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Sveučilište Josipa Jurja Strossmayera u Osijeku

Filozofski fakultet

Poslijediplomski doktorski studij Jezikoslovlje

Borislav Marušić

Funktionsverbgefüge in deutscher Konzernsprache

Doktorski rad

Mentor: prof. dr. sc. Tomislav Talanga

Osijek, 2015.
Meinen Töchtern Ana und Ema
Vorwort

Mein großer Dank gilt in erster Linie meinem Mentor Herrn Professor Tomislav
Talanga, ohne dessen Unterstützung und Hilfe diese Arbeit nicht zum Abschluss
gekommen wäre und dessen Hinweise mir große Hilfe leisteten. Ich bedanke
mich auch bei meinem Kollegen Leonard Pon für wertvolle Ratschläge.

Ansporn und Motivation zu intensiver wissenschaftlicher Untersuchung schuf


ich immer wieder aus meiner Faszination für die deutsche Wirtschaft, die mich
seit immer begeisterte.

Mein besonderer Dank gilt jedoch meiner Familie, vor allem meiner Ehefrau
Kristina, ohne deren unbegrenzte Geduld und Aufmunterung in all den Jahren
diese Arbeit nie ans Tageslicht gekommen wäre, und meinen Töchtern Ana und
Ema, die seit mehreren Jahren „ertragen müssen“, dass ihr Vati immer etwas
lernt und geistig abwesend ist.

Mein weiterer Dank gilt meiner Mutter Đurđica und ihrer Familie, die für
meinen erzielten Erfolg und meine bisherigen Leistungen von besonderer
Bedeutung sind.
Inhalt

1. EINLEITUNG

1.1. Zum Thema der Dissertation und zur Motivation

1.2. Funktionsverbgefüge in der bisherigen Forschung

1.3. Funktionsverbgefüge im Wirtschaftsdeutschen

1.4. Zur Struktur und zum Ziel der Arbeit

1.5. Zum Korpus

2. THEORETISCHE GRUNDLAGE

2.1. Der Phänomenbereich

2.1.1. Grundlegende Merkmale der FVG

2.1.2. Definitionsproblematik

2.2. Abgrenzungskriterien

2.2.1. Abgrenzung der FVG von freien verb-nominalen Verbindungen

2.2.2. Abgrenzung der FVG von phraseologischen Verbindungen

2.3. Nominalstil

2.4. Wie ist die Bezeichnung deutsche Konzernsprache in der vorliegenden Arbeit
zu verstehen?

3. SYNTAKTISCHE, SEMANTISCHE, MORPHOLOGISCHE MERKMALE DER

FVG SOWIE DEREN LEISTUNGEN

3.1. Syntaktische Merkmale der FVG

3.1.1. Syntaktische Valenz der FVG

3.1.2. Syntaktische Typen der FVG


3.2. Semantische Merkmale der FVG

3.2.1. Semantische Merkmale der FN

3.2.2. Semantische Merkmale der FV

3.2.2.1. FV und Aktionsart

3.2.2.2. FV und Genera

3.2.3. Semantische Merkmale der FPrp

3.2.4. Semantische Typen der FVG

3.2.4.1. FVG mit einfacher Prädikation

3.2.4.2. FVG mit eingebetteter Prädikation

3.2.5. Lexikalisierte und nicht-lexikalisierte FVG

3.3. Morphologische Merkmale der FVG

3.3.1. Funktionsverb

3.3.1.1. Die Einteilung der FV hinsichtlich ihrer Bildung

3.3.1.2. Die Einteilung der FV hinsichtlich ihrer Verwendung

3.3.2. Funktionsnomen

3.3.2.1. Artikel

3.3.3. Funktionale Präposition

3.3.4. Morphologische Typen der FVG nach FN

3.4. Leistungen der FVG

3.4.1. Syntaktische Leistungen der FVG

3.4.2. Semantische Leistungen der FVG

3.4.3. Pragmatische Leistungen der FVG

4. ANALYSE DER FVG IN DEUTSCHER KONZERNSPRACHE

4.1. Hypothesen

4.2. Zum Korpus


4.3. Quantitative Analyse des Korpus

4.3.1. Die häufigsten FVG im Korpus

4.3.2. Quantitative Analyse der FVG im Korpus nach morphologischen Typen

4.3.3. Quantitative Analyse der Konstituenten der FVG im Korpus

4.3.3.1. Quantitative Analyse der FV

4.3.3.2. Quantitative Analyse der FN

4.3.3.3. Quantitative Analyse der FPrp

4.3.4. Analyse anderer Merkmale der FVG

4.3.4.1. Lexikalisierbarkeit der FVG

4.3.4.2. Ausgleichen der Valenz und andere Kommutationsreihen

4.3.4.3. Passivwertige FVG

4.3.4.4. Ausfüllen von Lücken im Sprachsystem

4.3.4.5. FVG als Fachtermini

4.4. Hypothesenbestätigung

5. FAZIT (UND AUSBLICK)

6. ABSTRACT

7. SAŽETAK

8. ABKÜRZUNGEN

9. QUELLEN
10. LITERATURVERZEICHNIS

10.1. Bücher, Grammatiken, Monographien

10.2. Wissenschaftliche Artikel

11. ANHÄNGE

Anhang 1: Liste der FVG mit mehr als 15 Belege

Anhang 2: Alphabetische Liste der im Korpus belegten FV

Anhang 3: Alphabetische Liste der im Korpus belegten FN

Anhang 4: Liste der FN nach Häufigkeit ihres Vorkommens

Anhang 5: Erweiterbarkeit der 10 häufigsten FVG


1. Einleitung

1.1. Zum Thema der Dissertation und zur Motivation

Das Thema dieser Arbeit fügt sich an meine bisherigen wissenschaftlichen


Untersuchungen des Sachgebiets Verwaltungs- und Wirtschaftsdeutsch an. Die
FVG sind laut Untersuchungen des Registers des Sachgebiets
Verwaltungsdeutsch schon im 18. Jh. als frequente Konstruktionen und als ein
Merkmal dieser Art der Fachsprache gekennzeichnet. Obgleich die FVG in
deutscher Standardsprache in den letzten 50 Jahren oft untersucht wurden, war
das im Bereich der Wirtschaftssprache nicht der Fall. Es gibt nur einige
(Doktor)arbeiten zu diesem Thema, wobei es sich vor allem um Teile des
Wirtschaftsdeutschen (Unterkorpora) handelt. Ein Sondersegment der
Wirtschaftssprache stellt die Konzernsprache dar, die im Wirtschaftsdeutschen
ein noch unerforschtes Sprachgebiet ist. Die Konzernsprache kennzeichnet die
Sprache, durch die die Konzerne mit ihren Mitarbeitern(innen), Aktionären und
Öffentlichkeit im Allgemeinen kommunizieren. Als Korpus im emipirischen Teil
der Untersuchung fungieren die Geschäftsberichte zehn größter deutscher
Konzerne, und zwar derjenigen aus dem DAX-Index. Der erwartete
Korpusumfang besteht aus ca. 2500 Seiten des geschriebenen Textes mit etwa
7300 FVG-n. Das gewonnene Korpus wird die Abgrenzung der FVG in deutscher
Konzernsprache von denjenigen im Rahmen der existierenden Untersuchungen
in der deutschen Wirtschaftssprache ermöglichen, sowie ihren gegenseitigen
Vergleich.

Es ist an dieser Stelle auch mein ganz persönlicher Grund für die
Themenauswahl zu erwähnen. Das ist nämlich meine seit immer existierende
Faszination für die deutsche Wirtschaft, einem wahren und einzigartigen
Wirtschaftswunder, das auch zur Zeit der größten wirtschaftlichen Krise seit es
die Europäische Union gibt, seine magische Kraft ausstrahlt und neue Umsatz-
und Absatzrekorde immer wieder aufstellt. Deutsche Tugenden wie Fleiß,
Präzision, Sorgfalt, Zuverlässigkeit, Verantwortungsgefühl und Terrier-
Beharrlichkeit spiegeln sich nirgendwo besser als in deutscher Wirtschaft wider.
Ein stichhaltiger Grund für die Begeisterung. In germanistischen
Untersuchungen ist m.E. ungenügende Aufmerksamkeit diesem Teil der
angewandten Linguistik, dem Sachgebiet Wirtschaftsdeutsch im Allgemeinen
gewidmet, geschweige denn dem Sachgebiet deutscher Konzernsprache.

1.2. Funktionsverbgefüge in der bisherigen Forschung

Obwohl die FVG schon im Althochdeutschen zu finden waren (vgl. Yuan,


1986:16), wurden sie in der deutschen Sprache (wenigstens in germanistischen
Kreisen) lange als etwas Überflüssiges und stilistisch Schlechtes gekennzeichnet.
Es ging nach manchen Germanisten um falsches Deutsch, eine Art
Substantivierung des Prädikats. Die Konstrukte sind „Papieridiome“,
„Sprachbeulen“, „Spielart der Hauptwörterkrankheit“, „Hauptwörterseuche“,
„Verbalsurrogat“, „Zeitworttrappen“ etc. genannt (vgl. Blažević, 1999:7). Diese
Betrachtungsweise hat 1963 mit der Veröffentlichung des Beitrags
„Funktionsverben im heutigen Deutsch: Sprache in der rationalisierten Welt“
von Peter von Polenz grundlegenden Wandel erfahren. Der Autor führt Begriffe
„Funktionsverb“ und „Funktionsverbformel“ ein, während Engelen 1968 im
Beitrag „Zum System der Funktionsverbgefüge“ den Terminus
„Funktionsverbgefüge“ einführt, der sich später als passend zur Beschreibung
des Phänomens eingebürgert hat. Sein Beitrag warf außerdem ein neues Licht
auf die FVG als zusätzliche Ausdrucksmöglichkeiten in der Sprache, und nicht
mehr als etwas unbedingt Schlechtes und stilistisch Unakzeptables. Der
Nominalstil stellt eine Entwicklungstendenz in der deutschen
Gegenwartssprache dar: „Einige Studien haben nämlich ergeben, dass der
Verbalstil des 19. Jh.s zum Nominalstil des 20. Jh.s wurde.“ (Pon, 2011:3) Vom
Entwicklungsstandpunkt der deutschen Sprache ist es daher völlig begründet,
dass die FVG in der Gegenwartssprache in großem Ausmaß präsent sind. Die
bisherigen sehr fruchtbaren Untersuchungen der FVG in deutscher Sprache
können in mehrere Gruppen eingeteilt werden:

1. Arbeiten, die sich auf diachronische Untersuchungen der FVG beziehen:

Blažević (1999:13f.) führt folgende auf diachronische Untersuchungen der FVG


bezogene Arbeiten auf: Heringer (1968) weist auf den Einfluss des Lateinischen
auf, Relleke (1974) auf den Gebrauch der FVG im Althochdeutschen, Watanabe
(1981) und Ogino (1983) auf den Gebrauch der FVG im Mittelhochdeutschen,
Seifert (2004) gibt einen diachronischen Überblick der FVG in der Sprache der
Gesetzestexte 18. – 20. Jh. an.

2. Untersuchungen, die sich auf semantische, syntaktische und kognitive


Aspekte der FVG beziehen:

Heringer (1968), Klein (1968), Persson (1975), Helbig (1979), Yuan (1986),
Winhart (2005), Kamber (2008), Gradečak-Erdeljić (2009).

3. Untersuchungen der FVG in anderen Sprachen:

Folgende Arbeiten beziehen sich auf Untersuchungen der FVG in anderen


Sprachen (vgl. Blažević, 1999:14): Rensky (1964), Hofmann (1967, 1972), Müller
(1978), Allerton (2002) im Englischen, Günter (1976) im Russischen, Wittig
(1977, 1981) im Arabischen, Detgers (1996), Kotschi (2009) im Französischen,
Klinger (1983) im Polnischen, Groß (1988) im Japanischen.

4. Untersuchungen einiger FVG-Typen:

Heringer (1968) untersucht FVG mit kommen und bringen und ihren Einfluss
auf die Aktionsart des ganzen Konstruktes, Herlitz (1973) schreibt über FVG
Typs “in Erfahrung bringen”, Persson (1992) untersucht die kausativen FVG,
(1984) die Konstruktionen Typs “zur Darstellung kommen / gelangen” und (1981)
FVG mit FV finden, Grimm (1981) untersucht den Artikelgebrauch bei
präpositionalen FVG-n, Rösch (1994) untersucht FVG, die als Äquivalent zu
Passivkonstruktionen dienen.

5. Kontrastive Untersuchungen der FVG


Busch (1964) vergleicht den Gebrauch der FVG in romanischen und
germanischen Sprachen, Fischer (1978) und Gradečak-Erdeljić (2009) im
Deutschen, Englischen (und Kroatischen), Blažević (1995) im Deutschen und
Kroatischen, Heine (2008) im Deutschen und Finnischen, Hinderdael (1981) und
(1985) im Deutschen und Niederländischen, Yuan (1983) im Deutschen und
Chinesischen, Konieczna (1980), (1981), (1991) und Grunt (2011) im Deutschen
und Polnischen, Popadić (1988) im Deutschen und Serbischen.

6. Arbeiten aus der Methodik deutscher Sprache, die die Wichtigkeit der FVG im
DaF Unterricht durchnehmen:
Götze (1973) setzt sich dafür ein, die Schüler mit syntaktischen und
semantischen Merkmalen der FVG im DaF Unterricht bekanntzumachen, Frein-
Plischke (1992) weist auf Schwierigkeiten im Verständnis dieser Konstruktionen
auf und schlägt Sprachübungen für ihren Erwerb vor.

7. Arbeiten des Sachgebiets angewandte Linguistik:


Da die vorliegende Dissertation auch zu dieser Gruppe gehört, führe ich die mir
zugänglichen Arbeiten samt Autoren und Veröffentlichungsjahren an:

a) Popadić (1971). Untersuchungen zur Frage der Nominalisierung des


Verbalausdrucks im heutigen Zeitungsdeutsch.
b) Tuchel (1982). Streckformen in der Fachsprachlichen Kommunikation.
c) Richter (1988). Funktionsverbgefüge in der gegenwärtigen Alltagssprache
und frei gesprochenen Wissenschaftssprache – einige methodische
Grundlagen und Analyseergebnisse.
d) Schaarschuh (1990). Zur Typologisierung von Funktionsverbgefügen in
Wirtschaft und Handel.
e) Kordulová (2007). Funktionsverbgefüge in der Fachsprache.
f) Marušić (2009). Das Funktionsverbgefüge in der deutschen

Verwaltungsrechtssprache.

g) Marušić/Herceg (2013). Leistungen der Funktionsverbgefüge in deutscher

Verwaltungsrechtssprache.

Auf dem Sachgebiet FVG im Wirtschaftsdeutschen sind folgende


Untersuchungen zu finden:

a) Schaarschuh (1990). Zur Typologisierung von Funktionsverbgefügen in


Wirtschaft und Handel.

b) Blažević (1995). Sintagme s funkcionalnim glagolima u njemačkom poslovnom


dopisivanju u turizmu i njihovi ekvivalenti u hrvatskom.

c) Unverricht (1996). Verbale Analytismen in der französischen und deutschen


Wirtschaftssprache.
d) Blažević (1999). Leistungen der Funktionsverbgefüge in deutschen
Geschäftsbriefen im Tourismus.
e) Blažević (1999). Sintagme s funkcionalnim glagolima u njemačkom jeziku
hotelijerstva i turizma.
f) Marušić (2011). Funktionsverbgefüge im Wirtschaftsdeutsch.
g) Marušić/Barišić (2012). Leistungen der Funktionsverbgefüge in deutscher
Konzernsprache.

Obwohl die FVG in den letzten 50 Jahren ziemlich oft und intensiv untersucht
wurden, was aus diesem kurzen Überblick hervorgeht, ist es auch ersichtlich,
dass es nur einige Untersuchungen der FVG auf dem Sachgebiet
Wirtschaftsdeutsch gibt. Diese Dissertation wird ihren Beitrag auch dazu leisten,
diese Lücke durch Untersuchung der FVG in deutscher Konzernsprache zu
schließen.
1.3. Funktionsverbgefüge im Wirtschaftsdeutschen

Die FVG stellen nicht nur ein wesentliches Kennzeichen in der deutschen
Standardsprache dar, sondern auch in der Fachsprache. Dabei sei der Begriff die
Fachsprache am besten mit Hilfe von Hoffmanns Definition festzulegen:„…die
Gesamtheit aller sprachlichen Mittel, die in einem fachlich begrenzbaren
Kommunikationsbereich verwendet werden, um die Verständigung zwischen den
in diesem Bereich tätigen Menschen zu gewährleisten.“ (Hoffmann, 1985:53)
Hier präsentiere ich nur einige Anhaltspunkte zum Thema FVG und die
Fachsprache:

„Iako su SFG prisutne u svim sferama komunikacije, neprijeporna je činjenica da


su najfrekventnije u jeziku struke.“ (Blažević, 1995:343)

„Obwohl die FVG in allen Kommunikationssphären vertreten sind, ist es eine


unabänderliche Tatsache, dass sie am häufigsten in der Fachsprache
vorkommen1.“

„Die Funktionsverbgefüge (FVG) nehmen einen wichtigen Platz in der


Fachsprache ein, weil sie hohe Informationsdichte haben. Sie werden besonders
häufig in Texten zur Informationsvermittlung verwendet. Man benutzt sie
meistens in der geschriebenen Sprache, besonders der Sprache der Verwaltung,
der Presse und der wissenschaftlichen Texte.“ (Kordulová, 2007:3)

Helbig/Buscha erklären folgenderweise das Phänomen des Gebrauchs von FVG


in der Fachsprache: „Da die FVG formelhaft sind und Modellcharakter haben,
werden sie bevorzugt in solchen Textsorten (z.B. Fach- und
Wissenschaftssprache) verwendet, in denen eine Art Dispositionsausdruck
vorherrscht. Ein solcher Dispositionsausdruck arbeitet stärker mit vorgeformten
Fertigteilen, die Denkarbeit erleichtern können.“ (Helbig/Buscha, 1993:105)

1
Alle Zitate aus anderen Sprachen wurden ins Deutsche vom Autor der Dissertation übersetzt.
Die bisherigen Untersuchungen auf dem Sachgebiet Wirtschaftsdeutsch haben
ergeben:

Schaarschuh (1990) macht in seiner Arbeit „Zur Typologisierung von


Funktionsverbgefügen in Wirtschaft und Handel“ eine typologische
Untersuchung auf dem Gebiet Wirtschaft und Handel, die vor allem im DaF
Unterricht ihre Anwendung findet. Die Aufgabe war festzustellen, ob in
deutschen Geschäftsbriefen die Vollverben gegenüber ihnen konkurrierenden
FVG als Prädikate vorherrschen. Der Nominalstil spielt dabei eine wichtige Rolle
und darin kommt den FVG entscheidende Bedeutung zu. Die Empfehlung zum
Gebrauch der FVG lautet: in amtlichen oder dienstlichen Schreiben und zu
kommerziellen Zwecken sind die FVG zu gebrauchen. Ist aber eine Aussage mit
einem einmaligen Fachterminus verbunden oder geht es um ein persönliches
Schreiben, sind die Vollverben aus stilistischen und sprachökonomischen
Gründen zu empfehlen.

Unverricht (1996) analysiert im Beitrag „Verbale Analytismen in der


französischen und deutschen Wirtschaftssprache“ fachsprachliche und
stilistische Funktionen der FVG oder verbaler Analytismen, wie sie sie nennt:

„Es wird die Annahme bestätigt, dass verbale Analytismen eher


fachsprachenübergreifend verwendet werden, dafür allerdings die
Verwirklichung anderer fachtexttypischer Strukturen sowie fachsprachlicher
Terminologien erleichtern. Durch ihre Besonderheiten erhalten verbale
Analytismen Signalcharakter für Fachsprachlichkeit und vereinfachen die
Strukturierung von Fachtexten.“ (Unverricht, 1996:16)

Blažević (1999) nimmt im Beitrag „Leistungen der Funktionsverbgefüge in


deutschen Geschäftsbriefen im Tourismus“ die syntaktischen, semantischen und
pragmatischen Leistungen der FVG durch. Ihre Untersuchung hat bewiesen, die
FVG seien „ein multifunktionales, in manchen Fällen sogar ein verbindliches
Sprachmittel...“ (Blažević, 1999:156) Die Hauptfunktionen der FVG bestehen in
der Bedeutungsspezifizierung und in der Bereicherung der
Ausdrucksmöglichkeiten. Die erste werde vor allem durch Attribuierung des FN
und durch Aktionsarten verwirklicht. Die FVG sind, im Unterschied zu oft
Polysemie aufweisenden Vollverben, immer eindeutig. Diese Tatsache sei für ihre
häufigere Wahl gegenüber mit ihnen konkurrierenden Vollverben in deutschen
Geschäftsbriefen im Tourismus ausschlaggebend.

Blažević (1999) untersucht die FVG des Sachgebiets Hotellerie und Tourismus
und analysiert die Frequenz, Funktionen und Motive des Gebrauchs dieser
Konstruktionen auf diesem Gebiet des Wirtschaftsdeutschen. Die Untersuchung
wurde an 25 500 Sätzen, die 2415 FVG ergaben, durchgeführt. Die frequentesten
FVG im Korpus sind: zur Verfügung stehen, in Anspruch nehmen, zur Verfügung
stellen, von Bedeutung sein, Wert legen, eine Auskunft geben, zur Folge haben,
Aufschluss geben, zum Ausdruck kommen, eine Entscheidung treffen, einen
Anspruch haben, Auswirkungen haben. Nach morphologischen Typen kommt die
folgende Einteilung vor: FV + FNAkk (57.9 %), FV + PrP (35.7 %), FV + FNNom (4.8
%), FV + FNDat (0.9 %) und FV + FNGen (0.7 %). Im Korpus wurden 106
verschiedene FV errechnet. Die frequentesten sind: haben, geben, machen, sein,
stehen, nehmen, kommen und bringen. Im Korpus wurden 570 verschiedene FN
gezählt. Die produktivsten sind: Verfügung (132 Belege), Anspruch (71 Belege),
Bedeutung (56 Belege) und Frage (45 Belege). Die häufigsten Präpositionen im
Rahmen der Syntagmen mit FV + PrP sind in (451 Belege), zu (48 Belege) und
von (48 Belege). Der Gebrauch der FVG sei nach der Autorin vielseitig motiviert.

„Ove konstrukcije uglavnom se koriste: kao distinktivan element jezičnog stila


(sve SFG), kao jezično sredstvo koje omogućava atribuiranje FI (47.70 %
primjera), kao stručni termin (10 %), kao jednoznačan termin (12 %), za
izražavanje načina vršenja glagolske radnje koji se razlikuje od načina vršenja
radnje ekvivalentnog glagola ili pridjeva (+spona) (21.50 % primjera), kao
parafraza pasiva (20.34 % primjera), kao jezično sredstvo koje omogućava
promjenu rečeničnog naglaska (15 % primjera), kao jezično sredstvo koje
omogućava izostavljanje objekta (12 % primjera), te za popunjavanje praznina u
njemačkom glagolskom sustavu (7 % primjera). Iz ovoga proizlazi da su najvažniji
motivi upotrebe SFG u njemačkom JHT obilježavanje jezičnog stila i atribuiranje
FI.“ (Blažević, 1999:206)

„Diese Konstruktionen werden vor allem gebraucht: als Distinktivelement des


Sprachstils (alle FVG), als Sprachmittel, das Attribuierung des FN ermöglicht
(47.70 % der Belege), als Fachterminus (10 %), als eindeutiger Terminus (12 %),
zum Ausdruck der Aktionsart, die von Aktionsart des entsprechenden Verbs oder
Adjektivs (+ Kopulaverb) abweicht (21.50 % der Belege), als Passiversatz (20.34
% der Belege), als Sprachmittel, das die Veränderung der Satzintonation
ermöglicht (15 % der Belege), als Sprachmittel, das die Auslassung des Objekts
ermöglicht (12 % der Belege), und zum Schließen von Lücken im deutschen
Verbalsystem (7 % der Belege). Daraus geht hervor, dass die wichtigsten Motive
des Gebrauchs von FVG in deutscher Sprache der Hotellerie und Tourismus das
Kennzeichnen des Sprachstils und die Attribuierung des FN sind.“ Die Autorin
gelangte zu folgender Schlussfolgerung:

„Ovo istraživanje je pokazalo da SFG u njemačkom jeziku hotelijerstva i turizma


predstavljaju nezaobilazan jezični element, koji je često precizniji i ekonomičniji
od ekvivalentnog punoznačnog glagola, ukoliko isti postoji.“ (Blažević, 1999:206)

„Diese Untersuchung hat ergeben, dass die FVG in deutscher Sprache der
Hotellerie und Tourismus ein unumgängliches Sprachmittel darstellen, das oft
präziser und ökonomischer als das equivalente Vollverb ist, falls es ein solches
gibt.“

Marušić (2011) Funktionsverbgefüge im Wirtschaftsdeutschen

Der Autor nahm eine Analyse der FVG im Wirtschaftsdeutschen vor. Das aus
1061 Belegen bestehende Korpus wurde verschiedensten Texten und Webseiten
des Sachgebiets Wirtschaftsdeutsch entnommen und linguistischer Analyse
unterzogen. Die Grundgebiete der Untersuchungen waren: Mikro- und
Makroökonomie, Wirtschaftspolitik, Finanzwissenschaft, Betriebswirtschaft,
Bank-, Börsen- und Versicherungsgeschäfte.

Die Resultate der Analyse haben folgendes ergeben:

1. Die FVG sind nicht nur in der deutschen Standardsprache produktiv, sondern
auch auf diesem Gebiet der deutschen Fachsprache – im Wirtschaftsdeutsch.

2. Die ersten zehn FV nach dem Häufigkeitsgrad ihres Vorkommens sind: haben
(16.87 %), stehen (9.61 %), erhalten (7.35 %), kommen (7.16 %), führen (6.59 %),
machen (5.93 %), treffen (5.18 %), stellen (4.9 %), sein (4.42 %), nehmen (3.58 %).

3. Die häufigsten zehn FN innerhalb der FVG sind: Verfügung – 57, Anspruch –
39, Bedeutung – 38, Einfluss – 28, Druck – 18, Möglichkeit – 18, Entscheidung –
15, Ziel – 12, Ausdruck – 12, Gewinn – 8.

4. Die häufigsten zehn Syntagmen aus dem Korpus des Wirtschaftsdeutsch sind:

Rangierung FVG
1. von Bedeutung sein 34
2. zur Verfügung stehen 31
3. in Anspruch nehmen 26
4. zur Verfügung stellen 23
5. (k)einen Einfluss haben 21
6. Auswirkungen haben 15
7. Entscheidung treffen 14
8. die Möglichkeit haben 11
9. Anspruch haben 8
10. zum Ausdruck kommen 7

Tabelle 1. Die häufigsten zehn FVG auf dem Sachgebiet Wirtschaftsdeutch


nach Marušić (2011:153f.)

5. Folgende FV binden an sich mehr als 10 verschiedene Nomina: haben – 57


Nomina, machen – 25 Nomina, führen – 20 Nomina, kommen – 20 Nomina,
stehen – 20 Nomina, erhalten – 19 Nomina, bringen – 17 Nomina, geben – 17
Nomina, finden – 11 Nomina, setzen – 11 Nomina.
6. Die Mehrheit der FVG im Korpus machen die nicht-lexikalisierten FVG aus.

7. Eine ganze Reihe der FVG ist aufgrund ihrer semantischen Merkmale für das
Wirtschaftsdeutsch kennzeichnend: in Abzug bringen, Anhebungen geben, zur
Ausschüttung gelangen, in den Handel kommen, zur Herabsetzung kommen, im
Kurs stehen, einen Rückzieher machen, in Schwung kommen, Umsatz machen,
eine Verschuldung haben, eine Verzinsung haben, Wachstum bringen, eine
Zahlung leisten.

Marušić/Barišić (2013) führten eine Untersuchung von Leistungen der FVG auf
dem Sachgebiet deutscher Konzernsprache durch. Die Untersuchung erfolgte
nach dem Modell der umrahmten Schnittmengen von Alain Kamber. Es handelt
sich um einen flexiblen theoretischen Rahmen, dessen Grenzen breit aufgefasst
und fließend sind. Die Prototypensemantik wird zum Instrument der Analyse:
„Davon ausgehend, dass es häufig keine klaren Grenzen zwischen den
grammatischen Kategorien gibt, sondern graduelle Abstufungen, haben Forscher
versucht, die Prototypensemantik auf die sprachwissenschaftliche Terminologie
anzuwenden.“ (Kamber, 2008:20)

Abbildung 1. Subklassifizierung der FVG im Modell der umrahmten


Schnittmengen (Kamber, 2008:22)
Zur Ermittlung der FVG nach dem Modell der umrahmten Schnittmengen
wurden vier Kriterien aufgestellt: ein zentrales Kriterium und drei
Nebenkriterien. Das grundlegende Kriterium [Kriterium A] ist der
Bedeutungsverlust des Hauptverbs. Die Nebenkriterien sind:

- Ist das FN ein Verbalabstraktum? [Kriterium B]

- Ist das FV ein Bewegungs- bzw. Zustandsverb? [Kriterium C]

- Ist in dem FVG eine Präpositionalgruppe enthalten? [Kriterium D]

„Diese Kombination von Kriterien unterschiedlicher Natur (Semantik,


Wortbildung und sogar Syntax) ist natürlich kritisierbar, doch sie ist u.E. die
einzige Möglichkeit, ein komplexes Phänomen einzugrenzen und ihm letztlich
gerecht zu werden. Die vier oben aufgeführten Kriterien erlauben es, neun Fälle
zu unterscheiden:
(1) zum Ausdruck kommen; in Aufregung geraten
(2) Stellung nehmen
(3) zur Verfügung haben; in Besitz haben
(4) zur Welt kommen; zu Papier bringen
(5) Zurückhaltung üben; Wache halten; Anwendung finden
(6) in Angst halten
(7) Platz nehmen
(8) Lust haben / ein Foto machen
(9) zur Geburtstagsfeier gehen / Zucker nehmen / Kuchen essen.“ (Kamber,
2008:22)

Die Ergebnisse des Beitrags (vgl. Marušić/Barišić, 2013:301):

1. Die gesteigerte Produktivität der FVG in jährlichen Geschäftsberichten


deutscher Konzerne ist dem erhöhten Bedarf an Informationsvermittlung, einer
Art des Bedarfs an Informationsdichte, zurückzuführen.
2. Die festgestellten Leistungen der FVG sind vielfältig. Die syntaktischen,
pragmatischen und semantischen Leistungen sind meistens nicht voneinander zu
trennen, denn sie sind miteinander eng verwoben und bilden daher ein
vielschichtiges Leistungsphänomen.

3. Die FVG in deutscher Konzernsprache stellen daher ein unumgängliches


Sprachmittel dar, das durch seine Vielschichtigkeit komplexe
Leistungskombinationen ermöglicht und besserer Informationsvermittlung auf
syntaktischer, pragmatischer und semantischer Ebene dient. Sie sind sogar ein
verbindliches Sprachmittel, denn ohne komplexe Kombination in ihnen
beinhalteten Leistungen, wären die Ausdrucksmöglichkeiten in deutscher
Konzernsprache ziemlich karg.

1.4. Zur Struktur und zum Ziel der Arbeit

Die vorliegende Arbeit ist aus vier Großteilen zusammengesetzt. Im ersten Teil,
dem einleitenden Teil, werden das Thema und die Motivation zur Untersuchung
beschrieben. Zusätzlich wird ein Überblick über die bisherigen Forschungen der
Funktionsverbgefüge gegeben und die Struktur und das Ziel der Arbeit
dargelegt. Abschließend werden einige Angaben zum Korpus spezifiziert.

Der zweite Teil der Arbeit bezieht sich auf die theoretische Grundlage und
beinhaltet folgende Elemente: die Beschreibung des Phänomenbereichs, die
Methodologie in den bisherigen Untersuchungen, die Abgrenzungskriterien der
FVG von freien verb-nominalen Verbindungen und Phraseologismen, die
Angaben zum Nominalstil im Deutschen sowie die Definition des Terminus
Konzernsprache.

Im dritten Teil der Doktorarbeit werden syntaktische, semantische und


morphologische Merkmale der Funktionsverbgefüge sowie deren Leistungen in
allen Einzelheiten durchgenommen.
Der vierte Teil stellt die Analyse der Funktionsverbgefüge in deutscher
Konzernsprache dar. Er umfasst die aufgestellten Hypothesen, die detaillierte
quantitative Analyse des Korpus, die Angaben zur Motivation zum Gebrauch der
FVG in deutscher Konzernsprache und den Vergleich unserer Ergebnisse mit
denjenigen früherer Untersuchungen.

Die verbliebenen Elemente der Arbeit machen das Fazit (und Ausblick), das
Abkürzungsverzeichnis, die Zusammenfassungen auf Englisch und Kroatisch,
das Literaturverzeichnis und die Anhänge aus.

Diese Untersuchung hat zum Ziel eine empirische Untersuchung der FVG in
deutscher Konzernsprache, einem Unterkorpus des Sachgebiets
Wirtschaftsdeutsch, vorzunehmen. Die Untersuchung wird klare Antworten auf
die Fragen zur Funktion, zur Rolle und zu den Leistungen der FVG auf diesem
Gebiet des Wirtschaftsdeutsch geben. In der Arbeit wird von der Voraussetzung
ausgegangen, dass der Gebrauch der FVG in deutscher Konzernsprache nicht
zufällig ist, sondern eine wichtige syntaktische, semantische und stilistische
Funktion hat. Wir setzen weiter voraus, dass sich dieser Teil des
Wirtschaftsdeutschen in einigen Segmenten von anderen Bereichen des
Wirtschaftsdeutschen unterscheidet. Die Unterschiede sind an häufigsten FVG,
Funktionsverben und Funktionsnomina, an der Frequenz der morphologischen
Typen, im Maße der Attribuierung des FN zu verzeichnen. Es wird davon
ausgegangen, dass die Ergebnisse der Untersuchung meine These bestätigen
werden, dass es sich bei der deutschen Konzernsprache um eine gesonderte
Untergruppe des Wirtschaftsdeutschen handelt. Das durchgenommene Korpus
von cirka 7300 Belegen dient als Ausgangspunkt zum Vergleich mit Ergebnissen
einer anderen wissenschaftlichen Untersuchung auf dem Sachgebiet
Wirtschaftsdeutsch, nämlich FVG des Sachgebiets Hotellerie und Tourismus. Ein
weiteres Ziel der Arbeit besteht darin, auf mittelbare Weise die deutsche
Konzernkultur, als eine der angesehensten in aller Welt, zu promovieren und
einen Ansporn für weitere wissenschaftliche Untersuchungen in diese Richtung
zu geben.
1.5. Zum Korpus

Seit meiner Beschäftigung mit der Problematik der FVG im Deutschen habe ich
festgestellt, dass sich die Sprachwissenschaftler bei der Beschreibung der FVG
nicht viel mit Korpuslinguistik beschäftigt haben. Es gibt zwar Ausnahmen, die
aber nur die Regel bestätigen. Manche wissenschaftliche Arbeiten seit den 60-er
Jahren des 20. Jh. waren nur die theoretischen Ansätze, das Phänomen der FVG
zu definieren, ohne dabei eine korpusbasierte Untersuchung durchzuführen.

Dabei wurden Konstrukte und deren Funktionen und Leistungen aufgrund


einiger vereinzelter Beispiele erörtert (s. Starke 1975, von Polenz 1963, Klein
1968). Die Beispiele der FVG, die zur Analyse dienten, waren manchmal von
Autoren selbst erfunden oder selbst konstruiert, so dass sie der Sprachrealität
überhaupt nicht entsprachen. Ihre Verwendung als Beispiele konnte man nur
insofern zulassen, als sie zur Rechtfertigung der vorher aufgestellten Hypothesen
fungierten. Manche von diesen Beispielen sind in verschiedenen Korpora der
deutschen Sprache überhaupt nicht belegt, d.h. sie haben keine empirisch
bestätigte Anwendung. Kamber (2008:38f.) gibt einige Beispiele dafür an:

„Starke (1989) führt in ihren Ausführungen neben dem FVG zur Kenntnis
kommen (S. 95) auch in Vorschlag kommen (S. 95), von dem sie behauptet, es
werde [als stilistisch schlecht empfunden] – Anmerkung des Autors – . Dieses
Syntagma kommt aber weder im Spiegel-Korpus (5 Millionen Wörter) noch im
Tages-Anzeiger-Korpus (61 Millionen Wörter) noch in der gesamten COSMAS II-
Datenbank (alle öffentlichen Korpora geschriebener Gegenwartssprache des IDS:
rund 2 Milliarden Wörter) vor. Es handelt sich also unter empirischem
Gesichtspunkt schlicht um ein Phantomphänomen.“ (Kamber, 2008:38)

Pon (2011:9) begründet den Einsatz der Korpora in sprachwissenschaftlichen


Untersuchungen folgenderweise:
„An dieser Stelle wollen wir betonen, wie notwendig und gewinnbringend
diejenigen Untersuchungen sind, die auf empirischen Daten basieren. Unsere
Grammatiken bieten mancherlei Erklärungen für diese oder jene Erscheinung,
aber die Urteile über die Akzeptabilität und den realen Gebrauch einzelner
Konstruktionen stammen von Einzelpersonen – von einem Autor oder einer
Autorengruppe. Diese Urteile reflektieren somit eher das Idiolekt (und das
Soziolekt) dieser Person(engruppe) oder die Vorstellung von der deutschen
Gegenwartssprache dieser Person(engruppe), als dass sie Auskunft über den
state of affairs gäben.“

Die empirische Korpusarbeit weist sich als geeignete Methode auch zur
Ermittlung der FVG in deutscher Konzernsprache aus. Denn es gibt meines
Erachtens nach keine andere Möglichkeit, die Ergebnisse einer Untersuchung zu
verifizieren, ohne dass sie empirisch bestätigt worden sind. Das Korpus wird in
dem Fall als das objektivste Mittel der Hypothesenüberprüfung zum Einsatz
gebracht.

Die korpusbasierte Untersuchung wurde anhand von Geschäftsberichten der 10


DAX-Konzerne für das Geschäftsjahr 2011 vorgenommen: Adidas AG, Bayer AG,
Beiersdorf AG, Daimler AG, Deutsche Börse Group AG, Fresenius Medical Care
AG, Metro Group AG, Münchener Rück AG, RWE AG, SAP AG. Das Korpus,
das aus cirka 2000 Seiten und 37982 Sätzen besteht, enthält 7327 FVG. Die
Anzahl der Belege macht das Korpus repräsentativ für die Analyse der deutschen
Konzernsprache. Die Belege wurden den Geschäftsberichten entnommen, in eine
gesonderte Datei eingegeben und abschließend nach verschiedenen Parametern
analysiert. Das Korpus kann auch als Ausgangspunkt für andere linguistischen
Untersuchungen dienen, auf dem Gebiet der angewandten, vergleichenden und
kontrastiven Linguistik.
2. Theoretische Grundlage

2.1. Der Phänomenbereich

Das Phänomen des zweiteiligen Prädikats, das aus einem FV und einem FN oder
einer PrP besteht und eine syntaktische und semantische Einheit bildet, ist im
Deutschen nicht neueren Datums. Yuan gibt einen kurzen Überblick über die
Diachronie der FVG in deutscher Sprachgeschichte:

„FV und FVG sind keine neuen sprachlichen Phänomene. v. Polenz erwähnt ihre
ersten Spuren in der wissenschaftlichen Literatur des 18 Jhs… Schon im
Althochdeutschen finden sich solche Erscheinungen nicht selten… Heringer
findet anhand des Notker-Glossars frühe Belege im Althochdeutschen… Im
Mittelhochdeutschen finden sich die FVG schon häufiger. Im [Gregorius] –
Anmerkung des Autors – Hartmanns kann man z.B. beobachten, dass sie eine
wichtige Rolle spielen, insbesondere in ihrer semantischen Leistung… Im
Frühneuhochdeutschen verbreiten sich solche Erscheinungen in einem relativ
weiten Umkreis… Auch bei Autoren des 18./19. Jahrhunderts wie z.B. G.E.
Lessing und J.W. Goethe kann man solche Erscheinungen finden.“ (Yuan,
1986:15ff.)

