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Newsletter Europa-Studien der TU Chemnitz 3. Jahrgang / 5.

Ausgabe / März 2008

Themen:
Bosch-Lektor mit Falte
Bertine in Łódź
Als Ölscheich nach New York?
Gedanken an der Okamündung
Job in der Sankt Giles’ Cathedral
Master of Live: Wallace Stevens
I’ES – Blick zurück nach vorn

und vieles mehr

Im Fokus:
Prof. Dr. Wolfgang Aschauer
Nadine Mensel, M.A.

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ES-Spiegel 5. Ausgabe www.tu-chemnitz.de/phil/europastudien

Inhaltsverzeichnis

Opening................................................................................................... S. 3

Fokus:
Interview mit Prof. Dr. Wolfgang Aschauer........................................ S. 4
Interview mit Nadine Mensel M.A...................................................... S. 9

Studium:
Auslandssemester in Lettland, Riga.................................................... S. 12
Auslandssemester in Rumänien, Cluj-Napoca..................................... S. 14
Sprachaufenthalt in Polen, Łódź........................................................ S. 15
Praktikum in Russland, Nischnij Nowgorod......................................... S. 17
Praktikum in Sibirien, Tanchoj........................................................... S. 19
Exkursion im Dreiländereck............................................................... S. 22
Projekt: National Model United Nations 2007/2008............................. S. 24

Alumni:
Alumni-Netzwerk.............................................................................. S. 26
Master Interkulturelle Germanistik in Göttingen.................................. S. 27
Master Global Political Economy in Kassel........................................... S. 29
Job & Karriere: Bosch-Lektor in Moskau............................................. S. 31
Job & Karriere: St Giles’ Cathedral in Edinburgh.................................. S. 34

Europastimmen:
Der gut angezogene Mann mit Bart................................................... S. 36
Eine Art Super-GAU.......................................................................... S. 38

I’ES.......................................................................................................... S. 39

Impressum.............................................................................................. S. 42

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„Nichts ist so konstant wie die Veränderung“

Liebe Studierende, liebe Alumni, liebe Dozenten,

die nun schon fünfte Ausgabe des Newsletters


ES-SPIEGEL trägt als Titel einen der bekanntesten Aus-
sprüche Heraklits. In der Tat könnte dieser passender
auf die Europa-Studien nicht sein: Das vergangene Se-
mester brachte in vielen Bereichen tiefgreifenden Wan-
del mit sich. Kaum rückte die zweite Generation mit der
nun schon etwas etablierteren neuen Studienordnung
nach, standen mit den erhöhten Studentenzahlen und
dem Umzug der Philosophischen Fakultät neue span-
nende Herausforderungen auf dem Semester-Programm.
Auch im ES-SPIEGEL selbst gibt es seit dieser Ausgabe
eine neue Struktur mit leicht veränderten Rubriken. Im
Fokus stehen diesmal Prof. Dr. Aschauer und Frau Nadi-
ne Mensel, M.A. Nach wie vor gibt es Erfahrungsberichte
von Studenten aus dem In- und Ausland.
Einen neuen Schwerpunkt an der Professur für Europäi-
sche Integration bildet der Bereich Alumni, da ein neues
und festes Alumni-Netzwerk aufgebaut wird. Näheres
dazu werdet ihr in Kürze erfahren!
Viel Spaß beim Lesen!

Claudia Weber und Marcus Hornung

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Die Tradition, die Dozenten rund um den Bereich der Europa-Studien in Form
eines Interviews in den Fokus des ES-SPIEGEL zu setzen, hat sich bewährt und
wird natürlich auch zukünftig beibehalten. Dass gerade uns Europa-Studenten die
Veränderung dennoch ständig umgibt, bestätigt Herr Aschauer im Rückblick auf
die Entwicklung des Studienganges. Was jedoch aus den Mutmaßungen bezüg-
lich seines persönlichen Wechsels wurde, kann durchaus überraschen. Zu lesen
ist außerdem, wie Frau Mensel die Entwicklungschancen der Europäischen Union
kritisch einschätzt – kritischer als die der Absolventen unseres Studienganges.

„Es ist allgemein so, dass man sich oft woanders hin bewirbt,
aber nicht unbedingt, um dann auch wegzugehen.“

Interview mit Prof. Dr. Wolfgang Aschauer

Ostmitteleuropas vertreten möchte. Es gab


damals noch keine Stelle dafür, die sollte
erst noch eingerichtet und ausgeschrieben
werden.
Ich kam dann hierher und habe mir über-
legt, was das sein könnte: Kultur- und Län-
derstudien Ostmitteleuropas. Das ist ja kein
Fach, in dem man ausgebildet wird – es
gibt ein solches Universitätsfach nicht. Ich
musste mir also erst eine Konzeption über-
legen. Hier herrschte Aufbruchsstimmung:
die Studierenden, die frisch hier angefan-
gen haben, wussten auch nicht so richtig,
was Kultur- und Länderstudien Ostmitteleu-
ropas sind. Wir haben – das kann man ru-
hig so sagen – gemeinsam eine Konzeption
entwickelt. Von studentischer Seite habe ich
Herr Aschauer, Sie haben Geographie an mitbekommen, was die Leute interessiert,
der Universität Göttingen studiert. Heute und die Studenten haben mitbekommen,
vertreten Sie die „Kultur- und Länderstu- was ich darunter verstehe.
dien Ostmitteleuropas“ im Fachgebiet Eu- Dann wurde die Stelle ausgeschrieben. Mein
ropa-Studien, und nicht die Geographie. Eindruck war, dass auch in der Berufungs-
Wie ist es dazu gekommen? kommission nicht ganz klar war, was man
unter „Kultur- und Länderstudien Ostmittel-
Auf diese Frage möchte ich zunächst bio- europas“ versteht. Im Endeffekt haben sie
graphisch antworten, also wie es passiert mich genommen, der ich eher eine allge-
ist, dass jemand, der in der Geographie mein gesellschaftswissenschaftliche Position
studiert, promoviert und habilitiert hat, vertreten habe, also keine im engeren Sin-
nach Chemnitz gekommen ist. Erstmal ist es ne kulturwissenschaftliche, die sich etwa
tatsächlich so, wie Sie es gesagt haben: Ich auf Literatur und ähnliches beschränkt.
komme eigentlich aus der Geographie und
bin auch noch Privatdozent für Geographie Wie komme ich nun inhaltlich dazu, dieses
an der Uni Potsdam. Im Jahr 2002 hat mich Lehrgebiet zu unterrichten?
Herr Jurczek, den ich schon von Tagungen Es gibt in der Geographie eine große Tradi-
her kannte, gefragt, ob ich nicht für ein tion der Länderkunde. Da wird alles abge-
Semester die Kultur- und Länderstudien handelt von Gebirgen, Böden, Pflanzen- und
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Tierwelt bis hin zu Wirtschaft, Gesellschaft Es ist andererseits kein Schwerpunkt für
– ein sehr breites Spektrum. Das war zu- sich. Es ist kein Fach, auf das man sein
nächst für mich kein Inhalt, den ich in der ganzes Studium hin ausrichten kann – so ist
Geographie besonders interessant fand. das Studium auch nicht konzipiert.
Ich habe mich andererseits immer schon Beruflich kann man von dieser Orientierung
mit Ländern Ostmitteleuropas beschäftigt. sehr wohl profitieren, schon wegen unseres
Das heißt konkret: Ungarn und Tschechien, Standortes. Chemnitz ist gut geeignet,
mit Polen allerdings bis zum Zeitpunkt, als Grundlagen für die Ausbildung grenzüber-
ich hier anfing, gar nicht. Und ich hatte schreitender Kontakte vor allem nach
bereits zu bestimmten Themen gearbeitet, Tschechien und Polen zu legen. Inwieweit
zum Beispiel zur Minderheitenthematik, zur das beruflich profitabel ist, ist für einen
Transformation, oder zu grenzüberschrei- Studiengang, der noch immer kein etablier-
tenden Beziehungen. ter Studiengang ist, schwierig zu sagen.
Ein zweiter Punkt: Geographen sind von Europa-Studien ist ein Studiengang, der
Natur aus interdisziplinär. Das heißt also, kein festes Berufsfeld hat. Von unseren
als Geograph arbeitet man je nach Thema Absolventen wissen wir, dass sie in unter-
mit Soziologen, Ökonomen, Historikern oder schiedlichsten Bereichen unterkommen oder
Geologen zusammen. Es war für mich ü- eben mit dem Master weitermachen.
berhaupt nichts Fremdes, in eine Situation Ich denke, dass diese Orientierung auf
zu kommen, in der ich mit Leuten unter- Ostmitteleuropa immer noch eine zukunfts-
schiedlichster Fächer und Fakultäten zu- trächtige ist. Das ist natürlich bei den ein-
sammenarbeiten muss. Wie ich schon ge- zelnen Ländern unterschiedlich. Ich stelle
sagt habe, ist Kultur- und Länderstudien zurzeit fest, dass das Interesse der Studie-
Ostmitteleuropas kein Ausbildungsfach. Das renden für südlichere Teile Ostmitteleuro-
heißt, man muss Leute nehmen, die in ei- pas, sprich Slowakei, Ungarn oder Rumä-
nem anderen Fach ausgebildet sind. Geo- nien, eher geringer geworden ist als es frü-
graphen sind dafür eigentlich ganz gut ge- her war. Das finde ich ein bisschen schade,
eignet. Allerdings muss man natürlich ers- weil das sehr interessante Regionen sind,
tens Wissen über Kultur- und Länderstudien wo Einiges passiert. Ich beobachte ein sehr
im Allgemeinen mitbringen, und zweitens starkes Interesse an Polen. Gerade in Bezug
über Ostmitteleuropa im Besonderen. Und auf die beruflichen Aussichten interpretiere
so ist es also, seit ich hier bin, dazu ge- ich die Situation so, dass man hier in eine
kommen, dass ich bestimmte geographi- sehr starke Konkurrenz mit gut ausgebilde-
sche Themen weggelassen habe und mich ten polnischen Studenten kommt, die deut-
mehr mit allgemeinen gesellschaftlichen lich besser ausgebildet sind als zum Beispiel
Themenbereichen befasst habe: der gesell- in Tschechien. Die berufliche Konkurrenz in
schaftlichen Entwicklung, und auch mit Bereich Europa-Studien mit Schwerpunkt
Themen der Kulturwissenschaften. Das ha- Ostmitteleuropa ist mit polnischen Absol-
be ich zwar schon immer gemacht, stand venten meiner Ansicht nach am größten.
aber bis dahin nicht im Zentrum meiner Ob diese Einschätzung so richtig ist, muss
Arbeit. sich allerdings noch herausstellen.

Welchen Stellenwert räumen Sie den Kul- Was waren Ihre ersten Erfahrungen mit
tur- und Länderstudien Ostmitteleuropas der Kultur Ostmitteleuropas? Wie wurde
in unserem Studiengang ein? Werden Eu- Ihr persönliches Interesse geweckt?
ropa-Studenten beruflich von dieser Ori-
entierung profitieren können? Ich kam da bisschen „wie die Jungfrau zum
Kinde“ zu Ostmitteleuropa. Als ich mit mei-
Eine schwere Frage, aber trotzdem – oder nem Studium fertig war, war ich mehr auf
vielleicht gerade deshalb – so interessant. mitteleuropäische Themen fixiert. Ostmit-
Ich halte Kultur- und Länderstudien Ostmit- teleuropa hat mich weniger interessiert.
teleuropas einerseits für sehr wichtig für die Mein damaliger Chef an der Uni Göttingen
Gesamtorientierung des Studienganges, hat aber gemeint, ich solle unbedingt eine
aber auch bezogen auf das Grundlagenwis- Doktorarbeit in Rumänien schreiben. Nach
sen für eine Orientierung in diesen Ländern. Rumänien wollte ich auf keinen Fall, weil ich
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bei einem Aufenthalt dort schon gemerkt mit heutiger Realität fertig werden zu kön-
hatte, dass es mir da nicht gefällt. Damals nen. Oder in der Größe der Nation glauben,
war es da nicht sehr schön – das war unter die Lösung von heutigen Problemen finden
Ceaușescu. Das Essen war grauenhaft, und zu können. Gerade in diesen beiden Län-
es ist für mich immer wichtig, dass es mir dern ist das für mich sehr auffällig. In der
auch kulinarisch gefällt. Slowakei findet das zum Teil auch statt,
So habe ich dann aus der Not heraus ge- Tschechien ist da bisschen anders konzi-
sagt, ich mache etwas in Ungarn. Dort hat- piert.
te ich gerade am Anfang vor allem mit Leu- Wie werden also Deutungsangebote von
ten zu tun, die sich gefreut haben, dass sie politischen Kreisen an die Bevölkerung ge-
mit mir Deutsch reden konnten. Ich war macht, und wie findet das kulturelle Aus-
also in einer „Enklave“ von Deutschinteres- drucksformen? Bezogen auf die EU-
sierten in Budapest, was ich nicht beson- Integration heißt das zum Beispiel: Orien-
ders aufregend fand. Extra deshalb bin ich tiert man sich in Richtung Europa, oder
dann in andere Gegenden gefahren, um glaubt man, in einer nach Osten oder nach
mehr mit Menschen zu tun zu haben, die Südosten aus Europa heraus führenden
eben nicht – übertrieben gesagt – in erster Orientierung das Heil zu finden? Wie wird
Linie ihre Deutsch-Kenntnisse verbessern dieser Europabezug instrumentalisiert, was
wollten. Ich habe Kontakte geknüpft und gibt es für Wahrnehmungen von Europa
Freunde gefunden, und bin über das, was und der eigenen Lebenswelt? Das sind die
man als Tourist so kennen lernt, hinausge- Themen, die für mich momentan auf jeden
kommen. Den Plattensee hatte ich immer Fall interessant sind.
schon uninteressant gefunden, und in den
einschlägigen Gulasch-Gaststätten in Buda- Angeblich verlassen Sie die Universität
pest habe ich mich einmal aufgehalten und Chemnitz demnächst. Was hat rückbli-
bin sehr schnell wieder rausgegangen. Ich ckend diesen beruflichen Abschnitt ge-
fand es wesentlich spannender, wie die prägt?
Menschen – damals noch im Sozialismus –
Zunächst erstmal zum ersten Teil der Fra-
ihr Leben gemeistert haben, wie sie ihr Le-
ge: Es ist definitiv nicht so, dass ich in Kür-
ben organisiert haben und mit den Umstän-
ze oder überhaupt demnächst die Uni
den zurechtgekommen sind.
Chemnitz verlasse oder zumindest verlassen
Worin liegt für Sie heute der Reiz Ostmit-
will.
teleuropas? Es ist allgemein so, dass man sich oft wo-
anders hin bewirbt, aber nicht unbedingt,
Der heutige Reiz Ostmitteleuropas ist genau um dann auch wegzugehen. Das liegt dar-
dieser Punkt – nämlich die Veränderungen, an, dass Professoren oder Assistenten im
und wie die normale Bevölkerung darauf heutigen Hochschulsystem – anders etwa
reagiert: Wie einzelne Menschen das Ganze als Verwaltungsangestellte – keine Möglich-
reflektieren, wie sie ihre Welt „zurechtbas- keit haben, innerhalb der Hochschule ihre
teln“ und welche Bedeutungen sie in diesen Stellung zu verbessern, also z.B. in eine
Veränderungen sehen. Welche Strategien höhere Gehaltsstufe aufzusteigen oder eine
Einzelne finden, um mit diesen Verände- bessere Ausstattung mit Geldern für Hilfs-
rungen fertig zu werden. kräfte; mehr Mitarbeitern usw. zu erreichen.
Und das andere ist – welche Deutungsan- Die einzige Möglichkeit ist, durch eine Be-
gebote werden diesen Menschen gemacht. werbung woanders hin in so genannten
Also: wie reflektieren Politiker oder politi- Bleibeverhandlungen die eigene Position zu
sche Gruppen die Veränderungen in diesen verbessern. Das heißt, immer wenn Sie
Ländern. hören, dass ich mich irgendwo hin bewerbe,
In Polen, aber auch in Ungarn sieht man sagt das noch nichts über mein Weggehen
zum Beispiel, dass es bedeutende politische oder Bleiben aus.
Gruppierungen gibt, die glauben, in der Für mich sieht es zurzeit so aus, dass meine
Rückkehr zu frühmittelalterlichen Idealen Stelle zum 31.12.2008 ausläuft, und dann

