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Dossier

Demografische Alterung und Arbeitskräftemangel:


Eine neue Landkarte der Migration?
In Krisenzeiten und dem damit
einhergehenden Abbau zahl­
reicher Arbeitsplätze ist es heikel,
das Thema Arbeitskräftemangel
auf das Tapet zu bringen. Das än­
dert jedoch nichts an der Bedeu­
tung des Themas, ist doch der Ar­
beitskräftemangel in der Schweiz
auf allen Qualifikationsstufen je
nach Branche beim nächsten Kon­
junkturaufschwung wieder mehr
oder weniger ausgeprägt. Um die­
sen Mangel auszugleichen, greift
die Schweiz bisher hauptsächlich
auf Arbeitskräfte aus der Euro­
päischen Union (EU) zurück. Aus
anderen Regionen kommen gene­ Die Anzahl der älteren Personen wird beträchtlich ansteigen, während der Anteil der aktiven Bevölkerung ab 2018 rück-
läufig sein dürfte. Mit dem dannzumal in vielen Branchen fehlenden Nachwuchs droht einem ganzen Teil der Wirtschaft
rell nur hoch qualifizierte Per­ das Fundament wegzubröckeln.  Bild: Keystone

sonen für eine Arbeitserlaubnis in


der Schweiz in Frage. Angesichts
der Zahlen des Bundesamtes für Statistik
Alternde Bevölkerung und Arbeitsmarkt
der Perspektiven bezüglich (BFS) – illustriert werden. Die aktive Bevöl-
Die demografische Alterung ist ein bei- kerung von 25–44 Jahren umfasst im Jahr
Berufs­bildung und Alterung der
spielloses Phänomen, das die Schweiz und 2007 rund 2,22 Mio. Personen. Bis ins Jahr
Bevölkerung könnte sich in Zu­ seine europäischen Nachbarländer gleicher- 2030 dürfte diese Gruppe um rund 130 000
massen bedroht. Die Zahl der älteren Ein- auf 2,09 Mio. und bis 2050 um 280 000 (ge-
kunft eine Lockerung der Be­
wohnerinnen und Einwohner unseres Landes genüber 2007) auf 1,94 Mio. Personen
schränkungen für diesen Per­ wird sich beträchtlich erhöhen, während der schrumpfen. Die materielle Abhängigkeit der
Anteil der aktiven Bevölkerung ab 2018 rück- älteren Personen von der aktiven Bevölke-
sonen­kreis aufdrängen.
läufig sein dürfte. Das Ausmass dieser Ent- rung wird sich bis 2050 verdoppelt haben.
wicklung kann anhand einer repräsentativen Abgesehen von den steigenden Kosten für die
Stichprobe der aktiven Bevölkerung von Renten und die Gesundheitsversorgung
2007 und der mittleren Projektionen in die droht mit dem dannzumal in vielen Bran-
Jahre 2030 und 2050 – unter Verwendung chen fehlenden Nachwuchs einem ganzen
Teil der Wirtschaft das Fundament wegzu-
bröckeln.
In Zukunft werden Spezialisten mit Be-
1 Die Autoren haben die aktive Bevölkerung anhand des rufsabschluss – neben den Personen in den
Bildungsniveaus in Hochqualifizierte, Qualifizierte so-
wie Unqualifizierte aufgeteilt. Diese Aufteilung ist ihrer
hoch qualifizierten Tätigkeitsfeldern – auf
Meinung nach am besten geeignet, um die Bedeutung dem Arbeitsmarkt besonders gefragt sein.
der Facharbeiter auf dem schweizerischen Arbeitsmarkt
hervorzuheben. Im Gegensatz dazu teilen einige Statis­
Speziell im Sekundär- und Tertiärsektor be-
tiken des BFS die aktive Bevölkerung in zehn grosse Be- Prof. Dr. Raymond Saner Nicolas Velebit steht eine grosse Nachfrage nach solchen
rufsgruppen auf, die zudem als Indikatoren verwendet Titularprofessor an der MA in Internationalen
werden können. Im Rahmen dieser Klassifikation sind
qualifizierten Arbeitskräften. In der Regel
Universität Basel, Lehr­ ­Beziehungen, HEI Genf,
die Kategorien Hochqualifizierte (höhere Kader, intel-
beauftragter Sciences Po, Forschungsassistent
handelt es sich um Absolventen der Sekun-
lektuelle und wissenschaftliche Berufe) sowie Unqualifi-
zierte viel weniger umfangreich als die Gruppen der Paris, Direktor Diplomacy am CSEND, Genf därstufe II, d.h. einer Berufslehre, eines Gym-
handwerklichen Berufe, welche die qualifizierten Tätig- Dialogue, CSEND, Genf velebit@csend.org nasiums oder einer Fachmittelschule.1 In der
keiten umfassen (intermediäre Berufe, Büroangestellte, saner@diplomacydia­ Schweiz hat die überwiegende Mehrzahl der
Dienstleistungs- und Verkaufspersonal, Bauern, Hand- logue.org
werker, Arbeiter, Kondukteure und Monteure). Arbeitnehmenden dieses Bildungsniveau.

