis zur völligen Unbegehbarkeit zerstört. Nicht selten
aler Sicherheit der dörflichen Gemeinschaft.“ (OBER- 3.000 Schlafplätzen sowie die Österreichische Berg- trifft es auch markierte Wege von Alpinvereinen, die
WALDER, 1992, 30). steigervereinigung mit 25 Schutzhütten und knapp dann mangels sinnvoller Alternativen auf den Forst-
Die damals vollkommen neue Kulturform „Alpinis- 900 Schlafplätzen. straßen geführt werden müssen.
mus“, die sich dadurch auszeichnete, dass man in der Insgesamt betreiben die Alpinvereine also mehr als
Freizeit aus purer Freude die Berge aufsuchte, fokus- 700 Hütten mit über 50.000 Schlafplätzen.
sierte sich in perfekter Weise in den Schutzhütten, die Dazu kommen noch zahlreiche privat betriebene
zum Treffpunkt für gleich gesinnte Vereinsmitglieder Schutzhütten, sodass man in Österreich von einer
Sinkt die Bedeutung der Schutz-
in der alpinen „Zweitheimat“ wurden. Gesamtzahl von ca. 1.000 Schutzhütten ausgeht, die hütten für Talorte?
Wohl hauptsächlich deswegen wird der Alpenverein mindestens 55.000 Schlafplätze und etwa 70.000
von der Allgemeinheit und noch mehr von den Ver- Gastraumplätze anbieten (GRINZINGER, 1999, 25). War der Alpinismus vor dem Ersten Weltkrieg eher
einsmitgliedern auch heute noch sehr stark über die Alleine in den Schutzhütten von OeAV und DAV noch ein Privileg begüterter Kreise, änderte sich
Schutzhüttenthematik identifiziert: 53 % nutzen das wurden Anfang der 1990er-Jahre ca. 1 Mio. Nächti- dieses Bild in den 1920er Jahren dramatisch, weil
Angebot der ermäßigten Hüttennächtigung und für gungen verzeichnet, dazu kamen etwa 1,5 Mio. Ta- nun breite Bevölkerungsschichten leistbare Möglich-
31 % war dieses Thema Grund für den Vereinsbeitritt. gesbesucher (OBERWALDER, 1992, 226). keiten vorfanden, in die Berge zu reisen.
(OeAV Mitgliederbefragung 2008, 76). Insgesamt sind die Hüttenstandorte im österrei- Als Beispiel für die Dynamik dieser Entwicklung
33
Schutzhütten und Alpintourismus

seien die Übernachtungszahlen der Schutzhütten im dem damit verbundenen massiven Ausbau der Be- Seit jeher werden Betrieb und die Erhaltung der
Glockner- und Venedigergebiet genannt: Demnach herbergungskapazitäten in den Talorten haben sich Schutzhütten zu einem guten Teil aus den Beiträgen
stieg die Gesamtbesucherzahl der Stüdl-, Johannis-, die Relationen deutlich verschoben. der Vereinsmitglieder finanziert. Dazu kommen Hil-
Alten und Neuen Prager Hütte von 993 im Jahr 1910 Trugen die Schutzhütten der Sektion Berlin in den fen der öffentlichen Hände, die aber regelmäßig als
auf 7159 im Jahr 1929 - eine Steigerung um mehr als 1930er Jahren noch ca. 14 % zu den sommerlichen nicht ausreichend empfunden werden.
das Siebenfache! (Festschrift zum 60-jährigen Beste- Nächtigungszahlen der Gemeinde Mayrhofen bei, Der erwähnte eminente Stellenwert im öffentlichen
hen des Deutschen Alpenvereins Prag, Prag 1930, liegt dieser Anteil heute zwischen zwei und drei Pro- Bewusstsein erzeugt zwangsläufig eine besondere
147). zent. Erwartungshaltung an die Schutzhütten und beson-
Auch die wohl größte und prächtigste Hütte im ders an die Hüttenwirtsleute.
Ostalpenraum, die Berliner Hütte, zeigt eine ähnliche Als Beispiel sei hier die Umweltproblematik auf
Entwicklung. Von 156 Besuchern im Erbauungsjahr Schutzhütten genannt. Spätestens mit dem 1978 be-
Liebhaberei mit Mehrwert
1878 hatte man sich zwanzig Jahre später auf 2.300 schlossenen „Grundsatzprogramm für Naturschutz
hinauf gearbeitet. Knapp vor dem ersten Weltkrieg und Umweltplanung im Alpenraum“ haben die Al-
hielt man bei 5.000 Übernachtungen, steigerte sich Ein seit der Errichtungszeit virulentes Thema ist die penvereine eine Vorreiterfunktion übernommen:
in den 1920er Jahren auf knapp 7.000 und erreichte Auslastungsfrage. Schutzhütten wurden ja nicht pri- Neben dem Verzicht auf neue Hütten- und Wegean-
1932 die seitdem nur einmal überschrittene Zahl von mär zum Zwecke des Gelderwerbes errichtet, son- lagen sowie auf Kapazitätserweiterungen gilt seit-
8.390 Übernachtungen. Hier wirkte sich der noch dern um eine Zuflucht bieten zu können. Damit war dem der Grundsatz der „einfachen Hütte“, mit einer
junge Tourenschilauf wesentlich aus, bis zu ein Drit- von vornherein klar, dass die meisten Hütten ständig umweltgerechten Energieversorgung, Abwasser-
tel der Übernachtungen entfiel damals auf das Win- einen mehr oder weniger großen Zuschussbedarf reinigung und Abfallentsorgung. Dies war möglich
terhalbjahr. haben. Spätestens im Zeitalter des Massentourismus durch die intensive Zusammenarbeit mit Industrie,
Dass ein solcher Zuspruch im kleinen Dörfchen Ginz- kam ein Phänomen zum Tragen, das auch heute für Universitäten und Behörden sowie einem großen
ling enormen Eindruck machte, kann man sich vor- Kopfzerbrechen sorgt: Mäßiger Besuch an Wochen- Geldaufwand - überwiegend aus den Mitgliedsbei-
stellen, zumal neben den hochgelegenen Alpenver- tagen, brechend volle Häuser an Wochenenden mit trägen gespeist.
einshütten auch private Berggasthäuser am Boom Schönwetter. Diese Belastungsspitzen durch Vergrö- Heute haben wir das Umweltgütesiegel für Schutz-
mitnaschen konnten (siehe Grafik 2). ßerung der Hütte abzudecken, war mit erheblichen hütten, die rauchfreie Schutzhütte, eine Reihe über-
Investitionen verbunden, die kaum zurück verdient aus innovativer Abwasserentsorgungs- und Energie-
werden können. versorgungskonzepte, die Leitlinie über eine gute
Gemessen an den aktuellen Besucherzahlen ist es Hygienepraxis in den Schutzhütten sowie konkrete
heute beinahe schon üblich, dass Hütten bei weitem Anreize für die Schutzhüttenversorgung mit regio-
zu groß geraten sind. War schon früher eine Betten- nalen Gütern und Lebensmitteln (DAV Initiative „So
auslastung von mehr als 20 % die seltene Ausnah- schmecken die Berge“).
me, so wird dieser Wert heute wahrscheinlich nur Das 1979 formulierte Leitziel: „Zurück zur Einfachheit
mehr von jenen wenigen Hütten erreicht, die sich ist der eigentliche Fortschritt“ gilt im Grunde auch
einer außergewöhnlichen Lagegunst erfreuen, sei heute noch und ist im Lichte der Debatte um Klima-
es durch eine Straßenerschließung (z.B. Linzer Haus wandel und Ressourcenschonung hoch aktuell.
auf der Tauplitz, Wiesmayerhaus in Obertauern) oder
eine Schlüsselposition an einem stark nachgefragten
Berggipfel einnehmen, wie z.B. das Watzmannhaus
Grafik 2: Übernachtungsverlauf in Ginzling (Talort und
oder die Stüdlhütte.
„Neue“ alpine Infrastrukturen -
Schutzhütten)
Das Gros der Hütten dürfte aber weit unterhalb gän- ohne Alpenverein?
giger Rentabilitätsgrenzen operieren. So liegt die
Auch heute noch sind die Übernachtungen in den Auslastung der großen und komfortablen Kürsinger- In den österreichischen Bergen gibt es geschätzte
hochgelegenen Schutzhütten für Ginzling von er- hütte (Großvenediger) gegenwärtig bei etwa zehn 20.000 Kilometer offizielle Mountainbikerouten, die
heblicher Bedeutung, sie machen ein Viertel bis ein Prozent, jene der kleineren und einfacheren Hütten von den jeweiligen Tourismusorganisationen reali-
Drittel der Gesamtübernachtungen aus. auch darunter (z.B. Dr. Heinrich Hackel Hütte/Ten- siert wurden, ohne dass eine Mitwirkung der Alpinen
Im Allgemeinen ist aber der Stellenwert der Schutz- nengebirge acht, Zeppezauerhaus/Untersberg neun Vereine notwendig oder gar erwünscht war. Deren
hütten bei den Übernachtungszahlen deutlich zu- Prozent). Günstiger dürften die ganzjährig betrie- Haltung zum Mountainbiken ist zwiespältig. Zahl-
rückgegangen. Spätestens seit Aufkommen des benen Hütten liegen, wie z.B. das Carl von Stahlhaus reiche Mitglieder sind zumindest zeitweise mit dem
Massentourismus gegen Ende der 1970er Jahre und (Hoher Göll) mit aktuell 14 %. Rad am Berg unterwegs, auch sind Bergradler auf vie-
Schutzhütten und Alpintourismus 34

Informationen zum Autor


len Schutzhütten willkommene Frequenzbringer im beaufwand propagiert. Offensichtlich sucht die Berg-
Tagesgeschäft. Andererseits tragen sie zu den Hüt- landwirtschaft neue Einkommensmöglichkeiten und
Roland Kals, geboren in
tenübernachtungen wenig bei, und auf den Alpin- ist auf eine Marktlücke gestoßen. Vor allem in Westös-
Salzburg, Jahrgang 1956,
wegen gibt es immer wieder Konflikte mit Bergwan- terreich übersteigt die Zahl der touristisch genutzten
Dr. phil. (Geographie,
derern oder Klagen über erhöhte Beanspruchung Almgebäude mittlerweile jene der Schutzhütten bei
Geologie), Raumplaner
und daraus resultierendem Erhaltungsbedarf. weitem. Es gibt Befürchtungen, dass insbesondere
mit dem Schwerpunkt
Der österreichische Tourismus hat spät, aber doch, die in der Almstufe liegenden Schutzhütten durch
Regionalplanung, Partner
das Wandern wieder entdeckt. Groß in Mode sind die neue Konkurrenz in Schwierigkeiten geraten
der Bürogemeinschaft
die Wanderwegenetze in den Tallagen, die häufig als könnten. Zugleich gibt es Beispiele für das langjäh-
arp.planning.consulting.
Rundwander- oder Themenwege konzipiert sind. Bei rige und problemlose Nebeneinander von privaten
research mit Standorten
der Realisierung dieser Wege gibt es Licht und Schat- und Vereinshütten.
in Salzburg und Wien, Geschäftsführer der OeAV
ten: Während in manchen Regionen die Zusammen-
Sektion Salzburg.
arbeit zwischen Alpinvereinen und Tourismusver-
Ehrenamtlich im OeAV Landesverband Salzburg
bänden sehr eng war, gab es in anderen Gebieten
als Referent für Natur- und Umweltschutz tätig. Steigende Wertschätzung
praktisch keine Abstimmung mit den „traditionellen“
Verheirateter Vater zweier Söhne, aktiver Bergstei-
Wegeerhaltern. Dies konnte dazu führen, dass die
ger und Tourengeher, nicht mehr ganz so aktiver
Qualität des vorhandenen Wegenetzes beeinträch- Der Klassiker „Schutzhütte“ wird die Alpinen Vereine,
Höhlenforscher.
tigt wurde, etwa durch parallele Wegeführungen die Alpinregionen und im Besonderen auch unsere
Literatur oder irreführende Beschilderung. Bergsteigerdörfer weiterhin bestimmend begleiten.
Bei der Errichtung von Klettersteigen ist der Alpen- Zu stark ist die Identifikation der Vereinsmitglieder
Arnberger Erich (1979): Die Bedeutung der Schutzhütten und
Bergwegeanlagen für den österreichischen Fremdenver-
verein nur mehr in Ausnahmefällen treibende Kraft. mit „ihren“ Hütten, nicht minder stark aber auch die
kehr.- Mitt. Österr. Geogr. Ges. 122/2, 271-288 Klettersteige werden in jüngerer Zeit eher von Berg- Verbundenheit der örtlichen Bevölkerung mit der
DAV Sektion Berlin: Hüttenfrequentierung 1969 – 2007. Un- führern oder anderen kommerziell am Bergsport jeweiligen Schutzhütte, die Familienausflugsziel,
veröffentlicht.
DAV Sektion Passau (1999): Festschrift 100 Jahre Schmidt-Za-
Interessierten (Tourismusverbände, Sportartikelhan- Labestation für alpinistische Leistungssportler oder
bierow Hütte. del) erdacht, finanziert und errichtet, wobei es vor- hochalpiner Stammtisch sein kann.
DAV Sektion Sonneberg (2000): Festschrift 100 Jahre Purt- kommen kann, dass eine berühmte klassische Frei- Das Alleinstellungsmerkmal einer Unterkunft, die nur
schellerhaus.
DuOeAV Sektion Prag (1930): Festschrift zum 60-jährigen Be-
kletterroute ruiniert wird. mit körperlichem Einsatz erreicht werden kann und
stehen des Deutschen Alpenvereins Prag. Das Sportklettern boomt in der Halle, aber auch an damit automatisch eine gewisse Exklusivität garan-
DAV Sektion Berchtesgaden (2000): Festschrift 125 Jahre Sek- der frischen Luft. Zum Objekt der Begierde werden tiert, wird künftig von einer zunehmend großen Zahl
tion Berchtesgaden.
Deutscher Alpenverein, Österreichischer Alpenverein, Alpen-
alle halbwegs standfesten Felswände in tiefen La- von Menschen geschätzt werden, die ihrer kontrol-
verein Südtirol (Hrsg.): Die Alpenvereinshütten. Ostalpen. gen, die sich durch hohe Schwierigkeitsgrade und lierten und technisierten Alltäglichkeit für eine ge-
Schutzhütten in Deutschland, Österreich und Südtirol. - kurze Zustiegswege auszeichnen. Die perfekte Ab- wisse Zeit entkommen wollen.
Bergverlag Rother, München, 7. Auflage, 567 S.
„Einmal heißes Wasser bitte!“, in Standard / Rondo 21.11.2008,
sicherung mit gebohrten und geklebten Haken ist
28 Standard, und der Akkubohrhammer des Kletterers Danksagung
Grinzinger Uwe (1999): Die umweltgerechte Schutzhütte. wichtigstes Werkzeug. Viele Routenerschließer ha- Dem Geschäftsführer der DAV Sektion Berlin, Bernd
Hrsg. VAVÖ, Wien.
Leitlinie für eine gute Hygienepraxis in Schutzhütten in Ex-
ben mit den Alpinvereinen nur am Rande zu tun, Schröder, und dem Ortsvorsteher der Fraktion Ginzling,
tremlage (einfache Bergsteiger- Unterkünfte im Gebirge); eine vorherige Absprache ist eher die Ausnahme, Rudolf Klausner, sei für die großzügige Bereitstellung
Gutachten des Ständigen Hygieneausschusses, veröf- denn die Regel. Konflikte mit Grundeigentümern von Datenmaterial herzlich gedankt.
fentlicht mit Erlass: BMGF-75220/0040-IV/B/7/2007 vom
6.12.2007
oder Jagdberechtigten entstehen spätestens dann,
Lieb Gerhard K. (1997): Die Schutzhütten der alpinen Vereine wenn eine gewisse Besucherfrequenz erreicht wird.
in der Steiermark – Lage, Entwicklung, Bedeutung. Manche Regionen haben das touristische Potential
Muhar Andreas, Thomas Schauppenlehner, Christiane Bran-
denburg, Arne Arnberger (2006): Trends und Handlungs-
dieser Entwicklung klar erkannt: Im Tiroler Oberland
bedarf im Sommer-Bergtourismus. Forschungsbericht im und im Außerfern sollen innerhalb der nächsten drei
Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit, Jahre aus Regionalfördermitteln etwa zwei Mio. Euro
Sektion Tourismus und Historische Objekte. 34 Seiten.
Wien.
in neue Klettergärten investiert werden. Hier bemüht
Oberwalder Luis (1992): Die Schutzhütte – Lust und Last des sich der Alpenverein, zumindest als Know-How-Ge-
Alpenvereins.- Berg ´92. Alpenvereinsjahrbuch 192, 225- ber ins Spiel zu kommen.
237. Innsbruck.
Oesterreichischer Alpenverein, Mitgliederbefragung. Inns-
In den letzten Jahren wurde in einigen Bundeslän-
bruck, Juni 2008, 92 Seiten. dern der Almhüttentourismus mit erheblichem Wer-
35