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wird neu ausgeschrieben. Ich werde mich Kompetenzen bei unserem Studium in
wieder darauf bewerben, und hoffe, dass seiner aktuellen Form zu kurz?
ich die Stelle auch bekomme. Wenn nicht,
dann werde ich Chemnitz ganz sicher ver- Diese Frage kann ich am einfachsten und
lassen. Wenn ich sie bekomme, hoffe ich, am schnellsten beantworten: Ja, ganz ein-
dass ich durch Bleibeverhandlungen meine deutig. Es liegt leider an der Konzeption des
Ausstattung ein bisschen verbessern kann. Studiengangs, dass einzelne Fächer, die
Das ist also der Hintergrund für meine Be- auch anderen Studiengängen zuarbeiten,
werbungen. Veranstaltungen anbieten. Das sind dann
Rückblickend für meine bisherige Zeit kann jeweils Veranstaltungen, die die eigentümli-
ich sagen, dass ich es sehr spannend fand, chen Inhalte der jeweiligen Fächer den Stu-
mich mit den neuen Herausforderungen denten nahe bringen wollen, möglichst mit
selbst entwickeln zu können. Auch for- Europabezug. Das heißt auch, dass keines
schungsmäßig bin ich in andere Richtungen dieser Fächer allgemeine Veranstaltungen
gegangen. Ich fand es aber vor allem inte- anbietet, also eine Ausbildung macht, die
ressant zu beobachten, wie das mit den für alle anderen Fächer eine gute Grundlage
Studierenden hier läuft: Wie gesagt, die wären. Alle machen sozusagen fachspezifi-
erste oder vielleicht zweite Generation, die sche Inhalte.
hier angefangen hat, das waren noch rich- Ich hätte das gern anders. Wenn ich natür-
tige Pioniere. Sie kamen hierher und wuss- lich sage, ich biete rein Veranstaltungen zu
ten auch nicht so richtig, was sie hier er- Methoden oder empirischer Forschung an,
wartet. Es war sehr spannend, mit diesen muss ich die fachinhaltliche Ausbildung ver-
ersten Generationen den Studiengang ge- nachlässigen. Ich kann das nur in einem
meinsam zu entwi- gewissen Rahmen und
ckeln. nur ab und zu machen.
Wir haben diese Situa- „Prägend sind also beide Aspekte: Ich merke aber, auf
tion ja heute nicht welch große Nachfrage
Studenten ärgern einerseits, das stößt. Eigentlich ist
mehr. Natürlich gibt es
immer wieder Entwick- und selbst was lernen andererseits.“ es auch unerlässlich –
lungen, was ich auch zum Beispiel um das zu
in meiner Arbeit in verhindern, was immer
Studienkommissionen merke. Aber die Pio- wieder passiert, wenn Leute Bachelor-
nierphase ist vorbei. Der heutige Reiz liegt Arbeiten bei mir schreiben und dort eine
vor allem in Begegnungen mit Studieren- empirische Untersuchung machen. Dann
den, die sehr engagiert und mit sehr klaren gebe ich immer Privatunterricht, der im
Vorstellungen dessen, was hier eigentlich Vorfeld einer Bachelor-Arbeit nicht so aus-
passieren müsste, anfangen. Das Spannen- führlich und qualitativ hochwertig sein
de für mich ist dann dabei, einerseits so kann, wie ich das in einer Veranstaltung
manche Illusionen zu rauben – was ich im- machen würde. Andererseits ist das für
mer sehr gerne mache –, andererseits na- mich ein Aufwand, der zum Teil sinnlos ist –
türlich neue Perspektiven zu erfahren, und weil ich zum Teil 5 oder 6-mal im Jahr das
diese dann auch in die Lehre mit aufzu- Gleiche hier am Schreibtisch erzähle.
nehmen. Und darum habe ich diese Veranstaltung
Prägend sind also beide Aspekte: Studenten angeboten. Ich werde das auch wieder ma-
ärgern einerseits, und selbst was lernen chen, aber eigentlich haben wir dafür kein
andererseits. Lehrdeputat frei. Deshalb kann ich das mit
großen Bauchschmerzen nur alle 2 Jahre in
Sie haben im letzten Semester eine Vorle- einem Sommersemester anbieten. Wie ge-
sung zu „Themen und Methoden empiri- sagt mit Bauchschmerzen, weil man dann
scher Forschung“ mit Übung und an- andere Aufgaben in der Lehre vernachläs-
schließender Exkursion angeboten. Auch sigt. Wenn ich es noch schaffen könnte, in
in anderen Veranstaltungen legen Sie Bleibeverhandlungen eine Stelle dazu zu
Wert auf Methodik und wissenschaftliches bekommen, dann könnte so etwas regel-
Arbeiten. Kommt die Ausbildung dieser
mäßig angeboten werden. Es ist konzeptio-
nell nicht vorgesehen, aber ich halte es für
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sehr wichtig, eigentlich unerlässlich und steigenden Kurve ist. Man muss sich dann
würde das gern intensivieren. langsam um Praktikum und Projekt küm-
mern. Wir Lehrenden, und das betrifft nicht
Was möchten Sie Europa-Studenten an nur mich persönlich, profitieren sehr viel
dieser Stelle gern mit auf den Weg geben? von Rückmeldungen. Den permanenten
Kontakt mit Studierenden benötigen wir,
Ich weiß, dass Studierende, wenn sie an die um möglichst konzentriert Erfahrungen der
Uni kommen, völlig verwirrt sind. Sie sind Studenten in die Konstruktion und Weiter-
froh, wenn sie im Laufe des ersten Semes- entwicklung des Studiengangs einzubrin-
ters das ganze Chaos – nicht nur das an der gen. Deshalb würde ich mir wünschen, dass
Hochschule sondern auch im Privatleben – die Kommunikation zwischen den älteren
endich bewältigt haben: umziehen, neue Semestern und den Erstsemestern noch
Freunde… Dann kommt man ins zweite besser wäre, d.h. dass die Neuankömmlinge
Semester, da geht es dann schon ganz gut, noch schneller in Chemnitz wirklich an-
und ab dem 3. Semester „blickt“ man dann kommen, damit wir gemeinsam noch inten-
alles und ist so richtig drin. Das Problem bei siver an der Ausgestaltung des Studien-
unserem System ist natürlich, dass man im gangs arbeiten können.
3. Semester eigentlich schon auf der ab-

Vielen Dank für dieses Gespräch!


Prof. Dr. Wolfgang Aschauer:
Professur Kultur- und Länderstudien Ostmitteleuropas
www.tu-chemnitz.de/phil/europastudien/eskultur/

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„Wir leben zwar in einer Leistungsgesellschaft,


aber auch die sollte ihre Grenzen haben.“

Interview mit Nadine Mensel, M.A.


Professur Internationale Politik

Frau Mensel, was schätzen Sie an Ihrer nommen werden. Das betrifft zum Beispiel
Arbeit als Wissenschaftliche Mitarbeiterin die Ausarbeitung von Studienordnungen
an der Professur für Internationale Poli- oder die Modulbeschreibungen. Dadurch,
tik? Was würden Sie an Ihrer beruflichen dass kein Koordinator da ist, der wirklich
Situation gern ändern?
zentraler Ansprechpartner ist, entstehen
große Reibungsverluste. Bei der Umstellung
Ich finde es reizvoll, hier an der Professur
unseres Studienganges vom Magister auf
verschiedene Aufgaben zu übernehmen –
den Bachelor fühlten wir uns zum Beispiel
also nicht nur die Lehre, sondern ebenso
nicht ausreichend von Seiten der Universi-
Forschungsaufgaben, Exkursionen zu orga-
tätsleitung unterstützt. Es geht viel Zeit und
nisieren oder Ähnliches. Es ist ein breites
Energie drauf, solche Kleinigkeiten, die sich
Arbeitsfeld, das sich auch von Semester zu
natürlich summieren, zu regeln. Darunter
Semester ändert. Generell ist die Freiheit,
leidet auch die Lehre. Aber das zu verbes-
die man als Wissenschaftlicher Mitarbeiter
sern, sollte natürlich auch eine Sache des
genießt, sehr angenehm. Aber bitte nicht
Ministeriums sein.
falsch verstehen: Genug zu tun haben wir
allemal. Auch mit zwei Lehrveranstaltungen Wie schätzen Sie die heutige Situation der
bin ich gut versorgt. Und meine For- Europäischen Union im internationalen
schungsvorhaben sollten auch nicht zu kurz System ein? Welche Entwicklungschancen
kommen. Zudem schätze ich das kollegiale sehen Sie?
Verhältnis hier am Lehrstuhl, was aber auch
die anderen Lehrstühle, mit denen ich be- Am Anfang meines Studiums, was ja schon
ruflich zu tun habe, betrifft. Das ist ein sehr ein bisschen her ist, war ich europa-
angenehmes Arbeiten. euphorischer. Ich dachte mir, etwas Besse-
res kann es gar nicht geben. Doch die Ent-
Aber was mir ganz wichtig ist, da Sie mich wicklungen in den letzten Jahren bewegen
nach Änderungswünschen fragen: Es wäre mich eher in eine skeptische Haltung. Wir
schön, wenn wir mehr Lehrkräfte hätten, beobachten, wie neue Zentren wie China
die uns alle hier entlasten. Die Anzahl der oder Indien aufsteigen, die viel schneller
Studierenden ist in diesem Semester im- handeln können, weil sie sich nicht mit 27
mens angestiegen, was auch die Europa- Außenministern absprechen müssen, um
Studenten zu spüren bekommen: Der Platz eine außenpolitische Linie zu fahren.
im Seminar wird enger. Wenn wir mehr Europa ist eine tolle Idee und auch ein gu-
Angebote parallel machen könnten, wäre es tes Vorbildmodell für andere Regionen der
für die Studierenden und für die Dozenten Zusammenarbeit, also beispielsweise Afrika
ein entspannteres Klima. Ein weiterer oder Asien. Aber ich denke, dass der Zenit
Wunsch ist, dass administrative Aufgaben, von Europa langsam überschritten ist –
für die ich den fachlichen Hintergrund nicht wenn nicht bald etwas passiert, um die po-
habe, verstärkt von der Verwaltung über-
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ES-Spiegel 5. Ausgabe www.tu-chemnitz.de/phil/europastudien

sitive Strahlkraft zu erhalten. Vielleicht ist ja raussuchen, und sich dann ganz gezielt
der Reformvertrag ein erster Schritt in die darauf bewerben.
Richtung, dass die EU handlungsfähiger Ein weiterer Tipp: Klein anfangen, sich dann
wird und mehr Taten folgen. Das erwarten aber steigern. Zwei Praktika sind, denke
nicht nur die Europäer selbst, sondern auch ich, optimal. Eine Faustformel gibt es aller-
die weltweiten Partner. Man muss natürlich dings nicht. Wir haben jetzt zum Beispiel
auch sagen, dass die EU nicht der Nabel der den Fall, dass jemand in die Chefetage von
Welt ist. Ich weiß nicht, ob in einigen Jah- Daimler nach Stuttgart geht. Die haben da
ren Europas Bedingungen zur Zusammen- ein sehr anspruchsvolles Auswahlverfahren,
arbeit noch so einfach von anderen Ländern aber er hat es geschafft. Letztlich sollen Sie
abgenommen werden. Es ist letztlich die in Ihrem Lebenslauf nicht nur durch Prakti-
Frage, wer am längeren Hebel sitzt. Nach ka glänzen, sondern auch mal was Handfes-
dem Ende des Kalten Krieges hatten wir tes machen, wovon Sie auch leben können.
doch alle anderen Entwicklungen vor Au- Vielleicht hört sich das etwas zu leicht ge-
gen, als sie sich inzwischen ergeben haben. sagt an, aber versuchen Sie, auch aus ei-
Aber das ist ein sehr komplexes und speku- nem unentgeltlichen Praktikum etwas raus-
latives Thema und ich will auch nicht zu viel zuholen, zum Beispiel ein Monatsticket oder
Pessimismus verbreiten. eine kleine Prämie.

Sie sind Praktikumsbeauftragte des Fach- In Ihren Veranstaltungen sitzen neben


gebiets Politikwissenschaften. Was raten Politikwissenschaftsstudenten vor allem
Sie Studenten bei der Suche nach einer Europa-Studenten. Was ist Ihrem Ein-
geeigneten Praktikumsstelle? druck nach charakteristisch für Europa-
Studenten?
Ganz wichtig ist es, frühzeitig anzufangen.
Ich kann aber keinen Tipp geben, ab wel- Ich habe überwiegend einen positiven Ein-
chem Semester genau. Manch einer fühlt druck von den Europa-Studenten. Ich habe
sich nach dem 2. Semester bereit, ins Prak- sehr gute Erinnerungen an das letzte Som-
tikum zu gehen. Manch anderer will erst mersemester in der Veranstaltung Einfüh-
einmal abwarten, um fundierteres Wissen rung in die Internationale Politik. Da saßen
zu bekommen, weil man natürlich auch um die 20 Europa-Studenten drin, und das
dem Praktikumsanbieter etwas bieten will: ist eine Anzahl, die man auch zu spüren
Man muss mit dem Praktikanten arbeiten bekommt. Sie waren sehr interessiert, auch
und ihn sinnvoll einsetzen können, damit gut vorbereitet und diskussionsbereit. Bei
beide Seiten etwas davon haben. den Bewerbungen für das Projekt National
Also – rechtzeitig anfangen zu suchen. Da- Model United Nations sind die Europa-
bei tauchen Fragen auf wie: Was interes- Studenten und vor allem Studentinnen auch
siert mich, wo will ich überhaupt hin? Will immer vorne dabei.
ich ins Ausland, eher ins Inland, will ich in Auch über die Mailingliste und über die Ini-
der Region bleiben? tiative Europa-Studien bekommt man viel
Welches Spektrum interessiert mich – eher über die Europa-Studenten mit. Gerade der
wirtschaftlich, eher stadtplanerisch, im Be- Name „I’ES“ ist ein bisschen zu einer Marke
reich zivilgesellschaftlicher Institutionen, geworden, zumindest hier an der Philoso-
Politikberatung und Öffentlichkeitsarbeit… phischen Fakultät. Ich nehme die Europa-
die Bandbreite ist da wirklich groß. Aber Studenten also als umtriebig wahr: sie sind
Praktika dienen ja dazu, das Studium sinn- aktiv, haben sich schnell organisiert, und
voll zu ergänzen. Das heißt, während des sind, denke ich, mit dieser Initiative auch
Studiums versuche ich mir ein fachliches Vorbild für andere Fachgruppen.
Profil zu erarbeiten, und das Praktikum soll- Fachlich hatte ich noch keine negativen
te dieses Profil idealerweise widerspiegeln. Erlebnisse. Aber dadurch, dass Sie alle
Als nächstes: Welche Praktikumsbörsen gibt schon über die Hürde der Zulassungsbe-
es? Kann ich nicht auch die Leute direkt schränkung gegangen sind, ist da schon
anschreiben? Kenne ich vielleicht jemanden eine Art „Vorsortierung“ erfolgt. Generell ist
über den Studiengang, der schon mal da es also ein sehr positives Bild, das sich mir
war? Man sollte sich so 3 oder 4 Anbieter bietet. Und von dem Studierendenmix profi-
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tieren doch alle, oder? aufgebaut habe. Das heißt – bestimmte


