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Ideen - Taten - Fakten Nr.

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7. Jahrestagung Bergsteigerdörfer, Hüttschlag im Großarltal, 9.-12. Oktober 2014

Bergsport und Gesundheit


Bergsport und Gesundheit

7. Jahrestagung Bergsteigerdörfer

Hüttschlag im Großarltal
9.-12. Oktober 2014

Ideen - Taten - Fakten Nr. 8

www.bergsteigerdoerfer.at
Herausgeber: Österreichischer Alpenverein, Abteilung Raumplanung-Naturschutz
Olympiastr. 37, 6020 Innsbruck
Innsbruck, Februar 2015
Titelbilder: Hannes Schlosser
Bilder der Tagung und Umgebung: Hannes Schlosser
Textbearbeitung: Christina Schwann
Redaktion: Christina Schwann
Layout: Christina Schwann
Inhalt

Vorwort
Christina Schwann, Projektteam Bergsteigerdörfer 7

Die Begrüßungsworte
Hans Toferer, Liliana Dagostin, Brigitte Slupetzky 9

Status Quo Bericht Bergsteigerdörfer


Christina Schwann, Projektteam Bergsteigerdörfer 13

Berg-Gesund - Bergsportliche Aktivitäten im Großarltal
Sepp Kendler, Vorsitzender der ÖAV-Sektion Großarl-Hüttschlag 23

Die Bedeutung des Themas „Bergsport und Gesundheit“ für die Alpenkonvention
Simona Vrevc, Vize-Generalsekretärin der Alpenkonvention 27

Gesundheit in den Protokollen der Alpenkonvention


Ewald Galle, Focal Point Alpenkonvention Österreich, Lebensministerium 31

Diskussion 38

Bergwandern, Bergsteigen - Versuch einer gesunden Betrachtung


Helmut Schwann, Facharzt für Innere Medizin 43

Sind die Berge die besser Phsychotherapie?


Rudolf Morawetz, Leiter des notfallpsychologischen Dienstes Österreich 53

Sporternährung etwas anders - Sporternährung aus Sicht der TCM


Fritz Reisenauer, Bergführer, Heilmasseur und Ernährungsberater 57

Diskussion 59

Kleiner Rundgang durch das Bergsteigerdorf Hüttschlag


Hans Toferer, Bürgermeister Hüttschlag im Großarltal 63

Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen 65

Zwei Wanderungen bei herrlichstem Herbstwetter


Fotodokumentation 68

Anhang: Kriterien für Bergsteigerdörfer, Fassung vom 10.10.2014 70





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Vorwort

„Bergsport und Gesundheit“ - ein The- verschiedenen Blickwinkel zu beleuchten. Ernährung nach der TCM auf sich hat. Er
ma, das sich nicht zuletzt auch der Al- - selbst lebendes Beispiel für die sehr posi-
penverein als Generalthema für die An Ewald Galle, Ministerium für ein le- tiven Auswirkungen der richtigen Ernäh-
kommenden drei Jahre gesetzt hat. Ein benswertes Österreich - Focal Point rung - zeigte sehr anschaulich, warum der
Thema, das so komplex ist, das so vie- Alpenkonvention, und Simona Vrevc, Mensch in der Früh nicht nur kalte Spei-
le verschiedenen Ansatzpunkte bietet, Vize-Generalskretärin der Alpenkonven- sen und vor allem nicht Speisen zu sich
das oftmals auch so fälschlich ausge- tion, wurde die herausfordernde Aufga- nehmen sollte, die „kalt machen“ - wie
legt wird und ein Thema, das zum ers- be gestellt, das Gesundheitsthema, oder etwa Kaffee und Orangensaft.
ten Mal bei einer unserer Jahrestagun- zumindest Aspekte, die die menschliche
gen, keinen direkten Bezug zu einem Gesundheit betreffen, in der Alpenkon- Ein riesengroßes Dankeschön gebürt
der Protokolle der Alpenkonvention vention und ihren Protokollen und Dekla- Sepp Kendler (ÖAV) und Thomas Wirns-
aufweist - zumindest nicht auf den ers- ration zu finden. Liest man die Protokol- perger (TVB) für die ausgezeichnete Orga-
ten Blick. le, findet man das Thema so gut wie gar nisation vor Ort, für die Begleitung wäh-
nicht - zumindest nicht in dem von uns rend unseres gesamten Aufenthaltes in
Wir leben in einer Konsumgesellschaft, gesuchten Zusammenhang. Erst wenn Hüttschlag sowie für zwei wunderschöne
die uns mit vielfältigen Zwängen belastet. man ein wenig zwischen den Zeilen liest, Exkursionen in den herbstlich gefärbten
Wir leben in einer schnellen Welt, die ein interpretiert und diverse Protokolle ver- Bergen des Großarltales.
ständiges Mitschwimmen verlangt. Wir gleicht, kommt man zu dem Schluss, dass Herzlichst bedanken möchten wir uns au-
haben Familie, Kinder, wir sind Manager das Thema „Gesundheit“ sehr wohl eine ßerdem bei Bürgermeister Hans Toferer
auf verschiedenen Gebieten. Die Sehn- Rolle spielt, wenn auch eben nur eine in- für die freundliche Aufnahme und den
sucht nach echter Erholung - sowohl kör- direkte. interessanten Rundgang durch seine Ge-
perlich als Ausgleich zum „Sitzen“ als auch meinde.
seelisch - wird immer stärker. „Berg-Gesund“ lautet der Name einer Ini- Herausragend waren unsere beiden Part-
Yoga boomt nicht umsonst - für kurze Zeit tiative, die Sepp Kendler, erster Vorsitzen- nerbetriebe - Hotel Hüttenwirt und Hotel
abschalten, sich für ein paar Minuten aus der der ÖAV-Sektion Großarl-Hüttschlag, Almrösl - die sich excelent um unser Woh-
der Stresswelt verabschieden, auf den gmeinsam mit seinem Sohn ins Leben leregehen bemüht haben. Vielen, vielen
Atem hören und endlich zur Ruhe kom- gerufen hat. Basierend auf Mitgliedsbei- Dank an Werner und Anni Toferer und
men. Diese Art der Erholung kann man trägen von Partnerbetrieben, ist es ihm Franz und Helga Zraunig.
lernen und ist sowohl für den Geist als gelungen, eine umfangreiche Angebots-
auch für den Körper sehr wichtig. Denn plattform für das Großarltal zu entwerfen. Vielen Dank außerdem an Brigitte Slupet-
dass ein Zuviel an Stress, an Hektik, an Sepp Kendler erläuterte, welche Voraus- zky, die als ÖAV-Landesverbandsvorsit-
Die „Grasberge“ des Großarltales präsentieren sich im Herbst von ihrer schönsten Seite. Zwängen krank macht, ist schon lange setzungen es dafür braucht und wie die zende von Salzburg die Teilnehmer und
kein Tabu-Thema mehr. Dass dies auch Sache in der Praxis läuft. Teilnehmerinnen von Seiten des Alpen-
die Gesellschaft belastet - finanziell wie vereins begrüßte.
sozial-, bereitet der Politik schon lange Der Nachmittag stand ganz im Zeichen
Kopfzerbrechen. zweier Fachvorträge: Zum einen referierte Und nicht zuletzt natürlich unser Dank an
Umso wichtiger ist es, dem Hamsterrad Helmut Schwann, Facharzt für Innere alle Anwesenden, die sich äußerst rege an
von Zeit zu Zeit zu entfliehen. Wo könnte Medizin, über die positiven Aspekte des den Diskussionen beteiligt haben und der
dies besser funktionieren, als in Bergstei- Bergwanderns und Bergsteigens auf un- Tagung damit ihre Intensität verliehen.
gerdörfern, die mit viel Ruhe und wenig seren Körper und im Anschluss daran Ru-
Inszenierung dem Geist erlauben, sich dolf Morawetz, Notfallpsychologe, über
neu zu orientieren und dem Körper sich die Unterschiede von Wandern als Pro- Für das Projektteam, Christina Schwann
zu bewegen und wieder einmal ehrlich phylaxe und dem therapeutischen Einsatz
müde zu werden. von Bewegung.

In der mittlerweilen bereits 7. Jahresta- Bergführer und Ernährungsberater Fritz


gung der Bergsteigerdörfer haben wir Reisenauer erläuterte zum Abschluss
versucht, das Thema „Gesundheit“ aus des Haupttagungstages, was es mit der
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Die Begrüßungsworte
Hans Toferer, Bürgermeister Bergsteigerdorf Hüttschlag im Großarltal
Liliana Dagostin, Leiterin der Abteilung Raumplanung-Naturschutz des ÖAV
Brigitte Slupetzky, ÖAV-Landesverbandsvorsitzende Salzburg

Hans Toferer, Bürgermeister Sehr erfreulich ist außerdem die Initiative


Bergsteigerdorf Hüttschlag von Kendler Sepp „Berg-Gesund“ - eine
im Großarltal gewaltige Eingeninitiative, die sich sehr
positive sowohl auf den Sommer- als auch
Geschätzte Damen und Herren, ich darf auf den Wintertourismus auswirkt.
Sie sehr herzlich zur 7. Jahrestagung der
Bergsteigerdörfer Österreichs bei uns in Unser Tal ist schon sehr früh durch die Sla-
Hüttschlag begrüßen. Mich freut es ganz ven besiedelt worden. Die erste urkund-
besonders, dass so viele der Einladung liche Erwähnung geht auf das Jahr 4930
gefolgt sind. zurück. Von 1520 bis 1863 dauerte die
Bergwerkszeit an, in der sehr viele Berg-
Hüttschlag hat eine Fläche von 97 km2 werksknappen in Hüttschlag waren. Nach
und zur Zeit ziemlich genau 900 Einwoh- dieser Zeit verarmte die Bevölkerung zu- Hans Toferer, Bürgermeister Bergsteigerdorf
Hüttschlag im Großarltal
nerInnen. Diese Zahl konnte in den letz- sehens.
ten Jahren konstant gehalten werden. Erst Mitte der 50er Jahre etablierte sich
Natürlich müssen wir dafür auch immer ein wenig Tourismus im Tal. Seit damals
ein wenig beitragen. Wie Ihr ja selber ist der Aufschwung durch den Tourismus
wisst, ist das Thema der Auswanderung, erfolgt.
der Verstätterung überall ein Thema. Ge- Wir sind seit 1991 Nationalparkgemeinde
rade in abgelegenen Regionen, wie eben und besonders stolz sind wir, dass wir bei
Hüttschlag, ist es schwierig, die Leute zu den „kleinen und feinen Bergsteigerdör-
halten. Aktuell werden wieder Wohnun- fern“ dabei sein können.
gen gebaut - im neuen Feuerwehrhaus, Wir möchten auch in Zukunft authentisch,
in dem 10 Wohnungen untergebracht echt bleiben, unsere gewachsene Kultur
sein werden. Wichtig ist für uns, dass wir weiter tragen. Nur so haben wir kleine
Familien in der Gemeinde halten können. Orte, die technisch weniger erschlossen
Baulandreserveren haben wir sehr weni- sind, eine Zukunft. Ich glaube, da geht es Thomas Wirnsperger, Geschäftsführer des
ge - viel Gemeindefläche ist Rote Zone - uns allen ziemlich gleich. Tourismusverbandes Großarltal
aber ich denke, da sind wir alle ziemlich in
der gleichen Situation. Ich wünsche Euch eine interessante Jah-
restagung 2014, ein paar wunderschöne
Das Bergsteigerdorf Hüttschlag im Großarltal Wir waren im Land Salzburg die ersten, Tage bei uns im Tal der Almen. Empfehlt
die einen gemeinsamen Tourismusver- uns weiter, wenn es Euch gefallen hat und
band für das ganze Tal gegründet haben. nochmals, herzlich Willkommen.
Dieser nennt sich „Großarltal - Tal der Al-
men“. Ich denke, das war und ist eine Er-
folgsgeschichte, vor allem verzeichnen
wir gute Erfolge im Sommer. Mittlerweile
haben wir im Sommer wieder mehr Über-
nachtungen als im Winter. Vor allem für
die Zukunft ist es sehr gut, wenn man ein
„Zweisaisonen-Ort“ ist.
Die Begrüßungsworte 10 11 Die Begrüßungsworte

Liliana Dagostin, Leiterin der Abteilung Brigitte Slupetzky, ÖAV-Landesver- Ein kräftiges Bergheil, denn ein „Bergheil“
Raumplanung-Naturschutz des ÖAV bandsvorsitzende Salzburg beinhaltet nicht nur, dass wir heil von den
Bergen herunter kommen sollen, sondern
„Grüßenk“ auch von meiner Seite. Hans Sepp Kendler ist ja nicht nur Vorsitzender auch, dass wir nur mit und in heilen Ber-
Toferer hat gut auf den Punkt gebracht, der Sektion Großarl-Hüttschlag. Als ich gen eine Überlebenschance haben - Berg
warum ich mich hier in Hüttschlag so den Sepp kennen gelernt habe, habe ich heil.
wohl fühle. Es ähnelt einfach ein wenig sofort gewusst, der wäre etwas für mein
meiner Heimatgemeinde, bis auf das, dass Team - und so schnell hat er gar nicht
wir zu Hause eben keine Berge haben. schauen können - habe ich ihm einen Hei-
ratsantrag gemacht - hat er behauptet.
Erstaunlich ist, dass wir erstmals Anfragen Der Bürgermeister von Großarl hat das
von anderen Gemeinden haben, die wir abgesegnet und seit heuer, 29.3.2014 ist
Liliana Dagostin, Leiterin der Abteilung sehr kritisch behandeln. Christina wird er tatsächlich mein Finanzreferent - vielen Brigitte Slupetzky, ÖAV-Landesverbands- Sepp Kendler, Vorsitzender der ÖAV-Sektion
Raumplanung-Naturschutz des ÖAV später noch auf die Verschärfung der Dank Sepp. vorsitzende Salzburg Großarl-Hüttschlag
Kriterien eingehen, ein - wie ich glaube - Nichts desto trotz möchte ich aber, als
ganz wichtiger Punkt. Landesmutter, wie man mich bezeich-
net, von Seiten des Alpenvereins herzlich
Ich möchte unseren Viezepräsidenten „Grüß Gott“ sagen zu Menschen, die ich
Dr. Gerald Dunkel-Schwarzenberger ent- eigentlich nicht so gut kenne, aber die
schuldigen. Er lässt Euch alle sehr herzlich Bergsteigerdörfer sind - und das gebe ich
grüßen. Er hat mir gesagt, dass er heuer offen zu - bis in die höchste Spitze des Al-
schon in Hüttschlag war und sehr gerne penvereins angekommen.
wieder gekommen wäre. Es tut ihm sehr Ich bin unwahrscheinlich dankbar, dass
leid, dass er dieses Jahr verhindert ist. ich das heute erleben darf, was ihr alles
Nichts desto trotz wünscht er unserer Jah- macht für kleine Dörfer. Ich hätte ein paar
restagung alles Gute. Dies zeigt, wie gut im Bundesland Salzburg, die wir noch
das Projekt „Bergsteigerdörfer“ im Haupt- dazu bringen könnten. Aber wir haben
verein angekommen ist. Aber nicht nur gestern schon diskutiert, so leicht geht
Hanspeter Mair, Geschäftsbereichsleiter DAV im Hauptverein des Österreichischen Al- das nicht. Gastgeber Franz Zraunig, Hotel Almrösl Gastgeberin Helga Zraunig, Hotel Almrösl Roland Kals, Moderator der Jahrestagung und
Projektteam Bergsteigerdörfer
penvereins ist das Projekt angekommen,
sondern auch im Deutschen Alpenverein Ich möchte ganz herzlich - und mit großer
- ganz hinten sitzen Hanspeter Mair und Dankbarkeit - den heutigen Moderator
Tobias Hipp vom DAV. Ihr wisst ja alle vom begrüßen: Roland Kals. Roland und mich
großen Interesse des DAV und seinen Mit- verbindet schon seit 2002 der Alpenver-
gliedern das Projekt zu internationalisie- ein. Heute müssen wir ehrlich dankbar
ren. sein, dass er da sitzt und sich bereit er-
klärt hat, die Moderation zu übernehmen:
Begrüßen möchte ich von meiner Seite Herzlich willkommen zurück im Alpenver-
auch ganz besonders Vize-Generalse- ein. Nachdem das Motto heute „Bergsport
kretärin Simona Vrevc und Ewald Galle, und Gesundheit“ ist, du wirst sehen, wir
die sich dem Schwerpunktthema des Al- „haun di scho wieder vieri“.
penvereins „Bergsport und Gesundheit“ In diesem Sinne wünsche ich der Veran-
annehmen. Ich bin schon sehr gespannt, staltung, auch Namens des Präsidiums, Gastgeberinnen Lederer und Anni Toferer Gastgeber Werner Toferer, Hotel Hüttenwirt Bernhard Stummer, ÖAV Edelweiß,
Tobias Hipp, Ressort Naturschutz im DAV was sich zu diesem Thema aus der Alpen- alles Gute, einen großen Input. Und ich Bundesausschussmitglied
konvention herauslesen lässt. bitte Euch, wenn Ihr wieder bei Euch zu
Hause seid, denkt an das schönste Bun-
desland Östrreichs, an Salzburg, und
denkt an Hüttschlag im Großarltal und
auch an Weißbach bei Lofer.
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Status Quo Bericht Bergsteigerdörfer

Christina Schwann, Projektteam Bergsteigerdörfer

Der Status Quo Bericht beinhaltet einen hat ein überwältigend positives Ergebnis
Rückblick auf das gesamte letzte Jahr. Da- gebracht.
bei werden vor allem jene Aktivitäten und Die 3. Auflage von „Bergsteigerdorf haut-
Veranstaltungen hervorgehoben, die ei- nah“ wird übrigens in Johnsbach im Ge-
nen besonderen Mehrwert für das Projekt säuse stattfinden.
gebracht haben.
Außerdem wurden die Kriterien für Berg- Das Naturschutzreferentenseminar
steigerdörfer neu überarbeitet - das Er- 2015 des Alpenvereins fand diesmal im
gebnis soll hier kurz vorgestellt werden. Bergsteigerdorf Reichenau an der Rax
statt.

Sitzungen und Veranstaltungen Der Radio Sender „Radio Tirol“ verfügt Christina Schwann
über eine Sendung mit dem Titel „Radio Projektteam Bergsteigerdörfer
Insgesamt fanden 13 Qualitätssitzungen Tirol Sommerfrische“. Inhalt der Sendung
- die meisten im Frühling 2014 statt. Fol- ist die Vorstellung, Präsentation und Be-
gende Gemeinden wurden im Sinne der such von Gemeinden in Tirol. Diese stel-
2. Runde der Qualitätssitzungen besucht:
Johnsbach, Lunz am See, Grünau im Alm-
tal, Steinbach am Attersee, Hüttschlag im
Großarltal, Weißbach bei Lofer, Steirische
Krakau, Tiroler Gailtal, Lesachtal, Mau-
then, St. Jodok, Gr. Walsertal, Vent

Vier weitere Alpingeschichtebücher -


nämlich jene von Hüttschlag, der Steiri-
schen Krakau, Malta und Weißbach bei
Lofer - konnten fertig gestellt werden. Zu
allen vieren fanden die Buchpräsentatio-
nen wie üblich in festlichem Rahmen mit
Musik und Buffet statt.

Die 2. Auflage von „Bergsteigerdorf haut-


nah“ fand im Juni in einem unserer ganz
l.o.: „Allianz in den Alpen“ zu Gast in Ginzling im Zillertal
jungen Bergsteigerdörfer, in St. Jodok,
r.o.: Radio-Tirol-Sommerfrische“ im Bergsteigerdorf St. Jodok - Schmirn- und Valsertal
l.u.: Pressewanderung Hochalmrunde mit Freddy Langer, Chefredakteur der Reisebeilage der FAZ Schmirn- und Valsertal, statt. Dabei muss
r.u.: „Bergsteigerdorf hautnah“ im Angesicht des Olperers im Bergsteigerdorf St. Jodok - Schmirn- und Valsertal der unglaubliche persönliche Einsatz von
Helga Beermeister vom TVB-Wipptal ganz
besonders hervor gehoben werden. Von
der Planung, der Organisation, der Be-
treuung vor Ort bis hin zu ihrer Flexibilität
war die gesamte Veranstaltung ein abso- Markus Reiterer, Generalsekretär der Alpenkonvention, mit Klaus Auffinger,
lutes Highlight. Schutzgebietsbetreuer, im Valsertal im Rahmen der
Eine kleine Umfrage der TeilneherInnen internationalen Pressereise „We are Alps“.
Status Quo Bericht der Bergsteigerdörfer 14 15 Status Quo Bericht der Bergsteigerdörfer

len sich einen ganzen Nachmittag vor Ort cora selbst gab ein Interview für das Ra- mittlerweile gerne als ein positives und nach Prag im Dezember 2014 eingela- werden.
mit umfassendem Programm von Kinder- dio und ging insbesondere auf den Mehr- vor allem funktionierendes Beispiele für den. Dazu wurden für die vier Bergstei- www.bergsteigerdoerfer.at
betreuung, Handwerksausstellungen bis wert der Bergsteigerdörfer ein. nachhaltigen Tourismus angeführt. „Alli- gerdörfer, die am nächsten zur Tschechi-
hin zur Kulinarik Gästen vor Ort und na- anz“ in den Alpen war mit einer Exkursi- schen Grenze liegen, kleine Folder auf 2014 fanden, bis zur KW 39, im Durch-
türlich den Zuhörern vor dem Radio vor. Karl Kapferer - Bürgermeister von St. on in Ginzling im Zillertal unterwegs und Tschechisch gedruckt - Reichenau an der schnitt 630 Besucher pro Tag auf die Web-
Dieses Jahr hat sich auch das Bergstei- Sigmund im Sellrain, veranstaltete den eine Etappe der von der Alpenkonventi- Rax, Lunz am See, Grünau im Altmal und seite. Sie sahen sich 3,07 Seiten an und
gerdorf St. Jodok - Schmirn- und Valser- ersten Bergsteigerdorf-24-Stunden- on organisierten Pressereise „We are Alps“ Johnsbach im Gesäuse. hielten sich im Schnitt 02:37 (Min:Sek)
tal, und zwar ganz bewusst unter dem Marsch. war im Valsertal zu Besuch. lang auf.
Titel „Bergsteigerdorf“ beworben. Am Rund 80 Personen folgten trotz mäßig gu- Die Nutzung der Gemeindezeitungen
1. August 2014 fand die Veranstaltung tem Wetter der Einladung. Dabei ging es und -webseiten, um die Bergsteigerdör- Verglichen mit dem gleichen Zeitraum
in St. Jodok statt und war ein voller Er- nicht um Geschwindigkeit, sondern viel- Broschüren fern intern untereinander besser bekannt 2013 ergibt sich daraus eine Steigerung
folgt. Die beiden Täler - Schmirn- und mehr um das gemeinsame Erleben eines zu machen, funktioniert bei einigen Ge- von +34% für die Besuche, +19% für die
Bernd Schlackl, Programmierer und Betreuer der
Valsertal - präsentierten sich mit ihrer ganzen Tages am Berg. Folgende Einzelbroschüren wurden im meinden sehr gut. Dabei werden die vor- Seitenaufrufe gesamt (- 11,2% pro Be- Webseite www.bergsteigerdoerfer.at
unglaublichen Vielfalt an kulinarischen vergangenen Jahr nachgedruckt: Steiri- gefertigten pdfs als Vorlage oder direkt such) und -11% für die Aufenthaltsdauer.
Köstlichkeiten (z.B. Grauviehochse), ihren Wo auch immer sich die Gelegenheit sche Krakau, Grünau im Almtal, Mallnitz, als Annonce verwendet.
handwerklichen Besonderheiten, ihrer Al- ergibt, werden die Bergsteigerdörfer in Lesachtal, Vent, Sellraintal sowie St. Jo- Bei dieser Gelegenheit wurde Bernd
pinkompetenz (Klettersteig, Alpinschule, Form von Vorträgen vorgestellt. So zum dok-Schmirn- und Valsertal. Freddy Langer, Chefredakteur der Reise- Schlackl vorgestellt, der die Webseite
Leihmaterial, Bergrettung...) und einem Beispiel auf Einladung des ÖGV, des Öst- beilage der FAZ hat sowohl im Vorfeld (4 nicht nur programmiert hat, sondern
umfassenden Kinderprogramm, das vom rerreichischen Gebirgsvereins in Wien, Das Alpingeschichtebüchlein „Tiroler mal in einem Zeitraum von 2 Jahren ver- diese auch laufend sehr gut betreut und
Natura 2000 Gebiet Grauerlenwald in Zu- oder im Rahmen des Symposiums Wald Gailtal“ wurde ebenfalls nachgedruckt. schoben) als auch während der 4-tägigen erweitert. Nachdem Regina Hatheier-
sammenarbeit mit den Bäuerinnen vor in Gmunden. Neu sind die Alpingeschichtebücher zur hochalpinen Tour im Bergsteigerdörfer- Stampfl unser Team mit 31.10.2014 ver-
Ort geboten wurde. Aber auch bei internationalen Veranstal- Steirischen Krakau, Hüttschlag, Malta und Dreiek Hohe Tauern Hüttschlag, Mallnitz lässt, wird er zusätzliche Aufgaben auf der
Alpenvereins-Präsident Dr. Andreas Erma- tungen werden die Bergsteigerdörfer Weißbach bei Lofer. und Malta viel Ausdauer bewiesen. Webseite übernehmen.
Gemeinsam mit Bergführer Sepp Inhöger
und Alpenvereinsobmann Sepp Kend- Bernd Schlackl: „Mit dem Wert von 630
Presse ler sowie Christina Schwann, Projekt- Besuchern pro Tag bin ich eigentlich ganz
team Bergsteigerdörfer, bestieg er den zu frieden. Außerdem steigt der Wert immer
Zahlreiche Artikel zu den Bergsteigerdör- Keeskogel, den Ankogel, die Hochalm- noch kontinuierlich an. Ich habe ein we-
fern im „Bergsteiger“, „Bergauf“, T-Online, spitze, nächtigte auf dem Hannoverhaus, nig Hintergrundrecherche betrieben: Das
Universum Magazin sind erschienen, wo- der Gießener Hütte und der Osnabrück- Thema „Bergdorf“ - mehr Ruhe haben, ab-
bei jene im „Bergauf“ von uns selbst ge- nerhütte und kehrte am 4. Tag etwas schalten können - das kommt immer mehr.
schrieben oder veranlasst werden - auf erschöpft aber reich an Eindrücken und Genauso wie einige schon mitbekommen
Eigenkosten des AVs. Erfahrungen zum Ausgangspunkt Hütt-
Erfreulich ist, dass einige Journalisten schlag zurück.
bzw. Redakteure auf uns zukommen - d.h. Ergebnis war ein zweiseitiger sehr au-
die Bergsteigerdörfer gewinnen offenbar thentischer Bericht in der Reisebeilage
zunehmend an Interesse - vor allem im der FAZ.
deutschsprachigem Raum, was vermut-
lich auch mit dem Durchsickern, dass es Das Bayerische Fernsehen zeigt großes
bald ein oder mehrere deutsche Bergstei- Interesse an den Bergsteigerdörfern. Sen-
gerdörfer geben könnte, zu tun hat. dungen wie „Unter unserem Himmel“,
in der das Villgratental vorgestellt wurde,
Nachdem Ladislav Jirasko im Rahmen oder auch die Sendung „Unkraut“, in der
der letzten Jahrestagung in Lunz am See ein Bergsteigerdörfer-Test in St. Jodok-
eine CD mit Texten und Bilder zu allen 20 Schmirn- und Valsertal durchgeführt wur-
Bergsteigerdörfern übergeben wurde, de, lassen die Zugriffe auf die Webseite in
hat er eine Sonderbeilage auf tschechisch die Höhe schnellen.
gedruckt und in seinem Alpinmagazin in
Kurz vor dem Aufbruch zum 1. Bergsteigerdörfer-24-Stunden-Marsch im Sellraintal. Zu Besuch Bgm. Tschechien aufgelegt. Auf der Webseite wurde die Rubrik „Pres-
Engelbert Wassner aus Zell-Sele neben Bgm. Martin Haselwanter von Gries im Sellrain und Vizebür- Damit aber nicht genug, hat er die Berg- se“ nun auch mit allen Artikel befüllt -
germeister Heribert Kulmesch aus Zell-Sele neben Bgm. Karl Kapferer aus St. Sigmund im Sellrain. steigerdörfer auch auf die Alpinmesse können dort also jederzeit nachgelesen
Status Quo Bericht der Bergsteigerdörfer 16 17 Status Quo Bericht der Bergsteigerdörfer

