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Thema 3. Die lexikalischen Probleme der Übersetzung.

Лексические проблемы перевода

Plan
1. Der Begriff der lexikalischen Variante bei der Übersetzung. Die Synonyme
und ihre Verwendung im Übersetzungsprozess.
2. Die Übersetzung von Eigennamen, Realienbezeichnungen und
geographischen Namen.
3. Die Wiedergabe der sogenannten äquivalentlosen Lexik bei der
Übersetzung.

1. Der Begriff der lexikalischen Variante bei der Übersetzung. Die


Synonyme und ihre Verwendung im Übersetzungsprozess.

Die meisten Wörter einer Sprache sind mehrdeutig. Das schafft


Schwierigkeiten für die Auswahl einer genauen Entsprechung bei der Übersetzung.
Man darf dabei nie nur mit einem Wörterbuch ausgehen. Die Praxis zeigt, dass es oft
dazu kommt, dass als Entsprechungen Wörter verwendet werden, die in der
jeweiligen konkreten Bedeutung von Wörterbüchern nicht immer erfasst sein können.
Genauso, wie Wörter, die unabhängig von ihrer unterschiedlichen Bedeutung
ähnliche Lebenssituationen bezeichnen können, können auch Wörter, die scheinbar
sehr unterschiedlich sind, in einem großen Kontext ähnliche Funktionen haben. A.W.
Fjodorow nennt solche Wörter und Wendungen parallele synonymische Mittel.
Dieser Begriff ist am Umfang breiter als der der Synonyme.
Wörter, die vollkommen unterschiedliche Bedeutungen haben, aber im Kontext
als parallele synonymische Mittel auftreten, bezeichnet man als lexikalische
Varianten.
Die lexikalischen Varianten sind also jeweils auf eine grammatische Kategorie
und die gleiche syntaktische Funktion des betreffenden Wortes beschränkt.
Die lexikalischen Varianten können durch verschiedene grammatische
Ausdrucksvarianten realisiert werden (z.B. Wortgruppen einer Sprache können durch
selbstständige Sätze in der anderen Sprache wiedergegeben werden, aktive Formen
durch Passivkonstruktionen usw.).
Bei der Auswahl von lexikalischen Varianten muss man auch der sprachlichen
Tradition, dem Usus Rechnung tragen. Wichtig ist auch die Einstellung (Position) des
Autors zu der behandelten Situation. Verfolgen wir die Übersetzung des folgenden
Satzes:
Der Dienst in der NVA beträgt zurzeit 18 Monate. Служба в ННА
составляет в настоящее время полтора года.
Die in der russischen Sprache verwendete Wortgruppe „полтора года“ tritt als
lexikalische Variante für „18 Monate“ auf, ihr Gebrauch ist durch die Tradition des
Deutschen und des Russischen bedingt.
Bei der Übersetzung aus dem Russischen bereitet das Wort „товарищ“ gewisse
Schwierigkeiten. Mit der direkten Entsprechung – „Genosse“ dürfen nur
Parteimitglieder und Angehörige der NVA angeredet werden. Ansonsten verwendet
man im Deutschen verschiedene lexikalische Variante, wie z.B. „Kollege (n)“,
„liebe Freunde“ usw.
Bekanntlich enthält jede Sprache sinnverwandte Wörter, oder Synonyme.
Wörter mit ähnlicher Bedeutung bilden synonymische Reihen. Bei der Translation
kommt es darauf an, genau festzustellen, welche Rolle dieses oder jenes Wort im
Originaltext spielt, welche Schattierungen es aufweist und welche stilistische
Funktion es erfüllt. In einer synonymischen Reihe kann es Wörter geben, die fast
gleiche Bedeutung haben, aber verschiedenen stilistischen Ebenen gehören, z.B.:
работать, творить и вкалывать – arbeiten, wirken und schuften usw. Einige
Wörter können nur in bestimmten Wortverbindungen austauschbar sein, z.B.: stark,
mächtig, kräftig; starker Mensch – сильный, крепкий человек, aber starker Kaffee –
nur «крепкий кофе» (а не «сильный»).
Bei der Auswahl eines Wortes aus der bestimmten synonymischen Reihe muss
man auch die Einstellung des Autors zu den beschriebenen Ereignissen oder
Tatsachen berücksichtigen. Betrachten wir ein Beispiel, das S.J. Roganowa ihrem
Buch erführt:
Die Defensive ist der Tod eines bewaffneten Aufstandes...
(K. Marx, F. Engels. Revolution und Konterrevolution in Deutschland, S.100)
Das Wort „der Aufstand“ hat im Russischen folgende Bedeutungen:
восстание, бунт, мятеж. In gegebenen Fall handelt es sich um einen organisierten
geplanten Vorgang mit dem Ziel, die bestehende Gesellschaftsordnung zu stürzen.
Dementsprechend wird in der russischen Übersetzungsvariante das Wort
“восстание“ gebraucht:
Оборона есть смерть всякого вооруженного восстания…
(К. Маркс, Ф. Энгельс. Революция и контрреволюция в Германии, с.100)
Für den richtigen Gebrauch eines Wortes aus der bestimmten synonymischen
Reihe muss man bei der Übersetzung auch die nationalen Besonderheiten des Alltags
des Volkes berücksichtigen, dessen Sprache im Originaltext gebraucht wird.
Betrachten wir die Übersetzung des folgenden Satzes:
Einige Institute dieser Hochschule haben direkte Verträge mit Betrieben der
Republik abgeschlossen. – Некоторые кафедры вуза заключили прямые договоры
с предприятиями республики.
Das Wort „Institut“ entspricht also im gegebenen Fall dem deutschen Wort
„Lehrstuhl“ und wurde bei der Übersetzung durch das russische „кафедрa“
wiedergegeben. Oder ein anderes Beispiel.
Er hat ausgezeichnet geantwortet und bekam eine „Eins“. – Он отвечал
отлично и получил оценку «пять».
Die vorgeschlagene Variante der Übersetzung ist richtig, obwohl die
eigentliche Bedeutung der Zahlwörter selbstverständlich nicht zusammenfällt.

