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Politik Wissenschaft Zukunft


Eberhard Czichon

Wer verhalf Hitler zur Macht?


Zum Anteil der deutschen
Industrie an der Zerstörung
der Weimarer Republik

prv Pahl-Rugenstein
IN HALT

Wer verhalf Hitler zur Macht?


Zum Anteil der deutschen Industrie an der Zerstörung
der Weimarer Republik 13
I. Die Manipulationsphase . . . . . 14
11. Die Funktion des Keppler-Kreises 1932 . 24

Dokumente 57
1. Protokoll der Vernehmung des Hjalmar Schacht durch
die amerikanischen Untersuchungsbehörden am 20.
Juli 1945 (Auszug) . . . . . 59
2. Schreiben von Wilhelm Reichert an Friedrich Flick
vom 19. Oktober 1931 60
3. Schreiben von Otto Steinbrinck an Walther Funk vom
11. Dezember 1931 ...... .... 62
4. Schreiben von Hermann von Lüninck an Staatssekre-
tär Otto Meissner vom 3. Juni 1932. . . . . . . 62
5. Schreiben von Hjalmar Schacht an Adolf Hitler vom
Dritte Auflage 1972 12. November 1932 . . . . . . . . . . . . 64
ISBN 3-7609-0042-9
6. Schreiben von Wilhelm Keppler an Kurt von Schroe-
© 1967 by Pahl-Rugenstein Verlag, Köln der vom 13. November 1932. . . . . . . . . 65
Alle Rechte vorbehalten
Lektorat : Jürgen Hartmann 7. Schreiben von Max Schlenker an Franz Bracht vom
Umschlag : Dmitrij Werschbizkij 15. November 1932 mit dem Schreiben von Fritz
Herstellung : Franz W. Wesei , Baden-Baden
Printed in Germany Thyssen an Max Schlenker vom 11. November 1932 66
8. Handschriftliche Liste des Keppler-Kreises von Indu-
striellen, Bankiers und Großagrariern, die für die

7
Unterzeichnung der Eingabe an den Reichspräsiden- 25. Eidesstattliche Erklärung des Georg von Schnitzler
ten vorgesehen waren . . . . . . . . .. 68 vom 10. November 1945 (Auszug) 81
9. Schreiben von Hermann von Lüninck an Kurt von 26. Rede von Adolt Hitler am 20. Februar 1933 vor füh-
Schroeder vom 15. November 1932. . . . . . , 68 renden Industriellen der deutschen Wirtschaft (Auszug) 82
jO. Eingabe von Industriellen, Bankiers und Großagra- 27. Konto »Nationale Treuhand , Dr. Hjalmar Schacht«
riern an den Reichspräsidenten von Hindenburg . , 69 beim Bankhaus Delbrück, Schickler & Co. (Auszug) . 82
11 . Schreiben des Staatssekretärs atto Meissner an 28. Eintragung von Joset Goebbels in sein Tagebuch
Friedrich Reinhart vom 19. November 1932 . . . . 71 vom 20. Februar 1933 83

12. Schreiben von Friedrich Re inhart an den Staats- 29. Schreiben von Gustav Krupp von Bohlen und Halbach
sekretär atto Meissner vom 21. November 1932 . , 71 an Adolf Hitler vom 24. März 1933 . . . . . . . 83

13. Schreiben von A lbert Vögler an Kurt von Schroeder 30. Schreiben von Gustav Krupp von Bohlen und Halbach
vom 21. November 1932. . . . . . . . . . , 72 an Hjalmar Schacht vom 29. Mai 1933 . 84

14. Schreiben des Staatssekretärs atto Meissner an Quellen- und Literaturverzeichnis . 85


Fried rich Reinhart vom 22. November 1932 . . . . 72
15. Schreiben von Bruno Lindner an den Staatssekretär Benutzte Abkürzungen 100
atto Meissner vom 25. November 1932. 73
Personenregister 101
16. Information von Dr. Scholz an Franz Bracht vom
26. November 1932 (Auszug). . . . . . . . , 73
Firmenregister . 104
17. Schreiben von Wilhelm Keppler an Kurt von Schroe-
der vom 28. November 1932 . . . . . . . . , 73
18. Schreiben von Wilhelm Keppler an Kurt von Schroe-
der vom 19. Dezember 1932 . . . . . . . . , 74
19. Schreiben von Wilhelm Keppler an Kurt von Schroe-
der vom 26. Dezember 1932. . . . . . . . , 76
20. Schreiben von Wilhelm Keppler an Kurt von Schroe-
der vom 2. Januar 1933. . . . . . . . . 77
21. Eidesstattliche Erklärung des Freiherrn Kurt von
Schroeder, Köln, vom 21. Juli 1947 (Auszug) 77
22. Schreiben von Hjalmar Schacht an Kurt von Schroe-
der vom 6. Januar 1933. . . . . . . . . . , 79
23. Schreiben von Wilhelm Keppler an Kurt von Schroe-
der vom 6. Januar 1933. . . . . . . . . . . 79
24. Aktennotiz von Dr. Hempel aus dem Reichskommis-
sariat für Arbeitsbeschaffung vom 23. Januar 1933. 80

8 9
Wenn man erfolgreich die Wahrheit über schlimme Zustände
schreiben will, muß man sie so schreiben, daß ihre vermeid-
baren Ursachen erkannt werden können. Wenn die vermeid-
baren Ursachen erkannt werden, können die schlimmen Zu-
stände bekämpft werden.

Brecht, Fünf Schwierigkeiten beim


Schreiben der Wahrheit. Versuche 9
W ER VERHALF HITLER ZUR MACHT?

Der Anteil der deutschen Industrie an der Zerstörung der


Weimarer Demokratie durch die Installation einer national-
sozialistischen Herrschaftsform war der Gegenstand von Unter-
suchungen in mehreren Nürnberger Nachfolgeprozessen der
Jahre 1947 und 1948. 1) Insbesondere in den Verhandlungen
gegen die Angeklagten Friedrich Flick und Otto Steinbrinck
(aus dem Fall 5), gegen Heinrich Bütefisch, Max IIgner und
Heinrich Gattineau (aus dem Fall 6), gegen Alfried Krupp und
Friedrich von Bülow (aus dem Fall 10), sowie gegen Karl Rasche,
Otto Dietrich und schließlich gegen Wilhelm Keppler (aus dem
Fall 11) wurde eine Fülle von Tatsachen und Zusammenhän-
gen gerichtsnotorisch , die bis auf den heutigen Tag in der
Historiographie der Bundesrepublik weitgehend unbeachtet
blieben. Selbst in den bemerkenswerten Monographien von
Karl-Dietrich Bracher, Thilo Vogelsang, Friedrich Glum und
Michael Freund fanden diese, für die letzten Monate der Wei-
marer Republik überaus bedeutenden Vorgänge nur eine epi-
soden hafte und summarische Beachtung. 2)
Der amerikanische Hauptankläger (Chief of Council for War
Crimes), Brigadegeneral Telford Taylor, sagte am 27. August
1947 in Nürnberg: »Ohne die Zusammenarbeit der deutschen
Industrie und der Nazi-Partei hätten Hitler und seine Partei-
genossen niemals die Macht in Deutschland ergreifen und festi-
gen können, und das Dritte Reich hätte nie gewagt, die Welt in

I) Im Anschluß an den Nürnberger HauptkrieQsverbrecherprozeß (14. 11 . 1945 bis


1. 10. 1946) landen in Durchführung des Londoner Abkommens vom 8. 8. 1945
entsprechend dem Kontrollratsgesetz Nr. 10 vom 20. 12. 1946 auf der Grundlage
der Verordnung Nr. 7 der US-Militärregierung vom 18. 10. 1946 vor einem ameri-
kan ischen Militärgerichtshof in Nürnberg zwölf Nachlolgeprozesse statt.
2) Für die bibliographischen Angaben der Monographien der genannten Histori ker
verweise ich auf das Literaturverzeichnis.

13
einen Krieg zu stürzen.« 3) Diese zielgerichtete politische Aktivi- jedoch in den folgenden Jahren noch nicht den passenden
tät gerade jener Gruppierung von einflußreichen Industriellen Konnex zu ihnen. Auch sein Vortrag im Jahre 1921 im Nationa-
und Großagrariern, die intensiv auf die Errichtung einer natio- len Club in Hamburg wurde nicht besonders beachtet. Damals
nalsozialistischen Diktatur hinarbeiteten, ist bis in unsere Tage unterstützten ihn nur einige kleinere Unternehmer, wie Hugo
ein weithin tabuisiertes Thema in der Bundesrepublik. Neben Bru ckmann, Helene Bechstein, Hermann Aust, Ernst Hanfstaengl
den Historikern der DDR hat bisher lediglich der deutsch- und Gertrud von SeidIitz. 6) Diese ebneten ihm aber den Weg
amerikanische Wissenschaftler George W. F. Hallgarten ver- zu Stinnes und Ludendorff, die der Hitler-Gruppe bei ihrem
sucht, sich mit dieser Problematik eingehender auseinander- geplanten rechtsextremen Putsch im Jahre 1923 bereitwillig
zusetzen. Außerdem legte der DGB in einer Polemik mit dem einen angemessenen Platz einräumten und sie dazu mit den
Deutschen Industrieinstitut in Köln hierzu eine knappe Doku- erforderlichen finanziellen Mitteln versahen. Als sich im Okto-
mentation vor. Hinweise auf diese Zusammenhänge gibt es ber 1923 Fritz Thyssen (Vorsitzender des Vorstandes der Thys-
auch in neuen Arbeiten einiger Wissenschaftler der Bundes- sen & Co AG, Mülheim) diesem Unternehmen anschloß, wurde
republik. 3a) Dennoch liegt bis heute noch keine detaillierte er in der Münchener Wohnung von Max Scheubner-Richter (ge-
Darstellung und Dokumentation jener Ereignisse vor. Die histo- fall en als Hitlers Vertrauter beim »Marsch auf die Feldherrn-
rische Wahrheit zu erforschen ist aber das eigentliche Anliegen halle« 1923) auch Hitler vorgestellt. Thyssen war von dem exal-
der Geschichtswissenschaft, ungeachtet bestehender politischer tierten Führer der neuen national-chauvinistischen Partei so be-
Tabus. Die Bestrebungen in der Bundesrepublik, eine »For- eind ruckt, daß er sich sofort bereit fand, das Unternehmen mit
mierte Gesellschaft« ") zu errichten, verleihen zudem der Ent- 100 000,- Goldmark zu fördern. 7)
schleierung jener Triebkräfte, die an der Beseitigung der Wei- An antihumanistischen und antidemokratischen Ideen und
marer Republik beteiligt waren, eine zusätzliche Dringlichkeit. nationalistisch-militanten Gruppen ermangelte es Deutschland
nie. Für die Vertreter der deutschen Schwerindustrie und der
mit ihnen ökonomisch und politisch liierten Großagrarier wur-
I. Die Manipulationsphase den sie jedoch immer erst dann interessant, wenn man mit ihrer
Hilfe einen Masseneinfluß arrangieren konnte. Dieser mußte
Hitler war zweifellos beim Beginn seiner politischen Karriere man ipuliert werden. Nur ein derartig erfolgreiches Manöver
als Reichswehrspitzel im Jahre 1919 noch keineswegs der Pro- konn te den »böhmischen Gefreiten« - der nach kurzer Inhaf-
kurist der großen deutschen Industriellen, Er erkannte zwar tieru ng in Landsberg Ende 1924 wieder die politische Bühne
frühzeitig die engen Korrelationen zwischen ökonomischen und betreten hatte 8 ) - aus seiner lokalen Isolierung lösen und ihn
politischen Interessen und war auch von Anfang an bestrebt, für den Führungskern der herrschenden Klasse verwendbar
sein Konglomerat antihumanistischer Ideen 5) der ökonomi- machen. Dazu aber mußte Hitler seine faschistische Ideologie
sche ... Problematik und den politischen Ambitionen der ultra- nicht nur durch eine antikapitalistische und nationale Phra-
reaktionären Gruppierung innerhalb der deutschen Schwer- seologie kaschieren, sondern sie mußte auch entsprechend
industrie anzugleichen und ihr dienstbar zu machen. Er fand
6) . Nati.onalarchiv der USA (NAUSA), Alexandria Va., World War" Record Division
3) Hauptarchiv Berlin-Dahlem (HAB) Rep. 335, Fall 6 vor dem VI. US-Militärge,rlchts- Mlcrofllmcopy T 84 Roll 5, Amtsgericht München, Verhandlung gegen Hitler 1924'·
hof in Nürnberg , Verhandlung gegen die Al)geklagten der IG Farbenlndustne AG, vg l.: Hanns !'l0fmann, Der Hitler-Putsch, Krisenjahre deutscher Geschichte
Nr. 200. Opening Statement der Anklagebehorde. _ (1920-1924). Munchen 1961; Werner Maser, Die Frühgeschichte der NSDAP Hitlers
3a) Vgl. : Hitler und die Industrie, hrsg. vom Bundesvorstand des DGB, Dusseldorf Weg bIS 1924, Frankfurt/Main-Bonn 1965. '
1963; Hans-Gerd Schumann, Nationalsozialismus ~nd G~werkschaltsbewe!!u~g, 7) Fritz Thys~en, I paid Hitler. Herausgegeben von Emery Reves nach den An-
Hannover-Frankfurt/Main 1958; Werner Sörgel, Metaillndustne und NatIonalsozIalis- gaben von Fntz Thyssen, New York 1942, S. 80; zur Glaubwürdigkeit von Thyssen
mus , Frankfurt/Main 1965. _ vgl. I:lallgarten a. a. 0 ., S. 127; das Buch von Thyssen/Reves lag als offizielles
') Karl Jaspers, Wohin treibt die Bundesrepublik? Munchen 1966; Helmut Rld.der, Bewelsmatenal der Ank.lagebehörde im Fall 5 vor (IV. Militörgerichtshof Nümberg
Notstand '66, Köln 1966; Reinhard Opitz, Der. große ~Ian der C.D.U: dIe . Form lerte Verhandlungen gegen dIe Angeklagten Friedrich Flick KG), vgl. HAB, Fall 5, Nr. 175
Gesellschaft. , in : Blätter für deutsche und InternatlC'lnale. POlItik, lieft 9/196? . DOku menten~uch. der Anklage XIV C, Beweis-Dokument Nr. NI 6714.
5) William S. Shirer, Aufstieg und Fall des Dritten ReIches, Bd. 1, ~unchen/Zunch 8) Zu r Haltz91t H,tlers vgl. : Werner Maser, Hitlers Mein Kampf, München/Esslingen
1964, S. 99 11. ; Georg Lukäcs, Die Zerstörung der Vernunft, Neuwled/ Berlln 1962. 1966, S . 13 ff.

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propagiert werden können, um größere Teile des deutschen sozialen Phrasen des nationalsozialistischen Partei programms
Volkes systematisch zu beeinflussen . über die für eine solche ernst zu nehmen versuchten. Gleichzeitig war er eilfertig be-
Manipulation erforderliche journalistische Skrupellosigkeit ver- strebt, den Industriellen in persön lichen - nicht für die Öffent-
fügte Hitlers Propagandachef Joseph Goebbels. 9 ) Doch dies lichkeit bestimmten - Vorträgen seine tatsächliche Meinung
allein reichte nicht aus. Es war in erster Linie Geld erforderlich . zu erläutern . So bereiste er in den Jahren 1926 und 1927 mehr-
Schacht und sein Verteidiger RiJdolf Dix versuchten in Nürn- mal s das rheinische Industriegebiet. Er sprach beispielsweise
berg mit der Behauptung, die ,.Stimmzettel« und nicht das Geld am 1. Dezember 1926 in Kön igswinter ") und wenige Wochen
der deutschen Industriellen hätten Hitler an die Macht ge- später im Friedrich-Krupp-Saal in Essen über seine wirtschafts-
bracht 10), die historischen Tatsachen zu verschleiern . Sie leite- und sozialpolitischen Absichten vor gesondert geladenen rhei-
ten damit eine Exkulpation der politischen Haltung einer Mehr- nischen »Wirtschaftsführern «. Wenn auch_ viele von ihnen da-
heit in der Führungsschicht der deutschen Großindustriellen mals möglicherweise nur aus Sensationslust gekommen waren
ein, die schließlich zu einer totalen Negierung jeder Zusammen- und Hitler als einen kuriosen Gesundbeter betrachteten, so
arbeit der Industriellen mit der Nazipartei führte. 10a) Im Interesse erkannte zumindest Emil Kirdorf (Ehrenvorsitzender des Vor-
der historischen Wahrheit müssen wir aber feststellen, daß die standes der Gelsenkirchner Bergwerks AG) , der beim Esse-
Voraussetzung jener Wahlerfolge, auf die sich jene Exkulpato- ner Vortrag anwesend war, seine Brauchbarkeit. Er ließ sich
ren heute berufen, sowohl das Geld einer zunehmenden Gruppe ihm daher auch wenige Monate später, am 4. Juli 1927, im
einflußreicher Großindustrieller, als auch deren politische, psy- Hause des Münchener Verlegers Hugo Bruckmann persönlich
chologische und organisatorische Unterstützung der Nazipartei vorstellen. 12)
war. Sie erst machten Hitler vom unbedeutenden Führer politi- Im Frühjahr dieses Jahres war der Leiter der Chemischen
scher Abenteurer zu ihrem repräsentativen Exponenten. In je- Werke adin GmbH, der einzigen Fabrik für Fotogelatine in
nen Jahren der ersten nationalsozialistischen Manipulations- Deutschland, Wilhelm Keppler, der NSDAP beigetreten. 13) Fast
phase verhielten sich unbestritten noch viele Industriekapitäne zur gleichen Zeit fand der Wirtschaftsredakteur der deutsch-
dem neuen Star gegenüber skeptisch. Einerseits mißverstan- nationalen »München-Augsburger Abendzeitung« , atto Diet-
den sie seine »antikapitalistischen« Töne, andererseits gab es rich , zu Hitler. '4 ) Er verfügte über einflußreiche Verbindungen .
noch keine Notwendigkeit zu gewagten Experimenten, denn sie Wertvoll für Hitler wurde die Tatsache, daß atto Dietrich ein
gedachten, auch weiterhin mit den bisher bewährten Massen- Schwiegersohn von Reismann-Grone war. Dieser gab die
strukturen ihre politischen Ansichten durchzusetzen. »Rheinisch-Westfälische Zeitung« heraus, die gewissermaßen
Hitler unternahm in dieser Zeit alles, um unter seinen ein- das politische Sprachrohr des Ruhrbergbaus war. Reismann-
flußreichen »Gefolgsleuten« sich von all jenen zu lösen, die die Grone und Kirdorf galten als einflußreiche Mitglieder des All-
deutschen Verbandes. '5 ) Sie ermöglichten ihrem Schützling
9) Helmut Heiber, Joseph Goebbels , Berlin 1962 und München 1965 ; welche Wirkung
und Funktion Hitler In dieser Beziehung der Propaganda zurechnete, vgl. In . Meln
Kampf. , Mü nchen 1941, S. 197-198 und 200- 203, das vor dem IV. Mi litärgerichtshof 11) Robert Ley, Deutschland ist schöner geworden, Berlin 1936.
In Nürnberg im Fall 11 gegen die Angeklagten der Wilhelmstraße zum Beweis- 12) Rheinisch-Westfälische Zeitung vom 28. 7. 1935; vg l. : Preuß ische Ze itung vom
material der Ank lage erhoben wurde , HAB 335, 11 , Nr.427 Dokumentenbuch der An- 3. 1. 1937, wo Ki rdorf schreibt : . Im Jahre 1927 bin ich zum erstenma l mit dem
klage gegen Olto Dietrich , Beweis-Dokument NG 3552. . . ., Führer zusammengekommen . Ich fuhr nach München. In viereinhalb Stunden ent-
10) Vgl. : Dieter Petzlna, Hitler und die deutsche Industne. Ein komment ierter Llte- w.ickelte mir .Hitler sein Programm . Ich bat ihn , d.en mi r geha ltenen Vortrag in
raturbericht In: Gesch ichte in Wissenschaft und Unterricht (Stultgart) Heft 811966 , emer Broschure zusammenzufassen. Diese Broschure habe ich dann in me inem
S 482- 491 .' hierzu ' Der ProzeB gegen d ie Haupt kriegsverbrecher vor dem Inter- Namen Im Kreise der Industrie und der WirtSchaft verbreitet. In der FolQezeit
nationalen 'Mi l itärgerichtshof (IMT), Nürnberg 1947/1948, Band XII Beweisaufnahme fand en dann als Auswirkung der vom Führer veriaBten und von mi r verbreiteten
In Sachen Schacht ; HAB 335, 5, Nr. 31 Protoko ll der Verhandlung vom 21. 7. 194.?, Broschüre mehrere Zusammenkünfte des Führers mit le itenden Persönlichkeiten
Zeugenaussage von Schacht ; Nr. 284 Open ing Statement der Verteidigung fur der Industriereviere stalt .•
Friedrich Flick ; ferner : Lou is Lochner, Die Mächtigen und der Tyrann , Darmstadt 13) HAB 335, 11, Nr. 588 Dokumentenbuch der Anklage 134, Beweis-Dokument NG
1955' sowie Konrad Heiden, Adolf Hit ler. Das Ze italter der Verantwortungslos ig- 1640, Affidavit Wilhelm Kepplers vom 25. 5. 1947.
keit: Zürich 1936; Gustav Stolper, Die deutsche Wirklichkeit, Hamburg 1949; Kurt 14) HAB 335, 11, Nr. 1107 Closingbrief der Anklagebehörde gegen O. Dietrich yom
Stechert, Wie war das möglich? , Stockholm 1945. 9. 10. 1948; sowie Nr. 428 Dokumentenbuch der Anklage 11, Beweis-Dokument NG
lOa) Die Legende von Hitler und der Industri e. Herausgegeben vom Deutschen 4185 NS-Persona lunterlagen von O. Dietrich .
Industrieinstitut Kö ln, Köln 1962; Hans-Eckardt Kannapin, Wirtschaft unter Zwang, 15) Deutsches Zentralarch iv Potsdam (DZAP), Archiy des Alldeutschen Verbandes
Köln 1966. Hauptleitung, Nr. 180- 181 , Schriftwechsel yon Alfred Hugenberg (1927-1935) . '

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den Ankauf des Barlow'schen Palais in München, das Hitler Wahlpropaganda ausnutzen zu können, bedurfte es beträcht-
mit den Geldern Thyssens zum .. Braunen Haus« ausbauen licher finanzieller Mittel. Diese aber standen der Hitler-Partei
ließ.16) Ebenso führten sie ihn über den Oberregierungsrat im Sommer 1930 offensichtlich zur Verfügung.
Paul Bang bei Alfred Hugenberg ein. Hugenberg hatte in Es war daher kein Zufall, wenn Fritz Thyssen wenige Wochen
seiner Partei große Schwierigkeiten. Eine starke Gruppe, geführt später in der Sitzung des Hauptausschusses des Reichsverban-
von Graf Westarp, dem Parteivorsitzenden, zu der neben Mar- des der deutschen Industrie am 27. November 1930 erstmals
tin Schiele und Gottfried Treviranus u. a. auch Günther Gereke deutlich seinen Führungsanspruch mit der NSDAP prokla-
und Walther Lambach gehörten, drohte sein Vormachtstreben mierte. 21 )
innerhalb der Deutschnationalen Volkspartei aufzuhalten und Wenn auch dieser Appell bei der Mehrheit der Mitglieder des
damit seinen politischen Einfluß in der Öffentlichkeit zu gefähr- Reichsverbandes noch keinen Widerhall fand, hatte Thyssen
den. 17) Hitler war ihm daher als Verbündeter sehr willkommen. damit Hitler zum anerkannten Repräsentanten einer Gruppie-
Gemeinsam mit Franz Seldte (Stahlhelm, Bund der Frontsolda- rung von Industriellen erhoben, die mit seiner aggressiven
ten) und Justizrat Heinrich Claß (Alldeutscher Verband) prä- Konzeption die politische Macht erobern wollte, um ihre Kon-
sentierte er ihn im Sommer 1929 der deutschen Öffentlichkeit ku rrenten zu schlagen. Hitler war damit salonfähig, d. h. regie-
im .. Reichsausschuß für das deutsche Volksbegehren« gegen rungsfähig geworden. Kirdorf gelang es nun auch, mit Hilfe
den Young-Plan als einen neuen »nationalen Führer«. 18) Einen seines Prestiges im Bergbau-Verein den Beschluß durchzuset-
Monat später nahm Kirdorf demonstrativ als Ehrengast am zen, daß alle dem Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikat an-
Nürnberger Parteitag der NSDAP teil. 19) geschlossenen Unternehmen zur Finanzierung der NSDAP ab
Hitler erreichte damit seinen bis dahin bedeutendsten Erfolg. 1. Januar 1931 pro Tonne verkaufter Steinkohle 5 Pfennig zahlen
Es war ihm gelungen , seine Provinzialität zu sprengen und als sollten. 22 ) Dieser Beschluß konnte zwar nicht lange aufrecht
Teil der »Nationalen Opposition« anerkannt zu werden. Das erhalten werden, weil sich im Frühjahr 1931 die politischen und
bedeutete zugleich, daß er für seine Partei reichliche Finanz- ökonomischen Gegensätze zwischen den einzelnen finanzpoli-
mittel in die Hand bekam, um die er sich bisher vergeblich be- tischen Gruppierungen infolge der sich überstürzenden Wirt-
müht hatte. Ohne diese politische Aufwertung der Nazipartei schaftskrise verschärften, doch suchten auffallend erweise nun
durch Thyssen, Kirdorf, Hugenberg, Seldte und Claß wäre der immer mehr Industrielle die Verbindung zu Hitler. Otto Stein-
nachfolgende »sensationelle« Wahlerfolg der NSDAP im Sep- brinck von der Friedrich Flick KG und August Rosterg von der
tember 1930 undenkbar gewesen. Zwar waren in diesem Som- Wintershall AG stießen jetzt - wie auch Ernst und Walter Ten-
mer die Auswirkungen der Wirtschaftskrise bereits spürbar 20), gelmann (Gelsenkirchner Bergwerks AG und Essener Stein-
doch um sie politisch und psychologisch wirkungsvoll in der koh lenbergwerks AG) - zur Gruppe der nazistischen Industri-
ellen. 23) Auch der ehemalige Reichsbankpräsident, Hjalmar
16) Thyssen/Reves a. a. 0 ., S. 98ff.; vgl . HAB335, Fall 10 vordem 111. Militärgerichts- Schacht, begab sich nach seinem spektakulären Rücktritt nicht
hof Nürnberg gegen die Angeklagten der Fnedrich Krupp AG . Nr. 355 Dokumenten-
buch II der Verteidigung für Friedrich von BÜlow, Eidesstattliche Erklärung von
August Heinrichsbauer vom 31. 1. 1948; vgl. Lochner a. a. 0 ., S. 115. 21) Veröffentlichungen des Reichsverbandes der Deutschen Industrie Nr. 55 vom
17) DZAP Archiv der DeutSchnationalen Volkspartei, Nr. 11 Kri~en in der Partei (1.926- Dezember 1930; vgl. Deutsches Zentralarchiv Merseburg (DZAM), Rep. 77, Titel 4043,
1932); Reichsministerium des Innern, Nr. 25795/1 Deutschnatoonale Volkspartei und Nr. 479 Alldeutscher Verband (1926-1932). wonach auch auf einer gemeinsamen
NSDAP (1930-1932); ferner : Friedrich Frhr. Hiller von Gaertringen , Die Deutsch- Veranstaltung des Alldeutschen Verbandes, des Stahlhelms und des Königin-
nationale Volkspartei, in: Erich Matthlas/Rudolf Morsey, Das Ende der Parteien Luis~-Bundes am 20 .. 11. 1930 in SteUin eine re.chte Einheitsfront gefordert wurde,
1933, Düsseldorf 1960, S. 544 ff. um In Deutschland eine . natlonale Diktatur« mit Hltler an der Spitze zu errichten '
18) Erich Eyck, Geschichte der Weimarer Republik, Bd. 11, Erlenbach-Zürich/Stutt-
vgl. : DZAP Reichsministerium des Innern, Nr. 25 989 Alldeutscher Verband (1930"":
gart 1956, S, 269. . . 1933) und: Archiv des Alldeutschen Verbandes Nr. 472 Stellung zur NSDAP
19) DZAP Archiv des Alldeutschen Verbandes , Nr. 211 /1 Emll KIrdorf (1909-1933); (1930-1932).
Deutsche Werkgemeinschaft vom 1. 9. 1929; sowie: Rheinisch-Westfälische Zeitung 22) Berliner Tageblatt vom 27.9. 1932.
vom 28. 7. 1935. . 23) HAB 335, 5, Nr. 63, Protokoll der Verhandlung vom 9. 10. 1947, Zeugenaussage
2tl) DZAP Büro des ReichspräS identen (BdR) Nr. 315 Deutschlands wirtschaftll~e, von Walter Tengelmann ; vgl. : Fall 10, Nr. 355 Eidesstattliche Erklärung von
Lage. Berichte der Reichskred itgesellschaft Berlin. Bd . 2 (1930-1933) ; vgl.: ArchiV
der Berliner Handelsgesellschaft mbH. Generalsekretariat (BHG), Nr. 15162 Wirt- A. He i.nrichsbaue.r vom 31. 1. 1946; siehe auch: Albert Norden, Lehren deutscher
Ge~<:h'chte, Berl," 1947, S. 137; ferner: A. Heinrichsbauer, Schwerindustrie und
schaftskrise (1931-1932); Nr. 14972-14973 Interventionskonsortium 1929 Bd . 1 und 2 Polillk, Essen 1946.
(1929-1932),

18 19
auf sein Gut Gühlen, sondern strebte gleichfalls über Hugen- striellen von seiner Verwendbarkeit als Reichskanzler zu über-
berg die persönliche Bekanntschaft Hitlers an. Spätestens im zeugen. Vorhandene Mißverständnisse über die Ziele und den
Dezember 1930 lernte er - nach seinen Angaben - über den Charakter seiner Partei sollten in internen Unterredungen be-
Bankier Georg von Stauß (Mitglied des Vorstandes der Deut- seitigt werden. 29) Diese Bemühungen wurden auch von Kirdorf
schen Bank AG) 24) Hermann Göring kennen, der ihn Anfang unterstützt, der im Juni 1931 in einem Schreiben an den Vor-
Januar 1931 zu einem »gesellschaftlichen Abend« in seine Woh- sitzenden des Reichsverbandes der deutschen Industrie, Carl
nung einlud. Auch Hitler und Thyssen waren dieser Einladung Duisberg (Vorsitzender des Aufsichtsrates der IG Farbenindu-
Görings gefolgt. An diesem Abend war Schacht von Hitlers strie AG), gegen die Unterstützung des Kabinetts Heinrich Brü-
»Energie und Feuer« so beeindruckt, daß er beschloß, fortan nin gs (seit dem 30. März 1930 amtierend) durch den Reichsver-
mit ihm zusammenzuarbeiten. 25 ) Deshalb blieb er ihm auch in band der deutschen Industrie protestierte und die Bildung einer
den folgenden Jahren mit »wohlmeinenden Ratschlägen« stets .. nationalen« Regierung forderte. 30) Duisberg lehnte jedoch
zur Seite. Sein erster Vorschlag bestand darin, Hitlers bisheri- dieses Ansinnen ab. 3 ')
gen Wirtschaftsberater, Gottfried Feder, durch Walther Funk, Auch jene Eingaben hatten noch keinen Erfolg, die sicher
den ehemaligen Handelsredakteur der »Berliner Börsenzei- nicht zufällig ebenfalls im Juni und Juli 1931 im Büro des
tung«, ersetzen zu lassen, der weniger Gewicht auf die »so- Reichspräsidenten eingingen und eine Kanzlerschaft Hitlers
ziale« Propaganda legte, daher auch über einen größeren Ein- verlangten. 32) Die nazistische Industriellen-Gruppe gab sich
fluß innerhalb der Industrie verfügte und infolgedessen ihr Ver- aber nicht geschlagen. Sie hatte es eilig, die von Brünings
trauen genoß. 26) Hitler befolgte diesen Rat. Außerdem ernannte Notverordnungspolitik bereits unterhöhlte Demokratie restlos
zu beseitigen und durch eine faschistische Diktatur zu ersetzen.
er atto Dietrich zu seinem Pressechef. 27)
Zu diesem Zweck lud Kirdorf Ende August 1931 nochmals etwa
In seiner neuen Aufgabe organisierte Walther Funk Anfang
40 Industrielle auf sein Landgut, den,»Streithof«, zu einem Vor-
1931 die Herausgabe eines »Wirtschaftspolitischen Informa- trag Hitlers ein. Für die prominentesten Gäste dieses Abends
tionsdienstes« der NSDAP. 28 ) Mit ihm hofften nun Schacht, gab Hitler wenige Tage später, am 11. September, noch eine
Kirdorf und Thyssen, ihre Ansichten transferiert über Hitlers Privataudienz im Berliner Hotel »Kaiserhof«. Außer Albert Vög-
Phraseologie in den führenden Kreisen der Industrie systema- ler (R heinisch-Westfälisches Kohlensyndikat) und Fritz Thyssen
tisch verbreiten zu können, um eine Majorität für die Berufung folgten u. a. der Einladung Ernst Brandi (Vereinigte Stahlwerke
Hitlers zum Reichskanzler zu erreichen. Zu dem gleichen Zweck AG) , Fritz Springorum (Hoechst AG) und Ernst Poensgen (Ver-
unternahm Hitler dann im Sommer den Versuch, in einer aus- einigte Stahlwerke AG). 33) Bei diesen internen Gesprächen
gedehnten Vortragstournee die noch »mißtrauischen« Indu- ging es nicht mehr - wie 1926 - darum, sich unverbindlich zu
informieren. Das kann nicht deutlicher unterstrichen werden als
24) Deutsches WirtschaftsinstItut Berlin (DWI), Archiv der Deutschen Bank (Foto-
kopien) , Generalsekretariat, Nr. 5961 Bd . 63 Personalla Dr. Emil Georg von StauB;
Stauß hatte sich bereits im Oktober 1930 mit Hitler getroffen (vgl. Der Abend vom 29) Joseph Goebbels, Vom Kaiserhof zur ReichskanzleI. Eine historische Darstel-
18. 10. 1930). Wegen miBglückter finanzieller Transaktionen mußte StauB am 1. 3. lung in Tagebuchblättern. München 1934.
1932 aus dem Vorstand der Deutschen Bank und Diskonto-Gesellschaft AG aus- 30) HAB 335, 6, Nr. 954 Dokumentenbuch I der Verteidigung für Hermann Schmitz,
scheiden ; daß Schacht aber schon früher, als er angibt, Beziehungen zu Hitler hatte, Eidesstattliche Erklärung von Erwin Kritzer vom 16. 12. 1947; Brief von Kirdorf an
geht aus einem Telegramm der Deutschen Botschaft in Moskau an das Auswärtige Du lsberg vom 21 . 6..1931.
Amt Berl in vom 16. 1. 1930 hervor; DZAP Nachlaß Herbert von Dirksen (Deutscher 31) HAB 335, 6, Nr. 954, Brief von Carl Dulsberg an Emll KIrdorf vom 26. 6. 1931 .
Botschafter in Moskau) Nr. 50 Handakte Dirksens BI. 91. Hierzu Dokument Nr. 1 32) DZAP, BdR, Nr. 4B KabinettsbIldung, Schreiben der .Wirtschaftspolitischen
im Anhang. Verein igung«, des Präsidiums der . Vereinigten Vaterländischen Verbände Deutsch-
15) HAB 335, 6, Nr. 203 DOkumentenbuch der Anklage 111 Beweis-Dokument NI 406 lands«, der .Hessen-nassau lschen und rheinischen Führer der Wirtschaft«, des
Protokoll derVernehmung Schachts vom 20. 7. 1945, vgl. : Dokument Nr. 1 im Anhang. . Alldeutschen Verbandes« u. a. Organisationen vom Sommer 1931 an den Reichs-
26) IMT Bd. XIII Beweisaufnahme In Sachen Funk; sowie: A. Norden a. a. 0., präS identen.
S. 159 ff. 13) George W. F. Hallgarten, Hitler, Reichswehr und Industrie, Frankfurt/Main
27) HAB 335, 11, Nr. 1107. 1954, S. 101; Hallgerten zitiert die Erlnnerun\len von Poensgen, die In einem
28) IMT Bd. XIII, S. 617 ff.; sowie Bd. XXXII S. 355-379, Beweis-Dokument PS 3544 .Prelimlnary memorandum, Brief der Anklage über die Verbindung der Nazis mit
Protokoll des Verhörs von W. Funk vom 22. 10. 1945 ; vgl. HAB 335, 5, Nr. 40 Proto- der Schwerindustrlec enthalten sind und der US-Anklagebehörde im Fall 5 zur
koll der Verhandlung vom 8. 8. 1947, Kreuzverhör von Otto Steinbrinck. Verfügung stand.