Leute tauchen immer wieder irgendwo auf,
Sie sind Mitglied der Studienkommission man kennt sich, man versucht sich auszu-
Europa-Studien. Wo liegen Ihrer Ansicht tauschen und so weiter. Das ist, denke ich,
nach die Herausforderungen, denen unser ganz wichtig. Und natürlich sind diese
Studiengang gegenübersteht? Netzwerke nichts Einseitiges. Wenn ich et-
was abrufen will, dann muss ich auch bereit
So weit ich weiß, gibt es ab und zu die sein, zu geben. So etwas lernt man zum
Schwierigkeit, die Balance zu halten: Auf Beispiel durch die Initiative Europa-Studien,
der einen Seite als Studiengang eine gewis- oder durch anderes ehrenamtliches Enga-
se Einheitlichkeit darzustellen, also in allen gement außerhalb der Universität. Man soll-
drei Ausrichtungen einen gleichwertigen te also nicht nur am Studienablaufplan kle-
Abschluss zu bieten – und gleichzeitig auch ben, sondern versuchen, darüber hinaus
eine Vielfalt zu repräsentieren. Was mich aktiv zu sein. Damit erwirbt man sich ge-
aber optimistisch stimmt, ist, dass Europa- wiss die eine oder andere Referenz für den
Studien ein Studiengang ist, der auch über- Lebenslauf. Das ist aber nicht alles. Ich
regional anerkannt ist. Man sieht, dass die denke, die Persönlichkeit reift durch zusätz-
Studenten nachher beruflich unterkommen, liches Engagement und durch den Aus-
und welche Perspektiven sich da ergeben. tausch mit anderen Menschen.
Die Konkurrenz wächst natürlich: Wir sehen Ein weiterer Punkt: der Bachelorstudien-
an anderen Universitäten, dass ähnliche gang. Wenn man sich das Studienpro-
Studiengänge initiiert werden. Da wird gramm so ansieht, dann ist das eine enor-
Chemnitz vor der Herausforderung stehen, me Leistung, die Sie erbringen müssen. Das
das bisherige Niveau zu halten. Es gibt ja gilt auch für unseren B.A. Politikwissen-
immer eine gewisse Fluktuation beim Lehr- schaft. Dass diese Leistung noch nicht so
personal. Das heißt, wenn sich da Wechsel anerkannt wird, und so viele gezwungen
ergeben, muss man für Kontinuität sorgen. sind, noch einen Master zu absolvieren, ist
Der Vorteil in Chemnitz ist aber – so mein eigentlich schade. Das ist aber ein Problem
Eindruck – dass die Lehrenden sehr offen des Bologna-Prozesses, und nicht speziell
für Gespräche sind, und dafür, die Sache auf Chemnitz bezogen. Mein Rat ist dazu,
am Laufen zu halten. Also ich denke, es sich weiter zu qualifizieren, und zu schauen,
gibt andere Studiengänge, die im Hinblick wo es vielleicht Nischen gibt – ein spannen-
auf die Zukunft vor weitaus größeren des Feld, das noch nicht so beackert ist,
Schwierigkeiten stehen. und wo man eine berufliche Zukunft sieht.
Noch ein letzter Tipp: Die Sache vielleicht
Welchen Rat möchten Sie Europa-
nicht zu ernst sehen, also nicht nur auf Kar-
Studenten an dieser Stelle aus Ihrer be-
ruflichen Erfahrung heraus an dieser Stel- riere aus sein. Familie und Freunde sind
le geben? genauso wichtig. Wir leben zwar in einer
Leistungsgesellschaft, aber auch die sollte
Bei mir hat es sich von Zeit zu Zeit als vor- ihre Grenzen haben.
teilhaft erwiesen, dass ich schon während
des Studiums die viel zitierten Netzwerke Vielen Dank für dieses Gespräch!

Nadine Mensel, M.A.:


Professur Internationale Politik
http://www.tu-chemnitz.de/phil/politik/site.php?page=ip:mensel

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ES-Spiegel 5. Ausgabe www.tu-chemnitz.de/phil/europastudien

Dieser Abschnitt des neuen ES-SPIEGEL heißt nach wie vor Studium, umfasst aber fortan alle
Informationen zu den Dingen, die Europa-Studenten während ihrer Zeit in Chemnitz beschäfti-
gen werden: Lesen Sie von den Erfahrungen mit den bisher wenig etablierten ERASMUS-
Destinationen Lettland und Rumänien oder lernen Sie die Möglichkeit eines Sprachaufenthaltes,
einer Alternative zum klassischen Auslandssemester, am Beispiel von Bertine Stelzer in Polen
kennen. Auch Praktika stellen einen wichtigen Bestandteil des Studiums dar: Christoph Schmitt
berichtet aus Nischnij Nowgorod, Julia Hettler und Anna Duleczus aus den Tiefen Sibiriens.
Über die einzige Exkursion des vergangenen Semesters berichtet Adam Slaby, bevor die dies-
jährige NMUN-Delegation den Studium-Bereich mit Eindrücken aus ihrem Projekt abrundet.
Auslandssemester: Alexander Reinhardt, Riga

einen Buddy an die Seite gestellt, der einem


das Leben in Lettland erklären soll.
Kurz nach der Bestätigung des Erasmus-
platzes durch die LU Riga, konnte ich zwi-
schen zwei verschiedenen Wohnheimen
wählen. Beide liegen sich direkt gegenüber
und befinden sich in dem Stadtteil „Mos-
kauer Vorstadt“. Das „Prima“ wurde erst vor
2 Jahren renoviert und es kann zwischen
Einzel- und Doppelzimmern gewählt wer-
den. Das „Reznas“ ist schon etwas älter und
es gibt fast nur Doppelzimmer. Allerdings
kostet ein Platz im Einzelzimmer im „Prima“
Schon zu Beginn meines Studiums stand für 250 Euro und im Doppelzimmer 170 Euro.
mich fest, dass ich ein Auslandssemester Im „Reznas“ hingegen zahlt man lediglich
machen möchte, ohne dass ich dabei ir- 100 Euro für einen Platz im Doppelzimmer.
gendwelche Präferenzen für ein bestimmtes Ich hatte mich unglücklicherweise für das
Land hatte. Letztendlich habe ich mich dann „Prima“ entschieden. Die höheren Kosten
für Riga in Lettland entschieden, warum im „Prima“ sind nicht gerechtfertigt. Bei
weiß ich jedoch auch nicht genau. Mittler- jeder Gelegenheit wird man extra zur Kasse
weile kann ich sagen, dass diese Wahl für gebeten (z.B. kostet das Wäschewaschen
mich die richtige war. Die Bewerbung bei ein Euro pro Kilo Wäsche), das Internet fiel
Prof. Niedobitek verlief äußerst unkompli- ständig aus, und bei Problemen wurde man
ziert, allerdings tut man gut daran sich nur vertröstet und nichts wurde unternom-
frühzeitig zu bewerben, da die Plätze relativ men (unsere Nachbarn hatten für 2 Wochen
begehrt sind. keine Toilette im Badezimmer). Wenn je-
Anfang August 2007 ging es für mich nach mand von Euch nach Riga gehen sollte,
Riga zum Erasmus Intensivsprachkurs. Die zieht in das „Reznas!“ Die Moskauer Vor-
Teilnahme an diesem Kurs kann ich jedem stadt ist der schlechteste und gefährlichste
empfehlen. Sie bietet zum einen die Mög- Stadtteil Rigas. Ich habe mich zwar nie di-
lichkeit eine neue Sprache zu lernen und rekt bedroht gefühlt, aber an ein paar Re-
zum anderen schon mal vor dem Beginn geln sollte man sich schon halten, z.B. sollte
des eigentlichen Auslandssemesters, die man es vermeiden, nach Einbruch der Dun-
Stadt, die Uni und viele neue Leute kennen kelheit alleine draußen herum zu laufen. Die
zu lernen. Außerdem wurde von der Uni ein Wohnheime sind ca. 30 Minuten Busfahrt
Rahmenprogramm mit Ausflügen, Stadtfüh- von der Innenstadt und der Uni entfernt.
rung und Museumsbesuchen organisiert. Mittlerweile bin ich allerdings in eine WG in
Zudem bekommt jeder Austauschstudent der Innenstadt gezogen. Auf eigene Faust

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eine Wohnung zu suchen, ist in Riga nicht Chemnitz. Viele der englischsprachigen Kur-
ganz leicht, da WGs nicht so weit verbreitet se werden extra für die Erasmus-Studenten
sind, wie in Deutschland. Wer eine Woh- angeboten und auch fast ausschließlich von
nung oder WG in Riga sucht, kann sich aber diesen besucht, was auch die Kontaktauf-
gern bei mir melden, da ich bei meiner Su- nahme zu lettischen Studenten fast unmög-
che ein paar Kontakte gesammelt habe. lich macht. Allerdings gibt es an der Fakul-
Riga ist eine sehr interessante und schöne tät für Wirtschaftswissenschaften einen
Stadt. Besonders im Sommer ist sie aller- Master European Studies, der größtenteils
dings überfüllt mit Touristen aus Italien, von lettischen Studenten belegt wird und
Deutschland, Skandinavien und Großbritan- dessen Veranstaltungen auch den Erasmus-
nien. Das Stadtzentrum und die historische Studenten offen stehen. So ist es kein Prob-
Altstadt bieten ausreichend Gelegenheiten lem als Europa-Student eine Vielzahl inte-
für kulturelle Aktivitäten und abwechslungs- ressanter Kurse zu belegen. Auch die juris-
reich gestaltete Abende. Da der August tische Fakultät bietet eine Reihe englisch-
hochsommerlich warm war, habe ich auch sprachiger Seminare zum Europarecht an.
viel Zeit im nahe gelegenen Jurmala am Insgesamt kann ich nach fünf Monaten in
Strand verbracht. Bereits kurz nach meiner Lettland ein durchweg positives Resümee
Ankunft musste ich überraschend feststel- meines Auslandssemesters ziehen. Riga ist
len, dass Riga eine sehr teure Stadt ist. Für eine tolle, wenn auch manchmal etwas ge-
die Miete zahle ich hier mehr, als in Chem- wöhnungsbedürftige Stadt. Ich habe viel
nitz. Gemüse und Obst kann man sehr gesehen, nette Leute kennen gelernt und
günstig auf dem Markt einkaufen, für alle spreche mittlerweile, wenn auch mehr
anderen Lebensmittel greift man jedoch schlecht als recht, etwas Lettisch. Obwohl
mindestens genauso tief in die Tasche, wie es hier inzwischen mit -12 Grad ziemlich
in Deutschland. Wie die Letten bei einem kalt ist und es sicher noch kälter wird, habe
durchschnittlichen Einkommen von 500 Eu- ich mich bereits vor einiger Zeit um ein
ro in Riga überleben, ist und bleibt mir ein Praktikum in Riga gekümmert. Ab Mitte
Rätsel. Außerhalb von Riga fallen die Preise Januar bis Ende April 2008 werde ich Prak-
allerdings drastisch. Riga ist ebenfalls ein tikant bei der Deutsch-Baltischen Handels-
sehr guter Ausgangspunkt für Ausflüge kammer sein. Ich freue mich auf das Prakti-
nach Tallinn, Vilnius, Stockholm, Helsinki kum und darauf, noch weitere vier Monate
oder auch St. Petersburg. hier sein zu können. Wenn Ihr weitere Fra-
Die Betreuung der ausländischen Studenten gen bezüglich eines Auslandssemesters in
durch das International Office in Riga ist Riga habt, dann schreibt mir einfach eine E-
sehr gut. Die Qualität der Veranstaltungen Mail!
an der Uni ist, nach meinem eigenen Emp-
finden, jedoch niedriger als die an der TU

Alexander Reinhardt:
alexander.reinhardt@s2005.tu-chemnitz.de
Latvijas Universitātes: www.lu.lv

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Auslandssemester: Sarah Langer, Cluj-Napoca

Ein Zitat von Goethe in ändernden Stundenplan und die anhalten-


der Eingangshalle der den Unklarheiten über die abzuleistenden
großen Universitätsbib- Studienleistungen von Seiten mancher Do-
liothek in Cluj-Napoca zenten. Auch die Betreuung durch die
zu treffen, war schon Erasmus-Verantwortlichen war sehr spar-
sehr überraschend, das sam, viel Eigeninitiative war gefragt. Da ist
Entdecken der rumäni- man die ersten Wochen etwas orientie-
schen Bibliotheksge- rungslos, doch abenteuerlich auf Entde-
wohnheiten umso mehr. ckungstour gegangen und traf schnell auf
So habe ich bei der Bestellung meiner ge- hilfsbereite, rumänische Mitstudenten. Wie
wünschten Literatur per ausgefüllten, abge- auch in Chemnitz, hat man die Auswahl aus
stempelten Scheinen eine Nummer für mei- unterschiedlichen Lehrveranstaltungen in
nen Schreibtischplatz im großen, mit Stu- den Bereichen Politikwissenschaften, Kul-
denten gefüllten Lesesaal erhalten. Dort turwissenschaften und Wirtschaftswissen-
fand ich mich dann an einem alten Schreib- schaften, allerdings in keinem eine Speziali-
tisch zwischen den konzentrierten, arbeit- sierung. In manchen Vorlesungen genieße
samen Studenten und Studentinnen und ich die theoretisch sehr überblickende, teil-
wartete auf die Bibliothekarin. Nach etwa weise unkonventionelle Perspektive auf
zwanzig Minuten etwa brachte sie mit leisen komplexe Themengebiete, da sie oft sehr
Schritten die bestellten Bücher an meinen interessante und sehr kreative Gedanken-
Platz 177 und ich schloss mich meinen eifri- gänge ermöglicht. So setzten wir uns z.B.
gen Banknachbarn an. Das ist natürlich mit Themen wie „Kultur und Tod“ ausein-
nicht in allen Bibliotheken der Babeş-Bolyai ander und erlebten im Rahmen einer Vorle-
Universität so, jedoch bezeichnend dafür, sung zu Interkulturalität eine spontane,
dass es sich lohnt, genügend Geduld mitzu- unwahrscheinlich interessante Führung un-
bringen nach Rumänien. Dort, im sieben- serer Dozentin über den wunderschönen
bürgischen Klausenburg (rumän. Cluj- Clujer Friedhof. Cluj Napoca hat mich mit
Napoca, ungar. Koloszvár), absolviere ich über 80.000 Studenten als eine junge, pul-
zurzeit ein Auslandssemester an der Facul- sierende Studentenstadt sehr überrascht
tatea de Studii Europene. Insgesamt 21 und schafft es auch immer wieder mit ihrem
Fakultäten zählt die rumänisch-ungarische Gegensatz aus einer modernen, europäi-
Universität, die sich bemüht, mit etwa 15 schen Atmosphäre und dennoch traditionel-
ungarischen und 9 deutschen Curricula, der len, altmodischen Gewohnheiten. Diese
ethnischen Vielfalt Siebenbürgens gerecht vielfältigen und äußerst spannenden Kon-
zu werden. Die eigene Europa-Studien Fa- traste, z.B. zwischen dem urbanen und dem
kultät, die übrigens eine längere Geschichte peripheren Rumänien oder zwischen den
als der unsrige Bachelorstudiengang auf- rumänischen Landsleuten und ihren Min-
weisen kann, bietet neben der rumänischen derheiten sind es, die dieses Land für mich
auch eine deutsche und eine englische Linie so reizvoll machen und
an. Aus der Sicht einer von der deutschen mich in meiner Zeit in
Organisationsperfektion verwöhnten Stu- Transsilvanien sicher noch
dentin, machte sich das anfangs leider oft viel entdecken lassen.
weniger bemerkbar. Zu Beginn war ich mit-
unter sehr verwirrt durch den sich ständig

