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16.

Klassifikation der deutschen Vokale


Die deutschen Vokale werden nach folgenden Merkmalen klassifiziert:
1. Nach der Artikulationsstabilität. Hier unterscheidet man 15 Monophtonge
und 3 Diphtonge. Die Monophthonge sind Vokale mit stabiler Artikulation.
Die Diphthonge sind Vokale mit gleitender Artikulation.
Die deutschen Monophthonge unterscheiden sich nach fünf Merkmalen:
Qualität, Quantität (Dauer), Lippenstellung (labialisierung), Zungenstellung
und Zungenhebung.
2. Nach der Quantität unterscheidet man lange und kurze Vokale.
3. Nach der Qualität unterscheidet man gespannte und ungespannte Vokale.
Alle langen Vokale sind gespannt und eng, alle kurzen Vokale sind
ungespannt und weit.
4. Die deutschen Vokale werden nach der Beteiligung der Lippen
klassifiziert. Man spricht von labialisierten Vokalen, die mit Hilfe der
Lippen gebildet werden, und von nichtlabialisierten Vokalen, die ohne
Beteiligung der Lippen artikuliert werden.
5. Nach der Zungenstellung unterscheidet man Vokale
der vorderen Reihe (e, i, y),

der mittleren Reihe (ɐ, ə, a),

der hinteren Reihe (u, o).


6. Nach der Zungenhebung unterscheidet man Vokale
Der hohen Zungenhebung (i, y, u)
Der mittleren Zungenhebung (e, ö, o)
Flachzungenvokale (a, ɐ, ə)
1. Klassifikation der deutschen Konsonanten.
Die deutschen Konsonanten werden nach 3 Merkmalen klassifiziert:
1. Nach der Artikulationsstelle
2. Nach der Artikulationsart

3. Nach der Beteiligung der Stimmbänder


Nach der Beteiligung der Stimmbänder unterscheidet man stimmhafte
Kons. b d g v z j y ʒ und stimmlose Kons. p t k f s ʃ ҫ ᶍ.
5. Aussprache der deutschen Lauten

1. Das nasale [ŋ] wird ausgesprochen und transkribiert in den


Konsonantenverbindungen -ng- und -nk-: ['laŋə], ['baŋk], aber nicht an der
Wortbildungsgrenze.
Ng – in einer Silbe stehen
Nk- an der morphemgrenze

2. Bei der Artikulation des deutschen Konsonanten H nehmen die Stimmbänder


die sogenannte Hauchstellung ein. Sie nähern sich einander, so daß der Luftstrom
sich an den Stimmlippen reibt und ein Haucngeräusch erzeugt. Die Lippen und die
Zungeneinstellung sowie der Zahnreihenabstand richten sich nach dem folgenden
Vokal. Das deutsche H ist ein stimmloser frikativer Kehlkopflaut. Es kann im
Wort- und Silbenanlaüt vor Vokalen gesprochen werden, z. В.: Hut, Johann,
Ahorn.
3.

4.
6. Phonem ,Graphem
Phoneme sind die kleinsten funktionalen Einheiten der gesprochenen Sprache.
Grapheme sind die kleinsten funktionalen Einheiten der geschriebenen
Sprache.
Phonem
- die kleinste bedeutungsunterscheidene Einheit einer Sprache
- wir besitzen ca. 40 Phoneme, die 26 Graphemen gegenüberstehen
- Beispiele für deutsche Phoneme:

/p/, /t/, /k/ (stimmlose Plosive)


/m/, /n/, /ŋ/ (Nasale)
/a:/, /a/, /e:/, /e/ (lange und kurze Vokale)

Graphem
- die kleinste funktionale Einheit des Schreibsystems einer Schriftsprache
→ Buchstabe

- ein Graphem kann mehreren Phonemen entsprechen


z. B. b → den Phonemen /b/ (Erbe) und /p/ (Erbse),
oder v → den Phonemen /f/ (Vater) und /v/ (Vulkan)
- einem Phonem können mehrere Grapheme entsprechen
z.B. dem stimmlosen /s/ (ß-Laut) → die Grapheme ß (Fuß) und s (Erbse),
oder dem stimmlosen /f/ → die Grapheme f, v und die
Graphemkombination ph

10.Schwa-Laut und Endung –en. Position im Wort- Besonderheiten der


Aussprache. 

Das reduzierte Vokal [ə] wird ausgesprochen:


1) am Ende des Wortes,
2) in den Präfixen be-, ge-;
3) in der Endung –en nach dem Vokal, nach dem Diphthong, nach den
Konsonanten [l],[m],[n],[r],[ ŋ].
4) im Verkleinerungssuffix –chen.
5) im Suffix nach den Konsonanten [g],[l],[r].

Der Murmelvokal wird in der Endung –en [ən] ausgefallen und die
Assimilation nach der Artikulationsstelle entsteht.
Diese Endung wird folgenderweise ausgesprochen:
nach den Konsonanten [b], [p] als [m̩] z. B.: lieben - [ˈliːbm̩]
nach den Konsonanten [g], [k] als [ŋ] z. B.: trinken - [ˈtʁɪŋkŋ̩]
nach den Konsonanten [d], [t], [s], [z], [f], [v], [x], [ ʃ] als [n̩] z. B.: [ˈvaʁtn̩]
[ˈlasn̩] [ˈnɛfn̩]
11.Der Sprechapparat
Die Artikulationsorgane sind aktive Teilnehmer des Sprechens, d.h. sie bewegen
sich. Die Artikulationsstellen sind passiv und bewegen sich nicht, es sind Orte im
Artikulationsapparat, an denen Laute entstehen, d.h. denen sich die
Artikulationsorgane nähern oder die sie berühren, um bestimmte Laute zu
produzieren.
Die wichtigsten Artikulationsorgane des menschlichen Sprechapparats sind die
Lippen und die Zunge
Man unterscheidet die Oberlippe und die Unterlippe .Die Lippen sind ein sehr
bewegliches Sprechorgan (besonders die Unterlippe). Sie können gerundet,
vorgestülpt, gespreizt und zusammengepresst werden. Die Oberfläche der Zunge
nennt man den Zungenrücken. Man unterscheidet die Zungenspitze und die
Zungenwurzel .Die Zungenspitze kann verschiedene Artikulationsstellen
berühren. Der Zungenrücken gliedert sich in die Vorderzunge, die Mittelzunge
und die Hinterzunge. Die Zunge ist sehr beweglich: Man kann sie heben, senken,
vorschieben, nach hinten verlagern. Beweglich ist auch der Unterkiefer .Der
Unterkiefer kann sich horizontal (nach vorne/hinten) und vertikal (nach
oben/unten) bewegen.
Die wichtigsten Artikulationsstellen sind die Zähne, die Alveolen, der Gaumen.
Man unterscheidet die oberen Schneidezähne und die unteren Schneidezähne.
Der Gaumen stellt die obere Begrenzung des Mundraumes dar. Er wird in den
harten Gaumen/den Vordergaumen, und den weichen Gaumen/den
Hintergaumen, eingeteilt. Am vordersten Teil des harten Gaumens, hinter den
oberen Schneidezähnen befinden sich die Alveolen/der Zahndamm,. Der weiche
Gaumen wird in der einschlägigen Literatur auch als Gaumensegel bezeichnet.
Das Gaumensegel endet mit dem Zäpfchen. Das Zäpfchen kann vibrieren.
17.Komponente der Intonation

