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Elektrische Ladungen/Elektrische Felder 11. Klassen 18.09.

2020
In der Woche vom 14.9.-18.9. haben wir mit einer Einführung in die Elektrizitätslehre
begonnen, wie sie im 11. Schuljahr gelehrt wird.

Das, was wir als „Elektrizität“ wahrnehmen und beobachten, beruht darauf, dass es zwei
verschiedene Arten von Ladungen gibt , die wir positiv (+) und negativ (-) nennen. Beispiele
für positive Ladungen sind Protonen, die im Atomkern vorkommen. Da es im Atomkern sonst
nur Neutronen gibt, die keine Ladung haben, ist der gesamte Atomkern natürlich auch ein
Beispiel für eine positive Ladung. Darüber hinaus gibt es „positive Ionen“, das sind Moleküle,

wo ein oder mehrere Elektronen fehlen (z.B.


H O+
3 ), die in der Chemie eine wichtige
Rolle spielen, in der Physik weniger und sie sogenannten „Positronen“, das sind Teilchen, die
die gleichen Eigenschaften wie Elektronen haben, außer dass sie eben positive Ladung
haben. Aber das ist „Antimaterie“, mit der wir in diesem Jahr nicht viel zu tun haben werden.

Bekanntestes Beispiel für Teilchen, die negativ geladen sind, ist das Elektron mit der
−19
negativen „Elementarladung“ e=−1,602⋅10 C . Einen kleineren Betrag von Ladung gibt
es nicht. (Das Proton hat übrigens den gleichen Ladungsbetrag, nur eben positiv). Dann gibt
es natürlich auch negative Ionen, z.B. OH-, aber wir befassen uns hier fast immer nur mit den
Elektronen, weil die am beweglichsten von allen sind, sie können sich ja z.B. auch in Leitern
(Metallen) frei bewegen, in Luft und im Vakuum sowieso, da sogar sehr schnell, wenn sie
durch eine entsprechende elektrische Spannung angetrieben werden sollten.

Nur zur Wiederholung: Eine wichtige Größe in der Elektrik ist die „Stromstärke“, die Formel
Q ΔQ
I= I=
lautet: t oder „wissenschaftlicher“: Δt . In Worten bedeutet das: Stromstärke
gibt an, wie viel Ladung in einer bestimmten Zeit Δ t durch die Querschnittsfläche eines
Leiters (Draht, Kabel…) geflossen ist. Das Formelzeichen ist als I, manche behaupten, es
kommt von „Intensität“, ist aber nicht ganz sicher. Das Formelzeichen für die Ladungsmenge
ist Q, manche behaupten, das kommt von „Quantity“, ist aber auch nicht ganz sicher. Die
Einheit für die Ladungsmenge ist 1 C (Coulomb) und für die Stromstärke 1 A (Ampere) oder
entsprechend der Formel(s.o) 1 C/s.

Wie Ihr euch aus dem 9. Schuljahr erinnert, ziehen sich unterschiedliche Ladungen an (+-),
aber gleichnamige Ladungen stoßen sich ab (++) oder (- -). Das ist der große Unterschied zu
dem, wie es in unserer „mechanischen“ Welt zugeht. Die Masse m ist nur positiv und
trotzdem können sich Massen nur anziehen, niemals abstoßen.

Dafür gibt es aber auch Gemeinsamkeiten: Um die Masse m herum bildet sich immer ein
Schwerefeld (Gravitationsfeld). Das passiert bei elektrischen Ladungen auch: Es bildet sich
sowohl um positive als auch um negative Ladungen ein „elektrisches Feld“. Dieses Wort
hatte der englische Experimentalphysiker Michael Faraday das erste Mal benutzt. Das
elektrische Feld ist der Raum um elektrische Ladungen, in dem elektrische Kräfte auf
geladene Körper wirken. Ist ein Körper nicht geladen (neutral), so merkt (spürt) der Körper
dieses Feld nicht, es ist aber trotzdem da! Ähnlich in der Mechanik: Ein Körper, der keine
Masse hätte (so etwas gibt es natürlich nicht), würde auch kein Gravitationsfeld spüren, auch
wenn eines da ist.