Sarah Langer:
sarah.langer@s2005.tu-chemnitz.de
UNIVERSITATEA BABEŞ-BOLYAI:
www.euro.ubbcluj.ro
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Sprachaufenthalt: Bertine Stelzer, Łódź

Witam w Łódzi. „Hallo. Mein Name ist Berti- Universität in Polen und ein monatliches
ne und ich bin in Polen, um die polnische Taschengeld, mit dem es sich durchaus
Sprache zu lernen.“ „Polnisch? Warum denn auskommen lässt. Mein Sprachkurs be-
das?“ So, oder so ähnlich beginnen die schlagnahmt mich nun fünf Stunden pro
meisten Gespräche, die ich hier in Polen Tag, fünf Tage die Woche. Wir sind neun
schon mit vielen geführt habe. Ich befinde Personen, die die ganze Welt repräsentie-
mich seit September 2007 in Łódź, der ren. Neben polnischer Grammatik und Aus-
drittgrößten Stadt in Polen und mit Sicher- sprache stehen vor allem der kulturelle Aus-
heit der kontrastreichsten. Hier ist so vieles tausch und das Kennenlernen kultureller
so anders, als man es normalerweise ge- Besonderheiten in Polen im Vordergrund.
wöhnt ist und doch versprüht Łódź ein Flair, Nie habe ich die Polnische Sprache so gut
in dem zumindest ich mich sehr, sehr wohl verstanden wie jetzt, und meine Sprach-
fühle. kenntnisse machen große Fortschritte.
Wie jeder Europa-Student stellte auch ich GFPS schickte mich also nach Łódź. Das
mir die Frage, was ich vor allem mit einem war mir nur recht, denn wohin ich nach
Auslandsaufenthalt erreichen will. So wurde Polen kommen sollte war mir egal, nur kei-
es der Wunsch des richtigen Spracher- ne Touristenhochburg wie Krakau oder
werbs, der mich nach Polen zog und ich Breslau sollte es sein. Meine ersten Eindrü-
entschloss mich, nicht den gewöhnlichen cke der Stadt waren wirklich nicht positiv.
Erasmus-Weg zu gehen, sondern ich be- Die zahlreichen Jugendstilhäuser, die längs-
warb mich für ein Sprachstipendium bei der te Einkaufsstraße in Europa (die
Gemeinschaft für Studentischen Austausch Poitrkowska Straße) und unzählige Men-
in Mittel- und Osteuropa, einigen auch als schen täuschten nicht über den eher tristen
GFPS e.V. bekannt. Dieses versprach einen Charakter der zumeist unsanierten und
semesterlangen Intensivsprachkurs an einer teilweise stark verfallenen und leer stehen-

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den Häuser. Alkoholismus und Armut be- 19. Jahrhundert aus dem Boden gestampft
gegneten einem an jeder Ecke. und nach einem neuen Stil der Stadtpla-
Das öffentliche Verkehrsnetz war eine Ka- nung durchkonstruiert. Łódź markierte das
tastrophe, überfüllte Busse und Straßen- Zentrum der Industrialisierung in Polen,
bahnen sowie lange Wartezeiten durch besonders die Textilindustrie machte die
plötzliche Ausfälle waren keine Seltenheit. Stadt bekannt. Die Großindustriellen, die
Łódź auf den ersten und auch auf den zwei- hier schnell zu Reichtum gelangten, bauten
ten Blick war nicht gerade anziehend. Dank über die Stadt verteilt richtige Wohnpaläste.
unserer Polnischlehrerin eröffnete sich mir Ungefähr 180 gibt es in Łódź, die beiden
die Stadt jedoch auf eine andere Sichtweise bekanntesten sind der „Pałac Poznanskiego“
und machte Łódź für mich zu einer recht und der „Pałac Herbsta“, die sich in ihrer
einzigartigen Erscheinung. Innenausstattung an Stuck, Holzvertäfelun-
gen, Jugendstilelementen, Mosaiken und
anderem teuren Schmuck gegenseitig zu
übertrumpfen versuchten. Neben diesen
Besonderheiten beherbergt Łódź ein brei-
tes kulturelles Angebot, allem voran das
jährlich stattfindende Filmfestival CAMERI-
MAGE im November und das Festival der
vier Kulturen im August. 100.000 Studenten
bei knapp 800.000 Einwohnern in Łódź,
lassen die Stadt in jeder Hinsicht leben. Es
ist eine Stadt, die sich hervorragend zum
Die Stadt besitzt kein richtiges Stadtzent- Lernen der Sprache eignet, denn hier sind
rum mit Kirche und Marktplatz, die Innen- es eben nicht Touristen, die das Straßenbild
stadt ist in ein rasterartiges Netz gegliedert, prägen, sondern man ist in jeder alltägli-
welches ein bisschen an die Straßen- chen Situation gezwungen, auch wirklich
schluchten von New Yorks Manhattan erin- Polnisch zu sprechen. Meistens freuen sich
nert. Umso interessanter war es für mich zu die Menschen, dass man ihre Sprache
erfahren, dass es tatsächlich einen Zusam- spricht.
menhang zwischen den beiden Städten Hier liegt sie, meine Antwort auf die so oft
gibt. Edward Lindley, beteiligt am Kanalisa- gestellte Frage. „Ich lerne Polnisch, weil es
tionsbau in Manhattan Mitte des 19. Jahr- mir Spaß macht und weil mir das Land und
hunderts, war ebenfalls an der Stadt- und seine Bewohner äußerst sympathisch sind“.
Abwasserplanung von Łódź beteiligt. Die Der erstaunte Blick des Gegenübers ver-
Stadt entstand nicht durch historisches schwindet dann meist und macht einem
Wachstum, sondern wurde aufgrund indus- breiten Lächeln Platz. Und auch ich freue
trieller Notwendigkeit und der guten logisti- mich dann, auf die Zukunft in einem wirk-
schen Lage im Zentrum Polens wegen im lich gemeinsamen Europa.

Bertine Stelzer:
bertine.stelzer@s2005.tu-chemnitz.de
GFPS e.V. www.gfps.org

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ES-Spiegel 5. Ausgabe www.tu-chemnitz.de/phil/europastudien

Praktikum: Christoph Schmitt,


Wolga Consult, Nischnij Nowgorod

Ich sitze auf dem Eis, die Ruhe ist ange-


nehm. Von Zeit zu Zeit ist in der Ferne ein
Dröhnen zu hören, wenn die Tramwai über
die Brücke rattert. Der restliche Lärm, den
die Industriemetropole, inmitten der ich
mich hier befinde, erzeugt, dringt nicht bis
zu mir. Manchmal durchbricht ein stolzer
Ausruf eines Anglers, der sich dieses Mal
offensichtlich an der rechten Stelle sein
Loch ins Eis gebohrt hat, die Stille. Zu den
Anglern zähle heute auch ich. Allerdings zu stungen, die für ausländische Unternehmen
den weniger erfolgreichen, mir frieren beim von ihrem Herkunftsland aus schwierig
Halten der Angel regelmäßig die nicht- durchzuführen sind. Wolga Consult betreut
russischen, d.h., nicht abgehärteten Finger mittelständische bis große europäische Fir-
ein. Deshalb ziehe ich es vor, die Atmo- men, die einen Markteinstieg in Russland,
sphäre, die relative Einsamkeit und den insbesondere im Föderalen Wolgabezirk,
traumhaften Ausblick zu genießen. Hier planen. Ein kleiner Überblick, was das hei-
mündet – bei heute minus 15°C – die Oka ßen kann: Marktstudien, Suche von geeig-
in die Wolga. Hier befindet sich Nischnij neten Grundstücken für den Produktions-
Nowgorod, viertgrößte Stadt des mit Ab- aufbau, Kontaktherstellung zu russischen
stand größten Landes der Welt – noch in Partnern, nicht zuletzt die Überwindung der
Europa. Hier kann man, wenn man etwas kulturellen und sprachlichen Barrieren – IKK
übrig hat für dieses Land der Extreme, des in der praktischen Anwendung! – und etli-
Wodkas, der Matrjoschkas und der gast- ches mehr. Als Praktikant assistiert man bei
freundlichen und herzlichen Menschen, so diesen Projekten, erfüllt Aufgaben, in die
wie ich sein Praktikum als Europa-Student ein Europa-Student – auch ohne wirt-
machen, allerdings nicht zwangsläufig in schaftswissenschaftliche Ausrichtung, dafür
der Fischfangindustrie. mit guten Russischkenntnissen – sich defini-
Nachdem das Land, die Stadt und der Zeit- tiv einarbeiten kann. Die Freiheiten sind
raum feststanden, stieß ich bei der Suche groß, denn gerade in einem kleinen Unter-
nach einer Praktikumsstelle zufällig auf nehmen hat man die Chance, sich in ver-
„Wolga Consult“. Nach Absprachen in eini- schiedenste Projekte einzubringen. Das
gen E-Mails und Telefongesprächen durfte Blickfeld bleibt nicht nur auf eine Abteilung
ich mich auf ein spannendes halbes Jahr in beschränkt, sondern man erhält einen um-
einem kleinen deutsch-russischen Bera- fassenden Gesamtüberblick. Das Besondere
tungsunternehmen freuen. „Beratung“ bzw. an diesem Praktikum ist u.a. die Chance,
„Consulting“ sind Begriffe, die über eine einen tiefen Einblick in die Strukturen und
Gemeinsamkeit mit „Europa-Studien“ verfü- Arbeitsabläufe in Russland zu bekommen.
gen: Nicht sofort ist verständlich, was sich Es bestätigt sich dabei, dass für einen Auf-
dahinter verbirgt. Im vorliegenden Fall han- enthalt in Russland Flexibilität mitgebracht
delt es sich um alle erdenklichen Dienstlei- werden muss, ebenso Geduld, wenn sich
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ES-Spiegel 5. Ausgabe www.tu-chemnitz.de/phil/europastudien

z.B. die russische Bürokratie mal wieder von deutsch-russischer Beziehungen arbeiten
ihrer besten Seite zeigt. Ich sehe jetzt, werde.
nachdem zwei Drittel des Praktikums hinter Und ich rate allen Europa-Studenten, bei
mir liegen, dass ich unzählige wertvolle nächster Gelegenheit aufzubrechen, um
Erfahrungen gesammelt habe. Sie stellen dieses Land kennen zu lernen!
für mich eine Basis dar, auf die ich aufbau-
en kann, wenn ich zukünftig im Bereich

Christoph Schmitt:
schmittcj@web.de
Wolga Consult: www.wolga-consult.com

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ES-Spiegel 5. Ausgabe www.tu-chemnitz.de/phil/europastudien

Praktikum: Julia Hettler & Anna Duleczus,


UNESCO-Biosphärenreservat, Sibirien

Jahrzehnten den Baikalsee mit ihren Gift-


stoffen verschmutzt, zu begrenzen.
Unsere Arbeit begann mit der Organisation
von Visum, Flug und ärztlich empfohlenen
Impfungen. Dies war aus eigenen Mitteln zu
bestreiten, da von der Praktikumsorganisa-
tion nur die Unterkunft im Dorf Tanchoj
finanziert wurde. Aufgrund spärlicher In-
formationen mussten wir die Organisation
selbst in die Hand nehmen. Zu unserem
Auftrag gehörte auch, diese organisatori-
schen Belange zu dokumentieren, um sie
für spätere Praktikanten und Touristen zu-
gänglich zu machen.

Beim Lesen der Europa-Studien-Mailingliste,


die das Angebot für ein mehrwöchiges
Praktikum in Sibirien unterbreitete, dachte
wohl jede(r) von uns: Ich möchte mitma-
chen! Das Praktikum war als Teil der Ent-
wicklung eines umwelt- und sozialverträgli-
chen Tourismus am Südbaikalsee (Sibirien)
im Rahmen des UNESCO-Programms Im August 2007 fand sich die ganze Gruppe
„Mensch und Biosphäre” zu verstehen. Nach nach individueller Anreise im sibirischen
einem formalen Bewerbungsschreiben mit Irkutsk ein. Allerdings waren wir noch sechs
Lebenslauf und Motivationsschreiben erhiel- Stunden Zugfahrt und 250 km von unserer
ten wir im Juni 2007 die Teilnahmebestäti- Praktikumsbasis Tanchoj entfernt. Unsere
gung. Dabei stellten wir (Anna Duleczus, allgemeine Aufgabenstellung beinhaltete,
Julia Hettler) fest, dass wir beide Europa- das UNESCO-Biosphärenreservat zu erkun-
Studentinnen an der TU Chemnitz sind. den, und für zukünftige Besucher Informa-
Insgesamt wurden 6 Praktikanten aus ganz tionen über die Flora und Fauna, Infra- und
Deutschland ausgewählt, um im UNESCO Gesellschaftsstruktur zusammenzutragen
Biosphärenreservat Baikalsk Informationen und bereitzustellen. Die Besonderheit eines
über die Region des Südbaikalsees (insbe- Biosphärenreservats ist, dass es nur nach-
sondere der Region um Tanchoj) zu erfas- haltig genutzt werden darf. Somit erhalten
sen und zu verbreiten. Das Biosphärenre- auch nur wissenschaftliche Touristen freien
servat wurde 1969 unter anderem gegrün- Zugang. Aufgrund der finanziell schwierigen
det, um die Umweltschäden durch indus- Lage des Reservats werden jedoch auch
trielle Ansiedlungen in der Region, zum Bei- von einem Ranger geführte, recht teure
spiel eine Papierfabrik in Baikalsk, die seit Besuche im Reservat für Individualtouristen

