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Ideen - Taten - Fakten Nr.

4
Jahrestagung Bergsteigerdörfer, Sonntag im Großen Walsertal 30.9. - 2.10.2010

Berglandwirtschaft und
zukunftsfähiger Bergtourismus -
eine untrennbare Einheit

MIT UNTERSTÜTZUNG VON BUND UND EUROPÄISCHER UNION

Europäischer Landwirtschaftsfonds
für die Entwicklung des ländlichen
Raums: Hier investiert Europa in
die ländlichen Gebiete.
Berglandwirtschaft und
zukunftsfähiger Bergtourismus -
eine untrennbare Einheit
Jahrestagung Bergsteigerdörfer, Sonntag im Großen Walsertal 30.9. - 2.10.2010

Ideen - Taten - Fakten Nr. 4

Herausgeber: Oesterreichischer Alpenverein, Fachabteilung Raumplanung-Naturschutz


Olympiastr. 37, 6020 Innsbruck
Titelbilder: Gr. Walsertal Tourismus
Bilder der Tagung und Umgebung: Anton Goller, Peter Kapelari und Christina Schwann
Textbearbeitung: Regina Stampfl, Christina Schwann
Redaktion: Christina Schwann www.bergsteigerdoerfer.at
Layout: Christina Schwann
Druck: Aristos, Innsbruck Innsbruck, Jänner 2011
Inhalt

Vorwort - Das dritte Jahr eines gemeinsamen Weges


Peter Haßlacher - Leiter der Fachabteilung Raumplanung-Naturschutz des Oesterreichischen Alpenvereins 7

Das Berglandwirtschaftsprotokoll der Alpenkonvention
Ewald Galle - Lebensministerium, Focal Point Alpenkonvention 9

Ländliche Entwicklung nach 2013 - Chancen für die alpine Umwelt?


Michael Proschek-Hauptmann - Geschäftsführer Umweltdachverband 13

Funktionierende Berglandwirtschaft als Voraussetzung für einen nachhaltigen Tourismus
Josef Türtscher - Landwirt, Landtagsabgeordneter Vorarlberg, Regio-Obmann 17

„So schmecken die Berge“ - Alm- und Bergbauernprodukte auf Schutzhütten


Peter Kapelari - Leiter des Referates Hütten und Wege des Oesterreichischen Alpenvereins 21

Podiumsdiskussion
Moderation: Roland Kals 25

Das Alpenvereinsprojekt „Bergsteigerdörfer“ - Eine Zwischenbilanz


Christina Schwann und Regina Stampfl, Projektteam Bergsteigerdörfer 31

Die „Bergsteigerdörfer“
- Aus gemeindepolitischer Sicht - Martin Ploderer - Bürgermeister Lunz am See 35
- Aus der Sicht des Tourismus - Klaus Rüscher - Bürgermeister Malta 37
- Aus der Sicht einer Stadtsektion - Wolfgang Auer - Vereinsmanager OeAV-Sektion Austria 39
- Aus der Sicht einer ortsansässigen Sektion - Anton Sint - Naturschutzreferent OeAV-Sektion Sillian 43
- Ein Blick auf den Öffentlichen Verkehr - Michael Ernst - TU Wien 47

Diskussion
Moderation: Roland Kals 49

Was macht ein Bergsteigerdorf aus?


Sigbert Riccabona - ehemaliger Landesumweltanwalt Tirol 53

Der Stellenwert des Projektes „Bergsteigerdörfer“ für die Landesraumplanung


Franz Rauter - Leiter der Abteilung Raumordnung-Statistik, Amt der Tiroler Landesregierung 59

Publikumsdiskussion
Moderation: Michael Pause 63

Eindrücke von der Exkursion zur Echo Wand 73


Teilnehmerliste 74
Dankeschön 76
Referentenverzeichnis 77
Adressen 78


7

Vorwort

Das dritte Jahr eines gemeinsamen Weges

Peter Haßlacher, Leiter der Fachabteilung Raumplanung-Naturschutz


des Oesterreichischen Alpenvereins

Das Projekt „Bergsteigerdörfer“ des Oesterreichi- Unterstützung durch das Lebensministerium ge-
schen Alpenvereins ist wohl aus mehreren Blick- startet werden. Beschränkte sich die erste Jahres-
winkeln heraus betrachtet ein bemerkenswertes tagung 2008 im Bergsteigerdorf Ginzling/Zillertal
Vorhaben: auf den engen Kreis der ausgewählten Gemein-
den/Ortschaften/Talschaften, so hat sich die
- Es setzt sich mit den Inhalten mehrerer Durch- Liste der TeilnehmerInnen bei der Jahrestagung
führungsprotokolle der Alpenkonvention aus- 2010 in Sonntag/Großes Walsertal auf den illus-
einander und versucht, diese in die Realität tren Kreis von Bürgermeistern, Alpenvereinssek-
umzusetzen. tionen, Touristikern, Vertretern der bäuerlichen
- Diese Plattform stellt eine der leider noch we- Grundeigentümer erweitert. Die Überlegung
nigen BotschafterInnen des völkerrechtlich ver- steht schon im Raum, das Plenum im Jahr 2011
bindlichen Vertragswerks der Alpenkonvention (in Hüttschlag/Salzburg) weiter zu öffnen. Die
Roland Kals, Regina Stampfl, Christina Schwann, dar, die positiv besetzt sind und mit Unterstüt- Vorstellungen über die künftige Entwicklung des
Franz Ferdinand Türtscher und Peter Haßlacher zung des Lebensministeriums und der Europä- Berggebietes werden unter den verschiedenen
ischen Union von einem großen österreichi- „Protagonisten“ zwar nicht deckungsgleich sein.
schen Verein getragen werden. Doch zeigt sich erfreulicherweise ein erstaunli-
- Das Projekt „Bergsteigerdörfer“ trifft haar- cher Grundkonsens über Ziele, Erwartungen und
scharf den Kern eines alten Alpenvereinsan- Strategien zwischen den Gemeinden und dem
liegens, mit seinen Stärken die ausgewählten OeAV. Selbstverständlich wird es auch Dissonan-
Kooperationsorte auf der Basis seiner Grund- zen geben. Dafür muss es entsprechende Regeln
satzziele zu unterstützen. und Vorgangsweisen zur Lösung geben, wobei
- Durch die im Sinne von „good governance“ die selbst erarbeiteten Kriterien und der Weisen-
gepflogene Zusammenarbeit zwischen Alpen- rat die Leitschnur sein werden. Die Einhaltung
verein und Gemeinden gibt es Gewinner auf der Kriterien ist Maßstab für die künftige Entwick-
beiden Seiten. Alpenvereinssektionen können lung, denn nur die Ausrichtung und Orientierung
in ihren Arbeitsgebieten und im Bereich der an diesen wird der Plattform den nötigen Erfolg
„Ein Grashalm wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.“ alpinen Infrastruktur mehr Interesse und En- bescheren. Die Rückmeldungen aus den einzel-
Chinesisches Sprichwort gagement der Gemeinden für den naturnahen nen Gemeinden zeigen auch die ersten Erfolge
Alpintourismus erwarten. der kontinuierlich stattfindenden Aufbauarbeit.
- Das Projekt „Bergsteigerdörfer“ befasst sich Jede(r), der/die mit solchen Projekten zu tun hat,
mit entwicklungsschwachen Berggemeinden weiß, von wie vielen Faktoren eine erfolgreiche
zumeist in peripherer Lage im Anwendungs- Entwicklung abhängen kann und wie langsam
bereich der Alpenkonvention. Die Arbeitser- sich sichtbare Zeichen für die Wertschöpfung ein-
gebnisse stellen wichtige Erkenntnisse für die stellen. Der durchaus angebrachte Optimismus
künftige Raumentwicklung dieser alpinen Ge- wird interessanterweise durch die Anzahl der
genden dar. Gemeinden gestärkt, die der Plattform beitreten
möchten. Sehr erfreulich ist auch anzumerken,
Nach langwierigen Vorbereitungen konnte das dass im von der Tiroler Landesregierung im No-
Projekt im ersten Halbjahr 2008 mit großartiger vember 2010 beschlossenen Raumordnungsplan
8 9

Das Berglandwirtschaftsprotokoll
der Alpenkonvention
„Raumverträgliche Tourismusentwicklung“ das die in den „lauten“ Alpendestinationen längst meinsame Projektentwicklung und die vertrau-
OeAV-Projekt „Bergsteigerdörfer“ als gute Mög- nicht mehr zu finden sind. ensvolle Projektbegleitung, Frau Mag.a Christina
lichkeit gesehen wird, „wie sich Kleindestinati- Die erste Projektphase I 2008-2010 wurde bis Schwann als Koordinatorin des Projekts, Frau
onen mit naturnahem Angebot in einer über- 30. Juni 2011 verlängert. Die Vorbereitungen Mag.a Regina Stampfl als Mitarbeiterin von Ro-
regionalen Kooperation ähnlicher Angebote für die Projektphase II bis Ende Juni 2014 sind land Kals und allen Personen im Oesterreichi- Ewald Galle - Focal Point Alpenkonvention Österreich, Lebensministerium
profilieren können“. Ein ganz wichtiger Schlüssel bereits angelaufen, werden im Frühjahr 2011 schen Alpenverein, aus der Fachwelt und aus der
zum Erfolg ist der Einbezug und die Mitarbeit der den Vereinsgremien vorgestellt und schließlich Zivilgesellschaft, die uns mit Rat und Tat bei die-
Sektionen mit Arbeitsgebieten und alpiner Inf- beim Lebensministerium eingereicht. Dabei sol- sem schwierigen aber interessanten und in die
rastruktur in den Bergsteigerdörfern und in den len auch Überlegungen dahingehend konzipiert Zukunft schauenden Projekt unterstützt haben.
Standortstädten bzw. –gemeinden als wichtige werden, wie die Projektfortführung nach 2014
Quellgebiete für Aufenthalte in den ausgewähl- ausschauen und eine räumliche Ausdehnung der
ten Orten. Heute wird sehr oft an die Solidarität Plattform-Gemeinden auf andere Alpenstaaten
der (außeralpinen) Städter mit den Alpen appel- im Anwendungsbereich der Alpenkonvention
liert. Im Alpenverein wird diese Solidarität schon gestaltet werden könnte.
über ein Jahrhundert gepflegt. Wie überall in Abschließend gilt mein Dank dem Lebensminis-
I.) Die Protokolle der Alpenkonvention
Zeiten von Umbrüchen und Wertewandel sind terium, Herrn Ministerialrat Dr. Ewald Galle, für
neue Motive und Begründungen gefragt. Die die Förderung, Begleitung und Strategieentwick- Im Artikel 2, dem Herzstück des als Rahmen- auch das Berglandwirtschaftsprotokoll, ratifi-
ausgewählten Bergsteigerdörfer bieten noch lung seit Anbeginn des Projekts, Dr. Roland Kals vertrag konzipierten Übereinkommens zum ziert.
jene Landschaftsqualität, Ruhe und Freiräume, von arp planning.consulting.research für die ge- Schutz der Alpen werden insgesamt 12 Ziel-
vorgaben normiert, die durch so genannte Im Zuge des nationalen parlamentarischen
Protokolle weiter ausgestaltet werden müssen. Verfahrens wurde bezüglich der Protokolle
Diese Durchführungsprotokolle sind selbst – im Gegensatz zur Rahmenkonvention - be-
wieder völkerrechtlich-verbindliche Verträge, schlossen, dass alle der unmittelbaren Anwen-
welche die in der Alpenkonvention oft nur dung im innerstaatlichen Rechtsbereich ab
grob umrissenen Ziele und Handlungsver- dem Zeitpunkt des Inkrafttretens zugänglich
Ewald Galle - Focal Point Alpenkonvention Österreich, pflichtungen weiter ausgestalten. sind, sodass eine Erlassung von Gesetzen nicht
Lebensministerium erforderlich ist. Das hat nun zur Folge, dass die
Bislang ist das in acht Bereichen, „Raumpla- Protokolle zur Alpenkonvention innerstaat-
nung und nachhaltige Entwicklung“ (1994), lich unmittelbare Wirksamkeit erlangt haben
„Ob nun eine Bestimmung unmit- „Berglandwirtschaft“ (1994), „Naturschutz und und demgemäß sowohl vom Gesetzgeber als
telbar anwendbar ist, hängt davon Landschaftspflege“ (1994), „Bergwald“ (1996), auch von der Vollziehung entsprechend zu
„Tourismus“ (1998), „Bodenschutz“ (1998), berücksichtigen sind, sofern sie dazu geeignet
ab, ob sie hinreichend bestimmt ist,
„Energie“ (1998) so wie „Verkehr“ (2000) er- sind. Ob nun eine Bestimmung unmittelbar
was wohl nur im Einzelnen von dem folgt. Hinzu kommen noch eine im Rahmen anwendbar ist, hängt davon ab, ob sie hinrei-
zur Anwendung zuständigen Organ der MinisterInnenkonferenz 2006 angenom- chend bestimmt ist, was wohl nur im Einzel-
mene Deklaration zu „Bevölkerung und Kul- nen von dem zur Anwendung zuständigen
beurteilt werden kann.“
tur“ und ein 2009 von den MinisterInnen ver- Organ beurteilt werden kann.
abschiedeter „Klimaaktionsplan“. Ausständig
sind noch die Bereiche „Luftreinhaltung“, „Was- Der Großteil der Bestimmungen hat deklara-
serhaushalt“ und „Abfallwirtschaft“. torischen Charakter und ist allenfalls zur Inter-
pretation und als Maßstab für allfällige Interes-
Nachdem Österreich, Liechtenstein und sensabwägungen heranzuziehen.
Deutschland ihre jeweiligen parlamentari-
schen Genehmigungsverfahren positiv been-
det hatten, sind alle Protokolle im Dezember
2002 in Kraft getreten. Mittlerweile haben
auch Slowenien, Frankreich alle, Monaco und
die EG einige ausgewählte Protokolle, u. a.
Das Berglandwirtschaftsprotokoll der Alpenkonvention 10 11
Das Berglandwirtschaftsprotokoll der Alpenkonvention

II.) Protokoll Berglandwirtschaft

Österreich konnte vom Verhandlungsbeginn heit leistet, und der über den allgemeinen II.1) Bemerkungen zu einzelnen als vielfältigen, attraktiven Lebens- und Wirt- Es geht aber auch darum, das seit Jahrhunder-
an seine Erfahrungen mit spezifischen Model- Verpflichtungsrahmen hinausgeht. Im Mittel- Artikeln schaftsraum zu erhalten und zu entwickeln ten funktionierende Gefüge von autochtho-
len der Bewirtschaftungssicherung in Bergge- punkt steht dabei die Frage nach einer ange- sowie die Lebensqualität der dort lebenden nen Nutztierrassen, Ökosystemen und der im
bieten aktiv einbringen und die österreichi- messenen Abgeltung, sei es auf Grundlage Menschen zu steigern. Alpenraum vorhandenen Tier- und Pflanzen-
sche Agrarpolitik geht auch weitgehend mit vertraglicher, projekt- oder leistungsbezoge- Art. 6, Internationale Zusammenarbeit Es könnte das Protokoll „Berglandwirtschaft“ – welt aufrechtzuerhalten bzw. wieder herzu-
den Zielen und Inhalten der Alpenkonvention ner Vereinbarungen. Hinzu tritt in den letzten nicht zuletzt auf Grund der Ratifizierung durch stellen.
zur Berglandwirtschaft konform. Es überrascht Jahren die vermehrt erhobene Forderung, In diesem Artikel vereinbaren die Vertragspar- die EU auch auf europäischer Ebene – zum
daher nicht, dass die im Protokoll „Bergland- ökosystemare Leistungen, wie etwa die Be- teien, gemeinsame Bewertungen der agrar- Anlass genommen werden, die Fördertraditi-
wirtschaft“ enthaltenen Forderungen zur Be- reitstellung von Trinkwasser, die Erhaltung der politischen Entwicklung vorzunehmen sowie on zu überdenken, um den besonderen Erfor- Art. 11, Vermarktung
rücksichtigung der speziellen Situation von Kulturlandschaft oder der Lawinenschutz, in die gegenseitige Konsultation vor wichtigen dernissen der Berglandwirtschaft im Vergleich
Bergregionen größtenteils bereits erfüllt wer- gleicher Weise zu berücksichtigen und mone- agrarpolitischen Entscheidungen zur Durch- zu so genannten „Gunstlagen“ bzw. Nicht- Dieser Ansatz sieht für Bergbauernbetriebe,
den. tär zu bewerten. Dieser Ansatz wird auch in die führung dieses Protokolls zu gewährleisten. Bergbauernbetrieben ausreichend Rechnung die in der Regel fernab von großen Märkten
nun beginnende Diskussion über die Zukunft zu tragen. liegen, vor, günstige Vermarktungsbedingun-
Die zentrale Aussage, die in u. a. in diesem der Ländlichen Entwicklung nach 2013 einzu- gen für die Produkte der Berglandwirtschaft zu
Protokoll getroffen wird, ist die unzweifel- beziehen sein. Generell soll damit der der Ge- Art. 7, Förderung der Berglandwirtschaft schaffen und zwar sowohl für ihren stärkeren
hafte Anerkennung des Beitrages, den die sellschaft zu Gute kommende Mehrwert der Art. 8, Raumplanung und Kulturlandschaft Absatz vor Ort als auch für ihre erhöhte Wett-
Berglandwirtschaft zur Erhaltung und Pflege Berglandwirtschaft anerkannt und neue Ideen Zu dieser zentralen Fragestellung existieren bewerbsfähigkeit auf den nationalen und in-
der Kulturlandschaft sowie zur Sicherung von für den Ausgleich von Nutzen und Schützen in Österreich bereits Direktzahlungsprogram- Zu einem Umsetzungsbedarf könnte gegebe- ternationalen Märkten. Die Förderung erfolgt
Naturgefahren im Interesse der Allgemein- gesucht werden. me, das Österreichische Programm für eine um- nenfalls die Verpflichtung führen, traditionelle dabei unter anderem zur Absatzsicherung
weltgerechte Landwirtschaft (ÖPUL) sowie die Hofanlagen, landwirtschaftliche Bauelemente durch Ursprungsmarken mit kontrollierter
Ausgleichszulage für benachteiligte Gebiete als und die Anwendung charakteristischer Bau- Herkunftsbezeichnung und Qualitätsgaranti-
Eckpfeiler zur Aufrechterhaltung der Bergland- weisen und –materialien zu erhalten, wobei en, die dem Schutz von Produzenten und Kon-
wirtschaft. Mit dem Berghöfekataster wurde der Raumplanung große Bedeutung gleichzei- sumenten gleicher Maßen dienen.
zudem in Österreich die Möglichkeit geschaf- tig aber auch eine ebenso große Verantwor- Vielleicht gelingt es, das Logo der Alpenkon-
fen, eine förderungsrechtliche Feinabstufung tung zukommt. vention oder jenes der Bergsteigerdörfer in
der Bergbauernbetriebe vorzunehmen. geeigneter Form auf Produkten zu platzie-
Zudem ist der alpine Bereich geprägt von ren. Solche Überlegungen bauen auf die Ver-
Beide erwähnten Direktzahlungsprogramme einer großen biologischen Vielfalt, seien es pflichtung der Vertragsparteien auf, extensive,
sind wiederum in das Österreichische Pro- Tier- oder Pflanzenarten, seien es unterschied- naturgemäße und gebietscharakteristische
gramm zur Entwicklung des ländlichen Raums lichste Ökosysteme. Das nachhaltige Bewirt- Bewirtschaftungsmethoden zu begünstigen
eingebettet. Dieses Förderpaket wird aus Mit- schaften des Berg- und Almenlandes ist auch und typische durch entsprechende Produk-
teln des Landes, des Bundes sowie der EU co- gleichbedeutend mit dem Erhalt und der Pfle- tionsweisen herausragende Agrarprodukte
finanziert. Dem Österreichischen Programm für ge der Vielfalt im Alpenraum und steht für ein auszuzeichnen, zu schützen und aufzuwerten
die Entwicklung des ländlichen Raumes 2007 seit Jahrhunderten funktionierendes Zusam- (Art. 9, Naturgemäße Bewirtschaftungsme-
- 20131, das auf eine multifunktionale, nach- menwirken von Ökologie und Ökonomie. thoden und typische Produkte).
haltige und wettbewerbsfähige Land- und
Forstwirtschaft in einem vitalen und überle-
bensfähigen, ländlichen Raum abzielt, kommt Art. 10, Standortgemäße Viehhaltung und Art. 13, Land- und Forstwirtschaft als
generell eine zentrale Bedeutung zu. Erstmals genetische Vielfalt Einheit
konnte – wie das Projekt „Bergsteigerdörfer“ ja
eindringlich zeigt - der Bereich Alpenkonven- Bezüglich einiger in den Berggebieten früher Diese Bestimmung versucht, dem notwendi-
tion mit dem Ziel verankert werden, die Alpen gehaltener Nutztierrassen, die mittlerweile gen Zusammenspiel von Land- und Forstwirt-
zurückgedrängt worden bzw. ausgestorben schaft Rechnung zu tragen. Die Vertragspar-
sind, wird eine bewusste Gegenbewegung teien sind sich einig, dass eine ganzheitliche
verlangt. In Österreich existiert mit der Öster- Konzeption von Land- und Forstwirtschaft auf
1
Verordnung (EG) Nr. 1698/2005 des Rates vom reichischen Nationalvereinigung für Genre- Grund ihrer sich ergänzenden und zum Teil
September 2005 über die Förderung der Entwick- serven bereits seit 1982 eine entsprechende von einander abhängigen Funktionen in den
lung des ländlichen Raumes durch den Europä- Einrichtung, die auch vom 1986 gegründeten Berggebieten unumgänglich ist. Dabei wird
ischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung
des ländlichen Raumes ELER – Abl. L 277 vom Verein zur Erhaltung gefährdeter Nutztierras- – ganz im Sinne eines integrativen Ansatzes
21.10.2005. sen unterstützt wird. - die Förderung der naturgemäßen Waldbe-
Das Berglandwirtschaftsprotokoll der Alpenkonvention 12 13

Ländliche Entwicklung nach 2013

wirtschaftung sowohl als zusätzliche Einkom- formationsaustausch, zur Vernetzung und zur III.) Resümee Chancen für die alpine Umwelt?
mensgrundlage der landwirtschaftlichen Be- Meinungsbildung.
triebe, als auch als Nebenerwerbstätigkeit der Basierend auf den Ergebnissen der Veranstal- Österreich konnte vom Verhandlungsbeginn
in der Landwirtschaft Beschäftigten besonders tung wurden für die Alpenkonvention folgen- an seine Erfahrungen mit spezifischen Model- Michael Proschek-Hauptmann, Geschäftsführer des Umweltdachverbandes
hervorgehoben. de Optionen identifiziert: len der Bewirtschaftungssicherung in Bergge-
Es wird aber auch die immer mehr an Bedeu- Grundsätzlich soll die Alpenkonvention eine bieten aktiv einbringen und die österreichi-
tung gewinnende Einbeziehung des Touris- gemeinsame Plattform der Alpenländer sein, sche Agrarpolitik geht auch weitgehend mit
mussektors angesprochen, der oft als „stiller um Anliegen, Ideen und Vorschläge zu trans- den Zielen und Inhalten der Alpenkonvention
Nutznießer“ der intakten Kulturlandschaft be- portieren. zur Berglandwirtschaft konform. Es überrascht
zeichnet wird. daher nicht, dass die im Protokoll „Bergland-
1. Agrarpolitik wirtschaft“ enthaltenen Forderungen zur Be-
rücksichtigung der speziellen Situation von
Art. 14, Zusätzliche Erwerbsquellen • Es ergeben sich Anknüpfungspunkte in der Bergregionen größtenteils bereits erfüllt wer-
Ausgestaltung des Programms für ländli- den. Nachdem die Europäische Kommission am zunehmend zu Überlebensfaktoren für die
Die Zielvorgabe dieses Artikels betrifft vor al- che Entwicklung für die Periode nach 2013. 18. November 2010 nun endlich ihre Vor- Betriebe. Weniger, aber dafür größere Betrie-
lem die ansässige Bevölkerung und fachlich die • Es können gemeinsame Ziele der Alpenlän- Die zentrale Aussage, die in u. a. in diesem stellungen für die Gemeinsame Agrarpolitik be bei gleichzeitig insgesamt gesteigerter
mit der Landwirtschaft verbundenen Bereiche der zur Almwirtschaft in die europäische Protokoll getroffen wird, ist die unzweifelhafte (GAP) der Zukunft vorgelegt hat1, lichten sich Produktion, sind die Konsequenz dieser Ent-
Forstwirtschaft, Tourismus und Handwerk. Zur Agrarpolitik eingebracht werden. Anerkennung des Beitrages, den die Bergland- die Nebel um die Finanzierungsperiode nach wicklung (vgl. Abb.1: Anzahl der Milchkuhbe-
Erhaltung der Voll-, Zu- und Nebenerwerbs- • Der Ansatz der Ökosystemleistungen soll wirtschaft zur Erhaltung und Pflege der Kultur- 2013 ein wenig und damit werden auch die triebe und Milchquote2), die auch bisher durch
betriebe im Einklang mit der Erhaltung der noch stärker in die Alm-wirtschaft einbezo- landschaft sowie zur Sicherung von Naturge- Möglichkeiten und Herausforderungen für die förderpolitische Interventionen nicht aufge-
Natur- und Kulturlandschaft, könnten neben gen werden. fahren im Interesse der Allgemeinheit leistet, Berglandwirtschaft deutlicher. Es gibt zahl- halten wurde. Für den alpinen Raum ergeben
ausbildungsspezifischen Fragen im Hinblick und der über den allgemeinen Verpflichtungs- reiche Vorstellungen, wie die gemeinsame sich dadurch dramatische Hofaufgaberaten,
auf mögliche Abgeltungen der Leistungen zur 2. Die Alpenkonvention soll Lobbying be- rahmen hinausgeht. Im Mittelpunkt steht Agrarpolitik generell umweltfreundlicher zu die nicht nur vor dem Hintergrund der Margi-
Erhaltung der Kulturlandschaft auch steuer-, treiben und das Thema Almwirtschaft, Kul- dabei die Frage nach einer angemessenen gestalten wäre, doch vielfach überwiegen die nalisierung und Entvölkerung der Ländlichen
raumordnungs- und gewerberechtliche An- turlandschaftserhaltung und Naturschutz auf Abgeltung, sei es auf Grundlage vertraglicher, Unsicherheiten hinsichtlich der Zukunft des Räume ein Problem aufwerfen, sondern oben-
passungen notwendig sein, was wiederum mit europäischer Ebene verankern. projekt- oder leistungsbezogener Vereinba- EU-Budgets. drein den Naturschutz in Bedrängnis bringen.
den ökosystemaren Ansätzen korrespondiert. rungen. Lediglich für den westösterreichischen Anteil
3. Ein wichtiges Betätigungsfeld für die Alpen- des Alpenbogens war in den Jahren 2000-
Exkurs: Zusammenfassung der Ergebnisse konvention wäre es, die Kräfte zu bündeln Trends in der Landwirtschaft… 2007 eine unterdurchschnittliche Hofauf-
der Tagung „Almen und Biodiversität. Situation und die Zusammenarbeit von allen Betei- Michael Proschek-Hauptmann, Geschäftsführer des gaberate festzustellen, die wohl u.a. auf das
der Almwirtschaft im Alpenraum“ am 10. und ligten und Sektoren zu forcieren. Umweltdachverbandes Um sich dem Zukunftsthema Landwirtschaft Österreichische Konzept der Förderung des
11. Juni 2010 in Salzburg: und Ländliche Entwicklung annähern zu kön- Ländlichen Raumes (Ausgleichszulage und
Ziel der Veranstaltung war es einerseits, die Si- nen ist es wichtig, sich mit dem Trend und den ÖPUL) zurückzuführen sein dürfte (vgl. Abb.
tuation der Almwirtschaft im Alpenraum und „Für den alpinen Raum ergeben sich externen Einflussfaktoren in diesen Bereichen 2: Zahl der Betriebe und regionale Hofaufga-
die Bedeutung der Almen für die Biodiversität auseinanderzusetzen. Generell ist für die Land- beraten im Alpenraum zwischen 2000-20073).
dramatische Hofaufgaberaten, die
und die Erhaltung der Kulturlandschaft darzu- wirtschaft festzustellen, dass Globalisierung, Im Endeffekt führt diese Entwicklung zur Ver-
stellen. Andererseits diente die Tagung zum In- nicht nur vor dem Hintergrund der Internationalisierung und Wettbewerb die lagerung der Produktion auf jene Bereiche,
Marginalisierung und Entvölkerung Agenda weiterhin bestimmen werden. Damit Regionen und Länder, die sich dafür am bes-
dominieren externe globale Rahmenbedin- ten eignen. Das Phänomen ist aber ebenso
der Ländlichen Räume ein Problem
gungen diesen Bereich. Die logische Reaktion auf regionaler Ebene beobachtbar. D.h. in der
aufwerfen, sondern obendrein den auf diese Einflussfaktoren ist das Voranschrei- Grünlandwirtschaft werden beispielsweise er-
Naturschutz in Bedrängnis bringen.“ ten des agrarstrukturellen Wandels. Technolo- tragsstarke Standorte (meist in den Tallagen)
gischer Fortschritt und effizienterer Mittelein- intensiviert und ertragsschwache, oder schwer
satz auch im Bereich der Arbeitskraft werden bewirtschaftbare Flächen extensiviert. Verwal-

