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AKADEMIE
DERWISSENSCHAFTEN
UNDDERLITERATUR

ABHANDLUNGEN DER

GEISTES- UND SOZIALWISSENSCHAFTLICHEN KLASSE

EINZELVERÖFFENTLICHUNG

M. Terentius Varro
Antiquitates Rerum Divinarum
Teil I: Die Fragmente

von

BURKHARTCARDAUNS

AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN UND DER LITERATUR · MAINZ


FRANZ STEINER VERLAG GMBH · WIESBADEN
CIP-Kurztitelaufnahme der Deutschen Bibliothek

Cardauns, Burkhart
M. Terentius Varro Antiquitates rerum divinarum.

ISBN 3-515-02118-3
Teil I. Die Fragmente. I. Teil
(Abhandlungen der Geistes- und Sozialwissenschaft-
lichen Klasse / Akademie der Wissenschaften und der
Die Fragmente
Literatur: Einzelveröffentl.

Vorwort
Die Fragmente der Antiquitates Rerum Divinarum Varros, zuerst gesammelt
von AusoNIUS PüPMA, erweitert in der EDITIO DuRDRACENAund abgedruckt
in der EDITIO BIPONTINA, sind von R. MERKEL 1841 im Hinblick auf Ovid
Gedruckt mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschafü erneut zusammengestellt worden, und schließlich hat nach den Vorarbeiten
von E. SCHWARZund A. ScHMEKEL REINHOLD AGAHD die Reste der Bücher
I, XIV, XV, XVI nach eingehender Prüfung der Überlieferung unter Hinzu-
Voro-elegt von Hrn. Dahlmann in der Plenarsitzung am 16. Februar 1968, fügung zahlreicher Parallelstellen in der bis heute maßgebenden Sammlung
zu: Druck genehmigt am selben Tage, ausgegeben am 22. Juli 1976 herausgegeben. Die Ausgabe der ersten beiden Bücher durch A. G. CüNDEMI
1965 stellt demgegenüber keinen Fortschritt dar (Rez. B. CARDAUNS,Gym-
nasium 74, 1967, 72-73; Condemi ordnet dem 1. Buch 95 Stücke zu, dem 2.
Buch 124; Auswahl und Anordnung sind inhaltlich, nicht quellenkritisch be-
gründet; vgl. das Verzeichnis der Ausgaben S. 8).
Die vorliegende Ausgabe, die wieder alle 16 Bücher umfaßt, hat sich fol-
gendes Ziel gesetzt: Sie will alles vereinigen, was sich mit hinreichender
Sicherheit den Res Divinae zuweisen läßt, d.h. a) mit Titel und Buchzahl
zitierte Fragmente, b) mit Titel, aber ohne Buchzahl, c) nur mit Namen
Varros zitierte. Hier wurde auf alles verzichtet, was zwar dem Inhalte nach in
den Res Divinae gestanden haben kann, vielleicht auch gestanden hat, im
jeweils vorliegenden Fall aber auch aus einer anderen varronischen Schrift
stammen könnte. d) In seltenen Fällen wurden Stücke aufgenommen, die in
der Überlieferung anonym erscheinen, aber mit hoher Wahrscheinlichkeit den
Res Divinae entstammen. Einen besonderen Fall stellen die zahlreichen Frag-
mente bei Tertullian und Augustin dar, die natürlich nicht in jedem Fall den
Alle Rechte vorbehalten Namen Varros tragen, deren Herkunft aber durch die Quellenanalyse ge-
Ohne ausdrückliche Genehmigung des Verlages ist es auch nic~t gestattet, d~s sichert ist. Hier fuße ich grundsätzlich auf AGAHD.
werk oder einzelne Teile daraus nachzudrucken oder photomec~amsch (Photokopie, Im ganzen habe ich mich von dem Streben leiten lassen, das Gesicherte
Mikrokopie usw.) zu vervielfältigen. © 1976 by Franz Stemer Verlag GmbH, vorzulegen und eine hypothetische Zuteilung von Fragmenten, die erfahrungs-
Wiesbaden.
gemäß auf den Benutzer eine ungebührlich hypnotische Wirkung hat, zu ver-
Gesamtherstellung: Hans Meister KG, Kassel meiden. Darum habe ich auf manches Fragment verzichtet, das MERKEL und
Printed in Germany AGAHDaufgenommen hatten, auch wenn die Wahrscheinlichkeit varronischer
4 BURKHART ÜARDAUNS M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 5

Herkunft bestehen bleibt. Bedingung für die Aufnahme war: das Zitat mußte :\w,gabe nur ein Arbeitsinstrument sein kann. Selbstverständlich ist eine rein-
entweder Varros Namen tragen oder direkter Benutzung entstammen (Tertul- liche Trennung nicht überall möglich, und eine gewisse Ungleichmäßigkeit war
lian, Augustin), oder aber besonders triftige Gründe mußten die Aufnahme ,-:d1werlich zu vermeiden. Einzelne Fragmente, die für die Beurteilung Varros
rechtfertigen. So steht aus Tert. spect. 5 nur der unter Varros Namen einge- 1md seiner Arbeitsweise ergiebig schienen, sind ausführlicher behandelt, bei
führte Satz bei den Fragmenten (fr. 80), obwohl der ganze Passus varronisches :i11deren, zumal den Götternamen des XIV. Buches, mußten Hinweise auf wei-
Gut enthält, doch ist es vermutlich aus anderen Quellen (Sueton) angereichert. krführende Literatur genügen.
Der Forscher wird so unter den Fragmenten manches vermissen, doch sind Es liegt in der Natur der Sache und der Weitschichtigkeit der damit zusam-
solche potentiellen Fragmente im Apparat zu den einzelnen Fragmenten, im 111cnhängenden Probleme, daß diese Sammlung, und erst recht der Kommentar,
Kommentar und vor allem in den Appendices nach Möglichkeit aufgeführt. nicht abschließend sein kann; sie soll dem Philologen und Religionswissen-
In der Editionstechnik bin ich weitgehend FUNAIOLISAusgabe der Gram- :-whaftler Varros Werk wieder zugänglich machen und zur Weiterarbeit und
matiker (Gramm. Rom. Fragm.) I, 1907) gefolgt. An erster Stelle steht der von Verbesserung anregen. Ihren Zweck wird sie am besten erfüllt haben, wenn als
allen Zusätzen möglichst befreite Text; wörtliche Zitate sind gesperrt. Darun- l~rgebnis solcher Bemühungen eines Tages eine bessere an ihre Stelle tritt.
ter erscheint der textkritische Apparat, der den maßgeblichen Ausgaben folgt; An dieser Stelle möchte ich allen meinen akademischen Lehrern danken,
für Tertullian und Augustin, die Hauptquellen, ist ein Verzeichnis der Siglen insbesondere Prof. Hellfried Dahlmann, der diese Arbeit angeregt und mit
der Handschriften beigegeben (S. 11). Es folgen: die Quellenangabe mit dem ::;einem Rat begleitet hat, sowie Prof. Otto Seel, der sie als Erlanger Habilita-
Kontext, dazu Parallelstellen, soweit sie nichts Neues hinzufügen, teils aus tionsschrift annahm, und Prof. Rudolf Till, der mich vor manchem Fehler be-
dem gleichen Autor, teils aus unabhängiger Tradition, sodann Testimonia und wahrte. Bei den Korrekturen haben mich Dr. Karlheinz Kost, Bonn-Lengsdorf,
ausgewählte Stellen zum Vergleich, ggf. auch die Angabe moderner Editionen und Dr. Hermann Walter, Mannheim, unterstützt. Der Deutschen Forschungs-
der von Varro zitierten Autoren. Im übrigen sind die Sigla S. 12 zu verglei- gemeinschaft bin ich zu Dank verpflichtet für einen erheblichen Druckkosten-
chen. Um das eigentliche Fragment von allen Zusätzen der Mittelquelle frei- zuschuß. Der Mainzer Akademie danke ich für die Aufnahme dieser Schrift
zuhalten, mußte leider in Kauf genommen werden, daß der Benutzer sich unter ihre Veröffentlichungen, dem Verlag für stets bewiesene Geduld während
häufig einzelnen Worten oder Bruchstücken von Sätzen gegenübersieht und der Drucklegung.
zum Verständnis den Kontext hinzuziehen muß.
In den Appendices zu den einzelnen Büchern sind Stellen gesammelt, die Gewidmet sei diese Arbeit meiner Schwester.
in sehr verschiedener Beziehung zu den Res üivinae stehen. Es sind großen-
teils inhaltlich zugehörige Stücke varronischer Herkunft, zumal die Abschnitte
aus de lingua Latina, die Material aus den Res Divinae enthalten: LL 5, 57-74
(App. XVI, Götterlehre), 5, 83-86 (App. II, Priester) und 6, 12-26 (App. VIII,
Feste). Hier wie auch bei den Fragmenten des Logistoricus Curio (App. I),
Stellen aus den rerum rusticarum libri (App. XVI), dem Logistoricus Catus
(App. XIV) und anderen genannten und ungenannten Schriften besteht eine
gewisse Wahrscheinlichkeit, daß Gleiches oder Ähnliches auch in den Res
Divinae stand. Anderes ist aufgenommen worden, da es mutmaßlich varro-
nisches Gut enthält, das sich freilich nicht immer glatt herausschälen läßt,
z.B. Seneca de superstitione (App. I), Tert. spect. 5 sqq. (App. IX), Arnob.
3, 25 etc. (App. XIV), Mart. Cap. 2, 149 sqq. (App. XIV). Hier ist zweifellos
durch bo-enauere Untersuchuno-en
b
in dem einen oder anderen Falle noch größere
Sicherheit zu gewinnen. Von MERKEL und AGAHD aufgenommene Fragmente,
deren Herkunft aus den Res Divinae nicht nachzuweisen bzw. abzulehnen ist,
erscheinen ebenfalls in den Appendices, soweit sie nicht schon im Apparatus
criticus aufgeführt sind. Für Einzelheiten sei auf den Kommentar verwiesen.
Der Kommentar mußte sich vor allem die Rekonstruktion des varronischen
Werkes zum Ziel setzen und konnte unmöglich auf alle Sachprobleme ein-
gehen; das ist Sache der römischen Religionsgeschichte, für die die vorliegende
Inhaltsverzeichnis
Teil I: Die Fragmente

A. Collectiones ..................................................... 8
B. Compendia ..................................................... . 9
C. Codices ........................................................ . 11
D. Sigla .......................................................... . 12

Testimonia ..................................................... . 12
Dedicatio ....................................................... . 14
Liber I fr. 1-50 ........................................ . 15
Libri II-IV fr. 51-61 39
Libri V-VII fr. 62-75 47
Libri VIII-X fr. 76-82 53
Libri XI-XIII fr. 83-86 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60
Liber XIV fr. 87-203 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 63
Liber XV fr. 204-224 ..................................... . 89
Liber XVI fr. 225-284 ..................................... . 96
Conspectus Fragmentorum ........................................... 118

Teil II: Kommentar

Nachleben und Überlieferung ........................................ 125


Titel und Aufbau . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 130
Widmung und Abfassungszeit ........................................ 132
Kommentar zu Buch I............................................... 134
Kommentar zu Buch II-IV . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 161
Kommentar zu Buch V-XIII ........................................ 170
Kommentar zu Buch XIV . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 183
Kommentar zu Buch XV . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 220
Kommentar zu Buch XVI . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 226
Quellen und Methode der Res Divinae . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 239
Zur Theologie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 242
Varro und sein Werk . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 245
Literaturverzeichnis ................................................ 24 7
Indices . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 249
A. Collectiones fragmentorum B. Compendia nonnulla auctorum antiquorum, operum Varronis,
Antiquitatum Rerum Divinarum collectionum recentium ( cf. etiam indices Thes. Ling.
Lat. et l' Annee Philologique)
POPMA M. Ter. Varronis operum quae extant nova editio, ed. et rec. Ausonio
Pompa, Lugd. Bat. 1601 p. 183-200. Aet. Aetius, cf. Ps.-Plut. plac.
ed. DuRDR. M. Ter. Varronis opera omnia quae extant. Durdrechti 1619. Arnob. Arnobius, Adversus nationes
BIP. M. Ter. Varronis de lingua Latina libri quae supersunt cum frag-
Aug. civ. Augustinus, De civitate Dei
mentis eiiisdem. Biponti 1788, Vol. I p. 213-233.
Aug. cons. ev. Augustinus, De consensu evangelistarum
FRANCKEN C. H. J. FRANCKEN, Fragmenta Varronis, quae inveniuntur in libris
S. Augustinii de civ. dei. Lugduni 1836. Aug. c. Faust. Augustinus, Contra Faustum Manichaeum
MERKEL R. MERKEL, P. Ovidii Fastorum libri VI. Berlin 1841 p. CVI- Cens. Censorinus, De die natali
(sive M.) CCXLVII. Char. gramm. Charisius, Ars grammatica
SCHWARZ ERDMANN SCHWARZ,De M. Ter. Varronis apud Sanctos Patres vesti-
giis c. II. Accedit Varronis antiquit. rer. div. liber XVI. Fleck. Jbb. Cic. ac. post. Cicero, Academica posteriora
Suppl. 16, 1888, 470-499. Cic. leg. Cicero, De legibus
SCHMEKEL AuG. ScHMEKEL, Die Philosophie der mittleren Stoa, Berlin 1892, p. Cic. n. d. Cicero, De natura deorum
104ff. (RD I). Clem. Al. protr. Clemens Alexandrinus, Protrepticus
AGA.HD REINHOLD AGA.HD, M. Ter. Varronis antiquitatum rerum divinar"um
Clem. Al. strom. Clemens Alexandrinus, Stromata
(sive Ag.) libri I XIV XV XVI. Fleck. Jbb. Suppl. 24, 1898, 137-220.
HYGINUS FuNAIOLI, Grammaticae Romanae fragmenta, Vol. I, Leip- Dion. H. Dionysius Halicarnasensis, Antiquitates Romanae
GRF
zig 1907, fr. 127-184. Euseb. praep. ev. Eusebius, Praeparatio evangelica
CONDEMI AUGUSTA GERMANA ÜONDEMI, M. Ter. Varronis antiquitates rerum Fest. 290 S. Pompeius Festus, De verborum significatione p. 290
divinarum, librorum 1-11 fragmenta. Studi di filol. classica XVI, Müller (ed. Lindsay, Leipzig 1913, Gl. L. IV, Paris 1930)
Bologna 1965. FGrHist Felix Jacoby, Die Fragmente der griech. Historiker, Ber-
lin/Leiden 1923 sqq.
FHG C. Müller, Fragmenta Historicorum Graecorum, Paris 1841
sqq.
FPL W. Morel, Fragmenta Poetarum Latinorum epicorum et
lyricorum, 2. ed. Leipzig 1927
Gell. Gellius, N octes Atticae
GL H. Keil, Grammatici Latini, Leipzig 1856 sqq.
GPR Varro, De gente populi .Romani fragmenta (Pl. Fraccaro,
Studi Varroniani, Padova 1907)
GRF H. Funaioli, Grammaticae Romanae Fragmenta, Leipzig
1907
HRR H. Peter, Historicorum Romanorum Reliquiae, Vol. I, 2.
ed. Leipzig 1914, Vol. II 1906
Isid. or. Isidorus, Origines s. Etymologiae
Lact. Plac. Lactantii Placidi qui feruntur comm. in Statium (ad The-
baidem)
10 BURK ART CARDAUNS

LL Varro, De lingua Latina


log. Varro, Logistoricus (A. Riese, Varronis Sat. M enipp.
Reliquiae, Appendix, Leipzig 1865)
log. Curio Varro, Logistoricus Curio de cultu deorum (B. Cardauns,
Varros Logist. über die Götterverehrung, Würzburg 1960)
Lyd. mens. Ioannes Laurentius Lydus, De mensibus
Macr. Macrobius, Saturnalia C. Codices Tertulliani ad nationes et Augustini de civitate Dei
Men. Varro, Menippearum fragmenta (F. Bücheler et W. He-
raeus, Petronii Satirae, 6. ed. Berlin 1922) librorum
Myth.Vat.I,II,III Mythographi Vaticani (Bode, Script. rer. myth. 1834)
Nonius Marcellus, De compendiosa doctrina p. 334 Mercier Q. Sep_ti~i Florentis Tertulliani ad nationes libri duo, cur. J. G. Ph. Borleffs, Corpus
Non. 334 Christ1anorum, Ser. Lat. I, Pars I, Turnholti 1954.
(W. M. Lindsay, Leipzig 1903) A cod. Parisinus Lat. 1622 Agobardinus s. IX
Paul. Fest. 227 Pauli Diaconi epitoma Festi p. 227 Müller (W. M. Lindsay, A* quae in A sub luce ultraviolacea apparent
Leipzig 1913, Gl. L. IV, Paris 1930) m. rec. manus recentior (Cl. Salmasii)
Plutarchus, Quaestiones Romanae [in] litterae, quae in codice evanuerunt, sed a v1r1s doctis restitutae
Plut. qu. Rom.
sunt
Ps.-Plut. plac. Ps.-Plutarchus, Placita philosophorum s. Aetius (H. Diels,
lac. 5 lacuna quinque litterarum
Doxographi Graeci, 1879) Goth. Gothofredus
Pseudacr. Acronis quae vocantur scholia Horatiana Aurel_ii ~ugustini de civitate Dei libri, ex rec. B. Dombart, quartum recogn. A. Kalb,
RD Varro, Antiquitates rerum divinarum Leipzig 1928 (ed. Teubneriana); Corpus Christianorum, Ser. Lat. XLVII, Turn-
RH Varro, Antiquitates rerum humanarum (P. Mirsch, Leipz. holti 1955.
Stud. 5, 1882) L cod. Lugdunensis 607 s. VI (l. I-V)
A cod. Lugdunensis 606 s. IX (l. I-V)
RR Varro, Rerum rusticarum libri
1 cod. Lugdunensis 606 s. IX (l. VI-XIV)
Schol. Veron. Scholia Veronensia in Vergilium (H. Hagen, App. Servi- C Paris. Lat. 12214 (olim Corbeiensis) s. VI/VII
ana, Leipzig 1902) A Monacensis Lat. 3831 s. X
Serv. (ecl.; georg.; Servii qui feruntur in Vergilii carmina commentarii (G. F Monacensis Lat. 6267 s. IX
Thilo et H. Hagen, Leipzig 1881/1902; Aen. I-V in ed. K Coloniensis 75 s. VIII
Aen.) Monacensis Lat. 13024 s. X
r
Harvardiana 1946/1965) B Bernensis 12/13 s. XI
Serv. auct. Servius Danielinus vel Amplior Commentarius H Monacensis Lat. 28185 s. XIII
SVF v. Arnim, Stoicorum Veterum Fragmenta, 1903/21 ß Bernensis 134 s. X
Tert. nat. Tertullianus, Ad nationes a, b, d codd. Paris. 2050. 51. 53 s. X
e Paris. 11638 s. X
Tert. anim. Tertullianus, De anima
p Patavinus 1469 s. XIV
VPR Varro, De vita populi Romani fragmenta (B. Riposati, Patavinus 1490 s. XIII
q
Milano 1939)
indicantur paginae editionis Teubnerianae e.g. p. 311,7
vs Die Fragmente der Vorsokratiker (Diels-Kranz, 10. ed.
Berlin 1961)
M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 13

bellicam disciplinam, tu sedem regionum, locorum, tu omnium divinarum


humanarumque rerum nomina, genera, officia, causas aperuisti." Cic. acad.
post. fr. 22 Müller, fr. 36 Reid (cf. infra nr. 6): cum Varrone, homine omnium
facile acutissimo et sine ulla dubitatione doctissimo.
2. Plin. nat. praef. 24 ( de inscriptionibus): nostri grossiores ( sc. Graecis)
Antiquitatum, Exemplorum Artiumque ...
3. Tert. nat. 2, 1, 8: elegi ad compendium Varronis opera, qui rerum divinarum
D. Sigla ex omnibus retro digestis commentatus, idoneum se nobis scopum posuit
(et posuit A).
4. Hieran. epist. 29 ad Paulam ( ca. 385 p. Chr., T. II nr. 33 Labourt): scripsit
post numeros fragmentorum:
igitur Varro XL V (sie) libros antiquitatum . . . tm,oµ ~v antiquitatum ex
* asteriscus monet fragmentum coniectura probabili RD libris ad-
libris XLII (sie) libros VIIII.
dictum, sed in fonte titulum operis, raro etiam V arronis nomen
laudatum non esse. asteriscum fragmentis e Tertulliani et Augustini
5. Aug. civ. 4,1 p. 146, 20: ita ut vir doctissimus apud eos Varro et gravissimae
auctoritatis, cum rerum humanarum atque divinarum dispertitos faceret
libris haustis non apposui.
libros, alios humanis, alios divinis pro sua cuiusque rei dignitate distribuens ...
t crux indicat fragmentum non dubium, sed cuius locus intra RD
Romae natus et educatus ...
libros dubio obnoxius.
6. Aug. civ. 6,2 p. 246, 31: Quis Marco Varrone curiosius ista quaesivit?
( 1) numerus editionis Agahdii uncis inclusus additur.
quis invenit doctius? quis consideravit adtentius? quis distinxit acutius? quis
in textu fragmenti : diligentius pleniusque conscripsit? Qui tametsi minus est suavis eloquio, doc-
(verba) suppleta trina tarnen atque sententiis ita refertus est, ut in omni eruditione, quam nos
(verba) ita inclusa (intra verba fragmenti, non alibi) non Varronis, sed saecularem, illi autem liberalem vocant, studiosum rerum tantum iste doceat,
testis sunt, quae nullo modo seiungi possunt. quantum studiosum verborum Cicero delectat ( cf. Quint. inst. or. 10, 1, 95).
verba omissa, sed in apparatu allata. Denique et ipse Tullius huic tale testimonium perhibet, ut in libris Academicis
t crux, ut solet, verba corrupta significat. dicat eam, quae ibi versatur, disputationem se habuisse cum Marco Varrone,
[litterae] quae in codice (Tertulliani ad nat. libr.) evanuerunt. homine, inquit, omnium facile acutissimo et sine ulla dubitatione doctissimo
(cf. supra nr. 1 fr. 22 Müller). ibid. p. 247, 17: In primo autem libro cum
in apparatu critico:
eiusdem Varronis litteraria opera praedicaret: Nos, inquit, in nostra urbe etc.
lineolae indicant verba fragmenti supra scripta, sed m apparatu
(cf. nr. 1).
omissa.
ibid. p. 247, 26: Iste igitur vir tarn insignis excellentisque peritiae et, quod
T testimonia
de illo etiam Terentianus elegantissimo versiculo breviter ait: ,,Vir doctissimus
C loci comparandi selecti
undecumque Varro" (Terent. metr. 2846), qui tarn multa legit, ut aliquid ei
F fontes V arronis (laudantur editiones recentiores)
scribere vacuisse miremur; tarn multa scripsit, quam multa vix quemquam
App. XIV (e.g.) Appendix ad librum XIV rerum divinarum
legere potuisse credamus: iste, inquam, vir tantus ingenio tantusque doctrina,
si rerum velut divinarum, de quibus scribit, oppugnator esset atque destructor
easque non ad religionem, sed ad superstitionem diceret pertinere, nescio
Testimonia
utrum tarn multa in eis ridenda contemnenda detestanda conscriberet. cf. civ. 6, 6
1. Cic. acad. post. § 8 (verba Varronis): ... in laudationibus, in his ipsis p. 255, 6: 0 Marce Varro, cum sis homo omnium acutissimus et sine ulla
antiquitatum prooemiis philosophiae (more) scribere voluimus, si modo con- dubitatione doctissimus.
secuti sumus. (philosophiae more Plasberg, cf. Dahlmann, RE Suppl. VI 1231, 7. Serv. Aen. 10, 175: Nigidius autem solus est post Varronem, licet Varro
philosophie vel -phice codd., -phis Reid). praecellat in theologia, hie in communibus litteris; nam uterque utrumque
§ 9: Turn ego, ,,Sunt", inquam, ,,ista, Varro; nam nos in nostra urbe peregri- scripserunt.
nantis errantisque tamquam hospites tui libri quasi domum reduxerunt, ut 8. Serv. Aen. 11, 787: Varro ubique expugnator religionis.
possemus aliquando qui et ubi essemus agnoscere. Tu aetatem patriae, tu
discriptiones temporum, tu sacrorum iura, tu sacerdotum, tu domesticam, tu
M. Terentius Varro ant,iquitates rerum divinarum 15
14 BURKHART CARDAUNS

Dedicatio ad Caesarem Liber I


1 (1)
Lact. inst. 1, 6, 7: M. Varro, quo nemo umquam doctior ne apud Graecos
quidem vixit, in libris rerum divinarum, quos ad C. Caesarem pontificem Vacunam ... Victoriam ... , quod ea maxime hi gaudent, qui sapientiae
maximum scripsit (sequitur fr. 56a) ... vacent
Aug. civ. 7, 35 p. 318, 27: istos Varronis ad Caesarem pontificem scriptos
2vacent rbfv vaent y vacantE sapientiavincuntBip., ed.F.Pauly1858,Merkel
atque editos ( sc. libro8) ...
Pseudacr. schol. in Hor. epist. 1, 10, 49 (fr. 127 GRF): Vacunam alii Cererem
(Venerem V), alii deam vacationis dicunt, alii Victoriam, qua favente curis vaca-
mus.
Vacunam apud Sabinos plurimum cultam quidam Minervam, alii Dianam puta-
verunt; nonnulli etiam Venerem esse dixerunt; sed Varro primo rerum divinarum
Victoriam ait, quod ea maxime hi gaudent, qui sapientiae vacent.
Porphyrio in Hor. epist. 1, 10, 49: Vacuna in Sabinis dea, quae sub incerta specie
est formata. Hane quidam Bellonam, alii Minervam, alii Dianam (putant).
Gomm. Oruquii in Hor. epist. 1, 10, 49 (usus sum ed. Plantiniana, Raphelengii
1611): Vacuna apud Sabinos plurimum colitur; quidam Dianam, nonnulli et, Cere-
rem esse dixerunt, alii Venerem, alii Victoriam, deam vacationis, quod faciat vacare
a curis. Sed Varro primo rerum divinarum Minervam dicit, quod ea maxime hi gau-
dent, qui sapientiae vacant.
cf. schol. codd. Paris. Lat. 7971 et 7974 (ed. H.J. Botschuyver 1935). 0: Dion. H.
1, 15, 1: Nix.17ad lacum Outiliae culta, e Varronis RH libris, ut videtiir; Auson. epist.
14, 101 p. 249 P.: Vacuna pro Victoria(?).

2a (2a)
se timere ne pereant (.sc. dei), non incursu hostili, sed civium neglegentia,
de qua illos velut ruina liberari a se (dicit) et in memoria bonorum per
eius modi libros recondi atque servari utiliore cura, quam Metellus de
incendio sacra V estalia et Aeneas de Troiano excidio penates liberasse
5 praedicatur.

3 quam codd. quam (qua) Hoffm. 5 praedicatur codd. (-antur B abv)


Aug. civ. 6, 2 p. 248, 6-13: Cum vero (sc. Varro) deos eosdem ita coluerit colendos-
que censuerit, ut in eo ipso opere litterarum suarum dicat se timere --- praedicatur.
0: de dis sacrisque neglectis Varr. RD I fr. 42; RD VI test.; LL 6, 19; 7, 45; Oic.
acad. post. 9 (cf. supra test. I); n. d. 2, 9; leg. 2, 33.

2b t (2b)
diis quibusdam patribus et deabus matribus, sicut hominibus, ignobilitas
accidisset
Aug. civ. 7,3 p. 277, 25-27: dicit etiam ipse Varro, quod diis quisbusdam - - - ac-
cidisset.

3 (5)
pro ingenti beneficio ... iactat praestare se civibus suis, quia non solum
commemorat deos, quos coli oporteat a Romanis, verum etiam dicit,
16 BURKHART CARDAUNS
M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 17
quid ad quemque pertineat. Quoniam nihil prodest ... hominis quibus exhibeant, de ipsis quoque diis tres conscripsit extremos, ut
alicuius medici nomen formamque nosse, et quod sit medicus
quinquies terni quindecim fierent. Sunt autem omnes, ut diximus, sedecim,
5 ignorare, ita ... nihil prodesse scire deum esse Aesculapium, si nescias
quia et istorum exordio unum singularem, qui prius de omnibus loqueretur,
eum valetudini opitulari atque ita ignores, cur ei debeas supplicare. Hoe 20 apposuit.
etiam alia similitudine adfirmat dicens, non modo bene vivere, sed
Quo absoluto consequenter ex illa quinquepertita distributione tres
vivere omnino neminem posse, si ignoret quisnam sit faber, quis pistor,
praecedentes, qui ad homines pertinent, ita subdivisit, ut primus sit de
quis tector, a quo quid utensile petere possit, quern adiutorem adsumere, pontificibus, secundus de auguribus, tertius de quindecimviris sacrorum;
10 quern ducem, quern doctorem; eo modo nulli dubium esse ... ita esse
secundos tres ad loca pertinentes ita, ut in uno eorum de sacellis, altero
utilem cognitionem deorum, si sciatur quam quisque deus vim et facul-
25 de sacris aedibus diceret, tertio de locis religiosis; tres porro, qui istos
tatem ac potestatem cuiusque rei habeat. Ex eo enim poterimus ...
sequuntur et ad tempora pertinent, id est ad dies festos, ita, ut unum
scire, quern cuiusque causa deum invocare atque advocare
eorum faceret de feriis, alterum de ludis circensibus, de scaenicis tertium;
debeamus, ne faciamus, ut mimi solent, et optemus a Libero
quartorum trium ad sacra pertinentium uni dedit consecrationes, alteri
15 aquam, a Lymphis vinum.
sacra privata, ultimo publica .... in tribus, qui restant, dii ipsi sequuntur
3 ad quemque LOA 2KF'ra bdepq ad quemquam A ad quern A 1 7/8 sed vivere 30 extremi, quibus iste uni versus cultus inpensus est; in primo dii certi, in
codd. (am. O1A) 9 adiutorem adsumere codd. (ads. adiut. A) 13 invocare atque secundo incerti, in tertio cunctorum novissimo dii praecipui atque selecti.
advocare O adv. et inv. A adv. atque inv. AKF'rabdepq
16 et maxime codd. (maximeque 0) 24 ut in uno codd. (ut unus l, in uno q) 26 ita
Aug. civ. 4, 22 p. 172, 12-30: Quid est ergo, quod pro ingenti beneficio Varro iactat ut OBq ed. princ. ut AKF' rell.
praestare --- prodest, inquit, hominis ---. ignor_are: it~ di~it nihil _rrodesse
--- dubium esse asserens ita esse --- poterimus, mqmt (mqmt potenmus A), Aug. civ. 6, 3 p. 248, 24-249, 30: Quadraginta - - - ultimo publica. Hane velut.
scire --- vinum. pompam obsoquiorum in tribus - - - atque selecti. ib. 6, 4 p. 250, 4/5: In hac tota
Aug. civ. 6, 1 p. 244, 2-7: An vero peritissimi illi et acutissimi viri, qui se pro magno serie pulcherrimae ac subtilissimae distributionis et distinctionis etc.
beneficio conscripta docuisse gloriantur, ut sciretur quare c_uiquedeo s1:1-pplicand_um Aug. civ. 7, 1 p. 273, 8/9: Theologia, quam civilem vocant, quae a Marco Varrone
esset, quid a quoque esset petendum, ne absurditate turp1ss1ma, quahs 10culanter sedecim voluminibus explicata est ... (fr. 3b Ag).
in mimo fieri solet, peteretur a Libero aqua, a Lymphis vinum etc. cf. ibidem 25-28. T: Ps.-Boethius de diis et praesens. in Oic. ed. Orelliana V 1 p. 392, 13.
C: RD XIV fr. 88 et 182.
F': Mimi ap. Ribbeclc, Scaen. Rom. F'ragm. II p. 397. 5 (4)
propterea se prius de rebus humanis, de divinis autem postea scripsisse ... ,
4 (3a) quod prius extiterint civitates, deinde ab eis haec instituta sint .... Si cut
quadraginta et unum libros scripsit antiquitatum; hos in res humanas prior est ... pictor quam tabula picta, prior faber quam
divinasque divisit, rebus humanis viginti quinque, divinis sedecim tribuit, aedificium, ita priores sunt civitates quam ea, quae a civitati-
istam secutus in ea partitione rationem, ut rerum humanarum libros 5 bus instituta sunt ....
senos quattuor partibus daret. Intendit enim qui agant, ubi agant, Si de omni natura deorum et hominum scriberemus, prius
5 quando agant, quid agant. In sex itaque primis de hominibus scripsit, divina absolvissemus, quam humana adtigissemus .... Rerum
in secundis sex de locis, sex tertios de temporibus, sex quartos eosdemque . . . humanarum libros non quantum ad orbem terrarum, sed quantum
postremos de rebus absolvit. Quater autem seni viginti et quattuor fiunt. ad solam Romaro pertinet, (scripsit)
Sed unum singularem, qui communiter prius de omnibus loqueretur, in 3 prior codd. (superior l) 9 pertinet codd. (-ent A)
capite posuit. Aug. civ. 6, 4 p. 250, 17-20: Iste ipse Varro propterea se - -- scripsisse testatur,
10 In divinis identidem rebus eadem ab illo divisionis forma servata est, quod prius - - - instituta sint. ib. p. 250, 24-31: Varronis igitur confitentis ideo se
quantum adtinet ad ea, quae diis exhibenda sunt. Exhibentur ab hominibus prius de rebus humanis scripsisse, postea de divinis, quia divinae istae ab homini-
bus institutae sunt, haec ratio est: Sicu t prior est, inquit, pictor - - - in sti-
in locis et temporibus sacra. Haec quattuor, quae dixi, libris complexus
tuta sunt. Dicit autem prius se scripturum fuisse de diis, postea de hominibus,
est ternis; nam tres priores de hominibus scripsit, sequentes de locis, si de omni natura deorum scriberet, ... ib. p. 251, 4-6: Quid est ergo, quod ait:
tertios de temporibus, quartos de sacris, etiam hie, qui exhibeant, ubi Si de omni --- adtigissemus ... ib. p. 251, 13-16: Rerum quippe humana-
15 exhibeant, quando exhibeant, quid exhibeant, subtilissima distinctione rum - - - pertinet, scripsit, quos tamen rerum divinarum libris se dixit scribendi
commendans. Sed quia oportebat dicere et maxime id expectabatur, ordine merito praetulisse ... Pergit Augustinus Varronis verba disputans. cf. Aug.
civ. 6, 5 p. 254, 11-13.
18 BURKHART 0ARDAUNS M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 19

6 praemio pulchritudinis, victas duas a Venere Troiam evertisse; Iovem ipsum con -
verti in bovem aut cygnum, ut cum aliqua concumbat; deam homini nubere,
tres theologias, quas Graeci dicunt mythicen physicen politicen Saturnum liberos devorare; nihil denique posse confingi miraculorum atque viti-
Aug. civ. 6, 12 p. 271, 5-7: nunc propter tres theologias, - - - politicen, Latine autem orum, quod non ibi reperiatur atque ab deorum natura longe absit.
dici possunt fabulosa naturalis civilis etc. cf. Aug. civ. 7, 23 p. 302, 20: nunc autem
istum adhuc politicum volo ... 8 (10a)
C: Euseb. praep. ev. 4, 1, 2; Ps.-Plut. plac. phil. 1, 6 p. 879 F (Aetius,Dox. Graeci Secundum genus est, ... quod demonstravi, de quo multos
p. 295a, SVF II 1009).
libros philosophi reliquerunt; in quibus est dii qui sint, ubi,
quod genus, quale est: a quodam tempore an a sempiterno
7 (6 et 8) fuerint dii; ex igni sint, ut credit Heraclitus, an ex numeris,
5 ut Pythagoras, an ex atomis, ut ait Epicurus. Sic alia, quae
tria genera theologiae ... esse, id est rationis, quae de diis explicatur,
facilius intra parietes in schola quam extra in foro ferre
eorumque unum mythicon appellari, alterum physicon, tertium civile ....
possunt aures.
Mythicon appellant, quo maxime utuntur poetae; physicon,
quo philosophi; civile, quo populi. 3 quale est AKFrB quale Op Ps.-Boethius
5 Prim um ... quod dixi, in eo sunt multa contra dignitatem Aug. civ. 6, 5 p. 253, 10-22: Videamus quid de altera (sc. theologia) dicat. Secun-
et naturam inmortalium £iota. In hoe enim est, ut deus alius dum genus est, inquit, quod demonstravi --- aures. Nihil in hoe genere
eulpavit, quod physicon voeant et ad philosophos pertinet, tantum quod eorum
ex capite, alius ex femore sit, alius ex guttis sanguinis natus;
inter se eontroversias commemoravit, per quos facta est dissidentium multitudo
in hoe, ut dii furati sint, ut adulterarint, ut servierint homini; sectarum. Removit tamen hoe genus a foro, id est a populis: scholis vero et parieti-
denique in hoe omnia diis attribuuntur, quae non modo in bus clausit.
10 hominem, sed etiam quae in contemptissimum hominem Tert. ap. 47, 5 (fr. 10c Ag.): Inventum enim solummodo deum non ut invenerant.
cadere possunt. disputaverunt, ut et de qualitate et de natura eius et de sede disceptent. (6) Alii
incorporalem asseverant, alii corporalem, qua Platonici et Stoici (SVF II 1034);
2 appellari codd. (adpellatur l, om. 0) 9 in hoe omnia diis codd. (omnia 0 1
) alii ex atomis, alii ex numeris, qua Epicurus et Pythagoras; alius ex igni, qua
Heraclito visum; et Platonici quidem curantem rerum (factorem et actorem rerum),
Aug. civ. 6, 5 p. 252, 17-253, 4: Deinde illud quale est, quod tria genera theologiae contra Epicurei otiosum et inexercitum et, ut ita dixerim, neminem rebus huma-
dicit esse, id est - - - civile? Latine si usus admitteret, genus quod prim um posuit, nis; (7) positum vero extra mundum Stoici, qui figuli modo extrinsecus torqueat
fabulare appellaremus, sed fabulosum dicamus; a fabulis enim mythicon dictum molem hanc (SVF II 1034); intra mundum Platonici, qui gubernatoris exemplo
est, quoniam mythos Graece fabula dicitur. Secundum autem ut naturale dicatur, intra id maneat, quod regat. (8) (fr. 11 Ag.) Sic et de ipso mundo natus innatusve
iam et consuetudo locutionis admittit. Tertium etiam ipse Latine enuntiavit, quod sit, decessurus mansurusve sit, variant; sic et de animae statu, quam alii divinam
civile appellatur. Deinde ait: Mythic on - - - populi. Primum, inquit, quod et aeternam, alii dissolubilem contendunt, ut quis sensit, ita aut intulit quid aut
dixi --- possunt. cf. 6, 5 p. 253, 26; 6, 10 p. 267, 12; 269, 11; 6, 12 p. 271, 7 reformavit. (cf. nat. 2, 3, 4).
Tert. nat. 2, 1, 9-11: Rune (sc. Varronem) si interrogem, qui insinua[to] res deo- T: Augustinum exscripsit Ps.-Boethius de diis et praesens. in Oic. ed. Or. V 1 p. 392,
rum, aut philosophos designat aut populos aut poetas. (10) Triplici enim genere 28 sqq. - Tertullianum Isid. or. 8, 6, 19 sq.
deorum censum distinxit: unum esse physi[cum], quod philosophi retractant, aliud 0: Tert. nat. 2, 1, 13: Denique apud philosophos [incerta], quia varia ... ibid. 2,
mythicum, quod inter po[etas] volutatur (-atur Borleffs, -etur A), tertium gentile, 2, 7 (fr. 10c Ag.): Invento enim solummodo deo, non ut invenerunt, exposuerunt,
quod populi sibi quique adoptave[runt]. (11) Igitur cum philosophi physicum ut de qualitate eius et de natura, etiam de sede disceptent: (8) Platonici quidem
coniecturis concinnarint, [poetae J mythicum de fabulis traxerint, populi gentile curantem rerum et arbitrum et iudicem, Epicurei otiosum et inexercitum et, ut
ultro prae[sumpse]rint, ubinam veritas collocanda? ... ibidem 13: apud poetas ita dixerim, neminem; positum vero extra mundum Stoici, intra (extra A) mundum
omnia indigna, quia turpia. cf. Tert. nat. 2, 7 de genere mythico (v. 7: tales deos credi Platonici. Seneca de superst. ap. Aug. civ. 6, 10 p. 267, 22-24 (fr. 10d Ag.): Ego
quales homines esse non debeant). feram aut Platonem aut Peripateticum Stratonem, quorum alter fecit deum sine
T: Ps.-Boethius de diis et praesens. in Oic. ed. Or. V 1 p. 392, 15-26 corpore, alter sine animo? (App. I). cf. e.g. Oic. n. d. 1, 2 sqq.; Tert. adv. Marc.
0: Aug. civ. 4, 27 p. 179, 21-25 (RD I fr. 7 Ag.; log. Curio fr. V Ga.): Relatum 1, 13, 3; Arnob. 2, 9/10
est in litteras doctissimum pontificem Scaevolam disputasse tria genera tradita
deorum: unum a poetis, alterum a philosophis, tertium a principibus civitatis. 9 (31)
Primum genus nugatorium dicit esse, quod multa de diis fingantur indigna ...
ibid. p. 180, 9-19 (RD I fr. 9 Ag.): Poeticum sane deorum genus cur Scaevola Tertium genus est ... , quod in urbibus cives, maxime sacer-
respuat, eisdem litteris non tacetur; quia sic videlicet deos deformant, ut nee dotes, nosse atque administrare debent. In quo est, quos
bonis hominibus comparentur, cum alium faciant furari, alium adulterare, sic item deos publice t sacra ac sacrificia colere et facere quemque
aliquid aliter turpiter atque inepte dicere ac facere; tres inter se deas certasse de par sit.
20 BURKHART CARDAU:N"S M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 21

2 quos WA 1 KH{J (?)de ( ?) quod A 2 FrBabpq 3 publice sacra ac sacrificia colere acceptam ab antiquis nominum et cognominum historiam tenere, ut
et facere codd. (et facere m. 1 superscr. 0) publ. colere, quae s. et s.f. ed. princ. 5 tradita est, debere se ... et ad eum finem illa scribere ac perscrutari, ut
publ. colere et <quae) sacra ac s.f. Merkel, Agahd publ. per s. ac s. colere? Dom-
bart (om. et facere) potius eos magis colere quam despicere vulgus velit.

Aug. civ. 6, 5 p. 254, 1-4: Dixerit aliquis: Haec duo genera mythicon et physicon, 3 eorum codd. (deorum A) 4 nominum codd. (numinum A)
id est fabulosum atque naturale, discernamus ab hoe civili, de quo nunc agitur, undo Aug. civ. 4, 31 p.185, 18-29: Quid ipse Varro, quern dolemus in rebus divinis lu-
illa et ipse discrevit, iamque ipsum civile videamus qualiter explicet. p. 254, 13-17:
dos scaenicos, quamvis non iudicio proprio, posuisse, cum ad deos colendos multis
Intueamur sane et civilem theologian. Tertium genus est, inquit, quod
locis velut religiosus hortetur, nonne ita confitetur non se illa - - - instituisse comme-
in --- par sit.
morat, ut, si earn - - - dedicaturum non dubitet confiteri? Sed iam - - - debere se
T: Ps.-Boethius de diis et praesens. in Oic. ed. Or. V 1 p. 392, 33-35: Tertium genus
dicit, et ad eum - - - velit.
est, inquit, civile, quod in urbe cives, maxime sacerdotes, nosse atque sacrificando
Aug. civ. 6, 4 p. 252, 10-13: Quod apertius alibi (ac fr. 5) posuit, sicut in quarto
administrare solent. libro commemoravi, ex naturae formula se scripturum fuisse, si novam ipse conderet
civitatem; quia vero iam veterem invenerat, non se potuisse nisi eius consuetudinem
10 (53) sequi. cf. Aug. civ. 4, 1 p. 146, 27 sq.; 6, 6 p. 255, 11 sqq.; c. Faust. 13, 15
Prima ... theologia maxime accommodata est ad theatrum,
secunda ad mundum, tertia ad urbem. 13 (56)

Aug. civ. 6, 5 p. 254, 17-20: Adhuc quod sequitur adtendamus. Prima, inquit, hi soli ... videantur animadvertisse quid esset deus, qui crediderunt eum
theologia - - - ad urbem. idem,6,6 p. 255,22-23 :fabulosos (sc.deos) accommodatos esse animam motu ac ratione mundum gubernantem
esse ad theatrum, naturales ad mundum, civiles ad urbem.
Aug. civ. 4, 31 p. 186, 11-14: Dicit etiam idem auctor acutissimus atque doctis-
simus (sc. Varro), quod hi soli ei videantur - - - gubernantem
11 (54a) cf. fr. 23 sqq.; RD XVI fr. 225 sqq.

ea, quae scribunt poetae, minus esse quam ut populi sequi debeant; quae 14 (57/58)
autem philosophi, plus quam ut ea vulgum scrutari expediat. Quae sic
abhorrent, ... ut tamen ex utroque genere ad civiles rationes (Iovem) deorum omnium dearumque regem volunt; hoe eius indicat scep-
trum, hoe in alto colle Capitolium
adsumpta sint non pauca. Quare quae erunt communia cum
5 populis, una cum civilibus scribemus; e quibus maior societas Aug. civ. 4, 9 p. 156, 30-157, 1 (fr. 58a Ag.): Ipsum (sc. Iover,i) enim deorum - - -
de bet esse no bis cum philosophis q uam cum poetis ... physicos Capitolium. De isto deo quamvis a poeta dictum convenientissime praedicant:
Iovis omnia plena (Verg. eel. 3, 60). (sequitur fr. 15)
... utilitatis causa scripsisse, poetas delectationis
Aug. cons. ev. 1, 22, 30 (fr. 58b Ag.) (antecedit fr. 16): Nam quia nihil superius
2 vulgum codd. (vulgus Ar 2B epq) 4 quare quae erunt lAFBabep quare quaerunt solent colere Romani, quam Iovem, quod Capitolium eorum satis aperteque testa-
Kr quarequer(-runt?)d quare quae suntq qua (quae 0 2 ) requaerunt O (a tur, eumque regem omnium deorum arbitrantur ... ib. 1, 23, 34 (fr. 57 Ag.):
in j corr. m. 2) 5 populis Dombart, 2 -3 Agahd propriis codd., Dombart 4 poetis ed. Dicant se Iovem non hominem mortuum colere nee homini mortuo Capitolium
1838, Merkel communia(-uni 0 1 ), una cum propriis civilibus Hoffmann dedicasse, sed spiritui vivificanti omnia, quo mundus impletur.
Aug. civ. 19, 22 p. 392, 21-26 (fr. 58b Ag.): Ipse est deus, quern Varro doctissimus
Aug. civ. 6, 6 p. 257, 2-18: Dcnique cum memoratus auctor (sc. Varro) civilem Romanorum Iovem putat, quamvis nesciens, quid loquatur; quod tamen ideo
theologian a fabulosa et naturali tertiam quandam sui generis distinguere conaretur, commemorandum putavi, quoniam vir tantae scientiae nee nullum istum deum
magis earn ex utraque temperatam quam ab utraque separatam intellegi voluit. potuit existimare nee vilem. Rune enim eum esse credidit, quern summum putavit
Ait enim ea, quae scribunt --- abhorrent, inquit, ut tamen --- cum poetis. deum.
Non ergo nulla cum poetis. Et tamen alio loco (RD I fr. 19) dicit de generationibus 0: fr. 27; fr. 236.
deorum magis ad poetas quam ad physicos fuisse populos inclinatos. Hie enim
dixit quid fieri debeat, ibi quid fiat. Physicos dixit utilitatis causa scripsisse, 15 (58a)
poetas delectationis. cf. ib. p. 257, 20-22; c. Faust. 12,40; 20,9
(Iovem) etiam ab his coli, qui unum deum solum sine simulacro colunt,
12 (55) sed alio nomine nuncupari
Aug. civ. 4, 9 p. 157, 5-6: Rune (sc. Iovem, vd. fr. 14) Varro credit etiam ab his
non se illa iudicio suo sequi, quae civitatem Romanam instituisse - .. si earn
nuncupari. cf. Aug. cons. ev. 1, 23, 36 (fr. 58a Ag.): Romani tamen, qui non Sa-
civitatem novam constitueret, ex naturae potius formula deos nominaque turno, sed Iovi Capitolium condiderunt, vel aliae nationes, quae Iovem praecipue
eorum se fuisse dedicaturum .... Sed iam quoniam in vetere populo esset, supra ceteros deos colendum esse putaverunt ...
22 BURKHART CARDAUNS 23
M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum

16* (58b) Plut. Numa 8 p. 65 be: oi3-ro<;(sc. Numa) 3texwAucrev &v-&pwrroet3'ij xcxl ~w6µopqiov
dx6v1X -&sou 'Pwµ1X[ou<; voµ[~etv. Ou 3' ~v rrOlp' Olu-roi:<;o(he ypOlrr-rov oihs rr"AOlcr-rov
deum Iudaeorum Iovem (esse) nihil interesse ... quo nomine nuncu- d3o~ -&sou rrp6-rspov, <XAA'svEXOl'r0Ve:~3oµ~),WV'r0(TOL<; rrpw-rol<; E:'t"S(Jl
VOlOU<;
µ1:v otxo30-
petur, dum eadem res intellegatur [spa<; lcr-rwv-rs<;Cl'(OlAµOl31: ou31:v E:µµopqiov rrowuµsvm 3tSTEAOUV.
11.ouµevol XOll XOlAltx30l<;
T: Clem. strom. 1, 15 p. 71,1
Aug. cons. ev. 1, 22, 30: alii dicunt: Saturnus est (sc. deus Iudaeorum), credo propter
C: fr. 38; RD XVI fr. 225 et 254; Varro ap. Serv. auct. Aen. 1, 505 (App.I c)
sabbati sanctificationem, quia isti eum diem Saturno tribuerunt. Varro autem
,psorum, quo doctiorem apud se neminem inveniunt, deum Iudaeorum Iovem
putavit, nihil interesse censens, quo nomine nuncupetur, dum eadem res intelle- 19 (60)
gatur, credo illius summitate deterritus. Nam quia ... (vd. ad fr. 14, post ,arbi-
trantur' pergit Aug.): cum animadverteret Iudaeos summum deum colere, nihil magis ad poetas quam ad physicos fuisse populos inclinatos, et ideo et
aliud potuit suspicari quam Iovem ... ibid. 23, 31: nos autem (sc. inquiunt) sexum et generationes deorum maiores suos, id est veteres credidisse
Iovem colimus, de quo ait Maro: Iovis omnia plena (eel. 3, 60, vd. Aug. civ. 4, 9 Romanos et eorum constituisse coniugia.
ad fr. 14), id est omnia vivificantem spiritum. Merito ergo et Varro Iovem opinatus
est coli a Iudaeis. ib. 1, 27, 42: si deum Israhel Iovem putant, sicut Varro scripsit. Aug. civ. 4, 32 p. 187, 20-23: Dicit etiam (sc. Varro) de generationibus deorum
Aug. civ. 4, 31 p. 186, 24-25: cui sententiae suae (vd. fr. 18) testem adhibet inter magis ad poetas - - - coniugia.
cetera etiam gentem Iudaeam. Aug. civ. 6, 6 p. 257, 14-17: Et tamen alio loco (ac fr. 11) dicit de generationibus
deorum magis ad poetas quam ad physicos fuisse populos inclinatos. Hie (sc. fr. 11)
enim dixit quid fieri debeat, ibi quid fiat.
17* (-) cf. Aug. civ. 6, 1 p. 243, 14-22 (fr. 54b Ag.): ... longe tolerabilius philosophi
audiendi sunt, quibus displicuerunt istae opiniones erroresque populorum, qui
1t1Xpa X1XA31X[oic;tv -rote; µucr-rtxoi:c; 1Xu-rov(so. -rwv 'Iou31X[wv -lh:6v) Aeye:cr-9-IXt populi constituerunt simulacra numinibus multaque de his, quos deos immortales
'Mw vocant, falsa atque indigna sive finxerunt sive ficta crediderunt et credita eorum
cultui sacrorumque ritibus miscuerunt. Cum his hominibus, qui, etsi non libere
T.,ydus mens. 4, 53 p. 110, 25 sqq. W.: o 31:'Pwµ1X'i:o<;B&ppwv rrepl 1Xu-rou3t1XA1X~wv praedicando, saltem utcumque in disputationibus mussitando, talia se improbare
<p'Y]<Jl --- 'Mw
mxpa X1XA31Xlot<; &v-rl -rou qiw<; VO'YJT0v-r?j Wotvlxwv y1-wcrcrYI,w<;
<p'Y]crtv testati sunt, etc ....
'Epsvvw<;.
Tert. nat. 2, 3, 6 (RD I fr. 20 Ag.): generationem, cum Stoici negent, quicquam
C: Diodor 1, 94, 2; Macr. 1, 18, 19 sqq.
d[e deo] nasci ... negatam generationem dei et nativitatem ... (vd. fr. 24)

18 (59) 20t (24)


antiquos Romanos plus annos centum et septuaginta deos sine simulacro utile esse civitatibus ... , ut se viri fortes, etiamsi falsum sit, diis genitos
coluisse. Quod si adhuc ... mansisset, castius dii o bservaren- esse credant, ut eo modo animus humanus velut divinae stirpis fiduciam
tur ... gerens res magnas adgrediendas praesumat audacius, agat vehementiu:,
. . . qui primi simulacra deorum populis posuerunt, eos civitatibus suis et ob hoe impleat ipsa securitate felicius.
5 et metum dempsisse et errorem addidisse
Aug. civ. 3, 4 p. 101, 5: Nam et vir doctissimus eorum Varro falsa haec esse. quam-
Aug. civ. 4, 31 p. 186, 21-29 (antecedit fr. 13): Dicit etiam (sc. Varro) antiquos vis non audacter neque fidenter, paene tamen fatetur. Sed utile esse civitatibus
--- coluisse. Quod si adhuc, inquit, mansisset, castius dii observaren- dicit, ut se - - - felicius. Quae Varronis sententia expressa, ut potui, meis verbis
tur. Cui sententiae suae testem adhibet inter cetera etiam gentem Iudaeam (vd. cernis quam latum locum aperiat falsitati.
ad fr. 16); nee dubitat eum locum ita concludere, ut dicat, qui primi --- addidisse,
prudenter existimans deos facile posse in simulacrorum stoliditate contemni. 21t (10b)
Aug. civ. 4, 9 p. 157, 7-13 (antecedit fr. 15): Quod si ita est, cur tarn male tractatus
est (sc. Iuppiter) Romae, sicut quidem et in ceteris gentibus, ut ei fieret simula- multa esse vera, quae non modo vulgo scire non sit utile, sed etiam,
crum? Quod ipsi etiam Varroni ita displicet, ut, cum tantae civitatis perversa con-
tametsi falsa sunt, aliter existimare populum expediat, et ideo Graecos
suetudine premeretur, nequaquam tamen dicere et scribere dubitaret, quod hi, qui
populis instituerunt simulacra, et metum dempserunt et errorem addiderunt. teletas ac mysteria taciturnitate parietibusque clausisse.
cf. ib. 7, 5 p. 280, 23-28 (antecedit RD XVI fr. 225): Sed, o homo acutissime, num Aug. civ. 4, 31 p. 186, 1: nisi evidenter alio loco (sc. atque huius libri fr. 12) ipse
in istis doctrinae mysteriis illam prudentiam perdidisti, qua tibi sobrie visum est, diceret de religionibus loquens multa esse vera - - - clausisse.
quod hi, qui primi populis simulacra constituerunt, et metum dempserunt civibus Aug. civ. 4, 27 p. 180, 4: expedire igitur existimat falli in religione civitates (sc.
suis et errorem addiderunt, castiusque deos sine simulacris veteres observasse Scaevola). Quod dicere etiam in libris rerum divinarum Varro ipse non dubitat.
Romanos? cf. civ. 6, 1 p. 243, 16; 18, 24 p. 289, 3 cf. civ. 4, 32 p. 187, 26.
24 BURKHART CARDAUNS M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 25

22* (30) T: Isid. or. 8, 6, 21 (unde eb Varro etc.); Rhaban. Maur. de univ. XV (Migne 111
p. 415d)
dii veri neque desiderant ea (sc. sacra) neque deposcunt, ex aere autem ]1': Xenocrates fr. 19 Heinze; Democritus VS 68 A 74; Zeno SVF I 171
facti, testa, gypso vel marmore multo minus haec curant; carent enim 0: RD XVI fr. 226/7. 258 (Sol), 264 (Tellus), 275 (Luna); LL 5, 57 (Aegyptii);
sensu; neque ulla contrahitur, si ea non feceris, culpa, neque ulla, si feceris, 5, 59 (Zeno); 5, 70 (ignis); Oic. n. d. 2, 23
gratia.
2 vel] vel vel P an gypsove vel ? Marchesi
Arnob. 7, 1: Quid ergo, dixerit quispiam, sacrificia censetis nulla esse omnino 24 (16)
facienda? Ut vobis non nostra, sed Varronis vestri sententia respondeamus, nulla ..
Quid ita? quia, inquit, dii veri - - - gratia. cf. ibid. 7, 2 (7) caelo ... et terrae et sideribus (et igni), quae deos ... credi (proposuit
Varro et qui Varro(ni) indicaverunt) animalia esse cae[lum] et astra.
(11) animalia ... videntur (elementa) quoniam ... [mo]ventur ...
23 (12b) eo animalia credita, quod per semetipsa moverentur, nullo extrinsecus
(14) (De mun[do deos di]dicimus. Hine enim physicum theologiae genus 5 apparente motatore eorum (a)ut in(it)iatore, sicuti apparet qui rotam
cogunt, [qui elemen]ta deos tradiderunt, ut) Dionysius Stoicus trifariam compellit et plaustra volvit et machinam temperat. Igitur nisi animalia,
deos d[ividens] unam vult speciem, quae in promptu sit, ut Solem, Lunam, non mobilia per se.
[ ... ] ; aliam, quae non compareat, ut Neptunum; reliquam, qu[ ae de ho]- 3 moventur Thornell [lac. 7Jventur A elementa moventur Goth., Ag. 5 aut Ri-
5 minibus ad divi(ni)tatem transisse dicitur, ut Herculem Amphiaraum. galtius ut A initiatore Goth. iniatore A incitatore Oehler
(15) Aeque Acusilaus trinam formam divinitatis (in)ducit, Olympios,
Tert. nat. 2, 3, 1 (fr. 22a Ag.): videmus physicum istud ad hoe subornatum, ut
Astra, Titanios, de Caelo et Terra; ex his, Saturno et Ope, Neptunum, deos elementa [cont]endat, cum ex his etiam alios deos natos alleget; dei enim
Iovem et Orcum, et ceteram successionem. nonnisi de deis nascerentur.
(16) Xenocrates Academicus bilariam facit, Olympios et Titanios, qui de Tert. nat. 2, 3, 6 (fr. 20 Ag.): quomodo quidam assignant elementis, quae deos
10 Caelo et Terra. volunt, generationem, cum Stoici negent quicquam d[e deo] nasci? Item quo-
(17) Aegyptiorum plerique quattuor deos credunt, Solem et Lunam, modo volunt, quos de elementis natos ferunt, deos [ha]beri, cum deum negent
nasci? (7) (fr. 16 Ag.) Itaque quod mundi erit, hoe elementis ad[scri]betur, caelo
Caelum ac Terram. dico et terrae et sideribus et igni, quae deos et deorum p[a]rentes adversus nega-
(18) Cum reliquo igni superno deos ortos Democritus suspicatur, cuius tam generationem dei et nativitatem frustra v[obis] credi proposuit - - - et astra.
instar vult esse naturam Zenon. ib. 11 (fr. 16 Ag.): Et tamen unde animalia Varroni videntur elementa? Quo-
15 (19) Unde (et Varro) ignem mundi animum facit, ut perinde [i]n mundo niam, [inquit, mo]ventur. Acne ex diverso proponatur multa alia mover[i, ut
rotas], ut plaustra, ut machinas ceteras, ultro praevenit dicens eo animalia - - -
ignis omnia gubernet sicut animus in nobis. (20) . . . Qui cum est
mobilia per se .
. . . in no bis, ipsi sum us; cum exivit, emorimur. Aug. civ. 4, 11 p. 162, 10-12 (fr. 17 Ag.): dicunt omnia sidera partes Iovis esse et
1 mundo deos didicimus Borleffs mun (mundo man.rec.)[lac. 7] dicimus A mundo omnia vivere atque rationales animas habere, et ideo sine controversia deos esse ...
isto (vel istud) dicimus Goth. mundo deo didicimus Oehler, Agahd, Borleffs 1929 T: Isid. or. 13, 1, 2: Unde et animalia Varroni videntur elementa. ,,Quoniam per
mundano deo dicimus v. Hartel Hine Reifferscheid hunc A 2 qui elementa Borleffs semetipsa", inquit, ,,moventur".
[lac. 7] ta A (quie m.rec.) quid? non ita Goth. quando ita Oehler, Ag. 3 deos A(de 0: Serv. Aen. 4, 524: elementa etiam animalia esse voluerunt.
ex di) eos Oehler, Ag. dividens Borleffs d[lac.7] A(diu m.rec.) dividat Goth, Ag.
diviserit v. Hartel 4 [lac. 8] A aetherem Goth., Ag. aethera Marra sidera Borleffs
1929 5 divinitatem Goth. divitatem A Amphiaraum A* Goth. amp [lac.] A 6
Acusilaus Gigon, WSt. 79, 214 Arcesilaus Goth. actesilaus A inducit Borleffs ducit A 25 (18)
7 Titanios Oehler titaneos A Titanas (hie et l.9) Souter ex his Saturno A ex his
Saturnum et Opem, ex Saturno proponit Borleffs 9 Academicus Goth. acadamicus propterea deos [appella]tos, quod &ie:tvid est frn&ott pro currere ac motari
A 13 cuius A ignis Reifferscheid 14 naturam A naturam deorum Reifferscheid interpretatio est.
animam v. Hartel animum Kroymann 16 qui A* Isid. or. 8, 6, 21; Ag. nam Goth.,
edd. 17 exivit A exiit (exit) Isid. 1 propterea ex proptereas A deos A deos (ll-Eo,'i<;)Reifferscheid, Ag. %sou<;?
Borleffs %se:tvid est Ze:crB·oct
v. Hartel thin & siesta A ,&,bv et s~le:cr%octGoth.
Tert. nat. 2, 2, 14-20: De mun[do --- animus in nobis. (20) Atqui vanissime. Qui %e:e:tvet crde:cr%oct
Rigaltius ,&dv et xtvdcr%octfortasse Borleffs
cum est, inquit, in no bis, ipsi sum us; cum exivit, emorimur. Ergo
et ig[ni]s cum de mundo per fulgura proficiscitur, mundus emoritur. ert. nat. 2, 4, 1: Aiunt quidam propterea - - - interpretatio est. fr. 180 GRF
26 BURKHART CARDAUNS , M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 27

26 (19) modo sit aether, ut aerem Iunonem subterfusam desuper amplectatur ipse in
' aethere sit Iuppiter, ipse in aere Iuno, ipse in mari Neptunus, in inferioribus etiam
(2) creditam praeterea ... (elementorum) divinitatem, quod nihil omnino maris ipse Salacia, in terra Pluto, in terra inferiore Proserpina etc. etc.
sine suffragio illorum gigni, ali, provehi possit ad vitae humana(e) con- Aug. civ. 7, 13 p. 290, 21 (fr. 15cAg.): ad quern (sc.Iovem) fortasse ceteri referendi
sunt, . . . cum hie ipse sint omnes, sive quando partes eius vel potestates existi-
servationem, (3) quando ne ipsa quidem corpora aut anima(s) sufficere
mantur, sive cum vis animae, quam putant per cuncta diffusam, ex partibus molis
licuisset sine (elementorum) temperamento, quo habitatio ista mundi huius, in quas visibilis mundus iste consurgit, et multiplici administratione naturae
5 circulorum condicionibus foederata praestatur, nis[i quod hominum] in- quasi plurium deorum nomina accepit?
colatui denegavit enormitas frigoris aut calor[i]s, (4) [proptereaque] deos Serv. Aen. 4, 638 (SVF II 1070): et sciendum Stoicos dicere unum esse deum, cui
credi solem, qui dies de suo cumulet, fruges calorib[us expediat et] annum nomina variantur pro actibus et officiis . . . hinc et Iovis oratio: caelicolae mea
membra dei, quos nostra potestas officiis divisa facit (auct. inc.).
stationibus servet, lunam, solacium noctium, patrocinium [men]s(i)um, Serv. georg. 1, 5 (SVF II 1070): Stoici dicunt non esse nisi unum deum et unam
t gubernaculis; (5) item sidera, signacula quaedam temporum ad rura- eandemque potestatem, quae pro ratione officiorum nostrorum variis nominibus
10 tionem notandorum; ipsum denique caelum, sub quo omnia, terra(m), appellatur.
super quam omnia, et quicquid illorum inter se ad commoda humana C: Verg. Aen. 6, 724 sqq. (6, '727 mens agitat molem, cf. supra Aug. civ. 4, 11);
Arnob. 3, 35: universam istam molem mundi . . . animans esse unum sapiens
conspirat; (6) nee tantum (de) beneficiis fidem divinitatis (elementis)
rationale consultum probabili adseveratione definiunt; quorum si est vera ...
con[ ve ]nire, sed etiam de diversis quae tamquam de ira et offensa eorum sententia, . . . desinent dii esse, quos in eius portionibus paulo ante immutatis
inc[idere] soleant, ut fulmina, ut grandines, ut ardores, ut aurae pesti- nominibus constituebatis. . . . Luna sol tellus aether membra sunt et mundi
15 lentes, item diluvia, item hiatus motusque terrarum; (7) et iure credi partes ...
deos, q[ uo ]rum natura honoranda sit in secundis, metuenda sit in adversis,
domina scilicet iuvandi et nocendi.
28 (21)
1 pra&erea A* propterea Borleffs 2 sine suffragio A* humanae Goth. humana A 2/3
conservationem v. Hartel & consvationem A* 3 animas Goth. anima A 5 nisi quod Iovem in aethere accipimus, in aere Iunonem, et haec duo elementa con-
hominum Goth. nis [lac. 14] A 6 caloris, proptereaque Oehler calor.s [lac. 12] A iuncta sunt, alterum superius, alterum inferius ...
7 dies Reifferscheid, Agahd diei A Borleffs diem Oehler 8 mensium Rigaltius,
mare Neptuno tribuitur, terra Plutoni ... additur Neptuno Salacia,
Borleffs (propter homoeoteleuton) ... sum A mensum Goth., Ag. 9 gubernaculis A
(item stellas praesidium) gub. v. Hartel 9/10 rurationem Merkel mutationem A Plutoni Proserpina. Nam sicut inferiorem caeli partem, id est aerem, (in-
10 terram Rigaltius in terra A et terram Goth. 12 (de) add. Kroymann, Borleffs 5 quiunt), Iuno tenet, ita inferiorem maris Salacia et terrae inferiorem
14 incidere Rigaltius inc [lac. 4] A incusari vel incursare Goth. incurrere Salmasius Proserpina.
16 adversis A*
Aug. civ. 4, 10 p. 157, 17: Cur illi (sc. Iovi) etiam Iuno uxor adiungitur, quae di-
Tert. nat. 2, 5, 2-7: Nam et Varro meminit eius (sc. communis sensus), creditam catur ,,soror et coniux" (Verg. Aen. 1, 46)? Quia Iovem, inquiunt, in aethere ---
praeterea dicens elementorum divinitatem - - - et nocendi. cf. ib. 2, 5, 18 inferius. ibid. 157, 25: quid est quod mare Neptuno tribuitur, terra Plutoni? Et ne
T: Isid. or. 13, 6, 1 ipsi quoque sine coniugibus remanerent, additur - - - Proserpina. cf. civ. 4, 11 p.
C: Cic. n. d. 2, 13 sq. (Cleanthes SVF I 528); Aet. 1, 6, 10 sq. 160, 17 (fr. 27 in app.). civ. 7, 22 p. 300, 34: cur autem illa Salacia per bane inter-
pretationem (sc. RD XVI fr. 257) inferiorem maris partem, qua viro erat subdita,
perdidit? civ. 7, 23 p. 302: Proserpina, quae secundum aliam in eisdem libris pos.i-
27 (15b) tam opinionem non terrae fecunditas (ita RD XVI fr. 271), sed pars inferior
perhibetur? ... dicunt animi mundani partem, cum permeat terrae partem supe-
omnes dii deaeque sit unus Iuppiter, sive sint, ut quidam volunt, omnia riorem, Ditem patrem facere deum; cum vero inferiorem, Proserpinam deam.
ista partes eius sive virtutes eius, sicut eis videtur, quibus eum placet Aug. civ. 7, 28 p. 311, 24: Dis pater postremo, qui GraecellAou-rwv dicitur, ...
esse mundi animum, quae sententia velut magnorum multumque docto- terrenus deus esse perhibetur, superiorem terram tenens, in inferiore habens Pro-
serpinam coniugem.
rum est Serv. Aen. 1, 47 (et soror et coniunx): physici Iovem aetherem, id est ignem volunt
Aug. civ. 4, 11 p. 161, 26 (fr. 15b Ag.): hi omnes dii --- doctorum est ... ibid. intellegi, Junonem vero aerem; et quoniam tenuitate haec elementa paria sunt,
p. 161, 34: ut volunt, velut unius animantis haec tota vita est, quae omnes con- dixerunt esse germana. Sed quoniam Iuno, hoe est aer, subiectus est igni, id est
tinet deos, quasi suas virtutes vel membra vel partes. Iovi,iure superposito elemento mariti traditum nomen est (SVF II 1066).
Aug. civ. 4, 11 p. 160, 4 (fr. 15a Ag.): Quodlibet igitur physicis rationibus et dis- Macr. somn. 1, 17, 15: est autem Iuno aer, et dicitur soror, quia isdem seminibus
putationibus adserant: modo sit Iuppiter corporei huius mundi animus, qui uni- quibus caelum etiam aer procreatus est, coniunx quia aer subiectus est caelo.
versam istam molem ex quattuor vel quot eis placet elementis constructam atque Serv. georg. 2,325: interdum pro aere Iuno, pro aethere Iuppiter ponitur; aliquoties
compactam implet et movet, modo inde suas partes sorori et fratribus cedat; et pro aere et pro aethere Iuppiter, Iuno vero pro terra et aqua.
28 BURKHART 0ARDAUNS
M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 29

29 (26) Serv. Aen. 5, 45 (fr. 424 GRF): sed Varro et Ateius contra sentiunt dicentes ,divas'
perpetuos, ,deos' qui propter sui consecrationem timentur, ut sunt dii manes. cf.
de Platonis dogmate, quod in Phaedone positum est Serv. auct. Aen. 12, 139 ( App. lb); Cic. leg. 2, 19.

Serv. Aen. 6, 307: in quo tractat de Platonis - - - positum est r::Epl '1,ux'ij,; de qua
33a (52a)
re etiam Varro in primo divinarum plenissime (plenissimo C) tractavit.
(Varro ponit) Casiniensium Deluenti<nu)m, Narn<i)ensium Visidianum,
30 (22c) Atinensium Numiternum, Asculanorum [A]nchariam, et quam t prae-
verint Vulsiniensium Nortiam,
distingui inter nativos et factos secundum Dion[y Jsiu[m Stoi]cum
Deluentinum Rigaltius dei * & im A N arniensium Rigaltius N arnensium A
Dionysium Stoicum Goth. dion. siu ... cum A* 2 Atinensium Oehler atheniensium A Aternensium Goth. Numiternum Oehler
numertinum A Numentinum Goth. Asculanorum Oehler aesculanorum A
Tert. nat. 2, 14, 1: Sed quoniam alias seorsum volunt in divinitatem [ab ho]minibus
Faesulanorum Reinesius Anchariam Goth. [.]nchariam A quam praeverint A
receptos, et distingui - - - Stoi]cum, de ista quoque specie adiciam. Quampraeverim Goth. quam Praeverim Rigaltius quam praeverterim vel quam
RD I fr. 23: Dionysius Stoicus. perceperint Oehler quam praeiverint Reifferscheid quam praeteriit ( sc. Varro)
C: RD XVI fr. 226. v. Hartel, Patr. Stud. 11 70

31 (23) Tert. nat. 2, 8, 6 (: antea posuit deos externarum gentium): veI quos Varro ponit:
Casiniensium - - - Nortiam, quorum ne nominum quidem dignitas humanis cog-
Mop<sus) Africanus et Boe<o)tus Amph<i)araus ... hos certe homines nominibus distat? (7) Satis rideo etiam deos decuriones cuiusque municipii, quibus
fuisse ... heroas appellatis honor intra muros suos determinatur.

1 Mopsus Africanus Goth. mox africanos A Boe(o)tus Amph(i)araus Goth.


33b (52b)
Tert. nat. 2, 7, 1: Mop(sus) - - - Amph(i)araus. Delibanda enim nunc est species
ista, cuius suo loco ratio reddetur. (2) Interim hos certe homines fuisse vel eo palam Casiniensium Deluentinus, N arniensium Visidianus, Asculanorum Ancharia,
est quod non constanter deos illos, sed heroas appellatis. Volsiniensium Nortia, Ocriculanorum Valentia, Sutrinorum Hostia, Fali-
Tert. nat. 2, 13, 1 (fr. 22b Ag.): quos a primordio possunt non [asse]rere [in caelum,
scorum in honorem patris Curris et accepit cognomen Iuno.
recipiunt in] divinitatem, affirmando illos post mortem d[e]os f[actos, ut Varro] et
qui cum eo somniaverunt. (suppl. Goth. et Borleffs). casiniensium F casianiensium SP casianensium M crustuminiensium I' nar-
C: Cic. n. d. 2, 7; 3, 49; div. 1, 88. niensium (F) dett. narnensium SPM narmensium alii Asculanorum Turnebus
aesculanorum (F)SPM 2 Nortia FM norcia SP Ocriculanorum F o(t)ricu-
lanorum cett. Hostia F norcia SP dett. morcia M hortia I' 3 Curris SP M
32* (22e)
chumis F curis dett., Agahd
deos alios esse, qui ab initio certi et sempiterni sunt, alios qui immor- Tert. apol. 24, 8 (XIV fr. 2 M.): Romanas, ut opinor, provincias edidi, nee tamen
tales ex hominibus facti sunt; et de his ipsis alios esse privatos, alios Romani dei (sic F, Dekkers; Romanos deos vulg., Agahd) earum, quia Romae non
communes; privatos, quos unaquaeque gens colit, ut nos Faunum, The- magis coluntur, quam qui per ipsam quoque Italiam municipali consecratione cen-
bani Amphiaraum, Lacedaemonii Tyndareum, communes, quos universi, sentur: Casiniensium - - - Iuno.
5 ut Castorem Pollucem Liberum Herculem.
1 qui ab] qui F 2 ex hominibus immortales T et de his ipsis F et deis ipsi G ex 34 (33)
his T alias esse privatos alias communes privatos T alias communes privatos
bifariam Romanorum deos recognosci[mus] communes et proprios
privatos F alias communes privatas G 3 quos] quas G colit T colitur F calitur _G
ut nos --- Tyndareum om. T thebani amfiaracum F thebafiaracum G 4 lacedaemonia adventicii ... eor]um arae ... adventiciorum ad fanum Carnae, publi-
F indareu F quos T quas F universi ut] uniusic G castorem T pastorem corum in Pa[latio.
F partorem G et pollucem T pollicem F et herculem T
1 recognoscimus Goth. Palatio Goth.
Serv. auct. Aen. 8, 27 5: Varro dicit deos alias - - - Herculem.
Tert. nat. 2, 9, 6 (fr. 33a Ag.): Nos vero bifariam Romanorum deos recognoscimus
Serv. Aen. 12,118: Alii communes dcos volunt Solem Lunam Plutonem Martem;
communes et proprios, id est quos cum omnibus habent et quos [sibi ipsi] sunt
hi enim apud omnes homines inveniuntur et sunt in omnibus terris.
commenti. (7) Et numquid hi sunt publici et adventicii dicti? [Id eor]um arae
Serv. Aen. 10, 18: legimus et Herculem vel Liberum patrem non semper deos
docent, adYenticiorum ad fanum Carnae, publicorum in Pa[latio]. ... (9) De
fuisse.
30 BURKHART CARDAUNS M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 31

propriis dicere [si plac]et, de Romanis, stupeamus tertium illud genus hostilium 38 (37)
deorum [necesse] est, eo quod nulla gens alia tantum sibi superstitionis invenerit.
(10) [Ipsos in] duas species dirigimus; alios de hominibus assumptos, alios men[te]
(sc. regnante Numa) nondum tamen aut simulacris aut templis res divina
conceptos. apud Romanos constabat. (13) Frugi religio et pauperes ritus et nulla
Tert. nat. 2, 12, 2 (fr. 33g Ag.): deos ... [vet]eres an et novicios ... cives an et Capitolia ... sed temporaria de caespite altaria et vasa adhuc Samia ...
pe[regri]nos. cf. id. apol. 10, 5: nunc ergo ... decurram, tot ac tantos, novos veteres, nondum enim tune ingenia Graecorum atque Tuscorum fingendis simula-
barbaros Graecos, Romanos peregrinos, captivos adoptivos, proprios communes; cris urbem inundaverant.
nat. 2, 17, 3: peregrinos deos.
Aug. civ. 2, 14 p. 70, 27 (fr. 33b Ag.): Romani numina partim peregrina rece- 3 temporaria F temeraria Vulg., Agahd
perunt, partim sua propria sacraverunt. civ. 3, 12 p. 110, 6 (fr. 33c Ag.): indigenas
et alienigenas. Tert. apol. 25, 12: nam, etsi a Numa Pompilio (popilio F) concepta est curiositas
Min. Fel. Oct. 25, 7 (fr. 33e Ag.); Lact. inst. 1, 20, 1 (fr. 33f Ag.); Arnob. 4, 4; superstitiosa, nondum tamen - - - Capitolia certantia ad caelum, sed - - - Samia et
Fest. 237 {peregrina sacra). nidor exilis (bexilisF, ex illisAg.) et deus ipse nusquam.Nondum enim --- inunda-
verant.
'l.'ert. nat. 2, 17, 12: [Et]si a Numa sacra introducta sunt, nondum tamen aut
simulacris aut tem[plis] res vestras divina frustrabant. ( 13) Frugi religio et pauper-
35 (39a)
tina supersti[ tio; altaria tern ]eraria et vasa sordida et nidor [exilis] ex illis, et
(Romulus) constituit Romanis deos Ianum Iovem Martem Picum Faun um deus ipse nusquam.
cf. apol. 21, 19 sq.: praescr. haer. 40, 6; idol. 3, 1: Idolum aliquamdiu retro non
Tiberinum Herculem erat . . . sola templa et vacuae sedes erant.
Aug. civ. 4, 23 p. 173, 18: Ut quid ergo constituit (sc. Romulus) --- Herculem et Aug. civ. 3, 12 p. 109, 20: nee his sacris tamen Roma dignata est esse contenta,
si quos alios? id. adv. Marc. 1, 18: Romulus Consum. quae tarn multa illic Pompilius constituerat. Nam ipsius summum templum nondum
Seneca de superst. ap. Aug. civ. 6, 10 p. 267, 27: dedicavit ... Picum Tiberinum- habebat Iovis.
que Romulus (App. le). C: RD I fr. 18; Varro VPR I fr. 15 Rip. ap. Non. 162: quid inter hos loves intersit
C: Minuc. Fel. Oct. 25, 7 (fr. 39b Ag.): Romulus (Romuli sunt Baehrens, Agahd), et eos, qui ex marmore, ebore, auro nunc fiunt potes animadvertere et horum
Picus, Tiberinus, et Consus et Pilumnus ac Volumnus dii. temporum divitias et illorum paupertates. ibid.: ut in cetero cultu quae sunt,
Tert. nat. 2, 17, 3: Sterculus et Mutunus; id. apol. 25 (fr. 39c Ag.). consentanea, quod sunt paupertina, sine elegantia ac cum castimonia.
Aug. civ. 4, 2,3 p.174, 6; 2, 14 p. 70, 26: Priapus (fr. 39d Ag.). Varro VPR I fr. 13 Rip. ap. Non. 494: haec aedis, quae nunc est, multis annis
C: RD XV fr. 215-218. post facta sit utique omnia regis temporibus delubra parva facta.
cf. Tert. apol. 5, 2; nat. 2, 17, 2; Min. Fel. 25, 1 de religione et pietate Romanorum
(fr. 36 Ag.).
36 (40)
39 (43)
Titus Tatius addidit Saturnum Opem Solem Lunam Vulcanum Lucem
Hostilius ... rex deos et ipse novos Pavorem atque Pallorem propitiandos
... Cluacinam
( sc. introduxit)
2 cluacinam CKF cloacinam A ArBapq cluatinam d clueacinam e
Aug. civ. 4, 23 p. 173, 24 (antecedit fr. 37): Hostilius certe rex - - - propitiandos non
Aug. civ. 4, 23 p. 173, 20: Ut quid Titus Tatius --- Lucem et quoscumque alios introduceret, si deam istam (sc. Felicitatem) nosset. ibid. p. 174, 7: Pavor et
addidit, inter quos etiam deam Cluacinam, Felicitate neglecta? ibid. p. 17 4, 7: Pallor et Febris. civ. 4, 15 p. 165, 7; civ. 3, 12 p. 110, 2; 2, 14 p. 70, 27; cons. ev.
Cluacina. 1, 18, 26; c. Faust. 20, 9; psalm. 104, 11: deam Febrem deumque Pallorem; epist. 17
Seneca de superst. ap. Aug. civ. 6, 10 p. 267, 26 ( App. I e): Cluacinam Tatius de- ad Maxim. Mad.: Stercutium, Cluacinam, Venerem Calvam, deum Timorem, deum
dicavit deam. cf. Tert. adv. Marc. 1, 18; Minuc. Fel. Oct. 25, 8; Lact. inst. 1, 20, 11. Pallorem, deam Febrem. ·
C: RD XV fr. 219; LL 5, 74 (App. XVI) Seneca de superst. ap. Aug. civ. 6, 10 p. 267, 27: Hostilius Pavorem atque Pallorem
(App. le).
Tert. adv. )}[arc. 1, 18, 4: Romulus Consum et Tatius Cloacinam et Hostillius
37 (41) Pavorem et Metellus Alburnum. cf. Min. Fel. 25, 8; Lact. inst. 1, 20, 11 et 17.

(sc. addidit) Numa tot deos et tot deas 40 (45a)


Aug. civ. 4, 23 p. 173, 23: Ut quid Numa tot deos et tot deas sine ista (sc. Felici- tres dii, Mars, Terminus et Iuventas, qui maiori et regi suo nullo modo
tate)? An earn forte in tanta turba videre non potuit?
C: Aug. civ. 3, 11 p. 109, 8; Varro log. Curio ap. Aug. civ. 3, 9 p. 105, 30 et civ. cedere loco voluerunt. Nam ... cum rex Tarquinius Capitolium fabricari
7, 34/35 (App. I) vellet eumque locum, qui ei dignior aptiorque videbatur, ab diis aliis
M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 33
32 BURKHART CARDAUNS

cerneret praeoccupatum, non audens aliquid contra eorum facere arbitrium 44 (49)
5 et credens eos tanto numini suoque principi voluntate cessuros, quia multi censuerant, ne qui imperator fanum, quod in [bell]o vovisset, prius de-
erant illic, ubi Capitolium constitutum est, per augurium quaesivit, utrum dicasset quam senatus probasset; ut contigit [M. Aem]ilio, qui voverat
concedere locum vellent Iovi; atque ipsi inde · cedere omnes voluerunt Alburno deo.
praeter illos quos commemoravi, Martem, Tern1inum, Iuventatem; atque
ideo Capitolium ita constructum est, ut etiam isti tres intus essent taro 1 vovisset Goth. novisset A 2 M. Aemilio Goth. ]ileo A Metello Agahd
10 obscuris signis, ut hoe vix homines doctissimi scirent. Tert. nat. 1, 10, 14 (fr. 49 a Ag.): Mentior, si numquam eensuerant - - - deo.
Tert. apol. 5, 1 _(t 49 a Ag.): vetus erat decretum, ne qui deus ab imperatore
2 fabricari] fabricare OA 1 adq, Agahd 7 locum] loco L1 consecraretur, ms1 a senatu probatus. Seit M. Aemilius de deo suo Alburno. inde
Aug. civ. 4, 23 p. 174, 27: Nullo modo ... faceret Iuppiter, quod ei fecerunt tres Euseb. hist. eccl. 2, 2, 5.
dii - - - Nam sicut habent eorum litterae, cum rex - - - scirent. cf. ci·v. 3, 12 p. 109, 22. Tert. adv. Marc. 1, 18, 4 (fr. 49 b Ag.): Metellus Alburnum.
O: Varro de sermone Latino II ap. Gell. 12, 6 (fr. 35 GRF).
45 (50)

saepe censores inconsulto populo <aedes) adsolaverunt. Certe Liberum


41 (45b) [patre]m cum sacro suo consules senatus auctoritate non urbe sol[u]m-
pulcherrimum ausp10mm fuisse dixerunt, . . . Martem et Terminum et modo, verum tota Italia eliminaverunt.
Iuventatem nee Iovi regi deorum loco cedere voluisse. Sic enim ... signi- 1 aedes suppl. v. Hartel deos Reifferscheid, Agahd certe Goth. certi A 2 sacro
ficatum est, Martiam gentem, id est Romanam, nemini locum quern teneret suo Goth. socru sua A sacris suis Oehler, Agahd urbe Goth. urbes A
daturam, Romanos quoque terminos propter deum Terminum neminem Tert. nat. 1, 10, 16: saepe censores - - - eliminaverunt. cf. apol. 6, 7; RD XIV fr. 93.
5 commoturum, iuventutem etiam Romanam propter deam Iuventatem
nemini esse cessuram. 46a (51)
Aug. civ. 4, 29 p. 181, 31: Nam illud quale est quod pulcherrimum auspicium esse
dixerunt, quod paulo ante commemoravi, Martem - - - Sic enim, inquiunt, signi- Serapem et Isidem et Arpocratem et Anubem prohibitos Capitolio (Varro
ficatum - - - cessuram. civ. 5, 21 p. 233, 22 commemorat) eorumque <aras) a senatu deiectas nonnisi per vim popu-
larium restructas. (18) Sed tamen et Gabinius consul Kalendis Ianuariis,
cum vix hostias probaret prae popularium coetu, quia nihil de Serape et
5 Iside constituisset, potiorem habuit senatus censuram quam impetum vulgi
42 (46)
et aras institui prohibuit.
Romani veteres ... Summanum, cui nocturna fulmina tribuebant, colu- 2 aras suppl. Goth., Agahd statuas Rigaltius aedes v. Hartel 4 coetu] ca&u A
erunt magis quam Iovem, ad quern diurna fulmina pertinerent. Sed post-
quam Iovi templum insigne ac sublime constructum est, propter aedis Tert. nat. 1, 10, 17 (antecedit fr. 45): Ceterum Serapem - - - Capitolio Varro comme
mora[t] eorumque - - - prohibuit.
dignitatem sic ad eum multitudo confluxit, ut vix inveniatur qui Summani Varro GPR I fr. 14 Fraccaro ap. Aug. civ. 18, 5
nomen, quod audire iam non potest, se saltem legisse meminerit.
Aug. civ. 4, 23 p. 175, 28: Sicut enim apud ipsos legitur, Romani veteres nescio 46b (51)
quern Summanum - - - meminerit.
Serapidem et Isidem et Arpocratem cum suo Cynocephalo Capitolio
0: LL 5, 74 (App. XVIa).
prohibitos, Piso et Gabinius consules eversis etiam aris eorum abdica-
verunt.
43 (47) 2 prohibitos F inferri add. vulg., Agahd
( sc. Felicitati) Lucullus aedem constituit. Tert. apol. 6, 8: Serapidem - - - abdicaverunt, turpium et otiosarum superstition um
vitia cohibentes.
Aug. civ. 4, 23 p. 173, 11: Cur denique tarn sero huic tantae deae post tot Romanos Aug. civ. 3, 12 p. 110, 1 et 2, 14 p. 70, 26: Cynocephalus. cf. Min. Fel. 22, 1; 22, 2;
Arnob. 2, 73: vos Aegyptiaca numina, quibus Serapis atque Isis est nomen, non
principes Lucullus aedem eonstit.uit?
34 BURKHART 0ARDAUNS M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 35

post Pisonem et Gabinium consules in numerum vestrorum rettulistis deorum? Appendix ad lihrum I
C: Serv. auct. Aen. 8, 698: Varro indignatur Alexandrinos deos Romae coli.
Suda 8. V. syx0t-rS0-)0)4'0l'.V
(II 193, 15 Adler): 'CO(Atyu1t-rlwv xax&, -rocEV-r'/j ,AAe:~0tv3pdq:
Fragmenta logistorici Varronis qui inscribitur
1t6Ae:t,e:yx0t-rSO-X1)4'E:
xal -r'/j 'Pwµ7J. OMpwv 'fl1)CTLV.
Curio de cultu deorum

47t (29) I
cum religiosum a superstitioso ea distinctione discernat, ut a superstitioso Tres arae sunt in circo medio ad columnas, in quibus stant
(dicat) timeri deos, a religioso autem tantum vereri ut parentes, non ut signa: in una inscriptum DIIS MAGNIS, altera DIIS PO-
hostes timeri, atque omnes ita bonos (dicat), ut facilius sit eos nocentibus TENTIBUS, tertia DIIS <
V ALENTIBVS, hoe est) Terrae
parcere quam laedere quemquam innocentem ... et Caelo. in haec duo divisus mundus. item duo initiales,
5 unde omnia et omnes orti, et hi Dii magni appellati in
Aug. civ. 6, 9 p. 263, 21 (fr. 29 a Ag.): Quale autem illud est, quod, cum religiosum
Samothrace.
- - - innocentem, tamen ... (sequitur RD XIV fr. 111). civ. 4, 18 p. 167, 10 (fr.
29 b Ag.): certe omnes deos ... non nisi bonos existimare debemus. Hoe Plato 2 altera] in altera VE 3 tertia] in tertia VE Diis (post tertia) am. P. Valenti-
dicit, hoe alii philosophi, hoe excellentes rei publicae populorumque rectores. bus hoe est suppl. Wissowa (Hermes 22, 1887, 47)
C: Varro de philos. ap. Aug. civ. 19, 3 p. 355, 16: deos volunt amicos esse homini
sapienti (fr. 5 Langenberg). Prob. Verg. eel. 6, 31 p. 21 Keil, p. 344 Hagen: Et Varro in logistorico, qui inscribitur
Cic. n. d. 2, 71 sq. (ap. Aug. civ. 4, 30 p. 184, 19 sqq.); Serv. Aen. 8,187: superstitio Curio de deorum cultu cognomenta magnorum deorum: Tres arae --- Samo-
est timor superfluus et delirus. cf. ibid. 6, 596. thrace (fr. II Riese).
C: Tert. spect. 8 (App. IX); Varro LL 5, 58 (App. XVI).