20 21
durch jene Regierungskrise, die in diesen Wochen der .. Privat- Zwar gelang es Anfang Oktober 1931 den sogenannten natio-
audienzen« das Brüning-Kabinett erschütterte. 34) nalen Gruppen noch nicht, sich gegen das Brüning-Kabinett
Am 11. Juli 1931 war die Danat-Bank zusammengebrochen. durchzusetzen , doch schlossen sie sich kurz darauf in Bad
Das war für die deutsche Bourgeoisie zweifellos eine gewaltige Harzburg zu einer Einheitsfront zusammen, an der sich außer
Katastrophe. Brüning verordnete Bankfeiertage und übernahm den bereits bekannten nazistischen Industriellen und Bankiers
die Reichsgarantie für d ie Bankschulden. Um den völligen Zu- nun auch Rudolf Blohm (Blohm & VOß, Hamburg), Louis Ra-
sammenbruch des Bankwesens zu verhindern, wurde mit der vene (Vorsitzender des Aufsichtsrates der AG Deutscher Eisen-
Devisen-Bewirtschaftung begonnen und über eine neu gegrün- handel) , Max Schlenker (1. Geschäftsführer des Vereins zur
dete Akzept- und Garantiebank sowie über die ebenfalls er- Wahrung der gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen in
forderliche Sanierung der Dresdner Bank 35) d ie Staatskon- Rheinland und Westfalen), und Ludwig Grauert (Geschäftsfüh-
trolle im Bankwesen durch einen Reichskommissar für das rer der Westfälischen Eisenindustrie) beteiligten. 40) Die Prin-
Bankgewerbe bedeutend ausgebaut. Das rief insbesondere un- zen Eitel Friedrich und August Wilhelm von Hohenzollern, zu
ter jenen SchwerindustrielIen, die mit den betroffenen Banken Li ppe und zu Salm-Horstmar gaben diesem Treffen »Würde«
liiert waren, heftigen Widerspruch hervor. In diesen Wochen und »Glanz« 41), auf dem ebenfalls der Sturz des Brüning-
gelang es auch Schacht und von Stauß, sowie über die Verbin- Kabinetts und die Bildung einer »nationalen« Regierung sowie
dungen von Funk, eine Reihe neuer .,Wirtschaftsführer« für die die Beseitigung des demokratischen Parlamentarismus gefor-
gemeinsamen Ziele zu gewinnen. Außer Erich Lübbert (Mit- dert wurde, das seinem Charakter nach schlechthin eine Ver-
glied des Wirtschaftsrates des Stahlhelm, Generaldirektor der schwörung gegen die Weimarer Demokratie darstellte.
AG für Verkehrswesen), Edmund Hilgard (Mitglied des Vor- Alle diese Bankiers und Industriellen, die sich bisher so
standes der Allianz- und Stuttgarter Verein-Versicherungs AG) energisch für eine »nationale« Regierung engagiert hatten, er-
sowie Kurt Schmitt (Generaldirektor der Allianz- und Stutt- warteten die Bildung eines Kabinetts mit Hitler und Hugen-
garter Verein-Versicherungs AG) 36). waren es vor allem Fried- berg, deren Absichten ihnen genau bekannt waren. 42) Sie
rich Reinhart (Commerz- und Privatbank AG) 37), Otto Christian wußten, daß Hitler fest entschlossen war, seine öffentlich pro-
Fischer (Bankhaus Merck, Fink & Co) und Emil Meyer kl amierten und von ihm in internen Zirkeln oftmals erläuterten
(Dresdner Bank). 38) Auch Karl Rasche von der Westfalen- Zi ele auch al,s Reichskanzler durchzusetzen. Gerade weil sie
bank in Bochum (deren stellvertretender Vorsitzender des das wußten und weil ihre eigenen ökonomischen und politi-
Vorstandes August Rosterg war) schloß sich ihnen an. Im glei- schen Interessen mit der programmatischen Konzeption der
chen Hause wie die Westfalenbank befand sich die NSDAP- Nazi-Clique identisch waren, hatten sie deren Public Relations
Gauleitung Südwestfalen, und Rasche erledigte in diesen Mo- fin anziert und ihren wachsenden öffentlichen Einfluß mani-
naten im Auftrage von Paul Pleiger für die NSDAP »einige wirt- pu liert.
schaftliche Aufgaben«, wie er das verschämt formulierte. 39)

34) Fritz Klein, Zur Vorbereitung der fasch istischen Diktatur durch die deutsche
Großbourgeoisie (1929- 1932) in : Ze itsch ri ft für Geschichtswissenschaft (ZfG), Heft
6/1953, S . 872 ff.
35) DZAP Reichswirtschaftsm inisterium (RWM) Nr. 18566-1 8567 San ierung der
Dresdner Bank, Berlin, Bd. 1- 2 (1931 - 1934); vgl. : BHG Nr. 15248- 15252 Dresdner
Bank, Stützungsaktion, Bd. 1-5 (1931-1935) .
36) HAB 335, 5, Nr. 31 , Zeugenaussage von Schacht am 21 . 7. 1947; IMT Bd. XII/,
Aussage von Funk; A. Heinri chsbauer, a. a. 0., S. 42. <G) Karl-Dietrich Bra~er, Die. Auflösun!;l d6~ We imarer Republik, 3. Auflage, VIII In-
37) IMT Bd. XI/I, Aussage von Funk. . g~n 1960 (In der ZWIschenzeit Ist bereits die 4. Auflage erschienen im folgenden
38) HAB 335, 11 , Nr. 133 Pro tokol l der Verhand lung vom 20. 8. 1948, Verhör von Karl ~ Ird Jedoch nach der 3. Auflage zitiert) , S. 410. '
Rasche als Zeuge vor der Kommission 1/. ) Ebenda , S. 409.
3'1) HAB 335, 11 , Nr. 1588 Dokumentenbuch " A der Verteidigung für Karl Rasche , 42) HAB 335, 6, Nr. 298 Schrifts atz der Anklagebehörde zum Punkt I der Anklage-
Eidesstattliche Erklärungen von Hjalmar Schacht vom 3. 4. 1948, von Otto Stevens schnft; vgl.: Fall 11, Nr. 1431 DOkumentenbuch 11 der Verteidigung für Olto Melss-
vom 12. 4. 1948 und von Heinrich Theodor Fleitmann vom 12. 7. 19;48, d ie durch die ner,. Zeugenaussage von Olto Meissner am 2. 7. 1947 Im Fall 3 vor dem 111. Mllltär-
Aussage von Rasche vor der Komm ission 11 am 20. 8. 1948 bestatlgt werden. ge nchtshof.

22 23
11. Die Funktion des Keppler-Krelses 1932 Warburg sowie der Direktor des Institutes für Konjunkturfor-
schung , Prof. Ernst Wagemann. 47) Wagemann gehörte gemein-
Es ist nicht einfach, die soziologische Struktur der herrschen- sam mit Joseph Schumpeter, Wilhelm Lautenbach, Rudolph
den Klasse im Deutschland jener Jahre exakt zu analysieren Dalberg , Wilhelm Röpke, Alfred Müller-Armack und Werner
und die unterschiedlichen Interessengruppen voneinander zu Sombart zu den Theoretikern eines »reformierten Kapitalis-
scheiden. 42a) So sicher es ist, daß alle Wirtschaftsführer der Ar- mus«. Auch eine Nürnberger Gruppe um den Direktor des Insti-
beiterschaft gegenüber prinzipiell gemeinsame Interessen hat- tutes für Wirtschaftsbeobachtung der deutschen Fertigware,
ten, so ist es ebenso gewiß, daß innerhalb der Konzerne und Prof. Dr. Wilhelm Vershofen , und den jungen Dr. Ludwig Er-
einzelner Gruppierungen selbst sich der politische und wirt- hard, der damals Mitglied der Geschäftsführenden Leitung die-
schaftliche Konkurrenzkampf angesichts der Verschärfung der ses Institutes war, vertrat diese Ansicht. Sie befürworteten an
Krise zuspitzte. Es wu rde oben nachgewiesen, wie sich bis 1931 Stelle des altliberalen Laissez-faire eine aktive Konjunkturpoli-
eine zunehmend große Gruppe von Industriellen und Bankiers tik durch staatliche Beeinflussung der Marktwirtschaft als Aus-
darauf einigte, in Deutschland einen faschistischen Staat zu er- weg aus der Krise. Notwendig erschien ihnen dazu ein etappen-
richten. Eine andere finanzmonopolistische Gruppe 43 ), vor allem weiser Abbau der Demokratie zugunsten einer autoritären
der deutschen Chemie-, Elektro- und Verarbeitungsindustrie Staatsform. 48) Sie vertraten also eine Theorie des Staatsmono-
und des Exporthandels «) (die intolge einiger Monopolsteilun- polkapitalismus. 49 ) Ihren ideologischen und organisatorischen
gen auf dem Weltmarkt 45) nicht so schwer von der Krise betrof- Ausdruck fanden sie in der •• Studiengesellschaft tür Geld- und
fen war), hielt an der Politik des Kabinetts Brüning fest. Sie Kreditwirtschafk 50) Von dieser Konzeption eines deutschen
hatte dem Reichskanzler einen in der Verfassung nicht vorge- .. Keynesianismus« 50a ) waren seit 1930 viele Vertreter der ge-
sehenen »Wirtschaftspolitischen Beirat .. aufgedrängt, der den nannten Konzerne, wie etwa Carl Duisberg, Carl und Robert
verfassungsmäßigen .. Vorläufigen Reichswirtschaftsrat« lahm- Bosch, Gustav Krupp, Thilo von Wilmowski, atto WOlft, Carl
legte. 46) Dem »Beirat« gehörten u. a. an: Prof. Wichart von Moel- Friedrich von Siemens und Hermann Bücher (vom Vorstand der
lendorf, Dr. Fritz Andreae und Dr. W. Vogel (beide vom Bank- AEG) beeinflußt. Für sie erschien die präsidiale Notverord-
haus Hardy & Co), Geheimrat H. Bachem (Bank der Arbeit), nungspol itik Brünings durchaus akzeptierbar, da sie ihren spe-
Prof. Julius Flechtheim (Mitglied der Aufsichtsräte bei der AEG zifischen Interessen entspraCh.
und der Deutschen Bank und Diskonto-Gesellschaft AG) , Wil- Bosch und Bücher berieten daher im Herbst 1930 mit Theodor
helm von Fluegge (Mitglied des Aufsichtsrates der Deutschen Leipart und Fritz Tarnow vom Bundesvorstand des Allgemei-
Bank und Diskonto-Gesellschaft AG), Heinz Pulvermann, nen Deutschen Gewerkschaftsbundes (ADGB) auch die Bildung
Geheimrat Dr. Hermann Schmitz und Dr. Max IIgner (beide eines gemeinsamen Forschungsinstitutes unter der Leitung von
von der IG Farbenindustrie AG), der Bankier Sigmund Prof. Moellendorf, um die Wirtschaft gemeinsam mit den Ge-
werkschaften »neu und hoffnungsvoll « zu formen. 51)
42a) Jürgen Kuczynski, Zur Soziolog ie de~ Imperial!stischen Deutschland,. In:
Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte 1962, Tell 11 , _Berlm 1962 ; .Kurt G~sswelier, ' 7) HAB 335, 6.. Nr. n4 DOkumentenbuch I der Verteidigung tür Max IIgner Eides-
Die Rolle des Monopolkapitals bei der Herbelfuhrung der Rohm-Aftare, phll . 8tattllche Erklarung von Max Iigner. '
Diss. Berlin 1963 (MS); Monopole und Staat in Deutschland 1917-1945, Berlin ' 8) Wl lhelm Grotkopp, Die gr06e Krise, Düsseldorf 1954, S. 18 ft.; vgl. : Bracher
a. a. 0 ., S . 529 11.
1a~xt M. Falngar, Die Entwlckl~ng des deutschen Monopolkapitals, Berlin 1959, ' 9) Imperialimus heute - Der staatsmonopOlistiSche Kapitalismus in Westdeutsch-
S . 85 ft. land , 3: Aufl., Berh~ 1966; der l3egnff des .staats monopol isti schen Kapita li smus«
44) DZAP, Nachlaß Spieker, Bd. 8 Schriftwechsel mit Ministerialdirektor Dr. Klepper Wird hier .dlfferenzlerend begrundet, um . wesentliche Züge eines erkennbaren
(1935-1936), (2.), Denkschrift über die Lag.e in Deutschland von Dr._ Klepper (am Trends« (Rldder a. a. 0 ., S. 18) zu präziSieren
8. 9. 1935 an Spieker zur Weitergabe an die .Freunde In den USA. ubersandt). 50) Grotkopp a. a. 0 ., S. 3211. .
45) DZAP Archiv der IG Farbenindustrie AG, Direktionsabteilung der Zentralen "a) Den Begriff d.es Keynesianism us verwende ich nach Lord Mynard Keynes für
FinanzverWaltung, Nr. 1170 ProtokOlle der Sitzungen des Arbeitsausschusses des eine .al lgemeln bu~gerllch-~heoretische Bezeichnung der staatsmonopolitistischen
Vorstandes 1932-1934, Protokolle der 70. bis 73. Sitzung 1932. Entw!cklung, die Sich bereits vor Erscheinen des bekannten Werkes von Keynes
46) DZAP Vorläufiger Reichswirtschaftsrat (RWR), Nr. 14 Protokolle der Vorstands- abzeichnete; vg l.: Grotkopp a. a. 0 ., S. 62 fr.
sItzungen 1931-1932; vgl. : Nr. 616 Protokolle der Sitzungen des Zentralausschusses, 51) HAB 335, 6, Nr. 955 Dokumentenbuch I der Verteidigung für H. Schmitz, Auszug
Sitzung vom 6. 8. 1931 und vom 21. 12. 1931. aus K. Stechert a. a. 0., S. 346 If.

24 25
Es wäre aber falsch, den deutschen »Keynesianismus« als Vorträge, die von Wagener und Feder im November 1931 ge-
Alternative zum Faschismus zu sehen, da eine Reihe dieser halten wurden. 57) Sie überzeugten noch nicht die Mehrheit der
»Reformer« bereit war, mit den Nationalsozialisten zusammen- Industriellen und konnten so den Einfluß der Nazi-Gruppe nicht
zuarbeiten. So ist es nicht erstaunlich, daß es in jenen Monaten wesentlich erweitern. Hitler traf daher im <Dezember 1931 zwei
zu Aussprachen der Studiengesellschaft mit Walther Funk kam , wichtige Entscheidungen: er übernahm auf Vorschlag von Thys-
an denen Moellendorf, Iigner und Wagemann teilnahmen. 52) sen den zweiten Vortrag selbst, den eigentlich Funk Mitte Ja-
Weiterhin beteiligten sich von den Nazi-Industriellen Friedrich nuar 1932 im Düsseldorfer Industrieclub halten wollte, und er
Reinhart und Kurt von Eichborn (Bankhaus Eichborn & Co, Bres- ernannte einen neuen Wirtschaftsberater, Wilhelm Keppler.
lau) ständig an der Arbeit der Studiengesellschaft. Dab~i wur~e Hitlers Vortrag fand am 26. Januar 1932 statt. 58) Es war nicht
trotz einiger Meinungsdifferenzen eine annehmbare Ubereln- sein erster Auftritt vor Industriellen, doch diesmal hatte sich
stimmung in den Zielen erreicht. 53) Die unterschiedlichen Auf-
eine größere Anzahl von ihnen eingefunden. Man geht nicht
fassungen kamen im wesentlichen sowohl im taktischen Vor- fehl, von mindestens 300 Anwesenden zu sprechen. 59) Ober die
gehen als auch im politischen Führungsanspruch - den jede Wirkung des Vortrages gibt es widerspruchsvolle Urteile. Ob-
Gruppe für sich forderte - zum Ausdruck. Die »Keynesianer« wohl es auch diesmal Hitler nicht erreichte, alle Stahl industriellen
waren zwar durchaus bereit, Vertreter der NSDAP in ein von und Grubenherren im Düsseldorfer Parkhotel von Schacht, Kir-
ihnen geführtes Kabinett aufzunehmen, sie dachten aber noch dorfs und Thyssens Auffassungen zu überzeugen , machte sein
nicht daran, in der Führungsfrage nachzugeben und sich die Vortrag dennoch auf viele von ihnen einen starken Eindruck. 60)
von ihnen über Heinrich Brüning beherrschte Staatsmacht aus Es ist heute bekannt, daß die Zuhörer sehr genau diese Vari-
der Hand nehmen zu lassen. 54) ante einer gemeinsamen Interessenvertretung registrierten, die
Thyssen und Kirdorf und die von ihnen repräsentierte sie zwar nicht sogleich anzuwenden brauchten, die aber für
Gruppe der Nazi-Industriellen strebten jedoch über die ge- eine mögliche künftige Verwendung zu reservieren war. Für die
forderte ökonomische und politische Führung nach der Errei- Führungsschicht der Großindustrie war Hitler an diesem
chung eines forcierten Tempos der militärischen Wiederauf- Abend zu einem Faktor geworden, mit dem sie jetzt alle zu
rüstung, der Liquidierung des demokratischen Systems und rechnen bereit waren. Im Sinne von Schacht, Kirdorf und Thys-
einer autar1<en Wirtschaftspolitik. Bis zum Herbst 1931 war es sen sollte es nun Kepplers Aufgabe werden, diese gewonnene
Funk allerdings noch nicht gelungen, mit seinem »Informations- Bereitschaft in dem tür sie entscheidenden Moment zu aktivie-
dienst« einen dominierenden Einfluß auf die Mehrheit der füh- ren und in die von ihnen gewünschte Richtung zu lenken.
renden Schicht der Industriellen und auf die Theoretiker eines
»reformierten Kapitalismus« zu erreichen und sie von der Not- Wer war Wilhelm Keppler? 1882 in Heidelberg geboren, hatte
wendigkeit der Kanzlerschaft Hitlers zu uberzeugen. 55 ) Auch er 1911 sein Studium an der Technischen Hochschule wegen
sein zu diesem Zweck arrangierter Vortrag im Herrenclub am eines Herzleidens abgebrochen. 1912 trat er als Werkmeister
16. Oktober 1931 56) verfehlte ebenso seine Wirkung wie jene in Ziegelhausen in die »Heidelberger Gelatinefabrik Stoess &r-
52) HAB 335, 6. Nr. 724 , Eidesstattliche Erklärung von M. Iigner. Co« ein, die seinen Verwandten gehörte und deren Leitung er
53) Ebenda ; vgl.· Grotkopp a. a. 0 ., S. 32 H. . . I' .
54) Eine interessante und aufschlußreiche Analyse der okonom!schen und. \>0 111-
schen Wirkung der Konku rrenz f indet man bei Karl Marx, Gr~r'!d~lsse der Krotlk der
olitlschen ökonomie (Rohentwurf) , Berlon 1953, S. 375 ff;, on . W. I. Lenln, Die 57) Kölnische Zeitung vom 14. 1. 1932.
gifferenzen i n der europäischen Arbeiterbewegung (1910). on : Wer.ke , Bd . 16, Ber- SI) Berliner Tageblatt vom 27. 1. 1932; Vossische Zeitung vom 27. 1. 1932; Kölnische
lin 1962 S. 353-358 ; vgl.: W. I. Lenin, Marxismus und Stl!at, Berlon 1960. Zeit ung vom 28. 1. 1932; Dortmunder Generalanzeiger vom 31 . 1. 1932; vgl. : HAB
55) Hjalmar Schacht, 76 Jahre meines Lebens, Bad ~orosh~fen 1955; vgl. dazu : 335, 5, Nr. 175 Dokumentenbuch der Anklage XIV C, Beweis-Dokument NI 6714,
IMT Bd . XII , Bewe isaufnahme gegen HJalmar Schacht , sowie . HAB 335, 5, Nr. 31, NI 6593 und NI 8544; dazu : Thyssen/Reves a. a. 0 ., S. 132, 192 und 208-209; Olto
sowie Brief von Hjalmar Schacht an den Verfasser vom 6. 6. 1963. . Dietrich, Mit Hitler an die Macht, München 1935 (. Industriekapitäne am Scheide-
56) HAB 335 5 Nr. 173 Doku mentenbuch der Anklage XIV A, Beweis-Dokument NI weg«); Vortrag von Adolf Hitler am 27. 1. 1932 vor Industriellen in Düsseldorf,
8316 Brief von ' I. W. Reichert an F. Flick vom 19. 10. 1931 mit der An lage . Natlonal- München 1932; vgl. ferner : Norden a. a. 0 ., S. 93 ff.
sozial ismus und Wirtschaft«, einer knappen Zusammenfa.ssung d~r R'!'de vC?n Funk 59) Norden a. a. 0., S. 91 ff.
vom 16. 10. 1931 , vgl. : Beweis-Dokument NI 3122 AffidaVit von Froedroch Flick vom 60) HAB 335, 10, Nr. 355 ; EIdesstattlicha Erklärung von Karl Jarres, Vorsitzender des
20. 11 . 1946; vgl. Dokument Nr. 2 im Anhang . Industrieclubs In Düsseldorf Im Jahre 1932.

26 27
nach sieben Jahren übernahm. 1922 wurde er beauftragt, ge- Bei den Verhandlungen in Köln hatte er Robert Ley und auch
meinsam mit der Eastman Kodak Comp. (Roch ester) in Eber- den Baron Kurt von Schroeder kennengelernt, einen Teilhaber
bach am Neckar die Chemischen Werke Odin GmbH aufzu- der Stein-Bank, der »schon längere Zeit der NSDAP mit Sym-
bauen, wobei die Kodak 50 %, Keppler selbst und seine Ver- pathie nahe stand«.66) Otto Steinbrinck war es gleichzeitig ge-
wandten je 25 % der Gesellschafteranteile erhielten. Als Hitler lungen, Anfang Dezember 1931 ein Gespräch Schroeders mit
vom Eintritt Kepplers in die NSDAP erfuhr, reiste er im Herbst Funk über die nationalsozialistische Wirtschaftspolitik zu arran-
1927 nach Eberbach. Mit Entzücken sah er, daß Keppler in sei- gieren. 67) Ende Dezember wurden schl ießl ich Keppler und
nem Betrieb keine Gewerkschaften zugelassen hatte und ver- Schroeder von Steinbrinck privat zu einem »gesellschaftlichen
suchte, mit Werkkrankenkassen und Familienweihnachtsfeiern Abend « eingeladen und dabei »zwanglos« Friedrich Flick vor-
61 gestellt. 68)
eine Volksgemeinschafts-Idylle vorzuspielen. ) Das entsprach
ganz Hitlers Vorstellungen. Er war so begeistert, daß er Kepp- Während Hitler im Januar 1932 nach seinem Vortrag im Düs-
ler gegenüber sofort das eigene Wirtschaftsprogramm als un- seldorfer Industrieclub mit Thyssen auf dessen Schloß Lands-
brauchbar und selbst das Parteiprogramm als unzureichend be- berg konferierte 69), begann Keppler, den gewünschten Kreis
zeichnete. Mit Bedauern fügte er jedoch hinzu, es lediglich aus von Industriellen zu organisieren. Er holte zuerst einen alten
62
wahltaktischen Gründen nicht ändern zu können. ) Bezeich- Bekannten aus den Odin-Werken , der gerade seine ersten Be-
nend war die kurze Zeit später erfolgte zusätzliche Erklärung rufserfahrungen in einer jüdischen Bankfirma in Hannover sam-
Hitlers zum Parteiprogramm, in der er ausdrücklich das Privat- melte, Fritz Kranefuß. 70) Keppler und Kranefuß traten dann an
eigentum an Produktionsmitteln anerkannte. 63) etwa zwanzig Industrielle und Bankiers heran und baten sie,
Als Hitler vier Jahre später Keppler in das Braune Haus nach dem Wunsch Hitlers zu entsprechen und ihn zu unterstützen.
München holte, ba1 er ihn, nicht nur als Nachfolger von Funk Angesichts der zunehmenden Abhäng igkeit vieler Konzerne
sein Wirtschaftsberater zu werden, sondern beauftragte ihn und Banken von Staatssubventionen infolge der Wirtschafts-
auch, einen Kreis von Industriellen zu organisieren, die Hitler krise konnten sich ihre Repräsentanten öffentlich nicht so be-
in entscheidenden Fragen »beraten« und seine Kanzlerschaft dingungslos festlegen . Doch die Liste derjenigen , die sofort zu-
managen sollten. Er nannte auch sofort einige Namen: sagten, ist heute bekannt. 71 ) Außer Kurt von SChroeder, Hjal-
Schacht, Thyssen, Vögler. 6~) mar Schacht, Fritz Thyssen und Albert Vögler waren es August
Keppler befand sich damals in Schwierigkeiten. Es war ihm Rosterg, Friedrich Reinhart, Emil Helfferich (Vorsitzender des
nicht gelungen, den Anteil seiner Verwandten an den Odin- Aufsichtsrates der HAPAG, Hamburg), Carl Vincent Krogmann,
Werken mit der Unterstützung des Kölner Bankhauses J. H. Emil Meyer, Otto Steinbrinck und Gottfried von Bismarck-Schön-
Stein aufzukaufen. 65 ) Das Angebot Hitlers kam ihm daher ge-
66) HAB 335 , 5, Nr. 35 Protokoll der Verhandlung vom 28. 7. 1947, Kreuzverh ör von
legen, und er sagte zu. Kurt von Schroeder ; Nr. 173, Beweis-Dokument NI 2318, Brief von O. Stei nbrinck
an W. Funk vom 11. 12. 1931; vgl.: Fall 5, Anklageplädoyer, Ausgewäh lte Doku-
61) HAB 335, 11, Nr. 1216 Dokumente~buch I der.. Vertei~igung für W. Keppler, mente, Urteil des Flick-Prozesses, Berlin 1965, S. 294-295 ; siehe Dokument Nr. 3
Eidesstattliche Erklärungen von Ludwig Frenk, Burgermelster In Eberbach, vom im Anhang .
4 5 1948 von Ludwig Hechler Werkmeister in Ziege Ihausen , vom 30. 1. 1948 und 1
67 HAB 335, 5, Nr. 40, Kreuzverhör von O. Steinbrinck.
von ' Hugo Busch vom 29. 1. 1948; sowie: Deutsches Reichsadre8buch für Industrie, 68 HAB 335, 5, Nr. 44, Kreuzverhör von W. Keppler.
Gewerbe und Handel, Berlin 1926, Teil I, S. 74. _ 69) Hallgarten a. a. 0., S. 105 nach den Erinnerungen von Poensgen , die von R. Dix
62) HAB 335, 11, Nr. 588, Bew'3ls-Dokument NG 1640 Eidesstattliche Erklarung von bestätigt werden, vgl.: HAB 335, 5, Nr. 284 Opening Statement von R. Dix, S. 20.
Wilhelm Keppler vom 25. 5. 1947, Beweis-Dokument NG 2224 NS-Personalkakte 70) HAB 335, 11, Nr. 630 Dokumentenbuch der Anklage 169, Beweis-Dokument NID
von W. Keppler; vgl . dazu : Nr. 106 b P~otokoll der V.erha~dlung vom ~6: 7. 194!;!, 15655 Aktennotiz Kepplers vom 2. 11 . 1934, derzufolge Kranefuß Lehrli ng in den
Direktes Verhör von W. Keppler; hierzu : Nr. 1232 Clostngbnef der Verteidigung fur Od tn-Werken war. Er hatte nach seinem Lehrabschluß in ei ner jüdischen Firma in
W. Keppler; und: Völkischer Beobachter vom 14. 12. 1942. . Hannover gearbeitet; als man ihm 1934 deswegen Vorwürfe machte , übernahmen
63) HAB 335, 11 , Nr. 427 . Beweis-Dokument PS-HOB Parteiprogramm der NSDAP: am 1. 11 . 1934 in einer Unterredung be i Hitler sowohl Schacht als auch Keppler die
6") HAB 335, 11 , Nr. 589 Dokumentenb~ch der Ankl~ge 135 (KepplerClrcle), Bewels-. Bürgschaft für ihn.
DOkument NI 903 Eidesstattliche Erklarung von Wilhelm Keppl.er vom 24. 9; 1946, 71) HAB 335, 5, Nr. 35, Kreuzverhör von Kurt von Schroeder ; dazu : Fall 11 , Nr. 589,
Fall 5 Nr 44 Protokoll der Verhandlung vom 18. 8. 1947, Direktes Verhor von Beweis-Dokumente NI 903 und NI 9971 (Namensliste des Keppler-Kreises mit Per-
W. Keppler; Nr. 47 Protokoll der Verhandlung vom 28. 8. 1947, Verhör des Zeugen sonalangaben), sowie NI 5514 Eidesstattliche Erklärung von Karl Lindemann vom
Dr. Wilhelm Relchert. 28. 2. 1947 Nr. 682 Preliminary Brief der Anklage über Kepp ler und den Keppler-
65) Bracher a. a. 0., S. 689-690. Kreis vom 23. 8. 1948 (von Foster Adams, Norbert Barr und Charles S. Lyon) .

29
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hausen. Friedrich Flick suchte um eine persönliche Unterredung 100000 RM an den Sonderfonds von Schleicher, sowie noch
mit Hitler nach, die Steinbrinck und Funk im Februar 1932 ver- einmal 100000 RM an den Fonds des Reichskanzlers von Pa-
mittelten. Hitler forderte dabei von Flick, daß er ihn bei seiner pen. 78 ) Flick war unter diesen Umständen gezwungen, Hitler
Kandidatur zur Reichspräsidentenwahl unterstützen solle. 72) vorerst abzusagen, blieb aber dennoch weiterhin mit ihm über
Flick befand sich jedoch in großen finanziellen Nöten. Um sei- Steinbrfnck in Verbindung. Auch Kirdorf mußte sich in diesen
nen Konzern vor dem Zusammenbruch zu retten (da auslän- Monaten infolge des steigenden Staatseinflusses politisch in
dische Kredite kurzfristig abberufen wurden und die Produk- der Öffentlichkeit zurückhalten. Schleicher, der schon die Poli-
tion infolge der Krise stark abgesunken war), mußte er sein tik der staatlichen Bank-Sanierungen Brünings unterstütz hatte
Aktienpaket »Gelsenberg« verkaufen. 73 ) Mit ihm besaß er die - wobei der Aufsichtsrat der Dresdner Bank wesentlich »ver-
Mehrheit bei der Gelsenkirchner Bergwerks AG, einer Grün- kl einert« worden war 79) - hatte auch im Falle des Gelsenber-
dung von Emil Kirdorf. Im Besitz der »Gelsenberg« befand sich gener Aktienpakets erreicht, den größten deutschen Stahlkon-
die Aktien-Sperrminorität für die Vereinigten Stahlwerke AG 74) , zern unter staatliche Kontrolle zu bekommen. 80)
dem bedeutendsten deutschen Stahlkonzern, der im Jahre 1925
Die »Keynesianer« unterstützten diese POlitik, solange ledig-
gebildet worden war. 75 ) Vorsitzender des Vorstandes dieses
lich die Gruppe der SchwerindustrielIen davon betroffen wurde.
Unternehmens war Albert Vögler, Vorsitzender seines Auf-
Sie befürworteten daher auch die Wiederwahl von Hindenburg
sichtsrates Fritz Thyssen. Außer Ernst Poensgen gehörten auch
als Reichspräsident in der Erwartung, er würde ihre finanz-
Emil Kirdorf Ernst Brandi und Hermann Schmitz zu diesen Gre-
mien. 76 ) Otto Wolff - ein Konkurrent ~ der Thyssen-Kirdorf- monopolistischen Absichten weiterhin unterstützen und den
Gruppe im Aufsichtsrat - vermittelte über seinen Freund Kurt Führungsanspruch der Nazi-Industriellen mit Hitler zurückwei-
von Schleicher das später viel umstrittene Geschäft von Flick sen. 81 ) In der Leitung des Wahlkampfes durch einen der jünge-
mit dem Reichsfinanzminister Hermann Dietrich. 77 ) Das Reich re n Reformer, den Präsidenten des Deutschen Landgemeinde-
übernahm das entscheidende Aktienpaket zu 90 % seines tages und engen Freund Brünings und Duisbergs, den Land-
Nennwertes bei einem Börsenstand von 22 Punkten. Flick rat a. D. Dr. Dr. Günther Gereke 82) - der gerade mit der Un-
zahlte dafür 450000 RM an den Hindenburg-Wahlfonds und terstützung von Sombart und Röpke eine Arbeitsbeschaffungs-

72) HAB 335, 5, Nr. 24 Opening Statement von R. Dix am 2. und 3.7.1947, S. 3176 ; 78) HAB 335, 5, Nr. 173; NI 3122; Nr. 285 Dokumentenbuch I der Verteidigung für
Nr. 40 ; Aussage von O. Steinbrinck , S. 5094.; Nr. 173; Bew~I~-Dokument NI '"edrich Flick, Einzahlungsquittungen, sowie : liste der Zahlungen von F. Flick
Affidavit von F. Flick: Nr. 254 Eröffnungserklarung der Vereinigten Staaten gegen für politische Zwecke 1932/1933; die Zahlung von 450 000,- RM von Flick an den
Hindenburg-Wahlfonds wird jetzt durch Dr. Dr. G. Gereke bestätigt (Gereke-
F. Flick und Gen ., S. 16. . - d d I' Me moiren , Tonbandaufnahmen, die demnächst publiziert werden), während Dr.
73) Hallgarten a. a. 0 ., S. 108-114; Gerha~d V?lkland, Hlntergrun e un po 1-
tische Auswirkungen der Gelsenklrchen-Affare Im Jahre 1932, ZfG Hef! 211963 , Gere ke als Verwalter des Wahlfonds die Behauptung von Flick entschieden be-
S. 289-318; HAB 335, 5, Nr. 152 Dokumentenbuch 11 d~r Anklage, Beweis-Doku- stre itet, daß er 1 Million RM für die Wahl gegeben habe.
ment NI 3499, Eidesstattliche Erklärung von O. Stelnbrlnck vom 25. 1. 1947 zum 79) DZAP RWM, NI. 18566, Aufzeichnung Dernburg vom 12. 2. 1932 über die Ver-
Dbergang der Gelsenaktien an das Reich . . hand lungen mit Hans Luther, Reichsbankpräsident, nach der dem neuen Auf-
7') DWI Archiv der Deutschen Bank (Fotokopien), Generalsekretariat Dr. KImmich sichtsrat angehörten : Fritz Andreae, F. Flick, Robert Pferdmenges, Graf Henkel-
Nr. 4332 Gelsenkirchner Bergwerks AG; Nr. 4711 Vereinigte Stahlwerke AG , Bd. 1, Donnersmarck , sowie Dr. H. Bachem (Bank d~r Arbeiter und Angestellten), ein
Schreiben der Deutschen Bank an die Baseler Handelsbank AG vom 19. 11. 1931 Vert reter des Relchswlrtschaftsmlnlstenums, ein Vertreter des Reichsfinanzmini-
über die Verflechtung zwischen der Gelsenkirchner Bergwerks AG, der AG Char- steriums sowie Vertreter der vom Reich kontrollierten Banken; nach einem
lattenhütte und der Vereinigten Stahlwerke AG . . _ Aktenvermerk vom 23. 4. 1932 erhielt die Dresdner Bank vom Bankhaus Hardy
75) Kurt Pritzkoleit, Männer - Mächte - Monopole. Hinter den. Turen der west- & Co 17,5 Mi.l' . RM Schatzanweisung, die Hardy vom Reich anfordern konnte; vgl.
deutschen Wirtschaft, Düsseldorf 1953, 131 ff. ; vgl. : K. Pntzkol.elt, Bosse - Ban- Nr. 18604 Stutzung der Fa. Hardy & Co . GmbH Berlin, Vertrag Hardy mit Dresden
ken - Börsen. Herren über Geld und Wirtschaft, Wlen/Munchen/ Basel 1954, vom 13. 5. 1932.
80) DZAP Rechnungshof des Deutschen Reiches, Nr. 6449 Gelsenkirchner Berg-
S. 57 ff. -
76) DZAP RWM, Nr. 15059 Bd. 14 a Sachverstandlgenkon erenz,
f Repara tl ons- werks AG, Aktenvermerk vom 24. 10. 1932, betrifft Reichsbeteiligung , vgl. dazu
verhand lungen, Lausanne (14. 6. 1932 - 2. 7. 1932), Dechiffriertes Fernschreiben den Aktenverme rk vom 10. 8. 1932 und vom 10. 10. 1932, sowie die Eintragung
des RWM an Papen vom 22. 6. 1932; vgl. : DWI , Archiv der Deutschen Ban k über die neuen Rechtsverhältnisse im Notariatsregister Essen Nr. 645/1932 vom
(Fotokopien), Nr. 4711 a. a. 0.; dem Aufsichtsrat der Gelsenkirchner Bergwerks 14. 1. 1932, wonach in den neuen Aufsichtsrat die Vertreter der konkurrierenden
AG gehörten 1934 neben Kirdorf, Vögler und Thyssen auch Ernst Poensge~ und fi~an z m onopolitistischen Gruppe, Flechtheim, Siemens, Silverberg, Hirschland
Ernst Tengelmann an; im Vorstand waren Gustav Knepper, Ernst Brandl und eingedrungen waren; nach der Aufstellung vom 17. 1. 1933 waren bis 22 11 1932
Olto Springorum. an Fl ick dafür vom Reich 26 943 665,08 RM gezahlt worden . . .
77) HAB 335, 5, Nr. 40; Kreuzverhör von O. Steinbrinck, S. 5105; vgl. : Nr. 173; 81l Gereke-Memoiren a. a. O.
NI 3122 Eidesstattliche Erklärung von F. Flick. 82 Zur Biographie von Dr. G. Gereke, vgl.: Wer ist Wer? Berlin 1958, S. 355.

