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Analyse des volkswirtschaftlichen Nutzens der

Entwicklung eines kommerziellen Tiefseebergbaus


in den Gebieten,
in denen Deutschland Explorationslizenzen
der Internationalen Meeresbodenbehörde besitzt,
sowie Auflistung und Bewertung von
Umsetzungsoptionen mit Schwerpunkt
Durchführung eines Pilot-Mining-Tests

Studie im Auftrag des

Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie


Referat I C 4
Projekt Nr. 59/15

Berichts-Nr. 301 000 285 - 01

Hamburg, 30. September 2016

Gutachtergemeinschaft

c/o Ramboll IMS Ingenieurgesellschaft mbH  Stadtdeich 7 20097 Hamburg  Tel. 040 32818-0  info@ims-ing.de
BMWi - Analyse des volkswirtschaftlichen Nutzens der Entwicklung eines
I
kommerziellen Tiefseebergbaus

Inhalt Seite

1  Veranlassung 1 

2  Aufgabenstellung und Zielsetzung 2 

3  Betriebswirtschaftliche Analyse 4 
3.1  Erträge des Tiefseebergbaus 4 
3.1.1  Mengenmäßige Potentiale 4 
3.1.2  Preise 9 
3.2  Kosten des Tiefseebergbaus 15 
3.2.1  Technologien des Abbaus und der Verhüttung
von polymetallischen Knollen aus der Tiefsee
(CCZ) 15 
3.2.2  Investitions- und Betriebskosten für
polymetallische Knollen 21 
3.3  Methodische Vorgehensweise der
betriebswirtschaftlichen Analyse 60 
3.4  Ergebnisse der betriebswirtschaftlichen Analyse 65 

4  Volkswirtschaftlicher Nutzen für Deutschland 72 


4.1  Branchenanalyse 72 
4.1.1  Branchenstruktur und Wertschöpfungsketten 73 
4.1.2  Quantifizierung (Input-Output Analyse) 76 
4.2  Rohstoffpolitik 79 
4.2.1  Rohstoffverfügbarkeit und
Versorgungssicherheit 79 
4.2.2  Polit-strategische Interessen 88 
4.3  Regulatorischer Rahmen 92 
4.3.1  Finanzregeln für Abbaulizenzen – Draft
Exploitation Regulations 93 
4.3.2  Einzelprobleme der Ausgestaltung der Abgaben 97 
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4.3.3  Haftung und Versicherung 102 


4.3.4  Weiteres Verfahren 108 
4.3.5  Bewertung und Empfehlung 109 
4.4  Förderabgaben 112 
4.4.1  Rechtsgrundlagen 112 
4.4.2  Optionen einer Gestaltung 115 
4.4.3  Empfehlungen 127 

5  Pilot-Mining-Test 128 
5.1  Einleitung 128 
5.2  Historie und technischer Hintergrund 129 
5.2.1  OMI (Ocean Management Inc.) Pilot-Mining-
Test in der Clarion-Clipperton-Zone, 1978 130 
5.2.2  OMCO (Ocean Management Inc.) Pilot-Mining-
Test 1979 132 

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5.2.3  Durchführung von Einwirkungsexperimenten


1989 bis 1996 133 
5.2.4  Deutsch-Französischer Kollektor, 1985 134 
5.2.5  National Institute of Ocean Technology (NIOT),
Indien Kollektor Tests 2005 – 2010 135 
5.2.6  Korean Institute of Ocean Science and
Technology (KIOST) Korean Research Institute
of Ships and Ocean Engineering (KRISO)
Testserien mit Kollektor, Buffer und
Förderstrang 2003 – 2015 136 
5.3  Anforderungen an die Pilot-Mining-Tests 137 
5.3.1  Verordnungen und Empfehlungen der
Internationalen Meeresbodenbehörde (IMB) 137 
5.3.2  Beurteilung der Umweltwirkung durch
Monitoring 138 
5.4  Technische Elemente und Kostenschätzung 140 

6  Umsetzungsstrategien für einen industriellen


Tiefseebergbau 144 
6.1  Einleitung 144 
6.2  Status und Ausblick zu den derzeitigen
Realisierungsaktivitäten im Tiefseebergbau 145 
6.3  Optionen für eine Weiterentwicklung der
deutschen Lizenz in der Clarion-Clipperton-Zone 151 
6.4  Notwendige Beiträge der deutschen Wirtschaft 152 
6.5  Optionen staatlichen Handelns der
Bundesrepublik 153 

7  Zusammenfassung und Empfehlungen 155 

Tabellen II 
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Abbildungen V 

Anlagen VII 

Literatur VII 

Tabellen
Tabelle 3-1:  Arten von Metallvorkommen in der Tiefsee 5 
Tabelle 3-2:  Rohstoffpotentiale im deutschen Lizenzgebiet in
der Clarion-Clipperton-Zone 6 
Tabelle 3-3:  Durchschnittliche Metallkonzentrationen in
weltweit verbreiteten Massivsulfiden an
mittelozeanischen Rücken 7 

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Tabelle 3-4:  Verfahren zur Manganknollenverarbeitung mit


entsprechenden Extraktionsanteilen 8 
Tabelle 3-5:  Erwartete jährliche Absatzmengen nach Metall 8 
Tabelle 3-6-1:  Schätzung der Investitionskosten Detaillierte
Aufstellung 26 
Tabelle 3-6-2:  Schätzung der Investitionskosten Detaillierte
Aufstellung 27 
Tabelle 3-7:  Schätzung der Investitionskosten
Zusammenfassung 28 
Tabelle 3-8:  Schätzung der Investitionskosten und ihres
jeweiligen Anteils an den
Gesamtinvestitionskosten Beschaffung
bevorzugt in Deutschland 31 
Tabelle 3-9:  Schätzung der Investitionskosten und ihres
jeweiligen Anteils an den
Gesamtinvestitionskosten Beschaffung
bevorzugt in Europa 33 
Tabelle 3-10:  Schätzung der Investitionskosten und ihres
jeweiligen Anteils an den
Gesamtinvestitionskosten Beschaffung
international 35 
Tabelle 3-11-1:  Schätzung der Investitionskosten und des
erreichbaren deutschen Lieferanteils
Beschaffung international 38 
Tabelle 3-11-2:  Schätzung der Investitionskosten und des
erreichbaren deutschen Lieferanteils
Beschaffung international 39 
Tabelle 3-12:  Schätzung der Investitionskosten und des
erreichbaren deutschen Lieferanteils
Beschaffung international Zusammenfassung 40 
Tabelle 3-13-1:  Investitionskosten Zuordnung der
Wirtschaftszweige 44 
Tabelle 3-13-2:  Investitionskosten Zuordnung der
Wirtschaftszweige 45 
Tabelle 3-13-3:  Investitionskosten Zuordnung der
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Wirtschaftszweige 46 
Tabelle 3-13-4:  Investitionskosten Zuordnung der
Wirtschaftszweige 47 
Tabelle 3-14-1:  Jährliche Betriebskosten Detaillierte
Aufstellung 49 
Tabelle 3-14-2:  Jährliche Betriebskosten Detaillierte
Aufstellung 50 
Tabelle 3-14-3:  Jährliche Betriebskosten Detaillierte
Aufstellung 51 
Tabelle 3-15:  Jährliche Betriebskosten Zusammenfassung (1) 52 
Tabelle 3-16:  Betriebskosten Zusammenfassung (2) 56 
Tabelle 3-17:  Betriebskosten pro Tonne Trockenmaterial
Zusammenfassung 59 
Tabelle 4-1:  Aufschlüsselung der Investitionskosten (Mio.
Euro nach Szenarien) 75 
Tabelle 4-2:  Volkswirtschaftliche Effekte des Szenarios
Primary German Supply 78 

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Tabelle 4-3:  Volkswirtschaftliche Effekte des Szenarios


Primary European Supply 78 
Tabelle 4-4:  Volkswirtschaftliche Effekte des Szenarios
Primary International Supply 79 
Tabelle 4-5:  Förderung, Reserven und Reichweite
ausgesuchter Metalle (Stand 2016) 83 
Tabelle 4-6:  Wichtigste Förderländer 2014 85 
Tabelle 4-7:  Grad an institutionellem Risiko im
Rohstoffzugang 88 
Tabelle 4-8:  Deutsche und europäische Metallimporte 91 
Tabelle 4-9:  Steuern in der Bergbauindustrie und ihrer Basis 117 
Tabelle 4-10:  Ziele und Geltungsbereich verschiedener
Steuerarten 118 
Tabelle 4-11:  Bewertung von Abgabentypen durch
Regierungen und Investoren (Y = Ja, N =
Nein, ? = fraglich) 123 
Tabelle 6-1:  Auflistung der Lizenzinhaber (Contractors) für
Tiefseebergbau in der Clarion-Clipperton-Zone 145 
Tabelle 6-2:  Deutsche Unternehmen mit Betätigungsabsicht
im Tiefseebergbau 147 
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Abbildungen
Abbildung 3-1:  Historische Entwicklung der
Monatsdurchschnittspreise 9 
Abbildung 3-2:  Historische Sondereinflüsse auf die
Metallpreise 10 
Abbildung 3-2:  Historische Sondereinflüsse auf die
Metallpreise 11 
Abbildung 3-3:  Grundstruktur des Prognosemodells 12 
Abbildung 3-4:  Ergebnisse Preisprojektionen 14 
Abbildung 3-5:  Referenzsystem zum Abbau von
polymetallischen Knollen bestehend aus
Basisschiff, Förderstrang, Kollektoren,
Austragungssystem für Prozesswasser, Bulk-
Carrier und Beladungssystem (Transshipment) 18 
Abbildung 3-6:  Schätzung der Investitionskosten für das
Fördersystem, bestehend aus Basisschiff,
Förderstrang, Kollektor und
Austragungssystem Prozeßwasser Beschaffung
bevorzugt in Deutschland oberer Ansatz 29 
Abbildung 3-7:  Schätzung der Investitionskosten und ihres
jeweiligen Anteils an den
Gesamtinvestitionskosten Beschaffung
bevorzugt in Deutschland oberer Ansatz 32 
Abbildung 3-8:  Schätzung der Investitionskosten und ihres
jeweiligen Anteils an den
Gesamtinvestitionskosten Beschaffung
bevorzugt in Europa oberer Ansatz 34 
Abbildung 3-9:  Schätzung der Investitionskosten und ihres
jeweiligen Anteils an den
Gesamtinvestitionskosten Beschaffung
International oberer Ansatz 36 
Abbildung 3-10:  Gesamtinvestitionskosten für -
Fördersystem - Bulk-Carrier - Anlagen zur
Aufbereitung und Metallurgie -
Forschungsschiff zur Umweltüberwachung -
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Leistungen des Bauherrn Beschaffung


International unterer Ansatz Erreichbarer
deutscher Lieferanteil 41 
Hinweis:  Die in den Diagrammen angegebenen
Prozentzahlen beschreiben jeweils den Anteil
an dem Gesamtvolumen [Mio. USD] des
Förder-systems und der anderen vier
betrachteten Gruppen. Die Summe der
angegebenen Prozentzahlen ist deshalb nicht
100%. 41 
Abbildung 3-11:  Gesamtinvestitionskosten für -
Fördersystem - Bulk-Carrier - Anlagen zur
Aufbereitung und Metallurgie -
Forschungsschiff zur Umweltüberwachung -
Leistungen des Bauherrn Beschaffung
International oberer Ansatz Erreichbarer
deutscher Lieferanteil 42 

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Hinweis:  Die in den Diagrammen angegebenen


Prozentzahlen beschreiben jeweils den Anteil
an dem Gesamtvolumen [Mio. USD] des
Förder-systems und der anderen vier
betrachteten Gruppen. Die Summe der
angegebenen Prozentzahlen ist deshalb nicht
100%. 42 
Abbildung 3-12:  Jährliche Betriebskosten
(Zusammenfassung 1) - Abbau der
polymetallischen Knollen - Seetransporte und
Basishafen - Verhüttung unterer Ansatz 53 
Abbildung 3-13:  Jährliche Betriebskosten
(Zusammenfassung 1) - Abbau der
polymetallischen Knollen - Seetransporte und
Basishafen - Verhüttung oberer Ansatz 54 
Abbildung 3-14:  Jährliche Betriebskosten
(Zusammenfassung 2) - Energiekosten gesamt
- Hilfsstoffe gesamt - Verwaltung,
Instandhaltung, Versicherungen gesamt -
Lohnkosten und weitere Personalkosten gesamt
- Sonstige Kosten gesamt unterer Ansatz 57 
Abbildung 3-15:  Jährliche Betriebskosten
(Zusammenfassung 2) - Energiekosten gesamt
- Hilfsstoffe gesamt - Verwaltung,
Instandhaltung, Versicherungen gesamt -
Lohnkosten und weitere Personalkosten gesamt
- Sonstige Kosten gesamt oberer Ansatz 58 
Abbildung 3-16:  Systematik des Discounted Cash Flow
Ansatzes 61 
Abbildung 3-17:  Arten von Risiken im Tiefseebergbau 62 
Abbildung 3-18:  Verteilung des Kapitalwerts (Oberszenario
1) 67 
Abbildung 3-19:  Kumulierte DCF im Erwartungswert:
Oberszenario 1, Primary International Supply 67 
Abbildung 3-20:  Verteilung des Kapitalwerts (Oberszenario
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2) 69 
Abbildung 3-21:  Kumuliert DCF im Erwartungswert:
Oberszenario 2, Primary International Supply 70 
Abbildung 3-22:  Sensitivität des erwarteten Kapitalwertes
gegenüber der Discount Rate 71 
Abbildung 4-1:  Wertschöpfungseffekte im Tiefseebergbau 73 
Abbildung 4-2:  Struktur einer Input-Output-Tabelle 77 
Abbildung 4-3:  Dynamik von Reserven und Ressourcen 81 
Abbildung 4-4:  Geografische Verteilung der
Förderkonzentration 86 
Abbildung 4-5:  Herfindahl-Index der globalen
Förderkonzentration in 2014 87 
Abbildung 4-6:  Historische Angebots- und
Nachfrageentwicklungen global 89 
Abbildung 4-7:  Historische Verbrauchsentwicklung
Deutschland 90 

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Abbildung 4-8:  Globale Rohstoffkonzentration und


deutsche Importabhängigkeit 92 
Abbildung 4-9:  Bewertungspunkte entlang der
Wertschöpfungskette 120 
Abbildung 4-10:  Vor- und Nachteile der
Bemessungsgrundlagen für Förderabgaben 122 
Abbildung 5-1:   OMI Pilot-Mining-Test 1978 Systemskizze 130 
Abbildung 5-2:   OMI Pilot-Mining-Test Umgerüstetes
Bohrschiff SEDCO 445 131 
Abbildung 5-3:   OMI Pilot-Mining-Test Geschleppter
Kollektor mit hydraulischem Aufnahmesystem 131 
Abbildung 5-4:   Kollektor des OMCO Projekts an Bord der
Glomar Explorer(1979) 132 
Abbildung 5-5:   Experiment zur Erforschung der
Aufwirbelung von Sediment am Meeresboden
mittels mechanischer Egge 133 
Abbildung 5-6:  Schematische Skizze für den Test des
deutsch-französischen Kollektors, 1993 134 
Abbildung 5-7:  Schematische Skizze des deutsch-
französischen Kollektors, 1985 134 
Abbildung 5-8:  NIOT Kollektor 135 
Abbildung 5-9:  Kollektor, Buffer und Riser mit
Pumpensystem (KIOST/KRISO) 136 
Abbildung 5-10:  Umwelteinwirkungen eines Pilot-Mining-
Tests (in 3 Zonen) 138 
Abbildung 5-11:  Schematischer Ablauf eines Pilot-Mining-
Tests 140 
Abbildung 5-12:  Zeitlicher Ablauf eines Pilot-Mining Tests 142 
Abbildung 5-13:  Kostenschätzung der Pilot-Mining-Tests 142 
Abbildung 6-1:  Struktur einer europäischen
Gemeinschaftsinitiative zur Realisierung eines
Pilot-Mining-Tests 150 

Anlagen
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Anlage 1 Ökonometrisches Prognosemodell für Preisprojektionen


Anlage 1.1 Modellvariablen
Anlage 1.2 Modellgleichungen
Anlage 1.3 Schätzergebnisse
Anlage 2 Rohstoffsynopsen
Anlage 2.1 Kobalt
Anlage 2.2 Kupfer
Anlage 2.3 Mangan
Anlage 2.4 Nickel
Anlage 2.5 Seltene Erden

Literatur
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1 Veranlassung

Mit Datum vom 19. November 2015 erteilt das Bundesministerium


für Wirtschaft und Energie, Referat IC4, der Bewerbergemeinschaft
Ramboll-IMS und HWWI den Auftrag zur Erstellung einer Studie zum
Thema:

„Analyse des Volkswirtschaftlichen Nutzens der Entwicklung eines


kommerziellen Tiefseebergbaus in den Gebieten, in denen Deutsch-
land Explorationslizenzen der Internationalen Meeresbodenbehörde
besitzt, sowie Auflistung und Bewertung von Umsetzungsoptionen mit
Schwerpunkt Durchführung eines Pilot-Mining-Tests“.

Folgende Unternehmen und Personen haben die Studie erstellt:

Für die Gutachtergemeinschaft:

– Ramboll IMS Ingenieurgesellschaft mbH (R-IMS), Stadtdeich 7,


20097 Hamburg

– Hamburger Weltwirtschaftsinstitut (HWWI), Heimhuder Straße 71,


20148 Hamburg

Als Nachunternehmer:

– MH Wirth GmbH, Kölner Straße 71-73, 41812 Erkelenz

– Prof. Dr. Andrea Koschinsky, Jacobs University, Campus Ring 1,


28759 Bremen

– Prof. Dr. Uwe Jenisch, Graf-Luckner-Straße 106, 24159 Kiel


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2 Aufgabenstellung und Zielsetzung

Die Aufgabenstellung der Studie kann kurz gefasst wie folgt beschrie-
ben werden:

– Analyse der betriebswirtschaftlichen Profitabilität des kommerziel-


len Tiefseebergbaus

– Analyse des volkswirtschaftlichen Nutzens für Deutschland

– Aufzeigen des notwendigen Investitionsbedarfs zur Durchführung


eines Pilot-Mining-Tests

– Aufzeigen der Umsetzungsmöglichkeiten eines kommerziellen Tief-


seebergbaus in den deutschen Lizenzgebieten.

Die Beurteilung der Umweltverträglichkeit des Tiefseebergbaus ist


nicht Gegenstand der Studie, weil die Klärung der volkswirtschaftli-
chen Fragen zunächst im Vordergrund steht. Im Rahmen des Pilot-
Mining-Tests sind eine Fülle von Umweltdaten zu erheben, die erst
eine ausreichend detaillierte Analyse der Umweltverträglichkeit erlau-
ben werden.

In der vergangenen Dekade hat die Bundesrepublik Deutschland


die Forschung und Entwicklung für den Tiefseebergbau mit etwa
50 Mio. € gefördert. In diesem Zusammenhang wurden auch
Explorationslizenzen für polymetallische Knollen (Manganknollen)
und Massivsulfide erworben. Die deutschen Lizenzgebiete umfassen
insgesamt 85.000 km2, verteilt auf zwei Areale mit 17.000 km2 im
zentralen Bereich und 58.000 km2 im Osten des sogenannten pazifi-
schen Manganknollengürtels (Clarion-Clipperton-Zone) sowie ein
ca. 10.000 km2 großes Gebiet südöstlich von Madagaskar mit
hydrothermalen Sulfiderzen (Massivsulfiden).
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Die Lizenz für polymetallische Knollen steht in absehbarer Zeit zur


Verlängerung an. Weiterhin erproben andere Nationen bereits
Spezialgerät für den Abbau von Manganknollen.

Mit Blick auf die besondere Struktur der für den Tiefseebergbau rele-
vanten deutschen Unternehmenslandschaft, die mehr auf Anlagen-
technik und Dienstleistung denn auf konkreten Abbau gerichtet ist, ist
es das übergeordnete Ziel der Studie zu ermitteln, ob und wie ein
fortgesetztes deutsches staatliches Engagement im Tiefseebergbau
sinnvoll und gerechtfertigt ist.

Zeitlich drängend ist dabei die Frage, ob und wie weit Deutschland
die Durchführung eines Pilot-Mining-Tests fördert. Deutschland ist im
Vergleich zu anderen Lizenznehmern bei der Exploration der Vor-
kommen an polymetallischen Knollen verhältnismäßig weit vorange-
kommen. Soll der Vorsprung weiter gehalten werden, sind verhält-
nismäßig hohe Investitionen für den Pilot-Mining-Test erforderlich.

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Der eigentliche industrielle Abbau könnte nach erfolgreicher Durch-


führung der Pilot-Mining-Tests durch Beantragung einer Abbaulizenz
beginnen. Die Studie zeigt auf, wie sich die Rohstoffmärkte entwi-
ckeln müssen, um Investitionen in den Abbau auszulösen. Solche
Marktentwicklungen wären notwendig, um Deutschland eine kommer-
zielle Verwertung seiner Lizenzen zu ermöglichen.

Deswegen werden zunächst in Kap. 3 die Rohstoffmärkte untersucht.


Es werden verschiedene Preisszenarien für die aus den polymetalli-
schen Knollen gewinnbaren Rohstoffe entwickelt und damit Erlöse für
die betriebswirtschaftliche Analyse berechnet. Auf der Kostenseite
werden die Investitions- und Betriebskosten abgeschätzt. Dabei wird
besonderes Augenmerk darauf gelegt, den Anteil der Wertschöpfung
in Deutschland zu bestimmen. Das Ergebnis bildet eine umfassende
Analyse der betriebswirtschaftlichen Attraktivität des Abbaus, um
daraus Abschätzungen über die Realisierungsnähe zu gewinnen.

Kap. 4 ist den volkswirtschaftlichen Effekten für Deutschland gewid-


met. Es beleuchtet auch die Frage der Rohstoffsicherheit. Ferner wird
der regulatorische Rahmen dargestellt und es wird untersucht, ob und
in welcher Höhe Förderabgaben erzielbar sind.

Die Umsetzung des Pilot-Mining-Tests ist der nächste und letzte


Schritt für den Abschluss der Exploration in den deutschen Lizenzge-
bieten der polymetallischen Knollen (Clarion-Clipperton-Zone).
Kap. 5 schätzt den erforderlichen finanziellen Aufwand ab und
beschreibt Möglichkeiten zur Umsetzung des Tests.

Tiefseebergbau wird nur dann politisch umsetzbar sein, wenn er in


ausreichendem Maße umweltverträglich ist. Dieser Prämisse folgend
wird insbesondere in Kap. 5 aufgezeigt, wo im Rahmen eines Pilot-
Mining-Tests weitere Untersuchungen zur Umweltverträglichkeit not-
wendig sind, um die Machbarkeit des Tiefseebergbaus auch unter
diesem Gesichtspunkt nachweisen zu können.

Kap. 6 geht der Frage der Umsetzung des Tiefseebergbaus als Ganzes
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nach. Dazu wird zunächst das Verhalten anderer Lizenznehmer auf-


gezeigt, mit dem Ziel, deren Nähe zur Realisierung eines Abbaus ein-
zuschätzen. Es werden Handlungsstrategien für Deutschland - insbe-
sondere für die Bundesregierung - abgleitet, die die Wahrung und den
Ausbau der bereits erarbeiteten Chancen im Tiefseebergbau zum Ziel
haben.

Um eine Vereinheitlichung der Schreibweise mit den Quellen aus eng-


lischen Sprachraum erreichen zu können, wird im gesamten Doku-
ment die amerikanische Schreibweise für Dezimalzahlen (Punkt statt
Komma) verwendet.

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3 Betriebswirtschaftliche Analyse

Dieser Abschnitt untersucht die betriebswirtschaftliche Profitabilität


eines kommerziellen Abbaus polymetallischer Knollen im deutschen
Lizenzgebiet in der Clarion-Clipperton-Zone (Hinweis: in den folgen-
den Abschnitten wird neben der Bezeichnung „polymetallische
Knollen“ auch die Bezeichnung „Manganknollen“ verwendet). Aus-
gehend vom aktuellen Kenntnisstand bezüglich zukünftiger Erlöse und
Kosten wird eine Rentabilitätsbewertung aus Investorenperspektive
mithilfe des Discounted Cash Flow (DCF) Ansatzes vorgenommen.
Angesichts der unvermeidbaren Unsicherheit im Hinblick auf die zu-
künftige Metallpreisentwicklung wird dabei zwischen verschiedenen
Preisszenarien unterschieden. Ein Szenario rechnet mit auf Grundlage
eines ökonometrischen Prognosemodells projizierten Preisen: In die-
sem Fall wird von kontinuierlich steigenden Metallpreisen ausgegan-
gen. In den übrigen Szenarien werden jeweils Durchschnittspreise
aus jüngsten Zeiträumen von verschiedener Länge angesetzt. Es
zeigt sich, dass die zukünftige Entwicklung der Metallpreise eine ent-
scheidende Rolle für die Frage der betriebswirtschaftlichen Rentabili-
tät spielt. Im Projektionsszenario ist das Vorhaben als eindeutig ren-
tabel einzustufen, bei Zugrundelegung der gegenwärtigen Preisni-
veaus jedoch nicht. Diese Resultate sind weitgehend unabhängig von
der Wahl des Diskontierungsfaktors in der Cash Flow Analyse.

3.1 Erträge des Tiefseebergbaus

Als Erträge aus dem Tiefseebergbau sind die aus dem Verkauf der
geförderten Metalle am Markt zu erzielenden Erlöse zu erfassen. Zu
deren Bestimmung werden einerseits Informationen über zu realisie-
rende Mengen aus Förderung und Verhüttung, zum anderen Erwar-
tungen über zukünftige Preisentwicklungen benötigt. Da im Hinblick
auf die Rohstoffmengen zum Studienzeitpunkt lediglich konkrete In-
formationen für das deutsche Lizenzgebiet der Manganknollen vorla-
gen, beschränken wir uns in unserer Rentabilitätsrechnung im Fol-
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genden auf den Manganknollenabbau.

3.1.1 Mengenmäßige Potentiale

Die Rohstoffvorkommen der Tiefsee nehmen verschiedene Formen


an, die sich sowohl im Hinblick auf Lage und Erscheinungsbild, als
auch auf ihre metallurgische Struktur deutlich voneinander unter-
scheiden. Tabelle 3-1 listet die vier bekannten Arten an Vorkommen
mit ihren zentralen Eigenschaften auf. Die hinsichtlich ihres Rohstoff-
gehalts interessantesten Arten sind die Manganknollen sowie die hyd-
rothermalen Sulfiderze (auch als Massivsulfide bezeichnet). Beide
enthalten potentiell eine Menge industriell verwertbarer Buntmetalle.
Ein wesentlicher Unterschied besteht in der Zugänglichkeit. Einerseits
befinden sich die Manganknollenvorkommen in deutlich größeren
Wassertiefen als die Massivsulfide, was grundsätzlich erst einmal grö-
ßere Herausforderungen mit sich bringt. Andererseits ist der Abbau-

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prozess im Falle der Massivsulfide notwendigerweise deutlich komple-


xer: Die Metallschichten müssen aus dem Massivgestein erst heraus-
geschlagen werden. Die Manganknollen sind dagegen größtenteils
locker im Sediment verteilt, der Abbauvorgang hat hier also lediglich
den Charakter eines Einsammelns.

Tabelle 3-1: Arten von Metallvorkommen in der Tiefsee

Typ Beschreibung Umfang Wachstum Optimale Rohstoffe Wichtigste


Umwelt Lagerstätten

Hydro- Konzentrierte Bis zu Akkumulie- Junge Pb, Zn, Cu Rotes Meer,


thermale Vorkommen mehrere km2; ren sich über ozeanische +/- Manus Basin
Sulfiderze sulfidischer bis zu hunderte Kruste, z.B. Au, Ag und
(Massiv- Minerale mehrere bis zu Spreizungs- Mittel-
sulfide) (>50-60%) Zehner Meter zehn- rücken und ozeanische
entstanden dick tausende Intraplatten- Rücken
durch von Jahren Vulkane
hydrothermale oder
Aktivität am Inselbogen-
Meeresboden Regionen;
Hydro-
thermalische
Quellen die
Hoch-
temperatur-
lösungen
ausstoßen

Poly- Konkretionen Knollen: Einige Tiefsee- Mn, Ni, Cu, Co Clarion-


metallische von lagigen typischerweise mm bis cm Becken, +/- Clipperton-
Knollen Eisen- und 5-10 cm; pro Millionen Wassertiefe Mo, Zn, Zr, Li, Zone,
(Mangan- Manganoxiden Deposits: Jahre 4000–6000 m, Pt, Ti, Ge, Y, auch
knollen) mit bis zu Flachhang mit REEs Peru Basin
assoziierten Hunderten geringer und
Wertmetallen von km2; Sedimentie- Zentraler
aus der <0,5 m dick rung Indischer
Wassersäule Ozean
oder dem
Sediment

Ferro- Lagige Bis zu 1-6 mm Umfangreicher Mn, Co, Ni, Zentraler


Mangan- Mangan- und mehrere km2; Wachstum Bestand an Cu, Te, Mo, äquatorialer
krusten Eisenoxide mit <0,3 m dick pro Millionen Substrat- Zr, Ti, Bi, Ni, Pazifik,
assoziierten Jahre gestein, Pt, W, REEs äquatorialer
Wertmetallen Wassertiefe Indischer
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aus der 800–2500 m Ozean


ozeanischen und
Wassersäule Zentraler
auf hartem Atlantik
Substrat-
gestein von
unter-
meerischen
Bergen und
Rücken

Phosphorite Sedimentäres Bis zu Akku- Geringer Apatit, Auftriebs-


Gestein mit Hunderte von mulieren Sauerstoff, ein Kalzium- gebiete,
Kalcium- km2; sich über geringe Sedi- phosphat Seeberge
phosphat typischerweise hunderte, mentierung, Mineral und
von meist <0,5 m dick tausende Flachhang, Inselregionen
biogenem oder Nähe zu
Ursprung in Millionen von nährstoff-
Regionen Jahren reichen
hoher Bio- Aufwärts-
produktivität strömungen

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Im Bereich der Manganknollen verfügt die Bundesrepublik Deutsch-


land seit 2006 über ein Lizenzgebiet im Pazifischen Ozean, einem
75000 km2 großen Areal in der Clarion-Clipperton-Zone (zwischen
Hawaii und Mexiko). In Tabelle 3-2 findet sich eine Aufschlüsselung
des durchschnittlichen Metallgehalts dieser Knollen auf Grundlage von
Erkenntnissen aus der jüngsten Erkundungsfahrt der BGR (Stichpro-
bengröße: 619 Knollen). Mangan macht als Namensgeber erwar-
tungsgemäß den mit Abstand größten Anteil aus. Daneben finden sich
aber auch einige weitere werthaltige und an Land nur begrenzt ver-
fügbare Metalle wie Nickel, Kupfer und Kobalt mit nennenswerten
Mengenanteilen. Insgesamt wird deutlich, dass die Zusammenset-
zung der Manganknollen sehr heterogen ausfällt. Die enthaltenen
Metalle stünden prinzipiell für eine große Bandbreite an industriellen
Anwendungen zur Verfügung (siehe Anlage 2). Die in der Tabelle 3-2
genannten Gesamtmengen in den deutschen Lizenzgebieten wurden
durch die BGR 2015 auf der Grundlage aktueller Erkundungen ermit-
telt.

Im Bereich der Massivsulfide verfügt Deutschland erst seit 2014 über


ein Lizenzgebiet. Es liegt an der „Rodriguez Triple Junction“ im Indi-
schen Ozean südöstlich von Madagaskar. Eine Erkundungsmission der
BGR Ende 2015 hat erste Erkenntnisse über den Metallgehalt der ört-
lichen Sulfidablagerungen geliefert. Danach sind dort wertvolle Metal-
le wie Kupfer, Zink und Gold anzutreffen. Genauere Informationen
über die Konzentration einzelner Metalle liegen zurzeit aber noch
nicht vor. In Tabelle 3-3 sind alternativ als allgemeine Orientierung
geschätzte Durchschnittswerte zur Metallzusammensetzung bei Vor-
kommen weltweit aus einer Arbeit von Petersen (2013) dargestellt.

Tabelle 3-2: Rohstoffpotentiale im deutschen Lizenzgebiet in der


Clarion-Clipperton-Zone
Gesamtmenge im Gesicherte Land-
deutschen Landreserven ressourcen
Lizenzgebiet
Prozentual BGR USGS USGS
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Metall [Gew. %] Mio. t Mio. t Mio. t


Mangan 31.50 195.365 620 ?
Nickel 1.40 8.744 79 130
Kupfer 1.18 7.318 720 2100
Ilmenit: 740
Titan 0.26 1.588 > 2000
Rutil: 54
Kobalt 0.18 1.085 7 25
Zink 0.16 0.962 78 ?
Seltene Erdmetalle 0.069 0.428 130 ?
Vanadium 0.063 0.391 14 41
Molybdän 0.062 0.385 11 14

Quellen: BGR, mündliche Mitteilung (2016); USGS (2016); HWWI (2016). Berechnung:75.000 km2 in der Clari-
on-Clipperton-Zone

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Tabelle 3-3: Durchschnittliche Metallkonzentrationen in weltweit verbrei-


teten Massivsulfiden an mittelozeanischen Rücken

Konzentration Gesicherte Landreserven

Element [Gew. %] Mio. T


Eisen 26.9 85000
Schwefel 34.8 ~ 605000
Kupfer 4.9 720
Zink 7.7 230
Blei 0.2 87
[g/t]
Gold 1.2 0.055
Silber 89 0.530

Quellen: Petersen (2013); USGS (2016)

Für die Rentabilitätsrechnung ist zu bestimmen, welche der in den


Manganknollen enthaltenen Metalle im Rahmen des Verhüttungspro-
zesses überhaupt unter angemessenen Aufwand extrahiert werden
können.

Da Voraussagen über die technologische Entwicklung in diesem Be-


reich schwierig sind, wird für dieses Gutachten - wie schon in der Be-
stimmung der Kostenseite - von dem zurzeit am stärksten erprobten
Verfahren, demes High-Pressure/High-Temperature Leaching ausge-
gangen, siehe auch Kapitel 3.2.1, Seite 19 ff.

Zwar existiert in der Konzeption eine Vielzahl an Alternativverfahren,


Einschätzungen zu deren Kostenstruktur wären aus heutiger Sicht
jedoch rein spekulativ.

Demnach kann der Mangananteil zurzeit im industriellen Maßstab


nicht extrahiert werden. Es verbleiben Kupfer, Kobalt und Nickel als
gewinnbare Metalle, wobei jeweils Recovery Rates von deutlich über
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80 % realisiert werden können. Um hieraus die Absatzmengen pro


Jahr bestimmen zu können, muss zunächst ermittelt werden, wieviel
Tonnen eines einzelnen Metalls jährlich über den Abbau der Man-
ganknollen im deutschen Lizenzgebiet gefördert werden. Für diese
betriebswirtschaftliche Analyse wird von einer jährlichen Fördermenge
von 3 Millionen Tonnen1 Manganknollen (Trockenmaterial) ausgegan-
gen.

1
Bei dieser Förderrate ergibt sich ein wirtschaftlich angemessenes Verhältnis aus fixen Kosten,
sprungfixen Kosten und mengenabhängigen Kosten sowohl bei den Investitions- wie auch bei
den Betriebskosten. Die gewinnbare Rohstoffmenge bleibt klein genug, um ohne Marktverwer-
fungen absetzbar zu sein. Auch stellt diese Menge zum gegenwärtigen Stand der technischen
Entwicklung – bezogen auf ein Abbauschiff – die technisch machbare Größenordnung dar.

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Tabelle 3-4: Verfahren zur Manganknollenverarbeitung mit


entsprechenden Extraktionsanteilen

Quelle: Cardno (2016)

Aus den in Tabelle 3-2 dargestellten Mengenanteilen für das High


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Pressure / High Temperature Leaching lassen sich die geschätzten


Mengen der einzelnen Metalle ableiten. Eine Anwendung der ent-
sprechenden Recovery Rates auf diese Werte führt zu folgender
Aufschlüsselung der jährlichen Absatzmengen:

Tabelle 3-5: Erwartete jährliche Absatzmengen nach Metall

Metall Absatzmenge (Tonnen)


Kobalt 4,590
Kupfer 33,345
Mangan 0
Nickel 39,900

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3.1.2 Preise

Abbildung 3-1 stellt zunächst die historische Preisentwicklung der drei


nach dem HPHTL-Verfahren extrahierbaren Metalle dar. Seit Mitte der
1970er Jahre ist die Volatilität insbesondere des Kobaltpreises deut-
lich gestiegen. Temporäre Ausschläge nach oben übertreffen dabei
den langfristigen Durchschnitt teilweise um ein Vielfaches. In jüngster
Zeit sind starke Preisspitzen vor allem um die Jahre 2007/08 aufge-
treten. Seit 2009 sind die Preise aller drei Metalle jedoch fast kontinu-
ierlich gesunken. Für eine sinnvolle Fortschreibung der Preiszeitreihen
in die Zukunft sind zunächst die hinter diesen Entwicklungen liegen-
den Einflussfaktoren zu identifizieren.