haben, dass plötzlich „vegan“ ganz oben ist. sehen die Sendung zum Villgratental aus- Finanztechnische Details Internationalisierung schichte, die zweisprachig in einem Buch penverein.
An der Darstellung der Webseitenstatis- gestrahlt. Dabei konnte man die Zugriffe erschienen ist. Außerdem war es notwendig, die Kriteri-
tik über einen längeren Zeitraum ist sehr direkt verfolgen: von 19.00 bis 23.00 Uhr Mit 30.6.2014 lief die zweite Förderperi- Deutschland: Der länderübergreifender Austausch en für Bergsteigerdörfer zu überarbeiten.
gut ein immer wiederkehrendes Muster zu waren 1.700 Leute auf der Webseite - also ode aus. Bis dahin haben wir insgesamt Seit 8. Februar 2014 gibt es ein offizielles erwies sich als sehr erfreulich. Die Ver- Zum einen, weil sich im Lauf der letzten
erkennen: Es gibt ein Sommerhoch - An- schon während der Sendung. Dazu wurde seit 2008 Förderungen aus dem Topf der Partnerschaftsabkommen zwischen ÖAV anstaltung zu „Bergsteigerdörfer ohne Jahre herausgestellt hat, dass manche
fang bis Mitte August - aber auch im Herbst auch das Partnerbetriebs-Banner extrem Ländlichen Entwicklung und des Minis- und DAV zu den Bergsteigerdörfern. Grenzen“ in Kartitsch/Obertilliach war ein Dinge zu ungenau formuliert waren, bzw.
scheint es noch einmal ein kleines Hoch zu oft geklickt. teriums für ein lebenswertes Österreich Zu Hinterstein, dem Ortsteil von Bad Hin- sehr großer Erfolg. gar nicht vorkamen und daher zu viel In-
geben. Dazu kommen die üblichen Verdächtigen, in der Höhe von über 1,4 Millionen Euro delang im Allgäu, hat sich mittlerweile terpretationsspielraum offen ließen.
Einen ganz massiven Einfluss hat immer wie t-online, bergleben.de, faz.net, die im- erhalten. auch Ramsau bei Berchtesgaden gesellt. Slowenien: Zum anderen, weil durch eine Internatio-
auch „Google“ - wie dieser die Webseite auf- mer wieder für diese Peaks auf der Webseite Das zweite Halbjahr 2014 kann mit einer Der DAV hat mit 1.12014 außerdem eine Von Slowenien ist leises Interesse be- nalisierung die Kriterien auch für andere
nimmt. Wenn Google am Google Algorith- sorgen. nationalen Förderung in der Höhe von neue Person im Resort Naturschutz - Tobi- kundet worden. Weitere Schritte werden Länder anwendbar sein sollen und die
mus ein wenig schraubt, merkt das sofort Wenn Ihr - von den Partnerbetrieben - noch EUR 50.000.- vom Ministerium für ein as Hipp - der unter anderem für die deut- noch abgewartet. Transparenz eine ganz große Rolle spielt.
jede Webseite. Die Bergsteigerdörferseite Bilder habt, bitte unbedingt schicken, weil lebenswertes Österreich, dank des Ein- schen Bergsteigerdörfer verantwortlich
wird aber offenbar von Google geliebt und die Banner werden extrem oft geklickt und satzes von Ewald Galle für unsere Sache, sein wird. Jedenfalls hat das große Interesse unse-
bleibt deswegen konstant. sind direkt mit dem Betrieb verlinkt. Das sowie weiteren EUR 32.000.- bis 28.2.2015 rer Nachbarn im vergangenen Jahr dazu
Schön zu sehen sind auch die Peaks - bringt auf jeden Fall sehr viel - weil die Ziel- von Seiten des Alpenvereins selbst über- Italien: geführt, dass erstens das Logo der Berg-
hier insbesondere die Zusammenhänge gruppe passt.“ brückt werden. Gespräche mit CAI sind im Gange. steigerdörfer sowie auch das Wort selbst
zwischen Fernsehen und Webseite. Am Geplant ist die Einreichung eines 3. Pro- Für das Val di Zoldo wurden alle Broschü- international geschützt wurde. Eigentü-
27.7.2014 z.B. wurde im Bayerischen Fern- jektes für eine Förderung von 2015 - 2017. ren in D und It erstellt, inkl. der Alpinge- mer der Marke ist der Österreichische Al-
Status Quo Bericht der Bergsteigerdörfer 18 19 Status Quo Bericht der Bergsteigerdörfer

Kriterien NEU gebend für jede Neuaufnahme sind. Ins- Aber auch in den Bereichen „Kooperati- B5) Kooperationsqualität
besondere im Bereich des Themas „Ener- onsqualität“ und „Touristische Qualität“
Die Diskussion um die Kriterien Neu wur- giegewinnung“ wurde sehr ausführlich gibt es kleine Änderungen. -Teilnahme der jeweiligen Vertreter des Bergsteigerdorfes an der jährlichen Jahrestagung
den im Operativen Ausschuss geführt diskutiert - den Mitgliedern des Operati- Anbei die wichtigsten Neuerungen in -Teilnahme des erweiterten Beteiligtenkreises pro Bergsteigerdorf an regelmäßigen Qualitätssitzungen
und mittels Umlauf-Abfragen via e-mail ven Ausschusses sei an dieser Stelle sehr Form von Auszügen aus den neuen Krite- - Alpenkonvention – Umsetzung, Anwendung, Richtlinien – ist fixer Bestandteil der Gemeindepolitik
zu Ende geführt. Das Ergebnis sind einige herzlich für ihre wertvolle Mitarbeit ge- rien, die im Anhang zur Gänze angeführt
verschärfte Formulierungen vor allem bei dankt. sind. --> Die letzten Jahre haben gezeigt, wie wichtig der Austausch zwischen den Gemeinden als auch innerhalb der Gemeinden ist.
den Ausschlusskriterien, die ausschlag- Jene Gemeindevertreter, die regelmäßig an den Jahrestagungen teilnehmen, haben so etwas wie ein gegenseitiges Verantwor-
tungsgefühl entwickelt.
Die Qualitätssitzungen sind gleichzeitig auch die Partnerbetriebssitzungen, also eine Veranstaltung direkt vor Ort. Der Aufwand für
A2) wenig alpiner Landschaftscharakter, Landschaftsschäden, Technikdominanz das Projektteam, diese wichtigen Sitzungen regelmäßig durchzuführen, ist sehr groß und deswegen sollen sie auch effektiv unter
Beteiligung aller relevanter Personen stattfinden.
- den Gesamtcharakter erheblich störende Schäden durch menschliche Eingriffe (dies gilt auch für Eingriffe, die außerhalb des Gemein-
degebietes liegen, wenn die Einsehbarkeit deutlich gegeben ist und somit zu einer erheblichen Störung des Gesamtbildes führt.) C1) Touristische Qualität
- Eingriffe in Schutzgebieten, die deren Charakter und Schutzzweck beeinträchtigen
- Intensivtouristische Wintersportanlagen, insbesondere tälerverbindende Schierschließungen bzw. der damit verbundenen Infrastruk- -ausreichende Nahversorgung am Ort mit Artikeln des täglichen Bedarfes (Kaufgeschäft, ...)
tur im Tal -Möglichkeiten der Anreise mit dem Öffentlichen Verkehr (auch an Wochenenden und Feiertagen) und Mobilitätsangebote für einen
- Einrichtungen zur Energiegewinnung wie Wasserkraftanlagen, insbesondere Speicherkraftwerke, Photovoltaik- und Windkraftanlagen Urlaub ohne eigenen PKW vor Ort; entsprechende Informationsaufbereitung in allen relevanten touristischen Medien und bestmögli-
in überörtlicher Dimension. (Für vor 2014 aufgenommene Bergsteigerdörfer besteht ein „Bestandsschutz“.) che Kommunikation bereits bei der Buchung.

--> Vor allem im Bereich der Enegiewirtschaft und deren Auswirkungen auf das Landschaftsbild, auf Schutzgebiete und die bäuerli- --> Auch im Bereich der Zielkriterien (C) wurde nachgeschärft. Diese sind nicht länger das „Sahnehäubchen“, wie noch in der ersten
chen Strukturen wurden die Kriterien wesentlich schärfer und detaillierter. Fassung bezeichnet, sondern deren Erfüllung ist unbedingt anzustreben. Vor allem der Bereich der Mobilität spielt dabei eine zent-
rale Rolle. Zahlreiche Sitzungen in den Bergsteigerdörfern haben gezeigt, dass oftmals das Angebot vorhanden, die Kommunikati-
on aber sehr schlecht ist.
B1) Tourismusqualität

- Schutzhütten alpiner Vereine oder vergleichbare private (…), die wenn möglich die gemeinsame Initiative „So schmecken die Berge“ C2) Kulturelle und regionale Besonderheiten
von OeAV, DAV und AVS (…) angehören bzw. die Mitgliedschaft anstreben.
- Gute Bandbreite der Beherbergungskategorien (von einfach bis gehoben) -Bergsteigerdörfer sind stolz auf ihre Tradition, ihr Vereinswesen, ihre regionalen Produkte – besonderes Augenmerk soll dabei auf die
- Gute Bandbreite der Restaurants/Gastwirtschaften Verknüpfung zw. Ausbau bestehender Initiativen und Angebote gelegt werden („So schmecken die Berge“, „Genuss Region Österreich “,
Handwerk, Vereinswesen, etc.)
--> Bestehende Initiativen sollen in Zukunft im gegenseitigen Interesse besser genutzt werden; die Beherbergungsbetriebe spielen
bei der Tourismusqualität eine essentielle Rolle und werden daher explizit angeführt. --> Der Punkt C2 ist neu dazu gekommen und soll zu einer weiteren Qualitätsverbesserung in den Bergsteigerdörfern beitragen, in
dem man vor allem bestehende Initiativen besser nutzt, aber auch vermehrtes Augenmerk auf handwerkliche und kulturelle Beson-
derheiten legt.
B3b) Landschaftsqualität

-Verzicht auf Neuerrichtung von Wasserkraft -, Windkraft-, Photovoltaik-Anlagen in überörtlicher Dimension mit Auswirkungen auf die
Landschaftsqualität und/oder Beeinträchtigung des Schutzgebietsinventars sowie Hochspannungs-Freileitungen (Wasser- und Wind-
kraftanlagen: zu prüfen sind insbesondere die Verträglichkeit mit bestehenden Schutzzwecken, die Wirtschaftlichkeit und die überregi-
onale Bedeutung von Fließgewässern und Landschaften (z.B. Natura 2000))

-Bei Neuerrichtung von Einrichtungen zur Energiegewinnung, Straßen, Hochspannungsleitungen, Schigebieten, etc. außerhalb des
Gemeindegebietes, die aber dennoch erhebliche Auswirkungen auf die Kriterien der Bergsteigerdörfer haben, darf die Gemeinde diese
Ansinnen nicht aktiv unterstützen.

--> Auch im Bereich der Landschaftsqualität der Pflichtkriterien (B), wurde noch ein wenig nachgeschärft, indem man zwar keine
fixen Kennzahlen für Kraftwerksanlagen nennt, aber sich doch auf die deutlich „überörtliche Dimension“ einigt. Außerdem wurde
die Verträglichkeit mit bestehenden Schutzzwecken extra erwähnt, um Missverständnissen oder Fehlinterpretationen vorzubeugen.
Ludwig Wolf, Bgm. Johnsbach im Gesäuse Alois Weidinger, Bgm. Grünau im Almtal, und Martin Ploderer, Bgm. Lunz am See
Mitglied des Operativen Ausschusses Paul Steger, Vorsitzender ÖAV-Sektion Zillertal- Mitglied des Operativen Ausschusses
Mitglieder des Operativen Ausschusses
Status Quo Bericht der Bergsteigerdörfer 20 21 Status Quo Bericht der Bergsteigerdörfer

Verabschiedung bart, dass ich gerne bereit bin - nicht jeder- Auszeichnungen Helga Beermeister, TVB-Wipptal, Berg- des Projektes in der Sektion, Schaffung
Regina Hatheier-Stampfl zeit - aber wenn Bedarf ist, für das Projekt steigerdorf St. Jodok - Schmirn- und einer eigenen Angebotsplattform (Berg-
zur Verfügung zu stehen. Immer wieder werden einzelne Personen, Valsertal: Gesund), Initiator der hochalpinen Tour
Regina war seit 2008 fester Bestandteil die sich besonders verdient um die Berg- Für die perfekte Ausrichtung von „Berg- im Bergsteigerdörfer-Dreieck Hüttschlag,
des Projektteams Bergsteigerdörfer und Jetzt habe ich ja außerdem endlich ein GPS- steigerdörfer gemacht haben, mit dem steigerdorf hautnah“ - von der Planung, Malta und Mallnitz, die heuer mit dem
hat sich insbesondere für die Webseite, Gerät. So etwas habe ich bis jetzt trotz Geo- kleinen Anstecker mit dem Bergsteiger- der Vorbereitung, der Gästebetreuung bis Journalisten Freddy Langer begangen
die Partnerbetriebe und zuletzt auch für informatik noch nicht besessen - was sehr dörfer-Wappen ausgezeichnet. hin zu ihrem flexiblen Handeln bei unvor- wurde und den er selbstverständlich
die Pauschalen und Angebote eingesetzt. verwunderlich ist - und jetzt finde ich viel- Nachdem die letzten Auszeichnungen hersehbaren Planänderungen. Ihr ist es höchstpersönlich begleitete.
Ihre freundliche und unkomplizierte Art leicht auch in meiner Freizeit öfter den Weg schon ein wenig zurück liegen, werden zu verdanken, dass die Wandereinladung
sowie ihre kompetente und rasche Be- in eines der Bergsteigerdörfer. dieses Jahr gleich sechs Personen gewür- nach St. Jodok - Schmirn- und Valsertal Kommentare:
arbeitung der Anfragen war für uns alle Ich möchte mich bei allen ganz, ganz herz- digt: ein unglaublicher Erfolgt war.
Ein kleines Abschiedsgeschenk für Regina eine Wohltat. Aus diesem Grund möchten lich für die Zusammenarbeit bedanken Ewald Galle: „Die Bergsteigerdörfer sind mir
wir ihreganz viel Glück und Erfolg für ihre - und vielleicht darf ich zur Jahrestagung Martin Ploderer, Bürgermeister Lunz Ewald Galle, Focal Point Alpenkonven- ein besonderes Anliegen. Deswegen habe
zukünftigen Aufgaben an der Universität trotzdem wieder kommen. am See: tion, Ministerium für ein lebenswertes ich auch immer gesagt, lieber unterstütze
Salzburg wünschen. Damit sie sich - als Aber wer weiß was passiert - vielleicht wol- Für seine besonderen Verdienste um das Österreich: ich ein Projekt gut, als mehrere nur halb. Die
Geografin - nicht im Gelände verirrt, er- len sie mich auf der Uni irgendwann nicht Bergsteigerdorf Lunz am See, seinen Ein- Für seinen unermüdlichen Einsatz für un- Bergsteigerdörfer haben viel Potenzial und
hält sie ein GPS-Gerät, dass sie auf den mehr haben und die Bergsteigerdörfer satz, das Bergsteigerdorf Lunz am See ser Projekt auf höchster politischer Ebe- spielen für die Alpenkonvention eine wich-
Touren in den Bergsteigerdörfern beglei- kommen auf internationaler Ebene ganz auch im Rahmen der Landesausstellung ne. Ohne ihn würden wir keine weiteren tige Vorreiterrolle. Ich bin sehr zuversicht-
ten soll. groß raus - dann kann ich vielleicht ja wie- Niederösterreich 2015 bestmöglich zu Fördermittel erhalten - nun sieht es so lich, dass es gelingen wird, in der nächsten
der einsteigen. vertreten und seine unerschöpflichen Be- aus, dass wir in den nächsten drei Jahren Programmperiode von 2015-2017 jährlich
Regina Hatheier-Stampfl: „Ich möchte Herzlichen Dank an Euch alle! mühungen, das Bergsteigerdorf und sei- sogar ein wenig mehr erhalten werden als einen Betrag von EUR 300.000.- für das Pro-
mich ganz herzlich bedanken. Es ist mir sehr ne Philosophie wo immer möglich auch bisher. jekt zur Verfügung stellen zu können.“
schwer gefallen - es hat ein Jahr gedauert, medial und politisch bestmöglich zu ver-
in dem ich zwischen diesen zwei Stühlen breiten. Dazu sein Einsatz für die Koope- Sepp Kendler, Vorsitzender der ÖAV- Martin Ploderer: „Ich habe schon viele Aus-
gesessen bin. Die Arbeit mit den Bergstei- ration mit der Ortsgruppe Tschechien des Sektion Großarl-Hüttschlag: zeichnungen in meinem Leben bekommen
gerdörfern hat mir immer sehr viel Freude Alpenvereins Innsbruck. Für seinen Einsatz für das Bergsteigerdorf - manche haben in Edelmetall geglänzt -
bereitet, auch wenn‘s nicht immer ganz so Hüttschlag auf vielfältige Art und Weise: aber über diese freue ich mich ganz beson-
leicht war, wenn man manchmal dreimal Karl Kapferer, Bürgermeister St. Sig- Autor der Alpingeschichte, Verankerung ders!“
nachfragen hat müssen - aber ich bin ja mund im Sellrain und seine rechte Hand
hartnäckig und trotzdem höflich. Elisabeth Schwarz:
Was mich besonders freut, sind die vielen Auch wenn Elisabeth Schwarz nicht an-
persönlichen Kontakte. Es ist immer wieder wesend sein konnte, so soll auch sie einen
fast wie ein Familientreffen, nur dass man Anstecker erhalten, denn sie ist es, die die
hier die Leute wirklich mag. vielen Ideen, die Karl Kapferer zum Berg-
Ich habe mir die Entscheidung nicht leicht steigerdorf hat, ausführt.
gemacht und lange überlegt. Bei der Jah- Karl Kapferer erhält den Anstecker für
restagung wollte ich jedenfalls noch dabei seinen unermüdlichen Einsatz, das noch
sein. Mit Roland habe ich außerdem verein- junge Bergsteigerdorf Region Sellraintal
sichtbar und bekannt zu machen. Das
beginnt mit dem Aufhängen der Begrü-
ßungstafeln an den Ortseingängen, der
Lukrierung von Fördermitteln für den be-
reits ersten Nachdruck der Ortsbroschü-
re Bergsteigerdörfer sowie der Alpinge-
schichte Sellraintal, die demnächst fertig
werden wird, bis hin zur Ausrichtung des
ersten Bergsteigerdörfer-24-Stunden-
Marsches, an dem er selbstverständlich
höchstpersönlich teilnahm.
So kennen wir Regina: fleißig, fröhlich, für jeden Spaß zu haben! Viel Glück und Erfolg für Deine neuen
Aufgaben an der Universität Salzburg.
22 23

Berg-Gesund
Bergsportliche Aktivitäten für den Gast im Großarltal

Sepp Kendler
Vorsitzender der ÖAV-Sektion Großarl-Hüttschlag

Eigentlich haben wir uns von Seiten der Die Voraussetzungen


Sektion gedacht, wir bieten für Hütt-
schlag und das Großarltal Klettertouren, Wir haben uns angesehen, welche Voraus-
Bergtouren und Wanderungen über den setzungen das Großarltal hat. Z.B. haben
Alpenverein an. Leider gibt es aber ein wir 5.200 Gästebetten, 313 Beherber-
sehr scharfes Bergsportführergesetz in gungsbetriebe und 40 bewirtschaftete Al-
Salzburg und es hat nicht lange gedauert, men, 120 km beschilderte und markierte
bis wir vom Land Salzburg eine Verwar- Mountainbikewege, 400 km Wanderwe-
nung bekommen haben. Als Verein wurde ge, 4 Klettersteige - 3 davon sind hier in
Ein einzigartiges Programm für Gäste Pro Woche werden Sommers wie Winters sie- Detaillierte Infos zu den jeweiligen es uns untersagt, für die Gäste etwas an- der Hüttschlager Wand, 20 Sportkletter-
des Großarltales. ben bergsportliche Aktivitäten angeboten. bergsportlichen Aktivitäten und den zubieten, weil dies reine Bergführer-Sache routen auf der Aualm in Großarl, rund 20
Mitgliedsbetrieben finden sich auf der sei. Hätten wir das nicht sofort eingestellt, Skitouren und einige Schneeschuhwan- Sepp Kendler, Vorsitzender der ÖAV-Sektion
Bergsport und Gesundheit stehen bei Für die Gäste der Mitgliedsbetriebe ist die Teil- Homepage des Vereins.
dann hätten wir eine Klage erhalten. Also: dermöglichkeiten - d.h. wir haben fast Großarl-Hüttschlag
allen Aktivitäten im Vordergrund. nahme kostenlos!
über den Alpenverein konnten wir das das Doppelte, aber wir haben nur jene he-
nicht machen. rangezogen, die bereits in diversen Foren
und Büchern beschrieben sind. Wir haben
sogar - ich bin begeisterter Gleitschirm- „Über den Alpenverein anzubieten,
Die Vorgeschichte flieger - fünf Gleitschirmberge mit einfa- untersagte uns das Salzburger Berg-
chen Startmöglichkeiten. sportführergesetz.“
Und hier kommt Fritz Reisenauer. Er ist
Bergführer und kommt aus der Steier-
mark. Jetzt ist er allerdings in Wagrain be- Die Finanzierung
heimatet und wir haben uns bei einer Ski-
tour kennen gelernt. Fritz hat mir erzählt, Wie es der Zufall so will, sind wir - Moni-
Auszug aus dem Salzburger Bergsportführerge-
dass ihn nicht allein das Bergsteigen inte- ka Bischof, Willi Türtscher und ich bei der setz i. d. Fassung v. 16.12.2014, § 1, Ziffer 2:
ressiert, sondern eben auch das Drumhe- Jahrestagung in Lunz am See zusammen
rum - Gesundheit, Ernährung - er ist unter gesessen. Im Großen Walsertal gibt es den (2) Dieses Gesetz gilt nicht für Bergsportführertätig-
Fotos: Sepp Kendler; TVB Großarltal anderem auch Heilmasseur. Schnell habe Verein „Berg-Aktiv“, der sich über die Bet- keiten im Rahmen
30
ich gemerkt, dass das der richtige Mann ten finanziert, d.h. Mitgliedsbetriebe leis- 4. in- und ausländischer alpiner Vereine, wenn
für mich wäre. ten pro Bett und pro Jahr einen Beitrag, a) das Führen und Begleiten durch geeignete und
„Berg-Gesund“ bietet eine unglaubliche Vielfalt an Angeboten. Wir haben uns zusammen gesetzt und wodurch ein gewisses Kapital zur Verfü- legitimierte Vereinsmitglieder und nur für die
da ist die Idee der „Berg-Gesund“ Initia- gung steht, mit dem der Wander- oder Mitglieder, deren Angehörige und höchstens in
geringfügigem und jeweils untergeordnetem
tive entstanden. Der Name setzt sich aus Bergführer mit der ganz normalen Gage Maß für sonstige Personen erfolgt,
„Bergsport“ und „Gesundheit“ zusammen. bezahlt werden kann. b) dem Verein insgesamt kein den Aufwand dafür
Dass das nun auch das Generalthema des Der Verein ist die Plattform, wo die Ange- übersteigendes Entgelt zukommt
Alpenvereins ist, ist ein reiner Zufall. bote gebucht werden können, wo auch und
c) das führende oder begleitende Vereinsmitglied
Nachdem wir nicht über den Alpenverein die Mitgliedsbetriebe die Möglichkeit ha- dafür kein seine Auslagen übersteigendes Ent-
anbieten konnten, haben wir einen eige- ben, sich zu präsentieren. Eine kleine Vor- gelt unmittelbar oder mittelbar erhält.
nen Verein gegründet. schaurechnung zeigt wie es geht:
Berg-Gesund 24 25 Berg-Gesund