57 Die Volkswirtschaft Das Magazin für Wirtschaftspolitik 5-2009


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Grafik 1 Die zuständigen Schweizer Behörden sind


Schweiz: Alterspyramide und Entwicklung gemäss statistischem Referenzszenario, 2007, 2030 und 2050 sich bewusst, dass ein Rückgang der Arbeits-
kräfte mit Berufsbildung ein echtes Problem
Pyramide 2007 darstellt. Sie betreiben einen entsprechend
Bevölkerung 25-44 Jahre grossen Aufwand, um die Ju­gend­lichen zu ei-
Anzahl Personen Alter
ner Berufsausbildung zu animieren. Die
Kampagne berufsbildungplus.ch ist eine der
Männer 95 Frauen
Antworten auf das Problem. Trotz ermuti-
85 genden Resultaten in den letzten Jahren wird
75
bei der Berufsbildung in nächs­ter Zukunft
ein deutlicher Rückgang im Netto­bestand zu
65
verzeichnen sein. Dieser Rückgang erklärt
55 sich teilweise auch durch schwindendes Inte-
45 resse seitens der Jugendlichen aufgrund ver-
änderter Prestige- und Gehaltsvorstellungen.
35
Der demografische Faktor ist jedoch unwi-
25 derruflich. So dürfte sich im Jahr 2017 die
15 Anzahl der Absolventen im ersten Lehrjahr
auf 71 000 einpendeln, gegenüber schät-
5
zungsweise 81 000 im Jahr 2008.2
80 000 60 000 40 000 20 000 20 000 40 000 60 000 80 000
Die Schweiz setzt heute – wie bereits in
der Vergangenheit – auf ausländisches Perso-
Pyramide am 31. Dezember 2030
nal, um den Mangel an Arbeitskräften auf
Bevölkerung 25-44 Jahre dem einheimischen Arbeitsmarkt zu behe-
Anzahl Personen Alter
ben. Zurzeit beträgt die aktive Bevölkerung
der Schweiz rund 4,23 Mio. Personen. Rund
Männer 95 Frauen
ein Viertel davon, also 927 000 Personen, sind
85 ausländische Niedergelassene. Aufgrund der
75 bestehenden Gesetzeslage stammen 85% die-
ser Ausländer aus EU-Ländern.3 An erster
65
Stelle der Herkunftsländer steht Italien, ge-
55 folgt von Deutschland.
45 Zwei Drittel der Arbeitskräfte mit einer
Berufsbildung auf Sekundärstufe II in der
35
Schweiz stammen aus der EU, ein Fünftel da-
25 von allein aus Italien. Allerdings ist Italien
15 auch das Land, das innerhalb Europas sowie
weltweit am stärksten von der demogra-
5
fischen Alterung betroffen sein wird, gefolgt
80 000 60 000 40 000 20 000 20 000 40 000 60 000 80 000
von Deutschland. Auch andere wichtige Be-
zugsländer für Fachkräfte – wie Spanien,
Pyramide am 31. Dezember 2050
Portugal und die neuen EU-Länder – werden
Bevölkerung 25-44 Jahre
mit ihrem eigenen Problem der Alterung zu
Anzahl Personen Alter kämpfen haben. Diese Länder werden somit
die Schweiz nicht nachhaltig mit Arbeitskräf-
Männer 95 Frauen
ten versorgen können.
85