„Einfach in der Natur sein“

Die Bedeutung des Alpintourismus für den Österreich-Gast

Martin Schobert, Österreich Werbung

43 % aller Österreichgäste verbringen bei uns einen Der Wander-/Bergsteigurlauber in Aufenthaltsdauer: Mit rund 8,4 Übernachtungen blei-
Wander-/Bergsteigurlaub. Damit zählt diese Form zu ben sie im Schnitt um 1 ½ Tage länger als andere Gäste.
Österreich: Ein Profil
den beliebtesten Urlaubsarten der Österreichgäste;
besonders geschätzt wird dabei die schöne und un-
berührte Landschaft. Sie dient in vielen Fällen nicht Welches Profil hat nun der Wander-/Bergsteigurlau-
Niederländer zieht es besonders
nur als Kulisse, sondern ist integrativer Bestandteil ber in Österreich? Wo kommt er her, wie alt ist er? Zu
des gesamten Urlaubserlebnisses: So geben über- welchen Informationsmedien greift er und wie gut
in die Berge
wältigende 94 % der Wander-/Bergsteigurlauber an, kennt er sein Urlaubsland bereits?2)
dass die „schöne Landschaft“ zu den ausschlagge- Besonders beliebt ist diese Urlaubsart bei nieder-
benden Entscheidungskriterien in der Urlaubswahl Bedeutung: 43 % aller Sommerurlauber sind nach ländischen Österreichurlaubern: Zwei Drittel aller
zählen. Weitere 82 % nennen die „Berge, die Alpen“, eigenen Angaben „Wander- und/oder Bergsteigur- Sommergäste aus diesem Herkunftsland erkunden
74 % ließen sich von der guten „Luft und dem Klima“ lauber“. Österreichs zahlreiche Gipfel und weitverzweigte
überzeugen. Herkunft: 48 % kommen aus Deutschland, weitere Wanderwege.
Ebenso prominent sind die „attraktiven Wander- 23 % sind Österreicher. 11 % der Wander-/Bergsteig- Überdurchschnittlich viele Wander- und Berg-
wege“ (73 %), atemberaubende „Naturattraktionen“ urlauber kommen aus den Niederlanden zu uns. fexe sind auch unter Gästen aus Dänemark (58 %),
(56 %) und die „Ruhe“ (51 %) unter den Top Ten zu Alter und Geschlecht: Mit durchschnittlich 47 Jah- Deutschland und Tschechien (je 52 %), der Schweiz
finden. ren sind Wander-/Bergsteigurlauber im Schnitt um (51 %) und Italien (46 %) zu finden.
drei Jahre älter als andere Urlauber. 55 % sind männ- Gäste aus Ungarn, Großbritannien, Rumänien aber
Aber nicht nur die landschaftliche Attraktivität, liche Gäste. auch aus Österreich begeistern sich hingegen unter-
sondern auch das Vorhandensein von Geländeer- Besuchserfahrung: Neun von zehn sind Österreich durchschnittlich oft für einen Wander-/Bergsteigur-
hebungen mit erheblichen Höhendifferenzen auf schon seit Jahren treu und zählen zu Stammgästen laub in Österreich.
engem Raum machen die österreichischen Alpen oder solchen, die in unregelmäßigen Abständen im- Das scheinbare Desinteresse österreichischer Gäs-
mit der dazugehörigen Infrastruktur zu einer Parade- mer wieder kommen. te am Wander- und Bergsteigurlaub in Österreich ist
destination für wander- und bergsportinteressierte Informationsmedium: 46 % all jener, die nach Infor- jedoch einfach erklärt: Ein großer Bevölkerungsteil
Urlauber: mationen über ihr Urlaubsland gesucht haben, be- lebt ja direkt in einem Wandergebiet bzw. in den Ber-
dienten sich des Internets. Für immerhin ein Drittel gen oder in unmittelbarer Nähe. Wenn schon Urlaub
•) 513 Schutzhütten mit Übernachtungsmöglich- (31 %) stand der Gang ins Reisebüro auf der Tages- in Österreich, dann muss schon was drin sein, was es
keiten für rund 27.000 Personen; ordnung, 27 % vertrauten bei der Recherche ihren zu Hause nicht gibt:
•) 50.000 km markierte und gesicherte Wander- Bekannten. Damit unterscheiden sie sich nur gering- •) Stichwort Erholung im Kreise der Familie: Spa-
wege; fügig von anderen Gästegruppen, nur zur Reiselitera- zieren gehen und flanieren, oder einfach nichts
•) 261 Seilbahnunternehmen mit insgesamt 3.003 tur oder zu Reiseführern greifen Wander-/Bergsteig- tun und ausspannen, oder ein bisschen Kultur
Anlagen, darunter 973 Seilbahnen und Sessel- urlauber etwas seltener. genießen!
lifte und 2.030 Schlepplifte; Reisebegleitung: Der Großteil reist entweder als •) Stichwort Therme und Wellness: Keine Urlau-
•) 20.000 ha Schipistenfläche, 7.000 km Abfahrten, Paar (44 %); überdurchschnittlich viele sind mit Kin- bernation verbringt so häufig einen Schönheits-
1.400 Skihütten; 1) dern oder Jugendlichen unter 18 Jahren (31 %) un- und Wellnessurlaub in Österreich, wie die Öster-
terwegs. reicher selbst!

1
Q: „Der Bergsport in Österreich“, Studie im Auftrag des Bundeskanzleramtes, Sektion Sport, November 2007.
2
Im Rahmen von T-MONA, der österreichischen Gästebefragung, wurden von Mai bis August 2008 insgesamt 8.743 Gäste über ihr
Urlaubsverhalten befragt.
„Einfach in der Natur sein“ 36

Nicht zu unterschätzen ist das Interesse in aufstre-


benden mittel- und osteuropäischen Ländern wie
Top 10 Entscheidungskriterien im Vergleich Tschechien, der Slowakei und Ungarn: Jeweils rund
Landschaft 94%
61% ein Drittel der auslandsreisenden Bevölkerung hat
82%
Interesse an Urlaub in Österreich. Auf Grund der
Berge 32% – derzeit noch (!) – geringeren Auslandsreiseintensi-
Gute Luft/Klim a 74% tät liegen diese Länder in absoluten Zahlen jedoch
49%
etwas zurück.
Wanderw ege 73%
10%

56%
Im Wettbewerb mit anderen Alpendestinationen
Naturattraktionen 27% (Schweiz, Südtirol, Bayern, Französische Alpen)
Ruhe 56% schneidet Österreich sehr gut ab: Österreich ist da-
33%
mit in sieben von zwölf Herkunftsländern die be-
Erholungsm öglichkeiten 46%
42% liebteste Alpendestination und schöpft aus einem
45% Potenzial von insgesamt 21,1 Mio. Urlaubern!
Vielfalt des Angebots 37%

44% Wander-
Im age der Destination 40% Wander-und
undBergsteigurlauber
Bergsteiurlauber
38% alle
alle anderen
anderenUrlauber
Urlauber
Gute Erfahrungen 28%

•) Stichwort Kultur, Stadt, Besichtigung: Öster- Es ist die ausgeprägte Suche nach neuen Erfah-
reicher schätzen das reiche Kulturangebot und rungen, die nur in der Natur zu finden sind, bei de-
städtische Flair. nen Körper und Geist zu einer Ausgeglichenheit
•) Stichwort Badeurlaub: Österreicher wissen um finden sollen. Die Natur spielt zwar die Hauptrolle in
die ungetrübte Qualität der heimischen Seen der Wahrnehmung der Wander-/Bergsteigurlauber, Informationen zum Autor
und verbringen viel häufiger als Urlauber ande- genauso wesentlich ist aber die Selbsterfahrung an-
rer Nationen einen Badeurlaub in Österreich. gesichts einer schweißtreibenden Herausforderung. Martin M. Schobert (Be-
triebswirtschaft, Spezi-
Nun zählt der Wander-/Bergsteigurlaub nicht nur alisierung Marketing /
zu den bedeutendsten Urlaubsarten in Österreich, Organisation) Tourismus,
Im Einklang mit der Natur sondern ist Österreich zugleich aufgrund seiner na- Marketing-, Kommunika-
türlichen Gegebenheiten und der vorhandenen In- tions-Fachmann.
Urlaub in Österreich bedeutet für diese Gästegrup- frastruktur ideale Destination für Wander- und Berg- Seit 1998 Österreich Wer-
pe eindeutig: Aktive, sportliche Bewegung in der steigurlauber. ber in diversen Funkti-
wunderschönen Natur: 87 % wünschen sich „ein- Wie hoch ist nun das Interesse für Urlaub in Öster- onen in Wien und Paris in
fach in der Natur zu sein“, für weitere 76 % ist „aktiv/ reich? Dazu wurden Menschen in wichtigen euro- der Verkaufsförderung, Marketing, PR und Online
sportlich sein“ ein zentrales Urlaubsmotiv. Dabei darf päischen Herkunftsmärkten befragt; die größten Kommunikation. Seit 2007 im Führungsteam der
der Spaßfaktor keinesfalls fehlen: So geben immer- Potenziale ließen sich dabei in folgenden Ländern Österreich Werbung als Bereichsleiter Research &
hin zwei Drittel der befragten Wander-/Bergsteigur- identifizieren: Development. Leitet die Teams Internet Strategie,
lauber an, dass sie im Urlaub Spaß und Vergnügen •) Deutschland: 6,2 Mio. Interessierte (11 % aller Tourismusforschung, Business Intelligence und IT
erleben möchten. Auslandsreisenden) Service & Support. Buchpublikation: Der Sport &
Stärker als andere Urlaubergruppen sind Wander-/ •) Frankreich: 2,7 Mio. Interessierte (12 % aller Aus- die EU. Diverse Gastvorträge am IMC Krems und
Bergsteigurlauber auf der Suche nach sinnstif- landsreisenden) FH WIFI Wien.
tenden, ursprünglichen Erlebnissen fernab des •) Großbritannien: 2,5 Mio. Interessierte (7 % aller Glücklich in Lebensgemeinschaft, ein Sohn.
Alltags, dem viele entfliehen möchten: Erholung und Auslandsreisenden) Lebensmotto: „Gehe deinen Weg - gelassen und
Entspannung sowohl für Körper, als auch für Geist •) Niederlande: 2,0 Mio. Interessierte (20 % aller mit Freude. Aber gehe.“
und Seele sind angesagt. Auslandsreisenden)
37

Die Initiative Bergsteigerdörfer

Alpenvereinsimpuls für den naturnahen Alpintourismus

Peter Haßlacher - Fachabteilung Raumplanung-Naturschutz des OeAV

Die Initiative „Bergsteigerdörfer“ des Oesterrei- mit dem besonderen Fokus des Tourismus-Protokolls, Alpenkonvention. Darin wird das „Bergsteigerdorf-
chischen Alpenvereins hat zwei wesentliche Wurzeln aber selbstverständlich unter Berücksichtigung und Projekt“ in mehrfacher Hinsicht als Umsetzung der
und Beweggründe. Zum Ersten fundiert sie in dem im Einbeziehung weiterer relevanter Protokollbereiche. Alpenkonvention angesehen. Nicht minder ermuti-
Jahre 1994 von der Hauptversammlung in Lienz be- gend sind die (alpin-) touristischen Aktivitäten der
schlossenen Grundsatzprogramm „Helfen wir den Kärntner Nationalparkverwaltung Hohe Tauern mit
Alpen“, wo im Punkt 6 die Alpenvereine vorschlagen, ihrem Alpinprogramm (TauernAlpin), welches heute
„für strukturschwache Regionen Impulse zur Förderung
Potenziale der Alpenkonvention sowohl hinsichtlich seiner inhaltlichen und organisa-
ökologisch orientierter Tourismusformen zu geben“. torischen Positionierung im Nationalpark als auch der
Schon um die Jahrtausendwende wurde versucht, Die Rahmenbedingungen für die Initiative „Bergstei- Professionalisierung wegen Vorzeigecharakter besitzt.
über den Club Arc Alpin (CAA = Dachorganisation der gerdörfer“ sind nicht so schlecht. Abgesehen davon, Im gleichen Atemzug sind auch das umfassende Pro-
Alpenvereine des Alpenraumes) ein alpenweites Netz- dass die Zahl der Wanderer/Bergwanderer/ Bergstei- jekt „GlocknerRunde im Nationalpark Hohe Tauern“,
werk von Bergsteigerdörfern zu bilden. Dies scheiterte ger/Kletterer/Schitourengeher, der Bedarf an Alpin- die Via Alpina und der Adlerweg der Tirol Werbung zu
damals an den unterschiedlichen Voraussetzungen und Wanderausrüstung, die Anzahl der Mitglieder in nennen. Die unter dem Eindruck des Klimawandels
und Vorstellungen unter den Alpenvereinen. Die Idee den Alpenvereinen in den letzten Jahren laufend zu- entfachte Mobilitätsdiskussion spricht zudem für den
und Initiative wurde nicht aufgegeben und vom OeAV genommen hat, entdecken Gemeinden/Regionen die Urlaub im nahen österreichischen Bergsteigerdorf. Zu
in Österreichs Alpen weiterverfolgt. Alpinisten/Kletterer als touristische Zielgruppe. Noch wagen bzw. umzusetzen sind derartige Projekte aber
Zum Zweiten hat diese Initiative selbstverständlich einmal zu dieser Initiative motiviert hat den OeAV nur dann, wenn der finanzielle Background gesichert
einen ganz engen Bezug zur Alpenkonvention das Ergebnis der in Auftrag des Lebensministeriums ist. Für den Zeitraum 2008 bis 2010 wird das OeAV-Pro-
als Instrument zur nachhaltigen Entwicklung des erstellten Studie über Entwicklungspotenziale der jekt „Alpenkonvention konkret: Via Alpina und Berg-
Alpenraumes. Mehrere Artikel aus den Durchfüh-
rungsprotokollen der Alpenkonvention zielen auf die
Wettbewerbsfähigkeit des naturnahen Tourismus, die
Förderung eines naturnahen und umweltschonenden
Tourismusangebots, die Aufwertung des natürlichen
und kulturellen Erbes (-> Alpinismus), Lenkung der
Besucherströme, Förderung der nachhaltigen Mo-
bilität, usw. ab. Dabei spielt die Umsetzung auf der
Grünau im Almtal Lunz am See
Ebene der Gemeinden eine ganz besonders wichtige
Reichenau an der Rax
Rolle. Anfang 2008 verschrieben sich alpenweit be-
Weißbach bei Lofer
reits 269 Alpengemeinden im mittlerweile zehn Jah- Steinbach am Attersee
Großes Walsertal
re bestehenden Gemeinde-Netzwerk „Allianz in den Hüttschlag im Großarltal Johnsbach im Gesäuse
Ginzling
Alpen“ der Umsetzung der Durchführungsprotokolle Kals am Großglockner
Vent
auf kommunaler Ebene (in Kärnten acht Gemeinden,
Villgratental
keine im gesamten Nationalpark Hohe Tauern in Die Steirische Krakau