Es wirft sich die Frage auf, warum die FVG seit der Zeit von Luther bis 60-er
Jahre des 20. Jh. kein Gegenstand der sprachwissenschaftlichen
Untersuchungen waren, obwohl es, wie oben angeführt wurde, zahlreiche
Beweise für deren Gebrauch in allen Registern der damaligen deutschen Sprache
gab. Die Antwort liegt in der Tatsache, dass sie für eine Stilkrankheit gehalten
wurden und erst mit der Entwicklungstendenz der deutschen Sprache (zum
Nominalstil) erfolgte die Anerkennung des FVG. Es wurde zu dieser Zeit
festgestellt, dass die FVG ihre eigenen Funktionen im Satz ausüben, und somit
nicht einfach von anderen Wörtern ersetzt werden können. (s. Yuan, 1982:2)
An dieser Stelle sei zu erwähnen, dass die Entwicklung der FVG im Deutschen
als auch in anderen germanischen Sprachen stark vom Prozess der oben
erwähnten Nominalisierung beeinflusst wurde:

„Die FVG haben sich in allen germanischen Sprachen im Zusammenhang mit der
Tendenz zur Nominalisierung und zum analytischen Sprachtyp parallel
entwickelt.“ (v. Polenz, 1987:171).

„Proces nominalizacije pritom je vrlo snažan mehanizam koji, upotrebljavajući


gotovo sve mogućnosti kognitivnih metaforičkih i metonimijskih preslikavanja,
uspijeva postupkom jezične kondenzacije (Radovanović 1990) uravnotežiti opreku
zalihosti i jezične ekonomije koja je tako očita pri analizi tvorbe i uporabe
analitičkih glagolsko-imenskih konstrukcija u svim trima jezicima.“ (Gradečak-
Erdeljić, 2009:4)

„Der Nominalisierungsprozess ist dabei ein sehr starker Mechanismus, der fast
alle Möglichkeiten von kognitiven, metaphorischen und metonymischen
Zuordnungen einsetzt und dem es durch das Verfahren der sprachlichen
Kondensation (Radovanović 1990) gelingt, die Redundanz und die
Sprachökonomie in Balance zu bringen, die so offensichtlich bei der Bildungs-
und Gebrauchsanalyse von FVG in allen drei Sprachen ist.“

Für Detges (1996:4) ist es unanfechtbar, dass man als FVG komplexe, feste und
halbfeste Prädikatsausdrücke im Grenzbereich zwischen Syntax und Lexikon
bezeichnet:

„Es handelt sich um eine wenig homogene Gruppe komplexer Prädikate, deren
Grenzen zu freien Wortverbindungen auf der einen Seite und zu phraseologisch
fixierten Konstruktionen auf der anderen unscharf sind.“

Einige Autoren wie Popadić (1971:11) und Kamber siedeln die FVG zwischen
zwei Polen an:

„Zwischen diesen beiden Polen sozusagen finden wir die nominalen Prädikate als
nicht idiomatische Phraseologismen (eine Rede halten, Angst ausstehen, in
Erscheinung treten, Vorwürfe machen), die sich sowohl von den spezifischen
Lexem-Kombinationen als auch von den Idiomen unterscheiden. In solchen
Konstruktionen haben Verb und Objekt eine besondere semantische und
syntaktische Beziehung, denn sie bilden zusammen das Prädikat des Satzes.“
(Kamber, 2008:14)

„Laut Literatur handelt sich bei den relevanten Verbindungen um feste oder
halbfeste Prädikatsausdrücke, die zwischen idiomatischen Verbindungen und
Kollokationen angesiedelt werden (z.B. zur Verfügung stehen, eine (nützliche)
Anregung bekommen).“ (Winhart, 2005:1)

Das Phänomen allein kann am besten folgenderweise spezifiziert werden: Auf


der einen Seite gibt es sogenannte freie Wortverbindungen (wie beispielsweise
Zucker nehmen), auf der anderen die Phraseologismen (etw. für bare Münze
nehmen), die nicht wortwörtlich sondern bildlich verstanden werden müssen.
Dazwischen liegen die FVG: die Redensarten, die sprichwörtlich zu verstehen
sind (in Empfang nehmen).

Gradečak-Erdeljić schreibt in der Einleitung ihrer Doktorarbeit über den


Phänomenbereich der FVG:

„Nijedno lingvističko područje nije toliko podložno ideološkim i metodološkim


prijeporima kao što je to područje sjecišta frazeologije i sintakse, a upravo
činjenica da su se engleske analitičke glagolsko-imenske konstrukcije tipa have a
drink ili give somebody a kick vrlo često nalazile bilo na marginama temeljnih
gramatičkih djela engleske gramatike kao što je Jespersenova (1942)…“
(Gradečak-Erdeljić, 2009:1)

„Kein anderes linguistisches Gebiet wird so viel ideologischen und


methodologischen Auseinandersetzungen ausgesetzt wie das Gebiet der
Kreuzung von Phraseologie und Syntax, und gerade die Tatsache, dass sich die
englischen analytischen verbal-nominalen Konstruktionen des Typs have a drink
oder give somebody a kick sehr oft entweder am Rande der grundlegenden
grammatischen Werke englischer Grammatik wie derjenigen von Jesperson
(1942) befanden …“

Warum ein Phänomen? Es gab in den vergangenen mehr als 50 Jahren sehr viele
Definitionsansätze der FVG, die zu keinem eindeutigen Ergebnis, was die
allgemeine Akzeptanz betrifft, geführt haben. Laut Kamber (2008:9) handelt es
sich „tatsächlich vielmehr um ein Phänomen, das einen gewissen Raum für
Interpretationen freilässt.“

2.1.1. Grundlegende Merkmale der FVG

Die Funktionsverben werden als eine Untergruppe von Verben angesehen, die
gewöhnlich Hilfs- oder Nichtvollverben genannt werden, weil sie in der Regel
nicht imstande sind, das Prädikat alleine zu bilden. Zum Prädikatsausdruck
bedürfen sie eines Nomens, mit dem sie eine semantische und syntaktische
Einheit bilden und als komplexes, zweiteiliges Prädikat betrachtet werden. Dabei
ist die ursprüngliche Bedeutung des FV verlorengegangen, und das FN ist zum
Haupträger der Semantik des ganzen Konstruktes geworden (s. Marušić,
2009:244 und Marušić, 2012:146). Nicht nur die Bedeutung hat ein FVG von
seinem FN übernommen, sondern meistens auch seine Valenz.

Es gibt fünf morphologische Typen der FVG:

1. FV + PrP Die Situation brachte ihn in Verwirrung.

2. FV + NPAkk Wir stellten Untersuchungen an.

3. FV + NPNom Es besteht kein Zweifel daran.

4. FV + NPGen Diese Aktion bedarf einer Erklärung.

5. FV + NPDat Die Maßnahmen unterliegen keinen Einschränkungen.


Die frequentesten sind die ersten zwei morphologischen Typen der FVG.
Hinsichtlich ihrer Bildung unterscheidet man zwischen den einfachen (eine
Bestätigung erfahren, ins Gespräch bringen) und komplexen FV (sich in
Abhängigkeit befinden, in Betrieb begriffen sein, vonstatten gehen, Gerechtigkeit
walten lassen). Die FV unterscheiden sich voneinander in Fähigkeit der Bildung
der morphologischen Typen von FVG. Das FN kann sein: der nominalisierte
Infinitiv (ins Schleudern geraten), die Verbalableitung (in Verwunderung setzen),
die Adjektivalableitung (in Gefahr sein) und Primäres Nomen (in Kraft treten).
Es kann nur im Singular, nur im Plural, oder in der Mehrheit der Fälle sowohl
im Singular als auch im Plural vorkommen. Hinsichtlich der Bildung kann das
FN ein Simplex (Angst haben), eine Ableitung (zur Verfügung stellen) oder eine
Zusammensetzung (in Geschäftsbeziehung stehen) sein. Vor dem FN kann ein
unbestimmter, bestimmter oder Nullartikel stehen.

2.1.2. Definitionsproblematik

Seit den 60-er Jahren des 20. Jh. gab es verschiedene Definitionsansätze der
FVG. Diese Definitionsansätze sind immer so heterogen gewesen, dass das
Definieren der FVG oft in eine Sackgasse geriet. Das Hauptproblem bestand
immer darin, dass zur Definitionsfeststellung eindeutige Kriterien nötig waren,
die es unter Germanisten nie gab.

„Eine klare, eindeutige Definition für Funktionsverbgefüge (FVG) ist in der


Literatur nicht zu finden, obwohl der Begriff FVG gerade in der traditionellen
Grammatik des Deutschen eine wichtige Rolle spielt. Aus den verschiedenen
Definitionsansätzen lassen sich einige zentrale Kriterien extrahieren, die zur
Eingrenzung der oft intuitiven Bestimmung einer Nomen-Verb-Kombination als
FVG verwendet werden. Die Kriterien selbst sind jedoch problematisch, da sie
unscharfe, wiederum intuitive Begriffe verwenden.“ (Winhart, 2002:1)
Manche Sprachwissenschaftler begrenzen sich in ihren Definierungsversuchen
auf den Kernbereich der lexikalisierten FVG:

„Die Schwierigkeiten der Definition liegen sicherlich nicht in einem Mangel an


Kriterien begründet, wie der nachfolgende Literaturüberblick zeigen wird.
Vielmehr scheinen mir die meisten Kriterien nur für einen sehr engen Bereich
der im Allgemeinen als FVG bezeichneten Verb-Nomen-Kombinationen
zutreffend zu sein, nämlich für lexikalisierte Verbindungen. Dennoch gehen in
jede Untersuchung über FVG auch nicht-lexikalisierte und produktive
Verbindungen ein.“ (Winhart, 2002:3)

Unten gebe ich einen Überblick über die bisherigen, relevanten Definitionen der
FVG in germanistischer Sprachwissenschaft:

Für v. Polenz ist eine Funktionsverbformel „ … eine Wortgruppe, in der der


sachliche Kern des Vorgangsbegriffs durch ein Abstraktsubstantiv und die
formale Satzfunktion durch ein anderes Verbum ausgedrückt wird, das durch
präpositionale Fügung mit dem Substantiv verbunden wird.“ (v. Polenz, 1963:11)

„Man versteht darunter im allgemeinen die Verbindung eines Verbalsubstantivs


oder Adjektivabstraktums mit einem (mehr oder weniger) bedeutungsarmen
Verbum. Entscheidend ist dabei, dass das Verbum nur noch Funktionselement
ist, weil es seinen Inhaltswert an das mit ihm verbundene Substantiv abgetreten
hat. Sinnentleert scheint es nur noch Hilfsverb zu sein, was uns in einigen Fällen
dazu bewogen hat, auch die Kombination eines solchen Funktionselements mit
einem Konkretum (z.B. zu Papier bringen, vollere Kassen bringen etc.) zu
berücksichtigen.“ (Popadić, 1971:4)

Im Lexikon der Sprachwissenschaft von Bußmann aus dem Jahre 1983 wird das
FVG als eine Verknüpfung von einem FV und einer Präpositionalgruppe
definiert: „Funktionsverbgefüge Auch: [Schwellform, Streckform]. Syntaktische
Fügung, die aus einem präpositionalen Objekt und einem → Funktionsverb
besteht (zur Aufführung bringen). …“ (Bußmann, 1983:155)

„FVG sind Prädikativgefüge, die aus einer Nominal- oder Präpositionalphrase


und einem FV bestehen und meistens durch ein dem darin vorkommenden
Nomen zugrundeliegendes Vollverb (oder Adjektiv + Kopula) mit semantischen
oder stilistischen Unterschieden paraphrasiert und entsprechend als eine
semantische Einheit betrachtet werden können.“ (Yuan, 1986:33)

Engel (1991) gibt in Deutscher Grammatik im Kapitel Klassifikation nach der


Kombinierbarkeit folgende Definition der FV und somit der FVG:

„Diese Verben verbinden sich regelmäßig mit Präpositional- oder


Nominalphrasen, in denen das Nomen ein Geschehen bezeichnet:
zum Vortrag bringen
Hilfe leisten
In solchen Funktionsverbgefügen ist das Nomen der eigentliche Sinnträger. Das
Verb hat seine ursprüngliche Bedeutung fast völlig verloren, es ist nur noch
Träger der Konjugationsendungen und hat somit (fast) nur noch eine
ausdruckssyntaktische Funktion – daher die Bezeichnung [Funktionsverb] –
Anmerkung des Autors –. Das Nomen in derartigen Gefügen bezeichnen wir als
Gefügenomen“ (Engel, 1991:407)

„Ein FVG besteht aus einem FV und einem nominalen Bestandteil (in der Regel
Substantiv im Akkusativ oder Präpositionalgruppe), die beide zusammen eine
semantische Einheit darstellen und als solche Prädikat bilden. Das FV kann
nicht ohne den nominalen Teil des FVG vorkommen (und umgekehrt); dieser
wird nach seinem Satzgliedcharakter als lexikalischer Prädikatsteil aufgefaßt.
Diese semantische Einheit drückt sich darin aus, daß das FVG in der Bedeutung
weitgehend einem Vollverb oder einem Adjektiv (+ Kopula) entspricht (die den
gleichen Stamm haben wie das Nomen im FVG)…“ (Helbig/Buscha, 1993:79)
„Als Funktionsverbgefüge (FVG) wird in der Literatur eine Fügung aus
Substantiv und Verb bezeichnet, die im Satz prädikative Funktion ausübt. Sie
kann für einen Vorgang, einen Zustand oder eine Eigenschaft stehen, vgl. Arbeit
leisten, in Blüte stehen, Fähigkeit haben.“ (Rösch, 1994:14)

„FVG repräsentieren den markierten Fall, dass nicht ein lexikalisches Vollverb,
sondern eine Sequenz aus Funktionsverb und Nomen strukturelles Zentrum des
Satzes im Sinne eines Prädikats ist, innerhalb derer wiederum das Nomen als
Zentrum fungiert…. Funktionsverbgefüge sind komplexe Prädikate, deren
verbale Formative keine lexikalischen Vollverben, sondern Funktionsverben
sind. Diese treten nur zusammen mit nominalen Formativen N (FVG) auf, denen
sie keinen Aktantenstatus, sondern die Funktion von Prädikatskernen zuweisen.
Auf syntaktischer Ebene sind N (FVG) keine E der FV und aus diesem Grund
weder erfragbar noch anaphorisierbar.“ (Detges, 1996:17ff.)

„Unter Funktionsverbgefügen (FVG) versteht man im Deutschen vorwiegend


Verbalkomplexe (z.B. zur Verfügung stehen, Bezug nehmen), die aus einem
verbalen und einem nominalen Teil bestehen, eine semantische Einheit bilden
und als solche in der Funktion des Prädikats auftreten. Die eigentliche
Bedeutung liegt nicht im Funktionsverb (FV), sondern in dem zum FVG
gehörenden Nomen, das Funktionsnomen (FN) genannt wird.“ (Blažević,
1999:143)

Unter FVG versteht Eisenberg (1999:300) nur eine Verknüpfung vom FV und
Präpositionalphrase, wobei als FV nur der engste Kreis der FV (bringen, geraten,
halten, kommen, nehmen, setzen, stehen, stellen) fungieren kann.

„Mit dem Terminus Funktionsverbgefüge (FVG) bezeichnet man im Allgemeinen


eine Verknüpfung von einem Funktionsverb (FV) und einer Nominal- oder
Präpositionalphrase: Wachstum bringen, zur Ausschüttung gelangen. Dabei hat
das FV seine ursprüngliche Bedeutung eingebüßt, wobei der Nominalteil des
Konstruktes zum Bedeutungsträger des Prädikats geworden ist…“ (Marušić,
2011:146)
Kamber schließt sich an die einleitenden Gedanken von Winhart vom Anfang
dieses Kapitels an, im Sinne dass er alle bisherigen Definitionsansätze des
Funktionsverbgefüges als [Definitionsakrobatik] – Anmerkung des Autors –
betrachtet. Im Kapitel Heterogenität der Definitionen nimmt er vorweg:

„Das Hauptanliegen der vorliegenden Studie ist nicht etwa eine neue
[Definitionsakrobatik] – Anmerkung des Autors –, sondern eine möglichst genaue
Beschreibung ausgewählter Fakten. Die Auseinandersetzung über die [richtige] –
Anmerkung des Autors – Definition der FV und der FVG dauert nun schon seit
etwa vier Jahrzehnten an und hat bisher noch zu keinem allgemein akzeptierten
Ergebnis geführt.“ (Kamber, 2008:10)

Deswegen sieht er von einer endgültigen Definition ab, indem er in seinen


Untersuchungen sein eigenes auf Prototypensemantik beruhendes System (s.
Kamber, 2008:20ff.) entwickelt.

Aus den Untersuchungen der deutschen Sprachwissenschaft geht hervor, dass


das FVG in germanistischer Literatur zweierlei formuliert wurde. Auf der einen
Seite gibt es Linguisten (meistens aus der älteren Generation zu Beginn der
intensiveren Untersuchungen in diesem Bereich, in den 60-er Jahren des 20.
Jh.), die als FVG eine Verknüpfung von einem FV und einer Präpositionalgruppe
mit einem Abstraktum darin (zur Ausschüttung gelangen, in Bewegung setzen)
betrachten. Zu dieser Gruppe gehören von Polenz (1963), Heringer (1968),
Engelen (1968) und Götze (1973). Auf der anderen Seite kam es mit weiterer
Entwicklung von Untersuchungen in dem Bereich zu einer erweiterten Definition
und Übereinstimmung darüber, dass diese prädikativen Konstrukte entweder
eine Verknüpfung von einem FV und einer Präpositionalgruppe mit einem
Abstraktum darin darstellen, oder eine Verknüpfung von einem FV und einer
Nominalphrase, die im Nominativ, Genitiv, Dativ oder (meistens) Akkusativ
vorkommen kann. Daher gehören zur Gruppe der FVG die Konstrukte wie: in
Erwägung ziehen, Uneinigkeit besteht, einer Erklärung bedürfen, einer
Kontrolle unterziehen, Druck ausüben.

Das FVG wird in dieser Arbeit folgenderweise definiert:

Das FVG ist eine Verknüpfung von einem Funktionsverb (FV) und einer
Nominal- oder Präpositionalphrase. Diese Teile üben nur zusammen die
Funktion des Prädikats aus. Das FV kann nicht vereinzelt ohne das FN oder PP
vorkommen und umgekeht.

Das FV hat seine ursprüngliche Bedeutung des Vollverbs zum Nutzen des FN
oder PrP mehr oder weniger eingebüßt, die zum Bedeutungsträger des ganzen
Konstruktes geworden sind. Das FV übt nur noch die grammatische Funktionen
(Person und Numerus, Tempus, Genus verbi, Modus) innerhalb des Satzes aus.

Das FN oder PrP verleihen dem Konstrukt ihre Bedeutung und in den meisten
Fällen ihre Valenz. Das FN kann im Nominativ, Genitiv, Dativ oder (in der
Mehrheit der Fälle) Akkusativ vorkommen.

Die FVG können dreierlei paraphrasiert werden. Zum einen können sie als eine
Streckform des morphologisch und semantisch einschlägigen Vollverbs dienen.
Die Streckform definieren wir dabei wie bei Schmidt:
„Schmidt (1963, S. 80) begründet diesen Terminus folgendermaßen: Die
Streckformen entstehen dadurch, dass ein vollbedeutendes Verb zu einer
nominalen Fügung mit Hilfsverb ’gestreckt’ wird, […]“. (Rösch, 1994:15)
Beispiele zu dieser Gruppe: Anwendung finden = angewendet werden, zur
Aufführung kommen = aufgeführt werden. Zum zweiten können diese
Konstrukte mit einem morphologisch ähnlichen aber semantisch verschiedenen
Vollverb paraphrasiert werden: in Gang sein ≠ gehen, Beziehungen aufnehmen ≠
beziehen. Zum dritten gibt es eine Gruppe von FVG, die nicht mit einem
morphologisch identischen Vollverb paraphrasierbar sind: Stellung nehmen,
einen Vertrag abschließen.
2.2. Abgrenzungskriterien

Auf dem Gebiet der Abgrenzungskriterien herrschte seit immer eine große
Heterogenität der Meinungen und Abgrenzungsdefinitionen:

„In der Literatur über FVG herrscht zwar weitgehend Übereinstimmung darin,
dass die FVG eine Mittelstellung zwischen den freien Wortverbindungen und den
idiomatischen Wendungen einnehmen. Jedoch in der Frage danach, aufgrund
welcher Merkmale die Abgrenzung erfolgen soll, gehen die Meinungen weit
auseinander. Die Anzahl der Kriterien, die auch auf verschiedenen
Beschreibungsebenen (morphologischen, syntaktischen und semantischen)
liegen, schwanken je nach Verfasser zwischen drei und sechzehn.“ (Rösch,
1994:20)

Es war nicht einfach (und es ist noch immer der Fall) die an der Kreuzung von
Phraseologie und Syntax angesiedelten FVG von freien verbal-nominal
Kombinationen und auf der anderen Seite von Phraseologismen abzugrenzen. Es
wurden manche Abgrenzungsansätze gemacht, die danach von anderen
Sprachwissenschaftlern (vgl. Winhart, 2005:7ff.) relativiert und in Frage gestellt
wurden.

2.2.1. Abgrenzung der FVG von freien verb-nominalen Verbindungen

Es war sehr schwierig die FVG von freien verb-nominalen Verbindungen


abzugrenzen. Zu diesem Zwecke wurden in bisherigen sprachwissenschaftlichen
Untersuchungen verschiedene Kriterien aufgestellt. Das Problem mit diesen
aufgestellten Kriterien liegt darin, dass ihre Mehrheit keine Anwendung auf alle
FVG finden kann, sondern sie können nur selektiv angewendet werden und
wegen vieler Ausnahmen sind sie nur beschränkt zur Abgrenzung geeignet.
Blažević gibt an, dass die Heterogenität der FVG zugrunde ihrer semantischen
Stabilität liegt:
„Poznato je da jezik nije potpuno autonoman sustav već je, poput društva u
okviru kojeg djeluje, podložan stalnim promjenama. Te promjene ne mimoilaze ni
SFG. Radi se, zapravo, o tome da tijekom razvoja ovih konstrukcija s jedne strane
dolazi do sve veće gramatikalizacije FG, a s druge strane do sve izraženije
leksikalizacije samih SFG. Od leksičkih pojmova (punoznačnih glagola) glagoli
postaju gramatičke riječi (pomoćni glagoli u širem smislu), pri čemu gube svoje
prvotno leksičko značenje (Steinitz, 1977). Kod pojedinih FG ovaj razvoj nije
tekao ujednačeno. Izgleda da je najdalje odmakao kod FG stehen, kommen i
bringen, koji se mogu povezati s velikim brojem imenica tvoreći dugačke nizove.
Procesu gramatikalizacije FG odgovara proces leksikalizacije SFG. Veći stupanj
gramatikalizacije FG znači veću semantičku stabilnost SFG. Što su ti procesi
dalje odmakli, to će SFG prema spomenutim kriterijima biti lakše odrediti. SFG,
koje u tom procesu nisu daleko odmakle, spomenute kriterije samo će djelomično
ispunjavati. Stoga treba imati u vidu više različitih slojeva SFG, a sve kriterije
može ispuniti samo tzv. [centralni] – Anmerkung des Autors – sloj, odnosno
leksikalizirane SFG.“ (Blažević, 1999:36f.)

„Es ist bekannt, dass die Sprache kein völlig autonomes System ist, sondern sie
ist wie die Gesellschaft, in deren Rahmen sie funktioniert, ständigen
Wandlungen unterzogen. Diese Wandlungen umgehen auch die FVG nicht. Es
handelt sich tatsächlich darum, dass im Verlauf der Entwicklung dieser
Konstruktionen auf der einen Seite zu immer größer Grammatikalisierung des
FV und auf der anderen zu immer ausgeprägter Lexikalisierung der FVG kommt.
Aus den lexikalisierten Wörtern (Vollverben) werden die Verben zu
grammatischen Wörtern (Hilfsverb im erweiterten Sinne), wobei sie ihre
ursprüngliche Bedeutung verlieren (Steinitz, 1977). Bei einigen FV verlief diese
Entwicklung nicht gleichmäßig. Es scheint, dass sie am weitesten bei FV stehen,
kommen und bringen vorangekommen ist, die viele Nomen an sich binden
können und dabei Reihenbildung ermöglichen. Dem
Grammatikalisierungsprozess des FV entspricht der Lexikalisierungsprozess des
FVG. Ein höherer Grad an Grammatikalisierung des FV bedeutet eine erhöhte
semantische Stabilität des FVG. Je mehr diese Prozesse vorangegangen sind,
desto leichter wird nach den aufgestellten Kriterien die FVG festzustellen, die in
diesem Prozess nicht weit vorangegangen sind und die erwähnten Kriterien nur
teilweise erfüllen. Deswegen soll man mehrere verschiedene Schichten der FVG
im Auge behalten, und alle Kriterien kann nur die sog. [zentrale] – Anmerkung
des Autors – Schicht, beziehungsweise die lexikalisierten FVG erfüllen.“

2.2.2. Abgrenzung der FVG von phraseologischen Verbindungen

Die FVG machen eine Untergruppe der festen Prädikativgefüge aus. Die
Festigkeit dieser Gefüge ist ein anderes Wort für ihre Lexikalisierung, wobei die
Teile des Gefüges nur gemeinsam die Bedeutung des Gefüges wiedergeben.
„Trotz dieser Lexikalisierung dürfen die FVG nicht mit den [phraseologischen
Verbindungen] bzw. [phraseologischen Ganzheiten] (vom Typ [ins Wort fallen],
[schwarz sehen], [unter den Nagel reißen]) – Anmerkungen des Autors –
identifiziert werden, die ebenfalls semantische Einheiten darstellen, sich in ihrer
Bedeutung nicht oder nicht völlig in die Teilbedeutungen der einzelnen
Bestandteile auflösen lassen und sich meist durch ein anderes Lexem (als Wort)
paraphrasieren lassen. Während jedoch die Bedeutung der phraseologischen
Einheit nur insgesamt faßbar ist (sie verteilt sich nicht auf die einzelnen Teile),
bewahrt das FV im FVG eine bestimmte – wenn auch sehr allgemeine –
Bedeutung, …“ (Helbig/Buscha, 1991:80)

Von Polenz sieht keine klare Abgrenzung zwischen festen Prädikativgefügen


sondern nur Grenzen, die ziemlich fließend sind: „Es gibt einen breiten
Übergangsbereich zwischen FVG und idiomatisch gebundenen NVG (s. Bahr 46
ff.).“ (von Polenz, 1987:176)

Zu den festen Prädikativgefügen (vgl. Yuan, 1986:41f.) gehören:

1. Vollidiomatisierte Prädikativgefüge – es handelt sich um Phraseologismen,


die ihre Bedeutung nicht aus ihren Bestandteilen sondern aus ihrer Ganzheit
schöpfen: die Katze im Sack kaufen, etw. für bare Münze nehmen.
2. Teilidiomatisierte Prädikativgefüge – in diesen Gefügen ist das Nomen der
Bedeutungsträger des Gefüges: zum Erliegen bringen, in Aussicht stehen.

3. FVG als Streckform eines Vollverbs oder Adjektivs (+ Kopula), dessen


Paraphrase nur mit Bedeutungsunterschied erfolgen kann: unter Beobachtung
stellen (caus) → beobachten (dur), in Bewegung setzen (caus) → bewegen (dur).

4. FVG die sich nur stilistisch vom entsprechenden Vollverb oder Adjektiv (+
Kopula) unterscheiden: Kritik üben → kritisieren, seinen Dank abstatten →
danken.

Die festen Prädikativgefüge in der ersten Untergruppe sind von den festen
Prädikativgefügen in übrigen Untergruppen zu trennen, denn die letzten drei
stellen das Phänomen der FVG im Deutschen dar. Die Grenzen zwischen ihnen
sind doch zum einen ziemlich fließend, zum anderen sind die
Sprachwissenschaftler über die obige Klassifikation nicht einig. Es gibt
diejenigen, die für eine scharfe Abgrenzung der Phraseologismen gegenüber den
FVG plädieren, um die zwei Gruppen kontrastiert betrachten zu können. Die
FVG lassen sich in folgenden Punkten von Phraseologismen unterscheiden: die
FVG sind meistens durch ein semantisch ähnliches Verb oder Adjektiv (+
Kopula) paraphrasierbar; die Bedeutung des Konstruktes ist auf eine
Bedeutungskomponente seiner Teile zurückzuführen (es gibt keine Teile, die
semantisch völlig leer sind – die Bedeutung des FV ist nur verblaßt, weil das FV
die Aktionsart bestimmt); die FN sind meistens Deverbativa oder Deadjektiva;
die Konstrukte sind als Vertreter des „Papierdeutschen“ bzw. das Kennzeichen
des Amtsdeutschen und der Fachsprache; die FVG sind das Ergebnis des
Lexikalisierungsprozesses – im Prozess der Sprachentwicklung ist es zu einer
neuen semantischen Einheit gekommen, die im Fall der FVG ein zweiteiliges
Prädikat bildet.
Viehweger u.a. (1977:299ff.) stellen folgenden Unterschied zwischen festen
Verbalverbindungen und phraseologischen Ganzheiten fest:

1. Die festen Verbalverbindungen (=FVG) werden als Paralexeme aufgefasst. Sie


stellen die lexikalischen Einheiten dar, deren Gesamtbedeutung nicht auf die
Bedeutungen der Einzelteile zurückzuführen ist.

2. Das FV „bringt nur sehr geringe oder gar keine semantische Spezifik in das
Gesamtsemem ein, aber es ist, im Gegensatz zur phraseologischen Ganzheit,
nicht semantisch leer, vielmehr erstreckt sich sein minimaler semantischer
Beitrag vorwiegend und mindestens auf eine strukturell-grammatische
Funktion“.

3. Die FVG als Paralexeme sind „als ganzes im allgemeinen von geringerer
semantischer Festigkeit als die phraseologischen Ganzheiten“. Dabei geben die
Autoren „verschiedene Stufen semantischer Stabilität“ an.

Pilz (1978:712) bezeichnet die FVG wie von Polenz als einen Übergangsbereich
zwischen freien Wortverbindungen und idiomatisierten Konstrukten:

„Wenn diese verbalen / prädikativen Gefüge, in denen die Substantive die


entscheidende bedeutungstragende Rolle spielen und die (zumeist)
Funktionsverben notwendig ergänzen, eine vom einfachen Verb abweichende
entscheidende Bedeutungsnuancierung oder –differenzierung leisten, rechne ich
sie zu den Phraseolexemen und deshalb zum Sprachschatz.“

Yuan (1986:39f.) nimmt an, dass bei der Beschreibung der Phraseologismen
(Redensarten / Wortgruppenlexeme / phraseologischen Ganzheiten bei
verschiedenen Autoren), diese Konstruktionen nicht mit FVG kontrastierbar
sind, sondern wegen bestimmter Gemeinsamkeiten unter einen Oberbegriff
einzubringen sind. Den Oberbegriff benennt sie Paralexem.
Auch Kamber (2008:17) hebt die Schwierigkeiten bei der Grenzziehung zwischen
FVG und Idiomen hervor. Er gibt die Tatsache an, dass „Phraseologie-Forscher in
ihren Aufsätzen, Lexika und Wörterbüchern oft auch FVG aufführen“.

„Schemann (1994:1995) beispielsweise führt in seinen zweisprachigen Idiomatik-


Wörterbüchern die meisten Top-Ten-Vertreter unserer Studie auf und schlägt
dafür französische und englische Übersetzungen vor. Fleischer (1997:134ff.;
253f.) seinerseits behandelt innerhalb seiner Phraseologie der deutschen
Gegenwartssprache das [Übergangsfeld] – Anmerkung des Autors – der FVG,
die er zu den Phraseoschablonen zählt.“ (Kamber 2008:17)

Derselbe Autor gibt weiterhin folgende Auflistung von auszuschließenden


Syntagmen (Phraseologismen) an:
„– Syntagmen mit obligatorischem, nicht ersetzbarem Adjektiv:
– auf die schiefe Bahn geraten (‘vom Wege der geordneten Verhältnisse
abkommen’)
– auf freien Fuß setzen (‘aus der Haft entlassen’)
– Syntagmen mit obligatorischem, festgelegtem Adverb:
– die Hürde hoch setzen (‘sich viel vornehmen’)
– Syntagmen mit koordiniertem doppeltem Substantiv:
– Rede und Antwort stehen (‘gegenüber jm sein Tun verantworten’)
– phraseologisch feste Einheiten, die eine ausschließlich übertragene Bedeutung
besitzen:
– sich jenseits von Gut und Böse befinden (‘weltfremd sein’)
– auf (k)einen grünen Zweig kommen (‘(keinen)Erfolg haben, (nicht)
vorankommen’)“ (Kamber, 2008:19f.)

2.3. Nominalstil

Der Nominalstil ist durch Konzentrierung der Informationen innerhalb einer


Nominalgruppe gekennzeichnet, indem diese Nominalgruppe die führende
Position im Satz, die üblicherweise das Verb ausübt, übernimmt. Dabei wird die
Zahl der im Satz zu gebrauchenden Elemente (Wörter) reduziert, was der
Sprachökonomie beiträgt. Einige Autoren behaupten, der Einfluss des
Nominalstils in der deutschen Gegenwartssprache sei so groß, dass sie das
deutsche Satzgefüge verdrängen vgl. Pon (2009a) und Pon (2009b).

Die FVG sind, wie auch andere Konstrukte des Nominalstils, das Ergebnis der
Sprachentwicklung, die eigentlich nur der gesellschaftlichen Entwicklung folgte.
Mit der Entwicklung der menschlichen Gesellschaft entstand auch das
Bedürfnis, alle technischen und technologischen Errungenschaften sowie die
Gegenstände aus dem Alltagsleben benennen zu können. Pon (2011:3) führt an,
dass nach einigen Studien „der Verbalstil des 19. Jh.s zum Nominalstil des 20.
Jh.s wurde.“

Zu dieser Benennung bedarf es Nomen, die mit jedem neuen Gegenstand, oder zu
letzter Zeit mit jedem neuen Produkt oder zustande kommender Technologie
permanent entstehen. Verben, die eine Tätigkeit, ein Geschehen oder einen
Zustand ausdrücken, sind mit Nomen im ständigen gegenseitigen Verhältnis.

Daniels (1963:215) schreibt über die Verfassung der verbal-nominalen


Verhältnisse in der Sprache:

„Wo das Verb allein nicht imstande ist, die sprachlich-geistige Aufgabe zu
meistern, wächst ihm Hilfe zu aus dem Bereich des Substantivs. Umgekehrt
bildet das Verb oft Anlass zu neuen Substantivierungen. So tragen und ergänzen
sich die Wortarten gegenseitig, die Grenzen zwischen den Wortarten scheinen
ausgeweitet. Nominale Umschreibungen spielen hierbei durch ihre eigentümliche
Zwischenstellung zwischen Substantiv und Verb eine nicht zu unterschätzende
Vermittlerrolle. Sie haben ihre unbezweifelbare Berechtigung in unserer
Sprache.“

Von Polenz (1978:144) berechtigt den Gebrauch des Nominalstils:

„Der Substantivstil bedeutet nicht immer eine Verkümmerung des vorgänglichen


Denkens, sondern bietet die grammatische Möglichkeit über Vorgangsbegriffe
etwas auszusagen. Ohne diese Art gedanklicher Abstrahierung wäre die moderne
Zivilisation und Geisteskultur nicht denkbar. Was die frühdt. Übersetzer und die
Mystiker mit ihren Verbalabstrakten in der dt. Sprache angebahnt und die dt.
Gelehrten mit ihrem Nominalgruppenstil seit dem 17 Jh. weiterentwickelt
haben, ist zu einem der wesentlichsten Kennzeichen des modernen Deutsch
geworden.“

Sommerfeldt/Starke (1982:193) stellen den Kommunikationsbedarf und


Informationsvermittlung der modernen Zeit dar, als Hauptursache für immer
größere Wichtigkeit und Häufigkeit des Vorkommens des Nominalstils:

„Man muss heute mit weniger Aufwand mehr Informationen übermitteln


können. Ein Mittel der Verdichtung ist die nominale Wortgruppe, speziell die
Substantivgruppe, denn sie ermöglicht es, ganze Satzinhalte auszudrücken“.

Der Nominalstil stellt ein wichtiges Merkmal der deutschen Fachsprachen dar:

„Ein wichtiges Segment der Nominalisierung stellen im Deutschen neben den


Transformationstypen auf der Wortbildungsebene (Derivation, Konversion und
Komposition) auch Nominalisierungstransformationen auf der syntaktischen
Ebene dar: als wesentliche Stilmittel der sprachlichen Ökonomie in den
deutschen Fachtexten fungieren [erweiterte] – Anmerkung des Autors –
pränominale Attribute und Funktionsverbgefüge. Die Letzteren sind
strukturmäßig als Nominalisierungstransformationen besonders interessant; als
strukturelle Alternative zum verbalen Ausdruck weist ihr Gebrauch aufgrund
ihrer Funktionsvielfalt auf eine deutliche Nominalisierungstendenz hin.
Göpferich (1995:421) stellt angesichts der hohen Frequenz fest, dass dieser
Nominalisierungstyp – abgesehen von Fachlichkeitsgrad einzelner Textsorten –
im Fachtextbereich allgemeingebräuchlich ist.“ (Kuster, 2014:162f.)

„Im Allgemeinen gewinnt der Nominalstil an Wichtigkeit in der


Wissenschaftssprache und gilt als eine herrschende Stilrichtung. Besonders in
heutigen deutschen Wissenschaftstexten und in offiziellen Dokumenten im
Kommunikationsbereich von Presse und Publizistik sowie im Amtsverkehr wie
Verwaltung und Gesetzangelegenheit finden sich zahlreiche Beispiele.“
(Kaewwipat, 2001:2)

Gradečak-Erdeljić (2009:4) führt an, dass „njihov odabir nije strogo


kontekstualno uvjetovan, već nosi izvjesnu razinu izvorne preferencije za tipično
uobličavanje svijeta oko nas pomoću njegovih referencijalnih vrijednosti, tj.
imenica, dakle vidljivih, opipljivih tvorevina. Proces nominalizacije pritom je vrlo
snažan mehanizam koji, upotrebljavajući gotovo sve mogućnosti kognitivnih
metaforičkih i metonimijskih preslikavanja, uspijeva postupkom jezične
kondenzacije (Radovanović 1990) uravnotežiti opreku zalihosti i jezične
ekonomije koja je tako očita pri analizi tvorbe i uporabe analitičkih glagolsko-
imenskih konstrukcija u svim trima jezicima.“

„deren Auswahl [FVG] – Anmerkung des Autors – nicht strikt kontextuell


bedingt ist, sondern trägt einen gewissen Grad der ursprünglichen Präferenz für
typische Gestaltung der Welt um uns herum mittels ihrer Referenzwerte, d.h.
Nomen, folglich sichtbare, tastbare Schöpfungen. Der Nominalisierungsprozess
ist dabei ein sehr starker Mechanismus, dem es gelingt, von allen Möglichkeiten
der kognitiven metaphorischen und metonymischen Nachbildung Gebrauch
machend, durch Verfahren der sprachlichen Kondensation (Radovanović 1990)
die Gegensätze zwischen Redundanz und Sprachökonomie auszugleichen, die so
offensichtlich bei der Bildungs- und Gebrauchsanalyse von FVG in allen drei
Sprachen sei.“

Die FVG tendieren zu der sprachökonomischen Formgebung des


fachsprachlichen Ausdrucks:

„Dies erfolgt hauptsächlich, wenn Fachtermini in den syntaktischen


Zusammenhang eingefügt werden und der semantische Gehalt des Prädikats
durch attributive Ergänzungen weitgehend präzisiert wird, des weiteren, wenn
das SF am Satzanfang steht und die Mitteilungsperspektive festlegt, und
schließlich, wenn die Aussage rational gerafft wird, indem auf ein FV mehrere
SF bezogen sind“. (Richter, 1988:340f.)

Obwohl manche Grammatiken von dem Gebrauch der FVG als Vertreter des
schwerverständlichen Nominalstils abraten (s. Duden 2004:112), sind sie durch
ihre komprimierte Ausdrucksweise in der Wissenschafts- und Fachsprache in
einem solchen Ausmaß präsent, dass sie eine komprimierte, informationsdichte
Ausdruckweise ermöglichen und deswegen einer sprachwissenschaftlichen
Untersuchung völlig wert sind. Ihre Ausdrucksmöglichkeiten (vgl.
Marušić/Barišić, 2013) sind in ihren Leistungen verborgen, die auf syntaktischer,
semantischer und pragmatischer Ebene realisiert werden. Die Leistungen
kommen nicht vereinzelt vor, sondern stellen komplexe Leistungskombinationen
dar und sind in manchen Situationen ein verbindliches, unumgängliches
Sprachmittel. Mehr darüber im Kapitel 3.

2.4. Wie ist die Bezeichnung deutsche Konzernsprache in der


vorliegenden Arbeit zu verstehen?

