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Klimaschutz in Zahlen

Fakten, Trends und Impulse deutscher Klimapolitik


Ausgabe 2020
2 KLIMASCHUTZ IN ZAHLEN | IMPRESSUM

Impressum

Herausgeber
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU)
Referat Öffentlichkeitsarbeit, Online-Kommunikation, Social Media · 11055 Berlin
E-Mail: buergerinfo@bmu.bund.de · Internet: www.bmu.de

Redaktion
BMU, Arbeitsgruppe IK III 1,
Mareike Welke, Maximilian Beck

Text
Navigant, Thobias Sach, Korinna Jörling, Bastian Lotz, Martin Jakob, Henrik Schult, Diego Bietenholz, Berlin

Gestaltung
www.digitale-gestaltung.de, Holger Ebeling, Berlin

Druck
Druck- und Verlagshaus Zarbock GmbH & Co. KG, Frankfurt am Main

Bildnachweise
Titelseite: Shutterstock.com/Maren Winter
Seite 5: BMU/photothek/Thomas Trutschel · Seite 6: stock.adobe.com/The Ocean Agency
Seite 14: BMU/Sascha Hilgers · Seite 26: stock.adobe.com/Bildagentur-o · Seite 48: stock.adobe.com/ink drop

Stand
Mai 2020

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KLIMASCHUTZ IN ZAHLEN 3

Klimaschutz in Zahlen
Fakten, Trends und Impulse deutscher Klimapolitik
Ausgabe 2020
4 KLIMASCHUTZ IN ZAHLEN | INHALT

Inhalt

Vorwort .............................................................................................................................................................................. 5

1. Warum setzt sich Deutschland für eine aktive Klimapolitik ein? ................................................. 6
1.1 Klimawandel – Ursachen und Folgen...........................................................................................................................................................7
1.2 Klimavorsorge – Anpassung an den Klimawandel.............................................................................................................................. 10
1.3 Globale Verantwortung und Chancen für eine nachhaltige Zukunft ........................................................................................ 12

2. Klimaschutzziele und Instrumente ...........................................................................................................14


2.1 Internationale Klimaschutzpolitik ............................................................................................................................................................. 15
2.2 Europäische Klimaschutzpolitik .................................................................................................................................................................. 17
2.3 Nationale Klimaschutzpolitik ....................................................................................................................................................................... 22
SCHLAGLICHT 2020 – Das Klimapaket: Klimaschutzprogramm 2030,
Klimaschutzgesetz und nationaler Brennstoffemissionshandel .................................................................................................. 24

3. Emissionstrends und Handlungsfelder in den Sektoren.................................................................26


3.1 Emissionen in Deutschland – gestern, heute und morgen ............................................................................................................. 27
3.2 Energiewirtschaft ................................................................................................................................................................................................ 29
3.3 Industrie .................................................................................................................................................................................................................. 33
3.4 Verkehr ..................................................................................................................................................................................................................... 36
3.5 Gebäude ................................................................................................................................................................................................................... 40
3.6 Landwirtschaft...................................................................................................................................................................................................... 42
3.7 Abfall- und Kreislaufwirtschaft .................................................................................................................................................................... 44
3.8 Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft (LULUCF)................................................................................... 46

4. Auf dem Weg in die treibhausgasneutrale Gesellschaft ...................................................................48


4.1 Schaffung nachhaltiger Infrastruktur ....................................................................................................................................................... 49
4.2 Wirtschaft und Innovation............................................................................................................................................................................. 50
4.3 Arbeitsplätze und Strukturwandel ............................................................................................................................................................. 52
4.4 Nachhaltiger Konsum ....................................................................................................................................................................................... 54
4.5 Nachhaltige Investitionen ............................................................................................................................................................................... 56

5. Glossar......................................................................................................................................................................58

6. Abkürzungsverzeichnis ...................................................................................................................................60

7. Endnoten ................................................................................................................................................................62

8. Literaturverzeichnis ..........................................................................................................................................63

9. Datenanhang ........................................................................................................................................................65
VORWORT | KLIMASCHUTZ IN ZAHLEN 5

Maßnahmen vorgestellt, mit denen das Ziel der Treib-


hausgasneutralität in der Europäischen Union (EU) bis
2050 erreicht werden soll. Bereits vorgelegt wurden Plä-
ne für die Finanzierung eines gerechten Strukturwan-
dels und ein Vorschlag für ein EU-Klimaschutzgesetz.

In Deutschland hat die intensive Arbeit des Klimakabi-


netts Früchte getragen. Es ist ein wichtiger Fortschritt,
dass wir das Klimaschutzprogramm 2030 beschlossen ha-
ben und der Deutsche Bundestag das Klimaschutzgesetz
verabschiedet hat. Damit haben wir jährliche Treibhaus-
gasemissions-Budgets für alle Sektoren bis 2030 verbind-
lich festgelegt und einen Nachsteuerungsmechanismus
vereinbart. Nun sind alle Ministerien Klimaschutzmi-
nisterien. Neben den 54 Milliarden Euro Klimaschutz-
investitionen der Bundesregierung in den nächsten vier
Vorwort Jahren werden wir auch im Rahmen des Neustarts nach
der Pandemie Gelder für den Klimaschutz zur Verfügung
stellen müssen. Die im Frühjahr 2020 veröffentlichte
Liebe Leserinnen und Leser, Gesamtabschätzung des Klimapakets zeigt, dass wir im
Energiesektor, in der Industrie und im Abfallbereich
wir stehen unter dem Eindruck der Corona-Pandemie. grundsätzlich auf dem richtigen Weg sind. Sosehr ich
Die Folgen dieser weltweiten Krise können wir noch mich über das Klimapaket freue, so weiß ich auch, dass
nicht vollständig überblicken. Gleichzeitig dürfen wir wir noch einen weiten Weg vor uns haben, bis wir unser
andere globale Krisen wie den Klimawandel, der trotz Ziel einer treibhausgasneutralen Gesellschaft und Wirt-
des Virus besteht und weiter fortschreitet, nicht ver- schaft erreichen. Ich möchte jedoch die Reduktion der
gessen. Während die Wissenschaftler bei Covid-19 noch Treibhausgasemissionen im Jahr 2019 positiv hervorhe-
nach einem Heilmittel suchen, kennen wir bezogen auf ben. Mit 35,7 Prozent Minderung gegenüber 1990 haben
den Klimawandel dank jahrzehntelanger Forschungen wir uns dem Zielpfad wieder genähert.
bereits Diagnose und Medikamente.
Wir machen Klimapolitik auf Grundlage von Fakten.
Welche dramatischen Auswirkungen der Klimawandel Und da Klimaschutz eine gesamtgesellschaftliche Auf-
haben kann, wenn wir die Emissionen nicht entschlos- gabe ist, machen wir diese Fakten transparent für alle
sen senken, haben die beiden neuesten Sonderberichte verfügbar. Das bietet Klimaschutz in Zahlen auch mit
des Weltklimarats (IPCC) gezeigt. Auch in Deutschland der aktuellen Ausgabe.
spüren wir bereits heute die Folgen des Klimawandels.
Die Vertragsparteien des Pariser Klimaabkommens sind Ich wünsche Ihnen viel Spaß und neue Erkenntnisse
aufgerufen, ihre Klimaziele zu verbessern. Spätestens beim Lesen und Nachschlagen!
beim nächsten UN-Klimagipfel in Glasgow, der nun
erst im Jahr 2021 stattfinden kann, müssen wir die
Bilanz ziehen und uns gemeinsam auf einen verstärkten
Klimaschutz verständigen. Trotz der Corona-Pandemie
müssen wir weiterhin gemeinsam mit unseren inter-
nationalen Partnern für mehr Klimaschutz kämpfen.
Deshalb haben wir den 11. Petersberger Klimadialog
Ende April 2020 als Videokonferenz ausgerichtet.
Svenja Schulze
Mit dem European Green Deal hat auch die neue
Europäische Kommission den Klimaschutz zu einem Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und
Schwerpunkt der nächsten Jahre erklärt und zahlreiche nukleare Sicherheit
6 KLIMASCHUTZ IN ZAHLEN | 1. WARUM SETZT SICH DEUTSCHLAND FÜR EINE AKTIVE KLIMAPOLITIK EIN?

1.1 Klimawandel – Ursachen und


Folgen
Der Klimawandel ist eine der größten Herausforde-
rungen für die Menschheit. Durch den anthropoge-
nen Treibhauseffekt erwärmt sich die Erdatmosphäre
so schnell wie nie zuvor – mit vielfach unumkehrbaren
Auswirkungen für Mensch und Umwelt. Seit Beginn
der Industrialisierung ist die globale Durchschnitts-
temperatur bereits um etwa 1 °C gestiegen. Für diesen
Anstieg sind in erster Linie menschliche Aktivitäten
verantwortlich, die den Ausstoß von Treibhaus-
gasen verursachen. Das bedeutendste Treibhausgas
ist Kohlenstoffdioxid (CO2), welches insbesondere
bei der Verbrennung fossiler Energieträger entsteht.
Die globale CO2-Konzentration in der Atmosphäre ist
seit etwa 1850 im Vergleich zu den vorangegangenen
10.000 Jahren um 44 Prozent gestiegen.1 In Industrie-
ländern wie Deutschland ist der durchschnittliche
Pro-Kopf-Ausstoß von Treibhausgasen besonders hoch
(Abbildung 6).

1. Warum setzt sich Deutschland für eine


aktive Klimapolitik ein?

Zusammenfassung
Seit Beginn der Industrialisierung ist die globale folgen betroffen. Im Vergleich zum vorindustriellen
Durchschnittstemperatur um etwa 1 °C gestiegen. Niveau ist die mittlere Jahrestemperatur bereits um
Dafür verantwortlich sind menschliche Aktivitäten, bei 1,5 °C gestiegen. Diese Zunahme liegt deutlich über dem
denen Treibhausgase ausgestoßen werden. globalen Temperaturanstieg. Die damit einhergehenden
Folgen haben in den letzten Jahren deutliche Spuren
Bereits heute sind die Folgen der globalen Erwärmung hinterlassen.
zu bemerken. Wissenschaftliche Erkenntnisse weisen
darauf hin, dass der westantarktische Eisschild bereits Deutschland ist historisch gesehen für 4,6 Prozent der
begonnen hat, ins Meer abzufließen. Dadurch droht globalen Treibhausgasemissionen seit 1850 verantwort-
der Meeresspiegel langfristig um mehr als drei Meter lich. Die jährlichen Pro-Kopf-CO2-Emissionen sind mit
anzusteigen. Auch die dauerhaften Auswirkungen 9,2 Tonnen etwa doppelt so hoch wie der weltweite
des Klimawandels auf die Ozeane und Hochgebirgs- Durchschnitt. Als Industrieland trägt Deutschland eine
regionen nehmen dramatisch zu. Zudem bedroht die besondere Verantwortung bei der Bekämpfung des Kli-
globale Erwärmung menschliche Existenzgrundlagen mawandels. Deutschland strebt deshalb eine Vorreiter-
durch klimatische Veränderungen in Landgebieten. rolle im Klimaschutz an und unterstützt andere Länder
Auch Deutschland ist immer stärker von Klimawandel- im Rahmen der internationalen Klimafinanzierung.
1.1 KLIMAWANDEL – URSACHEN UND FOLGEN | KLIMASCHUTZ IN ZAHLEN 7

zu 670 Millionen Menschen in Hochgebirgsregionen,


1.1 Klimawandel – wenn Gletscher und Permafrost weiter tauen. Durch
Ursachen und Folgen das Abschmelzen der Eiskappen in Grönland steigt
der Meeresspiegel weiter an. Ein Anstieg um bis zu
Seit Beginn der Industrialisierung ist die globale 1,1 Meter bis 2100 ist den Wissenschaftlern zufolge
Durchschnittstemperatur um etwa 1 °C gestiegen. möglich. Extremwasserstände und häufigere tropi-
Dafür sind menschliche Aktivitäten verantwortlich, sche Wirbelstürme würden insbesondere die über
bei denen Treibhausgase ausgestoßen werden. Eine 700 Millionen Menschen betreffen, die an niedrig
Ansammlung von Treibhausgasen in der Atmosphäre gelegenen Küsten und in kleinen Inselstaaten leben.
führt zu einer Erwärmung der unteren Luftschichten Durch die kontinuierliche Erwärmung der Meere wird
und verstärkt damit die anthropogene, also vom Men- die Durchmischung der Wasserschichten reduziert.
schen verursachte Klimaveränderung. Das mengen- Marine Lebewesen werden in der Folge nicht ausrei-
mäßig bedeutendste Treibhausgas ist Kohlendioxid chend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Der
(CO2). Es wird insbesondere beim Verbrennen fossiler Klimawandel reduziert deshalb weltweit das Fisch-
Energieträger sowie durch großflächige Entwaldung fangpotenzial und verändert die regionale Verteilung
freigesetzt. Seit Beginn der Industrialisierung ist die ab- der Fischressourcen. Vor allem für Gemeinschaften,
solute CO2-Konzentration um insgesamt etwa 44 Pro- die vom Fischfang abhängig sind, erhöhen sich damit
zent im Vergleich zu den vorangegangenen 10.000 Jah- die Risiken für Nahrungssicherung und Gesundheit.
ren gestiegen.1 Die durchschnittlichen jährlichen Zusätzlich treten marine Hitzewellen immer häufiger
Zuwachsraten der globalen CO2-Konzentration haben auf und fallen stärker aus. Sensible Ökosysteme wie
sich seit den 1950er Jahren fast vervierfacht.Neben der Korallenriffe sind davon besonders bedroht.
CO2-Konzentration haben sich auch die Konzentratio-
nen weiterer klimarelevanter Treibhausgase deutlich Die globale Erwärmung verändert auch in Land-
erhöht. Hierzu zählen zum Beispiel Methan (CH4) und gebieten die klimatischen Bedingungen und bedroht
Lachgas (N2O), die vor allem in der Landwirtschaft ent- menschliche Existenzgrundlagen. Darauf weist der im
stehen. August 2019 erschienene IPCC-Sonderbericht zu Kli-
mawandel und Landsystemen hin.4 In vielen Regionen
Bereits heute sind die Auswirkungen der globalen ist die menschliche Existenzgrundlage zunehmend
Erwärmung zu beobachten. Die Klimawandelfolgen bedroht, weil die Lufttemperatur über der Landober-
verstärken sich deutlich bei einer globalen Erwärmung
um 1,5 °C. Mit den aktuell global umgesetzten Klima-
schutzmaßnahmen würde sich ein solcher Tempera-
Abbildung 01: Anstieg der Jahresdurch-
turanstieg bereits zwischen 2030 und 2052 einstellen.
schnittstemperatur in Deutschland seit
Der im Oktober 2018 erschienene Sonderbericht des
Beginn der Wetteraufzeichnungen
Intergovernmental Panel on Climate Change (IPPC)
zu den Folgen einer Erderwärmung um 1,5 °C hat auf-
gezeigt, dass die Risiken für Mensch und Natur noch 10
Grad Celsius (°C)

größer sind als bisher angenommen.2 Selbst bei einer


Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 °C würden 9
Extremwetterereignisse wie Hitzewellen, Starkregen,
Hochwasser und Dürren in einigen Weltregionen stark + 1,5
8
zunehmen. Für Tiere und Pflanzen droht ein umfang-
reicher Verlust an Lebensräumen.
7
Die Auswirkungen des Klimawandels auf Hochgebirgs-
und Polarregionen, die Ozeane und den Anstieg der 6
Meeresspiegel sind schon heute dramatisch. Dies
1880 1949 2018
zeigt der IPCC-Sonderbericht über den Ozean und die
Kryosphäre von September 2019.3 Er verweist auf Ge- Quelle: DWD (2020)
fahren durch Erdrutsche, Lawinen und Fluten für bis
8 KLIMASCHUTZ IN ZAHLEN | 1.1 KLIMAWANDEL – URSACHEN UND FOLGEN

Treibhausgase und ihre Entstehung Abbildung 02: Anteile der Treibhausgase in


Deutschland in CO2-Äquivalenten (2018)
Das Kyoto-Protokoll definiert die Treibhausgase
Kohlendioxid (CO2), Methan (CH4) und Lachgas 88 % Kohlenstoff-
(N2O) sowie die fluorierten Treibhausgase (F-Gase). dioxid

Sie haben unterschiedlich hohe Anteile an den


deutschen Treibhausgasemissionen (Abbildung 02).
6 % Methan
Während CO2 vor allem auf die Verbrennung
4 % Lachgas
fossiler Brennstoffe zurückzuführen ist, ent-
2 % Fluorierte
stehen Methan und Lachgas überwiegend in der Gase
Land- und Forstwirtschaft, insbesondere bei der
Viehhaltung. F-Gase kommen im Gegensatz zu
den übrigen Treibhausgasen nicht in der Natur vor.
Die Klimawirksamkeit von Methan, Lachgas und Quelle: UBA (2020a)
fluorierten Treibhausgasen wird in CO2-Äquivalen-
ten ausgedrückt. In dieser Einheit wird angegeben,
wie stark ein Gas im Vergleich zur gleichen Menge Methan in der Atmosphäre ist mit rund zwölf Jah-
CO2 zur Erderwärmung beiträgt. ren zwar deutlich kürzer als die von CO2, allerdings
ist das Gas rund 25-mal so klimawirksam.
C ==
O
O Kohlenstoffdioxid (CO2) ist ein geruch- und
farbloses Gas, dessen durchschnittliche Ver- O
N –= -
O Lachgas (N2O) ist ein farbloses, süßlich riechendes
weildauer in der Atmosphäre 120 Jahre beträgt. Gas. Es kommt in der Atmosphäre zwar nur in
CO2 macht den bedeutendsten Teil des vom Spuren vor, ist aber 298-mal so klimawirksam wie
Menschen verursachten Treibhauseffektes aus. CO2. Es gelangt über stickstoffhaltige Dünger und
Es entsteht vor allem bei der Verbrennung von die Tierhaltung sowie über chemische Prozesse in
Kohle, Erdöl und Gas in der Strom- und Wärme- der Industrie in die Atmosphäre.
erzeugung, in Haushalten, im Verkehr sowie in
der industriellen Produktion. –F
N –– F
F Fluorierte Gase (HFKW, FKW, SF6 und NF3)
werden hauptsächlich als Treibgas, Kühl- und
H– –H
C
H– –H Methan (CH4) ist ein geruch- und farbloses, hoch- Löschmittel oder als Bestandteil von Schallschutz-
entzündliches Gas, das entsteht, wenn organisches scheiben produziert. Sie sind unter anderem
Material unter Luftausschluss abgebaut wird, wie in aufgrund ihrer enorm langen Verweildauer in der
den Mägen von Tieren, in Klärwerken und Müll- Atmosphäre 100- bis 24.000-mal so klimawirksam
deponien. Die durchschnittliche Verweildauer von wie CO2.

fläche seit der vorindustriellen Zeit nahezu doppelt so des Klimas gesprochen wird, sind auch abrupte und
stark angestiegen ist wie die globale Durchschnittstem- besonders starke Änderungen des Klimas möglich.
peratur. Die Erwärmung führt zu Vegetationsverlust Solche Prozesse entstehen, wenn bestimmte kriti-
und Artensterben, zunehmenden Waldbränden sowie sche Schwellen im Klimasystem, die sogenannten
Wüstenbildung und Landdegradierung. Dies gefährdet Kipp-Punkte, erreicht werden, wodurch sich der
nicht zuletzt die Ernährungssicherheit in den betroffe- Klimawandel selbst verstärkt. So reagiert das Klima-
nen Regionen. system ab einem bestimmten Temperaturanstieg
mit unumkehrbaren Veränderungen. Wenn zum
Bereits ab 1,5 °C Erderwärmung ist das Überschrei- Beispiel das arktische Meereis schmilzt, würde sich
ten von Kipp-Punkten im Klimasystem möglich. die Temperatur in der Arktis etwa doppelt so schnell
Während häufig von einer allmählichen Erwärmung erwärmen wie im globalen Durchschnitt.5 Diese so-
1.1 KLIMAWANDEL – URSACHEN UND FOLGEN | KLIMASCHUTZ IN ZAHLEN 9

genannte Eis-Albedo-Rückkopplung tritt ein, weil die Durchschnittstemperatur von 10,5 °C war 2018 das
durch das schmelzende Eis hervortretende Landmasse wärmste in Deutschland beobachtete Jahr seit dem
oder das Meer mehr Sonnenwärme aufnehmen kann Beginn regelmäßiger Wetteraufzeichnungen im
und damit den Schwund des verbliebenen Eises noch Jahr 1881.7 Das Jahr 2019 gehört mit einer Durch-
verstärkt. Sollten die arktischen Permafrostböden in schnittstemperatur von 10,2 °C ebenfalls zu den
Sibirien und Nordamerika auftauen, würden große wärmsten jemals gemessenen Jahren. Die Häufung von
Mengen an CO2 und Methan freigesetzt, die dort seit besonders warmen Jahren ist ein deutliches Zeichen
der letzten Eiszeit gespeichert sind. Das damit ein- der Erderwärmung. Als Folge der Klimaerwärmung in
hergehende Emissionspotenzial ist enorm, denn die Deutschland steigen die Risiken für extreme Hitze und
Kohlenstoffvorräte in Permafrostböden machen etwa Trockenperioden sowie Starkniederschläge und damit
25 Prozent des weltweiten Bodenkohlenstoffs aus.6 einhergehende Überschwemmungen. Im Jahr 2018
Ein Austreten dieser Treibhausgase würde die anthro- gehörte Deutschland erstmals zu den drei am stärksten
pogene Klimaerwärmung daher erheblich verstärken. von Extremwettern betroffenen Ländern der Welt.8

Auch Deutschland ist zunehmend von Klima- Weitere Risiken bestehen für die Trinkwasserver-
wandelfolgen betroffen (Abbildung 03). Im Ver- sorgung, das Gesundheitssystem und aufgrund von
gleich zum vorindustriellen Niveau ist die mittlere Ernteausfällen auch für die Ernährungssicherheit. Auch
Jahrestemperatur in Deutschland bereits um 1,5 °C der deutsche Wald leidet unter den Folgen des Klima-
gestiegen und liegt damit über dem globalen Tem- wandels (siehe Kapitel 3.8).
peraturanstieg von 1 °C (Abbildung 01). Mit einer

Abbildung 03: Ausgewählte Klimawandelfolgen in Deutschland

Hitzebedingte Todesfälle Mehr Hitzetage (mindestens 30 °C)


in den Hitzesommern 2003, 1951: im Mittel 3 Hitzetage pro Jahr
2006 und 2015 2018: im Mittel 20 Hitzetage pro Jahr

Der Meeresspiegel steigt


am Beispiel Cuxhaven
+8,9 cm
Niedrige Grundwasser-
stände werden häufiger Insgesamt 2015 516,84 cm
Anzahl der Monate mit 19.500 2011 515,88 cm
Unterschreitung der 2001 513,61 cm
Referenzwerte (Durch-
schnittswerte 1971 bis 1991 510,66 cm
2000)
1981 507,97 cm

1971
1981
1982
1992 Die Vegetationsperiode
2002 wird länger

2012
2017 1951 bis 1981 bis 1988 bis
2018 Zeitspanne
1981 2010 2017
Dauer der
Vegetations-
222 230 232
periode in
Tagen
Quelle: UBA (2019a)
10 KLIMASCHUTZ IN ZAHLEN | 1.2 KLIMAVORSORGE – ANPASSUNG AN DEN KLIMAWANDEL

Materialien einzusetzen. Daneben führt eine rechtzeitige


1.2 Klimavorsorge – Anpassung an den Klimawandel auch zu insgesamt nied-
Anpassung an den Klimawandel rigeren Kosten, da Schäden vermieden werden.

Der Klimawandel erfordert effektive Anpassung. Selbst Für die Klimavorsorge ist eine möglichst exakte
wenn die globale Durchschnittstemperatur auf weni- Vorhersage von Klimawandelfolgen wichtig. Das
ger als 2 °C über dem vorindustriellen Niveau begrenzt Deutsche Klimavorsorgeportal (KliVO Portal)9 der
werden kann, treten Folgen des Klimawandels auf, an die Bundesregierung bündelt zu diesem Zweck zentrale
Deutschland sich anpassen muss (Abbildungen 03 und Klimavorsorgedienste, indem es meteorologische und
04). Neben der Reduzierung der Treibhausgasemissionen klimatologische Daten zur Verfügung stellt. Das KliVO
zielt die deutsche Klimapolitik deshalb darauf ab, schon Portal hält außerdem Anpassungsdienste bereit, die die
heute nicht mehr vermeidbare Klimawandelfolgen durch Bundesländer, Landkreise und Kommunen, aber auch
angemessene Vor- und Nachsorge zu begrenzen. Anpas- die Zivilgesellschaft und die Wirtschaft beim Umgang
sung trägt dazu bei, die von Klimawandelfolgen betrof- mit Klimawandelfolgen unterstützen. Beispielsweise
fenen Bereiche widerstands- und wandlungsfähiger, also können Stadtplaner mit Temperatur- und Nieder-
resilienter, zu machen. Zu Anpassungsmaßnahmen kön- schlagsdaten, Bebauungsplänen und Informationen
nen ein Verbot von Ölheizungen in Hochwasserschutz- zur Bevölkerungsentwicklung abschätzen, an welchen
gebieten oder Warnsysteme für Hitze und Starkregen Orten extreme Hitze oder Starkniederschläge für Men-
zählen. Im Straßenbau ist es möglich, hitzebeständigere schen und Infrastrukturen gefährlich werden können.

Abbildung 04: Klimawandelfolgen und Anpassungsmaßnahmen

Meeresspiegelanstieg, erhöhter Seegang,


Erhöhte Hitzebelastung
steigende Sturmflutgefahr

Anpassungsmaßnahmen: Schaffung grüner Korridore in Anpassungsmaßnahmen: Weiterentwicklung von Klima-,


Städten, Hitzewarnsystem für vulnerable Gruppen, Verbesse- Extremwetter- und Gewässervorhersagen, Erhöhung von
rung des Trinkwasserangebots in Hitzeperioden. Deichen.
Wo: Ballungsgebiete in den wärmeren Regionen Wo: Küstengebiete.
Deutschlands.

