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Die Beichte – Vorwort

Christus hat dieses Sakrament eingesetzt, als er seinen Aposteln die Sündenvergebungsgewalt
übertrug mit den Worten: "Empfanget den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden nachlasset, dem sind
sie nachgelassen; wem ihr sie behaltet, dem sind sie behalten" (Joh 20, 22f).

Im Sakrament der Buße bekennt sich der Mensch zu den Sünden, die er begangen hat, und
übernimmt die Verantwortung für sie. Dadurch öffnet er sich neu Gott und der Gemeinschaft der
Kirche und ermöglicht sich so eine neue Zukunft.

Indem der Priester die Absolutionsformel spricht, wird der Einzelne mit Gott versöhnt. Diese
Versöhnung gilt auch für seine Mitmenschen, die Kirche und die ganzen Schöpfung.

Inhaltsverzeichnis
Die Beichte – Vorwort 1

Inhaltsverzeichnis 1

Voraussetzungen 3

Ablauf (beispielhaft) 3
Die Beichte 3
Das Beichtgespräch 4

Das Beichtgeheimnis 4

Bußandachten 4

Begriffserklärungen und Fragen 4

 Schwere Sünden / Todsünden 4


 Lässliche Sünden 4
 Gewissenserforschung 5
 Reue 5
 Der gute Vorsatz 5
 Sündenbekenntnis 5
 Buße 5

Beichthilfe / Beichtspiegel (Schott) 6

Die Zehn Gebote Gottes 6


Erstes Gebot. 6
Zweites Gebot. 6
Drittes Gebot. 6
Viertes Gebot. 6
Fünftes Gebot. 7
Sechstes und neuntes Gebot. 7
Siebtes und zehntes Gebot. 7
Achtes Gebot. 7

Die fünf Gebote der Kirche 7

Die Standes- und Berufspflichten 8

Die Sieben Todsünden / Laster 8

Die Hoffart 8
Der Geiz 9
Der Neid 10
Die Unkeuschheit 11
Der Zorn 12
Die Unmäßigkeit / Völlerei 13
Die Trägheit 14

Vergebung der Sünden 15

Das Credo 15
Die Taufe 15
Die Krankenölung 15
Ablässe 16

ABWEHR VON SAKRILEGIEN (Unwürdige Kommunionen) 16

Eine Dame um die Vierzig 16


Ein junger Mann 16

Die wirkliche Gegenwart Jesu in der Heiligen Kommunion 17

Aus dem „Tagebuch“ der Heiligen Faustina Kowalska 17

Aus dem Evangelium nach Matthäus (11, 28-30) 17

Der kleine ‚Heilige‘ 18

Die Aussagen der Heiligen Schrift! 19

Alles darangeben, um die Seele zu retten! 20


Voraussetzungen
Damit in der Absolution durch den Priester die Versöhnung mit Gott und der Gemeinschaft der
Glaubenden ausgesprochen werden kann, bedarf es:

 der Reue
 des Aussprechens der Schuld im Bekenntnis
 des Vorsatzes, schuldhaftes Verhalten zu ändern und Schaden wieder gutzumachen

Ablauf (beispielhaft)

Die Beichte

Nachdem der Beichtstuhl betreten wurde, begrüßt der Priester den Beichtenden. Der Beichtende
kniet sich auf der vorgesehenen Einrichtung nieder. Je nach Art und Einrichtung des Beichtstuhls bzw.
–raumes ist dabei auch das hinsetzen möglich. Diese Wahl muss jeder selber treffen, abhängig von
der Art des Beichtgesprächs oder der schlichten Aussprache, wobei das Knien zwar die Ehrfurcht vor
Gott ausdrückt, aber niemals die Reue ersetzt.

Nach den Worten des Priesters, welche den Beginn der Beichte signalisieren, spricht der Beichtende:

Ich bekenne vor Gott meine Sünden.


Meine letzte Beichte war vor soundso vielen Wochen/Monaten/Jahren.
Ich bin eine Frau/ ein Mann/Mädchen/Junge von soundsovielen Jahren. (Dieser Satz macht
natürlich nur bei den älteren Beichtstühlen, wo der Priester seitlich zum Beichtenden sitzt
und ein Gitter die beiden trennt, Sinn.)

Dann wird die eigentliche Beichte begonnen, wobei der Beichtende seine Sünden dem Priester als
Stellvertreter Jesu Christi vorträgt und Zwischenfragen gewissenhaft beantwortet.
Um die Beichte zu beenden spricht der Beichtende:

Mein Jesus Barmherzigkeit.

Danach wird der Priester üblicherweise noch einige Worte der Mahnung oder des Trostes sprechen,
eine ihm richtig erscheinende Buße auferlegen und danach die Absolution erteilen. (Oder eben nicht,
was praktisch aber nicht vorkommt.)

Gott, der barmherzige Vater, hat durch den Tod und die Auferstehung seines Sohnes die Welt
mit sich versöhnt und den Heiligen Geist gesandt zur Vergebung der Sünden. Durch den Dienst
der Kirche schenke er dir Verzeihung und Frieden.
So spreche ich dich los von deinen Sünden.
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Antwort: Amen.

Daraufhin entlässt der Priester den Gläubigen. Er hat mit folgenden Worten des Priesters Vergebung
für seine empfangen:
Das Beichtgespräch

Alternativ zur Beichte im Beichtstuhl bieten Priester das so genannte Beichtgespräch an. Es findet
meist in einem Nebenraum der Kirche oder im Pfarrhaus statt. Während des persönlichen Gesprächs
bekennt der Beichtende seine Sünden und zeigt seine Reue. Der Priester spricht die Worte der
Vergebung und legt dem Gläubigen die Hände auf.

Das Beichtgeheimnis
Bekennt ein Christ im Sakrament der Beichte seine Sünden, ist der Priester zur völligen
Geheimhaltung verpflichtet. Egal wie schwerwiegend mögliche Argumente sein können, der Priester
kann vom Beichtgeheimnis nicht entbunden werden. Vor Gericht kann er das
Zeugnisverweigerungsrecht geltend machen.

Verletzt ein Priester das Beichtgeheimnis, begeht er eine schwere Sünde. Er verliert die
Beichtvollmacht sowie all seine Ämter und Würde.

Nach der Beichte darf der Beichtvater nur mit ausdrücklicher und freiwilliger Erlaubnis mit dem
Beichtkind über seine Sünden sprechen.

Wer zufällig etwas aus einer Beichte erfährt, ist ebenfalls zum Schweigen verpflichtet.

Die Beichte bei einem Priester ist die sakramentale und persönlichste Form der Sündenvergebung.
Hier erfährt der Gläubige (z.B. bei schwerer eigener Schuld) die unmittelbare Zusage der Vergebung
Gottes durch den Priester.

Bußandachten
Neben dem Angebot der Einzelbeichte gibt es vor allem in der Advents- und Fastenzeit als
Vorbereitung auf die Hochfeste in vielen Gemeinden Buß- und Versöhnungsfeiern. Dabei sind die
Gläubigen eingeladen, miteinander das eigenen und das gemeinschaftliche Leben zu bedenken, sich
zu besinnen, den Zuspruch aus dem Wort Gottes zu hören und den versöhnenden Segen zu
empfangen. Allerdings ersetzt die Bußfeier die persönliche Beichte nicht. Die Bußandacht wurde als
gemeinsame Vorbereitung auf die sakramentale Beichte eingeführt - dabei sollte es auch bleiben!
Natürlich ist es dabei sinnvoll, diese mit einer Vergebungs-Bitte abzuschließen. Sie soll Mut machen,
den Faden zu Gott dort wieder aufzunehmen, wo er "gerissen" ist. Dies kann für unsere "alltäglichen
Lässlichkeiten" grundsätzlich auch in der Bußandacht geschehen, für die schweren Sünden
(Todsünden) jedoch einzig im Sakrament der hl. Beichte.

Begriffserklärungen und Fragen


 Schwere Sünden / Todsünden – Wissentlich und willentlich ein göttliches Gebot in einer
wichtigen Sache übertreten. Weil der Fehlende durch sie das übernatürliche Leben der Seele
– die heiligmachende Gnade – verliert.

 Lässliche Sünden – Verstoß gegen göttliches Gebot in kleinerer Sache oder nicht mit voller
Erkenntnis oder freiem Willen. Raubt die heiligmachende Gnade nicht.
 Was ist die Beichte? – Die Beichte ist das von Jesus Christus eingesetzte Sakrament, um die
nach der Taufe begangenen Sünden nachzulassen.