Die elektrischen Felder können wir nicht sehen, aber mit Hilfe von Feldlinien kann man ihre
Struktur beschreiben und es wenigstens ein wenig „sichtbar“ machen. Die Feldlinien geben
an, in welche Richtung die elektrischen Kräfte auf geladene Körper wirken. Es gilt folgende
Vereinbarung (Konvention): Ist der geladene Körper positiv, so weisen die Feldlinien von ihm
weg in Richtung negativ. Beim negativ geladenen Körper umgekehrt: Die Pfeile auf den
Linien weisen auf ihn hin. Ist also ein positiv geladener Körper in der Nähe von einem
anderen positiv geladenen Körper, muss er sich als entlang der Feldlinie von ihm weg
bewegen (Abstoßung) usw.

Außer der Kraftrichtung auf geladene Körper kann man noch etwas anderes aus dem
„Feldlinienbild“ erkennen: Die relative Stärke des Feldes: Sind die Feldlinien dicht
beieinander, ist das Feld stärker, als wenn sie weit auseinander sind. An folgenden Bildern

Abbildung 1 Abbildung 2

kann man das erkennen: In der Abbildung 1 sieht man getrennt je eine positive und negative
kugelförmige Ladung. Die Richtungen der Feldlinien sind so wie schon besprochen. Man
sieht aber deutlich, dass die Linien in der Nähe der Ladung enger beieinander liegen als
dann, wenn sie weiter weg sind. Das ergibt Sinn: Je weiter ein geladener Körper von der
kugelförmigen Ladung weg ist, desto schwächer wird das Feld. (Anziehung oder Abstoßung).
Das ist beim Gravitationsfeld der Erde übrigens genauso. (Dort aber nur Anziehung).

Ganz interessant ist auch Abbildung 2, wo man sieht, wie entgegengesetzte Ladungen sich
anziehen. Wenn sich ein geladener Körper genau zwischen diesen Ladungen befindet,
erfährt er die stärkste elektrische Kraft. Das kann man in einem Experiment auch sichtbar
machen: Mit einer Influenzmaschine kann man zwei Metallkugeln entgegengesetzt laden.
Bringt man sehr leichte geladene Teilchen (Federn, Wattestückchen, Papierschnipsel) in die
Nähe oder sogar zwischen diese Kugeln, so sieht man, wie sie sich genau entlang dieser
Feldlinien bewegen, auch auf diesen „krummen“ Bahnen. Und man kann auch sehen, wenn
sie sich weiter entfernt von den Kugeln auf den ganz krummen Bahnen bewegen oder rechts
und links weiter weg, so fallen sie oft auf die Erde, eben weil dort das elektrische Feld
schwächer ist, und die Gravitationskraft der Erde dominiert.

Wir hoffen alle, euch in naher Zukunft so ein Experiment live aus dem Physikraum zeigen zu
können (inşallah!).

Die in den Abbildungen 1 und 2 gezeigten Felder nennt man „inhomogen“, d.h. die Feldlinien
sind nicht parallel, haben also unterschiedliche Abstände voneinander und deshalb ist wie
erwähnt die elektrische Feldstärke (Stärke des Feldes) an verschiedenen Orten
unterschiedlich und somit auch die elektrische Kraft.

Anders verhält es sich bei den „homogenen“ elektrischen Feldern. Dort sind die Feldlinien
parallel zueinander, folglich ist die Stärke des Feldes an jedem Ort gleich groß und deshalb
auch die elektrische Kraft. In diesem Skript werden wir uns jetzt intensiv damit befassen,
weil man an den homogenen Feldern die physikalischen Größen und Zusammenhänge
besonders leicht studieren kann. Homogene elektrische Felder stellt man im Labor mit
sogenannten „Plattenkondensatoren“ her. Das sind runde oder auch quadratische
Metallplatten, die Ladungen sammeln und verdichten können. „Kondensator“ kommt aus
dem Lateinischen und heißt in etwa „Verdichter“. Es gehören immer zwei Platten dazu, eine
wird positiv (Elektronenmangel) und die andere wird negativ geladen
(Elektronenüberschuss). Dazu müssen Ladungen also getrennt werden, das erfordert Arbeit,
also Energie, und deshalb braucht man eine Spannungsquelle, die mittels elektrischer
Energie die Ladung trennt. Diese muss also an die Steckdose angeschlossen werden.