30 31
programm ausarbeiten ließ 83) - kam diese Haltung zum Aus- es entweder gelänge, Hitler zum Reichspräsidenten wählen zu
druck. Diese Industriellen-Gruppe der Chemie-, Elektro- und lassen (was trotz 7,0 Millionen RM Wahlgelder nicht erreicht
Verarbeitungsindustrie war ihrerseits durchaus zu einer »Zu- werden konnte) 90), oder daß ihm als Kanzler die Kabinetts-
sammenarbeit« mit den Nationalsozialisten bereit. Sie hatte füh rung übertragen würde.
zwar Hitler und seine Partei nicht aufgefüttert, doch neigten Am 18. Mai trafen sich die exponiertesten Vertreter der Nazi-
ihre Vertreter jetzt, wo er eine innenpolitische Macht darstellte, Gruppe, die sich im Keppler-Kreis zusammengefunden hatten,
stärker denn je dazu, Hitler für ihre Ziele auszunutzen. Das mit Hitler im »Kleinen Saal« des Hotels »Kaiserhof« in Berlin,
konnte am besten durch eine Einbeziehung von nationalsozia- um gemeinsam die politische Linie für hiitlers »Machtergreifung«
listischen Ministern in das Reichskabinett geschehen, wenn jene festzulegen. In einer kurzen Ansprache versprach Hitler ihnen
Industriellen weiterhin den Kurs des Kabinetts bestimmen konn- noch einmal, daß er bereit sei, ihren Führungsanspruch zu
ten. Als Brüning mit einer derartigen Lösung nicht einverstanden sichern. Sein Ziel als Reichskanzler werde es sein, so führte er
war 84 ) und noch versuchte, die restlos verschuldeten ostelbi- aus, die »Wirtschaft zu beleben und die Arbeitslosigkeit zu be-
schen Großgrundbesitzer aufzusiedeln 85), so daß er auch noch seitigen«. Er versprach auch, die Gewerkschaften aufzulösen
diese in die Arme der Nazigruppe trieb, war sein Sturz besie- und das demokratische System zu liquidieren. 91 ) Keppler und
gelt. Hierbei handelte es sich weniger um eine »Treulosigkeit« Sch roeder wollten sich in den Jahren 1946 und 1947 jedoch
Hindenburgs 86) , als vielmehr um eine machtpolitische Ent- »nicht mehr daran erinnern«, wie Hitler die Wirtschaft be-
scheidung. Von Brünings Nachfolger, Franz von Papen 87) , er- leben wollte, um die Arbeitslosigkeit zu überwinden. Sie be-
warteten die Industriellen, daß es ihm gelingen möge, Hitler und richteten lediglich, daß alle Anwesenden den Ausführungen
seine Partei aus der Umklammerung der Thyssen, Kirdorf un d Hitlers lebhaft zustimmten und Schacht - der angeblich nie-
Schacht, der Kalckreuth , Keyserlingk und von Lüninck zu lösen mals diesem »Keppler-Kreis« angehört haben wi1l 92 ) - Hitler
und für ihre Interessen einzuspannen. 88) Doch die Nazi-Gruppe in »bewegten Worten dankte« und ihm versicherte, daß alle
- Industrielle, Bankiers und Großagrarier - war nicht ohn e Teilnehmer des Abends volles Vertrauen zu ihm hätten. 93)
weiteres bereit, sich vom Konkurrenten 89) ihren mühs~lig hoch- Dieser Kreis illustrer Industrieller war nirgends als Verein
gespielten und teuer bezahlten pOlitischen Kandidaten kurz eingeschrieben und hatte auch keine Statuten 94), er wurde von
vor dem Ziel ausspannen zu lassen. Ihnen kam es nicht auf dem gemeinsamen Interesse getragen, in Deutschland ein fa-
einige Naziminister im Reichskabinett an, sondern auf die Füh- sch istisches Regime zu errichten. Seine Mitglieder trafen sich
rung dieses Kabinetts, und sie war nur dann gesichert, wen n »zwanglos« ab Juni 1932 an jedem ersten Mittwoch des Mo-
nats. Keppler präsidierte, und Kranefuß fungierte als Sekre-
83) Archiv des Vereins zur Pflege kommunalwissenschaftlicher Aufgaben Berli n- tär. 95 ) Schroeder und Keppler erinnern sich an eine Zusam-
Charlottenburg. Verband der Preußischen Landgemeinden. Nr. 321 Protokolle der
Ausschüsse, Protokoll der Sitzung des Ausschusses für Arbeitsbeschaffung am menkunft in München in der Neuen Börse und an vier nach-
29. 6. 1932.
8') HAB 335 , 11, Nr. 1722 Dokumentenbuch I der Verteidigung für Schwerin-Kro-
sigk. Eidesstattliche Erklärung von Heinrich Brüning vom 6. 2. 1948.
85) DZAP BdR, Nr. 332, Allgemeine Landwirtschaftsfragen Bd . 6 (6. 2. 1931 bis 90) Nach Edgar Ansel Mowrer, Germany puts the clock back, London 1933, S. 146;
26. 10. 1932) ; vgl. auch : Nr. 214 Ostprogramme und Agrarmaßnahmen Bd . 6 und : Glyn Roberts, The most powerful man In the world, London 1939, S. 322, hat
(7. 11 . 1931 - 28. 2. 1933); sowie: Bruno Buchta , Die Junker und die Weimarer Henry Deterding (Royal Dutch Shell Company) an Hitler eine größere Summe
Republik, Berlin 1959, S. 130 ff. zur Finanzierung seiner Reichspräsidentschafts-Kandidatur im Frühjahr 1932
86) Vgl. : John W. Wheeler-Bennet, Die Nemesis der Macht. Die deutsche Armee gegeben. Auch G. Gereke bestätigt jetzt In seinen Memoiren diese Tatsache;
in der Politik 1918-1945, Düsseldorf 1954. vgl. : A . Norden, Fälscher, Berlln 1960, S. 126.
8 7) Zu Papens persönlicher Stellungnahme : Franz von Papen, Der Wahrheit eine 91) HAB 335, 5, Nr. 44, Zeugenaussage Kepplers; Nr. 173, Beweis-Dokument NI 903.
Gasse, München 1952; sowie : Schreiben von F. von Papen an den Verfasser ") HAB 335, 5, Nr. 31, Kreuzverhör von Schacht, S. 3988 ff.; vgl. : Der Telegraf
vom 8. 4. 1963. vom 22. 7. 1947.
88) HAB 335, 5, Nr. 19 Protokoll der Verhandlung vom 5. 6. 1947, Beweis-Doku- '3) HAB 335, 5, Nr. 39 Protokoll der Verhandlung vom 6. 8. 1947, Direktes Verhör
ment PS-3337 Affidavit Kurt von Schroeder vom 5. 12. 1945 ; dazu : Fall 10, Nr. 173 von O. Steinbrinck; Nr. 40, Protokoll der Verhandlung vom 7. 8. 1947, Kreuzverhör
DOkumentenbuch der Anklage 6, Beweis-Dokument NI 7990 Affidavit K. v. Schroe- von O. Stelnbrinck; Nr. 44, Kreuzverhör von Keppler; vgl. ferner: Nr. 35, Direktes
der vom 21 . 7. 1947 ; siehe Dokument Nr. 7 im Anhang. Verhö r Kurt von Schroeder.
8') Zur Konkurrenz innerhalb der Monopolbourgeo isie : K. Marx, Das Elend der ") HAB 335, 5, Nr. 35, Zeugenaussage K. v. Schroeder.
Philosophie, Berlin 1947, S. 167; W. I. Lenin, Der Imperialismus als höchstes
Stadium des Kapitalismus, Berlin 1947. '5) Ebenda; vgl. Nr. 44, Zeugenaussage W. Keppler.

32 33
folgende Beratungen in Berlin im Hotel Excelsior. Bei diesen Grundgedanken dieser Pläne, 106) Gereke und die Gewerk-
Zusammenkünften, so wissen sie weiter zu berichten, wurden schaften forderten eine Arbeitsbeschaffung der »öffentlichen
lediglich Fragen der »Arbeitsbeschaffung« und ihrer Finanzie- Hand«. Sie regten an, daß der Staat mit seinen kommunalen
rung besprochen. 96) Organen (wie Stadt-, Kreis- und Gemeindeverwaltungen) ent-
Das hört sich ganz harmlos an. Sowohl die freien Gewerk- sprechend den geltenden Lohntarifen Aufträge für Straßenbau,
schaften 97) als auch verschiedene Gruppen der staatsmono- Wohnungsbau und landwirtschaftliche Siedlungen sowie für
polkapitalistischen »Reformer«, wie beispielsweise Wage- Meliorationen, also für volkswirtschaftlich notwendige Arbeiten
mann 98), Dräger 99 ) oder Gereke 100) arbeiteten - neben den an die örtliche Industrie vergeben sollte. Ähnliche Forderungen
Vorschlägen einiger Konzerne 101) - an solchen Arbeitsbe- wurden auch in Gesetzentwürfen der SPD und der KPD im
schaffungsplänen. Warum sollte das der Keppler-Kreis nicht August 1932 erhoben. 107) Damit kamen die Vorschläge der Ge-
auch tun? werkschaften und von Gereke in einigen Punkten denen der
KPD nahe. 108 ) Sie unterschieden sich jedoch grundsätzlich in
Die Vorschläge der Gewerkschaften waren sogar auf aus-
drücklichen Wunsch von Brüning 102) im Februar 1932 im Reichs- der Frage der Finanzierung. Gereke und die Gewerkschaften
befürworteten Staatskredite ; die KPD verlangte eine Kürzung
wirtschaftsrat diskutiert worden . 103) Dabei näherten sich insbe-
sondere die Gedanken Gerekes - die von der Schleicher- der Militärausgaben sowie eine progressive Einkommensteuer.
Gruppierung in der Reichswehrführung aktiv unterstützt wur- Gerekes staatskapitalistische Vorschläge führten jedoch zu
den 104) - weitgehend den Anregungen der freien Gewerkschaf- starken Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Gruppe der
ten. 105) Schließlich befürwortete auch Gregor Strasser in sei- »Keynesianer«. Sofort nach der Veröffentlichung des Gereke-
ner Rede am )0. Mai 1932 vor dem Deutschen Reichstag den Planes nahm nicht nur Schacht, sondern auch Wagemann ge-
96) Ebenda.
gen ihn scharf Stellung. 109) Gerekes und Schleichers Versuch
97) Grotkopp a. a. 0., S. 352-356; vgl. xv. (Außerordentlicher) Kongreß der Ge- kann man vielleicht als eine »marktwirtschaftliehe Lösung von
werkschaften Deutschlands (5. Bundestag des ADGB), Berlin 13. 4. 1932 Berl in
193~ , links« bezeichnen. 110) Sie strebte lenkende Eingriffe des Staa-
98) Grotkopp a. a. 0., S. 349-351 .
99) Heinrich Dräger, Arbeitsbeschaffung durch produktive Kreditschöpfung, 4. Aufl.,
tes in enger Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften an und
Düsseldorf (1955); Heinrich Dräger war seit 1930 Mitinhaber der Firma Heinrich sch loß eine Aufsiedlung des verschuldeten ostelbischen Groß-
& Bernhard Dräger, Fabrik für Sauerstoff-Apparate lübeck.
100) leitsätze fur ein Arbeitsbeschaffungsprogramm zur Behebunll der Arbeits- grundbesitzes ein. 111) Dies war für Wagemann, Dalberg, Vers-
losigkeit, In: Die landgeme inde (Herausgegeben von Dr. Dr. Gunther Gereke
Pressei), Zeitschrift der landgemeinden, vom 10. 8. 1932. ' 106) Verhandlungen des Reichstages, Stenographische Berichte, V. Wahlperiode ,
101) DZAP Archiv der IG Farbenindustrie AG , Vo l kswirtschaftli che Abte i lung Nr. Bd . 446 , Protokoll der 62. Sitzung vom 10. 5. 1932, Spalte 2510-2519; vgl.: Otto
1400/12-13 Stand und Ursachen der Arbeitslosigkeit in Deutschland und Vorschlag Buchwitz, 50 Jahre Funktionär der deutschen Arbeiterbewegung, Berlin 19SO,
zu ihrer Bekämpfung ; vgl. : lutz Graf Schwerin von Kros igk , Die große Zeit des S. 141 ; er berichtet, wie F. Tarnow zu ihm bezüglich der Rede Strassers sagte'
Feuers, Bd . 2, Der Weg der deutschen Industrie, Tübingen 1958, S. 505 ff. ; Arch iv . Dieses Referat hätte einer von uns halten müssen. '
der Deutschen Bank (Fotokopien) Generalsekretariat Nr. 5961 Bd . 28, D. Russel , 107) Verhandlungen des Reichstages, VI. Wahlperiode 1932, Bd. 454, Drucksache
Aufsichtsratskorrespondenz, Plan des Reichsverbandes der Automobilindustrie 18, Antrag der SPD, Entwurf eines Gesetzes über planmäßige Arbeitsbeschaffung;
zur Arbeitsbeschaffung vom 16. 8. 1932. Drucksache 70, Antrag der KPD, Entwurf eines Gesetzes zur Arbeitsbeschaffung
102) DZAP RWR, NI. 654 Arbeitsbeschaffung 1932, Schreiben von Warmbold an und zur Sicherung der Existenz der Erwerbslosen .
leipart vom 19. 1. 1932 : . Ich habe keine Bedenken , daß der Zentralausschuß des 108) Die Rote Fahne vom 29. 5. 1931 ; vgl.: Institut für Marxismus-leninismus beim
vorläufigen Reichswirtschaftsrates die Frage einer Hebung der Produktion , ins- Zt< der SED , Geschichte der deutschen Arbe iterbewegung, Bd. 4 (1924-1933),
besondere durch Arbeitsbeschaffung, prüft und die Ergebnisse seiner Prüfung Ber lin 1966, S. 290-292 ; der von der KPD vorgeschlagene Plan zur Arbeits-
der Reichsregierung übermittelt. « beschaffung enthielt keine sozialistischen Maßnahmen . Er unterschied sich von
103) DZAP RWR , Nr. 618-619 Stenographische Protokolle der Sitzungen des Zen- den Vorschlägen Gerekes und der Gewerkschaftsführer im wesentlichen dadurch,
tralausschusses (Ausschuß für Arbeitsbeschaffung) vom 21. 1. - 8. 3. 1932. daß er die Arbeitslosigkeit durch finanzielle Belastung der Industriellen und
10') Gereke-Memoiren a. a. 0 .; sie werden durch die Kurzorientierungen des Bankiers überwinden wollte.
Chefs des Min!.stera1!1tes ifT) Reichs~ehrministerium, Kurt von Bredow, bestätigt, 109) Cuno Horkenbach, Das Deutsche Reich von 1918 bis heute, Berlin 1932,
vgl. : Institut fur Zeitgeschichte , Munchen, F. 41 Reichswehrministerium Kurz- S. 289 ff.; vgl. : Grotkopp a. a. 0., S. 100-101 .
orientierungen des Ministeramtes. ' 110) Gereke-Memoiren a. a. 0.; vgl. : Grotkopp a. a. 0 ., S. 74-75.
105) .G.ereke-Memoiren a. a. 0 ., die durch Walther von Etzdorf, Braunschwelg , 111) DZAP RWM, Nr. 10109 Grenzsiedlung und landwirtschaftliche Siedlung, Bd. 3
bestatlgt werden, der als Verbindungsmann zwischen Gereke, Schleicher und den 1932-1933, Schreiben des Reichskanzlers an alle Reichsminister vom 25. 1. 1933
Gewerkschaftsführern insbesondere mit Furtwängler verhandelte, vgl.: W. v. sowie Einladung des Reichskanzlers (Rk. 372/33) zu einer Kabinettsitzung am
Etzdorf. Bemerkungen zum Buch von Th . Vogelsang . Reichswehr Staat und 30. 1. 1933, vormittags 11 Uhr, zu . einer grundsätzlichen Aussprache über Sied-
NSDI,I~ " vom ~ . 12. 1963; d iese Angaben werden auch durch M. Fechner, Berlin , lungsfragen«; vgl.: Bruno Buchta, Die JunKer und die Weimarer Republik, Berlin
bestatlgt, Aufzeichnung vom 27. 5. 1963 ; sowie von O. Buchwitz, Brief von O. 1959; zur Haltung Papens vgl .: F. v. Papen, Einige Bemerkungen zum Buch
BuchwItz an den Verfasser vom 2, 10. 1961. . Re ichswehr, Staat und NSDAP. von Thilo Vogelsang (Privatdruck), S. SO-51.

34 35
hofen und Erhard 112) ebensowenig zu akzeptieren wie für Kabinettsbeschluß vom 4. April 1933 über die Bildung des
Schacht, Thyssen und Kirdorf. Reichsverteidigungsausschusses 116) auch umgehend einleitete.
Duisberg und Springorum, und mit ihnen Wagemann, Vers- Als es im August 1932 Papen nicht gelungen war, den ihm
hofen und Erhard (um nur einige wenige Prominente zu nen- zugedachten Auftrag zu erfüllen und Hitler für die Mitarbeit in
nen), lehnten jede Arbeitsbeschaffung mit den Gewerkschaften einem Kabinett zu gewinnen, dessen Linie von den Vertretern
ab, bei der die Tariflöhne erhalten blieben und eine Markt- der deutschen Chemie-, Elektro- und Exportindustrie bestimmt
erweiterung durch eine Beschränkung der Rendite der Indu- wurde, schlug General von Schleicher - initiiert von seinen
striellen angestrebt wurde. Sie empfahlen vor allem eine privat- industriellen Freunden und gestützt auf entsprechende Wün-
wirtschaftliche Produktionserweiterung, die zur Einsparung von sche von Hindenburg 117) - vor, Gerekes Arbeitsbeschaffungs-
Importen führen könnte und bei der vor allem ein »Freiwilliger programm zur offiziellen Regierungspolitik zu erklären. 118)
Arbeitsdienst« heranzuziehen wäre. Seine Mitglieder waren Papen und der Reichswirtschaftsminister Hermann Warmbold
unter den Tariflöhnen zu bezahlen. 113) Schacht und seine Ge- (der Vertreter der IG Farbenindustrie AG im Kabinett) lehnten
sinnungsfreunde im Keppler-Kreis gingen in dieser Frage noch es aber entschieden ab, sich auf diesen »linken« marktwirt-
weiter. Grotkopp weiß zu berichten, daß der »Studiengesell- schaftlichen Kurs einzulassen. 119) Nicht die .. öffentliche Hand«
schaft« damals bekannt wurde , wie diese Industriellen nach der und die Gewerkschaften sollten konjunkturfördernd eingrei-
nazistischen Machtergreifung dieses Problem zu lösen gedach- fen, sondern ihrer Ansicht nach mußte die .,Privatwirtschaft«
ten. Für eine Arbeitsbeschaffung durch Staatsaufträge und mit so subventioniert werden, daß sie von sich aus eine Konjunk-
Krediten traten zwar auch sie ein; aber nicht um Wohnungen turbelebung hervorbringt. 120) Daher verordneten sie eine
zu bauen und Land zu meliorieren, sondern um die dazu erfor- Steuerermäßigung als »Vorgriff auf die Steuererträge künftiger
derlichen Mittel für eine neue militärische Aufrüstung Deutsch- Jahre«. Damit auch die Unternehmerinitiative und die Verant-
lands zu verwenden. Diese neu zu schaffende Rüstungsindu- wortungsfreudigkeit der Industriellen so recht aktiv werde,
strie sollte »staatlich geplant und gelenkt« werden. 114) Gerade durften sie sofort alle tariflichen Bindungen sprengen. 121) Ge-
an diese Passagen der Rede Hitlers am 18. Mai 1932 wollten gen den damit hervorgerufenen heftigen Protest der Gewerk-
Keppler und Schroeder sich in den Jahren 1946 bis 1948 vor schaften verteidigte sich von Papen etwas naiv mit der Behaup-
dem Militärgericht nicht mehr erinnern.
116) HAB 335, 11, Nr. 504 Dokumentenbuch der Anklage 70 A, Beweis-Dokument
EC 1n, Zweite Sitzung des Ausschusses der Referenten für die ReichsverteIdI-
Es ist hervorzuheben, daß Hitler sofort nach der Sicherung gung vom 26. 4. 1933, an der u. a. Keitel, Warlimont und Guderlan teilnahmen .
seiner Machtposition durch das »Ermächtigungsgesetz« vom 111) Gereke-Memoiren a. a. 0.; danach hat Hindenburg besonders wAhrend seines
Aufenthaltes in Neudeck, Ende August 1932, immer wieder auf ein großzügiges
28. Februar1933 115) und durch das von der Industrie finanzierte Arbeitsbeschaffungsprogramm der Reichsregierung gedrängt; vgl. : DZAP BdR,
Nr. 47, Schreiben des Reichspräsidenten an den Reichskanzler vom 13. 8. 1932,
Wahlresultat vom 5. März 1933 115a) die Realisierung seiner den BI. 188.
118) Zu diesen Auseinandersetzungen kam es In der zweiten Augusthalfte Im Ka-
Interessen der Industrie entsprechenden Konzeption mit dem binett, als Papen be.gann, nach dem 20. 8. 1932 das Wirtschaftsprogramm seines
Kabinetts auszuarbeiten, um es am 30. 8. 1932 Hindenburg in Neudeck vorzu-
tragen ; vgl. DZAP BdR, Nr. 56 Sitzungen des Reichministeriums, Ministerbespre-
chungen, Bd. 3 (1931-1934); sowie: NAUSA Microfilmcopy T 120 Roll 1709-1711
(die Urschrlft.en der Kabinettsprotokolle ~ef!nden sich Im Bundesarchiv Koblenz,
112) Ludwig Erhard, Herrn Schachts .Grundsätze«, In : Das Tagebuch (München) f:lelchskanzlel R 43 I, Bd. 1457, deren EinSichtnahme mir . auf höhere Weisung«
Heft 34/1932; ferner Erhards Artikel In: Der Deutsche Okonomlst vom 7. 10. 1932; nicht gestattet wurde).
sowie : Ludwig Erhard, AufQabe und Stellung der deutschen Fertigindustrie In der 119) NAUSA T 120/1711, Protokoll der Kabinettsitzung vom 31. 8. 1932.
heullgen Wirtschaft, in : Die deutsche Fertigindustrie, Heft 1/1933, Teil A; vgl.
hierzu W. Grotkopp a. a. 0., S. 94 f; Dieter Mühle, Ludwig Erhard. Eine Bio- 120) DZAP BdR, Nr. SO, Wichtige Reden des Reichskanzlers und der Reichsmini-
graphie, Berlin 1965. ster, Erklärungen der Reichsregierung Im Reichstag Bd. 3 (1 . 1. 1931 - 31. 12.
1932), Rede Papens vor Vertretern der westdeutSchen WirtSchaft in Paderborn
113) Grotkopp a. a. 0 ., S. 349 ; DZAP, Stahlhelm-Akten, Nr. 326 Freiwilliger Ar- (WTB Nr. 2205 vom 16. 10. 1932).
beitsdienst, Aufruf des Reichskommissars für den Arbeitsdienst, Syrup, vom
16. 8. 1932. 121) DZAP BdR, Nr. 50, Rede Papens vor Vertretern der Bayrlschen Gesamt-
wirtSchaft (WTB Nr. 2170 vom 12. 10. 1932); dazu vgl. : Rechnungshof des Deut-
114) Grotkopp a. a. 0 ., S. 279 sowie S. 286-296.
schen Reiches Nr..4671 Arb.eitsbeschaffungsprogrammlPapenprogramm (1932-1934);
115) Reichsgesetzblall I. Tell, Nr. 25 vom 24. 3. 1933, S. 141 (Gesetz zur Behebung Hiliers nie publiZierte Krilik en diesem Programm Ist In einem Rede-Entwurf
der Not von Volk und Reich). enthalten , der In seiner Kanzlei aufgefunden wurde; vgl. NAUSA T ß1 Roll 1
115a) Dokumenten-Anhang Nr. 25-28. NSDAP Kanzlei Hltlers, Negativ Nr. 11446-11503.

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tung, dies wären durchaus keine »Milliardengeschenke an die So pOlarisierten sich mit der Ausarbeitung eines wirtschafts-
Unternehmer", sondern diese Maßnahmen seien durchaus politischen Programms der Reichsregierung in diesen Wochen
»sozialpolitisch« gedacht, weil sie zur Erhöhung des wirtschaft- innerhalb der »Keynesianer« zwei Gruppen, wobei die ostelbi-
lichen Umsatzes beitragen würden und damit geeignet seien, schen Großagrarier immer eindeutiger zur Gruppierung der
die Arbeitslosigkeit überwinden zu helfen. 122) Nazi-Industriellen übergingen. 128)
Doch Papens Wirtschaftspolitik fand nicht den ungeteilten Die »rechte .. Gruppierung innerhalb dieser keynesianisti-
Beifall der Industrie. Er hatte sämtliche »Siedlungspläne« Brü- schen Reformer umfaßte u. a. die Industriellen Paul Silverberg
nigs aufgegeben und sich schließlich bereit gefunden, dem auf- (Rheinische AG für Braunkohlenbergbau und Brikettfabrika-
dringlichen Drängen des Reichslandbundes nachzugeben, und tio n), Carl Duisberg, Hermann Schmitz (beide IG Farbenindu-
eine Einfuhrkontigentierung in Aussicht gestellt. 123) In bei den strie AG), Carl Friedrich von Siemens, Florian KJöckner, Fried-
Fällen waren jedoch viele führende Industrielle anderer An- rich Flick, Paul Reusch und Karl Haniel (GutehoffnungshüUe
sicht. 124) Insbesondere die Einfuhrkontigentierung veranlaßte AG, Oberhausen), Robert Bosch, Friedrich Springorum d. Ält.,
sie zu energischen Protesten bei Hindenburg, weil sie durch den Bankier Robert Pferdmenges und auch Walther Fahrenhorst
diese Maßnahmen eine Einschränkung ihres Exports befürch- (der sowohl im Aufsichtsrat der AEG als auch der Vereinigten
teten. 125) Krupp trug im Auftrage des Reichsverbandes seine Stahlwerke AG saß). Politisch wurden sie durch Papen re-
ernsten Bedenken am 24. Oktober 1932 dem Reichspräsiden- präsentiert. Als ihr Sprachrohr kann man in diesen Wochen
ten vor, wobei er zugleich auf die Durchführung einer staat- die »Deutschen Führerbriefe« bezeichnen, die im wesentlichen
lichen Arbeitsbeschaffung drängte, da nur ein verstärkter Ex- von Paul Silverberg finanziert und von Franz Reuter redigiert
port und eine Arbeitsbeschaffung der »öffentlichen Hand« ge- wurden. 129)
eignet wären, die Wirtschaftskrise wesentlich einzuschrän- Eine »linkere« Variante des deutschen »Keynesianismus«
ken. 126 ) Wenige Tage später empfing Hindenburg die Vertreter vertraten OUo Wolft, Gustav Krupp, Thilo von Wilmowski und
des Schlesischen Landbundes. Sie verlangten von ihm, daß auch Ludwig Kastl. Ihre Repräsentanz fanden sie in zunehmen-
er seinen Einfluß aufbieten solle, um über eine autarke Wirt- dem Maße in Kurt von Schleicher und Günther Gereke. Als ihr
schaftsorientierung endlich eine Einfuhrkontigentierung zu er- journalistisches Sprachrohr kann man mit Einschränkungen die
möglichen. 127) »Täg liche Rundschau« Zehrers ansehen. 130)
Die Papen-Silverberg-Gruppierung zeigte sich gegenüber
122) DZAP BdR, Nr. 50, vgl. auch : Rede Papens vor der Handwerk~kammer In den Nazi-Industriellen um Schacht-Thyssen-Kirdorf immer deut-
Berlin (WTB Nr. 2269 vom 24. 10. 1932).
123) DZAP BdR, Nr. 332, Entwurf der Kabinettsvorlage des Ministers Magnus Frhr. licher zu Kompromissen bereit, indem sie ihre Frontstellung zur
von Braun vom 10. 9. 1932 (Reichsministerialsache Nr. 8320) und der Protest
Warmbolds vom 16. 9. 1932 (Reichsministerialsache Nr. 8592); vgl.: Archiv des Sch leicher-Wolff-Wi Imowski-G ruppe systematisch ausbaute. 130a)
Reichslandbundes Nr. 146 Angelegenheiten des Bundesvorstandes. Rundschreiben
und Berichte der PräsidialabteIlung über Bundesvorstandssitzungen (Januar 1932
bis April 1933), ProtokOll der Bundesvorstandssitzung vom 23. 9. 1932. 128) Kurt Gossweller, Die Vereinigten Stahlwerke und die GroBbanken, In: Jahr-
124) DZAP BdR Nr. 333 Denkschrift von Warmbold, Bemerkungen zur Frage der buch für Wirtschaftsgeschichte 1965 Teil IV, Berlin 1965, S. 37 ft.; vgl. DZAP Stahl.
Einfuhrkontigentierungen landwirtschaftlicher Erzeugnisse; fern~r : Stellungnahmen he lm-Akten, Nr. 309 WirtschaftspolitikiStahlhelm-Wirtschaftsrat, Bd. 2 (1932-1933).
und Einsprüche des Reichsverbandes der deutschen Industrie, des Deutschen 129) DeutSche Führerbriefe, Politisch-wirtschaftliche Privatkorrespondenz, Ver lag
Industrie- und Handelstages, des Rheinisch-'!Vestfälischen . Kohlensyndikats und Hans Börner, Für den Inhalt verantwortlich (ab 8. 1. 1932) Dr. Franz Reuter; vgl.
des Verbandes Sächsischer Industrieller, sowie von der Siemens & Halske AG , dazu: DZAP NL Bracht 2, Scholz an Bracht vom 11. 10. 1932.
der Friedrich Krupp AG usw. 130) Tägliche Rundschau, Unabhängige Zeltun\l fOr sachliche Politik, die bis Ende
125) DZAP BdR, Nr. 332, Vorlage des Auswärtigen Amtes vom 7. 9. 1932 auf die Aug ust 1932 vom Christlich-sozialen Volksdienst herausQegeben wurde und
beabsichtigte Einfuhrkontigentierung. danach in den .Besltze von Hans Zehrer (Die TAT, Jena) überging; zur Haltung
126) DZAP BdR, Nr. 332, Schreiben des Staatssekretärs ~elssner an den Staats- von Zehrer siehe auch: Karl O. Paetel, Versuchung oder Chance? Zur Geschichte
sekretär Planck vom 26. 10. 1932; vgl.: Archiv des Reichslandbundes, Nr. 23, des deutschen National-Bolschewismus, Göttingen - Berlin - FrankfurtlM - Zürich
Allgemeiner Schriftwechsel, Bericht von Rohr-Manze und Hermann Schneider 1965, S. 225 ff. und: Kurt Sontheimer, Der Tatkreis, In: VIerteljahreshefte für Zeit-
Ober ihren Besuch bei Hindenburg vom 26. 10. 1932. gesch ichte, Heft 3/1959, S. 229-260.
127) DZAP Archiv des Reichslandbundes Nr. 23, Schreiben des Schlesischen Land- 13Oa) NAUSA T 81/1 Schreiben von Werner von Alvensleben an Hltler vom 15. und
bundes an Kalckreuth vom 20. 10. 1932, sowie Telegramm Melssners an den 21. 9. 1932 Ober die ersten Anzeichen einer Annäherung von Sllverberg-Papen und
Schlesischen Landbund vom 22. 10. 1932 und Schreiben von Rohr-Manze an der Redaktion der .Deutschen Führerbriefee an die NSDAP und deren gleichzeitige
Hindenburg vom 26. 10. 1932. Distanz zur Wolft-Schleicher-Gruppe.