4St (38)
quae puritia est infrequens polluta. II
puritia] pueritia codd. quae inpuritia (i. e. pueritia) est frequens polluta Mueller versus V alerii Sorani ....
Non. 156: puritia (pueritia codd.), puritas. Varro rerum divinarum lib. I: quae Iuppiter omnipotens, regum rerumque deumque Progenitor
--- polluta. genetrixque, deum deus, unus et omnes .... cum marem existi-
marent qui semen emitteret, feminam quae acciperet, Iovemque esse
5 mundum et eum omnia semina ex se emittere et in se recipere: cum
49t (34) causa (inquit) scripsit Soranus ,Iuppiter progenitor gene-
nostro ritu sunt facienda quam this civilibus Graeco castu. trixque'; nee minus cum causa unum et omnia idem esse;
mundus enim unus et in eo uno omnia sunt.
1 his civilibus F 3 BA scivilibus L his civibus ed. princ. civi libentius quam
Mueller, Agahd castu Aldina castitu codd. 3 genetrixque, deum deus dist. Leo, Morel 5/6 cum causa CArdl qua causa F'Bbaeq
in qua causa P
Non. 197: castitas et castimonia generis feminini. Masculini Varro rerum divinarum
lib. I: nostro - - - castu. Aug. civ. 7, 9 p. 287, 1 sqq. (fr. I Riese): In bane sententiam (sc. Iovem essemundum)
etiam quosdam versus V alerii Sorani exponit idem Varro in eo libro, quern seorsum
ab istis (sc. rerum clivinarum libris) de cul tu deorum scripsit; qui versus hi sunt:
Iuppiter --- et omnes. Exponuntur autem in eodem libro ita: cum marem
50t (35) - - - omnia sunt. civ. 7, 11 p. 288, 28: Valerii Sorani versus, ubi dictum est: Iuppiter
- - - genetrixque deum.
et religiones et castus id possunt, ut ex periculo eripiant
Aug. civ. 7, 13 p. 290, 30: Nonne expositio versuum illorum Valerii Sorani sic se
nostro. habet, Iovem esse mundum et eum omnia semina ex se emittere et in se recipere ?
civ. 7, 16 p. 294, 10: ad Iovem, qui propterea dictus est ,progenitor genetrixque',
1 possunt codd. prosunt( ?) 1Vlueller eripiant codd. nos eripiant Scaliger, Agahd
quod omnia semina ex se emitteret et in se reciperet. cf. civ. 7, 16 p. 294, 16.
nostro secl. Ai ueller T: Myth. Vat. III prooem.
Non. 197 (antecedit fr. 49): idem: et religiones --- nostro. F: Valerius Soranus fr. 4 FPL
36 BURKHART 0ARDAUNS
M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 37
III V
Terentius quidam, cum haberet ad Ianiculum fundum et bubulcus
Relatum est in litteras doctissimum pontificem Scaevolam disputasse
eius iuxta sepulcrum Numae Pompilii traiciens aratrum eruisset ex terra
tria genera tradita deorum: unum a poetis, alterum a philosophis, tertium
libros eius, ubi sacrorum institutorum scriptae erant causae, in urbem
a principibus civitatis. primum genus nugatorium dicit esse, quod multa
pertulit ad praetorem. at ille cum inspexisset principia, rem tantam
de diis fingantur indigna; secundum non congruere civitatibus, quod
detulit ad senatum. ubi cum primores quasdam causas legissent, cur
habeat aliqua supervacua, aliqua etiam quae obsit populis nosse ...
quidque in sacris fuerit institutum, (Numae mortuo senatus adsensus est)
haec: ... non esse deos Herculem, Aesculapium, Castorem,
eosque libros tamquam religiosi patres conscripti, praetor ut combureret,
Pollucem; proditur enim ab doctis, quod homines fuerint et
censuerunt.
humana condicione defecerint ... quod eorum qui sint dii
Aug. civ. 7, 34 p. 316, 31 (fr. III Riese): Sed contra invenimus, sicut ipse vir doc- non habeant civitates vera simulacra, quod verus deus nee
tissimus prodidit, de Numae Pompilii libris redditas sacrorum causas nullo modo sexum ha beat nee aetatem nee definita corporis membra ....
potuisse tolerari nee dignas habitas, quae non solum lectae innotescerent religiosis,
sed saltem scriptae reconderentur in tenebris. lam enim dicam, quod in tertio (poeticum genus cur respuat): quia sic videlicet deos deformant, ut nee
huius operis libro me suo loco dicturum esse promiseram. nam, sicut apud eundem bonis hominibus comparentur, cum alium faciant furari, alium adulterare,
Varronem legitur in libro de cultu deorum, Terentius quidam - - - censuerunt. sic item aliquid aliter turpiter atque inepte dicere ac facere; tres inter se
Aug. civ. 3, 9 p. 105, 30: Nam quid ille (sc. Numa) molitus sit et quibus artibus deas certasse de praemio pulchritudinis, victas duas a Venere Troiam
deos tales sibi vel illi civitati consociare potuerit, Varro prodit, quod, si Domino
evertisse; Iovem ipsum converti in bovem aut cygnum, ut cum aliqua
placuerit, suo diligentius disseretur loco. cf. civ. 8, 5 p. 327, 21.
C: Varro RH VI vel VII ap. Plin. nat. 13, 87 (RH VI fr. 3 Mirsch). concumbat; deam homini nubere, Saturnum liberos devorare: nihil deni-
que posse confingi miraculorum atque vitiorum, quod non ibi reperiatur
IV atque ab deorum natura longe absit.
Numa ... hydromantian facere compulsus est, ut in aqua videret ima- Aug. civ. 4, 27 p. 179, 21: Relatum est - - - populis nosse ... quae sunt autem illa,
gines deorum ... , a quibus audiret, quid in sacris constituere atque quae prolata in multitudinem nocent? haec, inquit, non - - - defecerint. quid
observare deberet. quod genus divinationis idem Varro a Persis dicit alla- aliud? quod eorum --- membra. haec pontifex nosse populos non vult; nam
falsa esse non putat. expedire igitur existimat falli in religione civitates. quod
tum, quo et ipsum Numam et postea Pythagoram philosophum usum dicere etiam in libris rerum divinarum Varro ipse non dubitat .... poeticum sane
5 fuisse commemorat; ubi adhibito sanguine etiam inferos perhibet scisci- deorum genus cur Scaevola respuat, eisdem litteris non tacetur; quia sic videlicet
tari et VExuoµl)(vTdl)(vGraece dicit vocari, quae (sive vExuoµl)(vTdl)() sive - - - longe absit. o Scaevola pontifex maxime eqs.
vExpoµl)(vTdl)( dicatur, id ipsum est, ubi videntur mortui divinare . RD I fr. 4 M.; RD I fr. 7 et 9 Ag.
. . . quod ... aquam egesserit, id est exportaverit, ... unde hydro- a) Serv. Aen. 5, 45 (fr. 42 GRF, cf. RD I fr. 32):
mantian faceret, ideo nympham Egeriam coniugem dicitur habuisse ... ,divum' et ,deorum' indifferenter plerumque ponit poeta, quamquam sit discretio,
10 in illa ... hydromantia ... et sacra didicit, quae in libris suis pontifices ut deos perpetuos dicamus, divos ex hominibus factos, quasi qui diem obierint;
haberent, et eorum causas. unde divos etiam imperatores vocamus. sed Varro et Ateius (fr. 12 GRF) contra
sentiunt, dicentes divos perpetuos, deos, qui propter sui consecrationem timentur,
6 sive vexuoµl)(v,dl)( supplevi ut sunt dii manes (RD XIV fr. 8 M.).
Aug. civ. 7, 35 p. 318, 6 (fr. IV Riese): nam et ipse Numa, ad quern nullus dei b) Serv. auct. Aen. 12, 139 (fr. 6 GRF; LL III fr. 2 Goetz-Schoell):
propheta, nullus sanctus angelus mittebatur, hydromantian - - - imagines deorum deus autem vel dea generale nomen est omnibus; nam quod Graece afoc; Latine
vel potius ludificationes daemonum, a quibus - - - mortui divinare ... his tamen timor vocatur, inde deus dictus est, quod omnis religio sit timoris. Varro ad Cice-
artibus didicit sacra illa Pompilius, quorum sacrorum facta prodidit, causas ronem tertio: ita respondeant cur dicant deos, cum (de) omnibus
obruit . . . quarum causarum proditos libros senatus incendit. quid mihi ergo antiqui dixerint divos.
Varro illorum sacrorum alias nescio quas causas velut physicas interpretatur ?
quales si libri illi habuissent, non utique arsissent, aut et istos Varronis ad Caesarem c) Serv. auct. Aen. 1, 505: quidam tradunt apud veteres omnia templa in mo-
pontificem scriptos atque editos patres conscripti similiter incendissent. quod ergo dum testudinis facta, at vero sequenti aetate divinis simulacris positis nihilominus
aquam egesserit, id est exportaverit, Numa Pompilius, unde hydromantian - - - habu- in templis factas esse testudines, quod Varro ait, ut separatum esset, ubi metus
isse, quern ad modum in supradicto libro Varronis exponitur . . . in illa igitur esset, ubi religio administraretur.
hydromantia curiosissimus rex ille Romanus et sacra didicit, - - - eorum causas, d) Macr. 1, 12, 13: Cingio etiam Varro consentit, adfirmans nomen Veneris ne
quas praeter se neminem scire voluit. p. 319, 23: ... stilo Varronis, quo ea, quae sub regibus quidem apud Romanos vel Latinum vel Graecum fuisse, et ideo non
de hac re gesta sunt, in nostram memoriam pervenerunt. potuisse mensem a Venere nominari (cf. LL 6, 33).
38 BURKHART CARDAUNS M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 39

e) Seneca de superstitione ap. Aug. civ.: Liber II de pontificibus


Aug. civ. 6, 10 p. 267, 20 (fr. 32 Haase, RD I fr. 22 d Ag.): hoe loco dicet aliquis:
credam ego caelum et terram deos esse et supra lunam alios, infra alios ? ego feram 51
aut Platonem aut Peripateticum Stratonem, quorum alter fecit deum sine corpore, Is solum album habet galerum, vel quod maximus, vel
alter sine animo? (RD I fr. 10d Ag.). et ad hoe respondens (fr. 33 Haase): quid quod Iovi immolata hostia alba id fieri oporteat.
ergo tandem, inquit, veriora tibi videntur T. Tatii aut Romuli aut Tulli Hostilii
somnia? Cluacinam Tatius dedicavit deam, Picum Tiberinumque Romulus, Hosti- 1 solum codd. solus edd. vett., Bip., Merkel 2Iovi codd. (de)Iovi Boot (Mnemos,
lius Pavorem atque Pallorem ... 15 1887, 283) 2 alba id fieri Q (litt. ,id f' in ras. m. pr. ut videtur) ZBTY, Hertz,
p. 269, 19 (fr. 39 Haase): quid quod et matrimonia, inquit, deorum iungimus, et Hosius albato fieri yF albata fieri Freinshemius, Bip. alba fieri Carrio, Merkel
ne pie quidem, fratrum ac sororum! Bellonam Marti conlocamus, Vulcano Vene-
r-em, Neptuno Salaciam. quosdam tamen caelibes relinquimus, quasi condicio defe- Gell. 10, 15, 32 (fr. 4 M., fr. 15 Oondemi): Verba M. Varronis ex secundo rerum
cerit, praesertim cum quaedam viduae sint, ut Populonia vel Fulgora (RD XIV divinarum super fiamine Diali haec sunt: Is solum --- oporteat.
fr. 109 Ag.) et diva Rumina; quibus non miror petitorem defuisse. omnem istam 0: Paul. Fest. 10
ignobilem deorum turbam, quam longo aevo longa superstitio congessit, sic, inquit,
adorabimus, ut meminerimus cultum eius magis ad morem quam ad rem perti-
nere.
52
cum aut humus semina recipere non possit aut recepta
non reddat aut edita grandire nequeat
1 semina recipere Popma seminari incipere LHG
Non. 115, 1 (fr. 124 Oondemi): grandire est grandem facere. Varro rerum divina-
rum lib. II (lib. II LH 1 lib. I GH 2L 3 ): cum aut humus --- nequeat.

Appendix ad lihrum II
a) Varro LL 5, 83: Sacerdotes universi a sacris dicti, ponti:fices, ut Scae-
vola Quintus pontufex maximus dicebat, a posse et facere, ut po(te)nti:fices.
ego a ponte arbitror, nam ab his Sublicius est factus primum ut restitutus
saepe, cum ideo sacra et uls et cis Tiberim non mediocri ritu fiant. curiones
5 dicti a curiis, qui fiunt ut in his sacra faciant.
(84) Flamines, quod in Latio capite velato erant semper ac caput cinctum
habebant :filo, f(i)lamines dicti. horum singuli cognomina habent ab eo deo
cui sacra faciunt; sed partim sunt aperta, partim obscura; aperta ut Martialis,
Volcanalis; obscura Dialis et Furinalis, cum Dialis ab love sit (Diovis enim),
10 Furi(n)alis a Furrina, cuius etiam in fastis feriae Furinales sunt. sic flamen
Falacer a divo patre Falacre.
(85) Salii ab salitando, quod facere in comitiis in sacris quotannis et solent et
debent. Luperci, quod Lupercalibus in Lupercali sacra faciunt. Fratres Ar-
vales dicti qui sacra publica faciunt propterea ut fruges ferant arva: a ferendo
15 et arvis Fratres Arvales dicti. sunt qui a fratria dixerunt; fratria est Graecum
vocabulum partis hominum, ut (Ne)apoli etiam nunc. Sodales Titii dicti (ab
avibus Titiis) quas in auguriis certis observare solent.
(86) Fetiales, quod :fidei publicae inter populos praeerant, nam per hos :fiebat
ut iustum conciperetur bellum, et inde desitum, ut foedere fides pacis con-
20 stitueretur. ex his mittebantur, ante quam conciperetur, qui res repeterent,
et per hos etiam nunc fit foedus, quod fidus Ennius scribit dictum.
b) Varro LL 7, 45 (fr. 11 Oondemi): Eundem Pompilium ait fecisse flamines,
qui cum omnes sunt a singulis deis cognominati, in quibusdam apparent 1:-ruµa:,ut
40 RURKHART CARDAUNS M. Tcrentius Varro antiquitates rerum divinarum 41

cur sit Martialis et Quirinalis; sunt in quibus flaminum cognominibus latent ori- Liber III de auguribus
gines, ut in his qui sunt versibus plerique (Enn. ann. 122-124 V.):
,,Volturnalem, Palatualem, Furinalem, 53
Floralemque Falacrem et Pomonalem fecit
Lucius Scipio cum aurum factum haberet in cista vimi-
hie idem", quae obscura sunt; eorum origo Volturnus, diva
Palatua, Furrina, Flora, Falacer pater, Pomona. nea, fulmine ita est ictus, ut cista esset integra, aurum
c) Varro LL 6, 16 (fr. 26 Condemi): flamen Dialis. conliquisset.
d) Varro LL 6, 27 (fr. 41 Condemi): pontifices.
1 Lucius Scipio edd. lucili (-is B) scip. codd. haberet E ( ?) cum haberet L ( ?)
e) Varro LL 6, 54 (fr. 51 Condemi): pontifices.
(L 2 ) AA abderet Muller cista P 2 E( ?) hist.a LAA BA hasta H 2 viminea Junius
f) Flin. nat. 18, 118: (faba) hebetare sensus existimata, insomnia quoque
ut vinea LEA vicunea AA (iucunea Bern.) ficulnea Turnebus in vinea Bip. 2 ut
facere, ob haec Pythagoricae sententiae damnata, ut alii tradidere, quoniam mortu-
cista Scaliger ut ista LEA vista AA (iusta Bern.) ut ipse (et integer) Muller
orum animae sint in ea, qua de causa parentando utique adsumitur. (199) Varro et
ob haec flaminem ea non vesci tradit et quoniam in flore eius litterae lugubres Non. 334, 29 (fr. 1 M.): Varro divinarum rerum lib. III: Lucius Scipio ---
reperiantur. conliquisset.
g) Priscian. 8, 18 GL I I 38 4, 6: Varro: Vestales incesti conpertae ansa petuntur
incognita, consecuta negleguntur. ,consecuta' pro ,impetrata' passive ait.
h) Serv. Aen. 8, 285 (fr. M., fr. 110 Condemi, fr. 454 GRF): sunt autem Salii 54
Martis et Herculis, quoniam Chaldaei stellam Martis Herculem (Herculeam Schoell) salute ostenta
dicunt, quos Varro sequitur.
cf. Men. fr. 20 B. (Macr. 3, 12, 6). Priscian 10, 28 (GLII 520, 22): idem (sc. Varro) divinarumIII: salute ostenta.
i) Fulgentius serm. ant. 14 p. 116 Helm: Varro in pontificalibus ait tutulos
sacerdotes dici brevium deorum.
k) Serv. Aen. 1, 382 (fr. 2 M., fr. 122 Condemi, RH II fr. 10 Mirsch): Varro
in secundo rerum divinarum dicit: ex quo de Troia est egressus Aeneas, Veneris 55
eum per diem cotidie stellam vidisse, donec ad agrum Laurentem veniret, in quo cum . . . novem diis fulmina adsignet, inter quos et Minervae
earn non vidit ulterius; qua re terras cognovit esse fatales.
l) Serv. Aen. 3, 256 (fr. 3 M., fr. 123 Condemi, deest ap. Mirsch): quam vos novem diis Schmeisser (Quaest. de Etr. disc. part. 1872, 17) quattuor diis CPFv
dira fames] ut Varro in secundo divinarum dicit, oraculum hoe a Dodonaeo love Serv. auct. Aen. 1, 42 fr. 2 M.) : sed cum Varro divinarum (III) VIII! diis - - -
apud Epirum acceperunt. Minervae, quaeritur cur Minerva Iovis fulmen miserit.
divinarum (III) VIII! Schmeisser divinarum quinto quattuor OP V divinarum
quattuor Fv divinarum tertio quattuor Merkel
C': Flin. nat. 2, 138; Serv. auct. Aen. 1, 42; 11, 259; Lact. Plac. Stat. Theb. 1, 258

Appendix ad librum III


a) Serv. Aen. 3, 359 (fr. 3 M.): Varro autem quattuor genera divinationum
dicit: terram, aerem, aquam, ignem - geomantis, aeromantis, hydromantis, pyro-
mantis.
b) Serv. auct. Aen. 3, 366 (fr. 440 GRF): Varro sane haec ita definit: ostentum,
quod aliquid hominibus ostendit; portentum, quod aliquid futurum portendit;
prodigium, quod porro dirigit; miraculum, quod mirum est; monstrum, quod
monet. cf. Isid. diff. verb. 459.
c) Macr. 1, 16, 19 (fr. 4 M.): Varro in augurum libris. vd. App. VIII.
d) Fest. 290 (fr. 5 M.): textus valde mutilatus sine Varronis nomine.
e) Paul. Fest. 260 (Fest. 261, fr. 6 M.): quinque genera signorum observant
augures publici: ex caelo, ex avibus, ex tripudis, ex quadripedibus, ex diris.
f) Velius Longus orth. GL VII 73, 9 (fr. 7 M.): arispex ab ariga (ariuga Merkel),
quae est hostia, non aruspex. cf. Varro LL 5, 98.
g) cf. Varro LL 5, 21. 33. 47. 58. LL 6, 42. 53. 64.
42 BURKHART 0ARDAUNS M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 43

Liher IV de quindecimviris sacrorum adfirmat SM Grais S 1HMPV( ?) graiis R grecis S 2 14 scribat P scribit RSHMV
15 Samiorum RSHM sammiorum P V se om. HJ11 16 Amaltheam RS amolatheam
56a HM amalthaeam PV Herophile R erofile SHM(-lf)PV Demophile codd.
(7) Sibyllinos libros ... non fuisse unius Sibyllae, sed appellari uno nomine (denofile V1, dem- V 2 ) Demo Maass 17 iis R eis S his HMPV 18 magnitu-
Sibyllinos, quod omnes feminae vates Sibyllae sint a veteribus nuncupatae dinem RS -tudine HM -tudinis PV 19 mulieris codd. (sibyllae R) ac om. HM
vel ab unius Delphidis nomine vel a consiliis deorum enuntiandis. crw6c; 22 ac om. R 23 refectoRSPVrestitutoHM 24Erythrisscripsi(quamvisincertum,
an corruptio Lactantio tribuenda sit) erytris H erythriis RPV eritriis S eritreis M
enim deos, non -&e:o6c;,et consilium non ~ouA~v, sed ~o0AAo:v appellabant
Erythraeis edd. 25 fuerunt RHMP V fuerint S 26 Marmesso RSHP V marmerse
5 Aeolico genere sermonis. Itaque Sibyllam dictam esse quasi -&e:o~o0A'YJV. M Gergithium RPV gergitium SHM Gergithum Maass 27 Heraclides
(8) Ceterum Sibyllas decem numero fuisse ... primam fuisse de Persis, RHMP eraclidus S herachides V Solonis RH MPV solonicus S Cyri RSHM
cuius mentionem fecerit Nicanor, qui res gestas Alexandri Macedonis cyrii PV temporibus RSHM temporis PV 28 Ancyrae RSPV amcyrae HM
scripsit; secundam Libyssam, cuius meminerit Euripides in Lamiae pro logo; Tiburtem RSHPV tiburtam M 29/30 Anienis SPV antenis R arieni (alt. i
in ras. m. 2)H (r ex n)M 30 eius RSPV om. HM 31 librum HMPV librum
(9) tertiam Delphida, de qua Chrysippus loquatur in eo libro, quern de cuius sortes senatus in capitolium (-olio R) abstulerit RS
10 divinatione conposuit; quartam Cimmeriam in Italia, quam Naevius in
libris belli Punici, Piso in annalibus nominet; quintam Erythraeam, quam Lact. inst. 1, 6, 7-12 (fr. 7 M., fr. 179 GRF): M. Varro, quo nemo umquam doctior
Apollodorus Erythraeus adfirmet suam fuisse civem eamque Grais Ilium ne apud Graecos quidem vixit, in libris rerum divinarum, quos ad C. Caesarem
pontificem maximum scripsit, cum de quindecimviris loqueretur, Sibyllinos libros
petentibus vaticinatam et perituram esse Troiam et Homerum mendacia ait non fuisse - - - (8) ceterum Sibyllas decem numero fuisse, easque omnes enumera-
scripturum; sextam Samiam, de qua scribat Eratosthenes in antiquis vit sub auctoribus, qui de singulis scriptitaverint. primam fuisse - - - in manu li-
15 annalibus Samiorum repperisse se scriptum; (10) septimam Cumanam brum. (13) Harum omnium Sibyllarum carmina et feruntur et habentur, praeter-
nomine Amaltheam, quae ab aliis Herophile vel Demophile nominetur, quam Cymaeae, cuius libri a Romanis occultantur nee eos ab ullo nisi a quindecim-
viris inspici fas habent. Et sunt singularum singuli libri; quos, quia Sibyllae
eamque novem libros attulisse ad regem Tarquinium Priscum ac pro iis
nomine inscribuntur, unius esse credunt, suntque confusi nee discerni ac suum
trecentos philippeos postulasse regemque aspernatum pretii magnitudinem cuique adsignari potest nisi Erythraeae, quae et nomen suum verum carmini
dcrisisse mulieris insaniam; illam in conspectu regis tris combussisse ac inseruit et Erythraeam se nominatuiri praelocuta est, cum esset orta Babylone.
20 pro reliquis idem pretium poposcisse; Tarquinium multo magis insanire (14) Sed et nos confuse Sibyllam dicemus, sicubi testimoniis earum fuerit abuten-
mulierem putavisse; (11) quae denuo tribus aliis exustis cum in eodem dum. Omnes igitur hae Sibyllae unum deum praedicant, maxime tamen Erythraea,
quae celebrior inter ceteras ac nobilior habetur, siquidem Fenestella (fr. 18 HRR
pretio perseveraret, motum esse regem ac residuos trecentis aureis emisse; II p. 84) diligentissimus scriptor de quindecimviris dicens ait restituto Capitolio
quorum postea numerus sit auctus, Capitolio refecto, quod ex omnibus rettulisse ad senatum C. Curionem consulem, ut legati Erythras mitterentur, qui
civitatibus et Italicis et Graecis praecipueque Erythris coacti adlatique carmina Sibyllae conquisita Romam deportarent; itaque missos esse P. Gabinium
25 sunt Romaro cuiuscumque Sibyllae nomine fuerunt; (12) octavam Helles- M. Otacilium L. Valerium, qui descriptos a privatis versus circa mille Romam de-
portarunt. Idem dixisse Varronem supra ostendimus.
pontiam in agro Troiano natam, vico Marmesso circa oppidum Gergi-
Lact. inst. 4, 15, 27: quod (sc. non esse illa carmina Sibyllina) profecto non putabit
thium, quam scribat Heraclides Ponticus Solonis et Cyri fuisse temporibus; qui Ciceronem Varronemque legerit aliosque veteres, qui Erythraeam Sibyllam
nonam Phrygiam, quae vaticinata sit Ancyrae; decimam Tiburtem nomine ceterasque commemorant, quarum ex libris ista exempla proferimus.
Albuneam, quae Tiburi colatur ut dea iuxta ripas amnis Anienis, cuius Lact. epit. 5, 1-3: Varro decem Sibyllas fuisse tradit: primam de Persis, secundam
30 in gurgite simulacrum eius inventum esse dicitur tenens in manu librum. Libyssam etc ....
Serv. Aen. 3, 445 (fr. 3M.): ,virgo' vero Phemonoe dicta est; nam Sibylla appel-
1 sibyllinos R sibull-(corr. in sibill-) S sibylinos H sybill- MPV (similiter multis Jativum est nomen, adeo ut Varro quot sibyllae fuerint scripserit. Sibylla autem
aliis locis) libros om. M sed RSPV et HM 2 feminae SHMV femine/(s eraso)R dicitur omnis puella, cuius pectus numen recipit; nam Aeolii cnooc; dicunt deos,
om. P 3 CIOYC RS CYOYC PV sic HM 4 E>EOYC PV theus SH /3ouA~ autem est sententia; ergo sibyllas quasi cnou /3ouAixc;dixerunt (inde Myth.
theos M NONBOY AHN (post A erasum I in P) PV non bulen SHM sed Vat. II 87).
/306Ho:v Wachsmuth, Brandt, Funaioli sed boyaian R sed BOY AIAN PV a-woe;Thilo sios FOL sius H zios E i3ouA~ Thilo bule FLH bulae OE ( crtooc; - - -
sed buletin S sed bulean HM i36Ho:v Ahrens (de dial. Aeol. p. 59 n. 34) Varro- /3ouA~ evanuerunt in M) crtou i3ouA&:c;Thilo siubulas OH nubulas F zio 8 bulas L
nem i36Ho:v scripsisse verisimile est /3uA~v alii 5 Aeolico SHPV( ?) eo//go(li (sed zioS in ras.) ziosbulas ME
eraso) R ae/olico (1 eraso) M itaque codd. (ita R) 0EOBOY AHN R 1 theobulen Serv. Aen. 6, 12: nam, ut supra (3, 445) diximus, Sibylla dicta est quasi crtou
SHPV theobolen M -&so/3ouA'YJHieron. adv. Iovin. (vd. in app.) ,no/3uA~v alii /3ouA~, id est dei sententia. Aeolici enim crtooc; deos dicunt.
,'l-sou /3ouA~v? Brandt in app. 7 Nicanor RSHM nichanor PV 8 Libyssam RHM T: Hieron. adv. Iovin. 1, 41 (Migne 23,283); Aug. civ. 18, 23; Isid. or. 8, 8; Philarg.
libissam S lybissam PV cuius---Delphida om. M 9 Delphida edd. delfida Epit. eel. 4, 4 rec. I; Theosophia Sibyll. ed. K. Mras, Wien. Stud. 28, 1906; inde prol.
delphida RS delphidam HPV loquatur SPVR 1 loquitur R 2HM 11 nominet Corp. Sibyll., Lyd. mens. 4, 47, Suda s. v. Sibylla (IV 354, 9 sq. Adler), Schol. Plat.
SPV nomin& R 1 nominat R 2HM 12 adfirmet HPV affirmet R 2 (at s. l. eraso) Phaedr. 244b, Ohron. Pasch. 1, 201 Dind.
44 BURKHART 0ARDAUNS M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 45
F: Nicanor FGrHist 146 F 1; Euripides fr. 922 Nauck; Ohrysippus de div. SV F
II 1216; Naevius fr. 18 Morel; fr. 29 Marm.; Pisa fr. 41 HRR; Apollodorus Ery-
57
thraeus FGrHist 422; Eratosthenes FGrHist 241 F 26; Heraclides Ponticus fr. 131 a ibi cum amissam capram desiderarent, animadvertisse quen-
Wehrli. dam specum tenebricosum.
0: Tibull. 2, 5, 67 sqq.; Dion. H. 4, 62; Flin. nat. 13, 88; Salin. 2, 17; Gell. 1, 19;
Cassius Dio II fr. 11 B. (Zonaras 7, 11; Schol. Lyk. 1278); Martian. Cap. 2, 159 1 ibi] ubiF 1 E cumadmissamF 3
HGEL 3 cumaa masam L ut videtur cum mala
masam F 1 capram F 3 HGEL 3 capriam F 1 L animadvertisse L. Mueller -tissent
LHG -tissentque Junius, Bip.
56b
Sibyllas fuisse multas plurimi et maximi auctores tradiderunt, Graecorum Non. 222 (fr. 6 M.): specus genere masculino Varro rerum divinarum lib. IV: ibi
cum --- tenebricosum.
Aristonicus et Apollodorus Erythraeus . . . hi omnes praecipuam et
nobilem praeter ceteras Erythraeam fuisse commemorant
58*
fuisse multas B, om. P 2 Aristonicus P aristocus B1 aristostoicus (stoi supra
in foliis autem palmarum Sibyllam scribere solere
lin. add.) B 3 Aristo Chius Egnatius
Lact. ira 22, 5: Sibyllas fuisse - - - Apollodorus Erythraeus, nostrorum Varro et Serv. _Ae~. 3, 444 (fr .. 2 M.): tribus modis futura praedicit: aut voce, aut scripto,
Fenestella. Hi omnes - - - commemorant. Apollodorus quidem ut de civi ac populari aut s1gms, 1d est qmbusdam notis, ut in obelisco Romae videmus • vel ut alii
sua gloriatur, Fenestella vero etiam legatos Erythras a senatu esse missos refert, dicunt, notis litterarum, ut per unam litteram significet aliquid. In foiiis - '. - solere
ut huius Sibyllae carmina Romam deportarentur et ea consules Curio et Octavius testatur Varro.
in Capitolio, quod tune erat curante Quinto Catulo restitutum, ponenda curarent. Serv. A~n. 6, 74 (fr. 5 M.): ut Varro dicit, in foliis palmae interdum notis, inter-
cf. ib. 23, 1 et 2. dum scnbebat sermonibus, ut diximus supra.
F: de Aristonico cf. Serv. auct. Aen. 3, 334 (FGrHist 57) 0: Varro ap. Flin. nat. 13, 69.

56c 59
Sibyllina responsa ... Sibyllae ... Erythraeae (sc. sunt). Sed constat antistita
regnante Tarquinio quandam mulierem, nomine Amaltheam, obtulisse ei Char. gramm. 1, 15 p. 127, 21 Barwick (fr. 1 M.): et antistes habet antistitam ut
novem libros, in quibus erant fata et remedia Romana, et pro his poposcisse Varro divinarum IIII. '
CCC philippeos, qui aurei tune pretiosi erant. Quae contempta alia die
5 tribus incensis reversa est et tantundem poposcit, item tertio aliis tribus
60
incensis cum tribus reversa est et accepit quantum postulaverat, hac ipsa
o0-ro, i),e:µE,VIXVo[ XP'Y)O"fl-Ot µe:xp, 't"OU Mixpcrrn.ou XA'Y)&e:v-roc; 11:oMµou
re commoto rege, quod pretium non mutabat. Tune mulierem subito non
xdµEVOL XIX't"Ol y~c; EV't"C:JVIX(:)'t"OUKixm-rw1c[vou 6.,oc; EV A,&[v:l Acxpvixx,, {m'
apparuisse.
&v3pwv 3hix Cj)UAIXH6µEvm.(6) fl-E't"O(31: 't"~V -rp['t"'Y)V &11:t-rix'i:c;s~i)oµ~XOV't"IX
1 Erythraeae] erythreae AB erithraeae R, alii sim. sed constat] constat xixt hix-rov 61cuµm&cr,v &µ1tp'Y)cr&e:v-roc; -rou vixou, Et-r' &~ &m~ou1c~c;,cilc;ofov-rix[
autem FO 2 regnante Tarquinio] servio tullo regn. tarq. M servilio tullo 5 -rw'.i-roµ&-rou, cr0v -ro'i:c;&1c1co,c;&.vix&~µixcr,-rou &Eou xixt o0-ro,
-r,vEc;, Et-r' &.11:0
regn. tarq. R nomine Amaltheam] quae se malteam diceret FO amathemiam H
3,Eqi&&p'Y)crixv u11:o-rou 11:up6c;.o[ 31: vuv /Jv-rEc;&x 11:onwv dcr, cruµqiop'Y)-rot
5 reversa est - - tribus incensis om. ARSH tantundem Fabricius tantum OM
-o'
• 7tWV, OL ' fJ-EV
' EX
, 't"WV
- EV, 'I 't"IXALql
' ' 7t0AEWV
'' a, i: , E pu&pwv 't"WV
Ot' o"', Ee,
XOfJ-LO"'ITEV't"Ec;,
trecentos F poposcit ac denuo contempta est add. F 6 postulaverat] popos-
cerat FO re om. F 7 mutabat] minuebat FO tune - - - apparuisse Serv. auct. , 'A crtqt,
EV ' ' ooyµix
"'
XIX't"IX (.). ,- -rptwv
1-'0UA'Y)c; - IX7t00"'t"IXAEV't"WV
, ' 1tpEcr~EU't"WV &11:t't"~V
&.v-r,ypixqi~v,o[ 3' E~ &nwv 1t6AEWVxixt 11:ixp'&.v3pwv ti>tw-rwv fJ-E't"IXypixqie:v-rEc;.
Serv. Aen. 6, 72: Sibyllina responsa, quae, ut supra (ad v. 36) diximus, incertum
est cuius Sibyllae fuerint, quamquam Cumanae Vergilius dicat, Varro Erythraeae.
10 EV olc; EUptcrxov-ra;[ 't"LVEc;EfJ-7tE7tOL'Y)fJ-EVOt-ro'i:c;Lt~undo,c;, &Myxov-rixt 31: -rix'i:c;
Sed constat - - - non apparuisse. xix1couµe:vixtc;&.xpocr-rixlcrt.
T: Myth. Vat. II 88.
2 KClmTWAtouAB 3 bd B sv A 4 xd om. AB o'iovTCltAB 2 ot6v TEBI Eh' &:rr'
Serv. Aen. 6, 36 (fr. 4 M.): multae autem fuerunt (sc. Sibyllae), ut supra (3, 445)
G(lJTOµchouA d-re: &:rrClUToµ&-rou
B &1.1.otc;]151.otc;
B
diximus; quas omnes Varro commemorat et requirit a qua sint facta Romana con-
scripta. Et multi, sequentes Vergilium, ab hac Cumana dicunt: quae licet longaeva Dion. H. 4, 62, 5 (fr. 8 M.): µrnx i)/; T~VEX~OA~V't"WV~G(CHAEWV ~ rr61.tc;G:VG(AG(~QU()"G(
legatur, non tamen valde congruit earn usque ad Tarquinii tempora durasse, cui T~v TWV XP"Y)aµ&vrrpoaTClGLClV &vi3pClc;
TE Touc; E7n'f'ClVEaTCXTOUc;
&rroi3dxvuatv Clu-r&v
Sibyllinos libros constat oblatos. ducitur tamen Varro, ut Erythraeam credat scrip- 'f'~AG(XG(c;,
or i)ux ~LOUTG(UT"Y)V e:xouat T~V smµEAELG(V GTPClTELWV
CX'f'Etµsvm... oi3Tat
sisse, quia post incensum Apollinis templum, in quo fuerant, apud Erythram insu- ~-- &:xpocr-rtx[at· 1.iyw i3'& TEpEV-rtoc;Ou&ppwv LaT6p"Y)XEV
/)tEµELVG(V EVT'ij B-EOAOytx'ij
lam ipsa inventa sunt carmina. 1tpClyµClTEtqt.
46 BURKHART CARDAUNS M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 47

61t Liher V de sacellis


Victorem Herculem . . . dictum, quod omne genus animalium deinceps
62*
vicerit sacellum ... sacra cella est

deinceps Thilo dicens F decies Daniel Donat. in Ter. adelph. 567 (4, 2, 37; fr. 453 GRF): et sacellum, ut Varro ait, sacra
cella est.
S erv. auc t . A en. 8 , 363 ( RD V fr. 6 M.): Varro enim divinarum .libro IV. d Victoremt C: Trebatius ap. Gell. 7, 12, 5 (fr. 3 GRF); Fest. 318; Prise. 3, 38 (GL II 111, 11);
Herculem putat dictum, - - - vicerit. Sed Romae Victoris I_Iercuhs aede~ uae sun , Ps.-Fronto diff. GL VII 523, 26.
una ad Portam Trigeminam, alia ad Forum Boarrnm. Cums comment1 causa haec
exponitur: M. Octavius Hersennus etc. cf. id. 8, 203. .
111.acr.3, 6, 10: Varro divinarum libro quarto V1ctorei:n H~rculem ~utat dictum, 63t
quod omne genus animalium vicerit. Romi:e autem Vw~ons Hercul~s aedes duae duo sunt principia deorum animadversa de caelo et terra, a quo dii partim
sunt, una ad Portam Trigeminam, altera m Foro Boar~o. (11) H:1rns commenti dicuntur caelestes, partim terrestres.
causam Masurius Sabinus memorabilium libro secundo ahter exJ?omt etc. .
c: Varro Men. fr. 20; Varro ap. Serv. Aen. 8, 564: omnes qm fecerant fort1ter. Aug. civ. 7, 28 p. 310, 28 (fr. 1 M., verba Varronis ex libro XVI RD fr. 39): quoniam,
Hercules vocabantur; RD I fr. 32 et 35; RD XV fr. 220. inquit, ut primo libro dixi de locis, duo sunt - - - terrestres.

64t
sic pater magnus, mater <mag)na, hi sunt Caelus <Tellus).
1 magna suppl. Junius hi] his Quicherat, Lindsay Tellus add. Quicherat
Non. 197 (RD XVI fr. 5 M.): Varro rerum divinarum VI (VI Mercerus, nt codd.)
deum significa<n)s, non partem mundi: sic pater - - - Caelus.
C: RD XVI fr . .'245.

65*
diis superis altaria, terrestribus aras, inferis focos dicari
Serv. auct. eel. 5, 66 (fr. 2 M., fr. 412 GRF): Varro diis - - - dicari adfirmat.
C: Liv. 1, 32, 9; Paul. Fest. 29; Serv. Aen. 2, 515; Serv. auct. Aen. 5, 54; Lact.
Plac. 4, 459 (inde Myth. Vat. III 6, 31).

66
veteres aras ,,asas" dicebant, postea inmutata littera ,,s" in ,,r" aras
dixerunt, sicut Valesios Valerios, Fusios Furios . . . necesse enim erat
<ut) ansis <vasa) eas a sacrificantibus teneri; quod nisi fieret, diis sacrifi-
catio grata non esset.
1 inmutata P, bis F mutata T Ambros. mutata muttata G s Ambros., om. FGPT
2 Furios] fumos G 3 <ut) ansis <vasa) eas a scripsi e.g. ansiseasa FG reas T
a Ambros. areas a Merkel, Thilo, ed. Harvard. teneri] tenere T sacrificatio]
sacrificio G
Serv. auct. Aen. 4, 219 (fr. 3 M., fr. 128 GRF): veteres aras - - - Furios. Quod
Varro rerum divinarum in libro quinto (quinto om. Ambros.) plenius narrat. Neces-
se enim - - - non esset .
.Lvfacr. 3, 2, 8: Varro divinarum libro quinto dicit aras primum asas dictas, quod
esset necessarium a sacrificantibus eas teneri; ansis autem teneri solere vasa quis
dubitet? Commutatione ergo litterarum aras dici coeptas, ut Valesios et Fusios
dictos prius, nunc Valerios et Furios dici. (et Furios - - - Valerios om. N DP).
Terent. Scaurus orth. GL VII 13, 13: item Furios dicimus quos antiqui Fusios, et
mas quas illi asas (cf. 23, 16).
M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 49
48 BURKHART 0ARDAUNS

O: Alias etymologias perhibent Varro LL 5, 38; Serv. Aen. 2,515 (Myth. Vat. Ill Liber VI de sacris aedibus
6, 31); Isid. or. 15, 4, 13. De rhotazismo cf. Varronem LL 7, 26 sq.; 6, 2; ap. Velium
Longum GL VII 69, 7 sq. (fr. 280 GRF). cf. Liv. 3, 4, 1; Quint. 1, 4, 13; Fronto Testimonium
p. 203, 5 van den Hout (asa).
Aug. civ. 3, 17 (p. 126, 3/6; fr. 1 M.): nisi postea eodem modo neglecta
67 atque usurpata latitarent (sc. loca sacra), non utique magnae peritiae
Iano duodecim aras pro totidem mensibus dedicatas Varronis tribueretur, quod scribens de aedibus sacris tarn multa ignorata
Macr. 1, .9, 16 (fr. 4 M., de Iano Iunonio): in dicione autem Iunonis commemorat.
sunt omnes kalendae, unde et Varro libro quinto rerum divinarum scribit Iano - - -
dedicatas.
0: Fronteius ap. Lyd. mens. 4, 2: llwilExci:~wµov dvoa 1:ov 0tu1:ou (sc. fovou) v0tov
x0t1:cx1:ov 1:wv µ1]VWV&pt&µ6v. 69
ideo loca sacra civitates habere voluisse, ne per continua aedificia incendia
68 prolaberentur et ut esset, quo confugerent plerique cum familia sua in
inter sacratas aras focos quoque sacrari solere, ut in Capitolio Iovi, Iunoni, periculis
Minervae, nee minus in plurimis urbibus oppidisque, et id tarn publice
2 prolaberentur OP perlab- coni. Bergk
quam privatim solere fieri; focum autem dictum a fotu, ut colinam ab
eo quod ibi ignis colatur; nee licere vel privata vel publica sacra sine foco Serv. auct. Aen. 2, 512 (fr. 2 M.): Varro locum quattuor angulis conclusum aedem
docet appellari debere. Idem rerum divinarum libro sexto intulit, ideo loca sacra
5 fieri. - - - in periculis.
1 quoque Ambros. queque F 2 oppidisque Ambros. opidisque F 3 fotu Thilo 0: Oic. leg. agr. 2, 36
(Isid. diff. 307) fovi Ambros. F ut colinam F et coli nam Ambros. 4 licere F
liceat Ambros. 5 foco Ambros. focu F
Serv. auct. Aen. 3,134 (fr. 5 M., fr. 158 GRF): sane Varro rerum divinarum refert 70
inter sacratas - - - sine foco fieri. delubrum esse ... aut ubi plura numina sub uno tecto sunt, ut Capitolium,
Serv. auct. Aen. 3, 178: et hie sicut superius dictum est, ostendit cum aris etiam
focos solere numinibus consecrari. aut ubi praeter aedem area sit adsumpta deum causa, ut in circo Flaminio
Serv. auct. Aen. 11, 211: an quod focum dicat ubicumque ignis est et fovetur, Iovi Statori, aut in quo loco dei dicatum sit simulacrum, ut, (sicut) in
unde et Varro focum dici vult. quo figunt candelam, candelabrum appellant, sic in quo deum ponunt,
Serv. Aen. 12, 118: quidquid ignem fovet, focus vocatur, sive ara sit, sive quid 5 delubrum dicant.
aliud in quo ignis fovetur, (pergit Serv. auct.) sicut in tertio dictum est. Tamen et
hie in publico sacrificio ostendit cum aris etiam focos sacratos. . . . 3Statori]SutoriFv (sicut)suppl. Thilo 4ponuntFvThilo ponant fP ed.Harv.
T: Isid. or. 20, 10, 1: Varro autem focos ait dictos quod foveant 1gnes, nam 1gms
ipsa flamma est; quidquid autem ignem fovet, focus vocatur, seu ara sit, sive quid Serv. auct. Aen. 2, 225 (fr. 3 1\ll.): Varro autem rerum divinarum libro tXIX
aliud in quo ignis fovetur. Isid. diff. 1,307: Ignis ipsa flamma est, focus vero fomes (tXIX Thilo lib. 19 f lib. XXIX Fv libro XXVII Oommelinus, vulg.) delubrum
ac nutrimentum ignis; nam Varro focus ait dictus quod foveat ignem. Focus ergo esse dicit aut ubi - - - dicant. cf. Serv. auct. Aen. 4, 56: sane in secundo libro de
singulis specie bus delubri iuxta Varronem relatum est; in quibus est species
dictus a fotu.
delubri talis, ut praeter aedem area sit adsumpta deum causa, id est spatia relin-
0: Paul. Fest. 85; Non. 9 et 481.
quantur iuxta aras ministerii causa, ad sacrificia peragenda.
Serv. Aen. 2, 225: delubrum dicitur, quod uno tecto plura conplectitur numina,
Appendix ad librum V quia uno tecto diluitur, ut Capitolium, in quo est Minerva, Iuppiter, Iuno.
a) Varro LL 6, 54 (RD II fr. 51 Oondemi): hinc fana nominata, quod ponti- Macr. 3, 4, 2 (fr. 154 GRF): Varro libro octavo rerum divinarum delubrum ait
fices in sacrando fati sint finem; hinc profanum, quod est ante fanum coniunctum alios aestimare in quo praeter aedem sit area adsumpta deum causa, ut est in
circo Flaminio Iovis Statoris, alios in quo loco dei simulacrum dedicatum sit, et
fano.
b) Macr. 3, 6, 17 (de ara Maxima): custoditur in eodem loco ut omnes aperto adiecit, sicut locum in quo figerent candelam, candelabrum appellatum, ita in quo
capite sacra faciant ... Varro ait Graecum hunc esse morem, quia ~ive ipse (sc. deum ponerent, nominatum delubrum. (3) His a Varrone praescriptis intellegere
Hercules) sive qui ab eo relicti aram Maximam stat,uerunt, Graeco ntu sacr1fica- possumus id potissimum ab eo probatum, quod ex sua consuetudine in ultimo
posuit, ut a dei dedicato simulacro delubrum coeperit nuncupari.
verunt.
c) Plut. qu. Rom. 90 (RD XIII fr. 1 M.): tlta 1:l 1:0 'Hp0txAd ytyvoµsv1J½ &ucrl0t½ 0: Oincius fr. 16 GRF et Masurius Sabinus fr. 7 Mazzarino; ap. Serv. auct. Aen.
iJ.AAOV ouilE:VOt&e:wv ovoµci:~oucrtvou/le cp0tlve:1:0tt
Y.U(i)V 1:WVrre:pt~6AWV,w½
EV1:0½ Bci:ppwv 2, 225: Ps.-Asconius in Oic. div. in Oaec. p. 101 Or.
Varro LL 5, 119: candelabrum a candela.
La--r6p1)XS:V;
50 BURKHART CARDAUNS M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 51

71 t g) Serv. auct. Aen. 1,505: quidam tradunt apud veteres omnia templa in modum
testudinis facta, at vero sequenti aetate divinis simulacris positis nihilominus in
eius (sc. Javis) nutricem in Capitolio ...
templis factas esse testudines, quod Varro ait, ut separatum esset, ubi metus
epulones deos ... ad eius ( sc. I ovis) mensam esset, ubi religio administraretur ( cf. App. I c).
Aug. civ. 6, 7 p. 258, 18 (fr. 4 M.): Quid de ipso love senserunt, qui eius nutricem h) Plin. nat. 8, 194 (fr. 8 M., VPR I fr. 16 Rip.): lanam in colo et fuso Tana-
in Capitolio posuerunt? p. 258, 22: Epulones etiam deos, parasitos Iovis, ad eius quilis, quae eadem Gaia Caecilia vocata est, in templo Sancus durasse prodente
mensam qui constituerunt, quid aliud quam mimica sacra esse voluerunt ? Nam se auctor est M. Varro, factamque ab ea togam regiam undulatam in aede For-
parasitos Iovis ad convivium eius adhibitos si mimus dixisset, utique risum quae- tunae, qua Ser. Tullius fuerat usus.
sisse videretur. Varro dixit. Non cum inrideret deos, sed cum commendaret hoe i) Plut. qu. Rom. 4: aedes Dianae in Aventino.
dixit, divinarum, non humanarum rerum libri hoe eum scripsisse testantur, nee
ubi ludos scaenicos exponebat, sed ubi Capitolina iura pandebat.

72
canalis ea dispescit templa
canalis ea Rutgersius canales eas V, Thilo dispescit Thilo despescit V despicit
Mascicius dispicit Burmannus templa V ttempla Thilo (templum vel templo
prop. Thilo in app.)
Serv. auct. georg. 4, 265 (fr. 5 1Vl.): Varro divinarum libro VI. canalis ea dispescit
templa. feminino genere canales dixit.
C: Liv. 23, 31, 9.

73
aedem Saturni ad forum faciendam locasse L. Tarquinium regem, Titum
vero Larcium dictatorem Saturnalibus earn dedicasse.
faciendam NDPTB faciendum VZRFA
Macr. 1, 8, 1 (fr. 7 M.): Tullum Hostilium invenio fanum Saturno ex voto
consecravisse ... quamvis Varro libro sexto, qui est de sacris aedibus, scribat
aedem Saturni - - - dedicasse.
C: Dion. H. 6, 1, 4.

Appendix ad librum VI
a) Varro LL 5, 160: in aedibus sacris ante cellam, ubi sedes dei sunt, Graeci
dicunt rrp6iloµov, quod po(s)t est, bmcr-&6iloµov.
b) Varro LL 6, 61 (RD II fr. 52 Condemi): aedis sacra a magistratu pontifice
praeeunte dicendo dedicatur.
c) Varro LL 7, 10: Curia Hostilia templum est et sanctum non est; sed hoe ut
putarent aedem sacram esse templum, (eo videtur) esse factum, quod in urbe
Roma pleraeque aedes sacrae sunt templa, eadem sancta.
d) Varro LL 7, 12: quidam dicunt illum qui curat aedes sacras aedituum, non
aeditumum.
e) Varro epist. quaest. IV ap. Gell. 14, 7, 7: non omnes aedes sacras templa
esse acne aedem quidem Vestae templum esse.
f) Non. 494: Varro de vita populi Romani lib. I (fr. 13 Rip.): haec aedis, quae
nunc est, multis annis post facta sit. utique omnia regis temporibus delubra
parva facta.
52 BURKHART CARDAUNS M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 53

Liber VII de locis religiosis Liber VIII de feriis


74 76
Inter duas filias regum quid mutet, inter Antigonam et Lupercalia februatio
Tulliam, est animadvertere.
Varro LL 6, 13: Lupercalia dicta, quod in Lupercali Luperci sacra faciunt. Rex
2 animadvertere (-verte Z)3 enim advertere (advenere X)Fy cum ferias menstruas Norris Februariis edicit, hunc diem februatum appellat;
februm Sabini purgamentum, et id in sacris nostris verbum; nam et Lupercalia
Gell. 18, 12, 8 (fr. 1 M.): (,Mutant') inquit elegantissime pro ,mutantur'. (9) februatio, ut in antiquitatum libris demonstravi.
Potest etiam id quoque ab eodem Varrone in VII. divinarum similiter dictum C: LL 5, 85; 6, 34; Gens. 22, 14; VPR I fr. 22 Rip. (Non. 114); GPR II fr. 21
videri: Inter --- animadvertere. Fracc. (Aug. civ. 18, 12); GPR III fr. 29 Fracc. (Aug. civ. 18, 17); RD IX fr. 80
(Luperci); RD XV fr. 221 (Luperca); RD XVI fr. 231 (Februarius-februm).
75
postquam vidit misericordia labasci mentem infirmam po- 77
puli Poplifugia ... aliquot huius diei vestigia fugae in sacris apparent
Non. 473 (RD VI fr. 6 M.): Varro rerum divinarum libro VII: postquam --- Varro LL 6, 18: dies Poplifugia ... aliquot huius d(i)ei vestigia fugae in sacris
populi. apparent, de quibus rebus antiquitatum libri plura referunt (cf. App. VIII a).

Appendix ad lihrum VII 78*


a) Fest. 270 (RD VII fr. 2 M., RH IV fr. 4 Mirsch, fr. 452 GRF): [Ruminalem veteres Romani ... ubi terram movisse senserant nuntiatumve erat,
ficum esse appel]latam ait Varro [prope Curiam sub Veter]ibus quod sub ea ar[bore ferias eius rei causa edicto imperabant, sed dei nomen, ita uti solet, cui
lupa rumam praebuerit] Remo et Romulo. [mamma enim ruma dicitur; ante]a servari ferias oporteret, statuere et edicere quiescebant, ne alium pro
autem rumis di[cebatur; unde rustici haed]os subrimios vo[cant, quasi adhuc sub alio nominando falsa religione populum alligarent. (3) Eas ferias si quis
mamm]a. alii autem sunt [qui dictum putent quod sub ea pecus] ruminari solitum
5 polluisset piaculoque ob hanc rem opus esset, hostiam ,,si deo si deae"
[esset].
cf. RD XIV fr. 113; App. X immolabant, idque ita ex decreto pontificum observatum esse ... quoniam
b) Varro in epist. ad Servium Sulpicium ap. Gell. 2, 10 (cf. Non. 112): favisae et qua vi et per quern deorum dearumve terra tremeret incertum esset.
Capitolinae (fr. 228 GRF).
c) cf. etiam Varro LL 5, 23 (sepulcrum); 5,25 (putei, puticuli); 5,148 sq. (lacus 2 causa edicto imperabant recc. cause dicto impetrabat VPR 5 rem opus Lip-
Curtius); 5,157 (Busta Gallica, doliola); LL 6, 13 (sepulcrum). sius remotus VP R
d) Plut. qu. Rom. 27: ~ta o;[ rrix.vo:dxo~ &[3e:[31)AOV
,ml LEpov voµ[½OU<n,'1;(X~ae: Gell. 2, 28, 2 {fr. 1 M.): propterea veteres Romani, cum in omnibus aliis vitae
ITUAO(~ou voµ[½oucnv; officiis, tum in constituendis religionibus atque in dis immortalibus animad-
7
H XO(&rx:rrEp
~YP°'41EB&ppwv '1;()µe:vo:dxo~ [gpov 3d voµ[½ElV,OITW~ urre:p O(l)'1;0U
µrxxwvo:a:t vertendis castissimi cautissimique, ubi terram - - - observatum esse M. Varro
rrpo&uµw~ x°'l &rro&viJcrxwcnv; dicit; quoniam et - - - esset.

79*
contra religionem esse si vel rigentur agri vel laventur animalia festis
die bus; nymphae enim sine piaculo non possunt moveri
Serv. georg. 1, 270 (fr. 2 M.): sane sciendum secundum Varronem contra religionem
--- moveri.
C: Serv. georg. 1, 268. 275 (Varro).

Appendix ad lihrum VIII


a) Varro LL 6, 12: Ad naturale discrimen civilia vocabula dierum acces-
serunt. Dicam prius qui deorum causa, tum qui hominum sunt instituti. Dies
agonales per quos rex in regia arietem immolat, dicti ab ,,agon", eo quod
interrogat (minister sacrificii ,,agone ?"; nisi si a Graeca lingua, ubi ri.ywv
54 BURKHART 0ARDAUNS M. Terrentius Varro antiquitates rerum divinarum 55

5 princeps, ab eo quod immolat)ur a principe civitatis et princeps gregis Consualia dicta a Conso, quod tum feriae publicae ei deo et in Circo ad aram
immolatur. Carmentalia nominantur quod sacra tum et feriae Carmentis. eius ab sacerdotibus ludi illi, quibus virgines Sabinae raptae. Volcanalia a
13: Lupercalia dicta, quod in Lupercali Luperci sacra faciunt. Rex cum 60 Volcano, quod ei tum feriae et quod eo die populus pro se in ignem animalia
ferias menstruas N onis Februariis edicit, hunc diem februatum appellat; mittit.
februm Sabini purgamentum, et id in sacris nostris verbum; nam et Luper- 21: Opeconsiva dies ab dea Ope Consiva, cuius in regia sacrarium quod adeo
10 calia februatio, ut in Antiquitatum libris demonstravi (RD VIII fr. 76). artum, ut eo praeter virgines Vestales et sacerdotem publicum introeat nemo.
Quirinalia a Quirino, quod ei deo feriae et eorum hominum, qui Furnacalibus ,,Is cum eat, suffibulum ut habeat" scriptum; id dicitur ut ab suffi(g)endo
suis non fuerunt feriati. Feralia ab inferis et ferendo, quod ferunt tum epulas 65 subligaculum. Volturnalia a deo Volturno, cuius feriae tum.
ad sepulcrum quibus ius ibi parentare. Terminalia, quod is dies anni extremus Octobri mense Meditrinalia dies dictus a medendo, quod Flaccus flamen
constitutus; duodecimus enim mensis fuit Februarius et cum intercalatur Martialis dicebat hoe die solitum vinum (novurn) et vetus libari et degustari
15 inferiores quinque dies duodecimo demuntur mense. Ecurria ab equorum medicamenti causa; quod facere solent etiam nunc multi cum dicunt: N ovum
cursu; eo die enim ludis currunt in Martio campo. vetus vinum bibo, novo veteri morbo medeor.
14: Liberalia dicta, quod per totum oppidum eo die sedent (ut) sacerdotes 70 22: Fontanalia a Fonte, quod is dies feriae eius; ab eo tum et in fontes coro-
Liberi anus hedera coronatae cum libis et foculo pro emptore sacrificantes. nas iaciunt et puteos coronant. Armilustrium ab eo quod in armilustrio ar-
In libris Saliorum quorum cognomen Agonensium, forsitam hie dies ideo mati sacra faciunt, nisi locus potius dictus ab his; sed quod de his prius, id
20 appelletur potius Agonia. Quinquatrus: hie dies unus ab nominis errore ab lu(d)endo aut lustro, id est quod circumibant ludentes ancilibus armati.
observatur proinde ut sint quinque; dictus, ut ab Tusculanis post diem Saturnalia dicta ab Saturno, quod eo die feriae eius, ut post diem tertium
sextum Idus similiter vocatur Sexatrus et post diem septimum Septimatrus, 75 Opalia Opis.
sic hie, quod erat post diem quintum Idus Quinquatrus. Dies Tubulustrium 23: Angeronalia ab Angerona, cui sacrificium fit in curia Acculeia et cuius
appellatur, quod eo die in Atrio Sutorio sacrorum tubae lustrantur. feriae publicae is dies. Larentina.e, quern diem quidam in scribendo Laren-
25 15: Megalesia dicta a Graecis, quod ex libris Sibyllinis arcessita ab Attalo talia appellant, ab Acea Larentia nominatus, cui sacerdotes nostri publice
rege Pergama; ibi prope mu rum Megalesion, id est tern plum eius deae, unde parentant et sexto die, qui atra dicitur diem tarentum Accas Larentinas.
advecta Romam. Fordicidia a fordis bubus; bos forda quae fert in ventre; 80 24: Hoe sacrificium fit in Velabro, qua in Novam Viam exitur, ut aiunt
quod eo die publice immolantur boves praegnantes in curiis complures, a quidam ad sepulcrum Accae, ut quod ibi prope faciunt diis Manibus servili-
fordis caedendis Fordicidia dicta. Palilia dicta a Pale, quod ei feriae, ut bus sacerdotes; qui uterque locus extra urbem antiquam fuit non longe a
30 Cerialia a Cerere. Porta Romanula, de qua in priore libro dixi. Dies Septimontium nominatus
16: Vinalia a vino; hie dies Iovis, non Veneris. Huius rei cura non levis ab his sept.em montibus, in quis sita urbs est; feriae non populi, sed monta-
in Latio; nam aliquot locis vindemiae primum ab sacerdotibus publice 85 narum modo, ut Paganalibus, qui sunt alicuius pagi.
fiebant, ut Romae etiam nunc; nam flamen Dialis auspicatur vindemiam et 25: De statutis diebus dixi; de annalibus nee d(i)e statutis dicam. Compi-
ut iussit vinum legere, agna Iovi facit, inter cuius exta caesa et porrecta talia dies attributus Laribus vialibus; ideo ubi viae competunt tum in com-
35 flamen primus vinum legit. In Tusculanis portis est sriptum: Vinum novum petis sacrificatur. Quotannis is dies concipitur. Similiter Latinae feriae dies
ne vehatur in urbem ante quam Vinalia kalentur. Robigalia dicta ab Robigo; conceptivus dictus a Latinis populis, quibus ex Albano monte ex sacris car-
secundum segetes huic deo sacrificatur, ne robigo occupet segetes. 90 nem petere fuit ius cum Romanis, a quibus Latinis Latinae dictae.
17: Dies Vestalia ut virgines Vestales a Vesta. Quinquatrus minusculae 26: Sementivac feriae dies is, qui a pontificibus dictus, appellatus a semente,
dictae Iuniae Idus ab similitudine maiorum, quod tibicines tum feriati vagan- quod sationis causa suscepta(e). Paganicae eiusdem agriculturae causa sus-
40 tur per urbem et conveniunt ad aedem Minervae. Dies Fortis Fortunae ap- ceptae, ut haberent in agris omnis pagus, unde Paganicae dictae. Sunt prae-
pellatus ab Servio Tullio rege, quod is fanum Fortis Fortunae secundum terae feriae conceptivae quae non sunt annales, ut hae quae dicuntur sine
Tiberim extra urbem Roman dedicavit Iunio mense. 95 proprio vocabulo aut cum perspicuo, ut N ovendiales sunt.
18: Dies Poplifugia videtur nominatus, quod eo die tumultu repente fugerit
populus; non multo enim post hie dies quam decessus Gallorum ex urbe, et b) Plin. nat. 18,285: Robigalia Numa constituit anno regni sui XI, quae nunc
45 qui tum sub urbe populi, ut Ficuleates ac Fidenates et finitimi alii, contra agantur a.d. VII Kal. Mai., quoniam tune fere segetes robigo occupat. hoe tempus
nos coniurarunt. Aliquot huius d(i)ei vestigia fugae in sacris apparent, de Varro determinavit sole tauri partem X obtinente, sicut tune ferebat ratio.
quibus rebus antiquitatum libri plura referunt (RD VIII fr. 77). Nonae c) Plin. nat. 18, 286: Itaque iidem Floralia IIII Kal. easdem instituerunt urbis
Caprotinae, quod eo die in Latio Iunoni Caprotinae mulieres sacrificantur et anno DXVI ex oraculis Sibyllae, ut omnia bene deflorescerent. hunc diem Varro
sub caprifico faciunt; e caprifico adhibent virgam. Cur hoe, toga praetexta determinat sole tauri partem XIV obtinente. cf. Plin. nat. 18, 289: Vinalia altera
50 data eis Apollinaribus ludis docuit populum. (18, 295).
19: N eptunalia a N eptuno; eius enim dei feriae. Furrinalia a Furrina, quod d) Macr. 1, 4, 14: Varro Feralium diem ait a ferendis in sepulchra epulis dici.
ei deae feriae publicae dies is; cuius deae honos apud antiquos; nam ei sacra non dixit Feraliorum, et alibi Floralium, non Floraliorum ait, cum idem non
instituta annua et flamen attributus; nunc vix nomen notum paucis. Portu- ludos Florales illic, sed ipsum festum Floralia significaret.
nalia dicta a Portuno, cui eo die aedes in portu Tiberino facta et feriae insti- e) Macr. 1, 16, 18: Varro ita scribit: mundus cum patet, deorum tristium a,tque
55 tutae. inferum quasi ianua patet. propterea non modo proelium committi, verum etiam
20: Vinalia rustica dicuntur ante diem XIV Kalendas Septembres, quod t m dilectum rei militaris causa habere ac militem proficisci, navem solvere, uxorem
Veneri dedicta aedes et horti ei deae dicantur ac tum sunt feriati holitores liberum quaerendorum causa ducere religiosum est. vitabant veteres ad viros vo-
56 BURKHART CARDAUNS M. Terrentius Varro antiquitates rerum divinarum 57

candos etiam dies qui essent notati rebus adversis, vitabant etiam ferias sicut Liber IX de ludis circensibus
Varro in augurum libris scribit in haec verba: viros vocare feriis non oportet; si
vocavit, piaculum esto (RD III fr. 4 M.). 80*
f) Macr. 1, 15, 21: sed Verrium Flaccum iuris pontificii peritissimum dicere
ludios a ludo, id est a lusu sicut et Lupercos ludios appellabant, quod
solitum refert Varro, quia feriis tergere veteres fossas liceret, novas facere ius non
esset, ideo magis viduis quam virginibus idoneas esse ferias ad nubendum. ludendo discurrant
g) Plut. qu. Rom. 105 (RD VIII fr. 3 M.): ~t& ·dvoc och-locvs:v -roc'i:c;/>'Y)µocrloctc; 1 ludios Weber, Soveri, Reifferscheid- Wissowa, Buchner, Dekkers, edd. ludos B
1:op-roc'i:c; o
f&o<; oox ~crn yocµe:fo-&oct7t0Cp-&svouc;,oc[ i>e:x'ijpoci yocµouv-roct; rr6-re:pov, 6:J<; Oehler, Boulanger, Marra lu [lac.] lusu A 2 ludios Oehler, Reiff.· Wiss., Boulanger,
B&ppwv dp'Y)xe:v, 8n Aurrouµe:voctµe:v oc[ rrocp-&svotyocµouv-roct, xoclpoucrt 3' oc[ yuvoc'i:xe:c;, Dekkers, Marra ludos AB Lupercorum ludos Klussmann
1:op-r'ij /)e: <l>e:'i:>[J.'Y)/>e:v
AU7t0U[J.EVOU<;
7t0te:LV[J.'Y)/>E:
rrpoc; &v&yx'Y)v;
h) Schol. Pers. 1, 72: Varro sic ait: Palilia tarn privata quam publica sunt et Tert. spect. 5, 3 (fr. 435 GRF'): Sed etsi Varro ludios a ludo, id est a lusu, inter-
est genus hilaritatis et lusus apud rusticos, ut congestis cum foeno stipulis ignem pretatur, sicut et ... discurrant, tamen eum lusum iuvenum et diebus festis et
magnum transiliant, his palilibus se expiari credentes. (his pal. se expiari creden- templis et religionibus reputat.
tes] quorum palili facilint earn expurgari credentes ed. princ. quod Pali faciunt T: Isid. or. 18, 16, 2: Varro autem dicit ludos a lusu vocatos, quod iuvenes per
earn se expiare credentes edd. Jahn-Buecheler, Leo, Conington-Nettleship). dies festos solebant ludi exultatione populum delectare.
C: Non. 530: quod ludis pueri praesules essent glabri ac depilis propter aetatem,
quos antiqui Romani lydios appellabant, ut est in lib. I Varronis de vita populi
Romani (fr. 27 Rip.).

81 *
dies . . . instauraticius . . . a redintegratione . . . instaurare . . . esse
instar novare
Macr. 1, 11, 5 (fr. 1 M., fr. 430 GRF'): ex senatus itaque consulto et Maenia lege
ad propitiandum Iovem additus est illis Circensibus dies, isque instauraticius dic-
tus est non a patibulo, ut quidam putant, Graeco nomine &rro -rou cr-rocupou, sed a
redintegratione, ut Varroni placet, qui instaurare ait esse instar novare.
C: Aug. civ. 4, 26 p. 17 8, 17: Tito Latinio rustico Romano patri familias dictum
est in somnis, in senatum nuntiaret, ut ludi Romani instaurarentur, quod primo
eorum die in quodam scelerato, qui populo spectante ad supplicium duci iussus
est, numinibus . . . triste displicuisset imperium. Cum ergo ille qui somnio com-
monitus erat postero die iussa facere non ausus esset, secunda nocte hoe idem
rursus severius imperatum est; amisit filium, quia non fecit. Tertia nocte dictum
est homini, quod maior ei poena, si non faceret, inmineret. Cum etiam sic non
auderet, in morbum incidit acrem et horribilem. Tum vero ex amicorum sententia
ad magistratus rem detulit atque in lectica allatus est in senatum expositoque
somnio recepta continuo valetudine pedibus suis sanus abscessit. Tanto stupefactus
miraculo senatus quadruplicata pecunia ludos censuit instaurari.
cf. Cic. div.1, 55; Liv. 2, 36; Dion. H. 7, 71, 2; 73, 5; Val. Max. I, 7, 4; Lact. inst.
2, 7, 20.

Appendix ad librum IX
a) Tert. spect. 5, 1 (Suetoni Reliquiae fr. 184 Reiff.):
De originibus quidem ut secretioribus et ignotis penes plures nostrorum altius
nee aliunde investigandum fuit quam de instrumentis ethnicalium litterarum.
(2) extant auctores multi, qui super ista re commentarios ediderunt. ab his
ludorum origo sic traditur: Lydos ex Asia transvenas in Etruria consedisse
5 Timaeus refert, duce Tyrreno, qui fratri suo cesserat regni contentione. igitur
in Etruria inter ceteros ritus superstitionum suarum spectacula quoque
religionis nomine instituunt. inde Romani arcessitos artifices mutuantur,
itemque enuntiationem, ut ludii a Lydis vocarentur.
58 BURKHART CARDAUNS M. Terrentius Varro antiquitates rerum divinarum 59

(3) sed etsi Varro ludios a ludo, id est a lusu, interpretatur, sicut et Lupercos Liber X de ludis scaenicis
10 ludios appellabant, quod ludendo discurrant, tamen eum lusum iuvenum et
diebus festis et templis et religionibus reputat (supra fr. 80) . ... Testimonium
(4) ... ludi Liberalia ... (5) exinde ludi Consualia dicti, qui initio Neptunum Aug. civ. 4, 1 p.146, 20: ita ut vir doctissimus apud eos Varro et gravissimae
honorabant. eundem enim et Consum vacant. dehinc Ecurria ab equis Marti
Romulus dixit; quamquam et Consualia Romulo defendunt, quod ea Conso
auctoritatis ... in rebus divinis ludos scaenicos poneret ... quod profecto
15 dicaverit deo, ut volunt, consilii ... non auctoritate sua fecit, sed quoniam Romae natus et educatus m
(7) et nunc ara Conso illi in circa demersa est ad primas metas sub terra cum divinis rebus invenit. cf. civ. 4, 26 p. 178, 7; civ. 4, 31 p. 185, 18.
inscriptione eius modi: Consus consilio Mars duello Lares coillo potentes.
sacrificant apud earn Norris Iuliis sacerdotes publici, XII Kalend. Septembres
flamen Quirinalis et virgines. (8) dehinc idem Romulus Iovi Feretrio ludos 82
20 instituit in Tarpeio, quos Tarpeios dictos et Capitolinos Piso tradit. post nonnullis magistratibus rn oppido id genus umbraculi con-
hunc Numa Pompilius Marti et Robigini fecit (nam et robiginis deam finxe- cessum
runt); dehinc Tull us Hostilius dehinc Ancus Marti us et ceteri quoque per
ordinem et quibus idolis ludos instituerint, positum est apud Suetonium 2 id genus: ignus R
Tranquillum vel a quibus Tranquillus accepit. Macr. 6, 4, 8 (ad Verg. eel. 9, 41): sunt qui aestiment hoe verbum ,umbracula'
25 Tert. spect. 6, 2: ... Megalenses enim et Apollinares, item Cereales et Neptu- Vergilio auctore compositum, cum Varro rerum divinarum libro decimo dixerit:
nales et Latiares et Florales in commune celebrantur ... (3) nam et a prim- nonnullis --- concessum.
ordio bifariam ludi censebantur, sacri et funebres, id est diis nationum et RD X fr. 2 M.
mortuis. (4) ... perinde mortuis suis ut diis faciunt.
Tert. spect. 8, 3: (in circo) columnae Seias a sementationibus, Messias a
30 messibus, Tutulinas a tutela fructuum sustinent; (4) ante eas tres arae trinis Appendix ad lihrum X
diis parent: Magnis, Potentibus, Valentibus. eosdem Samothracas existi- a) Varro de scaenicis originibus :
mant. (6) Consus, ut diximus, apud metas sub terra delitescit Murcias. eas Censorinus de die nat. 17, 8: Varro de scaenicis originibus libro primo ita scriptum
quoque idol um fecit: Murciam enim deam amoris volunt, cui in illa parte reliquit: Cum multa portenta fierent et murus ac turris, quae sunt inter portam
aedem voverunt. Collinam et Esquilinam, de caelo tacta essent, et ideo libros Sibyllinos XV viri
1 altius Oehler artius Hartel artis A non altius Junius 4 Lydos] ludos A adissent, renuntiarunt, uti Diti patri et Proserpinae ludi Tarentini in campo Mar-
8 itemque Soveri, Buchner, Dekkers tern[ A tempus B, Marra ludii a Lydis tio fierent tribus noctibus, et hostiae furvae immolarentur, utique ludi centesimo
Reifferscheid- Wissowa, Buchner, Dekkers lulydis A ludi a Lydis B, Boulanger, quoque anno fierent (fr. I Cichorius).
Marra 9 ludios Reif ferscheid- Wiss., Dekkers ludos B, Boulanger, Marra 10 ludi- Censorinus de die nat. 17, 10: Antias enim et Varro et Livius relatos esse (sc.
os Reiff.- Wiss., Boulanger, Dekkers ludos AB 13 vacant A vocabant edd. quartos ludos) prodiderunt L. Marcia Censorino M. Manilio coss. post Romam con-
nonnulli Ecurria ab equis Wissowa ecurria (c ex r) quis A Equiria ab equis B, ditam anno DCV (fr. II Cichorius).
Oehler, Marra 16 demersa Hildebrand, Dekkers, Marra dem[ A adfossa B Char. gramm. 1, 17 p. 128 K, p. 163, 23 Barwick: Varro quoque de scaenicis origi-
defossa Gelenius, alii 17 coillo A cum illo B comitio Gelenius compito Hein- nibus libro I: sub Ruminali ficu (fr. III Cichorius).
sius colio ( = domus et habitatio) Salmasius, Marra 20 tradit A tradidit B Non. 196: Varro de scaenicis originibus lib. III: ubi compitus erat aliquis (fr.
22 quoque AB, Boulanger, Dekkers, Marra qui quos quern Reiff.- Wiss. 29 Seias VII Cichorius) .
Scheiffel, Dekkers, Marra Sessias AB, Reiff.- Wiss. 30 Tutulinas B, Reiff.- Wiss., b) Serv. Aen. 10, 894 (RD X fr.3M., fr. 151 GRF): cernuus equus dicitur, qui
Dekkers Tutelinas Pamelius, Marra tutela A tutelis B 31 Valentibus om. A cadit in faciem, quasi in earn partem cadens qua cernimus; unde et pueri, quos in
33 amoris Gelenius marmoris (ex marmaris) A ludis videmus, ea parte qua cernunt stantes, cernuli vocantur, ut etiam Varro in
ludis theatralibus docet.
5, 5 Ecurria: LL 6, 13. Consualia: LL 6, 20 (App. VIII). 5, 8 Robigo: LL 6, 16 Non. 21 (VPR I fr. 23 Rip.): Varro de Vita Populi Romani lib. I: etiam pellis
(App. VIII). 8, 4 Magnis, Pot., Val.: log. Curio fr. I (App. I). bubulas oleo perfusas percurrebant ibique cernuabant. a quo ille versus vetus est
in carminibus: ,ibi pastores ludos faciunt coriis Consualia'.
b) Fest. 351 (RD IX fr. 2 M.): locum valde mutilum alii ad Talarios ludos
(Lindsay; Hauler, WSt 39, 1917, 173), alii ad Taurios (Mueller, Merkel)
referunt.
60 BURKHART CARDAUNS M. Terrentius Varro antiquitates rerum divinarum 61

Liher XI de consecrationihus Liher XII de sacris privatis


83 85t
tragica vincula baltea sunt Etenim ut deos colere debet communitus civitas, sic singulae
familiae debemus.
Non. 194 (fr. 1 M.): Neutro (sc. genere balteum) Varro rerum divinarum lib. XI:
1 colere Iunius coleret codd.
tragica vincula baltea sunt.
Char. gramm. 1 p. 97 Barw. (p. 77 K): sed Varro in Scauro (fr. II Riese, fr. 79 Non. 510 (RD XII M., I fr. 32 Ag.): communitus, pro communiter. Varro rerum
GRF) baltea dixit et Tuscum vocabulum ait esse. Item humanarum XVIII (fr. 1 divinarum: etenim ... debemus.
M., fr. 116 GRF). Varro LL 5, 116: Balteum, quod cingulum e corio habebant C: Cic. leg. 2, 19; Fest. 245; Cic. n. d. 2, 71.
bullatum, balteum dictum.

84
prosiciem extorum vel in mensam porricere

porricere Lindsay porrigere codd., Merkel


Non. 220 (fr. 2 M.): Varro rerum divinarum lib. XI: prosiciem ··· porricere.
C: Varro LL 5,110; Paul. Fest. 225; Veranius (fr. 9 GRF) ap. Macr. 3, 2, 3; Sei-v.
Aen. 5 238.
62 BURKHART CARDAUNS
M. Terrentius Varro antiquitates rerum divinarum 63

Liber XIII de sacris publicis Libri XIV, XV, XVI de dis

86 Testimonia
amuletum sive a molendo, id est infringendo vim mali, sive ab aemu-
Tert. nat. 2, 9, 3: sed et Romanorum deos Varro trifariam (bifariam A.) disposuit
latione (in certos> (om. A), incertos et electos. Tantam vanitatem! Quid enim erat illis
1 amuletum] amolitum N amulchtrum p a molendo] amolliendo N a molen- cum incertis, si certos habebant? ... (5) Tum si certos habebant, contenti esse de-
buerunt nee electos desiderare, in quo etiam inreligiosi deprehenduntur; si enim
do id est inferendo p
dei ut bulbi seliguntur, qui non seliguntur, [repr]obi pronuntiantur.
Char. gramm. 1, 15 p. 134, 5 Barwick(= Plin. dub. serm. p. 42, 27 B) qiuA()(X.T~piov cf. Aug. civ. 7, 1 p. 273, 15 sqq.: ... deos selectos atque praecipuos, quos Varro
quod Graeci appellant, amuletum Latine dicimus. nam et Varro divinarum XIII volumine complexus est ultimo . . . qua in re non dico quod facetius ait Tertul-
( sic. N 14. Pu.) ita dixit, sivc a molendo - - - aemulatione. lianus fortasse quam verius: ,,Si dii eliguntur ut bulbi, utique ceteri reprobi iudi-
RD XIV p. 220 Bip., fr. 129 GRF, deest ap. Merkel. cantur.
Aug. civ. 3, 12 p. 110, 8: (sc. deos) ut Varro dicit, certos atque incertos.
Aug. civ. 6, 3 p. 249, 27 (RD I fr. 4).
Appendix ad librum XIII Aug. civ. 6, 4 p. 251, 1 sqq.: quid quod in illis tribus novissimis libris deos certos
a) Non. 223 {p. 339 Bip., RD II fr. 90 Oondemi): neutro (sc. sale) Varro: in et incertos et selectos diligenter explicans nullam deorum naturam praetermittere
conmentario veteri Fabi Pictoris legi: muries fit ex sale, quod sale sordid um pistum videtur?
est et in ollam rudem fictilem adiectum est. et postea: id sal virgines Vestales serra
ferrea secant.
b) Dion. H. 2, 21, 2 (RD II fr. 1 M. RD II fr. 2 Oondemi): xwpls yap Twv
sx6vTWV T<Xs auyysvLX<Xs [spoaUV()(s o[ TIX X.OLVIX rrspl T"Y)srr6AEWs [spa O"UVTEAOUVTEs
)(.()(TIX
(j)UA<Xs EITLT"Y)sexdvou &px"Yjs(sc. 'Pwµu-
TE Y.()(Lqip&Tp()(s s~~XOV'r()(X()(TEO"T<Xit"f)O"()(V
).ou)· ).syw IH: & Tspsv-rtos Ou&ppwv EV &px()(LQAOyl()(Lsysyp()((j)EV, IXV'YJPTWV Y.()(TIX
T'Y)V()(lJT'Y)V
'Y)ALxl()(V&xµ()(a<XVTWVITOAUITELp6T()(T0s.
c) Plut. qu. Rom. 90 (RD XIII fr. 1 M.): cf. A.pp. V c.
64 BURKHART CARDAUNS M. Terrentius Varro antiquitates rerum divinarum 65

Liber XIV de dis certis illorum ignorantur, quod pro his aliis nunc vocabulis utun-
tur; et illorum esse plerique ignorent Graecum, quod nunc
87 (67.2.1) nominant "EAA'YJVa,puteum, quod vocant cppfop, leporem, quod
nomina numinum in indigitamentis inveniuntur, id est in libris ponti- Aaywov dicunt. In quo non modo L. Aelii ingenium non repre-
ficalibus, qui et nomina deorum et rationes ipsorum nominum continent 10 hendo, sed industriam laudo: successum enim <fert) fortuna,
2 quiet] quae P nomina] n///na L rationes] rationem L ipsorum] eorum V experientiam laus sequitur.
nominum LM continent] conticent L
1 L. Aelius] lelius PRV 2/3 antiquiorum PVantiquatorum R 6 his] hiis PRV 7
Serv. georg. I, 21 (fr. 67 et 2 Ag.): nomina haec numinum - - - continent, quae et ... ignorent PRV ut ... ignorant J. F. Gronovius 9 L. Aelii] lelii PRV 10
etiam Varro dicit. nam, ut supra (1,5) diximus, nomina numinibus ex officiis industriam V illustriam PR fortuna PRV fert fortuna Hirschfeld, Hosius,
constat inposita ... fort. dat Mommsen, fort. fundat Hertz (coll. Amm. 17, 5, 8) successus enim for-
Serv. auct. Aen. 2, 141 (fr. 1 Ag.): ea numina invocavit, quae sunt conscia (numina) tunae Agahd
veritatis, quia et pontifices dicunt singulis actibus proprios deos praeesse. hos Varro Gell. I, 18, I (fr. 130 GRF): In XIV. rerum divinarum (humanarum lemma,
certos deos appellat. codd. dett.) libro M. Varro doctissimum tune civitatis hominem L. Aelium errasse
C: Aug. civ. 4, 8 p. 155, 13 sqq.: quando autem possunt uno loco libri huius com- ostendit, quod vocabulum Graecum vetus traductum in linguam Romanam, pro-
memorari omnia nomina deorum et dearum, quae illi grandibus voluminibus vix
inde atque si primitus Latine fictum esset, resolverit in voces Latinas ratione
comprehendere potuerunt singulis rebus propria dispertientes officia numinum ?
etymologica falsa. (2) Verba ipsa super ea re Varronis posuimus: In quo --- laus
Gens. 3, 4: et alii sunt praeterea (sc. praeter genium) dei complures hominum vitam
sequitur. (3) Haec Varro in primore (primo R) libro scripsit, de ratione vocabu-
pro sua quisque portione adminiculantes, quos volentem cognoscere indigitamen-
lorum scitissime, de usu utriusque linguae peritissime, de ipso L. Aelio clementis-
torum libri satis edocebunt. sime. (4) Sed in posteriore eiusdem libri parte e. q. s. cf. fr. 194.
T: Amm. 17, 5, 8: fortuna condicionumque aequitate spem successus secundi
fundate.
88 (3) F: L. Aelius Stilo fr. 12 GRF, test. 25 GRF
commemorare et enumerare deos coepit a conceptione hominis, quorum C: Varro RR 3, 12, 6 ( Aelius fr. 12 GRF): L. Aelius putabat ab eo dictum leporem
numerum est exorsus a Iano, eamque seriem perduxit usque ad decrepiti a celeritudine, quod levipes esset. ego arbitror a Graeco vocabulo antico, quo<l
hominis mortem, et deos ad ipsum hominem pertinentes clausit ad Neniam eum Aeolis {et bonum} )ub-rnplv appellabant. cf. LL 5, 101.
deam, quae in funeribus senum cantatur; deinde coepit deos alios ostendere,
5 qui pertinerent non ad ipsum hominem, sed ad ea, quae sunt hominis,
sicuti est victus atque vestitus et quaecumque alia huic vitae sunt neces-
saria, ostendens in omnibus, quod sit cuiusque munus et propter quid di ad ipsum hominem pertinentes
cuique debeat supplicari.
90 (4)
1 deos coepit] coepit deos O 6 sicuti] sicut A
Ianus, cum puerperium concipitur, ... aditum aperit recipiendo se-
Aug. civ. 6, 9 p. 266, 9 sqq.: Denique et ipse Varro commemorare --- supplicari; in m1n1
qua universa diligentia nullos demonstravit vel nominavit deos, a quibus vita
aeterna poscenda sit. Aug. civ. 7, 2 p. 274, 17: non eos (sc. deos selectos) invenire debuimus inter illam
Aug. civ. 6, 9 p. 262, 29: ipsa numinum officia tarn viliter minutatimque concisa, quasi plebeiam numinum multitudinem minutis opusculis deputatam. Nam ipse
propter quod eis dicunt pro uniuscuiusque proprio munere supplicari oportere primum Ianus, cum puerperium concipitur, unde illa cuncta opera sumunt exor-
Tert. nat. 2, II, 2: umbras [ali]quas incorporales, inanimales et nomina de rebus dium minutatim minutis distributa numinibus, aditum aperit recipiendo semini.
efflagitant[es deos] sanciunt, dividentes omnem statum hominis singulis potesta- Aug. civ. 7, 3 p. 275, 15: confert enim selectus Ianus aditum et quasi ianuam
tib[us ab ip]so quidem uteri conceptu ... semini ... p. 276, 4: omnium initiorum potestatem habere Ianum et ideo illi etiarn
quod aperitur conceptui non inmerito adtribui.

89 (99)
In quo L. Aelius noster, litteris ornatissimus memoria nostra, 91 (5)
erravit aliquotiens. Nam aliquot verborum Graecorum anti- deus Consevius ... qui con[satio]nibus concubitalibus praesit
quiorum, proinde atque essent propria nostra, reddidit
consationibus Goth. con[ ... ]nibus A(initio lacunae cer vel sen? A*) Borleff s
causas falsas. Non leporem dicimus, ut ait, quod est levipes,
5 sed quod est vocabulum anticum Graecum. Multa vetera Tert. nat. 2, 11, 3: ut sit deus Consevius quidam, qui - - - praesit.
66 BURKHART CARDAUNS M. Terrentius Varro antiquitates rerum divinarum 67

92 (6) 96 (10)
Saturnus propter ipsum semen dea ... Alemona alendi in utero fetus
Aug. civ. 7, 2 p. 274, 22: ibi (sc. in dis minutis) est et Saturnus propter ipsum semen. Tert. an. 37, 1: superstitio Romana deam finxit Alemonam alendi in utero fetus.
Aug. civ. 7, 3 p. 275, 16: confert selectus Saturnus semen ipsum. p. 276, 6: omnium
seminum (sc. potestatem habere) Saturnum et ideo seminationem quoque hominis
non posse ab eius operatione seiungi ...
97 (11)
Vitumnus et Sentinus, quorum alter vitam, alter sensum puerperio
93 (7)
largiuntur
Liberum a liberamento appellatum (volunt), quod mares in coeundo per
eius beneficium emissis seminibus liberentur; hoe idem in feminis agere sensum A, Dombart sensu K 1 sensus OK 2 F' rell.
Liberam, quam etiam Venerem putant, quod et ipsas perhibeant semina Aug. civ. 7, 2 p. 275, 1: Ibi (sc. in dis minutis) sunt et duo nescio qui obscurissimi,
emittere; et ob haec Libero eandem virilem corporis partem in templo Vitumnus - - - largiuntur. id. 7, 3 p. 275, 13; 275, 21: confert Vitumnus obscurus
5 poni, femineam Liberae. Ad haec addunt mulieres adtributas Libero et et ignobilis vitam; eonfert Sentinus obseurus et ignobilis sensum etc.; ibid. p. 276,
13 sqq.
vinum propter libidinem concitandam. Sic Bacchanalia summa celebra-
Tert. nat. 2, 11, 4 (continua post fr. 94): hinc Vitumnus et Sentinus, per quern
bantur insania; . . . a Bacchantibus talia fieri non potuisse, nisi mente viviscat infans et sentia[t primum].
commota. Haec tamen postea displicuerunt senatui saniori et ea iussit
auferri.
3 etiam om. C ipsas 0 2 A 2 B rell., Agahd ipsam 0 1 A 1 Dombart, Bardy 98 (12)
Aug. civ. 6, 9 p. 263, 4 (fr. 7b Ag.): Liberum a liberamento - - - insania; ubi Varro (6) mense nonnumquam octavo editum esse partum
ipse confitetur a Bacchantibus - - - auferri. etiam undecimo mense aliquando nasci posse hominem (dicit) eiusque
Aug. civ. 7, 2 p. 274, 23 (fr. 7 a Ag.): ibi (sc. in dis minutis) Liber, qui marem effuso sententiae tarn de octavo quam de undecimo mense Aristotelem auctorem
semine liberat; ibi Libera, quam et Venerem volunt, quae hoe idem beneficium
(laudat) ...
conferat feminae, ut etiam ipsa emisso semine liberetur.
Aug. civ. 7, 3 p. 275, 17: confert selectus Liber eiusdem seminis emissionem viris; 5 (9) antiquos autem Romanos ... non recepisse huiuscemodi quasi mon-
confert hoe idem Libera, quae Ceres seu Venus est, feminis. p. 276, 8: omnium struosas raritates, sed nono mense aut decimo neque praeter hos aliis
seminum emittendorum (sc. potestatem habere) Liberum et Liberam et ideo his partionem mulieris secundum naturam fieri existimasse idcircoque eos
etiam praeesse, quae ad substituendos homines pertinent. nomina Fatis tribus fecisse a pariendo et a nono atque decimo mense.
Aug. civ. 4, 11 p. 160, 26: praesit (sc. Iuppiter) nomine Liberi virorum seminibus
et nomine Liberae feminarum. ... Parca ... inmutata una littera a partu nominata, item
T: Isid. or. 8, 11, 43 (Aug. civ. 6, 9); Myth. Vat. III 12, 1 (Aug. civ. 7, 3) 10 Nona et Decima a partus tempestivi tempore.
0: RD XVI fr. 260/261; RD I fr. 45; Varro in log. Tubero ap. Lact. opif. 12, 6;
1 nonnumquam Hosius non umquam PRV 6 aliis Carrio alios PRV alio
Aug. civ. 18, 13 p. 273, 24 sqq.
Bucheler, F'unaioli 9 Parca edd. Parga PRV

Gell. 3, 16, 5 (fr. 12a Ag.; fr. 132 GRF'): Earn rem (etiam mense octavo mulierem
94 (8) parere) Caecilium non inconsiderate dixisse neque temere a Menandro atque a
Fluvionia, quae infantem in utero [nutriat] multorum opinionibus descivisse M. Varro uti credamus facit. (6) Nam mense
nonnumquam octavo editum esse partum in libro quarto decimo rerum divinarum
nutriat Merkel [lac. 6] A retinebat Goth. retineat Oehler script um reliquit; quo in Iibro etiam undecimo mense aliquando nasci posse - - -
Tert. nat. 2, 11, 3 (continua post fr. 91): et Fluvionia - - - [nutriat] auctorem laudat ... (9) Antiquos autem Romanos Varro dicit non recepisse - - -
decimo mense. (10) Nam Pare a, inquit, inmu tat a - - - temp ore. Caesellius autem
Vindex in lectionibus suis antiquis tria, inquit, nomina Parcarum sunt: Nona,
95 (9) Decuma, Morta.
dea Mena, quae menstruis fluoribus praeest, ... Iovis filia Tert. an. 37, 1 (fr. 12b Ag.): (superstitio Romana finxit) ... et Nonam et Decimam
a sollicitioribus mensibus et Partulam, quae partum gubernet.
Aug. civ. 7, 2 p. 27 4, 27: Sed ibi (sc. in dis minutis) est et dea Mena - - - praeest, F': Aristot. hist. anim. 7, 4 p. 584 a 33
quamvis Iovis filia, tamen ignobilis. civ. 4, 11 p. 160, 28: ipse (sc. Iuppiter) sit C: Varro, log. Tubero de origine humana ap. Gens. 7, 6; Varro Men. fr. 543 B.
dea Mena, quam praefecerunt menstruis feminarum. (Gell. 3, 16, 13): si quis undecimo mense xOl-roc'Aptcr:o;eA1JV natus est. LL 6, 52
0: RD XVI fr. 273 (Aug. civ. 7, 3 p. 275, 19) (Parca); Phn. nat. 7, 38
68 BURKHART CARDAUNS M. Terrentius Varro antiquitates rerum divinarum 69

99 (13) huius periculi deprecandi gratia arae statutae sunt Romae


Diespater, qui partum perducat ad diem duabus Carmentibus, quarum altera Postverta cognominata
dies pater Qcorr Kv dispater LAB 1 b2 e diis pater 0 1Frb 1 d diespiter ABmarg a 2pq est, Prorsa altera, a recti perversique partus et potestate
dispit a 1 et nomine.
Aug. civ. 4, 11 p.160, 27: ipse (Iuppiter) sit Diespater, quipartumperducataddiem. 5 diductis] diductus i'l 7 quarum altera] quarum NX quarum una O 7 /8 cognomi-
Tert. nat. 2, 11, 4 (antecedit fr. 9 7) : dehinc Diespiter qui puerum perducat ad partum. nataest] cognominatast codd. (nominata(e)st y) Prorsa] Prosa NOX om. n 8 a recti]
adiecti Q

100 (14) Gell. 16, 16, 1 (fr. 145 GRF): Quorum in nascendo non caput, sed pedes primi
Lucina, quae producat in lucem (sc. partum) extiterant, qui partus difficillimus aegerrimusque habetur, Agrippae appellati
vocabulo ab aegritudine et pedibus conficto. (2) Esse autem pueros in utero Varro
Tert. an. 37, 1 (14b Ag.): superstitio Romana ... finxit (cf. fr. 96 et 98) ... et <licit capite infimo --- caudicem. (4) Quando igitur, inquit, contra naturam
Lucinam, quae producat in lucem. --- nomine.
Aug. civ. 4, 11 p. 160, 29 (fr. 14a Ag.): ipse (sc. Iuppiter) Lucina, quae a par- Tert. nat. 2, 11, 6 (fr. 17a Ag., antecedit fr. 102): Perverse natos [lac. 33? A] ro
turientibus invocetur. id. civ. 4, 21 p. 171, 5: quid opus erat parturientibus invocare Prosae Carmentis esse provin[ ciam ...
Lucinam . . . civ. 4, 34 p. 189, 3. Supplementa: perverse nato partu Postvertae, recto Varlro Prosae Goth. recte ve]ro
0: LL 5, 69; Donat. Ter. Andr. 473; Mart. Gap. 2,149: sive te Lucinam, quod Prosae Oehler, Agahd; perverse natos [infantes Carmentis Postvertae, recte ve]ro
lucem nascentibus tribuas, ac Lucetiam convenit nuncupare. Borleffs

101 * (15) 104 (17b)


in partu Lucinae et Dianae eiulatur, (dum) per totam hebdomadem ( deae), quae fata nascentibus canunt et vocantur Carmentes
Iunoni mensa proponitur, (dum) ultima die Fata Scribunda advocantur, Aug. civ. 4, 11 p. 161, 4 (fr. 149 GRF): ipse (sc. Iuppiter) in illis deabus, quae
(dum) prima etiam constitutio infantis super terram Statinae deae sacrum fata - - - Carmentes.
est. 0: LL 6, 52 (Parcae)
1 heiulatur A 3 Statinae deae Waszink, Borle"tfs statim aedeae A Statilinae Agahd
105 (18)
Tert. an. 39, 2 (fr. 15 et 26b Ag.): Ita omnes idololatria obstetrice nascuntur, dum
ipsi adhuc uteri infulis apud idola confectis redimiti genimina sua daemoniorum praesit fortuitis . . . Fortuna
candidata profitentur, dum in partu Lucinae - - - sacrum est. Aug. civ. 4, 11 p. 161, 5 (antecedit fr. 104): praesit (sc. Iuppiter) fortuitis voceturque
0: OGL V 30, 22 (et 81, 23): Lucinam alii Iunonem, alii Dianam dicunt, quae Fortuna
parientibus praeest. OGL V 219, 11: Lucina dea quae lucem nascentibus praestat.