USD/T
120.000

100.000

80.000

60.000

40.000

20.000

0
01.01.1950 01.05.1958 01.09.1966 01.01.1975 01.05.1983 01.09.1991 01.01.2000 01.05.2008
Nickel Kobalt Kupfer
Quellen: BGR (2013); LME (2016); HWWI (2016).

Abbildung 3-1: Historische Entwicklung der Monatsdurchschnittspreise

Metallpreise unterliegen einer Vielzahl an Einflussfaktoren. Einige da-


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von wirken temporär, wie etwa Spekulationsblasen, Naturkatastro-


phen/Kriege und Arbeitskämpfe im Bergbau. Andere wiederum sind
eher persistenter Natur und spiegeln längerfristige Entwicklungs-
trends wider.

Dazu gehören etwa der wirtschaftliche Aufholprozess der Schwellen-


länder sowie technologische Veränderungen in Abbau und Verwen-
dung der Metalle. Eine Analyse zukünftiger Preisentwicklungen muss
zwischen diesen beiden Gruppen von Effekten sorgfältig unterschei-
den. Denn bei der ersten Gruppe sind Zeitpunkt des Auftretens und
Wirkungsdauer bedingt durch ihre chaotische Natur kaum zu prog-
nostizieren. Bei der zweiten Gruppe können dagegen oft gewisse zu-
künftige Entwicklungstendenzen aus den Vergangenheitsdaten abge-
leitet werden.

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Auf diese Weise kann ein Zusammenhang zwischen Preis und Ein-
flussfaktoren geschätzt werden, der es erlaubt, erwartete Verände-
rungen in diesen Einflussfaktoren für die Projektion von Metallpreisen
in die Zukunft einzusetzen. Dazu muss die Preiszeitreihe aber zu-
nächst um den Einfluss der temporären Störfaktoren bereinigt wer-
den.

Abbildung 3-2 identifiziert die wahrscheinlichen Sondereinflüsse in


den Preisverläufen der Tiefseemetalle Kobalt, Kupfer und Nickel. Die
entsprechenden Zeitreihen liegen dann auch der nachfolgenden Ren-
tabilitätsrechnung zugrunde.
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Abbildung 3-2: Historische Sondereinflüsse auf die Metallpreise


(hier: Kobalt und Nickel)

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Abbildung 3-2: Historische Sondereinflüsse auf die Metallpreise


(hier: Kupfer)

Letztendlich handelt es sich bei allen quantitativen Preisprognosen


um modellgestützte Fortschreibungen von Vergangenheitsdaten. Die
in der Modellstruktur enthaltenen Annahmen haben nicht unwesentli-
chen Einfluss auf das Projektionsergebnis. Dabei besteht im Model-
laufbau grundsätzlich ein Zielkonflikt zwischen Detailgenauigkeit und
Transparenz. Theoretisch ließen sich beliebig komplexe Modelle kon-
struieren, um die in der Realität herrschenden Zusammenhänge zwi-
schen Metallpreisen und ihren Einflussfaktoren detailgetreu abzubil-
den. Mit wachsender Komplexität geht aber immer auch ein Transpa-
renzverlust einher, weil Struktur und Wirkungsweisen zunehmend
undurchschaubar werden. Zudem steigen mit wachsender Variablen-
anzahl auch die Datenanforderungen, speziell was die Fortschreibung
von Einflussfaktoren anbelangt. Es wird vor diesem Hintergrund für
die Analyse ein eher einfacher, aber im Hinblick auf die unterstellten
Zusammenhänge durchaus realistischer Ansatz gewählt.
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Preisprojektionen

Quantitative Modelle für die Prognose von Metallpreisen lassen sich


grundsätzlich zwei Kategorien zuordnen: Univariante Zeitreihenmo-
delle und ökonomische Fundamentalmodelle. Während bei Modellen
der ersten Kategorie Zukunftsprojektionen auf Grundlage von rein
technischen Fortschreibungen von Mustern erfolgen, versuchen Mo-
delle der zweiten Kategorie die Projektionen explizit aus beobachteten
Langfristzusammenhängen zwischen Preisen und anderen Größen
herzuleiten. Da für die vorliegende Aufgabe längerfristige Preisprojek-
tionen unumgänglich sind, wird ein Fundamentalansatz gwählt. Dies
ermöglicht es auch, unsere Preisprojektionen auf transparente An-
nahmen zur Entwicklung möglicher Einflussfaktoren fußen zu lassen.
Es handelt sich also um szenario-gestützte Projektionen.

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Konkret wird für die drei analysierten Metalle (Kobalt, Kupfer, Nickel)
jeweils ein ökonometrisches Mehrgleichungsmodell verwendet, des-
sen grundlegende Struktur aus Smithson et al. (1991) übernommen
wurde. Die Modelle für Kupfer und Nickel setzen sich jeweils aus drei
Gleichungen zusammen. Abhängige Variablen sind der (nominale)
Börsenpreis, die weltweite Fördermenge sowie der weltweite Ver-
brauch. Da im Falle Kobalts keine längerfristigen Zeitreihen für den
Verbrauch zur Verfügung stehen, beschränkt sich das Modell hier auf
die Erklärung von Preis und Förderung. Als erklärende Größen werden
neben den Preisen von Substituten/Komplementen und Lagerbe-
standsveränderungen auch Merkmale zur Abbildung des gesamtwirt-
schaftlichen Rahmens wie dem globalen BIP und der Zinsentwicklung
berücksichtigt. Eine Interaktion zwischen den Gleichungen entsteht
aus der Tatsache, dass Förderung und Verbrauch jeweils direkt oder
indirekt als Bestimmungsgrößen in die Schätzung der Preisentwick-
lung einfließen. Auf diese Weise wird die Marktinteraktion zwischen
Angebot und Nachfrage im Modell nachgebildet. Die Beobachtungen
repräsentieren jeweils einzelne Jahre, im Falle der auf Monatsebene
vorhandenen Preisvariablen wurden einfache Jahresdurchschnitte
angesetzt.
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Abbildung 3-3: Grundstruktur des Prognosemodells

Abbildung 3-3 stellt die Grundstruktur des Modells schematisch dar.


In der praktischen Schätzung variiert diese Struktur geringfügig
zwischen den untersuchten Metallen Kobalt, Kupfer und Nickel.

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So sind für Kobalt wie bereits erwähnt keine längeren Zeitreihen zum
weltweiten Verbrauch verfügbar, weshalb sich das Modell in diesem
Fall auf die Erklärung von Preis und Fördervolumen beschränkt. In
den Anlagen 1.1 bis 1.3 sind verwendete Variablen, Modellgleichun-
gen und Regressionsergebnisse im Detail aufgelistet.

Im Falle von Kupfer und Nickel erweisen sich die im Modell postulier-
ten Zusammenhänge als statistisch größtenteils signifikant, zudem
fallen die Bestimmtheitsmaße relativ hoch aus. Die angepassten Mo-
delle werden daher als geeignet für unser Prognoseverfahren bewer-
tet. Für Kobalt trifft dies jedoch nicht zu. Augenscheinlich hat der Ko-
baltpreis in der Vergangenheit die Erzeugungs- und Verbrauchsent-
wicklungen nur unzureichend widergespiegelt, was mit der ver-
gleichsweise starken Angebotskonzentration und damit zusammen-
hängenden Störeinflüssen zu tun haben dürfte. Eine Projektion auf
dieser Grundlage erscheint damit für Kobalt nicht geeignet. Da rein
univariante Autokorrelationsmodelle in diesem Fall ebenfalls keine
signifikanten Zusammenhänge erkennen lassen, greifen wir im Fol-
genden für dieses Metall allein auf vergangene Preise zurück.

Die im Rahmen der Regressionsanalyse ermittelten ex-post Zusam-


menhänge wurden anschließend in die Zukunft projiziert. Dazu wur-
den Annahmen über die Entwicklungspfade der exogenen Einflussfak-
toren getroffen. Da auch diese Entwicklungspfade selbstverständlich
prognostischen Unsicherheiten unterliegen, wurde analog zur Kosten-
betrachtung ein stochastisches Vorgehen gewählt. Das heißt, prozen-
tuale Veränderungen im Wert der Einflussfaktoren im Zeitverlauf
werden als normalverteilte Zufallsvariablen interpretiert. Erwartungs-
werte für diese Zufallsvariablen wurden auf Grundlage von Durch-
schnittswerten aus der Vergangenheit spezifiziert, die Streuung wie-
derum wurde aus Annahmen über sinnvolle Ober- und Untergrenzen
abgeleitet. Entscheidende Voraussetzung für die Validität dieses An-
satzes ist es, dass die festgestellten Zusammenhänge auch für die
Märkte der Zukunft noch Geltung besitzen.
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Ergebnisse Preisprojektionen

Im Folgenden präsentieren wir die Ergebnisse der Preisprojektionen,


wie sie sich aus Anwendung der Erwartungswerte bei den berücksich-
tigten Einflussfaktoren ergeben. Lediglich bei dem allgemein wichtigs-
ten Einflussfaktor Weltproduktion (repräsentiert durch das weltweite
BIP) unterscheiden wir zwischen verschiedenen Raten an jährlichem
Wachstum, um die Sensitivität der Ergebnisse gegenüber den diesbe-
züglichen Annahmen zu dokumentieren.

Der Preis von Kobalt wird hier nicht aufgeführt, da wie oben erwähnt
der getestete Modellzusammenhang für dieses Metall zu schwach
ausfällt.

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Projektionen: Nominaler Nickelpreis


US$/T
35.000

30.000

25.000

20.000

15.000

10.000

5.000

0
2010 2012 2014 2016 2018 2020 2022 2024 2026 2028 2030 2032

2 % Wachstum BIP 3 % Wachstum BIP 4 % Wachstum BIP

Projektionen: Nominaler Kupferpreis


US$/T
18.000

16.000

14.000

12.000

10.000

8.000

6.000

4.000

2.000

0
2010 2012 2014 2016 2018 2020 2022 2024 2026 2028 2030 2032

2 % Wachstum BIP 3 % Wachstum BIP 4 % Wachstum BIP


g:\dat\prj\0285_bmwi_tiefseebergbau\08 ergebnisse\82 berichte\b_0285_01_tiefsee_e.docx, F 8-10a

Abbildung 3-4: Ergebnisse Preisprojektionen

Innerhalb eines (historisch betrachtet realistischen) Korridors von


2 % bis 4 % jährlichem BIP Wachstums werden für beide Metalle
langfristig steigende Preise prognostiziert. Das ergibt sich letztlich aus
der für beide Metalle beobachteten positiven Korrelation zwischen
Börsenpreis und weltwirtschaftlicher Entwicklung in der Vergangen-
heit. Die Annahme eines stärkeren BIP Wachstums führt dementspre-
chend auch zu steileren Preisanstiegen in der Projektion. In der nach-
folgenden Rentabilitätsrechnung wird das BIP Wachstum wie die übri-
gen Parameter auch der oben beschriebenen Monte Carlo Ziehung
unterzogen, wobei als Erwartungswert der Verteilung das historische
Durchschnittswachstum der letzten 30 Jahre angesetzt wurde. So
kann der inhärenten Unsicherheit auch im Hinblick auf diesen Para-
meter Rechnung getragen werden.

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15 / 156
kommerziellen Tiefseebergbaus

3.2 Kosten des Tiefseebergbaus

3.2.1 Technologien des Abbaus und der Verhüttung von


polymetallischen Knollen aus der Tiefsee (CCZ)

Seit den 70er Jahren sind eine Reihe unterschiedlicher Konzepte für
den Abbau von polymetallischen Knollen entwickelt und in einigen
Fällen auch in Versuchsanstalten oder auf See erprobt worden. Diese
Konzepte werden wie folgt eingeteilt, siehe auch ISA, NIOT (2008):

 Hydraulisches Abbausystem
(Hydraulic Mining System)
Die Knollen werden mit einem auf dem Meeresboden
geschleppten oder einem aktiv fortschreitenden Kollektor
aufgenommen und über einen rohrförmigen Förderstrang
zur schwimmenden Basis (z.B. in Form einen speziell
ausgerüsteten Basisschiffes) gefördert.
Für den vertikalen Transport der Knollen im Förderstrang
werden ein System von Kreiselpumpen oder ein Airlift-
System bzw. eine Kombination von Pumpen- und
Airlift-System eingesetzt.

 Kontinuierliches Eimerketten-Abbausystem
(Continuous Line Bucket Mining System)
Die Knollen werden mit einem von einem oder zwei Schiffen
aus betriebenem Eimerkettensystem vom Meeresboden
aufgenommen und zur Oberfläche gefördert.

 Modulares oder Pendel-Abbausystem


(Modular or Shuttle Mining System)
Die Knollen werden von einem autonomen Unterwasser-
fahrzeug mit Kollektorsystem aufgenommen, das anschließend
mit Hilfe eines aktivierten Auftriebsüberschusses zur Meeres-
g:\dat\prj\0285_bmwi_tiefseebergbau\08 ergebnisse\82 berichte\b_0285_01_tiefsee_e.docx, F 8-10a

oberfläche aufsteigt, an der schwimmenden Basis andockt,


entleert wird und anschließend für den nächsten Zyklus wieder
zum Meeresboden taucht.

Heute wird in Hinblick auf einen industriellen großmaßstäblichen


Einsatz fast ausschließlich das Konzept des Hydraulischen Abbau-
systems angewendet.
Das Kontinuierliche Eimerketten-Abbausystem und das Modulare oder
Pendel-Abbausystem weisen einige systeminhärente technische
Probleme auf, die neben den grundsätzlichen Fragen eines zuverlässi-
gen Einsatzes vor allem auch auf den Eingriff in die marine Umwelt
(Eimerketten-System) und die Kosten (Modulares System) betreffen.
Das Eimerketten-System wird seit vielen Jahren nicht mehr betrachtet,
das Modulare System nur noch sehr vereinzelt verfolgt.

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Im Rahmen dieser Studie wird deshalb als Referenz ein auf dem
Hydraulischen Abbausystem beruhendes Konzept gewählt, das aus
den folgenden Komponenten aufgebaut ist, siehe auch Abbildung 3-5:

1. Basisschiff (Mining Vessel)


 Propulsion mit Eigenschaft eines Systems zur
dynamischen Positionierung, z.B. in Form von
Azimuth Propellern
 Moonpool, über den der Förderstrang angekoppelt ist
 System zur Kompensation der Tauchbewegungen des
Schiffes am Kopf des Förderstrangs
 Rack für die Rohrsektionen (Risersektionen) des
Förderstrangs
 Kran- und weitere Handling-Systeme für die Montage
und das Absenken bzw. Einholen des Förderstrangs
 Garage und Handling-Systeme für das Aussetzen und
Einholen der Kollektoren
 Anlagen für die Abtrennung des Knollenmaterials
aus dem Zweiphasen- bzw. Dreiphasen-
Transportgemisch
 Anlagen zum Abtrennung der verbleibenden Feststoffe/
Sedimente aus dem Transportwasser
 Anlagen für die Entwässerung und ggf. weiteren
Behandlung des Knollenmaterials
 Laderaum zur Zwischenlagerung des
Knollenmaterials
 Spezialtrossen (Hawser), Winden, Umlenkungen,
Katapulte und weitere Ausrüstungen zum temporären
Ankoppeln des Bulk-Carriers am Basisschiff
 Rohrleitungen, schwimmendes Schlauchsystem,
Ankoppelkonstruktionen und Pumpen für den
Transfer (Transshipment) des Knollenmaterials
g:\dat\prj\0285_bmwi_tiefseebergbau\08 ergebnisse\82 berichte\b_0285_01_tiefsee_e.docx, F 8-10a

zum Transportschiff (Bulk Carrier)

2. Förderstrang
 Risersektionen mit flexiblen oder starren Kopplungen,
mit/ohne Auftriebselementen
 Pumpensysteme (Kreiselpumpen für das Zweiphasen-
Gemisch Seewasser/Knollenmaterial) in mehreren
Stationen im Förderstrang integriert,
oder
Airlift-System mit Einbringung von Luft in den Riser
auf zwei oder drei Tiefenlagen des Förderstrangs
(Dreiphasen-Gemisch Seewasser/Knollenmaterial/Luft)

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 Buffer (Zwischenspeicher), am unteren Ende des Risers


angeordnet, zum Ausgleich der Schwankungen beim
Abbau der Knollen durch die Kollektoren und damit
zur Generierung einer weitgehend kontinuierlichen
Einspeiserate in den Riser
 Flexibles Schlauchsystem zwischen Buffer und
Kollektoren, mit dessen Hilfe die Bewegungen und
Momentanlagen des Förderstrangs und der
Kollektoren weitgehend entkoppelt werden
 Kabel zur Energie- und Datenübertragung,
integriert in die Risersektionen und das
flexible Schlauchsystem
 Sensorik, Mess- und Kontroll-Systeme

3. Kollektor
 Raupenfahrwerk mit Antrieb und Einhausung
des Kollektors; geeignete Dimensionierung der
Raupen und Anordnung der Laufräder zur
Sicherstellung einer geringen Eindringtiefe
in das Sediment
 Knollenaufnahmesystem,
Brechwerk, Pumpen, Abtrennung Sediment
 Sensorik und Navigation,
Meß- und Kontroll-Systeme

4. Austragungssystem für das Prozeßwasser


 Ankoppelung an den Förderstrang
 Risersektionen mit flexiblen oder starren
Kopplungen
 Pumpensystem für die Rückführung des
gereinigten Prozeßwassers auf ein Niveau,
das der Abbautiefe entspricht
 Kabel zur Energie- und Datenübertragung,
g:\dat\prj\0285_bmwi_tiefseebergbau\08 ergebnisse\82 berichte\b_0285_01_tiefsee_e.docx, F 8-10a

integriert in die Risersektionen


 Sensorik, Mess- und Kontroll-Systeme

5. Bulk-Carrier zum Transport der Knollen vom


Abbaugebiet zum Basishafen
 Anzahl der eingesetzten Carrier, Ladungskapazität und
Geschwindigkeit (Eco) entsprechend des Logistik-
Konzeptes
 Ausrüstung für das Ankoppeln an das Basisschiff
und die Offshore-Beladung (Transshipment)

In diesem Konzept zum Abbau von polymetallischen Knollen ist der


aktuelle Stand der Technik abgebildet, auch unter Berücksichtigung
der vorliegenden Erkenntnisse aus den laufenden EU-Forschungs-
vorhaben Blue Mining und Blue Nodules.

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Abbildung 3-5: Referenzsystem zum Abbau von polymetallischen Knollen


bestehend aus Basisschiff, Förderstrang, Kollektoren,
Austragungssystem für Prozesswasser,
Bulk-Carrier und Beladungssystem (Transshipment)
g:\dat\prj\0285_bmwi_tiefseebergbau\08 ergebnisse\82 berichte\b_0285_01_tiefsee_e.docx, F 8-10a

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Die weiteren Elemente des Gesamtsystems einschließlich der


Verhüttung/Metallurgie sind:

6. Hafenanlagen (Basishafen)
 Umschlag- und Lagertechnik
 Gebäude, Flächen und Infrastruktur

7. Anlagen zur Aufbereitung und Metallurgie


 Anlagen zur Aufbereitung des Knollenmaterials
 Anlagen zur metallurgischen Extraktion der Metalle
 Entsorgung Reststoffe
 Gebäude
 Umschlagtechnik
 Flächen und Infrastruktur

Für den metallurgischen Prozess der Extraktion von Metallen aus dem
Material von polymetallischen Knollen sind vor allem die folgenden
Verfahren Gegenstand der Forschung und Entwicklung:

I. Reduzierender Röstprozess mit anschließender


Ammoniak Laugung (Caron Prozess)
Reduction Roast / Ammonia Leaching

II. Hochdruck- und Hochtemperatur-Laugung


mit Schwefelsäure
High Pressure / High Temperature Leaching
using Sulphuric Acid

III. Drucklaugung mit Ammoniumcarbonatlösung


(Cuprion Prozess)
Cuprion Ammonia Leaching

IV. Verhüttung (Einschmelzung) mit anschließender


Schwefelsäurelaugung
Smelting / Sulphuric Acid Leaching
g:\dat\prj\0285_bmwi_tiefseebergbau\08 ergebnisse\82 berichte\b_0285_01_tiefsee_e.docx, F 8-10a

V. Selektive Reduktion mit anschließender Laugung


durch Salzsäure
Reduction and Hydrochloric Acid Leaching

VI. INCO Prozess

siehe Cardno (2016); Randhawa, Hait (2016);


Friedmann, Pophanken, Friedrich (2015);
Friedrich, Friedmann (2015); ISA (2013);
Pophanken, Friedmann, Friedrich (2013);
Friedrich, Pophanken (2013); United Nations (1986).

Die Verfahren I bis V sind in Tabelle 3-4 dargestellt und bewertet,


siehe Seite 8.

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Die Verfahren I bis III und VI umfassen eine Extraktion von Kupfer,
Kobalt und Nickel, die Verfahren IV und V zusätzlich eine Extraktion
von Mangan. Auch bei Anwendung der Verfahren I und VI ist eine
Extraktion von Mangan aus der Schlacke durch den Einsatz eines
weiteren Prozess-Schrittes möglich.

Die Verfahren unterscheiden sich weiterhin in den heute für die


einzelnen Metalle erreichbaren Extraktionsraten, dem Energiebedarf,
die Konzentration der eingesetzten Säuren und Laugen (Korrosion)
sowie den Investitions- und Betriebskosten.

Der INCO Prozess ist der metallurgischen Primäroute der Nickel-


gewinnung sehr ähnlich. Somit sind die Prozessschritte des
INCO Prozesses in anderen metallurgischen Industriezweigen
bereits weitestgehend bekannt.

Im Vergleich zu anderen Prozessen ergeben sich Vorteile, wie ein ge-


ringerer Säure- und Wasserverbrauch, geringere Abwassermengen,
weniger Laugungsrückstände und Fällungsprodukte sowie eine
erleichterte Wertmetallgewinnung.

Weiterhin sind beim INCO Prozess Ansatzpunkte zu erkennen, an


denen Technologiemetalle aufkonzentriert und somit als (Zwischen-)
Produkt aus dem Prozess entnommen werden könnten. Molybdän und
Vanadium könnten zudem zusätzlich aus der Schlacke gewonnen
werden, siehe Pophanken, Friedmann, Friedrich (2013).

Auch beim INCO Prozess ist eine Mangan- oder Ferromangangewin-


nung aus der Schlacke möglich, allerdings ist dieser Schritt mit
Extrakosten verbunden.

Durch die erforderliche Trocknung der polymetallischen Knollen ist


der Energieeinsatz beim pyrometallurgischen INCO Prozess zwar
höher als bei rein hydrometallurgisch arbeitenden Prozessen,
allerdings sind dort deutlich größere Laugenvolumina zu erwärmen.
g:\dat\prj\0285_bmwi_tiefseebergbau\08 ergebnisse\82 berichte\b_0285_01_tiefsee_e.docx, F 8-10a

In Hinblick auf die Verhüttung von polymetallischen Knollen befinden


sich sämtliche pyrometallurgischen und hydrometallurgischen
Verfahren auf dem Entwicklungsstand von Versuchen im Labor-
maßstab bzw. im Pilotmaßstab.

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3.2.2 Investitions- und Betriebskosten für


polymetallische Knollen

Als Grundlage für die Ermittlung der Investitions- und Betriebskosten


wird das oben beschriebene Gesamtsystem für die folgenden
Einsatzbedingungen ausgelegt:

 Abbau von polymetallischen Knollen im Lizenzgebiet


der BGR in der Clarion-Clipperton-Zone

 Mittlere Wassertiefe: 5000 m

 Mittlere Belegungsdichte
Nassgewicht (untere Grenze): 16.5 kg/m2

 Förderrate: 3.0 Mio. Tonnen pro Jahr (Trockenmaterial)

 Betriebsstunden Förderung: 7200 Std. = 300 Tage pro Jahr


entspricht Verfügbarkeit: 82 %

 Standort Basishafen: Lazaro Cardenas, Mexiko

 Mittlere Entfernung vom


Abbaugebiet zum Basishafen: 1000 sm

 Standort Anlagen zur Aufbereitung und Metallurgie: Mexiko

Aus diesen Anforderungen werden die folgenden Hauptdaten


abgeleitet:

 Basisschiff:
 Länge ü.a.: 270.0 m
 Breite: 40.0 m
 Seitenhöhe: 19.5 m
 Tiefgang (beim Abbau): 12.5 m
 Verdrängung: 125000 t
g:\dat\prj\0285_bmwi_tiefseebergbau\08 ergebnisse\82 berichte\b_0285_01_tiefsee_e.docx, F 8-10a

 Ladekapazität Knollenmaterial: 55000 t


 Leistung: 15000 kW
 Besatzung gesamt: max. 59 -

 Bulk-Carrier:
 Anzahl: 2 -
 Klasse: Supramax
 Länge ü.a.: 190.0 m
 Breite: 32.0 m
 Tiefgang (beim Abbau): 12.5 m
 Geschwindigkeit aus Logistik: 12.0 kn
 Ladekapazität Knollenmaterial: 50000 t
 Anzahl Fahrten pro Jahr: 2 x 34 Fahrten/a

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 Förderstrang:
 Mittlere Dichte des
Zweiphasen-Gemisches
Seewasser/Knollenmaterial: 1150 – 1300 kg/m3
Einsatz Pumpensystem:
 Mittlere Geschwindigkeit des
Zweiphasen-Gemisches: 4.0 – 4.5 m/sec
 Anzahl Pumpenstationen: 4–8 -
 Nennweite Risersektionen
einschließlich Liner: 13 - 15 Zoll
Einsatz Airlift-System:
 Anzahl Einspeisepunkte: 2–4 -
 Nennweite Risersektionen: 13 - 28 Zoll

 Kollektoren:
 Anzahl: 2 -
 Breite
Knollenaufnahmesystem: 10 m
 Mittlere Geschwindigkeit
des Kollektors: 0.5 m/sec
 Aufnahmewirkungsgrad: 0.8 -

 Austragungssystem für das Prozeßwasser,


mit Pumpensystem:
 Ankopplung an den Förderstrang
 Mittlere Geschwindigkeit des
gereinigten Prozesswassers: 1.7 – 2.1 m/sec
 Anzahl Pumpenstationen: 2-3 -
 Nennweite Risersektionen: 18 - 20 Zoll

 Hafenanlagen (Basishafen):
 Ankauf einer geeigneten Fläche
g:\dat\prj\0285_bmwi_tiefseebergbau\08 ergebnisse\82 berichte\b_0285_01_tiefsee_e.docx, F 8-10a

mit Kai (Wasseranschluss)


 Flächenbedarf ca. 30000 m2
 Kailänge ca. 300 m
 Befestigung der Flächen und
technische Ausrüstung
 Gebäude (Büro und Sozialräume)
 Anlagen für die Entladung
der Bulk-Carrier
 Förderbänder, Radlader und weitere
Einrichtungen der Umschlag- und Lagertechnik

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 Anlagen zur Aufbereitung und Metallurgie:


Eine gezielte Festlegung auf ein Verfahren kann bei dem
derzeitigen Forschungs- und Entwicklungsstand der
Metallurgie nicht geleistet werden.
Der Ansatz der Investitions- und Betriebskosten der
metallurgischen Anlage korrespondiert mit Verfahren, die
bereits in anderen Bereichen marktgängig sind, wobei
als Beispiel die Hochdruck- und Hochtemperatur-Laugung
mit Schwefelsäure (High Pressure / High Temperature
Acid Leaching using Sulphuric Acid, HP-HT-AL)
gewählt wurde, siehe auch Kap. 3.1.1, Seite 7.

 Forschungsschiff zur Umweltüberwachung:


Die Überwachung der marinen Umwelt und die Erfassung/
Bewertung der Auswirkungen der verschiedenen Prozesse
sind ein zentraler Bestandteil des industriellen Tiefseeberg-
baus. Im Rahmen der Abschätzung der Investitionskosten
wird deshalb auch die Beschaffung eines geeigneten
Forschungsschiffes einschließlich aller Ausrüstungen für
das Umweltmonitoring berücksichtigt.

Aufbauend auf den in der Gutachtergemeinschaft vorhandenen


Kenntnissen werden die Investitions- und Betriebskosten wie folgt
abgeschätzt:

 Stand des Kostenniveaus von 2016

 Sämtliche Preisangaben erfolgen in US Dollar (USD), da dies


die Leitwährung sowohl in den internationalen Rohstoff-
industrien als auch in der Offshore-Technik ist.

 Die Kostenschätzungen unterliegen zusätzlichen Unschärfen,


da zum Zeitpunkt der Erstellung der Studie viele Details noch
ungeklärt sind. Für die Kosten werden deshalb Bandbreiten
g:\dat\prj\0285_bmwi_tiefseebergbau\08 ergebnisse\82 berichte\b_0285_01_tiefsee_e.docx, F 8-10a

mit oberen und unteren Grenzen angegeben (oberer und


unterer Ansatz), die in der betriebswirtschaftlichen Analyse
entsprechend berücksichtigt werden.

 In den Investitionskosten sind jeweils auch die Kosten für


Ingenieurleistungen, Systemintegration, Inbetriebnahme und
Erprobung enthalten.

 In die Kostenschätzung sind auch die Erkenntnisse aus den


folgenden Projekten eingeflossen, an denen Ramboll IMS und
MH Wirth maßgeblich beteiligt waren bzw. sind:
 BLUE MINING – Breakthrough Solutions for the
Sustainable Deep Sea Mining Value Chain
Fördermittelgeber: Europäische Kommission,
Siebtes Rahmenprogramm (RP7)
Zeitraum: 2014 – 2017

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 Polymetallic Nodule Mining – Economical Study


Auftraggeber: DeepGreen Resources Inc. Vancouver
Zeitraum: 2014 – 2015
 Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen eines Konzepts für
den Abbau von polymetallischen Knollen aus der
Tiefsee
Auftraggeber: Bundesministerium für Wirtschaft und
Technologie (BMWi)
Zeitraum: 2011 – 2012
 Technische Entwicklung und Wirtschaftlichkeitsunter-
suchungen eines Konzepts für den Abbau von
polymetallischen Knollen aus der Tiefsee
Auftraggeber: Bundesanstalt für Geowissenschaften
und Rohstoffe (BGR)
Zeitraum: 2009 – 2010

Die Ergebnisse der Schätzung der Investitionskosten sind in


Tabelle 3-6 bis Tabelle 3-12 und Abbildung 3-6 bis Abbildung 3-11
zusammengestellt.

In Tabelle 3-13 werden den einzelnen Positionen der Liste der


Investitionskosten die relevanten Wirtschaftszweige zugeordnet.

Tabelle 3-14 bis Tabelle 3-17 und Abbildung 3-12 bis Abbildung 3-15
enthalten die Ergebnisse der Schätzung der Betriebskosten.

Tabelle 3-6 enthält eine detaillierte Aufstellung der gesamten


Investitionskosten für die Positionen
1. Basisschiff
2. Förderstrang
3. Kollektor
g:\dat\prj\0285_bmwi_tiefseebergbau\08 ergebnisse\82 berichte\b_0285_01_tiefsee_e.docx, F 8-10a

4. Austragungssystem für Prozeßwasser


5. Bulk-Carrier
6. Hafenanlagen
7. Anlagen zur Aufbereitung und Metallurgie
8. Forschungsschiff zur Umweltüberwachung
9. Leistungen des Bauherrn

Die Investitionskosten mit unterer und oberer Grenze wurden jeweils


für die folgenden Szenarios ermittelt:
 Beschaffung bevorzugt in Deutschland
 Beschaffung bevorzugt in Europa
 Beschaffung international

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Für die Bulk-Carrier werden zwei mögliche Formen der Beschaffung


betrachtet: Neubau bzw. Zweiter Markt (Secondhand) und entspre-
chende Umrüstung. Bei einer Beschaffung als Secondhand-Schiff
können Kosten in Höhe von 24 bis 26 Mio. USD eingespart werden,
das entspricht je nach Szenario 1.5 bis 2.1% der Gesamtinvestitions-
kosten. Im Folgenden werden, wenn nicht anders vermerkt, jeweils
die Investitionskosten für einen Neubau der Bulk-Carrier angesetzt.

Die Gesamtinvestitionskosten betragen


(mit Neubau der Bulk-Carrier):
 Beschaffung bevorzugt in Deutschland: 1392 bis 1693 Mio. USD
 Beschaffung bevorzugt in Europa: 1377 bis 1683 Mio. USD
 Beschaffung international: 1245 bis 1644 Mio. USD

Im Vergleich zu einer Beschaffung in Deutschland sind die Kosten-


einsparungen bei einer Beschaffung bevorzugt in Europa bzw.
international relativ gering:
 Beschaffung bevorzugt in Europa: 0.59 bis 1.08 %
 Beschaffung international: 2.89 bis 10.56 %

Dies ist vor allem darauf zurückzuführen, dass sich die Investitionen
insbesondere auf hochwertige, in vielen Fällen auch innovative Tech-
nologien erstrecken, bei denen durch eine Beschaffung auf internatio-
nalen Märkten im Vergleich zu Deutschland oder Europa keine signifi-
kanten Kosteneinsparungen erzielt werden können.

Tabelle 3-7 enthält eine Zusammenfassung der Investitionskosten für


die verschiedenen Positionen, um einen besseren Überblick zu geben.

In Abbildung 3-6 ist für das Fördersystem dargestellt, wie sich die
Investitionskosten auf die einzelnen Komponenten, d.h.
 Basisschiff
g:\dat\prj\0285_bmwi_tiefseebergbau\08 ergebnisse\82 berichte\b_0285_01_tiefsee_e.docx, F 8-10a

 Förderstrang
 Kollektor
 Austragungssystem für das Prozeßwasser

verteilen. Als Beispiel wird der obere Ansatz für eine Beschaffung
bevorzugt in Deutschland gewählt. Die Investitionskosten für das
Fördersystem betragen in diesem Fall 626 Mio. USD, wobei der Anteil
für den Förderstrang 39.1%, das Basisschiff 33.2%, den Kollektor
14.1% und das Austragungssystem 13.6% beträgt.