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Damit verschärfte sich im Herbst 1932 der innenpolitische Macht- so daß sidl der Bergbau-Verein außerstande sah, sie allein zu
kampf um die Beherrschung der Staatsspitze innerhalb der decken. 133) Funk hatte bei seinen Besuchen verschiedener In-
Führungsschicht der Großindustrie sehr schnell. dustrieller zur Deckung dieser Schulden keinen nennenswerten
In dieser Situation suchte schließlich von Papen eine allge- Erfolg erzielt. 134) Eine weitere Frage, die in Landsberg zur Dis-
meine Interessen-Repräsentation der Großbourgeoisie - von kussion stand, war, ob man nicht doch ein neues Kabinett tole-
seinen industriellen Freunden assistiert - in einem »exklusiven rieren oder gar in ein solches eintreten solle, wie es Strasser
Restaurationsexperiment« zu manifestieren. Er propagierte ge- vorschlug und wie es auch Schleicher anstrebte. 135) Thyssen
meinsam mit Gayl einen konservativen »Neuen Staat«, der das und Schacht beharrten aber mit aller Entschiedenheit auf einer
demokratische System ersetzen sollte. Die bereits von Brüning Kanzlerschaft Hitlers, d, h. auf ihrem pOlitischen Führungs-
eingeführte »Notstandspolitik« mit dem Artikel 48 der Reichs- anspruch gegenüber dem Papen-Flügel. Sie lehnten die Eska-
verfassung gedachte Papen über eine »Verfassungsreform« als paden Strassers - der über Verbindungsleute mit den freien
Dauerinstitution weiter auszubauen. Seine Forderungen nach Gewerkschaften und dem Reichswehrministerium ständig ge-
einer Überwindung der »Parteienherrschaft«, einer »einheit- heime Kontakte unterhielt 136) - entrüstet ab. 137) Ihrem Wunsch
lichen Willensbildung« und nach der Stärkung der präsidialen entsprechend bildete Hitler daher auch seine »Wirtschafts-
Gewaltwaren ein deutlicher Griff nach der Diktatur. Damit sollte abteilung« um, die zum Zentrum zur Unterstützung »linker
nicht nur faktisch der Reichstag ausgeschaltet werden, sondern marktwirtschaftlicher« Bestrebungen geworden war. 136)
er brachte die Papen-Silverberg-Gruppe um weitere Schritte Infolge des für sie ungünstigen Wahlergebnisses vom 6. No-
einer Unterwerfung unter die Gruppe der Nazi-Industriellen vember 1932 mußten die Nazi-Industriellen ihre letzte Chance
näher. 131) Thyssen, Schacht und Kirdorf verlangten von Papen wahrnehmen, Aufgrund der wachsenden Stärke der Arbeiter-
nicht nur neue Zugeständnisse, sondern forderten die bedin- bewegung 139) schien es, als habe Hitler seinen politischen
gungslose Kabinettsführung durch Hitler. Zenit überschritten, Schacht und Hecker (Präsident der Indu-
Um dieses Ziel zu erreichen , entfalteten sie trotz allem Ent-
gegenkommen Papens eine lebhafte Aktivität. Bereits Anfang 133) DZAP NL Bracht 2, (undatierte) .persönliche« Information von Scholz an
Bracht.
Oktober wandte sich Prof. Dr. Martin Spahn auf Vorschlag von 13<) H!\B 335, 5, Nr. 39, Direktes Verhör von O. Steinbrinck ; dazu: NAUSA T 81 /1,
Schreiben ,:,on A; Heln.rlchsbauer a~ <;lregor Strasser vom 20. 9. 1932: . Gestern
Emil Helfferich in einer Denkschrift an Bracht als Mitglied der ~ar Funk hier bel uns In Essen . Bel dieser Gelegenheit habe ich Ihn mit ein igen
Reichsregierung und befürwortete wärmstens eine direkte Be- ~~%~).den Herren aus der Wirtschaft zusammengebracht ... « (Negativ Nr. 11436-
auftragung Hitlers als Reichskanzler. 131a) Kurze Zeit darauf tra- 135) Gereke-Memoiren a. a. 0 .; R. H. Cordemann, Minden, Bemerkungen zu
Th . Vogelsang . Relchswehr, Staat und NSDAP«; W. v. Etzdorf, Brief an den Ver-
fen am 20. Oktober 1932 Thyssen und Hitler auf Schloß Lands- fasser vom 2. 1. 1964; dazu DZAP NL Bracht, 2, Information Scholz an Gritzbach
vom 24. 10. 1932.
berg mit »einigen anderen Industriellen aus der Ruhrlade« zu- 136) Cordemann war Mitarbeiter bei der AEG gewesen und eng mit Kurt von
sammen. 132) Dabei ging es im wesentlichen um die Finanzie- Bredow befreundet. Auf Wunsch von Schleicher wurde er Mitarbeiter in der Wlrt-
8ch aftsabtellung. der NSDAP Im Braunen Haus In München. Ober Georg von
rung der bevorstehenden Reichstagswahl. Die Schulden der DeUen war es Ihm gelungen , Im_ Herbst 1931 das Vertrauen von OUo Wagener
zu e r~alten . Im Dezember 1931 . ubernahm Cordemann die Berliner Zweigstelle
NSDAP beliefen sich damals angeblich auf 8-10 Millionen RM, des Buros von Wagener. Von hier aus ..fand Cordf!mann die Verbindung zu Etz-
dorf, Gerek~ und Zehre~ und arbeitete fur eme . Allianz Schleicher-Strasser«; dazu
haUe Gottfned Feder emen entsprechenden Arbeitsbeschaffungsplan ausgearbei-
131) DZAP Bracher a. a. 0 ., S. 536-558 ; dazu : DZAP BdR , Nr. 59 , Rede Papens tet; vgl. NAUSA T 81/1, Negativ Nr. 11504-11518.
am 11 . 6. 1932 vor dem Landwirtschaftsrat (WTB 1223). sowie Rede des Innen- 137) DZAP. NL Bracht . 2. Sch reiben von F. Thyssen an M. Schlenker vom 11. 11 .
ministers Wilhelm von Gayl vor der Presse am 28. 10. 1932 (WTB 2302-2303). 1932; vgl. Im Dokumenten-Anhang Nr. 7.
Wieweit Papen die Notverordnungspolitik ausba ute , vgl. : Reichsm inisterium des 138) DZAP Reichsm inisterium des Innern, Nr. 26 186 NSDAP - Gewerkschafts-
Innern, Nr. 25871 - 25873/1 Notverordnungen aufgrund der Artikel 48 und 78 der bewegung ; Nr. 26 133 NSDAP - Wir~~chaftskämpfe , Streiks, Sonderanweisung von
Reichsverfassung (1931-1933) . Dr .. OUo Wagener vom 13. 7. 1932 uber die Organ isation der HauptabteIlung IV
131a) DZAP Nachlaß BraCht, Ordner 2 Persönliche Sachen des Herrn Reichsministers (WIrtSchaft); vom 5. bis 9. 9. 1932 fand in München eine Konferenz der NSDAP
Dr. Bracht (1932-1933) , BI. 69- 73. zur Frage der Arbeitsbeschaffung staU, auf der Gregor Strasser und Gottfried
132) DZAP NL Bracht, 2, Schriftwechsal Dr. Bracht und Dr. Scholz ; Dr. Scholz war Feder di~ Hau~treferat~ hielten ; vgl. : K.-D .. Bracher, Wolfgang Sauer, Gerhard
Leiter eines von Otto Wolff und Friedrich Flick gemeinsam finanzierten Presse- Sch ulz, Die nationalsozialistische Machtergreifung, Köln/Opladen 1962, S. 401 ff.
büros. Am 23. 8. 1932 bietet sich Scholz an , Bracht interne Informationen zu 13~) Geschicht~ der deutschen Arbe iterbev.:egung Bd. 4 a. a. 0 ., S. 362 ff.; vgl. :
liefern, vgl. : Information von Scholz an Bracht vom 24. 10. 1932; vgl. ferner: Die Antifaschistische Aktion, Dokumentation und Chronik Mai 1932 _ Januar
Thyssen/Reves a. a. 0 ., S. 110. 1933, Berlln 1965. '

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strie- und Handelskammer Hannover, Vorsitzender des Auf- im Auftrage des Keppler-Kreises persönlich im Büro des Reichs-
sichtsrates der IIseder-Hütte) arrangierten daher überstürzt 140) präSidenten die umsichtig vorbereitete »Eingabe«. Sie war re-
- gemeinsam mit den führenden Gesinnungsgenossen des präsentativ gedruckt und von 17 Industriellen, Bankiers und
Reichslandbundes 141) - eine Unterschriftensammlung unter Großagrariern einzeln unterschrieben worden. 147) Der Staats-
eine »wirksam gehaltene« Eingabe an den Reichspräsiden- sekretär des Reichspräsidenten, Dr. Otto Meissner, legte die
ten, die diesen aufforderte, Hitler endlich zum Reichskanzler zu Unterlagen sofort dem Reichspräsidenten vor. 148) Obgleich zwei
berufen. 142) Aufschlußreich dabei ist, daß diese Aktion bereits Tage später Reinhart weitere unterschriebene Exemplare der
mit Papen gemeinsam vorbereitet wurde, der Hecker am 10. No- »Eingabe« dem Staatssekretär übergeben konnte 149) und sich
vember zu einer internen Vorbesprechung empfing. Am folgen- auch andere Industrielle und Agrarier entschieden in Schreiben
den Tag, am 11. November 1932, besprach Papen den Wortlaut an Hindenburg und Meissner für eine Berufung Hitlers zum
der Eingabe dann mit Schacht, Keppler und Himmler. u3 ) An- Reichskanzler einsetzen, 150) lehnte Hindenburg eine präsidiale
schließend übergab Keppler diese Eingabe an etwa 50 einfluß- Betreuung Hitlers ab. Noch hatte sich innerhalb der Führungs-
reiche Industrielle, Bankiers und Großgrundbesitzer, 1«) mit schicht der Großindustrie keine einheitlich-stabile Mehrheit tür
der Bitte, sie zu unterzeichnen. Zur gleichen Zeit - entspre- eine präsidiale Kanzlerscha,ft Hitlers herausgebildet. 151)
chend der Absprache am 11. November - unterbreitete Papen Schleicher und seine Freunde organisierten nun fieberhaft
seinen »verblüfften« Kabinettskollegen den Demissionsvor- die Verhinderung einerneuen Kabinettsbildung durch Papen. Sie
schlag, um »den ehrlichen Willen des Kabinetts zur nationalen leiteten Maßnahmen ein, um ein Kabinett der »Iinks«-marktwirt-
Konzentration« 145) zu zeigen. Da dieser Schritt durchaus auch schaftlichen Arbeitsbeschaffung mit aller Kraft durchzusetzen.
den Zielen Schleichers entsprach, wurde der Vorschlag Papens Nachdem es am 25. November 1932 dem Prälaten Kaas (Zen-
einstimmig gebilligt. - Damit begann Papen in seiner Kom- trum) nicht gelungen war, ein parlamentarisches Mehrheits-
promißbereitschaft der Nazi-Gruppe gegenüber, deren politi- kabinett zustande zu bringen, 152) forderte Schleicher Herrn von
schen FÜhrungsanspruch zu akzeptieren. Er wurde dabei be- Papen auf, auf jede weitere Kanzlerschaft zu verzichten. 153) Er
reits von Paul Reusch und Friedrich Springorum unterstützt. Usa) wurde dabei auch von Bracht (Reichsminister ohne Geschäfts-
Papen leitete mithin eine neue Phase ein, die der zunehmenden bereich, ehemaliger Oberbürgermeister von Essen und eng mit
Einigung der von ihm repräsentierten Industriellen mit der Thilo von Wilmowski befreundet) unterstützt. 154) Auch der
Hitler-Gruppe. U7) DZAP BdR, Nr. 47, BI. 261-299 und 303-304; es handelt sich um Insgesamt
20 einzeln unterschriebene Exemplare der gedruckten Eingabe.
Noch bevor Hindenburg am 19. November 1932 Hitler zu den 148) DZAP BdR, Nr. 47 a. a. 0., BI. 291; vgl. Dokumenten-Anhang Nr. 6.
üblichen Parteiführerempfängen nach dem Rücktritt eines Ka- 14') Dokumenten-Anhang Nr. 14.
150) DZAP BdR, Nr. 47, BI. 460, Schreiben von Bruno Llndner Inhaber der
binetts empfangen konnte,146) überreichte Friedrich Reinhart Kammgarnspinnerei B.G. Llndner, Crimmitschau I. Sa. vom 25. 1'1 . 1932 sowie
BI. 218, Schreiben von Hermann Schneider, Vorsitzender der Landwirtschafts-
140) NAUSA Microfilmcopy T 83' Roll 101 Archiv des Bankhause~ J. H. Stein, kammer Niederschlesien, vom 15. 11. 1932 und BI. 454-456 Brief Jürgen von
Köln, Geheimakte mit dem Briefwechsel Kurt von Schroeder mit Wlihelm Keppler Dewitz an Staatssekretär Meissner vom 24. 11. 1932. '
(1932-1933)' Dokumenten-Anhang Nr. 6. m ) HAB 335, 6, Nr. 35 Protokoll der Verhandlung vom 20. 1. 1948, Direktes Ver-
141) DZAP ' Archiv des Reichslandbundes, Nr. 23 Allgemeiner Schriftwechsel hör von Clemens Lammers, S. 5661 ff.; sowie das direkte Verhör von Ludwig
(1930-1933) Streng vertraulicher Brief von Sybel an Höfler vom 28. 10. 1932; Kastl, S. 5748 ff. Diese Haltung des Reichsverbandes der deutSchen Industrie
Nr. 146 Angelegenheiten des Bundesvorstandes, Rundschreiben und Berichte der geg en einen Führunßsanspruch . der NSDAP und der Monopole, deren Interessen
Präsidialabteilung über Bundesvorstandssitzungen, ProtokOlle der Bundesvor- er. v~rtrat, und damit gegen eine WIrtschaftsautarkie, entsprach auch der per-
standssitzungen vom 23. 9. 1932 und 12. 10. 1932. lIo nllchen Haltung von Gustav Krupp in Jenen Monaten; vgl.: Archiv der Friedrich
142) Dokumenten-Anhang Nr. 10. Krupp AG Essen, Ak1en Reichsverband der Industrie K-C 1084, Bd. IV (1932).
143) Dokumenten-Anhang Nr. 6. 152) DZAP BdR, Nr. 47, BI. 436-437 und 442; WTB Nr. 2530 vom 25. 11. 1932.
1«) Dokumenten-Anhang Nr. 8. 153) Tagebuchaufzeichnungen von Schwerin von Krosigk a. a. 0., Eintragung vom
US) NAUSA T 120/1711, Proto~oll der Ministerbesprechung vom 17. 11. 1932; dazu : 27. 11 . 1932; d~nach haben. Brach.t und Schwerin von ~rosigk am 25. 11. 1932 in
Institut für Zeitgeschichte Munchen F39 Tagebuchaufzeichnungen von Lutz Graf der KabInettss Itzung erklart, keinen MInIsterposten In einem neuen Kabinett
Schwerin von Krosigk, Notiz vom 26. 11. 1932. Papen anzunehmen ; am Abend des gleichen Tages versuchten In persönlichen
Un terredungen sowohl Werner von Alvensleben als auch Zitzewitz Schwerin von
USa) Dokumenlen-Anhllng Nr. 12. Krosigk von seinem EntschluB abzubringen.
146) DZAP BdR, Nr. 47, Aufzeichnungen über die PartelfOhrer-Besprechungen; vgl .:
Bracher a. a. 0., S. 666-667; sowie : Kurt Gossweller, Karl-Dletrich Brachers . Auf- 154) DZAP NL Bracht, ~, Ablehnung von Brach.t, an der MitglIederversammlung
lösung der Weimarer Republik., in: ZfG Heft 3/1958, S. 508 ff., der den Wort- des Langnamverelns teilzunehmen, auf der SprlOgorum das Wirtschaftsprogramm
laut dieser Aufzeichnungen veröffentlicht. von Papen unterstützen wollte.

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ReichsfinanzministerSchwerin von Krosigk schloß sich den For- nett zu gewinnen, dessen Vorsitz er übernahm, weil im Reichs-
derungen 'von Schleicher mit aller Entschiedenheit an. 155) wehrministerium Kurt von Bredow (General, Chef des Minister-
Bracht und Schwerin-Krosigk waren von Schleichers internen amtes im Reichswehrministerium) gegen Gereke erhebliche Be-
Verhandlungen mit Gereke, den Gewerkschaftsführern und denken vorbrachte, da er zu starke »linke Tendenzen« hätte. 160)
Strasserunterrichtet. 156) Schwerin-Krosigk orientierte sich beim Schleicher war gezwungen, einen Kompromiß einzugehen. So
Sohn Hindenburgs vorher noch über die Meinung des Reichs- nahm er einige --rechte« Keynesianer, wie beispielsweise
präsidenten zu diesen Bestrebungen. 157) Warmbold (Reichswirtschaftsminister). in sein Kabinett auf. Alle
anderen Bestrebungen Schleichers, das Kabinett in die er-
Das Programm tür ein solches Kabinett war soeben von
strebte Richtung umzubilden, scheiterten in den folgenden
Gereke auf einer wirksam arrangierten Tagung des Verbandes
Wochen. Die Gegensätze im Kabinett nahmen daher zu. 161)
der Preußischen Landgemeinden am 12. November 1932 im
Plenarsaal des Deutschen Reichstages der Öffentlichkeit un- Allein die Beauftragung Gerekes als Reichskommissar für
terbreitet worden . Dr. Gereke kritisierte in seinem Hauptreferat Arbeitsbeschaffung und Siedlung 162) und der Versuch, wenig-
scharf die unzureichenden Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen stens wieder in bescheidenen Bahnen ein parlamentarisches
des Papen-Kabinetts. Die Privatinitiative könne die Arbeits- Leben zu entwickeln, ließen gegenüber dem Papen-Kurs einige
losigkeit nicht überwinden. Nur wichtige volkswirtschaftliche Ansätze zu einer neuen Orientierung erkennen, die noch da-
"öffentliche Arbeiten « zu vollen Tariflöhnen würden die Kauf- durch verstärkt wurden, daß vom Kabinett die Tarifsicherheit
kraft wieder herstellen. Ein solches Arbeitsbeschaffung s- wiederhergestellt wurde 163) und der Kanzler umgehend vor-
programm sei jetzt erforderlich , und es entspreche auch dem bereitende Gespräche mit dem sowjetischen Außenminister
Wunsch des Reichspräsidenten, der in einem Telegramm der Li twinow aufnahm, zur Verlängerung des Berliner Vertrages
Tagung »einen vollen Erfolg gewünscht« hatte. Gereke hielt es und einer Erweiterung der deutsch-sowjetischen Handels-
für erforderlich, auf der Basis seines Programmes gegen Hit- beziehungen. '64 ) Die Rundfunkrede des Kanzlers, die "Weih-
ler eine "Volksfront« zu bilden . 158) Nach dieser Tagung wurd e nachtsrede« des Reichskommissars 165) und schließlich die leb-
im Reichswehrministerium die Frage erörtert, ob ein solches haften Diskussionen im Haushaltsausschuß des DeutSChen
Kabinett von Gereke oder Schleicher selbst geführt werden Reichstages unter dem Vorsitz von Ernst Torgier (dem Vor-
solle. 159) 160) Institut für Zeitgeschichte München, Kurzorientierungen des Ministeramtes,
Der Plan Schleichers gelang nur teilweise. Zwar zwang er Kurzonentlerung vom 23. 11 . 1932.
161) DZAP Reichskommissariat für Arbeitsbeschaffung, Nr. 41 Entstehung des
gegen den Widerstand des Reichspräsidenten und vieler Indu- Arbeitsbeschaffungsprogramms, Protokolle der ChefDesprechungen über das Ar-
be itsbeschaffungsprogramm, insbesondere die ProtOkolle vom 13. und 15. 12.
strieller Papen zum endgültigen Rücktritt, jedoch mißlang es 1932; vgl.: Berliner Volkszeitung vom 13. 12. 1932; Archiv des Reichslandbundes
Nr. 23 a. a. O. Schreiben von Kalckreuth an Kayserlingk vom 30. 12. 1932. '
ihm, Gewerkschaftsvertreter und auch Strasser für sein Kab i- 1
162 DZAI..' !'Ieichsko.~miss!lriat. für Arbeitsbeschaffung, Nr. 41, Notverordnung des
Relchsprasldenten uber die Bildung des Reichskommissariats für Arbeitsbeschaf-
155) Brief von Schwer in vo n Kros ig k an den Verfasser vom 16 . .6. 1963 sowi e ' fun g vom 15. 12. 1932.
Tagebuchaufzeichnung von Schwerin von Kroslgk a. a. 0 ., Eintrag ung vom 163) Verordnung über die Aufhebung der Verordnung zur Vermehrung und Erhal-
4. 12. 1932, nach der am 29. 11 . 1932 noch eine ausführliche Unterredung von tung der Arbeitsgelegenheit vom 14. 12. 1932 (Reichsgesetzblatt 1/1932, S. 545).
Schwerln-Krosigk mit Papen zu dieser Frage stattgefunden hatte. Dieser Beschluß kam einem Antrag der SPD KPD des Zentrums und der Bay-
156) Schreiben von Schwer in von Krosigk an den Verfasser vom 2? 11 . 1963 und r ischen Volks-Partei (BVP) entgegen . "
Tagebuchaufzeichnung von Schwerin von Kroslgk a. a. 0 ., Elntragu~g vom 164) Politisches Archiv des Auswärtigen Amtes, Bonn , Abt. IV Rußland, Aufzelen-
27. 11. 1932; DZAP NL Bracht, 2, Schriftwechsel Scholz/Bracht, Information vom nung der Unterredung Litwlnow-Neurath afT' 19. 12. 1932; vgl.: DZAP BdR , Nr. 742
24. 10. 1932. Wochenberichte des Auswärtigen Amtes, Bd. 7 (1931-1933), Bericht vom 27. 12.
157) Tagebuchaufze ichnung von Schwerin-Krosigk. a. a. 0. , Notiz v o ~ 27 . " . 1932, 1932; die These von Bloch (Charles Bloch , Hitler und die europäiSchen Mächte
an diesem Vormittag hatte Schwenn-Kroslgk eine Unterredung mit Oskar von 1933/34, Frankfurt/Maln 1966) von einer konsequenten Kontinu ität der deutschen
HIndenburg, wobei sich Schwerin-Krosigk nochmals gegen eine Neubetrauun g Außenpolitik Ist doch zu global und undifferenzierend insbesondere zur deut-
Papens als Reichskanzler aussprach . schen Außenpolitik gegenüber der UdSSR. Vgl.: DeutsChe Botschaft Moskau Nr.
158) Archiv des Deutschen Landgemeindetages , Nr. 545 Delegiertentag am 12. 11. 479 Handakte des Botschafters von Dirksen (1929-1932) , sowie : Nachlaß Dirksen
1932 An ihm nahmen als Gäste tei I: Gürtner, Bracht, Pop itz, Meissner, Ott (als Nr. 51 Handakte Dirksens als Botschafter in Moskau Bd . 2 Schriftwechsel von
Vert~eter Schleichers) gemeinsam mit Kurt von Bredow, Ludwig Kasti (Reichs· Dlrksen mit Staatssekretär Bülow und Köpke; dazu auch : Reichsministerium des
Innern Nr. 25832/2 Deutsch-russische Verträge Bd . 2 (1932-1934) , aus denen
verband der deutschen Industrie). hervorgeht, daß Schleicher zu einer weiteren Annäherung Deutschlands an die
159) Institut für Zeitgeschichte München, Kurzorientierungen des Ministeramtes,
UdSSR Im Sinne von Rapallo bereit war.
Kurzorientierung vom 23. 11. 1932 ; vgl. : Gereke-Memoi ren a. a. O.

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sitzenden der KPD-Reichstagsfraktion) über eine Verstärkung in der Eisen- und Stahlindustrie, im Schiffsbau und im Bank-
der Staatskontrolle in der Wirtschaft und über die skandalöse wesen. Er zeigte sich bereit, die Osthilfe einzustellen und auf
Verschuldung der ostelbischen Großagrarier 166) bestätigten den Gütern der verschuldeten Großagrarier Kleinbauern anzu-
die betonte Distanz des neuen Kabinetts gegenüber der Papen- siedeln. 170) Darüber hinaus schickte er sich an, zusammen mit
Silverberg-Variante des deutschen »Keynesianismus«, zumal den GewerkSChaften eine .. soziale« Konjunkturpolitik durch die
Schleicher auch ernsthaft bemüht war, Gewerkschaftsvertreter Arbeitsbeschaffung der .. öffentlichen Hand« zu betreiben. 171)
in sein Kabinett miteinzubeziehen. 167) In diesem Zusammen-
Diese Maßnahmen hatten weder einen sozialistischen noch
hang wäre auf die parallele Entwicklung in den USA hinzuwei- demokratischen Charakter. Schleicher und Gereke waren nicht
sen, wo Franklin Roosevelt sechs Monate später mit ähnlichen bereit, in Deutschland einen entschieden demokratischen Weg
Maßnahmen den New Deal durchsetzen konnte. 168)
zu beschreiten. Sie waren lediglich entschlossen, die bürger-
Der Rooseveltsche »New Deal« und die ähnlich beabsich- liche Ordnung in Deutschland durch eine flexible überwindung
tigte aktive Konjunkturpolitik von Gereke sind ihrem politischen der Wirtschaftskrise wieder zu stabilisieren, ohne jedoch dabei
Charakter nach eine spezifische Variante des .. Keynesianis- eine nationalsozialistische Herrschaft zu errichten. 172) Ihre
mus«. Mit ihr wird versucht, die kapitalistische Privatwirtschaft .. Iinks«-marktwirtschaftliche Orientierung trug jedoch gewis-
unter Beachtung einiger nationaler Realitäten und mit Hilfe sen nationalen Notwendigkeiten Rechnung (Enteignung der ver-
der Gewerkschaften der sich rasch entwickelnden Vergesell- schuldeten ostelbischen Junker, Verstärkung der freundschaft-
schaftlichung der Produktion, deren Konzentration und Zentra- lichen Beziehungen zur UdSSR, Arbeitsbeschaffung durch
lisation, anzugleichen. 168a) friedl iche Projekte). 173)
Das Kabinett, in dem der Reichskanzler zugleich Reichswehr- Aus diesem Grunde brachte das neue Kabinett auch nur die
minister war und überdies freundschaftliche Beziehungen zur Meinung weniger Großindustrieller zum Ausdruck. Zu ihnen
Roten Armee besaß, 169) fand nicht den Beifall der Mehrheit der gehörten neben Otto Wolft und Otto Regendanz Thilo von Wil-
deutschen Industriellen. Außerdem verfügte Schleicher als mowski, Gustav Krupp und Ludwig Kastl, weiterhin Ottmar
Reichskanzler über beachtliche staatliche Kontrollfunktionen Strauß , Julius Flechtheim, Hans Krawehl, Hans Kraemer
165) DZAP BdR, Nr. SO, Wichtige Reden des Reichskanzlers und der Reichsminister (Klöckner Werke AG), Hans von Raumer (Zentralverband der
(1931-1932). BI. 232-233 WTB Nr. 2673 Programmatische Rede des Relchskl;lnzlers
tiber den Rundfunk am 15. 12. 1932; vgl. dazu : Rede von Schwenn-Kroslgk Im deutschen Elektroindustrie) und Richard Merton (Metallhandel
Hauptausschuß des Reichsverbandes der deutschen Industrie am 15. 12. 1932 Frankfurt. /M.).'74) Allerdings war diese Gruppe sowohl finanz-
(WTB Nr. 2673); ferner : Weihnachtsrede des Reichskommissars für Arbeitsbeschaf-
fung, Dr. Dr. G. Gereke, Im Namen und im Auftrag de~ Relch.skanzlers sm
23. 12. 1932 über den Rundfunk; vgl.: Relchs.kommlssarlat fur Arb8llsbeschsffung
Nr. 7 Reden des Reichskommissars für Arbeitsbeschaffung, BI. 55-67. 170) DZAP NL Bracht, 2, Schreiben von Thilo von Wilmowskl (Schwager von
166) DZAP, Reichstag, Nr. 1456-1458 ProtOkolle des Ausschusses für den ReIchs- Gustav Krupp-Bohlen und stellvertretender AufsichtSl'atsvorsitzender der Friedrich
haushalt (31. 8. 1932-12. 1. 1933). Krupp AG; vgl.: Th . v. Wllmowskl, Rückblickend möchte ich sagen .. . Olden-
167) Gereke berichtet darüber In seinen Memoiren, die von Etzdorf, Cordemann burg/Hamburg 1961) an Bracht vom 14. 1. 1933 (BI. 403), In dem er das Kabinett
und auch von anderen Autoren In der MemOiren-Literatur bestätigt werden. auUordert, a.lle nicht . mehr. sanierungsfähigen und verSchuldeten ostelbischen
168) Peter Schäfer, FrankIIn D. Roosevelt und das .New Deal «, In ZfG Heft ~11965 , Guter aufzusledeln; em gleichlautendes Schreiben erhielt auch Dr. Gereke' vgl .
S. 597 ff.; strukturelle und funktionelle Anal?Qlen zwisch.en der Roosevelt sche.n Reichskomm issariat für ArbeitsbeSchaffung. Nr. 2, BI. 134-135. , ..
NIRA (National Industrial Recovery Act)-Polltlk, der National Recovery Admini- 1 7~) . DZAP R!lich~komm i~sariat für Arbeitsbeschaffung, Nr. 16 VorschlAge von
stration und der Gereke'schen ArbeitsbeschaffungspolItik, dem Reichskommissa- Mmlstenen fur die Arbeitsbeschaffung. In den .Richtlinien. heißt es: . Der Ge-
riat für Arbeitsbeschaffung, sind nicht zu übersehen und bedürfen noch einer w l~n des Unternehmers ist auf ein möglichst geringes Maß zu beSchränken«;
weiteren Untersuchung; vgl. hierzu auch: A. M. Schlesinger, Das New Deal am Re ichstag, Nr. 1458, Protokoll der 16. Sitzung des Ausschusses für den Reichs-
Werk 1933-1939 Offen bach 1947; sowie: FrankIIn D. Roosevelt, Links von der haushalt vom 27. 1. 1932, Rede von Dr. Gereke.
Mitte. Briefe, 'Reden, Konferenzen, ausgewählt von Donald Day, FrankfurV 172) Schreiben von Lutz Graf Schwerln von Krosigk an den Verfasser vom 25. 11.
Main o. J. 1963 und 7. 5. 1964, die auch von Günther Gereke bestätigt werden' vgl auch
16Ba) Vgl. W. 1. Lenin, Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalis- Vincenz M~IIer, Ich fand das wahre Vaterland, herausgegeben von Klaus' Mam-
mus, Berlin 1947. mach , Berlm 1963. Auch Frau Ottony Nitka, geb. von Schleicher berichtet daß
169) NAUSA, Mlcrofllmcopy T 78 Roll 283, Dienstreise des Chefs der Heeres- Schleicher In persönlichen Gesprächen mehrmals darauf verwiesen hat daß er
leitung General von Hammersteln-Equord; vgl.: Francls L. Carsten, Reichswehr ei_ne r:tationalsozialistische Entwicklung in DeutSchland für schädlich und ver-
und P~litik (1918-33), Köln-Berlln 1964, S. 300 ff.; Institut für Zeitgesch ichte hangnlsvoll halte (Nlederschnft vom 28. 10. 1963).
München F 41 Reichswehrministerium, Chef des Ministeramtes, Kurzorientieru ng 173) A. Norden, Die Nation und wir, Berlin 1964.
vom 27. 9. 1932 über die Teilnahme von Offizieren der Roten Armee am Herbst- 174) Tägliche Rundschau vom 30. 11 1932; Hans Nitka bestätigt diese Verbln-
manöver 1932. duneen Schleichers zur Industrie (NiederSchrift vom 21. 9. 1963l.

46 47
politisch als audl strukturell unstabil und heterogen. Sie wies restagung abgehalten. 180) Während im Plenum sich Paul Silver-
auf ihrer rechten Flanke (z. B. Hans Zehrer) antikommunistische berg noch für eine Unterstützung des Papen-Kabinetts ein-
und militant-nationalistische Züge auf, die allein schon ihre not- setzte, mehrten sich in den Pausen jene Stimmen, die in der
wendige Konsolidierung tür die Härte des gegenseitigen Kon- Kanzlerschaft Hitlers den einzigen Ausweg aus der Krise
kurrenz- und Machtkampfes erschwerten. Insbesondere Schlei- sahen. 181) Als Vögler wenige Tage später'auf dem Eisenhütten-
chers Unterstützung des Staatsstreiches von Papen gegen die tag schließlich unverblümt ein Hitler-Kabinett forderte, wurde
sozialdemokratisdle Preußenregierung am 20. Juli 1932 und die ihm nicht mehr widersprochen . 182) Der Nationale Club in Ham-
Entscheidungen gegen die Kommunistische Partei (Verbot anti- burg und in Berlin setzte sich unter dem Einfluß von Carl-Eduard
faschistischer Demonstrationen) schwächten seine Stellung Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha (Präsident des Natio-
entsdleidend. 175 ) Dennodl bedeuteten diese Ansätze zu eini- nalen Clubs Berlin), sowie der Ministerialbeamten Pfundtner
gen realpolitischen Maßnahmen sowohl für die nazistischen und Lammers 183) für eine Hitler-Regierung ein und nahm dazu
Industriellen um Schacht, Thyssen und Kirdorf als auch für die die Verbindung zum Keppler-Kreis auf. 184) Das Büro Kepplers
"rechten« Keynesianer um Papen und Silverberg eine »bol- wurde in diesen Wochen immer stärker zum Sammelpunkt all
schewistische Gefahr«. Daher bildete sich auch vom Alldeut- jener Bestrebungen zum Sturze des Schleicher-Gereke-Kabi-
schen Verband 176) bis zu den Vertretern der IG Farbenindu- netts. Schließlich fand sich am 10. Dezember Papen bei Schroe-
strie AG 177) eine einheitliche Front gegen das Schleicher- der ein und bat ihn um die Vermittlung einer Aussprache mit
Gereke-Kabinett heraus. 178) Angesidlts seiner Entwicklung Hitler. 185) Nach der Aussage Schroeders will Papen "angesichts
gaben die "rechten« Keynesianer alle Vorbehalte gegenüber des bolschewistischen Schleicher-Kabinetts« zu der »Einsicht«
einer Kanzlersdlaft Hitlers auf. Für sie war die Ansicht Carl gekommen sein, daß zwischen ihm und Hitler eine enge Zusam-
Friedrich von Siemens' kennzeichnend, die er bereits am menarbeit vordringlich notwendig wäre. 186) Schroeder besprach
27. Oktober 1931 in New York auf einem Empfang der General dieses Angebot sofort mit Keppler, und beide berieten sich
Electric Company zum Ausdruck gebracht hatte: angesichts .. mit einigen Herren der Wirtschaft«. 187) Alle Mitglieder des
einer "bolschewistischen Gefahr« sei Hitler immer noch das Keppler-Kreises, jene »Herren der Wirtschaft«, waren sich einig,
kleinere übel. 179) daß eine solche Aussprache erforderlich sei, um Hitler als den
Auch Schleicher zeigte sich nach wie vor bereit, mit Hitler zu »starken Mann« endlich an die Macht zu bringen. Man legte
paktieren und ihn in seine Konzeption einzubeziehen. Dodl auch sogleich jene Prinzipien fest, die Hitler als Reichskanzler
sein Plan sollte ebenso scheitern wie der Versuch Papens in erfüllen sollte: mit Staatsaufträgen und Krediten eine Wirt-
dieser Beziehung. sch aftskonjunktur einzuleiten und vor allem den Ausbau des
Am 23. November 1932 hatte der Langnamverein seine Jah- Heeres und die mit ihm verbundene Rüstungsindustrie zu for-
cieren. Die Gewerkschaften waren zu verbieten, wie es Hitler
175) Deutsches Zentralarchiv Merseburg, Rep. 90 (Preußisches Staatsministerium) am 18. Mai 1932 versprochen hatte. Außerdem würde eine
B 111 2 b 6. Bd 182 Protokolle des Preußischen Staatsministeriums, Unterlagen der
Unterredung Schleichers mit Braun; vgl. : Geschichte der deutschen Arbeiterbewe-
gung. Bd. 4, S. 351 f. 180) DZAP NL Bracht, 2, Briefe von M. Schlenker an Bracht vom 29. 10. 1932 und
176) DZAP Alldeutscher Verband, Nr. 166 Sitzungen des Ausschusses am 10/11 . 12.
9. 12. 1932; ferner : Bericht von Scholz an Bracht vom 26. 11 . 1932.
1932; Nr. 565 Claß - Einzelne Schriften, Vertrauliche Information von HeinrIch 181) Ebenda , Information Scholz an Bracht vom 26. 11. 1932.
CI aß .zur politischen Lage« vom 10. 12. 1932. in der es heißt: .Schleicher muß 182) Ebenda, Information Scholz an Bracht vom 30. 11. 1932.
gestürzt werdeni«; hierzu' vgl. auch: Stahlhelm-Akten Nr. Z75 Verhalten zur 183) HAB, Rep. 330 (Reichsministerium des Innern), Nr. 330 Nationaler Club von
Reichsregierung (1929-1932) . 1919 Hamburg, Schriftwechsel von Pfundtner mit Funk und Goebbels im Herbst
177) DZAP IG FarbenindustrIe AG, Nr. 1058, Carl Dulsberg, Zu aktuellen Fragen 1932, ebenso Nr. 331; Im Januar 1933 verweist Krogmann Pfundtner an Keppler
der Wirtschaftspolitik, Manuskript vom 17. 1. 1933. d!'m it Pfundtner bei den bevorstehenden Verhandlungen auch seinen Einfluß fü;
178) HAB 335, 5, Nr. 173, Beweis-Dokument NI 903; vgl.: Nr. 19, Zeugenaussage eone Kanzlerschaft Hitiers gellend machen könne.
von W. Keppler; dazu : F. v. Papen, Einige Bemerkungen •. . , S. 51 . 184) HAB 320, Nr. 330, Schreiben von Pfundtner an Joseph Goebbels vom 2. 12.
17') DZAP BdR, Nr. 296 BerIchte des Reichswirtschaftsministeriums, Carl F. v. 1932 und von Pfundtner an Eva von Schroeder vom 2. 12. 1932.
Siemens, Die gegenwärtige Lage Deutschlands, Rede vom Z7. 10. 1931, In der er 115) HAB 335, 10, Nr. 173, Beweis·Dokument NI 7990.
auf Anregung von Mr. Owen Young .vertraulich und rückhaltlos« seine Ansichten 116) HAB 335, 5, Nr. 44, Zeugenaussage von W. Keppler.
darlegte. 187) HAB 335, 10, Nr. 173, Bewels·Dokument NI 7990.