Es bedarf an dieser Stelle einer kurzen Erklärung des Syntagmas aus dem Titel
dieser Doktorarbeit „deutsche Konzernsprache“. Die Globalisierung als ein
unaufhaltsames, sich durchsetzendes Weltphänomen der letzten Jahrzehnte, hat
nicht nur die Wirtschaft, Politik, Kultur und Kommunikationsgewohnheiten,
sondern auch die Sprachpolitik global tätiger Konzerne verändert. Die englische
Sprache wird nämlich auch hier dem internationalen Wirtschaftspublikum im
weitesten Sinne des Wortes aufgedrängt. In der Zeitschrift Forbes Magazine vom
18. April 2012 wurde eine Liste mit hundert größten börsennotierten
Unternehmen der Welt erstellt. Die Liste hat ergeben, dass es darunter 30
amerikanische Unternehmen gibt, 6 britische, 4 australische, 3 kanadische
(insgesamt 43 % aus englischsprachigem Raum). Es gibt nur 7 deutsche
Konzerne (Volkswagen, Daimler, Allianz, Siemens, Deutsche Bank, BMW und
BASF) und 3 aus der Schweiz (Nestlé, Zurich Financial Services und Glencore),
die wir bedingt zu dem deutschsprachigen Raum zählen können. In meinen
Untersuchungen der deutschen Wirtschaftssprache bin ich auf die Tatsache
gestoßen, dass es unter deutschen Konzernen auch diejenigen gibt, die zwar ihre
Webseiten auf Deutsch haben, doch ihre Firmenpräsentationen, Quartals- und
Jahresberichte nur auf Englisch herunterzuladen sind. Das verteidigt die These
von Verdrängung der „kleineren Sprachen“ sogar aus ihrem natürlichen
Sprachraum, in diesem Fall des Deutschen, zugunsten Englischen, als Ergebnis
der Globalisierung und der Tatsache, dass die englische Sprache immer mehr zu
lingua franca wird. Das adjektivische Attribut deutsch aus dem Titel der
Doktorarbeit ist zweierlei aufzufassen. Zum einen geht es um Texte, die von
deutschen Muttersprachlern verfasst sind, zum anderen sind sie auf Deutsch
verfasst.

Bei der Konzernsprache handelt es sich um eine Untergruppe des


Wirtschaftsdeutschen. Albert (1995:83) gibt folgende Definition des Begriffs:

„Das Wort Wirtschaftsdeutsch wird als Sammelbegriff gebraucht für jede Art von
sprachlichen Fertigkeiten im Deutschen, die in im weitesten Sinne
kaufmännischen beruflichen Situationen gebraucht werden. Darunter fällt
Verhandlungstraining für Manager in der Industrie ebenso wie die
Berufssprache des Hotel- und Gaststättengewerbes; es gibt also ein sehr großes
Spektrum, das sicher nicht im selben Kurs oder Lehrbuch zu vermitteln ist“.

Es handelt sich um die geschriebene Sprache, die dialektfrei ist und als solche
allen deutschen Muttersprachlern und daran interessiertem Breitpublikum aus
aller Welt verständlich ist. Um die Falle des Idiollekts zu vermeiden (eine
Autorengruppe kann einen solchen entwickeln), bedarf es einer breiten
Untersuchung (deswegen besteht das Korpus aus 10 Geschäftsberichten der Dax-
Konzerne, die zu verschiedenen Wirtschaftsbranchen gehören). Dieses noch
unerforschte Segment des Wirtschaftsdeutschen stellt die Sprache, in der die
Konzerne mit ihren Mitarbeitern, Aktionären und (internationalem)
Breitpublikum im allgemeinen kommunizieren. Das aus ca. 7300 FVG
bestehende Korpus wird m.E. ermöglichen, eine umfangreiche Analyse der FVG
des Sachgebiets Konzernsprache vorzunehmen und sie mit Ergebnissen anderer
empirischen Untersuchungen auf dem Sachgebiet Wirtschaftsdeutsch zu
vergleichen.
3. Syntaktische, semantische, morphologische Merkmale der
FVG sowie deren Leistungen

3.1. Syntaktische Merkmale der FVG

3.1.1. Syntaktische Valenz der FVG

Manche sprachwissenschaftliche Untersuchungen haben sich mit der Valenz der


FVG und deren Unterschieden zu der Valenz des entsprechenden Vollverbs
befasst. Unter der Valenz versteht man die Fähigkeit eines Verbs, bestimmte
Leerstellen im Satz zu eröffnen. Die Leerstellen können besetzt werden (falls es
sich um fakultative Aktanten oder Angaben handelt) oder müssen besetzt
werden (falls es sich um obligatorische Aktanten handelt). In früheren Arbeiten
des Sachgebiets FVG wurde davon ausgeganen, dass das FV, das innerhalb eines
FVG vorkommt, nur eine Variante des entsprechenden Vollverbs ist, und dass
sich dasselbe auch auf die Valenz bezieht. Diese Betrachtungsweise ist in
folgenden Punkten falsch:

1. Zu manchen FVG dienen als Paraphrase Adjektiv (+ Kopula):

die Fähigkeit besitzen – fähig sein, Geduld haben – geduldig sein

2. Zu manchen FVG gibt es weder entsprechende Vollverben noch Adjektive (+


Kopula):

Attentat verüben, Beifall spenden, den Dialog aufnehmen


3. In manchen Fällen verlangt das Vollverb den OAkk und das mit ihm
konkurrierende FVG die PrP:

Der Konzern gibt seinen Mitarbeitern die Möglichkeit zur Weiterbildung.

Der Konzern ermöglicht seinen Mitarbeitern Weiterbildung.

4. Manche Vollverben können als Paraphrase mehr als ein FVG haben, welche
die Reihenbildung bilden können. Dabei unterscheidet sich die Anzahl der
obligatorischen und fakultativen Aktanten von denjenigen des Vollverbs:

bewegen = in Bewegung bringen / versetzen [caus]

in Bewegung kommen / gelangen / geraten [incho]

in Bewegung sein / sich befinden [dur]

S OAkk

Der elektrische Strom bewegt die Maschinen.

Das Vollverb bewegen verlangt zwei obligatorische Aktanten: S und OAkk.

Das FVG in Bewegung bringen verlangt zwei obligatorische Aktanten: S und


OAkk.

S OAkk

Der elektrische Strom bringt die Maschinen in Bewegung.

Das FVG in Bewegung sein verlangt einen obligatorischen Aktanten: S.

Die Maschinen sind in Bewegung.

Das FVG in Bewegung kommen verlangt einen obligatorischen Aktanten: S.

S
Die Maschinen kommen in Bewegung.

Die obigen Beispiele zeigen, dass die Valenz des Vollverbs bewegen nur mit
erstem FVG in Bewegung bringen übereinstimmt. Das beweist, dass die Valenz
des FVG in manchen Fällen von derjenigen des entsprechenden Vollverbs
abweicht.

Später wurde die initielle Betrachtungsweise korrigiert, im Sinne dass das


Vollverb beim Übergang zu einem FV nicht nur seine Bedeutung eingebüßt hat,
sondern auch seine Valenz:

„… es werden im FVG Valenzverhältnisse konstruiert, die sich quantitativ und


qualitativ von den Valenzverhältnissen bei den gleichlautenden Vollverben
unterscheiden.“ (Helbig/Buscha, 1993:102)

Wir gehen davon aus, dass die NP oder PrP keine Aktanten zum Vollverb sind,
sondern nur ein Teil des komplexen Prädikats, wofür auch die Unmöglichkeit
deren Anaphorisierung spricht:

Der Fall kam zur Sprache.

→ *Der Fall kam dorthin.

Die Dividende gelangte am 1. Mai zur Ausschüttung.

→ * Die Dividende gelangte am 1. Mai dorthin.

Dasselbe gilt für die Unmöglichkeit der Erfragung der NP und PrP in einem
FVG:

Die Kinder sind zur Schule gekommen. (Vollverb)

→ Wohin sind die Kinder gekommen?

Die neuen Maßnahmen kamen seit dem 1. Januar zum Einsatz. (FV)

→ * Wohin kamen die neuen Maßnahmen seit dem 1. Januar?


Dass das nominale Glied innerhalb eines FVG obligatorisch ist,
veranschaulichten Helbig/Buscha (1993:101) an folgenden Beispielen:

(a) Er bringt die Arbeit zum Abschluss. (FV)

→ Er bringt die Arbeit. (Veränderung der Bedeutung)

Aber: Er bringt die Arbeit zum Lehrer. (Vollverb)

→ Er bringt die Arbeit.

(b) Das Verfahren kommt zur Anwendung. (FV)

→ *Das Verfahren kommt. (grammatisch unakzeptabler Satz)

Aber: Der Lehrer kommt zur Bahnhofshalle. (Vollverb)

→ Der Lehrer kommt.

Da das FV seine Valenz eingebüßt hat, bestimmt die Valenz des ganzen
Konstruktes das FN, das zum Träger der Bedeutung des komplexen Prädikats
geworden ist.

Zu diesem Punkt führen Helbig/Buscha (1993:102) die folgenden Beispiele an:

Wir nehmen Einfluss auf seine Entwicklung. (FV)

Die Kinder haben Angst vor der Fahrt. (FV)

Sie gerät in Abhängigkeit von ihren Eltern. (FV)

Aber:

Die Mutter setzt das Kind in den Wagen. (Vollverb)

(Obj.) (Adv.)
Die Aktanten der FVG seien nach denselben Autoren nicht Attribute zum
Verbalsubstantiv, sondern selbständige Satzglieder, die sich auf das Prädikat
beziehen und im Satz selbständig permutierbar sind:

Mit den Kollegen setzen wir uns in Verbindung.

Wir setzen uns in Verbindung mit den Kollegen.

Wir setzen uns mit den Kollegen in Verbindung.

3.1.2. Syntaktische Typen der FVG

Yuan (1986:114) teilt die FVG in 8 Gruppen, wenn es um ihre Valenz geht, ein:

1. Typ 1: (Es+) FVG

Zu dieser Gruppe gehören Verben wie bestehen, entstehen, erfolgen, herrschen


und stattfinden, diejenigen also des morphologischen Typs FV + NPNom. Dieser
Typ von FVG verlangt keinen Aktanten, sondern manchmal nur ein expletives
nicht als Aktant sondern als Platzhalter fungierendes es:

FVG FVG

Der Besuch findet statt. Die Auszahlung erfolgt.

Es + FVG Es + FVG

Es herrscht Schweigen. Es bestehen Uneinigkeiten.

2. Typ 2: (Es+) FVG + xPrP / NS

Zu dieser Gruppe gehören einige FVG des morphologischen Typs FV + NPNom, die
einen obligatorischen Aktanten in Form einer PrP oder eines Nebensatzes
verlangen:
a) Präpositionalphrase als obligatorischer Aktant:

FVG + PrP

Der Nachweis wird für die Fälschung geführt.

b) Nebensatz als obligatorischer Aktant:

FVG NS

Es besteht die Gefahr, dass das Unternehmen pleite gehen wird.

3. Typ 3: xn + FVG

Zu dieser Gruppe gehören die FVG mit einem obligatorischen Aktanten im


Nominativ. Dabei unterscheiden wir drei Typen:

a) FVG, welche die passivische Bedeutung aufweisen und ein von diesen Verben
beinhalten (bedürfen, bekommen, erfahren, erhalten, finden, gelangen, genießen,
geraten, kommen, kriegen, stehen), bedürfen eines Aktanten im Nominativ:

xn + FVG

Der Geschäftsführer genießt Anerkennung.

xn + FVG

Die Sache bedarf einer Erklärung.

b) FVG, die ein intransitives Verb beinhalten:

xn + FVG

Die Abteilungsleiter sind in eine Diskussion eingetreten.

xn + FVG

Die vorgeschlagenen Maßnahmen sind zum Einsatz gelangen.

c) FVG, deren konkurrierende Formen Adjektiv (+ Kopula) sind:

xn + FVG
Die Unternehmer besitzen den Mut. ↔ Die Unternehmer sind mutig.

xn + FVG

Der Chef kam in Wut. ↔ Der Chef wurde wütend.

4. Typ 4: xn + FVG + ya

Zu dieser Gruppe gehören die FVG, die 2-wertig sind und die neben einem
obligatorischen Aktanten im Nominativ noch einen weiteren im Akkusativ
verlangen. Diese Gruppe macht die Mehrheit der FVG aus:

xn + ya + FVG

Wir bringen den Plan zum Einsatz.

xn + ya + FVG

Sie setzten das falsche Geld in Umlauf.

5. Typ 5: xn + FVG + yd

Zu dieser Gruppe gehören diejenigen FVG, die neben einem obligatorischen


Aktanten im Nominativ auch einen anderen im Dativ verlangen. Dabei werden
zwei Untergruppen unterschieden:

a) FVG, deren Bedeutung der Bedeutung des Verbs geben entspricht:

xn + yd + FVG

Der Abteilungsleiter erteilt dem Mitarbeiter einen Auftrag.

xn + yd + FVG

Wir schenken ihnen kein Vertrauen.

b) FVG, deren Entsprechung ein intransitives Verb mit einem Dativobjekt ist:

xn + yd + FVG

Er leistete uns Hilfe. ↔ Er half uns.

xn + yd + FVG
Der Chef leistete seiner Vorgesetzten Widerstand.

↔ Der Chef widerstand ihr.

6. Typ 6: xn + FVG + yPrP

Zu dieser Gruppe gehören die FVG, deren Entsprechung ein transitives Verb ist
und die 2-wertig sind. Zum einen verlangen sie einen Aktanten im Akkusativ,
zum anderen den zweiten Aktanten in Form einer Präpositionalgruppe:

xn + FVG + yPrP

Die Firma errang einen Sieg über ihren erbitterten Konkurrenten.

xn + FVG + yPrP

Unser Forschungszentrum führte ein Experiment mit neuen Materialien


aus.

7. Typ 7: xn + FVG + yd + za

Zu dieser Gruppe gehören die 3-wertigen FVG, die jeweils einen Aktanten im
Nominativ, Dativ und Akkusativ verlangen:

xn + yd + za

Der Geschäftsführer bringt seinen Mitarbeitern die Ernsthaftigkeit der

+ FVG

Situation zur Kenntnis.

8. Typ 8: xn + FVG + ya + zPrP

Zu dieser Gruppe gehören die 3-wertigen FVG, die jeweils einen Aktanten im
Nominativ, Akkusativ und in Form einer PrP verlangen:

xn + ya + FVG + zPrP

Sie brachten uns in Abhängigkeit von ihren Zulieferungen.


xn + ya + FVG + zPrP

Wir setzten ihn in Verbindung mit unserem ausländischen

Geschäftspartner.

3.2. Semantische Merkmale der FVG

Das FVG ist ein zweiteiliges Prädikat, welches aus einem FV und einer NP oder
einer PrP besteht. Das Charakteristikum des Konstruktes spiegelt sich darin
wider, dass die beiden Bestandteile eine semantische Einheit nur zusammen
ausmachen. Dabei hat das FV seine ursprüngliche Bedeutung mehr oder weniger
eingebüßt und das FN ist zum Bedeutungsträger des Gefüges geworden.

„Das Funktionsverb und der nominale Teil des Gefüges bilden eine
SEMANTISCHE (inhaltliche) EINHEIT, die jedoch nicht als Summe der
einzelnen Teilbedeutungen zu betrachten ist. Zum Beispiel die Fügungen in
Betracht ziehen, von Bedeutung sein und ähnliche können semantisch nicht aus
in + Betracht + ziehen bzw. von + Bedeutung + sein erklärt werden. Die
inhaltliche Einheit entsteht nämlich erst durch den Zusammenschluß der
Einzelteile, wobei jede Komponente [etwas von ihrem Eigenwert aufgibt].“ –
Anmerkung des Autors – (Đorđević, 1988:173)

Wenn es sich um die FVG des morphologischen Typs 1 (FV + PrP) handelt, hat
die Präposition ihre ursprüngliche Bedeutung mehr oder weniger eingebüßt, doch
sie hat, wie das FV, einige allgemeine semantische Merkmale beibehalten.

3.2.1. Semantische Merkmale der FN


Engelen (1968:298) gibt folgende Einteilung der FN, was ihre Bedeutung
anbelangt:

1. FVG der äußerlichen Bewegung

in Bewegung bringen / kommen / geraten / setzen / versetzen / bleiben / sein

in Gang kommen / bringen / setzen / bleiben / sein / halten

in Fahrt kommen / bringen / sein

2. FVG der Gemütsbewegung

in Schrecken versetzen / halten

in Zorn geraten / bringen / versetzen / sein

in Erstaunen geraten / bringen / versetzen

zur Überzeugung kommen / gelangen / bringen

3. FVG der Ordnung und des sozialen Status

in Ordnung kommen / bringen / bleiben / sein / halten

in Mode kommen / bringen / bleiben / sein / halten

ins Elend geraten / bringen

4. FVG der Relation

in Verhandlungen stehen / treten

in Verbindung treten / bringen / setzen / bleiben / stehen

in Beziehung treten / setzen / stehen

5. FVG der Fabrikation

in Fabrikation gehen / nehmen / geben / sein / haben

in Auftrag gehen / nehmen / geben / sein / haben

in Betrieb nehmen / sein


6. FVG der sprachlichen Äußerung, des Besprechens und Bedenkens

in Zweifel geraten / bringen / ziehen / bleiben / stehen / lassen

in Erwägung kommen / ziehen

in Frage kommen / stellen / stehen

zur Sprache kommen / bringen

7. FVG des Besitzens

in Besitz nehmen / haben

in Pacht nehmen / geben / haben

in Verwahrung nehmen / geben / haben / halten

8. FVG des Verfügens

zur Verfügung stehen / stellen / haben

zur Wahl stehen / stellen / haben

zur Dienste stehen / haben

9. FVG des Erörtens

zur Debatte stehen / stellen

zur Diskussion stehen / stellen

zur Erörterung stehen / stellen

zur Verhandlung stehen / stellen

Eine erweiterte Einteilung der FN, was ihre Bedeutung anbelangt, gibt Götze
(1973) ganz unbewusst. Seine ursprüngliche Absicht war eigentlich die Semantik
der FV darzustellen. Doch die angegebenen Beispiele deuten mehr auf die
semantischen Merkmale der FN als auf dieselben der FV wie urspünglich
gemeint. Deswegen gebe ich seine Einteilung hier an:
1. FV der Emotion:

geraten / jmn. versetzen: in Zorn / Wut / Angst / Erregung / Aufregung /

Begeisterung / Stimmung / Verzweiflung / Unruhe

2. FV der inneren Veränderung:

kommen: in Bewegung / Schwung / Fahrt / Trab / Ordnung / Gang

3. FV der Erörterung und der Sprache der Politik:

stellen / (stehen): zur Diskussion / Debatte / Erörterung / Entscheidung /

Abstimmung / Aussprache / Antrag zur Tagesordnung / sich zur

Verfügung / sich zur Kandidatur

4. FV der menschlichen Kontaktaufnahme:

treten / stehen: in Kontakt / Briefwechsel / Verbindung / Beziehung /

Verhandlungen / Gegensatz / Konkurrenz / Wettbewerb

5. FV der ungewollten Veränderung:

geraten: ins Gerede / in Verruf / Vergessenheit / Abhängigkeit / Schulden / Armut

Verzug / Widerspruch / ins Rollen / Elend

6. FV des Ausschließens

stehen: außer Zweifel / Frage

setzen: außer Kraft / Kurs / Gefecht

7. FV des Besitzergreifens

nehmen: in Empfang / Besitz / Beschlag / Anspruch / Betrieb / Pacht


8. FV der Reflexion

ziehen: in Betracht / Zweifel / Erwägung / ins Vertrauen / zu Rate

stellen: in Frage / Abrede / Aussicht

9. FV der gewollten Veränderung

gelangen: zur Überzeugung / Ansicht / Einsicht / Anschauung / Entscheidung

kommen: zur Überzeugung / Ansicht / Einsicht / Anschauung / Entscheidung /

Vernunft / Verzweiflung / zum Ausbruch / Durchbruch

10. FV des Erkennens und Wahrnehmens

kommen: zur Kenntnis (+D) / zu Ohren (+D) / zum Vorschein

11. FV der Anklage

stellen: unter Anklage / Arrest / Strafe

12. FV der äußeren Veränderung

bringen / kommen: zur Aufführung / ans Licht / zur Sprache / ins Gespräch / ins
Gerede / zum Erliegen / in (auf) Trab / in Unordnung / zur Versteigerung / zum
Schmelzen / zum Kochen / zum Fließen / in (zur) Ekstase

13. FV der Disposition

stellen: zur Verfügung / zu Gebote / zur Auswahl / zur Wahl

14. FV der Fabrikation

geben / gehen: in Fabrikation / Serie / Auftrag / Druck


Die obigen Einteilungen können leicht relativiert werden und als unvollständig
aus folgenden Gründen betrachtet werden:

1. Unter den obigen Beispielen gibt es nur diejenigen, die sich auf die FVG
bestehend aus einem FV + PrP beziehen. Die anderen vier morphologischen
Typen der FVG bleiben daher außer Betracht.

2. Unter den obigen Beispielen gibt es auch diejenigen, die der Verfasser dieser
Arbeit als Phraseologismen betrachtet: ans Licht kommen = öffentlich (etwas
bisher Verstecktes, Verborgenes) bekannt werden, zu Ohren kommen = etwas
erfahren was für uns nicht bestimmt war. Diese Betrachtungsweise bestätigt
Langenscheidts Großwörterbuch – DaF (1993:614,713).

3. Es gibt eine ganze Reihe der FN, deren Bedeutung sich außer obigem
Klassifizierungsrahmen befindet: Anlass bieten, einen Appell richten, in Aussicht
nehmen, einen Bericht erstatten, Einkäufe tätigen, zur Folge haben, ein
Frühstück einnehmen, Gewinne machen, eine Kontrolle ausüben, Schluss
machen, Zutritt haben und viele andere. Bei der genaueren Untersuchung stellt
sich heraus, dass die FN innerhalb eines FVG semantisch so breit gestellt sind,
dass eine solche Gruppierung überhaupt nicht möglich ist.

3.2.2. Semantische Merkmale der FV

Wenn es sich um die semantische Beschreibung der „äußerst zahlreichen“ FVG


handelt, macht Yuan (1986:155) einen Ansatz, die FV nach ihrer Bedeutung in
Minimalgruppen einzuteilen. Dabei stellt sie die acht Gruppen auf, die
selbstverständlich nicht alle vorkommenden FV umfassen können, doch die
Mehrheit unter ihnen ist in dieser Einteilung inbegriffen:

1. das FV geben und mit ihm konkurrierende FV:


abstatten, anlegen, antun, auferlegen, aufstellen, aufwerfen, ausdrücken,
äußern, aussprechen, beilegen, beimessen, belegen, bereiten, beweisen, bieten,
darbringen, einbringen, einlegen, entbieten, entgegenbringen, erbringen,
erfüllen, erheben, erstatten, erteilen, erweisen, geben, gebieten, gewähren, sich
hingeben, leisten, liefern, richten, sagen, schenken, senden, spenden, sprechen,
überbringen, übermitteln, unterbringen, verleihen, vorbringen, vorlegen,
widmen, zollen, zufügen, zukommen lassen;

2. das FV nehmen und mit ihm konkurrierende FV:

bekommen, davontragen, einheimsen, einnehmen, empfangen, erdulden,


erfahren, erfechten, ergreifen, erhalten, erleben, erleiden, ernten, erringen, sich
erwerben, fangen, fassen, finden, genießen, gewinnen, kriegen, leiden, nehmen,
tragen, übernehmen, verdienen, ziehen;

3. das FV tun und mit ihm konkurrierende FV:

ablegen, anrichten, anstellen, ausführen, begehen, betreiben, durchführen,


erregen, fällen, führen, herstellen, leisten, machen, pflegen, schaffen, stiften,
tätigen, treffen, treiben, tun, üben, unternehmen, verrichten, verüben,
vollbringen, vollführen, vollziehen, vornehmen;

4. das FV geschehen und mit ihm konkurrierende FV:

erfolgen, geschehen, stattfinden, vonstatten gehen;

5. das FV bringen und mit ihm konkurrierende FV:

auslösen, bringen, einjagen, hervorrufen, lassen, legen, setzen, stecken, stellen,


stürzen, unterwerfen, unterziehen, versetzen;

6. das FV halten und mit ihm konkurrierende FV:


bewahren, halten;

7. das FV kommen und mit ihm konkurrierende FV:

antreten, ausbrechen, eintreten, fallen, gehen, gelangen, geraten, gereichen,


kommen, schreiten, sinken, treten;

8. das FV sein und mit ihm konkurrierende FV:

sich befinden, besitzen, bestehen, bleiben, empfinden, entstehen, erliegen, fühlen,


haben, herrschen, liegen, schweben, sein, spüren, stehen, unterliegen, verspüren,
verzeichnen, zeigen.

3.2.2.1. FV und Aktionsart

Obwohl die FV innerhalb eines FVG ihre ursprüngliche Bedeutung verloren


haben, sind sie die Träger einiger semantischen Merkmale geblieben, d.h. sie
weisen verschiedene Aktionsarten auf.

„Njemački pojam Aktionsart potječe od Brugmanna (1885), koji, pozivajući se na


Curtiusa (1852) i njegov termin Zeitart, koji se koristi za označavanje specifičnog
tijeka radnje, kaže [Aktionsart ist im Gegensatz zu Zeitstufe, die Art und Weise,
wie die Handlung vor sich geht].“ – Anmerkung des Autors (Blažević, 1999:71)

„Der deutsche Begriff Aktionsart stammt von Brugmann (1885), der sich auf
Curtius (1852) und seinen Begriff Zeitart beruft und der für die Markierung des
spezifischen Handlungsverlaufs gebraucht wird, sagt [Aktionsart ist im
Gegensatz zu Zeitstufe, die Art und Weise, wie die Handlung vor sich geht].“ –
Anmerkung des Autors.

Helbig/Buscha (1993:72) definieren den Begriff Aktionsart folgenderweise:

„Unter der Aktionsart eines Verbs versteht man die Verlaufsweise und
Abstufung des Geschehens, das vom Verb bezeichnet wird. Die Differenzierung
des Geschehens erfolgt nach dem zeitlichen Verlauf (Ablauf, Vollendung; Anfang,
Übergang, Ende) und nach dem inhaltlichen Verlauf (Veranlassen, Intensität,
Wiederholung, Verkleinerung).“

Dieselben Autoren (1993:72f.) geben folgende Klassifikation der Verben nach


Aktionsart an:

1. Durative (imperfektive) Verben

Diese Verben bezeichnen den ungestörten / ununterbrochenen Verlauf des


Geschehens, ohne Angaben über Anfang oder Ende des Geschehens:

arbeiten, essen, laufen, schlafen

2. Perfektive Verben

Diese Verben drücken zeitliche Eingrenzung des Geschehensverlaufs aus, oder


stellen den Übergang von einem zu einem anderen Geschehen dar. Darunter sind
folgende vier Untergruppen zu verzeichnen:

a) die ingressiven (inchoativen) Verben – bezeichnen den Beginn eines


Geschehens:

einschlafen, aufwachen, erblicken

b) die egressiven Verben – bezeichnen den Abschluss eines Geschehens:

platzen, verblühen, zerschneiden

c) die mutativen Verben – bezeichnen einen Übergang von einem zu einem


anderen Zustand:

reifen, rosten, sich erkälten

d) die kausativen (faktitiven) Verben – bezeichnen das Bewirken einer


Zustandsveränderung:

öffnen, senken, sprengen


Was die Aktionsarten betrifft, können die FV in drei Klassen eingeteilt werden:

1) FV, die einen Zustand ausdrücken:

sich in Gefahr befinden / in Gefahr sein

2) FV, die eine Zustandsveränderung ausdrücken. Dabei unterscheiden wir


zwischen:

a) ingressiven Verben – bezeichnen den Beginn eines Geschehens:

in Gefahr kommen / geraten

b) egressiven Verben – bezeichnen das Ende eines Geschehens

zu Ende kommen, zum Abschluss bringen

3) FV, die das Bewirken einer Zustandsveränderung ausdrücken:

in Gefahr bringen / versetzen

3.2.2.2. FV und Genera

FV beeinflusst das Genus verbi des gesamten FVG. In diesem Sinne


unterscheiden wir zwischen:

1. FVG mit passivischer Bedeutung

Zu dieser Gruppe gehören FVG, die durch die Passivform des entsprechenden
Vollverbs ersetzbar sind:

unter Beobachtung stehen → beobachtet werden


zur Versteigerung kommen → versteigert werden

zur Durchführung gelangen → durchgeführt werden

Folgende Verben geben den FVG eine passivische Bedeutung:

sich befinden (sich in Anwendung befinden – angewendet werden), bekommen


(eine Garantie bekommen – garantiert werden), bleiben (in Gefahr bleiben –
gefährdet sein), erfahren (eine Vereinfachung erfahren – vereinfacht werden),
erhalten (Nachricht erhalten – benachrichtigt werden), erleiden (Demütigung
erleiden – gedemütigt werden), finden (Unterstützung finden – unterstützt
werden), gehen (in Herstellung gehen – hergestellt werden), gelangen (zur
Verteilung gelangen – verteilt werden), genießen (Anerkennung genießen –
anerkannt werden), geraten (in Isolierung geraten – isoliert werden), kommen
(zur Verhandlung kommen – verhandelt werden), kriegen (ein Lob kriegen –
gelobt werden), laufen (Gefahr laufen – gefährlich werden), liegen (in Scheidung
liegen – geschieden werden), sein (im Bau sein – gebaut werden), stehen (zur
Debatte stehen – debattiert werden).

Nach Daniels und anderen Autoren sind folgende Parallelen zwischen


passivwertigen FVG und passivischen Konstruktionen festzustellen:

„1. Die pw FVG ermöglichen die Differenzierung und Nuancierung des verbalen
Geschehens, vgl. beeinflusst werden – unter dem Einfluss stehen – unter den
Einfluss geraten.

2. Mit der Form der pw FVG ist für einige intransitive Verben [eine eigene Art
der Passivbildung] – Anmerkung des Autors – gegeben (Daniels 1963, S. 212) vgl.
helfen – Hilfe finden, einwirken auf – Einwirkung erfahren...

3. Da der verbale Bereich nicht genügend ausgebaut ist, entstehen verbale


Verbindungen mit einem Substantiv, zu dem keine entsprechenden Verben
vorhanden sind. Sie schließen die zufälligen [Lücken] – Anmerkung des Autors –
im Verbalsystem (vgl. Daniels, S. 212), vgl. Widerhall finden, Freundschaft
genießen.

4. Die FVG bieten oft eine Art [nominale Vereinfachungen] – Anmerkung des
Autors –, die die verschiedenen verbalen Konstruktionen in ein einheitliches
Schema bringen (Systemausgleich). So entsprechen z.B. den FVG mit dem FV
finden folgende syntaktische Konstruktionen (vgl. Daniels 1963, S. 211): er hat
Bewunderung gefunden – er wurde bewundert, er hat Glauben / Vertrauen
gefunden – ihm wurde geglaubt / vertraut; man glaubte / vertraute ihm, er hat
Gefallen gefunden – er gefiel.“ (Rösch, 1994:25f.)

Rösch (1994:26) gibt folgende Gründe zum vorzüglichen Gebrauch passivwertiger


FVG gegenüber den einfachen passivischen Konstruktionen an:

„Neben den oft reproduzierten vier grundlegenden Erkenntnissen über die


Leistungen der pw FVG finden sich manchmal Beurteilungen dieser Fügungen,
die eher aus dem subjektiven Sprachempfinden resultieren. So neigen einige
Autoren dazu, die Unterschiede zwischen dem Passiv und den pw FVG als
[Vorteile] – Anmerkung des Autors – der letzteren zu favorisieren. Das Passiv-
Futur wird z.B. von Schmidt (1968, S. 46f.) im Vergleich zu den pw FVG als
[syntaktisch unbequem] – Anmerkung des Autors – deklariert, vgl. die Frage
kommt/gelangt zur Entscheidung – die Frage wird entschieden werden.“

2. FVG mit aktivischer Bedeutung

Zu dieser Gruppe gehören FVG, die durch die Aktivform des entsprechenden
Vollverbs ersetzbar sind:

eine Anklage erheben → anklagen

Einfluss ausüben → beeinflussen

eine Ausnahme machen → ausnehmen


Folgende Verben geben den FVG eine aktivische Bedeutung:

anstellen (Berechnungen anstellen – berechnen), aufnehmen (Verhandlungen


aufnehmen – verhandeln), ausüben (Wirkung ausüben – wirken), bringen (zum
Verkauf bringen – verkaufen), erheben (einen Vorwurf erheben – vorwerfen),
erteilen (die Ermächtigung erteilen – ermächtigen), führen (den Nachweis führen
– nachweisen), geben (Anweisung geben – anweisen), halten (eine Ansprache
halten – ansprechen), leisten (Bürgschaft leisten – bürgen), machen (Konkurrenz
machen – konkurrieren), nehmen (in Verwahrung nehmen – verwahren), setzen
(den Akzent setzen – akzentuieren), stellen (in Zweifel stellen – zweifeln), treffen
(eine Vereinbarung treffen – vereinbaren), üben (Nachsicht üben – nachsichtig
sein), unternehmen (einen Versuch unternehmen – versuchen), versetzen (in
Erstaunen versetzen – erstaunen), vornehmen (eine Unterzeichnung vornehmen
– unterzeichnen), ziehen (das Resümee ziehen – resümieren).

3. FVG, die zu keiner Gruppe gehören

Zu dieser Gruppe gehören FVG mit FV haben, besitzen und teilweise stehen und
sein. Zu dieser Gruppe gehörenden FVG drücken den Zustand aus und mit ihnen
konkurrierende Entsprechung ist meistens ein Adjektiv (+ Kopula):

den Mut besitzen → mutig sein

die Fähigkeit besitzen → fähig sein

von Wichtigkeit sein → wichtig sein

Hunger haben → hungrig sein

in Abhängigkeit stehen → abhängig sein


3.2.3. Semantische Merkmale der FPrp

Der morphologische Typ 1 der FVG enthält neben einem FV eine


Präpositionalphrase. Der Kern der PrP ist eine Präposition, die innerhalb eines
FVG ihre Bedeutung meistens eingebüßt hat. Die als Kern der PrP dienenden
Präpositionen innerhalb eines FVG sind: an, auf, aus, außer, beim, in, mit, ohne,
unter, von, vor, zu. Die Semantik dieser Präpositionen weist meistens räumliche
Verhältnisse auf:

Die Arbeiter kommen aus dem Betrieb.

Wir gehen zur Universität.

Wir befinden uns in unserem Hauptbetrieb.

→ Er hat mich aus der Überzeugung gebracht.

→ Die Produkte sind zum Verkauf gekommen.

→ Das neue Modell wurde in Fabrikation genommen.

Wie obigen Beispielen entnommen werden kann, sind diese Präpositionen


normalerweise meistens mit Bewegungsverben und Verben, die sich auf Existenz
beziehen, verknüpfbar. Durch Verknüpfung mit einem Apstaktum verliert die
Präposition diejenige Bedeutung, die sie bei der Verknüpfung mit einem
Konkretum hatte. Blažević (1999:86) führt an, dass die Präposition innerhalb
eines FVG die Funktion des kasusbestimmenden Elementes des FN verloren hat,
was sie durch folgende Beispiele bekräftigt:

in a) als lokale Präposition b) innerhalb eines FVG

in den Wald gehen in Erfüllung gehen

mit a) als modale Präposition b) innerhalb eines FVG

mit dem Auto fahren mit Angst erfüllen

unter a) als lokale Präposition b) innerhalb eines FVG


unter dem Tisch setzen unter Beobachtung stehen

zu a) als lokale Präpositon b) innerhalb eines FVG

zum Bahnhof gehen zu Ende gehen

3.2.4. Semantische Typen der FVG

Bezüglich der logisch-semantischen Grundstrukturen der FVG gibt Yuan


(1986:161ff.) sieben Typen, die in zwei Subklassen systematisierbar sind, an:

1. FVG mit einfacher Prädikation: Typen 1-4;

2. FVG mit eingebetteter Prädikation: Typen 5-7.

FVG mit einfacher Prädikation tragen keinen semantischen Unterschied


gegenüber dem der mit ihnen konkurrierenden Vollverben. Da ihre semantischen
Strukturen nicht hierarchisch geordnet sind, werden sie die FVG mit einfacher
Prädikation genannt.

Zu zweiter Subklasse gehören diejenigen FVG, die aus zwei oder mehreren
Propositionen bestehen und eine eingebettete Hierarchie aufweisen.

3.2.4.1. FVG mit einfacher Prädikation

Typ 1. P

Zu diesem Typ gehören die FVG, die keinen obligatorischen Aktanten verlangen:

Die Lieferung erfolgtp.

Eine Reservierung geschiehtp.

Wenn im Satz ein expletives es vorkommt, wird es nicht als ein Aktant
betrachtet, sondern nur als ein Platzhalter an der Position des Subjektes:

Es erfolgt die Lieferung.


Es geschieht eine Reservierung.

Typ 2. P (x)

Zu diesem Typ gehören die FVG, die einen obligatorischen Aktanten verlangen:

Wirx durchführen eine Untersuchungp.

Die Maschinex blieb in Betriebp.

Zu dieser Gruppe gehören die Konstrukte, deren FV semantisch dem Verb tun
ähnelt. Der einzige Aktant übt die semantische Funktion des Agens, Adverbials
oder Patiens aus:

1) P + Ag: ErAg äußert einen Verdachtp.

2) P + Adv: In den StraßenAdv herrschte ein Durcheinanderp.

3) P + Pat: Die PreisePat erfuhren eine Steigerungp.

Typ 3. P (x,y)

Zu diesem Typ gehören die FVG, die zwei obligatorische Aktanten verlangen:

Wirx haben Ihneny einen Kreditp gewährt.

Ichx erweise ihry Vertrauenp.

Das typische semantische Satzmodell sieht so aus:

1) P + Ag + Ad(+Anim): ErAg gibt unsAd(+Anim) den Vorzugp.

2) P + Ag + Ad(-Anim): WirAg schenken Ihren WortenAd(-Anim) Glaubenp.

3) P + Ag + Pat (+Anim): SieAg übt Nachsichtp mit ihrem KollegenPat (+Anim).

Typ 4. P (x,y,z)
Zu diesem Typ gehören die FVG, die drei obligatorische Aktanten verlangen:

Wirx erstatten dem Vorstandsvorsitzendeny Berichtp über die Verhandlungenz.

Folgende semantische Satzmodelle sind in dieser Gruppe möglich:

1) P + Ag + Ad(+Anim) + Pat (-Anim):

Er gab mir einen Hinweisp auf eine neue Marktnische.

Ag Ad (+Anim) Pat (-Anim)

2) P + Ag + S + Pat (-Anim):

Er nahm die erforderlichen Daten von seinem Mitarbeiter in Empfangp.

Ag Pat (-Anim) S

3.2.4.2. FVG mit eingebetteter Prädikation

Typ 5. P (x), wobei 1) P → INCHO + PRÄD

Das Auto ist ins Schleudern geraten. → Das Auto beginnt zu schleudern.

x p

P 1(incho) Arg (dur)

ist geraten Schleudern

Zu diesem Typ gehören meistens die FV, die semantisch dem FV kommen
ähneln. Folgende semantische Satzmodelle sind dabei typisch:

a) aktivische Bedeutung: P + Ag:

Er gelangt zur Erkenntnis.

Ag P

b) passivische Bedeutung: P + Pat (-Anim):


Die Ware kam zum Angebot.

Pat (-Anim) P

2) P → DURATIV + PRÄD

Das Wortx ist im Gebrauchp.

P1 (dur) P2 (dur)

sein Gebrauch → gebrauchen

Zu diesem Typ gehören meistens die FV, die semantisch dem FV sein ähneln.
Folgende semantische Satzmodelle sind dabei typisch:

a) Die Produkte sind in Bearbeitung.

Pat (-Anim) P

b) Ich bin beim Arbeiten.

