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Nr. 14 April 2011 – Österreichische Post AG, Info.

Mail Entgelt bezahlt

Magazin der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck

Fairer Handel
Astronomiejahr 2009
Faszination Universum
auf dem
Prüfstand
Seite 4

Europa Parkinson
Forscher untersuchen die Den Mechanismen von
Sicherheits- und Verteidi- neurodegenerativen
gungspolitik der EU. Krankheiten auf der Spur.

Seite 8 Seite 20

Beilage zur Tiroler Tageszeitung www.uibk.ac.at


Dienstag, 19. April 2011 3

editorial

Foto: www.mariorabensteiner.com
inhalt A P R I L 2 0 11

4 I n H a n d e l ve r p a c k t e S p e n d e
Vo m H i n t e r h o f l a d e n i n d i e R e a g l e d e r S u p e r m ä r k t e
– f a i r g e h a n d e l t e Wa r e n f i n d e n i m m e r m e h r A b s a t z .
Liebe Leserin, lieber Leser!

6 6 Bezwinger tausender Scherben


S i l v i a R e y e r-Vö l l e n k l e e u n d B a r b a r a We l t e
verhelfen archäologischen Funden wieder zu Glanz.
In wenigen Wochen feiert das Institut für Informa-
tik seinen zehnten Geburtstag. Das alleine wäre ei-
gentlich noch nichts Besonderes, wäre nicht die Ent-
stehungsgeschichte ein hervorragendes Beispiel da-
8 Interview für, was eine geglückte Zusammenarbeit zwischen
D i e P o li t i k w i s s e n s c h a f t l e r i n D r. A n j a O p i t z dem Land Tirol und der Universität bewegen kann.
Mit einer beherzten Investition in mehrere Stiftungs-
ü b e r d i e EU -S i c h e r h e i t s - u n d Ve r t e i d i g u n g s p o l i t i k .
professuren durch das Land und einer ambitionierten
Umschichtung von wissenschaftlichen Stellen seitens
10 Z w i s c h e n Tra d i t i o n u n d M o d e r n e der Universität ist es hier gelungen, einen bestehen-
Obwohl er zu den bedeutendsten Architekten Tirols den Mangel auszugleichen und darüber hinaus einen
z ä h l t , i s t W i l l i St i g l e r s L e b e n s w e r k k a u m b e k a n n t . Mehrwert für Region und Uni zu schaffen. Heute ar-
beiten im Bereich der Informatik weit über hundert
12 E h e ve r t rä g e Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie
Techniker und Servicemitarbeiter. Besser kann man ei-
B i s i n s 19 . J a h r h u n d e r t w a r e n E h e v e r t r ä g e g a n g

12
gentlich nicht zeigen, was eine gemeinsame Anstren-
und gäbe – nicht zwingend zum Nachteil der Frau. gung von Wissenschaft und Politik bewirken kann.
Erfolgversprechende Ansatzpunkte für diese Zusam-
14 D e r We g z u m a k a d e m i s c h e n G ra d menarbeit gibt es genug: Das Haus der Physik, das dazu
St u d i e r e n d e i m z w e i t e n B i l d u n g s w e g si n d i m beitragen wird, unser international herausragendes
St u d i u m g e n a u s o e r f o l g r e i c h w i e j e n e m i t M a t u r a . Stärkefeld noch besser zu machen, oder wichtige
Verbundprojekte, wie das gemeinsame Mechatronik-
studium mit der UMIT oder die Zusammenarbeit mit
16 M o d e r n e M e d i e n
der Medizinuniversität und dem Kompetenzzentrum
D e n A u s w i r k u n g e n v o n O n l i n e - Ko m m u n i k a t i o n a u f oncotyrol im Bereich der Biowissenschaften. Gerade
d i e d e u t s c h e S p r a c h e a u f d e r S p u r. hier konnten wir erst kürzlich einen großen Erfolg
einfahren, da uns der Österreichische Wissenschafts-
18 M i k r o o r g a n i s m e n fonds (FWF) einen weiteren Spezialforschungsbe-
Manche mögen es heiß, manche kalt : Archaea reich bewilligt hat, der uns neue Forschungsoptionen
eröffnet. Die Grundvoraussetzungen für eine erfolg-
si n d w a h r e Ü b e r l e b e n s k ü n s t l e r.
reiche Zukunft sind also da, wir müssen sie nur richtig
zusammenstellen und gemeinsam nutzen.
20 Spezialforschungsbereich

16 I n n s b r u c ke r F o r s c h e r u n t e r s u c h e n m i t Ko l l e g e n i n
S a lz b u r g u n d U l m d i e U r s a c h e n v o n P a r k i n s o n .
Univ.-Prof. Dr. Karlheinz Töchterle
Rektor der Universität Innsbruck

Impressum

wissenswert – Magazin der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck – 19. April 2011

Gründungsherausgeber: Komm.-Rat Joseph S. Moser, April 1993 †; Herausgeber: Gesellschafterversammlung der Moser Holding AG; Medieninhaber (Verleger): Schlüsselverlag
J. S. Moser Ges. m. b. H.; Hersteller: Intergraphik Ges. m. b. H.; Sonderpublikationen, Leitung: Stefan Fuisz; Redaktionelle Koordination: Eva Fessler, Christa Hofer; Redakti-
on: Thorsten Behrens, Michaela Darmann, Eva Fessler, Christa Hofer, Stefan Hohenwarter, Birgita Juen, Uwe Steger, Christina Vogt; Covergestaltung: Stephanie Brejla, Catha-
rina Walli, Fotos Titelseite: Fairtrade/Didier Gentilhomme, istockphoto.com, Shutterstock; Fotos Seite 3: Institut für Archäologien/Abteilung Klassische Archäologie, Salzbur-
ger Landesarchiv, istockphoto.com. Anschrift für alle: 6020 Innsbruck, Ing.-Etzel-Straße 30, Postfach 578, Tel. 53 54-0, Beilagen-Fax 53 54-3797.
4 Dienstag, 19. April 2011

Eine in Handel
verpackte Spende
Vom Hinterhofla d en in die Re gale d er Sup ermärk te und D i skounter – fair
gehandelte Waren find en nun auch in breiten Schichten d er B evölke -
rung A b sat z . O b durch die Kommer ziali sierung et wa s vom ur sprünglichen
„ Fair trade“- G e danken verloren g eht , er for scht Jut t a Ki ster am I nstitut für
G e o grap hie d er zeit in ihrer D i sser t ation.

Seit mehr als 30 Jahren sind


fair gehandelte Waren am
Markt. Lange Zeit wurden
sie als Nischenprodukt der
Weltverbesserer belächelt.
Jetzt, in Zeiten von Analog-
käse und Gammelfleisch,
finden sie auch den Weg
in die Vorratsschränke der
Allgemeinheit.

Es waren vor allem soziale und


politische Gründe, aus denen in
den späten 60er- und 70er-Jahren
des 20. Jahrhunderts die Fairtrade-
Bewegung in Europa hervorging.
Ungerechtigkeiten im Welthan-
del, bei denen die Produzenten
in Afrika, Mittel- und Südameri-
ka weit unter dem Existenzmini-
mum bezahlt wurden, während
Zwischenhändler und Einzelhan-
del in Nordamerika und Europa
viel Geld mit den Produkten ver-
dienten, sollten überwunden wer-
den.
Unterschiedliche Wurzeln
„Neben den politischen Unru-
hen der späten 70er- und 80er-
Jahre, beispielsweise in Nicara-
gua, hatte die Bewegung in den
verschiedenen Ländern Europas
sehr unterschiedliche Ausgangs-
punkte für die Solidaritätswelle
mit den Ländern der so genann-
ten ‚Dritten Welt‘“, erklärt Jutta
Kister, die am Institut für Geo-
graphie der Universität Innsbruck
gerade an ihrer Dissertation zu
dem Thema arbeitet. „Während
Eine große Auswahl an fair gehandelten Produkten im Supermarkt. Fotos: Fairtrade Österreich in den Niederlanden und Groß-
Dienstag, 19. April 2011 5

britannien die noch starken Bin-


dungen aus Kolonialzeiten ei-
ne große Rolle spielten, war der Fairtrade
Faire Handel in Deutschland unter
anderem ein Teil der Friedens- Österreich
und Anti-Atomkraftbewegung.“ In
Österreich war die Solidarität mit
Menschen aus Entwicklungslän-
dern auch groß, die Zuordnung
F airtrade Österreich ist ein
gemeinnütziger Verein zur
Förderung des Fairen Handels
zu einer politischen Bewegung mit Entwicklungsländern. Der
ist aber schwierig. Ein wichtiger Verein betreibt selbst keinen
Schritt war hier die Gründung der Handel, sondern vergibt das
EZA als Importeur für fair gehan- FAIRTRADE-Gütesiegel für zerti-
delte Produkte. 1977 wurde in fizierte Produkte in Österreich,
Innsbruck der erste „Dritte Welt nachdem die Einhaltung der
Laden“ Österreichs eröffnet. „Für internationalen FAIRTRADE-
viele war der Einkauf von fair ge- Standards kontrolliert wurde.
handelten Produkten zu der Zeit Fairtrade Österreich bringt
eine in Handel verpackte Spen- das Produkt-Angebot aus den
de“, so Kister. Entwicklungsländern und die
Nachfrage von österreichischen
Professionalisierung Herstellern zusammen.
Während die Anfangszeit sehr
von Idealismus und ehrenamt-
lichem Engagement geprägt und
der Anteil fairer Waren am Welt- tung sieht Kister noch weitere
markt sehr klein war, ist heute ein Gründe für die wachsende Ver-
hoher Grad an Professionalisie- breitung: „Durch die Lebensmit-
rung zu sehen. telskandale der letzten Jahre ist
Einheitliche Siegel steigern die das Qualitätsbewusstsein bei den Fairtrade-Produkte haben ihren Platz im Alltag gefunden.
Erkennbarkeit der Produkte, Welt- Verbrauchern gestiegen.“ Ne-
läden haben ein einheitliches De- ben den regionalen und den bio- zelhandel, auch im Transportwe-
sign und Supermarktketten wie logisch angebauten Produkten sen herrscht ja ein starker Preis-
zuR PERsON
profitiert davon auch der Faire kampf, der oft auf dem Rücken
«Dem Konsumenten muss Handel. „Im regionalen Handel der Arbeitnehmer ausgetragen
bekommen die Produzenten ein wird“, beschreibt Kister. Außer-
klar werden, welche Macht Gesicht“, so Kister. „Das schafft dem werden viele Fairtrade-Pro-
er durch die Wahl eines Pro- Vertrauen. Konsumenten sind be- dukte in Europa weiterverarbeitet
duktes hat.» reit, dafür mehr Geld auszugeben. und in Verarbeitung, Logistik und
Daneben hat Bio den Ruf hoher Einzelhandel liegen sehr große
Jutta Kister Qualität.“ Der Faire Handel ver- Gewinnmargen. „Bei Keksen sind
sucht, beispielsweise durch Vor- beispielsweise Backtriebmittel JuTTA KIsTER
Spar und Mpreis bieten faire Pro- stellung der Produzenten auf den und Konservierungsstoffe enthal-
dukte quer durch die Angebots-
palette an. Der Anteil am Welt-
markt nimmt einen spürbaren
Verpackungen, beides zu verbin-
den. Spätestens mit der Einfüh-
rung einer Eigenmarke für faire
ten, die nicht unbedingt fair ge-
handelt sind“, gibt Kister zu be-
denken.
J utta Kister studierte Geo-
graphie (Schwerpunkt Ent-
wicklungsforschung) sowie
Wert ein. Produkte bei Lidl ist das Thema in In ihrer Doktorarbeit möch- Politikwissenschaft und Empiri-
Neben der Professionalisierung der breiten Masse angekommen. te die Diplom-Geographin unter sche Kulturwissenschaft in Tü-
im Auftreten und in der Vermark- anderem belastbare Daten zur bingen und Rio de Janeiro (Ab-
Was ist noch fair? Situation in den Verbraucherlän- schluss 2004). Ab 2005 war sie
„Das ist auf jeden Fall eine dern, vor allem in Österreich und Referentin für Asien und Glo-
positive Entwicklung“, so Kister. Deutschland, ermitteln, um hier bales Lernen bei der Stiftung
„Gleichzeitig muss man sich an- die Diskussion zu fördern, inwie- Entwicklungs-Zusammen-
gesichts der Nachrichten über fern der Fairtrade-Gedanke in der arbeit Baden-Württemberg
Bespitzelungen des Personals bei gesamten Handelskette vom Pro- (SEZ), Stuttgart. 2010 folgte
Lidl fragen, ob das nicht nur ei- duzenten bis zum Verbraucher das Doktoratsstudium an der
ne Feigenblattaktion ist und ob festgeschrieben werden kann. Uni Innsbruck. In ihrer Disser-
dadurch nicht das hohe Ansehen Daneben soll dem Konsumenten tation ist das zentrale Thema
der Fairtrade-Produke Schaden klar gemacht werden, welche die Untersuchung von Macht-
nimmt.“ Macht er durch die Wahl der Pro- und Einfluss-Verschiebungen
In den sehr strengen Fairtrade- dukte hat. „Nicht der Händler be- innerhalb der Wertschöpfungs-
Bestimmungen werden bislang stimmt, welche Produkte es gibt, ketten. Hierzu sollen die Wert-
nur die Produktionsbedingungen sondern der Verbraucher.“ schöpfungsketten einzelner
in den Erzeugerländern geregelt. thorsten.behrens@tt.com Produkte exemplarisch unter-
Vorschriften für die Arbeitsbe- sucht und aus wirtschaftsgeo-
dingungen in den Absatzländern graphischen Gesichtspunkten
Ein Kaffee-Bauer aus Costa Rica – gibt es hingegen nicht. „Das be- WEITERE INFORMATIONEN bewertet werden.
www.fairtrade.at, www.weltlaeden.at
Personalisierung schafft Vertrauen. trifft nicht nur die Arbeit im Ein-
6 Dienstag, 19. April 2011