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autarke Auto- und Flugzeugindustrie aufzubauen sein. 188) Man Nachdem im »Freundeskreis« über die Notwendigkeit des
kann diese Grundsätze als das Wirtschaftskonzept des Keppler- Treffens Einigkeit erzielt worden war und auch das Programm
Kreises bezeichnen, nach dem Hitler zu arbeiten hatte. Wenn der Unterredung festlag, nahmen Keppler, Schroeder und
wir die Krise berücksichtigen, in der vor allem die sich von Himmler die Organisation in die Hand. Bekanntlich fand die
der IG-Farben industrie AG neu entwickelte synthetische Treib- Zusammenkunft am 4. Januar 1933 in Köln im Hause von
stoff- und Kautschuk-Produktion befand, darf man es nicht als Schroeders statt. An ihr nahmen teil: Hitler, Heß, Himmler,
einen »Zufall« bezeichnen, wenn Ende November 1932 Heinrich Papen, Schroeder und Keppler. Die gut vorbereitete Unter-
Gattineau und Heinrich Bütefisch im Auftrage von Bosch (IG redung verlief erwartungsgemäß und brachte für beide Indu-
Farbenindustrie AG) Hitler in seiner Münchner Privatwohnung striellen-Gruppen das erhoffte Ergebnis. Hitler und Papen
aufsuchten, um ihn über die Bedeutung der Hydrierung synthe- einigten sich auf ein gemeinsames Kabinett, in dem Papen der
tischen Treibstoffes »aufzuklären«.189) Von den wirtschaftspoliti- Nazi-Gruppe den Führungsanspruch und damit die Kanzler-
schen Absichten Hitlers, die er den bei den IG-Farben-Vertre- schaft Hitlers endgültig zusicherte. Auch die wirtschaftspoliti-
tern ausführlich vortrug, waren sie in hohem Maße befriedigt. 190) schen Prinzipien des Keppler-Kreises wurden von Papen akzep-
Es ist deshalb ebensowenig zufällig, daß die IG Farbenindu- tiert. Mit Hitler kam er schließlich auch überein, alle Gewerk-
strieAG jetzt auch bereit war, 100000 RM an die Hitler-Partei zu schaften aufzulösen, sowie »alle Bolschewisten, Sozialdemo-
zahlen, 191) während Duisberg noch im Juli gegenüber Thyssen kraten und Juden« aus leitenden Stellungen zu entfernen. So-
jede Zahlung von Wahlgeldern an die NSDAP abgelehnt hatte. 192) dann legte man ein gemeinsames Vorgehen gegen das Schlei-
cher-Gereke-Kabinett fest. 197)
Eine wichtige Funktion in den sich anbahnenden Verhand-
lungen bei der Industriellen-Gruppen übernahm Himmler. 193) Er Einen Tag nach dieser Zusammenkunft fuhr Papen zu einer
war der persönliche Beauftragte Hitlers für die Regierungsver- Reihe ihm bekannter Industrieller, um sie sofort über das ge-
handlungen. 194) In dieser Eigenschaft wurde er auch über Frau heime Konferenzergebnis zu informieren. 198) Hitler traf sich am
Victoria von Dirksen (der Stiefmutter Herbert von Dirksens) mit gleichen Tag mit Kirdorf und Thyssen und erstattete ihnen Be-
Max IIgner bekannt 195) und erhielt somit eine direkte Verbin- richt. 199) Damit war bereits den Anfängen einer deutschen New-
dung zu Hermann Schmitz, der mit seinem Neffen IIgner enge Deal-Politik das Todesurteil gesprochen.
geschäftliche und freundschaftliche Beziehungen unterhielt. 196) Unmittelbar nach dem Treffen gelang es dem »Freundes-
kreis«, jetzt auch von Silverberg unterstützt, eine Million RM
188) Zur Haltung der IG Farbenindustrie AG Insgesamt vgl. : Rlchard Sasuly, IG
für die NSDAP aufzubringen, die auf ein Sonderkonto bei der
Farben. Berlin 1952. S. 86 ff., sowie : A. Norden, Die Nation und wir, a. a. 0 ., J.-H.-Stein-Bank in Köln geführt wurden. 199a)
S. 321-329.
189) HAB 335, 6, Nr. 200 und Nr. 201 , Beweis-Dokument NI 6524 Affidavit von Der Angriff gegen das Schleicher-Gereke-Kabinett wurde in
Carl Krauch ; diese Tatsachen werden dann Im direkten Verhör sowohl von Krauch
selbst als auch von Gattineau und Bütefisch bestätigt. Vgl. : Nr. 53 Protokoll der der Öffentlichkeit vom Reichslandbund in Übereinstimmung
Verhandlung vom 10. 3. 1948, S. 8972 ff.; Nr. 74 Protokoll der Verhandlung vom
22. 4. 1948, S. 12380 ff.; dazu : Nr. 655 Closingbrief der Verteidigung fOr Gattineau , mit dem Alldeutschen Verband und assisiert von Hugenberg
S.12. gestartet. 200) Ihre Forderung nach einem »nationalen« Kabinett
190) Ebenda , Zeugenaussagen von Gattineau und BOtefisch.
'9') HAB 335, 6, Nr. 35, Kreuzverhör von Clemens Lammers, S. 5713; diese An-
gaben werden ebenfalls von Bütefisch und Gattineau bestätigt; vgl.: Nr. 52 Pro-
tokoll der Verhandlung vom 9. 3. 1948; Beweis-Dokument NI 3807 (S. 8922) Quit- ' 97) HAB 335, 5, 19, Beweis-Dokument PS-3337 ; Nr. 173, Beweis-Dokument NI 903 '
tung über 100 000 RM, die von der IG Farbenindustrie AG an die NSDAP ge- dazu : H~ns Otto Meissn~r/ Harry. Wilde, Di.!, Machtergr~lfung, Stuttgart 1958:
zahlt wurden . S. 154 ff. , Alan BUllock, Hltler. Eine Studie uber Tyrannei, FrankfurtlMain-Ham-
192) HAB 335, 6, Nr. 954 Dokumentenbuch I der Verteidigung für Schmitz, Eides- burg 1964, Bd . 1, S. 244 If.; Dokumenten-Anhang Nr. 19-23.
stattliche Erklärung von Hildegard von Veltheim, geb. Dulsberg, vom 15. 12. 1947. '98) HAB 335, 5, Nr. 284.
193) Dokumenten-Anhang Nr. 18. 199) MeissnerlWilde a. a. 0., S. 157 ff.; vgl.: Bracher a. a. 0., S. 895.
194) HAB 335, 5, Nr. 40 Zeugenaussage von O. Stelnbrinck. 199a) Hallgarten a. a. 0 ., S. 116.
195) DZAP IG Farbenindustrie AG , Nr. 200/295 Deutscher Club/von-Dirksen-Stlftung 20?) DZAP B~R , Nr. 333, Aufzeichnung Doehle vom 12. 1. 1933 über den Konflikt
(1931-1938) , Schriftwechsel von IIgner mit Victoria von Dirksen und Hlmmler. mit dem Reichslandbund ; vgl.: Archiv des Reichslandbundes Nr. 146 Schreiben
196) DZAP IG Farbenindustrie AG, Nr. 1945 IG Aktien und Bonds (1931-1933), des Chefs der Präsidialabteilung des Bundesvorstandes an die Mitglieder vom
gemeinsamer Kauf von IG-Aktlen von Schmitz und IIgner 1931 und 1932. 13. 1. 1933.

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unter Hitler war jetzt nicht mehr nur das Ziel einer relativ klei- alle Zusammenhänge bekannt geworden. 204) Er verkannte auch
nen Industriellen-Gruppe, sondern Hitler war nach dem 4. Ja- vollkommen, daß die Würfel gefallen waren, daß die Mehrheit
nuar 1933 der politische Exponent einer Majorität innerhalb der der Industriellen entschieden hatte. Nach dem 30. Januar 1933
industriellen Führungsschicht der herrschenden Klasse gewor- drängten sie förmlich danach, »ihren .. neuen Reichskanzler »zu
den. Die erreichte Zusammenarbeit Papens mit Hitler stellte begrüßen«. Jetzt kamen auch Krupp und Bosch und waren
keinen Kompromiß bei der finanzmonopolistischer Gruppierun- .. tief befriedigt«, als sie die Reichskanzlei verließen. 205) Die Be-
gen mehr dar, sondern bedeutete vielmehr die Unterordnung seitigung des Parlamentarismus, die Auflösung der Gewerk-
der »rechten« Keynesianer unter die Gruppe der Nazi-Industriel- schaften, der entschiedene Kampf gegen jede Form des »Mar-
len und die Identifizierung mit ihren Zielen. Gegenüber dieser xismus« und die bevorstehende Wiederaufrüstung, die Hitler
Mehrheit gelang es der Minderheitsgruppe innerhalb der Indu- am 20. Februar 1933 auf einer von Hermann Göring einberufe-
strie nicht, den sich anbahnenden Sturz des nur von ihr getra- nen Versammlung von Industriellen zur Finanzierung der be-
genen Kabinetts zu verhindern. 201) vorstehenden Reichstagswahl ihnen nochmals versprach, über-
Als es Papen am frühen Morgen des 30. Januar 1933 gelun- zeugte sie davon, den »richtigen« Ausweg aus der Krise gefun-
gen war, mit dem wilden Gerücht, Schleicher wolle Hindenburg den zu haben. 206) Gern und freiwillig gaben sie wiederum einen
durch die Reichswehr entmachten lassen, auf allen Seiten die Millionenbetrag, damit Hitler seine noch schwache Position
letzten Vorbehalte gegen Hitler zu beseitigen, hatte ein Satyr- durch eine .. freie .. Wahl »legal« festigen konnte. 207)
spiel von Intrigen seinen Höhepunkt erreicht. Die Einzelheiten Gustav Krupp von Bohlen und Halbach gehörte zweifellos
dieses schaurigen geschichtlichen Dramas sind atemberaubend nicht zu den Manipulatoren des 30. Januar 1933, um so eifriger
primitiv und niveaulos, aber in ihnen vollzog sich das Schicksal jedoch stellte er sich auf die Seite des Siegers, von dem er sich
von Millionen Menschenleben, indem sich der Spruch realisierte, auch mit »fürstlichen« militärischen Staatsaufträgen in den fol-
den eine Mehrheit deutscher Industrieller, Bankiers und ver- genden Monaten und Jahren belohnen ließ.208) Jene aus der
schuldeter Großagrarier gefällt hatte. Ob nun in den letzten »Minderheitsgruppe«, die nicht wie er bereit waren , so schnell
Tagen Schacht mit Hitler im einzelnen festgelegt hatte, wie sich den Siegern Schacht, Thyssen und Kirdorf (mit ihren
man in der öffentlichkeit das Kabinett »sturmreif schießen « .. Elite«-Freunden im Keppler-Kreis) zu unterwerfen , wurden
könne,202) ob der Reichslandbund fast pausenlos im Büro des ökonomisch oder politisch ausgeschaltet. Zu diesem Zweck
Reichspräsidenten interveniert hatte 203) und Papen ebenso un- .. reorganisierte« Krupp den Reichsverband der Industrie. 209)
unterbrochen bemüht war, politische Meinungsvarianten auf- Bezüglich Otto Wolffs verlangte Hitler sogar persönlich, daß
zufangen und »Mißverständnisse« zu klären, es war alles nur 204) Wieweit Kurt von Schleicher .überspielt« wurde, vgl.: Th. Vogelsang a. a. 0 .,
noch ein Kulissenspiel gewesen, von dem auf der Bühne der S. 366 ff.; auch: MelssnerlWllde a. a. 0., S. 166 ff.
205) HAB 335, 11 , Nr. 592 Dokumentenbuch Nr. 140 der Anklage, Eidesstattliche
öffentlichkeit nur jenes gezeigt worden war, was sich zu ihrer Erklärung von Wllhelm Keppler vom 9. 5. 1947.
206) HAB 335, 10, Nr. 173, Dokumente über die Industriellen-Versammlung am
Täuschung eignete. 20. 2. 1933: EC 439 Eidesstattliche Erklärung von Georg von Schnltzler vom
9. 1. 1946; NI 3243 Eidesstattliche Erklärung von Frledrlch Flick vom 14. 1. 1947;
Schleicher hoffte zwar noch bis zuletzt, Hitler für seine Ziele D 204 Aktennotiz von Gustav Krupp vom 22. 2. 1933 über seine Antwort an Hitler;
zu gewinnen , doch selbst ihm waren bereits längst nicht mehr hierzu vgl. Im Dokumenten-Anhang Nr. 25-28.
207) HAB 335, 10, Nr. 173, NI 9550 Eidesstattliche Erklärung von Hjalmar Schacht
vom 12. 8. 1947 zum Kontoauszug . Natlonale Treuhand, Dr. Hjalmar Schacht«
beim Bankhaus Delbrück, Schlckler & Co vom Februar/März 1933.
201) Vgl. hierzu: G. W. Hallgarten a. a. 0 ., S. 116-117. 208) HAB 335, 10, Nr. 175-176 Dokumentenbücher VIII, IX A und IX B der Anklage,
202)Dokumenten-Anhang Nr. 24. DOkumente über Rüstungsaufträge der Reichsregierung an die Frledrlch Krupp
203) DZAP BdR, Nr. 333. Nachdem sich am 16. 1. 1933 der Vors itzende des Säch- AG Essen aus den Jahren 1933 und 1934. Sie sind so zahlreich, daß sie Im ein-
sischen Landbundes, Freiherr von Münchhausen, von den Schritten des Reichs- zelnen nicht aufgeführt werden können.
landbundes distanziert hatte, attackierte der Bundesvorstand das Büro HInden- 209) HAB 335, 10, Nr. 173, Beweis-Dokument NI 910 Schreiben des ReIchsverban-
burg mit neuen Forderungen und Petitionen, offensichtlich unter dem Druck der des der deutschen Industrie an Hitler vom 24. 3. 1933; Beweis-Dokument NI 904
skandalösen Enthüllungen über die . Osthilfe«, die Schleicher im Haushaltsaus- Schreiben des Reichsverbandes der deutschen Industrie an Hitler vom 4. 4. 1933,
schuß des Deutschen Reichstages zuließ (Deutscher Reichstag Nr. 1457- 1458); sowie NI 909 Schreiben des Reichsverbandes an Hitler vom 6. 4. 1933 mit der
vgl. ferner : Reichslandbund Nr. 113 Eingaben des Reichslandbundes an den Anlage des Schreibens von Krupp an Hltler vom 11 . 4. 1933; vgl. Dokumenten-
Reichspräsidenten Hindenburg (1926-1933) . Anhang Nr. 29-30.

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seine Firma »ohne Aufsehen« zu liquidieren sei. 210) Während Jaspers feststellen, »daß die große Flut die Deiche nicht durch-
sich Otto Wolff mit ' der Unterstützung seiner industriellen brochen hätte, wenn nicht jene Leute in den führenden Steilun-
Freunde dem drohenden Griff entziehen konnte, mußte Ottmar gen die Schleusen geöffnet hätten«. 214)
Strauß emigrieren. Gereke wurde verhaftet,211) Schleicher er- Wer die Schleusen öffnete, wurde hier versucht, sehr detail-
mordet. liert nachzuweisen; fragen wir aber, wie uns Prof. Jaspers auf-
Ein Jahr später lief die Aufrüstung bereits auf vollen Touren. fo rdert, nach dem Antrieb der Beteiligten, so darf man doch als
Die politischen Parteien und Gewerkschaften waren aufge- in den Nürnberger Prozessen hinlänglich erhärtet feststel-
löst, 212) die staatlichen Anteile an den Großkonzernen und Ban- len, daß jene Industriellen und Bankiers von Hitler eine neue
ken wurden reprivatisiert 213), und gesetzliche Bestimmungen Aufrüstung erwarteten, um über sie eine höhere Rendite ihres
schützten die verschuldeten Großagrarier. Das demokratische Kapitals zu erzielen, und daß er sie gleichzeitig im Sinne der
System war in Deutschland liquidiert worden. Sicherung dieser Rendite vor der wachsenden demokratischen
So ergibt die historische Analyse, daß eine Mehrheitsgruppe Kampfbereitschaft der Massen schützen sollte.
deutscher Industrieller, Bankiers und Großagrarier Hitlers Nur wenige historische Ereignisse lassen Analogieschlüsse
Kanzlerschaft gewollt und organisiert hat. Sicher, diese Mehr- zu. Wenn wir jedoch, auf unsere Problematik bezogen, die Re-
heitsgruppierung bestand nicht von Anfang an, sondern sie levanz der ihr eigenen Triebkräfte betrachten, können wir nicht
bildete sich erst etappenweise unter bestimmten Bedingungen übersehen, daß hinter jenen, die heute für die Notstandsgesetze
heraus, von ihr ging aber die verhängnisvolle Entscheidung eintreten, soziologisch wieder die gleichen Industriellen-
aus, Hitler zum Kanzler zu berufen. Vor den Völkern tragen sie Gruppen zu finden sind, deren Repräsentanten sich auch im
dafür die Verantwortung. Dabei war kein .. unabwendbares Jahre 1932 für die Kanzlerschaft Hitlers entschieden hatten.
dämonisches Schicksal niemals aufhörender Machtkämpfe« im Hitlers Machtergreifung war mithin keiner determinierten
Spiel, wie Prof. Gerhard Ritter historische Vorgänge interpretie- Notwendigkeit entsprungen, und sie war vermeidbar. Die Er-
ren möchte,213a) sondern man darf vielmehr mit Prof. Karl
wägung des antifaschistischen Chefs der Heeresleitung, Gene-
210) DZAP RWM Nr. 18797 Prüfung der Firma 0110 Wolft Köln (1933-193~) Akten · ral Kurt von Hammerstein-Equord, die Reichswehr zum Schutz
vermerk des Regierungsrates Dr. von Spindler vom 7. 2. 1934 (Aktenz.eochen IB
4286/34) : Der Herr Reichsminister entsch ied nach einem Vortrag bel Hotler. d!iB der Demokratie gegen die vereinigten antidemokratischen
die Firma Otto Wolff .mit leichter Hand ohne erhebliches Aufsehen erledogt
werden sollte. . .. Zu diesem Zweck soll ein Vertreter der Reichsregierung in Kräfte einzusetzen, 215) war angesichts ihrer konservativ-
die Firma eintreten •. Zur Vorbereitung der Liquidierung der . Firma Otto Wolft.
war am 9. 1. 1934 bereits ein Strafverfahren wegen Steuerhinterziehung gegen monarchistischen Tradition, ihrer sozialen Struktur und der
Otto Wolff eröffnet worden . nationalistisch-chauvinistischen Erziehung des Offizierkorps
Nach einem Schreiben von Otto Wo lft an das Landesfinanzamt Köln vom
20. 10. 1935 hatte er u. a. im Jahre 1932 mindestens 180 000 RM an die NSDAP irreal. 216) Der Weg zu einer eventuellen gemeinsamen Front
gezahlt. Diese Angabe wi rd von Dr. Gereke bestätigt. Seiner Erinnerung nach
hat Schleicher seinen Freund Otto Wolff angeregt. dieses Geld an Gregor der New-Deal-Politiker mit den bürgerlich-demokratischen
Strasser zu zahlen als Gegengewicht zu den Zahlungen des Bergbau-Vereins und
Thyssens sowie anderer Industrieller an Hitler, und um ihn damit von Hltler Kräften, von einer antifaschistischen Einheit von Sozialdemo-
unabhängiger zu machen; vgl. Gereke-Memoiren a. a. O.
211) Zum Prozeß gegen Dr. G. Gereke vgl. jetzt seine Memoiren. Entgellen der
kraten und Kommunisten assistiert - wie ihn Dr. Gereke glaubte
Annahme von Becker (Brünlng, Prälat Kaas und das Problem der Regoerung~­ erreichen zu können - 217), konnte infolge der gesellschaftlichen
beteiligung der NSDAP 1930-1931, in: HZ. 1/1963, Februar 1963, S. 9!) sind doe
Prozeßakten von Dr. Gereke nicht .unauffondbar• . Sie befinden sich om Landes-
archiv Berlin (Ernst-Reuter-Haus). Diese Akten sind mir bezeichnenderweise
nicht zugänglich gewesen, um noch he!Jte lebende Juris~en, die an diesem 21.) Karl Jaspers, Wohin treibt die Bundesrepubl i k?, München 1966, S. 142.
nationalsozialistischen SchauprozeB betel logt waren, zu .schutzen. (sie!). 215) Kunrat von Hammerstein , Spähtrupp, Stuttgart (1963) , S. 40 ; vgl. : Bracher
212) Hierzu vgl. : Mattias/Morsey a. a. O. 8 . a. 0 ., S. 733-734; dieses Dokument wird von der Tochter Hammersteins , Marie-
213) DZAP RWM Nr. 18567 Dresdner Bank Bd. 2 (1932-1934), Nr. 18604 Stützung Lulse Münchhausen, Berlin , als eine zweckgebundene Niederschrift klassifiziert,
von Hardy & Co (1935-1936); DWI Archiv der Deutschen Bank (Fotokopien) Nr. d ie dazu dienen sollte, sich vor Verfolgung zu schützen ; Niederschrift vom 4. 5.
4711 Bd. 3, Nr. 4332 Bd , 1. 1964; vgl. ferner: Heinrich Scheel , Festansprache anläBlich des 20. Jahrestages
213a) Eine solche Interpretation der Geschichtsschreibung, wie sie G. Ritter an- des .20. Juli 1944« in Berlin , der Hauptstadt der DDR, in : Millellungsblall der
strebt (vgl . : HZ Bd. 202 He~ 3/Junl 1966, S. ~ 1f.),. lst welt von jeder .Wissenschaft- Arbeitsgemeinschaft ehemaliger Offiziere, Heft 8/1964, S. 6.
lichkeit entfernt. Das Urteol von Prof. Dr. Frotz Foscher (Hamburg) ost zutreffend,
216) Kurt Schützle, Reichswehr wider die Nation, BerHn 1963.
daß wir es hier (bei Prof. G. Ritter) mit einem vorgegebenen nationalistisch-mysti-
fizierten Moralkodex In seinem Gedankengut zu tun haben (F. Fischer, Weltmacht 21 7) Gereke-M emoiren a. a. 0 . ; vgl.: Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung
oder Niedergang, Frankfurt/Main 1965). Bd. 4, S. 385-391.

54 55
Konstellation im innenpolitischen Spannungsfeld nur über eine
demokratische Aktion der Arbeiterklasse führen: den General-
streik. Er war auch die einzige Gefahr, die Hitler, Papen und
Hugenberg fürchteten. 218 ) Der Aufruf der KPD zum General-
streik verhallte aber ebenso wie ihre Warnung: Hitler bedeutet
KriegI Der Antikommunismus und die Illusion, durch eine wei-
tere legale .. Mitarbeit.. den Faschismus doch noch .. zähmen ..
zu können, gab die Weimarer Republik ihren Feinden preis. 219)

Dokumente

Zur Manipulation der nationalsozialistischen nMachtergreifung4


durch die deutsche GroBindustrie werden hier dreiBig Dokumente vor-
gelegt, von denen neunzehn erstmalig Im Druck erscheinen. Aus der
Fülle des zur Verfügung stehenden Materials konnten nur die prä-
gnantesten Stücke ausgewählt werden .

Die in runde Klammern gesetzten Wortteile wurden vom Verfasser


eingefügt. Die Auslassungen beziehen sich lediglich auf Passagen, die
nicht zur behandelten Thematik gehören. Sie enthalten keinerlei Ver-
änderung der Aussage.

Der Verfasser

21') HAB 335, 11, Nr. 504, Beweis-Dokument PS-351 Protokoll der MInIsterbespre-
chung am 30. 1. 1933.
21') Schreiben von o. Buchwitz an den Verfasser vom 30. 11. 1961; vgl. dazu:
Matthlas/Morsey. a. a. 0 ., S. 151-162.

56
Nr. 1: Protokoll der Vernehmung des HJalmar Schacht
durch die amerikanischen Untersuchungsbehörden am
20. Juli 1945 220) (Auszug)

Frage: Wann trafen Sie zum erstenmal mit Hitler oder einem seiner
Genossen zusammen?
Antwort : Ich traf Göring Mitte De'zember 1930 zum erstenmal in mei-
nem Leben. Es war nach meinem Rücktritt von der Reichsbank.
(... )
F.: Wann wurde Ihr Rücktritt von der Reichsbank wirksam?
A. : Am 2. April 1930.
F.: Wann trafen Sie Göring zum erstenmal?
A.: Im Dezember 1930.
F.: Wieso kamen Sie mit ihm zusammen?
A.: Ein gemeinsamer Freund, ein Herr von Stauss von der Deutschen
Bank, lud mich zu sich ein, um Görings Bekanntschaft zu machen.
F.: War irgendein anderer Nationalsozialist dabei?
A: Es war niemand anders da.
F. : Welcher Art war die Unterhaltung, die Sie mit Göring hatten?
A.: Die Unterhaltung war im allgemeinen über die deutsche Finanz-
lage und über die wirtschaftlichen Schwierigkeiten. (...)
F.: Wann trafen Sie Göring das nächstemal?
A: Er lud mich auf den 5. oder 6. Januar 1931 zu einer Gesellschaft
in seinem Hause ein, wo ich Hitler traf.
F.: Trafen Sie noch jemand anders dort?
A.: Bei dieser Gesellschaft war auch Fritz Thyssen anwesend und
Hitler hielt an jenem Abend eine fast zwei Stunden lange Rede,
obgleich die Gesellschaft klein war.
F.: War das eine Art Monolog?
A.: Ein vollkommener Monolog und alles, was er an jenem Abend
sagte, war vernünftig und gemäßigt. Es waren Gedanken, die er
schon -
F.: Was sagte er?
A. : Oh, es waren Gedanken, die er schon vorher ausgedrückt hatte.
Aber es war voller Energie und Feuer.
F.: Was sagte er?
A : Er verbreitete sich über sein Programm, wie es in seinem Buch
ausführlicher beschrieben war.
F.: Und im Parteiprogramm?
A.: Ja, auch im Parteiprogramm. Aber das Programm ist sehr kurz
und bündig . Es ist nicht so voll allgemeiner Phrasen.
F.: Waren irgendweiche anderen hervorragenden Offiziere an-
wesend?
A.: Nein.
F.: Irgendwelche Industrielle wie Fritz Thyssen?
A.: Nein. '

220) HAB 335, 6, Nr. 203, Beweis-Dokument NI 406.

59
F.: Wie war Ihr Eindruck am Ende dieses Abends? dern, Kommunen und der Sozialversicherung, zusammengenommen
A.: Ich dachte, Hltler sei ein Mann, mit dem man zusammenarbeiten In Höhe von mehreren Milliarden, aus der Welt zu schaffen. Die gan-
könne. (...) zen Probleme, die mit der wirtschaftlichen Verschuldung, mit den
F.: Ich nehme an, Sie haben .. Mein Kampf .. sehr sorgfältig gelesen? Tributen, mit der überlastung an Steuern und sozialen Ausgaben, Löh-
A.: Ja. nen, Gehältern, Pensionen und Renten, ferner mit der überlastung an
(...) Zinsen, mit der Erschütterung unseres Bank-, Kredit- und Geldsystems
zusammenhängen, alles Fragen, die man auf den Nenner Finanz-
fragen bringen kann, davon scheint er keine genügende Vorstellung
zu haben. Er hütete sich auch, im Schlußwort hierauf irgendwie ein-
Nr. 2: Schreiben von Wllhelm Relchert an Frledrlch Flick
zugehen. Ich wünschte nur, daß Funk diesen Mangel selbst empfindet
vom 19. Oktober 1931 221 ) und sich mit diesen Fragen mehr beschäftigt.
In der Kartellfrage steht Funk mehr auf unserer Seite, als die an-
Sehr geehrter Herr Dr. Flickl wesenden Vertreter des Stahlhelms, Seldte und Lübbert, es in Erschei-
In der Annahme, daß Sie die Entwicklung des wirtschaftspolitischen nung treten ließen. Lübbert, der als Diskussionsredner die von Funk
Programms der nationalsozialistischen Partei interessiert, möchte ich vorgetragenen Gedanken als solche bezeichnete, die der Stahlhelm
Ihnen In der Anlage mit der Bitte um streng vertrauliche Behandlung schon längst propagiere, wodurch er auf manchen Gesichtern ein
Kenntnis von dem Verlauf eines Diskussionsabends betreffend SChmunzeln hervorlockte, gab den Kartellen einen Seitenhieb, genau
wie den Gewerkschaften, die er in einen Topf warf.
"Nationalsozialismus und WirtschaW
Ein anderer Redner stellte Funk wegen seiner Äußerungen über die
geben.
Organisation des Außenhandels, in der Herr Funk zu einer gewissen
Mit verbindlicher Begrüßung staatlichen Leflkung kommen möchte. Durch Zwischenrufe von mir ver-
Ihr ganz ergebener
anlaßt, bekannte sich Funk grundsätzlich zu der Privatinitiative der
Reichert
Privatwirtschaft im Außenhandel und zu Selbsthilfemaßnahmen wie
Anlage: z. B. über Kartelle und dgl.
Nationalsozialismus und Wirtschaft Hiergegen trat nun wieder Herr Seldte auf, der das Bedürfnis fühlte,
Am 16. Oktober hat Herr Funk, der wirtschaftliche Berater Adolt die Zwischenrufer abzufertigen und ihnen zu erklären, daß sie offen-
Hitlers, im Herrenclub einen Vortrag gehalten über "Nationalsozialis- bar Sonderinteressen verfolgten.
mus und Wirtschaft". Der Vortrag war eine Enttäuschung. Funk hat Diese Bemerkung rief dann mich auf den Plan. Ich habe dann in
zwar sich als scharfer Gegner des Marxismus bekannt und u. a. den längerer Rede dem Herrn Seldte und Lübbert, sowie Funk erwidert.
Bruch des Tarifwesens und die Erhaltung des Privateigentums ver- Ausgehend von der unbestreitbaren Notwendigkeit des internationalen
langt. Im übrigen meinte er, daß die Hauptaufgabe~ der nationalen Warenaustausches, von dem ein großer Teil unserer Bevölkerung ge-
Opposition im Staate die Sicherung der V~lksernahru~g und. der genwärtig und noch lange leben muß, auch wenn wir autarken Be-
Arbeitsbeschaffung seien. Er gab zu, daß hier namentlich bel der strebungen später zuneigen so!lten, stellte ich die Behauptung auf,
Arbeitsbeschaffung größere Schwierigkeiten zu lösen seien. In der daß eine völlige Einstellung der Außenzahlungen für Tributzwecke
Darstellung der Währungfrage lagen einige Unklarheiten insofern, als und andere wirtschaftliche Kredite, wie es Herr Funk angedeutet hatte,
er einerseits meinte, daß kein Anlaß zu Befürchtungen der Währung ohne vorausgehende Vereinbarungen mit dem Ausland zu einer Er-
wegen beständen ; er wünsche keine Inflation im üblichen Sinn~, son- sch ütterung unserer Ausfuhr führen müsse, denn man werde dann
dern ein Zusammenwirken von infiatorischen und deflatorischen mit der Gefahr rechnen müssen, daß eine Beschlagnahme der im Aus-
Maßnahmen. lande vorhandenen deutschen Werte eintreten könne, von den Ge-
Er betonte dann die Notwendigkeit, die öffentlichen Haushalte In
fah ren anderer, auch militärischer Zwangsmaßnahmen, des Auslandes
Ordnung zu halten, gab aber keinerlei Vorstellungen davon, wie ~an
gegen Deutschland gar nicht zu sprechen.
die drohenden Steuerausfälle und den drohenden Bankrott der SOZial-
versicherung, der auf die öffentlichen Finanzen zurückwirken muß, Alsdann gab Ich ein Bild über die Hauptursachen der Krise unserer
vermeiden wolle. Hier handelt es sich meines Erachtens um Aufgaben Währung. (... )
innerhalb des nächsten Jahres, die Steuerausfälle beim Reich, Län-