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Tabelle 3-6-1: Schätzung der Investitionskosten


Detaillierte Aufstellung

  Schätzung der Investitionskosten [Mio. USD]

Pos. Beschreibung Anzahl Beschaffung Beschaffung Beschaffung


bevorzugt bevorzugt international
in Deutschland in Europa

unterer oberer unterer oberer unterer oberer


Einsatz Reserve
Ansatz Ansatz Ansatz Ansatz Ansatz Ansatz

1 Basisschiff (Förderplattform) 1.0 0.0 172.0 208.0 162.0 198.0 137.0 173.0

1.1 Schiffskörper 1.0 0.0 58.0 65.0 48.0 55.0 30.0 36.0

1.2 Schiffsspezifische Ausrüstung 1.0 0.0 55.0 72.0 55.0 72.0 50.0 68.0

1.3 Abbauspezifische Ausrüstung 1.0 0.0 45.0 55.0 45.0 55.0 45.0 55.0

1.4 Werftkosten 1.0 0.0 14.0 16.0 14.0 16.0 12.0 14.0

2 Förderstrang  1.0 1.0 208.0 245.0 208.0 245.0 189.0 245.0

Risersektionen mit flexiblen oder starren 
Kopplungen, mit/ohne Auftriebselemente,
2.1 1.0 1.0 115.0 125.0 115.0 125.0 105.0 125.0
bei Airlift‐System zusätzlich Leitungen zur 
Luftversorgung
Pumpensystem bzw.
2.2 1.0 1.0 50.0 60.0 50.0 60.0 45.0 60.0
Airlift‐System

2.3 Buffer (Zwischenspeicher) 1.0 1.0 15.0 18.0 15.0 18.0 14.0 18.0

Flexibles Schlauchsystem zwischen
2.4 2.0 2.0 20.0 28.0 20.0 28.0 18.0 28.0
Buffer und Kollektoren
Kabel zur Energie‐ und Datenübertragung, 
integriert in Risersektionen und flexiblem 
2.5 1.0 1.0 8.0 14.0 8.0 14.0 7.0 14.0
Schlauchsystem, 
Sensorik, Mess‐ und Kontroll‐Systeme

3 Kollektor 2.0 2.0 72.0 88.0 72.0 88.0 64.0 84.0

Fahrwerk mit Antrieb und 
3.1 2.0 2.0 16.0 20.0 16.0 20.0 14.0 20.0
g:\dat\prj\0285_bmwi_tiefseebergbau\08 ergebnisse\82 berichte\b_0285_01_tiefsee_e.docx, F 8-10a

Einhausung des Kollektors

Knollenaufnahmesystem,
3.2 2.0 2.0 34.0 42.0 34.0 42.0 30.0 38.0
Brechwerk und Pumpen

Sensorik und Navigation,
3.3 2.0 2.0 22.0 26.0 22.0 26.0 20.0 26.0
Meß‐ und Kontroll‐Systeme

4 Austragungssystem für Prozeßwasser 1.0 1.0 69.0 85.0 69.0 85.0 60.0 85.0

Risersektionen mit
4.1 1.0 1.0 42.0 50.0 42.0 50.0 35.0 50.0
flexiblen/starren Kopplungen

4.2 Pumpen‐System 1.0 1.0 24.0 30.0 24.0 30.0 22.0 30.0

4.3 Sensorik, Mess‐ und Kontroll‐Systeme 1.0 1.0 3.0 5.0 3.0 5.0 3.0 5.0

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Tabelle 3-6-2: Schätzung der Investitionskosten


Detaillierte Aufstellung

  Schätzung der Investitionskosten [Mio. USD]

Pos. Beschreibung Anzahl Beschaffung Beschaffung Beschaffung


bevorzugt bevorzugt international
in Deutschland in Europa

unterer oberer unterer oberer unterer oberer


Einsatz Reserve
Ansatz Ansatz Ansatz Ansatz Ansatz Ansatz

5‐A Bulk‐Carrier (Neubau) 2.0 0.0 103.0 127.0 103.0 127.0 101.0 127.0

5.1‐A Neubau Supramax Bulkcarrier 2.0 0.0 85.0 95.0 85.0 95.0 85.0 95.0

Ausrüstung für die Offshore‐Beladung
5.2‐A 2.0 0.0 18.0 32.0 18.0 32.0 16.0 32.0
des Bulk‐Carriers (Transshipment)

5‐B Bulk‐Carrier (Secondhand) 2.0 0.0 79.0 101.0 79.0 101.0 75.0 101.0

Beschaffung Secondhand
5.1‐B 2.0 0.0 55.0 65.0 55.0 65.0 55.0 65.0
Supramax Bulkcarrier

Umrüstung für die Offshore‐Beladung
5.2‐B 2.0 0.0 24.0 36.0 24.0 36.0 20.0 36.0
des Bulk‐Carriers (Transshipment)

6 Hafenanlagen 1.0 0.0 45.0 60.0 45.0 60.0 40.0 60.0

Umschlag‐ und Lagertechnik,
6.1 1.0 0.0 35.0 45.0 35.0 45.0 30.0 45.0
Gebäude

6.2 Flächen und Infrastruktur 1.0 0.0 10.0 15.0 10.0 15.0 10.0 15.0

Anlagen zur Aufbereitung 
7 1.0 0.0 610.0 730.0 610.0 730.0 560.0 730.0
und Metallurgie (HP‐HT‐AL)

Anlagentechnik und
7.1 1.0 0.0 550.0 650.0 550.0 650.0 500.0 650.0
Gebäude

Flächen und 
7.2 1.0 0.0 60.0 80.0 60.0 80.0 60.0 80.0
Infrastruktur

Forschungsschiff zur 
8 1.0 0.0 70.0 80.0 65.0 80.0 55.0 70.0
Umweltüberwachung
g:\dat\prj\0285_bmwi_tiefseebergbau\08 ergebnisse\82 berichte\b_0285_01_tiefsee_e.docx, F 8-10a

Neubau eines speziell für das 
8.1 Umweltmonitoring beim Tiefseebergbau 1.0 0.0 45.0 50.0 40.0 50.0 35.0 40.0
ausgelegten Forschungsschiffes

8.2 Ausrüstung für das Umweltmonitoring 1.0 0.0 25.0 30.0 25.0 30.0 20.0 30.0

9 Leistungen des Bauherrn 1.0 0.0 43.0 70.0 43.0 70.0 39.0 70.0

9.1 Ingenieurleistungen, Überwachung 1.0 0.0 20.0 30.0 20.0 30.0 16.0 30.0

9.2 Zertifizierungen / Klasse 1.0 0.0 8.0 15.0 8.0 15.0 8.0 15.0

9.3 Management 1.0 0.0 15.0 25.0 15.0 25.0 15.0 25.0

Gutachtergemeinschaft
Analyse des volkswirtschaftlichen Nutzens der Entwicklung eines
28 / 156
kommerziellen Tiefseebergbaus

Tabelle 3-7: Schätzung der Investitionskosten


Zusammenfassung

  Schätzung der Investitionskosten [Mio. USD]

Pos. Beschreibung Anzahl Beschaffung Beschaffung Beschaffung


bevorzugt bevorzugt international
in Deutschland in Europa

unterer oberer unterer oberer unterer oberer


Einsatz Reserve
Ansatz Ansatz Ansatz Ansatz Ansatz Ansatz

1 Basisschiff (Förderplattform) 1.0 0.0 172.0 208.0 162.0 198.0 137.0 173.0

2 Förderstrang  1.0 1.0 208.0 245.0 208.0 245.0 189.0 245.0

3 Kollektor 2.0 2.0 72.0 88.0 72.0 88.0 64.0 84.0

4 Austragungssystem für Prozeßwasser 1.0 1.0 69.0 85.0 69.0 85.0 60.0 85.0

5‐A Bulk‐Carrier (Neubau) 2.0 0.0 103.0 127.0 103.0 127.0 101.0 127.0

5‐B Bulk‐Carrier (Secondhand) 2.0 0.0 79.0 101.0 79.0 101.0 75.0 101.0

6 Hafenanlagen 1.0 0.0 45.0 60.0 45.0 60.0 40.0 60.0

Anlagen zur Aufbereitung 
7 1.0 0.0 610.0 730.0 610.0 730.0 560.0 730.0
und Metallurgie (HP‐HT‐AL)

Forschungsschiff zur 
8 1.0 0.0 70.0 80.0 65.0 80.0 55.0 70.0
Umweltüberwachung

9 Leistungen des Bauherrn 1.0 0.0 43.0 70.0 43.0 70.0 39.0 70.0

Gesamtinvestitionskosten
1392.0 1693.0 1377.0 1683.0 1245.0 1644.0
mit Neubau der Bulk‐Carrier

Gesamtinvestitionskosten
1368.0 1667.0 1353.0 1657.0 1219.0 1618.0
g:\dat\prj\0285_bmwi_tiefseebergbau\08 ergebnisse\82 berichte\b_0285_01_tiefsee_e.docx, F 8-10a

mit Beschaffung der Bulk‐Carrier auf dem Zweiten Markt

Gutachtergemeinschaft
Analyse des volkswirtschaftlichen Nutzens der Entwicklung eines
29 / 156
kommerziellen Tiefseebergbaus
g:\dat\prj\0285_bmwi_tiefseebergbau\08 ergebnisse\82 berichte\b_0285_01_tiefsee_e.docx, F 8-10a

Abbildung 3-6: Schätzung der Investitionskosten für das Fördersystem,


bestehend aus Basisschiff, Förderstrang, Kollektor und
Austragungssystem Prozeßwasser

Beschaffung bevorzugt in Deutschland


oberer Ansatz

Gutachtergemeinschaft
Analyse des volkswirtschaftlichen Nutzens der Entwicklung eines
30 / 156
kommerziellen Tiefseebergbaus

In Tabelle 3-8 bis Tabelle 3-10 und Abbildung 3-7 bis Abbildung 3-9
sind die Investitionskosten in den folgenden Gruppen zusammen-
gefaßt und für den oberen Ansatz in ihren Anteilen dargestellt:
 Fördersystem (Pos. 1 bis 4)
 Bulk-Carrier (Secondhand) und Hafenanlagen (Pos. 5B und 6)
 Anlagen zur Aufbereitung und Metallurgie (Pos. 7)
 Forschungsschiff zur Umweltüberwachung (Pos. 8)
 Leistungen des Bauherrn (Pos. 9)

jeweils für die Beschaffung:


 bevorzugt in Deutschland
 bevorzugt in Europa
 international

Die Anlagen zur Aufbereitung und Metallurgie (43.8 bis 45.1%) und
das Fördersystem (36.3 bis 37.6%) haben zusammen einen Anteil
von etwa 80% der Gesamtinvestitionskosten in Höhe von 1618 bis
1667 Mio. USD. Der Anteil für die Bulk-Carrier und Hafenanlagen liegt
bei 9.7 bis 10%, für das Forschungsschiff bei 4.3 bis 4.8% und für die
Leistungen des Bauherrn bei 4.2 bis 4.3%.
g:\dat\prj\0285_bmwi_tiefseebergbau\08 ergebnisse\82 berichte\b_0285_01_tiefsee_e.docx, F 8-10a

Gutachtergemeinschaft
Analyse des volkswirtschaftlichen Nutzens der Entwicklung eines
31 / 156
kommerziellen Tiefseebergbaus

Tabelle 3-8: Schätzung der Investitionskosten und ihres jeweiligen


Anteils an den Gesamtinvestitionskosten
Beschaffung bevorzugt in Deutschland

  Schätzung der Investitionskosten

Pos. Beschreibung Anzahl Beschaffung bevorzugt


in Deutschland
Anteil an 
[Mio. USD]
Gesamtinvestitionskosten
unterer oberer unterer oberer
Einsatz Reserve
Ansatz Ansatz Ansatz Ansatz

1 ‐ 4 Förderssystem 1.0 0.0 521.0 626.0 38.1% 37.6%

Bulk‐Carrier (Secondhand) 
5B + 6 1.0 1.0 124.0 161.0 9.1% 9.7%
und Hafenanlagen

Anlagen zur Aufbereitung 
7 2.0 2.0 610.0 730.0 44.6% 43.8%
und Metallurgie (HP‐HT‐AL)

Forschungsschiff zur 
8 1.0 1.0 70.0 80.0 5.1% 4.8%
Umweltüberwachung

9 Leistungen des Bauherrn 2.0 0.0 43.0 70.0 3.1% 4.2%

Gesamtinvestitionskosten
mit Beschaffung der Bulk‐Carrier auf  1368.0 1667.0 100.0% 100.0%
dem Zweiten Markt
g:\dat\prj\0285_bmwi_tiefseebergbau\08 ergebnisse\82 berichte\b_0285_01_tiefsee_e.docx, F 8-10a

Gutachtergemeinschaft
Analyse des volkswirtschaftlichen Nutzens der Entwicklung eines
32 / 156
kommerziellen Tiefseebergbaus
g:\dat\prj\0285_bmwi_tiefseebergbau\08 ergebnisse\82 berichte\b_0285_01_tiefsee_e.docx, F 8-10a

Abbildung 3-7: Schätzung der Investitionskosten und ihres jeweiligen


Anteils an den Gesamtinvestitionskosten

Beschaffung bevorzugt in Deutschland


oberer Ansatz

Gutachtergemeinschaft
Analyse des volkswirtschaftlichen Nutzens der Entwicklung eines
33 / 156
kommerziellen Tiefseebergbaus

Tabelle 3-9: Schätzung der Investitionskosten und ihres jeweiligen


Anteils an den Gesamtinvestitionskosten
Beschaffung bevorzugt in Europa

  Schätzung der Investitionskosten

Pos. Beschreibung Anzahl Beschaffung bevorzugt


in Europa
Anteil an 
[Mio. USD]
Gesamtinvestitionskosten
unterer oberer unterer oberer
Einsatz Reserve
Ansatz Ansatz Ansatz Ansatz

1 ‐ 4 Förderssystem 1.0 0.0 511.0 616.0 37.8% 37.2%

Bulk‐Carrier (Secondhand) 
5B + 6 1.0 1.0 124.0 161.0 9.2% 9.7%
und Hafenanlagen

Anlagen zur Aufbereitung 
7 2.0 2.0 610.0 730.0 45.1% 44.1%
und Metallurgie (HP‐HT‐AL)

Forschungsschiff zur 
8 1.0 1.0 65.0 80.0 4.8% 4.8%
Umweltüberwachung

9 Leistungen des Bauherrn 2.0 0.0 43.0 70.0 3.2% 4.2%

Gesamtinvestitionskosten
mit Beschaffung der Bulk‐Carrier auf  1353.0 1657.0 100.0% 100.0%
dem Zweiten Markt
g:\dat\prj\0285_bmwi_tiefseebergbau\08 ergebnisse\82 berichte\b_0285_01_tiefsee_e.docx, F 8-10a

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34 / 156
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g:\dat\prj\0285_bmwi_tiefseebergbau\08 ergebnisse\82 berichte\b_0285_01_tiefsee_e.docx, F 8-10a

Abbildung 3-8: Schätzung der Investitionskosten und ihres jeweiligen


Anteils an den Gesamtinvestitionskosten

Beschaffung bevorzugt in Europa


oberer Ansatz

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Analyse des volkswirtschaftlichen Nutzens der Entwicklung eines
35 / 156
kommerziellen Tiefseebergbaus

Tabelle 3-10: Schätzung der Investitionskosten und ihres jeweiligen


Anteils an den Gesamtinvestitionskosten
Beschaffung international

  Schätzung der Investitionskosten

Pos. Beschreibung Anzahl Beschaffung


international
Anteil an 
[Mio. USD]
Gesamtinvestitionskosten
unterer oberer unterer oberer
Einsatz Reserve
Ansatz Ansatz Ansatz Ansatz

1 ‐ 4 Förderssystem 1.0 0.0 450.0 587.0 36.9% 36.3%

Bulk‐Carrier (Secondhand) 
5B + 6 1.0 1.0 115.0 161.0 9.4% 10.0%
und Hafenanlagen

Anlagen zur Aufbereitung 
7 2.0 2.0 560.0 730.0 45.9% 45.1%
und Metallurgie (HP‐HT‐AL)

Forschungsschiff zur 
8 1.0 1.0 55.0 70.0 4.5% 4.3%
Umweltüberwachung

9 Leistungen des Bauherrn 2.0 0.0 39.0 70.0 3.2% 4.3%

Gesamtinvestitionskosten
mit Beschaffung der Bulk‐Carrier auf  1219.0 1618.0 100.0% 100.0%
dem Zweiten Markt
g:\dat\prj\0285_bmwi_tiefseebergbau\08 ergebnisse\82 berichte\b_0285_01_tiefsee_e.docx, F 8-10a

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36 / 156
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Abbildung 3-9: Schätzung der Investitionskosten und ihres jeweiligen


Anteils an den Gesamtinvestitionskosten

Beschaffung International
oberer Ansatz

Gutachtergemeinschaft
Analyse des volkswirtschaftlichen Nutzens der Entwicklung eines
37 / 156
kommerziellen Tiefseebergbaus

Für die detaillierte Liste der Investitionskosten wird für die einzelnen
Positionen jeweils eine Einschätzung des erreichbaren Lieferanteils
deutscher Unternehmen vorgenommen. Es wird hierbei das Szenario
Beschaffung international zugrunde gelegt. Auch hier werden die
Ergebnisse in Form einer Bandbreite mit einer oberen und einer
unteren Grenze dargestellt (oberer und unterer Ansatz).

In Tabelle 3-11 und Tabelle 3-12 sind die erreichbaren Lieferanteile in


der detaillierten Form und in der Zusammenfassung dargestellt.

Betrachtet man die Gesamtinvestitionskosten so ergeben sich


folgende Zahlen für den für deutsche Unternehmen erreichbaren
Lieferanteil:
 Gesamtinvestitionskosten: 1245 bis 1644 Mio. USD
 Erreichbarer deutscher Lieferanteil: 325 bis 959 Mio. USD
entsprechend: 26.1 bis 58.4 %

Der deutliche Unterschied zwischen der unteren und der oberen


Grenze veranschaulicht, dass der Erfolg deutscher Unternehmen in
dem Technologiemarkt Tiefseebergbau und von mehreren Faktoren
abhängig sein wird:
 Qualität
 Preis
 Referenzlage
 Zutritt zu internationalen Konsortien
 mögliche Einschränkungen des Marktzugangs

In Abbildung 3-10 und Abbildung 3-11 ist der erreichbare Lieferanteil


deutscher Unternehmen für die folgenden Gruppen dargestellt, wobei
der jeweils der untere und der obere Ansatz betrachtet werden:
 Fördersystem (Pos. 1 bis 4)
 Bulk-Carrier (Secondhand) und Hafenanlagen (Pos. 5B und 6)
g:\dat\prj\0285_bmwi_tiefseebergbau\08 ergebnisse\82 berichte\b_0285_01_tiefsee_e.docx, F 8-10a

 Anlagen zur Aufbereitung und Metallurgie (Pos. 7)


 Forschungsschiff zur Umweltüberwachung (Pos. 8)
 Leistungen des Bauherrn (Pos. 9)

Die Anlagen zur Aufbereitung und Metallurgie (150 bis 455 Mio. USD)
und das Fördersystem (129 bis 393 Mio. USD) haben ein großes
Volumen, eine gute Perspektive in Hinblick auf einen möglichen
hohen Lieferanteil liegt aber auch bei dem Forschungsschiff vor.

Die in den Diagrammen angegebenen Prozentzahlen beschreiben


jeweils den Anteil an dem Gesamtvolumen [Mio. USD] des Förder-
systems und der anderen vier betrachteten Gruppen. Die Summe der
angegebenen Prozentzahlen ist deshalb nicht 100%. Im Idealfall
eines Lieferanteils von 100% in allen 5 Gruppen würde die Summe
500% betragen.

Gutachtergemeinschaft
Analyse des volkswirtschaftlichen Nutzens der Entwicklung eines
38 / 156
kommerziellen Tiefseebergbaus

Tabelle 3-11-1: Schätzung der Investitionskosten und


des erreichbaren deutschen Lieferanteils
Beschaffung international

  Beschaffung international

Pos. Beschreibung Anzahl Schätzung der  erreichbarer


Investitionskosten deutscher
[Mio. USD] Lieferanteil

unterer oberer unterer oberer


Einsatz Reserve
Ansatz Ansatz Ansatz Ansatz

1 Basisschiff (Förderplattform) 1.0 0.0 137.0 173.0

1.1 Schiffskörper 1.0 0.0 30.0 36.0 0% 20%

1.2 Schiffsspezifische Ausrüstung 1.0 0.0 50.0 68.0 30% 75%

1.3 Abbauspezifische Ausrüstung 1.0 0.0 45.0 55.0 50% 75%

1.4 Werftkosten 1.0 0.0 12.0 14.0 0% 50%

2 Förderstrang  1.0 1.0 189.0 245.0

Risersektionen mit flexiblen oder starren 
Kopplungen, mit/ohne Auftriebselemente,
2.1 1.0 1.0 105.0 125.0 25% 60%
bei Airlift‐System zusätzlich Leitungen zur 
Luftversorgung
Pumpensystem bzw.
2.2 1.0 1.0 45.0 60.0 50% 80%
Airlift‐System

2.3 Buffer (Zwischenspeicher) 1.0 1.0 14.0 18.0 30% 90%

Flexibles Schlauchsystem zwischen
2.4 2.0 2.0 18.0 28.0 0% 60%
Buffer und Kollektoren
Kabel zur Energie‐ und Datenübertragung, 
integriert in Risersektionen und flexiblem 
2.5 1.0 1.0 7.0 14.0 40% 65%
Schlauchsystem, 
Sensorik, Mess‐ und Kontroll‐Systeme

3 Kollektor 2.0 2.0 64.0 84.0


g:\dat\prj\0285_bmwi_tiefseebergbau\08 ergebnisse\82 berichte\b_0285_01_tiefsee_e.docx, F 8-10a

Fahrwerk mit Antrieb und 
3.1 2.0 2.0 14.0 20.0 20% 90%
Einhausung des Kollektors

Knollenaufnahmesystem,
3.2 2.0 2.0 30.0 38.0 20% 90%
Brechwerk und Pumpen

Sensorik und Navigation,
3.3 2.0 2.0 20.0 26.0 40% 65%
Meß‐ und Kontroll‐Systeme

4 Austragungssystem für Prozeßwasser 1.0 1.0 60.0 85.0

Risersektionen mit
4.1 1.0 1.0 35.0 50.0 20% 50%
flexiblen/starren Kopplungen

4.2 Pumpen‐System 1.0 1.0 22.0 30.0 50% 80%

4.3 Sensorik, Mess‐ und Kontroll‐Systeme 1.0 1.0 3.0 5.0 40% 65%

Gutachtergemeinschaft
Analyse des volkswirtschaftlichen Nutzens der Entwicklung eines
39 / 156
kommerziellen Tiefseebergbaus

Tabelle 3-11-2: Schätzung der Investitionskosten und


des erreichbaren deutschen Lieferanteils
Beschaffung international

  Beschaffung international

Pos. Beschreibung Anzahl Schätzung der  erreichbarer


Investitionskosten deutscher
[Mio. USD] Lieferanteil

unterer oberer unterer oberer


Einsatz Reserve
Ansatz Ansatz Ansatz Ansatz

5‐A Bulk‐Carrier (Neubau) 2.0 0.0 101.0 127.0

5.1‐A Neubau Supramax Bulkcarrier 2.0 0.0 85.0 95.0 0% 0%

Ausrüstung für die Offshore‐Beladung
5.2‐A 2.0 0.0 16.0 32.0 25% 40%
Basisschiff/Bulk‐Carrier

5‐B Bulk‐Carrier (Secondhand) 2.0 0.0 75.0 101.0

Beschaffung Secondhand
5.1‐B 2.0 0.0 55.0 65.0 ‐ ‐
Supramax Bulkcarrier

Umrüstung für die Offshore‐Beladung
5.2‐B 2.0 0.0 20.0 36.0 30% 60%
Basisschiff/Bulk‐Carrier

6 Hafenanlagen 1.0 0.0 40.0 60.0

Umschlag‐ und Lagertechnik,
6.1 1.0 0.0 30.0 45.0 25% 60%
Gebäude

6.2 Fläche und Infrastruktur 1.0 0.0 10.0 15.0 ‐ ‐

Anlagen zur Aufbereitung 
7 1.0 0.0 560.0 730.0
und Metallurgie (HP‐HT‐AL)

Anlagentechnik und
7.1 1.0 0.0 500.0 650.0 30% 70%
Gebäude

Flächen und 
7.2 1.0 0.0 60.0 80.0 ‐ ‐
Infrastruktur
g:\dat\prj\0285_bmwi_tiefseebergbau\08 ergebnisse\82 berichte\b_0285_01_tiefsee_e.docx, F 8-10a

Forschungsschiff zur 
8 1.0 0.0 55.0 70.0
Umweltüberwachung
Neubau eines speziell für das 
8.1 Umweltmonitoring beim Tiefseebergbau 1.0 0.0 35.0 40.0 25% 50%
ausgelegten Forschungsschiffes

8.2 Ausrüstung für das Umweltmonitoring 1.0 0.0 20.0 30.0 50% 75%

9 Leistungen des Bauherrn 1.0 0.0 39.0 70.0

9.1 Ingenieurleistungen, Überwachung 1.0 0.0 16.0 30.0 50% 75%

9.2 Zertifizierungen / Klasse 1.0 0.0 8.0 15.0 50% 75%

9.3 Management 1.0 0.0 15.0 25.0 75% 90%

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40 / 156
kommerziellen Tiefseebergbaus

Tabelle 3-12: Schätzung der Investitionskosten und


des erreichbaren deutschen Lieferanteils
Beschaffung international
Zusammenfassung

  Beschaffung international

Pos. Beschreibung Schätzung der  Erreichbarer deutscher


Investitionskosten Lieferanteil

[Mio. USD] [Mio. USD] [%]

unterer oberer unterer oberer unterer oberer


Ansatz Ansatz Ansatz Ansatz Ansatz Ansatz

1 Basisschiff (Förderplattform) 137.0 173.0 37.5 106.5 27.4% 61.5%

2 Förderstrang  189.0 245.0 55.8 165.1 29.5% 67.4%

3 Kollektor 64.0 84.0 16.8 69.1 26.3% 82.3%

4 Austragungssystem für Prozeßwasser 60.0 85.0 19.2 52.3 32.0% 61.5%

5‐A Bulk‐Carrier (Neubau) 101.0 127.0 4.0 12.8 4.0% 10.1%

5‐B Bulk‐Carrier (Secondhand) 75.0 101.0 6.0 21.6 8.0% 21.4%

6 Hafenanlagen 40.0 60.0 0.0 0.0 0.0% 0.0%

Anlagen zur Aufbereitung 
7 560.0 730.0 150.0 455.0 26.8% 62.3%
und Metallurgie (HP‐HT‐AL)

Forschungsschiff zur 
8 55.0 70.0 18.8 42.5 34.1% 60.7%
Umweltüberwachung

9 Leistungen des Bauherrn 39.0 70.0 23.3 56.3 59.6% 80.4%


g:\dat\prj\0285_bmwi_tiefseebergbau\08 ergebnisse\82 berichte\b_0285_01_tiefsee_e.docx, F 8-10a

Gesamt (Bulk‐Carrier Neubau): 1245.0 1644.0 325.3 959.5 26.1% 58.4%

Gesamt (Bulk‐Carrier Secondhand): 1219.0 1618.0 327.3 968.3 26.8% 59.8%

Gutachtergemeinschaft
Analyse des volkswirtschaftlichen Nutzens der Entwicklung eines
41 / 156
kommerziellen Tiefseebergbaus
g:\dat\prj\0285_bmwi_tiefseebergbau\08 ergebnisse\82 berichte\b_0285_01_tiefsee_e.docx, F 8-10a

Abbildung 3-10: Gesamtinvestitionskosten für


- Fördersystem
- Bulk-Carrier
- Anlagen zur Aufbereitung und Metallurgie
- Forschungsschiff zur Umweltüberwachung
- Leistungen des Bauherrn

Beschaffung International
unterer Ansatz

Erreichbarer deutscher Lieferanteil

Hinweis: Die in den Diagrammen angegebenen Prozentzahlen beschreiben


jeweils den Anteil an dem Gesamtvolumen [Mio. USD] des För-
der-systems und der anderen vier betrachteten Gruppen. Die
Summe der angegebenen Prozentzahlen ist deshalb nicht 100%.

Gutachtergemeinschaft
Analyse des volkswirtschaftlichen Nutzens der Entwicklung eines
42 / 156
kommerziellen Tiefseebergbaus
g:\dat\prj\0285_bmwi_tiefseebergbau\08 ergebnisse\82 berichte\b_0285_01_tiefsee_e.docx, F 8-10a

Abbildung 3-11: Gesamtinvestitionskosten für


- Fördersystem
- Bulk-Carrier
- Anlagen zur Aufbereitung und Metallurgie
- Forschungsschiff zur Umweltüberwachung
- Leistungen des Bauherrn

Beschaffung International
oberer Ansatz

Erreichbarer deutscher Lieferanteil

Hinweis: Die in den Diagrammen angegebenen Prozentzahlen beschreiben


jeweils den Anteil an dem Gesamtvolumen [Mio. USD] des För-
der-systems und der anderen vier betrachteten Gruppen. Die
Summe der angegebenen Prozentzahlen ist deshalb nicht 100%.

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kommerziellen Tiefseebergbaus

In Tabelle 3-13 werden den einzelnen Positionen der Liste der


Investitionskosten die relevanten Wirtschaftszweige zugeordnet.

Die Zuordnung erfolgt auf Grundlage der


Klassifikation der Wirtschaftszweige
Mit Erläuterungen
2008
Herausgeber: Statistisches Bundesamt.

In der Regel sind den einzelnen Positionen in der Liste der


Investitionskosten mehrere Wirtschaftszweige zuzuordnen.

Neben der Angabe des Wirtschaftszweiges und des WZ 2008 Kode


wird deshalb auch eine Gewichtung des jeweiligen Wirtschaftszweiges
im Kontext zu den weiteren relevanten Wirtschaftszweigen vorge-
nommen.
g:\dat\prj\0285_bmwi_tiefseebergbau\08 ergebnisse\82 berichte\b_0285_01_tiefsee_e.docx, F 8-10a

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Tabelle 3-13-1: Investitionskosten


Zuordnung der Wirtschaftszweige

Pos. Beschreibung WZ Wirtschaftszweig


2008
Kode

1 Basisschiff (Förderplattform)

1.1 Schiffskörper 30.11 Schiffbau (100%)

28 Maschinenbau (50%)
1.2 Schiffsspezifische Ausrüstung 27 Herstellung von elektrischen Ausrüstungen (35%)
33.2 Installation von Maschinen und Ausrüstungen a. n. g. (15%)

28.22 Herstellung von Hebezeugen und Fördermitteln (30%)
28.29 Herstellung von sonstigen nicht wirtschaftszweigspezifischen
Maschinen a. n. g. (25%)
27 Herstellung von elektrischen Ausrüstungen (20%)
1.3 Abbauspezifische Ausrüstung
26.51 Herstellung von Mess‐, Kontroll‐, Navigations‐, u. ä. Instrumenten 
und Vorrichtungen (10%)
33.2 Installation von Maschinen und Ausrüstungen a. n. g. (10%)
71.12.2 Ingenieurbüros für technische Fachplanung und Ingenieurdesign (5%)

1.4 Werftkosten 30.11 Schiffbau (100%)

2 Förderstrang 

24.20 Herstellung von Stahlrohren, Rohrform‐, Rohrverschluss‐ 
Risersektionen mit flexiblen oder 
und sonsigen Rohrverbindungsstücken aus Stahl (70%)
starren Kopplungen, 
25.50 Herstellung von Schmiede‐, Press‐, Zieh‐ und Stanzteilen, 
2.1 mit/ohne Auftriebselemente,
gewalzten Ringen und pulvermetallurischen Erzeugnissen (15%)
bei Airlift‐System zusätzlich Leitungen 
22.19 Herstellung von sonstigen Gummiwaren (10%)
zur Luftversorgung
71.12.2 Ingenieurbüros für technische Fachplanung und Ingenieurdesign (5%)

28.13 Herstellung von Pumpen und Kompressoren a. n. g. (75%)
Pumpensystem bzw. 27 Herstellung von elektrischen Ausrüstungen (15%)
2.2
Airlift‐System 33.2 Installation von Maschinen und Ausrüstungen a. n. g. (5%)
71.12.2 Ingenieurbüros für technische Fachplanung und Ingenieurdesign (5%)

28 Maschinenbau (60%)
27 Herstellung von elektrischen Ausrüstungen (20%)
g:\dat\prj\0285_bmwi_tiefseebergbau\08 ergebnisse\82 berichte\b_0285_01_tiefsee_e.docx, F 8-10a

2.3 Buffer (Zwischenspeicher)
33.2 Installation von Maschinen und Ausrüstungen a. n. g. (10%)
71.12.2 Ingenieurbüros für technische Fachplanung und Ingenieurdesign (10%)

22.19 Herstellung von sonstigen Gummiware (80%)
Flexibles Schlauchsystem zwischen 24.20 Herstellung von Stahlrohren, Rohrform‐, Rohrverschluss‐ 
2.4
Buffer und Kollektoren und sonsigen Rohrverbindungsstücken aus Stahl (10%)
71.12.2 Ingenieurbüros für technische Fachplanung und Ingenieurdesign (10%)

27.3 Herstellung von Kabeln und elektrischem Installationsmaterial (60%)
27.9 Herstellung von sonstigen elektrischen Ausrüstungen und 
Kabel zur Energie‐ und  Geräten a. n. g. (10%)
Datenübertragung,  26.51 Herstellung von Mess‐, Kontroll‐, Navigations‐, u. ä. Instrumenten 
2.5 integriert in Risersektionen und flexiblem  und Vorrichtungen (10%)
Schlauchsystem,  26.20 Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten und 
Sensorik, Mess‐ und Kontroll‐Systeme peripheren Geräten (10%)
33.2 Installation von Maschinen und Ausrüstungen a. n. g. (5%)
71.12.2 Ingenieurbüros für technische Fachplanung und Ingenieurdesign (5%)

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45 / 156
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Tabelle 3-13-2: Investitionskosten


Zuordnung der Wirtschaftszweige

Pos. Beschreibung WZ Wirtschaftszweig


2008
Kode

3 Kollektor

28.15 Herstellung von Lagern, Getrieben, Zahnrädern 
und Antriebselementen (40%)
Fahrwerk mit Antrieb und  25.11 Herstellung von Metallkonstruktionen (25%) 
3.1
Einhausung des Kollektors 27 Herstellung von elektrischen Ausrüstungen (20%)
33.2 Installation von Maschinen und Ausrüstungen a. n. g. (10%)
71.12.2 Ingenieurbüros für technische Fachplanung und Ingenieurdesign (5%)

25.11 Herstellung von Metallkonstruktionen (30%)
28.13 Herstellung von Pumpen und Kompressoren a. n. g. (30%)
28.29 Herstellung von sonstigen nicht wirtschaftszweigspezifischen 
Knollenaufnahmesystem,
3.2 Maschinen a. n. g. (10%)
Brechwerk und Pumpen
27 Herstellung von elektrischen Ausrüstungen (15%)
33.2 Installation von Maschinen und Ausrüstungen a. n. g. (10%)
71.12.2 Ingenieurbüros für technische Fachplanung und Ingenieurdesign (5%)

26.51 Herstellung von Mess‐, Kontroll‐, Navigations‐, u. ä. Instrumenten 
und Vorrichtungen (40%)
26.20 Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten und 
Sensorik und Navigation,
3.3 peripheren Geräten (30%)
Meß‐ und Kontroll‐Systeme
27 Herstellung von elektrischen Ausrüstungen (10%)
33.2 Installation von Maschinen und Ausrüstungen a. n. g. (10%)
71.12.2 Ingenieurbüros für technische Fachplanung und Ingenieurdesign (10%)

4 Austragungssystem für Prozeßwasser

24.20 Herstellung von Stahlrohren, Rohrform‐, Rohrverschluss‐ 
und sonsigen Rohrverbindungsstücken aus Stahl (70%)
Risersektionen mit 25.50 Herstellung von Schmiede‐, Press‐, Zieh‐ und Stanzteilen, 
4.1
flexiblen/starren Kopplungen gewalzten Ringen und pulvermetallurischen Erzeugnissen (15%)
22.19 Herstellung von sonstigen Gummiware (10%)
71.12.2 Ingenieurbüros für technische Fachplanung und Ingenieurdesign (5%)

28.13 Herstellung von Pumpen und Kompressoren a. n. g. (75%)
g:\dat\prj\0285_bmwi_tiefseebergbau\08 ergebnisse\82 berichte\b_0285_01_tiefsee_e.docx, F 8-10a

27 Herstellung von elektrischen Ausrüstungen (15%)
4.2 Pumpen‐System
33.2 Installation von Maschinen und Ausrüstungen a. n. g. (5%)
71.12.2 Ingenieurbüros für technische Fachplanung und Ingenieurdesign (5%)

27.3 Herstellung von Kabeln und elektrischem Installationsmaterial (25%)
26.51 Herstellung von Mess‐, Kontroll‐, Navigations‐, u. ä. Instrumenten 
und Vorrichtungen (30%)
26.20 Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten und 
4.3 Sensorik, Mess‐ und Kontroll‐Systeme peripheren Geräten (25%)
27.9 Herstellung von sonstigen elektrischen Ausrüstungen und
Geräten a. n. g. (10%)
33.2 Installation von Maschinen und Ausrüstungen a. n. g. (5%)
71.12.2 Ingenieurbüros für technische Fachplanung und Ingenieurdesign (5%)

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Tabelle 3-13-3: Investitionskosten


Zuordnung der Wirtschaftszweige

Pos. Beschreibung WZ Wirtschaftszweig


2008
Kode

5‐A Bulk‐Carrier (Neubau)

5.1‐A Neubau Supramax Bulkcarrier 30.11 Schiffbau (100%)

28.22 Herstellung von Hebezeugen und Fördermitteln (30%)
22.1 Gummi‐ und Kunststoffwaren (30%)
27 Herstellung von elektrischen Ausrüstungen (15%)
Ausrüstung für die Offshore‐Beladung
5.2‐A 26.51 Herstellung von Mess‐, Kontroll‐, Navigations‐, u. ä. Instrumenten 
des Bulk‐Carriers (Transshipment)
und Vorrichtungen (10%)
33.2 Installation von Maschinen und Ausrüstungen a. n. g. (10%)
71.12.2 Ingenieurbüros für technische Fachplanung und Ingenieurdesign (5%)

5‐B Bulk‐Carrier (Secondhand)

Beschaffung Secondhand
5.1‐B 46.14.2 Handelsvermittlung von Wasser‐ und Luftfahrzeugen (100%)
Supramax Bulkcarrier

30.11 Schiffbau (12.5%) 
28.22 Herstellung von Hebezeugen und Fördermitteln (27.5%) 
22.1 Gummi‐ und Kunststoffwaren (27.5%) 
Umrüstung für die Offshore‐Beladung 27 Herstellung von elektrischen Ausrüstungen (12.5%)
5.2‐B
des Bulk‐Carriers (Transshipment) 26.51 Herstellung von Mess‐, Kontroll‐, Navigations‐, u. ä. Instrumenten 
und Vorrichtungen (7.5%)
33.2 Installation von Maschinen und Ausrüstungen a. n. g. (7.5%)
71.12.2 Ingenieurbüros für technische Fachplanung und Ingenieurdesign (5%)

6 Hafenanlagen

28.22 Herstellung von Hebezeugen und Fördermitteln (55%)
25.11 Herstellung von Metallkonstruktionen (15%)
Umschlag‐ und Lagertechnik, 27 Herstellung von elektrischen Ausrüstungen (10%)
6.1
Gebäude F Baugewerbe (10%)
33.2 Installation von Maschinen und Ausrüstungen a. n. g. (5%)
71.12.2 Ingenieurbüros für technische Fachplanung und Ingenieurdesign (5%)
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Flächen und  F Baugewerbe (95%) 
6.2
Infrastruktur 71.12.2 Ingenieurbüros für technische Fachplanung und Ingenieurdesign (5%)

Anlagen zur Aufbereitung 
7
und Metallurgie (HP‐HT‐AL)

28.91 Herstellung von Maschinen für die Metallerzeugung, 
von Walzwerkseinrichtungen und Gießmaschinen  (70%)
Anlagentechnik und 27 Herstellung von elektrischen Ausrüstungen (10%)
7.1
Gebäude F Baugewerbe (10%)
33.2 Installation von Maschinen und Ausrüstungen a. n. g. (5%)
71.12.2 Ingenieurbüros für technische Fachplanung und Ingenieurdesign (5%)

Flächen und  F Baugewerbe (95%)
7.2
Infrastruktur 71.12.2 Ingenieurbüros für technische Fachplanung und Ingenieurdesign (5%)

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Tabelle 3-13-4: Investitionskosten


Zuordnung der Wirtschaftszweige

Pos. Beschreibung WZ Wirtschaftszweig


2008
Kode

Forschungsschiff zur 
8
Umweltüberwachung

Neubau eines speziell für das 
8.1 Umweltmonitoring beim Tiefseebergbau 30.11 Schiffbau (100%)
ausgelegten Forschungsschiffes

26.51 Herstellung von Mess‐, Kontroll‐, Navigations‐, u. ä. Instrumenten 
und Vorrichtungen (40%)
26.20 Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten und 
peripheren Geräten (25%)
8.2 Ausrüstung für das Umweltmonitoring
27 Herstellung von elektrischen Ausrüstungen (15%)
Maschinen (10%) 
33.2 Installation v. Maschinen u. Ausrüstungen (5%)
71.12.2 Ingenieurbüros für technische Fachplanung und Ingenieurdesign (5%)

9 Leistungen des Bauherrn

71.12.2 Ingenieurbüros für technische Fachplanung und Ingenieurdesign (75%)
9.1 Ingenieurleistungen, Überwachung
71.12.9 Sonstige Ingenieurbüros (25%)

9.2 Zertifizierungen / Klasse 71.12.9 Sonstige Ingenieurbüros (100%)

9.3 Management 70.10 Verwaltung und Führung von Unternehmen und Betrieben (100%)


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Tabelle 3-14 enthält eine detaillierte Aufstellung der geschätzten


jährlichen Betriebskosten für die Positionen
1. Energieverbrauch beim Abbau der Knollen
2. Instandhaltung Basisschiff und Fördersystem
3. Schiffsmanagement Basisschiff
4. Besatzung Basisschiff
5. Bulk-Carrier, 2 Einheiten für den Transport des
Knollenmaterials von der Lokation (CCZ)
zum Basishafen Lazaro Cardenas (Mexiko)
6. Basishafen Lazaro Cardenas
7. Energieverbrauch bei der Verhüttung
des Knollenmaterials
(Aufbereitung und Metallurgie HP-HT-AL)
8. Weitere Betriebskosten der Verhüttung

Auch bei der Schätzung der Betriebskosten werden Bandbreiten


mit einer oberen und unteren Grenze betrachtet, um die zurzeit
bestehenden Unschärfen zu berücksichtigen.