 Wann wurde das Sakrament der Beichte von Jesus Christus eingesetzt? – Das Sakrament der
Beichte wurde von Jesus Christus eingesetzt, als er den Aposteln (und in ihnen ihren
Nachfolgern) sagte: "Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie
vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert." (Joh 20, 22-23)

 Wer ist der Spender der Beichte? – Spender der Beichte ist der vom Bischof ermächtigte
Priester.

 Wie viele und welche Dinge sind erforderlich, um eine gute Beichte abzulegen? – Um eine
gute Beichte abzulegen, sind fünf Dinge erforderlich:
1. Gewissenserforschung
2. Reue über die Sünden
3. Guter Vorsatz
4. Sündenbekenntnis
5. Buße

 Gewissenserforschung – Die Gewissenserforschung geschieht dadurch, dass man sich nach


vorherigem andächtigem Gebet (besonders zum Heiligen Geist) die Sünden seit der letzten
gültig abgelegten Beichte in Erinnerung ruft, die man in Gedanken, Worten und Werken,
durch Unterlassung gegen die Gebote Gottes, gegen die Vorschriften der Kirche und gegen die
Pflichten des eigenen Standes begangen hat.

 Reue – Die Reue ist jenes Missfallen an den begangenen Sünden und jene Abscheu vor ihnen,
die bewirken, dass wir uns vornehmen, nicht mehr zu sündigen. Es gibt zwei Arten von Reue:
die vollkommene Reue oder Liebesreue (die Reue, gegen Gott gesündigt zu haben und Jesus
Christus, den wir lieben, verletzt zu haben) und die unvollkommene oder Furchtreue
(schlichte Furcht vor der Hölle).

 Der gute Vorsatz – Der gute Vorsatz ist der entschlossene Wille, niemals mehr zu sündigen
und die Gelegenheit dazu zu meiden.

 Sündenbekenntnis – Das Sündenbekenntnis ist die dem Priester gegenüber gemachte


Offenbarung der Sünden, um von ihnen losgesprochen zu werden. Wir sind verpflichtet, uns
aller noch nicht oder schlecht gebeichteten Todsünden anzuklagen. Es empfiehlt sich jedoch,
auch die lässlichen Sünden zu beichten.

 Buße – Die Genugtuung oder die sakramentale Buße ist das vom Beichtvater zur Strafe, zur
Zurechtweisung und zur Sühnung der durch die Sünde verdienten zeitlichen Strafe den
Sündern auferlegte gute Werk.

 Wie lautet die Lossprechungsformel des Priesters bei der Beichte? – "Gott, der barmherzige
Vater hat durch den Tod und die Auferstehung seines Sohnes die Welt mit sich versöhnt und
den Heiligen Geist gesandt zur Vergebung der Sünden. Durch den Dienst der Kirche schenke er
dir Verzeihung und Frieden. So spreche ich dich los von deinen Sünden im Namen des Vaters
und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen."

Papst Johannes Paul II. am 17. November 1980 in Fulda: "Zusammen mit mir werdet ihr jedoch mit
schmerzlicher Sorge feststellen, dass der persönliche Empfang des Bußsakramentes in euren
Gemeinden während der letzten Jahre sehr stark zurückgegangen ist. (...) Ich bin überzeugt, dass ein
Aufschwung des sittlichen Bewusstseins und christlichen Lebens eng, ja unlöslich an eine Bedingung
gebunden ist: an die Belebung der persönlichen Beichte."

Beichthilfe / Beichtspiegel (Schott)

Die Zehn Gebote Gottes

Erstes Gebot.

Habe ich das Morgen-, Abend- und Tischgebet verrichtet? beim Gebet mich freiwillig zerstreut?
vielleicht längere Zeit gar nicht gebetet? Habe ich freiwillig an Glaubenswahrheiten gezweifelt? Habe
ich glaubenslos geredet oder solche Reden geduldet? Habe ich glaubens- und kirchenfeindliche
Zeitungen und Schriften gelesen? verbreitet? Habe ich mich meines Glaubens geschämt? War ich
abergläubisch? Habe ich an Gottes Barmherzigkeit gezweifelt? auf seine Barmherzigkeit gesündigt?
Habe ich gegen Gott und seine Vorsehung gemurrt? War ich in Heimsuchungen und
Widerwärtigkeiten kleinmütig? ungeduldig?

Zweites Gebot.

Habe ich den Namen Gottes oder andere heilige Namen leichtfertig ausgesprochen? zum Fluchen
missbraucht? Habe ich über heilige Dinge gespottet? fremden Spott schuldbar geduldet? Habe ich
grundlos oder falsch geschworen? Habe ich ein Gelübde nicht erfüllt?

Drittes Gebot.

Habe ich ohne Not an Sonn- und Feiertagen knechtliche Arbeit verrichtet? Habe ich aus eigener
Schuld die heilige Messe versäumt? Bin ich zu spät gekommen oder zu früh fortgegangen? Habe ich
die heilige Messe ohne Andacht angehört? in der Kirche mich unehrerbietig benommen?

Viertes Gebot.

Habe ich meine Eltern, Lehrer oder Vorgesetzten verachtet? War ich eigensinnig, lieblos, trotzig
gegen sie? War ich ungehorsam gegen sie? Habe ich die Eltern gar misshandelt? ihnen den Tod
gewünscht? War ich gegen die geistliche oder weltliche Obrigkeit widerspenstig? Habe ich mich
gegen meine Geschwister versündigt durch Zank, Streit oder Verführung? Habe ich für die Erziehung
meiner Kinder und Pflegebefohlenen pflichtgemäß gesorgt? auch für ihre religiöse Erziehung? Habe
ich an ihnen oder ändern Hausgenossen Böses (unerlaubte Bekanntschaften, böse Gelegenheiten)
geduldet?
Fünftes Gebot.

Habe ich ändern leiblich geschadet? sie geschlagen? im Streit verletzt? Habe ich Zorn, Groll,
Abneigung gegen andere genährt? Hass und Rachsucht aufkommen lassen? gegen nahe Verwandte?
Habe ich in Feindschaft gelebt? Habe ich andern Böses gewünscht? Habe ich ändern seelisch
geschadet? durch böses Beispiel, Verführung? durch Raten, Gutheißen oder Loben des Bösen? Bin ich
mit schlechten Menschen umgegangen? Habe ich mich der Gefahr der Sünde ausgesetzt? die nächste
Gelegenheit nicht gemieden? Habe ich mich jetzt ganz von solcher Gefahr und Gelegenheit
abgewendet?

Sechstes und neuntes Gebot.

(Merke: Nicht alles Unanständige und Unschamhafte ist auch schon unkeusch. Sei sittsam selbst im
Kleinsten, aber lerne auch unterscheiden, in der Erforschung wie in der Anklage. Bei eigentlichen
Sünden gegen die Keuschheit achte auf die Zahl und die erschwerenden Umstände.) Habe ich
unkeusche Gedanken mit Wohlgefallen in mir unterhalten? freiwillig durch zweckloses Nachdenken
und Grübeln unkeusche Empfindungen hervorgerufen? mit Freuden an das begangene Böse mich
erinnert? Habe ich in unkeuscher Absicht gewünscht, etwas zu sehen, zu hören, zu tun? Habe ich
Unkeusches mit Wohlgefallen geredet, angehört, gesungen, gelesen? Habe ich gesündigt durch
unkeusche Blicke (schlechte Theater, Kino), unkeusche Berührungen (an mir oder an jemand
anderem)? Habe ich Unkeusches getan (allein oder mit ändern) oder zugelassen? Habe ich
sündhaften oder gefährlichen Umgang gehabt? Habe ich sonst gegen die Keuschheit gesündigt? Habe
ich die Pflichten der Ehe verletzt?

Siebtes und zehntes Gebot.

Habe ich fremdes Gut entwendet oder beschädigt? Habe ich betrogen? falsches Maß oder Gewicht
gebraucht? schlechte Ware oder Arbeit geliefert? Habe ich überfordert, unterschlagen? Habe ich die
notwendige Wiedererstattung geleistet? Habe ich das Meinige verschwendet?

Achtes Gebot.

Habe ich gelogen? in wichtigen Dingen ? zum Schaden anderer? War ich unwahr im Benehmen und
Reden? Habe ich andere beschimpft? ihnen an der Ehre geschadet? Habe ich ohne genügenden
Grund die Fehler anderer bekanntgemacht? sie weitererzählt? Habe ich andere verleumdet?
wirkliche Fehler vergrößert? über andere lieblos geredet? Habe ich über den Nächsten grundlos im
Herzen schlecht geurteilt? falschen Argwohn gehabt?