Starkregen und Sturzfluten


Erhöhtes Waldbrandrisiko
Anpassungsmaßnahmen: Klimawandelrobuste Infrastruktur,
Anpassungsmaßnahmen: Schaffung standortgerechter Optimierung von Talsperren, Speichern und Rückhaltebecken.
Mischwälder, Waldbrandprävention, effektive Waldbrand- Wo: Ballungszentren im Nordwestdeutschen Tiefland,
bekämpfung. in Mittelgebirgen und im südwestdeutschen Raum.
Wo: Regionen mit intensiver Wald- und Forstwirtschaft in
Ostdeutschland und in Mittelgebirgen. Beeinträchtigung der Wassernutzung durch
zunehmende Erwärmung
Flussüberschwemmungen Anpassungsmaßnahmen: Reduzierte Wasserentnahme
durch Energiewirtschaft und Industrie.
Anpassungsmaßnahmen: Renaturierung von Fließgewäs- Wo: Regionen mit warmem und trockenerem Klima in
sern und Auen, Einrichtung von Wasserrückhaltebecken Ostdeutschland und dem Rheineinzugsgebiet.
und Versickerungsflächen.
Wo: Ballungsräume in Flusstälern des Norddeutschen Tief- Veränderung der Artenzusammensetzung und
landes, aber auch Einzugsgebiete des Rheins und der Donau. der natürlichen Entwicklungsphasen

Anpassungsmaßnahmen: Lebensraumoptimierung für


gefährdete Arten, Aufforstung, systematische Beachtung
der Klimaschutzfunktionen des Bodens.
Quelle: BMU (2015)
Wo: Meere und ländliche Räume.
1.2 KLIMAVORSORGE – ANPASSUNG AN DEN KLIMAWANDEL | KLIMASCHUTZ IN ZAHLEN 11

8,9 cm
Die Anpassung an den Klimawandel wird auf lokaler, Seit 1981 ist der
nationaler, europäischer und globaler Ebene voran- Meeresspiegel der
getrieben. Die Deutsche Anpassungsstrategie an den Nordsee um 8,9 Zenti-
Klimawandel (DAS) gibt seit 2008 den politischen Rah- meter gestiegen (ge-
men für die Klimawandelanpassung in Deutschland vor messen in Cuxhaven).
und definiert zentrale Ziele und Handlungsoptionen.10
Mit dem 2011 veröffentlichten Aktionsplan Anpassung
I (APA I) sowie dem ersten Fortschrittsbericht zur DAS Infrastrukturen wie Straßen, Kanalisation, öffentliche
aus dem Jahr 2015 und dem darin enthaltenen zweiten Gebäude oder Krankenhäuser. Kommunen überneh-
Aktionsplan (APA II) wurden diese Ziele und Hand- men zudem zentrale Aufgaben der Daseinsvorsorge,
lungsoptionen mit konkreten Maßnahmen unter- wie die öffentliche Trinkwasserversorgung und die
legt. Wichtige Grundlagen für den Fortschrittsbericht Abwasserentsorgung.
waren der Monitoringbericht 2015 sowie die ebenfalls
2015 veröffentlichte Vulnerabilitätsanalyse zur Unter- Kommunen werden beim Umgang mit Klimawandel-
suchung der Verwundbarkeit Deutschlands gegenüber folgen auf Bundes- und europäischer Ebene unter-
Risiken des Klimawandels. Die im APA II festgehaltenen stützt. So werden Anpassungsmaßnahmen über diverse
Maßnahmen umfassen die zentralen Bereiche Wasser, Förderprogramme des Bundes finanziert. Beispielsweise
Infrastrukturen, Raumplanung und Bevölkerungs- fördert das Bundesministerium für Umwelt, Natur-
schutz, Land, Gesundheit sowie Wirtschaft und reichen schutz und nukleare Sicherheit (BMU) mit dem Pro-
von investiven Maßnahmen und Forschungsaktivi- gramm „Maßnahmen zur Anpassung an die Folgen des
täten bis hin zu rechtlichen Vorgaben und technischen Klimawandels“ seit 2011 lokale und regionale Projekte
Regeln. Beispielsweise ist vorgesehen, Fließgewässer zur Bewältigung der Folgen der Erderwärmung mit bis
und Auen zu renaturieren und natürliche Überflutungs- zu 300.000 Euro. Darüber hinaus wird seit 2013 eine
flächen zu schaffen, um Hochwasserrisiken zu mindern. europäische Anpassungsstrategie umgesetzt. Ziel ist,
Ein dritter Aktionsplan soll gemeinsam mit einem nationale, regionale und lokale Anstrengungen sinnvoll
zweiten Fortschrittsbericht zur DAS im Herbst 2020 von zu ergänzen. Hierfür werden beispielsweise Maßnahmen
der Bundesregierung vorgestellt werden. wie die Erarbeitung von Anpassungsstrategien auf natio-
naler und kommunaler Ebene direkt gefördert.
Der Monitoringbericht 2019 zur DAS verdeutlicht, wie
wichtig eine umfassende Klimaanpassungspolitik ist. Auch auf internationaler Ebene wird die Anpassung an
Demnach hat sich allein in den letzten fünf Jahren die den Klimawandel vorangetrieben. Bereits in den 1990er
durchschnittliche Jahrestemperatur in Deutschland Jahren hat sich die globale Staatengemeinschaft im
um 0,3 °C erhöht und der Meeresspiegel von Nord- und Kontext der Klimarahmenkonvention dazu verpflichtet,
Ostsee ist seit 1981 um über zehn Zentimeter gestiegen. Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel zu
Zudem gibt es immer mehr heiße Tage (> 30 °C) und da- erarbeiten. Seit 2008 finanziert der Anpassungsfonds
mit verbundene Todesfälle sowie extreme Wetterereig- (Adaptation Fund) Maßnahmen in Entwicklungslän-
nisse wie Stürme, Dürren und Starkregen, die Schäden dern, die besonders von den negativen Auswirkungen
in Milliardenhöhe hervorrufen. In den Hitzejahren des Klimawandels betroffen sind. Der Fonds ist neben
2003, 2006 und 2015 sind statistisch gesehen etwa dem Kyoto-Protokoll auch Teil des Übereinkommens
19.500 Menschen mehr gestorben, als dies ohne die von Paris (Pariser Abkommen). Im Rahmen der 25.
Hitzewellen zu erwarten gewesen wäre (Abbildung 03). Weltklimakonferenz in Madrid hat Deutschland weitere
30 Millionen Euro für den Anpassungsfonds zugesagt
Kommunen spielen bei der Anpassung an den Klima- und bleibt mit bisher 310 Millionen Euro größter Geber.
wandel eine Schlüsselrolle, denn viele Maßnahmen Im Rahmen der Internationalen Klimaschutzinitiative
werden lokal umgesetzt. Gleichzeitig sind Städte und (IKI) unterstützt das BMU besonders verwundbare
Gemeinden in besonderem Maße von den Folgen des Länder und Regionen dabei, ihre Anpassungsfähigkeit
Klimawandels betroffen. Hochwasserereignisse und an die Folgen des Klimawandels zu erhöhen. Von 2008
Überflutungen, Hitzeinseln in städtischen Quartieren bis Ende 2018 wurden im Förderbereich Anpassung über
sowie Starkregen und Stürme gefährden nicht nur 120 Projekte mit einem Gesamtvolumen in Höhe von
Mensch und Gesundheit, sondern auch kommunale 716 Millionen Euro bewilligt.
12 KLIMASCHUTZ IN ZAHLEN | 1.3 GLOBALE VERANTWORTUNG UND CHANCEN FÜR EINE NACHHALTIGE ZUKUNFT

1.3 Globale Verantwortung und CO2 (2018) sind die Pro-Kopf-CO2-Emissionen in


Deutschland fast doppelt so hoch wie der globale Durch-
Chancen für eine nachhaltige schnitt von 4,97 Tonnen (Abbildung 06). Angesichts seiner
Zukunft überdurchschnittlich hohen Emissionen hat Deutschland
eine besondere Verantwortung, die eigenen Emissionen
Industrieländer tragen eine besondere Verantwor- zu reduzieren und die Belastungen für Mensch und Um-
tung für den Klimawandel. Seit Beginn der Indus- welt durch den Klimawandel zu bekämpfen.
trialisierung haben die heutigen Industrieländer mehr
als die Hälfte aller Treibhausgasemissionen verursacht. Deutschland übernimmt im Klimaschutz national
Diese Summe ergibt sich aus den historischen Gesamt- und international Verantwortung. So verfolgt die
emissionen, die weltweit zwischen 1850 und 2018 Bundesregierung das ambitionierte Ziel, bis 2050
verursacht wurden. In den letzten Jahren sind vor Treibhausgasneutralität zu erreichen. Um dieses Ziel
allem die Emissionen der Schwellenländer, allen voran zu erreichen, wurde 2019 der Klimaschutzplan 2050
Chinas, stark angestiegen. Dies ist auf die im Vergleich um das Klimaschutzprogramm 2030 mit Maßnahmen
zu den Industrieländern spätere Industrialisierung und in allen Sektoren sowie um ein Klimaschutzgesetz
den damit einhergehenden Anstieg des Lebensstan- ergänzt. Das Klimaschutzgesetz ist im Dezember 2019
dards zurückzuführen. Aktuell zählen die USA, die EU, in Kraft getreten und gibt vor, wie Deutschland seine
China, Russland und Indien zu den größten Emittenten Klimaschutzziele bis zum Jahr 2030 erreichen soll. Feste
von Treibhausgasen weltweit (Abbildung 05). Emissionsziele für jeden Sektor und ein Überprüfungs-
mechanismus sind in dem Gesetz festgeschrieben. (Wei-
Deutschland ist historisch gesehen für 4,6 Prozent der tere Informationen zum Klimaschutzprogramm 2030
Treibhausgasemissionen verantwortlich. Mit 9,2 Tonnen und zum Klimaschutzgesetz finden Sie in Kapitel 2.3.)

Abbildung 05: Globale Treibhausgasemissionen

Anteile an historischen Anteile an Treibhaus-


Gesamtemissionen 1850 bis 2017 gasemissionen 2017

4,6 % Deutschland 1,9 % Deutschland


45
Gigatonnen CO2-Äquivalente

7,6 % Russland 4,6 % Russland


4,2 % Indien 6,3 % Indien
40 15,0 % EU28 7,3 % EU28
(ohne Deutschland) (ohne Deutschland)
35
23,8 % USA 13,7 % USA
30

25 12,1 % China 27,3 % China

20

15

10
31,0 % 36,6 %
Restliche Welt Restliche Welt
5

0
1850 1870 1890 1910 1930 1950 1970 1990 2010 2017

Quelle: PIK (2019)


1.3 GLOBALE VERANTWORTUNG UND CHANCEN FÜR EINE NACHHALTIGE ZUKUNFT | KLIMASCHUTZ IN ZAHLEN 13

9,2 betragen die


deutschen
Pro-Kopf-CO2-
Abbildung 06: Anteile der Weltbevölkerung
und Pro-Kopf-CO2-Emissionen in ausge-

Tonnen
wählten Regionen (2018)
Emissionen und
sind damit fast Anteile Pro-Kopf-CO2-
doppelt so hoch Weltbevölkerung Emissionen in Tonnen
wie der weltweite
0,4 % Saudi- 18,6
Durchschnitt. Arabien
4,8 % USA & 16,1
Kanada
Klimaschutz ist auch eines der Ziele der Agenda 2030 1,9 % Russland 12,1
für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen,
zu denen sich die Bundesregierung bekennt. 0,5 % Australien 11,4
und Ozeanien
Das Nachhaltigkeitsziel (Sustainable Development
Goal, SDG) 13 gibt vor, umgehend Maßnahmen zur 1,7 % Japan 9,4
Bekämpfung des Klimawandels und seiner Auswir-
kungen zu ergreifen. Mit den Nachhaltigkeitszielen 1,1 % Deutschland 9,2
hatte sich die Weltgemeinschaft im Jahr 2015 erst-
19,0 % China 8,0
mals auf einen universalen und alle Nachhaltigkeits-
3,9 % Naher Osten
dimensionen umfassenden Katalog von festen Zielen (ohne Saudi- 6,8
geeinigt. Arabien)
5,6 % EU28* (ohne 6,3
Deutschland)
Bei der Einhaltung der Klimaschutzziele hat Deutsch-
1,2 % Restliches
land eine wichtige Vorbildfunktion. Deutschland ist Europa 5,2
ein wirtschaftlich erfolgreiches, hoch technologisier- 8,8 % Lateinamerika
tes Industrieland mit einem hohen Anteil energie- und Karibik 3,2
intensiver Industrien. Ein erfolgreicher Klimaschutz in 16,6 % Asien (ohne
China, Indien, 2,6
Deutschland kann ein Vorbild für andere Länder sein. Japan)
Ein wichtiges Beispiel dafür ist die Energiewende, bei
3,3 % Nordafrika 2,4
der Deutschland voranschreitet und Expertise auf-
baut. Insbesondere die steigenden Anteile erneuerbarer 17,8 % Indien 1,9
Energien am Strommix werden international mit viel
Interesse beobachtet. 13,2 % Subsahara- 0,8
Afrika
Durchschnitt: 4,97
Die außerhalb von Deutschland emittierten Treibhaus-
*Inklusive Monaco, San Marino, Andorra
gase machen einen wachsenden Anteil der Gesamt-
emissionen aus. Deutschland bemüht sich deshalb, die Quelle: EDGAR (2019)

eigenen Erfahrungen mit anderen Ländern zu teilen


und stellt außerdem finanzielle Unterstützung für
Klimaschutzmaßnahmen bereit. Neben dem Engage-
ment bei internationalen Klimafinanzierungsinstru- Algerien, Brasilien, China, Indien, Marokko, Russland,
menten finanziert Deutschland seit 2008 im Rahmen Südafrika, die USA und die Vereinigten Arabischen
der IKI mit 3,9 Milliarden Euro über 700 Klimaschutz- Emirate. Ziel der Energiepartnerschaften ist, im Rah-
projekte in aller Welt. (Weitere Informationen zur deut- men von Workshops, Arbeitsgruppen und Studienrei-
schen Klimafinanzierung finden Sie in Kapitel 2.1.) sen die eigenen Erfahrungen zu teilen und gleichzeitig
von den Erfahrungen der Partnerländer zu lernen.
Für den internationalen Erfahrungsaustausch zur Thematisch stehen der Ausbau erneuerbarer Energien,
Energiewende pflegt Deutschland darüber hinaus mit die Steigerung der Energieeffizienz und die Entwick-
über 20 Ländern Energiepartnerschaften und Energie- lung und Integration eines regulatorischen Rahmens
dialoge. Zu den Partnerländern zählen unter anderem zur Förderung der Energiewende im Mittelpunkt.
14 KLIMASCHUTZ IN ZAHLEN | 2. KLIMASCHUTZZIELE UND INSTRUMENTE

2. Klimaschutzziele und Instrumente

Zusammenfassung
Im Dezember 2015 wurde mit dem Pariser Abkommen wie das EU-Emissionshandelssystem und verbindliche
beschlossen, die Erderwärmung auf deutlich unter 2 °C nationale Klimaschutzziele für 2020 und 2030, um den
und möglichst auf 1,5 °C zu begrenzen. Die derzeit von Klimawandel zu bekämpfen.
den Staaten unter dem Klimaabkommen angekündig-
ten Maßnahmen zur Begrenzung der Treibhausgas- In Deutschland soll der Treibhausgasausstoß bis 2030
emissionen reichen jedoch bei weitem nicht aus, dieses zunächst um mindestens 55 Prozent gegenüber 1990
Ziel zu erfüllen. Daher müssen alle Vertragsparteien gesenkt werden. Das 2019 verabschiedete Klima-
im Jahr 2020 weitere, ambitioniertere Maßnahmen schutzprogramm 2030 sieht hierfür Maßnahmen für
vorlegen. alle Sektoren sowie sektorübergreifende Instrumente
vor. Kernelement des Programms ist die Einführung
Die Europäische Union setzt sich für ein treibhaus- einer nationalen CO2-Bepreisung in den Sektoren
gasneutrales Europa bis zum Jahr 2050 ein. Sie hat Wärme und Verkehr. Das Klimaschutzgesetz von 2019
sich verpflichtet, bis 2030 die Treibhausgasemissionen legt fest, dass Deutschland bis 2050 treibhausgasneu-
der EU um mindestens 40 Prozent gegenüber 1990 tral sein soll, und etabliert einen festen rechtlichen
zu reduzieren. Neben Zielformulierungen setzt die Rahmen zur verbindlichen Erreichung der deutschen
Europäische Kommission auf EU-weite Maßnahmen Klimaschutzziele.
2.1 INTERNATIONALE KLIMASCHUTZPOLITIK | KLIMASCHUTZ IN ZAHLEN 15

Die bisher von den Staaten unter dem Pariser Ab-


2.1 Internationale kommen angekündigten Maßnahmen sind nicht
Klimaschutzpolitik ausreichend, um das 2-°C-Ziel zu erreichen. Sie führen
bis 2030 sogar zu einem 50 Prozent höheren Ausstoß
Die internationale Klimaschutzpolitik richtet sich an Treibhausgasen, als nötig wäre, um eine globale
nach der Klimarahmenkonvention. Die Klimarah- Erhöhung der Durchschnittstemperatur um 2 °C
menkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC) gegenüber 1990 zu verhindern.11 Eine solche Entwick-
wurde 1992 in Rio de Janeiro ins Leben gerufen und ist lung würde eine Erwärmung um 3 °C bis 2100 bedeu-
mittlerweile von 197 Staaten und Parteien, darunter ten (Abbildung 07). Alle Vertragsparteien müssen ihre
die Europäische Union, ratifiziert. Ihr Ziel ist, den men- Ambitionen daher anheben und die angekündigten
schengemachten Klimawandel einzudämmen. Hierfür Maßnahmen deutlich verstärken.
finden seit 1995 jährliche Konferenzen, die sogenann-
ten Weltklimakonferenzen (Conferences of the Parties, Für die Umsetzung des Pariser Abkommens spielt
COP) statt. die Klimafinanzierung eine zentrale Rolle. Die
Industrieländer haben zugesagt, von 2020 bis 2025
Im Kyoto-Protokoll wurden erstmals völkerrechtlich jährlich 100 Milliarden US-Dollar für die Umsetzung
verbindliche Ziele zur Treibhausgasminderung der von Klimaschutzmaßnahmen in Entwicklungs- und
Industrieländer vereinbart. Das 1997 beschlossene Schwellenländern aus öffentlichen und privaten
Abkommen trat im Februar 2005 in Kraft. In Phase I Quellen zu mobilisieren. Insgesamt stellte Deutschland
verpflichtete sich Deutschland, die eigenen Treibhaus- 2018 über sieben Milliarden Euro für die Klimafinan-
gasemissionen bis 2012 um 21 Prozent gegenüber 1990 zierung zur Verfügung. Knapp die Hälfte davon, mehr
zu verringern. Auf der Weltklimakonferenz in Doha als 3,2 Milliarden Euro, kam von der Kreditanstalt für
2012 einigten sich 144 Länder auf die Fortführung des Wiederaufbau (KfW) und der Deutschen Entwicklungs-
Abkommens in einer zweiten Phase bis 2020. Für Phase gesellschaft (DEG). 468 Millionen Euro stammen aus der
II setzte sich Deutschland freiwillig das Ziel, seine Mobilisierung privater Klimafinanzierung. Die verblei-
Emissionen um 40 Prozent bis 2020 zu senken. Aller- benden mehr als 3,3 Milliarden Euro werden aus deut-
dings mussten viele Schwellenländer wie Indien und schen Haushaltsmitteln finanziert. Dieser Anteil wird
China im Rahmen des Kyoto-Protokolls keine verbind- bis 2020 auf rund 4,1 Milliarden Euro ansteigen und
lichen Emissionsreduktionsziele angeben. hat sich damit seit 2014 mehr als verdoppelt. Die Mittel
werden für die Finanzierung zum Beispiel der Globalen
Das Pariser Abkommen wurde im Dezember 2015 Umweltfazilität, des Grünen Klimafonds (Green Climate
beschlossen. Es setzt das Ziel, die durchschnittliche Fund, GCF) sowie des Anpassungsfonds eingesetzt.
globale Erderwärmung auf deutlich unter 2 °C und
möglichst auf 1,5 °C zu begrenzen. Das Abkommen Das BMU fördert über die Internationale KIimaschutz-
wurde von 195 Ländern und der EU unterzeichnet und initiative außerdem gezielt Projekte in Entwicklungs-
von 187 Vertragsparteien ratifiziert. Es ist seit Dezember und Schwellenländern. Die IKI unterstützt weltweit
2016 in Kraft. Alle Vertragsparteien sind verpflichtet, Projekte zur Minderung von Treibhausgasen, zur
spätestens bis zum Jahr 2020 eigenständig nationale Anpassung an Folgen des Klimawandels, zum Er-
Ziele und Maßnahmen (Nationally Determined Contri- halt natürlicher Kohlenstoffsenken mit Schwerpunkt
butions; NDCs) zur Treibhausgasminderung festzulegen. auf der Reduktion von Emissionen aus Entwaldung
186 Staaten und Parteien haben ihr erstes NDC bereits und Walddegradierung, sowie zum Schutz der bio-
vorgelegt, drei Staaten bereits ihr zweites, überarbeite- logischen Vielfalt. Zwischen 2008 und 2019 hat die IKI
tes NDC. Ab dem Jahr 2020 müssen die NDCs alle fünf über 700 Projekte und Programme mit einem Förder-
Jahre aktualisiert werden, wobei die aktualisierten NDCs volumen von 3,9 Milliarden Euro in die Förderung
ambitionierter sein müssen als die bisherigen. Die EU aufgenommen. Zusätzlich engagiert sich Deutschland
erarbeitete zusammen mit ihren Mitgliedstaaten ein im Rahmen internationaler Initiativen wie zum Bei-
gemeinsames NDC. Die NDCs spielen also eine zentrale spiel dem Reducing Emissions from Deforestation and
Rolle im Pariser Abkommen, da sie die Ambitionen der Forest Degradation (REDD +)-Mechanismus oder der
Mitgliedstaaten widerspiegeln und die Lücke zur Ziel- Bonn Challenge und von Initiativen zur Aufforstung
erreichung des Pariser Abkommens aufzeigen. und Wiederherstellung von Waldökosystemen.
16 KLIMASCHUTZ IN ZAHLEN | 2.1 INTERNATIONALE KLIMASCHUTZPOLITIK

Abbildung 07: Ambitionslücke zwischen Pariser Abkommen und aktuellen NDCs der Vertragsstaaten

Bereits erfolgte Zielkorridor des Erwartete Erderwärmung


Erderwärmung Pariser Abkommens bei Umsetzung der aktuellen
bis 2018 national festgelegten Beiträge
(NDCs)

+4 °C +4 °C +4 °C

+3 °C +3 °C +3 °C

+2 °C +2 °C +2 °C
+1,5 °C
+1 °C +1 °C +1 °C

Durchschnitts-
temperatur
vor Beginn der
Globale Globale Globale
Industrialisierung
Erderwär- Erderwär- Erderwär-
mung bis mung bis mung bis
2018 2100 2100

Quelle: Navigant, New Climate Institute, Climate Analytics (2020)

Die Bundesregierung ist Mitglied der globalen NDC- Instrument des Climate Action Enhancement Package
Partnerschaft. Hier unterstützt sie Entwicklungs- und zur Unterstützung bei der NDC-Überarbeitung wird mit
Schwellenländer, ihre NDCs umzusetzen und zu ak- knapp 17 (BMU: fünf) Millionen Euro unterstützt. Zudem
tualisieren. Seit Bestehen der Partnerschaft haben das finanzieren sowohl das BMZ als auch das BMU große
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit Mehrländervorhaben zur NDC-Umsetzung, die sich im
und Entwicklung (BMZ) und das BMU Unterstützung im Rahmen der NDC-Partnerschaft flexibel auf Unterstüt-
Umfang von etwa 500 Millionen Euro geleistet. Das neue zungsbedarfe der Partnerländer ausrichten können.

i
Internationaler Schutz, Erhalt und Wieder- und Schädigung von Wäldern ist. Zum Beispiel soll
herstellung von Wäldern die Umwandlung von Tropenwaldflächen in land-
wirtschaftliche Nutzflächen reduziert werden. In der
In ihrer Funktion als Kohlenstoffspeicher spielen vom BMU initiierten Bonn Challenge verpflichten
Wälder eine wichtige Rolle beim Klimaschutz. sich Länder, bis 2020 150 Millionen Hektar Wald
Schätzungen der Vereinten Nationen zufolge wiederherzustellen. Bis 2030 sollen diese Zusagen
speicherten Wälder 2005 mehr Kohlenstoff, als in auf 350 Millionen Hektar steigen. Deutschland
der gesamten Atmosphäre vorhanden ist. Rund unterstützt außerdem die African Forest Landscape
20 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen Restoration Initiative, das ProGreen-Programm
sind auf Entwaldung und Schädigung von Wäldern der Weltbank sowie die Zentralafrikanische Wald-
zurückzuführen. Deutschland unterstützt daher die initiative. Auch das Nachhaltigkeitsziel 15 der
Umsetzung des Rahmenwerks für REDD+, dessen Vereinten Nationen strebt eine nachhaltige Bewirt-
Ziel die Minderung von Emissionen aus Entwaldung schaftung von Wäldern an.
2.2 EUROPÄISCHE KLIMASCHUTZPOLITIK | KLIMASCHUTZ IN ZAHLEN 17

des Potenzials der Offshore-Windenergie in der EU. Im


2.2 Europäische Frühjahr 2020 wurde außerdem ein neuer Aktionsplan
Klimaschutzpolitik für die Kreislaufwirtschaft als Teil einer umfassenden
EU-Industriestrategie veröffentlicht. Ziel ist, den
Klimaschutz ist ein politischer Schwerpunkt der Materialverbrauch insgesamt zu reduzieren und die
Europäischen Union. Zur Bekämpfung des Klimawan- Wiederverwendung und das Recycling von Produkten
dels setzt die EU auf übergreifende Zielformulierungen, zu steigern. Für die neue Industriestrategie nehmen die
EU-weite Maßnahmen und verbindliche Klimaschutz- Dekarbonisierung und Modernisierung energieinten-
ziele. Bei der Umsetzung und Weiterentwicklung der siver Industrien, wie der Stahl- und Zementindustrie,
europäischen Klimaschutzpolitik übernimmt Deutsch- eine Schlüsselstellung ein. Die Kommission hat ange-
land eine aktive Rolle. kündigt, einen Vorschlag zur Förderung der CO2-freien
Stahlerzeugung bis 2030 vorzulegen. Im Gebäudesektor
Die EU verfolgt das Ziel, bis zum Jahr 2050 klimaneu- sollen die EU-weiten Sanierungsraten bei öffentlichen
tral zu werden. Der Europäische Rat hat dieses Ziel bei und privaten Gebäuden mindestens verdoppelt werden.
seinem Treffen im Dezember 2019 einstimmig unter- Diese und weitere Maßnahmen sollen zur Verbesserung
stützt. Dieses Bekenntnis geht zurück auf die Initiative der Gesamteffizienz von Gebäuden in der EU beitragen.
der Europäischen Kommission, die Ende 2018 eine Dabei sollen die Klimaverträglichkeit von Gebäuden
langfristige strategische Vision für eine wohlhabende, zukünftig stärker als bisher sichergestellt und eine
moderne, wettbewerbsfähige und klimaneutrale Wirt- striktere Durchsetzung der Vorschriften zu der Gesamt-
schaft bis zum Jahr 2050 unter dem Titel „Ein sauberer effizienz von Gebäuden vorangetrieben werden.
Planet für alle“ vorgelegt hat. Mit dem neuen langfris-
tigen Klimaziel stärkt die EU die Planungssicherheit Eine neue Landwirtschaftsstrategie verfolgt das Ziel
für Wirtschaft und Gesellschaft. Im Jahr 2020 sind die eines grüneren und gesünderen Agrarsystems. Hierzu
EU und alle weiteren Vertragsparteien des Pariser Ab- gehören Pläne, den Einsatz von Düngemitteln deutlich
kommens außerdem dazu angehalten, eine langfristige zu reduzieren und die anstehende Reform der Gemein-
Klimaschutzstrategie vorzulegen. Im Frühjahr 2020 hat samen Agrarpolitik (GAP) auf ihre Vereinbarkeit mit
die kroatische Ratspräsidentschaft das neue EU-Ziel der dem Green Deal zu überprüfen. Im Rahmen einer neu-
Klimaneutralität bis 2050 an die Vereinten Nationen en Forststrategie will die EU die Aufforstung neuer und
übermittelt. Deutschland hat mit dem Klimaschutz- die Wiederherstellung geschädigter und dezimierter
plan 2050 im Jahr 2016 eine umfassende Minderungs- Wälder vorantreiben, um das Ziel der Klimaneutralität
strategie formuliert. bis 2050 zu erreichen. Die Emissionen im Verkehrs-
sektor sollen im Rahmen des Green Deals bis 2050
Im Januar 2020 hat die Europäische Kommission mit um 90 Prozent gesenkt werden. Ein Ziel ist daher, bis
dem European Green Deal eine großangelegte Nach- 2025 eine Millionen öffentliche Ladestationen in ganz
haltigkeitsstrategie für die EU vorgestellt. Kern der Europa bereitzustellen. Außerdem sollen Güter ver-
Strategie ist ein EU-Klimaschutzgesetz, um das Ziel der mehrt auf der Schiene oder per Schiff befördert werden.
Klimaneutralität bis 2050 rechtsverbindlich festzu- Das neue Forschungs- und Innovationsprogramm
schreiben. Dies beinhaltet auch die Überprüfung und Horizon Europe soll mit einem Budget von 100 Mil-
mögliche Aktualisierung aktueller Treibhausgasminde- liarden Euro für die nächsten sieben Jahre (2021 bis
rungsziele. Zudem enthält der Green Deal Maßnahmen 2027) übergreifend zum Green Deal beitragen. Allein für
für alle Sektoren, die zur Erreichung der europäischen klimafreundliche Technologien sind 35 Prozent der EU-
Klimaschutzziele beitragen sollen. Diese Maßnahmen Forschungsförderung vorgesehen. Um die sozialen und
werden nun Schritt für Schritt von der Kommission wirtschaftlichen Effekte der eingeleiteten Maßnahmen
umgesetzt. abzufedern, wird zudem ein finanzieller Ausgleichs-
mechanismus für eine gerechte Energiewende ein-
Der European Green Deal setzt neue strategische gerichtet. Damit sollen besonders betroffene Regionen
Impulse in vielen Schlüsselbereichen. Bereits 2020 und Sektoren gezielt gefördert werden. Insgesamt ste-
wird ein Plan zur intelligenten Integration der Sek- hen hierfür mindestens 100 Milliarden Euro zur Verfü-
toren Strom, Gas und Wärme vorgestellt. Dies wird gung, die über drei Säulen mobilisiert werden: ein neuer
begleitet durch eine Initiative zur stärkeren Nutzung Fonds für die gerechte Energiewende, der Investitionen
18 KLIMASCHUTZ IN ZAHLEN | 2.2 EUROPÄISCHE KLIMASCHUTZPOLITIK

in Höhe von 30 bis 50 Milliarden Euro generieren soll, und die Einhaltung der EU-2030-Ziele sicherstellen.
das InvestEU-Programm zur Mobilisierung weiterer Bis Ende 2018 mussten alle EU-Mitgliedstaaten einen
45 Milliarden Euro sowie zusätzliche finanzielle Mittel Entwurf ihres NECP an die Europäische Kommission
der Europäischen Investitionsbank (EIB) zum Anreiz übermitteln. Bis Ende 2019 mussten alle EU-Länder
von Investitionen in Höhe von 25 bis 30 Milliarden der Europäischen Kommission ihre finalen NECPs
Euro. Daneben erhalten betroffene Regionen technische vorlegen. Die Mitgliedstaaten werden alle zwei Jahre
Unterstützung bei der Steuerung von Investitionen in über ihre jeweiligen Fortschritte bei der Erreichung der
Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen. gesetzten Ziele berichten.