106 (19)
102 (16) opem ferat nascentibus excipiendo eos sinu terrae et vocetur Opis
Candelifera, quoniam ad candelae lumina pariebant
Aug. civ. 4, 11 p.160, 30: opem ferat (sc. Iuppiter) --- Opis.
Tert. nat. 2, 11, 5 ( antecedit fr. 99): cum primig [lac 6 A] et Candelifera, quoniam ad Aug. civ. 4, 21 p. 171, 7: quid necesse erat Opi deae commendare nascentes?
candelae lumina pariebant, et quae [lac 8? et lac 36 ?] us dictae.
Supplementa: cum primum pariebant Goth., Agahd; et quae aliae deae sunt ab
officiis partus dictae Oehler, Agahd quae partum producat in lucem, Lucina; item 107 (20b)
aliae ab officiis partus dictae Borleffs in app. fr. 148 GRF nam sicut Aius ... deus appellatus araque ei statuta est,
quae est infima nova via, quod eo in loco divinitus vox
103* (17 c) edita erat, ita Vaticanus deus nominatus, penes quern es-
esse ... pueros in utero ... capite infimo nixos, sursum pedibus elatis, sent vocis humanae initia, quoniam pueri, simul atque parti
non ut hominis natura est, sed ut arboris. (3) Nam pedes cruraque arboris 5 sunt, earn primam vocem edunt, quae prima in Vaticano
ramos appellat, caput stirpem atque caudicem. (4) Quando igitur ... syllaba est idcircoque vagire dicitur exprimente verbo
contra naturam forte conversi in pedes brachiis plerumque sonum vocis recentis.
5 diductis retineri solent aegriusque tune mulieres enituntur, 1 Aius Beroaldus arius codd. 6 dicitur edd. dicit codd. 7 sonum] sono i'l
70 BURKHART 0ARDAUNS M. Terrentius Varro antiquitates rerum divinarum 71

Gell. 16, 17, 1 (XIV fr. 103 Ag.): Et agrum Vaticanum et eiusdem agri deum Aug. civ. 6, 9 p. 263, 26: (quid est, quad omnes deos bonos dicat,) tamen mulieri
praesidem appellatum acceperamus a vaticiniis, quae vi atque instinctu eius dei fetae - - - conservaretur.
in eo agro fieri solita essent. (2) (fr. 20b Ag.): Sed praeter hanc causam M. Varro in C: Varro VPR II fr. 81 Rip. ap. Non. 528: natus si erat vitalis ac sublatus, ab
libris divinarum aliam esse tradit istius nominis rationem: Nam sicut Aius, obstetrice statuebatur in terra, ut aspiceretur rectus esse; dis coniugalibus Pilumno
inquit, deus --- recentis. et Picumno in aedibus lectus sternebatur.
Aug. civ. 4, 11 p. 161, 1 (fr. 20a Ag., antecedit fr. 106): ipse (sc. Iuppiter) in vagitu Serv. auct. Aen. 10, 76 (fr. 375 GRF, fr. 82bRip.): Varro Pilumnumet Pitumnum(sic)
os aperiat et vocetur deus Vaticanus. civ. 4, 8 p. 155, 11: Vaticano (vagitano Ba), infantium deos esse ait eisque pro puerpera lectum in atria sterni, dum exploretur
qui infantum vagitibus praesidet. civ. 4, 21 p. 171, 8: (quidnecesse eratcommendare) an vitalis sit qui natus est; Pisa (fr. 44 HRR, fr. 5 GRF) Pilumnum dictum, quia
deo Vaticano vagientes ? pellat mala infantiae.
fr. 144 GRF. OGL V 427, 32 Serv. Aen. 9, 4: Pilumnum et Pitumnum(sic) ... Varro coniugales deos suspicatur
(fr. 82a Rip.).
108 (21) Isid. or. 4, 11, 5 (fr. 442 GRF): Varro autem refert Pilumn{i}um quendam in Italia
fuisse, qui pinsendis praefuit arvis, unde {et }pilumni et pistores. ab hoe igitur
ab effatu Farinus et alius a lo[quendo Locutius]
pilum et pilam inventam, quibus far pinsitur, et ex eius nomine appellata.
Farinus Goth. Farmus A alius Oehler, aliis A Aius Salm, ,,fortasse recte" Borleffs LL 5, 138: pilum, quad eo far pisunt. Plin. nat. 18, 10.
Aius <ab aiendo) et Kroymann a lo[ lac. 29? A]vem ad cavendum sumministrat A
a loquendo Locutius Goth. 112 (23a)
Tert. nat. 2, 11, 7 (antecedit fr. 103): et ab effatu Farinus et alius a lo[ Cunina, quae cunas ... administrat
0: Varro LL 6, 52; log. Catus de liberis educandis ap. Non. 532 (fr. XIII Riese): Aug. civ. 4, 8 p. 155, 12: (neque audent aliquas partes tribuere) ... aut Cuninae, quae
cum primo fari incipiebant, sacrificabant diva Fabulino (App. XIV a) cunas eorum (sc. infantum) administrat. ib. p. 156, 14: Cunina, cuius praepositura
fr. 156 GRF. parvulorum cunas non permittebatur excedere. civ. 4, 11 p.161, 3 (anteceditfr.109):
ipse (sc. Iuppiter) cunas tueatur et vocetur dea Cunina. civ. 4, 21 p. 171, 8: deae
109 (22) Cuninae iacentes. civ. 4, 34 p. 189, 8: sine Cunina in cunis fuerunt (Iudaei).
levet de terra . . . dea Levana Lact. inst. 1, 20, 36 (fr. 23b Ag.): colitur ... et Cunina, quae infantes tuetur in
cunis ac fascinum submovet.
Aug. civ. 4, 11 p. 161, 2 (antecedit fr. 107): ipse (sc. Iuppiter) levet de terra et 0: Varro, log. Catus de liberis educa,ndis ap. Non. 167 (fr. VII Riese): his Semonibus
vocetur dea Levana. lacte fit, non vino; Cunina(e) propter cunas (cf. fr. 113); RD XIV fr. 189.

110 (-) 113 (24)


Albana diva Rumina mammam parvulo inmulgeat, quia rumam dixerunt veteres
Albana A Levana Goth., Agahd Alana Kroymann mammam

Tert. nat. 2, 11, 7 (antecedit fr.108): Jvem ad cavendum sumministrat [lac. 27 ·?A] rix Aug. civ. 4, 11 p. 161, 6: (sc. Iuppiter) in diva Rumina --- veteres mammam.
et Albana et una Runcinia. civ. 4, 21 p. 171, 9: deae Ruminae sugentes. civ. 4, 34 p. 189, 7: sine dea Rumina
Supplementa: adest oculum gra]vem ad cavendum sumministrat[que quietem suxerunt (Iudaei). civ. 7, 11 p. 288, 25: diva Rumina.
Cunina. Est educat]rix Oehler, Agahd; sumministratque cunas (vel cunas infantum) Seneca de superstitione (fr. 39 Haase) ap. Aug. civ. 6, 10 p. 269, 24: diva Rumina
Cunina propos. Agahd (App. le).
Tert. nat. 2, 11, 7 (antecedit fr. 110): et una Runcinia (sic A, Rumina Goth., Ag.,
111 (61) Kroymann; Runcina Wissowa). cf. XIV fr. 176.
0: XVI fr. 237; Varro RR 2, 11, 5: aput divae Ruminae sacellum a pastoribus
mulieri feke post partum tres deos custodes (commemorat) adhiberi, ne
satam ficum. ibi enim solent sacrificari lacte pro vino et {pro} lactentibus. mamma {e}
Silvanus deus per noctem ingrediatur et vexet, eorumque custodum signi- enim, rumis {sive ruminare} ut ante dicebant, a rumi etiam nunc dicuntur subrumi
ficandorum causa tres homines noctu circuire limina domus et primo Ii- agni (cf. App. VII a).
men securi ferire, postea pilo, tertio deverrere scopis, ut his datis culturae Varro, log. Catus de liberis educandis ap. Non. 167 (fr. VII Riese, cf. fr. 26): Cuninae
5 signis deus Silvanus prohibeatur intrare, quod neque arbores caeduntur propter cunas, Ruminae propter rumam, id est prisco vocabulo mammam; a quo
subrumi etiamnunc dicuntur agni (App. XIVa).
ac putantur sine ferro, neque far conficitur sine pilo, neque fruges coacer-
vantur sine scopis; ab his autem tribus rebus tres nuncupatos deos, Inter- 114 (25a)
cidonam a securis intercisione, Pilumnum a pilo, Deverram ab scopis, diva Potina potionem ministret, ... diva Educa escam praebeat
quibus diis custodibus contra vim dei Silvani feta conservaretur.
Aug. civ. 4, 11 p. 161, 7 (fr. 25a Ag., antecedit fr. 113): in diva Patina potionem
3 circuire J circumire a 2pq ministret (sc. Iuppiter ), in diva Educa escam praebeat.
72 BURKHART CARDAUNS M. Terrentius Varro antiquitates rerum divinarum 73

civ. 4, 34 p. 189, 8: sine Educa et Patina escam potumque sumpserunt (Iudaei). 119 (30a)
civ. 6, 9 p. 263, 2: ad hoe (escam et potum) duas adhibuerunt deas, Educam et (commendare nascentes) ... deo Volumno et deae Volumnae, ut bona
Potinam. vellent
Tert. nat. 2, 11, 8 (fr. 25b Ag., antecedit fr. 113): Exinde et primi cibi sumen[di
potionisque capiendae] Patina et Edula (suppl. Oehler, probaverunt Agahd, Borleffs). Volumno] volumino A Volumnae] voluminae A
C: Varro, log. Catus ap. Non. 108 (et 480; fr. X Riese): Edusam et Potinam deas
praesides vult haberi puerorum Varro Cato vel de liberis educandis: cum primo Aug. civ. 4, 21 p. 171, 11 (antecedit fr. 118).
cibo et potione initiarent pueros, sacrificabantur ab edulibus Edusae, a potione
Potinae nutrici (App. XIVa). 120 (30b)
Donat. Ter. Phorm. 1, 1, 15 (fr. 25 c Ag.): ubi initiabunt: legitur apud Varronem
( deos) voluntatis Volumnium Voletam[ que
initiari pueros Eduliae et Poticae et Cubae, dis edendi et potandi et cubandi, ut
primum a lacte et cunis transierint. Tert. nat. 2, 11, 9 (antecedit fr. 118): item voluntatis Volumnium Voletam[quo

115 (26a) 121 (31)


deo Statilino stantes (sc. commendant) de pavore infantum Paventia

Aug. civ. 4, 21 p. 171, 9 Aug. civ. 4, 11 p. 161, 8 (fr. 31a Ag.): de pavore infantum Paventia nuncupetur
C: Varro, log. Catus ap. Non. 532 (fr. XIII Riese): Statilinum et Statanum et (sc. Iuppiter)
Fabolinum puerilitatis praesides deos Varro Cato vel de liberis educandis affirmat: Tert. nat. 2, 11, 10 (fr. 31b Ag., antecedit fr. 120): [Habent et Pave]ntinam pavoris.
alii Statano et Statilino, quorum nomina habent scripta pontifices. sic cum primo
fari incipiebant sacrificabant divo Fabulino. 122 (32a)
Tert. nat. 2, 11, 8 (fr. 26 b Ag.; antecedit fr. 114): et statuendi infantis Sta[ ...
(suppl. Statina Oehler, Borleffs; Statilina Goth., Agahd). de spe quae venit V enilia
Tert. an. 39, 2 (cf. fr. 101): prima etiam constitutio infantis super terram Statinae Aug. civ. 4, 11 p. 161, 9 (antecedit fr. 121)
deae sacrum est. Tert. nat. 2, 11, 10 (antecedit fr. 121): spei Veniliam (sic Rigaltius, speive. neleiam A)
C: RD I fr. 28; XVI fr. 257; LL 5, 72 (App. XVI)
116 (27)
deae Adeonae adeuntes, Abeonae abeuntes (sc. commendant) 123 (32b)
Aug. civ. 4, 21 p. 171, 10 (antecedit fr. 115); civ. 7, 3 p. 276, 31: Abeona et Adeona. Spes cum conciliata non frustra esset et eveniss[et
Tert. nat. 2, 11, 9: [Ab adeundo Adeona, abeun]do Abeona est (suppl. Borleffs, ]bantur, quam deam cum Neptuno coniungunt.
alii sim.).
et eveniss[ et credere Hermann, Hagen et eveniss[ et, V eniliae sacrifica Jbantur
Preller II 212 A. 4
117 (28)
Schol. Veron. Aen. 10, 76 (fr. 181 GRF): [Deam Venilia]m alii Venerem quod in
Iterduca ... Domiduca mari nata sit, alii nympham quam Graeci Bouv~V"f)V vacant. [Varro rerum divin]arum
Aug. civ. 7, 3 p. 276, 34 (XVI fr. 55 Ag.): ponitur (sc. inter selectos) Iuno, quia XIIII de dis certis: Spes cum --- coniungunt. Multi[lac. 20 vel 17Jens[is] quo
Iterduca est et Domiduca, quasi quicquam prosit iter carpere et domum duci. cae[ cis ... ]differro.
ib. 276, 30: (Juno) Iterduca est pueris et opus facit cum deabus ignobilissimis 124 (33)
Abeona et Adeona.
Tert. nat. 2, 11, 9 (antecedit fr. 116): Domiducam et habent. dea Cluacina
C: XIV fr. 148; XVI fr. 274. cluacina] cloacina A 2 A 2 Babpq
Aug. civ. 4, 8 p.155, 9: aliquas patres deae Cluacinae tribuere aut Volupiae (fr.125).
118 (29) C: RD I fr. 36
Mentem deam, quae faciat pueris bonam mentem
125 (34)
Aug. civ. 7, 3 p. 276, 31: ibi (sc. in dis minutis) posuerunt et Mentem deam, quae
Volupia, quae a voluptate appellata est
faciat pueris bonam mentem, et inter selectos ista non ponitur. civ. 4, 21 p. 171, 10
(antecedit fr. 116): (commendant nascentes) deae Menti, ut bonam haberent mentem. Aug. civ. 4, 8 p. 155, 10 (fr. 184 GRF, antecedit fr. 124): aut Volupiae --- est.
Tert. nat. 2, 11, 9 (antecedit fr. 117): et deam [lac. 18 A ?]e et malam. (Mentem, quae civ. 4, 11 p. 161, 10 (antecedit fr. 123): de voluptate Volupia
faciat mentem bonam, aeque et malam suppl. Oehler). Tert. nat. 2, 11, 10 (antecedit fr. 122): voluptatis Volupiam (sc. habent).
74 BURKHART 0ARDAUNS M. Terrentius Varro antiquitates rerum divinarum 75

126 (35) 133t (41)


Lubentina, cui nomen est a libidine invocanda propter fessos diva Fessona
lubentina] luuent. LAr lud. 0 lib. dep 2 q fessona OA 1abpB(J fessonia AA 2KFrdeq
Aug. civ. 4, 8 p. 155, 10 (antecedit fr. 125): aut Lubentinae, cui nomen est a libidine. Aug. civ. 4, 21 p. 171, 31: cur enim esset invocanda propter fessos diva Fessona.
O: Varro LL 4 fr. ap. Non. 64: prolubium et lubidinem dici ab eo quod lubeat;
unde etiam lucus Veneris Lubentinae dicatur. LL 6, 47: Ab lubendo libido, libidi- 134 (42)
nosus ac Venus Libentina et Libitina.
Quietem ... appellantes, quae faceret quietum, cum aedem haberet extra
Arnob. 4, 9: quis Libentinam, quis tBurnum libidinum superesse tutelis (sc. credat)
portam Collinam, publice illam suscipere noluerunt.
127 (36) Aug. civ. 4, 16 p. 165, 32 (antecedit fr. 132): his omnibus diis et deabus (sc. Agenoria,
[praestan ]tiae Praestitia Stimula, Murcia, Strenia) publica sacra facere susceperunt. Quietem vero appel-
lantes - - - noluerunt.
suppl. Goth. [lac.6 ]tiae A
Tert. nat. 2, 11, 10 (antecedit fr. 125): [praestan]tiae Praestitiam (sc. habent) 135 t(43a)
0: Arnob. 4, 3: Praestana, RD XV fr. 221. Minervae ... puerorum memoriam (tribuerunt)

128 (37 a) Aug. civ. 7, 3 p. 277, 4: et Minerva fuerat praeferenda, cui per ista minuta opera
puerorum memoriam tribuerunt.
Agenoria, quae ad agendum excitaret cf. civ. 4, 21 p. 170, 24 (fr. 136).
Aug. civ. 4, 16 p. 165, 24: Miror autem plurimum, quod, cum deos singulos singulis
rebus et paene singulis motibus adtribuerent, vocaverunt deam Agenoriam, quae 136t (43b)
ad agendum excitaret. Mercuri us
civ. 4, 11 p. 161, 10 (antecedit fr. 125): de actu Agenoria
Aug. civ. 4, 21 p. 170, 24: quid doctrinae vel a Mercurio vel a Minerva petendum
129 (37b) esset, cum virtus omnia secum haberet?
ab actu Peragenor 0: RD XVI fr. 250.

Tert. nat. 2, 11, 10 (antecedit fr. 127): aeque ab actu Peragenorem (sc. habent)
137 (44)
Numeria, quae numerare doceat
130 (38)
dea Stimula, quae ad agendum ultra modum stimularet Aug. civ. 4, 11 p. 161, 12 (antecedit fr. 132)
Comm. Einsidl. in Don. art. mai., GL Suppl. 240, 8: Numeria dea paganorum, quae
Aug. civ. 4, 16 p. 165, 27 (antecedit fr. 128): deam Stimulam, quae - - - stimularet. fertur numerum repperisse.
civ. 4, 11 p. 161, 10 (antecedit fr. 128): de stimulis, quibus ad nimium actum homo 0: Varro, logist. Catus de liberis educandis ap. Non. 352 (fr. VI Riese, fr. 7 Muller):
inpellitur, dea Stimula nominetur. ut qui contra celeriter erant nati, fere Numerios praenominabant; quod qui cito
facturum quid se ostendere vole bat, dice bat numero id fore; quo etiam in partu
131 (39) precabantur Numeriem (numeri et codd.), quam deam solent indigitare etiam
dea Murcia, quae praeter modum non moveret ac faceret hominem, ut pontifices.
ait Pomponius, murcidum, id est nimis desidiosum et inactuosum
138 (44)
Aug. civ. 4, 16 p. 165, 28 (antecedit fr. 130): deam Murciam, quae - - - inactuosum. Camena, quae canere ( doceat)
O: Varro LL 5,154: ad Murciae ... sacellum Murteae Veneris. Arnob. 4, 9: quis
segnium Murcidam (sc. praesidem esse credat). Aug. civ. 4, 11 p. 161, 13 (antecedit fr. 137) fr. 168 GRF
F: L. Pomponius Bononiensis, ORF 195 Ribbeck, Fab. Atell. Fr. 191 Frassinetti.
139 (45)
132 (40) deus Catius pater, qui catos id est acutos faceret
dea Strenia, quae faceret strenuum
Aug. civ. 4, 21 p. 170, 30: quid opus erat deo Catio patre, qui catos, id est acutos
Aug.civ. 4,16 p.165,30 (antecedit fr.131): deam Streniam, quae faceret strenuum. faceret, cum hoe posset conferre felicitas ?
civ. 4, 11 p. 161, 12 (antecedit fr. 130): Strenia dea sit strenuum faciendo. 0: Varro LL 7, 46: cata acuta.
76 BURKHART CARDAUNS M. Terrentius Varro antiquitates rerum divinarum 77

140 (46) 146 (52)


deus Consus praebendo consilia cum mas et femina coniunguntur, adhibetur deus Iugatinus
1
mas OK l B masculus rell.
Aug. civ. 4, 11 p. 161, 14 (antecedit fr. 138): ipse (sc. Iuppiter) sit et deus Consus
praebendo consilia Aug. civ. 6, 9 p. 264, 11; civ. 4, 11 p. 161, 21 (antecedit fr. 143): ipse (sc. Iuppiter)
Tert. nat. 2, 11, 10 (antecedit fr. 129): a consiliis Consum (habent) in Iugatino deo coniuges iungat.
Arnob. 3, 23: salutaria et fida consilia nostris suggerit cogitationibus Consus. 0: fr. 164.
0: RD I fr. 35 in app.; Tert. spect. 5, 5 (App. IX).

147 (53)
141 (47) domum est ducenda quae nu bit; adhibetur et deus Domiducus
dea Sentia sententias inspirando
Aug. civ. 6, 9 p. 264, 12 (antecedit fr. 146): sed domum - - - Domiducus. fr. 155 GRF.
sententias] sententiam LA 0: Domiduca fr. 117; Mart. Cap. 2, 14.9 (App. XIVo).
Aug. civ. 4, 11 p. 161, 14 (antecedit fr. 140): et dea Sentia sententias inspirando
148 (53)
ut in domo sit (sc. quae nubit), adhibetur deus Domitius
142 (48)
dea Iuventas, quae post praetextam excipiat iuvenalis aetatis exordia Aug. civ. 6, .9 p. 264, 13 (antecedit fr. 147).
fr. 155 GRF.
Iuventas] Iuventa Ara
Aug. civ. 4, 11 p. 161, 15 (fr. 48a Ag., antecedit fr. 141): ipse (sc. Iuppiter) dea 149 (53)
Iuventas - - - exordia. civ. 6, 1 p. 245, 33: si eorum, qui colerent deam Iuventatem, ut maneat (sc. nova nupta) cum viro, ... dea Manturna
aetas ipsa floreret indignius. ibid. p. 246, 7 et 13.
Tert. nat. 2, 11, 11 (fr. 48 b Ag.; antecedit fr. 140): [Est et Iu]venta novorum toga- Aug. civ. 6, 9 p. 264, ld (antecedit fr. 148): ut maneat cum viro, additur dea Man-
turna.
torum
fr. 155 GRF.
0: RD I fr. 40 sq.

150 (54)
143 (49) adest Virginiensis dea, ut virgini zona solvatur
Fortuna barbata, quae adultos barba induat
Virginiensis] virginensis Ap Domb.-Kalb
Aug. civ. 4, 11 p. 161, 16 (antecedit fr. 142): ipse (sc. Iuppiter) sit et Fortuna
- - - induat Aug. civ. 6, .9p. 264, 32: si adest Virginiensis dea, ut virgini zona solvatur. ibid. 264,
Aug. civ. 6, 1 p. 246, 2: si malas cultorum suorum speciosius et festivius Fortuna 22 (antecedit fr. 149): adest enim dea Virginiensis (virginensis Ap Domb.-Kalb).
barbata vestiret. ibid. p. 246, 8 et 15. Aug. civ. 4, 11 p. 161, 21: et cum virgini uxori zona solvitur, ipse (sc. Iuppiter)
Tert. nat. 2, 11, 11 (antecedit fr. 142): virorum (vivoru A) iam Fortuna barbata. invocetur et dea Virginiensis vocetur (Virginiensis O rell., sed virginensis LA Arp).

144 (50) 151 (59)


a) Mutunus vel Tutunus, qui est apud Graecos Priapus
di nuptiales (sive coniugales) b) super cuius ... fascinum sedere nova nupta iubebatur
Aug. civ. 4, 21 p. 171, 12: diis nuptialibus, ut bene coniugarentur. a) Aug. civ. 4, 11 p. 161, 23 (antecedit fr. 150): ipse (sc. Iuppiter) sit Mutunus
Aug. civ. 4, 34 p. 189, 10: sine diis coniugalibus coniugati. - - - Priapus.
Tert. nat. 2, 11, 12 (antecedit fr. 143): [Si de nu]ptialibus disseram. Tert. nat. 2, 11, 12 (antecedit fr. 145): [sunt, pro pu]dor! et Mutunus et Tutunus.
b) Aug. civ. 6, 9 p. 265, 9: cum ibi sit et Priapus nimius masculus, super cuius
inmanissimum et turpissimum fascinum - - - iubebatur, more honestissimo et
145 (51) religiosissimo matronarum. cf. civ. 4, 34 p. 189, 10.
Afferenda est ab afferendis dotibus Aug. civ. 7, 24 p. 306, 6: in celebratione nuptiarum super Priapi scapum nova
nupta sedere iubebatur.
dotibus Goth. totib' A Aug. cons. ev. 1, 15, 38: interpretentur et Priapum fecunditatis deum, ita sane, ut
Tert. nat. 2, 11, 12 (antecedit fr. 144): Afferenda - - - dotibus ordinata. fr. 142 GRF in fetandis feminis pudeat Iunonem talem habere adiutorem.
78 BURKHART CARDAUNS M. Terrentius Varro antiquitates rerum divinarum 79

Lact. inst. 1, 20, 36: colitur et ... Tutinus, in cuius sinu pudendo nubentes praesi- 158 (63)
dent, ut illarum pudicitiam prior dens delibasse videatur. Viduus, qui animam corpore viduet, quern intra muros non permittendo
Arnob. 4, 7: Tutunus, cuius inmanibus pudendis horrentique fascino vestras ( damnastis)
inequitare matronas et auspicabile ducitis et optatis.
Tert. nat. 2, 15, 2: Quiet tristitiae deos arbitros esse voltis, [ut sit Vi]duus ([lac. 7Jdius
C: RD I fr. 35.
A), qui animam corpore viduet, quern intra muros cludi n[ on permit Jtendo damnastis,
152 (55) item Caeculus, qui oculos sensu exanim[et, item Or]bana, quae in orbitatcm semina
extinguat; et ipsius mortis d[ea est].
adest deus Subigus, ut viro subigatur (sc. nova nupta)
T: Cypr. idol. 4 (interpolatio): Viduus deus, qui anima corpus viduet etc.
Aug. civ. 6, 9 p. 264, 33 (antecedit fr. 150): si adest ··· subigatur. ibid. p. 264, 22:
dens pater Subigus. .
Tert. nat. 2, 11, 12 (antecedit fr. 151): et de<a) Pertunda <et) Sub1gus et Pre- 159 (63)
<ma) mater. (et devertunde subigus et praemat A, corr. Rigaltius et Reifferscheid). Caeculus, qui oculos sensu exanimet
Tert. nat. 2, 15, 2 vide fr. 158
153 (56)
dea Prema, ut subacta, ne se commoveat, comprimatur 160 (63)
Aug. civ. 6, 9 p. 265, 1 (antecedit fr. 152): si adest dea Prema · · - conprimatur. Orbana, quae in orbitatem semina extinguat
ibid. p. 264, 23: dea mater Prema. Tert. nat. 2, 15, 2 vide fr. 158
Tert. nat. 2, 11, 12: Pre<ma) mater (cf. fr. 152 in app.). C: Arnob. 4, 7: in tutela sunt Orbonae orbati liberis parentes.
T: Cypr. idol. 4: ab orbitatibus Orbona.
154 (57)
dea Pertunda
Aug. civ. 6, 9 p. 264, 23 (antecedit fr. 153). ibid. p. 265, 2: dea Pertunda ibi quid
... mortis dea
161 (64)

facit? Erubescat, eat foras; agat aliquid et maritus.


Tert. nat. 2, 16, 2 vide fr. 158
Tert. nat. 2, 11, 12: dea Pertunda (cf. fr. 152 in app.).
C: Arnob. 4, 7: etiamne Perfica una est e populo numinum, quae obsccnas illas
et luteas voluptates ad exitum perficit dulcedine inoffensa procedere? etiamne 162 (65)
Pertunda, quae in cubiculis praesto est virginalem scrobem effodientibus maritis? Nenia dea, quae in funeribus senum cantatur
eqs. cf. fr. 151 in app.
Aug. civ. 6, 9 p. 266, 12 (RD XIV fr. 88): deos ad ipsum hominem pertinentes
155 (58) clausit ad Neniam deam ... cantatur.
Venus ... ab hoe etiam dicitur nuncupata, quod sine vi femina virgo Arnob. 4, 7: in tutela sunt (cf. ad fr. 160) ... Neniae, quibus extrema sunt tempora.

esse non desinat


Aug. civ. 6, 9 p. 264, 24: Venus et Priapus. ibid. p. 264, 27: Venus ... ab hoe etiam di qui pertinent non ad ipsum hominem, sed ad ea, quae sunt hominis,
dicitur nuncupata, quod sine vi femina virgo esse non desinat? sicuti victus atque vestitus (fr. 88)
C: RD XVI fr. 280; LL 5, 61 sqq. (App. XVI).
163 (66)
156 (60) di agrestes
t(bi)viris nuptis sacrificabantur in cubiculo viduae
Aug. civ. 4, 21 p. 171, 13: (sc. commendare) ... diis agrestibus, ut fructus uberrimos
biviris Popma viris L viri rell. viri nuptiis 1Vferkel caperent.
Non. 480: Varro antiquitatum rerum divinarum lib. XIV: <bi)viris · · · viduae.
164 (68)
157 (62) (sc. committebant) rura deae Rusinae, iuga montium deo Iugatino, colli-
( sc. invocandus) propter aegros medicus vel Apollo vel Aesculapius bus deam Collatinam, vallibus Valloniam praefecerunt
Aug. civ. 4, 8 p. 166, 16: nee agrorum munus uni alicui deo committendum arbitrati
Aug. civ. 4, 21 p. 171, 33.
sunt, sed rura deae • • • praefecerunt.
C: RD XVI fr. 251.
80 BURKHART 0ARDAUNS M. Terrentius Varro antiquitates rerum divinarum 81

165 (70b) 171 (77)


diva Fructesea cum segetes novis aristis aequantur, quia veteres aequare hostire dixerunt,
deam Hostilinam
Aug. civ. 4, 21 p. 171, 14 (antecedit fr. 163): et maxime ipsi divae Frueteseae.

hostire ... hostilinam A (hostinam), Bp ostire ... ostilin. LAOKFr rell.


166 (70a, 71, 82)
sata frumenta, quamdiu sub terra essent, praepositam (voluerunt habere) Aug. civ. 4, 8 p. 156, 2 (antecedit fr. 170)
deam Seiam; cum vero iam essent super terram et segetem facerent,
deam Segetiam; frumentis vero collectis atque reconditis, ut tuto ser- 172 (78)
varentur, deam Tutilinam praeposuerunt. florentibus frumentis deam Floram (sc. praefecerunt)
4 Tutilinam] tullinam 01 tutelinam A tutulinam B tutilinam r tutilenam q Aug. civ. 4, 8 p. 156, 3 (antecedit fr. 171).
Arnob. 3, 23: Flora ... bene eurat nt arva floreseant.
Aug. civ. 4, 8 p. 155, 19: Nee saltem potuerunt unam Segetiam talem invenire, eui
semel segetes eommendarent, sed sata frumenta - - - praeposuerunt. civ. 4, 34
p. 189, 19: Segetia; civ. 5, 21 p. 233, 7: Segetia. 173 (79a)
0: Plin. nat. 18, 8: Seiamque a serendo, Segestam a segetibus appellabant, quarum lactescentibus ( sc. frumentis) deum Lacturnum
simulaera in eireo videmus.
Tert. spect. 8, 3: eolumnae Sessias a sementationibus, Messias a messibus, Tutulinas Aug. civ. 4, 8 p. 156, 4 (antecedit fr. 172) fr. 164 GRF
a tutela fruetuum snstinent ( App. IX).
Jvlacr. 1, 16, 8: Seiam Segetiam Tutilinam. 174 (79b)
Lactantem, qui se infundit segetibus et eas facit lactescere
167 (72) Serv. georg. 1, 315: sane Varro in libris divinarum (rerum add. R) dieit deum esso
praefecerunt Proserpinam frumentis germinantibus Laetantem - - - lateseere.
Aug. civ. 4, 8 p. 155, 30 (antecedit fr. 166): praefeeerunt ergo etc.
0: RD I fr. 28; XVI fr. 269. 175 (80)
( sc. frumentis) maturescentibus deam Matutam
168 (73) Aug. civ. 4, 8 p. 156, 5 (antecedit fr. 173).
geniculis nodisque culmorum deum Nodutum (sc. praefecerunt)
Nodutum] nodot. O2Kb 2 e nodat. FBaq nudut. d noditium p 176(81)
Aug. civ. 4, 8p.155, 31 (fr.167GRF,anteceditfr.167):genieulisetc. ibid.p.156, 15; cum runcantur (sc. frumenta). id est a terra auferuntur, deam Runcinam
civ. 4, 11 p. 161, 19: a nodis Nodutum. cf. civ. 7, 11 p. 289, 2. ( sc. praefecerunt)
Arnob. 4, 7: Nodutis dieitur deus, qui ad nodos perdueit res satas, et quae praeest Aug. civ. 4, 8 p. 156, 5 (antecedit fr. 175)
frugibus terendis, Noduterensis. cf. Tert. nat. 2, 11, 7: Runeinia (sed vide fr. 113).

169 (74) 177(-)


involumentis folliculorum deam V olutinam ( sc. praef ecerunt) deus Spiniensis, ut spinas ex agris eradicaret ( sc. invocandus)
Aug. civ. 4, 8 p. 155, 32 (antecedit fr. 168). cf. civ. 7, 11 p. 289, 2. Spiniensis] spinensis A 1Fa
Aug. civ. 4, 21 p. 172, 1.
170 (76)
cum folliculi patescunt, ut spica exeat, deam Patelanam 178 (75a)
dea Robigo, ut non accederet, rogaretur
Patelanam] patelin. L 1a patelen. B 2e
Robigo 0 1A 1 e rubigo AO 2A 2B{Jrell.
Aug. civ. 4, 8 p. 156, 1 (antecedit fr. 169).
Arnob. 4, 7: Patellana numen est et Patella, ex quibus nna est pat,efaetis, patefaei- Aug. civ. 4, 23 p. 172, 1 (antecedit fr. 177): (sc. Felicitate praesente) nee dea Robigo
endis rebus altera praestituta (sequitur Nodutus). etc. (fr. 75a Ag.)
82 BURKHART 0ARDAUNS M. Terrentius Varro antiquitates rerum divinarum 83
Serv. georg. 1, 151 (fr. 75b Ag.): proprie robigo est, ut Varro dicit, vitium obscenae 186 (90, 94, 95)
libidinis, quod ulcus vocatur. Honos, Virtus
0: RR 1, 1, 6 (App. XVI); LL 6, 16 (deus Robigus); Tert. spect. 5 (Robigo);
Flin. nat. 18, 285 (Robigalia, App. VIII). Aug. civ. 4, 21 p. 171, 15: deo Honori, ut honorarent (antecedit fr. 185).
Aug. civ. 4, 20 p. 169, 5 (fr. 90 et fr. 94 Ag.): Virtutem quoque deam fecerunt.
cf. civ. 7, 3 p. 278, 8; civ. 4, 21 p. 170, 26 (fr. 95 Ag.): ars quippe ipsa bene recteque
179 (85) vivendi virtus a veteribus definita est. Unde ab eo, quad Graece &pe't"~ dicitur
Bubona boves virtus, nomen artis Latinos traduxisse putaverunt.
Aug. civ. 4, 34 p. 189, 19: sine Bubona boves (sc. a Dea acceperunt).
187 (96)
Fides
180 (86)
Mellona mella Aug. civ. 4, 20 p. 169, 9 (antecedit fr. 186): sed cur et Fides dea credita est et
accepit etiam ipsa templum et altare?
Aug. civ. 4, 34 p. 189, 20 (antecedit fr. 179): mella sine Mellona (sc. acceperunt)
Arnob. 4, 7: Mellonia dea est pollens potensque in apibus, mellis curans custodiens-
que dulcedinem. 188 (97)
Pudicitia
181 (83) Aug. civ. 4, 20 p. 170, 5: sed in illa una virtute et fides est et pudicitia, quae tamen
poma Pomona extra in aedibus propriis altaria meruerunt.
Aug. civ. 4, 34 p. 189, 20 (antecedit fr. 180): poma sine Pomona (sc. acceperunt).
0: LL 7, 45. 189t (91)
usque adeone ... maiores nostros insipientes fuisse credendum est, ut
182 (87) haec nescirent munera divina esse, non deos? Sed quoniam sciebant
Nymphae Lymphae nemini talia nisi aliquo deo largiente concedi, quorum deorum nomina
non inveniebant, earum rerum nominibus appellabant deos, quas ab eis
Aug. civ. 4, 34 p. 189, 16: nee ... Nymphas Lymphasque coluerunt (sc. Iudaei).
5 sentiebant dari, aliqua vocabula inde flectentes, sicut a hello Bellonam
0: RR 1, 1, 6; LL 5, 71 (App. XVI); 7, 87; RD XV fr. 212
nuncupaverunt, non Bellum; sicut a cunis Cuninam, non Cunam; sicut a
segetibus Segetiam, non Segetem, sicut a pomis Pomonam, non Pomum;
183 (88) sicut a bubus Bubonam, non Bovem; aut certe nulla vocabuli declina-
Iuturna inter proprios deos Nymphasque ponitur tione sicut res ipsae nominantur, ut Pecunia dicta est dea, quae dat
Serv. auct. Aen. 12,139: Varro rerum divinarum quarto decimo: Iuturna - - -ponitur. 10 pecuniam, non omnino pecunia dea ipsa putata est; ita Virtus, quae dat
0: LL 5, 71 (App. XVI). virtutem, Honor, qui honorem, Concordia, quae concordiam, Victoria,
quae dat victoriam. Ita, (inquiunt) cum Felicitas dea dicitur, non ipsa
184 (89) quae datur, sed numen illud adtenditur, a quo felicitas datur.
propter hostes depellendos diva Pellonia 7 sicut a pomis] sicut om. LAAKFbep, habent Grell.
Aug. civ. 4, 21 p. 171, 32: cur enim esset invocanda ... propter etc. Aug. civ. 4, 24 p. 176, 14: Libet autem eorum considerare rationes. Usque
Arnob. 4, 4: pellendorum hostium dea potens Pellonia est. adeone, inquiunt, maiores - - - datur.

185 (90) 190 (92)


Marti et Bellonae, ut bene belligerarent, deae Victoriae, ut vincerent Felicitas dea est. Aedem accepit, aram meruit, sacra congrua persoluta
Aug. civ. 4, 21 p. 171, 14: (quid necesse erat ... commendare) Marti --- vincerent. sunt.
civ. 4, 34 p. 189, 17 (antecedit fr. 182): Mars, Bellona, victoria. civ. 4, 15 p. 165, 9; Aug. civ. 4, 18 p. 167, 4: Quid, quad et Felicitas dea est? Aedem - - - sunt. civ. 4, 23
4, 17 p. 166, 27. p. 173, 8; civ. 4, 33 p. 188, 6; civ. 7, 3 p. 277, 27.
0: LL 5, 62, 73 (App. XVI). T: Isid. or. 8, 11, 94.
84 BURKHART 0ARDAUNS M. Terrentius Varro antiquitates rerum divinarum 85
191 (92) 1 arcuum Ianum Goth. arc [lac. 8 ?] A arbitramini Ianum Oehler, Agahd 1/2 est Iana
Fortuna dea . . . colitur . . . aliud est Felicitas, aliud Fortuna. Quia Oehler, Goth. & Iana A
Fortuna potest esse et mala; Felicitas autem si mala fuerit, felicitas non
Tert. nat. 2, 15, 3: ut cetera transvolem, etiam locorum urbis vel loca deos <arbi-
erit ... diversae aedes, diversae arae, diversa sacra. Est causa, (inquiunt), tramini) (suppl. Borleffs), arc[uum - - - Iana.
quia felicitas illa est, quam boni ha bent praecedentibus meritis; fortuna 0: fr. 200; XVI fr. 230 sqq.; LL 6,165; RR 1, 37, 3.
5 vero, quae dicitur bona, sine ullo examine meritorum fortuito accidit
hominibus et bonis et malis, unde etiam Fortuna nominatur.
196 (101)
Aug. civ. 4, 18 p. 167, 7 (fr. 160a GRF, antecedit fr. 190): quid sibi vult, quod et (sc. deum) montium septe(m) Monti(n)um
Fortuna dea putatur et colitur? An aliud est felicitas, aliud fortuna? - - - non erit.
... p. 167, 21: Ipsa est ergo Felicitas; cur adhibentur diversa nomina? ... Quid septem Montinum Oehler1, Agahd (coll. Arnob. 4, 9) septemontium A septem
diversae aedes, diversae arae, diversa sacra? - - - nominatur. Septemontium Oehler2
Aug. civ. 7, 3 p. 277, 27 sqq.; civ. 4, 33 p. 188, 8 sq.
0: fr. 105 et 143. Tert. nat. 2, 15, 3 (antecedit fr. 195): et montium septe<m) Monti<n)um.
Arnob. 4, 9: quis Montinum montium (sc. praesidem esse credat; cf. App. XIVm).
192 (93)
simulacrum (sc. Fortunae), quod a matronis dedicatum est et appellata
est Fortuna muliebris, etiam locutum esse ... atque dixisse non semel,
197 (102)
sed iterum, quod earn rite matronae dedicaverint. Ascensus ab ascensibus

Aug. civ. 4, 19 p. 168, 13: tantum sane huic velut numini tribuunt, quam Fortunam ab ascensibus Borleffs [lac. 10 ?] A ab ascensu Goth. a scansione Oehler, Agahd
vocant, ut simulacrum eius, quod - - - locutum esse memoriae commendaverint Tert. nat. 2, 15, 4: [lac. 10? A] illi faciunt, qui in isdem locis aras vel aedes habent,
atque dixisse - - - dedicaverint. prae[terea aliis qui] in alieno loco aut mercedibus habitant. (5) Taceo Ascensum
ab ascensibus et <C)livicolam a clivis (fr. 198); taceo deos Forculum a foribus et
193 (98) Car[deam a cardi]nibus et liminum Limentinum, sive qui alii inter vicinos apu[d
(sc. commendare) deae Pecuniae, ut pecuniosi essent, deo Aesculano et vos numi]num ianitorum adorantur.
filio eius Argentino, ut haberent aeream argenteamque pecuniam. Nam fr. 147 GRF.
ideo patrem Argentini Aesculanum posuerunt, quia prius aerea pecunia
in usu coepit esse, post argentea.
198 (102)
1,3 Aesculano vel Aesculanum] Aescol. 0 (C)livicola a clivis
Aug. civ. 4, 21 p. 171, 16: (quid necesse erat commendare) deae --- argentea. Miror Clivicolam Rigaltius leuico iam A Leuicliuiam Goth.
autem, quod Argentinus non genuit Aurinum, quia et aurea subsecuta est.
Aug. civ. 4, 28 p. 181, 20: si nee Argentinum nee eius patrem colerent Aesculanum. Tert. nat. 2, 15, 4 (fr. 147 GRF, cf. supra ad fr. 197).
cf. civ. 7, 11 p. 289, 12: Pecuniam inter illos minuscularios invenimns. civ. 7, 3
p. 278, 12 et 19 (Pecunia).
0: Arnob. 4, 9 dea Pecunia; RD XVI fr. 238. 199 (104a)
Forculus, qui foribus praeest, et Limentinus, qui limini, . . . Cardea ...
194t (100) quae cardinem servat
furem ex eo dictum, quod veteres Romani furvum atrum appellaverint
Cardea 0 2A 2Krb 2 elpq carnea 0 1A 1Fd cardinea ab 1
et fures per noctem, quae atra sit, facilius furentur.
lli' Aug. civ. 6, 7 p. 258, 10 (fr. 159 GRF): cur Forculus, - - - limini, dii sunt masculi,
Gell. 1, 18, 4 (antecedit fr. 89): sed in posteriore eiusdem libri (sc. RD XIV) parte
atque inter hos Cardea femina est, quae cardinem servat ? N onne ista in rerum
furem dicit --- furentur. fr. 131 GRF.
divinarum libris reperiuntur?
T: Non. 50: furem ex eo dictum, quod furvum atrum appellaverint et fures per
Aug. civ. 4, 8 p. 156, 17: unum quisque domui suae ponit ostiarium, et quia homo
obscuras noctes atque atras facilius furentur.
est, omnino sufficit; tres deos isti posuerunt, Forculum foribus, Cardeam (carneam
K 1Fr 1 b1 cardineam r 2 ) cardini, limentinum limini. Ita non poterat Forculus simul
195 (101)
et cardinem servare.
locorum urbis ... deos arc[uum Ianum] patrem, et diva arquis est Tert. nat. 2, 15, 5 cf. supra ad fr. 197 (inde Oypr. idol. 4).
Tana Arnob. 4, 9: Limentinus, Lima (sic P); cf. 4, 11 et 12: Limentinus.

_J_
86 BURKHART CARDAUNS M. Terrentius Varro antiquitates rerum divinarum 87
200 (104b) Appendix ad librum XIV
ostiorum deos apud Romanos Cardeam a cardinibus appellatam et For-
culum a foribus et Limentinum a limine et ipsum Ianum a ianua ... a) Varro, logistoricus Catus de liberis educandis
Nonius 167 (fr. VII Riese, fr. 4 Muller): his Semonibus (sic Lindsay, hisce manibus
etiam apud Graecos Apollinem Thyraeum et Antelios daemonas ostiorum
codd., numinibus Preller) lacte fit, non vino; Cuninae propter cunas, Ruminae
praesides legimus. propter rumam, id est prisco vocabulo mammam; a quo subrumi etiamnunc
3 Thyraeum Rigaltius tyreum A %upClfov Gangneius, Agahd dicuntur agni. cf. fr. 112 et 113.
Nonius 352 (fr. VI Riese, fr. 7 Muller): ut qui contra celeriter erant nati, fere
Tert. idol. 15, 5: ostiorum --- ianua. 15, 6 etiam apud --- legimus. Numerios praenominabant; quod qui cito facturum quid se ostendere volebat,
Tert. cor. 13, 9: Ianum (sic ARB, ianuam NF) a ianua, Limentinum a limine, dicebat numero id fore; quo etiam in partu precabantur Numeriem (sic Lindsay,
Forculum et Carnam (sic) a foribus atque cardinibus; etiam apud Graecos Thyrae- numeri et codd.), quam deam solent indigitare etiam pontifices. cf. fr. 137.
um Apollinem et Ante[li]os daemonas. Non. 108 (et 480, fr. X Riese, fr. 8 Muller): cum primo cibo et potione initiarent
Tert. scorp. 10, 6: quas mihi potestates ianitrices adfirmas iuxta Romanam super- pueros, sacrificabantur ab edulibus Edusae, a potione Potinae nutrici. cf. fr. 114.
stitionem t Barnum quendam et Forculum et Limentinum. Non. 532 (fr. XIII Riese, fr. 9 Muller): Statilinum et Statanum et Fabulinum
C: Macr. 1, 9, 6 sq. puerilitatis praesides deos Varro Cato vel de liberis educandis affirmat: alii Statano
et Statilino, quorum nomina habent scripta pontifices, sic cum primo fari incipie-
bant, sacrificabant divo Fabulino. cf. fr. 115.
b) Varro Men. fr. 506 Buch. ap. Gell. 13, 23, 4: te Anna ac Peranna, Panda Cela,
201 t (106) te Pales, Nerienis et Minerva, Fortuna ac Ceres.
a{rrov (sc. Ianum) rmpa: 0o6crxoti;' oupavov ).eyzcr&at xat zqiopov TCtXO"YJ<; c) Serv. auct. Aen. 4, 59 (RD XVI fr. 56 Ag.): hanc (sc. Iunonem) Varro Pronu-
ata: 't"Otv -rai:,; XC(AtXvaat<;&vaqitpzcr&at n6nava.
np&~zw,; xat TCOTCtXVCuVC( bam dicit. cf. Serv. auct. Aen. 4, 166 fr. 446 GRF.
d) Serv. georg. 3, 1 (RD XIV fr. 84 Ag.): hanc (sc. Palem) Vergilius genere
Lyd. mens. 4, 2 (fr. 134 GRF; RD XVI fr. 4 M.): B&ppwv ev -r'/i -rscrcrClprnxCltilz- feminino appellat, alii, inter quos Varro, masculino, ut ,hie Pales'.
x&-r?J-rwv &dwv rrpClyµ&-rwv (jlYJGLV
Clu-rovITClptx--- rr6rrClVCl. e) Paul. Fest. 10: Agonium etiam putabant deum dici praesidentem rebus
agendis, Agonalia eius festivitatem.
Paul. Fest. 16: Arculus deus qui tutelam gereret arcarum.
Paul. Fest. 77: Egeriae nymphae sacrificabant praegnantes, quod earn putabant
202* (107) facile conceptum alvo egerere.
Portunus . . . deus port[ uum porta ]rumque praeses Paul. Fest. 100: Herem Marteam antiqui accepta hereditate colebant, quae a
nomine appellabatur heredum et esse una ex Martis comitibus putabatur.
suppl. Herrmann, Maii
Paul. Fest. 200: Opigenam Iunonem matronae colebant, quod ferre earn opem in
Schol. Veron. Aen. 5,241 (RD XV fr. 7 1vl., fr. 376 GRF): Portunus, ut Varro ait, partu laborantibus credebant.
deus port[uum porta]rumque praeses. quare huius dies festus Portunalia, qua aput, Paul. Fest. 108 (RD XIV fr. 69a Ag.): Inporcitor qui porcas in agro facit arando.
veteres claves in focum ad[dere prope] mare institutum. hunc Graeci Palaemona, Fest. 238 (RD XIV fr. 69b Ag.): Porcas quae inter duos sulcos fiunt ait Varro dici
vocant. cf. Serv. Aen. 5, 241; georg. 1, 437. quod porrigant frumentum.
Paul. Fest. 56: claudere et clavis ex Graeco descendit; cuius rei tutelam penes f) Gell. 16, 17, 1 (RD XIV fr. 103 Ag.): et agrum Vaticanum et eiusdem agri
Portunum esse putabant, qui clavim manu tenere fingebatur et deus putabatur deum praesidem ... (cf. fr. 107).
esse portarum. g) Macr. 1, 10, 7: Verrius Flaccus Angeroniam dici ait quod angores ac sollicitu-
C: Varro LL 6, 19 (App. VIII); Cic. n. d. 2, 66. dines animorum propitiata depellat.
h) Serv. auct. Aen. 1, 720: (inter cognomina Veneris) alii hanc Lubiam dicant,
quod eo numine consilia in medullas labantur.
i) Serv. auct. georg. 1, 21 (antecedit fr. 1): Fabius Pictor (iuris pontif. 1. fr. 3
203 (108) p. 112 Peter HRR) hos deos enumerat quos invocat flamen sacrum Cereale faciens
petorritum non est ex Graecia dimidiatum, sed totum (ortum) trans Telluri et Cereri: Vervactorem Reparatorem Inporcitorem Insitorem Obaratorem
Alpes; nam est vox Gallica ... lanceam quoque (dixit) non Latinum, sed Occatorem Sarritorem Subruncinatorem Messorem Convectorem Conditorem
Promitorem.
Hispanicum verbum esse.
k) Tert. nat. 1, 10, 43 (apol. 14, 9; Varro Men. 582): sed et Diogenes nescio qui
1 ortum add. Hertz trans Alpes Hertz Transalpibus codd., Thielmann ALL 4, 1887, in Herculem lusit, et Romani stili Diogenes (apol. 14, 9: Romanus cynicus) Varro
252 trecentos loves, seu Iuppiteros dicendum sit, sine capitibus inducit.
l) Tert. nat. 2, 15, 6 (RD XIV fr. 105 Ag.): quid enim magnum, cum et [numina
Gell. 15, 30, 6 (fr. 133 GRF): petorritum --- Gallica. (7) id scriptum est in libro sua] habeant in lupanaribus, in culinis et [in imo ca]rcere.
M. Varronis quarto decimo rerum divinarum, quoin loco Varro, cum de petorrito m) Arnob. 3, 25: unctionibus, inquit, superest Unxia, cingulorum Cinxia repli-
dixisset, esse id verbum Gallicum, lanceam - - - verbum esse. cationi, Victa (vita P) et Potua sanctissimae victui potuique procurant. 3, 26: non
88 BURKHART CARDAUNS M. Terrentius Varro antiquitates rerum divinarum 89

commemorabimus hoe loco deam Lavernam furum, Bellonas Discordias Furias Liber XV de dis incertis
Arnob. 3, 30: si aer illa (sc. Juno) est ... nulla Fluvionia, nulla Pomana, nulla
Ossipagina, nulla Februtis Populonia Cinxia Caprotina. cf. fr. 94, XVI fr. 273 et 274.
Arnob. 4, 4: pellendorum hostium dea potens Pellonia est. cf. fr. 184. 204 (1)
Arnob. 4, 6: Lateranus, ut dicitis, deus est focorum et genius adiectusque hoe Cum in hoe libello dubias de diis opiniones posuero, re-
nomine, quod ex laterculis ab hominibus crudis caminorum istud exaedificetur genus. prehendi non debeo. Qui enim putabit iudicari oportere et
Arnob. 4, 7: etiamne militaris Venus castrensibus flagitiis praesidet et puerorum
posse, cum audierit, faciet ipse. Ego citius perduci possum,
stupris? etiamne Perfica una est e populo numinum, quae obscenas illas et luteas
voluptates ad exitum perficit dulcedine inoffensa procedere? etiamne Pertunda, ut in primo libro quae dixi in dubitationem revocem, quam
quae in cubiculis praesto est virginalem scrobem effodientibus maritis? etiamne 5 in hoe quae perscribam omnia ut ad aliquam dirigam sum-
Tutunus, cuius inmanibus pudendis horrentique fascino vestras inequitare matronas mam.
et auspicabile ducitis et optatis? cf. fr. 151, 154, 155.
Arnob. 4, 7: putationibus arborum Puta, inquitis, praesto est, rebus petendis Peta, 2 putabit] putavit Ga 1l 5 perscribam K 2Fa 2 praescribam GAK 1r a 1 bdelp ut] aut
deus nemorum N emestrinus est, Patellana numen est et Patella, ex quibus una est p, am. B ad aliquam Adelq ad am. GKFBabp
patefactis, patefaciendis rebus altera praestituta. N odutis ( sic P) dicitur deus, qui
Aug. civ. 7, 17 p. 295, 12: ut ipse Varro de omnibus dubitare quam aliquid adfirmare
ad nodos perducit res satas, et quae praeest frugibus terendis, Noduterensis; ab
maluerit. Nam trium extremorum primum de diis certis cum absolvisset librum,
erroribus viarum dea Upibilia (sic P) liberat, in tutela sunt Orbonae orbati liberis
in altero de diis incertis dicere ingressus ait: Cum in - - - summam. Ita non solum
parentes, in Neniae, quibus extrema sunt tempora. nam quae durat et solidat
istum de diis incertis, sed etiam illum de certis fecit incertum.
infantibus parvis ossa Ossipago ipsa memoratur, Mellonia dea est pollens potensque
in apibus, mellis curans custodiensque dulcedinem. cf. fr. 170 (Patelana), 168
(Nodutus), 160 (Orbana), 162 (Nenia), 180 (Mellona).
Arnob. 4, 9: qui est enim qui credat esse deos Lucrios et lucrorum consecutionibus
praesidere ... quis Libentinam, quis Burnum (sic P) libidinum superesse tutelis
... quis Limentinum, quis Limam (sic P) custodiam liminum gerere et ianitorum
officia sustinere ... quis curatores obliquitatum Limos (Limos Sabaeus lemons P),
quis Saturnum praesidem sationis, quis Montinum montium, quis segnium Murci- 205 (3a)
dam? quis ad extremum deam Pecuniam esse credat? cf. fr. 126 (Lubentina), Penates esse ... per quos penitus spiramus et corpus habemus et animi
199et200 (Limentinus), 92 (Saturnus),196 (Montinus),131 (Murcia),193 (Pecunia). rationes possidemus; eos autem esse Iovem aethera medium, Iunonem
n) Lact. inst. 1, 20, 32: ... aedem Veneri armatae simulacrumque posuerunt. imum aera cum terra, summum aetheris cacumen Minervam. Quos Tar-
(33) Iovi quoque Pistori ara posita est. (35) quis non rideat Fornacem deam vel
potius doctos viros celebrandis Fornacalibus operari? quis cum audiat deam Mutam, quinius Demarati Corinthii filius, Samothraciis religionibus mystice im-
tenere risum queat? hanc esse dicunt ex qua sint Lares nati et ipsam Laram nomi- butus, uno templo et sub eodem tecto coniunxit.
nant vel Larundam .... (36) colitur et Caca, quae Herculi fecit indicium de furto
2 aethera Scioppius, ed. Harvard. aethere G aetherem Bergk, Agahd 3 imum]
boum, divinitatem consecuta quia prodidit, fratrem, et Cunina, quae infantes tuetur
inumG aera]era(inaeraG5)G 4DemaratiThilo demarathiGfFv Corinthii fFv
in cunis ac fascinum submovet, et Stercutus, qui stercorandi agri rationem primus
chorinthi G Samothraciis] samothrachis G
induxit, et Tutinus, in cuius sinu pudenda nubentes praesident ... (37) Terminus.
cf. XV fr. 209 (mater Larum), XIV fr. 112 (Gunina). Serv. auct. Aen. 2, 296: nonnulli tamen Penates esse dixerunt - - - coniunxit; his
o) Mart. Gap. 2, 149: Iuno pulchra, licet aliud nomen tibi consortium caeleste addidit et Mercurium, sermonum deum.
tribuerit, et nos a iuvando Iunonem, unde et Iovem dicimus, nominemus, sive te Macr. 3, 4, 8 (antecedit Varro RH II: Dardanum deos Penates ex Samothrace in
Lucinam, quod lucem naseentibus tribuas, ac Lucetiam convenit nuncupare, - nam Phrygiam et Aeneam in Italiam detulisse.) Qui sint autem di Penates in libro quidem
Fluvoniam Februalemque ac Februam mihi poscere non necesse est, cum nihil memorato Varro non exprimit; sed qui diligentius eruunt veritatem, Penates esse
contagionis corporeae sexu intemerata pertulerim, Iterducam et Domiducam, dixerunt per quos penitus spiramus, per quos habemus corpus, per quos rationem
Unxiam, Cinctiam mortales puellae debent in nuptias convocare, ut earum et animi possidemus; esse autem medium aethera Iovem, Iunonem vero imum aera
itinera protegas et in optatas domos ducas et, cum postes unguent, faustum omen cum terra et Minervam summum aetheris cacumen, et argumento utuntur quod
affigas, et cingulum ponentes in thalamis non relinquas, Opigenam te (soticenam Tarquinius, Demarati Corinthii filius, Samothracicis religionibus mystice imbutus,
te codd.), quas {vel} in partus discrimine {vel in bello} protexeris, precabuntur, uno templo ac sub eodem tecto numina memorata coniunxit. Cassius vero Hemina
Poplonam plebes, Curitim debent memorare bellantes, - hie ego te Heram potius dicit Samothracas deos eosdemque Romanorum Penates proprie dici 1}sou½µ.sy&Aou½,
ab aeris regno nuncupatam voco (e. q. s. ex Apul. de deo Socr. 8 p. 138 sq.). cf. fr. %sou½ XP'/JGTOU½,
%sou½ 3uvtx-rou½.
100 (Lucina), 94 (Fluvionia), fr. 117 und XVI fr. 274 (Jterduca, Domiduca). Aug. civ. 7, 28 p. 311, 22 (fr. 3b Ag.): Minervam, quam supra ipsum caelum ante
p) Schol. cod. Paris. lat. 7930 in Verg. Aen. 6, 375 (I. J. Savage, TAPhA 56, 1925, posuerat.
229ff.): Eumenides dicuntur Furiae per contrarium; quae quamvis vulgatis Arnob. 3, 40 (fr. 3c Ag.): nee defuerunt qui scriberent Iovem, Iunonem ac Minervam
nominibus utantur, tamen propria nomina habent. nominantur autem his nomini- deos Penates existere, sine quibus vivere ac sapere nequeamus et qui penitus nos
bus: Agmentis, Pecmentis, Furina. regant ratione, calore ac spiritu.
90 BURKHART CARDAUNS M. Terrentius Varro antiquitates rerum divinarum 91

206 (4) Arnob. 3, 41 (fr. 372 GRF): Varro similiter haesitans (ac Nigidius) nunc esse
hinc (sc. Caeli et Terrae masculina et feminina vi) etiam Samothracum illos (sc. Lares) Manes - - - mortuorum.
nobilia mysteria ... sic interpretatur eaque se, quae nee Sais nota sunt, C: RD I fr. 31; XVI fr. 226.
scribendo expositurum eisque missurum quasi religiosissime pollicetur.
(Dicit enim) se ibi multis indiciis collegisse in simulacris aliud significare
210t (9a)
caelum, aliud terram, aliud exempla rerum, quas Plato appellat ideas;
omnes ... mortuos existimari Manes deos et (probat) per ea sacra, quae
5 caelum Iovem, terram Iunonem, ideas Minervam (vult intellegi); caelum
omnibus £ere mortuis exhibentur, ubi et ludos (commemorat) funebres
a quo fiat aliquid, terram de qua fiat, exemplum secundum quod fiat.
Aug. civ. 8, 26 p. 364, 1: Omitto, quod Varro dicit omnes ab eis mortuos - - - funebres,
2 Sais Wissowa, Ges. Abh. 117; Agahd suis codd., edd. tamquam hoe sit maximum divinitatis indicium, quod non soleant ludi nisi numini-
bus celebrari.
Aug. civ. 7, 28 p. 311, 7 (antecedit RD XVI fr. 263): hinc etiam --- mysteria in
C: RD I fr. 32; Serv. Aen. 3, 63.
superiore libro sic interpretatur - - - quod fiat.
C: Serv. auct. Aen. 2, 325: Samothraces horum penatium antistites Saos vocabant,
qui postea a Romanis Salii appellati sunt.
Varro, log. Curio fr. 11 Riese, fr. I App. I (Prob. Verg. eel. 6, 31): Tres arae sunt in 211 * (9b)
circo medio ad columnas, in quibus stant signa: in una inscriptum Diis Magnis, Ent TWV -r&:cpwv n:eptcr-rpzcpov-rott,x:ot-9-&:n:ep
-&ewv leptX -rtµwv-rei:; TtX TWV
altera Diis Potentibus, tertia Diis <Valenti bus; hoe est) Terrae et Caelo. In haec n:ot-rzpwv µv~µot-rot, X:O(L
X:otUcrotv-rei:;
-roui:;yovei:c;',8-rotvocr-rtepnp WTOVe:v-ruxwm,
duo divisus mundus. Item duo initiales, unde omnia et omnes orti, et hi Dii magni
appellati in Samothrace (suppl. Wissowa, Ges. Abh., 1904, 116f.).
-&eovyeyovEVO(tTOV-reil-V"t)X:6-rot Atyoucrt.
Varro LL 5, 58 (App. XVI). Plut. qu. Rom. 14: Iha; -r[ -ro0<; yovd,; sxxoµ.[½oucrtv o[ µe:v u[ot crnyxexc,:).uµ.µ.evot;
. .. rr6-repov 5n -rtµ.iicr,(}c,:,µ.e:vurr(l TWV &ppevwv 3d -rou<;ITO(TE pc,:,; W<;,(}e;ou<;... xc,:l yo,:p
207t (5) srrl -rwv -r&:cpwv,eh,; cp7JcrtB&:ppwv, rre:ptcr-rpicpov-rc,:t--- ).eyoucrt.
antiquissimos deos Iovem Iunonem et Minervam
Tert. nat. 2, 12, 5: Var[ro] antiquissimos deos Iovem Iunonem et Minervam refert. 212* (10b)
tres tantum Musas esse ... unam, quae ex aquae nascitur motu, alteram,
20St (7) quam aeris icti efficit sonus, tertiam, quae mera tantum voce consistit.
deos Consentes, quos dicunt in consilium Iovis adhiberi
2 quam --- sonus] quae aeris ictu sonos efficit Myth. Vat. II
consentes] consentientes 0 2A 2F Ba
Serv. eel. 7, 21: secundum Varronem ipsae sunt Nymphae quae et Musae. (pergit
Aug. civ. 4, 23 p.174, 11: quis enim ferat, quod ncquo inter doos Consentes --- Serv. auct.) Nam et in aqua consistere dicuntur, quae de fontibus manat, sicut
adhiberi, nee inter deos, quos selectos vocant, Felicitas constituta est? existimaverunt qui Camenis fontem consecrarunt; nam eis non vino, sed aqua et
Arnob. 3, 40 (fr. 6 Ag.; fr. 374 GRF): Varro qui sunt introrsus atque in intimis lacte sacrificari solet. (pergit Serv. int.) Nee inmerito, nam aquae motus musicen
penetralibus caeli deos esse censet quos loquimur (sc. Penates) nee eorum numerum efficit, ut in hydraulia videmus. Sane sciendum, quod idem Varro tres tantum
nee nomina sciri. Hos Consentes et Complices Etrusci aiunt et nominant, quod Musas esse commemorat: unam - - - consistit.
una oriantur et occidant una, sex mares et totidem feminas, nominibus ignotis et T: Isid. or. 8, 11, 96; Myth. Vat. 11 50.
miserationis parcissimae; sed eos summi Iovis consiliarios ac principes existimari. Aug. doctr. Christ. 2, 1'7, 27: non audiendi sunt ... qui novem Musas finxerunt.
Nee defuerunt etc. cf. ad fr. 2. Refellit eos Varro, quo nescio utrum apud eos quisquam talium rerum doctior vel
C: Varro RR 1, 1, 4: duodecim deos Consentis (App. XVI). curiosior esse possit. Dicit enim civitatem nescio quam - non enim nomen recolo -
locasse apud tres artifices terna simulacra Musarum, quod in templo Apollinis
209t (8) donum poneret, ut, quisquis artificum pulchriora formasset, ab illo potissimum
electa emerent. Ita contigisse, ut opera sua quoque illi artifices aeque pulchra
esse ( sc. Lares) Manes et ideo Maniam matrem esse cognominatam Larum, explicarent, et placuisse civitati omnes novem atque omnes esse emptas, ut in
nunc aerios rursus deos et heroas (pronuntiat) appellari, nunc antiquorum Apollinis templo dedicarentur. Quibus postea dicit Hesiodum poetam imposuisse
sententias sequens Larvas esse (dicit) Lares, quasi quosdam genios et vocabula. . .. Tres autem ... illa civitas locaverat, . . . quia facile erat animad-
functorum ani.mas mortuorum. vertere omnem sonum, quae materies cantilenarum est, triformem esse natura.
Aut enim voce editur, sicuti eorum est, qui faucibus sine organo canunt, aut flatu
1 Manes Sabaeus manas P 2 heroas] hae rohas P 3/4 et functorum Stewechius, sicut tubarum et tibiarum aut pulsu sicut in citharis et tympanis et quibuslibet
Reifferscheid effunctorum P defunctorum Sabaeus animas mort. seel. Canter, Ur- aliis, quae percutiendo canora sunt. (fr. 10a Ag., sed potius e disciplinarum libro
sinus mortuorum secl. Burmann, Hildebrand, Reifferscheid de musica sumpta sunt).
1

92 BURKHART CARDAUNS M. Terrentius Varro antiquitates rerum divinarum 93


213* (11) Graeca verba om. A 00EOC NDPT yuvoaxda om. T I'INAIKEIA MF TY-
Novensiles ... novenarium numerum ... quod in movendis rebus po- NAIKEIA BZR 2 pudicam] pudicum N yuvatxda yuvatxwv'i:nv T TYNAI-
tentissimus semper habeatur et maximus K QNITIN BZRF, om. A

1 movendis] novandis Ursinus Macr. 1, 12, 27 (fr. 16b Ag.): haec (sc. Fauna) apud Graecos - - - ingreditur.
Tert. nat. 2, 9, 22 (fr. 16a Ag.): Si Fauni filia pudicitia praecellebat, ut ne convcr-
Arnob.3, 38 (fr. 373 GRF): Novensiles ... Granius Musas putat consensum saretur quidem inter viros ...quanto dignior Bona Dea Penelope?
adcommodans Aelio, novenarium numerum tradit Varro, quod - - - maximus. Lact. inst. 1, 22, 9 (fr. 16c Ag.): eandem (Faunam)
Varro scribit tantae pudicitiae
fuisse, ut nemo illam quoad vixerit praeter suum virum mas viderit nee nomen
214t (12) eius audierit etc.
Patrem Indige(n)tem Aenean
219t (17)
... proelio Laurentino nusq[uam] comparuit
Sancus propter hospitalitatem a rege T. Tatio fanum consecutus
Indigentem Klussmann, Agahd diligentem A
Sancus Souter Sanctus A, Borleff s, Agahd T. Tatio Preller, Agahd Plotio A, Borleffs
Tert. nat. 2, 9, 12: Patrem Indigentem Aenean crediderunt... 2, 9, 18: Quid aliud Tert. nat. 2, 9, 23: Est et Sanctus - - - consecutus.
Aeneae gloriosum, nisi quod proelio Laurentino nusq[uam] comparuit?
C: Varro GPR III fr. 30 Fracc. ap. Aug. civ. 18, 21; LL 5, 66 (App. XVI).
C: Varro GPR III fr. 30 Fracc. ap. Aug. civ.18, 19;Dion. H.1, 64; Thes. L. L. VII
1177.
220a (18a)
215t (13) Herculis aedituus otiosus atque feriatus lusit tesseris secum utraque
Romulus aeque post mortem deus manu alternante, in una constituens Herculem, in altera se ipsum, sub
ea condicione, ut, si ipse vicisset, de stipe templi sibi cenam pararet ami-
Tert. nat. 2, 9, 19: Romulus aeque post mortem deus. Si quia Urbem condidit,
[cur non] alii ... ? Sane Romulus et fratrem [inter]fecit et alienas virgines dolo camque conduceret; si autem victoria Herculis fieret, hoe idem de pecunia
rapuit. Ideo dcus, ideo Quirin us, [quia] tune parentibus quiritatum est per illum! 5 sua voluptati Herculis exhiberet; deinde cum a se ipso tamquam ab
(fr. 174 GRF). Hercule victus esset, debitam cenam et nobilissimam meretricem Laren-
C: Porph. Hor. epod. 16, 13: nam Varro post (pro Oruquius) rostra fuisse sepultum tinam deo Herculi dedit. At ilia cum dormisset in templo, vidit in somnis
Romulum <licit.
Herculem sibi esse commixtum sibique dixisse, quod inde discedens, cui
primum iuveni obvia fieret, apud ilium esset inventura mercedem, quam
216t (14)
10 sibi credere deberet ab Hercule persolutam. Ac sic abeunti cum primus
Stercu[lus] ... agros stercoribus iuvando
iuvenis ditissimus Tarutius occurrisset eamque dilectam secum diutius
Sterculus Rigaltius stercu [lac. 3 A] Sterculinus Goth. habuisset, ilia herede defunctus est. Quae amplissimam adepta pecuniam
Tert. nat. 2, 9, 20 (fr. 178 GRF): Quid Stercu[lus] meruit ad divinitatem '/ Si agros ne divinae mercedi videretur ingrata, quod acceptissimum putavit esse
stercoribus iuvando diligens fuit, plus fimi Augeas conferebat. numinibus, populum Romanum etiam ipsa scripsit heredem, atque illa
0: Varro GPR II fr. 27 Fracc. ap. Aug. civ. 18, 15; Lact. inst. 1, 20, 35; Isid. or. 15 non comparente inventum est testamentum; quibus meritis earn ferunt
17, 1, 3. etiam honores meruisse divinos.
217t(15) 6/7 Larentinam] laurent. Apq
Faunus, Pici filius ... mente ictus
Aug. civ. 6, 7 p. 259, 1: unde etiam illud est, quod Herculis - - - divinos. ibid. p.
Tert. nat. 2, 9, 21: Si Faunus Pici filius in ius agitabatur mente ictus, curari eum 259, 27: id est non fabulosae, sed civilis theologiae, a tanto doctore produntur.
magis quam consecrari decebat. 0: Macr.1, 10, 12 sqq.; Plut. Rom. 5; qu. Rom. 35.
0: RD I fr. 32 et 35; GPR II fr. 27 Fracc. ap. Aug. civ. 18, 15; LL 6, 52; 7, 36.
220b (18b)
218t (16b) Laren[tin]a . . . scortum meritorium fuit, sive dum Romuli nutrix
(Fauna) apud Graecos -&die;yuvatxda dicitur, quam (Varro) Fauni filiam [et id]eo lupa quia scortum, sive dum Herculis amica est, et iam ... dei.
(tradit) adeo pudicam, ut extra yuvcx:txwvI-nv numquam sit egressa, nee (2) Nam ferunt aedituum eius solum forte in ae(de) calculis lu[den]tem
nomen eius in publico fuerit auditum, nee virum umquam viderit vel a ut sibi conlusorem, quern non habebat, repraesentaret, una manu Her-
viro visa sit, propter quod nee vir templum eius ingreditur. 5 culis nomine, alia ex sua persona lusum inisse: (3) si ipse vicisset, cenulam
94 BURKHART CARDAUNS M. Terrentius Varro antiquitates rerum divinarum 95
[et sc ]ortulum ex stipibus Herculis sumeret; si vero Hercules, id est 223t (2)
manus al[tera], eadem Herculi exhiberet. (4) Vicit manus Herculis: ... pontifex in sacris quibusdam vitulari soleat, quod Graeci 71:0(l(](V[~e:lv
(5) Aedituus cenam Herculi dependit, [scortu ]m Larentinam conducit; vocant
cenat ignis, qui solvit et ipsius Herculis co[ ... o ]mnia ara consumpsit.
7t()(l()(V[~elv vocant om. NDPT ita ianisein vocant M ita IAN<I>ZEIN vocant
10 (6) Larentina in aede sola dormit; [mulier] de lenonio ludo iactitat se RA ita ianizein vocant F (recte BV)
somniis Herculi functam ... (7) Earn de aede progredientem mane primo
quidam adulescens, tertius quod aiunt Hercules, concupiscit, (8) ad se Macr. 3, 2, 11 (fr. 135 GRF'): Varro etiam in libro quinto decimo rerum divinarum
ita refert quod pontifex - - - vocant.
[invitat. Illa obsequitur memor commodo fore] id dictum sibi ab Hercule,
0: LL 7, 107: apud Naevium ... in Clastidio vitulantes a Vitula. Macr. 2, 2, 13.
utique [in praemium libidinis. Ille moritur, priusquam mis]ceantur: non
15 enim impune licui[t ei dei scortum dilexisse. Moriens earn here]dem quoque
224t (21)
scribit. (9) Mox illa prop[ter invidiam divinae mercedis, quern] per Her-
volgus rumorem
culem fuerat insecuta agrum [populo Romano reliquit. Quo sibi meruit]
divinitatem et filiabus suis, quas et ipsas h[eredes instituere debuit.] volgus] vulgus O (bis)
(10) divina Larentina Romanorum numina digni[tate sua auxit.] ... Char. gramm. 1, 16 p.186 Barwick: volgus, huius volgus Varro antiquitatium
divinarum XV: volgus rumorcm.
1 meritorium Rigaltius meritorum A 2 et ideo suppl. Goth. 3 aede suppl.
Goth. 4 conlusorem Goth. conclusorem A 6 stipibus Goth. stipitibus A 7 al-
tera suppl. Goth. 8 scortum suppl. Goth. 9 soluit et Borleff s sol& A 9 co[lac. 6] Appendix ad librum XV
-mnia A corpus et omnia Oehler 10 mulier suppl. Goth. 11 Herculi Goth.
herculis A 12 tertius A Tarutius, alter Zielinski 13 suppl. Oehler 14 e.g. a) Serv. Aen. 3, 12: Varro quidem unum esse dicit penates et magnos deos;
suppl. Borleffs Llac. 35]centaur A 15/17 suppl. Borleffs e.g. 18 et ipsas Goth. nam et in basi scribebatur ,magnis diis'.
ut ipsas A 18 suppl. Goth. 19 suppl. Borleffs. Serv. auct. Aen. 3, 12: idem Varro et alii complures magnos deos affirmant simulacra
duo virilia Castoris et Pollucis in Samothracia ante portum sita, quibus naufragis
Tert. nat. 2, 10, 1: Ad foediora festino. Non puduit auctores vestros de Larentina liberati vota solvebant. alii deos magnos Caelum ac Terram putant ac per hoe
palam facere. Scortum haec meritorium fuit - - - et iam mortui Her[cul]is, id est Iovem et Iunonem. cf. LL 5, 58 (App. XVI).
iam dei. (2) Nam ferunt - - - manus Herculis: id quoque potuit [duo]decim titulis b) Serv. auct. Aen. 3, 148 (RH II fr. 8 Mirsch): Varro sane rerum humanarum
eius adscribi. (5) Aedituus - - - Herculi functam, et po[ tuit, dum] animo contemplatur, secundo ait Aenean deos penates in Italiam reduxisse, quaedam lignea vel lapidea
somnio pati. (7) Earn de aede - - - numina digni[ sigilla . . . sane hos deos Dardanum ex Samothracia in Phrygiam, Aenean vero in
Italiam ex Phrygia transtulisse idem Varro testatur. (cf. Serv. auct. Aen. 1, 378:
221 * (19) quaedam sigilla lignea vel marmorea; Macr. 3, 4, 7).
quod abiectis infantibus pepercit lupa non mitis, Luperca ... dea est c) Serv. Aen. 3, 67: mulieres in exequiis et luctu ideo solitas ora lacerare, ut
. . . Praestana est ... dicta, quod Quirinus in iaculi missione cunctorum sanguine ostenso inferis satisfaciant .
d) Serv. Aen. 5, 45 (cf. App. I): Varro (fr. 424 GRF') et Ateius (fr. 12 GRF')
praestiterit viribus, et quod Tito Tatio, Capitolinum capiat (ut) collem, contra sentiunt, dicentes divos perpetuos, deos, qui propter sui consecrationem
viam pandere atque aperire permissum est, dea Panda est appellata vel timentur, ut sunt dii manes.
Pantica. e) Serv. auct. Aen. 9, 585 (581 Thilo, RD XV fr. 11 M.): Palicos nauticos deos
Varro appellat.
3 ut add. edd. f) Non. 44: pandere Varro existimat ea causa dici, quod qui ope indigerent
Arnob. 4, 3 (fr. 371 GRF'): quod abiectis - - - Luperca, inquit, dea est auctore et ad asylum Cereris confugissent panis daretur: pandere ergo quasi pan em dare;
appellata Varrone .... Praestana est, ut perhibetis, dicta - - - Pantica. ante facta et quod numquam fan um talibus clauderetur: de vita populi Romani lib. I (fr. 4 Rip.) :
et haec ergo numquam fuerant numina et nisi Romulus tenuisset teli traiectione hanc deam Aelius putat esse Cererem; sed quod in asylum qui confugisset pan is
palatium nique Tarpeiam rupem rex Sabinus potuisset accipere, nulla esset Pantica, daretur, esse nomen fictum a pane dando, pandere, quod est aperire.
nulla Praestana?
0: Varro VPR I fr. 4 Rip. ap. Non. 44 (Panda, App. XVf).

222 * (20)
Feroniam ... Libertatem deam ... quasi Fidoniam
Serv. auct. Aen. 8, 564: in huius (sc. F'eroniae) templo Tarracinae sedile lapideum
fuit, in quo hie versus incisus erat: bene meriti servi sedeant, surgant liberi. Quam
Varro Libertatem deam dicit, Feroniam quasi Fidoniam.
96 BURKHART CARDAUNS M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 97

Liber XVI et terra mortalium. Ab summo autem circuitu caeli ad circulum lunae
10 aetherias animas esse astra ac stellas, eos caelestes deos non modo intellegi
de dis praecipuis atque selectis esse, sed etiam videri; inter lunae vero gyrum et nimborum ac ventorum
225 (6) cacumina aerias esse animas, sed eas animo, non oculis videri et vocari
antiquos simulacra deorum et insignia ornatusque finxisse, quae cum heroas et lares et genios.
oculis animadvertissent hi, qui adissent doctrinae mysteria, possent 2 COI'MON A 10 aetherias GAKFrbel aethereas Bapq 12 aerias codd. pleri-
animam mundi ac partes eius, id est deos veros, animo videre; quorum que aereas Bvulg.
qui simulacra specie hominis fecerunt, hoe videri secutos, quod mortalium Aug. civ. 7, 6 p. 281, 31: Dicit ergo idem Varro adhuc de naturali theologia praelo-
5 animus, qui est in corpore humano, simillimus est inmortalis animi; quens deum se arbitrari - - - et corpore. Hie videtur quoquo modo unum confiteri
tamquam si vasa ponerentur causa notandorum deorum et in Liberi deum; sed ut plures etiam introducat, adiungit mundum dividi - - - et genios.
aede oenophorum sisteretur, quod significaret vinum, per id quod continet Haec est videlicet breviter in ista praelocutione proposita theologia naturalis,
quae non huic tantum, sed multis philosophis placuit; de qua tune diligentius
.id quod continetur; ita per simulacrum, quod formam ha beret humanam, disserendum est, cum de civili, quantum ad deos selectos adtinet, opitulante deo
significari animam rationalem, quod eo velut vase natura ista soleat vero quod restat implevero. civ. 7, 9 p. 286, 20: unde apertissime idem dicit deum
10 contineri, cuius naturae deum volunt esse vel deos. se arbitrari esse animam mundi et hunc ipsum mundum esse deum - - - ex animo
et corpore. cf. civ. 7, 29 p. 312, 15; civ. 8, 1 p. 321, 9: ille (sc. Varro) totam theologian
Aug. civ. 7, 5 p. 280, 6: Sed ipsorum potius interpretationes physicas audiamus naturalem usque ad mundum istum vel animam eius extendere potuit (RD I
quibus turpitudinem miserrimi erroris velut altioris doctrinae specie colorare fr. 12a Ag.).
conantur. Primum eas interpretationes sic Varro commendat, ut dicat antiquos Aug. civ. 4, 12 p. 162, 28 (RD I fr. 14 Ag.): Quid? illud nonne debet movere acutos
- - - vel deos. Haec sunt mysteria doctrinae, quae iste vir doctissimus penetraverat, homines vel qualescumque homines ... ut deposito studio contentionis adtendant,
uncle in lucem ista proferret. Sed, o homo acutissime, num in istis doctrinae mysteriis si mundi animus deus est eique animo mundus ut corpus est, ut sit unum animal
illam prudentiam perdidisti, qua tibi sobrie visum est, quod hi, qui primi populis constans ex animo et corpore, atque iste dens est sinu quodam naturae in se ipso
simulacra constituerunt, et metum dempserunt civibus suis et errorem addiderunt, continens omnia, ut ex ipsius anima, qua vivificatur tota ista moles, vitae atque
castiusque deos sine simulacris veteres observasse Romanos? (RD I fr. 18). animae cunctorum viventium pro cuiusque nascendi sorte sumantur.
ibid. p. 281, 8 (fr. 2 Ag.): verum ista mysteria doctrinae qualia sint quantique Agahd addit Aug. gen. ad litt. 3, 9 (potius ex Apul. de deo Socr. 8); 7, 4; vera relig.
pendenda, quae sequuntur ostendent. Fatetur interim vir iste doctissimus animam 55, 109; doctr. Ghrist. 1, 7, 7.
mundi ac partes eius esse veros deos; unde intellegitur totam eius theologian, earn Seneca de superstitione ap. Aug. civ. 6, 10 p. 267, 20 (RD I fr. 22d Ag.): hoe loco
ipsam scilicet naturalem, cui plurimum tribuit, usque ad animae rationalis naturam dicit aliquis: Credam ego caelum et terram deos esse et supra lunam alios, infra
se extendere potuisse. De naturali enim paucissima praeloquitur in hoe libro quern alios? (App.le).
de diis selectis ultimum scripsit; in quo videbimus utrum per interpretationes T: Myth. Vat. III (fr. 5 Ag.): Varro dicit, quod unus idemque sit homo, a corpore
physiologicas ad hanc naturalem possit referre civilem. tamen homo, ab anima sapiens dicitur. Ita ergo dens, cum unus idemque sit, m
Aug. civ. 7, 27 p. 309, 12: ipsas physiologias cum considero, quibus docti et acuti multis tamen per dispensationem sive diversitatem censetur vocabulis.
homines has res humanas conantur vertere in res divinas. cf. civ. 7, 30 p. 313, 24:
ista sunt certe, quae diis selectis per nescio quas physicas interpretationes vir
acutissimus atque doctissimus Varro, sive quae aliunde accepit, sive quae ipse
coniecit, distribuere laboravit. civ. 7, 33 p. 316, 12: quorum (sc. selectorum) sacra
227 (4)
Varro dum quasi ad naturales rationes referre conatur. Aug. c. Faust. 12, 40.
Aug. civ. 7, 9 p. 286, 13: deos enim veros animam mundi ac partes eius iste definivit. tres esse . . . animae gradus in omni universaque natura: unum, quod
G: Aug. in psalm. 96, 11; 113, 4; doctr. Ghrist. 3, 7, 11. omnes partes corporis, quae vivunt, transit et non habet sensum, sed
tantum ad vivendum valetudinem; hanc vim in nostro corpore permanare
226 (3) (dicit) in ossa, ungues, capillos; sicut in mundo arbores sine sensu aluntur
(dicit Varro) ... deum se arbitrari esse animam mundi, quern Graeci 5 et crescunt et modo quodam suo vivunt: secundum gradum animae, in
vocant x6oy.ov, et hunc ipsum mundum essedeum; sed sicuthominem sapien- quo sensus est; hanc vim pervenire in oculos, aures, nares, os, tactum:
tem, cum sit ex corpore et animo, tamen ab animo dici sapientem, ita tertium gradum esse animae summum, quod vocatur animus, in quo
mundum deum dici ab animo, cum sit ex animo et corpore ... mundum intellegentia praeminet; hoe praeter hominem omnes carere mortales.
5 dividi in duas partes, caelum et terram; et caelum bifariam, in aethera et Hane partem animae mundi (dicit) deum, in nobis autem genium vocari.
aera; terram vero in aquam et hum um; e quibus summum esse aethera, 10 Esse autem in mundo lapides ac terram, quam videmus, quo non permanat
secundum aera, tertiam aquam, infimam terram; quas omnes partes sensus, ut ossa, ut ungues dei; solem vero, lunam, stellas, quae sentimus
quattuor animarum esse plenas, in aethere et aere inmortalium, in aqua quibusque ipse sentit, sensus esse eius; aethera porro animum eius;
98 BURKHART 0ARDAUNS M. Terrentius Varro antiquitates rerum divinarum 99
cuius vim, quae pervenit in astra, ea quoque facere deos, et per ea quod !anus
in terram permanat, deam Tellurem; quod autem inde permanat in mare
15 atque oceanum, deum esse Neptunum. 230 (Sa)
de Iano, quern alii caelum, alii dixerunt esse mundum
12/13eius;cuiusvimDombart etcuiusviOAr eius ecuiusviK 2 e cuius vi K 3 d
alii alia sim. 13 ea quoque Dombart earn quoque codd. (ipsam quoque Bq) per alii dixerunt] dixerunt alii Ar
eamael
Aug. civ. 7, 28 p. 310, 30 (fr. 263): ut in superioribus initium fecimus a caelo,
Aug. civ. 7, 23 p. 301, 21: et certe idem Varro in eodem de diis selectis libro tres cum diximus de Jano - - - mundum.
esse adfirmat animae --- Neptunum. cf. civ. 7, 22 p. 300, 26; 7, 23 p. 301, 15. Aug. civ. 7, 7 p. 282, 26 (fr. Sb Ag.): Ianus igitur, a quo sumpsit exordium, quaero
Aug. civ. 7, 13 p. 291, 7: et cum alio loco (atque fr. 248) genium dicit esse unius- quisnam sit. Respondetur: Mundus est. cf. 7, 9 p. 286, 13; 7, 10 p. 287, 16; 7, 17
cuiusque animum rationalem et ideo esse singulos singulorum, talem autem mundi p. 296, 9.
animum deum esse; ad hoe idem utique revocat, ut tamquam univers3Jis genius 0: Macr. 1, 9, 11; RD XIV fr. 201
ipse mundi animus esse credatur. T: Isid. or. 8, 11, 37
Aug. civ. 7, 17 p. 296, 4: neque enim, sicut sciebat esse mundum, esse caelum et
terram, caelum sideribus fulgidum, terram seminibus fertilem, atque huius modi
cetera, sicut hanc totam molem atque naturam vi quadam invisibili ac praepotenti 231 (9)
regi atque administrari certa animi stabilitate credebat: ita poterat adfirmare d0 ad eum (sc. Ianum) dicuntur rerum initia pertinere, fines vero ad alterum,
Iano etc. cf. civ. 7, 30 p. 312, 31; vera relig. 55, 109 f.; doctr. Christ. 1, 8, 8; c. Faust.
20, 5; trin. 8, 7, 11; 15, 1, 1; 15, 5, 7. quern Terminum vocant. Nam propter initia et fines duobus istis diis
0: RD I fr. 23 sq. duos menses perhibent dedicatos praeter illos decem, quibus usque ad
Decembrem caput est Martius, Ianuarium Iano, Februarium Termino.
5 Ideo Terminalia eodem mense Februario celebrari dicunt, cum fit sacrum
purgatorium, quod vocant Februm, unde mensis nomen accepit.
228 (7)
Aug. civ. 7, 7 p. 282, 28: Cur ergo ad eum dicuntur - - - accepit. ibid. p. 283, 18;
de diis ... populi Romani publicis, quibus aedes dedicave- 7, 9 p. 286, 26; 7, 30 p. 312, 29.
runt eosque pluribus signis ornatos notaverunt, in hoe 0: Varro LL 6, 13 (Terminalia); 6, 34 (Februarius); Varro ap. Gens. 22, 13 (RH
libro scribam, sed ut Xenophanes Colophonios scribit, quid XVII fr. 1 Mi.).
putem, non quid contendam, ponam. hominis est enim haec
5 opinari, dei scire. 232 (10)
3 Colophonios F Dombart colophonius rell. scribit Oadelpq scriuit F scripsit duas eum (sc. Ianum) facies ante et retro habere (dicunt), quod hiatus
AKrBb 4 est enim CB enim est AKF rell. noster, cum os aperimus, mundo similis videatur; unde et palatum
Aug. civ. 7, 17 p. 295, 22: in tertio porro isto de diis selectis, postea quam praelocutus Graeci oupOlvovappellant, et nonnulli, (inquit), poetae Latini caelum
est quod ex naturali theologia praeloquendum putavit, ingressurus huius civilis vocaverunt palatum, a quo hiatu oris et foras esse aditum
theologiae vanitates ... ubi eum ... maiorum premebat auctoritas: de diis, 5 ad dentes versus et introrsus ad fauces.
inquit, populi - - - dei scire.
F: Xenophanes VS 21 F 34. 3 ouranon K or anon 0 1a 1 Z uranon A Fr B 2 ran on B 1
Aug. civ. 7, 8 p. 283, 31: sed iam bifrontis simulacri interpretatio proferatur.
Duas eum facies --- fauces (fr. 169 GRF). ibid. 7, 4 p. 279, 30.
0: Oic. n. d. 2, 49: caeli palatum, ut ait Ennius (fr. inc. 16 V.).
229 (1)
hos . . . deos selectos (commendat): Ianum, Iovem, Saturnum, 233* (11)
Genium, Mercurium, Apollinem, Martem, Vulcanum, Neptunum, Solem. (sc. simulacrum Jani bifrontis) quia etiam nomme Orientis et Occi-
Orcum, Liberum patrem, Tellurem, Cererem, Iunonem, Lunam, Dianam, dentis totus solet mundus intellegi
Minervam, Venerem, Vestam.
Aug. civ. 7, 8 p. 284, 19: Deinde si Janus est mundus et mundus quattuor partibus
Aug. civ. 7, 2 p. 274, 8: Hos certe deos selectos Varro unius libri contextione constat, falsum est simulacrum Jani bifrontis; aut si propterea verum est, quia
commendat: Janum - - - Vestam; in quibus omnibus ferme viginti duodecim mares, etiam - - - intellegi etc.
octo sunt feminae. T: Isid. or. 8, 11, 37.
100 BURKHART CARDAUNS M. Terrentius Varro antiquitates rerum divinarum 101

234 (12) ferret, quod haberet inpellendi, statuendi, stabiliendi, resupinandi potes-
cum vero eum faciunt quadrifrontem et Ianum geminum appellant, ad 5 tatem, quod tamquam tigillus mundum contineret ac sustineret, quod
quattuor mundi partes hoe interpretantur. aleret omnia, quod ruma, id est mamma, aleret animalia.
Aug. civ. 7, 8 p. 284, 15: cum vero eum - - - interpretantur, quasi aliquid spectet Aug. civ. 7, 11 p. 288, 4 (fr. 137 GRF): dixerunt eum - - - Ruminum et alia quae
mundus foras sicut per omnes facies Janus (fr. 12 Ag.). cf. ibid. 7, 4 p. 279, 31. persequi longum est. Haec autem cognomina inposuerunt uni deo propter causas
Aug. civ. 7, 8 p. 284, 25 (fr. 13 Ag.): non habent omnino, unde quattuor ianuas, potestatesque diversas, non tamen propter tot res etiam tot deos eum esse coegerunt:
quae intrantibus et exeuntibus pateant, interpretentur ad mundi similitudinem, quod omnia --- animalia. civ. 7, 14 p. 291, 28 (Ruminus); civ. 7, 24 p. 304, 1.
sicut de bifronti quod dicerent saltem in ore hominis invenerunt, nisi N eptunus 0: RD XIV fr. 113 (diva Rumina); LL 5, 51 (Iupp. Viminius).
forte subveniat et porrigat piscem, cui praeter hiatum oris et guttnris etiam dextra
et sinistra fauces patent.
238 (19)
0: LL 7, 7.
T: Isid. or. 8, 11, 37. et Pecunia ... vocatur, quod eius sunt omnia
Aug. civ. 7, 12 p. 289, 20: et Pecunia, inquit, vocatur - - - omni a. civ. 7, 11
p. 289, 11: nisi ... inter eius alia cognomina legerem, quod etiam Pecunia vocaretur,
luppiter quam deam inter illos minuscularios invenimus et in quarto libro commemoravimus.
0: RD XIV fr. 193.