Die fünf Gebote der Kirche


Habe ich das Fastengebot ohne wichtigen Grund übertreten? an verbotenen Tagen wissentlich ohne
Not Fleisch gegessen? Habe ich an Ostern die heiligen Sakramente würdig empfangen? in der
geschlossenen Zeit verbotene Vergnügungen (Tanz) mitgemacht? Die sieben Hauptsünden War ich
stolz? eitel? gefallsüchtig? putzsüchtig? Habe ich andere verachtet? Habe ich mein Herz sündhaft an
irdische Güter gehängt? Habe ich pflichtgemäß Almosen gegeben? War ich neidisch? schadenfroh?
War ich unmäßig im Essen oder Trinken? War ich träge im Lernen? in der Arbeit? im Gebet?
Die Standes- und Berufspflichten
Wie habe ich meine Pflichten erfüllt als Lediger, Verheirateter, Witwer? als Vorgesetzter,
Arbeitgeber, Arbeitnehmer?

Beunruhigt mich sonst noch etwas? Welches ist meine Gewohnheitssünde oder mein Hauptfehler?

Der Egoismus, die ungeregelte Selbstliebe, ist die Hauptursache aller Sünden und allen auf dem
Vernunftwege nicht zu erklärenden Elends. Die Eigenliebe hat noch weitere Folgen, die so zahlreich
sind, dass kein Psychologe je eine vollständige Liste davon aufgestellt hat. Die Eigenliebe, jener
Lebensfehler, der ein Gefolge von sieben Hauptsünden ausbrütet, steckt hinter allen ungeregelten
Verhaltensweisen.

Die Sieben Todsünden / Laster


Die Hauptsünden aber, die sieben Sargträger des Charakters, sind die Hoffart, der Geiz, der Neid, die
Unkeuschheit, der Zorn, die Unmäßigkeit und die Trägheit. Auf diese sieben Hauptformen des
Egoismus bezieht sich die Selbsterkenntnis.

Die Kenntnis der 7 Hauptlaster ist für jede Heilung unumgänglich.

Die Hoffart

Die Hoffart ist eine übermäßige Selbstbewunderung. In ihrem letzten Stadium wird man sein eigenes
Gesetz, sein eigener Richter, seine eigene Moral und sein eigener Gott. Der böse Geist versprach Eva
am Anfang: Ihr werdet wie Götter sein.» Der Mensch macht sich zum Gott, wenn er den eigenen
Willen gegen GOTTES Willen stellt. Aus dieser Auflehnung folgt, dass man die Rechte der anderen
missachtet, den eigenen Vorteil übermäßig liebt, immer im Vordergrund stehen will und Ansichten,
die von den eigenen abweichen, nicht duldet. In der heutigen Zeit hat man hübsche Decknamen für
die Hoffart. Sie heißt jetzt Erfolg und Beliebtheit. Scharlatane auf dem Gebiet der Psychologie
ermutigen uns zum Selbstvertrauen statt zum Gottvertrauen. Man propagiert ein falsches
Selbstvertrauen. obwohl die einzige Formel für den Menschen, um wahre Zufriedenheit zu erreichen,
darin besteht, dass er zu GOTT sagt: Du allein bist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Wenn der
moderne Mann keinen höheren Wunsch hat, als den besten Likör zu servieren, wenn die moderne
Frau nichts Besseres will, als sich am elegantesten zu kleiden, wenn die Studentin nur so unordentlich
wie möglich umherlaufen möchte, so sind das alles Symptome einer Eitelkeit des Ich, das um keinen
Preis unbeachtet bleiben will. Kritik, Klatsch, Verleumdung, scharfe Worte und Zerstörung des guten
Leumunds der Mitmenschen sind alles Handlungen eines Egoisten, der darauf aus ist, sich selbst auf
dem zerstörten guten Ruf anderer zu erheben. Indem man den anderen herunterreißt, sucht man
sich selbst zu erhöhen. Je wichtiger sich der Egoist vorkommt, umso ärgerlicher wird er, wenn man
ihn nicht anhimmelt. Er nennt diejenigen, die ihm schmeicheln, weise und tut diejenigen, die ihn
kritisieren, als Dummköpfe ab.

Heutzutage hat sich die Kulturwelt verschworen, sich durch diplomatischen Selbstbetrug Freunde zu
gewinnen und die Menschen zu beeinflussen. Jeder Hinweis auf sittliche Erneuerung wird als
Einmischung abgelehnt. Wenn man von der Wahrheit spricht, so wird man als intolerant denunziert.
Spricht man von einem Gesetz, das über unseren Launen steht, so wird man als reaktionär
ausgezischt. Entschuldigungen gibt es in Hülle und Fülle. Jedermann hat unrecht, nur nicht der Egoist.
Trotzdem besteht die paradoxe Wahrheit, dass der Egoist sich im Grunde selbst hasst. Seine
Ausschreitungen im Trinken und im Sexuellen, seine heftigen Angriffe gegen alle, die sich seinem
Eigenwillen in den Weg stellen, sein Bewusstsein des immer grösser werdenden Abstandes zwischen
Traum und Wirklichkeit, alles das bewirkt im Bewusstsein Zweifel und Zynismus. im Unterbewussten
jedoch Sorgen und Ängste. Die falsche Eigenliebe gebiert einen furchtbaren Selbsthass, den Drang,
das Ich zu zerstören, es dafür zu strafen, dass es nicht vollkommen ist und dem Größenwahn des Ego,
das sich unfehlbar und gottgleich vorkommt, nicht nachkommt. Der Mensch kann sich auf zweierlei
Weise hassen. Entweder hasst er die Eitelkeit, die Einbildung und die Selbstverherrlichung, die seiner
Seele schaden, und das ist der Weg der Läuterung, oder er hasst alles an sich, was ihn daran hindert,
sich als Gott vorzukommen, und das ist der Weg der Selbstzerstörung. ein deutlicher Vorgeschmack
der Hölle auf Erden.

Wenn dem Egoismus nicht Einhalt geboten wird, so wird er zur Quelle der ungeregelten Begierde
nach Lob und Ruhm, die der Egoist auf Grund seiner Kleidung, seiner Schmucksachen, seiner guten
Familie, seiner Berühmtheit und seines Bankkontos sucht. Der Egoist ruft den Beifall hervor, indem er
sich brüstet, prahlt, sich aufspielt und ein gekünsteltes Wesen zur Schau trägt. Diese ganze
verfälschte Existenz rechtfertigt er mit dem Prahlwort: «Man kann nur auf diese Weise auf der Welt
vorankommen.»

Die Hoffart trägt sieben böse Früchte: die Prahlerei oder das Selbstlob, die Ruhmsucht (wenn man
sich etwas darauf einbildet, was die anderen von einem reden), die Heuchelei (wenn man vorgibt,
etwas anderes zu sein, als man ist), den Starrsinn (der nicht zugibt, dass ein anderer eine bessere
Ansicht haben konnte), die Uneinigkeit (bei der man auf dem eigenen Willen bestehen bleibt), den
Streit (der entsteht, wenn sich andere den Wünschen des Ich widersetzen) und den Ungehorsam,
wenn man sich dem rechtmäßigen Vorgesetzten nicht unterwerfen will. Oft ist es eingebildeten
Menschen wichtiger, den eigenen Willen durchzusetzen als das, was man ihnen versagt, wirklich zu
bekommen Sie schätzen den Sieg mehr als die Beute. Darum wollen sie auch keine Gabe annehmen,
wenn sie sie nicht sofort beim ersten Aussprechen des Wunsches danach erhielten. Sie möchten
lieber den Freund strafen, der ihnen nicht sofort nachgab, als den Gegenstand bekommen, welchen
er ihnen verweigerte. In der Diskussion fragen sie nicht nach der Wahrheit, sie wollen nur die eigene
Bedeutung ins rechte Licht setzen und die eigenen Ansichten kundtun.

Der Geiz

Der Geiz ist eine Verkehrung des jedem Menschen naturgegebenen Rechtes auf Ausdehnung seiner
Persönlichkeit, dadurch dass er Gegenstände besitzt, die Leib und Seele vonnöten sind. Das Unrecht
kann darin liegen, dass man den Reichtum eher als Zweck denn als Mittel betrachtet, oder in der Art
und Weise, in der man nach dem Reichtum strebt, ohne die Rechte der anderen zu berücksichtigen,
oder im Gebrauch des Geldes selbst, wenn man z. B. sein Kapital grenzenlos vermehrt, ohne mit dem
Überschuss der Not der anderen abzuhelfen. Der Geiz führt leicht zu anderen üblen Praktiken, die
dazu dienen, den Reichtum zu erhalten, wie z. B. zum Betrug, zum Meineid, zur Unehrlichkeit, zur
Untreue und Härte anderen gegenüber.