75
Abfederung der finanziellen und
65 ­wirtschaftlichen Folgen
55
Verlagerungen ins Ausland dienen den
45 Interessen der Unternehmen. Kleine und
35
mittlere Unternehmen (KMU) können
dadurch ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern.
25
Gewisse schweizerische Industriebtriebe hal-
15 ten Verlagerungen ins Ausland für ein Mittel,
5
um an billigere und schwerer verfügbare
Arbeitskräfte zu kommen. Nach einer Viel-
80 000 60 000 40 000 20 000 20 000 40 000 60 000 80 000
zahl von privaten Initiativen seitens der
Anmerkung: Gemäss BFS ist das Referenzszenario das Szenario «Mittel», das die Quelle: BFS (2009, 2006a) / Die Volkswirtschaft
in den letzten Jahren beobachteten Entwicklungen fortschreibt und die nach Unternehmen und angesichts der Tatsache,
dem Inkrafttreten des bilateralen Abkommens zum freien Personenverkehr dass das Angebot von Ausbildungsplätzen
feststellbaren Tendenzen berücksichtigt.
sowie die Nachfrage danach in den nächsten

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Grafik 2 Jahren abnehmen werden, sind die zustän-


Beschäftigte Erwerbsbevölkerung (Schweizer und Ausländer) nach Bildungsniveau, 2008 digen Ämter – insbesondere das Bundesamt
für Berufsbildung und Technologie (BBT) –
Schweizer Ausländer aktiv geworden und unterstützen in Ent-
wicklungsländern Berufsbildungsprojekte,
Erwerbsbevölkerung in 1000
2000
die im Interesse der Schweizer Wirtschaft lie-
gen.4 Allerdings greifen Schweizer Unterneh-
1800
men bereits seit langem zum Mittel der Ver-
1600 lagerungen; es ist unwahrscheinlich, dass die
demografische Alterung auf diesem Weg ab-
1400
gefedert werden kann. Auch wenn das Poten-
1200 zial der Verlagerungen im Dienstleistungs-
sektor noch nicht ausgeschöpft ist, können
1000
viele Arbeitsplätze prinzipiell nicht ausgela-
800 gert werden. In jüngster Zeit wurde die Aus-
bildung zu Fachmann/Fachfrau Gesundheit
600 zur langen Liste der Berufsbildungen in der
400
Schweiz hinzugefügt. Sie gehört zur Katego-
rie der nicht marktbestimmten Dienstlei-
200 stungen, welche nur schwer ausgelagert wer-
0
den können. Gerade der Gesundheitsbereich
Sekundärstufe I Sekundärstufe II Tertiärstufe sieht sich angesichts der zunehmenden Alte-
Quelle : BFS / Die Volkswirtschaft rung der ansässigen Bevölkerung mit einer
Knappheit an Fachkräften konfrontiert, wel-
Grafik 3
che alle Bereiche des medizinischen Perso-
nals, des Pflegepersonals sowie der Ärzte-
Nationalität der ständigen ausländischen Wohnbevölkerung mit Ausbildungsniveau auf Sekundärstufe
II, 2008
schaft betrifft.
Die Reform des Rentensystems hatte zum
in %
Ziel, das Rentenalter hinauszuzögern und
Deutschland
12.0 den Anteil der von der aktiven Bevölkerung
19.8 Frankreich abhängigen Älteren zu reduzieren. Die Ab-