1
Europäische Kommission, (2010): Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament, den Rat, den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und den
Ausschuss der Regionen: Die GAP bis 2020: Nahrungsmittel, natürliche Ressourcen und ländliche Gebiete – die künftigen Herausforderungen. KOM(2010) 672/5
2
Grafik aus: Kirner, L. (2010): Trends in der Landwirtschaft und ihre Auswirkungen auf die Umwelt. Präsentation im Rahmen der Jahreskonferenz von Netzwerk Land.
29.9.2010 St. Johann/Pg.
3
Abbildung aus: Streifeneder, T. (2009): Die Agrarstrukturen in den Alpen und ihre Entwicklung unter Berücksichtigung ihrer Bestimmungsgründe - Eine alpenweite
Untersuchung anhand von Gemeindedaten. Dissertation der Fakultät für Geowissenschaften der Ludwig-Maximilians-Universität München. 229 S.
Ländliche Entwicklung nach 2013 14 15
Ländliche Entwicklung nach 2013

dung ist dabei der Counterpart zu Intensivie- nicht mehr. Dies vermindert naturgemäß die merksamkeit zukam, die es verdienen würde. Überfrachtung und Überforderung?
rung. Beide Konsequenzen sind aus Sicht des Akzeptanz freiwilliger Umweltprogramme und Geradezu dramatisch lesen sich da die offiziel-
Naturschutzes unerwünscht. beeinträchtigt damit ihren Beitrag zur Zieler- len Berichte, welche die Republik nach Brüssel Angesichts der vielfältigen Herausforderun-
Neben den Auswirkungen des Strukturwan- reichung. übermittelt, um einen ersten Zustandsbericht gen und der starken Einbettung der gemein-
dels befindet sich die gesamte Politik für den der nach EU-Recht zu schützenden Arten und samen Agrarpolitik und damit auch der Politik
Ländlichen Raum zusätzlich unter dem Ein- Lebensräume zu geben. 76% aller landwirt- für den Ländlichen Raum in einen weiteren,
fluss externer Faktoren, wie dem Anstieg der … und in der Umwelt schaftlich geprägten Lebensräume sind dem- ja globalen Kontext, muss man sich die Frage
Weltbevölkerung und damit natürlich verbun- nach in einem ungünstigen Erhaltungszu- stellen, ob dieses Instrumentarium nicht mit zu
den dem Trend zu stärkerer Nutzung von land- Die Trends in der Umwelt sind weitestge- stand. Ein Bild, das sich auch bei Betrachtung vielen Erwartungen überfrachtet wurde. Die
wirtschaftlichen Nutzflächen. Zudem spielen hend bekannt. Ohne groß als Apokalyptiker der Roten Listen wieder findet. Praktisch 90% GAP bietet derzeit sicherlich die Instrumenta-
auch Finanzinvestoren zunehmend eine kriti- bezeichnet werden zu wollen: Die Umwelt- aller Grünlandlebensräume sind einer Gefähr- rien zur Verlangsamung und Abmilderung der
sche Rolle. Durch den Handel von agrarischen indikatoren sprechen eine klare Sprache. An- dungskategorie nach der Roten Liste zuzu- Folgen des Strukturwandels und gleichzeitig
Rohstoffen an den Börsen werden die Preise gefangen beim Klimawandel, der über eine ordnen, nur drei Grünlandbiotoptypen (rund zur Modernisierung der Landwirtschaft, die
unberechenbarer und damit wird auch jede Anhäufung extremer Niederschlagsereignis- 5%) sind österreichweit nicht gefährdet5. Der Grundvoraussetzung auch für die Minderung
darauf ausgerichtete und optimierte Inter- se, Gletscherschmelze und das Auftauen des Schluss „die Landwirtschaft hat das zu ver- negativer Umweltauswirkungen. Gleichzeitig
vention beeinflusst. So können beispielsweise Permafrostbodens zunehmend bereits direkt antworten“ liegt nahe, erweist sich aber bei hat auch Innovation einen Raum (LEADER)
stabile Prämien in einem Agrarumweltpro- das Leben und die Entwicklungsmöglichkei- näherer Betrachtung als nur halbrichtig bzw. der insbesondere in Richtung Umwelt sehr
gramm in einem Jahr für LandwirtInnen hoch ten im alpinen Ländlichen Raum beeinträch- als falsch, denn Bewirtschaftung ist für etliche gut nutzbar wäre. Dennoch muss man sich im
attraktiv sein, im nächsten Jahr aber bereits tigt, über den anhaltend hohen Flächenver- dieser Lebensräume sogar eine Überlebens- Klaren sein, dass eine sektorale Förderpolitik,
Abb. 1: Anzahl der Milchkuhbetriebe und Milchquote brauch4, bis hin zum gravierenden Verlust der voraussetzung. Es muss allerdings die richtige mag sie auch noch so integrativ und umfas-
biologischen Vielfalt, einem Problemfeld, dem Bewirtschaftung sein – eben keine intensivier- send sein, keinen Ersatz für Versäumnisse in
in der Vergangenheit sicher nicht jene Auf- te, oder keine Aufgabe der Nutzung. anderen Politikfeldern bietet. D.h. ein gutes

4
Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft, (2010): Indikatoren-Bericht zur Biodiversität in Österreich - September 2010, Wien
5
Grafik aus: Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft, (2010): Indikatoren-Bericht zur Biodiversität in Österreich - September
Abb. 2: Zahl der Betriebe und regionale Hofaufgaberaten im Alpenraum zwischen 2000-2007 2010, Wien
Ländliche Entwicklung nach 2013 16 17

Funktionierende Berglandwirtschaft
als Voraussetzung für einen
Programm für die Ländliche Entwicklung wird
auch in Zukunft eine funktionierende Umwelt-
Thema bereits auf uns schlägt obligatorische
„Greening“-Komponenten für die Direktzah-
dass auch die Konsistenz der Umsetzungspro-
gramme einzelner Förderbereiche, von der
nachhaltigen Tourismus
und Naturschutzpolitik nicht ersetzen können. lungen vor. An diesem Punkt führt angesichts landwirtschaftlichen Förderung bis hin zu den
Im Gegenteil: Ein derartiges Programm kann des schlechten Standings der Agrarförderun- Struktur- und Kohäsionsfonds, wesentlich stär-
nur dann einen entsprechend positiven Kom-
plementäreffekt haben, wenn das korrespon-
gen kein Weg vorbei. Darüber hinaus greift
der Kommissionsvorschlag eine sehr inter-
ker eingefordert werden wird. Dies ist de facto
auch eine Chance, die nationale Politik für den
Josef Türtscher
dierende Politikfeld entsprechend gut aufge-
stellt ist.
essante Möglichkeit der Differenzierung der
Direktzahlungen auf. Von ökologischen Ge-
Ländlichen Raum generell zu durchleuchten
und besser aufzustellen. Denn die beste Berg-
Landwirt, Landtagsabgeordneter Vorarlberg, Regio Obmann Gr. Walsertal
gebenheiten benachteiligte Gebiete, z.B. sehr bauernförderung wird auch in Zukunft wenig
struktur- und biodiversitäsreiche Regionen, bringen, wenn für nachgelagerte Sektoren die
(Bilder: Biosphärenpark Gr. Walsertal)
Was muss mit der künftigen GAP passieren? könnten hier zusätzliche Zahlungsansprüche Infrastrukturen ausgedünnt werden (Rückzug
ableiten. Diese Chance sollte insbesondere für des Schienennetzes, Post, Bildungseinrichtun-
Die Rahmenbedingungen für die Weiter- die Berglandwirtschaft in Österreich genutzt gen) und die Menschen keine Zukunft mehr
entwicklung der Gemeinsamen Agrarpolitik werden. Für die zweite Säule steht jetzt fest, für sich sehen. An dieser zentralen Frage hängt
haben sich geändert. Oben wurde bereits er- dass durch das Verbleiben der Ausgleichszula- auch der Zustand der Umwelt im Ländlichen 1. Bei uns funktioniert (noch) die Bergland- Tonnen Milch
wähnt, dass die Frage des EU-Haushalts und ge in der zweiten Säule auch für die Bergland- Raum. Jetzt ist die Chance da, etwas zum Bes- wirtschaft • 60.000 Stück Vieh, davon 28.000 Milchkü-
damit die Mittelzuteilung für das Agrarbudget wirtschaft ein wesentlicher Sicherheitsanker seren zu ändern. he
nach wie vor offen sind. Gleichzeitig wird im erhalten bleiben wird. Im Bereich des Agrar- Ich stelle die These auf, dass bei uns die Berg-
bevorstehenden Gesetzgebungsprozess das umweltprogramms ÖPUL ist über eine konst- landwirtschaft noch funktioniert. Warum das Vorarlberg weist eine geringe Eigenversor-
EU-Parlament eine (mit)entscheidende Rolle ruktive Weiterentwicklung nachzudenken. Gut Quellennachweis: so ist, werde ich erläutern. gung bei Fleisch auf. Auch gibt es kaum Ge-
spielen. Vor diesem Hintergrund ist klar, dass umsetzbare Biodiversitätsauflagen in breiten treide, Gemüse und Obst, außer Äpfel.
die gesamte Agrarförderpolitik auf dem Prüf- horizontalen Maßnahmen sind hier gleich Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft,
stand steht und insbesondere der kritischen anzudenken, wie eine Stärkung der zielgerich- Umwelt und Wasserwirtschaft, (2010): Indikatoren- 2. Landwirtschaftsgeschichte Landwirtschaftspolitik in Vorarlberg
Betrachtung einer nicht immer wohlgeson- teten Naturschutzmaßnahmen. Ob das ÖPUL Bericht zur Biodiversität in Österreich - September Ziel ist es, eine flächendeckende Bewirtschaf-
nenen Öffentlichkeit standhalten muss. Der auch künftig flächendeckend angeboten wird, 2010, Wien Kurze Geschichte der landwirtschaftlichen tung bis hin zu den 560 Alpen aufrecht zu er-
Naturschutz kann hier als echter Verbündeter muss vom derzeitigen Standpunkt – Stichwort Entwicklung halten. Die 560 Alpen machen 2/5 der Landes-
agieren. Voraussetzung dafür ist natürlich, Budget – kritisch hinterfragt werden. Zudem Streifeneder, T. (2009): Die Agrarstrukturen in den Alpen Es herrschte immer Mangel und Hunger nach fläche aus.
dass sich agrarische Entscheidungsträger auf werden eine künftige Agrarförderpolitik und und ihre Entwicklung unter Berücksichtigung ihrer Nahrungsmitteln. So mussten viele Wanderar- Wichtigste Aufgabe ist die Produktion von Le-
Josef Türtscher, Landwirt und Landtagsabgeordneter
eine echte Diskussion in Richtung „Greening“ ein Programm für die Ländliche Entwicklung Bestimmungsgründe - Eine alpenweite Untersuchung beiter in der Fremde ihr Brot verdienen. Viele bensmitteln sowie die Landschaftspflege und
Vorarlberg
einlassen müssen. Klar ist auch, dass eine wesentlich stärker an ihrer Zielerreichung anhand von Gemeindedaten. Dissertation der Fakul- Kinder wurden als sogenannte Schwabenkin- der Naturschutz zur Erhaltung der Kulturland-
Diskussion über die Wirksamkeit einzelner gemessen werden – dementsprechend wird tät für Geowissenschaften der Ludwig-Maximilians- der nach Oberschwaben zur Arbeit geschickt schaft. Zum einen als Naherholungsgebiet für
Instrumente geführt werden muss. Der vor- auch die Mittelzuteilung erfolgen. Zumindest Universität München. 229 S. „Ziel ist es, eine flächendeckende (südöstliches Baden-Württemberg und süd- die Vorarlberger Bevölkerung, zum anderen
liegende Kommissionsvorschlag greift dieses von europäischer Ebene wird zu erwarten sein, westliches Bayern). Sie erhielten dort meist nur für den Tourismus.
Kirner, L. (2010): Bergbauernbetriebe und Betriebe im
Bewirtschaftung bis hin zu den 560 Kost und Logis - waren aber aus der Schüssel, Weiteres geht es um den Erhalt der Besiede-
benachteiligten Gebiet in Oberösterreich. Entwicklun- Alpen aufrecht zu erhalten.“ d.h. ein Esser weniger am Tisch. lung in Berggebieten und den Schutz dieser
gen und ökonomische Perspektiven. Agrarpolitischer Bis 1950 betrug der landwirtschaftliche Anteil vor Naturgefahren.
Arbeitsbehelf Nr. 33. Bundesanstalt für Agrarwirt- der Bevölkerung über 30%.
schaft Vorarlberg wurde vom armen Agrarland zum Maßnahmen
reichen Industrieland. Die Möglichkeiten von Das Land Vorarlberg setzt eine Reihe an Maß-
Kirner, L. (2010): Trends in der Landwirtschaft und Technik und Chemie führten vom Mangel zu nahmen zur Erreichung dieser Ziele. So z.B. mit
ihre Auswirkungen auf die Umwelt. Präsentation im Überproduktion. der Bewerbung der Marke „Luag druf“ durch
Rahmen der Jahreskonferenz von Netzwerk Land. das Ländle-Marketing.
29.9.2010 St. Johann/Pg. Weiteres bezahlt das Land Vorarlberg im Be-
3. Situation der Landwirtschaft in reich von Ausgleichszulage (AZ) und dem ös-
Europäische Kommission, (2010): Mitteilung der Kom- Vorarlberg terreichischen Programm für umweltgerechte
mission an das Europäische Parlament, den Rat, den Landwirtschaft (ÖPUL) bis zu einem eigenen
Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und Facts Umweltprogramm wo die Berghöfekataster-
den Ausschuss der Regionen: Die GAP bis 2020: Nah- • 2% landwirtschaftlich Beschäftigte punkte (BHK) berücksichtigt werden ca. 16
rungsmittel, natürliche Ressourcen und ländliche Ge- (Haupterwerb) Millionen Euro. Darüber hinaus versucht man
biete – die künftigen Herausforderungen. KOM(2010) • ¾ Nebenerwerbsbetriebe mit einer eigenen Kuh- und Weideprämie und
672/5 • ca. 4000 Betriebe, davon 90% Bergbauern Maßnahmen im Tiergesundheitsdienst (TGD)
• 1800 Milchbauern produzieren 140.000 die Tierhaltung aufrecht zu erhalten.
Funktionierende Berglandwirtschaft 18 19
Funktionierende Berglandwirtschaft

Die Übernahme der SV- Beiträge für Dienst- der Landwirtschaft des Großen Walsertals die HausWalserstolz Die heimische Gastronomie bietet Absatz-
nehmer auf den Alpen und in Kleinsennereien Hauptrolle. Das HausWalserstolz wurde 2009 eröffnet und möglichkeiten für die landwirtschaftlichen
ist eine maßgebliche Hilfe zur Erhaltung der Für das landwirtschaftliche Einkommen sind ist ein Kooperationsprojekt in der Region. Produkte.
„Es braucht gegenseitige Wertschät-
Struktur. Weiteres werden Investitionsbeihil- die Direktzahlungen für Landschaftspflege Neben der Produktionsstätte des Walserstolz Die Wertschätzung über den Kauf der land-
zung, erst dann kann Wertschöp- fen für Alpen und Sennereien gewährt. und Naturschutzleistungen ebenso wichtig Bergkäse beherbergt das Haus eine Gast- wirtschaftlichen Produkte ist für die Bauern
fung für alle möglich werden.“ und daher unverzichtbar! ronomie, den Regionalladen und die Bio- und Bäuerinnen die wichtigste Motivation für
sphärenpark Ausstellung. In der in das Haus ihre Arbeit.
4. Landwirtschaft im Großen Walsertal Aus meiner Sicht sind die Produktion von Le- integrierten Erlebnis.Sennerei haben die Besu-
bensmitteln und die Landschaftspflege gleich- cherInnen die Möglichkeit zum selber sennen
Facts wertig. Ich fühle mich als Bauer und Natur- unter fachkundiger Anleitung eines Alpsen- 6. Zukunftsperspektive für Landwirtschaft
• 190 landwirtschaftliche Betriebe schützer. nes. und Tourismus
• das sind 20% der Bevölkerung
• 50% im Haupterwerb Ziele Ergebnis Voraussetzung für die Zukunft der Landwirt-
• 40% Biobetriebe Ziel ist die Erhaltung der Wertschöpfung und Die Ergebnisse können sich sehen lassen. Der schaft im Großen Walsertal ist aus meiner Sicht
der Arbeitsplätze in den Sennereien und auf Milchpreis liegt deutlich über dem Landes- die Erhaltung der drei Säulen:
Im Biosphärenpark Großes Walsertal wird bis den Bauernhöfen des Tales. durchschnitt. Das HausWalserstolz wurde zum
heute die traditionelle Dreistufenwirtschaft Die Anteile der ökologisch wertvollen Flächen zweitwichtigsten Arbeitgeber in der Region. Es • Lebensmittelproduktion
betrieben. Dies bedeutet, dass die Landwirte (Magerwiesen und Streubiotope) sollen nicht ist ein positives Beispiel von regionaler Zusam- • Direktzahlungen
mit ihrem Vieh im Mai vom Tal/Heimathof auf abnehmen. Die Grundlage für die Produktion menarbeit. Die Eigenständigkeit ist gesichert • Zu- und Nebenerwerb
das Maisäß ziehen und Mitte Juni weiter auf von Walserstolz-Bergkäse ist der Verzicht auf und die Bauern und Bäuerinnen gehen moti-
die Alpen wo sie je nach Futtervorkommen Silagewirtschaft. viert in die Zukunft. Für den Tourismus eine gute Auslastung der
und Witterung bis Anfang oder Mitte Septem- Ein wichtiges Ziel ist es, die Drei-Stufenwirt- Betriebe.
ber bleiben. Dann treiben einige der Landwir- schaft zu erhalten und somit die Bewirtschaf-
te ihr Vieh nochmals auf das Maisäß bevor sie tung der insgesamt 47 Alpen (Almen) im Gro- 5. Beitrag der Landwirtschaft für den Die Zusammenarbeit in der Familie und über
auf den Heimathof zurück kehren. ßen Walsertal zu sichern. Tourismus bzw. vom Tourismus für die Berufsgruppen hinweg ist aus meiner Sicht un-
Diese Bewirtschaftungsform ermöglicht es Landwirtschaft verzichtbar. Ich möchte alle ermutigen, Part-
Das HausWalserstolz beherbergt neben einer Ausstel-
den LandwirtInnen während der Sommermo- Maßnahmen nerschaften einzugehen.
lung zum Biosphärenpark und einer Schausennerei
nate im Tal möglichst viel Winterfutter für das Maßnahmen sind das Pilotprojekt Gesamtbe- Beitrag für Tourismus
auch einen Gastronomiebereich und Verkaufsfläche
Vieh zu ernten. trieblicher Naturschutzplan an dem sich 28 Für den Tourismus erbringt die Landwirt- Wichtig für eine gemeinsame Zukunft ist auch
für regionale Produkte.
Die Viehzucht und Milchwirtschaft spielen in Betriebe beteiligt haben, die Teilnahme an der schaft die Leistungen einer lebendigen und die Berufsfreude und Lebensqualität. Natür-
landesweit ausgetragenen Wiesenmeister- traditionellen Landwirtschaft, gepflegte Kul- lich muss das Einkommen zum Auskommen
schaft, die Viehausstellungen in den Orten und turlandschaft, blühende Blumenwiesen und reichen – es ist aber nicht alles.
Bergkäseprämierungen sowie die Nutzung der bewirtschaftete Alpen. Leistungen, ohne die
Möglichkeiten die das Projekt Genussregion der Tourismus in einer Bergregion wie dem Die landwirtschaftlichen und touristischen
mit sich bringt. Großen Walsertal keine Zukunft hätte. Betriebe sind nicht nur Arbeitsplätze, sie sind
Mit 40% Biolandwirten weist das Große Wal- Die Landwirtschaft bietet dem Tourismus regi- auch Wohnort und somit Heimat für die Fami-
sertal einen sehr hohen Anteil an biologischer onale Spezialitäten die in der Küche eingesetzt lien.
Landwirtschaft auf - man kann fast von einer werden können und von den Gästen sehr ge-
Bioregion reden! schätzt werden. Es braucht gegenseitige Wertschätzung, erst
Im Tal stehen keine öffentlichen Mittel für die- Mit dem Lieferservice „Genussspechteauto“ dann kann Wertschöpfung für alle möglich
se Maßnahmen zu Verfügung. Es ist deshalb bietet das HausWalserstolz den Hotelies des werden. Es ist aus meiner Sicht wichtig, sich
wichtig, diese in den Programmen von Land, Tales die Zustellung heimischer Milchprodukte gegenseitig zu unterstützen und um eine ge-
Bund und EU zu verankern. bis vor die Haustüre an. meinsame gute Zukunft zu kämpfen - im Sin-
ne der kommenden Generationen im Biosphä-
Walserstolz Beitrag vom Tourismus renpark Großes Walsertal.
Die Marke Walserstolz wurde 1997 gegründet. Der Tourismus bietet der Landwirtschaft wich-
Ziel war und ist es, die Wertschöpfung in der tige Verdienstmöglichkeiten. Die LandwirtIn-
Region zu halten und gleichzeitig die Eigen- nen finden Zuerwerbsmöglichkeiten bei den
ständigkeit der Sennereigenossenschaften zu Seilbahnen, Liftanlagen und in den Skischulen.
sichern. Weiters soll mit der Marke Walserstolz Mit dem Angebot von Urlaub am Bauernhof
ein höherer Milchpreis für die Bauern und die bietet der Tourismus eine weitere Einnahme-
Arbeitsplätze gesichert werden. quelle. Der mehrfach ausgezeichnete Käse „Walserstolz“
20 21

„So schmecken die Berge“

Alm- und Bergbauernprodukte auf Schutzhütten

Peter Kapelari, Leiter des Referates Hütten und Wege


des Oesterreichischen Alpenvereins (Bilder: Peter Kapelari)

Die Alm- und Hirtenwege waren die Vorläu- Umgebung auf den Alpenvereinshütten zu
fer - die Grundlage - des alpinen Wegenet- verarbeiten und zu vertreiben. Auf einigen
zes, die Almhütten die ersten und einzigen Hütten ist dies natürlich längst gängige Praxis,
Stützpunkte für Alpinisten. Bauer, Hirten Vieles kann aber noch ausgebaut werden. Der
und Jäger waren die ersten Bergführer und Alpenverein hat eine diesbezügliche Kampag-
oft auch die ersten Hüttenwirte des Alpen- ne unter dem Titel: „So schmecken die Berge“
vereins. Das so reizvolle Landschaftsbild gestartet.
des „wanderbaren“ Österreich ist grundle-
gend geprägt durch die gepflegten Almen
und die echten „Bioprodukte“ wurden seit Die Idee der Kampagne
jeher völlig selbstverständlich hier produ-
ziert. Die Kampagne „So schmecken die Berge“
bezeichnet die Direktvermarktung von land-
Peter Kapelari, Leiter des Referates Hütten und Wege Der Oesterreichische Alpenverein beschäftigt wirtschaftlichen Produkten auf Alpenvereins-
des Oesterreichischen Alpenvereins sich seit langem mit dem Thema Erhaltung hütten. Sie wurde ursprünglich vom DAV in
der alpinen Kulturlandschaft. Bereits Pfar- Zusammenarbeit mit der Regierung von Ober-