Die EU hat sich dazu verpflichtet, ihre Treibhausgas- Das EU-Emissionshandelssystem und Emissions-
emissionen bis 2020 um 20 Prozent und bis 2030 um minderungsziele im Rahmen des Effort Sharing sind
mindestens 40 Prozent gegenüber 1990 zu reduzie- zentrale Bestandteile der EU-Klimaschutzpolitik.
ren. Mit dem im Jahr 2007 von den EU-Staats- und Das EU-Emissionshandelssystem (EU Emissions Tra-
Regierungschefs beschlossenen Klima- und Energie- ding System, EU-ETS) deckt die meisten Emissionen
paket 2020 wurden erstmals verbindliche EU-Ziele des Energiesektors und der Industrie und seit 2012
vorgelegt zur Reduktion der Treibhausgasemissionen auch den innereuropäischen Luftverkehr ab. Neben
um 20 Prozent gegenüber 1990, zur Erhöhung des CO2 sind seit 2013 auch Lachgas und perfluorierte
Anteils erneuerbarer Energien am Endenergiever- Kohlenwasserstoffe in den Emissionshandel einbezo-
brauch auf 20 Prozent und zur Verbesserung der gen. Dies entspricht etwa 40 Prozent aller EU-Treib-
Energieeffizienz um 20 Prozent bis zum Jahr 2020. Für hausgasemissionen.12 Für Aktivitäten außerhalb des
den Zeitraum 2021 bis 2030 wurden diese EU-weiten Emissionshandels geben die Lastenteilungsentschei-
Zielvorgaben entsprechend fortgeschrieben: Der im dung (Effort Sharing Decision, ESD) für den Zeitraum
Jahr 2014 beschlossene Rahmen für die Klima- und bis 2020 und die EU-Klimaschutzverordnung (Effort
Energiepolitik bis 2030 sieht eine EU-interne Senkung Sharing Regulation, ESR) bis zum Jahr 2030 verbind-
der Treibhausgasemissionen um mindestens 40 Pro- liche Emissionsreduktionsziele je EU-Mitgliedstaat vor.
zent gegenüber 1990 vor, die Erhöhung des Anteils Sie decken vor allem die Sektoren Verkehr, Gebäude
erneuerbarer Energien am Endenergieverbrauch auf und Landwirtschaft sowie kleine Industrieanlagen ab,
mindestens 32 Prozent und die Steigerung der Ener- die zusammen etwa 58 Prozent aller EU-Treibhausgas-
gieeffizienz um mindestens 32,5 Prozent gemessen am emissionen ausmachen. Mit der 2018 in Kraft getre-
Primärenergieverbrauch. In ihrem NDC hat sich die tenen Verordnung über Landnutzung, Landnutzungs-
EU auch international dazu verpflichtet, ihre Treib- änderung und Forstwirtschaft (Land Use, Land-Use
hausgasemissionen bis 2030 entsprechend des zuvor Change and Forestry, LULUCF) wird darüber hinaus ab
genannten Ziels zu senken. 2021 auch die Klimabilanz von Wäldern und Böden in
den europäischen Klimaschutzrahmen integriert.
Für den Zeitraum 2021 bis 2030 müssen Mitgliedstaa-
ten integrierte Nationale Energie- und Klimapläne Aufgrund des EU-Emissionshandelssystems dürfen
(National Energy and Climate Plans, NECPs) vorle- Unternehmen nur so viele Emissionen ausstoßen, wie
gen. In ihren durch die EU-Governance-Verordnung sie Emissionszertifikate besitzen. Die Menge der am
festgelegten NECPs geben Mitgliedstaaten umfassend Markt verfügbaren Zertifikate ist begrenzt und orien-
Auskunft über ihre nationalen Beiträge und Maßnah- tiert sich an den langfristigen Klima- und Energiezielen
men zur Erreichung der EU-Energie- und Klimaziele der EU. Emissionspflichtige Marktteilnehmer müssen
bis 2030. Dies soll zu einer besseren Koordinierung für jede ausgestoßene Tonne Treibhausgas ein solches
der europäischen Energie- und Klimapolitik führen Zertifikat vorweisen. Damit entsteht ein wirtschaft-
licher Anreiz zur Emissionseinsparung. Zertifikate
sind zwischen den Marktteilnehmern frei handelbar.
„Wir können und müssen es schaffen, Dadurch wird ein Markt geschaffen, auf dem sich der
dass Europa bis 2050 der erste Preis für ein Emissionszertifikat abhängig von Angebot
klimaneutrale Kontinent wird.“ und Nachfrage bildet. Das führt dazu, dass der Aus-
Ursula von der Leyen, Präsidentin der stoß von Treibhausgasen dort vermieden wird, wo die
Europäischen Kommission Kosten am geringsten sind.
2.2 EUROPÄISCHE KLIMASCHUTZPOLITIK | KLIMASCHUTZ IN ZAHLEN 19

Das EU-Emissionshandelssystem schreibt verbindliche


Emissionsminderungsziele vor. Um ihren Beitrag zu
leisten, müssen die vom EU-ETS erfassten Sektoren
40 % Mehr als 40 Prozent der
weltweiten öffentlichen
Klimaschutzfinanzie-
ihre Emissionen bis 2020 um 21 Prozent und bis 2030 rung werden von der EU
um 43 Prozent gegenüber 2005 reduzieren (Abbil- bereitgestellt.
dung 08). Im Jahr 2018 belief sich die Reduktion der
EU-ETS-Emissionen aus stationären Anlagen bereits
auf 29 Prozent gegenüber 2005.13 Anfangs konnte der Die Reform des EU-Emissionshandelssystems im Feb-
Emissionshandel allerdings kaum die erwünschte ruar 2018 führte zu steigenden Preisen für Emissions-
Wirkung erzielen. Dies lag an einem stetig wachsenden zertifikate. Durch die Einführung einer sogenannten
Überschuss an Emissionsrechten und damit geringen Marktstabilitätsreserve wird seit 2019 schrittweise die
Emissionssenkungsanreizen für Marktakteure, unter Menge überschüssiger Emissionsrechte in eine Reserve
anderem aufgrund der anfänglich zu großzügigen überführt. Ab dem Jahr 2023 wird das zulässige Volumen
Ausgabe von Zertifikaten und des Ankaufs günstigerer dieser Reserve begrenzt, sodass alle übrigen Zertifikate
Zertifikate aus dem außereuropäischen Ausland. dem Markt dauerhaft entzogen werden. Die Verknap-
pung der frei verfügbaren Emissionsrechte soll das Preis-
signal des Emissionshandels langfristig stärken. Seit der
Ankündigung der Reform hat sich der Preis für Emis-
i sionsrechte von durchschnittlich fünf Euro je Tonne CO2
im Jahr 2017 auf rund 25 Euro zu Beginn des Jahres 2020
Die Europäische Klimaschutzinitiative verfünffacht.14 Das hat beispielsweise dazu geführt, dass
(EUKI) fördert die Zusammenarbeit moderne und emissionsarme Gas- und Dampfkraftwer-
innerhalb der EU im Bereich des Klima- ke seit 2017 in vielen Fällen wieder wettbewerbsfähiger
schutzes. sind als emissionsintensive Steinkohlekraftwerke.

Der Schwerpunkt liegt hierbei auf Wissens- Die Minderungsziele der Emissionen außerhalb des
und Erfahrungsaustausch und dem klima- EU-Emissionshandelssystems werden auf die einzel-
politischen Dialog zwischen lokalen Akteuren nen EU-Mitgliedstaaten verteilt. Mit der Lastentei-
in den verschiedenen Mitgliedstaaten, insbe- lungsentscheidung hat sich die EU das Ziel gesetzt, in
sondere in Mittel-, Ost- und Südosteuropa. Das den nicht im europäischen Emissionshandel erfassten
vom BMU ins Leben gerufene Finanzierungs- Sektoren EU-weit bis 2020 insgesamt knapp zehn Pro-
instrument leistet so einen Beitrag dazu, die zent weniger Treibhausgase auszustoßen als noch im
Umsetzung des Pariser Abkommens vor Ort Jahr 2005. Die EU-Klimaschutzverordnung aus dem
voranzutreiben. Seit der Einführung im Jahr Jahr 2018 definiert für den anschließenden Zeitraum
2017 konnten insgesamt 86 Projekte gefördert bis 2030 eine EU-weite Emissionsminderung von 30
werden. Während der jährlich stattfindenden Prozent gegenüber 2005. Die Mitgliedstaaten müssen
EU-weiten Ideenwettbewerbe können unterschiedlich hohe Beiträge zu den EU-weiten Zielen
Nichtregierungsorganisationen, Behörden, leisten. Dies hängt maßgeblich von ihrer Wirtschafts-
gemeinnützige Unternehmen sowie Wissen- kraft pro Kopf ab. Für den Zeitraum bis 2020 liegen die
schafts- und Bildungseinrichtungen ihre Ziele der Mitgliedstaaten zwischen einer Minderung um
zukunftsweisenden Klimaschutzideen zur För- 20 Prozent und einer erlaubten Steigerung um 20 Pro-
derung vorschlagen. Die finanzierten Projekte zent (Abbildung 08). Bis 2030 liegt die Spanne bei null
umfassen ein breites Spektrum: von der Schu- bis 40 Prozent Treibhausgasminderung. Deutschland
lung junger „Energy Scouts“ in Unternehmen, muss seine Emissionen in den betroffenen Sektoren
beispielsweise in Ungarn und Griechenland, bis 2020 um 14 Prozent und bis 2030 um 38 Prozent im
über die Renaturierung von Mooren im Balti- Vergleich zu 2005 senken. Verfehlt ein Mitgliedstaat sein
kum bis hin zur wissenschaftlichen Betrach- nationales Minderungsziel bis 2020 oder 2030, kann er
tung von EU-Klimafinanzierungsströmen. ungenutzte Emissionszuweisungen aus früheren Jahren
nutzen oder diese bei anderen Mitgliedstaaten kaufen,
die ihre Ziele übererfüllt haben.
20 KLIMASCHUTZ IN ZAHLEN | 2.2 EUROPÄISCHE KLIMASCHUTZPOLITIK

Abbildung 08: EU-Klimaziele, Klimaschutzinstrumente und Stand der Zielerreichung (2018)


EU-Klimapaket 2020
20 % Emissionsminderung gegenüber 1990
(entspricht -14 % gegenüber 2005)

EU-Emissionshandelssystem Effort Sharing


-21 % gegenüber 2005 -10 % gegenüber 2005

Verteilung des Effort-Sharing-Ziels auf die 28 Mitgliedstaaten und Status der Zielerreichung (in Prozent gegenüber 2005)
Status
quo Ziel
2018* 2020
Luxemburg -9,9 % -20 %
Irland -3,6 % -20 %
Dänemark -19,2 % -20 %
Schweden -24,8 % -17 %
Vereinigtes Königreich -21,2 % -16 %
Österreich -10,9 % -16 %
Niederlande -20,3 % -16 %
Finnland -11,5 % -16 %
Belgien -11,1 % -15 %
Frankreich -13,8 % -14 %
Deutschland -7,7 % -14 %
Italien -17,8 % -13 %
Spanien -14,1 % -10 %
Zypern 0,0 % -5 %
Griechenland -28,3 % -4 %
Portugal -16,0 % 1%
Slowenien -6,8 % 4%
Malta 36,4 % 5%
Tschechische Republik 3,9 % 9%
Ungarn -9,8 % 10 %
Kroatien -1,1 % 11 %
Estland 16,7 % 11 %
Slowakei -4,8 % 13 %
Polen 21,1 % 14 %
Litauen 6,0 % 15 %
Lettland 8,2 % 17 %
Rumänien -1,6 % 19 %
Bulgarien 21,3 % 20 %

*Schätzung -30 -20 -10 0 10 20 30


Prozent

Quellen: Europäische Kommission (2018), EEA (2019)

Für die Sektoren außerhalb des EU-Emissionshan- die Erreichung des Emissionsminderungsziels bis
delssystems ist die Erreichung des EU-weiten Ziels 2030 sind aber zusätzliche Anstrengungen notwendig.
bis 2020 sehr wahrscheinlich. So konnte die für 2020 Denn mit den derzeit bestehenden Klimaschutzstra-
insgesamt angestrebte Emissionsminderung von zehn tegien und -maßnahmen auf nationaler und europäi-
Prozent gegenüber 2005 bereits erreicht werden. Für scher Ebene kann voraussichtlich nur eine Emissions-
2.2 EUROPÄISCHE KLIMASCHUTZPOLITIK | KLIMASCHUTZ IN ZAHLEN 21

Länder, die bis 2020 eine prozentuale Reduktion ihrer


Treibhausgasemissionen erreichen müssen, hatten
Rahmen für Klima- und Energiepolitik 2030
2018 bereits ihre Ziele erreicht, wenn der Zielpunkt
40 % Emissionsminderung gegenüber 1990 (orange) links des Zielbalkens (blau) liegt. Diejenigen
(entspricht -36 % gegenüber 2005)
Länder, die bis 2020 eine prozentuale Steigerung ihrer
Treibhausgasemissionen verzeichnen dürfen, waren
EU-Emissionshandelssystem Effort Sharing
-43 % gegenüber 2005 -30 % gegenüber 2005 2018 innerhalb der Zielmarke, wenn der Zielpunkt
(orange) innerhalb oder links des Zielbalkens (blau)
Verteilung des Effort-Sharing-Ziels auf die 28 Mitglied- liegt. Zehn Mitgliedstaaten lagen im Jahr 2018 noch
staaten (in Prozent gegenüber 2005) unter der für 2020 angestrebten Emissionsreduktion,
Ziel darunter auch Deutschland.
2030
-40 % Schweden Europäische Staaten betreiben zum Teil erfolgreichen
-40 % Luxemburg
Klimaschutz. Neben sektorspezifischen Maßnah-
-39 % Finnland
men haben einige Länder, darunter Großbritannien,
-39 % Dänemark
-38 % Deutschland Frankreich und Schweden, auch sektorübergreifende
-37 % Vereinigtes Königreich* Klimaschutzgesetze verabschiedet. Beispielsweise wur-
-37 % Frankreich den mit dem im Jahr 2008 verabschiedeten britischen
-36 % Österreich Klimaschutzgesetz (British Climate Change Act, CCA)
-36 % Niederlande eine Emissionsminderung um 80 Prozent bis 2050 im
-35 % Belgien Vergleich zum Jahr 2005 sowie CO2-Budgets für einen
-33 % Italien Zeitraum von jeweils fünf Jahren festgelegt. Im Jahr
-30 % Irland
2019 hat sich die britische Regierung auf das Ziel der
-26 % Spanien
Treibhausgasneutralität bis 2050 festgelegt. Das Gesetz
-24 % Zypern
-19 % Malta hat seit seiner Verabschiedung zur deutlichen Reduk-
-17 % Portugal tion der Treibhausgasemissionen in Großbritannien
-16 % Griechenland beigetragen.
-15 % Slowenien
-14 % Tschechische Republik Ab 2021 muss eine Verschlechterung der Treibhaus-
-13 % Estland gasbilanz aus Landnutzung, Landnutzungsänderung
-12 % Slowakei
und Forstwirtschaft vollständig ausgeglichen werden.
-9 % Litauen
Im Bereich LULUCF können Emissionen durch soge-
-7 % Ungarn
-7 % Kroatien nannte Senken, die CO2 speichern, gemindert werden.
-7 % Polen Im Rahmen der LULUCF-Verordnung vergleicht
-6 % Lettland jeder EU-Mitgliedstaat die reale CO2-Einbindung von
-2 % Rumänien Wäldern und Böden mit in der Verordnung definierten
0% Bulgarien Vergleichsmaßstäben. Eine Abnahme der CO2-Ein-
bindung gegenüber dem Vergleichsmaßstab resultiert
-40 -30 -20 -10 0 10 20 30 in Lastschriften, eine Zunahme in Gutschriften. Die
Prozent Mitgliedstaaten müssen im Zeitraum 2021 bis 2030
*Bis es eine Neuregelung im Rahmen der Nachver- sicherstellen, dass sie im Saldo mehr Gut- als Last-
handlungen zum Brexit gibt, ist das Vereinigte König-
reich im Effort Sharing weiterhin berücksichtigt.
schriften verbuchen, also dass sich die Klimabilanz des
LULUCF-Sektors insgesamt nicht verschlechtert. Last-
schriften müssen durch zusätzlichen Klimaschutz in-
nerhalb des Landnutzungssektors oder in den anderen
minderung von 20 Prozent gegenüber 2005 erreicht Sektoren außerhalb des EU-ETS ausgeglichen werden.
werden.15 Zudem dürfen Gutschriften in begrenztem Umfang
in die Sektoren übertragen werden, die der EU-Klima-
Der Status der Zielerreichung einzelner Mitgliedstaaten schutzverordnung unterliegen.
in Abbildung 08 ist wie folgt zu verstehen: Diejenigen
22 KLIMASCHUTZ IN ZAHLEN | 2.3 NATIONALE KLIMASCHUTZPOLITIK

2.3 Nationale Klimaschutzpolitik Abbildung 09: Energie- und Klimaziele der


Bundesregierung
Deutschland trägt seiner internationalen Verant-
wortung als Industrienation durch ambitionierte Minderung von Treibhausgasemissionen
Klimaziele Rechnung. Deutschland hat das Ziel, bis Gesamtemissionen gegenüber 1990
2050 treibhausgasneutral zu sein. Bis 2030 soll der
Treibhausgasausstoß zunächst um mindestens 55 Pro- 2019* (Status quo) -35,7 %
zent gegenüber 1990 gesenkt werden (Abbildung 08). 2020 min. -40 %
Die im Klimaschutzgesetz (KSG) verankerten Sektor- 2030 min. -55 %
ziele bis zum Jahr 2030 sind Meilensteine auf dem
2050 Treibhausgasneutralität
Weg zur Treibhausgasneutralität und bieten Orien-
tierung für strategische Entscheidungen. Im Sektor
Energiewirtschaft sollen die Treibhausgasemissionen Erneuerbare Energien
um 62 Prozent, im Gebäudesektor um 67 Prozent, im Anteil am Bruttoendenergieverbrauch
Verkehrssektor um 42 Prozent, im Industriesektor
2019* (Status quo) 17,1 %
um 51 Prozent und im Landwirtschaftssektor um
2020 18 %
36 Prozent gegenüber 1990 gesenkt werden (siehe
auch Kapitel 3). Für den Sektor LULUCF ist kein 2030 30 %
Minderungsziel vorgegeben, vorgeschrieben ist jedoch, 2040 45 %
dass er als Kohlenstoffsenke erhalten bleibt. (Weitere 2050 60 %
Informationen zum Klimaschutzgesetz finden Sie im
Schlaglicht ab Seite 24.)
Anteil am Bruttostromverbrauch

Das Klimaschutzprogramm 2030 sieht Maßnahmen


2019* (Status quo) 42,1 %
für alle Sektoren sowie sektorübergreifende Instru-
mente vor. Es wurde im Oktober 2019 vom Bundes- 2030 65 %
kabinett verabschiedet. Seine wichtigste übergreifen-
de Maßnahme ist die Einführung eines nationalen
Emissionshandelssystems ab 2021. Dadurch werden Effizienz und Verbrauch
Emissionen aus der Verbrennung von Heizöl, Erdgas, Primärenergieverbrauch gegenüber 2008
Benzin und Diesel mit einem schrittweise ansteigen-
den Preis versehen, um klimafreundlichere Alternati- 2019* (Status quo) -10,8 %
ven bei künftigen Kauf- und Investitionsentscheidun-
2020 -20 %
gen in den Bereichen Wärme und Verkehr attraktiver
zu machen (siehe auch Schlaglicht 2020). Daneben 2050 -50 %
definiert das Klimaschutzprogramm 2030 eine Vielzahl
von Maßnahmen in den Sektoren Energiewirtschaft, 0 25 50 75 100
*Schätzung Prozent
Industrie, Gebäude, Verkehr, Land- und Forstwirt-
schaft sowie Abfallwirtschaft, damit die Klimaziele
in jedem Sektor bis 2030 erreicht werden können. Steigerung der Energieproduktivität
Beispielsweise soll die Kohleverstromung schrittweise (2008 bis 2050)
reduziert und spätestens 2038 beendet werden. Es ist
1%
zudem vorgesehen, den Ausbau erneuerbarer Energien + 2, ahr
ro J
auf einen Anteil von 65 Prozent am Stromverbrauch p
bis 2030 zu steigern und Investitionen in den öffentli-
chen Nahverkehr, Radwege und den Bahnverkehr zu
erhöhen. Alle gesetzlichen Maßnahmen zur Um- Quellen: BMWi (2010), Bundesregierung (2019a)
setzung des Programms sollen zeitnah verabschiedet
werden.
2.3 NATIONALE KLIMASCHUTZPOLITIK | KLIMASCHUTZ IN ZAHLEN 23

54
Das Klimaschutzgesetz bildet den rechtlichen stellt die Bundes-
Rahmen zur Erreichung der deutschen Klimaschutz- regierung zur
ziele. Es definiert jährliche Emissionsminderungsziele Umsetzung der
für die einzelnen Wirtschaftsbereiche zwischen 2020 Milliarden Euro Maßnahmen im Kli-
und 2030. Für 2050 wird das Ziel der vollständigen maschutzprogramm
Treibhausgasneutralität festgelegt. Zudem etabliert es 2030 zwischen 2020
ein System zur Überprüfung und Nachsteuerung. Die- und 2023 zusätzlich
ses greift, wenn sich herausstellt, dass die vorliegen- zur Verfügung.
den Maßnahmen nicht ausreichen, um die Klimaziele
zu erreichen. Sollte sich in einem Sektor abzeichnen,
dass die jeweils vorgesehene Emissionsminderung initiative (NKI) ist ein wichtiges Instrument, um den
verfehlt wird, steht das für den Sektor überwiegend lokalen Klimaschutz zu fördern. Seit ihrer Initiierung
zuständige Ministerium in der Verantwortung, im im Jahr 2008 hat die NKI über 28 Millionen Tonnen
Rahmen eines Sofortprogramms weitere Maßnahmen CO2-Äquivalente (brutto über die Wirkungsdauer)
vorzulegen. Die Umverteilung von Emissionsbudgets eingespart. Diese Minderung ergibt sich aus mehr als
zwischen Sektoren zum Zwecke des Ausgleichs einer 32.500 investiven und nichtinvestiven Maßnahmen,
Zielverfehlung ist nur dann möglich, wenn das Emis- die mit einem Gesamtvolumen von rund 1,07 Milliar-
sionsminderungsziel des jeweiligen Jahres insgesamt den Euro gefördert wurden und Gesamtinvestitionen
noch erreicht werden kann. von über dreieinhalb Milliarden Euro ausgelöst haben.
Die eingesetzten Fördermittel mobilisieren somit ein
Energieeffizienz und erneuerbare Energien sind zent- Vielfaches an Investitionen für den Klimaschutz und
rale Säulen zur Emissionsminderung in Deutschland. unterstützen Kommunen, Unternehmen und Verbrau-
Die Maßnahmen des Klimaschutzprogramms greifen cher dabei, konkrete Beiträge für den Klimaschutz zu
bestehende Förderprogramme in beiden Bereichen auf leisten.
und setzen diese gezielt fort. Durch Maßnahmen zur
Steigerung der Energieeffizienz konnte der Primär- Die geförderten Projekte decken ein breites Spektrum
energieverbrauch bis zum Jahr 2019 um 11 Prozent im an Klimaschutzmaßnahmen ab. Beispielsweise unter-
Vergleich zum Basisjahr 2008 gesenkt werden.16 Ziel stützt die NKI Städte, Gemeinden und Landkreise bei
ist, weitere Verbesserungen zu erreichen und so den der Erstellung von Klimaschutzkonzepten oder dem
Primärenergieverbrauch bis 2020 um 20 Prozent sowie Energiemanagement und fördert die Umrüstung von
bis 2050 um 50 Prozent im Vergleich zum Basisjahr Straßenbeleuchtung auf LED-Technik oder Investitio-
zu reduzieren. Zusätzlich hat sich Deutschland zum nen in die Radverkehrsinfrastruktur. Seit 2008 fördert
Ziel gesetzt, den Anteil erneuerbarer Energien am die NKI auch innovative Klimaschutzprojekte zur
Bruttoendenergieverbrauch auf 30 Prozent und am Beratung und Information, zum Kapazitätsaufbau und
Bruttostromverbrauch auf 65 Prozent zu erhöhen. Das Erfahrungsaustausch sowie zur Vernetzung und Quali-
Zwischenziel für 2020 gemessen am Bruttoendenergie- fizierung im Klimaschutz für Unternehmen, Verbrau-
verbrauch sieht einen Anteil erneuerbarer Energien cher, Kommunen und Bildungsträger. Im Rahmen der
von 18 Prozent vor (Abbildung 09). Bis 2019 konnte ein Klima-Kälte-Richtlinie werden außerdem investive
Anteil von 17,1 Prozent erreicht werden.17 Klimaschutzmaßnahmen an Kälte- und Klimaanlagen
gefördert. Hiervon profitieren beispielsweise Betreiber
Klimaschutz benötigt Maßnahmen und Finanzie- von Supermärkten, aber auch Bäckereien oder Metzge-
rungshilfen vor Ort. Die Nationale Klimaschutz- reien, die Kühlräume oder zu kühlende Produktions-
räume betreiben. Seit 2019 werden erstmals auch Fahr-
zeug-Klimaanlagen in Bussen und Bahnen gefördert,
„Das Klimaschutzgesetz wird die Art, wie wenn diese CO2 als Kältemittel einsetzen.
die Bundesregierung beim Klimaschutz
zusammenarbeitet, fundamental verbes-
sern. Ab jetzt sind alle Ministerien Klima-
schutzministerien.“ Svenja Schulze, Bundes-
umweltministerin
24 KLIMASCHUTZ IN ZAHLEN | SCHLAGLICHT 2020

Abbildung 10: Vorgesehener Preispfad des


SCHLAGLICHT 2020 nationalen Emissionshandels bis 2026

Das Klimapaket: Klimaschutz-


programm 2030, Klimaschutz-
gesetz und nationaler Brennstoff-
emissionshandel

Im Oktober 2019 hat die Bundesregierung das Klima-


schutzprogramm 2030 beschlossen und im Dezember
2019 ist das Klimaschutzgesetz in Kraft getreten.
Damit sollen die Klimaschutzziele Deutschlands bis
2030 erreicht werden. Für 2050 wird zudem das Ziel
der Treibhausgasneutralität festgelegt. Während das
Klimaschutzprogramm 2030 Maßnahmen für alle
Sektoren enthält, bildet das Klimaschutzgesetz den
rechtlichen Rahmen für die künftige Klimaschutzpoli-
tik in Deutschland. Es stellt sicher, dass die Emissions-
minderung planbar ist und dass die Klimaschutzziele Investitionen gestellt. Dafür investiert der Staat allein
verlässlich erreicht werden. Es schreibt auch erstmals in den nächsten vier Jahren 54 Milliarden Euro.
gesetzlich verbindliche Klimaziele mit jährlich sinken-
den Treibhausgas-Budgets für jeden Sektor vor. Ein wichtiges Element des Programms ist die natio-
nale CO2-Bepreisung. Dafür etabliert die Bundesregie-
Im Frühjahr 2019 hat die Bundeskanzlerin den rung ab 2021 ein nationales Emissionshandelssystem.
Kabinettsausschuss Klimaschutz („Klimakabinett“) Emissionen aus der Verbrennung von Brennstoffen,
ins Leben gerufen. Auftrag des Klimakabinetts war die bisher nicht dem EU-ETS unterliegen, werden
zunächst die Vorbereitung von Entscheidungen der dadurch mit einem sukzessiv ansteigenden Preis ver-
Bundesregierung, um alle für die Zielerreichung 2030 sehen (Abbildung 10). Teilnehmer am Emissionshandel
erforderlichen Gesetze und Maßnahmen auf den Weg sind grundsätzlich diejenigen Akteure, die Brennstoffe
zu bringen. Zukünftig soll das Klimakabinett die Wirk- in den Verkehr bringen und energiesteuerpflichtig
samkeit, Effizienz und Zielgenauigkeit eingeleiteter sind. Bei Mineralölprodukten sind dies überwiegend
Maßnahmen überprüfen. Es hat am 20. September die Händler und Produzenten, bei Erdgas sind es
2019 Eckpunkte für das Klimaschutzprogramm 2030 überwiegend die Lieferanten. In den Jahren 2021 bis
vorgelegt, die am 25. September vom Bundeskabinett 2025 werden Zertifikate zu einem jährlichen Fest-
beschlossen wurden. Auf Basis der Eckpunkte und preis ausgegeben. Dieser verlässliche Preispfad wird
weiterer Maßnahmenvorschläge der zuständigen Bürgern und Unternehmen ermöglichen, sich auf die
Ministerien wurde das Klimaschutzprogramm 2030 Entwicklung einzustellen und die CO2-Bepreisung
ausformuliert und am 9. Oktober vom Bundeskabinett bei künftigen Kauf- und Investitionsentscheidungen
beschlossen. zu berücksichtigen. Ab dem Jahr 2026 bildet sich der
Zertifikatspreis dann am Markt, wird aber zunächst mit
Das Klimaschutzprogramm 2030 verfolgt einen einem Preiskorridor abgesichert. Über die Fortführung
umfassenden Ansatz aus Ordnungsrecht, Preisan- eines Preiskorridors für die Zeit ab 2027 wird im Jahr
reizen und Förderung. Es folgt dem Leitgedanken, 2025 entschieden. Die Bepreisung von Treibhausgasen
die Einhaltung der Klimaschutzziele in Deutschland wirkt darauf hin, dass klimafreundliche Alternativen
als Industrieland wirtschaftlich nachhaltig und sozial künftig günstiger werden, während die Preise für
ausgewogen auszugestalten. Mit den im Programm klimaschädliche Optionen moderat, aber stetig steigen.
verankerten Maßnahmen werden die Weichen für Damit soll etwa erreicht werden, dass beim nächs-
klimafreundliches Verhalten und klimafreundliche ten regulären Auto- oder Heizungskauf die Wahl der
SCHLAGLICHT 2020 | KLIMASCHUTZ IN ZAHLEN 25

Bürger möglichst auf ein klimaschonendes Produkt


Abbildung 11: Ausgewählte Maßnahmen des
fällt. Die Einnahmen aus der CO2-Bepreisung werden
Klimaschutzprogramms 2030 nach Sektoren
vollständig in Klimaschutzmaßnahmen investiert oder
den Bürgern in Form einer Entlastung zurückgegeben. Energiewirtschaft
Ein Großteil der Einnahmen wird für eine Entlastung
bei den Strompreisen verwendet, indem beispielsweise y Beendigung der Kohleverstromung auf Basis
die EEG-Umlage Jahr für Jahr entlang des steigenden der Empfehlungen der Kommission „Wachstum,
Strukturwandel und Beschäftigung“
Bepreisungspfades gesenkt wird.
y Ausbau der erneuerbaren Energien auf 65 Pro-
zent Anteil am Bruttostromverbrauch bis 2030
Das Klimaschutzprogramm 2030 enthält Maßnahmen y Weiterentwicklung und umfassende Moderni-
für die einzelnen Sektoren. Dies betrifft die Bereiche sierung der KWK
y Wärmenetze zunehmend auf erneuerbare Ener-
Energiewirtschaft, Industrie, Gebäude, Verkehr, Land- gien und unvermeidbare Abwärme umstellen
und Forstwirtschaft sowie Abfallwirtschaft (Abbil- y Reallabore der Energiewende
dung 11). Darüber hinaus enthält es sektorenübergrei- y Energieeffizienzstrategie 2050 (EffSTRA)
y Begleitmaßnahmen Energiewende
fende Maßnahmen.

