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Bundestagswahl 2021

Wer wird nächster Kanzler / nächste Kanzlerin?

Die Wahl zum 20. Deutschen Bundestag findet am Sonntag, 26. September 2021,


statt. Bundespräsident Dr. Frank-Walter Steinmeier hatte am Mittwoch, 9. Dezember 2020, auf
Empfehlung der Bundesregierung die Anordnung über die Bundestagswahl 2021 ausgefertigt. Das
Parlament ist die Volksvertretung der Bundesrepublik Deutschland und als Gesetzgebungsgremium
ihr wichtigstes Organ. Es besteht aus Abgeordneten des deutschen Volkes, die in allgemeiner,
unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahl auf vier Jahre gewählt werden.

Als direkt gewählter Vertretung des Volkes kommt dem Bundestag neben seiner Funktion als
Gesetzgeber die Aufgabe zur Kontrolle der Bundesregierung zu. Darüber hinaus verfügt der
Bundestag über das Budgetrecht. Er legt den Haushaltsplan fest, in dem sämtliche Ausgaben des
Bundes offengelegt werden müssen. Eine weitere Aufgabe des Parlaments ist die Wahl des
Bundeskanzlers oder der Bundeskanzlerin. Vorgeschlagen wird eine Kandidatin oder
ein Kandidat vom Bundespräsidenten, gewählt jedoch ausschließlich von
den Abgeordneten. Grundsätzlich dürfen alle Deutschen, die am Wahltag das 18. Lebensjahr
vollendet haben, bei der Bundestagswahl mitentscheiden.

Erst- und Zweitstimme


Für die Wahl ist die Bundesrepublik in 299 Wahlkreise aufgeteilt. Somit werden 299 Abgeordnete in
Direktwahl über die Erststimme gewählt. Sie erringen ein sogenanntes Direktmandat. Für die
Kräfteverhältnisse der Parteien im Parlament ist jedoch die Zweitstimme ausschlaggebend. Bei der
Bundestagswahl haben die Wählerinnen und Wähler zwei Stimmen, die Erststimme und die
Zweitstimme. Mit der Erststimme wird die Direktwahl getroffen. Die Kandidatinnen und die Kandidaten,
die in einem Wahlkreis die Mehrheit der Erststimmen erhalten, sind gewählt.

Nach dem Verhältnis der gültigen Zweitstimmen wird der Anteil der Abgeordnetenmandate festgelegt,
der auf eine Partei entfällt. Von diesen Gesamtmandaten einer Partei werden die Direktmandate
abgezogen, die Partei bereits errungen hat. Nur die übrigen Mandate werden an die Kandidaten auf
den Landeslisten der Partei gegeben.1

Wie die Reihenfolge auf dem Stimmzettel entsteht:

 
Spitzenkandidaten
Angela Merkel ist seit dem 22. November 2005 Bundeskanzlerin.1 Ihre Amtszeit endet voraussichtlich
im Jahr 2021 mit dem Zusammentritt des neuen Bundestages, wenige Wochen nach der nächsten
Bundestagswahl. Zu diesem Zeitpunkt wird sie 16 Jahre Bundeskanzlerin gewesen sein, so lange wie
der bisherige „Rekordkanzler“ Helmut Kohl, Bundeskanzler von 1982 bis 1998.
Wer wird nächster Kanzler / nächste Kanzlerin?
Annalena Baerbock: Erste Kanzlerkandidatin der Grünen

Seit Januar 2018 führt Annalena Baerbock (40) die Grünen zusammen mit Robert Habeck.