So schmecken „Tourismus ist ohne die Leistungen


der Berglandwirtschaft nicht denk-
rer Franz Senn - einer der Gründerväter des
Alpenvereins - organisierte Hilfseinsätze für
Bergbauern. Heute finden Arbeitseinsätze zur
bayern 1999 initiiert, als INTEREG-II-Projekt in
den Chiemgauer Alpen umgesetzt. Nun wird
sie als ostalpenweite Alpenvereins-Kampagne

die Berge!
Unterstützung der Berglandwirtschaft primär gemeinsam von AVS, DAV und OeAV weiterge-
bar. (...) Der Erhalt dieser einzigar- im Zuge von Bergwaldprojektwochen und führt und ausgebaut.
tigen Natur- und Kulturlandschaft Umweltbaustellen, bei denen Jugendliche
zwischen 16 und 30 Jahren eine Woche lang Tourismus ist ohne die Leistungen der Berg-
ist ein zentrales Anliegen des Alpen-
unentgeltlich arbeiten, statt. Hierbei getätigte landwirtschaft nicht denkbar. Die in Jahr-
vereins.“ Arbeiten sind beispielsweise das Schwenden hunderten von den Bergbauern geschaffene
Regionale Speisen und Getränke auf von verwaldeten Almflächen, der Bau bzw. die Kulturlandschaft ist mit ihrem Wechsel von
Alpenvereinshütten mit diesem Schild Wiederherstellung von Viehtriebwegen, das Frei- und Waldflächen besonders erholungs-
Restaurieren verfallener Unterstände und Stal- attraktiv. Der Fortbestand dieser Erholungs-
lungen, das Neueindecken alter Holzschindel- landschaft ist angesichts der Entwicklungen in
Weitere Infos zu den Alpenvereinen und zur Kampagne stehen im Internet unter dächer und vieles mehr. Agrarpolitik und auf dem Arbeitsmarkt keines-
www.alpenverein.de www.alpenverein.at www.alpenverein.it falls gesichert. Der Erhalt dieser einzigartigen
R Hütten, Wege, Kletteranlagen R Hütten und Wege/Standards R Alpin-Info/Hütten Aber der wohl naheliegendste und nachhal- Natur- und Kulturlandschaft ist ein zentrales
tigste Weg, die alpine Kulturlandschaft - die Anliegen des Alpenvereins.
Almen und die Bergbauernbetriebe insgesamt
- zu erhalten ist jener, den erzeugten Produk- Mit der Vermarktung von regionalen Produk-
ten den gebührenden Wert und einen Absatz ten auf Alpenvereinshütten werden im Sinne
zu geben. Und nichts liegt näher, als Alm- und des Grundsatzprogramms neue Möglichkeiten
Bergbauernprodukte aus der unmittelbaren geschaffen, eine ökologisch und ökonomisch
So schmecken die Berge 22 23
So schmecken die Berge

nachhaltige Berglandwirtschaft zu unterstüt- Durch das Angebot von Produkten aus regio- zustehen. 86 Hütten (7 vom AVS in Südtirol, 35 Arbeitsgebieten, das Bemühen um die Wieder-
zen und zu fördern. Ein entscheidender Wett- naler Landwirtschaft gewinnen alle Beteilig- vom OeAV in Österreich, 25 Vom DAV in Öster- herstellung des „Schulterschlusses zwischen
bewerbsvorteil der Berglandwirtschaft ist die ten: reich und 19 vom DAV in Bayern) sind aktuell Bergsteigern und Berglandwirtschaft“ ist nicht
hohe Qualität der Produkte und die Transpa- » der Hüttengast, der seine Bergregion nun bei der Aktion dabei – und es werden immer nur Kernaufgabe des Alpenvereins, sondern
renz der Vermarktungswege. Gäste wollen auch kulinarisch erleben kann; mehr! bringt uns Genuss, Lebensfreude und wirt-
wissen, wo die Lebensmittel herkommen und » der Hüttenwirt, der sich als Anbieter von re- schaftlichen Erfolg für die Hütten. Und der ist
wie sie erzeugt werden. Darin liegt eine große gionaltypischen Produkten ein unverwech- Typische Produkte, die aus der regionalen notwendig um sie langfristig als Netzwerk er-
Chance für regionale Angebote! selbares Image und einen Wettbewerbsvor- Landwirtschaft/Wirtschaft bezogen werden halten zu können. So wird das Berg- auch zum
teil für seine Hütte schafft; können sind beispielsweise Milch, Käse, But- kulinarischen Erlebnis!
Alpenvereinshütten stellen als alpine Stütz- » die Sektion, weil damit eine längerfristige ter, Topfen, Fleisch, Wurst, Geräuchertes, Brot,
punkte einen Ort der Geborgenheit und Erho- wirtschaftliche Sicherung des Hüttenbe- Kuchen, Gebäck, Gemüse, Kartoffel, Zwiebel,
lung für die Besucher dar. Aufgrund ihrer Lage triebes gewährleistet werden kann; Salat, Obst, Kräuter(tee), Eier, Honig, Beeren,
und der Sensibilität des sie umgebenden Öko- » der Berglandwirt, weil durch zusätzliche Marmeladen, Apfelsaft, weitere Säfte, Schnaps,
systems ist gerade dort ökologisch motivier- Absatzmöglichkeiten zu seiner Existenzsi- Likör, Brenn- und Bauholz...
tes Wirtschaften von großer Notwendigkeit. cherung beigetragen wird;
Die Aufnahme einer Alpenvereinshütte unter » und das heimische Handwerk, welches mit Der Einkauf der Produkte erfolgt bei regio-
dem Label „So schmecken die Berge“ ist ein der Verarbeitung landwirtschaftlicher Pro- nalen Bergbauernbetrieben, bei regionalen
Gütesiegel, welches die Bereitschaft des Hüt- dukte Arbeitsplätze in der Region sichert. landwirtschaftlichen Zusammenschlüssen
tenwirts hervorhebt, regionale Produkte lang- (Bauernläden) und bei regionalen Verarbei-
fristig im Angebot zu führen und somit einen tungsbetrieben (Bäcker, Metzger, Sennerei-
Beitrag zum Erhalt einer nachhaltigen heimi- Welche Hütten sind dabei? en), die ihre Produkte von den vorgenannten
schen Berglandwirtschaft zu leisten. Betrieben beziehen. Produkte, die nicht in der
An der Kampagne „So schmecken die Berge“ Region direkt erzeugt werden können, sollen
„Bergsteigerfrühstück“ und Kaiserschmarrn. Auf den kann grundsätzlich jede im Alpenraum gele- aber zumindest dort veredelt werden (z.B. Bier
Partnerhütten werden vorwiegend regionale Produkte gene Alpenvereinshütte teilnehmen, deren aus einer Brauerei der Region).
angeboten Hüttenwirt bereit ist, dauerhaft und überzeugt
Produkte aus der regionalen Landwirtschaft Die Produkte aus der Region müssen nicht
und Wirtschaft anzubieten und diese, soweit ausschließlich aus dem ökologischen Landbau
sinnvoll, regionaltypisch zuzubereiten. Dabei stammen. Sofern aber ökologisch wirtschaf-
wird anerkannt, dass der Gesamtbedarf des tende Betriebe vorhanden sind, werden diese
Speisen- und Getränkeangebots nicht aus- bevorzugt. Die saisonabhängige Gestaltung
schließlich aus heimischer Produktion gedeckt der Speisekarte ist ein wichtiges Kriterium
werden kann. Ein realistisches Verhältnis zwi- der Kampagne, da saisonale Schwankungen
schen Betriebsgröße und Abnahmemenge mit in der Verfügbarkeit der regionalen Produkte
zeitlicher Kontinuität wird jedoch erwartet. vorausgesetzt werden. Gibt es regionaltypi-
Ziel der Kampagne ist, mindestens 25 % des sche Spezialitäten, dann werden diese - soweit
Umsatzes (wenn auch das Bier aus der regio- betrieblich machbar - nach traditionellen Re-
nalen Brauerei kommt 50%) mit regionalen zepten zubereitet. Der Begriff Region darf hier
Produkten zu erreichen. Ferner muss der Hüt- aber sicher nicht zu eng gesehen werden. Ein
tenwirt bereit sein, Interesse an den Belangen kleines überschaubares Speisenangebot mit
der Berglandwirtschaft zu zeigen und dabei regionaltypischen „Bestsellern“ hebt die Kam-
Eigeninitiative hinsichtlich des Bezugs der pagnen-Hütten aus den üblichen Angeboten
Bergbauernprodukte entwickeln, die Speisen von Wiener Schnitzel bis Hawaii-Toast heraus.
aus regionalen Produkten auf Speisekarte, Ta-
feln u. a. m. eindeutig zu deklarieren, die Idee
der Aktion nach dem Motto „aus der Region für Resümee
die Region“ gegenüber den Gästen zu kom-
munizieren, durch ein ehrliches Produktan- Die Wahrnehmung der Verantwortung für
gebot den nachhaltigen Erfolg der Aktion zu unseren Alpenraum, das Bemühen um die
gewährleisten und dem Erfahrungsaustausch gemeinsame Erhaltung unserer wertvollen
zwischen den weiteren an der Kampagne be- Kulturlandschaft und um das freundschaftli-
Die Sarotlahütte im Brandtnertal in Vorarlberg ist eine der Kampagnenhütten von „So schmecken die Berge“. teiligten Hütten aufgeschlossen gegenüber- che Verhältnis zur Bergbevölkerung in unseren „So schmecken die Berge-Frühstück“ auf der Grazerhütte im Bergsteigerdorf Steirische Krakau.
24 25

Podiumsdiskussion

Ewald Galle, Michael Proschek-Hauptmann,


Josef Türtscher, Peter Kapelari

Moderation: Roland Kals

Roland Kals betont, dass die Beiträge des Vor- profitieren nicht unbedingt immer deckungs-
mittags von der Tendenz her alle in eine Rich- gleich seien. Proschek-Hauptmann teilt die
tung gingen. Die mittelfristige Zukunft der Ansicht von Herrn Türtscher, dass es nicht un-
gemeinsamen Agrarpolitik sei derzeit noch of- bedingt zielführend sei, den regionalen Touris-
fen, man brauche starke Argumente für seine mus in die Pflicht zu nehmen. Der Tourismus
Anliegen, um im europäischen Konzert gehört profitiere, aber die Leistungen, die im Bereich
und ernst genommen zu werden. Es gehe um der Berglandwirtschaft erbracht werden, seien
öffentliche Bedürfnisse und man sei aufgeru- nicht unbedingt sichtbar.
fen, diese öffentlichen Bedürfnisse sozu-
„Die Zielsetzungen, die die Berglandwirtschaft und der
sagen in seinem Raum, im Berggebiet, zu
Tourismus verfolgen, sind sehr ähnlich. Gerne nehme
fokussieren. Was allerdings fehle, seien
ich die ausgestreckte Hand an.“
Vermarktung und Verbreitungsstruktu-
Michael Proschek-Hauptmann, Umweltdachverband Ewald Galle und Roland Kals
ren.
Bei der Berechnung von Ökoleistungen
der Landwirtschaft brauche man ziemlich si- Er plädiert für die Zusammenarbeit zwischen
cher neue Modelle; ganz andere als jene, die den Akteuren im ländlichen Raum, insbeson-
zur Zeit in die Bewertung und Monetarisie- dere zwischen Berglandwirtschaft und Natur-
rung einbezogen werden. schutz. Er würde die ausgestreckte Hand sehr
Es stellt sich die Frage, ob diese Politik für die gerne annehmen und glaubt, die Zielsetzun-
Zukunft der Berglandwirtschaft in Zusammen- gen, die die Berglandwirtschaft und der Na-
arbeit mit dem Tourismus bereits eine integ- turschutz verfolgen, seien sehr ähnliche. Wenn
rative, gut aufeinander abgestimmte sei, oder von verschiedenen Seiten die gleichen Forde-
ob es hier Bedarf für Änderung, für bessere rungen gestellt würden, sei man stärker und
Abstimmung untereinander gäbe und wie so werde eher gehört.
ein Weg in Bezug auf die Beeinflussung dieser
– derzeit noch offenen – Diskussion zur ge- Klaus Küchenhoff, DAV-Sektion Breslau, Klaus Küchenhoff und Hanspeter Mair
meinsamen Agrarpolitik der Zukunft aussehen schlägt vor, die wertvollen Beiträge der Ta-
könne. gung an alle Sektionen zu verteilt. Es gäbe nur
von der Alpenkonvention gute Dokumentatio-
Michael Proschek-Hauptmann, Geschäfts- nen zur Umsetzung - zum einen das Handbuch
führer des Umweltdachverbandes, bestätigt, und zum anderen die Alpenkonvention selbst.
dass der Tourismus der größte Profiteur der Viele andere Gedanken, die man heute gehört
Berglandwirtschaft ist. Dies sehe man schon habe, seien vielen Sektionen nicht geläufig.
alleine anhand der Bilder, mit denen der Tou-
rismus werbe. Dies seien insbesondere die Hanspeter Mair, DAV-Geschäfsbereichsleiter,
Bilder, die man hier im Großen Walsertal sehe bestätigt, dass es dem DAV wichtig sei, am
– Bilder, die als Marken nach außen getragen Projekt „Bergsteigerdörfer“ beteiligt zu sein,
werden, wenn gleich die Regionen, die davon alleine schon aufgrund der zahlreichen DAV
Podiumsdiskussion 26 27
Podiumsdiskussion

-Hütten in den Bergsteigerdörfern. tenwirte, appellieren, dass sie dieses Allein- Leider würden auch nicht alle Marken das ein- Josef Türtscher, Landtagsabgeordneter und
Zur Aktion „So schmecken die Berge“, merkt stellungsmerkmal, dieses Besondere, in die halten, was sie versprechen, so dass der Konsu- Bergbauer im Gr. Walsertal, bestätigt, dass
er an, dass dieses Projekt einen Bogen zum Bevölkerung tragen und für die Bergsteiger ment letztendlich nicht mehr wisse, ob er sich noch einiges zu tun ist und dies sei in den
Naturschutz schlage: Im Rahmen der Natur- entsprechend darstellen. Im Gegenzug sei es auf eine derartige Marke überhaupt verlassen meisten Fällen nicht immer leicht. Im ganzen
schutzreferententagung 1994, weit weg von ganz wichtig, Wertschätzung zu erhalten. kann. Großen Walsertal gäbe es zum Beispiel keine
den Alpen im Saarland, sei die Idee für dieses Metzgerei.
Projekt geboren worden. Dort seien Arbeits- Hartmut Heidinger, Vorsitzender der OeAV- „Hinsichtlich des Projektes ‚So schmecken die Berge‘ müs- Man behelfe sich damit, zwei, drei klei-
kreise gegründet worden, unter anderem der Sektion Graz, pflichtet Herrn Türtscher in sei- sen die Sektionen vermehrt an der Kommunikation nach ne gewerbliche EU-hygienetaugliche
Arbeitskreis Berglandwirtschaft. Und eben aus nen Aussagen bei und betont, wie sehr ihm außen arbeiten.“ Schlachtstätten im Tal draußen zu be-
diesem sei das Projekt „So schmecken die Ber- dieses Referat aus der Seele gesprochen habe. Hartmut Heidinger, OeAV-Sektion Graz liefern.
ge“ hervorgegangen; man könne also sagen, Er sei zwar kein Bauer, aber in der Landwirt- Die Bauern würden dort schlachten
der Naturschutz hat hier den entscheidenden schaft aufgewachsen. lassen und verarbeiten zum Teil selber weiter.
Anstoß gegeben. Türtscher habe das sehr gut getroffen, die Mo- Mea Alber, Eigentümerin eines Bergsteiger- Das Service und die Belieferung der Gastrono- Peter Haßlacher, Roland Kals und
Hartumt Heidinger
Franz Ferdinand Türtscher
Damals hätte es auch eine Interreg-Förderung tivation für die Bauern ist, etwas zu produzie- dorf-Partnerbetriebes in Mallnitz, verwendet mie übernehme aber der Metzger zu durchaus
gegeben, aber leider sei es dazu nicht gekom- ren. in ihrem Hotelbetrieb seit 10 Jahren regiona- marktüblichen Preisen selber. Somit bleibt das
men. Später wurde das Projekt aus eigenen Eine gepflegte Landschaft sei nicht etwas, das le Produkte. Sie würde gerne das Lamm vom Fleisch direkt in der Region. Türtscher möchte
Initiativen zusammen mit AVS und OeAV an- man nach dem Motto herzeigen kann: „Das Bauern kaufen, die Problematik sei aber eine als Vertreter der Landwirtschaft nicht, dass der
gestoßen und weitergetrieben. habe ich gemacht“, sondern das sei bestenfalls fehlende „Clearing-Stelle“ zwischen Landwirt- Tourismus aus Mitleid und Solidarität mit den
Mair möchte kurz über die offensichtliche ein Nebenprodukt. schaft und Tourismus. Bauern auf regionale Produkte setze. Er möch-
Sicht des Tourismus berichten: bei der Natur- Heidinger glaubt, man könne nicht die Pro- te, dass sie erkennen, dass sich eine gro-
schutztagung in Garmisch-Partenkirchen hol- duktion, die Landschaftspflege und den Um- „Es bedarf einer ‚Clearing Stelle‘ zwischen Landwirt- ße Chance zur Profilierung biete. Durch
te die Geschäftsführerin von Bayern-Tourismus weltschutz als gleichwertig hinstellen, sondern schaft und Tourismus, die den Bedarf auf das Angebot einen zunehmend großen Trend in der
zum Generalschlag aus: Was ist Tourismus? Landschaftspflege und Umweltschutz seien abstimmt.“ Gesellschaft, gelte dies sowohl für die
Wie kann differenziert werden, um eine Marke die Voraussetzung dafür, dass man überhaupt Mea Alber, Wirtin Mallnitz Berghütte als auch für das Hotel.
zu bilden, die unterscheidbar ist? Sie habe Bil- etwas produzieren könne. Es werde der Bevöl- Außerhalb der bäuerlichen Bevölkerung
der vorgeführt - Landschaft ist austauschbar. kerung viel zu wenig nahe gebracht, dass das, Der Tourismus ziehe sehr wohl einen Nutzen werde Naturschutz und Landschaftspflege als
Mea Alber
In diesem Zusammenhang sei die Kampagne wovon der Tourismus profitiert, eigentlich nur aus einer funktionierenden Landwirtschaft, das Josef Türtscher
„So schmecken die Berge“ absolut wichtig, das Nebenprodukt ist. aber dies sei auch umgekehrt der Fall.
ein Alleinstellungsmerkmal. Und man könne Der Tourismus sollte seines Erachtens aber Mit einem einfachen Beispiel aus ihrem „Der Tourismus soll nicht aus Mitleid und Solidarität auf
nur an die Vertreter der Sektionen, die Hüt- auch ein bisschen mehr leisten, z.B. für die Er- Hotel erläutert Mea Alba den Sachver- regionale Produkte setzen. Durch die Vermarktung von
haltung des Wegenetzes, das im Moment fast halt: In der Hochsaison brauche man regionalen und qualitativ hochwertigen Produkten bietet
ausschließlich von ehrenamtlichen Mitarbei- täglich 300 Eier, in der Nebensaison nur sich eine große Chance zur Profilierung.“
tern der Alpinen Vereine gewartet werde. 100 . Was also soll der Bauer mit den rest- Josef Türtscher, Landwirt Vorarlberger
Beim Projekt „So schmecken die Berge“ greift lichen 200 Eiern anfangen? Ähnlich ver-
Heidinger die zwei aufgezeigten Probleme halte es sich beim Rindfleisch: Die Gäste
nochmals auf: Zum einen die Hygiene. Es stim- würden nur gewisse Teile des Rindes auf ihren Wichtigste angesehen, innerhalb der bäuer-
me zwar, dass von Seiten der Behörden den Tellern erwarten. Was soll demnach der Bauer lichen Bevölkerung nur die Lebensmittelpro-
Hütten im Moment keine Probleme bereitet mit dem restlichen Teil des Rindes machen? duktion. Josef Türtscher ist der Meinung, dies
werden. Tatsächlich sei aber Vieles nur gedul- Diese Dinge seien ganz wichtig anzudenken. seien zwei gleichwertige Säulen. Auch können
det und kein verbrieftes Recht. Man müsse Zum Teil gäbe es bereits Institutionen, die hier Naturschutz und Landwirtschaft gute Partner
bessere Randbedingungen schaffen, um sicher koordinierend eingreifen. Mallnitz als Natio- sein, sofern nicht schon im Vorhinein zu viel
zu stellen, dass regionale Produkte, deren Ver- nalparkort hätte die Nationalparkbehörde, die Kritik am jeweilig anderen Partner aufkomme.
packung z.T. nicht den Hygienevorschriften diese Funktion als Bindeglied zwischen Land-
entsprechen, auch weiterhin auf den Hütten wirtschaft und Tourismus innehaben könnte. Peter Kapelari, Referatsleiter der Abteilung
angeboten werden können. Es müsse eine Clearing-Stelle geben, die Be- Hütten und Wege des OeAV, erklärt, dass laut
Der zweite Punkt, laut Heidinger, sei die Schaf- stellungen von Gastbetrieben auf das Ange- den teilnehmenden Wirten, der Gast gerne be-
fung besserer Voraussetzungen für die Kom- bot der Bauern abstimme. reit sei, für gute Qualität einen höheren Preis
munikation nach außen. Schilder oder Pla- Ein letzter – sehr wichtiger - Aspekt sei der zu zahlen. Man müsse auch dazu sagen - diver-
ketten auf den Tischen alleine wären für den Preis. Der Vermieter würde den Preis nicht al- se Studien würden dies bezeugen -, dass der
Konsument auf der Hütte oftmals wenig aussa- leine festlegen, sondern der Kunde gestalte Bergsteiger und Wanderer eher einer höheren
gekräftig. Abgesehen davon gebe es eine wah- diesen mit. D.h. der Tourismus könne nicht al- Schicht angehöre und finanziell besser gestellt
re Inflation auf dem Markt der Natur-Zertifikate. les abfangen, was wünschenswert wäre. sei, als der herkömmliche Konsument. Man
Podiumsdiskussion 28 29
Podiumsdiskussion

könne auch davon ausgehen, dass Menschen, eine verdeutlicht Kapelari, dass die Tourismus- müsse schon versuchen, im Gesamten eine weltminister und Umweltministerinnen nut-
die in die Berge gehen und von Hütte zu Hüt- werbung auch ein Nutzen für die Hütten und Bewegung auszulösen und dabei durchaus zen, um auch das Thema „Berglandwirtschaft“
te wandern, mehr Umweltbewusstsein an den den OeAV darstelle. Was ihn allerdings wirklich schamlos und bewusst die Alpenkonvention zur Sprache zu bringen und das Thema weiter
Tag legen und aus diesem Grund eher bereit geärgert hätte, wäre, wenn das Nächtigungs- nutzen. zu entwickeln. Die Alpenkonvention müsse
sind, für gute Qualität mehr zu bezahlen. Ab- abgabegesetz geändert worden wäre. Dann Ewald Galle appelliert an die Anwesenden, an auch dazu Antworten geben können, ansons-
gesehen davon sei der Preisunterschied nicht hätten die Schutzhütten, sprich die Sektionen, die entsprechenden politisch Verantwortli- ten brauche man sie nicht.
riesengroß, weil bei regional bezogenen Pro- nämlich bis zu 3 Euro pro Nächtigung als Tou- Alle müssten mithelfen, hier ent-
dukten auch Transportwege reduziert werden. rismusabgabe zahlen müssen. Argument: die „Die Bühne der Alpenkonvention muss genutzt werden. sprechende Vorarbeiten zu leisten.
Die Clearing-Stelle sei ein wichtiger Punkt. Schutzhütten würden mittlerweile aufgrund Alle Verantwortlichen in den Vereinen, Gemeinden und Man sei in einer Situation, die es im
Diese zu finden, sei oftmals sehr schwierig und ihres guten Standards und Komforts Betrieben Kammern sind aufgerufen, sich zusammenzutun und die Augenblick durchaus sinnvoll mache,
bedarf Eigenengagement der Wirtsleute in der im Tal gleichen. Kräfte zu bündeln.“ dieses Verhandlungsfenster zu nut-
Region. Das sei natürlich schon ein Hohn, wenn man Ewald Galle, Lebensministerium zen und auf politischer Ebene voran-
Michael Proschek-Hauptmann Kapelari und seine Abteilung hätten sich auch sich vorstelle, dass der Alpenverein unentgelt- zutreiben.
bemüht, Kontakte über die Landwirtschafts- lich 40.000 km Wanderwege für den Sommer- chen, an Funktionäre, an die Kammervertreter
kammer zu nutzen. Leider sei die Bereitschaft tourismus und die einheimische Bevölkerung aber auch an die Mitglieder des Oesterreichi-
zur Zusammenarbeit mit dem OeAV gering, zur Verfügung stellt. schen oder des Deutschen Alpenvereins, an
eher wird ein eigenes Projekt gemacht. Dies die entsprechenden Stellen zu Hause, bei der
sei eine große Enttäuschung, weil das Mitei- Ewald Galle, Lebensministerium, möchte drei Umsetzung der Alpenkonvention zu helfen
nander absolut wichtig wäre. Es gehe darum, Punkte ansprechen und natürlich bewusst und die bestehende Bühne zu nutzen. Aus der
“win-win Situationen“ zu schaffen. auch die Alpenkonvention ins Spiel bringen: Bündelung der Kräfte könne etwas Zukunftsfä-
Die Veranstaltung „Berglandwirtschaft, higes entstehen.
„Die Tourismuswerbung stellt auch einen Nutzen für die Naturschutz, Biodiversität“, die dieses In einem halben Jahr finde eine Ministerkonfe-
Hütten und Wege des Alpenvereins dar. Eine Tourismus- Jahr in Salzburg stattfand, hätte für renz statt. Man solle diese Konferenz der Um-
abgabe in der Höhe von bis zur drei Euro pro Nächtigung beide Gruppen ein echtes Aha-Erlebnis
wäre allerdings blanker Hohn hinsichtlich der ehrenamt- gebracht. Man habe eine gemeinsame
lichen Tätigkeit des Alpenvereins.“ Teilmenge festgestellt und war er-
Peter Kapelari
Peter Kapelari, OeAV staunt darüber, wie viele Gemeinsam-
keiten es gäbe. Der größte Wunsch sei
Die Verbesserung der Öffentlichkeitsarbeit es gewesen, gemeinsam mit den Touristikern
im Projekt „So schmecken die Berge“ sei beim zu versuchen, gegenseitige Vorurteile oder
OeAV ein absolutes Ressourcenproblem. Man falsche Wahrnehmungen abzustellen und auf
habe das große Glück, dass beim DAV sehr partnerschaftlicher, in Augenhöhe existieren-
professionelle Personen eigens für das Hütten- der Kooperation, aufeinander zuzugehen.
marketing zuständig seien. Hier biete sich die Alpenkonvention sehr gut
an. Die Alpenkonvention sei eine internationa-
Hartmut Heidinger pflichtet bei, dass es sehr le Bühne, die als inhaltlichen Schwerpunkt die
wichtig sei, die Öffentlichkeitsarbeit für das integrative Sicht der Dinge habe. Man habe für
Projekt mehr in den Sektionen zu verankern. den Naturschutz ein Naturschutzprotokoll, für
den Tourismus ein Tourismusprotokoll, die sich
Peter Kapelari hebt hervor, wie positiv sich alle auf der selben Augenhöhe bewegen. Und
das Projekt entwickle. man solle diese Bühne – mag sie im Augen-
Das Thema Hygiene-Bestimmungen habe man blick auch ein wenig schwächeln, hat doch die
sich sehr genau angesehen, nicht zuletzt, weil Schweiz durch einen ablehnenden Bescheid
viele Hirngespinste durch die Reihen gegan- der Ratifikation vorgestern nicht unwesentlich
gen seien. Eine intensive Zusammenarbeit mit dazu beigetragen - aber sie sei immer noch
verschiedenen Lebensmittelinspektoren habe eine funktionierende, politisch akkordierte
entscheidende Erfolge gebracht. Jedenfalls sei Plattform, die es ermöglichen könne, bewusst
es nicht so, dass der Hüttenwirt Angst haben von oben herab, diese Form einer Clearing-
müsse, wenn er selbst produzierte Wurst oder Stelle, diese Verbindung, herzustellen. Galle
Speck anbiete. äußert Bedenken, dass wenn man nur kleine
Zu den Leistungen des Tourismus für die Land- Punkte, sprich Projekte da und dort, schaffe,
wirtschaft und für die Wege der Alpinen Ver- diese nur kleine Punkte bleiben würden. Man
30 31