Die Intonation ist ein komplexes Phänomen. Ihre Bestandteile sind Melodie,


Satzbetonungen, Tempo, Pausen, Lautheit (Lautstärke),
Rhythmus und Klangfarbe.

Unter Melodie versteht man die Veränderungen der Tonhöhe beim Sprechen.


Der Ton verweilt beim Sprechen nie auf gleicher Höhe, er gleitet stets nach
unten und nach oben. Sprachlich relevant (sinnunterscheidend) sind dabei die
Tonveränderungen am Ende der Syntagmen (Grenztöne genannt). Sie zeigen,
ob der Ausspruch zu Ende ist oder weiter geht, ob gefragt oder geantwortet
wird.

Satzbetonungen sind Hervorhebungen einzelner Wörter im Ausspruch über


die anderen. Sie zeigen den inhaltlichen Wert einzelner Begriffe im
Ausspruch.

Das Spre
c htempo i
s t
die Gesc
h windigke
i t unserer
Rede. Sie
wird
gemessen
als Zahl
der Sprecheinheiten (Silben oder Laute) pro Zeiteinheit (Minute oder
Sekunde).

Pausen sind kurze oder längere Unterbrechungen im Redestrom. Sie


gewähren dem Sprecher Zeit zur Redeplanung und dem Hörer — zur
primären Verarbeitung der Informationen.

Unter Lautstärke versteht man subjektive Wahrnehmung der Schallintensitat


im Redestrom. Sie ist einwichtiges Mittel der Hervorhebung im Text.

Rhythmus ist die Wiederkehr gleicher oder ähnlicher Strukturen im


Redestrom. Er ordnet den Redestrom und erleichtert seine Wahrnehmung.

Die Klangfarbe ist eine spezifische Färbung der  Stimme,die durch die


Obertöne entsteht. Die Obertöne ihrerseits ertstehen durch die Unterschiede in
den Resonanzräumen einzelner Sprecher. Diesen Unterschieden liegt der
spezifische Bau des Sprechapparats jedes Menschen zugrunde. Die,KIangfarbe
ist ein wichtiges Mittel zum Ausdruck von Gefühlen und modalen
Schattierungen der Rede.

17.2 Die Satzbetonung gestaltet die einzelnen Laute in Wörter, Redetakte


und Phrasen. Innerhalb des Satzes kann man verschiedene Betonungen nach
ihrer Stärke und ihrer Rolle unterscheiden. Aber jeder Satz hat unbedingt
eine logische Betonung(Phrasenbetonung) (die am stärksten betonte Silbe
im Satz). Wenn der Satz mit bestimmten Gefühlen, Emotionen gesprochen
wird, so spricht man über die emphatische Betonung: wun:derbar!
чудесно!

Unter dem Rhythmus versteht man eine regelmäßige Wiederholung von


betonten und unbetonten Silben, Beschleunigung und Verlangsamung des
Redetempos, Tondauer und Tonintensität etc. Der Rhythmus der Sprachen
ist wenig erforscht. Man kann nur behaupten, die deutsche Sprache hat
einen Stakkato-Rhythmus im Vergleich zum Legato-Rhythmus der
russischen Sprache. Außerdem ist im Deutschen die rhythmische Betonung
verbreitet: vgl. Landbriefträger, Automobil.

Die Pausen dienen zur Gliederung des Redestroms in kleinere Einheiten -


phonetische Wörter, Redetakte und Phrasen, sowie auch zum natürlichen
Atmen. Man unterscheidet abschließende Pausen (zwischen den einzelnen
Sätzen), verbindende (zwischen den einzelnen Syntagmen)
und fakultative (bei langsamem Sprechen).

Nach der Klangfarbe der Stimme kann man urteilen, in welchem Zustand


sich der Sprecher befindet: zornig, freudig, ängstlich, traurig, ärgerlich etc.

Das Tempo zeigt die Anzahl der Rede-Einheiten pro Minute. Im Vergleich


zum Russischen hat die deutsche Sprache ein beschleunigteres Tempo. Die
Sätze werden in der Regel nicht mit gleichem Tempo gesprochen:
dasRhema hat im Satz ein langsameres Tempo als das Thema.

Die Intonation übt die folgenden wichtigsten Funktionenaus:

-kommunikative,
-emotional-expressive,
- gestaltende.

Dank der kommunikativen Funktion der Intonation gliedern sich die Sätze
in Aussage-, Frage- und Aufforderungssätze.
Dank der emotional-expressiven Funktion der Intonation kann man das
Thema und Rhema im Satz unterscheiden, sowie auch beurteilen, in
welchem Gemütszustand gesprochen wird: Zorn, Verdruss, Ärger etc.

Dank der gestaltenden Funktion der Intonation wird der Redestrom in Sätze,
Syntagmen, phonetische Wörter gegliedert. Gleichzeitig wird das
Gesprochene zu einer Ganzeinheit vereinigt.

18.19.Melodienarten

Einer der wichtigsten Bestandteile der Intonation ist sicherlich die Melodie.


Unter der Melodie versteht man die Tonführung. Man
unterscheidet terminale(fallende,
abschließende), progrediente (weiterweisende) und interrogative Melodie.