Nach ihrem Eintritt in die Partei 2005 stieg sie schnell auf. Sie fordert einen schnelleren
Kohleausstieg, den verstärkten Ausbau erneuerbarer Energien und eine
Kindergrundsicherung gegen Armut und für eine "aktive Einwanderungspolitik". Sie ist gegen
eine gesetzliche Schuldenbremse.

 geboren am 15. Dezember 1980 in Hannover als Tochter eines Ingenieurs und einer
Pädagogin, verheiratet, zwei Töchter, wohnt in Potsdam

 2000 Abitur in Hannover

 2000 bis 2004 Studium Politik an der Universität Hamburg, Vordiplom, öffentliches Recht

 2004 bis 2005 Studium an der London School of Economics and Political Science,
Abschluss Master of Laws

 seit 2005 Mitglied von Bündnis90/Die Grünen


 2009 bis 2013 Doktorandin Völkerrecht an der FU Berlin, nicht beendet

 2009 bis 2014 Parteivorsitzende in Brandenburg

 seit 2013 Mitglied des Bundestages


 seit 2018 Bundesvorsitzende der Grünen, gemeinsam mit Robert Habeck

 seit 2021 Kanzlerkandidatin der Grünen

Armin Laschet: Unions-Kandidat nach Machtkampf

Nach einem Machtkampf mit CSU-Chef Markus Söder strebt Armin Laschet (60) als Kanzlerkandidat


der Union die Nachfolge der nicht wieder kandidierenden Angela Merkel an. Er gilt als Vertreter von
"Maß und Mitte". Er steht für den Ausstieg aus der Kohleförderung mit Milliardenhilfen des Bundes für
NRW und Energiewirtschaft, für eine liberale Asyl- und Flüchtlingspolitik und ist gegen eine Lockerung
der Schuldenbremse und Steuererleichterungen.

 geboren am 18. Februar 1961 in Aachen als Sohn eines Bergmanns und späteren Lehrers.
Katholisch, seit 1985 verheiratet mit Frau Susanne, drei Kinder

 1981 bis 1987 Jura-Studium in München und Bonn, Staatsexamen 1987

 1987 bis 1994 Journalist bei Radio, Fernsehen, Kirchenzeitung

 1989 Eintritt in die CDU

 1994 bis 1998 Mitglied des Bundestages

 1999 bis 2005 Mitglied des Europaparlaments

 2005 bis 2010 NRW-Landesminister für Generationen, Familie, Frauen und Integration
 seit 2010 Mitglied des NRW-Landtags, ab 2013 CDU-Fraktionsvorsitzender

 seit 2017 nach CDU-Wahlsieg Ministerpräsident von NRW (CDU/FDP-Koalition)

 seit Januar 2021 Bundesvorsitzender der CDU

 seit April 2021 gemeinsamer Kanzlerkandidat von CDU und CSU (nach Verzicht von Markus
Söder)

Olaf Scholz: Politisches Schwergewicht mit viel Erfahrung


Olaf Scholz (63) ist der prominenteste SPD-Politiker und als Kanzlerkandidat Hoffnungsträger der
Sozialdemokraten. Die Partei schwächelt allerdings bei Wahlen und in Umfragen. Er steht für Corona-
Hilfspakete in Milliardenhöhe, verhandelte zuletzt eine internationale Übereinkunft über
Mindeststeuern für multinationale Unternehmen und befürwortet eine Finanztransaktionssteuer bei
Börsengeschäften. Er ist gegen eine Erhöhung des Rentenalters.

 geboren am 14. Juni 1958 in Osnabrück, aufgewachsen in Hamburg, wohnt in Potsdam, seit
1998 verheiratet mit Britta Ernst, Bildungsministerin in Brandenburg, keine Kinder

 1975 Eintritt in die SPD

 1977 Abitur in Hamburg, 1978 bis 1984 Jura-Studium in Hamburg, seit 1985 Rechtsanwalt

 1998 bis 2001 und 2002 bis 2011 Mitglied des Bundestages
 2001 Innensenator in Hamburg

 2002 bis 2004 Generalsekretär der SPD unter SPD-Kanzler Gerhard Schröder

 2007 bis 2009 Bundesminister für Arbeit und Soziales in einer Koalition mit CDU/CSU

 2009 bis 2019 Stellvertretender SPD-Vorsitzender

 2011 bis 2018 Erster Bürgermeister in Hamburg

 seit 2018 Bundesfinanzminister und Vizekanzler in einer Regierung mit CDU/CSU

 2019 Erfolglose Kandidatur für SPD-Vorsitz

 2021 Kanzlerkandidat der SPD

Bei der Bundestagswahl 2021 erhielte die SPD laut aktuellen Umfragen 23,4 Prozent der Wähler-
stimmen und würde damit gegenüber der Wahl 2017 2,9 Prozentpunkte gewinnen. Diese Prognose
könnte einen Umschwung des 20 Jahre währenden Abwärtstrends der SPD bedeuten. In den
vergangenen zwei Jahrzehnten hatte die SPD rund die Hälfte ihrer Wähler verloren.