„Die Besonderheit ist, dass die Vorschaurechnung: sonst der administrative Aufwand viel zu
Touren bei jeder Witterung und ab Beim Verein „Berg-Gesund“ zahlen die groß wäre.
Mitgliedsbetriebe EUR 8.- pro Bett. Meldet sich ein Gast für eine Tour an, er-
einer Anmeldung stattfinden. Für
Der Bergführer bekommt einen Tagessatz hält er mit der Anmeldebestätigung auch
Gäste von Mitgliedsbetrieben ist die von EUR 290.- , für den halben Tag EUR gleich alle wichtigen Infos, wie Treffpunkt,
Teilnahme kostenlos!“ 175.-. Der Wanderführer bekommt auf Zeit, Ausrüstungsliste etc.; Gleichzeitig Informationen zum Verein „Berg-Gesund“:
EUR 160.-, halber Tag EUR 95.- - so die Sät- erhält der der Bergführer und der Sport-
ze im Land Salzburg. fachhändler die Daten des Gastes - bis hin
zu Größe und Gewicht - was vor allem bei Vereinszweck (§ 2 der Statuten):
Das Angebot reicht im Winter vom Eis- Leihmaterial ein Thema ist. Damit kann Der Verein, dessen Tätigkeit nicht auf Gewinn gerichtet ist, bezweckt den gesundheitlichen
klettern, Skitouren - leicht, mittel, schnup- das Material schon entsprechend vorbe- Aspekt des Bergsteigens und Bergwanderns für Mitglieder und Nichtmitglieder in Form von
pern -, Schneeschuhwanderungen und reitet werden. Veranstaltungen und Vorträgen weiterzugeben.
im Sommer von „Entschleunigungs- Wichtig ist uns, dass die Anmeldungen
tag“, Schnupperklettern, Klettersteig, einzeln erfolgen. Sonst schmeißt es den Mittel zur Erreichung des Vereinszweckes (§ 3 der Statuten):
Bergtour bis hin zu Yogawanderungen. Zähler durcheinander.
Auch eine Bergtour in 10 Etappen rund Auf Papier gibt es nur einen kleinen Fol- Ideelle Mittel:
ums Großarltal kann gebucht werden. der. Wir wollten bewusst möglichst alle a) Bergsportliche Veranstaltungen mit Gesundheitsaspekt
Generell bietet der Verein pro Woche 7 Informationen auf der Webseite präsen- b) Vorträge zu den Themen Bergsteigen, Bergwandern und Gesundheit
Möglichkeiten an. tieren.
Der Gesamtaufwand für die Führungen Materielle Mittel:
beträgt ca. EUR 19.200.-, abzüglich 10% a) Beitrittsgebühren und Mitgliedsbeiträge
Vereinsbeitrag. Die Webseite kostet uns Resümee b) Fördererbeiträge
ca. EUR 1.600.-, dazu kommen Sonder- c) Erträge aus Veranstaltungen und Vorträgen
führungen und Diverses. In Summe Wenig Stornos, wenig telefonische An- d) Subventionen, Spenden usw.
kommen wir also auf einen Betrag von fragen. Manchmal kommt es vor, dass
EUR 20.000.- an Ausgaben. jemand die Anmeldezeit übersieht - aber Arten der Mitgliedschaft( § 4 der Statuten):
Mein Ziel war, 2.500 Betten zu aquirie- das ist heuer im Sommer vielleicht 10 mal a) ordentliche Mitglieder (aktive Mitarbeit)
ren - damit haben wir ein Budget von passiert. b) außerordentliche Mitglieder (keine aktive Mitarbeit: Mitgliedsbetriebe und Förderer)
EUR 20.000.- . Damit geht es sich ziemlich Heuer im Sommer haben wir über 100 c) Ehrenmitglieder
auf 0 aus. Und das ist auch Sinn des Ver- Veranstaltungen angeboten und zum
eins: wir sind nicht auf Gewinn aus. Großteil durchgeführt. Heuer im Winter Vereinsorgane (organschaftliche Vertreter):
65 mit einer Durchschnittsteilnehmerzahl Obmann: Sepp Kendler
von 5. Ich denke, wir können mit diesen Obmann-Stv.: Fritz Reisenauer
Die Besonderheit ersen Zahlen sehr zufrieden sein. Weitere Kassier: Thomas Andexer
Betriebe haben nun Interesse angemel- Schriftführer: Sepp Kendler
Die Besonderheit ist, dass die Touren bei det, als Mitgliedsbetrieb dabei zu sein, Rechnungsprüfer: Elisabeth Priglinger, Edi Huttegger
jeder Witterung und ab einer Anmeldung was unsere finanziellen Möglichkeiten
stattfinden. Für Gäste von Mitgliedsbe- stärkt und wir somit das Angebot weiter Mitgliedsbeiträge:
trieben ist die Teilnahme kostenlos! Gäste ausbauen können. a) Aktive Mitglieder: 10 % der Tagessätze (Bergführer: € 290,--, Wanderführer € 160,--)
von Nicht-Mitgliedsbetrieben können ge- b) Nichtaktive Mitglieder:
gen eine kleine Gebühr teilnehmen. Beherbergungsbetriebe: € 8,-- pro Bett/jährlich
Förderer (Privatpersonen und sonstige Betriebe): € 200,-- jährlich

Besonderheiten und Unkostenbeiträge:


Die Plattform 1.) Die Teilnahme an den bergsportlichen Aktivitäten für Gäste, Familien- und
Betriebsangehörige von Mitgliedsbetrieben und Förderer des Vereines ist kostenlos!
Die Webseite habe ich mit meinen Sohn 2.) Für Teilnehmer von Nichtmitgliedsbetrieben pro bergsportlicher Aktivität:
gemeinsam entwickelt. Eine Seite, die so- Wanderführer: € 30,-- pro Person
wohl auf Tablet als auch auf Smartphone Bergführer: € 50,-- pro Person
einwandfrei funktioniert. Die Anmeldun- Kinder bis 12 Jahre in Begleitung von Erziehungsberechtigten kostenlos!
gen laufen fast ausschließlich online, weil
26 27

Die Bedeutung des Themas „Bergsport


und Gesundheit“ für die Alpenkonvention
Simona Vrevc
Vize-Generalsekretärin der Alpenkonvention

Als völkerrechtlicher Vertrag befasst sich Bildung und Erhaltung gesunder Muskeln
die Alpenkonvention mit der nachhaltigen und Gelenke. In der so genannten „AMAS
Entwicklung des Alpenraums und dem 2000“-Studie (Austrian Moderate Altitude
Schutz der Interessen der ansässigen Be- Study) wurde zudem nachgewiesen, dass
völkerung. Dabei wird Wert darauf gelegt, Bewegung in mittleren Höhenlagen zu
die ökologische, soziale, wirtschaftliche zusätzlichen, höhenspezifischen Gesund-
und kulturelle Dimension einzubinden, heitsvorteilen führt. Im Rahmen dieser
und in diesem generellen Rahmen ist je- Studie wurden auch verschiedene neu-
denfalls auch der Bereich der Gesundheit ropsychologische Effekte des Bergsports
mit einbezogen. Wenn man sich aber die (Verbesserung der Schlafqualität oder der
Frage stellt, inwiefern sich die Alpenkon- Lebenseinstellung) festgestellt.
vention gezielt mit dem Thema Bergsport Simona Vrevc, Vize-Generalsekretärin
und Gesundheit auseinander setzt, ist es der Alpenkonvention
notwendig, die Frage aus verschiedenen
Blickwinkeln zu betrachten. Landschaft auf Rezept

Dass das Thema „Bergsport und Gesund- Bergregionen haben auch durchaus „Bergregionen haben durchaus
heit“ heutzutage relevanter ist denn je, Wettbewerbsvorteile im Bereich des Wettbewerbsvorteile im Bereich des
zeigen zahlreiche Beitrage und Artikel im Gesundheitstourismus, vor allem im Gesundheitstourismus, vor allem
Internet, aber auch die Tatsache, dass die- Zusammenhang mit Umweltbelastun-
im Zusammenhang mit Umweltbe-
ses Thema von den Alpenvereinen aufge- gen und Allergien oder dem Klima-
griffen worden ist. wandel. In Verbindung mit dem letzteren lastungen und Allergien oder dem
In vielen Studien werden die positiven könnte die wiederentdeckte „Sommerfri- Klimawandel.“
Auswirkungen von Bewegung auf die Ge- sche“ für mehr BesucherInnen in den Ber-
sundheit belegt. In der Studie des Instituts gen während der Sommermonate führen.
für Sportökonomie aus dem Jahr 20071, Aber auch die Wirkung alpiner Land-
die sich mit dem Bergsport in Österreich schaften als Ressource für die mensch-
befasst, werden die positiven gesund- liche Gesundheit wird erforscht. Da-
heitlichen Effekte einer regelmäßigen bei wird die Wirkung verschiedener
Ausübung von Bergsport auf den Men- Landschaften, wie etwa der durch die
schen beschrieben. Eine kontinuierliche Berglandwirtschaft geprägter Kultur-
Sport-ausübung kann dazu beitragen, landschaften, auf die Widerherstellung für die Entwicklung innovativer Angebo-
das Risiko von Herzerkrankungen, von mentaler Kräfte, das Wohlbefinden te (Gesundheit/Therapietäler, therapeu-
Bluthochdruck oder einer Diabeteser- und die Stressreduktion untersucht. tische Wälder), aber auch für Kooperatio-
krankung zu verringern. Sie reduziert Und obwohl es noch zu früh ist von den nen mit Sozialversicherungsträgern und
das Auftreten von Depressionen und heilenden Kräften der Berglandwirtschaft privaten Versicherungen für die Unter-
Angstzuständen, erleichtert die Gewichts- zu sprechen, zeigen sich hier durchaus stützung des Konzepts „Landschaft auf
Ein gesunder Bergsport setzt auch eine gesunde Bergnatur voraus.
reduktion und -kontrolle und fördert die Potentiale für die Bewusstseinsbildung, Rezept“.2

1 Christian Helmenstein, Anna Kleissner und Bernhard Moser, 2007, Der Bergsport in Österreich,Institut für Sportökonomie, Wien
2 Nach Assoz.Prof. Dr. Arne Arnberger, Alpine Landschaften als Ressourcen für menschliche Gesundheit und Wohlbefinden Erholungstheorien, empirische Ergebnisse und
Potenziale, Präsentation am Forum Alpinum, 2014
Die Bedeutung des Themas „Bergsport und Gesundheit“ 28 29 Die Bedeutung des Themas „Bergsport und Gesundheit“
für die Alpenkonvention für die Alpenkonvention

„Nach der Studie ‚Der Bergsport in Wirtschaftliche Wertschöpfung genaueren Analyse könnte man zum Natur und der Landschaft, auf der Schaf- Die Bedeutung für die „Neue innovative Ansätze, wie
Österreich‘ ist dies ein Markt der Zu- Schluss kommen, dass sich die Alpen- fung und der Bewahrung von Arbeitsplät- Bergsteigerdörfer jenes der Bergsteigerdörfer, werden
kunft, mit einem Anteil von fast 10% Längst hat die reale Wirtschaft die vielfäl- konvention nicht direkt mit dem Thema zen für die lokale Bevölkerung und einem deshalb schon heute im Rahmen
an der Wertschöpfung im Tourismus, tigen Potenziale des Bergsports erkannt. beschäftigt. Die wichtigsten Gremien der umsichtigen Umgang mit den natürli- All das sind Themen der Alpenkonvention der Förderung des nachhaltigen
Es besteht eine Vielzahl an Angeboten, Alpenkonvention, die Alpenkonferenz chen und den kulturellen Ressourcen und ihrer Protokolle und daher ist nicht
23,5 Millionen Übernachtungen im die sich auch auf die gesundheitlichen und der Ständige Ausschuss, haben in basiert. Für die Pflege der Landschaft ist auszuschließen, dass sich in Zukunft die
Tourismus von der Alpenkonvention
Jahr 2004 und 40.000 ganzjährigen Aspekte beziehen. Auch die entsprechen- den letzten Jahren nicht darüber disku- die Erhaltung der Berglandwirtschaft Alpenkonvention auch stärker mit dem unterstützt.“
Arbeitsplätzen. Beeindruckend.“ de Nachfrage ist da. Viele touristische tiert. Das Mehrjährige Arbeitsprogramm und eine Bewirtschaftung der hochalpi- Thema Gesundheit auseinander setzen
Destinationen bewerben Wandern und 2011-2016 beinhaltet nicht einmal „Ge- nen Weiden und Almen wichtig. Voraus- wird. Mit dem demographischen Wan-
Bergsteigen als naturnahes, gesund- sundheit“ generell als eine Priorität, ge- setzung für eine gesunde Bewegung del, der sich in den Alpen vollzieht, in Zukunft der Fall sein wird. In diesem
heitsförderndes Erlebnis und als einen schweige denn das Thema „Bergsport in den Bergen ist eine intakte Natur. wird im Rahmen der Erhaltung der öf- Sinne ist auch zu hoffen, dass die neue
Weg, wieder zu sich zu finden. Nach der und Gesundheit“. Auch eine Übersicht Daher stützt der Bergsport den Natur- fentlichen Leistungen in entlegenen Makroregionale Strategie für den Al-
schon oben erwähnten Studie „Der Berg- über die im Rahmen der transnatio- und Umweltschutz. Die Alpenvereine Gebieten das Gesundheitswesen eine penraum einen geeigneten Rahmen für
sport in Österreich“ ist dies ein Markt der nalen Zusammenarbeit in den letzten treten längst nicht nur für die Interessen wichtige Rolle spielen. Das gleiche gilt diese Überlegungen bieten wird, damit
Zukunft, mit einem Anteil von fast 10% Jahren durchgeführten Projekte zeigt, der BergsteigerInnen ein, sondern ha- für die Zukunft des Tourismussektors auch finanzielle Mittel für diesen Bereich
an der Wertschöpfung im Tourismus, 23,5 dass „Bergsport und Gesundheit“ ben sich zu wichtigen Partnern im Natur- in den Alpen, der auch durch den Kli- zur Verfügung stehen.
Millionen Übernachtungen im Jahr 2004 kaum Thema ist. Einzelne Projekte mit schutz entwickelt. In diesem Zusammen- mawandel eine neue Ausrichtung be-
und 40.000 ganzjährigen Arbeitsplätzen. Bezug zur Gesundheit befassten sich vor hang sind auch Themen, wie nachhaltige nötigt. Dabei könnte die Gesundheit im
Beeindruckend. allem mit den öffentlichen Leistungen im Mobilität und Verkehr relevant, sowohl breiteren Sinn, aber auch der gesund-
Gesundheitswesen, gesunder Ernährung aus gesundheitlichen Aspekten, wie auch heitsfördernde Bergsport große Bedeu-
und einer gesunden Umwelt. in Zusammenhang mit dem Umwelt- tung erlangen. Neue innovative Ansätze,
Die Bedeutung für die Eine weitere Betrachtung ergibt aller- schutz. Und nicht zuletzt hat das Thema wie jenes der Bergsteigerdörfer, werden
Alpenkonvention dings eine andere Antwort. Bergsport Auswirkungen auf die Bevölkerung, deshalb schon heute im Rahmen der För-
und Gesundheit sind wichtige Elemen- ihre Gesundheit aber auch auf die Ar- derung des nachhaltigen Tourismus von
Zurück zur Frage der Bedeutung des The- te des nachhaltigen Tourismus. Ein beitsplätze, die dadurch zur Verfügung der Alpenkonvention unterstützt. Und ich
mas für die Alpenkonvention. Nach einer Konzept, das auf der Wertschätzung der stehen. bin auch davon überzeugt, dass das auch

Umwelt- und
Landschaftsschutz
Naturschutz
Gesundheitspolitik Schutz und nachhaltige Beitrag zum
Nationalebene

Alpenkonvention

Relevanz des Bergsports

Bevölkerung
Entwicklung der Alpen Naturschutz
Bestehende
Initiativen Fokus auf die lokale Nachhaltiger
Bevölkerung Tourismus –
Ist ein Eingreifen innovative Produkte
auf transnationaler Themenübergreifend
Ebene notwendig? Makroregionale Arbeitsplätze für Verkehr
Strategie für den lokale Bevölkerung
Alpenraum
Bergland
wirtschaft

Nachhaltiger
Tourismus
Raumplanung
Bergsport und Gesundheit – indirekt ein Thema für die Alpenkonvention
Wandern und Bergsteigen sollen auch die loka- Natur- und Kulturlandschaft kann äußert positiv
len Kreisläufe fördern. auf unser Wohlbefinden wirken.
30 31

Gesundheit
in den Protokollen der Alpenkonvention
Ewald Galle
Focal Point Alpenkonvention,
Ministerium für ein lebenswertes Österreich

Allgemeines

Wenn man den Begriff „Gesundheit“ in der von allgemeinem Interesse und Grundver-
Alpenkonvention sucht, dann sucht man sorgung“ Aussagen zur Gesundheit; es
vergeblich, es gibt keine Stelle. Man fin- geht um eine bessere räumliche Vertei-
det lediglich die Adjektiv-Form „gesund“ lung der Dienstleistungen für den Grund-
an zwei Orten: In der Zielvorgabe für das bedarf, um ein verbessertes Angebot an
Raumplanungsprotokoll wird von einer multifunktionalen Einrichtungen und die
„gesunden, harmonischen Entwicklung des Stärkung des öffentlichen Verkehrsange-
Gesamtraumes unter besonderer Beach- bots. Eine Bestimmung widmet sich auch
tung der Naturgefahren, der Vermeidung der Freizeit, ohne aber gesundheitliche
von Über- und Unternutzungen“ gespro- Belange ins Spiel zu bringen. Ewald Galle, Focal Point Alpenkonvention, Mini-
chen und in jener zum Wasserhaushalt sterium für ein lebenswertes Österreich
steht etwas von „gesunden Wassersyste- Dieses Bild setzt sich in den Protokol-
men“. Beides nicht Aussagen, welche die len der Alpenkonvention fort, sodass im
Gesundheit der Menschen unmittelbar Grunde der Begriff „Gesundheit“ auch
erfassen, sondern den Begriff „gesund“ im hier nur als indirekte Folge oder als sehr
übertragenen Sinn verwenden. allgemeines Schutzgut vorkommt. Mögli-
cherweise hätte ein Vorstoß der Italiener
Auch ein Blick in Art. 2 Abs. 2 lit. a - Bevöl- in den 90er Jahren daran etwas geändert,
kerung und Kultur der Alpenkonvention, denn damals wurde von ihnen die Idee
von dem man sich am ehesten Aussagen lanciert, ein Sportprotokoll in Angriff zu
zur Gesundheit erwarten darf, enttäuscht. nehmen. In Wahrheit wäre es darin aber
Man findet lediglich die recht allgemeine nicht um die Gesundheit der Menschen
Umschreibung „Sicherstellung ihrer Le- gegangen, sondern eher um die Jahre
bensgrundlagen“, die letztlich aber auch später schlagend gewordene Kandidatur
Bergsteigerdörfer sind stolz, einen direkten Beitrag zur Alpenkonvention zu leisten. keinen richtigen Ansatz darstellt, denn Turins als Austragungsort einer Winter- „Wenn man den Begriff „Gesundheit“
darunter wird die „umweltverträgliche Be- olympiade. in der Alpenkonvention sucht, dann
siedlung und wirtschaftliche Entwicklung“ sucht man vergeblich, es gibt keine
verstanden und die Gesundheit der Men-
Stelle.“
schen ist, wenn überhaupt, letztlich nur
eine Konsequenz davon und nicht der
eigentliche Regelungstatbestand. Die aus
dieser Zielvorgabe entstandene Deklara-
tion „Bevölkerung und Kultur“ gibt auch
nicht viel mehr her, wenn es um die Ge-
sundheit der Menschen geht. Vergeblich
sucht man im Abschnitt „Dienstleistungen
Gesundheit in den Protokollen der Alpenkonvention 32 33 Gesundheit in den Protokollen der Alpenkonvention

„Die Forderung nach Ausweisung Protokollbestimmungen mit für Freizeitaktivitäten eingefordert. Eine standortgemäß, flächengebunden und Lebens- und Arbeitsbedingungen mit der „Alle drei Bestimmungen aus dem
von Schutzgebieten und Festlegung Gesundheitsbezug noch oft vorkommende Formulierung, ökologisch verträglich aufrechtzuerhalten. wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung Berglandwirtschaftsprotokoll
von Ruhezonen im Raumplanungs- bei der die Gesundheit nicht vordergrün- in den anderen Bereichen und Gebieten betreffen die Erzeugung gesunder
protokoll, womit im konkreten Fall dig erfasst, sondern eine Folge davon ist. Artikel 11- Vermarktung im Alpenraum zu verbinden. Dabei dürfen Produkte.“
Raumplanungsprotokoll Um den Schutz von Leib und Leben geht … (2) Die Förderung erfolgt unter an- nicht ausschließlich ökonomische Kriterien
eine Flächenfunktionskategorie es im Errichtungsausschluss in von Natur- derem durch Ursprungsmarken mit kon- entscheidend sein. Das gilt vor allem für
bezeichnet wird, die in dieser Form Artikel 9 - Inhalt der Pläne und/oder Pro- gefahren bedrohten Gebieten. Die For- trollierter Herkunftsbezeichnung und die Verkehrsverbindungen, für die Errich-
den meisten existierenden Raum- gramme für Raumplanung und nachhal- derung nach Erhaltung und Gestaltung Qualitätsgarantie, die dem Schutz von Pro- tung und Erneuerung von Wohn- und Wirt- bestimmte Tierarten zu fangen, in Besitz zu
ordnungsplänen unbekannt ist, hat tige Entwicklung von innerörtlichen Grünflächen und ent- duzenten und Konsumenten gleicherma- schaftsgebäuden sowie für die Beschaffung nehmen, zu verletzen, zu töten und insbe-
nicht vordergründig die Gesundheit Die Pläne und/oder Programme für die sprechenden Naherholungsräumen am ßen dienen. und Instandhaltung von technischen Anla- sondere während der Brut-, Aufzucht- und
des Menschen, aber das Wohlerge- Raumplanung und nachhaltige Entwick- Rand von Siedlungsgebieten ist wieder gen und Maschinen. Überwinterungszeiten zu stören, sowie jede
lung beinhalten auf der am besten geeigne- eine Bestimmung, die nicht zwangsläufig Alle drei Bestimmungen aus dem Berg- Zerstörung, Entnahme und Aufbewahrung
hen - und da gehört wohl die Ge- ten territorialen Ebene und nach Maßgabe die Gesundheit der Menschen, aber das landwirtschaftsprotokoll betreffen die Er- Dieser Artikel ist eine der ganz wenigen von Eiern aus der Natur und den Besitz, das
sundheit dazu - im Blick.“ der jeweiligen räumlichen Gegebenheiten Wohlergehen, und da gehört wohl die zeugung gesunder Produkte. Bauern und Bestimmungen, wahrscheinlich sogar die Anbieten, den Kauf und Verkauf von aus der
insbesondere Folgendes: Gesundheit dazu, im Blick hat. Bergbauern im Besonderen sehen sich einzige, die sich mit den Lebens- und Ar- Natur entnommenen Exemplaren derselben
Ganz ähnlich, vielleicht noch eine Spur immer noch als Produzenten von Lebens- beitsbedingungen befasst. Es bleibt letzt- Tierarten oder Teilen davon.
(3) Siedlungsraum stärker, die Forderung nach Ausweisung mitteln. Die in diesen Artikeln angeführte lich aber nur beim Ansatz, denn im Grun- (2) Für bestimmte Pflanzenarten ver-
b) Sicherung der erforderlichen Standorte von Schutzgebieten und Festlegung von Kette beginnt bei der standortgemäßen de stehen dabei Fragen des Wettbewerbs bieten die Vertragsparteien das Pflücken,
für wirtschaftliche und kulturelle Tätig- Ruhezonen, womit im konkreten Fall eine Viehhaltung und fordert, das seit Jahr- mit begünstigteren, urbanen Regionen Sammeln, Abschneiden, Ausgraben oder
keiten, für Versorgung sowie für Freizeit- Flächenfunktionskategorie bezeichnet hunderten funktionierende Gefüge von dazu noch aus der Sicht der Berglandwirt- Ausreißen solcher Pflanzen oder von Teilen
aktivitäten, wird, die in dieser Form den meisten exis- autochthonen Nutztierrassen, Ökosyste- schaft im Vordergrund und nicht etwa die davon am natürlichen Standort sowie den
c) Festlegung von Gebieten, in denen auf- tierenden Raumordnungsplänen unbe- men und der im Alpenraum vorhandenen Gesundheit. Besitz, das Anbieten, den Kauf und Verkauf
grund von Naturgefahren die Errichtung kannt ist. Tier- und Pflanzenwelt aufrechtzuerhal- von aus der Natur entnommenen Exem-
von Bauten und Anlagen soweit wie Ähnliches gilt für verkehrsplanerische ten bzw. wieder herzustellen. plaren solcher Arten. Ausgenommen von
möglich auszuschließen ist, Maßnahmen, wobei das Verkehrsproto- Zentral ist die Verpflichtung der Vertrags- Naturschutzprotokoll diesem Verbot ist die bestandserhaltende
d) Erhaltung und Gestaltung von innerört- koll aber weiter geht; dazu später mehr. parteien, extensive, naturgemäße und ge- Nutzung und Pflege der entsprechenden
lichen Grünflächen und von Naherho- bietscharakteristische Bewirtschaftungs- Artikel 15 - Entnahme- und Handels- Standorte.
lungsräumen am Rand der Siedlungsge- methoden zu begünstigen und typische verbote (3) …
biete, Berglandwirtschaftsprotokoll durch entsprechende Produktionsweisen (1) Die Vertragsparteien verbieten, (4) Die Vertragsparteien können zu den
herausragende Agrarprodukte auszu-
(4) Natur- und Landschaftsschutz Artikel 9 - Naturgemäße Bewirtschaf- zeichnen, zu schützen und aufzuwerten.
b) Ausweisung von Ruhezonen und sonsti- tungsmethoden und typische Produk- Bezüglich der notwendigen Vermarktung
gen Gebieten, in denen Bauten und An- te ist vorgesehen, dass für Bergbauernbe-
lagen sowie andere störende Tätigkeiten Die Vertragsparteien verpflichten sich, alle triebe, die in der Regel fernab von gro-
eingeschränkt oder untersagt sind, erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen ßen Märkten liegen, einerseits günstige
und dabei gemeinsame Kriterien anzustre- Vermarktungsbedingungen geschaffen
(5) Verkehr ben, um die Anwendung und Verbreitung werden und andererseits eine Absatz-
b) Maßnahmen zur Förderung der Benut- von extensiven naturgemäßen und gebiet- sicherung durch Ursprungsmarken mit
zung umweltverträglicher Verkehrsmit- scharakteristischen Bewirtschaftungsme- kontrollierter Herkunftsbezeichnung und
tel, thoden in den Berggebieten zu begünstigen Qualitätsgarantien, die dem Schutz von
d) Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung sowie die typischen Agrarprodukte, die sich Produzenten und Konsumenten gleicher
und gegebenenfalls zur Einschränkung durch ihre örtlich begrenzten, einzigartigen Maßen dienen, gewährleistet wird.
des motorisierten Verkehrs. und naturgemäßen Produktionsweisen
auszeichnen, zu schützen und aufzuwerten. Artikel 15 - Verbesserung der Lebens-
Dieser zentrale Artikel hat als inhaltliche und Arbeitsbedingungen
Vorgabe für planerische Instrumente eine Artikel 10 - Standortgemäße Viehhal- Die Vertragsparteien setzen sich dafür ein,
über das Protokoll hinausgehende Be- tung und genetische Vielfalt dass die erforderlichen Dienstleistungen zur
deutung. Für den Bereich Siedlungsraum (1) …. Deshalb ist die Viehhaltung, Überwindung der nachteiligen Ver-hältnis-
wird die Sicherung der erforderlichen unter Einschluss der traditionellen Haus- se der in den Bergebieten in der Land- und
Standorte für wirtschaftliche und kultu- tiere, mit ihrer charakteristischen Rassen- Forstwirtschaft Tätigen ausgebaut und ver-
relle Tätigkeiten, für Versorgung sowie vielfalt und ihren typischen Erzeugnissen bessert werden, um die Entwicklung ihrer
Gesundheit in den Protokollen der Alpenkonvention 34 35 Gesundheit in den Protokollen der Alpenkonvention