Das Alpenvereinsprojekt
„Bergsteigerdörfer“

Eine Zwischenbilanz

Regina Stampfl, Christina Schwann

Das Alpenvereinsprojekt „Bergsteigerdörfer“ kunft aller Beteiligten großen Anklang und


konnte innerhalb der letzten drei Jahre stark sind zum Teil schon fast vergriffen, so dass vie-
vorangetrieben werden. Diese erste Phase war lerorts bereits ernsthaft über eine Neuauflage
vor allem durch den Aufbau einiger grundsätz- nachgedacht werden muss.
licher Elemente, wie zum Beispiel der Druck-
werke, geprägt. Möglich war dies durch die Abgesehen davon wurden zu den bereits statt-
Förderung des Lebensministeriums und des gefundenen Tagungen ausführliche Tagungs-
Fonds für Ländliche Entwicklung. bände angefertigt, die neben den Referaten
vor allem auch versuchen, die Diskussions-
beiträge wieder zu geben. Bis dato haben drei
Was bisher umgesetzt werden konnte große Tagungen stattgefunden: das war zum
einen die Startkonferenz in Ginzling im Juni
Broschüren 2008, in der alle Teilnehmer eine Deklaration
Anfang 2009 wurde die bereits bestehende Bergsteigerdörfer unterzeichneten. Die erste
Christina Schwann und Regina Stampfl
Gesamtbroschüre im neuen Layout in der Jahrestagtung fand im Herbst 2008 in Mallnitz
Höhe von 25.000 Stück aufgelegt. Bereits An- zum Alpenkonventionsthema „Deklaration Be-
„Dass es gelungen ist, in dieser rela- fang 2010 zeichnete sich ab, dass diese Stück- völkerung und Kultur“ statt. Darauf folgte die
zahl nicht reichen wird, um noch gut über Tagung zum Schwerpunkt „Öffentlicher Ver-
tiven kurzen Zeit 15 der insgesamt den Sommer zu kommen. Aus diesem Grund kehr“ in Grünau im Almtal im Jahr 2009.
17 Einzelbroschüren zu drucken, wurden weitere 10.000 Stück gedruckt. Es ist
liegt vor allem an der großen Unter- sehr erfreulich, dass die Broschüre so großen Alpingeschichte kurz und bündig
Anklang findet und dass alle Bergsteigerdörfer Ein großes Kapitel stellen die Alpingeschichte-
stützung der Partner vor Ort, (...).“ diese in ihren Tourismusbüros, Gemeindeäm- bücher dar. Autoren und Autorinnen aus vor-
tern, Hütten und Partnerbetrieben sowie in erst zehn Bergsteigerdörfern haben sich bereit
den Sektionen auflegen. erklärt, die Geschichte von den Anfängen des
Alpinismus über den Hütten- und Wegebau
Zusätzlich zur Gesamtbroschüre wurden im der Sektionen bis hin zum Heute aufzuarbei-
Zeitraum März 2009 bis September 2010 15 ten. Mittlerweile sind sechs Bücher (Großes
Einzelbroschüren gedruckt. Dass es gelungen Walsertal, Ginzling im Zillertal, Tiroler Gailtal,
ist, in dieser relativ kurzen Zeit 15 der insge- Grünau im Almtal, Steinbach am Attersee und
samt 17 Broschüre zu drucken, liegt vor allem Johnsbach im Gesäuse) fertig.
an der großen Unterstützung der Partner vor Alle Bücher werden vor Ort in Form einer
Ort, die sich bei der Zusammenstellung der Buchpräsentation der einheimischen Bevöl-
Touren, der Bereitstellung von Bildmaterial kerung vorgestellt und diese Veranstaltungen
und Korrekturarbeit stark eingebracht haben. haben bis jetzt überall großen Anklang gefun-
Ingesamt wurden unter teilweiser finanziel- den. Hervorzuheben ist dabei die Präsentation
ler Beteiligung der Gemeinden 134.000 Stück in Kartitsch, zu der Personen aus allen drei Ge-
aufgelegt. Die Broschüren finden gemäß Aus- meinden (Kartisch, Ober- und Unterilliach) ka-
Zwischenbilanz 32 33
Zwischenbilanz

men und den spannenden Ausführungen des und der einzelnen Seiten optimiert. Gleichzei- Einschätzung der Gemeinden zum Zusammenarbeit mit OeAV- und DAV-Sektio- Im Laufe des ersten Halbjahres 2011 wird das
Autors Ludwig Wiedemayr lauschten. tig mit dem Update sollen auch die Module bisherigen Effekt des Projektes nen durch konkrete Angebote für Sektionen Ansuchen für Projektphase 2 ausgearbei-
überarbeitet werden und die tiefe Struktur in sowie eine intensivere Werbung bei den Sek- tet und dem Lebensministerium vorgelegt.
Insgesamt wurde in diese Druckwerke mit manchen Bereichen vereinfacht werden. Um das laufende Feedback der Bergsteiger- tionen wird gewünscht. Gemäß Auskunft Dr. Ewald Galle stehen die
Stand Ende September 2010 die Summe von Für die - hoffentlich zustandekommende zwei- dörfer zu ergänzen wurde im Vorfeld der Chancen auf Genehmigung - und zwar in etwa
„Das Prädikat ‚Bergsteigerdörfer‘ rund EUR 125.000.- investiert. Dabei handelt es te Projektphase - sind eine englische Version Tagung eine telefonische Befragung in aus- Die interne Vernetzung und Zusammenarbeit in der gleichen Förderhöhe wie bisher - nicht
wird von den Gemeinden als große sich tatsächlich nur um reine Druckkosten, da der Webseite sowie ein allgemeiner Newslet- gewählten Tourismusbüros und Gemeinden zwischen den Bergsteigerdörfern soll verbes- schlecht. Eine definitive Zusage kann aber
Auszeichnung gewertet und als das Layout vom Projektteam selbst übernom- ter geplant. durchgeführt. sert werden und den Synergieeffekt bei Mes- natürlich zu diesem Zeitpunkt noch nicht ge-
men werden kann. Es ist sehr erfreulich, dass die Broschüren in seauftritten, Veranstaltungen usw. müsse man macht werden.
Image prägend bezeichnet.“ Die Besucherzahlen der Webseite steigen allen Bergsteigerdörfern sehr großen Anklang in Zukunft verstärkt nutzen.
Webseite weiterhin an. Die Besucherstatistik verzeich- finden, sowohl bei den Gästen als auch bei Ein Schwerpunkt solle auch in der Verbesse-
Die Online-Schaltung der Webseite im Früh- net 157 Besucher pro Tag (Zeitraum 04.01. den Einheimischen und Touristikern. Vor allem rung des Öffentlichen Verkehrs liegen, eine
jahr 2009 stellt einen sehr wichtigen Meilen- bis 19.09.2010), die sich im Durchschnitt drei die Gesamtbroschüre wird von den Gästen als bessere Bewerbung und Einbindung in Ange-
stein des Projektes dar. Minuten auf der Bergsteigerdorf-Homepage sehr hochwertig eingeschätzt. botspakete wäre wünschenswert.
Um die Internetpräsenz der Bergsteigerdör- aufhalten. Ein deutlicher Anstieg der Besu- Die Fortführung der Broschüren wird von Vie-
fer weiter zu verbessern, werden laufend An- cherzahlen ist nach dem Erscheinen von Pres- Das Prädikat „Bergsteigerdörfer“ wird von den len als sehr wichtig betrachtet.
passungen an der Webseite vorgenommen. seartikeln in großen deutschen Tageszeitun- Gemeinden als große Auszeichnung gewertet Ein einheitliches Erkennungsmerkmal/Kenn-
Report 2010 So wurde zum Beispiel das OeAV-Logo direkt
neben das Bergsteigerdorf-Logo gesetzt, die
gen (FAZ, taz) zu erkennen. und als Image prägend bezeichnet. Ein Wer-
beeffekt sowie eine Steigerung des Bekannt-
zeichnung der Bergsteigerdörfer durch ein
Symbol oder eine Tafel wäre wünschenswert.
Website bergsteigerdoerfer.at
Druckansicht verbessert und der Bereich der heitsgrades ist bereits zu erkennen. Während
Broschüren und Partnerbetriebe übersichtli- Pressearbeit Frühjahr - Sommer 2010 in einigen Gemeinden (Mallnitz, Krakau, Ginz-
cher gestaltet. ling) bereits ein deutlicher Anstieg an Gästen Aussicht
In Planung sind im Weiteren ein Archiv für Ver- Nachdem das Grundgerüst in Form der Bro- zu verzeichnen ist, gibt es in manchen Ge-
Primärer Zeitraum: 04.01.anstaltungen, News und Presseartikel.
bis 19.09.2010 (Kalenderwoche 01 bis 37) schüren und der Webseite im großen und meinden noch wenig spürbare Auswirkungen. Wie man unschwer an den Aussagen der be-
ganzen augebaut war, wurde im Frühjahr 2010 teiligten Personen erkennen kann, ist noch viel
Im Zuge der Umstellung auf die neueste Ver- Stephanie Haug mit ihrer Agentur in Hamburg Die Infrastruktur-Projekte werden ebenfalls zu tun. Vor allem hinsichtlich einer Qualitäts-
sion des CMS wird die Verwaltung der Bilder mit einer zweistufigen Pressearbeit betraut. sehr positiv gewertet; Durch das Projekt Berg- steigerung sowie dem Erhalt der bisherigen
Volkart Kruse (links) und Stefan Herbke auf der Presse-
reise in der Steirischen Krakau. Dazu wurden Vorgespräche mit namhaften steigerdörfer würde außerdem ein Anstoß für Medien (Neuauflagen)
Grafik Besucherentwicklung seit Start der Website: Journalisten und Journalistinnen (insgesamt weitere Projekte und Ideen gegeben.
27) in Berlin, Dresden, Erfurt, Leipzig und Mün- Im Tioler Gailtal hat das Projekt zudem zu einer Das Projektteam bemüht sich daher um eine
chen geführt. Dieser ersten Präsentation des verbesserten Zusammenarbeit zwischen den weitere Förderung über den Fonds für Ländli-
Projektes „Bergsteigerdörfer“ folgte eine Einla- drei Gemeinden geführt. che Entwicklung und das Lebensministerium.
dung in die Steirische Krakau. Dem Antrag auf Projektverlängerung der ers-
Zwei Termine konnten mit großer Unterstüt- Das Feedback der Partnerbetrieben ist ge- ten Projektphase bis 30.6.2011 wurde bereits
zung der Krakauer, insbesondere von Josef nerell noch schwach. Sehr gutes Feedback stattgegeben.
Schnedlitz - Partnerbetrieb Schallerwirt - rea- kommt von den Partnerbetrieben im Lesach- Der Schallerwirt in der Krakau berichtet bereits von
lisiert werden. Ein dritter Termin mit gänzlich tal, der Steirischen Krakau und in Mallnitz. steigenden Nächtigungszahlen.
neuem Programm (Hüttschlag - Malta) musste Die Rückmeldungen der Gäste sind durch-
leider aufgrund des unbeständigen Wetters wegs positiv. Die Broschüren kommen sehr Medium Auflage Anzeigenwert Kontaktwert
zweimal abgesagt werden. gut an und vor allem in den Betrieben hört Thüringische Allge- 325.000 20.760 € 31.140 €
man gutes Feedback von den Gästen. Des wei- meine
Im Zuge dieser Pressearbeit sind einige Artikel teren entscheiden sich Gäste bereits bewusst
erschienen, die die Besucherzahlen auf der für Bergsteigerdorf-Partnerbetriebe und sind Frankfurter Allgemeine 378.000 31.176 € 46.764 €
Webseite sowie die Nachfrage nach Broschü- sehr zufrieden mit dem Service (Auskunft TVB Sonntagszeitung
ren deutlich in die Höhe schnellen haben las- Lesachtal). Hannoversche Allge- 561.000 68.250 € 102.375 €
sen. meine Zeitung
Für die gesamte zweistufige Pressearbeit inkl. Die Wünsche und Schwerpunkte für die zu-
Die Tageszeitung, taz 57.000 4.750 € 7.125 €
Reisekosten wurden rund EUR 20.000.- inves- künftige Zusammenarbeit sind sehr unter-
tiert. Das erscheint auf den ersten Blick recht schiedlich. Allgemein wird eine Verbesserung der Standard, Rondo 76.548 6.625 € 9.938 €
viel. Stellt man dieser Summe jedoch den des alpinen Angebotes sowie ein verstärktes, 131.561 € 197.342 €
Die Webseite verzeichnet einen stetigen Besucherzuwachs. Mit Stand EndeBesucher
Durchschnittliche September 2010pro
pro Tag besuchten im Schnitt
Kalenderwoche
157 Personen pro Tag die Seiten. Die Verweildauer betrug rund drei Minuten. Der Peak in der Kallenderwoche 19 „Kontaktwert“ gegenüber, so erhält man plötz- zielgruppenspezifisches Marketing als sehr
ist auf einen Artikel in der FAZ von Andreas Lesti zurückzuführen. lich einen fast 100-fachen Mehrwert. wichtig angesehen. Auch eine Vertiefung der Berechnung des Anzeigen- und Kontaktwertes der erschienenen Artikel, Stand September 2010.
Besucherzahlen 2010
34 35

Die „Bergsteigerdörfer“

Aus gemeindepolitischer Sicht

Martin Ploderer - Bürgermeister Lunz am See


(Bilder: Martin Ploderer)

Politisch verstehe ich hier nicht im strengen


Sinn der Politik und schon gar nicht als Partei-
politik, sondern Politik ist jedes Wirken auf die
Gemeinschaft bzw. die Gemeinde. Auch wenn
die Ergebnisse unserer Bemühungen manch-
mal nicht unseren Zielen entsprechen, gehe
ich davon aus, dass alle handelnden Personen
die positive Entwicklung ihrer Gemeinde bzw.
Region anstreben.

Ausgangssituation
Herrliche Landschaft, hohe Wohn- und Le-
Martin Ploderer, Bürgermeister Lunz am See bensqualität, aber die Gemeinde liegt in einer
strukturschwachen Zone, am Rand des Bun-
deslandes, und hat mit einem Bevölkerungs-
„Auch wenn die Ergebnisse unserer rückgang zu kämpfen.
Bemühungen manchmal nicht
Als Bürgermeister strebe ich daher an, folgen-
unseren Zielen entsprechen, gehe de Punkte umzusetzen und zu verbessern. Das
ich davon aus, dass alle handelnden Projekt „Bergsteigerdörfer“ bietet uns dabei
eine Plattform von unschätzbarem Wert. Sie zu
Personen die positive Entwicklung
nutzen, ist die große Herausforderung.
ihrer Gemeinde bzw. Region anstre-
ben.“
1. Innerhalb der Gemeinde

a) Analyse des Ist-Zustandes unter Einbezie-


hung externer Fachleute
Erste Besprechungen mit Roland Kals –
Grundanalyse – passen wir überhaupt
dazu?

b) Bündeln der konstruktiven Kräfte


Einladung an alle relevanten Vereine,
Gruppierungen, Einzelpersonen zum Aus-
loten der Bereitschaft, das Projekt mitzu- Die Ausgangswerte für ein Bergsteigerdorf sind
tragen in Lunz am See jedenfalls gegeben.
Gemeindepolitische Sicht 36 37

Die „Bergsteigerdörfer“

c) Bewusstmachen der eigenen Stärken –


„Wir haben etwas zu bieten“
Aus der Sicht des Tourismus
Intakte Natur- und Kulturlandschaft
Infrastruktur noch halbwegs in Ordnung
Wir sind eines der 17 Bergsteigerdörfer - Klaus Rüscher, Bürgermeister Nationalparkgemeinde Malta
das muss man sehen
(Bilder: Stoxreiter und Gritzner)
d) Auswirkungen und erste Erfolge
2 Partnerbetriebe „Bergsteigerzimmer“
Aufsteller
Veranstaltungen im Zusammenhang mit
dem Projekt
(Präsentation der Alpenkonvention, Lehr-
gang der Naturschutzwarte, Projekt Su-
peralp macht Station im Bergsteigerdorf ) Wandern, Klettern, Hochtouren, Canyoning, Die touristische Entwicklung des Maltatales
Schitouren, Eisklettern,... – das Betätigungsfeld
für Bergsteiger und Naturliebhaber, die das In den 70er und 80er Jahren des zwanzigsten
2. Regionale und landesweite Sicht Maltatal besuchen, ist nicht enden wollend. Jahrhunderts funktionierte der Tourismus im
Das Wanderangebot reicht von gemütlichen Maltatal, wie in weiten Teilen Kärntens, ohne
a) Einbringen des Projektes in Tourismusre- Spaziergängen im Talgrund, entlang der zahl- großen Werbeaufwand. Vor allem Bundes-
gion Mostviertel reichen Wasserfälle, über familienfreundliche deutsche Gäste schätzten unsere Region ob
Hier ist noch Verbesserungspotential vor- Wanderungen im Bereich des Maltabergs bis seiner Landschaft und Möglichkeiten. Es war
handen hin zu anspruchsvollen Hochtouren rund um die Zeit der Stammgäste. Viele Besucher ka-
Hafner, Ankogel und Hochalmspitze. men jedes Jahr, oft über Jahrzehnte, und blie-
b) Kooperation mit relevanten Landesstel- ben 2 – 3 Wochen vor Ort.
len – z.B. Bergsteigerdorfbürgermeister Das Maltatal in Oberkärnten bildet das östliche
als Vertreter des Tales bei Verhandlungen Tor in den Nationalpark Hohe Tauern. Weite Ab den 90er-Jahren änderte sich das Urlaubs-
über Mobilitätskonzept Klaus Rüscher, Bürgermeister Nationalparkgemeinde Flächen unseres Gemeindegebietes (262 km²) verhalten radikal. Die Aufenthaltsdauer ver-
Malta sind Teil der Kern- oder Aussenzone des Nati- kürzte sich von Jahr zu Jahr, Fernreisen wurden
onalparks. Rund um die „Tauernkönigin“ Hoch- immer populärer und Billigreisen und Clubur-
3. Damit wir nicht so enden almspitze erwartet den Besucher eine einzig- laube kamen mehr und mehr in Mode.
„Seit der Jahrtausendwende wird artige Kultur- und Naturlandschaft, die zum
Bilder aus meiner Heimat im steirisch-niedrös- im Maltatal versucht, einen natur- Verweilen einlädt. In dieser Zeit hat es Kärnten verabsäumt, neue
terreichischen Grenzgebiet (Region Hoch- Produkte anzubieten, die touristische Entwick-
nahen, nationalparkkonformen
schwab) Die touristische Entwicklung des Maltatals der lung kam ins Stocken, die Nächtigungszahlen
Tourismus zu etablieren.“ letzten Jahre ist durch eine enge Zusammenar- gingen zurück. Die Infrastruktur und die Qua-
beit mit der NationalparkRegion Hohe Tauern lität der Beherbergungsbetriebe kam, vergli-
geprägt und wurde mit der Aufnahme in das chen mit anderen touristischen Regionen, ins
Programm „Bergsteigerdörfer“ des Oesterrei- Hintertreffen.
chischen Alpenvereins belohnt. Diese Aufnah-
me in den Kreis der kleinen aber feinen öster- Seit der Jahrtausendwende wird im Maltatal
reichischen Bergsteigerdörfer macht uns stolz! versucht, einen naturnahen, nationalpark-
konformen Tourismus zu etablieren. Zunächst
Der schonende Umgang mit unseren Ressour- waren es einige Initiativen von Betrieben und
cen aber auch Bergerlebnisse verschiedenster Bergführern der Region, seit der intensiven
Art, sollen in den nächsten Jahren verstärkt in Zusammenarbeit mit der NationalParkregion
den Mittelpunkt unserer Entwicklung gerückt Hohe Tauern Kärnten (ab 2006) wurden diese
werden. Ein erster Schritt ist das neue Wander- Bemühungen auf eine breitere Basis gehoben.
bussystem, das unsere Besucher günstig und Ein „logischer“ weiterer Schritt war für Malta
Verankerung des Projektes in der Gemeinde, bevor Nutzung von überregionalen Kontakten, Einbringung umweltfreundlich zu den Ausflugszielen, bzw. die Aufnahme in das Projekt „Bergsteigerdör-
man nach außen gehen kann, um Synergie effekte zu in Tourismusregionen; unten: Region Hochschwab - so zu den Ausgangspunkten zahlreicher Wande- fer“.
nutzen. darf es nicht enden. rungen bringt.
Aus Sicht des Tourismus 38 39

Die „Bergsteigerdörfer“

Wie bereits erwähnt, bietet das Maltatal und


seine Umgebung verschiedenste Betätigungs-
Ein nachhaltiger Tourismus mit hoher Wert-
schöpfung für die Region kann als eine der
Aus der Sicht einer Stadtsektion
möglichkeiten in der freien Natur. Aktive Fa- wenigen wirtschaftlichen Chancen gewertet
milien und Naturliebhaber, die Ihren Urlaub werden. Hier ist auch eine bessere Zusammen-
in einer weitgehend intakten Natur- und Kul- arbeit mit der lokalen Landwirtschaft anzu- Wolfgang Auer, Vereinsmanager OeAV-Sektion Austria
turlandschaft verbringen wollen, sollen in Zu- streben (naturnahe Produkte aus der Region
kunft mehr und mehr angesprochen werden. für einen nachhaltigen Tourismus). (Bilder: Ernst Krenn und Josef Hasitschka)
Im Sinne der Alpenkonvention können unsere
Gäste so etwas wie „Entschleunigung“ finden, Betrachtet man die Betriebsstruktur des Mal-
gleichzeitig wird jedoch, bedingt durch die tatals, so weisen die Beherbergungsbetriebe
atemberaubende Landschaft der Hohen Tau- meist nicht mehr als 30 Betten auf und sind fa-
ern, Langeweile ausgeschlossen! miliär geführt. Die Erfahrung zeigt, dass diese
Betriebsstruktur, von vielen längst totgesagt,
sehr gut zur Idee des Nationalparks und der
Wirtschaft und Betriebsstruktur Bergsteigerdörfer passt. Auch hier sehe ich Als ich vor einigen Wochen - so wie jeden werde Ihnen davon berichten, wie ich Heimat
eine Chance für unsere Betriebe, mittelfristig Tag - wieder einmal von meiner 3S0-Seelen- empfinde und was das für mich bedeutet, der
Das Maltatal befindet sich in einem der wirt- zu bestehen. Gemeinde im nördlichen Weinviertel Richtung am Land groß geworden ist... und all das hat
schaftsschwächsten Bezirke Österreichs. Der Wien pendle und mich durch den Verkehr ganz viel mit dem Spirit der Bergsteigerdörfer
Bezirk Spittal weist weder Industrie und nur kämpfe, der schon mit meiner Auffahrt auf zu tun, glauben Sie mir:
vereinzelt nennenswerte Gewerbebetriebe die Donauuferautobahn heftig zu werden be-
auf. ginnt, ist das gedankliche Vakuum, das sich bis Als Tourenführer war ich unlängst mit einer
dahin breit gemacht hat, wenn ich über einen sehr homogenen Gruppe 4 Tage im Gesäuse.
sinnvollen Inhalt meines Referates nachzu- Und als ich so die Gesäusebundesstraße Rich-
denken begann, plötzlich wie weggeblasen. tung Johnsbach verlasse und der Kölblwirt als
Sinnvoller Inhalt deswegen, da die Austria vereinbarter Treffpunkt meiner Gruppe nicht
zwar eine Stadtsektion ist, wir aber mit unse- mehr weit ist und ich kurz gedanklich mei-
ren 16 Hütten natürlich in fast ganz Österreich ne Gruppenmitglieder nochmal durchgehe,
Wolfgang Auer, Vereinsmanager OeAV-Setkion Austria vertreten sind und mit immerhin 7 Hütten von schleicht sich in mir eine sehr vertraute Ruhe
der großartigen Initiative „Bergsteigerdörfer“ ein, eine Ruhe, die ich empfinde, wenn ich
direkt oder indirekt mit profitieren. meinen allabendlichen, täglichen Heimweg
„Viel später, als wir dann am Abend antrete... ein Gefühl von Heimat. Da ist wun-
auf der rückwärtigen Terrasse der Plötzlich ist mir aber klar, was ich Ihnen, sehr derschöne Gegend, freundliche, herzenswar-
geehrte Teilnehmerinnen und Teilnehmer der me, unverfälschte und ehrliche Menschen, die
Heßhütte unter einem unglaub-
Jahrestagung, berichte. Und der Inhalt meines zufällig im Rahmen der Musiktage auch noch
lichen Sternenhimmel sitzen (...), Referates manifestiert sich, als ich die Wiener musizieren und es ist ein Gefühl von tiefem
sagt eine Wiener Teilnehmerin Stadtgrenze passiere und mich Richtung Ro- Frieden, der alle wie ein Virus ansteckt. Und
tenturmstraße, wo die Sektion Austria ihren ganz ehrlich, definiert sich so nicht auch Hei-
plötzlich: ‚Diese Stille hier, die ist mir
Vereinssitz hat, staue, minutenlang kaum vom mat. Irgendjemand hat mal sehr pragmatisch
fast zu laut‘..“ Fleck komme und die Menschenmassen im gemeint, dort wo er sich wohlfühlt, dort ist für
ersten Bezirk wie eine Flutwelle über mir zu- ihn Heimat ...und auch wenn man über diese
sammenbrechen, sobald ich aus dem schüt- Aussage diskutieren könnte, in diesem Mo-
zenden Bereich meines Fahrzeuginnenraums ment konnte ich sie, diese Aussage, gut verste-
aussteige. Ich meine, ich mag ja Menschen, hen. Und so ganz nebenbei erwähnt, erging
aber müssen es so viele sein... und ja, ich mag es den Teilnehmern meiner B2B-Wanderung
auch Wien, eine Stadt von der ich mir halt neh- (Back to Basic) genauso wie mir.
me, was ich brauche... und auch wieder sehr
froh bin, wenn ich sie verlasse. Ja, jetzt weiß ich Viel später, als wir dann am Abend auf der
ganz sicher, worüber ich reden möchte... ich rückwärtigen Terrasse der Heßhütte unter ei-
werde Ihnen von meiner Gefühlswelt berich- nem unglaublichen Sternenhimmel sitzen und
ten, die von einem Refugium handelt, in das uns von unten jene Ziele anschauen, die in den
ich mich täglich zurückziehe und das ich aber nächsten Tagen am Plan stehen - Hochzinödl,
Das Maltatal bietet eine große Vielzahl an Aktivitätsmöglichkeiten in der freien Natur. auch wieder täglich verlassen muss ... und ich Planspitz, Hochtor - sagt eine Wiener Teilneh-
Aus Sicht einer Stadtsektion 40 41
Aus Sicht einer Stadtsektion

merin plötzlich: „Diese Stille hier, die ist mir fer Gemeinden sind, die sich nicht am so ge- Frage also: Warum ist das so? Warum ist eine werden müssen, um in den kleinen, fast elitä- indem wir für unser gutes Geld bestmögliche
fast zu laut.“ Und sie hatte tatsächlich in den nannten „Erschließungs-Kapital-Event-Kreisel“ Initiative, die noch sehr jung ist, schon jetzt ren Rahmen der Bergsteigerdörfer aufgenom- Ware haben möchten, Sicherheit aber auch
ersten beiden Nächten ein Problem mit dem beteiligen und stattdessen einen Tourismus erfolgreich, mit hervorragenden Entwick- men zu werden, nämlich oder vor allem im ursprünglichen Sinn des
Einschlafen. Ihr fehlte einfach das in der Stadt pflegen, der sanft und nachhaltig, ja fast altmo- lungstendenzen für die Zukunft? Und warum Wortes: Wenn wir mit unseren Familien schon
übliche permanente Hintergrundgeräusch. disch ist. Und das möge auch so bleiben, denn sprechen so viele Städter - und damit bin ich Das Dorf darf nur ca. 2.500 Einwohner haben in die Berge gehen, dann wollen wir auf siche-
Skurril, oder?... Aber auch das macht für mich altmodisch ist „in“ und Sachen, die „in“ sind, ja direkt bei meinem Thema - auf dieses Ange- Eine intakte Infrastruktur und eine gute Band- ren Wegen auch wieder gut nach Hause kom-
ein Bergsteigerdorf aus, das Innehalten kön- ziehen Menschen an... und wenn Menschen bot an? Ich denke, die Antwort lässt sich in der breite von Beherbergungsbetrieben haben men und trotzdem erzählen können, welch
nen, durchatmen, entschleunigen, die viel zi- angezogen werden, kommt Kapital in die Regi- vermehrten Suche der Städter nach „Echtem“ Die Partnerbetriebe sollten ihre Produkte tolle Gipfel wir unter Einsatz unseres Lebens
tierte Work-Life-Balance wieder ins rechte Lot on... und Kapital zieht wieder Menschen, Han- und „Ursprünglichem“ finden. Gerade ein in möglichst natürlich und lokal bzw. regional gemacht haben. Ja, wir Städter wollen maxi-
bringen können, einen Sternenhimmel wieder del und Industrie an. Ich meine damit, dass es der Stadt lebender und verwurzelter Mensch beziehen male Ergebnisse bei kalkulierbarem Risiko!
sehen, weil die Lichter der Stadt, die heller zukünftig wichtig sein wird, Grenzen zu ziehen wird heute von Reizen massiv überflutet. Die- Gut ausgebaute und gepflegte Wanderwege Und wenn mein Verständnis von Heimat - und
strahlen als jeder Sternenhimmel, mal nicht und sensibel zu sein hinsichtlich der Entwick- se Reizüberflutung führt dazu, dass man Gutes müssen ebenso vorhanden sein, wie ausrei- hier schließt sich jetzt der Kreis - so punktge-
das sind. lung der Kleinode Bergsteigerdörfer. von noch Besserem, Schönes von noch Schö- chend Schutzhütten nau von der Initiative der Bergsteigerdörfer,
Und glauben Sie mir, ich hatte doch tatsäch- nerem, Teures von noch Teurerem, vizeversa Kein Autobahn- und Schnellstraßenlärm bzw. die ja mittlerweile schon weit mehr als eine
Gemütliche Rast auf der Kölblalm, Johnsbach. lich einen Teilnehmer, der in den ersten beiden Aber damit ist mein emotionaler Ausflug zu Billiges von noch Billigerem nicht mehr wirk- Fluglärm soll die Ruhe der Gäste stören Initiative ist, getroffen wird, dann ist mir trotz
Tagen völlig unrund war, weil sein Smartpho- dem Thema noch nicht beendet. In Vorbe- lich unterscheiden kann. Die sich daraus er- Dafür muss viel Platz für Naturgeräusche sein der Tatsache, dass die Alpen mit 370 Mio.
ne da oben nicht funktionierte und er weder reitung auf dieses Impulsreferat habe ich mit gebende Orientierungslosigkeit aufgrund des Eine gute Anbindung an das öffentliche Ver- Übernachtungen pro Jahr die größte zusam-
Anrufe, noch Mails empfangen konnte. Auch allen Bergsteigerdörfer Hüttenwirten der Überangebotes muss quasi zwangsläufig dazu kehrsnetz sollte gegeben sein, damit Bahn und menhängende Erholungsregion Europas sind,
er konnte sich ab dem dritten Tag entspannen Sektion Austria gesprochen, um von Ihnen führen, dass Städter sich an etwas anhalten Bus die Erholungssuchenden an ihren Bestim- nicht bange, dass wir uns auch zukünftig in
und ein Gefühl kennen lernen, das er schon zu erfahren, inwieweit sich die Initiative Berg- wollen, geleitet und geführt werden wollen mungsort bringen kann die Kleinode „Bergsteigerdörfer“ zurückziehen
lange nicht mehr hatte. Bergsteigerdörfer sind steigerdörfer schon bemerkbar gemacht hat und dabei das Gefühl haben müssen, wieder können, um unseren Hobbys in der freien Na-
daher für uns Städter - und irgendwie arbeiten und in welcher Form dies passiert ist. Und tat- ehrliche und überschaubare Werte für ihr Geld Bei all diesen Kriterien wundert mich der Er- tur frönen zu können.
wir ja alle in mehr oder weniger großen Bal- sächlich zeichnet sich so etwas wie ein Trend zu bekommen. folg im Bereich der Städter nicht, denn das ist In diesem Sinne bedanke ich mich dafür, zu
lungszentren - Entschleunigungsoasen, deren ab, verstärkt das Angebot „Bergsteigerdörfer“ Warum boomen Bio-Marken, warum haben punktgenau das, was wir suchen, wenn wir uns Ihnen gesprochen haben zu dürfen und wün-
Bedeutung weit über das Vorhandensein un- anzunehmen. Das heißt, wir werden als hüt- Lebensmittelhändler so gewaltigen Erfolg schon mal aus unseren Häuserschluchten in sche dieser Jahrestagung in dieser unglaub-
berührter Berggipfel oder nichtvorgebohrter tenbesitzende Sektion auch wirtschaftlich mit Marken wie „Ja! Natürlich“ (als Beispiel die freie Natur wagen. Denn Städter wollen Si- lich schönen Bergsteigerdorfregion des Gro-
Kletterrouten hinausgeht. Irgendwo im Inter- von der erfolgreichen Etablierung der Marke aus dem REWE-Konzern), oder „Zurück zum cherheit! Sicherheit im kaufmännischen Sinn, ßen Walsertales alles erdenklich Gute.
Eine „Brass“ auf der Neuburgalm, Johnsbach. net habe ich mal gelesen, dass Bergsteigerdör- „Bergsteigerdörfer“ profitieren. Stellt sich die Ursprung“ (eine Marke des Hofer-Konzerns).
Warum spricht der Lebensmitteleinzelhandel
in diesen Segmenten von hoch zweistelligen
Zuwachsraten und von Bereichen, die als die
fast Einzigen von positiven Entwicklungen ge-
tragen sind und damit zum Gesamtwachstum
eines Unternehmens beitragen. Ich denke,
aus den gleichen Gründen, warum die Marke
„Bergsteigerdörfer“ ein Erfolg ist und ein noch
viel größerer werden wird: Weil sich die Men-
schen an Werten orientieren, an die sie glau-
ben können und in die sie Vertrauen haben.
Aber auch von diesen Wertvorstellungen nie-
mals enttäuscht werden wollen.
Der angenehme Nebeneffekt, nämlich die
Stärkung des Tourismus einer Region in Form
von höheren Bettenauslastungen, Kauf von
regionalen Produkten des Lebensmittelberei-
ches, sowie Verbesserung der Umsatz- und Er-
tragszahlen des regionalen Sportfachhandels,
sei hier als logische und erfreuliche Konse-
quenz nur nebenbei erwähnt.
Und wenn man sich dann noch ansieht, was
ein Bergsteigerdorf alles haben muss bzw.
Die Suche der Städter nach dem „Echten“ und „Unverfälschten“ lässt die Menschen gerne in die Bergsteigerdörfer kommen; im Bild der Dachlgrat im Gesäuse. nicht haben darf, welche Kriterien also erfüllt Die Hesshütte der OeAV-Sektion Austria im Gesäuse.
42 43