Kärnten, Salzburg und Tirol). Das Netzwerk „Bergstei- Mallnitz / Malta

gerdörfer“ in Österreich umfasst in der Aufbauphase Tiroler Gailtal


rund zwanzig Ortschaften/Gemeinden/Regionen Gem. Lesachtal
Kartengrundlage: © GEOSPACE International GmbH
Grafik: M. Kirchebner /OeAV/ Fachabteilung Raumplanung Naturschutz
über den gesamten Alpenraum verteilt (siehe Karte).
Hier entwickelt die Alpenkonvention Bodenhaftung 16 Gemeinden bzw. Talschaften in ganz Österreich reihen sich zur Zeit in den Kreis der Bergsteigerdörfer ein.
(Kartengrundlage: GEOSPACE International GmbH)
Die Initiative Bergsteigerdörfer 38

steigerdörfer“ aus Mitteln des Programms Ländliche zu Politik und Behörden einnehmen, um gemeinsam Literatur
Entwicklung Österreich 2007-2013 in der Höhe von € die strategischen Erfolgspositionen zu stärken und zu
800.000,- finanziert. Das bedeutet den Durchbruch für verbessern. Entscheidend ist, dass der OeAV engagiert Alpenverein Südtirol, Deutscher Alpenverein, Oesterrei-
chischer Alpenverein – Hrsg. (1995): HELFEN WIR DEN AL-
dieses Projekt. nur jene Bergsteigerdörfer unterstützen kann, die am PEN. Wie sich die Alpenvereine aus Deutschland, Österreich
Der OeAV will mit dieser Angebotsplattform „Berg- selben Strang ziehen und eine der Tragfähigkeit des und Südtirol den Schutz der Alpen vorstellen – und was alle
steigerdörfer“ einen Beitrag für die Zukunftsfähigkeit alpinen Lebensraumes angepasste zukunftsfähige dafür tun können. Bozen, Innsbruck, München; Broschüre.
Fiala, Karl (2008): Wege zu einem nachhaltigen Tourismus
von Gemeinden im Ländlichen Raum leisten. Denn die Entwicklung anstreben. Der Einsatz soll auch dort ge- (Mit Beispielen Via Alpina, Bergsteigerdörfer). In: Die Al-
Konsequenzen jeder weiteren Schwächung des Länd- bündelt erfolgen, wo bereits in Richtung einer sowohl penkonvention – Nachhaltige Entwicklung für die Alpen
lichen Raumes, beispielsweise in Zusammenhang mit ökologisch, sozial als auch wirtschaftlich hohen Nach- Nr. 47, S. 2-3.
Galle, Ewald (2008): Die Förderinitiative Alpenkonvention im
der Erreichbarkeit oder der Versorgung mit Nahrungs- haltigkeit gearbeitet wird. Die Netzwerkintensität ist Programm Ländliche Entwicklung. Die Alpenkonvention
mitteln, treffen auch den Alpenverein bei der Erfül- beachtlich, denn der Deutsche Alpenverein (DAV) be- – Fundus und geistiges Fundament für einen nachhaltigen
lung seiner Aufgabe, das alpine Infrastrukturnetz zu sitzt in zahlreichen Bergsteigerdörfern Schutzhütten, Alpentourismus. In: Oesterreichischer Alpenverein, Fach-
abteilung Raumplanung-Naturschutz (Hrsg.): Startkonfe-
erhalten und führen unweigerlich zu einer Anpassung betreut Arbeitsgebiete und hält damit einen engen renz Bergsteigerdörfer. Bergsteigerdorf Ginzling, 10.-11.
an die neuen Gegebenheiten. Es ist kein Geheimnis, Kontakt zu diesen Dörfern. Juli 2008. Reihe: „Bergsteigerdörfer Ideen, Taten, Fakten.“
dass einige der Arbeitsgebiete der Alpenvereine/Al- Das Projekt „Bergsteigerdörfer“ ist ein konkretes Um- Nr. 1. Innsbruck, S. 9-12.
Haßlacher, Peter (2004): Entwicklung und Förderung von
pinen Vereine in den betroffenen Problemregionen setzungsprojekt der Alpenkonvention. Der Alpenver- Bergsteigerdörfern. Zukunftsaufgabe bei der Umsetzung
nicht mehr in dem Maße betreut werden, wie es die ein mit seinen Sektionen und Mitgliedern, die Berg- der Alpenkonvention. In: Haßlacher, P. (Red.): Die Alpen-
Arbeitsgebieteordnung des Alpenvereins erfordert. steigerdörfer, das Lebensministerium als Drehscheibe konvention – Markierungen für ihre Umsetzung (= Fach-
beiträge des Oesterreichischen Alpenvereins – Serie: Al-
für dieses internationale Alpenvertragswerk in Ös- pine Raumordnung); Innsbruck, S. 36-45.
terreich und das in der Landeshauptstadt Innsbruck Haßlacher, Peter (2005): Vademecum Alpenkonvention; hrsg.
situierte Ständige Sekretariat der Alpenkonvention vom Oesterreichischen Alpenverein, Fachabt. Raumpla-
Standortvorteile nutzbar machen nung/Naturschutz, 3. Auflage; Innsbruck, 130 S.
sitzen mit ihren jeweiligen Arbeitsschwerpunkten und Haßlacher, Peter (2006): Kraftwerksdiskussion. Bergsteiger-
Eigeninteressen im gemeinsamen Boot der Alpen- dorf Vent in großer Gefahr. In: Bergauf (= Das Magazin des
Es wird die ganz große Herausforderung sein, Al- konvention. Der Alpenverein ist dabei bemüht, dieses Oesterreichischen Alpenvereins) H. 1, S. 24-25.
Haßlacher, Peter (2006): Mosaiksteine zur Umsetzung des
pintouristen in diese traditionsreichen Bergsteiger- Projekt Schritt für Schritt auf eine höhere Ebene zu he- Tourismusprotokolls der Alpenkonvention. In: Haßlacher, P.
dörfer zu lenken und diese Gemeinden in die Lage ben. Der Erfolg dieser Initiative wird daran zu messen (Red.): Mosaiksteine zur Umsetzung der Alpenkonvention
zu versetzen, ihre Standortvorteile und –vorzüge im sein, inwieweit es gelingt, die Wertschätzung breiter – Bergsteigerdörfer, Alpintourismus in Österreichs Alpen
(Fachbeiträge des Oesterreichischen Alpenvereins – Serie:
Bereich des Alpintourismus nutzbar zu machen. Das Kreise für die Alpen und diese authentisch erhaltenen Alpine Raumordnung Nr. 28). Innsbruck, S. 6-14.
wird ganz schön schwer, wenn ich mir z.B. die Initia- Bergsteigerdörfer für eine steigende Wertschöpfung Haßlacher, Peter (2008): Warum sich der Alpenverein für einen
tiven im bereits tourismusintensiven Tiroler Oberland zu nutzen. An diesem Ziel mitzuarbeiten, sind alle auf- „neuen Alpen-Tourismus“ einsetzt. In: Oesterreichischer
Alpenverein, Fachabteilung Raumplanung-Naturschutz
zum Vergleich anschaue, wo mit zwei Millionen Euro gerufen. (Hrsg.): Startkonferenz Bergsteigerdörfer. Bergsteigerdorf
das Ötz-, Pitz und Paznauntal gemeinsam mit dem Ginzling, 10.-11. Juli 2008. Reihe: „Bergsteigerdörfer Ideen,
Inntal in drei Jahren zu einem Klettereldorado entwi- Informationen zum Autor Taten, Fakten.“ Nr. 1. Innsbruck, S. 13-15.
Kals, Roland (2001): Netzwerk Alpine Bergsteigerdörfer
ckelt werden sollen. Dann wächst dort und in anderen – Konzept i.A. des Oesterreichischen Alpenvereins/Fachab-
Regionen (von der Tirol Werbung unterstützt) eine ge- Peter Haßlacher (geb. teilung Raumplanung-Naturschutz. Innsbruck, 17 S.
waltige Konkurrenz heran. Es scheint, dass mit den für 1949) ist Abteilungsleiter Kals, Roland (2004): Entwicklungspotentiale der Alpenkon-
vention. Wege zu einer erfolgreichen Implementierung in
den Wintersport tauglichen Strategien nunmehr auch für Raumplanung und
Österreich. Studie, erstellt im Auftrag des BMLFUW, Abt.
der stagnierende Sommer „erschlossen“ werden soll Naturschutz im Oester- V/9. Wien, Salzburg, 158 S.
(www.climbers-paradise.com). reichischen Alpenverein, (Kap. 7.1.3 Alpine Bergsteigerdörfer)
Kals, Roland (2005): Vom Anfachen des Feuers – die Umset-
Aus diesen Gründen kommt der hohen Authen- Vorsitzender von CIPRA-
zungspotenziale der Alpenkonvention in Österreich. In: Die
tizität der Bergsteigerdörfer, dem gemeinsam Österreich, Vize-Präsident Alpenkonvention – Nachhaltige Entwicklung für die Alpen
ausverhandelten Rahmen-Leitbild für Auswahl und des österreichischen Nr. 42, S. 3-6.
Lebensministerium – Hrsg. (2006): Der grüne Pakt für Öster-
Entwicklung der Bergsteigerdörfer, der gelebten Pro- Umweltdachverbandes
reichs Landwirtschaft. Ländliche Entwicklung 2007-2013.
duktwahrheit, der hohen Alpinkompetenz und dem und Konrad-Lorenz-Staatspreisträger für Umwelt- Entwurf – November 2006. Wien, 160 S.
intensiven Vernetzungsgrad zwischen Gemeinden schutz. (Kapitel 3.7 Alpenkonvention).
Muhar, Andreas, Thomas Schauppenlehner, Christiane
und Alpenverein eine ganz besondere Bedeutung zu. Verheiratet mit Gerhild, zwei Töchter Julia und
Brandenburg u. Arne Arnberger (2006): Trends und Hand-
Der Alpenverein kann insgesamt bei Einverständnis Angelika. lungsbedarf im Sommer-Bergtourismus. Befragung von
und Interesse der Gemeinden/Regionen im Sinne von Bergwanderern und Bergsteigern in den österreichischen
Alpen. Studie i.A. des BMWA, Sektion Tourismus und Histo-
„good governance“ unterstützend eine Mittlerrolle rische Objekte. Wien, 34 S.
39
Die Initiative Bergsteigerdörfer

Erste Schritte zur Verwirklichung der Initiative Bergsteigerdörfer

Christina Schwann - Fachabteilung Raumplanung-Naturschutz des OeAV

Einige der Bergsteigerdörfer haben bereits die dem Layout der Philosophie der Bergsteigerdörfer
Gunst der Stunde genutzt und eine kleine Förde- gerecht zu werden. Bis Anfang März 2009 werden
rung aus dem Topf „Bergsteigerdörfer“ für die Um- zwei neue Materialen fertig und der Öffentlichkeit
setzung von Projekten in Anspruch genommen. zugänglich gemacht: Die Gesamtbroschüre und die
So hat zum Beispiel Vent im August 2008 unter Mit- Webseite. Wenn es die Zeit erlaubt, wird auch die
wirkung des Naturparks Ötztal, dem Tourismusver- eine oder andere Einzelbroschüre fertig werden.
band Ötztal, Buchhandlungen, Bibliotheken und
einer Reihe anderer Organisationen das Projekt Gesamtbroschüre Bergsteigerdörfer
„ARTeVENT – Natur, Skulptur, Literatur“ umgesetzt. Die Gesamtbroschüre der Bergsteigerdörfer hat es
Eine ganze Woche lang stand Vent, das kleine Berg- bereits in zwei Auflagen gegeben. Die Broschüre
steigerdorf auf 1.900 m Seehöhe, ganz im Zeichen war schon damals ganz offensichtlich ein sehr will-
von Naturführungen, Lesungen und Bildhaueraus- kommenes Informationsmaterial, denn die insge-
stellungen. samt rund 40.000 Bücher sind so gut wie vergriffen.
2009 wird es eine Fortführung der Veranstaltung Die notwendige Neuauflage wird nun im neuen
geben und Vent soll sich als Gastgeberort für kultu- Design aufgelegt. Alle Gemeinden wurden intensiv
relle Veranstaltungen profilieren. in die Überarbeitung der Texte eingebunden. Eine
Reihe neuer Bilder ergänzen die Broschüre und ma-
chen sie - wie wir hoffen - sehr ansprechend.
Der Naturpark-Klettersteig in Ginzling besticht durch seine
Wie schon die Vorgängerbroschüre soll auch diese
Erste Infrastrukturinitiative Neuauflage eine Übersicht über alle Bergsteigerdör-
atemberaubende Aussicht .

fer bieten und die Philosophie dahinter beleuchten.


In Ginzling konnte das erste Infrastrukturprojekt Tourenvorschläge für die Sommer- und Wintermo-
umgesetzt werden: der Naturpark-Klettersteig, des- nate sollen einen Einblick in das Aktivitätenspekt-
sen Einstieg nur wenige Meter vom Ortszentrum rum vor Ort geben, Anreisemöglichkeiten per Bahn
Kleine und feine

Bergsteigerdörfer
entfernt liegt. Mit einer Kletterlänge von 500 Me- und Bus werden großgeschrieben. Jede Gemeinde zum Genießen und Verweilen

tern werden ca. 400 Höhenmeter überwunden. Das oder Talschaft besticht durch ihre Besonderheiten,
Schwierigkeitsniveau liegt durchgehend im C- bis die in den Einleitungstexten von Roland Kals in einer
D-Bereich, im oberen Sektor ist sogar eine E-Stelle fast schon philosophischen Sprache besonders gut
(Seilbrücke) enthalten, die vor allem durch die be- zu Geltung kommen.
MIT UNTERSTÜTZUNG VON BUND UND EUROPÄISCHER UNION

eindruckende Aussicht auf Ginzling besticht. Europäischer Landwirtschaftsfonds


für die Entwicklung des ländlichen
Raums: Hier investiert Europa in
die ländlichen Gebiete.

Der Klettersteig konnte noch im Herbst 2008 reali- Einzelbroschüren 11

Reichenau an der Rax


siert werden; die Eröffnung ist für das Frühjahr 2009 Jede Gemeinde soll die Möglichkeit haben, auf
... wo Künstler und Therapeuten in die Berge gehen

Es waren die Trixie und obiger Max schnurstracks eines wand. Er meinte einmal: “Es gibt eigentlich keine grö-

geplant. Anfragen von interessierten Gästen das richtige


Tags unterwegs auf die Rax und da kamen sie auch zu ßere, wesentliche Entscheidung in meinem Leben, die Lage
der raxigen Schlucht. „Diese Schlucht hab ich g‘sucht,“ ich nicht auf der Rax getroffen hätte.”
sagt Max, „die hat Wucht“ . Halli, Halli, Hallo!
(aus einem Chanson von Georg Kreisler: Und nicht zuletzt tummelten sich in der Rax eine
Max auf der Rax) Reihe alpiner Legenden: Eugen Guido Lammer, Otto
und Emil Zsigmondy, Karl Prusik (der „Erfinder” des
... Johann Nestroy, Ferdinand Raimund, Arthur Prusikknotens), Fritz Schmid, um nur einige zu nen-

Werbematerial senden zu können. So erscheint es


Schnitzler, Peter Altenberg, Gustav Mahler, Oskar nen. In der Rax entstand die Grundlage für die auch
Kokoschka, Franz Werfel, Karl Kraus, Sigmund Freud, heute noch gültige alpine Schwierigkeitsskala, die
Theodor Herzl, Robert Musil, Heimito von Doderer, 1894 in einem von Karl Benesch verfassten Führer-
Karl Farkas, Ernst Fuchs .... werk veröffentlicht wurde.

Wahrscheinlich zählt die Rax zu jenen Berggrup- An schönen Sommer- und Herbstwochenenden
pen, die in der Weltliteratur einen Spitzenplatz ein- verströmt das Raxplateau eine Aura heiterer Gelas-

besonders wichtig, dass bei Anfragen zum Thema


nehmen. Selbstverständlich hat dies mit der leichten senheit. Auf den Hauptwegen herrscht fast schon
Erreichbarkeit aus der Großstadt Wien zu tun, so dass großstädtisches Flair, man flaniert, die Chancen ste-
die Gebirgslandschaft um den Semmering schon im hen gut, hier Bekannte zu treffen, die man in der
19. Jahrhundert das bevorzugte Sommer-Erholungs- Stadt bereits jahrelang nicht mehr sah.
gebiet der Wiener Gesellschaft geworden war. Im Fin
de Siècle errichteten Vertreter des Adels, der Hoch- Der Berg hat aber auch ein grimmiges Gesicht:
finanz und des Großbürgertums prächtige Landsitze Ein hochsommerlicher Schlechtwettereinbruch kann

Wandern und Schitouren, nicht nur der allgemeine


und bemerkenswerte Villen. das Plateau binnen kurzer Zeit in eine sturmtosende

Öffentlichkeitsarbeit
Nebelhölle verwandeln, in der jede Geländeorientie-
Gleichzeitig war die sommerliche Gebirgsland- rung versagt.
schaft ein Tummelplatz der Kreativen, die nicht sel-
ten aus der alpinistischen Betätigung neue Impulse
für ihre schöpferische Leistung bezogen. Doderer,

Häuserkatalog, sondern auch eine individuelle Bro-


der sich oft und gern im Raxgebiet aufhielt, hält in
seinem Roman „Die Strudlhofstiege” die Gipfelaus-
sicht von der Preinerwand fest: „Hier sah man‘s, worin
man lebte, in einer Umgebung, die, an Schweigsamkeit
nicht zu überbieten, sich zugleich unaufhörlich mit
Übergewalt aussprach: Berg an Berg, ferner Fels, an den
der Wald unten hinkroch wie Moos, das Gestein im mil-

schüre zu den „bergsteigerdorf-spezifischen“ Aktivi-


chigen Sonnendunst, die Kanten gegen den lackreinen
Himmel in trillernder Schärfe des Lichts abbrechend.
Und Wälder, Wälder dazwischen geschüttet mit ihrer
Ferne und Tiefe, als wären sie nichts, nicht mehr als das
gefallene Tuch um die Füße des enthüllten Standbilds.”
Das Kulturschloss Reichenau.
Sigmund Freud wurde im Otto-Schutzhaus auf

Das bereits im Rahmen der Startkonferenz in Ginz- täten beigelegt werden kann.
den später sehr berühmten „Fall Katharina” aufmerk-
sam, weil die Tochter der Hüttenwirtin ihn um ärzt-
liche Hilfe bat. Freud notiert später: „Da war ich also
wieder in den Neurosen, denn um etwas anderes
konnte es sich bei dem großen und kräftigen Mäd-
chen mit der vergrämten Miene kaum handeln. Es in-
teressierte mich, dass Neurosen in der Höhe von über

ling präsentierte Corporate Design der Bergstei- Die Einzelbroschüren beschreiben jeden Ort mit
2.000 Metern so wohl gedeihen sollten.”

