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Ideen - Taten - Fakten Nr.

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Jahrestagung Bergsteigerdörfer, Johnsbach im Gesäuse, 29.9. - 2.10.2011

Nachhaltiger Bergtourismus -
Kernkompetenz der Bergsteigerdörfer

MIT UNTERSTÜTZUNG VON BUND UND EUROPÄISCHER UNION

Europäischer Landwirtschaftsfonds
für die Entwicklung des ländlichen
Raums: Hier investiert Europa in
die ländlichen Gebiete.
Nachhaltiger Bergtourismus -
Kernkompetenz der Bergsteigerdörfer

Jahrestagung Bergsteigerdörfer, Johnsbach im Gesäuse, 29.9. - 2.10.2011

Ideen - Taten - Fakten Nr. 5

Herausgeber: Oesterreichischer Alpenverein, Fachabteilung Raumplanung-Naturschutz


Olympiastr. 37, 6020 Innsbruck
Titelbilder: Christina Schwann und Hannes Schlosser www.bergsteigerdoerfer.at
Bilder der Tagung und Umgebung: Hannes Schlosser, Christina Schwann, Andreas Kleinwächter
Textbearbeitung: Regina Stampfl, Christina Schwann Innsbruck, März 2012
Redaktion: Christina Schwann
Layout: Christina Schwann
Druck: Samson, St. Margarethen
Inhalt

Vorwort - Auftakt der Projektphase II für die OeAV-Bergsteigerdörfer


Christina Schwann, Projektteam Bergsteigerdörfer 7

Johnsbach im Nationalpark Gesäuse
Zu Gast in Österreichs jüngstem Nationalpark 9

Das Tourismusprotokoll der Alpenkonvention


Ewald Galle - Focal Point Alpenkonvention Österreich, Lebensministerium 11

Die Alpen in der nationalen Tourismusstrategie
Katharina Mayer-Ertl, Tourismussektion, Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend 15

4. Alpenzustandsbericht: Nachhaltiger Tourismus - aktueller Stand


Elisabeth Süßenbacher, Umweltbundesamt 19

Angebotspalette „Tauern Alpin“ - Angebotsgestaltung in der Nationalpark-Region Hohe Tauern Kärnten


Andreas Kleinwächter, Tourismusinformation Mallnitz 23

Podiumsdiskussion: Erwartungshaltung an die Bergsteigerdörfer - Auftrag, Bürde, Chance?


Moderation: Roland Kals 25

Entwicklungskonzept Bergsteigerregion Karnischer Kamm


Georg Hauger, Technische Universität Wien 35

Unsere Qualitätsmesslatte: die Kriterien und Qualitätsentwicklungskonzepte


Roland Kals, Projektteam Bergsteigerdörfer 39

Eindrücke Bergsteigerfriedhof Johnsbach 46

Über die Ostwand (Grazer Weg, IV+ / VI-) auf das Hochtor
Roland Kals und Andreas Kleinwächter 47

Von der Hesshütte auf das Hochtor


Eindrücker einer sehr schönen Bergtour 49

Teilnehmerliste 50

Referentenverzeichnis 51


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Vorwort
Auftakt der Projektphase II für die OeAV-Bergsteigerdörfer

„Nachhaltiger Tourismus - Kernkompetenz der strategie von Katharina Mayer-Ertl und die Ausfüh-
Bergsteigerdörfer“ - schon im Grundsatzpro- rungen zum gerade in Ausarbeitung befindlichen
gramm Naturschutz des Oesterreichischen Alpen- 4. Alpenzustandsbericht zum Thema „Nachhal-
vereins von 1994 ist der Gedanke verankert, dass tiger Tourismus“ zeigen deutlich, dass der einge-
sich der Alpenverein insbesondere um kleine Ge- schlagene Weg der OeAV-„Bergsteigerdörfer“ ein
meinden, abseits der großen touristischen Zentren richtiger, nachhaltiger und zukunftsweisender
bemüht. Noch dazu, wo es gerade die klassischen ist. Georg Bliem von Steiermark Tourismus geht
Talschlussgemeinden sind und waren, in denen sogar noch weiter und sagt ganz klar, dass der
sich der Alpinismus entwickelt hat, die eine jahr- Trend hin zur Spezialisierung weist. Generell wa-
hundertelange Tradition aufweisen können, wo ren sich alle Teilnehmer der Podiumsdiskussion,
die Zusammenarbeit zwischen Sektionen Alpiner moderiert von Roland Kals, einig, dass das Ni-
Vereine und den Gemeinden ihren Anfang nahm. schenprodukt „Bergsteigerdörfer“ jedenfalls sehr
Dieser Grundgedanke deckt sich ganz nebenbei viel Konsequenz in der Umsetzung brauche, damit Vertreter aus Lunz am See, Jonsbacher Bürger-
direkt mit den Zielen der Alpenkonvention, wie die hohen Erwartungshaltungen der Gäste nicht meister Ludwig Wolf, Ewald Galle und
Peter Haßlacher, Leiter der Fachabteilung Raum- enttäuscht werden. Dass vor allem die Partner- das Projektteam
lanung-Naturschutz des OeAV in seinen Begrü- betriebe dabei eine ganz wichtige Rolle spielen,
ßungsworten anmerkt. Das sei gerade heuer - im zeigte auch die Diskussion am Samstag, wo es vor
Jahr 2011 - in dem die Alpenkonvention ihr 20-jäh- allem um die Kriterien der Bergsteigerdörfer, die aber vor Ort von den einheimischen Leuten. Es
riges Jubiläum feiere, besonders erwähnenswert. leicht überarbeitet wurden, sowie der Umsetzung braucht die Identifizierung mit den alpinen Tradi-
Seit der Unterzeichnung der Alpenkonvention in von klaren Qualitätsfaktoren ging. tionen, mit den Werten der Natur- und Kulturland-
Salzburg im Jahre 1991 anlässlich der zweiten Al- Auch wenn manch ein Gast eventuell „gar nichts schaft. Es braucht Selbstvertrauen in die eigenen
penkonferenz der Umweltminister, unterhalte der mehr sucht“, wie Stephanie Geiger, Journalistin Stärken, es bracuht den Zusammenhalt zwischen
Oesterreichische Alpenverein sehr enge Kontakte aus Berlin meint, braucht es in den Bergsteiger- den Gemeinden.
zum Lebensministerium. Es sei - so Peter Haß- dörfern eine sehr hohe Servicequalität, von der
lacher - äußerst angenehm, dass dort seit eher Beherbergung und buchbaren Angeboten über In diesem Sinne hoffen wir, dass auch diese mitt-
immer die selben Beamten als Ansprechpartner Beschilderung und Kartenmaterial bis hin zur Mo- lerweile schon fünfte Tagung im Rahmen der
tätig sind. Diese im Laufe der Jahre gewachsene bilität. Große Aufgaben, die sich den Bergsteiger- OeAV-Bergsteigerdörfer die Gemeindevertreter,
Zusammenarbeit habe schließich zum OeAV- dörfern hier stellen und die es zu meistern gilt, um Touristiker und Sektionsfunktionäre wieder ein
Projekt „Bergsteigerdörfer“ geführt und - nach- als Marke Fuß zu fassen und sich im starken Tou- Stück weiter zusammen gebracht hat und die
dem die Projektphase I mit 30.6.2011 ausgelaufen rismusmarkt richtig behaupten zu können, ohne Kommunikation weiter verbessert werden konn-
sei - auch die Einreichung und Genehmigung der sich selbst zu verkaufen. te, damit die zweite Projektphase inhaltlich voll
Projektphase II mit einem Fördervolumen von EUR ausgeschöpft und gleichzeitig die Basis für ein
600.000.- bis Ende 2013 gesichert. Im Rahmen der Diskussionen zeigte sich wieder Weiterbestehen nach 2013 gelegt werden kann.
Zusätzlich wurde in den höchsten Gremien des Al- einmal ganz deutlich, wie unterschiedlich weit die Gleichzeitig muss allen Referenten und Referen-
penvereins - Bundesausschuss und Präsidium- die Gemeinden bei der Umsetzung der Philosophie tinnen sowie den Teilnehmern und Teilnehmerin-
Über den Wolken - am Hochtor, 2.370 m Weiterführung des Projektes „Bergsteigerdörfer“ „Bergsteigerdörfer“ sind. Hier braucht es einen nen der Podiumsdiskussion großer Dank für ihr
einstimmig beschlossen. In dieser zweiten Phase festen Zusammenhalt der Gemeinden unter ein- Engagement und ihre positiven Stellungnahmen
des Projektes, so Haßlacher, gehe es vor allem um ander, das Ausschöpfen der Marketingmöglich- ausgesprochen werden.
die Vertiefung der Angebotsqualität, der Profil- keiten der Gemeinden und des Alpenvereins und
schärfe und der Breitenwirkung der Bergsteiger- der starken Miteinbeziehung der Sektionen der Herzlichst bedanken wir uns natürlich bei unseren
dörfer. Der sichtbare Mehrwert für die Gemein- Alpinen Vereine. Der Oesterreichische Alpenverein Gastgebern, der Gemeinde Johnsbach im Gesäu-
den trage nicht zuletzt auch zu mehr Akzeptanz als Projektträger wird versuchen, seine Aufgaben se, bei Bürgermeister Ludwig Wolf und seiner Frau
der Alpenkonvention bei. Gerade hinsichtlich des so gut als möglich zu erledigen und die Plattform sowie den weiteren Partnerbetrieben Ödsteinblick
Tourismusprotokolls gebe es zahlreiche konkrete „Bergsteigerdörfer“ bestmöglich zu etablieren. So und Donnerwirt.
Anknüpfungspunkte, die dem Wohle der Bevölker- wird zum Beispiel im Rahmen der Jahreshauptver-
ung dienen würden. sammlung des OeAV 2011 ein eigener Workshop
zum Thema „Bergsteigerdörfer“ stattfinden. Für das Projektteam,
Auch die Vorträge über die nationale Tourismus- Gelebt werden müssen die „Bergsteigerdörfer“ Christina Schwann
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Johnsbach im Nationalpark Gesäuse

Zu Gast in Österreichs jüngstem Nationalpark

Der Nationalpark Gesäuse ist der sechste Na- Geschichten, die sich am Bergsteigerfriedhof
tionalpark und mit dem Gründungsdatum in Johnsbach widerspiegeln, könnten span-
26.10.2002 der jüngste in Österreich. Am nender nicht sein.
5.12.2003 erhielt der Nationalpark Gesäuse
außerdem die internationale Anerkennung Johnsbach ist übrigens eine der sechs Natio-
der IUCN (International Union for Conserva- nalparkgemeinden und mit 51% auch jene,
tion of Nature and Natural Resources) der Ka- mit dem größten Anteil am Nationalpark. Da-
tegorie I I - Nationalpark. Mit einer Fläche von neben gehören noch Hieflau, St. Gallen, Weng,
10.054 ha, davon 86% Naturzone und 14% Be- Admont und Landl dazu.
wahrungszone, ist er der drittgrößte National- Vier Sektionen des Oesterreichischen Alpen- Die Enns bahnt sich ihren Weg durch den Gebirgsstock
park in Österreich. vereins betreuen das Gebiet: die Sektionen des Gesäsuses. Foto: Andreas Hollinger, Nationalpark Gesäuse
Austria, Mödling, Reichenstein und Admont-
Das „Gesäuse“ stellt eine äußerst urtümliche, Gesäuse. Dazu gehören drei Schutzhütten: die
bizzare Naturlandschaft in der Obersteier- Heßhütte, die Mödlingerhütte und die Haindl-
mark dar, die es in dieser Einzigartigkeit kaum karhütte.
anderswo gibt. Der mächtige Gebirgsstock,
gebildet aus den Ennstaler Alpen, dem Buch- Heute, fast 10 Jahre nach der Gründung des
steinmassiv und der Hochtorgruppe, steht öst- Nationalparks Gesäuse, trägt dieser erste
lich des Toten Gebirges fast solitär in der Land- Früchte: Die gesamte Region setzt auf einen
schaft. Mitten hindurch fließt die Enns, die sich nachhaltigen Tourismus, zahlreiche Veranstal-
über Jahrhunderte in den Gebirgsstock gegra- tungen tragen zu einem besseren Verständnis
ben hat und auf ihrem Weg durch das Massiv des sensiblen Ökosystems bei und mit den Na-
Blick vom Tamischbachturm;
ihre Fließgeschwindigkeit dramatisch erhöht tionalpark-Partnerbetrieben haben sich auch
Foto: Andresas Hollinger, Nationalpark Gesäuse
und rauschend und dröhnend durch die ent- die Gastronomen zusammen geschlossen, um
standene Schlucht sprudelt. Daher kommt gemeinsam für ihre Region, regionale Produk-
auch der Ausdruck „Xeis“, wie die Einheimi- te und das Naturerlebnis zu werben.
schen das Gesäuse nennen. Die Gemeinde Johnsbach sticht dabei noch
einmal hervor, da sie sich als OeAV-Bergstei-
Die höchste Erhebung ist das Hochtor mit gerdorf zusätzlich zu ihren alpinistischen
2.370 m. Weitere wichtige Gipfel sind der Wurzeln bekennt und spätestens mit der
Gr. Ödstein mit 2.335 m, der Admonter Rei- Neuauflage des umfangreichen Kletterführers
chenstein mit 2.251 m und die Planspitze mit „Xeis-Auslese“ wieder zu den Top Kletterdesti-
2.117 m. Regen und Wind haben bizzare For- nationen im alpinen Bereich zählt.
men in den Dachsteinkalk und Ramsaudolomit
gewaschen, so dass es nicht verwundert, dass Johnsbach ist unter den Bergsteigerdörfern Gämse im Nationalpark
das Gesäuse schon in den 1920iger Jahren eine der flächenmäßig größten Gemeinde, Foto: Toni Kerschbaumer

das Mekka für junge, wagemutige Kletterer Einwohner mäßig mit rund 150 Bewohnern
aus Wien und Graz war. Legendäre Geschich- allerdings die kleinste. Wie Bürgermeister Lud-
ten ranken sich um die so genannten „Jungen wig Wolf selbst feststellt, die Einwohnerdichte
Wilden“, die die Kletterszene prägten. Die 1936 entspricht jener von Kanada.
erstmals bezwungene Dachl-Rosskuppen-Ver-
schneidung stellt auch heute noch eine alpi-
nistische Herausforderung dar.
Viele dieser Kletterer sind allerdings in den Interessante Geschichten zur Alpingeschichte
Gesäuse-Bergen, die sie so sehr liebten, von Johnsbach können im Buch „Alpingeschich-
ums Leben gekommen. Sei es aufgrund von te kurz und bündig - Bergsteigerdorf Johnsbach
Schlechtwettereinbrüchen, Erschöpfung oder im Gesäuse“ von Josef Hasitschka nachgelesen Blick auf das Kalkmassiv des Gesäuses
schlicht weg aus jugendlichem Leichtsinn. Die werden. Foto: Andreas Hollinger, Nationalpark Gesäuse
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Das Tourismusprotokoll der


Alpenkonvention

Ewald Galle - Focal Point Alpenkonvention Österreich, Lebensministerium

I.) Die Protokolle

Die Protokolle der Alpenkonvention sind quasi Protokoll Tourismus


ihre Essenz, selbst wieder völkerrechtlich-ver-
bindliche Verträge, welche die in der Alpen- Allgemeines
konvention enthaltenen und größtenteils nur Für die Ausarbeitung dieses Protokolls war
grob umrissenen Handlungsverpflichtungen Frankreich federführend verantwortlich.
weiter ausgestalten und konkretisieren. Grundsätzlich wäre festzuhalten, dass die zum
Teil recht allgemein formulierten Handlungs-
Bislang ist dies zu acht Bereichen erfolgt: vorgaben in diesem Protokoll nur bedingt
„Raumplanung und nachhaltige Entwick- Umsetzungsverpflichtungen im österreichi-
lung“ (1994), „Berglandwirtschaft“ (1994), schen Recht auslösen.
„Naturschutz und Landschaftspflege“ (1994), Das Tourismusprotokoll war einer der ers-
„Bergwald“ (1996), „Tourismus“ (1998), „Bo- ten Versuche, eine jahrzehntelange, von ei-
denschutz“ (1998), „Energie“ (1998) sowie „Ver- ner nicht unbedeutenden Lobby getragene Ewald Galle - Focal Point Alpenkonvention Österreich,
kehr“ (2000). Heute wenden wir uns in weiterer Entwicklung zu hinterfragen. Trotz unbe- Lebensministerium
Folge dem Tourismusprotokoll zu. streitbarer Schwächen hat dieses Protokoll
ausreichend Potenzial, um zumindest der
Ein Wort noch zur rechtlichen Qualität dieser nachhaltigen und umweltverträglichen Tou-
„Es ist aber unbestreitbar, dass es in
Protokolle in Österreich: Sie sind, und ich höre rismusentwicklung Impulse zu geben. Es ist Österreich immer noch große Skep-
nicht auf, es zu wiederholen, national unmit- zudem durch die Ratifikation seitens der EG sis und viele Berührungsängste mit
telbar anwendbar ab dem Zeitpunkt des In- europäisches Recht. dem Protokoll gibt. Die Protokollbe-
krafttretens, also ab Dezember 2002. Das hat stimmungen werden immer noch
zur Folge, dass die Protokolle innerstaatlich Es ist aber unbestreitbar, dass es in Österreich
unmittelbar wirksam und demgemäß sowohl immer noch große Skepsis und viele Berüh-
als bloße Verhinderungswerkzeuge
vom Gesetzgeber als auch von der Vollziehung rungsängste mit dem Protokoll gibt. Die Pro- missverstanden und von einem
entsprechend zu berücksichtigen sind. Ob nun tokollbestimmungen werden immer noch als Dialog mit der Tourismuswirtschaft
eine Bestimmung unmittelbar anwendbar ist, bloße Verhinderungswerkzeuge missverstan- sind wir noch weit entfernt.“
hängt davon ab, ob sie hinreichend bestimmt den und von einem Dialog mit der Tourismus-
ist, was wohl nur im Einzelnen von dem zur An- wirtschaft sind wir noch weit entfernt. Schon
wendung zuständigen Organ beurteilt werden dadurch erhält die seit Jahren beispielhafte
kann. Kooperation mit der Tourismussektion im ös-
Das Tourismusprotokoll der Alpenkonvention 12 13
Das Tourismusprotokoll der Alpenkonvention