221) HAB 335, 5, Nr. 175, Beweis-Dokument NI 8316; vgl.: FALL 5, 8. 8. 0.,
S. 292-294.
61
60
Nr. 3: Schreiben von Otto Stelnbrlnck an Walther Funk Anlage:
vom 11. Dezember 1931 222 ) Einheitliche Willensbildung und Führung.
Der Rücktritt Brünings hat die seit Jahr und Tag schwebende Staats-
Sehr geehrter Herr Funk! krise zum offenen Ausbruch gebracht. Es handelt sich jetzt nicht um
Herr Baron Kurt von Schroeder, der Mitinhaber des Bankhauses J. H. eine ~er üblichen parlamentariSchen Kabinettsneubildungen, sondern
Stein in Köln und Vetter des bekannten Londoner Bankiers, Ist heute um dl~ Wahl einer ~rundsätzlich neuen Richtung der Staatsführung
und morgen in Berlin und hätte sehr gerne Sie kurz gesprochen. Er oder In der Tat, wie das Schlagwort heißt, um einen S y s t e m _
steht seit mehreren Jahren der ganzen Bewegung nahe und hat in- wechsel.
folgedessen besonderes Verständnis dafür gehabt, als ich ihm von Die Gesamtlage, welche das bisherige Kabinett hinterläßt, Ist auf
Ihren neuen Ideen über die Auslandsaufklärung berichtete. Da Herr allen Gebieten fast verzweifelt. Außenpolitisch eine stark verfahrene
Baron von Schroeder selber über sehr weitgehende Auslandsverbin- Situation; die Finanzen fast aller öffentlichen Körperschaften völlig
dungen verfügt und durch die engen freundschaftlichen und verwandt- zerrüttet; die private Wirtschaft jeder Art, Landwirtschaft, Industrie,
schaftlichen Beziehungen mit dem Londoner Welthaus häufig auch mit Handwerk, Handel in einem Ausmaß zerstört, dessen ganze Furchtbar-
fremden Bankiers zusammenkommt, beschäftigt ihn naturgemäß die keit noch nicht entfernt richtig erkannt ist. Wenn jetzt von einer der
Stellungnahme der Partei zur Frage der Auslandsverschuldung. Er bisherigen Regierung nahestehenden Seite behauptet wird, du rch den
würde sehr dankbar sein, wenn Sie trotz Ihrer starken Inanspruch- Sturz Brünings sei die " hoffnungsvolle (I) Linie einer nationalen Auf-
nahme In diesen Tagen (v. I. morgen) einige Minuten für ihn Zeit hät- baupolitik ( !) jäh . unterbrochen " worden, so entspricht diese Behaup-
ten, damit er ein Bild von der maßgebenden Auffassung zu dieser tung dem objektiven Tatbestand nicht. 0 i e zur ü c k g e t re t e n e
Frage durch Sie bekommen kann. Reichsregierung hinterläßt einen Trümmerhau-
Am besten ist, wenn Sie mir telefonisch durch Ihr Büro Ort und Zeit f ~ n , und man kann nur wünschen , daß die neue Reg ierung in ihrem
mitteilen wollten; ich werde dann versuchen, die Verabredung an eigenem Interesse vor Antritt des Amtes in aller Öffentlichkeit gen aue
Herrn von Schroeder, der im Continental-Hotel wohnt, weiterzuleiten. Bilanz aufmacht.
Im übrigen hoffe ich, daß wir Anfang nächster Woche noch einmal Die Wiederherstellung wirtschaftlicher, finanzieller und politischer
zusammenkommen können. Den englischen Informationsdienst habe Ordnung erfordert nicht nur von den künftig verantwortlichen Regie-
ich mit Interesse studiert. ru ngsstellen ungewöhnliche Leistungen, sondern wird auch für alle
Mit den besten Grüßen bin ich Volkskreise schwerste persönliche Opfer, Entsagungen und Entbeh-
Ihr sehr ergebener rungen mit sich bringen.
Steinbrinck Diese Opfer sind nicht vertretbar und psycholog isch nicht erreich-
bar, wenn sie ohne großes Endziel, in sich zwecklos nur das "Weiter-
wurstein " ermöglichen lassen. Sie sind aber zu verantworten, und dank
der ungeheuren moralischen Kraft des deutschen Volkes auch heute
Nr. 4: Schreiben von Hermann von Lünlnck an Staats- noch zu erreichen, wenn sie offenkundig einem großen gemeinsamen
sekretär OHo Melssner vom 3~ Juni 1932 223 ) Ziel dien~n :. die .Wiedergewinnung nationaler Freiheit und künftiger
Lebensmogllchkelt von Volk und Vaterland. Die Größe dieses Zieles
Sehr geehrter Herr Staatssekretärl und die einzigartige Schwere der Aufgaben erfordern v ö I I i g e ein _
In der Anlage übersende ich mit der Bitte um Kenntnisnahme in he i t I ich e Will e n s b I I dun g der zur Staats- und Wirtschafts-
schriftlicher Fixierung die grundsätzlichen Erwägungen, welche mich fü hrung berufenen Kräfte. Nicht auf die kompromißartige Zusammen-
nach reiflicher Überlegung zur Ablehnung der an mich ergangenen fassung verschiedenartiger und sich wechselseitig aufhebender Kräfte
ehrenvollen Aufforderung einer Mitwirkung im neuen Reichskabinett k~~mt es jetzt an, sondern auf die Kraftentfaltung aus einem in sich
veranlaßt haben. voilig geschlossenen einheitlichen Willenskern zur Verantwortung und
zu r Bereitschaft.
Mit dem Ausdruck vorzüglicher Hochachtung verbleibe ich Diese einheitliche Willenshaltung ist Im Volke erheblich weiter
Ihr sehr ergebener vorangeschritten als in vielen Parlamenten, insbesondere dem stark
Freiherr von Lüninck ü~eralterten Reichstag. Ein heute zu wählender Reichstag würde für
diese notwendige einheitliche Willensbildung und damit für Staats-
222) HAB 335, 5, Nr. 1n, Beweis-Dokument NI 3218; vgl.: FALL 5, 8. 8. 0 .,
S . 294-295. und Wirtschaftsführung bereits bessere Vorbedingungen schaffen als
223) DZAP BdR Nr. 47, BI. 51-54. sie der jetzige Reichstag bietet. '

62 63
Darum ist die sofortige Neuwahl des ReIchs- Nr. 6: Schreiben von Wllhelm Keppler an Kurt von
tag e s vor d r I n g I Ich s t e pol i t i s c h e Auf gab e.
Schroeder vom 13. November 1932 225)
Die Führung der Regierungsgeschäfte bis zur Reichstagsneuwahl
und während des Wahlkampfes müßte bereits ganz auf dieses Ziel
einheitl icher Willensbildung eingestellt sein. Darum wäre m. E. nicht Sehr verehrter Herr Schroeder:
die Berufung eines verhältnismäßig ungebundenen Arbeitskabinetts Die letzten Tage waren für mich so besetzt, daß ich leider nicht dazu
sog. Fachleute die zweckmäßigste Lösung der Krisis gewesen , son- kam, Ihnen wie beabsichtigt zu berichten.
dern die Bildung einer National-Regierung von ausgeprägt und be- Herr Hecker konnte von seinem Urlaub bei Herrn von P(apen) uns
tont politischem Charakter, welche dann sofort den Reichstag auf- berichten, daß dort der gute Wille vorliege, sich auf eine Regierung
lösen, bewußt und gewollt den Kampf gegen die Notverordnungs- unter der Kanzlerschaft Hi(tlers) zu einigen . Herr H(ecker) machte dem
mehrheit des bisherigen Reichstages aufnehmen und eine eindeutige Kanzler auch Mitteilung von dem beabsichtigten Brief, und er gab
Mehrheit für eine zielklare Politik geistig-sittlicher Gesundung nach Ratschläge, wie man hierbei am besten vorgehe. Andererseits wurde
christlichen, nationalen und sozialen Grundsätzen erkämpfen müßte. wiederum darauf aufmerksam gemacht, wie schwer es sein würde, dem
Daß in diesem Kampf und deshalb in dieser Regierung jener Gruppe bestehenden Widerstand an der bekannten Stelle zu begegnen.
der nationalen Front die Führung gebührte, die durch ihre Opfer,
Freitag (11. 11. 32) fand alsdann eine eingehende Aussprache statt,
ihre Tatkraft und schließlich auch ihre zahlenmäßigen Erfolge eine
wobei Herr Hecker, Dr. Schacht und Herr Himmler aus München, der
überragende Bedeutung errungen hat, das wird auch der zubilligen,
auch bei den früheren Verhandlungen wegen Regierungsbildung be-
der gegenüber manchen Einzelplänen dieser Bewegung sachliche Be- teiligt war, teilnahmen. Herr Hecker legte Herrn v(on) P(apen) nahe,
denken hegt. im Kabinett zu bleiben, um dadurch eine gewisse Beruhigung für den
alten Herren zu schaffen. Herr Himmler war der Anschauung, daß alle
vorgesehenen Maßnahmen auch den Ideen des Führers entsprechen
Nr. 5: Schreiben von HJalmar Schacht an Adolf Hitler würden, und man vertrat den Standpunkt, möglichst offen und ehrlich
die ganzen Verhandlungen zu führen. Herr Himmler wird heute Herrn
vom 12. November 1932 224)
Hi(tler) berichten. Wir hoffen, daß alsdann gewisse weitere Verhand-
lungen in Gang kommen, wenn auch bei Herrn Hi(tler) der Wille zu
Sehr verehrter Herr Hitler, einer derartigen Einigung besteht.
erlauben Sie mir, daß ich Ihnen zu der festen Haltung, die Sie unmittel- Es herrscht die Anschauung, daß die beste Wirkung bei dem alten
bar nach den Wahlen eingenommen haben, meine besonderen Glück- Herrn zu erwarten sei, wenn sich Herr v(on) P(apen) selbst möglichst
wünsche ausspreche. Es unterliegt für mich gar keinem Zweifel, daß ernst für eine derartige Lösung einsetze. Mit den anderen Parteien
die Entwicklung der Dinge nur das eine Ende haben kann, und das soll vorerst nicht verhandelt werden. Sollten sie nicht bereit sein mit-
Ist Ihre Kanzlerschaft. Es scheint, als ob unser Versuch, eine Reihe zum achen, um eine Lösung auf verfassungsmäßigem Wege zu ermög-
von Unterschriften aus der Wirtschaft dafür zu bekommen , doch nicht lichen, so denkt man an Neuwahlen unter der Parole : Hindenburg
ganz umsonst ist, wenn ich auch glaube, daß die Schwerindustrie und Hitler; an dem Erfolg einer derartigen Wahl ist nicht zu zweifeln.
kaum mitmachen wird, aber sie trägt ihren Namen .. Schwerindustrie" Ich sprach gestern nochmals mit Herrn Hecker, und er versicherte
mit Recht von ihrer Schwerfälligkeit. nochmals, daß er der festen Überzeugung sei, daß Herr v(on) P(apen)
Ich hoffe, daß in den nächsten Tagen und Wochen die kleinen an einer derartigen Lösung festhalten werde; er wies aber nochmals
Unebenheiten, die bei der Propaganda notwendigerweise mit unter- auf die eine große Schwierigkeit hin. Die wirtschaftlichen Richtlinien,
laufen, nicht so stark sein werden, daß sie den Gegnern berechtigte über deren Abfassung wir bei der Besprechung letzten Dienstag spra-
Gelegenheit zur' Entrüstung geben. Je stärker Ihre Position innerlich chen, und gewisse politische Richtlinien sollen die Grundlage für die
Ist, um so vornehmer kann die Form des Kampfes sein. Je mehr sich Verhandlungen bilden.
die Sache in Ihrem Sinne entscheidet, um so mehr können Sie persön- Bei dieser Sachlage müssen wir besonders darauf Wert legen, den
liche Kampfesweise entbehren. bewußten Brief möglichst wirkungsvoll zu gestalten. Da Herr von
Ich bin von Zuversicht erfüllt, weil das ganze gegenwärtige System P(apen) über diesen Schritt orientiert ist/ es soll ihm vor Übersendung
sich mit Sicherheit tot läuft. noch in offizieller Form Mitteilung gemacht werden/ und ihn zur Ver-
Mit deutschem Gruß wirklichung der Absichten begrüßt, werden die Bedenken gegen Unter-
Ihr sehr ergebener
Dr. Hjalmar Schacht
225) NAUSA, Mlcrofllmcopy T 83/101, Archiv des Bankhauses J . H. Stein, Köln,
Geheimakte mit dem Briefwechsel Kurt von Schroeders mit Wllhelm Keppler (1932
ZIA) IMT Bd. XXXVI, NOrnberg 1948, .S. 535, Beweis-Dokument EC 456 (US 773). bis 1934), Negativ-Nr. 3476741-3476742, Nürnberger Beweis-Do kument NI 209.

64 65
zeichnung in vielen Kreisen fortfallen. Die Absendung soll erst in etwa Anlage :
8 Tagen erfolgen. Abschrift
Wir konnten weiterhin feststellen, daß die Berliner Börsenzeitung,
die DAZ und die Hamburger Nachrichten für eine Kanzlerschaft Hi(tlers) Fritz Thyssen Düsseldorf, den 11. 11. 1932
eintreten werden, so daß auch eine entsprechende Resonanz da sein Stahlhof
wird. Sehr verehrter Herr Schlenker,
Nachdem ich gestern mit Ihnen wegen Herrn Cu no gesprochen hatte,
im Besitz Ihrer sehr geschätzten Zeilen von gestern bedaure Ich,
kam ein Anruf von Herrn Krogmann; er teilte mit, daß Dr. Kiep mit
Ihnen mitteilen zu müssen, daß ich in dem von Ihnen gewünschten
Herrn Cuno gesprochen habe und daß letzterer Bedenken habe. Sub-
Sinne nicht tätig sein kann.
ventionierter Betriebl Die Hamburger Herren waren über obige Sach-
lage noch nicht orientiert, und ich hoffe, daß die Kenntnis der Vor- Der Nationalsozialismus kennt nur einen Führer, dessen Gedanken-
gänge zu einer anderen Stellungnahme führt. gut das Fundament der Bewegung darstellt und der allein berufen ist,
Ich bin überzeugt, daß die bisherigen Verhandlungen auch Ihren über alle Kompromisse und Hindernisse hinweg Deutschland die
Anschauungen entsprechen werden, und bitte Sie, uns auch weiterhin Staatsform zu geben, die nach menschlichem Ermessen allein im-
zwecks Erreichung des Zieles unterstützen zu wollen. stande ist, dem Umsturz und der Vernichtung der europäischen Zivili-
sation die Stirn zu bieten.
Der Winterbeginn ist ein wenig geeigneter Zeitpunkt zur Übernahme
der Regierungsführung; eine nochmalige Zwischenlösung, die sicher Täuschen wir uns darüber nicht, die Ereignisse sind zu weit voran-
mit einem Fiasko enden würde, würde eine weitere Stärkung der Posi- gesch ritten, als ob es noch Möglichkeiten für Kompromisse grund-
tion Hi(tlers) bedeuten. Herr Himmler berichtet mir, daß der Führer sätzlicher Art gäbe. Das wahre Gedankengut des Nationalsozialismus
trotzdem sich verpflichtet fühle, ev(tl) schon jetzt die Verantwortung in die Tat umzusetzen, vermag nur Adolf Hitler. Der letzte Wahlkampf
zu übernehmen, um einen weiteren Verfall der Wirtschaft zu vermei- hat bewiesen, welchen Gefahren eine von so hochidealen Motiven
den. Ich darf wohl annehmen, daß auch die Kräfte der Wirtschaft sich getragene Bewegung ausgesetzt ist, wenn die Erörterung der Ziele
zur Erreichung des Zieles einsetzen. Gemeingut einer großen Masse wird. Es ist meiner Ansicht nach ganz
Mit besten Grüßen, unverantwortl ich, daß man eine solche Bewegung solchen Gefähr-
Ihr aufrichtig ergebener nissen aussetzt, die dadurch nur, wie es bei der Reformation geschah,
Keppler aus ihrem geraden, eindeutigen Wege herausgedrängt werden kann.
Einigt man sich auf Hitler als Kanzler - eine andere Lösung würde
für seine Anhänger untragbar sein - so glaube ich, rein persönlich ge-
sprochen , daß man sich über die Ziele seiner Politik, wobei meiner An-
Nr. 7: Schreiben von Max Schlenker an Franz Bracht vom sicht nach nur die wirtschaftliche Seite einige Schwierigkeiten bietet,
15. November 1932 226 ) einigen könnte. Hier handelt es sich darum, zu entscheiden, daß Arbeit
und nicht Kapital das Primäre ist und daß das mobile Kapital sich ge-
Sehr verehrter Herr Dr. Bracht! nau so dem Allgemeinwohl unterzuordnen hat, wie das z. B. für den
Preis von Brot gilt.
Im Anschluß an unsere Aussprache, für die ich Ihnen nochmals herz-
lichen Dank sagen möchte, habe ich mich sofort bemüht, im Sinne der Ich würde es tief beklagen, wenn trotz des Wetterleuchtens - Genf -
Überlegungen zu wirken, die sich bei unserer Unterhaltung heraus- wieder viel Zeit verloren würde. Außenpolitisch würde ich es als ganz
schälten. Selbstverständlich habe ich nach keiner Richtung auf meinen verhängnisvoll ansehen, wo alles auf dem besten Wege zu sein scheint,
Besuch bei den Berliner Stellen bezug genommen. Von Herrn Thyssen um Deutschland von neuem einzukreisen.
erhielt ich das aus der anliegenden Abschrift ersichtliche Schreiben.
Mit den besten Grüßen
Ich bin überzeugt, daß die Überlegungen, die Herr Thyssen anstellt,
Ihr
für Sie nicht ohne Wert sind.
Fritz Thyssen
Mit verbindlicher Begrüßung
Ihr sehr ergebener
Schlenker

226) DZAP NL Bracht 2, BI. 129-130.

66 67
Nr.8: Handschriftliche Liste des Keppler-Krelses von In- Obwohl ich, wie gestern bereits bemerkt, dem Grundgedanken die-
dustriellen, Bankiers und Großagrariern, die für die Unter- ser Eingabe zustimme und meinerseits bereits vor Monaten bei Bil-
dung des Kabinetts Papen dem Herrn Reichspräsidenten mündlich
zeichnung der Eingabe an den Reichspräsidenten vor-
und schriftlich zum Ausdruck gebracht habe, daß m. E. die Übertragung
gesehan waren 227) der Kabinettsführung an die nationalsozialistische Bewegung im In-
teresse einer gesunden wirtschaftlichen und nationalen Entwicklung
Erste Namensliste: unbedingt notwendig sei, bitte ich doch bei Übergabe der von Ihnen
x Krogmann x Thyssen Sch geplanten Eingabe von meiner Mitunterschrift gütigst Abstand nehmen
x Helfferich x Vögler ? x zu wollen.
x Schacht x Haniel ? x Sch Mit vorzüglicher Hochachtung
x Reinhart Rob. Bosch ? K verbleibe ich
x Schroeder x Fink ? B Ihr sehr ergebener
x Hecker Kalckreuth B Freiherr von Lüninck
x Rosterg von Lüninck x
x R. Siomann H von Oppen K
x Witthoeft H x Eichborn B
x Cuno
Nr. 10: Eingabe von Industriellen, Bankiers und GroB-
H x Merck H
x Kiep H x Lübbert B agrariern an Reichspräsident von HIndenburg vom Novem- ;/
x Albert Hecker von Keudell B ber 1932 229 )
x Silverberg ? x Ullrich R
x Tischbein ? k Rabbethge Ew. Exzellenz, November 1932
Jaenicke k Wenzel Hochzuverehrender Herr Reichspräsident!
x Reusch ? Sch x Krupp
x Schmitt ? B Brandes Gleich Eurer Exzellenz durchdrungen von heißer Liebe zum deut-
schen Volk und Vaterland, haben die Unterzeichneten die grundsätz-
Zwei weitere Listen enthalten außerdem folgende Namen : liche Wandlung, die Eure Exzellenz in der Führung der Staatsgeschäfte
angebahnt haben, mit Hoffnung begrüßt. Mit Eurer Exzellenz bejahen
Kurt Woermann Springorum wir die Notwendigkeit einer vom parlamentarischen Parteiwesen unab-
Keyserlingk x Beindorff hängigen Regierung, wie sie in den von Eurer Exzellenz formulierten
Siemens Ventzky Gedanken eines Präsidialkabinetts zum Ausdruck kommt. Der Aus-
gang der Reichstagswahl vom 6. November d. J. hat gezeigt, daß das
(Anmerkung zu den Initialen: Das "x" bedeutet offenbar, daß die derzeitige Kabinett, dessen aufrechten Willen niemand im deutschen
Eingabe übergeben wurde, während die Buchstaben wahrscheinlich Volk bezweifelt, für den von ihm eingeschlagenen Weg keine aus-
den Überbringer bezeichnen. Diese Listen sind vermutlich nicht voll- reichende Stütze im deutschen Volk gefunden hat, daß aber das von
ständig, geben aber einen interessanten Einblick, wer unterzeichnen Eurer Exzellenz gezeigte Ziel eine volle Mehrheit im deutschen Volk
sollte. D. Verf.) besitzt, wenn man - wie es geschehen muß - von der staatsvernei-
nenden Kommunistischen Partei absieht. Gegen das bisherige parla-
mentarische Parteiregime sind nicht nur die Deutschnationale Volks-
Nr.9: Schreiben von Hermann von Lüninck an Kurt von partei und die ihr nahestehenden kleinen Gruppen, sondern auch die
Schroeder vom 15. November 1932 228 )
229) NAUSA T 83/101, Negativ-Nr. 3476745-3476746; dieses Exemplar wurde als
Sehr verehrter Herr von Schroederl Beweis-Dokument PS 3901 im Nürnberger Prozeß verwandt; vgl. : IMT Bd . XXXIII
S. 531 ff. Abdruck bel : MelssnerlWilde a. a. 0., S. 153; die unterzeichneten Ori-
ginaleingaben befinden sich im DZAP BdR Nr. 47, BI. 261-299 und BI. 303-304 ;
Ich nehme Bezug auf die gestrige mündliche Rücksprache und den erstmalig publiziert von Albert Schreiner, Die Eingabe deutscher FInanzmagnaten ,
mir übergebenen Entwurf einer Eingabe an den Herrn Reichspräsi- Monopolisten und Junker für die Berufung Hitlers zum Reichskanzler (November
denten. 1932) in: ZfG Heft 2/1956, S. 366-369; vgl. ferner: Bracher 8. a. 0 ., S. 668-669.
Th . Vogelsang 8.a.0 ., S. 320-321; publiziert auch In : Hitler und die Industrie,
Köln 1963. Zur gleichen Zeit telegrafierte Carl-Eduard, der Herzog von Sachsen-
227) NAUSA T 83/101, Negativ-Nr. 3476747-3476353; es liegen drei verschiedene Coburg-Gotha, an Hitler: ....Stehe bei etwa auftauchenden Schwierigkeiten oder
handschriftliche Entwürfe vor, von denen hier der umfangreichste veröffent- falls es Ihnen persönlich zweckmäßig ersche int zu jeder Vermittlertätigkeit zwecks
licht wird . Förderung Ihrer Absichten uneingeschränkt zur Verfügung. · HAB, Rep. 320 (Preu-
228) NAUSA T 83/101, Negativ-Nr. 3476754; vgl. : Dokument Nr. 4. ßisches Ministerium des Innern) Nr. 330, BI. 311.

68 69
Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei grundsätzlich einge- Rudolf Ventzky, Eßlingen (Württemberg)
stellt und haben damit das Ziel Eurer Exzellenz bejaht. Wir halten Franz Heinrich Witthoefft, Hamburg
dieses Ergebnis für außerordentlich erfreulich und können uns nicht August Rosterg, Berlin
vorstellen, daß die Verwirklichung dieses Zieles nunmehr an der Bei- Robert Graf von Keyserlingk, Cammerau
behaltung einer unwirksamen Methode scheitern sollte. von Rohr-Manze
Es ist klar, daß eine des öfteren wiederholte Reichstagsauflösung Engelbert Beckmann, Hengstey
mit sich häufenden, den Partei kampf immer mehr zuspitzenden Neu-
wahlen nicht nur einer politischen, sondern auch jeder wirtschaftlichen
Beruhigung und Festigung entgegenwirken muß. Es ist aber auch klar,
daß jede Verfassungsänderung, die nicht von breitester VOlksströmung Nr. 11: Schreiben des Staatssekretärs Otto Meissner an
getragen ist, noch schlimmere wirtschaftliche, politische und seelische Friedrich Reinhart vom 19. November 1932 23°)
Wirkungen auslösen wird.
Wir erachten es deshalb für unsere Gewissenspfl icht, Eure Exzel-
Sehr geehrter Herr Reinhart!
lenz ehrerbietigst zu bitten, daß zur Erreichung des von uns allen
unterstützten Zieles Eurer Exzellenz die Umgestaltung des Reichs- Die mir heute Vormittag von Ihnen überreichte Kundgebung von
kabinetts in einer Weise erfolgen möge, die die größtmögliche Volks- Vertretern der deutschen Wirtschaft habe ich dem Herrn Reichspräsi-
kraft hinter das Kabinett bringt. . denten vorgelegt. Der Herr Reichspräsident hat von ihr Kenntnis ge-
Wir bekennen uns frei von jeder engen parteipolitischen Einstellung. nommen und mich beauftragt, Ihnen den Empfang ergebenst zu be-
Wir erkennen in der nationalen Bewegung, die durch unser Volk geht, stätigen.
den verheißungsvollen Beginn einer Zeit, die durch Überwindung des Mit dem Ausdruck vorzüglichster Hochachtung bin ich
Klassengegensatzes die unerläßliche Grundlage für einen Wieder-
Ihr ergebener
aufstieg der deutschen Wirtschaft erst schafft. Wir wissen, daß dieser
Dr. Meissner
Aufstieg noch viele Opfer erfordert. Wir glauben, daß diese Opfer nur
dann willig gebracht werden können , wenn die größte Gruppe dieser
nationalen Bewegung führend an der Regierung beteiligt wird.
Die Übertragung der verantwortlichen Leitung eines mit den besten Nr. 12: Schreiben von Friedrich Reinhart an den Staats-
sachlichen und persönlichen Kräften ausgestatteten Präsidialkabinetts sekretär Otto Meissner vom 21. November 1932 231 )
an den Führer der größten nationalen Gruppe wird die Schwächen und
Fehler, die jeder Massenbewegung notgedrungen anhaften , ausmer-
Sehr geehrter Herr Staatssekretär!
zen und Millionen Menschen, die heute abseits stehen, zu bejahender
Kraft mitreißen . Unter der Eingabe an den Herrn Reichspräsidenten, die ich Ihnen
In vollem Vertrauen zu Eurer Exzellenz Weisheit und Eurer Exzellenz am Sonnabend vormittag überreichte, stand auch die Unterschrift des
Gefühl der Volksverbundenheit begrüßen wir Eure Exzellenz General-Direktors Rosterg, die Originaleingabe dieses Herrn füge ich
hier bei.
mit größter Ehrerbietung
Weiter füge ich noch die unterschriebenen Eingaben folgender
Dr. Hj alm ar Schacht, Berlin Herren bei:
Kurt Freiherr von Schroeder, Köln Graf von Keyserlingk-Cammerau
Fritz Thyssen, Mülheim von Rohr-Manze
Eberhard Graf von Kalckreuth , Berlin Fritz Thyssen, Mülheim
Friedrich Reinhart, Berlin Der Präsident des Westfälischen Landbundes, Herr Engelbert Beck-
Kurt Woermann, Hamburg mann in Hengstey, hat sich ebenfalls zur Unterschrift bereit erklärt,
Fritz Beindorff, Hamburg die unterschriebene Eingabe wird nachfolgen.
Kurt von Eichborn, Breslau Ich habe ferner den Auftrag, Ihnen, Herr Staatssekretär, namens
Emil Helfferich, Hamburg der Herren
Ewald Hecker, Hannover Dr. Albert Vögler, Dortmund
Carl Vincent Krogmann Commerzienrat Dr. Paul Reusch, Oberhausen
Dr. Erwin Lübbert, Berlin Dr. Fritz Springorum, Dortmund
Erwin Merck, Hamburg
Joachim von Oppen, Dannenwalde 2301 DZAP BdR Nr. 47, BI. 258.
231 DZAP BdR Nr. 47, BI. 291.

70 71
zur Weitergabe an den Herrn Reichspräsidenten mitzuteilen, daß diese Nr. 15: Schreiben von Bruno Llndner an den Staatssekretär
Herrn grundsätzlich voll und ganz auf dem Boden der Eingabe stehen, Otto Melssner vom 25. November 1932 234 )
aber nicht zu unterzeichnen wünschen, da sie politisch nicht hervor-
treten wollen. Das Originalschreiben des Herrn Vögler mit entsprechen- Sehr geehrter Herr Staatssekretär Meissner!
dem Inhalt werde ich morgen vorlegen können.
Lediglich in Sorge um unser Vaterland vernehme ich mit tiefstem
Mit dem Ausdruck vorzüglicher Hochachtung bin Ich Ihr ergebenster Bedauern, daß Sie die Nationalsozialisten um die Führung wieder
Friedrich Reinhart haben abfallen lassen.
Ich bin nicht Nationalsozialist, aber nach den wirklich ernst zu neh-
menden Bemühungen von dieser Seite ist es entschieden ein schwerer
Fehler, dem Volkswillen eine derartige Absage zu geben. Nicht um der
Nr.13: Schreiben von AlbertVögler an Kurt von Schroeder Partei willen, sondern wegen der unendlich großen Not, in der weite
vom 21. November 1932 232 ) Volkssch ichten leben, ist es eine dringende Notwendigkeit, den Natio-
nalsozialisten heute zur Macht zu verhelfen, ehe es zu spät ist; denn
die Fratze des Kommunismus pocht schon gar energisch an die Tür.
Sehr verehrter Herr von Schroeder,
Ist es nicht schon zu spät, dann bitte sehr, geehrter Herr Staats-
Es war nicht möglich, die genannten Herrn des Westens zu ihrer sekretär, machen Sie Ihren hohen Einfluß geltend. Sie werden den
Unterschrift unter das bekannte Schreiben zu veranlassen. Dank weiter Schichten des Volkes und insbesondere der Zukunft
Sowohl der Herr Reusch wie Herr Springorum haben mir aber ge- haben.
sagt, daß sie an und für sich die in dem Schreiben niedergelegte Auf- Mit größter Hochachtung
fassung teilen und nur darin eine wirkliche Lösung der jetzigen Krise Bruno Lindner
sehen.
Wenn trotzdem die Eingabe nicht unterschrieben wurde, so lag es
in der Hauptsache daran, daß die Herrn überhaupt von jeder politi- Nr. 16: Information von Dr. Scholz an Franz Bracht vom
schen Stellungnahme sich fernhalten wollen. Hinzukommt, daß man 26. November 1932 235) (Auszug)
die Gegensätze gerade in unserem Revier, die die frühere einheitliche
Haltung und damit auch den Einfluß stark geschwächt haben, nicht Vertraulich!
noch weiter verschärfen will. Ich habe Ihnen ja zu diesem Thema
schon mündlich entsprechende Aufklärung gegeben. Die Tagung des Langnamvereins in Düsseldorf, die wohl ursprüng-
lich im Rahmen des Papen-Programms und zur Stützung vorgesehen
Mit freundlicher Begrüßung war, ergab anläßlich der zwanglosen Unterhaltung die überraschende
Ihr sehr ergebener Tatsache, daß fast die gesamte Industrie die Berufung Hitlers, gleich-
Vögler gültig unter welchen Umständen, wünscht. Während man noch vor
wenigen Wochen Papen zugejubelt hat, ist man heute der Auffassung ,
daß es der größte Fehler sei, wenn Hitler, auch unter Vorbringung
ernsthafter Gründe, nicht mit der Regierungsbildung beauftragt würde.
Nr. 14: Schreiben des Staatssekretärs Otto Meissner an (. ..) Scholz
Frledrlch Reinhart vom 22. November 1932 233 )

Sehr geehrter Herr Reinhart! Nr. 17: Schreiben von Wilhelm Keppler an Kurt von
Ich bestätige Ihnen ergebenst den Empfang Ihres Schreibens vom Schroeder vom 28. November 1932 236)
21 . d. M. Ich habe dem Herrn Reichspräsidenten von dieser Ihrer Mit-
teilung und den Anlagen beim heutigen Vortrag Kenntnis gegeben. Sehr verehrter Baron Schroeder,

Mit dem Ausdruck vorzüglichster Hochachtung bin ich Leider komme ich erst heute dazu, Ihnen für Ihre zahlreichen Be-
Ihr ergebenster mühungen anläßlich der jüngsten politischen Verhandlungen ausdrück-
Dr. Meissner
1
234 DZAP BdR Nr. 47, BI. 460.
235 DZAP NL Bracht 2, BI. 169.
232) NAUSA T 83/101, Negativ-Nr. 3476 7ST ; das Originalschreiben befindet sich 236 NAUSA T 83/101 , Negativ-Nr. 3476760-3476761, Nürnberger Beweis-Doku-
im DZAP BdR Nr. 47, BI. 302. ment Nr. 211 .
233) DZAP BdR Nr. 47, BI. 300.