Abbildung 3

Die Abbildung 3 zeigt solch ein Kondensator-Plattenpaar, links versammeln sich die
Elektronen (-) und rechts werden sie von der Platte weggezogen (Elektronenmangel, also
(+)). Die dazu erforderliche Energie kommt oben von der Spannungsquelle (U).

Wir sehen die Platten hier von der Seite, so dass wir in den Raum zwischen den Platten
gucken können, der uns interessiert, denn dieser Raum wird von einem homogenen
elektrischen Feld ausgefüllt. Es gibt auch hier noch ein kleines schwächeres inhomogenes
Feld außerhalb der Platten, doch das interessiert uns hier erst mal nicht.

Man sieht eine „Probeladung“ q (ich schreibe extra kleines q, nicht so wie in Abbildung 3),
weil Probeladung heißt, dass die Ladung im Vergleich zu den Ladungen auf den Platten sehr
klein sein soll. Denn: Jede Ladung hat natürlich ihr eigenes Feld um sich herum, das das
homogene Feld beeinflusst. Diesen Effekt wollen wir aber vernachlässigen (ignorieren), und
deshalb sind hier auch keine sternförmigen Feldlinien um die negative Probeladung
gezeichnet, wie es ganz genau betrachtet eigentlich sein sollte. Man sieht, auf die negative
Probeladung wirkt eine elektrische Kraft nach rechts, weil da die positive Platte ist. Man hat
auch einen Vektorpfeil auf das Kraftsymbol F gezeichnet, weil die Kraft ist immer ein
„Vektor“, also eine physikalische Größe, die nicht nur einen Betrag, sondern auch eine
Richtung hat. Beispiele für physikalische Größen, die Vektoren sind , gibt es viele: Die
Geschwindigkeit v, die Beschleunigung a, aber auch die Orte x, y, z. Wenn ich z.B. ein Kreuz
auf der x-Achse bei x=2 mache, ist das ein anderer Ort, als wenn ich das Kreuz auf der y-
Achse bei y=2 mache, obwohl der Betrag 2 immer der gleiche ist. Das werdet ihr dieses Jahr
in Mathematik schon noch lernen…

Dann gibt es physikalische Größen, die nur einen Betrag haben, wo es keinen Sinn macht,
von einer Richtung zu sprechen. Das sind z.B. die Masse m, das Volumen V, die Temperatur
T, aber auch Energie und Arbeit.

Wir brauchen beim homogenen elektrischen Feld (meistens) nicht so sehr auf diese
Vektorsymbole zu achten, weil die Bewegungsrichtung meistens nur nach rechts oder links
geht. Ich führe es hier aber trotzdem einmal vor, später können wir die Vektorpfeile
vernachlässigen.

Die elektrische Kraft auf eine Ladung (hier Probeladung) ist nun folgendermaßen definiert:

⃗F el=q⋅⃗E
(1)

Diese Gleichung (1) gilt übrigens ganz allgemein, wir können sie später auch für inhomogene
Felder benutzen. Die Größe E ( ich schreibe hier mal ohne Pfeil), nennt man „elektrische
Feldstärke“. Sie gibt an, wie „stark“ das elektrische Feld ist und sie ist unabhängig von der
Probeladung q. Man kann ja (1) umformen und erhält:

⃗F
⃗E= el
q (2)

Dann sieht man ja: Wenn q größer wird, wird die elektrische Kraft proportional auch größer
und das beeinflusst die elektrische Feldstärke überhaupt nicht. Was die Feldstärke
beeinflusst, werden wir gleich sehen.
Wenn man jetzt z.B. die negative Probeladung von der positiven Platte zur negativen Platte
bringen wollte, müsste man sich anstrengen, also Arbeit verrichten, also auch Energie
aufbringen, und diese wäre dann:

W el = ⃗Fel⋅⃗d =q⋅⃗E⋅⃗d (3)

Den Abstand zwischen den Platten bezeichnen wir als d (Das ist eine Differenz zwischen 2
Orten und streng genommen also auch ein Vektor).