terreichischen Wirtschaftsministerium beson- des naturnahen Tourismus im Alpenraum Art. 11, Politik im Beherbergungsbereich Bei Beschneiungsanlagen (Abs. 2) können in- abzustimmen und flexiblere Rahmenbedin-
deres Gewicht. stärkt. Der Begrenztheit des verfügbaren Raumes nerstaatliche Rechtsvorschriften die Erzeu- gungen zu schaffen, nicht zuletzt angesichts
Das Tourismusprotokoll ist nicht von Vertre- In Abs. 3 wird zudem festgelegt, dass darauf durch Bevorzugung der kommerziellen Be- gung von Schnee während der jeweiligen der Tatsache, dass die Bestimmungen des
ter-Innen des Umweltministeriums ausge- zu achten wäre, dass in Gebieten mit starker herbergung und der Erneuerung und Nut- Kälteperiode zulassen, insbesondere um Tourismusprotokolls europäisches Recht sind.
handelt worden, sondern von ExpertInnen im touristischer Nutzung ein ausgewogenes zung der bestehenden Bausubstanz ist von exponierte Zonen zu sichern und wenn die Es wird aber nicht nur mit der Entzerrung von
Wirtschaftsministerium. Und dieser Verant- Verhältnis zwischen intensiven und exten- den Vertragsparteien durch eine umweltver- örtlichen hydrologischen, klimatischen und Ferienzeiten das Auslangen gefunden werden
wortung ist man sich auch immer bewusst ge- siven Tourismusformen angestrebt wird. trägliche Politik im Beherbergungsbereich ökologischen Bedingungen es erlauben. Da- können, sondern es sollte das Bemühen im
wesen. Es freut mich daher außerordentlich, Mag angesichts der Fülle von landschafts- Rechnung zu tragen. mit wird dem Grundgedanken entsprochen, Vordergrund stehen, umfassende „sanft mobi-
dass die Tourismussektion nicht nur zu dieser und umweltschonenden Initiativen in Öster- Derzeit bestehende Sonderflächenwidmun- dass Beschneiungsanlagen im Wesentlichen le“ Lösungen für den Tourismus- und Freizeit-
Veranstaltung beiträgt, sondern permanent reich ein konkreter Umsetzungsbedarf hier gen für Beherbergungsgroßbetriebe werden der Entschärfung gefährlicher und exponier- verkehr im (und in den) Alpenraum zu finden.
an der Implementierung mitarbeitet, sei es nicht erkennbar sein, so stellt aber dieser den Anforderungen dieses Artikels nicht im- ter Stellen dienen. Auch diese Bestimmung
im Österreichischen Nationalen Komitee zur Berücksichtigungsaspekt ein begrenzendes mer gerecht und wären gegebenenfalls zu fließt in nationale naturschutzrechtliche Be- Art. 19, Innovationsanreize
Alpenkonvention, sei es in der aktuellen Ar- Element für den technischen Ausbau dar, d.h. adaptieren. willigungsverfahren bereits ein. Um geeignete Anreize für die Umsetzung der
beitsgruppe zur Abfassung des 4. Alpenzu- dass Behörden diesem Aspekt vor allem bei Anliegen dieses Protokolls zu entwickeln, be-
standsberichtes über den umweltverträgli- Interessensabwägungen in Naturschutzver- Art. 12 Aufstiegshilfen Art. 15, Sportausübung steht die Möglichkeit, einen Wettbewerb der
chen Tourismus im Alpenraum. fahren besondere Beachtung schenken soll- Auch die Rechtsvorschriften betreffend die Art. 16, Absetzen aus Luftfahrzeugen Alpenländer zu initiieren, der sich durch
ten. Naturverträglichkeit bei Bewilligungen von Für sportliche Aktivitäten und dabei insbe- innovative touristische Initiativen und Pro-
Art. 5, Geordnete Entwicklung des Angebots Aufstiegshilfen sind bereits in die nationale sondere das ausdrücklich genannte Absetzen jekte, die den Zielsetzungen dieses Protokolls
Die Vertragsparteien haben auf eine ge- Art. 7, Qualitätsförderung Gesetzgebung eingeflossen und in Natur- von Touristen aus Luftfahrzeugen werden entsprechen, auszeichnen soll.
ordnete touristische Entwicklung durch Es ist darauf zu achten, dass eine Qualitäts- schutzverfahren unmittelbar anzuwenden. in Österreich grundsätzlich keine Lande- Ein nicht uninteressanter Gedanke, der gera-
einen umweltverträglichen Tourismus zu förderung, insbesondere durch Anpassungen Zu beachten ist, dass gemäß Art. 12 (2) neue genehmigungen erteilt; Ausnahmen gibt es de im Tourismusbereich, wo die Konkurrenz
achten. Zu diesem Zweck werden die Ausar- von Anlagen und Einrichtungen an Natur und Betriebsbewilligungen und Konzessionen in Vorarlberg. In einigen Bundesländern ist zwischen einzelnen Alpenregionen und Ge-
beitung und die Umsetzung von Leitbildern, Landschaft, im Wege der Städteplanung und den Abbau und die Entfernung nicht mehr überdies der Betrieb von Motorschlitten au- bieten besonders stark ausgeprägt ist, mögli-
Entwicklungsprogrammen sowie von sekto- Architektur, aber auch bei Beherbergungs- gebrauchter Anlagen und die Renaturierung ßerhalb von Straßen mit öffentlichem Ver- cherweise ein Anstoß sein kann, die Anliegen
ralen Plänen unterstützt. Durch dieses Maß- einrichtungen und touristischen Dienstleis- nicht mehr benutzter Flächen vorrangig mit kehr sogar untersagt. des Umweltschutzes stärker als bisher zu be-
nahmenbündel sollen Vor- und Nachteile von tungsangeboten sowie durch Diversifizie- heimischen Pflanzenarten vorzusehen haben. Insbesondere Art. 16 wäre von der zuständi- rücksichtigen. Frankreich hat im Rahmen sei-
geplanten Entwicklungen nicht nur bewertet, rung des touristischen Angebots innerhalb Damit tritt diese Bestimmung zu den beste- gen Luftfahrtbehörde im Rahmen ihrer In- ner Präsidentschaft diese Option bereits auf-
sondern auch vergleichbar gemacht werden, des Alpenraumes und durch Aufwertung der henden gesetzlichen Verpflichtungen hinzu teressensabwägungen anzuwenden. Auch gegriffen und einen Wettbewerb initiiert, aus
wobei insbesondere den sozioökonomischen kulturellen Aktivitäten in den jeweiligen Ge- und wäre in den entsprechenden Verfahren in diesem Fall ist eine ergänzende Berück- dem u.a. auch ein E-Bike-Projekt zur Solaren
Auswirkungen auf die ansässige Bevölke- bieten erreicht werden kann. zu berücksichtigen. sichtung dieser Bestimmung, neben natur- Mobilität in Südkärnten als Sieger hervorge-
rung, den Auswirkungen auf Boden, Wasser, Auch diese Bestimmung kann zu Anpassun- schutzrechtlichen auch in veranstaltungsbe- gangen ist.
Luft, Naturhaushalt und Landschaftsbild ein- gen in den Raumordnungsgesetzen führen. Art. 14, Besondere Erschließungstechniken hördlichen Bewilligungsverfahren oder im
schließlich jener auf öffentliche Finanzen be- Bezüglich des Baus, Unterhalts und Betriebes UVP-Verfahren, erforderlich und denkbar.
sondere Beachtung geschenkt werden soll. Art. 8, Lenkung der Besucherströme von Schipisten (Abs. 1) und den damit zusam-
Da die vielerorts erstellten, örtlichen und regi- Art. 10, Ruhezonen menhängenden Bewilligungen wäre darauf Art. 18, Ferienstaffelung II.) Tourismus in den Alpen
onalen Tourismusleitbilder dazu nicht ausrei- Die rechtlichen Regelungen betreffend die zu achten, dass diese möglichst landschafts- Auch wenn bloß von einem „Bemühen“ der
chen dürften, werden Anpassungen vor allem Lenkung von Besucherströmen oder die be- schonend und unter Berücksichtigung der Vertragsparteien um eine bessere räumliche
in den Raumordnungsgesetzen der Länder reits im Rahmen des Naturschutzrechts vor- natürlichen Kreisläufe sowie der Empfind- und zeitliche Staffelung der touristischen Die Alpen sind die größte zusammenhängen-
notwendig sein, um auf diesen Artikel des gesehene verpflichtende Ausweisung von lichkeit der Biotope erfolgen. Geländekor- Nachfrage in den Feriengebieten gespro- de Erholungsregion im Zentrum Europas. Der
Tourismusprotokolls abgestimmte Konzepte Ruhezonen, sind in die nationale Gesetzge- rekturen sind, so weit wie möglich, zu be- chen wird, so ist angesichts der sich ständig Tourismus stellt jedoch in den Alpen nicht
zu verankern bzw. die die Raumordnungskon- bung eingeflossen. grenzen und, sofern es die naturräumlichen wiederholenden Verkehrszusammenbrüche, ein flächenhaftes, sondern ein überwiegend
zepte betreffenden Bestimmungen zu adap- In diesen Ruhezonen ist auf touristische Gegebenheiten zulassen, umgestaltete Flä- insbesondere während der Semesterferien, punkt- und bandförmiges Phänomen dar. Ein
tieren. Erschließungen zu verzichten. Dieser be- chen vorrangig mit heimischen Pflanzenarten die Notwendigkeit einer besseren und ef- großer Teil der Betten konzentriert sich auf
reits im Naturschutz- und Raumplanungs- zu begrünen. Die nationalen Bestimmungen, fizienteren Kooperation unter den Alpen- wenige Regionen. Generell besitzen nur ca.
Art. 6, Ausrichtung der touristischen protokoll normierte Auftrag erfährt hier eine insbesondere im Naturschutz- und Wasser- staaten unbestreitbar. Allein aus dieser nur 10% aller Alpengemeinden große touristische
Entwicklung neuerliche Ausgestaltung, wobei aber aus- rechtsbereich, die Grundlage für die Erteilung unverbindlichen Formulierung kann durch- Infrastrukturen und eine touristische Mono-
Diese Bestimmung zielt auf eine nachhaltige schließlich auf die Vermeidung von touristi- von Bewilligungen sind, berücksichtigen die- aus die Verpflichtung abgeleitet werden, sich funktion.
Politik ab, welche die Wettbewerbsfähigkeit schen Erschließungen abgestellt wird. se Forderungen bereits. zum Zweck der Ferienstaffelung intensiver Derzeit ist im alpenweiten Kontext eine stag-
Das Tourismusprotokoll der Alpenkonvention 14 15

Die Alpen in der nationalen


Tourismusstrategie
nierende bis rückläufige Entwicklung der touris- dörfern wie wohl in keinem anderen Projekt
tischen Nachfrage zu beobachten. Dies ist u.a. derart umgesetzt wird, stellt der Umgang mit
in der wachsenden Konkurrenz mit weltweiten der sozialökonomischen Rolle der Alpenkon- Katharina Mayer-Ertl, Tourismussektion, Bundesministerium für
Tourismuszielen begründet. Für viele kleine bis vention und ihres bis dato noch viel zu wenig
mittelgroße Betriebe führte diese Entwicklung
bereits zu einer deutlichen Überschuldung
beachteten gesellschaftlich kulturellen Poten-
zials dar. Dieses Projekt fügt sich damit nahtlos
Wirtschaft, Familie und Jugend
und ernsthaften Bedrohung ihrer Existenz. in die Implementierung der Deklaration „Be-
Dennoch wird auf einen weiteren Ausbau der völkerung und Kultur“ ein.
touristischen Infrastruktur, wie u.a. auf die Er-
schließung weiterer Skigebiete in z.T. noch Gerade ein Projekt inmitten des Tourismussek-
naturnahen Räumen und die Errichtung von tors, dem oft eine die sozialen Rahmenbedin-
Beschneiungsanlagen inkl. der besseren ver- gungen verzerrende Rolle zugestanden wird,
kehrlichen Anbindung touristischer Einrich- fungiert nun als Vorzeigebeispiel für eine ge-
Der Tourismus in Österreich - rechtliche Grundlage
tungen, keineswegs verzichtet. Damit werden lungene Miteinbeziehung gesellschaftlicher
zunehmend Überkapazitäten aufgebaut, die und sozioökonomischer Faktoren. Im kon-
zu einer massiven Konkurrenz der einzelnen kreten Fall ist der Lebensmittelladen und der In Österreich fallen grundsätzlich die Angele- außerdem einen sehr bedeutenden österrei-
Fremdenverkehrsorte untereinander führen. Friedhof hier in Johnsbach und vor allem die genheiten des Tourismus gemäß der Kompe- chischen Wirtschaftsfaktor darstellt, nimmt der
Darstellungen im Zuge der Reihe „Alpinge- tenzverteilung (Art. 10-15 B-VG) in Gesetzge- Bund ebenfalls Aufgaben im Bereich Tourismus
Eine weitere Anforderung, die sich heute für schichte kurz und bündig“. Optisch und im For- bung und Vollziehung in die Zuständigkeit der wahr. Zuständig ist das Bundesministerium für
die touristischen Gemeinden und Einrich- mat klein, sind sie letztendlich Darstellungen Bundesländer. Da der Tourismus jedoch eine Wirtschaft, Familie und Jugend (BMWFJ)1, wo
tungen stellt, sind schnell wechselnde Mo- von Menschen, die es im Einklang und oft auch typische Querschnittsmaterie ist, die von einer die Sektion für Tourismus und Historische Ob-
detrends im Aktivsport und die Entstehung im Kampf mit der Natur geschafft haben, diese ganzen Reihe an Bundeskompetenzen, wie jekte als Informationsdrehscheibe/Koordinati-
neuer Formen der Freizeitgestaltung. Sie erfor- Region weiter zu entwickeln. Diese Geschich- etwa Pass- und Zollwesen, Gewerberecht, Mel- onsstelle eingerichtet wurde.
dern die Bereitstellung spezieller Infrastruktu- ten stehen für das Leben und Wirtschaften, dewesen, Arbeitsrecht usw. betroffen ist und
ren und führen zu Veränderungen der Raum- für ihre Tradition und Herkunft. Mir war dieser
Zeitmuster touristischer Nutzungen. Zudem hohe Identifikationsfaktor zugegebenerma-
hat eine stark geräteorientierte Freizeit- und ßen am Anfang unseres Vorhabens noch gar
Österreichische Tourismusstrategie
„Dass sich die Bergsteigerdörfer Urlaubsgestaltung (Surfen, Snowboarding, nicht bewusst. Vielleicht kann ich es jetzt auch „Neue Wege im Tourismus“
Mountainbiking, Paragliding etc.) außerdem noch nicht richtig einschätzen, aber ich habe
als exklusive und sich von anderen i.d.R. eine verstärkte Nutzung des privaten mit den Bergsteigerdörfern gelernt, welche Um die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des giertes Handeln entscheidend für den Touris-
Projekten auch bewusst abset- PKW zur Anreise an den Urlaubsort zur Folge. Impulse, welche Kraft aus der Geschichte ab- Tourismusstandorts Österreich zu sichern und musstandort Österreich sein wird:
geleitet werden können. auszubauen, hat das BMWFJ im Oktober 2009 1. Marketing - Bündelung der Kräfte
zende Initiative sehen, ist nur Katharina Mayer-Ertl, Tourismussektion,
Und gerade hier beginnt die Geschichte der mit der Ausarbeitung einer Tourismusstrategie 2. Förderungen - thematische Schwerpunkte, Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend
recht und billig.“ Bergsteigerdörfer. Es sind kleine Gemeinden begonnen. Anfang 2010 präsentierte Bundes- klare Zuständigkeiten durch Förderpyrami-
bzw. Regionen mit einer natürlichen Authen- minister Dr. Reinhold Mitterlehner die ersten, de
tizität, einer harmonischen Dorfkultur und oft III.) Resümee politisch abgestimmten Ergebnisse des Stra- 3. Förderung von Innovationen „Kernpunkt der Strategie ist die
sehr unterschiedlichen Alpinkompetenzen, tegieprozesses, welche auf Resultaten einer 4. Infrastruktur - Grenzen abbauen
Etablierung von drei starken
die die Renaissance des Bergsteigens nut- Es ist gerade der Tourismusbereich, der - wahr- breit geführten Diskussion zu den wichtigsten 5. Rahmenbedingungen - Wettbewerbsfähig-
zen und beweisen, dass umweltverträglicher scheinlich mehr als andere Sektoren - gera- Zukunftsaufgaben basieren. keit erhöhen Alleinstellungsmerkmalen (USP)
Tourismus in den Bergen nicht nur möglich, dezu prädestiniert ist, zu beweisen, dass sich im österreichischen Tourismus:
sondern auch nachhaltig ausgeübt werden Umwelt, wirtschaftliche Entwicklung und Ver- Kernpunkt der Strategie ist die Etablierung von Um diese Tourismusstrategie voranzutreiben,
Alpen, Donau & Seen sowie Städte
kann. Die Bergsteigerdörfer werden nie ein kehr, oder sozioökonomische Faktoren nicht drei starken Alleinstellungsmerkmalen (USP) ist die freiwillige Zusammenarbeit aller politi-
massenkompatibles oder massentaugliches gegenseitig behindern oder gar ausschließen, im österreichischen Tourismus: Alpen, Donau schen Akteure notwendig: & Kultur, (...)“
Phänomen werden und die Idee dahinter ist sondern sich gegenseitig bedingen. Die Al- & Seen sowie Städte & Kultur, die bei nationa-
auch nicht ohne weiteres auf andere Orte oder penkonvention bietet mit den vorhandenen len und internationalen Gästen bekannt und • Bei der jährlichen Tourismuskonferenz er-
Gebiete übertragbar. Dass sich die Bergstei- Grundlagen eine wohl einmalige Plattform, geschätzt sind und auch ganzjährig genutzt folgt die Abstimmung tourismuspolitischer
gerdörfer als exklusive und sich von anderen um diese integrative Sichtweise auch tat- werden können. Themen.
Projekten auch bewusst absetzende Initiative sächlich zu praktizieren, denn es bleibt wohl Zusätzlich zu den drei USPs wurden fünf kon- • Eine Steuerungsgruppe zur regelmäßigen
sehen, ist nur recht und billig. unbestreitbar, dass man die touristische Ent- krete Arbeitsbereiche definiert, in denen enga- Koordinierung zwischen Bund und Bundes-
Eine Dimension, auf die ich noch besonders wicklung den Alpen anpassen muss und nicht
hinweisen möchte und die in den Bergsteiger- umgekehrt. 1
gemäß dem Bundesministeriengesetz
Die Alpen in der nationalen Tourismusstrategie 16 17
Die Alpen in der nationalen Tourismusstrategie