Die Bezwinger der


tausend Scherben
D ie archäolo gi schen G rabung en der Univer sit ät I nnsbruck bringen ganz
unter schie dliche Fund e zut ag e. O b Keramik , B ronze o der Ei sen – sie alle
b enötigen b ehut same Re st aurierung in d er eig enen Werk st at t .
In ihre Hände gelangt, was
vor tausenden von Jahren
im Erdreich verschwand.
Silvia Reyer-Völlenklee und
Barbara Welte verhelfen
archäologischen Funden
wieder zu Glanz.

Mehr als 2500 Jahre lag die


kleine Statuette aus Ton tief in
der Erde vergraben ganz im Sü-
den Italiens, einem Landstrich,
der damals griechische Kolonie
war. Dann stießen die Archäolo-
gen auf das zerbrochene Votiv.
Seitdem darf er wieder ans Tages-
licht und seine Brüche heilten die
Restauratorinnen mit einem spe-
ziellen Kleber.
Wie Phönix aus der Asche
Wie der kleinen Statuette er-
geht es vielen Fundstücken, die
jedes Jahr in der Restaurierungs-
werkstatt landen. Zahlreiche
Grabungen im In- und Ausland
geben immer neue Fundstücke
preis, nicht selten in miserablem
Zustand. Um sie richtig zu deu-
ten, müssen sie gesäubert, ge-
festigt, geklebt und oft ergänzt
werden. Was bei Keramikfunden
noch relativ einfach zu machen
ist, erweist sich bei Metallfunden
als weitaus schwieriger. Sie wei-
sen oft starke Korrosionsschäden
auf und würden sofort zerfallen,
wenn man sie aus dem umge-
benden Erdreich herauslösen wür-
de. In diesen Fällen ist Millimeter-
arbeit gefragt. Schicht für Schicht
tragen Silvia Reyer-Völlenklee und
Barbara Welte dann die Erde ab,
müssen manchmal sogar den
Fund samt Erde zunächst mit spe-
ziellen Mitteln festigen, um dann
die obersten Schichten wieder
Aus Ascoli Satriano stammt diese apulisch-rotfigurige Keramik. Sie datiert in die zweite Hälfte des 4. Jh. v. Chr. vorsichtig anzulösen und so das
Das untere Bild zeigt den Fundzustand, das obere Bild die restaurierten Keramiken. F. oben: Saverio.Simone, Ascoli S. Fundstück schließlich freizulegen.
Dienstag, 19. April 2011 7

Doch wozu der ganze Aufwand? können dann geklebt und ergänzt
Schließlich landet ein Großteil der werden. Oberstes Gebot bei allen
archäologischen Zeugnisse nicht Arbeiten ist die Verwendung von
in gut ausgeleuchteten Vitrinen reversiblen Restaurierungsmateri-
im Museum, sondern verschwin- alien: Kleber, Festiger und Ergän-
det, in Kisten verstaut, im Depot. zungsmaterial müssen leicht wie-
„Die Restaurierung ist wichtig, da der lösbar sein.
die Wissenschaft ohne sie nicht in
dem Maß forschen kann, wie es Restaurieren im Ausland
mit restaurierten Objekten mög- Das Institut betreut auch Gra-
lich ist. Viele Informationen wer- bungen im Ausland: In Ascoli
den erst durch die Restaurierung Satriano (Apulien) und Policoro
sichtbar gemacht“, erklärt Silvia (Basilikata) finden jährlich im Sep-
tember vierwöchige Grabungs-
kampagnen statt. „Die Funde
dieser Grabungen müssen im
Land bleiben“, berichtet Barbara
Welte. Sie werden dann vor Ort
restauriert.
Für den Erhaltungszustand
eines Objekts spielen die Umstän-
de der Lagerung im Erdreich eine
große Rolle. „In Policoro haben
wir viele Eisenfunde, die in sehr
schlechtem Zustand sind“, er-
«Sehr viele Informationen läutert Welte. Da es sich um ein
über ein Fundstück werden ehemaliges Quellheiligtum han-
erst durch die Restaurierung delt, das noch heute von zahl-
reichen unterirdischen Wasser- Oben: Eine kleine, zirka zwölf
sichtbar gemacht.» läufen durchzogen ist, erklärt sich Zentimeter hohe, männliche Sta-
Silvia Reyer-Völlenklee der schlechte Zustand durch die tuette aus dem 6. Jahrhundert vor
feuchte Lagerung während der Christus bargen die Archäologen
Reyer-Völlenklee. Es geht also letzten zwei Jahrtausende. im süditalienischen Policoro. Die
nicht in erster Linie darum, die Restauratorinnen reinigten und
Funde für Ausstellungen herzu- festigten die Bruchteile. Schließ-
richten, sondern ihnen möglichst lich setzten sie diese wieder zu-
viel verwertbare Informationen zu sammen und ergänzten kleine
entlocken. Fehlstellen mit Gips (o. r.).
In der Restaurierungswerkstatt Unten: Bei einer Grabung an der
in Innsbruck landen die Funde Via Claudia Augusta fanden die
der inländischen Grabungen wie Forscher einen römischen Helm.
Aguntum, Biberwier oder Strad. Nach aufwändiger Restaurierung
Eisenfunde werden vor jeder wei- wurde er wieder zusammengefügt
teren Restaurierung mittels der und erstrahlt in alter Pracht (l.).
Sulfitreduktionsmethode stabi- Fotos: Uni Innsbruck, Institut für Archäologien,
lisiert, um weitere Korrosion zu
«Die Funde im Ausland Abteilung Klassische Archäologie
verhindern. Diese aufwändige Be- dürfen nicht außer Landes
handlung kann bis zu zwei Jahre gebracht werden. Daher res-
dauern. Weniger Wartezeit kann
man bei Keramikfunden einpla- taurieren wir sie vor Ort.»
nen. Sie werden gefestigt und Barbara Welte

In Ascoli Satriano restauriert


Silvia Reyer-Völlenklee die Gra-
Video online bungsfunde. Hier stießen die For-
scher in den vergangenen Jahren

D ie Universität möchte auch


die weniger bekannten uni-
versitären Einrichtungen einem
auf eine Reihe gut ausgestatteter
Gräber. Funde aus einem dieser
Gräber stehen heuer nicht nur
breiten Publikum vorstellen. im Dienste der Wissenschaft – sie
Dazu wird unter anderem ein werden in einer Ausstellung im
Video zur Arbeit der Restaurie- neuen Museum von Ascoli der
rungswerkstatt in Kürze online Öffentlichkeit präsentiert.
abrufbar sein. Auf der Website christina.vogt@tt.com
der Universität www.uibk.ac.at
ist es unter dem Menüpunkt WEITERE INFORMATIONEN
www.uibk.ac.at/klassische-
„ipoint“ zu finden. archaeologie/Institut/Restaurierung
8 Dienstag, 19. April 2011

Mehr Mut zu
europäischem Denken
D r. A nja O pit z vom I n stitut für Politik wi ssen schaf t d er Univer sit ät I nns -
bruck im G e spräch üb er die groß en , teilwei se no ch ung enut z ten Potenziale
in der Sicherheit s - und Ver tei digung sp olitik d er Europäi schen Union.

Die EU definiert sich selbst Wodurch zeichnet sich die Si- und der Aufbau staatlicher Struk- bewusst zivil-militärisch, wie z. B.
als global agierende Frie- cherheits- und Verteidigungspolitik turen im Mittelpunkt. Neben mi- in Bosnien und Herzegowina.
densmacht. Bei Hilfestel- der EU aus? litärischen Zielen sieht die EU ihre Die Besonderheit der GSVP liegt
lungen im Aufbau demokra- Anja Opitz: Die Europäische Aufgabe darin, durch zivile Hilfe- darin, dass jeder Mitgliedsstaat
Union führte bislang wesentlich stellungen im Rahmen der GSVP souverän entscheiden kann, ob
tischer Strukturen spielen
mehr zivile als militärische Ope- (siehe Box) langfristig friedenser- er an einer Operation teilnehmen
v. a. zivile Operationen eine rationen durch. Damit standen haltend tätig zu sein. Sie arbei- möchte oder nicht.
wichtige Rolle. friedensstiftende Maßnahmen tet multilateral und agiert ganz Ist dieses Konzept erfolgreich?

