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April/Mai 2017 Nr. 3/2017 € 4,20 Österreich € 4,90 . Schweiz sFr 8,40 . Italien € 5,80 .

BeNeLux € 4,90

Brückenkopf von Colmar


1945: So verlief der finale
Kampf um das Elsass

Fliegerass Werner Vo ß
pfe
Seine dramatischen Luftkäm

Dünkirchen
1940: Wie die Wehrmacht den
alliierten Kessel in die Zange nahm
WAFFEN & TECHNIK STRATEGIE & TAKTIK Maginot-Linie
Krupps Kanonen
So entstand die Frankreichs
moderne Artillerie gigantischer
Festungsriegel
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Abb.: Interfoto/Science&Society, Slg. Ringlstetter, Holger Kotthaus, Interfoto/FLAP, David T. Crewcock, p-a/Süddt. Zeitung Photo

TITEL
INHALT

8 In Dünkirchen spielten sich infernalische Szenen ab, als die deutsche 46 Die Maginot-Linie hinderte die Wehrmacht nicht am
Luftwaffe tagelang alliierte Soldaten und die Evakuierungsflotte angriff Einmarsch in Frankreich – und erfüllte doch ihren Zweck

4 KOLUMNE Leuthen – und sonst nichts


Warum Preußens Sieg von 1757 dem deutschen Generalstab als Vorbild diente

6 PANORAMA Wussten Sie, dass ..., Die historische Zahl, Zitate

8 TITEL Die verpasste Chance


Ende Mai 1940 tobte die Schlacht um Dünkirchen. Wie versuchte die Wehrmacht
die Evakuierung der alliierten Soldaten aus dem Kessel zu verhindern?

22 MENSCHEN & SCHICKSALE Im Alleingang zum Ruhm


Die Karriere des Jagdfliegers Werner Voß gipfelte in einem legendären Luftkampf
22 Werner Voß stieg ab 1915 zu einem der
erfolgreichsten deutschen Piloten auf 28 KRIEGE & SCHLACHTEN Finale im Elsass
Im Januar 1945 griff die US-Armee den deutschen Brückenkopf bei Colmar an
34 Krupps Kanonen verhalfen Preußens
Artillerie zu ungeahnter Schlagkraft 34 WAFFEN & TECHNIK Das Grollen der Stahlgewitter
So schuf Alfred Krupp mit seinen Gussstahl-Kanonen die moderne Artillerie

40 SPEZIAL Gefährliche „Wachmacher“


Waren die Soldaten der Wehrmacht nur dank Aufputschmitteln so erfolgreich?

44 DOKUMENT Für Freiheit und Pflichterfüllung


Rarität: Eine Verleihungsurkunde von 1814 zum Eisernen Kreuz II. Klasse

46 STRATEGIE & TAKTIK Frankreichs unterschätztes Bollwerk


Technik und strategische Funktion der gigantischen Maginot-Linie

54 NEU AM KIOSK Clausewitz Heft 3/2017 und M&G Extra 3


Kurz vorgestellt: weitere aktuelle Magazine zur Militärgeschichte

56 VERBÄNDE & EINHEITEN Geheime Krieger


Kalter Krieg: Wie Nato-„Partisanen“ gegen den Warschauer Pakt kämpfen sollten

62 SERVICE Bücher, Ausstellungen, Militärhistorisches Stichwort


Von mittelalterlichen Wurfmaschinen bis zur Nachkriegszeit in Deutschland

64 EINST & JETZT Einzug in die Stadt der Partisanen


Ende April 1945 rückte die 92. Infanterie-Division der US Army in Genua ein

Rubriken: Vorschau, Impressum Seite 66


Titelthema

56 Waffenfunde könnten die Existenz Zum Titelbild: Eine deutsche PaK kämpft sich Ende Mai 1940 den Weg Richtung Dün-
geheimer Nato-„Partisanen“ belegen kirchen frei. Bildquellen: ullstein bild – Atlantic-Press, Slg. Ringlstetter, picture-alliance
(p-a)/akg-images, p-a/ZB
Militär & Geschichte 3
KOLUMNE

Herausgeber Dr. Guntram Schulze-Wegener


über die Vorbildfunktion der Schlacht
bei Leuthen 1757 für den deutschen Generalstab

Leuthen – und sonst nichts


A
m 5. Dezember 1757 konnten die Massenheeren bei Unvollkommen- berg, denn dort schien der vermeint-
unterlegenen Preußen in der heit der nachrichtentechnischen Mit- liche Beweis einer gekonnten Ana-
Schlacht bei Leuthen einen tel und damit einhergehender man- logie zu Leuthen erbracht worden zu
Angriffsschwerpunkt bilden und so gelhafter Führungsfähigkeit. sein, aus dem unendliche, auf den
doch noch das österreichische Heer Dennoch bestimmte der Leitsatz Westen übertragbare Energien abge-
besiegen. Den Generalstabsoffizieren die Operationspläne des sich mora- leitet werden könnten. Kurz: Man
diente diese Wende fast zwei Jahr- lisch überlegen dünkenden deut- glaubte, unbesiegbar zu sein. Doch
hunderte lang als Klischee elitärer, schen Generalstabes zu Beginn des Osten war nicht gleich Westen, wo der
alle preußischen Tugenden offenba- Ersten Weltkriegs, durch kurze, harte Übergang zu dem seit 1915 prinzipiell
render Qualitäten, die einen Sieg ge- Schläge eine rasche Entscheidung zu bis 1918 andauernden Stellungskrieg
radezu bedingt hätten. erzwingen, um die danach freiwer- die unbedingte Notwendigkeit der
Der Aufmarsch zur Schlacht bei denden Armeen dem nächsten Geg- frühen operativen Entscheidung zu-
Königgrätz 1866 war in seiner Anlage ner entgegenzuwerfen. Genauer den grunde gerichtet hatte.
mit dem vor Prag 1757 vergleichbar; Russen im Osten, wo es jedoch bereits 20 Jahre nach dem Ende des Ersten
Sedan 1870 als Einkreisungsschlacht im August 1914 zur Schlacht bei Tan- Weltkriegs sollte die Leuthen ver-
ging das Mattsetzen der französi- nenberg kam, die nach Anlage, Durch- pflichtete „Idee“ wieder auferstehen –
schen Hauptarmee bei Metz voraus; führung und Ergebnis die Vernich- nun mit schnellen Panzerverbänden,
das schrittweise Vorgehen entsprach tungsschlacht der deutschen Kriegs- die massive Keile in die Tiefe des Rau-
der Taktik Friedrichs des Großen 1757, geschichte schlechthin war. In einer mes trieben, um den zahlenmäßig
stärkeren Gegner weiträumig zu um-
Der Sieg von Leuthen taugte nur bedingt fassen und zu vernichten. Die „Blitz-
siege“ über Polen 1939 und Frankreich
als Muster für zukünftige Schlachten. 1940 waren bekanntlich Hasardstü-
cke sondergleichen. Und die gewalti-
der die Kräfte konzentriert hatte, um operativ schwierigen Lage gelang der gen Kesselschlachten in der Anfangs-
sie dann nacheinander zu entfalten. deutschen militärischen Minderheit phase des Russlandfeldzuges 1941
Den Marne-Feldzug von 1914, ange- ein vollkommener Sieg über die als wurden zu Kronzeugen dieser als
legt als „Super-Cannae“, nannten be- „Dampfwalze“ berüchtigten russi- „Blitzkriege“ in die Geschichte einge-
reits die Zeitgenossen in einem Atem- schen Truppen. Dies gab Hitler in den gangenen Strategie und vereinten
zug mit der Schlacht von Leuthen. „Barbarossa“-Planungen von 1940/41 vermeintliches Führergenie mit den
Dieser überragende Sieg Friedrichs Anlass, die Sowjetunion als „Koloss Zeichen der „Vorsehung“.
des Großen war also das Original, das auf tönernen Füßen“ abzutun. Der in Wo keine operative Überlegenheit
nur kopiert werden müsse, wobei Unterzahl erzielte herausragende Er- mehr hergestellt werden konnte,
die materielle und personelle Unter- folg bei Tannenberg macht den Ver- praktisch seit dem Scheitern der Of-
Abb.: picture-alliance/akg-images (2)

legenheit durch die moralisch-men- gleich mit der Schlacht bei Leuthen fensive vor Moskau 1941, standen nur
tale Überlegenheit des deutschen statthaft, in der es ebenso darum ging, noch sinnentleerte Halt-Befehle und
Heeres kompensiert werden konnte – den Feind zu vernichten, wie weiland verbrecherische Halsstarrigkeit einer
was sich als völlige Fehlkalkulation Friedrich dem Großen und Moltke bei diktatorischen Führung. Nicht von
herausstellen sollte. Die Marne- Königgrätz und Sedan. ungefähr wurde Leuthen noch kurz
Schlacht zeigte indessen erstmals Nicht die Marne-Schlacht wurde vor Ende des „Dritten Reiches“ in
die Problematik raumgreifender Be- zur Katastrophe, sondern genau ge- Durchhalteparolen (und Filmen) von
wegungen von nicht mechanisierten nommen und kontrafaktisch Tannen- der NS-Propaganda bemüht.

4
Gut aufgestellt waren die Preußen (auf
dem Schlachtplan blau), als sie bei
Leuthen überraschend die Österreicher
besiegten. Das Gemälde von Carl
Roechling zeigt die Erstürmung
des Kirchhofes in Leuthen durch die
III. Bataillon-Garde

Militär & Geschichte 5


„Eine Armee ist bestimmt dann ganz
PANORAMA

demokratisch, wenn ein Oberleutnant damit


rechnen muss, dass sein Rekrut von heute
sein Bürovorsteher von morgen ist. “
Dwight D. Eisenhower (1890–1969), US-amerikanischer General und Staatspräsident

WUSSTEN SIE, DASS …


… die älteste deutsche Handfeuerwaffe
aus Hessen kommt?
Die sogenannte Tannenbergbüchse, benannt
nach dem Fundort Burg Tannenberg im
Odenwald, muss noch vor 1399 entstanden sein,
da die Burg ab diesem Jahr unbewohnt blieb.

… Hühner nukleare Landminen


der Briten „betreuen“ sollten?
In den 1950er-Jahren plante das britische
Verteidigungsministerium, Truppen des
Warschauer Paktes in Westdeutschland mit
nuklearen Minen aufzuhalten. Über den Winter
wollte man diese zusammen mit eingeschlosse-
nen Hühnern vergraben; die Körperwärme der
Die Tannenbergbüchse, ein automatisch mit Futter versorgten Tiere sollte
einfaches Handrohr, ist über die Zündfähigkeit der Minen gewährleisten.
700 Jahre alt
… ein bekanntes Fast-Food-Gericht

Abb.: picture-alliance (p-a)/akg-images, p-a/WZ-Bilddienst, White House, Oliver H., Daniel Schwen
im Zweiten Weltkrieg in „Liberty Steak“
umbenannt wurde?
Lebende Hühner sollten Weil der beliebte Hamburger in britischen und
Nuklearminen warm halten, US-amerikanischen Ohren zu deutsch klang,
der kuriose Plan wurde erfanden clevere Vermarkter das „Freiheits-
jedoch verworfen steak“, das dann auch während des Krieges auf
englischsprachigen Speisekarten Einzug hielt.

S.M.S. Adler … Samoa 1989 mit einer Briefmarke


kenterte 1889 in an die deutsche Kolonialzeit erinnerte?
einem Sturm im Die Post des Inselstaats brachte zum Fall der
Hafen von Samoa Mauer eine Briefmarke unter der Bezeichnung
German Connection (1889) heraus, die unter
anderem das Kanonenboot Adler zeigte.

… das letzte Staatsbegräbnis des


Dritten Reiches am 16. Mai 1945 stattfand?
Der Kapitän zur See und U-Boot-Kommandant
Wolfgang Lüth wurde am 14. Mai 1945 im britisch
besetzten Flensburg von einem Soldaten des
(nicht entwaffneten) deutschen Wachbataillons
erschossen, nachdem er auf den Anruf einer
Streife nicht reagiert hatte. Lüth wurde auf dem
Friedhof Adelby beigesetzt, Reichspräsident Karl
Dönitz sprach die letzten Worte.

6
„ Die Ersten werden die Letzten sein?“, lachte der Spieß. „Na gut: Abteilung kehrt!“
Wolfgang J. Reus (1959– 2006), deutscher Journalist und Satiriker

„ Alkohol ist als Kälteschutzmittel ungeeignet. Er täuscht innere


und äußere Erwärmung nur vor und führt zu gesteigerter Wärmeabgabe. “
Quelle: Handbuch für den deutschen Soldaten, Kapitel „Der Soldat im Winter“

„ Vorn der Kugelregen, hinten der Ordenssegen.“


Geflügeltes Soldatenwort im Ersten Weltkrieg, mit dem die übermäßige Ordensvergabe in der Etappe kritisiert wurde

DIE HISTORISCHE ZAHL

40
Meter Höhe konnten die Belagerungstürme in Antike
und Mittelalter erreichen. Die fahrbaren Holzkonstruktionen
verfügten meist über mehrere Plattformen, auf denen
Bogenschützen und andere Kämpfer postiert waren.

Belagerungstürme kamen schon in der Antike


zum Einsatz; hier stürmen die Römer im Jahre
70 n. Chr. die Mauern von Jerusalem

Militär & Geschichte 7


TITELTHEMA

DÜNKIRCHEN 1940

Die verpasste
Im Westfeldzug konnte die Wehrmacht überraschend
schnell zur Kanalküste vorstoßen, Ende Mai 1940 waren
fast eine Million alliierte Soldaten im Raum Dünkirchen
zusammengedrängt. Doch gerade als ihnen die sichere
Vernichtung drohte, traf Hitler eine fatale Entscheidung

Dramatische Szenen spielten sich am Strand von


Dünkirchen ab, wo unzählige alliierte Soldaten auf
ihre Evakuierung warteten – und dabei immer
wieder von deutschen Flugzeugen attackiert
wurden. Weil von diesen Angriffen kaum Fotos
vorliegen, die beide Kriegsparteien deutlich
zeigen, haben wir hier deutsche Stukas einmontiert

8
Militär & Geschichte
Chance

Abb.: Interfoto/Granger/NYC, Slg. H. Ringlstetter

9
TITELTHEMA

In rasendem Tempo drangen die deutschen Panzerverbände (hier Panzer II) in Durch die Ardennen führte der Weg für Guderians XIX.
Frankreich vor – für Hitler und einige führende Militärs ging das sogar zu schnell Armeekorps, schon am 12. Mai war die Maas erreicht

P
anzer halt!“ Als der Befehl am des Raumes vor. Generäle wie Heinz aufgrund fehlender Reserven nicht
24. Mai 1940 die deutschen Pan- Guderian, Georg-Hans Reinhardt oder stattfinden konnte – ging um.
zerspitzen erreichte, konnte so Erwin Rommel setzten auf Tempo, die Die Folge waren, zum Entsetzen
mancher Frontkommandeur nicht „Traditionalisten“ dagegen auf lineare der Panzerkommandeure, „Halt-Be-
glauben, was er da hörte. Es war aller- Operationsführung – aus Angst vor fehle“ von Gerd von Rundstedt, Kleist
dings nicht das erste Mal, dass die offenen Flanken und Lücken. und Hitler, begleitet von einer zeitwei-
rund 2.500 deutschen Panzer, die zwei Sie verkannten die Dynamik der ligen Ablösung Guderians. Zwischen
Wochen lang in einem atemberau- „Schnellen Truppen“. Selbstständig dem 16. und 18. Mai standen die Pan-
benden Tempo durch Nordfrankreich, operierende Panzerverbände im geg- zer still, um die Infanteriedivisionen
Holland und Belgien gestürmt waren, nerischen Hinterland waren für sie zum Schutz der Südflanke aufrücken
Abb.: p-a/Mary Evans/Robert Hunt Collection, Slg. O. Richter, ullstein bild/Roger-Viollet, Interfoto/Hermann Historica, Grafik: Anneli Nau

gestoppt wurden. Doch jetzt lag das unvorstellbar. Sie forderten, den Vor- zu lassen. Die Chance, in die gut 100
Ziel, der Kanalhafen Dünkirchen,
zum Greifen nahe. Fast eine Million
alliierte Soldaten liefen Gefahr, in ei-
Nichts konnte die deutschen Panzer
nem riesigen Kessel eingeschlossen stoppen – bis Hitlers „Halt-Befehl“ kam.
zu werden.
War damit die Entscheidung im marsch der Panzer abzubremsen, da- Kilometer breite Lücke, die am 16. Mai
Westfeldzug schon gefallen? Es sah al- mit die Infanterie für den Flanken- in der französischen Front klaffte,
les danach aus, aber warum dann die- schutz aufschließen konnte. Immer hineinzustoßen, war vertan.
ser widersinnige Halt-Befehl? Immer- wieder wollte General Ewald von Am 17. Mai hatte sich General-
hin war die Auftragslage für die Kom- Kleist die Panzer stoppen, immer wie- stabschef Franz Halder zu einer Um-
mandeure diesmal ziemlich klar – der erreichte Guderian die Freigabe gruppierung der Angriffsverbände
anders als in den Tagen zuvor, als der Bewegung. Getragen von einer entschlossen. Die „Schnellen Trup-
die Frontoffiziere mangels konkreter übermäßigen Euphorie, stießen die
Befehle oftmals die Initiative beim Panzerverbände rasant nach Westen
Vorstoß übernehmen mussten. Denn vor. Die operative Führungsebene hat- ZAHLEN, DATEN, FAKTEN
die deutschen Detailplanungen für te die Kontrolle über die eigenen Pan-
den „Fall Gelb“, den Feldzug gegen zerspitzen verloren. Die Panzerwaffe Frankreichfeldzug
Frankreich also, endeten mit dem führte sich in dieser Phase selbst.
151 alliierte Divisionen (F: 104, GB: 15, B: 22, NL: 10)
als schwierig angesehenen Übergang Neben Guderian war Generalma-
mit rund vier Millionen Soldaten standen 135 deut-
über die Maas. jor Rommel, der spätere „Wüsten-
schen Divisionen (118 in der ersten Phase) mit
fuchs“, hierfür ein Paradebeispiel. Er
Vorstoß durch Frankreich etwa drei Millionen Soldaten gegenüber.
war mit seiner 7. Panzer-Division –
Als diese Hürde am 15. Mai überra- von den Franzosen bald la division fan- Bei den Panzern traten 4.204 alliierte Panzer
schend früh genommen war, wusste tôme (Gespensterdivision) genannt – (F: 3.254, GB: 640, B: 270, NL: 40) gegen 2.439
die deutsche Führung nicht mehr so eigenmächtig, teils ohne Funkverbin- deutsche Kampfwagen an, fast zwei Drittel davon
recht, was weiter geschehen sollte. dung weit nach Westen (Clairfayts, mit schwacher Bewaffnung; bei den Geschützen
Während das Oberkommando des Avesnes und Le Cateau) vorgeprescht. lag das Verhältnis bei etwa 14.000 (F: 10.700, GB:
Heeres (OKH) und die Heeresgrup- Solche Aktionen lösten bei den noch 1.280, B: 1.338, NL: 656) zu 7.378.
pe A zunächst die an dem Fluss errich- im linearen Denken verhafteten „Tra- Bei der Luftwaffe belief sich das Kräfteverhältnis
teten Brückenköpfe für die folgenden ditionalisten“, aber auch bei Hitler, auf 4.469 alliierte Flugzeuge (F: 3.097, GB: 1.150,
Hauptkräfte sichern wollten, ver- der plötzlich Angst vor der eigenen B: 140, NL: 82) – davon am 10. Mai 1940 einsatz-
schwendeten die meisten Panzerfüh- Courage bekommen hatte, eine irra- bereit: 1.453 (F: 879, GB: 384, B: 118, NL: 72) –
rer daran wenig Gedanken. Sie rissen tionale „Flankenpanik“ („Gefahr aus gegenüber 3.578 deutschen Flugzeugen, davon
die Initiative an sich und stießen mit dem Süden“) aus. Das Gespenst einer am 10. Mai 1940 einsatzbereit: 2.589.
ihren Panzerverbänden in die Tiefe französischen Gegenoffensive – die