Die jährlichen Betriebskosten betragen insgesamt


389 Mio. USD (unterer Ansatz) bis 435 Mio. USD (oberer Ansatz)
und damit zwischen
26 und 32% der Gesamtinvestitionskosten.

Daraus ist ersichtlich, dass bei einem Tiefseebergbau Projekt zur


Gewinnung von polymetallischen Knollen mit einem Zeitrahmen von
15 bis 30 Jahren die Wirtschaftlichkeit kostenseitig entscheidend von
der Höhe der Betriebskosten abhängen wird.

In Tabelle 3-15 wird eine Zusammenfassung der jährlichen Betriebs-


g:\dat\prj\0285_bmwi_tiefseebergbau\08 ergebnisse\82 berichte\b_0285_01_tiefsee_e.docx, F 8-10a

kosten vorgenommen, wobei die folgenden zusätzlichen Gruppierun-


gen vorgenommen werden:
 Abbau der polymetallischen Knollen (Positionen 1 bis 4)
 Seetransporte und Basishafen (Positionen 5 und 6)
 Verhüttung (Positionen 7 und 8)

Aus dieser Aufstellung sowie Abbildung 3-12 und Abbildung 3-13 wird
deutlich, dass die Verhüttung mit einem Anteil von 77% einen
dominierenden Beitrag zu den Gesamtbetriebskosten liefert:
 Abbau der polymetallischen Knollen: 16.9 bis 17.1%
 Seetransporte und Basishafen: 5.7%
 Verhüttung: 77.2 bis 77.4%

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Tabelle 3-14-1: Jährliche Betriebskosten


Detaillierte Aufstellung

Schätzung der 
  jährlichen Betriebsskosten
[Mio. USD/a]

unterer oberer
Pos. Beschreibung
Ansatz Ansatz

Energie‐ Betriebs‐
1 Energieverbrauch beim Abbau der Knollen bedarf stunden 30.440 33.484
[kW] [h/a]

Basisschiff: 1.01 bis 1.09

1.01 Propulsion und Positionierung 2000 7200 3.182 3.501

1.02 Aktive Kompensation der Tauchbewegungen 250 7200 0.398 0.438

1.03 Kransysteme 2000 8640 3.819 4.201

1.04 Handhabungssysteme 900 7200 1.432 1.575

1.06 Separatoren und Kreiselpumpen 500 7200 0.796 0.875

1.07 Schiffseitige Transport‐ und Fördersysteme 100 7200 0.159 0.175

1.08 Umschlagsystem (Transshipment) 120 2400 0.064 0.070

1.09 Hotel‐Last (58 Personen) 1200 8640 2.291 2.520

1.10 Förderstrang: Pumpen bzw. Airlift System 7400 7200 11.775 12.952

1.11 Buffer 50 7200 0.080 0.088

1.12 2 Kollektoren 2400 7200 3.819 4.201

1.05 Austragungssytem für Prozeßwasser 650 7200 1.034 1.138

Remotely Operated Vehicles (ROV),
1.13 1000 7200 1.591 1.750
g:\dat\prj\0285_bmwi_tiefseebergbau\08 ergebnisse\82 berichte\b_0285_01_tiefsee_e.docx, F 8-10a

Seafloor Working Units (SWU)

2 Instandhaltung Basisschiff und Fördersystem ‐ ‐ 9.500 11.400

2.01 Basisschiff 3.000 3.600

Fördersystem:
‐ Förderstrang
2.02 6.500 7.800
‐ Kollektoren
‐ Austragungssystem für Prozesswasser

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Tabelle 3-14-2: Jährliche Betriebskosten


Detaillierte Aufstellung

Schätzung der 
  jährlichen Betriebsskosten
[Mio. USD/a]

unterer oberer
Pos. Beschreibung
Ansatz Ansatz

3 Schiffsmanagement Basisschiff ‐ ‐ 1.425 2.025

3.01 Kommerzielles und technisches Management 0.700 1.000

3.02 Klasse einschl. Dockung 0.400 0.600

3.03 Versicherung (Haftpflicht + Hull & Machinery) 0.325 0.425

Stärke der
4 Besatzung Basisschiff ‐ Besatzung 24.500 27.400
(2 Crews)

4.01 Schiffsbesatzung 2 x 16 2.100 2.200

4.02 Besatzung für Betrieb Fördersystem 2 x 40 7.800 8.200

4.03 Unterbringung und Verpflegung 56 5.240 5.760

4.04 Besatzungs‐Wechsel 56 9.360 11.240

Bulk‐Carrier Supramax ‐ 2 Einheiten
5 ‐ ‐ 20.100 22.800
(Transport nach Mexiko, Lazaro Cardenas)

Treibstoff, 2 x 34 Fahrten 2 x 1000 nm 
5.01 15.900 17.500
plus Transshipment und Entladung

5.02 Besatzung 2.200 2.600

5.03 Kommerzielles und technisches Management 0.800 1.100

5.04 Klasse einschl. Dockung 0.500 0.700


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5.05 Versicherung (Haftpflicht + Hull & Machinery) 0.300 0.400

5.06 Schmieröle und Unterhaltung 0.400 0.500

6 Basishafen (Mexiko, Lazaro Cardenas) ‐ ‐ 1.970 2.190

Energiekosten 
6.01 0.400 0.440
(Treibstoffe und elektrische Energie)

6.02 Lohnkosten (12 Mitarbeiter) 0.720 0.750

Feste Kosten 
6.03 0.850 1.000
(Verwaltung, Instandhaltung, Versicherung etc.)

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Tabelle 3-14-3: Jährliche Betriebskosten


Detaillierte Aufstellung

Schätzung der 
  jährlichen Betriebsskosten
[Mio. USD/a]

unterer oberer
Pos. Beschreibung
Ansatz Ansatz

Energieverbrauch bei der Verhüttung 
7 ‐ ‐ 217.700 231.600
(Metallurgie HP‐HT‐AL)

7.01 Brennstoffe 68.700 75.600

7.02 Elektrische Energie 149.000 156.000

Weitere Betriebskosten Verhüttung 
8 ‐ ‐ 84.000 104.200
(Metallurgie HP‐HT‐AL)

8.01 Hilfsstoffe für den metallurgischen Prozeß 23.600 31.900

8.02 Lohnkosten 18.200 19.100

8.03 Entsorgung Reststoffe 10.700 13.800

Feste Kosten 
8.04 31.500 39.400
(Verwaltung, Instandhaltung, Versicherung etc.)
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Tabelle 3-15: Jährliche Betriebskosten


Zusammenfassung (1)

Schätzung der jährlichen Betriebsskosten
 
[Mio. USD/a]

Pos. Beschreibung unterer Ansatz oberer Ansatz

Anteil an  Anteil an 
[Mio. USD/a] [Mio. USD/a]
Gesamtkosten Gesamtkosten

1 Energieverbrauch beim Abbau der Knollen 30.440 33.484

Instandhaltung Basisschiff und 
2 9.500 11.400
Fördersystem

3 Schiffsmanagement Basisschiff 1.425 2.025

4 Besatzung Basisschiff 24.500 27.400

1 ‐ 4 Abbau der polymetallischen Knollen 65.865 16.9% 74.309 17.1%

Bulk‐Carrier Supramax ‐ 2 Einheiten
5 20.100 22.800
(Transport nach Mexiko, Lazaro Cardenas)

6 Basishafen (Mexiko, Lazaro Cardenas) 1.970 2.190

5 + 6 Seetransporte und Basishafen 22.070 5.7% 24.990 5.7%

Energieverbrauch bei der Verhüttung 
7 217.700 231.600
(Metallurgie)

Weitere Betriebskosten Verhüttung 
8 84.000 104.200
(Metallurgie)

7 + 8 Verhüttung (Metallurgie HP‐HT‐AL) 301.700 77.4% 335.800 77.2%

Jährliche Gesamtkosten Betrieb 389.635 100.0% 435.099 100.0%


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Abbildung 3-12: Jährliche Betriebskosten (Zusammenfassung 1)

- Abbau der polymetallischen Knollen


- Seetransporte und Basishafen
- Verhüttung

unterer Ansatz

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Abbildung 3-13: Jährliche Betriebskosten (Zusammenfassung 1)

- Abbau der polymetallischen Knollen


- Seetransporte und Basishafen
- Verhüttung

oberer Ansatz

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Eine weitere Gliederung und Gruppierung der Betriebskosten wurde


nicht unter der Betrachtung der aufeinander folgenden Schritte des
Gesamtprojekts, sondern unter Anwendung der folgenden Kategorien
vorgenommen:

1. Energiekosten gesamt:
 Treibstoffe
 Elektrische Energie

2. Hilfsstoffe gesamt:
 Hilfsstoffe für den metallurgischen Prozess
 Schmierstoffe
 Sonstige Hilfsstoffe

3. Verwaltung, Instandhaltung, Versicherungen gesamt:


 Kommerzielles und technisches Management
 Instandhaltung Basisschiff und Fördersystem
 Instandhaltung Bulk-Carrier
 Klasse
 Instandhaltung Basishafen
 Instandhaltung Verhüttung
 Versicherungen

4. Lohnkosten und weitere Personalkosten gesamt:


 Schiffsbesatzungen
 Besatzung für Betrieb Fördersystem
 Unterbringung und Verpflegung
 Besatzungswechsel Basisschiff
 Mitarbeiter Basishafen
 Mitarbeiter Verhüttung

5. Sonstige Kosten gesamt:


 Entsorgung Reststoffe Metallurgie
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Die Ergebnisse zeigen, dass die Energiekosten mit 264 bis


283 Mio. USD rund 65% der gesamten jährlichen Betriebs-
kosten darstellen, siehe Tabelle 3-16 sowie Abbildung 3-14
und Abbildung 3-15:
1. Energiekosten: 65.0 bis 67.9 %
2. Hilfsstoffe: 6.1 bis 7.3 %
3. Verwaltung, Instandhaltung,
Versicherungen: 11.6 bis 13.0 %
4. Lohnkosten und
weitere Personalkosten: 11.5 bis 11.7 %
5. Sonstige Kosten 2.7 bis 3.2 %

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Tabelle 3-16: Betriebskosten


Zusammenfassung (2)

Schätzung der jährlichen Betriebsskosten
 
[Mio. USD/a]

Pos. Beschreibung unterer Ansatz oberer Ansatz

Anteil an  Anteil an 
[Mio. USD/a] [Mio. USD/a]
Gesamtkosten Gesamtkosten

1 ‐ 8 Jährliche Gesamtkosten Betrieb 389.635 100.0% 435.099 100.0%

davon Energiekosten gesamt 264.440 67.9% 283.024 65.0%

Hilfsstoffe gesamt 23.600 6.1% 31.900 7.3%

Verwaltung, Instandhaltung, 
45.275 11.6% 56.525 13.0%
Versicherungen gesamt

Lohnkosten und weitere Personalkosten 
45.620 11.7% 49.850 11.5%
gesamt

Sonstige Kosten gesamt 10.700 2.7% 13.800 3.2%


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Abbildung 3-14: Jährliche Betriebskosten (Zusammenfassung 2)

- Energiekosten gesamt
- Hilfsstoffe gesamt
- Verwaltung, Instandhaltung, Versicherungen gesamt
- Lohnkosten und weitere Personalkosten gesamt
- Sonstige Kosten gesamt

unterer Ansatz

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Abbildung 3-15: Jährliche Betriebskosten (Zusammenfassung 2)

- Energiekosten gesamt
- Hilfsstoffe gesamt
- Verwaltung, Instandhaltung, Versicherungen gesamt
- Lohnkosten und weitere Personalkosten gesamt
- Sonstige Kosten gesamt

oberer Ansatz

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Ein wichtiger betriebswirtschaftlicher Parameter sind die Gesamt-


Betriebskosten pro Tonne Trockenmaterial der polymetallischen
Knollen.

Unter Zugrundelegung des nominalen jährlichen Abbaus von


3.0 Mio Tonnen Trockenmaterial ergeben sich die in Tabelle 3-17
zusammengestellten Kosten.

Die gesamten Betriebskosten pro Tonne Trockenmaterial betragen:


 Unterer Ansatz: 129.9 USD/t
 Oberer Ansatz: 145.0 USD/t

Tabelle 3-17: Betriebskosten pro Tonne Trockenmaterial


Zusammenfassung

Schätzung der Betriebsskosten
 
pro Tonne Trockenmaterial

Pos. Beschreibung unterer Ansatz oberer Ansatz

Anteil an  Anteil an 
[USD/t] [USD/t]
Gesamtkosten Gesamtkosten

1 Energieverbrauch beim Abbau der Knollen 10.1 11.2

Instandhaltung Basisschiff und 
2 3.2 3.8
Fördersystem

3 Schiffsmanagement Basisschiff 0.5 0.7

4 Besatzung Basisschiff 8.2 9.1

1 ‐ 4 Abbau der polymetallischen Knollen 22.0 16.9% 24.8 17.1%

Bulk‐Carrier Supramax ‐ 2 Einheiten
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5 6.7 7.6
(Transport nach Mexiko, Lazaro Cardenas)

6 Basishafen (Mexiko, Lazaro Cardenas) 0.7 0.7

5 + 6 Seetransporte und Basishafen 7.4 5.7% 8.3 5.7%

Energieverbrauch bei der Verhüttung 
7 72.6 77.2
(Metallurgie)

Weitere Betriebskosten Verhüttung 
8 28.0 34.7
(Metallurgie)

7 + 8 Verhüttung (Metallurgie HP‐HT‐AL) 100.6 77.4% 111.9 77.2%

Gesamte Betriebskosten
129.9 100.0% 145.0 100.0%
pro Tonne Trockenmaterial

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3.3 Methodische Vorgehensweise der betriebswirtschaftli-


chen Analyse

Aus privatwirtschaftlicher Perspektive stellt ein zukünftiger kommer-


zieller Tiefseebergbau zunächst einmal ein langfristiges Investitions-
projekt dar. Zur Beurteilung der rein ökonomischen Rentabilität die-
ses Projekts sollte deshalb auf Methoden zurückgegriffen werden, wie
sie in der Investitionsrechnung gängig sind. Neben grundlegenden
Ansätzen wie der Kapitalwertmethode haben sich in Forschung und
Praxis über die Jahre hinweg zunehmend komplexe Rechenmethoden
wie Option Pricing und Szenarioanalysen etabliert, vor allem um die
spezifische Risikostruktur komplexer Projekte genauer abbilden zu
können. Für unsere Zwecke bleiben wir aber bei der klassischen
Discounted Cash Flow Methode: Sie ermöglicht uns eine transparente
Projektbewertung auf Grundlage einer Gegenüberstellung von pro-
jektbedingter Ein- und Auszahlungen im Zeitverlauf. Weiter in der
Zukunft liegende Zahlungsströme werden dabei mittels Diskontierung
in ihrem Gegenwartswert vergleichbar gemacht. Betrachtungszeit-
punkt ist die Situation bei Projektstart, was aus finanzwirtschaftlicher
Sicht dem Zeitpunkt der ersten Investitionen (und nicht den Beginn
des Abbaus) entspricht.

Wesentliches Charakteristikum des betrachteten Investitionsprojekts


ist das zeitverzögerte Anfallen der Erträge. Die Anfangsjahre werden
allein der technischen Einrichtung des Abbaus und dem Aufbau der
Wertschöpfungskette (Abbau der Knollen, Transport, Verhüttung)
gewidmet sein. Als Zahlungsstrom fallen somit lediglich Auszahlungen
im Zusammenhang mit den zu tätigenden Investitionen an. Daran
schließt sich die Abbauphase an, wobei auch hier eine gewisse An-
laufzeit einkalkulieren ist, in der die Kapazitäten noch nicht vollstän-
dig ausgeschöpft werden können. Während der Abbauphase fallen
Einzahlungen in Form von Verkaufserlösen für die geförderten Metalle
an, sowie Auszahlungen in Form von operativen Kosten entlang der
Wertschöpfungskette (Material, Personal, Energie, Equipment).
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Abbildung 3-16 stellt die zeitliche Zahlungsstruktur und den damit


zusammenhängenden Informationsbedarf schematisch dar.

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Abbildung 3-16: Systematik des Discounted Cash Flow Ansatzes

Am Ende des Discounted Cash Flow (DCF) Ansatzes steht ein Kapi-
talwert, der den Netto-Gesamtwert der im Projekt anfallenden Zah-
lungen zum Zeitpunkt des Projektstarts zusammenfasst. Fällt der Ka-
pitalwert positiv aus, kann das Projekt als finanziell lohnenswert be-
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trachtet werden, bei einem negativen Wert entsprechend nicht.

Grundsätzliche Schwierigkeit ist dabei, dass die in der Zukunft anfal-


lenden Aus- und Einzahlungen immer mit Unsicherheit verbunden
sind. Für die Einzahlungen gilt dass in besonderem Maße, da hierbei
neben dem zukünftigen Förderpotential auch die Preisentwicklung an
den Rohstoffmärkten entscheidenden Einfluss ausübt. Typischerweise
wird dieser Unsicherheit im Rahmen des DCF Ansatzes über einen
erhöhten Diskontierungssatz für zukünftige Zahlungen Rechnung ge-
tragen. Die Logik dahinter ist das die bei der Diskontierung anzuset-
zende Rendite möglicher Alternativanlagen am Markt sich zwecks
Vergleichbarkeit auf Anlagen mit ähnlicher Risikostruktur beziehen
sollte. Größere Unsicherheit wird wiederum am Markt üblicherweise
durch eine erhöhte erwartete Rendite kompensiert. Der Wahl des
Diskontierungssatzes kommt damit für unsere Analyse eine erhebli-
che Bedeutung zu.

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Wahl der Discount Rate

Der Diskontierungssatz ist der jährliche Abzinsungsfaktor, mit dem in


der Zukunft liegende Ein- und Auszahlungen in ihrer Gewichtung ge-
genüber gegenwärtigen Zahlungsströmen reduziert werden. In der
Bewertung realer Investitionsprojekte erfüllt er gleich zwei Funktio-
nen. Zum einen stellt er eine zeitliche Vergleichbarkeit zwischen Pro-
jekten mit unterschiedlichen zeitlichen Zahlungsprofilen her, indem er
zu unterschiedlichen Zeitpunkten anfallende Zahlungen in ihrem Wert
zum Gegenwartszeitpunkt ausdrückt. Maßgabe ist hierbei die Alterna-
tivverzinsung am Kapitalmarkt: Der Gegenwartswert entspricht der
Geldanlage, die zum heutigen Zeitpunkt notwendig wäre, um bei
Rückzahlung und Verzinsung auf die Höhe der betreffenden Zahlung
zum zukünftigen Zeitpunkt zu kommen.

Kernfrage ist dabei die Definition einer adäquaten Alternativanlage.


Daran setzt die zweite Funktion der Discount Rate an: In einem risi-
koreichen Umfeld soll sie zugleich auch die Unsicherheit widerspie-
geln, die hinsichtlich des tatsächlichen Eintritts der geplanten Cash
Flows besteht. Geht man davon aus, dass Investoren ähnlich wie die
Durchschnittsbevölkerung einem gewissen Grad an Risikoaversion
unterliegen, hat das die Form eines Bestrafungsfaktors: Der Diskon-
tierungszinssatz wird umso größer gewählt, je höher das eingeschätz-
te Realisationsrisiko. Daraus ergibt sich dann auch das Kriterium für
eine passende Alternativanlage: Sie sollte in ihrer Risikostruktur dem
zu bewertenden Projekt möglichst ähnlich sein. Da am Kapitalmarkt
größere Risiken üblicherweise durch eine im Erwartungswert höhere
Rendite entlohnt werden, entspricht das der Logik einer höheren Al-
ternativverzinsung.
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Abbildung 3-17: Arten von Risiken im Tiefseebergbau

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Strukturell setzt sich die Discount Rate damit aus einer risikofreien
Komponente, die den Zeitwert des Geldes reflektiert, und einem Risi-
koaufschlag zusammen. Idealerweise sollte dieser Aufschlag das
Ausmaß aller Risiken (sowie deren mögliche Korrelation) widerspie-
geln. Dazu ist zunächst zu bestimmen, welche Arten von Risiken im
jeweiligen Projekt überhaupt vorliegen. Die aus Investorenperspekti-
ve relevanten Risikokomponenten des Tiefseebergbaus sind in Ab-
bildung 3-17 zusammengefasst. Grob lässt sich zwischen technologi-
schen, politisch-rechtlichen und marktbezogenen Risiken unterschei-
den. Strenggenommen müsste für jede dieser Komponenten ein spe-
zifischer Risikoaufschlag bestimmt und additiv zum Diskontierungs-
satz zusammengefügt werden. Die hierzu in der Literatur vorgeschla-
genen Bandbreiten sind jedoch immens. Baurens (2010) etwa gibt für
die projektspezifischen Risiken die Bandbreite 3 - 16 % vor, für die
politischen Länderrisiken die Bandbreite 0 - 14 %. Park und Matun-
hire (2011) postulieren für die Risikoprämie von Bergbauprojekten
insgesamt eine Schwankungsbreite von 6 - 20 %.

Hinzukommt, dass sich die erwähnten Beiträge auf den Landbergbau


beziehen, die spezifischen technischen und rechtlichen Unsicherheiten
des Tiefseebergbaus also noch gar nicht berücksichtigt werden. Ein
grundsätzliches Problem in diesem Zusammenhang ist auch die zu
erwartende Korrelation der Risikoklassen: Veränderungen an den
Rohstoffmärkten können Einfluss auf die technologische Entwicklung
nehmen und umgekehrt. Eine spezifische Herleitung unserer Discount
Rate ist auf dieser Grundlage kaum möglich. Es ist deswegen nur
möglich, sich an dem gängigen Vorgehen in der Praxis zu orientieren.

Runge (1998) identifiziert einen realen Diskontierungsfaktor von


15 % als konventionelle Guideline innerhalb der Bergbauindustrie. In
Surface Mining (1990) wird für Projekte in Form gänzlich neuer Ope-
rationen ein Faktor von mindestens 20 % vorgeschlagen. Summers
(1987) erhält in einer Umfrage unter Großunternehmen eine nomina-
le Discount Rate von 15 % als Median. Dieser Wert wird im Folgenden
als Parameter für unser Baseline Scenario gewählt. Vor dem Hinter-
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grund der in den Literaturvorschlägen noch gar nicht berücksichtigten


Sonderrisiken des Tiefseebergbaus ist diese Wahl tendenziell als op-
timistisch einzustufen. Im Rahmen einer nachfolgenden Sensitivitäts-
analyse wird die Sensitivität der Rentabilitätseinschätzung gegenüber
der Discount Rate transparent gemacht.

Zeitliche Struktur der Zahlungen

Eine wesentliche Annahme betrifft auch die zeitliche Struktur des Pro-
jekts. Wir gehen für das Gesamtprojekt von einem Betrachtungszeit-
raum von 12 Jahren aus. Dieses Zeitfenster ist lang genug, um die
Erzielung von Überschüssen prinzipiell möglich zu machen, zugleich
aber nicht zu lang für eine wirtschaftlich sinnvolle Mittelbindung. Der
Gesamtzeitraum unterteilt sich in zwei Phasen. Die Investitionsphase
umfasst die ersten 4 Jahre. In dieser Phase werden zunächst die Ka-
pazitäten entlang der Wertschöpfungskette aufgebaut, aber noch kein
kommerzieller Abbau der Knollen betrieben. Die Investitionskosten

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werden entsprechend dieser Phase zugeordnet. Als zeitlicher Auftei-


lungsschlüssel der Kosten auf die einzelnen Jahre wird folgendes
Schema angewendet: 15 % / 30 % / 30 % / 25 %. Nach einer An-
laufphase im ersten Jahr wird der Großteil der Investitionen also in
den Jahren 2 bis 4 getätigt, was wir als realistische Annahme be-
trachten.

An die Investitionsphase schließt sich die Abbauphase an. In dieser


Phase wird kommerzieller Abbau betrieben und die aus den anschlie-
ßenden Verhüttungsprozessen gewonnenen Metalle am Markt veräu-
ßert. Neben den Markterlösen auf der Einnahmenseite fallen operati-
ve Kosten auf der Ausgabenseite an. Auch hierbei gehen wir zunächst
von der Existenz einer Anlaufphase aus: In den ersten beiden Abbau-
jahren wird von einer noch eingeschränkten Kapazität ausgegangen,
die 50 % (1. Jahr) bzw. 75 % (2. Jahr) des vollständigen Kapazitäts-
umfangs im Hinblick auf die Abbaumengen entspricht.

Monte Carlo Simulation

Darüber hinaus kann aber die Frage gestellt werden, ob in diesem


unsicheren Umfeld ein reiner Punktwert als Ergebnis wirklich ausrei-
chende Informationen für eine seriöse Rentabilitätsbetrachtung lie-
fert. Das Downside Risk, das heißt bei einer ungünstigen Entwicklung
der Rahmenbedingungen (fallende Metallpreise etc.) deutlich unter-
halb des erwarteten Kapitalwertes zu landen, wird damit ja nicht ab-
gebildet. Insbesondere kann so nicht die Eintrittswahrscheinlichkeit
eines negativen Kapitalwertes abgeschätzt werden.

Um die betreffende Unsicherheit im Modell explizit zu machen, hat die


finanzwirtschaftliche Literatur über die Jahre eine Reihe von Metho-
den zur Berücksichtigung stochastischer Einflüsse in DCF Ansätzen
entwickelt. Die Methode der Monte Carlo Simulation erfreut sich da-
runter insbesondere wegen ihrer relativ einfachen Anwendbarkeit
besonderer Beliebtheit. Unsichere externe Einflussgrößen (Metallprei-
se, Kostenentwicklungen, …) werden dabei als Zufallsvariablen begrif-
fen, die einer gewissen Verteilung unterliegen. In Abwesenheit besse-
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rer Verteilungsinformationen wird in der Regel eine Normalverteilung


unterstellt. Die Parameter dieser Verteilungen (Erwartungswert, Vari-
anz...) werden auf Grundlagen von a priori Informationen über die
Einflussgrößen bestimmt (z. B. erwarteter Mittelwert, obere/untere
Grenzwerte). Aus den definierten Verteilungen werden dann über
Zufallsziehungen einzelne Werte für die Einflussgrößen gezogen und
der dazugehörige DCF berechnet. Bei wiederholter Durchführung von
Ziehungen entsteht so eine empirische Wahrscheinlichkeitsverteilung
für die DCF. Diese ermöglicht es wiederum, gezielt die Wahrschein-
lichkeit auszudrücken, dass der erhaltene Kapitalwert innerhalb ge-
wisser Bandbreiten (z. B. kleiner null) liegt. Wir verfolgen in unserer
Analyse diesen Ansatz, um damit bewusst den Blick auf die Mannig-
faltigkeit an Unsicherheitsfaktoren im Tiefseebergbau zu lenken.

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3.4 Ergebnisse der betriebswirtschaftlichen Analyse

Die eigentliche Rentabilitätsrechnung besteht in der Zusammenfüh-


rung der vorangegangenen Ertrags- und Kostenschätzungen im Rah-
men des beschriebenen DCF Ansatzes. Der daraus resultierende Kapi-
talwert zur Beschreibung der Rentabilität eines privaten Tiefseeberg-
baus ist notwendigerweise ebenfalls eine stochastische Größe mit
dazugehöriger Verteilung. Indem eine große Anzahl an Ziehungen im
Hinblick auf die exogenen Einflussfaktoren vorgenommen und jeweils
die dazugehörigen Kapitalwerte berechnete werden, wird eine empiri-
sche Verteilung des Kapitalwerts bestimmt.

Diese liefert uns Informationen sowohl über den im Mittel zu erwar-


tenden Netto-Ertrag der Investoren als auch über dessen Streuung
und damit dem vorherrschenden Grad an Unsicherheit. Die Perspekti-
ve ist dabei die des Gesamtprojekts: Es wird der ökonomischen Er-
trag aus dem Gesamtzahlungsstrom des Projekts berechnet, wie er
anschließend zwischen verschiedenen Kategorien von Investoren (Ei-
gen-, Fremdkapitalgebern etc.) aufgeteilt werden könnte (Entity An-
satzes). Im Vergleich zur alternativen Berechnungsmethode des Equi-
ty Ansatzes kann die Rentabilitätsanalyse so losgelöst von Annahmen
zu konkreten Finanzierungskonzepten und den damit zusammenhän-
genden unsicheren Parametern (Kapitalanteile, Fremdkapitalzinsen
etc.) betrieben werden.

Prognosebezogene Unsicherheit besteht allgemein nicht nur in Bezug


auf die exogenen Einflussfaktoren, sondern auch auf die grundsätzli-
che Validität der Modellkonstruktion. So ist nicht gesagt, dass die für
die Preisprojektion genutzten Langfristzusammenhänge auch zukünf-
tig Gültigkeit besitzen werden. Technologischer Fortschritt und Ver-
änderungen in der Wettbewerbssituation können dazu führen, dass
die Börsenpreise zukünftig in anderer Form auf Schwankungen in
Rohstoffabbau und –bedarf reagieren werden. Da derlei Veränderun-
gen selbst per se schwer zu prognostizieren sind, wird unsere Renta-
bilitätsanalyse durch weitere Szenarien ergänzt, in denen die Rentabi-
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lität des Tiefseebergbaus losgelöst von unserem Preisprojektionsmo-


dell bestimmt wird. Als Metallpreise werden stattdessen zeitliche
Durchschnittswerte der jüngsten Börsenpreise angesetzt.

Da wie oben beschrieben gerade der jüngere Zeitraum durch starke


Preisschwankungen an der Metallbörse gekennzeichnet ist, hat die
Länge des bei der Durchschnittsbildung angesetzten Zeitraums nicht
unerhebliches Gewicht. Wir unterscheiden deshalb bewusst zwischen
drei Subszenarien: Preise im Durchschnitt der letzten 10 Jahre, der
letzten 5 Jahre und des letzten Jahres (letzter Messzeitpunkt: Juli
2016). Diese werden als zu zukünftigen Zeitpunkten konstant ange-
nommen. Es wird also die Rentabilität auf Grundlage der heutigen
Preise bestimmt. Es bleibt noch zu klären, ob dabei sinnvollerweise
von real oder nominal konstanten Preisen ausgegangen werden soll-
te. Im Falle real konstanter Preise würde man zunächst die zukünfti-
gen Preise noch entsprechend den Annahmen zur allgemeinen Inflati-
onsrate inflationieren. Da dasselbe Vorgehen bei der Kostenentwick-

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lung gewählt ist, ist dieses Vorgehen modellintern konsistent. Bei der
Darstellung der Ergebnisse wird im Folgenden darauf aufmerksam
gemacht, dass sowohl real als auch nominal konstante Preise mit
Blick auf vergangene Preisentwicklungen durchaus realistische Szena-
rien darstellen (die Ergebnisse bei Annahme nominal konstanter Prei-
se finden in Fußnote 1 Erwähnung).

In unseren Rechnungen wird damit damit zwischen zwei Oberszenari-


en unterschieden: Das Modell mit Preisprojektionen (Oberszenario 1)
und das Modell mit (real) konstanten Preisen (Oberszenario 2). In
Abbildung 3-18 ist zunächst die Verteilung des Kapitalwertes unter
Anwendung von Oberszenario 1, jeweils differenziert nach zwei
Investitionskostenszenarien (siehe Abschnitt 3.2.2), dargestellt. Links
befindet sich jeweils die empirische Häufigkeitsverteilung, rechts die
daran angepasste Dichtefunktion bei Normalverteilungsannahme. Die
Unterschiede zwischen den Ergebnissen der beiden Investitionsszena-
rien erweisen sich erwartungsgemäß als geringfügig. In beiden Fällen
liegt der Erwartungswert der Verteilung eindeutig im positiven
Bereich. Im Szenario „Primary German Supply“ beträgt er 1,538 Mrd.
USD, im Szenario „Primary International Supply“ 1,618 Mrd. USD.
Die Wahrscheinlichkeit, unter den gegebenen Verteilungsannahmen
im negativen Wertebereich zu landen, ist in beiden Fällen nahezu
inexistent.

Diese Ertragswerte gelten wie beschrieben für eine unterstellte Pro-


jektlaufzeit von 16 Jahren (einschließlich 4 Jahre Investitionsphase).
Eine solche Zeitspanne könnte den Planungshorizont mancher Inves-
toren übersteigen. Deshalb ist es aufschlussreich, sich zusätzlich die
kumulierten Discounted Cash Flows anzuschauen, u. a. um den zeitli-
chen Break Even Point zu ermitteln. Abbildung 3-19 fasst die zeitliche
Struktur der Cash Flows beispielhaft für das „Primary International
Supply“ Szenario zusammen, wobei für die stochastischen Einfluss-
größen jeweils die Erwartungswerte angesetzt wurden. Es zeigt sich,
dass unter dem gegebenen Metallpreisszenario etwa ab dem Jahr
2028, also 8 Jahre nach Projektstart, der Barwert der Investition den
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positiven Wertebereich erreicht. Danach steigt er infolge der simulier-


ten kontinuierlichen Preisanstiege immer weiter an. Mit wachsendem
Prognosehorizont nimmt allerdings auch die Unsicherheit stetig zu,
insofern unterliegen auch die geschätzten Cash Flows einer mit zeitli-
cher Distanz zunehmenden Unschärfe.

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Abbildung 3-18: Verteilung des Kapitalwerts (Oberszenario 1)


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Abbildung 3-19: Kumulierte DCF im Erwartungswert:


Oberszenario 1, Primary International Supply

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Sollten sich dagegen in der Zukunft nicht mehr die bisherigen lang-
fristigen Preistrends realisieren, sondern das gegenwärtig eher nied-
rige Preisniveau an den Metallbörsen bestehen bleiben, gestaltet sich
die zu erwartende Ertragslage deutlich anders. Dies machen die Si-
mulationsergebnisse unter Oberszenario 2 (Heutige Durchschnitts-
preise) deutlich. Abbildung 3-20 stellt die Verteilung des Kapitalwerts
bei Annahme zukünftiger realer (d. h. um allgemeine Inflation korri-
gierter) Preisniveaus in Höhe der Durchschnittspreise der letzten
zehn, fünf sowie des letzten Jahres dar. Es zeigt sich, dass sich am
jüngsten Rand (d. h. Preisdurchschnitt August 2015 - Juli 2016) un-
abhängig vom Investitionskostenszenario im Erwartungswert ein ein-
deutig negativer Kapitalwert einstellt. Unter der gegebenen Vertei-
lung ist die Wahrscheinlichkeit nahe null, einen positiven Kapitalwert
zu erzielen.