Auch ein anderer berühmter Therapeut war mit


der Rax eng verbunden: Viktor E. Frankl betätigte sich
auch noch im hohen Alter vor allem an der Preiner- Smaragdgrünes Wasser plätschert durch das Höllental.

gerdörfer wurde weiter verfeinert und finalisiert. seinen Besonderheiten im Detail. Tourenvorschläge,
Das Logo in den verschiedenen Varianten (farbig, Schneeschuhwanderungen und Klettertouren wer-
Steinbach am Attersee 18 19 Steinbach am Attersee

Adlerspitzen (1.241 m) Adlerspitzen

schwarz-weiß, grau) wird den Gemeinden zeitge- den ausführlich dargestellt und zum Teil mit Karten Die Adlerspitzen sind das älteste und bekannteste Kletter-
gebiet im Höllengebirge und bieten mit ihren vier Türmen
Routen in allen Schwierigkeitsgraden. Der westliche See-
turm wartet mit den schwierigeren Anstiegen auf, während
Hauptgipfel der Adlerspitzen und ist eine unschwierige und
besonders lohnende Tour.

Über gut griffigen und festen Fels geht es in der ersten


auf den Plattenturm des Mittelgipfels die klassische Route Seillänge aufwärts. Hier bieten sich zwei Varianten: gerade

recht im Frühjahr 2009 zur Verfügung gestellt. und Topos ergänzt. Ein ausführlicher Adressenteil
durch die Nordwand führt. Der Hauptgipfel mit dem Gifel- hinauf und rechts zur eigentlichen ersten Seillänge geht
kreuz ist der östlichste der vier Türme, mit zahlreichen loh- es durch schönen Fels. Weiter geht es an einem Riss in eine
nenden Routen im unteren Schwierigkeitsgrad. Viele dieser Nische am rechten unteren Ende der großen Platte. In der
klassischen Routen wurden bereits saniert, aber es ist be- dritten Seillänge geht es an einer Kante aufwärts auf einen
sonders bei den wenigen noch im Originalzustand befind- Absatz. Von dort zweigt nach rechts die Route „V-Riss rechter
lichen, schlecht sitzenden Normalhaken Vorsicht geboten. Ausstieg“ ab, die in einem Riss an der Platte aufwärts und um
eine Kante herum und nach links zur Heizendorferscharte.
Zustieg Bleibt man auf der Route „V-Riss“ so klettert man in
Der Zustieg zum markanten Adlerspitz erfolgt vom Gast- einer Verschneidung aufwärts und gelangt über einem an-

Alle Printprodukte und die Webseite werden im sel- mit allen wesentlichen Institutionen - vom Touris-
haus Kienklause in Richtung Hochleckenhaus in etwa einer steigenden Band nach rechts ebenfalls in die Heizendorfer-
Stunde über den Wanderweg Nr. 824. Zum Seeturm und zur scharte. Von dort bieten sich wiederum zwei Möglichkeiten
Südwand gelangt man am besten von der Niederen Rast zum Anstieg auf den Gipfel.
über Steigspuren und Schotterriesen im Wald aufwärts.
Heizendorferriss III+
Seeturm NW-Kante VI Der klassische Heizendorferriss führt auf einer nach links
Die Erstbegehung der Seeturm NW-Kante erfolgte im ansteigenden Rampe auf ein Köpferl und dann durch einen
Herbst 1938 von Franz Scheckenberger und Hias Aigner, Riss gerade aufwärts in die Scharte zwischen dem 3. Turm
was eine großartige Leistung für diese Zeit darstellte. Aber und dem Hauptgipfel. von dort geht es über die gestufte

ben Design erscheinen und sollen so zu einem gu- musverband über die Bergsteigerschule bis hin
auch heute bietet diese Tour einen der schönsten Anstiege Wand zum Gipfel.
auf die Adlerspitzen.
Matterbauerriss V-
Die Schotterriesen querend geht es über die Westwand- Der Matterbauerriss ist ebenfalls einer der traditionellen An-
Rampe (I) zum Einstieg. Von dort durchzieht ein schräg nach stiege auf den Gipfel und führt etwas schwieriger eine steile
rechts oben führender Riss die glatte NW-Kante, an dem Verschneidung hinauf in die Scharte. Weiter auf den Gipfel
sich der Routenverlauf orientiert. Die erste Seillänge führt wie vorher.
über den Riss an der Kante gerade aufwärts, dann geht es
in einer schräg nach rechts ziehenden Verschneidung, die Abstieg

ten Wiedererkennungswert beitragen. Das Layout zu Auskünften über den öffentlichen Verkehr und
im oberen Teil stark nach außen drängt, zum überraschend Der Abstieg erfolgt über die Abseilpiste der Süd-Schlucht.
guten Standplatz der zweiten Seillänge. In dem nach rechts
geneigten, rasendurchsetzten Riss geht es weiter aufwärts,
dann links haltend über den Grat zum Gipfel des Seeturms. Noch mehr Klettertouren finden sie im Kletterführer Höl-

Steinbach am Attersee Zur letzten Seillänge gibt es zum rechten Ausstieg noch eine
linke Ausstiegs-Variante, die in der feinen Rissspur in sehr
lengebirge und im umfangreichen Höllengebirgsführer von
Franz Hauzenberger.

Kultur und Bergnatur am Alpenstrand schöner aber schwieriger (VIII-) Wandkletterei bis zur Kante
aufwärts führt. Quelle: Hauzenberger, F., 2005, Höllengebirge - Wander-,
Kletter- und Schiführer

wurde bewusst sehr offen, modern, aber dennoch Schlechtwetteralternativen runden die Broschüre
V-Riss und V-Riss rechter Ausstieg III+
MIT UNTERSTÜTZUNG VON BUND UND EUROPÄISCHER UNION Seilt man über die Südschlucht ab, so sind es nur noch we-
nige Meter bis zum markierten Einstieg des V-Risses. Der
V-Riss bietet einen der alten, klassischen Anstiege auf den
Europäischer Landwirtschaftsfonds
für die Entwicklung des ländlichen
Raums: Hier investiert Europa in
die ländlichen Gebiete.

ruhig gestaltet. Es ist uns ein Anliegen, bereits mit ab. Das Layout der Gesamtbroschüre (oben) und der Einzelbro-
schüren richten sich ganz nach dem Corporate Design.
I n t e r v i e w 40

Zum Beispiel Grünau im Almtal


(Oberösterreich)
Bürgermeister Alois Weidinger im Gespräch
Webseite Die Webseite bietet sich gleichzeitig für die Reali-
Was macht Grünau zum Eines der wichtigsten Instrumente wird die Websei- sierung eines Intranets an, um den Gemeinden die
Bergsteigerdorf? te sein. Die Domains - allen voran die Adresse www. Möglichkeit zu bieten, auch unter einander in Kon-
Zum einen ist das unsere bergsteigerdoerfer.at - wurden bereits gesichert. Das takt zu stehen und sich auszutauschen.
unendliche Weite - wir sind Layout wurde bewusst sehr einfach gehalten. Auf Für die kommenden Jahren wird angedacht, die
ja mit 230 km² der größte schnell wechselnde Bilder, Blinkeffekte oder Video- Webseite auch ins Englische zu übersetzen. Schon
Ort Oberösterreichs. Da- teile wurde verzichtet. Schließlich soll allein die Ge- bei der Programmierung wurde darauf geachtet, die
durch haben wir ein sehr staltung der Seiten die einfache, aber dennoch noble Anlagen dafür einzurichten.
großes Wegenetz, zum Philosophie „Bergsteigerdörfer“ widerspiegeln.
Teil auch Forststraßennetz. Die Webseite beinhaltet neben einem allgemeinen „Alpingeschichte kurz und bündig“
Dazu kommt der Abschluss unserer Gemeinde Teil zu den Hintergründen des Projektes eine Über- Die Geschichte ist es, die einen Ort prägt und sein
Richtung Süden mit dem Toten Gebirge und der sicht über alle Gemeinden. Diese können auf der heutiges Erscheinungsbild maßgeblich beeinflusst.
Wasserscheide Richtung Steiermark. Wir haben den Österreichkarte direkt oder in einer Liste ausgewählt Mit der Serie „Alpingeschichte kurz und bündig“ wer-
Großen Priel mit über 2.500 m und damit insgesamt werden. Zu jeder Gemeinde finden sich im Anschluss den die Geschichten der Gemeinden von den Anfän-
eine sehr schöne Mischung. Tourenmöglichkeiten, ähnlich der Individualbro- gen des Alpinismus bis heute aufgearbeitet.
schüren. Selbstverständlich werden die einzelnen
Was bedeutet das Projekt Bergsteigerdörfer für Grü- Gemeinden mit den jeweiligen Gemeindeseiten ver- Wir hoffen, mit diesen Arbeiten – die immer in di-
nau? linkt, um eine gute Vernetzung zu erzielen und ein rekter Abstimmung mit den einzelnen Gemeinden
Die Möglichkeiten sind groß. Wir haben unge- direktes Buchen zu ermöglichen. durchgeführt werden – den Bergsteigerdörfern
fähr 1.000 Gästebetten. Bergsteiger sind immer Die Webseite wird außerdem optimale Möglichkeiten entgegen zu kommen und mit einem einheitlichen
willkommen, aber wir haben das bisher zu wenig bieten, aktuelle Informationen, Veranstaltungstipps, Auftreten zu einem guten Wiedererkennungswert
strukturiert und organisiert. Unsere große Chance Schneeinformationen und dgl. leicht und schnell beizutragen.
besteht darin, dass wir vom Romantikhotel bis zum darzustellen.
preisgünstigen Privatzimmer alle Segmente abde-
cken und jedem das Geeignete anbieten können.
Informationen zur Autorin Klausner, Rudolf (2008): Das Bergsteigerdorf Ginzling. In:
Oesterreichischer Alpenverein, Fachabteilung Raumpla-
Stehen die Leute im Ort hinter einem Schwerpunkt Christina Schwann (geb. nung-Naturschutz (Hrsg.): Startkonferenz Bergsteiger-
Bergsteigertourismus? 1977), Ökologin. Geboren in dörfer. Bergsteigerdorf Ginzling, 10.-11. Juli 2008. Reihe:
„Bergsteigerdörfer Ideen, Taten, Fakten.“ Nr. 1. Innsbruck,
Wir haben 2.100 Einwohner und müssen die Leute Graz, aufgewachsen in Saal-
S. 18-19.
bei uns sicher noch stärker begeistern, damit sie felden (S), Studium in Inns- Oesterreichischer Alpenverein, Fachabteilung Raumplanung-
aktiv etwas dazu beitragen. Das vorhandene Poten- bruck. Seit 2002 im Oester- Naturschutz – Hrsg. (2006): Kleine und feine Bergsteigerd-
örfer zum Genießen und Verweilen. Innsbruck, 2., aktuali-
zial muss besser genützt werden, dann haben die reichischen Alpenverein
sierte und erweiterte Auflage, 148 S.
Bergsteiger bei uns eine klasse Geschichte und wir für das Interreg-Projekt „Via Oesterreichischer Alpenverein, Fachabteilung Raumplanung-
im Ort natürlich auch. Alpina“ zuständig; seit 2008 Naturschutz – Hrsg. (2008): Startkonferenz Bergsteigerdör-
fer. Bergsteigerdorf Ginzling, 10.-11. Juli 2008. Reihe: „Berg-
in der Fachabteilung Raum-
steigerdörfer Ideen, Taten, Fakten.“ Nr. 1. Innsbruck, 36 S.
Wie schaut es mit der Erreichbarkeit aus? planung - Naturschutz zusätzlich für die Initiative Oesterreichischer Alpenverein/Sektion Zillertal – Hrsg. (2008):
Wir haben zum Glück noch die Almtalbahn, die von „Bergsteigerdörfer“. Sonderinfo „Entwicklung des Hochgebirgs-Naturparkes
„Zillertaler Alpen“ bis zur Entstehung des Naturparkhauses.
Linz und Wels die Menschen zu uns bringt. Wir lie- Motto: „Nichts ist besser, nur weil es größer ist.“
Ginzling, Mayrhofen, Innsbruck, 44 S.
gen genau zwischen den Bezirken Kirchdorf und (Kap. III: Bergsteigerdorf Ginzling-Dornauberg – ein Modell
Literatur
Gmunden und sind von überall gut erreichbar. für die nachhaltige Entwicklung von Bergsteigerdörfern im
Fankhauser, Günther, Peter Haßlacher und Rudolf Klausner Alpenraum; mit Beiträgen von Peter Haßlacher, Willi Seifert,
(2003): Das Bergsteigerdorf Ginzling in der Naturparkregi- Paul Steger und Gudrun Wallentin).
Ist die Entwicklungsperspektive Bergsteigerdorf im Schwann, Christina (2008): Die Bergsteigerdörfer – ein Bei-
on Zillertaler Alpen. Ein Modellprojekt für die nachhaltige
Gemeinderat abgesichert? Entwicklung von Bergsteigerdörfern im Alpenraum (Pro- trag zur Umsetzung der Alpenkonvention in ausgewählten
Gemeinden. In: Die Alpenkonvention – Nachhaltige Ent-
Wir haben das bisher in erster Linie mit den Tou- jektskizze). Mayrhofen, 16 S.
Kals, Roland (2006): bergsteigerdörfer.at – ein Tourismuspro- wicklung für die Alpen Nr. 52, S. 2-3.
rismusverantwortlichen und Vermietern diskutiert. Süß, Christian (2008): Corporate Design Bergsteigerdörfer.
jekt des Alpenvereins zur Umsetzung der Alpenkonvention
Für die Umsetzung konkreter Projekte werden wir in – Eckpunkte der Angebotsentwicklung. In: Haßlacher, P. In: Oesterreichischer Alpenverein, Fachabteilung Raum-
planung-Naturschutz (Hrsg.): Startkonferenz Bergsteiger-
den Gemeinderat gehen, um auch dort den nötigen (Red.): Mosaiksteine zur Umsetzung der Alpenkonvention
– Bergsteigerdörfer, Alpintourismus in Österreichs Alpen dörfer. Bergsteigerdorf Ginzling, 10.-11. Juli 2008. Reihe:
Rückhalt zu bekommen. Aber ich mache mir keine „Bergsteigerdörfer Ideen, Taten, Fakten.“ Nr. 1. Innsbruck,
(Fachbeiträge des Oesterreichischen Alpenvereins – Serie:
Sorgen, dass es dort Probleme geben könnte. Alpine Raumordnung Nr. 28). Innsbruck, S. 50-63. S. 20-22.
41

Qualitätsvolle Produktentwicklung

Die NationalparkRegion Hohe Tauern Kärnten und


ihre Nationalparkpartnerbetriebe

Mea Alber, Tourismusfachfrau Mallnitz


„For Protection of Nature and the Joy and Benefit for the People.“
Zum Schutze der Natur und zur Freude und zum Nutzen der Menschen.
(Yellowstone Park 1872)

Der Nationalpark und der Tourismus hatten anfäng- •) „Abenteuer Berg“ (Alpintourismus) diert. Sie umfasst alle regionalen Spitzenleistun-
lich ein kompliziertes Verhältnis. --> Durch die regionale Betriebskooperation Tau- gen wie z.B. die Großglocknerhochalpenstrasse,
In der NationalparkRegion Hohe Tauern Kärnten gab ernAlpin in Zusammenarbeit mit dem Bergführer- das Reiseck, die Raggaschlucht sowie mehr als
es seit 1983 mehrere gescheiterte Versuche der tou- Pool der Region wird es dem Gast ermöglicht auch 100 Ausflugsziele der klassischen Kärnten Card.
ristischen Regionalisierung im Vorfeld des National- kurzfristig (außerhalb gebuchter Packages) alpin- •) Regionale Mobilität
parks. Inzwischen wurden entscheidende Schritte touristische Angebote in Anspruch zu nehmen --> In Zeiten größeren Umweltbewusstseins wird
gesetzt (Bergführer für geführtes Bergsteigen und Berg- es dem Gast ermöglicht ohne eigenes Auto in die
wandern, sowie Hüttenübernachtungen usw.) Region anzureisen (Shuttleservice von und zu den
•) 2003: Gründung der NationalparkRegion Hohe •) Nationalpark Kärnten Card Flughäfen Klagenfurt, Laibach und Salzburg, sowie
Tauern Kärnten auf Initiative des Landes Kärnten; --> Die Nationalpark-Kärnten-Card ermöglicht IC/EC-Nationalparkbahnhof in Mallnitz). Innerhalb
Management erfolgte durch „Nationalpark Hohe es dem Gast, viele Ausflugsziele und infrastruk- der Region wird dem Gast die Mobilität garantiert.
Tauern Großglockner Tourismus GmbH“ turellen Einrichtungen der Region gratis bzw. zu Bis zum Sommer 2009 soll dieses Projekt umge-
einem vergünstigten Preis zu benutzen. setzt sein. Neu wird das RIT Ticket (vergünstigte
•) 2006: Übernahme des regionalen touristischen Die Karte ist in über 80 Betrieben für die Dauer des Bahnanreise aus Deutschland) angeboten.
Managements durch die Abteilung „Tourismus“ im Aufenthaltes in diesen Betrieben im Preis inklu-
Kärntner Nationalparkfonds (befristet auf drei Jah-
re)

•) 2009: Fortsetzung des Projektes für drei weitere


Jahre bei erhöhten regionalen Eigenmitteln

Die NationalparkRegion Hohe Tauern umfasst 13


Gemeinden, wobei nicht alle Gemeinden National-
parkgemeinden sind. Die Region erstreckt sich von
Heiligenblut bis ins Maltatal.