Ag P

(P(x(,y))) 3) P → EGRESSIV + PRÄD

Zu diesem Punkt gibt Yuan (1986:169f.) Folgendes an:

„Die egressive Komponente wird ausgedrückt entweder von einer Kombination


aus einem inchoativen Verb (wie kommen und geraten) und einer Präposition,
wie aus und außer, die eine Negierung impliziert, wie z.B.:

Der Jungex geriet aus der Fassungp. (→ Der Junge hört auf, sich zu fassen.) …

oder von einem ganzen FVG, welches aus den Verben der [KOMMEN] –
Anmerkung des Autors – Gruppe und einer PP mit einem Nomen wie [Ende] –
Anmerkung des Autors –, [Abschluss] – Anmerkung des Autors – besteht, wie
z.B. [zum Abschluss kommen] – Anmerkung des Autors –, [zu Ende kommen] –
Anmerkung des Autors – u.ä. Für den letzteren Fall sei noch angemerkt, dass die
Sätze mit solchen egressiven FVG meistens zusätzlich noch ein scheinbares
Argument verlangen, um hier das 2. Prädikat zu füllen, wie z.B.:

Erx kommt mit der Redey zum Abschlussp. (→ Er hört auf zu reden.)“

Typ 6. P (x,y), wobei 1) P → CAUS + INCHO + PRÄD

Zu dieser Gruppe gehören die FVG mit Verben, die semantisch dem Verb bringen
ähneln:

Wirx brachten das Kindy in Sicherheitp. (→ Wir bewirkten, dass das Kind sicher
wurde.)

Dabei sind folgende semantische Satzmodelle möglich:

a) P + Caus + ZT (+Anim)

Er versetzte alle anwesenden Vorstandsmitglieder in Verwirrungp.

Caus ZT (+Anim)

b) P + Caus + ZT (-Anim):

Die Anleger brachten ihr ganzes Vermögen in Gefahrp.

Caus ZT (-Anim)

2) P → CAUS + DURATIV + PRÄD

Zu dieser Gruppe gehören die FVG mit Verben, die semantisch dem Verb halten
ähneln:
Die Arbeiterx halten ihre Arbeitsplätzey in Ordnungp. (→ Die Arbeiter bewirken,
dass ihre Arbeitsplätze in Ordnung bleiben.)

Dabei sind folgende semantische Satzmodelle möglich:

a) P + Caus + ZT (+Anim):

Das kommunistische Regime hält das Volk in Schreckenp.

Caus ZT (+Anim)

b) P + Caus + ZT (-Anim):

Der Arbeiter hält die Maschine in Betriebp.

Caus ZT (-Anim)

3) P → CAUS + EGRESSIV + PRÄD

Zu dieser Gruppe gehören die Sätze mit FVG, die als Basis ein FV haben, das
semantisch dem Verb bringen ähnelt. Um die egressive Bedeutung ausdrücken
zu können, bedarf es innerhalb des FVG neben dem FV einer PrP mit
Präpositionen aus oder außer:

Die Elektrikerx setzen die Heizungy außer Betriebp. (Die Elektriker bewirken,
dass die Heizung aufhört zu funktionieren.)

Dabei sind folgende semantische Satzmodelle möglich:

a) P + Caus + ZT (+Anim):

Wir haben ihn außer Betrachtp gelassen.

Caus ZT (+Anim)

a) P + Caus + ZT (-Anim):
Das Parlament setzt das Gesetz außer Kraftp.

Caus ZT (-Anim)

Typ 7. P (x,y,z), wobei P → CAUS + INCHO + PRÄD

Zu dieser Gruppe gehören die Sätze mit FVG, die als Basis ein FV haben, das
semantisch dem Verb bringen ähnelt:

Wirx bringen unsere Dateny mit Ihrenz in Übereinstimmungp. (→ Wir bewirken,


dass unsere Daten beginnen, mit Ihren zu übereinstimmen.)

Dabei sind folgende semantische Satzmodelle möglich:

a) P + Caus + ET + EG:

Er setzte uns seine Entscheidung in Kenntnisp.

Caus ET EG

b) P + Caus + ZT1 + ZT2

Wir setzen uns mit unseren Verhandlungspartnern in Verbindungp.

Caus ZT1 ZT2

3.2.5. Lexikalisierte und nicht-lexikalisierte FVG

„Ein weiteres Merkmal zur Analyse der FVG ist ihre Festigkeit (das Ergebnis
von sowohl Grammatikalisierung der FV – Verwandlung der ursprünglich
lexikalischen Wörter zu grammatischen Wörtern – und Lexikalisierung der FVG
– Entstehung einer neuen semantischen Einheit, die als solche ein Prädikat
bildet.“ (Marušić, 2009:251)
Was den Festigkeitsgrad ihrer Konstituente betrifft, unterscheiden wir zwei
Untergruppen von FVG:

1. Die lexikalisierten (eigentlichen) FVG

Die lexikalisierten FVG weisen einen hohen Festigkeitsgrad ihrer Konstituenten


auf. Sprachentwicklungsbezogen stehen sie am Ende beider Prozesse – der
Grammatikalisierung und der Lexiakalisierung. Sie wurden seit Beginn der
sprachwissenschaftlichen Beschäftigung mit den FVG intensiv untersucht. Ihre
Struktur ist unveränderlich, weswegen ihr FN durch kein Attribut erweitert
werden kann:

Diesen Plan müssen wir schnell zur Durchführung bringen.

*Diesen Plan müssen wir zur schnellen Durchführung bringen.

Bei diesem Typ der FVG sind die FN referenzunfähig – sie besitzen keine
Fähigkeit, sich auf ein Objekt der Wirklichkeit zu beziehen):

Die verbesserten Produkte stehen den Kunden ab sofort zur Verfügung.

2. Die nicht-lexikalisierten (uneigentlichen) FVG

Da sie einen geringeren Festigkeitsgrad aufweisen, waren sie kein Gegenstand


der früheren sprachwissenschaftlichen Untersuchungen des Sachgebiets FVG.
Ihre FN können Erweiterungen in Form von verschiedenen Attributen
annehmen und auch einen (un)bestimmten Artikel oder einen Nullartikel an sich
binden:

einen / den Antrag stellen, eine Vermutung / Vermutungen aufstellen,

(einen) Schaden / Schäden anrichten

Da sie einen geringen Grad der Lexikalisierung haben, sind sie referenzfähig:

Der Vorstandsvorsitzende der Daimler AG hat in neuer S-Klasse eine


Fahrt unternommen.

Zwischen diesen zwei Gruppen gibt es keine festgesetzte Abgrenzung, denn es


gibt einen Übergangsbereich zwischen ihnen. Der heutige Festigkeitsgrad der
FVG ist eigentlich das Ergebnis der Sprachentwicklung, ihrer
Grammatikalisierung und Lexikalisierung. Helbig/Buscha (1993:96) geben
folgende Anmerkung, was die morphologischen Typen der lexikalisierten und
nicht-lexikalisierten FVG betrifft, an:

„Es gibt sowohl lexikalisierte FVG mit Präpositionalgruppen und mit


Akkusativen als auch nicht-lexikalisierte FVG mit Präpositionalgruppen und mit
Akkusativen. Allerdings ist ein quantitatives Verhältnis erkennbar: Bei den FVG
mit Präpositionalgruppe gibt es mehr lexikalisierte FVG, bei den FVG mit
Akkusativ gibt es mehr nicht-lexikalisierte FVG.“

3.3. Morphologische Merkmale der FVG

Wie schon im Kapitel 3 erwähnt wurde, herrschen unter germanistischen


Sprachwissenschaftlern Uneinigkeiten, was die morphologischen Typen der FVG
betrifft. In früheren Beiträgen des Sachgebiets FVG, wie z.B. bei von Polenz
(1963), Heringer (1968) und Engelen (1968), sind als FVG nur diejenigen
Syntagmen wie zur Verfügung stellen, zum Einsatz kommen inbegriffen also die
aus einem FV und einer Präpositionalphrase bestehenden Konstrukte. In einigen
späteren Beiträgen wie bei von Polenz (1987) sind zu den FVG zusätzlich die aus
einem FV und einer NP im Akkusativ bestehenden Konstrukte hinzugefügt.
Popadić (1971) und Richter (1988) fügen zu den beiden Gruppen noch die FVG
mit FN im Nominativ hinzu. Nach Grimm (1981:333) unterschied Helbig im
Jahre 1979 vier morphologische Typen der FVG: „1. FV + pSF (Substantiv +
Präposition), 2. FV + SaF (Substantiv im Akkusativ), 3. FV + SdF (Substantiv +
Dativ), 4. FV + SgF (Substantiv im Genitiv).“ Endlich wurde das Konstrukt auf
diejenigen FVG erweitert, die aus einem FV und einer NP im Nominativ, Genitiv
oder Dativ (vgl. Rösch 1994, Blažević 1999, Blažević 1999, Yuan 1986,
Helbig/Buscha 1993, Marušić 2009, Marušić 2012) bestehen.

Warum diese Reihenfolge in allmähliger Erweiterung der Syntagmen, die zur


Gruppe der FVG gehören? Die früheren Beiträge hatten unter anderem zum
Thema die Leistungen der Aktionsarten bei den FVG, die am besten bei
präpositionalen FVG analysierbar sind. Nach Rösch (1994:16) bringen die
präpositionalen FVG „die regelmäßigeren semantischen Differenzierungen“
gegenüber den mit ihnen konkurrierenden Vollverben oder Adjektiv (+ Kopula)
zum Ausdruck. Dasselbe ergab meine Untersuchung der FVG in der deutschen
Verwaltungsrechtssprache (vgl. Marušić, 2009:251). Während bei präpositionalen
FVG im Korpus die Einteilung nach der Aktionsart fast gleichmäßig erfolgte,
wiesen die akkusativischen FVG zweimal doppelt so hoch das Bewirken des
Zustandsveränderung [caus] gegenüber dem Zustand [dur] oder dreimal so hoch
gegenüber der Zustandsveränderung auf [incho]. Die mögliche
Aktionsartendifferenzierung bei präpositionalen FVG lässt sich mit folgenden
Beispielen veranschaulichen:

(1) in Abhängigkeit kommen / geraten [incho]

(2) in Abhängigkeit sein / sich befinden [dur]

(3) in Abhängigkeit bringen / (ver)setzen [caus]

Das entsprechende Konstrukt abhängig sein, das einen Zustand [dur] ausdrückt,
ist nur durch das zweite Beispiel ersetzbar, d.h. die präpositionalen FVG
ermöglichen ein breiteres Bedeutungsspektrum und somit erweitern durch feine
Bedeutungsnuancierung die Ausdrucksmöglichkeiten gegenüber den mit ihnen
konkurrierenden Vollverben oder Adjektiv (+ Kopula).

In der vorliegenden Arbeit neigen wir zur Meinung derjenigen


Sprachwissenschaftler, die die Einteilung der FVG nach fünf morphologischen
Typen befürworten:

1. Typ (1) Funktionsverb + Präpositionalgruppe


„Die Aufstellung von Konzernabschluss nach den IFRS, wie sie in der EU
anzuwenden sind, und den ergänzend nach § 315a Abs. 1 HGB anzuwendenden
handelsrechtlichen Vorschriften liegt in der Verantwortung der gesetzlichen
Vertreter der Gesellschaft.“ (Beiersdorf AG, 2011:160)

„Schätzungsweise die Hälfte der Forderungen der Gesellschaft stehen im


Zusammenhang mit dem Geschäft des Segments Nordamerika.“ (Fresenius
Medical Care AG, 2011:175)

2. Typ (2) Funktionsverb + Nomen im Akkusativ

„Das Management vertritt die Ansicht, dass eventuelle Verpflichtungen aus


diesen Rechtsstreitigkeiten keine wesentlichen Auswirkungen auf die
Vermögenslage des Konzerns haben werden.“ (Adidas AG, 2011:214)

„In Deutschland und einigen anderen Ländern leisten wir außerdem Beiträge an
staatliche Rentensysteme, die vom Staat, von regionalen oder überregionalen
Einrichtungen des öffentlichen Rechts oder anderen Stellen betrieben werden.“
(SAP, 2011:224)

3. Typ (3) Funktionsverb + Nomen im Nominativ

„Weiterhin ist der Vorstand ermächtigt, mit Zustimmung des Aufsichtsrats das
Bezugsrecht der Aktionäre auszuschließen, sofern die Kapitalerhöhung gegen
Sacheinlagen zum Zwecke des Erwerbs von Unternehmen, Unternehmensteilen
oder von Beteiligungen an Unternehmen oder sonstiger Vermögensgegenstände
erfolgt.“ (Bayer AG, 2011:224)

„Vielmehr erfolgen die Leistungen üblicherweise zwei Jahre nach ihrer


Gewährung (sog. Wartezeit).“ (Deutsche Börse Group AG, 2011:239)
4. Typ (4) Funktionsverb + Nomen im Dativ

„Die Beiersdorf AG unterliegt als international tätige Aktiengesellschaft mit Sitz


in Hamburg, Deutschland, unter anderem den Vorschriften des deutschen
Aktien-, Kapitalmarkt- und Mitbestimmungrechts...“ (Beiersdorf AG, 2011:44)

„Zwischenfinanzberichte werden der prüferischen Durchsicht durch einen


unabhängigen, von der Hauptversammlung gewählten Wirtschaftsprüfer
unterzogen.“ (Daimler AG, 2011:174)

5. Typ (5) Funktionsverb + Nomen im Genitiv

„Die Wertberichtigungskonten werden verwendet, solange der Konzern der


Annahme ist, dass der Eingang des geschuldeten Betrags möglich ist.“ (Adidas
AG, 2011:155)

„Änderungen der Satzung bedürfen gemäß § 179 Abs. 1 AktG eines Beschlusses
der Hauptversammlung, der, soweit die Satzung keine andere Mehrheit vorsieht,
gemäß § 179 Abs. 2 AktG eine Mehrheit von drei Vierteln des bei der
Abstimmung vertretenen Grundkapitals erfordert.“ (Bayer AG, 2011:94)

Die FVG des Typs 1 und 2 stellen den Kern des Phänomens dar, denn sie
entsprechen einer Mehrheit von aufgestellten Kriterien. Sie machen auch die
zwei frequentesten Gruppen der FVG in deutscher Gegenwartssprache aus. Die
Ergebnisse einer meiner Untersuchung beweisen eine starke Präsenz des Typs 3
im Wirtschaftsdeutschen, wobei dieses Typ 19 % der FVG im Korpus ausmacht
(vgl. Marušić/Barišić, 2013:298). Im Typ 3 steht das FN im Nominativ an der
Stelle des Subjektes, einer Position die in Verbindung mit FV bestehen, erfolgen,
vor sich gehen, geschehen, fallen, stattfinden, sich vollziehen in der Fachsprache
sehr oft ein FVG bildet. Von Pottelberge (1996:34f.) präsentiert sogar „eine Art
Hierarchie“ nach unten, die unter diesen fünf morphologischen Gruppen
herrscht.

3.3.1. Funktionsverb

3.3.1.1. Die Einteilung der FV hinsichtlich ihrer Bildung

Hinsichtlich ihrer Bildung können die FV in zwei Gruppen eingeteilt werden:


einfache und zusammengesetzte Verben.

1. Einfache FV, die eine große Mehrheit der FV ausmachen, bestehen aus nur
einem Verb:

„Windräder im Meer haben einen weiteren Vorteil: Sie stören keine Anwohner.“
(RWE, 2011:8)

„Für unsere Strategie auf dem Gebiet der Nachhaltigkeit und unseren hohen
Grad an Transparenz haben wir erneut eine Auszeichnung erhalten.“ (RWE,
2011:122)

2. Zusammengesetzte FV beinhalten ein anderes Verb, ein Adverb, ein Adjektiv


oder ein Reflexivpronomen:

a) FV + anderes Verb

Man muss die Gerechtigkeit walten lassen.

Der Konzern soll diesbezüglich Vorsicht walten lassen.


b) FV + Adverb

Die Auslieferung geht vonstatten.

Die Herstellung geht in unserem neuen Produktionsbetrieb zügig vonstatten.

c) FV + Adjektiv

Die Weltwirtschaft ist in der Entwicklung begriffen sein.

Die veraltete Produktionsanlage ist im Umbau begriffen sein.

d) FV + Reflexivpronomen

Durch Beteiligung an den Machenschaften hat sich das Unternehmen die

Verachtung der Öffentlichkeit zugezogen.

Der Vorstandsvorsitzende setzt sich zur Wehr gegen die Entscheidung

anderer Vorstandsmitglieder.

3.3.1.1. Die Einteilung der FV hinsichtlich ihrer Verwendung

Es gibt sieben Untergruppen was die Verwendung der FV anbelangt:

1. FV, die nur mit einer Präpositionalgruppe vorkommen:

aufgehen, ausbrechen, sich befinden, belegen, bersten, bleiben, eintreten,


erfüllen, gehen, gelangen, geraten, gereichen, sich hüllen, kochen, kommen,
lassen, liegen, platzen, richten, rufen, schäumen, schreiten, schweben, sinken,
stecken, stehen, stoßen, stürzen, treten, übergehen, überhäufen, überschütten,
umsetzen, verfallen, zusammentreten, sich zusammenziehen.

2. FV, die nur mit einem Nomen im Akkusativ vorkommen:


abgeben, ablegen, abstatten, abwerfen, anmelden, anrichten, anstellen, antreten,
antun, auferlegen, aufnehmen, aufstellen, aufwerfen, ausdrücken, ausführen,
auslösen, äußern, aussprechen, ausstoßen, ausüben, begehen, beilegen,
beibringen, beimessen, bekommen, bekunden, bereiten, besitzen, betreiben,
bewahren, beweisen, bewirken, beziehen, bieten, bilden sich, darbringen,
davontragen, durchführen, einbringen, einflößen, eingehen, einheimsen,
einjagen, einlegen, einnehmen, empfangen, empfinden, entbieten, entfachen,
entgegenbringen, entgegensetzen, erbringen, erdulden, erfahren, erfechten,
ergreifen, erhalten, erheben, erkämpfen, erlangen, erlassen, erleben, erleiden,
ernten, eröffnen, erregen, erringen, erstatten, erteilen, erwecken, erweisen, sich
erwerben, erzeugen, erzielen, fällen, fangen, fassen, feiern, finden, fühlen,
gebieten, genießen, gewähren, hegen, herbeiführen, herstellen, hervorrufen, sich
holen, kriegen, laufen, legen, leiden, liefern, leisten, pflegen, sagen, schaffen,
schenken, schießen, schlagen, schließen, schmieden, schwören, senden, spenden,
sprechen, stiften, tätigen, treffen, tun, überbringen, übermitteln, übernehmen,
unterbreiten, unternehmen, verdienen, verhängen, verleihen, verrichten, sich
verschaffen, verspüren, vertreten, verüben, verursachen, verzeichnen,
vollbringen, vollführen, vorbringen, vorlegen, vornehmen, walten lassen, wecken,
werfen, widmen, wissen, zeigen, zeitigen, zollen, zufügen, zukommen lassen,
zurufen, zusprechen, sich zuziehen.

3. FV, die sowohl mit einer Präpositionalgruppe, als auch einem Nomen im
Akkusativ vorkommen:

bringen (zum Abschluss / Nachteile bringen), erklären (in die Acht / seinen
Rücktritt erklären), führen (zu Ende führen / eine Debatte führen), geben (zur
Kenntnis / einen Hinweis geben), gewinnen (an Klarheit / Einfluss gewinnen),
haben (zur Verfügung / einen Anspruch haben), halten (in Ordnung / eine
Ansprache halten), machen (zur Verpflichtung / ein Ende machen), nehmen (in
Arbeit / eine Wendung nehmen), setzen (außer Betrieb / den Akzent setzen),
stellen (zur Verhandlung / Anforderungen stellen), tragen (sich mit einer
Hoffnung / die Schuld tragen), treiben (zur Verzweiflung / Handel treiben), üben
(sich in Geduld / Zurückhaltung üben), versetzen (in Begeisterung / einen Stoß
versetzen), werden (zur Gewohnheit / Wirklichkeit werden), ziehen (zur
Verantwortung / einen Vergleich ziehen).

4. FV, die nur mit einem Nomen im Nominativ vorkommen:

bestehen (Übereinstimmung / Unterschied besteht), entbrennen (ein Streit / eine


Diskussion entbrennt), erfolgen (die Unterzeichnung / die Auszahlung erfolgt),
entstehen (ein Schaden / Vorschlag entsteht), fallen (die Entscheidung / der
Beschluss fällt), vor sich gehen (Veränderungen / Reservierungen gehen vor
sich), geschehen (die Reservierung / die Verlosung geschieht), herrschen
(Schweigen / Freude herrscht), stattfinden (Verhandlungen / Wahlen finden …
statt), sich vollziehen (diese Entwicklung / eine Wandlung vollzieht sich),
vonstatten gehen (der Umzug / die Auslieferung geht vonstatten).

5. FV, die nur mit einem Nomen im Genitiv vorkommen:

bedürfen (einer Erklärung / einer Unterstützung bedürfen), sich erfreuen (sich


großer Beliebtheit / guter Gesundheit erfreuen).

Es ist an dieser Stelle zu bemerken, dass die Zugehörigkeit des FV bedürfen zu


dieser Gruppe von einigen Germanisten außer Betracht gelassen wird, mit
Begründung dass „das zugehörige genitivische Nomen ganz regulär durch die
Valenz des Verbs bedingt ist und hier auch die Bedeutung des Verbs nicht in dem
Maße verblaßt zu sein scheint, wie es bei den schon besprochenen Typen der Fall
ist. Wir haben es hier mit einer Wortverbindung zu tun, in der beide Bestandteile
des Gefüges, der verbale und der nominale Teil, ihre selbständige / volle
Bedeutung bewahrt haben.“ (Đorđević, 1988:186)

6. FV, die nur mit einem Nomen im Dativ vorkommen:


erliegen (einem Einfluss / Irrtum erliegen), sich hingeben (sich einer Täuschung /
der Verzweiflung hingeben), unterliegen (der Kontrolle / der Überraschung
unterliegen), (sich) unterwerfen (einer Prüfung / einer Anordnung unterwerfen),
(sich) unterziehen (einer Überprüfung / einer Untersuchung unterziehen),
zuführen (einer Strafe / einer Lösung zuführen).

Die meisten zu dieser Gruppe gehörenden FV sind passivfähig, d.h. die FVG
werden im Passiv gebraucht, so dass der Handlungsträger (das Agens)
ausgelassen werden kann und somit zur Sprachökonomie beigetragen mag:

Die Endprodukte werden einer strengen Kontrolle unterworfen. (Passiv)

Agens

Die Arbeiter unterwerfen die Endprodukte einer strengen Kontrolle. (Aktiv)

7. FV, das sowohl mit einer Präpositionalgruppe, als auch mit einem Nomen im
Genitiv vorkommt:

sein (in Bearbeitung sein, der Überzeugung sein)

3.3.2. Funktionsnomen

Das Funktionsnomen im Deutschen weist folgende morphologische Merkmale


auf:

1. Entstehungsart

Nach Entstehungsart kann das Funktionsnomen sein:

1) Substantivische Ableitung aus der Wortklasse Verb:

in Wut geraten (wüten → Wut)


Schluss machen (schließen → Schluss)

2) Substantivische Ableitung aus der Wortklasse Adjektiv:

Tapferkeit zeigen (tapfer → Tapferkeit)

Fähigkeit haben (fähig → Fähigkeit)

3) Nominalisierter Infinitiv:

zum Sprechen bringen

beim Lesen sein

4) Primäres Nomen:

in Kraft treten

Hunger haben

2. Numerus

Das Funktionsnomen kann vorkommen:

1) Nur im Singular:

in Not geraten, Politik machen, zur Ruhe kommen

2) Nur im Plural:

Auswirkungen haben, die Konsequenzen ziehen, Maßnahmen ergreifen

3) Sowohl im Singular als auch im Plural:


einen Anspruch haben / Ansprüche wecken, eine Prüfung / Prüfungen
vornehmen, die Erfahrung / Erfahrungen machen

3. Kasus

FN kann in allen vier Kasus vorkommen:

1) Im Nominativ:

die Beisetzung findet … statt, eine Auseinandersetzung entsteht

2) Im Genitiv:

der Meinung sein, einer Genehmigung bedürfen

3) Im Dativ:

einer Änderung unterziehen, einer Prüfung unterwerfen

4) Im Akkusativ:

Aufmerksamkeit schenken, Fortschritte machen

Am häufigsten kommt das FN im Akkusativ vor. In deutscher Fach- und


Wissenschaftssprache (vgl. Marušić/Barišić, 2012:297f.) steht an der zweiten
Stelle das FN im Nominativ, da bei der Beschreibung von Zuständen und
Prozessen das FN oft die Position des Subjektes (die Erststellung) im Satz
einnimmt. Dabei werden die FN mit folgenden FV zusammengeknüpft: bestehen,
entstehen, erfolgen, gestehen, herrschen, stattfinden:
„Ihr Einsatz erfolgt im Rahmen der Vorgaben der entsprechenden
Konzernrichtlinie.“ (Metro Group AG, 2011:198)

„Die Auszahlung dieser aktienbasierten Vergütung entspricht dem Kurswert der


FMC AG & CO. KGAA Stammaktie bei Ausübung z.B. am Ende der Wartezeit
und erfolgt auch in bar.“ (Fresenius Medical Care AG, 2011:252)

Die FN im Genitiv und Dativ kommen nur vereinzelt mit zirka zwei prozentigem
Anteil vor.

4. Wortbildung

In Anbetracht seiner Bildung kann das FN folgenden Wurzeln entstammen:

1) einem Simplex

„Im Jubiläumsjahr 2011 konnten wir mit einer Vielzahl von


Kommunikationsaktivitäten rund um das Thema [Zukunft der Mobilität] –
Anmerkung des Autors – international Akzente setzen.“ (Daimler AG, 2011:133)

2) einer Ableitung

„Auf Basis des so bereits fixierten Wertes der aktienbasierten Vergütung erfolgt
die Zuteilung der konkreten Anzahl von Anteilen durch den Aufsichtsrat erst im
März 2012 auf Basis dann aktueller Kursverhältnisse der Stammaktie der
Fresenius Medical Care AG & CO. KGaA.“ (Fresenius Medical Care AG,
2011:148)

3) einer Zusammensetzung
„Die Gesellschaft betreibt weiterhin Dialysekliniken, führt klinische
Laboruntersuchungen durch und stellt ergänzende medizinische
Dienstleistungen bereit.“ (Fresenius Medical Care AG, 2011:217)

3.3.2.1. Artikel

Das FN kann an sich einen bestimmten, einen unbestimmten oder einen


Nullartikel binden:

„Zu dieser Zeit hatte ich die Gelegenheit, während eines halbjährigen Einsatzes
in der Tochtergesellschaft in Shanghai die Besonderheiten des chinesischen
Marktes kennenzulernen.“ (Beiersdorf, 2011:17)

„Die FMC AG & CO. KGAA hat im Steuerjahr 1997 eine Abschreibung auf den
Buchwert einer ihrer Tochtergesellschaften vorgenommen, ....“ (Fresenius
Medical Care AG, 2011:259)

„Starkes Wachstum verzeichneten auch die Märkte Südkorea (+30%) und


Hongkong (+17%).“ (Daimler, 2011:143)

Der Artikelgebrauch vor einem FN ist im Deutschen ziemlich willkürlich. Doch


es gibt gewisse Regularitäten, welche die genauere Einsicht in die Problematik
und somit bessere Definierungsansätze ermöglichen.

Was den Artikelgebrauch vor FN betrifft, stellen Helbig/Buscha (1993)


Unterschiede zwischen lexikalisierten und nicht-lexikalisierten FVG fest:

„Bei den nicht-lexikalisierten FVG sind (vor allem bei Akkusativen) verschiedene
Artikel möglich:

Er nimmt Kontakt / den Kontakt / einen Kontakt mit seinen

Verwandten auf.
Wir haben ihn erst auf den / einen Gedanken gebracht.“ (Helbig/

Buscha, 1993:99)

„Bei den Substantiven in lexikalisierten FVG ist der Artikelgebrauch festgelegt.


Es steht entweder der Nullartikel (a) oder der bestimmte Artikel, der mit der
vorangehenden Präposition obligatorisch verschmolzen ist (b):

(a) Die neue Technik findet Anwendung…

(b) Er besitzt die Frechheit zu dieser Handlung…

Der Lehrer brachte die Angelegenheit zur Sprache.“ (Helbig/Buscha, 1993:99)

Meines Erachtens ist der obige Definierungsansatz nur teilweise richtig und
zwar nur in dem Teil, der sich auf die lexikalisierten FVG bezieht. Der Vorschlag
die nicht-lexikalisierten FVG als fähig zur Bindung aller drei Artikel zu
betrachten, stellt eine übermäßige Generalisierung dar.

In seinen Untersuchungen der präpositionalen FVG stellte Grimm (1981) fest:

1. Der Artikelgebrauch bei präpositionalen FVG weicht von demjenigen freier


Wortverbindungen ab.

2. Es gibt gewisse vor allem Restriktionen was den Gebrauch des Artikels
betrifft, bei den präpositionalen FVG, die nicht attribuiert / attribuierbar sind. In
diesen Fällen stehen sie entweder mit Nullartikel oder mit zusammengezogenem
bestimmtem Artikel: außer Betrieb setzen, in Gang halten, zum Ausdruck
kommen, zur Verfügung stellen.

3. Falls die FN attribuierbar sind, gibt es keine Restriktionen im


Artikelgebrauch: j-n in Gefahr bringen, j-n in (eine) große Gefahr bringen, j-n in
(die) größte Gefahr bringen.

Die Untersuchung von Grimm nimmt nur einen Teil der FVG durch, die
präpositionalen FVG, wobei die anderen morphologischen Typen außer Betracht
gesetzt wurden. Die Untersuchungsergebnisse gelten als unvollständig.
Yuan (1986:83f.) gibt einen kurzen Überblick über die Problematik. Sie machte
keine detaillierten Angaben zur Problematik, sondern nur eine Aufstellung
vorhandener Distributionsmöglichkeiten:

„1) Nullartikel – unbest. Artikel:

Anspruch / einen Anspruch (auf etw.) erheben;

2) Nullartikel – best. Artikel:

(j-n) in Verdacht / im Verdacht haben;

3) Nullartikel – Possessivpronomen:

(etw.) in Besitz / in seinen Besitz nehmen;

4) Unbest. Artikel – best. Artikel:

einen Schluss / den Schluss (aus etw.) ziehen;

5) Unbest. Artikel – Possessivpronomen:

eine Meinung / seine Meinung äußern;

6) Nullartikel – unbest. Artikel – best. Artikel:

Antwort / eine Antwort / die Antwort geben;

7) Nullartikel – best. Artikel – Possessivpronomen:

(j-m) Dank / den Dank (des/von…) / seinen Dank aussprechen.“ (Yuan,


1986:84)

Blažević (1999:50ff.) gibt einen detaillierten Überblick über den Gebrauch des
Artikels im FVG nach dessen morphologischem Typ:

1. Typ 1: FV + PrP

Dieser morphologische Typ wird in drei Untergruppen eingeteilt:


a) FVG mit geschmolzener Präposition:

zur Verfügung haben, zum Einsatz kommen, zur Wahl stehen

b) FVG mit unbestimmtem Artikel:

in einen Dialog eintreten, zu einer Krise führen, zu einer Erholung kommen

c) FVG mit Nullartikel:

in Kraft treten, an Bedeutung gewinnen, in Ordnung sein

2. Typ 2: FV + FNAkk

Bei dieser Gruppe sei die Lexikalisierung des Gefüges sehr weit vorangekommen,
was automatisch nur eine Artikelform impliziert:

a) FVG mit nur bestimmtem Artikel:

die Möglichkeit haben, den Ausschlag geben, die Meinung vertreten

b) FVG mit nur unbestimmtem Artikel:

einen Besuch abstatten, einen Gruß entbieten, einen Aufschwung erfahren

c) FVG nur mit Nullartikel:

Beifall zollen, Angst empfinden, Beobachtungen anstellen

3. Typ 3: FV + FNNom

Bei den zu diesem Typ gehörenden FVG sind keine Restriktionen zu verzeichnen,
was den Artikelgebrauch betrifft. Die Artikeldistribution richtet sich nach den
allgemeinen Distributionsregeln für Artikel im Deutschen. Daher sind alle drei
Artikelformen möglich:

a) FVG mit bestimmtem Artikel:


Der Vertreterbesuch findet am Montag um 11:00 Uhr statt.

b) FVG mit unbestimmtem Artikel:

Es besteht ein geheimes Einvernehmen zwischen ihnen.

c) FVG mit Nullartikel:

Es besteht Unterschied zwischen diesen zwei Konzepten.

4. Typ 4: FV + FNGen

Bei den zu diesem Typ gehörenden FVG sind keine Restriktionen, was den
Artikelgebrauch betrifft, zu verzeichnen. Daher sind alle drei Artikelformen
möglich:

a) FVG mit bestimmtem Artikel:

Der Wirtschaftsminister ist der Meinung, dass die Konjunktur stärker


anzukurbeln ist.

b) FVG mit unbestimmtem Artikel:

Die Einstellung des Firmenbesitzers bedarf einer Erklärung.

c) FVG mit Nullartikel:

Der Vorstand erfreut sich großer Beliebtheit ihrer Produkte beim Breitpublikum.

5. Typ 5: FV + FNDat

Bei den zu diesem Typ gehörenden FVG sind keine Restriktionen, was den
Artikelgebrauch betrifft, zu verzeichnen. Daher sind alle drei Artikelformen
möglich, die sogar an nur einem FV exemplifiziert werden können:

a) FVG mit bestimmtem Artikel:


Die Restrukturierung dieses Unternehmens bedeutet, sich der Mühe der Geduld
zu unterwerfen.

b) FVG mit unbestimmtem Artikel:

Er hat sich einer schweren Operation unterworfen.

c) FVG mit Nullartikel:

Das ganze Volk wurde fremder Herrschaft unterworfen.

Wie am Anfang dieses Kapitels vor der Erörterung des Sachverhalts schon
erwähnt wurde, ist der Artikelgebrauch vor einem FN im Deutschen ziemlich
willkürlich. Diese These bestätigen auch die dazu gemachten Einstellungen
obiger Sprachwissenschaftler. Der Artikelgebrauch im Vorfeld eines FN kann
daher nur teilweise festgelegt werden. Obwohl es bei einem Teil von FVG einiger
morphologischer Typen gewisse Regularitäten gibt, was die Distribution des
Artikelgebrauchs anbelangt, bleibt sie in Mehrheit der Fälle undefinierbar.

3.3.3. Funktionale Präposition

Es gibt folgende Präpositionen, die innerhalb einer Präpositionalphrase als ihr


Kopf fungieren:

an - an Einnahmen erzielen, an Ersparnissen einbringen

auf - auf den Gedanken kommen, auf Kritik stoßen

aus - aus der Mode kommen, aus der Überzeugung bringen

außer - außer Gefahr sein, außer Kontrolle geraten

beim - beim Schreiben sein, beim Schlafen sein

in - in Gang halten, in Vergessenheit geraten


mit - mit Misstrauen erfüllen, mit Freude erfüllen

ohne - ohne Bedeutung sein, ohne Schuld sein

unter - unter dem Einfluss stehen, unter Druck setzen

von - von Dauer sein, von Wichtigkeit sein

vor - vor der Abschaffung sein, vor dem Abbau stehen

zu - zur Verantwortung ziehen, zum Erliegen bringen

Die Präpositionen mit höchster Frequenz innerhalb eines FVG sind: auf, außer,
in, unter, vor, zu. Meine Untersuchung auf dem Gebiet der deutschen
Fachsprache – Wirtschaftsdeutsch (vgl. Marušić, 2012:151) hat ergeben, dass die
weit produktivsten Präpositionen im Wirtschaftsdeutsch in (44 %) und zu (42 %)
sind. Die Präposition unter ist mit 7 %, von mit 6 % bei den FVG mit einer PrP
vertreten. Alle anderen Präpositionen sind zusammen mit weniger als 1 % aller
339 Belege vertreten.

Obwohl sowohl die FV als auch die FN zu Reihenbildung fähig sind, sind die
Präpositionen gegen andere Präpositionen nicht auszutauschen:

Der Konzern hat die Rückstellungen in Höhe von 223 Mill. Euro zur Verfügung.

→ * Der Konzern hat die Rückstellungen in Höhe von 223 Mill. Euro auf / in
Verfügung.

Ausnahmsweise können die Präpositionen in und außer gegeneinander


ausgetauscht werden, wenn sie die Gegensätze bezeichnen:

Die Schneiderin setzte die Nähmaschine in Betrieb. (kausative Bedeutung)

Die Schneiderin setzte die Nähmaschine außer Betrieb. (egressive Bedeutung)


Seine Ehre steht in Zweifel. (durative Bedeutung)

Seine Ehre steht außer Zweifel. (durative Bedeutung)

Zusätzlich ermöglichen einige FN den gegenseitigen Austausch von


Präpositionen in / zur:

in / zur Anwendung bringen, kommen

in / zur Bearbeitung nehmen, kommen

in / zur Verhandlung nehmen, kommen

3.3.4. Morphologische Typen der FVG nach FN

Es gibt zwei Typen der FVG, wenn es sich um ihren morphologischen Typ
handelt. Zu erster Gruppe gehören die FVG, die aus einem FV und einer PrP
bestehen (in Verlust geraten, zum Verkauf gelangen, zur Gewohnheit machen).
Zu zweiter Gruppe gehören hingegen die FVG, die aus einem FV und einer NP
bestehen (eine Abstimmung durchführen, den Vorzug geben, Verdacht hegen).
Die zweite Gruppe kann in vier Untergruppen eingeteilt werden: die NP kann im
Nominativ, Genitiv, Dativ und Akkusativ vorkommen.

„Die präpositionalen und die akkusativischen FVG werden u.a. auch in Bezug auf
ihre Produktivität zum [Zentrum des Systems] – Anmerkung des Autors –
gerechnet (vgl. Helbig 1984, S. 167f.)“. (Rösch, 1994:16)

Yuan (1986:75ff.) teilt die zwei Gruppen in sechs „Grundtypen der


Funktionsverbgefüge“ ein:

1. FVG = FV + PrP
a) FVG = Präposition + Nullartikel + Nomen + FV

FVG in Angst versetzen

PrP FV in Angst versetzen

Präp NP in Angst

Nullart. N Ø Angst

Weitere Beispiele zu dieser Gruppe: in Konkurrenz treten, unter Beobachtung


stellen, außer Betrieb setzen.

b) FVG = Präposition + unbestimmter Artikel + Nomen + FV

FVG in einen Streik treten

PrP FV in einen Streik treten

Präp NP in einen Streik

unbest. N einen Streik


Artikel

Weitere Beispiele zu dieser Gruppe: zu einer Erholung kommen, in einen Dialog


eintreten, zu einer Einengung führen.

c) FVG = Präposition + bestimmter Artikel / Possessivpronomen + Nomen + FV

FVG zur Verfügung stellen

PrP FV zur Verfügung stellen

Präp NP zu (der) Verfügung

(best. N (der) Verfügung


Art.)

FVG unter seinen Schutz nehmen

PrP FV unter seinen Schutz nehmen

Präp NP unter seinen Schutz

Poss. N seinen Schutz


Pron.

Weitere Beispiele zu dieser Gruppe: zur Vernunft bringen, zur Last fallen, im
Angebot sein.

2. FVG = FV + NP

a) FVG = Nullartikel + Nomen + FV

FVG Bilanz ziehen

NP FV Bilanz ziehen

Nullart. N Ø Bilanz

Weitere Beispiele zu dieser Gruppe: Gewalt antun, Heiterkeit auslösen, Ansehen


gewinnen.

b) FVG = unbestimmter Artikel + Nomen + FV

FVG einen Aufstieg nehmen

NP FV einen Aufstieg nehmen

unbest. N einen Aufstieg


Artikel
Weitere Beispiele zu dieser Gruppe: einen Spaziergang machen, eine
Unterschrift leisten, einen Appell richten.

c) FVG = bestimmter Artikel / Possessivpronomen + Nomen + FV

FVG die Arbeit aufnehmen

NP FV die Arbeit aufnehmen

best. N die Arbeit


Art.

FVG seinen Ärger zeigen

NP FV seinen Ärger zeigen

Poss. N seinen Ärger


Pron.

Weitere Beispiele zu dieser Gruppe: den Akzent setzen, seinen Glückwunsch


darbringen, seinen Fortgang nehmen.

3.4. Leistungen der FVG

Der wahre Wert der FVG liegt in ihren Leistungen, die sie vollbringen. Sie
unterscheiden sich syntaktisch, semantisch und stilistisch von den mit ihnen
konkurrierenden Vollverben oder Adjektiven (+ Kopula) falls diese überhaupt
bestehen.
„Die Sprachpraxis hat aber dazu geführt, daß das Funktionsverbgefüge immer
mehr an Boden gewinnt, in syntaktisch-semantischer Hinsicht neue
Eigenschaften erhält und somit neue oder besondere Funktionen übernimmt, die
sich sehr oft von den Funktionen der entsprechenden Vollverben unterscheiden.
Aufgrund dieser Merkmale sollte man die Funktionsverbgefüge vielleicht als
völlig selbständige lexikalische Einheiten auffassen, die allerdings oft mit dem
entsprechenden Vollverb kommutieren, jedoch oft andere semantische Inhalte
bezeichnen und auch andere syntaktische Funktionen im Satz ausüben.“
(Đorđević, 1988:188f.)