ländern bereitet die Konferenz vor und dis- Die Alpen in der österreichische Tourismusstrategie
kutiert aktuelle Themen.
• Ein Expertenbeirat beschäftigt sich mit
Trends und Herausforderungen und erstellt Die Alpen haben in der Tourismusstrategie o Angebote für den internationalen Wett- o Klimawandel: verstärkte Auseinanderset-
Handlungsempfehlungen für die Tourismus- einen besonderen Stellenwert. Gemeinsam bewerb bündeln: Mit Einsetzung der Alli- zung in den letzten Jahren mit Risiken und
konferenz. mit den Bereichen Donau & Seen und Städte anz Tourismus Marketing4 und dem neuen Chancen für Österreichs Tourismus, dazu
& Kultur sind sie ein starkes Alleinstellungs- Marketingforum5 sind wichtige Schritte ge- Studien, u.a. im Rahmen des österreichi-
Bei der 1. Tourismuskonferenz im Frühjahr merkmal, welches durch Ausrichtung von Mar- setzt, um Kräfte für Auslandsmarketing zu schen Klimaforschungsprogramms: z.B.
2011 in Linz wurde der „Aktionsplan Touris- keting und Förderungen besonders gestärkt bündeln. Auch die Initiative „theALPS“, wel- Klimawandel und Reiseverhalten, Klima-
mus 2011“ von Bundesminister Mitterlehner, und damit besser ganzjährig nutzbar gemacht che unter dem Motto: „Gemeinsam für ei- sensitivität im Sommertourismus, Abschät-
Landeshauptmann Platter und den Tourismus- werden soll. nen nachhaltig erfolgreichen, ganzjährigen zung des Gefährdungspotenzials für Alpin-
landesräten verabschiedet, der gemeinsame Schwerpunkte zur Stärkung des ganzjährigen Alpentourismus!“ B2B-Veranstaltungen or- touristen und Infrastruktur bedingt durch
Schwerpunkte für 2011 setzt. Er sieht konkrete Alpintourismus sind derzeit: ganisiert sowie einen Austausch zum Thema Gletscherrückgang und Permafrostverän-
Maßnahmen in folgenden Bereichen vor: ermöglicht, bietet eine weitere Chance sich derung, Auswirkungen von Hitzetagen auf
o Sicherung der Erhaltung und qualitati- gemeinsam international zu positionieren Städtetouristen.
1. Marketing  „Allianz Tourismus Marketing“ ven Weiterentwicklung der alpinen Infra- und zu präsentieren.
und Marketingforum struktur: Das BMWFJ unterstützt seit 1981 o Sicherheit: Partner von Kampagnen zu
2. Förderungen  Innovationsmillion Erhaltungsmaßnahmen bei alpinen Schutz- o Wintersportwochen forcieren: Wie im Ak- mehr Sicherheit am Berg sowohl im Winter
3. Innovation  Auszeichnung von Leucht- hütten sowie Wander- und Bergwegen, die tionsplan 2011 vereinbart, werden Koordi- als auch im Sommer, z.B. Leporellos zu „Wan-
turmprojekten von den Vereinen im VAVÖ3 betreut werden. nationsstellen in den Bundesländern einge- dern mit der Familie“ und „Safer Snow More
4. EU Bund-Länder-Arbeitsgruppe Bei der 1. Tourismuskonferenz wurde eine richtet, um den Anbietern und Schulen eine Fun“, DVD Sicherheit auf Skipisten.
5. Schulsportwochen  Koordinationsstellen Rahmenvereinbarung 2011-2013 mit dem zentrale Präsentationsplattform mit qualita-
und ÖW2-Kampagne Abb. 1: Die Förderpyramide soll die Zuständigkeiten von Ländern und Bund klar regeln. VAVÖ abgeschlossen, mit dem Bekenntnis tiven Angeboten zu bieten. Das BMWFJ ist
zur Bedeutung der Alpinen Infrastruktur auch im Lenkungsausschuss der Servicestel-
und der Festlegung von Förderschwerpunk- le Wintersportwochen vertreten. Vom 16.-
ten. 30.9.2011 erfolgte eine Marketingoffensive
der ÖW für Wintersportwochen im Radio-
o Errichtung eines alpinen Wegeinforma- sender Ö3.
tionssystems (AWIS) als Innovationsimpuls
für Wandern, um einerseits eine zeitgemäße Weitere Themen und Projekte mit Bezug zum
Grundlage für eine österreichweite digitale alpinen Raum sind beispielsweise auch:
Wegeinformation zu schaffen und anderer-
seits ein Wegeerhaltungssystem zu etablie- o Mobilität: z.B. „Sanfte Mobilität - Autofreier
ren. Tourismus“, Alpine Pearls, Alps Mobility, Rad-
tourismus.
o Nationalparks und Tourismus besser ver-
netzen und vermarkten: Die Task Force, o Österreichisches Umweltzeichen für Tou-
welche das BMWFJ 2008 zum Thema ein- rismus: Umweltgütesiegel für nachhaltiges
gerichtet hat, zeigt Wirkung: Die neue Na- Reisen: Teilnahme am Gremium zur Überar-
tionalparkstrategie thematisiert die Rolle beitung.
des Tourismus und das BMWFJ ist im neu
geschaffen Nationalpark-Beirat vertreten; o Energie: Leitfaden „Energiemanagement
Zum Nationalpark-Marketing ist die ÖW in in Hotellerie und Gasgewerbe“, Staatspreis
Abstimmung mit den Landestourismusor- Tourismus 2009 „Energieeffizienz in der Ho-
ganisationen und veranstaltet Innovations- tellerie und Gastronomie“, fortlaufende Sen-
workshops mit den Nationalparks. sibilisierung: Studien im Rahmen von StratC-
lim.

3
Verband der alpinen Vereine Österreichs
Abb. 2: Schematische Darstellung der Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure der Tourismusstrategie 4
Allianz von ÖW und Landestourismusorganisationen zur Förderung der Wahrnehmung im Ausland
5
Diskussion der langfristigen Ausrichtung des Tourismusmarketing und strategischer Allianzen, Teilnehmer: Bund, Ländern, ÖW und bedeutende Stakeholder der Touris-
2
Österreich Werbung muswirtschaft, wie die WKÖ, die ÖHV, Destinationen, Leitbetriebe und die Wissenschaft
18 19

4. Alpenzustandsbericht
Nachhaltiger Tourismus - aktueller Stand

Elisabeth Süßenbacher, Umweltbundesamt

Tourismusdestination Alpenraum

Im Herzen Europas liegt die größte zusam- Um diesen Entwicklungen zu begegnen, ver-
menhängende Erholungsregion des Konti- suchen Gemeinden Kooperationen und Syn-
nents: Der Alpenraum. Tourismus hat in dem ergieeffekte von Tourismus und anderen re-
rund 190.000 km2 großen Gebiet eine lange gionalen Wirtschaftszweigen (Landwirtschaft,
Tradition. Gewerbe, Verkehr etc.) zu forcieren. Daneben
Bei BesucherInnen ist der Alpenraum beson- gibt es bereits Initiativen, um Gäste auch in ab-
ders wegen der zahlreichen Freizeit- und Er- gelegene, strukturschwache Alpengemeinden
holungsmöglichkeiten beliebt. Die einzigar- zu bringen. Dadurch kann verhindert werden,
tigen Natur- und Kulturlandschaften machen dass sich der Alpenraum weiter in zwei unter-
die Region landschaftsästhetisch besonders schiedliche Bereiche entwickelt: In überwie-
wertvoll. Das trifft insbesondere auf Almwie- gend industriell, touristisch und großstädtisch
sen und -weiden, die durch jahrhundertealte orientierte Regionen und in eher wirtschafts-
landwirtschaftliche Nutzungsformen entstan- schwache, zunehmend von Abwanderung
den sind, zu. Die touristische Anziehungskraft bedrohte Gebiete am anderen Ende des Spek-
Elisabeth Süßenbacher, Umweltbundesamt
der Region besteht aber auch in der selbstbe- trums.
stimmten kulturellen Identität und in der tra-
ditionellen Lebensweise ihrer BewohnerInnen. Trotz hoher Gäste- und Nächtigungszahlen „Neue Investitionen sind oft die
stagniert der Tourismus im Alpenraum bzw. ist Antwort von Touristikern auf die
Die Tourismusintensität in den Alpen liegt sogar eine rückläufige Entwicklung zu bemer- sich immer schneller verändern-
deutlich über dem europäischen Durchschnitt. ken. Grund dafür ist mitunter die wachsende
Mit rund 60 Mio. Feriengästen, mehr als 60 Mio. internationale Konkurrenz. Unabhängig von den Trends im Aktivsport und
Ausflugsgästen und 370 Mio. Übernachtungen dieser Tendenz wird die touristische Infrastruk- in der Freizeitgestaltung. Diese
pro Jahr zählen die Alpen zu den bedeutends- tur alpenweit ausgebaut, Überkapazitäten belasten kleine Betriebsstrukturen
ten touristischen Destinationen weltweit1. sind die Folge. Neue Investitionen sind oft die
Tourismus ist im Alpenraum aber kein flä- Antwort von Touristikern auf die sich immer und verschärfen die Konkurrenz,
chendeckendes Phänomen. Er konzentriert schneller verändernden Trends im Aktivsport (...).“
sich großteils auf attraktive geographische und in der Freizeitgestaltung. Diese belasten
Lagen und spielt nur bei rund einem Drittel kleine Betriebsstrukturen und verschärfen
der Alpengemeinden eine relevante Rolle in die Konkurrenz, beides unliebsame Begleiter-
der Regionalwirtschaft2. Daraus ergeben sich scheinungen dieser Entwicklung.
auch Probleme: Während jede zehnte Alpen- Eine erfreuliche Entwicklung im Alpentouris-
gemeinde fast ausschließlich vom Tourismus mus hingegen ist der Trend in Richtung Nach- lässt sich nachhaltiger Tourismus in den Alpen
abhängig ist, können periphere Gebiete hin- haltigkeit: Alpenweit etablieren sich immer nur schwer festmachen, ExpertInnen sind sich
gegen nur wenig vom Alpentourismus profi- mehr umwelt- und sozialverträgliche touristi- aber einig, dass darin großes Ausbaupotenzial
tieren.2 sche Angebote und Initiativen. Zahlenmäßig besteht.
4. Alpenzustandsbericht 20 21

Fragen, Anregungen, Diskussion


zusammengefasst von Regina Stampfl und Christina Schwann

Tourismusdestination Alpenraum

Der Alpenzustandsbericht informiert regel- mit zahlreichen TourismusexpertInnen des niert, die als politische Entscheidungsgrundla- Zum Protokoll Tourismus hier sehr wohl einen Anknüpfungspunkt. In
mäßig über ökologische, wirtschaftliche und Alpenraums steht. Die Koordination der ös- gen dienen. einem allfälligen Verfahren könne zwar nicht
soziale Entwicklungen im Alpenraum. Er lie- terreichischen Beiträge übernehmen Mitar- der Spruch, aber die Begründung in einem
fert eine fundierte Wissensgrundlage und beiterInnen des Umweltbundesamt in Zusam- Der vierte Alpenzustandsbericht wird seinen Joachim Gfreiner, OeAV-Landesverband Bescheid auf das Protokoll gestützt werden.
identifiziert zukünftige Herausforderungen als menarbeit mit dem Lebensministerium, dem Leserinnen und Lesern jedenfalls reichhaltiges Kärnten, äußert Bedenken hinsichtlich der Man müsse den Leuten zeigen, dass das, was
wichtige Basis für die Entwicklung alpenweiter Wirtschaftsministerium und der Bundesanstalt Datenmaterial, Informationen und Analysen Wirksamkeit der Bestimmungen der Protokol- sie oft für sich selber wollen, langfristig nicht
Strategien. Der vierte Alpenzustandsbericht für Bergbauernfragen. Der vierte Alpenzu- zum nachhaltigen Tourismus im Alpenraum le der Alpenkonvention. Er stellt die Frage, ob das Richtige ist. In Sachen Alpenkonvention
wurde im März 2011 auf der Ministerkonferenz standsbericht wird auf der XII. Alpenkonferenz bieten. Wichtige Zielsetzung ist dabei eine es in der Praxis konkrete Beispiele gäbe, bei habe er gelernt, dass man oft nicht nur zwei-
der Alpenstaaten in Brdo/Slowenien beschlos- im September 2012 präsentiert. möglichst große Bandbreite an Anregungen denen die Alpenkonvention in ihrem 10-jäh- mal, viermal oder fünfmal, sondern oft zehn-
sen. Wegen der wirtschaftlichen Bedeutung für lokale Problemstellungen und Antworten rigen Bestehen den Tourismus tatsächlich be- mal etwas sagen müsse, bis es langsam in die
des Tourismus für die Region und der Zielset- Der vierte Alpenzustandsbericht versucht den auf viele Fragen zu liefern. Damit wollen die einflusst hätte. Köpfe sickere.
Katharina Mayer-Ertl, Elisabeth Süßenbacher,
zungen für nachhaltigen Tourismus in den ver- Tourismus im Alpenraum in seiner gesamten Autorinnen und Autoren die Diskussion weiter
Ewald Galle und Ludwig Wolf
schiedenen Protokollen der Alpenkonvention Komplexität zu erfassen und seiner strategi- anregen und einen Beitrag zur nachhaltigen Ewald Galle, Lebensministerium, erläutert Roland Kals möchte wissen, ob es eine Art
(Tourismusprotokoll, Verkehrsprotokoll, Proto- schen Bedeutung Rechnung zu tragen. Ist-Zu- Tourismusentwicklung im Alpenraum leisten. dazu, dass die Protokolle unverbindliche Rah- „Motivenbericht“ zu den Formulierungen
koll Naturschutz und Landschaftspflege) sowie stand und Entwicklungstrends des Tourismus menverträge im Kleinen seien, was auch auf der Protokolle gäbe, aus denen man ableiten
im „Aktionsplan zum Klimawandel in den Al- werden dargestellt und seine Auswirkungen das Tourismusprotokoll zuträfe. Dass es aber könne, wie es gemeint war.
pen“, wird der vierte Alpenzustandsbericht das auf Wirtschaft, Natur & Landschaft und Gesell- sehr wohl wahrgenommen werde, könne
Thema Nachhaltiger Tourismus behandeln. schaft analysiert. Stärken und Schwächen des ganz einfach aus der Tatsache geschlossen Ewald Galle verneint, so etwas gäbe es nicht.
Der Bericht dient der politischen Positionie- Alpentourismus stehen dabei ebenso im Fo- werden, dass sich sehr viele Leute darüber Das Tourismusprotokoll wäre außerdem 1994
rung des Themas, informiert über Zustand kus wie Entwicklungspotentiale und -möglich- beschweren würden. Als Vergleich werde im- fertig gestellt worden, also zu einer Zeit, als
und Zukunft der Alpenregion und leistet einen keiten. Durch zahlreiche praktische Beispiele mer die Schweiz genannt, in der das Touris- Beschneiung noch etwas Exotische gewesen
wichtigen Beitrag zur Bewusstseinsbildung illustriert der Bericht außerdem, wie nachhal- musprotokoll nicht ratifiziert sei. wäre. Damals wäre man sich in keinster Weise
zum Schutz dieser Region. tige Tourismusentwicklung forciert und lokale Tatsächlich gäbe es auch konkrete Bespiele, bewusst gewesen, welche Lawine man lostre-
Die Erarbeitung erfolgt durch das ständige Probleme überwunden werden können. Kern- bei denen Veranstaltungen unter Hinweis auf ten würde.
Sekretariat der Alpenkonvention in Abstim- stück des Berichts ist eine Übersicht über zen- Art. 6 , Abs. 3 des Tourismusprotokolls unter- Helmut Lang, OeAV-Sektion Villach
mung mit dem Schweizer Vorsitz. Fachlich trale zukünftige Herausforderungen für einen sagt wurden, wie zum Beispiel ein Skidoo- Thomas Wirnsperger, TVB-Großarltal, merkt
unterstützt wird es dabei von einer internati- nachhaltigen Alpentourismus. Auf dieser Basis Rennen in Kitzbühel oder Ähnliches in Ischgl. an, dass die Italiener uns in Sachen Beschnei-
onalen Arbeitsgruppe, die in engen Kontakt werden auch Handlungsempfehlungen defi- Neben dieser rechtlichen Dimension gäbe es ung immer voraus gewesen wären und auch
aber auch die projektbezogene. Die „Bergstei- die ersten waren, die - aufgrund ungünstige-
gerdörfer“ seien ein Projekt, dass sich auf das ren klimatischen Gegebenheiten - auf Vollbe-
Tourismusprotokoll stütze und daraus im Sin- schneiung setzten.
ne des nachhaltigen Tourismus einen Vorteil
ziehe. Ewald Galle streicht noch einmal explizit her-
vor, dass der Weg, den die Bergsteigerdörfer
Helmut Lang, OeAV-Sektion Villach, merkt einschlagen würde, nämlich sich ihre Selbst-
Literatur: an, dass die Kärntenwerbung damit werbe, bestimmtheit zu sichern und nicht Großin-
dass 95% aller Kärntner Skipisten beschneit vestoren aus dem nahen und fernen Osten
Joachim Gfreiner, OeAV-Landesverband Kärnten
1
Baumhackl H. 1995:. Die Alpen – eine Ferien- werden, was im Umkehrschluss heiße - bezo- zum Zug kommen zu lassen - wie das in der
landschaft aus geographischer Sicht. In: Isenberg gen auf das Tourismusprotokoll -, dass 95% Schweiz oftmals der Fall sei - der richtige sei,
W. (Ed.): Tourismusentwicklung in den Alpen – Bi- der Kärntner Skipisten exponiert und gefähr- um auch noch in Jahrzehnten überlebensfä-
lanz, Gefahren, Perspektiven. Thomas-Morus- lich seien. hig zu sein. Das Image, das hier geschaffen
Akademie Bensberg. Bergisch Gladbach: 9-43. werde, sei ein ganz besonderes.
Bätzing W. 2003: Die Alpen – Geschichte und Zu- Ewald Galle habe diesen Punkt eben beson-
kunft einer europäischen Kulturlandschaft. Mün- ders hervorgehoben, weil er so kritisch sei. Roland Kals merkt an, dass die Aktionspro-
chen, 431 S. Man könne auch mit den Aussagen zu den gramme zur Qualitätssicherung, die Ewald
Kälteperioden einen gewissen Streit anfan- Galle in seinem Vortrag angesprochen habe,
2
Tappeiner U., Tappeiner G., Hilbert A. & E. Matta- gen. Wenn Ischgl den Antrag stelle, ab 10. eventuell auch Anknüpfungspunkte für die
novich 2003: The EU Agricultural Policy and the Oktober beschneien zu wollen, um die ersten Bergsteigerdörfer darstellen und somit auch
Environment. Evaluation of the Alpine Region. Gäste aufzufangen, bevor diese überhaupt weitere Fördertöpfe genutzt werden könn-
Berlin, 275 S. ans Skifahren denken würden, dann gäbe es ten. Thomas Wirnsperger, TVB-Großarltal
Diskussion 22 23