235 (14)
Saturnus
(Iuppiter) deus est ... habens potestatem causarum, quibus
aliquid fit in mundo.
239 (20a)
Aug. civ. 7, 9 p. 285, 6: Iovem autem, qui etiam Iuppiter dicitur, quern velint (sc. Saturnus) Unus ... de principibus deus, penes quern satio-
intellegi, exponant. Deus est, inquiunt, habens - - - mundo. num omnium dominatus est.
Aug. civ. 7, 9 p. 285, 29: hunc sane deum, penes quern sunt omnes causae factarum
omnium naturarum naturaliumque rerum, si Iovem populi appellant . . . ibid. Aug. civ. 7, 13 p. 290, 28 (fr. 139 GRF): Quid est enim et Saturnus? Unus, inquit,
p. 286, 7 sqq.; civ. 7, 30 p. 312, 30:rerum causashabet; p. 313, 15: causas ... de - - - est. civ. 7, 15 p. 292, 29: (Saturno) dant non parvam substantiam, omnium
principales. videlicet seminum. civ. 7, 30 p. 312, 31: vim seminum.
0: RD I fr. 14. 0: RD XIV fr. 92; LL 5, 57 (App. XVIa).

236 (15) 240 (20b)


quoniam penes Ian um ... sunt prima, penes Iovem summa. Latini vocabuli a sationibus rationem [deducu]nt, qui eum procreatorem
Merito ergo rex omnium Iuppiter habetur. Prima enim vin- coniectant, per eum seminalia caeli [in terra]m deferri. Opem adiungunt,
cuntur a summis, quia, licet prima praecedant tempore, quod opem vivendi semina confe[rant, tum et] quod opere semina evadant.
summa superant dignitate.
1 deducunt Goth. ]nt A* 2 coniectant Borleffs coniectantur A (cf. Tert. an. 44, 3;
Aug. civ. 7, 9 p. 285, 11: sed cur ei (sc. Iovi) praeponitur Janus? hoe nobis vir Pall. 6) in terram Goth. lac. 7]m A* 3 conferant, tum et Goth. confe[ lac. 8 A
ille acutissimus doctissimusque respondeat. Quoniam penes Ianum, inquit,
sunt --- dignitate (fr. 15 Ag.). Tert. nat. 2, 12, 18 (fr. 20b Ag.): aeque Latini --- evadant.
Aug. civ. 7, 10 p. 287, 16 (fr. 16 Ag.): cum ergo et Janus mundus sit et Iuppiter Macr. 1, 10, 20 (fr. 20c Ag.): quos (sc. Saturnum et Opem) etiam nonnullis caelum
mundus sit unusque sit mundus, quare duo dii sunt Ianus et Iuppiter? Quare ac terram esse persuasum est, Saturnumque a satu dictum, cuius causa de caelo
seorsus ha bent templa, seorsus aras, di versa sacra, dissimilia simulacra? Si propterea, est, et terram Opem, cuius ope humanae vitae alimenta quaeruntur, vel ab opere,
quod alia vis est primordiorum, alia causarum, et illa Iani, illa Iovis nomen accepit ... per quod fructus frugesque nascuntur.
cf. civ. 7, 11 p. 288, 16; 7, 16 p. 294, 31; 7, 19 p. 298, 10 (fr. 17 Ag.): caelnm enim 0: LL 5, 64 (App. XVIa).
esse Iovem innumerabiliter et diligenter adfirmant. T: Isid. or. 8, 11, 30.

241 (21)
237 (18) ideo Saturnum patrem a love filio superatum, quod ante est causa quae
dixerunt eum (sc. Iovem) Victorem, Invictum, Opitulum, Inpulsorem, pertinet ad Iovem, quam semen quod pertinet ad Saturnum.
Statorem, Centumpedam, Supinalem, Tigillum, Almum, Ruminum ... Aug. civ. 7, 18 p. 296, 24: iste interpretatur, ideo Saturnum - - - Saturnum.
quod omnia vinceret, quod a nemine vinceretur, quod opem indigentibus civ. 7, 17 p. 296, 10.
102 BURKHART CARDAUNS M. Terrentius Varro antiquitates rerum divinarum 103

242 (22) Aug. civ. '7, 19 p. 298, 12 (fr. 26 Ag.): Chronon appellatum dicit, quod - - - semen,
Saturn um ... dixerunt, quae nata ex eo essent, solitum inquit, non potest esse fecundum. Haec et alia de Saturno multa dicuntur,
devorare, quod eo semina, unde nascerentur, redirent. Et et ad semen omnia referuntur (fr. 28 Ag.).
quod illi pro love gleba obiecta est devoranda, significat, 247 (27)
(inquit), manibus humanis obrui coeptas serendo fruges, (sc. Saturnum) tempus esse, et ideo Caelum [et Ter]ram parentes, ut et
antequam utilitas arandi esset inventa. ipsos origini nullos, et ideo falcatum quia tempore [omnia] dirimantur,
Aug. civ. '7, 19 p. 29'7, 4: Saturnum, inquit, dixerunt --- inventa. et ideo voratorem suorum quod omnia ex se edita [in semet]ipsum con-
Aug. civ. 6, 8 p. 261, 24: Saturnum suos filios devorasse, ita nonnulli interpretentur, sumat. N ominis quoque testimonium compellunt: Kp6[ vov diet ]um
quad longinquitas temporis, quae Saturni nomine significatur, quidquid gignit 5 Graece ut Xp6vov.
ipsa consumat, vel, sicut idem opinatur Varro, quad pertineat Saturnus ad semina,
quae in terram, de qua oriuntur, iterum recidunt. cf. civ. 7, 26 p. 307, 29. 1 et Terram Goth. lac. 6]ram A 2 et ipsos A ipsos Reifferscheid origini nullos
T: Isid. or. 8, 11, 31. A (cf. Hartel patr. Stud. 3, 60) origine nullos Goth. originis nullius Reifferscheid
omnia Goth. lac. 5 A 3 in semetipsum Goth. lac 5]ipsum A in se ipsum Rigaltius
4 compellunt Goth. compellent A compellant Rigaltius 4 Kp6vov dictum Oehle
243 (23) chro[lac. 'l]um A Chronicum enim dictum Goth. Chronicum dictum Rigaltius
falcem ha bet ... propter agriculturam xp6vov]chronon A
ideo priora eius tempora ... quia primi homines ex his vivebant seminibus, Tert. nat. 2, 12, l'7: [Sed] eleganter quidam sibi videntur physiologice per alle-
quae terra sponte gignebat. goricam [argu]mentationem de Saturno interpretari tempus esse - - - ut Xp6vov.
(18) Aeque Latini etc. (cf. fr. 240).
Aug. civ. 7, 19 p. 29'7, 21: Falcem ha bet, inquit propter agriculturam.
Aug. civ. 6, 8 p. 261, 24: Saturnum suos filios devorasse, ita nonnulli interpretentur,
Certe illo regnante nondum erat agricultura, et idea priora eius tempora perhibentur,
quad longinquitas temporis, quae Saturni nomine significatur, quidquid gignit
sicut idem ipse fabellas interpretatur, quia primi - - - gignebat.
ipsa consumat, vel, sicut idem opinatur Varro etc. (cf. ad fr. 242 app.).
T: Isid. or. 8, 11, 32.

Genius
244 (24)
a quibusdam pueros ei solitos immolari, sicut a Poenis, et a quibusdam 248 (29)
etiam maiores, sicut a Gallis, quia omnium seminum optimum est (sc. Genius) deus ... qui praepositus est ac vim ha bet om-
genus humanum. nium rerum gignendarum.
Aug. civ. 7, 19 p. 29'7, 28: Deinde idea dicit a quibusdam - - - humanum. cf. civ. 7, 26 Aug. civ. 7, 13 p. 291, 3: quid est Genius? deus, inquit, qui - - - gignendarum.
p. 307, 30: quad ei Poeni suos filios sacrificati sunt, non recepere Romani. f: 136 GRF. Of. Paul. Fest. 94.
0: Dion. H. 1, 38; Varro ap. Lact. inst. 1, 21, 6 sq.; Varro ap. Macr. 1, '7, 28-31
(Pelasgi). Mercuri us
249 (30)
245 (25) Mercurius . . . sermocinandi . . . administer
quod Caelum ... patrem Saturn us castrasse in fabulis dicitur,
Aug. civ. '7, 14 p. 291, 19: Mercurium vero et Martem quo modo referrent ad
hoe significat penes Saturnum, non penes Caelum semen aliquas partes mundi et opera Dei, quae sunt in elementis, non invenerunt, et idea
esse divinum. eos saltem operibus hominum praeposuerunt, sermocinandi et belligerandi admini-
Aug. civ. 7, 19 p. 298, 5: quad Caelum, inquit, patrem --- divinum. stros.
Tert. nat. 2, 12, 10: Nam Saturnus quidem Caelu[m castra]vit dormientem - legimus Aug. civ. '7, 30 p. 313, 1: qui sermonis facultatem usumque donavit.
Caelum genere masculino etc.
0: RD V fr. 64 (Non. 19'7: Oaelus). 250 (31)
ideo Mercurius quasi medius currens dicitur appellatus, quod sermo
currat inter homines medius; ideo 'Epµ'ijc; Graece, quod sermo vel interpre-
246 (26)
tatio, quae ad sermon em utique pertinet, tpµ YJVdll(dicitur; ideo et mer-
Chronon appellatum . . . quod Graeco vocabulo significat temporis
cibus praeesse, quia inter vendentes et ementes sermo fit medius; alas
spatium, sine quo semen ... non potest esse fecund um.
5 eius in capite et pedibus significare volucrem ferri per aera sermonem;
chronon OKBabdelp choronon F cronon A nuntium dictum, quoniam per sermonem omnia cogitata enuntiantur.
104 BURKHART CARDAUNS M. Terrentius Varro antiquitates rerum divinarum 105
Aug. civ. 7, 14 p. 291, 32 (fr. 138 GRF): Quod si sermo ipse dicitur esse Mercurius, P Smicrum] Simerum L smicrhone M sucronem Pa sucrontem Pb 9 affectu]
sicut ea, quae de illo interpretantur, ostendunt, nam ideo Mercurius - - - enuntiantur. effectu M filiam suam ducendam] ducendam filiam M 10 praegnans] pregnas Pa
Arnob. 3, 32: Mercurius etiam quasi quidam Medicurrius dictus est, et quod inter esset ex eo] ex eo esset LP in somniis] in somnis 1VIP 11 infans editus ideo]
loquentes duo media currat et reciprocetur oratio. ideo infans editus L Branchus] branchias Pa 12 quia] qui Pa cum in silvis LM
0: RD XIV fr. 136; Serv. auct. Aen. 4, 242; 8, 138; Macr. 1, 17, 5. maxilu' Pa maxime cum Pb 15 est om. M Apollini] Apollinis M et filio]
T: Isid. or. 8, II, 45; Myth. Vat. I 119, II 42, III p. 232. Philesio L
Lact. Plac. in Stat. Theb. 8, 198 (p. 233 Bipontina, deest ap. 1VIerkel et A.ghad):
Apollo Varro rerum divinarum ita refert de Brancho (div. rer. de Brancho ita refert L):
251 (32) <Demo)clus quidam - - - nuncupantur. cf. eundem in Stat. Theb. 3, 479; Conan
narr. 33 (FGrHist 26 F 1).
Apollinem ... solem esse ... et ideo ... sagittas habere, quod ... de
T: Myth. Vat. I 81, II 85.
caelo radios terras usque pertendat.
Aug. civ. 7, 16 p. 293, 33: Apollinem quamvis divinatorem et medicum velint,
tamen ut in aliqua parte mundi statuerent, ipsum etiam solem esse dixerunt,
Dianamque germanam eius (cf. fr. 276) ... et ideo ambos sagittas habere, quod Mars
ipsa duo sidera de caelo radios terras usque pertendant.
253 (33)
Aug. civ. 7, 30 p. 313, 1: qui munus futura dicendi quibus placuit spiritibus inper-
tivit et per quos placet ipse futura praedicit et per quos placet malas valetudines (sc. Martem) deum belli esse
pellit (sc. deus Ohristianus).
0: LL 5, 68; Oornut. nat. dear. 32 p. 65 Lang; Arnob. 3, 33; Macr. 1, 17, 7. Aug. civ. 7, 14 p. 292, 13: Item quia nee Marti aliquod elementum vel partem
mundi invenire potuerunt, ubi ageret opera qualiacumque naturae, deum belli
esse dixerunt. ibid. p. 291, 19 (fr. 249): belligerandi administer. civ. 7, 3 p. 277, 15:
252 (-)
Marti et Oreo, uni effectori mortium, alteri receptori. cf. civ. 7, 30 p. 313, 4.
<Demo )clus quidam decimus ab Apolline cum in peregrinatione pran- 0: LL 5, 73 (App. XVI a); Varro ap. Gens. 22, 11 (RH XVII fr. 3 Mi.); RD XIV
deret in litore ac deinde proficisceretur, oblitus est filium nomine Smicrum. fr. 185; Oornut. nat. dear. 21.
ille pervenit in saltum Patronis cuiusdam. et cum esset receptus, coepit
cum suis pueris capras pascere. aliquando prehenderunt cygnum et illum
5 veste cooperuerunt. et dum ipsi pugnant, uter illum patri munus offerret, 254 *(34)
cum essent fatigati certamine, reiecta veste mulierem invenerunt. et cum EV'Pwµ7JTO7r:r:t.Ar:t.LOV
Mpu ... yqovfvrxt TOU"Apzwc; TO 1;6rxvov••• &i-ma~ 3k
fugerent, revocati ab ea moniti sunt, ut Patron unice Smicrum diligeret ~ TfXV"YJ,
~V-3-"YJO"EV ~ 7r:ACI.V"YJ
"1jtJt;"1jO"EV
puerum. illi quae audierunt Patroni indicarunt. tune Patron Smicrum pro
suo filio nimio dilexit affectu eique filiam suam ducendam locavit uxorem. Clem. Al. protr. 4, 46 p. 41 P: ev 'PC:,µ'() 31:To TTOlAouov
Mpu cp1Jcrtyqovt.VOlt Tou "Apsw<;
10 illa cum praegnans esset ex eo, vidit in somniis per fauces suas introisse Ou&ppwv o cruyypOlqJEU<;,
TO ~OOlVOV oul>i.rrw TWVTEXVLTWV ETT(T1JVsurrp6crwrrov TOlUT"Y)V
XOlXOTSXVLOlV
wpµ"Y)XOTWV. ~ T€XV1J,1Jll~1JO"EV
sm:t3-iJ ()E: ~V-ll-1JGEV ~ TTAtXV"Y),
solem et exisse per ventrem. infans editus ideo Branchus vocatus est,
Arnob. 6, 11: (coluisse) pro Marte Romanos hastam, Varronis ut indicant Musae.
quia mater eius per fauces sibi viderat uterum penetrasse. hie cum in 0: Plut. Rom. 29; Justin. 43, 3, 3.
silvis Apollinem osculatus fuisset, comprehensus est ab eo et accepta
corona virgaque vaticinari coepit et subito nusquam comparuit. templum
15 ei factum est. quod Branchiadon nominatur. et Apollini et filio pariter
consecrata sunt templa, quae ab osculo Branchi sive certamine puerorum Volcanus
Philesia nuncupantur. 255 (35)
1 <Demo)clus supplevi Clus PaPcMon Olus L elius Pb Branchus M Cius ignem mundi ... violentiorem, qualis Vulcani est
Myth., Jahnke pranderet] planderet M 2 ac deinde ... ille om. Pb Smicrum]
Simerum LPa smiaru corr. in sminarii M Synichronem Myth. 3 Patronis] Aug. civ. 7, 18 p. 294, 22: (Vestam) ignem mundi leviorem, ... non violentiorem,
patroni Pb 4 prehenderunt] prenderunt corr. ex ponerunt M pendere Pb 5 et qualis Vulcani est. ibid. p. 294, 5: Vulcanum volunt ignem mundi. civ. 7, 30 p. 313, 6:
dum] dumque L dum MPb illum] illud Pb 6 cum essent] et essent L veste qui (sc. deus Ohristianus) mundi huius ignem vehementissimum et violentissimum
mulierem] veste mulieru M 7 Patron] patronus P unice] nunices M ionices ... et creavit et regit.
Pa Smicrum] Simerum L micrhone M microne Pa fucronem Pb Syni- 0: LL 5, 70 (App. XVIa).
chronem Myth. 8 Patroni] patrono Pb indicarunt] indicat Pa Patron] patronus T: Isid. or. 8, II, 39.
106 BURKHART CARDAUNS M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 107

Neptunus 261 (41 a)


256 (36)
(sc. Liberum) liquidis seminibus ac per hoe non solum liquoribus fruc-
Neptunum aquas mundi (sc. esse) tuum, quorum quodam modo primatum vinum tenet, verum etiam semi-
nibus animalium praefecerunt.
Aug. civ. 7, 16 p. 294, 5. cf. civ. 7, 30 p. 313, 8.
0. RD XVI fr. 227; LL 5, 72 (App.XVI a); Arnob. 3, 31: quod aqua nubat terram, 2 primatum vinum] privatam vim Aq 1 tenet] obtinet A
appellatus est, inquiunt, cognominatusque Neptunus. Aug. civ. 7, 21 p. 299, 7: lam vero Liberi sacra, quern liquidis - - - praefecerunt etc.
T: Isid. 8, 11, 38.
0: RD XIV fr. 93.

257 (37) 262 (42)


Venilia unda est, quae ad litus venit, Salacia, quae in sa- in Italiae compitis quaedam (dicit) sacra Liberi celebrata . . . ut in
lum redit. eius honorem pudenda virilia colerentur , . . . hoe ... mem brum per Liberi
Aug. civ. 7, 22p. 300, 14 (fr.141 GRF): Venilia, inquit, unda --- redit. dies festos cum honore magno plostellis inpositum prius rure in compitis
0: RD I fr. 28; XIV fr. 122,123; LL 5, 72 (App. XVIa). et usque in urbem postea vectabatur. In oppido autem Lavinio unus
5 Libero totus mensis tribuebatur, cuius diebus omnes verbis flagitiosissimis
258 (38)
uterentur, donec illud membrum per forum transvectum esset atque in
loco suo quiesceret. Cui membro (inhonesto) matrem familias honestis-
Sol simam palam coronam necesse erat inponere. Sic videlicet Liber deus
Aug. civ. 7, 30 p. 313, 9: qui (sc. deus Ohristianus)
solem fecit corporalium claris- placandus fuerat pro eventibus seminum, sic ab agris fascinatio repellenda.
simum luminum eique vim congruam et motum dedit.
0: RD I fr. 36: LL 5, 68 et 74; RR 1, 1, 5(App. XVIb) 4 Lavinia] launino 0 1 lauino 0 2Al lanuino KBab 1 dep lanbino F unus] uno F uni
q 9 pro eventibus Ode2p proventibus cett.
Aug. civ. 7, 21 p. 299, 13: Inter cetera, quae praetermittere, quoniam multa sunt,
Dis pater (Orcus) cogor, in Italiae - - - celebrata cum tanta licentia turpitudinis, ut in eius - - - colerentur
non saltem aliquantum verecundiore secreto, sed in propatulo exultante nequitia.
259 (40) Nam hoe turpe membrum - - - repellenda.
Ditem patrem, hoe est 0rcum, terrenam et infimam partem mundi ( sc. civ. 7, 24 p. 306, 2: in Liberi sacris honesta matrona pudenda virilia coronabat spe-
ctante multitudine.
esse)
Aug. civ. 7, 16 p. 294, 6 (fr. 40 Ag.): volunt ... Ditem - - - mundi.
263 (43)
Aug. civ. 7, 23 p. 302, 29: 0rcus, frater Iovis atque Neptuni, quern Ditem patrem
vocant? cf. civ. 7, 3 p. 277, 15 (fr. 253 in app.), i. e. fr. 39 Ag. cf. civ. 7, 30 p. 313, 11. Quoniam, ... ut primo Ii bro dixi de locis, duo sunt prin-
0: LL 5, 66 (App. XVIa) cipia deorum animadversa de caelo et terra, a quo dii
T: Isid. or. 8, 11, 42. partim dicuntur caelestes, partim terrestres: ut in superio-
ribus initium fecimus a caelo, cum diximus de Iano, quern
5 alii caelum, alii dixerunt esse mundum, sic de feminis scri-
Liher bendi facimus initium a Tellure .
260 (41 b) . . . caelum esse quod faciat, terram quae patiatur, et ideo illi masculinam
Liberum et Cererem praeponunt seminibus, vel illum masculinis, illam vim tribuit, huic femininam.
femininis; vel illum liquori, illam vero ariditati seminum. 1 ut primo] in primo q 5 alii dixerunt] dix. alii Ar
Aug. civ. 7, 16 p. 294, 7 (fr. 41 b Ag.): Liberum - - - seminum. civ. 7, 30 p. 313, 12: Aug. civ. 7, 28 p. 310: Quid igitur valet, quod vir doctissimus et acutissimus Varro
semina et alimenta mortalium, sive arida sive liquida. velut subtili disputatione hos omnes deos in caelum et terram redigere ac referre
Aug. civ. 7, 19 p. 298, 17 (fr. 41 c Ag.): quid ad haec (sc. semina) dii alii requirun- conatur? Non potest; fluunt de manibus, resiliunt, labuntur et decidunt. Dicturus
tur, maxime Liber et Libera, id est Ceres? De quibus rursus, quod ad semen adtinet, enim de feminis, hoe est deabus: Quoniam, inquit, ut primo --- Tellure.
tanta dicit, quasi de Saturno nihil dixerit. Sentio quantam molestiam tale ac tantum patiatur ingenium. Ducitur enim quadam
0: RR 1, 1, 5 (App. XVIb) ratione verisimili, caelum esse - - - femininam.
108 BURKHART CARDAUNS M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 109
RD V fr. 63: ut primo libro dixi de locis etc. enim esse quod agant. Cymbalorum sonitus ferramentorum iactandorum
RD XVI fr. 230: cum diximus de Iano. ac manuum et aeris crepitus in colendo agro qui fiunt significant; ideo
C: LL 5, 57 (App. XVIa); log. Curio ap. Prob. Verg. eel. 6, 31 (fr. I App. I);
RD V fr. 64; RR 1, 1, 5 (App. XVIb). aere, quod earn antiqui colebant aere, antequam ferrum esset inventum.
10 Leonem (inquit) adiungunt solutum ac mansuetum, ut ostendant nullum
genus esse terrae tarn remotum ac vehementer ferum, quod non subigi
Tellus colique conveniat.

264 (44) 2/3 sedens fingatur Zoega sedes fingantur codd. 8 aeris Kukula (Wien. St. 25,
314) Fontaine (Rev. et. Aug. 5, 1959, 262) eius rei codd., Agahd crepitus codd.
( sc. Tellus) fecunda est crepitum Dombart fiunt Haupt, Agahd, Fontaine fit codd., Dombart
Aug. civ. 7, 23 p. 301, 10: Nempe una est terra, quam plenam quidem videmus
Aug. civ. 7, 24 p. 304, 10: Nam et ipse Varro quasi de ipsa turba verecundatus
animalibus suis, verum tamen ipsam magnum corpus in elementis mundique unam deam vult esse Tellurem. Eandem, inquit, dicunt - - - conveniat.
infimam partem. Cur earn volunt deam ? An quia fecunda est ? . . . Sed pars animae Aug. civ. 4, 10 p. 159, 3 (fr. 46b Ag.): eandem terram etiam matrem deum vocant
mundi, inquiunt, quae per illam permeat, deam facit. (cf. fr. 227 ). ut iam poetae tolerabiliora confingant, si secundum istorum non poeticos, sed
Aug. civ. 7, 30 p. 313, 14: qui (sc. deus Christianus) terram fundat atque fecundat.
sacrorum libros non solum Iuno soror et coniux, sed etiam mater est Iovis.
Aug. civ. 7, 25 p. 306, 19 (fr. 48 Ag.): Et Attis ille non est commemoratus nee eius
265 (45a) ab isto interpretatio requisita est. ibid. p. 307, 4: merito hinc aversatus est Var-
una eademque terra habet geminam vim, et masculinam, quod semina ro noster, neque hoe dicere voluit; non enim hominem doctissimum latuit.
Aug. civ. 7, 26 p. 307, 9: Itemque de mollibus eidem Matri Magnae ... consecratis
producat, et femininam, quod recipiat atque nutriat; inde a vi feminae ... nihil Varro dicere voluit nee uspiam me legisse commemini.
dictam esse Tellurem, a masculi Tellumonem.
2 feminae] femininae 0 1 e 3 masculi CAKFrBab 2
dpq masculini b1 el
Aug. civ. 7, 23 p. 303, 13: Adhuc respondeatur, quam partem terrae permeet pars
mundani animi, ut deum faciat Tellumonem? Non, inquit, sed una eademque - - -
Tellumonem. 268 (46a)
Aug. civ. 4, 10 p. 158, 32 (fr. 45b Ag.): et hie aliquas differentias volunt esse atque Tellurem ... putant esse Opem, quod opere fiat melior;
in ipsa terra aliud Terram, aliud Tellurem, aliud Tellumonem putant, et hos omnes
deos habent suis nominibus appellatos, suis officiis distinctos, suis aris sacrisque Matrem, quod plurima pariat; Magnam, quod cibum pariat;
veneratos. Proserpinam, quod ex ea proserpant fruges; Vestam, quod
vestiatur herbis. Sic alias deas (inquit) non absurde ad hanc
266 (45a) 5 revocant.
pontifices . . . quattuor diis faciunt rem divinam, Telluri, Tellumoni, cum quibus opinio maiorum de his deabus, quod plures
Altori, Rusori .... Altori ... quod ex terra aluntur omnia eas putarunt esse, non pugnat.
quae nata sunt. Rusori ... quod rursus cuncta eodem sed potest ... fieri ut eadem res et una sit, et in ea quae-
revol vuntur. dam res sint plures.
Aug. civ. 7, 23 p. 303, 18 (antecedit fr. 265): Cur ergo pontifices, ut ipse indicat, 2 plurima et cibum inter se commut. Swoboda (Nigid. Fig. p. 86) 4 ad hanc] ab
additis quoque aliis duo bus quattuor - - - Rusori? De Tellure et Tellumone iam hac Ar
dictum est. Altori quare? Quod ex terra, inquit, aluntur omnia quae nata
Aug. civ. 7, 24 p. 304, 26 (antecedit fr. 267): Deinde adiungit et dicit, Tellurem
sunt. Rusori quare? Quod rursus, inquit, cuncta eodem revolvuntur.
matrem et nominibus pluribus et cognominibus quod nominarunt, deos existimatos
esse complures. Tell urem,inquit, putant - - - revocant. p. 305, 5: Sed errantium
267 (46a) maiorum auctoritas deprimit et eundem Varronem post hanc sententiam trepidare
eandem (sc. Tellurem) dicunt Matrem Magnam; quod tympanum habeat, compellit. Adiungit enim et dicit: Cum quibus --- pugnat .... p. 305, 10:
significari esse orbem terrae; quod turres in capite, oppida; quod sedens Sed potest, inquit, fieri --- plures. p. 305, 17: Haec sunt Telluris et Matris
Magnae praeclara mysteria, unde omnia referuntur ad mortalia semina et exercen-
fingatur, circa earn cum omnia moveantur, ipsam non moveri. Quod dam agriculturam.
Gallos huic deae ut servirent fecerunt, significat, qui semine indigeant, C: LL 5, 64 et 68 ( App. XVI a); Serv. auct., Aen. 3, 113: Proserpina terra dicitur
5 terram sequi oportere; in ea quippe omnia reperiri. Quod se apud earn sicut et mater deum; Arnob. 3, 32.
iactant, praecipitur, (inquit), qui terram colunt, ne sedeant; semper T: Isid. or. 8, 17, 59 sqq.; Myth. Vat. II 46, III 2.
110 BURKHART 0ARDAUNS
M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 111
269 (47) 273 (53a)
dominam proprie matrem deum dici provinciam fluorum menstruorum ... Iunoni (adsignat) quae regina
Serv. auct. Aen. 3, 113: sane dominam proprie matrem deum dici Varro et ceteri est et ... tamquam Iuno Lucina cum ... Mena ... cruori praesidet.
adfirmant. nam et ibi (6, 397) Proserpinam ideo a Vergilio dominam appellatam,
quod ipsa terra esse dicatur, sicut et mater deum. ~1u~. civ. 7, 2 p. 274, 29 (fr. 53a Ag.): et bane provinciam fluorum menstruorum
C: Serv. auct. Aen. 3, 438. m_hbro s~lectorum ~eorum ipsi Iunoni idem auctor adsignat, quae in diis selectis
etiam_ regm~ est et hie tamquam Iuno Lucina cum eadem Mena privigna sua eidem
cruon praes1det.
Aug. civ. _7,3 p._375, 19 (fr. 53b Ag.): confert selecta Iuno, et hoe non sola, sed cum
Ceres Mena, film Iov1s, fluores menstruos ad eius, quod conceptum est, incrementum
(cf. XIV fr. 95).
270 (49) Aug. civ. 7, 3 p. 276, 11 _(fr. 53c Ag.): omnium purga.ndorum (sc. potestatem) et
Cererem nihil aliud . . . esse quam terram pari~ndorum Iunonem et 1deo earn non deesse purgationibus feminarum et partubns
hommum.
Aug. civ. 7, 16 p. 294, 13 (fr. 49 Ag.): Cererem ... nihil aliud dicunt esse quam Aug. civ. 7, 3 p. 276, 28 (fr. 54 Ag.): Iuno selecta et regina.
terram. cf. civ. 4, 10 p. 159, 7. C: LL 5, 67 et 69 (App. XVIa).
Aug. civ. 7, 30 p. 313, 14 (fr. 50 Ag.): qui fructus eius (sc. terrae) animalibus
hominibusque largitur.
274 (55)
Iuno Iterduca et Domiduca
271 (51)
Aug._civ. 7, _3_p. 276, 34: ponitur (inter selectos) autem Iuno, quia Iterduca est et
( sacra) Eleusinia, quae apud Athenienses nobilissima fuerunt. De quibus Dom1d:rna. ibid. 276, 29: Iterduca (cf. RD XIV fr. 117).
. . . nihil ... nisi quod adtinet ad frumentum, quod Ceres invenit, et ad Pro- Aug. civ. 7, 24 p. 304, 1 (fr. 57 Ag.): tot cognominibus una Iuno .
serpinam, quam rapiente Oreo perdidit; et hanc ipsam (dicit) significare C: Mart. Cap. 2,149 (App. XIVo); Arnob. 3, 30.
fecunditatem seminum; quae cum defuisset quodam tempore eademque
sterilitate terra maereret, exortam esse opinionem, quod filiam Cereris, id 275 (58)
est ipsam fecunditatem, quae a proserpendo Proserpina dicta esset, Orcus
abstulerat et apud inferos detinuerat; quae res cum fuisset luctu publico Luna
celebrata, quia rursus eadem fecunditas rediit, Proserpina reddita exortam Aug. civ. 7, 30 p. 313, 17: qui lunae statuit modum suum (sc. Deus).
esse laetitiam et ex hoe sollemnia constituta. (Dicit deinde) multa in C: RD I fr. 26; LL 5, 68; RR 1, 1, 5 (App. XVI).
mysteriis eius tradi, quae nisi ad frugum inventionem non pertineant.
Diana
Aug. civ. 7, 20 p. 298, 23: In Cereris autem sacris praedicantur illa Eleusinia
quae - - - De quibus iste nihil interpretatur, nisi quod - - - pertineant. civ. 7, 23 276 (59)
p. 302, 31: Proserpina, quae secundum aliam in eisdem libris positam opinionem ~ian~~ .... lunam et viarum praesidem, unde et virginem volunt, quod
non terrae fecunditas, sed pars inferior perhibetur.
C: RD I fr. 28; XIV fr. 167; XVI fr. 268; LL 5, 64 et 68 {App. XVI a).
via mh1l pariat, et ideo sagittas habere, quod ... de caelo radios terras
usque pertendat.

1u~ .. civ. 7, 16 p. 294, _1 (cf. fr. 251): Dianamque germanam eius (sc. Apollinis)
s1_m1hterlunam - - - sag1ttas habere, quod ipsa duo sidera de caelo ___ pertendant.
luno civ. 7, 30 p. 313, 17.
272 (52) fr:"fo~.5, 68; Varro log. Messala ap. Prob. Verg. eel. 6, 31 (App. XVIc); RD XIV
luno secundarum causarum domina et luno aer et Iuno terra
Aug. civ. 7, 16 p. 294, 33: Iuno secundarum - - - Iuno terra.
Aug. civ. 7, 16 p. 294, 14: eamque (sc. terram) perhibent et Iunonem et ideo ei Minerva
secundas causas rerum tribuunt. civ. 7, 30 p. 313, 15: causas subsequentes. civ. 4, 10
p. 158, 26: caelum est ille (Iupp.) et illa terra ... nam hoe quoque in libris suis 277 (60)
habent eorum docti atque sapientes. Minervam humanis artibus praeposuerunt ... etiam lunam esse dixe-
C: RD XV fr. 205, 206. runt
112 BURKHART CARDAUNS M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 113

Aug. civ. 7, 16 p. 294, 17: Minervam etiam, quia earn humanis artibus praeposuerunt 283 (65)
nee invenerunt vel stellam, ubi earn ponerent, eandem vel summum aethera Vesta - Venus
(cf. fr. 278) vel etiam lunam esse dixerunt. cf. civ. 7, 30 p. 313, 18.
C: Arnob. 3, 31. Aug. civ. 4, 10 p. 159, 13: quis enim ferat, quod, cum tantum honoris et quasi
castitatis igni tribuerint, aliquando Vestam non erubescunt etiam Venerem dicere?

278 (61) 284 (66)


aetheris partem superiorem Minervam tenere (dicunt) et hac occasione hoe nomine antiquos secundis rebus comam habitasse
fingere poetas quod de lovis capite nata sit
comam Quicherat, Agahd, Thes. L. L. III 1746, 57 comas codd., Lind8ay, Bip ..
Aug. civ. 4, 10 p. 158, 12: aut si aetheris --- nata sit .... cf. Serv. Aen. 4,201. Thes. LL VI 2472, 55
G: RD XV fr. 205, 206.
Non. 318: habitare, uti. Varro ... rerum divinarum lib. XVI: hoe - - - habitassc.

Venus
Appendix ad librum XVI
279 (62)
a) Varro LL 5, 57: Quod ad loca quaeque his coniuncta fuerunt, dixi; nunc
Venus - Luna
de his quae in locis esse solent immortalia et mortalia expediam, ita ut
· 7, 15 p. 292 , 31: et tamen eandem Venerem esse etiam Lunam volunt.
A ug. civ. prius quod ad deos pertinet dicam.
Principes dei Caelum et Terra. hi dei idem qui Aegypti Serapis et Isis,
280 (63) 5 etsi Harpocrates digito significat, ut taceam. idem principes in Latio
Saturnus et Ops.
coniunctionem maris et feminae
(58) Terra enim et Caelum, ut <Sa)mothracum initia docent, sunt dei
Aug. civ. 7, 30 p. 313, 20: qui (sc. Deus verus) coniunctionem maris et feminae ad
magni, et hi quos dixi multis nominibus, non quas Ambracia ante portas
adiutorium propagandae prolis instituit.
statuit duas virilis species aeneas dei magni, neque ut volgus putat, hi
0: RD XIV fr.155; LL 5, 61 (App. XVI a).
10 Samothraces dii, qui Castor et Pollux, sed hi mas et femina et hi quos
augurum libri scriptos ha bent sic ,divi qui potes', pro illo quod Samo-
Vesta thraces &zo1 i3uv!XTO[.
281 (64a) (59) Haec duo Caelum et Terra, quod anima et corpus. humidum et fri-
Vestam ... dearum maximam putaverunt, quod ipsa sit terra, (quamvis) gidum terra, sive ,ova parire solet genus pennis condecoratum, non ani-
ignem mundi leviorem, qui pertinet ad usus hominum faciles . . . ei de- 15 roam', ut ait Ennius, et ,post inde venit divinitus pullis ipsa anima',
putandum esse (crediderunt). sive, ut Zenon Cit<ie )us ,animalium semen ignis is qui anima ac mens'.
Aug. civ. 7, 16 p. 294, 20: Vestam quoque_ dearum --- faciles, non violentiorem qui caldor e caelo, quod huic innumerabiles et immortales ignes. itaque
qualis Vulcani est, ei deputandum esse cred1derunt. Epicharmus dicit de mente humana; ait ,istic est de sole sumptus ignis';
0: fr. 268. idem <de) sole ,isque totus mentis est', ut humores frigidae sunt humi, ut
20 supra ostendi.
282 (64b) (60) Quibus iuncti Caelum et Terra omnia ex <se) genuerunt, quod per
Vestam . . . ignem pertinentem ad focos, sine quibus c~vi~as e_sse ~o~ hos natura ,frigori miscet calorem atque humori aritudinem'. recte
potest; et ideo illi virgines solere servire, quod sicut ex virgme, 1ta mh1l § 57 sqq. Caelum et Terra: fr. 23. 64. 206. 263, log. Curio (App. I). Aegypti: fr. 23.
ex igne nascatur. Saturnus et Ops: fr. 23. 36. 239-247. § 58 Samothracum initia: 205. 206, log. Curio.
§ 59 ignis, Zenon: fr. 23.
Aug. civ. 4, 10 p. 159, 7: eandem terra~ ... etia~ Vestam volunt, cum tam~n
saepius Vestam non nisi ignem esse perh1beant pertmer_item - - - nascatur. cf · ci~. 4 qui Aegypti] quia egipti F 5 ut taceam Turnebus tata seam F 6 Ops] obs F
7, 30 p. 313, 22 (fr. 64c Ag.): qui (sc. verus Deus) hom11:~m ?o~t1bus,_qu~m foc1s 8 Ambracia F, Kerenyi Samothracia Laetus, edd. 9 magni Laetus imagini F
et luminibus adhiberent, ad facillimos usus munus terrem 1gms mduls1t. civ. 4, 11 12 -&Eol3uvccro[Augustinu8 theoedynatoeF 14 parireLaetus parereF 17 hu-
p. 160, 19: in focis domesticis Vesta. ic Lachmann hinc F 19 idem de sole Spengel idem solem F 21 se add. Laetus
T: Isid. or. 8, 11, 67. 22 humori] homori F 24 dederit Scaliger deperit F
114 BURKHART CARDAUNS M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 11.5
igitur Pacuius quad ait ,animam aether adiugat', et Ennius ,terram corpus (66) Hoe idem magis ostendit antiquius lovis nomen; nam olim Diovis et
quae dederit, ipsam capere, neque dispendi facere hilum'. animae et cor- Di< e)spiter dictus, id est dies pater; a quo dei dicti qui inde, et dius et
2.5 poris discessus quod natis is exi< t )us, inde exitium, ut cum in unum ineunt, 60 divum, unde sub divo, Dius Fidius. itaque inde eius perforatum tectum, ut
initia. ea videatur divum, id est caelum. quidam negant sub tecto per hunc
(61) Inde omne corpus, ubi nimius ardor aut humor, aut interit aut, si deierare oportere. Aelius Dium Fid<i)um dicebat Diovis filium, ut Graeci
manet, sterile. cui testis aestas et hiems, quod in altera aer ardet et spica 616crxopov Castorem, et putabat hunc esse Sancum ab Sabina lingua et
aret, in altera natura ad nascenda cum imbre et frigore luctare non volt Herculem a Graeca. idem hie Dis pater dicitur infimus, qui est coniunctus
30 et potius ver expectat. igitur causa nascendi duplex: ignis et aqua. ideo 65 terrae, ubi omnia oriuntur, u<b)i aboriuntur; quorum quod finis ortus,
ea nuptiis in limine adhibentur, quod coniungit<ur) hie, et mas ignis, Orcus dictus.
quod ibi semen, aqua femina, quod fetus ab eius humore, et horum vinc- (67) Quod lovis luno coniunx et is caelum, haec terra, quae eadem Tellus,
tionis vis Venus. et ea dicta, quod una iuvat cum love, luno, et Regina, quod huius omnia
(62) Hine comicus: ,huic victrix Venus, videsne haec ~' non quod vincere terrestria.
35 velit Venus, sed vincire. ipsa Victoria ab eo quod superati vinciuntur. 70 (68) Sol vel quod ita Sabini, vel <quod) solus ita lucet, ut ex eo deo dies
utrique testis poesis, quod et Victoria et Venus dicitur caeligena; Tell us sit. Luna, quod sola lucet noctu. itaque ea dicta N octiluca in Palatio;
enim quod prima vincta Caelo, Victoria ex eo. ideo haec cum corona et nam ibi noctu lucet templum. hanc ut Solem Apollinem quidam Dianam
palma, quod corona vinclum capitis et ipsa a vinctura dicitur vieri, <id) vocant; Apollinis vocabulum Graecum, alterum Latinum et hinc quod
est vinciri; a quo est in Sota Enni: ,ibant malaci viere Veneriam corollam'. Luna in altitudinem et latitudinem simul it, Diviana appellata. hinc
40 Palmam, quod ex utraque parte natura vincta habet paria folia. 75 Epicharmus Enni Proserpinam quoque appellat, quod solet esse sub terris.
(63) Poetae de Caelo quod semen igneum cecidisse dicunt in mare ac dicta Proserpina, quod haec ut serpens modo in dexteram modo in sini-
natam e spumis Venerem, coniunctione ignis et humoris, quam ha bent vim steram partem late movetur. serpere et proserpere idem dicebant, ut
significant esse Ve<ne)ris. a qua vi natis dicta vita et illud a Lucilio: ,vis Plautus quod scribit: ,quasi proserpens bestia'.
est vita, vides, vis nos facere omnia cogit'. (69) Quae ideo quoque videtur ab Latinis Iuno Lucina dicta vel quod
45 (64) Quare quod caelum principium, ab satu est dictus Saturnus, et quod 80 est e<t) terra, ut physici dicunt, et lucet; vel quod ab luce eius qua quis
ignis, Saturnalibus cerei superioribus mittuntur. Terra Ops, quod hie conceptus est usque ad earn, qua partus quis in lucem, <l)una iuvat,
omne opus et hac opus ad vivendum, et ideo dicitur Ops mater, quod donec mensibus actis produxit in lucem, ficta ab iuvando et luce Iuno
terra mater. haec enim ,terris gentis omnis peperit et resumit denuo', Lucina. a quo parientes earn invocant; luna enim nascentium dux quod
quae ,dat cibaria' ut ait Ennius, quae ,quod gerit fruges, Ceres'; antiquis menses huius. hoe vidisse antiquas apparet, quod mulieres potissimum
50 enim quod nunc G C. 85 supercilia sua attribuerunt ei deae. hie enim debuit maxime collocari
(65) Idem hi dei Caelum et Terra Iupiter et Iuno, quod ut ait Ennius: Iuno Lucina, ubi ab diis lux datur oculis.
,Istic est is Iupiter quern dico, quern Graeci vocant / aerem, qui ventus est (70) lgnis a <g)nascendo, quod hinc nascitur et omne quod nascitur ignis
et nubes, imber postea, / atque ex imbre frigus, ventus post fit, aer de- s<uc)cendit; ideo calet, ut qui denascitur eum amittit ac frigescit. ab
nuo. / haece propter Iupiter sunt ista quae dico tibi, / qua<ndo) mortalis ignis iam maiore vi ac violentia Volcanus dictus. Ab eo quod ignis propter
55 atque urbes beluasque omnis iuvat'. quod hi<n)c omnes et sub hoe,
eundem appellans dicit: ,divumque hominumque pater rex'. Pater quod § 66 Diespiter: fr. 99. Dis pater: fr. 259. Sancus: fr. 219. Orcus: fr. 259. 271. § 67
Juno: fr. 272-274. § 68 Sol: fr. 258. Luna: fr. 275. 276. Apollo: fr. 251. 252.
patefacit semen; nam tum est conceptum et inde cum exit quod oritur. Diana: fr. 276. Proserpina: fr. 167. 268. 271. § 69 Juno Lucina: fr. 100. 101. 273.
§ 70 Volcanus: fr. 255.
§ 61 sqq. Venus: fr. 280. § 64 Saturnus et Ops: cf. ad§ 44 et 57 sq. Geres: fr. 270. 271.
§ 66 Jupiter: fr. 235-238. 59 qui inde F divi, inde Vetter (RhM 101, 1958, 292) et dius Bentinus et dies
F 63 putabat Puccius putabant F Sancum Scaliger sanctum F 64 Dis
25 natis is exitus Scioppius nati sis exius F 28 altera Mueller altero F 30 po- Mueller dies F 65 ortus M, Laetus ortum F 66 Orcus Turnebus ortus F
tins ver Aldus totius vere F 31 coniungitur A. Spengel coniungit F mas GHa 70 Sol M, Laetus sola F Sol a (sa)vel Blumenthal (RhM 87, 1938, 271) quod
mars F 32 vinctionis vis Turnebus, Pape vinctione suis F 36 testis] testes F add. Augustinus solus Scioppius solum F 71 Luna Aldus Luna vel F 73 alter-
38 vieri id est vinciri Scioppius viere est vincere F 43 Veneris Laetus veris F um Victorius alterum alterum F 74 it L. Spengel et F 81 luna Scioppius
50 nunc G C Lachmann nunc et F 53 ventus Laetus ventis F 54 haece Haupt una F 87 gnascendo Mueller nascendo F 88 succendit prop. Goetz-Schoell,
haec F quando Lachmann qua F 57 et F patet Mueller, Gollart Kent scindit F
116 BURKHART CARDAUNS M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 117

90 splendorem fulget, fulgor et fulmen et fulgur<itum), quod fulmine ictum b) Varro RR 1, 1, 4 : . . . prius in voca bo . . . duodecim deos Consentis;
contrariis diis. neque tamen eos urbanos ... sed illos XII deos, qui maxime agricolarum
(71) Ab aquae lapsu lubrico lympha. lympha Iuturna quae iuvaret; itaque duces sunt. (5) Primum, qui omnis fructos agri culturae caelo et terra
multi aegroti propter id nomen hinc aquam petere solent. a fontibus et continent, Iovem et Tellurem; itaque, quod ii parentes, magni dicuntur,
fluminibus ac ceteris aquis dei, ut Tiberinus ab Tiberi, et ab lacu Velini Iuppiter pater appellatur, Tell us terra mater. Secundo Solem et Lunam, quo-
95 Velinia, et Lymphae Commotiles ad lacum Cutiliensem a commotu, quod rum tempora observantur, cum quaedam seruntur et conduntur. Tertio
ibi insula in aqua commovetur. Cererem et Liberum, quod horum fructus maxime necessari ad victum;
(72) Neptunus, quod mare terras obnubit ut nubes caelum, ab nuptu, id ab his enim cibus et potio venit e £undo. (6) Quarto Robigo ac Floram,
est opertione, ut antiqui, a quo nuptiae, nuptus dictus. Salacia Neptuni quibus propitiis neque robigo frumenta atque arbores corrumpit, neque non
ab salo. Venilia a veniendo ac vento illo, quern Plautus dicit: ,Quod ille tempestive florent. Itaque publice Robigo feriae Robigalia, Florae ludi Flo-
100 dixit qui secundo vento vectus est tranquillo mari, ventum gaudeo'. ralia instituti. Item adveneror Minervam et Venerem, quarum unius
(73) Bellona ab hello nunc, quae Duellona a duello. Mars ab eo quod procuratio oliveti, alterius hortorum; quo nomine rustica Vinalia instituta.
maribus in hello praeest, aut quod Sabinis acceptus ibi est Mamers. Nee non etiam precor Lympham ac Bonum Eventum, quoniam sine
Quirinus a Quiritibus. Virtus ut viritus a virilitate. Honos ab onere; itaque aqua omnis arida ac misera agri cultura, sine successu ac bono eventu
honestum dicitur quod oneratum, et dictum: ,onus est honos qui sustinet frustratio est, non cultura.
105 rem publicam'. Castoris nomen Graecum, Pollucis a Graecis; in Latinis c) Prob. Verg. eel. 6, 31 p. 20 K, p. 343 Hagen: Varro etiam in logistorico,
litteris veteribus nomen quod est, inscribitur ut Ilot-u3e:ux'YJ<;Polluces, quern inscripsit Messalla de valetudine, ait: antiquos agrestes venandi
non ut nunc Pollux. Concordia a corde congruente. peritos, cum plurimum in silvis agerent, quod veluti Diana duce ad in-
(74) Feronia, Minerva, Novensides a Sabinis. paulo aliter ab eisdem dici- vestigandas feras solas et devias silvas peterent, Devianam appellasse de-
mus haec: Palem, Vestam, Salutem, Fortunam, Fontem, Fidem. E<t) am, mox Dianam, quod intellegerent eandem esse, quae diem nascentibus
110 ar<a)e Sabinum linguam olent, quae Tati regis voto sunt Romae dedi- daret. cf. RD XIV fr. 101; XVI fr. 276; LL 5, 68 ( App. XVIa).
catae; nam, ut annales dicunt, vovit Opi, Florae, Vediovi Saturnoque, d) Schol. Bern. Verg. georg. 2, 325: Dicitur enim quod Iuppiter aether et
Soli, Lunae, Volcano et Summano, itemque Larundae, Termino, Quirino, eius coniux terra cum concubuerint, tune terra fructus mortalibus pro-
Vortumno, Laribus, Dianae Lucinaeque; e quis nonnulla nomina in utraque ferat. Terra frigida, aether calidus. Caeli etiam uxorem Terram dici (dicit
lingua habent radices, ut arbores, quae in confinio natae in utroque agro Bern. 167) testis est Varro. Iunilius dicit. cf. LL 5, 59 ( App. XVIa)
115 serpunt; potest enim Saturnus hie de alia causa esse dictus atque in e) Aug. civ. 4, 10 p.149, 20: Cui (sc. Veneri) etiam Phoenices donum dabant
Sabinis, et sic Diana, de quibus supra dictum est. prostitutione filiarum, antequam eas iungerent viris. cf. RD XVI fr. 280.
(75) Quod ad immortalis attinet, haec.

§ 71 Lymphae: fr. 3. 182. Iuturna: fr. 183. Tiberinus: fr. 35. § 72 Neptunus: fr.
28. 256. Salacia: fr. 28. 257. Venilia: fr. 122. 257. § 73 Bellona: fr.185.189. Mars:
fr. 185. 253. 254. Virtus: fr. 186. 189. Honas: fr. 186. 189. Castor: fr. 32. Con-
cordia: fr. 189. § 74 Feronia: fr. 222. Minerva: fr. 277. Novensides: fr. 213. Fortuna:
fr. 105. 191. Fides: fr. 187. Tati regis dei: fr. 36. Flora: fr. 172. Summanus: fr.
42. Terminus: fr. 40. 41. 231. Lares: fr. 209. Iuppiter: fr. 235-238. Tellus: fr.
264-269. Sol: fr. 258. Luna: fr. 275. Ceres: fr. 270. 271. Liber: fr. 260-263.
Robigus: fr. 178. (Robigo). Flora: fr. 172. Minerva: fr. 277-278. Venus: fr. 279.
280. Lympha: fr. 3. 182.

94 ceteris aquis Vp ceteras aquas F 95 Commotiles prop. Goetz-Schoell, Kent,


Collart comitiis F 99 Venilia Augustinus venelia F ille codd. Plauti ibi F
103 viritus Scaliger viri ius F onere Woelfflin honesto onere F 106 II01-ul>EUlOJ<;]
pollideuces F 109 haec Palem Scaliger hecralem F et arae Mueller ea re
F 111 Florae Vediovi Mueller floreve dioiovi F 116 Diana Aldus Dianae F
M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 119

Liber VIII Me. Ca.


Me. Ca. 12 33 a
1 78 13 217
2 79 14 218
3 App. VIIIg 15 183
16 220
Liber IX 17 89. 194
Conspectus Fragmentorum l 81 18 156
ed. Merkel et huius editionis 2 App. IX b
Liber XV
1 204
Liber I Liber IV Liber X
2 223
Me. Ca. Me. Ca. 1 Aug. civ. 1, 32; 2, 8; 3, 17
3 42
1 1 1 59 2 82
4 App. XIVd
2 5 2 58 3 App. X b
5 219
3 4 3 56 a in app.
6 103
4 7 4 56 c in app. Liber XI
7 202
5 7 5 58 in app. 1 83
8 224
6 8 6 57 2 84
9 222
7 226 7 56 a
10 111
8 29 8 60 Liber XII 11 App. XVe
9 12 1 85 12 221
10 225
11 18 Liber V Liber XIII Liber XVI
12 22 1 63
1 App. V c, App. XIII c 1 228
13 12 2 65
2 Aug. civ. 3, 9 (App. I 2 229
14 9 3 66
Curio, fr. III in app.) 3 Aug. civ. 7, 4 (de Iano)
15 11 4 67
4 201
16 3 5 68
Liber XIV 5 64
6 61
1 32 6 236. 237
Liber II
2 34 7 App. XIVk
1 App. XIII b
Liber VI 3 Serv. Aen. 2, 141 8 239
2 App. II k
1 test. VI (87 in app.) 9 Lact. inst. 1, 13
3 App. II 1
2 69 4 87 10 248
4 51
3 70 5 88 sqq. 11 250
5 App. II h
4 71 6 144 sqq. 12 251
Liber III 5 72 7 163 sqq. 13 253. 215
53 6 75 8 App. I a 14 259
1
2 55 7 73 9 Tert. nat. 2, 14 15 260. 261. 262
App. III a 8 App. VI h (Aesculapius) 16 263.265-268
3
App. III c; VIII e 10 Serv. Aen. 8, 51 17 269
4
App. III d Liber VII (Arcades) 18 270
5
App. III e 1 74 11 Serv. Aen. 8, 564 19 274.275
6
App. III f 2 App. VIJ ,,. (61 in app.) 20 278
7
M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 121

Ag. Ca. Ag. Ca.


53 10 30 a 119
54 a 11 30 b 120
54 b 19 in app. 31 ab 121
55 12 32 a 122
56 13 32 b 123
57 14 in app. 33 124
Conspectus Fragmentorum 58 a 14. 15 in app. 34 125
ed. Agahd et huius editionis 58 b 16. 14 in app. 35 126
59 18 36 127
Ag. Ca. 60 19 37 a 128
Liber I
Ag. Ca. 23 31 37 b 129
Liber XIV
1 1 24 20 38 130
1 87 in app.
2ab 2 ah 25ab Comm. Bern. Luc. 9, 6. 9 39 131
2 87
3ah 4 25 C Serv. Aen. 6, 713 40 132
3 88
4 5 26 29 41 133
Serv. Aen. 6, 733 4 90
5 3 27 42 134
7 in app. 5 91
6 7 28 43 a 135
6 92
7 7 in app. 29 ab 47 43 b 136
7 ab 93
8 7 30 22 44 137. 138
8 94
7 in app. 31 9 45 139
9 9 95
8 32 85 46 140
10 a 10 96
21 33 a-g 34 47 141
10 h 11 97
10 C 8 in app. 34 49 12 ah 98 48ab 142
10 d App. I e 35 50 13 99 49 143
8 in app. 36 Tert. apol. 25 14ah 50 144
11 100
226 in app. 37 38 15 101 51 145
12 a
12 h 23 38 48 16 102 52 146
13 ah Serv. Aen. 6, 727. 747 39 a-d 35 17 ac 103 53 147-149
Comm. Bern. Luc. 9, 578 40 36 17 h 104 54 150
13 C
41 37 18 105 55 152
14 226 in app.
42 Lact. inst. 1, 20, 17 19 106 56 153
15 ahc 27
43 39 20ah 107 57 154
16 24
24in app. 44 Min. Fel. 25, 8 21 108 58 155
17
45 a 40 22 109 59 151
18 25
45 b 41 23 ab 112 60 156
19 26
19 et 24 in app. 46 42 24 113 61 111
20
47 43 25 abc 114 62 157
21 28
48 Aug. civ. 3, 12 p. 109, 23 26 a 115 63 158-160
22 a 24 in app.
31 in app. 49 ah 44 26 b 101 et 115 in app. 64 161
22 h
50 45 27 116 65 162
22 C 30
App. I e 51 46 ab 28 117 66 163
22 d
52ab 33 ah 29 118 67 87
22 e 32
122 BURKHART CARDAUNS M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 123

Ag. Ca. Ag. Ca. Ag. Ca. Ag. Ca.


68 164 107 202 14 235 41 a 261
69ab App. XIVe 108 203 15 236 41 be 260
70 a 166 109 App. I e 16 236 in app. 42 262
70 b 165 17 236 in app. 43 263
71 166 18 237 44 264
Liber XV
72 167 19 238 45 ab 265. 266
1 204
73 168 20 a 239 46 ab 267. 268
2 223
74 169 20 be 240 47 269
3 abc 205
75 ab 178 21 241 48 267 in app.
4 206
76 170 22 242 49 270
5 207
77 171 23 243 50 270 in app.
6 208 in app.
78 172 208 24 244 51 271
7
79 a 173 209 25 245 52 272
8
79b 174 9a 210 26 246 53 abe 273
80 175 9b 211 27 247 54 273 in app.
81 176 10 ab 212 28 246 in app. 55 274
82 166 11 213 29 248 56 App. XIV c
83 181 12 214 30 249 57 274in app.
84 App. XIV d 13 215 31 250 58 275
85 179 14 216 32 251 59 276
86 180 15 217 33 253 60 277
87 182 16 abc 218 34 254 61 278
88 183 17 219 35 255 62 279
18 ab 220ab 36 256 63 280
89 184
19 221 37 257 64a 281
90 185. 186
20 222 38 258 64 be 282
91 189
21 224 39 259 in app. 65 283
92 190. 191
192 40 259 66 284
93
94 186 Liber XVI
95 186 in app. 1 229
96 187 2 225 in app.
97 188 3 226
98 193 4 227
99 89 5 226 in app.
100 194 6 225
101 195. 196 7 228
102 197. 198 8 ab 230
103 107in app., App. XIV f 9 231
104 a 199 10 232
104 b 200 11 233
105 App. XIV 1 12 234
106 201 13 234in app.
AKADEMIE
DERWISSENSCHAFTEN
UNDDERLITERATUR

ABHANDLUNGEN DER

GEISTES- UND SOZIALWISSENSCHAFTLICHEN KLASSE

EINZELVERÖFFENTLICHUNG

M. Terentius Varro
Antiquitates Rerum Divinarum
Teil II: Kommentar

von

BURKHARTCARDAUNS

AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN UND DER LITERATUR · MAINZ


FRANZ STEINER VERLAG GMBH · WIESBADEN
CIP-Kurztitelaufnahme der Deutschen Bibliothek

Cardauns, Burkhart
M. Terentius Varro Antiquitates rerum divinarum.

ISBN 3-515-02118-3
Teil II. Kommentar. II. Teil
(Abhandlungen der Geistes- und Sozialwissenschaft-
lichen Klasse / Akademie der Wissenschaften und der
Kommentar
Literatur: Einzel veröffen tl. Buch I-XVI

Nachleben und Überlieferung


An dieser Stelle sei eine kurze Übersicht über unsere Quellen für die varro-
nischen Res Divinae gegeben, die nur die wichtigste Literatur verzeichnet. Im
Gedruckt mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft übrigen sei auf die Behandlung der einzelnen Fragmente verwiesen sowie auf
die eingehenden Untersuchungen von AGAHD, der auch die ältere Literatur
berücksichtigt.
Vorgelegt von Hrn. Dahlmann in der Plenarsitzung am 16. Februar 1968, Die Antiquitates werden zuerst von Varro selbst LL 6, 13 und 6, 18 zitiert
;mm Druck genehmigt am selben Tage, ausgegeben am 22. Juli 1976 (fr. 76 u. 77) und von Cicero acad. post. 8 u. 9 (test. 1) gleich nach ihrem
Erscheinen ca. 4 7/46 v. Chr. (vgl. unten S. 132) gerühmt, anscheinend aber
kaum benutzt; jedenfalls finden sich in der Schrift de natura deorum zwar
manche Anklänge und ähnliche Gedankengänge (bes. die Etymologien 2,
66/67), doch ist die Übereinstimmung nie so frappierend, daß der Gedanke an
eine Benutzung Varros sich zwingend aufdrängt. Für Einwirkung Varros
sprechen sich aus J. J. SAVAGE,TAPhA 56, 1925, 239 (n. d. 3, 46 Furina)
und J. H. WASZINK,HThR 56, 1963, 9; ders. Gnomon 37, 1965, 184 (n. d. 2,
67).
Unter den Dichtern der augusteischen Zeit ist die Nachwirkung der Res
Divinae bei Vergil in der Aeneis spürbar, aber im Einzelfall schwer nachweis-
bar. Servius zitiert sicher nicht zufällig so häufig Varro zur Erläuterung. Eine
genauere Untersuchung würde voraussichtlich für Vergil mehr Gewinn abwer-
fen als für Varro. Im VI. Buch der Aeneis dürfte Varro kaum Hauptquelle der
Seelenlehre gewesen sein, wie die ältere Forschung annahm; auf diesem Gebiet
war er keine Autorität, wohl aber auf dem des römischen Altertums, und hier
Alle Rechte vorbehalten
hat Vergil wohl einiges übernommen (zumal Aeneis VIII), wie er ihn ja auch
Ohne ausdrückliche Genehmigung des Verlages ist es auch nicht gestattet, das in den Georgica benutzt (u. a. die Gottheiten des Landes RR 1,1: georg. 1,5ff.)
Werk oder einzelne Teile daraus nachzudrucken oder photomechanisch (Photokopie, und für die Irrfahrten des Aeneas das 2. Buch Rerum Humanarum zu Rate
Mikrokopie usw.) zu vervielfältigen. © 1976 by Franz Steiner Verlag GmbH,
Wiesbaden. gezogen hat. Eine Einzeluntersuchung zu den Res Divinae und Vergil gibt
J. H. WASZINK, Agmina furiarum, HThR 56, 1963, 7-11 (vgl. App. XIV p).
Gesamtherstellung: Hans Meister KG, Kassel H. LEHR, Religion und Kultus in Vergils Aeneis, Diss. Gießen 1934, geht nicht
Printed in Germany auf Vergils Quellen ein.
126 BURKHART CARDAUNS M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 127

Tibull hat anscheinend das 4. Buch RD über die Quindecimvirn c. 2, 5 Aus der Grammatikertradition kommt für die Res Divinae Charisius in
herangezogen (vgl. Komm. zu fr. 56 und CARDAUNS,Hermes 89, 1961, 357ff.), Betracht (fr. 59. 86. 224), an einer Stelle Priscian (fr. 54), vor allem aber Nonius,
Horaz vielleicht epist. 1, 10, 49 die Deutung der Vacuna aus Varro geschöpft der aus fast allen Büchern das eine oder andere Fragment bewahrt hat.
(fr. 1). Von den Griechen hat Dionysius von Halikarnaß als erster und vielleicht
Schwierig ist die Frage nach Varro als Quelle für Ovids Fasten zu beant- auch als einziger die Res Divinae selbst gelesen (fr. 60); für Plutarch hat man
worten. Zwar ist anzunehmen, daß Ovid Varro nicht völlig übergangen hat, teils direkte, teils indirekte Benutzung angenommen (G. THILO, De Varrone
und in vielem stimmen beide Autoren überein, aber ebenso gibt es Unterschiede Plutarchi Quaest. Roman. auct. praecipuo, Bonn 1853; P. GLAESSER,De Varron.
(vgl. z.B. fr. 103 zu den Carmentes). Für Varro ist bei Ovid jedenfalls kaum doctrinae ap. Plut. vestigiis, Leipz. Stud. 4, 1881, 157 sqq.; H. J. ROSE, The
sicherer Gewinn zu erwarten, trotz älterer Versuche : CHR. HÜLSEN Varro- Roman Questions of Plutarch, Oxford 1924; K. ZIEGLER, RE XXI 860f. 926f.;
nianae doctrinae quaenam in Ovidi Fastis vestigia extent, Berlin 1880; H. C. THEANDER,Eranos 57, 1959, 99ff.).
WrLLEMSEN,De Varronianae doctrinae apud fastorum scriptores vestigiis, Diss. Sicher nicht eigener Lektüre entstammen die Zitate bei Clemens Alex. (fr.
Bonn 1906; auch E. SAMTER, Quaestiones Varronianae, Diss. Berlin 1891, 254) und Ioannes Laurentius Lydus (fr. 17 u. 201).
46-51 ist für Benutzung Varros, dagegen H. WINTHER, De fastis Verri Flacci Von den christlichen Schriftstellern ist vor allem Tertullian wichtig, dessen
ab Ovidio adhibitis, Berlin 1885; man vgl. auch die Ausgaben, vor allem Schrift ad nationes mit dem Apologeticum, das Ergänzungen bietet, nach
MERKELp. XCIV sqq.; BöMER I 23. Augustins de civitate Dei unsere wichtigste Quelle ist. Direkte Benutzung
Seneca de superstitione (ap. Aug. civ.) hat sein Material zum großen Teil bezeugt er nat. 2, 1, 8 (test. 3), doch ist im einzelnen Vorsicht geboten, da
aus Varro bezogen, wie noch die wenigen Reste zeigen (vgl. fr. 35. 36. 39. Tertullian oft in sehr freier Weise das übernommene Material gedanklich und
App. Ie und fr. 113. Vgl. M. LAUSBERGUntersuchungen zu Senecas Fragmenten, stilistisch umarbeitet (vgl. fr. 26). Buch I und XIV, daneben Buch XV, scheint
Berlin 1970, 197ff.). er besonders herangezogen zu haben.
Aus der antiquarischen Tradition seien hier nur Verrius Flaccus (R. KRIEGS- Nachdem er nat. 2, 1, 8 seine Quelle genannt hat, polemisiert Tertullian
HAMMER,De Varronis et Verri fontibus quaest. selectae, Diss. Jena 1903), Fene- zunächst auf der Grundlage der drei genera theologiae gegen das genus physicum
stella (fr. 56a bei Laktanz), Hyginus und Sueton genannt; letzterer zog jeden- (2, 2-5) und gentile (2, 8-9) mit Material aus RD I. Zur Verdeutlichung greift
falls in der ludicra historia weitgehend Varro heran (ap. Tert. spect., vgl. er dann einzelne Gottheiten heraus, zuerst aus RD XV, wie es scheint (nat. 2,
Komm. u. Appendix zu RD VIII und IX). Der ältere Plinius las zweifellos 9, 12-2, 10), dann aus RD XIV (2, 11 u. 15, vgl. die Übersicht unten S. 186).
die Antiquitates (test. 2; Komm. zu fr. 55), und das gilt auch für Gellius, dem In geringerem Maße zieht er auch RD XVI heran (2, 12). Durch den Vergleich
wir mehrere wichtige Stücke verdanken. Aufschlußreich ist Gell. 1, 18 (fr. 89 mit Augustins Zitaten ist die richtige Einordnung meistens möglich (vgl.
u. 194), wo deutlich eigene Lektüre vorliegt; auch 16, 16/17 (fr. 103 u. 107) AGAHD p. 71 sqq.). Außer in den beiden genannten Werken sind die Res
entstammen direkter Benutzung. Anderes dagegen scheint aus antiquarischer Divinae benutzt de anima (fr. 100. 101, auch 96 u. 98), de idololatria und de
oder grammatischer Tradition zu kommen (fr. 51. 74. 79. 98. 203). corona (fr. 200) sowie de spectaculis (fr. 80; App. IX), wo die Frage, ob Varro
Die Scholienliteratur hat eine Reihe von Fragmenten bewahrt, an erster nur durch Suetons Vermittlung oder direkt einwirkt, noch nicht entschieden
Stelle Servius (meist Serv. auctus); auch die Scholien zu Horaz (fr. 1), Terenz ist (E. CASTORINA,Tertullianus de spectaculis, Firenze 1961, 99ff., 109ff.
(fr. 62) und Statius (fr. 252) steuern einzelne Stücke bei. Einen Überblick nimmt direkte Benutzung an, wie schon früher K. WERBER, Tertullians Schrift
gibt RoB. B. LLOYD, Republican Authors in Servius and the Scholia Danielis de spectaculis in ihrem Verhältnisse zu Varros rerum div. libri, Progr. Teschen
Harv. Stud. in Class. Phil. 65, 1961, 291-341, bes. 309-313 u. 333f. ' 1896; anders E. NöLDECHEN, Die Quellen Tertullians in seinem Buch von den
Macrobius hat sicherlich einen Teil seiner Varrozitate aus Vergilkommen- Schauspielen, Philol. Suppl. 6. 2, 1894, 729ff.; J. BücHNER, Tertullian De
taren, die den unseren sehr nahe standen (vgl. fr. 61. 66. 70); direkte Benutzung spectaculis, Komm., Würzburg 1935, bes. 16ff.; S. ÜsWIECIMSKI,De scriptorum
ist nicht nachzuweisen (zuletzt E. TüRK, Macrobius und die Quellen seiner Romanorum vestigiis ap. Tertullianum obviis quaest. sel., Archiwum Filologiczne
Saturnalien, Diss. Freiburg 1961, bes. p. 192-195, mschr., ohne Berücksichti- 24, 1951, 65 sqq. 89).
gung der Vergilkommentare). Laktanz gibt inst. 1, 6, 7 (fr. 56a) einen so genauen Auszug aus Buch IV
Bei Martianus Capella findet sich varronisches Gut mit anderem vermischt der Res Divinae, daß eigene Lektüre wahrscheinlich ist (A. MANCINI, De
und ist daher nicht überall sicher herauszulösen (vgl. fr. 100 und Appendix Varrone Lactantii auctore, Studi storici 5, 1896, 229ff.); sonst aber entnimmt
XIVo). Isidor v. Sevilla hängt meist von uns noch erhaltenen Autoren ab er varronisches Material möglicherweise einer anonymen christlichen Schrift,
und erscheint daher nur in den Testimonien. die in polemischer Absicht Notizen über heidnische Sagen und Kulte zusam-
menstellte (sog. auctor communis nach AGAHDp. 40 sqq.) und auch von Ter-
129
M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum
128 BURKHARTÜARDAUNS
Orientierung am römischen Staatskult jedoch - unter Vernachl~ssigu?g ~er
tullian und Minucius Felix herangezogen wurde. Diese Annahme erklärt am griechischen Religion und vor allem der Mysterienkulte - ist nu: im Hmbl~ck
leichtesten die Übereinstimmung der drei Autoren. Dabei mag auch Senecas auf das Publikum zu erklären, an das Augustin sich richtete. Seme Les~r smd
Schrift de superstitione eingewirkt haben (LAUSBERGa. a. 0. 208ff.). weder griechische Philosophen noch die Anhänger der Kybele oder_des Mithra~,
Arnobius (fr. 22,209. 213. 221) kennt Varro nur durch Vermittlung anderer. auch nicht die Landbevölkerung, bei der alte Kulte noch leben~g- waren, die
F. TULLIUS, Die Quellen des Arnobius im 4., 5. und 6. Buch seiner Schrift aber keine Bücher las, sondern die gebildeten Kreise Roms. Bei d~esen bezog
Adversus Nationes, Diss. Berlin 1934, vermutet ein Handbuch flavischer Zeit. zu Beginn des 5. Jahrhunderts das Heidentum seine stä~ksten Widerstands-
Grundlage jeder Rekonstruktion der Res Divinae ist Augustinus, dem wir kräfte aus der Bindung an die nationale Tradition. Um ihre Ha~tung zu er-
den größten Teil der Fragmente und die zuverlässigsten und präzisesten An- schüttern, mußte der Angriff auf die mit Rom seit den ältesten Zeiten ve~bun-
gaben über die Anlage des Werkes verdanken. Vielleicht ist er durch Tertullian denen Götter und Kulte gerichtet werden. Kaum eine Schrift besaß ,auf_diese1?
auf Varros Werk aufmerksam geworden, obgleich er mit anderen Schriften des Gebiet größere Autorität als das Werk des ,doctissimus Romanorum, die Anti-
Polyhistors seit seiner Jugendzeit vertraut war, vor allem mit den Disciplinae. quitates Rerum Divinarum des M. Terentius Varro.
Jedenfalls zitiert er Tertullians Spott über die dei selecti civ. 7, 1 (test. RD
XIV, XV, XVI S. 63). Über Augustin und Varro vgl. jetzt H. HAGENDAHL,
Augustine and the Latin Classics, Studia Graeca et Latina Gothoburgensia
XX 1967, 589-630; dort auch eine Übersicht aller varronischen Fragmente
bei Augustinus (p. 265-316, zusammengestellt von B. CARDAUNS).
Die Bücher IV, VI und VII de civitate Dei folgen in der Argumentation fast
ständig den Res Divinae, vor allem den Büchern I, XIV und XVI. Nur gele-
gentlich scheint Augustinus andere Teile eingesehen zu haben (test. VI; fr.
71; fr. 81), daneben den Logistoricus Curio de cultu deorum (civ. 7, 9. 34. 35;
4, 27; App. I). Im vierten Buch des Gottesstaates steht die Vielzahl der Götter
im Vordergrund der Auseinandersetzung, daher sind dort Stücke aus RD XIV
besonders häufig. Im sechsten Buch legt Augustin RD I zugrunde und folgt
z. T. Satz für Satz dem varronischen Text (fr. 2-12). Das siebte Buch ist fast
ganz den dei selecti gewidmet. Zum Gang der Argumentation vgl. AGAHDp. 15
sqq.; HAGENDAHLa. a. 0. 604ff.
Die Zitierweise Augustins erlaubt es - im Gegensatz zu Tertullian - das
varronische Gut im allgemeinen ziemlich sicher auszusondern. Zumal die
kürzeren Zitate, die deutlich in direkter Rede als wörtliche Übernahme einge-
führt werden (inquit, ait, dicit), dürften meist den Wortlaut wiedergeben, wie
der Vergleich mit erhaltenen und von ihm zitierten Texten lehrt.
Über Varros Stil äußert Augustin sich kritisch (civ. 6, 2 test. nr. 6), daher
ist dort, wo nur inhaltlich referiert wird, mit Umformungen zu rechnen (civ.
3, 4 RD I fr. 20: quae Varronis sententia expressa, ut potui, meis verbis). Daß
dies bis zu sorgfältiger Stilisierung durch Prosarhythmus gehen kann, zeigt
HAGENDAHL591 am Beispiel der Erzählung von Larentina (fr. 220a).
Es ist ein glücklicher Umstand, daß der Kirchenvater für seine Widerlegung
der heidnischen Religion das gelehrte Werk Varros in diesem Umfang heran-
zog. Daß er seine Polemik weniger gegen die großen Götter Roms als gegen
,dei minuti' (Formulierung nach Plaut. Cist. 522) richtete, die schon Varro
vergebens der Vergessenheit zu entreißen suchte, verleiht seinem Kampf
etwas Unwirkliches (HAGENDAHL607f.). Dabei hat gewiß mitgewirkt, daß
diese ,turba deorum' dem Spott besonders gute Angriffsfläche bot; die einseitige
M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 131

Dank Augustin ist uns auch die Stoffverteilung auf die einzelnen Bücher
bekannt (vgl. im übrigen den Kommentar zu fr. 4):
I liber singularis, de omnibus
de hominibus:
II de pontificibus
III de auguribus
IV de quindecimviris sacrorum
Titel und Aufbau de locis:
V de sacellis
Der Buchtitel „Antiquitates" ist von Varro erstmals in die lateinische VI de sacris aedibus
Literatur eingeführt worden. Seit Varro und Cicero wird antiquitas, meist im V II de locis religiosis
Singular, zur Bezeichnung der alten Zeit und ihrer Einrichtungen gebraucht de temporibus :
(Thes. L.L. II 174 sq.; Varro LL 5, 122: antiquitatis retinendae causa; Varro VIII de feriis
Men. fr. 505: ruminaris antiquitates; Cic. Brut. 60: Varro investigator anti- IX de ludis circensibus
quitatis). X de ludis scaenicis
Die griechische Entsprechung ist &px()(ioAoy[()( (gew. Sing., cf. Thes. Gr. de rebus:
Ling. I 2095 sq.); Dionysios von Halikarnaß in seiner 'Pwµ()(ü,~ &px()(ioAoy[()( XI de consecrationibus
zitiert Varros Antiquitates 1, 14, 1 und 2, 21, 2 mit diesem Titel: e:v&px()(LOAoyl()(Lt; XII de sacris privatis
(Plural), doch die Res Divinae 4, 62, 6: e:v,yj ,&i::oAoyixyj np()(yµ()(,d(f (fr. 60). XI II de sacris publicis
Die griechischen Werke dieses Titels gehören zur Historiographie: das erste de dis:
Buch des Thukydides, das auch &px()(LOAoyl()( hieß (E. TÄUBLER, Die Archäologie XIV de dis certis
des Thukydides, Leipzig 1927, 3ff.), die 'Ioua()(·ix~ &px()(LOAoy[()( des Flavius X V de dis incertis
Iosephus sowie die von ihm ant. lud. 1, 94 zitierte <Dowixix~ &px()(ioAoy[()( des X VI de dis praecipuis atque selectis
Hieronymus Aegyptius; Diodor 1,4 spricht von ,wv 'En~vwv &px()(LOAoyl()(L.
Kein Fragment hilft die &px()(LOAoy[()( des Kleanthes (ap. Diog. L. 7, 174) zu
bestimmen; Dionysios Hal. 1, 61, 4 bezeichnet als 'A,nx~ &px()(ioAoy[()( die
Atthis des Phanodemos.
Diesen Titeln der hellenistischen Zeit ist der des varronischen Werks zweifel-
los nachgebildet, obwohl es sich um eine andersartige Konzeption handelt,
deren Voraussetzungen noch nachzugehen wäre. Auffällig ist der weitgefaßte
Zusatz „rerum humanarum et divinarum", obwohl allein die römischen Ver-
hältnisse berücksichtigt waren; vgl. Aug. civ. 6, 4 p. 251, 13: rerum humanarum
libros non quantum ad orbem terrarum, sed quantum ad solam Romam pertinet,
scripsit.
Wichtigstes Zeugnis für den Aufbau ist Aug. civ. 6, 3 (fr. 4 mit Komm.).
Auf die 25 Bücher rerum humanarum folgten 16 Bücher rerum divinarum, so
daß die Antiquitates 41 Bücher umfaßten. Danach sind die Angaben im Katalog
des Hieronymus (test. 4) zu berichtigen (XLV und XLII; die erste Zahl wohl
auch aus XLII verschrieben bzw. vice versa).
Die Gliederung der Antiquitates Rerum Divinarum (RD), in antiken Zitaten
oft auch einfach Rerum Divinarum libri, entsprach derjenigen der Antiquitates
Rerum Humanarum (RH). Auf ein Einleitungsbuch folgten je drei (RH je
sechs) Bücher de hominibus, de locis, de temporibus, de rebus, endlich drei
Bücher de dis.
M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 133

Cäsar hat auch die Widmung einer Schrift de indigitainentis des Granius
Flaccus entgegengenommen (Cens. 3, 2: Granius Flaccus de indigitainentis ad
C. Caesarein; die Beziehung auf den Pontifex maximus nicht sicher, aber wahr-
scheinlich); über das zeitliche Verhältnis zu Varro läßt sich nichts sagen.
Macr. 1, 18, 4 nennt beide zusammen; bei Arnob. 3, 38 steht Granius nach Piso
4
und AeÜus vor Varro (zu Granius vgl. ScHANz-Hosrus, Gesch. röm. Lit. 1
1959, 603; FuNAIOLI, RE VII 1819f. (1912); BARDON,La Litt. Latine incon-
Widmung und Abfassungszeit nue I 1952, 307).