Nächtigungsentwicklung:
Im Jahr 2007 wurden bei 12.500 Betten rund 950.000
Nächtigungen gezählt.
Für das Jahr 2008 werden ca. eine Million Nächti-
gungen erwartet, wobei die Zuwachsrate im Som-
mer 1,2 % und im Winter 9,2 % beträgt.
Der touristische Masterplan der NationalparkRegion
umfasst derzeit fünf Schwerpunktprojekte:

•) „Erlebnis Nationalpark“
--> In enger Zusammenarbeit mit dem National-
park (BIOS, Ranger-Programme etc.) soll dem Gast
die Natur näher gebracht werden. Die Strategie in der Produktentwicklung ist es, ein qualitativ hochwertiges Basisprodukt der Region zu schaffen (Betriebe, Infrastruk-
tur, ...) und mit Spitzenleistungen am Markt Aufmerksamkeit zu erreichen.
Qualitätsvolle Produktentwicklung 42

•) Virtuelle NationalparkRegion Enge Kooperation von TauernAlpin mit dem 6. Zentrale Fakturierung
--> Die Homepage www.nationalpark-hohetauern.at Oesterreichischen Alpenverein 7. Evaluierung
wird Masterplan-konform mit einer einheitlichen 2008: Vereinigung der beiden Angebotsgruppen 8. Stammkundenbindung
Menüführung, 3D Panoramen, digitalen Wander- zum Verein „TauernAlpin Nationalpark Part-
führern und Visualisierung der Wanderrouten neu nerbetriebe“; Verleihung des Siegels „Offizi- Die Produktpalette
gestaltet bzw. eingerichtet. eller Partner des Nationalparks“ durch den Sommer:
Kärntner Nationalparkfonds an den Verein 1. Nationalpark-Ranger Packages
Das Regionsbüro als Incomer ist einerseits die Bu- 2. Wildlife-Programme (Wildtierbeobachtungen)
chungszentrale für den Gast, andererseits die Clea- Buchbarkeit und Logistik 3. Geführtes Bergsteigen
ringstelle bei Abwicklung für Packages, Kurse/Spe- Der „Nationalpark-Urlaubs-One-Stop-Shop“, also eine 4. Bergwandern
cials & Bausteine in ausgewählten, NP-konformen zentrale Buchungsstelle für alle Leistungen: 5. Klettern
Produktfeldern. 1. Information 6. Trekking
2. Buchungszentrale 7. Alpinreiten/Pferdetrekking
3. Durchgehendes Mobilitätsservice 8. Mountainbike (in Entwicklung)
(in die Region und innerhalb der Region) 9. Fliegenfischen (in Entwicklung)
Betriebsentwicklung in der Region 4. NP-Philosophie wird in den Beherbergungs- und 10.Nationalpark-Kulinarik ( regionale Produkte)
Gastronomiebetrieb gelebt
Die Nationalparkpartnerbetriebe (ca. 35 Betriebe (z.B. regionale Produkte; Klimaschutzmaßnahmen Winter:
mit 1.200 Betten) sowie Bergführer, Sportgeschäfte, im Betrieb etc.) 1. Schitouren
gewährleisten dem Gast eine durchgängige Dienst- 5. eine durchgehende Leistungskette bei Alpin-Pa- 2. Freeriding
leistungskette. ckages 3. Eisklettern
Für die Nationalparkpartnerbetriebe gelten Kriterien, (am Beispiel der Trekkingtouren: 4. Langlaufen
die dem Gast Qualität garantierten. - Reservierung Talbetrieb (vor & nach Tour) 5. Winterwandern und Schneeschuhwandern
- Shuttle zu Start- & Endpunkt 6. Winterreiten
Wie die Partnerbetriebe entstanden sind - Reservierung Schutzhütten
2006: Start der Angebotsgruppe „TauernGold“ - Bergführer auf Wunsch
2007: Start der Angebotsgruppe „TauernAlpin“ - Give Away (z.B. Buch „Wiener Höhenweg“)

Partnerbetriebe:
Incoming, Buchungszentrale & Abwicklung
für Packages, Kurse/Specials & Bausteine in
Ausgewählten, NP-konformen Produktfeldern Informationen zur Autorin
(ca. 35 Betriebe mit 1.200 Betten)
Mea Alber, Jahrgang 1952, selbständig, Hotelier,
fünf Jahre Ausbildung Hö-
here Lehranstalt für Touris-
Inklusivbetriebe: musberufe in Klesheim bei
Nationalpark-Kärnten-Card als betriebliche Salzburg, danach ein Jahr
Inklusivleistung mit dem Leistungsspektrum der
Trainee im Hotel Warmba-
Kärnten Card & regionalen Spitzenleistungen
(ca. 90 Betriebe mit 2.300 Betten) derhof. Übernahme des
elterlichen Betriebes mit 22
Jahren. Obfrau des Touris-
musvereines Mallnitz, Vor-
Produkte für gesamte Region: sitzende der Nationalpark-
- NP- Standardprogramme
- Mobilitätsprogramme (IC/EC Shuttle, Region Hohe Tauern Kärnten.
NP-Wanderbus) Verheiratet, zwei Söhne, eine Tochter.
Lebensmotto: „Neuem gegenüber sehr aufge-
schlossen.“
Die Betriebsentwicklung umfasst drei wesentliche Bestandteile.
43

Bergsteigerdörfer schrittweise zum


Erfolg führen

Zusammenfassung der zweiten Plenardiskussion

Regina Stampfl, Projektteam Bergsteigerdörfer und Hannes Schlosser, Journalist

Ewald Galle knüpfte unmittelbar am vorangegan- und das auch die Gäste sind, die wir in Österreich ha-
gen Referat von Mea Alber an und fragte, ob nicht ben wollen.“ Die Österreich Werbung bekenne sich
auch ein Flughafen-Shuttle von und nach München bedingungslos zum Qualitätstourismus. Dazu seien
angedacht würde. Maßnahmen in der Produktentwicklung auf Ebene
Das sei derzeit kein Thema, erklärte Mea Alber, weil der Regionen und Länder erforderlich.
von München eine sehr gute Zugverbindung nach „Die Produktentwicklung ist also nicht Aufgabe der
Mallnitz bestehe und die Gäste direkt vom Münchner Österreich Werbung, aber wir haben einen Arbeits-
Hauptbahnhof nach Mallnitz kämen. „Das wichtigste bereich Innovation geschaffen.“ Damit soll es Impul-
für uns ist noch immer diese IC/EC-Anbindung“, ein se geben, dass Initiativen wie die Bergsteigerdörfer
Shuttle wäre überdies zu teuer. Angeboten würde ein sich künftig unter der Marke ‚Urlaub in Österreich’
Klagenfurt-Shuttle um 30 Euro. Der Shuttle-Dienst wiederfinden können. „Dann haben es wir als Ös-
Ewald Galle - Lebensministerium.
nach Laibach sei notwendig geworden, nachdem terreich Werbung auch einfach, dieses Produkt zu
Ryanair seine Flüge nach Kärnten eingestellt hätte, nehmen und international in die Auslage zu stellen,“
sagte Alber. betonte Schobert. Interesse an solchen Projekten gezeigt hätten. „Kon-
Ewald Galle berichtete von einer Veranstaltung, die Ein ähnliches Konzept verfolge auch die ‚Best-of-Stra- krete Projekte gibt es aber nicht“, betonte Grauss und
kürzlich in Wien stattgefunden habe. Dabei hätte die tegie’, „wo wir besondere Beispiele ins Schaufenster es sei weder der Begriff „Bergsteigerdorf“ verwendet,
Chefin der Österreich Werbung Petra Stolba erklärt, stellen und sagen, ,Das ist Österreich‘“. Initiativen wie noch der Inhalt des OeAV-Projekts angesprochen
dass man auf der Suche „nach Produkten sei, die nach die Bergsteigerdörfer oder TauernAlpin könnten so worden.
Außen verkauft werden können“. Durch das Referat ein ‚Best-of’ sein, wenn sie gewisse Kriterien erfüllen. „Das war natürlich eines der ersten Dinge, die wir
von Martin Schobert sehe er sich darin bestärkt, dass 2009 soll eine Workshopserie starten, um Produkt- uns angesehen haben. Es war wirklich überraschend,
die Bergsteigerdörfer so ein touristisches Produkt innovationsmaßnahmen zu setzen. „Es ist jederzeit dass ein so banaler Begriff wie ‚Bergsteigerdorf’ bis-
sein könnten. Galle betonte, dass es das Ziel sei, bis möglich, dass ein Vertreter des Lebensministeriums her fast nicht verwendet worden ist“, stellt zu dieser
2010 für die Bergsteigerdörfer ein Image zu schaf- oder aus einzelnen Initiativen daran teilnimmt.“ Das Fragestellung Roland Kals fest. Die „seltsamste Ver-
fen, „das über die Grenzen hinaus bekannt ist“ und wichtigste Kriterium sei, „dass man auch internatio- wendung“ von ‚Bergsteigerdorf’ ortete Kals „in Zu-
auch das Wissen zu vermitteln, wofür dieses Produkt nal etwas Vermarktbares hat“. Es sei relativ leicht, in sammenhang mit dieser Wurstspitze von Wiesbauer“.
steht. Deutschland und Österreich ein touristisches Pro- Vom ‚Bergsteigerdorf Prägraten’ sei deshalb die Rede,
An Schobert richtete Galle die Anfrage, ob sich dieser dukt an den Gast zu bringen, viel schwieriger sei es weil auch eine Wurstmarke der Firma Wiesbauer, mit
vorstellen könne, dem Projekt als Berater zur Seite zu aber, mit dem gleichen Produkt etwa in Tschechien, der die Gemeinde kooperiert, ‚Bergsteiger’ heißt –
stehen und forderte diesen zu einer Beurteilung auf: Frankreich, Polen oder Italien. „Die Österreich Wer- „Also eine besonders verdrehte Geschichte.“
„Ist das, was wir vorhaben aus Sicht der Touristiker bung wird hohe finanzielle Mittel in der Kommunika- Ansonsten hätten bisher lediglich einzelne Hoteliers
gut, oder hat sich das in der Vergangenheit ohnehin tion des ‚Best-of’ verwenden“, schloss Schobert. über ihren Betrieb gesagt, dass sich dieser in einem
nicht bewährt?“ Helmut Lang vom OeAV-Landesverband Kärnten Bergsteigerdorf befinde. „In der Schweiz haben wir
„Eine Beratung durch die Österreich Werbung ist ab- stellte die Frage nach der Konkurrenz für die Marke uns zumindest einmal die Webadresse ‚www.berstei-
solut vorstellbar, denn unser Auftrag ist es, die Marke Bergsteigerdörfer in anderen Ländern und wollte gerdoerfer.ch’ gesichert“, ergänzte Kals.
Österreich international zu vermarkten“, antwortete wissen, ob es „in anderen Alpenstaaten ähnliche Be- Christina Schwann berichtete, dass alles in die Wege
Martin Schobert. „Wir haben gerade einen sehr um- strebungen, Produkte und Ziele gibt.“ geleitet worden sei, um zumindest in Österreich das
fangreichen Marktvertiefungsprozess hinter uns ge- Als Vertreter des Club Arc Alpin berichtete Peter Wort und die Wort-Bild-Marke ‚Bergsteigerdorf’ mar-
bracht, der ergeben hat, dass die beiden Zielgruppen Grauss von der letzten Mitgliederversammlung im kenrechtlich schützen zu lassen. In den nächsten
‚Postmaterielle’ und ‚Etablierte’ unsere Kerngäste sind September 2008, bei der die Schweiz und Frankreich Jahren hält Schwann eine Ausweitung des Projekts
I n t e r v i e w 44

Zum Beispiel Weißbach (Salzburg)