Die „Bergsteigerdörfer“

Aus der Sicht einer ortsansässigen Sektion

Anton Sint, Natuschutzreferent der OeAV-Sektion Sillian


(Bilder: Anton Sint, TVB Villgratental, Peter Leiter)

Für ein Neues Alpenbewusstsein. Begin- heit dieser Gemeinden und der einzigartigen
nen möchte ich mit einem tierischen Sym- Landschaft eingebettet zwischen Lienzer Do-
bolbild zum Thema Alpenkonvention. Die lomiten, Karnischem Kamm und Villgraterber-
Ruhe- und Naturräume in den Alpen stehen ge festzuhalten, müssen Sie sich unbedingt
unter einem enormen Druck. Wer zerfrisst demnächst selbst ein Bild machen.
sie - Wer schützt sie heute?
Es ist stolzes Bergbauernland - der geheime
Als Vertreter der kleinen aber feinen Alpen- Nationalpark, wie das Villgraten- und Tiroler
vereinssektion Sillian möchte ich mich heute Gailtal auf Grund der noch intakten Bergland-
beim Bürgermeister der Gemeinde Kartitsch, wirtschaft und Naturlandschaften bezeichnet
Josef Ausserlechner, Moderator Anton Goller wird. Die Anzahl der Betriebe, die gepflegte
und Buchautor Ludwig Wiedemair bedanken. Kulturlandschaft, hat eine Dimension, die al-
Ein Sonnenaufgang ist ein erhebender Mo- penweit einzigartig ist. Das Leben am Steil-
Anton Sint, Naturschutzreferent der ment, ein stimmungsvoller Aufbruch – diesen hang ist ein beschwerliches, arbeitsreiches -
OeAV-Sektion Sillian Sonnenaufgang haben wir heuer gemeinsam aber meist ein glückliches, zufriedenes Leben.
bei der Projektvorstellung der Bergsteigerdör- Der Erste Weltkrieg mit der Grenzziehung und
fer Untertilliach, Obertilliach und Kartisch im Abtrennung Südtriols war ein tiefgreifendes
„Wertschätzung braucht Verständ- Tiroler Gailtal erleben dürfen. Ereignis. Als südöstliche Randregion Öster-
nis und hautnahe Erlebnisse in einer An diesem Abend wurde der Leuchtturm ent- reichs war Einfallsreichtum immer schon ge-
herrlichen Umgebung.“ facht, der mit seinem Lichtkegel unseren Ge- fragt. „Kommen sie zu uns, wir haben nichts“
danken zur Tourismusentwicklung den Weg in war der legendärere Leitsatz in der Touris-
die Zukunft weist. Unsere Arbeit wird selbst- muswerbung von Innervillgraten. Hier wurde
verständlich jedes Jahr erledigt, aber der Um- bereits vor 30 Jahren auf einen sehr qualitäts-
fang, die Wurzeln wurden nicht mehr gepflegt. vollen Wander- und naturnahen Tourismus ge-
An diesem Abend sind Tourismus und Alpen- setzt. Im Tal konnte sich mit „Villgrater Natur“
verein wieder zusammengekommen; ein sehr eine authentische Produktlinie rund um das
stimmungsvoller Motivations- und Qualitäts- Tiroler Bergschaf als Marke etablieren.
schub. Unser Dank gilt allen die dieses Projekt Aus regionalwirtschaftlicher Sicht müsste
mitgestalten und mittragen. Der Alpenraum heute neu getextet werden: „Kommen sie zu
braucht Weitsicht und Euren Einsatz, für ein uns, wir haben bald nichts mehr“. Im Sog der
neues Alpenbewusstsein. regionalen Zentren werden den Seitentälern
wichtige Infrastrukturen wie Bank, Postamt,
Dem Thema: „Sicht einer Kleinsektion“ näher- Tourismusbüro entzogen. Die Region kämpft
te ich mich mit der Handykamera, denn „Zu täglich gegen die massiven Abwanderungs-
sehen was Ist – ist eine Herausforderung“. Die tendenzen. In mancher Kleingemeinde wird es
Fotos wurden wie bei modernen Bergsteiger- dadurch notwendig, auch über einen geord-
dorfbesuchern zu beobachten, spontan aus neten Rückbau nachzudenken.
der Hüfte geschossen. Um die wahre Schön-
Aus Sicht einer ortsansässigen Sektion 44 45
Aus Sicht einer ortsansässigen Sektion

Auftrag und Verantwortung Alpine Heimat. Die Errichtung war bei Investi- Die Natur hat keine Stimme – außer wir punktsetzungen erforderlich. Naturschutz, bauernkultur zusammenzubringen. Schüler, ein einziger Vortrag, könnte sofort 17 mal
tionskosten in der Höhe von fast einer Million geben ihr unsere. Tourismus und Landwirtschaft brauchen ein Kinder, Jugendliche aus den Städten besuchen multipliziert und umgesetzt werden. Warum
Die Alpenvereinssektion Sillian ist mit 750 Mit- Euro mit hohem Risiko und großem persönli- Regionalentwicklungsprogramm zur Land- eine Woche lang die Schule des Bergsteigens, könnte nicht eine kleine feine Themenausstel-
gliedern der größte und unabhängigste Ver- chen Einsatz der damaligen Verantwortlichen Gemeinsam mit der Abteilung Raumplanung schaftsnutzung. Es muss geklärt werden, wel- die Schule der bergbäuerlichen Kulturarbeit, lung durch die 17 Bergsteigerdörfer wandern?
ein in der Region. Unsere Leidenschaft ist das verbunden. Der Hüttenstandort auf 2.450 m und Naturschutz des OeAV sind wir ein kräfti- che Nutzung Wo Sinn macht. Beim Versuch, eine echte „Land-Schulwoche“. Wertschätzung Meistens tragen die engagiertesten Kräfte die
Bergsteigen. Das macht besonderes in der Ge- in einer atemberaubenden Bergkulisse, von ges Sprachrohr, wenn es um Naturzerstörung auf allen Hochzeiten zu tanzen, wird sicher braucht Verständnis und hautnahe Erlebnisse größten Rucksäcke. Nutzen Sie Synergien und
meinschaft Gleichgesinnter viel Freude. Her- den Drei Zinnen bis zum Großglockner am geht. Wie bei dem geplanten Schigebietszu- keiner glücklich werden. in einer herrlichen Umgebung. Bergsteiger- schonen Sie Ressourcen. Aktivität und quali-
zensanliegen und besonders Augenmerk wird Beginn des Karnischen Höhenweges, der zu sammenschluss Sillian-Sexten direkt an der dörfer bieten dafür ein reichhaltiges Angebot. tätsvolle Themenpräsenz erscheint mir beson-
auf die Jugendarbeit der Sektion gelegt. Der den schönsten Weitwanderwegen der Alpen Sillianer Hütte vorbei, oder wenn das immer Bei der Analyse meiner Fotoaufnahmen sind In diesem Sinne wünsche ich den Bergsteiger- ders im Wettbewerb zu den vielfältigen Ange-
Hüttenbetrieb, in den Sommermonaten von zählt, bedeutet Auftrag und Verantwortung. wiederkehrende Gespenst der Alemagna Au- zwei Themen an die Oberfläche gekommen. dörfern, dass sie zu echten „Lebensschulen“ boten von naturnahen Tourismusregionen als
Juli bis September, ist eine große Herausforde- Als Würdigung für den vorbildlichen Hütten- tobahn wieder auftaucht. Erschreckend wie Der Bereich Bauwerke und Baukultur bietet unserer Jugend werden. wichtiges Abgrenzungs- und Alleinstellungs-
rung für Pächter und Sektion. Die Sillianer Hüt- betrieb, wurde der Sillianer Hütte 2006 das diese Liste laufend erweitert werden müsste. einen sehr spannenden Zugang. Sie prägen merkmal.
te ist weit mehr als ein gut eingeführter Wirt- Umweltgütesiegel des Oesterreichischen Al- „Tue Gutes und rede darüber“, das machen wir das Bild einer Landschaft, einer ganzen Tal-
schaftsbetrieb, sie ist das Aushängeschild und penvereins verliehen. über unsere Sektion Homepage. Sie ist für vie- schaft. Unsere „Seitenseitentäler“ haben noch Aktivitäten fördern
Bis dato wurden alle Einnahmen wieder in die le Sektionsmitglieder Informationsplattform wenige Bausünden erfahren. Im Gegenteil, „Geht die Kuh – geht der Gast“
Infrastruktur und in Projekte zur touristischen und ein Fenster in ihre Heimat. Die Arbeit geht Obertilliach als eines der letzten Haufendörfer Für Ihren weiteren Weg wünsche ich Ihnen
Weiterentwicklung der Region gesteckt. Zum uns sicherlich nicht so schnell aus. Wir feiern mit liebevoll gepflegten Bergbauernhöfen ist Kraft und Ausdauer. Das Thema Bergsteigen Dieses Zitat möchte ich als Dank der Jahres-
Beispiel der Themenweg „Gemeinsame Hei- bald 125 Jahre Alpenvereinssektion Sillian, in ein Wohlfühldorf. Kartitsch mit seinen Weiler- bietet vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten. tagung Bergsteigerdörfer 2010 – Großes Wal-
mat“, der 2009 gemeinsam mit den Schützen- der Planungsphase befindet sich das Baupro- siedlungen eine sehr gegensätzliche Bau und Diese Fachtagung ist ein wesentlicher Motor sertal widmen. Ich war begeistert von den
kompanien Sexten und Sillian in grenzüber- jekt Kletterhalle und wie jedes Jahr sollte die Siedlungskultur. In der Wahrnehmung aber dazu. In unseren Gemeinden ist jede kleinste Vorträgen, den Gesprächen und Austausch
schreitender Zusammenarbeit zum Tiroler Schitourenmesse und die Flurreinigungsakti- beide sehr schöne, in sich stimmige, Ortschaf- Aktivität eine Aufwertung des lokalen Veran- der Gedanken. Arbeiten Sie weiter. Wenn wir
Gedenkjahr 1809-2009 realisiert werden konn- on organisiert werden. Aber am liebsten sind ten. staltungsprogramms. Schöpfen Sie aus den wüssten, dass morgen unser Finanz- und Wirt-
te. wir natürlich draußen, bei gemeinsamen Tou- verschiedensten Bereichen wie Berg-Literatur, schaftssystem untergehen würde, müssten Sie
ren und Bergerlebnissen. Berg-Film oder Fachvorträgen. Eine gute Idee, noch heute ein Bergsteigerdorf gründen.
Vom Lebensmittel zur Mitte des Lebens

Die Sillianerhütte Bergsteigerdörfer - Ein Weckruf An der Speisekarte mit dem Bergsteigerdorf-
logo klopft das Thema Küche und Ernährung
Das noch sehr frische Projekt „Bergsteiger- an. Keine Entscheidung treffen wir so häufig
dörfer“, löste einen Motivationsschub aus. wie die Lebensmittelentscheidung. Das Es-
Die Systemarbeiten, die „ja eh immer schon sen ist eine direkte Verbindung vom Wissen
gemacht, aber nicht mehr gepflegt wurden“ zum Schmecken und Wohlbefinden und wie-
werden wieder in den Mittelpunkt gestellt. der zurück zur Handlungsebene, der Kauf-
Zum absoluten Pflichtprogramm zählt die Er- entscheidung. Hier kann schnell Bewusstsein
haltung und Verbesserung der Infrastrukturen. durch positive Bestätigung entstehen und
Top Wanderwege, auch die Spazierwege für verankert werden. Bei einer sensibilisierten Be-
Familien und Senioren in Tallagen, sind wie- suchergruppe ist das Thema „Essen“ ein direk-
der Arbeitsschwerpunkt. Nachjustierungen ter Anknüpfungspunkt zum Produzenten in
sind im Bereich qualitätsvolle Hüttenkultur der Berglandwirtschaft. Wie kann das Wissen
notwendig. Eine Informationsschiene, die „Al- über die Lebensmittelproduktion bis hin zur
pinauskunft“, könnte mit Vermietern und Be- Vorratswirtschaft direkt am Bergbauernhof,
herbergungsbetrieben wiederbelebt werden. in der Almhütte, in den Alpenvereinsschutz-
An schöner Landschaft und alpine Infrastruk- hütten erlebbar gemacht und weitergegeben
tur mangelt es bei uns nicht. An Ideen mangelt werden?
es auch nicht. Bei uns „happert“ es wirklich an
der lokalen Umsetzung. Anpacken in vielen Anknüpfen möchte ich die Frage der Zielgrup-
kleinen Schritten, einfache Dinge auf den Weg pen. Denn unweigerlich führt die Frage der
des guten Willens bringen, da können wir ge- Wissensvermittlung zur Zielgruppe „Schulen“.
meinsam schon sehr, sehr viel erreichen. Bergsteigerdörfer mit starkem berglandwirt-
Im zerstörerischen Spannungsfeld der Er- schaftlichen Hintergrund wären sicher ein
schließungskonflikte, ist auf regionalpo- guter Ort, um Schule mit der Produktion von
Sowohl das Villgratental als auch das Tiroler Gailtal werden von einer alten Bergbauernkultur geprägt. litischer Ebene eine Klärung und Schwer- Lebensmitteln und der traditionellen Berg- Die Wirtin des Gannerhofes in Innervillgraten mit frisch gebackenem Brot.
46 47

Die „Bergsteigerdörfer“

Ein Blick auf den Öffentlichen Verkehr

Michael Ernst, Technische Universität Wien


(Bilder: Michael Ernst und Michael Kalmer)

Kurzfasssung der vom Oesterreichischen der einzelnen Bergsteigerdörfer festgestellt.


Alpenverein in Auftrag gegebenen Studie Die Ausgangslage und die Entwicklung der
einzelnen Dörfer hinsichtlich Mobilität unter-
Projektleiter: Georg Hauger, Technische Uni- schieden sich deutlich.
versität Wien Diese Arbeit zeigt Entwicklungen und Ent-
wicklungswünsche der Bergsteigerdörfer.
Diese Studie knüpft speziell an die Mobilitäts- Unterschiedliche Ziele und Maßnahmen und
bedürfnissen innerhalb der Bergsteigerdör- Entwicklungshindernisse werden aufgezeigt.
fer an und überprüft den Bedarf an Mobili- Das Ergebnis ist die Nachfrage des aktuellen
tätsangeboten. Das Angebot des öffentlichen Mobilitätsangebot und die Formulierung ent-
Verkehrs und alternativer Mobilitätsanbieter sprechender Mobilitätswünsche der einzelnen
und deren Nutzung wurden untersucht. Das Bergsteigerdörfer.  
inkludiert auch das Vorhandensein von alter- Folgende Grobtypen ließen sich identifizieren:
Michael Ernst, TU-Wien nativen Mobilitätslösungen wie Sammeltaxis,
Wanderbusse oder auch anderen Formen von • Gruppe 1: herkömmliches ÖV Angebot
Transportlösungen wie Hol- und Bringdienste und dessen Nachfrage derzeit sehr gut
etwa durch Mitarbeiter von Beherbergungsbe- Angebot wird reduziert (z.B.: Grünau im
trieben. Die Wünsche für ein erweitertes und Almtal)
verbessertes Mobilitätsangebot von Seiten
der Gemeinden und den Tourismusverbänden
wurden in die Arbeit aufgenommen.
Die Untersuchung erfolgte einerseits durch die
Erhebung von statistischen Daten (unter ande-
rem Fremdenverkehrsstatistik) und der inne-
ren und äußeren Erreichbarkeit der Bergstei-
gerdörfer mit verschiedenen Verkehrsmitteln.
Weiters wurden vor Ort Experteninterviews
mit den Bürgermeistern und Tourismusver-
bandsvertretern und anderen Interessensver-
tretern zur Gemeindeentwicklung mit dem
Schwerpunkt Mobilität gelegt. Das führte zu
wichtigen Erkenntnissen hinsichtlich des Mo-
bilitätsangebots, des Mobilitätsverhaltens und
Nachfrage nach alternativen Verkehrsmitteln
zum PKW. In weiterer Folge wurden die Er-
gebnisse aus der Recherche und den lokalen Gruppe 1: Derzeit (noch) sehr guter zentrumsnaher
Interviews zusammengefasst und die Stärken, Bahnanschluss, um mit dem Bus das Skigebiet oder
Schwächen, Risiken, Potentiale und Wünsche den Almsee zu erreichen (Grünau).
Überprüfung des Bedarfs an Mobilitätsangeboten 48 49

Diskussion
Moderation: Roland Kals
• Gruppe 2: herkömmliches ÖV Angebot Dieser Bericht soll auch eine Grundlage für
und dessen Nachfrage derzeit gut ein Studentenprojekt des Fachbereichs für
zusätzliche flexible ÖV Angebote (z.B.: Verkehrssystemplanung der Technischen Uni-
Villgratental) versität Wien sein, das ab Oktober 2010 für ein
• Gruppe 3: herkömmliches ÖV Angebot Studienjahr durchgeführt wird. Dieses Projekt
und dessen Nachfrage schlecht soll in enger Kooperation mit dem Alpenver-
bleibt schlecht oder droht schlechter zu ein eine genauere Untersuchung der Mobilität
werden einzelner Bergsteigerdörfer beinhalten und als
spezifische Angebotsverbesserungen wie Ergebnis unter anderem Konzepte zu innova-
z.B.: Wanderbus (z.B.: Malta) tiven Mobilitätslösungen mit alternativen Ver-
kehrsmitteln führen.
• Gruppe 4: herkömmliches ÖV Angebot
eher mangelhaft und die Nachfrage
Angebot bleibt schlecht oder droht
schlechter zu werden Helmut Lang, OeAV-Sektion Villach, ist als Zum eben erwähnten Tiroler Beispiel wäre es
Initiativen für vernetzte alternative Mo- Verkehrsplaner mit der Gegenüberstellung für Ernst sinnvoll zu wissen, wie die gesetzten
bilitätsangebote existieren oder sind in „Öffentlicher Verkehr“ und „Paratransit“ nicht Maßnahmen aussahen. Er vermutet, es wur-
Planung. (z.B.: Lesachtal) einverstanden. Das Wort „Transit“ sei bekannt- den mehr Busse eingesetzt. Wichtig sei aber
lich ein Reizwort für viele, und „Paratransit“ in immer, dass der Fahrplan auf den tatsächli-
diesem Zusammenhang sei ein völlig falsch chen Bedarf abgestimmt wird.
belegter Begriff, wenn er auch in der Fachwelt Zum Teil gäbe es sehr starre Strukturen, wie
gebräuchlich sein möge. das Beispiel von Johnsbach beweist, wo der
Vor kurzem hatte er die Gelegenheit, ein fan- Schülerbus nicht zu der Zeit fährt, wo er ge-
tastisches Referat von einem der beiden Ge- braucht wird. Es mache wenig Sinn, wenn
schäftsführer des Tiroler Verkehrsverbundes der Bus so fährt, dass die Schüler den Bahn-
zu hören. Dieser brachte ein wunderbares anschluss gerade nicht mehr erreichen. Mehr
Beispiel, wie in einzelnen Regionen Tirols der Fahrten seien natürlich besser, aber die Fahr- Hartmut Heidinger und Helmut Lang
Öffentliche Verkehr auf die Belange des Touris- ten dann zu machen, wenn die Leute sie auch
mus abgestimmt worden sei, mit dem besten richtig nützen können, sei das Hauptziel, das
Erfolg. Durch geringe Mehraufwände für mehr verfolgt werden sollte.
Fahrten, seien die Erträge um ein Vielfaches Gerade der „Paratransit“ böte die Möglichkeit,
gestiegen. Herr Lang schlägt vor, diesen Herrn dieses Ziel zu erreichen.
einzuladen, dass er sein Geheimnis verrate. Eine Kombination von Öffentlichem Verkehr
Dies könne nämlich der Schlüssel für Gebiete, und individuellen Mobilitätsangeboten wäre
wie beispielsweise das Lesachtal oder Malta, natürlich wünschenswert.
sein, den Öffentlichen Verkehr zu stärken und
ihn sowohl für Berufstätige, für alltägliche Be- Wolfgang Cirtek, Vorsitzender der OeAV-
sorgungen als auch für Gäste wertvoll zu ma- Sektion Wels, schließt mit einer Anregung zur
chen. Anreise mit dem Öffentlichen Verkehr an diese
Verkehrsproblematik an. Vor etwa 15 Jahren Wolfgang Cirtek
Michael Ernst, TU Wien bestätigt, dass er mit hätte es eine Aktion der damaligen ÖBB gege-
dem Wort „Paratransit“ an sich auch nicht sehr ben, bei der man die Anreise mit Öffentlichen
glücklich sei, da Transit ja oft „Durchfahrt“ be- Verkehrsmittel abfragen konnte. Die Antwort
deute. An und für sich, auch wenn der Begriff kam schriftlich oder telefonisch.
ungünstig gewählt wurde, sieht er bei diesen Heute sei es mit dem eigenen PKW und dank
individuellen Mobilitätsformen, die unter „Pa- Navigationsgerät für die meisten sehr einfach,
ratransit“ gemeint sind, wie zum Beispiel Sam- an ein Ziel zu gelangen. Eine gute Servicestelle
meltaxis und Rufbusse, einen sehr großen Ge- wäre eine Möglichkeit, den Öffentlichen Ver-
Gruppe 2: Der Pkw-Verkehr und die Parkplätze sind Gruppe 3: Viele Autos und Reisebusse nutzen die Maut- Gruppe 4: Verbesserter Linienbusverkehr erwünscht; winn für die Menschen. Mobilität sei stark von kehr noch wesentlich attraktiver zu machen.
bereits gut und umweltschonend organisiert straße zur Kölnbreinsperre als Ziel oder als Ausgangs- so könnte das Tal für Wanderer attraktiver erschlossen den Bedürfnissen der Menschen abhängig. Bei Vor allem für die etwas älteren Bergsteiger sei
(Villgratental). punkt für Bergwanderungen (Malta). und Rundwanderungen erleichtert werden, ohne den sturen Fahrplänen würden nie alle Bedürfnisse es manchmal nicht einfach, sich mit Fahrplä-
Pkw nutzen zu müssen (Lesachtal). abgedeckt werden können. nen, Kursbüchern und dem Internet „herum-
Diskussion 50 51
Diskussion