Der Geiz nennt sich niemals selber so, er führt so schmeichelhafte Namen wie Sparsamkeit,
Sicherheit, Großindustrie und Betriebsamkeit (da jede Sunde eine ähnliche Verkleidung besitzt, muss
man sie hinter dem modernen Namen suchen, man findet das wahre Ich, das Selbst, sobald das
oberflächliche Ich die Sunde in der modernen Verkleidung entdeckt hat). Es gibt zwei Arten von
Reichtum, den künstlichen und den wirklichen. Der wahre Reichtum ist beschränkt. Es gibt nur eine
bestimmte Menge von Kartoffeln, die der Mensch unbeschadet verzehren kann. Auch Anzüge kann
er nur in beschränktem Masse tragen. Aber der künstliche Reichtum in der Gestalt von Aktien und
Anleihen und Kredit ist mithin unendlich. Daher kann die Liebe zum abstrakten Reichtum so
verzehrend werden, dass sie die Entwicklung des wahren Ich vollständig stört.

Der Geiz ist ein Zeichen, dass man Gott nicht vertraut, sondern es für nötig hält, selber Vorsehung zu
spielen. „Seht da den Mann, der GOTT nicht braucht zu seinem Schutz. Der sich verließ auf seines
Reichtums Fülle, und sich in seiner Nichtigkeit noch mächtig dünkte.“ (Ps 51, 9) Wenn man sich nicht
bessert, führt der Geiz zu verschiedenen anderen schlimmen Charakterfehlern. Er macht die
Menschen unempfindlich gegen die Bedürfnisse und Leiden der anderen. Er verursacht in der Seele
Sorgen und Unrast, ist sie doch stets darauf bedacht, mehr zu erlangen. Er führt zur Gewalttätigkeit
gegen andere, wenn es sich darum handelt, den Reichtum zu schützen; zur Lüge, damit der Besitzer
sich bereichern kann; zum Meineid, um seinen Schatz zu sichern; zum Verrat, wie im Falle von Judas.

Die übermäßige Liebe zu Luxus und Komfort ist ein weiteres Zeichen von seelischer Entblößung. Je
weniger Charakter einer hat, umso mehr sucht er ihn durch Äußerlichkeiten zu ersetzen: Pelzwerk,
Diamanten, Schmucksachen und Jachten — mit allen diesen Dingen versucht man das armselige Ich
zu bereichern. Man verwechselt Haben mit Sein; der Egoist stellt sich vor, er selbst sei mehr wert,
weil er etwas Wertvolles besitzt. Das ist die einzige Sünde, die wir bei anderen am ehesten verachten
und auf die wir am meisten stolz sind, wenn wir sie selbst begehen. Es ist eine psychologische
Erfahrungstatsache, dass der geizige Mensch sehr schwer zu vergeistigen ist. Er leidet an der Illusion.
ihm fehle nichts, da er nur körperliche Bedürfnisse anerkennen will. «Da blickte Jesus um sich und
sagte zu seinen Jüngern: ,Wie schwer werden Menschen, die viel Vermögen haben, ins Reich GOTTES
eingehen.‘(Mk 10,23)

Der Neid

Der Neid hat an den Gütern des Nächsten keine Freude, als ob jene Güter die eigene Überlegenheit
beleidigten. Wie die Reichen zum Geize neigen, so sind die Armen manchmal neidisch. Der neidische
Mensch sieht es ungern, wenn andere glücklich sind, als ob die anderen ihm den Charme, die
Schönheit, das Wissen, den Frieden und den Reichtum gestohlen hätten. Aus Neid macht die reizlose
Frau hässliche Bemerkungen über ihre schönere Schwester.

Aus Neid verleumden die Dummen den Weisen. Da der neidische Mensch sich nicht erhöhen kann,
versucht er die Gleichheit damit zu erreichen, dass er die anderen herabzieht. Der neidische Mensch
schilt jeden, der höflich ist, unterwürfig; jeden frommen Menschen einen Heuchler. Der Neid beginnt
damit, dass er die Frage stellt:

«Warum sollte ich nicht das haben, was die anderen haben?

» und endet mit der Behauptung: »Diese Tugenden fehlen mir nur, weil die anderen sie besitzen.«
Dann wird der Neid zur Feindschaft. Ihm fehlt jeglicher Respekt, jegliches Ehrgefühl, und vor allem
kann er nie danke“ sagen.

Der Neid ist dem Hass verwandt, der auch keinen Nebenbuhler oder erfolgreichen Rivalen vertragen
kann. Er ist auch der Eifersucht verwandt. Die Eifersucht besteht aus übermäßiger Eigenliebe, unter
die sich die Furcht mischt, man könne durch andere seiner Selbstzufriedenheit beraubt werden. Wir
beneiden die Güter der anderen und wachen eifersüchtig über die eigenen. Einige Egoisten, die an
diesen beiden Sünden leiden, kritisieren unbarmherzig alles Gute, was von anderen geleistet wird.
Sie müssen zugeben, dass es gut ist, aber sie ärgern sich, dass sie es nicht selbst vollbracht haben und
ihnen dadurch die Ehrerbietung entging. Darum versuchen sie es zu entwerten, indem sie es
herunterreissen. Psychologisch gesprochen ist die Eifersucht etwas sehr Gefährliches. Sie hat schon
zum Selbstmord geführt, als der Eifersüchtige merkte, dass der Versuch aussichtslos war, seinen
Nebenbuhler zu übertreffen. Der Neid fängt damit an, dass man den guten Ruf eines anderen
entweder heimlich durch Zuträgereien und Klatsch oder öffentlich durch Verleumdung zu zerstören
sucht. Wenn man damit Erfolg hat, so ist das Ziel des Neides in der Schadenfreude und dem Schmerz
über den Erfolg des anderen erreicht. Die Sache ist sehr ernst, wenn der Neid die Fortschritte des
anderen auf geistlichem Gebiet oder seinen Erfolg im Apostolat angreift. Oft geschieht dies wegen
der allgemeinen Unzufriedenheit und Traurigkeit in den meisten Menschen. Das Elend sucht die
Gesellschaft. Die Probleme im Herzen neidischer Menschen scheinen an Bedeutung zu verlieren,
wenn sie von den Schwächen bekannter Persönlichkeiten hören. Die Leser, welche an
Zeitungsskandalen und Klatsch Vergnügen haben, versuchen unbewusst, die anderen auf das eigene
Niveau herabzuziehen. Der wirklich liebevolle Mensch hört nur ungern vom Bösen, und wenn er ein
Heiliger ist, so behält er es für sich und tut Busse dafür. Zu den besten Gegenmitteln gegen Eifersucht
und Neid im eigenen Herzen gehört, dass wir sofort für die Meinung des Menschen, an dem wir
Anstoß nehmen, ein Gebet verrichten. Indem wir unsere Feinde GOTT anempfehlen und ihnen
geistlich wohlwollen, wird der Anreiz zum Neid erstickt. Ein weiteres Mittel besteht darin, dass wir
jene nachzuahmen suchen, die wir beneiden. Die Kirche stellt uns das gute Beispiel der Heiligen vor
Augen, nicht um uns durch unsere Fehler zu entmutigen, sondern um uns zu größerer Anstrengung
zu ermutigen. ,,Und achten wollen wir aufeinander, um uns gegenseitig zur Liebe und zu guten
Werken anzueifern.“ (Hebr 10,24)

Die Unkeuschheit

Die Unkeuschheit ist die ungeregelte Lust an den Freuden des Fleisches. Sie ist die Prostitution der
Liebe, die Ausdehnung der Eigenliebe soweit, bis das Ich auf eine andere Person projiziert wird,
welche dann irrtümlicherweise als Du geliebt wird. Die echte Liebe richtet sich auf eine Person, die
als einzigartig und unersetzlich erkannt wird.

Aber die Unkeuschheit schließt jedes persönliche Element zugunsten sinnlicher Erlebnisse aus. Das
Ego hängt der Unkeuschheit ein modernes Mäntelchen um und gibt vor, solch eine Sünde sei nötig,
um gesund zu bleiben, ein volles Leben zu leben oder sich selbst zu verwirklichen. Der krampfhafte
Versuch, dieses Laster wissenschaftlich zu rechtfertigen, ist an sich schon ein Zeichen, wie ungern der
Mensch diese Verletzung des Sittengesetzes als Sünde anerkennt. Heutzutage langweilen sich
Männer wie Frauen und sind unzufrieden. So geben sie sich der Unkeuschheit hin, um das Elend im
Herzen zu kompensieren, und sinken stets tiefer in die Verzweiflung hinab. Wie der hl. Augustinus
sagt: «GOTT zwingt den Menschen nicht dazu, rein zu sein. ER lässt nur jene allein, die es verdienen,
dass man sie vergisst.»