„Bei strenger Auslegung des Artikel wenn auf der Grundlage einer förmlichen Luft und den Lärm sowie als Naturerlebnis Artikel 14 - Auswirkungen touristischer ersetzen; Adressat sind in diesem Zusam- „Das Energieprotokoll ist das zweite
8 des Bergwaldprojektes geht es Prüfung feststeht, dass die Freisetzung ohne und Erholungsraum sichergestellt wer- Infrastrukturen menhang die Gemeinden. im Protokollreigen, in dem nament-
um die Zurverfügungstellung einer Risiken für Mensch und Umwelt erfolgt. den. Bei strenger Auslegung geht es hier (2) Chemische und biologische Zusät- lich von Gesundheit der Menschen
intakten Umwelt, mag es bloß aus um die Zurverfügungstellung einer intak- ze für die Pistenpräparierung werden nur gesprochen wird.“
Zu dieser seit der Entstehung des Natur- ten Umwelt, mag es bloß aus Sicht des dann zugelassen, wenn sie nachgewiese- Energieprotokoll
Sicht des Bergwaldes sein. (...) bei schutzprotokolls noch mehr an Brisanz Bergwaldes sein. Generell ist die Formu- nermaßen umweltverträglich sind.
Interessenabwägungen kann dieser gewonnenen Frage haben die Vertrags- lierung aber zu unbestimmt und zu weit Artikel 9 - Kernkraft
Artikel durchaus eine Rolle spielen.“ parteien sicher zu stellen, dass solcherma- gefasst, als dass unmittelbare Ansprüche Wenn umweltverträglich auch nicht die (1) Die Vertragsparteien verpflichten
ßen veränderte Organismen nur dann in ableitbar sind, aber bei Interessenabwä- Gesundheit schädigend bedeutet, dann sich zu einem umfassenden Informations-
die Umwelt freigesetzt werden, wenn auf gungen kann dieser Artikel durchaus eine hat auch diese Bestimmung Relevanz. austausch im Rahmen der internationalen
Grundlage einer förmlichen Prüfung fest- Rolle spielen. Übereinkünfte über Kernkraftwerke und
steht, dass die Freisetzung ohne Risiken Artikel 15 - Begrenzung von Schadstof- andere kerntechnische Anlagen, die Aus-
für Mensch und Umwelt erfolgt, womit feinträgen wirkungen auf den Alpenraum haben oder
eine flexible Regelung gefunden wurde. Tourismusprotokoll (1) Die Vertragsparteien unterneh- haben könnten, mit dem Ziel eines dauer-
Dieser Artikel entspricht den Bestimmun- men alle Anstrengungen, um den Schad- haften Schutzes der Gesundheit der Men-
gen des österreichischen Gentechnik-Ge- Artikel 10 - Ruhezonen stoffeintrag in die Böden über Luft, Wasser, schen, des Tier- und Pflanzenbestandes,
setzes1, wo zur Frage der Freisetzung von Die Vertragsparteien verpflichten sich, Abfälle und umweltbelastende Stoffe soweit ihrer Lebensgemeinschaften, Lebensräume
gentechnisch veränderten Organismen gemäß ihren Vorschriften und nach öko- wie möglich und vor-sorglich zu verringern. und deren Wechselbeziehungen.
aber auch zur Problematik des Inverkehr- logischen Gesichtspunkten Ruhezonen Bevorzugt werden Maßnahmen, die Emissi-
bringens von derartigen Erzeugnissen auszuweisen, in denen auf touristische Er- onen an ihrer Quelle begrenzen. Dies ist die zweite Stelle im Protokollrei-
obengenannten Vorschriften Ausnahmen ein sehr detailliertes und ausführliches schließungen verzichtet wird. gen, wo namentlich von Gesundheit der tionen stolpert man darüber. Aber es ist
vorsehen, falls Verfahren festgeschrieben wird und wo- Artikel 16 - Umweltverträglicher Ein- Menschen gesprochen wird. Die öster- im Grunde nichts Neues, wenn im Vorsor-
a) wissenschaftliche Zwecke, mit dem Protokollerfordernis nach einer Es gilt auch hier das bereits zum Raumpla- satz von Streumitteln reichische Verhandlungsposition – die ge- und Verursacherprinzip „Gesundheit
b) der Schutz der wildlebenden Fauna und förmlichen Prüfung jedenfalls Genüge nungsprotokoll gesagte, wo die Auswei- Die Vertragsparteien verpflichten sich, den Kernkraftnutzung ist in Österreich ver- und Umwelt“ als besonders schützenwer-
der wildwachsenden Flora oder der na- getan wird. sung von Schutzgebieten sowie die Fest- Einsatz von Streusalz zu minimieren und fassungsgesetzlich grundsätzlich ausge- tes Begriffspaar auftauchen. Echte inhalt-
türlichen Umwelt, legung von Ruhezonen gefordert wird, soweit möglich abstumpfende und weniger schlossen2 – bestand ursprünglich in der liche Aussagekraft hat der Begriff Gesund-
c) Gesundheit und öffentliche Sicherheit, hier lediglich verstärkt, als hier explizit auf kontaminierende Mittel wie Kies und Sand Forderung, dass die Vertragsparteien im heit erst in Artikel 3.
d) die Verhütung bedeutender wirtschaftli- Bergwaldprotokoll touristische Erschließungen zu verzichten einzusetzen. Konventionsgebiet der Alpen auf die Pla-
cher Schäden, insbesondere für Anbau, ist. nung und Errichtung von Kernkraftwer-
Viehhaltung, Forst, Fischerei und Gewäs- Artikel 8 - Soziale und Ökologische Es ist darauf hin zu wirken, dass Schad- ken und anderen Anlagen des Kernbrenn- Artikel 3 - Nachhaltiger Verkehr und
ser, es gebieten. Funktionen des Bergwalds stoffeinträge in Böden über Luft, Wasser, stoff-Kreislaufes (z.B. Atommülllager) Mobilität
Da der Bergwald wichtige soziale und öko- Bodenschutzprotokoll Abfälle und umweltbelastende Stoffe verzichten. Dieser Anspruch war jedoch in (1) Um den Verkehr unter den Rah-
Artikel 15 ist die erste Fundstelle für die logische Funktionen zu erfüllen hat, ver- soweit wie möglich und vorsorglich zu den Verhandlungen mit den Vertragspart- menbedingungen der Nachhaltigkeit zu
Formulierung „gesund“. Konkret geht es pflichten sich die Vertragsparteien zu Maß- Artikel 9 - Erhaltung der Böden in verringern sind und damit die Gesund- nern der Alpenkonvention nicht durch- entwickeln, verpflichten sich die Vertrags-
aber nur darum, Ausnahmen von Ver- nahmen, welche Feuchtgebieten und Mooren heit der Menschen auch nicht gefährdet setzbar. parteien, mit einer aufeinander abge-
pflichtungen vorzusehen, falls es Gesund- - seine Wirkungen auf Wasserressourcen, (1) Die Vertragsparteien verpflichten wird. Zur Vermeidung der Kontamination Verblieben ist die Verpflichtung der Ver- stimmten Umwelt- und Verkehrspolitik zur
heit und öffentliche Sicherheit gebieten. Klimaausgleich, Reinigung der Luft und sich, Hoch- und Flachmoore zu erhalten. von Böden beim Umgang mit gefährli- tragsparteien zu einem umfassenden In- Begrenzung verkehrsbedingter Belastungen
Im Grunde wieder nur eine Bestimmung, Lärmschutz, Dazu ist mittelfristig anzustreben, die Ver- chen Stoffen sind technische Regelungen formationsaustausch, wobei die Gesund- und Risiken
bei der die Gesundheit nicht eigentlicher - seine biologische Vielfalt sowie wendung von Torf vollständig zu ersetzen. zu treffen, Kontrollen vorzusehen sowie heit eines von mehreren Schutzgütern ist; a) den Belangen der Umwelt derart Rech-
Regelungstatbestand ist. - Naturerlebnis und Erholung sicherstel- Forschungsprogramme und Aufklärungs- eine Zielvorgabe ohne Inhalte. nung zu tragen, dass
len. Vielleicht etwas weit hergeholt, aber Kur- maßnahmen durchzuführen. aa) der Verbrauch von Ressourcen auf ein
anstalten, Rehabilitationszentren oder Dabei sind der Einsatz von Streusalz zu mi- Verkehrsprotokoll Maß gesenkt wird, welches sich soweit
Artikel 18 - Freisetzung gentechnisch Ausgehend von der Erholungsfunktion Bäder, in den entsprechende Gesund- nimieren und soweit möglich, abstump- möglich innerhalb der natürlichen Re-
veränderter Organismen des Waldes wird in diesem Artikel die Ver- heitspakete angeboten werden, könnten fende und weniger kontaminierende Mit- Das Verkehrsprotokoll ist jenes mit den produktionsfähigkeit bewegt;
Die Vertragsparteien stellen sicher, dass pflichtung für die Vertragsparteien festge- davon betroffen sein. tel, wie Kies und Sand, einzusetzen, was u. meisten Fundstellen zur „Gesundheit“, bb) die Freisetzung von Stoffen auf ein
gentechnisch veränderte Organismen nur schrieben, dass die Waldwirkungen auf U. dazu führen kann, bislang in Gebrauch was vielleicht auch daran liegt, dass es das Maß reduziert wird, welches die Tragfä-
dann in die Umwelt freigesetzt werden, das Wasser, das Klima, die Reinigung der befindliche, kontaminierte Streumittel zu jüngste Protokoll ist. Schon in den Defini- higkeit der betroffenen Umweltmedien

1 Bundesgesetz, mit dem Arbeiten mit gentechnisch veränderten Organismen, das Freisetzen und Inverkehrbringen von gentechnisch veränderten Organismen und die An- 2 BGBl I 149/1999.
wendung von Genanalyse und Gentherapie am Menschen geregelt werden (Gentechnik-Gesetz - GTG), BGBl 510/1994 idF BGBl I 73/1998.
Gesundheit in den Protokollen der Alpenkonvention 36 37 Gesundheit in den Protokollen der Alpenkonvention

„Das Verkehrsprotokoll ist jenes mit nicht überfordert; und das Risiko von Umweltkatastrophen Artikel 16 - Umweltqualitätsziele, Stan- Resümee „Gesundheit und Alpenkonvention
den meisten Fundstellen zur „Ge- cc) die Stoffeinträge in die Umwelt auf ein sowie Zahl und Schwere von Unfällen re- dards und Indikatoren passen ausgezeichnet zusammen,
sundheit“, was vielleicht auch daran Maß begrenzt werden, das Beeinträch- duziert werden. Und auch bezüglich des (2) Sie stimmen darin überein, dass es Gesundheit und Alpenkonvention pas- sind aber nur selten gemeinsam
liegt, dass es das jüngste Protokoll tigungen ökologischer Strukturen und Lärms wird eine klare Aussage getroffen: notwendig ist, über Standards und Indika- sen ausgezeichnet zusammen, sind aufzufinden.“
natürlicher Stoffkreisläufe vermeidet; Aufgrund der besonderen Topographie toren zu verfügen, welche den spezifischen aber nur selten gemeinsam aufzufin-
ist.“ b) den Belangen der Gesellschaft derart der Alpen sind verstärkte Maßnahmen zur Verhältnissen des Alpenraumes angepasst den. Mögen es auch nur wenige Stellen
Rechnung zu tragen, dass Lärmbekämpfung zu ergreifen. sind. sein, wo die Gesundheit auftaucht, so
ba) die Erreichbarkeit von Menschen, (3) Die Anwendung dieser Standards wäre es aber durchaus von Interesse, all
„Und auch bezüglich des Lärms Arbeitsplätzen, Gütern und Dienstleis- und dieser Indikatoren zielt darauf ab, die die Bestimmungen in den Protokollen
wird eine klare Aussage getroffen: tungen auf umweltschonende, ener- Artikel 7- Allgemeine verkehrspoliti- Entwicklung der Belastungen der Umwelt einer intensiven und vertieften Suche un-
Aufgrund der besonderen Topo- gie- und raumsparende sowie effiziente sche Strategie und der Gesundheit durch den Verkehr zu ter der Vorgabe zu unterziehen: Was be-
Weise ermöglicht und eine ausreichen- (2) Die Vertragsparteien verpflichten sich, bemessen. deutet die jeweilige Bestimmung für die
graphie der Alpen sind verstärkte de Grundversorgung garantiert wird; die erforderlichen Maßnahmen bestmög- Gesundheit der Menschen? Dass Alpen-
Maßnahmen zur Lärmbekämpfung bb) die Gesundheit der Menschen nicht lich vorzunehmen Wieder eine der raren Textstellen zur Ge- spezifika, wie etwa die Auswirkungen an-
zu ergreifen.“ gefährdet und das Risiko von Umwelt- a) zur Sicherung der Verkehrswege vor Na- sundheit. Zur Erreichung eines nachhal- dauernder Emissions- und Lärmbelastung
katastrophen sowie Zahl und Schwere turgefahren sowie tigen Verkehrs sind Umweltqualitätsziele in alpinen Tälern, dabei eher einer ver-
von Unfällen reduziert werden; b) in Gebieten mit besonderen Belastungen festzulegen und umzusetzen, wobei die schärfende Rolle spielen, steht wohl au-
c) …. aus dem Verkehr zum Schutze der Men- Festlegung von Umweltqualitätszielen ßer Streit, hat sich aber noch nicht überall
d) aufgrund der besonderen Topographie schen und der Umwelt; zur Erreichung eines nachhaltigen Ver- herumgesprochen.
der Alpen verstärkte Maßnahmen zur c) zur schrittweisen Reduktion der Schad- kehrssystems sowie die Schaffung von
Lärmbekämpfung zu ergreifen. stoff- und Lärmemission aller Verkehrs- Standards und Indikatoren, welche den Vielleicht können die Bergsteigerdör-
träger auch auf der Grundlage der best- spezifischen Verhältnissen des Alpen- fer dazu beitragen, dieses Begriffspaar
Im ersten Teil wird die Verpflichtung der verfügbaren Technologie; raums angepasst sind, gefordert ist. Die „Umwelt und Gesundheit“ stärker ins
Vertragsparteien festgeschrieben, mit d) die Verkehrssicherheit zu erhöhen. Anwendung zielt dann darauf ab, die Rampenlicht zu rücken. Die Gesundheit
einer aufeinander abgestimmten Um- Entwicklung der Belastungen durch den der Menschen wird ein, wenn nicht so-
welt- und Verkehrspolitik zur Begrenzung Ausgehend vom elementaren Gedanken Verkehr auf die Umwelt und die Gesund- gar die, zentrale Herausforderung für die
verkehrsbedingter Belastungen und Risi- der Verkehrssicherheit sind die Verkehrs- heit zu bemessen. Letztlich wäre sogar Zukunft werden, und die Bergsteigerdör-
ken sowohl den Belangen der Umwelt, als wege vor Naturgefahren zu sichern, sowie die Ergänzung der österreichischen Stra- fer, die in vielen Bereichen ja schon eine
auch der Gesellschaft und der Wirtschaft die Schadstoff- und Lärmemissionen be- ßenverkehrsordnung denkbar, um Ver- Vorreiterrolle einnehmen, könnten einen
durch Maßnahmenbündel Rechnung zu sonders belasteter Gebiete auf Grundlage kehrsbeschränkungen und -verbote zur Beitrag dazu leisten, wie es da und dort
tragen und auf Grund der besonderen To- der bestverfügbaren Technologie schritt- Erreichung von Umweltqualitätszielen zu gelingen könnte, beide für das Leben der
pographie der Alpen verstärkte Maßnah- weise zu reduzieren. Keine Wiederholung ermöglichen. Menschen essenziellen Elemente symbio-
men zur Lärmbekämpfung zu ergreifen. schon zuvor in Artikel 3 angeführter Ver- tisch umzusetzen.
Diese Verpflichtung stellt auf die Entwick- pflichtungen, denn in dieser Bestimmung
lung eines unter den Vertragspartnern geht es um planerische Maßnahmen.
abgestimmten nachhaltigen Verkehrssys- Ausgehend vom mancherorts gegebenen
tems ab, das unter anderem die Freiset- Defizit der überörtlichen Raumplanung,
zung von Stoffen auf ein Maß reduziert kann aus der Forderung nach raumord-
wird, welches die Tragfähigkeit der be- nerischen und strukturellen Maßnahmen
troffenen Umweltmedien nicht überfor- zur Verkehrsbeeinflussung zu Gunsten
dert. Ebenso sollen die Stoffeinträge in der Verlagerung der Transportleistungen
die Umwelt auf ein Maß begrenzt werden, im Personen- und Güterverkehr auf das
das Beeinträchtigungen ökologischer jeweils umweltverträglichere Verkehrs-
Strukturen und natürlicher Stoffkreisläu- mittel ein Anpassungsbedarf bzw. das
fe vermeidet werden. Damit werden ge- Erfordernis einer stärkeren gesetzlichen
sundheitsrelevante Tatbestände verbind- Verankerung abgeleitet werden. Eine ver-
lich festgeschrieben. bindliche Planung im Sinne von Artikel 7
Als gesellschaftliche Obliegenheit wird besteht in Österreich jedenfalls nicht.
dann auch klar bestimmt, dass die Ge-
sundheit der Menschen nicht gefährdet
Diskussion 38 39 Diskussion

Disskussion zu den Vorträgen von glaube, man braucht das Selbstbewusst- wichtig sein sollte: Wir müssen beson-
sein, das durch zu tragen und sicher zu ders für unsere eigenen Leute da sein.
Ewald Galle und Simona Vrevc sein, dass das das Richtige ist. Ich bin fest Wir bauen zum Beispiel einen neuen Rad-
davon überzeugt, das Thema wird in den weg von Lunz nach Weidhofen, 54 km,
nächsten Jahren noch gewaltig an Fahrt genau unter diesem Aspekt - für unsere
Roland Kals: Nachdem jetzt tatsächlich mer eine Diskussion, die sich „Gover- gewinnen. Leute, damit sie von einer Gemeinde in
damit begonnen wird, die Wirkung von nence“ nennt, in der es um neue Arten der die nächste Fahren können. Und wenn
Landschaft auf den Menschen experi- Zusammenarbeit geht. Ich fordere alle Alois Weidinger, Bgm. Grünau im Alm- unsere Leute fahren, dann kommen ohne-
mentell zu messen, tut sich jetzt offenbar auf - unser Haus, die Verbände - diese tal: Wir haben das Projekt „Genuss am hin die anderen von selber. Dabei haben
ein enormes Feld auf. Ich denke vor allem Chance zu nutzen und jetzt neue Dis- Almfluss“, 24 km, 6 Orte, die sich zu einem wir auch diese angesprochenen Ruhezo-
Roland Kals, Moderator und an die aktuellen Diskussion in Tirol, wo es kussionsvorschläge einzubringen. Z.B. gemeinsamen Tourismusverband zusam- nen eingebaut: der Radweg führt entlang
Projektteam Bergsteigerdörfer Martin Ploderer, Bürgermeister Lunz am See
auf der einen Seite um Kraftwerkserschlie- „Lebenswerter Alpenraum“ und darunter men geschlossen haben. Wenn man sich der Ybbs. Hier wurden kleine Badeplätze
ßungen und auf der anderen Seite um verstehe ich Gesundheit, Tourismus, Ver- die Personenzahlen ansieht, die jetzt den mit ganz wenig Aufwand angelegt - im
Naturschutzanliegen geht. In den letzten kehr, Naturschutz, Raumplanung, Boden, Weg erwandern, dann stimmt das sehr Prinzip gibt es diese ohnehin schon - nur
Jahren scheint sich wieder ein gewisser die ganze integrative Sicht - damit erhält optimistisch. Die Menschen haben einen vernetzten wir sie ein wenig, fädeln sie
Unterton in Richtung „Naturfanatiker“ man automatisch eine Verbindung von dreifachen Genuss: die Natur, die Kulina- auf einem Radweg auf. Das Besondere
eingeschlichen zu haben und dabei wird Menschen, die zuvor gar nichts von ein- rik und das Kennenlernen, sich begegnen. und der Bezug zu den Bergsteigerdörfern:
offenbar ganz vergessen, dass heile ander gewusst haben. Ich gehöre zu denjenigen Personen, die Wir kommen von Weidhofen entlang der
Natur und Landschaft natürlich eine Das Thema kann man auch der EU ver- der Meinung sind, der Gast kann sich nur ehemaligen Bahntrasse mit ganz gerin-
unmittelbare Wirkung auf uns selbst kaufen, denn mit der Gesundheit kommt dort wohlfühlen, wo sich der Einheimi- gen Steigungen in ein Bergsteigerdorf.
hat. man endlich auch zu den Menschen hin. sche wohl fühlt. Also ja nicht den Fehler Gegenüber der Fördergeber war die Phi-
Deswegen: Nutzen wir die Diskussion auf machen, die Dinge, die man umsetzt nur losophie der Bergsteigerdörfer enorm
Liliana Dagostin, ÖAV-Abteilungsleiterin Raum- Wenn es tatsächlich gelingen sollte, auf europäischer Ebene aus - seien wir lästig. für den Tourismus zu machen, sondern in hilfreich für uns. Weil es für uns passt,
planung u. Naturschutz und wissenschaftlicher Basis, mehr oder we- Wir versuchen alles, was möglich ist - z.B. erster Linie immer für die eigenen Leute. dann passt es den anderen auch. Auf Uwe Penker, ÖAV-Sektion Mallnitz
Projektteam Bergsteigerdörfer niger unangreifbare Argument zu haben, mit dem Projekt „AlpenLeben“ von CIPRA- das muss man achten, dann macht man
dann würde das auch die Naturschutzar- Österreich. Liliana Dagostin: Wir sind tatsächlich ak- ganz wenig Fehler.
gumentation durchaus stärken. tuell in der glücklichen Lage, Bergsteiger-
Liliana Dagostin: Ich danke der Referen- dörfer-Kandidaten zu haben. D.h. es gibt Uwe Penker, ÖAV-Sekt. Mallnitz: Bis vor
Es wäre eine tolle Geschichte, wenn es tin und dem Referent für die beiden sehr mittlerweile eine Reihe von Gemeinden, wenigen Jahren hat Mallnitz damit ge-
über die Alpenkonvention gelingen könn- spannenden Vorträge und vor allem für die bei uns anfragen und um eine Auf- worben, ein Heilklimatischer Höhenluft-
te, diese offenbar noch sehr verstreuten die Ausblicke. nahme in den Kreis der Bergsteigerdörfer kurort zu sein, was gut für die Gesundheit
Initiativen und ihre Ergebnisse systema- Ewald, du hast z.B. den Artikel angeführt, bitten. Wir waren jetzt tatsächlich in der ist. Ich frage mich gerade, warum hat man
tisch aufzugreifen und zu sammeln und der sich mit Ruhezonen beschäftigt und Situation, dass wir zwei Kandidaten, die diese Marke fallen gelassen und möchte
vielleicht auch einmal das eine oder an- ich danke dir für deinen Zugang zur Aus- davon ausgingen, dass sie bestens zu den mich ganz herzlich für den Denkanstoß
dere in diese Richtung anzustoßen. legung, was Ruhezonen sein können. Bergsteigerdörfern passen würden, sagen bedanken.
Ewald Galle, Focal Point Alpenkonvention, In diesen ganzen Situationen vergisst Denn meist wird der Begriff von der Jä- haben müssen, dass sie aufgrund der - vor
Ministerium f. ein lebenswertes Österreich man oft auf den Menschen selbst, auf das gerschaft verwendet und meint eher, der allem auch neuen Kriterien - doch nicht so Helmut Schwann, Internist und Gast- Helmut Schwann, Internist und Gastreferent
Wohlbefinden. Es geht ja nicht nur um Mensch solle draußen bleiben, damit Wild gut geeignet sind. Zum Beispiel war die referent: Ich möchte eine etwas provo-
Gäste, es geht vor allem um die Einheimi- und Wald sich entfalten können und der Lärmbelästigung mit ein Grund, warum kative Frage stellen: Was kann die Alpen-
schen. Auf der einen Seite geht es darum, Störfaktor Mensch nicht dabei ist. wir zu dem Schluss gekommen sind, dass konvention letztendlich erreichen, um die
in diesem Tal ordentlich zu leben und aus- Du meinst die „Ruhezone“ ganz selbst- sie nicht so gut passen. Wir sind davon aggressive Begehrlichkeit der Tourismus-
zukommen und andererseits geht es dar- verständlich als einen Raum für Men- überzeugt, dass gerade die Ruhe eine industrie einzuschränken? Wir wissen alle,
um, wie geht es mir insgesamt in diesem schen - vor allem für Einheimische. Das wesentliche Rolle in der Zukunft spie- sie wollen alles vermarkten, jeden Gipfel,
Tal. werden wir jedenfalls aufgreifen. len wird. jeden Hügel mit Down-Hill-Racing-Stre-
Die Alpenkonvention auf dieses weite cken oder im Winter mit neuen Aufstiegs-
Feld hin zu untersuchen, empfinde ich als Roland Kals: Für mich ist der Bergstei- Martin Ploderer, Bgm. Lunz am See: hilfen zerschneiden. Es wird versucht,
sehr spannend. gerdörfer-Ansatz angewandte Ruhe- Nachdem die Bergsteigerdörfer über Schnee zu produzieren auf Teufel komm
zone - aber bitte nicht mit Friedhofsruhe ganz Österreich verteilt sind und naturge- raus. Die Ressource Wasser spielt keine
Alois Weidinger, Bürgermeister Grünau im Ewald Galle: In der makrogegionalen verwechseln. Aber es geht sicherlich um mäß ganz verschiedene Voraussetzungen Rolle, genauso wenig wie Energie.
Almtal Engelbert Wassner, Bürgermeister Zell-Sele
Strategie für den Alpenraum gibt es im- diesen Entschleunigungsaspekt. Ich haben, gibt es eines, was für alle gleich
Diskussion 40 41 Diskussion