Die terminale Melodiedrückt die Abgeschlossenheit des Gedankens aus und


ist in der Regel für Aussagesätze, Aufforderungssätze und Fragesätze mit
einem Fragewort kennzeichnend. Die deutsche terminale Melodie ist
im Vorlauf relativ eben, im Vollauf - fallend und imNachlauf - weiterhin
fallend, z.B.: Deine Bücher liegen auf dem Tisch. Wiederholen Sie! Wohin
gehen Sie?

Die progrediente Melodiedrückt die Nichtabgeschlossenheit des Gedankens


aus und kommt in der Regel in den Zwischensyntagmen vor. Die deutsche
progrediente Melodie ist im Vorlauf in der Regel relativ eben, im Vollauf -
fallend-steigend und im Nachlauf ansteigend, z.B.: Wer zuletzt lacht, lacht am
besten.

Die interrogative Melodiedrückt eine Frage aus und kommt in der Regel in
Fragesätzen ohne Fragewort, sowie auch in Wiederholungsfragen und
höflichen Fragesätzen mit einem Fragewort vor. Die deutsche interrogative
Melodie ist in der Regel im Vorlauf relativ eben, im Vollauf - fallend-steigend
und im Nachlauf - weiterhin steigend, z.B.: Lesen Sie? Kannst du singen?

Terminale Melodie im Deutschen


Jeder gesprochene Satz weist eine charakteristische Melodie (Tonhöhenverlauf)
auf. Bei den verschiedenen Satzarten (Aussage-, Aufforderungs-, Fragesatz)
verwendet man andere Melodie.
Terminale Melodie findet man :
- in den Aussagen : Die Niederlande kennen wir als typisches Fahrradfahrerland.
- in den Aufforderungen : Holen Sie bitte Kreide!
- in den Ausrufen : Vorsicht!
- in den Ergänzungsfragen : Wann fährt der nächste Zug ab?
- in den zweiten Gliedern von Doppelfragen : Fliegt ihr nach Österreich oder in die
Schweiz?
- in den selbständigen Anreden : Liebe Freunde!.
Interrogative Melodie
Interrogative Melodie findet man
- in den Entscheidungsfragen : Verstehst du mich?
- in den Nachfragen : Wo liegt das Buch? Wo das Buch liegt?
- in den rhetorischen Fragen : Kennen wir uns nicht?,
- in den Fragen zum Ausdruck des Erstaunens, wobei die Wortfolge des
Aussagesatzes beibehalten wird : Du gehst ins Kino?
Progrediente Melodie
Progrediente Melodie findet man
- in den Satzverbindungen : Ich studiere in Berlin und Peter in Leipzig.
- in den Satzgefügen : An einem anderen Tisch saßen Studenten, die ebenfalls
Wein tranken, guter Laune waren.
- in Anreden : Liebe Gäste, wir singen jetzt ein schönes Lied.
- in den Aufzählungen : Dort wurde getrunken, getanzt, musiziert.
- in den Redeankündigungen und Einleitungen der direkten Rede (er erwiderte,
dass …; der Mann antwortete: „…“).

23. Pausen. Allgemeines. Funktionen der Pausen.

Die Pausen dienen zur Gliederung des Redestroms in kleinere Einheiten -


phonetische Wörter, Redetakte und Phrasen, sowie auch zum natürlichen
Atmen. Man unterscheidet abschließende Pausen (zwischen den einzelnen
Sätzen), verbindende (zwischen den einzelnen Syntagmen)
und fakultative (bei langsamem Sprechen).
1. Akzent. Arten des Akzents. (Melodischer Akzent. Dynamischer Akzent.
Temporaler Akzent)

Beim Sprechen werden die Wörter, die der Sprechende als besonders wichtig
ansieht, hervorgehoben. Dabei wird die betonte Silbe durch Veränderung der
Tonhohe (melodischer Akzent), der Lautstärke (dynamischer Akzent) und der
Dauer (temporaler Akzent) hervorgehoben.
Dynamischer Akzent bedeutet, dass ein Vokal oder ein Diphthong lauter und
stärker ausgesprochen wird. Dynamischer Akzent dient vornehmlich der
Wortbetonung.
Melodischer Akzent bedeutet, dass ein Vokal oder ein Diphthong entweder hoher
oder tiefer ausgesprochen wird. Der melodische Akzent dient vornehmlich der
Abstufung der einzelnen Akzentsilben im Ausspruch.
Temporaler Akzent bedeutet, dass der betonte lang- gespannte Vokal immer länger
gesprochen wird. Diese Art der Betonung wird auf kurz-ungespannte Vokale nicht
anwendbar, Ausdehnung die zeitliche Ausdehnung des Vokals zur
Bedeutungsveränderung führt: die
Stadt - der Staat, in - ihn.

2. Wortbetonung. Akzentuierung der Eigennamen und Ortsnamen.


Akzentuierung der Fremdwörter.
Die Eigennamen und Ortsnamen
Die Eigennamen werden gewöhnlich auf
der ersten Silbe betont: 'Anna, 'Martin,
'Gisela.
Doch haben manche weiblichen
Eigennamen und Blumennamen den
Akzent auf der vorletzten Silbe:
Fride'rike, Be'ate, Su'sanne, Pe'tunie,
Nar'zisse, aber: E'lisabeth, Aza'lee,
Orchi'dee.
In zusammengesetzten Ortsnamen trägt
oft das zweite Glied den Akzent:
Bremer'haven, Neu'seeland,
Neu'brandenburg, Rheinland- 'Pfalz.
Namensfolgen bei Bezeichnungen für
Straßen, Plätze, Gebäude und
Institutionen haben den Hauptakzent auf
dem Namen: die KätheKollwitz-Straße,
die Friedrich-Schiller-Universität, das
GoetheInstitut.