Naturparkgeschäftsführerin Christine Klenovec
im Gespräch auf andere Länder für möglich. Derzeit gebe es eini- Igor Roblek vom Ständigen Sekretariat der Alpen-
ge Kandidaten in Österreich, aber auch Orte aus dem konvention berichtete in diesem Zusammenhang
Wodurch zeichnet sich bayerischen Raum, Südtirol und Slowenien seien vor- von einem Projekt für 2009. In einer Broschüre will
Weißbach als Bergsteiger- stellbar. das Ständige Sekretariat die interessantesten Rund-
dorf aus? „Ich habe im heurigen Jahr gesehen, wie zeitaufwän- wanderwege des gesamten Alpenraums vorstellen,
Die beeindruckende Lage dig und schwierig es ist, eine an und für sich auf der wobei auch detaillierte Wegbeschreibungen und
inmitten der Loferer und Hand liegende Aktion wie das Projekt Bergsteiger- Kartenmaterial enthalten sein sollen.
Leoganger Steinberge ma- dörfer auch tatsächlich umzusetzen“, betonte dazu
chen den besonderen Reiz Peter Haßlacher. Mit der Dotierung des Projekts Zum Abschluss dieser Diskussionsrunde kehrte Ewald
dieser berglandwirtschaft- durch das Lebensministerium sei er sehr zufrieden, Galle noch einmal zur Frage zurück, ob sich die Initi-
lich geprägten Landschaft insbesondere auch weil „über die Alpenkonvention ative Bergsteigerdörfer auf Österreich beschränken
aus. Das Wechselspiel von Kulturlandschaft mit erstmals auch für ganz konkrete Initiativen Geld und oder eine rasche Internationalisierung anstreben
unberührter Natur bietet der Zielgruppe Berg- Fördermittel zur Verfügung stehen.“ Die schwierige solle. Galle verwies auf den bestehenden Förderver-
steiger viele Möglichkeiten: Klettern, Canyoning, Balance zwischen der rechtlichen Umsetzung, „mit trag, dessen konkrete Maßnahmenpakete sich auf
Schitourengehen, Wandern und Bergsteigen. Der der die Alpenkonvention ins Verhinderer-Eck ge- Österreich beschränken, würden. „Wir werden bei der
Schutzgebietskomplex Naturpark Weißbach und drängt“ werde und auf der anderen Seite den lang- Alpenkonferenz im März 2009 die Bühne nutzen, um
Nationalpark Berchtesgaden mit seinen Schutz- sam anlaufenden Umsetzungsprojekten, sei bereits zu präsentieren, was sich in Österreich entwickelt.
hütten, Infopunkten und Erlebnisangeboten angesprochen worden. Haßlacher plädierte dafür, Aber es soll nicht der Aufruf gestartet werden, dass
zeichnet Weißbach als Bergsteigerdorf besonders „die Initiative Bergsteigerdörfer sehr langsam und sich alle sofort beteiligen sollen, weil wir dabei Ge-
aus. ganz konkret anzugehen“. Das bedeute eine Be- fahr laufen würden, uns selbst zu überdribbeln.“
schränkung auf die derzeit rund 16 Gemeinden. „Erst Galle sagte zu, die Gremien der Alpenkonvention im-
Welche Entwicklungspotenziale sehen Sie für wenn es dort sitzt und Erfolge da sind, kann man in mer in geeigneter Weise auf dem Laufenden halten
Weißbach und den Naturpark? die nächste Stufe gehen.“ Haßlacher hob hervor, dass zu wollen, das sei aber nicht so zu verstehen, jetzt
Das Naturparkkonzept stützt sich auf die vier Säu- er in den letzten Jahrzehnten sich sehr für die Alpen- schon „eine Vergrößerung über alle Grenzen hinaus“
len Landschaftsschutz, Erholung, Bildung und Re- konvention engagiert habe. „Deshalb ist es mir sehr vornehmen zu wollen. Es sei noch viel auf dem Weg
gionalentwicklung. Ein Entwicklungspotenzial ist wichtig, über die Grenzen zu gehen, aber bei einem zu machen, bevor das Produkt so gut entwickelt und
der weitere Ausbau von Angeboten, die das Natur- Projekt wie den Bergsteigerdörfern „muss es zuerst dessen Image so etabliert sei, „dass wir diesen Schritt
erlebnis stärken und die Bewusstseinsbildung für im eigenen Bereich passen und erst dann soll man in setzen können“.
eine nachhaltige Landnutzung fördern. Vermehrte die Ferne schweifen“, schloss Haßlacher. Es gebe auch eine Reihe von Detailfragen, die zu
Entwicklung von Naturparkprodukten sowie de- Stolpersteinen werden könnten. Galle erwähnte in
ren Integration in Beherbergungsbetriebe sollen Helmut Lang thematisierte die schwierige Differen- diesem Zusammenhang Haftungsfragen bei den von
die Kulturlandschaft mit ihren lokalen Besonder- zierung zwischen Bergsteigen und Wandern, wobei der Initiative Bergsteigerdörfer angebotenen Touren,
heiten auch auf kulinarischer Ebene noch besser letzteres „momentan einen ungeahnten Aufschwung ebenso die Lösung der Mobilitätsfragen.
und authentischer erlebbar machen. erlebt“. Lang problematisierte, dass in den Wanderfüh- „Die Initiative ist zunächst auf Österreich beschränkt.
rern des Bergverlages Rother, die sehr hohe Auflagen Vom Erfolg in Österreich, der sich hoffentlich einstel-
Welche Rolle kann die Initiative Bergsteigerdörfer erzielen würden, „unter Wandern auch Bergtouren len wird, hängt es ab, wann und wie die nächsten
künftig spielen? bis zum III. Schwierigkeitsgrad verkauft werden.“ Schritte erfolgen werden.“
Die Konzepte Bergsteigerdörfer und Naturpark er- „Das ist mit ein Grund, warum wir in Mallnitz versu- Abschließend bedankte sich Galle bei der Österreich
gänzen sich optimal im Sinne einer nachhaltigen chen alles sehr organisiert anzubieten. Wir wollen Werbung und meinte an Martin Schobert gerichtet:
Weiterentwicklung der berglandwirtschaftlichen den Gast nicht unkontrolliert in die Berge schicken, „Wir werden das Angebot gerne annehmen und ich
Region. Beide Konzepte sind bemüht, die Bevöl- sondern haben das Ziel, dass er einen Bergführer oder freue mich auf eine gute Zusammenarbeit.“
kerung vor Ort stark einzubinden und gemeinsam bei bestimmten Touren einen Wanderführer nimmt“,
neue Angebote zu entwickeln. Das Bergsteigerdorf antwortete Mea Alber.
gewinnt durch vielfältige Angebote im Naturpark Es sei sehr wichtig, sich vorab zu entscheiden, wie
und dieser erhält durch die Initiative Bergsteiger- man welchen Gast anspricht, meinte dazu Martin
dörfer zusätzliche Publicity. Die Idee der Bergstei- Schobert. Während Österreicher und Deutsche meist
gerdörfer kann im Rahmen der Umsetzung der die Begriffe Bergsteigen und Wandern sehr gut unter-
Alpenkonvention in Zukunft sicherlich vermehrt scheiden können, „tut sich damit ein internationaler
kommuniziert werden. Gast schon viel schwerer.“
45

Den Lebensraum Bergsteigerdörfer


solidarisch sichern

Kernpunkte der Abschlussstatements der Tagung

Hannes Schlosser, Journalist und Fotograf

Als Konferenzbeobachter ergriff Peter Fercher von Ein weiteres wichtiges Thema der Deklaration nannte Gemeinschaftsgefühl zu gelangen. Für Schwann stellt
der Abteilung Landesplanung beim Amt der Kärnt- Fercher die Kultur. Dabei gehe es nicht um Unterhal- es sich als Vorzeigeprojekt dar, weil „wir arbeiten mit
ner Landesregierung das Wort. Er gratulierte zu der tungsprogramme für die Gäste, sondern um „Kultur den Gemeinden, Tourismusverbänden, Alpinen Ver-
„wirklich sehr gelungenen Veranstaltung“ und be- zur Identitätsbildung“. Einrichtungen wie das BIOS in einen, Förderstellen, Natur- und Nationalparks sowie
zeichnete die von Ewald Galle vorgestellte Deklara- Mallnitz würden dazu beitragen, dass die Leute auch den Schutzgebietsbetreuungen zusammen“.
tion „Bevölkerung und Kultur“ der Alpenkonvention die Nachteile des ländlichen Raums akzeptieren wür- Als weiteres Kernthema der Tagung nannten Onida
als Schirm für die gesamten Themen der Tagung. Fer- den und „nicht bei der erstbesten Gelegenheit in die und Schwann Umweltschutz in Verbindung mit Kul-
cher ging auf einige in der Deklaration angeführten Städte abwandern“. tur. Onida bezog sich auf die Beiträge von Gudrun
zentralen Punkte ein: Steger und Erich Glantschnig und die Darstellung der
Zu „Gemeinschaftsbewusstsein und Kooperati- Das abschließende Statement der Tagung gestalte- Alpingeschichte von Ginzling und Mallnitz. „Das ist
on“ betonte er, dass das Thema neuer Formen der ten Marco Onida und Christina Schwann gemein- Alpinismuskultur, die sich durch das Projekt Bergstei-
Verantwortungsbereiche in den Regionen noch viel sam und strichen dabei nochmals die Verbindungen gerdörfer weiter verbreiten wird“. Schwann sprach im
zu wenig beachtet werde. Interkommunale Koope- zwischen der Alpenkonvention und dem Projekt gleichen Zusammenhang vom „Selbstwertgefühl der
rationen, wie sie das Projekt Bergsteigerdörfer aus- Bergsteigerdörfer heraus. alpinen Bevölkerung“ und einer „kulturellen Veranke-
zeichne, würden dabei immer wichtiger werden. Für die Bergsteigerdörfer sollte ein geordnetes rung der Tradition des Bergsteigens“. Bei den ausge-
Der Deklarationspunkt „Lebensraum, Lebensqua- Wachstum das Ziel sein. Man müsse wissen, wo die wählten Bergsteigerdörfern spiele die Tradition fast
lität und Chancengleichheit“ betreffe „das größte Grenzen des Wachstums liegen und zugleich darauf immer eine zentrale Rolle, weshalb sich in diesen
Sorgenkind, das wir in Österreich haben“. Fercher achten, dass es nicht nur um finanzielles, sondern Orten Tourismus mit dem Natur- und Kulturerlebnis
geht davon aus, dass die Gebiete, in denen sich viele auch um kulturelles Wachstum und Lebensqualität gut verbinden ließe.
Bergsteigerdörfer befinden, bis 2030 mit Abwande- gehe. Zuletzt sprach Onida noch das Thema Solidarität an.
rungsraten von bis zu 20 Prozent rechnen müssen. Hinter der Alpenkonvention stehe ein gemeinsames „Die Alpenkonvention zielt nicht darauf ab, dass sich
„Dahinter steckt der explosive Stoff der nicht mehr Verständnis. „Die Alpenkonvention geht von der jene, die Spitzenpositionen einnehmen, noch weiter
sicheren Grundversorgung.“ Deshalb sei das Projekt Kooperation für die Lösung ähnlicher Probleme aus“, verbessern, sondern es geht um eine ausgeglichene
Bergsteigerdörfer oder andere Formen der Regional- sagte Onida. Die Bergsteigerdörfer seien als perfektes Entwicklung im gesamten Alpenraum.“ Das Projekt
entwicklung so wichtig, um Chancen zu nützen, die Beispiel dafür zu betrachten, durch regelmäßigen Bergsteigerdörfer sei eine Möglichkeit, diese Solida-
Menschen in der Region zu halten. Austausch zu gemeinsamen Projekten und einem rität konkret zu leben. Es sei gut, dass diese kleinen
Dörfer keinen Massentourismus haben. „Trotz der ge-
ringeren Ressourcen werden sich die Bergsteigerdör-
fer entwickeln und Möglichkeiten für unsere Kinder
und Enkelkinder sichern“, betonte der Generalsekre-
tär der Alpenkonvention und sprach die Hoffnung
aus, dass bei der Alpenkonferenz in zwei Jahren sich
die Bergsteigerdorf-Initiative von Österreich aus in
andere Länder verbreiten wird und dabei Unterstüt-
zung von höchster politischen Ebene bekommt.

Peter Fercher - Amt der Kärntner Landesregierung-Landesplanung. Marco Onida - Generalsekretär der Alpenkonvention.
46

Showing Solidarity to Ensure the Habitat


of the Mountaineering Villages

Main points of the final statement of the meeting

Hannes Schlosser, Journalist and Photographer

Peter Fercher, from the Land planning department are so important, in order to exploit chances to keep regular exchange. According to Schwann, this is a
of the Office of the regional government of Carinthia, the people in the region. flagship project, since “we work with towns, tourism
took the floor as conference observer. He showed Another significant theme of the declaration men- associations, alpine clubs, promotion institutions, na-
appreciation for the “really successful event” and de- tioned by Fercher is culture. This does not mean ture and national parks as well as with the institutions
fined the “Population and Culture” declaration of the entertainment programmes for guests, but “culture in charge of protected areas”.
Alpine Convention presented by Ewald Galle as the to build an identity”. Facilities such as BIOS in Mallnitz Onida and Schwann also mentioned environmental
umbrella for all the themes of the meeting. Fercher will contribute to the fact that people also accept the protection linked to culture as another main theme
commented on some of the main points present in disadvantages of rural areas and “do not move to the of the meeting. Onida made reference to the contri-
the declaration: cities at their first opportunity”. butions by Gudrun Steger end Erich Glantschnig and
With respect to “community awareness and coop- The final Statement of the meeting was drafted to- the representation of the Alpine history by Ginzling
eration”, he underlined that the theme of new forms gether by Marco Onida and Christina Schwann and and Mallnitz. “This is mountaineering culture, which
of responsibility in the regions has received too little underlined once again the connections between the will be further disseminated through the Mountain-
consideration so far. Cooperation projects between Alpine Convention and the Mountaineering Villages‘ eering Villages‘ project”. Schwann, in the same vein,
various towns will be increasingly important, as rep- project. mentioned the “feeling of self-esteem of the Alpine
resented in the project of the Mountaineering Vil- The objective for Mountaineering Villages must be population“ and a “cultural anchorage of tradition of
lages. orderly growth. It is necessary to know what are the mountaineering“. In the Mountaineering Villages se-
The declaration theme “Living Environment, Qual- limits of growth and at the same time consider that lected, tradition almost always plays a central role,
ity of Life and Equal Opportunity” is “the main growth must not just be financial, but also cultural therefore in these places tourism can be well com-
problem that we have in Austria”. Fercher started from and of the quality of life. bined with nature and cultural experience.
the assumption that the regions in which Mountain- Behind the Alpine Convention there is a common At the end, Onida also mentioned the theme of soli-
eering Villages are located will have to face migration sence. “The Alpine Convention stems from cooperation darity. “The objective of the Alpine Convention is not
rates of up to 20 per cent by 2030. “There is unstated for finding solutions to common issues”, Onida said. to further advance those who are already in the top
here the explosive issue of basic supplies no longer be- The Mountaineering Villages must be considered as positions, but to achieve a balanced development in
ing guaranteed.“ This is why the mountaineering vil- the perfect example for this, that is, to achieve com- the whole Alpine area.” The Mountaineering Villages‘
lages’ project or other forms of regional development mon projects and a community feeling by means of project is the opportunity to concretely experience
this solidarity. It is good that these small villages do
not experience mass tourism. “Despite having few re-
sources, the Mountaineering Villages will develop and
ensure opportunities for our children and grandchil-
dren”, pointed out the Secretary General of the Alpine
Convention, who also mentioned the hope that, at
the Alpine Conference in two years’ time, the Moun-
taineering Villages project will expand from Austria
to other countries as well and will receive support
from top political levels.

Peter Fercher - Land planning department of the Office of the Ewald Galle, Lebensministerium and Peter Haßlacher, OeAV ac-
regional government of Carinthia. tive listening to the summary by Marco Onida and Ch. Schwann.
47

Asterix und die Bergsteigerdörfer

Ein Resümee

Hannes Schlosser - Journalist und Fotograf

Sie kommen aus sieben Bundesländern, die Gemein- on ist die Initiative Bergsteigerdörfer als Umsetzungs-
den, Fraktionen und Talschaften, die sich als Grün- projekt mit hohem Potenzial einzustufen. In der 1991
dungsmitglieder der Initiative Bergsteigerdörfer beschlossenen Rahmenkonvention formuliert die
betrachten können. Viele von ihnen zählen in ihrer Vorgabe für das Kapitel „Bevölkerung und Kultur“
Region zu den Tourismuspionieren. Einige spielten das Ziel „der Achtung, Erhaltung und Förderung der
in der Geschichte des Alpintourismus eine entschei- kulturellen und gesellschaftlichen Eigenständigkeit der
dende Rolle. ansässigen Bevölkerung und der Sicherstellung ihrer Le-
Gemeinsam ist vielen Bergsteigerdörfern, dass sie bensgrundlagen, namentlich der umweltverträglichen
während der in den 1960er-Jahren beginnenden Er- Besiedlung und wirtschaftlichen Entwicklung sowie
schließungswelle für die Wintersaison in den Schat- der Förderung des gegenseitigen Verständnisses und
ten der neuen Zentren gerieten. Das war manchmal partnerschaftlichen Verhaltens zwischen alpiner und Bürgermeister Franz Kneißl - Steinbach am Attersee und Bür-
Zufall oder hatte oft damit zu tun, dass sich die Berge außeralpiner Bevölkerung.“ Vermutlich war es damals germeister Klaus Unterweger - Kals am Großglockner.
dieser Dörfer nicht für einen groß angelegten Skizir- kein Zufall, dieses Kapitel an die Spitze zu stellen und
kus eigneten. Es gab aber auch bewusste Entschei- alle anderen nachzuordnen, darunter auch so zen-
dungen gegen das schnelle Geld, und manchmal war trale Felder wie Verkehr, Energie oder Naturschutz.
es auch die Festlegung von Schutzgebieten, die Er- Tatsächlich haben sich die Dinge anders entwickelt.
schließungsplänen einen Riegel vorgeschoben hat. Nach und nach sind zu acht der zwölf in der Rahmen-
Heute ist die (relative) Unberührtheit der Landschaft konvention angeführten Themenfelder Protokolle
im Umfeld dieser Dörfer ihr größtes Kapital für die beschlossen worden, jenes zu „Bevölkerung und Kul-
Zukunft. Die Tagung in Mallnitz hat deutlich unter- tur“ fehlt bis heute. Immerhin gibt es seit 2006 eine
strichen, dass die Bergsteigerdörfer noch viel mehr von den Alpenministern beschlossene gleichnamige
verbindet als eine schöne Natur. Die Philosophie, mit Deklaration. Auf rechtlich weniger verbindlicher Ba-
der der Tourismus in diesen Dörfern betrieben wird, sis als in den Protokollen versucht die Deklaration,
war schon lange nachhaltig, als dieses Modewort die zitierten Zielvorstellungen zu konkretisieren.
noch nicht in aller Munde war. Zugleich ist der Alpin- Es liegt in der Natur der Sache, dass in einem Proto- Werner Stiller - Tourismusverband Krakautal und
tourismus in unseren Bergsteigerdörfern ein Teil von koll „Bevölkerung und Kultur“ oder nun eben in der Erich Glantschnig - Amtsleiter Mallnitz.
deren Geschichte, hat eine tief verwurzelte Tradition gleichnamigen Deklaration die Alpenbewohnerinnen
und ist Teil einer gelebten Kultur. und –bewohner im Mittelpunkt stehen. Ewald Galle
Nach den beiden Zusammentreffen in Ginzling (Juli hat in seinem Mallnitzer Referat die in dieser Bro-
2008) und Mallnitz (November 2008) ist spürbar, schüre nachzulesende Vermutung geäußert, dass die
dass aus dem Projekt Bergsteigerdörfer eine Wer- Alpenkonvention eine andere Entwicklung genom-
tegemeinschaft entstehen kann. Das klingt auf den men hätte, wäre in den Jahren nach 1991 zunächst
ersten Blick ein wenig abgestanden und konservativ. das Protokoll „Bevölkerung und Kultur“ ausgearbeitet
Wahr ist das Gegenteil. Aus unserer hektischen Ge- worden und daran anknüpfend in Folge alle anderen.
sellschaft da und dort das Tempo heraus nehmen, Bekanntlich ist es anders gekommen und es ist mü-
Geld nicht als einzige Währung anerkennen, Haltung ßig über die Ursachen zu spekulieren, warum sprich-
einer um sich greifenden Beliebigkeit entgegenset- wörtlich das Pferd am Schwanz aufgezäumt worden
zen – das ist höchst zukunftsorientiert. ist. Zugleich hat diese Abfolge einen wesentlichen
In der fast 20jährigen Geschichte der Alpenkonventi- Anteil daran, dass die gesamte Alpenkonvention Paul Steger - Vorsitzender der OeAV-Sektion Zillertal und
Peter Grauss - Vertreter des Club Arc Alpin.
Asterix und die Bergsteigerdörfer 48