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ES-Spiegel 5. Ausgabe www.tu-chemnitz.de/phil/europastudien

angeboten. Das Hamar-Daban-Gebirge bie- drei besuchten auch den ehemaligen Eis-
tet interessante Möglichkeiten, die beein- brecher „Angara“, der auf dem Fluss Irkutsk
druckende Natur der Umgebung auf Wan- als Museum dient. Nach Absprache mit dem
derungen kennen zu lernen. Zuweilen be- Leiter bestand ein weiterer, recht nüchter-
gegnet man sogar Bären. Wölfe oder Ren- ner Teil unserer Arbeit darin, das Museum
tiere lassen sich hingegen selten blicken. für internationale Touristen zugänglich zu
machen, indem wir die auf Russisch vorlie-
genden Informationen ins Englische und
Deutsche übersetzten. Unsere wohl span-
nendste Aufgabe des Praktikums war, durch
die Region zu reisen, um Infrastruktur und
Informationsdienste kritisch zu beäugen.
Unsere Notizbücher füllten sich schnell.
Auch merkten wir bald, dass auf Standard-
verfahren der Reiseplanung, die uns ganz
selbstverständlich vorkamen, kein Verlass
war. Der einzige deutschsprachige Reise-
führer entpuppte sich als nicht unbedingt
Das kleine idyllische Tanchoj, ein 1000- hilfreich. Zu häufig änderten sich Abfahrts-
Seelen-Dorf, in dem sich die Verwaltung zeiten, falls es überhaupt festgelegte Zeiten
des Biosphärenreservats befindet, hat nicht gab. Die Gästehäuser, Informationszentren
nur den Baikalsee zu bieten, sondern blickt oder andere touristische Anlaufpunkte hat-
auch auf eine jahrhundertelange Geschichte ten unvorhersehbare Öffnungszeiten oder
zurück. Insbesondere durch den Bau der wechselten kurzfristig ihren Standort. Schil-
transsibirischen Eisenbahnstrecke, sowie der erweckten in uns gewisse Erwartungen
dem damit verbundenen Eisbrecherverkehr – was dahinter steckte, war eine ganz an-
über den Baikalsee gewann es an Bedeu- dere Geschichte. So konnte es durchaus
tung. So begaben wir uns auf die Suche vorkommen, dass sich ein als „Tourist Cen-
nach Materialien und Zeitzeugen, die uns ter“ ausgewiesener Anlaufpunkt als eine
bei der Erfassung der regionalen Geschichte Herberge für Zeitarbeiter entpuppte, die
behilflich sein könnten. Der aus Irkutsk uns schmunzelnd selbst darüber aufklärten.
stammende Leiter Vadim Michalowitsch
teilte die Praktikanten zur Erledigung der
Aufgaben in Dreiergruppen ein. Ziel unserer
Gruppe war, die bis dato unbekannte Ge-
schichte der Region der Öffentlichkeit im
Internet zugänglich zu machen. Unsere
Dreiergruppe stimmte mit Herrn Michalo-
witsch darin überein, dass das „Visit Center“
Hostel in Tanchoj besser organisiert werden
sollte. Auch stand der vorgefundene hygie-
nische Zustand dem Ziel der Tourismusför-
derung im Wege, ebenso die praktische
Organisation der Informationsweitergabe Somit lernten wir auf unserer Reise schnell,
und das Küchenmanagement. Auftragsge- dass derlei formale Informationen nicht gut
mäß und nach Absprache machten wir Ver- zu gebrauchen sind. Daher schrieben wir
besserungsvorschläge, die wir aus eigener Texte für die unten genannte Internet-
Erfahrung als passend und hilfreich emp- Seite, die brauchbarere Informationen für
fanden und die, wie uns später zugetragen unerfahrene Sibirienreisende bereitstellen.
wurde, auf positive Resonanz stießen. Wir Die Realisierung des Projekts insgesamt war
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ES-Spiegel 5. Ausgabe www.tu-chemnitz.de/phil/europastudien

nur durch die Grundkenntnisse in der russi- Burjaten förderte unsere interkulturellen
schen Sprache möglich. Praktikanten ohne Kompetenzen und bot uns eine unvergessli-
Sprachkenntnisse waren somit von Rus- che Zeit! Sicher werden auch im nächstjäh-
sischsprechenden abhängig. Während John rigen Starterprojekt „Baikal and I“ wieder
Thomas E. Osteuropa-Studien an der FU engagierte Menschen, die Herausforderun-
Berlin belegt hat und bereits gute Russisch- gen suchen und gerne annehmen, will-
kenntnisse mitbrachte, waren wir (Anna D. kommen sein. Im Gegensatz zu vielen an-
& Julia H.) durch den Sprachkurs der ver- deren Praktika ist man hier – 24 Stunden
gangenen Semester und durch vorherige am Tag – aktiv an der Entwicklung der Re-
Russlandaufenthalte gut gewappnet. Unser gion beteiligt und kann eigene Kreativität
Praktikum in Sibirien lehrte uns zu improvi- und eigenes Engagement wirkungsvoll ein-
sieren, aus einfachsten Situationen das bringen. Zum Weiterlesen und für Interes-
Schönste zu machen, spontan zu planen. sierte steht der sich noch im Aufbau befind-
Der authentische Einblick in die russisch- liche Link zur Verfügung. Für persönliche
sibirische Kultur und Mentalität und die Zu- Fragen stehen wir selbstverständlich auch
sammenarbeit mit Russen, Mongolen und gerne per E-Mail-Kontakt zur Verfügung.

Anna Duleczus: anna.duleczus@s2005.tu-chemnitz.de


Julia Hettler: julia.hettler@gmx.de
www.baikal-and-i.com

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Exkursion: Adam Slaby, Dreiländereck


TU meets TU – Flashback einer Exkursion

Die Technische Universität Chemnitz ist Liberec auch tschechische Kommilitonen –


bekannt für ihre zahlreichen Kontakte in unter der Leitung von Dr. Poštolka zustoßen
Mittel- und Osteuropa. Auf Kontakte mit sollten, war es, die Region rund um Liberec
tschechischen Universitäten wird dabei ein kennenzulernen, hier vor allem das
derart großer Wert gelegt, dass man eigens Dreiländereck zwischen Polen, Sachsen und
für diese Kooperationen über ein Sächsisch- Tschechien, sowie auch die Spezifika der
Tschechisches Hochschulkolleg (STHK) Region Oberlausitz. Dem Ziel der Exkursion
verfügt, dass unter der blendenden Leitung wurde auch das Programm unterstellt. So
von Frau Ilona Scherm steht. Der Lob, der konnten die Studenten gleich am ersten
Ilona für ihre Arbeit zusteht, würde für Tag mit der Seilbahn den Jeschken mit
dutzende Artikel ausreichen. Es ist vor allem seinem berühmten Fernsehturm erkunden
Ilona zu verdanken, dass wir – die und den schönen Ausblick über die
Studenten der Europa-Studien und ein paar Landschaft genießen. Am zweiten Tag
anderer Studiengänge – uns Ende folgte der Ausflug in die Umgebung von
September, unter der Führung von Prof. Dr. Liberec, unter anderem zu einer privaten
Wolfgang Aschauer und Ilona Scherm, auf Glashütte, untermalt durch den – heute
den Weg nach Liberec (Reichenberg) schon legendären – Kommentar von Dr.
machten, um die Studenten der dortigen Poštolka. Wahrscheinlich noch legendärer
Universität zu treffen, die – genauso wie die wurde die Führung durch die Karsthöhlen,
unsere den Namen „Technische Universität“ deren ungezwungene Freundlichkeit in die
trägt. Ziel der Exkursion – zu der dann in Chroniken tschechischer Gastfreundlichkeit

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ES-Spiegel 5. Ausgabe www.tu-chemnitz.de/phil/europastudien

eingeht. (Wer hier die Ironie nicht erkennt, Lebensstandards und auch der Kultur der
ist selber Schuld). Am dritten Tag folgte Sorben ergriffen werden.
dann im Exkursionsprogramm noch eine Natürlich kam auch das Ziel des
wissenschaftliche Untersuchung zur gegen- Kennenlernens von tschechischen und
seitigen Wahrnehmung der Nationen der deutschen Studenten nicht zu kurz. Bei den
gemütlichen, geselligen und amüsanten
Abenden wurde viel geredet, und die
anfänglichen Kommunikationsschwierigkei-
ten wurden sehr bald Geschichte. Dass die
Exkursion ein Erfolg geworden ist, zeigt sich
auch daran, dass es einen „spin-off“ gab,
die Exkursion nach Liberec, organisiert
durch die I`ES. Es war vermutlich nicht das
letzte Treffen der zwei TU‘s und deren
Studenten, und das ist auch gut so. Gerade
jetzt, wo die Kontrollen an den Grenzen
Tschechen und der Deutschen, und zwar in gefallen sind, bleibt die Entwicklung des
Zittau und in Hrádek nad Nisou – damals Dreiländerecks von immensem Interesse.
noch umständlich über etliche Grenzkontrol- Ein großer Dank gebührt Ilona Scherm vom
len erreichbar. STHK, die alles sorgfältig und mühevoll
Die letzten Tage wurden dann in der Lausitz organisierte, sowie auch Herrn Prof. Dr.
verbracht, im schönen Bautzen und dessen Aschauer, der für den wissenschaftlichen
Umgebung. Hier erkundete die Studenten- Teil zuständig war und durch dessen
gruppe die Facetten einer durch Kohleab- intensiven Einsatz die Studenten Neues und
bau geprägten Landschaft, sowie auch die Interessantes lernen konnten.
Maßnahmen, die zur Sicherung des

Díky a někdy brzy znovu!

Adam Slaby:
ja@adamslaby.cz
STHK: www.sthk.de

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Projekt: NMUN 2007/2008 – Chemnitz in New York


Janka Engbertz & Johannes Kunath

Bereits zum fünften Mal mischen Chemnit- in sieben selbstständige Emirate, die rei-
zer Studenten in New York bei der weltweit chen Ölreserven des Landes ebenso wie die
größten Simulation der Vereinten Nationen, Verbindung von Moderne und muslimischen
dem National Model United Nations mit, Traditionen, machen diesen Staat zu einer
unter ihnen auch sechs Europa-Studenten. reizvollen Herausforderung.
Sie werden im März in die Rolle eines inter-
nationalen Diplomaten schlüpfen und Ar- Uni und Uno – ein volles Programm
beitsweise, Organisation und Institutionen Die Position eines fremden Landes einzu-
der UNO hautnah erleben – gemeinsam mit nehmen und glaubwürdig zu vertreten,
über 4000 Studenten aus aller Welt: Ein bleibt eine große Aufgabe. Und so arbeiten
Resumée der bisherigen Aktivitäten von wir uns, ähnlich unserem Studium der eu-
Janka Engbertz und Johannes Kunath. ropäischen Staatenwelt, in Geographie,
Geschichte, Politik, Kultur und Ökonomie
Die Vereinigten Arabischen Emirate – unse- unseres Wunschlandes ein. Schwierigkeiten
re Herausforderung bereitet hierbei immer wieder die Zauber-
Die erste Handlung unseres Teams bestand formel „stay in character“: die möglichst
im Erstellen einer Liste von 10 Ländern, von realitätsnahe Repräsentation der VAE in den
denen ein Land für uns ausgewählt wird, einzelnen Komitees.
welches wir in New York repräsentieren Das Finden geeigneter Literatur erfordert
dürfen. Unser Favorit war der wirtschaftlich eine dementsprechende Ausdauer. In obli-
boomende Wüstenstaat der Vereinigten gatorischen, mindestens wöchentlichen
Arabischen Emirate – und zu unserer Freu- Treffen tragen wir dann unsere Ergebnisse
de bekamen wir den Zuschlag. Die einzigar- zusammen und setzen uns intensiv mit den
tige politische Gliederung, die Unterteilung Verfahrensregeln der UNO und dem Schrei-
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ben von Resolutionen und Reports ausein- New York werden. Wir hoffen auf eine er-
ander. Um unser Wissen zu komplettieren, lebnisreiche Zeit in New York und möglichst
lassen wir uns Spezialfragen von Experten vielfältige interkulturelle Begegnungen!
des Auswärtigen Amtes beantworten. Den
formalen Ablauf einer UN-Sitzung konnten Und die wichtigste Info zum Schluss: Wie
wir bereits in Probesimulationen in Ham- kann ich mitmachen?
burg und Regensburg üben – eine ideale
Vorbereitung, die zudem auch noch eine In der Regel findet zum Ende des Sommer-
Menge Spaß gemacht hat. Neben der in- semesters eine Ausschreibung der Professur
haltlichen Vorbereitung sind jedoch eine für Internationale Politik statt, in der das
Reihe organisatorischer Arbeiten zu bewäl- Projekt angesiedelt ist. Mit einem kurzen
tigen. Jeder Teilnehmer übernimmt zusätzli- Motivationsschreiben und Lebenslauf kann
che Aufgaben aus dem Bereich der Öffent- sich ausnahmslos jeder Student der TU
lichkeits- und Pressearbeit, der Eventpla- bewerben. Mit ein wenig Glück seid ihr nach
nung oder der Finanzierung. einem schmerzfreien Auswahlgespräch Mit-
glied der kommenden Delegation!
Entlohnung in New York

Die Belohnung für ein dreiviertel Jahr inten-


siver Vorbereitung wird zweifelsohne das
gemeinsame Debattieren und Diskutieren in

Anka Engbertz: janka.engbertz@s2006.tu-chemnitz.de


Johannes Kunath: johannes.kunath@s2006.tu-chemnitz.de
NMUN an der TU Chemnitz: www.tu-chemnitz.de/nmun/

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Alumni-Netzwerk

Wichtige Veränderungen gibt es im Bereich Plattform zu betreiben, die Studierende mit


der Alumni-Tätigkeiten der Europa-Studien. Alumni noch besser vernetzen kann. Von
Wie bereits in der letzten Ausgabe des der so gefestigten Bindung können alle Sei-
ES-SPIEGEL angekündigt, befindet sich das ten profitieren: Studierende lernen von Ehe-
Alumni-Netzwerk unseres Studienganges maligen über Karriere- und Masterangebo-
derzeit im Neuaufbau. Eine verbesserte te, Alumni festigen den Kontakt zur ehema-
Datenbank wurde geschaffen, bestehende ligen Studienstätte und werden so regelmä-
Daten katalogisiert und die Alumni-Seite ßig wertvolle Informationen erhalten.
überarbeitet, um fortan eine leistungsfähige

Um dies auch langfristig organisieren zu können, ist die Mitarbeit aller Europa-
Studenten, Dozenten und vor allem Alumni nötig, denn ein solches Netzwerk kann
nur dann fruchten, wenn eine umfassende Bereitschaft vorhanden ist, miteinander
in Kontakt zu treten. Daher laden wir alle Leser ein, sich in der neuen Datenbank
(www.tu-chemnitz.de/phil/europastudien/alumni/datenbank.php) des ES-Alumni-
Netzwerkes zu registrieren. Sie soll künftig das Fundament aller Alumni-Aktivitäten
des Fachbereiches Europa-Studien werden.

Auch das nächste große Ziel des Alumni- venten den aktuellen Studenten mit auf den
Projektes soll an dieser Stelle schon ange- Weg geben möchten: Berichtet wird zum
kündigt werden: Am 04. Juli 2008 wird es einen über Masterstudiengänge, die von
das Europa-Studien Sommerfest „Studi den ehemaligen Europa-Studentinnen Frie-
meets Alumni“ geben, zu dem Studenten, derike Merkel (Interkulturelle Germanis-
Dozenten und Absolventen herzlich eingela- tik/Deutsch als Fremdsprache) und Lisa-
den sind. Geplant ist, dieses Sommerfest Marie Heimeshoff (Global Political Economy)
außer zum Abschlussball auch zum großen derzeit absolviert werden. Zum anderen
Alumni-Treffen der Europa-Studien werden berichten Christian Weitzel und Veronika
zu lassen, um es dann allen Beteiligten zu Kallus aus der beruflichen Zukunft von Eu-
ermöglichen, ausgiebig und in angemesse- ropa-Studenten. Der Interdisziplinarität un-
nem Rahmen Kontakte zu pflegen und neu seres Studienganges geschuldet, könnten
zu knüpfen. Über das genaue Programm, diese Einsatzbereiche unterschiedlicher
den Ort der Veranstaltung und Möglichkei- nicht sein: Während Christian Weitzel nach
ten zum Kartenkauf werden wir auf allen einem Masterstudium als Bosch-Lektor in
Wegen rechtzeitig informieren. Moskau tätig war, arbeitet Veronika Kallus
Bis dahin bleibt, auf die spannenden heute in der St Giles` Cathedral in Edin-
Ratschläge zu verweisen, die unsere Absol- burgh.