Bei der Unkeuschheit verlegt man den Mittelpunkt der Persönlichkeit vom Geiste auf das Fleisch. In
manchen Fällen rühren die Ausschweifungen von einem unruhigen Gewissen und dem Wunsch, von
sich loszukommen und andere aufzusuchen. Manchmal hat man auch den entgegengesetzten
Wunsch, das Ich zum Alleinherrscher zu machen, indem man sich andere unterwirft. Im vorgerückten
Stadium sieht der Wüstling, dass weder die Befreiung vom Ich noch der Götzendienst lange möglich
ist. Die Seele wird auf sich selbst, auf die eigene innere Hölle zurückgeworfen. Keine einzige
Leidenschaft unterjocht einen Menschen so rasch wie die Unkeuschheit, und es gibt keine, deren
Perversionen schneller die Kräfte des Geistes und Willens zerstören. Die Exzesse haben eine
vierfache Wirkung auf die Vernunft: sie schwächen den Verstand, so dass man geistig blind wird und
die Wahrheit nicht sieht; sie beeinträchtigen die Vorsicht und das Wertgefühl, so dass es zu
unüberlegten Handlungen kommt; sie stärken die Eigenliebe und bringen damit Gedankenlosigkeit
hervor; sie schwächen die Kraft des Willens, bis die Kraft zur Entscheidung verloren geht und man der
Charakterlosigkeit verfällt.

Die Wirkung auf den Willen ist ebenso verheerend wie die auf den Verstand. Wer sich regelmäßig
Ausschweifungen hingibt, neigt dazu, GOTT und die Religion zu hassen. Man kommt zum Gotteshass,
weil Gott der Befriedigung der Wünsche im Wege zu stehen scheint. Die Wüstlinge leugnen die
Existenz GOTTES, weil seine Allwissenheit bedeutet, dass ihr Verhalten von dem Einen gesehen wird,
der es tadeln muss.

Die Unkeuschheit bringt es ferner mit sich, dass man die Unsterblichkeit leugnet. Je mehr der Egoist
im Fleische lebt, umso unangenehmer wird ihm der Gedanke an das Gericht, um sich zu beruhigen,
verschreibt er sich dem Glauben, dass es kein Gericht gibt. Die Unsterblichkeit anzuerkennen würde
ihn dazu zwingen, die ganze Lebensweise zu ändern, was das wollüstige Ich, nicht auf sich nehmen
will. Allein die Erwähnung des künftigen Lebens kann solche Menschen zum wütenden Zynismus
bringen. Durch die Mahnung an die Möglichkeit des Gerichts wird ihre Seelennot noch erhöht. Jeder
Versuch, einen solchen Menschen zu retten, wird als Angriff auf sein Glück angesehen.

Der Glaube an GOTT und an die Unsterblichkeit der Seele würde in dem unkeuschen Ich den Wunsch
erwecken, ein Selbst zu werden. Aber wenn es das Laster nicht aufgeben will, darf es nicht bei
solchen Gedanken verweilen. Verfechter der christlichen Religion müssen Egoisten darauf hinweisen,
dass der Wechsel der Weltanschauung einer Umkehr der Lebensweise vorangehen muss. Sobald der
Wollüstling das Böse aufgibt, wird er nach der Wahrheit streben, da er sie ja nicht mehr zu fürchten
hat.

Die Unkeuschheit hat mit der legitimen Erfüllung des Geschlechtslebens in der echten Ehe nichts zu
tun. Die wahre eheliche Liebe führt zur Bildung des Wir, zur Auslöschung der Egozentrizität. In der
ehelichen Liebe sucht das Selbst die vollkommene Entwicklung des Du, der Persönlichkeit, welche
dem Selbst gegenübersteht. Es gibt keinen heiligeren Augenblick als den, da sich das Ego einer
anderen Persönlichkeit ergibt, so dass der Trieb zu besitzen verzehrt wird von der Freude, den
anderen lieben zu dürfen. Solche Liebenden sind niemals allein, denn zur Liebe gehören nicht zwei,
sondern drei, und der Dritte im Bunde ist Gott. Ein Ego liebt ein anderes Ego, weil es etwas zu geben
hat. Aber ein Selbst liebt ein anderes Selbst, weil es etwas ist. In der Liebe kommen zwei zusammen,
die selbst arm sind. Daraus wird ein großer Reichtum. Ehescheidungen, Untreue, gewollte
Kinderlosigkeit, ungültige Ehen sind alles Travestien, Ketzereien gegen die Liebe, und was der Liebe
feind ist, das ist auch dem Leben und dem Glücke feind.

Der Zorn

Der Zorn ist das heftige Verlangen, andere zu strafen. Hier handelt es sich nicht um den gerechten
Zorn wie den des Herrn, als er die Käufer und Verkäufer aus dem Tempel trieb, sondern um den
unrechten Zorn, der als schlechte Laune, Rachsucht, Wutausbrüche, Rache und Ballen der Faust
auftritt. Vor den Augen des Egoisten verkleidet sich der Zorn als der Wunsch, es dem anderen
heimzuzahlen.

Der Zorn findet sich häufig bei Menschen, die ein schlechtes Gewissen haben. Wenn man sie des
Diebstahls anklagt, werden Diebe viel zorniger als ehrliche Leute. Untreue Ehegatten bekommen
Wutanfälle, wenn sie ertappt werden. Eifersüchtige und boshafte Frauen lassen es die
Hausangestellten entgelten. Solche Egoisten stoßen alle, die ihnen nicht gefallen ab und verleumden
in hässlichster Weise die Tugendhaften, deren Wesen ihnen ein ständiger Vorwurf ist.

Es gibt verschiedene Grade des Zornes. Der erste ist die Empfindlichkeit, die übermäßige
Empfindsamkeit und Ungeduld beim geringsten Zeichen der Nichtachtung. Das ungeduldige Ego
nörgelt und zankt, weil der Frühstückskaffee kalt ist oder die Morgenzeitung zu spät kommt. Das
zweite Stadium ist der Wutausbruch, wobei man heftig gestikuliert, das Blut in Wallung kommt, die
Gesichtsfarbe sich verändert und sogar mit Gegenständen geworfen wird. Das sind alles Anzeichen,
dass das Ich es nicht duldet, wenn man sich der Erfüllung seiner selbstsüchtigen Wünsche widersetzt.
Man kommt zum dritten Stadium, wenn man dem Nächsten direkt Gewalt antut, wenn der Hass es
dem anderen Menschen heimzahlen will, indem er ihm einen Schaden zufügt oder ihm den Tod
wünscht. Manch einer hat keine Ahnung, wie viel diabolischer Zorn in ihm sitzt, bis sein Ego gereizt
wird. Der Zorn hemmt die Entwicklung der Persönlichkeit und setzt allem geistlichen Fortschritt ein
Ende, und das nicht nur, weil er das seelische Gleichgewicht und das sichere Urteil stört, sondern
weil er die Rechte der anderen nicht erkennen lässt und jenen Geist der Sammlung beeinträchtigt,
der zum Eingehen auf die Einsprechungen der Gnade so notwendig ist.

Der Zorn ist stets in Beziehung zu etwas Unbefriedigtem im Ich. Er ist so besonders schwer zu heilen,
weil er in der Eigenliebe wurzelt, obwohl kein Egoist zugeben wird, dass das der wirkliche Grund ist.
Lieber lässt er sich am Körper wehtun als sein Ego durch ein so sanftmütiges Eingeständnis
verdemütigen.

Die Unmäßigkeit / Völlerei

Die Unmäßigkeit ist der Missbrauch des an sich berechtigten Vergnügens, das GOTT an die
notwendigen Mittel zur Selbsterhaltung, Essen und Trinken, geknüpft hat. Sie ist die ungeregelte Lust
am Essen und Trinken, indem der Mensch entweder mehr als notwendig oder zu unrechter Zeit oder
zu üppig speist. Die Unmäßigkeit verkleidet sich als gut leben, als eine feine Küche führen... Ein
vollgestopftes Geschlecht, bei dem das Doppelkinn die Regel ist, hält die Unmäßigkeit für etwas
Selbstverständliches und sieht sie nur selten als Sünde an.