10
Auf den Straßen
Richtung Dünkirchen
zogen die Infanteris-
ten der Wehrmacht
an zerstörtem und
verlassenem Gerät
der Alliierten vorbei,
das nun in Massen in
deutsche Hände fiel

ZUR LAGE

Das Infanterie-
Sturmabzeichen
war für Soldaten
gedacht, die an
drei verschie-
denen Tagen
mit der Waffe
in der Hand in
vorderster Linie
gekämpft hatten.
Ende 1939 ge-
stiftet, konnte
es bereits im
Westfeldzug
getragen werden

11
TITELTHEMA

Im Gefecht:
pen“ (Panzer- und Infanteriedivisio- vorgesehene 5. Panzer-Division war Richtung Cambrai an, doch die Luft- Deutsches Feld-
nen [mot.]) waren unter Führung der noch nicht vor Ort. waffe konnte den Vorstoß zerschla- geschütz am Rand
4. Armee (von Kluge) zusammenge- Nun geschah genau das, was die gen. Die alliierte Führung war demo- des umschlossenen
fasst worden, um nach Freigabe der Heeresführung immer befürchtet hat- ralisiert, ein zusammengefasster Lille (oben), links
Bewegung durch Hitler so schnell wie te: Ein britischer Panzerangriff stieß, Großangriff nicht mehr möglich. Lord gehen Infanteris-
möglich weiter nach Westen vorzu- wenn auch mehr zufällig, in die un- John Vereker Gort, der Oberbefehls- ten in der Nähe von
stoßen. Gleichzeitig sollten das Pan- geschützte Flanke der zurückhän- haber der BEF, entschloss sich zum Lens vor
zerkorps Hoepner und das XXXIX. AK genden Schützenregimenter der Divi- Rückzug auf die Kanalküste.
(Schmidt) aus der Heeresgruppe B sion. Eine bedrohliche Lage, nicht nur
herausgelöst und General Hermann für die 7. Panzer-Division. Mit Um- Wettlauf zu den Häfen
Hoth unterstellt werden. sicht und Können gelang es Rommel, Während die 7. und die 5. Panzer-Di-
eine Panik zu unterbinden und mit- vision, von den alliierten Angriffen
Keil durch die alliierte Front hilfe der Artillerie, Panzerabwehr- unbeeindruckt, weiter vorstürm-
Am 19. Mai gelang es Halder nach kanonen und 8,8-Zentimeter-Flakge- ten, brach in den Stäben erneut
mehrmaliger Intervention bei Hitler, schützen die Wende herbeizuführen. die „Flankenpanik“ aus. Halder
die Bewegungsfreiheit für den Vor- Zurückbeorderte deutsche Panzer und Guderian, die – zu Recht –
stoß zur Kanalküste zu erhalten. Nun zerschlugen den britischen Flanken- keine Gefahr eines Flankenan-
gab es für die Panzer kein Halten schutz, eine Kolonne französischer griffs mehr sahen, wollten
mehr. Noch am 19. Mai waren Amiens Kampfwagen. Der Angriff endete im schnellstmöglich zu den Ka-
und Abbeville an der Sommemün- Desaster, von 88 britischen Panzern nalhäfen vorstoßen. Doch die
dung erreicht, am 20. Mai Noyelles an gingen 60 verloren. „Traditionalisten“ stoppten
der Kanalküste. Die deutschen Pan- Auch der symmetrisch dazu aus nach Bekanntwerden des briti-
zerverbände hatten damit einen Keil Süden vorgetragene Zangenangriff schen Angriffs bei Arras die
durch die alliierte Front getrieben und der französischen Heeresgruppe 3 Panzer für 24 Stunden. Und da-
den gesamten Nordflügel der alliier- endete ohne durchschlagenden Er- nach durfte nur noch mit halber
ten Streitkräfte an der Kanalküste folg. Die französischen Truppen be- Kraft angegriffen werden. Die Chance,
eingeschlossen. schränkten sich darauf, gegen die die Kanalhäfen Calais, Boulogne und
In dem gewaltigen Kessel von rund deutschen Brückenköpfe auf dem Dünkirchen im Handstreich zu neh- Lebensretter:
200 Kilometer Länge und etwa 140 Ki- Südufer der Somme vorzugehen. Am men, war vertan. Die britische Füh- Wenn deutsche
lometer Breite befanden sich das 22. Mai griffen französische Kräfte rung erkannte die Gefahr eines Vor- Flugzeuge in
belgische Heer und die französische der Nordsee
Heeresgruppe 1 mit dem Britischen notwassern
Expeditionskorps (British Expeditiona- mussten, bot
ry Force [BEF]), der 1. und 7. Armee so- die Schwimm-
Abb.: Interfoto/Granger/NYC, ullstein bild-ullstein bild (2),

wie versprengten Teilen der 9. Armee. weste SWp 734


Die Verbände standen fast alle mit eine Überle-
Front nach Norden und Osten, von wo benschance
sie durch die Heeresgruppe B frontal
angegriffen wurden. Nun sollten ih-
nen die 4. Armee und alle „Schnellen
Truppen“ von Süden in den Rücken
stoßen, Kleists Panzerverbände ent-
lang der Kanalküste über Dünkirchen,
die von General Hoth östlich davon im
Raum Arras. Bei Arras stand Rommels
7. Panzer-Division. Sie hatte für den
21. Mai den Auftrag bekommen, nörd-
lich Arras’ die Übergänge über die
Scarpe zu gewinnen. Die rechts davon

12
„ Britische Soldaten! Schaut auf diese Karte:
Sie spiegelt Eure wahre Situation wider!
Eure Truppen sind vollständig umzingelt –
stellt den Kampf ein! Legt eure Waffen nieder! “
(Übersetzter) Text eines deutschen Flugblattes, abgeworfen über Dünkirchen

Brennende Öltank-
lager im Gebiet stoßes entlang der Küste in ihren Rü- den. Fast eine Million Soldaten hätten Lagebeurteilung einer erneuten Flan-
zwischen Calais cken und begann damit, Verstärkun- in der Falle gesessen. kenbedrohung an und erließ am Mit-
und Dünkirchen, gen von England nach Calais und Bou- Doch dann ereignete sich das tag des 24. Mai den „Halt-Befehl“ von
darüber fliegt eine logne zu verlegen. Mit ihrer Hilfe woll- „Wunder von Dünkirchen“. Wie von Dünkirchen. Versuche, Hitler umzu-
Me 110. Calais te man Dünkirchen für eine Geisterhand gestoppt, hielten die stimmen, scheiterten an dessen Wut-
selbst wurde am Evakuierung offenhalten … ein Wett- deutschen Panzer plötzlich an. Die ausbrüchen.
26. Mai 1940 von lauf gegen die Zeit. Alliierten rieben sich verwundert die Halder erließ daraufhin eine Frei-
der Wehrmacht Am 22. Mai erreichten die briti- Augen. Die Heeresgruppe A und die gabeweisung, die den Panzern die Be-
eingenommen schen Verstärkungskräfte Calais und 4. Armee hatten aufgrund des schnel- wegungsfreiheit zurückgegeben hät-
Boulogne. Wenig später trat die 2. Pan- len Vormarschs der Panzerverbände te. Doch Rundstedt, der das Risiko
zer-Division zum Angriff auf Boulo- am 23. und 24. Mai sogenannte „Auf- eines isoliert vorgetragenen Panzer-
gne an. Drei Tage dauerte es, bis sie schließbefehle“ erlassen, die die Pan- angriffs nicht tragen wollte, weigerte
die Stadt nach verlustreichen Häuser-
kämpfen am 25. Mai erobern konnte.
Einen Tag länger dauerte die Einnah-
Die Kanalhäfen im Handstreich nehmen –
me von Calais durch Verbände der 10. diese Chance wurde leichtfertig vertan.
und Teile der 1. Panzer-Division. Be-
reits am 24. Mai hatten sich die deut- zer stoppten, um die langsameren sich, sie weiterzuleiten. Erst am
schen Truppen bis auf 15 Kilometer an Verbände aufschließen zu lassen. 26. Mai hob Hitler seinen „Halt-Befehl“
Dünkirchen, den letzten noch verblie- Noch immer schwelte die Führungs- wieder auf. Am darauffolgenden Tag
benen Kanalhafen, herangeschoben. krise, die schon zu den vorherigen konnten die Panzerverbände weiter
Einige Einheiten hatten sogar schon „Halt-Befehlen“ geführt hatte. Das antreten. Drei Tage hatten die Alliier-
den Aa-Kanal, das letzte natürliche OKH wollte sogar einen Unterstel- ten Zeit gehabt, ihre Verteidigungs-
Hindernis, überwunden. Zwischen lungswechsel der Panzerverbände stellungen auszubauen und die Eva-
den deutschen Panzern und der Stadt unter die Heeresgruppe B und damit kuierung vorzubereiten.
stand kein nennenswerter Gegner. In eine Entmachtung Rundstedts.
Kürze könnte das letzte Schlupfloch Hitler, der am 24. Mai Rundstedts Operation „Dynamo“
für die alliierten Truppen, die sich Hauptquartier in Charleville besuch- Bereits am 19. Mai war von britischer
zum Teil noch 100 Kilometer weit im te, erklärte den Befehl umgehend für wie auch von französischer Seite eine
Hinterland im Kampf mit der Heeres- null und nichtig. Gleichzeitig schloss Evakuierung erstmals in Erwägung
gruppe B befanden, geschlossen wer- er sich Rundstedts pessimistischer gezogen worden. Während die fran-

Militär & Geschichte 13


Abb.: Interfoto/Mary Evans/Illustrated Lonon News Ltd., Interfoto/Mary Evans/Robert Hunt Collection, Interfoto/awkz, Interfoto/Mary Evans/John Frost Newspapers TITELTHEMA

14
erschien am 8. Juni 1940 in einem briti-
Ständige Luftangriffe: Diese Zeichnung

schen Magazin. Die Realität wenige Tage


zuvor sah indes noch viel chaotischer aus
Rette sich, wer kann: Alliierte Soldaten mussten durchs Wasser waten, um übervolle Boote und Schiffe zu erreichen

zösische Marine eher Stich gelassen. Winston Churchill, wahrheiten, denn bis zum 28. Mai wa-
skeptisch war, begannen seit dem 10. Mai britischer Premiermi- ren nur rund 10.000 Mann evakuiert
die Briten mit den Vorbe- nister, teilte aber Gorts Meinung. worden.
reitungen. Die von ihren Die größte Evakuierungsaktion der Einen Tag zuvor, am 27. Mai, hatte
Versorgungssträngen Geschichte lief an. Am 26. Mai begann der deutsche Angriff mit Luftwaffen-
abgeschnittene französi- die Operation „Dynamo“ unter Lei- unterstützung begonnen. Doch er
sche Heeresgruppe 1 tung von Admiral Sir Bertram Ramsay. kam nur schwer voran. Dort, wo vor
befand sich zu diesem In aller Eile hatten die Briten eine Tagen einige alliierte Sicherungen ge-
Trotzreaktion: Zeitpunkt in einer verzweifelten De- Flotte zusammengestellt und dabei legen hatten, standen nun Divisionen.
Britische Zeitun- fensivsituation. Ein Ausbruch nach auf alles, was schwimmen konnte, Die Luftwaffe konnte nicht wirkungs-
gen und Politiker Südwesten war unmöglich, erst recht, zurückgegriffen, egal ob Kriegsschiff, voll eingreifen, denn Ziele wie Dünkir-
versuchten die nachdem die Briten in der Nacht zum Lastkahn oder Ausflugsdampfer – zu- chen lagen zu diesem Zeitpunkt au-
Niederlage in einen 24. Mai Arras aufgegeben hatten und
Sieg umzumün- die von den Belgiern gehaltene Front
zen – schließlich durchbrochen war. Lord Gort, inzwi-
Unter feindlichem Feuer hofften Hundert-
waren über schen ohne Hoffnung auf ein erfolg- tausende Soldaten auf ihre Evakuierung.
300.000 Mann der reiches Ende, ließ die britische Regie-
Gefangenschaft rung wissen, dass die Rettung seiner sammen mit französischen und bel- ßerhalb der wirkungsvollen Reich-
entgangen Truppen höchste Priorität habe, aller- gischen Booten eine Armada aus 861 weite. Verlustreiche Kämpfe waren
dings ohne die französische Führung Schiffen. Bis dahin war es gelungen, die Folge. Dennoch gelang es, die Fran-
zunächst detailliert darüber zu infor- rund 28.000 Soldaten aus Boulogne, zosen im Westen über die Aa zurück-
mieren, was dort nach dem Bekannt- Calais und Dünkirchen zu evakuieren. zudrängen. Wie Speerspitzen scho-
werden zu Verstimmungen führte. Jetzt war Dünkirchen der letzte Hafen. ben sich die Panzerverbände durch
Frankreichs neuer Oberbefehlshaber, Die britische Admiralität glaubte, nur die Abwehrfront. Im Südwesten ge-
General Maxime Weygand, der die zwei Tage Zeit zu haben, und hoffte, lang es zahlreichen alliierten Ver-
Stellungen am Kanal unter allen Um- wenn überhaupt, 45.000 Mann retten bänden unterdessen, sich aus dem
ständen halten wollte, fühlte sich im zu können. Dies schien sich zu be- Landesinneren zur rettenden Küste
TITELTHEMA

Untergang: Der
zurückzuziehen. Allein sechs Divisio- französische Zer- gewohntes, ja bizarres Bild. Denn die Zukünftig machten sich die U-Boot-
nen strömten aus dem Kessel von störer Bourrasque alliierten Truppen hatten während Besatzungen in Khaki uniformiert
Lille zum Kanal. Für die deutschen lief am 30. Mai mit ihres Rückzugs alles stehen und lie- von ihren Stützpunkten San Nazaire
Truppen wäre es ein Leichtes gewe- vielen Evakuierten gen gelassen. Besonders die engli- und Lorient auf den Weg zur Schlacht
sen, den schmalen Korridor zu schlie- auf eine Mine und schen Expeditionstruppen wurden im Atlantik.
ßen, doch sie wurden auf höheren Be- wurde dann durch von der Kriegssituation völlig über- Doch zurück zur Lage im Kessel.
fehl hin festgehalten. Erst am 1. Juni Geschützfeuer rascht. Sie hatten sich in den Vormo- Am 28. Mai um 0 Uhr kapitulierte
kapitulierte dieser „Kessel im Kessel“, versenkt naten, als sie auf dem Festland statio- auf Befehl des belgischen Königs Leo-
der viele deutsche Kräfte gebunden niert waren, alles über den Kanal brin- pold III. die eingeschlossene belgische
hatte. 35.000 Franzosen gingen in Ge- gen lassen, was das Soldatenleben Armee mit 22 Divisionen (ungefähr
fangenschaft.

Von Stukas gejagt Gerettet – falls das alliierte Schiff nicht von
Auf den Rückzugsstraßen der Alliier- Minen und Bomben versenkt wurde.
ten Richtung Küste machte sich jetzt
das Chaos breit. Die demoralisierten aus englischer Sicht in Frankreich le- 500.000 Mann). Damit war die östliche
Soldaten sahen sich von den deut- benswerter machte. Und das war Flanke gegenüber der Heeresgrup-
Abb.:Interfoto/Miller, Interfoto/Hermann Historica, Karl-Heinz Frieser

schen Spitzen nahezu gejagt und nicht nur ihr geliebter englischer pe B entblößt. Der Kessel schrumpfte
waren ständig den infernalischen Tee, den „organisierende“ Land- auf den Raum Dünkirchen–Bergues–
Stuka-Angriffen ausgesetzt, die ser in den Tross- und Furage- Cassel–Nieuwpoort zusammen. Am
mit kreischendem Sirenengeheul wagen im Straßengraben reich- 29. Mai fiel die Verteidigungslinie bis
begannen, um dann in den kra- lich entdeckten. Die Bandbreite auf 15 Kilometer südlich von Dünkir-
chenden Explosionen der zielge- von Material und Ausrüstung, chen zurück.
nau treffenden Bomben zu enden. die ein solches Korps benötigte Während der Evakuierungsraum
Von solchen Angriffen aus der Luft (und jetzt die Straßen bedeckte), immer kleiner wurde, lief die Operati-
hatten die französischen, belgi- muss nicht näher beschrieben on „Dynamo“ nun auf vollen Touren.
schen und englischen Infanteris- werden. Briten und Franzosen konnten den
ten bislang höchstens vom Polen- Aber ein Beispiel ist erwäh- Abschnitt zwischen Dünkirchen und
feldzug gelesen oder gehört. Aber so Britische Beute- nenswert. Zur deutschen Beute Nieuwpoort mit allem, was an Waffen
etwas nun selbst zu erleben, war ge- Uniformen aus gehörten umfangreiche Bestände na- und Munition noch zur Verfügung
eignet, die Kampfmoral zu untergra- Khaki wurden gelneuer englischer Felduniformen. stand, stabilisieren und zwei Tage hal-
ben und Panik zu erzeugen. später von deut- Dafür fand sich im weiteren Frank- ten. In der Zeit hatte sich die schwere
Den deutschen Panzermännern schen U-Boot- reichfeldzug auch eine Truppe als Ab- deutsche Artillerie aufgebaut und
und Infanteristen wiederum bot sich Männern getragen nehmer, bei der englisches Khaki am nahm besonders die Hafenanlagen
auf ihren Vormarschstraßen ein un- wenigsten deutsches Feldgrau störte: von Dünkirchen unter ihr indirektes