Ewald Galle: Es ist wahnsinnig unpopu- Ingo Ortner, ÖAV-Sektion Obergailtal- Finger auch nur in die Nähe dieser Sache Füßen wegschmilzt. Und was die Arbeits- ter Haßlacher ist und wir hoffen, dass er
läre geworden, aber „Schutz“ ist auch Lesachtal: Wir haben kürzlich über die zu bringen. Das wird reflexartig - so wie es plätze betrifft: wir wissen, wie es in der nächstes Jahr wieder dabei sein kann.
was Nettes. Gerade in Zeiten, in denen Potenziale von Mauthen diskutiert. Mir auch bei den Kalkkögel in Tirol sein wird Gastronomie läuft. Wen man ehrlich ist, Ich beschäftige mich ja sehr intensiv mit
der Druck, die Begehrlichkeiten, immer hat heute besonders gut gefallen: ein - an die Landesstellen zurück verwiesen. dann werden vielleicht 20 von Oberkärn- UVP-Verfahren. Immer, wenn wir die Er-
größer werden, wenn wieder über Sachen gesundes Angebot in einem gesun- Für mich ist es aber ein kleiner Lackmus- ten den Arbeitsplatz bekommen und 80 schließungswut unterbrechen wollen,
diskutiert wird, wo man schon geglaubt den, natürlich Raum. Für den Touristiker test: Wie tauglich ist die Alpenkonvention, kommen von ganz wo anders her. kommt das Argument: Wir sind ein Schlaf-
hat, die längst in trockenen Tüchern ge- müssen es immer „Erlebnisräume“ sein. wie tauglich ist die Naturschutzpolitik in dorf. Ich drehe es um, bzw. möchte es neu
habt zu haben, dann ist es vielleicht wie- Wir haben in der Diskussion festgestellt, Österreich, wie glaubhaft sind die Akteu- Simona Vrevc: Ich möchte zu der Stu- definieren: Wie viele Menschen gibt es, die
der modern, das Wort „Schutz“ in den wir brauchen keinen „Erlebnisraum“, re? Für mich hat es Präzedenzwirkung, die, die Sie, Herr Dr. Galle erwähnt haben, flüchten, weil sie aufgrund der Lärmbelas-
Mund zu nehmen. wir brauchen einen „Lebensraum“. Wir denn wenn die Kleinfragant kippt, dass man die Landschaft als Ressource tung nicht mit offenem Fenster schlafen
Ich finde es nichts Unanständiges, wenn haben kein „Sperrspitzenangebot“. Wir kippt vieles andere auch. sieht, und für die lokale Bevölkerung in können? Es müsste uns gelingen, den
Hans Toferer, Bürgermeister Hüttschlag im die Alpenkonvention eine Entwicklungs- haben dafür ein flaches, breites, aber Wert setzt Folgendes anmerken: Der Au- Begriff des „Schlafdorfes“ positiv zu
Großarltal
schine bietet. Dass es eine Balance geben dafür qualitativ hochwertiges, ehrliches Klaus Rüscher, Bgm. Malta: Im Bezirk tor sieht zwei Wege vor, wo man ansetz- besetzen.
kann, zeigen die Bergsteigerdörfer. Auf Angebot und kommunizieren das auch. Spittal wird das Thema „Kleinfragant“ von ten muss: Auf der einen Seite, dass noch
der anderen Seit ist aber auch der Schutz Vergleich Kampf David gegen Goliath, wir der Wirtschaftskammer und leider auch weitere empirische Studien durchgeführt
ein wesentliches Element. müssen in Wirklichkeit beweisen, dass von vielen Bürgermeisterkollegen als die werden müssen, um genauere Resultate
85% der behördlichen Entscheidungen wir auch ohne Sperrspitzenangebot wirtschaftliche Rettung des Bezirks Spit- zu bekommen, und auf der anderen Sei- Zusammenfassung:
mit Alpenkonventionsbezug, sprechen durch kommen. tal verkauft. Bis auf einen weiteren Kolle- te, dass auch Produkte entwickelt werden
von einer Genehmigung. Nur sagt die gen haben alle Bürgermeister die Petiti- können, die zertifiziert sind. Der Gast soll Die Landschaft ist die wichtigste
Alpenkonvention: „Ja, aber.“ Vielleicht da Engelbert Wassner, Bgm. Zell-Sele: Ein on für die Erschließung unterschrieben. sehen, dass es nicht nur eine Floskel ist, Ressource der Bergsteigerdörfer.
und dort noch eine Auflage dazu. Nur in großes Thema in Kärnten ist zur Zeit der Ich habe gesagt, ich unterschreibe das in die und die Landschaft zu gehen, son- „Ruhezonen“ sollten nicht mit
15% der Fälle hat die Alpenkonvention Ausbau des Mölltaler Gletschers mit der nicht, weil ich aus zig Gründen dage- dern, dass es tatsächlich einen bestätig-
Sperrzonen verwechselt werden,
gemeinsam mit anderen Dingen gesagt: Kleinfragant. Ich verfolge in der Tages- gen bin. Es gibt zwei Internetplattformen, ten Gesundheitseffekt gibt. Dadurch
„Das geht nicht.“ Diese werden medial presse, dass es vor allem die Alpinvereine auf denen man dafür und dagegen unter- kann man diese Landschaft dann auch in sondern stellen besonders hoch-
Ingo Ortner, ÖAV-Sektion Obergailtal-Lesachtal
(Mauthen) hochgespielt. sind, die sich wehement dafür einsetzen, schreiben kann. Die Wirtschaftskammer Wert setzten, weil die Gäste solche Leis- wertigen Lebensraum für den
Aber ich sage es noch einmal: Schutz dass es zu keinem Ausbau kommt. Meine puscht das sehr stark - Unterschriften da- tungen vermehrt anfragen. Menschen dar.
muss es geben. Es soll Gebiete geben, wo Frage: In wie weit ist hier die Alpenkon- für gibt es aktuell ca. 1.500. Auf der Pri- Dazu sollend die Erkenntnisse in Form
keine Erschließung möglich ist. vention eingebunden und wie weit ist vatinitiative dagegen haben mittlerweile von Schulungen für die Konsumenten Die Bürgermeister sind sich zu-
das schon auf der Plattform Wiener Ebe- schon über 5.000 Leute unterschrieben. und Konsumentinnen weiter getragen
dem einig, dass es primär um die
Roland Kals: Ich denke, der politische ne vorgedrungen? Wenn man die Klein- Das sind fast alles Menschen aus dem Be- werden. Auch mit den Versicherungen
Weg ist die politische Selbstbindung. fragant jetzt zerstört, dann hat Natura zirk, viele Kleinbetriebe. Das zeigt, dass können Pakete geschnürt werden, die einheimische Bevölkerung geht.
Die Bergsteigerdörfer machen das. Die 2000 keine Wertigkeit mehr, dann um- ein großes Potential da ist. Die Menschen konkret in diesen Regionen angeboten Geht es den eigenen Leuten gut,
Gemeindepolitiker binden sich in Form schifft man wieder eine Gesetzmäßigkeit. erkennen, dass die Erschließung ein Irr- werden. dann kommen andere von ganz
der Deklaration selbst, die Gemeinde in Es wäre außerdem ein Widerspruch zur sinn ist - das Ergebnis der Unterschrif- alleine. D.h. Die Bergsteigerdörfer
einer ganz bestimmten Richtung weiter Nachhaltigkeit, die man immer wieder in ten ist ein positives Zeichen in die rich- Roland Kals: Ein „Gesundheitszertifikat sind kein touristisches Märchen,
zu entwickeln. Wir erhoffen uns dadurch der Alpenkonvention hört. tige Richtung. Landschaft“.
sondern es geht um den Erhalt von
Klaus Rüscher, Bürgermeister Malta eine Beispielwirkung. Je rascher die Ent-
wicklung in anderen Bereichen fort- Ewald Galle: Die Rechtsservicestelle bei Engelbert Wassner, Bgm. Zell-Sele: Ich Liliana Dagostin: Zum Thema Kleinfra- Infrastruktur und Werte für die
schreitet, desto interessanter werden uns ist schon recht früh damit befasst wor- fahre zwar selber nicht am Mölltaler Glet- ganz noch einmal: Ich möchte klar zum lokale Bevölkerung. Die Bergstei-
die Bergsteigerdörfer für die andere den. Die Rechtsservicestelle wird von uns scher Ski, aber man weiß, welche Proble- Ausdruck bringen und betonen, dass gerdörfer brauchen keine „Erleb-
Zielgruppe sein. finanziert und ist bei CIPRA-Österreich me es schon jetzt am Mölltaler Gletscher Klaus Rüscher einer von zwei von insge- nisräume“ sondern „Lebensräume“.
eingerichtet und diese hat ein recht klares wegen dem Gletscherschwund gibt. Jetzt samt 32 Bürgermeister ist, der sich klar
Hans Toferer, Bgm. Hüttschlag: Ganz Gutachten geschrieben. Das Gutachten eine Abfahrt zu bauen, damit man mit dagegen ausgesprochen hat. Ich denke,
Es sind auch die Bürgermeister, die
wichtig ist mir, dass die Bevölkerung vor ist kostenlos und für jedermann einseh- den Skieren direkt vor die Hoteltür fahren es geht um eine soziale Verantwortung,
Ort massiv eingebunden wird. Bei der bar, hat eine klare Entscheidung formu- kann, ist ein Irrsinn angesichts der Tat- die ihr als Bügermeister auch trägt. Für sehr viel Verantwortung tragen.
Nationalparkwerdung haben wir es ganz liert und wurde an die Kärntner Landesre- sache, dass schon jetzt der Wurtenkees uns geht es dann vor allem auch darum, Das Beispiel „Kleinfragant“ zeigt,
stark gemerkt: Schutz setzt man immer gierung weiter geleitet. Was der politische oben künstlich beschneit wird. Außerdem Multiplikatoren zu finden. wie wichtig es ist, sich eigene Ge-
gleich mit Verboten. Hier muss man gut Wille damit macht, ist immer wieder eine sollen weitere Flächen für einen Ausbau „AlpenLeben“ und die Rechtsservicestelle danken zu machen und diese auch
argumentieren, um die Vorurteile zu ent- andere Frage. Den politischen Willen herangezogen werden, weil jetzt die Flä- sind zwei Projekt von CIPRA-Österreich. entsprechend zu vertreten.
Simona Vrevc, Vize-Generalsekretärin der Alpen- kräften. spürt man auch bei den Wiener Stellen, chen schon zu klein sind und der Schnee Es ist mir ein Bedürfnis zu sagen, dass
konvention
aber die Wiener werden sich hüten, die durch die Klimaerwärmung unter den der Vorsitzende von Cipra Österreich Pe-
42 43

Bergwandern, Bergsteigen
Versuch einer gesunden Betrachtung
Helmut Schwann
Facharzt für Innere Medizin und Rheumatologie,
ehemaliger ärztlicher Leiter des REHABzentrums Saalfelden

Wandern, insbesondere Bergwan- mehr als 1 Stunde, eine Freizeitaktivität mit


dern erfreut sich (wieder) zuneh- unterschiedlich starker körperlicher Anfor-
mender Beliebtheit. Das hat na- derung darstellt, dabei physisch und men-
türlich die Tourismusbranche auch tales Wohlbefinden fördert“.
erkannt. Man wirbt mit positiven
Gesundheitseffekten, beruft sich Wandern=Gehen=Fortbewegung mit-
sogar auf medizinische Studien- tels eigener Muskelkraft, das wird nie-
daten. Inwieweit ist das ernst zu mand bezweifeln. Allerdings sollte sich
nehmen? Daher der Versuch einer dies nicht nur auf ein paar Tage oder im
„gesunden“ Betrachtung dieses besten Fall auf 2 oder 3 Wochen im Jahr
Themas auf den folgenden Seiten. beschränken. Es ist für unsere Gesundheit
essentiell, dass wir täglich für ausreichend
Vorweg zur besseren Orientierung: Was Bewegung sorgen, technische Hilfsmittel
soll man unter Wandern eigentlich ver- wie Auto, Lifte etc. möglichst wenig in Helmut Schwann, Facharzt für Innere Medizin
stehen? Da hilft vielleicht eine Umfrage Anspruch nehmen. Warum dem so ist, soll
von 2010 des Deutschen Wanderverban- hier näher in einem groben Überblick be-
des weiter, die ergeben hat, dass Wandern leuchtet werden, auch um „Bewegungs-
„Gehen in der Landschaft, und zwar von muffel“ vom Gegenteil zu überzeugen.

Was bewirkt Bewegung?

Die Muskulatur

Da wir, um in Bewegung zu kommen,


primär unsere Muskulatur brauchen,
betrachten wir daher diese zuallererst.
Kein Medikament wirkt so effizient und vielfältig, wie Bewegung. Muskulatur sorgt nicht nur für einfache
Bewegung – wie man meinen sollte −,
sie setzt vielmehr über (mehr als 400)
Botenstoffe („Zytokine“) für unsere Ge-
sundheit wichtige Prozesse in Gang,
die den gesamten Organismus betref-
fen, das Immunsystem stärken und so-
gar einen hemmenden Einfluss auf die
Krebsentstehung haben.1
Auch wenn die Muskulatur ganz offen-
sichtlich für unseren Organismus so be-
deutend ist, so setzt aber bereits ab dem
30. Lebensjahr ein natürlicher Muskel-
Bergwandern, Bergsteigen - Versuch einer gesunden Betrachtung 44 45 Bergwandern, Bergsteigen - Versuch einer gesunden Betrachtung

„Die Trainierbarkeit der Muskulatur masseverlust ein: 2 - 3 kg/Jahrzehnt; bis häufung von „Röhren“, ganz im Gegenteil, Sichtbares Endergebnis ist die Gefäßver- Faktoren und den neuen Entzündungspara- „Das HDL-Cholesterin (das „gute“
ist in jedem Alter möglich, tatsäch- zum 70. Lebensjahr ein Minus von 40%! es steht ein hochentwickeltes funktionel- kalkung mit Folgen wie Herzinfarkt, Blut- metern“4. Cholesterin) kann allein nur mittels
Das kann unsere Lebensqualität sehr ne- les System dahinter. Und dieses wird in 1. hochdruck, Schlaganfall, Demenz. An- Das HDL-Cholesterin (das „gute“ Choles- körperlicher Aktivität ausreichend
lich kann Muskelschwund damit wie-
gativ beeinflussen (Abnahme der Funkti- Linie durch eine einfache Lage von Zellen, dauernder oxidativer Stress führt auch zu terin) kann allein nur mittels körperlicher gesteigert werden, es gibt derzeit
der rückgängig gemacht werden.“ onalität und der Selbstständigkeit) - und die die Innenauskleidung der Gefäße dar- einem vorzeitigen Alterungsprozess. Aktivität ausreichend gesteigert werden,
dies zeigen neuere Untersuchungen auch stellen, garantiert. Diese „Endothelzel- es gibt derzeit kein Medikament dafür (ein
kein Medikament dafür.“
sehr eindrucksvoll. So besteht zwischen len“ sorgen u.a. für die Blutdruckregula- entsprechendes ist wegen ungenügender
Muskelschwund und Gebrechlichkeit tion (Produktion von Stickstoffmonoxid Das metabolische Syndrom Wirksamkeit und Nebenwirkungen aus
(„Frailty“) ein direkter Zusammenhang. Je zur Erweiterung der Gefäßdurchmesser), dem Handel genommen worden).
ausgeprägter die Gebrechlichkeit, umso sie beeinflussen die Fließfähigkeit des Bewegungsmangel demaskiert latente
geringer die Lebenserwartung (Abb. 1). Blutes, steuern den Stoffaustausch zwi- Fett-und Zuckerstoffwechselstörungen.
Diesem verhängnisvollen Abwärtstrend schen Blut und Gewebe, spielen bei Wenn dann noch eine permanente Über- Der Gelenksapparat
kann man aber entgegenwirken. Denn Entzündungen und der Neubildung von ernährung hinzukommt, haben wir es mit
die Trainierbarkeit der Muskulatur ist in je- Blutgefäßen eine wichtige Rolle. D.h. einer Ansammlung von Krankheiten zu Gelenke? Bewegung oder eher Schonung?
dem Alter möglich, tatsächlich kann Mus- diese „Endothelfunktion“ ist für unsere tun u.a. Bluthochdruck und Diabetes me- Man denkt an die Arthrose, an künstliche
kelschwund damit wieder rückgängig ge- Gesundheit maßgeblich, eine Endothel- litus, die wie gerade erwähnt, bedeutsam Gelenke (in Österreich 12.000 Hüft- und
macht werden.2 dysfunktion, d.h. Fehlfunktion, ist leider für den oxitativen Stress sind: dem schon 8.000 Knieprothesenoperationen 2005,
aber bei vielen Menschen die Regel. Und fast populären metabolischen Syndrom Uniklinik f. Orthopädie Graz, III/06). Die
warum? Bluthochdruck, Diabetes mel- (Abb. 3), wobei der erhöhte Bauchumfang Antwort lautet: Bewegung − und zwar
Das Endothel litus, Umweltgifte (Rauchen!), Entzün- das führende Symptom darstellt. So lei- deshalb, weil der Gelenksknorpel durch
dungen, ionisierende Strahlen, aber ganz den 60% der PatientInnen mit einem BMI „Perfusion“ (Durchströmung) − er hat
Um die komplexen Bewegungsvorgän- besonders Bewegungsmangel führen größer als 30 an einem metabolischem keinen direkten Blutgefäßanschluss − er-
ge durch die Muskulatur einzuleiten und dazu, dass es zu vermehrter Bildung reak- Syndrom3. Dringlich ist für diese Men- nährt wird, und nur durch den Wechsel
weiterzuführen, müssen die einzelnen tiver Sauerstoffverbindungen kommt, die schen daher eine „Lebensstilintervention, von Be- und Entlastung wird eine aus-
Muskelzellen aktiviert werden − dazu nicht mehr ausreichend rück- und abge- denn keine andere Therapie greift so zentral reichende Perfusion (Sogwirkung) zur
wird entsprechend Energie benötigt. Das baut werden können. Dieser, als „oxidati- in den Metabolismus ein mit Blutzucker- Versorgung der Knorpelzellen sicherge-
Transportsystem dafür ist unser Blutge- ver Stress“ bezeichnete Zustand, schädigt und Blutdrucksenkung, Beeinflussung der stellt, die die eigentliche Knorpelsubs-
fäßsystem mit einer Gesamtlänge von ca. bzw. stört die Endothelzelle in ihrer Funk- Blutfette mit HDL-Cholesterin – Erhöhung tanz („hyaliner Knorpel“, „Knorpelma-
97.000 km. Nur ist dieses keine simple An- tion („Lipidperoxidation“) (Abb. 2). wie auch Senkung der prokoagulatorischen trix“) aufbauen und erhalten (Abb. 4).

Oxidativer Stress
Gebrechlichkeit und
Überlebenswahrscheinlichkeit Bewegung Bewegungsmangel und permanente Balance zwischen Zytokinen
(IL-1, TNF, Metalloproteinasen)
Endotheldysfunktion Überernährung >> Metabolisches Syndrom ! und Wachstumsfaktoren
Score = Gruppen „Atherosklerose“ Freisetzung (IGF-I und II)
1 Sehr fit
2 Fit
Plaquebildung vermindertes NO vasokonstriktiver • Erhöhter Bauchumfang

reaktive O2-Radikale Faktoren
3 Fit, Komorbidität Übergewicht (Adipositas (BMI)
Überlebenswahrscheinlichkeit

4 Labiler Zustand Schaumzellen


5 Leicht gebrechlich • Diabetes mellitus
6 Mäßig gebrechlich
7 Sehr gebrechlich oxidiertes Proinflammatorischer • Neutralfetterhöhung (Hypertriglyceridämie)

LDL-Cholesterin Zustand externer Druck
erhöhte Harnsäure – Gicht (Hyperuricämie)
Einwanderung von Zytokine / Wachstumsfaktoren / • Bluthochdruck (Hypertonie)
zellulären Elementen Adhäsionsmoleküle Schwell-Druck + H2O

1. rER 5. Aggrecan-Monomer
Zeit (Monate) Förderung der Ergänzt, nach: 2. Golgi-Apparat 6. Enzyme
(Rockwood, Prof. M. R. Celio, © Université de Fribourg, CH •
CMAJ 2005) Thrombozytenaggregation Faculté des sciences • Département de médecine • U
3.
4.
Hyaluronsäure
Verbindungsprotein
7.
8.
Kollagen II und XI
Kollagen IX
nité d'Anatomie, Rte. Albert Gockel • 2007

Abb. 1: Zusammenhang zwischen Gebrechlichkeit und Abb. 2: Durch Bewegung kann eine Endotheldysfunktion verringert od. idealer- Abb. 3: Die Folge von Bewegungsmangel und permanenter Überernäh- Abb. 4: Der Gelenksknorpel hat keinen direkten Blutgefäßanschluss, er ist auf
Überlebenswahrscheinlichkeit weise wieder normalisiert werden, bevor irreversible Folgeschäden auftreten. rung ist das Metabolische Syndrom. Bewegung und der damit verbundenen „Durchströmung“ angewiesen.
Bergwandern, Bergsteigen - Versuch einer gesunden Betrachtung 46 47 Bergwandern, Bergsteigen - Versuch einer gesunden Betrachtung

„Gehen führt zu vermehrter Gang- Diese besteht im Wesentlichen aus Ei- Muskel und Knochen Medizinische Trainingstherapie „Eine verlässliche Trainingssteue-
sicherheit und ist die Sturzvorsorge weißzuckerverbindungen, dadurch kann rung kann nur über eine Fahrrad-
Wasser eingelagert werden, womit ein so Interessant ist auch das Zusammenspiel (auch Laufband-)ergometrie erfol-
Nummer 1!“
genannter „Schwelldurck“ erreicht wird, zwischen Muskel- und Knochen: bei Wandern ohne eine gewisse, mindeste kann man den individuell angepassten
gen.“
der dem von außen ausgeübtem Druck Muskelinaktivität besteht für die Kno- Basisfitness bringt wenig Freunde, wird Trainingsrahmen zwischen 50 und 80%
entspricht. „Normale“ Belastungen sind chenaufbauzellen („Osteoblasten“) kein eher zur Qual. Da können wir uns also der Maximalleistung für ein Ausdauertrai-
aber auch ein Anreiz für die Knorpelzelle „Arbeits“-anreiz. Die Folge ist Osteopo- um gezielte körperliche Belastungen, die ning bestimmen (Abb. 7).
zu Reparaturen kleinerer Schäden an der rose. Muskelzug und –druck haben somit mit einer gewissen Regelmäßigkeit erfol- Wenn man in diesem Bereich trainiert, rei-
Knorpelmatrix. einen aufbauenden Effekt auf den Kno- gen sollte, nicht herumschwindeln. Man chen bereits 3 Mal pro Woche je 20 min.
Erst eine konstante, über das physio- chenstoffwechsel − erfreuliche „Neben- nennt es auch Training und ist nicht nur aus, um das Risiko einer koronaren Herz-
logische Maß hinausgehende Überbe- wirkung“: Gehen führt zu vermehrter für Hochleistungssportler gedacht. krankheit um 50% zu reduzieren (Abb. 8).
lastung führt zu irreparablen Schäden Gangsicherheit und ist die Sturzvorsorge
durch Knorpelabrieb („Arthrose“), ent- Nummer 1! Um eine Gewichtsabnahme zu erreichen,
zündlichen Reizzuständen unter Einbe- Der Trainingsplan sind allerdings mehr als 4 Stunden Aus-
ziehung der Gelenkskapsel (Schmerzen dauertraining pro Woche erforderlich
als Alarmsignal!) und in weiterer Folge Auswirkungen auf die Psyche Aber wie soll dieses ablaufen? Sich an (und zwar weitgehend unabhängig von
auch der Bänder und des angrenzenden seiner Pulsfrequenz (Herzfrequenz) zu der trainingsinduzierten Kalorienmehr-
Knochens (Abb. 5). Regelmäßige körperliche Aktivität in orientieren ist einfach und in den meis- aufnahme)7. Ausdauertraining führt über
Form von Bewegung beeinflusst aber ten Fällen auch sicher. Die alte Faustre- Blutdruck- und Puls-(=Herzfrequenz)sen-
Biomechanische Untersuchungen haben auch unsere Psyche im positiven Sinne gel, 220 minus Lebensalter und davon kung zum letztendlich gewollten Leis-
die positiven Einflüsse einer Muskelkräfti- wie Stressabbau und psychische Stabili- 80% ist Belastungspuls, gibt zwar einen tungsanstieg (Abb. 9).
gung auf die Wirbelsäulen- und Gelenks- sierung durch neue Erfolgserfahrungen, groben Rahmen vor, ist aber insgesamt
stabilisierung bewiesen. Diese bewirkt Distanz zu Alltagsproblemen und „innere zu ungenau und daher abzulehnen. Eine Zu beachten ist, dass man bei Ausdauer-
auch eine Druckentlastung der Gelenks- Einkehr“. verlässliche Trainingssteuerung kann nur sportarten möglichst im aeroben Bereich
flächen, womit eine adäquate Gelenks- Aber es kommt auch zu Prozessen wie über eine Fahrrad- (auch Laufband-)er- bleibt, da hier die Energiebereitstellung
knorpelschonung ermöglicht wird! Endorphinfreisetzung5 (Euphorieempfin- gometrie erfolgen. Generell ist diese ab überwiegend durch die Fettverbrennung
den) oder Abschaltung nicht benötigter dem 40. Lebensjahr zu empfehlen (wenn erfolgt. Hier ist auch die Sauerstoffkapa-
Hirnareale (u.a. präfrontaler Cortex: man Herzkreislauferkrankungen in der Familie zität für die Wiederverstoffwechslung des
fühlt sich „befreiter“).6 (Abb. 6) bekannt sind, ohne Alterslimit). Damit bei der Skelettmuskelaktivierung anfal-