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Master: Friederike Merkel, Interkulturelle


Germanistik/ Deutsch als Fremdsprache,
Göttingen

Im Juli 2007 habe ich meinen Bachelor in chen Interkulturelle Germanistik, Interkultu-
European Studies mit kulturwissen- relle Kommunikation, Angewandte Sprach-
schaftlicher Ausrichtung in Chemnitz abge- wissenschaft und Interkulturalität und
schlossen. Allerdings war ich schon im Sep- Fremdsprachendidaktik Pflicht. Weiterhin
tember 2006 scheinfrei, so dass ich mich sollen die Studierenden eine Kontrastspra-
für einen Auslandsaufenthalt in Spanien che erlernen – also unterschiedlich zur Mut-
entschied. Es verschlug mich in die andalu- tersprache, wobei zwischen japanisch, chi-
sische Stadt Granada, wo ich zunächst ei- nesisch, russisch, polnisch usw. gewählt
nen Spanisch-Kurs machte und anschlie- werden kann. Somit haben die Studieren-
ßend mein Geld mit Deutschunterricht ver- den die Möglichkeit, einmal selber in der
diente. Ich gab Kindern und Schülern Pri- Situation zu sein, eine völlig fremde Spra-
vatunterricht, was mir großen Spaß bereite- che zu erlernen. Während im zweiten Se-
te. Zurück in Deutschland wollte ich gern mester die bereits erworbenen Grundlagen
weiter studieren und machte mich auf die vertieft werden sollen, ist im dritten Semes-
Suche nach einem geeigneten Masterstu- ter sowohl ein Praktikum im Bereich der
diengang für mich. Da mir der Deutschun- interkulturellen Sprach- und Kulturvermitt-
terricht in Spanien große Freude bereitet lung, als auch ein „Independent Study Pro-
hat, wollte ich mich in diese Richtung orien- ject“ vorgesehen (Die Abteilung für Inter-
tieren und bin dabei auf die Georg-August kulturelle Germanistik pflegt vielfältige in-
Universität in Göttingen gestoßen. ternationale Kooperationen, auf die die Stu-
Hier wurde im Oktober 2007 der neue Mas- dierenden jederzeit zurückgreifen können).
terstudiengang Interkulturelle Germanistik / Das Besondere an diesem Studiengang ist
Deutsch als Fremdsprache eingeführt. An- die internationale Zusammensetzung der
fangs war ich sehr skeptisch, dass wir die Studierenden. In einem Klassenverband von
ersten Studierenden in diesem Fach sein 23 Teilnehmern sind die Deutschen in der
werden. Nach mittlerweile zwei Monaten Unterzahl, die ausländischen Studierenden
hat sich die Skepsis jedoch nicht bestätigt, kommen aus der Türkei, Marokko, Algerien,
im Gegenteil: bisher haben wir Masterstu- Usbekistan, China, Korea, Ukraine, Polen,
dierenden eine wunderbare Betreuung von Estland oder Italien. Alle deutschen Teil-
allen Verantwortlichen und Dozenten erhal- nehmer wiederum sind sehr weltoffen und
ten. Grundlegend beschäftigt sich der Stu- können schon die verschiedensten Aus-
diengang mit der Beschreibung der deut- landsaufenthalte vorweisen.
schen Sprache und Kultur sowie deren Aufgrund der unterschiedlichsten Kulturen
Vermittlung in interkulturellen Kontexten. In und Voraussetzungen kommt es natürlich
der Regel braucht man vier Semester, wo- regelmäßig zu Missverständnissen. Somit
bei das letzte für die Masterarbeit vorgese- leben wir Masterstudenten eigentlich das,
hen ist. Im ersten Semester ist der Besuch was wir studieren, was das ganze äußerst
von Grundlagenseminaren aus den Berei- interessant macht.

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Was die Stadt betrifft, so macht sie der 30.000 Studierenden ist die Stadt sehr jung
provinzielle Charakter sehr liebenswert. und belebt. Ich persönlich bin sehr begeis-
Alles ist mit dem Fahrrad innerhalb von fünf tert und kann es nur jedem weiterempfeh-
Minuten zu erreichen und immer trifft man len. Wenn ihr also persönliche Fragen habt,
Bekannte in der Innenstadt. Aufgrund der scheut euch nicht, mich anzusprechen.

Friederike Merkel:
friederikemerkel@gmx.de
Uni Göttingen:
www.uni-goettingen.de/de/49760.html

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Master: Lisa-Marie Heimeshoff


Global Political Economy, Kassel

Hallo liebe ES'ler!

Als ich im Sommer 2006 mein Bachelorstu- Für mich war meine Kombination von Sozi-
dium in den Europa-Studien abschloss, alwissenschaften und Wirtschaftswissen-
wusste ich nicht, was ich danach machen schaften genau die richtige Vorbereitung für
sollte. Dass ich noch einen Master machen den Master. Der Schwerpunkt in Kassel liegt
wollte, war mir klar, aber es gab so viele bei den Politikwissenschaften und der So-
Angebote, dass es für mich schwer war, ziologie, aber er wird erweitert durch die
eine Entscheidung zu treffen. Um mich nach wirtschaftswissenschaftlichen Aspekte in
einem geeigneten Master umzusehen, den Sozialwissenschaften. Von daher war
brauchte ich Zeit. Deswegen habe ich meine wirtschaftswissenschaftliche Ergän-
erstmal ein Jahr in Tschechien im Rahmen zung für mich eine große Hilfe, auch wenn
des Europäischen Freiwilligendienst bei der ein Tutorium in Wirtschaftswissenschaften
Schlesischen Diakonie in einem Zentrum für alle Studenten auf einen Level bringt. Ein
Kinder mit Behinderungen gearbeitet und Interesse an Politiktheorie sollte man mit-
mich gleichzeitig nach Masterstudiengängen bringen, wenn man in Kassel studieren
erkundigt. Ich wollte einen Masterstudien- möchte.
gang, in dem ich sowohl meine Ausrichtung Das Studium ist viel theoretischer als in
Sozialwissenschaften, als auch meine Er- Chemnitz. In unserem Programm beschäfti-
gänzung Wirtschaftswissenschaften weiter- gen wir uns vor allem mit Governance und
führen konnte. Außerdem sollte der interna- Globalisierung, ihrer Herkunft, ihren Formen
tionale Aspekt nicht außen vor bleiben. und ihren Konsequenzen. Im dritten Semes-
Schließlich bin ich im Internet auf einen ter werde ich auch meine Kenntnisse aus
Master in Global Political Economy (GPE) Chemnitz zur Europäischen Union anwen-
gestoßen und studiere diesen englischspra- den können, wenn wir die Theorie der ers-
chigen Masterstudiengang seit Oktober in ten zwei Semester in einen Kurs zu Europas
Kassel. Rolle im Globalisierungsprozess auf das
Der interdisziplinäre Studiengang Global Beispiel Europa beziehen. Mit mir zusam-
Political Economy orientiert sich an den men studieren noch 16 andere Studenten
gleichnamigen Programmen, die an ameri- aus der ganzen Welt GPE im ersten Semes-
kanischen und britischen Universitäten un- ter in Kassel. Meine Kommilitonen kommen
terrichtet werden, und beschäftigt sich mit aus den USA, Argentinien, Pakistan, der
dem Bereich der Politikwissenschaften, in Türkei, Russland, Usbekistan, Georgien,
dem sich internationale Politik und interna- Turkmenistan, Indonesien, Thailand, Japan,
tionale VWL überschneiden. Rumänien und Deutschland. Dadurch, dass
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wir so wenige und bis auf zwei Ausnahmen Damit nicht nur die ausländischen Studen-
neu in Kassel sind, ist der Zusammenhalt ten durch ihr Studium in Kassel ein Studium
groß. Ob wir gemeinsam auf den Weih- im Ausland erleben können, bietet der
nachtsmarkt gehen oder man an den Aben- Fachbereich den deutschen Studierenden
den zusammen in der Unibibliothek sitzt die Möglichkeit, ein Semester im Ausland zu
und Arbeiten schreibt - wir verbringen viel studieren. Im Rahmen der Internationalen
Zeit im Rahmen der GPE-Gruppe. Dass Kas- Studien- und Ausbildungspartnerschaften
sel vielleicht nicht die schönste Stadt der Uni Kassel mit der Rutgers University in
Deutschlands ist und in Kassel nicht so viel Newark, New Jersey habe ich ein Voll-
los ist, fällt bei den Ansprüchen des Studi- stipendium bekommen. Das nächste Se-
ums und des Arbeitsaufwandes für die ver- mester werde ich in den USA verbringen
schiedenen Kurse nicht ins Gewicht. Es und dort Global Affairs studieren.
bleibt nicht viel Zeit, während des Semes- Falls Ihr Fragen zu meinem Studiengang
ters neben der Uni noch etwas zu unter- habt, meldet Euch bei mir oder schaut Euch
nehmen. die Seite des Studienganges an.

Lisa-Marie Heimeshoff:
L.Heimeshoff@gmail.com
Uni Kassel:
www.uni-kassel.de/fb5/globalisation/ma_gpe/index.html

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Job & Karriere: Christian Weitzel, Bosch-Lektor, Moskau

Das hier, das ist der Christian. Christian hat Dolmetschen/Übersetzen, Phonetik, Politik,
in Chemnitz Europa-Studien studiert. Neu- Jura, Wirtschaft und Europa-Studien, über-
lich, als der Christian vorm Spiegel stand, wiegend in deutscher Sprache, aber auch in
sah er auf seiner Stirn eine Falte. Ein Stück- Englisch oder der jeweiligen Landessprache.
chen darüber, am Haaransatz, ein graues Ich unterrichte am Freien Russisch-
Haar. Falten und graue Haare bekommt Deutschen Institut für Publizistik der Staat-
man, wenn man alt wird. Macht aber nix, lichen Moskauer Lomonossow-Universität.
denn wenn man alt ist, dann darf man auf Hier erhalten Moskauer Journalistikstuden-
sein Leben zurückblicken. Also wurde der ten eine Zusatzausbildung in deutscher
Christian gebeten, sich mal als Alumnus zu Sprache. Den größten Teil meiner Zeit wid-
präsentieren. Im ES-Spiegel, Rubrik Karrie- me ich mich aber der Regionalkoordination
re. Karriere kommt aus dem Französischen. des Lektorenprogramms. Zu den Aufgaben
Wenn ein Pferd ganz schnell galoppiert, gehören die Unterstützung der Lektoren in
nennt der Franzose das Karriere. Klingt ko- Russland, 17 an der Zahl, die Vertretung
misch, ist aber so. Und passt ja auch ganz des Lektorenprogramms nach außen, die
gut. Denn wenn man mit 25 schon alt ist, Koordination mit anderen deutschen Kul-
dann muss alles schnell gelaufen sein. turmittlern in Russland wie dem DAAD, dem
Aber langsam ... Zurzeit bin ich als Regio- Goethe-Institut und den Kulturreferaten der
nalkoordinator des Lektorenprogramms der deutschen Botschaft und Generalkonsulate
Robert Bosch Stiftung in Russland. Das Lek- und die Zusammenarbeit mit weiteren Pro-
torenprogramm schickt deutsche Hoch- grammen der Robert Bosch Stiftung in
schulabsolventen für ein bis zwei Jahre Russland. Dafür habe ich ein hübsches,
nach Ostmittel-, Südost- und Osteuropa, obschon asbestverseuchtes Büro in der al-
um dort an einer Hochschule zu unterrich- ten Moskauer DDR-Botschaft am Leninskij
ten. 50 Lektoren unterrichten in 22 Ländern Prospekt bekommen. Wenn es Euch also
Germanistik, Deutsch als Fremdsprache, nach Moskau verschlägt, sei es zum studie-
deutsche und österreichische, ja sogar ren, arbeiten oder die Stadt anschauen,
schweizerische Landeskunde, Fachsprache, seid herzlich auf eine Tasse Instantkaffee,
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oder ein Glas Wodka eingeladen! Verschnitt von Selbststudium und Präsenz-
Im vergangenen akademischen Jahr war ich phasen bezeichnet, findet man schon bald
als Lektor für Europa-Studien an der Uraler nicht mehr so schlimm, da man während
Staatlichen Gorki-Universität in Jekaterin- dieses Studiums Dingen wie Human Re-
burg tätig. Bevor nun der Atlas gezückt source Management, Bildungsmarketing
wird: das liegt ein kleines Stückchen östlich und Informationsmanagement – kurz allem,
des Urals, aus geographischer Perspektive was man an einer Hochschule so vermark-
also in Asien. Tatsächlich gibt es, vielleicht ten kann – begegnet und lernen soll, den
15 Autominuten vom Stadtzentrum ent- Studenten als geldwerten Kunden eines
fernt, einen Grenzstein, auf dessen einen Bildungsanbieters zu begreifen.
Seite Asien, auf der anderen Europa liegen Auf einen mehrjährigen Aufenthalt in Russ-
soll. Für die Reisewilligen unter Euch: lohnt land hatte ich es eigentlich nie abgesehen.
sich nicht. Aber zurück zum Thema. An der Aus meiner Heimat, dem Ruhrgebiet, hat
Fakultät für Internationale Beziehungen der mich 2001 die Gründung der Chemnitzer
UrGU, so der Kurzname der Uni, habe ich Europa-Studien nach Sachsen gelockt. Im
für Studenten der Internationalen Bezie- Profil Sozialwissenschaften mit der Ergän-
hungen und Regionalistik mit dem Schwer- zung Kulturwissenschaften habe ich vor
punkt Europa Seminare zu den klassischen allem Europarecht und Kultur- und Länder-
sozialwissenschaftlichen Bereichen der Eu- studien OMEs studiert. Nach dem zweiten
ropa-Studien gehalten: Einführung Organe Semester habe ich ein Praktikum im Euro-
und Institutionen der EU, Einführung Euro- päischen Parlament absolviert, und die Per-
parecht, die EU als politisches System und spektive, nach dem Studium für eine EU-
Rechtsgemeinschaft, Minderheitenpolitik in Institution zu arbeiten, hat mich trotz der
Ostmitteleuropa. elitären, kühlen Atmosphäre in Brüssel lan-
Dass ich aus dem Chemnitzer Studium für ge nicht losgelassen. Mein Interesse für
meine spätere Tätigkeit Relevantes mitge- Mittel- und Osteuropa hat mich dann dazu
nommen habe, liegt also auf der Hand. Ins- bewegt, mir einen Studienplatz für ein Aus-
besondere die Seminare von Herrn Niedobi- landssemester in einem der damaligen Bei-
tek und Herrn Aschauer haben Früchte ge- trittskandidatenländer zu suchen. Da die
tragen. Sogar mein Seminarbesuch bei Frau Europa-Studenten zu der Zeit noch auf kei-
Neuss, die von einer Russlandexkursion zu ne gewachsenen Strukturen zugreifen
berichten wusste, der Russlanddeutsche an konnten, habe ich einen Erasmus-Vertrag
sich könne, im Gegensatz zum Russen an zwischen der TUC und der Latvijas Universi-
sich, gerade Zäune bauen, hat sich gelohnt. tate organisiert. Mein Semester dort war
Irgendwie. Neben der Lehre sind Projektar- eine Katastrophe – aber mittlerweile scheint
beit und Fortbildung Hauptbestandteile des es ja einen regen Austausch zu geben, wie
Lektorenprogramms. Als größtes Projekt mir im Winter 2005 gleich ein ganzer Hau-
habe ich an der UrGU, gemeinsam mit der fen Chemnitzer Studenten in Riga zeigte.
Uni Tjumen und einer Reihe von Förderern, Nach diesem Semester ging dann alles ganz
eine internationale Konferenz zur Zukunft schnell. Projektarbeit, B.A.-Arbeit, Ab-
der EU-Russland-Beziehungen organisiert. schlussprüfungen. Im Anschluss ging ich an
Der Konferenzband kostet übrigens 19,90€. das Zentrum für Europäische Integrations-
Kauft! Aber auch Lehrerfortbildungen und forschung in Bonn, wo ich einen Master of
Blockseminare an anderen russischen Unis European Studies gemacht habe. Ein Studi-
und nun, im Wahljahr, ein Projekt zur um, das jedem zu empfehlen ist, der das
Wahlbeobachtung stehen auf dem Pro- Wort Karriere in all seinen Dimensionen als
gramm. Von den Unis Oldenburg und Hil- Zielvorstellung begreift: exzellente Lehre,
desheim werde ich in Bildungsmanagement aber keine Zeit, sie wirklich in Anspruch zu
fortgebildet. Das Studium erfolgte durch nehmen (25 Seminare in 8 Monaten), dazu
„blended-learning“. Diesen Begriff, der den Exkursionen nach Straßburg, Brüssel,
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ES-Spiegel 5. Ausgabe www.tu-chemnitz.de/phil/europastudien