16
INTERVIEW

„Eine folgenreiche Fehlentscheidung“


Der Historiker Karl-Heinz Frieser erörtert Hitlers wahre Motive zum Panzerstopp
vor Dünkirchen. Das Interview führte Oliver Richter
Herr Frieser, Hitlers „Halt-Befehl“ vom Hitlers Ratgebern im Oberkommando Als Kronzeuge hierfür kann Hitlers
24. Mai 1940 verhinderte den schnellen der Wehrmacht nicht ernst genommen damaliger Heeresadjutant, der spätere
Vorstoß auf Dünkirchen. Doch bereits zuvor und stieß auf den Protest führender Generalleutnant Engel, dienen, der die-
gab es einige „Halt-“ und „Aufschließ-Be- Luftwaffengeneräle. Nach fast dreiwö- sen am 24. Mai begleitete. Er erklärte,
fehle“. Stoppte Hitler also tatsächlich den chigem Einsatz bei einem Verlust von dass derartige Entscheidungen Hitlers
Vormarsch der deutschen Panzer? 1.005 Flugzeugen waren die Kräfte der „mit sachlichen Argumenten nichts zu
Frieser: Generaloberst von Rundstedt, Luftwaffe erschöpft. Außerdem waren tun hatten, sondern lediglich dem
der Oberbefehlshaber der Heeresgrup- etliche Verbände gerade damit beschäf- Oberbefehlshaber des Heeres gegen-
pe A, befahl für den 24. Mai einen befris- tigt, ihre Flugbasen nach Belgien zu ver- über zum Ausdruck bringen sollten,
teten Stopp für die Panzerdivisionen. legen, weil Dünkirchen an der äußers- dass er führe und niemand anders“.
Ihn hatte, ebenso wie Hitler, das schnel- ten Grenze ihrer Reichweite lag. Hitler gewann den Machtkampf – doch
le Angriffstempo nervös gemacht. Der um welchen Preis. Das Entkommen der
Oberbefehlshaber des Heeres, General- Wollte Hitler die Engländer absichtlich britischen Armee bewirkte, dass der
oberst von Brauchitsch, und sein Gene- schonen, um so die Grundlagen für einen (fast schon sichere) strategische Erfolg
ralstabschef, Generaloberst Halder, je- Friedensschluss zu schaffen? zu einem ordinären operativen degra-
doch wollten sofort auf Dünkirchen Frieser: Hitler behauptete zumindest, diert wurde.
vorstoßen. Deshalb entzogen sie Rund- er habe die Engländer „absichtlich“ ent-
stedt das Kommando über die Panzer- kommen lassen: Er hätte es nicht über Entschied der „Halt-Befehl“ von Dünkir-
divisionen – gegen den Willen und sich gebracht, „eine Armee von so guter chen den Zweiten Weltkrieg?
ohne Wissen Hitlers. Dieser geriet da- blutsverwandter englischer Rasse zu Frieser: Hitlers Intervention bewahrte
raufhin in Rage. Er entzog dem Ober- vernichten“. In Wirklichkeit wollte er Großbritannien vor der größten Kata-
kommando des Heeres die Verfügungs- mit dieser Aussage die Flucht nach strophe seiner Geschichte. Es hätte
gewalt über die Panzerdivisionen, vorne antreten und seine militärische nahezu seine gesamte Berufsarmee
bekräftigte den „Halt-Befehl“ und über-
ließ Rundstedt die Entscheidung über „Ein einziges deutsches Panzerregiment hätte
die Dauer des Anhaltens.
für den Vorstoß auf Dünkirchen ausgereicht.“
Was waren Hitlers Motive, den Vorstoß der
Panzer zu unterbinden? War das Gelände, Fehlentscheidung nachträglich zu ei- verloren. Wer aber hätte angesichts der
wie oft behauptet, zu sumpfig für den An- ner weitblickenden politischen Ent- soeben eingeführten Wehrpflicht die
griff von Panzerverbänden? scheidung hochstilisieren. Kein deut- Rekruten ausbilden sollen, wenn fast
Frieser: Diese These ist sicher falsch, scher Politiker konnte so dumm sein, alle erfahrenen Soldaten und Offiziere
da der Regen, der das Gelände sumpfig die britische Armee, die bei Friedens- in Gefangenschaft geraten wären?
machte, erst nach dem Befehl fiel. verhandlungen ein unschätzbar wich- Nach Ansicht britischer Historiker hät-
tiges Faustpfand dargestellt hätte, frei- te dies das Ende der Regierung Chur-
Bestand zu diesem Zeitpunkt die Gefahr willig entkommen zu lassen. chill bedeutet. Eine neue Regierung
eines alliierten Flankenangriffs? aber hätte wohl kaum ein generöses
Frieser: Wie die deutsche Aufklärung Wenn alle diese Thesen klar zu widerlegen Friedensangebot des bekanntermaßen
eindeutig feststellte, gab es keinerlei sind, was war dann Hitlers wahres Motiv? anglophilen Hitler ablehnen können.
Anzeichen für einen alliierten Gegen- Frieser: In Wirklichkeit ging es um eine Dadurch aber wäre es zu einem Szena-
angriff. Der einzige nennenswerte Ver- Machtprobe hinter den Kulissen. Die rio gekommen, das möglicherweise die
such während dieser Operation war so- Ausschaltung des zögerlichen Rund- Weltgeschichte verändert hätte. Hitler
eben erst kläglich bei Arras gescheitert. stedt beim Vorstoß auf Dünkirchen be- hätte sämtliche Kräfte des Deutschen
Die Alliierten zeigten sich nicht in der deutete eine Rebellion der Generäle im Reichs auf einen Krieg gegen die Sow-
Lage, ihre weit verstreuten Panzerver- Oberkommando des Heeres gegen Hit- jetunion konzentrieren können. Eines
bände schnell genug für einen operati- ler. Sie wagten es, ihn vor vollendete zumindest steht zweifelsfrei fest: Hit-
ven Gegenangriff zusammenzufassen. Tatsachen zu stellen und zum Statisten lers „Halt-Befehl“ bei Dünkirchen war
Außerdem hätte für den Vorstoß auf zu degradieren. Es ging darum, wer bei eine der folgenreichsten Fehlentschei-
Dünkirchen ein einziges deutsches operativen Entscheidungen das Sagen dungen des Zweiten Weltkriegs.
Panzerregiment ausgereicht. haben sollte: die Generäle oder der Poli-
tiker Hitler. Dieser ließ sich nicht von Dr. Karl-Heinz Frieser, Oberst a. D., leitete von
Hatte Hitler zu sehr den Aussagen Her- taktischen oder strategischen Fragen 2002 bis 2009 den Forschungsbereich „Zeitalter
mann Görings vertraut, die Luftwaffe kön- leiten. Ihm ging es um das „Führer-Prin- der Weltkriege“ am Militärgeschichtlichen For-
ne den Kessel ganz alleine liquidieren? zip“. Er wollte in Wirklichkeit nicht die schungsamt. Zu seinen zahlreichen Veröffentli-
chungen zählt die umfassende Studie Blitzkrieg-
Frieser: Die großspurige Ankündigung Panzer stoppen, sondern die aufsässi-
Legende. Der Westfeldzug 1940. Oldenbourg Wis-
des ruhmsüchtigen Göring wurde von gen Generäle. senschaftsverlag, 1995

Militär & Geschichte 17


Feuer. Zusammen mit Angriffen der englischen Hurricane und auch
ZAHLEN, DATEN, FAKTEN Sturzkampfbomber vom Typ Ju 87B schon mit den neuen Supermarine
des VIII. Fliegerkorps unter dem Be- Spitfire zu tun. Die mussten nur über
Operation „Dynamo“ fehl von Generalmajor Wolfram von den Kanal „hüpfen“ und konnten
Richthofen waren die Schiffsverluste dann relativ lange im Luftgefecht
TITELTHEMA

Evakuierte Truppen im Hafen dermaßen groß, dass die agieren. Die Gefahr für die deutschen
26. Mai–4. Juni: 338.682 alliierte Soldaten Briten ihre Rettungsaktivitäten in die Flugzeugführer lauerte in der Luft,
zuvor: 28.000 Soldaten + 4.000 Briten Nacht verlegen mussten. während sich die eigentlichen Ziele
gesamt: über 370.000 alliierte Soldaten Trotzdem gelang es am 29. und als Menschengewimmel am Strand
(Briten: 247.000/Franzosen: 123.000) 30. Mai, fast 150.000 Mann einzuschif- darstellten und somit wenig Differen-
Luftwaffeneinsätze Dünkirchen: 2.000 fen, darunter auch General Gort, der zierung zuließen. Man konnte die
Einsätze Royal Air Force: 1.764 nach England zurückbeordert wor- Bomben einfach nur hineinwerfen.
den war. Das „Wunder von Dünkir- Die Eingeschlossenen versuchten
Verluste (Gefallene, Verwundete, Gefangene) chen“ zeichnete sich nun deutlich ab. alles, um diesem Inferno zu entkom-
Alliierte:
Briten: 70.000 Gefallene, Verwundete und Gefan-
gene (Gefallene gesamter Frankreichfeldzug: 5.000) Wer nicht nach England entkommen
Belgier: 5.000 Gefallene (gesamt: 7.500), 500.000 konnte, fiel unweigerlich in deutsche Hände.
Abb.: Interfoto/ME/RHC/IWM, Interfoto/Hermann Historica

Gefangene
Frankreich: Gefallene nicht bekannt (gesamter Frank- Eine entscheidende Rolle spielte da- men. Als Wellenbrecher am Strand
reichfeldzug: 120.000 Gefallene und Vermisste), bei das Wetter. Tief hängende Wolken dienten Fahrzeuge aller Art, die wäh-
115.000 Gefangene (80.000 Dünkirchen, 35.000 Lille) schützten an sechs von neun Tagen rend der Ebbe so weit wie möglich in
Niederlande: 3.000 Gefallene vor Angriffen der deutschen Luft- langen Reihen aufgefahren wurden.
Deutschland: waffe. Die hatte aber nicht nur Wetter- So konnten auch kleinere Schiffe und
20.000 Gefallene und Verwundete (Fall Gelb: probleme. Durch den schnellen Vor- Boote dann bei Flut den Strand zum
10.252 Gefallene, 8.463 Vermisste, 42.523 Verwundete;  marsch konnten die Einsatzflug- Einschiffen erreichen.Voraussetzung
Fall Rot: 16.822 Gefallene, 9.921 Vermisste, 68.511 Ver- plätze der Stuka-Geschwader nicht für das Gelingen der improvisierten
wundete) im gleichen Tempo nachrücken und Massenevakuation war ruhige See,
überdehnte Anflugzeiten von deut- und in diesem Punkt hatten die Al-
Verluste (Material): schen Plätzen führten zu verkürzten liierten besonderes Glück. Übrigens
BEF: 63.000 Fahrzeuge, 20.000 Motorräder, 475 Panzer Einsatzzeiten über Dünkirchen. waren die Bombardierungen am
und gepanzerte Fahrzeuge, 2.400 Geschütze Jetzt bekamen es die deutschen Strand wenig erfolgreich, da der wei-
Schiffe: 272, davon 13 Zerstörer Stukas, Jäger und Kampfbomber mit che Sandboden die Wirkung dämpfte.
Flugzeuge: 177
Deutschland: über 100 Panzer und 132 Flugzeuge

Marsch in die Gefangenschaft: Zehntausende Soldaten, hauptsächlich Belgier und


Franzosen (unten ), blieben in Dünkirchen zurück. Die Briten konnten dagegen das
Gros ihres Expeditionskorps evakuieren. Links: ein britischer Stahlhelm

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TITELTHEMA

Nach der Einnahme von Dünkirchen fanden die Deutschen im Hafen unzählige Autos, Lkw und (meist unbrauchbar gemachte) Geschütze vor

Auch der Hafen blieb trotz schwerer fen nach England gebracht worden
Bombenschäden weiterhin Tag und waren, sowie den 4.000 in französi-
Nacht nutzbar. Und dafür zahlte die schen Häfen geretteten Briten belief
Luftwaffe auch noch einen hohen sich die Gesamtzahl der evakuierten
Preis: Bei ihren Attacken auf die Eva- alliierten Soldaten auf über 370.000
kuierungsflotte verlor sie 250 Maschi- Mann. Bis zum letzten Tag hatte das
nen, viele wurden durch Flak und bri- Wetter die Operation „Dynamo“ be-
tische Jäger abgeschossen. günstigt. Jetzt drehte der Wind und
Am 31. Mai überschritten die Deut- die Wellen kehrten zurück.
schen die letzte Verteidigungslinie. Auch wenn die Alliierten die
Die Artillerie belegte die An- und Ab- schwerste Niederlage im Zweiten
fahrtsrouten, den Hafen und die Stadt Weltkrieg hinnehmen mussten, war
mit andauerndem Störfeuer. Briten die größte Rettungsaktion der Militär-
und Franzosen zogen sich nun auf ei- geschichte erfolgreich beendet wor-
Abb.: Interfoto/Schödl, Interfoto/Archiv Friedrich, p-a/akg-images (2)

nen fünf Kilometer breiten Streifen den. Fast auf den Tag genau vier Jahre
zwischen Dünkirchen und La Panne später landeten alliierte Divisionen
zurück. Hier wurde die britische Nach- HINTERGRUND an den Stränden in Nordfrankreich,
hut mehr und mehr durch französi- um zum Sturm auf die „Festung Eu-
sche Soldaten ersetzt, die ihre Heimat
Dünkirchen im Kino ropa“ anzutreten.
nicht verlassen wollten. Ein Großteil Das gewaltige Drama von Dünkirchen lieferte den
geriet am 3. Juni in deutsche Kriegsge- Stoff für mehrere Kinofilme. Der früheste entstand Epilog
fangenschaft. Bis zum nächsten Mor- 1958 unter der Regie des Briten Leslie Norman. Viele Panzerverbände waren in den
gen bestiegen die alliierten Soldaten Weit bekannter ist jedoch die französische Produktion letzten Tagen der Kämpfe um Dünkir-
die Schiffe. Am gleichen Tag stürmte Week-end à Zuydcoote (dt. Titel: Dünkirchen, 2. Juni chen bereits für die zweite Phase des
die deutsche 18. Infanterie-Division,
1940) mit Jean-Paul Belmondo in der Rolle eines fran- Feldzuges, die „Schlacht um Frank-
zösischen Soldaten, der verzweifelt versucht, auf
insbesondere das Infanterie-Regi- reich“ („Fall Rot“), abgezogen worden.
eines der britischen Evakuierungsschiffe zu gelangen.
ment 54, Stadt und Festung. Ende Juli 2017 soll in den deutschen Kinos der Action- Sie sah die Einschließung des alliier-
Bis dahin hatten es die Briten ge- film Dunkirk anlaufen, bei dem Christopher Nolan ten Südflügels vor, der sich entlang
schafft, 338.682 alliierte Soldaten zu Regie führte. Im Mittelpunkt steht die Operation der Maginot-Linie von Sedan bis zur
evakuieren. Zusammen mit den rund „Dynamo“, gedreht wurde teilweise am Originalschau- Schweizer Grenze erstreckte. Nach ei-
28.000 Soldaten, die schon vor dem platz in Dünkirchen. ner Umgruppierung begann am 5. Ju-
26. Mai aus verschiedenen Kanalhä- ni der deutsche Angriff. Innerhalb von

20
Stumme Zeugen:
Unzählige verwaiste
Helme und Wracks
kündeten von der
überhasteten Flucht
über den Kanal.
Vor und in Dün-
kirchen hatten die
Briten insgesamt
50.000 Fahrzeuge
zurückgelassen

etwas mehr als zwei Wochen war ren. Die britische 1. Panzer-Division ger Offiziere und Unteroffiziere. Be-
Frankreich geschlagen. Am 14. Juni konnte am 17. Juni mit 25 Panzern von günstigt wurde die Lage für den Geg-
wurde Paris kampflos besetzt, am Brest nach England verschifft werden. ner durch das Festhalten an einem li-
22. Juni 1940 im Wald von Compiègne Das also war das Finale eines Feld- nearen Denken, verbunden mit einer
der Waffenstillstand unterzeichnet. zuges, der mit dem Durchbruch bei Reihe von Fehlentscheidungen. Den-
Der Frankreichfeldzug war beendet. Sedan zum raschen Vorstoß auf die noch kam es aufgrund verschiedener
Tausende französische Soldaten, die Kanalküste und damit zu einem „Halt-Befehle“ an der Kanalküste zum Oliver Richter ist
bei Dünkirchen evakuiert und von erfolgreichen „Sichelschnitt“ geführt „Wunder von Dünkirchen“, bei dem dem „Wunder von
Southampton aus nach Frankreich hatte. Ermöglicht wurde dies durch es, begünstigt durch die veränderte Dünkirchen“ bis
zurücktransportiert worden waren, den operativ selbstständigen Einsatz Wetterlage, gelang, fast das gesamte heute dankbar –
gerieten so doch noch in deutsche eines ganzen Panzerkorps, durch eine Britische Expeditionskorps und eine weil es den Alliier-
Kriegsgefangenschaft. Und auch bessere Funkausstattung und das Zu- große Zahl französischer Truppen ten letztlich den
Weg zur Befreiung
5.200 Mann der 51. britischen Infan- sammenspiel von Luftwaffe und Bo- zu evakuieren. Ihre Gefangennahme
Europas öffnete.
terie-Division mussten am 12. Juni dentruppen, aber auch durch erfolg- hätte den Kriegsverlauf mit Sicher-
vor der 7. Panzer-Division kapitulie- reiche Stoßtruppunternehmen jun- heit maßgeblich beeinflusst.

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MENSCHEN & SCHICKSALE

Werner Voß mit dem


Pour le Mérite um den Hals,
darunter prangt der Hohen-
zollern-Orden. Ein von Voß
JAGDFLIEGER abgeschossener britischer

WERNER VOSS Pilot beschrieb den erfolg-


reichen, aber unsoldatisch
wirkenden Flieger als
ausgesprochen höflich

Im Alleingang
zum Ruhm
Wann immer von Luftkämpfen im Ersten Weltkrieg
die Rede ist, fällt meist auch der Name Werner Voß;
sein Ringen mit einer Übermacht an britischen Jagd-
fliegern im September 1917 gilt bis heute als legendär

S
ommer 1917 an der Westfront: Verlauf des Krieges würde er es zum
Erstmals in einem Krieg foch- vierterfolgreichsten deutschen Jagd-
ten Soldaten den Sieg in gro- flieger bringen.
ßem Umfang auch in der Luft aus; ein
Kampf, der bei den Militärführern, Fliegerisch auffallend begabt
aber auch der Presse auf großes Inte- Der am 13. April 1897 in Krefeld gebo-
resse stieß. Insbesondere die 1915 ent- rene Sohn eines Fabrikleiters war
standene Gattung der Jagdflieger in trotz seiner Jugend militärisch kein
ihren technisch immer ausgefeilte- unbeschriebenes Blatt: Bei Kriegsaus- Das Inhaber-
ren Kampfeinsitzern hatte es den bruch hatte er sich mit nur 17 Jahren kreuz des
Journalisten und Kriegsberichterstat- freiwillig gemeldet und war für einige Hausorden von
tern angetan. Ihnen kamen die neu- Wochen zu den KRAD-Fahrern ge- Hohenzollern
artigen Helden, die „Ritter der Lüfte“, kommen. Im November 1914 trat er mit Schwertern
wie gerufen. dann in das 2. Westfälische Husaren- war oft die
Der journalistischen Verklärung Regiment Nr. 11 ein, mit dem er an der Vorstufe zum
stand die oft bittere und brutale Rea- Ostfront kämpfte.Voß' tapferer Kaval- Tapferkeits-
lität gegenüber. So fand Max Immel- lerie-Einsatz brachte ihm das Eiserne orden Pour le
Mérite
Voß hatte nur einen Wunsch: bei der Flie-
Abb.: Sammlung Ringlstetter (4), MIREHO-Weitze

gertruppe für sein Vaterland zu kämpfen!


mann, der erste große deutsche Luft- Kreuz 2. Klasse ein. Seine soldatische
kampfheld, im Juni 1916 den Flieger- Zukunft sah der rasch zum Unteroffi-
tod; Rivale Oswald Boelcke, Führer zier aufgestiegene Voß jedoch woan-
der Jagdstaffel 2 (Jasta 2) und 40-fa- ders: Die neue aufstrebende Flieger-
cher Luftsieger, folgte ihm Ende Okto- truppe zog ihn an; hoch oben über den
ber. Doch schon einen Monat später Schlachtfeldern wollte er für sein Va-
stieß ein junger Mann zur Jasta 2, der terland kämpfen.
fortan erneut die Öffentlichkeit be- Seinem Gesuch wurde stattgege-
geistern sollte: Werner Voß, damals ben, und so meldete er sich am 1. Au-
gerade mal 19 Jahre alt. Im weiteren gust 1915 bei der Fliegerersatzabtei-

22
Auf Familienbesuch im Sommer 1917: Seinen Albatros D.III hatte Besichtigung der Fokker-Werke: Flugzeugkonstrukteur
Voß persönlich verziert, unter anderem mit einem Hakenkreuz, Anthony Fokker (Mitte) neben Voß, in dessen Gesicht die
das zu dieser Zeit noch als unpolitisches Glückssymbol galt permanente Anspannung schon Spuren hinterlassen hat

Männer des Bodenpersonals sind Voß


beim Rollen im Fokker-Dreidecker
behilflich, mit dem der junge Pilot etliche
Luftsiege errang. Die Motorverkleidung ist
mit einem Gesicht verziert, das, so witzelte
Voß, ein Porträt von Kaiser Wilhelm sei