Beim Aufbau demokratischer Strukturen könnte die EU ein wichtiger Partner sein. Fotos: istockphoto.com (2); Universität Innsbruck
Dienstag, 19. April 2011 9

umsetzt, die etwa in der Europä-


ischen Sicherheitsstrategie schon
lang vorhanden sind.
Lässt sich aus dieser Zurückhal-
tung auch der Unmut gegenüber
der EU in vielen Mitgliedsstaaten
erklären?
Opitz: Die EU ist mit zahlreichen
innen- und außenpolitischen Auf-
gaben konfrontiert. Tatsache ist
aber leider, dass viele Politiker ge-
rade in Zeiten nationaler Wahlen
eine künstliche Distanz gegenü-
ber der „EU da oben“ aufzubau-
en versuchen. Diese Aussagen
sind aber ungerechtfertigt, denn
jedes Regierungsmitglied eines
Mitgliedstaates hat automatisch
auch eine Funktion in der EU. Es
liegt daher in der Verantwortung
eines jeden Politikers, den euro-
päischen Gedanken zu transpor-
tieren. Als Einzelkämpfer ist man
immer schwächer als im Verbund,
Hilfe im zivil-militärischen Bereich ist eine der zentralen Aufgaben der EU. das hat die Wirtschaftskrise ein-
drucksvoll gezeigt. Die EU hat ei-
Opitz: Tatsache ist, dass noch von Synergieeffekten natürlich ein effizientes und zielorientiertes ne globale Verantwortung, deren
immer ein großer Nachholbedarf auch Kosten spart. Abhängig ist Handeln momentan schwierig. Umsetzung nur durch ein stär-
gegeben ist. So herrscht z. B. im das Bekenntnis zur EU aber letzt- keres europäisches Denken ge-
zivilen Bereich ein Mangel an Ein- lich von den Regierungen. Hier ist Keine Geschlossenheit währleistet werden kann.
satzkräften. Wichtig wäre, dass der Haken für die EU: Meist ste- Wie bewerten Sie das Verhalten melanie.bartos@uibk.ac.at
die Mitglieder ihre Fähigkeiten hen nationalstaatliche Interessen der EU angesichts der jüngsten Er-
harmonisieren und Synergieef- im Vordergrund, die den Aufbau eignisse in Nordafrika?
fekte schaffen. Das ist allerdings einer effektiven Sicherheits- und Opitz: Theoretisch hätte die zur person
nur dann möglich, wenn natio- Verteidigungspolitik erschweren. EU das Potenzial als echter Part-
nale Interessen zurückgesteckt Könnte die Einführung von Be- ner für die Länder Nordafrikas
und europäische Ziele in den Vor- rufsheeren zu einem geeinteren Eu- zu agieren und im Demokratisie-
dergrund gerückt werden. Nur so ropa führen? rungsprozess hilfestellend tätig
könnte das große Potenzial der Opitz: Die Entscheidung für ein zu sein. Hier zeigt sich aber ein
EU im Bereich der Außenpolitik Berufsheer würde in jedem Fall zu Defizit der EU deutlich: Es gibt
auch effektiv genutzt werden. einer stärkeren Auseinanderset- keine Geschlossenheit und damit
zung mit der Frage führen, wel- keine einheitliche Strategie. Die
Europäisches Denken che Rolle die nationale Armee im EU ist somit nicht handlungsfähig
Wird sich von nationalstaatlicher Verbund der EU einnehmen soll. und hat es noch nicht geschafft,
Seite ein „europäischeres“ Denken Ein Staat könnte sich auf einen ihr großes Potenzial zu bündeln, anja opitz
durchsetzen? bestimmten Bereich spezialisieren um souverän agieren zu können.
Opitz: Die Notwendigkeit dafür
ergibt sich allein schon aus bud-
getären Gründen, da das Nützen
und die Ressourcen der gesamten
Union zur Verfügung stellen. Das
geschieht bis dato kaum, daher ist
Wünschenswert wäre, dass die
EU als globaler Partner für an-
dere Länder tätig wird und Ziele
D r. Anja Opitz studier-
te Politikwissenschaft,
Rechts- und Wirtschaftswis-
senschaften an der Univer-
sität Passau. Derzeit arbei-
Prinzipien der möchte präventiv handeln, also
bevor eine Krise eintritt. Dabei
menten. Im Rahmen der GSVP
werden durch die Krisenmana-
tet sie als wissenschaftliche
Assistentin (Post Doc) am
Europäischen Union verfolgt sie eine integrative Au- gementaufgaben unter anderem Institut für Politikwissenschaft
ßenpolitik, die alle ihr zur Ver- gemeinsame Abrüstungsmaß- der Universität Innsbruck. Sie

D ie Gemeinsame Sicher-
heits- und Verteidigungs-
politik (GSVP) der EU ist integ-
fügung stehenden Mittel koor-
diniert und umfassend einsetzt.
Dies soll durch eine enge Zusam-
nahmen, militärische Beratungs-
und Assistenzaufgaben, aber
auch humanitäre Aufgaben und
lehrt im Fachbereich Europä-
ische Integration und forscht
zur Außen-, Sicherheits- und
raler Bestandteil der Gemeinsa- menarbeit mit anderen interna- Rettungseinsätze durchgeführt. Verteidigungspolitik der EU.
men Außen- und Sicherheits- tionalen Organisationen erreicht Der Begriff zivil-militärisches Zu- Ihre Dissertation hat sie zum
politik (GASP) und umfasst als werden. sammenwirken befasst sich mit Thema „Politische Vision oder
solche das operative außenpoli- dieser Schnittstelle der Zusam- praktische Option? Herausfor-
tische Handeln der Europäischen
Union. Dieses beruht auf drei
Prinzipien, welche durch die Eu-
Z ivil-militärisches Zusammen-
wirken: Eine besondere Stär-
ke der EU ist das Vorhandensein
menarbeit zwischen militärischen
und zivilen Kräften, um effektiv
und nachhaltig zur Bewältigung
derungen zivil-militärischen
Zusammenwirkens im Rah-
men eines integrierten Kri-
ropäische Sicherheitsstrategie einer großen Bandbreite an zi- globaler Konflikte beitragen zu senmanagementansatzes der
(ESS) definiert werden: Die EU vilen und militärischen Instru- können. GSVP“ verfasst.
10 Dienstag, 19. April 2011

Architektur zwischen
Tradition und Moderne
Obwohl er zu den b e deutend sten Architek ten der Tiroler Mo derne zählt , ist
Willi Stigler s L eb enswerk nahezu in Vergessenheit geraten. Architek turhis -
torikerin Juliane Mayer will seine Arb eiten wie der ins B ewu sst sein bringen.

Viele Bauten in Tirol blicken


auf eine lange Geschichte
zurück. Wie jene Wilhelm
Stiglers, dessen Hauptwerk
in den 1930er-Jahren eine
Auseinandersetzung mit
den internationalen Strö-
mungen der modernen Ar-
chitektur genauso wie mit
der regionalen heimischen
Bautradition verrät.

Wer einen Blick ins Innere des


Mehrfamilienhauses in der Erzher-
zog-Eugen-Straße 7 im Innsbru-
cker Saggen wirft, wird überrascht
sein. Denn das Stiegenhaus, das
sich die fünf Geschoße des 1931
erbauten Hauses schneckenför-
mig hinaufschlängelt, scheint frei
im Raum zu schweben. Auch die
im Treppenauge abgehängten
Leuchten im Stil des Neuen Bau-
ens wecken Assoziationen mit in-
ternationaler Großstadtarchitek-
tur, obwohl das Gebäude anson-
sten im Sinne einer gemäßigten
Moderne eher schlicht gehalten
ist. Nur die wenigsten wissen, aus
welcher Feder der Entwurf dieses
beeindruckenden Stiegenhauses
stammt – von Wilhelm Stigler, der
1903 bis 1976 lebte und neben
Lois Welzenbacher, Clemens Holz-
meister oder Franz Baumann einer
der bedeutendsten Architekten
des 20. Jahrhunderts in Tirol war.
Konträre Entwürfe
„Willi Stigler gilt als wichtiger
Vertreter der zweiten Generati-
on der Tiroler Moderne, genauer
gesagt der Tiroler Architektur der
Zwischenkriegszeit“, erklärt Julia-
Bei seinen Entwürfen wie diesem Stiegenhaus im Innsbrucker Saggen orientierte sich Stigler deutlich an interna- ne Mayer, die am Lehrstuhl für
tionaler Großstadtarchitektur, die er sensibel an den Innsbrucker Maßstab anpasste. Fotos: Archiv für Baukunst Innsbruck Baugeschichte und Denkmal-
Dienstag, 19. April 2011 11

zwei projekte von W. Stigler (u. r.): die Schafwollwarenfabrik Bei der Innsbrucker Markthalle von Willi Stigler handelt es sich um ein bedeutendes
Baur-Foradori (o.) und die Theresienkirche auf der Hungerburg. Bauwerk der österreichischen Nachkriegsmoderne. Fotos: Archiv für Baukunst Innsbruck

pflege der Universität Innsbruck beit und anderen Vertretern der gessenheit geraten. Ein Grund
das Lebenswerk Stiglers im Rah- Tiroler Moderne“, betont die Ex- dafür könnte sein, dass gerade
zur perSoN
men ihrer Dissertation aufar- pertin: „Sich an moderner Archi- seine spektakulärsten Projekte wie
beitet. Diese eigenständige Ar- tektur zu orientieren. Gleichzeitig die Wagnersche Universitätsbuch-
chitekturentwicklung in den aber auch zu versuchen, diese druckerei in Innsbruck oder die
1920er- und 1930er-Jahren zeich- Bauwerke auf sensible Weise mit Theresienkirche auf der Hunger-
net sich vor allem dadurch aus, burg nicht zur Ausführung kamen.
dass eine nicht unbeträchtliche „Aus irgendwelchen Gründen hat
Anzahl heimischer Architekten „Mit der architektur der er es nie geschafft, Bauwerke, die
darum bemüht war, moderne Ar- zwischenkriegszeit ist man heute noch im kollektiven Be-
chitekturströmungen in das sehr wusstsein sind, zur Umsetzung zu
z.T. sehr unsensibel verfah-