zuplagen“. Eine schlichte Servicenummer wäre in eine Gemeinde, wie zum Beispiel ein Berg- Ticket“. Dieses könne direkt bei der Anfrage in wurde. Die Jugendlichen bekämen jeden Tag
viel einfacher. steigerdorf, einladen würde. Dort könne ge- der Region mit gebucht und beim Beherber- ein anderes Programm im Rahmen der Aktion
zeigt werden, wie Kultur entsteht und Lebens- gungsbetrieb bezahlt werden. Und das ganze „Freunde treffen“ geboten. Fürs nächste Jahr
Hanspeter Mair, DAV-Geschäfsbereichsleiter, mittel produziert werden. Damit könne eine kostengünstig: die Anreise aus Hamburg zum sei das Camp bereits vom 13. Juli bis zum 26.
bedankt sich herzlich für das Angebot, der völlig neue, andere Wertschätzung erreicht Beispiel in die Region liege bei etwa 100 €. August voll ausgebucht. Was seines Erachtens
stärkeren Einbindung des DAV und wird sich werden und infiltriere dies in andere Bereiche Auch wenn das Projekt noch in den Kinder- jetzt noch fehle, sei das großartige Prädikat
bemühen, die Bergsteigerdörfer noch mehr der Gesellschaft, die miteinander vielleicht viel schuhen stecke, es scheint sich zu bewähren. „Bergsteigerdorf Mauthen“. Sepp Lederer ap-
zu bewerben. Er betont, dass er sehr froh wäre, zu wenig zu tun haben. Man könne damit also Selbstverständlich wurde auch versucht, ein pelliert an die Verantwortlichen in diesem
wenn es auch in Bayern etwas wie die Bergstei- die Vernetzung stärken. ähnliches Paket über die ÖBB anzubieten. Sei- Netzwerk, ihm irgendwann die erlösende
gerdörfer gäbe. Mair wünscht sich in Zukunft tens der ÖBB bestehe aber tatsächlich kein In- Nachricht zukommen zu lassen.
zumindest den grenznahen Bereich auch mit Hans Jury, OeAV-Sektion Gmünd, ist davon teresse, es gäbe keinen Verantwortlichen.
einzubinden. Leider ließe das Bayerische Mi- überzeugt, dass die Sektion durch ein Berg-
Walter Hauer nisterium keine finanziellen Mittel dafür übrig. steigerdorf in ihrem Arbeitsgebiet aufgewer- Sepp Lederer ist Obmann der OeAV-Sektion Hans Jury
tet wird. Die Broschüren würden nicht Obergailtal-Lesachtal, einer sehr jungen Sekti-
„Ich wäre sehr froh, wenn es auch in Bayern so etwas nur von Gästen, sondern auch von Ein- on, die erstmals im Jahr 1894 und 1994 neu
wie die Bergsteigerdörfer geben würde.“ heimischen und Sektionsmitgliedern gut gegründet wurde. Der Virus „Bergsteigerdör-
Hanspeter Mair, DAV-Geschäftsbereichsleiter angenommen. fer“ habe Sepp Lederer einmal während einer
Tour erfasst. Am Gipfel griff er zum Handy und
Walter Hauer, OeAV-Sektion Wien, fand „Vielleicht muss man auch nicht immer den Ansprü- teilte eben dies Peter Haßlacher mit.
den Nachmittag sehr interessant. Er kom- chen der Städter gerecht werden, vielelicht kann man
me aus dem beruflichen Umfeld, wo sehr auch den Städtern unsere Ansprüche ein wenig näher „Auf einer Bergtour wurde ich vom ‚Virus‘ Bergsteiger-
viel dargestellt und weniger getan wird. bringen.“ dörfer erfasst. Am Gipfel griff ich zum Handy und teilte
Hier hätte er es umgekehrt erlebt. Es Hans Jury, OeAV-Sektion Gmünd dies Peter Haßlacher mit. Seitdem warte ich auf die
würde sehr viel getan und weniger dar- erlösende Nachricht des Hauptvereins, dasss auch
gestellt werden. Vielleicht wäre es gut, Mauthen als Bergsteigerdorf aufgenommen wird.“
Kritischer Blick von Klaus Rüscher einen Mittelweg, einen Ausgleich, zu finden. Für die Sektion ergäbe sich aber auch eine Sepp Lederer, OeAV-Sektion Obergailtal-Lesachtal Lauschen der Diskussion: Martin Fürhapter und
Als Schnittstelle schlägt er vor, z.B. Schulklas- entsprechende Verpflichtung für die Zukunft, Hansjörg Schneider
sen in die ländlichen Gebiete einzuladen, da- die Infrastruktur in einem guten Zustand zu er- Dieses Gefühl verfolgt Lederer nun seit ein-
mit sie die dortige Lebensweise kennenlernen. halten, um den hohen Ansprüchen der Gäste einhalb Jahren. Es habe viele Bemühungen
Walter Hauer arbeitet zur Zeit an einer Unter- auch gerecht zu werden. Das Zusammenspiel gegeben und es wurden Ideen zu weiteren
suchung, wie viele Lebensmittel in Österreich von alpinen Außenstellen, Ausrüstungsver- Projekten entwickelt. Roland Kals habe inzwi-
im Müll landen. Es schmerze ihn sehr - und ei- leihe und so weiter müsse funktionieren. Den schen Kontakte zu Lipara aufgebaut, einer
nem Landwirt würde das noch viel mehr weh oftmals eigensinnigen Vorstellungen der Städ- Gemeinde, die ähnliche Probleme hätte, die
tun -, wenn man zusehen müsse, wie aus West- ter, müsse man vielleicht nicht immer gerecht wirtschaftlich in einer sehr miesen Lage sei
österreich täglich ein Sattelschlepper frischer werden, man könne ja auch die eigenen Vor- und die nur vom Tourismus leben könne, wolle
Milchprodukte aus dem gewerblichen Bereich stellungen den Städtern ein bisschen nahe und soll.
zur Beseitigung fahre. legen. Der Ortsteil Mauthen sei bemüht, in diesen
Es sei aber nicht nur im städtischen, sondern Zum Abschluss betont Hans Jury, dass es für sehr illustren Kreis der Bergsteigerdörfer auf-
auch im ländlichen Bereich offenbar einiges an ihn als Obmann einer Sektion ein Glück sei, genommen zu werden. In den 16 Jahren seit
Wertschätzung verloren gegangen. Mit Öffent- mit seinem Bürgermeister fraktionsfrei zusam- der Wiedergründung der Sektion Obergailtal-
lichkeitsarbeit bei den Endverbrauchern kön- menarbeiten und auch gemeinsam in die Ber- Lesachtal, würde Mauthen eigentlich schon
ne man bei weitem nicht so viel erreichen, als ge gehen zu können. wie ein kleines Bergsteigerdorf leben. Es be-
wenn man als Konsument die Produktion des stünden gute Kontakte zu anderen Sektionen,
Ganzen kennen lerne. Dies wäre die Schnitt- Klaus Rüscher, Bürgermeister Malta, betont, es würden Touren ausgearbeitet und auch für
stelle zwischen den Bergsteigerdörfern, der dass in der Nationalparkregion die Zusam- größere Gruppen angeboten. Dabei werde die
lokalen Landwirtschaft und dem städtischen menarbeit mit der Deutschen Bahn sehr gut gut funktionierende Infrastruktur des Ortes
Bereich. Beim Thema Umweltzeichen wäre sei. Bei dem Wanderbus-Projekt habe man sich genutzt.
es zum Beispiel eine spannende Geschichte, überlegt, dass die Leute nicht nur in der Regi- Ein wichtiger Schritt – so Lederer - sei die För-
wenn ein großer, mit dem Umweltzeichen aus- on mit Öffentlichen Verkehrsmitteln zu ihrem derung der Jugend: die Sektion habe ein ge-
gezeichneter Betrieb, in den großen Städte an Ausflugsziel kommen, sondern auch umwelt- heimes Ausbildungszentrum Süd geschaffen ,
die ausgezeichneten Schulen - die offensicht- freundlich anreisen sollen. Gemeinsam mit der in dem im heurigen Sommer immerhin 6 Wo-
lich einen Zugang dazu haben – ginge und sie Deutschen Bahn gäbe es das so genannte „HIT- chen hindurch das Jugendcamp abgehalten Gabriele Singer im Gespräch mit Martin Ploderer
52 53

Was macht ein Bergsteigerdorf aus?

Sigbert Riccabona, ehemaliger Landesumweltanwalt Tirol

Ausgangssituation kochen. Die „Art und Weise wie...“, meint unter


anderem: werden die BürgerInnen professi-
Die bisherige Entwicklung des Projekts: „ Berg- onell eingebunden, sind Wirtschaft, Soziales
steigerdörfer“ wurde in den Berichten und und Ökologie gleichwertig im Prozess vertre-
Broschüren sehr anschaulich dokumentiert. ten und berücksichtigt, werden die Sitzungen
Daraus geht hervor, dass sich bereits erste und Arbeitskreise professionell und effizient
Erfolge und ein positives Medienecho auf die gestaltet und geführt?
Ziele, Kriterien und Philosophie des Projek-
tes eingestellt haben. Der Wille der einzelnen
Dörfer das Projekt gemeinsam zu entwickeln Glaubwürdig, selbstbestimmt und
und umzusetzen, äußert sich eindeutig im Be- einzigartig
schluss, die Projektstruktur und den Kriterien-
katalog im jeweiligen Dorf anzunehmen und Der „Kriterienkatalog für Bergsteigerdörfer“
anzulegen. Damit ist das Fundament gebaut beantwortet klar und deutlich was ein Berg-
Sigbert Riccabona, ehemaliger Landesumweltanwalt und die Entwicklung des Projekts steht am steigerdorf ausmacht. Dieser wurde in den
Tirol Beginn einer zweiten Phase. Folgende wesent- Medienberichten sehr positiv aufgenommen,
liche Herausforderungen werden in diesem allerdings mit dem Nachsatz: „Wird er ehrlich
neuen Projektabschnitt auf die Projektsteuer- angelegt werden?“ Das bedeutet auch, dass
„Meine Antwort ist: ‚Klein , fein, ung und die Dörfer zukommen: Teambildung, die Einhaltung der Kriterien sicherlich genau
selbstbestimmt und glaubwürdig‘. Markenbildung und Qualitätssicherung. Eine beobachtet wird, vor allem auch weil sie sich
Es steht also im Kontrast zu einer Schlüsselrolle wird dabei die Entwicklung ei- ganz bewußt vom Massentourismus abhe-
nes Nachhaltigkeitsprozesses, im Sinne der ben, und auch in ihrer Werthaltung heraus-
Welt in der vieles groß, wuchtig, auf- Lokalen Agenda 21 (LA-21), in den Gemeinden fordernd auf diesen wirken („exzellente Land-
dreherisch und marktschreierisch spielen, weil er die Basis für ein effizientes, zu- schafts- und Umweltqualität“, „vorbildhafte
geworden ist, (...).“ kunftsorientiertes und partzipatives Zusam- Entwicklungskerne“, „Bewahrung der örtlichen
menarbeiten professionell schafft. Kultur- und Naturwerte“ usw). In dieser Situa-
tion ist es besonders wichtig, dass die Zielkri-
terien eindeutig überprüfbar sind, und ohne
Qualität des Entwicklungsprozesses selbst Rücksicht auf sentimentale Gefühle vollzogen
werden. Es muss eindeutig feststehen: „Wir
Wenn die Qualität des Entwicklungsprozesses gehen vor einem, das Paradies versprechen-
selbst (die Art und Weise wie Ziele gefunden den Großinvestor, nicht in die Knie. Manche
und verfolgt, wie Entscheidungen getroffen Kriterien zeigen eine subjektive Komponente.
und Konflikte gelöst, wie Projekte geplant und Das wird unvermeidbar sein, da „athmosphäri-
gebaut werden etc.) zuwenig beachtet wird, sche“ Werte gerade für die Markenbildung im
dann besteht die Gefahr, dass das Projekt nach Tourismus eine besondere Bedeutung haben.
einer anfänglichen Euphorie versandet, die Da diese Kriterien auch Fragen des Dorf- und
Kriterien bald in Vergessenheit geraten und Landschaftsbildes betreffen und Einwohner
jeder wieder beginnt seine eigene Suppe zu eines Dorfes manchmal „betriebsblind“ sind,
Was macht ein Bergsteigerdorf aus? 54 55
Was macht ein Bergsteigerdorf aus?

wird man hier, im Zusammenhang mit konkre- Teambildung, Dorfentwicklung, Marke, schnellere, höhere, aufregendere, beschleu- sind. Die LA – 21 (Abb.: 2) bietet dafür eine viel- und Kommunikation in ländlichen Räumen“; chenden Tradition für Bergsteiger. Somit steht
ten Projekten, klärenden Diskussionen Raum Qualitätssicherung (Abb.:1) nigte Dienstleistungsketten, immer am Limit, fach erprobte Vorgangsweise an. Bei diesem Baukultur – Gemeindepreis 2009, Katalog). das Bergerlebnis im Vordergrund. Die Erleb-
geben müssen. Dies um so mehr als Design streßbedingte psychosoziale Erkrankungen, Prozess können laufend Initiativen gestartet Bei dieser Art der Dorfentwicklung (Lokale nisse am Berg sind vielfältig und kontrastie-
und Gestaltungen jene Werte, denen sich ein Dort wo sich der Massentourismus entwi- Ausgrenzung von Skeptikern, fehlende Ein- werden , die sich immer mehr zu einem großen Agenda 21) entsteht ein von Verantwortung ren deutlich zu den Alltagserlebnissen in den
Bergsteigerdorf verpflichtet hat, nicht verlas- ckelt hat, schafft er Zwänge, denen sich die bindung von Bürgern in die Planung etc. Für Ganzen vernetzen (Beispiel: Biosphärenpark getragener Teamgeist, da erlebt wird, dass sich durchorganisierten, von Geschwindigkeit und
sen sollten. Der Kriterienkatalog stellt nicht ein Dorfentwicklung unterzuordnen hat (der Bergsteigerdörfer, die sich ja deutlich davon Großes Walsertal). Am Beginn dieses Prozesses Zusammenarbeit lohnt. In diesem Prozess wer- Hektik geprägten Ballungsräumen. Eingriffe in
enges Korsett dar, in welches die Dörfer ge- Markt verlangt dieses und jenes). Soziale und abheben wollen, bedeutet dies zunächst der kann es sehr hilfreich sein, in gemeinsamen Ex- den auch deutlich die Stärken und Schwächen die Natur sollen in Bergsteigerdörfern mög-
zwängt werden, sondern erkennt in derVielfalt ökologische Faktoren die für die Qualität der Frage nachzugehen, wohin sich das Dorf sozi- kursionen Gemeinden zu besuchen, die durch des Dorfes erkannt. lichst vermieden werden. Bei der Entwicklung
der Dörfer einen sehr positiven Wert, den es zu Dorfkultur von entscheidender Bedeutung al, ökonomisch und ökologisch entwickeln soll diesen Prozess bereits gegangen sind (siehe Bergsteigerdörfer garantieren ein professio- von touristischen Angeboten in Bergsteiger-
erhalten und zu pflegen gilt. sind, kommen zu kurz durch immer mehr, und welche Leitwerte für das Dorf maßgebend hiezu auch: „Landluft-Verein für Baukultur nelles Tourismusangebot mit einer entspre- dörfern wird man daher trachten, von der je-

Soziales
Marke
(Glaubwürdigkeit, Pflege)

Investoren Experten

Der Markt Gäste

Förderungen
Infrstruktur

EU Wirtschaft Natur/Umwelt
Technologie

LA21 PROZESS
Gesetze

Medien

Team Qualität
(Geist) (Entwicklung und Sicherung)
Importe
Versorgung Investitionen

Abb. 1: Von der Dorfentwicklung zur Teambildung, Marke und Qualitätssicherung; S. Riccabona 10/2010 Abb. 2: LA-21 Prozeß, S. Riccabona 10/2010
Was macht ein Bergsteigerdorf aus? 56 57
Was macht ein Bergsteigerdorf aus?

weilig vorhandenen Naturausstattung auszu- zu überprägen, sondern sie höchstens durch gekoppelt mit Bergsteigertradition und bäuer- „heimisch“ in der Marke und erlebt sie nicht als Was macht ein Bergsteigerdorf aus? (Natur- und Kulturlandschaft), einem anspre-
gehen. Jede Landschaft ruft eine bestimmte eine geschickte Wegführung unaufdringlich licher Tradition. Das Thema des „Wilden“ ist in eine übergestülpte Atrappe. Ähnliches gilt für chendem Dorfbild, einer noch lebendigen
Stimmung im Betrachter hervor. Almen z.B. ins Blickfeld zu bringen. Es würde sich auch auf beiden Traditionen sehr präsent. die Entwicklung eines Konzepts zur Qualitäts- Meine Antwort ist: „Klein , fein, selbstbestimmt Bergsteigertradition und einer einfachen,
erzeugen eine Stimmung der Geborgenheit Grund des besonderen ästhetischen Wertes Die Bildung der Marke „Bergsteigerdorf“ kann sicherung. Wesentlich ist immer, dass über die und glaubwürdig“. Es steht also im Kontrast schlichten aber qualitätvollen Gastronomie
und Harmonie, ein Wasserfall ein Gefühl der der Gipfelregion empfehlen, diese möglichst auch in den LA-21 Prozeß integriert werden. Vermittlung nach außen nicht die Arbeit nach zu einer Welt in der vieles groß, wuchtig, auf- und Beherbergung, spielen aber auch die Art
Kraft und Stärke, der Gipfel wiederum Frei- frei zu halten und diesen Bereich als etwas Das hat den Vorteil, dass die Marke im Dorf innen vernachlässigt wird. dreherisch und marktschreierisch geworden und Weise wie die Bewohner des Bergsteiger-
heit und spirituelle Gefühle. Es geht nun da- Mystisches zu sehen (Abb.: 3). Das könnte auch besser kommuniziert und durch die Beteili- ist, und die sich von einem menschlichen Maß dorfes gemeinsam die Entwicklung ihres Dor-
rum diese Stimmungsträger nicht technisch ein Element der Markenbildung sein (Abb.: 4), gung akzeptiert wird. Man fühlt sich sozusagen entfernt. Neben der landschaftlichen Qualität fes gestalten, eine zentrale Rolle.

Abb. 3: Ausstattung und Typisierung der Besucher, S. Riccabona 10/2010 Abb. 4: Markenbildung, S. Riccabona 10/2010
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Der Stellenwert des Projektes „Bergstei-


gerdörfer“ für die Landesplanung

Franz Rauter, Vorstand der Abteilung Raumordnung-Statistik,


Amt der Tiroler Landesregierung

Mit den „Bergsteigerdörfern“ hat der Oes- schen und Standortqualität für die Wirtschaft
terreichische Alpenverein gemeinsam mit müssen mit der Schonung unserer natürlichen
den Menschen vor Ort eine gleichermaßen Ressourcen in Einklang gebracht werden. Die-
beachtenswerte wie sympathische regio- ses Prinzip zieht sich daher wie ein „roter Fa-
nalpolitische Initiative gesetzt. Die Stär- den“ durch den ganzen „ZukunftsRaum“.
kung der örtlichen bzw. regionalen Iden- Ein zweiter wesentlicher Grundgedanke be-
tität im Einklang mit einer behutsamen trifft eine aktive Regionalpolitik, die die Vielge-
touristischen Inwertsetzung von Orten und staltigkeit unseres Landes als Chance begreift
Talschaften mit großem alpinem Natur- und die Menschen in den Orten und Regionen
raum- und Landschaftspotenzial entspricht dabei unterstützt, ihren Lebens- und Wirt-
in hohem Maße den Ansprüchen an eine schaftsraum eigenverantwortlich zu entwi-
eigenständige, nachhaltige Regionalent- ckeln.
wicklung. Auf dieser Grundlage wurden in der Zwischen-
Der folgende Beitrag stellt das Projekt zeit u.a. auch „Strategien für eine raumverträg-
Franz Rauter, Raumplanung und Statistik, Amt der „Bergsteigerdörfer“ in den Kontext der al- liche Tourismusentwicklung“ erarbeitet2.
Tiroler Landesregierung pinen Raumordnung und versucht eine Ein- Die intensiven Wechselwirkungen zwischen
schätzung von Zukunftsperspektiven. Raum und Tourismus sind das zentrale Thema
dieses Dokumentes, das unter intensiver Be-
„Erfolgsmaßstab ist letztlich die teiligung aller berührten Interessensgruppen
dauerhafte wirtschaftliche Tragfä- Grundlegende Orientierungen der alpinen entstanden ist.
higkeit, wobei auch indirekte Wert- Raumordnung in Bezug auf den Tourismus Der Raumordnungsplan betont die große wirt-
in Tirol schaftliche Bedeutung des Tourismus für Tirol
schöpfungseffekte mit zu berück- insgesamt und insbesondere für die abseits
sichtigen sind.“ Der von der Landesregierung im September der Verdichtungsräume gelegenen Landes-
2007 beschlossene Raumordnungsplan „Zu- teile. Er hebt zugleich hervor, dass die touristi-
kunftsRaum Tirol“ legt die grundlegenden sche Eignung Tirols in hohem Maße durch die
Ziele, Strategien und Schwerpunkte der räum- natürlichen und landschaftlichen Ressourcen
lichen Entwicklung des Landes fest1. grundgelegt wird, sodass im Tourismus in be-
Angesichts der Vielfalt der Nutzungsansprü- sonderem Maße Nachhaltigkeit auch als lang-
che an unseren begrenzten und sensiblen fristige Absicherung der Wettbewerbsfähig-
alpinen Lebens- und Wirtschaftsraum ist eine keit zu sehen ist. Eine wesentliche Stärke des
zukunftsfähige Entwicklung nur unter ver- Tiroler Tourismus liegt zudem in seiner regi-
stärkter Beachtung des Prinzips der Nachhal- onsbezogenen Authentizität und Integration,
tigkeit möglich. Lebensqualität für die Men- die es zu bewahren gilt.

1
Derzeit wird die erste Zwischenevaluierung des „ZukunftsRaums“ durchgeführt. Diese wird in ein fortgeschriebenes Umsetzungsprogramm für den Zeitraum 2011 –
2013 münden. Parallel dazu wird nunmehr auch eine eigene „Tiroler Nachhaltigkeitsstrategie“ entwickelt.
2
Dieses Dokument wurde am 9.11.2010 von der Landesregierung ebenfalls als Raumordnungsplan beschlossen.
Der Stellenwert für die Landesplanung 60 61
Der Stellenwert für die Landesplanung

Ausgehend von diesem Grundverständnis be- rung des Tourismus; – Landschaft – Naturgefahren; be auf´s Exempel“, welche Bestandsfähigkeit Auch wenn es sich um eine „Nischenstrategie“
fasst sich der Raumordnungsplan mit vier zen- • der künftigen Entwicklung des Beherber- • den Wechselwirkungen zwischen Touris- „Bergsteigerdörfer“ dann aufweisen, wenn handelt, so besteht doch die Einschätzung,
tralen Themenbereichen: gungsangebotes und der touristischen In- mus und Mobilität. sich intensivtouristische Entwicklungsalter- dass das „Marktpotenzial“ für Bergsteigerdör-
frastruktur; nativen bieten, muss wohl – wie z.B. in Kals a. fer noch ausbaufähig ist. Es macht daher Sinn,
• der regionalen Bedeutung und Differenzie- • der Beziehung zwischen Tourismus – Natur Die Rolle der Bergsteigerdörfer aus raum- Gr. - erst bestanden werden. Zu wünschen ist, die Initiative fortzuführen und weiter zu entwi-
planerischer und regionalpolitischer Sicht dass in solchen Fällen die Existenz von „Berg- ckeln.
steigerdörfern“ dazu führt, dass auch intensiv- Das hohe Qualitätsniveau muss beibehalten
Aus touristischer Sicht decken „Bergsteiger- touristische Projekte mit größerer Sensibilität und gesichert werden. Angesichts vielfälti-
dörfer“ eine Angebotsnische ab. Das Po- für das alpine Umfeld umgesetzt werden. Die ger Initiativen zur Stärkung des Zielgruppen-
tenzial dafür ist beschränkt, zumal nur eine Frage, ab welcher Intensität der Entwicklung tourismus wäre zudem die Suche nach und
überschaubare Zahl von Orten die geforder- das Prädikat „Bergsteigerdorf“ nicht mehr der Zusammenarbeit mit strategischen Partnern
ten Voraussetzungen erfüllt. Grundsätzlich Realität entspricht, kann hier nicht beantwor- überlegenswert.
ist jedoch zu erwarten, dass die Zielgruppe tet werden. Erfolgsmaßstab ist letztlich die dauerhafte
wächst und es daher auch ein weiteres Wachs- wirtschaftliche Tragfähigkeit, wobei auch in-
tumspotenzial für „Bergsteigerdörfer“ gibt. Der Sehr positiv sind „Bergsteigerdörfer“ auch in direkte Wertschöpfungseffekte mit zu berück-
Umstand, dass die Zielgruppe über die alpinen Bezug auf die Sozialverträglichkeit zu sehen. sichtigen sind.
Vereine und über alpine Medien gut erreicht Durch Beteiligung der Bevölkerung und durch Die weitere Entwicklung der „Bergsteigerdör-
werden kann, fällt dabei positiv ins Gewicht. den integrierten Ansatz wirken sie identitäts- fer“ (und vergleichbarer Initiativen) erfordert
Durchaus interessant ist die Kombination von stiftend, gemeinschaftsbildend und Akzep- geeignete Rahmenbedingungen, zu deren
Bergsteigerdörfern mit nahe gelegenen tou- tanz fördernd. Sie stärken die örtliche/klein- Sicherung und Gestaltung auch das Land und
ristischen Zentren, wie dies beispielsweise regionale Kreislaufwirtschaft und erzeugen die Gemeinden beitragen können.
bei Vent – Sölden und Ginzling – Mayrhofen dadurch Win-Win-Situationen. Dies beginnt damit, derartige Initiativen be-
der Fall ist. Es liegt darin die Chance, intensiv Aus Sicht der Raumordnung im engeren Sinne wusst wahrzunehmen und sie in den strategi-
touristisch genutzte Gebiete gegen den Na- unterstützen „Bergsteigerdörfer“ eine Boden schen Überlegungen zur Landes- Regional-
turraum hin „sanft“ abzufedern und ermög- sparende Innenentwicklung von Ortschaften und Ortsentwicklung mit zu berücksichtigen.
licht den Tourismuszentren, ihren Gästen auch aus dem vorhandenen Baubestand heraus. Es geht aber auch darum, Entwicklungen zu
naturnahe Erlebnisräume zu bieten (Gleiches Gleichermaßen unterstützen sie die Schutz- vermeiden, die mit den Kriterien von Bergstei-
gilt im übrigen auch für die Kombination von ziele im Freiraum durch eine verträgliche Nut- gerdörfern unvereinbar sind, sondern deren
Tourismuszentren und betreuten Schutzge- zung. spezifische Bedürfnisse zu berücksichtigen,
bieten). Hinsichtlich der Mobilität forcieren „Bergstei- soweit dies im Rahmen von Interessenabwä-
Wichtig ist es in solchen Fällen, dass das Ange- gerdörfer“ die An- und Rückreise der Gäste gungen möglich ist.
bot der „Bergsteigerdörfer“ von der örtlichen/ sowie das Erreichen der Ausflugsziele am Ur- Was finanzielle Unterstützungen durch die
regionalen Tourismusorganisation bewusst laubsort mit öffentlichen Verkehrsmitteln und öffentliche Hand anlangt, so werden die dies-
und wertschätzend wahrgenommen wird und leisten so auch einen Beitrag zur Stärkung der bezüglichen Weichen primär durch die bereits
eine entsprechende Unterstützung (bei Pro- Nachhaltigkeit in diesem Bereich. angelaufene Reform der EU-Kohäsions- und
jekten und beim Marketing) erfährt. Nicht unerwähnt soll schließlich die Vernet- Agrarpolitik für die Periode ab 2014 gestellt,
In Bezug auf die Regionalentwicklung bieten zungswirkung bleiben, die sich durch die da die Programme für ländliche Entwicklung
„Bergsteigerdörfer“ wirtschaftliche Impulse Kontakte der „Bergsteigerdörfer“ untereinan- und die Strukturfondsprogramme auf der Ko-
für periphere, bisher wenig erschlossene Orte, der und die diesbezügliche unterstützende finanzierung durch EU, Bund und Ländern be-
Gemeinden oder Talschaften in alpinen Lagen Begleitung durch den OeAV ergibt. Dies ent- ruhen. Die gemeinsame Position der österrei-
und tragen damit zur Erhaltung dieser Lebens- spricht dem regionalpolitischen Ziel nach Stär- chischen Bundesländer fordert jedenfalls eine
und Wirtschaftsräume bei. Sie leisten zugleich kung regionaler Strukturen durch Kooperation Fortsetzung der im Wesentlich bewährten
einen wichtigen Beitrag für die Inwertsetzung und Austausch. Instrumente für die Unterstützung einer integ-
natürlicher und landschaftlicher Potenziale rierten Regional- und ländlichen Entwicklung.
und unterstützen – gemeinsam mit Schutz- Für Prognosen, was uns diesbezüglich konkret
gebietsmanagements – den Schutz erhaltens- Einige Schlussfolgerungen erwartet, ist es derzeit noch zu früh.
werter Natur- und Kulturlandschaften bzw.
erhöhen deren Akzeptanz. „Bergsteigerdörfer“ sind ein positiver Beitrag
Der dauerhafte Bestand von „Bergsteigerdör- für eine nachhaltige Regionalentwicklung. Sie
fern“ hängt in hohem Maße davon ab, ob sich bieten dem OeAV aber auch die Möglichkeit, Aufmerksame Zuhörer: v.o.: Benedikt Sauer, Hartmut
Der Tourismus spielt vor allem für die abseits der Ballungsräume liegenden Ortschaften eine große Rolle. Im Bild die wirtschaftlichen Nutzenerwartungen der sich als konstruktiver Partner der Regionalent- Heidinger und Helmut Lang, Matthias Danninger,
die Kirche von Buchboden, eine winzige Ortschaft am Talschluss, die zu Sonntag im Großen Walsertal gehört. dort lebenden Bevölkerung erfüllen. Die „Pro- wicklung zu positionieren. Ludwig Wiedemayr.
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Publikumsdiskussion

Moderation: Michael Pause

Redakteur „Bergauf Bergab“ Bayerischer Rundfunk

Michael Pause ist Journalist und Redakteur beim ner jahrelangen Erfahrung weiß er, dass in einem
Bayerischen Rundfunk, der sich – wohl weltweit solchen Ort eine gewisse bergsteigerische Tradi-
einmalig – eine Bergsteiger-Redaktion leistet. Die tion vorhanden sein muss, die etwas mit der Er-
Beiträge der Sendung „Bergauf-Bergab“ mit ei- schließung der Alpen im 19. Jahrhundert zu tun
ner interessanten Fülle von Themen, die sensibel hat. Dabei denkt man aber schnell an Zermatt,
aufbereitet werden, wie zum Beispiel ein Bericht Chamonix und in Österreich an Heiligenblut mit
über die Kürsingerhütte oder die Schermberg- der Großglockner-Erschließung. Wenn man al-
Nordwand und Ihre Erschließer, erreichen ein lerdings den Begriff „Dorf“ dazusetzt, dann wird
großes Publikum. schnell klar, Zermatt und Chamonix haben we-
nig mit einem Dorf zu tun und Heiligenblut liegt
Michael Pause war in der Tat nicht leicht als Mo- an der vielbefahrenen Großglockner-Hochalpen-
derator zu gewinnen. Wie er selber betont, rollt straße.
jeden Morgen eine Flut von e-mails auf ihn zu. Aber man denkt auch an Vent, das auch ohne die Michael Pause, Moderator
Jeden Tag versucht er sich, möglichst schnell frei OeAV-Initiative immer schon als Bergsteigerdorf
zu schaufeln – jeder wisse schließlich, dass man wahrgenommen wurde – nicht zuletzt durch das
nicht zu lange unter eine Lawine liegen sollte. Wirken von Franz Senn. Auch in vielen Büchern
Eines Tages war ein e-mail mit dem Stichwort kommt das Wort „Bergsteigerdorf“ vor – hier
„Bergsteigerdörfer“ in der Betreffzeile in der mail- allerdings meist auf der makaberen Ebene: In
box. Michael Pause dachte: „Ah, das kenne ich einem Bergsteigerdorf muss sich demnach näm-
schon. Das ist wieder so etwas wie ‚Alpine Perals‘ lich ein Friedhof befinden mit Grabsteinen, auf
oder ‚Best oft he Alps‘.“ Bei solchen PR-Aktionen denen berühmte Bergsteigernamen zu finden
ist Michael Pause besonders kritisch. Aus diesem sind. Dies findet man in Zermatt, in Chamonix
Grund verwunderte ihn der Absender besonders: und in einem weiteren Ort, nämlich in Johnsbach
Alpenverein. Wie also passt eine Marketingakti- im Gesäuse.
on zum Alpenverein. Diese Kombination weckte
nun doch die Neugierde von Michael Pause und Die Aufgabe von Michael Pause in dieser Diskus- Michael Pause im Gespräch mit
das e-mail teilte nicht das Schicksal vieler ande- sion ist es, die Vertreter der Gemeinden zu ganz Ludwig Wiedemayr (l.) und Sepp Lederer
rer, sondern wurde geöffnet. spezifischen Angelegenheiten zu fragen und
Einen sanften Tourismus hat es schon in den Wünsche und Anregungen herauszufiltern, die
80er-Jahren einmal gegeben. Alle haben darüber nicht zuletzt für das Projektteam hinsichtlich der
geredet, viele darüber geschrieben und berichtet. angedachten zweiten Projektphase von beson-
Peter Haßlacher hat damals geschrieben, dass derer Bedeutung sind.
diese Idee damals als „Wurstsemmeltourismus“
durchgefallen ist, dass er durchfallen musste.
Man war damals eigentlich der Zeit voraus.