Militär & Geschichte 23


MENSCHEN & SCHICKSALE

Ein britischer
lung 7 (FEA 7) nahe Köln. Werner Voß’ S.E.5a, wie ihn bereits am Vormittag des 27. Novem- Corps. Tags darauf wiederholte er sei-
fliegerischer Werdegang begann An- auch Voß’ Gegner ber in der Gegend von Miraumont in nen Doppelerfolg – und stand damit
fang September auf dem Flugplatz bei dessen letztem der Somme einen französischen Jäger schon bei 19 Abschüssen.
Egelsberg nördlich von Krefeld. Be- Luftkampf flogen. des Typs Nieuport 17 vom Himmel. Seit 19. Dezember 1916 Träger des
reits hier fiel sein fliegerisches Talent Bewaffnet war die Und ein Einsatz am Nachmittag Eisernen Kreuzes 1. Klasse, erhielt
auf, am 28. September startete er zu Jagdmaschine mit brachte gleich den nächsten Erfolg: Voß am 27. März das Ritterkreuz mit
seinem ersten Alleinflug. Nach Ab- zwei 7,7-Millimeter- Um 14:15 Uhr fiel ein britischer Dop- Schwertern des Fürstlichen Hausor-
schluss der Flugausbildung diente er Vickers-MG peldecker unter den Garben aus Voß’ dens von Hohenzollern. Meist folgte
bis Februar 1916 bei der FEA 7 als Flug- Albatros-Jäger. Damit bestätigte der diese hohe Auszeichnung nach zwölf
lehrer – der damals jüngste Ausbilder junge Leutnant eindrucksvoll seine bis 15 Luftsiegen. Entsprechend war
seiner Art. Tauglichkeit zum Jagdflieger. Bald Voß seit 17. März 1917 für den Orden
Im März 1916 kam Voß zur Kampf- schon flog Voß als Richthofens Flügel- offiziell gelistet. Er erhöhte jedoch sei-
staffel 20, wo er im Rang eines Vize- mann, und die beiden wurden zudem ne Siegeszahl zu rasch, weshalb er zur
feldwebels zunächst als Beobachter gute Freunde. Verleihung bereits 22 Abschüsse vor-
Aufklärer- und Bombermissionen im Am 17. März bezwang Werner Voß weisen konnte und sich somit bereits
Kampfgebiet von Verdun flog. Erst nordöstlich von Barlencourt im Ab- auf den begehrten Pour le Mérite freu-
nach etlichen Fronteinsätzen erhielt stand von nur zehn Minuten zwei Ma- en durfte. Von den 15 im März erziel-
er, den Gepflogenheiten entspre- schinen des britischen Royal Flying ten Luftsiegen der Jasta 2 gingen elf
chend, Ende Mai das Flugzeugführer-
abzeichen und durfte selbst ans Steu-
er. Am 9. September beförderte man
ihn zum Leutnant. Der Fliegerei in
behäbigen Zweisitzern konnte Voß
Abb.: Sammlung Ringlstetter (4), Interfoto/Hermann Historica, Zeichnung: H. Ringlstetter–Aviaticus

jedoch nicht allzu viel abgewinnen,


weshalb er sich intensiv um die Ver-
setzung zu einer Kampfeinsitzer-
Staffel bemühte. Schutzhelm
aus Leder für
Bei der Jagdstaffel Boelcke deutsche Flie-
Zu Leutnant Voß’ großer Freude be- ger im Ersten
gann am 21. November 1916 seine Weltkrieg
Dienstzeit bei der Jagdstaffel 2 Boel-
cke. Zunächst allerdings nur probe-
weise. Nun befand er sich dort, wo er
hingehörte und seine fliegerischen
Qualitäten ausleben konnte. Als be-
gabter Pilot und tapferer Kavallerist
besaß Werner Voß sehr gute Voraus- Freunde und
setzungen für eine Karriere bei den Jagdflieger-
Kampfeinsitzern, einer Art fliegender Konkurrenten:
Kavallerie. Zudem sah er sich in der Werner Voß
Jasta 2 von erfahrenen Jagdfliegern (links, hier
umgeben, darunter dem fünf Jahre äl- fälschlich mit
teren Manfred von Richthofen, des- „ss“ geschrie-
sen Abschusskonto zu dieser Zeit ben) und
zehn Luftsiege aufwies. Manfred von
Der ehrgeizige Voß lernte schnell, Richthofen
hörte und schaute den kampferprob- vor Voß’
ten Kameraden genau zu und schoss Albatros D.III

24
Wrackfund: Deutsche
Soldaten umlagern die
Reste eines zweisitzigen
Jägers und leichten
Bombers Royal Aircraft
Factory F.E.2. Werner
Voß schoss neun oder
zehn dieser Druckpro-
peller-Maschinen ab

Die von Voß geflogene Fokker F.I 103/17 wies die übliche
Werklackierung auf. Statt des 110 PS starken Oberursel-
Umlaufmotors hatte sich Voß einen bevorzugten franzö-
sischen LeRhône-Beutemotor einbauen lassen

Leutnant Voß im Fokker F.I, 103/17,


mit laufendem Motor. Der kleine
Jäger war mit zwei LMG 08/15,
Kaliber 7,92 Millimeter, bewaffnet

Militär & Geschichte 25


MENSCHEN & SCHICKSALE

Ein Schwarm S.E.5a: Der schnelle


britische Jäger gehörte zu den besten
Jagdeinsitzern des Ersten Weltkriegs –
und wurde auch Voß zum Verhängnis

TECHNIK

Jäger-Kontrahenten
Dr.I und S.E.5a
Carl Menckhoff auf Ende August 1917 brachten die Fokker Flugzeugwer-
seinem Albatros D.V. der ke die ersten beiden Vorserienmaschinen des Drei-
Jasta 3. Der erfahrene deckers Dr.I an die Front, darunter auch den von
Voß geflogenen F.I 103/17. Doch schon zwei Monate
Jagdflieger kam Voß
später erhielt der Dr.I wegen konstruktiver Mängel
zu Hilfe, wurde aber Startverbot. Anfang 1918 kam der Dreidecker erneut
selbst abgeschossen und an die Front, galt jedoch inzwischen als veraltet. Ge-
musste notlanden baut wurden letztlich nur 420 Stück.
Der von Voß’ Gegnern bei dessen letztem Luftkampf
geflogene S.E.5a der Royal Aircraft Factory war ab
Mitte 1917 im Einsatz. Der Jäger besaß gute Flugeigen-
auf sein Konto, bis 6. April 1917 erhöh- April 1917. Richthofen alleine schoss schaften und brachte es mit seinem 200 PS starken
te er seinen Jagderfolg sogar auf 13 Gegner vom Himmel und baute V8-Motor auf etwa 220 km/h Höchstgeschwindig-
24 Luftsiege.Was für ein Karrierestart: so seinen Luftsiegvorsprung auf Voß keit. Dem maximal 160 km/h schnellen Dr.I war er
diesbezüglich weit überlegen, musste sich jedoch in
In nur vier Monaten war es Leutnant enorm aus.
Sachen Steigleistung und Wendigkeit Fokkers Drei-
Voß gelungen, zu einem der erfolg- decker geschlagen geben.
reichsten deutschen Jagdflieger auf- „Fliegender Zirkus“
zusteigen. Sein Freund und „Jagd- Am 20. Mai 1917 übernahm Leutnant
rivale“ von Richthofen, der seit Januar Voß stellvertretend die Jasta 5, neun ner Voß mit Wohlwollen und Respekt
die Jasta 11 kommandierte, stand bei Tage später als Staffelführer die Jas- als seinen stärksten Konkurrenten.
36 Luftsiegen. ta 29. Dort blieb er aber nur fünf Tage, Nervlich ständig angespannt,
Am 8. April 1917 zog die Bürokratie bevor er als Staffelführer zur Jasta 14 nahm sich Leutnant Voß eine zehntä-
nach und Werner Voß durfte sich zu wechselte. Als Einsatzflugzeug stand gige Auszeit. Dabei besuchte er in Be-
den stolzen Trägern des Pour le Mérite ihm seit März ein Albatros D.III zurVer- gleitung seiner Freundin Ilse unter an-
Abb.: Sammlung Ringlstetter, Royal Air Force (2), Interfoto/Hermann Historica

zählen, der damals höchsten deut- fügung, den er persönlich individuell derem die Fokker-Werke in Schwerin
schen Tapferkeitsauszeichnung. Ne-
ben dem ansehnlichen Zuwachs an Zur Verwunderung der Briten nahm er den
Ruhm, Anerkennung und öffentli-
cher Aufmerksamkeit gab es nun er- Kampf an – und feuerte auf jeden Gegner.
freuliche vier Wochen Sonderurlaub,
den Werner Voß mit sofortiger Wir- mit einem Hakenkreuz – ein damals und traf dort den Flugzeugkonstruk-
kung antrat. Es zog ihn heim nach Kre- auch in Mitteleuropa weit verbreitetes teur Anthony Fokker. Seit Ende Au-
feld zu seiner Familie, auch stand sein Glückssymbol – sowie Lorbeerkranz gust flog Voß Fokkers neuen Dreide- Das preußische
20. Geburtstag an. und Herz verzierte. Zwischen Mai und cker, einen kompakten Jagdapparat, Abzeichen für
Damit verpasste er jedoch jenen Juni 1917 erweiterte er sein Abschuss- der rapide stieg und förmlich auf der Militärflugzeug-
Monat, der als Bloody April in die An- konto um sechs Siege, bevor Manfred Stelle wenden konnte – Eigenschaf- führer stiftete
nalen der Luftkriegsgeschichte ein- von Richthofen Voß im Juli 1917 in das ten, die Voß’ fliegerischen Fähigkei- Wilhelm II. bereits
gehen sollte. Die überlegene deutsche von ihm befehligte Jagdgeschwader 1, ten entgegenkamen. In nur neun Ta- im Januar 1913
Kampftaktik in Verbindung mit den den „Fliegenden Zirkus“, holte. Dort gen erzielte er neun Luftsiege mit
inzwischen überwiegend eingesetz- betraute er seinen Freund Werner mit dem Dreidecker. Unter den bezwun-
ten Albatros-Jägern zeigte trotz alli- der Führung der Jasta 10, deren Er- genen Gegnern befanden sich auch
ierter Überzahl tödliche Wirkung. Ins- folgsmeldungen unter dem verwege- fünf Exemplare des ebenfalls sehr
besondere die Jasta 11 unter Richtho- nen Jagdflieger rasch zunahmen. Man- wendigen britischen Sopwith Camel,
fen hatte großen Anteil am Erfolg im fred von Richthofen bezeichnete Wer- einem der besten Jäger des Krieges.

26
James McCudden führte
den B Flight gegen Voß
Artitec ®

an und äußerte sich voller


Bewunderung über den
FERTIG-
bravourös kämpfenden
deutschen Jagdflieger.
MODELLE
McCudden verunglückte Maßstab
nach 57 Luftsiegen am 1:87
9. Juli 1918 in einem S.E.5a
tödlich

387.71-GR - SdKfz 231 Grau


Am 22. September kehrte Voß zur zu.Warum er dies tat, darüber wird bis
Jasta 10 im belgischen Marckebeke heute spekuliert. Während des rund
zurück. Ein Einsatz am nächsten Mor- zehnminütigen Luftkampfes brachte
gen brachte ihm den 48. Luftsieg. Voß jedem der Briten teils gravieren-
Nachmittags startete er mit seinem de Treffer bei, einer brach mit zer-
Dreidecker in Begleitung von zwei schossenem Querruder den Kampf
Kameraden zu einem weiteren Pa- ab. Zwar versuchte Carl Menckhoff
387.247 - Tiger I, Kursk
trouillenflug. Doch nachdem sie alli- von der Jasta 3, Voß zu helfen, wurde
ierten Maschinen begegnet waren, jedoch rasch abgeschossen.
verloren die beiden in ihren wesent- Schließlich konnte der britische Pi- IN VORBEREITUNG
lich schlechter steigenden Pfalz D.III
den Anschluss an Voß. Dieser war da-
lot Reginald Hoidge eine MG-Salve im
Rumpf von Voß’ Dreidecker landen.
Neuheit 2017
mit auf sich gestellt – und steuerte
nun auf einen Luftkampf zu, der ihn
Sichtlich angeschlagen, flog Voß erst-
mals geradeaus und wurde damit zur
1. Weltkrieg
zur Legende werden ließ. leichten Beute von Arthur Rhys-Da-
vids, der dem Deutschen den Todes-
Legendärer Luftkampf stoß versetzte. Voß stürzte mit sei-
Das Drama begann, als Voß bald da- nem Dreidecker in die Tiefe und
rauf in der Gegend von Poelkapelle schlug nördlich von Frezenberg auf.
zwei britische S.E.5 ausmachte und Rhys-Davids verspürte keinerlei Freu-
forsch zum Angriff überging. Beide Jä- de über seinen Sieg, er hätte den ver-
ger erhielten schwere Treffer. wegen kämpfenden Deutschen gerne
Gegen 18:25 Uhr stießen sechs wei- lebend heruntergeholt. James McCud-
tere S.E.5a dazu, die sich gerade auf den bezeichnete Voß als den tapfers-
einem Patrouillenflug befanden: Es ten deutschen Flieger, den er je das Pri-
waren Jäger des B Flight der No. 56 vileg hatte, kämpfen zu sehen.
Squadron unter Führung von Captain Bei der Obduktion fanden sich drei
James McCudden, die jetzt sofort Voß Kugeln in Werner Voß’ Körper, der
in seinem Dreidecker aus 300 Meter ohne sonderliches Brimborium auf
Überhöhung in einer Zangenbewe- alliierter Seite beigesetzt wurde. Am
gung attackierten. Zur Verwunderung 7. Oktober widmete die Krefelder Zei-
der Briten nahm Voß den Kampf an, tungVoß eine komplette Seite, auf der
drehte auf die Angreifer ein und feu- Kronprinz Wilhelm, der Oberkom-
erte, wann immer er einen Gegner ins mandierende der Luftstreitkräfte Ge-
Visier bekam. Einer von ihnen musste neralleutnant Ernst von Hoeppner
sich mit seiner übel zugerichteten Ma- sowie Anthony Fokker dem gefalle-
schine schon bald absetzen, ein zwei- nen Helden die Ehre erwiesen.
ter Brite zog nach Kühlertreffern eine WernerVoß galt zum Zeitpunkt sei-
Rauchfahne hinter sich her. nes Todes hinter Richthofen als erfolg-
Kurz darauf mischten sich drei reichster deutscher Jagdflieger und lag
S.E.5a des C Flight der 56. Squadron in selbst bei Kriegsende im November
,QXQVHUHP:HEVKRSÀQGHQ6LH
die Luftkampfszenerie. Die erfahre- 1918 noch an vierter Stelle. mehr als 1.000 Militärmodelle
nen britischen Jagdflieger der 56., alle- im Maßstab 1:87. Besuchen
samt Asse, berichteten später mit Herbert Ringlstetter arbeitet als freier Sie www.artitecshop.de
größter Bewunderung vom Kampf- Autor und Grafiker u. a. im Bereich histo- oder fragen fragen Sie Ihren
geist und fliegerischen Können des rische Luftfahrt. Selbst Pilot, stellt er sich Modellfachhändler.
Deutschen. Selbst als Voß in günstiger die damalige Militärfliegerei als nervlich
Position hätte entkommen können,
wandte er sich erneut seinen Gegnern
extrem belastend vor, zumal die Piloten
1917 noch ohne Fallschirm flogen. Artitec shop.de
®

Militär & Geschichte 27


KRIEGE & SCHLACHTEN

POCHE DE COLMAR

Finale im Elsass
Der dreiwöchige Kampf um den deutschen Brückenkopf von Colmar im
Oberelsass war Anfang 1945 der Schlusspunkt der „Befreiung Frankreichs“
und ein Prestigeprojekt der neuen Pariser Führung, das sie allerdings nur
mit starker amerikanischer Unterstützung erfolgreich abschließen konnte

28
S
econd Lieutenant Audie Mur- schend stark: Bald waren von Murp-
phy von der 3. US-Infanterie-Di- hys 128 Mann nur noch 40 übrig und
vision hatte am 26. Januar 1945 auch die beiden begleitenden M10-
den Auftrag erhalten, mit seiner Panzerjäger waren getroffen und von
B-Kompanie die Ortschaft Holtzwihr ihren Besatzungen verlassen worden.

Abb.: NARA, MIREHO-Weitze, Slg. M&G


zwischen Ill und Colmar-Kanal zu be- Als am Nachmittag ein Gegenan-
setzen. Der Angriff der Division war griff der 708. Volksgrenadier-Division
Teil einer alliierten Zangenoperation in doppelter Kompaniestärke die letz-
zur Zerschlagung des Brückenkopfes ten Amerikaner wieder aus Holtzwihr
von Colmar (Poche de Colmar), den Audie Murphy herauszuwerfen drohte, sprang Mur-
die Wehrmacht noch seit dem vergan- wurde vor Colmar phy kurz entschlossen auf den nächs-
genen November gehalten hatte. Die zum Helden der ten, schon brennenden Panzerjäger.
Deutschen erwiesen sich in diesem US Army Mit dem noch intakten 50er-MG, das
Abschnitt, der die nördliche Flanke aus dem offenen Turm des Fahrzeu-
des Brückenkopfes bildete, als überra- ges herausragte, bekämpfte er die von

Bereit zum Sturm: Soldaten der


3. US-Infanterie-Division haben an
der Front des deutschen Brücken-
kopfes von Colmar Stellung bezogen.
Beiden Seiten stand die Entschei-
dungsschlacht um das Elsass bevor

Ärmelband der Division


„Feldherrnhalle“. Mehrere
ihrer Eliteeinheiten – wie
die Panzer-Brigade 106 –
versuchten den Frontbogen
von Colmar zu halten

Militär & Geschichte 29


KRIEGE & SCHLACHTEN

ZUR LAGE

Flak gegen Panzer:


Wehrmachtsolda- allen Seiten andrängenden Deut-
ten warten im schen. Obwohl die Panzermunition
Dezember 1944 an des Fahrzeugs jeden Augenblick in die
der Westfront auf Luft fliegen konnte, hielt der nur 1,70
die anrückenden Meter große Texaner, der sich bei sei-
Amerikaner. Laut ner freiwilligen Meldung 1942 als ein
NS-Propagandatext Jahr älter ausgegeben hatte, fast eine
zu diesem Foto sind Stunde in seiner prekären Lage aus.
die „Flakbatterien Später behauptete er, trotz des über
zum Panzerschutz ihn hereinbrechenden Infernos von
aufgefahren“ Geschossen jedweden Kalibers und ei-
ner mehrfachen Verwundung keiner-
lei Empfindungen gehabt zu haben.
Als ein amerikanischer Gegenan-
griff schließlich den Gegner zurück-
warf, zählte man 35 getötete oder
verwundete Deutsche, die um das
Panzerwrack herumlagen. Leutnant
Murphy erhielt für seinen brisanten
Einsatz, den Hollywood später ver-
Abb.: NARA, p-a/akg-images, p-a/ZB (2), Grafik: Anneli Nau

filmte und der jüngst auch die Vorlage


für den Film Herz aus Stahl geliefert
hat, die Congress Medal of Honour,
die höchste Tapferkeitsauszeichnung
der Vereinigten Staaten. Der außerge-
wöhnlich gut aussehende Offizier ver-
ließ die US-Armee im September 1945
als höchstdekorierter Soldat des Zwei-
ten Weltkriegs und begann eine Kar-
riere als Filmschauspieler. 240 tote
Deutsche sollen während des Krieges
auf sein Konto gegangen sein.
Der alliierte Schlag gegen den Brü-
ckenkopf von Colmar Ende Januar
1945 war Schlusspunkt einer Reihe