Angebotspalette „Tauern Alpin“


Angebotsgestaltung in der Nationalpark-Region
Zur Tourismustrategie und dem Alpenzustandsbericht
Hohe Tauern Kärnten
Katharina Mayer-Ertl, Tourismussektion des zustellen. Auch der Generalsekretär der Alpen-
BMWJF, bestätigt, dass gerade die Qualität konvention wäre zu einem Statement eingela-
ein ganz wichtiges Förderkriterium sei. Wie den worden. Andreas Kleinwächter, Tourismusinformation Mallnitz
viel Geld bzw. Potential jetzt noch da sei, dazu Die Anregung von Seiten Haßlacher und von
könne man im Augenblick nichts sagen. Aber Seiten des Oesterreichischen Alpenvereins
es sei nicht unüblich, dass in diese Richtung lautet, dass die Alpenkonvention auch in ei-
etwas gehe. Schließlich gäbe es auch die Rah- nem Treffen der Länder und Tourismusverant-
menvereinbarung mit dem VAVÖ für die Sub- wortlichen Thema sein sollte.
stanzerhaltung. Haßlacher ist davon überzeugt, dass es gerade
in diesem Protokoll Gemeinsamkeiten gäbe,
Katharina Mayer-Ertl, BM f. Jugend und Familie Ewald Galle ist außerdem der Meinung, dass die man zum Wohle der Bevölkerung in den
auch von Seiten der Bundesländer Mittel zu Tälern entsprechend nutzen könnte.
lukrieren seien. Seit 2006 wird das touristische Regionsma- Mallnitz wurde zum „Nationalpark-Bahnhof“
nagement in der Nationalpark-Region Hohe umgestaltet.
Katharina Mayer-Ertl hakt ein, dass eine klare Tauern Kärnten (12 Gemeinden im Mölltal, 1
Zuständigkeit durch die Förderpyramide ein- im Maltatal; darunter mit Mallnitz und Malta b. Bahnhofs-Shuttles ab den IC-Bahnhöfen
gerichtet worden sei: bis Euro 100.000.- läge 2 Bergsteigerdörfer) von einer eigens einge- Mallnitz-Obervellach und Spittal-Millstätter-
die Förderung bei den Bundesländern, wenn richteten Abteilung im Kärntner National- see:
sie darüber hinaus gehe, beim Bund, und parkfonds wahrgenommen. Im Masterplan Zu einem attraktiven Fixpreis pro Person (kei-
wenn sie über 3 Millionen gehe, sei eine Ab- der Region sind als inhaltliche Schwerpunkte ne Taxi-Preise!) werden Gäste zu allen Unter-
stimmung zwischen Bund und Ländern not- festgehalten: künften der Region gebracht bzw. von dort
wendig. zum Bahnhof abgeholt. Die Bestellung erfolgt
1. Alpintourismus durch den Gast ganz einfach beim Vermieter.
Peter Haßlacher, OeAV Peter Haßlacher, OeAV Abteilung Raum- 2. Nationalpark-Tourismus
planung und Naturschutz, kehrt noch mal 3. Mobilität c. Nationalpark-Wanderbus:
konkret zum Tourismusprotokoll und seiner Sicher das „Herzstück“ des Mobilitätsangebo-
Andreas Kleinwächter, TVB-Mallnitz
Umsetzung zurück. Auch er sei der Meinung Während die Region beim 1. Punkt auf eine tes. Von Mitte Juni bis Mitte September fahren
gewesen, dass die Umsetzung etwas schnel- große Tradition zurückblickt, stellten Punkt 2 Kleinbusse in 6 lokalen Linien alle wesentli-
ler gehen würde. Es sei aber ein derartig zäher und 3 in touristischer Hinsicht vielfach Neu- chen Ausflugsziele und Wander-Ausgangs-
Vorgang, der sowohl national als auch interna- land dar. Als Umsetzungsbeispiele für alle drei punkte der gesamten Region an. Diese Klein- „Die Organisation von komplexen
tional von statten gehe. Er habe oft Gespräche Punkte seien hier – ohne Anspruch auf Voll- bus-Linien sind Bestandteil des öffentlichen
Packages, Mobilitäts-Angeboten
mit einem der beiden obersten Tiroler Touris- ständigkeit – folgende Maßnahmen genannt: Verkehrsangebotes und werden von der OeBB
muswerber, Herrn Dr. Brandl, früher in der Ab- Postbus GmbH in Kooperation mit lokalen etc. darf auf keinen Fall Aufgabe des
teilung Umweltschutz tätig, und mit Joe Mar- Unternehmern als Sub-Auftragsnehmer be- Gastes sein, soll aber auch die Be-
greiter geführt. Hier seien immer noch große 1. Mobilitäts-Lösung trieben. Auch die bestehenden Postbus-Linien
triebe nicht belasten! Daher wurden
Berührungsängste im Bereich der Alpenkon- sind Teil des Nationalpark-Wanderbusses, die
vention zu spüren. Die Alpenkonvention wer- Als Nationalpark-Region war gerade hier eine Fahrtzeiten der Kleinbus-Linien sind perfekt zentrale Servicestellen eingerichtet.“
de immer noch als Verhinderungsinstrument Vorreiterrolle angebracht, wiewohl die Aus- mit jenen der Postbusse abgestimmt. Der
gesehen, weil in Ischgl zum Beispiel Radtrac- gangssituation (zumindest im Sommer) alles Wanderbus kann mit dem speziellen „Mobili-
Fahrten auf den Piz Val Gronda nicht geneh- andere als rosig war und die Nutzung eines täts-Pass“, aber auch mit herkömmlichen Bus-
migt worden seien. Privat-PKWs den allermeisten Gästen gerade- Tickets genutzt werden.
Interessant sei allerdings gewesen, dass das zu unverzichtbar erschien. Seit 2006 wurden Im Sommer 2011 konnten über 23.500 Beför-
Land Tirol im letzten Jahr zusammen mit dem folgende Maßnahmen umgesetzt: derungen mit dem Nationalpark-Wanderbus
Bundesministerium in Innsbruck zu einer ers- registriert werden, über 2.400 Mobilitäts-Pässe
ten Sitzung der verschiedenen Alpenregionen, a. Primäre Bewerbung der Bahn-Anreise: wurden verkauft!
ob es jetzt Kantone, Departéments oder Bun- In allen Werbemitteln – online und print – wird Der Nationalpark-Wanderbus wird durch das
desländer seien, eingeladen habe. Acht Jahre die Bahnanreise an erster Stelle genannt. Im Klima:Aktiv-Förderungsprogramm kofinan-
nach Inkraft treten des Tourismusprotokolls Jahr 2011 wurde der Nationalpark Hohe Tau- ziert und durch eine großzügige Förderung
habe man sich aus der Not heraus in Innsbruck ern Kärnten 1. Österreichisches Mitglied bei des OeAV im Rahmen des Nationalpark-Paten-
getroffen, um gemeinsame Überlegungen an- „Fahrtziel Natur“ (Koop. DB), der Bahnhof in schaftsabkommens unterstützt.
Angebotspalette „Tauern Alpin“ 24 25

Erwartungshaltung an die Bergsteigerdöfer


Auftrag, Bürde, Chance?
2. Wöchentliches Natur-Aktiv-Programm Tauern Kärnten erfordern organisatorisches • Abgestimmtes Marketing (Print, Online)
Know-How und kompetente Partner. Zwei ent- • Einhaltung von Mindestpreisen
Wanderungen mit Nationalpark-Rangern, Gip- scheidende Punkte der internen Organisation
feltouren mit Bergführern, Rafting, Canyoning,
Schnupperklettern und vieles mehr können
seien hier angeführt: 2. Überbetriebliche Aufgaben an zentraler
Stelle professionell lösen: Podiumsdiskussion - Moderation Roland Kals
Gäste im Rahmen des sog. „Natur-Aktiv-Pro- 3.1. Kooperation mit Partnerbetrieben: Die Organisation von komplexen Packages,
gramms“ an wöchentlich fixen Terminen erle- Ohne Unterkunftsbetriebe, die dahinter ste- Mobilitäts-Angeboten etc. darf auf keinen Fall
ben. hen, ist jede Angebotsentwicklung zum Schei- Aufgabe des Gastes sein, soll aber auch die Be-
Besonders wichtig: Alle Programmpunkte des tern verurteilt. Es war der Tourismus-Abteilung triebe nicht belasten! Daher wurden zentrale
Natur-Aktiv-Programms sind mit dem Natio- im Nationalpark Hohe Tauern Kärnten daher Servicestellen eingerichtet. Die interne Kom-
nalpark-Wanderbus erreichbar, die Beginnzei- von Anfang an wichtig, mit den Betrieben der munikation mit diesen Stellen erfolgt primär
ten sind auf den Busfahrplan abgestimmt! Region eng zusammen zu arbeiten. Über 30 mittels eigens dafür geschaffenem Intranet.
Betriebe – vom 4-Stern-Hotel bis zur kleinen
3. „Packaging“ Pension – haben sich zum Verein der Kärntner • TauernAlpin-Buchungszentrale:
Nationalpark-Partnerbetriebe zusammenge- I. Kommunikation mit Gast: Anfragen
„Der Nationalpark muss buchbar werden“, so schlossen. Am Markt treten sie als „TauernAl- beantwortenund Angebotserstel-
lautete die Forderung an die oben erwähnte pin-Nationalparkpartner“ auf und bieten ins- lung
Tourismus-Abteilung im Nationalpark. Und besondere die oben unter Punkt 3. genannten II. Buchung in Partnerbetrieb
Position Position Position Position Position Position
der Nationalpark ist mit hoher Servicequalität Packages an. Neben den Beherbergern zählen III. Organisation Packages (Hütten,
Alpenkonvention Marketing Steiermark Gemeinde und Gast Reisejournalismus
buchbar geworden. auch Sporthändler und Bergführer zum Verein, Bergführer etc.)
Beispiel Trekking: Transfer zu Ausgangspunkt der zudem mehrere Wirtschaftspartnerschaf- IV. Organisation Natur-Aktiv-Programm
Tourismus Partnerbetrieb
und von Endpunkt, Reservierung aller Hütten ten (u.a. mit Kärntner Milch) eingegangen ist. Thomas
an der Route, Tal-Unterkunft am Anfang und • Mobilitätszentrale: Ewald Galle Wirnsperger Georg Bliem Ludwig Wolf Franz Maier Stephanie Geiger
Ende der Tour, auf Wunsch Begleitung durch Die Partner-Betriebe sind überprüft und zerti- I. Konzeption und operative Umset-
Bergwanderführer – all das wird von der Tau- fiziert und verpflichten sich u.a. zu: zung NP-Wanderbus
ernAlpin-Buchungszentrale im Rahmen eines • Kennzeichnung außen; TauernAlpin-Info- II. Organisation Mobilität bei Packages
Packages organisert. Analog dazu werden point III. Organisation Mobilität für Natur-Ak- Moderator Roland Kals: „Unsere Podiumsdis- und konsequent ein regionales Berg- und Wan- finition seit 20 Jahren professionell mit dem
Nationalpark-Wildtiersafaris, Großglocknerbe- • Bergsteiger-Service (z.B. frühes Tourenge- tiv-Programm kussion wird wahrscheinlich ein wenig die Zu- dertourismusangebot entwickelt. Von Thomas Thema ‚Zukunft‘ beschäftigt, was auch für uns
steigungen etc. angeboten und organisiert. herfrühstück etc.) IV. Betreuung Bahnhofsshuttle sammenfassung des heute Gehörten werden. erwarte ich mir vor allem seine Erfahrungen im ein sehr spannendes und wichtiges Thema ist.
Die angeführten Beispiele für den Alpin- und • Laufende Weiterbildung V. Förderungsabwicklung (Klima:Aktiv) In gewisser Weise wird die Diskussion an die regionalen Tourismusmarketing. Stephanie Geiger, Journalistin, schreibt unter
Nationalparktourismus im Nationalpark Hohe Vorjahresveranstaltung anschließen, bei der Georg Bliem ist Geschäftsführer von Steier- anderem sehr schöne Reisebeiträge mit al-
wir uns unter der ausgezeichneten Moderation mark Tourismus, ein Unternehmen, das mehr- pinem Touch für die Frankfurter Allgemeine
von Michael Pause mit dem gewissen ‚Etwas‘ heitlich in öffentlicher Hand liegt und laut Ei- Zeitung, für die Neue Züricher Zeitung aber
der Bergsteigerdörfer beschäftigt haben. Für gendefinition ein professionelles Servicecenter auch für renommierte Alpinmagazine. Ich
heuer habe ich mir vorgenommen, etwas mehr für die klassischen und virtuellen Marktplätze kann mich an einen sehr schönen Artikel erin-
die Außensicht von Seiten der touristischen darstellt. Das klingt für mich etwas rätselhaft, nern, wo du dich relativ kritisch mit der ganzen
Profis hineinzubringen. Wir haben heute schon aber ich nehme an das hat wohl mit Marken- Eventisierung im Alpenraum beschäftigt hast.
relevante Vorträge gehört und die Persönlich- bildung, Markenführung und der nachhaltigen Der Diskussionstitel lautet ‚Die Erwartungs-
keiten hier am Podium sollen helfen, dies noch Festigung solcher Marken zu tun. Das ist natür- haltung an die Bergsteigerdörfer – Auftrag,
weiter aufzuspannen. lich genau unser Thema. Bürde, Chance‘. Ein Thema, das unglaublich
Zunächst zu den Gästen am Podium: Dr. Ewald Unseren Gastgeber und Hausherr, Ludwig vielschichtig ist, weil natürlich sämtliche Per-
Galle, Focal Point Alpenkonvention im Lebens- Wolf, würde ich als Multitalent bezeichnen. Er sonen, die mit den Bergsteigerdörfern zu tun
ministerium, er ist das Bindeglied zwischen der ist erfolgreicher Wirt und Bürgermeister der haben, ihre jeweils eigenen Erwartungshaltun-
nationalen Ebene und dem internationalen einwohnermäßig kleinsten Gemeinde Johns- gen, Wünsche aber auch Befürchtungen hegen
Parkett. Du solltest in unserem Gespräch die bach. Dazu noch Musiker, Almbauer und Gym- werden.
Verwaltungs- und vielleicht auch umweltpoli- nasiallehrer. Woran denkt ein potentieller Gast, wie sind
tische Ebene abdecken. Franz Maier habe ich gebeten, sich in die Rol- seine Erwartungen, wenn er den Begriff
Thomas Wirnsperger, Geschäftsführer des sehr le eines Gastes hineinzuversetzen. Er ist aber ‚Bergsteigerdörfer‘hört? Welche Assoziationen
erfolgreichen Tourismusverbandes Großarltal nicht, wie man meinen könnte, ein professio- hat er? Was hofft er zu finden und was würde
im Land Salzburg, der bereits einige Auszeich- neller ‚Mystery-Shopper‘, sondern er ist Leiter ihn wirklich überraschen? Hierbei könnte es
nungen erhalten hat. Dieser Tourismusver- des Teams ‚Wissen‘ bei der Niederösterreichi- positive, aber auch negative Überraschungen
rechts: Der neu gestaltete Nationalpark-Bahnhof Mallnitz, Foto: Rupitsch; links: Der Nationalpark-Wanderbus, Foto: Dapra band hat meines Erachtens schon sehr früh schen Landesakademie, die sich laut Eigende- geben.“
Podiumsdiskussion 26 27
Podiumsdiskussion

Franz Maier: „Die erste Assoziation, als ich besser sieht. Ich bezweifle, ob das der richtige tourismus und wir versuchen, den Sommer Roland Kals: „Herr Bliem, wenn ich das rich- Getragen werden muss es von den Beherber- schaft ist, ob das der Tourismus ist oder der Bo-
vor fünf Minuten hergekommen bin, war, Weg ist und frage mich auch, wer das braucht. zu forcieren. Es war nicht immer so, dass der tig sehe, dann sind Sie hauptsächlich damit gungsbetrieben, genau wie dies vorhin beim denschutz, ich wildere schamlos und bewusst
Stress lass nach, nämlich durch die Anrei- Was ich so faszinierend an der Idee der Sommer bei mittlerweil 42% steht. Als ich be- beschäftigt, die Dachmarke Steiermark Tou- Referat von Andreas Kleinwächter vom Natio- in fremden Revieren und versuche damit, der
se von Wien, Kärntner Straße hierher. Man Bergsteigerdörfer finde, ist ganz einfach gonnen habe, hatten wir noch 70 zu 30. Der rismus zu erarbeiten, zu entwickeln und zu nalpark Hohe Tauern sehr gut herausgekom- Alpenkonvention zu mehr Aufmerksamkeit zu
legt da nicht nur eine weite Strecke zurück, die Tatsache, dass hier nicht krankhaft Sommer spielte eine untergeordnete Rolle. festigen. Und da habe ich auch gesehen, dass men ist. verhelfen.
sondern kommt eigentlich doch vom Zentrum versucht wird, Aufmerksamkeit auf sich zu Mir war das Wandern - vor allem in mittleren die Dachmarke Steiermark Tourismus jetzt Ein zweiter Aspekt, der enorm an Bedeu- Ich möchte aber vielleicht in der Beantwor-
der Verwaltung, der Politik, auch des Wasser- ziehen, sondern dass man einfach sagt, wir Lagen - immer sehr wichtig. Dazu kam dann sehr stark und wörtlich auf ‚Urlaub am Puls tung gewinnt, ist Geschichte und Tradition. tung der Frage noch einen Schritt in der Ge-
kopfes hier in eine Region, in die kleinste Ge- haben ‚Nichts‘ und das ist genau das, womit noch, dass wir von Journalisten auf die hohe der Natur‘ setzt. Wir mit unseren Bergsteiger- Und ich sage es euch, habt keine Angst vor schichte zurück gehen, es war nämlich die Fra-
meinde. Ich weiß jetzt gar nicht, ob mir das wir trumpfen können. Und das hat mich dann Dichte an bewirtschafteten Almen in unse- dörfern picken uns sozusagen zwei steirische dem Wort ‚Tradition‘. Das Denken in Traditi- ge, ob es die Alpenkonvention schafft, in das
so schnell gelingt, den Schalter rer Region aufmerksam Gemeinden heraus. Was sagen Sie dazu? Ist onen ist durchaus modern geworden. Das große Programm der Ländlichen Entwicklung
im Kopf umzulegen, aber Stress gemacht wurden - und das eigentlich nicht eine isolierte Vermarktung ist das, was ein Teil der Gäste sucht. Und ich hineinzukommen. Und die Alpenkonvention
lass nach, das ist eigentlich auch
„In Wahrheit erlebt man vielfach Allerwelts-Landschaften. Die Recherchen bestätigten von Ortschaften, die laut Touristikern völlig denke, die Chance für die Bergsteigerdörfer hat es zur Überraschung vieler letztendlich ge-
meine Erwartungshaltung beim “ das -, was zum Slogan ‚Tal verschnarcht sind?“ liegt darin, nicht die ganze Weltbevölker- schafft, dort anzudocken.
Begriff ‚Bergsteigerdorf‘. Franz Maier der Almen‘ führte. ung ansprechen zu müssen, sondern hier Natürlich hat sich die Alpenkonvention in ei-
Woran denkt man als Gast? Durch die Initiative Georg Bliem: „Erstmal herzlich Willkommen trifft de fakto der individuelle Gast auf die nem landwirtschaftslastigen Programm als
Man denkt an die Bilderbuch- „Als reizüberfluteter Großstädter suche ich nämlich gar ‚Bergsteigerdör fer‘ in der Steiermark, im grünen Herz Österreichs. individuellen Dörfer. Feigenblatt der Umwelt gefühlt. Aber auch
landschaft, die unzerstörten mussten wir uns noch Die Welt der Steiermark hört nicht am Sem- Ich würde mich freuen, wenn wir noch einige Feigenblätter können mit ein wenig Geld eini-
nichts mehr.“
Landschaften, die es in den einmal sehr detailliert mering auf. Tatsache ist aber, wir haben Dörfer in unserem Land hätten, weil ich es ges bewirken. Und das Geld wird mittlerweile
Publikationen und den Tou-
Stehanie Geiger mit dem Thema Wan- 542 Gemeinden und im Endeffekt liegt die wirklich als Nische sehe. Ich sehe kein Problem, für dieses Projekt bewusst herangezogen und
rismusprospekten noch gibt, dern und Bergsteigen Chance im Tourismus mehr denn je in der dass wir auch die ‚Bergsteigerdörfer‘ bei uns in daher tue ich mir schwer damit zu hören, dass
die harmonischen, intakten „Wir tun uns das nicht an, wir freuen uns dabei auseinandersetzen und Individualisierung. die Auslage stellen. Tatsächlich ist es mittler- das Geld für ‚Nichts‘ verwendet wird. Also ich
Landschaften, jedenfalls sein zu dürfen.“ das hat gezeigt, welches Ich bin der Meinung, es hat beides Platz, so- weile im Tourismusmarketing ja sogar char- gehe nicht mit der Argumentation zurück
nicht irgendwelche Seilbahn- Thomas Wirnsperger Potential eigentlich wohl die technisch hoch erschlossene Region, mant, überregional zu kooperieren.“ ins Ministerium und sage, dort - in den
trassen, Lifte und solche Din- brach liegt. Aus diesen als auch eine natur- Bergsteigerdörfern - ist
ge. Man denkt an Ruhe, an Informationen, die wir ge- belassene Gemeinde. ‚Nichts‘ und darum ha-
Stille. Man denkt bei den Unterkünften daran, auch dazu bewogen, öfter in eines der Berg- sammelt haben, sind interessante Werbemittel Aber ich möchte auf „Ihr müsst ja nicht die ganze Weltbevölkerung ansprechen, sondern hier ben wir bis 2013 über
dass man hoffentlich während der Nacht kei- steigerdörfer zu fahren und zu schauen, finde entstanden, auf die jedes Bergsteigerdorf stolz den Punkt bringen, trifft de fakto der individuelle Gast auf die individuellen Dörfer.“ eine Million Euro dafür
nen Autoverkehr hört. Man erwartete das Be- ich dort das, was ich suche. Denn als reizüber- sein kann. die Steiermark ist das Georg Bliem ausgegeben.
sondere und letztendlich die Anknüpfung fluteter Großstädter suche ich nämlich gar Weiters haben uns die Bergsteigerdörfer ge- grüne Herz Österreichs Es ist nicht darum gegan-
an vergangene Traditionen in den Bergtä- nichts mehr, ich will nichts haben, einfach kei- holfen, doch Infrastruktur aufzubauen, auch und daran ist auch ein gen, Kitzbühel oder Schl-
lern. nen Reiz. Und das bekomme ich genau hier.“ wenn wir jetzt gehört haben, man erwartet Markenversprechen
„Für uns ist es wichtig, dass man von so einem Ort - und möge er adming in die Auslage zu
In Wahrheit erlebt man vielfach Allerwelts- ‚Nich‘. Aber für die Kletterer hatten wir genau gebunden. Die Aspek- noch so klein sein - spricht.“ rücken, sondern kleine
Landschaften. Die Bergsteigerdörfer ver- Roland Kals: „Das passt jetzt genau, ich habe ja nichts, und etwas haben wir gebraucht. Dank te Natur und Mensch Ludwig Wolf Gemeinden, die vielleicht
sprechen genau das Gegenteil. Ob dieses vorhin schon erwähnt, dass Thomas ein Dop- der ‚Bergsteigerdörfer‘ haben wir jetzt einen spielen eine ganz wich- Angst haben, unterzu-
große Versprechen überall eingehalten wer- pelagent ist: Auf der einen Seite ist da die Regi- tollen Klettersteig, der gut angenommen wird. tige Rolle, so wie dies „Dass wir unter dem Titel ‚Ländliche Entwicklung‘ gehen und nach einem
den kann, wird man erst sehen, wenn man in on Großarltal, die im Wintertourismus stark ist, Bei den einheimischen Leuten hat sich eine auch bei den ‚Bergstei- schlechten Winter re-
nur ein Projekt haben, ist durchaus ein Spleen von mir.“
das Tal kommt.“ und auf der anderen Seite haben wir am hin- kleine Kletterszene entwickelt, die Jungen gerdörfern‘ der Fall ist. flexartig nach einem neu-
tersten Ende das Bergsteigerdorf Hüttschlag. klettern viel mehr. Nicht nur die Hüttschlager Tatsächlich wur-
Ewald Galle en Lift schreien. Es ist uns
Roland Kals: „Stefanie, du als Journalistin, die Du managt also eine sehr erfolgreiche Som- Wand, sondern auch am Schuhflicker in Groß- de der so genannte ein Anliegen aufzuzei-
sich mit Reisethemen befasst, hast vermutlich mer- und Winterdestination, du schaffst diesen arl gibt es mittlerweile zehn Kletterrouten. Das nachhaltige Touris- gen, dass es auch andere
schon alles oder sehr viel gesehen. Jetzt ist die Spagat. Wie siehst du das Bergsteigerdörfer- heißt, hier ist etwas in Bewegung gekommen, mus schon lange gepredigt, aber niemand Roland Kals: „Ewald, ist dir das Bergsteigerdör- Wege mit touristischer Wertsteigerung, Wert-
Frage, gibt es überhaupt noch neue Ansätze?“ Projekt? Oder anders gefragt, warum tust du das es vorher nicht gegeben hat. hat ihn wirklich umgesetzt - den Gästen war fer-Projekt eigentlich passiert? Also im Grunde schöpfung aber auch inklusive der sozialen
dir das überhaupt an? Was ist der Zusatznut- Letztendlich sehen wir auch die Bewerbung es egal, den Gastgebern auch. Jetzt merkt genommen bist du jetzt eigentlich in fremden Dimension gibt. Es war für mich letztendlich
Stefanie Geiger: „Es gibt eine starke Reizüber- zen für dich? Nimmt man sowas einfach mit als große Chance, sei es im ‚Bergauf‘ sowie man aber ganz deutlich eine Trendwende. Revieren unterwegs. Ist es jetzt so, dass unser auch, und das gebe ich ganz unumwunden
flutung. Viele Tourismusorte meinen, sie oder ist da mehr dahinter?“ die ganze Medienarbeit von euch. Nicht zu Sämtliche Tourismusumfragen bestätigen das. Fördergeber, das Lebensministerium, sich als zu, ein Test für die Alpenkonvention, in wie
müssten uns unheimlich viel anbieten, um vergessen das ganze Netzwerk von Alpen- Der Gast sucht bewusst Individualität. das bessere Tourismusministerium heraus- weit aus einem Blatt Papier, genannt Alpen-
überhaupt noch vorkommen zu können, Thomas Wirnsperger: „Ich glaube, da ist si- vereinen. Hier liegt für uns ein riesiges Po- Wir vom Steiermark Tourismus haben vor drei stellt? Oder geht es doch um mehr?“ konvention, und vielen anderen Blättern,
weil wir ja immer auf der Suche nach Neu- cher mehr dahinter. Wir sehen die Initiative tential, hier sind wir direkt an der Zielgrup- Jahren ein Winterprojekt gestartet, das sich genannt Tourismusprotokoll, und andere,
em sind, irgendetwas Bombastisches oder ‚Bergsteigerdörfer‘ als Chance für unser Tal, pe, noch näher können wir den Gast nicht ‚Winterschlaf‘ nennt. Das Projekt wurde kom- Ewald Galle: „Im Rahmen der Alpenkon- in wie weit man diese verwenden kann, um
auch nicht Bombastisches. Eine Aussichts- für unsere Tourismusregion. Wir haben etwas abholen. Insofern kann ich sagen, wir tun uns plett neu aufgesetzt und bietet allen Natur- vention habe ich mir angewöhnt, immer in daraus Projekte zu entwickeln.
plattform oberhalb von Garmisch-Partenkir- mehr als die Hälfte, 58% der Nächtigungen im das nicht an, wir freuen uns, dabei sein zu dür- parken der Steiermark eine Plattform. Jetzt, fremden Revieren unterwegs zu sein. Ob Dass wir unter dem Titel ‚Ländliche Entwick-
chen, weil man da angeblich das Höllental Winter, wir leben also ganz gut vom Winter- fen.“ im vierten Jahr, läuft es mittlerweile ganz gut. das jetzt Verkehr ist, ob das die Berglandwirt- lung‘ nur ein Projekt haben, ist durchaus ein
Podiumsdiskussion 28 29
Podiumsdiskussion