Die Res Divinae sind nach Lact. inst. 1, 6, 7 und Aug. civ. 7, 35 dem Ponti-
fex maximus C. Iulius Caesar gewidmet, d.h. zwischen 63 v. Chr. und März 44
veröffentlicht. Sie werden zuerst erwähnt bei Cicero acad. post. 8/9 (Sommer
45, vgl. test. 1); in den vor Ciceros Tod erschienenen Büchern de lingua Latina
sind sie zitiert (LL 6, 13 u. 18, i. e. fr. 76. 77).
Ciceros Formulierung „in his ipsis antiquitatuin prooeiniis" nach der Erwäh-
nung der M enippeae und Laudationes ( Logistorici) legt nahe, an ein kürzlich
entstandenes Werk zu denken. Trifft das zu, so wird man auf das Jahr 4 7 geführt,
als Varro, von Caesar begnadigt und vielleicht bereits zum Bibliothekar vor-
gesehen (Suet. Caes. 44), nach Rom _zurückkehren konnte und die Arbeit an
De lingua Latina begann (DAHLMANN,RE Suppl. VI 1234). Eine Stütze kann
dieser Ansatz durch fr. 1 gewinnen, wenn die Erwähnung der Vacuna wirklich
der Vorrede angehört und sich auf die durch Caesars Sieg gewonnene Muße
bezieht (vgl. Komm.).
Eine noch genauere Datierung, etwa auf Herbst 47, als Cäsar nach Rom
zurückkehrte (MERKEL, Proleg. Ov. Fast. p. CX sq.) ist nicht möglich (Be-
denken bei EMANUELAMISDARIIS, Sulla datazione e alcuni nuovi fraininenti
delle Ant. rer. div., Univ. Trieste, Fac. Lett.e Fil., Ist. Fil. Class., N.S. 4,
1965, vgl. AAHG 20, 1967, 158).
Gute Beziehungen zu Cäsar bestanden schon vor dem Bürgerkrieg (bell.
civ. 2, 17, 2; vgl. DAHLMANNa. a. 0. 1234); eine Widmung an ihn wäre also
auch in den fünfziger Jahren nicht unmöglich gewesen. Begonnen wurden die
Res Divinae wohl sicher schon vor dem Jahre 49, das Varros Arbeiten unter-
brach.
Vielleicht aber schrieb Varro auch gleichzeitig an LL und RD; Cicero
schreibt Att. 13, 12, 3 (24. 6. 45) im Hinblick auf LL: bienniuin praeteriit cum
-ille Ko:nmrrl3"Y)<; adsiduo cursu cubituin nulluin processerit, und vielleicht
hängt diese Verzögerung mit der Fertigstellung der RD zusammen. Es könnte
also die Publikation auch über 47 herabgerückt werden (vgl. M. GELZER,
Caesar, 6. A. Wiesbaden 1960, 250 Anm. 354).
Aus dem Werk selbst läßt sich, abgesehen von fr. 1, kein sicheres Indiz für
die Abfassungszeit gewinnen (vgl. MERKEL p. CX sq.); doch bleibt die Zeit
nach Cäsars Sieg über Pompeius wahrscheinlich. Möglich, daß Varro mit der
Widmung an Cäsar konkrete Hoffnungen auf eine Wiederherstellung des alt-
römischen Kultes verband (LATTE 293). Eine Anspielung auf Cäsar könnte
fr. 20 vorliegen (vgl. Komm.).
134 M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 135
BURKHART CARDAUNS

auch bei Varro, so daß wir hier einen neuen Absatz, aber kein neues Fragment
Kommentar zu Buch I
haben. Die Parallelstellen, die Augustin unter dem Namen des Scaevola ein-
führt (fr. 7 u. 9 Ag.), gehören nach meinem Dafürhalten dem Logistoricus
Zur Auswahl und Anordnung der Fragmente
Curio an und sind daher in den Apparat gestellt.
Nach den älteren Sammlungen und Arbeiten zu den Res Divinae (vgl. Teil Bei Aug. civ. 6, 5 u. 6 folgt nun die Charakterisierung des genus civile und
I A) hat R. AGAHD die Fragmente der Bücher I, XIV, XV und XVI nach der Vergleich der drei genera miteinander (fr. 9-11). Es spricht nichts dagegen,
gründlichen Quellenuntersuchungen zusammengestellt und durch zahlreiche diese Folge auch für Varro anzunehmen, so daß die ausführliche Darstellung
Parallelstellen ergänzt. Auf eine Kommentierung hat er allerdings verzichtet. des geniis physicum und civile, die AGAHDhinter fr. 8 (10 Ag.) und fr. 9 (31 Ag.)
Da die Ergebnisse seiner Durchforschung der Quellen, besonders Tertullians einschiebt (fr. 12-30 u. 32-52 Ag.), erst hinter die vergleichende Darstellung
und Augustins, in allen wesentlichen Punkten unerschüttert sind, sei hier zu stehen kommt.
auf ihn verwiesen; es soll nur dort näher auf seine Argumentation einge- An fr. 11 schließt sich fr. 12 im Gedankengang ausgezeichnet an, und
gangen werden, wo Berichtigungen oder Ergänzungen nötig sind. diesem folgen dann bei Aug. civ. 4, 31/32 die zusammengehörenden Stücke
Zum Bestand der Fragmente des ersten Buches sind nur fr. 6 und 17 neu fr. 13, 18 und 19. Auch AGAHD hat das berücksichtigt, nur rückt jetzt der
hinzugetreten, mehreres wurde jedoch ausgeschieden, zumal die dem Logistori- ganze Komplex vom Ende des Buches nach vorn. Dazu paßt auch, daß Varro
cus Curio gehörenden Stücke (fr. 7 u. 9 Ag., vgl. fr. 7 im Apparat und den fr. 11 und 12 Angaben über seine Absichten macht, die für das gesamte ·werk
Komm.), dann fr. 28 Ag. (zu fr. 6 aufgeführt), fr. 44 Ag. (vgl. jetzt zu fr. 220), wichtig sind.
fr. 48 Ag. (auf Livius zurückzuführen, vgl. Komm. fr. 43), endlich noch anderes, Der Zusammenhang zwischen Aug. civ. 4, 31/32 und 4, 9 (fr. 14 u. 15) ist
dessen Zuweisung möglich, doch nicht sicher genug erschien (fr. 13, 27, 36 Ag.); offensichtlich (vgl. AGAHD p. 19 sqq.), die Erwähnung des jüdischen Gottes
die meisten dieser Stücke sind im Apparat zu den Fragmenten aufgeführt erlaubt es, auch fr. 16 und 17 hinzuzufügen. Letzteres war AGAHDnoch unbe-
oder im Kommentar namhaft gemacht (vgl. den Conspectus fragmentorum). kannt, da die Ausgabe des Lydus von WüNSCH 1898 gleichzeitig erschien;
Die Anordnung der Fragmente ist weitgehend beibehalten worden, nur im E. NoRDEN, Fs. v. Harnack, Tübingen 1921, 299 (KZ. Sehr., Berlin 1966, 282)
ersten Buch schienen größere Umstellungen unumgänglich (fr. 9 und 10ff. machte auf die Stelle aufmerksam.
sind vom Ende des Buches in den ersten Teil versetzt, s. u.). An fr. 19 habe ich fr. 20-22 angeschlossen, die ebenfalls zur Erörterung des
Grundlage für die Rekonstruktion des ersten Buches ist Aug. civ. 4 und 6, yenus civile gehören. Hier ist die Einordnung nur mit einer gewissen Wahr-
dazu tritt Tert nat. 2. Beide Autoren haben Varro selbst eingesehen, doch ist scheinlichkeit möglich, zumal bei fr. 22, bei dem nicht einmal die Herkunft
im allgemeinen Augustinus der zuverlässigere Zeuge. Zu Einzelfragen der aus den Res Divinae ganz sicher ist.
Auswahl und Zuweisung verweise ich auf AGAHD7 sqq. und 39 sqq. und den
Für die Behandlung des genus physicum im ersten Buch sind wir in der
Kommentar zu den einzelnen Fragmenten.
Hauptsache auf Tertullian angewiesen, der nat. 2, 2-5 Auszüge erhalte~ hat.
Zur Anordnung: Fr. 1 hat AGAHD, MERKEL folgend, auf das Prooemium
Bei seiner Benutzung ist Vorsicht geboten, da er sich in der Formulierung
bezogen und darum an die erste Stelle gestellt, die es auch in dieser Aus-
gegenüber seiner Vorlage frei verhält, doch dürfte er die A~folge ~eibehalten
gabe einnimmt, obwohl es sich nur um eine allerdings ansprechende Vermutung
haben. Fr. 23 gibt die Einteilung der Götter und - vermutlich - emen ersten
handelt.
Beweis für die Göttlichkeit der Gestirne. AGAHD nahm an, Varro habe an
Für die allgemeine Einleitung ist die Grundlage Aug. civ. 6, 2-6, wo Varros
dieser Stelle von der Gottheit als der Weltseele gehandelt, was nicht unmöglich
Gedankengang, wie mir scheint, in getreuer Reihenfolge und ohne wesentliche
ist, doch wird man eine grundlegende Darstellung hierüber ebensogut vor die
Auslassungen wiedergegeben ist. Hieraus ergibt sich die Folge fr. 2-8. Neben
~~inteilungen des fr. 23 setzen können, d.h. im Anschluß an die Hinweise auf
fr. 2a stelle ich mit AGAHDfr. 2b aus Aug. civ. 7, 3 (Herkunft aus dem Anfang
den reinen Kult.
des Buches XIV möglich). Fr. 3 schließt sich jetzt unmittelbar an (bei AGAHD
Die Überlieferung läßt uns hier für das erste Buch weitgehend im Stich.
nach fr. 5), da diese Anordnung dem Gedankengang besser entspricht. Auch
Für Buch XVI haben wir Augustins Referat der theologischen Einleitung
hier ist Buch XIV nicht völlig auszuschließen (vgl. fr. 88), doch weniger
Varros und diese wird vieles aus dem ersten Buch wiederholt haben, wenn
wahrscheinlich. Fr. 6 wird von AGAHD nur zu fr. 6 Ag. erwähnt, aber nicht
nuch vielleicht unter anderen Gesichtspunkten und in anderer Reihenfolge.
ausgeschrieben, doch stammt die griechische Bezeichnung auch des dritten
IIinzu kommt, daß die Fragmente, die AGAHD hier hinter fr. 23 einschiebt
genus theologiae zweifellos aus Varro. Als fr. 7 sind zwei Fragmente AGAHDS
(fr. 13 Ag.), auch unklarer Herkunft sind. Das gilt für die Gottesdefinition
(6 u. 8) zusammengeschlossen. Auf die Dreiteilung der Theologie folgte un-
des Poseidonios Comm. Bern. Lucan. 9, 578 (fr. 13c Ag.; F 100 E.-K.) -3-e:6<;
mittelbar die Charakterisierung des genus mythicum höchstwahrscheinlich
136 BuRKHART CARDAUNS M. Terent,ius Varro antiquitates rerum divinarum 137

EO"'t"t nveuµO( voepov 3t~XOV oucr[O(c;,die sich von orthodoxen Fornm-


3t' &mxcr'Y)c; scriberet, neque Caesarem quod scriptum sibique inscriptum legeret. Demnach
lierungen nicht unterscheidet, so daß für Varro kaum Anlaß bestand, hier können die Res Divinae nicht vor dem Jahr 707 a.u.c. (47 v. Chr.) publiziert
Poseidonios eher als Zenon oder Chrysipp zu nennen. Auch ist es nicht seine worden sein (vgl. S. 132). An einen Anruf der Göttin ist wohl nicht zu denken
Art, ganze griechische Sätze mit folgender Übersetzung anzuführen (K. REIN- (AGAHDp. 141: fortasse de imprecatione quadam cogitandum est simili ei, quam
HARDT,RE XXII 639). Serv. Aen. 6, 727 u. 747 (fr. 13 ab Ag.) können aus Varro libro Rer. Rust. I praemisit, doch läßt sich der Eingang der RR ver-
Varro stammen, für eine Aufnahme unter die Fragmente reicht aber die Mög- gleichen: Otium (potius codd.) si essem consecutus, Fundania, commodius tibi
lichkeit allein nicht aus. haec scriberem.
Was Tert. nat. 2, 3, 1 von dei nati (ex elementis) sagt (fr. 22a Ag.), ist nicht MERKELSVermutung ist sehr ansprechend, doch nicht beweisbar. Immerhin
(so AGAHD72) Verwechslung mit den dei ex hominibus facti, sondern aus den ist eine Erwähnung der Vacuna bei den italischen Gottheiten fr. 33 nicht aus-
Fragmenten des Akusilaos und Xenokrates entnommen. Deren generatio deorum zuschließen, wenn auch weniger wahrscheinlich, da man dort keine Deutung
schreibt Tertullian auch Varro zu. Seine Behauptung, die Stoiker leugneten erwartet, wie sie hier gegeben ist.
eine generatio deorum, mag aber auf Varro zurückgehen (nat. 2, 3, 6/7 u. Ob Varro Vacuna auch als Minerva erklärt hat, mag dahingestellt bleiben;
11 = fr. 20 Ag.; vgl. fr. 19). die Beziehung auf sapientia läßt es als möglich erscheinen und hat wohl auch
Da es wohl am besten ist, die Auszüge bei Tertullian nicht zu trennen, CRUQUIUSvorgeschwebt. Die Gleichung Minerva-Victoria (Arnob. 3, 31) wird
folgen fr. 23 (12b Ag.), 24 (16 Ag.), 25 (18 Ag.) und 26 (19 Ag.), die alle die auf die griechische Athena-Nike zurückgehen. Auf Varros Etymologie Vacuna-
vacare spielt Horaz epist. 1, 10, 49 an, zu dessen Erklärung das Fragment
sichtbaren Götter, von Tertullian elementa genannt, behandeln.
Nach der Einteilung des Dionysius (fr. 23) müßte Varro nun die Götter als zitiert wird.
Varro war die Göttin jedenfalls aus seiner Heimat bekannt; denn der Hain
Teile der Weltseele, die unsichtbar alle Teile des Alls durchdringt, besprochen
der Vacuna lag nicht weit von Reate (Plin. nat. 3, 109).
haben. Daraus ergibt sich die Einordnung der fr. 27 u. 28 an dieser Stelle. Zu Vacuna vgl.: PRELLER I 408ff.; W1ssowA 49, 5; ders. RoscHER VI 152;
Die dritte Gruppe bilden die dei ex hominibus facti, die vergöttlichten EvANS 85ff. 92; KocH, RE VII A 2041ff.; ST. WEINSTOCK,RE VIII A 2502;
Menschenseelen. Die Seelenlehre ist durch fr. 29 ausdrücklich für das erste BöMER II 360; RADKE 305f.; S. FERRI, Rendiconti della Pontificia Accademia
Buch bezeugt, doch ist anzunehmen, daß sie nur unter dem Gesichtspunkt
di Archeologia 37, 1964-65 [1966], 54f.
ihrer Unvergänglichkeit behandelt wurde. Serv. Aen. 6, 733 (fr. 27 Ag., Varro
über die vier passiones) ist darum hier nicht aufgenommen. Fr. 30-32 gehören fr. 2a: Das Fragment, das den eigentlichen Antrieb zur Abfassung des
zu diesem Komplex, und an die Einteilung in die allgemein verehrten und die Werkes mitteilt (vgl. fr. 12) und auch bei Augustin an der Spitze seiner Aus-
auf einzelne Völker beschränkten Gottheiten lassen sich die Götter der ita- züge aus RD I im sechsten Buch steht, gehört sicherlich unmittelbar hinter
lischen Munizipien gut anschließen. Damit verläßt Varro freilich bereits die das Proömium.
Darstellung der theologia naturalis und wendet sich der th. civilis zu. Über den Verfall der römischen Religion: Cic. nat. deor. 2, 9; de leg. 2, 33;
Fr. 34:ff. gehören zur Darstellung der römischen Religion, die nach den rep. 5, 1, 2. Weitere Belege MARQUARDT66ff. Varro als Aufspürer des fast
erhaltenen Stücken in historischer Folge unter dem Gesichtspunkt der Neu- Verschollenen: Cic. acad. post. 9 (test. 1); Varro RD I fr. 40 u. 42; RD VI
aufnahme von Kulten besprochen wurde. Die Anordnung ergibt sich hier von test.; LL 6, 19; 7, 45; zu seinen Absichten vgl. KocH, Religio 199f.
selbst (bis fr. 46). Zu L. Caecilius Metellus und dem Brand des Vestatempels (241 v. Chr.)
An den Schluß gestellt sind fr. 47-50, deren genauer Platz nicht zu bestim- vgl. 0. LEUZE, Metellus caecatus, Philol. 64, 1905, 95-115mit Belegen; BRELICH,
men ist. SMSR 15, 1939, 30ff.; F. MÜNZER, RE III 1204 nr. 72; VIEDEBANTT,RE
Die hier vorgenommene Ordnung kann, das sei betont, nicht beanspruchen, Suppl. 4,475; ST. WEINSTOCK,RE XIX 435f., 442f.
mit völliger Sicherheit Varros Gedankengang zu rekonstruieren, sie versucht
fr. 2b: Augustin kritisiert civ. 7, 3, daß einige Gottheiten von Varro unter
aber, sowohl der Überlieferung wie auch einem vernünftigen Zusammenhang
den dei ,minuti' (RD XIV) aufgeführt werden, die nach der ihnen zugeschrie-
der überlieferten Gedankensplitter Rechnung zu tragen.
benen Bedeutung eigentlich unter die dei selecti (RD XVI) gehörten; als Grund
für Varros Auswahl der dei selecti vermutet er deren größere Popularität
Zu den einzelnen Fragmenten
(civ. 7, 3 p. 277, 22-27): restat arbitrari non propter praestantiores in mundo
fr. l: Von MERKEL p. CX dem Prooemium an Caesar zugewiesen, wo dem administrationes, sed quia provenit eis, ut magis populis innotescerent, selectos
Sinne nach gestanden haben könne : V erum videri quod dicatur de V acuna et eos et praecipuos nuncupatos. Unde dicit etiam ipse V arro, quod diis quibusdam
Victoria, nam nisi Caesar vicisset, neque se habiturum fuisse quod per otiurn patribus et deabus matribus, sicut hominibus, ignobilita.s accidi.s.set.Wegen der
BURKHART ÜARDAUNS
M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 139
138
Übereinstimmung mit fr. 2a stelle ich mit AGAHD das Fragment an diese (Gell. 13, 11, 3). Daß Harmonisierung mit stoischer Theorie vorliegt, zeigt
Stelle, freilich mit Vorbehalt, da auch RD XIV in Frage kommt. H. DAHLMANN, Varro u. die hellenist. Sprachtheorie, Problemata 5, 1932
Zu den Epitheta ,pater' und ,mater' vgl. PRELLER I, 56; G. APPEL, De (Nachdr. 1964), 36f.; vgl. G. BüHRING, Untersuchungen zur Anwendung, Be-
Romanorum precationibus, RVV 7, 2, 1909, 101ff.; WrssowA 26; NrLSSON, deutung und Vorgeschichte der stoischen ,numeri officii', Diss. Hamburg (mschr.)
Vater Zeus, AfRw 35, 1938, 156ff.; E. SCHWYZER,Zur Apposition, Abh. Ak. 1960, 111f.; H. DAHLMANN,Varro de poetis, Abh. Ak. Mainz 1962, 122f.;
J. E. SKYDSGAARD,Varro the Scholar, Kopenhagen 1968, 92f.
Berlin 1945/46, 3, S. 3, 11; BöMER 178f.
Die von AGAHD als fr. 3 b angeführten Parallelstellen sind teils in den
fr. 3: Diese Stelle schließt sich gedanklich eng an fr. 2 an, indem Varro Apparat verwiesen, teils bei den Testimonien zu Buch XIV und XVI ver-
neben dem Verdienst seines Werkes um die Bewahrung der Erinnerung an merkt.
fast veraessene Kulte nun den praktischen Nutzen für seine Mitbürger hervor-
hebt. Si: ist daher abweichend von AGAHDhier eingeordnet. Die Ausführung fr. 5: Übersetzung: ,,So wie der Maler vor dem Gemälde da ist, der Zimmer-
im einzelnen, welche Gabe von welcher Gottheit zu erbitten sei, erfolgt RD mann vor dem Gebäude, so sind die Staaten eher da als die von den Staaten
getroffenen Einrichtungen. Wenn ich über die gesamte Natur der Götter und
XIV (vgl. dort bes. fr. 88). .
Augustin gibt den Wortlaut teils in direkter, teils in indirekter Rede wied~r, Menschen
. schriebe, hätte ich zuerst die göttlichen Dinge abaehandelt
b '
ehe ich
hat sich aber wohl durchgängig nahe an das Original gehalten (sing. utensile die menschlichen Dinge begonnen hätte."
,nützlich, brauchbar' auch RR 1, 2, 6). Die utilitaristische Auffassung des Die Priorität der Res Humanae vor den Res Divinae begründet Varro folae-
römischen Kultes ist hier besonders deutlich formuliert (vgl. dazu u. S. 245); richtig mit der Wahl des Gegenstandes der Antiquitates. Die von Auaus~in
daß der Philosoph sich auch ein anderes Verhältnis zur Gottheit vorstellen für die RH angegebene Einschränkung - non quantum ad orbem terraru':n, sed
quantum ad :olam Romam pertinet- gilt ebenso für die RD, wie auch die Frag-
kann, zeigt fr. 4 7.
Übersetzung: ,,Da es nutzlos ist, eines Arztes Namen und Aussehen zu mente deutlich machen (vgl. bes. fr. 267 in app.; fr. 228. 12).
kennen, doch nicht zu wissen, daß er Arzt ist", so nütze es nichts, zu wis~en, Eine bestimmte civitas, nämlich Rom, mit allen ihren Einrichtungen, wird
daß Äskulap ein Gott sei, wenn man keine Kenntnis davon habe, daß er der dargestellt, darunter auch der Götterkult in den staatlichen oder staatlich
Gesundheit helfe, und wenn man entsprechend nicht wisse, warum man ih~ sanktionierten Formen. Dieser Kult setzt natürlich die Existenz des Staates
anrufen solle ... Nicht nur ein gutes Leben, sondern Leben überhaupt sei voraus und macht auch nur einen begrenzten Teil seiner Einrichtunaen aus.
niemandem möglich, wenn er keinen Zimmermann, Müller oder Stuckarbeiter Varro läßt keinen Zweifel daran, daß die Götter selbst, mit deren Na'tur sich
kenne den er um einen nützlichen Dienst angehen könne, den er zum Helfer, die theologia naturalis befaßt, jeder menschlichen Gemeinschaft vorausaehen.
Führe~ oder Lehrer nehmen könne; in dieser Weise sei unzweifelhaft die doch sind nicht sie Gegenstand der Darstellung, sondern die historische~ For:
Kenntnis von den Göttern nützlich, wenn man wisse, welches Wesen, welche men ihrer Verehrung durch den römischen Staat, also die theologia civilis.
Fähigkeit und Gewalt jeder Gott über jede Sache habe. ,,Denn dadurch werde~ L. GERSCHEL,Latomus 17, 1958, 69 verweist darauf, daß auch LL 5, 80 sqq.
wir wissen können, welchen Gott wir aus welchem Grunde anrufen und her~e1- die Magistrate vor den Priestern behandelt werden und Numa als Kultstifter
rufen sollen, damit wir es nicht so machen wie die Mimen und von L1ber auf _Romulus den Staatsgründer folgt. Polybios 6, 56 ist der erste, der die
römische Götterverehrung als staatskluge Maßnahme --rou-rcA~-&ou<;xixptv rühmt,
Wasser erbitten, von den Nymphen Wein."
Vgl. WrnsowA, Ges. Abh. 321; DAHLMANN,RE Suppl. VI 1234; zu den freilic~ ebensowenig wie Varro im Sinne des Kritias von Athen (VS 88 B 25;
vgl. C1c. n.d. 1, 77 u. 118, dazu PEASE I 394f. 513f.). Bei Kritias (vgl. jetzt
Lymphae fr. 182.
W. FAHR, 0e:ou<; voµ[~m, Spudasmata 26, 1969, 99ff.) sind die Götter selbst
fr. 4: Die Übersicht über die Einteilung der 41 Bücher Antiquitates hat bloße Erfindung zur Täuschung der Menge; Varro erkennt ihre Existenz im
Varro selbst im Eingang von RD I gegeben, wie er auch in anderen Werken Sinne der stoischen Theologie an, betrachtet aber den offiziellen Kult als Teil
verfahren ist (vgl. AGAHD 15 sq.): LL 5, 1 sqq.; 5, 10 sqq.; 7, 5; 7, 109 sq.; des Staates (vgl. fr. 12; log. Curio fr. IV App. RD I; Cic. rep. 1, 2; 2, 26; pro
8, 24; RR 1, 1, 11; 1, 5, 2; 3, 1, 9. Die falsche Buchzahl des Schriftenkatalogs Flacco 69; Liv. 1, 19; 39, 15, 2 u.a.; MARQUARDT 3; WrnsowA 26, 2; 381).
(test. 4: XL V libros antiquitatum) wird hierdurch berichti~t. ,
Das Einteilungsschema ,corpora - loca - tempora - actiones , das dem Auf- fr. 6/7: Übersetzung fr. 7: ,,Genus mythicon nennen sie die Art der Theoloaie
bau der Antiquitates zugrunde liegt, verwendet Varro noch LL 5, 11 sqq. ~e- sie~ vor allem bei den Dichtern findet, physicon die der Philosoph:n:
(unter Rückführung auf pythagoreische Lehre); 7, 5; 8, 12; RR 1, 5, 3/4; civile die der Völker. In der ersten von mir genannten Art gibt es viele Erfin-
RH XX fr. 1 Mi. (Non. 92); epist. quaest. IV (Gell. 14, 7, 4 sqq.); Men. fr. 335 dungen, die im Widerspruch mit der Würde und Natur der Unsterblichen
140 BURKHART ÜARDAUNS M. Terentius Varro antiquitatos rerum divinarum 141

stehen. Dazu nämlich gehört, daß ein Gott aus dem Haupt, ein anderer aus Die obige Liste zeigt, daß Varro nach dem Zeugnis Augustins in der Reihen-
dem Schenkel, ein anderer aus Blutstropfen geboren sei, dazu, daß Götter folge und Benennung des dritten genus völlig mit Eusebius übereinstimmt
gestohlen hätten, daß sie Ehebruch begangen, daß sie einem Menschen Sklaven- Tertullian hingegen die gleiche Reihenfolge wie die Placita aufweist. Arnobiu~
dienste geleistet hätten; kurz es wird hier den Göttern alles zugeschrieben, und Laktanz dürften auf ihn zurückgehen. Aus den wörtlichen Zitaten bei
was nicht nur auf den Menschen, sondern sogar auf den verächtlichsten Augustin geht mit aller Sicherheit hervor, daß dieser die varronische Reihen-
folge bewahrt und demnach Tertullian, wenngleich er sich ausdrücklich auf
Menschen zutrifft.''
In seinem Auszug aus RD I (civ. 6, 2ff.) kommt Augustin civ. 6, 5 zu Varros Varro beruft, eine Umstellung vorgenommen hat, zumal er auch nicht mit
Dreiteilung der Theologie, d.i. der Lehre und Überlieferung über die Götter. sich selbst übereinstimmt, wenn er nat. 2, 1, 9 die Folge philosophi - populi -
Von den drei Bezeichnungen, die er verwendet, sind zwei griechisch - mythicon, poetae angibt, nat. 2, 1, 10 aber die poetae an die zweite Stelle rückt und es
physicon - und eine lateinisch - civile. Für die ersteren schlägt Augustin dabei auch weiterhin beläßt. Seine Übereinstimmung mit den Placita dürfte
lateinische Übersetzungen vor, p. 252, 20ff.: Latine si usus admitteret, genus dabei nur zufällig sein. Merkwürdig ist, daß Eusebius, der die Placita nach-
quod primum posuit, fabulare appellaremus, sed fabulosum dicamus; a fabulis weislich praep. ev. 14 und 15 benutzt hat (vgl. H. DrnLs, Dox. Gr. 1879, 5 sqq.),
enim mythicon dictum est, quoniam µu&oc; Graece fabula dicitur, und p. 252, an d~r oben zitierten Stelle in Reihenfolge und Benennung des dritten genus
23f.: secundum autem ut naturale dicatur, iam et consuetudo locutionis admittit. von ihnen abweicht und sich dabei genau mit Varro deckt, für dessen Benut-
Den dritten Terminus hatte nach seinen Worten bereits Varro lateinisch zung sich bei ihm sonst keine Spuren finden.
wiedergegeben, p. 252, 24f.: tertium etiam ipse Latine enuntiavit, quod civile Weitere Belege für die Dreiteilung der Theologie: Strabo 1, 2, 8 p. 19;
appellatur. Da die ganze Einteilung aus der griechischen Philosophie stammt, Plut. amat. p. 763C; Dio Chrys. or. 12, 39 sqq.; Sext. Emp. adv. phys. 1, 61-64
muß es auch hierfür eine griechische Bezeichnung gegeben haben; wir finden u. 191/92; Cic. nat. deor. 1, 42/43; rep. 1, 56; Min. Fel. 18, 11 sqq.; Macr.
1, 7, 18.
sie bei Augustin civ. 6, 12 p. 271, 5ff. (und civ. 7, 23 p. 302, 20): propter tres
Au_s der umfangreichen Literatur zum Thema seien hier nur die jüngsten
theologias, quas Graeci dicunt mythicen physicen politicen (fr. 6a, bei AGAHD
Arbeiten genannt: BOYANOE58ff.; PEPIN 276ff.; CARDAUNS38ff.; SPOERRI
nur zu fr. 6 erwähnt, aber nicht ausgeschrieben). Hieraus ergibt sich: Varro
197 A. 5. 6; H. HAGENDAHL,Augustine and the Latin Classics, Studia Graeca
hat zunächst die drei griechischen Termini mitgeteilt und die beiden ersten
et Latina Gothoburgensia XX 1967, 619f.; T. ÜRLANDI,Sallustio e Varrone
weiterhin beibehalten, den dritten aber dann lateinisch mit ,civile' wiederge-
~-nAgostino, ,De Civitate Dei' I-VII, PP 23, 1968, 39ff. Eine sorgfältige Er-
geben. Die Annahme, daß er auch hierfür zuerst einen griechischen Ausdruck
orterung der gesamten Forschung liegt jetzt vor bei G. LIEBERG, Die ,theologia
nannte, erklärt wohl auch am besten, daß Tertullian nat. 2, 1, 10f. und 2, 8
tripertita' in Forschung und Bezeugung, in: Aufstieg u. Niedergang der röm.
dies genus ,gentile' nennt - vgl. auch PEPIN 284 - also an die Stelle der varro-
Welt, Fs. J. Vogt, I 4, Berlin 1973, 63-115 (der Aufsatz konnte im fertigen
nischen Übersetzung eine eigene christlich gefärbte setzt.
Manuskript nicht mehr voll berücksichtigt werden).
Zur Verwendung der griechischen Termini durch Varro vgl. Men. fr. 362
Der wichtige Fragenkomplex kann hier nicht unter allen Aspekten be-
(Non. 79: physice); Men. fr. 541 (Non. 77: physicon genus testamenti); Censorin.
sprochen werden, so bedeutsam er auch für die Beurteilung der varronischen
d. n. 21, 1 (Dreiteilung der Vergangenheit in tempus adelon, mythicon, historicon);
Theologie ist; das Verhältnis zu Varros Logistoricus Curio de cultu deorum
Gell. 6, 14 (genera dicendi). Übersicht zur Dreiteilung der Theologie:
und den Ausführungen des Pontifex Scaevola bedarf noch einmal sorafältiaer
Prüfung. Die Zuweisung dieses sonst den Antiquitates zugeteilten °Stückes
(RD I fr. 7 u. 9 AGAHD) an den Logistoricus (CARDAUNS33ff. 53ff.) ist nicht
µu&rn.6v cpucnx6v 1t0Avnx6v unwidersprochen geblieben (K. MRAS, AAHG 14, 1961, 67f.; I. ÜPELT, JbAC
Euseb. pr. ev. 4, 1, 2:
theol. mythice physice politice 4, 1961, 164f.; H. HAGENDAHLa. a. 0. 619f.), scheint mir aber nicht wider-
Aug. civ. 6, 12 (fr. 6a):
genus mythicon physicon civile legt (RD I Appendix fr. V).
Aug. civ. 6, 5 (fr. 6b):
philosophi principes civitatis Die kurze Charakterisierung des genus mythicum, die Augustin auf die Drei-
Aug. civ.4,27 (Curiofr. V): poetae
teilung ohne Zwischenbemerkung folgen läßt, wird sich auch bei Varro un-
Ps.-Plut.placita 1, 6p. 879F
mittelbar an diese angeschlossen haben und wird darum hier nicht als neues
(Aetios, Dox.Graeci p. 295a;
µu&,x6v voµ,x.6v Fragment gezählt (fr. 8 Ag.).
SVF II 1009) d3oc; cpucnx6v
mythicum gentile Die Kritik an der Darstellung der Götter durch die Dichter ist seit Xeno-
Tert. nat. 2, 1, 10: genus physicum
theologi poetae ipsi in ritibus phanes ein Topos der Philosophie und wird von Varro auch durch den Mund
Arnob 3, 11:
philosophi poetae ipsi qui deos colunt des Pontifex maximus Scaevola vorgetragen. Zwei Vorwürfe lassen sich unter-
Lact. ira 11, 16:
142 BURKHART CARDAUNS M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 143

scheiden: die Andichtung unglaubhafter Wunder - miracula -, für die hier ebenso prägnante Formulierung wie die Ciceros mir sonst nicht bekannt ist.
die Geburt der Athene, des Dionysos und der Aphrodite stehen, und die Schließlich bezeugt Cic. top. 5, die Schrift auf einer Seereise ohne Zuhilfenahme
anthropomorphe Darstellung der Götter, die sie vor allem sittlich erniedrigt - von Büchern verfaßt zu haben. Die Angabe des Anonymus läßt sich demnach
vitia -, z.B. Diebstahl und Ehebruch; auch Dienst bei Menschen (Apoll) und als völlig wertlos zurückweisen.
Heirat mit einem Sterblichen (Thetis) gehören dazu. Eine solche Darstellung
fr. 8: Übersetzung: ,,Die zweite von mir aufgezeigte Art ist die, über welche
wird von Varro grundsätzlich abgelehnt, da sie contra dignitatem et naturam
die Philosophen viele Bücher hinterlassen haben; darin steht, wer die Götter
immortalium ist (quod ... a deorum natura lange absit: Curio fr. V) und die
sind, wo, welcher Art; z.B. ob sie von einer gewissen Zeit an bestanden oder
Götter auf die gleiche Stufe mit Menschen, ja mit schlechten Menschen stellt:
seit Ewigkeit; ob sie aus Feuer bestehen, wie Heraklit glaubt, oder aus Zahlen,
quae non modo in hominem, sed etiam quae in contemptissimum hominem cadere
wie Pythagoras, oder aus Atomen, wie Epikur sagt. So noch anderes, das sich
possunt (quia sie ... deos deformant, ut nec bonis hominibus comparentur: leichter im geschlossenen Raum der Schule als draußen auf dem Forum hören
Curio fr. V). Vgl. auch Varro GPR (II fr. 18 Fracc.) ap. Aug. civ. 18, 10. läßt."
Ausführliche Stellenangaben und Literatur zur philosophischen Kritik an Am genus physicum tadelt Varro die Vielzahl der Meinungen (vgl. zum
den Darstellungen der Dichter gibt PEASE I 280ff. Zur Ausdrucksweise vgl. Topos Cic. n. d. 1, 2 sqq.; 1, 25 sqq.; acad. 2, 118; weiteres PEASE I 113.
Varro LL 10, 68: tertium genus est illud duplex quod dixi; RR 1, 8, 3: primum 125f.). Die knappen Angaben sind ganz auf den gegenwärtigen Zweck zurecht-
genus quod dixi ... geschnitten. Augustins anschließende Bemerkungen lassen erkennen, daß ihm
Es ist nicht anzunehmen, daß Varro auf das genus mythicum noch einmal an dieser Stelle nicht mehr vorlag, als er wörtlich zitiert; innerhalb des varroni-
an späterer Stelle näher eingegangen ist; Tertullians Ausführungen nat. 2, 7 schen Textes zeigen die Worte ,quale est' und ,sie alia', daß nur ein paar Bei-
gehen auf andere Quellen zurück (AGAHD59ff., 75f.) und bieten auch wenig spiele ohne Anspruch auf Vollständigkeit gegeben werden. Das spricht gegen
konkrete Angaben, ganz im Gegensatz zu den reichen Einzelheiten, die er aus Zuweisung weiterer doxographischer Notizen aus Tertullian (fr. 10c, fr. 11 Ag.)
V arro zum genus physicum und civile heranzieht. und Seneca (fr. 10d Ag.). Tert. apol. 4 7, 6 hat die vorliegende Stelle aus anderer
Die Ausführungen Augustins über Varros dreifache Theologie hat der Quelle ergänzt. Wenn er den stoischen Gott außerhalb der Welt stellt, so ist
Anonymus ausgeschrieben, der Boethius' Kommentar zu Ciceros Topik ergänzt das gewiß nicht varronisch; die Welt als Töpferscheibe in Gottes Hand ist
hat (de diis et praesensionibus, in Cic. ed. Orelliana V 1 p. 392, 2 sgq.; cf. I ein christliches Bild (Thes. L. L. VI 722, 4 sqq.). Alle von AGAHDaufgenom-
p. 521 A. 11): Videtur quibusdam haec sententia, qua ait Cicero (top. 76) ,deorum menen Stücke sind im Apparat und der Appendix zu RD I (App. e) aufgeführt.
virtus natura excellit, hominum autem industria', ex libris M. Varronis, hominis Doxologien dieser Art sind bei den Apologeten häufig und stammen meist
acutissimi, de humanis et divinis rebus, ubi de theologiae divisione agitur, suc- aus Handbüchern (DIELS DG passim); vgl. besonders Tert. adv. Marc. 1, 13,
cincte per transitum mut<u)ata. Es folgt ein Mosaik von Zitaten über das Ver- 3; anim. 5; Clem. Al. protr. 5 p. 64; Arnob. 2, 9 sq.; 2, 56.
hältnis Varros zu Cicero und die Dreiteilung der Theologie, sämtlich ohne Zu den dii ex numeris des Pythagoras: Athena-Sieben bei Arist. fr. 203 RosE,
Angabe der Quelle aus Augustin übernommen. Die Bemerkung ,videtur qui- p. 138 Ross ap. Alex. Aphr. in met. 39, 3 sqq. und Philolaos VS 44 B 20;
busdam', die auf ältere Quellen zu weisen scheint, hat AGAHD bewogen, das Rhea-Dyas bei Philolaos VS 44 B 20a (Lyd. mens. 4, 12); Xenokrates fr. 15
Stück dem ersten Buch RD (fr. 28) einzufügen. In Wahrheit steht hinter qui- u. 16 HEINZE; Lukian, Icaromenippus c. 9 p. 759 sq.
busdam niemand als der Kommentator selbst, wie TH. STANGL,Pseudoboethiana, Die Schlußbemerkung über die lästigen Streitereien der Philosophen zielt
Fleck. Jbb. 127, 1883, 292ff. nachgewiesen hat (von ihm auch die Konjektur wohl nicht auf die bewußte Fernhaltung und Täuschung der Menge (dazu
mut<u)ata für mutata, p. 301). Dafür spricht nicht nur die völlige Abhängigkeit fr. 21).
des Kommentators von Augustinus, sondern auch die Überlegung, daß Cicero,
der Varros Antiquitates zwar hoch gepriesen, aber selbst nat. deor. kaum be- fr. 9: Übersetzung: ,,Die dritte Art ist die, welche in den Städten die Bürger,
nutzt hat, diesen einen Satz seiner Topik am wenigsten dem Werk Varros zu zumal die Priester, kennen und ausüben sollen. Dazu gehört, welche Götter
entnehmen brauchte; denn es ist stoisches Gemeingut, daß die virtus nur der von Staats wegen zu verehren und welche Riten und Opfer einem jeden zu
Gottheit und den Menschen zukommt (SVF III 245 sqq.; I 564), der Gottheit verrichten angemessen ist."
von Natur aus (Cic. n. d. 2, 34 aus Poseidonios nach Reinhardt, RE XXII Der Text ist noch nicht sicher geheilt. AGAHDSErgänzung <quae) und die
702; Sen. ep. 95, 36; Arr. Epict. 4, 11, 3)- diese Auffassung liegt Varros Kritik Versetzung von ,colere et' hinter ,publice' gibt einen lesbaren Text, bleibt aber
zugrunde und bot dem Kommentator den Anknüpfungspunkt -, den Menschen hypothetisch. Soviel indes ist deutlich, daß Varro Kenntnis und Ausübung
hingegen durch ihre eigene Bemühung (SVF III 214 sqq.), wenngleich eine des Kults unterscheidet. Man muß wissen, welche Götter zum Staatskult
144 BURKHART CARDAUNS
M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 145
gehören und welche Riten und Opfer ihnen zukommen. Dieses Wissen will dazu H. DAHLMANN,Varro de lingua Lat. Buch VIII, Hermes Einzelsohr. 7,
sein Werk vermitteln (vgl. fr. 3). 1940 (2. A. 1966), 53. 92f. 99f.
Zu ,administrare' vgl. Varro ap. Serv. auct. Aen. 1, 505: ubi religio admini- Vgl. zum Plural ,populi' (i.e. vulgus) fr. 7; scrutari LL 8, 27; perscrutari
straretur (fr. 18 Komm. und App. Ib). ,nasse' und ,colere' Aug. civ. 4, 23 fr. 12; absol. Gebrauch von ,abhorrere' Thes. L. L. I 81, 84 sqq. (diese Stelle
p. 173, 26; Min. Fel. 6, 1. fehlt).

fr. 10: Übersetzung: ,,Die erste Theologie entspricht vor allem dem Theater, fr. 12: Den Fragmenten 12-19 ist der Gedanke gemeinsam, daß die ur-
die zweite der Welt, die dritte der Stadt." sprünglich reine Gottesanschauung, die noch ganz der theologia naturalis ent-
Die Mythologie der Dichter (d. i. griechische Mythologie; PRELLER 25, 1 sprach, nach und nach durch den Einfluß der Dichter entstellt worden ist
vergleicht Cic. Tusc. 1, 37) hat in Rom vor allem über das Theater auf die (vgl. Aug. civ. 6, 1 zu fr. 19). Auch die römische Religion entspricht nicht mehr
Menge eingewirkt, daher es hier zu Recht als Schauplatz der theologia fabulosa dem Ideal, doch ist das Ziel, sie darzustellen, wie sie historisch geworden ist,
erscheint. Zudem sind die Schauspiele an die Feste gebunden und selbst Teil um sie wieder zu Ehren zu bringen. E. NORDEN,Agnostos Theos, Leipzig 1913,
des Kultes (RD X). 242 A. 4 vergleicht den Idealstaat der Satire Marcopolis (Men. fr. 288-292).
Die Hervorhebung der nomina und cognomina deorum weist auf die Bedeutuna 0
der Etymologie für die Erklärung (fr. 89. 189).
fr. 11: Übersetzung: Was die Dichter schreiben, bleibe unter dem, was die _ ,naturae formula' ist wohl varronisch; vgl. RR 1, 18, 1; 1, 22, 4 (formula,
Völker befolgen sollten, was aber die Philosophen, übersteige das Maß dessen, 1.e. praeceptum); log. Catus ap. Non. 494 (puerilitatis formula); Cic. ac. 2,
was der Menge auszuforschen nütze. ,,Diese (so. Theologien der Dichter und 140 (norma, regula, praescriptio naturae); Thes. L. L. VI 1115, 21.
Philosophen) stehen miteinander in Widerspruch, doch so, daß von beiden
Arten nicht wenig in die staatlichen Einrichtungen übernommen worden ist. fr. 13: Im Vorgriff auf die ausführliche Behandlung des genus naturale
Daher werden wir das, was (Dichtern und Philosophen) mit dem Volk gemein- (fr. 23ff.) formuliert Varro dessen wichtigsten Grundsatz und mißt an ihm
sam ist, zusammen mit dem Staatskult beschreiben; von diesen (Dichtern und das genus civile. Die Lehre von der Weltseele ist ebensogut stoisch wie pla-
Philosophen) müssen wir engere Verbindung mit den Philosophen als mit den tonisch und BoYANCE 78ff. verweist zu Recht auf Antiochos von Askalon
Dichtern halten." dessen Le~_re Varro in Ciceros Academica vorträgt (1, 29 animus mundi)'.
Die überlieferte Lesart ,communia cum propriis' ist schwerlich zu halten; Wenn die Uberlieferung zuverlässig ist, brauchte Varro für die Weltseele teils
der Übersetzungsvorschlag von G. CoMBES, Bibl. August. 34, 1959, 74 Anm. 1 ,anima m~ndi' (fr. 225. 226. 227), teils ,animus mundi' (fr. 23. 27. 227); er
ist sehr gezwungen: ,,Pour les points communs, a cöte des choses propres a unterscheidet fr. 227: tertium gradum esse animae summum, quod vocatur
chaque theologie, nous en traiterons en meme temps que de la theologie animus, in qua intelligentia praeminet (vgl. Aug. civ. 7, 30 p. 312, 31: ratio-
civile." Verständlich wäre ,propria' im Gegensatz zu ,communia' als das den nalem animam, qiwd dicitur animus; vgl. Men. fr. 32). Cicero verwendet hier
Theologien der Dichter und Philosophen Eigentümliche, doch gibt dann meist ,animus' (n. d. 1, 18. 27. 28. 37. 39); Tim. 42 übersetzt er Platons ~ -roü
,communia cum propriis' keinen Sinn. Die Konjektur ,cum populis' ist ein- tJ!ux~
TCO(V-röi; durch ,animus universae naturae'.
leuchtend, doch bleibt die Verschreibung auffallend. Vgl. Thes. L. L. II 72, 29 sqq.; 91, 21 sqq. 40; J. NEMETH,Das Wort Anima
Es geht hier um das Verhältnis der theologia civilis, dem eigentlichen Gegen- und sein Verhältnis zu Animus, Diss. Wien 1970 (mschr.).
stand der Res Divinae, zu den beiden anderen genera, die bei aller Gegensätz- motu mundum gubernantem: Sext. math. 9, 75 (SVF II 311); Plut. comm.
lichkeit beide zu ihr beigetragen haben. Zum Gedanken, daß nicht die ganze not. 34 p. 1076c (SVF II 1168); weitere Belege SVF Index; E. NORDEN,
theologia physica dem Volk zu wissen nütze, vgl. fr. 21. Die Lehre der Philo- Agnostos Theos, Leipzig 1913, 19ff.
sophen verdient den Vorzug, da nur bei ihnen die Wahrheit zu finden ist;
hinzu tritt, daß auch sie wie der Autor die Absicht haben zu nützen und nicht fr. 14: Die Gleichung des deus philosophorum mit Iuppiter folat griechischem
wie die Dichter zu unterhalten. Der Wert der Dichtung ist hier einseitig be- V~rbild; auch Cicero rep. 1, 56 stellt Übereinstimmung von° Staatslenkern,
schränkt; anders Horaz ars 333: aut prodesse volunt aut delectare poetae. Dichtern und Philosophen über das Königtum Iuppiters fest (erhalten ist
Das Gegensatzpaar ,nützlich-angenehm' verwendet Varro noch RR 1, 2, noch der Anfang der philosophischen Gottesdefinition: qui natura omnium
12 ( utilitas-voluptas); RR 1, 4, 1 ( utilitas quaerit fructum, voluptas delecta- rerum pervestiganda senserunt omnem hunc mundum mente ... ). Vgl. fr. 27.
tionem); RR 3, 3, 1; 3, 4, 2; 3, 6, 1; Men. fr. 295 u. 340; LL 8, 27 sqq. und 236; LL 5, 65; log. Curio fr. II (RD I Appendix).
146 BURKHART CARDAUNS M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 147
Der Hinweis auf das Kapitol ist wohl kein Zusatz Augustins, sondern gehört 46 c, strom. 5 p. 601 A; Zeno de rep. SVF I 264ff.; Chrysipp SVF II 1076 ·
zur Begründung; diesem Heiligtum gilt auch sonst Varros besonderes Interesse Diogenes Babylonius SVF III 33 u.a.m. Vgl. B. DE BoRRIES, Quid vetere;
(fr. 40ff. 67. 70. 71). Nicht varronisch ist die Formulierung bei Aug. cons. ev. philosophi de idololatria senserint, Diss. Göttingen 1918; M. PoHLENZ, Die
1, 23, 34 (fr. 57 Ag., vgl. fr. 14 app. crit.); sie geht wohl auf Ps.-Apul. Asclep. Stoa, I Göttingen 1948, 95.
6 zurück. Ablehnung der Götterbilder durch Varro findet sich noch fr. 22 und im
Logistoricus Curio (fr. V, RD I Appendix). Dennoch hat er RD XVI eine alle-
fr. 15: Zur Verehrung eines höchsten Gottes unter wechselnden Namen bei gorische Deutung der Bilder gegeben (fr. 225).
verschiedenen Völkern vgl. Celsus ap. Orig. 5, 41; bildloser Kult bei Persern, ~ie Frist von mehr als 170 Jahren führt auf den Bau des von Tarquinius
Skythen, Serern und anderen: Herod. 1, 131 u. 4, 59; Strabo 15 C 732; Celsus Pnscus begonnenen Kapitoltempels. Plinius nat. 35, 157 (aus Varro nach
ap. Orig. 7, 62 (zit. Heraklit VS 22 B 5); Dino ap. Clem. Al. protr. 5 p. 65, 1; F. MÜNZER, Beitr. zur Quellenkritik der Naturgeschichte des Plinius, Berlin
Diog. L. prooem. 6 u. 9; Cic. rep. 3, 14; Tac. Germ. 9. Zur Literatur vgl. fr. 18. ~897, 263f.): Volcam Veis accitum cui locaret Tarquinius Priscus Jovis effigiem
in Capitolio dicandam. Mit dieser Nachricht hat Varro wohl die Vorstellung
fr. 16/17: Die Gottesverehrung der Juden hat wohl schon Theophrast als
v~~ urspr~nglich reineren Kult in Rom verbunden (vgl. Men. 240). Daß er
Beispiel eines ursprünglich reinen Dienstes herangezogen (de pietate ap. Porph.
hierm Poseidonios folgte (so v. BoRRIES a. a. 0. 57f., PoHLENz, Stoa I 119 ·
abst. 2, 26, fr. 13 PöTSCHER); die Einnahme Jerusalems durch Pompeius i.J.
zurückhaltend K. REINHARDT,RE XXII 819), ist ungewiß; jedenfalls rühmt~
63 v. Chr. lenkte erneut das Interesse auf diesen Kult. Poseidonios hat die
Poseidonios, wie vor ihm Polybios (6, 56), die Eusebeia der alten Römer und
jüdische Religion ebenfalls behandelt (Strabo 16 C 760, FGrHist 87 F 70,
die_Schlichtheit ihres Kults (Athen. 6 p. 274a, FGrHist 87 F 59, F 266 E.-K.).
F 279 E.-K.), vorher vielleicht Hekataios von Abdera (Diod. 40, 3, 4, FGrHist
Bei Plutarch Numa 8 ist die Notiz aus Varro in einen Bericht eingeschoben
264 F 6), von dem nach F. JACOBY(FGrHist III a p. 38) Theophrast abhängt
der vielleicht aus Kastor v. Rhodos stammt (v. BoRRIES 64ff.). Vgl. auch z~
(vgl. auch FGrHist 722-737; K. REINHARDT,Poseidonios über Ursprung und
fr. 38.
Entartung, Heidelberg 1928, 12 A. 1 u. 59). Zu den Deutungen des Judengottes
vgl. E. NORDEN,Agnostos Theos, Leipzig 1913, 58ff. Zum anikonischen Kult im ältesten Rom vgl. H. KETTNER, V arronische
Für Poseidonios als Quelle Varros kann sprechen, daß bei Strabo eine Ent- Studien, Halle 1865, 57ff.; E. BICKEL, Der altröm. Gottesbegriff, 1921, 37f.;
stellung der reinen Lehre des Moses angenommen wird und Varro diese Vor- C. BAILEY, Phases in the Religion of Ancient Rome, Berkeley 1932, 114ff.;
stellung mit der ältesten römischen Religion verbindet. Auch durch Pompeius L. R. TAYLOR,Aniconic Worship among the Early Romans, Class. Studies in
kann er Nachrichten erhalten haben, doch weist die Kenntnis des Namens honor of J. C. Rolfe, Philadelphia 1931; F. BöMER, Rom und Troia, Baden-
'lixw eher auf literarische Quellen (E. NORDEN, a. a. 0. 61; ders. vermutet Baden 1951, 64.99 ff.; U. SCHOLZ,Studien zum altital. und altröm. Marskult und
Herkunft aus Nigidius, in: Fs. Harnack, Tübingen 1921, 300). Marsmythos, Heidelberg 1970, 27 A. 41 (mit Lit.).
Die Zuweisung des fr. 17 an die Antiquitates (E. NoRDEN, Varro über den An der These vom bildlosen Kult im frühen Rom (anerkannt von LATTE
Gott der Juden, Fs. Harnack, Tübingen 1921, 298f.; Kl. Schriften, Berlin 1966, 150 A. 1; bestritten von BoYANCE 66 u. REA 54, 1952, 109ff. mit Hinweis
282f.) ist wahrscheinlich; ungewiß, ob sv-roic; µucr-rtx.oic;Varros Quelle angibt auf Ov. fast. 1,201; Plin. nat. 34, 33; Dion. H. 2, 18 u. a., die davon nichts zu
(chaldäische Geheimliteratur E. NORDEN,Agnostos Theos 61) oder ein müßiger wiss~n- sch~inen) hat Varro auch sonst festgehalten: die Penaten gelten ihm
Zusatz des Lydus bzw. seiner Quelle ist (Herennius Philon ?). als sigilla lignea vel lapidea (Serv. auct. Aen. 1,378; 3,148; Macr. 3, 4, 7; RH II
Der Gottesname 'l&w ist auch Diodor 1, 94, 2 und Macrobius 1, 18, 19 fr. 8 Mi.); er berichtet von der Lanze als Bild des Mars (fr. 254); das Palladium
bekannt. Macrobius beruft sich auf Cornelius Labeo de oraculo Apollinis läßt er nicht an Aeneas, sondern an Nautes, den Stammvater der Nautier
Clarii (vgl. GANSCHINIETZ,RE IX 707 f.); vielleicht geht auch Lydus auf übergehen (de familiis Troianis ap. Serv. Aen. 2, 166; 3, 407; 5, 704). '
diesen zurück (BURESCH,Klaros, Leipzig 1889, 49); die Stelle mit ihrer Um- In diesen Zusammenhang ist eine Notiz zu stellen, die bisher unbeachtet
gebung ist von JACOBYunter den Fragmenten des Herennius Philon abgedruckt geblieben ist: Serv. auct. Aen. 1, 505 (Appendix Ic): quidam tradunt apud
(FGrHist 790 F 7). Das Interesse am Gegenstand zeigt Plut. quaest. conv. veteres omnia templa in modum testudinis f acta, at vero sequenti aetate divinis
671 (verstümmelt). simulacris positis nihilominus in templis factas esse testudines, quod Varro ait,
ut separatum esset, ubi metus esset, ubi religio administraretur.
fr. 18: Zum bildlosen Kult bei Barbaren und Juden vgl. fr. 15-17; die De~nach sind die Tempel älter als die Götterbilder (vgl. Plut. Numa 8;
philosophische Kritik an den Götterbildern ist bekanntlich alt: Xenophanes Tert. 1dol. 3). Testudo (F. EBERT, RE VA 1063f.) ist bei Vergil Aen. 1, 505
VS 21 B 15; Heraklit VS 22 B 5. B 128; Antisthenes ap. Clem. Al. protr. Gcwölbedecke eines Tempels, bei Varro LL 5., 161 ein überdeckter Hof, RR 3,
BURKHART ÜARDAUNS
M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 149
148
5, 1 u. 3, 6, 4 ein Geflügelhaus. Vielleicht dachte Varro an Rundbauten (Tholoi) fr. 20: Nicht nur die Täuschung des Volkes wird hier gebilligt, sondern die
wie den Vestatempel und ein späteres Fortbestehen als Gehäuse in Tempel~ Selbsttäuschung der viri fortes, die allerdings nicht nur ihnen selbst, sondern
(ähnlich K. SrTTL, Archäologie der Kunst, 1895, 359; RICHTER, Topographie auch dem Gemeinwesen zugute kommt (zur utilitas vgl. fr. 11). Varro mag
der Stadt Rom, 2. A. 1901, 134). Jedenfalls scheint Varro an einen abgetrennten hier an Romulus oder Scipio Africanus gedacht haben (BOYANOE64f.), doch
Raum oder eine Kapelle zu denken. besondere Bedeutung käme der Stelle zu, wenn man sich an den Adressaten
Die Aufstellung der Bilder hat nicht nur Irrtum verbreitet, weil mit der des Werkes, Cäsar, erinnert (R. REITZENSTEIN,Zwei religionsgeschichtl. Fragen,
Natur der Götter unvereinbar, sondern auch Furcht beseitigt. Götterfurcht Straßburg 1901, 99). Cäsar hat bekanntlich schon in der Leichenrede auf seine
ist hier positiv bewertet (so auch Cic. inv. 2, 66: religionem eam, quae in metu Tante die göttliche Herkunft des julischen Geschlechts herausgestellt; schwer
et caerimonia deorum sit, appellant). Sie bezeichnet den Schauer, das Tremen- zu sagen, wie eng sich sein persönliches Sendungsbewußtsein, das nicht zu
dum, das stärker von der gestaltlosen Gottheit (Numen) ausgeht als von einem leugnen ist, mit dem Glauben an göttliche Abkunft verband (vgl. C. J. CLASSEN,
Bild in vertrauten menschlichen Formen. Fernzuhalten ist hier die von unbe- Philologus 106, 1962, 200 A. 5, ders. Gottmenschentum in der röm. Republik,
gründeter Angst gekennzeichnete superstitio (vgl. fr. 47). Gymnasium 70, 1963, 312ff.), schwer zu sagen auch, wieviel Ironie und Augu-
Zur Götterfurcht vgl. u.a. Kritias VS 88 B 25, 13; Liv. 1, 19, 4 deorum renlächeln von Varros Seite hier hereinspielen mag.
metus; Dion. H. 2, 61, 1 (Numa); Serv. Aen. 1, 715; Varro ap. Serv. Aen. 5, Cicero n. d. 3, 50 sieht einen ähnlichen nützlichen Antrieb in der Aussicht
45 (App. Ia); Serv. auct. Aen. 12,139 (App. Ib);_La~t. ira ~1, 16; Arnob. 6, auf göttliche Ehren: augendae virtutis gratia, quo libentius rei publicae causa
24. In dieser Tradition sind es z. T. freilich gerade die Bilder, die Furcht erregen periculum adiret optimus quisque, virorum f ortium memoriam honore deorum
sollen. Vgl. jetzt auch A. DIHLE, J. H. W ASZINK,Furcht (Gottes), RAC VIII immortalium consecratam.
1972, 661ff.; Thes. L. L. V 1, 885 sqq. 913 sqq. (metus deorum). Vgl. zum römischen Hintergrund auch H. J. BÄUMERICH,Über die Bedeu-
castius dii observarentur: Vgl. Varro Men. fr. 181: ergo tum sacra religio tung der Genealogie in der röm. Literatur, Diss. Köln 1964, 30ff.
castaeque fuerunt res omnes, dazu P. LENKEIT, Varros Menippea ,Gerontodi- Die Unterordnung des religiösen Beweggrundes unter den Nutzen für das
daskalos', Diss. Köln 1966, 16. Gemeinwesen, ja seine Erfindung zu diesem Zweck, vertritt Varro auch fr. 69
und ap. Plut. qu. Rom. 27 (Appendix VIId).
fr. 19: Der Mythenglaube erscheint hier als Ergebnis der Beeinflussung
durch die Dichter; vgl. Cicero n. d. 2, 63 u. 70 (zit. Aug. civ. 4, 30): videtisne fr. 21: Der inhaltliche Zusammenhang mit fr. 20 empfiehlt die Einordnung
igitur iä a physicis rebus bene atque utiliter inventis tracta ratio sit ad commen- an dieser Stelle. Augustins Hinweis ,de religionibus loquens', mit dem er das
ticios et fictos deos ? quae res genuit f alsas opiniones erroresque turbulento~ et Zitat einführt, dürfte sich auf die Erörterung der tres theologiae beziehen.
superstitiones paene aniles. et formae enim nobis deorum et aetates et vestitus Unvollständige Unterrichtung des Volkes, das nicht alles wissen sollte, was
ornatusque noti sunt, genera praeterea, coniugia, cognationes. die Philosophen erörtern (fr. 11), verteidigt auch Cicero n. d. fr. 1 (Lact. inst.
Während Polybios 6, 56 in der Deisidaimonia der Römer bewußte Anpas- 2, 3, 2): non esse illa vulgo disputanda, ne susceptas publice religiones disputatio
suna an die Bedürfnisse des Volkes sieht, gefolgt von Livius 1, 19, 4 (Numa talis exstinguat. In Varros Logistoricus Curio zeigt sich die gleiche Haltung
erfi~det seine Zusammenkünfte mit Egeria): rem ad multitudinem imperitam im Bericht von der Auffindung der Bücher Numas und ihrer Verbrennung
et illis saeculis rudem efficacissimam, deorum metum iniciendum ratus est, be- durch den Praetor (Appendix I fr. III) sowie in den Äußerungen des Pontifex
betont Dion. H. 2, 18, 3, daß Romulus die Mythen als unwürdig aus dem römi- Scaevola (fr. V). Dem Volk soll nicht nur die ganze Wahrheit verborgen bleiben;
schen Kult verbannt habe. Das Problem des Mythos in der römischen Religion es kann sogar nützlich sein, wenn es falsche Auffassungen hat. Unter diesem
ist in der modernen Forschung wieder stark hervorgetreten; es sei nur an Gesichtspunkt kann die Entstellung der theologia naturalis zur theologia civilis
WrnsowA und LATTE einerseits und C. KooH (Der röm. Juppiter, Frankfurt (fr. 11 ff.) unter Einwirkung der theologia mythica doch noch sinnvoll interpre-
tiert werden, nämlich wie von Polybios (6, 56) als staatskluge Anpassung an
1937, 9ff.) andererseits erinnert.
Zu den generationes und coniugia deorum vgl. fr. 20 und Sen. de superst. ap. die Menge. Für die Eingeweihten kann allegorische Deutung diesen Prozeß
gewissermaßen rückgängig machen.
Aug. civ. 6, 10 (App. Ie).
Möglich, daß Varro auch einen ursprünglich unblutigen Kult in Rom ~nnah~
(Plut. Rom. 12); vgl. den Logistoricus A tticus ap. Cens. d. n. 2, 2: id _moris fr. 22: Die Zugehörigkeit zu den Antiquitates ist nicht bezeugt, aber wahr-
institutique maiores nostri tenuerunt, cum die natali munus annale Genio sol- scheinlich; das gilt auch für die Einordnung an dieser Stelle im Anschluß an
verent, manum a caede ac sanguine abstinerent. die Kritik des genus civile. Der Umfang des Zitats, das Arnobius vielleicht
150 BURKHART CARDAUNS
M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 151
wörtlich wiedergibt, wird bestimmt durch die unmittelbar anschließenden
WSt 79, 1966, 213-218). Von Akusilaos (VS 9, FGrHist 2) ist kosmoo-onische
Worte : Sententia repperiri nulla potest integrior. Von dei veri bzw. verus deus
Spekulation bekannt, bei ihm läßt sich das neue Fragment leicht eino:dnen.
spricht auch Scaevola im Log. Curio (Appendix I fr. V): quod eorum qui sint
Für die Theologie des Xenokrates haben wir vor allem das Fragment 15
dii non habeant civitates vera simulacra, quod verus deus nec sexum habeat nec
HEINZE (Aet. 1, 7, 30): T~V [LOV(XöO(X.O(t T~V ÖU(XÖO(-&EOt\c;, T~V [LEV wc;&ppe:vr1., .••
definita corporis membra. Dei veri sind fr. 225 anima mundi ac partes eius; ,?. ' ~ ßri.GcAEUOUCTrJ.V,..•
"'l. ' ' '-'' e C\ '"'l ~ UTcO
e ' ' ,
c.V oupr1.vc:; TY)V O Wt; v'Y)AEtrJ.V ••• TY)t; TOV OUpri.VOV A~~EWt;
gemeint sind die von den Philosophen richtig erkannten Götter (vgl. Cic. n. d. ( ' ~ C\ ' ' ' ' "' \ \ ' ' / '
YJYOU[J-EVYJV,
• • • V'EOV O EWrJ.t X:O(t TOV OUpri.VOV X.O(t TOUt; rJ.CTTEpotc;
TcUpWöEtt; OAU[L-
2, 2). Zur Kritik an Götterbildern vgl. Komm. fr. 15-18. ' C\ 1 \ e t e l t ~ ' ' I ' I \."\
rcwuc; V'EOuc;, X:O(t ETEpouc; UTcOCTEAY)VOuc;
OO(t[LOVO(t;r!.Opot-rouc;. otpscrxst OE }(.O(( O(lJTi;i
suppl. HEINZE] X:O(Ltvot~X.EtV -roic; UAtx:oic; cr-rotxe:lotc;.
[-&dr1.c; TtV()(c; ouvaµstc;
fr. 23: Das Verhältnis der drei genera theologiae zueinander ist Gegenstand Der Text wird dann leider lückenhaft, doch werden noch Poseidon und Deme-
der Erörterung in den Fragmenten 11-22; wenn unsere Anordnung richtig ist, ter, vielleicht Hades, genannt. Die stoische ,Durchdringungslehre' scheint hier
hat Varro im Folgenden die Götterlehre des genus physicum eingehender dar- bereits vorweggenommen (vgl. fr. 27/28). Cic. n.d. 1, 34 und Clem. Al. protr.
gestellt (fr. 23-29 bzw. 32). Der wichtigste Gewährsmann, Tertullian, ist in 5 p. 66 nennen nur die Sterngötter des Xenokrates. Unter den Olympiern hat
seinen Formulierungen freilich mit Vorsicht zu benutzen. Sein Gebrauch des er wohl Himmel und Gestirne verstanden; die Titanii darf man dann mit den
Wortes „elementa" für die beseelten sichtbaren Teile der Welt (Sonne, Mond, unsichtbaren Dämonen unter dem Mond gleichsetzen (W. BURKERT, Weisheit
Gestirne, Himmel und Erde) ist nicht varronisch, sondern geht auf die cr-rw1,.sr,r1. u. Wissenschaft 212 A.40). Ausgangspunkt dürfte Plato Tim. 40 sein, den Xeno-
-roü x.6crµou bei Paulus zurück (Gal. 4, 3 u. 9; Col. 2, 8 u. 20). Was auch immer krates im Sinne einer Dämonenlehre ausdeutete (HEINZE 94ff.). Ob er unter
Paulus darunter verstanden hat, der Ausdruck findet in der christlichen Litera- den Dämonen auch die Seelen abgeschiedener Menschen annahm, entzieht
tur weite Verbreitung, in der lateinischen seit Tertullian und Minucius Felix sich unserer Kenntnis.
(Thes. L. L. V 345, 53 sqq.; H. DrnLS, Elementum, Leipzig 1899, 50ff., 69, zu Ägyptische Götter bei Varro auch LL 5, 57, wo Caelum und Terra mit Sera-
Varro78ff.); beiAugustinus civ. 6, 6; 7, 14; 7, 27; 8, 5. Göttlichkeit der klassischen pis und Isis gleichgesetzt werden (Gleichung mit Sonne und Mond Diod. 1, 11;
vier Elemente findet sich bei heidnischen Autoren auch (Herod. 1, 131 u. a.; dazu SPOERRI 164ff.).
vgl. SPOERRI 62; LUMPE, RAC IV 1073ff.), z.B. Paul. Fest. 95 (geniales di),
Die Dreiteilung des wohl jüngsten Gewährsmannes, des Dionysius, ist die
doch im vorliegenden Fragment geht es nicht um diese (Varro ap. Comm.
umfassendste, weil sie auch noch die vergöttlichten Menschen einbezieht, die
Bern. Lucan. 7, 8 nennt sie principia), sondern um die sichtbaren Teile der Welt.
Varro aber zunächst noch beiseite läßt, um sich den sichtbaren Göttern den
Tertullian, der adv. Marc. 5, 4 Gal. 4, 3 kommentiert hat, verwendet also Olympii des Xenokrates, zuzuwenden. Bezeichnend, daß hier ein Stoiker. und
in varronischem Zusammenhang seine eigene Terminologie; ähnlich schreibt der Akademiker Xenokrates nebeneinander genannt werden. Varros Lehrer
er statt genus civile (vgl. fr. 6) gentile. Antiochos stellte die stoische Lehre als Entlehnung aus der Akademie hin
Dionysius Stoicus, auch fr. 30 genannt, ist nicht sicher zu identifizieren. und konnte sich dabei am ehesten auf Xenokrates berufen, bei dem später typisch
Vielleicht ist es derselbe, den Cic. Tusc. 2, 26 erwähnt (AGAHD147; v. ARNIM, stoische Vorstellungen bereits sich vorbereiteten, z.B. in der Aufteilung der
RE V 974 nr. 123; PoHLENZ, Stoa II 124; SPOERRI 196). Seine Dreiteilung in Philo~ophie in Ethik - Physik - Logik, vor allem in der ,Durchdringungs-
sichtbare, unsichtbare und von Menschen erhobene Götter (nicht im Sinne des theone', deren Verwandtschaft mit der stoischen Lehre schon Aetios bemerkt.
Euhemeros, sondern als Tatsache) gehört dem genus physicum an (PoHLENZ, Das Feuer als Träger der göttlichen Kraft ist hier wohl in erster Linie auf
Stoa II 137; verfehlt die Kritik von SPOERRI198). Die sichtbaren und unsicht- die Gestirne zu beziehen, obwohl es auch für die unsichtbaren Götter zutrifft.
baren Götter konnte er als ewige den gewordenen wieder gegenüberstellen, so Zu Zenon vgl. LL 5, 70. Die bei Tertullian folgenden Stücke beschäftio-en sich
daß fr. 30 keinen Widerspruch enthält. Eine ähnliche Zweiteilung findet sich alle mit den sichtbaren Göttern, deren Göttlichkeit aus der feurigen N=tur der
bei Diodor 1, 11 (Hekataios FGrHist 264 F 25) und 3, 9 auch Diod. 6 ap. Gestirne folgt (wie Cic. n.d. 2, 40).
Euseb. praep. ev. 2, 2, 52-62.
Den verderbten Namen actesilaus der Hs. hat GoTHOFREDUSin Arcesilaus
bo-eändert und dieser findet sich in allen Ausgaben. Von Arkesilaos sind aber
_fr. 24: De~ Beweis der Beseeltheit der Gestirne aus ihrer Eigenbewegung
keine nach..,elassenen Schriften bekannt und die hier erwähnte Lehre läßt sich
brmgt auch Cic. n. d. 2, 44 unter Berufung auf Aristoteles, n. d. 2, 31/32 für die
mit unsere; Kenntnis von seiner Philosophie nicht vereinbaren (ein Versuch
Beseeltheit der Welt unter Berufung auf Platon (vgl. PEASE 620 mit Parallel-
bei BoYANCE 63 A.2; REA 50, 1948, 225). Überzeugend hat jetzt 0. GmoN
stellen; Tert. fehlt). Die Seele als bewegendes Prinzip auch Men. fr. 323 (Ver-
die Verbesserung in Acusilaus vorgeschlagen (Akusilaos, Cicero und Varro,
gleich der Beine mit Stelzen, rpt\cre:t &x:[vY)Tot, sed ab animo moventur).
152 BURKHART ÜARDAUNS
M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 153
fr. 25: Die Etymologie stammt aus Platon Crat. 397c; vgl. Macr. 1, 23, 3;
guttis imbrium quasi cruentis, tum labibus aut repentinis terrarum hiatibus ...
Aetios 1, 6, 11.
(15) quartam causam esse aequabilitatem motus conversionumque caeli . ..
fr. 26: Dbersetzung: Man glaube außerdem an ihre (der Elemente) Gött- Kleanthes e~klär~ die Herkunft des Begriffs von Göttern überhaupt; den
lichkeit weil überhaupt nichts ohne ihre Zustimmung zur Erhaltung des mensch- Glauben a_n die „sichtbaren Götter" im besonderen begründet ähnlich wie
lichen Lebens entstehen, wachsen, fortkommen könne, da ja nicht einmal die Varro Aetms plac. 1, 6, 10 (B·e:oülf.vvotrxerwächst aus der Anschauuna der
Körper selbst oder die Seelen bestehen könnten ohne ihre_(der El~ment_e) ~echte Sterne, ihrer Bewegungen, der Jahreszeiten; daher der Himmel als Vate;, die
Mischung. Durch sie wird die Bewohnbarkeit der ,velt, die begrundet 1st m der Erde als Mutter betrachtet; Sonne und Mond als Götter angerufen; dazu die
Beschaffenheit der Himmelskreise (Zonen), gewährleistet; abgesehen von dem - -&e:o[,vgl. fr. 25). Die Unterscheidung von nützlichen und
Etymologie -&c'e:tv
Teil den die ungeheure Kälte bzw. Hitze der Bewohnung durch Menschen ent- schädlichen Einwirkungen bei den Ursachen des Götteralaubens findet sich
zieh~. Und deswegen halte man für Götter die Sonne, die aus ihrem Vermögen bereits bei Demokrit ap. Sext. math. 9, 19 (VS 68 B 166) :nd 9, 24- (A 75). Im
Tag an Tag reiht, die Frucht durch Wärme reifen läßt und das Jahr durch vorlie?enden Fragment sind diese Einwirkungen dem Zweck entsprechend
ihre wechselnden Stellungen in fester Ordnung hält, den Mond, den Trost der samth_ch auf das menschliche Leben bezogen; nur ihr ausgewogenes Zusam-
Nächte den Herrn der Monate ... ebenso die Sternbilder, Zeichen der für die menwirken erlaubt seine Erhaltung in den gemäßigten Zonen (circuli auch
Landwirtschaft bemerkenswerten Zeiten, endlich den Himmel selbst, unter Varro Hebdomades I ap. Gell. 3, 10, 3).
welchem, und die Erde, über welcher alles liegt, und was sonst noch von ihnen
zum Wohle des Menschen harmonisch zusammenwirkt. _fr. 27 u. 28: Die Lehre, daß die Weltgottheit alles durchdringe und die
Emzelgötter nur Teile oder Glieder von ihr seien, ist zuerst für Xenokrates
Nicht nur wohltätige Wirkungen führten zum Glauben an ihre Göttlichkeit,
bezeugt (Aet. 1, 7, 30 fr. 15 HEINZE, s.o. S. 151 zu fr. 23) und dann Teil der
sondern auch Gegenteiliges, das scheinbar aus ihrem Zorn u~d ihrer Ungnade
orthodoxen stoischen Theologie (SVF II 1066 u. 1070 im App. zu fr. 27 u. 28;
zu treffen pflege, wie Blitze, Hagel, Hitze, Pesthauch, auch Dber~ch::vem~un-
aen Aufklaffen und Beben der Erde. Und mit Recht halte man die fur Gotter, P~ilodem. de piet. 11 = SVF II 1076). Vgl. bes. Cic. n.d. 1, 39 sq., weitere
reiche Belege bei PEASE I 265ff. ·
der~n Wesen man im Glück ehren, im Unglück fürchten muß, da es ja Herr ist
Für die Dreiheit der Götterpaare luppiter-Iuno, Neptun-Salacia Pluto-
über Nutzen und Schaden.
Pr?serpina in diesem Zusammenhang läßt sich, mit Ausnahme de~ ersten,
Tertullian hat V arros Text seinem eigenen Stil angepaßt; das gilt zumal für
den Gebrauch von ,elementa' (dazu fr. 23 Komm.). su-rfragium wird klassisch kerne ~uell~ na~hweisen und vor allem Salacia (vgl. LL 5, 72 Salacia Neptuni)
hat keme_gnech1sche Entsprechung. Hier scheint Varro seine griechischen Quel-
auch übertragen nur von menschlicher Hilfe gebraucht (Forcellini IV 579);
len um em römisches Element erweitert und zugleich stärker systematisiert
foederata ist spätlat. (Thes. L. L. VI 996, 30); incolatus hier zue~st belegt zu haben.
(Thes. L. L. VII 975, 53); enormitas seit Seneca (Thes. V 606, 73); signaculum
Vgl. zu luppiter fr. 235ff., zu Iuno fr. 272ff., zu Neptun fr. 256, zu Salacia
und ruratio seit Apuleius (flor. 9. 15). . . fr. 257, zu Pluto fr. 259, zu Proserpina fr. 268 u. 271.
Nach den Beweisen für die Göttlichkeit der Himmelskörper aus ihrer feurigen
Natur (fr. 19) und ihrer Eigenbewegung (fr. 20/21) folgt hier eine Argumen~a-
fr. 29: Die Seelenlehre war für Varro hier besonders wichtia nicht um ihrer
tion die an sich nicht die Göttlichkeit der Gestirne und der Erde beweist,
selbst willen, sondern um nach den sichtbaren und unsichtb:ren Göttern die
sondern den Glauben an ihre Göttlichkeit erklärt (creditam divinitatem, deos
nach ihrem Tode zu Göttern gewordenen Menschen zu behandeln. Fr. 226
credi, fidem divinitatis convenire); daß es aber letztlich doch dem Nachweis der
sowie fr. 209-211 lehren uns leider nicht, in welchem Umfang er im ersten
(objektiven) Göttlichkeit dient, zeigt § 7 iure credi de_os.Erklär_ung des Gottes-
Buch das Wesen der Seele und ihrer Schicksale nach dem Tode daraestellt hat·
begriffs und Gottesbeweis werden auch sonst z. T. mit den gl:1chen A~gumen-
,,plenissime" bei Servius zeigt, daß Varro nicht ganz kurz gewesei sein kann'.
ten geführt (z.B. Cic. n. d. 2, 15 und 2, 4 der Anblick des g:sti~nten Himmels).
Doc~ berechtigt nichts dazu, Varro zur Hauptquelle für Vergils sechstes
Vergleichbar sind die Ausführungen des Kleanthe_s bei _Cwero n.d. 2, 13
Aen~isbuch zu machen und alle auf die Seelenlehre bezüglichen Stellen des
(SVF I 528): quattuor de causis dixit in animis hominum informatas deorum
Servmskommentars auf ihn zurückzuführen, wie es seinerzeit ScHMEKEL
esse notiones. Primam . . . ex praesensione rerum futurarum; alteram, quam getan hat (vgl. AGAHDp. 102 sqq., auch BOYANCE79).
ceperimus ex magnitudine commodorum quae percipiunti:,r caeli _temperatione
Serv. Aen. 6, _733 (fr. 27 Ag.) könnte wirklich hierher gehören, ist aber im
fecunditate terrarum aliarumque commoditatum com?lur:um_ ?opia; (1~) _ter- Wortlau_t von Cic. Tusc. 4, 11 beeinflußt. Unter die Fragmente habe ich es
tiam, y_uaeterreret animos fulminibus tempestatibus nimbis nivibus ~ran~inibus
daher mcht gestellt, teile es aber hier mit: Varro et omnes philosophi dicunt
vastitate pestilentia terrae motibus et saepe fremitibus lapideisque imbribus et
quattuor esse passiones, duas a bonis opinatis et duas a malis opinatis rebu.s;
154 BURKHARTÜARDAUNS M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 155

nam dolere et timere duae opiniones malae sunt, una praesentis alia futuri, item Numiternus von Atina: noch inschriftlich bezeugt (CIL X 5046); IHM,
gaudere et cupere opiniones bonae, una praesentis altera futuri. Haec ergo na- Roscher III 478; WrssowA 50, 2; 148, 6; ÜTTO, RhM 64, 1909, 450; MARBACH,
scuntur ex ipsa coniunctione, nam neque animi sunt neque corporis propria, RE XVII 1402; RADKE 235f.
pereunt enim /acta segregatione. Ancharia von Asculum (Aesculani bei Tert., die Lokalisierung unsicher): sonst
unbekannt; KLEES, RE I 2102; WrssowA 33, 3; 50, 2; LATTE 58; RADKE 62f.
fr. 30: Über Dionysius vgl. oben zu fr. 23. Die Zweiteilung an dieser Stelle Nortia von Volsinii: auch sonst bekannt; PRELLER II 189; DEECKE, Roscher
steht nicht in Widerspruch zur Dreiteilung der Götter in sichtbare, unsicht- III 457; BERNERT, RE XVII 1048; WrssowA 50, 2; 288, RADKE 232.
bare und aus Menschen gewordene, nur sind hier die beiden ersten Gruppen Valentia von Ocriculum CIL XI 4082; PRELLER II 213; WrssowA 50, 2:
zu einer zusammengefaßt. WrssowA, Roscher VI 157; KocH, RE VII A 2148; RADKE 306. ·
Hostia von Sutrium: sonst unbekannt; DEECKE, Roscher I 2751; WrssowA
fr. 31: Mopsus und Amphiaraus stehen auch Cic. n. d. 2, 7 nebeneinander, 50, 2; SCHULZE123, 165; RADKE 146.
doch nur als Seher (vgl. PEASE II 562 z. St.; Cic. div. 1, 88). Es ist möglich, Curris pater von Falerii: sonst unbekannt; BrcKEL, Beiträge zur röm. Rel.,
daß in Africanus noch eine Korrupte! steckt, da Mopsus in Kilikien, nicht in RhM 71, 1916, 562f.; EISENHUT, RE XXIV 1330; RADKE 102.
Afrika lokalisiert wird. Zu den heroes vgl. fr. 209 u. fr. 227. Zum Beinamen der Iuno Cur(r)itis oder Quiritis (Curis Paul. Fest. 64):
PRELLER I 278, II 274; OTTO, Phil. 64, 1905, 164; WrssowA 187f.; LATTE 105,
fr. 32: Die aus Menschen gewordenen Götter werden noch einmal gegliedert 2; 167; 400; EVANS 212ff.; EISENHUT RE XXIV 1324f.
in solche, die allen Völkern gemeinsam sind, und andere in ihrer Verehrung In den Worten quam praeverint fr. 33a verbirgt sich vermutlich ein weiterer
begrenzte. Die hier genannten werden in den Listen dieser Art immer wieder unbekannter Name. Die genannten Gottheiten gehören nicht zum römischen
genannt, besonders bei den Apologeten (vgl. J. GEFFCKEN,Zwei griech. Apolo- Staatskult; die dort rezipierten italischen Götter hat Varro im Folgenden be-
geten, 1907, 225). Vgl. Cic. leg. 2, 19: Divas et eos, qui caelestes semper habiti, handelt.
colunto, et ollos, quos endo caelo merita locaverint, Herculem, Liberum, Aescula-
pium, Castorem, Pollucem,Quirinum etc.
fr. 34: Die Einteilung der römischen Götter in communes und proprii ist
Zu Faunus vgl. fr. 35 u. fr. 217; zu Liber fr. 260:ff., zu Hercules fr. 35. Liber
nicht zweifelsfrei auf Varro zurückzuführen, aber doch nicht unwahrscheinlich,
ist hier natürlich nicht der große Gott, den Varro als deus selectus im Buch
da wir sie auch fr. 32 für die zu Göttern erhobenen Menschen finden. Wichtiger
XVI behandelt, sondern der Sohn der Semele, den Cicero n. d. 2, 62 ausdrück-
ist die Scheidung in die von alters her eingebürgerten und die neuaufgenom-
lich trennt. Das muß man wohl auch für Varro annehmen.
menen Gottheiten. Unter diesen Gesichtspunkt scheint Varro im Folgenden die
Die Unterscheidung zwischen divi und dei bei Serv. Aen. 5, 45 (App. Ia)
römische Religionsgeschichte, wohl die erste ihrer Art, gestellt zu haben.
und 12, 139 (App. Ib, aus LL, vgl. fr. 32 im Apparat), die im Sprachgebrauch
WrssowA, Ges. Abh. 184ff.; R. u. K. 18:ff.; 43ff. hielt die Indigetes und
der republikanischen Zeit keine Stütze findet, läßt sich für die Res Divinae
N ovensiles für die ursprünglichen Bezeichnungen der beiden Gruppen (nach
nicht nachweisen. Livius 8, 9, 6), was sich aber nicht halten läßt. Unter den adventicii bilden die
evocati eine besondere, typisch römische Gruppe, von Tert. nat. 2, 9, 9 als
fr. 33: Die Liste der italischen Gottheiten, die Tertullian nat. 2, 8, 6 und
tertium illud genus hostilium deorum eingeführt. Sie haben bei Varro sicher
apol. 24, 8 aus Varro anführt, habe ich hier eingesetzt, weil sie die Unterschei-
nicht gefehlt, bildeten aber gewiß einen Teil der adventicii (vgl. Liv. 8, 9, 6:
dung von di communes und proprii voraussetzt, auch wenn es sich nicht um
divi, quorum est potestas nostrorum hostiumque). Ein Gegensatz zwischen adven-
vergöttlichte Menschenseelen handelt, für die fr. 32 diese Gliederung bezeugt.
ticii und publici ist für Varro nicht anzunehmen, da die adventicii nach ihrer
An dieser Stelle, ehe Varro von allgemeingültigen Gliederungen der Götter zu
Aufnahme in den römischen Staatskult selbstverständlich auch di publici
den Gottheiten des römischen Staates übergeht, mochte es besonders passend
waren.
erscheinen, einen Blick auf die Rom umgebenden Landschaften zu werfen, aus
Das Heiligtum der Carna befand sich auf dem Caelius (Macr. 1, 12, 31).
denen dann ja mancher Kult in die Stadt gewandert ist.
Lit.: WrssowA 50, 2; LATTE 58.
Deluentinus: sonst unbekannt; RADKE 103. fr. 35: Zur Aufteilung der Götter und ihrer Kulte nach ihrer Aufnahme
Visidianus von Narni: sonst unbekannt; WrssowA 33, 3; 50, 2; KEUNE, durch die einzelnen Könige vgl. Wrssow A 28, zur Überlieferung bei Minuc.
Roscher VI 1071; ÜTTO, RhM 64, 1909, 451; EISENHUT, RE IX A 361 f.; Fel. 25, 7/8; Tert. adv. Marc. 1, 18; Lact. inst. 1, 20, 1 u. 11 sqq.; Seneca de
RADKE 341. superst. ap. Aug. civ. 6, 10 vgl. AGAHD65 sqq. Schon die Annalistik hat die
156 BURKHART ÜARDAUNS M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 157

Weihungen der Könige verzeichnet, wie es Varro LL 5, 74 für Tatius bezeugt, Fr. 38 habe ich hierher gestellt, da die Ausführungen über die Einfachheit
und für die republikanische Zeit sei an die Angaben über Tempelweihungen der alten Religion an die Person Numas gebunden scheinen, nicht nur hier,
erinnert. sondern auch anderwärts. Numa hat stets als der Repräsentant römischer
Bei den Göttern des Romulus werden Aug. civ. 4, 23 genannt: Ianus, Iuppiter Frömmigkeit und der eigentliche Begründer des römischen Staatskultes ge-
(wohl Iuppiter Feretrius, Liv. 1, 10, 5; Dion. H. 2, 34, 4; Iuppiter Stator golten. Auf Belege sei hier verzichtet. Die Schlichtheit der Frühzeit wurde
Liv. 1, 12, 5/6 u. a.), Mars, (viell. wegen der Ecurria, Tert. spect. 5, 5) Picus schon von C. Laelius in einer bekannten Rede de collegiis (0 RE 2 Male. p. 117 f.)
und Faunus (vgl. RD XV fr. 217), Tiberinus (LL 5, 29/30; WrnsowA 224f.; hervorgehoben, vgl. Cic. n. d. 3, 5; 3, 43 (weitere Belege bei Pease z. St.); rep.
LATTE 132; RADKE 300f.), Hercules (Liv. 1, 7, 3). Picus und Faunus, vielleicht 6, 2 ap. Non. 398: oratio Laeli, quam omnes habemus in manibus, quam simpuia
auch Tiberinus, stehen für die vergöttlichten Könige der Vorzeit, weswegen pontificum dis immortalibns grata sint Samiaeque, uti scribit, capudines. Möglich,
man mit AGAHD158 aus GPR ap. Aug. civ. 18, 15 noch Stercutius bzw. Ster- daß auch Varro sich auf Laelius bezogen hat (Samiae capudines - vasa Samia).
culus (Tert. apol. 25, u. nat. 2, 17, 3; vgl. fr. 216) hinzufügen kann. Mit Sicher- Zum bildlosen Kult in Rom vgl. fr. 18.
heit gehört noch Consus in diese Reihe (wegen der Consualia, Liv. 1, 9, 6;
fr. 39: Pavor und Pallor werden von Livius 1, 27, 7 erwähnt, sonst fast
Tert. spect. 5, 5); Minucius nennt noch Pilumnus und Volumnus, Tert. nat.
nur bei den Apologeten. Ob es jemals einen Kult dieser Gottheiten gegeben
2, 17, 3 und apol. 25 Mutunus.
hat, ist ganz zweifelhaft, doch ist anzunehmen, daß neben Livius auch Varro
Tert. nat. 2, 9, 12 folgt auf fr. 34 ein Abschnitt über Menschen, die bei den
diese Namen aus der Annalistik übernommen hat. Der Zusammenhang bei
Römern nach ihrem Tode göttliche Ehren genossen, wie Aeneas, Romulus,
Augustin weist auf varronische Herkunft (WrnsowA 149, 1 führt alle Belege
Sterculus, Faunus, Fauna und Sanctus (Sancus), endlich Larentina. Diese
auf Livius zurück, vgl. LATTE 56f.). Die Göttin Febris wird von den Kirchen-
Reihe würde sich durchaus in die Religionsgeschichte des ersten Buches
vätern häufig mit Pavor und Pallor zusammengenannt, eine Weihung dureh
fügen, doch hat AGAHDsie dem XV. Buch zugeordnet (p. 79 sqq.), wo Varro
Hostilius ist aber nicht bezeugt.
höchstwahrscheinlich über Manes, Lares und Larvae gehandelt hat (fr. 209),
wozu dann auch die genannten Heroen gehören. Es ist freilich zu bedenken, fr. 40/41: Die Erzählung von der Exauguration beim Bau des kapitoli-
daß sie eigentlich keine di incerti sind und ihre Nennung bei Tert. auf ein nischen Tempels ist bekannt, Varro spielt auch serm. Lat. II bei Gell. 12, 6
Zitat aus Buch I folgt (fr. 34). Die Erzählung von Larentina ist jedoch so auf sie an. Meist wird nur Terminus genannt (Cato orig. fr. 24 HRR ap. Fest.
ausführlich, daß sie den Rahmen des ersten Buches sprengt, weswegen ich 162; Liv. 1, 55, 3; Ov. fast. 2, 665 sqq.; Serv. Aen. 9, 445; Lact. inst. 1, 20,
mit einigen Bedenken doch Agahd in der Zuteilung an das XV. Buch folge 38), auch Terminus und Iuventas (Dion. H. 3. 69, 5 mit Deutung; Liv. 5, 54),
(vgl. dort fr. 214-220). nur Varro an unserer Stelle hat noch Mars, betont aber selbst: tam obscuris
signis, ut hoc vix homines doctissimi scirent.
fr. 36: Vgl. Varro LL 5, 74: ut annales dicunt, vovit (Tatius) Opi, Florae, Vgl. PRELLER I 255. 260; WISSOWA135ff.; LATTE 64, 1; 80; 114, 3; BöMER
Vediovi, Saturnoque, Soli, Lunae, V olcano et Summano, itemque Larundae, II 130; KocH, Religio, 1960, 162 A.35a; RADKE 162 u. 300. Für die Ausbil-
Termino, Quirino, Vortumno, Laribus, Dianae Lucinaeque. Vermutlich steht dung des Roma-Aeterna-Gedankens ist die Stelle von Bedeutung, vgl. Koch
Lncem bei Aug. civ. 4, 23 für Lucinam (PRELLER I 66, 2). Dion. H. 2, 50, 3 a. a. 0., der das Fehlen einer Auslegung der Terminus-Legende für die republi-
nennt Sol, Luna, Saturnus, Ops (Rhea), Vesta, Volcanus, Diana, Quirinus kanische Zeit bedauert; doch geht Augustinus hier zweifellos direkt auf Varro
(Enyalios) u.a., die auf griechisch schwer wiederzugeben seien. Hinzuzufügen zurück.
ist noch Sancus (vgl. fr. 219). Vgl. zu Saturnus fr. 239ff., Ops fr. 240, Sol fr. Zu Terminus vgl. RD fr. 231, zu Iuventas RD fr. 142, zum Bau des Kapitol-
258, Luna fr. 275, Vulcanus fr. 255, Lucina fr. 100, Cluacina fr. 124. tempels und zum Kapitol überhaupt fr. 18 Komm., fr. 68, fr. 70 u. 71.
Über die sabinischen Gottheiten und die Frage nach der historischen Rich-
tigkeit dieser Listen vgl. EvANS 152ff.; J. CoLLART, Varron De Ling. Lat. fr. 42: Zusammen mit Terminus zählt Varro Summanus unter die Götter
Livre V, 1954, 189ff.; LATTE 232, 1; 0. TERROSI ZANCO, Varrone LL V, 74: des Tatius LL 5, 74, der ja auch sonst in Verbindung mit dem Kapitol steht.
Divinita Sabine o Divinita Etrusche?, sco 10, 1961, 188-208; RADKE 294 zu Auch Fest. 75 u. 229 sind ihm die nächtlichen Blitze zugeteilt. Die Vergessen-
Strenia-Salus. heit des Kults hebt Varro hier wie auch sonst hervor (vgl. fr. 40 und bes.
fr. 2).
fr. 37/38: Zu Numa bei Varro vgl. bes. die Ausführungen über die Bücher Zu Summanus vgl. W1ssow A 53; 122; 135; Ev ANS 206f.; BöMER II 385;
des Numa im Logistoricus Curio ap. Aug. civ. 7, 34 u. 35 (fr. III u. IV, App. I), ders. Ahnenkult 113, 3; ST. WEINSTOCK,RE A 897f.; KocH, Der röm. Iuppiter,
dazu LL 7, 3 u. 45. 1937, 101ff.; LATTE 208f.; RADKE 295.
158 BURKHART ÜARDAUNS
M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 159
fr. 43: Zur Weihung des Tempels der Felicitas im Velabrum durch L. zieht sich Serv. Aen. 6, 596: superstitiosos significari, qui inaniter semper
Licinius Lucullus bald nach 146 v. Chr. vgl. ÜTTO, RE VI 2163f.; MÜNZER verentur ... nam religiosi sunt qui per reverentiam timent, ähnlich Serv. Aen.
RE XIII 375 (datiert auf 142 v. Chr.); WrnsowA 266; A. LIPPOLD, Consules, 8, 187 (zu Lucr. 3, 982: divum metus urget inanis /mortalis). Für Varro ist
Bonn 1963, 323ff. freilich nicht die Ataraxie der epikureischen, sondern die Güte der platonischen
Gottheit der Grund für ihre Freiheit von Zorn, vor dem sich die Menschen
fr. 44: Alburnus ist nur aus Tertullian bekannt, daher über seine Herkunft fürchten müßten.
und den Zeitpunkt der Weihung nichts Sicheres auszumachen. WrnsowA, RE I Als positives Gegenstück zur superstitio erscheint Cic. n. d. 1, 45 die pietas,
1338, vermutete nach P AMELIUSan den Stellen bei Tertullian eine Vermengung die auch für Varro das Wesen des religiosus bestimmt: vereri ut parentes.
der Konsuln des Jahres 115 v. Chr., M. Aemilius Scaurus und M. Metellus. Im Hintergrund steht die griechische Unterscheidung von e:ucrsße:illl und
Der erstere könnte nach seinem Triumph über die Carner einem Gott dieses 3e:imöllltµov[lll (vgl. Cic. n.d. 2, 71: philosophi).
Stammes ein Heiligtum geweiht haben. Zur nötigen Erlaubnis durch den Senat Vgl. auch fr. 18 Komm.; App. Ib.
(seit 304 v. Chr.) vgl. Liv. 9, 46; MoMMSEN, Staatsrecht II2 602, III 1051; im Literatur (in Auswahl): M. KüBBERT, De verborum ,religio' atque ,religiosus'
übrigen PRELLER I 155,1; RoscHER I 225; WrnsowA 45, 2; RADKE 60. iisu apud Romanos, Diss. Königsberg 1910; W. F. ÜTTO, Religio und Superstitio,
AfRw 12, 1909, 533-554 u. 14, 1911, 406-422; R. MuTH, Römische Religio,
fr. 45/46: Zum Bacchanalienverbot und den Auseinandersetzungen um d~e
Serta philol. Aenipont., Innsbrucker Beitr. zur Kulturwiss. 7/8, 1962, 247-271,
Zulassung ägyptischer Götter innerhalb der Stadt vgl. Wrnsow A 64. 351 ff.;
bes. 268; LATTE 39. 268; H. FUGIER, Recherches sur l' expression du sacre dans
LATTE 270f. 282f.; A. ALFÖLDI, JbAC 8/9, 1965/66, bes. 62f.
la langue latine, Paris 1963, 172ff. (mit weit. Lit.); S. CALDERONE,Superstitio,
CICHORIUS, Röm. Studien, 1922, 197f. schloß aus dem Vorkommen der
in: Aufstieg u. Niederg. d. röm. Welt, Fs. J. Vogt, I 2, Berlin 1972, 377-396.
Namen ,Isis' und ,Sarapis' in Varros Autobiographie (ap. Charis. p. 113, 14
BARWICK: non tantum huius ,Sarapis' declinavit sed et ,Isis'), daß er an den fr. 48: Puritia (auch Varro Men. fr. 420 belegt) wi.rd sich hier auf kultische
Vorgängen selbst beteiligt war, vielleicht als Quindecimvir, was viel für -~ich Reinheit beziehen, der genaue Zusammenhang bleibt ungewiß. Zweifelhaft
hat. Wenn Varro im Gebrauch der beiden Namen konsequent verfuhr, mußte bleibt auch der Text; infrequens statt adv. infrequenter ist nicht belegt (die
man an unserer Stelle ,Sarapim' konjizieren (bei Tert. ,Serapem' neben ,Sera- Stelle fehlt Thes. L. L. s. v. infrequens). Luc. MUELLER bezieht quae auf ein
pidem'). vorhergehendes „infirmitas vel aliud tale" und verbindet polluta mit pueritia
(cf. app. crit.).
fr. 47: Eine Unterscheidung zwischen religio und superstitio gibt auch Cicero
n. d. 2, 71 f. (von Aug. civ. 4, 30 zitiert; reiches Material im Kommentar von fr. 49/50: Nonius stellt neben die Feminina castitas und castimonia ein
A. S. Pease z. St. und zu Cic. div. 2, 148): Non enim philosophi solum verum Masculinum gleicher Bedeutung, d.i. castus (viell. zu ergänzen: <castus)
etiam maiores nostri superstitionem a religione separaverunt (folgt die Herlei- masculini Varro), wobei nur das erste Beispiel das gramm. Geschlecht erken-
tuna von superstes und relegere). Die varronische Definition mit der anspre- nen läßt. Der Text fr. 49 ist noch nicht geheilt; erkennbar ist die Gegenüber-
che~den Differenzierung von timere und vereri erwähnt Cicero nicht, anderer- stellung von ritus und castus; tatsächlich wird castus meist, wenn auch nicht
seits ist seine Etymologie für Varro nicht bezeugt. Dieser hat zweifello~ nic~t immer (vgl. fr. 50) für griechische Kulte verwendet (WrnsowA, RE III 1780;
auf eine Worterklärung verzichtet; im ganzen spricht der Befund hier wie 2905; Wrnsow A 59, 1; 399, 7; Thes. L. L. III 571; s. auch H. FUGIER, Recher-
sonst nicht für Benutzung der Antiquitates durch Cicero. Auch mit den Aus- ches sur l' expression du sacre dans la langue latine, Paris 1963, 24 ff.). N ostro
führungen des Nigidius bei Gell. 4, 9 besteht keine Übereinstimmung. ritu bei Varro, log. Catus fr. 35 MÜLLER (Non. 494); Romano ritu LL 5, 130.
Näher stehen die Worte des Velleius bei Cic. n. d. 1, 45 (vgl. 1, 117): Si Für fr. 50 ist die Zugehörigkeit zum ersten Buch nicht ganz gesichert, doch
nihil aliud quaereremus nisi ut deos pie coleremus et ut superstitione liberaremur, spricht der Inhalt dafür.
satis erat dictum · nam et praestans deorum natura hominum pietate coleretur,
cum et aeterna :sset et beatissima (habet enim venerationem iustam quicquid Appendix
excellit), et metus omnis a vi atque ira deorum pulsus esset; intellegitur enim a Logistoricus Curio: Eine Datierung des Logistoricus ist nicht möglich; aus
beata inmortalique natura et iram et gratiam segregari; quibus remotis nullos a allgemeinen Erwägungen ist die Abfassung vor den Antiquitates wahrschein-
superis inpendere metus. _ . lich. Sein Inhalt ist wohl weitgehend in die Ausführungen der Bücher I und
Die Bekämpfung der Götterfucht ist ein Hauptanliegen der Epikureer; auf XVI eingegangen. Vgl. B. CARDAUNS,Varros Logistoricus über die Götterver-
Lukrez (der nie superstitio, sondern im gleichen Sinne religio verwendet) be- ehrung, Ausg. u. Erklärung der Fragmente, Würzburg 1960 (Diss. Köln 1958).
160 BURKHART CARDAUNS M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 161

a) und b): Über den Gebrauch von ,divus' und ,deus' kann Varro ~n ~en R_es Buch II de pontificibus
Divinae aber auch in anderen Schriften gehandelt haben; grundsatzhch gilt
In diesem Buch hat Varro, wie man annehmen darf, von den Priestern
für die Zuordnung zu den Fragmenten bzw. den Appendices das im Vorwort
gehandelt, die dem Collegium pontificum angehörten, d. h. dem pontifex
Gesagte. Zu den divi ex hominibus facti vgl. fr. 32; zur Etymologie von ,deus'
maximus, dem rex sacrorum, den 15 fiamines und den virgines Vestales. Wir
fr. 25· zum timor deorum fr. 47. wissen nicht, wo er von den Sodalitates, den Salii, Luperci, Arvales, Sodales
c): 'Der Zusammenhang mit fr. 18 (vgl. Komm.) könnte eine Einordnung
Titii und Fetiales (vgl. LL 5, 85/86, wo sie sich an die Flamines anschließen;
in die Fragmente des ersten Buches nahelegen; doch kommt auch der Log.
dort fehlen aber die Augurn und Quindecimvirn) handelte, vielleicht im Zu-
Curio in Betracht. sammenhang mit ihren Kultakten und Festzeiten.
d): In den Abriß der Geschichte des römischen Staatskultes fr. 35ff. mag
auch diese Notiz o-ehören, ebensogut in den Abschnitt über Venus fr. 279f.
fr. 51: Gellius nennt als Quellen für seine Abhandlung über den Flamen
(Berufung auf den° Kalender fr. 231). Bei Macrobius geht es freilich nicht um
Dialis „libri, qui de sacerdotibus publicis compositi sunt", Fabius Pictor und
Venus sondern um die Erklärung der Monatsnamen.
Masurius Sabinus aus der Zeit des Tiberius, der vielleicht sein Gewährsmann
e) : Berührungen der verlorenen Schrift Senecas mit den Res Divinae sind
war (PETER, Quaest. pont. spec. 1886, 14 nach G. RoHDE, Kultsatzungen der
offensichtlich; vgl. jetzt MARIONLAUSBERG,Untersuchungen zu Senecas Frag-
röm. Pontifices, RVV 25, 1936, 29, 2; Hosrus, Praefatio ed. Gell. p. XLI).
menten, Unters. z. ant. Lit. u. Gesch. 7, 1970, 197-227. Die libri memoriales des Masurius benutzt Gellius auch über Acca Larentia
und die Arvales (7, 7, 8).
galerum ist hier Neutrum, wie id zeigt; ungewöhnlich ist der bloße Ablativ
hostia alba, statt de oder ex hostia, doch vgl. LL 8, 32; Verg. Aen. 8, 402; Nep.
Thras. 4, 1; Liv. 3, 28, 11; Mela 1, 41; Plin. nat. 8, 219. Der Ausdruck ist
jedenfalls sehr knapp, indem hostia fieri für de pelle hostiae steht.
Zwei Erklärungen werden zur Wahl gestellt wie auch sonst bei Varro, z.B.
LL 5, 68. 69. Auch der oblique Konjunktiv läßt sich belegen: LL 5, 117. 120.
Wenn der Flamen Dialis als Einziger ein weißes galerum trug, so läßt sich
daraus schließen, daß anderen Priestern ebenfalls ein galerum zukam, doch
von anderer Farbe. Sicher gilt das für die übrigen Flamines (SAMTER,RE VII
601; Serv. Aen. 7, 688; Apul. apol. 22). Paul. Fest. 10 schreibt statt album
galerum : Albogalerus a galea nominatus. Est enim pilleum capitis, qua Diales
fiamines, id est sacerdotes Iovis, utebantur. Fiebat enim ex hostia alba Iovi
caesa, cui adfigebatur apex virgula oleagina (vgl. HABEL, RE I 1329 u. 2699).
Über die Kopfbedeckungen der römischen Priester vgl. R. VONScHAEWEN,
Röm. Opfergeräte, Diss. Berlin 1940, 59ff.; RE VII A 1627f. (Tutulus), RE XX
1328ff. (Pilleus).
Varros erste Erklärung, quod maximus, muß sich auf den ordo sacerdotum
beziehen (Fest. 185 maximus videtur rex, dein Dialis etc.). Da die Flamines in
drei fi. maiores und zwölf minores geschieden wurden, konnte man den Dialis
als fiamen maximus ebenso herausheben wie den pontifex maximus unter
den pontifices im engeren Sinne (Fest. 154 maximae dignationis fiamen Dialis).
Zur weißen Farbe als Auszeichnung Cic. leg. 2, 45.
Mit Fell vom Opfertier kommt der Flamen auch sonst in Berührung, wenn
nach Serv. auct. Aen. 4, 374 bei der Confarreatio für Flamen und Flaminica
zwei Sessel aufgestellt werden ovilla pelle superiniecta eius ovis, quae hostia
fuisset (SAMTER,Familienfeste 101). Fronto ep. ad M. Caes. 4, 4 p. 60 VANDEN
HouT sagt über eine alte Inschrift in Anagnia „Flamen sume samentum"
162 BURKHART CARDAUNS M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 163

pelliculam de hostia, quam in apicem suum fiamen ... imponit. Weiße Opfer- Buch III de auguribus
tiere wurden Iuppiter vorzugsweise geopfert (W1ssowA 413; MEYER, RE VIII
fr. 53: Die Konjektur in cista viminea von IuNIUS ist überzeugend (vgl.
2499), so z.B. ein weißes Schaf an den Iden, ovis Idulis (W1ss. 114; Ov. fast.
Ov. met. 2, 554; Colum. 12, 56, 2; Plin. nat. 16, 209). Die hier geschilderte
1, 56. 587f.; Macr. 1, 15, 16: omnibus Idibus Iovi immolatur a fiamine), doch
Wirkung des Blitzes wird mehrfach erwähnt, so Plin. nat. 2, 137; Aristot.
auch Rinder, so daß unsicher bleibt, was für ein Fell verwandt wurde.
meteor. 371 a; Lucret. 6, 228; Sen. nat. 2, 31, 1 u. 2, 52; Lyd. ost. 44; Arrian
Den Sinn einer solchen Kappe sehen S. E1TREM,Opferritus und Voropfer,
ap. Stob. ecl. phys. 1, 30.
1915, 384 und G. RADKE, Die Bedeutung der weißen und der schwarzen Farbe
Aurum factum ist verarbeitetes Gold im Gegensatz zu aurum infectum, vgl.
in Kult u. Brauch der Griechen und Römer, Diss. Berlin 1936, 36 in der gestei-
Vergil Aen. 10, 527 u. Serv. z. St.
gerten Abwehrkraft und Segenswirkung, die dem Fell des Opfertiers innewohnt.
Da Varro allein unser Gewährsmann ist, läßt sich die Person des L. Scipio
nicht näher bestimmen. Nach den Fasti augurales war L. Cornelius Scipio
fr. 52: überliefert ist sowohl lib. I wie lib. II; doch paßt der Inhalt
Asiagenus, Konsul 83 v., im Jahre 88 Augur (CIL I2 p. 60), doch reicht das
weniger gut zum Einleitungsbuch. Die Worte gehören wohl in den Zusammen-
kaum zur Identifizierung.
hang einer Kultvorschrift oder eines Gebetes bei Unfruchtbarkeit des Ackers.
Der Blitzschlag zählte zu den fünf Hauptklassen der Vorzeichen (ex caelo,
Vielleicht ist an die feriae sementivae zu denken; vgl. Paul. Fest. 337:
Fest. 261; MoMMSEN,Röm. Staatsrecht I3 79:ff.; P. REGELL, Fragm. auguralia,
Sementivae feriae fuerant institutae, quasi ex his fruges grandescere possint.
1882, 12; WISSOWA532f.).
Hierzu gehört wohl auch Serv. auct. georg. 1, 21: fiamen sacrum cereale faciens
Telluri et Cereri (WrnsowA 193). Demnach lassen sich die Worte vermutungs-
fr. 54: Ein Zusammenhang könnte mit dem Augurium salutis bestehen. Es
weise dem Wirkungskreis des fiamen Cerealis zuordnen.
Vgl. Cato agr. 141, 2 (an Mars): uti tu fruges frumenta vineta virgultaque fand ursprünglich jährlich statt; man vergewisserte sich mit seiner Hilfe der
Huld der Götter für den Bestand des Volkes. Vgl. Cic. leg. 2, 21; div. 1, 105;
grandire beneque evenire siris.
Tac. ann. 12, 23; Fest. 161; WrssowA 525, 8; 526, 1; RE II 2327f.; LATTE
140f.
Appendix
Vielleicht ist salute ostenta vom Auftauchen des günstigen Zeichens gesagt,
a) und b): Wertvolle Ergänzungen liefert Varro LL 5, 83-86 und 7, 45. das die salus populi verbürgte.
Vieles davon dürfte ebenso in den Res Divinae gestanden haben; daß jedoch
nicht jede Erklärung übernommen wurde, zeigt der Vergleich von RD V fr. 66 fr. 55: In der Überlieferung ist divinarum quinto ebenso bedenklich wie
mit LL 5, 38 mit ganz verschiedenen Etymologien. quattuor diis; denn die etruskische Blitzlehre zählte neun Blitzgötter und drei
c) d) e): Diese Stellen seien nur exempli gratia gegeben, da hier nicht jede Blitze Iuppiters, also elf manubiae (Plin. nat. 2, 138; Sen. nat. 2, 41). Drückt
Erwähnung römischer Priester durch Varro verzeichnet werden kann. A. G. man quinto und quattuor in Ziffern aus und rückt sie zusammen, so ergibt
CoNDEMI stellt für dieses Buch 123 Fragmente zusammen, von denen ein sich VIII I diis; die Buchzahl III ist dann zu ergänzen. Die Konjektur stammt
großer Teil sicher nicht den Res Divinae gehört; bei anderen Stücken ist die von G. ScHMEISSER,Quaestionum de Etrusca disciplina particula, Breslau 1872,
Zuweisung unbeweisbar. 17 und Comment. philol. in hon. A. Reifferscheid, 1884, 31f.; gebilligt von
f) g) h): Herkunft aus RD ist möglich, doch unsicher. THULIN, Die etrusk. Disziplin, I 1906, 24.
i): Die zweifelhafte Quelle, der sonst nie belegte Titel und der kuriose Aus- Varro hat demnach auch die etruskische Blitzlehre heranaezogen
b '
in welchem
druck di breves lassen ein Schwindelzitat annehmen. Umfang, ist schwer zu sagen. F. MüNZER, Beitr. zur Quell. d. Naturgesch. des
k) l): Trotz der sicher überlieferten Angabe in secundo divinarum kann nur Plinius, 1897, 245 und W. KROLL, Die Kosmologie des Plinius, Breslau 1930,
Buch II der Res Humanae Quelle sein. Dort wurden die Irrfahrten des Aeneas 38 führten Plin. nat. 2, 138 über die römischen Blitzgötter Iuppiter und
behandelt; vgl. 0. GRUPPE, Commentationes philol. in hon. Mommsen, 1877, Summanus auf Varro zurück (vgl. auch RD I fr. 42).
543; MrnscH, Leipz. Stud. 5, 1882: RH II fr. 10. Serv. Aen. 3, 256 fehlt bei Minerva als Blitzgöttin: Serv. Aen. 1, 42; 11, 259, Lact. Plac. ad Stat.
MrnscH wohl versehentlich. Theb. 1, 258.
Daß Varro die Schriften der Augurn selbst einsah, zeigt die Auguralformel
LL 7, 8. E. NORDEN, Aus altröm. Priesterbüchern, Lund 1939, 4f. weist auf
seine Bekanntschaft mit M. Valerius Messalla Rufus, Konsul 53, hin, der
55 Jahre dem Collegium augurum angehörte (Macr. 1, 9, 14).
M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 165
164 BURKHART CARDAUNS