Foto: die fotografen


traditionsbewusste und konserva- bringen“, bestätigt Mayer. „Sein
tive Umfeld Tirols zu holen. Einer ren. Wir wollen zeigen, dass Schwerpunkt lag im Wohnhaus-
davon war Wilhelm Stigler, der viele dieser Bauwerke unbe- bereich und damit fällt man na-
für die Architekturhistorikerin von türlich nicht so sehr auf wie et-
besonderem Interesse ist: „Stiglers dingt erhaltenswert sind.“ wa Lois Welzenbacher mit dem
Nachlass ist komplett erhalten, Juliane Mayer Adambräu.“ JulIaNe Mayer
von der kleinsten Skizze bis zum Die Bedeutung Willi Stiglers als
Polierplan. Das ist ideal, um das regionaler Baukultur und der To- wichtigem Architekten der Tiro-
Werk eines Tiroler Architekten der
Zwischenkriegszeit ganz genau zu
analysieren.“ Und zwar in zweier-
pographie in Einklang zu brin-
gen.“ Letzteres komme etwa in
der Villa Pischl zum Ausdruck, die
ler Moderne will Mayer durch ihr
Forschungsprojekt ins Bewusstsein
bringen. Gleichzeitig soll durch die
J uliane Mayer studierte
Kunstgeschichte und Ar-
chitektur an der LMU sowie
lei Hinsicht, denn Stiglers Werk von Stigler in den Jahren 1936/37 Erforschung und Analyse seiner der TU München. Seit 2001
weise nicht nur moderne Aspekte, entworfen wurde und sich durch Werke versucht werden, bestands- ist sie als Universitätsassisten-
sondern auch sehr bodenständige ihren geschwungenen Grundriss schonende Sanierungs- und Um- tin am Lehrstuhl für Bauge-
bzw. traditionelle Entwürfe auf. perfekt in die alpine Umgebung nutzungskonzepte für noch beste- schichte und Denkmalpflege
Diese zum Teil widersprüch- auf der Hungerburg einfügt. hende Bauten zu entwickeln bzw. der Universität Innsbruck in
lichen Entwurfshaltungen sind kei- diese vor dem Abriss zu bewah- Forschung und Lehre tätig. Ih-
neswegs untypisch für das Umfeld Bewusstsein schaffen ren. Ein aktuelles Beispiel dafür re Schwerpunkte sind die Ar-
Stiglers. Bei allen Architekten der Grundsätzlich nimmt das The- ist die Innsbrucker Markthalle, bei chitektur- und Baugeschichte
Tiroler Moderne finden sich inter- ma Landhaus und Villa eine wich- der es sich um eines der bedeu- des 20. Jahrhunderts, wissen-
nationaler Stil und traditionelles tige Stellung bei Stigler ein. Aber tendsten Bauwerke Stiglers der schaftliche Projekte im Bereich
Bauen gleichermaßen, oft gehen auch städtische Projekte sowie österreichischen Nachkriegsmo- der Historischen Bauforschung
jedoch Elemente wie Fensterband gewerbliche Bauten wurden in derne handelt. „Eine Studie am und zu verschiedenen Frage-
und Erker eine zum Teil skurrile, den 1930er-Jahren von ihm ge- Lehrstuhl für Baugeschichte und stellungen im Umgang mit
aber durchaus gelungene und ei- plant und umgesetzt. Obwohl Denkmalpflege hat ergeben, dass historischer Bausubstanz. Der-
genständige Synthese im Sinne das Werk Stiglers mehr als 600 dieses Gebäude unbedingt erhal- zeit bearbeitet sie die Werkmo-
einer gemäßigten regionalen Mo- Bauten und Projekte umfasst, ist tenswert ist. Ob das gelingt, wis- nographie Willi Stiglers sen. im
derne ein. „Das ist, denke ich, der das umfangreiche Gesamtwerk in sen wir allerdings noch nicht.“ Rahmen ihrer Dissertation.
größte Verdienst von Stiglers Ar- der Bevölkerung nahezu in Ver- michaela.darmann@tt.com
12 Dienstag, 19. April 2011

Keine Hochzeit
ohne Ehevertrag
B i s ins 19. Jahrhund er t waren Ehever träge gang und gäb e. D ie
finanzielle Stellung d er Frau war dadurch in der so genannten
„Vormo d erne“ zum Teil b e sser al s später.

„Der Mann ist das Haupt der


Familie.“ So wurde das Ver-
hältnis zwischen Mann und
Frau in der Familie ab 1812
laut Paragraf 91 des neuen
Allgemeinen Bürgerlichen
Gesetzbuches (ABGB) ge-
regelt. Davor bestimmten
unter anderem Eheverträ-
ge dieses Verhältnis, und
das nicht zwingend zum
Nachteil der Frau.

Im „Heuraths Vertrag“ zwi-


schen dem Innsbrucker Magist-
ratsbediensteten Martin Tschurt-
schenthaler und Josepha Penz
von 1806 sicherte der Bräutigam
seiner zukünftigen Braut im Falle
seines Todes neben einer Witwen-
pension Quartier „im ersten Stoke
mit Keller und Holzlege“ zu, au-
ßerdem „hat Selbe freien Aus und
Eingang in den Garten, und was
Selbe an Kräutelwerk und Obst
zu Ihrer Haus-Wirthschaft bedarf,
ist Selber unentgeltlich und oh-
ne Wieder Rede aus dem Garten
zu verabfolgen“. In Eheverträgen
festgehaltene Regelungen wie
diese waren vor der Einführung
des ABGB – das übrigens erst in
den 1970er-Jahren im Sinne der
Gleichberechtigung reformiert
wurde – die Regel. Erst durch
spätere Vorstellungen von roman-
tischer Liebe und der ab 1812
klaren Rollendefinition von Mann
und Frau in der Ehe wurden sie
seltener, was in einigen Fällen zu
einer Verschlechterung der gü-
terrechtlichen Stellung der Frau
führte. „Besonders im bäuerlichen
Erste Seite des Heiratsvertrags zwischen dem Salzburger Schneidermeister Joseph Prandstätter und Magdalena Umfeld gab es unglaubliche Wi-
Wirstin von 1766. Mehr zu Heiratsverträgen aus der Vormoderne findet sich im Ende 2010 erschienenen Buch „Aus- derstände gegen das ABGB. Fami-
handeln von Ehe“. Quelle: Salzburger Landesarchiv lien- und eherechtlich war die so
Dienstag, 19. April 2011 13

genannte ‚Vormoderne‘ nämlich


bereits um einiges weiter“, erläu-
tert Prof. Gunda Barth-Scalmani,
Historikerin an der Universität
Innsbruck. Das belegen zahlreiche
Eheverträge aus der Zeit vom 17.
bis zum 19. Jahrhundert, die Gun-
da Barth-Scalmani zusammen mit
drei Kolleginnen unter anderem
hinsichtlich ihrer praktischen Be-
deutung für das Verhältnis zwi-
schen Mann und Frau untersucht
hat. Der Raum Alttirols ist etwa
ein Gebiet, in dem die Verbesse-
rungen der güterrechtlichen Stel-
lung der Frau bereits durch das
Josephinische Gesetzbuch und
dann durch das ABGB zum Tra-
gen kamen.
Ehevertrag als Regel
„Heute haftet Eheverträgen fast
ein Geruch von Unanständigkeit
an“, sagt Gunda Barth-Scalmani.
Eheverträge erfüllten aber über
lange Zeit einen klaren Zweck:
Güterrechtliche Interessen, die
natürlich auch damals bei jeder
Eheschließung eine Rolle spielten,
wurden im Vorfeld geklärt – auch Die Braut firmierte mit Unterschrift und Siegel den Ehevertrag, hier Magdalena Wirstin 1766, der in diesem Fall der
und besonders für den Fall des Stadtgerichtsvorsteher zugleich aus Zeuge beistand. Quelle: Salzburger Landesarchiv
Todes eines der Ehepartner. Die
Historikerinnen Gunda Barth- Gegenden einerseits und städ- Manche Vermögensteile blieben zelne Familien hinein verfestigt.“
Scalmani, Margareth Lanzinger, tischen Gebieten andererseits, in in der Ehe getrennt, Frauen be- Die Vorstellung der „Arbeits-
Ellinor Forster und Gertrude Lan- denen wir vor allem Materialien hielten hier die Verfügung, ande- gemeinschaft“ mit Vorkehrungen
ger-Ostrawsky haben in vier De- des wirtschaftlich heterogenen re Dinge waren gemeinschaftlich auch für die Elterngeneration ist
tailstudien Heiratsverträge aus Bürgertums untersuchen konn- geregelt. Eheverträge waren häu- vor allem in der Landwirtschaft
vier unterschiedlichen Gebieten ten“, erklärt Gunda Barth-Scalma- fig auch generationenübergrei- noch heute vorhanden: Bei Über-
mit vor dem ABGB noch unter- ni. Der daraus resultierende Sam- fend ausgelegt und beinhalteten nahme eines Bauernhofs durch
melband „Aushandeln von Ehe“ Vorkehrungen für die Eltern der den Sohn oder die Tochter sind
ist Ende 2010 im Böhlau-Verlag Ehepartner und künftige Kinder immer die Eltern im Blick, so ge-
in der Reihe „L‘Homme: Archiv“ des Paares. nannte „Austraghäuser“ als Al-
erschienen. tersunterkunft gibt es häufig.
Hauptthema der Eheverträge Ehepaar als Arbeitspaar „Nicht zuletzt aufgrund dieser
war, wie meist auch heute noch, „Damals herrschte ganz massiv sehr langen Tradition waren 1812
die Aufteilung von gemeinsam er- die Vorstellung vor, dass ein Ehe- die Widerstände gegen das ABGB
arbeitetem und vor der Ehe vor- paar auch immer ein ‚Arbeitspaar‘ im bäuerlichen Umfeld am stärks-
handenem Vermögen nach dem ist“, sagt Gunda Barth-Scalmani: ten“, erklärt Gunda Barth-Scalma-
Tod eines der Ehepartner. „Als „Genauso, wie das Paar nur ge- ni. Die alten Eheverträge kennen
grobe Linie haben wir festgestellt, meinsam funktioniert, funktioniert zudem den Begriff des gemein-
dass in Salzburg und in Nieder- auch die Arbeit im Geschäft oder samen „Erhausens“, in dem sich
«Die Stellung der Frau österreich eher Gütergemein- am Bauernhof nur gemeinsam.“ das Verständnis der Arbeitsge-
schaft vorherrschte und in Tirol Diese Vorstellung trat im Lauf des meinschaft widerspiegelt: Das ge-
war nicht von vorneherein vor allem Gütertrennung“, erläu- 19. Jahrhunderts in den Hinter- meinsam Geschaffene gehört bei-
schlechter als die des tert Gunda Barth-Scalmani. Das grund, auch durch Einführung des den Ehepartnern und beide haben
Mannes.» hatte teils weitreichende Auswir- ABGB: Die strikte Trennung von ein Anrecht darauf. „Die Stellung
kungen: Bei vereinbarter Güter- Arbeits- und Privatleben brachte der Frau war nicht von vornherein
Gunda Barth-Scalmani Foto: Uni Innsbruck
trennung fiel das Vermögen eines getrennte Sphären mit sich – und schlechter als die des Mannes, so
verstorbenen Ehepartners meist, je hier war die Arbeit Männersa- wie es später der Fall war“, er-
schiedlichen Rechtslagen unter- nach Vereinbarung, an die eigene che, während Frauen die private klärt Gunda Barth-Scalmani. „Die
sucht: den Bereich des Stadt- und überlebende Verwandtschaft oder Sphäre und damit den Haushalt Stellung in der Ehe war viel stär-
Landrechts um und in Innsbruck, an die Kinder, nicht an die Witwe überhatten. „Diese Trennung der ker von der wirtschaftlichen Lage
die Stadt Salzburg, die Südtiroler oder den Witwer. Umgekehrt sah Lebensbereiche war bei Inkrafttre- der Braut und weniger vom Ge-
Gerichte Innichen und Welsberg Gütergemeinschaft meist auch ten des ABGB als Lebensform in schlecht abhängig.“
und ausgewählte niederösterrei- die Fortführung eines gemein- der absoluten Minderheit“, erklärt stefan.hohenwarter@uibk.ac.at
chische Herrschaften. „Wir haben samen Geschäfts durch den über- Gunda Barth-Scalmani. „Erst spä-
hier eine breite Mischung aus lebenden Partner vor. Darüber ter hat sich diese im ABGB festge- WEITERE INFORMATIONEN
http://bit.ly/hezPZq
ländlich und bäuerlich geprägten hinaus gab es auch Mischformen: schriebene Vorstellung bis in ein-
14 Dienstag, 19. April 2011

Der steinige Weg zum


akademischen Grad
Stu dierende, die im z weiten B ildung swe g an die Ho ch schulen kommen ,
sind im Stu dium g enau so er folgreich wie jene mit Reifeprüfung. Und da s ,
obwohl sie finanziell, b eruflich und familiär st ärker b ela stet sind.