Langfristig betrachtet zeigt sich ein Rückgang an Stimmen für die CDU/CSU. Seit der Wahl 1983
erreichte die Union keine Werte über 45 Prozent mehr. In den letzten 20 Jahren lag die CDU/CSU mit
einer Ausnahme stets unter 40 Prozentpunkte. Einzig im Jahr 2013 konnte die Partei 41,5 Prozent der
Wähler von sich überzeugen.

Die Grünen verzeichnen bei der nächsten Bundestagswahl möglicherweise den stärksten Zuwachs
aller Parteien: Sie könnten im Vergleich zur letzten Bundestagswahl 9,2 Prozentpunkte hinzugewinnen
und 17,6 Prozent der Zweitstimmen bekommen. Damit würden die Grünen ihr bisher bestes Ergebnis
auf Bundesebene im Jahr 2009 (10,7 Prozentpunkte) deutlich übertrumpfen.
Mögliche Koalitionen nach der Bundestagswahl 2021

Seit 1961 konnte keine Partei die absolute Mehrheit im Deutschen Bundestag erreichen. Seitdem
alternieren folgende vier Koalitionen im Bundestag (nach Häufigkeit aufgelistet):

 Schwarz-gelbe Koalition (CDU/CSU + FDP)

 Große Koalition (CDU/CSU + SPD)

 Sozialliberale Koalition (SPD + FDP)

 Rot-grüne Koalition (SPD + Bündnis 90/Die Grünen)


Laut aktuellen Umfragen zur nächsten Bundestagswahl kann jedoch keine der bisher auf Bundes-
ebene erprobten Koalitionen eine Mehrheit erreichen.

Aufgrund dessen werden hier mögliche Koalitionen nach der Bundestagswahl 2021 sowie deren
Wahrscheinlichkeit aufgeführt.

Koalitionen nach der Bundestagswahl 2021

Bei den möglichen Koalitionen nach der Bundestagswahl 2021 wird mit einer Besetzung des
Bundestags mit 598 Sitzen gerechnet. Bei einer fiktiven Sitzverteilung ohne Ausgleichs- und
Überhangmandate ergibt sich ab 300 Sitzen eine Mehrheit im Bundestag.
Zusätzliche Kuriositäten:
 47 Parteien nehmen an der Bundestagswahl am 26. September teil
 Parteien erst ab fünf Prozent der Zweitstimmen im Parlament = Hürde
 Jeder fünfte Wahlberechtigte lebt in Nordrhein-Westfalen
 299 Abgeordnete schaffen mit Erststimmen den Einzug ins Parlament
 Jeder fünfte Wahlberechtigte ist älter als 69
 Der Bundestag wurde oft im September gewählt
Sitzverteilungen in den Bundestagen

Sitzverteilungen in den Bundestagen (zu Beginn der Wahlperioden)

Mandat CDU/CS
Bundestag Wahlperiode SPD FDP Grüne1 PDS/Linke2 DP AfD Sonstige
e U

1990–
12. Bundestag 662 319 239 79 8 17 – – –
1994

1994–
13. Bundestag 672 294 252 47 49 30 – – –
1998

1998–
14. Bundestag 669 245 298 43 47 36 – – –
2002

2002–
15. Bundestag 603 248 251 47 55 2 – – –
2005

2005–
16. Bundestag 614 226 222 61 51 54 – – –
2009

2009–
17. Bundestag 622 239 146 93 68 76 – – –
2013

2013–
18. Bundestag 631 311 193 – 63 64 – – –
2017

19.
seit 2017 709 246 153 80 67 69 – 92 2
Bundestag[51]