Etwas anders sieht es bei Zugrundelegung längerfristiger Preisdurch-


schnitte aus, da die Preisrückgänge im jüngsten Zeitraum hierbei kein
so großes Gewicht erhalten. So liegt der erwartete Kapitalwert bei
Anwendung von 5-Jahresdurchschnitten im Szenario „Primary Inter-
national Supply“ knapp im positiven Bereich. Deutlich besser noch
würde sich die Ertragslage gestalten, wenn sich die zukünftigen Prei-
se am durchschnittlichen Niveau der letzten zehn Jahre orientieren
würden, vor allem bedingt durch die Hochpreisphase 2007/08. Der
erwartete Kapitalwert beträgt hier im Szenario „Primary International
Supply“ 1.050 Mrd. USD. 2

Es zeigt sich damit, dass eine mittelfristige Preiserholung zwingende


Voraussetzung für die betriebswirtschaftliche Rentabilität des so spe-
zifizierten Tiefseebergbauprojekts ist. Abbildung 3-21 schließlich stellt
die kumulierten Discounted Cash Flows dar. Während im 10-Jahres-
Preisdurchschnitt eine positive Rentabilität wie bei den Preisprojektio-
nen bereits nach acht Jahren zu verzeichnen wäre, wird diese im
1-Jahres-Durchschnitt auch nach langer Zeit nicht erreicht.
 
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2
Im Fall nominal konstanter Preise ist die Ertragslage entsprechend noch ungünstiger. Sowohl unter dem 1-Jahres- als auch
unter dem 5-Jahres-Preisdurchschnitt liegt die Verteilung der Kapitalwerte bei allen Investitionsszenarien klar im negati-
ven Bereich. Lediglich unter dem 10-Jahresdurchschnitt ergeben sich positive Erwartungswerte, im Szenario „Primary
International Supply“ etwa in Höhe von 391,926 Mill USD.

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Abbildung 3-20: Verteilung des Kapitalwerts (Oberszenario 2)

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Abbildung 3-21: Kumuliert DCF im Erwartungswert:


Oberszenario 2, Primary International Supply

Ein für die Rentabilitätseinschätzung nicht unwesentlicher Faktor ist


offenkundig die Wahl des Zinsfußes, mit dem die zukünftigen Ein-
nahmen und Ausgaben abdiskontiert werden. Die Wahl einer Discount
Rate von 15 % als Basisfall war vor allem durch die Vielzahl an Risi-
ken und Unsicherheiten begründet, die entlang der Wertschöpfungs-
kette des Tiefseebergbaus bestehen (siehe Abschnitt 4.1). Da die
Bedeutung einzelner Risikofaktoren aber nur schwer in Form konkre-
ter Risikozuschläge zu quantifizieren ist, ist die exakte Bezifferung
natürlich nicht möglich. Aus diesem Grund wurden die Berechnungen
über ein breites Spektrum an Discount Rates hinweg wiederholt, um
die Sensitivität unserer Rentabilitätsanalyse gegenüber diesem Para-
g:\dat\prj\0285_bmwi_tiefseebergbau\08 ergebnisse\82 berichte\b_0285_01_tiefsee_e.docx, F 8-10a

meter kenntlich zu machen.

Abbildung 3-22 fasst die Ergebnisse zusammen, indem sie für das
Spektrum an Discount Rates und Preisszenarien jeweils den Erwar-
tungswert der Kapitalwertverteilung darstellt. Grundsätzlich sinkt die
Rentabilität erwartungsgemäß mit höherer Discount Rate. Im Falle
des Projektionsszenarios zeigt sich jedoch, dass selbst die Wahl hoher
Diskontierungssätze von 25 bis 30 % noch zu einer positiven Rentabi-
litätsbewertung führt. In etwas geringerem Maße trifft dies auch zu,
wenn sich die zukünftigen Preise auf dem Niveau des Durchschnitts
der letzten zehn Jahre einpendeln würden.

Bei Anwendung des 5-Jahres-Preisdurchschnitts wäre eine Discount


Rate von mehr als 18 % prohibitiv. Für das gegenwärtigen Preis-
szenario (1-Jahres-Preisdurchschnitt) zeigt sich dagegen eine grund-
sätzliche Insensitivität des erhaltenen Vorzeichens gegenüber der
Discount Rate: Auch bei einem Verzicht auf jegliche Diskontierung

Gutachtergemeinschaft
Analyse des volkswirtschaftlichen Nutzens der Entwicklung eines
71 / 156
kommerziellen Tiefseebergbaus

von Zukunftszahlungen würde das Ergebnis eines negativen Kapital-


werts erhalten blieben. Die Sensitivitätsuntersuchung zeigt also, dass
das grundsätzliche Ergebnis der Wirtschaftlichkeitsrechnung Bestand
hat: Die zukünftige Rentabilität des Tiefseebergbaus wird entschei-
dend von den Entwicklungen an den Rohstoffmärkten abhängen.

 
Abbildung 3-22: Sensitivität des erwarteten Kapitalwertes gegenüber
der Discount Rate
g:\dat\prj\0285_bmwi_tiefseebergbau\08 ergebnisse\82 berichte\b_0285_01_tiefsee_e.docx, F 8-10a

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4 Volkswirtschaftlicher Nutzen für Deutschland

Aus Sicht der öffentlichen Hand liegt ein bestimmender Entschei-


dungsfaktor zu Gunsten oder Ungunsten eines (weiteren) Engage-
ments im Tiefseebergbau in dessen möglicher nutzenstiftender Wir-
kung für die deutsche Volkswirtschaft. Es ist - unter Ausklammerung
der betriebswirtschaftlichen Sinnhaftigkeit - zu untersuchen, ob sich
mit den potentiell positiven Auswirkungen auf das Gemeinwohl die
Kosten einer etwaigen bundesdeutschen Unterstützung des Tiefsee-
bergbaus rechtfertigen lassen. Einfacher gefragt: Was spricht aus der
Sicht der Bundesrepublik dafür, den Tiefseebergbau mit öffentlichen
Mitteln zu fördern?

Dieser Abschnitt analysiert mithin die verschiedenen potentiell nut-


zenbringenden Aspekte für den deutschen Staat, die sich aus einem
kommerziellen Manganknollenabbau im deutschen Lizenzgebiet in der
Clarion-Clipperton-Zone ergeben könnten. Dies umfasst Wertschöp-
fungs- sowie Branchen- und Technologieeffekte, Gesichtspunkte der
Rohstoffverfügbarkeit und -sicherung, Möglichkeiten regulatorischer
Einflussnahme und Mitwirkung an internationalem Regelwerk sowie
der Perspektive von monetären Rückflüssen durch Förderabgaben.
Die Analyse der Wertschöpfungskette zeigt, dass der zu erwartende
Impuls für die deutsche Volkswirtschaft, in Abhängigkeit des Anteils
deutscher Unternehmen, zwischen 335 Mio. € und 1011 Mio. € Brut-
towertschöpfung liegt. Der damit korrespondierende positive Beschäf-
tigungseffekt liegt, je nach Szenario, bei 5400 bis 16100 Erwerbstäti-
gen-Äquivalenten.

4.1 Branchenanalyse

Die Einschätzung der Wertschöpfungseffekte des Tiefseebergbaus in


Deutschland beschäftigt sich zum einen mit der Identifikation potenti-
eller Technologien und deren Produktion in Deutschland und zum an-
deren mit Wertschöpfungs- und Beschäftigungseffekten, die sich dar-
aus in Deutschland ergeben. Den folgenden Analysen liegen nationale
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und internationale Veröffentlichungen aus dem Bereich Tiefseeberg-


bau, öffentlich zugängliche Wirtschaftsstatistiken und Einschätzungen
durch Mitglieder des Konsortiums zugrunde.

In Deutschland können durch den Tiefseebergbau auf verschiedene


Weise Wertschöpfungseffekte entstehen. Zum einen werden Produkte
und Dienstleistungen deutscher Unternehmen nachgefragt. Dies be-
inhaltet die Bereitstellung von Technologien und Materialien, Dienst-
leistungen für Planung und Durchführung sowie operative Dienstlei-
tungen vor Ort. Aus diesen direkten Nachfrageeffekten entstehen
zum anderen indirekte in vorgelagerten Branchen sowie induzierte
Effekte durch zusätzlich entstehende Einkommen.

Eine häufig verwendete Methode zur Bestimmung von Vorleistungs-


verflechtungen zwischen Branchen und ihren Effekten auf Wertschöp-
fung und Beschäftigung stellt die Input-Output-Analyse dar. Hierfür
werden die Tabellen der Input-Output-Rechnung verwendet, die Be-

Gutachtergemeinschaft
Analyse des volkswirtschaftlichen Nutzens der Entwicklung eines
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kommerziellen Tiefseebergbaus

standteil der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung des Statistischen


Bundesamtes ist. Sie stellt die produktions- und gütermäßigen Ver-
flechtungen innerhalb Deutschlands dar, einschließlich der Güter-
ströme zwischen In- und Ausland. Dabei werden Gütergruppen sowie
ihre Entstehung und Verwendung Wirtschaftszweigen zugeordnet
(Statistisches Bundesamt 2015).3

4.1.1 Branchenstruktur und Wertschöpfungsketten

Zur Bestimmung dieser Effekte müssen zunächst die Technologiefel-


der im Tiefseebergbau dargestellt werden. Diese Wertschöpfungsket-
te reicht von der Erkundung und Bewertung, über den Abbau und die
Förderung, die Off- und Onshore-Logistik, die Verarbeitung bis hin
zum Vertrieb und Verkauf. Dieser gesamte Prozess mit den jeweils
eingesetzten Technologien wird durch Dienstleistungen des Maschi-
nenbaus, der Zertifizierung und des Managements begleitet. Für die
Wertschöpfungseffekte in Deutschland spielen der Verkauf und Ver-
trieb eine untergeordnete Rolle, da hier keine direkte Nachfrage nach
Technologien und Dienstleistungen in Deutschland entsteht. In den
Bereichen des Schiffsbaus, der Systeme zum Abbau und der Förde-
rung sowie der Dienstleistungen zur Zertifizierung und zum Maschi-
nenbau sind jedoch viele Unternehmen in Deutschland relevant.
g:\dat\prj\0285_bmwi_tiefseebergbau\08 ergebnisse\82 berichte\b_0285_01_tiefsee_e.docx, F 8-10a

Abbildung 4-1: Wertschöpfungseffekte im Tiefseebergbau

Basierend auf Experteneinschätzungen seitens der Mitglieder des


Konsortiums werden zunächst deutsche Unternehmen und deren

3
Bei der Analyse gilt es zu beachten, dass die Veröffentlichung einer zeitlichen Verzögerung von
einigen Jahren unterliegt. Die aktuelle Input-Output Tabelle für Deutschland ist momentan für
das Jahr 2011 verfügbar. Bei der Analyse muss daher von einer relativ stabilen Wirtschafts-
struktur über die Zeit ausgegangen werden. Außerdem wird bei dieser Methode von linearen
Produktionsfunktionen ausgegangen, woraus sich fixe Faktor- und Vorleistungskoeffizienten er-
geben. Dementsprechend verhalten sich die Faktoreinsatzmengen proportional zur jeweiligen
Output-Menge.

Gutachtergemeinschaft
Analyse des volkswirtschaftlichen Nutzens der Entwicklung eines
74 / 156
kommerziellen Tiefseebergbaus

Marktposition im internationalen Handel identifiziert und die entste-


henden Kapitalkosten eines Technologiesets zum Abbau von Man-
ganknollen geschätzt. Dabei wird zwischen drei Szenarien mit Spann-
breiten, in denen sich mögliche Kapitalkosten bewegen, und dem An-
teil deutscher Produktion unterschieden.

Die Entwicklung verschiedener Szenarien trägt dem Umstand Rech-


nung, dass deutsche Unternehmen nicht alle in jedem Schritt der Ab-
baukette benötigten Technologien liefern können bzw. dass diese
Technologien von europäischer oder internationaler Konkurrenz güns-
tiger bereitgestellt werden. Daraus ergeben sich drei mögliche Szena-
rien:

Im internationalen Szenario wird das Technologieset von Anbietern


aus der ganzen Welt bezogen, wodurch die Preise geringer ausfallen
und ein geringer Anteil auf die deutschen Unternehmen entfällt. Das
europäische Szenario geht von einem europäischen Konsortium aus,
das vornehmlich europäische Anlagen bezieht, was mit höheren Prei-
sen und einem größeren Anteil deutscher Produktion einhergeht. Das
Szenario eines deutschen Konsortiums mit hauptsächlich deutscher
Produktion hat wiederum höhere Kosten aber auch einen höheren
Anteil deutscher Produkte zur Folge.

Den finanziell größten Anteil an den Gesamtinvestitionen zwischen


1098 Mio. Euro (internationales Szenario, untere Grenze, Secondhand
Bulkcarriers) und 1525 Mio. Euro (deutsches Szenario, obere Grenze,
New Bulkcarriers) macht hierbei mit rund 40 % die Anlage zur Ver-
hüttung der gewonnenen polymetallischen Knollen aus, welche zwar
nicht in Deutschland stehen wird, aber dennoch je nach Szenario zu
großen Teilen von deutschen Unternehmen gefertigt und ausgestattet
werden kann.

Ähnliches gilt für die verschiedenen Schiffe, die voraussichtlich nicht


im Ganzen in Deutschland gebaut werden, jedoch mit deutschen Pro-
dukten zur Überwachung und zur Spezialisierung auf den Tiefsee-
bergbau bestückt werden können. Auch bezüglich der Anlagen für
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Abbau und Förderung, die zusammen einen weiteren zentralen


Kostenblock darstellen, sowie den Dienstleistungen im gesamten Pro-
zess der Wertschöpfungskette, kann mit einem hohen Anteil deut-
scher Produktion gerechnet werden, wobei sich teils große Schwan-
kungen bezüglich des Anteils deutscher Produktion zwischen dem
deutschen und dem internationalen Szenario ergeben.

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75 / 156
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Tabelle 4-1: Aufschlüsselung der Investitionskosten (Mio. Euro nach Szenarien)


Primary German Primary European Primary International
Supply Supply Supply
Inventory lower upper Anteil lower upper Anteil lower upper Anteil
deutscher deutscher deutscher
Produktion Produktion Produktion

Mining Vessel 155.0 187.4 145.9 178.4 123.4 155.9

- Hull 52.3 58.6 20% 43.2 49.5 10% 27.0 32.4 0%

- Vessel-Specific Equipment 49.5 64.9 75% 49.5 64.9 53% 45.0 61.3 30%

- Mining-Specific Equipment 40.5 49.5 75% 40.5 49.5 63% 40.5 49.5 50%

- Yard Costs 12.6 14.4 50% 12.6 14.4 25% 10.8 12.6 0%

Vertical Transportation System (Riser) 187.4 220.7 187.4 220.7 170.3 220.7

- Riser Sections and Flexible Joints 103.6 112.6 60% 103.6 112.6 43% 94.6 112.6 25%

- Pump or Airlift Systems 45.0 54.1 80% 45.0 54.1 65% 40.5 54.1 50%

- Buffer 13.5 16.2 90% 13.5 16.2 60% 12.6 16.2 30%

- Flexible Hoses to Collector 18.0 25.2 60% 18.0 25.2 30% 16.2 25.2 0%

- Monitoring & Control Systems 7.2 12.6 65% 7.2 12.6 53% 6.3 12.6 40%

Collectors 64.9 79.3 64.9 79.3 57.7 75.7

- Carriage with Propulsion System 14.4 18.0 90% 14.4 18.0 55% 12.6 18.0 20%

- Collector, Crusher & Pump System 30.6 37.8 90% 30.6 37.8 55% 27.0 34.2 20%

- Navigation, Monitoring & Control Systems 19.8 23.4 65% 19.8 23.4 53% 18.0 23.4 40%

Discharge System (Pipe) 62.2 76.6 62.2 76.6 54.1 76.6

- Riser Sections and Flexible Joints 37.8 45.0 50% 37.8 45.0 35% 31.5 45.0 20%

- Pump Systems 21.6 27.0 80% 21.6 27.0 65% 19.8 27.0 50%

- Monitoring & Control Systems 2.7 4.5 65% 2.7 4.5 53% 2.7 4.5 40%

Carrier Vessels / Transportation 92.8 114.4 92.8 114.4 91.0 114.4

- Purchasing of newbuilt Supramax Bulk C. 76.6 85.6 0% 76.6 85.6 0% 76.6 85.6 0%

- Equipment for Transshipment 16.2 28.8 40% 16.2 28.8 33% 14.4 28.8 25%

Carrier Vessels / Transportation 71.2 91.0 71.2 91.0 67.6 91.0

- Purchasing of secondhand Supramax Bulk C. 49.5 58.6 0% 49.5 58.6 0% 49.5 58.6 0%

- Conversion for Transshipment 21.6 32.4 60% 21.6 32.4 45% 18.0 32.4 30%

Harbour Infrastructure 40.5 54.1 40.5 54.1 36.0 54.1

- Facilities & Equipment 31.5 40.5 60% 31.5 40.5 43% 27.0 40.5 25%
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- Site (50000 sqm) 9.0 13.5 0% 9.0 13.5 0% 9.0 13.5 0%

Plant - Metallurgical Process 549.5 657.7 549.5 657.7 504.5 657.7

- Plant & Equipment 495.5 585.6 70% 495.5 585.6 50% 450.5 585.6 30%

- Site 54.1 72.1 0% 54.1 72.1 0% 54.1 72.1 0%

Survey Vessel for Environmental


63.1 72.1 58.6 72.1 49.5 63.1
Monitoring

- Purchasing of new Survey Vessel 40.5 45.0 50% 36.0 45.0 38% 31.5 36.0 25%

- Monitoring Equipment 22.5 27.0 75% 22.5 27.0 63% 18.0 27.0 50%

All Disciplines on behalf of Owner 38.7 63.1 38.7 63.1 35.1 63.1

- Engineering 18.0 27.0 75% 18.0 27.0 63% 14.4 27.0 50%

- Certification 7.2 13.5 75% 7.2 13.5 63% 7.2 13.5 50%

- Management 13.5 22.5 90% 13.5 22.5 83% 13.5 22.5 75%

Total (New Bulkcarriers): 1254.1 1525.2 1240.5 1516.2 1121.6 1481.1

Total (Secondhand Bulkcarriers): 1232.4 1501.8 1218.9 1492.8 1098.2 1457.7

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4.1.2 Quantifizierung (Input-Output Analyse)

Die Input-Output-Analyse ist eine Methode der empirischen Wirt-


schaftsforschung mit deren Hilfe Lieferbeziehungen zwischen einzel-
nen Wirtschaftszweigen analysiert werden können (vgl. Leontief,
1936). Die ökonomische Struktur eines Landes oder einer Region
wird hierbei mit Hilfe der Input-Output Tabelle dargestellt. Diese
bildet die Lieferbeziehungen zwischen verschiedenen Wirtschafts-
zweigen für ein bestimmtes Jahr ab und stellt Wertschöpfungs-
und Endnachfragekomponenten in hoher sektoraler Auflösung
bereit (vgl. Abbildung 4-2).

Im Detail wird die Input-Output-Analyse dazu verwendet, die wirt-


schaftlichen Auswirkungen von Änderungen der Endnachfrage unter
Berücksichtigung von Vorleistungsverflechtungen in einem oder meh-
reren Wirtschaftszweigen auf die Gesamtwirtschaft abzuschätzen. Der
direkte Effekt ergibt sich hierbei aus dem Initialeffekt, also der Ände-
rung der Endnachfrage nach Produkten und Dienstleistungen für den
Tiefseebergbau. Aus dieser Nachfrageänderung entsteht indirekt zu-
sätzliche Produktion in den Zulieferbetrieben der von der Endnachfra-
ge betroffenen Wirtschaftszweige (Erstrundeneffekt). Die erhöhte
Produktion in den unmittelbar vorgelagerten Zulieferunternehmen
wirkt sich wiederum positiv auf deren Bedarf an Vorleistungen aus, so
dass weitere indirekte Effekte entlang der Wertschöpfungskette ent-
stehen.

Bei der Analyse wird zudem angenommen, dass ein Anstieg der Be-
schäftigung mit einem Anstieg der Einkommen verbunden ist und
dadurch zusätzlich Konsumausgaben der privaten Haushalte induziert
werden. Die resultierende Erhöhung der Endnachfrage führt zu weite-
ren Produktionssteigerungen, so dass eine zusätzliche Wirkungskette
ausgelöst wird. Der Effekt dieser Kette wird als induzierter Effekt be-
zeichnet.

Der Gesamteffekt ergibt aus der Summe des direkten, des indirekten
und des induzierten Effektes. Insgesamt kann die Bedeutung einer
g:\dat\prj\0285_bmwi_tiefseebergbau\08 ergebnisse\82 berichte\b_0285_01_tiefsee_e.docx, F 8-10a

Branche für Produktion, Wertschöpfung und Beschäftigung in einer


Volkwirtschaft um ein vielfaches höher sein als die direkten Bran-
cheneffekte (Multiplikatoreffekt).

Ausgangspunkt für Darstellung der direkten Effekte ist das sektorale


Produktionskonto. Da der Tiefseebergbau aber keinen eigenen
Produktionsbereich darstellt, wurden die Produkte der oben darge-
stellten Wertschöpfungskette anhand von Experteneinschätzungen
den Gütergruppen der Input-Output-Tabelle zugeordnet.

Gutachtergemeinschaft
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Quelle: Statistsisches Bundesamt (2010)

Abbildung 4-2: Struktur einer Input-Output-Tabelle

Der Initialeffekt wirkt in Deutschland dabei am stärksten auf die


Wirtschaftszweige des Maschinenbaus und der Anlagentechnik, der
Elektrotechnik sowie der Installation von Maschinen und Ausrüstun-
gen, siehe auch Tabelle 3-13. Ingenieurleistungen, die mit einem
hohen Anteil deutscher Produktion verbunden sind, sind weniger
relevant, da ihr Anteil an den Gesamtinvestitionen gering ausfällt.
g:\dat\prj\0285_bmwi_tiefseebergbau\08 ergebnisse\82 berichte\b_0285_01_tiefsee_e.docx, F 8-10a

Insgesamt liegt der Produktionswert in Deutschland zwischen


 305.2 Mio. Euro (internationales Szenario, lower) und
 924.7 Mio. Euro (deutsches Szenario, upper).

Das entspricht rund 20 bzw. 60 % der gesamten Investitionen.

Aus diesem direkten Effekt auf die verschiedenen Wirtschaftszweige


entstehen wiederum die oben beschriebenen indirekten und induzier-
ten Effekten. Für das deutsche Szenario ergibt sich hieraus ein indi-
rekter Produktionswert 636.1 bzw. 772.9 Mio. Euro sowie induzierte
Effekte von 542.4 bzw. 664.4 Mio. Euro. Somit liegt der Gesamteffekt
um das 2.6-fache über den Ausgangsinvestitionen in die deutsche
Wirtschaft, d. h. aus 1.0 Euro direkter Nachfrage entstehen 2.6 Euro
Gesamtproduktionswert. Anhand der Beschäftigungs-, Bruttowert-
schöpfungs- und Einkommenskoeffizienten, die sich unmittelbar aus

Gutachtergemeinschaft
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78 / 156
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der Input-Output-Tabelle des Statistischen Bundesamtes ergeben,


lassen sich außerdem die Effekte auf die Bruttowertschöpfung und
Erwerbstätigkeit errechnen. Mit einer Gesamtbruttowertschöpfung
von 824.0 bzw. 1011.2 Mio. Euro sowie einem Erwerbstätigen-
äquivalent von 13200 bzw. 16100 4 liegen die Multiplikatoren
knapp über dem des Produktionswertes (vgl. Tabelle 4-2).

Tabelle 4-2: Volkswirtschaftliche Effekte des Szenarios


Primary German Supply

Produktionswert Bruttowert- Erwerbstätigkeit


(in Mio. Euro) schöpfung (Anzahl in Tsd.)
(in Mio. Euro)
Effekte lower upper lower upper lower upper
direkt 755.0 924.7 286.3 353.3 4.4 5.4
indirekt 636.1 772.9 270.3 330.4 4.3 5.2
davon:
Erstrundeneffekt 350.2 427.0 153.0 187.6 2.5 3.0
induziert 542.4 664.4 267.4 327.6 4.5 5.5
Summe 1933.5 2362.0 824.0 1,011.2 13.2 16.1
Multiplikatoren 2.6 2.6 2.9 2.9 3.0 3.0

Aufgrund des geringeren Anteils deutscher Produktion liegen die Er-


gebnisse im europäischen und internationalen Szenario unterhalb
derer des deutschen Szenarios, wobei die Multiplikatoren etwa ähn-
lich sind. Abweichungen sind auf den jeweils unterschiedlich hohen
Anteil deutscher Produktion in den verschiedenen Szenarien zurück-
zuführen.

Tabelle 4-3: Volkswirtschaftliche Effekte des Szenarios


Primary European Supply

Produktionswert Bruttowert- Erwerbstätigkeit


(in Mio. Euro) schöpfung (Anzahl in Tsd.)
g:\dat\prj\0285_bmwi_tiefseebergbau\08 ergebnisse\82 berichte\b_0285_01_tiefsee_e.docx, F 8-10a

(in Mio. Euro)


Effekte lower upper lower upper lower upper
direkt 544.0 670.9 207.4 257.9 3.2 3.9
indirekt 456.9 558.8 194.6 239.5 3.1 3.8
davon:
Erstrundeneffekt 251.9 309.2 110.3 136.2 1.8 2.2
induziert 391.2 482.3 192.9 237.8 3.3 4.0
Summe 1392.1 1712.1 594.9 735.2 9.5 11.7
Multiplikatoren 2.6 2.6 2.9 2.9 3.0 3.0

4
Dies entspricht der Anzahl an Erwerbstätigen, die bei gegebener Produktivität in einem Jahr für
Herstellung des genannten Produktionswertes nötig sind.

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Tabelle 4-4: Volkswirtschaftliche Effekte des Szenarios


Primary International Supply

Produktionswert Bruttowert- Erwerbstätigkeit


(in Mio. Euro) schöpfung (Anzahl in Tsd.)
(in Mio. Euro)
Effekte lower upper lower upper lower upper
direkt 305.2 414.8 117.6 161.6 1.8 2.5
indirekt 254.6 343.0 109.0 148.0 1.7 2.3
davon:
Erstrundeneffekt 140.7 190.3 62.0 84.5 1.0 1.4
induziert 219.8 298.7 108.4 147.3 1.8 2.5
Summe 779.6 1056.5 335.0 456.9 5.4 7.3
Multiplikatoren 2.6 2.5 2.8 2.8 3.0 2.9

Die oben dargestellten Resultate gelten für den Abbau von Man-
ganknollen im deutschen Lizenzgebiet. Der Export für weitere inter-
nationale Abbauvorhaben könnte zu einer weiteren positiven Nach-
frage und den sich anschließenden Effekten führen. Für den Abbau
von Massivsulfiden wurden keine eigenen Szenarien entwickelt, da
aufgrund der Ähnlichkeit der Technologiefelder Kosten und Wert-
schöpfungseffekte in einem ähnlichen Rahmen entstünden. Unbe-
rücksichtigt bleiben technologische Spillover-Effekte auf andere In-
dustrien, da diese nur in Teilbereichen des Wertschöpfungsprozesses
relevant sind und fundierte Aussagen über deren Dimension kaum
möglich sind.

4.2 Rohstoffpolitik

4.2.1 Rohstoffverfügbarkeit und Versorgungssicherheit

Die Sicherung der Rohstoffversorgung ist ein zentraler Baustein in der


Beurteilung eines deutschen Engagements im Tiefseebergbau. Um die
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Bedeutung des Rohstoffpotentials der Tiefsee bewerten zu können,


muss zunächst die Verfügbarkeit der Rohstoffe über den herkömmli-
chen Weg des Landbergbaus untersucht werden. Ohne Versorgungs-
risiken und ohne entscheidende Kostenvorteile des Abbaus in der
Tiefsee, wäre die etablierte Rohstoffversorgung Deutschlands durch
Importe einer Versorgung aus dem Tiefseebergbau überlegen. Daher
müssen neben den betriebswirtschaftlichen Aspekten auch rohstoff-
strategische Aspekte in die Gesamtbeurteilung einfließen. Aus der
Perspektive des deutschen Staates ist die Frage zu beantworten, ob
die Versorgungssicherheit Deutschlands bei den potentiell tiefseege-
förderten Metallen in irgendeiner Art gefährdet ist, so dass sich ein
deutsches Engagement im Tiefseebergbau aus Gründen der strategi-
schen Rohstoffsicherung rechtfertigen lässt.

Nachfolgend werden die wichtigsten Aspekte der Versorgungssicher-


heit beleuchtet und diskutiert sowie in den Kontext des Tiefseeberg-
baus eingeordnet.

Gutachtergemeinschaft
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80 / 156
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Deutschland ist ein rohstoffarmes Land und in Bezug auf den Großteil
der potentiell tiefseegeförderten Metalle vollständig importabhängig.
Wegen dieser Abhängigkeit ist Deutschland als moderne Industriena-
tion beim Thema Versorgungssicherheit besonders sensitiv. Speziell
Hochpreisphasen geben wiederkehrend Anlass zur Sorge über dro-
hende Engpässe bei der Rohstoffversorgung. Hohe Preise sind zu-
nächst ein Indikator von ökonomischer Knappheit, also einer hohen
Nachfrage bei begrenztem Angebot. Die in dieser Studie betrachteten
Metalle sind ausnahmslos nichterneuerbare mineralische Rohstoffe.
Für diese Rohstoffgruppe kann Knappheit in zwei zu unterscheiden-
den Ursachen begründet sein:
 in absoluter Knappheit, wegen aufgebrauchter Vorkommen
oder
 in relativer Knappheit, wegen sonstiger Versorgungsengpässe
(Handelsbeschränkungen, institutionelle Risiken etc.).

Beide Dimensionen der Rohstoffknappheit können bedeutenden Ein-


fluss auf die Rohstoffversorgung eines Landes haben. Die Begrifflich-
keit sowie die jeweils verbundenen Risiken werden im Folgenden vor
dem Hintergrund des Tiefseebergbaus diskutiert. (BGR 2006, BGR
2015).

Absolute Knappheit

Mineralische Rohstoffe sind endlich. Die geologischen Ressourcen in


der Erdkruste sind begrenzt und ihre physische Verfügbarkeit wird bei
fortgeführtem Abbau irgendwann zur Neige gehen. Diese Erschöpfung
der Vorkommen beschreibt dabei ressourcenökonomisch die absolute
Dimension von Rohstoffknappheit.

Anhand dieser Trivialität - die Ressourcen sind endlich - wird und


wurde oftmals fälschlicherweise geschlussfolgert, dass Rohstoffe
zwangsläufig fortwährend knapper und damit auch immer teurer
würden. Diese landläufige Gewissheit mündete häufig in Verknap-
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pungs-Szenarien, die für unterschiedlichste Rohstoffe sinkende Ver-


fügbarkeit und stetig steigende Preise prognostizierten. Bekanntestes
Beispiel sind sicherlich die Vorhersagen des Club of Rome zum Ende
des Öls. Tatsache ist allerdings, dass sich solche Szenarien stets als
unzutreffend herausgestellt haben. Ein genereller Trend langfristig
steigender realer Rohstoffpreise konnte bisher nicht beobachtet wer-
den; vielmehr wurden bei einigen Rohstoff teilweise sogar real sin-
kende Preise beobachtet (Cashin et al., 2002).

Die absolute Knappheit betreffend, muss aus deutscher Perspektive


also ermittelt werden, ob sich bei einem relevanten Rohstoff aus geo-
logischer Sicht bereits eine Erschöpfung der Vorkommen abzeichnet.
Die gesamten, mit gewisser geologischer Sicherheit in puncto Ort,
Quantität und Qualität nachgewiesenen Vorkommen eines Rohstoffs
werden als sog. Ressourcen bezeichnet. Darunter fallen sowohl ren-
tabel förderbare wie auch nicht wirtschaftlich abbaubare Vorkommen.
Als Reserven wird definitionsgemäß jene Teilmenge der Ressourcen

Gutachtergemeinschaft
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81 / 156
kommerziellen Tiefseebergbaus

benannt, die zum technischen Status quo und bei derzeitig herr-
schendem Preisniveau wirtschaftlich förderbar ist.

Statische Reichweite

Als weitverbreitetes und leicht berechenbares Maß zur Schätzung der


absoluten Knappheit wird oftmals die sogenannte statische Reichwei-
te herangezogen. Sie ist definiert als Quotient aus gesicherten Reser-
ven und derzeitiger Förderung:


= statische Reichweite (in Jahren).
ö

Die Reichweite gibt also an, wann die derzeitig bekannten Reserven
bei aktueller Förderung erschöpft sein würden. Dieses banale Maß
wird oft falsch gedeutet, muss deshalb aus mehreren Gründen mit
Vorsicht interpretiert werden.

Die statische Reichweite ist eine dynamische und in beide Richtungen


veränderliche Maßzahl - sowohl Zähler als auch Nenner ändern sich
im Zeitverlauf. Durch Abbau des Rohstoffs sinken die Reserven zu-
nächst naturgemäß und würden ceteris paribus sukzessive über den
Zeitraum der Reichweite bis auf 0 sinken. Darüber hinaus ist die Re-
servenreichweite wesentlich von der zukünftigen Verbrauchs- und
Abbauentwicklung abhängig. Bei zukünftig steigender Abbaumenge
würde sich dieser Prozess entsprechend beschleunigen und die
Reichweite schneller reduzieren. Allerdings können die Reserven im
Zeitverlauf auch steigen. Durch technischen Fortschritt, Explorations-
aktivitäten und durch Veränderung des Marktpreises können vormals
nicht wirtschaftlich förderbare Lagerstätten zu ökonomisch abbau-
würdigen Vorkommen werden [vgl. Abbildung 4-3]. Ein Teil der Res-
sourcen kann folglich bei Entwicklung einer neuen Fördermethode
oder etwa eines Preisanstiegs nunmehr zu den Reserven gezählt wer-
den. Entsprechend steigen die Reserven und damit auch die statische
Reichweite an.
g:\dat\prj\0285_bmwi_tiefseebergbau\08 ergebnisse\82 berichte\b_0285_01_tiefsee_e.docx, F 8-10a

Abbildung 4-3: Dynamik von Reserven und Ressourcen

Gutachtergemeinschaft
Analyse des volkswirtschaftlichen Nutzens der Entwicklung eines
82 / 156
kommerziellen Tiefseebergbaus

Bei der Beurteilung von statischen Reichweiten müssen daher zwin-


gend die gegenläufigen Prozesse „sinkende Reserven durch Abbau“
und „steigende Reserven durch Exploration und technischen Fort-
schritt“ berücksichtigt werden. In der Vergangenheit haben sich die
Reserven und Reichweiten vieler Rohstoffe tendenziell erhöht anstatt
verringert. Die entsprechenden (in der Vergangenheit berechneten)
statischen Reichweiten gaben also die absolute Knappheit der jeweili-
gen Rohstoffe nicht adäquat wieder. Folglich müssen heute ermittelte
Reichweiten unter Vorbehalt interpretiert werden. Ursächlich dafür
sind vor allem folgende Faktoren:

 Mit steigenden Preisen nimmt der Umfang der Reserven tendenziell


zu, da ein Teil der vormals unrentablen Ressourcen bei höherem
Preisniveau für den Abbau attraktiv werden kann.

 Geringe Reichweite und höhere Preise verstärken die Notwendig-


keit von Explorationsaktivitäten, welche wiederum sowohl die Res-
sourcen als auch die Reserven erhöhen können.

 Technischer Fortschritt: Verbesserte Abbautechnologie kann durch


verringerte Kosten etwaige Ressourcen im Zeitverlauf förderbar
machen und damit in die Reserven überführen.

 Recycling und Substitution: Durch technischen Fortschritt kann die


Recyclingquote steigen wie auch die Bedeutung etwaiger Ersatz-
stoffe. Beide Prozesse können den Abbau hemmen oder gar sinken
lassen.

Obwohl die statische Reichweite aus genannten Gründen „als Früh-


warnindikator für die absolute Verknappung von Rohstoffen ungeeig-
net ist“ und „lediglich eine Momentaufnahme [vermittelt]“ (BGR
2006, S. 16) lässt sich aus Tabelle 4-7 zumindest ein erster Eindruck
potentieller absoluter Verknappung ableiten. Als alternatives Beurtei-
lungsmaß ist die statische Ressourcenreichweite aufgeführt, also das
Verhältnis von gesicherten Ressourcen zu derzeitiger Förderung.
g:\dat\prj\0285_bmwi_tiefseebergbau\08 ergebnisse\82 berichte\b_0285_01_tiefsee_e.docx, F 8-10a

Wie bei der statischen (Reserven-) Reichweite muss dieses Maß eben-
falls mit Bedacht interpretiert werden. Zum einen werden Teile der
identifizierten Ressourcen womöglich niemals wirtschaftlich förderbar
werden und unter der Erde bleiben. Zum anderen kann sich die Res-
sourcenbasis durch neu entdeckte Vorkommen vergrößern und damit
die Ressourcenreichweite erhöhen. Bei vorsichtiger Interpretation
beschreiben die beiden Maßzahlen, die statische Reservenreichweite
und die statischen Ressourcenreichweite, einen Zeitkorridor in dem
absolute Knappheit jeweiliger Rohstoffe drohen könnte.

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83 / 156
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Tabelle 4-5: Förderung, Reserven und Reichweite ausgesuchter Metalle


(Stand 2016)

Metall Förderung Gesicherte Ressourcen Statische Statische


(Erz) 2015* Reserven (Reserven-) (Ressourcen-)
Reichweite Reichweite
(in Tsd. T) (in Mio. Tonnen) (in Mio. Tonnen) (in Jahren) (in Jahren)

Bauxit 274,000 28,000 55,000 102 201

Blei 4,710 89 2,000 19 425

Chrom 27,000 > 480 >12,000 >18 >444

Eisen(erz) 3,320,000 190,000 800,000 57 241

Gold 3 0.056 0.0 19 k.A

Kobalt 124 7 27 57 218

Kupfer 18,700 720 2,100 39 112

Mangan 18,000 620 >5,100 34 >283

Nickel 2,530 79 130 31 51


Seltene
124 130 k.A. 1,048 k.A.
Erden
Silber 27 0.57 k.A. 21 k.A.
Titan
5,610 740 k.A. 132 k.A.
(Ilmenit)
Zink 13,400 200 1,900 15 142

Zinn 294 5 k.A. 16 k.A.