WIE OFT und WIE LANGE muss


Inadäquate mech. Proteoglykan  Berechnung mit der KARVONEN-Formel nach der wöchentlich MINDESTENS trainiert werden
Belastung / reversible
ätiolog. wirksame Matrixdegradation Chondrozyten-
Ergometrie um TRAININGSEFFEKTE zu erreichen ?
Faktoren metabolismus 

Chondrozyten- Trainings-HF = bereits 3 mal pro Woche Bewegungstherapie à 20 min.


irreversible syntheseleistung 
Matrixdegradation bei optimal regelmäßig ausgeschöpfter körperlicher Aktivität
(max.HF – Ruhe-HF) x f + Ruhe-HF
Knorpelabrieb
Kollagen   Reduzierung des KHK-Risikos um 50 %
Chondroitinsulfat 
f = Faktor : 0,5 bis max. 0,8
Keratinsulfat rel. 
Begleitsynovits Knorpelerosion HF = Herzfrequenz = Puls
Effekte gezielter Bewegungstherapie:
Schwelldruck 
Schmerz Damit ist ein individueller  RR Senkung und Regression der Arteriosklerose (Rost 1991)

Kongruenzverlust Traumatisierung des Trainingsbereich  Steigerung der Insulinsensitivität des arbeitenden Skelettmuskels,
subchondr. Knochens günstigeres Stressreaktionsmuster
Schmerz
zwischen 50 und 80 % Maximalbelastung
 direkter positiver Effekt von regelmäßiger körperlicher Aktivität auf
Trabekeleinbrüche, möglich Endothelfunktion (Hembrecht et al., 2000, Vita & Keaney, 2000)
fortschreitende Arthrose Kallusbildung – (Angabe von Ober- und Untergrenzen).
Reparationsversuch
In Anlehnung an MICHAEL et al., 2010

Abb. 5: Die folgenschwere Entwicklung der Arthrose Abb. 6: Einfach einmal Abschalten: regelmäßige körperliche Abb. 7: Berechnung des individuellen Trainigsbereiches Abb. 8: Bereits eine Bewegungseinheit von 20 min 3x /Woche kann
Aktivität beeinflusst auch unsere Psyche im positiven Sinn. das Risiko von koronaren Herzkrankheiten um 50 % reduzieren.
Bergwandern, Bergsteigen - Versuch einer gesunden Betrachtung 48 49 Bergwandern, Bergsteigen - Versuch einer gesunden Betrachtung

lenden Laktats (Salz der Milchsäure) noch wird. Rasch zunehmende Atemnot signa- ma Bewegung kurz zusammengefasst, Fettzellen und Kalorienverbrauch Wie vielversprechend sich hier bereits „Eine Körpergewichtsreduktion
ausreichend. In der anaeroben Phase wird lisiert uns unsere individuelle Belastungs- was diese in uns bewirkt: eine Körpergewichtsreduktion von von nur 5-10% bewirkt eine 58%-
nur mehr Glukose als Energielieferant her- grenze! Reduzierung des oxidativen Stress – Ver- Und an dieser Stelle sollte nochmals kurz 5–10% (mehr Bewegung, aber auch we- ige Senkung der Inzidenz für einen
angezogen, Laktat kann nicht mehr abge- Bei folgenden Symptomen muss jeg- besserung der Endothelfunktion, Blut- auf das metabolische Syndrom eingegan- niger Kalorien/Tag) auswirkt, zeigt sich an
Diabetes aufgrund verminderter
baut werden. Hohe Laktatspiegel führen liche weitere körperliche Belastung drucksenkung, Blutfettbeeinflussung, gen werden, das, wie bereits erwähnt, vor- einer 58%-igen Senkung der Inzidenz (=
zu einem Blut-pH Abfall („Übersäuerung“) sofort abgebrochen werden: Brust- insbesondere HDL-Cholesterin Steige- rangig aus Bewegungsarmut und Überer- Neuerkrankungsfälle innerhalb eines be- Insulinresistenz.“
mit negativen gesundheitlichen Folgen schmerzen mit oder ohne Ausstrahlung rung, Verminderung der Insulinresistenz nährung resultiert mit einer Prävalenz (= stimmten Zeitraumes) für einen Diabetes
(Abb. 10). in die Arme, Hals, Oberbauch (dro- – weniger Insulinbedarf, damit Senkung Wahrscheinlichkeit zu erkranken) in der aufgrund der verminderten Insulinresis-
Damit es überhaupt nicht so weit kommt, hender Herzinfarkt), unregelmäßiger erhöhter Blutzuckerspiegel, Bauchum- Allgemeinbevölkerung von 20 – 50%, bis tenz. (Zum Vergleich: Das Medikament
„Bergwandern ist ein regelrechter
ein einfacher praktischer Hinweis: nach schneller Puls (Herzrhythmusstörun- fang- und Gewichtreduktion, direkte An- zu 80% bei Diabetikern10. Das sichtbare Metformin beeinflusst die Insulinresistenz
Überschreiten der „anaeroben Schwelle“ gen), pochender Schläfenpuls (Blut- reize auf Knorpel- und Knochenzellen, Leitsymptom, der erhöhte Bauchumfang nur in 38%.)11 Kalorienfresser!“
wird man so kurzatmig, dass das Sprechen hochdruck). Muskelmasseaufbau, psychische Stabili- (bei Frauen ab 88, bei Männern ab 96 cm, Vielleicht nicht ganz uninteressant: Bewe-
auch nur ganz kurzer Sätze unmöglich Nach diesen Basisausführungen zum The- sierung – bessere Lebensqualität. inzwischen etwas nach oben korrigiert), gungsmangel ist auch Risikofaktor Nr. 1
ist Ausdruck der abdominellen Fettleibig- bei Alzheimer Demenz! 12 Und laut Schät-
keit („inneres Bauchfett“). Um besser ver- zung der WHO geht bei 100 Darm-/Brust-
stehen zu können, was das für die Betrof- krebspatientInnen die Erkrankung in 23%
Bringt Bergwandern zusätzliche Gesundheitseffekte? fenen bedeutet, ganz kurz etwas über die auf Bewegungsmangel zurück; bei Diabe-
Bauchfettzellen („Adipozyten“). So haben tikern in 27%; bei Herzinfarkten in 30%.
sie neben ihrer Fettspeicherfunktion (Fett
Wenn man jetzt aber im Vergleich dazu parallel zum wirtschaftlichen Aufschwung auf ein längeres Leben im Vergleich zu ist Energielieferant Nr. 1 für unseren Orga- Für eine Verminderung des erhöhten
das Wandern betrachtet (im Schnitt ein bis wieder populär. Die positive Wirkung ein- bewegungsarmen Personen mit 500 kcal/ nismus) auch eine sehr stoffwechselakti- Bauchumfanges sind die Bewegungs-
drei Wochen im Jahr) mit nur moderater facher Formen regelmäßiger Bewegung Woche steigen. Bei mehr als 3.500 Kcal/ ve Rolle. Sie nehmen mit dem von ihnen kalorien entscheidend (auch wenn es
Belastungsintensität, allerdings längerer zeigte erstmals die „Postbotenstudie“ 1963 Woche hingegen konnte kein bzw. sogar gebildeten Adiponectin Einfluss auf den manchem von uns schwer fällt) und zwar
durchgehender Belastungsdauer, inwie- auf (Schalterbeamte versus Postboten)8. ein negativer Effekt erkannt werden (zur Fett- und Zuckerstoffwechsel (Senken ab 1.500 Kcal/Woche. Beim Gehen in der
weit kann man dann positive Gesund- Eine US-Langzeitstudie (umfasste rund Illustration: Marathonlauf ca. 3.000 Kcal) der Insulinresistenz), das Leptin steuert Ebene ist der Kalorienverbrauch noch
heitseffekte wie die zuletzt genannten, 17.000 ehemalige Harvard-Studenten) Die zentrale Aussage dieser Studie: „Das das Hungergefühl. Bei Überfrachtung der eher mäßig (z.B.: bei 3 km/h zwischen 150
auch hier erwarten? Spielt die Höhenlage 1963 – 1978 konnte nachweisen, dass bei Risiko von Zivilisationskrankheiten sinkt Adipozyten mit Fett kehren sich die posi- und 180 Kcal), beim Bergwandern wie
beim Bergwandern eine zusätzliche Rolle? einem Verbrauch von 2.000 Kcal/Woche überproportional bei regelmäßiger Bewe- tiven Effekte in das Gegenteil um (siehe auch Bergsteigen hingegen kann man mit
Wandern wurde bereits in den 50er Jahren durch körperliche Aktivität die Chancen gung“.9 Abb. 11). 400 – 600 Kcal/h rechnen.

Effekt eines Ausdauertrainings Während stufenförmig ansteigender FETTZELLE (Adipozyt)


Körperarbeit kann die Energiebereitstellung Fettspeicherfunktion
auf den Bluthochdruck in drei Phasen unterteilt werden. aber auch stoffwechselaktiv!
3x wöchentlich je 30 bis 45 Minuten
Phase I Phase II Phase III • Adiponectin
 Senkung des systolischen Belastungsblutdruckes
Aerobe Phase bis zum Aerobe bis anaerobe Anaerobe Phase bis zur (Fett- und Zuckerstoffwechsel - Insulinresistenz)
um 10 – 20 mm Hg 1. Laktatanstieg Übergangsphase
bis zum 2. Laktatanstieg
Ausbelastung,
Laktat kann nicht mehr
• Leptin
 Senkung der Belastungsherz(Puls-)frequenz um 20% (steuert das Hungergefühl)
ausreichend abgebaut
 Anstieg des Herzzeitvolumens um 20% Bis 45% 45% bis 75% werden • Resistin
• Visfatin
 Senkung des Ruheblutdruckes bis 10 mm Hg systolisch Energiebereitstellung überwiegend durch Energiebereitstellung
Fettverbrennung durch Glucose

Sauerstoffkapazität für Laktatabbau ausreichend


Belastung durch Bei vermehrter Fettspeicherung:
Bei einem Ruheblutdruck von 160 /100 mm Hg und mehr medikamentös pH-Abfall limitiert
vorbehandeln! Adiponectin (Insulinresistenz >> Diab. mell.!)
Leptin (Appetit >> Resistenzentwicklung der Zielneuronen)
(deutsche Hochdruckliga) Laktat entsteht durch anaerobe Glykolyse.

Abb. 9: 3x wöchentlich zwischen 30 und 45 Minuten Training reichen aus, um Abb. 10: Wer trainiert, sollte über die Vorgänge in der aeroben und in der Abb. 11: Bei Überfrachtung der Adipozyten mit Fett kehren sich die positiven Abb. 12: Bergwandern verbraucht ca. 400 - 600 Kcal/h, also gut dreimal so
den Bluthochdruck zu senken. anaeroben Phase Bescheid wissen. Effekte in das Gegenteil um. viel wie Gehen in der Ebene.
Bergwandern, Bergsteigen - Versuch einer gesunden Betrachtung 50 51 Bergwandern, Bergsteigen - Versuch einer gesunden Betrachtung

„Als rein höhenspezifisch zu werten D.h. Wandern, insbesondere Bergwan- werden und zwar sowohl bei den Stoff- wie bei den genannten Studien zu ver- leichten Herz-Kreislauf- und Atemwegser- Ein Kurzzeitaufenthalt ohne sportlicher
war hingegen eine Stimulierung der dern, ist ein regelrechter Kalorienfresser! wechselparametern (Blutzucker, HDL- zeichnen (siehe zusammengefasste Über- krankungen gut toleriert, bei niederer Fit- Aktivität in 2.590 m Höhe verbessert u.a.
Neubildung von roten Blutkörper- Cholesterin) wie auch im Herz- Kreislauf- sicht der AMAS-Studien Abb. 13). ness und größeren Höhen steigt aber das das Lipidprofil, kein Effekt beim Glukose-
bereich (Blutdruck, Herzfrequenz). Das Risiko für ein kardiovaskuläres Ereignis.“ stoffwechsel, hingegen Blutdruck- und
chen bedingt durch den reduzierten
Die AMAS 2000 Studien Körpergewicht zeigte im Mittel ein Mi- Zu erwähnen vom gleichen Autor: „Das Herzfrequenzanstieg als Hinweis für die
Sauerstoffgehalt in 1.700 m Höhe.“ nus von 2% (betraf die Körperfettmasse, Weitere Studien erhöhte Risiko, einen plötzlichen Herztod in gesteigerte sympathikotone Aktivität.16
Obwohl in den letzten Jahrzehnten Mil- Körperwasser und fettfreie Körpermaße Höhenlagen zu erleiden, ist bei bekannten
lionen Touristen mit steigender Tendenz blieben in etwa gleich) - und dies ohne Aus einigen weiteren Studien, die alle koronaren Vorerkrankungen mit konditi-
unsere alpinen Regionen im Sommer wie eine eigentliche Diät. Parallel dazu stie- mehr oder minder die Erkenntnisse aus onellen Defiziten am 1. Tag am größten, Ursachen für tödliche Alpinunfälle
auch im Winter besuchten um sich zu re- gen Zufriedenheit und eine positive Le- den AMAS-Studien bestätigen, soll noch ursächlich nicht die Höhenlage und die
generieren, dem täglichen Berufsstress zu benseinstellung. kurz zitiert werden. So zum Beispiel unmittelbare Belastung, sondern je länger Die Hauptursache für tödliche Alpinun-
entfliehen versuchten, sich nach einem O. Pachinger et al., dass ältere Menschen die Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme fälle sind 64% Stolpern, Ausrutschen und
solchen Aufenthalt in den Bergen ge- Basierend auf den Erfahrungen aus der zwischen 50 und 70 Jahren, unabhän- zurückliegt umso höher das Risiko für einen Absturz (wobei z.B. ein Herzinfarkt al-
sundheitlich wieder denkbar besser fühl- Pilotstudie wurde dann im Jahr 2000 die gig davon, ob eine koronare Herzkrank- plötzlichen Herztod.“14 lerdings der Auslöser sein kann), in 21%
ten, fehlten wissenschaftlich fundierte Hauptstudie nach demselben Studienpro- heit vorliegt, von einem hypoxischen Erschöpfung und Überlastung (fehlende
Daten zum Thema „Bergurlaub“. tokoll durchgeführt (wieder alle Proban- Training profitieren (Österreichische Eine erst kürzlich erschienene Studie un- Fitness? Überschätzung?), die restlichen
den mit einem metabolischen Syndrom). Ärztezeitung 2004). Das Training in sau- tersuchte die Auswirkungen einer Wan- 15% gehen auf Orientierungsverlust, Ver-
Dies änderte sich mit einem weltweit ers- Diesmal erfolgte aber zeitgleich zur Hö- erstoffarmer Luft und damit die Bewälti- dereinheit pro Woche (500 Höhenmeter steigen, Stein- und Blitzschlag, Hitze- oder
ten Forschungsprojekt, der AMAS 2000 henstudie (Obertauern) eine Talstudie in gung eines „unspezifischen Stress“ sieht innerhalb von 3 Stunden) über einen Zeit- Kälteschäden sowie Lawinenereignisse
(Austrian Moderate Altitude Study) un- Bad Tatzmannsdorf (200 m). Die Ergebnis- M. Burtscher als Grundprinzip der hypo- raum von 9 Monaten auf kardiovaskuläre zurück (aus Wikipedia, et).
ter Leitung der Universitätsprofessoren se waren vergleichbar mit der Pilotstudie xischen Therapien (Österr. Ärztezeitung). Risikofaktoren bei älteren Menschen. Das
Dr. Humpeler und Dr. Schobersberger. Ge- was Herz- Kreislauf, Stoffwechselparame- Und nochmals M. Burtscher et al. 13 - 50: Ergebnis: Kein Effekt bei normalem Profil,
startet wurde mit einer Pilotstudie 1998 in ter und die psychischen Komponenten „Gemäßigtes Bergwandern wird von Per- positiver Einfluss aber auf erhöhten Blut-
Lech am Arlberg (1.700 m), wobei bewusst betraf, und zwar in beiden Gruppen (wur- sonen mittleren und höheren Alters mit druck.15
Probanden mit einem metabolischen den als urlaubsspezifisch bezeichnet).
Syndrom eingeschlossen wurden (quasi Als rein höhenspezifisch zu werten war
als „Spiegelbild unserer Gesellschaft“). hingegen eine Stimulierung der Neubil-
Nach 3 Wochen Aktivurlaub konnte ein dung von roten Blutkörperchen bedingt Zusammenfassung
sehr erfreuliches Ergebnis dokumentiert durch den reduzierten Sauerstoffgehalt in
1.700 m Höhe (ähnlich wie bei Sportlern Literatur/Fußnotenverzeichnis:
– d.h. gesunden Menschen – im Rahmen Zusammenfassend soll nochmals be- lichen Bergpanorama vor Augen birgt 1 aus „Lust am Laufen, 29.3.2011“
des Höhentrainings). tont werden, wie überaus positiv sich allerdings die Gefahr der Selbstüber- 2 Kern, ÖGR, Nov. 2013
körperliche Aktivität auf unsere Gesund- schätzung in sich, das Ignorieren seiner 3 Park et al., Arch Intern Med, 2003
Bei der Folgestudie AMAS II mit einer heit auswirkt und unsere Lebensqualität eigenen individuellen Leistungsfähig- 4 H. Toplak, Journal Kardiol., 2005
5 Böcker, 2008
anderen Fragestellung konnte der Nach- beeinflusst. Am Beispiel metabolisches keit kann sich dann fatal auswirken. 6 Stoll et al., 2007
weis erbracht werden, dass bei insgesamt Syndrom zeigt sich eine geradezu medi- 7 P. Schmid, 2004
körperlich gesunden aber so genannten kamentöse Wirkung! Mehrmaliges Wandern im Jahr - gerade 8 aus Gesundheitsstudie „Wandern“
Managertypen bereits nach einer Woche Zusätzliche positive (höhenspezifische) auf den Bergen - kann aufgrund der ge- 9 Paffenbarger et al
10 Universum Innere Medizin 6/14
Aktivurlaub in 1.700 m Höhe eine Stress- Gesundheitseffekte des Bergwanderns wonnenen positiven Erfahrungen aber 11 Knowler et al., N Engl J Med, 2002
reduktion einsetzte, gemessen an der (und das z.B. bereits nach 3 Wochen) sind auch zu mehr täglicher Bewegung anre- 12 www.thelancet. com/neurology, Sep 2011, Vol 10
Herzfrequenzvariabilität. Diese ist u.a. heute durch Studiendaten sehr gut belegt gen – eine durchaus erwünschte „Neben- 13 „Kardiorespiratorische und metabolische
bei psychischem Stress durch das Über- wie andererseits auch Risikogruppen defi- wirkung“. Reaktionen beim Bergwandern und alpinen
Schilauf“; Burtscher M. et al., Wien Med Wo-
wiegen des Sympathicus (vegetatives niert werden konnten. chenschrift 2005 Apr, 155 (7-8):129-35
Nervensystem) eingeschränkt und wird Ganz besonders profitiert die große Medikament Bewegung? Die Bezeich- 14 „Risk of cardiovascular events during mountain
bei Erkrankungen im Herzkreislaufsystem Gruppe der 60 plus Generation von der nung ist absolut zutreffend – aber auf activities“; Burtscher M. Adv Exp Med Biol. 2007;
als prognostisch ungünstig angesehen. allgemein eher moderaten körperlichen die richtige Dosis kommt es an! 618: 1-11
15 „Effect of weekly hiking on cardiovascular risk
Zusätzlich kam es zu einer Zunahme der Belastung in mittleren Höhenlagen, sie factors in the elderly“; Gatterer et al., Z Gerontol
zirkulierenden Stammzellen im Blut, was wird auch von Personen mit bis maximal Geriatr. 2014 Feb 28
unter anderem auch das Risiko für Herz- mäßiggradigen Herzkreislauf- und Atem- 16 „Effects of acute exposure to moderate altitude
Kreislauferkrankungen senkt. Im psychi- wegserkrankungen gut toleriert. Der on vascular function, metabolism and systemic
inflammation“; Stöwhas AC et al., 2013
Abb. 13: Übersicht der AMAS-Studien schen Bereich waren ähnliche Ergebnisse Aufenthalt in der Natur mit einem herr-
52 53

Sind die Berge die bessere Psychotherapie?

Rudolf Morawetz
Vorsitzender des Notfallpsychologischen Dienstes Österreichs NDÖ
Mitglied des Alpenvereins-Interventionsteams

Mein Vortrag soll hauptsächlich von den hereinschwappen kann und dabei zum
Vorteilen handeln, die Berge und die Be- Teil auch so viel Unfug anrichtet. Dabei
wegung in diesen auf unser seelisches haben wir die diversen „Burnout-Kliniken“
Wohlbefinden haben. Selbstverständlich oder Spezialprogramme vor Augen, die
habe auch ich mich beim vorherigen Vor- den Begriff vor allem zu Marketingzwe-
trag von Herrn Dr. Schwann sehr ange- cken einsetzen.
sprochen gefühlt. Vielen von uns geht es Aber dann haben wir gesehen, dass der
ähnlich: wir wissen zwar, was wir tun soll- Begriff „Burnout“ zum ersten Mal Män-
ten, aber meistens fehlt die Zeit, die Mo- nern die Möglichkeit bietet, Hilfe zu su-
tivation oder es kommt etwas Wichtiges chen. Zuvor hatten wir ca. 80% Frauen
dazwischen. und nur 20% Männer in der klinisch psy-
Nicht unerwähnt möchte ich lassen, dass chologischen Behandlung. Nun haben
es auch noch andere Formen der Entspan- auch „gstandene“ Männer die Möglich-
nung gibt, wie zum Beispiel andere Sport- keit, sich beraten zu lassen und Lösun- Rudolf Morawetz,
arten, wie Schwimmen, oder auch Kultur, gen für bestehende Probleme zu suchen. Notfallpsychologischer Dienst Österreich
Kunst und Tiere. D.h. es gibt eine ganze Bergwandern ist eine Möglichkeit, aber
Reihe von Dingen, die für uns gesund, oft nicht die einzige und in schweren Fäl-
wertvoll und wichtig wären. len auch zu wenig.
„Wir sollten die Berge nicht als
psychotherapeutische Maßnahme
Burnout „Sind Berge die bessere
verkaufen. Wir sollten sie aber sehr
Psychotherapie?“
Wenn wir von Lebensqualität oder psy- wohl als das verkaufen, was sie
chischer Gesundheit reden, kommen Nein, natürlich nicht. Es ist kompletter sind: ein wichtiges Element in der
wir heute ganz rasch auf vielfältige Be- Unfug, wenn wir glauben, dass psychi- Prävention und ein wertvoller Bei-
lastungssituationen, die sehr häufig in sche Probleme durch Bergwandern oder trag zur körperlichen und psychi-
der Feststellung oder Diagnose Burnout Bergsport verschwinden. Echte Probleme, schen Gesundheit.“
enden. Jeder weiß es, jeder zweite hat wie Beziehungsprobleme, Drogenabhän-
es, wer es nicht hat, ist nicht dabei oder gigkeit, Kindheitstraumata verschwinden
arbeitet vielleicht nur zu wenig. Es gilt als weder durch Bergwandern, noch durch
die beliebteste Diagnose zur Zeit, obwohl Schwimmen oder Bogenschießen. Gut
sie wissenschaftlich gesehen, so gar nicht sind diese Aktivitäten ganz besonders für
existiert. Es gibt viele einzelne Diagnosen, Leute, die schlecht abschalten können,
wie Depression, Anpassungsstörung, etc., die ihre Konzentrationsfähigkeit verbes-
aber der Sammelbegriff Burnout kommt sern wollen und den wichtigen körperli-
eigentlich nur in ganz speziellen, genau chen Ausgleich suchen. Aber wir sollten
definierten Fällen, meist bei Helfenden nicht den Umkehrschluss machen, die
Rund 80% aller Menschen machen irgendwann in ihrem Leben eine depressive Phase durch. oder Pflegeberufen vor. Berge als psychotherapeutische Maßnah-
Bild: Lichtensteinklamm am Eingang ins Großarltal Dennoch: Jeder zweite oder dritte fühlt me zu verkaufen. Wir sollten sie aber sehr
sich zumindest an der Kante zum Burn- wohl als das verkaufen, was sie sind: ein
out. Zuerst haben wir uns die Frage ge- wichtiges Element in der Prävention und
stellt, wie kann es sein - nachdem wir ge- ein wertvoller Beitrag zur körperlichen
rade die Stresswelle hinter uns gebracht und psychischen Gesundheit.
haben -, dass so ein Phänomen über uns Was wir in dem Bemühen um einer Ver-
Sind die Berge die bessere Psychotherapie? 54 55 Sind die Berge die bessere Psychotherapie?