Spleen von mir. Wir haben zwar nicht viel Aber ich möchte zurück kommen zu dem The- nem Ort - und möge er noch so klein sein - Im Vorjahr war ich zu Gast im Bergsteigerdorf Tourismusgeschichte heraus mit geben möch- nommen. Ich denke, das ist dem Gast einfach
Geld zur Verfügung, aber meine Philoso- ma der Ländlichen Entwicklung: Alle reden spricht. Für diese Art der Wertschöpfung Grünau im Almtal. Bei so sensiblen Talschluss- te, der Trend zur Spezialisierung ist klar da. sehr wichtig.“
phie ist immer, für ein Projekt lieber ordent- über Ländliche Entwicklung, aber die Berg- möchte ich den Bergsteigerdörfern ganz punkten wie dem Almsee, braucht es meines Das haben uns zuerst größere Betriebe vor-
lich Geld zur Verfügung zu haben, als für steigerdörfer sind, glaube ich, die einzige herzlich danken.“ Erachtens auch modellhafte Lösungen, um gemacht, von Wanderhotels bis Kinderhotels. Thomas Wirnsperger: „Ich kann berichten,
drei Projekte insgesamt zu wenig Geld zu Initiative, die auch wirklich etwas tut. den Individualverkehr einzuschränken. Mir Jetzt passiert es größer und stärker auch auf dass die Österreich-Werbung in Deutschland
haben. Darum konzentrieren wir die Akti- Ich möchte mich recht herzlich für das was Franz Maier: „Erwartet man als Gast das ist klar, dass das Verkehrsthema das teuerste kommunaler Ebene. Das bedeutet auch mehr im Winter ganz stark auf den sanften Winter-
vitäten auf das Projekt ‚Bergsteigerdörfer‘.“ wir bisher bekommen haben, bedanken. Wir ‚Nichts‘ oder was erwartet man in einem Berg- ist, aber hier bräuchte es dann auch Finanzie- Konsequenz. tourismus setzt. Diejenigen die in die Sonne
haben für unseren Bergsteigerfriedhof, der steigerdorf? Ich glaube, man erwartet schon rungshilfen aus der Ländlichen Entwicklung. Die Bergsteigerdörfer wecken klare Erwar- fliegen, werden wir nicht halten, aber es gibt
Roland Kals: „Vor kurzem ist der Staatspreis für weit über die Grenzen Johnsbachs hinaus etwas, man erwartet Infrastruktur, nämlich Auch aus den Tourismusbudgets der Länder tungen. Wenn hier auf einmal irgendetwas einfach genug, die auch in den Winter, in den
Design verliehen worden. Dabei hat der Kura- bekannt ist, und für unseren Dorfladen Geld eine ganz besondere Infrastruktur. Das sind könnten Mittel lukriert werden.“ Verrücktes aufgestellt wird, damit man ir- Schnee wollen, aber nicht skifahren können.
tor einen wunderschönen Satz gesagt: ‚Weni- erhalten. Aber was noch wichtiger ist, ist die ganz banale Dinge: Ich erwarte dort ein gendwo drinnen steht, dann verunsichert Tatsächlich ist diese Zahl größer als jene der
ger aber dafür besser‘. Motivation der Bevölkerung im Bergsteiger- Wegenetz, das professionell beschildert Stefanie Geiger: „Also ich habe ja offensicht- das den Gast und er kommt nicht mehr wie- Skifahrer. Das heißt, die Langläufer, die Winter-
Eine Zahl möchte ich in ist, so dass ich mich lich mit meiner sehr pointierten Aussage einen der. und Schneeschuhwanderer zusammen sind
den Raum stellen: Angeb- auch ohne Führer- wunden Punkt getroffen. Ich stehe weiterhin Auf den Punkt gebracht, es geht um Konse- gleich viel wie Skifahrer.
lich werden laut Umfrage „Bei so sensiblen Talschlusspunkten wie dem Almsee braucht es meines und Kartenmater- dazu, Bergsteigerdörfer haben ‚Nichts‘, eben quenz. Wenn man sagt Bergsteigerdörfer ‚ja‘, Ihr müsst wissen, wie ein Bergbahner tickt: Ein
80% der Deutschen in ihrer Erachtens auch modellhafte Lösungen, um den Individualverkehr einzu- ial leicht zurecht nichts von diesen künstlichen Reizen, kein dann muss man es auch entsprechend umset- Bett, in dem kein Skifahrer liegt, ist ein kaltes
Kaufentscheidung von der schränken.“ finde. Ich glaube, Adrenalin, keine Anglizismen, kein wildes Ge- zen. Wichtig sind Service und Information, Bett. Es ist also nicht einfach als Tourismus-
Umweltfreundlichkeit des Franz Maier Beschreibungen, schrei. Die Leser der Zeitung, für die ich schrei- das sollte man nicht unterschätzen. Spezia- verband, in einer skidominierten Region für
Produkts beeinflusst. Und Wegweiser, eine be, das sind die so genannten LOHAS, die fin- lisierung bedeutet Konsequenz.“ Nichtskifahrer auch Geld auszugeben.
dann gibt es auch noch die Logistik vor Ort den das attraktiv. Natürlich brauchen sie eine Diesen Winter nutzen wir das kostengünstige
berühmte Nachfragegrup-
„Denn das Schöne an diesen Bergsteigerdörfern ist ja, dass sie von und Angebote gewisse Infrastruktur, aber ich würde davor Stephanie Geiger: „Ich denke, hier geht es Internet, um erstmals auch den sanften Win-
pe der LOHAS. Darunter diesem ganzen künstlichen Schnickschnack nichts haben.“ von kurzen Wan- warnen, sich irgendwelche Attraktionen auch um Authentizität, dass man sich selbst tertourismus gezielt anzubieten. Ich denke, da
versteht man gut situier- Stephanie Geiger derungen bis zu zu überlegen, nur weil man jetzt plötzlich treu bleibt und ehrlich ist, dass man vor ist durchaus Potential vorhanden.“
te Städter mit sehr hohen mehrtägigen Un- ein Bergsteigerdorf ist. Denn das Schöne an allem wertig ist. Diese Wertigkeit ergibt sich
Ansprüchen, die auf diese „Spezialisierung bedeutet Konsequenz.“ ternehmungen mit diesen Bergsteigerdörfern ist ja, dass sie von aus der Naturlandschaft, aus dem Wasser, das Georg Bliem: „25% der Deutschen fahren
Nachhaltigkeits- und Um- Übernachtungen diesem ganzen künstlichen Schnickschnack man aus der Leitung trinken kann - probieren Ski, also sind 75% noch abzuholen.“
Georg Bliem
weltthematik sehr stark auf Hütten würde nichts haben. Deshalb fahre ich als LOHA in ein Sie mal das Leitungswasser in Berlin. Das heißt
ansprechen. Die LOHAS ich mir erwarten. Bergsteigerdorf, weil ich unter der Woche in aber dann auch, Wertigkeit im Auftreten und Ludwig Wolf: „Das wäre doch einmal ein klas-
werden in Deutschland auf Selbiges erwarte diesem versifften Berlin alles habe. Ich bin am wie man sich in der Kommunikation gibt. Die se Thema: Winterurlaub außerhalb der Skige-
etwa 5% der Bevölkerung geschätzt, das heißt dorf. Wenn Leute heute wegfahren und ein ich mir auch im Winter als Skitourengeher. Es Abend vollkommen fertig und durch den Wind Broschüren, diese Geschichten, die Touren- biete.
ungefähr dreieinhalb Millionen Menschen mit Bergsteigerdorf besuchen, erzählen sie mir sollte in einem Bergsteigerdorf schon ein paar und bin nicht einmal mehr fähig, mir zu über- vorschläge, da hält man etwas Anständiges Bergsteigerdörfer bieten etwas ganz Konkre-
einem durchschnittlichen Haushaltseinkom- danach: ‚Ich war in Innervillgraten, in Vent, im sehr interessante Angebote geben, irgendet- legen, was ich mir im Urlaub wünschen würde. in Händen. Da fühle ich mich nicht irgendwie tes an. Die Infobroschüren beinhalten alles,
men von 2.500 Euro und darüber. Lesachtal‘. Und umgekehrt kommen die Leute was Besonderes, Attraktives, zum Beispiel, dass Und was mache ich dann für einen Urlaub? hinters Licht geführt oder auf den Arm ge- was der Gast braucht und vor Ort findet er ge-
Für mich ist klar, dass wir mit diesem Berg- zu uns, weil wir auch ein Bergsteigerdorf sind. man zu einem Ausgangspunkt gebracht wird Ich fahre nach Nepal in eine abgelegene Ge-
steigerdörfer-Projekt ziemlich ambitioniert Das heißt, sie können sich identifizieren. Es ist oder in einem anderen Tal abgeholt und wie- birgsregion, wo ich noch 500 $ extra löhnen
unterwegs sind, gerade weil wir uns als eli- nicht nur ein touristisches Projekt, ein Projekt der zum Quartier zurück gebracht wird. Und muss, damit ich dort überhaupt hinkomme,
täre Gegenbewegung zu dem, was offenbar des Alpenvereins, sondern die Exklusivität die- ich erwarte mir eigentlich auch Angebote für weil die dort nichts haben. Einfacher hätte
der Touristikermainstream glaubt machen zu ser Gemeinden, dieser Dörfer, ist für unsere das Mountainbiken. ich es gehabt, wenn ich in ein Bergsteiger-
müssen, verstehen. Bevölkerung ganz ganz wichtig. Bergsteigerdörfer müssen, glaube ich, auch dorf gefahren wäre, es wäre auch billiger
Ludwig, im Grunde genommen ist die Frage an Thomas hat das Informationsmaterial schon Akteure sein, wenn es um Fragen der Inves- gewesen. Wahrscheinlich hätte auch das
dich dieselbe wie an Thomas, du bist die ande- angesprochen. Auch ich möchte das wirklich tition von touristischen Fördermitteln geht. Essen besser geschmeckt.“
re Seite des Maßstabes, der Bandbreite. Du bist als Informationsmaterial bezeichnen, weil es Für Skigebietsprojekte - wie zum Beispiel das
sicher in einer schwierigeren Ausgangspositi- sich dabei nicht um Prospekte im herkömm- Skischaukelprojekt zwischen den Skigebieten Georg Bliem: „Es ist doch sehr viel da, wir ha-
on als die Region Großarltal.“ lichen Sinn handelt. Das Material wird nicht Höss und Wurzeralm über das Naturschutz- ben eine üppige Natur, Dörferensembles und
weggeworfen und zeigt nachhaltig Wirkung. gebiet Warscheneck - werden zig Millionen tolle Berge. Die LOHAS, Sie haben es angespro-
Ludwig Wolf: „Wir hätten ja gerne gehabt, So hat die Arbeit der Bergsteigerdörfer eine Euro locker gemacht und die öffentliche Hand chen, das sind auch Leute die beides kennen
dass uns ‚ein Großarl‘ in unserer Umgebung ganz andere Wirkung, als jene des Tourismus- leistet ebenfalls größere Beiträge. Eine Moun- und wünschen: Da gibt es durchaus Leute
passiert. Wenn Admont sich intensiv entwi- verbandes. tainbikestrecke, wo es lediglich eine Beschil- die mit Begeisterung in Schladming skifahren
ckelt hätte, was vor 40 Jahren leicht möglich Wie kann man die Arbeit der Bergsteigerdör- derung, eine Vernetzung und Bewerbung oder aber drei Wochen später nach Johnsbach kom-
gewesen wäre, dann wären wir diese extensive fer messen? Das ist sehr schwer, viel schwerer die eine oder andere Vereinbarung mit einem men. Also ich sag es noch einmal, man muss
Gemeinde gewesen, wie wir es heute als Berg- als in einem Skigebiet oder Hallenbad. Aber Grundbesitzer braucht, sollte doch auch mög- nicht alle Gäste ansprechen, das ist über-
steigerdorf auch sind. für uns ist es wichtig, dass man von so ei- lich sein. haupt nicht notwendig. Was ich aber aus der
Roland Kals und Stephanie Geiger
Podiumsdiskussion 30 31
Podiumsdiskussion