Was ist aber nun ein Bergsteigerdorf? Michael


Pause hat sich dazu einiges überlegt und aus sei-
Publikumsdiskussion 64 65
Publikumsdiskussion

Michael Pause: „Wie werden die Bergstei- Ginzling spürt man den Spannungsbogen. Das mit dem Ötztal-Tourismus. Wir können uns gehört, kooperiert stark mit Damüls, was im
gerdörfer bei Ihnen wahrgenommen? Gibt es macht aber auch den Reiz des Projektes aus. werbetechnisch kaum unterscheiden. Sölden Winter auch verständlich ist. Diese Konkur-
Probleme mit Fraktionen oder Ortsteilen, die Wir in Lunz am See spielen in einer ganz ande- bestimmt, dort kommt das große Geld her. Wir renzgeschichten sind nun einmal vorhanden
eigentlich zu großen Schigebieten gehören – ren Liga als Vent. Aber wir haben über das gan- werden selten ernst genommen und überfah- und man muss darauf achten, die beste Linie
wie Vent oder Ginzling?“ ze Jahr hinweg Gäste. Von der Philosophie her ren. Tatsächlich spüren wir im Moment noch zu finden.
sind wir vielleicht eher das Bergsteigerdorf. Die keinen Mehrwert durch das Projekt.“ Wir sind vor drei Jahren eingeladen worden,
Angelika Krismer, Gemeinderätin Vent: „Tat- Gäste schätzen im Sommer vor allem den See, mit dem Großen Walsertal als einzige Region
sächlich ist es bei uns so, dass wir sehr hohe im Winter das kleine familienfreundliche Schi- Ludwig Wolf, Bgm. Johnsbach: „Wir sind stolz, am Projekt ‚Bergsteigerdörfer‘ teilzunehmen.
Tourismusabgaben zu zahlen haben. Wir brau- gebiet. Die Gäste erfreuen sich an dem intak- dass Vent dabei ist. Wir haben schon in der Das hat uns sehr gefreut. Vor Erscheinen des
chen die starke Wintersaison, weil wir im Som- ten Natur- und Kulturraum, sind froh, dass die Schule gelernt, dass Vent den höchst gele- Büchleins zur Alpingeschichte haben wir gar
mer unser Geld nicht verdienen. Wenn wir in morgendliche Ruhe nicht durch das Geklapper genen Hof – den Rofenhof – in Österreich hat. nicht gewusst, ob wir überhaupt eine Berg-
Vent einen Überschuss im Jahr erwirtschaften, und Gestampfe der Schischuhe gestört wird. Wir sind stolz, dass so eine Ortschaft wie Vent steigerregion sind. Durch das Buch wissen wir
Angelika Krismer und Clemens Ennemoser dann kommt der immer nur vom Winter. Es ist Der Spagat, der uns gelingen muss – und das dabei ist und dass wir in der Runde der exklusi- nun aber, dass wir sehr wohl bergsteigerische Ludwig Wolf
schizophren, Vent als Bergsteigerdorf braucht wird zunehmend schwierig – ist, dass wir die- ven Orte auch dabei sein dürfen. Wir in Johns- Tradition haben. Wir haben einige Gipfel, die
den Wintergast aus Sölden, damit wir unsere ses Qualitätsmerkmal erhalten und trotzdem bach haben unseren Bergsteigerfriedhof und über 2.000m hoch sind und neben der Sektion
Betriebe erhalten und verbessern können.“ eine gewisse kritische Masse an Gästen brau- damit auch etwas Besonderes.“ Vorarlberg auch drei Deutsche Sektionen – Bi-
chen, die für das Überleben notwendig ist. Wir berach, Göppingen und Freiburg –, die unser
Michale Pause: „Kommt bei Ihnen der Winter- wollen auf keinen Fall ein Reservat sein, in das „Wir sind stolz, dass Vent dabei ist .“ Gebiet betreuen.
gast auch im Sommer?“ die Wiener am Wochenende schauen kom- Ludwig Wolf, Johnsbach im Gesäuse Das einzige Problem, nachdem wir schon seit
men, ob wir noch da sind. In erster Linie wollen zehn Jahren Biosphärenpark sind und eine
Angelika Krismer: „Er kommt, aber starke Marke etabliert haben, ist, dass es im
nicht in Massen. Zum Teil sind wir Aus- „Der Spagat, der uns gelingen muss (...) ist, dass wir dieses Klaus Rüscher, Bgm. Malta: „Die Problematik Moment schwer ist, die Bergsteigerdorf-Marke
weichquartier für Sölden. Sicher gibt Qualitätsmerkmal erhalten und trotzdem eine gewisse bei uns in der Region ist jener in Vent oder unterzubringen. Vor allem die einheimische
es auch den spezifischen Winter-Vent- kritische Masse an Gästen brauchen, die für das Überle- Ginzling nicht unähnlich. Wir haben einerseits Bevölkerung weiß nicht oder kaum, dass wir
Gast. Dieser kommt aber nur in den Fe- ben notwendig ist .“ den Nationalpark Hohe Tauern, andererseits bei den ‚Bergsteigerdörfern‘ sind. Die Tagung
Martin Ploderer rienzeiten, d.h. Weihnachten, Fasching Martin Ploderer, Lunz am See aber auch drei Schigebiete. Diese werden wird vielleicht einiges zur Verbesserung bei-
Franz Ferdinand Türtscher
oder Ostern, da es sich hauptsächlich natürlich auch mitbeworben, was anfangs tragen.“
um Familien handelt. Diese Gäste schätzen wir selber gut leben. Dann können wir auch zu großen Diskussion geführt hat. Ich
natürlich die Lage von Vent am Talschluss, die den Gästen vermitteln, dass es bei uns sehr denke, wenn man ein wenig Finger- „Vor Erscheinen des Büchleins zur Alpingeschichte haben
Ruhe und das kleine familienfreundliche Schi- schön ist. Das war für uns die grundlegende spitzengefühl hat, kann beides neben- wir gar nicht gewusst, ob wir überhaupt eine Bergsteiger-
gebiet. Damit alleine könnten wir unsere Bet- Motivation an dem Projekt ‚Bergsteigerdörfer‘ einander Platz finden. Heiligenblut –
region sind.“
ten nicht füllen. Dazu kommt auch noch, dass teilzunehmen. Wir brauchen vielleicht noch um ein Beispiel zu nennen, das heute
ca. 10.000 Gäste im Jahr mehr, dann geht sich schon einmal angesprochen wurde –
Franz Ferdinand Türtscher, Gr. Walsertal
wir nur vier Monate Wintersaison und nur drei
Monate Sommersaison haben, d.h. wir verdie- alles schön aus. Damit sind wir immer noch in verzeichnete vor wenigen Jahren eine
nen praktisch nur sieben Monate im Jahr.“ einer Größenordnung, bei der andere in Tirol Aufenthaltsdauer von 1,5 Nächtigungen im Michael Pause: „Es geht also auch um die
vermutlich sagen: ‚Was, die haben auch Sommer. Durch verschiedene Aktionen, wie Bekanntmachung des Projektes nach innen.
„Zum Teil sind wir Ausweichquartier für Sölden. Sicher einen Tourismus?‘ Für uns würde es die Glockner-Pakete und Wanderangebote Darum, dass man die Marke in den Ortschaf-
gibt es auch den spezifischen Winter-Vent-Gast. Dieser aber reichen, um die Infrastrukturen, konnte diese Zahl zumindest schon auf über ten und Tälern verankert. Aber es geht auch
kommt aber nur in den Ferienzeiten, d.h. Weihnachten, die dörfliche Struktur zu erhalten. Das drei gesteigert werden. Das sind keine umwer- darum, dass man das Bergsteigerdorf nach
Fasching oder Ostern, da es sich hauptsächlich um Fami- ist für uns der Zugang zu den ‚Bergstei- fenden Zahlen, aber man sieht, dass man mit außen entsprechend darstellt, bewirbt und PR
lien handelt.“ gerdörfern‘. Wir transportieren bewusst entsprechenden Angeboten die Aufenthalts- macht. Dass es sich um eine Nische handelt,
Angelika Krismer, Vent nach außen, dass wir in einem Gegen- dauer verbesser kann. Dass es sich dabei im- liegt auf der Hand – das Problem kenne ich
satz zu anderen stehen und die Gäste mer um eine Gratwanderung handelt, ist mir durch meine ‚Nischen-Sendung‘ sehr gut.
Michale Pause: „Eine Frage an einen der Orts- gutieren das zunehmend.“ klar.“ Wie groß ist das Potential? Wo ist die Zielgrup-
vertreter einer kleineren Gemeinde: Betrifft pe? Wie stellt sich die Zielgruppe dar?“
dieses Problem nur Ginzling oder Vent oder Michale Pause: „Ein Plädoyer für die Mitglied- Franz Ferdinand Türtscher, Bgm. Sonntag,
trifft es auch auf andere zu?“ schaft bei den ‚Bergsteigerdörfern‘. Wie ist das Gr. Walsertal: „Auch hier im Großen Walsertal Hartmut Heidinger, Sektion Graz: „Zielgrup-
mit Vent? Macht man einfach so am Projekt mit haben wir eine ähnliche Situation: gleich über pe sind die Bergsteiger. Aber ich denke, das ist
Martin Ploderer, Bgm. Lunz am See: „Das Pro- oder ist es ein wichtiges Anliegen?“ dem Pass befindet sich das relativ große Schi- zu weit gefasst und ich glaube auch, dass man
blem möchte ich haben, dass ich im Winter so gebiet Damüls, das letztes Jahre eine Verbin- die Zielgruppe nicht generell über alle Berg-
viel verdiene, dass ich im Sommer davon le- Angelika Krismer: „Für uns Venter ist es sehr dung mit Mellau bekommen hat. Der Schiort steigerdörfer gleichermaßen stülpen kann. Je-
ben kann. Aber an den beiden Orten Vent und wichtig, aber wir haben ein großes Problem Faschina, der an sich zum Biosphärenpark des Bergsteigerdorf muss sich seine Zielgrup-
Publikumsdiskussion 66 67
Publikumsdiskussion

pe konkret definieren. Auch muss versucht heute diese unterschiedlichen Entwicklungs- noch zu wenig bekannt gewesen. Wir von der den Pausen – eigentlich die wertvollste Zeit ei-
werden, die altersstrukturell richtige Zielgrup- perspektiven. Wie geht es weiter mit der Sektion Linz werden uns jedenfalls besonders ner solchen Tagung – kommt man zusammen,
pe zu finden. Das ist möglicherweise wo es Kalser Schischaukel, mit einem Chalet-Dorf, für jene Bergsteigerdörfer interessieren, die redet, knüpft Kontakte und merkt, das Denken
hauptsächlich ums Wandern geht, vielfach die mit einem Hotel größer als die Bezirkshaupt- geeignet sind für aktive aber entschleunigte geht irgendwo in die gleiche Richtung.
ältere Generation. Aber auch – und das ist bis mannschaft in Lienz? Passt das noch in dieses Urlaube.“
Bergsteigerdorf? Meines Erachtens Nein. Klaus
„Stellt euch vor, wir hätten alle das gleiche Haus, den glei-
jetzt meines Erachtens zu wenig stark heraus-
chen Berg, den gleichen Bach, wir hätten alle das gleiche
gekommen – auch die Familien. Familien sind Unterweger hingegen ist davon überzeugt, Michael Pause: „Stellen eigentlich die
Produkt. Wir wären austauschbar und hätten nichts, was
mir deswegen so wichtig, weil ich glaube, dass dass Kals dieses Bergsteigerdorf ist. Wenn es rund 800.000 DAV- und 350.000 OeAV-
man damit auch die Nachhaltigkeit besonders Gemeinden gibt, die davon überzeugt sind, Mitglieder eine gesunde Basis als Ziel- uns hervorhebt.“
gut gewährleisten kann.“ dass wir miteinander etwas auf den Tisch brin- gruppe dar? Wie sehen Sie als Sektions- Erwin Soukup, Lesachtal
gen und Erfolg haben, dann wird dieses Pro- vertreter das?“
Michael Pause: „Wenn man Vent, Johnsbach jekt auch Erfolge zeigen; dann wächst man zu- Wenn man nun an die Zielgruppe denkt und
Peter Haßlacher oder Lunz am See vergleicht, dann sind das sammen. Wenn allerdings Blätter dazwischen Helmut Lang, OeAV-Sekt. Villach: „Ich möchte wir alle den Bergsteiger wollen, der von ganz Helmut Lang
natürlich völlig unterschiedliche Zielgrup- sind, dann muss man es lassen. gleich vorwegnehmen: in den Sektionen des unten ganz hinauf läuft, dann sind wir gleich
pen. Dass aber die Familien besonders DAV und des OeAV ist das Potential jedenfalls austauschbar, wie bei dem Bild von vorhin.
wichtig sind, zeigen auch die Zahlen „Die Grundvoraussetzung für das Gelingen eines derarti- da. Letztes Jahr war eine Gruppe der Sektion Mein Hauptthema im Sommer sind Famlien,
des DAV, die belegen, dass das Famili- gen Projektes, einer Kooperation von Alpenvereinssekti- Villach auf Schitourenausbildung im Lesachtal. aber da hat so viel Platz: Senioren, Genuss-
enbergsteigen richtig gehend boomt. onen mit Gemeinden, von DAV und OeAV, besteht darin, Wir fordern unsere Gruppen auf, gezielt in die wanderer,… Den klassischen Bergsteiger gibt
Bergsteigen ist kein geriatrisches Phä- die gleiche Wellenlänge zu vertreten.“ Bergsteigerdörfer zu fahren; und zwar nicht es auch noch, aber das betrifft eben nur eine
nomen, es sind viele junge Leute beim Peter Haßlacher, OeAV nur für Ausbildungskurse, sondern auch für bestimmte Schicht. Viele versuchen, gleich auf
Wandern.“ Wander- und Bergsteigerwochen. eine bestimmte Höhenstufe zu kommen, um
Genau das war damals im Virgental der Fall. dann auf dieser gemütlich zu wan-
„Wir fordern unsere Gruppen auf, gezielt in die Bergstei- dern. Ich denke, dass wir in einer to-
Peter Haßlacher: „Michael Pause hat vorhin Heute, 30 Jahre später, möchte Prägraten in
gerdörfer zu fahren; und zwar nicht nur für Ausbildungs-
den ‚Wurstsemmeltourismus‘ angesprochen. das Projekt unter allen Umständen eintreten. leranten Art und Weise untereinander
Es ist mir ein Anliegen zu diesem Ausdruck, Leider gibt es heute immer noch – Roland kurse, sondern auch für Wander- und Bergsteigerwochen.“ zueinander finden müssen und versu-

Fritz Penkner zu seiner Entstehung und den Konsequenzen Kals ist mein Zeuge – Dissonanzen zwischen Helmut Lang, OeAV-Sektion Villach chen, die Potentiale zu nutzen. Wenn Erwin Soukup
für unser Projekt ein paar Worte zu sagen: In Prägraten und OeAV. Damals wurden tiefe ein Gast bei mir war und es hat ihm
den siebziger und achziger Jahren kam es zu Furchen gezogen. Und daher kommt meine In der Sektionen sind wir vier Eheleute – also gefallen, dann wird er sich vermutlich auch
einer gewaltigen Auseinandersetzung um das innere Überzeugung: diese Plattform braucht acht Personen -, die seit Jahren Schitouren- einmal ein anderes Bergsteigerdorf ansehen
Virgental in Osttirol, um den Nationalpark, die den Grundkonsens gleichen Wollens, gleicher urlaube in verschiedenen Orten in Österreich wollen.
Großvenedigererschließung und das Dorfer- Ziele, Zufriedenheit mit kleinen Schritten. Ihr machen. Ohne es zu wissen, waren wir bereits Aufgrund der Vielfalt unserer Orte und Be-
bergkraftwerk. Damals hat der aus Obermau- seht selbst, wie langsam wir dieses Projekt in fünf Bergsteigerdörfern. Wir werden sicher triebe können ganz spannende Konstellati-
ern und Virgen stammende erste Vorsitzende aufbauen, dass wir jetzt an den Punkt gelangt auch weiterhin, solange es die Gesundheit und onen gebildet werden. Wir haben die Möglich-
des OeAV, Luis Oberwalder, das Modellprojekt sind, wo man an der Qualität und der Diskussi- das Alter zulassen, gezielt in Bergsteigerdörfer keit, viele spezielle Sachen auszuarbeiten und
des sanften Tourismus Virgental ins Leben ge- on um bestimmte Zielgruppen arbeiten muss. fahren. damit auch erfolgreich zu sein.“
rufen. Dabei sollten der Alpenverein in den Aber der Grundkonsens, das Vertrauen, dass
Dienst von Prägraten und Virgen gestellt wer- heute die Alpenvereine als ein Partner der Ge- Erwin Soukup, Partnerbetrieb Lesachtal: „Ich Michael Pause: „Auch aus Erfahrung mit mei-
den. Die Sektionen waren sehr interessiert, der meinden auftreten wollen, das muss gegeben möchte bezüglich der Zielgruppen und der ner Sendung ‚Bergauf-Bergab‘ kann ich sagen,
Deutsche Alpenverein hat mitgewirkt. Aber sein und darum bitte ich auch!“ Orte ein Bild skizzieren. Stellt euch vor, wir hät- dass es besonders wichtig ist, die Vielfalt, das
die Grundvoraussetzung für das Gelingen ten alle das gleiche Haus, den gleichen Berg, Erlebnispotential, darzulegen. Die Zielgruppe
eines derartigen Projektes, einer Kooperation Fritz Penkner, OeAV-Sekt. Linz: „Ich möchte den gleichen Bach, wir hätten alle das gleiche ist meines Erachtens sicher vorhanden.“
von Alpenvereinssektionen mit Gemeinden, noch etwas zu den Zielgruppen sagen: es freut Produkt. Wir wären austauschbar und hätten
von DAV und OeAV, besteht darin, die gleiche mich, dass es in den Bergsteigerdörfern auch nichts, was uns hervorhebt. Wir hätten nichts Hans Jury, OeAV-Sektion Gmünd: „Unser
Wellenlänge zu vertreten. Gibt es unterschied- Angebote für ältere Leute gibt. In der Sektion Spannendes. Wir haben Vent im Ötztal, wir Hauptarbeitsgebiet ist das Maltatal. Der Begriff
liche Auffassungen über die Zukunft der Ge- Linz gibt es viele Angebote für Senioren, auch haben meine Heimat das Lesachtal, wir haben ‚Wurstsemmeltourismus‘ beinhaltet die Billig-
meinden und wenn nicht alle dahinter ste- bei Touristikern werden Senioren immer be- das Tiroler Gailtal gleich um die Ecke, aber eine Schiene, sozusagen Hofer-Reisen. Das wollen
hen, ist aus meiner Sicht ein Projekt, das sehr liebter. Wir Senioren haben Zeit und können ganz andere Gegend. Wir haben einen span- wir ganz sicher nicht sein. Wir wollen Qualität
langsam Wurzeln schlägt, das nur in kleinen auch unter der Woche wegfahren. Eine ganze nenden Platz, den wir letztes Jahr kennenler- bieten, wir wollen ein gutes Preis-Leistungs-
Etappen Erfolg bringt, von vorne herein zum Busgruppe in einem Gasthof unterzubringen, nen durften, Grünau im Almtal. Alle Orte sind verhältnis haben. Wir wollen, dass die Leute
Scheitern verurteilt. ist nicht immer ganz leicht, aber sich auf meh- total unterschiedlich, aber alle haben einen zufrieden sind. Dass das Wandern nur ein Ni-
In Kals zum Beispiel – der Kalser Bürgermei- rere Häuser aufzuteilen ist meistens möglich. gemeinsamen Nenner, alle haben das gleiche schenprodukt ist, glaube ich nicht. Sieht man
ster ist heute leider nicht mehr da – hat man Die Bergsteigerdörfer sind bei den Sektionen Interesse, es sind ähnliche Leute. Vor allem in sich die Untersuchungen der Österreich-Wer-
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Publikumsdiskussion