Fremde Wörter
In den fremden Wörtern trägt die letzte lange Silbe den Wortakzent. Eine Silbe
gilt als lang, wenn sie auf einen langen Vokal mit der Schreibung ee, eu, eau, ou,
ei, ie oder auf Vokal + Konsonant endet: Ar'mee, Mi'lieu, Ni'veau, Par'tei,
Melo'die, mon'dän. Das reduzierte E (der Schwa-Laut) wird hierbei nicht als
vollwertiger Vokal beurteilt.
Deutsche Suffixe wie -haft, -keit, -reich, -voll, -isch, -ig, -ung werden in fremden
Wörtern nicht akzentuiert. Der Akzent liegt meist auf der letztmöglichen Silbe:
vo'kalisch, ma'donnenhaft, res'pektvoll, 'chemisch, 'panikartig.
In den meisten fremden Wörtern sind folgende Suffixe nicht akzentuierbar: -um,
-ium, -as, -es, -is, -os, -us, -ax, -ex, -ix, -yx, -ans, - asch, -yr, -ak, -ens, -iker, z.B.
'Forum, Labora'torium, 'Musiker, 'Korpus, Mu'seum, Po'litiker, 'Gulasch, 'Kosmos.
Im Deutschen gibt es auch betonte Suffixen aus Fremdsprachen: -ant, -ent, -and,
-är, -al, -ell, -et, -eur, -graph, -ismus, -tion u.a. (Aspi'rant, Stu'dent, Diplo'mand,
pri'mär, so'zial, experimen'tell, Ma'gnet, Inge'nieur, Foto'graf, Euphe'mismus,
Genera'tion).

3. Satzakzent. Akzentuierung in der gefühlsbetonten Rede.


Akzentuierung in der sachlich-neutralen Rede. 
Akzentuierung in der sachlich-neutralen Rede
Jeder Satz hat einen Hauptakzent, der meistens am Satzende liegt. Längere
Sätze, z.B. Satzverbindungen tragen mehrere Akzente. Der Hauptakzent hebt
nicht das Bekannte, sondern das Neue, noch nicht Gesagte hervor. Je nach dem
Ziel der Aussage kann jedes Wort den Hauptakzent im Satz übernehmen. Er
liegt immer auf der Silbe, die auch den Wortakzent trägt. Den Hauptakzent
können verschiedene Satzglieder tragen. Nichtakzentuierbare Wörter wie
Artikel, Pronomen, Präpositionen, Konjunktionen etc. bilden unter bestimmten
Einschränkungen mit einem Akzentwort rhythmische Gruppen, die so
genannten Akzentgruppen. In der Regel fallen die Grenzen der Akzentgruppen
mit den Satzgliedern zusammen, wobei nicht notwendigerweise jede
Satzgliedgrenze als Pause realisiert werden muss.
Akzentuierung in der gefühlsbetonten Rede
Im Gegensatz zu den Regeln der sachlich-neutralen Rede können bei der
emotionalen Akzentuierung auch nicht-akzentuierbare Wörter wie
Präpositionen, Pronomen, Konjunktionen etc. dynamisch, melodisch oder
temporal hervorgehoben werden. Der Unterschied zur sachlich-neutralen Rede
besteht auch darin, dass alle Wörter stärker ausgesprochen werden:
Das vergesse ich nicht. Das will ich machen. Hier ist es zu warm.

4.  Assimilationen im Deutschen 
 
 
 
 
25. Silbe. Silbentypen. Silbengrenzen. Besondere Trennungsregeln.   
 
Silbentypen  

Die Silbe ist eine rhythmische Grundeinheit der Sprache, die auch als kleinste Laut
gruppe bezeichnet wird. In der deutschen Sprache werden Sprechsilben (phonolog
ische Silben) und Sprachsilben (morphologische Silben) unterschieden. 
 Deutsche Sprache kennt drei Typen von Silben: offene Silbe, geschlossene Silbe, 
relativ geschlossene Silbe.  

Die offene Silbe ist eine Silbe, die auf einen Vokal auslautet: fe-gen, ..lie-gen, tra-
gen, so.  
Die geschlossene Silbe ist eine Silbe, die auf einen Konsonanten auslautet: Ort, Lif
t, kurz, Art.  
Die relativ geschlossene Silbe ist eine Silbe, die auf einen Konsonanten auslautet, 
aber bei der Veränderung des Wortes (= Bildung einer grammatischen Form) kann 
diese Silbe geöffnet werden: fragt (fra-gen). 
 
Um eine relativ geschlossene Silbe zu öffnen, gibt es bestimmte Regeln:  
a) bei Verben – den Infinitiv zu bilden. Der Wechsel vom Präteritum zum Präsens i
st aber nicht möglich: kam – kommen – falsch; kam – (wir) kamen – richtig;  
b) bei einsilbigen Substantiven – Genitiv Singular oder Nominativ Plural zu bilden
: der Tag – die Ta-ge;  
c) bei Ableitungen – auf andere Wörter zurückzuführen, in denen der Vokal in der 
offenen Silbe steht: erheblich – er-he-ben, möglich – mögen. 