„Die Erkenntnis ist aber eben nicht besserung der Lebensqualität brauchen Wichtig ist zu wissen, dass es keine Kenn- vor allem professionelle Hilfe nahe legen sie am Berg unter Umständen lebensge- „Wenn ich im Leistungsmodus bin,
die Lösung, sondern vielmehr nur ist die Verhaltensmodifikation. Dazu zahlen für körperliche Bewegung geben zu können. Die moderne Kurzeit Psycho- fährlich. kann mir die natürliche Bremse
die Grundvoraussetzung von dieser.“ braucht es - wie schon Freud sagte - die muss, denn jeder Mensch ist anders. Die logische Behandlung kann in sehr vielen versagen. D.h. die Euphorie ist die
Erkenntnis. einen haben ein unglaubliches Erfolgser- Fällen effizienter und besser helfen. Endorphine: Endorphine sind wunderbar, Schwester der Selbstüberschät-
Die Erkenntnis ist aber eben nicht die Lö- lebnis, wenn sie nur auf einer Alm spazie- haben aber auch eine Nebenwirkung: die zung.“
sung, sondern vielmehr nur die Grundvo- ren gehen, andere brauchen das Gipfeler- Euphorie. Wenn ich im Leistungsmodus
„Bewegung in der Natur am Berg raussetzung von dieser. Hier setzt die mo- lebnis. Leistungssport bin, kann mir die natürliche Bremse ver-
(Bergsport) (....) ist eine sehr preis- derne klinische Psychologie an. Es geht sagen. D.h. die Euphorie ist die Schwester
werte Art der Prävention ist. Jede um die Änderung des Verhaltens - hier Leistungssport ist für den menschlichen der Selbstüberschätzung. „Die Berge können die psycholo-
psychologische Behandlung später gibt es Hilfestellungen von der individuel- Drogeneinfluss Körper sehr oft ein Kaputtmacher. So gische Behandlung nicht ersetzen.
ist teurer, egal ob sie die Kranken- len, persönlichen Planung bis zur Ausfüh- sinnvoll Bewegung ist, aber der Leistungs- Bergwandern, körperliche Anstren-
rung. Und ebenso wichtig ist auch eine Der Drogenkonsum hat schon immer eine sport ist zu viel. Ich freue mich über jede Resümee gung, Sonnenlicht, neue Eindrücke,
kasse zahlt, oder nicht.“ konsequente Nachkontrolle. Rolle in den Bemühungen um Lebens- Pressemeldung, in der ein Leistungssport-
qualität und zur Bewältigung psychischer ler seinen Ausstieg bekannt gibt. Aber wir Zusammengefasst kann gesagt werden,
landschaftliche Schönheit können
Fast jeder hat schon einmal im Selbst- Krisen gespielt. Zur aktuellen Diskussi- alle brauchen unsere Helden, denn auf in den Bergsteigerdörfern können zwei aber immer parallel unterstützend
„Häufiger Konsum von Cannabis versuch festgestellt, dass Bewegung in on um die Legalisierung von Marihuana das Österreichische Fußballnationalteam Begriffe eine besondere Rolle spielen: in einer umfassenden psychologi-
führt oft zu lebens-, beziehungs- und der Natur am Berg (Bergsport) positive (Cannabis) möchte ich auch kurz Stellung können wir uns nicht verlassen. Lebensqualität und Freude. In Kombi- schen Betreuung eingesetzt wer-
arbeitsbeeinträchtigenden Wahn- Auswirkungen auf die Gesundheit und nehmen. nation mit der Prävention vor drohenden den.“
die Psyche hat. Dazu braucht es meines Nachdem ich sehr lange in der Schmerz- Überlastungssyndromen, die durch Be-
vorstellungen.“ Erachtens keine Studien. Abgesehen von therapie gearbeitet habe, bin ich der Nicht zu unterschätzende ruf, Familie, Freizeitverhalten und andere
kleineren negativen Auswirkungen wie Überzeugung, Cannabis muss sehr wohl psychische Sonderfälle Stressoren hervorgerufen werden, kön-
etwa Sonnenbrand oder Muskelkater, ist reglementiert aber entkriminalisiert wer- nen die Bergsteigerdörfer auch in ihrer
es unter dem Strich immer noch eine der den und Menschen mit Langzeitschmer- Latenter Suizid: Bei Menschen, die in ei- Werbung ansetzen.
sinnvollsten Dinge, die wir machen kön- zen zur Verfügung stehen. Tatsächlich ist ner Lebensphase stecken, in denen es
nen - vor allem in der Prävention. Dazu Cannabis körperlich gesehen wesentlich ihnen nicht gut geht - aber Suizid nicht Niemals sollte aber vergessen wer-
kommt auch, dass es eine sehr preiswerte weniger schädlich als Alkohol - immer un- in Frage kommt – kommt es oft zu einer den, dass bei bereits bestehenden De-
Art der Prävention ist. Jede psychologi- ter der Voraussetzung ich fahre nicht Auto Lebenseinstellung, die kurz umschrieben pressionen, Psychosen oder sonstigen
sche Behandlung später ist teurer, egal ob und bewege mich auch sonst nirgends, von: „Es ist mir alles egal“ getragen wird. Verhaltensänderungen, die z.B. durch
sie die Krankenkasse zahlt, oder nicht. wo ich mir oder anderen Schaden zufü- Dies kennen wir unter dem Begriff des Drogenkonsum auftreten können,
gen könnte. latenten Suizids. D.h. man ist mit dem Bergwandern alleine zu wenig ist, um
Allerdings sehen wir in den letzten Jah- Motorrad schneller unterwegs, geht un- diesen Menschen zu helfen. Ganz im
ren neben der Abhängigkeitsproblema- angeseilt Kletterpassagen, die man sonst Gegenteil, es wäre sogar fahrlässig, diese
tik immer häufiger das Auftreten von sichern würde, etc. Am Berg kann es so Personen einfach so auf den Berg zu schi-
Psychosen. Das sind Wahnvorstellungen sehr schnell zu riskanten Situationen cken.
mit zunehmendem Realitätsverlust, Per- kommen. Diese Menschen gehen aber
sönlichkeits- und Denkstörungen. Häu- nicht bewusst mehr Risiko ein, sondern es Die Berge können die psychologische Be-
figer Konsum von Cannabis führt oft zu ist ihnen einfach egal. handlung nicht ersetzen. Bergwandern,
lebens-, beziehungs- und arbeitsbeein- D.h. wenn Sie solche Menschen in Ihrem körperliche Anstrengung, Sonnen-
trächtigenden Wahnvorstellungen. Umfeld haben, reden Sie ihnen aus, heu- licht, neue Eindrücke, landschaftliche
Die gute Nachricht ist, diese Schäden, die te auf den Berg oder Klettern zu gehen - Schönheit können aber immer parallel
durch Cannabis entstehen, sind meist re- raten Sie ihnen eher zu einem Gespräch unterstützend in einer umfassenden
versibel, dummerweise aber nur langfris- und idealerweise zu einer außenstehen- psychologischen Betreuung eingesetzt
tig. D.h. Menschen, mit Wahnvorstellun- den professionellen Beratung. werden.
gen, sehen eben auch die Berge eventuell
ganz anders. Plötzlich sind die schneebe- Selbstüberschätzung: Der Selbstüber-
deckten Gipfel keine Gipfel mehr, sondern schätzung kann eine Gegenreaktion zu
Pferde mit wehenden Mähnen. den einschränkenden und belastenden
Umgebungsfaktoren des heutigen Le-
Ich appelliere also an jeden, dass er sein bens zu Grunde liegen. Während sie am
Umfeld ein wenig im Auge hat, um betrof- Stammtisch zur Unterhaltung oder zum
fenen Menschen frühzeitig konkrete und Ärgernis von anderen beitragen kann, ist
56 57

Sporternährung etwas anders,


Sporternährung aus Sicht der TCM

Fritz Reisenauer
Bergführer, Heilmasseur und Ernährungsberater

Um die Anschauungen der TCM (Tra- dem Kochtopfprinzip. Unter dem Kessel
ditionelle chinesische Medizin) verste- brennt ein Verdauungsfeuer, welches
hen zu können, bedarf es den grund- den Inhalt des Kochtopfes zum Kochen
sätzlichen Unterschied zwischen dem bringt. Aus dem Dampf werden Blut und
westlichen und östlichen Leitbild zu Säfte, Energie und auch die Energie für
kennen. Weiteres sind ein paar Basics das Verdauungsfeuer gewonnen. Wird das
der TCM ebenfalls wichtig um meine Verdauungsfeuer, aus welchen Gründen
Ausführungen verstehen zu können. auch immer, zu schwach, kommt es zu
Störungen in der Gewinnung der oben-
genannten Substanzen und es kommt
Unterschiede zwischen West früher oder später zu Problemen auf kör-
und Ost perlicher Ebene( z.B. Gelenksprobleme).

Im modernen Westen neigen wir dazu, Fritz Reisenauer, Bergführer, Heilmasseur


den Gegenstand der Untersuchung ana- Welche Ernährungsweise tut uns gut und Ernährungsberater
lytisch zu betrachten. Wir suchen die Ursa- bzw. von welcher ist abzuraten?
che im Detail und stoffliche Bestandteile
sind für uns sehr wichtig. Im fernen Osten Prinzipiell wirken sich unregelmäßige „Im fernen Osten wird der Mensch
dagegen wird der Mensch ganzheitlich Mahlzeiten, Essen in Hast und Eile ne- ganzheitlich zwischen Himmel und
zwischen Himmel und Erde gesehen, der gativ auf unsere Verdauung aus. Ge-
Erde gesehen, der genauso wie jedes
genauso wie jedes andere Lebewesen nauso ist vom Verzehr der Lebensmitteln
den Gesetzmäßigkeiten der Natur unter- direkt aus dem Kühlschrank abzuraten. andere Lebewesen den Gesetzmä-
liegt. Zuviel Rohkost, Süßigkeiten, gezu- ßigkeiten der Natur unterliegt.“
In der Ernährung entstehen dadurch ckerte Fruchtsäfte, raffinierte Produkte
auch wesentliche Unterschiede. Wir im (weißes Mehl und weißer Zucker), viele
Westen setzen in der Sporternährung Milchprodukte schwächen die Verdau-
Blick von oben auf Hüttschlag mit der imposanten Hüttschlager Wand auf eine kohlenhydratbetonte Ernährung ung langfristig. Spätes Essen und Essen
mit möglichst wenig Fett und einer opti- vor dem Schlafengehen schwächt ge-
malen Vitamin- und Mineralstoffzusam- nauso unser Verdauungsfeuer. Produkte
mensetzung. In der fernöstlichen Medizin mit vielen Zusatzstoffen, Fertigproduk-
steht die Verdaulichkeit der Speisen an te und Tiefkühlware beeinflussen die
oberster Stelle bzw. wird der Stärkung der Verdauung negativ.
Mitte(Verdauung) eine zentrale Rolle zu- Um sich gesund zu ernähren, sollte man
geordnet. auf qualitativ hochwertige Lebensmittel,
die saisonal und regional geerntet wer-
den, setzen. Warme Speisen als normale
Grundlagen der TCM Portionen verzehrt, stärken die Verdau-
ungsleistung aus Sicht der TCM.
Leben basiert auf zwei Komponenten:
zum einen Yin, die Substanz, zum ande-
ren Yang, die Energie. Dem Yin werden Richtige Ernährung für Bergsteiger
Blut und Säfte, dem Yang das Qi = die
Energie zugeordnet. Die Vorstellung des Wichtig für Bergsteiger ist es vor allem
Ernährungsablaufes in der TCM entspricht Blut, Säfte und Yin aufzubauen bzw. zu
Sporternährung etwas anders 58 59 Diskussion

„Wir im Westen setzen in der


Sporternährung auf eine
nähren, dies kann z.B. mit Suppen, war-
me Kompotte und saftige Speisen wie
Abendessen: soll vor allem Säfte, Blut und
Yin aufbauen.
Diskussion zu den Vorträgen von Helmut Schwann, Rudolf Morawetz
kohlenhydratbetonte Ernährung mit z.B. Letscho erfolgen. Für lange, an- Weitere Komponenten für einen erholsa- und Fritz Reisenauer
möglichst wenig Fett und einer spruchsvolle Touren muss auch Qi aufge- men Schlaf sind außerdem: das Abend-
optimalen Vitamin- und Mineral- baut werden, dies kann man mit einem essen sollte mindestens drei Stunden vor
warmen Frühstücksbrei, lang gekochte der Nachtruhe eingenommen werden, die
stoffzusammensetzung. Eintöpfe oder im Backrohr zubereitete Bettruhe sollte deutlich vor Mitternacht Roland Kals: Ich fasse also zusammen, Brigitte Slupetzky: Wann kann das auf- Zusammenfassung:
Speisen erreichen. erfolgen, denn dies unterstützt genauso Berge machen schlau und fröhlich, aber treten? Auch dann schon, wenn ich ein-
In der fernöstlichen Medizin steht Als Anzahl der Mahlzeiten pro Tag sind das für Sportler besonders wichtige Yin. man muss es richtig angehen. mal eine Cortisonspritze bekomme? Das „Sanatorium in den Bergen“
die Verdaulichkeit der Speisen an drei Speisen zu empfehlen auch in der Diverse Vitaminshakes sind als Ersatz für Wir sollten uns nicht zu sehr in diese The-
kann immer nur in Kombination mit
oberster Stelle “ westlichen Ernährungslehre geht der das Abendessen nicht zu empfehlen rapieecke begeben. Oft merkt man ja Helmut Schwann: Es hängt nicht unbe-
Trend wieder von fünf auf drei zurück. auch eine gewisse Zurückhaltung, weil dingt von der Dosis ab. Aber Erfahrungs- einer umfassenden Therapie funkti-
Jause: sollte leicht verdaulich sein, um den man nicht möchte, dass dann die Gäste gemäß sind natürlich die hohen Dosen onieren.
Organismus nicht unnötig zu belasten denken, man wäre nur ein Sanatorium schlechter. Es gibt Krankheiten, wo man
Aufgabe der einzelnen Mahlzeiten oder ähnliches. am Beginn mit sehr hohen Dosen be- In der Prävention allerdings könn-
ginnt, dann aber schnell zurück geht. Die ten die Bergsteigerdörfer sehr stark
Frühstück: soll die Verdauung wärmen Als Abschluss dieser Zusammenfassung Rudolf Morawetz: Für mich wäre nichts hohen Dosen, die man früher über länge-
punkten. Nichts ist so erholsam für
und Aufbau von Qi und Yang unterstüt- möchte ich ein Zitat von Hippokrates an- besser, als wenn es dieses „Sanatorium re Zeiträume gegeben hat, gibt es heute
zen, durch die besonders gute Verdau- führen: in den Bergen“ gäbe, aber nicht nur, um praktisch überhaupt nicht mehr. Körper und Geist, als eine wunder-
ungsleistung am Vormittag werden zuge- dort zu wandern, sondern um beide Effek- schöne, intakte Naturlandschaft,
führte Speisen besonders gut verwertet „Eure Nahrung soll Euer Heilmittel sein te zu nützen. Auch dass mit dem Alkohol hat mir gut in der man so sein darf, wie man
und Euer Heilmittel soll Eure Nahrung Marketingmäßig wäre ich vorsichtig, ob- gefallen. Es hat einmal den Vergleich ge- wirklich ist und nicht „entsprechen“
Mittag: Das Problem liegt in der Möglich- sein.“ wohl ich in den letzten Jahren immer ben, dass ein richtiger Vollrausch mehr muss.
keit der Ernährung am Arbeitsplatz. Fast mehr feststelle, dass die Hemmschwelle, Gehirnzellen zerstört, als eine Gehirner-
Food schwächt das Verdauungsfeuer und sich beraten zu lassen, gerade auch sich schütterung.
langfristig führt dies zu einem Mangel an psychologischen Rat zu holen, deutlich
Yin, Körpersäften und Blut. gesunken ist. Junge Leute kommen zu Brigitte Slupetzky: Es heißt ja „In einem
uns wie zum Steuerberater, weil die ex- gesunden Körper wohnt eine gesunde
terne Sicht gesucht wird. Die Qualität Psyche“. Was ist an dem wahr?
der Beratung ist dabei entscheidend.
Freunde braucht man, aber sie können Rudolf Morawetz: Die Wechselwirkung
die externe Sicht nicht ersetzen. ist auf der einen Seite jedem persönlich
bekannt und bewusst, aber ich kann
Helmut Schwann: Ich möchte eine An- auch einen sehr gesunden Körper mit
merkung zu den „Psychosen“ machen: Es einer sehr kranken Seele habe. Ein Bei-
gibt natürlich auch Psychosen, die ei- spiel, um auch das Thema der Psychosen
nen sehr realen Hintergrund haben, also noch um eine sehr häufige Facette zu
Helmut Schwann, Facharzt für Innere Medizin
nicht nur Cannabis, sondern schlicht weg erweitern: Wir haben heute sehr oft junge
das Cortison. Cortison wird vielfach ver- Männer zwischen 18 und 30 Jahren mit
schrieben und genommen. Wenige wissen Angststörungen und Panikattacken.
über die Nebenwirkungen von Cortison Die Ursache ist, dass sie oftmals bis drei
Bescheid. Sie wissen zwar, dass man einen Uhr in der Früh Computerspiele spielen,
Zucker eventuell demaskieren kann, sie bis elf Uhr schlafen, eine Verschiebung
wissen, dass der Blutdruck hinauf gehen des Tag-Nacht-Rhythmuses haben, Stö-
kann, aber dass akute Psychosen auftre- rungen des Vegetativums. Wenn diese
ten, und zwar in 3-5%, was enorm viel ist, Menschen nicht von selber und rechtzei-
und depressive Verstimmungen sowieso. tig zu einem Psychologen gehen, dann
Ich mache jeden Patienten darauf auf- können sie alleine durch diesen Lebens-
merksam, dass wenn er/sie psychische wandel eine Psychose entwickeln.
Veränderung wahr nimmt, dies sofort sa- Brigitte Slupetzky, OeAV-Landesverbandsvorssit-
gen muss. zende Salzburg
Diskussion 60 61 Diskussion

Zusammenfassung: Ingo Ortner, ÖAV-Sektion Obergailtal- chinesische Studien - auf über 3.000 Hm. das ist die Zukunft. Eigentlich muss man in dem wir sein dürfen, wie wir sind. Helmut Schwann: Das würde außerdem
Lesachtal: Wir alle kommen aus kleinen Tatsächlich gibt es deutlich weniger Herz- sagen, die Kinder müssen zu viele Spiel- rund 2.000 Kalorien bedeuten. Vor allem
Man kann nicht generell davon Dörfern. Viele der Studien beziehen sich Kreislauf-Erkrankungen. Schlecht schnei- sachen haben, weil sie schon jetzt mit „zu Helmut Schwann: Ich bedanke mich für saisonales Gemüse ist besonders wichtig -
auf den urbanen Bereich. Meine Frage: det die Lunge ab. In wie weit man diesen viel“ umgehen lernen müssen. den äußerst interessanten Vortrag von z.B. im Winter Sauerkraut.
sprechen, dass Menschen in Berg-
gibt es nachweislich so was wie Domino- Studien vertrauen kann, weiß ich nicht. Fritz Reisenauer. Die traditionell chinesi-
dörfern gesünder sind als andere. Effekte, wenn in einem kleinen Dorf ein Fakt ist jedenfalls, dass wir alle sterben Ingo Ortner, ÖAV-Sektion Obergailtal- sche Medizin ist ur-uralt. Gelernt davon
Ganz im Gegenteil kann man gerade Suizid passiert, wo immer das ganze Dorf müssen. Lesachtal: Ein Gedanke zum Cannabis. hat das gesamte Mittelmeer. Die heutige
in klassischen Tourismusorten einen mit leidet? Man darf nicht die Berge mit der heilen „Mittelmeerdiät“ - die Ernährungsweise,
gefährlich hohen Drogenkonsum Heribert Kulmesch, Vizebürgermeister Welt verwechseln. Denn egal, wo ich be- die wir heute verkaufen - basiert größ-
feststellen, der nicht zuletzt auf- Rudolf Morawetz: Ich kann das nur aus Zell-Sele: Auch die Lebensumstände ha- ruflich unterwegs bin, so viel Cannabis wie tenteils auf der chinesischen Medizin.
dem Blickwinkel der akuten Psychologie ben sich geändert. Ich denke schon, dass ich auf den Alpenvereinshütten sehe ich Nur das mit der Milch bringt eine kleine
grund des relativen Reichtums der
sagen: Der klassische niederschwellige der Zusammenhang gegeben ist. sonst nirgends. Einschränkung mit sich, da die Chinesen
Eltern zustande kommt. Bereich wäre z.B. eine Panikattacke als bekanntlich aus genetischen Gründen Zusammenfassung:
Dies trifft - vermutlich - weniger Zeichen für die zugrunde liegende Prob- Rudolf Morawetz: Was für mich - seit 1999 Rudolf Morawetz: Das wundert mich Schwierigkeiten haben, Milch zu verdau-
stark auf Bergsteigerdörfer zu, da lematik oder depressive Problematik. Hier mache ich das als tägliche Arbeit - auffal- nicht. en. Für uns Europäer trifft das nicht unbe- Nicht zu vergessen ist allerdings das
die Eltern erstens mehr Zeit für ihre könnte man aufmerksam werden und re- lend ist, ist dass sich viele meiner Weltbil- dingt zu und daher der Appell: Milchpro-
agieren. der gewandelt haben. Es gibt nicht mehr Brigitte Slupetzky: Um Gottes Willen! dukte bitte nicht streichen. Sie sind vor Vitamin D, das der Mensch durch
Kinder haben und auch die Verfüg- Sonnenlicht aufnimmt. D.h. die Son-
das traditionell katholische Dorf, es gibt Dann sperren wir alle unsere Hütten zu! allem wegen ihres hohen Calziumge-
barkeit von Drogen nicht so stark nenbestrahlung in mittleren Höhen
Ingo Ortner: Aber in einem kleinen Dorf, nicht mehr den Dorfpfarrer, der im Notfall haltes besonders wichtig.
gegeben ist. wo wenig Infrastruktur da ist, aber wo je- geholt wird - das war immer eine wichti- Helmut Schwann: Was in der kürze Zeit bringt tatsächlich echte gesundheit-
der jeden kennt und die Gesprächsbasis ge Ressource für uns. Auffällig ist der re- bis jetzt noch nicht angesprochen wurde, Fritz Reisenauer: Gegen eine Ernährung liche Vorteile.
da ist, könnte es da nicht genau umge- lative Reichtum der Tourismusorte mit ist das Vitamin D. Die Sonnenbestrah- gänzlich ohne Milchprodukte bin ich auch
kehrt sein? D.h. dass man eine Strategie der Verfügbarkeit von nicht nur Cannabis, lung in mittleren Höhen bringt wirklich nicht. Ich vertrete die Ansicht, dass wir
entwickelt, die präventiv greift: z.B. dass sondern bis hin zu Kokain. In den Touris- echte gesundheitliche Vorteile! Vitamin - die wir hier aufgewachsen sind - mög- Zur Ernährung: Selbst die Mittel-
den Eltern geholfen wird, ihre Kinder in Be- musorten gibt es eine besonders hohe D ist ein ganz zentrales Hormon - kein Vi- lichst auch das essen sollten, was bei uns meerdiät lässt sich auf die traditi-
wegung zu setzen - auf den Berg bringen. Abhängigkeit von gewissen Substanzen, tamin - und steuert sehr viele Prozesse in wächst. Aber meine Erfahrungen zeigen onelle chinesische Medizin zurück-
dazu kommt, dass speziell im Hotelbe- uns. Nicht nur als Vorbeugung gegen Os- schon, Milchprodukte ja, aber in einem führen. Die Vorteile einer Ernährung
Rudolf Morawetz: Ja, grundsätzlich ja. trieb die Zeit für die eigenen Kinder sehr teoperose, sondern auch die Koordina- vernünftigen Ausmaß einsetzten. Vor eini- nach der TCM sind mehrfach belegt.
Wobei die schlechte Infrastruktur kann ich knapp ist. Sie sind sozial eingeschränkt, es tion von Nerven und Muskel - sprich die gen Jahren wurde propagiert, man müsse
Einzig was den Konsum von Milch-
nicht ganz gelten lassen, es gibt ein Telefon gibt nicht besonders viel Auswahl unter Gangsicherheit - wird dadurch massiv ge- jeden Tag Joghurt essen, um gesund zu
und das reicht. Im Grunde genommen Ihresgleichen, müssen die Schule schau- fördert. Vitamin D kann in Form von Trop- bleiben. Das glaube ich nicht. produkten betrifft, wird eingewor-
braucht ist die Erkenntnis, Achtung, wir keln, sollen in Notfällen im Betrieb aushel- fen dem Körper zugeführt werden, aber fen, dass dieser aufgrund des hohen
haben ein Problem, weil das Kind nur fen. Zusammengefasst: das ist ein extrem die natürliche Aufnahme erfolgt durch Helmut Schwann: Die Laktose-Unver- Calziumgehaltes nicht vernachläs-
am Computer hängt. Hier ist der Punkt, schwieriges Umfeld. Bei der Verfügbarkeit Sonnenlicht über die Haut. D.h. neben träglichkeit nimmt mit zunehmendem sigt werden sollte, zudem wir Euro-
wo man eingreifen kann. Wir wollen nicht, von viel Geld, nicht zu rauchen oder zu den positiven Aspekten der Bewegung Alter zu. päer wesentlich seltener an einer
dass Ritalin gegeben wird oder ADHS dia- trinken, ist ein Kunststück. Wenn sich die kommt vor allem die Sonnenbestrahlung
Laktose -Unverträglichkeit leiden,
gnostiziert wird, sondern wir wollen, dass Eltern diesen Problemen mehr bewusst in mittleren Höhenlagen als gesundheits- Hans Jury, Vorsitzender ÖAV-Sektion
die Kinder Bewegung machen. wären, könnten sie zumindest die Ver- förderndes Argument dazu. Außer es neigt Gmünd: 80% der Asiaten haben eine als das Asiaten tun.
Ingo Ortner, ÖAV-Sekt. Obergailtal-Lesachtal
Und das ist nicht so hoffnungslos wie viele fügbarkeit von Geld reduzieren und den jemand zu Melanomen, dann ist Vorsicht Laktose-Unverträglichkeit. Bei uns ist vor
Leute glauben. Junge Leute verstehen das, Kindern dafür ein paar Stunden mehr Zeit geboten. rund 10.000 Jahren die Zucht von Kühen
setzen das auch um. Dass für den Eltern- geben. forciert worden, um die Milch zu nutzen.
oder Lehrerkomfort heute vielfach Rita- In den kleinen Orten ist die Problematik Helga Zraunig, Partnerbetrieb Hütt- Dabei kam es zu einer Mutation. D.h. in
lin gegeben wird, ist für mich zur Zeit weit weniger ausgeprägt, weil eben der schlag: Ich möchte ganz explizit sagen, Mitteleuropa haben nur ca. 20% von vorn-
die größte Katastrophe der Jugend, die Reichtum der Eltern wegfällt. Hier gibt es dass die Natur eine ganz besonders herein eine Laktose-Unverträglichkeit. Erst
abläuft. eher die Problematik der Isolation, der heilsame Wirkung auf den Menschen im Alter nimmt die Produktion dieses En-
langen Fahrzeiten, kein adäquates An- hat. Ich glaube, dass es viele Menschen zyms ab und verursacht dann Probleme,
Helmut Schwann: Es gibt auch Studi- gebot an Freitzeitmöglichkeiten, weil gibt, die sich im Alltag sehr schwer tun, zu aber im Normalfall vertragen wir Milch
en zu der Frage, ob Menschen, die in den 16 -Jährigen der Berglauf eventuell entsprechen. In der Natur kann ich sein ganz gut.
mittleren Höhenlagen leben, gesünder nicht so sehr interessiert. Hier kommen wie ich wirklich bin, ohne Maske. Gera-
leben. Die müssten rein theoretisch alle die digitalen Medien stark zum Tragen. Die de unberührte Berglandschaften lassen Roland Kals: Aber drei Liter Milch am Tag
Heribert Kulmesch, Vizebürgermeister Zell-Sele 100 Jahre alt werden. Tatsächlich gibt es Kinder müssen damit umgehen lernen - uns aufatmen, bieten den Rückzugsraum, sollte man auch nicht trinken. Helga Zraunig, Partnerbetrieb Hüttschlag
62 63