nau das, was beschrieben wurde. Diese Erwar- sich zurück. Aber in die Servicequalität, in die natürlich auch im Alpenverein an. Ich erinne- In diese Richtung muss unser Versprechen chese Beispiel erlebt: Auf der Fahrt ins Große beschließen, aber die Bevölkerung nicht
tungshaltung - davon bin ich überzeugt - wird konsequente Ausrichtung der Betriebe und re mich noch an eine der ersten Sitzungen in gehen und da werden wir um eine gewisse Walsertal zur letzten Jahrestagung Bergstei- entsprechend informieren.“
in den Bergsteigerdörfern nicht enttäuscht. des Angebotes in einer gesamten Gemeinde Osttirol, wo wir unsere Vorstellungen, wie so Qualitätskontrolle nicht umhin kommen. gerdörfer habe ich das Tor zum Biosphären-
Zufriedene Gäste sind auch sehr einfach zu zu investieren, ist mühsame Knochenarbeit. ein Bergsteigerdorf idealerweise sein soll, prä- Die Medien sind ja Roland Kals: „Darf
betreuen.“ Dabei muss man die Leute für sich gewinnen, sentiert haben. Die zuständige Regionalmana- auch kritisch und wer- ich hier gleich
„Ich denke, man kann nicht einen Gemeinderatsbeschluss zu den Bergsteiger-
mit jedem einzelnen reden. Da lässt der Erfolg gerin meinte dazu, das sei doch Kolonialismus, den fragen, wo wir nachfragen? Du,
Roland Kals: „Ich würde jetzt gerne noch auf länger auf sich warten und es gibt kein Gebäu- das können wir absolut nicht akzeptieren. besser sind als unser
dörfern beschließen, aber die Bevölkerung nicht entsprechend informieren.“ Ludwig, bist mit
das zweite Stichwort, das in der Überschrift un- de, das eröffnet werden kann. Nun, so war und ist es nicht gedacht: Wir dach- Nachbar, der nicht Franz Ferdinand Türtscher drei Autobussen
serer Diskussion steht ten, wir haben zwar Bergsteigerdorf ist. voll Leuten viel-
„Und nur ein Beispiel, dass es funktioniert: die Nachfrage bei den
,zu sprechen kommen. die Idee dazu, aber die Wir im Großarltal ha- leicht besser dran,
Ich habe ganz keck „In 20-30 Jahren werden diese ursprünglichen, naturnahen Gemeinden, Umsetzung und die Ini- ben uns dem Qua-
Broschüren kommt von den Betrieben.“ als mit 2000. Wir
hingeschrieben ‚Bür- die eine althergebrachte Kulturlandschaft erhalten haben, noch viel mehr tiativen müssen natür- l i f i z i e r u n g s p roze s s Ludwig Wolf vom Alpenverein
de‘, man könnte auch an Wert gewinnen als heute “ lich von den Gemeid- des Österreichischen haben kaum ein
sagen ‚Aufgaben‘. Ihr Franz Maier nen selber kommen. Wandergütesiegels „Teilhaben lassen heißt nicht, sich zu verkaufen.“ Gefühl dafür, in
habt hier in der Run- Wir haben gar nicht die unterworfen und sind Helga Zraunig welcher Intensität
de den Bergsteiger- „Die Wege müssen gut beschildert und gut markiert sein. Das wird Kapazitäten, um wie die erste Region im dieser gemeind-
dörfern schon ganz erwartet und wenn der Gast das nicht vorfindet, dann ist er die Kommissare durch Land Salzburg, die das einterne Kommu-
viel aufgelegt. Franz, enttäuscht.“ die Dörfer zu gehen Gütesiegel hat. Auch das zieht sich durch, die park durchquert. Ich hatte wirklich das Gefühl, nikationsprozess draußen in den Ortschaften
du hast ja vehement Thomas Wirnsperger und zu schauen, ob Betriebe sind zertifiziert, die Wege sind zerti- dass die Leute, denen man in den Gemeinden derzeit läuft.“
gefordert, Bergstei- alles passt. Ohne die fiziert, die Gemeinden und die Region. Das ist begegnet, den Biosphärenpark vor sich hertra-
gerdörfer sollten sich aktive Unterstützung ein vierstufiger Prozess und wenn einer von gen, ihn leben. Ludwig Wolf: „Als das Thema ‚Bergsteiger-
viel stärker in die Tou- „Gibt es denn so etwas wie einen Geist, also so etwas wie der Partner vor Ort tun den vieren nicht dabei ist, bekomme ich die Ich denke, bei den Bergsteigerdörfern ist das dörfer‘ aufkam, war für mich ganz wenig zu
rismusdiskussion ein- einen „Spirit Bergsteigerdorf“? Fühlen Sie Bergsteigerdorf?“ wir uns wirklich ganz Auszeichnung nicht, weil ich immer nur so sehr schwierig, weil sie sehr individuell sind, tun: Ich habe alle Betriebe und Hüttenwirte
bringen, was sinnvolle Stephanie Geiger schwer. Wir müssen stark bin wie das schwächste Glied in meiner iher Stärken und Schwächen sehr unterschied- angerufen und um Teilnahme gebeten. Das
Mittelverwendung be- darauf vertrauen, dass Kette. Und wenn ich keinen Betrieb habe, dann lich sind.“ war innerhalb einer Stunde abgehandelt, weil
trifft. die Gemeinden das bin ich als Wanderregion auch nicht stark. Wir sich alle sofort dafür interessierten. Damit ha-
Zudem höre ich sehr deutlich herraus, dass Aber dennoch glaube ich, braucht es diese Dis- Projekt auch wirklich wollen. Bis jetzt gibt es müssen eine gewisse Qualitätssicherung si- Roland Kals: „Franz Ferdinand, darf ich fragen, ben wir unsere drei Schutzhütten und unsere
zumindest in einigen dieser Ortschaften noch kussion, weil der Tourismuskuchen neu verteilt erfreulicherweise ganz wenige negative Rück- cherstellen.“ wie lange das gedauert hat, bis sozusagen die- drei Gasthöfe alle als Partner dabei. Ich glaube,
ganz große Aufgaben zu erledigen sein wer- wird. Und zwar nicht nur in Österreich oder im meldungen, was mich freudig überrascht hat.“ ses ‚Wir sind Biosphärenpark-Feeling‘ da war? schneller und besser könnte es nicht gehen.
den. Zum Beispiel das schwierige Thema der Alpenraum, sondern da geht es um weltwei- Roland Kals: „Ich glaube nicht, dass wir in die- War das von Anfang an da?“ Und nur ein Beispiel, dass es funktioniert: die
umweltfreundlichen Mobilität. Hier sind wir ja te, globale Entwicklungen, letztendlich auch Thomas Wirnsperger: „Das Wort ‚Qualität‘ ist sem Fall besser sein können als andere, aber Nachfrage bei den Broschüren kommt von den
derzeit auf ganz unterschiedlichen Niveaus. in Hinblick auf den Klimawandel und über nun öfter gefallen. Wir haben vorhin gehört, wir müssen mindestens so gut sein. Ich glaube, Franz Ferdinand Türtscher: „Ich denke nicht, Betrieben.“
Herr Bliem hat zudem hammerartig das Wort Jahrzehnte. In 20-30 Jahren werden diese was von einem Bergsteigerdorf erwartet wird: unser Unterscheidungsmerkmal liegt wo an- dass es bei allen da ist. Aber vielleicht darf ich
‚Konsequenz‘ eingeworfen. Und das ist natür- ursprünglichen, naturnahen Gemeinden, die Orientierungssicherheit auf den Wegen, ders. Auch die Großtouristiker sind im Sommer ganz kurz erzählen, wie wir zum Biosphären- Helga Zraunig: „Bei mir spielt beim Thema
lich auch ein Thema, das uns im Alpenverein die eine althergebrachte Kulturlandschaft die Information für den ankommenden Gast. sehr gut unterwegs und streben natürlich alle park gekommen sind: Man hat vor dem Jahr ‚Bergsteigerdorf`‘ auch eine gewisse Intimität
als Mitakteure sehr beschäftigt. Peter hat es erhalten haben, noch viel mehr an Wert ge- Ich glaube, hier liegt eine unserer Kernaufga- diese Gütesiegel an. Hier können wir auf das 2000 darüber diskutiert, der Landtagsabge- mit. Und was ganz wichtig ist: der Gast muss
am Vormittag angedeutet: in einem Bergstei- winnen als heute. Ich glaube, diese Diskus- ben: in der Aufbereitung der Informationen selbe Niveau kommen, aber deutlich darüber ordnete Josef Türtscher hat beim Land über
gerdorf kann plötzlich etwas auftauchen, bei sion kann man mit dem, was die Bergstei- über das Wander- und Tourenangebot, inkl. ... da bin ich eher skeptisch.“ das Naturschutzgesetz gesprochen und dort
dem wir relativ fassungslos davor stehen. Was gerdörfer bisher geschaffen haben, sehr Anreise und Mobilität vor Ort, müssen wir ein- ist das Wort Biosphärenpark aufgetreten. Er
machen wir dann? Haben die Bergsteigerdör- selbstbewusst führen. fach die Besten der Besten sein. Stephanie Geiger: „Ich möchte als Journalistin ist an uns sechs Bürgermeister herangetre-
fer als relativ kleine Gruppe überhaupt eine Du hast die Frage gestellt, ob man die Berg- Wir brauchen Wanderstartplätze, so blöd eine Verständnisfrage stellen, und zwar an alle, ten und hat die Überlegung eingebracht. Wir
Chance, die Tourismusrichtung irgendwie be- steigerdörfer im touristischen Konzert hört es klingt, aber hier sind wir doch wieder die hier sitzen und aus einem Bergsteigerdorf machten dann eine Exkursion in die Rhön und
einflussen zu können, werden sie gehört, sind oder ob sie eine Stimme haben. Also ich würde bei der inszenierten Infrastruktur: das kann kommen: Gibt es denn so etwas wie einen saßen am Abend im Gasthaus. Als wir das Per-
sie so etwas, wie eine moralische Instanz?“ sagen ‚ja‘. Aber das klappt natürlich nur, wenn z.B. eine einfache Infotafel sein. Die Wege Geist, also so etwas wie einen ‚Spirit Berg- sonal fragten, wie es ihnen im Biosphärenpark
mit dem Signet ‚Bergsteigerdorf‘ ein Quali- müssen gut beschildert und gut markiert steigerdorf‘? Fühlen Sie Bergsteigerdorf? geht, wussten sie überhaupt nicht, das sie hier
Franz Maier: „Ich glaube schon, dass es wich- tätsversprechen verbunden ist, dieses Quali- sein. Das wird erwartet und wenn der Gast Bevor man irgendwie an die konkrete Umset- im Biosphärenpark sind. Für uns haben wir mit
tig ist, dass man Bergsteigerdörfer oder Projek- tätsversprechen von allen eingehalten wird das nicht vorfindet, dann ist er enttäuscht. zung geht, denke ich, dass mit diesem Geist nach Hause genommen, dass wir die Bevölker-
te in den einzelnen Bergsteigerdörfern auch und wenn man mit dem gewissen Selbstbe- Findet er es in gutem Maße, ist er besten- Bergsteigerdorf viel mehr verbunden ist als ung stark miteinbeziehen und sie informieren
als Alternativen für technische Erschließung wusstsein auftritt.“ falls zufrieden. Aber wir sollten es eigentlich Wanderwege, gute Beschilderung, Parkplätze müssen. Ich denke, dass haben wir recht gut
in die Diskussion einbringt. Für Politiker und noch besser machen, wir wollen die Erwartung usw.“ geschafft.
Fördergeber ist es oftmals einfacher, in die Seil- Roland Kals: „Das Thema Qualität und Erfül- wenn möglich übererfüllen, weil erst dann ist Ich denke, man kann nicht einen Gemein-
bahn zu investieren und die anderen lehnen lung dieses Qualitätsversprechens treibt uns der Gast begeistert. Ewald Galle: „Im letzten Jahr habe ich ein sol- deratsbeschluss zu den Bergsteigerdörfern
Helga Zraunig, Wirtin Partnerbetrieb Hüttschlag
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Podiumsdiskussion

sich als Mensch angenommen fühlen. Wenn dann ist es nicht schwierig, dann frisst mich Und das ist viel schwieriger als Förderanträge hat sich in den Köpfen der Leute festgesetzt. lebt hat. Das ist dieser Spirit, der auch in Johns- Roland Kals: „Diese Kletterszene bringt plötz-
ich die Menschen teilhaben lasse an mei- der Gast nicht auf. Und ich glaube, authen- ausfüllen, als Schilder malen und alles mög- Die Gäste kommen nicht mehr zu uns, wir bach zu verspüren ist. lichen einen ganz anderen ‚drive‘ in den Ort.
nem Leben, dann braucht es nicht unbe- tisch zu sein, ist sowieso wichtig in diesem liche. Alles was sich mit Geld oder Arbeit haben nichts und wir sind niemand. Die Diese digitale Karte ist keine Erfindung von Reichenau ist eher als Kurort mit sehr viel Kul-
dingt einen Perfektionismus, dann werden Bereich.“ machen lässt, schaffen wir schon. Aber das Leute haben kein Selbstbewusstsein mehr. mir, sondern diese wurde über die Firma Alp- turangebot und älteren Herrschaften auf ge-
auch manchmal Bewusstsein der ei- Es ist irrsinnig schwierig, diesen Prozess umzu- stein digitalisiert. Das heißt, wir haben fast al- mütlichen Pfaden bekannt. Die Qualitäten von
Fehler verziehen.“ genen Leute dahin zu kehren. Es ist jetzt Gott sei dank eine Genera- les im Netz stehen, und es ist natürlich daran Reichenau als Klettereldorado, das ist etwas,
„Alles was sich mit Geld oder Arbeit machen lässt, schaffen wir schon. Aber bringen, dass wir et- tion von Übernehmern und Neugründern da, gedacht, es als app auf die iPhones zu bringen was mich unglaublich angesprochen hat.
Roland Kals: „Ist das das Bewusstsein der eigenen Leute dahin zu bringen, dass wir etwas Beson- was Besonderes sind, die das anders sieht. und die Berge zu erfassen. Das ist sozusagen mein Zugang zu diesem Spi-
nicht ein gefährli- deres sind, ist enorm schwierig.“ ist enorm schwierig. Dennoch würde ich mich nicht trauen zu be- Und was ich mir noch aufgeschrieben habe, rit, mir gefällt es, wenn ich so etwas sehe.
cher Pfad, auf den Ich möchte euch einige haupten, dass auch nur die Hälfte unserer ist das Wort ‚Tourismus‘. Ich habe manch- Es ist schön, dass es eine Spanne innerhalb der
Martin Ploderer
man sich begibt? Beispiele aus meiner Bevölkerung für die ‚Bergsteigerdörfer‘ ist. Ich mal das Gefühl, wir wissen gar nicht, was Bergsteigerdörfer gibt.
Dass dich der Gast „Dass es nicht selbstverständlich ist, dass jeder sofort und Gemeinde Lunz am freue mich schon, wenn ich am Stammtisch das Wort bedeutet. Dieser Begriff bedeutet Darf ich an dieser Stelle innehalten. Wir haben
emotional auf- vorbehaltlos darauf einstiegt, liegt in der Natur der Sache. Alles See nennen, bei denen die Bergsteigerdörfer nicht alleine verteidigen nichts anderes als ‚auf Tour sein‘, und das ist morgen Vormittag noch einen Block ‚Kriterien
frisst?“ man sagt, das gibt‘s ja muss. ja auch wieder Bergsteigen. Vor zwanzig Jah- und Qualitätsentwicklung‘ auf der Tagesord-
andere wäre eine Überraschung.“
nicht: Zwei Betriebe Die Nachbarn bemühen sich auch, sie markie- ren hatten wir den Begriff Fremdenverkehr, da nung, wo wir noch einmal strukturiert an das,
Halga Zraunig: „Teil-
Roland Kals aus meiner Gemeinde ren die Wege genau so schön und sind auch kommen Fremde zu uns, dürfen ein wenig her- was heute vielleicht nur angerissen werden
haben lassen heißt waren ursprünglich als kein touristisches Niemandsland. Im Gegen- umlaufen und wenn sie wieder gehen, sind sie konnte, anschließen können. Ich darf mich auf
nicht, sich zu verkau- Partnerbetriebe dabei. teil, wir leben in einer Region, in der wir uns immer noch Fremde.“ jeden Fall ganz herzlich bei euch am Podium
fen. Da ist ein großer Unterschied und das ist Ewald Galle: „Wäre es für die Bergsteigerdör- Positives Beispiel war unser Schlossermeister, durchaus behaupten müssen. Wir müssen un- und bei euch im Publikum für eure Beiträge
eine Gratwanderung. Aber teilhaben lassen fer ein richtiger Schritt, alle Broschüren ins der in Eigeninitiative diese wunderschönen sere Alleinstellungsmerkmale, unsere großen Roland Kals: „Ich glaube, in der Diskussion ist bedanken.“
heißt auch, dass ich sein darf wie ich bin, und Englische zu übersetzen, um sich vielleicht Aufsteller entworfen hat. Wir haben die Pro- Chancen nutzen. Und das Projekt ‚Bergstei- jetzt doch ganz klar herausgekommen, dass
neue Kunden zu holen? Oder ist das kontra- spektaufsteller unseren Betrieben zur Verfü- gerdörfer‘ hat in erster Linie eine Innensicht, wir uns noch auf dem Weg befinden. Ich glau-
produktiv, weil dadurch ja auch das Sprach- gung gestellt. Einer hat ihn gut sichtbar auf- wenn uns das gelingt, kommt das andere au- be, bei den Schlüsselakteuren in den einzelnen
problem dazu kommt. gestellt. Bei dem zweiten Betrieb habe ich den tomatisch dazu. Bergsteigerdörfern ist die Begeisterung, dieser
Ist es an der Zeit den Schritt nach außen zu Aufsteller nicht gesehen. Als ich weiter ging, Christina hat es heute schon gesagt, wir Spirit da. Dass es nicht selbstverständlich ist,
tun und die Pseudo-Weltsprache Englisch sah ich diesen im Wäschekammerl. Die Wirtin wollen nicht extrem hohe Kapazitäten dass jeder sofort und vorbehaltlos darauf ein-
auch bei den Bergsteigerdörfern zu zu- hat dort ihre Leintücher aufgehängt. Ich dach- erreichen, aber wir brauchen einen gesi- stiegt, liegt in der Natur der Sache. Alles andere
lassen oder macht man hier zu viele Türen te, mich zerreißt es. cherten Grundumsatz, damit wir selber wäre eine Überraschung.
auf?“ Und noch ein Beispiel, bei dem unserem Tou- gut leben können. Daraus entwickeln wir ein Ich glaube, es ist sicherlich diese Kombination
rismusobmann fast der Kragen geplatzt wäre: Angebot, das wir qualitätsorientierten Gästen aus Spirit und dieser Kleinheit, einer gewissen
Stephanie Geiger: „Wenn sie dann nicht einen Wir haben ein e-mail einer Dame erhalten - anbieten können.“ Hinterschattigkeit.
Flying fox bauen! einer ehemaligen Unternehmerin, die zurück Aber was wir heute gar nicht angesprochen
Was spricht dagegen, den Gast aus England nach Lunz gekommen ist - die uns fragte, was Christina Schwann: „Martin, wir unterstützen haben, und wo wir als Alpenverein ein guter
auch hierher zu holen oder was spricht dafür?“ wir denn als Bergsteigerdorf wollen, wo wir dich und wir sollten jetzt unbedingt einen Au- Partner sein können, ist die Alpinkompetenz,
doch nicht einmal richtige Berge hätten. Von tor oder eine Autorin für die Alpingeschichte die wir ganz besonders herausstreichen wol-
Thomas Wirnsperger: „Ich glaube, die eng- ihrem Fenster aus sieht sie den Dürrenstein Lunz am See finden.“ len. Martin wird das jetzt anders sehen, er
lischsprachigen Werbemittel kosten wieder und den Scheiblingstein, wo es tausend Meter muss seinen Leuten erst wieder klar machen,
viel Geld und dann habe ich fürs Marketing senkrecht hinauf geht. Das e-mail war mit dem Josef Hasitschka: „Als ich in Pension gegan- welche alpine Qualitäten sie in ihrer Gemeinde
keines mehr.“ Nachsatz gekrönt, ob wir uns mit Vent verglei- gen bin, hat mich Ludwig darum gebeten, das haben. Vent wird es schon wissen, Johnsbach
chen wollen. Büchlein zu schreiben. weiß es offensichtlich auch.
Ewald Galle: „Welche Ideen und Möglichkei- Da sieht man, welch weiten Weg wir noch zu Mittlerweile gibt es schon viele verschiedene Mir fällt dazu noch Reichenau ein. Hier hat sich
ten gibt es, um die Marke Bergsteigerdörfer gehen haben. Der Weg ist richtig, aber ein Möglichkeiten, die Leute draußen im Gelände eine gute Kletterszene heraus gebildet, die es
besser zu platzieren?“ Grundproblem, das ich bei vielen der Bergstei- gut zu informieren und zu begleiten. Z.B. mit vor einigen Jahren noch nicht gegeben hat.“
gerdörfern sehe, vor allem bei meinem Ort, ist, einem Naturkundlichen Führer, wie es ihn in
Martin Ploderer: „Es gibt zwei Sichtweisen: dass wir die Tourismusentwicklung in den letz- Mallnitz für den Blockgletscherweg gibt, oder Sabine Tauchner: „Aus diesem Grund würden
die Innen- und die Außensicht eines Bergstei- ten Jahren verschlafen haben. Wir haben vom auch mit digitalen Karten, die man sich auf das wir vielleicht auch die englischen Broschüren
gerdorfes. Die Schlussfolgerung gleich zuerst: klassischen Sommertourismus, vom Wiener iPhone laden kann.“ brauchen, nicht für die Engländer, sondern da
Schlussendlich werden wir daran gemessen, Umland, sehr gut gelebt, ohne dass wir et- wir das östlichste Bergsteigerdorf sind, sind
ob es uns gelungen ist, die Philosophie so weit was dazu beitragen mussten. Thomas Drechsler: „Meine Generation hat wir auch das Tor zum Osten. Diese Klettersze-
in unsere Köpfe hineinzubringen, dass es uns Schließlich haben wir die Überfuhr verpasst noch Luis Trenker auf den Bildschirmen gese- ne stellt sich aus Tschechen, Ungarn und Slo-
nicht so geht, wie den Menschen in der Rhön, und dann ging es radikal bergab. Wir waren hen, wie er mit voller Begeisterung erzählt hat, waken zusammen, die eine gute Klientel dar
die gar nicht wissen, dass sie dabei sind. mit unserem Tourismus fast auf Null und das wie er auf den Berg rauf ist und was er dort er- stellen.“
Martin Ploderer und Franz Ferdinand Türtscher Josef Hasitschka, Thomas Drechsler und Georg Bliem
34 35