Das Schlimme an der übermäßigen Vorliebe für Essen und Trinken ist, dass dadurch die Seele zum
Sklaven des Leibes wird, wodurch das sittliche und geistige Leben des Menschen beeinträchtigt wird.
Führende Mediziner bezeugen, dass die Trunksucht zur Schwächung des Geistes und der
Persönlichkeit führt. Das Gedächtnis, das Urteil, die Fähigkeit zur Konzentration werden alle in
Mitleidenschaft gezogen. Die Selbstachtung und das soziale Gefühl verschwinden. Zu den Folgen auf
sittlichem Gebiet gehören die Verzweiflung, die Schwächung des Willens und das immer
Materialistischer-Werden des Lebens.
Die Trägheit

Die Trägheit ist eine Krankheit des Willens, welche zur Vernachlässigung der Pflichten führt. Im
körperlichen und geistigen Leben nimmt sie folgende Gestalten an: Faulheit, Verweichlichung,
Untätigkeit, Aufschub dringender Pflichten, Kühle und Gleichgültigkeit. Als seelische Erkrankung tritt
sie als Unlust zu geistlichen Dingen, Lauheit beim Gebet und Verachtung der Selbstzucht auf. Durch
die Trägheit sündigen jene, die nur illustrierte Zeitschriften und nie ein Buch ansehen; die nur
Romane und keine weltanschaulichen Werke lesen. Der Künstler stellte die Trägheit durch das Meer
dar.

Die Trägheit sucht sich als Toleranz und Großzügigkeit zu verkleiden. Ihr fehlt die geistige Kraft, um
die Wahrheit zu entdecken und ihr zu folgen. Die Trägheit liebt nichts und hasst nichts, sie fürchtet
nichts und erhofft nichts und bleibt nur deshalb am Leben, weil sie nichts sieht, wofür es sich zu
sterben lohnte. Sie verbraucht sich nicht. Sie verrostet. Sobald die Sirene ertönt, würde sie keinem
Arbeitgeber einen Strich weiter leisten. Je mehr sie unter uns zunimmt, um so mehr Lasten fallen
dadurch dem Staate zu. Die Trägheit ist egozentrisch. Im Grunde ist sie der Versuch, der sozialen und
geistlichen Verantwortung zu entfliehen, indem man damit rechnet, dass sich schon jemand anders
um einen kümmern wird. Der Träge ist ein Schmarotzer. Er verlangt, dass die anderen ihn ernähren
und für ihn sorgen. Er fordert eine Ausnahmestellung, da er Brot essen will, das er sich nicht selbst
verdient hat

Es gibt verschiedene Grade der Trägheit: die Lässigkeit, Arbeit, die ohne Sorgfalt ausgeführt wird, die
bloße Verrichtung ohne Freude am Werk, einzig um des Lohnes willen; das Aufschieben, das ewige
«Morgen, morgen, nur nicht heute»; die Gleichgültigkeit, die Abneigung gegen jegliche Form der
Anstrengung. Die Trägheit kann sich nicht nur auf körperliche oder geistige Arbeit, sondern auf den
geistlichen Fortschritt beziehen. Durch sie vernachlässigt der Mensch die frommen Übungen,
verkürzt die Gebete oder lässt sie ausfallen. Schlimmstenfalls kann sie sogar zum Hass aller
geistlichen Dinge werden. Die Trägheit wird zur Bosheit, wenn sie jene hassen lehrt, die den
geistlichen Fortschritt verkünden. Sie wird zur Zerstreutheit, wenn sie Herz und Sinn von geistlichen
zu weltlichen Dingen lenkt. Sie wird zur Schwäche, wenn sie ethische und geistliche Schwierigkeiten
zu vermeiden sucht.

Die Selbstprüfung bezieht sich stets auf die eine oder andere dieser grundlegenden Formen der
Selbstsucht. Sie fällt einem schwer; denn das Ich lässt sich nicht gern prüfen. Wir betrügen uns gern,
indem wir uns schmeicheln. David bat den Herrn, er möge sein Herz erforschen, da er wohl wusste,
dass er schwerwiegende Sünden übersehen würde, wenn er es selbst täte. Aber die Selbsterkenntnis
bringt ihren Lohn mit sich; denn Selbstenthüllung und göttliche Offenbarung gehen zusammen. Je
mehr ein Mensch sich selbst entdeckt, umso mehr fühlt er, dass er GOTT braucht, und um so mehr
zeigt sich GOTT einer solchen Seele. Er wird einfach und leicht zu verstehen. Je weniger ein Mensch
sich selbst kennt, umso komplizierter ist er. Ein Bewusstsein, das niemals von der Selbsterkenntnis
durchleuchtet worden ist, enthält tausenderlei unzusammenhängende Motive und Sorgen. Diese
Kompliziertheit hat ihren Grund darin, dass die innere Durchleuchtung fehlt und die Dinge nicht auf
ein einziges Ziel bezogen sind.

Sobald man die Hauptfehler herausbekommen und die Verkleidungen des oberflächlichen Ich
abgestreift hat, wächst der Charakter mit ungeahnter Schnelligkeit. Die Selbsterkenntnis bedeutet
die Verlegung der Kritik von den anderen auf uns selbst. Wenn wir die Fehler der anderen
betrachten, erhebt sich das Ich. Wenn wir das Ich herunterdrücken und unseren Hauptfehler
anerkennen, wird der Nächste, der vorher so hassenswert erschien, auf einmal liebenswürdig. Wenn
wir unsern Stolz und die Eitelkeit verlieren, gewinnen wir gleichzeitig eine Welt von Freunden.

Vergebung der Sünden

Das Credo bringt die Vergebung der Sünden mit dem Bekenntnis des Glaubens an den Hl. Geist in
Verbindung. Der auferstandene Christus hat den Aposteln die Vollmacht anvertraut, Sünden zu
vergeben, als ER ihnen den HI. Geist verlieh. Im 10. Credo bekennen wir, dass GOTT seiner Kirche die
Gewalt verliehen hat, Sünden nachzulassen. In seiner unermesslichen Barmherzigkeit streckt GOTT
dem reumütigen Sünder seine Hand entgegen, verzeiht ihm und richtet ihn auf. «GOTT will nicht den
Tod des Sünders, sondern dass er sich bekehre und lebe» (Ez 33,11).

Die Taufe ist das erste und bedeutsamste Sakrament zur Sündenvergebung: sie vereint uns mit dem
gestorbenen und auferstandenen Christus und spendet uns den HI. Geist. Wer aber wäre tapfer und
wachsam genug, um in diesem Kampf mit der Neigung zum Bösen durch gar keine Sünde verletzt zu
werden? «Da es also notwendig war, dass in der Kirche die Gewalt der Sündenvergebung noch auf
eine andere Weise als durch das Sakrament der Taufe bestehe, sind ihr die Schlüssel des
Himmelreiches anvertraut, wodurch einem jeden Reuigen, und hätte er auch bis zum letzten
Lebenstag gesündigt, die Sünden vergeben werden können» (Catech. R. 1,11,4). Durch das
Bußsakrament kann der Getaufte mit GOTT und mit der Kirche versöhnt werden. Nach dem Willen
Christi besitzt die Kirche die Vollmacht, den Getauften die Sünden zu vergeben. Sie übt diese
Vollmacht durch die Bischöfe und Priester im Sakrament der Buße aus.

Der Prophet Jesaia versprach dem Volke Gottes Verzeihung und Erbarmen: «Sind eure Sünden auch
rot wie Scharlach, sie sollen doch weiß werden wie Schnee» (Jes 1,18). Nach seiner Auferstehung hat
Christus die Apostel ausgesandt, um «allen Völkern zu verkünden, sie sollen umkehren, damit ihre
Sünden vergeben werden» (Lk 24,47). Die Apostel und ihre Nachfolger leisten darum einen ,,Dienst
der Versöhnung“ (2 Kor 5,18): Sie verkünden einerseits den Menschen die Vergebung durch GOTT,
die Christus uns verdient hat, und rufen zur Umkehr und zum Glauben auf. Durch die Taufe
vermitteln sie ihnen andererseits auch die Sündenvergebung und versöhnen sie dank der von
Christus erhaltenen Schlüsselgewalt mit Gott und der Kirche.

Die Apostel bekamen die Gewalt zu binden und zu lösen. Jesus sprach: «Alles, was ihr auf Erden lösen
werdet, wird auch im Himmel gelöst sein» (Mt 18,18). Am Osterabend gab ER ihnen ausdrücklich die
Gewalt der Sündenvergebung mit den Worten: ,,Welchen ihr die Sünden nachlassen werdet, denen
sind sie nachgelassen» (Joh 20,23). Die Buße wurde von den heiligen Vätern zu Recht
„gewissermaßen eine mühevolle Taufe“ genannt (Gregor v. Nazianz). Dieses Sakrament der Buße ist
aber für die nach der Taufe Gefallenen zum Heil notwendig, wie für die noch nicht Wiedergeborenen
die Taufe selbst» (K. v. Trient: DS 1672).