Frankfurt, Berlin, Karriereberatung, Ver- Letztendlich hieß die Frage dann: Lobbyar-
handlungstraining, Bewerbungstraining, ... beit in Brüssel oder Lektor in Jekaterinburg.
Das volle Programm. Um seelischen Aus- Mit der Antwort bin ich sehr zufrieden. Ich
gleich bemüht und von der Brüsseler Karrie- habe hier in Russland sehr viel gelernt, die
re therapiert, bin ich im Anschluss nach noch vor mir liegende Zeit in Moskau wird
Südosteuropa galoppiert, in der naiven An- natürlich noch besser als die hinter mir lie-
nahme, man könnte dort einfach für eine gende in Jekaterinburg, und nun ist es auch
der zahlreichen NGOs arbeiten. Nachdem schon wieder Zeit, Bewerbungsfotos ma-
ich als Freiwilliger für das Makedonische chen zu lassen.
Helsinki Komitee für Menschenrechte gear-
beitet und mich für die Friedrich-Ebert- Mit Falte und grauem Haar.
Stiftung in Skopje mit dem Einfluss von EU
und Europarat auf die Sprachenrechte in
Makedonien befasst habe, ging mir dann
leider das Geld aus. Also doch Bewerbun-
gen nach Brüssel und quer durch Europa,
dazu ein Praktikum in der Europa- und Christian Weitzel:
Wirtschaftsabteilung der deutschen Bot- weitzel@dgap.org
schaft Riga.

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ES-Spiegel 5. Ausgabe www.tu-chemnitz.de/phil/europastudien

Job & Karriere: Veronika Kallus,


St Giles` Cathedral, Edinburgh

St Giles’ Cathedral ist die Mutterkirche des einen Teil ihrer Zeit für einen guten Zweck
schottischen Protestantismus, der von John verwenden und ehrenamtlichen Tätigkeiten
Knox gepredigt wurde. Gelegen auf der nachgehen. St Giles’ hat ungefähr 120 eh-
Royal Mile, mitten in der Altstadt Edin- renamtliche Führer, die für durchschnittlich
burghs, versammeln sich hier immer noch drei Stunden pro Woche in die Kirche kom-
jedes Jahr die führenden Personen der men und dort helfen, wo sie gebraucht
schottischen Politik und des öffentlichen werden.
Lebens, und auch die Königin kommt re-
gelmäßig, um neue Ritter in den Diestelor-
den aufzunehmen. St Giles’ hat bis zu einer
halben Million Besucher im Jahr, weit über
100 Konzerte finden statt, es ist eine der
meistbesuchten Touristenattraktionen Edin-
burghs; gleichzeitig wird großer Wert dar-
auf gelegt, dass es sich dabei immer noch
um eine „lebendige Kirche“ handelt, mit
vier großen Gottesdiensten am Sonntag,
zwei unter der Woche und einem kurzen
Gebet jeden Tag um zwölf. Ich habe diese Stelle vor eineinhalb Jahren
Meine Position nennt sich Visitor Services angenommen. Nachdem ich im Februar
Manager, ich befasse mich also damit, die 2006 mein Studium abgeschlossen hatte –
Kathedrale für Besucher attraktiv und zu- mit einer Bachelorarbeit über Opium und
gänglich zu machen. Das umfasst sowohl englische Literatur – ging ich Mitte März
„normale“ Büroarbeit, wie Email- und Tele- direkt nach Edinburgh. Schottland war
fonanfragen zu beantworten, die Website schon lange Zeit „mein Land“, und nach-
zu verwalten und unzählige Ordner zu bän- dem ich im Rahmen der Europa-Studien
digen, als auch die Organisation von Grup- eines meiner Praktika in Edinburgh gemacht
penbesuchen, Konzerten und Ausstellun- hatte, wollte ich nach dem Abschluss
gen, das Verfassen von neuer Informations- erstmal dorthin zurück. Nach ein paar Wo-
literatur und die Entwicklung neuer Projek- chen wohlverdienten Urlaub und einem
te. Einen Großteil meiner Zeit verwende ich Gelegenheitsjob fand ich dann dieses Stel-
allerdings auf die Betreuung unserer Kir- lenangebot für St Giles’ in der Zeitung und
chenführer. Das „Volunteersystem“ ist in bewarb mich einfach. Was den letztendli-
Großbritannien gang und gäbe, also die chen Ausschlag für meine Einstellung gab,
Möglichkeit, dass Studenten und Rentner weiß ich immer noch nicht, aber ich schät-
und andere Leute mit freier Zeiteinteilung ze, dass eine ganze Menge Faktoren

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ES-Spiegel 5. Ausgabe www.tu-chemnitz.de/phil/europastudien

zusammen kamen. Zum einen hatte ich änderungen, die im Tourismusverhalten


mich während des Studiums so intensiv wie eine Rolle spielen können, aber auch, rich-
möglich mit englischer Literatur (was der tige Quellenangaben zu machen...
Sprache zugute kam) und schottischer Ge- Einen Großteil der benötigten Fähigkeiten
schichte und Politik befasst. Zum anderen habe ich mir allerdings während meiner Zeit
hatten meine Praktika alle einen vagen Zu- in St Giles’ aneignen müssen. Aber das ist
sammenhang mit Öffentlichkeitsarbeit be- wohl in jeder neuen Arbeitsstelle so. Das
ziehungsweise Tourismus. Vor dem Studium Allerwichtigste ist meiner Ansicht nach aber
hatte ich in einer Glas-Kunst-Galerie gear- immer noch das Interesse an Land, Leuten,
beitet, dann ein Praktikum bei einer Zeitung und dem, was ich mache! Während meiner
in Rumänien gemacht und schließlich eins Zeit hier habe ich 4 Praktikanten aus den
im Pressebüro der National Galleries of USA, Frankreich und aus Deutschland, mit
Scotland in Edinburgh. einer Praktikumsdauer von 4 Wochen bis zu
Die Tatsache, dass man sich in Europa- drei Monaten betreut. St Giles’ ist eine Or-
Studien mit einer Fülle von verschiedenen ganisation, die größtenteils von Spenden
Fächern beschäftigt, hat es mir relativ leicht finanziert wird, und daher keine Aufwands-
gemacht, im Vorstellungsgespräch die nöti- entschädigung übernehmen kann; aller-
ge Ausbildung für bestimmte Facetten der dings kann ich Interessenten mit Rat und
Arbeit vorzuweisen. Aber ein großes biss- ein bisschen Tat bei der Unterkunftssuche
chen Glück war auch daran beteiligt, dass und anderen organisatorischen Dingen zur
ich diese Stelle bekommen habe. In der Seite stehen.
täglichen Arbeit kommen mir jetzt viele
Dinge zugute, die im Studium eine Rolle
spielten, wie zum Beispiel Sprachen oder
ein gewisses Verständnis für regionale Ver-

Veronika Kallus:
veronika.kallus@web.de
St Giles’ Cathedral:
www.stgilescathedral.org.uk

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Auch im Bereich Europastimmen werden die Kommentare von Petra Laube (Master Europäische
Geschichte) und Philipp Stroehle (FSR, Europa-Studien) auf Veränderung und Umschwung
hinweisen. Petra Laube erzählt, wie es ihr beim Wechsel vom Bachelor-Studiengang Europa-
Studien zum Master-Studiengang Europäische Geschichte ergangen ist, und Philipp Stroehle
beschreibt, wie die neuen Erschwernisse, die das Semester mit sich brachte, das Studium aus
Sicht des Fachschaftsrates beeinflusst haben und welche Europa-Studenten fortan unseren
Studiengang in den Gremien der Universität vertreten werden.

Der gut angezogene Mann mit Bart Petra Laube

Nach dem endgültigen Nein kommt ein Ja.


Und von diesem Ja hängt es ab
wie das Leben fortgeht.
Nein war die Nacht.
Ja ist die gegenwärtige Sonne.
(Wallace Stevens)

Als man mich fragte, warum es für das der beruflichen und privaten Bindung an
Masterstudium ausgerechnet das Fach Eu- diese Stadt, sondern auch, weil ich die sehr
ropäische Geschichte sein sollte, kamen mir gute Lern- und Lehratmosphäre an der TU
die Verse des Amerikaners Wallace Stevens hoch schätze. Von baulichen Mängeln mal
mit diesem sonderbaren Titel in den Sinn. abgesehen, ist sie im Inneren technisch gut
Freilich hatte der gut angezogene Versiche- ausgestattet – und auch wenn der erste
rungspräsident aus Connecticut die radikale Eindruck vielleicht ein anderer ist – im
Frage nach dem Fortgang der eigenen Exis- Grunde ist sie doch eine Universität der
tenz im Auge. Doch nebenher komprimiert kurzen Wege, denn Poolräume, Hörsäle,
er mit schlichten Worten eine menschliche Mensa, Wohnheime und die Büros der Pro-
Befindlichkeit auf das Wesentlichste – näm- fessoren liegen im kleinen Zirkel. Was in-
lich die Zwickmühle, passende Entschei- dessen gleich ins Auge fällt, ist der gegen-
dungen im richtigen Moment zu treffen. Das wärtige Wandlungsprozess. Es bewegt sich
kann fix gehen oder zuweilen schlaflose und es passiert was. Sichtbare Zeichen die-
Nächte verursachen, wobei in meinem Fall ser Dynamik sind die regen Baumaßnahmen
keine dieser Möglichkeiten zutraf, aber eini- an den Bürogebäuden am Thüringer Weg
ge Überlegung hat die Absicht, den Master- oder der Physik-Neubau, um nur zwei Bei-
abschluss anzustreben, schon gekostet. spiele zu nennen. Dass dieser innewohnen-
Wenn man den Bachelor für Europa-Studien den Dynamik allerdings auch Lehrstühle
erlangt hat, bieten sich an der TU Chemnitz zum Opfer fallen, gefällt nicht jedem. Nicht
speziell zwei Wege zum Master. Entweder immer trösten attraktive Studiengänge, die
man wählt das Fach Europäische Integrati- ihresgleichen im Bundesgebiet suchen, über
on oder das Fach Europäische Geschichte. die Annahme hinweg, dass die Wirtschafts-
Schon im Bachelorstudium lag mein lobbyisten an unseren Hochschulen mehr
Schwerpunkt auf der kulturwissenschaftli- Einfluss besitzen als das akademische Po-
chen Ausrichtung, die auch im Masterstudi- tenzial.
um nicht verloren gehen sollte, so dass ich Wenn ich mir früher vorstellte zu studieren,
schließlich aus dieser Erwägung heraus dem dann kamen Germanistik in Betracht, Litera-
Fach Geschichte die größeren Sympathien tur vielleicht oder Fremdsprachen – aber
entgegenbrachte. Fest stand auch, dass ich Europa-Studien? Noch nicht gehört… Und
in Chemnitz bleiben wollte, nicht nur wegen doch hieß der Entschluss im Jahr 2004:

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Das soll es sein. Den Ausschlag gab vor nen Standpunkt fest zu vertreten will ge-
allem die dem Studiengang eigentümliche nauso gelernt sein wie die Pflege einer kon-
Vielseitigkeit. Man kann fast alles haben: struktiven Streitkultur und das Verarbeiten
Sprachen, Literaturwissenschaft, Jura, von Misserfolgen. Denn bei allem Spaß und
Volkswirtschaft, Geographie, Politik, Ge- Erfolg im Studium bleiben Niederlagen nicht
schichte, Kulturwissenschaft und Philoso- aus, soviel ist sicher. Aber was dann? Wel-
phie. Hier wähnte ich mich vor der Monoto- che Strategie kann da hilfreich und sinnvoll
nie und dem Tunnelblick einer einzigen sein?
Fachrichtung geschützt. Doch was die Att- Ja gut, ich schweife jetzt etwas ab, aber ein
raktivität der Europa-Studien ausmacht, Griff in die Psychokiste kann wirklich nicht
erweist sich zugleich als ihre Achillesferse. schaden. Es ist von Zeit zu Zeit ganz nütz-
Denn das Berühren vieler Themenbereiche lich innezuhalten, um sich folgende Fragen
birgt die Gefahr, überall nur an der Oberflä- zu stellen: Wer bin ich? Wo bin ich? Warum
che zu kratzen. Ob ich mich trotzdem noch bin ich hier? Was tue ich hier? – Und das
mal dafür entscheiden würde? Ja. Europa- Allerwichtigste: Will ich das? Das Konzept
Studien sind eine prima Basis für weiterfüh- beruht auf einer einfachen Wirkung. Unsere
rende Studien, und schließlich liegt es auch innere Stimme verschafft sich auf diese
an jedem selbst, was er daraus macht. Die Weise Gehör, und wenn es gelingt, die letz-
Plattitüde meint das Auffinden eines roten te Frage eindeutig zu beantworten, dann ist
Fadens, der dem Studium gegebenenfalls zumeist ein Lösungsweg in Sicht.
die Stringenz und nötige Tiefe verleiht. Gerade noch rechtzeitig – vielleicht mor-
Im Regelfall dauert das Masterstudium vier gens vor dem Rasierspiegel – vernahm Wal-
Semester. Das Spektrum im Fach Geschich- lace Stevens den Klang seiner inneren
te reicht von der Antike über das Mittelalter Stimme. Das rettete ihn. Fortan navigierten
bis zur Europäischen Geschichte des 19. Rebellion und Poesie den gut angezogenen
und 20. Jahrhunderts. Ergänzend kommen Mann mit Bart durch sein vom Zwang der
noch Regional- und Wirtschaftsgeschichte Funktionalität geprägtes Leben, dem er mit
sowie die Module aus den Kultur- und Län- flirrenden und schwirrenden Gedanken ent-
derstudien hinzu. Verwertbare Einsichten kam, die er in seinen Gedichten einfing.
zum Masterstudium kann ich Euch nach der Warum erwähne ich ihn überhaupt? Nun,
relativ kurzen Zeitspanne eines Semesters Rebellion und Poesie sind keine schlechten
noch nicht mitteilen. Nur soviel sei schon Komponenten für ein aussichtsreiches Stu-
gesagt, dass der Wechsel der Studiengänge dium. Stevens durchschaute den Fluch von
auch einen Wechsel der Lern- und Arbeits- Angepasstheit und Karierrestreben. Er hielt
methoden nach sich zieht. Von der aktiven inne und erkannte sich selbst. So enden
Gestaltung der Seminare durch Rollenspie- seine Verse denn auch mit einer aufrühreri-
le, Stimm-/Sprachtraining, Simulation von schen Zeile, die ich gern als eingemeißeltes
Gerichtsfällen, Analyse tagespolitischer Credo über unserem Universitätsportal se-
Themen etc. gerät man im Fachgebiet Ge- hen würde:
schichte eher in den passiven Part, den
„Er kann niemals zufrieden gestellt werden,
beständige Textrezeption und deskriptives
der Geist, nie.“
Betrachten historischer Ereignisse erfor-
dern. Gemeinsam ist beiden Studiengän-
Petra Laube:
gen, dass es nicht allein um Faktenwissen
geht. Es kommt primär darauf an, sich wis- petralaube@hotmail.com
senschaftliche Arbeitsmethoden anzueig- lape@hrz.tu-chemnitz.de
nen, seine Kommunikationsfähigkeit zu
schulen, neue Denkmuster auszuprobieren
und andere Sichtweisen zu akzeptieren. Sei-