Verkehr
Das Klimaschutzgesetz bildet den rechtlichen Rah-
men des Klimaschutzpakets. Mit dem im Dezember
y Mehr Geld für den ÖPNV, Radwege und den
2019 in Kraft getretenen Klimaschutzgesetz werden die Bahnverkehr
nationalen Klimaziele zum ersten Mal rechtsverbind- y Günstigere Bahntickets, teurere Flugtickets
lich – und zwar für jeden einzelnen Wirtschaftsbereich y Förderung der E-Mobilität
y CO2-bezogene Reform der KfZ-Steuer
bis 2030, sowohl für diese als auch für künftige Bundes-
regierungen. Über die Definition jahresscharfer Sektor-
Industrie
ziele zwischen den Jahren 2020 und 2030 legt es fest,
welche Emissionsminderungen die einzelnen Wirt-
y Investitionsprogramm für Energieeffizienz und
schaftsbereiche jährlich beitragen müssen. Für weitere Prozesswärme aus erneuerbaren Energien
Jahre können Ziele aufgrund des Gesetzes durch Ver- y Wettbewerbliche Ausschreibungen für Energieeffizienz
ordnungen festgelegt werden. Darüber hinaus wird als y Förderprogramm Dekarbonisierung in der Industrie
Langfristziel der deutschen Klimapolitik die Treibhaus-
gasneutralität bis 2050 gesetzlich festgesetzt. Gebäude

y Steuerliche Förderung der energetischen


Das Klimaschutzgesetz schafft Verantwortlichkeit Gebäudesanierung
und Transparenz. Durch die Festlegung der jährlichen y Förderprogramme zum Heizungstausch
Sektorziele (Abbildung 14) wird die Zielerreichung ver- y Keine neuen Ölheizungen ab 2026
y Weiterentwicklung der energetischen Standards
lässlich und planbar, auch weil sie erstmalig den Rang
durch Ordnungsrecht
eines Gesetzes erhält. Bei Zielverfehlung wird unmittel-
bar deutlich, an welchen Stellen die Bundesregierung
Landwirtschaft und LULUCF
nachsteuern muss. Die für den jeweiligen Bereich
überwiegend zuständigen Ministerien bekommen y Umsetzung und Vollzug der Düngeverordnung
ausdrücklich die Verantwortung für Emissionsmin- y Ausbau der Ökolandbau-Förderung
derungen in ihren Sektoren zugewiesen. Die Vorjah- y Hilfe für Böden, Wälder und Moore, um deren Klima-
schutzfunktion zu sichern
resschätzung der Emissionsentwicklung wird dabei
jährlich vom Umweltbundesamt (UBA) veröffentlicht
Abfall
und von einem unabhängigen Expertenrat überprüft.
Werden die Ziele in einem Sektor nicht erreicht, muss y Verbesserung der Deponiebelüftung
im Rahmen eines Sofortprogramms umgehend nach-
gesteuert werden. Quelle: Bundesregierung (2019b)
26 KLIMASCHUTZ IN ZAHLEN | 3. EMISSIONSTRENDS UND HANDLUNGSFELDER IN DEN SEKTOREN

3. Emissionstrends und Handlungsfelder


in den Sektoren

Zusammenfassung Abbildung 12: Treibhausgasemissionen in


Deutschland 2019 nach Sektoren
In Deutschland wurden im Jahr 2019 nach Schätzung
des Umweltbundesamtes insgesamt 805 Millionen 254 Energiewirtschaft
Tonnen Treibhausgase freigesetzt (Abbildung 12) –
rund 54 Millionen Tonnen weniger als im Vorjahr. 188 Industrie
Gegenüber dem Niveau von 1990 bedeutet dies eine 805
Reduktion um 35,7 Prozent. Die Energiewirtschaft Gesamt- 163 Verkehr
emissionen
hatte mit 32 Prozent auch 2019 den größten Anteil
2019
an den deutschen Gesamtemissionen. Der Industrie- 122 Gebäude
sektor ist mit 23 Prozent der zweitgrößte Verursa-
cher, gefolgt vom Verkehrssektor (20 Prozent) und 68 Landwirtschaft
dem Gebäudebereich (15 Prozent). Acht Prozent der
Gesamtemissionen 2019 entfielen auf die Landwirt- 9 Abfallwirtschaft
und Sonstiges
schaft und ein Prozent auf die Abfallwirtschaft. Der
Sektor LULUCF verbessert die Treibhausgasbilanz. Er Millionen Tonnen CO2-Äquivalente
Die Werte beruhen auf Prognoseberechnungen.
hat 2018 eine Reduzierung der Gesamtemissionen um
27 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente bewirkt. Quelle: UBA (2020b)
3.1 EMISSIONEN IN DEUTSCHLAND – GESTERN, HEUTE UND MORGEN | KLIMASCHUTZ IN ZAHLEN 27

Abbildung 13: Entwicklung der Treibhausgasemissionen in Deutschland nach Sektoren (ohne LULUCF)

Millionen Tonnen CO2-Äquivalente

0 300 600 900 1.200

1990 466 284 210 164 90 38 Gesamt 1990: 1.251

1995 400 244 188 177 76 38

2000 385 208 167 181 75 29

2005 397 191 154 160 70 21

2010 368 188 149 153 70 15

2015 347 187 125 162 74 11

2018 305 195 117 162 70 10


2019* 254 188 122 163 68 9 Gesamt 2019: 805 = -36 %

2020 Mindestens -40 %** (< 751)

2030 Mindestens -55 %** (< 543)

2050 Treibhausgasneutralität

Energiewirtschaft Industrie Gebäude Verkehr Landwirtschaft Abfallwirtschaft und Sonstige

* Schätzung **Minderungsziele gegenüber 1990

Quellen: UBA (2020a), UBA (2020b)

3.1 Emissionen in Deutschland – Beginn der 1990er Jahre und während der Finanz- und
gestern, heute und morgen Wirtschaftskrise 2009 zu beobachten. Witterungs-
bedingte Schwankungen wirken sich vor allem durch
Von 1990 bis 2019 sind die Treibhausgasemissionen in einen von Jahr zu Jahr unterschiedlich hohen Heiz-
Deutschland nach ersten Schätzungen um 35,7 Pro- bedarf auf die Emissionsentwicklung aus.
zent gesunken (1990 bis 2018: -31,4 Prozent). Während
Deutschland im Jahr 1990 1.251 Millionen Tonnen CO2- Im Jahr 2019 war ein deutlicher Rückgang der
Äquivalente emittierte, waren es im Jahr 2019 noch etwa Gesamtemissionen zu beobachten. Gründe dafür
805 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente (Abbildung 13). sind der im Vergleich zu den Vorjahren gestiegene
Preis für Emissionszertifikate im europäischen
Der Rückgang der Emissionen lässt sich auf die klima- Emissionshandel, die stetig wachsende Energie-
und energiepolitischen Bestrebungen und Maß- bereitstellung aus erneuerbaren Quellen und eine
nahmen der Bundesregierung und der Europäischen verbesserte Energieeffizienz. Darüber hinaus fielen
Union zurückführen. Daneben beeinflussen auch die Treibhausgasemissionen 2019 geringer aus, da
konjunkturelle und witterungsbedingte Schwankun- internationale Handelsstreitigkeiten das Wirt-
gen die Höhe des Treibhausgasausstoßes. Ein konjunk- schaftswachstum abschwächten. Gesteigert wurden
turell bedingter Rückgang war infolge des wirtschaft- der Energieverbrauch und die damit verbundenen
lichen Umbruchs in den neuen Bundesländern zu Emissionen durch die etwas kühlere Witterung und
28 KLIMASCHUTZ IN ZAHLEN | 3.1 EMISSIONEN IN DEUTSCHLAND – GESTERN, HEUTE UND MORGEN

ein Bevölkerungswachstum. Die verbrauchssteigern- Minderungen erzielt werden (22 und 29 Millionen Ton-
den Faktoren waren in Summe aber schwächer als die nen CO2-Äquivalente). Im Verkehr stagnieren die Treib-
verbrauchsmindernden Faktoren. hausgasemissionen hingegen seit den frühen 1990er
Jahren.
Die Treibhausgasemissionen werden in dieser Bro-
schüre nach dem in der internationalen Treibhausgas- Für die einzelnen Sektoren gelten jährlich sinkende
Berichterstattung üblichen Quellprinzip dargestellt. Emissionsmengen, die den Pfad zur Zielerreichung bis
Emissionen werden dabei dem Sektor angerechnet, in 2030 festlegen (gepunktete Linien in Abbildung 14).
dem sie ursprünglich anfallen. Beispielsweise werden Laut Gutachten im Auftrag des BMU18 und des Bun-
der Energiewirtschaft sämtliche Emissionen aus der desministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi)19
öffentlichen Strom- und Fernwärmeproduktion zu- werden die bisherigen Maßnahmen vermutlich nicht
gerechnet, auch wenn der Strom oder die Wärme etwa ausreichen, um die für das Jahr 2030 angestrebten
im Verkehrssektor oder im Gebäudebereich genutzt Ziele in den Sektoren zu erreichen. Eine Ausnahme ist
wird. hierbei die Abfallwirtschaft, in der die Klimaschutz-
ziele voraussichtlich erreicht werden. Die Abweichun-
Den größten Beitrag zur Treibhausgasreduktion seit gen zu den Zielwerten fallen in den Sektoren unter-
1990 lieferte mit einer Reduktion um 212 Millionen schiedlich stark aus. Während die Projektionen für die
Tonnen CO2-Äquivalente die Energiewirtschaft. Im Energiewirtschaft, die Industrie und den Gebäudebe-
Industriesektor konnten weitere 96 Millionen Tonnen reich ohne weitere Maßnahmen nur geringe Zielver-
und im Bereich Gebäude 88 Millionen Tonnen CO2- fehlungen voraussagen, müssen in der Landwirtschaft
Äquivalente eingespart werden. Auch in der Land- und insbesondere im Verkehrssektor größere Lücken
wirtschaft und in der Abfallwirtschaft konnten geschlossen werden.

Abbildung 14: Entwicklung der Treibhausgasemissionen und beschlossene Jahresemissionsmengen


nach Sektoren bis 2030

Millionen Tonnen CO2-Äquivalente

500

400

300

200
Energiewirtschaft
Industrie
100 Verkehr
Gebäude
Landwirtschaft
0 Abfallwirtschaft
und Sonstige
1990 1995 2000 2005 2010 2015 2020 2025 2030
Historische Emissionsentwicklung Festgelegte Jahresemissionsmengen
Quellen: UBA (2020a), UBA (2020b), Bundesregierung (2019)
3.2 ENERGIEWIRTSCHAFT | KLIMASCHUTZ IN ZAHLEN 29

3.2 Energiewirtschaft Abbildung 15: Emissionsentwicklung


Energiewirtschaft
Emissionsentwicklung
Millionen Tonnen CO2-Äquivalente
Der Sektor Energiewirtschaft verursachte im Jahr 2019 0 100 200 300 400 500
mit 32 Prozent den größten Anteil der Treibhausgas-
1990
emissionen. Das entspricht Emissionen in Höhe von
1995
254 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten (Abbildung 15).
Die Emissionen aus der Energiewirtschaft stammen 2000
vor allem aus der Verbrennung fossiler Energieträger in 2005
Kraftwerken der öffentlichen Versorgung zur Bereitstel- 2010
lung von Strom und Wärme (Abbildung 16). Zudem wer- 2015
den der Energiewirtschaft Emissionen zugerechnet, die
2018
in Raffinerien und im Pipelinetransport fossiler Energie- 2019*
träger anfallen, sowie sogenannte diffuse Emissionen.
2030**
Diese entstehen zum Beispiel durch die Freisetzung von
Grubengas aus stillgelegten Bergwerken.
*Schätzung **Minderungsziel gegenüber 1990

Die Treibhausgasemissionen des Energiesektors sanken Quellen: UBA (2020a), UBA (2020b)
im Jahr 2019 im Vergleich zum Vorjahr nach ersten
Schätzungen deutlich um 17 Prozent. Der Rückgang Abbildung 16: Emissionsquellen Energiewirt-
hatte verschiedene Ursachen. Ein wesentlicher Grund schaft ohne CO2 aus Biomasse (2018)
für den Rückgang war der Einsatz erneuerbarer Ener-
gien sowie von Gas- anstelle von Kohlekraftwerken. 73,8 % Verbrennung von
Hier machte sich neben niedrigen Weltmarktpreisen festen Brennstoffen
für Gas auch die erfolgreiche Reform des europäischen 12,2 % Verbrennung von
Emissionshandels bemerkbar, die zu höheren CO2-Prei- Gasen
sen geführt hat. So lag der Durchschnittspreis für eine
5,5 % Verbrennung von
Tonne CO2 im Jahr 2019 mit 24,65 Euro fast doppelt so Flüssigbrennstoffen
hoch wie 2018. In der Folge war der Betrieb von Kohle-
kraftwerken 2019 häufig teurer als der von Gaskraft- 4,6 % Verbrennung übriger
Brennstoffe
werken. 2019 wurden zudem Steinkohlekraftwerke mit
insgesamt 3,5 Gigawatt Leistung stillgelegt oder in die 3,2 % Diffuse
Netzreserve überführt. Die Überführung von Braun- Emissionen
kohlekraftwerksblöcken in die Sicherheitsbereitschaft
0,7 % Verbrennung von
im Oktober 2018 und 2019 hat zu weiteren Minderun- Biomasse (ohne CO2
gen geführt. Auch bei der Stromerzeugung aus Wind- aus Biomasse)
und Solarenergie wurden Rekordwerte erzielt. Durch Quelle: UBA (2020a)

die Nutzung von erneuerbaren Energien konnten im


Jahr 2019 im Stromsektor schätzungsweise 203 Millio-
nen Tonnen CO2-Äquivalente vermieden werden. Der
Grund dafür war allerdings nicht in erster Linie der Nach der Wiedervereinigung nahmen die Emissionen
Bau neuer Anlagen, sondern ein besonders wind- und des Sektors bis 1993 überdurchschnittlich stark ab,
sonnenreiches Wetter bei gleichzeitig insgesamt rück- da in den neuen Bundesländern emissionsintensive
läufiger Nachfrage. Braunkohlekraftwerke und Industrieanlagen still-
gelegt wurden, die geltende Umweltstandards nicht
Der Energiesektor hat auch in der Vergangenheit be- erfüllten.
reits umfangreiche Emissionsminderungen erbracht.
Im Vergleich zu 1990 gingen die Treibhausgasemissio- In den letzten Jahren mussten Kohle- und Kernkraft-
nen des Energiesektors bis 2019 um 45 Prozent zurück. werke im Sommer vermehrt ihre Leistung reduzieren,
30 KLIMASCHUTZ IN ZAHLEN | 3.2 ENERGIEWIRTSCHAFT

Abbildung 17: Entwicklung der Bruttostromerzeugung nach Energieträgern

Anteile der Energieträger an den


Erneuerbaren im Jahr 2019

600
Terrawattstunden

41,5 % Windenergie an Land


500 Erneuerbare
Energien

400
Öl und Sonstige
19,5 % Photovoltaik
300 Kernenergie

Erdgas
200 18,3 % Biomasse

Braunkohle
100 10,1 % Windenergie auf See

Steinkohle 8,3 % Wasserkraft


0 2,4 % Abfall
1990 1995 2000 2005 2010 2015 2019*
Quelle: BMWi (2020)

da aufgrund des niedrigen Wasserstandes vieler Flüsse Der Anteil der Stromerzeugung aus der Kernenergie
die Wassertemperatur zu hoch war, um die Kühlung ist dementsprechend seit den 2000er Jahren rückläu-
der Kraftwerke zu gewährleisten. Die niedrigen fig. Derzeit befinden sich in Deutschland noch sieben
Pegelstände wirkten sich auch auf die Belieferung der Reaktorblöcke in Betrieb, deren Abschaltung schritt-
Kraftwerke mit Steinkohle aus. Seit 2014 kam es in weise bis Ende 2022 erfolgt.
drei Perioden zu erheblichen Einschränkungen des
Schiffsverkehrs und damit auch des Kohletransports Die besonders klimaschädliche Nutzung von Kohle im
zu süddeutschen Kraftwerken. Die Emissionen der Energiesektor hat 2019 stark abgenommen. Im Ver-
betroffenen Kohlekraftwerke fielen dadurch geringer gleich zum Vorjahr ging die Stromerzeugung von Stein-
aus.20 kohlekraftwerken um 31 Prozent und von Braunkohle-
kraftwerken um 22 Prozent zurück. Gaskraftwerke, die
Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen im Vergleich geringere Treibhausgasemissionen verur-
hat seit 1990 stark zugenommen (Abbildung 17). Im sachen, steigerten die Erzeugung um zehn Prozent.
Jahr 2019 lag der Anteil der erneuerbaren Energien
nach vorläufiger Schätzung der Arbeitsgemeinschaft Die Bedeutung des fossilen Energieträgers Erdgas in
Energiebilanzen bei 42,1 Prozent des Bruttostromver- der Stromerzeugung hat in den letzten Jahren zu-
brauchs. Etwa die Hälfte des Stroms aus erneuerbaren genommen. Während der Umstellung des Energie-
Energien lieferten Windkraftanlagen. Photovoltaik systems auf erneuerbare Energien dient Erdgas als
und Biomasse trugen jeweils etwa 20 Prozent zur er- Brückentechnologie. Gaskraftwerke sind im Vergleich
neuerbaren Stromerzeugung bei. zu Kohle- und Kernkraftwerken flexibler regelbar und
daher gut geeignet, um die natürlichen Schwankun-
Der Ausstieg aus der Kernenergie wurde im Jahr 2000 gen in der Erzeugung erneuerbarer Energien auszu-
eingeleitet und 2011 endgültig beschlossen. Nach gleichen. Dies ist derzeit notwendig, bis ausreichend
einem festen Zeitplan werden die deutschen Kernkraft- Strom aus erneuerbaren Energien und genügend
werke seitdem nach und nach vom Netz genommen. Flexibilitätsoptionen verfügbar sind. Die Nutzung von
3.2 ENERGIEWIRTSCHAFT | KLIMASCHUTZ IN ZAHLEN 31

79
Erdgas zur Stromerzeugung verursacht im Vergleich
zu den anderen fossilen Energieträgern Braunkohle, Innerhalb der
Steinkohle und Öl geringere Treibhausgasemissionen. nächsten zehn Jahre
Millionen Tonnen sollen die Emissionen
der Energiewirtschaft
CO2-Äquivalente um 79 Millionen
Handlungsfelder und Maßnahmen
Tonnen CO2-Äqui-
Die Bundesregierung strebt im Einklang mit dem Ziel valente (31 Prozent)
der Treibhausgasneutralität bis zum Jahr 2050 eine sinken.
vollständige Dekarbonisierung der Energieversorgung
in Deutschland an. Bis 2030 sollen die Emissionen auf
175 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente sinken. Um die Die Bundesregierung will mit dem Kohleausstiegs-
Einsparziele der Bundesregierung im Energiesektor zu gesetz den Weg ebnen, um bis spätestens 2038
erfüllen, sind neben dem EU-Emissionshandel wirksame vollständig aus der Kohleverstromung auszusteigen
nationale Maßnahmen erforderlich. Zentrale Hand- (Abbildung 18). Die Klimaschutzziele können nur
lungsfelder sind hierbei der Ausstieg aus der Verstro- erreicht werden, wenn die Kohleverstromung mög-
mung von Kohle, ein fortschreitender Ausbau erneuer- lichst früh beendet wird. Der Ausstieg soll schrittweise
barer Energien im Strom-, Wärme- und Verkehrsbereich und sozialverträglich umgesetzt werden. Dazu hat das
sowie die Steigerung der Energieeffizienz. Bundeskabinett bereits im August 2019 den Gesetzes-
entwurf für das Strukturstärkungsgesetz für die Kohle-
Der Energiebedarf von Gebäuden, Verkehr und Indus- regionen beschlossen. Die installierte Erzeugungs-
trie soll durch eine immer effizientere Energienutzung kapazität aus Kohlekraftwerken im Markt soll bis 2022
stark sinken. Nach heutigem Kenntnisstand wird durch zunächst auf 30 Gigawatt und bis 2030 auf 17 Gigawatt
die zunehmende Sektorkopplung eine Elektrifizierung reduziert werden.
in den Verkehrs-, Industrie- und Gebäudesektoren
erfolgen, wodurch sich der Strombedarf absehbar Erneuerbare Energien werden künftig die wichtigste
erhöht. Insbesondere nach 2030 wird bei steigender Energiequelle sein. Die Bundesregierung hat das Ziel,
Elektrifizierung des Verkehrssektors und der Gebäu- im Jahr 2030 einen Anteil erneuerbarer Energien am
dewärmeversorgung ein spürbarer Anstieg erwartet, Stromverbrauch von 65 Prozent zu erreichen. Vor allem
selbst bei gleichzeitigen Anstrengungen zur Steigerung Wind- und Sonnenstrom sollen im Einklang mit den
der Energieeffizienz. Zielen der Bundesregierung stark ausgebaut werden

Abbildung 18: Vorgesehener Kohleausstiegspfad

2022: Rückgang der 2030: Rückgang der Spätestens 2038:


Erzeugungskapazität Erzeugungskapazität auf Kohleausstieg
auf 30 GW 17 GW abgeschlossen
50
Installierte Kapazität in Gigawatt

40 Braunkohle

30

20
Steinkohle
10

0
2010 2015 2020 2025 2030 2035 2040

Quellen: BMWi (2020), Bundesregierung (2020b)


32 KLIMASCHUTZ IN ZAHLEN | 3.2 ENERGIEWIRTSCHAFT

Abbildung 19: Bisheriger und geplanter Ausbau erneuerbarer Energien in Deutschland

Quellen: BMWi (2020), BWE (2019), Bundesregierung (2019b)

(Abbildung 19). Bis 2030 wird die Erzeugungsleistung des Ausbaus der Windenenergie sind strenge Mindest-
der Solarenergie von heute etwa 45 Gigawatt auf einen abstandsregeln zu Wohngebieten in einigen Bundes-
Zielwert von 98 Gigawatt mehr als verdoppelt werden. ländern, eine zu geringe Flächenausweisung, die Ver-
Die Erzeugungsleistung der Windenergie an Land zögerungen bei vielen Projekten aufgrund zahlreicher
soll nach den Plänen der Bundesregierung von etwa Klagen in der Planungsphase und ein professionalisier-
53 Gigawatt im Jahr 2019 auf 67 bis 71 Gigawatt bis ter Widerstand der Windkraftgegner. Tausende Arbeits-
2030 ansteigen. Auch die Nutzung der Windenergie in plätze mussten aufgrund der rückläufigen Entwicklung
der Ost- und Nordsee wird weiter ausgebaut und soll bereits abgebaut werden. Einem Gutachten zufolge
bis 2030 von derzeit 6 Gigawatt auf 20 Gigawatt erhöht sind in der Windbranche weitere 17.000 Jobs gefährdet.
werden . Biomasse wird in begrenztem Maße zur Ener- Dies ist eine Größenordnung, die in etwa der heutigen
giebereitstellung beitragen, vor allem basierend auf der Beschäftigung in der Kohleindustrie von 20.000 Jobs
energetischen Nutzung von Abfall und Gülle, Gär- und entspricht.21
Reststoffen. Die heutige Erzeugungsleistung ist für die
energetische Verwertung dieser Stoffe ausreichend und
bleibt daher nach den Plänen der Bundesregierung „100 Prozent erneuerbare Energie ist in
konstant. Deutschland technisch möglich, ökono-
misch sinnvoll und erst recht ökologisch
Der Ausbau der Windenergie an Land steht seit einigen geboten.“ Dr. Eckart von Hirschhausen, Arzt
Jahren vor zunehmenden Herausforderungen. Im und Kabarettist
Rekordjahr 2017 gingen 2.489 Windkraftanlagen ans
Netz, wohingegen 2019 lediglich 287 Anlagen in Betrieb
genommen wurden. Gründe für den starken Rückgang
3.3 INDUSTRIE | KLIMASCHUTZ IN ZAHLEN 33

3.3 Industrie
Emissionsentwicklung

Der Industriesektor hatte im Jahr 2018 einen Anteil


von 23 Prozent an den Treibhausgasemissionen. Das
entspricht einer Menge von 195 Millionen Tonnen
CO2-Äquivalenten (Abbildung 20). Der Industriesektor
ist damit nach der Energiewirtschaft der zweitgrößte
Verursacher von Treibhausgasemissionen in Deutsch-
land. Nach ersten Schätzungen sind die Industrieemis-
sionen im Jahr 2019 um vier Prozent auf 188 Millionen
Tonnen CO2-Äquivalente gesunken. Zwischen 1990 und
2019 sind sie damit insgesamt um 34 Prozent zurück-
gegangen. Ein Großteil dieser Reduktion erfolgte in den
1990er Jahren, unter anderem bedingt durch den wirt-
schaftlichen Umbruch in den neuen Bundesländern.
Seit dem Jahr 2001 (197 Millionen Tonnen CO2-Äquiva-
lente) sind die Treibhausgasemissionen in der Industrie
abgesehen von konjunkturbedingten Schwankungen
nur noch leicht zurückgegangen.