4.5 lehnung der Vorlage vom Volk im Jahr 2004
Italien
zeigt den Widerstand vieler Menschen und
Österreich
Unternehmen gegen eine Heraufsetzung des
Spanien und Griechenland Rentenalters. Eine Neuauflage in den näch-
22.5
sten Jahren scheint unwahrscheinlich. Falls
Portugal
23.0
eine Reform des Rentensystems wirklich an-
Westbalkan genommen wird, so dürfte sie kaum so aus-
Übrige
gestaltet sein, dass sie den Arbeitsmarkt
2.7
6.1 wirksam zu beeinflussen und die astrono-
9.4
mischen Kosten für Renten und Gesundheit
 Quelle : BFS / Die Volkswirtschaft herunterzuschrauben vermag.
Es wäre generell sinnvoll, gegen den wie-
derkehrenden Arbeitskräftemangel dauerhaft
wirksame Massnahmen zu ergreifen. Damit
hätte die Schweiz ein Mittel, um die Verände-
rungen von Nachfrage und Angebot zu anti-
zipieren. Heute existiert keine systematische
Studie zum Thema Arbeitskräftemangel oder
-überschuss nach Wirtschaftsbranchen oder
Berufen in der Schweiz, da für eine verläss-
liche Studie dieser Art eine Vielzahl von Pa-
2 Vgl. BFS (2008), S. 24.
rametern berücksichtigt werden müsste.5
3 Die bilateralen Verträge der Schweiz über den freien Personenverkehr mit der EU begünstigen den Zugang von Arbeitskräften aus
der EU gegenüber Arbeitskräften aus Nicht-EU-Ländern.
4 Die Handelskammer Schweiz-Indien und das BBT haben zum Beispiel im Jahr 2007 eine gemeinsame Initiative lanciert mit dem Ziel, Demografische Alterung und
in Indien ein Berufs­bil­dungs­sys­tem zu etablieren, das die Verlagerung eines Teils der Produktion der Maschinen- und Metallindustrie
erlauben könnte. Dieses System bietet indischen Arbeitskräften eine Ausbildungschance und garantiert schweizerischen KMU im Migration von Arbeit
­Gegenzug die Möglichkeit, qualifizierte und billige Arbeitskräfte zu rekrutieren (vgl. Oberson 2008,
S. 13–16). Die Auswirkungen der Alterung der Be-
5 Gemäss Prof. Yves Flückiger des Arbeitsobservatoriums der Universität Genf fehlen heute die Daten zur Durchführung einer solchen
Studie. Überdies hat das angebotene Lohnniveau einen entscheidenden Einfluss auf den zu einem gegebenen Zeitpunkt festgestellten
völkerung auf die Migrationsbewegungen
Arbeitskräftemangel oder -überschuss. Denn dieser kann mehr oder weniger schnell resorbiert werden, je nach Dauer der zur Erlan- zwischen der Schweiz und Drittländern wur-
gung eines Berufs notwendigen Ausbildung oder der sektoriellen Mobilität, die wiederum vom verlangten Ausbildungsniveau sowie
von der Neuorientierungsfähigkeit der arbeitslosen Personen abhängt. Letztere wird von den Berufstätigen in der Beurteilung einer
den bisher noch wenig untersucht. Für die
Mangelsituation in ihrer Branche oft vergessen. Behörden scheint jedoch die Migration von