2. Die Übersetzung von Eigennamen. Realienbezeichnungen und


geographischen Namen.

Bei der Übersetzung von Eigennamen von einer Sprache in eine andere muss
man darauf achten, dass es verschiedene Abarten von solchen Namen gibt. Die
Eigennamen werden eigentlich nie übersetzt, sondern auch mit der Mittel einer
anderen Sprache wiedergegeben.
Die meisten deutschen Eigennamen werden bei der Wiedergabe im Russischen
transliteriert oder transkribiert.
Die weiblichen deutschen Namen auf –e (Nachnamen) erhalten im Russischen
die Endung –a: Else – Эльза, Renate – Рената usw.
Bei der Wiedergabe von männlichen Namen gelten auch die Transliteration
und die Transkription: Norbert – Норберт, Franz – Франц, usw. Wenn es im
Russischen ähnlich lautende Namen gibt, darf es keinesfalls als Anlass für die
Verwendung solchen Namen für die entsprechenden deutschen Namen dienen.
z.B.: Paul wird nur mit Пауль wiedergegeben und nicht mit Павел, Joseph –
durch „Иозеф“ und nicht durch „Иосиф“ usw.
Man sollte auch der Tatsache Rechnung tragen, dass im Deutschen zahlreiche
ausländische Eigennamen in ihrer originalen Schreibweise vorkommen können. Da
sind englische, französische, griechische, spanische und andere Namen.
Die antiken Namen auf –o erhalten im Russischen – он: Plato – Платон,
Nero – Нерон usw.
Die Namen, die aus anderen Sprachen kommen, werden ebenfalls transliteriert
oder transkribiert. Es kommt dabei aber darauf an, genau festzustellen aus welcher
Sprache sie sind. Zum Beispiel kann der Name Peter, wenn das ein deutscher Name
ist, durch «Петер» wiedergegeben werden. Handelt es sich dabei um einen
englischen Namen, wird bei dessen Wiedergabe im Russischen „Питер“ gebraucht.
Bei der Wiedergabe von deutschen Eigennamen im Russischen spielt auch die
Tradition eine wesentliche Rolle. So entspricht z.B. dem Namen Heinrich Heine im
Russischen Генрих Гейне. Traditionsgemäß wurde bis vor kurzem der Name Hans
durch «Ганс» wiedergegeben. In der letzten Zeit setzt sich aber die Tendenz durch,
die Namen, die in der deutschen Sprache mit H beginnen, in der russischen Sprache
nach den Regeln der Transkription wiederzugeben, also Hans durch Ханс, Heinrich
durch Хайнрих usw.
Die Beinamen (прозвища) werden bei der Wiedergabe von Eigennamen in der
Regel übersetzt: Karl der Große – «Карл Великий», August der Starke – «Август
Сильный» usw.
Die geographischen Namen werden bei deren Wiedergabe ins Russischen
transliteriert oder transkribiert: Schwarzwald – Шварцвальд
Die Tradition spielt dabei auch eine wichtige Rolle. So wird z.B. Leipzig durch
Лейпциг wiedergegeben.
Bei der Wiedergabe von Namen der Berge und Inseln werden im Russischen
oft erklärende Wörter „горы“, „острова“ gebraucht: z.B. die Apрalachen – Апалачи,
Апалачские горы, Antillen – Антильские острова
Einige geographische Namen haben parallele Bezeichnungen, die nationalen
und die entsprechenden deutschen, was bei der Übersetzung zu berücksichtigen ist:
Karlsbad und Karlovy Vary – Карлсбад, Карловы Вары, Danzig, Gdansk –
Гданьск.
Die Namen von Straßen, Städten, Stadtbezirken werden in der Regel auch
transliteriert oder transkribiert: Meyerstrasse – Маиерштрассе, Alexanderplatz –
Александерплатц.
In einigen Fällen wird auch die eigentliche Übersetzung verwendet: der
Siegesplatz – площадь Победы, die Straße der Kosmonauten – улица
Космонавтов.
Ebenfalls transliteriert oder transkribiert werden die Bezeichnungen von
Banken, Firmen, Betrieben: ORWO – «ОРВО», General Motors – дженерал
Моторс.
Wenn diese Bezeichnung den Namen enthält, nach dem sie benannt wurde,
wird bei der Übersetzung ins Russische das Wort - имени ausgesetzt. z.B. die
Friedrich Schiller Universität – Jena – университет имени Ф. Шиллера.
Bei der Übersetzung von Realienbezeichnungen muss man davon ausgehen,
dass es Wörter oder Wortverbindungen sind, die Begriffe des Alltags oder nationalen
Kolorite ausdrücken, die spezifisch für ein bestimmtes Land sind. Sprachforscher
betonen, dass das Wort „Realien“ ein extralinguistischer Begriff ist. A.V. Fjodorow
spricht in seiner „Einführung in die Übersetzungswissenschaft“ nicht von der
Übersetzung von Realienbezeichnungen, sondern von deren Wiedergabe in einer
anderen Sprache.
In der Übersetzungstheorie sind 4 Möglichkeiten der Wiedergabe von
Realienbezeichnungen bei der Übersetzung bekannt:
1. Transliteration oder Transkription
Durch diese Verfahren sind viele russische und sowjetische Realien in anderen
Sprachen verankert werden: совет – der Sowjet, спутник – der Sputnik, колхоз –
der Kolchos.
Man unterscheidet zwischen vollständiger und teilweiser Transliteration: z.B.
der Bundestag – бундестаг (vollständige T.) der Bürgermeister – бургомистр
(unvollständig).
2. Die Wiedergabe von Realienbezeichnungen durch Schaffung neuer
Wörter, Wortgruppen oder Zusammensetzungen in der Zielsprache.
Diese Methode bedeutet praktisch die Wiedergabe von Realien durch
Umschreibungen: die Jugendweihe – обряд вступления молодежи во взрослую
жизнь.
3. Die Verwendung bei der Wiedergabe von Realienbezeichnungen von
Wörtern oder Ausdrücken der Zielsprache, die zwar nicht ganz identisch oder
ähnliche Begriffe ausdrücken: Der Volkseigene Betrieb (VEB) – народное
предприятие.
4. Die verallgemeinernd-annähernde Übersetzung, bei der
Einzelbegriffe der Sprache des Originals durch Gattungsbegriffe der
Zielsprache wiedergegeben werden: «Изба» als einfaches Haus, Das
Schreiberhäuschen als «дача».