30
Im Schutz eines
von Kämpfen um das Elsass, welche Panzers M4 A3 einem wenig erfahrenen Armeebe- Die Alliierten hofften, den deut-
die Wehrmacht zu Jahresbeginn mit gehen Soldaten der fehlshaber, der bis dahin nur Divisi- schen Brückenkopf durch eine Zan-
einer begrenzten Offensive (Operati- 1. Französischen onskommandeur gewesen war. Zwei genoperation von Süden und Norden
on „Nordwind“) im Norden eröffnet Armee und der Brücken bei Breisach und Neuenburg abzuschnüren, sodass nur möglichst
hatte. Das Ziel der dort angreifenden 3. US-Infanterie- sicherten die Verbindung des etwa geringe Kräfte der 19. Armee über den
1. Armee war es, die Vogesenpässe Division Richtung 50 Kilometer tiefen Brückenkopfes Rhein entkommen konnten. Hitlers
wieder in die eigene Hand zu bekom- Colmar vor mit dem rechten Rheinufer. Als Ver- Halt-Befehl begünstigte diesen Plan.
men und möglichst große Teile der Rechts: US-Solda- stärkung war die 2. Gebirgs-Division Die französisch-amerikanische
7. US-Armee zu zerschlagen. Beson- ten haben den aus Norwegen im Zulauf. Offensive begann am 20. Januar 1945
ders aber ging es Hitler um die Rücker- Stadtrand erreicht Auf Drängen De Gaulles hatten die bei bitterer Kälte mit einem Vorstoß
oberung von Straßburg. Die Beset- Amerikaner den Franzosen für ihre des I. französischen Armeekorps ge-
zung der größten elsässischen Stadt neuerliche Offensive gegen Colmar gen die Südfront des Brückenkopfes.
wäre für die deutsche Propaganda ein
unschätzbarer Erfolg gewesen. Mit ihrer Offensive wollten die Deutschen
Eine gespaltene Nation die Vogesenpässe wieder zurückgewinnen.
Für die Franzosen wiederum hatte es
einen hohen symbolischen Wert, den das XXI. US-Korps unterstellt. Zu- Zum Korps gehörten zwei marokkani-
Colmarer Brückenkopf im Süden zu nächst standen Generalmajor Frank sche Divisionen sowie die 9. Kolonial-
beseitigen. Erst mit Erreichen des MG-Nester Milburne nur die 3. und 28. Infanterie- Division. Unterstützung leistete die
Oberrheins auf ganzer Linie wäre die konnten dem Division zur Verfügung, doch noch im 1. französische Panzer-Division mit
Befreiung Frankreichs vollendet ge- Angreifer Verluste Laufe der letzten Januarwoche wurde etwa 150 Gefechtsfahrzeugen. Vor al-
wesen. Doch auf sich gestellt, war die zufügen, aber es sein Korps durch zwei weitere Divisio- lem die Überlegenheit der Angreifer
1. Französische Armee unter General fehlte überall an nen von der Ardennenfront verstärkt, an gepanzerten Kräften ließ sich auf
Jean de Lattre de Tassigny zu schwach schweren Waffen darunter die 12. Armored Division. deutscher Seite kaum ausgleichen.
für diese Aufgabe. Schon im Dezem- und Munition Lediglich die Panzer-Brigade 106 so-
ber war ein erster Versuch der Franzo- wie zwei Sturmgeschützbataillone,
sen nach nur einer Woche gescheitert. die batterieweise den acht Divisionen
Vier Jahre deutsche Besatzung hat- zugeteilt waren, bildeten das stähler-
ten die Grande Nation tief gespalten. ne Rückgrat der Verteidigung.
Ehemaligen Anhängern des Vichy-Re-
gimes wie De Lattre de Tassigny stan- Viele Ausfälle durch Minen
den die alten Unterstützer de Gaulles Gleichwohl kamen die alliierten An-
gegenüber, die wie General Jacques griffe im knietiefen Schnee zunächst
Philippe Leclerc schon kurz nach dem nur stockend voran. Im Süden blieben
Waffenstillstand von 1940 nach Lon- die Franzosen, deren Kampfwert Ge-
don geflohen waren. Der Komman- neral Dwight D. Eisenhower ohnehin
deur der 2. französischen Panzer-Divi- nicht sehr hoch einschätzte, schon
sion weigerte sich daher auch zu- nach wenigen Kilometern liegen. Das
nächst, unter De Lattre zu dienen. Combat Command 1 der 1. Panzer-Di-
Auf deutscher Seite hielten insge- vision verlor gleich am ersten Tag
samt sieben Divisionen der 19. Armee zwei Drittel seiner 50 Sherman-Pan-
eine Front, die in einem weiten Bogen zer vor allem durch Minen. Immerhin
von Mühlhausen über die Vogesen bis konnte man westlich Mühlhausens
nach Rheinau im Norden verlief, das die Illzach überqueren und die Ort-
nur 30 Kilometer südlich von Straß- schaft Richwiller erreichen. Deutsche
burg liegt. Seit dem 1. Dezember 1944 Gegenangriffe blieben erfolglos. Da-
unterstanden diese Kräfte dem Ge- nach erstarrte die Front. Die Entschei-
neral der Infanterie Siegfried Rasp, dung musste im Norden fallen.

Militär & Geschichte 31


KRIEGE & SCHLACHTEN

HINTERGRUND

Am Ziel: Wenn die Museum vor Ort


Amerikaner mit Dort trat am 22. Januar die 3. US-In- Ein paar Kilometer westlich von Colmar
ihren Sherman fanterie-Division mit drei Regimen- ist im Ort Turckheim das „Musée Mémo-
in eine Ortschaft tern gegen die Ill nördlich von Colmar rial des Combats de la Poche de Colmar“
einrollten, wurden an. Ihr erster Übergangsversuch über beheimatet. Das Museum dient der
sie sogleich von den etwa 20 Meter breiten Nebenfluss Erinnerung an die Kämpfe vom Winter
Einwohnern um- des Rheins bei Maison Rouge stieß 1944/45 und hat hierfür eine Fülle an
ringt. Deren Be- allerdings zunächst auf erhebliche originalen Ausrüstungsgegenständen
und sonstigen Zeugnissen zusammen-
freiung war mit Probleme. Die Amerikaner hatten
getragen. In Vitrinen werden Waffen,
18.000 gefallenen übersehen, dass die vorhandene Brü-
Uniformteile, Panzermodelle und der-
Amerikanern und cke nur eine Holzkonstruktion war, gleichen zur Schau gestellt. Besonders
Franzosen teuer was das Übersetzen schwerer Waffen
Abb.: HUGEL, p-a/maxppp, Musée Mémorial des Combats de la Poche de Colmar (2)

eindrucksvoll sind aber die mit Puppen


erkauft ausschloss. Der vom 30. US-Infante- nachgestellten Szenerien geraten, die
rie-Regiment zunächst gebildete einen recht realistischen Eindruck von
Brückenkopf konnte daher durch den damaligen Kampfbedingungen
Gegenangriffe der 708. Volksgrena- vermitteln. So kann man einem amerika-
dier-Division und Teile des 208. Sturm- nischen Funker an seiner Station über
geschütz-Bataillons wieder bereinigt die Schulter sehen oder die Bewaffnung
deutscher Soldaten studieren.
werden. Das angeschlagene US-Regi-
Geöffnet hat das Museum zwischen
ment benötigte danach drei Tage, um
April und Oktober.
sich umzugruppieren. Musée Mémorial des Combats
de la Poche de Colmar
Das Blatt wendet sich 25, rue du Conseil, 68230 Turckheim
Erst als amerikanische Pioniere am http://musee.turckheim-alsace.com
23. Januar weiter nördlich eine Pon-
tonbrücke anlegten, wendete sich das
Blatt zugunsten der Angreifer. Am West-Ost-Richtung die Ill mit dem und Jebsheim gegen den Widerstand
Abend des folgenden Tages war der Rhone-Rhein-Kanal verband. Am 28. des 136. Gebirgsjäger-Regimentes ein-
Brückenkopf trotz anhaltenden deut- und 29. Januar konnte das der Divisi- nehmen und anschließend in ost-
schen Widerstandes gesichert und on jetzt zusätzlich unterstellte 254. In- wärtiger Richtung den Rhein-Rhone-
das zweite Regiment der Division fanterie-Regiment zusammen mit Kanal erreichen. Damit war der nörd-
stieß über Riedwihr und Holtzwihr Panzern der 5. französischen Panzer- liche Teil des deutschen Brücken-
in Richtung Colmar-Kanal vor, der in Division die Ortschaften Gussenheim kopfes so gut wie abgeschnitten und

32
Fachliteratur • Militärgeschichte • Modellbau
Neuerscheinungen! - Geschichte im Detail - Neuerscheinungen!
Krise im Pazifik. Korallenmeer und Midway. J.V.García/
die dort noch haltende 198. deutsche hausen, auf die Panzer der 12. Armo-
L.G.Martínez. 64 S., 91 S/W-, 47 Farbfotos, 13 Farbz.
Infanterie-Division musste sofort red Division stieß. Damit war ein Teil u. Profiles, 7 Karten 14,98 €
über Neu-Breisach nach Süden zu- der Deutschen abgeschnitten und Die Ardennenschlacht. J.V.García. 64 S.,
99 S/W-Fotos, 35 Farbfotos, 9
rückgenommen werden. musste sich ohne schwere Waffen Farbzeichnungen, 5 Karten in Far-
Um den Alliierten den Übergang durch die noch dünne Einschlie- be 14,98 €
über den Colmar-Kanal und den ßungsfront schlagen. Krieg in Finnland 1939-1944. J.V.García.
80 S., 89 S/W-, 9 Farbfotos, 8
Durchbruch auf Neu-Breisach zu ver- Farbzeichnungen, 3 farb. Karten,
wehren, zog das Oberkommando der Der Widerstand erlischt 1 Karte in S/W 14,98 €
Die Hitlerjugend. Geschichte und
19. Armee jetzt immer weitere Kräfte Nur einen Tag später war auch die alte
Sammlerobjekte der nationalsoziali-
aus dem vorerst nicht angegriffenen Festungsstadt Neu-Breisach im Hand- stischen Jugendorganisation.
Vogesenabschnitt ab. Gleichwohl ge- streich in die Hände des 30. US-Infan- G.T.Gallego. 64 S., 63 S/W- und 139
Farbfotos, 11 Farbz. 16,98 €
lang es den Amerikanern im Verlauf terie-Regimentes gelangt. Einige Be- Der Reichsarbeitsdienst im III. Reich
des 30. Januar, nach einem dreistündi- wohner hatten ein Platoon des Regi- (RAD). C.C.Jurado. 80 S., 135 S/W-, 78
gen Artillerieschlag aus 20 schweren ments durch einen unverteidigten, Farbfotos, 10 Farb- und 5 S/W-
Zeichn., Tabellen 16,98 €
und mittleren Batterien einen Brü- 18 Meter langen Tunnel in die Stadt ge- Die Schlacht von Stalingrad 1942-43.
ckenkopf über den Kanal zu bilden. führt. Die nur schwache deutsche Be- J.V.García. 64 S., 96 S/W-, 15 Farbfotos, 5 Farbz., 7
Karten in Farbe u. 2 in S/W 14,98 €
Inzwischen stand General Milburn satzung ergab sich, von ihren Offizie-
auch die von der Ardennenfront ein- ren im Stich gelassen, ohne nennens- Das Kavallerie- HORRIDO
getroffene 75. US-Infanterie-Division werten Widerstand. Damit war auch Regiment 11 LÜTZOW!
und seine Auf- Geschichte
zur Verfügung. Während diese neue der verkleinerte Kessel nicht mehr klärungsabtei- und T radi-
Division am 1. Februar auf Neu-Brei- länger zu halten und das Armeeober- lungen 1938- tion des Lüt-
1945. F. H. Fel- zower Frei-
genhauer. 365 korps. Frank
Für den Besitz des Elsass hatten beide S. 91 Fotos, 4
Zeichnungen, 8 Faksimiles, 3
Bauer. 268
Kunstdruck-Seiten mit 195
Seiten einen hohen Preis bezahlt. Karten, Inhalts-, Abbild.-, Per-
sonen- und Abkürz.-Verzeich-
farb.- und 34 sw-Fotos und
Zeichnungen, 24 sw Karten u.
nis, lackierter mehrfarb. Efa- Skizzen, umfangr. Anhang, In-
sach vorstieß, beteiligte sich die kommando entschloss sich im Ein- lineinband. halts- und Literatur-Verz.,
statt 43,45 € NUR 35,00 € Großf. HC. 25,45 EURO
28. US-Division an der „Befreiung“ verständnis mit der Heeresgruppe,
Die Geschichte Kadetten - Aus
von Colmar, das die Deutschen jedoch den noch verbliebenen Brücken- der 21. drei Jahrhun-
nicht mehr nachhaltig verteidigten. kopf, in dem zuletzt nur ( o s t p r. / der ten deut-
westpr.) Infan- scher Kadet-
Ihre wenigen noch verbliebenen noch zwei deutsche Di- terie-Division. tenkorps, Bd II
Scharfschützen und MG-Nester bilde- visionen standen, ganz Christoph Frei- Erwin Heckner /
ten für die Amerikaner und Franzo- zu räumen. Als Hitlers herr v. Allma- Anton Graf
yer-Beck Bossi Fedrigotti.
sen der 5. französischen Panzer-Divi- Genehmigung dazu am 716 S., 165 Abb., 70 Karten- 420 S. m. 20 Zeichn., Faksimile
sionen kein besonderes Hindernis 9. Februar eintraf, war Skizzen, 59 Anlagen, Vorwort, u Vign. I Text, 41 mehrfarb.,
Inhaltsverzeichnis, lack. Kunst- 139 s/w Abb. auf Kunstdruck,
mehr. Am 2. Februar 1945, dem 56. Ge- die Rheinbrücke bei Neu-
leineneinband. 17 x 24,2 cm, Leinen Schutz-
burtstag ihres Armeeoberbefehlsha- enburg schon gesprengt statt 70,55 € NUR 48,00 € umsch. JETZT 9,95 EURO
bers De Lattre de Tassigny, rollten die und die letzten deut- Die Verteidigung der Reichskanzlei 1945
Panzer des Combat Command 4 in die schen Einheiten gelang- Kampfkommandant Mohnke berichtet. Thomas Fischer
Dieses Buch gibt einen genauen Überblick über die Kampfeins-
drittgrößte Stadt des Elsass ein, von ten in Sturmbooten über
ätze der Einheiten des Brigadeführers Mohnke in den letzten Ta-
der Bevölkerung frenetisch begrüßt. den Fluss. gen des 2. Weltkrieges. 200 S., 260 Abb., Großf. HC.19,90 EURO
In einem symbolischen Akt nahm Der Kampf um das El- Das Eiserne Kreuz
auch das 152. französische Infanterie- sass war zu Ende. Beide von seinem Ursprung bis zur Gegenwart. Ha-
rald Geißler. DAS Standardwerk zur Geschich-
Regiment an der beinahe kampflosen Seiten hatten für den Be- Plakate te des Eisernen Kreuzes: Alle Stufen und Ver-
Befreiung ihrer alten Garnison teil. Im sitz des umstrittenen Grenzlandes wie dieses leihungsepochen von den Ritterorden über 1813,
Ersten Weltkrieg hatte das Regiment einen hohen Preis bezahlt. Während informier- 1870, 1914, 1939 bis hin zur Bundeswehr. 632 S.,
ca. 1700 meist farbige Abb., HC Großf. 99,00 €
in den Kämpfen am Hartmannswei- der dreiwöchigen Kämpfe um den ten die Ein-
ler Kopf schwere Verluste erlitten. Brückenkopf hatten Franzosen und wohner von HJ - Tage- Frauen im
buch eines 3. Reich
Auf deutscher Seite fiel jetzt Amerikaner rund 18.000 Mann ver- Colmar über Kinder- Sie kämpf-
endlich die Entscheidung, auf eine loren, die deutschen Verluste lagen die neue soldaten ten an allen
Frank Fronten -
Sehnenstellung entlang des Rhone- einschließlich der in Gefangenschaft Situation Djemant. ohne Waf-
Rhein-Kanals zwischen Neu-Brei- geratenen Soldaten etwas höher. Ob- HC, DIN A5, fen. Frank
sach und Mühlhausen zurückzuge- wohl einzelne deutsche Divisionen 144 S., zahlr. Djemant.
s/w-Fotos und Zeichnungen HC, A4, 72 S., ca.450 s/w- und
hen. Obwohl Hitler den Rückzug ge- nur noch über eine Kampfstärke von des Autors. Statt 14,95 EURO Farbabb., Statt 29,95 EURO
nehmigt hatte, artete er rasch in ein 500 Mann verfügten, mussten die nur 9,95 EURO NUR 19,95 EURO
Chaos aus, Verbände gerieten durch- Franzosen ihre ursprüngliche Absicht Gebirgsartillerie auf allen Kriegsschauplätzen
Der Kampf der deutschen und österreichischen
einander, Fahrzeuge und Geschütze aufgeben, in einem Zuge über den Gebirgs-Artillerie-Regimenter im 2. Weltkrieg
blieben wegen Betriebsstoffmangels Rhein nachzustoßen. Roland Kaltenegger. 520 S. mit 214 Fotos, 14
oder fehlender Zugmaschinen liegen Karten u. Skizzen, 35 Faksim., 13 Zeichn., In-
halts-, Lit.-Verzeichnis, Efalineinband.
und Brücken wurden zu früh ge- 30,20 EURO
sprengt. In die deutsche Rückzugsbe- Dr. Klaus-Jürgen Bremm ist der Mei- Das Truppenfahrrad (Tr.Fa.).
Vom 13.12.35. H.Dv.293, M.Dv.Nr.571,
wegung stießen jetzt auch von Süden nung, dass die Winterschlacht im Elsass L.Dv.406. Reprint des Originals von 1936.
her die Franzosen, an der Spitze die für beide Seiten eine Frage des Prestiges Pb. 42+2 S. ca. A6, div. Fotos und techn.
Zeichnungen. 25,- EURO.
4. marokkanische Division, die am war – der schließlich mehr als 30.000
5. Februar bei Rouffach, auf halbem Soldaten zum Opfer gefallen sind. VDM Heinz Nickel
Kasernenstr. 6-10, 66482 Zweibrücken,
Wege zwischen Colmar und Mühl-
Tel.: 06332-72710, FAX: 06332-72730
E-Mail: heinz.nickel@vdmedien.de
249/17

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WAFFEN & TECHNIK

KRUPPS GUSSSTAHLKANONEN Die Feldkanone


C/67 der Firma
Krupp verhalf
dem Gussstahl
im Kanonenbau

Das Grollen der endgültig zum


Durchbruch

Stahlgewitter
Alfred Krupp setzte im 19. Jahrhundert eine neue Art von
Geschützen durch, die die Kriegführung revolutionierte. Der
Einsatz der Feldkanone C/67 kündigte im Jahr 1870 das Zeitalter
der Artillerieschlachten und Flächenbombardierungen an
Abb.: MIREHO (2)

34
A
m frühen Morgen des 2. Septem- Denn tatsächlich verfügte die Artil- mit gezogenem Lauf ein. Das Innere
ber 1870 kapitulierte die fran- lerie Preußens mit Kanonen aus dem des Rohrs war nicht mehr glatt, son-
zösische Armee im Schloss Stahlwerk von Alfred Krupp über die dern erhielt nach vorne gezogene Ril-
Bellevue bei Sedan vor dem preußi- modernsten Geschütze ihrer Zeit. Bei len, die den Projektilen mehr Drall
schen Generalstab. Nach der Verhand- Sedan hatten sie ein Inferno entfes- und Reichweite verschafften. Mit den
lung begegneten sich Kaiser Napole- selt: Vor dem Waffenstillstand schos- neuen Gewehren konnte man 600 bis
on III. und König Wilhelm I. dort für sen die Kanoniere stundenlang aus 900 Meter weit schießen, was es der
ein kurzes Gespräch, wobei Napoleon allen Rohren und ließen einen Grana- Infanterie ermöglichte, selbst Stellun-
die Disziplin der deutschen Truppen tenhagel auf die französische Armee gen der Feldartillerie zu bekämpfen.
lobte. Der König entgegnete, dass sich niedergehen – die sich darunter voller Deren glatte Vorderladerkanonen hat-
die preußische Armee seit einigen Schrecken auflöste. An diesem Tag ten eine wirkungsvolle Reichweite
Jahren alle neuen Ideen zunutze ge- nahm das Antlitz des modernen Krie- von nur 550 Metern, die maximale
macht und die Erfahrungen anderer ges stählerne Konturen an. Schussweite lag bei 1.200 Metern.
Nationen vor und nach 1866 genau Die Infanteristen konnten also ge-
verfolgt habe. Napoleon äußerte da- Kanonen gegen Gewehre nauer und weiter schießen, schneller
raufhin: „Ihre Artillerie, Sire, gewann Dahinter stand ein gewaltiger Schub nachladen und beim Schießen in De-
die Schlacht. Die preußische Artillerie in der Waffentechnik, den die voran- ckung bleiben. Sie bewegten und ver-
ist die beste der Welt.“ Der König ver- schreitende Industrialisierung wäh- streuten sich daher vermehrt im Ge-
beugte sich – wissend, dass der fran- rend der letzten Jahrzehnte begüns- fecht und standen nicht mehr in einer
zösische Kaiser mit seinen Worten tigt hatte. Ab 1840 setzte die Massen- Reihe. Das Hauptgeschoss der Artille-
nicht übertrieben hatte. fertigung von Hinterladergewehren rie, die Vollkugel, hatte dadurch im