häufig ins Verhinderer-Eck abgeschoben worden ist. sein, darin liegt die größte Chance der Initiative.
Mit der nun endlich vorliegenden Deklaration „Bevöl- Die Kleinheit vieler Bergsteigerdörfer legt den Ver-
kerung und Kultur“ wird einiges zurechtgerückt, und gleich mit dem berühmten Dorf in Gallien nahe.
die Alpenkonvention erhält jenen Status zurück, der Asterix & Co steht ein Zaubertrank zur Verfügung.
die Grundlage ihrer Existenzberechtigung ist, näm- Der fehlt unseren Bergsteigerdörfern – zumindest
lich ein Instrument der Entwicklung zu sein. meines Wissens. Die Bergsteigerdörfer haben aller-
Die dahinter stehende Logik ist eigentlich ganz ein- dings etwas anderes, das genauso unbezahlbar und
fach nachvollziehbar. Regionale oder örtliche Ent- unersetzlich ist: die wachsende Solidarität unterein-
wicklung, die von den Interessen der dort lebenden ander und mit den ProjektpartnerInnen in Alpenver-
Menschen und nachfolgender Generationen aus- ein, Lebensministerium und Ständigem Sekretariat
geht, kommt zumindest gedanklich fast von selbst der Alpenkonvention.
auf bestimmte Spielregeln. Es sind Prinzipien, die Die Deklaration „Bevölkerung und Kultur“ hebt im
darauf abzielen, nachhaltig, sozial ausgewogen, res- letzten ihrer fünf Schwerpunkte die Beziehungen
sourcenschonend, gerecht, solidarisch und einiges zwischen den Städten und dem ländlichen Raum
mehr zu sein. Derartige Spielregeln kommen nicht hervor. Angesprochen werden dabei die inneral-
ohne rechtlichen Rahmen aus, wobei es um Bestim- pinen wie außeralpinen Städte und deren Verant-
mungen geht, die nicht nur klar definiert, sondern wortung als soziale, kulturelle und wirtschaftliche
auch einklagbar sein müssen. Unabdingbar gehört Zentren für ihr Umland. Die Bergsteigerdörfer wie sie
genauso aber dazu auch die Bereitschaft zum Dialog, heute existieren, wurzeln allesamt in der vor 150 Jah-
zur (auch heftigen) Auseinandersetzung und letztlich ren einsetzenden Entdeckung durch Erholung und
Regina Stampfl - Projektteam Bergsteigerdörfer und Klaus zum Kompromiss. Abenteuer suchende StädterInnen. Diese Verbin-
Küchenhoff - 2. Vorsitzender der DAV-Sektion Breslau. Die Deklaration „Bevölkerung und Kultur“ und die dungen wieder stärker hervor zu streichen, wird eine
Ideen hinter der Initiative Bergsteigerdörfer sind so Aufgabe der nächsten Jahre sein. Dabei geht es um
etwas wie Geschwister. Was in der Deklaration noch Partnerschaften, die meist beim Angebot/Konsum
sperrig und in Schlagworten auf uns zu kommt, er- touristischer Leistungen ihren Anfang nehmen wer-
fährt im Kriterienkatalog, den die Bergsteigerdörfer den, dabei aber künftig nicht Halt machen sollen.
für sich entwickelt haben, seine Konkretisierung und
Umsetzung. Es versteht sich von selbst, dass es dabei
nicht widerspruchsfrei zugehen kann. Wie viele Bet- Informationen zum Autor
ten verträgt so ein Dorf in Relation zu seiner Einwoh-
Hannes Schlosser, geboren
nerInnenzahl, wie viele Lifte, Autos, Kraftwerksanla-
1951 in Wien, lebt seit 1975
gen etc.? Das sind nicht so einfach und über einen
in Tirol. Sozialarbeiter, seit
Kamm zu scherende Punkte. Jedes der Dörfer hat
1991 Freier Journalist und
seine Geschichte, seine besonderen Stärken, aber
Fotograf. Der Alpenraum
Willi Seifert - Geschäftsführer Hochgebirgs-Naturpark Zillertaler auch Schwächen. Die Wahrheit liegt nicht, wie gerne
in all seinen Facetten zählt
Alpen und Gudrun Steger - Buchautorin Alpingeschichte Ginzling. behauptet wird, in der Mitte, sondern sie ist in jedem
zu seinen Arbeitsschwer-
einzelnen Dorf konkret. Gewiss ist, dass für die Per-
punkten.
spektive eines Bergsteigerdorfs die Musealisierung
Redaktionelle Leitung von
genauso der sichere Tod ist, wie es die Heilsverspre-
„Die Alpenkonvention – Nachhaltige Entwicklung
chen eines Großinvestors sind.
für die Alpen“ (Vierteljahreszeitschrift von CIPRA
In der bisherigen Diskussion waren sich die Vertre-
Österreich) seit 2006.
terInnen der Dörfer im Prinzip einig, dass es für die
Bücher: OeAV-Reihe Naturkundliche Führer Glet-
Aufnahme und den Verbleib in der Gemeinschaft der
scherweg Innergschlöß (2006) und Via Alpina
Bergsteigerdörfer „harte Kriterien“, also Mindeststan-
Ötztaler Alpen (2007);
dards und Ausschlusskriterien braucht. Konrad Klotz
„Die Alpen: Acht Staaten - ein Gebiet“, Text- u.
hat diese Orientierung für sein Dorf auf den Punkt
Bildband herausgegeben vom Ständigen Sekre-
gebracht: „Vent war immer schon etwas Besonde-
tariat der Alpenkonvention (2009).
res. Im erlesenen Kreis der Bergsteigerdörfer dabei
Redaktion der Buchreihe „Bergsteigerdörfer – Al-
Peter Haßlacher - Oesterreichischer Alpenverein, Fachabteilung zu sein, ist noch eine Stufe höher.“ Das muss das Ziel
pingeschichte kurz und bündig“
Raumplanung-Naturschutz - sichtlich zufrieden.
49

Asterix and the Mountaineering villages

A Summary

Hannes Schlosser - Journalist and Photographer

The villages, hamlets and valleys that can consider 1991, the statement regarding section “Population
themselves as the founding members of the Moun- and Culture” set the objective “to respect, preserve
taineering Villages‘ project come from seven Austrian and promote the cultural and social independence
regions. Many of them rank in their region as tourism of the indigenous population and to guarantee the
pioneers. Some have played a decisive role in the his- basis for their living standards, in particular environ-
tory of Alpine tourism. mentally sound settlement and economic devel-
The common element to the Mountaineering Villag- opment, and promote mutual understanding and
es is that, during the popularisation of winter season cooperation between Alpine and extraAlpine popu-
holidays which began in the 1960s, they were over- lations.” Possibly at the time it was not by chance that
shadowed by the new centres. Sometimes this hap- this section was placed at the top and all the others
pened by chance and was often caused by the fact followed, among them also very central areas such as
Infopoint in Mallnitz.
that the mountains of these villages were not suit- transport, energy or nature protection. Things have
able for a largely organized skiing circus. But there actually gone differently. Slowly but surely, proto-
were also conscious decisions against easy money, cols have been drafted and approved with respect
and sometimes it was the fact that protected areas to eight of the twelve theme areas mentioned in the
were set up which blocked the plans for an easier ac- framework convention, while that on “Population and
cess. culture” is still missing. At least since 2006 there is a
Today the (relatively) pristine character of the land- declaration bearing the same name approved by the
scape around these villages is their main asset for Alpine ministers. Although less legally binding than
the future. The meeting in Mallnitz clearly underlined the protocols, the declaration tries to implement the
that the Mountaineering Villages have more ele- above mentioned objectives.
ments in common than beautiful nature. The philos- It is in the nature of the thing that Alpine inhabitants
ophy applied to tourism in these villages was already are the main focus of the “Population and culture”
one of being “sustainable” a long time ago, when this protocol, or at least in that declaration. Ewald Galle,
trendy word was not yet in everybody’s mouths. At in his presentation in Mallnitz, has voiced the opin-
„Hiking start“ in Mallnitz.
the same time, Alpine tourism in our Mountaineering ion that can be read also in this brochure, that the
Villages belongs to their history, has a deeply rooted Alpine Convention would have developed differently
tradition and is part of an experienced culture. After if, in the years after 1991, the “population and cul-
the two meetings in Ginzling (July 2008) and Mallnitz ture” protocol had been drafted first, followed by all
(November 2008) it is felt that a community of values the others. As is well known, things went differently
can arise from the Mountaineering Villages‘ project. and there is no point now in speculating about the
While at first sight this may sound a little trite and causes and why the opposite was done. At the same
conservative, the opposite is true. Take out speed time, this development plays a fundamental role in
from our frantic society, recognise money as not be- the fact that the whole Alpine Convention has often
ing the only currency, oppose the attitude of increas- been moved to the corner of the obstacles. With the
ing arbitrariness – this is totally future oriented. now finally existing “population and culture” declara-
In the almost 20 years of history of the Alpine Con- tion, something has been fixed, and the Alpine Con-
vention, the Mountaineering Villages‘ project must vention returns to a status which is the basis of the
be considered an implementation project of high justification of its existence, that is, to be a tool for
potential. In the framework convention, drafted in development. Street in Mallnitz with the Hotel Alber.
Asterix and the Mountaineering Villages 50

The logic behind it is actually very easy to imple- erein (the Austrian Alpine Club), the Lebensminis-
ment. Regional or local development, which results terium (the Austrian Federal Ministry of Agriculture,
from the interests of people living locally and of fu- Forestry, Environment and Water Management) and
ture generations, comes - at least conceptually - from the Permanent Secretariat of the Alpine Convention.
specific rules. These are principles, whose objective In the last five points of the “population and culture”
is to be sustainable, socially balanced, resource sav- declaration, the relationships between the cities and
ing, fair, show solidarity, and more. Such rules do not the rural area are expressed. Reference is made to cit-
come without a legal framework, that is, provisions ies in and outside the Alps and to their responsibil-
which must not only be clearly defined, but also en- ity as social, cultural and economic centres for their
forceable. A necessary part of this however is also the surroundings. Mountaineering Villages as they exist
willingness to discuss, argue (even vehemently) and now are rooted in their discovery 150 years ago by
finally to compromise. city inhabitants searching for recreation and adven-
The “population and culture” declaration and the ide- ture. To underline again these connections more
as behind the Mountaineering Villages‘ project are strongly will be a task for future years. Which means
like brother and sister. What in the declaration is still partnerships that will start in most cases from the
ponderous and looks like a slogan, finds its imple- supply/consumption of tourism features, but must
mentation in the catalogue of the criteria which the not stop at this in the future.
Mountaineering Villages have developed for them-
selves. It is apparent that this means that it is impos-
sible to avoid contradictions. How many beds can a
Farmhouse at the entry of Mallnitz. village sustain as a ratio of the number of its inhab-
itants, how many ski-lifts, vehicles, power stations,
etc.? These points are not so simple, and cannot be
treated the same way. Each of the villages has its own
history, its specific strengths, but also its weaknesses.
The truth lies not, as is usually said, in the middle, but
is present in each individual village. It is certain that,
from the perspective of a Mountaineering Villages,
becoming like a museum means certain death, as Information about the author
does the promise of rescue by a large investor.
Hannes Schlosser, born
In the discussion so far, the delegates of the villages
in Vienna in 1951, lives in
theoretically agreed that, in order to be accepted and
Tyrol since 1975. Social
to stay in the community of the Mountaineering Vil-
worker, free journalist and
lages, it will be necessary to apply “difficult criteria”,
photographer since 1991.
The IC/EC-Station with the “Tauernschleuse” is very important therefore minimum standards and exclusion crite-
The Alpine Space with all
for Mallnitz. ria. Konrad Klotz has described this orientation with
its different facets is one of
respect to his village: “Vent was always something
his most interesting work-
special. To be part of the selected circle of the Moun-
ing areas.
taineering Villages is yet another step upwards.” This
Since 2006 editorial leader of „Die Alpenkonven-
must be the objective, this is the greatest opportu-
tion – Nachhaltige Entwicklung für die Alpen“
nity of the initiative.
(magazine of CIPRA-Austria).
The fact that many Mountaineering Villages are small
Books: OeAV-Reihe Naturkundliche Führer Glet-
makes a comparison with the famous village in Gaul
scherweg Innergschlöß (2006) and Via Alpina
possible. Asterix & Co have access to a magical potion.
Ötztaler Alpen (2007);
Our Mountaineering Villages do not have it – at least
„The Alps - Eight Countries, a single Territory“, il-
to my knowledge. The Mountaineering Villages have
lustrated book edited by the Permanent Secre-
however something different, which is also priceless
tariat of the Alpine Convention (2009).
and irreplaceable: the growing solidarity between
Editor of the book series „Bergsteigerdörfer – Al-
Detail of the “Sonnenhof“, one of the traditional hotels in themselves and the partner projects in the Alpenv-
pingeschichte kurz und bündig“
Mallnitz.
51