Silbengrenze 
Die graphischen Silbengrenzen fallen normalerweise im Deutschen mit den Morph
emgrenzen zusammen. Bei der Silbentrennung müssen aber einige Grundregeln be
achtet werden:
1.Doppellvokale, Diphthonge,-ie- und Vokale mit Dehnungs
h werden nicht getrennt: die See-le, die Bäu-me, geh-en, seh-en. 
ABER: am Anfang des Wortes können Doppellvokale, Diphthonge und Vokale mi
t Dehnungs-h getrennt werden: Ei-fer, Aa-le.
Ein einzelner Vokal kann auch am Anfang des Wortes abgetrennt werden: Ofen,
A-bend.
2. Die Grapheme -ch-, -sch-, -ph-, -th-, dürfen nicht getrennt werden: su-chen, wa-
schen, Ste-phan, Zi-ther.
3. Zwei Konsonanten zwischen den Vokalen werden getrennt: der Verwand-te, die 
El-tern, das Zim-mer, ren-nen.
4. Mehr als zwei Konsonanten zwischen den Vokalen werden vor dem letzten Kon
sonanten getrennt: es knüpf-te, sie rann-te.
5. –ck- wird nicht getrennt: tro-cken, Zu-cker.
28. Phonologie des Deutschen. Phonologische Prozesse im Deutschen:
Akkommodation. Elision. Auslautverhärtung.
Phonologie umfasst den Lautbestand von Einzelsprachen, die möglichen
Veränderungen der Laute unter dem Einfluss der Nachbarlaute. Die Phonologie
kann sowohl auf die gesprochene als auch auf die geschriebene Sprachform
angewendet werden. Aufgaben der Phonologie sind: a) Organisation und
Systematik von Sprachlauten im System; b) Klassifikation von Sprachlauten nach
distinktiven Merkmalen.
Akkommodation ist die Anpassung der Konsonanten an die benachbarten Vokale.
Die Akkommodation kommt im Deutschen nicht oft vor. Die deutsche Sprache
kennt die Akkommodation in Form der Labialisierung der vorangehenden
Konsonanten: Sohn, Dusche, Kuss. Hier werden die Konsonanten leicht
labialisiert.
Mit Elision wird der Ausfall von Segmenten bezeichnet. Der rhythmische Aufbau
des Deutschen bewirkt, dass einzelne Silben, vor allem die unbetonten Silben,
gekürzt werden müssen. Aus diesem Prinzip verschwindet beispielsweise das
reduzierte E [ə] vor dem nasalen Konsonanten und unmittelbar nach dem betonten
Vokal: auf ebenen Straßen, die abgeschnittenen Rosen. Auch der T-Laut kann
ausfallen, wenn er der mittlere Konsonant in einer Dreiergruppe ist: erhältst,
restlich, beachtlich, endlich. Schwa Laut am Ende des Wortes fällt aus.
29. Phonologie des Deutschen. Phonologische Prozesse im Deutschen:
Behauchung, Neueinsatz, Glottisschlag, Palatalisierung.
Der Glottisschlag ist der harte, plötzliche Ansatz von Vokalen beim Sprechen u.
Singen. Knacklaut – der starke Einsatz, wenn vor der Artikulation der Vokale am
Anfang des Wortes oder der Silbe der Anfang der Schwingung von Stimmbändern
aufhört.
Bei der Palatalisierung (Palatum – weicher Gaumen) werden die Konsonanten
durch die Hebung der Mittelzunge zum harten Gaumen weich gesprochen. Die
deutschen Konsonanten [l], [k], [g], [ŋ] werden vor und nach den Vokalen der
vorderen Reihe ein wenig palatalisiert (aber nicht sehr stark): liegen – lagen,
küssen – kurz, Sieg – Sack.

30. Suprasegmentale Merkmale in der deutschen Phonetik.   


Suprasegmentale Merkmale in der deutschen Phonetik Suprasegmentale Merkmale
beziehen sich auf größere lautliche Einheiten wie die Silbe, das Wort oder den
Satz. Die suprasegmentale oder auch prosodische Phonologie untersucht die
segmentübergreifenden Phänomene wie Struktur von Silben, Akzentstruktur von
Wörtern und Sätzen, Satzmelodie u.a. Die wichtigsten suprasegmentalen
Merkmale sind Pause, Akzent und Intonation.
24.Phonetische Stile
Unter phonetischem Stil versteht man die Gesamtheit von typischen phonetischen
Eigenschaften der Rede in bestimmten Sprechsituationen.
Man unterscheidet folgende phonetische Stile: der feierliche Stil, der
wissenschaftlich-sachliche Stil, der offizielle Still, Still der Umgangssprache und
der familiäre Stil.
1. Der feierliche Stil (die Feierrede) ist hauptsächlich der monologischen
Redeweise eigen, die aus verschiedenem Anlass gehalten wird (Eröffnungsreden
bei Tagungen und Versammlungen, festliche Ansprachen, Gratulationen, Aufrufe,
Begrüßungsrede). Die Feierlichkeit des Stils wird durch folgende phonetische
Merkmale bestimmt:
Segmentale Merkmale:
· genaue Beobachtung der Formen deutscher Hochlautung;
· volle Beibehaltung phonematischer Oppositionen;
· teilweise überdeutliche Aussprache;
Suprasegmentale (prosodische) Merkmale:
· langsames Sprechtempo;
· Gliederung der Rede in kleine Redeeinheiten;
· große Zahl von Pausen;
· große Dauer von Sprechpausen;
· große Zahl betonter Silben;
· gleichmässige Verteilung von Betonungen;
· angemessene Lautstärke (größere bei Festreden und kleinere bei Trauerreden)
· deutliche Rhytmisierung der Rede,
· eideutige melodische Gestaltung von größeren und kleineren Redeeinheiten;
· kein großer Stimmunfang, d.h. die Stimme schweift nicht sehr hoch und sinkt
nicht sehr tief.
2. Der wissenschaftlich-sachliche Stil wird sowohl bei der monologischen als
auch bei der dialogischen Redeweise in ihren verschiedenen Arten gebraucht: in
Vorlesungen, Vorträgen, offiziellen Interviews, wissenschaftlichen Diskussionen
usw. Seine Züge werden durch folgende phonetische Merkmale erreicht:
Segmentale Merkmale:
· weniger genaue Beobachtung der orthoepischen Normen;
· Verlust des Lautes [ ∂ ] in manchen Endsilben;
· Verringerung der Dauer mancher Silben.
Suprasegmentale Merkmale:
· normales Tempo;
· Gliederung der Rede in größere Einheiten;
· geringere Zahl der betonten Silben;
· Gebrauch von mehrsilbigen rhytmischen Takten;
· begrenzte Zahl von Sprechpausen;
· kleinere Dauer von Redepausen.
3. Der offizielle Still ist verschiedenen Redeweisen im offiziellen Verkehr eigen.
Das Hauptmerkmal dieses Stils ist das Vorhandensein mindestens eines
Kommunikationspartners, der Autorität repräsentiert (Gespräch im Amtsverkehr,
Fachgespräch, Interview, Bericht, Vortrag, Mitteilung). Die Hauptzüge dieses Stils
werden durch folgende phonetische Merkmale übermittelt:
Segmentale Merkmale:
· häufiger Ausfall des reduzierten [∂ ] in einigen Endungen und im Inlaut;
· Aussprache einiger anlautenden Vokale ohne festen Einsatz;
· Dehnung einiger kurzen Vokale;
· Gebrauch von schriftbedingten Aussprache;
· Gebrauch der phonetischen Ellipse.
Suprasegmentale Merkmale:
· schnelleres Sprechtempo;
· Gebrauch von mehrsilbigen rhytmischen Takten;
· geringe Zahl der rhytmischen Takten mit steigender Tonführung;
· normale Zahl der Pausen;
· geringe Zahl der selbständigen rhytmischen Takte.
4. Der Stil der Umgangssprache ist für den alltäglichen Verkehr charakteristisch,
er kommt hauptsächlich in Form eines privaten Gesprächs, einer Erzählung oder
einer Unterhaltung über Alltagsthemen vor. Dieser Stil wird durch die
Ungezwungenheit, Situationsbezogenheit und durch Emotionalität charakteristisch.
Die inoffizielle Atmosphäre der Rede wirkt so auf Kommunakationspartner, dass
sie sich an die kodifizierten Normen der Aussprache nicht halten wollen und sich
eine gewisse Lässigkeit erlauben. Als phonetische Merkmale des Stils der
alltäglichen Umgangssprache können folgende genannt werden:
Segmentale Merkmale:
· lässige Sprechart, die zur Verschleifung der Laute führt;
· Ausfall des reduzierten [ ∂] in Endungen;
· Ausfall des Vokaleinsatzes;
· Ausfall mancher Vokale und Konsonanten, bzw. ganzer Gruppe von Vokalen und
Konsonanten.
Suprasegmentale Merkmale:
· schnelles Sprechtempo;
· breiter Intensitätsumfang;
· größere Zahl der Satzbetonungen;
· größere Zahl der kurzen rhytmischen Takte;
· größere Zahl der rhytmischen Phrasen mit fallender Tonführung;
· Einwirkung der mundartlichen Intonation.
5. Der familiere Stil ist die Art und Weise des Gebrauchs von Umgangssprache
und örtlichen Mundarten im ungezwungenen Sprechverkehr zwischen guten
Freunden, Verwandten oder Mitgliedern einer Familie. Er wird in Formen von
Dialog, Gespräch, Unterhaltung, Erzählung in einer ungezwungenen Atmosphäre
realisiert.
Als Merkmale dieses Stils können folgende genannt werden:
Segmentale Merkmale:
· nachlässige Lautbildung;
· häufiger Gebrauch von mundartlichen Lautmodifikationen;
Suprasegmentale Merkmale:
· geringe Dauer der rhytmischen Takte;
· geringe Anzahl von Pausen;
· geringe Zahl der rhytmischen Phrasen mit steigender Tonführung;
· große Zahl von rhytmischen Takten mit fallendem Ton;
· geringe Zahl der Satzbetonungen.
20. Nationale Varietäten des Deutschen: Bundesländisches Deutsch.
Die Standardsprache ist eine überregionale und eine polyfunktionale
Existenzform der Sprache, sie erstreckt sich über die Dialekte, die heute nur noch
eine untergeordnete Rolle im Sprachleben Deutschlands spielen. Sie steht allen
Sprechern aus allen sozialen Schichten und Sprechergruppen zur Verfügung und
ist allgemeinverständlich; die Standardsprache existiert in einer schriftlichen
und in einer mündlichen Form, deren ideale Verwirklichung in der Beachtung
von Regeln gilt; sie ist am meisten normativ kodifiziert (d.h. lexikographisch
registriert) – in Wörterbüchern aller Art, aber auch in Grammatiken, Stilistiken
usw. und wird von öffentlichen Medien und Institutionen entwickelt und
kontrolliert. Sie ist die Sprache der schöngeistigen und wissenschaftlichen
Literatur, die Sprache der Poesie, des Funks und Fernsehens, der Schule und
Universität, der Bühne und des Films.