Die Treibhausgasemissionen des Industriesektors ent- auf die Emissionsbilanz der Energiewirtschaft aus. Aus
stehen vor allem in den energieintensiven Branchen der selbst produzierten und fremdbezogenen Energie
Stahl, Chemie, Nichteisenmetalle, Zement, Kalk, Glas ergibt sich der in Abbildung 22 aufgeschlüsselte End-
und Papier sowie bei der industriellen Eigenstromver- energieverbrauch des Industriesektors.
sorgung. Dabei haben die Emissionen unterschiedliche
Ursachen. Rund zwei Drittel entstehen durch direkte
Energiebereitstellung in der Industrie (Industriefeue- Handlungsfelder und Maßnahmen
rung), während ein Drittel der Industrieemissionen
prozessbedingt ist (Abbildung 21). Die prozessbeding- Im Industriesektor konnten in den letzten Jahren Fort-
ten Emissionen entstehen bei der Produktion, vor al- schritte im Bereich der Prozessoptimierung sowie bei
lem von Grundstoffen wie Roheisen und Zement sowie der Verbesserung der Energieeffizienz erzielt werden.
in der Grundstoffchemie. Allerdings steht den daraus resultierenden Energie- und
Treibhausgaseinsparungen je produzierter Einheit ein
Neben den direkten Treibhausgasemissionen verur- Wachstum der Produktionsmengen gegenüber, sodass
sacht der Industriesektor auch indirekte Emissionen, in den letzten 15 Jahren in der Summe nur geringe
die durch Fremdstrom- und Fernwärmebezug ent- Treibhausgaseinsparungen (ein Prozent) in der Industrie
stehen und gemäß Quellprinzip der Energiewirtschaft erzielt werden konnten (Abbildung 20).
zugeordnet werden. Eine Verbesserung der Energie-
effizienz in der Industrie wirkt sich daher auch positiv Bis zum Jahr 2030 sollen die Treibhausgasemissionen
in der Industrie schrittweise auf 140 Millionen Tonnen
CO2-Äquivalente sinken. Dies entspricht einer Reduk-

48
Innerhalb der nächs- tion um 25 Prozent gegenüber dem Jahr 2019. Um dieses
ten zehn Jahre sollen Ziel zu erreichen, hat die Bundesregierung im Klima-
die Emissionen schutzprogramm 2030 umfassende sektorspezifische
Millionen Tonnen der Industrie um Maßnahmen gebündelt, die ergänzend zum EU-Emis-
CO2-Äquivalente 48 Millionen Tonnen sionshandelssystem und den weiteren bestehenden
CO2-Äquivalente Maßnahmen eine weitere Reduktion der Industrieemis-
(25 Prozent) sinken. sionen und eine Zielerreichung 2030 bewirken sollen.
34 KLIMASCHUTZ IN ZAHLEN | 3.3 INDUSTRIE

gen ganzer Produktionsstandorte. Weitere Programme


Abbildung 21: Emissionsquellen Industrie
fördern beispielsweise den Einsatz neuer Konstruk-
(2018)
tionstechniken und Werkstoffe sowie Projekte und
Maßnahmen im Bereich Ressourceneffizienz und
66,8 % Industriefeuerung*
ohne CO2 aus -substitution.
verbrannter Biomasse
11,0 % Herstellung von Prozessbedingte Emissionen können durch einen opti-
Metall mierten Material- und Ressourceneinsatz reduziert wer-
10,0 % Herstellung minerali- den. So kann durch höhere Recyclingraten der Bedarf
scher Produkte an Primärmaterial deutlich gemindert werden. Für eine
8,8 % Übrige Prozesse & vollständige Vermeidung der prozessbedingten Emissio-
Produktverwendung nen ist es jedoch notwendig, gesamte Produktionsver-
3,4 % Chemische Industrie fahren grundlegend umzustellen. Dies betrifft vor allem
die Produktion von Stahl, Zement, Kalk und Nichteisen-
* Verbrennungsprozesse, beispielsweise aus der metallen sowie Teile der Grundstoffchemie.
Befeuerung von Drehrohröfen

Quelle: UBA (2020a) Für Forschung, Entwicklung und die breite Markt-
einführung innovativer Klimaschutztechnologien
Abbildung 22: Endenergieverbrauch sind umfangreiche Förderprogramme vorgesehen.
Industrie (2018) So fördert das BMU mit dem Förderprogramm
„Dekarbonisierung in der Industrie“ großtechnische
31,3 % Strom Projekte zur Vermeidung von Prozessemissionen der
13,6 % Steinkohle energieintensiven Industrien. Gefördert werden Pro-
7,4 % Fernwärme jekte, die das Ziel haben, prozessbedingte Treibhaus-
gasemissionen, die nach heutigem Stand der Technik
4,5 % Sonstige
nicht oder nur schwer vermeidbar sind, möglichst
4,4 % Erneuerbare weitgehend und dauerhaft zu reduzieren.
2,8 % Braunkohle
1,5 % Heizöl Mit der Umsetzung des Förderprogramms ist das im
November 2019 in Cottbus eröffnete Kompetenzzentrum
34,7 % Gas
Klimaschutz in energieintensiven Industrien (KEI) beauf-
Quelle: BMWi (2020) tragt. Das KEI wird darüber hinaus die energieintensive
Industrie zu Fragen rund um das Thema Dekarbonisie-
rung beraten (siehe auch Kapitel 4.3). Neben dem Förder-
programm „Dekarbonisierung in der Industrie“ sieht
Die Industrieproduktion soll treibhausgasneutral das Klimaschutzprogramm 2030 weitere Forschungs-
werden. Neben der Herausforderung, prozessbedingte programme etwa zur stofflichen Nutzung von CO2 vor.
Emissionen zu vermeiden, gilt es dabei auch, eine treib- Die geplante nationale Wasserstoffstrategie, das Aktions-
hausgasneutrale Energiebereitstellung zu realisieren. programm Power-to-X (PtX) und der Innovationspakt
Zentrale Handlungsfelder sind hierbei ein verminderter Klimaschutz in der Industrie werden zusätzliche Impulse
Energieverbrauch durch weitere Verbesserungen der für die Transformation der Industrie geben.
Energieeffizienz sowie eine verstärkte Nutzung erneuer-
barer Energien und Abwärme. Auch auf europäischer Ebene ist die Neuausrichtung
der Industrie ein wichtiges Thema. Mit dem European
Investitionen in hocheffiziente, bereits verfügbare Green Deal ist der Klimaschutz in der Industrie zu
Technologien und erneuerbare Energieanlagen werden einem Arbeitsschwerpunkt der EU-Kommission erklärt
mit dem zentralen Förderprogramm „Energieeffizienz worden. Für März 2020 ist die Verabschiedung einer
und Prozesswärme aus erneuerbaren Energien in der neuen EU-Industriestrategie vorgesehen. Im EU-Inno-
Wirtschaft“ unterstützt. Neben Einzelinvestitionen vationsfonds stehen ab Mitte des Jahres 2020 große
fördert das Programm auch systemische Optimierun- Summen für die Dekarbonisierung der Industrie bereit.
3.3 INDUSTRIE | KLIMASCHUTZ IN ZAHLEN 35

i
Prozessbedingte Emissionen als Herausfor- Die Verfahren zur Herstellung von chemischen
derung für den Klimaschutz in der Industrie Grundstoffen sind sehr energieintensiv und setzen
zudem prozessbedingt große Mengen an CO2 frei.
Etwa ein Drittel der Emissionen in der Industrie ist
nicht energiebedingt, sondern entsteht bei der Her- Ein Schlüsselprozess der Grundstoffchemie ist die
stellung, vor allem von Grundstoffen wie Roheisen Dampfspaltung, ein thermisches Verfahren, das der
und Zement sowie in der Grundstoffchemie. Umwandlung von langkettigen zu kurzkettigen
Kohlenwasserstoffen dient. So wird aus Rohöl über
Zement ist ein Baustoff und als Bindemittel we- Zwischenschritte Kunststoff hergestellt. Die Dampf-
sentlicher Bestandteil von Beton und Mörtel. Bei reformierung stellt einen weiteren Schlüsselprozess
der Zementherstellung resultieren Prozessemissio- dar. Hierbei wird aus Erdgas und Dampf Wasserstoff
nen aus der sogenannten Entsäuerung des Roh- für die Herstellung von Ammoniak erzeugt.
materials Kalkstein beim Klinkerbrennen, einem
Teilschritt der Zementproduktion. Hierbei löst sich Neben den heute verwendeten konventionellen
im Prozess CO2 aus dem Kalkstein, der aus Kalzium- und emissionsintensiven Produktionsverfahren
karbonat (CaCO3) besteht. gibt es in allen Branchen spezifische Lösungsan-
sätze für neue, emissionsarme Produktionsver-
Die Prozessemissionen der Stahlerzeugung sind vor fahren. Die neuen Verfahren basieren auf dem
allem auf den Einsatz von Kokskohle als Reduk- Einsatz großer Mengen von erneuerbar erzeugtem
tionsmittel im Hochofen zurückzuführen. Dem Strom und Wasserstoff. Sie vermeiden die Ent-
Ausgangsmaterial Eisenerz (Fe2O3 sowie Fe3O4) wird stehung von Prozessemissionen von vornherein.
durch eine chemische Reaktion mit Kohlenstoff (C) Beispielhaft wird in Abbildung 23 eine Option für
der Sauerstoff entzogen. So wird der Eisenanteil aus die emissionsarme Stahlerzeugung dem konventio-
dem Erz herausgelöst. Neben dem Roheisen (Fe), aus nellen Produktionsverfahren gegenübergestellt. Die
dem im weiteren Produktionsverlauf Stahl erzeugt Förderung von innovativen Technologien ist ein
wird, entsteht bei diesem Produktionsschritt Gicht- zentrales Handlungsfeld der Klimaschutzpolitik im
gas, das als Hauptbestandteil CO2 enthält. Bereich der Industrie.

Abbildung 23: Prozessemissionen in der Industrie – Dekarbonisierungsoption für die Stahlerzeugung

Konventionelle Technologie: CO2 0,1 t CO2 1,4 t CO2 0,2 t CO2 1,7 t CO2
Hochofen-Konverter-Route pro t Rohstahl
sintern/pelle- Sauerstoff Stahlschrott
tieren: 0,1 t CO2
Eisenerz

Kokerei:
Kohle 0,1 t CO2 Hochofen Roheisen Konverter Rohstahl

Nahezu treibhausgas- CO2 0,05 t CO2


0,05 t CO2
neutrale Technologie: pro t Rohstahl
Direktreduktion mit Sauerstoff Stahlschrott
Wasserstoff
Prozentuale Einsparung an Eisenerz
Treibhausgasemissionen:
97 % H2 Schachtofen Eisenschwamm Licht- Rohstahl
(Direct Reduced bogen-
Iron, DRI) ofen
Quelle: Agora Energiewende und Wuppertal Institut (2019)
36 KLIMASCHUTZ IN ZAHLEN | 3.4 VERKEHR

3.4 Verkehr Abbildung 24: Emissionsentwicklung Verkehr

Emissionsentwicklung Millionen Tonnen CO2-Äquivalente


0 50 100 150 200
Der Verkehrssektor hat 2019 163 Millionen Tonnen
1990
Treibhausgase emittiert. Nach der Energiewirtschaft
1995
und der Industrie ist der Verkehr der drittgrößte Ver-
ursacher von Treibhausgasemissionen in Deutsch- 2000
land. Zwischen 1990 und 2018 sind die Emissionen im 2005
Verkehr nur um ein Prozent auf 162 Millionen Tonnen 2010
CO2-Äquivalente gesunken (Abbildung 24). Nach ersten
2015
Schätzungen lagen die Emissionen im Jahr 2019 mit
2018
163,5 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten auf einem -0,1 %
2019*
leicht höheren Niveau als im Vorjahr (plus 0,7 Prozent).
Der Verkehrssektor verursachte damit im Jahr 2019 2030** -42 %

einen Anteil von 20 Prozent an den deutschen Gesamt-


*Schätzung ** Minderungsziel gegenüber 1990
emissionen. Treibhausgasemissionen im Verkehrssektor
fallen zu 99 Prozent in Form von CO2 an.22 Die Haupt- Quellen: UBA (2020a), UBA (2020b)
gründe für den anhaltend hohen CO2-Ausstoß im Ver-
kehrssektor sind die Dominanz fossiler Kraftstoffe, die Abbildung 25: Emissionsquellen Verkehr
Zunahme der Fahrleistung, schwerere Fahrzeugmodelle (ohne CO2 aus Biokraftstoffen) (2018)
im Personenverkehr sowie die steigende Zahl von Autos
und Flügen im Personen- und Güterverkehr. 58,7 % Straße – Pkw

Der motorisierte Straßenverkehr ist für 94 Prozent 35,1 % Straße –


Nutzfahrzeuge
der Treibhausgasemissionen des Verkehrssektors
(inklusive Busse)
verantwortlich. Davon sind etwa 59 Prozent auf
1,2 % Nationaler
Personenkraftwagen (Pkw) und 35 Prozent auf Last-
Luftverkehr
kraftwagen (Lkw) sowie andere Nutzfahrzeuge zu-
1,0 % Küsten- und
rückzuführen. Die übrigen vier Prozent stammen aus
Binnenschifffahrt
dem nationalen Luftverkehr sowie dem Schiffs- und
Schienenverkehr (Abbildung 25). Der internationale 0,9 % Übrige Emissionen
Luft- und Schiffsverkehr werden bei der Berechnung
der nationalen Treibhausgasemissionen des Verkehrs- 0,5 % Schienenverkehr
Quelle: UBA (2020a)
sektors nicht berücksichtigt. Auch die Emissionen aus
dem Stromverbrauch im Verkehr werden hier nicht ab-
gebildet, sondern nach dem Quellprinzip dem Energie- Abbildung 26: Endenergieverbrauch nach
sektor zugerechnet. Energieträgern Verkehr (2018)

Die Verkehrsleistung im Personenverkehr nimmt


94,1 % Mineralöle
kontinuierlich zu. Zwischen 1990 und 2017 wurde ein
Anstieg um etwa 64 Prozent auf 1.195 Milliarden Perso- 4,1 % Biokraftstoffe
nenkilometer verzeichnet. Davon wurden rund 75 Pro-
zent in einem Pkw, Taxi oder Mietwagen und 19 Prozent 1,5 % Strom
in öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt. Bei der 0,2 % Erdgas,
Verkehrsmittelwahl wuchs der Anteil des öffentlichen Erdölgas
Verkehrs in den letzten 15 Jahren um fünf Prozentpunk-
te. Die Anteile der zu Fuß und mit dem Fahrrad zurück-
Quelle: BMWi (2020)
gelegten Wege blieben in diesem Zeitraum unverändert
bei jeweils drei Prozent (Abbildung 27).23
3.4 VERKEHR | KLIMASCHUTZ IN ZAHLEN 37

68 Innerhalb der
nächsten zehn Jahre
sollen die Emissio-
Handlungsfelder und Maßnahmen

Die Treibhausgasemissionen des Verkehrs sollen bis


Millionen Tonnen nen des Verkehrs um 2030 im Vergleich zu 1990 um 42 Prozent sinken. Um
CO2-Äquivalente 68 Millionen Tonnen die zulässige Jahresemissionsmenge von 95 Millionen
CO2-Äquivalente Tonnen CO2-Äquivalenten im Jahr 2030 zu erreichen,
(42 Prozent) sinken. ist eine grundlegende Transformation des Verkehrs-
sektors notwendig. Die politischen Handlungsfelder
umfassen die Steigerung der Energieeffizienz aller Ver-
Der Umstieg auf emissionsarme Antriebsarten im kehrsträger, den Umstieg auf emissionsfreie Antriebe
Straßenverkehr nimmt langsam Fahrt auf. Die Höhe und Kraftstoffe, die Verlagerung auf öffentliche oder
des CO2-Ausstoßes von Pkw hängt wesentlich von geteilte Verkehrsmittel (Bahn, Bus, Car- und Rides-
der Antriebsart sowie der Form und dem Gewicht haring) sowie auf den Fuß- und Fahrradverkehr und
des Fahrzeugs ab. Die CO2-Emissionen pro Kilometer schließlich die Vermeidung überflüssiger Wege durch
des Pkw-Bestands in Deutschland sind seit 1995 um verbesserte Logistik.
14,7 Prozent gesunken.24 Deutlich größere Minderun-
gen der spezifischen CO2-Emissionen wären jedoch
möglich gewesen, wenn ein Großteil der Effizienz- Abbildung 27: Vergleich der Verkehrsmittel-
verbesserungen nicht durch den Trend zu größeren, wahl im Personenverkehr 2002 und 2017
schwereren und leistungsstärkeren Pkw aufgehoben
worden wäre. Deutschland hat innerhalb der EU den 75
Zu Fuß
zweithöchsten durchschnittlichen CO2-Ausstoß bei 3
80 3 Fahrrad
Neuwagen.25 Der Personenverkehr ist nach wie vor
14 2002 2017
stark durch die Nutzung fossiler Kraftstoffe geprägt. 19 Öffentlicher
Otto- und Dieselmotoren sind mit einem Anteil von Verkehr
91 Prozent an den Neuzulassungen weiterhin die
dominierenden Antriebsarten, während alternative Motorisierter
Individualverkehr
Elektro-, Hybrid-, Flüssig- und Erdgasantriebe den
(Fahrer und Mitfahrer)
übrigen Anteil von neun Prozent ausmachen (Abbil-
Anteile in Prozent bezogen auf Personenkilometer
dung 28). Alternative Antriebsarten wie zum Beispiel
Elektromotoren werden zunehmend nachgefragt. Quelle: BMVI (2019)
Damit Elektrofahrzeuge perspektivisch treibhausgas-
neutral unterwegs sind, müssen sie vollständig mit Abbildung 28: Anteile der Antriebsarten für
Strom aus erneuerbaren Energien betrieben werden. Personenkraftwagen in Deutschland (2019)
Batterieelektrische Fahrzeuge sind aber schon mit dem
Pkw-Bestand Neuzulassungen
heutigen Strommix 27 Prozent weniger emissions-
intensiv als mit Benzin angetriebene Pkw und über Gesamt 47,7 Millionen 3,6 Millionen
die Lebensdauer klimafreundlicher als alle anderen Benzin 66 Prozent 59 Prozent
Antriebsarten.26
Diesel 32 Prozent 32 Prozent

Der Güterverkehr hat in den letzten Jahren zuge- Alternative


2 Prozent 9 Prozent
Antriebe*
nommen. Im inländischen Güterverkehr stieg die Ver-
kehrsleistung zwischen 1991 und 2017 um 74 Prozent *Flüssiggas, Erdgas, Elektroantrieb, Hybridantrieb
auf 696 Milliarden Tonnenkilometer (Abbildung 29).
Im Jahr 2017 wurden 71 Prozent der Güter im Straßen- Quellen: KBA (2020a), KBA (2020b)
verkehr befördert, während der Gütertransport im
Schienenverkehr und in der Binnenschifffahrt eine
kleinere Rolle spielte.27 In den letzten Jahren wuchs
der Luftgüterverkehr am schnellsten, wohingegen der
Güterverkehr in der Binnenschifffahrt abnahm.28
38 KLIMASCHUTZ IN ZAHLEN | 3.4 VERKEHR

einschließlich Benzin, Diesel und Erdgas. Der CO2-


Abbildung 29: Anteile der Verkehrsträger am
Preis wird fossile Kraftstoffe 2021 zunächst um drei
Güterverkehr in Deutschland (2017)
Cent je Liter verteuern und wird anschließend jähr-
0,2 % Luftgüterverkehr lich angehoben. Zu Beginn des Emissionshandels wird
2,5 % Rohrfernleitungen die Mehrbelastung für Endverbraucher kaum spürbar
6,7 % Binnenschifffahrt sein. Die schrittweise Erhöhung des CO2-Preises schafft
699
Milliarden Orientierung für zukünftige Kaufentscheidungen und
Tonnen- 19,0 % Schienengüter- wird langfristig zu einer relativen Verteuerung klima-
kilometer verkehr schädlicher Verkehrsmittel führen.

71,6 % Straßengüter- Die Bundesregierung fördert klimafreundliche Alter-


verkehr nativen im Verkehr. Um eine Verlagerung auf klima-
Quelle: BMVI (2020)
freundlichere Verkehrsträger zu erreichen, werden der
öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV), der Radver-
kehr, der Schienenverkehr und die Binnenschifffahrt
gestärkt.
Auf europäischer Ebene setzen Richtlinien unter anderem
Ziele für den Anteil erneuerbarer Energien am Kraftstoff- Im Personenfernverkehr sind die klimafreundlichs-
mix und die CO2-Intensität der Kraftstoffe. Für Autoher- ten Verkehrsträger Eisenbahnen und Fernbusse. Das
steller gelten Flottengrenzwerte für den durchschnittli- Bundesministerium für Verkehr und digitale Infra-
chen Treibhausgasausstoß ihrer Neuzulassungen. 2018 lag struktur (BMVI) hat sich das Ziel gesetzt, die An-
der Durchschnittswert der Emissionen neuzugelassener zahl der im Schienenverkehr beförderten Fahrgäste
Pkw in Deutschland bei 130 Gramm,29 in der EU bei 120 innerhalb der nächsten zehn Jahre zu verdoppeln.31
Gramm CO2 pro Kilometer.30 Bis 2021 müssen Pkw-Her- Bis 2030 investieren der Bund und die Deutsche Bahn
steller den durchschnittlichen Wert auf 95 Gramm CO2 86 Milliarden Euro, um das Schienennetz zu erneuern
pro Kilometer reduzieren. Im Zeitraum von 2021 bis 2030 und auszubauen. Durch eine Kapitalerhöhung bei der
muss der CO2-Ausstoß der Pkw-Neuzulassungen um wei- Deutschen Bahn in Höhe von jährlich einer Milliarde
tere 37,5 Prozent sinken. Für leichte Nutzfahrzeuge gilt Euro zwischen 2020 und 2030 stehen weitere Mittel
bei Neuzulassungen ein Grenzwert von 147 Gramm CO2 für Investitionen in das Bahnsystem zur Verfügung.
pro Kilometer ab 2020. Zwischen 2021 und 2030 sollen
deren Emissionen um 31 Prozent gegenüber dem Jahr
2020 sinken. Für Lkw-Hersteller gelten ab 2025 erstmals Abbildung 30: Treibhausgasemissionen in
verbindliche Ziele. Der durchschnittliche CO2-Ausstoß CO2-Äquivalenten nach Verkehrsträgern im
der Lkw- Neuzulassungen muss bis 2025 um 15 Prozent Güterverkehr (2018)
und bis 2030 um 30 Prozent im Vergleich zur Referenz-
periode von Juli 2019 bis Juni 2020 sinken. Die Flotten- Güterzug
grenzwerte können sowohl über Effizienzzuwächse in
Fahrzeugen als auch über steigende Anteile von Elektro-
18 g/tkm
Binnenschifffahrt
autos an der Flotte erreicht werden. Bei Nichteinhaltung
der Zielwerte drohen den Herstellern Strafzahlungen. Um 31 g/tkm
eine realistische Messung der Emissionen neuer Pkw und Lkw
leichter Nutzfahrzeuge zu ermöglichen, gilt in der Euro-
112 g/tkm
päischen Union seit 2017 das Prüfverfahren „Worldwide
Flugzeug
Harmonized Light Vehicles Test Procedure“ (WLTP) der
Vereinten Nationen. 713 g/tkm
Das Klimaschutzprogramm 2030 führt eine CO2- In Gramm pro Tonnenkilometer (g/tkm)
Bepreisung im Verkehrssektor ein. Das nationale
Emissionshandelssystem (nEHS) erfasst die Emissionen Quelle: UBA (2020c)
aus der Verbrennung fossiler Brenn- und Kraftstoffe,
3.4 VERKEHR | KLIMASCHUTZ IN ZAHLEN 39

Um eine höhere Auslastung des Schienenverkehrs zu „Anders als bei der Energie haben wir in
ermöglichen, werden digitale Leit- und Sicherungs- den vergangenen 15 Jahren bei der Mobili-
technik eingeführt und die Digitalisierung von Stell- tät keine Erfolge erzielt. Im Gegenteil: Die
werken vorangetrieben. Damit Bahnfahren für Bürger Autos sind größer geworden, der Spritver-
finanziell attraktiver wird, soll nach dem Klimaschutz- brauch steigt, Verkehr nimmt zu, Straßen
programm 2030 die Mehrwertsteuer auf Bahntickets und Flughäfen sind voll.“ Dr. Dirk Messner,
sinken. Gleichzeitig sollen die Abgaben für den Flug- Präsident des Umweltbundesamtes
verkehr steigen.