72 73
lich zu danken. Unser Führer hatte von vornherein den Eindruck, daß haben, Herrn v. Papen zu sprechen, um damit wirklich eine Klärung
diese Verhandlungen nicht ernst gemeint seien, und die ganze Ent- der Lage herbeizuführen. Dies ist Ihnen offensichtlich gelungen. Ich
wicklung hat ihm recht gegeben. Eigenartigerweise wird aber das bin froh , daß im November keine Beauftragung unseres Führers statt-
ursprüngliche Ziel, die Wiedereinsetzung der Regierung Papen, nicht fand, denn die damals notwendige übernahme des Herrn v(on)
zur Ausführung kommen können, da einem großen Teil der Minister Schl(eicher) in das Kabinett hätte sicher keine guten Früchte getra-
die Lust zur weiteren übernahme der Regierung vergangen ist. Beson- gen. Der Wunsch, eine Rücksprache zwischen P(apen) und H(it/er)
ders ernsthaft soll dieses Bedenken von seiten des Herrn Schwerin- herbeizuführen, erscheint auch mir bei der gegebenen Sachlage äußerst
Krosigk geäußert worden sein, der nicht weiß, wie er mit seinen Finan- wichtig. Es wäre einerseits sehr zu begrüßen, wenn hierdurch eine volle
zen über den Winter kommen soll. Alsdann werden Warmbold, Schaef- Aufklärung der Vorgänge der letzten Wochen stattfinden würde und
fer und v. Braun genannt, und zum Schluß hat sogar Herr v. Papen man andererseits die Frage des künftigen Vorgehens erörtern würde.
eingesehen, daß er sich von einer weiteren Regierungstätigkeit nichts Zumal Herr von Papen sicher am besten beurteilen kann, wie heute
versprechen kann. Die Stimmung in der Wilhelmstraße soll daher ziem- die Stimmung beim alten Herrn ist und wie man am besten den bis-
lich verzweifelt sein, und es ist ein Glück, daß wohl niemand mehr mit her dort liegenden Widerstand überwinden kann. Man hört Im Volke
einer Lösung rechnet, die Bestand haben wird . viel, daß die Lösung nur durch den Rücktritt des alten Herrn erreicht
Insbesondere danke ich Ihnen für Ihre Bemühungen bei den Herrn werden könnte. Ich stehe aber auf dem Standpunkt, daß man dies
des Ruhrladens. Der Brief des Herrn Dr. Vögler ist noch rechtzeitig unbedingt vermeiden solle, wenn das Ziel auf anderen Wegen ver-
eingetroffen und Herrn Staatssekretär Meissner übermittelt worden. nünftig zu erreichen ist. Hierüber muß Herr v(on) P(apen) am besten
Anbei gebe ich Ihnen die Abschrift dieses Schreibens. urteilen können. Desweiteren würde uns eine derartige Rücksprache
Durch Zufall erfuhr ich, daß der Rheinisch-Westfälische Wirtschafts- sicher Material liefern können, das in dem bevorstehenden Kampf ver-
dienst in lebhaftester Weise gegen unsere Bewegung arbeitet. Diese wertbar ist.
Herren sollen soweit gehen, daß sie im Braunen Haus spionieren las-
sen und die gefärbtesten Berichte an die Reichskanzlei und ähnliche Ich hatte gestern Besuch des Herrn Himmler, den Ich orientierte,
Stellen, die sie haben wollen, weitergeben . Ich wäre Ihnen dankbar, und gab ihm ein Schreiben an den Führer mit *: Herr Himmler wird
wenn Sie mir Nachricht geben könnten , um was für eine Einrichtung sich auch dafür einsetzen, daß diese Besprechung zustande kommt.
es sich hier handelt und welche Kreise dahinter stecken. Das richtige Falls Sie in Ihrem Hause in Köln sein sollten, was sicher angebracht
wäre natürlich, wenn man diesen Herrn das Handwerk legen könnte. wäre, müßte man den Zeitpunkt so wählen, daß der Führer bei Dunkel-
Ich bemerke mir gern, daß Sie im Laufe dieser Woche wieder in heit dort an- und abfahren könnte. Man müßte eine genaue BeschreI-
Berlin sein werden, und freue mich, Sie alsdann zu sprechen . Freitag bung des Weges zu Ihrer Wohnung nach München übermitteln, denn
werde ich den ganzen Tag abwesend sein, Mittwoch erwarte ich den es ist unbedingt notwendig, daß von diesem Zusammentreffen nichts
Besuch von Herrn Bejem aus Amsterdam, der wegen der Auslands- nach außen bekannt wird. Darf ich Sie um Auskunft bitten, wann Herr
schulden mich sprechen will. Ich zögerte anfangs, dies zu tun, v(on) Papen auf seinem Gut im Westen Wohnung nehmen wird. Letzten
Dr. Schacht gab mir aber den Rat, den Herrn ruhig anzuhören. Freitag •• war ich noch etwas mit Dr. Schacht allein zusammen, wobeI
er auch mir erklärte, daß er meine Anschauungen betr. der Person
Mit verbindlichen Grüßen Schl(eichers) voll und ganz teile. Im Gegensatz zu Dr. Schacht glaube
Ihr aufrichtig ergebener ich, insbesondere nach dem, was ich von Dr. Luther hörte, daß der
Keppler .. Regierung eine Belebung der Wirtschaft erst im Frühjahr gelingen wird.
Aber selbst diese Belebung wird keine wirklich gesunde sein, da sie
nur auf den hineingepumpten Geldbeträgen und nicht auf Behebung
der Vertrauenskrise basiert. Es wäre sicher am besten, wenn in den
Nr. 18: Schreiben von Wilhelm Keppler an Kurt von ersten Monaten des kommenden Jahres der Regierungswechsel er-
Schroeder vom 19. Dezember 1932 237) reicht werden könnte, und zwar möglichst ohne vorhergehende Neu-
wahl des Reichstages. Es ist die große Frage, ob der alte Herr sich
entschließen wird, bei einem entsprechenden Mißtrauensvotum für die
Sehr verehrter Baron Schroeder, Regierung sofort zu einer neuen Regierungsbildung zu schreiten, statt
Haben Sie verbindlichsten Dank für Ihren gestrigen Anruf. Ich be-
grüße es außerordentlich, daß Sie die Gelegenheit wahrgenommen
• Das Schreiben von Wilhelm Keppler an Adolt Hitler vom 16. 12. 1932 (entnom-
men dem Film NAUSA T 81 /1 NSDAP-Kanzlei von Adolt Hitler) ist publiziert bel
• Ein . Postscrlptum-Vermerk" wurde hier ausgelassen, weil er für den vor- Th. Vogelsang a. a. 0 ., S. 485-486.
liegenden Zusammenhang kein historisches Interesse aufweisen kann. •• Gemeint ist Freitag , der 16. Dezember 1932, an dem Papen seinen bekann-
237) NAUSA T 83/101, Negativ-Nr. 3476 nO-3 476 n2. ten Vortrag im Herrenclub hielt.

74 75
nochmals Neuwahlen unter der jetzigen Regierung vorzunehmen . Es ich hoffe, daß es Ihrer Geschicklichkeit gelingt, bei der Besprechung
müssen alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, um den alten Herrn die letzten Hemmnisse zu beseitigen.
alsdann zu der einzig richtigen Maßnahme zu veranlassen , und wenn
In Erwartung Ihrer Rückantwort verbleibe ich mit den besten Grüßen
eine Neuwahl des Reichstages trotzdem erforderlich sein sollte, wäre
Ihr stets ergebener
der Wahlausfall unter einem Kanzler HiUer wesentlich anders als unte r
Keppler
einem Kanzler Schleicher. Herr von Papen könnte höchste Verdi enste
um das deutsche Volk sich erringen, wenn es ihm gelingen wü rde,
eine derartige Lösung bei dem alten Herrn zu erreichen.
HiUer selbst ist erst kommenden Mittwoch zu einer vernünftigen Nf. 20: Schreiben von Wilhelm Keppler an Kurt von
Aussprache erreichbar, da er in diesen Tagen' dauernd auf Reisen ist, Schroeder vom 2. Januar 1933 239 )
so daß ich Ihnen frühestens in der zweiten Hälfte der Woche ent-
sprechende Nachricht werde geben können.
Ihr aufrichtig ergebener Sehr verehrter Baron Schroeder!
W. Keppler Besten Dank für Ihr Schreiben vom 29. 12., aus dem ich entnahm,
daß Herr v(on) P(apen) bereits am 3. abends bel Ihnen eintreffen wird.
H(itler) wird am 3. 1. in Detmold sprechen und Sie können damit
rechnen, daß der ursprünglich genannte Zeitpunkt für sein Entreffen
Nr. 19: Schreiben von Wllhelm Keppler an Kurt von bei Ihnen, 4. Janul;lr vorm. 10- 11211 Uhr, beibehalten wird; andernfalls
Schroeder vom 26. Dezember 1932 238 ) erhalten Sie b es tim m t Nachricht. Herr Himmler, den Sie in Berlin
kennen lernten, wird den Führer nach dort begleiten. Ich werde ihm
Sehr verehrter Baron Schroeder! Ihre Telefonnummer aufgeben, daß er nötigenfalls Sie anrufen wird.
Vorgestern abend erhielt ich die Meldung, daß der F(ührer) es er- Indem ich Ihre Neujahrswünsche bestens erwidere, verbleibe ich
möglichen könne, am 4. 1. vormittags zwischen 10 und 1121 1 Uhr bei Ihr stets ergebener
Ihnen einzutreffen, und ich bitte Sie, festzustellen , ob dieser Zeitpun kt Keppler
genehm ist. Desweiteren bitte ich Sie, mir zur Weitergabe einen Köl-
ner Stadtplan zu senden, auf dem Ihr Wohnhaus eingezeichnet ist, da- (PS) Soeben habe ich Anruf von M(ünchen); es bleibt alles wie
mit die Zufahrt keine Schwierigkeiten macht. vereinbart. Der Führer läßt mir mitteilen, daß er sich freuen würde,
Ich hoffe, daß die Besprechung zu einer weitgehenden Aufklärung mich dort zu sehen. Ich werde daher vielleicht auch nach dort kom-
der politischen Geschehnisse der letzten Monate führen wird ; ich ver- men und mich nach Eintreffen des F. D. im Laufe des Nachmittags
mute, daß wir den 13. 8. auch Herrn v. Schl(eicher) zu danken haben ; mit Ihnen in Verbindung setzen.
in diesem Falle wäre auch eine Aufklärung hierüber besonders dan k- Ihr
bar. Mir schwebt als pOlitisches Ziel der Besprechung vor : Neubildu ng Keppler
der Regierung ohne vorhergehende Neuwahl und unter Vermeidung
einer Präsidenten krise. Eine Neuwahl unter Schl(eicher) würde doch
bestimmt keine tragfähige Mehrheit bringen. Bei einer Neuwahl nach
Ernennung HiUers unter der Parole : Hindenburg-HiUer, als Regierungs-
Nr. 21: Eidesstattliche Erklärung des Freiherrn Kurt von ><
wahl durchgeführt, wäre ein weit besseres Ergebnis zu erwarten, und Schroeder, Köln, vom 21. Juli 1947 2-(0)
die Krise würde dann ihr natürliches Ende finden. Ein Ausscheiden des
Herrn v. Schl(eicher) aus der Regierung dürfte nicht den Widerstand Ich, Kurt Freiherr von Schroeder, nachdem ich darauf aufmerksam
des alten Herrn finden . Es ist die große Frage, wie der alte Herr von gemacht worden bin, daß ich mich wegen falscher Aussage strafbar
der Richtigkeit derartiger Maßnahmen überzeugt werden kann. Hier mache, stelle hiermit unter Eid freiwillig und ohne Zwang folgendes
könnte Herr v. P(apen) eine große geschichtliche Mission erfüllen. fest :
Infolge des 13. 8., den der Führer immer als persönliche Niederlage ... Am 4. Januar 1933 trafen Hitler, von Papen, Heß, Himmler und
empfand, war seine Stimmung gegenüber Herrn v. P(apen) lange Zeit Keppler in meinem Hause in Köln ein. Hitler, von Papen und ich be-
sehr schlecht. Ich bin bei ihm immer für v. P(apen) und gegen gaben uns in mein Arbeitszimmer, wo eine zwei Stunden dauernde
v. Schl(eicher) eingetreten ; die Stimmung wurde mit der Zeit besser,
und er soll dem jetzt geäußerten Wunsch gern entsprochen haben ; 239/ NAUSA T 83/101, Negativ-Nr. 3476786.
24Q HAB 335, 10, Nr. 173, Beweis-Dokument NI 7990; dieses Dokument wurde auch
Im Fall 6 verwandt; HAB 335, 6, Nr. 203 ; publiziert In: Geschichte der deutschen
238) NAUSA T 831101, Negativ-Nr. 3 476 785. Arbeiterbewegung Bd. 4, a. a. 0 ., S. 604-607.

76 77
Besprechung stattfand. Heß, Himmler und Keppler nahmen an der werden würde ... Weiterhin erwartete man, daß eine wirtschaftliche
Besprechung nicht teil, hielten sich aber Im Nebenzimmer auf. Keppler, Konjunktur durch die Vergabe von größeren Staatsaufträgen werden
der behilflich gewesen war, diese Zusammenkunft zu arrangieren, kam würde.
von Berlin ; von Papen kam allein von seinem Hause an der Saar ; und In diesem Zusammenhang sind zu erwähnen: eine von Hitler projek-
Hitler brachte Himmler und Heß mit sich, da sie zu einer Wahlver- tierte Erhöhung der deutschen Wehrmacht von 100 000 auf 300 000
sammlung in Lippe unterwegs waren. Die Verhandlungen fanden aus- Mann, das Bauen von Reichsautobahnen ... Aufträge zur Verbesse-
schließlich zwischen Hitler und Papen statt, ich nahm keinen Anteil ru ng des Verkehrswesens, insbesondere der Reichsbahn, und Förde-
daran. Die Besprechung begann ungefähr 11 .30 Uhr morgens, und der ru ng solcher Industrien wie Automobil- und Flugzeugbau und der da-
erste Punkt, der von Hitler zur Sprache gebracht wurde, war die Frage, mit verbundenen Industrien.
warum es notwendig gewesen wäre, die zwei Nazis, die den Kommu- Es war allgemein bekannt, daß einer der wichtigsten Programm-
nisten in Schlesien umgebracht hatten, zu bestrafen ... Weiterhin punkte Hitlers die Abschaffung des Vertrages von Versailles darstellte
führte Papen aus, daß er es für das beste halte, eine Regierung zu und die Wiederherstellung eines sowohl in militärischer als auch In
formen, bei der die konservativen und nationalen Elemente, die ihn wirtschaftlicher Hinsicht starken Deutschlands ...
unterstützt hatten, zusammen mit den Nazis vertreten seien. Er schlug Das wirtschaftliche Programm Hitlers war der Wirtschaft allgemein
vor, daß diese neue Regierung womöglich von Hitler und Papen zu- bekannt und wurde von ihr begrüßt .
sammen geführt werden sollte. Daraufhin hielt Hitler eine lange Rede,
in der er sagte, wenn er zum Kanzler ernannt werden würde, Anhänger
von Papens als Minister in seiner, Hitlers, Regierung teilnehmen könn- Nr. 22: Schreiben von HJalmar Schacht an Kurt von
ten, sofern sie gewillt wären, seine Politik, die viele Änderungen be- Schroeder vom 6. Januar 1933 2<4 1)
stehender Zustände verfolge, zu unterstützen. Er skizzierte diese Än-
derungen, einschließlich der Entfernung aller Sozialdemokraten, Kom- Lieber Herr v. Schroederl
munisten und Juden von führenden Stellungen in Deutschland und der
Wiederherstellung der Ordnung im öffentlichen Leben. Von Papen und Ich möchte Ihnen und Ihrer Gattin nicht nur - auch namens meiner
Hitler erzielten eine prinzipielle Einigung, durch welche viele der Frau - herzlich danken für Ihre freundlichen Neujahrsreden und Ihre
Punkte, die den Konflikt verursachten, beseitigt werden konnten und guten Wünsche aufrichtigst erwidern, sondern Sie auch beglückwün-
eine Möglichkeit der Zusammenarbeit gegeben war. Es wurde ver- schen zu der mutigen Initiative in der Anbahnung der Verständigung
einbart, daß weitere Einzelheiten noch zu bearbeiten seien ... zweier Männer, die wir beide hochschätzen und durch deren Zusam-
Diese Zusammenkunft zwischen Hitler und Papen am 4. Januar 1933 menwirken vielleicht am schnellsten eine positive Lösung herbeige-
in meinem Hause in Köln wurde von mir arrangiert, nachdem Papen fü hrt werden kann. Ich hoffe, daß die Unterredung in Ihrem Hause ein-
mich ungefähr am 10. Dezember 1932 darum ersucht hatte. Bevor ich mal historische Bedeutung gewinnen wird. Ich bin bis 14. 1. verreist,
diesen Schritt unternahm, besprach ich mich mit einer Anzahl von dann aber wieder in Berlin, bzw. Lindow, und hoffe Sie bald wieder
Herrn der Wirtschaft und informierte mich allgemein, wie sich die Wirt- zu sehen.
schaft zu einer Zusammenarbeit der beiden stellte. Die allgemeinen Mit besten Grüßen
Bestrebungen der Männer der Wirtschaft gingen dahin, einen starken Ihr Hjalmar Schacht
Führer in Deutschland an die Macht kommen zu sehen, der eine Regie-
rung bilden würde, die lange Zeit an der Macht bleiben würde. Als
Nr. 23: Schreiben von WiJhelm Keppler an Kurt von
die NSDAP am 6. November 1932 ihren ersten Rückschlag erlitt und
somit also ihren Höhepunkt überschritten hatte, wurde eine Unter- Schroeder vom 6. Januar 1933 2<42)
stützung durch die deutsche Wirtschaft besonders dringend. Ein ge-
meinsames Interesse der Wirtschaft bestand in der Angst vor dem Sehr verehrter Baron Schroeder,
Bolschewismus und der Hoffnung, daß die Nationalsozialisten - ein- Heute Nacht bin Ich zurückgekehrt, nachdem ich gestern noch
mal an der Macht - eine beständige politische und wirtschaftliche
einige Stunden mit dem Führer zusammen war. Die Presseerklärung
Grundlage in Deutschland herstellen würden. Ein weiteres gemein- ist unter voller Berücksichtigung der geäußerten Wünsche erfolgt
sames Interesse war der Wunsch, Hitlers wirtschaftliches Programm Auf welchem Wege die Angelegenheit bekannt wurde, ist noch nicht
in die Tat umzusetzen, wobei ein wesentlicher Punkt darin lag, daß geklärt, jedenfalls hat Sch(leicher) prompt gearbeitet, und es dürfte
die Wirtschaft sich selbst lenken sollte zur Lösung der von der politi- kein Zweifel sein, daß die "Tägliche Rundschau· in Anbetracht ihrer
schen Führung gestellten Probleme. Zur praktischen Durchführung
dieses Programmpunktes erwartete man, wie es ja später auch ge- 241 ) NAUSA T 83/101, Negativ-Nr. 3476782-3476783.
schah, daß die gesamte Wirtschaft auf einer neuen Basis organisiert 242) NAUSA T 83/101, Negativ-Nr. 3476788.

78 79
bekannten Beziehungen von dort die Meldung bekommen hat. Doch Nr. 25: Eidesstattliche Erklärung des Georg von Scfmltzler
unsererseits wurde dies Ereignis ohne besondere Aufregung oder vom 10. November 1945 244) (Auszug)
Sorge aufgenommen.
Ich habe den Eindruck, daß die Zusammenkunft in der gewünschten Ich, Georg von Schnitzier, Mitglied des Vorstandes der IG Farben,
Richtung recht günstig gewirkt hat, und es würde mich natürl ich inter- mache folgende Aussage unter Eid :
essieren, wie sich die andere Seite Ihnen gegenüber noch äußerte. ( ... )
Es ist sehr schade, daß Sie nun gerade für die nächsten 14 Tage ver- Gegen Ende Februar 1933 wurden vier Mitglieder des Vorstandes
reist sind und nicht zu Beginn kommender Woche hier sein können . der IG Farben, einschließlich Dr. Bosch, der Vorsitzende des Vor-
Für Ihre Reise wünsche ich Ihnen recht gute Erholung und hoffe, standes, und ich, vom Büro des Reichstagspräsidenten aufgefordert,
daß auch Ihr Sohn. den H(itler) sehr rühmend erwähnte, dort volle einer Versammlung in seinem Hause beizuwohnen. Der Zweck der
Erholung finden wird. Versammlung wurde nicht angegeben. Auf die anderen beiden Kol-
Mit den besten Grüßen legen, die auch eingeladen waren, kann ich mich nicht mehr entsinnen.
Ihr Ich glaube die Einladung erreichte mich auf einer meiner Geschäfts-
stets ergebener reisen nach Berlin. Ich ging zu der Versammlung, welcher ungefähr
Keppler zwanzig Personen beiwohnten , die wie ich glaube, meistens führende
Darf ich um Ihre Ferienadresse bitten! Industrie"e des Ruh rgebietes waren. Unter den Anwesenden waren,
soviel ich mich entsinne :
Dr. Schacht, der zu jener Zeit noch nicht wieder Präsident der
Nr. 24: Aktennotiz von Dr. Hempel Reichsbank noch Wirtschaftsminister war ;
aus dem Reichskommissariat für Arbeitsbeschaffung vom Krupp von Bohlen, der zu dieser Zeit den Vorsitz des ReIchsver-
bandes der deutschen Industrie führte (.. .);
23. Januar 1933 243) Dr. Albert Vögler, der führende Mann der Vereinigten Stahlwerke;
von Loewenfeld, von einem industriellen Werk in Zesen ;
Ministerialrat Dr. Schöpf wohnte vor einigen Tagen im " Schwarzen Dr. Stein, Vertreter der Gewerkschaft Auguste-Victoria, einem Werk,
Ferkel" einer Zusammenkunft bei, an der Hitler, Schacht, Goebbels das der IWG gehörte. Dr. Stein war ein aktives Mitglied der Deutschen
und Brückmann (Hitlers neuer Sekretär) teilnahmen. Dr. Schöpf wurde Volkspartei.
von Schacht, der Schöpf zufällig getroffen hatte, mitgenommen . In die- Ich erinnere mich, daß Dr. Schacht als eine Art Gastgeber fungierte.
ser Besprechung wurde die einstweilige Haltung der NSDAP fest- ,Während ich auf das Erscheinen Görings wartete, betrat Hitler den
gelegt: Raum, gab jedem die Hand und setzte sich an das obere Ende des
1. Versuchen , mindestens noch sechs Wochen die Entscheidung Tisches. In einer langen Ansprache redete er hauptsächlich über die
hinauszuschieben. Gefahr des Kommunismus, über die, wie er behauptete, er soeben
Grund : von Schleicher wage nicht durchzugreifen, um sein Pro- einen entscheidenden Sieg davongetragen habe. Er sprach dann über
gramm "Arbeitsbeschaffung " sofort verstärkt und nachdrücklich gegen das Bündnis, das seine Partei mit der Deutsch-Nationalen VOlkspartei
alle Widerstände durchzusetzen. Dr. Gereke sei ebenfalls nicht der eingegangen war. Die letztere Partei war inzwischen von Herrn von
Mann durchzugreifen, und zerreibe sich bei dem Versuch, mit den Papen reorganisiert worden. Zum Schluß kam er zu dem Punkt, der
Widerständen auf dem Wege der Verhandlung fertig zu werden. mir der Zweck der Versammlung zu sein schien. Hitler betonte, wie
2. Durch die Verzögerung der Entscheidung und damit der Hin- wichtig es sei, daß die zwei erwähnten Parteien die Mehrheit in der
schleppung der Arbeitsbeschaffung müsse die heute noch starke Stei- kommenden Reichstagswahl erhielten.
lung der Herrn von Schleicher und Gereke im Volke unterminiert wer- Krupp von Bohlen dankte Hitler für seine.Ansprache. Nachdem Hitler
den, damit sich die Wut der EnttäUSchung gegen die beiden Herrn das Zimmer verlassen hatte, schlug Dr. Schacht der Versammlung die
entlade, um Hitler in den Sattel zu helfen, der dann die Arbeitsbe- Errichtung eines Wahlfonds vor, - soviel ich mich erinnere - drei
schaffung durchführen werde. Millionen Mark. Der Fonds sollte unter die zwei" Verbündeten" gemäß
3. Um dieses Ziel besser erreichen zu können , habe Hitler an seine ihrer gegenwärtigen relativen Stärke verteilt werden . Dr. Stein schlug
Presse die Weisung erteilt, jetzt die Herrn von Schleicher und Gereke vor, daß die Deutsche Volkspartei mit eingeschlossen werden sollte,
langsam madig zu machen, vom "versagen" zu schreiben und keine welcher Vorschlag, wenn ich mich recht erinnere, angenommen wurde.
Angriffe gegen die Gegner der Arbeitsbeschaffung im Kabinett, Indu- Die Beträge, welche die einzelnen Firmen beisteuern sollten, wurden
strie und Großbanken, zu bringen. nicht erörtert.
Dr. Hempel
244) HAB 335, 10, Nr. 173, Beweis-Dokument EC 439; vgl. ,HItIer und die Industrie,
243) DZAP, Reichskommissariat für ArbeitsbeSchaffung , Nr. 16, BI. 16-17. KOln 1963.

80 81
Ich habe an der Diskussion nicht teilgenommen, sondern die Ange- 25 Dir. A. Steinke 200000,-
legenheit am nächsten oder übernächsten Tag Dr. Bosch In Frank- DEMAG AG, Duisburg 50000,-
furt mitgeteilt, der zusammen mit Geheimrat Schmitz sich das aus- 27 Telefunken, Gesellschaft für drahtlose
schließliche Recht vorbehalten hatte, die Verteilung von Geldern an Telegrafie, Berlin 35000,-
politische Parteien, die Presse etc. vorzunehmen und die Vertraulich- OSRAM GmbH 40000,-
keit in dieser Hinsicht besonders betonte. 28 IG Farben, Frankfurt/M. 400000,-
Dr. Bosch, soviel ich mich erinnere, machte keinerlei Bemerkungen März 1 Ihre Einzahlung (Schacht - d. Verf.) 125000,-
zu meinem Bericht, sondern er zuckte nur mit den Schultern . Ich habe 3 Dir. Karl Lange, Maschinenindustrie 50000,-
nie wieder von der ganzen Sache gehört. (. .. ) Verein für Bergbauliche Interessen, Essen 100000,-
Karl Hermann, Berlin, Dessauer Str. 150000,-
AEG, Berlin 60000,-
Nr. 26: Aus der Rede von Adolf Hltler am 20. Februar 1933 7 Gen.-Dir. F. Springorum, Dortmund 36000,-
vor führenden Industriellen der deutschen Wirtschaft 245) Accumulatorenfabrlk AG, Berlln 25000,-
13 Verein für Bergbauliche Interessen, Essen 300 000,-
(Auszug)
(.. .)
Wir stehen heute vor folgender Situation : Weimar hat uns eine be- Nr. 28: Eintragung von Joseph Goebbels In sein Tagebuch
stimmte Verfassungsform aufoktroyiert, mit der man uns auf eine de-
mokratiSche Basis gestellt hat. Damit ist uns aber keine leistungs-
vom 20. Februar 1933 247)
fähige Regierungsgewalt beschert worden. Im Gegenteil, der Kommu-
nismus mußte sich nachdem, wie ich eingangs die Demokratie kriti- Wir treiben für die Wahl eine ganz große Summe auf, die uns mit
siert habe, immer tiefer in das deutsche Volk hineinbohren. Die Folgen einem Schlage aller Geldsorgen enthebt. Ich alarmiere gleich den
waren eine Immer größere innere Spannung. (. . .) ganzen Parteiapparat, und eine Stunde später rattern schon die Ro-
Wir müssen erst die ganzen Machtmittel in die Hand bekommen , tationsmaschinen. Jetzt werden wir auf Hochtouren aufdrehen. Wenn
wenn wir die anderen Gegner zu Boden werfen wollen. Solange man uns keine außergewöhnliche Panne mehr unterläuft, dann haben wir
noch an Kraft gewinnt, soll man den Kampf gegen den Gegner nicht auf der ganzen Linie gewonnen.
aufnehmen. Erst wenn man weiß, daß man auf dem Höhepunkt der
Macht angelangt ist, daß es keine weitere Aufwärtsentwicklung gibt,
soll man losschlagen. Wir müssen in Preußen noch 10, im Reichstag Nr. 29: Schreiben von Gustav Krupp von Bohlen und Hal-
noch 33 Mandate erringen. Das ist, wenn wir alle Kräfte einsetzen ,
bach an Adolt Hltler vom 24. März 1933 248 )
nicht unmöglich. Dann beginnt erst die zweite Aktion gegen den Kom -
munismus. (.. .)
Die Frage der Wiederherstellung der Wehrmacht wird nicht in Genf, Sehr geehrter Herr Reichskanzlerl
sondern In Deutschland entschieden werden, wenn wir durch Innere Wir beehren uns, davon Kenntnis zu geben, daß das Präsidium des
Ruhe zur inneren Kraft gekommen sind. Innere Ruhe gibt es aber Reichsverbandes der deutschen Industrie am 24. März 1933 unter dem
nicht eher, als bis der Marxismus erledigt ist. Hier liegt die Entschei- Vorsitz des Herrn Krupp von Bohlen und Halbach zu einer Sitzung zu-
dung, der wir entgegen gehen müssen, und Ist der Kampf auch noch sammentrat, In d"er zu der politischen Entwicklung Stellung genommen
so schwer. (.. .) wurde. Das Präsidium vertrat einmütig folgenden Standpunkt:
Durch die Wahlen ist die G run dia g e für ein s tab II e s
R e g I e run g s - Fun d a m e n t geschaffen und es sind damit die
Nr. 27: Konto "Nationale Treuhand, Dr. Hjalmar Schacht", Störungen beseitigt, die sich aus den ständigen politischen Schwan-
beim Bankhaus Delbrück, Schlckler & Co. 246) (Auszug) kungen der Vergangenheit ergeben, und die wirtschaftliche Initiative
stark gelähmt haben. Für den notwendigen tatkräftigen Wiederaufbau
Einzahlungen auf das Konto: RM kommt es darauf an, die Sam m I u n gun d Mit wir k u n g
Februar 23 Verein für Bergbauliche Interessen, Essen 200000,- a I I e rau f bau w i I I i gen K räf t ehe r bel z u f ü h ren. Die
24 Karl Hermann 150000,- deutsche Industrie, die sich als einen wichtigen und unentbehrlichen
Automobil-Ausstellung, Berlln 100000,-
- ----
245) HAB 335. 10, Nr. 173, Beweis-Dokument D 203.
247) HAB 335. 10, Nr. 173. Beweis-Dokument NI 6522.
246) HAB 335, 10, Nr. 173, Beweis-Dokument NI 9550. 248) HAB 335, 10, Nr. 173, Beweis-Dokument NI 904.

83
82
Faktor für den nationalen Aufbau betrachtet, Ist bereit, an dieser Auf- QUELLEN- UND LITERATURVERZEICHNIS
gabe tatkräftig mitzuwirken, und der Reichsverband der Deutschen In-
dustrie - als die wirtschaftspolitische Vertretung - wird alles tun, um
der Reichsregierung bei ihrem schweren Werke zu helfen.
REICHSVERBAND DER
DEUTSCHEN INDUSTRIE

Nr. 30: Schreiben von Gustav Krupp von Bohlen und Hal-
bach an Hjalmar Schacht vom 29. Mal 1933 249)
I. QUELLEN
Sehr geehrter Herr Dr. Schacht!
Die vielfachen Sammlungen seitens der NSDAP-Organisationen und
des Stahlhelms In der deutschen Wirtschaft haben einen unorgan i- 1. UNGEDRUCKTE QUELLEN
schen, einzelne besonders stark, andere fast gar nicht belastende und
unkontrollierbare Gestalt angenommen. Das liegt aber weder im Inter- a} Akten
esse der Führung der NSDAP noch der Wirtschaft.
Daher habe ich kürzlich in einer Besprechung mit dem Herrn Reichs- NATIONALARCHIV DER USA (NAUSA), GENERAL SERVICE
kanzler und den Führern der NSDAP vorgeschlagen, alle Sammlungen
seiner Partei in einer großen Sammlung zu konzentrieren , die gleich- Administration, Washington
mäßig und im richtigen Verhältnis zu ihrer Belegschaft möglichst alle T 78/ 281 Reichswehrministerium, Chef der Heeresleitung,
Firmen der deutschen Wirtschaft einschließlich der Landwirtschaft und 1930-1934
der Bankwelt trifft. T 78/ 283 Reichswehrministerium, Chef der Heeresleitung,
Herr Hitler hat mir zugestimmt und mich gebeten, die Regelung die- 1930-1934
ser Sammlung in die Hand zu nehmen. Demzufolge habe ich mit den T 81 / 1 NSDAP, Kanzlei des Führers (1932-1933)
Führern der einzelnen Wirtschaftszweige Verhandlungen aufgenom- T 83/ 101 Bankhaus J. H. Stein, Köln, Geheimakte Schroeder,
men. Es ist beschlossen worden, der Sammlung den Namen " HitIer- Briefwechsel mit Wilhelm Keppler (1932-1934)
Spende" zu geben und ein Kuratorium einzusetzen, das die notwen- T 84/ 5 Amtsgericht München, Verhandlung gegen Hitler 1924
digen Aktionen durchführt. Den Vorsitz in diesem Kuratorium habe T 120/1709 Reichskanzlei, Protokolle der Ministerbesprechungen
ich auf einstimmigen Wunsch dieser Spitzenverbände angenommen , 1932
beseelt von dem Willen, an diesem Werk, das einen Dank für den T 120/1710 Reichskanzlei, Protokolle der Ministerbesprechungen
Führer der Nation darstellen soll , mit ganzer Kraft mitzuwirken. 1932
So richte ich auch an Sie die Bitte, Ihre so wertvolle Förderung der T 120/1711 Reichskanzlei, Protokolle der Ministerbesprechungen
"Hitler-Spende" angedeihen zu lassen. Hierüber möchte ich gern mit 1932-1933
Ihnen näheres besprechen. Wenn Sie mit meinem Wunsche einverstan- T 175/ 194 NSDAP, Wirtschaftsabteilung, Arbeitsbeschaffung und
den sind, werde ich mich mit Ihnen wegen einer Aussprache in Ver- Siedlung
bindung setzen.
In ausgezeichneter Hochachtung
bin ich Ihr ergebener DEUTSCHES ZENTRALARCHIV POTSDAM (DZAP)
Krupp von Bohlen und Halbach
Deutscher Reichstag
1456 Protokolle des Ausschusses für den Reichshaushalt
(5. Ausschuß) Bd 261 (August 1932 - Januar 1933)
1457
Bd 262 (Januar 1933)
1458
2.~ IMT Bd. XXXV, Beweis-Dokument D 151, S. 22; vgl. Hitler und die Industrie Bd 263 (Januar - Februar 1933)
Koln 1963. '

84 85
1498 Die Verhandlungen des ständigen Unterausschusses des 333
Haushaltsausschusses (Unterausschuß 5a) Bd 7 (Oktober 1932 - April 1933)
Bd 5 (Januar 1932 - August 1933) 742 Wochenberichte des Auswärtigen Amtes
1510 Die Verhandlungen des Ausschusses für die Rechnungen Bd 7 (Januar 1931 - März 1933)
für den Reichshaushalt (Rechnungsunterausschuß Sb)
Bd 12 (August 1932 - August 1933) Auswärtiges Amt, Deutsche Botschaft Moskau
479 Botschafter von Dirksen, Handakte (1929 - 1932)
Vorläufiger Reichswirtschaftsrat 482 Reichswehr und UdSSR (1929 - 1932)
14 Protokolle der Sitzungen des Vorstandes
Bd 6 (Januar 1932 - Januar 1933) R eie h s m i n ist e r i u m des I n n ern, Abteilung IAN
616 Zentralausschuß (21 er Ausschuß) 25795/1 Deutschnationale Volkspartei (1927 - 1934)
Bd 1 (August 1931 - Februar 1932) 25832/2 Deutsch-russische Verträge
617 Bd 2 (1932 - 1934)
Bd 2 (August 1931 - Februar 1932) 25871 Verordnungen aufgrund des Artikels 48 der Reichs-
618 verfassung
Bd 3 (Stenographische Protokolle 1931) Bd 2 (Januar 1931 - Januar 1934)
619 25872 Verordnungen aufgrund des Artikels 78 der Reichsverfas-
Bd 4 (Stenographische Protokolle 1932) sung
654 Arbeitsbeschaffung 1932 Bd 1 (Juni 1932 - Oktober 1932)
Bd 1 (Dezember 1931 - März 1932) 25873 Notverordnungen
Bd 4 (Oktober 1932 - März 1934)
B ü rod e s R eie h s prä s i den t e n (P r ä s i dia I k a n z lei) 25989 Alldeutscher Verband (1930 - 1933)
26128 NSDAP - Gewerkschaftsbewegung (1930 - 1933)
46 Kabinettsbildungen. Ernennungen und Verabschiedungen 26133 NSDAP - Wirtschaftskämpfe und Streiks (1930 - 1933)
von Reichskanzlern und Reichsministern 26143 Reichslandbund (1930 - 1933)
Bd 7 (I. und 11. Kabinett Brüning, 1930-1932)
47 Reichskommissariat für Arbeitsbeschaffung
Bd 8 (Kabinette von Papen, von Schleicher und Hit/er)
50 Wichtige Reden des Reichskanzlers und der Reichsmini- 2 Allgemeiner Schriftwechsel
ster. Erklärungen der Reichsregierung im Reichstag Bd 2 (P - Z, 1932 - 1933)
Bd 3 (1931 - 1932) 7 Reden des Reichskommissars (1932 - 1933)
56 Sitzungen des Reichsministeriums, Ministerbesprechun- 13 Einladungen des Reichskommissars zu Kabinettsitzungen
gen, Besprechungen mit Länderregierungen Bd 1 (1932 - 1933)
Bd 6 (1931 - 1934) 16 Vorschläge von Ministerien für die Arbeitsbeschaffung
77 Maßnahmen aufgrund des Artikels 48 der Reichsverfas- Bd 1 (1933)
sung zur Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit 41 Entstehung des Arbeitsbeschaffungsprogramms
und Ordnung - Einzelfälle - Bd 1 (1932 - 1933)
Bd 16 (August - Oktober 1932)
214 Ostprogramme und Agrarmaßnahmen Rechnungshof des Deutschen Reiches
Bd 6 (November 1931 - Februar 1933) 4671 Arbeitsbeschaffungsprogramm /Papenprogramm
296 Berichte des Reichswirtschaftsministeriums über die wirt- Bd 1 (August 1932 - Oktober 1934)
schaftliche Lage und die Lage der einzelnen Industrien 6449 Gelsenkirchner Bergwerks AG, Düsseldorf
Bd 3 (1926 - 1933) Bd 2 (1932 - 1936)
315 Deutschlands wirtschaftliche Lage. Berichte der Reichs-
kreditgesellschaft Berlin
Reichswirtschaftsministerium
Bd 2 (1930 - 1935)
332 Allgemeine Landwirtschaftsfragen 10107 Grenzsiedlung und landwirtschaftliche Siedlung
Bd 6 (Februar 1931 - Oktober 1932) Bd 5 (Mai - Juni 1931)