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Eine Art Super-GAU – Philipp Stroehle

Aus Sicht der studentischen Vertretung war Des Weiteren wurden wieder neue Vertreter
das Wintersemester 2007/08 aus mehreren in die Studienkommissionen und die Prü-
Gründen etwas ganz Besonderes. Begonnen fungsausschüsse delegiert. Die Namen der
hat alles mit einer Art Super-GAU, dem Exp- Vertreter sind unter:
lodieren der Studierendenzahlen, da mehre- www.tu-chemnitz.de/fsrphil
re Zulassungsbeschränkungen aufgehoben
wurden. Infolgedessen ist es auch in den (Æ Gremien) einsehbar. Auch die Plätze im
Veranstaltungen der Europa-Studien, vor al- Studentenrat und im Fakultätsrat wurden
lem in den Sozialwissenschaften, zu Über- neu verteilt. Hier hatten sich ebenfalls Eu-
füllungserscheinungen gekommen. Der ropa-Studenten zur Wahl gestellt. Martina
Fachbereich Europa-Studien dahingegen Schubert (1.FS) wird in den nächsten zwei
muss sich selbst keine Sorgen machen, Semestern im Studentenrat aktiv sein und
auch für das nächste Wintersemester soll Philipp Stroehle konnte als studentischer
ein NC für jeweils maximal 30 Immatrikula- Vertreter im Fakultätsrat bestätigt werden.
tionen je Ausrichtung beantragt werden. Allen Gewählten und Benannten möchte ich
Grund zur Freude gibt es vor allem, da sich recht herzlich gratulieren. Ich wünsche
die Europa-Studenten in diesem Winterse- euch viel Erfolg in der Studentenvertretung
mester wieder sehr aktiv in die studentische und hoffe auf eine gute Zusammenarbeit
Selbstverwaltung eingebracht haben. Das zwischen den verschiedenen Gremien.
Resultat kann sich sehen lassen! Anett Für die Prüfungszeit und die Hausarbeiten
Ludwig (3. FS) konnte sich bei den Wahlen wünsche ich allen Europa-Studenten ein
zum Konzil behaupten und wurde mit einer gutes Gelingen! Und vergesst nicht, dass es
überwältigenden Mehrheit an erste Stelle neben dem Lernen auch noch schöne Dinge
gewählt. Zudem ist Anett gemeinsam mit im Leben gibt…!
Viktoria Beinrott (1. FS) und Philipp Stroeh-
le (3. FS) in den Fachschaftsrat der Philoso-
phischen Fakultät gewählt worden. Damit Philipp Stroehle:
konnten alle drei Kandidaten der Europa- philipp.stroehle@s2006.tu-chemnitz.de
Studien einen Erfolg verbuchen. An dieser FSR-Phil: www.tu-chemnitz.de/fsrphil
Stelle möchten wir uns noch einmal für euer
Vertrauen bedanken! Wir sind jederzeit und
gern dazu bereit, eure Interessen zu unter-
stützen und euch bei Problemen zu helfen.

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I’ ES

Mit dem Semesterbericht der Initiative Europastudien e.V., diesmal von Maximiliane Reifen-
scheid, möchten wir die 5. Ausgabe des ES-SPIEGEL abschließen. Ein letztes Mal sei auf das
Motiv Veränderung hingewiesen: In der I`ES hat es im vergangenen Semester unzählige Aktivi-
täten und zahlreiche Neuerungen gegeben – von Studienberatung über Seminare und Exkursi-
onen bis hin zum Umzug.

Abend hinter die Bar gestellt, um alle An-


wesenden mit Caipirinhas zu versorgen.
Nun wird es während der Prüfungszeit und
der Semesterferien wieder ruhiger werden
im Initiativenleben. Zeit also, um einen
kleinen Rückblick auf die Aktivitäten dieses
Semesters zu werfen.
Einiges hat sich getan. Dieser Bericht ent-
steht zum Beispiel im I’ES Büro an unserem
„neuen“ alten Rechner, den wir uns erfolg-
reich vom StuRa erkämpfen konnten. (Der
StuRa muss nun nicht auf alten Schreibma-
Nun ist es wieder einmal an der Zeit, vier schinen klappern, sondern hat einfach nur
Monate sind schnell vergangen und das neue Rechner gekriegt).
Wintersemester 07/08 geht dem Ende ent-
gegen.
Für einige Studenten ist das Ende der Vor-
lesungszeit Anlass zum Aufatmen. Die Refe-
rateflut ist überstanden, zahlreiche Stunden
in unliebsamen Veranstaltungen abgeses-
sen und all die ungelesenen Readertexte
können nun ruhigen Gewissens in Ordnern
ganz hinten im Regal verstaut werden. Für
viele geht jetzt aber auch die eigentliche
Arbeit erst los. Die Referateflut wird durch
Unmengen an Klausuren abgelöst, statt im
Vorlesungssaal einen kurzen Schwatz mit Dieser Bericht entsteht aber nicht nur auf
dem Nachbarn halten zu können, warten einem neuen Rechner, nein, viel besser,
unliebsame Hausarbeiten darauf, in das seit wenigen Wochen sind wir nun in den
weitaus weniger kommunikative elektroni- schicken neuen Büroräumen im Thüringer
schen Gegenüber geklopft zu werden. Zu- Weg 9. Lange war der Umzug angekündigt.
dem stellt der arbeitsame Student fest, dass Nach der Durchführung im November sind
Readertexte doch zumindest den charman- wir letztendlich vom Erdgeschoss in die
ten Vorteil haben, dass man sie nicht erst in dritte Etage aufgestiegen und befinden uns
mühsamer Recherchearbeit selbst zusam- nun sozusagen auf Augenhöhe mit unseren
mensuchen muss. ES-Dozenten, die auf demselben Gang sit-
Nun, zumindest die I’ES hat ihren offiziellen zen. Damit sich nun aber nicht nur die
Abschied des Wintersemesters 2007/08 vor sechs Schlüsselträger des Vorstands an den
wenigen Tagen begangen. In alter Tradition neuen Räumlichkeiten erfreuen können,
haben sich ES-Studenten im Peb versam- gibt es brandaktuell eine wöchentliche
melt und sich das Dozenten-Team für einen
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Bürozeit, immer Freitag von 9.30 - 11.00 zu verbringen. Erstsemester sollten die Ge-
Uhr. Hier können nun nicht mehr nur, wie legenheit haben, die I’ES noch mal richtig
üblich, alte Klausuren entliehen werden, kennen zu lernen, um vielleicht schon erste
nein, der neue Stolz der Initiative ist unser Aufgaben zu finden, die sie in Zukunft ger-
kleiner Sony-Camcorder. Dieser wurde auf ne übernehmen möchten. Zudem wurden
Beschluss der Mitgliederversammlung vor grundlegende Einblicke in die Projektorga-
kurzem angeschafft und steht nun allen nisation gegeben und auch schon neue Pro-
Mitgliedern zur Verfügung, die sich in Film jektideen entwickelt. Somit ist also ein ge-
und Fotokunst erproben wollen. Und als wisser Arbeitsbestand für das nächste Se-
wäre das nicht schon zu viel der schönen mester bereits gesichert, es wird also auch
neuen Möglichkeiten, warten etwa 120 Bü- im Sommersemester nicht langweilig wer-
cher im Büro auf Ausleihe durch wissbegie- den.
rige Studenten, die in der Bibliothek kein Kurz nach der Weihnachtspause fand dann
Glück mit der Suche nach Büchern zu The- ein weiteres Highlight statt: der Workshop
men rund um Europa hatten (zum Beispiel „Quo Vadis Europa?“. Organisiert von der
zahlreiche Werke der Bundeszentrale für I’ES wurden ein Wochenende lang Vorträge
Politische Bildung, die nicht in der Bibliothek zu Themen rund um Demokratie, Ostmittel-
geführt werden). An dieser Stelle sei auch europa und die Zukunft der Europäischen
den Dozenten ein freundlicher Dank ausge- Union gehalten. Das Besondere daran war,
sprochen, die uns Bücher aus ihrer eigenen dass einmal ausschließlich Studenten Rede-
Sammlung zur Verfügung gestellt haben. recht hatten. Die Vorträge wurden von Stu-
Soviel zu den Neuigkeiten im Bereich Orga- denten verschiedener Fachrichtungen
nisation und Technik in der Initiative. gehalten, die sich als junge Experten zu
ihrem jeweiligen Thema präsentierten. Ins-
Aber auch im Bereich der gemeinsamen gesamt sprachen an dem Wochenende vier
Aktivitäten ist in diesem Semester einiges unserer zukünftigen Fachschaftsräte, drei
passiert. Neben der bereits erwähnten Ab- Redner kamen als Gäste von anderen Uni-
taktparty wurden weitere Initiativen- versitäten angereist, und insgesamt stamm-
Traditionen fortgeführt. Im Dezember fand ten Redner und Teilnehmer aus sechs ver-
zum Beispiel zum Nikolaustag wieder das schiedenen Nationen Europas. Eine gute
Laternen-Laufen statt. Leider zwang uns Mischung also, die es erlaubte, Demokratie
das regnerische Wetter, den Schwerpunkt und Zukunft Europas einmal aus ganz ver-
auf das Lampion-Basteln im ersten Stock schiedenen Blickwinkeln zu betrachten.
der ReBa (Reitbahnstraße) zu legen und der Aber auch die Teilnehmer waren stark ge-
eigentliche Lauf beschränkte sich darauf, fordert an diesem Wochenende. So bega-
eine Runde laternenwedelnd durch das obe- ben sie sich in das Jahr 2009, um als Kri-
re Stockwerk ziehen. Dafür waren die fleißi- senkomitee der EU in der Türkei aktiv zu
gen Bastler aber nicht weniger gut gelaunt, werden, wo nach Ablehnung der türkischen
denn die gemütliche Atmosphäre mit Plätz- EU-Mitgliedschaft ein Bürgerkrieg auszubre-
chen und Glühwein sorgte für gute Stim- chen drohte. Zudem galt es im Rahmen
mung. Als dann schließlich noch Gitarren- einer Oxford-Debatte die Rolle der EU als
spiel und Schlagergesang zum Einsatz ka- „Garant der Demokratie in Europa“ zu ver-
men war der Abend trotz des schlechten teidigen bzw. die Gegenposition einzuneh-
Wetters ein Erfolg. men, und schlagkräftige Argumente gegen
Im Dezember fand dann noch ein weiteres die EU vorzubringen.
Highlight des Initiativen-Semesters statt: Rückblickend hat sich also einiges getan in
die Strategietagung/Intiativenfahrt nach diesem Semester. Wer sich für einzelne
Liberec. Vierzig ES-Studenten brachen Mitte Projekte genauer interessiert, oder einfach
Dezember ins tschechische Dreiländereck nur Fotos von den Veranstaltungen sehen
auf, um dort gemeinsam ein Wochenende will, kann dies in naher Zukunft auf der
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Homepage der I’ES tun, die ab April/Mai mit im nächsten Semester noch ganz viele neue
neuem Layout und kreativem Design unter Ideen kommen. Aber auch alte Traditionen
der bekannten Adresse: werden nicht vergessen, wie zum Beispiel
www.ies-chemnitz.de zu finden sein wird. das Sommerfest, und sicherlich gibt es auch
Im neuen Semester sind auch schon wieder wieder die Europa-Studien Auftaktparty mit
einige Aktivitäten auf dem Programm, wie unseren Dozenten im Peb.
zum Beispiel ein Projekt in Zusammenarbeit Bis dahin erfolgreiches Lernen für die an-
mit dem European Studies Club in Rus- stehenden Klausuren und eine gute Zeit bis
se/Bulgarien, ein Zeltlager in Litauen und zum neuen Semester,
ein Projekt zum Thema „Europa in Chem-
nitz“. Sicherlich werden den I’ES Mitgliedern Maximiliane Reifenscheid für: Die I’ES.

Initiative Europa-Studien:
Technische Universität Chemnitz
09107 Chemnitz
Sitz: Thüringer Weg 9, Zi. 311
Email: ies@tu-chemnitz.de
und: ies-beratung@tu-chemnitz.de

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Alumni - Projektleiter /
Allgemeine Verantwortung:
Prof. Dr. Matthias Niedobitek
Professur Europäische Integration
Sitz: Thüringer Weg 9, Zimmer 321
09126 Chemnitz
Tel.: 0371/531-34912
Fax: 0371/531-800169
matthias.niedobitek@phil.tu-chemnitz.de

ES-Alumni-Beauftragte:
Claudia Weber:
claudia.weber@s2006.tu-chemnitz.de
Marcus Hornung:
marcus.hornung@s2006.tu-chemnitz.de

Verantwortung für Inhalt / Konzept /


Umsetzung:
Marcus Hornung:
marcus.hornung@s2006.tu-chemnitz.de

Konzept / Interviews / Umsetzung:


Claudia Weber:
claudia.weber@s2006.tu-chemnitz.de

Gesamtlayout / Covergrafik /
Technische Umsetzung des Internetauftritts:
Petra Laube:
petra.laube@s2004.tu-chemnitz.de

Die studentischen Mitarbeiter der Professur für Europäische Integration danken allen Inter-
viewpartnern und Autoren für die kooperative Zusammenarbeit! Ein besonderer Dank geht an
Alexander Reinhardt, der die Umsetzung dieser ES-SPIEGEL-Ausgabe immer wieder maßgeblich
unterstützt hat. Anregungen, Wünsche und Kritik werden dankbar angenommen. Falls auch Ihr
einmal einen Artikel verfassen wollt, meldet Euch über:
marcus.hornung@s2006.tu-chemnitz.de.

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