Im Nahverkehr sollen die Attraktivität und die lichen Emissionen in Höhe von 19 Gramm CO2-Äqui-
Umweltverträglichkeit des ÖPNV verbessert werden. valenten pro Tonnenkilometer ist der Schienenverkehr
Im Klimaschutzprogramm 2030 ist vorgesehen, dass das klimafreundlichste Verkehrsmittel für den Güter-
ab 2021 für den Ausbau des ÖPNV jährlich Bundes- transport, gefolgt von der Binnenschifffahrt mit
mittel in Höhe von einer Milliarde Euro bereitgestellt 32 Gramm CO2-Äquivalenten pro Tonnenkilometer
werden. Kommunen können die Mittel verwenden, um (Abbildung 30).34 Die Bundesregierung stärkt deshalb
zum Beispiel das schienengebundene Nahverkehrsnetz den Güterverkehr auf der Schiene und in der Binnen-
auszubauen und zu modernisieren oder um Elektro- schifffahrt. Neben dem Ausbau des Schienennetzes
busse anzuschaffen. Die Bundesregierung beabsichtigt, wird der kombinierte Verkehr, das heißt integrierte
Bundesmittel für den Ausbau des ÖPNV ab 2025 auf Transportketten mit verschiedenen Verkehrsmitteln,
jährlich zwei Milliarden Euro zu erhöhen. Darüber gefördert.
hinaus werden Busse mit elektrischen und wasserstoff-
basierten Antrieben sowie mit Biogas betriebene Busse Der Anteil der Binnenschifffahrt am Güterverkehr
weiter gefördert.32 soll laut dem Masterplan Binnenschifffahrt des BMVI
durch die Modernisierung und Digitalisierung der
Mit dem Fahrrad und zu Fuß zurückgelegte Strecken Wasserstraßeninfrastruktur erhöht werden. Das Klima-
haben die geringsten Umweltauswirkungen. Mit dem schutzprogramm 2030 sieht außerdem den Ausbau der
Nationalen Radverkehrsplan 2020 und den Maßnah- Infrastruktur zur Nutzung von Landstrom in Häfen
men aus dem Klimaschutzprogramm 2030 will der vor, um den klima- und umweltschädlichen Betrieb
Bund den Radverkehr stärken. Radwege und Rad- von Schiffsmotoren zur Stromerzeugung in Häfen zu
schnellwege werden ausgebaut und die Bedingungen vermeiden.
im Straßenverkehr für Radfahrer weiter verbessert.
Zwei Sonderprogramme „Stadt“ und „Land“ sollen au- Für eine bessere Klimaverträglichkeit des Güterver-
ßerdem die Attraktivität des Radverkehrs zum Beispiel kehrs auf der Straße werden mehr CO2-arme Lkw
mittels sicherer und moderner Abstellanlagen und des auf den Markt gebracht. Bis 2030 soll etwa ein Drittel
Ausbaus der Infrastruktur für Lastenräder verbessern. der Fahrleistung im schweren Straßengüterverkehr
auf elektrischen Antrieben oder strombasierten
Um die Emissionen des motorisierten Individual- Kraftstoffen basieren. Die Bundesregierung wird die
verkehrs zu mindern, fördert die Bundesregierung die Anschaffung von Lkw mit alternativen, klimascho-
Nutzung von Elektroautos und alternativen Kraft- nenden Antrieben einschließlich Wasserstofftechno-
stoffen. Im Bereich Elektromobilität soll vor allem die logien unterstützen und den Ausbau einer bedarfs-
Ladeinfrastruktur weiter ausgebaut werden. Im No- gerechten Tank- und Ladeinfrastruktur fördern. Ab
vember 2019 waren in Deutschland 21.100 öffentliche 2023 soll eine CO2-Differenzierung der Lkw-Maut
Ladepunkte für die Nutzer von Elektroautos verfügbar.33 zugunsten klimaschonender Antriebe im Rahmen der
Gemäß den Zielen der Bundesregierung sollen bis 2030 Novelle der Eurovignetten-Richtlinie vorangetrieben
eine Million Ladepunkte zur Verfügung stehen und werden.
zwischen sieben und zehn Millionen Elektrofahrzeuge
zugelassen sein. Schließlich sollen im Verkehrssektor die Potenziale der
Digitalisierung zur Automatisierung und Vernetzung
Der Gütertransport auf Schienen und in der Binnen- von Mobilität genutzt werden, zum Beispiel um den
schifffahrt hat die beste Klimabilanz. Mit durchschnitt- ÖPNV attraktiver zu gestalten.
40 KLIMASCHUTZ IN ZAHLEN | 3.5 GEBÄUDE

3.5 Gebäude Abbildung 31: Emissionsentwicklung Gebäude

Emissionsentwicklung Millionen Tonnen CO2-Äquivalente


0 50 100 150 200
Der Gebäudebereich hatte im Jahr 2018 einen Anteil
1990
von 14 Prozent an den Gesamtemissionen in Deutsch-
1995
land. Nach ersten Schätzungen des Umweltbundesamtes
stiegen die Emissionen des Sektors von 2018 bis 2019 um 2000
vier Prozent auf 122 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente. 2005
Das entspricht einer Reduktion von 42 Prozent gegen- 2010
über dem Basisjahr 1990 (Abbildung 31). Es ist jedoch
2015
eine weitere Reduktion um 52 Tonnen CO2-Äquivalente
2018
notwendig, um das 2030-Ziel von höchstens 70 Ton- -42 %
2019*
nen zu erreichen. Die Emissionen des Gebäudesektors
2030** -67 %
entstehen überwiegend durch die Verbrennung fossiler
Energieträger (Abbildung 32) zur Bereitstellung von
*Schätzung **Minderungsziel gegenüber 1990
Raumwärme und Warmwasser (Abbildung 33).
Quellen: UBA (2020a), UBA (2020b)
Der Sektor Gebäude umfasst die Emissionen privater
Haushalte sowie die Emissionen aus Gewerbe, Handel Abbildung 32: Endenergieverbrauch Gebäude
und Dienstleistungen. Im Gebäudesektor bilanziert nach Energieträgern (2018)
werden Emissionen, die aus der direkten Energiebe-
37,8 % Erdgas,
reitstellung in Gebäuden resultieren. Emissionen, die
Erdölgas
bei der Versorgung mit Strom und Wärme (wie etwa
Fernwärme) durch Unternehmen der öffentlichen 25,6 % Strom
Versorgung entstehen, werden hingegen der Energie-
wirtschaft zugeordnet. Würden diese sogenannten
19,5 % Mineralöle,
indirekten Emissionen zu den Emissionen des Sektors Heizöle
Gebäude hinzugezählt, erhöhte sich der Anteil des Ge-
bäudesektors an den deutschen Gesamtemissionen auf 10,6 % Erneuerbare
etwa 30 Prozent.35 5,9 % Fernwärme
0,6 % Braunkohle,
Seit 2010 sind die Treibhausgasemissionen im Steinkohle
Gebäudebereich jährlich um etwa drei Prozent Quelle: BMWi (2020)
gesunken. Der Ausstoß von Treibhausgasen ist
stark witterungsabhängig. Kalte Winter erhöhen Abbildung 33: Endenergieverbrauch Gebäude
die Emissionen aufgrund des steigenden Wärme- nach Anwendungsbereichen (2018)
bedarfs, der den größten Teil des Energieverbrauchs
im Gebäudesektor ausmacht. Heiße Sommer erhöhen 59 % Raumwärme
ebenso den Energiebedarf und somit die Treibhausgas- 12 % Warmwasser
emissionen aufgrund des steigenden Kühlbedarfs.
7 % Prozesswärme
Ungewöhnlich heiße Sommer verursachen bisher
allerdings einen deutlich schwächeren Emissions- 7 % Mechanische
anstieg als kalte Winter, da in Deutschland derzeit nur Energie

wenige Gebäude mit Klimaanlagen ausgestattet sind. 6 % Beleuchtung


(Strom)
Es gibt über 21,7 Millionen Gebäude in Deutschland. 5 % IKT (Strom)
Hiervon sind etwa 19 Millionen Wohngebäude, von
5 % Prozess- & Klimakälte
denen etwa 12,5 Millionen vor der ersten Wärme- Quelle: BMWi (2020)
schutzverordnung von 1979 errichtet wurden.
3.5 GEBÄUDE | KLIMASCHUTZ IN ZAHLEN 41

52 Innerhalb der
nächsten zehn Jahre
sollen die Emissio-
scher Wärmepumpen und erneuerbarer Energien wie
Solarthermie und Erdwärme in die Heiztechnik.

Millionen Tonnen nen der Gebäude um Trotz aller Bemühungen kommt die Wärmewende
CO2-Äquivalente 52 Millionen Tonnen bisher nur langsam voran. Der Hauptgrund hierfür
CO2-Äquivalente sind die fehlenden Anreizstrukturen für tiefgreifende
(42 Prozent) sinken. Sanierungsmaßnahmen. Die Sanierungsquote bleibt
mit nur etwa einem Prozent pro Jahr weiterhin unter
dem Ziel von jährlich 1,5 Prozent, dessen Erreichung
Rund 60 Prozent des Energieverbrauchs im Gebäude- für die Erfüllung der Klimaziele notwendig wäre.36
sektor werden zum Heizen verwendet. Weitere
24 Prozent des Endenergieverbrauchs von Gebäuden Die Bundesregierung hat 2019 mit dem Klimapaket
entfallen auf verschiedene Wärme- und Kältebereit- einen wichtigen Schritt zur Erreichung der Klima-
stellungen. Während Haushalte vor allem Warmwasser ziele im Gebäudebereich unternommen. Das Klima-
und Prozesswärme (zum Beispiel Waschmaschinen, schutzprogramm 2030 stellt ein Bündel neuer Maß-
Spülmaschinen) benötigen, ist für das Gewerbe auch nahmen vor. Der CO2-Preis des geplanten nationalen
Prozesskälte relevant (Abbildung 33). Emissionshandels gilt auch für den Gebäudesektor
und setzt Anreize für Effizienzmaßnahmen und einen
Wechsel zu emissionsärmeren Heizungen. Die Förde-
Handlungsfelder und Maßnahmen rung im Gebäudebereich wird als „Bundesförderung
für effiziente Gebäude“ gebündelt, vereinfacht und
Energetische Sanierungen können den Heizenergie- deutlich aufgestockt. Energetische Sanierungen werden
verbrauch eines Gebäudes erheblich verringern. zudem steuerlich gefördert, energetische Standards
Neubauten und vollsanierte Gebäude weisen einen perspektivisch weiterentwickelt und die Energiebe-
deutlich geringeren Energieverbrauch auf als un- oder ratung wird ausgeweitet. Die Bundesregierung möchte
teilsanierte Gebäude (Abbildung 34). Zu Sanierungs- außerdem auch bei öffentlichen Gebäuden eine größe-
maßnahmen zählen Dämmmaßnahmen bei Dächern, re Vorbildfunktion einnehmen.
Wänden und Fenstern sowie die Einbindung elektri-

Abbildung 34: Wohngebäude und ihr Heizenergieverbrauch nach Sanierungsstand

Heizenergieverbrauch nach Anteil der Wohngebäude nach


Sanierungsstand Sanierungsstand
Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr
52 % Teilsaniert
0 100 200 300
36 % Unsaniert
40 103 200
Neubau
60 132 230
Vollsaniert
8% Neubau
80 163 280
Teilsaniert 4% Vollsaniert
50 170 300
Unsaniert

Konfidenzintervall Durchschnittswert
5 % bis 95 %*
*Die Konfidenzintervalle bilden 90 % aller Wohngebäude in der jeweiligen Kategorie ab.

Quelle: co2online (2020)


42 KLIMASCHUTZ IN ZAHLEN | 3.6 LANDWIRTSCHAFT

3.6 Landwirtschaft Abbildung 35: Emissionsentwicklung Land-


wirtschaft
Emissionsentwicklung
Millionen Tonnen CO2-Äquivalente
Die Landwirtschaft hatte 2018 mit 70 Millionen
0 20 40 60 80 100
Tonnen CO2-Äquivalenten einen Anteil von acht Pro-
zent an den deutschen Gesamtemissionen. Im Jahr 1990
2019 sanken die Emissionen nach Schätzungen um 1995
zwei Prozent auf 68 Millionen Tonnen CO2-Äquiva- 2000
lente. Dies entspricht einem Rückgang um 24 Prozent 2005
zwischen 1990 und 2019 (Abbildung 35). Die Reduktion
2010
der Emissionen ist vor allem auf eine Abnahme der
2015
Tierbestände unmittelbar nach der Wiedervereinigung
in den neuen Bundesländern zurückführen. In gerin- 2018
2019* -24 %
gerem Maße trugen auch Flächenstilllegungen, ein
verbessertes Düngemittelmanagement und die Um- 2030** -36 %
weltanforderungen der Gemeinsamen Agrarpolitik der
EU zum Emissionsrückgang bei. Seit den 2000er Jahren *Schätzung ** Minderungsziel gegenüber 1990
sinken die Treibhausgasemissionen der Landwirtschaft
Quellen: UBA (2020a), UBA (2020b)
weniger stark.

Emissionen aus Bodennutzung und Tierhaltung Abbildung 36: Emissionsquellen Landwirt-


haben die größten Anteile an den Treibhausgasemis- schaft ohne CO2 aus Biomasse (2018)
sionen der Landwirtschaft (Abbildung 36). CO2-Emis-
sionen spielen dabei eine untergeordnete Rolle. Für
35,9 % Tierhaltung
die Emissionen der Landwirtschaft sind vor allem die
Treibhausgase Methan und Lachgas relevant. Rund 35,3 % Landwirtschaftlicher
60 Prozent des gesamten Methan- und 80 Prozent des Boden

Lachgasausstoßes in Deutschland stammten im Jahr 13,4 % Düngewirtschaft


2018 aus der Landwirtschaft.
9,0 % Stationäre & mobile
Feuerung (Stallungen,
Methan entsteht vor allem in der Tierhaltung während Gewächshäuser etc.)
des Verdauungsvorgangs von Wiederkäuern sowie bei sowie landwirtschaft-
der Lagerung und Ausbringung von tierischem Wirt- licher Verkehr
schaftsdünger, der in der Landwirtschaft zum Beispiel
3,4 % Sonstige
als Gülle, Jauche und Mist anfällt. Methanemissionen
in der Tierhaltung entfallen nahezu vollständig auf 3,1 % Kalkung
Rinder und nur unwesentlich auf Schafe. Ebenso geht
Quelle: UBA (2020a)
der größte Anteil des Methans aus Wirtschaftsdünger
auf die Exkremente von Rindern und nur in geringem
Maße auf Schweine und andere Nutztiere zurück.
Als Treibhausgas ist Methan rund 25-mal so klima-
schädlich wie CO2. Lachgas wird in der Landwirtschaft Emissionen von Kohlendioxid entstehen in der Land-
vor allem durch die Bewirtschaftung organischer wirtschaft durch den Kraftstoffeinsatz landwirtschaft-
Böden sowie durch den Einsatz von mineralischen licher Maschinen und Fahrzeuge sowie in geringen
Düngemitteln und tierischem Wirtschaftsdünger frei- Maßen durch die Anwendung von Harnstoffdünger,
gesetzt. Lachgas ist etwa 300-mal so klimaschädlich die Kalkung von Böden und den Einsatz anderer koh-
wie CO2. lenstoffhaltiger Dünger.
3.6 LANDWIRTSCHAFT | KLIMASCHUTZ IN ZAHLEN 43

Handlungsfelder und Maßnahmen Umsetzung der EU-Nitratrichtlinie verurteilt. Die


Bundesregierung legte der Europäischen Kommission
Die Landwirtschaft ist sowohl Verursacherin von daher Änderungsvorschläge für eine Anpassung der
Treibhausgasen als auch Betroffene von den Folgen Düngeverordnung von 2017 zur Umsetzung des Urteils
des Klimawandels. Die Häufung extremer Wetter- vor.
ereignisse und der Anstieg der Temperatur beein-
flussen die Ernteerträge stark. Die Trockenheit in den Die Bundesregierung strebt eine Stärkung des ökolo-
letzten Jahren führte in vielen Gebieten Deutschlands gischen Landbaus an. Dazu sollen Rechtsvorschriften
zu Ernteausfällen. Als Dürrehilfe stellte der Bund zugunsten besonders umweltfreundlicher Verfahren
zusammen mit den Ländern im Jahr 2018 insgesamt weiterentwickelt und die rechtliche und finanzielle
340 Millionen Euro zur Unterstützung betroffener Förderung optimiert werden. Der Anteil der ökologisch
Landwirte bereit. Neben der Anpassung der Landwirt- bewirtschafteten Fläche an der gesamten landwirt-
schaft an den Klimawandel strebt die Bundesregierung schaftlich genutzten Fläche soll von derzeit 8,2 Prozent
an, die Klimaschutzpotenziale der Landwirtschaft bis 2030 auf 20 Prozent ansteigen. Die Bundesregierung
auszuschöpfen. stellt zur Förderung des ökologischen Landbaus jähr-
lich 36 Millionen Euro zur Verfügung. Hinzu kommen
Bis 2030 sollen die Treibhausgasemissionen der Land- weitere Mittel durch die Förderung im Rahmen der
wirtschaft um 36 Prozent gegenüber 1990 sinken. „Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küsten-
Die Emissionen aus der mobilen und der stationären schutz“ (GAK), die jedoch nicht nur dem ökologischen
Verbrennung in landwirtschaftlichen Betrieben sowie Landbau zugutekommen.
von landwirtschaftlichen Fahrzeugen und Gebäuden
werden der Landwirtschaft zugerechnet. Die jährlichen Die Gemeinsame Agrarpolitik ist auch künftig einer
Treibhausgasemissionen der Landwirtschaft müssen der großen EU-Haushaltsposten. Sie hat mit ihren
im Jahr 2030 unter der zulässigen Jahresemissionsmen- Förderregelungen einen erheblichen Einfluss auf die
ge von 58 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten liegen. Intensität der Landbewirtschaftung und den Zu-
stand der Umwelt insgesamt. Die Agrarförderung aus
Die Senkung der Stickstoffüberschüsse durch einen EU-Mitteln beläuft sich für Deutschland im Zeitraum
geringeren Einsatz stickstoffhaltiger Düngemittel von 2014 bis 2020 auf rund 6,2 Milliarden Euro pro
ist eine Maßnahme zur Senkung der Treibhausgas- Jahr. Die erste Säule der GAP, die 4,85 Milliarden Euro
emissionen in der Landwirtschaft. Die Anforderungen ausmacht, sieht vornehmlich an die Fläche gebundene
an die Düngung wurden im Rahmen der Novelle der Direktzahlungen für Flächenbewirtschafter vor. Mit
Düngeverordnung 2017 erhöht, um einen nachhaltigen der zweiten Säule wird die Entwicklung des ländlichen
und ressourceneffizienten Umgang mit Nährstoffen Raums gefördert. Entsprechende Agrar-, Umwelt- und
im landwirtschaftlichen Betrieb sicherzustellen. Die Klimaschutzmaßnahmen müssen mit nationalen Mit-
Anforderungen sind auch für den Gewässerschutz von teln kofinanziert werden. Die Europäische Kommission
herausragender Bedeutung, da eine intensive Düngung hat im Juni 2018 Gesetzgebungsvorschläge für eine
die Gefahr von Nitratauswaschungen ins Grund- Reform der GAP vorgelegt. Die nächste Förderperiode
wasser erhöht. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) beginnt im Jahr 2021 und endet 2027.
hat Deutschland im Juni 2018 wegen unzureichender
Die Landwirtschaft kann ihre Treibhausgasemissionen
aufgrund biologischer Prozesse in Tierhaltung und

10 Innerhalb der
nächsten zehn
Jahre sollen die
Pflanzenbau auch langfristig nicht vollständig ver-
meiden. Die verbleibenden Emissionen müssen
daher perspektivisch von natürlichen Senken, die im
Millionen Tonnen Emissionen der LULUCF-Sektor bilanziert werden, aufgenommen
CO2-Äquivalente Landwirtschaft werden.
um zehn Millionen
Tonnen CO2-Äqui-
valente (15 Prozent)
sinken.
44 KLIMASCHUTZ IN ZAHLEN | 3.7 ABFALL- UND KREISLAUFWIRTSCHAFT

3.7 Abfall- und Kreislaufwirtschaft Abbildung 37: Emissionsentwicklung Abfall-


und Kreislaufwirtschaft und Sonstige
Emissionsentwicklung
Millionen Tonnen CO2-Äquivalente
Die sektorspezifischen Treibhausgasemissionen der 0 10 20 30 40
Abfall- und Kreislaufwirtschaft sind ersten Schät-
1990
zungen zufolge von 2018 bis 2019 um fünf Pro-
zent gefallen und betragen 9,1 Millionen Tonnen 1995
CO2-Äquivalente. Damit emittiert der Sektor, zu dem 2000
auch Abwasserbehandlung zählt, nur 1,1 Prozent der 2005
klimarelevanten deutschen Treibhausgase (Abbildung 2010
37). Insgesamt waren 2019 wie in den Jahren zuvor fast
2015
90 Prozent der Emissionen des Sektors auf Deponiegase
2018
und die Abwasserbehandlung zurückzuführen (Abbil- -76 %
2019*
dung 38).
2030** -87 %
Seit 1990 sind die Emissionen in der Abfall- und Kreis-
laufwirtschaft um fast 76 Prozent zurückgegangen. *Schätzung **Minderungsziel gegenüber 1990
Ein Hauptgrund hierfür sind verpflichtende technische Quellen: UBA (2020a), UBA (2020b)
Vorgaben für die Abfallentsorgung und -verwertung
von 1993 und 1996 sowie das Verbot der Deponierung Abbildung 38: Emissionsquellen Abfall- und
von unbehandelten organischen Siedlungsabfällen Kreislaufwirtschaft 2018 (ohne CO2 aus Bio-
im Jahr 2005. Hierdurch sind die Methanemissionen masse)
in der Abfalldeponierung massiv gesunken. Weitere
Emissionseinsparungen konnten hauptsächlich durch 77,9 % Abfalldeponierung
die energetische Nutzung von Abfällen und verstärktes
Recycling von Wertstoffen wie Glas, Papier, Kunststof- 10,7 % Abwasserbehandlung
fen und Metallen erzielt werden. Diese Einsparungen
11,4 % Übrige Emissionen,
gehen jedoch als Gutschriften in die nationale Klima-
unter anderem bio-
bilanz ein und werden den Industrie- und Energie- logische Behandlung
sektoren gutgeschrieben und nicht der Abfallwirtschaft. von festen Abfällen

Handlungsfelder und Maßnahmen


Quelle: UBA (2020a)
Im Rahmen der Kommunalrichtlinie der Nationalen
Klimaschutzinitiative werden seit 2013 kleinere
Deponiebelüftungsprojekte gefördert, um die Methan-
emissionen der Abfallwirtschaft zu senken. Mit dem Ressourceneffizienz und -substitution zu erhöhen.
Klimaschutzprogramm 2030 wurde diese Förderung Unter Ressourcensubstitution versteht man vor allem
ausgeweitet und bis 2030 fortgeschrieben. Zudem das Ersetzen von emissionsintensiven durch emissions-
sollen auch größere Deponien gefördert werden. Nach ärmere Materialien. Diese Maßnahmen bauen auf dem
Schätzungen wird die Fördermaßnahme ab 2025 jähr- Deutschen Ressourceneffizienzprogramm (ProgRess)
lich 1,2 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente einsparen. auf, welches 2012 eingeführt wurde und 2020 zum
dritten Mal aktualisiert wird.
Darüber hinaus fördert die Bundesregierung im
Rahmen des Klimaschutzprogramms 2030 verschie- Das Konzept der Circular Economy geht über den
dene Maßnahmen zur Steigerung der Ressourcen- Fokus Abfallwirtschaft hinaus. Die Europäische Kom-
effizienz in der Industrie. Dabei handelt es sich zum mission hat 2015 einen Aktionsplan Circular Economy
Beispiel um Materialforschungsprojekte mit dem Ziel, vorgestellt, welcher bis 2019 alle vorgesehenen Maß-
3.7 ABFALL- UND KREISLAUFWIRTSCHAFT | KLIMASCHUTZ IN ZAHLEN 45

nahmen auf den Weg gebracht hat. Ziel des Plans ist,
dass Produktdesign, -entwicklung, -nutzung sowie
-entsorgung und -weiterverwertung so energieeffizient
4 Innerhalb der
nächsten zehn Jahre
sollen die Emissionen
und ressourceneffizient wie möglich gestaltet werden Millionen Tonnen der Abfall- und
(Abbildung 39). Das Konzept deckt dadurch den ge- CO2-Äquivalente Kreislaufwirtschaft
samten Lebenszyklus eines Produkts ab. Der Aktions- um vier Millionen
plan definiert Standards für eine Reihe von Industrien Tonnen CO2-Äqui-
und betrifft zum Beispiel Plastik, Nahrungsmittel, valente (46 Prozent)
Rohstoffe, Bau, Biomasse und Düngemittel. sinken.

i Das BMU hat im August 2019 einen Entwurf für die


EU-Ökodesign-Richtlinie Novellierung des deutschen Kreislaufwirtschafts-
gesetzes (KrWG) vorgestellt. Das Gesetz setzt auf eine
Die EU-Ökodesign-Richtlinie reguliert die verstärkte Förderung von Kreislaufwirtschaft durch die
umweltgerechte Gestaltung von Produkten. Verschärfung der Recyclingquoten für eine Vielzahl von
Hierzu zählen nicht nur die Energieeffizienz, Wertstoffen. Bei der Novellierung handelt es sich um die
Recyclingfähigkeit und Reparierbarkeit von Umsetzung des Aktionsplans der EU für die Kreislauf-
Produkten, sondern auch die Harmonisierung wirtschaft.
von Produktnormen in den EU-Mitgliedstaa-
ten. Derzeit werden 22 Produktgruppen von Die Kreditanstalt für Wiederaufbau, die Europäische
der Richtlinie reguliert. Alle Produkte dieser Investitionsbank und vier weitere nationale Förderban-
Gruppen müssen den Vorschriften entspre- ken stellen zusammen zehn Milliarden Euro in der Ge-
chen, damit sie in der Europäischen Union meinsamen Initiative für die Kreislaufwirtschaft (Joint
verkauft werden dürfen, selbst wenn sie nicht Initiative on Circular Economy, JICE) bereit. Ziel der
in der EU gefertigt wurden. Die ursprüngliche Initiative ist, Vorzeigeprogramme zur Umsetzung des
Richtlinie stammt aus dem Jahr 2005 und EU-Aktionsplans für die Kreislaufwirtschaft zu fördern
wird alle fünf Jahre mit einem neuen Arbeits- und so zu dessen zügiger Umsetzung beizutragen. Hier-
plan angepasst und überarbeitet. Der nächste für werden Pilotprojekte unterstützt, die zum Beispiel
Arbeitsplan wird von 2020 bis 2024 gelten. Bioplastik aus Lebensmittelabfällen herstellen.
Erstmals werden hierfür die Ökodesign-Richt-
linie und die Energieverbrauchskennzeich-
nung gemeinsam weiterentwickelt. Eine Abbildung 39: Circular-Economy-Konzept
Neuerung erwartet Verbraucher im Bereich
der Energieverbrauchskennzeichnung. Diese
soll ab März 2021 neu skaliert werden, um Rohstoffe Desi
gn
wieder die ursprüngliche Skala von A bis G zu
nutzen. Die Kategorien A+ bis A+++ entfallen.
ing
ycl

Ziel ist, die Anforderungen so zu erhöhen,


Pro
Rec

dukti

dass es 2021 noch keine Produkte der Klasse Restabfall


A geben wird. Die Richtlinie trägt so dazu
on
Sa m m l u

bei, ineffiziente Produkte aus dem Markt zu


drängen. Die Europäische Kommission schätzt,
ng

dass bis 2030 jährlich 38 Terawattstunden an


eb

Strom eingespart werden können, mehr als r


tri

N ut Ve
der Bruttostromverbrauch von Hessen im zu n g
Jahr 2018. Überwacht und umgesetzt wird die
Richtlinie von den Mitgliedstaaten.
Quelle: Europäische Kommission (2014)
46 KLIMASCHUTZ IN ZAHLEN | 3.8 LANDNUTZUNG, LANDNUTZUNGSÄNDERUNG UND FORSTWIRTSCHAFT (LULUCF)

3.8 Landnutzung, Landnutzungs-


änderung und Forstwirtschaft
(LULUCF)
Emissionsentwicklung

Der LULUCF-Sektor umfasst die Treibhauswirkun-


gen, die mit den verschiedenen Arten der Landnut-
zung zusammenhängen. Je nach Nutzung können
entweder Treibhausgase freigesetzt oder gespeichert
werden. Die Emissionsbilanz des Sektors ergibt sich
aus der Differenz der gespeicherten und emittierten
Treibhausgase. Insgesamt wirkt der Sektor LULUCF als
Senke für Treibhausgase und hat in Deutschland im
Jahr 2018 eine Reduzierung der Gesamtemissionen um
26,9 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente bewirkt (Ab-
bildung 40).

Zwischen den Jahren 2000 und 2005 gab es einen deut-


lichen Sprung in der dokumentierten Senkenleistung
(Treibhausgasaufnahmefähigkeit der Natur) des
LULUCF-Sektors. Diese Entwicklung ist auf eine Ände-
rung des Verfahrens zur Ermittlung der Senkenleistung
des Waldes zurückzuführen. Seit dem Jahr 2005 be-
findet sich die Senkenleistung des LULUCF-Sektors auf
einem recht konstanten Niveau. Die Emissionen des
LULUCF-Sektors sind insbesondere auf die Umwand-
lung von Grün- in Ackerland, die landwirtschaftliche
Nutzung von Ackerland und die Trockenlegung von
Mooren zurückzuführen. Die Speicherung (Einbin-
dung) von CO2 erfolgt vor allem durch Wälder (Ab-
bildung 41). Allerdings wird ohne weitere Maßnahmen
zum Klimaschutz ein deutlicher Rückgang dieser
Senkenleistung in den nächsten Jahren prognostiziert.37

Für die Emissionen aus dem LULUCF-Sektor gibt


es sowohl auf nationaler, als auch auf europäischer
Ebene eigenständige Ziele. Das Klimaschutzgesetz
verlangt, dass die Bundesregierung festlegt, welche
Maßnahmen sie zum Erhalt der Netto-Senke bei
Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forst-
wirtschaft ergreifen wird. Die Bundesregierung hat
mit dem Klimaschutzprogramm 2030 entsprechende Handlungsfelder und Maßnahmen
Maßnahmen beschlossen. Auch auf EU-Ebene wird
der LULUCF-Sektor hinsichtlich der Erreichung der Zu den Handlungsfeldern im Sektor LULUCF zählen
langfristigen Klimaziele seit 2018 berücksichtigt der Erhalt und die Verbesserung der Senkenleistung
(siehe auch Kapitel 2.2). von Wäldern, deren nachhaltige Bewirtschaftung,
die Verwendung von Holz vorrangig in langlebigen
Holzprodukten und der Erhalt von Dauergrünland
3.8 LANDNUTZUNG, LANDNUTZUNGSÄNDERUNG UND FORSTWIRTSCHAFT (LULUCF) | KLIMASCHUTZ IN ZAHLEN 47

und Mooren. Die Wiedervernässung entwässerter Die LULUCF-Verordnung der EU macht seit Mai 2018
Moorböden, bodenschonende Bearbeitungsmethoden Vorgaben zum Sektor. Die EU-Mitgliedstaaten müssen
im Ackerbau und der Humusaufbau in degradierten gewährleisten, dass sich in den Zeiträumen von 2021 bis
Ackerböden sind weitere relevante Handlungsfelder. 2025 und von 2026 bis 2030 die nationale Treibhausgas-
Im Klimaschutzprogramm 2030 verankerte Maßnah- bilanz des Sektors gegenüber festgelegten Vergleichs-
men adressieren diese Handlungsfelder. Zudem soll die werten nicht verschlechtert. Mitgliedstaaten können als
Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt sicher- Teil eines Verbuchungssystems miteinander CO2-Abbau-
stellen, dass Wälder mit natürlicher Waldentwicklung werte (Gutschriften und Lastschriften) tauschen. Ab spä-
im Jahr 2020 fünf Prozent der Waldfläche ausmachen. testens 2026 sollen auch bewirtschaftete Feuchtgebiete
Aktuell sind es 2,8 Prozent. in die Verordnung einbezogen werden.