Appendix Buch IV de quindecimviris sacrorum


a): Von L. H. KRAHNER, M. Ter. Varronis Curio de cultu deorum, Progr. fr. 56a/b: Direkte Benutzung Varros durch Laktanz wird durch die Ge-
Neubrandenburg 1851 (fr. 17), von A. RIESE, M. Ter. Varronis Menippearum nauigkeit der Zitierung, einschließlich der Widmung an Caesar, recht wahr-
reliquiae, 1865 (fr. V) und E. BoLISANI, I Logistorici Varroniani, Padua 1937 scheinlich; auch die Ausführlichkeit des Exzerpts legt diese Vermutung nahe.
(nr. 42 fr. V) dem Logistoricus Curio zugewiesen, von MERKEL dem 3. Buch Allerdings wäre das in den J nstitutiones die einzige Stelle; denn wo er sonst
Varro nennt, legen die Umstände doch Vermittlung durch andere Autoren
RD. Vgl. B. CARDAUNS41-45.
nahe. Die Heranziehung Fenestellas neben Varro (im App. zu fr. 1) spricht
b): Herkunft ungewiß. . .
c) : Hier ist nicht V arros liber de auguribus, sondern es smd von V arro die weder dafür noch dagegen, auch scheint er De opificio dei Varros Logistoricus
Tubero benutzt zu haben (vgl. HEISTERHAGEN,Varron. Stud. I Abh. Ak. Mainz
libri augurum zitiert (vgl. App. VIIIg).
d) e) f): Varros Name ist nicht überliefert, d) bietet zudem einen sehr ver- 1957, 158). Von den Laktanzkennern scheint nur A. MANCINI, De Varrone
Lactantii auctore, Studi storici 5, 1896, 229:ff. direkte Benutzung in den Insti-
stümmelten Text.
g): Erwähnung der Augurn oder der augurum libri:. tutiones anzunehmen (dagegen H. JAGIELSKI, De Firmiani Lactantii fontibus,
Diss. Königsberg 1912, 6 sqq., 49 sqq.; W. KuTSCH, In Lact. de ira dei l.
quaest. phil. 1933, 74). Unmittelbare Lektüre Varros, vielleicht nur zu diesem
Zweck, ist Laktanz durchaus zuzutrauen, und in jedem Falle ist sein Auszug
so zuverlässig, als wenn er direkt aus Varro genommen wäre.
Das Zitat reicht von § 7 in indirekter Rede bis § 12. Laktanz erwähnt den
Katalog noch inst. 4, 15, 27, in der Epitome und de ira dei 22, 5, 6; 23, 2, wo
er seine Quelle noch einmal eingesehen haben muß, da er neue Einzelheiten
hinzufügt (fr. 2). fr. 1 ist also kein vollständiger Auszug, sondern gekürzt.
Von Laktanz abhängig sind Hieron. adv. Iovin. 1, 41; Aug. civ. 18, 23;
Isid. or. 8, 8 und Philarg. Verg. ecl. 4, 4, rec. I).
Dazu kommt die sog. griechische Sibyllentheosophie (MRAS,WSt. 28, 1906;
H. ERBSE, Fragm. griech. Theosophien, Hamb. Arb. zur Altertumswiss. 4,
1941, 28ff.) die wieder bei Lyd. mens. 4, 47 vorliegt.
Zwei Erklärungen werden für den Namen der Sibylle vorgetragen: die erste
Seherin habe Sibylla geheißen und der Name sei auf die anderen übergegangen
(vgl. Pausan. 10, 12; Arrian FGrHist 156 F 95), oder aber er sei vom Aeolischen
abzuleiten und bedeute „Rat Gottes". Vom Aeolischen ß6H01: leitet Varro
das Wort Bulla her (Plut. qu. Rom. 101); er scheint es für die Sprache der
Arkader des Euander gehalten zu haben (Lyd. mag. 1, 5; fr. 295 Fun.) und
hat auch LL 5, 21. 25. 101. 102. 175 Etymologien aus dem Aolischen. Moderne
Deutungsversuche des Namens bei RzACH, RE II A 2074f.
Die persische Sibylle wird nur an dieser Stelle genannt, auch über Varros
Gewährsmann Nikanor (FGrHist 146 F 1) wissen wir nichts (W. KROLL, RE
XVII 272). Offenbar hielt Varro, der die chronologische Reihenfolge beachtete,
diese Sibylle für die älteste. Auch die Hydromantie hat er im Log. Curio auf
die Perser zurückgeführt (Aug. oiv. 7, 35). Zur libyschen Sibylle vgl. RzACH,
RE II A 2096 nr. 16. Pausan. 10, 12, 1 kennt sie als älteste weissagende Frau.
Ein Tragödientitel Lamia ist sonst nicht bekannt, doch zitiert Diodor 20, 41
zwei Verse (fr. 922 NAUCK) wohl aus dem gleichen Stück (vgl. WILAMOWITZ,
Analecta Euripidea 159; Hermes 54, 1919, 51, 1; SCHMID,Gesoh. d. gr. Lit. I
3, 1, 1940, 626).
166 BURKHART CARDAUNS M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 167
Die delphische Sibylle (RZACH, RE II A 2089f. nr. 8) ist bei Pausan. 10, l~n. Nach welchen Kriterien sich Varro dabei richtete, läßt sich nur vermuten.
12, 1 die zweitälteste; Solin. 2, 18 setzt sie vor den trojanischen Krieg. Chry- die Maßnahn:ien des ~enats nach dem Kapitolsbrand, als man an verschieden~
sipps Schrift, bei Cic. div. 1, 3, 6, Philodem und Diogenes Laertius zitiert Ort~ um Spruch~ schickte, könnten hier von Bedeutung gewesen sein.
(SVF II 1183, 1191), umfaßte zwei Bücher. Die chronologische Or_d~~ng ist noch deutlich. Die Libyssa und die Delphica
Die kimmerische Sibylle (RzACH, RE II A 2095 nr. 12) wurde von Naevius werden auch sonst als die altesten genannt; die Cimmeria muß in die Zeit des
im Zusammenhang mit Aeneas genannt (vgl. Origo gent. Rom. 10, 2; Verf. Aeneas gesetzt _werden, die Sa~ia setzt Hieronymus zur 17. und 28. Olympiade
Hermes 89, 1961, 363). Eine griechische Quelle kannte Varro anscheinend (7~2 u. 666), die Cumaea gehort zu den Tarquiniern, die Hellespontia in die
nicht, doch erwähnt Strabo 5, 4, 5 ein Totenorakel am Avernersee. Piso schöpfte Zeit des Solon und Kyros , d . h . d ie
· Cumaea is
· t unter T arqmmus
· · Pnscus
· anzu-
wohl auch aus Naevius, der vielleicht als erster die Cimmeria in die Literatur setzen und geht deswegen der Hellespontia vorauf.
einführte. Mit der Cumana hat Varro sie jedenfalls noch nicht gleichgesetzt. Zum Sibyllen_katalog zuletzt Antonie WLOSOK,Cumaeum carmen: Sibyllen-
Die erythraeische Sibylle (RzACH, RE II A 2084 nr. 2) war im Altertum die orakel oder Hesi~dgedicht ?, Fs. Pellegrino (gegen G. RADKE, Vergils Cumaeum
berühmteste; Herakleides Pontikos ist der erste, der sie erwähnt und Herophile carmen, Gymnasmm 66, 1959, 217-246), 1975 (?,mir im Manuskript zugänglich).
nennt (Clem. Al. strom. 1, 21; fr. 130 Wehrli). Apollodor von Erythrai ist
anderwärts völlig unbekannt (FGrHist 422), ebenso der fr. 56b neben ihm ge- .. fr. ~6 c: Der Ankauf ~er sibyllinischen Bücher ist in mehreren Fassungen
nannte Aristonicus, vielleicht derselbe, der Serv. auct. Aen. 3, 334 wohl aus ~berhefert (vgl. J. GAGE, Apollon Romain, 1955, 27f.). Bei Laktanz (fr 1
V arro zitiert wird. S -~Of.) verkauft die S~~ylle selbst,_ Amalthea, die Bücher dem Tarquinius
Die samische Sibylle (RZACH, RE II A 2087) fand Varro bei Eratosthenes Pnscus um 300 G~ldstucke. Nur hier wird ausdrücklich Tarquinius Priscus
von Kyrene, der sie wohl in seinen Chronographiai erwähnte. genannt, sons~ meist Superbus oder Tarquinius ohne Beinamen. Plin. nat.
Die cumaeische Sibylle (RzACH, RE II A 2091 ff. nr. 11) erscheint unter 3~, 22 ~nd Sohn 2, 16 weisen allerdings auch in die Regierungszeit des Tarqui-
drei Namen: Demophile (Demo Pausan. 10, 12, 8 nach Hyperochos von Cumae), nms Pnscus.
Herophile (sonst meist Name der erythraeischen Sibylle, mit der die Cumaea Die Philippe_i (vgl. ~ELTMANN,RE XIX 2196ff.), nur bei Laktanz und Serv.
oft gleichgesetzt wird) und Amalthea, welchem Namen Varro offenbar den fe_n. 6, 72 erwahnt, smd streng genommen ein Anachronismus, aber zu Varros
Vorrang gab. Diesen Namen hat auch Tibull aus Varro übernommen (vgl. Ze~t wurde~ eben Goldstücke so bezeichnet. Für das Alter der Sage lassen sich
Verf. Hermes 89, 1961, 357ff.) und Serv. Aen. 6, 72 (fr. 56c) heißt so die Alte, kerne Schlusse daraus ziehen (so RADKE, Gymn. 66 1959 220 A.16) d d"
zug•nac ht rag 1·ic h emgedrungen
„ -
sein kann.
, , , a ieser
die Tarquinius die Bücher anbietet. Mit der kretischen Amme des Zeus hat sie
vielleicht deshalb den Namen gemeinsam, weil zwischen Ziege und Weissagung Die Ve~bren~u1;1:gvor. dem Könige findet sich noch bei Gell. 1, 19, nach
Zusammenhänge zu bestehen scheinen (vgl. fr. 57 und Hermes 89, 359 A.1). a~de_ren gm~ die Uberbrmgerin jeweils fort und kehrte mit dem Rest wieder,
Die hellespontische Sibylle (RzACH, RE II A 2081 ff. nr. 1) stammte aus wie im : 0 rheg~nden Fragment, das aber in allen anderen Einzelheiten mit
Marpessos (so der Name bei Pausan. 10, 12, 3 und Tibull 2, 5, 67; bei Laktanz ~:m Bencht be~ La_ktanz so genau übereinstimmt, daß man es auf Varro zurück-
wohl verschrieben) bei Gergis bzw. Gergitha oder Gergithum, wo man ihr fuhren mu~- J?ie Sibylle tritt vor dem König als unbekannte Alte auf und wird
Grab zeigte. Herakleides Pontikos hat über die Sibyllen gehandelt (fr. 13(}-141 e~st nachtr~ghc~ erkannt; daher ist es kein Widerspruch, wenn Serv. Aen. 6, 72
Wehrli); zur Verbindung mit Kyros vgl. Nikolaos v. Damaskus (FGrHist mcht ausdruckhch von der Sibylle vor Tarquinius spricht.
90 F 67 /68).
Die phrygische Sibylle (RZAcH, RE II A 2088 nr. 5) ist sonst nicht bekannt. fr. ~7: ~ie Verbesserung des_ Textes durch „amissam" ergibt guten Sinn,
Die tiburtinische Sibylle (RzACH, RE II A 2096 nr. 14) Albunea war eigent- doch ISt di~ starke Korrupte! im Lugdunensis schwer zu erklären· möglich
lich eine Quellnymphe (WrnsowA, RE I 1337; ST. WEINSTOCK,RE VIA 833f.) .. daß .doch mit.. ,,amissam
· " d er F e hl er nur verdeckt, aber nicht geheilt ' ist. '
Auch sie hat Tibull 2, 5, 67ff. übernommen: quasque Aniena sacras Tiburs per . Mi~ der H~hle kann nur die der cumaeischen Sibylle gemeint sein, die schon
fiumina sortes Portarit sicco pertuleritque sinu. Wir haben hier zwei Versionen Timaws ~rwahnte (aus Lykophron 1276f. und Ps.-Aristot. mirab. 95 p. 838a
einer Legende, die wohl beide bei Varro gestanden haben. Auch die Namen z~ erschließen). Ihr~ Auffindung muß wohl eine Rolle in der cumaeischen
S~byllenlegende gespielt haben ähnlich wie in Delphi, wo nach Diodor 16 26
Herophile (für die marpessische Sibylle) und Phoeto darf man aus Tibull
wohl für Varro in Anspruch nehmen. f Ziegen den Erdspalt entdeckten. '

Die zehn Sibyllen bei V arro stellen sicher eine bewußte Auswahl dar (RZAcH _ fr. 58: Zur Verwendung von Blättern vgl. H. DrnLS, Sibyllin. Blätter 1890
06
a.a.O. zählt 19). Mart. Cap. 2, 159 polemisiert gegen die Zahl von zehn Sibyl- A. 4 ; E. NORDEN, Vergil Aeneis VJ 4 143. Palmblätter als Schreibm~terial
168 BURKHART CARDAUNS
M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 169
bei Varro ap. Plin. nat. 13, 69. Hier ist an die ursprünglichen Aufzeichnungen
der Seherin gedacht, nicht an die in Rom aufbewahrten Bücher. Die Schil- Gebietes in Rom, Lund 1954 , 1 ff ·,· 28 f •,• neuere Li·t . V . B U0HHEIT Verg"°lu··b
derung, die V ergil vom Orakel gibt, geht vielleicht zum Teil wenigstens auf d. Send. Roms, 1963, 121. ' " ·
V arro zurück. Zu Hercules bei Varro vo-1 Macr 3 12 6 fr 20 M S A
Ü . °:'· · ' , · en.; erv. en. 8, 564.
ber_ den Graecus ritus m Verbindung mit den Quindecimviri muß Varro
fr. 59: Antistita ist die Seherin wie Ovid met. 13, 410 Kassandra Phoebi
a~ch hier gesprochen haben; vgl. LL 7, 88: et nos dicimus XVviros Graeco
antistita; auch die Quindecimvirn heißen antistites: Cic. div. 2, 112; Liv. 10,
ritu sacra, non Romano fa~ere. Daß Varro selbst dem Kollegium ano-ehört
8, 2. habe, hat C. CIOHORIUS,Rom. Studien 198ff. wahrscheinlich zu mache°
sucht; Beweise haben wir allerdings nicht (J GAGE A ll R . n ver-
fr. 60: Dionysius zitiert 4, 62 Varros RD als &e:oAoyrn.~ 1tptXyfJ-tX't"dtX
am 700)_ · , po on omain, 455 u.
Ende des Berichts über den Verkauf und die weiteren Schicksale der sibylli-
nischen Bücher. Den Verkauf erzählt er von Varro z. T. abweichend und wird
wohl dort auf die Annalistik zurückgreifen, desgleichen in der Erzählung vom
Tode des M. Atilius unter Tarquinius. Auch im Folgenden ist nicht alles mit
Sicherheit auf Varro zurückzuführen (vgl. RADKE, Gymn. 66, 1959, 219ff.),
weshalb ich das Fragment erst mit dem Brand des Kapitols (6. Juli 83, die
Angabe des Dionysius stimmt nicht) beginnen lasse. Eine genaue Grenze ist
in diesem Falle schwer zu ziehen.
Über die Wiederherstellung der Sammlung berichtet Fenestella bei Laktanz
(App. zu fr. 56a). Varro kannte Q. Lutatius Catulus, der mit dem Wiederauf-
bau des Kapitols beauftragt wurde (Gell. 2, 10, 2), und C. Scribonius Curio
(den Titelträger seines Logistoricus Curio), auf dessen Antrag der Senat eine
Gesandtschaft nach Erythrai beschloß, um sibyllinische Sprüche nach Rom zu
holen. Auch an anderen Orten wurde gesammelt: Tac. ann. 6, 12 nennt Samos,
Ilion, Erythrai, Afrika, Sizilien und italische Kolonien.
Als Kriterium der Echtheit wählte man das Akrostichon. Dazu ist vor allem
Cicero div. 2, 54 zu vergleichen, aus dem hervorgeht, daß man Sibyllinen mit
Akrostichis für echt hielt (vgl. H. DrnLS, Sibyll. Blätter, Berlin 1890, 25ff.;
E. VoGT, Ant. u. Abendl. 13, 1967, 90f.; anders RADKE, Gymn. 66, 1959,
225).
Auf Varro werden die meisten Angaben Fenestellas bei Laktanz zurück-
gehen; unbrauchbar sind aber die Behauptungen bei Serv. Aen. 6, 36 (zu
fr. 56c), obwohl sie unter Varros Namen stehen, dessen Ansicht aber völlig
verzerrt wiedergegeben wird.

fr. 61: Die Notiz ist in zwei Fassungen bei Servius und Macrobius überliefert.
Bei beiden sind die Angaben über die Tempel durch „sed" bzw. ,,autem" vom
Varrozitat abgesetzt und müssen hier außer Betracht bleiben.
MERKEL teilte das Fragment dem V. Buch de sacellis zu (er dachte an die
Ara Maxima), doch läßt sich die Überlieferung (libro IV) halten, wenn man an
den Zusammenhang mit dem Graecus ritus denkt, für den der Kult an der
Ara Maxima das bekannteste Beispiel war.
Vgl. zu Hercules Victor bzw. invictus: BAYET, Les Origines de l'Hercule
romain, Paris 1926, 326; H. LYNGBY, Beitr. zur Topogr. des Forum Boarium-
BURKHART CARDAUNS M. Terentius Varro ant·iqm ·t at es rerum d1vmarum
.. 1 71
170
Der Rhotazismus asa-ara wird von der S rachfo h .. . .
Buch V de sacellis Zusammenhang mit ansa (LL 5 38. W p rsc ung bestatigt, mcht der
Allgemeine Lit.: MARQUARDT152ff.; W1ssowA 467ff.; REISCH, RE I 1640ff. MEILLET 75 u. 80 · COLLART Var' n' LA_LDEL-HOFMANN 61 u. 65; ERNOUT-
' ' ran e ing. at. l. V 168) Mi R ·
1691; II 338f.; ROSENBERG,RE I A 1625; SAMTER, RE VI 1995f.; A. DE IDUS ha~ Varro auch sonst gerechnet: LL 7. 26/27; fr. 2io Fun. t hotaz1s-
MARCH!,RFC 25, 1897, 513f. Zur rituellen Berührung des Altars v 1 C S . .. .
und Römer 1890 192 · R R g. . ITTL, Die Gebarden der Griechen
fr. 62: sacra cella ist keine Sachdefinition des sacellum, wie die Fragmente 1927 33 u '69· G AP;E E~sc~, E I 1690; FR. ScHWENN, Gebet und Opfer.
lehren, sondern nur Etymologie, wie sie auch C. Trebatius im 2. Buch de Thes'. L. L. 386 7ff. L L, e amanarum precatianibus, RVV 7, 2, 1909 194:
· , . , ATTE201; LATTE, RE IX 1128. ' '
religionibus gab (Gell. 7, 12, 5). Die richtige Erklärung als Deminutivform
haben Gell. a.a.O. und Priscian 3, 38 (GL II 111, 11). Die Sachdefinition des
Trebatius dürfte auch für Varro gelten (Gell. 7, 12, 5): sacellum est locus
parvus deo sacratus cum ara. Wissowa 469, 6 definiert die sacella nach Tre-
fr. 67: Die Altäre auch Lyd. mens. 4 2 65
Beziehung des Ianus zu den Kalenden a~ci;fr 2'0~
für Ianus an den Kalenden durch d R .
i. .
aus Fontems. ~ultische
( yd. mens. 4, 2). Ern Opfer
Al .. en ex sacrarum an den von V
batius und Fest. 318 als „offene Altäre mit Einfriedigung" und „Heiligtümer ten taren hat WrnsowA erschlossen (103f .. W. F arro genann-
in Kapellenform". dagegen LATTE 135). Der Ort der Alt··are 1s
. t' un b ekannt.
. OTTO, RE Suppl. II 1177;

fr. 63: Das Selbstzitat Varros „ut prima libra dixi de lacis" bezieht man
fr. 68: Varros Etymologie bei Paul. Fest. 85· 0
am besten nach MERKEL p. CXVII auf dieses 5. Buch, das erste der Dreier- von WALDE-HOFMANN521 u ER M ' v. fast. 6, 301; abgelehnt
gruppe de locis. Der Anfang des XVI. Buches kommt nach der Formulierung . . · N0UT- EILLET 432f
Die f aci sind hier anders als fr 3 d. e f l" (LL .
auch in Betracht. (vgl. LL 5, 184 ut in prima libra dixi, i.e. LL 5, 10), paßt die das Voropfer ~mpfingen u db _1k ~cu i 6, 14), tragbare Feuerbecken,
aber sachlich nicht. Nicht ganz auszuschließen ist das erste Buch RD, aber 417,2u.5·475 8·LATTE RE~1t~7)e~em Opfer fehlen durften (WrnsowA
ein Passus de locis ist dort nicht zu erwarten. Zur Verbindung mit dem Thema besonders 'nen~t 'steht dah1"n k.. . t arum Varro die faci auf dem Kapitol
' , es onn en besonders ·· ht" G f
des Buches vgl. fr. 65. feste kleine Brandstätten o-ewesen sein. . prac ige e äße oder
0

fr. 64: Die Buchzahl ist verderbt, eine sichere Zuordnung daher kaum
möglich. Nur wegen fr. 63 und 65 hat das Stück hier seinen Platz gefunden. Appendix
Die Ergänzung von Tellus ergibt sich aus dem Vergleich mit RR 1, 1, 5. V Etymologie von fanum k ann mit. eimger
füra):RDDie . . Wahrscheinlichkeit aucl
fr. 65: Da die Behandlung der arae durch fr. 66 u. 67 hier gesichert ist und b): Ein:~~:~!1::grd~:~ e;:sprMeche_ndder von sacellum, ara und facus. l
a axima erwartet man h t R
das Fragment auf einen systematischen Zusammenhang weist, besteht die d och könnte von den Opfern dort auch RD X . am e_ ~s _en D V,
menhang mit dem römischen O f ..b h III de sacris publicis im Zusam-
Zuweisung MERKELSzu Recht.
Der Widerspruch zu fr. 63 (caelestes und terrestres) läßt sich beheben, wenn gilt auch für c) (von MERKEL d p e1r3uBerhaupt g~handelt worden sein. Das
em • uc zugewiesen).
man die inferi den terrestres zuordnet (vgl. fr. 28; LL 5, 66; fr. 259). Ähnliche
Zuteilung der Opferstätten an die Götter Paul. Fest. 29; Lact. Plac. in Stat.
Theb. 4, 459 u. a. Den Tatsachen des Kultus und dem Wortgebrauch entspricht
Varros Einteilung nicht (Wrnsow A 417 A. 2), er selbst nimmt wenig Rücksicht
auf sie, wenn er fr. 67 von arae des Ianus spricht, der doch sicher zu den
caelestes rechnet (vgl. fr. 230ff.). Merkwürdig sind die faci für die inferi, wenn
man nicht annimmt, daß Varro hier an den häuslichen Kult der Laren dachte,
die er mit Manen und Larvae gleichsetzt (fr. 209). Keine sichere Unterschei-
dung erlaubt die Notiz bei Macr. 3, 2, 3 (Veranius ex I. Pictaris): in altaria
aramve facumve.
fr. 66: Die Ergänzung aus Macrobius stellt auch bei Servius den ursprüng-
lichen Sinn wieder her: vasa konnte vor eas a leicht ausfallen, und dann wurde
ut überflüssig.
M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 173
172 BURKHARTÜARDAUNS
Nach Augustin sprach Varro von den Epulones, ubi Capitolina iura pandebat,
Buch VI de sacris aedibus also wohl bei der ausführlichen Behandlung der kapitolinischen Heiligtümer.
Allgemeine Lit.: MARQUARDT153ff.; H. JORDAN, Über die Ausdr~cke aed~s Doch vgl. auch fr. 40ff.
templum fanum delubrum, Hermes 14, 1879, 567-583; AusT, De aedibus sacris
populi Romani, Diss. Marburg 1889; HABEL, RE I 444f.; Wrssow A, RE IV fr. 72: Der Grammatiker bezog ea offensichtlich auf canalis, weil wegen des
2702f.; Thes. L. L. I 911, 51 sqq.; V 471, 41 sqq.; W1ssowA 467ff.; ST. WEIN- Femininum zitiert wird. Aber natürlicher läßt sich ea zu templa stellen und
STOCK,RE VA 480ff.; LATTE 415. übersetzen: eine Rinne trennt diese Tempel. MERKEL verglich p. CXXXVI
Liv. 23, 31, 9 (Tempel der Mens und der Venus Erucina 215 v.): utraque (aedis)
fr. 69: Der erste Teil der Serviusnotiz ist ungeklärter Herkunft. Mit idem in Capitolio est, canali uno discretae. Die Übereinstimmung ist offensichtlich
beo-innt jedenfalls ein neues Zitat. Zwar ist von loca sacra die Rede, worunter (vgl. JORDAN, Topographie I 2, 1885, 42 A.42; PLATNER-ASHBY339; LUGLI,
au~h die sacella fallen, doch braucht man an der Richtigkeit der Buchzahl Roma antica, II 1956, 31).
deswegen nicht zu zweifeln. Die meisten aedes sacrae hatten eine area u1:1sich,
wenn sie auch oft sehr klein gewesen sein mag (vgl. fr. 70), aber wemgstens fr. 73: Über den Bau des Saturntempels gab es mehrere sich widersprechende
für den Brandaltar mußte ein Platz da sein. Bemerkenswert ist der Rationa- Überlieferungen. Dion. H.6, 1, 4 stimmt mit Varro im wesentlichen überein.
lismus mit dem der Feuerschutz geradezu als Grund für den Bau von Heilig-
tümer~ angegeben wird; vgl. dazu Plut. qu. Rom. 27: die Mauer gelte als Appendix
heilig, damit man tapfer für sie kämpfe. .. a)-f): Viele dieser Angaben aus anderen Schriften Varros dürften auch
Flucht bei Brandgefahr wird ebenfalls durch die freien Plätze der Heilig- RD VI nicht gefehlt haben. Sicherheit darüber läßt sich freilich nicht gewinnen.
tümer ermöglicht, vgl. Cic. leg. agr. 2, 36: sunt enim loca_P_ublicaurb~s, su~t g): Zu dieser m. W. bisher unbeachteten und noch nicht ganz erklärten
sacella, quae post restitutam tribuniciam potestatem nerr:oattig_it,~uae mai~res in Notiz vgl. den Kommentar zu fr. 18. RD I und VI kommen als Quelle in
urbe <partim ornamenta urbis> (suppl. Clark) partim periculi perfugia esse Betracht, ohne daß andere Schriften wie der Logistoricus Curio oder VPR
voluerunt. ausgeschlossen werden können.
h): Von Riposati für VPR in Anspruch genommen.
fr. 70: Wieder liegt eine Doppelfassung bei Serv. und Macr. v~r; bei beiden i): Die Erzählung von der Überlistung des Sabiners durch den römischen
ist die Buchzahl verderbt, doch ist nur an RD VI zu denken. Die auffallende Priester beim zukunftsträchtigen Opfer für Diana, von Plutarch unter Be-
Verderbnis könnte sich durch Mitzählen der RH erklären lassen (G. THILO, rufung auf Juba und Varro erzählt (vgl. Liv. 1, 45; Val. Max. 7, 3, 1), könnte
Quaest. Servianae, 1867, 25; 0. GRUPPE, Comment. phil. Mommsen, 1877, 543). auch in Varros Aetia gestanden haben.
Serv. Aen. 2, 225 gibt die fehlende etymol. Begründung für die erste Erklä-
rung: quia uno tecto diluitur. Die beiden anderen Erkl~rungen beru_hen auf der
Ableitung von deus. Allgemein gebilligt ist heute die Etymologie delubrum
von deluere, vgl. Cincius ap. Serv. Aen. 2, 225; Isid. or. 15, 4, 9; Schol. Gronov.
in Cic. div. in Caec. p. 382 Or.; WrssowA, RE IV 2702; WrnsowA 469; WALDE-
HOFMANN338.
Zum Tempel des Iuppiter Stator am Circus Flaminius vgl. W1ssow A 123;
JoRDAN-HUELSEN 1907, 538ff.; PLATNER-ASHBY304f. Er wurde als erster
mit einer Säulenhalle umgeben (Vitruv. 3, 2, 5; Vell. 1, 11, 3). Varros dritte
Erklärung mag von ihm für richtig gehalten worden sein, doch ist fraglich, ob
Macrobius' Bemerkung dazu aus eigener Lektüre stammt.

fr. 71: Ein Bildwerk der kretischen Ziege Amalthea auf dem Kapitol ist
sonst nicht bekannt (vgl. W1ss. Ges. Abh. 291f.). Zum epulum Iovis vgl.
MARQUARDT348f.; W1ssowA 423; KROLL, RE IX 2013f.; LATTE 377. Spott
bei Seneca ap. Aug. civ. 6, 10 p. 268, 24; Arnob. 7, 32.
174 BURKHART ÜARDAUNS M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 175

Buch VII de locis religiosis Buch VIII de feriis


Zu den loca religiosa gehören nicht ausdrücklich konsekrierte, aber durch Für die feriae publicae besitzen wir Varros Ausführungen LL 6, 12-26
eine religiöse Scheu geschützte Örtlichkeiten, z.B. sepulcra, sacella privata, (App. VIIIa), im wesentlichen wohl ein Auszug aus RD VIII. In chronolo-
doliola, der lacus Curtius u. dergl. Vgl. MERKEL p. CXLV sqq.; MARQUARDT gischer Folge behandelt er dort zuerst feriae diebus statutae (6, 25), darauf
146:ff.; WrssowA 386, 1; 468, 4. 7; 477:ff.; LATTE 100f. f eriae annales nec die statutae und f eriae conceptivae quae non sunt annales
(6, 26). Sonst werden diese Gruppen auch feriae stativae, conceptivae, impera-
fr. 74: Die bekannte Freveltat der Tullia, die ihren Wagen über ihren Vater tivae genannt (Macr. 1, 16, 5; vgl. WrssowA 440). Diese Einteilung darf man
hinweglenkte, soll zur Benennung des Vicus Sceleratus geführt haben, auf den auch für RD VIII annehmen. LL 6, 27-32 folgen die profanen Tage, die aus-
sich unser Fragment vermutlich bezieht. Vgl. Liv. 1, 48, 6; Ov. fast. 6, 587:ff.; führlich in den Res Humanae behandelt wurden (vgl. J. PAOLI, Les definitions
Varro LL 5, 159; Dion. H. 4, 39, 5; BöMER 96. 378; ScHACHERMEYR, RE IV A varroniennes des jours fastes et nefastes, Rev. Rist. de Droit (RD) 30, 1952,
2381. MERKELp. CXLV verglich Pausan. 9, 25, 2 O-UPfL<X 'Av·ny6vY)~- 293-327).
Literatur: W. W. FowLER, The Roman Festivals, London 1899/1908;
fr. 75: MERKEL dachte hier an M. Manlius Capitolinus (Varro ap. Gell. WrssowA 432:ff.; ders. RE VI 2212f.; LATTE 206; P. BRAUN, Les tabous des
17, 21, 24; MERKEL p. CXXXIV), doch liegt es näher, eine enge Verbindung ,Feriae', Annee sociologique S. III 1959, 49-125.
mit fr. 74 herzustellen und die Worte auf die Wirkung der Tat der Tullia auf
das Volk und Tarquinius zu beziehen. fr. 76: Die Erklärung februm-purgamentum gibt Varro auch fr. 231. An
beiden Stellen ist februm überliefert, sonst stets febriium bzw. februa (Paul.
Appendix Fest. 85; Serv. auct. Aen. 8, 343). Da indogermanische Herkunft des Stammes
wahrscheinlich ist (WALDE-HOFMANNI 472), kann das Wort auch im Sabini-
a) Von der ficus Ruminalis kann Varro im 7. Buch gehandelt haben, doch
schen vertreten gewesen sein, wie Varro behauptet.
zeigen fr. 113 (Rumina) und App. Xa (de scaenicis originibus) andere Möglich-
Zum Luperkalienfest, dessen Sühnecharakter Varro hervorhebt, vgl. L.
keiten der Beziehung. DEUBNER, AfRw 13, 1910, 481-508; WrssowA 209f.; MARBACH,RE XIII
b) Die favisae Capitolinae werden bei Gellius eingehend behandelt, jedoch
1816:ff.; H. J. RosE, Mnemosyne S. II 60, 1932, 385-402; C. KocH, Der röm.
nicht ausdrücklich als loca religiosa bezeichnet. Möglich ist auch, daß Varro
Juppiter, Frankfurt 1937, 97f. 113; EvANS 242; BöMER 80f. 100:ff.; LATTE
sie im 6. Buch in die Beschreibung des kapitolinischen Tempels einbezog (vgl.
85f.; AGNES K. MICHELS, TAPhA 84, 1953, 35-59; J. GRUBER, Glotta 39,
fr. 71). 1961, 273:ff.; E. SACHS,AJPh 84, 1963, 266-279.

fr. 77: Varro sieht LL 6, 18 den Ursprung der Poplifugia (5. Juli) in Ereig-
nissen nach dem Galliersturm, als mehrere benachbarte Völker sich gegen Rom
verschworen. Da in der Überlieferung bei Macrobius 1, 11, 36-40 und 3, 2, 14
(auch Plut. Rom. 29 u. Camill. 33) dieser Angriff auf Rom mit der Erklärung
der Nonae Caprotinae am 7. Juli aufs engste verbunden und die Voraussetzung
für die Verknüpfung der beiden Feste ist, darf man dies auch für Varro anneh-
men. Die Beziehung der Poplifugia auf den Tod des Romulus (Plut. Rom.
27. 29) kann er als weitere Version ebenfalls verzeichnet haben. Literatur:
WrssowA 116; C. KocH, Der röm. Iuppiter, Frankfurt 1937, 92f.; W. KRAUS,
RE XXII 74-78; A. BRELICH, SMSR 31, 1960, 63:ff.; LATTE 128f.

fr. 78: Die bei Erdbeben angesagten feriae gehören zu den imperativae oder
conceptivae quae non sunt annales (LL 6, 26). Zum Piacularopfer bei Verletzung
der feriae vgl. Varro LL 6, 30 und Marc. 1, 16, 18 (App. VIIIe); WrssowA
392f. 441, 1; S. P. C. TROMP,De Romanorum piaculis, Leiden 1921; W. EHLERS,
RE XX 1179-1185; J. PAüLI a.a.O. (Einleitung B. VIII) 309:ff.
ßURKHARTÜARDAUNS M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 177
176
fr. 79: Das Verbot, Vieh zu waschen, auch Columella 2, 21, 2: pontifices Buch IX de ludis circensibus
negant lanarum causa lavari oves, nisi propter medicinam (ähnlich Macr. 3, 3,
Literatur zu den Büchern IX und X:
11-12; erlaubte Handlungen bei Cato agr. 2, 4). Bei Vergil georg. 1, 268ff.
L. KRAHNER, Über das 10. Buch der ant. rer. div. des Varro, Zeitschr. f. d.
scheinen die Verbote gelockert: rivos deducere nulla religio vetuit ... balantum-
Altertumswiss. 10, 1852, 385ff.; C. CICHORIUS,Über Varros libri de scaenicis
que gregem fluvio mersare salubri.
Vgl. Varro ap. Macr. 1, 15, 21 (App. VIIIf.); P. BRAUN, 83ff.; J. PAOLT313
originibus, Comment. in hon. 0. Ribbeck, Leipzig 1888, 415-430; K. WERBER,
Tertullians Schrift de spectaculis in ihrem Verhältnisse zu Varros rerum divi-
(oben Einleitung B. VIII).
narum libri, Progr. Teschen 1896; MARQUARDT504ff. 528ff.; WrnsowA 449ff.
460ff.; J. H. W ASZINK, Varro, Livy and Tertullian on the history of Roman
Appendix
dramatic art, VChr 2, 1948, 224-242; K. MEULI, MH 12, 1955, 228f.; W.
a): Daß für LL 6, 12 sqq. die Antiquitates als Vorlage gedient haben, be- HuPPERTH, Horaz über die scaenicae origines der Römer, Diss. Köln 1960
zeugt Varro selbst LL 6, 13 (fr. 76) und LL 6, 18 (fr. 77). Dennoch ist im einzel- (Düsseldorf 1961), 62ff.; J.-G. PREAUX, Ars Ludicra, Aux origines du thedtre
nen stets Vorsicht geboten; mit neuen Etymologien und Ergänzungen muß latin, AC 32, 1963, 63-77.
stets gerechnet werden (vgl. o. S. 162). Die Behandlung der ludi circenses vor den scaenici ergibt sich aus ihrem
b) c): Die Zitate bei Plinius, in denen Varro nur die astronomische Zeit- höheren Alter und der größeren Bedeutung für den Kult (MERKELp. CLIX).
bestimmung, nicht das Gründungsdatum der Feste zugeschrieben wird, be-
dürften einer genaueren Untersuchung in Verbindung mit varronischem Ma-
terial über Himmelserscheinungen und die Auf- und Untergänge der Stern- fr. 80: Tertullian spect. 5 sqq. (App. IXa) handelt über Ursprung und
bilder bei Lydus de mensibus und de magistratibus. Geschichte der Spiele nach Suetons ludicra historia. Dabei ist Varro direkt
d) e) f): Die Angaben bei Macrobius stammen aus Grammatikertradition oder indirekt benutzt (s. o. S. 127). Im ersten Falle wird Tertullian RD IX
und können verschiedenen Schriften entnommen sein. und X eingesehen haben, im zweiten Falle baute Sueton auf diesen Büchern
e): Herkunft aus RD VIII ist möglich; nicht aus RD III de auguribus (so und vielleicht auch auf der ausführlicheren Schrift de scaenicis originibus auf,
MERKEL); Varro zitiert selbst die Bücher der Auguren (scribit in(esse) haec wo im ersten Buch der Ursprung auch der ludi circenses behandelt wurde (die
verba MERKELcoll. Gell. 13, 14; Serv. Aen. 3, 537; 8, 95). Lupercalia fr. III Cich., App. Xa).
f): Der Name des Verrius Flaccus ist wohl verderbt (chronologische Gründe). Seiner Hauptquelle folgend beginnt Tertullian mit den Lydern-Etruskern
Vgl. J. PAoLI a.a.O. (oben Einleit. B. VIII) 319. und der Herleitung ,ludii a Lydis' (so auch Walde-Hofmann I3 828). Die
g): Herkunft aus VPR oder den Aetia möglich (für die Aetia G. THIL0, De varronische Etymologie ,ludii a ludo' erwähnt er zusätzlich in einer Weise, die
Varrone Plutarchi quaest. Rom. auctore praecipuo, Bonn 1853, 14). m. E. die Annahme nahelegt, hier werde ein Zitat Suetons wiedergegeben und
h): Die Unterscheidung von Palilia privata und publica spricht für die Res zwar aus den RD (diebus festis et templis et religionibus reputat). Die Ableitung
Divinae als Quelle, reicht für eine sichere Zuweisung aber kaum aus (cf. LL von den Lydern war allerdings auch Varro nicht unbekannt (VPR I ap. Non.
6, 15; RR 2, 1, 9). 530; s. 0. WEINREICH, Hermes 51, 1916, 405; F. MDLLER, Philologus 78,
1923, 61f.). Wegen der Zugehörigkeit zu den Luperkalien und dem Ursprung
der Spiele ist das Fragment zu RD IX gestellt (an RD X dachte E. SAMTER,
Quaestiones Varronianae, Diss. Berlin 1891, 38 Anm. 4).
Die Luperci sind nur hier als ludii bezeichnet; ,ludere' für einen kultischen
Umzug auch LL 6, 22: circumibant ludentes (sc. in armilustrio). Für den Lauf
der Luperci wird ,discurrere' häufig gebraucht: Ov. fast. 2, 285; Fest. 57;
Ps.-Aur. Victor, origo 22, 1: ludibundi discurrerunt; Min. Fel. 24, 3 (Thes.
L. L. V 1366, 16 sq.).
Zu den Luperkalien s. o. VIII fr. 1.

fr. 81: Sprachliche Verwandtschaft von ,instaurare' mit gr. crTowp6c;wird


von WALDE-HOFMANNI3 705f. angenommen, der Varros Deutung ablehnt
(trotz ERNOUT-MEILLET467).
178 BURKHART ÜARDAUNS M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 179
Die Erzählung von T. Latinius und der ersten instauratio der ludi Romani Buch X de ludis scaenicis
ist vor allem durch Cic. div. 1, 55 und Liv. 2, 36 bekannt (WrnsowA 454;
MÜNZER,RE XII 925), doch nur Augustin berichtet, daß die Spiele quadrupli- Literatur: L. KRAHNER, Zschr. f. d. Altertumswissenschaft 10, 1852, 385;
cata pecunia erneuert wurden (verdoppelte Summe nach Dion. H. 7, 73, 5). C. CrcHORIUS, Über Varros libri de scaenicis originibus, Comment. in hon.
Daher scheidet Livius als Quelle Augustins aus, und man kann an Varro RD IX 0. Ribbeck, Leipzig 1888, 415-430; W. HUPPERTH, Horaz über die scaenicae
denken (so MERKELp. CLIX). origines der Römer, Diss. Köln, Düsseldorf 1961, 62ff.

Appendix fr. 82: Macrobius zitiert Varro neben Cic. leg. 5 fr. 4 MÜLLERals Beleg für
umbraculum zu Verg. ecl. 9, 41: hie candida populus antro imminet et lentae
a): Zum Problem der direkten oder indirekten Benutzung Varros s.o. zu
texunt umbracula vites. Offenbar verstand Macrobius bzw. der Vergilkommen-
fr. 80 · kommentierte Ausgabe von E. CASTORINA,Firenze 1961. tar, seine Quelle, umbraculum als Schattendach oder Laube wie Varro RR 1,
h): 'von MERKELunter Hinweis auf LL 5, 154 (Taurii ludi) hierher gestellt.
51, 2, nicht als Sonnenschirm. MERKELp. CLXII vermutete eine Erklärung des
Der heillos verstümmelte Text erlaubt keine sichere Zuweisung und Deutung. Wortes scaena und verglich Serv. Aen. 1, 164: dicta scaena &no ,'iji; crluixi;;
apud antiquos enim theatralis scaena parietem non habebat, sed de frondibus
umbracula quaerebant. Befriedigend ist das nicht. Da von einer Vergünstigung
für die Magistrate gesprochen wird, ist eher ein Schutzdach für die Zuschauer
gemeint, nicht die Bühne. Doch ganz ungeklärt ist die Angabe in oppido.

Appendix
a): CrcHoRrus a.a.O. 417f. nahm eine gedrängte Wiederholung des Inhalts
der scaenicae origines für RD X an, was wohl zutreffen wird; zustimmend
WASZINKa.a.O. (oben zu RD IX) 242 A.41. WASZINKführt darüber hinaus
(p. 228) die Angaben bei Aug. civ. 1, 32; 2, 8; 3, 17 (RD X fr. 1 M.) über die
Einführung der ludi scaenici auf Varro zurück; eher ist an Livius 7, 2 als Quelle
zu denken (H. HAGENDAHL,Aug. and the Latin Classics, Studia Gothob. XX
1967, 199).
h): Ein Titel „ludi theatrales" ist für Varro sonst nicht bezeugt; außer RD X
können auch die Schriften de scaenicis originibus oder de scaenicis actionibus
gemeint sein (so MERKELp. CLXII).
M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 181
180 BURKHART CARDAUNS

Buch XI de consecrationihus Buch XII de sacris privatis


Es ist nicht mit Sicherheit zu sagen, was Varro in diesem Buch behandelt Neben den Riten des römischen Hauses (MARQUARDT 121 ff.; A. DE MARCHI
hat. Consecrationes sind einerseits alle Kulthandlungen, durch die eine Weihe Il cult~ privato di Roma antica, Mailand 1896/1903; E. SAMTER,Familienfest~
vorgenommen wird, z.B. Tempelweihungen (vgl. MARQUARDT 269ff., WrnsowA der ~riechen und Römer, Berlin 1901; ders. Geburt, Hochzeit und Tod, Leipzig/
385. 473. 477), aber auch die Weihe bzw. Vergöttlichung des Verstorbenen. Berlm 1911; WrnsowA 398ff.; M. RENARD, Croyances et s1.1,perstitionsde table
Belegt ist dieser Gebrauch des Wortes für varronische Zeit bei Serv. Aen. 5, dans la Rome antique, Coll. Latomus 46, 1961) können auch besondere Gentil-
45 (vgl. App. Ia): Varro (fr. 425 GRF) et Ateius (fr. 12 GRF) contra sentiunt, kulte hier besprochen worden sein. Es fällt auf, daß die sacra privata hier den
dicentes divos perpetuos, deos qui propter sui consecrationem timentur, ut sunt sa~r~-pu~lica voraufgehen; möglich, daß Varro jenen die Priorität zubilligte
dii manes. K. WERBER, Tertullians Schrift de spectaculis in ihrem Verhältnis zu mit ahnhcher Begründung, wie er sie fr. 5 für den Vorrang der Res Humanae
vor den Res Divinae gab.
Varros rerum divinarum libri, Progr. Teschen 1896 p. 8 nahm (nach KRAHNER)
für dieses Buch die Behandlung der ludi funebres, der Gladiatorenspiele an, fr. 85: Übersetzung: ,,Ebenso wie nämlich die Bürgerschaft aemeinsam die
eine ansprechende Vermutung, die auch eine sinnvolle Einordnung von fr. 83 Götter verehren muß, so müssen auch wir es einzeln, jeder mit s:inem Hause."
ermöglicht. Erwähnt werden ludi funebres fr. 210. Zur Consecratio vgl. Wrnsow A, Die Zuweisung zum ersten Buch (so AGAHD) ist nicht auszuschließen.
RE IV 896-902; W. EISENHUT, Kl. Pauly I 1278. Vgl. Varro ~en. fr. 265 (Non. 543): quocirca oportet bonum civem legibus parere,
deos colere, in patellam dare µrnpov xpfo,;.
fr. 83: Da zu den ludi funebres auch tragische Aufführungen gehören, kann
die überlieferte Buchzahl richtig sein; Varro müßte dann allerdings öffentliche
und private Aufführungen in den Büchern X und XI getrennt behandelt haben.
Nonius 194 zitiert im Anschluß an das vorliegende Fragment: Accius didas-
calicon lib. VIII: actoribus manuleos baltea machaeras (fr. 7 GRF, fr. 12 FPL).

fr. 84: Zur mensa vgl. H. MISCHK0WSKI,Die hl. Tische im Götterkultus der
Griechen und Römer, Königsberg 1917; prosicies und porricere sind Ausdrücke
der Sakralsprache; exta porricere Thes. L. L. V 1964, 64. Welcher Kultakt
hier gemeint ist, muß offen bleiben.
182 BURKHARTCARDAUNS M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 183

Buch XIII de sacris publicis Buch XIV de dis certis


Literatur, bes. zu den Indigitamenta:
fr. 86: Das Zitat fehlt bei MERKEL (bei ihm dafür Plut. qu. Rom. 90, j~tzt
AGAHD,123 sqq.
App. V c}, worauf EMANUELAM1sDARIISaufme~ksam _machte (Sulla ~atazione E. BrnKEL, Der altrömische Gottesbegriff, 1921, 23ff. 34, 54ff.
e alcuni nuovi frammenti delle Antiquitates rer. div., Udme 1965; vgl. Literatur- E. BICKEL, Varros di certi und incerti, Phil. Woch. 41, 1921, 832-838.
verzeichnis s.f.). Die genaue Zuordnung des Fragments ist noch offen. Zu E. BICKEL, Geschichte der röm. Literatur, Heidelberg 1937 (2. A. 1961), 326f. 426.
amuletum vgl. Thes. L. L. I 2025. E. BICKEL, Gnomon 14, 1938, 264-268 (Rez. Lindemann).
A. v. DOMASZEWSKI, Dei certi und dei incerti, AfRw 10, 1907, 1-17 (Abh. zur röm.
Religion, Leipz.-Berlin 1909, 155-170).
Appendix G. DUMEZIL,La religion romaine archaique, Paris 1966, 46ff.
a): Herkunft aus RD ist möglich; wenn man sie bejaht, ist d~e Notiz _recht W. EISENHUT,Der Kleine Pauly II (1967), 1395ff. s. v. Indigitamenta.
S. FERRI, Osservazioni ai nomi di alcuni dei „Indigetes", Rendiconti della Ponti-
wahrscheinlich den öffentlichen Opfern zuzuordnen. Wo V arro die V estalmnen ficia Accad. di Archeologia 37, 1964/65 (1966), 49-62.
behandelte, ist nicht bezeugt; vermutlich im zweiten Buch, wo auch CoNDEMI 0. GRUPPE, Bursians Jahresber. 186, 1921, 73.
unser Fragment aufgenommen hat. K. LATTE,Röm. Religionsgeschichte, München 1960, 208.
b): Die Curienopfer kann Varro auch in den Res Humanae schon behandelt H. LINDEMANN,Die Sondergötter in der Apologetik der Oivitas Dei Augustins, Diss.
haben. Von den Res Divinae ist jedenfalls Buch II (so MERKEL und E. Mrn- München 1930.
W. F. ÜTTO,Römische Sondergötter, RhM 64, 1909, 449-468.
DARIIS) weniger wahrscheinlich, da die Curiones keine Pontifices sind. R. PETER, Roscher II (1890/94) 129-233 s. v. Indigitamenta.
G. RADKE, Die Götter Altitaliens, Münster 1965, 11 u. passim.
F. RICHTER,RE IX 1334-1367 s. v. Indigitamenta.
G. RoHDE, Die Kultsatzungen der röm. Pontifices, RVV 25, 1936, 19. 36. 65.
FR. STOLZ,Zur Bildung und Erklärung der röm. Indigeten-Namen, Arch. f. Lat.
Lex. 10, 1898, 151-175.
H. UsENER, Götternamen, Bonn 1896.
E. VETTER,Zu den Namen einiger „Sondergötter", Die Sprache 5, 1959, 213-218.
G. W1ssowA, De dis Romanorum indigetibus et novensidibus disputatio, Progr.
Marburg 1892 (Ges. Abh., München 1904, 175-191).
G. W1ssowA, Echte und falsche „Sondergötter" in der röm. Religion, Ges. Abh., Mün-
chen 1904, 304-326.
G. W1ssowA, Die varronischen di certi und incerti, Hermes 56, 1921, 113-130.

di certi: Die Bedeutung der Termini d,i certi und di incerti hat nach
WrnsowA (MARQUARDT,Staatsverw. III2 9 A.4) und PETER (Roscher II 150f.)
AGAHD (p. 126 sqq.) richtig erläutert und dann W1ssowA gegen BICKELS Auf-
fassung der di certi als Daimones (Altröm. Gottesbegriff 23ff. 63) nochmals
klargestellt (Hermes 56, 1921, 113ff.). Ausschlaggebend sind Varros eigene
Worte fr. 204, aus denen hervorgeht, daß er RD XV de dis incertis die Götter
behandelte, deren Wesen und Funktion er nicht mit Sicherheit bestimmen
konnte; hingegen hoffte er über die Gottheiten des 14. Buches sichere Aus-
sagen machen zu können. Die Einteilung ist also ganz am Zweck der Antiqui-
tates und den damaligen Ergebnissen seiner Forschung orientiert. Di certi sind
also hier Götter, deren Bereich und Funktion Varro mit hinreichender Sicher-
heit glaubte festgestellt zu haben.
Demnach gehören nicht hierher: Varro ap. Serv. auct. Aen. 8, 275: di certi
et sempi,terni neben den di ex hominibus facti (fr. 32), und Arnob. 2, 65: iit
enim dii certi certas apud vos habent tutelas licentias postestates ...
18± BURKHART ÜARDAUNS
M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 185
fr. 87 indigitamenta: Das Verbum indigitare (Stellen Thes. L. L. VII 1179f.;
Wie der Vergleich der Götterlisten bei Tertullian nat 2 11 15 .
Etym. von *end-ag-itare zu aio ERNOUT-MEILLET,3. A.1951, 33f., von indiges u. 39 und Augustin civ. 4 8 11 16 21 34 · 6 . , u. ' amm. 37
WALDE-HOFMANN,3. A.1938, I 693, doch nicht unbestritten, vgl. LATTE 43
ge~;ne: T:bten), haben die. Ki;che~sch;ift~t:u!; iie\!r~:~~ct:t!:e::~r-
A.3) bedeutet soviel wie ,,(eine Gottheit) anrufen", so z.B. bei Varro log.
wei ge en ewahrt, besonders Tertullian nat 2 11 15 d A . ge
Catus de liberis educandis (Non. 352): quo etiam in partu precabantur Numeriem, 8 11 21 d 6 · ' u. un ug c1v 4
. . un ' 9. Innerhalb der ersten Abteiluna werden noch . . '
quam deam solent indigitare etiam pontifices (vgl. fr. 137); in derselben Schrift hervorgehoben di pueriles (civ. 4 34 p 189 9) bd d. . b_esonders
(Non. 532): Statano et Statilino, quorum nomina habent scripta pontifices (vgl. 171 12) . ' . , un i nuptiales (c1v 4 21
p. ' oder coniugales (civ. 4,34 p. 189 10) in d . .. ' .
fr. 115). Auf Varro (nach PETER, Rascher II 131 und RoHDE 31 auf Granius agrestes (civ. 4 21 p 171 13) d di G 'h . ' er zweiten Abteilung di
Flaccus) geht möglicherweise auch Cens. 3, 4 zurück: dei complures hominum . , . ' ' enen e ott eiten des Krieaes und d G ld
vitam pro sua quisque portione adminiculantes, quos valentem cognoscere indigi- ~c1;5 43,)21E~-17Ü1b,
14 _sqq.) ~nd endlich die der Örtlichkeiten folgten (;:r/na~s
' . , : me ersieht gibt AGAHDp. 21. ·
tamentorum libri satis edocebunt. Viellernht darf man hier die Einteilun in h .
Soviel ist sicher, daß Varro einen großen Teil der in Buch XIV behandelten wiedererkennen die dem ganzen We k g odmli':1'es,
~oca,tempora( ?), actiones
Götternamen den Indigitamenta der Pontifices entnommen hat, und daß in , r zuo-run
0 e rngt m de F O l d. d .
nem pertinentes di reru ( • r ge: i a homi-

:rtr:
;:~:\;
. '

diesen nicht nur Namenslisten enthalten waren, sondern Anrufungsformeln .. ) d" l , . m e.g. victus et vestitus) et actionum (e.g. belli etc
(WrssowA 37) und wohl auch Angaben über ihren rechten Gebrauch. Rationes
ipsorum nominum wie auch Serv. auct. Aen. 2, 141: pontifices dicunt singulis
~:,::~bl~::::k
beginnt. '
::,::;:::1::t~::;;:
!'c;:;;::
, wo arro mit ihnen den Abschnitt „quae manu /acta sunt"
actibus proprios deos praeesse und Aug. civ. 4, 8 p. 155, 13 sqq. dürfen zwar
nicht unbesehen als direkte Zeugnisse für die libri pontificales genommen werden
(vgl. WrssowA, Ges. Abh. 316f.), sondern beziehen sich zunächst auf Varro, lief i:e~:;~,g~:~::d::: :nA~:::t~!:n;:~e!e~ !:::;~::::::c~ treten deu~-
doch kann man sich schwer vorstellen, daß Hinweise auf die officia und rationes
;;i;~~ue munus et propter quid cuique debeat supplicari (zum ~:~:ni::dv;;~
nominum in den Indigitamenta ganz gefehlt haben. Aus ihnen stammt vielleicht
auch die Reihe der zwölf Götter, die der Flamen beim sacrum Cereale anrief Die Mehrzahl der Fragmente läßt sich m·t l t· .
und die Servius georg. 1, 21 aus Fabius Pictor zitiert (vgl. fr. 163 Komm.).
rgebene Schema ein~rdnen, daher kann hie: a:~ ~i;f~;!~eS~:hbe: t:i!~~ :as
Daß man nicht nur „Sondergötter" in den Indigitamenta erwartete, zeigt 1
ommentar zu den emzelnen Fragmenten verwiesen werden. en
Arnob. 2, 73: non doctorum in litteris continetur Apollinis nomen Pompiliana
indigitamenta nescire? Man schloß also aus dem Fehlen des Namens, daß
Apollo in der ältesten Religion des römischen Staates noch keinen Platz ge-
habt habe und erwartete demnach eine gewisse Vollständigkeit (vgl. RICHTER,
RE IX 1348).
Man darf also Serv. georg. 1, 21 (fr. 87) mit guter Wahrscheinlichkeit auf
RD XIV zurückführen und der Einleitung des Buches zuweisen, in der Varro
auf Indigitamenta als wichtige - doch sicher nicht einzige - Quelle hinwies.
Daß auch die bei Servius folgenden Ausführungen und vor allem die Zwölf-
götterreihe den RD entstammen, ist möglich, aber ungewiß.
Zu Granius Flaccus de indigitamentis vgl. o. S. 133.

fr. 88 Einteilung des Buches und Anordnung der Fragmente. Im wesent-


lichen ist die Folge der Fragmente durch AGAHD(p. 20 sqq., vgl. auch PETER,
Rascher II 142:ff.) richtig festgestellt worden. Die Grundlage ist fr. 88, aus dem
sich folgende Einteilung ergibt:
1. dei ad ipsum hominem pertinentes a conceptione ad mortem.
2. dei, qui pertinent non ad ipsum hominem, sed ad ea, quae sunt hominis,
sicut victus atque vestitus et quaecumque alia huic vitae sunt necessaria.
......
Die varronischen Götterlisten bei Tertullian und Augustin 00

(vgl. Peter, Roscher II 143ff.; Agahd 36ff.; Richter, RE IX 1339ff.) °'


Die Reihenfolge bei Tert. u. Aug. ist beibehalten; ein Stern bezeichnet Abweichung von Varros Ordnung;
beigegeben sind die Fragmentzahlen von B. XIV

Aug. civ. 4,21 Au.g. civ. 4,34 Aiig. civ. 6,9 Aiig. civ. 7,2
Tert. nat. 2,11 Tert. anim. 3'7 Aug. civ. 4,11
* Educa 90 Janus
91 Consevius
* Potina
92 Saturnus
Liber Liber
93 Liber
Libera Libera
Libera
94 Fluvionia 95 Mena
96 Alemona
Vitumnus
97 Vitumnus Sentinus
97 Sentinus
98 Nona
98 Decima
98 Partula * Mereurius
99 Diespiter Diespater * Minerva
* Mena * Catius
100 Lucina Lncina Lucina Lucina
Tert. anim. 39
101 Lucina, Diana,
Iuno, Fata
Scribunda
102 Candelifera
103 Carmentes,
Prosa
106 Opis Opis
107 V aticanus Vaticanus
108 Farinus
108 [Locutim,]
109 Levana

1 1 f IP1 lfl l tut 1 1 ·, · r MlfilriJM- 1 181

Tert. nat. 2,11 Tert. anim. 39 Aug. civ. 1,11 Aug. civ. 1,21 Aug. civ. 1,31 Aug. civ. 6,9
110 Albana
25 Intereidona,
Pilumnus,
Deverra
* Runlina
112 Cunina Cunina Cunina
~
* Carmentes, !'".l
Fortuna (1)
,.,
(1)
Runcinia 113 Rumina Rumina ~
114 Potina Potina Educa ~-
~
114 Edula Educa Potina ro
115 Sta[tina] Statina Statilinus <1
il'
Aiig. civ. 7,3 ,_,
'"'
0
* Iterduca il'
116 [Adeona] Adeona ~
Abeona c+
116 Abeona Abeona Adeona $
117 Domiduca s.
et-
118 [Mens] Mens il'
Mens c+
CO
119 Volumnus, Volumna w
* Domiduca ,.,
120 V olumnius, V oleta CO
,.,
121 [Pave]ntina Paventia ~
122 Venilia Aug. civ. 4,8 Venilia sp..
124 Cluacina ::;-
125 Volupia Volupia Volupia s·
126 Lubentina il'
civ. 4,16
127 Praestitia * Vaticanus, 2
Cunina 128 Agenoria Agenoria
s
129 Peragenor
130 Stimula Stimula
131 Murcia
132 Strenia Strenia
134 Quies
......
135 Minerva 00
-1
....,
Tert. nat. 2,11 Aug. civ. 4,8 Aiig. civ. 4,11 Aug. civ. 4,21 A,ug. civ. 4,34 Aug. civ. 6,9 00
00
137 Numeria
138 Camena
140 Consus Consus
141 Sentia
142 [Iu]venta Iuventas
143 Fortuna barbata Fortuna barbata
144 di nuptiales
145 Afferenda
146 Iugatinus Iugatinus
147 Domiducus
148 Domitius
149 Manturna td
150 Virginiensis Virginiensis q
~
151 Mutunus, Tutunus Mutunus, Tutunus Pi
;11
* Pertunda vel Priapus :,,,
~
152 Subigus Subigus 8
153 Prema Prema 0
:,,,
134 Pertunda ~
tj
'l'ert. nat. 2 ,15 155 Venus :,,,
(di tristitiae) * PrinpnR q
z
u,
158 [Vi]duus
159 Caeculus
160 [Or]bana
161 mortis dea
163 di agrestes * Nymphae,
164 Rusina, Lymphae,
Iugatinus, * Mars, Bellona,
Collatina, Vietoria
Vallonia
165 Fructesea
166 Seia, Segetia, Segetia
Tutilina
167 Proserpina

f11111
1 lUlllll!11
1IIl 1111
· !! !!l"!l !!!!!!
111111111■111,H![H!Ul! !!l!l.1!111 1 ::
fl1111!1!!!11!2 r11 11 , ur t : ..

Tert. nat. 2,15 Aug. civ. 4,8 Aiig. civ. 4,21 Aug. civ. 4,34 Aug. civ. '7,3
168 Nodutus
169 Volutina
170 Patelana
171 Hostilina
172 Flora
173 Lacturnus
175 Matuta
176 Runcina
179 Bubona
180 Mellorm
181 Pomona,
185 Mars, Bellona,
Vietoria
186 Honor
186 Virtus
190 Felicit2os
193 Pecunia,
di locorum Aescula,nus, Pecunia
195 Janus, Jana Argentinus
196 Montinus
197 Ascensus
198 Clivicola
199 Forculus,
Car[dea],
Limentinus
* Fessona,
Pellonia
* Apollo,
Aesculapius
* Spiniensis,
Robigo
....,
00
0
190 BURKHART CARDAUNS M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 191

fr. 89: Übersetzung: ,,Hierin hat unser L. Aelius, der gelehrteste Mann Varro versuchte Aelius, lateinische Wörter auch dann aus der eigenen Sprache
unserer Zeit, einige Male geirrt. Er hat nämlich von einigen älteren griechi- zu erklären, wenn in Wirklichkeit griechische, freilich nicht mehr gebräuchliche
schen Wörtern falsche Erklärungen gegeben, so als wenn sie unserer Sprache Wörter zugrundelagen (vgl. LL 5, 3). lepus, Graecus, puteus werden als Bei-
angehörten. Denn wir nennen den Hasen nicht „lepos", weil er leichtfüßig, spiele genannt; möglich, daß Aelius auch Graecus und puteus aus dem Latei-
„levipes" ist, wie Aelius behauptet, sondern weil es ein altes griechisches Wort nischen ableitete, aber die richtige Etymologie teilt Varro hier nicht mit, was
ist. Viele ihrer alten Wörter sind vergessen, weil sie statt ihrer jetzt andere zeigt, daß es ihm um Grundsätzliches geht. Daher ist fr. 89 der Einleitung
Bezeichnungen brauchen; und sehr viele wissen nicht, daß zur griechischen zuzuweisen, wo Varro sich demnach über die für ihn so wichtige etymologische
Sprache „Graecus" gehört, wozu sie jetzt "EAA'f)Vsagen, und „puteus", was Methode unter allgemeinen Gesichtspunkten geäußert hat.
jetzt qipfop, und „lepos", was jetzt Arx:yw6c,heißt. Hierin tadele ich keineswegs Zu dieser Vorbemerkung könnte auch fr. 203 gehören, das wir ebenfalls
den Scharfsinn des L. Aelius, lobe vielmehr seinen Fleiß; denn der Erfolg Gellius verdanken. Dort wird petorritum als gallisches und lancea als hispa-
hänat vom Glück ab, dem mutigen Versuch aber wird Lob zuteil." nisches Wort erklärt, ohne daß sich eine Verbindung zu einer der vielen Gott-
T:xt: § 2 Ende ist überliefert: successum enim fortuna, experientiam laus heiten dieses Buches zeigen will. Als Beispiele für die Herkunft aus anderen
sequitur. Der Gedanke Varros, der sich vielleicht auch bei Ammian 17, 5, 8 Sprachen als dem Griechischen ließen sie sich gut fr. 89 zuordnen. Merkwürdig
(fortuna condicionumque aequitate spem successus secundi fundante) ~piegelt, bleibt die Kritik an der einseitigen Ableitung aus dem Lateinischen gerade
kann sinngemäß nur sein: Dem Versuch gebührt Lob, zum Erfolg ISt auch hier, wo Varro die folgenden Götternamen, soweit wir sehen, stets auf Wörter
Glück nötig. In diesem Sinn hat M. HERTZ, Hermes 8, 1874, 283f. (Opusc. der eigenen Sprache zurückführt. Ohne das Zeugnis des Gellius würde niemand
Gelliana, 1886, 179f.) unter Vergleich mit Amm. 17, 5, 8 successum enim die Res Divinae als Quelle auch nur in Erwägung ziehen.
fortuna fundat bzw. succes8us fortunae vorgeschlagen (letzteres von AGAHD
übernommen); HrnscHFELDs fert fortuna erklärt die Verderbnis leich~er. Mög- fr. 90/91 Ianus: Varro begann die Reihe der Götter dieses Buches mit Ianus
lich wäre auch successus enim fortunam, wobei ein Ausfall des m die Anderung (fr. 88), entsprechend der Stellung des Gottes in Buch XVI (fr. 230ff.). Mit
in successum hätte nach sich ziehen können. anderen Gottheiten (Saturnus, Liber, Libera, Mercurius, Mars, Minerva) er-
Etymologie: Zu L. Aelius Stilo vgl. ScHANZ-Hosrns 1 4 1927, 23~ff.; Fra~- scheint er hier in einer Spezialfunktion und wird in Buch XVI als deus selectus
mente bei FuNAIOLI GRF I 51 sqq. Für das achtungsvolle, aber mcht unkn- ausführlich behandelt. Als Gott des Anfangs stellt Varro ihn an den Beginn
tische Verhältnis Varros zu seinem Lehrer ist das Stück aufschlußreich; vgl. des menschlichen Lebens, als Gott der Zugänge läßt er ihn den Zugang für den
DAHLMANN,RE Suppl. VI 1173f. Samen öffnen: aditum et quasi ianuam semini (Aug. civ. 7, 3 p. 275, 15: quasi
Die Herleitung levipes - lepus geben auch Cic. Arat. 121; Quint. 1, 6, 33; ianuam wohl schon varronisch). Neben Ianus hat Varro Consevius wohl in
Isid. or. 12, 1, 23. Die seiner Meinung nach richtige Etymologie aus dem eigener Funktion genannt (so SCHWARZ458, AGAHD 166), worauf Tertullians
Aolischen (vgl. fr. 56a) bzw. Sizilischen Abtop1c, hat Varro RR 3, 12, 6 und Worte ,deus Consevius quidam' weisen. Natürlich war es Varro bekannt, daß
LL 5, 101. Das Wort ist nicht indogermanisch: WALDE-HOFMANNI 786; Consevius ein Beiname des Ianus war, aber wir finden auch sonst stets den
ERNOUT-MEILLET352. Namen der - nach Varros Ansicht - entsprechenden Funktion zugeordnet; das
Zu puteus vgl. LL 5, 25 (u. 6, 84): unde sumi pole, puteus; nisi potius quod Wesen der dahinterstehenden Gottheit ist hier von untergeordneter Bedeu-
Aeolis dicebant ut n-üTaµov sie n-uTe:ova potu, non ut nunc qipe:<ap) (es folgt tung.
Aelius' Ableitung von puticuli, vgl. Fest. 217). Zu putare stellen das Wort Zu Consevius vgl. Macr. 1, 9, 16: (Ianum) Consivium a conserendo, id est a
W ALDE-HoFMANNII 393 und ERNOUT-MEILLET54 7. propagine generis humani, quae I ano auctore conseritur; das ist die gleiche Ab-
Einordnung: fr. 89 stand nach Gellius in primore libro, die folgende Erklä- leitung. Anders erklärt Lydus mens. 4, 1 nach Labeo 'fovoc, Kovcr[ßwc, als
rung von fur (fr. 194) in posteriore eiusdem libri parte. AGAHDwollte entgegen ßouAafoc,.
den Worten des Gellius beides nicht trennen, verband fur mit Furina und Literatur: PETER, Roscher II 172; WrssowA 109; ÜTTO, RE Suppl. III
stellte den ganzen Passus als fr. 99 und 100 zu den Gottheiten des Geldes und 1190f.; RADKE 95f.
Gewinnes. Bei der Unsicherheit der Schreibung, Consevius bei Tert., Consivius bei
Aus dem Wortlaut ist ersichtlich, daß der Abschnitt sich nicht an eine be- Macr. und Lydus, ist es schwer, Klarkeit über die wahre Bedeutung zu ge-
stimmte Frage der Etymologie anschloß, sondern einer allgemeinen Erörterung winnen. RADKE 95 erinnert an cozevlod im Salierlied (LL 7, 26) und leitet von
entstammt. Die Worte „in quo Aelius erravit aliquotiens" besagen „in diesem einem Verb *consevere (zu umbr. sevus „ganz") i.e. ,,ergänzen", consevulum
Punkt, in der Wortableitung, ist Aelius verschiedentlich fehlgegangen". Nach (cozevlod) und Consevius ab. Er ist dann der Gott, der zur Vorbereitung des
192 BURKHART CARDAUNS M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 193

Opfers angerufen wird. Der Wortlaut des Salierliedes ( cozeulodorieso) ist aber ab eo lymphatos dixerunt nostri. Bacchi <qui) et Liber, cuius comites Bacchae.
so ungewiß und umstritten (vgl. bei MoREL FPL fr. 3 die dort angeführten Augustin civ. 18, 13 erwähnt im Anschluß an den Indienzug des Liber pater
Konjekturen), daß für Consevius daraus kaum etwas zu gewinnen ist. Falls (nach Hieron. chron.) auch die Bacchanalia und ihr Verbot durch den Senat,
Consivius die richtige Lesart ist, wird ein Zusammenhang mit Consiva (Ope- worin eine Erinnerung an unsere Stelle liegen kann. Über Maßnahmen zur
consiva) nicht auszuschließen sein. Abwehr unerwünschter Einflüsse auf die römische Religion vgl. auch fr. 44-46.
fr. 92 Saturnus: Vgl. fr. 239ff., besonders Aug. civ. 7, 19 p. 298, 15: haec et
fr. 94 Fluvionia: Weitere Belege: Paul. Fest. 92: Fluoniam Iunonem mulieres
alia de Saturno multa dicuntur et ad semen omnia referuntur (zu fr. 246). Wenn
colebant, quod eam sanguinis fiuorem in conceptu retinere putabant.
Varro ihn hier über das semen hominis setzt, berechtigte ihn kaum etwas
Arnob. 3, 30: Fluvionia (sc. Iuno); Mart. Cap. 2, 149 (im Gebet der Philo-
anderes dazu als seine allgemeine Auffassung des Gottes.
logia an Iuno, vgl. Appendix XIV): nam Fluvoniam Februalemque ac Februam
mihi poscere non necesse est, cum nihil contagionis corporeae sexu intemerata
fr. 93 Liber, Lihera: Auch die Beziehung dieser beiden Gottheiten (vgl. fr.
pertulerim.
260ff.) auf die semina hominis ergab sich für Varro wohl aus ihrem allgemeinen
Literatur: PETER, Roscher II 198f. (auch 172); WrnsowA 185, 4; ders. RE
Charakter, vgl. Aug. civ. 7, 3 p. 276, 8: omnium seminum emittendorum (sc.
VI 2773f.; WALDE-HOFMANNI 519 (zu fiuere). RADKE 131 stellt den Namen
potestatem habere) Liberum et Liberam et ideo his etiam praeesse, quae ad sub-
zur Wurzel *bhleu - ,,sprießen lassen" und deutet sie als Göttin, die für das
stituendos homines pertinent.
Wachsen des ungeborenen Lebens sorgt. Zur Namensbildung vgl. RADKE,
Eine besondere Stütze ist ihm dabei die Ableitung von liberare, die ganz auf
RE XXII 97 (Populonia).
den gegenwärtigen Zweck zugeschnitten ist. Die Verwandtschaft der Namen
Die Angabe des Festus steht mit Varros Erklärung nicht im Widerspruch:
mit dem Adjektiv liber wird zwar kaum bestritten, doch wird der Charakter
die fiuores menstrui der Frau bleiben während der Schwangerschaft aus,
dieser Beziehung sehr verschieden aufgefaßt (vgl. WALDE-HOFMANNI 792;
werden von der Göttin zurückgehalten, weil sie der Ernährung des Ungeborenen
ERNOUT-MEILLET355; A. BRUHL, Liber pater, 1953, 22; HEUBECK, DLZ 73,
dienen sollen; vgl. Aristot. hist. anim. 7, 2 p. 582 b 20 und Plin. nat. 7, 66:
1952, 402; LATTE 70).
haec (sc. profiuvio) est generando homini materia . .. cum gravidis fiuxit, invalidi
Eine andere varronische Etymologie scheint bei Servius auct. georg. 1, 7
aut non vitales partus eduntur aut saniosi, ut auctor est Nigidius (fr. 110 Swo-
vorzuliegen: Sabini . . . ( appellant) Liberum Loebasium, dictum autem, quia
B0DA).
Graece AoLß~ dicitur res divina (vgl. LL 6, 2; Paul. Fest. 121, wo auch Aoiß~
erscheint; dazu RADKE 175). fr. 95 Mena: W eitere Zeugnisse fehlen. Literatur: RoscHER I 97 5; PETER,
Über den ,Samen' der Frauen hat Varro auch im Logistoricus Tubero de Roscher II 203; Wrnsow A 185, 4; ERNOUT-MEILLET396 und WALDE-HOF-
origine humana gehandelt, Lact. opif. 12, 6 (vgl. Cens. 5, 4): conceptum igitur MANNII 68 nehmen Entlehnung aus griech. µ~v'f) an, Urverwandtschaft ver-
Varro et Aristoteles (de gen. anim. 2, 3 p. 737a 28) sie fieri arbitrantur. aiunt biete das späte ( !) Auftreten.
non tantum maribus inesse semen, verum etiam feminis. Der Hinweis auf Ari- Die genauere Erklärung des Wirkens der Mena gibt Aug. civ. 7, 3 p. 275, 19
stoteles ist nicht ganz exakt, da dieser die Katamenien als Zeugungsbeitrag, (fr. 273): confert Iuno cum Mena, filia Iovis, fiuores menstruos ad eius, quod
doch nicht als Samen wertet (de gen. anim. 726a 31 sqq.). Vgl. W. GERLACH, conceptum est, incrementum. Das setzt die Gleichung Iuno - Fluvionia voraus,
Das Problem des ,weiblichen Samens' in der antiken und mittelalterlichen Medizin,
Arch. f. Gesch. d. Med. 30, 1937/8, 177-193; ERNA LESKY, Die Zeugungs- und
1 der die gleiche Funktion zugewiesen wird (fr. 94). Die Annahme einer Bezie-
1 hung zwischen Mond und Monatsfluß ist uralt und weit verbreitet (vgl. Aristot.
Vererbungslehren der Antike und ihr Nachwirken, Abh. Ak. Mainz, 1950, 19, hist. anim. 7, 2 p. 582a 33; gen. anim. 2, 4 p. 738a).
1225-1425; R. HEISTERHAGEN,Varron. Studien 1, Abh. Ak. Mainz 1957, 152 Wenn Augustin Mena als Tochter Iuppiters bezeichnet, so muß er es bei
u. 157. Varro gelesen haben; für eine spielerische Erfindung, wie AGAHD 167 durch
Der Hinweis auf die Bacchantinnen und die Bacchanalia erscheint im 1 Einklammerung andeutet, gibt es keinen Grund. V arro lehnt die ,generationes
Zusammenhang mit der Zeugung des Menschen eigentlich nicht notwendig, deorum' (fr. 19) im Einklang mit der Pontifikalreligion sonst ab; es ist nicht
doch wird man hier nicht leicht trennen können, da Augustinus nicht nur auszuschließen, daß er hier ein Dichterzitat vorlegte, in dem Mena als Tochter
Varro ausdrücklich nennt, sondern mulieres und vinum ( propter libidinem Iuppiters vorkam.
concitandam) offenbar doch den geschlechtlichen Aspekt mit belegen sollen.
Ganz ähnlich Varro LL 7, 87 zu Pacuvius (422 Ribb.): ,,lymphata aut Bacchi fr. 96 Alemona: Weitere Zeugnisse fehlen. Literatur: USENER, NJbb 117,
sacris commota" ... in Graecia commota mente quos vuµrpoA~n-rouc; appellant, 1878, 53 (zum Suffix-monus); PRELLER II 207; PETER, Roscher II 192;
194 BURKHART CARDAUNS M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 195