Es ist nicht der Lernstoff, mit


dem sich die Studierenden
„ohne Matura“ besonders
plagen. Zeitliche Unverein-
barkeiten und Geldsorgen
machen ihnen das Studen-
tenleben schwer.

Sie dürften eine ganz beson-


ders fleißige und zielstrebige
Gruppe sein, die Hochschüler
mit Studienberechtigungs- oder
Berufsreifeprüfung. Einer wissen-
schaftlichen Untersuchung des
Innsbrucker Institutes für Soziolo-
gie zufolge studieren sie genauso
erfolgreich wie ihre Kommilitonen
mit der Matura in der Tasche.
Was die Abschlüsse betrifft, liegen
beide Gruppen in etwa gleich auf.
Besonders erstaunlich ist dies, weil
84 Prozent der Studierenden mit
alternativer Zulassung berufstätig
sind (43 Prozent ganztags) und
ein Drittel bereits Kinder hat.
Organisatorische Hürden
Die Studie „Vom Pflegehelfer
zum Primar“ war von der Arbei-
terkammer in Auftrag gegeben
worden. An der Onlinebefragung
2010 mit qualitativen Interviews
nahmen 576 Studierende und
AbsolventInnen aller sieben Tiroler
Hochschulen teil. Die Befragten
hatten Berufsreife oder Studien-
berechtigung, eine kleine Gruppe
hatte eine Zusatzprüfung für ei-
ne Fachhochschule absolviert. An
der Universität Innsbruck hatten
2008/09 fast fünf Prozent (1133)
der Studierenden keine Matura.
Als Autoren der Studie waren
Helmut Staubmann und Kathari-
na Meusburger der Frage nachge-
gangen, wie es den Studierenden
Der Weg zum akademischen Grad ist nicht immer eine Gerade. Fotos: Shutterstock, Florian Schneider, Photo-Graphics Hillinger im zweiten Bildungsweg auf dem
Dienstag, 19. April 2011 15

deren Qualität nachgefragt. Die zuR PERSON


Meinungen gingen hierzu stark
auseinander: 15 Prozent der Be-
fragten waren sehr zufrieden,
zwölf Prozent konnten sich nur zu
einem „Genügend“ durchringen.
Wer sich für den zweiten Bil-
dungsweg interessiert, braucht
gute Nerven, um die richtigen In-
formationen und Anlaufstellen zu
finden. Hier erkennen Meusbur-
ger und Staubmann dringenden hElMuT STAuBMANN
Handlungsbedarf, denn Infor-
mationsbeschaffung und Büro-
kratie wurden von einem Viertel
der Betroffenen als wahre Hür-
U niv.-Prof. Dr. Helmut
Staubmann leitet das Ins-
titut für Soziologie der Uni
de erlebt. Klare Zuständigkeiten und ist seit 2010 Professor für
und kompetente Ansprechstellen „Soziologische Theorie und
könnten den Zugang zum zwei- Kultursoziologie“. Staubmann
ten Bildungsweg erleichtern, mei- ist gebürtiger Steirer (geboren
Die größten Schwierigkeiten eines Studiums im zweiten Bildungsweg nen die Autoren. Zu denken gibt, 1956), studierte in Wien Sozio-
liegen in Mehrfachbelastungen und leerem Geldbeutel. Für insgesamt dass der Lernstoff für die Zulas- logie und absolvierte ein Post-
21 Prozent waren die Probleme so groß, dass sie an einen Studien- sungsprüfungen hingegen nur 16 Graduate-Studium am Ins-
abbruch dachten. Grafik: Meusburger/Staubmann Prozent der Befragten große bzw. titut für Höhere Studien und
sehr große Probleme bereitete. Wissenschaftliche Forschung
(IHS). Als Erwin-Schrödinger-
Weg zur Hochschule bzw. wäh- Verpflichtungen wogen für die Sozialer Ausgleich bzw. APART-Stipendiat arbei-
rend des Studiums ergeht, mit Befragten eindeutig die finanzi- Für Meusburger und Staub- tete er unter anderem an den
welchen Hürden sie konfrontiert ellen Nöte am schwersten. Geld- mann ergeben sich aus den Stu- Universitäten von Kalifornien,
sind und welche Verbesserungen sorgen betrafen AnwärterInnen diendaten spannende Blickwinkel Chicago und Stanford. 1995
möglich wären. Dabei trat klar zu- und Studierende gleichermaßen, auf die gesellschaftspolitische Be- erhielt er den Kardinal-Innit-
tage, dass die Vereinbarkeit von von großen oder sehr großen deutung des zweiten Bildungs- zer-Förderungspreis.
Kindererziehung und Beruf mit Engpässen berichteten 38 bzw. weges. Denn die Möglichkeit eines
dem Studium von jeweils über 60 etwas über 40 Prozent. Zwei Drit- Studiums ohne Matura schafft so-
Prozent der Befragten als größte tel der Studierenden bezogen Sti- zialen Ausgleich, da viele Betrof-
Hürde betrachtet wird. Für Meus- pendien, in vielen Fällen halfen fene aus bildungsferneren Schich- zuR PERSON
burger und Staubmann kämen Eltern oder Partner über die mo- ten kommen. „Diese sind an den
E-learning, über Internet zu ver- netäre Notlage hinweg. Universitäten unterrepräsentiert,
folgende Vorlesungen oder die was den politischen Absichten wi-
Verlegung von Pflichtveranstal- Erhebliche Kosten derspricht“, so Staubmann.
tungen auf den späten Nachmit- Apropos Finanzen: Da Vorbe- Betrachtet man den Bildungs-
tag gerade mehrfachbelasteten reitungskurse für die Zulassungs- stand der Eltern aller Befragten,
Studierenden entgegen. Neben prüfungen erhebliche Kosten ver- so haben lediglich neun Prozent
den familiären und beruflichen ursachen können, wurde auch Matura (sonst 18 Prozent aller
2008/09 Inskribierten); einen aka-
demischen Abschluss haben fünf
Prozent der Mütter bzw. zwölf kAThARINA M. MEuSBuRGER

Ohne Matura an ständig. Vorbereitungslehrgänge Prozent der Väter (sonst 24 bzw.

die Universität
bietet das BFI Tirol an. 25 Prozent).
Grundsätzlich war der Großteil M ag. Katharina M. Meus-
burger ist Projektmitar-

D ie Studienberechtigungs-
prüfung öffnet den Zugang
M it der Berufsreifeprüfung
erhält der Absolvent eine
der Matura gleichwertige Zu-
der Befragten zufrieden mit sei-
ner Bildungsentscheidung. Über
90 Prozent votierten für sehr zu-
beiterin am Institut für Sozio-
logie der Universität Innsbruck
und Lektorin für Methoden
zu einer Studienrichtungsgrup- gangsberechtigung zu weiter- frieden bzw. zufrieden, fast 80 der empirischen Sozialfor-
pe. Voraussetzung ist u. a. eine führenden Bildungseinrichtun- Prozent erwarteten sich durch ein schung. 1982 in Bregenz ge-
Vorbildung, die über die Schul- gen. Als Voraussetzung gilt eine Studium positive Entwicklungen boren, maturierte sie 2002
pflicht hinausgeht. Der Kandidat bestimmte Vorbildung. Es müs- in ihrem beruflichen Leben. Den- als Externe am Linzer BRG für
muss einen Aufsatz in Deutsch sen mehrstündige mündliche noch wurde oder wird der einge- Berufstätige. In Linz studierte
verfassen sowie höchstens drei und schriftliche Teilprüfungen schlagene Bildungsweg als steinig sie auch Soziologie und war
Prüfungen in Pflichtfächern und in Deutsch, Mathematik, einer empfunden – „leicht“ fanden ihn seither an wissenschaftlichen
in mindestens einem Wahlfach lebenden Fremdsprache und ei- nur knappe zehn Prozent. Projekten der soziologischen
absolvieren. Der Lernstoff, der nem Fachbereich abgelegt wer- birgita.juen@inode.at Institute in Linz und Innsbruck
grundsätzlich im Selbststudium den. Die Vorbereitung erfolgt im beteiligt. Derzeit arbeitet sie
erarbeitet wird, orientiert sich in- Selbst- oder Fernstudium sowie WEITERE INFORMATIONEN an einer Onlinebefragung zu
haltlich am Wunschstudium. An durch Kurse (BFI, WIFI, Matura- Referat Studienberechtigungsprüfungen den beruflichen Einstiegsbar-
Tel. 0 512/507-20 66. www.erwachse
der Universität Innsbruck ist die schulen usw.). In Tirol nehmen nenbildung.at/bildungsinfo/zweiter_bil rieren von AbsolventInnen der
Studienabteilung für Anträge zu- acht Schulen eine BRP ab. dungsweg – Studie: www.uibk.ac.at/iup/ Universität Innsbruck.
verlagsverzeichnis/soziologie.html.
16 Dienstag, 19. April 2011

Sprachverfall durch
das Internet?