Anhang

Kriterien für Bergsteigerdörfer

Die Kriterien für Bergsteigerdörfer wurden mit den bzw. Aussagen über komplexe Sachverhalte zu ermög- dramatischen Veränderungen in bestehenden Berg-
VertreterInnen der bereits nominierten Gemeinden lichen, die nicht direkt gemessen werden können. steigerdörfern. Dabei ist es unerheblich, ob der Ort
auf Grundlage der Diskussionen der Arbeitssitzung Eine wichtige Funktion von Kriterien ist die Opera- selbst Einflussmöglichkeiten auf das Geschehen hat,
am 26. November 2008 in Mallnitz erarbeitet und tionalisierung von Zielvorstellungen, wobei sowohl weil dies für die Gäste irrelevant ist.
am 10. Jänner 2009 in Salzburg von einer kleinen Ar- objektive Tatbestände als auch subjektive Einschät-
beitsgruppe finalisiert. zungen abzubilden sind. b) Pflichtkriterien: Sie gehören jedenfalls zur Grund-
Bergsteigerdörfer existieren nicht im luftleeren ausstattung des Bergsteigerdorfes, sind in vielen
Raum, sie haben ihre jeweils eigene Entwicklungs- Fällen bereits vorhanden, in Einzelfällen müssen sie
geschichte. innerhalb eines angemessenen Zeitraumes „nachge-
Um der großen Vielfalt, gleichzeitig aber dem „Berg- rüstet“ werden.
Aufgabe und Funktion der
steigerdorf“ als Qualitätsversprechen gerecht zu
Bergsteigerdörfer werden, wird das Kriteriensystem in drei Abschnitte c) Zielkriterien: Sie sind das „Sahnehäubchen“ der
eingeteilt: Bergsteigerdorf-Charakteristik und eignen sich als
Bergsteigerdörfer sind vorbildhafte regionale Ent- Unterscheidungsmerkmale im laufenden Prozess der
wicklungskerne im nachhaltigen Alpintourismus mit a) Ausschlusskriterien: Sie kommen bei der Neu- Qualitätskontrolle und Qualitätsverbesserung. Sie
einer entsprechenden Tradition. Sie garantieren ein aufnahme von Orten zum Tragen, oder aber bei können jederzeit ergänzt werden.
professionelles Tourismusangebot für Bergsteiger,
weisen eine exzellente Landschafts- und Umwelt-
qualität auf und setzen sich für die Bewahrung der A) Ausschlusskriterien
örtlichen Kultur- und Naturwerte ein. Als alpine Kom-
petenzzentren setzen Bergsteigerdörfer auf Eigen- A1) Unzureichende Tourismusinfrastruktur
verantwortung, Fähigkeit und Souveränität sowie •) Fehlen von Beherbergungsbetrieben
umweltkundiges und verantwortungsvolles Verhal-
ten ihrer Gäste am Berg. A2) wenig alpiner Landschaftscharakter, Landschaftsschäden, Technikdominanz
Diese Vorbildwirkung der Bergsteigerdörfer erstreckt •) geringe Reliefenergie
sich auch auf das aktive Bemühen, im Einklang und •) den Gesamtcharakter erheblich störende Schäden durch menschliche Eingriffe
in selbstverständlicher Beachtung einschlägiger ge- •) Dominanz schitouristischer Erschließungsmaßnahmen
setzlicher Bestimmungen und Programme das Ziel
der nachhaltigen Entwicklung im Alpenraum zu ver- A3) Kein dörflicher Charakter
wirklichen. •) zu große Bewohnerzahl (Grenzwert 2.500)
Die Förderung und Weiterentwicklung der Bergstei- •) zu große Betriebsgrößen, gemessen an der Beschäftigungszahl (Grenzwert: 50 / Betriebsstätte, im Ein-
gerdörfer steht im Einklang mit den Durchführungs- zelfall sind Ausnahmen möglich, wenn der dörfliche Charakter nicht beeinträchtigt wird.)
protokollen der Alpenkonvention. •) ungünstiger Charakter der Bebauung: Maßstäblichkeit, Gestaltung und Anordnung der neueren Bau-
tätigkeit insbesondere am Außensaum – Problematik der Gewerbegebiete – Zersiedelung – Verlust
des harmonischen Siedlungsbildes.
Funktion der Kriterien
•) Dominierende Parahotellerie (großräumige Ferienparks, Appartementanlagen, Time-Sharing-Anlagen
u. dgl.)
Kriterien dienen dazu, einen meist komplexen Tatbe- A4) Lage an Hochleistungsverkehrswegen
stand annähernd, treffend und knapp zu beschreiben •) insbesondere Autobahn, Autoschnellstraße, Flugplatz
Anhang 52

B) Pflichtkriterien (entweder bereits vorhanden C) Zielkriterien („Pluspunkte“,


oder kurzfristig erfüllbar) „Premium-Kategorie“)

B1) Tourismusqualität C1) Touristische Qualität


•) Schutzhütten alpiner Vereine oder vergleichbare private Hütten (im Regelfall •) ausreichende Nahversorgung am Ort mit Artikeln des täglichen Bedarfes
über 1.500 m Seehöhe; für Besucher nur zu Fuß erreichbar) (Kaufgeschäft, ...)
•) Bergsteigerdorf-Partnerbetriebe im Tal
•) Gute Bandbreite der Beherbergungskategorien (von einfach bis gehoben) C 2) Alpinkompetenz
•) aktuelle Führerliteratur und für bergsteigerische Zwecke brauchbare
B2) Alpinkompetenz Karten
•) laufend gut betreutes und regelmäßig kontrolliertes Alpinwegenetz mit Be- •) aktuelle Online-Routeninformationen und darüber hinausreichende In-
schilderung nach den Richtlinien der Bergwegekonzepte formationsangebote
•) kompetente örtliche Alpinberatung •) Alternativen bei Schlechtwetter
•) Verleih oder Vermietung von spezieller Bergsteigerausrüstung (z.B. LVS-Ge- •) alpines Kurs- und Ausbildungsangebot am Ort
rät, Sonde, Schaufel, Schneeschuhe, Steinschlaghelm,...), Führerliteratur, Kar- •) Sportgeschäft mit bergsteigergerechtem Beratungsangebot am Ort
tenmaterial
•) Tourenprogramm (Klettern, anspruchsvolle Bergtouren, Hochtouren, Schi- C3) Landschaftsqualität
touren) für Gäste (über örtlich zuständigen Alpinverein, Bergführer, Wander- •) Schutzgebietsbetreuung ist eingerichtet und aktiv
führer, Schiführer, ...)

B3) Landschaftsqualität
•) keine durch Straßen / Seilbahnen erschlossenen benannten Berggipfel (Er- Die „Kriterien für Bergsteigerdörfer“ werden von Gemeinderat bzw. Ortsaus-
schließung endet mindestens 200 Hm unter dem Gipfel, bzw. in mindestens schuss per Beschluss angenommen und beim OeAV hinterlegt.
500 m Horizontaldistanz)
•) Verzicht auf Neuerschließung und großräumige Erweiterungen (entspre-
chend Salzburger Sachprogramm Schierschließung 2008, Tiroler Raumord- Für die Richtigkeit der Ausfertigung
nungsprogramm Seilbahnen 2005) Roland Kals, Peter Haßlacher; 10. Jänner 2009
•) Keine Außenstarts und –landungen von Motorflugzeugen (ausgenommen
Versorgungs- und Rettungsflüge)
•) keine permanent genutzten Motorsportstrecken zur Austragung von Berg-
rennen, Rallies, Motocross, Schidoo-Rennen u. dgl.
•) Verzicht auf Neuerrichtung von großen Wasserkraft -, Windkraft-, Photovolta-
ik-Anlagen (in überörtlicher Dimension), Hochspannungs-Freileitungen
•) Ganzjährig ausreichende Wasserführung (= ausreichend Restwasser) in Fließ-
gewässern
•) Hochalmen und Bergwälder werden von motorisiertem Individualverkehr
außerhalb öffentlicher Straßen frei gehalten.
•) Schutzgebietsanteil an der Gemeindefläche liegt im Regelfall über 20 %

B4) Mobilitätsqualität
•) Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln auch an Wochenenden und
Feiertagen (Richtwert mind. 2 Buspaare pro Tag)
•) Bergsteigertaugliche Mobilitätsangebote am Urlaubsort (Taxidienste, Abhol-
service, organisierte Mitfahrgelegenheiten)

B5) Kooperationsqualität
•) Projektarbeitsgruppe mit definiertem Ansprechpartner vorhanden
•) Enge Zusammenarbeit mit örtlich zuständigen Alpinen Vereinen
53

Annex

Criteria for Mountaineering Villages

The criteria for Mountaineering Villages were devel- ments about complex facts, that cannot be directly changes in existing mountaineering villages. It is irrel-
oped with the delegates of the already appointed vil- measured. evant if the site has the possibility to affect what has
lages on the basis of the discussions of the working An important function of these criteria is to make ob- happened, since this is of no importance for guests.
session held on 26th of November 2008 in Mallnitz jectives operational, through the depiction of objec-
and a technical meeting in Salzburg at the 10th of tive facts as well as subjective assessments. b) Mandatory criteria: These belong to the basic equip-
January 2009. Mountaineering Villages do not exist in an empty ment of the mountaineering village, they are in many
space but they have their own histories of develop- cases already there while, in specific cases, they must
ment. be “retrofitted”.
In order to match up to this great diversity and at the
Duty and Function of the
same time to the “mountaineering village“ as a prom- c) Target criteria: These are the “icing on the cake” of
Mountaineering Villages ise of quality, it is suggested that the system of criteria the features of the mountaineering village and repre-
is divided into three sections: sent differentiating features in the constant process of
The Mountaineering Villages are model centres of quality control and quality improvement. If it makes
regional development in sustainable Alpine tourism a) Exclusion criteria: These are taken into consideration sense, they can also be added at any time .
with an important tradition. They ensure a profes- when accepting new sites, or in the event of dramatic
sional tourist offer for mountaineers, feature excel-
lent landscape and environmental quality and are
committed to the preservation of local cultural and
natural values. Being Alpine competence centres, the A) Exlusion Criteria
Mountaineering Villages focus on responsibility, abil-
ity and sovereignty as well as the environmentally A1) Insufficient Tourist Infrastructure
friendly and responsible behaviour of their guests in - no accommodation facilities
the mountains. A2) Little Alpine landscape character, landscape damage, dominant technique
This model effect of the Mountaineering Villages ex- - little recreational energy
tends to the active effort, in harmony and in the obvi- - significant damage caused by human actions which spoils the general character
ous compliance with the relevant legal provisions and - dominance of infrastructure provision measures for skiing tourism
programmes, to implement the objective of sustain-
A3) No village feature
able development in the Alpine area.
- population too high (threshold 2,500)
The promotion and further development of the Moun-
- too large factories, measured in terms of the employment level (threshold: 50 / factory, individual
taineering Villages is in harmony with the implemen-
exceptions are possible, if the village character is not affected.)
tation protocols of the Alpine Convention.
- unfavourable character of buildings: size, shape and arrangement of the most recent building ac-
tivities especially on the outer edge – a problem of industrial areas –urban sprawl – loss of a har-
monious settlement picture.
Function of the Criteria - dominant hotel-like facilities (large tourist villages, apartment blocks, time-sharing structures and
similar)

The function of the criteria is to describe approxi- A4) Position on heavy traffic routes
mately, accurately and concisely a generally complex - particularly motorways, clearways, airports
situation or to give the opportunity to make state-
Annex 54

B) Mandatory Criteria C) Target Criteria


(either already present or to be achieved shortly) (“Plus points”, “Premium category”)

B1) Tourism quality C1) Tourist quality


- shelters of alpine clubs or similar private huts (usually above 1,500 m alti- - sufficient supply from the local area to the site with everyday provi-
tude; for visitors to be only reached on foot) sions (buying and selling activities, ...)
- partner companies of the mountaineering village in the valley
C 2) Alpine competence
- good range of accommodation categories (from simple to luxury)
- current guides and maps to be used for mountaineering objectives
B2) Alpine competence - current online route information and additional, more than suffi-
- well maintained and regularly controlled network of alpine paths with cient, information offer
signs according to the guide lines of the mountain path concepts - alternatives in the event of bad weather
- competent local Alpine advice - offer of alpine programmes and training on site
- lending or renting of special mountaineering gear (e.g. avalanche trans- - sports with mountaineering advice offer on site
ceiver, avalanche probe, shovel, snow shoes, climbing helmet,...), guides,
C3) Landscape quality
maps
- care of protected areas is set up and active
- tour programmes (climbing, difficult mountain tours, high mountain
tours, skiing tours) for guests (through local alpine clubs, mountain
guides, hiking guides, ski guides, ...)

B3) Landscape quality


- no mountain tops accessed through roads / cable cars (access ends at
least 200 Hm below the summit, or minimum 500 m horizontal distance) The “Criteria of Mountaineering Villages“ will be discussed in the village com-
- no new access roads and major enlargements (according to the Salzburg- mittees and the positive resolutions will be send to the OeAV.
er Sachprogramm Schierschließung - Salzburg Programme on Ski Infra-
structure Provision - , the Tiroler Raumordnungsprogramm Seilbahnen
-Tirol Cable Car spatial planning programme-) For the accurateness of this copy:
- no external take off and landing of motor airplanes (with the exception of Roland Kals, Peter Haßlacher; 10th of January, 2009
supply and rescue flights)
- no permanently used motor racing tracks for mountain races, Rallies, Mo-
tocross, Ski-doo races and similar
- no new construction of large hydroelectric, wind, photovoltaic power sta-
tions (of more than local size), high-voltage cables
- sufficient water supply throughout the year (= sufficient residue water) in
watercourses
- mountain pastures and mountain forests are kept free from motorized
individual traffic outside public roads.
- amount of protected areas in the town is usually above 20 %

B4) Quality of mobility


- access by means of public transport also at weekends and holidays (mini-
mum 2 Buses per day)
- mountaineering mobility offer in the holiday site (Taxi service, pick-up
service, organized shared transport)

B5) Quality of cooperation


- project team with defined counterpart present
- close collaboration with local alpine associations
Adressen
Ruth Moser, Monika Bischof Bürgermeister Konrad Esterl Ortsvorsteher Rudolf Klausner
Biosphärenpark Großes Walsertal Gemeindeamt Krakaumühlen Dornauberg-Ginzling
Jagdbergstr. 272 8854 Krakauhintermühlen 11 6295 Ginzling 28
6721 Thüringerberg gde@krakauhintermuehlen.steiermark.at ortsvorstehung@ginzling.net
info@grosseswalsertal.at
Bürgermeister Otto Esterl Bürgermeister Michael Hohentwarter
Bürgermeister Alois Klammer Gemeindeamt Krakauschatten Gemeindeamt
Gemeindeamt Kartitsch 8854 Krakauschatten 28b Unterweißbach 36
HNr. 80 gde@krakauschatten.steiermark.at 5093 Weißbach
9941 Kartitsch buergermeister@weissbach.at
gemeindeamt@kartitsch.at Bürgermeister Franz Guggenberger
Gemeindeamt Lesachtal Bürgermeister Josef Lederer
Bürgermeister Klaus Unterweger 9653 Liesing, 29 Gemeindeamt Hüttschlag
Gemeindeamt Kals am Großglockner lesachtal@ktn.gde.at HNr. 19
Ködnitz 69 5612 Hüttschlag
9981 Kals am Großglockner Bürgermeister Matthias Scherer info@grossarltal.info
bgm@kals.at Gemeindeamt
Dorf 4 Bürgermeister Alois Weidinger
Peter Angermann 9942 Obertilliach Im Dorf 17
Tourismusdirektor gemeinde@obertilliach.gv.at 4645 Grünau im Almtal
Tourismusverein Mallnitz bgm.weidinger@gruenau.ooe.gv.at
HNr. 11 Bürgermeister Robert Mößler
9822 Mallnitz Gemeindeamt Josef Schett
peter.angermann@mallnitz.at HNr. 62a Obmann Tourismusverband Villgraten
9943 Untertilliach 9932 Innervillgraten, 116
Bürgermeister Martin Ploderer gde.untertilliach@lesachtalonline.at office@villgraternatur.at
Marktgemeinde Lunz am See
Amonstraße 16 Bürgermeister Johann Ledolter Bürgermeister Hanspeter Schaar
3293 Lunz am See Gemeindeamt Reichenau Gemeinde Malta
info@lunz.gv.at Hauptstraße 63 9854 Malta
2651 Reichenau a. d. Rax malta@ktn.gde.at
Bürgermeister Ludwig Wolf gemeindeamt2651@reichenau.at
Gemeinde Johnsbach
8912 Johnsbach Ortsvorsteher Konrad Klotz
info@johnsbach.at Geierwalli Hof
Rofen 35
Bürgermeister Wenzel Steinhart 6458 Vent
Gemeinde Krakaudorf info@geierwallihof.at
HNr. 120
8854 Krakaudorf
gde@krakaudorf.steiermark.at

Ständiges Sekretariat der Alpenkonvention Projektteam Bergsteigerdörfer:


www.alpconv.org
sekretariat@alpconv.org Peter Haßlacher, Christina Schwann
Oesterreichischer Alpenverein
Sitz in Innsbruck Fachabteilung Raumplanung-Naturschutz
Herzog-Friedrich-Straße 15 Olympiastr. 37
A-6020 Innsbruck 6020 Innsbruck
Österreich Tel.: +43/(0)512/59547-31
Tel.: +43/(0)512/588589-0 peter.hasslacher@alpenverein.at
christina.schwann@alpenverein.at
Außenstelle in Bozen
Drususallee 1 Roland Kals, Regina Stampfl
I-39100 Bozen arp - plannig.consulting.research
Italien Bittsolweg 16
Tel.: +39/0471/055357 5023 Salzburg
Tel.: +43/(0)662/644777
Ewald Galle roland.kals@arp.co.at
Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und regina.stampfl@arp.co.at
Wasserwirtschaft
Abteilung V/9: Internationale Umweltangelegenheiten
Stubenbastei 5
1010 Wien
Tel.: +43/(0)1/515 2216-17
ewald.galle@lebensministerium.at
www.bergsteigerdoerfer.at