AusT, RE I 1364f.; RADKE 60f. (Namensbildung mit Pomona zu vergleichen, kannte noch Kinder an, die zehn Monate nach dem Tod des Vaters geboren
zum Suffix p. 19f.). waren (tab. IV fr. 4 bei Gell. 3, 16, 12; vgl. E. SACHERS,RE XXII 958 s. v.
Daß Tertullian anim. 37 und 39 aus Varro schöpft, ist so gut wie sicher, Postumus).
weniger die Herkunft aus den Res Divinae (AGAHD79, 1), doch ist es das Wahr- Fata und Parcae. Literatur: PETER, Rascher II 184. 196. 208. 211 f.;
scheinlichste. Man könnte auch an den Logistoricus Tubero de origine humana I 1446f. (Fatum); III 1569f. (Parca); WISsowA 220. 264; AusT, RE IV 2272
denken. Ungewiß ist, ob Varro Alemona hier oder vor Fluvionia und Mena (Decima); ÜTTO, RE VI 2047:ff. (Fatum); EITREM, RE XV 2450 (Moira);
behandelte, mit denen sie sich in die Ernährung der Leibesfrucht teilt. P. C. VAN DER HoRST, Mnemosyne S. III 11, 1943, 217-227; S. BREEMERu.
Den Genetiv alendi fetus erklärt W ASZINK, Komm. zu Tert. De Anima, J. H. WASZINK,Mnemosyne S. III 13, 1947, 260:ff.; M. GuARDuccr, Tre cippi
1947, 425 als gen. possessivus und vergleicht Tert. nat. 2, 11, 8 u. 10 (fr. 114, latini arcaici, Bull. Comm. Roma 72, 1946/48, 3-12; ST. WEINSTOCK,Parca
120-122, 127). Maurtia und Neuna Fata, Fs. A. Rumpf, 1952, 151-160; L. L. TELS-DE JoNG,
Zur besseren Übersicht sei Tert. anim. 37, 1 hier ganz wiedergegeben: Sur quelques divinites Romaines de la naissance et de la prophetie, Amsterdam
omnem autem hominis in utero serendi struendi fingendi paraturam aliqua utique 1960, 67ff.; LATTE 52f.; RADKE 103 (Decima) 209f. (Maurta) 232 (Nona)
potestas divinae voluntatis ministra modulatur ... haec aestimando etiam super- 245 (Parca, Partula).
stitio Romana deam finxit Alemonam alendi in utero fetus et Nonam et Decimam Parca. Die Ableitung von *Parica (zu parere) ist allgemein anerkannt:
a sollicitioribus mensibus et Partulam, quae partum gubernet, et Lucinam, quae WISsowA 264; WALDE-HOFMANNII 251f.; ERNOUT-MEILLET482; LATTE 52;
producat in lucem (vgl. fr. 12 u. 14, zu Tert. anim. 39, 2 vgl. fr. 15). TELS-DE JoNG 69. 79. Die antike Etymologie a non parcendo ist mehrfach
belegt (FUNAIOLIp. 235; TELS-DE JoNG 67). Partula ist nur Tert. anim. 37, 1
fr. 97 Vitumnus und Sentinus: Weitere Zeugnisse fehlen. Literatur: PETER, bezeugt und nimmt dort die Stelle von Parca ein; möglich, daß nur ein Fehler
Rascher II 222. 232; WISsowA, Ges. Abk. 318; WISsowA 33, 3; ÜTTO, RhM Tertullians oder der Überlieferung vorliegt (TELS-DE JONG 70f.).
64, 1909, 452, 454; ZWICKER, RE II A 1507 (Sentia); EISENHUT, RE IX A Nach WISSOWA264 und zuvor PETER, Rascher II 211f. ist die ursprüngliche
493f. (Vitumnus); RADKE 342. 287. Geburtsgöttin unter dem Einfluß einer Herleitung von pars mit der griechi-
Vitumnus ist nach WALDE-HOFMANNII 208 etruskischer Herkunft; RADKE schen Moira gleichgesetzt und dann verdreifacht worden (zustimmend WEIN-
342 (vgl. seine Einl. 20) erwägt Ableitung von *vito bzw. *vitu und erklärt STOCK153; LATTE 52f.; TELS-DE JONG 80f.).
ihn als „Gott, der das Leben bringt". Die Entscheidung wird dadurch er- Varro nennt hier nur eine Parca, kennt aber auch die Mehrzahl (LL 6, 52),
schwert, daß anscheinend zwei Suffixe unterschieden werden müssen, das idg. ebenso Caesellius Vindex, der für Parca neben Nona und Decima Morta ein-
Part. Praes. Med. ( alumnus) und ein nichtidg. -umnus (-uµvoc;). Vgl. hierzu setzte, ein Name, den er bei Livius Andronicus fand (Odusia fr. 11 MoREL,
DEVOTO, Studi Etruschi 14, 1940, 275ff.; A. HEUBECK, DLZ 73, 1952, 401; Gell. 3, 16, 11): quando dies adveniet quem profata Morta est (vgl. Odyss. 3,
EISENHUT, RE VIII A 1669f. 237). Morta sollte bei Livius offenbar Moira vertreten, wie Gellius mit Recht
Sentinus gehört vielleicht zu Sentia (fr. 141) wie Paventinus zu Paventia bemerkt.
(STOLZ,Arch. f. lat. Lex. 10, 167). ÜTTO 454 (s.o.) sieht in ihm eine Gentil- Unser Material wird jetzt bereichert durch den Fund dreier Cippi des 4.
gottheit der Sentii (SCHULZE228); WALDE-HOFMANNII 516 stellen ihn mit oder 3. Jh. v. Chr. wohl aus dem Gebiet von Lanuvium, veröffentlicht von
Sentia zu sentire; anders RADKE 287. Margherita Guarducci (s.o.), wiedergegeben bei VETTER, Handb. ital. Dial.
Wie wissen nicht, ob die beiden Götter auch im Kult zusammengehörten; I 1953, 333; DEGRASSI,Inscr. Lat. lib. reip. I 1957 nr. 10-12.
die Zusammenstellung vita - sensus erinnert an die gradus animae fr. 227. Die Inschriften lauten:
V arro könnte den werdenden Menschen unter dem Aspekt des Aufstiegs vom NEUNA FATA (i.e. Neunae Fatae), NEUNA DONO (Neunae donum),
pflanzenhaften Leben (vgl. fr. 103 den Vergleich mit dem Baum) zum tier-
PARCA MAURTIA DONO (Parcae Maurtiae donum).
haften (in quo sensus est) gesehen haben (vgl. fr. 103 Komm.).
Über Parca Maurtia (und Morta) vgl. GuARDUCCIa.a. 0.; ST. WEINSTOCK
fr. 98: Über die Dauer der Schwangerschaft hat Varro auch im Logistoricus 153f. (,,zeugende Kraft des Mars"); GUARDUCCI,Bull. Comm. Roma 76,
Tubero de origine humana gehandelt (Cens. 7); auf Aristoteles (hist. anim. 1956/58, Bull. Museo civ. Roma XIX 13; ALTHEIM, Röm. Gesch. II4 1953,
7, 4: dort der 7.-11. Monat) beruft er sich auch in der Satire Testamentum 449ff.; BAYET, Hist. Rel. Rom. 1957, 68; TELS-DE JONG 73:ff. (WASZINKdort
(fr. 543). Weitere Belege zu dieser Frage Gell. 3, 16; Plin. nat. 7, 38. Von prak- 76f.); A. GrACALONE-RAMAT, AGI 47, 1962, 116 A.13; LATTE 53 und RADKE
tischer Bedeutung war das Problem im Erbrecht; das Zwölftafelgesetz er- 210 weisen die sonst meist angenommene Beziehung zu Mars zurück.
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M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 197
196
Neuna wird als archaische Form von Nona betrachtet (GUARDUCCI,WEr~- ter dictus, id est dies pater; Gell. 5, 12, 5: diei et lucis pater. Varros Deutung auf
STOCK,TELS-DE JoNG 96ff. und WASZINKdort 95); RADKE 232 (noch entschie- die Geburt ist sonst unbekannt, doch vgl. fr. 100 zu Lucetius und Lucetia-
dener 103) erwägt eine Ableitung von Wz. neu- zu nuere, numen. ST. WEIN- Lucina.
STOCK156f. und TELS-DE JoNG 102 (WASZINKdort 95), VETTER I 333, BAYET
68 setzen Neuna-Nona mit Nundina gleich, der Göttin des dies lustricus, des fr. 100 Lucina. Literatur: PRELLER I 271 ff.; RoscHER II 579ff.; PETER,
9. Tages nach der Geburt. Vgl. Macr. 1, 16, 36_:est e~i~m Nundina Ro~anorun: Roscher II 173. 203; WrnsowA 183; SAMTER,Geburt, Hochzeit und Tod, 1911,
dea a nono die nascentium nuncupata, qui lustricus dicitur. est autem dies lustri- 124; LATTE, RE XIII 1 648ff.; ST. WEINSTOCK,RE XIV 2306f. (Matronalia);
cus qua infantes lustrantur et nomen accipiunt; sed is maribus nonus, octavus EvANS 237; BöMER, Gymnasium 64, 1957, 122ff.; A. S. PEASE II 728f.;
est feminis. Varro habe, um die Dreizahl zu erfüllen, neb,m Parca und Non~, GJERSTAD, Legends and Facts of Early Roman History, Lund 1962, 12f.;
die er falsch auf den Geburtsmonat bezogen habe, eine Decima gestellt, die GAGE, Matronalia, 1963, 73; RADKE 188.
es im Kult nie gegeben habe; die Unsicherheit seiner Aufstellung zeige auch
die Berichtigung durch Caesellius Vindex. .
Anderer Ansicht als GUARDUCCIist LATTE 53 A.1, der durch die Neuna der
:l Ableitung des Namens von lux, lucere: Varro LL 5, 69; Cic. n.d. 2, 68;
Ov. fast. 2, 450; Plut. qu. Rom. 77; WALDE-HOFMANNI 823; WEINSTOCK,
RE XIV 2306; LATTE, RE XIII 1651; Ableitung von lucus: Ov. fast. 2,449;
Inschrift indirekt auch Varros Decima bestätigt sieht (ebenso ALTHEIM,Röm. Plin. nat. 16, 235; ERNOUT-MEILLET368; RADKE 188 (mit Lit.). Vgl. auch
1
Gesch. II4 1953, 449f.). RADKE 103 nimmt Decima als gegeben an, stellt den Iuno Lucina fr. 273.
Namen aber zu decus, dignus. Varro LL 5, 69: Juno Lucina dicta vel quod est et Terra ... et lucet, vel quod
Eine Konstruktion Varros muß durchaus als möglich gelten, wenn man ab luce eius qua quis conceptus est usque ad eam, qua partus quis in lucem, <l)una
auch nicht gleich an völlige Erfindung der Decima denk~n wird. _Die Bezieh~ng iuvat, donec mensibus actis produxit in lucem, ficta ab iuvando et luce Iuno
der Neuna fata (Neuna, die gesprochen hat) auf den dies lustricus findet eme Lucina. A qua parientes eam invocant; luna enim nascentium dux quod menses
Stütze in der Anrufung der Fata Scribunda an diesem Tag (vgl. dazu fr. 101). huius. Im folgenden wird Iuno Lucina von Vano zu den supercilia der Frauen
Für eine Göttin des 9. Monats ist Nona fata wenig passend, man erwartete in Beziehung gesetzt (vgl. Fest. 305; LATTE 105).
eher eine Parca Nona bzw. Parca Decima. LL 5, 49 sq. wird ihr Hain (lucus) und Tempel auf dem Esquilin (Cispius)
Jedenfalls fand Varro Parca und Nona vor und ebenso die griec~ische erwähnt.
Vorstellung von drei Schicksalsgöttinnen, die als Parcae oder Fat~ bezeichnet Die varronische Erklärung ist noch zu finden bei Ovid fast. 3, 255: tu nobis
werden konnten. Die Göttin Parca war im Kult offenbar in der Emzahl gege- lucem, Lucina, dedisti; Donat. Ter. Andria 4 73: J uno Lucina ... ab eo, quod
ben und obgleich Varro die Mehrzahl Parcae LL 6, 52 bezeugt, hat er hier a~f in lucem producat ... obstetriciam hanc potestatem I unoni attribuit, quamquam
diese Sammelbezeichnung verzichtet. Morta, die man doch von Parca Ma_urtia illam M enander Dianam appellet. Sie beruht auf der metaphorischen Ausdrucks-
nur ungern trennen wird, bezog er vielleicht auf Mo~s (vgl. !r. 161). So 1st es weise „ans Licht bringen" für „gebären", wie sie bereits seit Homer belegt ist
schon denkbar, daß er Decima hierher stellte, um eme Dreizahl zu erhalten. (vgl. RoscHER II 582). Wenn der Name nicht von lucus herzuleiten ist, kann
Ob er diese dann als Tria Fata - dieser Plural ist nur bei späteren Autoren er nur Iuno als „Leuchtende", also doch wohl als Mondgöttin bezeichnen,
bezeugt (vgl. TELS-DE JoNG 88ff.) und wird auch durch fr. 101 nahe~elegt - wofür manches spricht. Varros Deutung „quae producat in lucem" ist in dieser
oder Tres Fatae (LATTE 53) bezeichnete, läßt sich an Hand der Überlieferung Form sicher nicht zutreffend (BöMER, Gymnasium a. 0. 123).
nicht entscheiden. Die enge Verbindung von Fata und Parcae zeigt LL 6, 5_2 Die Gleichung Lucina - Diana (s. auch fr. 101) liegt LL 5, 68/69 zugrunde
(z. St. BREEMER u. WASZINK a.O. 261ff.): ab hoc, tempora quod tum pueris und wird noch bezeugt durch Probus Verg. ecl. 6, 31 p. 343 HAGEN (unmittel-
constituant Parcae fando, dictum fatum et res fatales. _ _ . bar vorher Cic. n. d. 2, 68 zit.): V arro etiam in logistorico ... M essalla de vale-
In jedem Falle, selbst wenn seine Deutung von Nona u_nd Dec1ma ncht1g tudine ... Devianam appellasse deam, mox Dianam, quod intellegerent eandem
wäre, ist die Dreiheit Parca, Nona, Decima eine Konstrukt10n nach dem Vor- esse, quae diem nascentibus daret. Cic. n. d. 2, 68 setzt ebenfalls Diana und Iuno
bild der griechischen Moirai. Lucina gleich, sonst zuerst Catull 34, 13 (weitere Belege LATTE, RE XIII
1651). Der Kult beider Göttinnen war nach Vano von T. Tatius gestiftet, vgl.
fr. 99 Diespater. Literatur: AusT, Roscher II 627; WrnsowA, R:E V_478f.;
LL 5, 74 und fr. 36 (Lux!).
RADKE 108. Diespater bzw. Diespiter (zur Flexion vgl. LL 9, 75) 1st mrgends
ein anderer als Iuppiter in einer älteren Namensform (dieus zu dies na~h Ak~. Neben Lucina steht Mart. Cap. 2, 149 Lucetia (vgl. App. XIV): sive te
diem, vgl. WALDE-HOFMANNI 350). Er wird allerdings verschiedentl~ch m~t ( I uno) Lucinam, quod lucem nascentibus tribuas, ac Lucetiam convenit nun-
Dispater verwechselt. Die Beziehung auf dies lag nahe, vgl. LL 5, 66: Di<e)spi- cu.pare. Es spricht viel dafür, diese Stelle und manches aus ihrer Umgebung
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auf Varro zurückzuführen, wenn auch nicht direkt. Lucetia wird nur hier ge- . per tot~~ hebdo~adem; ultima die: Tertullian meint offenbar den sieben-
nannt (vgl. LATTE, RE XIII 1613; RADKE 187; WrnsowA 114 zu Lucetius). bis achttagigen Zeitraum von der Geburt bis zum dies lustricus, wie schon
Dieser Beiname der Iuno entspricht Iuppiter Lucetius, der als Leucesius im SCALIGERund CASAUBONUSsahen (BREEMERu. W ASZINK,Mnemosyne S. III
Salierlied angerufen wurde (Macr. 1, 15, 14 und fr. 2 MoREL), wenn die Über- 13, 1947, 257ff.; LATTE, RE XIII 1649; WASZINK, Tert. De Anima 444·
lieferung nicht trügt. Der Vokalismus findet jetzt vielleicht eine Stütze in TELS-DE JONG 105f.). '
Neuna (vgl. fr. 98). Iuppiter Lucetius wurde mit Diespiter identifiziert: Serv. . infuli: WASZINK~-_St. verg_leicht Clem. Al. protr. 1, 10, 2 (purpurne Woll-
Aen. 9,570: lingua Osca Lucetius est Iuppiter, dictus a luce (cf. Paul. Fest. 114), bmden als kult. Reimgungsmittel) und Script. Hist. Aug., Capitol. Alb. 5, 9.
quam praestare hominibus dicitur. ipse est nostra lingua Diespiter, id est diei Vgl. auch E. WUNDERLICH,Die Bedeutung der roten Farbe im Kultus der Grie-
pater. Dazu Gell. 5, 12, 5: Diespiter ... id est diei et lucis pater. (6) Idcircoque chen und Römer, RVV 20, 1925, 29f.
simili nomine Diovis dictus est et Lucetius. (7) Lucetium autem Iovem On. Iunoni_mensa proponitu~: Vgl. Ph~l~rg. (u. Schol. Bern.) Verg. ecl. 4, 63 (nec
Naevius in libris belli Poenici (fr. 56 MoREL) appellat. deus h~nc m~nsa, dea nec dignata cubili est) : pueris nobilibus editis in atrio domus
Wenn bei Varro Diespiter in der gleichen Funktion wie Iuno Lucina er- Iunoni Lucinae lectu~ ponitur, Herculi mensa. WrssowA 183, 3; 281; 423, 1
scheint, so beruht die merkwürdige Erklärung als Geburtsgott anscheinend (a_uch LATTE 95, 4) mmmt einen jüngeren Brauch an. Zuo-runde liege nur das
auf seinem Beinamen Lucetius, wodurch er sich zu Lucetia - Lucina gesellt, Hinstellen einer daps. Ein lectus wurde nach Varro ap. Non. 528 (und Serv.
deren Verbindung mit der Sphäre der Geburt vorgegeben war. Varro geht auct. Aen. 10, 76) fü~ Pilumnus und Picumnus aufgestellt (zit. zu fr. 111).
also nicht nur von der Etymologie aus, um eine willkürliche Beziehung herzu- WASZINK,Tert. De Anima 443 hält eine Ungenauigkeit Tertullians für mö 1· h
d h .t h g ic '
stellen, sondern berücksichtigt auch das Verhältnis zu anderen Gottheiten, oc _is es e er denkbar, daß der Vergilkommentator unter dem Einfluß der
hier zu Iuno, um Klarheit über die wahre Bedeutung zu gewinnen. Vergilste~le lectus und mensa vertauscht hat und tatsächlich die mensa für
Iuno Lucma aufgestellt wurde und ein lectus für Hercules, Pilumnus und Picum-
nus (vgl. Komm. fr. 111).
fr. lOlff.: Allgemeine Literatur zu den römischen Riten der Geburt und
ersten Tage: A. DE MARCHI, Il culto privato di Roma antica I, 1896, 165ff.; ultima die Fata Scribunda advocantur: Literatur: PRELLER II 194 3 (f
· ) J w , em.
E. SAMTER,Familienfeste der Griechen und Römer, Berlin 1901; SAMTER,Ge- smg. ; : EISWEILER,NJbb 139, 1889, 39 (pass. Bedeutung); PETER, Roscher
burt, Hochzeit und Tod, Leipzig 1911; H. BLÜMNER,Die röm. Privataltertümer, I 1444ft. (n. pl. '. akt. Bedeutung); ÜTTo, RhM 64, 1909, 451; ders. RE VI
1911, 300; BOEHM, RE XIII 2037 (lustratio); J. BAYET, Hist. pol. et psych. 2049 (n. pl.; aktiv); WISSOWA266 (n. pl.; aktiv); S. BREEMER u. J. H. WAs-
de la religion Romaine, Paris 1957, 68; LATTE 94f. Z~NK,Fata ~cribunda, Mnemosyne S. III 13, 1947, 254-270; WASZINK, Tertul-
lian De_Anima, 444; L. L. TELS-DE JONG, Sur quelques divinites Romaines
de la naissance et de la prophetie, Amsterdam 1960, 105ff.; SCHILLING,Gnomon
fr. 101: Ebenso wie Tert. anim. 37, 1 (fr. 96.98.100) darf man anim. 39, 2 32, 1960, 652; LATTE 53; RADKE 117 (n. pl.).
mit großer Wahrscheinlichkeit Varros RD und dann dem Buch XIV zuweisen.
_,,ultima dies" ist der dies lustricus, an dem das Kind seinen Namen erhielt
Zwar scheint „adhuc" dagegen zu sprechen, doch wird man es auf den Brauch,
Die Fa~a Scrib_un~a werden nur hier genannt; ihre Deutung ist problematisch:
den Leib der Frau mit Binden zu umwickeln, beschränken müssen, wenn es
Tertulhan s_~hm ih~en jedenfalls eine Mehrzahl göttlicher Wesen ( advocantur),
nicht Tertullian sogar aus Varro übernommen hat. Jedenfalls hat man zu
und_ das mussen WII" auch für Varro annehmen, der sie wohl als schreibende
Tertullians Zeit gewiß nicht mehr die Statina angerufen, ebensowenig wie
Schicksalsgöttinnen bzw. Parzen aufgefaßt hat (BREEMER u. WASZINK a. 0.
Alemona (anim. 37, 1; fr. 96). Diese Notizen entstammen Varros Werk, und
254~.; TELS-DE JoNG 107). Ihr Verhältnis zu den tria Fata Parca, Noria
Tertullian greift hier wie später Augustin nicht das Heidentum seiner Zeit an, Decima (fr. 98) bleibt freilich unklar. '
sondern, ohne sich ganz darüber im klaren zu sein, gelehrte Traditionen.
Die aktive Bedeutung von scribunda bei Varro läßt sich stützen durch
Das Fragment ist wegen der Nennung von Lucina und Diana (hierzu Komm. Varro ap. Gell. 3, 10, 7 nascendus; 3, 10, 10 adolescendus/adolescens; LL 6, 11
fr. 100) an dieser Stelle eingeordnet, obwohl die Aufstellung der mensa und die senescend~s (vgl. WASZINK:De Anima _444). Sehr alt kann die Vorstellung der
Anrufung der Fata Scribunda in die Tage nach der Geburt gehören, also etwa Fata Scnbunda als schreibender Schicksalsgöttinnen (vgl. WrnsowA 265f .
hinter fr. 111, während Statina zu Statilinus (fr. 115) oder vielleicht neben F. MESSERSCHMIDT, AfRw 29, 1931, 60) schon wegen des sächlichen Geschlech~~
Opis und Levana (fr. 106 u. 109) zu stellen wäre. Doch würde das zu einer und d~s etymol?gischen Widerspruchs nicht sein (WISSOWA266, 2; LATTE 53),
Aufsplitterung führen, ohne daß man die Stücke mit völliger Sicherheit an doch ISt da~ kem Grund, die Formulierung erst Varro zuzuschreiben (so ver-
ihren Platz stellen könnte. mutungsweise WASZINK, Tert. De Anima 444·, LATTE . 53)
. . E"in Verg 1eic
· h m1·t
M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 201.
200 BuRKHART CARDAUNS

ausgeht, ist nicht sicher auf die gleiche Quelle zurückzuführen wie das Folgende,
~fü da (fr. 145) Adolenda, Commolenda, Deferunda, Coinquenda führt
~ eren ' G di ..b h t obwohl in aegrius z. 5 ein Hinweis stecken könnte. ·
wegen der Problematik auch dieser Namen und des erun vums u er a~p
(vgl. H. DREXLER u. K. STRUNK, Gymnasium 69, 1962, 429-460) schwerlich Es ist hier nicht der Ort, das Problem der Carmentes erschöpfend zu be-
handeln; dazu sei auf die Literatur verwiesen. Die Namensform Carmentis
zu gesicherten Ergebnissen. . ..
wahrscheinlich ist doch scribunda ursprünglich pass1v1sch zu verstehen. überwiegt in den römischen Quellen, Carmenta bei den Griechen (WISSOWA
BREEMERu. W ASZINKa. O. 265ff. vergleichen (nach SoALIGER)Auson. pare~t. 220, 1; Thes. L. L. Onom. II 198f.). Die Herleitung von carmen ist in den
3, 22 p. 31 P.: dictasti Fatis verba notanda meis und ~chließen, daß ~m ~ies antiken Quellen verbreitet und nach fr. 104 auch für Varro anzunehmen; sie
lustricus der Name des Kindes und die Omina aufgeschrieben w~rden, die se:ne wird begründet von TELS-DE JoNG a. 0. 27ff. (dort 24 A.20 andere moderne
Geburt und die ersten Tage begleiteten; das seien die fata scribunda ~zustim- Deutungen; vgl. WALDE-HOFMANNI 169f.; RADKE 82).
mend TELS-DE JoNG 119f.). Später sei eine Umdeutung zu schreibenden Das fanum bzw. sacellum Carmentis befand sich nahe der Porta Carmentalis
zwischen Stadt und Tiber (PLATNER-ASHBY,Topogr. Dict. 101); einen Altar
Schicksalsgöttinnen erfolgt.
nennen Verg. Aen. 8, 337 (mit Serv. auct.) und Dion. H. 1, 32, 2.
Statina: Vgl. fr. 115 Komm.
Geburtsgöttin ist Carmentis bei Ovid fast. 1, 61.7ff.; Plut. Rom. 21 und qu.
fr. 102 Candelifera: Keine weiteren Belege. Literatur: PRELLER II 208; Rom. 56, sonst tritt sie uns meist als weissagende Nymphe (und Mutter
CRusrns, Roscher I 850; AusT, RE III 1464; SAMTER,NJbb 15, 1905, 36; Euanders) entgegen. Das eine schließt das andere nicht aus, doch weist das
ders. Geburt, Hochzeit und Tod, 1911, 67ff.; W1ssowA 221, 2; RADKE 8~. . wenige, das wir vom Kult wissen, auf den Bereich der Frauen und der Geburt.
Der Brauch während der Geburt Kerzen zu entzünden, mag ursprunghch Zwei Carmentes, Postverta und Prorsa, nennt Varro und beruft sich auf
den Zweck gehabt haben, die schädlichen Mächte der Finsternis abzuwe~ren Altäre in Rom, sicherlich im Heiligtum der Carmentis. Es ist bemerkenswert,
(CRusrns, Roscher I 850; SAMTER, Geburt 67f.); vermutlich_ ist Can_deh~era daß er unbedenklich von zwei Carmentes spricht, obwohl zweifellos nur eine
dann ein Beiname der Geburtsgöttin selbst. Nach RADKE ~O 1st es „vielle;cht Göttin unter verschiedenen Beinamen verehrt wurde. Auf den Altären könnte
nur Übersetzung eines Beinamens der Frauengöttin Artem1~ (etwa T(fi>tcpopoi;' etwa gestanden haben: ,Carmenti Postvertae' und ,Carmenti Prorsae'. Varro
(sie!)". Doch ist ß(fi>"Y]cp6poi;'
nicht als Beiname der Artemis belegt, wenn es kennt LL 6, 12 nur eine Carmentis, ebenso Ovid, nach dessen Angaben in
in Delphi gab.
auch ß(fi>occp6ptoc ihrem Kult Porrima und Postverta angerufen wurden, fast. 1, 633 sqq. (ab-
hängig Serv. auct. Aen. 8, 336): Porrima placatur Postvertaque, sive sorores, /
fr. 103 Carmentes: Literatur: PRELLERI 405f., II 208f.; WrnsoWA, Roscher sive fugae comites, Maenali diva, tuae. / altera, quod porro fuerat, cecinisse
I 851-854; PETER, Roscher II 192f., 216ff.; AusT, RE I 2357 (Antevorta); putatur, / altera, versurum postmodo quidquid erat. Macr. 1, 7, 20 nennt (vielleicht
RE III 1594f. (Carmenta); Thes. L. L. Onom. II 198f.; E. SAMTER,Quaest. nach Hygin) Antevorta und Postvorta als comites des Ianus. Postverta bzw.
Varronianae, Berlin 1891, 2 sqq.; WrnsowA 219ff.; R. PETTAZZONI,Carmenta, Postvorta ist also bei Varro, Ovid und Macrobius bezeugt und damit am besten
SMSR 17, 1941, 1-16 (Essays on the Hist. of Rel., 1954, 110-124); A. PAGL~ARO, gesichert (Venus Postvota bei Serv. auct. Aen. 1, 720 hat hiermit nichts zu
Carmenta, SMSR 21, 1947/48, 121-122; w. KRAUS, RE XXI_I 314f. (Pornma); tun, vgl. LATTE 136, 7; RADKE 260 beruft sich auf eine falsche Lesart). Ante-
RE XXII 987f. (Postverta), RE XXIII 839 (Prorsa); BoME~ 52f.; LATTE vorta bei Macrobius könnte als Gegenstück zu Postvorta nachträglich gebildet
136f.; TELS-DE JoNG, Sur quelques divinites romaines de la naissance et de la sein, zumal auch die Verbindung zu Ianus nach sekundärer Konstruktion
prophetie, Amsterdam 1960, 21-65; W. EISENHUT, Kl. Pauly I 1964, 1056f.; aussieht. Ovid allerdings hätte schon aus metrischen Gründen auf Antevorta
RADKE 68. 81 ff. 258f. 263. verzichten müssen, doch hat er Porrima sicher nicht erfunden (vgl. KRAUS,
Übersetzung: ,,Da sie also, gegen die Natur zufällig auf die Füße gewendet, RE XXII 314f.), dafür wirkt auch seine Erklärung zu gezwungen. Offenbar
durch die meist gespreizten Arme festgehalten werden und die Frauen dann herrschte schon früh über die Beinamen keine Klarheit mehr.
schwerer niederkommen, so sind, um diese Gefahr durch Gebete_ abzuwenden, Gegen Varros Deutung ist im Prinzip wenig einzuwenden, doch bleibt vieles
Altäre in Rom errichtet worden für die zwei Carmentes, deren em: Postverta, problematisch. TELS-DE J 0NG a. 0. hält Antevorta und Postvorta für das
die andere Prorsa genannt wird, nach der Bedeutung und Bezeichnung der ursprüngliche Paar, Prorsa sei erst aufgekommen, als die Göttin schon zur
richtigen und der verkehrten Geburt." . . Prophetin geworden sei (p. 59). Dem widerspricht, daß gerade Ovid und Macro-
Die Einordnung des bei Gellius überlieferten Fragments ergibt s~ch aus de1:1 bius, die den prophetischen Charakter betonen, Prorsa nicht nennen.
Zusammenhang mit fr. 107, dessen Herkunft aus den RD bezeugt ISt, und nut
V arro hat wohl - entgegen der Reihenfolge im Fragment, doch vgl. Tert. -
Tert. nat. 2, 11, 6, wo fr. 102 vorangeht. Merkels Zuweisung an Buch ~V
Prorsa auf den rectus partus und Postverta auf den perversus partus bezogen
entbehrt jeder Begründung. Die Etymologie von Agrippa, von der Gelhus
BURKHART ÜARDAUNS M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 203
202
(vgl. Isid. or. 1, 38, 1 prosis i.e. rectis nach Varro fr. 319 Fun.; Paul. Fest. 223: Plant. Bacch. 893; Paul. Fest. 187; Hygin. 139 (LINDEMANN Die Sonder-
prorsum ponebant pro recto). Bedenken bestehen vor allem bei Prorsa, was götter in der Apologetik der Civitas Dei Augustins, München 1930, Anm. 80).
kaum etwas anderes als ,die Vorwärtsgewandte' bedeuten kann, wo man doch
eine aktive Auffassung erwarten würde. Daß nicht polare Begriffe, sondern fr. 107 Aius und Vaticanus: Literatur zu Aius (Locutius): PRELLER I 61
Regel und Ausnahme zugrundegelegt werden, ist hingegen kein überzeugender II 212, 1; BERNHARD,Roscherl 204; PETER, Roscher II 191. 203; AusT, RE I
1_130; WrssowA, Ges. Abk. 319; WrssowA 55; LATTE, RE XIII 964f. (Locu-
Einwand.
Der Vergleich des Ungeborenen mit einem Baum ist wohl stoischer Her- tms); LATTE, AfRw 24, 1926, 244; ALTHEIM,Röm. Rel. I 1956, 73; LATTE 51;
kunft und herzuleiten aus der Diskussion, ob der Embryo ein ~C:)OVsei oder RADKE 59f.
nicht. Nach Chrysipp bei Plut. de Stoic. repugn. 1052 sq. (SVF II 806) ist er Literatur zu Vaticanus: PRELLER II 209f. (Vagitanus); PETER Roscher II
x()(M.m:p qiu't'6v und Plut. qu. Rom. 102 sagt vom Kind bis zum Abfall der 171f. 228 (Vagitanus); A. ELTER, RhM 46, 1891, 129; KocH, RE VIII A 493f.;
Nabelschnur in den ersten sieben Tagen nach der Geburt: (f)U't'C)) µöiAAov~ ~cfiCJ) RADKE 306.
npocreorne: 't'o v~mov. Besonders ist zu vergleichen Galen. defin. med. 445 (Vol. ~bersetzung: : ,Denn so wie Aius als Gott angerufen und ein Altar ihm
XIX p. 452 Kühn; SVF II 757): ot OEfL~ dv()(L ~0ov Asyov't'e:~(sc. 't'O ~fL~puov) errichtet worden 1St, am Ende der Nova Via, weil sich an der Stelle eine Stimme
, \ ' ' \ ,, t: G._ ,, \ ' ~' '"'
göttlichen Ursprungs hatte vernehmen lassen, so wurde Vaticanus ein Gott ae-
-rpe:qie:cr&O(L
fLEVO(UTOXO(LO(Uc,ECT•tTO(L
wcrne:p XO(LTO(oe:vop()(.
nannt, zu dessen Bereich die Anfänge menschlicher Stimme aehörten weil die
fr.104: Augustin scheint sich civ. 4, 11 p. 161, 2 bei der Reihenfolge der Kinder gleich nach der Geburt den Laut zuerst von sich geben der 'die erste
Namen Levana, Cunina, Carmentes, Fortuna, Rumina nicht genau an seine Silbe im Wort Vaticanus ausmacht, und deswegen sagt man '.,vagire", weil
Quelle aehalten zu haben (AGAHD168), doch ist für die Carmentes der An- das Wort den Klang des ersten Lautes wiedergibt."
schluß :n fr. 103 sicher. Sie erscheinen hier freilich in ganz anderer Funktion, Gellius 16, 17, 1 trägt für Vaticanus zuerst eine Deutung vor, die ihn zum
offenbar in Anlehnung an die bekannte Ableitung von carmen. Ob Varro einen praeses agri Vaticani macht und ihn gleichzeitig mit vaticinia verbindet
Ausgleich vorgenommen oder auch nur versucht hat, läßt sich nicht sagen. die er dort gegeben haben soll. Gellius fährt dann fort: Sed praeter hanc causan;
Zur Sache vgl. LL 6, 52: ab hoc tempora quod tum pueris constituant Parcae M. Varro in libris divinarum aliam esse tradit istius nominis rationem. Damit
fando, dictum fatum et res fatales. Daß erst Augustinus carmina auf fata_umge- ist die Herkunft der ersten Erklärung aus den RD zwar gewiß nicht zu beweisen.
deutet habe (so TELS-DE-JONG a. 0. 58), ist wenig wahrscheinlich. Die Vor- ab_er doch an sich noch nicht zwingend auszuschließen, doch ,acceperamus;
stellung singender Parzen kennt Catull 64, 305 sqq. In griechischer und latei- zeigt, daß Gellius diese Ableitung bereits bekannt war, als er in Varros RD -
nischer Literatur scheint sie selten geblieben zu sein (Plat. rep. 617 c; F. aus denen er 16, 16 gerade zitiert hatte (fr. 103) - eine andere fand. Er las also
KLINGNER,Catulls Peleus-Epos, SB Bayer. Ak. 1956 H. 6, 22 vergleicht unsere vom praeses agri Vaticani nicht bei Varro, auch nicht an anderer Stelle der
Stelle). RD, wo AGAHD diese Notiz einordnet (bei den Lokalgottheiten XIV fr. 103
Ag.). Dennoch könnte AGAHDletzten Endes recht haben und die erste Deu-
fr. 105 Fortuna: Obwohl kein spezifischer Bezug auf die Geburt erkennbar
tung in~~re~t a~s ~arro un~ auch aus den RD stammen; der Zusammenhang
ist scheint doch Varro auch der Fortuna einen Platz unter den Gottheiten der
de~ v~ticinia mit vis atque instinctus entspricht Varros Etymologie von vates
er~ten Tage angewiesen zu haben, da Aug. civ. 4, 11 sie mit den Carmentes
bei Is1d. or. 8, 7, 3: vates a vi mentis (vgl. Serv. auct. Aen. 3, 443) und Schol.
(fr. 104) in diesem Zusammenhang anführt. Dafür kann auch ihre Verbindung
Bern. Verg. ecl. 9, 34: vates dicuntur, sicut Varro ait, a vi mentis id est ab
mit der Frauengöttin Mater Matuta sprechen (WrssowA 257), die bei Varro
instinctu mentis. Vgl. H. DAHLMANN,Vates, Philologus 97, 1948, 338. Die Stelle
freilich unter den Gottheiten der Feldfrucht erscheint (fr. 175). Vgl. RADKE
Gell. 16, 17, 1 ist dennoch nicht als Fragment aufgenommen, da sie im Zusam-
133f. menhang mit vates nicht unbedingt den RD entstammen muß.
fr. 106 Opis: Zum Brauch, das Kind gleich nach der Geburt auf die Erde zu Wie der Text zeigt, kam es Varro für die Erklärung des Vaticanus nur auf
legen, vgl. Ovid trist. 4, 3, 46; Suet. Aug. 5; Nero 6; Macr. 1, 12, 20 (zit. fr. 21 die erste Silbe an. Vagitanus ist Textvariante bei Aug. civ. 4, 8 p. 155, 11 (codd.
Komm.); V arro VPR II ap. Non. 528 (zit. fr. 111 App.); A. DIETERICH, Ba) und von dort in die ältere Literatur eingedrungen (PRELLER II 209f.;
Mutter Erde, 2. A. 1913, 6ff.; SAMTER,Geburt, Hochzeit und Tod, 1911, 2f.; PETER, Roscher II 17 lf.; zurückgewiesen von AGAHD 169; Wrssow A, Ges.
LATTE 95. Der Wortlaut Aug. civ. 4, 11 legt nahe, daß Varro in erster Linie Abk. 319; RADKE 306); einen Gott Vagitanus hat es nie gegeben.
an Ops Opifera dachte (RADKE 238) und die Sondergöttin Opis nannte, die Der erste Schrei des Kindes gehört zu seiner ersten Berührung mit der
große Göttin hingegen Ops (vgl. fr. 240 u. 268). Opis statt Ops begegnet auch Erde (fr. 106); vgl. Macr. 1, 12, 20 (Cornelius Labeo): ... vox nascenti homini
M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 205
204 BURKHART CARDAUNS

terrae contactu datur; 1, 12, 22: infantes partu editi non prius vocem edunt Vgl. Varro ap. Non. 528 (VPR II fr. 81 Rip., zit. fr. 111 App.): natus si erat
quam attigerint terram (BREEMERu. WASZINK,Mnemosyne S. III 13, 1947, 261). vitalis ac sublatus, ab obstetrice statuebatur in terra, ut aspiceretur rectus esse.
,statuebatur in terra' dürfte sich auf eine anschließende Prüfung des Kindes
Hieraus ergibt sich auch der Platz des Fragments.
Der Altar des Aius ist anscheinend nur genannt, um auf die Ähnlichkeit beziehen, die vom Hinlegen auf den Boden zu trennen ist (v. BLUMENTHAL,
der Bildung hinzuweisen (vox edita - vocem edunt); ein Bezug auf das Neuge- RE XX 1369; ganz hypothetisch die Hinzuziehung der Orbona durch RADKE
borene ist dem wörtlich zitierten Text jedenfalls nicht zu entnehmen (vgl. 241).
aber fr. 108 Komm.). Zur Wendung penes quem essent vocis humanae initia
vgl. fr. 236 u. 239. fr. UO Alhana: Nur Tert. nat. 2, 11, 7 ist der Name überliefert. Eine Ände-
rung in Levana (übernommen von AGAHD 170) ist methodisch nicht zu ver-
fr. 108 Farinus: Farinus (Konjektur für Farmus) ist sonst nicht bezeugt. treten, auch wenn über Albana sonst nichts bekannt ist und ihre Funktion
Literatur: PRELLER II 212; PETER, Roscher II 198; WrnsowA, RE VI 1998; völlig dunkel bleibt (RADKE 60). Vor ihr muß Tertullian wenigstens noch eine
Göttin genannt haben; ÜEHLERSErgänzung oculum gra]vem ad cavendum ist
w. F. ÜTTO, RhM 64, 1909, 455; RADKE 117.
Es scheint, als habe Varro hier neben Vaticanus und Aius auch schon die bestechend und könnte an Cunina denken lassen, die nach Lact. inst. 1, 20,
Gottheiten behandelt, die er auf die menschliche Sprache bezog, und die eigent- 36 fascinum submovet (vgl. fr. 112).
lich erst an eine spätere Stelle im Leben des Kindes gehört hätten. Die Reihen-
folge der Namen bei Tert. legt aber die Vermutung nahe (AGAHD 170), daß fr. lll Silvanus, Intercidona, Deverra, Pilumnus: AGAHDstellt das Fragment
Varro alle lautlichen Äußerungen des Menschen zusammenfaßte. wenig überzeugend zu den di coniugales, weil Pilumnus und Picumnus bei Varro
Bei der unsicheren Überlieferung ist die richtige Erklärung zweifelhaft; ap. Non. 528 (VPR II fr. 81 Rip.) so heißen. Aber selbst dort ist von der Zeit
W. F. ÜTTO a. 0. dachte an far oder auch an mit Far- beginnende Namen post partum, vom Wochenbett die Rede, weswegen hier der rechte Platz sein
(SCHULZE356), RADKE an fariari. Zur Wortgruppe fari vgl. LL 6,52 sqq.: dürfte (Stellung hinter fr. 114 ist nicht auszuschließen).
effari wird dort (6, 53) der Auguralsphäre zugewiesen, woran hier aber nicht Zu Silvanus und den hier geschilderten Bräuchen vgl. besonders: PRELLER
zu denken ist. Tertullian gebraucht effatus in ganz ähnlicher Weise wie hier I 392ff. 376f.; MANNHARDT,Wald- und Feldkulte II2 1905, 124f.; SAMTER,
anim. 6, 3 (i. q. locutionis facultas Thes. L. L. V 126, 56 sqq.); vielleicht gehört Geburt, Hochzeit und Tod, 1911, 29ff.; PETER, Roscher IV 824ff.; WrnsowA
das Wort gar nicht Varro. 213ff. 244; KLOTZ, RE III A 117ff.; V. BLUMENTHAL,RE XX 1369:ff.; LATTE
Wenn Tertullian wirklich auch Aius Locutius bei Varro las, ist nicht leicht 83. 94f.; RADKE 287.
der Widerspruch zu fr. 107 zu lösen, wo Aius auf die historische Erscheinung Wenn nach der Geburt drei Männer ums Haus gingen und die Schwellen
einer göttlichen Stimme zurückgeführt wird. Oder sollte Varro Locutius von mit Beil und Mörserkeule schlugen und dann abfegten, sollte dies zweifellos
Aius getrennt haben? Das ist wenig wahrscheinlich (trotz PETER, Rascher II der Abwehr böser Mächte dienen, denen Kind und Wöchnerin in den Tagen
203). Eine Entscheidung ist bei der lückenhaften Überlieferung um so schwerer, nach der Geburt besonders ausgesetzt schienen. Volkskundliches Material
als Varro häufig zwei oder mehr Deutungen zur Wahl stellt. hat vor allem SAMTER a. 0. gesammelt, vgl. zum Gebrauch der Axt und
Aus dem Logistoricus Catus erfahren wir von einem Opfer für Fabulinus, anderer Waffen p. 38ff. 46:ff. 51. 54; zum Lärm mit ehernen Geräten p. 58:ff.
sobald das Kind zu sprechen begann. Zu diesem sonst nie genannten Sonder- 63ff. (vgl. Ovid fast. 5, 441 und BöMER z. St.; RD XVI fr. 267); zur Mörserkeule
gott, der wohl auch in den RD nicht vergessen war, vgl. PRELLER II 211; p. 52; zum Ausfegen p. 30ff. (an den Parilia Ovid. fast. 4, 736 u. BöMER z. St.;
PETER, Roscher II 198; WrnsowA, RE VI 1944; RADKE 116. beim Begräbnis Paul. Fest. 77); zur Bedeutung der Schwelle K. MEISTER,
Die Hausschwelle in Sprache u. Religion der Römer, SB Heidelberg. Akad.,
fr. 109 Levana: Keine weiteren Zeugnisse. Literatur: PRELLER II 210; Phil.-hist. Kl. 3, 1925.
PETER, Roscher II 201; DE MARCHI,Il culto privato I 1896, 168 A. 1; SAMTER, Sekundär ist die Ausdeutung der Werkzeuge als Zeichen der Kultur und
Geburt, Hochzeit und Tod, 1911, 1; A. DrnTERICH, Mutter Erde, 2. A. 1913, wahrscheinlich auch die Verbindung mit den genannten Gottheiten.
6:ff.; WrssowA 221, 2; ScHUR, RE XII 2149; LATTE 95, 2; RADKE 174. Intercidona kommt nur hier vor. Literatur: PETER, Roscher II 200;
Die Göttin wirkte bei der Aufhebung des Kindes von der Erde (s.o. fr. 106) WISSOWA,RE IX 1608; V. BLUMENTHAL,RE XX 1371; LATTE95, 1; RADKE
durch den Vater, was seine rechtliche Anerkennung bedeutete (so PRELLER 151f. Der Name paßt nicht ganz zum geschilderten Brauch; es sind darum
II 210 u.a.; diese Deutung kennt auch JEAN PAUL, Levana, Vorrede zur 1. A. verschiedene andere Erklärungsversuche gemacht worden. Möglich, daß
1806, p. 81 Hist.-krit. Ausg. I 12, Weimar 1937). Varro erst diese Verbindung hergestellt hat.
M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 207
206 BURKHART ÜARDAUNS

Deverra ist ebenfalls sonst unbekannt; Literatur: PETER, Roscher II 197; fr. 117 Iterduca, Domiduca: Literatur: PETER, Roscher II 197. 200; AusT,
DEUBNER,NJbb 14, 1911, 332; AusT, RE V 260; LATTE95, 1; RADKE 103f. RE V 1301; WISSOWA186, 1; ders. RE IX 2288; RADKE 110. 152.
Zu Pilumnus: PETER, Roscher II 213ff.; WISSOWA244; v. BLUMENTHAL, Diese Beinamen der Iuno als Geleiterin der Braut (vgl. fr. 274; fr. 147) sind
RE XX 1369ff.; LATTE 51. 94f.; RADKE 253f. 255f. von Varro in einem allgemeinen Sinn ausgedeutet worden und dann besonders
Nach Varro ap. Non. 528 (VPR II fr. 81 RIP.; Serv. auct. Aen. 10, 76 u. als Beschützerinnen der Kinder angesehen worden.
9, 4) erhielten Pilumnus und Picumnus im Atrium nach der Geburt einen
lectus. Da sie auch sonst anscheinend eng zusammengehören, ist es auffallend, fr.118 Mens:Literatur:WISSOWA 313ff.;MARBACH, RE XV 936f.; BöMER
daß bei der Abwehr des Silvanus Picumnus nicht auftritt, was dafür spricht, 353; LATTE 239f.
daß Varro Brauch und Gottheiten erst zusammengebracht hat, zumal bei Auch hier wird eine Gottheit dem vorgefaßten Schema eingeordnet, wobei
Aug. civ. 6, 9 nicht ausdrücklich von einer Anrufung der Götter gesprochen in diesem Falle eine Begriffsverengung eintritt. MARBACHa. 0. denkt an eine
wird. Der Zusammenhang mit der ersten Kindheit ist jedoch auch bei Piso ursprüngliche Verschiedenheit (Kultgöttin und Sondergöttin der Kinder),
ap. Serv. auct. Aen. 10, 76 bezeugt (fr. 111 App.). doch ohne Berechtigung.

fr. 112 Cunina: Literatur: PETER, Roscher II 196; AusT, RE IV 1758; fr. 119 Volumnus, Volumna: Literatur: PETER, Roscher II 232; EISENHUT,
WrssowA 411, 7; RADKE 100. Varros Ableitung wird allgemein nicht bestrit- RE IX A 873. 884f.; RADKE 348.
ten. Lact. inst. 1, 20, 36: fascinum submovet wird auf Varro zurückgehen (RD Volumnus wird von Minucius Felix 25, 7 unter den Göttern des Romulus
oder log. Catus). Als Musterbeispiel für die Bildung von Götternamen dient erwähnt, was vielleicht varronisch ist (zit. fr. 35 App.).
Cunina fr. 189.
fr. 120 Voleta, Volumnius: Literatur: PETER, Roscher II 232; RADKE 347;
fr. U3 Rumina: Literatur: PETER, Roscher II 219f.; WISSOWA242. 411, 7;
ders. RE IX A 762ff. Weitere Belege sind nicht vorhanden. Volumnius kann
PFISTER, RE I A 1225f.; HERBIG, Berl. Phil. Woch. 36, 1916, 1444f. 1472;
eine echte Nebenform zu Volumnus sein, aber auch Überlieferungsfehler.
BöMER II 112f.; LATTE 111; RADKE 274.
Das Milchopfer wird auch von Plutarch Rom. 4 und qu. Rom. 57 erwähnt.
Varros Etymologie dürfte richtig sein, doch ist fraglich, ob die Göttin von fr. 121 Paventia: Literatur: PETER, Roscher II 213; KocH, RE XVIII
2308f.; RADKE 247.
Anfang an nur in die Kinderstube gehörte.
Paventina neben Paventia ist möglicherweise alt; RADKE vergleicht La-
fr. ll4 Potina, Educa/Edula: Literatur: PETER, RoscherII 197f. 217; AusT, rentia und Larentina. Auch hier muß man aber die Unsicherheit unserer
RE V 1975; RADKE 111. 261. Es ist kaum zu entscheiden, welcher der verschie- Überlieferung in Rechnung stellen, bei der praktisch jede Möglichkeit der
den überlieferten Namensformen der Vorzug gebührt (Edusa bei AusT, Edula Kontrolle fehlt.
bei RADKE). Die Göttinnen sind nur an den im Apparat aufgeführten
Stellen genannt, bei Donat tritt noch Cuba hinzu (vgl. CRUSIUS, Roscher 1 fr. 122/123 Venilia: Literatur: PETER, Roscher II 228f.; WISSOWA 107;
930; PETER, Roscher II 196; AUST, RE IV 1734; RADKE 100). Hierfür kommt LATTE 58. 131, 3; RADKE 310; ders. RE VIII A 787 f.
der Logistoricus Catus ebenso wie die Res Divinae in Betracht. Eine Konstruk- Varro hat die Göttin in Verbindung mit Neptun fr. 33 und LL 5, 72 anders
gedeutet, ein Beweis dafür, wie wenig er innerhalb desselben Werkes sich auf
tion Varros scheidet hier aus, da ein Opfer bezeugt ist.
eine einzige Erklärung festlegen wollte. Doch auch fr. 123 geht auf die Ver-
fr. ll5 Statilinus: Literatur: PETER, Roscher II 147. 224; MARBACH,RE bindung mit Neptun ein, und wenn auch keine sichere Ergänzung möglich ist,
III A 2168; RADKE 292. Statina bei Tert. anim. 39, 2 beruht nur auf einer so läßt sich doch vermuten, daß die Hoffnung sich in diesem Zusammenhang
Konjektur, vielleicht ist Statilina zu lesen (AGAHD 171; WASZINK, Tert. De auf das Eintreffen günstigen Windes oder die Beruhigung nach dem Ende
Anima 445) oder Statana (RADKE 292). eines Seesturms richtet.

fr. 116 Adeona, Abeona: Weitere Belege fehlen. Literatur: AusT, RE I 29. fr. 124 Cluacina (Cloacina): Literatur: STEUDING,Roscher I 913; WISsowA
357; PETER, Roscher II 188; RADKE 55. 245; ders. RE IV 60f; LATTE 186; RADKE 93; EISENHUT, Kl. Pauly I 1226;
Man darf annehmen, daß V arro hier an die ersten Laufversuche der Kinder WAGENVOORT,Mnemosyne S. IV 17, 1964, 60; R. SCHILLING,La religion
gedacht hat und nicht an Beschützer des Kommens und Gehens überhaupt. Romaine de Venus, Paris 1954, 210ff.
208 BURKHART
ÜARDAUNS M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 209

Cluacina ist wie Volupia und Lubentina (fr. 125. 126) ein Beiname der fr. 133 Fessona: Weitere Zeugnisse fehlen. Literatur: PETER, Roscher II
Venus, der aber hier allgemein gedeutet sein muß. Augustin teilt uns nicht mit, 198; RADKE 127.
wie Varro sie aufgefaßt hat, aber es ist ziemlich sicher, daß er sie auf ,cluere' Auf Grund der ihr zugelegten Bedeutung dürfte die Einordnung an dieser
,gerühmt werden' bezog. In den ganzen Zusammenhang würde das gut passen; Stelle neben Quies wohl das Richtige treffen.
sachlich ist es natürlich unzutreffend.
fr.134 Quies: Literatur: DEUBNER, Roscher III 2163; HÖFER, Roscher IV
fr.125 Volupia: Literatur: PETER, Roscher II 233; WrnsowA 241; EISEN· 9; WISSOWA333,4; LATTE 239; EISENHUT, RE XXIV 877ff.
HUT, RE IX A 890ff.
fr. 135 Minerva: Vgl. fr. 277ff. Die Einordnung mit Mercurius vor Numeria,
Das sacellum Volupiae erwähnt Varro LL 5, 164.
Camena und Catius hat keine sichere Stütze in der Überlieferung, ist aber von
AGAHD21 wohl richtig erkannt worden.
fr. 126 Lubentina: Literatur: PETER, Roscher II 202; WrnsowA 245; R.
SCHILLING,La religion Romainc de Venus, Paris 1954, 203ff.; LATTE 185; ders. fr. 136 Mercurius: Vgl. fr. 249f. AGAHDhat dies Fragment nur mit Bedenken
RE XIII 1534 f.; RADKE 186f.; KocH, RE VIII A 851. aufgenommen (p. 209 sogar Buch XIV abgesprochen) und auch BICKEL,
Varro hat anscheinend keinen Unterschied zwischen Lubentina und Libitina Phil. Woch. 41, 1921, 833 denkt an einen Zusatz Augustins. Aber für Minerva
gemacht (vgl. LL 6, 47, zit. fr. 126 App.). Für Venus Lubentina ist seine Er- ist bezeugt, daß sie im Buch XIV ihren Platz hatte, und Augustins Formulie-
klärung richtig; auch Cic. n.d. 2, 61 nennt neben Venus und Voluptas Luben- rung ,quid doctrinae petendum esset' läßt gerade an das Buch der Res Divinae
tina (vgl. PEASE z. St.). denken, in dem Varro zeigen wollte, welche Gabe von welcher Gottheit zu er-
langen sei.
fr. 127 Praestitia: Es gibt keine weiteren Zeugnisse. Literatur: PETER,
Roscher II 217; EHLERS, RE XXII 1568; Ev ANS 116; BöMER 301; LATTE fr. 137 Numeria: Literatur: PETER, Roscher II 208; W1ssowA 33, 3; EHLERS,
56, 4; RADKE 262. RE XVII 1323; RADKE 233.
Bemerkenswert ist die Parallelstelle im Logistoricus Catus, wo eine ganz
fr. 128 Agenoria: Nur hier genannt. Literatur: PETER, Roscher II 190; andere Deutung vorgetragen und auch aus der Kultpraxis belegt wird (vgl.
AusT, RE I 775; RADKE 58 (zu gr. &y~vwd). R. MÜLLER, Varros Logistoricus über Kindererziehung, Leipzig 1939, 58).
Dort war vielleicht auch die Etymologie von Agrippa behandelt (fr. 103
fr. 129 Peragenor: Nur hier genannt. Literatur: PETER, Roscher II 213; Komm.), die mit den Carmentes zusammenhängt, aber für die RD nicht sicher
RADKE 252 (ein Paar Agenoria-Peragenor ?). nachweisbar ist.
In den Kreis dieser Gottheiten gehört auch - von AGAHD 172 hierzu ver-
fr. 138 Camena: Literatur: AusT, RE III 1427 f.; Wrnsow A, Roscher I
glichen - Arnob. 4, 7: praesto est rebus petendis Peta. Varronische Herkunft
846ff.; WISSOWA219; LATTE 77; RADKE 78f.
ist wie bei anderen nur von Arnobius genannten Gottheiten höchst wahr-
scheinlich. fr. 139 Catius: Nur hier bezeugt. Literatur: PETER, Roscher II 195; AusT,
RE III 1794; Wrssow A 224, 7; RADKE 85.
fr. 130 Stimula: Literatur: PETER, Roscher II 226f.; Wrnsow A 245; BöMER Zu vergleichen ist der Titel des Logistoricus Catus de liberis educandis (Aus-
374; MARBACH,RE III A 2534; RADKE. 294. gabe von R. MÜLLERs.o. zu fr. 137), einer Schrift, die mit RD XIV noch in
den Fragmenten eine starke Verwandtschaft zeigt, insofern auch dort das
fr. 131 Murcia: Literatur: WrssowA, Roscher II 3231ff; WrssowA 242. Leben des Kindes von einer großen Zahl fast unbekannter Gottheiten be-
316, 3; MrnLENTZ, RE XVI 657ff.; LATTE 137; RaDKE 224f.; R. ScHILLING, gleitet ist. Auch der deus Catius dürfte dort nicht gefehlt haben.
La religion Romaine de V eniis, Paris 1954, 215f.
fr. 140 Consus: Literatur: AusT, RE IV 1147f.; W1ssowA 210f.; BöMER
fr. 132 Strenia: Literatur: PETER, Roscher II 227; Wrssow A 244; MAR- 156; LATTE 72; RADKE 97f.
BACH,RE IV A 353 f; EVANS 192, 2; LATTE 52; RADKE 294. Die Erklärung Varros steht auch Tert. spect. 5, 5; Paul. Fest. 41; Serv.
Das Heiligtum der Strenia erwähnt Varro LL 5, 47. Es ist möglich, daß sie Aen. 8, 636; Plut. Rom. 14. Mit dem Kult des Gottes hat sie keinerlei Berüh-
sich hinter der sabinischen Salus LL 5, 74 verbirgt (RADKE 294). rung. A. v. BLUMENTHAL,AfRw 33, 1936, 385 vermutet Verlesung der von
BURKHART CARDAUNS M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 211

Tert. spect. 5, 5 zitierten Inschrift (vgl. Buch IX Append.): Consus consilio fr. 149 Manturna: Nur hier genannt. Literatur: PETER, Roscher II 203;
statt Consus consivio. WrnsowA, Ges. Abk. 318, 1; W. F. ÜTTO,RhM 64, 1909, 452 u. 457; WrnsowA
312, 7; KROLL, RE XIV 1360; RADKE 198.
fr. 141 Sentia: Nur hier bezeugt. Literatur: PETER, Roscher II 222; ZWICKER,
RE II A 1507; RADKE 287. Mit Sentinus fr. 97 ließe sich der Name verbinden;
fr. 150 Virginiensis: Literatur: PETER, Roscher I 1519, II 231f.; BrcKEL,
ob Varro irgendeinen Grund hatte, die beiden Gottheiten so zu deuten, wie er
Gottesbegriff 56. 90ff.; LINDEMANN(s. o. fr. 144) 57; BucHNER, RE IX A 195.
es tut, und nicht genausogut umgekehrt, läßt sich nicht sagen.
BrcKEL und LINDEMANNtreten wegen des Suffixes für eine Ortsgottheit ein,
doch gab es auch eine Fortuna Virginalis (BucHNER, RE IX A 194).
fr.142 luventas: Literatur: WrnsowA, Roscher II 764ff.; WrnsowA 135f.;
KROLL, RE X 1360f.; LAMBRECHTS, AC 17, 1948, 355ff.; LATTE 256, 1.
Daß Iuventas beim Anlegen der toga virilis verehrt wurde, bezeugt auch fr. 151 Mutunus Tutunus: Literatur: PETER, Roscher II 204ff.; WrnsowA
Dion. H. 4, 15. 243; HERTER, RhM 76, 1927, 418ff.; VAHLERT, RE XVI 979ff.; ALTHEIM,
Griech. Götter im alten .Rom, 1930, 53ff.; LATTE 96; RADKE 225ff.
Entsprechend der Reihenfolge bei Tertullian nat. 2,11 habe ich Mutunus
fr.143 Fortuna barbata: Vgl. WrnsowA 262; LATTE 182, 1.
Tutunus vor Subigus und Prema gestellt (bei AGAHD umgekehrt nach Aug.
civ. 6,9), was mir seiner Bedeutung hier besser zu entsprechen scheint. Auf
fr. 144 di nuptiales: Vgl. DE MARCHII 145ff., bes. 161f.; PRELLER II 214. Varro gehen indirekt auch Laktanz und Arnobius zurück.
Hier beginnt eine neue Reihe von Gottheiten, die bis fr. 156 reicht. Die For-
mulierung di nuptiales hat Varro wohl selbst gebraucht, da der Begriff sich bei
Tertullian und Augustinus findet (vgl. H. LINDEMANN,Die Sondergötter in der fr. 152 Subigus: Nur hier bezeugt. Literatur: PETER, Roscher II 227; MAR-
Apologetik der Civitas Dei Augustins, Diss. München 1930, Anm. 41). BACH,RE IV A 4 79; RADKE 295.
Deus pater Subigus bei Aug. civ. 6,9 mag ebenso wie Prema mater (fr. 153)
aus Varro und damit aus den kultischen Anrufungen stammen (LINDEMANN
fr. 145 Afferenda: Nur hier bezeugt. Literatur: PETER, Roscher II 190;
78 Anm. 36, s. o. zu fr. 144): von den Kirchenvätern wird es natürlich mit
RADKE 58. L.L. TELS-DE-JONG, Sur quelques divinites .Romaines etc., 1960,
schneidender Ironie gesagt.
110f. nimmt an, ursprünglich habe man von der das afjerenda gesprochen
Vielleicht gehörte Subigus eigentlich in den Bereich des Landbaus; RADKE
(analog zur Göttin Deferunda der Arvalakten: arbor de/ erunda). Einfacher
vergleicht Cic. ap. Non. 395: segetes agricolae subigunt.
scheint es, aktiven Gebrauch des Gerundivums anzunehmen (vgl. die Fata
Scribunda fr. 101).
fr. 153 Prema: Nur hier genannt. Literatur: PETER, Roscher II 217f.;
fr. 146 Iugatinus: Literatur: PETER, Roscher II 200; DE MARCHI I 175; EHLERS, RE XXII 1836; RADKE 262.
RADKE 152.
Der Gott ist sonst nur noch fr. 164 genannt, aber mit anderer Deutung.
Es gab eine Iuno Iuga; Paul. Fest. 104: ara Iunonis Iugae, quam putabant fr.154 Pertunda: Literatur: PETER, Roscher II 213; EHLERS, RE XIX
matrimonia iungere; eine Iuno Iugalis bei Serv. Aen. 4, 16. 1060; RADKE 253. Die Göttin ist nur hier und Arnobius 4, 7 genannt, wo sie
zusammen mit Perfica ebenfalls auf die RD zurückzuführen ist.
Zu Perfica vgl. PETER, Roscher II 213; EHLERS, RE XIX 683; RADKE 252.
fr. 147 Domiducus: Keine weiteren Belege. Literatur: PETER, Roscher II
197; RADKE 110f. Vgl. Domiduca als Beiname der Iuno fr.117 (Schutzgöttin
der pueri) und fr. 274. fr. 155 Venus: Literatur s. zu fr. 279.
Die hier gegebene Etymologie ,quod sine vi femina virgo esse non desinat'
fr. 148 Domitius: Nur hier genannt. Literatur: PETER, Roscher II 197; zeigt, daß auch Venus bei den Göttern des Brautbettes ihren Platz hatte. Auch
AusT, RE V 1520; W. F. ÜTTO, RhM 64, 1909, 458 (zur gens Domitia); Wrn- LL 5,61 heißt es: (maris et feminae) vinctionis vis Venus, und fr. 280 liegt
sowA 33, 3: RADKE 111. sicher die gleiche Ableitung vor.

212 BURKHART CARDAUNS M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 213

Ergänzungen zu den varronischen Hochzeitsgöttern lassen sich mit großer (fr. 126) gleichzusetzen scheint (vgl. LATTE 53; RADKE 184), so könnte er sie
Wahrscheinlichkeit noch gewinnen aus Arnob. 3, 25: unctionibus superest ungeachtet dessen doch als Totengöttin an den Schluß seiner das menschliche
Unxia, cingulorum Cinxia replicationi, Victa et Potua sanctissimae victui potui- Leben begleitenden Götterreihen gesetzt haben.
que procurant, dazu aus Mart. Cap. 2, 149: Unxiam, Cinctiam mortales puellae PRELLERII 219 zog auch Morta als dea mortis in Betracht (vgl. fr. 98 Komm.).
debent in nuptias convocare ... cum postes unguent ... et cingulum ponentes in
thalamis (XIV App.). fr. 162 Nenia: Literatur: PETER, Roscher II 207; STOLL, Roscher III 2;
KROLL, RE XVI 2392; Wrnsow A 245; LATTE 52; RADKE 227.
fr. 156: Die kurze, bei Nonius s. v. sacrificari zitierte Notiz gehört sicher Die Verbindung mit der Bestattung scheint auf einem Brauch zu beruhen
in den Bereich der Hochzeitsgötter. Nimmt man die Ergänzung PoPMAS an, und nicht auf der bloßen Namensverbindung, wenn es heißt: quae in funeribus
so läßt sich übersetzen: ,,Bei einer zweiten Hochzeit (wenn Frauen zum zweiten senum cantatur, wobei die Göttin, nicht der Klagegesang als Subjekt zu denken
Mal heirateten) opferten die Witwen im Schlafgemach." Die Glossarien erklä- ist. Fest. 175 bezeugt eine Kapelle vor der Stadt, die Nenia geweiht war.
ren bivira als secunda nupta vel coniunx (Thes. LL. II 2024, 47 sqq.); vgl. Non.
79 : biviras, quas usus viduas appellat; Varro Men. 239: ad biviram venio. fr. 163 di agrestes: Hier beginnt eine neue Götterreihe der Beschützer der
Vgl. H. FUNKE, Univira, JbAC 8/9, 1965/66, 183-188. Landwirtschaft. Vielleicht hat auch Varro die Götter des sacrum Cereale be-
handelt, die Serv. auct. georg. 1, 21 überliefert. Fabius Pictor hos deos enumerat,
fr. 157 Apollo, Aesculapius: Unter den Göttern, die das menschliche Leben quos invocat fiamen sacrum Cereale faciens Telluri et Cereri: V ervactorem, Re-
begleiteten, konnten die göttlichen Ärzte nicht fehlen und sind vor fr. 158ff., paratorem ( Redaratorem Salmasius), Imporcitorem, Insitorem, Obaratorem,
wo sich Gebrechen und Tod ankündigen, von AGAHDpassend eingeordnet wor- Occatorem, Sarritorem, Subruncinatorem, Messorem, Convectorem, Conditorem,
den. Zu Apollo vgl. fr. 251f. Promitorem.

fr. 164 Rusina: Nur hier bezeugt. Literatur: PETER, Roscher II 220; RADKE
fr. 158 Viduus: Literatur: KEUNE, Roscher VI 303f.; WrnsowA 245; RADKE,
275; FERRI 56. Iugatinus vgl. fr. 146. Collatina. Nur hier genannt. Lit.:
RE VIII A 2107f.; RADKE 337f.; FERRI 49. PETER, Roscher II 195; AusT, RE IV 364; RADKE 94. Vallonia. Nur hier
Der Gott ist sonst unbekannt, doch konnte sich Varro anscheinend auf ein
genannt. Literatur: PETER, Roscher II 228; WEINSTOCK, RE VIII A 288;
Heiligtum vor der Stadt berufen, wenn er mitteilte, daß er innerhalb des Po-
RADKE 306. ÜTTO, RhM 64, 1909, 456 zählte Rusina, Collatina und Vallonia
meriums nicht zugelassen war. zu den Gentilgottheiten.

fr. 159 Caeculus: Literatur: AusT, RE III 1244f.; ÜTTO, RhM 64, 1909, fr. 165 Fructesea: Keine weiteren Belge. Literatur: PETER, Roscher II
453; Wrnsow A 231, 3; RADKE 76; FERRI 56. 199; RADKE 134.
Den sagenhaften Gründer von Praeneste hat Varro wohl nur auf Grund
seiner Etymologie zum Gott gemacht, der das Augenlicht raubt. Immerhin fr. 166 Seia, Segetia, Tutilina: Diese drei Gottheiten, deren Namen nicht
muß er Veranlassung gehabt haben, einen Kult des Caeculus in Rom anzuneh- ganz übereinstimmend überliefert werden, gehören offenbar zusammen, wes-
men, da er ihn sonst nicht unter die römischen Götter aufgenommen hätte. wegen sie besser nicht, wie bei AGAHD,auf mehrere Fragmente verteilt werden.
Literatur zu Seia und Segetia: PETER, Roscher II 221 ; Wrnsow A 201, 9;
fr. 160 Orbana: Literatur: PETER, Roscher II 209; WrnsowA 244; RoHDE, LATTE, RE II A 1072. 1112; LATTE 51; RADKE 285f. Zu Tutilina: PETER,
RE XVIII 880ff.; LATTE 53; RADKE 240f.; FERRI 49. Roscher II 228; WrnsowA 201, 9; EHLERS, RE VII A 1612f.; RADKE 303.
Bei Tertullian ist Orbana überliefert, doch war wohl Orbona die richtige Varro nennt Tutilina auch LL 5, 163 und Men. fr. 216; auch Tert. spect. 8
Namensform: Plin. nat. 2, 15 (daraus Cic. n. d. 3, 63 ergänzt); Arnob. 4, 7. dürfte auf ihn zurückgehen (vgl. RD IX App.). C. KocH, RE XVIII 2119
Wenn Cic. leg. 2, 28 die Göttin nicht nennt, bedeutet das noch nicht, daß er sie macht darauf aufmerksam, daß Aug. civ. 4, 8 zwölf Götter genannt sind (fr.
erst durch Varro bei der Abfassung von nat. deor. kennen gelernt hat, wie 166-173. 175. 176). Möglich, daß Varro die Reihe ebenso zusammengestellt hat
RADKE 241 annimmt. wie im Eingang der Res Rusticae. Die Namen zeigen keine formalen Gemein-
samkeiten wie bei den Göttern des sacrum Cereale.
fr. 161 mortis dea: Als Totengöttin kommt in erster Linie Libitina in Be-
tracht, und wenn Varro sie auch LL 6, 47 und bei Nonius 64 mit Lubentina fr. 167 Proserpina: Vgl. fr. 268.
214 BURKHART CARDAUNS M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 215

fr. 168 Nodutus: Nur hier und bei Arnobius genannt. Literatur: PETER, worden sein. AGAHD stellt dies Fragment wegen des sacrificium canarium
Roscher II 208; KROLL, RE XVII 809; RADKE 232. (Plin. nat. 18, 14), das der Robigo dargebracht wurde ,priusquam frumenta
vaginis exeant', zwischen Volutina und Patelana. Es ist aber keineswegs sicher,
fr. 169 Volutina: Nur hier genannt. Lit.: PETER, Roscher II 233; EISENHUT, ob Varro sich genau an die kultische Folge gehalten hat, weswegen Robigo
RE IX 907; RADKE 349. hier mit Spiniensis an den Schluß der Getreidegötter gesetzt ist, da sie beide mit
den Schäden der Frucht zu tun haben.
fr.170 Patelana: Literatur: PETER, Roscher II 212f.; KocH, RE XVIII
2119f.; RADKE 246. Arnobius ist die einzige Quelle, die eine Parallele bietet fr. 179 Bubona: Nur hier genannt. Lit.: PETER, Roscher II 193; WISSOWA
199, 10; RADKE 74.
und dazu noch eine Ergänzung, die wohl auch aus Varro stammt.
fr. 180 Mellona: Nur hier und Arnob. 4, 7 als Mellonia bezeugt. Literatur:
fr. 171 Hostilina: Nur hier bezeugt. Literatur: PETER, Roscher II 199;
PETER, Roscher II 203; MIELENTZ,RE XV 558; RADKE 212.
DREXLER, Roscher I 275f.; WissowA 33, 3; RADKE 146.
fr. 181 Pomona: Literatur: WISSOWA,Roscher III 2747ff.; WISSOWA199;
fr. 172 Flora: Literatur: WISSOWA,RE VI 2747ff.; WISSOWA197f.; BöMER
LATTE 59. 74; EHLERS, RE XXI 1876ff.; RADKE 257. .
304; LATTE 73; RADKE 129f.
Neben Pomona stand bei Varro wohl auch noch Puta, deren Namen Arnob.
Die Einengung des Wirkungsbereichs der Göttin auf das Blühen des Getrei-
4, 7 überliefert: putationibus arborum Puta, inquitis, praesto est. Literatur zu
des ist wohl Varros Eigentum.
Puta: RADKE, RE XXIII 2031.
fr. 173/174 Lacturnus, Lactans: Nur hier bezeugt. Literatur: PETER, Roscher
II 201; RADKE 163. fr. 182 Nymphae, Lymphae: Literatur: WISSOWA,Roscher II 2205; BLOCH,
Roscher III 540ff.; SCHUR,RE XIII 2468; HEICHELHEIM,RE XVII 1582.
fr. 175 Matuta: Literatur: RoscHER II 2462; WissowA 110. 257; LINK, Varro leitet LL 5, 71 Lympha a lubrico lapsu ab und nennt Iuturna und Com-
RE XIV 2326ff.; M. HALBERSTADT,Mater Matuta, Frankf. Studien VIII motiles (comitiis cod.), doch LL 7, 87 sagt er: lympha a nympha. Vgl. WALDE-
1934; LATTE 97; RADKE 206. HoFMANN I 833 (von gr. v6µp1J mit Dissimilation des Anlauts). Zur Gleich-
Die einseitige Beziehung auf das Reifen des Getreides hat wohl Varro vor- setzung mit den Musen bzw. Camenen vgl. fr. 212.
genommen.
fr.183 Iuturna: Literatur: WISSOWA, Roscher II 762ff.; WISSOWA 222f.;
fr. 176 Runcina: Literatur: PETER, Roscher II 220; PFISTER, RE I A 1227; DEUBNER, NJbb 9, 1902, 384; ALTHEIM,Griech. Götter im alten Rom, 1930, 4.
WISSOWA242, 8; RADKE 275. 34; LATTE 77f.; ders. RE X 1384f.; RADKE 160f.
Tert. nat. 2, 11, 7 nennt die Göttin Runcinia an einer Stelle, wo man Rumina LL 5, 71 wird Iuturna als Lympha bezeichnet. Die ,proprii di' sind die Götter
erwartet (vgl. die Übersicht S. 187 und fr. 113). Ein Fehler der Überlieferung des XIV. Buches, die einen festen eigenen Bereich haben, vgl. Serv. auct.
darf in diesem Falle angenommen werden, wenn nicht Varro noch eine weitere Aen. 2, 141: pontifices dicunt singulis actibus proprios deos praeesse. hos Varro
Deutung vorgetragen hat und in ihr auch eine Kindergöttin sah. certos deos appellat (vgl. fr. 87 App.).

fr. 177 Spiniensis: Nur hier bezeugt. Lit.: PETER, Roscher II 223; MARBACH, fr. 184 Pellonia: Nur hier genannt. Lit.: PETER, Roscher II 213; EHLERS,
RE III A 1784; RADKE 291. RE XIX 373; RADKE 24 7.
Die Gottheit ist von AGAHDversehentlich ausgelassen worden. Vielleicht ist Die Göttin gehört bereits zu den Gottheiten des Krieges, Mars und Bellona,
Spiniensis ursprünglich ein Lokalgott, wofür das Suffix spricht. Da seine Funk- die Augustin im gleichen Kapitel aufführt (fr. 185).
tion nach Varro der der Robigo nahekommt, ist er hier einzuordnen.
fr. 185 Mars, Bellona, Victoria: Zu Mars vgl. fr. 253, zu Bellona: PROCKSCH,
fr. 178 Rogibo: Literatur: WISSOWA196, 2; PFISTER, RE I A 949ff.; BöMER Roscher I 774ff.; AusT, RE III 255; WISsowA 151f.; LATTE 235; RADKE
287; LATTE 67, 3; RADKE 273. 73.
Hier und Tert. spect. 5 begegnet die Göttin Robigo, dagegen RR 1, 1, 6 und Zu Victoria: WISSOWA139f.; LATTE, Roscher VI 294ff.; WEINSTOCK,RE
LL 6, 16 der Gott Robigus. Er wird wohl auch hier neben Robigo genannt VIII A 2501 ff.; LATTE 234 f.
216 BURKHART ÜARDAUNS M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 217

LL 5, 73 (vgl. XVI App.) erscheinen nebeneinander Bellona (Duellona), Da die letzten Worte des Fragments besonders auf Felicitas Bezug nehmen,
Mars (quod maribus in bello praeest), Quirinus, Virtus (a virilitate), Honos stelle ich den Passus vor fr. 190. Nach seinem allgemeinen Charakter gehörte
(ab onere), Castor, Pollux, Concordia. Die Gottheiten des Krieges leiten auch er eigentlich an den Anfang dieser Reihe personifizierter Abstrakta.
dort zu den personifizierten Begriffen (Virtus, Concordia) über. Quirinus,
fr.190 Felicitas: Literatur: STEUDING, Rascher I 1473ff.; WrnsowA 214.
Castor und Pollux haben sicher auch hier neben Mars und Bellona ihren Platz
266f.; ÜTTO, RE VI 2163.
gehabt.
Die Errichtung ihres Tempels durch L. Licinius Lucullus ist fr. 43 erwähnt.
fr.186 Honos, Virtus: Literatur: DEUBNER, Rascher III 2154f.; WrnsoWA
fr. 191 Fortuna: Literatur: PETER, Rascher I 1503ff.; ÜTTO, RE VII 12ff.;
149ff.; SAMTER,RE VIII 2292; RADKE 340f.
WISSOWA256ff.; EVANS 175ff.; LATTE 182; RADKE 132ff.; DIHLE, RhM 108,
Die beiden Gottheiten werden meist zusammen genannt, auch fr. 189, darum
1965, 170ff.
sind sie hier zusammengefaßt. Die Definition von virtus (fr. 95 Ag.) konnte
Aus der Diskussion bei Augustinus geht hervor, daß schon Varro Felicitas
Augustin auch aus anderer Quelle hinzufügen, sie muß nicht auf Varro zurück-
und Fortuna miteinander verglich. Unter den sabinischen Gottheiten steht sie
geführt werden.
LL 5, 74, unter den Geburtsgottheiten fr. 105.
fr.187 Fides: Literatur: DEUBNER, Rascher III 2148f.; WrssowA, Roscher
I 1481ff.; OTTO, RE VI 2281ff.; WrssowA 133; EvANS 180ff.; LATTE 237; fr.192 Fortuna muliebris: Literatur: WrnsowA 258; BöMER 216f.; LATTE
RADKE 128. LL 5, 74 steht Fides unter den sabinischen Gottheiten. 181.

fr. 193 Pecunia, Aesculanus, Argentinus: Pecunia ist nur hier und fr. 238
fr. 188 Pudicitia: Literatur: PETER, Rascher III 3273ff.; DEUBNER, Rascher
genannt. Lit.: PETER, Rascher II 213; WrnsowA 120, 2; AxTELL (s. o. zu fr.
III 2160; WrssowA, Ges. Abh. 254ff.; WrssowA 333; LATTE 239; RADKE, RE
189) 46f.; MINCKWITZ,RE XIX 16; RADKE 247.
XXIII 1942ff.; RADKE 267.
Aesculanus sonst nicht belegt. Lit.: AusT, RE I 628; RoscHER, Rascher I
fr. 189: Man könnte versucht sein, die allgemeinen Betrachtungen, die 88; PETER, Rascher II 190; WrnsowA 54, 3; RADKE 57.
Varro über die Bildung von Götternamen anstellt, dem ersten Buch RD zu- Argentinus 8onst unbekannt. Lit.: AusT, RE II 713; PETER, Rascher II
zuweisen; doch es geht hier nur um die rechte Erklärung von Namen wie Virtus, 193; WISSOWA54; RICHTER, RE IX 1366; RADKE 72.
Honos, Concordia, Victoria, Felicitas, nicht um Götternamen überhaupt, Die genealogische Beziehung zwischen Aesculanus und Argentinus ist sehr
obwohl Varro weiter ausholt und abgeleitete Namen erwähnt, die er zuvor be- befremdlich und steht bei Varro, der die generationes deorum ablehnt (fr. 20),
handelt hatte. Die einleitenden Worte Augustins und das zweimalige ,inquiunt' isoliert da, abgesehen von Mena, der Tochter Iuppiters (fr. 95). Eine solche
lassen zunächst an ein wörtliches Zitat denken. Der Stil der wohlabgewogenen Behauptung konnte erst nach Einführung des Silbergeldes in Rom aufgestellt
Periode ist aber gar nicht varronisch und verrät deutlich die glättende Hand werden. Dennoch ist an eine Erfindung Augustins nach dessen Worten nicht zu
denken. Es ist nicht ausgeschlossen, daß Varro, der auch die römische Dichtung
Augustins.
Zu vergleichen ist Cic. n. d. 2, 61: res ipsa in qua vis inest maior aliqua, sie stark heranzog (vgl. fr. 131; LL 5, 59 sqq.), hier die spielerische Erfindung
appellatur ut ea ipsa vis nominetur deus, ut Fides, ut Mens, ... vides Virtutis eines Komikers (vgl. LL 5, 62) oder Satirikers für bare Münze nahm. Dennoch
templum, vides Honoris ... quid Opis, quid Salutis, quid Concordiae, Libertatis, kann wenigstens Aesculanus tatsächlich Verehrung genossen haben.
Victoriae; quarum omnium rerum quia vis erat tanta ut sine deo regi non passet,
ipsa res deorum nomen obtinuit ... 2, 62: quae vis sit in quoque declaratur deo fr. 194 fur: Nach AGAHDSVermutung (p. 184) hat Varro /ur (die Etymologie
(Kritik n. d. 3, 4 7 u. 61 ). Der Gedanke ist bei Cicero etwas anders: die spürbar hat Nonius 50 aus Gellius übernommen; vgl. auch Thes. L. L. VI 1606) mit
gewordene Kraft wird als göttlich verehrt, während bei Varro die anonyme Furrina verbunden und die fast verschollene Göttin (LL 6, 19: nunc vix nomen
Gottheit, die Spenderin der Gaben ist, mit dem Namen der Gabe gerufen wird. notum paucis) zur Beschützerin der Diebe gemacht. Das ist möglich, wenngleich
Bei Cicero ist vis der tragende Begriff, beiVarro munus (Cic. n. d. 2, 60 beneficia). sie von Varro eher zur Schutzgöttin gegen die Diebe gemacht worden wäre:
Das spricht nicht für eine gegenseitige Beeinflussung. (Vgl. PEASE z. St. vielleicht darf man aber auch an die bei Mart. Cap. 2, 164 erwähnte Fura den-
mit Literatur zu diesem Fragenkomplex u. H. L. AxTELL, The deification of ken.
abstract ideas in Roman literature and inscriptions, Diss. Chicago 1907, bes. J. H. WASZINK,Agmina Furiarum, HThR 57, 1963, 7-11 will die Namen der
Furien, die in Vergilscholien des cod. Paris. Lat. 7930 zu Verg. Aen. 6, 375
p. 73f.).
218 BURKHART ÜARDAUNS M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 219

überliefert werden (Agmentis, Pecmentis, Furina), auf Varro zurückführen, fr. 200 Apollo Thyraeus, Antelii daemones: Nigidius hat Apollo mit Ianus
den Vergil benutzt habe. Ist das richtig und hat Varro Furrina wie Cic. n. d. gleichgesetzt unter Berufung auf Apollo 0upocfo; und 'Ayu(c:üi; (Macr. 1, 9,6,
3, 46 als Furia erklärt, so kann die Etymologie von /ur mit ihr natürlich nichts fr. LXXIII Swoboda). Den Apollo 'Ayu(Eüi; kennt auch Varro ap. Porph. in
zu tun haben. In der Nähe der Gottheiten des Geldes mag sie aber immerhin Hor. c. 4, 6, 28. Möglich, daß dies kein Zufall ist und eine Abhängigkeit vorliegt,
ihren Platz haben. doch läßt sich nicht sagen, in welcher Richtung. Varro hat Ianus jedenfalls
nicht mit Apoll gleichgesetzt, sondern nur auf griechische Parallelen ver-
fr. 195 Iana: Literatur: RoscHER, Roscher II 14; PETER, Roscher II 199. wiesen.
221; AusT, RE II 1219; Thes. L. L. II 631 Arquis (anders 475, 70); RADKE Zu den Antelii vgl. TÜMPEL, RE I 2349.
72. 146. Iana ist auch RR 1, 37, 3 herzustellen (lana cod.); nach Nigidius ap.
Macr. 1, 9, 8 ist Diana von Iana abzuleiten. An der Existenz der Göttin ist fr. 201: AGAHD vermutet (p. 119 sq.) daß Ilon~vwv eine Übersetzung von
trotz der schwachen Bezeugung kaum zu zweifeln. ,arquis' faßt man, wenn die lanualis sei und vergleicht Paul. Fest. 104: Ianual libi genus, quod Iano tan-
Überlieferung in Ordnung ist, besser als dat. oder abl. von arcus (n. pl. arci tummodo delibatur (zustimmend W. F. OTTO, RE Suppl. III 1177). Ianus
bei Varro ap. Non. 77), wie Thes. L. L. II 475, 70, und nicht als Beinamen der Ianualis ist aber nirgends bezeugt und eine Beziehung auf die Götter der
Göttin auf. Küche (AGAHD) ganz hypothetisch. Solange wir nicht wissen, welchen Bei-
namen Lydus bzw. seine Quelle vor Augen hatte, läßt sich das Fragment nicht
fr. 196 Montinus: Der Name ist nur bei Arnobius sicher belegt. Lit.: PETER, sicher einordnen.
Roscher II 204; RADKE 224; WISSOWA,Ges. Abh. 236f.
Aus Arnobius ist Montinus auch bei Tertullian herzustellen, wo der Name fr. 202 Portunus: Literatur: WrnsowA, Roscher III 2785ft'.; WISSOWA
eines Gottes gefordert wird. 112, 5; PAPENHOFF,RE XXII 400ff.; LATTE 89, 1; 132; BöMER 376; RADKE
Zur Ergänzung läßt sich noch heranziehen Arnob. 4, 7: deus nemorum Ne- 258f.; LoUISE A. HOLLAND,Ianus and the bridge, Papers a. Mon. Amer. Acad.
mestrinus est; sicher auch dies eine der varronischen Ortsgottheiten. Lit.: Rome 21, 1961, 141ft'.
PETER, Roscher II 207; MIELENTZ,RE XVI 2381.
fr. 203: Eine sinnvolle Beziehung zu den Gottheiten dieses Buches muß
fr. 197 Ascensus: Keine weiteren Belege. Literatur: PETER, Roscher II erst noch gefunden werden. Nach den Worten des Gellius standen beide Ety-
193; RADKE 72. mologien nebeneinander, vielleicht nicht zur Erklärung eines Götternamens,
sondern zusammen mit fr. 89 (s. d.) in einer Einleitung über die Methoden der
fr. 198 Clivicola: Keine weiteren Belege. Lit.: PETER, Roscher II 195; AusT, Etymologie, die dann recht ausführlich ausgefallen sein müßte.
RE IV 58; RADKE 93. Vgl. zu petorritum Quint. 1, 5, 77; WALDE-HOFMANNII 298; zu lancea
Der Name beruht auf einer, freilich recht überzeugenden, Konjektur. WALDE-HOFMANNI 757. Varros Aussage ist zutreffend.

fr. 199 Forculus, Limentinus, Cardea: Forculus nur hier und fr. 200. Lit.: Appendix
PETER, Roscher II 199; WrnsoWA, RE VI 2850f.; RADKE 131.
Limentinus nur hier und fr. 200. Literatur: PETER, Roscher II 202; SCHUR, a, b, c, d: Diese Stellen enthalten, unter Varros Namen zitiert, Material,
RE XIII 571f.; LATTE 208, 4; RADKE 185. das teils vielleicht den Res Divinae entstammt ( c, d), teils besonders große
Cardea nur hier und fr. 200. Literatur: PETER, Roscher II 193f.; AusT, Übereinstimmung zeigt ( a). Wenn der Logistoricus Catus vor den A ntiquitates
RE III 1586f.; W. F. OTTO, RE Suppl. III 1184; ders. RhM 64, 1909, 459ff.; verfaßt wurde, konnte Varro ähnlich wie beim log. Curio (App. I) auf Vor-
WISSOWA107, 3. 236; BöMER 342f.; LATTE 71; RADKE 81. arbeiten zurückgreifen.
W. F. OTTO,RhM p. 463 hält Cardea für eine hs. Variante statt Carna (vgl. Die folgenden Zeugnisse ( e-o), die nach Quellen geordnet sind, sind varro-
Thes. L. L. Onom. II 200), beeinflußt durch die Herleitung a cardinibus. nischer Herkunft stark verdächtig (k ausgenommen) und ließen sich noch ver-
Ebenso kann aber die durch Ovid bekannte Carna auf die Handschriften ein- mehren. Durch genauere Untersuchungen ließe sich in einigen Fällen noch mehr
gewirkt haben (vgl. den krit. App. zu fr. 199/200). Cardea ist bei Augustin und Sicherheit gewinnen.
Tertullian überliefert und sollte nicht getilgt werden, solange wir nicht bessere
Kontrollmöglichkeiten haben.
220 BURKHART ÜARDAUNS
M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 221
Buch XV de dis incertis romaine, REA 54, 1952, 109-115 (Etudes sur la rel. romaine, Rom 1972,
Auswahl und Anordnung der Fragmente (vgl. AGAHD128 sqq.): 65-72); R. B. LLOYD, Penatibus et Magnis Dis, AJPh 77, 1956, 38-46; LATTE
_Die Einleitung des Buches ist Aug. civ. 7, 17 erhalten und als solche bezeugt. 89f.; A. ALFÖLDI, Die trojanischen Urahnen der Römer, Basel 1957; RADKE
Die Abhandlung über die Penaten und die Götter von Samothrake läßt sich 247-ff.
nach Aug. civ. 7, 28 (in superiore libro) ebenfalls nachweisen; dazu kommen Für Varros Deutung der Penaten ist wichtig WrnsowA, Die Überlieferung
fr. 223 und 224. Alle anderen Stücke lassen sich dem Buch mit einer gewissen über die röm. Penaten, Hermes 22, 1887, 29-57 (Ges. Abh. 95-ff.); P. BoYANCE,
Wahrscheinlichkeit zuweisen, insofern sie besonders schwierige und strittige REA 54, 1952, 109-ff.; ders. REA 57, 1955, 71; PEPIN 347-ff.
Fragen behandelten, also de dis incertis zu besprechen waren. Die Reihenfolge Im zweiten Buch RH hatte Varro berichtet, daß die Penaten, bereits vor
AGAHDShabe ich dabei eingehalten und nur fr. 223 (fr. 2 Ag.) versetzt. fr. ihm durch Cassius Hemina mit den Göttern von Samothrake gleichgesetzt,
214-220 gehören zusammen einer Reihe vergöttlichter Menschen an, die Tert. von Dardanus nach Troia und von Aeneas nach Italien gebracht worden seien
nat. 2, 9 aufzählt. Eigentlich gehören Aeneas und Romulus nicht zu den di (Macr. 3, 4, 7; Serv. auct. Aen. 1, 378). Eine Deutung hatte er dort nicht vor-
incerti, da über ihre Herkunft und Bedeutung keine Zweifel bestanden. Einer getragen. Hier nun setzt er sie einerseits mit den Kapitolsgöttern Iuppiter,
Zuweisung an das erste Buch in den Abschnitt über die kultische Rezeption Iuno und Minerva gleich, andererseits gibt er eine philosophische Deutung
römischer Gottheiten, wo auch Faunus, Romulus und Sterculus genannt der samothrakischen Gottheiten und damit der Penaten, deren Originalität
werden mußten, steht im Text Tertullians an sich nichts im Wege. Die Erzäh- er ausdrücklich hervorhebt.
lung von Acca Larentia, die von dieser Reihe nicht getrennt werden kann, ist Varro war vermutlich wie andere Römer der ausgehenden Republik in die
aber so ausführlich, daß sie den Rahmen des ohnehin schon inhaltsreichen Mysterien der Insel eingeweiht (vgl. H. BLOCH,AJA 44, 1940, 489; K. KERE-
ersten Buches sprengen würde. Da Varro im Buch XV über Di Manes Heroen NYI, Varro über Samothrake und Ambrakia, Studi Funaioli 1955, 157-ff.; PEASE
Laren und Genien gehandelt hat, bleibt die Erörterung der römischen,,Heroen; 521; CARDAUNS15). Seine Deutung war selbst den Hütern des Heiligtums, den
im gleichen Zusammenhang doch recht wahrscheinlich. Sai, unbekannt. Die Konjektur ,Sais' für ,suis' fr. 206, die Wissowa vornahm,
ist evident und von KERENYI gebilligt, aber nicht in die Ausgaben aufgenom-
fr. 204: Dbersetzung: ,,Wenn ich in diesem Buch ungewisse Ansichten über men. Serv. auct. Aen. 2, 325 leitet die römischen Salier von den Sai ab, mög-
die Götter vorbringe, darf man mich nicht tadeln. Wer nämlich meint, man licherweise nach Varro.
solle und könne ein festes Urteil abgeben, der wird es selbst tun, wenn er alles Die Verbindung Iuppiters mit demAether, dem Himmel, dem aktiven Element
vernommen hat. Ich lasse mich eher dazu bringen, wieder in Zweifel zu ziehen, und Lebensprinzip, Iunos mit Luft und Erde, der Materie, dem passiven Prin-
was ich im ersten Buch gesagt habe, als das, was ich in diesem ausführe, alles zip, und Minervas mit dem obersten Aether und den Ideen verrät sowohl stoi-
auf ein Ziel auszurichten." schen wie platonischen Einfluß und ist insofern für Varros Vorstellungen sehr
_Fü~ das Verständnis des Begriffs der di certi und incerti ist diese Einleitung erhellend. Die Minerva-Allegorese des Diogenes von Babylon (ap. Philod.
wichtig (vgl. S. 183 zu Buch XIV). ,in prima libro' meint hier das erste Buch der piet. 15, SVF III 33 p. 217; ap. Cic. n. d. 1, 41, SVF III 34) ist wohl Vorbild
letzt~n Triade, also Buch XIV, das die gesicherten Ergebnisse enthalten sollte, gewesen (vgl. fr. 278 Komm.), doch hat W. THEILER, Die Vorbereitung des
während im Buch XV dubiae opiniones folgten. Doch der Akademiker Varro Neuplatonismus (Problemata 1, 1930), 19 u. 40 mit Recht auf Varros Lehrer
will lieber die gesicherten Bestimmungen einzelner Gottheiten wieder in Frage Antiochos von Askalon hingewiesen (vgl. BoYANCE 78f. und REG 77, 1964.
stellen, als problematische Fragen einer Scheinlösung zuzuführen. In diesem 566f.; PEPIN 351). Dber ihn auf Xenokrates verweist (nach BoYANCE) H. J.
Lichte sind dann auch die Deutungen des XIV. Buches zu sehen. Varro war sich KRÄMER,Grundfragen der arist. Theologie. 2. Teil, in: Theologie u. Philosophie
~urchaus darüber klar, daß er auch dort vieles vortrug, das nicht auf sicherer 44, 1969, 493.
Dberlieferung beruhte, sondern auf seinen Deutungen, zu deren Berichtigung LL 5, 58 und im Logistoricus Curio (ap. Prob. Verg. ecl. 6, 31 fr. 1 Ca.)
er grundsätzlich stets bereit war.
hat Varro Himmel und Erde mit den samothrakischen Göttern identifiziert,
ohne Minerva zu erwähnen. Darin liegt jedoch kein Widerspruch, da es ihm
fr. 205/207 Penates: Literatur: WrnsowA, Roscher III 1879-ff.; WrnsowA dort nur auf das Götterpaar Caelum-Terra ankommt, hier aber auf eine voll-
161-ff.; WEINSTOCK,RE XIX 417-ff.; J. PERRET, Les origines de la legende ständige Deutung der Penaten bzw. der samothrakischen Götter (WrnsowA,
troyenne de Rome, Paris 1942, bes. 27f. 338-ff. 580; F. BöMER, Ahnenkult und Ges. Abh. 118).
Ahnenglaube im alten Rom, Leipzig 1943, 123f.; ders. Rom und Troia, 1951,
Zu Tarquinius Priscus, von dem nur hier eine Einweihung in die Mysterien
50-ff.; A. BRELIOH, Vesta, 1949; P. BoYANCE,Les penates et l'ancienne religion
behauptet wird (sicher eine Konstruktion Varros), und dem Bau des kapitoli-
222 BURKHART ÜARDAUNS M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 223

nischen Tempels vgl. fr. 18 Komm. und fr. 40, fr. 56 und 60. LL 5, 158 nennt Varros Deutung trifft auf die Quellnymphen nur zum Teil zu, besser paßt
er ein Capitolium vetus, quod ibi sacellum Iovis, Iunonis, Minervae, et id anti- sie zu der Göttin des Gesanges fr. 138: quae canere docet. Mit der Erklärung
quius quam aedis quae in Capitolio f acta. Einen Widerspruch zum vorliegenden bei Aug. doctr. Christ. 2, 17, 27 besteht Übereinstimmung in zwei Punkten -
Fragment wird man daraus nicht konstruieren dürfen; die Triade konnte - Singstimme und Blasinstrumente-, daneben stehen dort die Zupf- und Schlag-
nach Varros Vorstellung - älter sein als die Erkenntnis ihrer tieferen Bedeutung instrumente, hier der durch Bewegung des Wassers erzeugte Ton (Wasser-
durch Tarquinius (vgl. fr. 207). orgel?). Die Differenz beruht nicht darauf, daß Augustinus aus dem Gedächtnis
In der Entwicklung der römischen Religion hat Tarquinius für Varro eine zitiert (AGAHD191), sondern daß zwei Schriften Varros als Quellen vorliegen.
nicht unwichtige Rolle gespielt, worauf zuerst BOYANCE(p. 71) aufmerksam Augustin hat höchstwahrscheinlich die Disciplinae Varros und zwar das Buch
machte. Einerseits hat er die Götterbilder in Rom eingeführt (fr. 18) und da- de musica im Sinn. Die Antiquitates kennt er nachweisbar erst in den späteren
durch zum Irrtum beigetragen, andererseits ist für den Eingeweihten in diesen Schriften (de cons. evang. und civ.), während die Disciplinae ihm bei der Ab-
Bildern (fr. 206 als Grundlage der Deutung) ein tieferer Sinn verborgen (vgl. fassung von De doctrina Christiana zweifellos vertraut waren. Servius hinge-
fr. 225). Er ist es auch gewesen, der die sibyllinischen Bücher erhalten hat gen geht vermutlich auf die Res Divinae zurück.
(fr. 56 u. 60).
Zu fr. 205 Z. 5 sub eodem tecto vgl. fr. 70. fr. 213 Novensiles: Literatur: WrnsowA, Ges. Abk. 181ff.; ders. 18ff.; WEIN-
STOCK,RE XVII 1185ff.; KocH, Gestirnverehrung 1933, 87f.; EvANS 153f.;
fr. 208 Consentes: Literatur: WrnsowA, Roscher I 922f.; AusT, RE IV 910f.; LATTE 5, 1; 45, 1; RADKE 232f.
WISSOWA61; LATTE 253; RADKE 95. Varro LL 5, 74 zählt die Novensides (so ist dort überliefert) unter die
Bei Arnobius sind Ausführungen über die etruskischen Penaten, Consente:-; sabinischen Gottheiten; daß er sie wie Aelius und Granius (Arnob. 3, 38) mit
und Complices zusammengeflossen und lassen sich nicht mehr genau scheiden. den Musen gleichsetzte, ist wenig wahrscheinlich, da er deren Zahl auf drei
Varro RR 1, 1, 4 ist die Liste der zwölf Consentes wohl von ihm selbst zusam- begrenzte.
mengestellt (vgl. fr. 166).
fr. 214 Aeneas. fr. 215 Romulus: Literatur: PRELLERI 94 f. II 141f.; PETER,
fr. 209 Lares, Manes, Mania, Larvae: Literatur zu Lares: WrnsowA, Roscher Roscher II 133; RosSBACH, RE I 1019; KocH, Gestirnverehrung im alten Ita-
II 1868f.; WISSOWA 166ff.; BOEHM, RE XII 806ff.; LATTE 90ff.; EVANS lien, 1933, 76f.; 100; BöMER, Ahnenkult 55f. 96f.; LATTE 44; RADKE 149f.
228ff.; Ü. TERROSI ZANCO,SCO 10, 1961, 188. 203; RADKE 166ff. Hier beginnt die Reihe der römischen Heroen, die nach ihrem Tod göttliche
Maues: STEUDING, Roscher II 2316ff.; WrssowA 238ff.; MARBACH,RE Ehren erlangt haben. Mehrere von ihnen hat Varro auch in seiner Schrift
XIV 1051ff.; ÜTTO, Die Manen, 1923 (3. A. 1962); LursE BANTI, Il culto dei cle gente populi Romani (bei Aug. civ. 18) aufgeführt.
morti nella Roma antichissima, SIFC N.S. 7, 1929, 171-198; RADKE 195. Varro hat wahrscheinlich Pater Incliges geschrieben, nicht Incligens, das bei
Mania: WrnsowA, Roscher II 2323f.; WrnsowA 240; MARBACH,RE XIV Tertullian herzustellen ist und auch inschriftlich vorkommt (CIL I2 p. 189).
1110f.; RADKE 198; E. TABELING,Mater Larum, Frankfurt 1932. Da aber eine Unsicherheit bleibt und um die Überlieferung möglichst zu wahren,
Larvae: WrnsowA, Roscher II 1901f.; WrssowA 174. 235. 238; KocK, RE steht im Text des Fragments ,Indige(n)tem'.
XII 878ff.; RADKE 172. Die Etymologie von Quirinus, quia tune parentibus quiritatum est per illum
Mania ist Mutter der Laren Varro LL 9, 61: videmus enim Maniam matrem bei Tert. nat. 2, 9, 19 ist nicht varronisch, sondern ein Witz Tertullians. Die
Larum dici (vgl. Macr. 1, 7, 35), was die Gleichung von Laren und Maues Gleichsetzung Romulus-Quirinus hat Varro wohl gekannt, aber allem Anschein
voraussetzt. nach nicht vertreten. LL 5, 73 steht Quirinus neben Mars, 5, 74 unter den sabi-
Zu den aerii di und heroes vgl. fr. 226. nischen Göttern und an unserer Stelle hat er ihn vielleicht erwähnt, aber selbst
das ist nicht sicher; denn Tertullian konnte ihn aus eigenem hinzusetzen,
fr: 210/211: Tert. spect. 6, 3f. (Buch IX App., varronische Herkunft wahr- da für ihn die Gleichung Romulus-Quirinus selbstverständlich war. Das Grab
scheinlich) nennt ebenfalls ludi funebres als Beweis für die V ergöttlichung der des Romulus bei den Rostra hat Varro nach Porph. Hor. ep. 16, 13 und Pseu-
Toten: proinde mortuis suis ut diis faciunt. Vgl. hierzu und zu fr. 211 F. BöMER, dacr. Hor. ep. 16, 13 erwähnt, was auch gegen die Gleichung mit Quirinus
Ahnenkult und Ahnenglaube im alten Rom, 1943, 8ff. spricht. Caesar gegenüber scheint er sich in diesem Punkte nicht nachgiebig
gezeigt zu haben.
fr. 212 Musae: Zu den Camenae, die sicher hier behandelt waren, vgl. Zu Romulus vgl. CARTER,Roscher IV 164ff.; ROSENBERG,RE I A 1074ff.;
WrssowA, Roscher I 846ff.; AusT, RE III 1427f.; LATTE 77; RADKE 78. KocH, Religio 1960, 38f.; W. BuRKERT, Caesar und Romidus-Quirinus, Historia
224 BURKHARTCARDAUNS M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 225