3. Die Wiedergabe der sogenannten äquivalentlosen Lexik bei der Übersetzung.

Als Äquivalentlos werden in der Übersetzungstheorie solche Wörter


bezeichnet, die keine Äquivalente außerhalb der Sprache, zu der sie gehören, haben.
Zur äquivalentlosen Lexik zählt man vor allem Wörter, die Begriffe lokalen
Charakters ausdrücken. Einigermaßen gehören dazu auch Realienbezeichnungen, die
im Prinzip einmalig für ein bestimmtes Land sind. A.V. Fjodorow betrachtet als
äquivalentlos auch einige wissenschaftliche Termini, die in der betreffenden Sprache
abstrakte Begriffe zum Ausdruck bringen (z.B. ästhetische, philosophische,
politische), bei denen Wiedergabe in einer anderen Sprache auf wesentliche
Schwierigkeiten stößt. So wird z.B. das russische Wort „идейность“ nur ungefähr
ins Deutsche durch die Zusammensetzung „der Ideengehalt“ (buchstäblich –
„идейное содержание“) übersetzt. Der Begriff „партийность“ wurde ursprünglich
als „Parteigeist“ wiedergegeben, später fand man eine genauere Entsprechung –
„Parteilichkeit“.
Wenn ein Wort keine feste Entsprechung in der Zielsprache hat, werden
Analoge unter den bekannten Wörtern ausgesucht oder gar neue Wörter geschaffen,
die später zu festen Entsprechungen werden können.
Anders ausgedrückt, bedeutet das Fehlen von festen lexikalischen
Entsprechungen für bestimmte Wörter keinesfalls die Unmöglichkeit ihrer genauen
Wiedergabe durch die Mittel der Zielsprache. Äußerst wichtig ist dabei die genaue
Analyse des Kontextes, in dem das Wort vorkommt.
Neben den Fällen, wo eine exakte, eindeutige Entsprechung fehlt, können in
der Zielsprache auch sogenannte „Scheinäquivalente“ auftauchen, die noch als
„falsche Freunde des Übersetzers“ bezeichnet werden.