D en Au swirkung en von O nline - Kommunikation auf die


deut sche Sprache g eht die W i ssen schaf tlerin H eike Or tner
vom I n stitut für G ermani stik der Univer sit ät I nnsbruck
auf den G rund. Und räumt mit Vorur teilen auf.
Dienstag, 19. April 2011 17

Defizite in der deutschen te Verbreitung haben natürlich unterschiedliche Textsorten zu Sprache hat, ist nicht eindeutig
Sprache scheinen gerade auch Emoticons, meist in Form berücksichtigen. „Darauf muss festzustellen. „Wissenschaftlich
verschiedener Smileys, oder Inter- früh genug hingewiesen wer- fundierte allgemeine Aussagen
bei Jugendlichen stark zu- jektionen, wie „äh“, „hä“, „brr“, den“, betont Ortner. Die Gefahr können hier nicht getroffen wer-
zunehmen. „Schuldige“ „oida“ gefunden, um nur einige sei also nicht im Verfall der deut- den, da Sprache viel zu lebendig
sind schnell gefunden: Das wenige Beispiele zu nennen. schen Sprache zu sehen, sondern und wandelbar ist und gerade im
Internet bzw. soziale Netz- Online-Kommunikation wird vielmehr in der Tatsache, dass Internet sehr viele unterschied-
von vielen in erster Linie mit so- Jugendliche Kommunikationssitu- liche Formen annimmt“, erklärt
werke werden häufig für zialen Netzwerken assoziiert, die ationen nicht auseinander halten Ortner die Herausforderung.
sprachliche Mängel verant- momentan in aller Munde sind können. „Ein echter Mangel liegt Mängel in der Sprachkompetenz
wortlich gemacht. und geradezu einen Boom erle- dann vor, wenn Schülerinnen will die Germanistin damit al-
ben: Allein bei Facebook sind ge- und Schüler nicht mehr unter- lerdings nicht in Abrede stellen:
Historisch betrachtet war die genwärtig knapp 2,4 Millionen scheiden können, ob sie einen „Natürlich sind Defizite vorhan-
Verwendung des Internets zu- Österreicherinnen und Österrei- den, sie sind vergleichsweise aber
nächst elitären Kreisen im univer- cher registriert (Stand: 20. März nicht schlimmer geworden.“ Ganz
sitären Bereich vorbehalten. Erst 2011). Bei einer solch massen-
«klagen über den Verfall im Gegenteil lasse sich sogar ein
ab der zweiten Hälfte der 1990er- haften Verwendung und ange- der sprache sind wesentlich Trend in Richtung folgerichtiger
Jahre waren immer breitere Bevöl- sichts der typischen Merkmale älter als die online-kommu- Argumentation und normge-
kerungsschichten „online“ und der Schriftsprache bleibt die Fra- rechten Schreibens beobachten.
das Internet entwickelte sich zu ge: Haben Facebook, Twitter und nikation.» „Woran sich die Menschen nach
einem Massenphänomen. Durch Co. Auswirkungen auf die Ent- Heike Ortner wie vor stoßen, sind sinnentstel-
die beinahe flächendeckende Ver- wicklung der deutschen Sprache? lende Falschschreibungen und
wendung kristallisierten sich nach Heike Ortner, Universitätsassisten- Aufsatz schreiben oder eine Sta- schlechter Aufbau. Mit Usern, die
und nach Merkmale der Online- tin am Institut für Germanistik an tusmeldung auf Facebook abge- fehlerhaft schreiben, wird mitun-
Kommunikation heraus. Die Nach- der Universität Innsbruck, setzt ben. Das gibt Anlass zur Sorge“, ter sehr hart ins Gericht gegan-
ahmung von mündlichem Spre- sich seit Jahren in ihrer Forschung verdeutlicht die Wissenschaftle- gen, sie verlieren ihre Glaubwür-
chen steht hier im Vordergrund: mit Merkmalen der Online-Kom- rin. Daher müssten gerade junge digkeit.“
Spuren des Mündlichen in der munikation auseinander und be- Menschen genauer über die mo-
syntaktischen Struktur bzw. dia- tont: „In dieser Hinsicht haben dernen Kommunikationsformen Neuer Übeltäter
lektale Färbungen sind typische Ei- sich in den letzten Jahren hart- informiert werden, damit sie sich Dass gutes und richtiges
genschaften der Schriftsprache in näckige Vorurteile etabliert, die über Funktionen, Wirkungswei- Deutsch in Online-Zusammen-
Online-Zusammenhängen. Wei- meist jeder Grundlage entbeh- se und Auswirkungen im Klaren hängen keine Rolle mehr spielt,
ren.“ Die deutsche Sprache sei in sind. In diesem Zusammenhang sei also schlicht falsch, ist die Wis-
Gefahr, die Rede ist von Sprach- sollten allerdings keineswegs nur senschaftlerin überzeugt. „Ich se-
zur person verfall und einer „Verlotterung“ Lehrerinnen und Lehrer in die he die Sache relativ entspannt,
des Deutschen – schuld daran sei Pflicht genommen werden, über denn Klagen über den Verfall der
das Internet. die Wichtigkeit dieses Aspekts der deutschen Sprache sind wesent-
Sprache sollte gesamtgesellschaft- lich älter als die Online-Kommu-
Bildungssystem am Zug licher Konsens herrschen. nikation. Früher war das Fernse-
Da besonders für Kinder und Ob die Online-Kommunikation hen der Übeltäter, heute das In-
Jugendliche die Verwendung des negativen oder positiven Einfluss ternet“, schildert Ortner.
Internets eine große Bedeutung auf die Entwicklung der deutschen melanie.bartos@uibk.ac.at
hat und ein fixer Bestandteil des
Alltags ist, wird die Sprachkom-
petenz der nachfolgenden Ge-
heike ortner neration als besonders gefähr-
det angesehen. Meist wird die

H eike Ortner schloss ihr


Studium der Deutschen
Philologie und Angewand-
Ursache in sozialen Netzwerken
gesucht, da hier korrekte Recht-
schreibung und Grammatik in
ten Sprachwissenschaft 2004 den Hintergrund gedrängt wer-
an der Universität Graz ab. den. Durch negative Ergebnisse
Neben ihrer Tätigkeit als der so genannten PISA-Studien
selbstständige Lektorin ist die gibt es vonseiten der Lehrerinnen
Forscherin seit 2007 als wis- und Lehrer immer wieder Auf-
senschaftliche Mitarbeiterin schreie hinsichtlich der Mängel in
bzw. als Universitätsassisten- der schriftlichen Verwendung der
tin am Institut für Germanis- eigenen Muttersprache. Dem Bil-
tik der Universität Innsbruck dungssystem kommt laut Ortner
tätig (Fachbereich Linguisti- hier auch eine ganz wesentliche
sche Medien- und Kommu- Rolle zu.
nikationswissenschaft). Ihre
Forschungsschwerpunkte sind Kommunikationsvielfalt
Medienlinguistik in den Berei- Bestimmte Situationen machen
chen Sprache im Web und einen gewissen Sprachgebrauch
Online-Kommunikation sowie erforderlich, in diesem Sinne gilt
Text- und Emotionslinguistik. es, vielseitige Kommunikationszu- Die Verwendung des Internets spielt bereits in frühen Jahren eine wichtige
sammenhänge und damit auch Rolle. Fotos: Shutterstock, Eva Fessler, istockphoto.com
18 Dienstag, 19. April 2011

Archaea oder die


Liebe zum Extremen
A rchaea sind fa st üb erall, ab er kaum jemand weiß von ihnen : D er Mikrobio -
lo g e Paul I llmer stellt die kleinen , äuß er st b e d eut samen Organi smen vor.

Manche mögen es heiß, Pflanzen zählen, eine eigenstän- in Salzwüsten, vulkanischen Ge- oder länger heranwachsen und
manche kalt, manche sal- dige und damit dritte Domäne bieten, Gletschergebieten, aber entwickeln sich damit viel lang-
unter den Lebewesen. „Rein ge- auch im Pansen von Kühen oder samer als die meisten anderen
zig, manche sauer. Luft be-
netisch betrachtet sind Mensch ganz alltäglichen Habitaten wie Mikroorganismen“, nennt er einen
nötigen nur wenige von und Regenwurm näher verwandt dem Boden leben. „Man findet Grund, wieso viele KollegInnen
ihnen und im Labor sind als Archaea und Bacteria, obwohl sie nahezu überall, dennoch sind vor der Untersuchung dieser Or-
Archaea sehr schwer zu Letztere oft nicht einmal im Mik- sie noch wenig erforscht“, sagt ganismen zurückschrecken.
roskop zu unterscheiden sind“, Illmer. Er widmet sich den relativ
kultivieren. verdeutlicht ao. Univ.-Prof. Paul unbekannten Mikroorganismen Methanproduzenten
Illmer vom Institut für Mikrobi- schon seit mehreren Jahren und Zu den Spezialgebieten der
Archaea wurden lange Zeit zu ologie die Position der Archaea seine Arbeitsgruppe zählt – wie Innsbrucker Mikrobiologen rund
den Bakterien gezählt. Seit den innerhalb der Lebewesen. Bei den er nicht ohne Stolz erwähnt – zu um Paul Illmer zählen die metha-
1990er-Jahren bilden sie neben Archaea handelt es sich um äu- den wenigen in Österreich, die nogenen Archaea. Diese sind in
Bakterien und den so genann- ßerst diverse, einzellige Mikroor- imstande sind, Archaea im Labor der Lage, aus organischen Sub-
ten Eukaryoten, zu denen unter ganismen, die häufig in extremen zu kultivieren. „Kulturen von Ar- stanzen oder Kohlendioxid Me-
anderem Menschen, Tiere und Umgebungen wie zum Beispiel chaea müssen oft einen Monat than zu erzeugen. Sie sind somit

Archaea werden oft dort gefunden, wo andere Lebewesen nicht mehr überleben können, u. a. in terrestrischen und marinen Vulkangebieten.
Dienstag, 19. April 2011 19

Methanogene Archaea werden durch ein spezielles Verfahren zum Leuchten Verschiedene Anaerobier-Kulturen, wie sie von der Arbeitsgruppe um Paul
gebracht und sind so unter dem Mikroskop von Bakterien unterscheidbar. Illmer kultiviert werden. Fotos: istockphoto.com, Paul Illmer

essentiell für die Biogaserzeugung, konnte starke Schwankungen in bedenkt, dass alleine die Perma- rum auf mikrobiologischem Weg
die in großen Gärbehältern, so der mikrobiellen Zusammenset- frostgebiete in Sibirien eine Flä- entgegengewirkt werden. „Es
genannten Fermentern, erfolgt. zung nachweisen und diese auf che einnehmen, die größer als gibt auch Mikroorganismen, die
Dort wird zum Beispiel homoge- saisonal geänderte Substratzu- die USA ist, kann man sich an- methanotroph sind, also das von
nisierter Bioabfall hineingepresst sammensetzungen zurückführen. satzweise vorstellen, welches Me- Archaea gebildete Methan gleich
und Mikroorganismen setzen im Um dies experimentell untersu- than-Potenzial darin steckt. Die wieder verstoffwechseln“, skizziert
Fermenter einen Vergärungspro- chen zu können, erzeugten die gleichen Phänomene treten in Illmer seine aktuellsten Ansätze.
zess in Gang, bei dem brennbares Wissenschafter in Laborreaktoren unseren Breiten im Hochgebirge „Diesbezüglich ist die Forschung
Methangas entsteht. Diesen Pro- die gleichen Zustände wie im Fer- auf“, erläutert Illmer. Gelangt das aber erst am Anfang.“
zess konnte Illmer im Rahmen menter. „Wir haben in unserem Methan in die Atmosphäre, be- eva.fessler@uibk.ac.at
einer Studie in Zusammenarbeit Labor-Fermenter zunächst künst- schleunigt es wiederum den glo-
mit der Biogasanlage in Roppen lich Störungen herbeigeführt. balen Erwärmungsprozess. zur person
genau untersuchen. „Bei solchen Dann haben wir ihn durch ge- Methan-Potenzial ist aber auch
Anlagen kam und kommt es im- zielte Beimpfung mit speziellen, auf Tiroler Almwiesen vorhanden,
mer wieder zu unerklärlichen Stö- von uns adaptierten Archaea-Kul- wie Illmer basierend auf einer wei-
rungen des Gärprozesses. Auch in turen wieder erstaunlich schnell in teren aktuellen Untersuchung zu
Roppen war das der Fall, aber kei- Gang setzen können“, beschreibt berichten weiß. Im Rahmen eines
ner konnte genau sagen warum“, Illmer. Eine Methode, die auch in Projekts im Stubaital haben die
erklärt Illmer den Ausgangspunkt Großanlagen zu Abhilfe bei Stö- Mikrobiologen erforscht, wie sich
der Studie. Sein Forschungsteam rungen sowie zu einer wesent- die Aktivität von Archaea in Ab-
lichen Verbesserung des Gaser- hängigkeit von der Bewirtschaf-
trages führen kann. tung verändert: Sie konnten be-
Frühe Neben der positiven Rolle der
Archaea bei der Biogasproduktion
obachten, dass auf Brachland na-
hezu kein Methan erzeugt wird. paul illmer