Preußens Artillerie zeigte sich im Krieg


von 1870/71 dem Gegner überlegen. Dieses
Manöverfoto entstand einige Jahre später

Militär & Geschichte 35


WAFFEN & TECHNIK

Im Krieg 1870/71 wurde


die Artillerie erstmals als
Hauptwaffe eingesetzt,
so auch in der Schlacht von
St. Privat (rechts)
Daneben: Während der
Belagerung von Paris
feuerten preußische
Geschütze pro Tag bis zu
400 Granaten auf das
Stadtgebiet

Felde kaum einen Nutzen mehr. Um Krupp mit einem Kaliber von 7,5 Zen- technischen Innovationen interes-
mit dieser Entwicklung Schritt halten timetern herstellte und im August sierter Mann. Der Prinz war seit
zu können, gingen Konstrukteure seit 1847 ablieferte. Dieses Modell stieß je- der Londoner Ausstellung ein be-
1846 daran, auch die Artillerie ver- doch auf kein Interesse und blieb un- kennender Bewunderer der
gleichbar umzugestalten. erprobt in den Werkstätten von Span- Krupp-Kanonen. Am 7. Mai 1859
Ein gezogenes Kanonenrohr bot dau liegen. strich er nach einem Probe-
einige Vorteile: Zielgenauigkeit und Erst nachdem Krupp mehrmals da- schießen auf der Bestellung die
Schussweiten waren größer und es rauf gedrängt hatte, testete das Mili- Zahl 72 durch und schrieb 300
ließen sich Spitzgeschosse mit Auf- tär die Kanone im Juni 1849 auf dem darunter. Dies bedeutete den Durch-
schlagzünder und einer Sprengla- Schießplatz von Tegel. Das Rohr aus bruch für Krupp, der dadurch zum Der preußische
dung abfeuern. Bald gingen viele eu- Stahl erwies sich beinahe als unver- Waffenschmied Preußens aufstieg. Artilleristenhelm
Er bekräftigte sofort gegenüber dem M1860 mit ecki-
Im Deutsch-Französischen Krieg richteten Prinzregenten, dass er die Kanonen gem Schirm wurde
primär als Beweis für die Festigkeit bis ins Jahr 1867
die preußischen Kanonen ein Inferno an. seines Stahls betrachtete. verwendet

ropäische Armeen zu solch gezo- wüstlich und erzielte exzellente Test- Ein mobiles Feldgeschütz
genen Vorderladergeschützen über, ergebnisse. Dem Ministerium waren Infolge dieses Auftrags produzierte
lediglich die Artillerie-Prüfungs-Kom- die Kosten für Stahlrohre jedoch zu Krupp nun Rohre mit einem Kaliber
mission in Preußen legte sich 1850 auf teuer; es setzte weiterhin auf die glat- von neun Zentimetern für die neue
Abb.: p-a/akg-images, ullstein bild – Roger-Viollet (2), ullstein bild – Granger/NYC, Interfoto/Hermann Historica

ein Hinterladersystem mittels einer ten Vorderladergeschütze aus Bronze Feldkanone C/61, einem Hinterlader
Verschlusstechnik des schwedischen oder Gusseisen, auf die sich das Artil- mit einem gezogenen Rohr aus Guss-
Fabrikanten Martin von Wahrendorff leriewesen seinerzeit noch stützte. stahl. Da die C/61 aufgrund ihres Ge-
fest. Praktische Versuche unternahm Davon ließ sich Krupp allerdings
die Kommission mit Rohren aus Guss- nicht beirren. Um Reklame zu ma-
eisen und Bronze, wobei sie bemerkte, chen, beteiligte er sich an der Londo- ZAHLEN, DATEN, FAKTEN
dass diese Materialien für gezoge- ner Weltausstellung im Jahr 1851, für
ne Geschütze kaum geeignet waren. die er eigens ein Hinterladergeschütz Feldkanone C/67
Aufgrund positiver Erfahrungen mit aus Stahl anfertigte. Diese auf Hoch-
Stahl von Krupp bestellte sie 1855 glanz polierte Kanone erregte viel Auf- Bezeichnung: gezogener Gussstahl 4-Pfünder C/67
zwei Gussstahlblöcke in Essen, aus de- merksamkeit, aber die Beobachter Produktionszeit: 1867–72
nen die preußische Waffenschmiede aus Presse und Militär bewunderten Rohrgewicht: 301,5 kg (mit Verschluss)
Spandau gezogene Hinterladerkano- lediglich die Ästhetik und erkannten Gesamtgewicht: 785 kg (Rohr und Lafette)
nen fertigen sollte. keine Kriegswaffe darin. Die Illustrated Kaliber: 7,85 cm
London News schwärmte von der Rohrlänge: 1,94 m
Unverwüstlicher Stahl „schönen Stahlkanone“, brachte aber Höhenrichtbereich: –8°/ 13 1/2°
Alfred Krupp wollte bereits seit vielen keine technischen Details. Seitenrichtbereich: 0° (das gesamte Geschütz
Jahren Rüstungsaufträge aus Preu- Trotz des Interesses verkaufte wurde gerichtet)
ßen an Land ziehen. Seitdem er 1826 Krupp in den kommenden Jahren nur Verschlusstyp: Doppelkeilverschluss C/67
die Gussstahlfabrik seines Vaters wenige Kanonen. Bis Ende 1858 be- Ladeprinzip: Hinterlader
übernommen hatte, versuchte er ste- mühte er sich darum, dann wollte er Munition: Granate mit 4 kg Gewicht,
tig, neue Absatzmärkte zu erschlie- sich aus dem Waffengeschäft zurück- Kartätsche mit 3,4 kg Gewicht
ßen. Im Jahr 1844 schickte er einen ziehen. Er wusste nicht, dass Preußen Max. Schussweite: Granate 3.450 m,
Brief an den preußischen Kriegsmi- seit 1855 einige Tests durchgeführt Kartätsche 450–500 m
nister Hermann von Boyen, in dem hatte und demnächst 72 Rohre bestel- Kadenz: bis zu 10 Schuss pro Minute
er den Stahl als widerstandsfähiger len wollte. Zudem übernahm 1858 Mündungsgeschwin.: 341 m/s
als Bronze oder Eisen beschrieb. Das Prinz Wilhelm, der spätere König Wil- Geschützmannschaft: Geschützführer und 6 Mann
Ministerium sandte ihm daraufhin helm I., die Regentschaft über Preu- einschließlich eines Ersatzmannes
einen Entwurf für eine Kanone, die ßen, ein soldatisch gesinnter und an

36
Sensation aus Stahl:
Auf der Weltausstellung
1867 präsentierte Krupp
erneut seine imposanten
Kanonen einem staunen-
den Publikum

samtgewichts von 1.617 Kilogramm schaft konnte zehn Granaten pro Mi- er erwartete. Nur mit Mühe konnten
schwer zu transportieren war, entwi- nute abfeuern, die maximal 3.450 Me- preußische Offiziere ihre Mannschaf-
ckelte die Kommission mit der Feld- ter weit dem Feind entgegenrasten. ten am Flüchten hindern. Es kamen
kanone C/64 simultan ein 334 Kilo- Im Deutschen Krieg von 1866 ka- auch C/64 zum Einsatz, und sie be-
gramm leichteres, weitaus mobileres men die neuen Kanonen indes wenig währten sich durchaus im Entlas-
Feldgeschütz, das ein Kaliber von acht zur Geltung. Die preußische Armee tungsgefecht gegen die österreichi-
Zentimetern hatte. Die neuen Lafet- zog mit 900 Kanonen ins Feld, von de- schen Kanonen, aber einige erlitten
ten für die Befestigung der zwei Meter nen nur 160 aus Stahl bestanden. Die- Rohrkrepierer. Dies lasteten hohe Of-
langen Kanonen hatten große Holzrä- se waren in ihrem Einsatz auch durch fiziere dem Material an. Sie hielten an
der, erhielten Achssitze auf beiden Sei- Dienstvorschriften behindert. Der der Artillerie aus Bronze fest und be-
ten des Rahmens, und auch die von Verlust eines Geschützes galt als Kar- trachteten Kanonen aus Stahl als teu-
Pferden gezogene Protze stattete man dinalverbrechen, weswegen die Artil- re Fehlentwicklung.
mit Lehnen aus, sodass fünf Mann auf lerie am Ende des Heereszuges mar- Geschützbatterie
dem Geschütz mitfahren konnten. schieren musste, hinter Kavallerie Feuertaufe bei Sedan Nr. 8 „Kronprinz“
Den Verschluss des Hinterladers und Infanterie. Daher ließ das Kriegsministerium bei vor Paris – mit
bildeten zwei Keile, die sich durch Dre- Vor Königgrätz gerieten preußi- Krupp in Essen einige Tests durchfüh- Beutekanonen
hen einer Kurbel gegeneinander ver- sche Truppen dann vor die stähler- ren, wobei man zu dem Ergebnis kam, aus französischen
spannten. Zum Öffnen und Schließen nen, gezogenen Vorderladergeschüt- dass der Fehler im Verschluss selbst Beständen
benötigte ein Mann nur zwei Hand- ze der österreichischen Artillerie, die und nicht am Material lag. Daraufhin
griffe. Eine geübte Bedienungsmann- die Soldaten mit einem Trommelfeu- verbesserte man die Keile des Ver-

37
ZUR PERSON
WAFFEN & TECHNIK

Alfred Krupp
Alfred Krupp wurde am 26. April 1812 in Essen geboren. als „Kanonenkönig“. Im Deutsch-Dänischen Krieg von
Er machte eine Lehre in der 1811 gegründeten Gussstahl- 1864 brachte die preußische Armee seine Stahlgeschütze
fabrik seines Vaters, deren Geschäftsführer er im Alter erfolgreich zum Einsatz, was die Nachfrage ansteigen
von 14 Jahren wurde. Zunächst auf Münzprägestempel ließ. Von 1864 bis 1872 produzierte Krupp 6.800 Ge-
und Walzen spezialisiert, schrieb die Fabrik 25 Jahre lang schützrohre, seine Firma stieg zum größten Industrie-
rote Zahlen. Krupp suchte daher unermüdlich nach neuen unternehmen in Europa auf. Hohe Löhne, werkeigene
Verwendungsmöglichkeiten für seinen hochwertigen Wohnungen und Geschäfte, Krankenkasse und Betriebs-
Stahl und stieg in die Produktion von Waffen und Eisen- rente machten Krupp zu einem beliebten Arbeitgeber. Er
bahnen ein. Der Aufstieg gelang ihm 1853 mit der Erfin- konzentrierte sein Leben beständig auf seine Fabrik, was
dung des nahtlosen Eisenbahnreifens, der das Symbol des die Ehe mit seiner Frau Bertha in die Brüche gehen ließ.
Unternehmens wurde. Den Medien galt er da aber schon Am 14. Juli 1887 starb Alfred Krupp an einem Herzinfarkt.

schlusses und passte das Rohr dem- sche Armee nach Sedan zurückgezo- men. Zudem befahl er seinen Einhei-
entsprechend an, womit der Typ C/67 gen hatte, gab es deswegen bereits ten, nicht die feindliche Artillerie zu
entstand. viele Tausend gefallene Soldaten auf bombardieren, deren bronzene Vor-
Ihre Feuertaufe erfuhren die modi- deutscher Seite. derlader ohnehin zu schwach waren,
fizierten Geschütze im Deutsch-Fran- Daher brachten die preußischen sondern direkt die Soldaten. Die Ka-
zösischen Krieg von 1870, und zwar in Artilleristen ihre Kanonen nach vor- noniere schossen mit maximal drei
der Schlacht bei Sedan. Diese begann ne, visierten den Gegner an – und lie- Schuss pro Minute, eine Feuerrate, die
für die deutsche Armee allerdings ßen aus 465 Geschützen einen kon- die Franzosen zermürbte und den-
schlecht. Am Morgen des 1. Septem- zentrierten Granatenhagel auf das noch die Rohre nicht zu heiß laufen
ließ. Insgesamt feuerten sie 33.134
Tausende Geschützrohre gingen aus dem Granaten ab, mit dem gewünschten
Ergebnis: Die gegnerischen Soldaten
Werk des „Kanonenkönigs“ in alle Welt. flohen in Panik, bis die französische
Armee schließlich kapitulierte.
ber 1870 schlugen französische Solda- Schlachtfeld niedergehen, der alle
ten die ersten Angriffe deutscher Abschnitte abdeckte und Gegenan- Von der Hilfs- zur Hauptwaffe
Truppen zurück. In puncto Bewaff- griffe sofort im Keim erstickte. Der Preußens Sieg war einerseits auf die
Kanonenwerkstatt nung war die französische Infanterie Kommandeur der preußischen Artil- technische Überlegenheit der neuen
bei Krupp im Jahr mit modernsten Chassepot-Geweh- lerie, Prinz Kraft zu Hohenlohe-Ingel- Kanonen zurückzuführen. Als noch
1909. Zu dieser Zeit ren und Mitrailleusen (ein MG-Vor- fingen, wies jede Batterie an, einen wichtiger erwies sich aber, dass man
beschäftigte der läufer) der deutschen Infanterie weit bestimmten Teil des Kriegsschauplat- die Geschütze als Hauptwaffe ver-
Konzern schon überlegen. Obwohl sich die französi- zes beständig unter Beschuss zu neh- wendet hatte. In den ersten Wochen
67.000 Mitarbeiter des Krieges hatten die Kommandeure
ihre Artillerie gemäß der herrschen-
den Militärdoktrin noch als Hilfswaffe
eingesetzt; sie sollte die Infanterie bei
ihrem Vormarsch unterstützen und
die gegnerische Artillerie bekämpfen.
Bei Sedan jedoch stellten sie ihre
Geschütze erstmals unter eine Be-
fehlsgewalt und massierten das Feu-
er auf die Soldaten, denen sich keiner-
lei Schutz durch Unterstände oder
Gräben bot. Eine solche Kriegführung
verlangte nach immer größeren Ka-
nonen, deren Granaten mehr und
mehr Soldaten auf einen Schlag töten
konnten, und mündete folgerichtig
in die Materialschlachten des Ersten
Weltkriegs.
Abb.: p-a/akg-images, Slg. M&G

Peter Kovacs studierte


Geschichte an der Ludwig-
Maximilians-Universität
in München. Er ist beein-
druckt von der Beharrlich-
keit, mit der Alfred Krupp
den Stahl in die Rüstungs-
industrie brachte.

38
NEU AM MARKT:
DER DEUTSCHE SOLDAT

Kämpfer und
Kamerad
Ein neues Sammelwerk
beleuchtet Geschichte und Gegenwart
des deutschen Soldaten

U-Boot-Kommandant Günther Prien zählt zu den „bedeutenden Persönlichkeiten“,


denen die neue Sammeledition ausführliche Dokumentationsbögen widmet

V
iele Menschen können sich Epochen: Der Bogen reicht dabei vom
nur schwer vorstellen, was es Aufbau der mittelalterlichen Ritter-
wirklich bedeutet, Soldat zu sein und Söldnerheere bis zur heutigen
– sei es in der Routine des Friedens Struktur der Bundeswehr. Andere
oder im Einsatz zu Kriegszeiten. Wer Themenkreise beschäftigen sich mit
in diese Welt eintauchen möchte, „Uniformierung und Ausrüstung“,
kann jetzt zu dem neuen Sammel- „Feldzüge und Einsätze“, „Formati-
und Nachschlagewerk Der deutsche onsgeschichte“ und „Bedeutenden
Soldat greifen, das der Verlag Editions Persönlichkeiten“ der Militärge-
Atlas anbietet. Die hochwertige Doku- schichte. Schließlich geht es beim
mentationsreihe widmet sich dem Thema „Soldat und Gesellschaft“ um
Soldaten als Mensch – am Schnitt- das Selbstverständnis und die Wahr-
punkt zwischen Beruf und Berufung, nehmung des deutschen Soldaten
im Spannungsfeld zwischen den Be- in der Öffentlichkeit.
griffen Held, Kämpfer und Kamerad. Ergänzend zum Sammelwerk gibt
Die Serie gibt einen spannenden Ein- Editions Atlas einige der wichtigs- Wissen kompakt:
blick in die Tätigkeitsfelder der heuti- ten „Militärischen Auszeichnungen“ Zu den Dokumen-
gen Bundeswehrsoldaten, führt aber oder Tätigkeitsabzeichen als original- tationsbögen (oben)
ebenso zurück zu den historischen getreues Replikat heraus. Darunter kommen Sammel-
Anfängen des deutschen Heerwe- befindet sich der bekannte Pour le ordner (links) sowie
sens. Mérite von 1740 und das U-Boot-Ab- Ordensreplikate
zeichen von 1918. Eine Nachbildung nebst Präsentations-
Von Söldnern zur Bundeswehr des Eisernen Kreuzes – vor rund 200 kasten (unten)
Jede der kompakten vierseitigen Do- Jahren von Preußenkönig Friedrich
kumentationen ist klar einer Rubrik Wilhelm III. gestiftet – begleitet die
zugeordnet, die man später in den zu- Erstlieferung des militärgeschichtli-
gehörigen Sammelordnern durch ein chen Standardwerkes. Dieses besteht
Farbleitsystem einfach wieder auffin- aus 50 Dokumentationen verschie-
den kann. Dadurch wächst die Edition dener Themenblöcke und wird zu ei-
nach und nach zu einem umfassen- nem günstigen Einstandspreis von
Abb.: Werkfotos

den Nachschlagewerk an. So erhält 6,90 Euro ausgeliefert.


der Sammler beispielsweise einen Die Dokumentationsreihe Der deut-
Überblick über die „Organisation sche Soldat kann direkt bestellt werden
des Heerwesens“ der verschiedenen unter www.editionsatlas.de.

Militär & Geschichte 39


SPEZIAL

DROGEN
IM ZWEITEN WELTKRIEG

Gefährliche
„Wachmacher“
Von der totalen Mobilmachung im Krieg blieben
auch die Körper der Soldaten nicht verschont.
Wo Kaffee nicht mehr genügte, mussten stärkere
Mittel her, oft ohne Rücksicht auf Verluste.
Aber waren Aufputschmittel und chemische
Drogen wirklich kriegsentscheidend?