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Kasten 1 Arbeitskräften kein prioritäres Instrument des Nordens ergeben. Tatsache ist, dass diese
zur Bekämpfung der Alterung zu sein. Die Programme erst am Anfang stehen und dass
Bibliografie
Projektionen des BFS setzen den Migrations- sie stellvertretend für eine neue Tendenz in
– Bonoli Giuliano (2007), Politiques sociale, saldo auf dem Niveau des Durchschnitts der der Migration nach Europa sind. Angesichts
Immigration et natalité: Pourrons-nous letzten zehn Jahre fest, d.h. bei 0,3%, was der demografischen Alterung in den Indus-
éviter le Krach démographique?, in: Chap- ­einer Einwanderung von 20 000 Personen trieländern bekräftigt die UNO, dass der Mi-
pelet Jean-Loup, Contributions à l’action
pro Jahr entspricht. Zum Vergleich: Projekti- gration als Ersatz fehlender Arbeitskräfte
publique, Lausanne, IDHEAP, S. 1–12.
– Direktion für Wirtschaftspolitik (2007), onen in Italien und Deutschland rechnen mit durch aussereuropäische Arbeitnehmende in
Outsourcing, Produktionsstruktur und einem jährlichen Bedarf an Einwanderern den nächsten Jahrzehnten eine positive und
Wertschöpfungsquote, in: Konjunkturten- von 6500 bzw. 6000 pro Mio. Einwohner, um entscheidende Rolle für die betroffenen Län-
denzen, Bern, SECO, Sommer.
– Djajic Slobodan (2008), Reforming the
den Bevölkerungsrückgang aufhalten zu der zukommt.
­System of International Migration, können.6 Die schweizerischen Projektionen
­Genève, The Graduate Institute of Inter­ scheinen vergleichsweise bescheiden.7 Man
national Relations and Development,. Fazit
fragt sich, ob diese Zahlen verschiedenen
– Oberson José (2008), Swiss-Indian Voca-
tional Education and Training Initiative –
Einflussgrössen – wie z.B. der Auswanderung Zahlreiche schweizerische Unternehmen
A Public-Private Partnership Project, – genügend Rechnung tragen und die zu- haben heute Mühe, geeignete Fachkräfte zu
Newsletter of the Swiss-Indian Chamber of künftigen Bedürfnisse des Arbeitsmarktes rekrutieren – ein Problem, das sich im Lauf
Commerce (SICC), November–Dezember, tatsächlich reflektieren. In jedem Fall gehen der nächsten Jahrzehnte noch verstärken
Zürich, S. 13–16.
– Fibbi Rosita (2008), Politique d’asile et die Prognosen aufgrund der ökonomischen wird. Eine Vielzahl von Massnahmen wurde
questions migratoires, in: Annuaire suisse Konvergenzen von einem Rückgang der stän- bereits gegen dieses Ungleichgewicht ergrif-
de politique de développement, Faits et digen ausländischen Wohnbevölkerung mit fen. Eines der schnellsten und wirksamsten
statistiques, Genf, Institut de hautes étu-
Herkunftsländern in der EU aus, während Gegenmittel ist, auf ausländische Arbeits-
des internationales et du développement,
Bd. 27, Nr. 1, S. 197–217). gemäss denselben Statistiken die Einwande- kräfte zurückzugreifen. Die schweizerische
– BFS (2006a), Szenarien zur Bevölkerungs- rung aus Drittländern gleich bleiben sollte. Wirtschaft ist sich dessen schon heute voll
entwicklung 2005–2050, Bundesamt für Der Rückgang von Arbeitskräften aus der EU bewusst. Die Behörden setzen hingegen vor
Statistik, Neuenburg.
wird demnach einen beträchtlichen Verlust allem auf das Ausschöpfen der Arbeitsbeteili-
– Bundesamt für Statistik (2006b), Bevölke-
rungswachstum und demografische Alte- an qualifizierten Arbeitskräften zur Folge ha- gung der Bevölkerung. Zudem ist das Zulas-
rung: ein Blick in die Zukunft. Hypothesen ben, wenn die Schweiz ihre res­triktive Politik sungssystem für ausländische Arbeitskräfte
und Ergebnisse der Bevölkerungsszenarien gegenüber Fachkräften aus Nicht-EU-Län- nur ungenügend auf die Nachfrage nach