Quelle: USGS (2016); BGR (2006); HWWI (eigene Berechnungen). *


USGS Schätzungen für 2015

Absolute Knappheit der in Manganknollen enthaltenen Metalle

Für die im Manganknollenabbau relevanten Metalle Kobalt, Kupfer,


Mangan, Nickel (unter Vorbehalt Seltene Erden) zeigen die statischen
(Reserven-) Reichweiten mindestens in den nächsten drei Jahrzehn-
ten keine drohende absolute Knappheit. Im Falle von seltenen Erden
g:\dat\prj\0285_bmwi_tiefseebergbau\08 ergebnisse\82 berichte\b_0285_01_tiefsee_e.docx, F 8-10a

beläuft sich die Reservenreichweite auf über eintausend Jahre, so


dass eine baldige Erschöpfung der Seltenen Erde Vorkommen ausge-
schlossen werden kann. Die geringste statische Reservenreichweite
der tiefseerelevanten Metalle hat mit 31 Jahren Nickel. In Verbindung
mit der Ressourcenreichweite ist Nickel das einzige der potentiell tief-
seegeförderten Metalle, dessen Vorkommen innerhalb des 21. Jahr-
hunderts erschöpft sein könnten. Bei Kobalt, Kupfer und Mangan las-
sen die jeweiligen Reserven- und Ressourcenreichweiten auf keine in
diesem Jahrhundert bevorstehende absolute Knappheit schließen.

Relative Knappheit

Neben den bereits dargestellten Gesamtmengen an gesicherten Land-


reserven und -ressourcen mit den impliziten Reichweiten ist die rela-
tive Knappheit ein zentraler Baustein in der Bewertung von Versor-
gungsrisiken. Mit relativer Knappheit sind potentielle Situationen be-
schrieben, in denen ein Rohstoff aus unterschiedlichen Gründen (vor-

Gutachtergemeinschaft
Analyse des volkswirtschaftlichen Nutzens der Entwicklung eines
84 / 156
kommerziellen Tiefseebergbaus

rübergehend) knapp sein kann. Also nicht aus dem Grund erschöpfter
Vorkommen, sondern etwa wegen anderer Engpässe wie mangelnde
Kapazitäten, Lieferunterbrechungen oder Handelsbeschränkungen. Es
handelt sich also um einen prinzipiell temporären Zustand eines An-
gebotsdefizits, der nichts mit einer ressourcenökonomischen Knapp-
heit gemein hat.

Hierfür sind vor allem die geografische Verteilung von Vorkommen


und Förderung relevant. Eine starke räumliche Konzentration der För-
dermengen auf wenige Länder impliziert zumindest kurz- bis mittel-
fristig eine entsprechende geopolitische Abhängigkeit in der Roh-
stoffversorgung aus Sicht von Rohstoffimportländern wie Deutsch-
land. Diese könnte durch eine alternative Metallgewinnung im Rah-
men des Tiefseebergbaus verringert werden. Neben dem allgemeinen
Risiko geografischer Konzentration sind auch länderspezifische Risi-
ken in Bezug auf die Fördergebiete potentiell von Relevanz. Diese
betreffen vor allem die politisch-institutionelle Ebene. Politische In-
stabilität stellt ein besonderes Risiko dar: Politische Unruhen können
die Exportaktivität bei Rohstoffen beeinträchtigen, die handelspoliti-
sche Ausrichtung kann sich im Falle eines Regimewechsels drastisch
verändern. Um solche Risiken im Ländervergleich abbilden zu können,
müssen die verschiedenen Dimensionen von Länderrisiken zunächst
in Form von Vergleichsindikatoren zusammengefasst werden. Die
Weltbank bietet hierfür mit ihren Governance Indicators eine metho-
disch saubere und verlässliche Grundlage.

Im Hinblick auf die geografische Konzentration der Metalle liefert zu-


nächst eine Auflistung der weltweit größten Förderländer mit ihren
Förderanteilen nach Metallen Aufschlüsse. In Tabelle 4-8 sind neben
den (grün markierten) Metallen, die gemäß vorausgegangener Analy-
se in nennenswerten Anteilen in den Manganknollen enthalten sind,
auch weitere wichtige Metalle aufgeführt. So wird die relative Bedeu-
tung von geografischer Konzentration bei den Tiefseemetallen ver-
deutlicht. Die größte Konzentration der Fördermengen zeigt sich ge-
genwärtig bei den Seltenen Erden, China kommt hier auf einen globa-
g:\dat\prj\0285_bmwi_tiefseebergbau\08 ergebnisse\82 berichte\b_0285_01_tiefsee_e.docx, F 8-10a

len Anteil von 90 %. Vergleichsweise gering sind die Anteile der größ-
ten Förderländer bei den Edelmetallen Gold und Silber ausgeprägt.
Unter den in der Manganknolle enthaltenen Metallen gilt das beson-
ders für Nickel. Auf der anderen Seite findet sich mit Kobalt hier auch
ein Metall, bei dem zurzeit mehr als die Hälfte der weltweiten Förde-
rung in nur einem Land, der Demokratischen Republik Kongo, erfolgt.

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Tabelle 4-6: Wichtigste Förderländer 2014

Metall Platz 1 Förder- Globaler Platz 2 Förder- Globaler Platz 3 Förder- Globaler
(Erz) menge Anteil menge Anteil menge Anteil
(Tsd. T) (%) (Tsd. T) (%) (Tsd. T) (%)

Bauxit Australien 78,632 30.27 China 65,000 25.03 Brasilien 35,410 13.63

Blei China 2,700 50.34 Australien 728 13.57 USA 355 6.62

Chrom Südafrika 14,038 46.77 Kasachstan 5411 18.03 Türkei 4,100 13.66

Eisen China 1,514,240 44.84 Australien 745,735 22.08 Brasilien 345,800 10.24

Gold China 452 14.98 Australien 274 9.09 USA 210 6.97

Dem. Rep.
Kobalt 76 59.45 China 9 6.61 Kanada 7 5.11
Kongo

Kupfer Chile 5,750 31.29 China 1,635 8.9 USA 1,370 7.46

Mangan China 16,000 29.27 Südafrika 13,830 25.3 Australien 7,587 13.88

Nickel Philippinen 363 17.67 Russland 264 12.84 Australien 245 11.90

Seltene
China 95 90.03 USA 4 3.98 Australien 4 3.76
Erden

Silber Mexiko 5,766 21.02 Peru 3,778 13.77 China 3,568 13.01

Titan
Kanada 2,500 20.24 Australien 1,340 10.85 Südafrika 1,105 8.95
(Ilmenit)

Zink China 5,200 38.01 Australien 1,561 11.41 Peru 1,319 9.64

Zinn China 160 45.12 Indonesien 70 19.80 Burma 35 9.87

Quellen: BGS (2016); HWWI (2016).

Das Ausmaß an globaler Konzentration im Landbergbau insgesamt


wird noch deutlicher durch die Weltkarte in Abbildung 4-4. Hier sind
die einzelnen Länder entsprechend der Anzahl an eingefärbt, bei de-
nen der globale Förderanteil des jeweiligen Landes mehr als 1 % be-
trägt. Es zeigen sich klare regionale Schwerpunkte. So kommen Aust-
ralien und China bei sämtlichen betrachteten Metallen auf entspre-
chende Förderanteile. Auch in Brasilien und Russland wird eine große
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Auswahl an Metallen in nennenswerter Form gefördert. Europa dage-


gen spielt im globalen Vergleich eine untergeordnete Rolle. In Afrika
beschränkt sich mit Ausnahme Südafrikas die Förderung auf spezifi-
sche Metalle in einzelnen Ländern.

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Anzahl Metalle (Förderanteil > 1%)


Förderung 2013 (Quelle: BGS)
≤ 0,00 ≤ 4,00 ≤ 8,00 ≤ 13,00
≤ 2,00 ≤ 6,00 ≤ 10,00

Quellen: BGS (2016); HWWI (2016).

Abbildung 4-4: Geografische Verteilung der Förderkonzentration

Um die relative Konzentration der einzelnen Metalle zusammenfas-


send bewerten zu können, soll abschließend noch die Verteilung der
Förderung in ein eindimensionales Konzentrationsmaß überführt wer-
den. Im Bereich der Regionalökonomik wurden zahlreiche solcher
Konzentrationsmaße wie etwa der Gini-Index für räumliche Konzent-
ration, der Theil-Dissimilaritätsindex und der Hirschman-Herfindahl
Index entwickelt.

Letzterer hat für unsere Zwecke den Vorteil, dass es sich um ein ab-
solutes (anstatt relatives) Konzentrationsmaß handelt. Das bedeutet,
der gemessene Konzentrationswert ist neben der relativen Verteilung
g:\dat\prj\0285_bmwi_tiefseebergbau\08 ergebnisse\82 berichte\b_0285_01_tiefsee_e.docx, F 8-10a

der Förderung auch abhängig von der absoluten Zahl an Förderlän-


dern. Konkret berechnet sich der Indexwert als die Summe der qua-
drierten Förderanteile der einzelnen Länder beim jeweiligen Metall.
Der maximale Wert im Falle vollständiger Konzentration in nur einem
Land ist dementsprechend Eins. Abbildung 4-5 stellt die auf Grundla-
ge der Förderdaten in 2014 erhaltenen Werte für unsere Metallaus-
wahl dar. Wenig überraschend werden die Seltenen Erden als gegen-
wärtig in besonderer Weise konzentriert bewertet. Unter den im Zuge
des Manganknollenabbaus besonders relevanten Metallen fällt nur bei
Kobalt der Konzentrationsgrad überdurchschnittlich hoch aus. Im Fal-
le von Nickel ist er sogar deutlich unterdurchschnittlich.

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Abbildung 4-5: Herfindahl-Index der globalen Förderkonzentration in 2014

Um die institutionellen Risiken im Zugang zu den einzelnen Metallen


gegenüberstellen zu können, greifen wir - wie erwähnt - auf eine
Auswahl der seitens der Weltbank erhobenen Governance Indikatoren
zurück.

Dabei handelt es sich um Indizes, die sich aus einer Vielzahl an Be-
fragungen von Unternehmen, Bürgern und Experten zusammenset-
zen. Sie spiegeln jeweils verschiedene Dimension von Governance
Qualität wider.

Wir wählen hiervon drei Teilindizes aus, die für den Ressourcenabbau
wichtige Aspekte abdecken: Politische Stabilität, Rechtsstaatlichkeit
und Regulatorische Qualität. Politische Stabilität reflektiert die Wahr-
scheinlichkeit, dass die herrschende Regierung durch nicht-
verfassungsmäßige oder gewalttätige Maßnahmen destabilisiert oder
gestürzt werden könnte. Rechtsstaatlichkeit misst das Ausmaß, in
dem Akteure den Gesellschaftsregeln vertrauen und diesen Folge leis-
g:\dat\prj\0285_bmwi_tiefseebergbau\08 ergebnisse\82 berichte\b_0285_01_tiefsee_e.docx, F 8-10a

ten, besonders im Hinblick auf Fragen der Vertragsvollziehung und


Eigentumsrechte. Regulatorische Qualität misst die Wahrnehmung
über die Fähigkeit der Regierung, eine vernünftige Ordnungspolitik
umzusetzen, die die Entwicklung des privaten Sektors erlaubt und
fördert.

Die Indizes sind jeweils auf einer Skala von -2.5 bis +2.5 normiert.
Um aus diesen Länderindizes die Förderrisiken einzelner Metalle ablei-
ten zu können, verwenden wir eine einfache Durchschnittsbildung:
wir gewichten jeweils die Indexwerte der Förderländer mit ihrem glo-
balen Förderanteil und bilden daraus den Mittelwert. Tabelle 4-9 zeigt
die Ergebnisse nach Teilindizes. Unter den betrachteten Metallen wird
Titan (in der Erzform Ilmenit) nach allen drei Kategorien als das Me-
tall mit dem gegenwärtig geringsten institutionellen Förderrisiko ein-
gestuft. Das ergibt sich unmittelbar daraus, dass mit Kanada und
Australien hier zwei entwickelte Länder bedeutende Teile des Welt-

Gutachtergemeinschaft
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markts bedienen. Am anderen Ende der Skala steht jeweils eindeutig


Kobalt. Die Demokratische Republik Kongo als mit Abstand wichtigs-
tes Förderland trägt mit ihrem sehr ungünstigen politisch-rechtlichem
Klima wesentlich zu diesem Ergebnis bei. Die sonstigen Tiefseemetal-
le liegen in diesen Rankings teils eher im Mittelfeld (Nickel, Mangan)
und teils eher auf den vorderen Rängen. Letzteres gilt vor allem für
Kupfer sowie (mit Ausnahme der Kategorie Politische Stabilität) für
Zink.

Tabelle 4-7: Grad an institutionellem Risiko im Rohstoffzugang

Politische Stabilität Rechtsstaatlichkeit Regulatorische


Qualität

Rang Metall (Erz) Wert Metall (Erz) Wert Metall (Erz) Wert

Titan Titan
1 0.147 0.551 Kupfer 0.632
(Ilmenit) (Ilmenit)
Titan
2 Kupfer 0.055 Kupfer 0.506 0.513
(Ilmenit)
3 Nickel -0.051 Eisen 0.277 Silber 0.380

4 Eisen -0.056 Bauxit 0.216 Nickel 0.331

5 Bauxit -0.091 Nickel 0.201 Bauxit 0.331

6 Mangan -0.104 Zink 0.159 Zink 0.302

7 Zink -0.122 Mangan 0.115 Eisen 0.298

8 Silber -0.188 Gold 0.047 Blei 0.198

9 Gold -0.194 Blei 0.012 Mangan 0.174

10 Blei -0.238 Silber -0.014 Chrom 0.172

11 Chrom -0.340 Chrom -0.054 Gold 0.166


g:\dat\prj\0285_bmwi_tiefseebergbau\08 ergebnisse\82 berichte\b_0285_01_tiefsee_e.docx, F 8-10a

Seltene Seltene Er- Seltene


12 -0.368 -0.177 -0.125
Erden den Erden
13 Zinn -0.462 Zinn -0.421 Zinn -0.281

14 Kobalt -1.288 Kobalt -0.727 Kobalt -0.683

Quellen: Weltbank (2016)

4.2.2 Polit-strategische Interessen

Ein wichtiger Aspekt polit-strategischer Interessen ist die Verbrauchs-


entwicklung bei den im Rahmen des Tiefseebergbaus relevanten Me-
tallen. Dabei sind einige Datenlimitationen zu beachten. Während
Daten zu Fördervolumina und Raffinadeproduktion von den geologi-
schen Informationsdiensten durchgängig bereitgestellt werden, liegen
längere Zeitreihendaten zur Höhe des Verbrauchs nur für manche
Metalle vor. So kann etwa der Verbrauch von Mangan und Kobalt

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nicht abgebildet werden. Abbildung 4-6 stellt die Entwicklung von


Produktion und Verbrauch für die übrigen relevanten Metalle Nickel
und Kupfer auf Grundlage von Daten der BGR gegenüber. In der lan-
gen Frist zeigt sich durchweg ein nahezu kontinuierlicher Anstieg im
Rohstoffkonsum. Damit einher ging jeweils ein Ausbau von Förderung
und Raffinadeproduktion. Besonders dynamische Entwicklungen las-
sen sich seit Beginn der 2000er Jahre beobachten. Für die letzten fünf
Jahre lässt sich das vor allem für Nickel feststellen, das Wachstum
des Nickelverbrauchs hat auch in Zusammenhang mit einem Boom in
der Förderung deutlich an Fahrt aufgenommen.

Kupfer
1000 t
25
23
21
19
17
15
13
11
9
7
5
1980 1983 1986 1989 1992 1995 1998 2001 2004 2007 2010 2013
Förderung global Raffinade global Verbrauch global
Quellen: BGR (2016); HWWI (2016).

Nickel
1000 t
3,0

2,5

2,0
g:\dat\prj\0285_bmwi_tiefseebergbau\08 ergebnisse\82 berichte\b_0285_01_tiefsee_e.docx, F 8-10a

1,5

1,0

0,5
1980 1983 1986 1989 1992 1995 1998 2001 2004 2007 2010 2013
Förderung global Raffinade global Verbrauch global
Quellen: BGR (2016); HWWI (2016).

Abbildung 4-6: Historische Angebots- und Nachfrageentwicklungen global

Ein wesentlicher Treiber des steigenden Ressourcenbedarfs ist das


wirtschaftliche Wachstum der Schwellenländer. Der Marktanteil der
westlichen Industrieländer hat sich dementsprechend spürbar verrin-
gert. Vor dem Hintergrund nationaler Bedarfserwägungen stellt sich
deshalb im Besonderen die Frage nach der Verbrauchsentwicklung in
Deutschland, die in Abbildung 4-7 dargestellt ist. Das Verbrauchs-

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niveau von Zink und Nickel erweist sich als etwa stabil über die letz-
ten 30 Jahre, im Falle von Kupfer kann bei gleichzeitig allgemein
stärkeren Ausschlägen von einem leicht positiven Trend gesprochen
werden. Da Deutschland als ressourcenarmes Land letztlich bei allen
betrachteten Metallen auf Einfuhren angewiesen ist, ergibt sich dar-
aus auch für die nähere Zukunft ein gewisses Maß an Importabhän-
gigkeit. Der Grad an Importabhängigkeit lässt sich am besten aus
einer Gegenüberstellung zu Deutschlands Marktanteilen bei den übri-
gen Metallen ablesen. Hierzu können wir sinnvollerweise auf Import-
daten zurückgreifen, denn diese werden anders als die Verbrauchsda-
ten für sämtliche bisher betrachteten Metalle von der British Geologi-
cal Survey (BGS) erfasst.

In Tabelle 4-10 werden deutsche und europäische Importe für das


Jahr 2013 in Relation gesetzt. Auffällig ist zunächst der besonders
hohe Importanteils Deutschlands im Falle gediegenen Kupfers: Mehr
als die Hälfte der Europäischen Importe gingen nach BGS Daten im
Jahr 2013 nach Deutschland. Auch bei Nickel ist die deutsche Im-
portaktivität stark ausgeprägt. Unter den Tiefseemetallen machen
lediglich in Bezug auf Kobalt die deutschen Importe einen eher gerin-
gen Anteil am gesamteuropäischen Bedarf aus. Alles in allem er-
scheint Deutschlands Bedarf an in Manganknollen auftretenden Metal-
len damit aktuell auch im internationalen Vergleich als relativ hoch.

1000 t
1,6

1,4

1,2

1,0

0,8

0,6

0,4
g:\dat\prj\0285_bmwi_tiefseebergbau\08 ergebnisse\82 berichte\b_0285_01_tiefsee_e.docx, F 8-10a

0,2

0,0
1980 1983 1986 1989 1992 1995 1998 2001 2004 2007 2010 2013

Kupfer Nickel
Quellen: BGR (2016); HWWI (2016).

Abbildung 4-7: Historische Verbrauchsentwicklung Deutschland

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Tabelle 4-8: Deutsche und europäische Metallimporte

Metall (Erz) Form(en) Importe Importe Anteil


Deutschland Europäische Deutschland
2013 Länder 2013
(in T) (in T)

Bauxit Erz 2,407,688 13,528,299 17.80%

Blei Gediegen 149,465 1,018,943 14.67%

Gediegen +
Chrom 336,833 1,893,101 17.79%
Ferro-Chrom

Eisen Roheisen + Ingots 2,066,234 23,502,454 8.79%

Gold Gediegen 149,337 4,575,503 3.26%

Kobalt Gediegen 4,309 59,113 7.29%

Kupfer Gediegen 685,731 1,254,499 54.66%

Mangan + Ferro-
Mangan 439,294 2,195,055 20.01%
und Silicomangan
Gediegen +
Nickel Legierungen 158,674 673,521 23.56%
(inkl. Ferro-Nickel)

Gediegen +
Cerium-/
Cerium-Eisen
Seltene Erden 7,004 26,434 26.50%
Verbindungen +
sonstige
Verbindungen

Silber Gediegen 2,203,529 23,729,240 9.29%

Gediegen +
Titan
Oxide + 335,513 1,543,441 21.74%
(Ilmenit)
Ferro-Titan

Gediegen +
Zink Oxide + 435,610 2,008,739 21.69%
Ferro-Titan
g:\dat\prj\0285_bmwi_tiefseebergbau\08 ergebnisse\82 berichte\b_0285_01_tiefsee_e.docx, F 8-10a

Gediegen +
Zinn Legierungen 19,410 73,895 26.27%
(inkl. Ferro-Nickel)

Quellen: BGS (2016); HWWI (2016).

Schlussendlich kann der deutschen Importabhängigkeit noch die im


vorigen Abschnitt ermittelte Konzentration der globalen Förderung
gegenüber gestellt werden, um abschätzen zu können, wie kritisch
das jeweilige Ausmaß an Importabhängigkeit im Hinblick auf die an-
gebotsseitige Konzentration zu bewerten ist (siehe Abbildung 4-8).
Kupfer als das Element mit dem höchsten deutschen Importanteil ist
hier im Vergleich zurzeit eher schwach konzentriert. Bei den beson-
ders stark konzentrierten Metallen wie Kobalt ist der deutsche Im-
portanteil dagegen eher gering.

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.4
Kobalt
Konzentration Förderung 2013 (Herfindahl-Index)

Blei
.3

Chrom Zinn
Eisen
.2

Zink
Mangan
Bauxit Nickel
Kupfer
Silber
Titan
.1

Gold
0

0 20 40 60
Anteil deutscher Importe an europäischen Importen 2013 (in %)

Quellen: BGS (2016); HWWI (2016). Seltene Erden außerhalb der sinnvollen Skalierung.
Abbildung 4-8: Globale Rohstoffkonzentration und
deutsche Importabhängigkeit

Ein spezifischer Marktüberblick für einzelne, im Rahmen des Tiefsee-


bergbaus relevante Metalle findet sich in Anlage 2.

4.3 Regulatorischer Rahmen

Finanzregeln sind wesentlicher Bestandteil jeder Bergbaugesetzge-


bung. Sie bestehen aus differenzierten finanziellen Abgaben und kön-
nen Anreize für den Investor bzw. Kontraktor bieten und sind zugleich
ein Kostenfaktor. Das Fiskal-regime für den Tiefseebergbau (TSB) ist
zu verstehen als ein System von Gebühren, Förderabgaben, Steuern
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ergänzt durch Kosten für Versicherungen und Haftungsfonds.

Die Internationale Meeresbodenbehörde ISA veröffentlichte während


der 22. Session am 15.07.2016 den ersten teilweise ausformulierten
Entwurf des Abbaucodes. Unter den 59 Bestimmungen (Regulations)
befassen sich unter „Part V - Financial Terms of a Contract“ 25 Best-
immungen mit den Finanzregeln (Reg. 20–45). Weitere finden sich an
anderen Stellen des Entwurfs und in seinen neun Annexen. Allerdings
beschränken sich die Textvorschläge auf die formale Struktur der
verschiedenen Abgaben. Die Höhe der Abgaben und die Methoden
ihrer Ermittlung bleiben offen. Die Bezeichnung „Working Draft“ und
die Vorbemerkung zu Part V des Entwurfes stellen ausdrücklich die
Vorläufigkeit aller Bestimmungen klar, da es weiterer Beratungen zur
Struktur und Höhe bedürfe. Nach dem sog. „Building Block“ Ansatz ist
der Entwurf die erste Phase mit verfahrensrechtlichen Regeln. Die
Ausgestaltung der Finanzregeln muss ebenso wie das umfangreiche
Umweltschutzregime und der Umbau der ISA zu einer Bergbauver-

Gutachtergemeinschaft
Analyse des volkswirtschaftlichen Nutzens der Entwicklung eines
93 / 156
kommerziellen Tiefseebergbaus

waltung separat vorbereitet werden, ehe über den endgültigen


Abbaucode als „Package“ zu entscheiden ist. Die Arbeiten genießen
hohe Priorität. Die ISA hat Gutachter zu vier Einzelaspekten beauf-
tragt, die im ersten Halbjahr 2016 vertrauliche, und deshalb hier
nicht zitierfähige Diskussionspapiere für die interne Meinungsbildung
der ISA vorgelegt haben.

Bisher gibt es Finanzregeln nur für die Explorationslizenzen mit 15-


jähriger Laufzeit. Rechtsgrundlagen sind SRÜ Annex III Art. 13 Abs. 2
und die drei Mining Codes für die Exploration von Manganknollen,
Sulfiden und Krusten. Sie legen in ihren Bestimmungen (Regulations,
abgekürzt „Reg.“) einheitlich fest eine:

 einmalige Antragsgebühr zur Deckung der Verwaltungskosten:


500,000 USD

 jährliche Bearbeitungsgebühr für die Jahresberichte: 47,000 USD

Die einmalige Antragsgebühr war vorübergehend ab 1994 von


500,000 USD auf 250,000 USD abgesenkt , um den ersten Lizenz-
nehmern einen Anreiz zu bieten, wurde aber 2013 wieder auf
500,000 USD erhöht. Sie kann im Einzelfall in engen Grenzen in
Abhängigkeit von nachzuweisenden Minder- oder Mehrkosten der
Bearbeitung variieren. Die Höhe ist regelmäßig vom Rat zu über-
prüfen.

Die jährliche Bearbeitungsgebühr wurde 2013 durch Beschluss der


ISA eingeführt, als die Arbeitsbelastung für die Prüfung von Jahresbe-
richten der mehr als 20 Lizenznehmer erheblich zugenommen hatte.
Im Jahre 2015 (21. Session) kam die Verlängerungsgebühr von
67,000 USD für den Antrag auf eine 5-jährige Verlängerung der Ex-
plorationsphase hinzu. An diesen Beispielen wird die Praxis der ISA
zur Anpassung der Abgabenhöhe und zur Einführung neuer Abgaben
deutlich. Für Förderabgaben oder sonstigen Belastungen ergab sich
bei den Explorationslizenzen noch kein Anlass.
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Für Verantwortlichkeit und Haftung (s. u. Ziff. 5), auch nach Beendi-
gung der Exploration, bleibt es bei der allgemeinen Haftung gemäß
SRÜ abgesichert durch den Nachweis einer Haftpflichtversicherung.
Vor dem Beginn von Tests von Gewinnungssystemen (Kollektoren) ist
eine finanzielle Garantie zur Absicherung eventueller Notfallmaßnah-
men vorzulegen.

4.3.1 Finanzregeln für Abbaulizenzen – Draft Exploitation


Regulations

Die Diskussion zu Finanzregeln für den industriellen Abbau begann


2012 im Zusammenhang mit der Vorbereitung des Abbaucodes (ex-
ploitation regulations) für Manganknollen. Ein erster Arbeitsplan des
Generalsekretärs5 wiederholte bekannte Kriterien wie einfache, faire

5
ISBA/18/C/4, para 5-6.

Gutachtergemeinschaft
Analyse des volkswirtschaftlichen Nutzens der Entwicklung eines
94 / 156
kommerziellen Tiefseebergbaus

und am Landbergbau orientierte Abgaben. Neu war der Gedanke,


dass Kosten und Erlöse während der mehrjährigen Projektdauer öko-
nomischen Zyklen unterworfen sind und ausgleichend zu berücksich-
tigen seien. Im Übrigen ist dieser Arbeitsplan wichtig, da er unter den
Ziffern 15 ff. erstmals Anregungen für Kostenmodelle zum kommerzi-
ellen Abbau von Manganknollen wie auch zur Geräteerprobung be-
schreibt.

Ein weiterführendes Dokument vom März 20136, das auf einer exter-
nen Studie beruht7, forderte sehr deutlich einen Interessenausgleich
zwischen den wirtschaftlichen Anreizen für Investoren und dem
Schutz der Umwelt, der Betriebssicherheit und dem Nutzen für die
gesamte Menschheit. Die Finanzregeln sollten robust, akzeptabel und
transparent sein.8 Es wird das Bemühen deutlich, Anreize für den TSB
zu setzen (to incentivize), denn nur wenn überhaupt TSB stattfindet,
kann es zur Verteilung von Erlösen kommen.

Der nächste Schritt war ein 60-Seiten Arbeitspapier „Developing a


Regulatory Framework for Deep Sea Mineral Exploitation in the Area
– Version II“ vom 15. Juli 20159, das auf einer Befragung von 41 Sta-
keholdern10 und einer ISA-Studie vom März 201511 beruhte. Speziell
mit den Finanzregeln beschäftigte sich der Bericht „Development and
Implementation of a Payment Mechanism in the Area“.12 Nach diesen
Vorarbeiten hat die 21. Session der ISA im Juli 2015 eine Art Road-
map für die inhaltliche Ausarbeitung des Abbaucodes beschlossen13
und eine Liste mit sieben vorrangigen Zulieferungen (Priority Deliver-
ables) in Auftrag gegeben, darunter das Finanzregime. Die sachliche
Arbeit an den Finanzregeln erfolgte ab 2015 in drei Workshops, näm-
lich im Mai 2015 in Singapur14, im Oktober in Bellagio (World Econo-
mic Forum)15 und im Mai 2016 in La Jolla/San Diego16, wobei der zu-
letzt genannte in seiner Ausführlichkeit als meinungsbildend gilt. Au-
ßerdem liefert die ISA Technical Study No. 15 einige Beiträge, obwohl
sie sich schwerpunktmäßig mit Ausgleichszahlungen im Äußeren Fest-
landsockel17 beschäftigt.
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6
ISBA/19/C/5 „Towards the development of a regulatory framework for polymetallic nodule
exploitation in the Area”; s. a. ISBA/19/C/18.
7
ISA Technical Study no. 11 v. 26.02.2013.
www.isa.org.jm/files/documents/.../DiscussionPaper-FinMech.pdf
8
ISA Technical Study no. 11, S. 47 spricht von einem “defensible” Schema.
9
http://bit.ly/1K4Bmrc; s. a. ISBA/21/C/16 vom 15.07.2015, dort Annex III.
10
https://www.isa.org.jm/survey/March-2014/stakeholder-responses; auch deutscher Beitrag.
11
Developing a Regulatory Framework for Mineral Exploitation in the Area. A Discussion Paper on
the Development and Implementation of a Payment Mechanism, published March 2015, 29 S.
www.isa.org.jm/files/documents/.../DiscussionPaper-FinMech.pdf.
12
www.isa.org.jm/files/documents/.../DiscussionPaper-FinMech.pdf
13
ISBA/21/C/16 v. 15.07.2015, Annex III und ISBA/21/C/20 vom 21.07.2015
14
Joint CIL-ISA Workshop 16-17 June 2015, Singapore; siehe ISA Briefing-Paper 04/2015.
15
Workshop World Economic Forum 07.-09.10.2015 in Bellagio/Italien, abrufbar unter: To-
ward_Transparency_Best_Practices_Deep_Seabed_Mining_Bellagio_report_2016_0501
16
San Diego Workshop. Conference Report: Deep Seabed Mining Payment Regime Workshop,
May 17-18, 2016, La Jolla/San Diego, enthält Empfehlungen, Darstellung von Fakten und Ein-
zelproblemen und tabellarische Übersichten der offenen Fragen.
https://www.isa.org.jm/files/documents/EN/Pubs/2016/DSM-ConfRep.pdf .
17
ISA Technical Study No. 15, June 2016, betrifft Ausgleichszahlungen gem. Art. 82.

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95 / 156
kommerziellen Tiefseebergbaus

Als Zwischenergebnis aller dieser Vorarbeiten publizierte die ISA am


15.07.2016 den o.g. Entwurf des Abbaucodes18 mit vorformulierten
59 Bestimmungen (Regulations), darunter „Part V - Financial Terms
of a Contract“ mit 25 Artikeln zu den Finanzregeln (Reg. 20 – 45) und
weiteren an anderen Stellen des Entwurfs und in seinen neun Anne-
xen.19 Details zur Höhe der Abgaben fehlen noch ebenso wie das ge-
samte (abgabenrelevante) Kapitel der Bestimmungen zum Umwelt-
schutz.20

Der vorliegende Entwurf enthält also nur die Struktur für ein kombi-
niertes Abschöpfungssystem aus Garantiezahlungen, Pauschalabga-
ben (Fees), Förderabgaben (Royalties), dazu später auch Gewinnbe-
teiligung (Profit Sharing) und evtl. einen Haftungsfonds (Environmen-
tal Liability Trust Fund, vgl. unten Abschnitt 4.3.3). Im Einzelnen:

Antragsgebühr – Fee for Application

Reg.5 schreibt eine Antragsgebühr vor, ohne sie zu beziffern. Wegen


der Beteiligung der Öffentlichkeit und ggf. von Experten wird der
Betrag höher liegen als 500,000 USD bei Explorationsanträgen.
Über- und Unterzahlungen sind auszugleichen.

Leistungsgarantie – Performance Guarantee

Als Teil des Antragsverfahrens für eine Abbaulizenz schafft Reg. 10


die Möglichkeit, den Antragsteller zur Hinterlegung einer finanziellen
Leistungsgarantie (Performance Guarantee) zu veranlassen, die Teil
der Vertragsbedingungen des Arbeitsplanes wird. Näheres ist durch
Leitlinien zu bestimmen. Wahrscheinlich wird auch die Forderung
nach einer weiteren Sicherheitsleistung als „Environmental Guaran-
tee“ bzw. „Environmental Bonds“ kommen.21 Dazu wäre die Frage
nach der Notwendigkeit zu stellen, denn für diese Risiken sind Versi-
cherungen ebenfalls ein bewährtes Instrument (s. u. Ziff. 5.4).

Beleihung des Vertrages – Use of Exploitation Contract as Security


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Reg. 16 räumt die Möglichkeit ein, den Abbauvertrag zur Finanzierung


des Vorhabens mit Hypotheken, Pfandrechten usw. zu beleihen. Die
Verträge des Kontraktors mit dem Geldgeber sind der ISA zur Ge-
nehmigung vorzulegen. Hinzu können Kosten für die unabhängige
Evaluierung von Umwelt-Assessments, Umweltmanagement-Plänen,
Finanzplänen und anderen Bestandteilen des Antrags kommen. Ein-
zelheiten bedürfen weiterer Beratung.

18
Working Draft Regulations and Standard Terms on Exploitation for Mineral Resources in the
Area; https://www.isa.org.jm/files/documents/EN/Regs/DraftExpl/Draft_ExplReg_SCT.pdf und
http://bit.ly/29MBDSS .
19
Die Annexe enthalten die Entwürfe für den Antrag auf Abbau und seine Bestandteile: feasibility
study, mining plan, financing plan, emergency plan sowie Standard-Vertragsklauseln und Tabel-
len für Geldstrafen und für sonstige Gebühren.
20
Beratung von Umweltschutzregeln durch GLS-ISA workshop, Co-chairs Report, June 2016.
21
San Diego workshop, Conf Report, Ziff. 111 – 115.

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Jahresgebühren – Annual Fees

Eine jährliche Vertragsgebühr (Annual Contract Administration Fee)


gem. Reg. 21 soll ab Vertragsbeginn die jährlichen Verwaltungs- und
Überwachungskosten abdecken. Dazu rechnet man auch ISA-
Aufgaben der Überwachung und der Meeresforschung. Die Höhe ist
offen und wird sich an dem erhöhten Aufwand für die Bearbeitung im
Hinblick auf Umweltschutz und Betriebssicherheit orientieren
(100,000 USD?).

Daneben ist eine feste Jahresgebühr (Annual Fixed Fee) ab Produkti-


onsbeginn vorgesehen (Reg. 22). Sie richtet sich nach einer jährlich
vom ISA-Rat festzulegenden Gebühr pro Quadratkilometer Fläche des
Abbaugebietes und ähnelt darin der deutschen Feldes-abgabe. Die
Jahresgebühr kann mit Förderabgaben verrechnet22
werden. Zur Höhe gibt es keine Erkenntnisse. Als Ausgangspunkt
ist an 1 Mio. USD gedacht.

Förderabgaben – Royalties

Förderabgaben/Royalties sind die im Bergbau üblichen Abgaben bzw.


Steuern als Entgelt für die Entnahme von Rohstoffen aus der Lager-
stätte. Das SRÜ von 1982 spricht von „Production Charges“23, wäh-
rend das DÜ den gängigen Begriff „Royalty“ benutzt.24 Royalties kön-
nen zugleich zur Abdeckung von Administrationskosten genutzt wer-
den, so dass Konkurrenz mit Fixed Fees bestehen kann.

Die Förderabgabe gem. Reg. 23 ff. soll ab Beginn der kommerziellen


Förderung erhoben werden, unabhängig davon, ob die Mineralien
verkauft wurden. Der Rat legt die Höhe jährlich neu fest. Der Kon-
traktor kann von der ISA schriftliche Auskunft über die Kalkulation
seiner Abgaben verlangen (Reg. 25). Als Grundlage der Berechnung
hat der Kontraktor nach Reg. 27 und 28 zu festen Terminen diverse
Angaben zu Produktionsmenge und Qualität zu liefern, dazu auch
Angaben über Vertragsverhältnisse zu seinen Abnehmern. Außerdem
sind jährlich zertifizierte Audits sowie andere Angaben nach Wunsch
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der ISA zu leisten.