86 87
10108 Reichslandbund, Bundesvorstand
Bd 6 (Juni - Dezember 1932)
23 Allgemeiner Schriftwechsel mit Mitgliedern, Organisatio-
10109
nen und Persönlichkeiten (1930 - 1932)
Bd 7 (Dezember 1932 - Mai 1933)
50 Protokolle und Berichte über Sitzungen und andere
15058 Lausanner Konferenz 1932
Veranstaltungen (1927 - 1933)
Bd Adh 1 zu Bd 14
113 Eingaben des Reichslandbundes an den Reichspräsiden-
15059 Sachverständigen konferenz. Reparationsverhandlungen
ten Hindenburg (1926 - 1932)
Bd 14a (Juni - Juli 1932)
146 Angelegenheiten des Bundesvorstandes
18566 Sanierung der Dresdner Bank, Berlin
Bd 3 (1932 - 1933)
Bd.1 (1931 - 1932)
18567 Sanierung der Dresdner Bank, Berlin IG Farbenindustrie AG, Volkswirtschaftliche
Bd 2 (1932 - 1934) Abteilung, Berlln
18603 Stützung der Fa. Hardy & Co GmbH
1400/ 12 Arbeitslosigkeit und Vorschläge zu Ihrer Oberwindung
Bd 1 (1932 - 1935)
Bd 1 (Dezember 1931)
18604
1400/13
Bd 2 (1936 - 1937)
Bd 2 (Januar 1932)
18797 Prüfung der Fa. Otto WOlff, Köln
Bd 1 (1933) IG Farbenindustrie AG, Zentrale Finanzverwal-
18798 tung , Berlln
Bd 2 (1934 - 1935) 1 Protokolle der Sitzungen des Arbeitsausschusses
Bd 3 (1930 - 1937)
Deutschnationale Volkspartei, Reichsleitung 45 IG Aktien und Bonds, Außenhandel und Devisen
11 Krisen in der Partei (1926 - 1933) Bd 1 (August 1931 - September 1936)
200/295 Deutscher Club / von Dirksen-Stiftung
Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten Bd 1 (Dezember 1931 - August 1938)
1058 Prof. Dr. Carl Duisberg
31 Korrespondenz des Bundesführers Duesterberg
Bd 1 (1926 - 1935)
Bd 1 (1932 - 1933)
1110 Handakte Schmitz, Kabinettsumbildung Oktober 1931
275 Verhalten zur Reichsregierung (1929 - 1933)
1170 Protokolle der Sitzungen des Arbeitsausschusses
281 Zusammenarbeit mit Parteien (1932)
1932 -1934
308 Wirtschaftspolitik, Stahlhelm-Wirtschaftsrat
Bd 1 (1931 - 1932) Berliner Handelsgesellschaft, Generalsekreta-
309 r la t
Bd 2 (1932 - 1933) 14717 Rußland-Ausschuß der deutschen Wirtschaft
326 Arbeitsdienst/Rundschreiben/Statistiken (1927 - 1936)
Bd 2 (1932 - 1933) 14973 Interventionskonsortium 1929
Bd 2 (1931 - 1932 )
Alldeutscher Verband, Hauptleitung
15182 Wirtschaftskrise (1931 - 1932)
166 Sitzungen des Ausschusses am 10./11. 12. 1932 15248 Dresdner Bank, Stützungsaktion
180 Schriftwechsel von Alfred Hugenberg Bd. 1 (1931)
Bd 1 (1927 - 1935) 15249
181 Bd 2 (1931)
Bd 2 (1928 -1935) 15250
199 Heinrich Claß, Vorsitzender Bd 3 (1932)
Bd 3 (1932) 15251
211/1 Emll Kirdorf (1909 -1933) Bd 4 (1932 - 1933)
472 Stellung zur NSDAP (1930 - 1932) 15252
565 Einzelne Schriften von Mitgliedern der Hauptleitung Bd 5 (1933 - 1935)
Bd 1 (1926 - 1932) 15299 Unterstützungen (1932 - 1933)

88 89
N ach laß D r. Fra n z B ra c h t, R e Ich s m I n Ist e r Re p. 335 (N ü rn be r ger Pro z e s s e), Fall 5 : Fr i e d r ich
Flick & Genossen
50 Handakte Dirksen als Botschafter in Moskau
Bd 1 (1930 -1931) 2 Protokoll der Verhandlung vom 19. 4.1947
51 3 Protokoll der Verhandlung vom 21. 4. 1947
Bd 2 (1932 - 1934) 19 Protokoll der Verhandlung vom 5. 6. 1947
24 Protokoll der Verhandlung vom 2. und 3. 7. 1947
N ach laß D r. Kar I S pie k er, S t a a t s kom m iss a r 31 Protokoll der Verhandlung vom 21. 7. 1947
35 Protokoll der Verhandlung vom 28. 7. 1947
Persönliche Sachen des Herrn Reichsministers
39 Protokoll der Verhandlung vom 5. und 6. 8. 1947
Bd 1 (1932 - 1933)
40 Protokoll der Verhandlung vom 7. und 8. 8. 1947
2
44 Protokoll der Verhandlung vom 18. 8. 1947
Bd 2 (1932 - 1933)
48 Protokoll der Verhandlung vom 27. und 28.8. 1947
Nachlaß Dr. Herbert von Dlrksen, Botschafter
63 Protokoll der Verhandlung vom 8. und 9. 10. 1947
8 Schriftwechsel mit Ministerialrat Dr. Klepper
152 Dokumentenbuch der Anklage 11
Bd 2 (1935 - 1936)
173 Dokumentenbuch der Anklage XIV A
174 Dokumentenbuch der Anklage XIV B
DEUTSCHES ZENTRALARCHIV MERSEBURG (DZAM) 175 Dokumentenbuch der Anklage XIV C
177 Dokumentenbuch der Anklage XV
R e p. 77 (P re u ß i s c h e s M i n ist e r i u m des 1n n ern) 254 Opening Statement der Anklage vom 19. 4. 1947
Titel4043 284 Opening Statement der Verteidigung, R. Dix
285 Dokumentenbuch der Verteidigung I
379 Alldeutscher Verband (1928 - 1933)

Re p. 90 (P re u ß i s c h es S t a a t s m i n ist e r i u m) Abt e i - Re p. 335 (N ü rn be r ger Pro z e s s e), Fall 6 : I G Fa r-


lung B, Titel 111 benindustrie AG
2b6 Protokolle des Preußischen Staatsministeriums 35 Protokoll der Verhandlung vom 21. 1. 1948
Bd 182 (1933) 52 Protokoll der Verhandlung vom 9. und 10.3. 1948
53 Protokoll der Verhandlung vom 10. und 11 . 3.1948
54 Protokoll der Verhandlung vom 12. und 15.3.1 948
POLITISCHES ARCHIV DES AUSWÄRTIGEN AMTES, BONN 55 Protokoll der Verhandlung vom 16. und 17.3.1948
74 Protokoll der Verhandlung vom 22. 4. 1948
Abt eil u n g 1V (R u ß 1a n d) 199 Basis Information der Anklage
200 Opening Statement der Anklage vom 27. 8. 1948
Aufzeichnungen der Gespräche Neuraths mit Litwinow 201 Dokumentenbuch der Anklage I
(Dezember 1932) 202 Dokumentenbuch der Anklage 11
203 Dokumentenbuch der Anklage 111
298 Preliminary Memorandum der Anklage zum Punkt I
HAUPTARCHIV BERLlN-DAHLEM (ehemaliges Preußisches Geheimes
644 Dokumentenbuch der Verteidigung I für Gattineau
Staatsarchiv)
724 Dokumentenbuch der Verteidigung I für IIgner
954 Dokumentenbuch der Verteidigung I für Schmitz
R e p. 3 2 0 (R e ich s i n n e n m i n Ist e r i u m), B ü rod e s
955 Dokumentenbuch der Verteidigung 11 für Schmitz
Saatssekretärs
1009 Dokumentenbuch der Verteidigung I für Schnitzier
330 Nationalclub von 1919, Hamburg
Bd 1 (1919 - 1932)
Re p. 335 (N ü rn b erg e r Pro z e s se), Fall 1 0 : Fr i e d r ich
331
Bd 2 (1932) Krupp AG
332 173 Dokumentenbuch der Anklage VI
Bd 3 (1933) 174 Dokumentenbuch der Anklage VII

90 91
175 Dokumentenbuch der Anklage VIII ARCHIV DES VEREINS ZUR PFLEGE KOMMUNALWISSENSCHAFT-
176 Dokumentenbuch der Anklage IX LICHER AUFGABEN, BERLlN-CHARLOTTENBURG
177 Dokumentenbuch der Anklage X
354 Dokumentenbuch der Verteidigung I für Bülow Verband der Preußischen Landgemeinden
355 Dokumentenbuch der Verteidigung 11 für Bülow
312 ProtokOlle der Sitzungen der Ausschüsse
R e p. 33 5 (N ü r n b erg e r Pro z e s s e), Fall 1 1 : v. W e I z - (1925 - 1932)
sicker & Genossen 313 Protokolle der Sitzungen des Gesamtvorstandes
51 Protokoll der Verhandlung vom 4. 5. 1948 (1932 - 1933)
106b Protokoll der Verhandlung vom 16.7.1948 335 ProtokOlle des Geschäftsführenden Vorstandes
133 Protokoll der Verhandlung vom 20. 8. 1948 (1928 - 1933)
156a Protokoll der Verhandlung vom 22. 9. 1948 545 Delegiertentag 12. 11. 1932
158 Protokoll der Verhandlung vom 24. 9.1948
427 Dokumentenbuch der Anklage 10
428 Dokumentenbuch der Anklage 11 DEUTSCHES WIRTSCHAFTSINSTITUT, BERLIN
455 Dokumentenbuch der Anklage 29 A
504 Dokumentenbuch der Anklage 70 A A r chi v der D e u t s c h e n Ban k (F 0 t 0 k 0 pie n)
588 Dokumentenbuch der Anklage 134 4332 Gelsenkirchner Bergwerks AG, Düsseldorf
589 Dokumentenbuch der Anklage 135 .. Keppler-Circle .. Bd 1 (1933)
590 Dokumentenbuch der Anklage 138 Bd 2 (1934 - 1937)
592 Dokumentenbuch der Anklage 140 4477 Friedrich Krupp AG, Essen
593 Dokumentenbuch der Anklage 142 4711 Vereinigte Stahlwerke AG
630 Dokumentenbuch der Anklage 169 Bd 1 (1930 - 1932)
664 Anklageschrift, Fassung vom 3. 11. 1947 Bd 2 (1930 - 1932)
665 Anklageschrift, Fassung vom 17. 11. 1947 Bd 3 (1932)
674 Schlußplädoyer der Anklage Bd 4 (1933 -1934)
682 Prelimlnary Memorandum der Anklage zum Keppler-Kreis 4751 Otto Woltt, Köln
vom 23.8.1948 Bd 1 (1929 - 1932)
1107 Closing-Brief der Verteidigung für Dietrich Bd 3 (1933 - 1934)
1216 Dokumentenbuch der Verteidigung I für Keppler Bd 4 (1939 - 1940)
1232 Closlng-Brief der Verteidigung für Keppler, I. Teil Bd 7 (1922 - 1932)
1234 Closlng-Brief der Verteidigung tür Keppler, Bd 8 (1932 - 1933)
11. und 111. Tell 5937 Dresdner Bank, Berlin
1531 Dokumentenbuch der Verteidigung 11 für Melssner Bd 1 (1931 - 1932)
1588 Dokumentenbuch der Verteidigung 11 für Rasche 5961 DeutSche Bank AG, Berlin
1604 Closlng-Brlef der Verteidigung für Rasche
Bd 28 Russel, Autsichtsratskorrespondenz
1722 Dokumentenbuch der Verteidigung I für Krosigk Bd 69 Personalia Dr. Emil von Stauß

INSTITUT FOR ZEITGESCHICHTE, MONCHEN


F 39 Reichswehrministerium, Chef des Ministeramtes b) Zeugnisschriften
Kurzorlentlerungen
Bd 2 (August 1932) INSTITUT FüR ZEITGESCHICHTE, MüNCHEN
Bd 3 (September - Oktober 1932)
Bd 4 (November - Dezember 1932) Cordemann, R. H., Minden; Beitrag zu Th. Vogelsang
Bd 5 (Januar 1933) Etzdorf, Walther von, Braunschweig; Beitrag zu Th. Vogelsang
F 41 Rathmannsdorfer Hauschronik Holtzendorf, Hans-Henning, Generalmajor, Schriftwechsel
Lutz Graf Schwerin von Kroslgk, Tagebuch Bd 1 - 2
(5.11.1932 - 5. 2. 1933) Ott, Eugen, Botschafter, Schriftwechsel

92 93
IM BESITZ DES VERFASSERS Dräger, Heinrich, Arbeitsbeschaffung durch produktive Kreditschöp-
fung, Nachdruck der Ausgabe von 1932, Düsseldorf, 1955
Buchwitz, Otto, Dresden; Schriftwechsel Hitler, Adolf, Mein Kampf, München, 1935
Cordemann, R. H., Minden; Schriftwechsel Hitler, 'Adolf, Vortrag vor westdeutschen Wirtschaftlern im IndustrIe-
Etzdorf, Walther von, Braunschweig; Schriftwechsel Klub zu Düsseldorf am 27. 1. 1932, Berlin, 1932
Fechner, Max, Berlin; Niederschrift vom 27. 5. 1963 Roosevelt, Franklin 0 ., Briefe, Reden, Konferenzen, Ausgewählt von
Gereke, Günther, Berlin ; MemoIren (Tonbandaufnahmen) Donald Day, Frankfurt/M., o. J.
Krosigk, Lutz Graf Schwerin von, Essen; Schriftwechsel Siemens, Carl Friedrich v., Vortrag gehalten bel dem Essen am 27.
Münchhausen, Marie-Luise, Berlin; Niederschriften Oktober 1931 der General Electric Company in New York, Privat-
Nitka, Hans, Potsdam ; Niederschriften druck o. 0., 1931
Nitka, Ottony, geb. von Schleicher, Potsdam; Niederschriften
Papen, Franz von, Obersasbach ; Schriftwechsel
Schacht, Hjalmar, München; Schriftwechsel c) ZeItungen
Strasser, Otto, München, Schriftwechsel
Der Abend, Berlin, Oktober 1930
Dortmunder General-Anzeiger, Dortmund, Januar 1932
Die Arbeit, Zeitschrift für Gewerkschaftspolitik und Wirtschaftskunde,
2. G E 0 R U C K T E Q U E L L E N Bundesvorstand des ADGB, Berlin, 1932
Völkischer Beobachter, 1932
a) Akten, Protokolle, Gesetze, Dokumente Die Rote Fahne, Zentralorgan der KPD, Berlin, 1931 - 1932
Verhandlungen des Reichstages, V. Wahlperiode Deutsche Führer-Briefe, Politisch-wirtschaftliche Privatkorrespondenz,
Bd 446 Stenographische Berichte 1931 - 1932, Berlin 1932 Berlin, 1932
Bd 453 Anlagen zu den Stenographischen Berichten, Berlin 1932 Die Landgemeinde, Zeitschrift der Landgemeinden, Amtliches Organ
Verhandlungen des Reichstages, VI. Wahlperiode des Verbandes der Preußischen Landgemeinden, Berlin, 1932
Bd 454 Stenographische Berichte und Anlagen, Berlin 1932 Der deutsche Ökonomist, Berlin, 1932
Verhandlungen des Reichstages, VII. Wahlperiode Tägliche Rundschau, Berlin, Oktober - Dezember 1932
Bd 455 Stenographische Berichte und Anlagen, Berlin 1933 Berliner Tageblatt, Berlin, 1932
Der Prozeß gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Das Tagebuch, München, 1931
Militärgerichtshof, Nürnberg (14. 11. 1945 - 1. 10. 1946). Amtlicher Veröffentlichungen des Reichsverbandes der deutschen Industrie,
Text in deutscher Sprache, Nürnberg 1947/1949 Berlin, 1930 - 1932
Bd 11 Verhandlungsprotokolle vom 14. 11. - 30. 11. 1945 Vorwärts, Zentralorgan der SPD, Berlin, 1932
Bd XII Verhandlungsprotokolle vom 18. 4. - 2. 5. 1946 Deutsche Werkgemeinschaft, Berlin, 1929
Bd XIII Verhandlungsprotokolle vom 3. 5. - 15. 5. 1946 Wirtschaftspolitische Blätter der deutschen Fertigindustrie, Nürnberg,
Bd XVI Verhandlungsprotokolle vom 11.6. - 24. 6. 1946 Januar 1933
Bd XXXII Urkunden und anderes Beweismaterial PS 3058 - PS 3728 Kölnische Zeitung, Köln, Januar 1932
Bd XXXIII Urkunden und anderes Beweismaterial PS 3729-PS 3993
Preußische Zeitung, Berlin
Bd XXXVI Urkunden und anderes Beweismaterial 0 908 - F 224
Rheinisch-Westfälische Zeitung, Dortmund, 1935
FALL 5, Anklageplädoyer, ausgewählte Dokumente, Urteil des Flick-
Vossische Zeitung, Berlin
Prozesses, Herausgegeben von K. H. Thieleke, Berlin 1965
Reichsgesetzblatt, Berlin, Teil I, 1932 und 1933
XIV. Kongreß der Gewerkschaften Deutschlands (5. Bundestag des d) MemoIren
ADGB, Berlin, 13. 4. 1932), Berlin 1932
Die antifaschistische Aktion, Dokumentation und Chronik (Mai 1932 bis Braun, Magnus von, Weg durch die Zeitepochen, Limbach/ Lahn, 1965
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98 99
BENUTZTE ABKüRZUNGEN PERSONENREGISTER

ADGB Allgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund Albert, He inrich F. 68 Dalberg, Rudolph 25, 35


Alvensleben, Werner von 43 Dernburg , Bernhard 31
BdR BOro des Reichspräsidenten
Andreae, Fritz 24 Deterd ing , Henry 33
BHG Berliner Handelsgesellschaft August Wilhelm, Prinz zu Hohen- Delten, Georg von 41
DZAM Deutsches Zentraiarchiv Merseburg zollern 23 Dietrich, Hermann 30
Aust. Hermann 15 Dietrich, alto 13, 17, 20
DZAP Deutsches Zentralarchiv Potsdam Dirksen , Herbert von 50
HAB Hauptarchiv Berlin-Dahlem Dirksen, Victoria von 50
Bachern, Hellmuth 24, 31
Dix, Rudolf 16
'HZ Historische Zeitschrift, München Bang, Paul 18
Dräger, Heinrich 34
Bechstein, Helene 15
IMT Der Prozeß gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Inter- Duisberg, Carl 21, 25, 31, 36,
Beckmann , Engelberg 71
nationalen Militärgerichtshol Nürnberg 39,50
Beindorff, Fritz 68, 70
NAUSA Nationalarchiv der USA, Washington Bismarck-Schönhausen, Gottlried
Eichborn, Kurt von 26, 68, 70
Graf von 29
NL Nachlaß Eitel Friedrich, Prinz zu Hohen-
Blohm, Rudolf 23
Rep Repositur (Bestand) zollern 23
Bosch , Carl 25, 50, 81 f.
Erhard, Ludwig 25, 36
RWM Reichswirtschaftsministerium Bosch , Robert 25, 39, 68
Etzdorf, Walther von 34, 41
Bracher, Karl-Dietrich 13
RWR Reichswirtschaftsrat Bracht, Franz 40, 43 I., 66, 73
Fahrenhorst, Walther 39
ZIG Zeitschrift lür Geschichtswissenschaft, Berlin Brandes, Ernst 68
Feder, Goltlried 20, 27, 41
Brandi, Ernst 21 , 30
Fink, August 68
Braun, Magnus Freiherr von 74
Fischer, alto Christian 22
Bredow, Kurt von 41 , 44t.
Flechtheim , Julius 24, 31, 47
Bruckmann , Hugo 15, 17
Flick, Friedrich 13, 29 ff., 39, 60
Brüning, Heinrich 21 11., 31 11.,
Fluegge, Wilhelm von 24
38, 40, 63
Freund, Michael 13
Bücher, Hermann 25
Funk, Walther 20, 22, 2611., 30,
Bülow, Friedrich von 13
41,60ff.
Bütelisch , Heinrich 13, 50
Furtwängier, Franz Josel 34

Carl-Eduard, Herzog von Sach- Galtineau, Heinrich 13, 50


sen-Coburg und Gotha 49, Gayl , Wilhelm von 40
69 Gereke, Günther 18, 31, 3311.,
Claß, Heinrich 18 37, 39,41, 44ft., 51, 541., 80
Cordemann, Reinhold 41 Goebbels, Joseph 16,80,83
Cuno, Wilhelm 66, 68 Göring, Hermann 20, 53, 59, 81

100 101
Glum, Friedrich 13 Krauch, Garl 50 Popitz, Johannes 44 Springorum, Fritz 21, 36, 42 I.,
Grauert, Ludwig 23 Krawehl, Hans 47 Pulvermann, Heinz 24 68, 71 I., 83
Grotkopp, Wilhelm 36 Krogmann, Garl Vincent 29, 49, Stauß, Emil Georg von 20, 22,
Gürtner, Franz 44 66, 68, 70 Rabbethge, Erich 68 59
Krosigk, Lutz Gral Schwerin von Rasche, Karl 13, 22 Stein, Dr. 81
Hallgarten, George W. F. 14 43 f., 74 Raumer, Hans von 47 Steinbrinck, Otto 13, 19, 2911.,
Hammerstein-Equord, Kurt von Krupp von Bohlen und Halbach , Ravene, Louis 23 62
55 Allried 13 Re ichert, Wilhelm 60 Steinke, A. 83
Haniel , Karl 39, 68 Krupp von Bohlen und Halbach , Reinhart, Friedrich 22, 26, 29, Stinnes, Hugo 15
Hanlstaengl, Ernst 15 Gustav 25, 38 I., 43, 47, 52 I ., 42 I., 68, 7011. Strasser, Gregor 34 I., 41 , 44, 54
Hechler, Ludwig 28 68, 81 , 83 1. Reismann-Grone, Dr. 17 Strauß, Ottmar 47, 54
Hecker, Ewald 41,65, 68, 70 Regendanz, Otto 47
Heillerich, Emil 29, 40, 68, 70 Lambach , Walther 18 Reus ch, Paul 39, 42, 68, 71 I . Tarnow, Fritz 25, 35
Hempel, Dr. 80 Lange, Karl 83 Reuter, Franz 39 Taylor, Tellord 13
Henkel-Donnersmarck, Gral von Lautenbach , Wilhelm 25 Ritter, Gerhard 54 Tengelmann, Ernst 19
31 Leipart, Theodor 25, 34 Röpke, Wilhelm 25, 31 Tengelmann, Walter 19
Hermann , Karl 82 I . Ley, Robert 29 Rohl'-Manze, von 71 Thyssen, Fritz 15, 1811., 2611.,
Heß, Rudoll 51, 77 I . Lindner, Bruno 73 Roosevelt, Franklin Delano 46 32, 36, 39 ff., 48, 50 I., 53 I.,
Hilgert, Edmund 22 Litwinow, Maxim Maximowitsch Rosterg, August 19, 22, 29, 68, 59, 6611., 701.
Himmler, Heinrich 42, 50 I., 65 I., 45 71 Tischbein 68
75, 77 I. Loewenleld , von 81 Torgier, Ernst 46
Hindenburg, Paul von 3011., Ludendorll, Erich 15 Schacht, Hjalmar 16, 19 I., 22, Treviranus, Gottlried 18
37 I., 42 ff., 52, 65, 69, 76 Lübbert, Erich 22, 61, 68, 70 2711., 32 I., 35 I., 3911., 48,
Hindenburg, Oskar von 44 Luther, Hans 31 , 75 52 I., 59, 641., 68, 70, 741., Ullrich , Otto 68
Hirschland , Simon 31 Lüninck, Hermann von 32, 62, 7911.
Hugenberg, Allred 18, 23, 51, 56 68 I. Scheubner-Richter, Max 15 Ventzky, Rudolf 68, 71
Schiele, Martin 18 Versholen, Wilhelm 25, 35 I.
IIgner, Max 13, 24, 26, 50 Meissner, Hans Otto 43 I., 62, Schleicher, Kurt von 301., 34 I ., Vögler, Albert 21, 28 ff., 49, 68,
71 11. 37, 39, 41 11., 51 11., 751., 79 f. 71 I., 74, 81
Jaenicke 68 Merck, Erwin 68, 70 Schlenker, Max 23, 66 I . Vogel, W. 24
Jaspers, Karl 54 I . Merton , Richard 47 SChmitt, Kurt 22, 68 Vogelsang, Thilo 13
Meyer, Em il 22, 29 Schmitz, Hermann 24, 30, 39, 50,
Kaas , Ludwig 43 Moellendorf, Wichard von 24 I ., 82 Wagemann, Ernst 25 I., 34 ff.
Kalckreuth , Eberhard Gral von 29 Schnitzier, Georg von 81 Wagener, Otto 27, 41
32, 68, 70 Müller-ArmacK, Alfred 25 Schöpl, Dr. 80 Warburg, Sigmund 25
Kastl , Ludwig 39, 44, 47 Münchhausen, Marie-Luise von Scholz, Dr. 40, 73 Warmbold, Hermann 34, 37, 45,
Keppler, Wilhelm 13, 17, 24, 55 Schroeder, Kurt von 29, 33, 36, 74
27 11., 33 I., 36, 42 I., 4911., 53, Münchhausen , Freiherr von 52 49, 51, 62, 65, 68, 70, 72 11., Wenzel, Hermann 68
651. , 68, 73 I., 7611. 76 1.,79 Westarp, Guno Graf von 18
Keudell , Walther von 68 Oppen , Joachim von 68, 70 Schumpeter, Joseph 25 Wilmowski, Thilo von 25, 39, 43,
Keynes, John Mynard 25 Ott, Eugen 44 SeidIitz, Ge,rtrud von 15 47
Keyserlingk, Robert Gral von, Seldte, Franz 18, 61 Witthoeft, Franz Heinrich 68, 71
Gam merau 32, 68, 71 Papen , Franz von 31 I ., 3711., Siemens, Garl Friedrich von 25, Woermann , Kurt 68, 70
Kiep , Olto 66, 68 48 I., 51 I. , 56, 65, 69, 7311., 39, 48,68 Wolft, Otto 25, 30, 39, 47, 53 1.
Kirdorl, Emil 1711., 26 I., 3011., 81 Silverberg, Paul 31 , 391., 46,
36, 40, 48, 51 , 53 Plerdmenges, Robert 31 , 39 48 1., 51 , 68 Young, Owen 18,48
Klöckner, Florian 39 Plundtner, Hans 49 Siomann, Robert 68
Kraemer, Hans 47 Pleiger, Paul 22 Sombart, Werner 25, 38 Zehrer, Hans 39,41,48
Kraneluß, Fritz 29, 33 Poensgen , Ernst 21, 30 Spahn, Martin 40 Zitzewitz, von 43

102 103
FIRMENREGISTER bergbau und Brikettfabrika- Vereinigte Stahlwerke AG, Düs-
tion, Köln 39 seldorf 21, 30, 39
Royal Dutch Shell Company 33
Siemens & Halske AG, Berlin 31
Westfälische Eisenindustrie 23
Telefunken,Geselischaft für Draht- Westfalenbank AG, Bochum 22
lose Telegrafie, Berlin 83 Wintershall AG 19
Thyssen & Co, Mülhelm 15 Otto Wolft OHG, Köln 54

Accumulatorenfabrik AG, Berlin DEMAG, Duisburg 83


83 Dresdner Bank AG , Berlin 22, 31
AG Deutscher Eisenhandel 23
AG für Verkehrswesen, Frank-
Eastman Kodak Company, Ro-
furt/Main 22
chester 28
Akzept- und Garantiebank AG,
Essener Steinkohlenbergwerks
Berlin 22
AG, Essen 19
Allgemeine Elektrizitäts-Gesell-
schaft AG, Berlin 24 f., 39,
83 Friedrich Flick KG , Düsseldorf 19
Allianz- und Stuttgarter Verein-
Versicherungs AG, Berlin-Mün-
chen 22 Gelsenkirchner Bergwerks AG,
Essen 17, 19, 30 f.
Bank der Arbeiter und Angestell- General Electric Company 48
ten 24 Gutehoffnungshütte AG , Ober-
Bankhaus Delbrück, Schickler & hausen 39
Co, Berlin 82
Bankhaus Eichborn & Co, Bres- Hamburg-Amerikanische Paket-
lau 26 fahrt AG (HAPAG), Hamburg
Bankhaus Hardy & Co, Berlin 29
24,31 Heidelberger Gelatinefabrik
Bankhaus Merck, Fink & Co, Stoess & Co 27
München 22 Hoechst AG, Dortmund 21
Bankhaus J. H. Stein, Köln 28 f.,
51,62
Blohm & Voß, Hamburg 23 IIseder Hütte AG, Peine 24
IG Farbenindustrie AG, Frank-
Chemische Werke Odin GmbH, furt/Main-Berlin 21, 24, 37,
Eberbach 17, 28 f. 39, 48, 50, 81, 83
Commerz- und Privatbank AG,
Berlin 22 Klöckner-Werke AG, Duisburg 47

Danat-Bank 22
Osram GmbH, Berlin 83
Deutsche Bank und Diskonto-Ge-
sellschaft AG , Berlin 20, 24,
59 Rheinische AG für Braunkohlen-

104 105
H anno Möbius Hans Karl Rupp
Sammlung
Arbeiterliteratur in der BRD Außerparlamentarische
Junge Opposition
Eine Analyse in der Ä.ra Adenauer
Wissenschaft von Industriereportagen und
Reportageromanen : Der Kampf gegen die
Christian Geissler, Atombewaffnung
Max von der Grün in den 50er Jahren
Günter Wall raff Mit einem Vorwort
103 Seiten, DM 11,80 von Karl Dietrich Bracher
331 Seiten, DM 22,80

.Möbius argumentiert von einer soziali·


stischen Basis aus. Deshalb ist der Ver-
• Was Rupp an Stoff, an noch unbekann-
Friedhelm Nyssen Wilfried v. Bredow zicht auf den Klassenkampf als Folge-
rung aus den erkannten Entfremdungs- ten Materialien zusammengetragen hat,
und Abhängigkeitsmerkmalen für ihn ein verdient ebenso Bewunderung wie die
Schule im Kapitalismus Der Primat militärischen Grund zur Kritik an dieser Literatur. Akribie seiner Quellennachweise ...
Denkens Eingehend untersucht er Texte von Wall- Der Bogen spannt sich von den Aktionen
Der Einfluß wirtschaftlicher raff, Max von der Grün, Gluchowski gegen die westdeutsche Wiederbewaff-
Die Bundeswehr und das und Geissler, wobei er sich um sorgfäl·
Interessenverbände im Felde nung überhaupt und den ersten War·
tige Interpretation bemüht . .. Man muß nungen vor einer Atombewaffnung über
der Schule Problem der natürlim die Argumentationsgrundlage die Erklärung der .Göttinger Achtzehn",
okkupierten tHfentlichkeit des Autors akzeptieren, wenn man ihm die Anfänge der" Volksbewegung" gegen
176 Seiten, DM 9,80 auch noch in seinen Schlußfolgerungen den befürchteten Atomtod, die Mai-
nachgehen will: nämlich in der Forde-
172 Seiten, DM 28,50 rung nach einer Arbe iterliteratur J die
kundgebungen 1958 und die Demonstra-
tionskampagnen bis zum Niedergang der
sich dem Kampf um eine sozialistiscne Bewegung und dem heftig umstrittenen
Gesellschaft stellt. Doch Möbius hält sich Berliner Studentenkongreß gegen Atom-
.Nyssen analysiert nicht den Einfluß der
frei von jeder Indoktrinierung, Er ver- rüstung im Januar 1959 ...
Wirtschaftsverbände auf die Kultus-
sucht nur nicht, seinen Ausgangspunkt zu
bürokratie, sondern auf den Schulalltag, .. Ein solide fundamentiertes, unüberseh- Rupps Stärke liegt in der beschreibenden
versdtleiern. Er leistet einen widltigen
das heißt auf Schüler und primär Lehrer, bares Warnsignal gegen das untergrün- Analyse, die den Leser immer wieder zu
Beitrag zur Arbeiterliteratur in der
besonders der Volks- und Berufsschulen." dige und in sich selbst ruhende Institu- eigenen Schlußfolgerungen animiert.·
BRD."
Frankfurter Rundschau tionendenken. • Das Parlament Frankfurter Allgemeine Zeitung Die Zeit
.. Nyssens Dissertation ist sicher nicht das .Ohne Retusche legt Bredow dar, wie
letzte Buch zu diesem Thema . Aber es der Primat militärismen Denkens aus
ist das erste und schon daher lesenswert, dem Widerspruch von hierarchischer
vor allem für diejenigen , über die er Armee- und demokratischer Gesell-
schreibt: Lehrer, Gewerkschaften und schafcsstcuktur emporwumern konnte,
Arbei tgeberverbände."
Wirtschaft und Wissenschaft, herausge-
weil die KontrolLfunktion kritisdler
öffentlichkeit gegenüber dem Militär als
Pahl-
geben vom Stifterverband für die
Deutsche Wissenschaft e. V.
Subsystem des Staatsgefüges versagte.·
Frankfurt~r Allgemeine Zeitung Rugenstein
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Wissenschaft Probleme der Bewältigung der


wissenschaftlich -technischen
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ten - Tansania - Westafrika
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Lothar Peter
.Hier wird zuerst informiert und nimt
ideologisiert. Die wirtschaftlichen, staats-
Literarische Intelligenz und
theoretischen, rel igiös en und tradit ionali -
stischen Komplexe stehen mit im Bl ick- Klassenkampf
feld . Die Frage Religion und Sozialismus
w ird an den Exempeln Indonesien ,
lI.gypten und Burma abgehandelt. Tradi-
Die Zeitschrift "Die Aktion "
tionalismus und Sozialismu s - diese 1918-25
Verbindung wird dem Leser in der Dar-
stellung der Verhältnisse im ehemaligen
ca. 280 Seiten, ca. DM 17,80
Tanganyika nahegebracht. Wie Demo-
kratie und Sozialismus miteinander
funktionieren - oder nidlt funktio -
nieren , erfährt der Leser in Lektionen
über afrikanische Länder. Die Wirt-
schaftspolitik im sozialistismen
findet im Kapitel über Agypten gebüh -
Staat
Pahl-
rende Bead::ttung. ·
Auslandskurier Rugenstein
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