11, 1962, 356-376; C. J. CLASSEN,Romulus in der röm. Republik, Philologus nicht ausdrücklich bezeugt, auch ist Quirinus für Romulus wohl erst durch
106, 1962, 174-204; ders. Historia 12, 1963, 447ff.; G. BINDER, Die Aussetzung Arnobius oder seine Quelle eingesetzt worden, und für Panda gibt Varro ap.
des Königskindes, Meisenheim 1964, 78ff. Non. 44 eine andere Ableitung (a pane). Abgesehen von Luperca nehme ich
das Stück nur unter großen Vorbehalten auf.
fr. 216 Sterculus: Literatur: PETER, Roscher II 225f.; WISSOWA 244, 3;
MARBACH,RE III A 2412; RADKE 293. fr.222Feronia: Literatur: STEUDING, Roscher I 1477; WrssowA 285f.;
Der Name ist unsicher überliefert; Aug. civ. 18, 15 aus Varro GPR gibt ders. RE VI 2217ff.; EvANS 155ff.; KocH, Der röm. Iuppiter, 1937, 83; ALT-
Sterces bzw. Stercutius. HEIM, Terra Mater, 1931, 102; LATTE 189f.; RADKE 124ff.
LL 5, 74 unter den sabinischen Gottheiten genannt, was von der Überlie-
fr. 217/218 Faunus-Fauna: Literatur: PETER, Roscher I 1453ff.; WrssowA ferung bestätigt wird. RADKE 126 erklärt Fidonia bei Varro aus der Lesung
208f.; ÜTTO, RE VI 2054ff.; BöMER 165. 264ff.; LATTE 83f. 228ff.; RADKE einer Inschrift im oskischen Alphabet; ,quasi Fidoniam' wird dadurch aber
119 ff. LL 7, 36: Fa uni dei Latinorum, ita ut et Faunus et Fauna sit; hos versibus nicht verständlicher.
quos vocant Saturnios in silvestribus locis traditum est solitos fari, a qua fando
Faunos dictos. Da Faunus ein weissagender Gott ist, kann er ,mente ictus' fr. 223 Vitula: Literatur: WrssowA, Rascher VI 354; EISENHUT, RE IX
genannt werden, vgl. LL 6, 52: dicti idem vaticinari, quod vesana mente faciunt. A 491 f.; RADKE 341.
(vgl. H. DAHLMANN,Vates, Philologus 97, 1948, 337-353). MERKEL p. CCVII hat das Fragment auf die Göttin Vitula bezogen nach
LL 7, 107: vitulantes a Vitula; auch Macr. 3, 2, 13 (Hyllus de dis): Vitulam
fr. 219 Sancus: Literatur: WrssowA, Roscher I 1189f.; IV 316ff.; WissowA vocari deam quae laetitiae praeest setzt diese Erklärung voraus. Über die Göttin
129f.; LINK, RE I A 2252ff.; EVANS 173. 237ff.; BöMER 349f.; RADKE 279; war sonst wenig sicheres bekannt, wie die verschiedenen Deutungen bei Macro-
RADKE, RE Suppl. IX 1815. bius zeigen; sie hatte also zu Recht ihren Platz unter den di incerti.
,a rege Plotio' ist überliefert, doch kann sich dahinter nur T. Tatius verber-
gen. Die Gleichung mit Hercules LL 5, 66; Fest. 229 kann schwerlich eine fr. 224: Eine Zuordnung des Fragmentes ist wohl kaum möglich. Zitiert
Erklärung für die ,hospitalitas' geben, wie AGAHD194 zu denken scheint. GPR ist volgus als Genetiv.
ap. Aug. civ. 18, 21 ist er der erste König der Sabiner.
Appendix
fr. 220 Larentina (Larentia): Literatur: WISSOWA283; EvANS 222f.; Wrs-
Ohne Anspruch auf Zuweisung zu RD XV sind hier einige ergänzende Stellen
sowA, RE I 131ff.; E. TABELING, Mater Larum, 1932, 39ff.; RADKE 164f.
zu den Penaten (a, b), Manen (c, d), den Palici (e) und Panda (f) zusammen-
Larentina ist bei Augustinus und wohl auch bei Tertullian überliefert, also
gestellt. Ähnlich wie App. XIV könnten auch sie wohl noch vermehrt und ge-
wohl von Varro so geschrieben worden (vgl. LL 6, 23-24). Die Geschichte
vom Tempeldiener des Herakles wird mehrfach in wenig voneinander abwei- nauer ausgewertet werden.
chenden Fassungen erzählt: Plut. Rom. 5; qu. Rom. 35; Macr. 1, 10, 12.
Augustinus und Tertullian stimmen ganz überein. Der varronische Text
wird von Augustin (und wohl auch von Tertullian) in freier Formulierung
wiedergegeben, wie sich an den auftretenden Klauseln zeigt (vgl. H. HAGEN-
DAHL, Augustine and the Latin Classics, Göteborg 1967, 591).

fr. 221 Luperca, Praestana, Panda, Pantica: Luperca: WrssowA, Roscher II


2162; RADKE 190.
Praestana: PETER, Rascher II 217; EHLERS, RE XXII 1566; Wissow A
273, 3; RADKE 261. Panda, Pantica: PETER, Roscher II 210f.; WrssowA
195, 2; RADKE 244.
Luperca wird nur hier als Göttin genannt. Eine Gleichsetzung mit der
lupa oder Acca Larentia (so RADKE) muß aus den Worten des Arnobius nicht
geschlossen werden. Die anderen hier genannten Gottheiten sind für V arro
226 BURKHART CARDAUNS M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 227

Buch XVI de dis praecipuis atque selectis lehre, AGPh 43, 1961, 50 (ihre Zuweisung von Sen. Helv. 8, 3 an Varro ist
unbeweisbar).
Daß Varro im Eingang dieses Buches über die theologia naturalis einen Zur Unterscheidung zwischen sichtbaren und unsichtbaren Göttern vgl.
kurzen Überblick gab und darauf die zwölf männlichen und acht weiblichen fr. 23. Hier sind die unsichtbaren Wesen die aeriae animae zwischen Mond
Gottheiten folgen ließ, geht aus fr. 228 (mit Kontext) und fr. 229 hervor. Die und irdischer Atmosphäre, und für die Erde selbst bleiben nur die sterblichen
Absicht des Buches, das zugleich das große Werk der Antiquitates beschloß, Wesen. Die Gottheiten der sog. Durchdringungstheorie wie Neptun oder
charakterisiert Aug. civ. 7, 5 p. 281, 13: de naturali enim paucissima praelo- Tellus haben in dem hier gegebenen rein räumlichen System keinen Platz,
quitur in hoc libro quem de diis selectis ultimum scripsit; in quo videbimus utrum sondern werden erst fr. 227 eingeführt.
per interpretationes physiologicas ad hanc naturalem possit referre civilem (vgl. Das theologische System des Xenokrates schloß die u1tocrEA~vouc;3ix[µovixc;
App. zu fr. 225). &op,x:rouc;mit ein (fr. 15 HEINZE, o. S. 151). Diese akademische Tradition wird
Die Vorrede war also nur kurz und wird Wesentliches aus Buch I wiederholt für Varro eher zu berücksichtigen sein als etwa Poseidonios, der zwar nach
haben; die Erklärung der wichtigsten römischen Götter sollte beispielhaft die Macr. 1, 23, 7 1tEpl ~pc0wv xixl 3ix1µ6vwv schrieb, aber als Quelle für Varro
Übereinstimmung von Theologia civilis und naturalis zeigen; sie nahm den nicht nachgewiesen werden kann (BoYANOE71). Vgl. zu dem Problem der hel-
größten Teil des Buches ein. lenistischen Dämonenlehre besonders M. DETIENNE, Xenocrate et la demono-
Für die Anordnung der Fragmente gibt fr. 229 die Richtschnur (vgl. auch logie pythagoricienne, REA 60, 1958, 271; ders. RHR 155, 1959, 17; ders. La no-
AGAHDp. 24 sqq.). tion de Daimon dans le Pythagorisme A ncien, Paris 1963; zu Varros Men.
Im Anfang habe ich gegen AGAHD einige Umstellungen vorgenommen: P. BoYANOE,Les Endymions de Varron, REA 41, 1939, 319ff.
an den Beginn setze ich fr. 6 Ag. über die doctrinae mysteria, da es als Einlei-
tung besonders geeignet ist und durch Augustinus mit den Worten einge- fr. 227: AGAHD 89 vergleicht zu den gradus animae Cic. n. d. 2, 33 sq., wo
führt wird: primum eas interpretationes sie commendat. fr. 2 Ag. steht jetzt im aber vier Stufen unterschieden werden und vor allem die Unterscheidung
Apparat zu fr. 225. Es folgen fr. 3 und 4 Ag., wobei ich darauf verzichtet habe, zwischen animus und anima fehlt (vgl. dazu fr. 13 Komm.). Auch hier lassen
alle von AGAHDangezogenen Parallelstellen aus Augustinus mitzuteilen, da sie sich stoische Belege angeben: SVF II 708. 710. Auch LL 5, 102 liegt die Ab-
nur z. T. deutliche Anspielungen auf Varro enthalten. fr. 5 Ag. enthält keine stufung zugrunde: animalia ea, quae vivere dicuntur neque habere animam., ut
selbständige Tradition, daher es in den Apparat zu fr. 226 verwiesen wurde. virgulta.
Die Aufzählung der Götter fr. 1 Ag. steht jetzt als fr. 229 hinter der Vorrede
des fr. 228. Im übrigen ist die Reihenfolge beibehalten worden, abgesehen fr. 228: Übersetzung: ,,Über die Staatsgötter des römischen Volkes, denen
von kleineren Umstellungen. sie Tempel geweiht und die sie mit zahlreichen Statuen ausgezeichnet und so
kenntlich gemacht haben, werde ich in diesem Buche schreiben, will aber,
fr. 225: Nach der Ablehnung der Götterbilder Buch I fr. 18 und 22 nimmt wie Xenophanes von Kolophon schreibt, hersetzen, was ich meine, nicht was
V arro hier eine andere Haltung ein: für den Eingeweihten kann sich der tiefere ich als sicher behaupte. Denn dem Menschen kommt in diesen Dingen bloße
Sinn, der doch in ihnen steckt, eröffnen (vgl. fr. 206). Die doctrinae mysteria Meinung zu, nur dem Gott Wissen."
haben eine Parallele LL 5, 8: initia regis (dazu R. SoHRÖTER, in: Varron, Nach dem Resumee der theologia naturalis steht hier das eigentliche Vorwort
Fond. Hardt, Entretiens IX, 1962, 89f., der auf Kleanthes SVF I 538 und SVF zu Buch XVI. Die großen Götter Roms sollen hier besprochen werden, die eine
II 1008 verweist. An der zweiten Stelle geht es ebenfalls um die Theologie). verbreitetere Verehrung genießen und nicht so eng an eine Funktion gebunden
sind wie die des XIV. Buches. Erneut betont der Akademiker seine Zurück-
fr. 226: Die vorgebrachte Auffassung vom Verhältnis zwischen Gott und haltung und die zahlreichen Deutungen, die folgen, bestätigen, wie der Ge-
Welt wie zwischen Seele und Körper ist stoisch (vgl. SVF II 526-529; Diogenes lehrte alle Möglichkeiten erwogen und wenige verworfen hat.
v. Babylon SVF III p. 217, DIELS DG 549 b 1), ebenso die Einteilung der Welt
nach den vier Elementen (SVF II 527f.), die auch LL 5, 16 (u. 31) vorliegt: fr. 229: Die Auswahl und Reihenfolge dieser Gottheiten scheint sich nach
loca ...prima duo, terra et caelum . ...caeli dicuntur loca supera et ea deorum, keinem festen Prinzip gerichtet zu haben. Die Zwölfzahl der Götter ist sicher
terrae loca infera et ea hominum (vgl. H. DAHLMANN,Varro und die hellenist. kein Zufall, auch ist es Absicht, daß Ianus am Anfang und Vesta am Schluß
Sprachtheorie, 1932, 16f.). Zur Weltseele vgl. J. MoREAU, L'ame du monde de steht, wie es römischem Brauch entsprach; zudem hat die Vorstellung von
Platon aux Stoiciens, Paris 1939; BüYANOE78f. betont den Einfluß der Akade- Himmel und Erde als den principes dei eine gewisse Rolle gespielt (fr. 263)
mie auf Varro, ebenso I. MARTEN,Ein unbeachtetes Zeugnis von Varros Gottes- und Tellus an die Spitze der weiblichen Gottheiten rücken lassen, aber es ist
228 BURKHART CARDAUNS M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 229

schwer, sonst ein festes Prinzip zu sehen. Es ist verständlich, daß Iuppiter Zu Ops (fr. 240) vgl. LL 5, 64 (XVI App.). Saturnus und Ops werden zu-
auf Ianus folgt und Geres noch vor Iuno neben Tellus steht, doch Apoll und sammen auch LL 5, 57 u. 64 an bedeutsamer Stelle genannt. Die Ausführungen
Diana, Sol und Luna, Vulcanus und Vesta sind nicht aufeinander bezogen, Varros über Saturn, von denen Augustin besonders viele Einzelheiten bewahrt
wie man doch erwarten könnte. Die Abfolge scheint bei den weiblichen Gott- hat, gehen großenteils auf griechische Deutungen des Kronos zurück. Frucht-
heiten assoziativ bestimmt zu sein (vgl. fr. 275f.), ähnlich LL 5, 57 sqq. bar behandelt werden kann die weitgespannte Saturndeutung (vgl. Macr.
fr. 230-234 lanus: Literatur: WrnsowA 103ff.; ÜTTO,RE Suppl. III 1175ff.; 1, 10; Arnob. 3, 29) nur unter Heranziehung der ganzen Überlieferung.
BöMER 17ff.; LATTE 132ff.; L. A. HOLLAND,Ianus and the bridge, Rom 1961;
fr. 248 Genius: Literatur: BrnT, Rascher I 1613ff.; WrnsowA 175ff.; ÜTTO,
RADKE 147. Zur Deutung durch Varro PEPIN 326f.
RE VII 1155ff.; LATTE 103f.; RADKE 138f.
Die Gleichung mundus-caelum fr. 230 ist schon vor Varro bekannt gewesen,
Da dieses Buch die di populi Romani publici behandelt, kann hier nur der
wie er fr. 263 bezeugt; sie findet sich auch in der Satire Dolium aut Seria (Prob.
Genius populi Romani, nicht der des einzelnen Menschen gemeint sein (AGAHD
Verg. ecl. 6, 31) und bei Macr. 1, 9, 11.
208).
Zu fr. 231 vgl. Paul. Fest. 52; LL 6, 13; RD VIII fr. 76.
fr. 232 scheint Varro an die Herleitung des Ianus von hiatus gedacht zu ha- fr. 249-50 Mercurius: Literatur: STEUDING, Rascher II 2802ff.; WrnsowA
ben; nimmt man noch LL 5, 19 hinzu: a chao cavum et hinc caelum, so ergibt 304ff.; KROLL, RE XV 975ff.; ALTHEIM, Griech. Götter im alten Rom, 1930,
sich ein Zusammenhang des Ianus mit dem uranfänglichen Chaos. ,Caeli pala- 39ff.; BöMER 331; LATTE 162f.; RADKE 213ff.; PEPIN 345.
tum' stammt aus Ennius (fr. incl. V, cf. Cic. n. d. 2, 49). Die lateinische Etymologie kehrt Serv. auct. Aen. 8, 138 wieder; ähnlich LL
Zu fr. 233 vgl. Macr. 1, 9, 9: ideo geminum quasi utriusque ianuae caelestis 6, 4: Meridies - medius dies. Die griech. Ableitung ist Cornut. n. d. 16 nicht
potentem, qui exoriens aperiat diem, occidens claudat. Zu fr. 234 Macr. 1, 9, 13 bekannt, wohl aber Macr. 1, 17, 5; Serv. Aen. 4, 242.
(Gavius Bassus): eundem quadriformem quasi universa climata maiestate com-
plexum (vgl. Serv. auct. Aen. 7, 610). fr. 251 Apollo: Literatur: RoscHER, Roscher I 446ff.; WERNICKE, RE II
Auf eine eingehende Interpretation der varronischen Deutung ist hier und 77ff.; WISSOWA393ff.; J. GAGE, Apollon Romain, 1955; LATTE221 ff.; RADKE
im Folgenden verzichtet worden, da sie nur im Zusammenhang mit der gesamten 69 ff. Die Erklärung der Pfeile erfolgt in gleicher Weise Cornut. n. d. 32;
Überlieferung und einer Gesamtdarstellung der varronischen Theologie sinnvoll die Gleichung mit der Sonne ist bekannt, auch Varro LL 5, 68 liegt sie vor.
ist.
fr. 252: Die vorliegende Erzählung von Branchos, dem mythischen Gründer
fr.235-238luppiter: Literatur: WISSOWA113ff.; AusT, Roscher II 618ff.; des Orakels von Didyma (vgl. EscHER, RE III 813f.) stimmt weitgehend, doch
THULIN, RE X 1126ff.; KocH, Der röm. Iuppiter, 1937; LATTE 79ff.; RADKE nicht überall, mit der Version Konons überein. Bei Konon läßt Demoklos -
155ff.; PEPIN 335ff. der Name ist wohl auch bei Lact. Plac. herzustellen - aus Delphi auf einer
In der Interpretation Iuppiters steht die Vorstellung des umfassenden, Reise nach Milet den dreizehnjährigen Smikros in der Eile des Aufbruchs
höchsten Gottes, dem alles untertan ist, voran, er ist ja für Varro mit der versehentlich zurück. Ein Sohn des Eritharses (Patron bei Varro), der Ziegen
Weltgottheit identisch (vgl. fr. 14ff. fr. 27). Alles geht entsprechend aus ihm hütet, entdeckt den verzweifelten Smikros und bringt ihn zu seinem Vater,
hervor, vgl. fr. 206: caelum a quo fiat aliquid; log. Curio ap. Aug. civ. 7, 9: der ihn aufnimmt. Konon berichtet weiter vom Fang des Schwans, dem Streit
I ovem esse mundum et eum omnia semina ex se emittere et in se recipere. der Knaben um ihn und der Erscheinung der Leukothea, die ihnen aufträgt,
Die Abgrenzung gegen Ianus wird sorgfältig vorgenommen und eine Gleich-
den Milesiern zu sagen, sie sollten ihr Ehren erweisen und einen gymnischen
setzung indirekt abgelehnt, obwohl beide Götter als mundus erklärt werden.
Knabenagon für sie einrichten, da sie am Streit der Kinder Freude gehabt
Die Liste der Beinamen ist vermutlich noch größer gewesen; auch bei Iuno
habe. Smikros heiratet die Tochter eines angesehenen Milesiers. Diese sieht
wurden sie aufgezählt (fr. 274) und ebenso kann man sie bei den anderen di die Sonne in ihren Mund eingehen und ihren Leib durch den Schoß wieder
selecti voraussetzen. verlassen, was den Sehern ein gutes Vorzeichen scheint. Den Knaben, den sie
fr. 239-247 Saturnus: Literatur: WISS0WA, Roscher IV 427ff.; WrnsowA gebiert, nennt sie Branchos, weil die Sonne durch ihre Kehle (~p6yzoc; bzw.
204ff.; THULIN,RE II A 218ff.; ALTHEIM,Griech. Götter im alten Rom, 1930, 8; ~p&yzoc;}gegangen war. Er wird der schönste Knabe; Apollo liebt und küßt
J. ALBRECHT,Saturnus, Diss. Halle 1943; EvANS 187ff.; LATTE137; BöMER 31; als er ihn auf der Weide findet, wo der Altar des Apollon
ihn (scp[AYJcre:v),
RADKE 282ff.; PEPIN 328f. Phil(es)ios steht, und Branchos, vom Gott begeistert, weissagt in Didyma.
Die Ableitung des Namens ab satu LL 5, 64; Fest. 186 (falx insigne agricolae Von dem Bp&yzoc;des Kallimachos ist zu wenig erhalten (fr. 229 Pf.), um einen
vgl. fr. 243); Macr. 1, 10, 20 u. a. Vergleich zu ermöglichen.
230 BURKHART ÜARDAUNS M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 231

Varro führte die Erzählung vermutlich an, um die Gleichung Apollo-Sonne Vgl. LL 5, 70: ab ignis iam maiore vi ac violentia Volcanus dictns. Vgl. auch
zu stützen. Auch Macrobius 1, 17, 49 erklärt in diesem Zusammenhang: Vesta als andere Form des Feuers fr. 281f.
'An6AAwv <DiA~crwi;quod lumen eius exoriens amabile amicissima veneratione
consalutamus. fr. 256 Neptunus: Literatur: WrssowA 225:ff.; ders., Roscher III 201 ff.;
Das Fragment zeigt, mit wie ausführlichen Exkursen bei Varro gerechnet WEINSTOCK,RE XVI 2514:ff.; LATTE 131f.; RADKE 227f.
werden muß. Ohne die bestimmte Angabe des Statius-Kommentars über die LL 5, 72: Neptunus, quod mare terras obnubuit ut nubes caelum .... Salacia
Herkunft würde man eine Zuweisung an die Res Divinae kaum erwägen. N eptuni ab salo. V enilia a veniendo ac vento. Anders ist die Erklärung der Ve-
nilia fr. 122.
fr. 253/254 Mars: Literatur: RoscHER, Roscher II 2385ff.; WrssowA 141 ff.;
MARBACH,RE XIV 1919ff.; F. ScHWENN, AfRw 20, 1920, 301ff.; E. NORDEN, fr. 258 Sol: Literatur: WISSOWA 315f.; HÖFER, Roscher IV 1137:ff.; MAR-
Aus altröm. Priesterbüchern, Lund 1939, 173ff.; G. HERMANSEN,Studien über BACH,RE III A 901ff.; EVANS 195:ff.; LATTE 321:ff.; KocH, Gestirnverehrung
den ital. u. röm. Mars, Kopenhagen 1940; LATTE 114ff.; BöMER 141; RADKE im alten Italien, 1933; BöMER, Ahnenkult 58f.; RADKE 290. LL 5, 74 unter den
199ff.; U. SCHOLZ,Studien zum altitalischen und altrömischen Marskult und sabinischen Göttern.
Marsmythos, Heidelberg 1970, 27f.
Varro hat in Mars anscheinend nur den Kriegsgott gesehen. Er stellt ihn fr. 259 Orcus, Dis pater: Literatur: PETER, Roscher III 940ff.; MACKAUER,
LL 5, 73 neben Bellona (vgl. fr. 185): quod maribus ( !) in bello praeest aut quod RE XVIII 908ff.; Wrssow A 310; LATTE 156; RADKE 241.
Sabinis acceptus ibi est Mamers. In diesem Sinne ist wohl auch die Gleichung Dis pater ist der Kultname des Gottes in Rom, doch setzt Augustinus auch
mit Hercules zu verstehen (Men. 20). E. NORDEN a.a.O. 174 verweist auf in der Aufzählung fr. 229 Orcus. fr. 28 erhält Pluto die Erde zugewiesen,
Varros Nachrichten über Marskult im Sabinerland bei Dion. H. 1, 14, 2ff. Proserpina die tieferen Teile derselben. Vielleicht hat Varro schon die Namen
(RH X fr. 4 Mi.). variiert und teils von Orcus, teils von Dis pater gesprochen.

fr. 260/262 Liher: Literatur: WrssowA, Roscher II 2021ff.; WrssowA 297ff.;


fr. 254: Nur mit Bedenken ist das Zeugnis hier eingeordnet. Die Herkunft SCHUR, RE XIII 68ff.; ALTHEIM, Terra Mater, 1931, 17ff.; A. BRUHL, Liber
aus den Antiquitates ist wahrscheinlich, doch nicht sicher, und neben Buch pater, 1953; LATTE 161f.; RADKE 175ff.
XVI kommt auch Buch I in Betracht. Arnobius ist wohl nicht von Clemens Paul. Fest. 121 bringt Liber mit gr. Aoiß~ zusammen, vielleicht auch Varro
abhängig (F. TuLLIUS, Die Quellen des Arnobius im 4., 5. und 6. Buch, Diss. LL 6, 2; doch fr. 93 leitet er den Namen von liberare ab.
Berlin 1934, 12); der Ausdruck , Varronis Musae' braucht keinesfalls auf eine
Dichtung zu führen (W. BucHWALD, Musae Varronis, MH 23, 1966, 215-217). fr. 263 Übersetzung: ,,Weil sich, wie ich im ersten Buch über die Örtlich-
Die Lanze (bzw. Lanzen) des Mars wurde neben den heiligen Schilden, den keiten gesagt habe, zwei göttliche Prinzipien erkennen lassen, Himmel und
ancilia, im sacrarium Martis der Regia aufbewahrt (Serv. Aen. 8, 3; Plut. Erde, wonach man die Götter teils himmlische, teils irdische nennt, so mache
Rom. 29); ihre göttliche Verehrung in der Frühzeit erwähnt auch Iustinus ich, wie ich im Vorangegangenen mit dem Himmel begonnen habe, als ich von
43, 3, 3: reges hastas pro diademate habebant ... Nam et ab origine rerum pro Janus sprach, - den einige mit dem Himmel, andere mit der Welt gleichsetzen,
diis inmortalibus veteres hastas coluere, ob cuius religionis memoriam adhuc - nun, wo ich über die weiblichen Gottheiten spreche, den Anfang mit Tellus."
deorum simulacris hastae adduntur. U. SCHOLZa. a. 0. 29 Anm. 49 verweist auf Zur Auswahl und Reihenfolge der acht weiblichen Gottheiten vgl. fr. 229.
Ammian. 31, 2, 23 (Verehrung eines Schwertes als Kriegsgott durch die Ala- Die zwei Prinzipien, die Anlaß geben, mit Tellus zu beginnen, sollen gewiß
nen). Auch an die Lanze des Romulus (Plut. Rom. 20,5) sei erinnert. nicht die Grundlage für alle Deutungen abgeben. Wohl werden auch Ceres,
Für Varro ist die Verehrung der Lanze ein Musterbeispiel für seine These ,Tuno und Vesta - unter anderem - als Erdgöttinnen erklärt, aber Luna,
vom ursprünglich bildlosen Kult der Römer (vgl. fr. 18). Es kann daher nicht Diana, Minerva (vgl. fr. 205) und Venus lassen sich schwerlich als di terrestres
verwundern, wenn es auch hier heißt, daß mit dem Fortschritt der Kunst bezeichnen. Hier wie auch sonst scheint Varro zu systematisieren, ohne die
der Irrtum zunahm (fr. 18: errorem addidisse). Konsequenzen zu ziehen oder nur zu bedenken. Daß selbst in einer Gottheit
entgegengesetzte Prinzipien wirken können, zeigt fr. 265.
fr.255Vulcanus: Literatur: WISSOWA 229ff., ders. ,Roscher VI 356ff.; Bemerkenswert, wie hier für Janus noch eine zweite Deutung vermerkt
ALTHEIM, Griech. Götter im alten Rom, 1930, 172ff.; EvANS 201ff.; ALTHEIM, wird, ohne daß es für den Zusammenhang nötig wäre, zumal die ausführliche
Röm. Rel. II 1953, 443ff.; LATTE 129f.; RADKE 343ff. Deut,ung des Gottes vorausgegangen war.
232 BURKHART ÜARDAUNS M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 233
fr. 264/269 Tellus: Literatur: WrnsowA 192ff.; ders., Roscher V 331ff.; Iuno ist ganz auf Iuppiter bezogen; die secundae causae entsprechen den
ALTHEIM, Terra Mater, 1931, 108ff.; WEINSTOCK,RE VA 791ff.; LATTE 71; (primae) causae des höchsten Gottes; zur Unterscheidung vgl. W. THEILER,
RADKE 298f. fr. 265: Vgl. Serv. auct. 4,638: duplicis sexus numina esse dicuntur, Die Vorbereitung des Neuplatonismus, Berlin 1930, 27, 2. Wie fr. 205 u. 206
ut cum in actu sunt mares sint, feminae cum patiendi habent naturam. fr. 266: steht sie als Erde dem Himmel gegenüber. Vgl. LL 5, 67: quod Iovis Iuno
Vgl. J. BAYET, Les Feriae Sementivae etc., RHR 137, 1950, 172ff.; RADKE 299. coniunx et is caelum, haec terra.
Altor nur hier genannt. Lit.: PETER, Roscher II 192; AusT, RE I 698; WISSOWA Unter ihren Beinamen Lucina, Iterduca, Domiduca ist Iuno schon mehr-
192, 1; LATTE 208; RADKE 61. fach im Buch XIV aufgetreten, wobei nicht immer klar ist, wann jeweils
Rusor nur hier belegt. Literatur: PETER, Roscher II 220; WrnsowA 192, 1; Varro eine eigene Gottheit meint und wann nur die Sonderform einer anderen
PFISTER, RE I A 1238 f.; LATTE 208; RADKE 276. (vgl. fr. 268).
fr. 267 Mater Magna: Vgl. PEPIN 341f. Als Teil des römischen Staatskultes
hat Varro die Mater Magna behandelt, aber alles beiseite gelassen, was dazu fr. 275 Luna: Literatur: PRELLER I 327f.; AusT, Roscher II 2154ff.;
nicht gehörte, wie es Augustinus für Attis ausdrücklich bezeugt. Vgl. zum Text WrnsowA 315ff.; ders. RE XIII 1808ff.; C. KOCH, Gestirnverehrung im alten
und den genannten Bräuchen J. FoNTAINE, Des traces de rites agraires dans un Italien, 1933, 27f.; EvANS 198ff.; BöMER 204; LATTE 232; RADKE 189f.
passage de Varron? RE Aug. 5, 1959, 261-265. Von Varros Ausführungen über Luna teilt Augustinus nichts mit, doch läßt
sich LL 5, 68 ergänzend heranziehen: Luna quod sola lucet noctu. Itaque ea dicta
fr. 268. Übersetzung: ,,Tellus, so glaubt man, sei auch Ops, weil sie durch N octiluca in Palatio; nam ibi noctu lucet templum. Es folgt die Gleichung mit
Arbeit (opus) verbessert werde, Mater, weil sie das meiste hervorbringe, Magna, Diana und Proserpina, LL 5, 69 mit Iuno Lucina: Luna enim nascentium dux,
weil sie Nahrung hervorbringe, Proserpina, weil aus ihr das Korn ausgehe quod menses huius. Der naheliegende Bezug auf die menses ist auch fr. 26 und
(proserpere), Vesta, weil sie sich in Kräuter kleide (vestire). So führte man auch RR 1, 1, 5 gegeben.
andere Göttinnen nicht unpassend auf diese zurück. Dem widerstreitet nicht Die Gleichung mit Iuno Lucina (vgl. Cic. n. d. 2, 68; Plut. qu. Rom. 77;
die Ansicht der Vorfahren über diese Göttinnen, wenn sie mehrere annahmen. EvANS 198) mag der Grund dafür sein, daß Varro Luna an dieser Stelle des
Es ist möglich, daß dasselbe Ding eine Einheit bildet und andererseits in ihm Buches anführt. Auch Diana, Minerva und Venus hat er als Mondgöttinnen
mehrere Dinge enthalten sind." erklärt (vgl. fr. 276ff.), doch wird man hieraus keine zu weitreichenden Schlüsse
SwoBODAS Vermutung, die Erklärungen von Mater und Magna seien ver- auf eine „lunare Theologie" ziehen dürfen. Einmal ist diese Erklärung der
tauscht, ist ansprechend; der Fehler kann schon in Augustins Exzerpt aufge- genannten Gottheiten jeweils nur eine unter anderen und zudem hat Sol unter
treten sein. Vgl. zu Ops fr. 106, zu Proserpina fr. 187 u. LL 5, 68 (App. XVIa), den männlichen Göttern keinen bevorzugten Platz und steht nicht einmal
zu Vesta fr. 281/83. neben Apoll.
Wichtig ist das Fragment für Varros Vorstellung von den Möglichkeiten Mit Sol wird Luna RR 1, 1, 5 angerufen, unter den sabinischen Göttern sind
der Deutung. Werden also mehrere Erklärungen angeboten, so muß das nicht beide fr. 36 und LL 5, 74 (vgl. Dion. H. 2, 50, 3), unter den sichtbaren Göttern fr.
immer Unsicherheit bzw. Epoche des Urteils anzeigen; Varro kann auch im 23 u. 26.
Einzelfall nebeneinander akzeptiert haben, was zunächst unvereinbar scheint.
Dem entspricht in der Etymologie die Ableitung aus zwei Sprachen zugleich
fr. 276 Diana: Literatur: BrnT, Roscher I 1002ff.; WrnsowA 247ff.; ders.
(LL 5, 74, App. XVIa).
RE V 325ff.; ALTHEIM, Griech. Götter im alten Rom, RVV 22, 1930, 93ff.;
fr. 270/271 Ceres: Literatur: BrnT, Roscher I 859ff.; WISSOWA, RE III EVANS 232ff.; LATTE 169ff.; RADKE 104ff.
192ff. u. 297ff.; ALTHEIM, Terra Mater, 1931, 108ff.; LATTE 161f.; H. LE Ob Diana von vornherein mit der griechischen Artemis identisch war (ALT-
BoNNIEC, Le culte de Geres a Rome, Paris 1958; RADKE 86ff. HEIM a. a. 0. 93ff.) oder eine italische Mondgöttin (LATTE 169), kann hier nicht
Die Etymologie steht LL 5, 64: quod gerit fruges, Geres. erörtert werden. Für Varro war sie jedenfalls die Schwester des Apollo und
Zu Proserpina vgl. LL 5, 68: quod haec ut serpens modo in dexteram modo in darum schon nach griechischem Vor bild Mondgöttin (erster Beleg viell.
sinisteram partem late movetur (als Mondgöttin); anders fr. 268. Aischylos fr. 170 NAUCK,vgl. Cornut. n. d. 32 u. 34; weitere Stellen WERNICKE,
RE II 1354; ScHWENN, RE II A 1142; PEASE 727) wie auch für Cic. n. d. 2, 68;
fr. 272/274 Iuno: Literatur: RoscHER, Roscher II 574ff.; WrnsowA 181 ff.; Catull 34, 16; Macr. 7, 16, 27. Ihren Namen leitete er von via ab: LL 5, 68:
THULIN, RE X 1114ff.; KocH, Der röm. Iuppiter, 103ff.; LATTE 104ff. 166ff.; hanc (sc. Lunam) ... quidam Dianam vocant; Apollinis vocabulum Graecum,
BöMER 339ff.; RADKE 152ff. alterum Latinum, et hinc quod Luna in altitudinem et latitudinem simul it,
234: BURKHART CARDAUNS M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 235

Diviana appellata. LL 7, 17: Trivia Diana est ... vel quod luna dicitur esse, aetherium verticem ... dixerunt, memoriam nonnulli. Angebliche Theologumena
quae in caelo tribus viis movetur, in altitudinem et latitudinem et longitudinem. des Aristoteles (p. 348 HEITZ) werden Macr. 1, 18, 1-4 zusammen mit Varro
Anders erklärt er im Logistoricus Messalla ap. Prob. Verg. ecl. 6, 31 Diana von und Granius Flaccus erwähnt. Das Verhältnis des Granius zu Varro ist leider
Deviana (deviae silvae) als Jagdgöttin (vgl. auch fr. 101). Zu den sabinischen ungeklärt (vgl. o. S. 133).
Göttern zählt sie LL 5, 74. LL 5, 74 steht Minerva unter den sabinischen Göttern (vgl. ALTHEIM, RE
Nigidius (ap. Macr. 1, 9, 8, fr. 73 SwoBODA) sah in Diana eine ursprüngliche XV 1781f. ; Ev ANS159 ff.) ; RR 1, 1, 6 hat sie neben Venus die procuratio oliveti;
Iana; auch RR 1, 37, 3 muß wohl dieser Name hergestellt werden: Iana luna vgl. auch fr. 135.
(lana luna cod.). Für die RD läßt sich diese Gleichung nicht nachweisen; Keine Verbindung besteht zu Cic. n. d. 2, 67: M inerva quae vel minueret
fr. 195 hat lana eine andere Funktion. vel minaretur.
Schutzgöttin der Straßen ist schon die griechische Artemis als Hekate fr. 279/280 Venus: Literatur: WrnsowA, Roscher VI 183ff.; WrnsowA
TpwoI-nc; (vgl. Callim. hymn. 3, 38; SCHREIBER,Roscher I 572; WERNICKE, 288ff.; R. SCHILLING,La religion Romaine de Venus, Paris 1954; KocH, RE
RE II 1350); vgl. Diana Trivia bei Ennius scen. fr. 121 V. (Varro LL 7, 16); VIII A 828ff. 886; ders. Religio 39ff.; LATTE 183ff.; H. WAGENVOORT,Mne-
CATULL34, 15; Nigidius ap. Macr. 1, 9, 6 (fr. 73 SwoBODA). Die Erklärung mosyne S. IV 17, 1964, 47ff.; RADKE 311ff.
der Jungfräulichkeit (quod via nihil pariat) ist ähnlich konzipiert wie bei den
Vestalinnen (fr. 282 quod nihil ex igne nascatur). Die allegorische Auslegung fr. 279: Dies Fragment steht Aug. civ. 7, 15 in einem Zusammenhang, in
der Pfeile als Strahlen ist auf griechische Quellen zurückzuführen, sie findet dem Augustinus die Planetengottheiten diskutiert, nicht aus Varro, wie die
sich Cornut. n. d. 32. Bemerkungen 7, 14 über Mars und Merkur zeigen. Im Widerspruch zu den
Planetengottheiten werden andere Deutungen (aus Varro) angeführt, daher
fr. 277/278 Minerva: Literatur: WrnsowA 252ff.; WISSOWA, Roscher II ,tamen'. Den Stern der Venus erwähnte Varro RH II ap. Serv. Aen. 1,382.
2982ff., ALTHEIM,RE XV 1774ff.; ders. Röm. Rel. I 1951, 190ff.; EvANS 159ff.: Venus als Mondgöttin auch bei Macr. 3, 8, 3 (Philochoros FGrHist 328 F
BöMER 199f.; LATTE 163ff.; RADKE 217ff. 184; Laevius fr. 26 MoREL Venus N octiluca). Vgl. ScHWENN, RE II A 1142;
fr. 277: Als Schutzgöttin des Handwerks und der Kunstfertigkeit tritt KocH, RE VIII A 863.
Minerva vor allem in Rom hervor. Dieser Aspekt stand für Varro anscheinend
im Mittelpunkt; vgl. den Widerhall bei Aug. civ. 7, 30 p. 313, 18: qui (sc. fr. 280: Die gleiche Auslegung mit Ableitung von vis LL 5, 61: nuptiis
Deus verus) humanis ingeniis, quae creavit, etiam scientias artium variarum mas ignis, quod ibi semen, aqua femina ... et horum vinctionis vis Venus. 5, 62:
ad adiuvandam vitam naturamque concessit. Bei den Griechen entspricht ihr Venus von vincire. 5, 63: poetae de Caelo ... natam e spumis Venerem; coniunc-
die Athena Ergane (NILSSON, Gesch. d. griech. Rel. I2 1955, 439; ALTHEIM, tione ignis et humoris, quam habent vim significant esse Veneris. Vgl. fr. 155
RE XV 1787; BöMER 200). ( vis); fr. 265 Fun. (vincire a vi).
fr. 278: Die Deutung der Minerva als (oberer) Teil des Aethers, die wir schon Griechisches Vorbild erkennen wir noch bei Cornut. n.d. 24: 'Arppoo[TYJot
fr. 205f. fanden, geht vermutlich auf die Minerva-Allegorese des Diogenes v. ZCTT(V ~ cruvr't.youcrrx
T◊ &ppsv x.rxt Tö &~Au o6vrxµ(c;.Zur Gleichung mit Vesta

Babylon zurück: 1cspt T~c;'Athiviic; ap. Philod. piet. 15 (SVF III 33 p. 217) und vgl. fr. 283, mit Libera fr. 93. RR 1, 1, 6 hat Venus die prowratio hortorum
Cic. n.d. 1, 41 (SVF III 34, vgl. PEASE 277ff.). Die gleiche Erklärung der Ge- (vgl. LL 6, 20); daß man ihren Namen zur Königszeit noch nicht kannte, er-
burt aus dem Haupt des Zeus auch Diog. L. 7, 147; Cornut. n.d. 20; Porphyr. fahren wir LL 6, 33 und Macr. 1, 12, 13. Cic. n.d. 2, 69 u. 3, 62 (Arnob. 3, 33)
ap. Macr. 1, 17, 70; Serv. Aen. 4, 201 (vgl. Mart. Cap. 6,567: aetherius fomes). leitet Venus von venire ab, zeigt also keinen varronischen Einfluß.
Chrysipp SVF II 908 zielt nur auf µ~T(t; und rpp6vYJcr(c;, ohne den Aether zu Es ist zu erwägen, ob man eine Notiz Augustins über den phönizischen
nennen. Kult civ. 4, 10 p. 159, 20 für Varro beanspruchen kann (vorgeschlagen von
Augustinus erwähnt noch eine Gleichung der Minerva mit Luna (im App. S. ANGUS, The sources of the first ten books of Augustine's De civ. Dei, Princeton
zu fr. 53), die wohl ebenfalls auf Varro zurückgeht. Auch hierfür lassen sich 1906, 40f. 155). Das Kapitel enthält sonst nur varronisches Gut und auch für
griech. Belege finden: Istros FGrHist 334 F 24; Plut. de facie in orbe lunae Saturn hat Varro punische und keltische Bräuche mit herangezogen (fr. 244).
922 A (SVF II 673), 938 B (FGrHist 333 F 5); Porphyr. ap. Euseb. praep. Die Notiz lautet: cui (sc. Veneri) etiam Phoenices donum dabant de prostitiltione
ev. 3, 11, 31; Etym. M. 767, 46 (vgl. RoscHER, Roscher II 3188; ScHWENN, filiarum, antequam eas iungerent viris. Kenntnis von diesen Dingen konnte
RE II A 1142). Varro ebensogut haben wie von den Menschenopfern (vgl. auch KocH, RE VIII
Unklar ist die Herkunft von Arnob. 3, 31: Aristoteles, ut Granius memorat, A 850). .
, .. Minervam esse Lunam probabilibus argiimentis explicat ... eandem alii Zu Venus Lubentina und Cluacina vgl. fr. 126 u. 124.
236 BURKHART ÜARDAUNS M. Terentius Varro antiquitatcs rerum divinarum 237
fr. 281/283 Vesta: Literatur: A. PREUNER, Hestia-Vesta, Tübingen 1854, Der Gedanke, Vesta sei das Feuer der Herde sine quibus civitas esse non
bes. 28f.; Wrssow A 76ff. 156ff.; ders. Roscher VI 241 ff. 268f.; Süss, RE potest (fr. 282), wird noch einmal von Augustinus civ. 7, 30 p. 313, 22 (fr. 64c
VIII 1257ff. (Hestia); EvANS 168ff.; 0. HuTH, Vesta, AfRw Beih. 2, 1943; Ag.) aufgenommen, wenn er sagt: qui (so. verus Deus) hominum coetibus,
A. BRELIOH, Vesta, Albae Vig. N. F. 7, 1949; WALDE-HOFMANNII 772ff.; quem focis et luminibus adhiberent, ad facillimos usus munus terreni ignis indul-
BöMER 353ff.; KocH, RE VIII A 1717ff.; ders. Religio, 1ff.; LATTE 108ff.; sit. Die Verbindung mit dem Gemeinwesen entspricht dem Wesen des Vesta-
RADKE 320ff. kultes, wenn auch Varro offenbar alle häuslichen Herde, nicht nur den Staats-
Varros Interpretation der Vesta trägt Augustinus civ. 7, 16 (fr. 281) unter herd, Vesta unterstellt (vgl. Aug. civ. 4, 11 p. 160, 19: in focis domesticis Vesta).
der der anderen di selecti vor, hinzu kommen die Angaben civ. 4, 10 (fr. 282f.), Die virgines Vestales erklären auch Ovid fast. 6, 292 (daher Lact. inst. 1,
die civ. 7, 30 noch anklingen (fr. 64c Ag.), und die Etymologie civ. 7, 24 12, 5) und Plutarch Numa 9 aus der Unfruchtbarkeit der Flamme (der Gedanke
(fr. 268). an das lebenspendende Element, e.g. LL 5, 61, bleibt hier ganz fern); andere
Wie Ianus am Beginn der Reihe der di selecti, so steht Vesta am Ende, römi- Erklärungen (Reinheit) geben Cornut. 28 und Dion. H. 2, 66, 3 (Plut. Numa
schem Brauch entsprechend (Cic. n. d. 2, 67: et precatio et sacrificatio extrema; 9 ebenfalls).
vgl. Serv. Aen.1, 292; WrssowA 103; PEASE 725; KocH, RE VIII A 1772). Die Deutungen Ciceros und Ovids seien zum Vergleich angeführt: Cic. n. d.
Die Gleichung mit Terra ist aus der Deutung der griechischen 'Ecr-r[O( über- 2, 67: Vestae nomen a Graecis; ea est enim quae ab illis 'Ecr-r[O(dicitur; vis autem
nommen, die als der Mittelpunkt schlechthin gilt, auch mit dem Zentralfeuer eius ad aras et focos pertinet, itaque in ea dea, q'uod est rerum custos intumarum,
der Pythagoreer in Verbindung gebracht wird (Plut. Numa 11; vgl. W. BUR- omnis et precatio et sacrificatio extrema est.
KERT, Weisheit u. Wissenschaft, 1962, 296), vgl. Soph. fr. 558 N.; Eur. fr. 944 Ov. fast. 6,267: Vesta eadem est terra- subest vigil ignis utrique - significantque
N. (Macr.1, 23, 8); Cornut. nat. deor. 28; Dion. H. 2, 66, 3; Fest. 262; Ov. fast, sedem terra focusque suam. terra pilae similis ... 291: nec tu aliud Vestam quam
6,267,460; Plut. Numa 11; Arnob. 3, 32; Lact. 2, 6, 2; Serv. auct. Aen. 2, 296; vivam intellege -flammam: nataque de -flamma corpora nulla vides. iure igitur
3,281; 9,257; Serv. Aen. 1,292; Lyd. mens. 4, 94; Isid. or. 8, 11, 67. Varros virgo est, quae semina nulla remittit nec capit et comites virginitatis amat. 299:
Etymologie Tellus- Vesta, quod vestiatur herbis (fr. 268) ist sonst nicht belegt stat vi terra sua, vi stando Vesta vocatur, causaque par Grai nominis esse potest.
(doch vgl. Serv. Aen. 1, 292: quod variis vestita sit rebus); Cicero n. d. 2, 67 Übereinstimmungen mit Ovid sind deutlich, vor allem die Deutung sowohl
und leg. 2, 29 leitet Vesta von gr. 'Ecr-r[O( ab, Ovid fast. 6, 299 vi stando Vesta als terra wie auch als ignis und die Auslegung der virgines Vestales, dazu kann
vocatur nach griechischem Vorbild &no -roü scr-r&vO(((Cornut. 28; Lyd. mens. auch noch anderes bei Ovid aus Varro stammen. Immerhin fehlen bei dem
4, 94; vgl. Arnob. 3, 32 quod in mundo stet sola). Dichter vier nur für V arro bezeugte charakteristische Einzelzüge : a) die
Nach Augustins Worten civ. 4, 10 (fr. 282) scheint Varro mehr Wert auf die Etymologie Vesta - terra, quod vestiatur herbis; b) Vesta - ignis levior im Gegen-
Gleichung mit ignis gelegt zu haben. Während Vulcanus mit der ungebändigten satz zu Vulcanus; c) Vesta - Venus; d) die Verbindung der /oci mit civitas
Kraft des Feuers (ignis violentior) verbunden wird (vgl. fr. 255), verwaltet bzw. coetus hominum. Andererseits zeigt Ovid eine starke Ähnlichkeit mit
Vesta das Feuer des Herdes, das dem menschlichen Gebrauch dient. Vulcanus Festus 262 im Vergleich terra - pila und der Erklärung der aedes rotunda.
und Vesta stehen nebeneinander unter den di consentes (vgl. WrssowA 61) Dieser Befund spricht keineswegs gegen eine Benutzung Varros durch Ovid,
und bei Paulin. Nol. c. 32, 132 (nach Hygin; vgl. KocH, RE 1774f.); von hier liefert aber auch keinen Beweis dafür, in ihm die wichtigste Quelle für Ovids
aus wird auch nur die singuläre Gleichung mit Venus (fr. 283) verständlich. Vestadeutung zu erblicken (so BöMER 357. 359).
R. REITZENSTEIN,Zwei religionsgeschichtliche Fragen, Straßburg 1901, 79 Die Erwähnung der Vacuna fast. 6, 307f. könnte auf den Reatiner weisen,
vergleicht Seneca nat. quaest. 3, 142, wo die vier Elemente unter Berufung der Vesta LL 5, 74 zu den sabinischen Gottheiten zählt (vgl. fr. 36; EvANS
auf Aegyptii je einem ungenannten Götterpaar zugeteilt sind: ignem vocant 168ff.; 0. TERROSIZANCO,SCO 10, 1961, 192); ihr Kult wurde nach Dion. H.
masculum qua ardet -flamma et feminam qua lucet innoxius tactu. Darüber hinaus 2, 50, 3 von Tatius eingeführt, nach Ov. fast. 6, 259 von Numa, also den sabini-
ist jedoch keine Übereinstimmung mit varronischen Gedanken festzustellen, schen Königen.
auch nicht mit fr. 28, das aber u.a. Varros Vorliebe für Götterpaare belegt. fr. 284: Habitare in der ursprünglichen Bedeutung als Frequentativum von
Als Gefährtin des Hephaistos-Vulcanus konnte Vesta auch mit Venus ver- habere belegt Nonius 318 außer durch unsere Stelle noch aus Varro de sermone
glichen werden (Lact. Plac. in Stat. Theb. 5, 66: Venus-ignis), wenn man nicht Latino (fr. 37 Fun.); vgl. Thes. L. L. VI 2472, 55 (u. III 1746, 57). Die Be-
zur Erklärung die Deutung der physici bei Macr. 1, 21, 1 heranziehen will zeichnung der Haartracht, die voraufging (hoc nomine), hat Nonius leider
(REITZENSTEINa.a.O.), nach denen Venus terrae superius hemisphaerium ist, nicht mitgeteilt, so daß der Zusammenhang dunkel bleibt, zumal secundis
Proserpina inferius hemisphaerium. rebus schwer erklärlich ist.
238 BURKHART ÜARDAUNS

Appendix
a) Der abgedruckte Abschnitt aus De Lingua Latina ist der umfangr~ichste
Beitrag Varros zur Götterlehre, der uns erhalten ist und dürfte ü~erwie~~nd
aus dem Material der Res Divinae zusammengestellt worden sem. Zusatze
und Änderungen sind nicht auszuschließen. Eine sorgfältige Interpreta~ion
kann gerade in Hinsicht auf die Antiquitates sicher weitere Erkenntmsse
bringen. . . Quellen und Methode der Res Divinae
b) Die zwölf Götter, die Varro im Eingang der Res Rusticae anruft, smd
Bei dem fragmentarischen Charakter des varronischen Werks ist es nicht
gewiß von ihm ad hoc zusammengestellt worden; sie zeigen gewissermaßen den
ganz leicht, sich ein Bild von seinen Quellen und vor allem vom Umfang,
Gebrauch, den man von der in den Res Divinae gewonnenen Kenntnis machen
in dem sie benutzt sind, zu machen. Nur in einzelnen Fällen geben unsere
kann (vgl. fr. 3). Gewährsleute Autoren an, die bei Varro genannt waren, oder lassen erkennen,
c), d) und e) können zur Ergänzung herangezogen werden: c) ~ls Paral~el_e woraus sonst er seine Kenntnisse bezog.
aus einer anderen Schrift Varros, d) als Notiz, die vielleicht auf die Res Divi- Zwei Fragmente sind für die griechischen Quellen besonders ergiebig: RD I
nae, vielleicht auch auf LL zurückgeht, e) als mögliches direktes Zitat, doch fr. 23 nennt Dionysius Stoicus (desgl. fr. 30), Acusilaus, Xenocrates, Demo-
nicht sicher genug, um als Fragment aufgenommen zu werden. critus und Zenon; RD IV fr. 56 verzeichnet eine Reihe griechischer Autoren,
die Nachrichten über die Sibyllen hinterlassen haben: Nicanor, Euripides,
Chrysippus de divinatione, Apollodorus Erythraeus, Aristonicus, Eratosthenes
und Heraclides Ponticus. Nicht alle wird Varro selbst auch eingesehen haben.
Hinzufügen lassen sich noch Plato (fr. 29, nicht ganz sicher, fr. 206), Aristote-
les fr. 98) und Xenophanes (fr. 228), dazu jene Stellen, an denen auf griechi-
sche Quellen zurückgegangen wird, ohne daß wir einen Namen hören, vielleicht
weil Varro selbst schon keinen nannte. Das gilt für die dreifache Theologie
(fr. 6 u. 7), deren griechische Termini ihre Herkunft verraten, und für den
Gottesnamen Iao (fr. 17 Chaldaei).
Für die Darstellung der römischen Religion mußten natürlich die römischen
Überlieferungen herangezogen werden. Von den Dichtern, die auch in dem
theologischen Abschnitt LL 5, 59 sqq. häufig zitiert werden, sind Naevius
(fr. 56) und Pomponius (fr. 131) genannt, Ennius (fr. 232) einmal ohne Namens-
nennung benutzt, und möglicherweise stammt Argentinus, Sohn des Aescu-
lanus (fr. 193), aus dem Werk eines römischen Komikers. Einmal wird der
Annalist Piso erwähnt (fr. 56); doch sind Annalisten sicher auch in den histo-
rischen Abschnitten des ersten Buches (fr. 35ff., vgl. LL 5, 74: ut annales
dicunt) und in der Erzählung von Larentina (fr. 220) herangezogen und mögen
noch manche andere Einzelheit beigetragen haben.
Von den Schriften der Pontifices, Augurn und anderer Priesterschaften
läßt sich sagen, daß Varro sie zweifellos selbst eingesehen hat, wie er auch
De Lingua Latina Stücke aus der Argeerurkunde und anderen Dokumenten
mitgeteilt hat. Verzeichnisse der Pontifices werden erwähnt fr. 87 und im
Logistoricus Oatus (zit. zu fr. 115: quorum nomina habent scripta pontifices;
zu fr. 137: Nnmeriem, qnam deam solent indigitare etiam pontifices); er wird sie
auch sonst herangezogen haben (vgl. G. RoHDE, Die Kultsatznngen der röm.
Pontifices, RVV 25, 1936, 19ff.). Dem Kollegium der Quindecimviri hat er
vielleicht selbst angehört (vgl. fr. 61 Komm.).
240 BURKHART ÜARDAUNS M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 241

Zur Unterrichtung durch schriftliche Quellen tritt noch die eigene An- Mamurius Veturius, des sagenhaften Schmiedes der heiligen Schilde, und der
schauung der Kulthandlungen und der Denkmäler, der Tempel, Kapellen Lucia Volamina anführen, die man im Salierlied zu lesen glaubte, sehr zweifel-
und Altäre und ihrer Inschriften. Von Altären hören wir fr. 34, 103, 107, 190f. haft, ob zu Recht (vgl. LL 6, 49 u. 9, 61).
und dürfen annehmen, daß noch viel öfter solche Belege angegeben wurden. Der Schematismus, der Varro oft vorgeworfen wird, hat gewiß oft seine Deu-
Für seine Deutung der samothrakischen Heiligtümer beruft sich Varro fr. 227 tungen beeinflußt, wie zahlreiche Beispiele zeigen. Doch hat er sich nie dog-
ausdrücklich auf die persönliche Anschauung. matisch festgelegt und die Möglichkeit logischer Widersprüche, deren ihm die
Daß er es sich Mühe kosten ließ und stolz darauf war, verschollene und Kirchenväter viele vorhalten konnten, selbst zugegeben. fr. 268 setzt er Tellus
versunkene Kulte und Namen wieder ans Licht zu ziehen, zeigt fr. 2 (dort mit Ops, Mater Magna, Proserpina und Vesta gleich und fügt hinzu: ,So führt
im Komm. weitere Beispiele). Wo er freilich nicht viel mehr als einen Namen man auch noch andere Göttinnen nicht unpassend auf diese zurück. Dem
feststellen konnte, da versuchte er, sein Wissen auf andere Weise zu ergän- widerstreitet nicht die Ansicht der Vorfahren über diese Göttinnen, wenn
zen. Das wichtigste Hilfsmittel dazu - auch heute ist es oft das einzige - war sie mehrere annahmen. Es ist möglich, daß dasselbe Ding eine Einheit bildet
die Etymologie, die seine Schriften auch sonst in besonderer Weise prägt. Er und andererseits in ihm mehrere Dinge enthalten sind.' Er hat nicht nur
steht allerdings damit nicht allein da, auch Cicero führt De natura deorum mehrere Gottheiten miteinander gleichgesetzt, sondern auch einzelne Gott-
2, 64 sqq. mehrere Herleitungen römischer Götternamen vor, die nicht von heiten zu ganz verschiedenen Bereichen in Beziehung gesetzt. Iugatinus wird
Varro beeinflußt sind und nach griechischem Vorbild das Wesen der betreffen- fr. 146 und fr. 164 ganz verschieden erklärt, Salacia fr. 28 anders als fr. 257;
den Gottheiten erhellen sollen. Varros Verdienst ist es wohl, die Etymologie ähnlich liegt der Fall bei Numeria (fr. 137) und vielleicht bei Vaticanus (fr. 107).
nicht nur einzusetzen, um das Wesen allgemein bekannter Götter philosophisch Oft standen mehrere Erklärungen nebeneinander, ohne daß eine Entscheidung
zu deuten, sondern um den ursprünglichen Wirkungskreis fast vergessener getroffen wurde, und strenge Konsequenz darf man nirgends erwarten.
Numina zu rekonstruieren und sie damit wieder der rechten Verehrung zu- Man wird aber in jedem Fall voraussetzen dürfen, daß Varro überzeugt
gänglich zu machen. war, so gut er konnte, wertvolle alte Überlieferung wieder zu Ehren zu bringen
Anscheinend ist er am Anfang des vierzehnten Buches mit seinen langen und nur wiederherzustellen, was schon verschollen schien. Wie skeptisch er
Reihen von Götternamen auf die Etymologie grundsätzlich eingegangen (fr. 89 sich selbst gegenüber war, zeigen fr. 204 und fr. 228 zur Genüge.
und viell. fr. 203) und hat sich gegen das einseitige Bestreben seines Lehrers Während die Etymologie vor allem dazu dient, die römische Religion mög-
Aelius Stilo gewandt, alles auf Wörter der eigenen Sprache zurückführen zu lichst vollständig zu rekonstruieren, hat die allegorische Auslegung die Auf-
wollen. Daß ihn die Wortableitung, der ja gar kein System zugrundelag, gabe, ihre tiefere Bedeutung sichtbar zu machen. Sie spielt im Buch XVI,
oft genug in die Irre geführt hat, wird niemand bestreiten wollen. Es muß wo die Übereinstimmung der theologia civilis mit der theologia naturalis gezeigt
werden soll, eine beherrschende Rolle. Hier ist V arro in den meisten Einzel-
auch immer damit gerechnet werden, daß er aus äußerlichen Gründen Grup-
heiten stark von griechischen Vorbildern abhängig, vor allem der Stoa (vgl.
pierungen von Göttern vorgenommen hat, die seinen Vorstellungen entspra-
J. PEPIN, Mythe et Allegorie, Paris 1958, 276ff. 315ff.).
chen, nicht aber den Gegebenheiten des Kultus (e.g. fr. 98. 137. 140. 167ff.).
Daß er geradezu Namen erfunden habe (Decima fr. 98, Fata Scribunda fr.
101), ist schwerlich nachzuweisen, doch daß er ohne Rücksicht auf den Kult
seiner Deutung zuliebe konstruierte, zeigt Caeculus (fr. 159).
Aber nicht nur seine Deutungen sind mit Vorsicht aufzunehmen, sondern
auch die Namen selbst. Abgesehen von Übermittlungsfehlern, die sich seit
Varro eingeschlichen haben und die wir oft gar nicht kontrollieren können,
muß man sich vor Augen führen, wie das Material aus schwerverständlichen
Aufzeichnungen der Priester und verwitterten Inschriften zusammengesucht
werden mußte. Es ist möglich, daß der eine oder andere Göttername, der
heute die Forschung beschäftigt, nichts anderes ist als ein von Varro unver-
standenes Wort aus einem Kultlied oder einer Inschrift. Er weist selbst auf
die großen Schwierigkeiten für das Verständnis alter Quellen hin (LL 7, 1
sqq.), z.B. des Salierliedes, das schon Aelius erklärte, ohne daß in allen Stücken
Einigkeit zu erzielen war (LL 7, 2). Als Beispiele ließen sich die Namen des
M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 243

in der Weise bestimmt, daß auch die Welt als Gott bezeichnet werden könne,
ebenso wie ein Mensch als Weiser, obwohl die Göttlichkeit wie die Weisheit
strenggenommen nur dem animus ( anima rationalis fr. 225) zukomme. Diese
Vorstellungen, die auch die Grundlage für die allegorische Erklärung der Götter-
bilder (fr. 225) abgeben, sind für die Stoiker bezeugt; im Munde des Antiochos-
Schülers (vgl. Varro bei Cic. acad. post. 29: animus mundi) lassen sie doch
vor allem an die Überlieferung der Akademie denken (vgl. BOYANCE78).
Zur Theologie Die Welt gliedert sich in Himmel und Erde, diese wieder in die Elemente
RD I fr. 5 verteidigt sich Varro gegen den Einwand, warum er nicht die
aether, aer, aqua, humus (terra). In allen diesen Bereichen finden sich beseelte
Res Divinae vor die Res Humanae gestellt habe, mit der Begründung, es sei Wesen (animae), unsterbliche in aether und aer, sterbliche in aqua und terra.
Bei den unsterblichen werden unterschieden die sichtbaren, himmlischen bis
nicht seine Absicht gewesen, vom Wesen der Götter zu schreiben, sondern
hinab zur Mondsphäre, nämlich die Gestirne, und die unsichtbaren, aber mit
von den Einrichtungen des Staates. Nicht die Götter überhaupt sind Gegen-
dem Geist erkennbaren, zwischen der Mondsphäre und dem Bereich der Wolken
stand der Antiquitates Rerum Divinarum, sondern die Formen der Verehrung,
und Winde, nämlich die Heroen, Laren und Genien (RD XVI fr. 226).
die sie im römischen Staat genießen. Im Anschluß daran trägt er die oft be-
handelte dreifache Theologie vor, die Unterscheidung einer Götterlehre der Diese Gliederung des Kosmos nach stoischem Vorbild ist rein räumlich ge-
Dichter, Philosophen und Staatslenker (genus mythicum, physicum, civile dacht; der innere Zusammenhang aller Wesen mit der Weltgottheit zeigt sich
fr. 6ff.). erst im folgenden Abschnitt (fr. 227).
Seine Vorstellung geht dahin, daß ein ursprünglich reiner Götterkult, der Die Analogie von Makrokosmos und Mikrokosmos (vgl. PEPIN 327 A. 93
mit dem Wesen der Götter ganz im Einklang war, also identisch mit der Lehre mit Lit.) wird anschaulich in den drei gradus animae: erstens die nur pflanzen-
der Philosophen, der theologia naturalis, allmählich durch das Eindringen fabu- hafte Lebenskraft ohne Empfindung, die beim Menschen Knochen, Nägel
löser Elemente entstellt wurde. Das Ergebnis ist der tatsächlich vorhandene und Haare durchdringt, in der Welt die Steine, Erde, Pflanzen; zweitens die
Kult, die theologia civilis, die eine Mischform darstellt. Diese theologia civilis Kraft der Sinnesempfindung (sensus), beim Menschen in Augen, Ohren, Nase,
bildet den eigentlichen Gegenstand der Darstellung; denn die Achtung vor der Mund, Tastsinn, für die Weltgottheit in Sonne, Mond und Sternen; drittens
Vergangenheit und den Überlieferungen seines Volkes ist so groß, daß der die höchste Stufe der anima, der animus, Sitz der Vernunft, der eigentlich
Philosoph vor dem Antiquar zurücktreten muß (fr. 11/12). Schon im ersten göttliche Teil der Weltseele, beim Menschen Genius genannt; im Organismus
Buch richtet sich der Blick auf die römische Religion, unter historischem der Welt entspricht ihm der Aether. Soweit reicht die Analogie.
Aspekt, aber zuvor setzt die Theologie der Philosophen den Maßstab. In den Ein neuer Gedankengang, die sog. Durchdringungstheorie (vgl. fr. 23
folgenden Büchern herrscht die Beschreibung der römischen Staatsreligion Komm.) erlaubt dann, nicht nur die Göttlichkeit der Gestirne zu erklären -
bzw. ihre Rekonstruktion vor, doch im XV. Buch und vollends im XVI. zuvor erschienen sie nur als Träger des sensus -, sondern auch die übrigen
nimmt die theologische Deutung wieder einen wichtigen Platz ein. Das letzte Götter der Volksreligion wie Tellus und Neptun (vgl. fr. 27/28).
Buch soll beweisen, daß die theologia civilis im wesentlichen der theologia Die Identität der Weltseele mit dem Feuer und zugleich mit der menschli-
naturalis entspricht, und auch die Götterbilder und Fabeln der theologia mythice schen Seele, Kernstück der stoischen Theologie, wird unter Berufung auf
erschließen hier der allegorischen Auslegung ihren tieferen Sinn, sodaß die Zeno fr. 23 vorgetragen. Als sichtbares Feuer tritt sie dem Menschen in den
Gegensätze sich versöhnen und eins werden. Gestirngottheiten entgegen (ihre Göttlichkeit wird fr. 24/25 bewiesen), unsicht-
Wenn man Varros theologia naturalis skizzieren will, so bieten sich als wich- bar in den übrigen Teilen der Welt (fr. 28). Die menschliche Seele kann nach
tigste Quellen an: das erste und sechzehnte Buch RD, LL 5, 57-74 und ein- dem Tode zur Göttlichkeit aufsteigen (fr. 29/32); das sind die Heroen, Di Ma-
zelne andere Fragmente, vor allem aus Buch XV RD und dem Logistoricus ues, Laren und Genien (fr. 209/211).
Curio. Der oberste Gott wird unter vielen Namen verehrt, von den Römern als
Als Grundlage läßt sich am besten die Vorrede zu RD XVI fr. 225-227 heran- Iuppiter (fr. 14ff.); alle anderen Götter sind nur als Teile, Kräfte oder Aspekte
ziehen, wo Varro selbst ein Resumee gab, das von Augustinus wohl nur unwe- dieses Einen anzusehen (fr. 27).
sentlich gekürzt worden ist. Das bisher skizzierte System ist streng monistisch, obwohl es eine unendliche
RD XVI fr. 226 wird der höchste Gott mit der Weltseele (anima mundi) Vielzahl von Göttern zuläßt; es wird zuweilen durchkreuzt von dualistischen
gleichgesetzt (ebenso RD I fr.13. 23._27) und das Verhältnis von Gott und Welt Vorstellungen, die nicht deutlich mit ihm verbunden werden. LL 5, 57 sqq.
244 BURKHART CARDA UNS

heißen Caelum und Terra principes dei und werden gleichgesetzt mit Serapis
und Isis, Saturn und Ops, anima und corpus, ignis und aqua, Iuppiter und
Iuno. Auch an anderen Stellen kommt Himmel und Erde erhöhte Bedeutung
zu: fr. 63/64; fr. 263; log. Curio ap. Prob. Verg. ecl. 6, 31: in haec duo divisus
mundus. Item duo initiales, unde omnia et omnes orti, et hi Dii magni appellati
in Samothrace. Auch LL 5, 58 wird auf Samothrake verwiesen: Terra enim
et Caelum, ut Samothracum initia docent, sunt dei Magni.
Erweitert wird diese Deutung dann fr. 205f. durch Minerva, die mit Iuppiter V arro und sein Werk
und Iuno, d. h. Himmel und Erde, eine Dreiheit bildet. Diese Dreiheit, die sich
auch hinter den Göttern von Samothrake und den römischen Penaten verbirgt, Über seine Absichten gibt Varro fr. 12 Rechenschaft: ad eum finem illa
umschließt Minerva ais Verkörperung der platonischen Ideen (exempla rerum). scribere ac perscrutari, ut potius eos (sc. deos) magis colere quam despicere vulgus
Hier zeigt sich besonders deutlich, daß Varro auch in der Theologie Akademi- velit, d. h. ,zu dem Zwecke schreibe und untersuche er diese Dinge, damit das
ker war. Der stoische Einfluß, der bei allen positiven Erklärungen vorherrscht, Volk sie mehr verehren als verachten möge'.
ist bereits bei seinem Lehrer Antiochos auffallend (vgl. Sext. Emp. Pyrrh. Die römische Religion war in der ausgehenden Republik mehr und mehr in
Verfall geraten und drohte sich zu verflüchtigen. Priestertümer wie das des
hyp. 1, 235: o 'Av·doxoc; 't'~V L-roav f.LE't'~YO(YEV
de; 't'~V'Axl)(0'Yjf.LLO(V;
Varro als
Schüler des Antiochos: Cic. acad. post. 12; fam. 9, 8; BoYANCE 74ff.). Flamen Dialis waren seit Jahrzehnten nicht mehr besetzt, Tempel und Kapel-
Nicht überall sind diese Gedanken von Varro streng durchgeführt und allen len verfielen und viele Gottheiten waren kaum noch dem Namen nach bekannt.
Deutungen zugrundegelegt. Soviel er auch an stoischen Formulierungen über- Klagen darüber finden wir nicht nur bei Varro (vgl. Cic. n.d. 2, 9; anderes fr.
nimmt, er bleibt doch immer in einer gewissen skeptischen Reserve: ,Hominis 2a Komm.). Die religiösen Einrichtungen waren ein Bestandteil des Staates
est enim haec opinari, dei scire' (fr. 228, 4). So bleibt vieles widersprüchlich und mit ihnen gerieten auch andere Institutionen in Gefahr vergessen zu
und die Kirchenväter hatten leichtes Spiel bei ihren Angriffen, aber eindrucks- werden (Cic. rep. 5, 1, 2). Nicht nur die Res Divinae Varros, sondern auch die Res
voll ist doch der Versuch, die Religion des römischen Volkes in allen ihren Humanae wollten Bedrohtes bewahren. Dank dem Interesse Tertullians und
Erscheinungsformen nicht nur zu durchforschen und darzustellen, sondern Augustins ist uns aus den Res Divinae ein Vielfaches dessen erhalten, was aus
auch philosophisch zu durchdringen, wie es vielleicht am glücklichsten gelun- den Res Humanae übrigblieb, aber das darf nicht darüber hinwegtäuschen,
gen ist in der Auslegung der samothrakischen Mysterien, wo griechische Philo- daß Varro sich nicht allein und auch nicht vorrangig mit den religiösen Ein-
sophie in akademischer Ausprägung eins wird mit dem Kern der römischen richtungen beschäftigte. In der großen Zahl varronischer Schriften, die sich
Staatsreligion, den Göttern des Kapitols und den trojanischen Penaten, und mit fast jedem Gegenstand abgeben, handeln von Religion nur der Logistoricus
mit Stolz kann der Gelehrte sagen, daß dies ganz sein Werk ist. Curio und die Res Divinae, aber auch diese nur als einem Teil des römischen
Gemeinwesens.
Von religiöser Ergriffenheit ist darum auch bei Varro wenig zu spüren.
Eher spürt man ein Nützlichkeitsdenken, das soweit geht, zu behaupten, man
habe deswegen Heiligtümer innerhalb der Städte, damit sich Brände nicht so
leicht ausbreiten könnten und die Anwohner eine Zuflucht hätten (fr. 69).
Auch die Stadtmauer gelte vor allem deswegen als heilig und unverletzlich,
damit man tapferer für sie kämpfe (Plut. qu. Rom. 27). Er hält es auch für
nützlich, wenn tüchtige Männer glauben, von Göttern abzustammen, obwohl
es falsch ist, wenn nur das gesteigerte Selbstvertrauen zu großen Taten führt
(fr. 20).
Einen unmittelbaren Nutzen verspricht er sich auch von seinem Werk;
er rühmt sich (fr. 3), daß er nicht nur die Götter aufzähle sondern auch mitteile
wofür man jeden einzelnen anrufen müsse. Seine Absi~ht ist also, ein prakti~
sches Handbuch der römischen Religion zu liefern, das jeder Römer benutzen
kann. Seine nüchtern-praktische Haltung unterscheidet sich grundsätzlich
von der seines Zeitgenossen Nigidius, dessen Interesse für religiöse und okkulte
246 BURKHARTÜARDAUNS

Erscheinungen bekannt ist. Der Vergleich bei Servius Aen. 10, 175: licet Varro
praecellat in theologia, hie (Nigidius) in communibus litteris (test. 7) trifft darum
gar nicht, eher das Wort (Serv. Aen. 11,787, test. 8): Varro ubique expugnator Literaturverzeichnis
religionis. (betreffend RD insgesamt und varronische Theologie,
Es geht freilich nicht an, Varro einfach jedes religiöse Empfinden abzuspre- anderes siehe zu den einzelnen Büchern u. Fragmenten)
chen; es äußert sich nicht unmittelbar dem öffentlichen oder privaten Kult
gegenüber, sondern ist eher in dem Verhältnis zur res publica Romana als einer R. MERKEL, P. Ovidii Fastorum libri VI, Berlin 1841, p. CLXXXVIII sqq.
Einheit zu suchen. PRELLER-JORDAN,Römische Mythologie, Bd. I, 3. A. Berlin 1881, 32ff. 71ff.
G. WISSOWA,Gesammelte Abhandlungen, München 1904, 304ff. 320ff.
Seine Haltung dürfte der des Pontifex Cotta in Ciceros Schrift De natura
G. W1ssowA, Religion u. Kultus der Römer, 2. A. München 1912. 67ff.
deorum nahegekommen sein (3. 5): opiniones quas a maioribus accepimus de R. REITZENSTEIN,Zwei religionsgesch. Fragen, Straßburg 1901, 79ff. 99.
dis immortalibus, sacra caerimonias religionesque ... defendam semper semper- P. WENDLAND,Die hellenistisch-röm. Kultur, 2. A. Tübingen 1912, 140ff.
que defendo ... mih·ique ita persuasi Romulum auspiciis N umam sacris constitutis E. ZELLER, Die Philosophie der Griechen, III 1, 5. A. 1923, 697ff.
fundamenta iecisse nostrae civitatis, quae numquam profecto sine summa placa- H. LINDEMANN,Die Sondergötter in der Apologetik der Civitas dei Augustins, Diss.
München 1930.
tione deorum immortalium tanta esse potuisset. Die Überlieferung Roms ist für W. THEILER, Die Vorbereitung des Neuplatonismus, Berlin 1930, 18f. 40.
Cotta wie für Varro ein absoluter Wert und schließt die Religion der Vorfahren H. DAHLMANN,Varro und die hellenist. Sprachtheorie, Leipzig 1932, 20ff.
mit ein. H. DAHLMANN,Terentius Varro, RE Suppl. VI (1935) 1229f. 1234ff.
Die Zukunft sollte ihr freilich nicht gehören und auch die augusteische E. BICKEL, Geschichte der röm. Literatur, Heidelberg 1937, 329f. 426.
S. BLANKERT,Seneca (epist. 90) over natuur en cultuur en Posidonius als z·ijn bron,
Restauration, die Varro sehr viel zu verdanken hat, konnte daran nichts Amsterdam 1941, 190ff.
ändern. Doch ist es nicht so, als sei das Werk des Reatiners umsonst gewesen. H. BARDON,La litterature latine inconnue, I Paris 1952, 291f.
Die Ehrfurcht gegenüber der römischen Überlieferung, die zu seiner Zeit auszu- F. DELLACORTE, Varrone, Genua 1954, 133ff. (2. A. Firenze 1970).
sterben schien, hat noch vier Jahrhunderte den geistigen Mittelpunkt des P. BOYANCE,Sur la theologie de Varron, REA 57, 1955, 57-84 (in: Etudes sur la
religion Romaine, Rom 1972, 253-282).
Reiches gebildet, und dazu hat das Werk des großen Gelehrten viel beigetragen.
J. PEPIN, Mythe et Allegorie, Paris 1958, 276ff. 315ff.
Diese Überlieferung zu bewahren, hieß das Unterpfand Roms retten, und in M. PoHLENZ, Die Stoa, I (2. A.) Göttingen 1959, 267f., II 1955, 137f.
vollem Ernst vergleicht er sich mit Metellus, der die Heiligtümer des Vesta- B. ÜARDAUNS,Varros Logistoricus über die Götterverehrung, Diss. Köln, Würzburg
tempels, und mit Aeneas, der die Penaten aus dem untergehenden Troia trug. 1960, 38ff. 53ff.
J. W. DuFF, A Literary History of Rome, 3. A. London 1960, 247.
K. LATTE, Römische Religionsgeschichte, München 1960, 5f. 30f. 291ff.
C. KocH, Religio, Nürnberg 1960, 199ff.
I. MARTEN,Ein unbeachtetes Zeugnis von Varros Gotteslehre, AGPh 43, 1961, 41-51.
H.-A. STEMPEL,Die heidnische Religion in der Theologie Augustins, Diss. Heidel-
berg 1964, 154f. 165ff. (mschr.).
G. DUMEZIL,La Religion Romaine Archa'ique, Paris 1966, 106-109.
G. LrnBERG, Die ,theologia tripertita' in Forschung und Bezeugung, in: Aufstieg u.
Niedergang der röm. Welt (Fs. J. Vogt), I 4, Tübingen 1973, 63-115.
Leider mir nicht zugänglich:
H. CHANTRAIN,Les Antiquites humaines et divines de Varron, These de Licence,
Univ. Louvain (cf. RBPh 21. 1942, 537).
J. ÜROZ DE LA CONSOLACION, Introducci6n a una ,Theologia' agustino-varroniana,
vista desde la ,Ciudad de Dios', La Ciudad de Dios 167, Madrid 1955, 459-473.
E. MISDARIIS,Sulla datazione e alcuni nuovi frammenti delle Antiquitates rer. div.,
Univ. Trieste, Fac. Lett. e Fil., Ist. Fil. Class., N. S. 4, 1965 (cf. AAHG 20, 1967,
158).
A. J. KLEYWEGT, Varro über die Penaten und die „Großen Götter", Meded. Koninkl.
Nederl. Akad. van Wetenschapen, Afd. Letterkunde, N. R. 35, 7, 1972, 245-290
(Die eingehende und förderliche Untersuchung konnte leider nicht mehr berück-
sichtigt werden).
G. BARRA, La figura e l'opera di Terenzio Varrone Reatino nel De civitate Dei di
Agostino, Neapel 1969 (cf. RAAN 44, 1969, 3-10; Folliet, REAug 17, 1971, 351).
Abkürzungsverzeichnis häufig zitierter Werke Indices

R. AGAHD, JV[. Ter. Varronis ant. rer. div. libri I XIV XV Vorbemerkung: Verwiesen wird auf die Fragmente mit arabischen Ziffern, auf
AGAHD, AG. die Appendices mit römischen Ziffern (z.B. Ig; IIIa), auf Parallelstellen bzw.
XVI, Fleck. Jbb. Suppl. 24, 1898.
F. BöMER, P. Ovidius Naso, Die Fasten, Bd. II Heidelberg Kommentar mit arabischen Ziffern in Klammern. Ein Index locorum konnte leider
BöMER nicht beigegeben werden; der Benutzer wird aber mit Hilfe der anderen Indices
1958.
P. BoYANCE, Sur la theologie de Varron, REA 57, 1955, 57-84. fast jede Stelle finden können, die unter die Fragmente b:,;w. in die Appendices
BoYANCE aufgenommen wurde (vgl. auch Agahd p. 221 sqq.).
CARDAUNS B. CARDAUNS, Varros Logistoricus über die Götterverehrung,
Diss. Köln, Würzburg 1960':
DAHLMANN, RE H. DAHLMANN, Ter. Varro, RE Suppl. VI (1935) 1172ff.
ERNOUT-MEILLET Dictionnaire etymologique de la langue latine, 4. A. 1959.
E. C. EVANS, The Oults of the Sabine Territory, Pap. Amer. Index N ominum
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LATTE K. LATTE, Römische Religionsgeschichte, München 1960. Abeona 116 Antigona 74
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MERKEL R. MERKEL, P. Ovidii Nasonis Fastorum libri VI, Berlin Aegyptii 23. (46) Apollodorus Erythraeus ,56ab
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WALDE-HOFMANN Latein. Etymologisches Wörterbuch, 3. A. 1938/54. Alexander Macedo ,56a Branchiades 252
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1912. Altor 266 Bubona 179. 189
WrssowA, Ges. Abh. G. WrssowA, Gesammelte Abhandlungen, München 1904. Amalthea 56ac Burnus ( ?) XIVm
Amphiaraus 23. 31. 32
Ancharia 33 Caca XIVn
Ancyra 56a Caeculus 159
Angeronia XIV g Caelum, Caelus 23. 64. 245. 24 7;
Anio amnis 56a I fr. I; XVa
Anna Peranna XIVb Caesar cf. Dedicatio. (1). (20)
Antelii daemones 200 Camena 138
Antevorta (103) Candelifera 102
250 BURKHART ÜARDAUNS M. Terentius Varro antiquitates rerum divinarum 251

Capitolium 14. 38. 40. 46. 56a. 60. Educa, Edula, Eduha, Edusa 114; Hellespontia Sibylla 56a Levana 109
68. 70. 71. 221; VIIb XIVa Heraclides Ponticus 56a Liber 3. 32. 45. 93. 225. 229. 260-262
Cardea 199. 200 Egeria I fr. IV; XIVe Heraclitus 8 Libera 93. (260)
Carmentes 103. 104 Eleusinia sacra 271 Hercules 23. 32. 35. 61. 220; I fr. V; Libertas 222
Carna 34. (200) Epicurus 8 IIh; Vbc Libyssa Sibylla 56a
Casinienses 33 Epirus II 1 Heres Martia XIV e Lima XIVm
Castor 32; I fr. V; XVa Eratosthenes 56a Herophile 56a Limentinus 199. 200; XIVm
Catius 139 Erythrae 56a. 60 Hispanicum verbum 203 Locutius 108
Ceres 229. 260. 270. 271; XIVi; XVf Erythraea Sibylla 56abc Homerus 56a Lubentina 126; XIVm
Chaldaei 17 ; II h Euripides 56 2, Honos 186. 189 Lucetia (100); XIVo
Chrysippus 56 a Hostia 33 Lucina 100. 101. 273. (275); XIVo
Cimmeria Sibylla 56a Fabulinus ( 108); XIV a Hostilina 171 Lucullus 43
Cinxia (Cinctia) XIVmo Hostilius rex 39; Ie Luna 23. 36. 229. 275. 279
Falacer IIab
Cius cf. Democlus Luperca 221
Falisci 33
Clivicola 198 Iana 195 Lupercal II a
Farinus 108
Cluacina 36. 124; Ie Ianiculus I fr. III Lupercalia 76; IIa
Fata 98
Collatina 164 Fata scribunda 101 Ianuarius 231 Luperci 80; IIa
Collina porta 134 Ianus 35. 67. 88. 90. 195. 200. 201. Lux 36
Fauna 218
Complices (208) Faunus 32.35.217.218 229. 230-234. 236. 263 Lymphae 3. 182
Concordia 189 Febris (39) Ilium 56a
Conditor XIV i Indiges 214 Manes 209. 210; Ia
Februa(lis) XIVo
Consentes 208 Inporcitor XIV ei Mania 209
Februarius 231
Consevius 91 Felicitas 43. 189. 190. 191 Insitor XIV i Manturna 149
Intercidona 111 Marmessus 56 a
Consus 140; (35); IXa Feralia VIIId
Isis 46 Mars 35. 40. 41. 185. 229. 253. 254;
Convector XIV i Feronia 222
Italia 45. 56a. 262 Ie; IIh
Corinthius 205 Fessona 133
Italicae civitates 56a Martialis flamen II ab
Cuba (114) Fetiales IIa
Iterduca 117. 274; XIVo Martius mensis 231
Cumana Sibylla 56a Fides 187
Flaminius circus 70 Iudaei 16. 17 Mater deum 269
Cunina 112. 189; XIVan
Iugatinus 146. 164 Mater magna 64. 267. 268
Cur(r)is 33 Flora 172; IIb
Iuno 28. 33. 68. 101. (146). 205. 206. Matuta 175
Cur(r)itis 33b;XIVo Floralis flamen II b
Fluvionia 94; XIV mo 207. 229. 272-274; XIV cemo Mellona 180; XIVm
Cynocephalus 46
Iuppiter 14-16. 23. 27. 28. 35. 40-42. Mena 95. 273
Cyru