für die Schweiz 2005–2050, Neuenburg.
– BFS (2008), Bildungsperspektiven. Szena-
dern beibehält. Fachkräften ausgerichtet. Die demografische
rien 2008–2017 für die Sekundarstufe II, Langfristig dürften die Alterung der Be- Alterung in den Industrieländern wird die
Bundesamt für Statistik, Neuenburg,. völkerung in den Industrieländern, das ra- internationalen Migrationsströme gravie-
– UNO (2001), Replacement Migration: Is It sante Bevölkerungswachstum in den Ent- rend verstärken und verändern. Davon wird
a Solution to Declining and Ageing Popu­
lations?, New York, Economic and Social
wicklungsländern und die fortschreitende auch die Schweiz nicht verschont bleiben.
Council (Ecosoc). Globalisierung eine beträchtliche Verstär- Ein Einwanderungssystem, das aussereuro-
– Sheldon George (2008), Die Rolle der Be- kung der internationalen Migrationsströme päische Fachkräfte ausschliesst, dürfte aus
rufsbildung in der Bekämpfung des Fach- bewirken. Verschiedene Industrieländer pro- diesen Gründen nur schwer zu halten sein.
kräftemangels, Schlussbericht zu einem
Auftrag des Bundesamtes für Berufsbil- fitieren bereits vom fast unerschöpflichen Zwar ist die Einwanderung weder die einzige
dung und Technologie (BBT) an die For- Reservoir an Arbeitskräften der Entwick- Lösung, noch ist sie als völlig problemlos zu
schungsstelle für Arbeitsmarkt- und Indus- lungsländer. So hat etwa Kanada bereits früh- be­trachten. Das Ausmass des durch die de-
trieökonomik (FAI) der Universität Basel.
zeitig Verträge mit Ländern wie Mexiko oder mografische Alterung verstärkten Arbeits­
– Sutherland James (2008), Programme des
travailleurs étrangers temporaires, Sémi- den Philippinen abgeschlossen und immer marktungleichgewichts könnte jedoch die
naire de recherche stratégique sur la mi- weiter ausgebaut, um der steigenden Nach- schweizerischen Behörden davon überzeu-
gration temporaire, Ottawa, Ressources frage nach Fachkräften zu begegnen. Die en- gen, neue Modelle in der Einwanderungs­
humaines et Développement des com-
ge Zusammenarbeit mit den Herkunftslän- politik vorurteilsfrei zu prüfen. m
pétences Canada.
– Thom N., Moser R. et Egger M. (2008), dern garantiert, dass die Stakeholder ihre
­Arbeitsfähigkeit und Integration älterer Verpflichtungen auch einhalten (Rückkehr
Arbeitskräfte in der Schweiz – Datenlage in die Herkunftsländer, Arbeitsbedingungen
und Implikationen, in: Die Volkswirtschaft
1/2, S. 67–70.
in den Gastländern etc.).8 Auch in Europa
greifen Länder wie Spanien oder Frankreich
immer mehr auf Arbeitskräfte aus Ländern
des Südens zurück, die sie den Bedürfnissen
ihrer Wirtschaft entsprechend ausbilden. Da-
mit können diese Länder auf effiziente Weise
die Befriedigung ihrer Nachfrage nach Ar-
6 Vgl. UNO (2001). beitskräften mit dem Kampf gegen illegale
7 Für das mittlere Szenario prognostizieren die Statistiken
einen Höchststand von 8,2 Mio. Personen im Jahr 2036
Einwanderung verbinden. Gewisse Kreise se-
und einen anschliessenden Bevölkerungsrückgang. Mit hen in diesen Praktiken eine Instrumentali-
dieser Bevölkerungszahl hätte die Schweiz also einen
Bedarf an 2400 Einwanderern pro Mio. Einwohner. Das
sierung der Entwicklungszusammenarbeit;
entspricht einem um den Faktor 2,7 tieferen Wert als andere betonen hingegen die neuen Ent­
derjenige, der von der UNO für Italien berechnet wurde
(vgl. BFS 2006b, S. 7).
wicklungsperspektiven, welche sich daraus
8 Vgl. Djajic (2008), S. 12–13. sowohl für die Länder des Südens wie auch

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