Entwicklungskonzept Bergsteigerregion
Karnischer Kamm

Georg Hauger, Technische Universität Wien

Die Studentengruppe „die.serpentine“ entwi- Rahmen der offiziellen Präsentation in Obertil-


ckelte im Rahmen einer Projektarbeit ihres Stu- liach angemerkt wurde, haben die Studenten
diums an der TU-Wien ein sehr umfangreiches sich die bürokratischen Hindernisse nicht im
Entwicklungskonzept für die gesamte Region Detail angesehen. Ihr Blick von außen - quasi
rund um den Karnischen Kamm. Das Konzept am Kamm sitzend - birgt aber durchaus den
umfasst dabei nicht nur das Thema der sanften großen Vorteil, unvoreingenommen neue und
Mobiliät, sondern erstreckt sich auch auf sozia- sehr spannende Ideen einzubringen.
le und wirtschaftliche Aspekte. Die Studenten
und Studentinnen verbrachten dazu mehrere
Tage im Gail- und Lesachtal, erkundeten mit Das Ringbussystem
ortskundigen Personen die Gegend südlich Georg Hauger, TU-Wien
und nördlich des Karnischen Kamms, befrag- Ziel sollte es sein, ein Bussystem von Köt-
ten Personen zu den oben erwähnten Themen schach-Mauthen bis Sillian rund um den Karni-
und erarbeiteten in Form von Workshops mit schen Kamm zu etablieren. Dieses Bussystem
den Einheimischen Lösungsansätze. Die Er- soll aus einem Ringbus, der tatsächlich rund
gebnisse der Studie wurden am 8. Juli 2011 in um den Karnischen Kamm fährt und aus drei
Obertilliach präsentiert. Die Studie selbst ist weiteren aufeinander abgestimmten Buslinien
unter www.info.tuwien.ac.at/ivs abrufbar. bestehen.
Die Linie 1 deckt den Teilbereich nördlich des
Im Rahmen dieser Jahrestagung soll konkret Karnischen Kamms ab, während die Linie 2
ein Themenbereich der Studie herausgegriffen den südlichen Bereich bedient.
und näher beleuchtet werden - das Thema Öf-
fentlicher Verkehr.

Die Studenten und Studentinnnen haben sich


dazu einerseits die Ist-Situation angesehen,
die sich nicht besonders erfreulich darstellte,
da es keine durchgehende Buslinie von z.B.
Kötschach-Mauthen bis Sillian gibt. Die Stu-
denten haben sich zudem angesehen, ob es
nicht auch Busverbindungen rund um den
Karnischen Kamm geben kann und wie es mit
den Querverbindungen über den Kamm aus-
sieht.
Der Öffentliche Verkehr sollte dabei nicht nur
für die Gäste Vorteile bringen, sondern vor
allem auch die Lebensqualität der einhei-
mischen Bevölkerung heben. Wie bereits im
Vorgeschlagenes Ringbussystem rund um den Karnischen Kamm
Entwicklungskonzept Bergsteigerregion Karnischer Kamm 36 37
Entwicklungskonzept Bergsteigerregion Karnischer Kamm

Für den am stärksten frequentierten Bereich für steile Straßenabschnitte den Öffentlichen Fragen, Anregungen, Diskussion zur Studie der Projektgruppe die.serpentine der TU-Wien
im Gail- und Lesachtal wurden der so genann- Verkehr in Anspruch nehmen bzw. bei Über-
te Gailtalbus und der Bürgerbus vorgesehen. querungen des Karnischen Kamms mit dem
Das ganze System könnte - so die Studenten - Fahrrad den Heimweg mit dem Bus antreten
auch in Teilschritten umgesetzt werden. Dazu könnten.
erstellten die Studenten einen Finanzierungs-
plan, der auch die einzelnen Umsetzungspha- Personentransport auf Hütten Handynetz - beispielsweise am Abstieg von
se berücksichtigt. Querverbindungen über den Kamm der Hesshütte - nicht lückenlos funktioniert.
Es gibt Versorgungsfahrten auf Hütten, ein In Mallnitz wird der Nationalpark-Wanderbus
Der „Bürgerbus“ wäre dabei eine neue Form, Die Studenten haben sich die Wege in die Täler Personentransport ist aber ausgeschlossen. zwar von der ÖBB-Postbus GbmH betrieben,
der Mobilität, wie sie in anderen Ländern und über den Karnischen Kamm angesehen Auch wenn es nicht wirtschaftlich sein mag, so aber die Aufträge wurden an heimische Taxi-
durchaus schon erfolgreich zum Einsatz und festgestellt, dass es durchaus fahrrad- haben hier sowohl der DAV als auch der OeAV fahrer vergeben, damit die Wertschöpfung im
kommt. Zwei Eigenschaften zeichnen den Bür- taugliche Übergänge gibt. Elektrofahrräder eine sehr strikte Haltung. Ort bleibt.
gerbus besonders aus: der bedarfsorientierte werden mittlerweile auch schon in einer sehr Generell soll es aber bei den Bergsteigerdör- Auch im Großen Walsertal legte man sehr viel
Betrieb und die ehrenamtlichen Fahrer. Der guten Mountainbikeausführung angeboten, fern ohnehin um „Bewegung aus eigener Wert darauf, die lokalen Busunternehmer in
Bürgerbus könnte damit eine gute Ergänzung die durchaus bergwegetauglich ist. Kraft“ gehen. das Wanderbussystem einzubinden.
zu den Linienbussen sein und auch schwer er- Dieses Angebot würde sich vor allem an Tou- Generell sollte das Ehrenamt aber nicht un-
reichbare Ziele ansteuern. risten richten. Verleihmöglichkeiten könnten terschätzt werden, da es durchaus oft Lücken
Bei uns in Österreich scheiterte dieses System Gastbetriebe, Sportgeschäfte, Fitness- und Bürgerbus - Ehrenamt schließen kann, wenn sonst gar nichts mehr
meist an der Haftungsfrage des Fahrers. Wellnesseinrichtungen sowie örtliche Touris- geht.
musinformationen anbieten. Das Bürgerbussystem funktioniert wie ein
Die Topographie des Gail- und Lesachtales Um aber sowohl diesseits als auch jenseit des Verein, in dem die Fahrer ehrenamtlich arbei-
eignet sich nicht besonders gut zum Fahrrad- Kammes ausreichend Fahrräder zur Verfügung ten. Dies kann unter Umständen - wie Helga Nutzen der Studie
fahren. Durch den Verleih von Elektrofahrrä- stellen zu können, braucht es eine übergeord- Zraunig einwirft - zu einer groben Wettbe-
dern und Querverbindungen über den Kamm, nete Organisation. Auch müssten die Fahrrä- werbsverzerung führen, wenn es gleichzeitig Peter Haßlacher bedankt sich noch einmal
könnte sich dieses Bild aber ändern. Sinnvoll der erst einmal mit doch nicht unerheblichem gewerbliche Anbieter gibt, die ihre Mitarbeiter bei Georg Hauger und seinen Studenten und
wären dann allerdings auch Anhänger für die finanziellen Aufwand angeschafft und danach normal anmelden und entsprechend Steuer Studentinnen für die gute Studie, die durch-
Kleinbusse, um Fahrräder mitnehmen zu kön- regelmäßig gewartet werden. zahlen müssen. Es ist jedoch wesentlich, dass aus umsetzbare Beispiele zeige. Er hat nur die
nen. Das würde Gästen wie Einheimischen die Der große Vorteil würde aber darin liegen, dass der Bürgerbus keinesfalls ein Konkurrenzan- große Befürchtung, dass solche Studien allzu
Bernhard Häfinger, Projektgruppe die.serpentine Benützung des Rades erleichtern, in dem sie man zusätzliche attraktive Angebote für neue gebot darstellen soll. Vielmehr geht es hierbei leicht in der Schublade verschwinden, wenn
Zielgruppen schafft und die Region vernetzt um ein Mobilitätsangebot für Räume und Zei- man nicht aktiv dran bleibe.
wird. Auch kombinierte Touren - Wandern, ten schwacher Verkehrsnachfrage, die im All- Die Ergebnisse sollten im Österreichisch Nati-
Bergsteigern und Fahrradfahren sind denkbar. gemeinen durch nicht rentable und unattrak- onalen Komitte der Alpenkonvention präsen-
tive ÖV-Angebote gekennzeichnet sind. Durch tiert werden. Außerdem werde entscheidend
Weitere Querverbindungen könnten aktiv in die ehrenamtliche Mitarbeit kann aber der sein, wieviele Regionen mit wievielen unter-
Form eines „Wasserweges“ von Kartitsch nach Preis nicht nur sehr niedrig gehalten werden, schiedlichen Sprachen beteiligt sein werden -
Sexten oder einer „Karnischen Höhenweg sondern auch die bedarfsorientierte Betriebs- Friaul-Julisch-Venezien, Südtirol, Osttirol, Kärn-
Light Variante“ von Kartitsch über den Höhen- führung erst zu günstigen Tarifen angeboten ten.
weg nach Untertilliach sein. werden. Im Weiteren ergeht die Bitte an Helmut Lang,
das Projekt auch im jährlich stattfindenden
Das würde bedeuten, dass ein Bürgerbussys- Dreiländer-Treffen zu präsentieren und die Ver-
tem nur dann zum Einsatz kommen sollte, antwortlichen entsprechend zu sensibilisieren.
wenn es weder in der jeweiligen Gemeinde Auch wenn ein solches Projekt nicht ständig
noch in den Nachbargemeinden gewerbli- am Tropf von Förderungen hängen kann, son-
che Anbieter gibt. Dann kann der Bürgerbus dern eigentlich bei den Jugendlichen ansetz-
durchaus eine Bereicherung für Gäste und Ein- ten müsste und zu einer neuen Art und Weise
heimische sein. mit öffentlichen Verkehrsmitteln umzugehen
Das Rufbussystem in Johnsbach basiert auf führen sollte, wird man vermutlich nicht um-
heimischen Taxidiensten. Hier besteht eher hinkommen über eine Interreg-Förderung
das Problem, dass die Leute sich erst daran nach zu denken.
gewöhnen müssen, das Taxi ca. eine Stunde
Hans Jury, Peter Haßlacher, Helmut Lang,
vorher anzurufen. Dazu kommt noch, dass das
Vorgeschlagenes Ringbussystem rund um den Karnischen Kamm Christina Schwann
38 39

Unsere Qualitätsmesslatte: die Kriterien


und Qualitätsentwicklungskonzepte

Roland Kals

Die Kriterien der OeAV-Bergsteigerdörfer scheidung, Kals von der Plattform „Bergstei-
sind das Herzstück des Projektes. Sie gliedern gerdörfer“ zu nehmen, wurden die Kriterien
sich in „Ausschlusskriterien“, „Pflichtkriterien“ noch einmal genau unter die Lupe genommen
und „Zielkriterien“. Jedes Bergsteigerdorf hat und nachjustiert. Dies trifft vor allem auf das
sich mittels Gemeinderatsbeschluss und Un- Kriterium der schitechnischen Erschließung
terzeichnung der Deklaration Bergsteigerdör- zu.
fer zu diesen Kriterien bekannt. Die Kriterien dienen nicht nur der Qualitäts-
Hinsichtlich der aktuellen Entwicklungen in kontrolle der bestehenden Bergsteigerdörfer,
Kals am Großglockner und der schwierigen sondern spielen vor allem bei der Auswahl
aber letztendlich doch unausweichlichen Ent- neuer Gemeinden eine große Rolle.
Roland Kals

Die Neuerungen im Überblick - Auszug aus den Kriterien

A) Ausschlusskriterien B) Pflichtkriterien B) Pflichtkriterien


A2) wenig alpiner Landschaftscharakter, B2) Alpinkompetenz B5) Kooperationsqualität
Landschaftsschäden, Technikdominanz - Tourenprogramm (Bergwandern, - Projektarbeitsgruppe mit definiertem
- geringe Reliefenergie Klettern, anspruchsvolle Bergtouren, Ansprechpartner vorhanden
- den Gesamtcharakter erheblich störende Hochtouren, Schitouren) für Gäste - Enge Zusammenarbeit mit örtlich zustän-
Schäden durch menschliche Eingriffe (über örtlich zuständigen Alpinverein, digen Alpinvereinen
- Dominanz schitouristischer Erschlie- Bergführer, Wanderführer, Schiführer, ...) - Publikation der Zusammenarbeit im
ßungsmaßnahmen, insbesondere - Enge Zusammenarbeit mit örtlich Bergsteigerdörfer-Projekt (Home-
tälerverbindende „Schischaukeln“ zuständigen Alpinvereinen pages von Gemeinde und Tourismus-
verband mit Logo u. Link, Mitteilungs-
blätter der Gemeinde, etc.)
B) Pflichtkriterien
B3a) Ortsbildqualität
- Verankerung einer bergsteigerdörfer-
gerechten Strategie für die Ortsbild-
pflege und Ortsbildentwicklung im
kommunalen Entwicklungsleitbild
(Räumliches Entwicklungskonzept,
Örtliches Entwicklungskonzept,...)
Kriterien für OeAV-Bergsteigerdörfer 40 41
Kriterien für OeAV-Bergsteigerdörfer

Kriterien für OeAV-Bergsteigerdörfer


Neu-Überarbeitung
Stand 1.10.2011
Qualitätsentwicklungskonzepte 42 43
Qualitätsentwicklungskonzepte

Qualitätsentwicklungskonzepte sind Kern- Dabei wird anhand der bestehenden Kriterien die Qualität in den verschiedenen Bereichen Fragen, Anregungen, Diskussion zum Thema Bergsteigerdörfer-Partnerbetriebe als
elemente der zweiten Projektphase der Berg- für Bergsteigerdörfer einerseits der Status Quo zu verbessern. wichtiges Element der Qualitätsentwicklungskonzepte
steigerdörfer, für die finanzielle Mittel bis Ende in jedem Bergsteigerdorf erhoben und darauf Die Steirische Krakau war die erste Bergsteiger-
2013 aus dem Fonds für Ländliche Entwick- aufbauend in einer oder zwei intensiven Ar- region, in der eine soche Sitzung abgeahlten
lung und dem Lebensministerium zur Verfü- beitssitzungen mit allen Verantwortlilchen vor wurde. Daraus ließen sich konkret foglende Ar- Franz Ferdinand Türtscher berichtet von Betrieb vom Projektteam vor Ort kontrolliert
gung stehen. Ort konkrete Arbeitsparkete geschnürrt, um beitspakete nach Prioritäten gereiht ableiten: seinen Erfahrungen im Bioshährenpark Gr. werden sollte.
Walsertal, der seit dem Jahr 2000 besteht und
ebenfalls eigene Partnerbetriebe ausgewählt Christina Schwann beteuert, dass das zwar
B2 Alpinkompetenz: Priorität durchzuführen von: realisiert bis: hat. gut wäre, aber die personellen und zeitlichen
Skitourenzentrum Steirische Krakau 3 ? 2015 Am Anfang wäre man bei der Auswahl relativ Ressourcen in keinster Weise ausreichen wür-
topaktuelles Skitouren Informationssystem mit allen notwendigen Infos 2 TVB / Sektion Murau / Bergführer ? 2014 großzügig gewesen, man hätte viele interes- den, in 17 Bergsteigerdörfern 60-70 Partnerbe-
(Schneelage, ÖV, Wetter, Vergünstigungen) sierte Betriebe einfach aufgenommen. Man triebe einzeln zu besuchen. Das Projektteam
lokale Empfangskarte für Handy-Notruf 1 Sektion Murau / TVB 2013 -2015 hätte von den Betrieben lediglich verlangt, hätte dies in der letzten Projektphase zwar
dass sie den Gästen zumindest Auskunft über versucht, aber es sei wahnsinnig zeitaufwän-
offener Bergsteigerdorf WLAN-Infopoint 2 TVB 2013
den Biosphärenpark geben könnten, die Auf- dig und personalintensiv.
AV-Ausbildungskurse, Seminare in Bergsteigerdörfern;
lage von Prospekten, kostenloses Trinkwasser Man habe sich auf Vorschläge von Seiten der
Schwerpunkte in der Steirischen Krakau: Skitouren, Lawinen, Orientie- 1 Projektteam BSD in Koop. mit AV-Akademie 2013 für die Gäste, einen Abholdienst vom Bahnhof Tourismusverbände verlassen müssen, von
rung sowie einen Hinweis auf der Webseite gewähr- denen man annahm, dass sie die Betriebe gut
Konfliktvermeidung Skitouren und Jagd => Besucherlenkung 1 ? Abt. RPl / Nsch. 2012 leisteten. kennen. Das hat dann allerdings mancher-
Bustransfer für gesperrte Forststraße im Frühjahr 1 TVB / Tälerbus 2013 Nach zehn Jahren wäre evaluiert worden und orts dazu geführt, dass viel zu viele Betriebe
dabei hätte man festgestellt, dass einige Be- aufgenommen wurden. Für das Projekt sei es
triebe die Anforderungen nicht erfüllten. Das wesentlich besser, nur eine handvoll Betriebe
B4 Mobilitätsqualität: Priorität durchzuführen von: realisiert bis:
Schwierige sei, was man mit diesen Betrieben zu haben, die wirklich dahinter stehen. Diese
Tälerbus: Angebotsverbesserung am Wochenende und außerhalb der 2 Tälerbus 2015
machen solle. könnten dann vom Projektteam auch entspre-
Ferienmonate
Derzeit werde die Evaluierung und Neuauf- chend betreut werden.
Ergänzung durch Taxidienste und zusätzliche Frühfahrten für Bergsteiger 1 Kooperation Beherberger / Gemeinde 2014 nahme von Monika Bischof und einem Hote-
„Flat-Rate“: günstiger Tälerbustarif mit Gästekarte 2 Kooperation TVB / Tälerbus 2014 lier aus dem Tal durchgeführt. Es sei aber nach Auch Roland Kals ist der Ansicht, dass es nicht
stärkere Bewerbung des Tälerbus, Mehrwert für Überschreitungen 1 Kooperation Tälerbus / Projektteam BSD Ende 2012 wie vor ein heißes Thema. schaden würde, wenn sich die Szene ein biss-
herausstreichen chen bereinigen würde. Also weniger dafür
Anruftaxi: Anrufpunkte, Frequenz, Tarif 2 Christina Schwann erläutert kurz die geplan- besser.
te Vorgangsweise zum Thema „Qualitätsent-
wicklungskonzepte“. In jedem Ort werde eine Christina Schwann unterstreicht noch einmal,
B5 Kooperationsqualität: Priorität durchzuführen von: realisiert bis:
Sitzung mit den verantwortlichen Partnern dass es deswegen diese Arbeitsgruppe vor Ort
Northland-Partnerschaft 1 Schallerwirt 2012 einberufen, um die Punkte konkret durch zu brauche, die aktiv mithilft, Betriebe auszuwäh-
Partnerschaften mit Sektionen: Sektionen die kein eigenständiges 1 Projektteam Bergsteigerdörfer 2013 gehen und - wie im Beispiel Krakau - Arbeits- len und zu betreuen.
Arbeitsgebiet und keine eigenen Hütten haben für das Bergsteigerdorf pakete zu schnürren.
Krakau begeistern Auch bei diesen Sitzungen müssten die Part- Hannes Schlosser fordert hier vor allem Kon-
nerbetriebe jedenfalls dabei sein. Die Partner- sequenz.
Marketingarbeit: Priorität durchzuführen von: realisiert bis: betriebe würden eine sehr große Verantwor-
tung tragen, weil sie den direktesten Kontakt Dazu komme noch die Problematik der Über-
Marketinggruppe Bergsteigerdörfer 1 TVB / Sektion Murau / Projektteam BSD 2012
zu den Gästen hätten. lagerung diverser Betriebskategorien, so
Sektionen vermehrt ansprechen => Übersicht Ansprechpartner und 1 Projektteam BSD 2012
Mit den Qualtitätsentwicklungskonzepten sol- Christina Schwann. Es gäbe Naturpark-Part-
Erscheinungsrhythmus von Sektionsnachrichten, in Abstimmung mit
le eine solide Basis gelegt werden, damit das nerbetriebe, Nationalpark-Partnerbetriebe,
Bergsteigerdörfer-Koordinationsstelle
Projekt nach 2013 nicht sterbe. Biosphärenpark-Partnerbetriebe, Tauern-Al-
Bergauf: Bergsteigerdorf-Beiträge clustern 2 Projektteam BSD
Beim Thema Partnerbetriebe habe man ge- pin-Betriebe, Wanderhotels usw. In Ginzling
Bergsteigerdorf-Logo/-Link auf Homepage-Portal des Gesamtvereins 1 Projektteam BSD 2012 sehen, wie schwierig es ist, einen Konsens zu zum Beispiel gäbe es keine Bergsteigerdorf-
und auf Homepage der großen Sektionen finden. Die Auffassungen seien ganz unter- Partnerbetriebe, dafür aber die Naturpark-
DAV-Sektionen schiedlich; das hänge eng mit der Philosophie Partnerbetriebe, die ähnliche Kriterien hätten
Liste mit Kontaktperson in Bergsteigerdörfern an Sektionen bekannt 1 Gemeinde / TVB 2012 zusammen, mit den Kundengruppen, die man und durchaus gut seien.
geben anspreche.
Thomas Wirnsperger als Tourismusdirektor
Sepp Lederer ist der Ansicht, dass jeder neue bestätigt, dass er die Betriebe in Hüttschlag Sepp Lederer, Franz Kneißl und Christina Schwann
Qualitätsentwicklungskonzepte 44 45
Qualitätsentwicklungskonzepte