Erdenbewohner spielen diese Organismen aber Wenn hingegen Kühe eine Alm-

E ntdeckt wurden die Archaea


Ende der 1970er-Jahre von
auch in anderen Bereichen eine
wichtige, allerdings problema-
tischere Rolle.
wiese beweiden, dann bringen
diese durch ihren Dung methan-
produzierende Archaea in den Bo-
P aul Illmer, geboren 1964
in Innsbruck, studierte an
der Uni Innsbruck Mikrobio-
US-amerikanischen Mikrobiolo- den ein – und zwar umso mehr, logie. 1992 promovierte er
gen. Ihren Namen verdanken Klimafaktor je stärker die Beweidung ist. „Wie zum Doktor der Naturwissen-
sie dem altgriechischen Wort In Permafrostböden sind jede hoch das Methanpotenzial in Bö- schaften, 2001 habilitierte er
„archaîos“, das „uralt“ oder Menge organische Substanzen den sein kann, haben wir unter sich für das Fach Mikrobiolo-
„ursprünglich“ bedeutet. Sie wie beispielsweise abgestorbenes Laborbedingungen gemessen gie. Er beschäftigt sich mit der
wurden früher Urbakterien ge- Pflanzenmaterial eingeschlossen. und sind hochgerechnet auf über Physiologie von aeroben und
nannt, weil die Bedingungen, Wenn diese Böden durch die zu- 1 Million Liter Methan pro Hek- anaeroben (Boden-)Mikroor-
unter denen sie leben, jenen äh- nehmende Erwärmung auftauen, tar und Woche gekommen“, sagt ganismen und deren biotech-
neln könnten, die zu Beginn des beginnen Verrottungsprozesse. Illmer. Dabei handle es sich zwar nologischen Anwendungen.
Lebens auf der Erde vorherrsch- Überall dort, wo methanogene nur um ein theoretisches Potenzi- Darüber hinaus engagiert er
ten. Unter allen bekannten Ar- Archaea vorhanden sind, Sauer- al, wie er betont, das Ergebnis sei sich in Lehre und Selbstver-
ten ist bislang keine einzige für stoff jedoch fehlt, wird Methan aber doch eine beachtenswerte waltung der Uni und ist der-
Mensch, Tier oder Pflanze pa- freigesetzt, das als Treibhausgas Menge. Der unkontrollierten und zeit Leiter des Instituts für Mi-
thogene Art gefunden worden. über zwanzig Mal so stark wie unerwünschten Methanprodukti- krobiologie.
Kohlendioxid wirkt. „Wenn man on in Böden könne aber wiede-
20 Dienstag, 19. April 2011

Die Mechanismen, die zum Absterben von Nervenzellen führen, versuchen Innsbrucker Forscher zu klären. Foto: Shutterstock
Dienstag, 19. April 2011 21

Signalwege in
Zellen beeinflussen
Unter d er L eitung von Univ. - Prof. J örg Strie ssnig wir d in einem neuen
Sp ezialfor schung sb ereich an der Univer sit ät I nn sbruck ver sucht , moleku -
lare M e chani smen von neuro d e g enerativen Erkrankung en zu ent schlü sseln.

Innsbrucker Forscher un- von Kalziumkanälen in der Zell- für Nervenzellen. Auch dies kann
tersuchen mit Kollegen in membran, welche wichtige Regu- einen Einfluss auf die Entstehung
lative auch in den Nervenzellen neurodegenerative Erkrankungen
Salzburg und Ulm, welche
des Gehirns darstellen“, schildert haben.
Rolle Kalziumionenkanäle Univ.-Prof. Jörg Striessnig vom Ins-
bei der Entstehung von titut für Pharmazie und Centrum Weitere Projekte
Parkinson spielen. für Molekulare Biowissenschaften Die Fragestellungen, mit denen
sowie Sprecher des Spezialfor- sich der Spezialforschungsbereich
Parkinson, Alzheimer und ande- schungsbereichs. „Kalziumsig- befasst, sind außerdem Anknüp-
re Demenzerkrankungen nehmen nale sind wichtig für die Funk- fungspunkt für weitere wissen-
angesichts der höheren Lebens- tion von Nervenzellen, können schaftliche Initiativen: Dank der
erwartung der Bevölkerung ste- aber auch zu Krankheitsprozessen Unterstützung durch die Rekto-
tig zu. Ein Problem, das Forscher des Gehirns beitragen“, schildert rate der Uni Innsbruck und der
weltweit beschäftigt. Sie versu- Striessnig den Ausgangspunkt Medizin-Uni Innsbruck können
chen, jene Mechanismen zu klä- der gemeinsamen Forschungsar- zwei neue Arbeitsgruppen zur
ren, die diese Erkrankungen aus- beit. „Es gibt Hinweise, dass be- Etablierung neuer neurowissen-
lösen, sowie mögliche Therapien stimmte Nervenzellen im Gehirn, schaftlicher Methoden aufgebaut «Durch die Kooperation
dagegen zu finden. Denn noch die bei der Parkinson-Erkrankung werden. Der SFB arbeitet eng mit mit Kolleginnen und Kolle-
immer werfen die Krankheitsursa- bevorzugt absterben, solche Kal- den ebenfalls vom FWF geför-
chen viele Fragen auf und aktuelle ziumsignale langfristig schlech- derten Innsbrucker Doktoranden-
gen unserer Partner-
Behandlungsmöglichkeiten sind ter tolerieren.“ Ob eine medika- programmen SPIN und MCBO Universitäten können
oft nicht zufriedenstellend. mentöse Hemmung dieser Kal- zusammen. In diesen werden die wir alle Kompetenzen
ziumkanäle die Nervenzellen vor im SFB forschenden Doktoran-
Kompetenzen bündeln dem Zelltod schützen kann, soll dInnen auf hohem Niveau ausge- bündeln.»
Wissenschaftler der Universi- in dem Spezialforschungsbereich bildet. christa.hofer@tt.com Jörg Striessnig Foto: Uni Innsbruck
tät Innsbruck gehören internati- untersucht werden. Erste Hinwei-
onal zu den führenden Forschern se dafür kommen von Patienten
auf diesem Gebiet. Sie haben
sich nun mit Kollegen der Medi-
mit hohem Blutdruck, die be-
stimmte Blutdrucksenker einneh-
Kooperation Univ.-Prof. Birgit Liss (Universi-
tät Ulm), Univ.-Prof. Alexandra
zinischen Universität Innsbruck, men, die solche Kalziumkanäle mehrerer Unis Lusser (Medizinische Uni Inns-
der Paracelsus Medizinischen Pri- hemmen. Diese Patienten haben bruck) und Univ.-Prof. Nico-
vatuniversität in Salzburg und der
Universität Ulm in Deutschland
zusammengeschlossen, um mög-
anscheinend ein etwas geringeres
Risiko, an Parkinson zu erkranken.
„Wir wollen nun untersuchen, ob
N eben Univ.-Prof. Jörg Striess-
nig sind an der Forschungs-
kooperation noch folgende
las Singewald (Uni Innsbruck).
Das Projekt wird vom Fonds zur
Förderung der Wissenschaftli-
lichst viele Kompetenzen bündeln ein bestimmter Subtyp dieser Kal- Wissenschaftlerinnen und Wis- chen Forschung (FWF) vorerst
zu können. Die Bedeutung dieses ziumkanäle als Angriffspunkt für senschaftler beteiligt: Univ.-Prof. vier Jahre lang unterstützt – mit
neuen Spezialforschungsbereichs neue Arzneistoffe dienen könnte“, Gregor Karl Wenning als stellver- der Option auf Verlängerung
(SFB) wird auch durch die Tatsa- erläutert der Wissenschaftler. tretender Sprecher des SFB (Me- nach einem Prüfverfahren. Al-
che unterstrichen, dass der Fonds Eine weitere Frage, der die dizinische Uni Innsbruck), Univ.- lein an den beiden beteiligten
zur Förderung der Wissenschaft- Forscher nachgehen, ist, ob die Prof. Ludwig Aigner (Paracelsus Unis in Innsbruck entstehen
lichen Forschung diesen finanziell Kalziumkanäle auch an Repara- Medizinische Privatuni Salzburg), durch den Sonderforschungsbe-
unterstützt. Erst unlängst wurden turmechanismen im Gehirn betei- Univ.-Prof. Bernhard E. Flucher reich ca. 15 neue Arbeitsplätze.
dafür die Mittel nach Evaluation ligt sind und wenn ja, wie diese (Medizinische Uni Innsbruck), Finanzielle Mittel kommen auch
durch ein internationales Exper- in der Therapie genutzt werden Univ.-Prof. Christian Humpel von den Rektoraten der Univer-
tenteam für vier Jahre bewilligt. können. Ein zusätzlicher Aspekt (Medizinische Uni Innsbruck), sität Innsbruck und der Medizi-
„Schwerpunkt dieser Kooperati- betrifft Veränderungen der Akti- Univ.-Prof. Alexander Hüttenho- nischen Universität Innsbruck so-
on ist die Erforschung bestimmter vität bestimmter Gene mit wich- fer (Medizinische Uni Innsbruck), wie der Zukunftsstiftung Tirol.
zellulärer Signalwege wie etwa tiger regulierender Bedeutung
22 Dienstag, 19. April 2011

Auszeichnung
für Klimaforscher Institut fördert
Neulateinische Studien
Anfang April wurde Dr. Tho-
mas Mölg vom Institut für Mete-
orologie und Geophysik mit dem
„Outstanding Young Scientist
Award“ des europäischen Ver-
bands der Geo- und Atmosphä- Am 1. März wurde das an
renwissenschafter (EGU) ausge- der Universität Innsbruck
zeichnet. Dieser zählt weltweit zu
beheimatete neue Ludwig-
den größten und bedeutendsten
Vereinigungen für geophysika- Boltzmann-Institut (LBI) für
lische Wissenschaften; der Preis Neulateinische Studien fei-
wurde im Rahmen der jährlichen erlich eröffnet. Durch seine
EGU-Hauptversammlung verge-
ben, bei der sich jedes Jahr mehr
Errichtung wird ein bereits
als 9000 Wissenschafter treffen seit vielen Jahren etablierter
und austauschen. Forschungsbereich weiter
gestärkt.
Die Anzahl der überlieferten
Texte der neulateinischen Litera-
tur übersteigt jene der Antike bei
Weitem – allein in Tirol wurden
bislang rund 7000 Texte von 2000
Autoren erfasst. „Ohne neulatei-
nische Literatur gäbe es das heu-
tige Europa in dieser Form nicht“,
ist das Forscherteam um PD Dr.
Stefan Tilg, Leiter des neuen LBI,
überzeugt. Das durch die renom-
mierte Ludwig-Boltzmann-Gesell-
schaft errichtete Institut wird sich
der Erforschung des bisher noch
kaum erschlossenen Gebiets der
Thomas Mölg ist bester europäi- neulateinischen Literatur seit der
scher Jungwissenschafter auf sei- Renaissance widmen. Das derzeit
nem Gebiet. Foto: Uni Innsbruck im Aufbau befindliche Institut wird
künftig 14 Mitarbeiterinnen und Stefan Tilg mit Claudia Lingner von der Ludwig-Boltzmann-Gesellschaft und
Mitarbeiter beschäftigen. Rektor Karlheinz Töchterle. Foto: Universität Innsbruck