Die Krankenölung

Auch bei der Krankenölung werden Sünden nachgelassen, besonders wenn der Kranke nicht mehr
beichten kann. Er muss aber seine Sünden bereuen. Die ewige Sündenstrafe wird zugleich mit der
Todsünde nach gelassen. Zeitliche Sündenstrafen werden durch das Bußsakrament, durch gute
Werke und Ablässe getilgt. Mahnung: Nicht umsonst beten wir: «Vergib uns unsere Schuld!» Das gibt
unserer Seele Trost und Frieden: Unsere Sünden werden wirklich nachgelassen. Froh dürfen wir
beten: «Gott ist es, der dir alle deine Sünden vergibt, der all dein Gebrechen heilt... Barmherzig ist
der Herr und gnädig, langmütig und von großer Huld» (Ps 102).

Ablässe

Die Lehre über die Ablässe und deren Anwendung in der Kirche hängen eng mit den Wirkungen des
Bußsakramentes zusammen. «Der Ablass ist Erlass einer zeitlichen Strafe vor Gott für Sünden, die
hinsichtlich der Schuld schon getilgt sind. Ihn erlangt der Christgläubige, der recht bereitet ist, unter
bestimmten Bedingungen durch die Hilfe der Kirche, die als Dienerin der Erlösung den Schatz der
Genugtuungen Christi und der Heiligen autoritativ austeilt und zuwendet.» — «Der Ablass ist
Teilablass oder vollkommener Ablass, je nachdem er von der zeitlichen Sündenstrafe teilweise oder
ganz freimacht.» Ablässe können den Lebenden und den Verstorbenen zugewendet werden (Paul VI.,
Ap. Konst. ,,Indulgentiarum doctrina“ normae 1-3).

ABWEHR VON SAKRILEGIEN (Unwürdige Kommunionen)

Pater Pio trug die Wundmale Christi, er hatte auch die Gabe der Seelenschau. Hier einige Ereignisse:

Pater Pio überging öfters einzelne Gläubige bei der Spendung der Hl. Kommunion, da für
Seelenzustand nicht in Ordnung war. Jeder erkannte dann selbst den Grund und sein Gewissen
rührte sich.

Eine Dame um die Vierzig kniete einmal als Letzte an der Kommunionbank. P. Pio herrschte sie
streng an: "Weg, weg mit Dir!" Weinend und totenbleich verließ sie die Kirche. Warum wohl wurde
sie vor aller Augen von ihm weggeschickt?

Sie selber wusste es; sie erzählte, sie habe bei einem anderen Pater gebeichtet und sogar des Öfteren
ihren Ehebruch bekannt – dies jedoch ohne Reue und ohne den Vorsatz, von ihrem Jugendfreund zu
lassen.

Dieser Pater freilich konnte ihr nicht in die Seele schauen und musste so ihren Worten und
Vortäuschungen glauben.

Pater Pio aber hatte sie sofort durchschaut und ihr diesen heilsamen Schock versetzt. Tagelang rang
sie nun mit sich, bis sie den Entschluss fasste, ein neues Leben zu beginnen.

Nach einer reuigen Beichte kniete sie wieder bei P. Pio an der Kommunionbank und empfing aus
seiner Hand dankbar den Heiland.

Ein junger Mann wurde ebenso von P. Pio vorerst von der Kommunionbank verwiesen. Er legte
dabei die hl. Hostie in den Kelch zurück und verwarnte ihn:

"Du hast zuerst die Beichte nötig! Weg, weg!"


Die wirkliche Gegenwart Jesu in der Heiligen Kommunion
Zeugnis von P. Pio "O, wie werden sich die Menschen einmal wundern, dass dieser Heiland, der sich
so unscheinbar in der heiligen Hostie verbirgt, derselbe Heiland ist, der einst auf den Wolken des
Himmels mit großer Macht und Herrlichkeit kommen wird, um zu richten die Lebendigen und die
Toten!"

Der stigmatisierte Kapuziner Pater Pio in Giovanni Rotondo, Süditalien, ein Märtyrer des Beichtstuhls,
besaß die göttlichen Gaben der Seelenschau und der Bilokation. Unzählige aus allen Kontinenten
verdanken seinem Gebet, seinem Messopfer und seinem Leiden ihre Bekehrung und körperliche
Heilung.

Viele Tausende, die seiner Person, seinem Leben und Wirken dem Heiland begegneten, zählten sich
zu seinen geistlichen Kindern. Einst suchte ihn auch der junge polnische Priester Karol Wojtyla auf.
Ihm sagte P. Pio ein langjähriges Papsttum voraus.

Pater Pio ist wie wenige in das Opfer Christi hineingenommen worden, hat es mit ganzer Hingabe
gefeiert, erlebt und gelebt. Er hat die Gläubigen stets ermahnt, so oft als möglich die hl. Messe
mitzufeiern: Von ihm stammt der Satz: "Eher kann die Welt ohne Sonne existieren als ohne das hl.
Messopfer!"

Aus dem „Tagebuch“ der Heiligen Faustina Kowalska


„Schreibe: Ich bin dreimal heilig und verabscheue die kleinste Sünde. Ich kann eine Seele nicht lieben,
die mit der Sünde befleckt ist, aber sobald sie bereut, sind Meiner Großzügigkeit ihr gegenüber keine
Grenzen gesetzt. Meine Barmherzigkeit umfängt und rechtfertigt sie. Mit Meiner Barmherzigkeit
verfolge Ich die Sünder auf all ihren Wegen und wenn sie zu Mir zurückkehren, freut sich Mein Herz.
Die Bitterkeit, mit der sie Mein Herz getränkt haben, vergesse ich und freue Mich über ihre Rückkehr.
Sage den Sündern, dass keiner vor Meiner Hand entflieht. Wenn sie vor Meinem barmherzigen Herzen
fliehen, fallen sie in Meine gerechten Hände. Sage den Sündern, dass Ich stets auf sie warte, dass Ich
am Pulsschlag ihres Herzens höre, wann es für Mich zu schlagen beginnt. Schreibe, dass Ich durch
Gewissensbisse zu ihnen spreche, durch Misserfolg, und Leiden, durch Gewitter und Blitze, durch die
Stimme der Kirche; wenn sie aber alle Meine Gnaden zunichte werden lassen, beginne Ich zu zürnen
und überlasse sie sich selbst und gebe, was sie begehren“.

Aus dem Evangelium nach Matthäus (11, 28-30)


„Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch
mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe
finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht“.

Die Vollmacht, die Vergebung der Sünde zuzusprechen, ist tatsächlich das Geschenk des
auferstandenen Christus. "Empfangt den Heiligen Geist. Welchen ihr die Sünden nachlasst, denen sind
sie nachgelassen. Welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten", sagt Jesus am Ostertag den
Jüngern (Joh 20,22-23). Und bei (Mt 16,18 und 18,18) lesen wir: "Was ihr auf Erden lösen werdet, das
wird auch im Himmel gelöst sein." Darauf hat die Kirche immer das Bußsakrament zurückgeführt.
Die Ohrenbeichte ist wohltätig in drei Punkten: Sie ist wiederholbar. Sie ist mit einer seelsorglichen
Gewissensberatung verbunden. Und - das wichtigste - die "Bußwerke". Sie werden, was wir mit
einem missverständlichen Begriff "Genugtuung" nennen. In Wahrheit leisten wir keine "Genugtuung"
für unsere Sünde - das hat, wenn schon, Jesus Christus ein für allemal getan. Die "Genugtuung" ist
faktisch ein Zeichen des Dankes gegen Gott für die ganz unverdiente und ohne Vorleistungen
geschenkte Vergebung. Dass sie meist in einem Gebet besteht, hat übrigens auch mit dem
Beichtgeheimnis zu tun. Eifrige Beichtväter, die sich zuzeiten um eine Erneuerung des
Bußsakramentes bemühten, kamen da bald an ihre Grenzen. Stellen Sie sich einmal vor, ein Mann
beichtet einen Ehebruch, und der Beichtvater legt ihm als "Buße" auf, seiner Frau einen großen
Blumenstrauß mitzubringen. Die wird bald fragen: "Was hast denn du ausgefressen?"