anhand der Kriterien ausgewählt hat. Zwei Phase entschied man sich bewusst dafür, eine einem Informationsstand „Bergsteigerdörfer„ tatsächlich berichten, dass sie plötzlich Gäste- Dankeschön
hätten mitgemacht. kleine Hürde in Form eines Kostenbeitrages zusätzlich einen Workshop geben, wo die Sek- schichten ansprechen können, die sie vorher
einzubauen. Wobei es sich eher um einen sym- tionen entsprechend informiert werden wür- nicht hatten. Dazu gehöre Joseph Schnedlitz Das OeAV-Projektteam Peter Haßlacher, Ro-
Christina Schwann unterstreicht, dass Hütt- bolischen Wert handle, als um tatsächliche den. vom Schallerwirt in der Steirischen Krakau und land Kals, Christina Schwann und Regina
schlag ein gutes Beispiel sei. Die beiden Betrie- Kosten. auch Franz Zraunig vom Almrösl in Hüttschlag, Stmpfl bedanken sich ganz herzlich für die
be seien wirklich gut dabei, sie würden an den Die Obergrenze läge bei EUR 200,- im Jahr für Christina Schwann greift abschließend die bei dem das Nationalpark-Patentreffen des anregenden Diskussionen und die große Gast-
Sitzungen teilnehmen und konstruktiv an den einen großen Betrieb, kleine Betriebe würden Frage auf, ob denn schon Betriebe berichten OeAV stattgefunden hätte. freundschaft im Bergsteigerdorf Johnsbach im
Diskussionen mitwirken. nur etwa EUR 30,- zahlen. Mit diesem Geld ver- könnten, dass sich ihre Nächtigungsstatistik Es werde ein wenig dauern, bis es sich her- Gesäuse - insbesondere bei den drei Partner-
Im Mai 2011 hätten zwei Partnerbetriebssit- suche man, die Webseite im Bereich der Part- aufgrund der Mitgliedschaft als Partnerbetrieb umspricht, dass bei den Partnerbetrieben die betrieben Donnerwirt, Ödtseinblick und Kölbl-
zungen in Grünau im Almtal und in Kartitsch nerbetriebe wie erwähnt zu erweitern. verbessert hätte. Dazu müsse gesagt wer- Qualität stimmt, dass hier auf die Bedürfnisse wirt sowie bei Reinhard Reichenfelser, Hütten-
stattgefunden. In Kartitsch sei man aufgrund Was die Plattform „Bergsteigerdörfer“ aller- den, dass jene Betriebe, die von sich aus sehr von Wanderern und Bergsteigern enspre- wirt der Hesshütte.
kontroverser Auffassungen vorläufig so ver- dings nicht sei, ist eine Buchungszentrale oder aktiv das Projekt vorantreiben, ihren Betrieb chend reagiert werde, aber es brauche ganz
blieben, dass sich die Betriebe ihre Teilnah- eine Marketing GmbH. Auch wenn der OeAV entsprechend kennzeichnen, Infomaterial dringend die aktive Umsetzung der Betriebe
me noch einmal in Ruhe überlegen sollten. versuchen werde, vermehrt Veranstaltungen auflegen, in ihrem Internetauftritt die Berg- selbst. Die Plattform Bergsteigerdörfer könne
Danach wurden die überarbeiteten Kriterien in Bergsteigerdörfern und in den jeweiligen steigerdörfer mitnehmen und vieles mehr, immer nur das anbieten, was vor Ort da sei.
noch einmal ausgeschickt und die Betriebe Partnerbetrieben anzubieten, so läge doch
aufgefordert, sich bei Interesse zu melden. Von sehr viel an der Eigenverantwortung und Ei-
dreiviertel der Betriebe wäre gar keine Rück- genwerbung der Betriebe selbst.
meldung gekommen.
Andreas Kleinwächter fragt nach, ob grund-
Franz Kneißl ist der Meinung, dass Partner- sätzlich die Tür für weitere Betriebe offen ste-
betriebe unumgänglich seien. Seine Frage ist he?
aber auch, welche Vorteile der Betrieb von der
Partnerschaft hätte. Wenn der Betrieb nicht Christina Schwann bestätigt, dass dies so ist.
einen direkten, monetären Vorteil sehe, dann Die Broschüren würden immer wieder neu auf-
sei ihm die Organisation egal und er sei schon gelegt, die Webseite sei noch flexibler.
gar nicht bereit, in die Organisation hinein zu
zahlen. Roland Kals bekräftigt noch einmal, dass von
Das letzte Ziel der Bergsteigerdörfer müsse ja Seiten des Alpenvereins natürlich auch lau-
sein, dass mehr Wertschöpfung durch die Phi- fend versucht werde, die Bergsteigerdörfer
losophie vor Ort erlangt werde. bekannter zu machen. Zum Beispiel über das
Viele Gäste wüssten außerdem gar nichts vom wichtige Instrument der Mitgliederzeitschrift,
Mitgliedervorteil, auch hier müsse man die in- in der in jeder Ausgabe ein Artikel über die
terne Kommunikation noch verbessern. Bergsteigerdörfer erscheine.
In der Sektion Salzburg werde zudem im Tou-
Die oben erwähnten Sitzungen hätten - so renprogramm jede Tour, die in ein Bergstei-
Christina Schwann - eben auch dazu gedient, gerdorf führt, mit dem Logo gekennzeichnet,
die Vorteile für die Partnerbetriebe hervor zu genau so bei Berichten über Touren in Berg-
streichen, die da seien: steigerdörfern.
• Bewerbung auf der Webseite inklusive Auch in der Steirischen Krakau sei darüber ge-
online Anfrageformular sprochen worden, was seitens der Sektionen
• zufällig wechselnde Darstellung je eines geschehen könne, auch von Sektionen, die
Betriebes auf der Frontseite der Webseite nicht unmittelbar mit Arbeitsgebieten in den
• Darstellung der Betriebe in den Einzel- Bergsteigerdörfern beteiligt seien. Hier müsse
broschüren und - neu - auch in der Ge- noch viel stärker in die interne Vernetzung des
samtbroschüre Bergsteigerdörfer-Projektes und den einzel-
• Darstellung der Betriebe im „Bergauf“ nen Sektionen investiert werden.
Teilnehmer von geführten Touren in Bergstei-
Nachdem die Teilnahme in der ersten Projekt- gerdörfern seien durchwegs sehr begeistert.
phase kostenlos gewesen sei, hätten viele ein- Diese Leute seien die besten Multiplikatoren.
Thomas Wirnsperger, Andreas Kleinwächter und fach mitgemacht, da es ja nicht schaden konn- Im Rahmen der diesjährigen OeAV-Haupt-
Roland Kals te. In der nunmehr angelaufenen zweiten versammlung in Mayrhofen werde es neben Rege Diskussionen rund um das Thema „Partnerbetriebe“
46 47

Eindrücke Bergsteigerfriedhof Johnsbach Über die Ostwand (Grazer Weg, IV+ / VI-)
auf das Hochtor
Vielen Dank, Josef Hasitschka, für die eindrucksvolle Führung! Kletterduo Roland Kals und Andreas Kleinwächter berichten

Seit Wochen ununterbrochenes Schönwet- ten ziemlich geländegängig sind – eine Unter- ren, bis wir schließlich zu sehr später Stunde
ter – der Herbst 2011 hat es in sich. Und der nehmung der schärferen Richtung wäre daher und ziemlich schläfrig in die ausgezeichneten
Standort unserer diesjährigen Bergsteigerdör- durchaus drinnen. Matratzen sinken.
fer-Jahrestagung passt ideal zum Wetter. Geht Und welche Freude: Andi aus Obervellach hat
man vom Kölblwirt in Johnsbach ein paar zufällig die Klettersachen dabei. Seine Seile Am nächsten Morgen tappen wir mit zunächst
Meter die Straße entlang, dann drängen sich ergänzen also perfekt mein vorsorglich mit- noch etwas unsicheren Schritten dem Teller-
die Felsburgen von Ödstein, Festkogel und gebrachtes Eisenzeug und nach kurzer Über- sack zu. Die Frühsonne beleuchtet die wie eine
Hochtor ins Blickfeld – wie ein Scherenschnitt legung steht es fest: wir machen morgen den Schichttorte gestapelten Felsplatten, welche
vor dem tiefblauen Himmel wirken die gewal- Grazer Weg aufs Hochtor. so typisch für die Gesäuseberge sind.
tigen, grauweiß schimmernden Gesteinsmas-
sen. Aber vorher steht die abendliche Prüfung in Über die Einstiegsrampe ist vor kurzem ein
Form der ausgezeichneten Weinkollektion von Bergsturz heruntergerasselt. Haushohe Fels-
Zum Abschluss der Tagung ist ein Abend auf Hesshüttenwirt Reinhard auf dem Programm. blöcke und rutschender Schutt verstellen nun
der Hesshütte geplant und am nächsten Tag Kölblwirt Ludwig Wolf hat es sich nicht neh- den Zustieg. Daher geht es im Bogen rechts
eine Bergtour, je nach Können der Teilnehmer. men lassen und uns auf die Hütte begleitet. herum und über einen leichten Kamin auf eine
Und nun stellt sich heraus, dass alle Interessen- Dort schmeisst er eine Runde nach der ande- fußballfeldgroße geneigte Felsplatte. Wie eine
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Von der Hesshütte auf das Hochtor


Eindrücke einer sehr schönen Bergtour
Ameise krabbelt man über die weite Fläche, Steigen ist hier angebracht, weil jeder Stein tung baut sich ganz dunkel und massig der Öt-
übersteigt dann einige harmlose Stufen und direkt in die Route hinunterpfeifen und Nach- scher auf und irgendwo da hinten müsste der
erreicht schließlich von Norden her den mar- folger in Bedrängnis bringen würde. Wienerwald sein.
kanten Riss, der die gesamte Ostwand durch-
zieht und die Aufstiegsroute unübersehbar Nach einiger Sucherei findet Andi die Fortset- Nur ungern lösen wir uns von diesem Bild,
macht. Zur phantastischen Felsqualität gesel- zung der Route: eine glatte Wandpartie, die aber die Vision eines belebenden Getränkes
len sich mit soliden Bohrhaken ausgestattete sich nach einem etwas heiklen Aufrichter in beim Kölblwirt lässt sich auf Dauer nicht ver-
Stände – dem Hochgenuss steht also nichts eine wunderbar raue Wasserrillenplatte wan- drängen. Und so starten wir in die Direttissima:
mehr im Weg. Und so ist es auch. Eine origi- delt. Die letzten Meter springen wir nur so der Abstieg über den an manchen Stellen ganz
nelle Kletterstelle reiht sich an die nächste, hinauf und erreichen ganz unvermittelt den schön “gachen” Schneelochsteig, der durch die
unschwierige Plattenschleicher wechseln mit Vorgipfel des Hochtor. Südwand des Hochtores direkt nach Johns-
kleingriffigen Steilpassagen. Heiklere Stellen bach hinunterführt. Und schon nach zwei
sind mit dem einen oder anderen Bohrhaken Am Hauptgipfel “wurlt” es, kein Wunder bei Stunden strecken wir mit einem wohligen
geschmückt – aber mit Maß und Ziel, die “Alpi- diesen idealen Verhältnissen. Trotzdem finden Seufzer die Haxen unter den Wirtshaustisch,
nität” bleibt gewahrt. auch wir ein Plätzchen, um die heute wirklich schließen die Augen und sinnieren über die
atemberaubende Fernsicht zu genießen. Berg- Schönheit der Welt…
Viel zu rasch haben wir die zehnte Seillänge stock reiht sich hinter Bergstock, ganz weit im
hinter uns gebracht. Hier steigt man auf ein Südwesten sehen wir die markante Formation
breites Schuttband hinaus, das den Zustieg des Triglav, von Westen grüßt das leuchtende
zur Ausstiegsseillänge vermittelt. Vorsichtiges Firnfeld der Hochalmspitze. In der Gegenrich- Danke Andi – richtig sche wars!

Bilder: Andreas Kleinwächter


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Teilnehmerliste

Nr. Nachname Vorname Funktion 40 Wirnsperger Thomas TVB Großarltal


1 Auer Wolfgang OeAV-Sektion Edelweiss 41 Wolf Ludwig Bgm. Johnsbach im Gesäuse
2 Bliem Georg TVB Landesverband Steiermark 42 Zeiringer Rudolf Partnerbetrieb Ödsteinblick-Johnsbach
3 Danninger Matthias GF Naturpark Zillertal 43 Zraunig Helga Partnerbetrieb Almrösl-Hüttschlag
4 Deutschmann Dr. Nikola OeAV-Sektion Graz, Naturschutzreferentin
5 Drechsler Thomas Geschäftsführer Alpenregion Gesäuse
6 Durchner Leopold OeAV-sektion Obergailtal-Lesachtal

Referentenverzeichnis
7 Galle Ewald Lebensministerium
8 Geiger Stephanie Reisejournalistin
9 Gfreiner Joachim OeAV-Landesverband Kärnten
10 Grabher Reinhard Redakteur ORF
11 Hager Bernhard OeAV-Sektion Mödling, Wegewart
12 Häfiger Bernhard TU-Wien
Ewald Galle Georg Hauger
13 Hasitschka Josef Buchautor Alpingeschichte Johnsbach
Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasser- Technische Universität Wien
14 Haßlacher Peter Projektteam Bergsteigerdörfer wirtschaft, Abteilung V/9: Internationale Umweltangelegenheiten Erzherzog Johann Platz 1/280_5, 1040 Wien
15 Hauger Georg TU-Wien Stubenbastei 5, 1010 Wien Tel.: +43/(0)660/754 20 99
16 Hesse Karlheinz ARGE Tauernhöhenweg Tel.: +43/(0)1/515 2216-17 georg.hauger@tuwien.ac.at
ewald.galle@lebensministerium.at
17 Jury Hans OeAV-Sektion Gmünd
18 Kals Roland Projektteam Bergsteigerdörfer Katharina Mayer-Ertl Projektteam Bergsteigerdörfer
19 Klausner Rudi Ortsvorsteher Ginzling Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend Peter Haßlacher, Christina Schwann
Sektion Tourismus und Historische Objekte Oesterreichischer Alpenverein
20 Kleinwächter Andreas TVB Mallnitz
Abt. III/2 Internationale Tourismusangelegenheiten Fachabteilung Raumplanung-Naturschutz
21 Kneissl Franz Bgm. Steinbach am Attersee Stubenring 1, 1011 Wien Olympiastr. 37, 6020 Innsbruck
22 Lang Helmut OeAV-Sektion Villach Tel.: +43/(0)1/711 00 57 55 Tel.: +43/(0)512/59547-31
23 Lederer Sepp OeAV-Sektion Obergailtal-Lesachtal Katharina.Mayer-Ertl@bmwfj.gv.at peter.hasslacher@alpenverein.at
christina.schwann@alpenverein.at
24 Maier Franz NÖ Landesakademie Elisabeth Süßenbacher
25 Mair Hanspeter DAV-Geschäftsbereichsleiter Umweltbundesamt Roland Kals, Regina Stampfl
26 Mayer-Ertl Katharina Bundesministerium für Wirtschaft Landnutzung & Biologische Sicherheit arp - plannig.consulting.research
Spittelauer Lände 5, 1090 Wien Bittsolweg 16, 5023 Salzburg
27 Mayr Hans Tourismusobmann Lunz a. See
Tel.: +43/(0)1/313 04 31 64 Tel.: +43/(0)662/644777
28 Ploderer Martin Bgm. Lunz am See elisabeth.suessenbacher@umweltbundesamt.at roland.kals@arp.co.at
29 Scheb Karoline Nationalpark Gesäuse regina.stampfl@bergsteigerdoerfer.at
Karoline Scheb
30 Schlosser Hannes Redakteur Alpingeschichte Bergsteigerdörfer
Nationallpark Gesäuse
31 Schwann Christina Projektteam Bergsteigerdörfer Besucherlenkung Schitouren
32 Schwarzenlander Stefanie TVB Steinbach am Attersee Nationalpark Partnerprojekt
33 Stampfl Regina Projektteam Bergsteigerdörfer Hauptstraße 35, 8911 Admont
Tel.: +43/(0)664/82 52 309
34 Steger Paul OeAV-Sektion Zillertal
karoline.scheb@nationalpark.co.at
35 Süßenbacher Elisabeth Umweltbundesamt
36 Tauchner Sabine TVB Reichenau Andreas Kleinwächter
Urlaubsinformation Mallnitz
37 Türtscher Franz Ferdinand Bgm. Sonntag, Gr. Walsertal
Mallnitz 11, 811 Mallnitz
38 Unterguggenberger Christian TVB Lesachtal Tel.: +43/(0)4784/290 42
39 Weidinger Alois Bgm. Grünau im Almtal a.kleinwaechter@mallnitz.at
Johnsbach im Gesäuse, 2011

www.bergsteigerdoerfer.at