Es gibt einen nicht unbedeutenden Teil der FVG zu denen keine


konkurrierenden Entsprechungen bestehen. In dem Fall füllen die FVG die
Lücken im deutschen Verbalsystem aus. Die Leistungen der FVG können
folgenderweise klassifiziert werden:

1) Ausdruck der Sprachebene (Registerfunktion)

2) Ausfüllen von Lücken im Verbalsystem

3) Nuancierung der Bedeutung

4) Differenzierung von Aktionsarten

5) Schaffung des Raums für Attribuierung

6) Veränderung der Mitteilungsperspektive

7) Umwandlung der syntaktischen Valenzstruktur

8) FVG als syntaktische Varianten (Variation zu Vollverben)

9) Passiversatz

Yuan (1982:2) hebt die Leistungen der FVG hervor, die sie als ihre Funktionen
bezeichnet:
„Das Funktionsverbgefüge hat seine eigenen Funktionen, die nicht von anderen
Wörtern (z.B. von entsprechenden Vollverben) ersetzt werden können.“

Ihrer Einteilung nach (vgl. Yuan, 1982:8ff.) üben die FVG folgende Funktionen
(Leistungen) aus:

1. Wiedergabe einer Handlung oder Aktion in gehobener oder offizieller Sprache

Anzeige / Meldung / Rapport erstatten klingen förmlicher als anzeigen / melden /


rapportieren.

Diese Leistung bietet die Anhaltspunkte für den Gebrauch der FVG in der
Fachsprache.

2. Entpersönlichung

Bei dieser Leistung der FVG handelt es sich um die Verschiebung der
Handlungsbeschreibung in die passivische Ausdrucksweise. Die Bedeutung wird
auf den Vorgang gesetzt oder es wird vermieden, den Handlungsträger explizite
anzugeben:

Ich bringe den Motor in Gang.

Der Motor wird in Gang gesetzt.

Auch diese Leistung der FVG erklärt die starke Frequenz der FVG in der
Fachsprache.

3. Verstärkung und Intensivierung

Durch Gebrauch von FVG kann die Handlung nachdrücklicher wiedergegeben


werden:

zur Auslieferung gelangen – nachdrücklichere Wiedergabe der Handlung als bei


ausgeliefert werden
4. Ausdruck unterschiedlicher Aktionsarten

Der Ausdruck unterschiedlicher Aktionsarten ist für die Mehrheit der


germanistischen Sprachwissenschaftler die wichtigste und die frequenteste
Leistung der FVG:

zur Bearbeitung stehen [dur]

zur Bearbeitung kommen / gelangen [incho]

zur Bearbeitung bringen [caus]

Während die FVG drei verschiedene semantische Varianten aufweisen können,


beschränkt sich die Bedeutung vom Vollverb bearbeiten nur auf die durative
Variante.

5. Eingliederung

Die FVG können eine Klammer darstellen, in deren Rahmen man verschiedene
Attribute stellen kann. Somit schaffen sie den Raum für die Attribuierung des
FN:

Das Produkt findet einen schnellen sogar reißenden Absatz.

Duden-Grammatik aus dem Jahre 1984 rechtfertigt den Gebrauch der FVG
gerade aufgrund ihrer Leistungen:

„Es bleibt also festzuhalten, daß neben überflüssigen Funktionsverbgefügen, die


lediglich substantivische Aufschwellungen darstellen (eine Maschine zur
Aufstellung bringen, in Wegfall kommen usw.) durchaus solche stehen, die die
Aussagemöglichkeiten vergrößern und das reibungslose Funktionieren der
Sprache dann erleichtern, wenn über neue Phänomene und Vorkommnisse
gesprochen werden soll, wo passende Vollverben (noch) fehlen.“
Blažević (1999:96) analysiert die Bedürfnisse für Leistungen der FVG in
deutscher Fachsprache:

„Uslijed znanstveno-tehničkog razvoja, a osobito uslijed razvoja znanosti, nastale


su nove potrebe u komunikaciji, prije svega u stručnoj. Jezici struke su u
potpunosti promijenili karakter SFG, koje su od fakultativnog stilskog elementa
postale analitički leksem, koji u odnosu na ekvivalentni punoznačni glagol
pokazuje brojne prednosti …“

„Wegen der wissenschaftlich-technischen Entwicklung, insbesondere wegen der


Entwicklung der Wissenschaften, sind neue Komminikationsbedürfnisse
entstanden, vor allem die fachlichen. Die Fachsprachen haben den Charakter der
FVG völlig verändert, die aus einem fakultativen Stilelement das analytische
Lexem geworden sind, das im Vergleich zu äquivalentem Vollverb viele Vorteile
zeigt …“

Was die Leistungen der FVG in deutscher Fachsprache betrifft, hat Günther
Richter (1988) eine interessante Untersuchung durchgeführt. Das Ziel seiner
Arbeit war: „… sowohl die Häufigkeitsverteilung als auch einige der
Verwendungsmotive ausfindig zu machen…“ (Richter, 339:1988) Die
Untersuchung hat ergeben, dass es einen großen Unterschied, was den
Vorkommenhäufigkeitgrad der FVG zwischen den zwei untersuchten Textsorten
(wissenschaftssprachliche und alltagssprachliche), gibt:

„Während im wissenschaftssprachlichen Text in 33% der Satzeinheiten das


Prädikat durch ein FVG vertreten ist (61 Belege), werden Konstruktionen aus
beziehungsweitem Verb bzw. sein und nomen actionis im alltagssprachlichen
Text nur in 8 Sätzen (4%) genutzt. Ein derart auffälliger Unterschied läßt sich
mit der andersartigen kommunikativen Wertorientierung und sozial-
funktionalen Gültigkeit beider Textsorten erklären: Der begrifflich-rationalen,
nach Selbstdeutigkeit von Sachverhalten und logischen Zusammenhängen
strebenden Ausdrucksqualität steht die Sprachform des nicht offizielen
zwischenmenschlichen Verkehrs mit Stilzügen wie Ungezwungenheit und
Lockerheit, Individualität und Expressivität, Konkretheit und Bildhaftigkeit
sowie mit Ausdrucksfülle (Redundanz, Rekurrenz) und (empraktischer)
Ausdrucksökonomie (situationsbedingte Ersparungen) gegenüber.“ (Richter,
1988:339)

Der Autor der vorliegenden Doktorarbeit hat auch die Leistungen der FVG in
deutscher Fachsprache (des Sachgebiets Wirtschaftsdeutsch und
Verwaltungsdeutsch) untersucht. Dabei kam ich zu folgenden
Schlussfolgerungen:

„Aus der Analyse geht hervor, dass die FVG wegen ihrer mehrfachen Leistungen
ein unentbehrlicher Faktor in moderner Informationsvermittlung sind, und auf
keinen Fall eine Art der schlechten Sprache, des unnötigen Substantivismus –
wie vor den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts angenommen wurde.“
(Marušić/Barišić, 2013:292)

„Die FVG in deutscher Konzernsprache stellen daher ein unumgängliches


Sprachmittel dar, das durch seine Vielschichtigkeit komplexe
Leistungskombinationen ermöglicht und besserer Informationsvermittlung auf
syntaktischer, pragmatischer und semantischer Ebene dient. Sie sind sogar ein
verbindliches Sprachmittel, denn ohne komplexe Kombination in ihnen
beinhalteten Leistungen, wären die Ausdrucksmöglicheiten in deutscher
Konzernsprache ziemlich karg.“ (Marušić/Barišić, 2013:305)

„Najčešći su učinci SFG u njemačkome pravnome diskursu nastali kao posljedica


jezične ekonomije u smislu izricanja što je više moguće informacija, a na što
kraćem segmentu teksta. Kako bi se to postiglo konstrukcije se usložnjavaju pa
su najčešći učinci SFG stvaranje prostora za atribuiranje, preustrojstvo
sintaktičke valentne strukture, popunjavanje rupa u jezičnome sustavu i
razlikovanje aspekta. Učinci SFG u njemačkome su upravnom jeziku jače
izraženi od onih u uspoređenim jezicima struke i predstavljaju njegovo važno
obilježje. Oni uvelike pridonose obogaćivanju mogućnosti izričaja u njemačkom
upravnom jeziku.“ (Marušić/Herceg, 2013:120)
„Die häufigsten Leistungen der FVG in deutschem Rechtsdiskurs sind
entstanden als Folge der Sprachökonomie im Sinne des Ausdrucks so vieler
Informationen wie möglich, in einem möglichst kurzen Textsegment. Um das zu
schaffen, werden die Konstrukte immer komplizierter und so sind die häufigsten
Leistungen der FVG die Schaffung der Platzes für Attribuierung, die
Umwandlung der syntaktischen Valenzstruktur, das Ausfüllen von Lücken im
Sprachsystem und die Differenzierung von Aktionsarten. Die Leistungen der
FVG in deutscher Verwaltungsrechtssprache sind stärker ausgeprägt als
diejenigen in verglichenen Fachsprachen und stellen ihr wichtiges Merkmal dar.
Sie tragen der wesentlichen Bereicherung der Ausdrucksmöglichkeiten in
deutscher Verwaltungsrechtssprache bei.“

3.4.1. Syntaktische Leistungen der FVG

1) Umwandlung der syntaktischen Valenzstruktur

Der Gebrauch der FVG kann im deutschen Satz dessen syntaktische


Valenzstruktur beeinflussen. Dieser Einfluss manifestiert sich entweder als
Verringerung der Anzahl obligatorischer Aktanten im Satz oder als Ausgleichen
der Valenz.

a) Verringerung der Anzahl obligatorischer Aktanten im Satz

Manche FVG verlangen dieselbe Anzahl der Aktanten im Satz wie das mit ihnen
konkurrierende Vollverb:

Ich habe Durst. = Ich bin durstig. (einwertig)

Wir bringen das Büro in Ordnung. = Wir ordnen das Büro. (zweiwertig)
Es gibt auch solche FVG, deren Gebrauch im deutschen Satz eine Verringerung
der Anzahl obligatorischer Aktanten als Folge hat. Das mit dem FVG
konkurrierende Vollverb ist in solchen Fällen zweiwertig (bindet an sich S und
OAkk), wobei das entsprechende FVG einwertig ist (verlangt nur einen
obligatorischen Aktanten, nämlich S):

S OAkk

Wir bestellen etwas. (zweiwertig) ≠ Wir tätigen eine Bestellung. (einwertig)

S OAkk

Wir wählten etwas. (zweiwertig) ≠ Wir trafen eine Wahl. (einwertig)

b) Ausgleichen der Valenz

Da die FVG eine Reihenbildung von FN (eine Arbeit, ein Experiment, eine
Reparatur ausführen) ermöglichen, haben manche FV die Möglichkeit, die
Valenzstrukturen der den FN zugrunde liegenden Vollverben auszugleichen:

Wegen des neusten Falls der Betriebsspionage muss die Geschäftsführung


Recherchen und Nachforschungen anstellen.

etw. recherchieren : Recherchen


anstellen
nachforschenV (intr.) : Nachforschungen

Die Geschäftsführung trägt die Schuld und die Verantwortung für schlechte
Quartalszahlen.

(j-m) etw. schulden : die Schuld


tragen
sich für etw. verantworten : die Verantwortung
Im neuen Geschäftsjahr werden unsere Broker einen Verkauf von RWE und
einen Zukauf von Adidas tätigen.

etw. verkaufen : einen Verkauf


tätigen
etw. zukaufen : einen Zukauf

Diese Leistung der FVG, kommt meistens bei Aufzählung zum Ausdruck und
trägt dabei der Sprachökonomie bei. Sie ermöglicht die einfachere
Strukturierung des Satzes und das Vermeiden komplexer und unübersichtlicher
Satzstrukturen.

2) FVG als syntaktische Varianten (Variation zu Vollverben)

Es gibt manche FVG zu denen ein entsprechendes Vollverb besteht. Bei der
Verwendung des FVG oder des mit ihm konkurrierenden Vollverbs bleibt die
Bedeutung gleich:

sich in Abhängigkeit befinden = abhängen

Angst haben = sich ängstigen

Es kommt oft vor, dass die beiden Formen in demselben Text alternativ genutzt
werden. Um die Wiederholung gleicher Strukturen zu vermeiden, variiert man
den Ausdruck einer und derselben Handlung durch den Strukturwechsel:

„Derartiger Wechsel findet sich besonders häufig in Zeitungsmeldungen, wobei


man betonen muß, daß die Vollverben in den Überschriften – wegen knapper
Ausdrucksweise – und die Funktionsverbgefüge im darauffolgenden Text
bevorzugt werden…

Überschrift: (70) Wacker Baumaschinen setzen 60 Mill. DM um.


Text: (71) Die Gebrüder Wacker KG Maschinenfabrik München, hat im

letzten Jahr zusammen mit der Wacker Handels- und Export-

GmbH und der Wacker-Aggregatebau AG einen Umsatz von

rund 60 Mill. DM erzielt.“ (Đorđević, 1988:189f.)

3) Passiversatz

Es gibt in der deutschen Gegenwartssprache einige Sprachmittel, die als


Passiversatz fungieren:

a) Dieser Roboter kann schnell repariert werden. (Passivische Konstruktion)

b) Dieser Roboter lässt sich schnell reparieren. (lassen sich + Infinitiv)

c) Dieser Roboter ist schnell zu reparieren. (sein + zu + Infinitiv)2

d) Dieser Roboter ist schnell reparierbar. (Adjektive auf –bar, –lich)

Zu diesen Konstruktionen gehören auch die FVG, die sich hauptsächlich zur
Beschreibung des Vorgangspassivs eignen:

„Auf diese Weise erhält der Sprecher / Schreiber die Möglichkeit, sich einer
anderen Ausdrucksweise zu bedienen, den Text, insbesondere im Bereich der
Fachsprache, in der passivische Inhalte und Fügungen ohnehin überwiegen, zu
variieren und an Stelle einer passivischen eine aktivische Verbform zu
verwenden.“ (Đorđević, 1988:190)

Die Funktionsverben, die als Passiversatz für Vorgangspassiv fungieren sind:


gelangen, geraten, kommen, sein, stehen (+ PrP), erfahren, finden, gewinnen,

2Die Konstruktion sein + zu + Infinitiv kann nicht nur als Passiversatz, sondern auch als
Konstrukt für Ausdruck der Notwendigkeit aufgefasst werden.
erleiden (+ NPAkk), erfolgen, stattfinden (+ NPNom), unterliegen, unterwerfen,
unterziehen (+ NPDat):

Der Betrieb gelangte nach der Konkursanmeldung zur Versteigerung.

Dieses Verfahren hat eine breite Anwendung gefunden.

Die Bekanntgabe der Quartalszahlen erfolgt am 2. Februar.

Die Aktienpreise unterliegen ständigen Schwankungen.

Es gibt die FV, die auch als Passiversatz für Zustandspassiv fungieren: haben,
sein, unternehmen, zeigen:

Der Chef hat ein Einsehen für die Begründungen seiner Mitarbeiter. (ist
einsichtig)

Die ganze Wirtschaft ist wegen dieser Maßnahmen in Gefahr. (ist gefährdet)

Die Familienfirma unternimmt krampfhafte Anstrengungen zur Bekämpfung


des wachsenden Wettbewerbs. (ist angestrengt)

Der Konzern zeigt Interesse an Übernahme des Halbleiterspezialisten. (ist


interessiert)

Manche Autoren rechtfertigen den Gebrauch der passivwertigen FVG als


Ersatzform des Passivs (s. v. Polenz, 1963:20, Kolb 1966:175ff., Götze,1973:59).

„Mit Hilfe der FVG ist es möglich, das Passiv zu umschreiben und manchmal
auch schwierige Passivkonstruktionen – unter dem Aspekt einer leichteren
Rezeption – zu vermeiden:

Das Buch ist allgemein anerkannt worden.

→ Das Buch hat allgemeine Anerkennung gefunden.

Die Herstellungstechnik ist in letzter Zeit stark vervollkommnet worden.

→ Die Herstellungstechnik hat in letzter Zeit eine starke Vervollkommnung erfahren.“

(Helbig/Buscha, 1993:104f.)
„So neigen einige Autoren dazu, die Unterschiede zwischen dem Passiv und den
pw FVG als [Vorteile] – Anmerkung des Autors – der letzteren zu favorisieren.
Das Passiv-Futur wird z.B. von Schmidt (1968, S. 46f.) im Vergleich zu den pw
FVG als [syntaktisch unbequem] – Anmerkung des Autors – deklariert, vgl. die
Frage kommt/gelangt zur Entscheidung – die Frage wird entschieden werden…
Kolb (1966, S. 175ff.) empfindet das Passiv (zumindest in den wissenschaftlichen
Texten) überhaupt als [einförmig] und [eintönig] – Anmerkungen des Autors –.
In dem Bedürfnis, diese [Uniformität] – Anmerkung des Autors – zu überwinden,
liegt nach seiner Meinung auch eine der Ursachen für die Entstehung der pw
FVG.“ (Rösch, 1994:26)

Dieselbe Autorin gibt ihre Einstellung zu dem Gebrauch dieser Konstruktionen


folgenderweise an:

„Aber offensichtlich genügt die einfache Opposition von Aktiv und Passiv nicht
mehr allen modernen Bedürfnissen der Kommunikation, so daß die
Möglichkeiten des analytischen Sprachbaues, die seit langem im System der
deutschen Sprache in ihrer Vorstufe angelegt sind, nun genutzt werden, um
zusätzliche Formen zu schaffen.“ (Rösch, 1994:27)

4) Schaffung des Raums für Attribuierung

Die Schaffung des Raums für Attribuierung ist neben der Differenzierung von
Aktionsarten die wichtigste und die häufigste Leistung der FVG. Ein FVG bildet
einen Rahmen, innerhalb dessen der Raum für Attribuierung geschaffen werden
kann:

Er hat sich eine sehr schlimme und hartnäckige Erkältung zugezogen.

Das innerhalb eines FVG verwendete Attribut übt die Funktion aus, die im Satz
mit einfachen Verben andere Satzelemente (verschiedene Angaben) ausüben
würden. Die Einfügung der Attribute zum FN ist nur auf einen Teil der FVG
eingeschränkt, nämlich auf die nicht-lexikalisierten FVG:

Er hat großen/ heftigen/ kräftigen Hunger.

* Wir haben diese Maschinen in täglichen Gebrauch.

Schicken Sie mir bitte den Auftrag zu, den Sie uns gegeben haben.

* Bei dieser Anlageklasse gibt es Gefahr, die gelaufen wird.

Die Attribute zum FN kommen in folgenden Formen vor:

1. Bestimmungswort innerhalb einer Zusammensetzung:

Am ersten Tag nach der Hauptversammlung kommt es zur

Dividendenausschüttung.

2. Adjektiv(konstruktion) oder Partizip(konstruktion):

Die Verlagerung der Produktion nach Fernost wird dem Konzern gute

Dienste leisten.

3. Genitivattribut:

Ein Streik der Belegschaft wurde durchgeführt.

4. Präpositionalphrase:

Die makroökonomischen Umstände hatten einen großen Einfluss auf


die Geschäftsabwicklung des M-DAX Konzerns.

5. Infinitivkonstruktion:

Die überraschende Unternehmenspleite bringt in Verdacht die Absichten

des Vorstandes, das Unternehmen zu retten.

6. Relativsatz:

Die Kontrolle, die im Betrieb vorgenommen wurde, ergab mangelnde


Sicherheitsvorkehrungen.

Was die Ersetzbarkeit des Attributs betrifft, führt Đorđević (1988:193f.) folgende
zwei Gruppen von attribuierten FVG an:

„a) Das Attribut zum Gefügenomen entspricht einer näheren Bestimmung des
einfachen Verbs (Angabe oder Ergänzung), ohne daß die im Gefüge liegende
Bedeutung beeinträchtigt und die Formulierung im übrigen wesentlich geändert
wird:

(74) Auch die vorläufig letzte Feuerpause wird von langer Dauer sein.

= Auch die vorläufig letzte Feuerpause wird lange dauern…

b) Das Attribut zum Gefügenomen kann im Satz mit einfachem Vollverb durch
ein anderes Element substituiert werden, man muß jedoch entweder ein ganz
neues Wort mit ähnlicher Bedeutung einsetzen oder die Struktur des ganzen
Satzes von Grund auf ändern:

(78) … und rund ein Viertel der Schüler besucht anschließend…die gymnasiale

Oberstufe, deren Lehrer mit den Gesamtschülern positive Erfahrungen


gemacht haben (Zeit, 15/2).“
Das im Zitat vorkommende FVG positive Erfahrung machen kann nicht nur
durch etw. positiv erfahren ersetzt werden, so dass die Bedeutung gleich bleiben
könnte. Um die gleiche Bedeutung nur von ungefähr bewahren zu können, bedarf
es anderer Wörter im Satz und so würde der Satz annährend folgenderweise
umschrieben werden: … deren Lehrer die Leistungen der Gesamtschüler positiv
erfahren haben.

Die Wichtigkeit dieser Leistung ist insbesondere in Wissenschafts- und


Fachsprache zu beobachten:

„Durch Attribuierung kann die Fachsprachlichkeit der FVG gesteigert werden.


Das FVG ist semantisch und kommunikativ umso produktiver, je mehr sein
Grundwort durch Attribute markiert ist.“ (Blažević, 1999:152)

„Solche Attribute treten als Adjektive oder als Bestimmungswörter innerhalb


eines Kompositums oder als Beides ein. Die anderen Attributstypen kommen nur
vereinzelt vor.“ (vgl. Marušić/Barišić, 2013:300)

An dieser Stelle seien die Ergebnisse meiner Untersuchung auf dem Sachgebiet
Konzernsprache zu erwähnen:

„In deutscher Konzernsprache ist, wegen des starken Bedarfs an


Informationsvermittlung, wie es auch in einer Fachsprache wegen
sprachökonomischen Gründen gebräuchlich ist, eine solche Attribuierung des FN
eine sehr verbreitete Erscheinung. Das FN ist im Korpus 760 mal durch ein
Attribut erweitert. Das macht 56 % aller FVG aus. Die Bestimmungswörter
innerhalb der Komposita kommen am häufigsten (38 % aller Attribute) vor. An
der zweiten Stelle sind adjektivische Attribute, die 30 % aller Attribute zum FN
ausmachen. Ihre Kombination machen weitere 18 % aller Attribute im Korpus
aus. Alle anderen Attributstypen sind im Korpus mit 14 % der Belege vertreten.“
(Marušić/Barišić, 2013:300)

Diese Ergebnisse der Untersuchung, vor allem die Angabe, dass 56 % aller FVG
im Korpus attribuiert sind, zeigen eine tiefe Verankerung dieser syntaktischen
Leistung in der deutschen (Fach)sprache. Im Verlauf der Entwicklung vom
Nominalstil im Deutschen kam es zu einer Verschiebung der Verbbezeichnung
auf das mit ihm kommutierende FN. Diese Verschiebung ermöglicht zum einen
das Variieren des Ausdrucks und dessen präzisere Formulierung und trägt zum
anderen der Sprachökonomie bei, zumal durch diese Rahmenbildung möglichst
viele Informationen durch möglichst wenige sprachliche Zeichen ausgedrückt
werden.

3.4.2. Semantische Leistungen der FVG

Die semantischen Leistungen der FVG sind sehr wichtig. Zu den semantischen
Leistungen der FVG zählt man:

1) Differenzierung von Aktionsarten

Die Differenzierung von Aktionsarten gehört zu den wichtigsten Leistungen der


FVG. Die deutschen Vollverben sind nicht imstande, die zeitliche Verlaufsweise
verbaler Vorgänge widerzuspiegeln. Deswegen bedient sich die Sprache anderer
sprachlichen Mittel, darunter auch der FVG um dies zu erreichen. Mithilfe von
FVG hat man die Möglichkeit die beginnenden (in Angriff nehmen), durativen
(unter Druck stehen), endenden (zu Ende gehen) und kausativen (zur Verfügung
stellen) Handlungen auszudrücken.

„Die hauptsächliche semantische Leistung der FVG (im Verhältnis zu den ihnen
entsprechenden Vollverben) besteht darin, daß sie ein Geschehen als dauernd,
als beginnend bzw. einen Zustand verändernd und als bewirkend markieren
können. Sie haben allgemeine semantische Merkmale wie [dur], [incho] und
[caus] und lassen sich einteilen in durative, inchoative und kausative FVG.“
(Helbig/Buscha, 1993:103)
Bei der Analyse von Aktionsarten der FVG muss berücksichtigt werden, dass die
Grenzen unter vier oben erwähnten Gruppen (ingressiven, durativen, egressiven
und kausativen) manchmal fließend sind, in dem Sinne, dass das ein und
dasselbe FVG zwei Aktionsarten widerspiegeln kann:

„Dies gilt insbesondere für diejenigen Konstruktionen, die den Anfang oder das
Ende eines Vorgangs bzw. die kausative Verursachung bezeichnen.“ (Đorđević,
1988:193)

Einige FVG, die diese Doppelfunktion ausüben können:

in Gefahr bringen, in Verbindung bringen, in Angst versetzen – diese FVG


können sowohl ingressiv (inchoativ) als auch kausativ aufgefasst werden:

Wir haben die direkten Wettbewerber in Verbindung miteinander gebracht.


[caus]

Die Brandursache im Betrieb wurde mit alten elektrischen Installationen in


Verbindung gebracht. [incho]

Der größte Wert der FVG als sprachlichen Mittels besteht darin, dass es im
Unterschied zu ihm zugrunde liegenden Vollverb, die Reihenbildung des FV um
dasselben FN ermöglicht und dabei die Ausdrucksmöglichkeiten in der Sprache
erweitert:

zur Anwendung kommen / geraten [ingressive Bedeutung]

zur Anwendung bringen [kausative Bedeutung]

(sich) in Anwendung befinden, sein [durative Bedeutung]

Das Variieren des FV innerhalb derselben Präpositionalphrase hat zur Folge den
Wechsel der Aktionsart, wobei drei verschiedene semantische Varianten des
zugrunde legenden Vollverbs anwenden entstehen können. Das Vollverb
anwenden selber hat nach Langenscheidts Großwörterbuch Deutsch als
Fremdsprache (1993:63) als transitives Verb nur die zweite kausative Bedeutung
etw. anwenden – etw. zu e-m bestimmten Zweck benutzen.

Dasselbe gilt für die Konstruktionen in Abhängigkeit geraten / kommen, in


Abhängigkeit bringen, (sich) in Abhängigkeit befinden / sein, wobei das
entsprechende Vollverb abhängen (vgl. Langenscheidt, 1993:8) nur die dritte
durative Bedeutung hat.

2) Ausfüllen von Lücken im Verbalsystem

„Eine weitere semantische Leistung der FVG besteht darin, dass sie – falls es
keine ihnen entsprechenden Vollverben (oder Adjektive) gibt – bestimmte
(zufällige) Lücken im System der deutschen Verben (und Adjektive) schließen
und auf diese Weise die Ausdrucksmöglichkeiten bereichern. So können z.B.
folgende FVG nicht durch entsprechende Vollverben oder Adjektive
paraphrasiert werden:

zur Vernunft bringen, auf den Gedanken bringen, in Auftrag gehen, zu Ansehen
gelangen, ins Gerede geraten, in Verzug geraten, in Frage kommen, in Gang
kommen.“ (Helbig/Buscha, 1993:103)

Es ist weiterhin unmöglich einige FVG mit dem entsprechenden Vollverb oder
Adjektiv (+ Kopula) zu umschreiben, wenn es sich bei dem FN um ein Lehnwort
aus einer Fremdsprache handelt, wobei nur das FN entlehnt wurde und kein
entsprechendes Verb oder Adjektiv:

ein Statement abgeben → statement (eng.) = eine öffentliche Erklärung

in Rage geraten → la rage (franz.) – die Wut

ein Attentat verüben → l’attentat (franz.) – ein Mord(versuch), der meistens


politisch motiviert ist

Blažević (1999:102) führt die Beispiele an, bei denen der Ersatz des FVG zwar
möglich ist, aber mit semantischem Unterschied:
„U nekim slučajevima SFG je moguće zamijeniti ekvivalentnim glagolom, no isti
se ili ne koristi u suvremenom njemačkom jeziku, već u dijalektima (a), ili se radi
o zastarjelom obliku kod kojeg je došlo do semantičkog pomaka (b), npr.:

a) Urlaub machen – urlauben

b) einen Vertrag schließen – vertragen.“

„In einigen Fällen ist es möglich ein FVG gegen ein equivalentes Verb
umzutauschen, aber dasselbe wird nicht in der deutschen Gegenwartssprache
gebraucht, sondern nur in ihren Dialekten (a), oder es handelt sich um eine
veraltete Form mit Bedeutungsverschiebung (b), z.B.:

a) Urlaub machen – urlauben

b) einen Vertrag schließen – vertragen.“

3) Nuancierung der Bedeutung

Diese Leistung weisen diejenigen FVG auf, zu denen es ein entsprechendes


Vollverb oder Adjektiv (+ Kopula) zwar gibt, aber zwischen ihnen sind gewisse
semantische Unterschiede zu verzeichnen (vgl. Yuan, 1986:191f.): Verstärkung
und Intensivierung der Bedeutung, Abschwächung der Bedeutung und
Objektivierung der Bedeutung.

a) Verstärkung und Intensivierung der Bedeutung

Ein FVG wirkt in seiner Bedeutung aussagekräftiger als das mit ihm
kommutierende Vollverb oder Adjektiv (+ Kopula):

eine Vergütung erhalten – wirkt nachdrücklicher als vergüten

ein Investment leisten – wirkt nachdrücklicher als investieren

b) Abschwächung der Bedeutung


Ein FVG wirkt in seiner Bedeutung abgeschwächt als das mit ihm
kommutierende Vollverb oder Adjektiv (+ Kopula):

eine Kontrolle ausüben – abgeschwächt in seiner Bedeutung gegenüber


kontrollieren

Kritik üben – abgeschwächt in seiner Bedeutung gegenüber kritisieren.

Es ist an dieser Stelle hinzuzufügen, dass meine Untersuchung an einem


kleineren Korpus von 1352 Belegen betitelt mit „Leistungen der FVG in
deutscher Konzernsprache“ (vgl. Marušić/Barišić, 2013:301) vorwiegend die
Verstärkung der Bedeutung ergab.

c) Objektivierung der Bedeutung

Es gibt einige FVG die sich dadurch auszeichnen, die ausgedrückte Handlung
noch objektiver ausdrücken zu können als die mit ihnen konkurrierenden
Vollverben oder Adjektiv (+ Kopula):

(gegen j-n) Anzeige erstatten – geschr.3; j-n bei der Polizei anzeigen
(Langenscheidt, 1993:300)

Das obige FVG gehört daher zu geschriebener Sprache und ist förmlich
aufzufassen, was mit Konstruktion j-n anzeigen nicht der Fall ist.

a) Er arbeitet gut.

b) Er leistet gute Arbeit.

Während der erste Satz eine emotionale Einstellung zur Handlung enthält, ist
der zweite als objektivere Ausdrucksweise aufzufassen.

3 Die Abkürzung geschr. steht für geschriebene Sprache, förmlich.


„Diese Leistung der FVG, die Objektivierung des Geschriebenen, wird in
Fachsprachen oft eingesetzt. Dabei kommt es stilistisch zu sachlicheren,
ernsthafteren Informationsvermittlung, was auch der Fall in deutscher
Konzernsprache ist.“ (Marušić/Barišić, 2013:302)

4) Veränderung der Mitteilungsperpektive

„Mit Hilfe der FVG ist es möglich, die Mitteilungsperspektive zu ändern oder zu
schattieren. Während das finite Verb an zweiter Stelle im Aussagesatz stehen
muss (unabhängig vom kommunikativen Mitteilungswert; vgl. dazu 14.4.1.),
treten die nominalen Teile des FVG infolge der Rahmenbildung (vgl. 1.4.3.4.13.)
an das Ende des Satzes und damit in eine Position, die den vom
Mitteilungsgehalt her wichtigsten Gliedern (mit der neuen Information)
zukommt:

Das behinderte Kind entwickelt sich gut.

→ Das behinderte Kind nimmt eine gute Entwicklung.

Er protokollierte bei den Verhandlungen der Kommission.

→ Er führte bei den Verhandlungen der Kommission Protokoll.

Ebenso kann das nominale Glied (bei emphatischer Hervorhebung oder bei
entsprechender Textverflechtung) in die Spitzenstellung treten:

Eine gute Entwicklung nimmt das behinderte Kind.“ (Helbig/Buscha,


1993:104)

Yuan (1986:195f.) gibt an, dass die Stellung des FN an erster Stelle zu dem
Zwecke der Hervorhebung zweierlei erfolgen kann:

„1) durch das FVG selbst: die mit dem FV [erfolgen] – Anmerkung des Autors –
gebildeten FVG sind dabei die typischen Beispiele, weil das FN in derartigen
FVG in vielen Fällen die Spitzenstellung einnimmt, wie z.B.:
Eine Antwort auf unser Schreiben ist bisher nicht erfolgt.
(Klappenbach/Steinitz s.v. erfolgen)

2) durch den Stellungswechsel: man kann auch hier durch das FN in


Spitzenstellung bringen, wie z.B.:

Sie können sich davon keine Vorstellung machen.

→ Keine Vorstellung können Sie sich davon machen.“

3.4.3. Pragmatische Leistungen der FVG

Die Pragmatik als sprachwissenschaftliche Disziplin untersucht die


kontextbedingte Anwendung der Sprache. Dabei werden die sprachlichen
Ausdrücke (Äußerungen) unter dem Gesichtspunkt ihres Inhalts analysiert. Der
Inhalt einer Äußerung (ein vereinzeltes Wort, Phrase oder ein ganzer Satz) wird
unabhängig von ihrer wirklichen Bedeutung, also kontextabhängig analysiert.
Die FVG vollbringen verschiedene pragmatische Leistungen, weil sie dem
sprachlichen Stil des Prädikats einen Beitrag leisten. Die FVG sind in
verschiedensten Sprachregistern der deutschen Gegenwartssprache zu treffen: in
verschiedenen Textsorten der geschriebenen Sprache (Literatur-, Zeitungs-,
Wissenschafts- und Fachsprache), in der gesprochenen Sprache
(Umgangssprache und Sprache der Massenmedien).

Dass der Nominalstil und somit auch die FVG einen erheblichen Einfluss auf die
Pragmatik in der deutschen Gegenwartssprache ausübt, hebt Herrlitz (1979:160)
hervor:

„daß Funktionsverbgefüge eine ’soziale’ Bedeutung haben, die mit ihren engen
Beziehungen zur Fachsprache, zur Wissenschaftssprache, zur Sprache der
Bürokratie zusammenhängt.“

Das Durchweben der deutschen Fachsprache mit FVG lässt sich am besten mit
folgendem Zitat bekräftigen: „…daß Funktionsverbgefügen im allgemeinen eine
soziale Bedeutung zukommt, daß sie nämlich einen ganz bestimmten Typ von
bürokratischer Kommunikationssituation entwerfen, der in bestimmten
Zusammenhängen funktional ist, der aber in allen anderen Kontexten
mindestens zu Verfremdungen oder sogar zu Brüchen in der
Kommunikationsbeziehung führt.“ (Herrlitz, 1979:160f.)

Helbig/Buscha (1993:105) konkretisieren die pragmatische Funktion der FVG


hinsichtlich der Fach- und Wissenschaftssprache:

„Da die FVG formelhaft sind und Modellcharakter haben, werden sie bevorzugt
in solchen Textsorten (z.B. Fach- und Wissenschaftssprache) verwendet, in denen
eine Art Dispositionsausdruck vorherrscht. Ein solcher Dispositionsausdruck
arbeitet stärker mit vorgeformten Fertigteilen, die die Denkbarkeit erleichtern
können.“

In besseren einsprachigen Wörterbüchern ist es möglich die Bezeichnungen für


die pragmatische Funktionen entweder ihnen zugrunde liegenden Vollverben
oder der FVG selbst zu finden. Schlagen wir in Langenscheidts Großwörterbuch
DaF (1993) folgende als FV fungierende Vollverben nach: abstatten, hegen,
kriegen, leisten, schenken, üben, finden wir folgende Bezeichnungen:

abstatten – geschr; 1 j-m einen Besuch a. j-n besuchen 2 j-m seinen Dank a. j-m
danken

hegen – 3 etw. h geschr; verwendet zusammen mit e-m Subst., um ein Verb zu
umschreiben; Abscheu gegen j-n / etw. h. ≈ j-n / etw. verabscheuen: Haß gegen j-n
/ etw. h. ≈ j-n / etw. hassen …

kriegen – etw. k. gespr ≈ bekommen1

leisten – 3 etw. l. geschr; verwendet zusammen mit e-m Subst., um ein Verb zu
umschreiben; j-m gute Dienste l. j-m gut dienen; j-m Ersatz l. j-m etw. ersetzen

schenken – 5 j-m / etw. s. geschr; verwendet zusammen mit e-m Subst., um ein
Verb zu umschreiben; j-m / etw. seine Aufmerksamkeit s. ≈ j-n / etw. beachten; j-
m / etw. Beachtung s. ≈ j-n / etw. beachten …
üben – 2 etw. ü. geschr; verwendet zusammen mit e-m Subst., um ein Verb zu
umschreiben; (an j-m / etw.) Kritik ü. ≈ j-n / etw. kritisieren; (an j-m) Rache ü ≈
sich an j-m rächen

Da die FVG die Fähigkeit besitzen, den Sprachstil zu bezeichnen, kommen sie in
der Fach- und Wissenschaftssprache frequent vor:

„Da bi se ustanovio doprinos SFG u obilježavanju stila jezika struke potrebno je


prije svega utvrditi što je karakteristično za jezik dotične struke. Kao što je
navedeno u poglavlju 9.1. jezik struke teži ekonomičnosti izražavanja,
preciznosti, standardiziranosti izraza, nominalnom načinu izražavanja,
anonimiziranju, te u izvjesnoj mjeri ekskluzivnosti koja se ogleda u korištenju
određenih izraza koji su karakteristični uglavnom za dotičnu struku. Budući da
se SFG pojavljuju u svim ovim funkcijama možemo s pravom reći da su to izrazi u
velikoj mjeri obilježavaju stil jezika struke.“ (Blažević, 1999:118)

„Um den Beitrag der FVG in der Stilkennzeichnung in der Fachsprache


festzustellen, bedarf es vor allem einer Feststellung, was für die jeweilige
Fachsprache charakteristisch ist. Wie in dem Kapitel 9.1. angegeben wurde,
neigt die Fachsprache zu ökonomischer Ausdrucksweise, Präzision,
Ausdrucksstandardisierung, nominaler Ausdrucksweise, Anonymität, und in
gewissem Maße zu der Exklusivität, die sich im Gebrauch gewisser Ausdrücke
widerspiegelt, die für das jeweilige Fach charakteristisch sind. Da die FVG alle
diesen Leistungen vollbringen, können wir mit Recht behaupten, dass diese
Ausdrücke im großen Maße den Stil der Fachsprache kennzeichnen.“
4. Analyse der FVG in deutscher Konzernsprache

4.1. Hypothesen

1. Die Frequenz der FVG pro Satz ist erhöht verglichen mit derselben in
deutscher Standardsprache.

2. Die häufigsten FVG des Sachgebiets deutsche Konzernsprache unterscheiden


sich deutlich von denjenigen in deutscher Standardsprache sowohl im ganzen (als
Belege) als auch durch die FN, die die Bedeutungsträger der FVG sind.

3. Die Semantik der belegten FVG aus dem Korpus weist gewisse Ähnlichkeiten
mit denjenigen FVG aus anderen Gebieten des Wirtschaftsdeutschen auf.

4. Aufgrund meiner früheren Untersuchung auf dem Sachgebiet der deutschen


Konzernsprache (vgl. Marušić/Barišić, 2013:298) setze ich voraus, dass die
Frequenz der fünf morphologischen Typen stark von derjenigen in deutscher
Standard- und Wissenschaftssprache abweicht. Dabei wird ziemlich starkes
Vorkommen des morphologischen Typs FV + NNom erwartet, insbesondere wegen
großer Frequenz der FV bestehen und erfolgen.

5. Im Korpus überwiegen die nicht-lexikalisierten FVG. Das gilt für alle


morphologischen Typen der FVG. Ich gehe von der Vermutung aus, dass die FVG
des Sachgebiets deutsche Konzernsprache in ihrer Lexikalisierung nicht so weit
vorangeschritten sind, weshalb sie häufig den Prozess der Attribuierung
ermöglichen und dabei mit verschiedensten lexikalischen Elementen erweiterbar
sind.