Wir wissen schon aus dem 10. Schuljahr, dass die Arbeit (aber auch die Energie) als „Kraft
mal Weg“ dargestellt werden kann. Arbeit und Energie sind zwar nicht dasselbe, aber
äquivalent, d.h. sie haben die gleiche Einheit (Nm = J) und bedingen einander: Um x J Arbeit
zu verrichten, braucht man x J Energie. Arbeit ist ein „Prozess“, Energie ist ein „Zustand“, der
verändert wird, wenn Arbeit verrichtet wird. Wenn ich z.B. einen Körper mit der Masse m
auf die Höhe h hebe, verrichte ich die Hubarbeit W=mgh, die Energie dafür muss mein
Körper aufbringen. Jetzt ist der Körper aber in einem neuen Energiezustand mgh (potenzielle
Energie). Und das ist genau der Energiebetrag, den mein Körper aufbringen musste. Man
sieht also die Äquivalenz zwischen diesen beiden Größen. Wenn man nämlich, wie in
Abbildung 3, die negative Probeladung q von der negativen Platte zur positive Platte „fallen“
lässt, dann braucht man keine Arbeit zu verrichten (keine Anstrengung…, deshalb sage ich
„fallen“), sondern es wird Energie freigesetzt, und zwar genau der Betrag in Gleichung (3).

Betrachten wir jetzt noch eine weitere wichtige Größe im homogenen elektrischen Feld:

W el
U= ⃗⋅⃗d
=E
q (4)

Das ist die schon erwähnte „elektrische Spannung“ mit dem Formelzeichen U (vom
lateinischen „urgere“=drängen, drücken.. wie „urgent“ auf Englisch) und der Einheit 1V
(Volt) nach dem italienischen Physiker Alessandro Volta. Man sieht an der Gleichung (4) ,
dass das in Wirklichkeit eine potenzielle elektrische Energie (so kann man W auch
bezeichnen) pro Probeladung q ist. Also ist die Spannung U, genau wie die Feldstärke E,
unabhängig von q. Und das macht Sinn: Die Spannung stelle ich außen am Spannungsgerät
ein, was für eine Probeladung (Feder, Papier, Watte) ich in das Feld reinwerfe, ist der
Spannung völlig egal, das wird das Gerät nicht beeinflussen.

Aber betrachten wir nochmal die elektrische Feldstärke E: Aus (4) erhält man:

U
E=
d (5)

Ich lasse die Vektorpfeile jetzt mal weg, ihr dürft das in der Klausur auch….bei homogenen
Feldern….
Die Gleichung (5) gilt so übrigens nur für homogene Felder, bei inhomogenen Feldern
müssen wir uns andere Ausdrücke überlegen…

Aber: Das Interessante ist, dass man aus dieser Formel sieht, dass man die Feldstärke E bei
festeingestelltem U am Spannungsgerät verändern kann. Wie im Meeting gesagt, kann man
den Abstand d der Kondensatorplatten selbst bestimmen. Wenn ich also bei einer von außen
eingestellten Spannung von nur 100V den Abstand d auf 1mm verkleinere, habe ich schon
E=100000 V/m, also schon eine sehr große Feldstärke, was nach (1) auch eine große
elektrische Kraft bedeutet, die auch Elektronen von der negativen Platte in die Luft ziehen
kann. Dadurch werden die Luftmoleküle ionisiert und es entstehen kleine Blitze.

Abbildung 4

Die Abbildung 4 zeigt so ein paar Beispiele, auch hier wird durch die Dichte der Feldlinien
wieder symbolisiert, wie stark das elektrische Feld ist.

Viel Spaß beim Lesen!

İyi eğlenceler!