Die gesprochene Stándardsprache beruht auf der norddeutschen Artikulation


der Schriftsprache. Das ist historisch begründet. Seit Martin Luther hat der
sächsische Dialekt die führende Rolle bei der Ausbildung der neuhochdeutschen
Gemeinsprache gespielt. Diese Rolle geht nach dem 7- jährigen Krieg (1756-1763)
an Preußen über. Sachsen ist durch den 7-jährigen Krieg politisch und
wirtschaftlich geschwächt. Damit setzt auch der Niedergang seines sprachlichen
Ansehens ein. Hinzu kommen sprachliche Gründe: die niederdeutsch sprechenden
Protestanten in Norddeutschland mussten das Hochdeutsche, das sie vor allem
durch die Lutherbibel kennen lernten, wie eine fremde Sprache lernen. Es galt die
Regel, nach der Schrift zu sprechen.

Heute ist Deutsch Amtssprache in fünf Staaten (nationalen Zentren):


Deutschland, Österreich, Liechtenstein, Schweiz und Luxemburg. Deutsch ist 3
außerdem noch regionale Amtssprache in Belgien (Ostbelgien: 60000 in Gebieten
um Eupen) und Italien (Südtirol: 20 Gemeinden bei Vicensa, Verona) und als
Minderheitssprache in weiteren 27 Ländern benutzt.

21. Nationale Varietäten des Deutschen: Österreichisches Deutsch.


98% aller Österreicher sprechen Deutsch als Muttersprache. Deutsch ist in
Österreich alleinige Amtssprache. Die Grundlage dieser sprachlichen Varietät
bilden die mittelbairischen Dialekte.

Das Österreichische unterscheidet sich vom bundesdeutschen Standard vor allem


in der Lautung und in der Lexik (so genannte Austriazismen, z.B.: Fleischhauer
(Fleischer), Kundmachung (Bekanntmachung), allfällig (allenfalls, gegebenenfalls,
eventuell), Rauchfangkehrer (Schornsteinfeger), Jänner (Januar), Paradeiser
(Tomate) usw.), die nicht alle nur in Österreich Verwendung finden.
Die auffälligsten Eigentümlichkeiten der deutschen Schrift- und Standardsprache
in Österreich nach P. Wiesinger sind:

 Besonders auffällig für Österreicher ist das Zungen-r. Süddeutsche Sprecher und
Österreicher rollen das r auf eine ganz besondere Art und Weise, während der
übrige deutsche Sprachraum überwiegend ein so genanntes Zäpfchen-r verwendet;

 mit dem benachbarten Bayern wie überhaupt mit dem süddeutschem Raum
bestehen vielfach Zusammenhänge: so werden etwa gemeinsan mit dem
Süddeutschen b, d, g und s gegen die Normforderung nicht stimmhaft, sondern
stimmlos gebildet (so – [so:]);

 ebenso wird ch- als Verschlusslaut k und nicht als Reibelaut ch ausgesprochen,
z.B.[’ki:na], [kε’mi:].