6. Die Attribuierung des FN stellt eine der Hauptleistungen der FVG in


deutscher Konzernsprache dar, denn der fachsprachliche Bedarf zur
Informationsdichte hat die Anhäufung der bedeutungstragenden Elementen im
Vorfeld des FN zur Folge. Dabei ist auch mit komplexen Attribuierungen zu
rechnen, weil es bei der deutschen Konzernsprache um die geschriebene Sprache
geht, die vom Leser nochmals gelesen und somit richtig verstanden werden kann
und folglich keine Rücksicht auf die Kapazität unseres Kurzzeitgedächtnisses
genommen werden muss: „Untersuchungen im Bereich der Kognition haben
ergeben, dass unser Kurzzeitgedächtnis eine beschränkte Anzahl von
Speicherzellen hat. Die maximale Zahl von Informationseinheiten, die das
Kurzzeitgedächtnis behalten kann, beträgt 7 + 2 (vgl. Schwarz 2008). Dieser
Befund kann nicht ohne Einfluss auf den Ausbau der Nominalphrasen bleiben.“
Pon (2011:144) Außerdem setzt die Konzernsprache ein fachlich besser gebildetes
Lesepublikum voraus, wessen sich auch ihre Verfasser bewusst sind, was zu
komplizierter Ausdrucksweise beiträgt.

7. „Es kommt in der Sprache vor, dass es keine mit FVG konkurrierenden
Vollverben (Adjektive) im Sprachsystem gibt. Die FVG haben dann die Funktion,
Lücken im Sprachsystem zu erfüllen und ermöglichen zusätzliche Arten der
Informationsvermittlung.“ (Marušić/Barišić, 2013:301). Ich nehme an, diese
semantische Leistung der FVG ist in deutscher Konzernsprache stärker
ausgeprägt, als auf anderen Gebieten des Wirtschaftsdeutschen. Blažević
(1999:169) verzeichnet 7 % solcher Bildungen in ihrem Korpus.

8. Die Anzahl der FVG, die als Passiversatz fungieren, beläuft sich auf mehr als
30% aller Belege. Der Begriff wurde zeit der wissenschaftlichen Untersuchungen
der passivwertigen FVG mit unterschiedlichen Fachtermini bezeichnet: „Die
FVG, die wir hier in Anlehnung an Bzdega (1980) als passivwertige FVG
bezeichnen, werden in der Literatur über die FVG auch Passiv-Ersatz (Daniels
1963; Köhler 1974), Passivumschreibungen (Kolb 1966; Schippan 1969),
Passivsynonyme (Starke 1975) u.ä. genannt.“ (Rösch, 1994:24f.) Die Hypothese
beruht auf Untersuchungen manchen Autoren (vgl. Daniels 1963, Rösch 1994,
Grunt 2011) und der Tatsache, dass es in deutscher Fachsprache im allgemeinen
sowie in deutscher Konzernsprache viele FV gibt, die innerhalb eines FVG
vorkommen und dabei keine Tätigkeitsverben sind, d.h. an der Subjektstelle
verlangen sie kein Agens, sondern das Patiens. „Das Passiv ist in Fachtexten
und somit in Gesetzestexten viel mehr als in anderen Texten verbreitet.
Passivische Funktionsverbgefüge sind dessen Konkurrenzformen und sind auch
oft in solchen Texten anzutreffen.“ (Grunt, 2011:163)
9. Es gibt eine kleine Anzahl der FVG, die als ausschließliche Fachtermini
fungieren. Obwohl sich die belegten FVG aus dem Korpus laut zweiter Hypothese
deutlich durch den Nominal- und Verbalteil von denjenigen in deutscher
Standardsprache unterscheiden, gibt es nur wenige FVG, die als ausschließliche
Fachtermini für deutsche Konzernsprache typisch sind. Die belegten FVG
können sowohl auf anderen Gebieten des Wirtschaftsdeutschen, als auch in
deutscher Standardsprache vorkommen.

4.2. Zum Korpus

Das Phänomen der FVG wurde, wie in früheren Kapiteln dieser Dissertation
präsentiert ist, ziemlich umfangreich durchgenommen. Das gilt insbesondere in
der ersten Phase der wissenschaftlichen Untersuchungen, d.h. nach den 60-er
Jahren des 20. Jh., als ein Wendepunkt in wissenschaftlicher Betrachtungsweise
dieser Konstrukte geschah. Es wurde damals angefangen, das Konstrukt nicht
mehr als stilistisch schlechtes Merkmal damaliger deutscher Gegenwartssprache
zu betrachten, sondern als ein in der Sprache wünschenswertes Konstrukt.
Außer den Ansätzen, das Konstrukt theoretisch zu beschreiben, gab es keine
korpusbasierten Untersuchungen in der Gegenwartssprache, geschweige denn
eine solche Analyse in der Fachsprache. Die Analyse der FVG war oft falsch,
denn sie erfolgte an erfundenen Beispielen:
„Es ist natürlich sehr viel mühsamer und zeitraubender, die aufgestellten
Behauptungen empirisch zu belegen als diese gleich selbst durch ein
selbstkonstruiertes Beispiel zu [legitimieren] – Anmerkung des Autors – (ein
Verfahren, das den Standards der wissenschaftlichen Forschung kaum gerecht
wird).“ (Kamber, 2008:38)

Einen weiteren Grund für diese Situation sieht derselbe Autor in starken
Einflüssen, die die generative Grammatik zu jener Zeit auf die
Sprachwissenschaft ausübte:
„Es wurde nicht in wohldefinierten Korpora nach Belegen (und Gegenbelegen!)
für die postulierten Regularitäten gesucht, sondern die [Belege] – Anmerkung
des Autors – wurden von den Autoren gleich selbst konstruiert.“ (Kamber,
2008:37)

Der heutige Stand der Untersuchungen wird am besten von Kamber beschrieben:
„Zur Frage der FVG im Deutschen – wie auch in anderen modernen europäischen
Sprachen – existiert unterdessen eine umfangreiche Forschungsliteratur. Wenn
diese Problematik hier erneut zum Gegenstand einer wissenschaftlichen
Untersuchung gemacht wird, dann bedarf dies einer Rechtfertigung. Eine solche
ist ganz einfach zu geben. Im Laufe unserer Beschäftigung mit der vorliegenden
Problematik mussten wir leider feststellen, dass insbesondere in der deutschen
Forschung kaum Bemühungen zur empirischen Absicherung der vorgetragenen
Hypothesen und Bewertungen unternommen worden sind.“ (Kamber, 2008:37)

Meine Überlegungen über die Art der passenden sprachwissenschaftlichen


Untersuchungen entwickelten sich immer in die Richtung der korpusbasierten
Untersuchungen. Vieleicht wegen der Tatsache, dass ich mich mit der
Fachsprache befasse, also mit der angewandten Linguistik. Ohnehin nehme ich
an, dass die Sprache nicht „konstruiert“ werden kann und dass solche Ansätze
völlig unzutreffend sind. Denn aufgrund unzutreffender (und manchmal
überhaupt nicht existierender) Beispiele lassen sich falsche Behauptungen
aufstellen. Ein solches L’art pour l’art ist in der Sprache unnötig und sogar
schädlich, zumal die falschen Vorstellungen jeder sprachwissenschaftlichen
Erscheinung sicherlich zu falschen Ergebnissen führen. Ebenso bei den FVG. Ich
bin fester Überzeugung, dass die sprachwissenschaftliche Untersuchung ihren
Zweck erfüllen kann, nur im Fall einer korpusbasierten Untersuchung. Denn die
sprachliche Untersuchung kann m.E. nur vom Sprachinneren, also erprobt in der
Sprachpraxis, vorgenommen werden.

Die durchgeführte Untersuchung ist ein korpusgetriebener Ansatz (engl. corpus-


driven approach), wobei kein vorgegebenes Modell zu Anfang der Untersuchung
besteht. Kamber (2008:40) führt an, dass bei einem solchen Ansatz:
„ …die Gesamtheit der gewonnenen Daten die Beschreibung leitet. Hier gibt es
keine selbständige, von den Belegen abgekoppelte Theorie, sondern die
Beobachtung führt zu Hypothesen, die ihrerseits zu Generalisierungen führen,
welche wiederum die Aufstellung von allgemeingültigen theoretischen Modellen
erlaubt. Dieser Prozess läuft keineswegs mechanisch; vielmehr bringt der
Sprachwissenschaftler bei jeder Etappe seine Kenntnisse und Erfahrung mit
ein.“

Das Korpus besteht aus den folgenden Geschäftsberichten der leitenden


deutschen Konzerne aus dem DAX Index für das Jahr 2011:
Adidas AG, Bayer AG, Beiersdorf AG, Daimler AG, Deutsche Börse Group AG,
Fresenius Medical Care AG, Metro AG, Münchener Rückversicherung AG, RWE
AG und SAP AG. Die Auswahl der Berichte aus dem DAX Index wurde so
getroffen, dass sich das Korpus über mehrere Branchen erstreckt:
Sportartikelbranche, Farmazie und Agrarwirtschaft, Kosmetik und Herstellung
von Klebebändern, Automobilindustrie, Börsenwesen, Herstellung von
Produkten für die Dialysetechnik, Handel, (Rück)versicherungswesen,
Energieversorgung und Unternehmenssoftware. Auf diese Weise wird der
Bereich der deutschen Konzernsprache sachlich und in vollem Umfang gedeckt.

In dieser Doktorarbeit wurde die Abgrenzung der FVG von Phraseologismen


aufgrund zwei Wörterbücher vorgenommen: Moderne deutsche Grammatik von
Wolf Friederich und Das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache des 20. Jh.
von Berlin-brandenburgischer Akademie der Wissenschaften.

4.3. Quantitative Analyse des Korpus

Das analysierte Korpus der deutschen Konzernsprache besteht aus 37982 Sätzen
und 7327 FVG. Das weist eine durchschnittliche Frequenz von 0.192 FVG pro
Satz auf. Tabellarisch sieht die Frequenz der FVG im Korpus folgenderweise aus:
Frequenz der FVG
Anzahl der FVG Anzahl der Sätze
je Satz
Adidas AG 795 4380 0.182
Bayer AG 755 3620 0.209
Beiersdorf AG 375 2011 0.186
Daimler AG 847 4458 0.190
Deutsche Börse 771 3552 0.217
Group AG
Fresenius Medical 800 3953 0.202
Care AG
Metro Group AG 727 4226 0.172
Münchener Rück 581 3377 0.172
AG
RWE AG 605 3636 0.166
SAP AG 1071 4769 0.225
Gesamt 7327 37982 0.192

Tabelle 2. Frequenz der FVG im Korpus – Einteilung nach einzelnen


Geschäftsberichten

Die Frequenz der FVG ist in allen Geschäftsberichten gleichmäßig verteilt. Die
Frequenzspanne der FVG je Satz beträgt 0.166 – 0.225, was ungefähr eine 16
prozentige Abweichung im Vergleich zum mittleren Wert im Korpus darstellt.
Größere Abweichungen vom Durchschnittswert gibt es im ganzen Korpus nicht.
Der Medianwert beträgt 0.188 FVG pro Satz.

Verglichen mit den Ergebnissen aus einem anderen Gebiet der


Wirtschaftssprache, demjenigen der deutschen Sprache der Hotellerie und
Tourismus (Blažević, 1999:125), ist die Frequenz der FVG in deutscher
Konzernsprache 102.75 % erhöht (0.0947 FVG je Satz gegenüber 0.192 FVG je
Satz). Diese Tatsache kann auf die Verschiedenheit der Satzstruktur in beider
Korpora zurückgeführt werden. Die Sätze im Korpus der deutschen
Konzernsprache weisen meistens komplexe Strukturen auf. Sie sind meistens
Perioden und bestehen aus mehreren zusammengezogenen Teilen, die auch
mehrere Prädikate beinhalten. In diesem Fall wächst die Wahrscheinlichkeit das
die Frequenz der FVG pro Satz höher wird, verglichen mit einem einfachen Satz,
der nur aus einem Prädikat bestehen würde.

Richter (1988:341) macht einen klaren Unterschied in der Frequenz der FVG
zwischen verschiedenen Registern der deutschen Sprache. Dabei stellt er die
Extremfälle fest, die die Alltagssprache und die gesprochene
Wissenschaftssprache darstellen:

„Die aus der Bedingtheit der FVG durch den Funktionalstil resultierende
Inhomogenität wird durch die unterschiedliche Ausnutzungsfrequenz dieser
Syntagmen in der gesprochenen Wissenschaftssprache (33%) und der
Alltagssprache (4%) bestätigt. Das erwähnte globale Urteil trifft demnach zwar
auch auf mündliche Äußerungen zu, aber nur auf solche mit betont sachlicher
Formulierungsqualität, zumal das Vorkommen einiger FVG in der
Alltagssprache als okkasionell angesehen werden muß.“

Die Ergebnisse meiner Untersuchung befinden sich im Rahmen dieser


Extremfälle.

Um die vorliegenden Daten aus dem Korpus analysieren und bearbeiten zu


können, bedarf es einer Datenbank im Excel Format. Da die Geschäftsberichte in
gedruckter Form vorkommen, musste jedes einzige Beispiel in die elektronische
Datei per Hand eingetragen werden. Für jedes Geschäftsbericht gibt es
sicherheitshalber eine gesonderte Datei und die Ergebnisse aus allen Dateien
wurden zu Ende der Analyse summiert und als Endergebnisse benutzt.

Die im Korpus belegten FVG wurden nach diesen Parametern ausgewertet:

1. Beispiel aus dem Korpus

2. Angabe zum Nominalteil

3. Angabe zum Verbalteil

4. Angabe zu morphologischem Typ

5. FVG als Fachtermini


6. Attribuierung des FN (adjektivisches Attribut, Komposita oder beides)

7. Determinator (unbestimmter Artikel, bestimmter Artikel, Negationsartikel


kein, Possessivpromen, Demonstrativpronomen, Interrogativpronomen,
Indefinitpronomen)

8. FVG nach Bedeutung (aktiv / passiv)

9. Angaben zu Lexikalisierung der FVG

Die auf diese Weise aufgestellten Parameter ermöglichten vielseitige Analyse des
Korpus.

4.3.1. Die häufigsten FVG im Korpus

Die häufigsten FVG im Korpus sind: zur Verfügung stehen – 113 Belege,
Auswirkung(en) haben – 106 Belege, zur Verfügung stellen – 74 Belege, Einfluss
haben – 67 Belege, Beitrag leisten – 56 Belege, Leistung erbringen – 52 Belege,
Vergütung erhalten – 51 Belege, im Zusammenhang stehen – 49 Belege, das
Risiko besteht – 43 Belege, die Bewertung erfolgt – 40 Belege, Prüfung
durchführen – 39 Belege, das Risiko entsteht – 38 Belege, Wert schaffen – 38
Belege, das Ziel verfolgen – 38 Belege, die Möglichkeit haben – 36 Belege,
Entscheidung treffen – 35 Belege, Recht gewähren – 34 Belege, Leistung
anbieten – 33 Belege, in Anspruch nehmen – 32 Belege, Ergebnis erzielen – 32
Belege, Maßnahme ergreifen – 32 Belege, das Recht ausüben – 31 Belege,
Anspruch haben – 31 Belege, Vertrag abschließen – 29 Belege, Wachstum
verzeichnen – 28 Belege, zum Einsatz kommen – 25 Belege, dem Risiko
unterliegen – 24 Belege, Abschreibung vornehmen – 22 Belege, Information
erhalten – 21 Belege, sich das Ziel setzen – 21 Belege, dieVerantwortung tragen –
21 Belege, einen Wert haben – 21 Belege, in Betrieb nehmen – 20 Belege,
Einfluss ausüben – 20 Belege, Vereinbarung treffen – 18 Belege, Zahlung leisten
– 17 Belege, Steigerung erzielen – 16 Belege.
Die FVG, die in weniger als 15 Fällen belegt sind, machen weniger als 0.2 % aller
Belege aus.

Die häufigsten zehn FVG im Korpus (651 Belege) machen 8.88 % der
Gesamtbelege im Korpus.

Die häufigsten zwanzig FVG im Korpus (1006 Belege) machen 13.73 % der
Gesamtbelege im Korpus.

Die häufigsten dreißig FVG im Korpus (1270 Belege) machen 17.33 % der
Gesamtbelege im Korpus.

Es gibt insgesamt 1429 FVG, die mit mehr als 15 Belege verzeichnet sind. Das
heißt, dass die Mehrheit der Belege – 5898 FVG oder 80.50 % mit weniger als 15
Belege (weniger als 0.2 % des Korpus) verzeichnet sind, wobei es eine breite
Streuung verschiedener FVG im Korpus gibt.

4.3.2. Quantitative Analyse der FVG im Korpus nach morphologischen Typen

Die Einteilung der FVG nach morphologischen Typen erfolgt in 5 Untergruppen:

1. Typ (1) Funktionsverb + Präpositionalgruppe

Anzahl der FVG Anzahl der FVG Prozentsatz des


des Typs 1 morphologischen
Typs
Adidas AG 795 153 19.25
Bayer AG 755 142 18.81
Beiersdorf AG 375 58 15.47
Daimler AG 847 187 22.08
Deutsche Börse 771 143 18.55
Group AG
Fresenius Medical 800 125 15.63
Care AG
Metro Group AG 727 145 19.94
Münchener Rück 581 97 16.70
AG
RWE AG 605 145 23.97
SAP AG 1071 211 19.70
Gesamt 7327 1406 19.19

2. Typ (2) Funktionsverb + Funktionsnomen im Akkusativ

Anzahl der FVG Anzahl der FVG Prozentsatz des


des Typs 2 morphologischen
Typs
Adidas AG 795 532 66.92
Bayer AG 755 433 57.35
Beiersdorf AG 375 243 64.80
Daimler AG 847 511 60.33
Deutsche Börse 771 498 70.04
Group AG
Fresenius Medical 800 536 67.00
Care AG
Metro Group AG 727 422 58.05
Münchener Rück 581 346 59.55
AG
RWE AG 605 392 64.48
SAP AG 1071 698 65.17
Gesamt 7327 4611 62.93

3. Typ (3) Funktionsverb + Funktionsnomen im Nominativ

Anzahl der FVG Anzahl der FVG Prozentsatz des


des Typs 3 morphologischen
Typs
Adidas AG 795 83 10.44
Bayer AG 755 150 19.86
Beiersdorf AG 375 53 14.13
Daimler AG 847 126 14.87
Deutsche Börse 771 106 13.75
Group AG
Fresenius Medical 800 96 12.00
Care AG
Metro Group AG 727 144 19.80
Münchener Rück 581 125 21.51
AG
RWE AG 605 55 9.09
SAP AG 1071 122 11.39
Gesamt 7327 1060 14.47

4. Typ (4) Funktionsverb + Funktionsnomen im Dativ

Anzahl der FVG Anzahl der FVG Prozentsatz des


des Typs 4 morphologischen
Typs
Adidas AG 795 13 1.63
Bayer AG 755 24 3.18
Beiersdorf AG 375 13 3.47
Daimler AG 847 17 2.01
Deutsche Börse 771 22 2.85
Group AG
Fresenius Medical 800 38 4.75
Care AG
Metro Group AG 727 11 1.51
Münchener Rück 581 9 1.55
AG
RWE AG 605 8 1.32
SAP AG 1071 20 1.87
Gesamt 7327 175 2.39

5. Typ (5) Funktionsverb + Funktionsnomen im Genitiv

Anzahl der FVG Anzahl der FVG Prozentsatz des


des Typs 5 morphologischen
Typs
Adidas AG 795 14 1.77
Bayer AG 755 6 0.79
Beiersdorf AG 375 8 0.27
Daimler AG 847 6 0.71
Deutsche Börse 771 2 0.26
Group AG
Fresenius Medical 800 5 0.63
Care AG
Metro Group AG 727 5 0.69
Münchener Rück 581 4 0.69
AG
RWE AG 605 5 0.83
SAP AG 1071 20 1.87
Gesamt 7327 75 1.02
Tabellen 3-7. Einteilung der FVG nach morphologischen Typen

Im Endergebnis sind die FVG folgenderweise eingeteilt:

1. Typ (1) 1406 Belege (19.19% der Gesamtbelege)

2. Typ (2) 4611 Belege (62.93% der Gesamtbelege)

3. Typ (3) 1060 Belege (14.47% der Gesamtbelege)

4. Typ (4) 175 Belege (2.41% der Gesamtbelege)

5. Typ (5) 75 Belege (0.85% der Gesamtbelege)

Da die Endergebnisse auf zwei Dezimalen aufgerundet wurden, macht das


prozentualische Endergebnis ein wenig unter 100 % aus, was den statistischen
Fehler darstellt.

Der Vergleich mit den Ergebnissen der wissenschaftlichen Untersuchung von


Blažević (1999:128f.), was die Einteilung der FVG in fünf morphologischen Typen
betrifft, entdeckt einige Besonderheiten in diesen zwei Korpora der deutschen
Wirtschaftssprache. Blažević (1999:129) gibt folgende Einteilung nach
morphologischen Typen an:

Typ 1 (FV + PrP): 35.69 %

Typ 2 (FV + FNAkk): 57.92 %

Typ 3 (FV + FNNom): 4.84 %

Typ 4 (FV + FNDat): 0.86 %

Typ 5 (FV + FNGen): 0.66 %

Der größte Unterschied ist im Typ 1 (FV + PrP) und Typ 3 (FV + FNNom) zu
verzeichnen. Der Typ 3 (FV + FNNom) ist im Korpus der deutschen
Konzernsprache viel stärker vertreten (14.48 % gegenüber 4.84 %), was auf die
FVG mit FV erfolgen, bestehen und entstehen zurückzuführen ist. Meine
Untersuchung der Leistungen der FVG in deutscher Konzernsprache aus dem
Jahre 2013 hat einen noch höheren Anteil dieses morphologischen Typs (19 %)
ergeben (vgl. Marušić/Barišić, 2013:298). Zur gleichen Zeit ist die Anzahl der
FVG des Typs 1 (FV + PrP) im Korpus der deutschen Konzernsprache bedeutend
weniger (19.01 % gegenüber 35.69 %).

An dieser Stelle sei noch anzumerken, dass bei meisten wissenschaftlichen


Untersuchungen der morphologischen Typen der FVG die Typen 1 und 2 mehr
als 90 % der Belege ausmachen. Bei der oben erwähnten Untersuchung von
Blažević sind es 93.96 %.

„I u nekim drugim istraživanjima su dobiveni slični pokazatelji. Tako npr. prema


Guttmacher (1980) u korpusu literarnih tekstova 63,69 % SFG pripada tipu FG +
FIa, a 36,31 % tipu FG + PS, a kod Handschacka (1989) tipu FG + FIa pripada
59,80 % SFG, dok tipu FG + PS pripada 36,31 % SFG.“ (Blažević, 1999:129)

„Auch einige andere Untersuchungen haben ähnliche Indikatoren ergeben. So


z.B. gehören nach Guttmacher (1980) im Korpus der literarischen Texte 63.69 %
der FVG dem Typ FV + FNAkk und 36.31 % dem Typ FV + PrP und bei
Handschack (1989) gehören dem Typ FV + FNAkk 59.80 % FVG, wobei dem Typ
FV + PrP 36.31 % der FVG gehören.“

In unserer Untersuchung beläuft sich die Summe der ersten zwei


morphologischen Typen auf 83.46 % was auf eine geringere Anzahl der
morphologischen Typs 1 (FV + PrP) zurückzuführen ist.

4.3.3. Quantitative Analyse der Konstituenten der FVG im Korpus

4.3.3.1. Quantitative Analyse der FV

Es gibt im Korpus 115 verschiedene FV. Hier liste ich alle im Korpus
vorkommenden FV in alphabetischer Reihenfolge auf: abgeben, abhalten,
abschließen, anbieten, antreten, aufnehmen, aufstellen, aufweisen, auslösen,
aussprechen, ausüben, bedeuten, bedürfen, sich befinden, beimessen, bekommen,
besitzen, bestehen, bieten, sich bieten, bleiben, bringen, durchführen, eingeben,
eingehen, einlegen, einnehmen, entgegenbringen, entgegennehmen, entstehen,
erbringen, erfahren, erfolgen, erfüllen, ergeben, ergreifen, erhalten, erheben,
erlangen, erlassen, erleiden, ernten, erstatten, erstellen, erteilen, erzielen, fallen,
fällen, fassen, finden, führen, geben, sich geben, gehen, gelingen, genießen,
geraten, gewähren, gewinnen, haben, halten, hegen, herrschen, kommen, legen,
leisten, liefern, liegen, machen, sich machen, melden, nehmen, pflegen, richten,
schaffen, sich schaffen, schenken, schlagen, schließen, sein, setzen, sich setzen,
stattfinden, spenden, stehen, stoßen, tätigen, tragen, treffen, treiben, treten, tun,
übernehmen, unterbreiten, unterhalten, unterliegen, unternehmen, unterwerfen,
unterziehen, verfolgen, verhängen, verleihen, verschaffen, vertreten,
verursachen, verzeichnen, vollziehen, vorlegen, vornehmen, wahrnehmen,
werden, werfen, zeigen, ziehen, zusammentreten.

Die Zahl der einfachen FV im Korpus beträgt 48. Die Zahl der FV mit
unbetonntem Präfix ist 42 und derjenigen mit betonntem Präfix 25. Es gibt im
Korpus 5 FV, die reflexiv sind.

Die frequentesten 10 FV nach vereinzelten Geschäftsberichten sind die


folgenden:

Adidas AG: haben – 90, bieten – 66, führen – 46, durchführen – 35, erhalten – 35,
erfolgen – 34, stehen – 32, sein – 27, bestehen – 26, erzielen – 25, verzeichnen –
24.

Bayer AG: erfolgen – 80, haben – 66, bestehen – 50, führen – 45, erzielen – 29,
erhalten – 25, vornehmen – 24, unterliegen – 21, leisten – 20, verzeichnen – 19.

Beiersdorf AG: haben – 36, erfolgen – 28, erhalten – 22, führen – 21, stehen – 16,
zeigen – 14, unterliegen – 13, bestehen – 12, durchführen – 12, erzielen – 12, sein
– 12.
Daimler AG: haben – 65, erfolgen – 56, führen – 53, stehen – 53, bestehen – 39,
erhalten – 38, erzielen – 30, geben – 30, gewähren – 27, entstehen – 24.

Deutsche Börse Group AG: haben – 72, bestehen – 44, führen – 41, erhalten – 36,
erfolgen – 34, bieten – 29, geben – 29, stehen – 26, durchführen – 23, entstehen –
23.

Fresenius Medical Care AG: haben – 81, erhalten – 67, erfolgen – 51, führen – 39,
durchführen – 32, unterliegen – 31, erzielen – 28, stehen – 27, anbieten – 26,
abschließen – 24, bieten – 22, geben – 22.

Metro Group AG: erfolgen – 71, haben – 49, bieten – 46, stehen – 39, bestehen –
38, führen – 37, erhalten – 25, gewähren – 24, entstehen – 19, geben – 18.

Münchener Rück AG: erfolgen – 53, bestehen – 47, haben – 45, erhalten – 34,
führen – 31, sein – 25, geben – 22, erzielen – 20, vornehmen – 20, stehen – 19,
verzeichnen – 19.

RWE AG: haben – 72, führen – 36, erzielen – 31, erhalten – 29, bestehen – 28,
geben – 23, stehen – 19, vornehmen – 19, abschließen – 18, kommen – 16, sein –
16.

SAP: haben – 115, bieten – 98, erhalten – 68, führen – 52, erfolgen – 45, erzielen
– 45, bestehen – 38, durchführen – 35, stehen – 33, sein – 29, stellen – 28,
schaffen – 27, entstehen – 25, abschließen – 20.

Die häufigsten FV im Korpus sind:


haben – 691 Belege, erfolgen – 464 Belege, führen – 401 Belege, erhalten – 379
Belege, bestehen – 342 Belege, bieten – 312 Belege, erzielen – 257 Belege, stehen
– 247 Belege, geben – 197 Belege, sein – 180 Belege, durchführen – 167 Belege,
vornehmen – 156 Belege, entstehen – 153 Belege, verzeichnen – 149 Belege,
abschließen – 144 Belege, unterliegen – 143 Belege, gewähren – 140 Belege,
anbieten – 131 Belege, kommen – 119 Belege, leisten – 105 Belege, stellen – 102
Belege, zeigen – 57 Belege. Alle anderen FV sind mit weniger als 50 Belege
vertreten, was prozentualisch weniger als 1 % des Korpus ausmacht.

Die häufigsten 10 FV im Korpus (3470 Belege) machen 47.4 % der Gesamtanzahl


(7327) der Belege aus. Da die häufigsten 10 FV im Korpus fast eine Hälfte des
Korpus darstellt, kann von einer großen Frequenz der ersten zehn platzierten
Verben: haben, erfolgen, führen, erhalten, bestehen, bieten, erzielen, stehen,
geben und sein in deutscher Konzernsprache gesprochen werden.

Die nächsten 10 FV (diejenigen, die an Stellen 11-20 platziert sind): durchführen,


vornehmen, entstehen, verzeichnen, abschließen, unterliegen, gewähren,
anbieten, kommen, leisten, machen weitere 19.2 % des Korpus aus. Die
Untersuchung der Häufigkeit der FV hat mit anderen Worten ergeben, dass die
ersten 10 FV 147 % häufiger sind, als die folgenden 10 FV.

Die häufigsten 20 FV im Korpus (4877 Belege) machen 66.6 % der Gesamtanzahl


(7327) der Belege aus.

Unter den ersten 10 FV gibt es 6 einfache Verben und 4 Verben mit betonntem
Präfix. FV mit unbetonntem Präfix sind in dieser Gruppe nicht belegt. Unter den
folgenden 10 FV gibt es 2 einfache und 8 präfigierte FV (4 mit betonntem und 4
mit unbetonntem Präfix).

Blažević (1999:150) führt die folgenden 10 FV nach ihrer Frequenz auf: haben,
geben, machen, sein, stehen, nehmen, kommen, stellen, bringen und finden.
Dabei überlappen sich die folgenden FV in beider Korpora der deutschen
Wirtschaftssprache: haben, stehen, geben und sein. Die tabellarische Übersicht
sieht folgendenweise aus:

FV in deutscher FV in der deutschen Sprache der


Konzernsprache Hotellerie und Tourismus
1. haben 9.43 % haben 11.30 %
2. erfolgen 6.33 % geben 7.78 %
3. führen 5.47 % machen 7.70 %
4. erhalten 5.17 % sein 6.29 %
5. bestehen 4.76 % stehen 6.05 %
6. bieten 4.26 % nehmen 5.96 %
7. erzielen 3.51 % kommen 5.38 %
8. stehen 3.37 % stellen 4.60 %
9. geben 2.69 % bringen 4.51 %
10. sein 2.44 % finden 3.27 %

Tabelle 8. Die zehn häufigsten FV in deutscher Konzernsprache und in der


deutschen Sprache der Hotellerie und Tourismus

Die Ergebnisse einer meinen Untersuchungen auf dem Sachgebiet


Wirtschaftsdeutsch (Marušić, 2012:150) haben folgende Reihenfolge der FV nach
ihrer Frequenz ergeben: haben, stehen, erhalten, kommen, führen, machen,
treffen, stellen, sein und nehmen. Kamber (2006:110) führt die folgenden 10 FV
auf, die nach Anne Hofstetter (1999) in der deutschen Standardsprache am
häufigsten vorkommen. Die Ergebnisse dreier Korpora sehen tabellarisch
folgendermaßen aus:

FV in deutscher FV im Wirtschaftsdeutsch FV in Standardsprache


Konzernsprache (Marušić, 2012:150) (Kamber, 2006:110)
1. haben 9.43 % haben 16.87 % bringen 15.74 %
2. erfolgen 6.33 % stehen 9.61 % sein 12.46 %
3. führen 5.47 % erhalten 7.35 % kommen 11.62 %
4. erhalten 5.17 % kommen 7.16 % sich befinden 7.78 %
5. bestehen 4.76 % führen 6.59 % stehen 7.50 %
6. bieten 4.26 % machen 5.93 % geraten 6.14 %
7. erzielen 3.51 % treffen 5.18 % nehmen 3.44 %
8. stehen 3.37 % stellen 4.90 % stellen 3.30 %
9. geben 2.69 % sein 4.42 % bleiben 3.21 %
10. sein 2.44 % nehmen 3.58 % setzen 3.16 %

Tabelle 9. Die zehn häufigsten FV in deutscher Konzernsprache, im


Wirtschaftsdeutschen und in der deutschen Standardsprache

Es gibt fünf FV, die im Korpora der deutschen Konzernsprache und des
Wirtschaftsdeutschen sowohl am häufigsten sind, als auch sich überlappen:
haben, führen, erhalten, stehen und sein. Das spiegelt die Tatsache wider, dass
die beiden Korpora zu demselben Gebiet der deutschen Fachsprache gehören. Auf
der anderen Seite sind die ersten sieben FV aus dem Korpus deutscher
Konzernsprache unter den ersten zehn platzierten FV in der deutschen
Standardsprache überhaupt nicht verzeichnet. Das führt zur Schlussfolgerung,
dass dieser Teil der deutschen Fachsprache bezüglich der FV stark von der
deutschen Standardsprache abweicht.

Im Korpus der deutschen Standardsprache sind nur die FV stehen und sein
verzeichnet, die nach Häufigkeit ihres Vorkommens erst an der achten und
zehnten Stelle im Korpus der deutschen Konzernsprache platziert sind.

4.3.3.2. Quantitative Analyse der FN

Es gibt im Korpus insgesamt 874 belegte FN. Die vollständige Liste der belegten
FN im Korpus der deutschen Konzernsprache befindet sich im Anhang 4.

Die frequentesten 10 FN nach vereinzelten Geschäftsberichten sind die


folgenden:

Adidas AG: Ziel – 21, Auswirkung – 18, Bedeutung – 17, Verfügung – 17,
Möglichkeit – 14, Risiko – 14, Zusammenhang – 14, Erlebnis – 11, Vergütung –
11, Vertrag – 10, Verantwortung – 9.
Bayer AG: Auswirkung – 16, Beitrag – 15, Betrieb – 11, Maßnahme – 11,
Verfügung – 11, Anspruch – 10, Einfluss – 10, Steigerung – 10, Ziel – 10,
Möglichkeit – 9, Prüfung – 9, Recht – 9, Wachstum – 9, Wert – 9.

Beiersdorf AG: Wachstum – 15, Bedeutung – 10, Risiko – 8, Verfügung – 8,


Entwicklung – 6, Möglichkeit – 6, Rate – 6, Vergütung – 6, Auswirkung – 5,
Einfluss – 5, Recht – 5, Zustimmung – 5.

Daimler AG: Risiko – 30, Verfügung – 28, Einfluss – 20, Wert – 17, Anspruch –
16, Zusammenhang – 16, Bedeutung – 12, Recht – 11, Ziel – 11, Beitrag – 10.

Deutsche Börse Group AG: Leistung – 26, Verfügung – 20, Wert – 16, Ziel – 15,
Möglichkeit – 14, Risiko – 14, Vergütung – 11, Kontrolle – 10, Maßnahme – 10,
Standard – 10.

Fresenius Medical Care AG: Leistung – 25, Behandlung – 19, Prüfung – 18,
Verfügung – 18, Anspruch – 16, Recht – 13, Auswirkung – 12, Einfluss – 12,
Information – 11, Möglichkeit – 11, Vereinbarung – 11, Vergütung – 11.

Metro Group AG: Recht – 21, Bedeutung – 20, Verfügung – 19, Leistung – 18,
Anspruch – 14, Ziel – 13, Wert – 12, Möglichkeit – 11, Risiko – 11, Beitrag – 9.

Münchener Rück AG: Risiko – 25, Bedeutung – 24, Anspruch – 15, Bewertung –
13, Recht – 11, Abschreibung – 9, Auswirkung – 9, Verfügung – 9, Zusage – 9,
Beschränkung – 8, Leistung – 8, Möglichkeit – 8.

RWE AG: Einfluss – 21, Betrieb – 20, Verfügung – 13, Beitrag – 10, Zahlung –
10, Ziel – 10, Erhöhung – 8, Risiko – 8, Vertrag – 8, Einsatz – 7, Leistung – 7.

SAP AG: Verfügung – 47, Leistung – 31, Auswirkung – 28, Möglichkeit – 28,
Wert – 21, Recht – 20, Wachstum – 18, Entscheidung – 17, Anspruch – 15,
Einfluss – 15.
Die häufigsten FN im Korpus sind:
Verfügung – 307 Belege, Leistung – 132 Belege, Risiko – 128 Belege, Recht –
118 Belege, Auswirkung – 116 Belege, Möglichkeit – 115 Belege, Wert – 111
Belege, Anspruch – 107 Belege, Einfluss – 106 Belege, Ziel – 101 Belege,
Wachstum – 80 Belege, Vergütung – 77 Belege, Beitrag – 74 Belege, Prüfung –
74 Belege, Bewertung – 62 Belege, Maßnahme – 62 Belege, Zahlung – 56 Belege,
Vertrag – 55 Belege, Ergebnis – 53 Belege, Vereinbarung – 51 Belege,
Zusammenhang – 51 Belege, Betrieb – 46 Belege, Verantwortung – 45 Belege,
Abschreibung – 44 Belege, Einsatz – 41 Belege, Entwicklung – 39 Belege,
Information – 38 Belege, Entscheidung – 37 Belege, Erhöhung – 32 Belege,
Steigerung – 31 Belege, Standard – 27 Belege, Zusage – 26 Belege, Zustimmung
– 26 Belege, Behandlung – 22 Belege, Beschränkung – 17 Belege, Erlebnis – 17
Belege.

Die häufigsten 10 FN im Korpus (1341 Belege) machen 18.3 % der Gesamtanzahl


(7327) der Belege aus.
Die häufigsten 20 FN im Korpus (1985 Belege) machen 27.1 % der Gesamtanzahl
(7327) der Belege aus.
Die häufigsten 30 FN im Korpus (2389 Belege) machen 32.6 % der Gesamtanzahl
(7327) der Belege aus.

Die Ergebnisse der Korpusuntersuchung haben bestätigt, dass die ersten 10 FN


108 % häufiger sind, als die zweiten 10 FN und 233 % häufiger als die dritten 10
FN.

Die quantitative Analyse der FN in der deutschen Sprache der Hotellerie und
Tourismus hat die folgende Reihenfolge der häufigsten FN ergeben: Verfügung,
Anspruch, Bedeutung, Fragen, Reise, Möglichkeit, Wert, Entscheidung, Kontakt
und Einfluss. Der tabellarische Vergleich sieht folgendenweise aus:
FN in deutscher FN in der deutschen Sprache der
Konzernsprache Hotellerie und Tourismus
1. Verfügung 4.19 % Verfügung 5.47 %
2. Leistung 1.80 % Anspruch 2.94 %
3. Risiko 1.75 % Bedeutung 2.32 %
4. Recht 1.61 % Fragen 1.86 %
5. Auswirkung 1.58 % Reise 1.82 %
6. Möglichkeit 1.57 % Möglichkeit 1.66 %
7. Wert 1.51 % Wert 1.53 %
8. Anspruch 1.46 % Entscheidung 1.41 %
9. Einfluss 1.44 % Kontakt 1.32 %
10. Ziel 1.38 % Einfluss 1.24 %

Tabelle 10. Die zehn häufigsten FN in deutscher Konzernsprache und in


der deutschen Sprache der Hotellerie und Tourismus

Der direkte Vergleich dieser zwei Korpora aus dem Gebiet Wirtschaftsdeutsch
weist eine starke semantische und zugleich thematische Verwandtschaft
auf, die ihren Ausdruck in einer starken Überlappung der frequentesten FN in
beider Korpora findet. Die folgenden fünf FN befinden sich unter den zehn
frequentesten in beiden Korpora: Verfügung, Möglichkeit, Wert, Anspruch und
Einfluss.