Waldentwicklung in Deutschland Abbildung 42: Kohlenstoffvorrat im Wald


in Deutschland 2017
Rund ein Drittel der Landfläche in Deutschland ist
mit Wäldern bedeckt. Der Wald erfüllt vielfältige
Funktionen für Mensch und Umwelt. Er dient
etwa als Lebensraum für Tiere und Pflanzen sowie Oberirdisch gebundene
als Erholungsraum und Rohstofflieferant für den Kohlenstoffmasse:
1,06 Milliarden Tonnen
Menschen. Der Wald hat als Senke für Treibhaus-
gase zudem eine wichtige Klimaschutzfunktion.

Insgesamt sind 1,23 Milliarden Tonnen Kohlen-


stoff in deutschen Wäldern gebunden. Mit 1,06 Unterirdisch gebundene
Kohlenstoffmasse:
Milliarden Tonnen Kohlenstoff ist der überwie- 0,17 Milliarden Tonnen
gende Teil oberirdisch in Bäumen gespeichert.
Weitere 0,17 Milliarden Tonnen Kohlenstoff Insgesamt sind im Wald in Deutschland 1,23 Milliarden
Tonnen Kohlenstoff gebunden. Das entspricht einer Ab-
speichert das Wurzelwerk (Abbildung 42).
sorption von 4.500 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten.

Die Auswirkungen des Klimawandels stellen eine Quelle: BMEL (2019)


wachsende Gefahr für den Wald dar. Eine Häufung
von Stürmen und Waldbränden, langanhaltenden
Dürreperioden sowie vermehrtem Schädlings- Kubikmeter betrug der Anteil am Gesamteinschlag
befall (Borkenkäfer) haben vor allem in den letzten im Jahr 2018 49 Prozent. Verantwortlich für die
Jahren zu erheblichen Waldschäden geführt. Schäden sind vor allem Wind- und Sturmereignis-
So waren die Jahre 2018 und 2019 zwei Wald- se (58 Prozent) sowie Insektenbefall (35 Prozent).
brand-Extremjahre. Mit 1.708 Bränden und 2.349
Hektar verbrannter Fläche lagen die Werte des Die Bundesregierung strebt an, geschädigte Wälder
Jahres 2018 deutlich über dem langjährigen Mittel schnellstmöglich wieder zu bewalden. Zudem sol-
der Jahre 1997 bis 2017 von 978 Waldbränden und len die Wälder in Deutschland in ihrer Anpassungs-
501 Hektar betroffener Waldfläche pro Jahr. Risiko- fähigkeit an den Klimawandel insgesamt gestärkt
untersuchungen sagen für die kommenden Jahr- werden. So sollen klimaresiliente, leistungsfähige
zehnte ein weiter steigendes Waldbrandrisiko für Mischwälder entstehen. Darüber hinaus ist das Ziel,
Deutschland voraus. Auch das Schadholzaufkom- den Klimaschutz durch Aufforstung, Erhalt und
men hat sich durch die Extremwetterereignisse der nachhaltige Waldbewirtschaftung und eine effi-
letzten Jahre deutlich erhöht. Mit 31,9 Millionen ziente Holzverwendung weiter auszubauen.
48 KLIMASCHUTZ IN ZAHLEN | 4. AUF DEM WEG IN DIE TREIBHAUSGASNEUTRALE GESELLSCHAFT

4. Auf dem Weg in die treibhausgasneutrale


Gesellschaft

Zusammenfassung
Um die Klimaschutzziele aus dem Pariser Abkommen Ein zentraler Schritt für eine treibhausgasneutrale
zu erfüllen, stellt Deutschland die Weichen für den Energieversorgung ist die Beendigung der Kohleverstro-
Weg in eine treibhausgasneutrale Gesellschaft. Dieser mung, die mit einem Strukturwandel in den betroffenen
Wandel ist bereits heute technisch möglich. Es kommt Regionen (Lausitzer Revier, Rheinisches Revier, Mittel-
darauf an, ihn ohne gesellschaftliche und wirtschaft- deutsches Revier) einhergeht. Mit langfristigen Strategien
liche Brüche zu gestalten. Eine wichtige Voraussetzung kann dieser Strukturwandel erfolgreich gestaltet werden.
dafür ist die Schaffung nachhaltiger, klimafreundlicher Mindestens genauso wichtig ist es, den Ausbau der er-
Infrastruktur. neuerbaren Energien konsequent weiter voranzutreiben.

Für die Wirtschaft birgt Klimaschutz Chancen für Neben Klimaschutzmaßnahmen der Bundesregierung
Innovation, Modernisierung und internationalen sind auch Anpassungen des Konsumverhaltens wichtig,
Wettbewerb. Bereits heute sind Umwelt- und Klima- um Treibhausgasemissionen einzusparen. Darüber
technologien (GreenTech) ein bedeutendes Standbein hinaus ist es notwendig, das Finanzsystem so umzu-
der deutschen Industrie und damit Motor für Beschäf- gestalten, dass es mit der Begrenzung der globalen Erd-
tigung in Deutschland. erwärmung auf höchstens 2 °C und möglichst 1,5 °C
kompatibel wird.
4.1 SCHAFFUNG NACHHALTIGER INFRASTRUKTUR | KLIMASCHUTZ IN ZAHLEN 49

aus dem Fonds stammen aus der im Juni 2019 been-


4.1 Schaffung nachhaltiger deten Auktion für die Ausbaurechte der 5G-Frequenz,
Infrastruktur an der sich mehrere Telekommunikationsanbieter
beteiligt hatten.
Eine nachhaltige Infrastruktur ist das Rückgrat für
eine treibhausgasneutrale Wirtschaft und Gesell- Infrastrukturen sind gleichzeitig durch die Aus-
schaft. Mit Infrastruktur sind öffentlich nutzbare, vom wirkungen des Klimawandels beeinträchtigt. Zur
Staat finanzierte Einrichtungen gemeint, die das Funk- Schaffung nachhaltiger Infrastruktur zählen auch
tionieren von Wirtschaft und Gesellschaft ermög- Anpassungsmaßnahmen. Ein Beispiel für die Steige-
lichen. Dazu gehören beispielsweise Verkehrswege rung der Klimaresilienz ist der Umbau von Abwasser-
oder Energienetze. Das neunte Nachhaltigkeitsziel der leitungen. Mit zunehmenden Starkregenfällen müssen
Vereinten Nationen sieht vor, widerstandsfähige Infra- die Siedlungsentwässerungssysteme darauf vorbereitet
strukturen zu schaffen, um eine nachhaltige Entwick- werden, größere Wassermengen aufzunehmen und
lung zu ermöglichen. abzuleiten.

Mit der Verbreitung klimafreundlicher Technologien Die Schaffung nachhaltiger und widerstandsfähiger
verändern sich die Anforderungen an die Infrastruktur. Infrastrukturen erfordert hohe Investitionen des
So erfordert zum Beispiel der starke Ausbau der Wind- Bundes. Die Höhe der Pro-Kopf-Investitionen unter-
energie in Norddeutschland den Ausbau der Übertra- scheidet sich stark, wobei zum Beispiel die Investitio-
gungsnetze, um den Strom über lange Strecken von den nen in das Fernstraßennetz zurzeit höher sind als die
Produktionsgegenden im Norden Deutschlands zu den für das Schienennetz im Fernverkehr (Abbildung 43).
Verbrauchszentren in Mittel- und Süddeutschland zu Die unterschiedlichen Infrastrukturen haben lange
transportieren. Die Bundesregierung hat deshalb eine Investitionszyklen gemeinsam. So werden Ausbauvor-
Novelle des Netzausbaubeschleunigungsgesetzes Über- haben im Stromnetz und im Schienennetz mit vielen
tragungsnetz auf den Weg gebracht, um die Genehmi- Jahren Vorlauf geplant. Deshalb ist es wichtig, dass
gungsverfahren für Netzbauvorhaben zu vereinfachen Klimaschutz bei den ohnehin notwendigen Moderni-
und zu beschleunigen. Das Gesetz trat am 17. Mai 2019 sierungen und bereits geplanten Vorhaben konsequent
in Kraft. Die Verteilnetze, mit denen der Strom zu den mitgedacht wird. Die hohe Relevanz nachhaltiger Inf-
Endkunden transportiert wird, müssen in Zukunft rastrukturen für den Klimaschutz und die langfristigen
klimafreundliche Technologien wie elektrisch betrie- Investitionszyklen zeigen außerdem, wie wichtig klare
bene Wärmepumpen oder Elektroautos versorgen und Zielsetzungen der Bundesregierung sind.
hierfür aus- und umgebaut werden.

Im Bereich Mobilität zählen das Schienennetz, Rad- Abbildung 43: Pro-Kopf-Investitionen in


verkehrswege und Ladesäulen für Elektromobilität zu ausgewählte Infrastrukturen (2017)
wichtigen klimafreundlichen Infrastrukturen. Zu ihrer
Stärkung enthält das Klimaschutzprogramm 2030 ver-
schiedene Maßnahmen (Kapitel 3.4).

Der Einsatz vieler Klimaschutztechnologien wird


erst durch leistungsfähige Informations- und
Kommunikationsinfrastrukturen ermöglicht. Zum
Beispiel kann eine intelligente Steuerung der Strom- 82 64 33
Euro Euro Euro
abnahme nur umgesetzt werden, wenn die nötige
Steuerungselektronik (Smart Meter) und eine leis-
Bundes- Bundes- Übertragungs-
tungsfähige Internetverbindung zur Verfügung stehen. fernstraßen schienenwege netz
Die Bundesregierung strebt eine flächendeckende Ver-
fügbarkeit von Mobilfunk und Internet an. Der Aufbau Quellen: BMVI (2020), Bundesnetzagentur (2020),
Destatis (2020)
soll unter anderem aus dem Sonderfonds für digitale
Infrastruktur finanziert werden. 6,6 Milliarden Euro
50 KLIMASCHUTZ IN ZAHLEN | 4.2 WIRTSCHAFT UND INNOVATION

4.2 Wirtschaft und Innovation Umwelt- und Klimatechnologien (GreenTech) sind


ein wichtiges Standbein der deutschen Industrie. Der
Innovation ist ein zentraler Hebel zur Erreichung deutsche Anteil am globalen Markt für Umwelt- und
der Klimaschutzziele. Die zur Erreichung der inter- Effizienztechnologien ist um das Dreifache größer als
nationalen Klimaziele nötige Transformation ist mit der Anteil an der globalen Wirtschaftsleistung (Abbil-
heute verfügbaren Technologien zu großen Teilen dung 45). Einen besonders großen Anteil am globalen
bereits umsetzbar. Sie benötigt jedoch gezielte Inves- GreenTech-Markt besitzt Deutschland bei der nach-
titionen und erfordert zudem oftmals ein Umdenken. haltigen Mobilität (21 Prozent), der Kreislaufwirtschaft
Die Transformation bietet der Wirtschaft die Möglich- (16 Prozent) sowie der umweltfreundlichen Erzeugung
keit, neue, nachhaltige Wertschöpfungsketten und und Speicherung von Energie (15 Prozent). Dieser
Arbeitsplätze zu schaffen sowie neue Exportmärkte zu deutlich höhere Anteil am Weltmarkt für Umwelt- und
erschließen. Effizienztechnologien als an der globalen Wirtschafts-
leistung unterstreicht die Wichtigkeit des Green-
Die Entkopplung des Wirtschaftswachstums, gemessen Tech-Marktes für die deutsche Wirtschaft. Bis 2025
am Bruttoinlandsprodukt, von den Treibhausgasemis- wird dem deutschen GreenTech-Markt ein jährliches
sionen kann als ein Indikator für das Gelingen dieser Wachstum von bis zu 8,8 Prozent prognostiziert, deut-
Transformation gesehen werden. Deutschland ist hier lich mehr als der deutschen Wirtschaft insgesamt.39
bereits auf einem guten Weg. Die deutsche Wirtschaft Die jährlichen Investitionen in Batteriespeicher ver-
ist seit 1990 um 50 Prozent gewachsen, die Treibhaus- deutlichen diesen Trend: Sie sind zwischen 2013 und
gasemissionen sind im selben Zeitraum jedoch um 2017 um jährlich 48 Prozent gewachsen und betrugen
30 Prozent gefallen (Abbildung 44). Dieser Trend zeigt zuletzt 466 Millionen Euro.40
sich auch bei der Energieproduktivität, die das Verhält-
nis von Bruttoinlandsprodukt und Energieverbrauch Langfristige und gezielte Innovationspolitik stärkt die
misst. Seit 1990 ist die Energieproduktivität um über GreenTech-Branche. Daher organisiert und koordi-
70 Prozent angestiegen.38 niert sich die deutsche Wirtschaft in unterschiedlichen

Abbildung 44: Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Treibhausgasemissionen in Deutschland

200
Index 1990 = 100

150

100

50

1990 2000 2010 2018 2020

Quelle: UBA (2019d)


4.2 WIRTSCHAFT UND INNOVATION | KLIMASCHUTZ IN ZAHLEN 51

Berechnungen für Geschäfts- und Investitionsent-


Abbildung 45: Globale Marktanteile Deutsch-
scheidungen einbezogen wird. Hierdurch werden die
lands (2016)
gesellschaftlichen Kosten von Treibhausgasemissio-
14,0 % 4,6 % nen und Umweltrisiken von Geschäftstätigkeiten und
Investitionsoptionen transparent gemacht. Dieses
Vorgehen ermöglicht Unternehmen, klimakompa-
tible Investitionen effizienter zu identifizieren und
somit zukunftssichere Investitionsentscheidungen zu
treffen.
Markt für Umwelt- und Gesamtwirtschafts-
Effizienztechnologien leistung

Quelle: BMU (2018)

i
Auswirkungen des Klimawandels auf den
Initiativen. Das BMU organisierte zwischen 2017 und deutschen Außenhandel
2020 das Forum „Wirtschaft macht Klimaschutz“. Das
Forum diente dem Vernetzen von Unternehmen bei Die deutsche Wirtschaft ist als Exportwelt-
Fragen des Klimaschutzes. Die „Mittelstandsinitiative meister besonders vom Außenhandel ab-
Energiewende und Klimaschutz“ hebt Energieeinspar- hängig. 2018 hat Deutschland Waren und
potenziale in mittelständischen Betrieben und verbes- Dienstleistungen im Wert von 1,6 Billionen
sert deren Energieeffizienz. Sie ist eine Kooperation des Euro exportiert. Dies entspricht etwa 47 Pro-
Deutschen Industrie- und Handelskammertags e. V., zent des gesamten Bruttoinlandsproduktes.
des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks, des Durch diese starke Exposition ist Deutsch-
BMWi und des BMU. land anfällig gegenüber Klimawandelfolgen
in anderen Weltregionen. Dies kann sich zum
Einige Unternehmen setzen sich auf freiwilliger Basis Beispiel durch eine schwächere Nachfrage nach
Treibhausgaseinsparziele und machen sich damit zu deutschen Produkten im Ausland zeigen, wenn
Vorreitern im Klimaschutz. Ein Beispiel hierfür ist die die lokale Wirtschaft unter den Folgen des
Science Based Targets Initiative, die Unternehmen hilft, Klimawandels leidet oder Wirtschaftskreisläufe
wissenschaftlich fundierte und mit dem Pariser Ab- durch Unwetter unterbrochen werden.
kommen vereinbare Einsparziele zu formulieren. Fast
drei Viertel aller Handwerksbetriebe bewerten Klima- Zudem können Klimawandelfolgen den Export
schutz als wichtig.41 Über 90 Prozent aller Unterneh- von Produkten aus Deutschland erschweren. So
men investieren in Energieeffizienzmaßnahmen und führte etwa die anhaltende Dürre im Sommer
befürworten weitere Klimaschutzmaßnahmen.42 2018 zu einem extrem niedrigen Wasserstand
des Rheins, welches Lieferengpässe bei vielen
Eine Innovation der letzten Jahre ist die interne Firmen verursachte.
Kohlenstoffbepreisung (internal carbon pricing).
Hierbei bestimmt ein Unternehmen einen internen Auch beim Import von Produkten macht sich
Preis für Treibhausgasemissionen, welcher bei allen der Klimawandel bemerkbar. Wenn Extrem-
wetterlagen wie Dürre oder Überflutungen
Ernten zum Beispiel für Kaffee in Übersee
„Die Umwelttechnologien liefern […] zerstören, können hierdurch auch die Verbrau-
Antworten auf die Frage, wie wir den cherpreise in Deutschland ansteigen.43, 44
Grundbedürfnissen einer wachsenden
Zahl von Menschen gerecht werden
können, ohne die ökologischen Grund-
lagen weiter zu zerstören.“ Svenja Schulze,
Bundesumweltministerin
52 KLIMASCHUTZ IN ZAHLEN | 4.3 ARBEITSPLÄTZE UND STRUKTURWANDEL

4.3 Arbeitsplätze Abbildung 46: Arbeitsplätze im Klimaschutz

und Strukturwandel Energetische
Gebäudesanierung
Der Wandel zur treibhausgasneutralen Wirtschaft und
Gesellschaft wird die Art und Weise verändern, wie wir
539.000
leben und wirtschaften. Diese grundlegende Trans- Klimaschutz-
573.000 dienstleistungen
formation birgt Herausforderungen, bietet aber auch
große Chancen.
317.000 Erneuerbare Energien
Klimaschutz schafft Arbeitsplätze und ist Motor für
Beschäftigung in Deutschland. Im Jahr 2017 waren
rund 1,5 Millionen Beschäftigte im Bereich Klima- 85.000
Produktion von Klima-
schutz tätig (Abbildung 46). Insbesondere der Bereich schutzgütern
Energieeffizienz ist ein wichtiger Jobmotor. Investi- Quelle: UBA (2019b)
tionen in die energetische Sanierung von Gebäuden
beschäftigten 2017 etwa 573.000 Menschen in Deutsch-
land. Ebenfalls mehr als eine halbe Million Menschen
waren im Bereich der Klimaschutzdienstleistungen dass die Veränderungen nicht zu Lasten der Lebens-
tätig. Hierzu zählen etwa Unternehmensdienstleister verhältnisse gehen. Um diesen Wandel positiv voran-
wie Architekten oder Ingenieure, die Anlagen zur Nut- zutreiben, hat die Bundesregierung dem Gesetzgeber
zung erneuerbarer Energien planen. Die Erneuerba- neben dem Kohleausstiegsgesetz das Strukturstärkungs-
re-Energien-Branche beschäftigte 317.000 Menschen. gesetz Kohleregionen vorgelegt. Es setzt die strukturpoli-
Hinzu kamen 85.000 Arbeitsplätze in der Produktion tischen Empfehlungen der Kommission für Wachstum,
von Klimaschutzgütern. Strukturwandel und Beschäftigung um. Das Struktur-
stärkungsgesetz sieht finanzielle Unterstützung für die
Insgesamt werden sich Klimaschutzmaßnahmen auch drei großen deutschen Kohlereviere sowie für struktur-
weiterhin nachhaltig positiv auf die Beschäftigung aus- schwache Gemeinden vor, für die der Steinkohlesektor
wirken. Sie führen bis zum Jahr 2030 voraussichtlich zu eine erhebliche wirtschaftliche Relevanz besitzt.
einem zusätzlichen Bedarf von 307.000 bis 427.000 Be-
schäftigten.45 Deutliche Beschäftigungszuwächse sind
unter anderem in den Bereichen Handel und sonstige Entwicklungskonzepte der Struktur-
Dienstleistungen sowie Bau- und Ausbaugewerbe zu
wandelregionen
erwarten. Beschäftigungsrückgänge werden hingegen
in der Braunkohleindustrie (Bergbau und Kraftwerke) Voraussetzung für einen gelingenden Strukturwan-
prognostiziert. Bei der Automobilherstellung ist mit del in betroffenen Regionen ist ein jeweils eigenstän-
deutlichen Verschiebungen zu rechnen. Beschäfti- diges regionales Entwicklungskonzept. Als Orientie-
gungsrückgängen in der konventionellen Pkw-Pro- rung für diesen positiven Wandel wurden für die drei
duktion stehen Zuwächse in der Herstellung von Pkw deutschen Kohlereviere Lausitzer Revier, Rheinisches
mit alternativen Antrieben gegenüber. Zuwächse in der Revier und Mitteldeutsches Revier (Abbildung 47) Leit-
Automobilbranche ergeben sich auch bei der Entwick- bilder entworfen, die im Folgenden vorgestellt werden.
lung und Herstellung neuer Komponenten (zum Bei- Die Leitbilder wurden in Abstimmung zwischen den
spiel Elektromotoren, Batterien und Steuerelektronik). betroffenen Ländern und Akteuren sowie dem Bund
erarbeitet. Ziel der Konzepte ist, die Reviere zu attrakti-
Der Kohleausstieg wird die Beschäftigung in einzelnen ven und zukunftsgerichteten Wirtschaftsregionen mit
Regionen verändern. Das Ende der Stromerzeugung neuen Wertschöpfungsketten weiterzuentwickeln.
aus Kohleverbrennung ist ein zentraler Bestandteil der
Energiewende und des Wandels auf dem Weg zur Treib- Grundlage für die Steigerung der Innovations- und
hausgasneutralität. In den betroffenen Regionen wird Wettbewerbsfähigkeit der Region sind die Ansiedlung
dies zu einem Strukturwandel führen. Wichtig ist dabei, von Unternehmen und hoch qualifizierten Fach-
4.3 ARBEITSPLÄTZE UND STRUKTURWANDEL | KLIMASCHUTZ IN ZAHLEN 53

kräften sowie der Ausbau tragender Infrastrukturen. Rheinisches Revier


Einen Impuls in diese Richtung gibt das im November Als Europäische Modellregion für Energieversorgungs-
2019 in Cottbus neu eröffnete Kompetenzzentrum und Ressourcensicherheit setzt das Rheinische Zu-
Klimaschutz in energieintensiven Industrien, welches kunftsrevier auf die nachhaltige Weiterentwicklung der
Unternehmen zu Fragen rund um das Thema Klima- industriellen Wertschöpfungsketten im Rheinischen
schutz und treibhausgasneutrale Produktion berät und Revier.
vernetzt sowie das BMU-Förderprogramm „Dekarboni-
sierung in der Industrie“ umsetzt. Das Rheinische Revier soll eine wegweisende Kultur
für Gründung und Wachstum durch systematischen
Lausitzer Revier Wissens- und Technologietransfer entwickeln (Inno-
Das Lausitzer Revier ist eine in Mitteleuropa gelegene vation Valley Rheinland). Ausgründungen aus Hoch-
Energieregion mit einer besonderen historisch ge- schulen und wissenschaftlichen Einrichtungen führen
wachsenen Bedeutung der Braunkohlewirtschaft. Im zu neuen Ansiedlungen im Revier und schaffen so
Rahmen der Weiterentwicklung des Reviers sollen Impulse für Innovation und Bildung.
hochwertige Industrie- und Dienstleistungsarbeits-
plätze in Wissenschaft und Forschung, bei bestehenden Mitteldeutsches Revier
und neuen Unternehmen und bei neu anzusiedelnden Das Mitteldeutsche Revier soll künftig als attraktiver
Behörden das Revier in seiner Wertschöpfung stärken. Wirtschaftsstandort und zentraler Industriestandort
der Metropolregion Leipzig/Halle internationales Vor-
Eine besondere Bedeutung kommt dabei der zügigen, bild für eine Transformation hin zu einer nachhaltigen
raumwirksamen Vernetzung des gesamten Reviers mit Industriegesellschaft sein. Die Chemie- und Energie-
den Metropolen Berlin, Leipzig und Dresden sowie den wirtschaft sind strukturprägend und zentrales Stand-
regionsinternen Zentren zu. Über die Verbindungsach- bein. Die Entwicklung einer weitgehend treibhausgas-
sen Dresden–Görlitz–Breslau sowie Berlin–Cottbus– neutralen Energieversorgung und die Förderung der
Weißwasser–Görlitz soll eine Anknüpfung an überge- Circular Economy sind Motor für neue Wertschöp-
ordnete europäische Verbindungskorridore geschaffen fungspotenziale und Industriearbeitsplätze.
werden.
Aufgrund seiner zentralen Lage bietet das Mitteldeut-
Um die regionale Wertschöpfung zu sichern und zu sche Revier zudem ideale Voraussetzungen für den
steigern, soll an bestehende Kompetenzen angeknüpft weiteren Ausbau als europäischer Logistikhub. Mit
werden. Regionale Wirtschaftsschwerpunkte sind hier- bereits ansässigen, führenden internationalen Mobili-
bei der Energiesektor, Kreislaufwirtschaft, Mobilität, tätsunternehmen und Zulieferern wird rund um die
Bioökonomie, Ressourceneffizienz, Gesundheit und Logistikdrehscheibe Leipzig/Halle an der Mobilität der
Tourismus sowie die Halbleiter-, Chemie-, Glas-, Me- Zukunft geforscht, entwickelt und gebaut.
tall-, Maschinenbau- und die multisektorale Textil- und
Kunststoffindustrie. Weiterhin soll Mitteldeutschland Vorreiter der Digita-
lisierung werden. Als Wissens-, Forschungs-, Transfer-
und Bildungsregion verfügt das Mitteldeutsche Revier
Abbildung 47: Kohlereviere in Deutschland hierfür über ideale Voraussetzungen. Mit den Hoch-
schulen sowie den außeruniversitären Forschungs- und
Bildungseinrichtungen im Revier existiert ein hohes
Berlin
Mittel- Lausitzer Zukunftspotenzial.
deutsches Revier
Revier Cottbus
Rheinisches Halle
Revier
Dresden
Köln Leipzig
Aachen

Quelle: Eigene Darstellung


54 KLIMASCHUTZ IN ZAHLEN | 4.4 NACHHALTIGER KONSUM

4.4 Nachhaltiger Konsum Abbildung 48: Durchschnittliche jährliche


Konsum ist ein Hebel für den Klimaschutz. Für 68 Pro- Treibhausgasbilanz eines Einwohners in
zent der Bevölkerung in Deutschland zählt der Um- Deutschland in CO2-Äquivalenten
welt- und Klimaschutz zu den drängendsten Problemen
der Gesellschaft. Die Mehrheit der Bürger befürwortet 0,68 t Flugreisen
0,73 t Öffentliche Emissionen*
politische Maßnahmen, um Umwelt und Klima zu
0,76 t Strom
schützen. Im Jahr 2019 forderten zudem große Teile der 1,50 t Mobilität
Öffentlichkeit und insbesondere viele junge Menschen ohne Flugreisen
weitreichende Schritte für den Klimaschutz. Gesamt 1,64 t Heizung
11,61 t
Immer mehr Menschen erkennen, dass sie auch durch 1,74 t Ernährung
ihr persönliches Konsumverhalten zum Klimaschutz
beitragen können. Die jährlichen Treibhausgasemissi-
4,56 t Sonstiger Konsum**
onen pro Kopf in Deutschland liegen bei 11,61 Tonnen
CO2-Äquivalenten und sind damit fast doppelt so hoch
wie der globale Durchschnitt (6,66 Tonnen CO2-Äqui-
valente ). Etwa 20 Prozent der Pro-Kopf-Emissionen
in Deutschland entfallen jeweils auf die Energiever- *Zum Beispiel Wasserver- und -entsorgung, Abfall-
beseitigung
sorgung und die Mobilität, inklusive Flugreisen. Aber
auch die Ernährung trägt etwa 15 Prozent zu den **Zum Beispiel Bekleidung, Haushaltsgeräte und
Freizeitaktivitäten
Pro-Kopf-Emissionen in Deutschland bei. Fast 40 Pro-
zent der Emissionen entfallen auf sonstigen Konsum, Quelle: UBA (2020d)
wozu etwa Bekleidung und Freizeitaktivitäten zählen
(Abbildung 48).