 a wird als o gesprochen wie in «haben» - [’ho:bn],

 die Vokalisierung der Endung -er zu einem a-artigen Vokal, z.B. in Vater,
Mutter, Bruder [’bru:da];

 die Endung -ig klingt wie [ık], z.B.: wenig, König;

 einige Wörter haben abweichende Betonungen: Kaffée, Tabák, Mathemátik,


Lábor;

 beim Substantiv sind Geschlechtsunterschiede: der (das) Gehalt, der (das)


Polster, der (das) Gummi, der (das) Joghurt, der Petersil (die Petersilie), das Eck
(die Ecke), die Cola (das Cola);

 bei der Pluralbildung von Substantiven bevorzugt Österreich, wo es möglich ist,


den Umlaut: Pölster;

 Pluralform wird oft mit -n gebildet: die Mädeln, Bröseln, Knödeln;

 Verkleinerung -el, -erl: Christkindel, Kipfel/Kipferl, Sackerl, Würstel, Zuckerl,


Stamperl, Mädel, Schmankerl;
 der Gebrauch von Präpositionen, z.B. auf etwas vergessen statt etwas vergessen;
von anderen Präpositionen als im Binnendeutschen, z.B. die Vorbereitungen auf
(für) die Wintersaison, auf ein (zu einem) Fest gehen; am Land statt auf dem Land:
am Markt, am Gipfel, am Bahnhof.

 Bub statt Junge; Orange – Apfelsine; Samstag – Sonnabend, heuer – dieses Jahr;
Maut – Zoll; Scherzel – Anschnitt oder Endstück des Brotes; Brösel – Paniermehl;
Kren – Meerrettich; Jenner – Januar; Kassa – Kasse.

22. Nationale Varietäten des Deutschen: Schweizerdeutsch.


Schweizerdeutsch kann sowohl Schwyzerdütsch (also Dialekt), als auch
Schweizer Standarddeutsch (also Standardsprache) bezeichnen. Man muss
diese beiden Varietäten nicht verwechseln – die erste ist regionale, die zweite –
nationale Sprachvarietät. Standarddeutsch ist offiziellen Anlässen und der
Schriftsprache vorbehalten, Schwyzerdütsch wird vor allem im alltäglichen Leben
verwendet.

Schwyzerdütsch ist eine Sammelbezeichnung für die zum Alemannischen


gehörenden Dialekte auf dem Gebiet der Schweiz. Alemannisch wird auch in
Deutschland (Baden-Württemberg, bayrisches Schwaben), im Elsass, in
Liechtenstein und im Westen Österreichs gesprochen.

Der Status des Dialekts ist in der Schweiz ein anderer als in der
Bundesrepublik und in Österreich: er wird in nahezu allen Sprechsituationen
(auch in den Medien) verwendet und als Zeichen der nationalen Abgrenzung
gewertet. Der Dialekt gilt in der Schweiz als familiär, intim und kommunikativ
und hat einen sehr hohen Stellenwert in der Gesellschaft.

Die schweizerische Standardvarietät d.h. das Hochdeutsche ist zwar


Schriftsprache und wird an den Schulen, Universitäten gelehrt, in der Kirche, in
offiziellen Reden sowie in Radio-und Fernsehansagen gesprochen.

Man bezeichnet die Sprachsituation in der Deutschschweiz als mediale


Diglossie und fasst damit zusammen, dass die Verwendung von Dialekt oder
Standardsprache vornehmlich davon abhängt, ob gerade gesprochen oder
geschrieben wird. Das schweizerische Standarddeutsch zeichnet sich ebenfalls vor
allem durch eine besondere Lautung und Lexik (so genannte Helvetismen, z.B.:
Salär 7 «Gehalt», Gipfel/i «Hörnchen», Kehrrichteimer «Mülleimer»,
Kinderzulage «Kindergeld», Konfiserie, Patisserie «Konditorei», Nachtessen
«Abendbrot», der Anken «Butter» Schlagrahm «Schlagsahne», Nüsslisalat «Feld-
salat», Kefe «frühe Erbse», Velo «Fahrrad», Tram «Straßenbahn», Heliokopter
«Hubschrauber», Spital «Krankenhaus», koldern «sich streiten», knorzen «sich
abmühen», aper «schneefrei») aus.

Die auffälligsten Eigentümlichkeiten der deutschen Schrift- und


Standardsprache in der Schweiz beziehen sich vor allem auf die
Monophtongierung:

 bei der Monophtongierung wird Haus zum Hus, die Maus zur Mus, die
Schweiz zur Schwyz und die Pfeife zur Pfife usw;

 als Tempora fehlen beim Schweizerdeutsch das Präteritum und das


Plusquamperfekt völlig;
 was die Verkleinerungen (Diminutiva) Hüsli, Müsli, Bübli, Sträsli, Hösli,
Täschli und Köpfli bedeuten, kann ein geübter Germanistikstudent ohne
Schwierigkeiten wohl selbst herausfinden.

 einem germanischen /k/ im Silbenanlaut entspricht ein [x] (wie in Chind,


chalt), einem /kk/ im Silbeninlaut die Affrikate [k͡x] (wie in Stock
[ʃtok͡x], Sack [z̥ak͡x]).
 ch wird in der Mehrheit der Dialekte stets velar, in manchen stets uvular
ausgesprochen, und zwar auch nach vorderen Vokalen («wichtig»
[ˈʋɪxtiɡ̊]). Palates ch findet sich im Wallis und lokal weiterhin.
 Das r wird in den meisten Dialekten alveolar ausgesprochen
(Zungenspitzen-R),
 /p t k/ werden nicht aspiriert;
 Die Betonung ist häufiger als im Standarddeutschen auf der ersten Silbe
 St und sp als schp und scht- fascht, luschtig

12. Dialekte des Deutschen. Bairisch.


Bairisch ist kein Dialekt der standardhochdeutschen Schriftsprache, die sich erst
deutlich später als künstliche Ausgleichssprache entwickelt hat. Der Unterschied
zwischen Bairisch und Standardhochdeutsch ist z. B. größer als der
zwischen Dänisch und Norwegisch oder zwischen Tschechisch und Slowakisch.