Manche FN ermöglichen die Reihenbildung, d.h. sie sind mit mehreren FV


kombinierbar. An dieser Stelle führe ich die häufigsten FN im Korpus zusammen
mit ihnen verknüpfbaren FV auf:

FN in deutscher Die mit FN kombinierbaren


Konzernsprache FV
1. Verfügung zur V. führen, haben, stehen, stellen
2. Leistung eine L. erhalten, (an)bieten, ausüben,
erzielen, erbringen, gewähren, geben, halten,
die L. tragen, Leistungen finden … statt,
zur L. führen
3. Risiko ein / das R. bedeuten, besteht, (an)bieten,
eingehen, entsteht, geben, halten,
übernehmen, die Risiken aufnehmen, tragen,
wahrnehmen, dem R. unterliegen,
unter R. stehen
4. Recht ein / das R. ausüben, das R. besteht,
erlangen, gewähren, haben, halten,
verleihen, wahrnehmen, Rechte anbieten,
erhalten, erteilen, geben, leisten,
übernehmen, dem Recht unterliegen
5. Auswirkung Auswirkungen haben, halten, zu einer A.
führen, zu Auswirkungen kommen,
die Auswirkungen zeigen
6. Möglichkeit die M. bedeuten, (an)bieten, besteht,
erhalten, haben, geben, Möglichkeiten
bekommen, bieten sich, schaffen, zeigen
7. Wert einen W. aufweisen, bieten, ergeben,
erhalten, genießen, haben, halten, verfolgen,
den W. erbringen, W. legen, schaffen, Werte
entstehen, erzielen, führen, verzeichnen,
übernehmen, unter dem W. liegen,
zu einem Wert führen
8. Anspruch einen A. erhalten, verleihen, den A.
gewähren, haben, Ansprüche bestehen,
entstehen, erheben, stellen, in A. nehmen
9. Einfluss einen E. ausüben, E. erlangen, haben,
nehmen, einem E. unterliegen,
unter dem E. stehen
10. Ziel das Z. haben, verfolgen, setzen, sich das Z.
setzen, das Z. besteht, Ziele geben, einem Z.
unterliegen, zum Z. erheben, haben,
sich zum Z. setzen
11. Wachstum ein W. aufweisen, erzielen, melden, zeigen,
das W. findet … statt, treiben, verzeichnen,
W. schaffen, tragen,
zu einem Wachstum führen
12. Vergütung eine V. bieten, erhalten, gewähren, vorlegen,
die V. besteht, erfolgt, zu einer V. führen
13. Beitrag einen B. erbringen, leisten, liefern, den B.
ergeben, erhalten, erzielen, Beiträge
erheben, gewähren, zu einem B. führen
14. Prüfung eine P. vornehmen, die P. abschließen,
durchführen, erfolgt, findet … statt,
Prüfungen bieten, einer P. unterliegen,
unterziehen, sich in der P. befinden
15. Bewertung eine B. durchführen, die B. abschließen,
erfolgt, findet … statt, vornehmen, B.
erzielen, Bewertungen abgeben
16. Maßnahme eine M. durchführen, ergreifen, treffen, die
Maßnahmen auslösen, erfolgen, finden …
statt, vorlegen, wahrnehmen,
zu Maßnahmen führen
17. Zahlung eine Z. erfolgt, halten, die Z. aufnehmen,
vornehmen, Zahlungen bieten, erhalten,
gewähren, leisten, zu einer Z. führen,
zu Zahlungen kommen
18. Vertrag ein V. besteht, einen V. anbieten,
(ab)schließen, den V. übernehmen, die
Verträge geben, unter V. nehmen,
zu einem V. führen
19. Ergebnis ein E. verursachen, verzeichnen, das E.
zeigen, Ergebnisse erzielen, zu einem E.
führen, zu dem E. kommen
20. Vereinbarung eine V. schließen, Vereinbarungen
abschließen, bestehen, haben, treffen,
unterhalten

Tabelle 11. Reihenbildung der frequentesten FN aus dem Korpus


der deutschen Konzernsprache

Die obige Tabelle zeigt deutlich, dass die frequentesten FN aus dem Korpus der
deutschen Konzernsprache ein bedeutendes Potential besitzen, was die
Verknüpfung mit verschiedenen FV anbelangt, d.h. sie ermöglichen eine
Reihenbildung von FVG mit demselben FN. Die unterschiedlichen FV verleihen
den Konstrukten die Möglichkeit der Differenzierung von Aktionsarten und
daher die Variierung ihrer (sonst ähnlichen) Bedeutungen:

zu einer Zahlung führen [caus]


zu einer Zahlung kommen [incho]
die Zahlungen leisten [dur].

Die Korpusanalyse hat ergeben, dass die häufigsten 20 FN eine Reihenbildung


mit folgender Gesamtzahl der FV ermöglichen: Wert – 18 FV, Recht – 15 FV,
Risiko – 14 FV, Leistung – 12 FV, Möglichkeit – 11 FV, Wachstum, Zahlung – 10
FV, Anspruch, Beitrag, Maßnahme, Prüfung, Ziel – 9 FV, Vertrag – 8 FV,
Bewertung, Vergütung – 7 FV, Einfluss, Ergebnis, Vereinbarung – 6 FV,
Auswirkung – 5 FV, Verfügung – 4 FV.

Bei den FN, die am wenigsten zur Reihenbildung fähig sind (Verfügung,
Auswirkung), handelt es sich um sehr produktive FN (die erste und fünfte Stelle
unter den FN im Korpus). Bei den FVG mit FN Verfügung handelt es sich um
stark lexikalisierte Konstrukte, so dass sie ausschließlich in Form von zur
Verfügung stellen / stehen (nur zwei Belege in ganzem Korpus mit zur
Verfügung haben und ein Beleg mit zur Verfügung führen) vorkommen. Bei den
FVG mit FN Auswirkung kommt das Konstrukt im Plural in Form von
Auswirkungen haben mit überwältigender Mehrheit zum Vorschein. Die
übriggebliebenen FV (führen, halten, kommen, zeigen) kommen im Korpus nur
sporadisch vor.

Es wäre interessant, unsere Ergebnisse mit den Ergebnissen zur Fähigkeit von
FN zur Reihenbildung von Blažević (1999:152f.) zu vergleichen. Die 10
frequentesten FN im Korpus der deutschen Konzernsprache binden an sich im
Durchschnitt 10.2 FV. Zur gleichen Zeit verbinden sich die 10 frequentesten FN
im Korpus der deutschen Sprache der Hotellerie und Tourismus durchschnittlich
mit 5.7 FV. Blažević (1999:153) führt nur ein FN (Kontakt), das mit mehr als
zehn FV im Korpus vorkommt. Im Korpus der deutschen Konzernsprache sind es
fünf unter den zehn häufigsten FN.

Wie aus der Tabelle 12. ersichtlich ist, gibt es im Korpus 5 unter den
frequentesten 10 FN, die in beider Korpora vorkommen: Verfügung, Anspruch,
Möglichkeit, Wert, Einfluss. Der Vergleich ihrer Verknüpfbarkeit mit
unterschiedlichen FV sieht folgendenweise aus:

Deutsche Sprache der


Deutsche Konzernsprache
Hotellerie und Tourismus
FN Zahl der FV FN Zahl der FV
1. Verfügung 3 Verfügung 4
2. Anspruch 9 Anspruch 5
3. Möglichkeit 11 Möglichkeit 5
4. Wert 18 Wert 4
5. Einfluss 6 Einfluss 6

Tabelle 12. Vergleich der Reihenbildungskapazität von FN im Korpus


der deutschen Konzernsprache und deutscher Sprache der
Hotellerie und Tourismus.

Aus der Tabelle 12. ist ersichtlich, dass die FN im Korpus der deutschen
Konzernsprache über stärkere Fähigkeit zur Reihenbildung verglichen mit
denjenigen aus dem Korpus der deutschen Sprache der Hotellerie und Tourismus
verfügen. Dieselben fünf FN kommen in zwei Korpora in Verknüpfung mit
insgesamt folgender Anzahl der FV vor: 47 FV im Korpus der deutschen
Konzernsprache gegenüber 24 FV im Korpus der deutschen Sprache des
Hotellerie und Tourismus.

Aus der obigen Analyse lässt sich eine Schlussfolgerung ziehen, dass die FN im
Korpus der deutschen Konzernsprache fast doppelte Fähigkeit zur Reihenbildung
im Vergleich mit diesem anderen Bereich des Wirtschaftsdeutschen besitzen.
Attribuierung des FN

Die Korpusanalyse hat ergeben, dass die Mehrheit der im Korpus befindlichen
FN attribuiert sind. Eine Kategorie der FVG deren FN nicht attribuierbar sind,
sind die sog. lexikalisierte oder eigentliche FVG. Da ihre Bestandteile einen
hohen Festigkeitsgrad aufweisen, gibt es in solchen Konstrukten keinen Raum
für eine zusätzliche Attribuierung weder im Vorfeld noch im Nachfeld des FN.
Die Beispiele aus dem Korpus schließen folgende FVG ein: zur Verfügung stehen
/ stellen / haben, zur Kenntnis nehmen, in den Blick nehmen, in Anspruch
nehmen, im Amt sein, in Kontakt treten, an Bedeutung gewinnen, an Tempo
gewinnen … Manche von diesen lexikalisierten FVG gehören dem
morphologischen Typ 1 (FV + PrP).

Die nicht-lexikalisierten FVG haben ein oder mehrere Attribute vor allem im
Vorfeld des FN. Diese Art der Attribuierung ermöglicht den FVG präzisere
Ausdrucksweise verglichen mit demselben Inhalt, der durch mit FVG
konkurrierenden Konstrukten ausgedrückt wäre. Die deutsche Konzernsprache
nutzt diese Möglichkeit in großem Ausmaß aus. Das Korpus wurde im Vorfeld
des Nomens nach Bestand folgender Attribute analysiert: einfaches Attribut
(Adjektiv, Partizip Präsens, Partizip Perfekt), Bestimmungswort einer
Zusammensetzung oder beides.

Von 7327 FVG gibt es 3382 FVG, die im Vorfeld des FN nicht attribuiert sind.
Daher sind 46.2 % aller Belege im Vorfeld des FN nicht attribuiert. Das einfache
Attribut im Vorfeld des Nomen ist im Korpus mit 2694 Belegen verzeichnet, was
36.7 % aller Belege ausmacht. Das Attribut in Form von einem
Bestimmungswort innerhalb eines Kompositums ist mit 2055 Belegen
verzeichnet, was 28.1 % aller Belege ausmacht. Die obigen Ergebnisse zeigen,
dass das FN im Vorfeld des Nomens häufiger durch ein einfaches Attribut
(Adjektiv, Partizip Präsens, Partizip Perfekt), als durch ein Bestimmungswort
innerhalb eines Kompositums attribuiert wird. Eine der Besonderheiten der
Attribuierung des FN spiegelt sich durch die Möglichkeit der Anhäufung von
mehrgliedrigen Attributen im Vorfeld des FN wider. So ist die Kombination von
einem einfachen Attribut kombiniert mit einem Bestimmungswort innerhalb
eines Kompositums in 807 Fällen verzeichnet. Das macht 11 % aller Belege. Hier
führe ich zwei illustrative Beispiele solcher mehrfachen Attribuierung auf:

„Der Bereich Group Internal Audit der METRO AG erbringt unabhängige und
objektive Prüfungs- und Beratungsleistungen in der METRO GROUP …“ (Metro
AG, 2011:154)

„Wir haben uns ambitionierte Ziele gesetzt: Im Themenbereich [Products] –


Anmerkung des Autors – wollen wir bis zum Jahr 2020 erreichen, dass 50%
unseres Umsatzes mit Produkten erwirtschaftet werden, die eine signifikant
reduzierte Umweltbelastung aufweisen.“ (Beiersdorf AG, 2011:96)

Ein weiterer Schritt in der sprachwissenschaftlichen Analyse wird durch die


Feststellung gemacht, ob die NP durch ein Determinativ eingeleitet wird. Als
Determinative können folgende Elemente fungieren: der bestimmte Artikel (BA),
der unbestimmte Artikel (UA), Negationsartikel kein (NA kein),
Possesivpronomen (PP), Demonstrativpronomen (DP), Indefinitpronomen (IP),
Interrogativpronomen (ITP)4.

Die quantitativen Ergebnisse der Korpusanalyse sehen folgenderweise aus:

Der bestimmte Artikel ist mit 2114 Belegen, der unbestimmte Artikel mit 1655
Belegen, der Negationsartikel kein mit 352 Belegen, das Possessivpronomen mit
161 Belegen, das Demonstrativpronomen mit 76 Belegen, das
Indefinitivpronomen mit 32 Belegen, das Interrogativpronomen mit 21 Belegen
vertreten. Es gibt 4411 FN, die durch ein Determinativ eingeleitet werden. Das
macht 60.2 % aller Belege aus. Pon (2011:153f.) analysiert das Vorkommen des
Determinativs bei NP mit zwei bzw. drei Elementen. Die attributlosen NP mit
einem Determinativ kommen bei NP mit zwei Elementen (die sog. Minimalstufe)
in 19 % der Fälle vor. Mit der Erhöhung der Elementenzahl innerhalb der NP

4
Da die germanistischen Sprachwissenschaftler sich darüber nicht einig sind, wie die Gruppe der Determinative
zu definieren ist, führt Pon (2011:277) im Anhang 1: Das Inventar der Determinative die Einteilung der
genannten Gruppe von Zifonun et al. 1997, Eisenberg 2004, Eroms 2000, Engel 2004, 2009, Duden 2006, Helbig
/ Buscha 2001 auf.
steigt auch die Frequenz von Vorkommen des Determinativs. Die aus drei
Elementen bestehenden NP kommen mit einem Determinativ in 66 % der Fälle
vor. Da es im Korpus der deutschen Konzernsprache mehrheitlich um nicht-
lexikalisierte FVG geht, wobei die FN aus mehr als zwei Elementen bestehen,
ergab meine Untersuchung ein ähnliches Ergebnis von 60 %.

Die Frequenz der Determinative spiegelt direkt die Meinungen der


Sprachwissenschaftler wider, dass es unter ihnen auch eine Hierarchie mit
prototypischen Elementen im Zentrum der Kategorie Determinativ gibt und
peripheren Elementen, die am Rande der Kategorie angesiedelt sind:
„Dass Elemente, die wir als Determinativ bezeichnen möchten, nicht alle die
gleichen Merkmale und Aufgaben haben, verursacht wahrscheinlich die oben
angesprochene Uneinigkeit der Linguisten hinsichtlich der Frage, welche
Elemente zum Determinativinventar gerechnet werden sollen. Diesen
Fragekomplex spricht auch Bittner (2006) an, wenn sie von einem skalaren
Übergang von primär adjektivischen Spezifikatoren zu primär grammatischen
Determinatoren redet, wobei sich die primär grammatischen Determinatoren
dadurch auszeichnen, dass sie nicht nur die Determinationsfunktion, sondern
auch die ausgelagerte Substantivflexion realisieren. Offensichtlich lässt sich das
zur Diskussion stehende Phänomen besser erfassen, wenn auf die
objektivistische Kategorienbestimmung verzichtet wird und wenn stattdessen
prototypentheoretisch verfahren wird – wie oben vorgeschlagen.
Dementsprechend sind Artikelwörter die besten Kandidaten für die
Determinativfunktion, während andere Elemente, die als Determinativ
bezeichnet werden, an der Peripherie angesiedelt sind.“ (Pon, 2011:65)

4.3.3.3. Quantitative Analyse der FPrp

Es gibt 1406 FVG (19.2 %) im Korpus, die mit einer Präposition vorkommen und
deshalb zu den FVG des morphologischen Typs 1 (FV + PrP) gehören. Die
folgenden Präpositionen dienen als Kopf der PrP innerhalb eines FVG: an, auf,
außer, in, unter, von, vor und zu. Nach vereinzelten Geschäftsberichten sind sie
folgenderweise gestreut:

an auf außer in unter von vor zu


Adidas AG 3 0 0 45 5 16 1 81
Bayer AG 1 0 2 57 2 7 0 77
Beiersdorf AG 1 0 0 24 0 6 0 27
Daimler AG 2 0 0 65 5 9 3 103
Deutsche Börse Group AG 2 0 0 51 3 6 1 82
Fresenius Medical Care AG 3 0 0 43 3 6 3 65
Metro Group AG 9 0 0 39 7 9 2 82
Münchener Rück AG 0 0 0 23 4 21 0 49
RWE AG 0 1 2 55 3 3 1 80
SAP AG 2 12 0 51 3 8 0 127
Gesamt 23 13 4 453 35 94 11 773

Tabelle 13. Funktionale Präpositionen nach vereinzelten Geschäftsberichten

Mehr als die Hälfte der FVG des morphologischen Typs 1 (FV + PrP) enthält die
Präposition zu mit 773 Belegen (55 %). An der zweiten Stelle kommt die
Präposition in mit 453 Belegen (33.2 %). An der dritten Stelle ist die Präposition
von mit 94 Belegen (6.7 %). Die übrigen auf Plätzen vier bis acht verzeichneten
Präpositionen unter, an, auf, vor, außer machen zusammen ca. 6 % des
morphologischen Typs 1 aus.

Funktionale Präposition FVG nach betreffender Präposition mit mehr als


drei Belege
zu zur Verfügung stehen (113 Belege)
zur Verfügung stellen (74 Belege)
in im Zusammenhang stehen (49 Belege)
in Anspruch nehmen (39 Belege)
in Einklang stehen (33 Belege)
in Betrieb nehmen (17 Belege)
von von Bedeutung sein (80 Belege)
von Relevanz sein (3 Belege)
unter unter der Bedingung stehen (8 Belege)
unter Druck geraten (3 Belege)
unter dem Eindruck stehen (3 Belege)
an an Bedeutung gewinnen (17 Belege)
vor vor Herausforderungen stellen (6 Belege)
vor Herausforderungen stehen (5 Belege)
außer außer Betrieb nehmen (3 Belege)

Tabelle 14. FVG nach vereinzelten Präpositionen mit mehr als drei Belegen

Die häufigsten zwei Präpositionen (zu, in) kommen oft verschmolzen mit ihnen
folgenden bestimmten Artikeln vor: zum Einsatz kommen, zum Erliegen
kommen, zum Ziel haben, sich im Besitz befinden, im Einklang stehen, im Amt
sein. Die Präposition von, die auch die Möglichkeit besitzt, sich mit dem darauf
kommenden bestimmten Artikel dem zu verschmelzen kommt innerhalb der
FVG unverknüpft. Alle anderen Präpositionen kommen in FVG des Typs I.
unverschmolzen vor.

4.3.4. Analyse anderer Merkmale der FVG

4.3.4.1. Lexikalisierbarkeit der FVG

Hinsichtlich ihrer Festigkeit sind zwei Gruppen der FVG zu unterscheiden:

1. lexikalisierte (eigentliche) FVG

zur Verfügung stehen / stellen / haben, im Amt sein, im Bau sein

2. nicht-lexikalisierte (uneigentliche) FVG


Über „den graduellen Unterschied“ zwischen zwei Gruppen geben Helbig/Buscha
(1993:95) Folgendes an:

„Er wird bedingt, durch die sprachliche Entwicklung, d.h. durch den Prozeß der
zunehmenden Grammatikalisierung der FV (ursprünglich lexikalische Wörter
verwandeln sich zu grammatischen Wörtern) und der – damit verbundenen –
zunehmenden Lexikalisierung (und Stabilisierung) der FVG.“

Wegen der Graduierung zwischen diesen zwei Gruppen, stellt die Zuordnung von
FVG zu beiden Gruppen eine teils subjektive Einschätzung dar. Im Korpus der
deutschen Konzernsprache gibt es vielmehr nicht-lexikalisierte (uneigentliche)
FVG. Ihr Gesamtanzahl beläuft sich auf 6341 Belege, was einen Prozentanteil
von 86.5 % ausmacht. Der kleinere Anteil (986 FVG) gehört zu den
lexikalisierten FVG (13.5 %).

Die lexikalisierten FVG gehören zu allen morphologischen Typen der FVG: Typ 1
(FV + PrP), Typ 2 (FV + FNAkk), Typ 3 (FV + FNNom), Typ 4 (FV + FNDat) und Typ
5 (FV + FNGen). In der Mehrheit der Fälle handelt es sich um den ersten Typ,
wobei die Präposition zur Erstarrung des Konstruktes und somit zum erhöhten
Lexikalisierungsgrad des Konstruktes beiträgt. Der Anteil des morphologischen
Typs 1 an den lexikalisierten FVG beträgt 77 %. An der zweiten Stelle ist der
zweite morphologische Typ, desen Anteil an lexikalisierten FVG 16 % beträgt. Es
folgt der morphologische Typ 5 mit 4 % aller lexikalisierten Belege. Der
morphologische Typ 3 ist mit fast 3 % vertreten. Der morphologische Typ 4 (FV +
FNDat) ist mit nur einem Beleg vertreten. An dieser Stelle ist es bemerkenswert,
eine starke Zugehörigkeit der lexikalisierten FVG mit ca. 93 % zu den zwei
morphologischen Grundtypen zu betonen.

Die häufigsten lexikalisierten FVG sind zur Verfügung stehen / stellen, die
Möglichkeit bieten, im Zusammenhang stehen, in Einklang stehen, die
Möglichkeit haben, in Anspruch nehmen, in Betrieb nehmen, in Kontakt treten,
an Bedeutung gewinnen.
Die Lexialisierten FVG kommen mit folgenden FV vor: sich befinden, bestehen,
bieten, bringen, erhalten, fassen, finden, führen, haben, geben, gehen, gewinnen,
liegen, kommen, machen, nehmen, sein, sich setzen, stehen, stellen, treiben,
treten, zeigen.

Beispiele aus dem Korpus:

„Professoren und Lehrkräfte erhalten Zugriff auf aktuelle wirtschaftliche und


technische Lehrinhalte im SAP-Kontext und können mit zahlreichen
renommierten Fachleuten in Kontakt treten.“ (SAP AG, 2011:295)

„Die Planteilnehmer haben die Möglichkeit, an der Wertentwicklung von Munich


Re teilzuhaben, sofern die Erfolgsziele erreicht werden bzw. der TSR steigt.“
(Münchener Rück AG, 2011:35)

„Diese Bonuskomponente enthielt auch Sonderbestandteile, die an das Erreichen


von außerordentlichen finanziellen Zielen anknüpften, die im Zusammenhang
mit speziellen Integrationsmaßnahmen (wie z.B. im Zusammenhang mit der
Übernahme der Renal Care Group in den USA) standen und soweit das
Erreichen eines außergewöhnlichen Ergebnisanstiegs erforderten.“ (Fresenius
Medical Care AG, 2011:145)

„Ohne Finanzinstrumente, die bei den Clearinghäusern als Sicherheiten


hinterlegt werden, würde der weltweite Fluss von Liquidität ins Stocken
geraten…“ (Deutsche Börse Group AG, 2011:14)

„Da die für eine Bilanzierung als leistungsorientierte Pensionspläne


erforderlichen Informationen weder zeitgerecht noch in ausreichender
Detaillierung zur Verfügung stehen, werden einige dieser Pläne im
Konzernabschluss als beitragsorientierte Pensionspläne dargestellt.“ (Daimler
AG, 2011:221)
4.3.4.2. Ausgleichen der Valenz und andere Kommutationsreihen

Da die FVG die Fähigkeit zur Reihenbildung besitzen (Beobachtungen,


Berechnungen, Betrachtungen, Experimente, Nachforschungen, Recherchen,
Überlegungen, Untersuchungen, Vergleiche, Vermutungen, Versuche anstellen),
werden sie als Ausgleicher der Valenz zwei oder mehrerer FN eingesetzt. In der
deutschen Konzernsprache werden solche Kommutationsreihen oft verwendet.
Der Gebrauch solcher Konstrukte trägt der Sprachökonomie bei. Es gibt
insgesamt 222 solche Konstrukte, die eine Kommutationsreihe aufweisen. Sie
beinhalten insgesamt 493 FN, was einen Durchschnitt von 2.22 FN pro ein
solches Konstrukt ergibt. Einige Beispiele aus dem Korpus beweisen, dass es sich
bei solchen Konstrukten um Ausgleichen der Valenz von bis zu 7 FN handeln
kann.

Einige Beispiele aus dem Korpus:

„Im gleichen Zeitraum verzeichneten die bedeutenden Aktienindizes, wie der


deutsche DAX und der US-amerikanische Dow-Jones-Index, einen Rückgang von
8% respektive einen Zuwachs von 13%.“ (Fresenius Medical Care, 2011:24)

„In die Bewertungskategorie [Bis zur Endfälligkeit gehalten] – Anmerkung des


Autors – fallen nicht-derivative finanzielle Vermögenswerte mit festen oder
bestimmbaren Zahlungen und einer festgelegten Laufzeit, für die das
Unternehmen sowohl die Absicht als auch die Fähigkeit hat, sie bis zum Ende
der Laufzeit zu halten.“ (Metro Group AG, 2011:194)

„Außerdem gibt er Empfehlungen und Anregungen, die auf national und


international anerkannten Standards für gute und verantwortungsbewusste
Unternehmensführung beruhen.“ (Münchener Rück, 2011:27)

„Die Appliance-Software bildet die Grundlage für innovative Anwendungen, die


eine In-Memory-Datenbank und Berechnungs-Engine nutzen und es Kunden
ermöglichen, mithilfe von Echtzeitdaten komplexe Planungen, Prognosen und
Simulationen vorzunehmen.“ (SAP, 2011:291)

Eine andere Art von Kommutationsreihen stellen FVG dar, die bei gleichem FN
zwei oder mehrere FV an sich binden können:

sich in Anwendung befinden, in Anwendung bringen, haben, kommen, sein.

Solche Konstrukte sind meistens Teile von zusammengesetzten Sätzen, dessen


Nebensatz ein Relativsatz ist. Das FN bildet dann ein FVG mit einem FV im
Hauptsatz und zugleich ein zweites FVG mit einem FV im Nebensatz:

Der Konzern hat Gewinn von 10.2 Milliarden Euro, den wir trotz schlechter
Marktbedingungen im letzen Geschäftsjahr erzielten.

Solche Konstrukte kommen in deutscher Konzernsprache relativ selten vor. Es


gibt insgesamt 18 solche Konstrukte im Korpus.

Einige Beispiele aus dem Korpus:

„Außerdem kommt 2012 der adipure Trainer 360 auf den Markt, der
uneingeschränkte Bewegungsfreiheit und –flexibilität bietet.“ (Adidas AG,
2011:75)

„Der Einsatz von derivativen Finanzinstrumenten unterliegt strengen internen


Kontrollen, die im Rahmen zentral festgelegter Mechanismen und einheitlicher
Richtlinien erfolgen.“ (Bayer AG, 2011:138)

„Sie bedarf eines erneuten Aufsichtsratsbeschlusses, der frühestens ein Jahr von
Ablauf der bisherigen Amtszeit gefasst werden kann.“ (Daimler AG, 2011:74)
„Zum 31. Dezember 2011 gab es keine geltenden Standards oder
Interpretationen, die bis dato nicht von der EU übernommen wurden…“
(Deutsche Börse Group AG, 2011:156)

„Die Mitglieder des Aufsichtsrats führen hinsichtlich ihrer Tätigkeit regelmäßig


Effizienzprüfungen durch, die im Wege einer offenen Diskussion im Plenum
stattfinden.“ (Fresenius Medical Care AG, 2011:133)

4.3.4.3. Passivwertige FVG

Die FVG werden oft als Passiversatz eingesetzt. Im Hinblick auf ihre Bedeutung
unterscheiden (Helbig/Buscha, 1993:94) zwischen:

„(1) FVG mit passivischer Bedeutung, bei denen die Paraphrasen zumeist in den
Passivformen der Vollverben erscheinen (das Subjekt des FVG ist nicht das
Agens):

sich befinden, bekommen, bleiben, erfahren, erhalten, finden, gehen,

gelangen, genießen, geraten, kommen, liegen, sein, stehen, zuziehen

(2) FVG mit aktivischer Bedeutung, bei denen die Paraphrasen in den
Aktivformen der Vollverben erscheinen (das Subjekt des FVG ist das Agens):

anstellen, aufnehmen, ausüben, bringen, erheben, erteilen, führen, geben,

halten, leisten, machen, nehmen, setzen, stellen, treffen, üben,

unternehmen, versetzen, vornehmen, ziehen

Zwischen (1) und (2) gibt es noch eine kleine Gruppe von FV, die weder ein Agens
haben (also keine aktivische Bedeutung haben) noch als Passiv-Paraphrasen
anzusehen sind, sondern Zustände wiedergeben (und deshalb zumeist auch durch
Adjektive umschrieben werden):

besitzen, haben, z.T. sein, stehen“


Es sei hier anzumerken, dass die FV haben, sein und stehen die FVG bilden
können, die zu mehreren Gruppen gehören können:

Wir haben einen Plan. = Wir planen etwas. (aktivische Bedeutung)

Die neuen Produkte haben wir schon im Angebot. = Die neuen Produkte werden
schon angeboten. (passivische Bedeutung)

Diese Tatsache hat eine besondere Bedeutung. = Diese Tatsache ist besonders
bedeutend. (durch ein Adjektiv zu beschreibender Zustand)

Die Verwaltung ist der Auffassung, dass… = Die Verwaltung fasst auf, dass…
(aktivische Bedeutung)

Die Maßnahmen sind von höchster Wichtigkeit für den Konzern. = Die
Maßnahmen sich hoch wichtig für den Konzern. (durch ein Adjektiv zu
beschreibender Zustand)

Erläuterungen zu diesen drei Gruppen:

(1) Das Subjekt des FVG ist nicht das Agens:

Das Gebäude befindet sich im Bau. = Das Gebäude wird gebaut. (Das Gebäude
ist kein Agens im Satz sondern das Patiens).

Unsere Mitarbeiter erhalten eine vereinbarte Vergütung. = Unsere Mitarbeiter


werden wie vereinbart vergütet. (Unsere Mitarbeiter sind keine Agens im Satz
sondern die Patiens).

(2) Das Subjekt des FVG ist das Agens:

Wir nahmen den Kontakt mit unserem Geschäftspartner auf. = Wir


kontaktierten unseren Geschäftspartner. (Wir sind die Agens im Satz).
Der Konzern hat einen Aufstieg zur Spitzenklasse in diesem Marktsegment
unternommen. = Der Konzern ist zur Spitzenklasse in diesem Marktsegment
aufgestiegen. (Der Konzern ist Agens im Satz).

(3) Keine aktivische noch passivische Bedeutung der FVG


(Zustandswiedergeben):

Das Unternehmen besitzt die Fähigkeit 20.000 St. täglich zu produzieren. = Das
Unternehmen ist fähig 20000 St. täglich zu produzieren.

Das Investieren in neue Technologien ist für uns von großer Bedeutung. = Das
Investieren in neue Technologien ist für uns sehr bedeutend.

Die meisten passivwertigen FVG (vgl. Rösch, 1994:24) gehören zu dem


morphologischen Typ 2 (FV + NAkk). Ihnen folgen die passivwertigen FVG des
morphologischen Typs 1 (FV + PrP). „Zahlenmäßig geringer sind die pw FVG
anderer morphologischen Typen vertreten, z. B.: der Abstimmung unterliegen
(Typ 3), sich des Zuspruchs erfreuen (Typ 5).“ (Rösch, 1994:24). Dieselbe Autorin
lässt die FVG des morphologischen Typs FV + FNNom als passivwertige FVG
außer Betracht.

Obwohl einige Autoren (vgl. Blažević, 1999:111) zu passiwwertigen FVG auch


diejenigen des morphologischen Typs 3 (FV + FNNom) mit FV erfolgen zählen,
werden diese Konstruktionen in meiner Untersuchung wegen des
Kriteriummangels unter (1) außer Betracht gelassen:

Die Zahlung erfolgt innerhalb 15 Tage. (Das Subjekt des Satzes ist das FN
selbst).

Dasselbe gilt für andere FVG des morphologischen Typs 3 (FV + FNNom), weil sie
nach oben genannten Kriterien weder als FVG mit passivischer noch als FVG mit
aktivischer Bedeutung aufgefasst werden können:

Die Übereinstimmung besteht. (Das Subjekt des Satzes ist das FN selbst).

Die Konferenz findet am 1. Mai statt. (Das Subjekt des Satzes ist das FN selbst).
Von 7327 FVG im Korpus der deutschen Konzernsprache gibt es 4460 FVG mit
aktivischer Bedeutung, was 60.9 % ausmacht. Die FVG mit passivischer
Bedeutung sind mit 1362 Belegen vertreten (18.6 %). Es gibt im Korpus 1505
FVG, die nach unseren Kriterien weder zu aktivischen noch zu passivischen FVG
gehören. Sie sind mit ihren 1505 Belegen, was 20.5 % des Korpus ausmacht,
leicht stärker vertreten als diejenigen FVG mit passivischer Bedeutung:

Weder aktivische noch


Aktivische Bedeutung Passivische Bedeutung
passivische Bedeutung
Anzahl der Anteil (%) Anzahl der Anteil (%) Anzahl der Anteil (%)
Belege Belege Belege
4460 60.9 1362 18.6 1505 20.5

Tabelle 15. FVG nach ihrer Bedeutung

Einige Beispiele der passivwertigen FVG aus dem Korpus:

„Als Mitglied der Fair Labor Association (FLA) unterliegt der Adidas Konzern
der Prüfung durch unabhängige Kontrolleure und ist dem Beschwerdesystem
und der öffentlichen Berichterstattung der FVA verpflichtet.“ (Adidas AG,
2011:108)

„Das operative Management der Rohstoffpreisrisiken liegt in der Verantwortung


der Einkaufsabteilungen der Teilkonzerne…“ (Bayer AG, 2011:141)

„Die von der Schuldenkrise am stärkstenbetroffenen Länder befanden sich


weiterhin in einer Rezession.“ (Beiersdorf AG, 2011:77)

„Die Toll Collect GmbH erhielt am 20. Dezember 2005 die Vorläufige
Betriebserlaubnis gemäß Betreibervertrag.“ (Daimler AG, 2011:227)

„In den Jahren 2010 und 2011 kam es bei keiner der beschriebenen
Geschäftsarten zu Verlusten aus Kreditgeschäften.“ (Deutsche Börse Group AG,
2011:231)
„Auch die Steueraufwendungen unterliegen nach Ansicht der Gesellschaft nicht
dem Einfluss der Segmente.“ (Fresenius Medical Care AG, 2011:275)

„Auch in den kommenden Jahren ist damit zu rechnen, dass schwächere


Marktteilnehmer aufgeben oder zum Verkauf stehen werden.“ (Metro Group AG,
2011:174)

„Auf nationaler Ebene wird durch die Umsetzung der Solvency-II-Richtlinie


auch das deutsche Aufsichtsrecht einen Wandel erfahren.“ (Münchener Rück AG,
2011:139)

„Sachanlagen unterlagen im Umfang von 175 Mio. € (Vorjahr: 1.026 Mio €)


Verfügungsbeschränkungen in Form von Grundpfandrechten und
Sicherungsüberlegungen.“ (RWE AG, 2011:155)

„Die Mitglieder des SLT erhalten beim Erwerb der Aktien keine Ermäßigung,
sind jedoch nach Ablauf der dreijährigen Sperrfrist zum kostenlosen Bezug von
jeweils zwei SAP-Aktien für drei zuvor erworbene SAP-Aktien berechtigt.“ (SAP
AG, 2011:252)

4.3.4.4. Ausfüllen von Lücken im Sprachsystem

Da die FVG ein zweiteilliges Prädikat darstellen, sind sie in der Mehrheit der
Fälle durch ein mit ihnen konkurrierendes Vollverb oder eine Kombination von
einem Kopulaverb + Adjektiv ersetzbar. Bei unserer Untersuchung, ob zu einem
FVG ein mit ihm konkurrierendes Vollverb oder ein Kopulaverb + Adj. existiert,
wurden Belege wie folgt in Betracht gezogen:

Wir haben die Übernahme des Produktionsbetriebs abgeschlossen. = Wir haben


den Produktionsbetrieb übernommen.

Der Vertrag hat eine fixierte Fälligkeit. = Der Vertrag ist fixiert fällig.
Die Beispiele, bei denen zu einem FVG ein gleichstämmiges Vollverb oder ein
Kopulaverb + Adjektiv mit einem anderen Präfix besteht, wurden auch in
Betracht genommen:

Sie haben Anteile an der Firma. = Sie sind an der Firma beteiligt.

Wir nahmen 20000 neue Kunden ins Netz. = Wir vernetzten 20000 neue Kunden.

Der Zulieferer erhob einen Anspruch auf Schadenersatz. = Der Zulieferer


beanspruchte den Schadenersatz.

Darüber geben wir ein Urteil ab. = Darüber beurteilen wir.

Als Ausfüller von Lücken im Sprachsystem dienen alle FVG, die mit FV bedürfen
vorkommen. Hier einige Beispiele aus dem Korpus:

„Einziehung von Aktien der Gesellschaft, ohne dass die Einziehung und die
Durchführung der Einziehung eines weiteren Beschlusses der
Hauptversammlung bedarf.“ (Metro AG, 2011:149)

„Die Übernahme von weiteren Mandaten und Nebentätigkeiten einzelner


Vorstandsmitglieder bedarf der Zustimmung des Gesamtvorstands …“ (Deutsche
Börse Group AG, 2011:75)

Unter den FVG, die keine mit ihnen konkurrierenden Vollverben oder Kopula +
Adj. aufweisen, gibt es solche:

a) dessen FN ein deutsches Wort ist:

eine Maßnahme treffen

im Eigentum sein

Einige Beispiele aus dem Korpus:


„Die US-Regierung hat nicht mitgeteilt, ob und ggf. welche Maßnahmen sie
gegen Bayer oder einzelne Personen ergreifen oder ob sie ihre eigene
Untersuchung einleiten will.“ (Bayer AG, 2011:260)

„Bereits heute ist das Reich der Mitte der größte Automobilmarkt der Welt und
Daimler nimmt weiter Fahrt auf im Wachstumsmarkt der Superlative.“
(Daimler AG, 2011:60)

b) dessen FN ein Fremdwort ist, das ohne das entsprechende Vollverb ins
Deutsche übernommen wurde:

eine Kampagne führen – franz. le campagne

eine Strategie verfolgen – griech. stratēgía (στρατεγία)

Einige Beispiele aus dem Korpus:

„Die Sicherung der finanziellen Flexibilität hat höchste Priorität in der


Finanzierungsstrategie von Fresenius Medical Care.“ (Fresenius Medical Care
AG, 2011:123)

„Daher wählt Munich Re für diese Geschäfte nur solche Kontrahenten aus, die
eine sehr hohe Bonität aufweisen. (Münchener Rück AG, 2011:205)

Eine tabellarische Einteilung der FVG, die mit einem entsprechenden Vollverb
oder Kopula + Adj. (nicht) ersetzt werden können, erfolgt folgendermaßen:

Prozent der
Anzahl Ersetzbare Unersetzbare
Geschäftsbericht unersetzbaren
der FVG FVG FVG
FVG
Adidas AG 795 630 165 20.8 %
Bayer AG 755 671 84 11.1 %
Beiersdorf AG 375 308 67 17.9 %
Daimler AG 847 708 139 16.4 %
Deutsche Börse
771 654 117 15.2 %
Group AG
Fresenius
Medical Care 800 693 107 13.4 %
AG
Metro Group AG 727 654 73 10 %
Münchener
581 522 59 10.2 %
Rück AG
RWE AG 605 523 82 13.6 %
SAP AG 1071 946 125 11.6 %
Gesamt 7327 6309 1018 13.9 %

Tabelle 16. (Un)ersetzbare FVG durch ein mit ihnen konkurrierendes


Vollverb / Kopula + Adj.

Eine von Leistungen der FVG, der Ausfüller von Lücken im sprachlichen System
zu sein, ist im 13.9 % der Fälle realisiert. Die Ergebnisse nach vereinzelten
Geschäftsberichten variieren in einer Spanne von 10 % bis 20.8 % mit dem
Median von 13.5 %. Die Ergebnisse bestätigen die Voraussetzung, dass die FVG
eine wichtige semantische Rolle in deutscher Konzernsprache spielen.

Blažević (1999:169) gibt den Anteil von 7 % solcher Belege in der deutschen
Sprache der Hollerie und Tourismus an.