Der kleine ‚Heilige‘


Erschütternd ist folgende Begebenheit, die der heilige Antonin, der gelehrte Erzbischof von Florenz in
seinen Schriften berichtet. Sie hatte gegen Ende des 15. Jahrhunderts ganz Norditalien aufgewühlt.
Ein junger Mann aus gutem Haus hatte bei der Beichte eine schwere Sünde verschwiegen und in
diesem Zustand kommuniziert. Von Woche zu Woche, von Monat zu Monat, verschob er aus elender
Menschenfurcht das dringende Geständnis seiner Sakrilegien und fuhr sogar fort, weiter zu beichten
und zu kommunizieren. Peinigende Gewissensbisse suchte er durch große Bußwerke zum Schweigen
zu bringen, so dass er als Heiliger galt. Da er es nicht mehr aushielt, trat er in ein Kloster ein. ,,Dort
wenigstens werde ich alles bekennen und meine schrecklichen Sünden ernsthaft büßen", sagte er
sich. Unglücklicherweise wurde er von seinen Oberen, die ihn von seinem Ruf her kannten, wie ein
kleiner Heiliger empfangen; so verschob er sein Geständnis auf später und verdoppelte seine Buße.
Zwei Jahre vergingen in diesem bedauernswerten Zustand. Er wagte es nie, die furchtbare
Sündenschuld, die ihn niederdrückte, zu bekennen. Endlich schien eine tödliche Krankheit ihm die
Last zu erleichtern. ,,Jetzt werde ich alles auf einen Schlag zugeben", nahm er sich vor. ,,Ich werde
eine Generalbeichte ablegen, bevor ich sterbe." Aber weil die Eigenliebe die Reue überwog,
bekannte er seine Verfehlungen so undeutlich, dass der Beichtvater nichts verstehen konnte. Zwar
hatte er ein unbestimmtes Verlangen, anderntags nochmals darauf zurückzukommen, aber da
überkam ihn ein Anfall geistiger Umnachtung — und er starb.

In der Klostergemeinschaft, wo man von seinem schaudervollen Seelenzustand nichts wusste, sagte
man sich:

,,Wenn der nicht im Himmel ist, wer kommt dann hinein!“ Kreuzchen, Rosenkränze und Medaillen
wurden an seinen Händen angerührt. Mit Ehrfurcht wurde sein Körper in die Klosterkirche getragen
und blieb dort im Chor aufgebahrt bis am anderen Morgen, wo das Begräbnis stattfinden sollte.
Einige Zeit vor Beginn der Zeremonie begab sich ein Bruder in die Kirche, um die Glocke zu läuten.
Plötzlich sah er beim Altar den Toten in rotglühenden Ketten; der ganze Körper war wie in Weißglut.
Der arme Bruder fiel erschrocken auf die Knie, die Augen starr auf die furchtbare Erscheinung
gerichtet. Da sagte der Verworfene: ,,Betet nicht für mich, ich bin für die ganze Ewigkeit in der
Hölle!“ Und er erzählte die beklagenswerte Geschichte seiner Schande und Sakrilegien; danach
verschwand er und hinterließ in der Kirche einen unerträglichen Gestank, der sich im ganzen Kloster
ausbreitete, wie um die Wahrheit zu bekräftigen über das, was der Bruder gerade gesehen und
gehört hatte. Die herbeigerufenen Oberen ließen den Leichnam entfernen, weil sie ihn eines
kirchlichen Begräbnisses unwürdig hielten.
Welche Tragik für den Verlorenen; es wäre so leicht gewesen, sich mit Demut und mehr Gottesliebe
aus den Klauen Satans zu befreien. Aber zu spät! Entsetzlich, wenn eine Seele dieses kurze und doch
so schwerwiegende Wort ewig anklagend vor Augen haben muss! (Abschied vom Unglauben, Msgr.
de Ségur)

Die Versuchung liegt nahe, Gott den Vorwurf zu machen, er habe ihm keine Gelegenheit mehr
gegeben, anderntags doch noch reumütig sein Geständnis ablegen zu können. Wissen wir das so
sicher, ob er es wirklich getan hätte? Wir übersehen zu leicht, dass Gott ihm schon so viel Geduld
erwies. Überdies macht er nie einen Fehler, und seine Entscheidungen sind immer gerecht! Auch
bedenken wir kaum, was in ,,Jesus Sirach“ steht: ,,Bei ihm ist wohl Barmherzigkeit, aber sein Grimm
lastet auf den Sündern. Säume nicht, dich zu bekehren. Verschieb es nicht von einem Tag auf den
andern. Denn plötzlich bricht der Zorn des Herrn aus, und du wirst hinweggerafft.“ (Sir 5,7)

Und wer sind wir, dass wir ihn kritisieren dürften? Heißt es nicht: ,,Selig, wer an mir kein Ärgernis
nimmt!“ (Mt 11,6) Er ist niemand Rechenschaft schuldig, nur sich selbst, seiner unendlichen
Vollkommenheit. Wahr bleibt daher in Ewigkeit: ,,Gerecht bist Du, o Herr, und gerecht sind alle Deine
Gerichte!“ (Tab 3, 2)

Was wir bis jetzt schon vom traurigen Ende unverbesserlicher Sünder erfuhren, lässt uns zu Recht
befürchten, dass sie im Jenseits ein schreckliches Los erwartet. Aber wer verpflichtet uns gar, die
ewige Verdammnis als unumstößliche Wahrheit zu glauben?

Die Aussagen der Heiligen Schrift!


Schon durch den Propheten Isaacs tut Gott kund: ,,Alle werden sich vor mir niederwerfen, und wenn
sie die Stadtmauern (von Jerusalem) verlassen, sehen sie die Kadaver der Menschen, die sich gegen
mich erhoben haben, denn ihr Wurm stirbt nicht, und ihr Feuer erlischt nicht; jeder wird ihretwegen
erschrecken.“ Mit diesen Worten weist der Prophet auf ein Tal hin bei Jerusalem, in das man den
Unrat der Stadt warf — verkommenes Fleisch und die von Würmern zerfressenen, unbegrabenen
Leichname. Dort unterhielten die Juden ein immerwährendes Feuer, um die ekelhaften Dinge zu
verbrennen. Der Ort hieß „Gehenna“ und wurde so zum Abbild für die wirkliche Hölle, wo der Wurm
(der Gewissensbiss) und das Feuer kein Ende finden.

Jetzt erinnern wir uns wohl auch, dass Jesus selbst auf diese Schriftstelle zurückgreift, um die Hölle zu
kennzeichnen; oft spricht er vom ,,Ort der Qual“, von dem ,,ewigen Feuer“ und dem ,,brennenden
Feuerofen, wo Heulen und Zähneknirschen sein wird“. Vor seiner Himmelfahrt unterweist er seine
Jünger noch einmal deutlich: ,,Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet werden; wer nicht
glaubt, wird verdammt werden.“ (Mk 16, 10) Die heuchlerischen Schriftgelehrten und Pharisäer
nennt er offen ,,Führer von Blinden, übertünchte Gräber, die von Fäulnis angefüllt sind ... Ihr
Schlangenbrut, ihr Natterngezücht, wie wollt ihr der Verurteilung zur Hölle entrinnen?“ (Mt 23,16 ff.)
Alles darangeben, um die Seele zu retten!
„Wenn dich dein Auge ärgert, so reiß es aus und wirf es von dir; es ist in der Tat besser für dich, eines
deiner Glieder zu verlieren, als dass dein Leib in das Feuer der Hölle geworfen wird.“ (Mt 5,29) In
gleichem Sinn spricht er auch von der Hand, die zur Sünde werden kann. Was sollen wir unter diesem
,,Ausreißen und Abschlagen“ verstehen? Es ist die entschiedene Forderung, auf liebste und
notwendigste Dinge zu verzichten, wenn sie die nächste Gelegenheit zur Sünde sind. Um dem
Verderben zu entrinnen, müssen wir sogar bereit sein, unser Leben zu opfern. ,,Fürchtet euch nicht
vor denen, die zwar den Leib töten, aber der Seele nichts anhaben können. Fürchtet vielmehr den, der
Leib und Seele in die Hölle stürzen kann.“ (Mt 10,28)

Und unserem Wohlstandsdenken stellt er gegenüber: Was nützt es dem Menschen, wenn er die
ganze Welt gewinnt, aber Schaden leidet an seiner Seele?

Oder was kann der Mensch als Lösegeld für seine Seele geben? (Mt 16,26 / Mk 8,36)

Beim Endgericht jedenfalls ist keine Änderung mehr möglich, da werden die Guten belohnt und die
Bösen bestraft:

,,Hinweg von mir, ihr Verfluchten, ins ewige Feuer!“ (Mt 25, 41)

,,Diese werden eingehen in die ewige Qual und die Gerechten in das ewige Leben» (Mt 25,46)

Niemals soll aber vergessen werden, dass wir Menschen sind. Demut bedeutet auch, dass wir keine
Götter sind, dass wir nicht perfekt sind und dass uns Fehler passieren.

„Herr, Du weißt alles. Du weißt, dass ich dich liebhabe.“ (Joh 21,17)