W
as war es nur, was diese nicht. Als „Pervitin“ waren sie schon
furchterregende Maschine vor dem Krieg in jeder Apotheke frei
antrieb? In zwei Wochen die erhältlich. Heutzutage undenkbar:
polnische Armee zerschlagen, in acht Als „Crystal Meth“ ist der Wirkstoff
Tagen am Kanal. In den britischen längst zur Geißel von Millionen Süch-
und amerikanischen Zeitungen jag- tigen geworden.
ten sich im Sommer 1940 die Speku- Freilich, ganz so gefährlich wie die
lationen. Nur mit überlegener Strate- heutige Modedroge war das Pervitin
gie und Technik, mutmaßten viele, nicht. Eine Pille enthielt etwa ein Drit- In guter
waren die Erfolge von Hitlers Truppe tel des Wirkstoffs einer üblichen Do- Stimmung:
nicht zu erklären. Gerüchte sprachen sis Crystal, die oftmals giftigen Zusät- Deutsche Landser
von einer Wunderdroge, die den deut- ze und Rückstände der Straßendroge beim Vormarsch
schen Soldaten übermenschliche fehlten und obendrein machte die in Frankreich.
Kräfte verlieh. Sie lasse Fallschirmjä- orale Einnahme weniger süchtig als Aufputschmittel
ger berserkerhaft dem Tod ins Auge die Aufnahme über die Schleimhäute. halfen vielen
Abb.: picture alliance/ZB, MIREHO-Christian Ose (2)

blicken oder sorge gar dafür, dass die Dennoch, auch das Pervitin, das seit Soldaten, die
Stuka-Piloten die extremen g-Kräfte 1937 in den Berliner Temmler-Wer- enormen Stra-
bei ihren Sturzmanövern nicht mehr ken hergestellt wurde, hatte es in sich. pazen eines Feld-
spürten. Die Wehrmacht – eine unbe- Genau wie seine damaligen Pendants zuges durch-
siegbare Drogenarmee? aus den USA und Großbritannien, zustehen
Benzedrin und Methedrin, galt es als
Stoff für den Hausgebrauch potenter Wachmacher und Stim-
Schnell fand man heraus: Der Wun- mungsaufheller – künstliches Adre-
derstoff hieß Methamphetamin. nalin. Leistungssportler warfen sich
35 Millionen Pillen davon hatten die die Tabletten ebenso ein wie Haus-
Landser bei Beginn des Westfeldzu- frauen oder Studenten, die Pillen gal-
ges im Mai 1940 in ihren Tornistern. ten in den 1930er-Jahren als Heilmit-
Doch so geheim waren die kleinen, tel für alle möglichen Probleme, von
blau-orangenen Röhrchen im Grunde Depressionen bis hin zum Bettnäs-

40
Pervitin war in den 1930er-
Jahren in jeder Apotheke zu
haben. Laut der Anzeige links
sollten die weißen Pillen unter
anderem Müdigkeit und
Depressionen verscheuchen.
Wie gefährlich und sucht-
fördernd der Stoff war, erkann-
te man damals noch nicht

Militär & Geschichte 41


Schwer gezeichnet: Auch Offi-
ziere wie Ernst Udet – den sein
SPEZIAL

Amt als Generalluftzeugmeister


überforderte – griffen zu Pervitin.
Reichsgesundheitsführer
Leonardo Conti (rechts) warnte
vergeblich vor den Neben-
wirkungen des Arzneimittels

sen. Der Beipackzettel empfahl Pervi- liche Berichte häuften, stellte die Ulm. „Denn die klassischen Blitzkrieg-
tin sogar als Hilfsmittel bei Kokain-, Reichsregierung Pervitin schon im feldzüge sind teilweise lange vor der
Morphium- oder Alkoholentzug! November 1939 unter Rezeptzwang. Zeit geplant worden, zu der Pervitin
Kein Wunder, dass sich auch die Doch auch wenn der Reichsgesund- überhaupt verfügbar war. Es gab nicht
Wehrmacht dafür interessierte. Zwar heitsführer Leonardo Conti die „au- zuerst das Aufputschmittel und dann
konnten die von der Temmler-Wer- ßerordentlich schlecht aussehen- hat man überlegt, wie man dessen Ef-
bung versprochenen Steigerungsef- den“, „oftmals geradezu grau und fekte technisch unterstützen konnte
fekte der körperlichen und geistigen verfallen“ wirkenden Soldaten an- – es war andersherum. Durch das Per-
Fähigkeiten in belastbaren Studien prangerte – die Wehrmacht interes- vitin hat sich allerdings ein Zusatz-
nicht nachgewiesen werden, doch am sierten diese Einwände nicht, zumal effekt ergeben, der es ermöglichte,
Wachhalteeffekt war nicht zu rütteln: der Westfeldzug vor der Tür stand. die Planungen besser umzusetzen.“
„Ganz besonders wichtig wird das Per- Per Erlass vom 17. April 1940 wurde
vitin bei lang dauernder, körperlich Pervitin von der Wehrmacht als „offi- Medikamentöses Wettrüsten
wenig anstrengender Tätigkeit wie zielles“ Weckmittel sanktioniert, die Wie eingangs geschildert, erkannten
der des Kraftfahrens und des Fliegens Temmler-Werke wurden mit einem dies bald auch die deutschen Kriegs-
(…), bei der bisher der Schlaf der ge- Millionenauftrag versehen. gegner. Ab Ende 1940 beschäftigten
fährlichste Feind ist“, verkündete Immerhin, man ignorierte die Ne- sich amerikanische und britische Mi-
Otto Ranke, der oberste Wehrmachts- benwirkungen nicht gänzlich: Die litärs auch deshalb verstärkt mit den
physiologe, im Februar 1939. Hinzu Nutzungsanweisung an die Sanitäts- möglichen Effekten ihrer landeseige-
kam: Pervitin war billiger als Kaffee. offiziere warnte vor Überdosierung nen Aufputschmittel. Auch hier stell-
Eine Tagesration des Letzteren schlug und mahnte an, dass natürlicher te man bald fest, dass Benzedrin und
im Einkauf mit 50 Pfennigen zu Buche, Schlaf dem Pervitin unbedingt vorzu- Methedrin die körperliche Leistungs-
Temmlers Pillen hingegen nur mit 16. ziehen sei. Empfohlen wurde es vor fähigkeit der Soldaten zwar nicht
allem für Kolonnenmärsche motori- wirklich steigerten, aber hervorra-
Pervitin – von Anfang an dabei sierter Verbände bei Nacht. Damit
Obwohl die offiziellen Versuchsrei- war Pervitin eine ideale Droge für den HINTERGRUND
hen bei Kriegsbeginn noch nicht ab- Blitzkrieg, für den möglichst weite
geschlossen waren, fand sich das Per- Vorstöße ebensolcher Verbände eine Drogen als Beutegut
vitin bereits in Polen überall an der Grundbedingung waren.
Front. Die Soldaten hatten sich das Und es erfüllte die Erwartungen: In Zu den nach dem Zweiten Weltkrieg von den Alliier-
Aufputschmittel einfach privat be- einer Woche drangen die deutschen ten übernommenen deutschen Erfindungen zählte
nicht nur die Raketentechnik. Auch medizinische
Abb.: ullstein bild – Süddeutsche Zeitung Photo/Scherl, MIREHO (3)

sorgt – und waren überaus zufrieden Armeen weiter nach Westen vor als
Experimente wurden weitergeführt. Dazu zählten
damit. „Ich bin überzeugt, daß bei gro- im gesamten Ersten Weltkrieg. „Die
drogenunterstützte Verhörtechniken, die von der
ßen Anstrengungen (…) eine mit Per- Marschleistungen sind ungeheuer“, SS in den Konzentrationslagern Auschwitz und
vitin versorgte Truppe einer anderen vermerkte im Mai 1940 nicht nur Otto Dachau erprobt worden waren. Verschiedene Häft-
überlegen ist“, meldete ein Sanitäts- Hoffmann von Waldau, Chef des Luft- linge bekamen hierfür das halluzinogene Alkaloid
offizier des IX. Armee-Korps an die waffenführungsstabes. Bei der Pan- Meskalin in ihre Getränke gemischt. Anschließend
Militärärztliche Akademie in Berlin. zergruppe Kleist, der Speerspitze des antworteten jene mit bemerkenswerter Offenheit
Ähnlich positiv äußerte sich auch ein Angriffs, erhielt jeder Fahrer pro Tag auf alle gestellten Fragen. Die zu diesen Versuchen
Offizier der 3. Panzer-Division, wobei bis zu fünf Pervitin-Tabletten, die gehörenden Unterlagen und einige beteiligte Wis-
dieser jedoch auch die Nebenwirkun- nicht nur das Schlaf-, sondern auch senschaftler wie der renommierte Luftfahrtmedizi-
gen nicht verschwieg: „Nach Einnah- das Hungerbedürfnis unterdrückten,
ner Hubertus Strughold brachte man nach dem
Krieg in die USA, wo man mit ihrer Hilfe bis in die
me der 4. Tablette Doppelt- und Far- typischerweise für etwa 48 Stunden.
1970er-Jahre hinein diverse Testprogramme zur
bensehen.“ Doch das war nicht alles: Briten und Franzosen waren von der Gedankenkontrolle durchführte. Im bekanntesten,
Urteilsschwächen, Kreislaufprobleme Geschwindigkeit des deutschen Vor- dem sogenannten „MKUltra“, verabreichte die CIA
und Apathie bei Entzug ergänzten marsches völlig überrumpelt – aber Hunderten von Personen Meskalin oder LSD, um
bald die Liste der Probleme. lag dies nur an der Droge? diese gefügig zu machen, oftmals ohne deren Wis-
War dies noch wünschenswert? „Nein“, meint Medizinhistoriker sen. Nach zunehmender interner Kritik wurde das
Für den zivilen Sektor, wo sich ähn- Peter Steinkamp von der Universität Programm 1973 eingestellt.

42
Schokolade der Marke
Scho-ka-kola gehörte
ebenfalls zur „anregenden“
Verpflegung der Wehrmacht-
soldaten, insbesondere
bei der Luftwaffe. Die
stark koffeinhaltige Leckerei
wird noch heute in den
runden Dosen verkauft

gend deren Erschöpfung unterdrück- Soldat ständig Pervitin bekommen kreuzt war, ohne hinterher sagen
ten – ein Spiegelbild der deutschen haben. Aber generell kann man schon zu können, wohin und weshalb. Die
Erfahrungen. Bei Studien im Coastal sagen, dass, wenn der Kontakt zum Verluste dieser Boote im Einsatz wa-
und Bomber Command stellten RAF- Truppenarzt gut war, man es sich re- ren exorbitant.
Mediziner fest, dass Benzedrin die lativ einfach beschaffen konnte. Tat-
Aufmerksamkeit der Piloten auf dem sächlich schrieben die Soldaten in ih- Auf Entzug
Heimflug spürbar verbesserte. rer Feldpost nur selten über den Pervi- Pervitin schließlich bewährte sich
Diese Erkenntnis genügte, um je- tingebrauch. Erwähnenswert war das auch noch, nachdem die deutsche Ar-
dem britischen Bomberpiloten ab En- nur, wenn es Probleme gab oder man mee überall in die Defensive geraten
de 1942 vor dem Abflug eine Ration besondere Erlebnisse damit verband.“ war. Was während des Vormarsches
Benzedrin zuweisen zu lassen (wobei In den erhaltenen Sektionsberich- wach hielt, verhinderte auch, dass
dieses – ebenso wie Pervitin – zuvor ten von Wehrmachtmedizinern fand man sich während tagelanger Rück-
schon seit Jahren von vielen Soldaten Steinkamp elf Todesfälle, die zumin- züge einfach in den russischen
privat beschafft worden war). Die dest mit Pervitin in Verbindung ge- Schnee fallen ließ. Dennoch, es war
Amerikaner kamen zur gleichen Zeit bracht werden konnten. Ein Richt- nicht mehr ganz dasselbe: „Wir wuss-
zu ähnlichen Schlüssen. Sie orderten wert, denn vollständig sind diese Be- ten ja, dass es süchtig macht und Ne-
große Mengen des Amphetamins als richte nicht – und schon gar nicht benwirkungen hatte“, erinnerte sich
Wachmacher für Extremsituationen: schließen sie die Todesfälle an der der Sanitätsoffizier Ottheinz Schulte
für Bomber- und Frachtpiloten, für Front ein, die durch rauschinduzier- Steinberg. „Und in Russland, (…) da
lange Märsche und Notfallpackun- te Fehlurteile der Konsumenten zu- hat das Pervitin nichts mehr genützt;
gen. Auf dem Boden kam Benzedrin stande kamen – Todesfälle auf beiden das hat nur noch mehr ausgelaugt.
Ein verpasstes Ausruhen musste ja
Aufputschmittel waren „in aller Munde“ – irgendwann nachgeholt werden. Der
Schlafentzug hat einfach keine takti-
selbst noch bei Bundeswehr und NVA. schen Vorteile mehr gebracht.“ So war
es eben, wenn man nach Verklingen
in größeren Mengen erstmals bei El Seiten, denn es gehört nicht viel Fan- des Rausches nicht mehr an der Ka-
Alamein und bei den Kämpfen in Tu- tasie dazu, sich vorzustellen, zu wie nalküste stand, sondern nur die
nesien zum Einsatz. vielen irrationalen Handlungen es nächste Offensive der Roten Armee
Auf Berichte über Nebenwirkun- auch durch den Gebrauch von Pervi- vor Augen hatte.
gen reagierten die Westalliierten un- tin gekommen sein mochte. Die Pro- Aber auch nach Kriegsende konn-
terschiedlich. Während das britische duktion bei Temmler lief übrigens bis te, wer wollte, sich noch lange dem
Luftfahrtministerium schon im Jahr zum Kriegsende weiter, und das, ob- Pervitin-Genuss hingeben. „Bis in die
1943 einräumte, dass die negativen wohl Reichsgesundheitsführer Conti Mitte der 1950er-Jahre hinein wurde
Effekte der Aufputschmittel die posi- den ehemaligen Kaffee-Konkurren- noch Pervitin aus Wehrmachtbestän-
tiven nahezu negierten, und mit sei- ten im Juni 1941 sogar ganz offiziell den auf dem Schwarzmarkt angebo- Christian Kättlitz
fand das Thema
nen Ausgabeempfehlungen merklich zum Rauschgift deklarieren ließ. ten“, weiß Peter Steinkamp. Und als
wichtig genug um
vorsichtiger wurde, setzten die Ame- Die Wehrmacht ignorierte auch dieses ausging, hatte Temmler seine zu bedauern, dass
rikaner das Benzedrin noch Jahre spä- das – schließlich ließ sie noch ganz Produktionslinien bereits wieder auf- sich zum Pervitin-
ter im Koreakrieg ein. Dem Harvard- andere Dinge für die Truppenerpro- gebaut. In Ost wie in West. Erst 1988 Missbrauch in der
Mediziner Andrew C. Ivy galt das bung zu. Kokain beispielsweise, das ging das Aufputschmittel endgültig Wehrmacht wohl
Ersuchen eines Soldaten, sein Ben- ab Ende 1944 in Kaugummiform an vom Markt, nachdem es noch über nie belastbare Zah-
zedrin auch nach Hause mitnehmen die Führer von Kleinst-U-Booten aus- Jahrzehnte in der Ausrüstung von len finden lassen
zu dürfen, sogar als positiver Ausweis gegeben wurde und diese bis zu vier Bundeswehr und NVA zu finden ge- werden.
besonderer Wirkungskraft! Tage wach halten sollte. Der Ober- wesen war. Eine respektable späte
Gab es auch in der Wehrmacht ein fähnrich Heinz Mantey erinnerte Karriere für ein Mittel, das eigentlich
Suchtproblem? „Quantifizieren lässt sich, wie er bei einer Kokain-Übungs- schon 50 Jahre zuvor ausgemustert
sich das nicht“, räumt Peter Stein- fahrt mit seinem „Seehund“ stun- werden sollte. Aber lange nachwir-
kamp ein. „Es wird sicher nicht jeder denlang auf dem Meer herumge- ken, das sollte es ja schließlich.

Militär & Geschichte 43


DAS DOKUMENT

Friedrich Wilhelm III.


ließ das Eiserne Kreuz
von Karl Friedrich

DAS EISERNE KREUZ Schinkel gestalten. Von


dem stammt auch das
Nationaldenkmal für die
Befreiungskriege auf
dem Berliner Kreuzberg,
das hier im Hintergrund
zu sehen ist

Für Freiheit und Pflichterfüllung


Preußens König Friedrich Wilhelm III. stiftete 1813 einen Kriegsorden
„für alle Stände“, der sich bald großer Beliebtheit erfreute. Die dazu
gehörenden Verleihungsurkunden werden heute als Rarität gehandelt

W
ir wissen heute nicht den Orden am 10. März 1813 im schle- tion „An mein Volk“ dazu auf, ihn und
mehr, mit welcher Helden- sischen Breslau. Eine Ehrung, die nur seine Armee zu unterstützen.
tat sich Ludwig von Rode, ein für die Zeit der Befreiungskriege ge- Das Eiserne Kreuz war eine Idee
Leutnant zweiten Ranges, das Eiserne dacht war. So heißt es in der Stiftungs- des Königs. Er entwarf es als schwar-
Kreuz II. Klasse verdient hatte. Es war urkunde: „In der jetzigen großen Ka- zes Kreuz mit breiter werdenden Bal-
wohl während des Winterfeldzugs tastrophe (...) verdient der kräftige kenenden – angelehnt an das Tatzen-
1814, als preußische Truppen und ihre Sinn, der die Nation so hoch erhebt, kreuz der Deutschritter des 14. Jahr-
Alliierten am 31. März Paris einnah- durch ganz eigenthümliche Monu- hunderts. Der Architekt Karl Friedrich
men. Ein Meilenstein der Befreiungs- mente geehrt (...) zu werden. Daß die Schinkel erhielt den Auftrag, das
kriege, bei denen sich preußische, ös- Standhaftigkeit, mit welcher das Volk Kreuz ins Reine zu zeichnen. Seine Kö-
terreichische, schwedische und russi- die (...) Uebel einer eisernen Zeit er- nigliche Majestät gab vor, wie die Aus-
sche Truppen verbündeten, um der trug, nicht zur Kleinmüthigkeit herab- zeichnung zu gestalten sei: „Sie soll in
Grande Armée Paroli zu bieten. sank, bewährt der hohe Muth, wel- einem schwarzen, in Silber gefaßten
Der preußische König unter- cher jetzt die Brust belebt.“ Kreuz aus Gußeisen bestehen und
schrieb persönlich die Urkunde zur Auf die „eiserne“ Zeit des Befrei- dessen Vorderseite ganz glatt und oh-
Verleihung des begehrten Kreuzes, ungskampfes anspielend, sollte das ne alle Inschrift bleiben, die Kehrseite
das fortan Rodes linke Brust zierte: Kreuz keinen materiellen Wert besit- aber zu oberst den Namenszug FW
„Wir Friedrich Wilhelm, von Gottes zen, sondern ein Symbol sein für Frei- mit der Krone, in der Mitte drey Ei-
Gnaden König von Preußen, haben heit und ritterliche Pflichterfüllung. chenblätter, unter die Jahreszahl 1813
dem Seconde-Lieutenant Ludwig von Andere Kriegsorden waren für diese enthalten.“ Es sollte das Eiserne
Kreuz in zwei Klassen sowie als Groß-
Ralph Kreuzer
Wer ein Kreuz I. Klasse erhielt, musste sich kreuz geben. Wer eines der I. Klasse
ist freiberuflicher
erhielt, musste sich zuvor eines der
zuvor eines der II. Klasse verdient haben. II. Klasse verdient haben.
Lektor und Jour-
nalist. Er findet es
Bis 1815 konnten sich die Feldher-
Abb.: Franz Krüger, Interfoto/Hermann Historica (2)

bemerkenswert,
Rode von der Artillerie das eiserne Zeit ausgesetzt. Das Eiserne Kreuz ren Blücher, Bülow, Tauentzien, War- dass das Eiserne
Kreuz zweyter Klasse verliehen und wurde ohne Rücksicht auf gesell- tenburg und Kronprinz Karl Johann Kreuz noch heute
ertheilen demselben über den recht- schaftlichen Stand oder militärischen von Schweden das Großkreuz um den ein Hoheitszeichen
mäßigen Besitz dieser Auszeichnung Rang verliehen. Das passte zu dem Hals hängen. Denn Friedrich Wilhelm der Bundeswehr
das gegenwärtige Beglaubigungs- Umstand, dass Preußen wegen der Be- bestimmte das so in seiner persönli- darstellt.
Schreiben mit Unserer eigenen Unter- drohung durch Napoleons Truppen chen Klasseneinteilung. Außerdem
schrift und beygedrucktem Königli- die allgemeine Wehrpflicht einführte, wurden 668 Eiserne Kreuze I. Klasse
chen Insiegel. Paris, den 31. März 1814. was die Standesunterschiede unter sowie 8.542 II. Klasse verliehen – zu
Friedrich Wilhelm“. den Soldaten aufhob. Und so erklärte tragen jeweils an einem schwarz-wei-
Von diesen frühen Verleihungsur- Friedrich Wilhelm III. am 17. März ßen Band im Knopfloch oder an der
kunden sind nur wenige Exemplare 1813 Frankreich den Krieg und rief die linken Brustseite. Träger der I. Klasse
erhalten, viel weniger jedenfalls als „Brandenburger, Preußen, Schlesier, erhielten zusätzlich ein Brustkreuz
vom Kreuz selbst. Der König stiftete Pommern, Litthauer“ in der Proklama- zur Unterscheidung.

