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TU Bergakademie Freiberg Freiberg, den ...

Institut für Anorganische Chemie

Arbeitsvorschriften zur Trocknung von Lösungsmitteln

1. Vorbereitung

Alle peroxidbildenden Lösungsmittel, insbesondere ältere Bestände an Ethern und Ole-


finen sind vor ihrer Verwendung auf Peroxide zu prüfen und davon zu befreien.

Prüfung: angesäuerte Kaliumiodid- und Stärkelösung

Entfernung: durch Reduktionsmittel z.B. pro Liter Ether 5 g FeSO4 in 20 ml Wasser

Wegen der unterschiedlichen chemischen Reaktivität der Lösungsmittel gibt es kein


universelles Verfahren. Für den jeweiligen Verwendungszweck ist das optimale Verfah-
ren auszuwählen.

2. Vortrocknung

2.1 Molsiebe

Anwendbar: 3A Aceton, Acetonitril, Kohlenwasserstoffe, niedere Alkohole


4A DMSO, Nitromethan, Diethylether, Aromaten, Halogenkohlen-
wasserstoffe, Essigester, DMF
5A THF, Dioxan
10A HMPT

2.1.1 Statisches Verfahren

Einsatz von ca. 100 g Molsieb pro Liter Lösungsmittel. Nach 24 h werden Wassergehal-
te unter 0,01 % erreicht.

2.1.2 Dynamisches Verfahren

Mit ca. 250 g Molsieb gefüllte Säule (ca. 25 mm Durchmesser, 600 mm Höhe) wird mit
LM beschickt (2 - 3 l pro Stunde), Vorlauf nochmals aufgeben.

Vorteile: einfache und gefahrlose Anwendung, hohe Effektivität, Regnerierbarkeit


des Trocknungsmittels

Nachteile: Bei stärker wasserhaltigen LM sind statische Vortrocknung und größere


Säulen notwendig. Hoher Preis, Regnerierung bei kleinen Mengen auf-
wendig.
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2.2 Alkalische Trockenmittel

2.2.1 KOH (techn.)

ca. 50 g pro Liter

2.2.2 Na-Draht

ca. 3 g pro Liter

Anwendbar: Ether, tert. Amine


Kohlenwasserstoffe (KOH nicht notwendig)

Beide Trocknungsmittel sind nacheinander anzuwenden. Bei starken Veränderung des


Trockenmittels ist dieses zu erneuern. Behälter lichtgeschützt aufbewahren.

Vorteile: Am Zustand des Trockenmittels ist der Trocknungsgrad erkennbar. Gerin-


ge Mengen an Hydroperoxiden werden als Alkalisalze gefällt.

Nachteile: nicht regenerierbar, Unfallgefahr

2.2.3 Phosphorpentoxid

Anwendbar: Nitrile, Halogenkohlenwasserstoffe (lichtgeschützt aufgewahren),


CS2, Acetanhydrid

Durchführung: Es werden ca. 20 g P4O10 pro Liter LM zugegeben und anschließend


destilliert (im allgemeinen mehrmals notwendig).

Vorteile: gute Trockenwirkung

Nachteile: durch Bildung von Metaphosphorsäure Krustenbildung etc.

3. Endreinigung (Entfernung von Wasser bzw. protischen Verbindungen und


Sauerstoff)

3.1 Kochen mit Diethylaluminiumbutoxid

Anwendbar: Kohlenwasserstoffe, Ether, tert. Amine

Vorteile: löslich in Aliphaten, schnell wirksam

Nachteile: keine Farbindikation; Lösung neigt zum Siedeverzug


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Durchführung: Es werden 5ml Et2AlOBu in 1 l vorgestrocknetem Lösungsmittel


gegeben und 2 h am Rückfluss gekocht .

3.2 Ketylieren

Anwendbar: Ether, Aromaten, tert. Amine

Vorteile: Farbindikation: farblos-blau-violett


hohe Reduktionskapazität

Nachteile: teilweise Benzophenon, bzw. Benzydrol im Destillat nachweisbar

Durchführung: In den 1 l-Kolben mit vorgetrocknetem LM werden 10 g Benzophenon


und 5 Natrium (bei Kp 100 °C in dünnen Scheibchen) zugegeben.
Man lässt stehen bis sich eine blaue Schicht gebildet hat und kocht
dann bis zum Auftreten der tiefbioletten Farbe das Dinatrium-
benzophenons.

3.3 Phtalocyanin-Metode (nach H. Drevs)

Anwendbar: tert. Amine, Nitrile, DMF, DMSO, Alkohole, Ether

Vorteile: Farbindikation: grün – rot (blau)


Variabilität des Hydrids
Sehr empfindlich gegen Verunreinigungen

Nachteile: bei entsprechenden Substraten kann katalytische Hydrierung eintreten

Durchführung: Es werden wenige Gramm des Hydrids (für inerte LM wie THF oder
Net2 kann LiAlH4 verwendet werden, sonst CaH2 oder NaBH4) in den
Kolben mit Lösungsmittel gegeben und eine Spatelspitze PePc oder
FePcCl zugefügt. Man kocht solange am Rückfluss, bis die grüne
Farbe des FePc der roten Farbe des FePc gewichen ist.
Bei Alkoholen wird das Hydrid vollständig verbraucht, deshalb nur ge-
ringe Mengen zusetzen. FePc regeneriert sich nur nach erneutem
Hydridzusatz.

3.4 Trocknung mit sauren und schwach basischen Trockenmitteln und


Verdrängung der gelösten Luft durch Inertgas

Anwendbar: Halogenkohlenwasserstoffe, Ester, Ketone

Vorteile: Einzig mögliches Verfahren bei reaktiven Lösungsmitteln

Nachteile: Langwierig, keine Farbindikation


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Alle Lösungsmittel mit Trockenmitteln nach 2.2.2 und 3.1 – 3.3 sind mit der notwendi-
gen Vorsicht zu behandeln und die Rückstände nach der Laborvorschrift zu vernichten.

Abweichungen von diesen Trockenverfahren bzw. die Trocknung im Anhang nicht er-
wähnter LM sind mit dem zuständigen AG-Leiter bzw. Oberassistenten abzusprechen.

Anhang

Ether: Diethylether, Tetrahydrofuren, Dioxan, 1,2-Dimethoxyethan

Aromaten: Benzol, Toluol, Eylole

Kohlenwasserstoffe: Pentan, Hexan, Heptan, C-Hexan

Halogenkohlenwasserstoffe: CH2Cl2/ CHCl3/CCl4, 1,2-Dichlorethan

tert. Amine: Triethylamin, TMEDA

niedere Alkohole: Methanol, Ethanol, Propanole, Butanole

Nitrile: Acetonitril, Propionitril

Anlage zur Laborordnung

1. Die Verwendung von offenen Zündquellen hat nur bei Vorliegen einer unbeding-
ten Notwendigkeit zu erfolgen (z.B. Abschmelzen von Proben, Glasbearbeitung).

2. Destillationen mit Öl- oder Metallbädern sind im Abzug auszuführen. In begrün-


deten Ausnahmefällen fällt die Entscheidung der Laborleiter.

3. Beim Betrieb offener Zündquellen ist durch den Betreiber abzusichern, dass sich
in unmittelbarer Nähe keine leichtentzündbaren Substanzen befinden.

4. Der Laborleiter ist über Arbeiten mit offenen Zündquellen durch den Betreiber vor
Aufnahme der Arbeiten zu informieren.

5. Diplomanden und Praktikanten sind vor Aufnahme der Arbeiten im Bereich über
den Inhalt dieser Festlegung durch den Laborleiter zu informieren.

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