Bürgerinnen und Bürger können durch ihre Kon- werden und kurze Transportwege zurücklegen. Dies
sumentscheidungen Einfluss auf ihre persönlichen trifft zum Beispiel auf regionale und saisonale Lebens-
Pro-Kopf-Emissionen nehmen. Zum Beispiel können mittel zu. Wie eine solche gesunde und klimafreund-
Treibhausgasemissionen durch die Nutzung von Öko- liche Ernährung aussieht, zeigt zum Beispiel die von
strom und Verringerung des Energieverbrauchs durch Wissenschaftlern entworfene Planetary Health Diet.
Energieeinsparmaßnahmen reduziert werden. Hier- Der vorgeschlagene Ernährungsplan schützt gleicher-
bei ist es wichtig, dem sogenannten „Rebound-Effekt“ maßen die Gesundheit des Menschen und des Plane-
aktiv entgegenzuwirken. Dieser beschreibt den Mehr- ten und zeigt auf, wie es möglich wäre, bis zum Jahr
verbrauch einer Ressource trotz effizienterer Nutzung. 2050 etwa zehn Milliarden Menschen auf der Erde
Zum Beispiel kann ein neuer, größerer Fernseher zwar gesund zu ernähren.
deutlich effizienter als das alte Modell sein, durch seine
Größe und möglicherweise verstärkte Nutzung aber Die Bundesregierung gibt Tipps für eine nachhaltige
insgesamt mehr Strom verbrauchen. Lebensweise. Dies geschieht zum Beispiel im Rahmen
des Nationalen Programms für Nachhaltigen Konsum,
Auch die Ernährung hat Einfluss auf die Pro-Kopf- welches seit 2016 den politischen Rahmen beschreibt,
Emissionen. Die Klimabilanz von Nahrungsmitteln Handlungsfelder identifiziert und Lösungskonzepte
fällt sehr unterschiedlich aus (Abbildung 49). Viele erarbeitet, um nachhaltigen Konsum von der Nische in
tierische Produkte wie Fleisch und Käse weisen im die Gesellschaft zu bringen. Hierfür richtete das Um-
Durchschnitt eine hohe Treibhausgasbilanz auf. Aber weltbundesamt zum Beispiel das Informationsportal
auch Gemüse aus beheizten Gewächshäusern oder „Umwelttipps für den Alltag“ ein.
regionales, über viele Monate gekühltes Obst kann
eine relativ hohe Treibhausgasbilanz haben. Es hat Die Bundesregierung trägt durch ihre Konsultations-
daher einen positiven Effekt, möglichst Nahrungs- prozesse dazu bei, die Meinungs- und Ideenvielfalt in
mittel zu konsumieren, die klimaschonend angebaut den politischen Prozess einfließen zu lassen.
4.4 NACHHALTIGER KONSUM | KLIMASCHUTZ IN ZAHLEN 55

Abb. 42:

Abbildung 49: Klimabilanz von ausgewählten Nahrungsmitteln in Deutschland

CO2-Fußabdruck (Kilogramm CO2-Äquivalente pro Kilogramm Lebensmittel)


0 2 4 6 8 10 12 14
Rindfleisch 13,6
Käse 5,7
Hähnchenfleisch 5,5
Schweinefleisch 4,6
Reis 3,1
Eier 3,0
Tomaten aus beheiztem Gewächshaus in Deutschland 2,9
Milch 1,4
Tofu 1,0
Tomaten* 0,8
Nudeln 0,7
Bananen 0,6
Brot, Mischbrot 0,6
Äpfel* 0,3
Hafermilch (Milchersatz) 0,3
Kartoffeln 0,2

Quelle: ifeu (2020) *Jahresdurchschnitt gemäß deutschem Verbrauch

Globaler Umweltbericht Zudem tragen Konsum- und Produktionsmuster


deutscher Bürger weiter zur Verschärfung von
Im März 2019 wurde der 6. Globale Umwelt- Umweltproblemen im Ausland bei. Ein Beispiel
bericht veröffentlicht und auf der 4. Umwelt- hierfür ist die Herstellung deutscher Import-
versammlung der Vereinten Nationen in Nairobi güter, bei der im Jahr 2015 797 Millionen Tonnen
vorgestellt. Der Bericht zieht eine Bilanz der CO2-Äquivalente emittiert wurden.46
globalen Umweltpolitik. Er betont, dass die Ziele
des Pariser Abkommens und die Nachhaltig- Auch das schnelle Wachstum von Siedlungs- und
keitsziele der Agenda 2030 übereinstimmen Verkehrsflächen hat indirekte globale Auswir-
müssen. kungen, da es zum Rückgang der Grünland-
nutzung und Biodiversität führt. Der Bericht
Zum ersten Mal enthält der Bericht regionale empfiehlt der Bundesregierung, bestehende
Analysen und somit auch eine Analyse zu den Im- Politikinstrumente konsequenter und ressort-
plikationen für Deutschland. Die Analyse kommt übergreifend zu nutzen und mit partizipativen
zu dem Schluss, dass trotz erheblicher Anstren- Elementen zu verknüpfen, um die Bürger für
gungen in der Umweltpolitik auch in Deutsch- eine nachhaltige Klimapolitik zu gewinnen.
land zahlreiche Umweltprobleme noch nicht Ferner wird empfohlen, die Maßnahmen regel-
gelöst sind. Dies zeigt sich zum Beispiel an der mäßig auf Basis gemachter Erfahrungen zu
Stagnation der Emissionen und dem anhaltend evaluieren und das Design an sich wandelnde
hohen Verbrauch von natürlichen Ressourcen. Rahmenbedingungen anzupassen.
56 KLIMASCHUTZ IN ZAHLEN | 4.5 NACHHALTIGE INVESTITIONEN

4.5 Nachhaltige Investitionen Zu den Herausforderungen eines nachhaltigen Finanz-


wesens zählt unter anderem, die Transparenz von
Das Pariser Abkommen fordert eine klimagerechte Finanzprodukten in Bezug auf ihre Klimawirkung zu
Ausrichtung der weltweiten Finanzströme. Insti- erhöhen. Dies wurde durch das Pariser Abkommen an-
tutionelle und private Anleger investieren weiterhin gestoßen. Für mehr Transparenz bezüglich Klimarisi-
überwiegend in Unternehmen, deren Geschäftsmodelle ken setzt sich seit Ende 2015 auf internationaler Ebene
nicht kompatibel mit den internationalen Klimazielen die Task Force on Climate-related Financial Disclosures
sind. Beispiele hierfür sind Kohle-, Öl- und Gasunter- ein. Diese Taskforce erarbeitet freiwillige Richtlinien,
nehmen, aber auch Zementhersteller und Automobil- mit Hilfe derer Firmen über ihre langfristigen Klima-
unternehmen, die bislang keine emissionsarmen risiken gegenüber Aktionären, Investoren und Versi-
Geschäftsmodelle entwickeln. Um die Ziele des Pariser cherern berichten können.
Abkommens zu erreichen, müssen allerdings min-
destens zwei Drittel der weltweit bekannten fossilen Die Europäische Kommission hat im Mai 2018 ihren
Reserven ungenutzt bleiben. Aktionsplan für ein nachhaltiges Finanzwesen vor-
gestellt. Der Aktionsplan besteht aus einem weitrei-
In Anbetracht der politischen Zielsetzung werden diese chenden Maßnahmenpaket, das auch in Deutschland
Investitionen zunehmend zu transitorischen Risiken. Anwendung finden wird. So sollen unter anderem
Denn durch die Umsetzung von klimapolitischen Maß- Vermögensverwalter wie Pensionsfonds, Versiche-
nahmen können fossile Vermögenswerte schlagartig rungen und Banken dazu verpflichtet werden, zu
entwertet werden, man spricht hier auch von „stranded berichten, auf welche Weise sie Klimarisiken in ihren
assets“. Bei einer sehr abrupten Entwertung solcher Anlagen berücksichtigen. Zusätzlich werden Anlage-
Vermögenswerte kann es im schlimmsten Fall zu einer berater in Zukunft ihre Kunden fragen müssen, ob sie
Finanzkrise kommen.

Der Klimawandel bedroht viele Wirtschaftsbereiche, Abbildung 50: Anteil nachhaltiger Finanzpro-
darunter auch den Finanzsektor. Dieser ist in seiner dukte am gesamten deutschen Anlagevolumen
Funktion als Geldgeber mit allen Sektoren verbunden.
Klimawandelfolgen, wie die Häufung von extremen 2.908 2.817
3.000
Milliarden Euro

Wetterereignissen, verursachen bereits heute jedes Jahr 2.725


wirtschaftliche Verluste in Milliardenhöhe, man spricht 2.532
hier von physischen Risiken. Sie werden vom Finanz- 2.500
system bisher allerdings nur ungenügend berücksich-
tigt. Daher ist es notwendig, diese langfristigen Risiken
2.000
systematisch und frühzeitig zu identifizieren und
Maßnahmen zur Minderung und Vermeidung dieser
Risiken zu ergreifen. 1.500

Zu diesen Maßnahmen zählen zum Beispiel der Abzug 1.000


von Kapital aus Unternehmen, deren Geschäftsmodelle
auf der Bereitstellung und Nutzung fossiler Energie-
träger beruhen (Divestment), und das Investieren in 500
2,7 % 2,8 % 3,1 % 4,5 %
andere klimakompatible Unternehmen. Das BMU
unterstützt zum Beispiel durch sein Projekt „Klima- 0
freundlich Investieren – Kommunales Divestment und
Re-Investment“ Städte und Kommunen dabei, ihre 2015 2016 2017 2018
Gelder und Rückstellungen nachhaltig zu investieren. Konventionelles Anlagevolumen
Eine weitere Maßnahme ist das aktive Beeinflussen von Nachhaltiges Anlagevolumen
Firmen hin zu der Entwicklung einer unternehmens-
eigenen Klimastrategie (Engagement). Quellen: FNG (2019), BVI (2019)
4.5 NACHHALTIGE INVESTITIONEN | KLIMASCHUTZ IN ZAHLEN 57

die sogenannten Umwelt-, Sozial- und Governance- „Die Risiken für die Finanzstabilität
risiken (Environmental, Social and Governance risks; werden minimiert, wenn der Übergang zu
ESG-Risiken) bei ihren Anlagen berücksichtigen einer 2-Grad-Welt früh beginnt und einem
möchten. Als weiteren Teil des Aktionsplans hat die vorhersehbaren Pfad folgt, sodass der
Europäische Kommission in einer speziellen Arbeits- Markt den Übergang antizipieren kann.“
gruppe (Technical Expert Group) eine europaweite Mark Carney, Gouverneur der Bank of England,
Klassifizierung von Klimakriterien für Investitionen UN-Sondergesandter für Klimaschutz und Finanzen
und Anlagen erarbeitet (Taxonomie-Verordnung). Die-
se Klassifizierung wurde zuerst für Klima- und Um-
weltkriterien erarbeitet und soll zukünftig auf weitere Für die Umsetzung von klimapolitischen Maßnahmen
Nachhaltigkeitskriterien, wie Sozial- und Governan- werden die europaweit nötigen Investitionen bis 2030
ce-Kriterien, ausgeweitet werden. Die Taxonomie auf 180 bis 270 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt.
ermöglicht somit, umweltfreundliche und nachhalti- Wenn Klima- und Nachhaltigkeitsrisiken in Investiti-
ge Anlagen zu identifizieren. Mit Vorlage der Taxono- onsentscheidungen einbezogen werden, kann das dazu
mie und des Abschlussberichts der Technical Expert beitragen, private Mittel für diese Finanzierungslücke
Group plant die Europäische Kommission die Schaf- zu mobilisieren.
fung einer Plattform für nachhaltige Finanzen (EU
Platform on Sustainable Finance). Die Plattform soll Der Anteil des nachhaltigen Anlagevolumens an den
die fortwährende Weiterentwicklung der Taxonomie Gesamtinvestitionen in Deutschland ist in den letzten
betreuen. Im Oktober 2019 initiierte die Europäische Jahren stetig gewachsen (Abbildung 50). Ausgehend
Kommission zudem die Internationale Plattform für von einem Anteil von 2,7 Prozent im Jahr 2015 ist
ein nachhaltiges Finanzwesen (International platform das nachhaltige Anlagevolumen bis zum Jahr 2018
on sustainable finance, IPSF). Beteiligte Länder sind um 64,5 Milliarden Euro auf 4,5 Prozent des Gesamt-
unter anderem Argentinien, China, Indien, Kanada anlagevolumens angestiegen. Dieser Anstieg ist ein In-
und Kenia. Das Ziel der IPSF ist, internationale Ko- diz für das wachsende Interesse am Thema nachhaltige
operation, Initiativen und Standardisierungen für ein Geldanlage, sowohl bei institutionellen als auch vielen
nachhaltiges Finanzwesen zu koordinieren. Privatanlegern. Es wird jedoch auch deutlich, dass der
Anteil nachhaltiger Geldanlagen aktuell noch sehr
Als Teil des Green Deals hat die Europäische Kommis- niedrig ist und weiterhin erheblicher Handlungsbedarf
sion auch eine erneuerte Strategie für ein nachhaltiges besteht. Dies gilt sowohl für die Identifizierung von
Finanzwesen angekündigt, welche den bestehenden nachhaltigen Finanzprodukten als auch für die Um-
Rechtsrahmen weiterentwickeln soll. Hierbei wird leitung von Finanzströmen hin zu klimakompatiblen
es sich um ein neues Gesetzespaket ähnlich dem des Anlagemöglichkeiten. Bei beiden Aspekten kann die
ersten Aktionsplans handeln. Taxonomie-Verordnung eine bedeutende Rolle spielen.

Die Bundesregierung möchte Deutschland zu einem


führenden Sustainable-Finance-Standort machen.
Der eigens hierfür gegründete Beirat für Sustainable
Finance berät die Bundesregierung bei der Umsetzung
ihrer Sustainable Finance-Strategie. Der Beirat setzt
sich aus Vertretern aus Finanz- und Realwirtschaft,
Wissenschaft und Zivilgesellschaft sowie aus verschie-
denen Bundesressorts zusammen. Die Umsetzung der
Sustainable Finance-Strategie ist Teil des Klimaschutz-
programms 2030 der Bundesregierung. Weitere Maß-
nahmen sind die geplante Ausgabe grüner Bundes-
wertpapiere sowie die Weiterentwicklung der KfW zu
einer transformativen Förderbank.
58 KLIMASCHUTZ IN ZAHLEN | 5. GLOSSAR

5. Glossar Eis-Albedo-Rückkopplung
Wechselwirkung zwischen schnee- und eisbe-
deckter Erdoberfläche mit hohem Rückstrahl-
Bruttostromverbrauch
vermögen und globalem Klima. Schwinden die
Summe der gesamten inländischen Stromerzeu-
das Sonnenlicht reflektierenden schnee- und
gung und der Stromflüsse aus dem Ausland,
eisbedeckten Oberflächen, erhöht sich die Ab-
abzüglich der Stromflüsse ins Ausland.
sorption von Sonnenenergie. Dies erhöht die
Erderwärmung weiter.
Carbon Leakage
Als Folge zusätzlicher Kosten durch den Emis-
Endenergie
sionshandel wird industrielle Produktion in
Teil der Primärenergie, die den Verbraucher nach
Länder verlagert, in denen keine oder geringere
Abzug von Übertragungs- und Umwandlungsver-
Klimaschutzauflagen gelten. Damit verbundene
lusten erreicht, zum Beispiel Fernwärme, Strom,
(Klimagas-)Emissionen werden dabei ebenfalls
Benzin, Heizöl, Erdgas, Biogas und Wasserstoff.
ausgelagert.

Energieproduktivität
Circular Economy (Kreislaufwirtschaft)
Verhältnis der volkswirtschaftlichen Gesamtleis-
Produktions- und Verbrauchsmodell, bei dem
tung zur aufgewendeten Energie (Kehrwert der
Ressourcen so nachhaltig und effizient wie
Energieintensität).
möglich genutzt werden. Dies geschieht durch
das Schließen von Energie- und Materialkreisen
und durch Maßnahmen zur Verlängerung der Externe Umweltkosten
Nutzungszyklen. Kosten (insbesondere von Umweltschäden), die
bei der Produktion von Wirtschaftsgütern ent-
stehen, aber nicht vom Produzenten getragen
CO2-Äquivalente werden.
Einheit für das Treibhauspotenzial eines Gases.
CO2-Äquivalente geben an, welche Menge eines
Gases in einem Betrachtungszeitraum von 100 F-Gase
Jahren die gleiche Treibhauswirkung entfalten Fluorierte Treibhausgase (HFKW, FKW, SF6 und
würde wie CO2. NF3), die als Kältemittel in Kälte- und Klima-
anlagen, als Treibgas in Sprays, als Treibmittel in
Schäumen und Dämmstoffen und als Feuerlösch-
Effort Sharing mittel eingesetzt werden.
Effort Sharing zielt auf eine gerechte Lasten-
teilung bei der Reduktion von Treibhausgasen in
der europäischen Klimapolitik ab und teilt jedem Fossile Brennstoffe
einzelnen Mitgliedstaat jährlich eine Emissions- Energierohstoffe, die in Millionen Jahren aus Bio-
Gesamtmenge zu, welche sich auf Grundlage masse entstanden sind und aus unterschiedlich
des Pro-Kopf-Einkommens des Mitgliedstaats langen Kohlenstoffverbindungen bestehen: Öle,
berechnet. Kohlen, Gase.

GreenTech-Branche
Wirtschaftszweige, die umweltschonende, nach-
haltige, ressourcen- und energiesparende Techno-
logien, Dienstleistungen und Produkte anbieten.
5. GLOSSAR | KLIMASCHUTZ IN ZAHLEN 59

Kipp-Punkt Primärenergie
Grenzwert, nach dessen Überschreitung zuvor Rechnerisch nutzbarer Energiegehalt eines natür-
geltende konstante klimatische Zusammenhänge lich vorkommenden Energieträgers, bevor er in
nicht mehr auf das Klimasystem zutreffen. Die bis eine andere Energieform umgewandelt wird.
zum Kipp-Punkt beobachtete Entwicklung wird
abrupt umgelenkt oder beschleunigt.
Quellprinzip
Zuordnung von Emissionen zum Entstehungsort.
Klimawirksamkeit
Grad der Klimaschädlichkeit von einem Molekül
eines Treibhausgases. Die Klimawirksamkeit von Senke
Kohlendioxid dient als Richtgröße, anhand derer Eine Senke (auch Kohlenstoffsenke) ist ein Reser-
die Klimawirksamkeit anderer Treibhausgase voir, das zeitweilig oder dauerhaft Kohlenstoff
definiert wird. Die Klimawirksamkeit eines Mole- aufnimmt und speichert. Bedeutende Senken
küls wird in CO2-Äquivalenten ausgedrückt. sind Wälder und Ozeane.

Kryosphäre Treibhausgasneutralität
Gesamtheit aller Schnee- und Eisformen (außer Wird erreicht, wenn die Summe des menschen-
Eis in den Wolken), welche sich im Klimasystem gemachten Treibhausgasausstoßes (zum Beispiel
der Erde befinden. durch Verbrennung von Brennstoffen) und der
Treibhausgasabsorption (zum Beispiel durch
natürliche Senken, zukünftige Technologien) von
NECP menschengemachten Treibhausgasemissionen
Im Rahmen ihrer Nationalen Energie- und null ergibt.
Klimapläne (NECPs) müssen EU-Mitgliedstaaten
ihre Ziele, Politiken und Maßnahmen in den Be-
reichen Klima und Energie auf integrierte Weise Verkehrsleistung
planen und der Europäischen Kommission hierzu Die Verkehrsleistung ergibt sich, wenn die Fahr-
für einen zehnjährigen Zeitraum Auskunft geben. leistung mit der Zahl der beförderten Personen
multipliziert wird. Sie wird im Personenverkehr
in Personenkilometern (pkm) und im Güterver-
Plug-in-Hybrid kehr in Tonnenkilometern (tkm) gemessen. Ein
Fahrzeug mit Hybridantrieb (Elektromotor und Synonym für Verkehrsleistung ist Verkehrsauf-
Verbrennungsmotor), dessen Batterie über einen wand.
Anschluss an das Stromnetz oder über den Ver-
brennungsmotor geladen werden kann.

Power-to-X (PtX)
Um günstig erzeugten erneuerbaren Strom
langfristig zu speichern und in anderen Sekto-
ren nutzbar zu machen, werden zunehmend
verschiedene Technologien zur Umwandlung
von Strom in andere Energieträger genutzt
(Power-to-X). Der Strom wird hierbei – unter Ein-
satz von zusätzlichem Strom – in Wasserstoff und
Methan (Power-to-Gas) oder in flüssige Kraft-
und Rohstoffe (Power-to-Liquid) umgewandelt.
60 KLIMASCHUTZ IN ZAHLEN | 6. ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

6. Abkürzungsverzeichnis
APA Aktionsplan Anpassung
BMEL Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft
BMU Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit
BMWi Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
BMZ Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
C Kohlenstoff
CaCO3 Kalziumkarbonat
CH4 Methan
CO2 Kohlendioxid
COP Weltklimakonferenzen (Englisch: Conferences of the Parties)
DAS Deutsche Anpassungsstrategie an den Klimawandel
DWD Deutscher Wetterdienst
EDGAR Emissionsdatenbank für die globale atmosphärische Forschung (Englisch: Emission Database for
Global Atmospheric Research)
EEG Erneuerbare-Energien-Gesetz
EIB Europäische Investitionsbank
EK Energiekonzept
EU Europäische Union
EU-ETS Emissionshandel der Europäischen Union (Englisch: European Union Emissions Trading Scheme)
EU28 28 Mitgliedstaaten der Europäischen Union
Fe Eisen
Fe2O3 Hämatit (Eisen(III)-oxid), Eisenerz
Fe3O4 Magnetit (Eisen(II, III)-oxid), Eisenerz
F-Gase Fluorierte Treibhausgase
FKW Perfluorierte Kohlenwasserstoffe
GAP Gemeinsame Agrarpolitik
HFKW Wasserstoffhaltige Fluorkohlenwasserstoffe
IKI Internationale Klimaschutzinitiative
IKT Informations- und Kommunikationstechnologien
IPCC Weltklimarat (Englisch: Intergovernmental Panel on Climate Change)
KEI Kompetenzzentrum Klimaschutz in energieintensiven Industrien
KfW Kreditanstalt für Wiederaufbau
KfZ Kraftfahrzeug
KLiVO Klimavorsorgeportal
KSG Bundes-Klimaschutzgesetz
KSPr 2030 Klimaschutzprogramm 2030
KWK Kraft-Wärme-Kopplung
LED Licht emittierende Diode
Lkw Lastkraftwagen
LULUCF Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft (Englisch: Land Use, Land-Use Change
and Forestry)
NDCs National festgelegte Beiträge (Englisch: Nationally Determined Contributions)
NECP Nationaler Energie- und Klimaplan (Englisch: National Energy and Climate Plan)
NF3 Stickstofftrifluorid
NKI Nationale Klimaschutzinitiative
N2O Lachgas (Distickstoffoxid)
ÖPNV Öffentlicher Personennahverkehr
Pkw Personenkraftwagen
6. ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS | KLIMASCHUTZ IN ZAHLEN 61

REDD+ Mechanismus zur Reduzierung von Emissionen aus Entwaldung und zerstörerischer Waldnutzung
(Englisch: Reducing Emissions from Deforestation and Forest Degradation)
SDG Nachhaltigkeitsziel (Englisch: Sustainable Development Goal)
SF6 Schwefelhexafluorid
UBA Umweltbundesamt
UN Vereinte Nationen (Englisch: United Nations)
UNFCCC Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (Englisch: United Nations Framework
Convention on Climate Change)
WLTP Genormtes, weltweites Prüfverfahren für die Typzulassung neuer Pkw (Englisch: Worldwide
Harmonized Light Duty Text Procedure)
62 KLIMASCHUTZ IN ZAHLEN | 7. ENDNOTEN

7. Endnoten
1. UBA (2019c)
2. IPCC (2018)
3. IPCC (2019a)
4. IPCC (2019b)
5. PIK (2020)
6. UBA (2008)
7. UBA (2020f)
8. Germanwatch (2020)
9. Bundesregierung (2020)
10. Bundesregierung (2008)
11. UN Environment Programme (2019)
12. EEA (2019a)
13. EEA (2019a)
14. EEX (2020)
15. EEA (2019a)
16. AG Energiebilanzen (2019)
17. UBA (2020i)
18. Öko-Institut, Fraunhofer ISI, IREES GmbH (2020)
19. Prognos AG, Fraunhofer ISI, GWS, iinas (2020)
20. energate-messanger (2019)
21. Prognos AG (2019)
22. BMEL (2019b)
23. Deutschland in Zahlen (2020)
24. UBA (2020g)
25. ICCT (2019)
26. BMU (2019a)
27. BMVI (2020c)
28. Destatis (2020a)
29. dena (2019a)
30. EEA (2019b)
31. Initiative Deutschland-Takt (2020)
32. Bundesregierung (2019b)
33. Bundesregierung (2019c)
34. UBA (2020g)
35. UBA (2019d)
36. dena (2019b)
37. BMU (2018)
38. UBA (2020h)
39. BMU (2018)
40. DIW (2019)
41. ZDH (2019)
42. DIHK (2019)
43. UBA (2019e)
44. BMWi (2019)
45. BMU (2019b)
46. Destatis (2020b)
8. LITERATURVERZEICHNIS | KLIMASCHUTZ IN ZAHLEN 63

8. Literaturverzeichnis
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64 KLIMASCHUTZ IN ZAHLEN | 8. LITERATURVERZEICHNIS

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ZDH (2019): Internetumfrage: Klimaschutz im Handwerk. www.zdh.de
9. DATENANHANG | KLIMASCHUTZ IN ZAHLEN 65

9. Datenanhang
Datenanhang zu Abbildung 09: Energie- und Klimaziele der Bundesregierung
Status quo Ziele Quellen der
(2019)* 2020 2030 2040 2050 Ziele
Minderung von Treibhausgasemissionen gegenüber 1990
2020 bis 2040:
Mindestens Mindestens Mindestens Treibhausgas-
Gesamtemissionen -35,7 % EK (2010)
-40 % -55 % -70 %** neutralität
2050: KSG (2019)
Energiewirtschaft -45,4 % -62,5 % KSG (2019)

Gebäude -33,9 % -50,6 % KSG (2019)

Verkehr -0,3 % -42,0 % KSG (2019)

Industrie -42,0 % -66,6 % KSG (2019)

Landwirtschaft -24,2 % -35,5 % KSG (2019)


Sonstige -75,6 % -86,9 % KSG (2019)

Erneuerbare Energien
Anteil am Bruttoend-
17,1 % 18 % 30 % 45 % 60 % EK (2010)
energieverbrauch

Anteil am Brutto- EK (2010),


42,1 % 35 % 65 % ** **
stromverbrauch KSPr 2030 (2019)

Anteil am Wärmeverbrauch 14,5 % 14,0 % EEWärmeG (2015)

EU-Richtlinie
Anteil im Verkehrsbereich 5,6 % 10,0 %
2009/28/EG

Effizienz und Verbrauch


Primärenergieverbrauch
-10,8 % -20 % -50 % EK (2010)
(gegenüber 2008)

Endenergieproduktivität +1,6 % (2008 +2,1 % pro Jahr


EK (2010)
(2008 bis 2050) bis 2017) (2008 bis 2050)

Bruttostromverbrauch
-6,7 % -10 % -25 % EK (2010)
(gegenüber 2008)

Primärenergiebedarf -18,8 %
-80 % EK (2010)
Gebäude (gegenüber 2008) (2017)

Wärmebedarf Gebäude
-6,3 % -20 % EK (2010)
(gegenüber 2008)

Endenergieverbrauch +6,1 %
-10 % -40 % EK (2010)
Verkehr (gegenüber 2005) (2018)

EEWärmeG: Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz, EK: Energiekonzept, KSG: Klimaschutzgesetz, KSPr 2030: Klimaschutzprogramm 2030
*Schätzung
**Im Lichte des Ziels der Treibhausgasneutralität bis zum Jahr 2050 und einer hierfür erforderlichen frühzeitigen vollständigen
Dekarbonisierung der Energie- und Stromversorgung in Deutschland sind die mit dem Energiekonzept 2010 beschlossenen
Ziele für 2040 und 2050 entsprechend anzuheben.
Quellen: UBA (2020b), UBA (2020i), UBA (2020h), BMWi (2010), Bundesregierung (2019a), Bundesregierung (2019b),
Bundesregierung (2015)
66 KLIMASCHUTZ IN ZAHLEN | 9. DATENANHANG

Datenanhang zu Abbildung 14: Entwicklung der Treibhausgase und vorgesehene Jahresemissions-


mengen nach Sektoren in Millionen Tonnen CO2-Äquivalente
Entwicklung der Treibhausgase nach Sektoren

Sektor 1990 1995 2000 2005 2010 2015 2018 2019

Energiewirtschaft 466 400 385 397 368 347 322 254

Industrie 284 244 208 191 188 187 195 188

Verkehr 164 177 181 160 153 162 162 163

Gebäude 210 188 167 154 149 125 117 122

Landwirtschaft 90 76 75 70 70 74 70 68

Abfallwirtschaft und
38 38 29 21 15 11 10 9
Sonstiges

Jahresemissionsmengen nach Anlage 2 des Klimaschutzgesetzes

Sektor 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026 2027 2028 2029 2030

Energiewirtschaft 280 257 175

Industrie 186 182 177 172 168 163 158 154 149 145 140

Verkehr 150 145 139 134 128 123 117 112 106 101 95

Gebäude 118 113 108 103 99 94 89 84 80 75 70

Landwirtschaft 70 68 67 66 65 64 63 61 60 59 58

Abfallwirtschaft und
9 9 8 8 7 7 7 6 6 5 5
Sonstiges

Quellen: UBA (2020a), UBA (2020b), Bundesregierung (2019)


KLIMASCHUTZ IN ZAHLEN 67
www.bmu.de