Reg. 24 stellt lapidar fest, dass Höhe und Berechnungsbasis der


Förderabgabe (unit-based oder ad valorem oder gewinnabhängig?)
noch ungeklärt sind.

Überzahlungen können nach Reg. 30 erstattet oder verrechnet


werden.

Der Kontraktor ist nach Reg. 31 zu vollständigen Unterlagen und zu


Aufbewahrungsfristen verpflichtet. Er muss sich Inspektionen und
Prüfungen durch die ISA-Beauftragten und Rechnungsprüfer unter-
werfen (Reg. 32 und 33).

22
Hierzu: DÜ Anlage, Abschnitt 8, Ziff. 1 d.
23
SRÜ Annex III; Art. 13 Abs. 3-6.
24
DÜ Anlage, Abschnitt 8 Ziff. 1 c.

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Im Falle falscher Angaben gibt es gem. Reg. 35 ein besonderes Ver-


fahren des Meinungsaustausches zwischen Kontraktor und ISA.

Alle Daten zu den Abgaben sind geschützt; aber gezahlte Abgaben


werden veröffentlicht (Reg. 35).

Verspätete Zahlungen von Abgaben werden nach Reg. 38 verzinst.


Zusätzlich sind Strafzahlungen in doppelter Höhe der Rückstände
möglich (Reg. 39).

Ebenso gibt es Strafzahlungen im Falle unterlassener oder gefälschter


Informationen (Reg. 40 und 41), die jedoch mit zuvor gezahlten Leis-
tungsgarantien gem. Reg. 10 und 42 verrechnet werden können.

Der Abbauvertrag kann gem. Reg. 43 suspendiert werden, wenn der


Kontraktor mehr als 6 Monate mit Abgaben im Verzug ist.

Eine förmliche Streitregelung über Abgaben kann (Reg. 44) durch


„qualifizierte Experten“ durchgeführt werden, die gemeinsam zu be-
zahlen sind. Alternativ kann einvernehmlich die Meeresbodenkammer
des Seegerichtshofs (Art. 188 Abs.2) angerufen werden.

Neue Leitlinien „Recommendations for the Guidance of Contractors“


sind in Reg. 50 angekündigt, wie es sie schon für die Explorations-
phase gibt.

Alle Finanzregeln sind gem. Reg. 45 und 59 nach fünf Jahren oder
später zu überprüfen.

Sonstige Finanzregeln und Kosten

Unter der Überschrift „Other Applicable Fees“ gibt es in Reg. 53 in


Verbindung mit dem Annex IX Gebührentatbestände z.B. für Verlän-
gerungs- und Änderungsanträge sowie Produktionsunterbrechungen.

Abmahnungen (Compliance Notices) sind nach Reg. 55 mit Bußgeld-


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androhungen bewehrt.

Ersatzvornahmen bei Untätigkeit des Kontraktors (Power to take


Remedial Action) sind gem. Reg. 56 kostenpflichtig.

Der Annex VIII des Entwurfes, derzeit noch als leerer Platzhalter,
kündigt eine Tabelle der Vertragsverletzungen und dazugehöriger
Geldstrafen an.

4.3.2 Einzelprobleme der Ausgestaltung der Abgaben

In den kommenden Beratungen der ISA zur Struktur und zur Höhe
der Abgaben werden die nachstehenden Fragestellungen eine Rolle
spielen. Wie in den Dokumenten und Berichten an verschiedener Stel-
le angesprochen, gibt es zwei Hauptprobleme bei der Bestimmung
finanzieller Gebühren und Abgaben.

Gutachtergemeinschaft
Analyse des volkswirtschaftlichen Nutzens der Entwicklung eines
98 / 156
kommerziellen Tiefseebergbaus

Das erste liegt in den komplexen Anforderungen an die Finanzregeln,


die zunehmend auch als Steuerungsinstrument für den Umwelt-
schutz25 gesehen werden. Sie sollen gleichzeitig hohe Einnahmen ge-
nerieren, Kompensationen für eventuelle Umweltschäden bieten, dem
Schutz von Landproduzenten dienen, Windfall Profits abschöpfen,
Transferzahlungen ermöglichen und Entwicklungsländer an den TSB
heranführen. Eines der Dokumente spricht von „Corporate Social
Responsibility“.26 Das Abgabenregime entwickelt sich zu einem Paket
aus Verwaltungs- und Umweltgebühren, Förderabgaben, Sicherheits-
leistungen, Haftungsregeln, Versicherungspflichten und Ausgleichs-
fonds.

Das zweite Hauptproblem liegt – neben der Volatilität der Rohstoff-


preise - darin, dass es keine Erfahrungen zu Abgaben und Ge-
schäftsmodellen für den kommerziellen TSB auf Metalle mit seinen
Risiken und Chancen gibt.27 Mit dieser Verschränkung von Interessen
und Problemen steht die ISA vor erheblichen Zielkonflikten im Bemü-
hen angemessene dauerhafte Einkünfte zu erzielen, Gewinne abzu-
schöpfen und Gesichtspunkte der Verteilungsgerechtigkeit zu beach-
ten.

Zentrale Bedeutung hat die Ausgestaltung und Höhe der Förderab-


gabe/Royalty. Der Blick auf Vorbilder, zu denen ISA Dokumente ra-
ten, bietet keine Lösungen, denn es gibt im UN-System keinen inter-
nationalen Mechanismus zur Unternehmensbesteuerung. Der Blick auf
nationale Modelle zeigt, dass jedes unterschiedlich entstanden ist und
Besonderheiten in den Gebühren und Steuern berücksichtigt. Eine
Übernahme des Förderabgabenmodells einer hochentwickelten Offs-
hore-Industrie (z. B. Norwegen) ist ebenso abwegig wie die Kopie von
Finanzregeln etablierter Landindustrien. Die kürzlich veröffentlichte
Vergleichsstudie nationaler Förderabgaben für den Offshore Öl- und
Gasbereich hilft nicht weiter. Sie ist beschränkt auf das Problem der
Ausgleichszahlungen gem. Art. 82 SRÜ und bietet ein uneinheitliches
Bild.28 Ob ein internationales Gremium von Fachleuten eine Lösung
für den TSB herausdestillieren kann, dürfte schwierig genug sein.
g:\dat\prj\0285_bmwi_tiefseebergbau\08 ergebnisse\82 berichte\b_0285_01_tiefsee_e.docx, F 8-10a

Für den TSB bleiben unter Berufung auf den Landbergbau vier Optio-
nen (siehe auch oben):29

 Unit-Based: eine schlichte mengen- bzw. gewichtsabhängige För-


derabgabe, (Menge x Preis) wie sie bei Massengütern wie Eisenerz
und Kohle häufig angewendet wird.
(Frage: t nass oder trocken?)

 Value-Based (ad valorem): wertabhängig, wie sie bei wertvolleren


Metallen erhoben wird

25
San Diego workshop 2016, Conference Report, S. 6 und Ziff. 104 ff.
26
ISA Technical Study no. 11, S. 75 ff.
27
So deutlich ISBA/21/C/16, Ziff. 32.
28
ISA Technical Study No. 15: A Study of Key Terms in Article 82 UNCLOS, June 2016, 90 S.
29
RWTH Aachen University. Breakthrough Solutions for the Sustainable Exploration and Extraction
of Deep Sea Mineral Resources. Stakeholder Stellungnahme 2015, S. 6f;
http://www.mre.rwth-aachen.de/de/projektdetail?id=29

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 Hybrid: Gemischte Formen (Mengen-/Handelswert- und


gewinnabhängig)

 Profit-Based: Gewinnabhängige Förderabgaben, wie sie bei


Diamanten, Edelsteinen und besonders hochwertigen Mineralien
praktiziert werden

Im Interesse eines verwaltungsmäßig einfachen Systems ist Option 1


eine gute Lösung, da sie leichter als jede Form der Gewinnabhängig-
keit zu administrieren ist und dem Investor Kalkulierbarkeit bietet.
Als weiteren Vorteil beteiligt sie auch die ISA am Risiko eines mögli-
chen Preisverfalls. Andererseits verführt die mengenabhängige Abga-
be dazu, konzentriert hochgradige Ressourcen (high grading) abzu-
bauen und möglichst schnell die Investitionen zu verdienen.

Der San Diego Workshop hat nach Gegenüberstellung der Vor- und
Nachteile einen kombinierten Vorschlag zur Abgabenstruktur formu-
liert (Abgabensätze offen), „…to start as simple as possible“:30

 Fixed Fee ab Vertragsbeginn zur Abdeckung der administrativen


Kosten der ISA während einer Periode, in der erste größere Inves-
titionen beginnen

 Ab Produktionsbeginn eine zusätzliche (moderate) Fixed Fee


für ca. 20 Jahre

 Zusätzlich ab Produktionsbeginn eine wertabhängige Förderabgabe


zunächst mit minimalen Zahlungen „interim or light ad valorem ro-
yalty“ und später „full ad valorem“, wobei Zeitpunkt (Break Even
point) des Wechsels zu bestimmen wäre

 Das Profit-Based Modell wird als inoperabel abgelehnt31

In jedem Fall beginnt die Förderabgabe mit der Produktion32. Für die
Bestimmung des Produktionsbeginns bedarf es einer Definition, denn
dies ist der Zeitpunkt, ab dem erhöhte Abgaben zu leisten sind. Kon-
g:\dat\prj\0285_bmwi_tiefseebergbau\08 ergebnisse\82 berichte\b_0285_01_tiefsee_e.docx, F 8-10a

traktoren werden geneigt sein, diesen Zeitpunkt hinaus zu schieben.


Zeitlich vorher werden „Pilotprojekte“ und Testförderung laufen, für
die moderate Abgaben gerechtfertigt sind. Allerdings lassen sich auch
Rohstoffe aus der Testförderung, die unbelastet von Förderabgaben
sind, verkaufen. Wird dieser Zeitraum überdehnt, so stellen sich Fra-
gen nach Missbrauch und unzulässiger Subvention.

Will man Preise und/oder Gewinne erfassen, so entstehen Probleme


der Ermittlung des Metallwertes und der produktionsabhängigen Ne-
benkosten, denn die Wirtschaftlichkeit der marinen Produktionskette
ist weitgehend unbekannt und man braucht umfangreiche ergänzende
Informationen.

30
San Diego workshop, Conf Report Ziff. 57 ff unter Bezugnahme auf den Bericht des Bellagio
workshops.
31
San Diego workshop, Conf Report Ziff. 76.
32
SRÜ Annex III, Art. 17 (g).

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Vorab wäre zu entscheiden, welche Metalle zu bewerten sind, weil


nicht alle nutzbar sind. Einen „Markt“ für polymetallische Tiefseeres-
sourcen gibt es noch nicht. Profitabilität und Rendite werden erst im
Laufe mehrerer Jahre zu erkennen sein. Die ersten Investoren (First
Mover) werden höchstwahrscheinlich hohe Kosten und hohes Risiko
tragen, was ggf. zu berücksichtigen wäre. Zu klären ist, an welchen
Punkten der Produktionskette die Bewertung ansetzen soll, denn es
gibt verschiedene wertsteigernde Stufen, wie trockenes Produkt, Ver-
laden auf das Transportschiff (First Loading of Barge), Raffinierung an
Land, Verkauf der Endprodukte. Hinsichtlich der Wertermittlung bleibt
die Wahl, ob man sich an Metallbörsen oder an der konkreten Produk-
tionsanlage orientieren will. Jedenfalls ist ein besonders aufwendiges
System erforderlich, um der Entwicklung der Preise und der Rate of
Return des Kontraktors zeitnah auf der Spur zu bleiben. Einen Aus-
weg könnten „Korridore“ mit Unter- und Obergrenzen für Preise oder
Gewinne bieten. Weiterhin ist eine jährliche unabhängige Rechnungs-
prüfung des Unternehmens erforderlich, ebenso die regelmäßige
(jährliche?) Überprüfung/Anpassung der Abgabenhöhe. Wegen dieser
Schwierigkeiten wurden als Alternativen eine „Flat Concession Fee“,
individuelle Produktionsverträge oder eine vorab zu leistende Kauti-
on/Sicherheitsleistung („Lump-Sum“) ins Gespräch gebracht.33

Andere Erschwernisse ergeben sich aus der geforderten Vergleichbar-


keit mit dem Landbergbau. Manganknollen unterscheiden sich in der
Konsistenz von landgebundenen Produkten. Sie sind polymetallische
Konzentrate aus einer Vielzahl von Metallen/seltenen Erden in unter-
schiedlichen Mischungsverhältnissen. Der Wertgehalt (Grad) ist in der
Regel deutlich höher als bei Landlagerstätten. Es gibt also kaum ter-
restrische Vergleichsfälle. Im Umkehrschluss bedeutet die Forderung
nach Vergleichbarkeit mit dem Landbergbau, dass ein gesunder
Wettbewerb zwischen Land- und Tiefseebergbau durchaus vorstellbar
ist. Falls Landproduzenten im Falle des Förderbeginns von Tiefseeme-
tallen die Forderung nach finanzieller Kompensation zum Schutze
ihrer Landproduktion erheben, wäre Vorsicht geboten. Gründe dafür
kann es eigentlich erst dann geben, wenn der TSB den Landbergbau
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anfängt zu verdrängen. Alles andere wäre eine Subvention bzw. eine


politische Transferzahlung.

Die Höhe der Abgaben soll eventuell auch die Verhüttung (Proces-
sing) an Land mit berücksichtigen, da nur so die gewünschte Ver-
gleichbarkeit mit der terrestrischen Produktion beurteilt werden kann.
Für die Verhüttung von terrestrischen Ressourcen gibt es bewährte
metallurgische Verfahren. Derartige Verfahren für Manganknollen
zwecks Trennung der verschiedenen Metalle und Seltenen Erden sind
bisher noch im Laborstadium.

Die Verfahren sind in jedem Falle energieintensiv und bedeuten Säu-


re- und Chemieeinsatz. Ihr Anteil an den Gesamtkosten ist außeror-
dentlich hoch und wird auf über 50% geschätzt. Hier besteht hoher
Entwicklungs- und Verbesserungsbedarf. Überdies vollzieht sich die

33
San Diego Workshop, Conf Report, Ziff. 17.

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Verhüttung nicht unter Aufsicht der ISA, sondern unter den fiskali-
schen und umweltrelevanten Bedingungen des Staates, in dem die
Verhüttung stattfindet. Denn das Tiefseeunternehmen wird seine
Rohprodukte in der Regel an ein anderes Unternehmen zur Aufberei-
tung an Land veräußern. Es bleibt ungeklärt, wie die ISA die Wert-
schöpfung der Endprodukte erfassen soll.

Die treuhänderische Rolle der ISA (Gemeinsames Erbe der Mensch-


heit) manifestiert sich im „Benefit-Sharing“. Die ISA muss34 (Pflicht-
aufgabe) für einen geeigneten Mechanismus zur Verteilung der finan-
ziellen und wirtschaftlichen Vorteile sorgen, obwohl dazu bisher keine
belastbaren Daten und Verfahren zur Verfügung stehen. Auch hier
bestehen Unterschiede zum Landbergbau, wo das nationale fiskali-
sche Interesse dominiert.

Die ISA repräsentiert dagegen das kollektive Interesse der Gemein-


schaft der Staaten. Sie soll hohe Einnahmen generieren, Umwelt-
schäden kompensieren, Landproduzenten schützen, Windfall Profits
abschöpfen, Transferzahlungen ermöglichen und Entwicklungsländer
an den TSB heranführen. Der Aspekt des Benefit Sharing stärkt we-
gen seines hohen Stellenwertes und wegen der Erwartungshaltung
vieler Staaten die Tendenz zu hohen Förderabgaben. Andererseits
dürfte allen Betroffenen klar sein, dass es nur etwas zu verteilen gibt,
wenn der TSB überhaupt in Gang kommt und floriert. Zu diesem As-
pekt sind kontroverse Diskussionen zu erwarten, denn die Verteilung
der finanziellen und sonstigen Vorteile ist praktisch die wichtigste
Möglichkeit das Prinzip des Gemeinsamen Erbes mit Leben zu füllen35,
zumal die Zukunft des „Enterprise“ als zweites Instrument der Betei-
ligung von Entwicklungsländern zwar auf der Tagesordnung der ISA
bleibt, aber ungewiss ist.

In den Zusammenhang des Gemeinwohls gehört das Bestreben der


ISA, einen „optimalen“ Abbau von hochgradigen und mindergradigen
Ressourcen zu ermöglichen. Andernfalls werden Lizenznehmer ihrem
Profitstreben folgend nur die hochgradigen Teile von Abbaufeldern
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ausbeuten (high-grading) und minderwertige hinterlassen, was unter


Gesichtspunkten des Umweltschutzes durchaus vorteilhaft sein könn-
te. Jedenfalls besteht die Forderung nach einer Förderabgabe, welche
die Belegungsdichte, Menge und Wert des gesamten konkreten Ab-
baufeldes („a whole of the deposit“) kombiniert erfasst. Angesichts
der Größe und unterschiedlichen Belegungsdichte von Abbaufeldern
für Manganknollen (200 km2) bedeutet dies einen hohen administra-
tiven Aufwand.

Schließlich ist eine grundsätzliche Interessenabwägung zwischen dem


Gemeinwohl und den Risikoebenen erforderlich. Risiken bestehen
nicht nur für das Gemeinsame Erbe und den Umweltschutz. Auch die
ISA, die Investoren und die befürwortenden Staaten gehen unter-

34
Art. 140 und nochmals betont in DÜ Anlage Section 9 Ziff. 7 f.
35
Jan Stefan Fritz. Deep Sea Anarchy: Mining at the Frontiers of International Law. IJMCL 2015,
S. 445-476 (469). Aline Jaeckel et al. Sharing benefits of the common heritage of mankind – Is
the deep seabed mining regime ready? Marine Policy 2016 (in print)
http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0308597X16300744

Gutachtergemeinschaft
Analyse des volkswirtschaftlichen Nutzens der Entwicklung eines
102 / 156
kommerziellen Tiefseebergbaus

schiedliche Risiken ein, die mit Stichworten wie Rohstoffpreisen, Kon-


junkturzyklen, Substitutionsmöglichkeiten, Recycling, Umweltrisiken,
öffentliche Akzeptanz usw. umschrieben sind. Die Verteilung der fi-
nanziellen Vorteile (who takes what?) und der Lasten muss dieses
Spannungsfeld berücksichtigen. Hierzu fehlen Vorschläge, aber es ist
deutlich, dass „First Mover“ in der Anfangsphase mit relativ niedrigen
Abgaben, später mit höheren und in der Rückbauphase wieder mit
maßvolleren Abgaben belastet werden sollten. Es geht also um eine
sorgfältige Balance zwischen Investitionsanreiz und finanziellen Ab-
gaben durch Dynamisierung bzw. Abstufung der Abgabenhöhe.

4.3.3 Haftung und Versicherung

Zur Gesamtsicht der finanziellen Bedingungen des TSB gehören


auch wegen des (imperativen) Umweltschutzes die verschiedenen
Haftungs- und Versicherungspflichten. Die Haftung für Schäden im
Zusammenhang mit Tätigkeiten im Gebiet (Activities in the Area)
richtet sich nach dem Seerechtssystem.36 Es gelten über Art. 139 und
153 Haftungsregeln und Verpflichtungen für die im Verbund handeln-
den und haftenden

 Vertragsnehmer / Kontraktoren

 die Behörde (ISA) und

 den befürwortenden Staat

Bislang gibt es Haftungsregeln (mit Versicherungspflicht) nur für die


Explorationsphase. Zukünftige Haftungsregeln, die im Entwurf des
Abbaucodes noch fehlen, dürften sich an der Explorationsphase orien-
tieren.37

Haftung der Kontraktoren

Die Haftung des Inhabers einer Explorationslizenz (Kontraktor) er-


fasst jeden Schaden („Any Damage“), einschließlich Umweltschäden,
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die durch eigene rechtswidrige Tätigkeiten im Gebiet im Verlauf sei-


ner Arbeiten38 oder durch solche seiner Mitarbeiter, Unterauftrag-
nehmer oder Agenten entstanden sind, mit Ausnahme von Schäden
durch höhere Gewalt.39 Das gilt auch für Schädigung eines Dritten
(z. B. benachbarter Kontraktor) und für Umweltschäden nach Beendi-
gung der Explorationsphase40 ohne zeitliche Begrenzung.

Die Meeresbodenkammer des Internationalen Seegerichtshofs (ISGH)


hat 2011 in einer „Advisory Opinion“ (nachfolgend ISGH-Gutachten)
den Begriff „Tätigkeiten im Gebiet“ (Activities in the Area) definiert

36
Art. 134, Art. 139; RPEN Reg. 30; s. a. Marco Visser/Michael Dettmer. Tiefseebergbau und
Haftpflichtversicherung – die Versicherungsklausel 16.5; in: PHi Haftpflicht International Recht
und Versicherung Nr. 3, 2015, S. 98-104 und Nr. 4, 2015, S.156-168.
37
RPEN Reg. 1.3 nimmt ausdrücklich Bezug auch auf „Exploitation“, (obwohl RPEN nur Explorati-
on regelt).
38
SRÜ Annex III, Art. 22. RPEN Annex IV, Abschnitt 16.1
39
RPEN Annex IV, Abschnitt 16 und 17.
40
RPEN Reg. 30.

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103 / 156
kommerziellen Tiefseebergbaus

und damit die Reichweite der Haftung klargestellt.41 Danach sind Tä-
tigkeiten im Gebiet: die Erforschung und der Abbau am Meeresboden,
der Transport an die Oberfläche und die direkt damit zusammenhän-
genden Tätigkeiten der Separierung von Produktionswasser, deren
Wiedereinleitung und Entsorgung ins Meer sowie vorbereitende Mate-
rialtrennung an Bord. Damit liegen alle bergbaulichen Tätigkeiten im
Verantwortungsbereich des Kontraktors. Der Schiffstransport der
Ressourcen und die spätere Aufbereitung an Land (Processing) sind
nicht Teil dieser Haftungskette.42 Sie unterliegen den IMO Konventio-
nen der Seeschifffahrt bzw. dem Recht des Staates, wo die Aufberei-
tung stattfindet. Für haftungsrelevante Tätigkeiten außerhalb des
Gebietes bleibt es bei den allgemeinen Rahmenvorschriften des SRÜ
Teil XII „Schutz und Bewahrung der Meeresumwelt“ mit einer Staa-
tenhaftung nach Art. 235.

In diesem Sinne ist die Haftungs- und Versicherungsklausel zu ver-


stehen, die als Standardbestimmung jedes Explorationsvertrages und
mit einer Versicherungspflicht43 gekoppelt ist. Sie schreibt vor:

„Der Versicherungsnehmer schließt angemessene Versicherungspoli-


cen bei international anerkannten Versicherern im Einklang mit all-
gemein anerkannten internationalen Verhaltensregeln auf See ab.“

In der Sache handelt es sich um eine Haftpflichtversicherung mit ei-


nigen ungeklärten Besonderheiten. Bisher ist offen, welche konkreten
Sicherheits- und Umweltstandards, Grenzwerte usw. von der ISA
vorgeschrieben werden, für die ein Versicherungsschutz verlangt
wird. Auch fehlen Erläuterungen zur Haftungs- und Versicherungs-
klausel. Unklar ist, ob es sich um eine verschuldensunabhängige Ge-
fährdungshaftung (Strict Liability) oder um Vertrags- bzw. Delikthaf-
tung (Negligence Rule Liability) handeln soll. Zugelassen sind nur
international „anerkannte“ Versicherer mit der Fähigkeit, weltweit
vorkommende Schadensfälle zu bearbeiten. Da im Plural von „Versi-
cherern“ die Rede ist, besteht ein „Mehrpolicen-Erfordernis“. Zusätz-
lich stellen sich Probleme der Angemessenheit, was von den mögli-
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chen Schadensbildern (ökologische Schäden, Schadensverhütungs-


kosten, Subunternehmerhaftung) abhängt, ebenso wie für Spätschä-
den nach Beendigung der Tätigkeiten. Die Höhe der Deckungssumme
ist bisher nicht begrenzt, könnte aber in Verhandlungen des Ver-
tragsnehmers mit der ISA vereinbart werden. Von einem Direktan-
spruch gegen den Versicherer ist an keiner Stelle die Rede, sodass
dafür (noch) keine Anhaltspunkte vorliegen.

41
ISGH Gutachten (Advisory Opinion) vom 01.02.2011, ITLOS case no. 17: Responsibilities and
Obligations of States Sponsoring Persons and Entities with Respect to Activities in the Area;
dort Ziff. 84-97. http://www.itlos.org/. Hierzu ausführlich: Jessen, Henning. Staatenverant-
wortlichkeit und seevölkerrechtliche Haftungsgrundsätze für Umweltschäden durch Tiefseeberg-
bau. ZUR 2012, Nr.2, S. 71-81; David Freestone. ASIL insights Vol. 15, issue 7 of March 9,
2011.
Responsibilities and Obligations of States Sponsoring Persons and Entities with Respect to Ac-
tivities in the Area. AJIL Vol. 105, 2011. S. 755-760. Die rechtliche Verbindlichkeit ergibt sich
aus SRÜ Annex VI, Art. 33 und 40.
42
Insofern ist die Formulierung in RPEN Reg. 1.3 irreführend.
43
Versicherungspflicht gem. RPEN Annex IV, Abschnitt 16.5. Zur Versicherungsproblematik aus-
führlich: Visser, Marco/Dettmer, Michael. Tiefseebergbau und Haftpflichtversicherung – die Ver-
sicherungsklausel 16.5. aaO.

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104 / 156
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Im Ergebnis läuft es hinaus auf einen neuen Geschäftszweig und ei-


nen neuen Typ von Versicherungspolicen für den TSB, auf den der
Versicherungsmarkt reagieren wird.

Haftung der ISA

Die Haftung der ISA als Behörde ergibt sich daraus, dass sie gem.
Art. 153 Abs.4 die Kontrolle über die Tätigkeiten im Gebiet ausübt,
sobald ein Lizenzvertrag vergeben ist. Sie ist dem Kontraktor und
allen Dritten gegenüber für Schäden verantwortlich, die sich aus ihren
Handlungen oder Unterlassungen ergeben, wozu auch der Schutz
vertraulicher Daten zählt.44 Die gerichtliche Überprüfung durch die
Meeresbodenkammer des ISGH unterliegt allerdings den Beschrän-
kungen des Art. 189.

Haftung des befürwortenden Staates

Die Haftung des befürwortenden Staates (Sponsoring State) ist nur in


engen Grenzen vorgesehen. Jeder Lizenzantrag bedarf der Befürwor-
tung des Heimatstaates des Antragstellers in Form eines Zertifika-
tes.45 Der befürwortende Staat hat nach Art. 139 dafür zu sorgen und
zu bestätigen, dass der befürwortete Vertragsnehmer finanziell und
technisch leistungsfähig ist und seine Verpflichtungen im Einklang mit
dem SRÜ und mit seinem Vertrag ausübt. Nach Art. 139 Abs.2 haftet
der Staat dafür. Er ist verpflichtet gemäß Art. 153 Abs. 4 und Annex
III Art. 4 Abs.4 Gesetze, Vorschriften und Verwaltungsmaßnahmen zu
schaffen, die im Rahmen seines Rechtssystems in angemessener
Weise geeignet sind, die Einhaltung der Verpflichtungen von Personen
unter seiner Hoheitsgewalt sicherzustellen. Das bedeutet zunächst
den Erlass einer nationalen TSB-Gesetzgebung sowie administrative
Maßnahmen zur Durchsetzung der kontinuierlichen Überwachung na-
tionaler Firmen. Maßgeblich sind die ISA Regelungen und Standards,
wie sie z.B. in den Mining Codes formuliert werden. Sie dürfen nicht
unterschritten werden.46

Diese, den Staat treffende relativ allgemeine Verpflichtung zur Einhal-


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tung der gebührenden Sorgfalt (Due Diligence) hat das ISGH Gutach-
ten von 2011 präzisiert. Der Staat erfüllt die Sorgfaltspflichten, wenn
er den Vorsorgeansatz (Precautionary Approach), den Grundsatz der
besten Umweltpraktiken (Best Environmental Practices) sowie Um-
weltverträglichkeitsprüfungen vorschreibt.47 Für Entwicklungsländer
gibt es keinen „Rabatt“ der Sorgfaltspflichten.48 Es liegt keine Sorg-
faltsverletzung vor, wenn diese Leitprinzipien in der nationalen
Rechtsordnung verankert sind.49

44
Art. 168 Abs.2, Annex III Art. 22; RPEN Annex IV Abschnitt 16.3-4.
45
Art. 139 und 153 Abs. 2 (b); Annex III Art.4 Abs.3 und 4; RPEN Reg. 11.
46
Art. 208 Abs. 1 und 3; Art. 209.
47
ISGH Gutachten, Ziff. 119, 122ff, 131f, 136ff, 141ff.
48
ISGH Gutachten, Ziff. 158f.
49
Jessen, aaO. S. 77. Der Vertragsstaat hat weitere begleitende Pflichten aus SRÜ und DÜ sowie
aus den mining codes zu erfüllen, wie z. B. die Pflicht zur Unterstützung der Behörde (Art. 153
Abs.4), Garantien im Falle von Notfällen, Bereitstellung des Rechtsweges für Schadensersatz
(Art. 235 Abs.2), ausführliche Darstellung in ISGH Gutachten, Ziff. 122ff.

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105 / 156
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Die Haftung des befürwortenden Staates ist damit durch eine „Exkul-
pationsmöglichkeit“50 eingeschränkt. Er haftet nicht für schuldhaftes
Versagen des Kontraktors, solange der Staat seinen Pflichten im Sin-
ne einer Art Qualitätskontrolle gerecht wird, indem er sicherstellt,
dass der Kontraktor alle seevölkerrechtlichen Regeln einhält. In
Deutschland sind diese Pflichten durch die „Bergaufsicht“ im
MBergG51 und durch die zeitnahe Übersetzung und Veröffentlichung
der drei „Mining Codes“52 umgesetzt, in denen die drei genannten
Prinzipien verpflichtend enthalten sind.53 Das ISGH-Gutachten nimmt
die deutsche und die tschechische Gesetzgebung in diesem Zusam-
menhang ausdrücklich zur Kenntnis.54 Die Sorgfaltspflichten des be-
fürwortenden Staates sind dynamischer Art und müssen dem techni-
schen Fortschritt und der tatsächlichen Entwicklung von Umweltrisi-
ken des TSB folgen und ggf. nachgebessert werden. Je risikolastiger
die Tätigkeiten sind, umso strenger sind die Sorgfaltspflichten zur
Erfüllung der aktiven Kontroll- und Überwachungspflichten auszule-
gen.55

Es können Haftungslücken entstehen. Falls z. B. der Vertragsnehmer


wegen Insolvenz einen Schaden nicht oder nicht voll erstatten kann
(und auch die Versicherung ausfällt), könnte man an eine lückenaus-
füllende Haftung (Residual Responsibility) des Sponsoring State den-
ken. Diese Möglichkeit ist umstritten, wird aber überwiegend abge-
lehnt.56 Bleibt es dann bei der Nichthaftung des Sponsoring State, so
entstünde eine Haftungslücke. Eine weitere Haftungslücke kann sich
ergeben, wenn der Verursacher nicht (oder nicht schnell genug) fest-
stellbar ist. Für diese (seltenen) Fälle stellt das ISGH- Gutachten die
Schaffung eines Haftungsfonds („Liability Trust Funds“)57 zur Diskus-
sion (s. u. Ziff. 5.4).

Dieses System der Haftungsregeln – im Zusammenspiel von Kontrak-


tor, ISA und befürwortendem Staat - verdeutlicht einerseits die pri-
märe Verantwortlichkeit des Kontraktors als Hauptverursacher des
Schadensrisikos, weshalb er zu einer Haftpflichtversicherung ver-
pflichtet ist. Andererseits bleiben offene Fragen, darunter auch die
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der Abgrenzung unter den drei haftenden Partnern. ISA und befür-
wortender Staat sind beide zu Aufsichtspflichten gegenüber dem Kon-
traktor verpflichtet. Dieser muss also zwei Kontrollregimen gerecht
werden, deren evtl. überlappende Zuständigkeiten der Abgrenzung
bedürfen.

Das Gesamtkonstrukt des befürwortenden Staates und seine Haftung


dienen im Ergebnis dem Aufbau zuverlässiger nationaler Gesetzge-
bungen und effektiven Mechanismen der Durchsetzung in allen Staa-

50
Marco Visser/Michael Dettmer. aaO. S. 101.
51
§ 8 MBergG, BGBl. I 1995, S. 778.
52
RPEN (Manganknollen) BGBl. II 2014, S. 615ff; REPS (Polymetallische Sulphide) BGBl. II2015
S. 162ff; RPEC (Kobaltreiche Krusten) BGBl. II 2014 S. 570ff.
53
Siehe RPEN Reg. 31.2 und REPS Reg. 33.2 (precautionary approach und best environmental
practices). Die Verpflichtung zu UVP´s findet sich detailliert in ISBA/19/LTC/8; hierzu auch
ISGH Gutachten, Ziff. 145f; Jessen, aaO. S. 76f.
54
ISGH Gutachten, Ziff. 237.
55
Jessen, aaO. S. 76.
56
ISGH Gutachten, Ziff. 203f.
57
ISGH Gutachten, Ziff. 205 unter Berufung auf Art. 235 Abs.3.

Gutachtergemeinschaft
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106 / 156
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ten, in denen Unternehmen beheimatet sind. Für Rechtsstaaten wie


Deutschland sind keine zusätzlichen Risiken oder Nachteile zu be-
fürchten, wenn die zuständigen Behörden (BMWi, BGR, LBEG Nieder-
sachsen) die Regelungen der ISA in innerstaatliches Recht umsetzen
und überwachen. Da der Staat in diesen Fällen nur als „Sponsor“ be-
fürwortend für Unternehmen tätig wird, scheidet eine Staatshaftung
mangels „Übertragung einer öffentlichen Gewalt“ begrifflich aus.58

Haftungsfonds

Schließlich sei angemerkt, dass Art. 235 Abs. 3 und Art. 304 aus-
drücklich die Tür zur weiteren völkerrechtlichen Entwicklung von Haf-
tungsregeln eröffnen. Neue seerechtliche Haftungsregeln sind also
möglich, insbesondere in Form eines Haftungsfonds, wie es das
ISGH-Gutachten für Großschäden oder unbekannte Risiken anregte.59
Solch ein Fonds müsste separat von der ISA gehalten werden und
könnte durch eine neu zu schaffende Umweltgebühr (Environmental
Charge) gespeist werden.60 Einzelheiten werden voraussichtlich Ge-
genstand weiterer zeitnaher Workshops sein.

Aus der Stakeholderumfrage von 2014 ergibt sich zusätzlich die Idee
eines „Sustainability Fund“ mit gezielten Aufgaben der Meeresum-
weltforschung oder der Technologieentwicklung für Entwicklungslän-
der, der bisher kaum diskutiert wurde. Die Notwendigkeit, die Zielset-
zungen und die Finanzierung bleiben vorerst unklar.61 Spezielle Fonds
der ISA sind allerdings nichts Ungewöhnliches. Es gibt den 2002 er-
richteten „Voluntary Trust Fund“62, um Delegierten von Entwicklungs-
ländern die Teilnahme an LTC- und FC-Sitzungen zu erleichtern sowie
den seit 2006 bestehenden „Endowment Fund“63, gespeist durch frei-
willige Beiträge zugunsten wissenschaftlicher Forschung und Entwick-
lungshilfe.

Wegen der weit verbreiteten Sorgen vor massiven Umweltschäden,


die über die Leistung von Versicherungen hinausgehen, richtet sich
der Blick auf Haftungsfonds zur Regulierung von Großschäden. Hier
empfehlen sich Seitenblicke auf die internationale Seeschifffahrt, für
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die es im Rahmen der International Maritime Organisation (IMO) ei-


nen geregelten Zugang zu einem Haftungs- und Entschädigungsre-
gime gibt, sowie auf die neue EU „Offshore Sicherheitsrichtline“.

In der Seeschifffahrt wurden seit den 1970er Jahren Haftungsinstru-


mente als Reaktion auf den stark gewachsenen Transport von Öl und
Gefahrgut eingeführt, weil es immer wieder spektakuläre Unfälle mit
großräumigen Umweltverschmutzungen gab. Reeder/Schiffseigner
müssen nun Pflichtversicherungen mit Haftungshöchstgrenzen für die
Regelung von Standardunfällen abschließen und zertifiziert nachwei-

58
So Marco Visser/Michael Dettmer. aaO. S. 101.
59
ISGH Gutachten, Ziff. 205 und 211; Jessen aaO S. 79;
60
San Diego workshop, Conf Report Ziff. 106 ff (118).
61
http://bit.ly/1K4Bmrc, dort S. 36; San diego workshop, Conf Report Ziff. 119
62
ISBA/8/A/11 und ISBA/12/FC/L.1, Ziff. 11.
63
Art. 143 Abs.2 und ISBA/12/A/11.

