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Gouvernement Kurland

Das Gouvernement Kurland (russisch Курляндская


губерния/Kurljandskaja gubernija) war das südlichste der drei
russischen Ostseegouvernements. Die Hauptstadt war Mitau. Das
unterstellte Gebiet gehört heutzutage größtenteils zu Lettland.

Inhaltsverzeichnis
Ausdehnung und Lage
Verwaltungsgliederung
Geschichte
Statistik zum Jahre 1885
Wappen des Gouvernements
Bevölkerung
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise

Ausdehnung und Lage


Das Gouvernement Kurland bestand landschaftlich aus zwei Teilen – dem eigentlichen Kurland sowie
Semgallen. Es grenzte im Norden an Livland, im Osten an das Gouvernement Witebsk, im Westen an die
Ostsee, im Süden an die Gouvernements Kowno und Wilna. Über einen schmalen Küstenstreifen rund um
Polangen (lit. Palanga), verwaltet als Wolost Polangen, grenzte das Gouvernement an den nördlichsten
Zipfel Ostpreußens. Es hatte eine Fläche von 27.286 km².

Verwaltungsgliederung
Bei seiner Einrichtung wurde es in 9 Kreise aufgeteilt. Später wurden die vier Oberhauptmannschaften mit
je zwei Hauptmannschaften wiederhergestellt.[1]

Das Gouvernement Kurland war in die folgenden Kreise (Ujesd) eingeteilt:


Laut Generalkarte von 1821
Hauptort, lett.
Kreis Oberhauptmannschaft
Bezeichnung
Kreis Bauske Bauska Mitau
Kreis
Jaunjelgava Selburg
Friedrichstadt
Kreis Goldingen Kuldīga Goldingen
Kreis Grobin Grobiņa Hasenpoth
Kreis
Aizpute Hasenpoth
Hasenpoth
Kreis Illuxt Ilūkste Selburg Das Gouvernement im Jahr 1821
(russisch/deutsch)
Kreis Doblen Dobele Mitau
Kreis Talsen Talsi Tuckum
Kreis Tuckum Tukums Tuckum
Kreis Windau Ventspils Goldingen

Oberhauptmannschaften:

Mitau
Tuckum
Selburg
Goldingen
Hasenpoth

Geschichte
Das Herzogtum Kurland und Semgallen kam im Zuge der Dritten
Polnischen Teilung 1795 an das Russische Reich. Formal ein
Vasallenstaat von Polen-Litauen, waren die letzten Jahrzehnte
immer Günstlinge der russischen Herrscher an der Regierung,
zuletzt Peter von Biron, so dass das Land de facto schon länger
von Russland beherrscht war. Am 18. März 1795 kam der formelle
Landtagsbeschluss, sich dem russischen Zepter zu unterstellen, der
Herzog wurde mit einer Pension abgefunden. Am 12. Februar
1796 wurde auch der julianische Kalender wieder eingeführt.[2]
Die Gouvernements Kurland und
Kurland wurde als Gouvernement organisiert, wobei auch das Stift Kaunas (Kowno) in einer russischen
Pilten (Piltene), das zur polnisch-litauischen Woiwodschaft Karte um 1890
Livland gehört hatte, und 1819 der litauische Küstenstreifen um
Polangen (lit. Palanga), als Wolost Polangen zu diesem neuen
Gouvernement geschlagen wurden. Politisch konnte die deutschbaltisch geprägte Kurländische Ritterschaft
eine dominierende Rolle behaupten. 1817 erfolgte eine Bauernbefreiung, hierbei spielten die baltischen
Gouvernements eine Vorreiterrolle innerhalb Russlands. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts gab es erste
Versuche der Angleichung der baltischen Provinzen an das übrige Russland (Russifizierung). 1835 wurde
das Russische Gesetzbuch eingeführt und 1850 das Russische als Amtssprache, aber erst in späteren
Jahrzehnten gab es ernsthafte Durchsetzungsversuche. Bis 1876 gab es ein Generalgouvernement der
Ostseeprovinzen, das in diesem Jahr abgeschafft wurde.
Im Ersten Weltkrieg lag Kurland im Kampfgebiet der Ostfront und war seit dem Frühjahr bzw. dem
Frühsommer 1915 größtenteils von deutschen Truppen besetzt. Es fiel nach dem Scheitern der von
deutscher Seite geförderten deutschbaltischen Staatsbildung an das 1918 unabhängig gewordene Lettland.