Hochschulpreis
der Sparkasse Vorab-Test
für Gesetze
Am 4. März wurde der mit ins-
gesamt 8000 Euro dotierte Graf-
Chotek-Hochschulpreis der Tiroler
Sparkasse vergeben. Hans-Peter Für seine Doktorarbeit zum
Ster, Absolvent an der Fakultät Thema „Präventive Normen-
für Volkswirtschaft und Statistik kontrolle in Österreich und Eu-
der Universität Innsbruck, erhielt ropa“ erhielt der Tiroler Rechts-
einen der Hauptpreise. Im Rah- wissenschafter Niklas Sonntag
men seiner ausgezeichneten Dip- unlängst den Nachwuchswis-
lomarbeit widmete er sich dem senschaftspreis des in Innsbruck
Thema „Einfluss der Lärmbeläs- ansässigen Instituts für Föderalis-
tigung auf Liegenschaftswerte“. mus. Die ausgezeichnete Arbeit
Im empirischen Teil seiner Ar- betrachtet die Möglichkeiten ei-
beit konzentrierte er sich auf die ner Gesetzesprüfung vor der
Lärmsituation in Gemeinden des Kundmachung, um so mögliche
Tiroler Unterinntales. Dabei stellte Verfassungswidrigkeiten oder
er fest, dass Preisdifferenzen zwi- Mängel rechtzeitig abfangen zu
schen lauten und leisen Liegen- können. Niklas Sonntag beleuch-
schaften mitunter beträchtlich tet mit seiner Forschungsarbeit
sein können und sowohl individu- eine bislang in der Rechtswissen-
elle als auch volkswirtschaftliche LR Bernhard Tilg, der an der Preisverleihung teilnahm, mit dem Preisträger schaft nur wenig beachtete The-
Entscheidungen beeinflussen. Niklas Sonntag. Foto: Uni Innsbruck matik.
Dienstag, 19. April 2011 23

Treffen der
GVÖ an der Uni
Fast 100 Teilnehmerinnen
und Teilnehmer fanden sich am
4. März in der Aula der Universität
Innsbruck ein, um sich der Frage
„Die GmbH & Co KG nach OGH
Ob 225/07p – eine Kapitalgesell-
schaft?“ zu widmen. Eingeladen
hatte die im vergangenen Jahr ge-
gründete Gesellschaftsrechtliche
Vereinigung Österreichs (GVÖ)
unter der Präsidentschaft von
Prof. Ulrich Torggler vom Institut
für Unternehmens- und Steuer-
recht der Universität Innsbruck.

Sechs Sub-Auspiciis-Promotionen an der Uni


Am 10. März wurden sechs Doktorandinnen und Doktoranden der Universität Innsbruck im Beisein von Bundespräsi-
dent Heinz Fischer feierlich promoviert. Sie haben die oberen Klassen der Mittelschule, die Matura, ihr Studium sowie
das Doktoratsstudium mit sehr gutem Erfolg beziehungsweise mit Auszeichnung abgeschlossen. Die so genannte
Promotio sub auspiciis Praesidentis rei publicae ist die höchstmögliche Auszeichnung von Studienleistungen in Öster-
reich. Im Bild von links: Die Sub-Auspiciis-DoktorInnen Dr. Karin Peter, Dr. Martin Gächter, Dr. Gerhard Kirchmair und Dr.
Katharina Zipser, Bundespräsident Heinz Fischer, Rektor Karlheinz Töchterle, Dr. Julia Hautz (Sub-Auspiciis-Doktorin),
Landtagspräsident Herwig van Staa, Landesrat Bernhard Tilg, Dr. Julian King (Sub-Auspiciis-Doktor) und Bürgermeiste-
rin Christine Oppitz-Plörer. Foto: Uni Innsbruck

Preis des Fürstentums


Liechtenstein verliehen
Im Rahmen eines Festaktes
wurden am 31. März die IT-Firmengründer brauchen Infos,
mit jeweils 4000 Euro do- die Uni bietet sie. Foto: Shutterstock
tierten Preise des Fürsten-
tums Liechtenstein für wis- IT-Start-up-Camp
senschaftliche
vergeben.
Forschung
für Gründer
Informationen, Austauschmög-
Prämiert wurden die Arbeiten lichkeiten und Beratung für Stu-
von Ass.-Prof. Priv.-Doz. Mag. Dr. dierende und Forschende, die
Michael Bahn und Mag. Dr. Klaus ein IT-Unternehmen gründen
Amann von der Uni Innsbruck möchten, bieten künftig das Ins-
sowie von Mag.a Nina Clementi titut für Informatik und das Se-
PhD vom Biozentrum der Medi- mantic Technology Institute Inns-
zinischen Universität Innsbruck. bruck (STI): Im Rahmen des kürz-
Regierungsrat Hugo Quaderer lich initiierten Veranstaltungs-
überbrachte die Gratulationen der formats IT-Start-up-Camp ste-
liechtensteinischen Regierung und hen in regelmäßigen Abständen
überreichte die Auszeichnungen IT-Unternehmen, unterstützende
an die PreisträgerInnen. „Der Preis Organisationen und die Univer-
ist ein freundschaftliches Zeichen sität Innsbruck ambitionierten
der guten Zusammenarbeit zwi- Gründerinnen und Gründern im
schen den Innsbrucker Universi- IT-Bereich bei der Verwirklichung
täten und dem Fürstentum Liech- ihrer Visionen und Ideen zur Sei-
tenstein“, betonte Quaderer in Regierungsrat Hugo Quaderer mit den PreisträgerInnen Klaus Amann, te. Info: http://www.sti-innsbruck.
seiner Ansprache. Nina Clementi und Michael Bahn. Foto: Uni Innsbruck at/startupcamp/
ve ra n s t a l t u n g s t i p p s

25. April, 14 bis 17 Uhr eine Reise durch Bits und Bytes Kurzpräsentationen rund um gramm von Frank Klötgen
Ostermontagfest im Im Rahmen der Ausstellung Studium und Forschung an der Auf Einladung der Philologisch-
Botanischen Garten DIGITAL ART wird der Compu- Fakultät für Bauingenieurwissen- Kulturwissenschaftlichen Fakultät
Bei Führungen durch den bo- terpainter DIPEGO DigitalArt- schaften. – Auch für angehende kommt der deutsche Slampoet
tanischen Garten erfahren die Works einige seiner künstlerisch Studierende interessant! Ort: und Musiker Frank Klötgen nach
BesucherInnen Interessantes und bearbeiteten Computerbilder Großer Hörsaal am Technikcam- Innsbruck. Die Veranstaltung
Spannendes aus der Welt der präsentieren. Öffnungszeiten: 6. pus, Technikerstraße 13 am 7. Juni bildet den Auftakt
Biologie. Ort: Botanischer Gar- Mai, 10 bis 18 Uhr, 7. Mai, 10 zu mehren Veranstaltungen mit
ten, Sternwartestraße 45 bis 16 Uhr. Ort: ICT-Gebäude, 24. Mai, 19 Uhr ihm; Info: http://www.uibk.
Technikerstraße 21a, Innsbruck Buchpräsentation im Italien- ac.at/writer-in-residence/
3. Mai, 9 bis 16.30 Uhr zentrum: „Ein Sommer aus Ort: Die Bäckerei in der Dreiheili-
Dies Academicus zum Thema 12. Mai, 20 Uhr Stahl“ genstraße 21a, Innsbruck
solidaritätsstiftende Kirche Theaterpremiere: Lysistrata Die Italienische Autorin
Die Theologische Fakultät Komödie des Aristophanes Silvia Avallone schreibt in ihrem 9. Juni, ab 15 Uhr
organisiert gemeinsam mit der gezeigt vom Theater praesent; Debütroman die ergreifende 10 Jahre Informatik
Diözese Innsbruck Vorträge Ort: Archäologisches Museum Geschichte zweier italienischer Mit einem Festakt, mehreren
und Workshops, bei denen das Innsbruck, Langer Weg 11, Inns- Mädchen aus dem kleinen Küs- Vorträgen und einer Studieren-
Zukunftspotenzial der Kirche re- bruck. Info: http://archaeologie- tenort Piombino. Ort: Claudia- denparty begeht die Universität
flektiert werden soll. Alle Interes- museum.uibk.ac.at saal, Herzog-Friedrich-Straße 3/II Innsbruck das runde Jubiläum.
sierten sind herzlich eingeladen. Ort: ICT-Gebäude, Techniker-
Ort: Kaiser-Leopold-Saal an der 16. Mai, 9 bis 11 Uhr 27. bis 28. Mai, jeweils straße 21a; Informationen unter:
Theologischen Fakultät, Karl- Montagsfrühstück: Entblößung ab 9 Uhr zehnjahreinformatik@uibk.ac.at
Rahner-Platz 1 des Selbst im Netz Passivhaus-Fachausstellung
Montagsfrühstück mit Sabine 2011 10. bis 16. Juli
5. Mai, 19 Uhr Gruber, Schriftstellerin, und Im Rahmen der von der Univer- Uni Camp 2011: „Aufbruch in
Vortrag: Prostituierte im Thomas Schröder, Medienwis- sität Innsbruck mitorganisierten neue Welten“
Dritten Reich. Eva Pfanzelter- senschaftler an der Universität 15. Internationalen Passivhausta- Das Uni Camp bietet auch heuer
Sausgruber referiert im Rahmen Innsbruck; es moderiert Martin gung findet eine frei zugängliche wieder Jugendlichen zwischen
der Sonderausstellung „Hetären. Fritz. Ort: Literaturhaus am Inn, Ausstellung statt, bei der intel- 16 und 19 Jahren die Gelegen-
Blicke“ über die vergessenen Josef-Hirn-Straße 5, 10. Stock ligente Lösungen für Neu- und heit, an die Universität Innsbruck
„asozialen“ Opfer des National- Altbauten gezeigt werden. zu kommen! Eine Woche können
sozialismus Ort: Archäologisches 20. Mai, ab 17 Uhr Öffnungszeiten: 27. Mai bis 19 sie mit WissenschaftlerInnen der
Museum Innsbruck, Langer Weg Infoveranstaltung: Bauen wir Uhr, 28. Mai bis 17 Uhr. Ort: Architektur, Astrophysik, Biologie
11, Innsbruck gemeinsam! Congress Innsbruck und Informatik in neue Welten
Informationsveranstaltung der aufbrechen. Anmeldung bis 26.
5. Mai, 18.30 Uhr Baufakultät mit anschließendem 7. Juni, 20 Uhr Juni unter: http://jungeuni.uibk.
Ausstellung: DIGITAL ART – Campusfest. Geboten werden „Mehr Kacheln!“ – Solopro- ac.at/unicamp