Gutachtergemeinschaft
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107 / 156
kommerziellen Tiefseebergbaus

sen.64 Als Teil eines mehrstufigen Haftungsregimes existieren diese


Fonds als internationale Organisationen mit eigener Verwaltungs-
struktur. Für Tankerunfälle gibt es den ergänzenden International Oil
Pollution Fund (IOPC FUND) für Haftungslücken bei Großschäden von
Ölverschmutzungen65. Dieses weltweit geltende und akzeptierte Haf-
tungsmodell66 besteht aus einer limitierten Gefährdungshaftung
(Strict Liability) mit Zwangsversicherung für Standardschäden (1st
Tier). Als 2. Stufe (2nd Tier) gibt es einen Haftungsfonds für Groß-
schäden, der nochmals durch einen freiwilligen Ergänzungsfonds67
aufgestockt ist (3rd Tier). Eine Reihe von Unfällen wurde abgewickelt
in Form von Ersatz für Personen- und Sachschäden einschließlich der
Kosten für die Beseitigung von Schadstoffen. Allerdings sind langfris-
tige Umweltschäden wie Degradierung der Umwelt und Kosten der
Wiederherstellung (Restorative or Rehabilitative
Measures) nicht abgedeckt. Zur Definition und zur Ermittlung derarti-
ger Umweltschäden im Meer fehlen nach wie vor die Mechanismen.

Auch für Großschäden durch flüssiges oder festes Gefahrgut wie z. B.


Chemikalien hat die IMO nach dem Vorbild der Tankerunfälle ein
zweistufiges Haftungs- und Entschädigungssystem (HNS FUND
Convention 2010) vereinbart, das noch nicht in Kraft getreten ist.68
Als 1. Stufe (tier 1) gilt die Versicherungspflicht für Reeder mit einem
Direktanspruch des Geschädigten an die Versicherung. Als 2. Stufe
gilt der Fonds, der durch Beiträge der Empfänger der Gefahrgutla-
dung „Paid Post Incident“ zu speisen ist. Beiträge von Regierungen
sind nicht vorgesehen. Die maximale Schadenssumme ist begrenzt
auf 250 Mio. SZR = 380 Mio. USD. Diese in der internationalen Schiff-
fahrt etablierten Fonds sind möglicherweise ein Modell für den TSB.

Der zweite Seitenblick richtet sich auf die „Offshore Sicherheitsrichtli-


nie“ der EU69, die seit dem 19. Juli 2015 mit Übergangsfristen in Kraft
ist.

Die Richtlinie erfasst die rund 1000 Offshore-Anlagen der EU und


dient der Verhütung schwerer Unfälle und der Eindämmung ihrer
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Folgen. Sie verlangt u.a. die Einrichtung unabhängiger kompetenter


Behörden, Sicherheitsanalysen, modernes Sicherheitsmanagement,
Arbeitsschutz, Notfallpläne, Öffentlichkeitsbeteiligung, Berichts- und
Informationspflichten. Hinsichtlich der Haftung bleibt die Richtlinie
zurückhaltend. Zwar fordern Art. 7 eine volle Gefährdungshaftung
(Strict Liability) des Lizenznehmers und Art. 4 Abs.3 zusätzlich De-
ckungsvorsorge durch den Staat. Aber alle Einzelheiten liegen in der
Zuständigkeit des EU-Mitgliedstaates und bedürfen der Umsetzung
64
Neben der allgemeinen Reederhaftung gibt es spezielle Pflichtversicherungen für Öl als Ladung,
Öl als Treibstoff, Passagiere, Wrackbeseitigung.
65
Convention on Civil Liability for Oil Pollution Damage (CLC 1992), ergänzt durch den Interna-
tional Oil Pollution Compensation Fund (IOPC Fund 1992) mit Haftungsgrenze von 203 Mio. SDR
= 227 Mio. € und einen Supplementary Fund 2003 mit Haftungsgrenze von 750 Mio.SDR = 840
Mio.€. www.iopcfunds.com
66
Yuna Huang. Compensation of Damage to the Marine Environment; in: Ehlers, Peter/Lagoni,
Rainer. Responsibility and Liability in the Marine Context. LIT Verlag 2009, S. 19 f, 32f. und 42.
67
International Tanker Owners Pollution Compensation Fund (ITOPF) seit 1968; www.itopf.com
68
IMO Werbeschrift für Haftungsfonds für Gefahrgutladungen in der Seeschifffahrt:
http://www.imo.org/en/MediaCentre/HotTopics/Documents/HNS%20ConventionWebE.pdf
69
Richtlinie 2013/30 EU über die Sicherheit von Offshore-Erdöl und Erdgasaktivitäten.
ABl. L 178/66 vom 28.06.2013.

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durch nationale Vorschriften. Nach Art. 39 ist die EU Kommission zu


regelmäßigen Berichten über die Anwendung und Umsetzung ver-
pflichtet. Darin soll sie weitere Analysen vornehmen und weiterfüh-
rende Vorschläge machen.

Der erste derartige Bericht von 201570 stellt fest, dass die Haftung
des Lizenznehmers sich weiterhin nach der „Umwelthaftungsrichtlinie“
von 199471 bzw. nach nationalem Recht richtet. Der Bericht verweist
auf nationale Versicherungen und auf den freiwilligen Haftungsver-
bund OPOL72 der Öl- und Gasindustrie. Daraus entwickele sich, so der
Bericht, ein wettbewerbsorientierter Markt für „Deckungsvorsorgein-
strumente“ mit Pools, Versicherungen, Bürgschaften und Garantien.
Es bestehe zwar ein Mangel an Deckungsvorsorge, um sämtliche
Schäden auch aus seltenen Unfällen zu decken. Dennoch erscheine
die Ausweitung der Haftungsvorschriften gegenwärtig nicht angemes-
sen. Die EU Kommission wird weiter berichten und behält sich neue
Vorschläge vor, u. a. zur bisher teilweise fehlenden strafrechtlichen
Haftung für Umweltschäden. Die Offshore Sicherheitsrichtlinie ist so-
mit allenfalls der Einstieg in ein modernes Sicherheitsmanagement
auf See und stärkt den Gedanken der Gefährdungshaftung, bringt
aber (noch) keine neuen bzw. verschärften Deckungsinstrumente.

4.3.4 Weiteres Verfahren

Auf der 22. Session gab es einen kurzen Meinungsaustausch über den
Entwurf des Abbaucodes, der als „Work in Progress“ bezeichnet wird
und drei bis fünf Jahre dauern dürfte. Der Bericht des Vorsitzenden
der LTC (Dr. Reichert) vor dem Rat endete mit einer tabellarischen
Übersicht zu den einzelnen Bausteinen des Entwurfs. Es ergeben sich
folgende Schritte und Termine:

 02.11.2016: Abgabetermin für Stellungnahmen der Interessen-


vertreter (Stakeholder) zu den Draft Exploitation Regulations

 2. Workshop zum Payment Regime möglichst vor Jahresende 2016


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70
Bericht der Kommission über Haftung und Deckungsvorsorge, COM(2015)422 final vom
14.09.2015.
71
Richtlinie 94/22, ABl. L 164/3 vom 30.06.1994.
72
Die Haftungsgemeinschaft für Offshore-Umweltverschmutzung (Offshore Pollution Liability
Association Ltd – OPOL) ist eine Gegenseitigkeitsvereinbarung der Industrie, die Offshore-
Betreibern offensteht. Die Mitgliedsunternehmen kommen in den Genuss einer Garantie, dass
andere Mitgliedsunternehmen für Haftungsansprüche aufkommen werden, die sie selbst nicht
zu zahlen imstande sind, und zwar bis zu einer Deckungsgrenze (125 Mio. USD für Sanierungs-
kosten und 125 Mio. USD für Verschmutzungsschäden). Ansprüche werden nicht direkt an O-
POL gerichtet, sondern an das Mitgliedsunternehmen, das für die Schäden und Verluste haftet.
OPOL ist weder ein Entschädigungsfonds noch bietet es eine Garantie, die vor Insolvenz des
Unternehmens schützt. Diese Vergemeinschaftung der von Dritten getragenen Insolvenzrisiken
trägt dazu bei, die Versicherungskosten zu senken und die Regulierungsbehörden von der fi-
nanziellen Leistungsfähigkeit der Lizenzinhaber zu überzeugen. Außerdem wird durch die Krite-
rien der OPOL-Mitgliedschaft eine zusätzliche Ebene der gegenseitigen Überwachung innerhalb
der Industrie geschaffen, die die regulatorische Überprüfung der Finanzsituation der Unterneh-
men zum Zeitpunkt der Lizenzvergabe ergänzt.
Die OPOL-Mitgliedschaft legt den Betreibern die Übernahme einer verschuldensunabhängigen
Haftung für Schäden und Verluste auf und ist eine Voraussetzung für die Lizenzerteilung im
Vereinigten Königreich und in Irland. Dennoch wäre es möglich, dass die OPOL-Obergrenze von
250 Mio. USD für Erstattungen und Schadenersatzzahlungen nicht ausreicht, um alle Schäden
und Verluste des schwersten Unfalls zu decken. Einzelheiten in COM(2015)422 final vom
14.09.2015.

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 Januar 2017: Workshop in Berlin zu Environmental Assessment


and Management

 Februar 2017: Neufassung des Draft zur Beratung in der LTC

 Workshop zur Überprüfung der Environmenal Management Plans,


vor Juli 2017

 Juli 2017: Beratungen der 23. Session

 Scientific Workshop zu Areas of Particular Environmental


Interests (APEI)

 Workshop zu Impact Reference and Preservation Zones (IRZ/PRZ)

 Gründung einer rechtlichen Arbeitsgruppe zu Responsibility


and Liability

4.3.5 Bewertung und Empfehlung

Im Ergebnis liest sich der erste Entwurf des Abbaucodes (oben


Ziff. 3) teilweise wie ein Strafgesetz. Das Bemühen um größtmögliche
Transparenz ist durch Misstrauen gegenüber den Investoren/
Kontraktoren gekennzeichnet. Ein Bemühen um Anreize für den In-
vestor und um schlanke Administration ist im Text nicht entwickelt.
Stattdessen werden finanzielle Begehrlichkeiten und umfangreiche
Kontrollinstanzen in den Vordergrund gerückt. Bei der kommenden
Diskussion um die Höhe der Abgaben und die vielen erforderlichen
Definitionen und Kontrollverfahren besteht die Gefahr ausufernder
Bürokratie. Für den Beobachter drängt sich die Erkenntnis auf, dass
die ISA eine hochprofessionelle „Fiskal-Abteilung“ benötigt, um alle
genannten Bewertungsaspekte der Besteuerung des TSB in den Griff
zu bekommen. Workshops mit ihren Experten geben derzeit den Ton
an. Auffällig ist auch, dass die Bedeutung von Tests für die Klärung
offener Fragen bisher noch keine Rolle gespielt hat. Der Entwurf und
die Workshop Berichte gehen auf Tests nicht ein.
g:\dat\prj\0285_bmwi_tiefseebergbau\08 ergebnisse\82 berichte\b_0285_01_tiefsee_e.docx, F 8-10a

In den Hintergrundpapieren wird betont, dass ein einfach zu admi-


nistrierendes System in der Anfangsphase des industriellen TSBs viele
Vorteile bietet. Aber es wird Kräfte unter den Staaten geben, die für
ausgefeilte Systeme und für eine deutlich sichtbare Verteilung der
Erlöse im Wege des Benefit Sharing eintreten. Andererseits hat die
Stakeholder-Umfrage bestätigt, dass die Gremien der ISA bisher nicht
über belastbare Informationen für die Ausarbeitung detaillierter
Finanzregeln verfügen. Insbesondere fehlen belastbare Erkenntnisse
aus Pilot Mining Studies und Pilot-Mining-Tests. Die geplanten Jahres-
fördermengen bleiben ungewiss, solange die Schätzungen zwischen
1 und 3 Mio. t (Trockenmaterial) schwanken, was einer Produktion
zwischen 3,300 und 10,000 t/Tag (bei 300 Produktionstagen/Jahr)
entspricht. Hinzu kommen die o. g. Schwierigkeiten bei der Suche
nach Modellen und Kriterien für die Befriedigung der hochgesteckten
Ziele.

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110 / 156
kommerziellen Tiefseebergbaus

Als ein nächster praktischer Schritt sind Stakeholder-Stellungnahmen,


ISA-Workshops, Gutachten sowie Orientierung gebende “ISA Guide-
lines to Develop Financial Terms” vorgezeichnet. Falls gewünscht
könnte die ISA jederzeit gem. Art. 191 die Meeresbodenkammer des
ITLOS um ein Gutachten (Advisory Opinion) zur Klärung offener Fra-
gen bitten.

Falls die ISA nicht zu maßvollen Finanzregeln für die Area als ihren
Zuständigkeitsbereich findet, werden potentielle Investoren in die
bilaterale Zusammenarbeit mit den Staaten drängen, die reiche Mine-
ralienvorkommen in ihren Wirtschafts- und Festlandsockelzonen ha-
ben. In diesen Meeresgebieten sind bereits mindestens 25 Explorati-
onsvorhaben bekannt.

Der Finanzausschuß (Finance Committee FC) der ISA wird neben der
Rechts- und Fachkommission (Legal and Technical Commission LTC)
die Sacharbeit leisten müssen.

Deshalb ist es wichtig, sich an der Stakeholder-Umfrage bis zu


02.11.2016 zu beteiligen und weiterhin in LTC und FC sowie in beglei-
tenden Workshops mit eigenen und EU-abgestimmten Vorschlägen
aktiv zu sein.

Es drängt sich ein Mechanismus auf, der langsam oder schrittweise zu


längerfristigen stabilen Finanzregeln führt, z. B. in Form einer Start-
phase von ca. 10 Jahren als Transitional Financial Regime mit einer
Flat Fee + „Light“ ad valorem royalty73 als Anreiz für die Investoren
nach dem Motto: „KISS – keep it simple and smart“. Auch an anderen
Stellen wie Art. 8274 oder im Zusammenhang mit Umweltschutzanfor-
derungen propagiert die ISA mit dem „Adaptive Management
Approach“75 ein schrittweises Vorgehen bei der Anpassung von kon-
kreten Standards. Treffend ist das Argument, man brauche „…a more
fluid legislation that can be adapted as knowledge grows…”76.

Dies gilt besonders für das Finanzregime. Die Regeln sind in dem
Maße zu präzisieren, wie die junge Tiefseeindustrie sich entwickelt.
g:\dat\prj\0285_bmwi_tiefseebergbau\08 ergebnisse\82 berichte\b_0285_01_tiefsee_e.docx, F 8-10a

Ein Einstieg mit pauschalen einfachen Abgaben (Lump-Sum Tax)


erscheint vertretbar. Mit Investitionen in den Abbau wird nur zu rech-
nen sein, wenn die Investoren bei Vertragsabschluss verlässliche
Finanzregeln möglichst für die gesamte Vertragsdauer vorfinden.
Ungleichbehandlung der Vertragsnehmer würde das Vertrauen in die
ISA untergraben. Falls finanzielle Anpassungsmechanismen während
der Vertragsdauer für nötig erachtet werden, müssten diese Mecha-
nismen von Anfang an bekannt sein.

Ein 10 bis 15-jähriges finanziell stabiles Übergangsregime für die


Startphase (Transitional Phase/Phased Approach) mit einfach zu ad-

73
San diego Workshop, Conf Report , S. 10.
74
Ausgleichszahlungen des Küstenstaates für Ressourcenentnahme im äußeren Festlandsockel
jährlich steigernd nach 5 Freijahren; siehe Art. 82.
75
ISBA/21/C/16 vom 15.07.2015, dort Annex III. Hierzu Aline Jaeckel, Deep Sea Mining and
Adaptive Management, in: Marine Policy (erscheint demnächst),
http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0308597X16300756.
76
Seabed mining: about to start? Metals Insight, Vol.11/Issue 2/January 28, 2016.

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ministrierenden Abgaben kann verlässliche Anreize für die ersten Ab-


bauunternehmen bieten und regelmäßige Einnahmen für die ISA aus-
lösen, ohne den Weg zu einem späteren differenzierten System zu
behindern. Die Dauer ist so zu bemessen, dass sich erste Bergbauin-
vestitionen amortisieren. Am Ende würde eine Überprüfung (Review)
stehen zur Klärung des späteren Systems.

Klärungsbedürftig bleiben vorrangig u. a. folgende Fragen:

 Übergangsregime, Inhalt und Dauer

 Struktur der Abgaben: Gleichbehandlung, Feinabstimmung der


Förderabgabe (mengen- und/oder gewinnabhängig, brutto oder
netto), Abzugsmöglichkeiten, Gewinnermittlung, Gewinnschwelle,
Bandbreiten/Skalierung, Verlustvorträge, Rechnungsprüfung,
Rolle der Rohstoffbörsen, Zahlung in US USD oder SDR?

 Höhe der Gebühren: Antragsgebühr und Jahresgebühr erscheinen


in einer Höhe vertretbar, die deutlich aber verlässlich über den
entsprechenden Gebühren der Explorationsphase liegt.

 Höhe der Förderabgaben: Sie könnte mit einem mengenbezogenen


(unit-based) Betrag beginnen und schrittweise ad valorem
Bestandteile aufnehmen. Sie darf nicht prohibitiv sein.

 Verhältnis zum Abgabenregime des Sitzstaates des Unternehmens

 Notwendigkeit und Umfang eines Haftungsfonds und deren


Finanzierung

 Einheitlichkeit für alle drei Ressourcen oder Differenzierungen?

 Umfang, Maßstäbe und Empfänger für die Gewinnverteilung


(benefit sharing)77 

 Kosten des weiteren Ausbaus der ISA (allgemeiner Aufgaben-


g:\dat\prj\0285_bmwi_tiefseebergbau\08 ergebnisse\82 berichte\b_0285_01_tiefsee_e.docx, F 8-10a

zuwachs, Errichtung einer „Finanzabteilung“ und eines


„Mining Directorate“)

 Das Problembündel Haftung, Sicherheitsleistungen, Versicherun-


gen, Fonds bedarf weiterer Transparenz und Vereinfachung

 Zur Diskussion um den zukünftigen Abbaucode gehört jedoch ein


Haftungsfonds (Environmental Liability Trust Fund), der z. B. aus
Teilen der Förderabgaben an die ISA gespeist werden könnte.78
Er könnte dem Vorbild der Schifffahrt folgen, falls das Schadens-
bild eines Bergbauunfalls dem eines Unfalls von Großtankern oder
Ölplattformen mit Schadstoffaustritt vergleichbar wäre, was bisher

77
Beratungen hierzu stehen erst am Anfang; siehe Aline Jaeckel et al. Sharing Benefits of the
Common Heritage of Mankind – Is the Deep Seabed Mining Regime Ready? Marine Policy,
March 2016 im Druck.
78
http://bit.ly/1K4Bmrc, dort S. 36.

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Analyse des volkswirtschaftlichen Nutzens der Entwicklung eines
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nicht erwiesen sein dürfte.79 Während die Kosten für Schadstoffbe-


seitigung und Reinigung durch einen derartigen Fonds regelbar
sein dürften, bleibt das ungelöste Problem der Erfassung von
gravierenden Umweltschäden und von Langzeitschäden. Hierzu
sind weitere Erkenntnisse erforderlich, wobei der Vorsorgeansatz
eine große Rolle spielen dürfte.

Für kommende Verhandlungen ist aus deutscher Sicht in jedem Fall


an den rechtlich fixierten Zielen und Prinzipien (vgl. oben Ziff. 1) ge-
gen Aufweichungstendenzen festzuhalten. Das gilt namentlich für
Angemessenheit, Gleichbehandlung, Einfachheit, Bindung an kom-
merzielle Grundsätze und schrittweises Vorgehen. Der Vorsorgean-
satz (Precautionary Approach) als Leitmotiv für den Umweltschutz im
TSB bleibt sinnvoll.

4.4 Förderabgaben

Das Seerechtsübereinkommen von 1982 und das Durchführungs-


übereinkommen von 1994 setzen den rechtlichen Rahmen, an dem
sich alle weiteren Überlegungen zum Tiefseebergbau zu orientieren
haben. Die theoretisch empfehlenswerten Eigenschaften eines Abga-
bensystems wie z. B. Einfachheit, Effektivität, Effizienz, Gerechtigkeit
und Flexibilität sollten möglichst auch die Grundlage für die Ausge-
staltung im Tiefseebergbau darstellen.

Die Ausgestaltungsmöglichkeiten einer Förderabgabe sind überaus


vielfältig, erfordern aber letztlich vor allem ein Abwägen zwischen
staatlichen Interessen und unternehmerischen Anreizen, ohne dabei
gesellschaftliche Aspekte außer Acht zu lassen. Die Vor- und Nachtei-
le der Ausgestaltungsmöglichkeiten lassen ein hybrides System mit
fixen und gewinnbasierten Komponenten erwarten. Dies wird nicht
nur in den Arbeitsgruppen der IMB diskutiert sondern dürfte sich als
ebenso kompromissfähige wie empfehlenswerte Lösung erweisen.

Nationale Abgaben dürften sich erst implementieren lassen, wenn die


g:\dat\prj\0285_bmwi_tiefseebergbau\08 ergebnisse\82 berichte\b_0285_01_tiefsee_e.docx, F 8-10a

Diskussionen auf supranationaler Ebene abgeschlossen sind. Ohne


dieses Vorwissen lassen sich die verbleibenden Einnahmepotentiale,
eine rechtliche Zulässigkeit nationaler Förderabgaben überhaupt
vorausgesetzt, nicht verlässlich bestimmen.

4.4.1 Rechtsgrundlagen

Bevor der Diskussionsstand und die Lösungsansätze zu den offenen


Fragen dargestellt werden, ist an die Grundsätze des Seerechts-
übereinkommens von 1982 (SRÜ) 80 und des Durchführungsüberein-

79
Massive Austritte von Öl, Gas, Chemikalien usw. sind bei der rein mechanischen Aufnahme von
Mineralien am Meeresboden höchst unwahrscheinlich. Die Schadensbilder des TSB konzentrie-
ren sich auf die Wirkung von Sedimentwolken am Boden und auf Einleitungen beim Vertikal-
transport.
80
BGBl. 1994 II, S. 1798 ff. Alle nachfolgend ohne bes. Hinweis zitierten Artikel sind solche des
SRÜ.

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kommens von 1994 (DÜ)81 zu erinnern, die eine verbindliche Basis


für die Finanzregeln und das dazu gehörige Gesetzgebungsverfahren
bilden. Jeder Abbaucode muss sich an diese Grundsätze halten.

Das SRÜ von 1982 und seine Anlagen (Annexes) sowie das dazuge-
hörige DÜ von 1994 und dessen Anlage sprechen teils von „Financial
Terms“, „Financial Rules“ oder „Financial Arrangements“. Beide Über-
einkommen regeln nur Grundsätze und Arten von Abgaben sowie Zu-
ständigkeiten für das weitere Verfahren. Stets ist dabei ein enger
Zusammenhang mit dem Schutz der Meeresumwelt82 zugrunde ge-
legt. Details bleiben weitgehend offen. Es ergibt sich folgende rechtli-
che Ausgangslage:

Zuständig für die Ausarbeitung von Finanzregeln ist der Rat (Council)
der ISA, der sich auf Empfehlungen der 15 Mitglieder des Finanzaus-
schusses (Finance Committee FC)83 und der 30 Mitglieder der Rechts-
und Fachkommission (Legal and Technical Commission LTC) stützt.
Die endgültige Beschlussfassung (Decision) für Finanzregeln, -
vorschriften und –verfahren liegt bei der Versammlung (Assembly).84
Die Finanzregeln gelten (nur) für Unternehmen, die einen Lizenzver-
trag mit der ISA geschlossen haben (Contractor). Das sind staatliche
und private Bergbauunternehmen.85 Deren Unterauftragnehmer sind
seerechtlich nicht abgabenpflichtig.

86
Als Ziele (Objectives) nennt das SRÜ in seinem Annex III:

 Optimale Einnahmen für die Behörde

 Attraktivität (Anreize) für Investitionen und Technologie-


entwicklung

 Gleichbehandlung der Vertragsnehmer

 Subventionsverbot

 Anreize für gemeinschaftliche Vereinbarungen mit dem Enterprise


und mit Entwicklungsländern
g:\dat\prj\0285_bmwi_tiefseebergbau\08 ergebnisse\82 berichte\b_0285_01_tiefsee_e.docx, F 8-10a

 Streitfälle über Finanzregeln aus dem Vertragsverhältnis


ISA/Lizenznehmer können in einem Schiedsverfahren entschieden
werden. Der Weg zum Internationalen Seegerichtshof in Hamburg
(ISGH), der über eine eigene Meeresbodenkammer verfügt, steht
über Art. 186 ff ebenfalls offen. 

Da das Gebiet der Tiefsee (the Area) und seine Ressourcen als
„Common Heritage of Mankind“ der gesamten Menschheit zustehen87,
sollen die wirtschaftlichen und finanziellen Vorteile gerecht verteilt

81
Übereinkommen zur Durchführung des Teils XI des Seerechtsübereinkommens (DÜ), BGBl.
1994 II, S. 2565 ff.
82
Art. 145, 209.
83
Art. 162 Abs.2 y (ii), und DÜ Anlage, Abschnitt 9 Ziff.7.
84
Art. 160 Abs.2 f, Art. 162 Abs.2 o (i) und SRÜ Annex III Art. 13 Abs.1; DÜ Anlage, Abschnitt 9
Ziff.7.
85
Art. 153 Abs.2 (b) in Verb. m. SRÜ Annex III Art.13 Abs.1.
86
SRÜ Annex III Art. 13 Abs.1 (a-f) und Abs. 14-15; Art. 17 Abs.1 (c).
87
Art. 133, 136, 137 Abs.2 und 150.

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werden (Benefit Sharing).88 Das DÜ relativiert diese Vorgaben, indem


die Ressourcennutzung auch nach vernünftigen kommerziellen
Grundsätzen (in accordance with sound commercial principles)89
erfolgen muss.

Noch wichtiger ist, dass das DÜ zusätzliche Grundsätze (Principles)90


formuliert, die bleibende Bedeutung haben:

 Angemessenheit: Zahlungen müssen für Vertragsnehmer und Be-


hörde fair und angemessen sein. Damit wird das o.g. Ziel mög-
lichst hoher Einnahmen für die Behörde relativiert.91

 Vergleichbarkeit mit dem Landbergbau: Zahlungen müssen sich an


ähnlichen Mineralien aus dem Landbergbau orientieren („within the
range“). Dabei wird zu beachten sein, dass der Landbergbau stän-
dig mit schwankenden Preisen und Mengen zu tun hat und zugleich
mit nationalen Abgaben und Steuern belastet ist.

 Einfachheit: Das System soll einfach sein und wenige Verwaltungs-


kosten auslösen („simple and easy to implement and to
administer“).

 Zu prüfen ist, ob es ein System von Förderabgaben (Royalty) oder


ein System aus Förderabgaben und Gewinnbeteiligung (Royalty
and Profit Sharing) geben soll. Im Falle eines alternativen Systems
erhält der Vertragsnehmer ein Wahlrecht.

 Für die kommerzielle Produktion ist eine feste Jahresgebühr


(Annual Fee) vorgesehen, die gegen andere Zahlungen verrechnet
werden kann.

 Das Zahlungssystem ist regelmäßig zu überprüfen und


anzupassen.

 Streitigkeiten über Regeln und Vorschriften, die auf diesen


Grundsätzen beruhen, unterliegen dem Streitbeilegungsverfahren
g:\dat\prj\0285_bmwi_tiefseebergbau\08 ergebnisse\82 berichte\b_0285_01_tiefsee_e.docx, F 8-10a

(u. a. Meeresbodenkammer Art. 186f).

Die Grundsätze ersetzen einige überaus detaillierte92 Bestimmungen


in SRÜ-Anlage III, Art. 13 Abs. 3–10 mit Regulierungsrechten der ISA
zu Mengen und Preisen der Ressourcen. Das DÜ erklärt letztere aus-
drücklich für nicht anwendbar.93 In diesen nunmehr ungültigen Absät-
zen fand sich eine Wahlmöglichkeit zwischen einer festen Jahresge-
bühr (Annual Fixed Fee) von 1 Mio. USD oder einer Produktionsabga-
be mit Nettoertragsanteil (Production Charge), wobei letztere mit
umfangreichen Vorschriften ergänzt wurde zur Ermittlung der Höhe,
sonstiger Kosten und der Rechnungslegung. Zum Verständnis: Ratifi-
kation bzw. Beitritt wichtiger Industriestaaten zum SRÜ und folglich

88
Art. 140.2, 160.2 f und 2 g, 162.2 o (i).
89
DÜ Anlage Abschnitt 6 („Produktionspolitik“), Ziff. 1.
90
DÜ Anlage Abschnitt 8 „Finanzielle Bestimmungen“, Ziff. 1-3.
91
UNCLOS Commentary, Vol. VI, S. 728.
92
UNCLOS Commentary, Vol. VI, S. 718, 728 bezeichnet Art. 13 als „the most complex article“.
93
DÜ Anlage Abschnitt 8, Ziff. 2.

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dessen Inkrafttreten 1994 wurde erst möglich, als im Wege von


Nachverhandlungen das DÜ derartige planwirtschaftlich-dirigistische
Artikel eliminierte und Marktprinzipien stärkte.

Die ältere Idee der Wahlmöglichkeit zwischen Jahresgebühr und Pro-


duktionsabgabe nach bürokratischen Vorgaben ist damit vom Tisch.
Seit 1994 gilt, dass die ISA-Gremien die Einzelheiten und die Höhe
der finanziellen Bestimmungen von Fall zu Fall festlegen. Die ISA ist
nach Meinung des führenden SRÜ Kommentars94 auch frei in der Ent-
wicklung alternativer Finanzregeln, solange die Grundsätze des DÜ
eingehalten werden.

Auf diesen Grundlagen wird der Rat der ISA die zukünftigen Abgaben
festlegen. Ein Teilaspekt ist die Anrechenbarkeit der nicht unerhebli-
chen Forschungs- und Entwicklungskosten (Development Costs) aus
der Prospektions- und Explorationsphase, wie es in den Mining Codes
vorgesehen ist.95 Die Lizenznehmer sind gut beraten, ihre Entwick-
lungskosten zu dokumentieren. Die Anforderungen an die Rechnungs-
legung, die von anerkannten Wirtschaftsprüfern zu bestätigen ist,
wurden 2015 auf den neuesten Stand gebracht.96

4.4.2 Optionen einer Gestaltung

Hinsichtlich der Eigenschaften von Abgaben(-systemen) sollen im


Folgenden kurz die ökonomisch notwendigen Merkmale besprochen
werden, bevor auf Ausgestaltungsmöglichkeiten eingegangen wird.

Die zentrale Notwendigkeit für die Ausgestaltung von Abgaben im


Zusammenhang mit einem potentiellen Tiefseebergbau lässt sich wie
folgt zusammenfassen: Ein Abgabenregime sollte so gestaltet sein,
dass es einzelwirtschaftlich rentable Projekte nicht unterbindet,
gleichzeitig aber mögliche Übergewinne jenseits einer „normalen“
Rendite abschöpft.

Die Internationalen Meeresbodenbehörde (ISA 2015a) identifiziert


g:\dat\prj\0285_bmwi_tiefseebergbau\08 ergebnisse\82 berichte\b_0285_01_tiefsee_e.docx, F 8-10a

selbst insgesamt sieben Prinzipien für das Design eines Abgabensys-


tems. Diese lauten:

1) Effektivität
Fähigkeit des Systems, die gewünschten Ergebnisse, z. B. im
Hinblick auf die Einnahmen, zu erzielen

2) Gerechtigkeit
Keine Bevorzugung bzw. Benachteiligung bestimmter Akteure

3) Effizienz
Neutralität in Bezug auf Investitionsentscheidungen

4) Einfachheit, Transparenz, Planbarkeit


94
UNCLOS Commentary, Vol. VI, S. 728.
95
Regelungen finden sich in den mining codes für Knollen, Sulfide und Krusten, z. B. RPEN Reg. 6
(2) und Annex IV Abschnitt 10.2 c.
96
Recommendations for Contractors …for the Reporting of Exploration Costs, ISBA/21/LTC/11.

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Diese Aspekte führen, im Einzelnen und in der Summe, zu


geringeren Verwaltungskosten sowohl bei staatlichen Stellen
als auch bei privaten Akteuren

5) Kohärenz und Konsistenz


Identische Tatbestände sollten auch gleich behandelt werden.
Dies nimmt nicht nur Bezug auf Punkt 2), sondern auch darauf,
dass Gestaltungsmöglichkeiten bezüglich der Abgaben-/Steuer-
basis ausgeschlossen werden sollten

6) Flexibilität
Bei (gravierenden) Änderungen des Marktumfeldes sollte eine
schnelle Anpassung des Systems möglich sein oder diesem
bereits innewohnen

7) Durchsetzbarkeit
Es muss für die Administration möglich sein, die Einnahmen ohne
großen Aufwand zu erzielen und Verfehlungen, z. B. Zahlungs-
rückstände, wirksam zu sanktionieren

Die Implikationen der Nicht-Erneuerbarkeit der Tiefseeressourcen


wurden bereits angedeutet. Für die Ausgestaltung hat dies vor allem
zwei Konsequenzen. Erstens muss ein System unmittelbar vorhanden
sein, d.h. sobald ein (kommerzieller) Abbau beginnt oder besser nur
in Aussicht steht, sollten alle notwendigen Regeln vorliegen. Dies
dient einerseits der Investitionssicherheit, andererseits vereinfacht es
die Administration. Zweitens sind die Spielräume für nachträgliche
Änderungen des Systems gering. Insofern sollten gerade im Tiefsee-
bergbau bewährte, z. B. aus dem Landbergbau bekannte, Prinzipien
zur Anwendung kommen. Dies schließt Anpassungen an deutlich ver-
änderte Bedingungen aber nicht aus.

Im weiteren Sinne kann man auch die Verwendung der generierten


Einnahmen zum Ausgestaltungsrahmen hinzuzählen. Hier gilt es vor
allem der inter-generationellen Gerechtigkeit Rechnung zu tragen.
Hintergrund ist auch hier, dass die Erträge aus einem Tiefseebergbau
g:\dat\prj\0285_bmwi_tiefseebergbau\08 ergebnisse\82 berichte\b_0285_01_tiefsee_e.docx, F 8-10a

sowohl der aktuellen als auch der künftigen Weltbevölkerung zu-


stehen und mithin nachhaltig zu verwenden sind. Das bedeutet zu-
gleich, dass jegliche Art von Korruption oder Rent-Seeking verhindert
werden muss, die grundsätzlich entlang der gesamten Wertschöp-
fungskette auftreten kann.

Diese Erwägungen weisen auf einen gängigen Trade-Off hin: Einer-


seits sollte das staatliche Bestreben sein, die Einnahmen bzw. den
Strom an Einnahmen zu optimieren. Andererseits bedingt dies admi-
nistrativen Aufwand, der nur zu einem gewissen Grad gerechtfertigt
ist, und zwar solange wie die Kosten des zusätzlichen Verwaltungs-
aufwandes nicht mögliche höhere Einnahmen übersteigen. Dies ist
meist vor allem bei der Feststellung der „normalen“ Rendite eines
Investors relevant, also bei der Festlegung der abschöpfbaren öko-
nomischen Rente bzw. der Höhe der (anreizkompatiblen) Abgabe(n).
In der Praxis ist es aufgrund von Informationsasymmetrien kaum

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möglich, die Renten komplett abzuschöpfen, so dass es effektiv ge-


meinhin zu ihrer Aufteilung zwischen Staaten und privaten Investoren
kommt.

Möglichkeiten der Ausgestaltung

Die Gestaltungsmöglichkeiten für ein Abgabesystem im Bergbau sind


vielfältig. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über relevante
Steuern in der Bergbauindustrie, die darauf folgende Tabelle stellt
deren Ziele zusammen (Otto et al. 2006, S. 32):

Tabelle 4-9: Steuern in der Bergbauindustrie und ihrer Basis

Steuerart Basis

In Rem Steuern (Einheit oder Wert Basis)

Einheitensteuer Gebühr pro Einheit

% auf Mineralien Wert


Wertsteuer
(Definition des Wertes kann variieren)

Mehrwert- und Verbrauchersteuer % auf Verkaufswert

Eigentums- und Kapitalsteuer % auf Eigentum- Kapitalwert

Importsteuer % auf Importwert

Exportsteuer % auf Exportwert

Quellen-Abgeltungssteuer auf Darlehenszinsen % auf Wert Darlehenszinsen

Abgeltungssteuer für importierte Dienstleistungen % auf Dienstleistungswert

Mehrwertsteuer % Wert des Gutes oder der Dienstleistung

Zulassungsgebühr Gebühr pro Anmeldung

Leih- oder Nutzungsgebühr Gebühr pro Flächeneinheit

Briefmarkensteuer Gebühr pro Transaktion oder


% auf Wert der Transaktion

In Personam Steuern (Netto-Einkommen)

Einkommenssteuer % auf Einkommen


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Vermögensertrags-, oder Kapitalertragssteuer % auf Gewinns aus Veräußerung von


Anlagevermögen

Zusatzsteuer auf Gewinne % auf zusätzliche Gewinne

Ertragssteuer % auf Mehrgewinn

Nettogewinn Abgaben oder Nettowert Abgaben % auf Mineralien Wert abzüglich


anrechenbarer Kosten

Abzugssteuer/Abgeltungssteuer abgeführter % auf abgeführten Wert


Gewinne oder Dividenden

Quelle: Otto et al. (2006)

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