bung an, so gibt der überwiegende Teil der Festschreibung darauf. Zu dieser Zeit gibt es gebeten, das Amt des Sprechers der Tauernhö- werden uns die unglaublichsten Sachen als
Gäste an, dass ihre Hauptbeschäftigung das bereits die ersten Bergbahnen, es gibt die, die henwege zu übernehmen. umweltfreundliche, nachhaltigkeitsorientierte
Wandern und andere Aktivitäten in der Freizeit ohne Mühen in die Höhe kommen, es gibt die Ganz besonders freut es mich, dass auch Mall- Projekte verkauft. Sei das nun ein Pumpspei-
sind. Also haben wir ein riesiges Potential. Kletterer, das ganze Umfeld, in dem sich die nitz als Bergsteigerdorf dabei ist. Solange ich cherkraftwerk oder vielleicht irgendwann die
Ich bin davon überzeugt, dass Landschaft unterschiedlichen Interessen begegnen. Der noch kann, werde ich mich für die Bergstei- nachhaltige Autobahn. Das heißt, wir müssen
nicht austauschbar ist. Leute, die in die Berg- Alpenverein ist gefordert, dies alles unter ein gerdörfer im Norddeutschen Raum stark ma- unsere Vorreiterrolle sehr genau definieren
steigerdörfer kommen, sind Menschen, die Dach zu bringen. Und zu dieser Zeit gibt es chen. Auch wenn das oft nicht so einfach ist. und wir müssen sehr ‚sauber‘ bleiben. Ich muss
noch Sensibilität für die Natur zeigen und folgende Definition: ‚Bergsteiger ist, wer der Zum Schifahren fährt man schon in die Alpen, zugeben, manchmal habe ich ein sehr mul-
nicht irgendwo unterwegs sein wollen, wo die Berge willen in die Berge geht‘. aber zum Wandern eigentlich seltener. Ich miges Gefühl im Bauch, weil wir als sehr große
Landschaft verdrahtet ist und Schigebiete mit Ich denke, diese Definition kann man sich in hoffe, ich kann als Alpenferner weiterhin für Organisation des Alpenvereins ein Qualitäts-
Seilbahnen und Sesselliften durchführen, wo der hier geführten Zielgruppendefinition her- dieses Projekt etwas tun.“ versprechen für Dritte abgeben. Wir lehnen
Tag und Nach Events sind und Wirbel ist. holen und erweitern. Vielleicht wie folgt: ‚Berg- uns weit hinaus. Was, wenn – wie Franz Rauter
Ingeborg Schmid-Mummert Das Maltatal ist seit Erschließung der Ostalpen steiger ist, wer der Bergsteigerdörfer willen in Michale Pause: „Mit der Alpenvereinsgrün- heute Vormittag erläutert hat – der Großinve- Josef Außerlechner
eigentlich immer mehr oder weniger ‚Berg- die Berge kommt.‘ dung haben die damaligen Pioniere eine stor von außen kommt und ein Hotel baut?
steigerdorf‘ gewesen. Auf kleinstem Vorreiterrolle eingenommen. Dieser anfäng- Was dann, dann steht das Ding da und wir
Raum kann man bei uns einer Fülle „Definition ‚Bergsteiger‘ des OeAV aus den 20er-Jahren: liche Alpintourismus zur Unterstützung ar- müssen uns womöglich auch noch von ande-
von Aktivitäten nachgehen. Sie können ‚Bergsteiger ist, wer der Berge willen in die Berge geh.‘“ mer Bergtäler hat sich allerdings später ein ren prügeln lassen. Deswegen ist es so wich-
Sportklettern, Sie können Bouldern. Im bisschen verselbstständigt und hat auch zu tig – wie auch Peter Haßlacher sagt -, dass wir
Ingeborg Schmid-Mummert Problemen geführt. Jetzt, so habe ich den Ein- ständig im Gespräch sind, dass wir im Einklang
Winter können Sie Wasserfallklettern.
Wir haben etwas für die Extremen und druck, ist man wieder in einem Stadium, wo sind und wissen, wo wir hinwollen. Sollte man
für Genusswanderer, für die Radfahrer und die Generell wurde im Laufe der Geschichte des diese Vorreiterrolle im touristischen Bereich dennoch sehen, dass es nicht passt – ich wür-
Schitourengeher. Ich denke nicht, dass wir so Alpenvereins sehr viel gesammelt und zu- eine wichtige Rolle spielt. Ist es notwendig, de es zwar sehr bedauern –, dann muss man
agieren müssen, wie große Reiseveranstalter, sammengetragen. Viele der heute geführten diese Vorreiterrolle publizistisch und PR-mäßig sich auch sauber trennen.“
dass wir alles vorgeben müssen. Ich denke, zu Diskussionen wurden schon vor 100 Jahren klarer darzustellen?
uns können die Leute einfach so kommen und geführt, unter anderen Bedingungen, aber Michael Pause: „Mir scheint, das Projekt ist
Karl-Heinz Hesse vor Ort entscheiden, was sie machen wollen. zum Teil im gleichen Wortlaut. Ich glaube, Roland Kals: „Ich glaube, wir haben hier noch eine ganz interessante, spannungsgeladene Roland Kals
Dazu braucht es natürlich Angebote vor Ort. man könnte die Bergsteigedörfer noch besser nicht genug geleistet. Wir müssen uns noch Konstellation. Normalerweise gebiert der Al-
Ich bin oft mit Leuten unterwegs und sehe im- nutzen, um einen Austausch und eine Vernet- besser vernetzen. Man merkt, wie aus Begeis- penverein so eine Idee, holt sich dann aber
mer wieder, wie wichtig es ist, dass die Gäste zung zu gewährleisten. Die Bergsteigerdörfer terung mitgeholfen wird, innerhalb und au- eine Marketingagentur, die die Kunden ver-
ein Erlebnis haben. bieten sich an, Themen zu transportieren. Aus ßerhalb des Alpenvereins. sorgt. In diesem Fall ist aber der Alpenverein
Ich denke es geht darum, dass wir gute An- der Vergangenheit hat man dabei bereits viele Ich würde sagen, natürlich sind die Bergstei- selbst die Marketingagentur. Auch ein Kollege
gebote in einer halbwegs intakten Natur an- Argumente im Rucksack, die schon fix und fer- gerdörfer auch eine Marketinginitiative. Wir der FAZ hat bemerkt, dass dies in der Tat eine
bieten können, dass wir als Bergsteigerdörfer tig bestehen.“ versuchen, das Wertesystem des Alpenvereins außergewöhnliche Sache ist. Diese Konstellati-
Partner des Naturschutzes sind und im Sinne zu vertreten und verständlich zu machen. Im on bietet aber durchaus auch große Chancen.“
der Nachhaltigkeit agieren. Wenn uns das ge- Karl-Heinz Hesse: „Ich komme mir hier ein Grunde haben wir die Vermutung, dass wir
lingt, haben wir schon einen großen Schritt bisschen wie ein Exot vor. Ich komme aus eine Zielgruppe ansprechen, die eine sehr Josef Außerlechner, Bgm. Kartitsch: „Ich
gemacht.“ der Alpenvereinssektion Göttingen aus Nord- pointierte Werteorientierung hat. Wir merken möchte etwas Grundsätzliches in den Raum
Deutschland. Mit 21 Jahren hatte ich aber auch, wie empfindlich diese Zielgruppe stellen: Wenn ich etwas nach außen tragen
„Ich denke es geht darum, (...) dass wir als Bergsteiger-
zum ersten Mal die Chance, die Berge auf Phänomene reagiert, die nicht in die Philo- möchte, muss ich selbst davon überzeugt sein.
dörfer Partner des Naturschutzes sind und im Sinne der
nicht nur auf Bildern, sondern auch in sophie der Bergsteigerdörfer passen. Bei uns ist es durchaus mühsam, die Touristiker
Nachhaltigkeit agieren.“ und zum Teil auch die Bevölkerung da-
Wirklichkeit zu erleben. Bis heute ist
Hans Jury, OeAV-Sektion Gmünd das so geblieben und ‚bis heute‘ be- „Wir versuchen, das Wertesystem des Alpenvereins zu von zu überzeugen, dass wir ein Berg-
deutet immerhin 56 Jahre. vertreten und verständlich zu machen. Im Grunde haben steigerdorf sind. Wir haben begonnen,
Ingeborg Schmid-Mummert, Autorin Alpin- 1970 während meines Studiums trat ich dem wir die Vermutung, dass wir eine Zielgruppe ansprechen, auf dem Gemeindebriefpapier das
geschichte Großes Walsertal: „Ich habe mich Alpenverein bei, um in den Hütten günstiger die eine sehr pointierte Werteorientierung hat.“ Bergsteigerdorf-Logo zu verwenden
intensiv mit der Geschichte des Bergsteigens zu übernachten. Sehr viel später, vor 19 Jahren,
Roland Kals, OeAV-Bergsteigerdörfer und erhalten dafür durchaus positive
und des Alpenvereins auseinander gesetzt. wurde ich als Naturschutzreferent in unserer Reaktionen. Wir planen eine Ortsta-
In den ersten Jahrzehnten im Bestehen des Sektion aktiv und 10 Jahre später auch in un- fel mit dem Wortlaut ‚Bergsteigerdorf
Alpenvereins geht es eigentlich nur darum, seren Norddeutschen Sektionenverband. Seit Gleichzeitig müssen wir uns aber von der der- Kartitsch‘. Ich denke, wir müssen alles daran
eine alpenvereinsinterne Definition zu finden, meiner Pension habe ich meine ganze freie zeitig laufenden ‚green-washing‘-Welle fern- setzten, den Gedanken der Bergsteigerdörfer
wer oder was der Bergsteiger ist. Nach rund Zeit in dem Alpenverein und vielfach auch in halten. Mit einer unglaublichen Raffinesse in den Gemeinden zu verwurzeln. Es muss zu
60 Jahren – in den 20-iger Jahren gibt es eine den Alpenraum verlegt. Schließlich wurde ich und einem großen handwerklichen Können einer Ideologie werden.
Publikumsdiskussion 70 71
Publikumsdiskussion

Wie sehen das die anderen Teilnehmer? Für wir müssen darauf setzen, dass wir etwas Al- werden ist einfach nur, die Marke ‚Alpenverein‘ Dennoch braucht es diese Balance zwischen
uns lautet der Weg: die Leute vor Ort überzeu- ternatives anbieten können. Für mich ist der besser in den Vordergrund zu stellen. Ich bin einem Träger, der sich als Partner für diese Ge-
gen und dann erst nach außen gehen.“ Gast ein Mensch, der Wünsche und Sehnsüch- jede Woche zweimal mit einer Tourengruppe meinden sieht. Das kann der Alpenverein sein,
te hat, aber vielleicht auch versteckte unterwegs und komme weit herum, auch viel das ist gemäß Grundsatzprogramm sogar un-
„Wenn ich etwas nach außen tragen möchte, muss ich
Nöte. Ein kleines Beispiel: Im letzten im italienischen Raum und begegne dort den sere Verpflichtung, und das ist auch die Erwar-
selbst davon überzeugt sein.“ Jahr wollten sechs Geschäftsleute den Massen. Bei uns im Kerngebiet der Karnischen tungshaltung vieler Mitglieder.
Josef Außerlechner, Kartitsch Karnischen Kamm gehen. Aufgrund Alpen, am Wolayersee, ist man fast al-
von schlechtem Wetter sind sie in der leine unterwegs. „Träger dieses Projektes kann der Alpenverein sein, das
Michael Pause: „Wie erfolgt die Überzeugung Fillmoor-Standschützenhütte – einer ganz Die Marke ‚Alpenverein‘ kann mit die- ist gemäß Grundsatzprogramm sogar unsere Verpflich-
der Leute? Wie kann es euch gelingen, das bes- kleinen AV-Hütte – stecken geblieben. Sie ser Initiative besser unter das Volk ge- tung, und das ist auch die Erwartungshaltung vieler
ser in der Gemeinde zu verankern?“ waren furchtbar genervt, weil dort oben kein bracht werden und man erreicht auch Mitglieder.“
Handy funktioniert und es keinen Internetan- Leute, die man sonst nie gewinnen
Anton Goller
Peter Haßlacher, OeAV Peter Haßlacher, Sigbert Riccabona und Roland Kals
Josef Außerlechner: „Wir haben eine Auftakt- schluss gibt. Am zweiten Tag war das Handy würde.“
Informationsveranstaltung gemeinsam mit schon nicht mehr so wichtig, am dritten Tag
der Buchpräsentation zur Alpingeschichte ge- brauchte keiner mehr den Laptop. Dann sind Peter Haßlacher: „Seit der Jahreshauptver- Diese Balance ist unglaublich wichtig. Man
macht. Wir betreiben ein wenig Medienarbeit, sie den Kamm gar nicht mehr gewandert, son- sammlung 1994 in Lienz haben wir im Oester- darf derartige Modellprojekte nicht immer
verwenden kontinuierlich das Logo auf dem dern auch die restlichen Tage auf der Hütte reichischen Alpenverein einen Beschluss, ein so schnell hochstilisieren, denn dann stürzen
Briefpapier und leisten Überzeugungsarbeit in geblieben. Das beste an der Sache: dieses Jahr Grundsatzprogramm, zur Unterstützung der- sich alle Journalisten drauf und rufen in Vent,
Form von Gesprächen.“ sind sie wieder gekommen, ohne Handy und artiger Dörfer. Und ich glaube, man muss den Ginzling usw. an und fragen, wie viele tausend
ohne Laptop, um auszuspannen. richtigen Zeitpunkt und die richtige Strategie Übernachtungen sie mehr hatten. Das führt
Anton Goller, Amtsleiter Kartitsch: „Aufgrund Europa hat knapp 400 Millionen Einwoh- abwarten können. Im Jahr 1994 war dieser unweigerlich dazu, dass das gesamte Projekt
der Zentralisierung der Tourismusverbände ner und ich weiß nicht wie viele Manager, Zeitpunkt absolut nicht gegeben. Heute fin- in den Medien zerrissen wird.
sind wir alle ein wenig am Rande der großen die unbedingt eine Auszeit brauchen. Diese det man eine breite Umgebung rund um den Daher braucht es eine behutsame Vorgangs-
‚Trieb-Tourismusregionen‘ und werden wenig große Nische gilt es zu nutzen. Die Vor- und Alpenverein auf verschiedenen Ebenen, vor weise in dieser brisanten Frage. Kleiner Schritt
beworben. Wir dürfen das andere nicht aus- Nachspeise müssen Angebote sein, die et- allem auf Ebene der großen Sektionen außer- für kleiner Schritt und dann sehen wir was da-
Sepp Lederer grenzen, das geht seinen Weg, das können wir was traditionelles, etwas für die Seele bieten, halb des Alpenbogens. Diese sind wichtige bei raus kommt. Ich möchte also den Alpen- Hartmut Heidinger
nicht aufhalten und darauf können wir auch die weg vom Stress, weg vom Druck und weg Träger, damit Leute in die Alpen kommen. Und verein als wichtigen Träger in den Gemeinden
keinen großen Einfluss nehmen. Wir werden vom Alltag führen. Wirte, die mit ihren Gästen zusätzlich sind die Sektionen vor Ort in den draußen integrieren. Auch Landesregierungen
auch nie großartig mitspielen, aber wir haben unterwegs sind, ihnen etwas ganz individu- Bergsteigerdörfer ganz besonders wichtig. sollen sehen, wir tun etwas, wir verhindern
unsere eigene Chance. elles bieten, haben keine Probleme, Leute zu Das sind die wichtigen zwei Ebenen: Sekti- nicht nur, sondern bringen auch etwas. Und
bekommen. Aber jene, die nur auf die onen vor Ort als Nahtstelle zum Hauptverein das muss langsam in die Kanäle der Ämter, der
„Wir werden auch nie großartig mitspielen (bei den
Billigschiene setzen, bekommen Leu- und die großen Sektionen in Wien, Linz, Graz Politik, der Behörden, der Gemeinden einflie-
großen Trieb-Tourismusorganisationen), aber wir haben
te, die nur einmal kommen und dann usw. Dann muss man den richtigen Zeitpunkt ßen. Ein langsamer, sich entwickelnder Pro-
unsere eigene Chance.“ nicht wieder. Wir sind alle ganz kleine abwarten und ich meine, dass dieser jetzt da zess. Wenn sich die Strukturen in allen Bundes-
Anton Goller, Kartitsch Orte. In der persönlichen und indivi- ist. ländern so entwickeln, wie das Franz Rauter für
duellen Betreuung liegt unsere große Wenn heute Franz Rauter von der Alpenkon- Tirol gezeigt hat, dann bin ich zufrieden, dann
Vorausgesetzt wir machen unsere Hausaufga- Chance, das ist es, was die großen Orte nicht vention spricht und meint, es seien kompe- haben wir etwas erreicht.“
ben. Ein kleiner Vergleich: wir haben ein Menü, mehr bieten können.“ tentere in diesem Raum, die über das Thema
bei dem die Hauptspeise vorhanden ist – das sprechen können, dann merke ich, es hat ir- Hartmut Heidinger: „Aus Sicht einer ortsan-
Land, die Berge, die Region, die relative Un- Michale Pause: „Consultingfirmen verdienen gendwo an Qualität gewonnen. Wenn heute säßigen Sektion – unser Arbeitsgebiet ist die
berührtheit der Landschaft. Das alleine reicht viel Geld, in dem sie Manager ohne Handy auf in einem Papier ‚Zukunftsraum Tirol‘ Anhalts- Steirische Krakau – möchte ich sagen, dass der
aber nicht aus. Wir sind gefordert, etwas zu eine einsame Alm schicken. punkte zur Förderung entwicklungsschwacher Image-Wert sehr groß ist. Aber ich glaube, wir
tun – an der Motivation der Bevölkerung zu Bergsteigerdörfer denken klein, Touristiker Gebiete drinnen stecken, wenn man heute müssen auch ganz pragmatisch sein. Das Posi-
arbeiten. Alle, die am Rande der großen Schi- und auch Politiker denken eher nicht klein. Wie merkt, dass auf der internationalen Ebene der tive ist, dass die Krakauer plötzlich ganz anders
gebiete liegen, träumen davon, ein wenig mit lässt sich nun dieses ‚kleine Denken‘ nach au- Alpenkonvention das Thema Bergsteigerdör- auf uns zugegangen sind - mit viel mehr Unter-
naschen zu dürfen. Oftmals stehen wir an der ßen transportieren als die großartige Idee? Wie fer bei einer Ministerkonferenz voriges Jahr in stützung. Wenn die Gemeinde spürt, dass der
Grenze, kippen wir ins Große oder setzen wir kann die Lösung aussehen? Ist da die Koopera- Evian Thema war, dann hat man das Gefühl, Alpenverein etwas für die Region tut, führt das
auf die neue Marke ‚Bergsteigerdörfer‘? Und tion mit dem Alpenverein, mit den Sektionen jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, mit dieser zu einer viel besseren Kooperation, zu einem
was bringt das? Natürlich muss jeder Touris- eine Lösung?“ von Roland Kals angesprochenen Wertehal- viel besseren gegenseitigen Verständnis. Und
musbetriebe auch leben können. tung nach außen zu gehen. Und ich möchte ich glaube, das ist auch der große Wert für die
Die Speisekarte müssen wir selber machen, Sepp Lederer, OeAV-Sektion Obergailtal-Les- eins vermeiden: dass der Oesterreichische Al- Sektionen.“
d.h. wir dürfen uns nicht ausgrenzen, sondern achtal: „Meine Motivation, Bergsteigerdorf zu penverein zu sehr im Vordergrund steht.
Publikumsdiskussion 72 73

Eindrücke von der Exkursion


zur Echo Wand
Michael Pause: „Ich bitte noch die Anregung mit. Weil wenn die Basis, die Vermieter die am steigerleben. Da muss man Schritt für Schritt
von Franz Rauter im Kopf zu behalten, sich zu Gast sind, die Wanderführer die mit dem Gast vorangehen, aus Fehlern lernen, neue Erkennt-
bemühen, eine Zusammenarbeit mit strate- rausgehen, das nicht transportieren, dann nisse gewinnen, mit neuen Ansätzen.
gischen Partnern anzustreben. Ich glaube das kommen wir nicht zum Gast.“ Um die letzte Meldung aufzugreifen, es ist na-
ist ein Punkt, der für die Bergsteigerdörfer sehr türlich eine Seilschaft unterwegs und wir sind
wichtig ist.“ Michael Pause: „Es gibt ein chinesisches keine Free Solo Individualisten.
Sprichwort: Wenn man an einem Grashalm Ich glaube, dass es ein hochspannendes Pro-
Erwin Soukup: „Einen riesen Sack zu tragen, zieht, wächst er deswegen nicht schneller. jekt ist, ich finde es sehr interessant und sehe
ein schweres Gewicht, ein großes Projekt, das Man muss die Wurzeln pflegen. Von der Pflege auch, dass es sehr viel Erfolgspotential bietet.
alleine dem Hauptverband aufzubürden, dass der Wurzeln war schon mehrfach die Rede und Ich hoffe, dass wir dem Projektteam Anre-
nur sie dafür zuständig sind, ist der falsche genau darum geht’s in diesem Projekt, das ich gungen mitgeben konnten, um diese Förde-
Weg. Ich glaube ein gemeinsamer Weg, das ausdrücklich befürworte. rung bis 2014 zu bekommen. Es ist sehr we-
heißt der Alpenverein macht seinen Teil, die Ich möchte das mit dem Bild des Bergsteigens sentlich, dass die Kommunikation weitergeht.“
Sektionen machen ihren Teil, aber vor allem vergleichen: So ein Projekt ist wie eine Berg-
auch die Vermieter und die Gemeinden helfen tour oder eine Expedition oder fast ein Berg-
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Teilnehmerliste

Nr. Nachname Vorname Funktion 40 Rauter Franz Amt der Tiroler Landesregierung
1 Alber Mea Partnerbetrieb Mallnitz 41 Riccabona Sigbert ehem. Landesumweltanwalt Tirol
2 Alber Wilhelm Partnerbetrieb Mallnitz 42 Rüscher Klaus Bgm. Malta
3 Auer Wolfgang OeAV-Sekt. Austria 43 Sauer Benedikt Buchautor Villgratental
4 Außerlechner Josef Bgm. Kartitsch 44 Schallert Toni OeAV-Bezirk Bludenz
5 Bachlechner Helmut Villgraten 45 Schlattinger Rainer OeAV-Sekt. Vorarlberg
6 Bischof Monika TVB Gr. Walsertal 46 Schmid-Mummert Ingeborg Buchautorin Gr. Walsertal
7 Cirtek Wolfgang OeAV-Sekt. Wels 47 Schneider Hansjörg TVB-Obmann Obertilliach
8 Danninger Matthias Naturparkbetreuung Zillertaler Alpen 48 Schwann Christina Projektteam Bergsteigerdörfer
9 Drechsler Thomas Nationalpark Gesäuse 49 Singer Gabriele arp
10 Ennemoser Clemens Vent 50 Sint Anton OeAV-Sekt. Sillian/Landesnaturschutzr. Tirol
11 Fürhapter Oswald TVB Villgratental 51 Soukup Erwin Partnerbetrieb Lesachtal
12 Galle Ewald Lebensministerium 52 Sparr Robert Partnerbetrieb Gr. Walsertal
13 Geissler Gaby Partnerbetrieb Lesachtal 53 Stampfl Regina Projektteam Bergsteigerdörfer
14 Goller Anton Amtsleiter Kartisch 54 Steger Paul OeAV-Sekt. Zillertal
15 Grüner Paul Hotelier/Hüttenwirt Schnalstal 55 Tappeiner Johann Bergbauer Schnalstal
16 Haßlacher Peter Projektteam Bergsteigerdörfer 56 Türtscher Aloisia Partnerbetrieb Gr. Walsertal
17 Hauer Walter OeAV-Sekt. Gebirgsverein 57 Türtscher Franz-Ferdinand Bgm. Sonntag
18 Heidinger Hartmut OeAV-Sekt. Graz 58 Türtscher Merbod Parnterbetrieb Gr. Walsertal
19 Hesse Karl-Heinz DAV-Tauernhöhenwege 59 Türtscher Josef Landtagsabgeordneter/Bergbauer Gr. Walsertal
20 Jury Hans OeAV-Sekt. Gmünd 60 Unterberger Kaspar TVB-Obmann Kals
21 Kals Roland Projektteam Bergsteigerdörfer 61 Unterguggenberger Christian TVB Lesachtal
22 Kapelari Peter Hütten und Wege - OeAV-Hauptverein 62 Unterweger Klaus Bgm. Kals
23 Klausner Rudolf Ortsvorsteher Ginzling 63 Waldner Manfred TVB-Direktor Schnalstal
24 Krismer Angelika Gemeinderätin Vent 64 Wiedemayr Ludwig Buchautor Gailtal
25 Küchenhoff Klaus DAV-Sekt. Breslau 65 Wolf Ludwig Bmg. Johnsbach
26 Lang Helmut OeAV-Sekt. Villach
27 Lederer Sepp OeAV-Sekt. Obergailtal-Lesachtal
28 Mair Hanspeter DAV-Geschäfsbereichsleiter
29 Manahl Hermann Bgm. Raggal
30 Mayr Hans TVB-Obmann Lunz am See
31 Moser Gerhard TVB-Vent
32 Mühlig Christine DAV-Sekt. Göppingen
33 Mühlig Peter DAV-Sekt. Göppingen
34 Ortner Heidi Parnterbetrieb Lesachtal
35 Pause Michael Redakteur Bergauf-Bergab
36 Penkner Fritz OeAV-Sekt. Linz
37 Ploderer Martin Bgm. Lunz am See
38 Proschek-Hauptmann Michael Umweltdachverband
39 Rainer Alexnder Präsident Schnalstal Tourismus
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Dankeschön Referentenverzeichnis
Ewald Galle Klaus Rüscher
Ein herzliches Dankeschön gebührt Franz Ferdinand Türtscher, Bürgermeister von Sonntag, und Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasser- Bürgermeister Malta, Gemeindeamt, 9854 Malta
Monika Bischof, Verein Großes Walsertal Tourismus, für die zur Verfügung gestellten Räumlich- wirtschaft, Abteilung V/9: Internationale Umweltangelegenheiten Tel.: +43/(0)4733/220 - 11
keiten und die außerordentlich gute Planung vor Ort. Vor allem die Dekoration des Tagungs- Stubenbastei 5, 1010 Wien klaus.ruescher@ktn.gde.at
raumes, die liebevolle Gestaltung der Menükarten, die perfekte Abstimmung der Mittag- und Tel.: +43/(0)1/515 2216-17
Abendessen sowie die flexibel gestalteten Taxidienste von und zum Bahnhof Bludenz und die ewald.galle@lebensministerium.at Wolfgang Auer
höchst interessante Exkursion sollen an dieser Stelle unbedingt Erwähnung finden. ehem. Vereinsmanager OeAV-Sektion Austria
Michael Proschek-Hauptmann Rotenturmstraße 14, 1010 Wien
Herzlichen Dank! Geschäftsführer Umweltdachverband, Alser Straße 21, 1080 Wien Tel.: +43/(0)664/186 86 87
Tel.: +43/(0)1/401 13 30 w.auer@allps.at
michael.proschek@umweltdachverband.at
Anton Sint
Josef Türtscher Naturschutzreferent OeAV-Sektion Sillian, Langstr. 19/8,
Landwirt und Landtagsabgeordneter Vorarlberg 6020 Innsbruck
Buchboden 35, 6731 Sonntag Tel.: +43/(0)664/204 39 05
Tel.: +43/(0)5554/5533 sint@atm.or.at
josef.tuertscher@landtag.cnv.at
Sigbert Riccabona
Peter Kapelari ehemaliger Landesumweltanwalt Tirol
Oesterreichischer Alpenverein, Leiter des Referats Hütten und Wege Sadrachstr. 40, 6020 Innsbruck
Olympiastr. 37, 6020 Innsbruck Tel.: +43/(0)512/28 80 61
Tel.: +43/(0)512/59547-47 sigbert@riccabona.cc
peter.kapelari@alpenverein.at
Franz Rauter
Martin Ploderer Vorstand d. Abteilung Raumordnung-Statistik, Amt der
Bürgermeister Marktgemeinde Lunz am See Tiroler Landesregierung, Heiliggeiststr. 7-9, 6020 Innsbruck
Amonstraße 16, 3293 Lunz am See Tel.: +43/(0)512/508 36 00
Tel.: +43/(0)7486/8081 f.rauter@tirol.gv.at
martin.ploderer@aon.at
Michael Pause
Michael Ernst Journalist und Redakteur Bergauf-Bergab, Bayerischer Rundfunk
Fachbereich Verkehrssystemplanung Gansbergstr. 1, 83629 Weyarn
Department für Raumentwicklung, Infrastruktur- und Umweltplanung Tel.: +49/(0)8020/1616
Technische Universität Wien, Erzherzog Johann Platz 1/280_5, 1040 Wien michael.pause@t-online.de
Tel.: +43/(0)1/58801-26918
michael.ernst@tuwien.ac.at
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Adressen
Bürgermeister Franz Ferdinand Türtscher Bürgermeister Konrad Esterl Ortsvorsteher Rudolf Klausner
Gemeinde Sonntag im Großen Walsertal Gemeindeamt Krakauhintermühlen Dornauberg-Ginzling
Boden 57 8854 Krakauhintermühlen 11 6295 Ginzling 28
6731 Sonntag gde@krakauhintermuehlen.steiermark.at ortsvorstehung@ginzling.at
gemeinde.sonntag@cnv.at
Bürgermeister Gerhard Stolz Bürgermeister Michael Hohentwarer
Bürgermeister Josef Außerlechner Gemeindeamt Krakauschatten Gemeindeamt
Gemeindeamt Kartitsch 8854 Krakauschatten 28b Unterweißbach 36
HNr. 80, 9941 Kartitsch gde@krakauschatten.steiermark.at 5093 Weißbach
gemeindeamt@kartitsch.at buergermeister@weissbach.at
Bürgermeister Franz Guggenberger
Bürgermeister Klaus Unterweger Gemeindeamt Lesachtal Bürgermeister Hans Toferer
Gemeindeamt Kals am Großglockner 9653 Liesing, 29 Gemeindeamt Hüttschlag
Ködnitz 69 lesachtal@ktn.gde.at HNr. 19, 5612 Hüttschlag
9981 Kals am Großglockner info@grossarltal.info
bgm@kals.at Bürgermeister Matthias Scherer
Gemeindeamt Bürgermeister Alois Weidinger
Bürgermeister Günther Novak Dorf 4, 9942 Obertilliach Im Dorf 17
Gemeindeamt Mallnitz gemeinde@obertilliach.gv.at 4645 Grünau im Almtal
HNr. 11, 822 Mallnitz bgm.weidinger@gruenau.ooe.gv.at
guenther.novak@stw.co.at Bürgermeister Robert Mößler
Gemeindeamt Josef Schett
Bürgermeister Martin Ploderer HNr. 62a, 9943 Untertilliach Obmann Tourismusverband Villgraten
Marktgemeinde Lunz am See gde.untertilliach@lesachtalonline.at 9932 Innervillgraten, 116
Amonstraße 16, 3293 Lunz am See office@villgraternatur.at
info@lunz.gv.at Bürgermeister Johann Ledolter
Gemeindeamt Reichenau Bürgermeister Kaus Rüscher
Bürgermeister Ludwig Wolf Hauptstraße 63 Gemeinde Malta
Gemeinde Johnsbach 2651 Reichenau a. d. Rax 9854 Malta
8912 Johnsbach gemeindeamt2651@reichenau.at klaus.ruescher@ktn.gde.at
info@johnsbach.at
Angelika Krismer
Bürgermeister Manfred Eder Gemeinderätin
Gemeinde Krakaudorf Gasthof Alpenrose
HNr. 120, 8854 Krakaudorf 6458 Vent
gde@krakaudorf.steiermark.at info@alpenrose-vent.com

Projektteam Bergsteigerdörfer:

Ewald Galle Peter Haßlacher, Christina Schwann


Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt Oesterreichischer Alpenverein
und Wasserwirtschaft Fachabteilung Raumplanung-Naturschutz
Abteilung V/9: Internationale Umweltangelegenheiten Olympiastr. 37, 6020 Innsbruck
Stubenbastei 5 Tel.: +43/(0)512/59547-31
1010 Wien peter.hasslacher@alpenverein.at
Tel.: +43/(0)1/515 2216-17 christina.schwann@alpenverein.at
ewald.galle@lebensministerium.at
Roland Kals, Regina Stampfl
arp - plannig.consulting.research
Bittsolweg 16, 5023 Salzburg
Tel.: +43/(0)662/644777
roland.kals@arp.co.at
regina.stampfl@arp.co.at
www.bergsteigerdoerfer.at