Einige Beispiele aus dem Korpus:

„Adidas nimmt den Manchester United Stürmer und portugiesischen


Nationalspieler Nani unter Vertrag.“ (Adidas AG, 2011:24)

„Analysten und Investoren hatten die Gelegenheit – neben den Vorständen der
Holding und der Teilkonzerne –, auch lokales Management kennenzulernen und
sich beispielsweise einen Eindruck von unserer größten voll integrierten Chemie-
Anlage in Shanghai zu machen …“ (Bayer, 2011:53)
„Über besondere Vorgänge wurde der Aufsichtsrat auch zwischen den Sitzungen
in Kenntnis gesetzt.“ (Daimler AG, 2011:17)

„Zum 31. Dezember 2011 hatte die Gesellschaft Devisenkontrakte mit einer
maximalen Laufzeit von 47 Monaten und Zinsswaps mit einer maximalen
Laufzeit von 58 Monaten im Bestand.“ (Fresenius Medical Care AG, 2011:273)

„Finanzierungs-Leasingverhältnisse werden in der Regel über eine


Grundmietzeit zwischen 15 und 25 Jahren abgeschlossen und sehen nach Ablauf
der Grundmietzeit die Option vor, den Vertrag mindestens einmal für fünf Jahre
zu verlängern.“ (Metro Group AG, 2011:211)

4.3.4.5. FVG als Fachtermini

Die FVG weisen fachsprachliche Merkmale auf: „Eine ähnliche Feststellung zum
fachsprachlichen Charakter verbaler Analytismen macht Wilde (1994) in ihrer
Frequenzuntersuchung. Sie kommt sogar zu dem weitergehenden Ergebnis, daß
verbale Analytismen neben anderen Strukturen fachsprachlichen
Signalcharakter haben, so daß sie auch in nicht-fachsprachlichen Texten der
Werbesprache – Fachsprachlichkeit markieren.“ (Unverricht, 1996)

Während einer sprachwissenschaftlichen Untersuchung der FVG auf einem


Gebiet der Fachsprache, sollte man nicht die Tatsache vernachlässigen, dass es
unter den Belegen auch solche gibt, die nur in diesem Register der deutschen
Sprache vorkommen. Dasselbe gilt auch für dieses Sachgebiet des
Wirtschaftsdeutschen, die deutsche Konzernsprache. Blažević (1999:182)
behauptet, dass es sich bei einer solchen Klassifizierung teils um eine subjektive
Einschätzung handelt. Sie teilt die FVG in zwei Gruppen ein:

„Stručnim terminom u ovom radu smatramo SFG čija FI, uključujući pripadajuće
atribute, semantički pripada JHT. S obzirom na morfološki oblik FI razlikujemo:

a) SFG kao stručne termine u užem smislu


b) SFG kao stručne termine u širem smislu.

Pod stručnim terminom u užem smislu podrazumijevamo SFG čija FI bez


pripadajućih atributa semantički pripada JHT, a pod stručnim terminom u širem
smislu SFG čija FI atribuiranjem postaje stručni termin.“ (Blažević, 1999:182)

„Als Fachtermin wird in dieser Arbeit ein FVG betrachtet, dessen FN


einschließlich seiner zugehörigen Attribute, semantisch zu der Sprache der
Hotellerie und Tourismus gehört. In Anbetracht des morphologischen Typs des
FN unterscheiden wir:

a) FVG als Fachtermine im engeren Sinne

b) FVG als Fachtermine im erweiterten Sinne.

Unter dem Fachtermin im engeren Sinne wird ein FVG verstanden, dessen FN
ohne ihm zugehörige Attribute semantisch zu der Sprache der Hotellerie und
Tourismus gehört, und unter dem Fachtermin im erweiterten Sinne ein FVG
dessen FN durch Attribuierung ein Fachtermin wird.“

Die Attribuierung ist ein wichtiges Merkmal der Steigerung von


Fachsprachlichkeit: „Die Fachsprachlichkeit von verbalen Analytismen kann
allerdings durch Attribuierung gesteigert werden. Die Fügung ist umso
produktiver, [je mehr sein Grundwort (Basisterminus) durch Linkserweiterung
(in Form meist einer weiteren Substantivkomponente [+ Attribut] fachsprachlich
markiert ist] – Anmerkung des Autors – Schaarschuh 1990:234“ (Unverricht,
1996)

Die gesteigerte Fachsprachlichkeit als Ergebnis der Attribuierung und des


gegebenen Kontextes kann an diesen Beispielen veranschaulicht werden:

Das schlechte Benehmen von Jugendlichen genießt keine Akzeptanz ihrer


Großeltern. (FVG im Register der Standardsprache)
„SAP Business One genießt eine hohe Marktakzeptanz und hat die 30.000-
Kunden-Marke überschritten.“ (SAP AG, 2011:92) (FVG im Register der
deutschen Konzernsprache)

Die Stimmung der älteren Leute unterliegt großen Schwankungen. (FVG im


Register der Standardsprache)

„Unsere Umsätze unterliegen quartalsweisen Schwankungen und unsere


Umsatzprognosen könnten sich als nicht zutreffend erweisen.“ (SAP AG,
2011:150) (FVG im Register der deutschen Konzernsprache)

Es gibt im Korpus 539 FVG, die ausschließlich als Fachtermini dienen. Die
Anzahl der im Korpus als Fachtermini fungierenden FVG beläuft sich damit auf
7.4 %. Dabei ist die Anzahl derjenigen FVG, die als Fachtermini im erweiterten
Sinne dienen, viel höher als derjenigen FVG, die als Fachtermini im engeren
Sinne dienen, denn die Linkserweiterung des FN steigert die Fachsprachlichkeit
des ganzen FVG.

Beispiele aus dem Korpus:

„KPMG Sustainability hat eine betriebswirtschaftliche Prüfung (Assurance) für


die nicht finanziellen, sozialen und ökologischen Daten einschließlich einer
Beurteilung der Wesentlichkeit durchgeführt.“ (SAP AG, 2011:1)

„…dass dieser Konzernabschluss in Übereinstimmung mit den IFRS, wie sie in


der EU anzuwenden sind, und den ergänzend nach §315 Abs. 1 HGB
anzuwendenden deutschen gesetzlichen Vorschriften aufgestellt wird…“ (RWE
AG, 2011:224)

„Die nun geringere Zinsmarge und die Anpassung weiterer Annahmen führten
zu außerplanmäßigen Abschreibungen der aktivierten Abschlusskosten.“
(Münchener Rück AG, 2011:213)
„Der Vorstand ist ferner ermächtigt, mit Zustimmung des Aufsichtsrats das
Bezugsrecht der Aktionäre für eine oder mehrere Kapitalerhöhungen
auszuschließen, wenn die Kapitalerhöhung gegen Geldeinlagen erfolgt, der
Nennbetrag dieser Kapitalerhöhungen insgesamt 10 Prozent des Grundkapitals
nicht übersteigt…“ (Metro Group AG, 2011:219)

„In unserem Bericht vom 21. Februar 2012 haben wir einen uneingeschränkten
Bestätigungsvermerk zur Wirksamkeit des internen Kontrollsystems über die
Finanzberichtertattung der Gesellschaft erteilt.“ (Fresenius Medical Care,
2011:280)

„Seit Anfang 2011 können kapitalsuchende Unternehmen an der Deutschen


Börse auch Anleihen im Entry Standard platzieren und damit Fremdkapital
aufnehmen.“ (Deutsche Börse Group AG, 2011:23)

„Doch eine Reihe negativer Faktoren führten im März zu kräftigen


Kursrückgängen:…“ (Daimler AG, 2011:24)

„Die Kapitalflussrechnung ist entsprechend den Regelungen des IAS 7 aufgestellt


und gliedert sich nach Zahlungsströmen aus laufenden Geschäfts-, Investitions-
und Finanzierungstätigkeit.“ (Beiersdorf AG, 2011:151)

„Wären die erläuterten Akquisitionen bereits zum 1. Januar 2011 erfolgt, so


wiese der Bayer-Konzern im Berichtsjahr Umsatzerlöse in Höhe von 36.559 Mio
€ aus.“ (Bayer AG, 2011:194)

„All unsere Segmente verzeichneten 2011 zweistellige Umsatzzuwächse.“ (Adidas


AG, 2011:29)
4.4. Hypothesenbestätigung

In diesem Kapitel werden wir eine Überprüfung der vom Autor der Doktorarbeit
aufgestellten Hypothesen vornehmen. Aufgrund der erzielten Ergebnisse werden
die aufgestellten Hypothesen entweder bestätigt oder widerlegt werden.

1. „Die Frequenz der FVG pro Satz ist erhöht verglichen mit derselben in
deutscher Standardsprache.“ – Die Hypothese hat sich als richtig erwiesen. Die
Analyse des Korpus hat eine Frequenz von 0.192 FVG pro Satz ergeben. Das
beträgt 19.2 % FVG pro Satz. Das Endergebnis liegt weit oberhalb der Angabe
von Richter (1988:341), der 4 % der FVG in deutscher Alltagssprache ausweist.
Die Ergebnisse spiegeln einen fortgeschrittenen Stand der Nominalisierung in
der deutschen Konzernsprache, sowie in deutscher Fachsprache wider,
verglichen mit deutscher Standardsprache.

2. „Die häufigsten FVG des Sachgebiets deutsche Konzernsprache unterscheiden


sich deutlich von denjenigen in deutscher Standardsprache sowohl im ganzen (als
Belege) als auch durch die FN, die die Bedeutungsträger der FVG sind.“ – Die
Hypothese hat sich als richtig erwiesen. Im direkten Vergleich mit den 10
häufigsten FVG im Spiegel- und Tages-Anzeiger-Korpus (vgl. Kamber, 2008:481)
wurde festgestellt, dass nur zwei FVG – zur Verfügung stehen, zur Verfügung
stellen – in allen drei Korpora verzeichnet sind. Es gibt keine anderen FN unter
den ersten zehn im analysierten Korpus der deutschen Konzersprache, die sich
mit FN aus anderen zwei Korpora überlappen.

3. „Die Semantik der belegten FVG aus dem Korpus weist gewisse Ähnlichkeiten
mit denjenigen FVG aus anderen Gebieten des Wirtschaftsdeutschen auf.“ – Die
Hypothese wurde bestätigt. Es gibt 50 % (5 FN) der FN, die unter den ersten
zehn FN im Korpus der deutschen Konzernsprache und der deutschen Sprache
der Hotellerie und Tourismus belegt worden sind (s. Tabelle 10.). Die FN
Verfügung, Möglichkeit, Wert, Anspruch und Einfluss sind in beider Korpora
unter den häufigsten zehn vertreten und markieren somit die semantische
Verwandtschaft dieser zwei Gebiete des Wirtschaftsdeutschen. Diese
Überlappung unter den häufigsten zehn FN ist somit bedeutender falls die
Tatsache in Betracht gezogen wird, dass es in unserem Korpus 874 mit diesen
FN belegten FVG und in demjenigen von Blažević (1999:205) 570 FVG gibt.

4. „Aufgrund meiner früheren Untersuchung auf dem Sachgebiet der deutschen


Konzernsprache (vgl. Marušić/Barišić, 2013:298) setze ich voraus, dass die
Frequenz der fünf morphologischen Typen stark von derjenigen in deutscher
Standard- und Wissenschaftssprache abweicht. Dabei wird ziemlich starkes
Vorkommen des morphologischen Typs FV + NNom erwartet, insbesondere wegen
großer Frequenz der FV bestehen und erfolgen.“ – Die Hypothese wurde
bestätigt. Die Einteilung der FVG nach morphologischen Typen erfolgt
folgenderweise:

1. Typ (1) 1406 Belege (19.19% der Gesamtbelege)

2. Typ (2) 4611 Belege (62.93% der Gesamtbelege)

3. Typ (3) 1060 Belege (14.47% der Gesamtbelege)

4. Typ (4) 175 Belege (2.41% der Gesamtbelege)

5. Typ (5) 75 Belege (0.85% der Gesamtbelege)

Dabei ist ein relativ erhöhter Prozentanteil des morphologischen Typs 3 (FV +
FNNom) zu bemerken. Fast alle wichtigen Germanisten sind darin einig, dass es
bei morphologischen Typen 1 und 2 um die zentralen Erscheinungen des
Phänomens FVG geht, wobei die morphologischen Typen 3, 4 und 5 an der
Peripherie der Erscheinung stehen. Sogar die Ergebnisse der Untersuchung auf
dem Gebiet der deutschen Sprache der Hotellerie und Tourismus (vgl. Blažević,
1999:129) untermauert diese Stellungnahme: Typ 1 (FV + PrP): 35.69 %, Typ 2
(FV + FNAkk): 57.92 %, Typ 3 (FV + FNNom): 4.84 %, Typ 4 (FV + FNDat): 0.86 %,
Typ 5 (FV + FNGen): 0.66 %. Die erwähnte Untersuchung hat bestätigt, dass es
sich bei dem morphologischen Typ 3 um einen Typ, der mit seinem 4.84 % am
Rande der Erscheinung FVG steht.

Unsere Untersuchung hat dagegen ergeben, dass der morphologische Typ 3 fast
dreimal so stark vertreten ist, als bei der Untersuchung der morphologischen
Typen in der deutschen Sprache der Hotellerie und Tourismus von Blažević.

5. „Im Korpus überwiegen die nicht-lexikalisierten FVG. Das gilt für alle
morphologischen Typen der FVG. Ich gehe von der Vermutung aus, dass die FVG
des Sachgebiets deutsche Konzernsprache in ihrer Lexikalisierung nicht so weit
vorangeschritten sind, weshalb sie häufig den Prozess der Attribuierung
ermöglichen und dabei mit verschiedensten lexikalischen Elementen erweiterbar
sind.“ – Die Hypothese hat sich als richtig erwiesen. Von 7327 FVG gibt es nur
986 lexikalisierte Belege, was einem Prozentanteil von 13.5 % entspricht. Der
Rest von 86.5 % gehört zu den nicht-lexikalisierten FVG.

6. „Die Attribuierung des FN stellt eine der Hauptleistungen der FVG in


deutscher Konzernsprache dar, denn der fachsprachliche Bedarf zur
Informationsdichte hat die Anhäufung der bedeutungstragenden Elementen im
Vorfeld des FN zur Folge.“ – Die Hypothese hat sich als richtig erwiesen. Es gibt
3945 FVG, deren FN attribuiert ist. Das macht 53.8 % aller FVG aus. In 2694
Belegen steht das einfache Attribut im Vorfeld des FN. Ein Bestimmungswort
innerhalb eines Kompositums ist in 2055 Fällen als Attribut vertreten.

7. „[Es kommt in der Sprache vor, dass es keine mit FVG konkurrierenden
Vollverben (Adjektive) im Sprachsystem gibt. Die FVG haben dann die Funktion,
Lücken im Sprachsystem zu erfüllen und ermöglichen zusätzliche Arten der
Informationsvermittlung. (Marušić/Barišić, 2013:301)]. – Anmerkung des Autors
– Ich nehme an, diese semantische Leistung der FVG ist in deutscher
Konzernsprache stärker ausgeprägt, als auf anderen Gebieten des
Wirtschaftsdeutschen. Blažević (1999:169) verzeichnet 7 % solcher Bildungen in
ihrem Korpus.“ – Die Hypothese wurde bestätigt. Es gibt im Korpus 14 % solcher
Belege. (s. Tabelle 16.)

8. „Die Anzahl der FVG, die als Passiversatz fungieren, beläuft sich auf mehr als
30 % aller Belege.“ – Die Hypothese hat sich als falsch erwiesen. Die FVG mit
passivischer Bedeutung kommen mit 18.6 % aller Belege erst an dritter Stelle
vor, nach den FVG mit aktivischer Bedeutung (60.9 %) und denjenigen, die weder
aktivisch noch passivisch zu interpretieren sind (20.5 %). Mehr dazu s. Tabelle
15.

9. „Es gibt eine kleine Anzahl der FVG, die als ausschließliche Fachtermini
fungieren. Obwohl sich die belegten FVG aus dem Korpus laut zweiter Hypothese
deutlich durch den Nominal- und Verbalteil von denjenigen in deutscher
Standardsprache unterscheiden, gibt es nur wenige FVG, die als ausschließliche
Fachtermini für deutsche Konzernsprache typisch sind. Die belegten FVG
können sowohl auf anderen Gebieten des Wirtschaftsdeutschen, als auch in
deutscher Standardsprache vorkommen.“ – Die Hypothese hat sich als richtig
erwiesen. Es gibt nur 539 FVG (7.4 %) solcher FVG, die diese Funktion haben.
5. Fazit und (Ausblick)

Diese Arbeit hatte zum Ziel die FVG in deutscher Konzernsprache, einer nicht-
vollsprachlichen Varietät des Wirtschaftsdeutschen zu analysieren und zu
beschreiben. Es handelt sich um zweiteilige Prädikate, dessen FN die Semantik
des Konstruktes übernimmt, wobei das FV nur syntaktische Funktion hat. Das
Korpus ist den Geschäftsberichten für das Geschäftsjahr 2011 folgender
deutscher DAX-Konzerne entnommen: Adidas AG, Bayer AG, Beiersdorf AG,
Daimler AG, Deutsche Börse Group AG, Fresenius Medical Care AG, Metro
Group AG, Münchener Rück AG, RWE AG, SAP AG. Das Korpus ist aus 37982
Sätzen zusammengesetzt. Es gibt 7327 FVG, was eine Frequenz von 0.192 FVG
je Satz ausmacht. Es gibt im Korpus insgesamt 874 belegte FN und 115 FV.

Die Disertation besteht aus vier größeren Teilen:

1. Im einleitenden Teil wird über das Thema und Motivation berichtet, sowie die
Angaben über den bisherigen Forschungsstand, Struktur und Ziel der Arbeit
präsentiert.

2. Im zweiten Teil wurde die theoretische Grundlage der FVG gestellt.

3. Im dritten Teil werden die syntaktischen, semantischen und morphologischen


Merkmale der FVG sowie deren Leistungen präsentiert.

4. Der vierte Teil ist der Analyse der FVG in der deutschen Konzernsprache
gewidmet.

Die sprachwissenschaftlichen Tatsachen, die sich während der Untersuchung


ergaben, sind wie folgt:

- Die häufigsten FVG im analysierten Korpus der deutschen Konzersprache


sind: zur Verfügung stehen – 113 Belege, Auswirkung(en) haben – 106 Belege,
zur Verfügung stellen – 74 Belege, Einfluss haben – 67 Belege, Beitrag leisten –
56 Belege, Leistung erbringen – 52 Belege, Vergütung erhalten – 51 Belege, im
Zusammenhang stehen – 49 Belege, das Risiko besteht – 43 Belege, die
Bewertung erfolgt – 40 Belege.

- Die häufigsten FV im analysierten Korpus der deutschen Konzersprache sind:


haben – 691 Belege, erfolgen – 464 Belege, führen – 401 Belege, erhalten – 379
Belege, bestehen – 349 Belege, bieten – 312 Belege, erzielen – 257 Belege, stehen
– 247 Belege, geben – 197 Belege, sein – 180 Belege.

- Die häufigsten FN im analysierten Korpus der deutschen Konzersprache sind:


Verfügung – 307 Belege, Leistung – 132 Belege, Risiko – 128 Belege, Recht – 118
Belege, Auswirkung – 116 Belege, Möglichkeit – 115 Belege, Wert – 111 Belege,
Anspruch – 107 Belege, Einfluss – 106 Belege, Ziel – 101 Belege.

- Im analysierten Korpus der deutschen Konzernsprache gibt es acht FPrp, die


als Kopf der PrP dienen: an, auf, außer, in, unter, von, vor und zu. Die häufigsten
Prp sind: zu (55 %), in (33.2%), von (6.7%). Die übrigen fünf Prp unter, an, auf,
vor, außer machen zusammen weniger als 6 % aller Belege des morphologischen
Typs 1 (FV + PrP) aus.

- Die FVG weisen eine höhere Vorkommensfrequenz im Vergleich mit derselben


aus deutscher Standardsprache auf.

- Es gibt einen deutlichen semantischen Unterschied zwischen den FVG in der


deutschen Konzernsprache und denjenigen aus deutscher Standardsprache, weil
die FVG des Sachgebiets deutsche Konzersprache stark fachsprachlich gefärbt
sind.

- Die FVG des Sachgebiets deutsche Konzernsprache zeigen semantische


Ähnlichkeiten mit den FVG anderer Varietäten des Wirtschaftsdeutschen.

- Die Frequenz des Vorkommens von fünf morphologischen Typen weicht von
derjenigen der deutschen Standardsprache ab. Die Untersuchung hat ergeben,
dass der morphologische Typ 3 (FV + FNNom) nicht am Rande des Phänomens
FVG steht, sondern mit seinem Vorkommen von 14.5 % sehr nah am
morphologischen Typ 1 (FV + PrP) steht.
- Die lexikalisierten FVG machen 13.5 % des Korpus aus. Das untermauert die
Voraussetzung, dass der Prozess der Lexikalisierung von FVG in deutscher
Konzernsprache nicht weit vorangeschritten ist.

- Eine der Hauptleistungen der FVG in deutscher Konzersprache ist deren


Attribuierung. Durch diese Leistung wird ein zusätzlicher Raum vor allem im
Vorfeld des FN geschafft, der zu einem erhöhten Grad der Sprachökonomie
beiträgt.

- Die Anzahl der FVG, die mit einem Vollverb oder Kopula + Adjektiv nicht
ersetzt werden können, ist erhöht verglichen mit anderen Varietäten des
Wirtschaftsdeutschen. Der prozentuale Anteil solcher FVG ist 13.9 % gegenüber
dem Anteil von 7 %, die Blažević in ihrer Untersuchung (1999:169) angibt.

- Es gibt im Korpus 60.9 % der FVG mit aktivischer Bedeutung, 20.5 % der
FVG, die weder der aktivischen noch passivischen Bedeutung einzuordnen sind,
und 18.6 % der FVG mit passivischer Bedeutung.

- Die ausschließlich als Fachtermini gebrauchten FVG sind ihrer Anzahl nach
wenig zahlreich. Es gibt nur 539 solcher Konstrukte oder 7.4 %. Dabei gibt es
vielmehr FVG, die als Fachtermini im erweiterten Sinne als diejenigen FVG, die
als Fachtermini im engeren Sinne fungieren.

- Die FVG als bedeutende Vertreter der Nominalisierungstendenz in der


deutschen Standardsprache sind in der deutschen Konzernsprache noch
ausgeprägter, weil sie dieser Varietät des Wirtschaftsdeutschen noch mehr
Sachlichkeit und noch raffiniertere Ausdruckmöglichkeiten verleihen.

- Die Ergebnisse der Untersuchung bestätigen, dass es bei der deutschen


Konzernsprache um eine gesonderte Varietät des Wirtschaftsdeutschen geht.

Der sprachwissenschaftliche Nutzen, der aus dieser Untersuchung hervorgeht,


besteht darin, dass die vorliegenden Untersuchungsergebnisse den
Ausgangspunkt für weitere Untersuchungen der FVG des Sachgebiets
Wirtschaftsdeutsch darstellen können. Der Vergleich der FVG aus der deutschen
Konzernsprache mit denjenigen aus dem verwandten Gebiet des
Wirtschaftsdeutschen, demjenigen des Finanz- und Bankwesens, würde neue
Einsichten in Ähnlichkeiten und Unterschiede auf diesen Gebieten der deutschen
Fachsprache gewähren.

Ich bin ferner der Meinung, dass ein kontrastiver Vergleich der Ergebnisse der
FVG aus der deutschen Konzernsprache mit denjenigen aus der englischen
Konzernsprache interessante Unterschiede in Leistungen der FVG zwischen
diesen zwei germanischen Sprachen ergeben würde. Sprachfamilienübergreifend
würde es sich ein kontrastiver Vergleich mit kroatischen FVG desselben
Sachgebiets lohnen.

Da manche von uns beruflich Unterricht im Wirtschaftsdeutschen erteilen, sei an


dieser Stelle vorzuschlagen, einen Teil der Ergebnisse dieser Unterschung in den
Unterricht einzufügen, wenigstens was die häufigsten FVG in der deutschen
Konzernsprache betrifft.

Meine Doktorarbeit schließe ich mit einem Zitat Goethes ab, das meine grenzlose
Begeisterung von ständigem Andrang zum Progress, von deutschem Sinne für
Präzision und Sachlichkeit, nicht nur in der deutschen Konzernsprache
widerspiegelt:

„Über allen Tugenden steht eines: das beständige Streben nach oben, das Ringen
mit sich selbst, das unersättliche Verlangen nach größerer Reinheit, Weisheit,
Güte und Liebe.“
6. Abstract
Light Verb Constructions in Corporate German Language

The thesis deals with Light Verb Constructions (LVC) in corporate German. The
research includes analysis of structure and frequency of LVC in the above
mentioned field of business German. Syntactical, morphological and semantic
characteristics of LVC were analysed as well as their function in corporate
German. The annual reports from 2011 of ten German corporations from German
blue chip stock market index DAX served as a material for the research. The
planned corpus volume is approximately 8000 LVC.

The thesis gives more complete insight into the tendencies of this poorly
researched field of German language which is elaborated and presented with
empirical instruments and analytic-descriptive means of contemporary
linguistics.

The thesis consists of four larger parts:

1. Introduction, which includes topic description, motivation and previous


researches on the given topic.

2. Part two, in which the theoretical basis of LVC is given.

3. Part three, which elaborates syntactical, morphological and semantic


characteristics of LVC as well as their effects.

4. Part four, which represents the results of corpus analysis.

Demonstrating the gained results in conclusion, the author of the thesis suggests
possible further researches of LVC in the field of business German, possibilities
of contrastive analysis of the gained results with those in other languages and
possibility of using the gained cognitions in teaching business German at the
non-philological colleges.

Key words: light verb constructions, business German, corporate German


7. Sažetak

Sintagme s funkcionalnim glagolima u

njemačkom korporativnom jeziku

Rad se bavi sintagmama s funkcionalnim glagolima (SFG) u njemačkome


korporativnom jeziku. Istraživanje uključuje analizu strukture i frekventnosti
SFG u gore navedenom dijelu njemačkoga poslovnog jezika. Analizirane su
sintaktičke, morfološke i semantičke značajke SFG kao i njihova funkcija u
njemačkome korporativnom jeziku. Kao građa za istraživanje poslužila su
godišnja poslovna izvješća deset njemačkih korporacija iz njemačkoga dioničkog
indeksa DAX iz 2011. Planirani opseg korpusa iznosio je ca. 8000 SFG.

Radom je izvršen cjelovitiji uvid u tendencije ovoga slabo istraženog područja


njemačkoga jezika, koje je obrađen i prezentiran empirijskim instrumentarijem i
analitičko-deskriptivnim sredstvima suvremene lingvistike.

Rad se sastoji od četiri veće cjeline:

1. Uvodnoga dijela, koji uključuje opis teme i motivacije te dosadašnja


istraživanja na zadanu temu.

2. Drugoga dijela, u kojemu je dana teorijska podloga SFG.

3. Trećega dijela, koji obrađuje sintaktičke, morfološke i semantičke značajke


SFG kao i njihove učinke.

4. Četvrtoga dijela, koji predstavlja rezultate korpusne analize.

Predstavljajući dobivene rezultate u zaključku, autor rada predlaže moguća


daljnja istraživanja sintagmi s funkcionalnim glagolima na području njemačkoga
poslovnoga jezika, mogućnosti kontrastivne analize dobivenih rezultata s onima
u drugim jezicima i mogućnost uporabe dobivenih spoznaja u nastavi poslovnoga
njemačkog jezika na nefilološkim fakultetima.
Ključne riječi: sintagme s funkcionalnim glagolima, poslovni njemački jezik,
njemački korporativni jezik.
8. Abkürzungen

Adv. Adverbial

Ag. Agens

Anim. lebend

BA der bestimmte Artikel

caus kausativ

DP Demonstrativpronomen

dur durativ

E Ergänzung

FN Funktionsnomen

FNAkk Funktionsnomen im Akkusativ

FNDat Funktionsnomen im Dativ

FNGen Funktionsnomen im Genitiv

FNNom Funktionsnomen im Nominativ

FPrp Funktionale Präposition

FV Funktionsverb

FVG Funktionsverbgefüge

incho inchoativ

intr. intransitiv

IP Indefinitpronomen

ITP Interrogativpronomen

N Nomen

NA kein Negationsartikel kein

N(FVG) Funktionsnomen

NP Nominalphrase
NS Nebensatz

NVG Nominalisierungsverbgefüge
OAkk Akkusativobjekt
Obj. Objekt
P Prädikation
Pat. Patiens
PP Possesivpronomen
Prp Präposition

PrP Präpositionalphrase

pw passivwertig

S Subjekt

S. Seite

SF Substantiv im Funktionsverbgefüge

s.v. siehe vorn

UA der unbestimmte Artikel

xn Aktant im Nominativ

xNS Aktant in Form von einem Nebensatz

xPrP Aktant in Form von einer Präpositionalphrase

ya Aktant im Akkusativ

yd Aktant im Dativ

yPrP Aktant in Form von einer Präpositionalphrase

za Aktant im Akkusativ

zPrP Aktant in Form von einer Präpositionalphrase


9. Quellen

Adidas AG, Geschäftsbericht 2011

Bayer AG, Geschäftsbericht 2011

Beiersdorf AG, Geschäftsbericht 2011

Daimler AG, Geschäftsbericht 2011

Deutsche Börse Group AG, Geschäftsbericht 2011

Fresenius Medical Care AG, Geschäftsbericht 2011

Metro Group AG, Geschäftsbericht 2011

Münchener Rück AG, Geschäftsbericht 2011

RWE AG, Geschäftsbericht 2011

SAP AG, Geschäftsbericht 2011


10. Literaturverzeichnis

10.1. Bücher, Grammatiken, Monographien

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11. Anhänge

Anhang 1: Liste der FVG mit mehr als 15 Belege


1. zur Verfügung stehen – 113 Belege
2. Auswirkung(en) haben – 106 Belege
3. zur Verfügung stellen – 74 Belege
4. Einfluss haben – 67 Belege
5. Beitrag leisten – 56 Belege
6. Leistung erbringen – 52 Belege
7. Vergütung erhalten – 51 Belege
8. im Zusammenhang stehen – 49 Belege
9. das Risiko besteht – 43 Belege
10. Bewertung erfolgt – 40 Belege
11. Prüfung durchführen – 39 Belege
12. das Risiko entsteht – 38 Belege
13. Wert schaffen – 38 Belege
14. das Ziel verfolgen – 38 Belege
15. die Möglichkeit haben – 36 Belege
16. Entscheidung treffen – 35 Belege
17. Recht gewähren – 34 Belege
18. Leistung anbieten – 33 Belege
19. in Anspruch nehmen – 32 Belege
20. Ergebnis erzielen – 32 Belege
21. Maßnahme ergreifen – 32 Belege
22. das Recht ausüben – 31 Belege
23. Anspruch haben – 31 Belege
24. Vertrag abschließen – 29 Belege
25. Wachstum verzeichnen – 28 Belege
26. zum Einsatz kommen – 25 Belege
27. Recht gewähren – 25 Belege
28. dem Risiko unterliegen – 24 Belege
29. Abschreibung vornehmen – 22 Belege
30. Information erhalten – 21 Belege
31. sich ein Ziel setzen – 21 Belege
32. Verantwortung tragen – 21 Belege
33. Wert haben – 21 Belege
34. in Betrieb nehmen – 20 Belege
35. Einfluss ausüben – 20 Belege
36. Vereinbarung treffen – 18 Belege
37. Zahlung leisten – 17 Belege
38. Steigerung erzielen – 16 Belege

Anhang 2: Alphabetische Liste der im Korpus belegten FV

abgeben
abhalten
abschließen
anbieten
antreten
aufnehmen
aufstellen
aufweisen
auslösen
aussprechen
ausüben
bedeuten
bedürfen
beimessen
bekommen
besitzen
bestehen
bieten
bleiben
bringen
durchführen
eingeben
eingehen
einlegen
einnehmen
entgegenbringen
entgegennehmen
entstehen
erbringen
erfahren
erfolgen
erfüllen
ergeben
ergreifen
erhalten
erheben
erlangen
erlassen
erleiden
ernten
erstatten
erstellen
erteilen
erzielen
fallen
fällen
fassen
finden
führen
geben
gehen
gelingen
genießen
geraten
gewähren
gewinnen
haben
halten
hegen
herrschen
kommen
legen
leisten
liefern
liegen
machen
melden
nehmen
pflegen
richten
schaffen
schenken
schlagen
schließen
sein
setzen
sich befinden
sich bieten
sich geben
sich machen
sich schaffen
sich setzen
stattfinden
spenden
stehen
stoßen
tätigen
tragen
treffen
treiben
treten
tun
übernehmen
unterbreiten
unterhalten
unterliegen
unternehmen
unterwerfen
unterziehen
verfolgen
verhängen
verleihen
verschaffen
vertreten
verursachen
verzeichnen
vollziehen
vorlegen
vornehmen
wahrnehmen
werden
werfen
zeigen
ziehen
zusammentreten
Anhang 3: Alphabetische Liste der im Korpus belegten FN

Analyse
Änderung
Anerkennung
Anfall
Anfang
Anforderung
Angabe
Angebot
Angleichung
Angriff
Anhäufung
Anhebung
Anhörung
Anklang
Anlage
Anlass
Anmeldung
Annäherung
Annahme
Anpassung
Anrechnung
Anregung
Anreiz
Anruf
Ansatz
Ansehen
Ansicht
Anspruch
Anstieg
Anstrengung
Anteil
Antrag
Antrieb
Antwort
Anwartschaft
Anwendung
Anzahl
Anzahlung
Anzeichen
Anzeige
Arbeit
Arbeiten
Argument
Aufbau
Aufdeckung
Auffassung
Aufforderung
Aufgabe
Aufholung
Auflistung
Auflösung
Aufrechnung
Aufschlag
Aufschluss
Aufschwung
Aufsicht
Aufstand
Aufstellung
Aufteilung
Auftrag
Auftrieb
Auftritt
Aufwand
Aufwendung
Augenmerk
Ausbildung
Ausblick
Ausbuchung
Ausdruck
Ausfall
Ausgabe
Ausgang
Ausgleich
Auskunft
Ausleihung
Ausmaß
Ausnahme
Ausnutzung
Ausrichtung
Aussaat
Aussage
Ausscheiden
Ausschlag
Ausschluss
Ausschüttung
Ausstattung
Ausstieg
Austausch
Ausübung
Auswahl
Ausweis
Ausweitung
Auswertung
Auswirkung
Auszahlung
Auszeichnung
Auszeit
Autorität
Balance
Basis
Bau
Beachtung
Beaufsichtigung
Bedarf
Bedeutung
Bedingung
Bedürfnis
Beeinträchtigung
Beendigung
Befragung
Befugnis
Befürchtung
Begehung
Begeisterung
Beginn
Begleichung
Begrenzung
Behandlung
Beherrschung
Beibehaltung
Beitrag
Belastung
Belebung
Belieferung
Benachrichtigung
Beobachtung
Beratung
Berechnung
Bereinigung
Bereitschaft
Bereitstellung
Bericht
Berichtigung
Berücksichtigung
Berufung
Beschaffung
Beschäftigung
Bescheid
Beschluss
Beschränkung
Beschwerde
Besetzung
Besitz
Besorgnis
Bestand
Bestellung
Besteuerung
Bestimmung
Besuch
Beteiligung
Betracht
Betrachtung
Betrag
Betreuung
Betrieb
Beurteilung
Bevollmächtigung
Beweis
Bewerb
Bewerbung
Bewertung
Bewußtsein
Bezahlung
Beziehung
Bezug
Bilanzierung
Bild
Bildung
Bindung
Blase
Blick
Blutung
Bonität
Buche
Chance
Charakter
Controlling
Dämpfung
Dank
Darlehen
Darstellung
Daten
Dauer
Deckung
Definition
Designation
Desinvestition
Detail
Dialog
Dialyse
Dienst
Differenz
Diskussion
Diversifikation
Diversität
Druck
Duration
Durchführung
Durchsicht
Dynamik
Dynamisierung
Echo
Effekt
Effektivität
Effizienz
Eid
Eigentum
Einbeziehung
Einblick
Einbruch
Einbuße
Eindruck
Einfluss
Einführung
Eingang
Eingriff
Einheit
Einigkeit
Einigung
Einklang
Einkommen
Einladung
Einlage
Einnahme
Einordnung
Einrichtung
Einsatz
Einschätzung
Einschränkung
Einsicht
Einsparung
Einspruch
Einstellung
Einstufung
Eintragung
Einwand
Einwendung
Einziehung
Einzug
Emmision
Empfehlung
Engagement
Entdeckung
Entfaltung
Entgelt
Entkonsolidierung
Entlastung
Entnahme
Entschädigung
Entscheidung
Entspannung
Entwicklung
Erarbeitung
Ereignis
Erfahrung
Erfassung
Erfindung
Erfolg
Erfordernis
Ergänzung
Ergebnis
Erhöhung
Erholung
Erkenntnis
Erklärung
Erkrankung
Erkundung
Erlaubnis
Erläuterung
Erlebnis
Erliegen
Erlös
Ermächtigung
Ermäßigung
Ermessen
Ermittlung
Erneuerung
Eröffnung
Erörterung
Erprobung
Ersatz
Erschließung
Ersparnis
Erstattung
Erstellung
Erteilung
Ertrag
Erwartung
Erweiterung
Erwerb
Erzeugnis
Evaluierung
Exklusivität
Experiment
Exponierung
Fähigkeit
Fahrt
Fälligkeit
Fassung
Festigkeit
Festlegung
Feuchtigkeit
Finanzierung
Flexibilität
Fokus
Folge
Forderung
Förderung
Form
Format
Forschung
Fortschritt
Foto
Frage
Freigabe
Freiheit
Frist
Frucht
Führung
Fundament
Funktion
Funktionalität
Gang
Garantie
Gattung
Gebrauch
Gedanken
Gefahr
Gefühl
Gegenleistung
Gegenstand
Gegenwart
Gegenwert
Gelegenheit
Geltung
Genehmigung
Geschäft
Gespräch
Gestellung
Gesundheit
Gewähr
Gewährleistung
Gewährung
Gewicht
Gewinn
Glaubwürdigkeit
Gliederung
Grad
Grenze
Grund
Grundlage
Grundsatz
Gründung
Haftung
Halt
Haltung
Handel
Handeln
Handlung
Hedge
Hedging
Herabstufung
Herausforderung
Herstellung
Hilfe
Hintergrund
Hinweis
Höhe
Honorar
Ideal
Idee
Identifikation
Identität
Implementierung
Impuls
Inanspruchnahme
Indikation
Indikator
Inflation
Information
Inhalt
Initiative
Innovation
Installation
Instabilität
Integration
Integrität
Intensität
Interesse
Internationalität
Interpretation
Interview
Inventur
Investition
Investment
Kampagne
Kanal
Kapazität
Kapital
Katastrophe
Kategorie
Kauf
Kenntnis
Kennzeichnung
Klage
Klarheit
Klasse
Klassifizierung
Knappheit
Kombination
Komfort
Kommunikation
Kompensation
Kompetenz
Kompromis
Kondition
Konferenz
Konflikt
Konsequenz
Konsolidierung
Kontakt
Kontrakt
Kontrolle
Konzentration
Konzept
Kooperation
Koordination
Korrektur
Korrelation
Kosten
Kraft
Kredit
Krise
Kultur
Kündigung
Kurs
Kürzung
Lähmung
Leben
Legung
Leistung
Leitung
Lieferung
Liquidation
Liquidität
Lizenz
Lösung
Macht
Management
Mangel
Marke
Markt
Maß
Maßnahme
Maßstab
Maximierung
Mehrheit
Meinung
Meldung
Menge
Methode
Minderung
Mission
Mitteilung
Mobilität
Modell
Möglichkeit
Mut
Nachbesserung
Nachdruck
Nachfrage
Nachhaltigkeit
Nachholung
Nachprüfung
Nachricht
Nachweis
Nachzahlung
Nähe
Nahme
Name
Natur
Netz
Neuerung
Neuigkeit
Niederschlag
Nische
Note
Notierung
Notiz
Notwendigkeit
Nutzen
Nutzung
Offenheit
Optimierung
Option
Ordnung
Organisation
Orientierung
Partnerschaft
Passivierung
Patent
Pension
Performance
Perspektive
Pflege
Pflicht
Phase
Plan
Planbarkeit
Planung
Platz
Platzierung
Politik
Position
Potential
Potenzial
Präsentation
Präsenz
Preis
Prinzip
Priorität
Produktion
Profil
Prognose
Programm
Projekt
Prozess
Prüfung
Qualifikation
Qualität
Quote
Rahmen
Rate
Rating
Raum
Realisierbarkeit
Realisierung
Realität
Rechnung
Recht
Reduktion
Reduzierung
Refinanzirung
Regel
Regelung
Registrierung
Regulierung
Reife
Reihe
Rekapitalisierung
Rekord
Relation
Relevanz
Rennen
Rente
Respekt
Restriktion
Resultat
Revision
Revitalisierung
Rezession
Rezonanz
Richtung
Risiko
Rückbuchung
Rückgang
Rückhaltung
Rückkauf
Rücklage
Rückmeldung
Rücknahme
Rücksendung
Rücksicht
Rückstand
Rückstellung
Rückzahlung
Ruf
Saisonalität
Saldierung
Saldo
Sammlung
Schaden
Schädigung
Schall
Schätzung
Schließung
Schluss
Schlussfolgerung
Schöpfung
Schritt
Schuld
Schulung
Schutz
Schwankung
Schwierigkeit
Senkung
Sensitivität
Serie
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