Kleiner Rundgang durch


das Bergsteigerdorf Hüttschlag
Bürgermeister Hans Toferer

Die Gemeinde Hüttschlag bildet den Tal- Großarltal eine wirtschaftliche Blütezeit.
schluss des Großarltales, welches als ver- Der Bergbau florierte und wurde zu ei-
bindendes Landschaftselement zwischen nem wichtigen Wirtschaftsfaktor für das
den Hohen und den Niederen Tauern gel- Erzbistum Salzburg. Für den Handel war
ten kann. Als östlichstes der Salzburger allerdings die Errichtung einer Straße
Tauerntäler ist es auch eines der Längsten dringend notwendig. Unter schwierigsten
(die Luftlinie zwischen Arlscharte und Sal- Bedingungen wurde oberhalb der Klamm
zach beträgt immerhin 27 km), mit einer eine Straße in den Fels gehauen. Noch
beeindruckend hohen Mündungsstufe heute – trotz neu angelegter und bes-
(ca. 200 m) ins Salzachtal. tens abgesicherter Straße – ist die Fahrt
ins Großarltal ein Erlebnis. Besonders der
Die eiszeitliche Vergletscherung hat einen erste Teil ober- halb der beeindruckenden
eindrucksvollen Taltrog ausgehobelt, der, Liechtensteinklamm lässt erahnen, welch
bedingt durch das Schichtfallen, einen schwieriges und wohl auch gefährliches
ausgeprägt asymmetrischen Querschnitt Unternehmen es damals gewesen sein
besitzt: Besonders von Großarl bis zum muss, eine Straße durch die Klamm zu
Talschluss beherrschen eindrucksvolle hauen und für Fuhrwerke befahrbar zu
Die Gemeinde Hüttschlag ist Nationalparkge-
Felswände die Ostseite des Tales, während machen. meinde. Das Talmuseum und Nationalpark-
die Westseite in sanften Hängen ansteigt. Die sehr gut erhaltene “Alte Wacht” wurde Infozentrum befinden sich am Talschluss.
als Mautsperre an der Gemeindegrenze
Zwischen 400 bis 700 n. Chr. drangen Sla- zwischen St. Johann im Pongau und Groß-
wen aus Kärnten und dem Lungau kom- arl errichtet. Sie mussten alle Fuhrwerke,
mend in das Großarltal ein; mehrere Orts- die in das Tal oder hinaus wollten, passie-
namen slawischen Ursprungs belegen ren – einen anderen Weg gab es nicht. Auf
dies. Die Slawen wurden von den später diese Art und Weise sollte dem lebhaften
eindringenden Bajuwaren vertrieben, Schmuggelwesen ein Riegel vorgescho-
jedoch nicht ohne Gegenwehr, weshalb ben werden.
es besonders im Tappenkar- und Bund-
schuhgebiet zu kriegerischen Auseinan- Hüttschlag liegt auf 1.030 m, der höchs-
dersetzungen gekommen sein soll. Das te Punkte auf Gemeindegebiet ist der
Erzbistum Salzburg war seit dem Jahr Keeskogl mit 2.886 m.
Der kleine Rundgang durch Hüttschlag führte auch zur schönen Pfarrkirche. 1000 Grundherr im Großarltal, in dieser Aktuell wohnen rund 900 Personen in
Zeit wurde auch die erste Kapelle errich- Hüttschlag.
tet. Erzbischof Konrad befahl schließlich
die unwirtschaftlichen Tauerntäler des
Erzbistums urbar zu machen. Die Erschlie-
ßung des Tales war aber durch die steilen
Felswände der Großarlerklamm (später
Liechtensteinklamm) besonders schwie-
rig. Ein erster Steig ins Tal entstand angeb-
lich im Jahr 1130.
Durch den Kupfer- und Schwefelbergbau,
der ab dem 14. und 15. Jahrhundert in Die beeindruckende Lichtensteinklamm
Hüttschlag betrieben wurde, erlebte das am Taleingang
Rundgang durch Hüttschlag 64 65

Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen

Nr. Vorname Nachname Funktion


1 Außerlecher Josef Bgm. Kartitsch
2 Bänker Uwe OeAV-Sektion Mallnitz, Kassier
3 Beermeister Helga TVB Wipptal, St. Jodok
4 Bischof Monika Biosphärenpark Management Gr. Walesrtal
5 Bischof Hildegard Partnerbetrieb Gr. Walsertal
6 Dagostin Liliana Projektteam Bergsteigerdörfer
7 Draschl Leonhard Viezebürgermeister Kartitsch
8 Galle Ewald Ministerium für ein lebenswertes Österreich
Hotel Hüttenwirt, Gemeindeamt und die beeindru- Alte Hausmalerein legen Zeugnis über die damalige Die schlichte aber sehr schöne Kirche von Hüttschlag 9 Geieregger Birgit JUFA, Sales & Marketing
ckende Felswand im Hintergrund. Funktion der Häuser ab. steht erhöht über dem Ort.
10 Goller Anton Amtsleiter Kartitsch
11 Hatheier-Stampfl Regina Projektteam Bergsteigerdörfer
12 Hesse Karlheinz DAV-Sektion Göttingen
13 Hipp Tobias DAV - Ressort Natur- und Umweltschutz
14 Jury Hans 1. Vorsitzender OeAV-Sektion Gmünd
15 Kals Roland Projektteam Bergsteigerdörfer
16 Kapferer Karl Bgm. St. Sigmund im Sellraintal
17 Kendler Sepp Obmann OeAV-Sekt. Großarl-Hüttschlag
18 Klausner Rudolf Ortsvorsteher Ginzling
19 Kleuver Maarthen Jufa Hausleitung Almtal
Und immer wieder wird der Blick von der Hüttschlager Bgm. Hans Toferer darf seine Gemeinde bei besten Ein faszinierendes Bild: die schmiedeeisenen Grab-
Wand angezogen, durch die drei Klettersteige führen. Wetter präsentieren. kreuze direkt neben der Kirche.
20 Kneißl Franz Bgm. Steinbach am Attersee
21 Krismer Angelika Gemeinderätin Vent
22 Kulmesch Heribert Vizebürgermeister Zell-Sele
23 Mair Hanspeter Geschäftsbereichsleiter DAV
24 Morawetz Rudolf Notfallpsychologischer Dienst Österreich
25 Ortner Ingo OeAV-Sekt. Obergailtal-Lesachtal
26 Penz Ingrid Hüttenwirtin der Pforzheimer Hütte, Sellraintal
27 Ploderer Martin Bgm. Lunz am See
28 Reisenauer Fritz Bergführer, Ernährungsberater
29 Ruckendorfer Andrea Alpenregion Bludenz Tourismus GmbH
30 Rüscher Klaus Bgm. Malta
Alte Gehöfte prägen das Bild und verstärken den Hier wurde einst der Gemeinderatsbeschluss zu den Wie jedes Bergsteigerdorf hat auch Hüttschlag seinen
bergbäuerlichen Charakter. Bergsteigerdörfern gefasst - die Gemeindestube. ganz individuellen Aufsteller. 31 Scheiber Peter Partnerbetrieb Vent
32 Schlackl Bernd Programmierer Webseite Bergsteigerdörfer
33 Schlosser Hannes Redakteur Alpingeschichte und Fotograf
34 Schmidt Harald Naturschutzreferent DAV-Sekt. Hannover
35 Schwann Christina Projektteam Bergsteigerdörfer
36 Schwann Helmut Facharzt f. Innere Medizin
37 Schwarzenlander Stephanie TVB-Steinbach am Attersee
38 Seifert Willi GF Hochgebirgs-Naturpark Zillertaler Alpen
39 Slupetzky Brigitte OeAV-Landesverbandsvorsitzende Salzburg
40 Steger Paul Vorsitzender OeAV-Sektion Zillertal
Bergsteiger und Bergsteigerdorffahen stehen an Der Blick talauswärts - auch in Hüttschlag wird ge- Die Hüttschlager Wand in der Morgensonne. Was für 41 Stiller Werner GF-TVB Krakautal u. Partnerbetrieb Krakau
zentraler Stelle im Ort. baut, aktuell die neue Feuerwehr inkl. Wohnungen. ein wunderbarer Herbsttag!
66 67

42 Streckner Marianne OG Seekirchen, Naturschutzreferentin


43 Stummer Bernhard Bundesausschuss ÖAV
44 Supersberger Markus Partnerbetieb Mallnitz
45 Toferer Hans Bgm. Hüttschlag
46 Toferer Werner Partnerbetrieb Hüttschlag
47 Türtscher Franz Ferdinand Bgm. Sonntag, Gr. Walsertal
48 Türtscher Aloisia Partnerbetrieb Gr. Walsertal
49 Türtscher Merbod Partnerbetrieb Gr. Walsertal Christian Unterguggenberger, Lesachtal Engelbert Wassner, Zell-Sele Rudolf Klausner, Ginzling
50 Türtscher Wilfried Wanderführer Gr. Walsertal
51 Unterluggauer Christian TVB Lesachtal
52 Vrevc Simona Vize-Generalsekretärin d. Alpenkonvention
53 Wassner Engelbert Bürgermeister Zell-Sele
54 Wassner Egon Amtsleiter Zell-Sele
55 Weidinger Alois Bgm. Grünau im Almtal
56 Weißkopf Katharina Hochgebirgs-Naturpark Zillertaler Alpen
57 Wirnsperger Thomas GF TVB-Großarltal
58 Wolf Ludwig Bgm. Johnsbach im Gesäuse Helga Beemeister, St. Jodok, Schmirn-Valsertal Karl Heinz Hesse, DAV Ludwig Wolf, Johnsbach
59 Zraunig Helga Partnerbetrieb Hüttschlag

Josef Außerlechner, Kartitsch Ingrid Penz, Sellraintal Stephanie Schwarzenlander, Steinbach am Attersee

Franz Ferdinand Türtscher, Gr. Walsertal Angelika Krismer, Vent Markus Supersberger, Mallnitz

Werner Stiller, Steirische Krakau Werner Toferer, Hüttschlag Alois Weidinger, Grünau im Almtal
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Zwei Wanderungen bei herrlichstem Herbstwetter!


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Anhang: Die Kriterien für Bergsteigerdörfer


Fassung vom 10.10.2014
Wir - das Projektteam Bergsteigerdörfer - dürften uns ganz herzlich bei allen Teilnehmerinnen und Teilneh-
mern, bei allen Referentinnen und Referenten sowie bei unseren Gastgebern für die gelungene Veranstaltung
bedanken. Besonderer Dank gebührt Dr. Ewald Galle für seinen Einsatz im Ministerium für ein lebenswertes Aufgabe und Funktion der Bergsteigerdörfer
Österreich, unser Projekt auch in der neuen Förderschiene Ländliche Entwicklung 14-20 zu verankern. Außer-
dem bedanken wir uns ganz besonders bei den beiden Bundesausschussmitgliedern des Österreichischen Al- Die österreichischen Bergsteigerdörfer sind vorbildhafte regionale Entwicklungskerne im nachhaltigen Alpintourismus mit
penvereins, Bernhard Stummer und Brigitte Slupetzky, die neben Joachim Gfreiner aus Kärnten, unser Projekt einer entsprechenden Tradition. Sie garantieren ein hochwertiges Tourismusangebot für Bergsteiger und Bergwanderer,
in den Reihen des Alpenvereins fest verankern. Wir freuen aus auf die nächste Förderperiode und auf die vielen weisen eine exzellente Landschafts- und Umweltqualität auf und engagieren sich für die Bewahrung der örtlichen Kultur-
und Naturwerte.
neuen Herausforderungen, die sie bringen wird. Wir hoffen, das Projekt über die Grenzen Österreichs hinaus
Als alpine Kompetenzzentren setzen Bergsteigerdörfer auf Eigenverantwortung, Fähigkeit und Souveränität sowie um-
tragen zu dürfen, um die Ziele der Alpenkonvention noch besser auf Gemeindeebene zu verankern und einen weltkundiges und verantwortungsvolles Verhalten ihrer Gäste am Berg.
Mosaikstein für eine echte Regionalentwicklung zu setzen. Diese Vorbildwirkung der Bergsteigerdörfer erstreckt sich auch auf das aktive Bemühen, das Ziel der nachhaltigen Ent-
wicklung im Alpenraum zu verwirklichen. Die Förderung und Weiterentwicklung der Bergsteigerdörfer steht im Einklang mit
den Durchführungsprotokollen der Alpenkonvention.
Im Zweifelsfall haben in Bergsteigerdörfern Werte wie Natur und Landschaft Vorrang.
Das Projektteam Bergsteigerdörfer
Funktion der Kriterien

Allgemein ist ein Kriterium ("Richtmaß“) ein Merkmal, das bei einer Auswahl relevant für die Entscheidung ist. Eine wich-
tige Funktion der Bergsteigerdörfer-Kriterien ist die Operationalisierung (Meßbarmachung) der Zielvorstellungen, wobei
sowohl objektive Tatbestände als auch subjektive Einschätzungen abzubilden sind.
Bergsteigerdörfer existieren nicht im luftleeren Raum, sie haben ihre jeweils eigene Entwicklungsgeschichte. Um der gro-
ßen Vielfalt, gleichzeitig aber dem „Bergsteigerdorf“ als Qualitätsversprechen gerecht zu werden, wird das Kriteriensystem
in drei Abschnitte gegliedert:

a) Ausschlusskriterien: Sie kommen bei der Neuaufnahme von Orten zum Tragen, oder aber bei schwerwiegenden Verän-
derungen in bestehenden Bergsteigerdörfern. Bei Neuaufnahmen ist es dabei unerheblich, ob der Ort selbst Einflussmög-
lichkeiten auf das Geschehen hat, weil dies für die Gäste irrelevant ist.

b) Pflichtkriterien: Sie gehören jedenfalls zur Grundausstattung des Bergsteigerdorfes, sind in vielen Fällen bereits vor-
handen, in Einzelfällen müssen sie „nachgerüstet“ werden. Eine schwerwiegende Verschlechterung von Bedingungen in
Bergsteigerdörfern, die damit nicht mehr den Pflichtkriterien entsprechen, kann zu einem Ausschluss führen.

c) Zielkriterien: Sie sind die „Zusatzqualifikation“ der Bergsteigerdörfer und eignen sich als Unterscheidungsmerkmale im
laufenden Prozess der Qualitätskontrolle und Qualitätsverbesserung. Durch die Zielkriterien heben sich Bergsteigerdörfer
deutlich von anderen – ähnlich klingenden – Initiativen ab. Die Bergsteigerdörfer streben im Sinne einer umfassenden
Regionalentwicklung die Erreichung der Zielkriterien an.

A) AUSSCHLUSSKRITERIEN

A1) Unzureichende Tourismusinfrastruktur


- Fehlen von Beherbergungsbetrieben, die eine ausreichende Qualität anbieten können. (Zimmer mit Dusche und
WC, Frühstücksbuffet mit vorwiegend heimischen Produkten, gelten als Mindeststandard; die weiteren Serviceleis-
tungen werden durch die Partnerbetriebskriterien geregelt.)

A2) wenig alpiner Landschaftscharakter, Landschaftsschäden,Technikdominanz


- geringe Reliefenergie (Unterschied zwischen niedrigstem und höchstem Punkt des Gemeindegebietes muss min-
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destens 1.000 Höhenmeter betragen.) B3a) Ortsbildqualität


- den Gesamtcharakter erheblich störende Schäden durch menschliche Eingriffe (dies gilt auch für Eingriffe, die - Verankerung einer bergsteigerdorfgerechten Strategie für die Ortsbildpflege und Ortsbildentwicklung im kommuna-
außerhalb des Gemeindegebietes liegen, wenn die Einsehbarkeit deutlich gegeben ist und somit zu einer erhebli- len Entwicklungsleitbild (Räumliches Entwicklungskonzept, Örtliches Entwicklungskonzept,...)
chen Störung des Gesamtbildes führt.) - Kenntlichmachung des Ortes als „Bergsteigerdorf“ durch entsprechende zur Region und zum Wesen der Bergstei-
- Eingriffe in Schutzgebieten, die deren Charakter und Schutzzweck beeinträchtigen“ gerdörfer passende Inszenierungen an den Ortseinfahrten und/oder im Zentrumsbereich (Stein mit Logo, Hinweis-
- Intensivtouristische Wintersportanlagen, insbesondere tälerverbindende Schierschließungen bzw. der damit ver- tafel, Fahnen, ....)
bundenen Infrastruktur im Tal
- Einrichtungen zur Energiegewinnung wie Wasserkraftanlagen, insbesondere Speicherkraftwerke, Photovoltaik- B3b) Landschaftsqualität
und Windkraftanlagen in überörtlicher Dimension. (Für vor 2014 aufgenommene Bergsteigerdörfer besteht ein - keine durch Straßen / Seilbahnen erschlossenen benannten Berggipfel (Erschließung endet mindestens 200 Hm
„Bestandsschutz“.) unter dem Gipfel, bzw. in mindestens 500 m Horizontaldistanz)
- Verzicht auf Neuerschließung oder großräumige Erweiterungen von Schigebieten (entsprechend Salzburger Sach-
A3) Kein dörflicher Charakter programm Schierschließung, Tiroler Raumordnungsprogramm Seilbahnen)
- zu große Bewohnerzahl (Grenzwert 2.500 pro Gemeinde/Ortsteil – kann bei Talschaften überschritten werden) - Keine Außenstarts und –landungen von Motorflugzeugen (ausgenommen Versorgungs- und Rettungsflüge)
- zu große Betriebsgrößen, gemessen an der Beschäftigungszahl (Grenzwert: 50 pro Betriebsstätte, im Einzelfall - keine permanent genutzten Motorsportstrecken zur Austragung von Bergrennen, Rallies, Motocross, Schidoo-
sind Ausnahmen möglich, wenn der dörfliche Charakter nicht beeinträchtigt wird.) Rennen u. dgl.
- ungünstiger Charakter der Bebauung: Maßstäblichkeit, Gestaltung und Anordnung der neueren Bautätigkeit insbe- - Verzicht auf Neuerrichtung von Wasserkraft -, Windkraft-, Photovoltaik-Anlagen in überörtlicher Dimension mit
sondere am Außensaum – Problematik der Gewerbegebiete Auswirkungen auf die Landschaftsqualität und/oder Beeinträchtigung des Schutzgebietsinventars sowie Hoch-
- Zersiedelung – Verlust des harmonischen Siedlungsbildes spannungs-Freileitungen (Wasser- und Windkraftanlagen: zu prüfen sind insbesondere die Verträglichkeit mit
- Dominierende Parahotellerie (großräumige Ferienparks, Appartementanlagen, Time-Sharing-Anlagen u. dgl.) bestehenden Schutzzwecken, die Wirtschaftlichkeit und die überregionale Bedeutung von Fließgewässern und
Landschaften (z.B. Natura 2000))
A4) Lage an Hochleistungsverkehrswegen - Bei Neuerrichtung von Einrichtungen zur Energiegewinnung, Straßen, Hochspannungsleitungen, Schigebieten,
- insbesondere Autobahn, Autoschnellstraße, Flugplatz etc. außerhalb des Gemeindegebietes, die aber dennoch erhebliche Auswirkungen auf die Kriterien der Bergstei-
  gerdörfer haben, darf die Gemeinde diese Ansinnen nicht aktiv unterstützen.
- Ganzjährig ausreichende Wasserführung (= ausreichend Restwasser) in Fließgewässern gemäß den vorgegebe-
B) PFLICHTKRITERIEN nen Richtlinien
- Hochalmen und Bergwälder werden von motorisiertem Individualverkehr außerhalb öffentlicher Straßen frei gehal-
ten.
B1) Tourismusqualität - Schutzgebietsanteil an der Gemeindefläche liegt im Regelfall über 20 %
- Schutzhütten alpiner Vereine oder vergleichbare private Hütten (im Regelfall über 1.500 m Seehöhe; für Besucher
nur zu Fuß erreichbar, Übernachtungsmöglichkeiten), die wenn möglich die gemeinsame Initiative „So schmecken B4) Mobilitätsqualität
die Berge“ von OeAV, DAV und AVS zur Förderung der Produktion und Vermarktung regionaler Produkte angehö- - Bergsteigertaugliche Mobilitätsangebote (Öffentlicher Nahverkehr, Taxidienste, Abholservice, organisierte Mitfahr-
ren bzw. die Mitgliedschaft anstreben. gelegenheiten)
- Bergsteigerdorf-Partnerbetriebe im Tal (Ausnahmen gelten in Einzelfällen für Vertragshäuser des Alpenvereins und
Naturparkbetriebe, die gleiche oder ähnliche Kriterien erfüllen) B5) Kooperationsqualität
- Gute Bandbreite der Beherbergungskategorien (von einfach bis gehoben) - Gemeinsamer Wille der Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure – Gemeinde, Tourismus, Alpinverein, Schutz-
- Gute Bandbreite der Restaurants/Gastwirtschaften gebietsbetreuung, Bevölkerung, etc. als Grundvoraussetzung für eine zielführenden, produktive Kooperation
- Projektarbeitsgruppe mit definiertem Ansprechpartner vorhanden
B2) Alpinkompetenz - Enge Zusammenarbeit mit örtlich zuständigen Alpinvereinen
- laufend gut betreutes und regelmäßig kontrolliertes Alpinwegenetz mit durchgängiger Beschilderung nach den - Publikation der Zusammenarbeit im Bergsteigerdörfer-Projekt (Homepages von Gemeinde und Tourismusverband
Richtlinien der Bergwegekonzepte mit Logo u. Link, Mitteilungsblätter der Gemeinde, touristisches Werbematerial, Presseauftritte, Messebeteiligun-
- kompetente örtliche Alpinberatung (TVB, Alpenvereinssektion, Alpinschule, Bergführerbüro, etc.) gen, etc.)
- Verleih oder Vermietung von spezieller Bergsteigerausrüstung (z.B. LVS-Gerät, Sonde, Schaufel, Schneeschuhe, - Teilnahme der jeweiligen Vertreter des Bergsteigerdorfes an der jährlichen Jahrestagung
Steinschlaghelm,...), Führerliteratur, Kartenmaterial - Teilnahme des erweiterten Beteiligtenkreises pro Bergsteigerdorf an regelmäßigen Qualitätssitzungen
- Tourenprogramm (Bergwandern, Klettern, anspruchsvolle Bergtouren, Hochtouren, Schitouren) für Gäste (über - Alpenkonvention – Umsetzung, Anwendung, Richtlinien – ist fixer Bestandteil der Gemeindepolitik
örtlich zuständigen Alpinverein, Bergführer, Wanderführer, Schiführer, Alpinschulen, Schutzgebietsbetreuung, etc.
...) vor Ort oder in der näheren Umgebung (bis ca. 10 km Entfernung)
- Enge Zusammenarbeit mit örtlich zuständigen Alpinvereinen
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C) ZIELKRITERIEN

C1) Touristische Qualität


- ausreichende Nahversorgung am Ort mit Artikeln des täglichen Bedarfes (Kaufgeschäft, ...)
- Möglichkeiten der Anreise mit dem Öffentlichen Verkehr (auch an Wochenenden und Feiertagen) und Mobilitätsan-
gebote für einen Urlaub ohne eigenen PKW vor Ort; entsprechende Informationsaufbereitung in allen relevanten
touristischen Medien und bestmögliche Kommunikation bereits bei der Buchung.

C2) Kulturelle und regionale Besonderheiten


- Bergsteigerdörfer sind stolz auf ihre Tradition, ihr Vereinswesen, ihre regionalen Produkte – besonderes Augen-
merk soll dabei auf die Verknüpfung zw. Ausbau bestehender Initiativen und Angebote gelegt werden („So schme-
cken die Berge“, „Genuss Region Österreich “, Handwerk, Vereinswesen, etc.)

C3) Alpinkompetenz
- aktuelle Führerliteratur und für bergsteigerische Zwecke brauchbare Karten (v.a. AV-Karten wo vorhanden) an
zentraler Stelle (TVB, Gemeindeamt, Bibliothek, Bergsteiger-Treffpunkt, Partnerbetriebe, etc. )
- Ansprechpartner für alle bergsportrelevanten Auskünfte (Alpingschule, Bergführer, Sektion eines Alpinvereins,
etc.)
- aktuelle Online-Routeninformationen und darüber hinausreichende Informationsangebote - Alternativen bei
Schlechtwetter
- alpines Kurs- und Ausbildungsangebot am Ort
- 2-3 buchbare Pauschalen (Sommer und Winter) pro Bergsteigerdorf
- Sportgeschäft mit bergsteigergerechtem Beratungsangebot und Verleih im Ort oder in der Nähe (ca. 10 km)

C4) Landschaftsqualität
- Schutzgebietsbetreuung ist eingerichtet und aktiv und bereichert das Angebot vor Ort mit naturkundlichen Führun-
gen, Workshops, etc. zur Vermittlung der Sensibilität des naturnahen und des durch den Menschen seit Jahrhun-
derten geprägten Kulturraumes.
Hüttschlag im Großarltal, 2014

www.bergsteigerdoerfer.at