Der bairische Dialekt gliedert sich räumlich in


 Nordbairisch
 Mittel- oder Donaubairisch und
 Südbairisch

 A kann wie O ausgesprochen werden. Was im Hochdeutschen wie ein


schwaches „Ä“ klingt, ist in Bayern ein „E“ oder ein „Ö“ („blöde Kuh =
„bläde Kua“).
 Folgt auf ein E ein L, verschmelzen die Buchstaben zum Doppellaut „ey“.
So wird aus „helfen“ in Bayern „heyfn“.
 Aus „ie“ oder „il“ wird in Bayern ein „ui“. Aus „viel“ wird dabei „vui“ und
aus „hilf“ wird „huif“. Auch ein Ü sprechen die Bayern als „ui“ aus, wie
beispielweise in „Gfuih“ (Gefühl).
 Bei der Aussprache von st und sp nimmt das Bairische eine
Zwischenstellung ein: scht und schp werden häufiger als im
Standarddeutschen ausgesprochen (Durst → Duaschd, Forst →Foaschd
 Die Apokope des e (Name →Nam, Gabe →Gab, Hase → Has)

Artikel
13. Dialekte des Deutschen. Berlinisch.
Der Berliner Dialekt ist der Dialekt, der im Großraum Berlin gesprochen wird. Im
Zusammenhang mit einem oft derben, aber herzlichen Humor wird diese
Ausdrucksweise auch als „Schnauze mit Herz“ bezeichnet.

Beim Berlinerischen handelt es sich sprachwissenschaftlich nicht um einen


Dialekt, sondern um einen „Metrolekt“, eine in großstädtischen Zentren aus einer
Mischung vieler unterschiedlicher Mundarten entstehende Stadtsprache. \

 G → J: Juten Tag, Janz jenau, Jejend (Gegend), Da haste aba ma Jlück


jehabt!
 Ch → k ersetzt: ick, icke (ich), bisscken (bisschen)
 Cht, st→ scht : nüscht (nichts), leischt (leicht); Ist mia wurscht
 das Ersetzen von au durch doppeltes o oder einfaches o; „laufen“ zu
„loofen“.Dabei ist zu beachten, dass au nur zu o wird, wenn ein „altes au“
zugrunde liegt: ooch (auch), Rooch (Rauch)
 ei wird im Berlinischen als ee gesprochen: Beene (Beine), Nee (Nein), keen
(kein), Fleesch (Fleisch)
 Die „Entrundung“ der Vokale : die Vokale ö, ü, eu und äu werden von
Berlinern als e, i und ei ausgesprochen. „Löffel“→„Leffel“ und „neue“ →
„neie“.
 Die Vokalkürzung ist bei einsilbigen Substantiven und Adjektiven, sowie in
einigen Verbformen. („Kricht“ und „jekricht“ sind folglich die verkürzten
Formen vom Verb „kriegen“)
 Nicht betonte Wörter werden in der Satzkonstruktion geschwächt
(reduziert): die unbetonten die, du werden zu „de“; eine und mir zu „n“ und
„ma“
 Beschleunigung durch Zusammenziehung (Sprachökonomie): uffm (auf
dem), wa (nicht war?), vajisset (vergiss es!)
 Elision von den Konsonanten und Vokalen im Auslaut: Ick ha (habe) ne’
Letze!

14. Dialekte des Deutschen. Schwäbisch.


Schwäbische Dialekte bilden zusammen eine Dialektgruppe, die im mittleren und
südöstlichen Bereich Baden-Württembergs, im Südwesten Bayerns sowie im
äußersten Nordwesten Tirols gesprochen wird. Schwäbisch sprechen insgesamt
820000 Menschen.

• Falsche Freunde des Übersetzers:


Wortpaare heben/heba bzw. halten/halda. Deutsch halten entspricht schwäbisch
nicht halda, sondern heba; deutsch heben entspricht schwäbisch nicht heba,
sondern lubfa.

Mit „Fuaß“ wird das Bein bis zum Oberschenkel bezeichnet, das „Kreiz“ (Rücken)
umfasst den ganzen Rücken; und der „Bauch“ umfasst den ganzen Korpus.

• Und nur die Schwaben haben Silben ohne Vokale wie Fenschtrr (Fenster)

• Ein häufiger Gebrauch von „sch“ statt „s“, zum Beispiel „Poschd“ statt
„Post“

• Eine Abschwächung der Konsonanten „t“, „k“ und „p“, zum Beispiel
„Schdual“ anstelle von „Stuhl“

• Eine größere Anzahl an verschiedenen Vokalen als im Hochdeutschen

• Viele Nasal-Laute und Diphthonge

• Das langgedehnte o wäre dabei zu sprechen wie das 'a' im englischen Law:
Beispiel: Schlaf = Schlof.

• Der Buchstabe A wird vor m, n und ng zu einem Diphthong (=Doppellaut),


also Faden bleibt Fada, aber Jammer wird zu Jâmr (Joamr), Mann wird zu
Mâ.

• Immer wenn das 'a' kurz gesprochen wird, wie in Sack, dann bleibt das 'a'
auch im Schwäbischen; wird es lang gesprochen, dann entsteht daraus ein
Diphthong (früher war das a bei Faden kurz (alemmn.: Fadda), deshalb
entsteht hier im Schwäb. kein Diphthong.

• Entrundung Ö zu E: böse – bees, hören – hehra, haira

• -ie → -ea (Riemen→ Reama, niemand → neamrd)

• Ü → ea (Blümchen→Bleamle; grün→grea)

• O und U bleiben unverändert (Ofa (Ofen) oder Luscht (Lust), aber werden
so nasal ausgesprochen,
• Die Konsonantenverbindung st wird grundsätzlich als schd ausgesprochen,
also er ischd (er ist), dr'Laschddr (der Lastwagen), d'Bruschd (die Brust),
d'Grischdine (Christine) und dr Schdoi (der Stein).

• die nebeneinanderstehenden Buchstaben 'nf‘ werden als 'mf' zu


ausgesprochen, das ergibt Sätze wie: Dr Mamfred isch noch Sam Francisco
uff a Komferenz gfloga.

• Jedes „s“ in den Lautgruppen „st“ und „sp“ wird nicht nur im Anlaut,
sondern wenn sie auch im In- und Auslaut stehen, zu „sch“. Bsp: „Die
beschte Mahlzeit ischt halt doch ein gutes Veschper.“