Statistik zum Jahre 1885


Im Jahre 1885 zählte das Gouvernement Kurland 652.570 Einwohner (24 pro km²). Darunter waren 74 %
Protestanten, 18 % Römische und Griechische Katholiken und ca. 8 % Juden. Die Landbevölkerung
bestand durchgehend aus Letten, während ein wesentlicher Teil der städtischen Bevölkerung
deutschbaltisch war (8 % insgesamt). Daneben gab es noch 1,7 % Russen und 1 % Polen und Litauer.

Der bei weitem bedeutendste Wirtschaftszweig war der Ackerbau. Man baute vor allem Roggen (1884
14,2 hl/Hektar), Hafer (14,5), Winterweizen (15,6), Sommerweizen (9,6), Gerste (15,1) und Kartoffeln
(120,9) an. Der Viehbestand betrug 173.530 Stück Hornvieh, 165.788 Schafe, 86.835 Schweine und
122.692 Pferde. An Mineralien wurden hauptsächlich Gips, Lehm, Kalk und Torf, Sandstein, Mergel und
ein wenig Braunkohle abgebaut, auch gab es Bernsteinvorkommen. Demgegenüber war die Industrie
ziemlich unbedeutend, der wichtigste Industriezweig war die Branntweinerzeugung.

Der Handel ging hauptsächlich über den Hafen von Libau (Liepāja), der auch ein wichtiger Stützpunkt der
Kaiserlich Russischen Marine war. An Eisenbahnverbindungen führt die Strecke Riga-Kowno (lit.
Kaunas) quer durch das Gebiet.

Es gab 1885 drei klassische Gymnasien, und zwar in Mitau, Libau und Goldingen, mit insgesamt 1857
Schülern, fünf höhere Bildungsanstalten für die weibliche Jugend, 24 Kreisschulen und
Waisenhausschulen, zwei Stadtschulen, 136 Privatlehranstalten, 418 Elementarschulen, drei
Taubstummenschulen, fünf Navigationsschulen, ein Volksschullehrerseminar und eine Ackerbauschule. Es
gab insgesamt 44.029 Lernende, davon 17.310 weiblichen Geschlechts. Auf dem Land kam auf 1290
Menschen eine Schule und ein Schüler auf 15 Personen.

Bevölkerung
Laut Volkszählung im Russischen Reich 1897[3]

Sprache Zahl Prozentsatz (%) männl. weibl.


Lettisch 507 511 75.29 240 672 266 839
Deutsch 51 017 7.56 23 372 27 645
Jiddisch 37 689 5.59 18 137 19 552
Russisch 25 630 3.8 16 319 9 311
Polnisch 19 688 2.92 9 985 9 703
Litauisch 16 531 2.45 8 833 7 698
Weißrussisch 12 283 1.82 6 356 5 927
Romani 1 202 0.17 581 621
Personen die ihre Muttersprache nicht nannten 5 >0.01 4 1
Sprachen mit weniger als 1000 Sprechern in Kurland 2 478 0.36 1 993 485
Gesamt 674 034 100 326 252 347 782
Literatur
Paul Anton Fedor Konstantin Possart: Die russischen Ostsee-Provinzen Kurland, Livland
und Esthland. Band 1: Statistik und Geographie des Gouvernements Kurland. J.F. Steinkopf,
Stuttgart 1846., auch Statistik und Geographie des Gouvernements Kurland[4][5]

Weblinks
Volkszählung 1897 (Sprachgruppen) (russ.) (http://demoscope.ru/weekly/ssp/rus_lan_97.ph
p?reg=47)
Volkszählung 1897 (Verwaltungsbezirke) (russ.) (http://demoscope.ru/weekly/ssp/rus_gub_9
7.php?reg=19)

Einzelnachweise
1. "Mietau und Seelburg in Semgallen und Goldingen und Tukun in dem eigentlichen Kurland"
[1] (https://books.google.de/books?id=39RgAAAAcAAJ&pg=PA438&lpg=PA438&dq=Gouve
rnement+Kurland&source=bl&ots=dBvTjrA9jD&sig=W2Ua4lJGKEpr0AtmZ02wPiY7buE&hl
=en&sa=X&ved=2ahUKEwjEwO-mxqrfAhWuwAIHHW0QABoQ6AEwEnoECFcQAQ#v=on
epage&q=Gouvernement%20Kurland&f=false)
2. https://books.google.de/books?
id=CjVAAAAAYAAJ&pg=PR3&source=gbs_toc_r&cad=4#v=snippet&q=raison&f=false
3. Language Statistics of 1897 (http://demoscope.ru/weekly/ssp/rus_lan_97.php?reg=47)
4. https://www.zvab.com/servlet/BookDetailsPL?bi=155099050
5. http://www.digitale-bibliothek-mv.de/viewer/toc/PPN690254040/1/-/

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Diese Seite wurde zuletzt am 26. Juli 2020 um 13:25 Uhr bearbeitet.

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