44
Das Eiserne Kreuz II. Klasse von 1813.
Es gab auch ein Kreuz am weiß-
schwarzen Band, das für verdiente
Persönlichkeiten vorgesehen war, die
nicht unmittelbar am Krieg beteiligt
waren: 371 Ärzte, Wissenschaftler,
Staatsmänner, Beamte usw. erhielten
bis 1819 diese Auszeichnung

Die Verleihungsurkunde für Leutnant von Rode


stammt vom 31. März 1814. Einen Tag zuvor hatte
die Koalitionsarmee in der Schlacht bei Paris
Napoleons Truppen bezwungen

Militär & Geschichte 45


STRATEGIE & TAKTIK

DIE MAGINOT-LINIE

Frankreichs
unterschätztes
Bollwerk
Nach dem Zweiten Weltkrieg galt das Versagen
der Maginot-Linie als Hauptursache für die
militärische Niederlage Frankreichs im Jahr 1940.
Tatsächlich erfüllte sie aber ihre Funktion recht
gut, und sie zwang der Wehrmacht eine bestimmte
Marschrichtung auf – ganz wie geplant

46
Im Inneren einer Kasematte
bestücken Soldaten ein Geschütz
mit Granaten. Anfang 1940 war man
sich in Frankreich noch sicher, dass
der Feind hier „nicht durchkommen“
werde, wie das Magazin le Pelerin
titelte (Mitte).
Ganz links: zerschossene Geschütz-
stellungen eines Hauptwerkes nach
der Einnahme durch die Wehrmacht

W
ie steinerne Kolosse ragten
sie aus dem Boden heraus.
Manche bildeten nur kleine
Hügel in der Landschaft, andere riesi-
ge Plateaus, auf denen üppiger Rasen
wucherte. Sie reichten von der Nord-
see bis zum Mittelmeer und umfass-
ten unter anderem 365 Infanterieka-
sematten, 81 Großunterstände und
viele weitere Anlagen wie Kasernen
und ein strategisch optimiertes Stra-
ßennetz. Die Bunkeranlagen der Ma-
ginot-Linie sollten für die anrücken-
den Deutschen ein steinernes State-
ment sein: „On ne passe pas.“ – Hier gibt
es kein Durchkommen. Dieser Aus-
spruch prangte auch auf den Abzei-
chen der Festungstruppen. Doch ließ
sich so der Angriff einer hochmoder-
nen Armee aufhalten? Und warum
hatte Frankreich überhaupt die Mü-
hen für solch ein Mammutprojekt auf
sich genommen?
Der Erste Weltkrieg endete 1918
für das Land siegreich; doch 1,4 Millio-
Mit Flammenwerfern gehen nen Todesopfer, 3,5 Millionen Verwun-
Abb.: p-a/Süddeutsche Zeitung Photo, p-a/dpa, Interfoto/Mary Evans, p-a/United Archives

Wehrmachtsoldaten gegen einen dete sowie die zerstörten Landstriche


Bunker der Maginot-Linie vor. und Ortschaften waren ein hoher
Doch vor allem die großen Preis. Die Menschen sehnten sich
Artilleriewerke konnten einem nach Frieden. Die Kosten des Krieges
Angriff meist trotzen betrugen über 60 Milliarden Gold-
francs. Deutschland musste für den
Verlust aufkommen; so beschlossen
es die Siegermächte am 28. Juni 1919
im Vertrag von Versailles.
Im selben Jahr stellten sich die
Franzosen die Frage, wie sie ihr Land
in Zukunft verteidigen wollten. Das
militärische Oberkommando disku-
tierte hierbei über zwei grundver-
schiedene Konzepte. Marschall Ferdi-
nand Foch und der Ministerpräsident
Georges Clémenceau vertraten eine
Offensivstrategie: Im Konfliktfall soll-
ten französische Truppen in Deutsch-
land einmarschieren und das Rhein-
land besetzen. Die Marschälle Joffre
und Pétain setzten sich dagegen für
einen defensiven Plan ein: Bestimmte

47
ZUR PERSON
STRATEGIE & TAKTIK

André Maginot
André Maginot kam am 17. Februar nicht mehr an die Front zurück.
1877 in Paris zur Welt. Nach dem Stattdessen erhielt Maginot ab 1917
Militärdienst und einer Ausbildung diverse Ministerposten: So war er
bei der Verwaltung startete er seine von 1922 bis 1924 und von 1929 bis
politische Karriere und war von 1910 zu seinem Tod am 7. Januar 1932
bis 1932 Abgeordneter für die demo- Kriegsminister. Maginot warb
kratischen Linken im französischen vehement für die Errichtung einer
Unterhaus. Bei Beginn des Ersten Festungslinie gegen Deutschland
Weltkriegs trat er in die Armee ein und erstritt bei Regierung und
und wurde kurz darauf nahe Verdun Parlament das notwendige Geld,
verwundet. Für seinen Einsatz erhielt weshalb der Komplex später seinen
er die Militärmedaille, ging aber Namen trug.

Grenzregionen sollten abgeriegelt von 1927 bis 1935 und regelte die Ein- den Euro. Der Betrag mag hoch er-
werden, um einen möglichen Angrei- zelheiten an Ort und Stelle. scheinen, doch er liegt weit unter
fer zu zwingen, auf vorbestimmtem Ende 1929 legte André Maginot als dem, was es gekostet hätte, auch nur
Gelände zu kämpfen. nachfolgender Kriegsminister dann die Hälfte der französischen Streit-
Nach langen Debatten einigte man einen Gesetzentwurf zum Bau der Be- kräfte zu modernisieren (zirka fünf
sich auf die Errichtung von Festungs- festigung vor. Der Senat billigte ihn Milliarden Franc für 55 Divisionen).
zonen, die verschiedenen Zielen dien- mit 90 Prozent der Stimmen; das Ge- Für den Nordosten sahen die Pla-
ten. An der Grenze sollten permanent setz trat am 14. Januar 1930 in Kraft. ner zwei Festungsregionen vor: Metz
eigene Truppen bereitstehen, um ei- Für einen Zeitraum von fünf Jahren und Lauter (ein deutsch-französi-
nen Überraschungsangriff zu verei- bewilligte man 3,4 Milliarden Franc, scher Grenzfluss). Gegenüber Musso-
teln. Außerdem war vorgesehen, eine das wären heute ungefähr 2 Milliar- linis Italien waren Anlagen in den
Attacke dort für zwei bis drei Wochen
abzuwehren, um in der Zeit mobil ma-
chen zu können. Folgerichtig lautete
die offizielle Bezeichnung Fortification
de Couverture (Befestigung zur De-
ckung der Mobilmachung). Der Name
„Maginot-Linie“ setzte sich erst spä-
ter durch.
Hinzu kam, dass Festungen weni-
ger Personal benötigten; dies war von
Bedeutung angesichts der geringeren
Einwohnerzahl (39 Millionen Franzo-
sen gegenüber 60 Millionen Deut-
schen) und der seit 1914 in Frankreich
Abb.: ullstein bild – Roger Viollet, ullstein bild – United Archives, p-a/dpa, Grafik: Anneli Nau

stagnierenden Geburtenrate. Dazu


passt ein Zitat des späteren Kriegsmi-
nisters und Namensgebers André Ma-
ginot: „Eine Mauer aus Beton ist sinn-
voller als eine Mauer von Männern.“
Des Weiteren ließen sich durch den
Bau von Festungszonen auch das El-
sass und Lothringen in die Verteidi-
gung einbeziehen, sodass man später
eine Ausgangsbasis für eine Gegenof-
fensive besaß.

Gut organisiert – und teuer


In der Amtszeit des Kriegsministers
Paul Painlevé entstanden zwei Kom-
missionen. Das CDF (Comité de Dé-
fense des Frontières/Komitee zur
Grenzverteidigung) existierte von
1925 bis 1931, seine Aufgabe war es,
den gesamten Verlauf der Befesti-
gung festzulegen. Das CORF wieder-
um (Comité d’Organisation des Régi-
ons Fortifées/Komitee zur Organisa-
tion der Festungsregionen) bestand

48
Französische Soldaten verlassen eine
Untergrundbahn, die durch das
weitverzweigte Tunnelsystem führt

französische Seite darauf, dass der


Angriff über den kleinen Nachbar-
staat kommen werde – und das war
der Grande Nation gerade recht. Die
Verletzung der Neutralität Belgiens
hätte Frankreich nämlich legitimiert,
die modernsten Truppen in das nörd-
liche Nachbarland zu Hilfe zu schi-
cken. Die Frontlinie wäre somit ver-
kürzt und das feindliche Feuer bliebe
fern von den lebenswichtigen Rüs-
tungsindustrien. Außerdem hätte
England die Besetzung des nahen Ha-
fens von Antwerpen nicht hingenom-
men, sodass sich auch der Inselstaat
am Krieg hätte beteiligen müssen.
Bis 1940 schufteten Tausende Ar-
beiter für das Mammutprojekt und er-
richteten ein Defensivbauwerk, das
gleichermaßen ein Hindernis gegen
Aufbau eines Panzer und Infanterie darstellen soll-
Alpen und auf Korsika geplant. Eine umgehen konnten. Es mag heute Festungswerkes in te. Anders als von der Propaganda be-
neue Lage ergab sich, als 1935 das überraschen, aber dies war von den den 1930er-Jahren. hauptet, war jedoch keine durchge-
Saarland wieder Teil des deutschen französischen Strategen so vorgese- Bis 1940 wurden hende Befestigungslinie entstanden,
Staates wurde und Hitlers Wehr- hen und sogar erwünscht! Es gab Unmengen an sondern ein System aus isolierten
macht im folgenden Jahr in das bis nämlich zwei unterschiedliche Pha- Stahl und Beton Bauwerken. Sie standen jeweils etwa
dahin entmilitarisierte Rheinland ein- sen der Einbindung Belgiens in das verbaut zehn Kilometer hinter der Grenze, mit
rückte. Das veranlasste Frankreich französische Verteidigungskonzept: Schwerpunkten gegen Süddeutsch-
dazu, den Festungsbau auf das fran- 1920 vereinbarten die beiden Länder land und Norditalien.

Wie Perlen an einer Schnur


Die Linie reichte von der Nordsee bis zum
Die Panzersperren bestanden aus Ei-
Mittelmeer – doch sie hatte Schwachstellen. senbahnschienen, die man in vier
oder sechs Reihen senkrecht in den
zösische Saargebiet und den Brücken- zunächst, dass die Festungen des klei- Boden rammte und die in unregelmä-
kopf Maubeuge im Nordosten auszu- nen Königreichs die französischen ßiger Folge zwischen 60 und 130 Zen-
dehnen. Paris bewilligte zusätzliche Anlagen „verlängern“ und so auch timeter aus der Erde ragten. Gegen
1,5 Milliarden, doch die neuen Anla- den Norden Frankreichs schützen vorrückende Infanterie spannte man
gen stellten sich später im Vergleich sollten. 1936 erklärte Belgien jedoch dahinter einen sechs Meter breiten
zu den CORF-Werken als wesentlich seine Neutralität und beendete die Stacheldrahtverhau, verstärkt durch
schwächer heraus. Zusammenarbeit mit Paris. Panzerabwehrminen. Wie Perlen an
Damit standen die wichtigen In- einer Schnur lagen separate Bunker
Eine Fehlplanung? Von wegen! dustriezentren im Norden des Landes (Kasematten) im Abstand von jeweils
Mit der Verteidigung der Grenze im offen und der Weg zur Hauptstadt war einigen Hundert Metern. Wenn der
Norden hatte es eine besondere Be- dann auch nicht mehr weit. Da zu- Feind zwischen zwei Kasematten das
wandtnis. Einer der häufigsten Vor- dem ein direkter Angriff auf die Magi- Hindernis durchbrechen wollte, eröff-
würfe gegen die Maginot-Linie zielt not-Festungen oder ein Einfall über neten diese flankierendes Feuer aus
darauf ab, dass die Deutschen sie 1940 die Schweizer Flanke recht unwahr- Panzerabwehrkanonen und schwe-
beim Vorstoß über Belgien einfach scheinlich erschien, spekulierte die ren Zwillings-MGs.

Militär & Geschichte 49


ZAHLEN, DATEN, FAKTEN
STRATEGIE & TAKTIK

Maginot-Linie
Bauzeitraum: 1930–1940
Länge des Kernbereiches: über 400 km (Basel–deutsch-luxemburgische Grenze)
Tiefe: bis zu 25 km ins Landesinnere
Großunterstände: 81
Artilleriewerke: 108 (davon knapp die Hälfte an der italienischen Grenze)
Infanterie-Kasematten: 365
Gesamtkosten: zirka 3,5 Mrd. Euro
Abb.: picture-alliance/akg

50
Festung unter der Erde: So stellten sich zeitgenössische Journalisten, die wegen der
Geheimhaltung keine exakten Informationen hatten, die großen Artilleriewerke vor.
Auch wenn hier viel Fantasie im Spiel ist – auch die echten Anlagen verfügten über
Geschütztürme, Periskope, Aufzüge, Munitionskammern, Tunnel, Kraftwerke und
vieles mehr und waren daher ähnlich komplex wie hier dargestellt

Militär & Geschichte 51


STRATEGIE & TAKTIK

An einem MG-Turm demonstrierte


dieser deutscher Soldat später, wie
die Kuppeln mit Flammenwerfer und
Handgranaten zu knacken waren

Dort, wo das Gelände einen Ein-


marsch begünstigte, verstärkte man
die Linie der Kasematten alle fünf bis
acht Kilometer durch Artilleriewerke
(Ouvrages), die mit bis zu 600 Soldaten
bemannt waren. Jedes Werk bestand
aus einer Gruppe von Kampfbunkern,
verteilt auf einem Gelände von etwa
Abb.: ullstein bild – ullstein bild, ullstein bild – United Archives, p-a/Süddeutsche Zeitung Photo, ullstein bild – Chromorange/AGF Creative

ein bis zwei Hektar, und einem oder


zwei Eingangsbunkern einen Kilome-
ter weiter im Hinterland. Ein Teil der
Kampfbunker war mit Artillerie in
versenkbaren Panzertürmen ausge-
stattet. Sie sollten den Feind schon
beim Grenzübergang beschießen. Bei
den übrigen Kampfbunkern handelte
es sich um Infanteriebunker mit der
gleichen Funktion wie Kasematten.

Eine Stadt unter Tage


Alle Bunker waren durch unterirdi-
sche Gänge miteinander verbunden,
ein etwa ein bis zwei Kilometer langer
Korridor führte zu den Eingangsbun-
kern. Kasernen, Küchen, Lazarette
und Kraftwerke lagen ebenfalls unter Artilleriestände
der Erde. Im Frieden stationierte man auf freiem Feld, zug begann. Dabei verletzte er wie an- gen dieses hypothetische Szenario
die Truppen in oberirdischen Kaser- aufgedeckt durch genommen die Neutralität Belgiens durchgespielt. Als die deutschen Pan-
nen, im Krieg rückten sie in die Fes- deutsche Flieger- und die französischen Verbände mar- zerdivisionen dann tatsächlich über
tungen ein. Die Architektur fußt auf bomben. Über schierten plangemäß in das nördli- die schwach verteidigten Ardennen
den Erfahrungen des Ersten Welt- weite Strecken che Nachbarland. Als sie dort zusam- vorstießen und Sedan angriffen, wa-
kriegs; die Planer wollten es erschwe- war die Maginot- men mit der belgischen Armee und ren die Franzosen also weniger von
ren, die gesamte Festung einzukrei- Linie nur mit dem britischen Expeditionskorps auf dem Ort überrascht als vielmehr von
sen. Jeder Bunker, ob Kasematte oder solchen (oder die Wehrmacht trafen, schien sich der Geschwindigkeit und hervorra-
Teil eines Werks, besaß außerdem schwächeren) zu bewahrheiten, dass der deutsche genden Zusammenarbeit der Wehr-
eine Nahverteidigung, sodass sich die Anlagen bestückt Hauptangriff über Belgien stattfand. machttruppen.
Besatzung gegen einen direkten An- Tatsächlich konnten sich die Alliier- Nachdem die Deutschen Sedan
griff wehren konnte. Reine Infanterie- ten dort auch tapfer schlagen. überwunden hatten, konnten sie die
werke, betonierte Truppenunterkünf- schweren Artilleriewerke der Magi-
te, Verbindungsstraßen, Schmalspur- Deutscher „Sichelschnitt“ not-Linie nördlich umgehen und ih-
bahnen und ein festungseigenes Sogar auf einen Durchbruch der Deut- ren „Sichelschnitt“ fortsetzen, indem
Telefonnetz ergänzten das System. schen an der Maasfront war man vor- sie die belgischen, britischen und
Die Bewährungsprobe kam im Mai bereitet, denn schon 1935, 1937 und französischen Kräfte im Norden von
1940, als Hitler seinen Frankreichfeld- 1938 hatte man in Generalstabsübun- der französischen Hauptmacht im Sü-

52
HINTERGRUND

Die Maginot-Linie heute


Mehr als 20 Unterstände, Kasematten und kleine Werke
sowie rund 15 große Werke blieben erhalten und werden zum
Teil renoviert. Ein paar Anlagen sind für Besucher zugänglich,
einige bieten auch kleine Ausstellungen.
Die wichtigsten:
- Ouvrage Hackenberg bei Veckring/Département Moselle Die Festung Fermont
- Ouvrage Simserhof bei Bitche/Département Moselle in Lothringen blieb
- Fort de Schoenenbourg bei Haguenau/Département Bas-Rhin authentisch erhalten und
- Four à Chaux bei Lembach/Département Bas-Rhin kann besichtigt werden
- La Ferté bei La Ferté-sur-Chiers/Département Ardennes
Da sich die Öffnungszeiten über die Monate ändern, sollte man sie
der offiziellen Webseite der jeweiligen Einrichtung entnehmen.

Klaffende Löcher weist


diese Kuppel auf. Offenbar
haben ihr deutsche Hohl-
ladungen und der Beschuss
durch „Acht-Acht“-Flak den
Garaus gemacht

den abtrennten und bei Dünkirchen Abschließend bleibt festzuhalten,


einkesselten (siehe Titelgeschichte in dass die Maginot-Linie entgegen ih-
diesem Heft). rem Ruf viele ihrer Aufgaben erfüllte:
Erst nach dem Kriegseintritt Ita- Sie schützte Elsass-Lothringen und
liens (10. Juni) und Guderians Vorstoß seine Industrie, verhinderte dort ei-
bis zur Schweizer Grenze bei Pontar- nen Überraschungsangriff der Deut-
lier (17. Juni) entschloss sich Hitler, schen und verschaffte der französi-
die Maginot-Linie direkt anzugreifen. schen Mobilmachung mehr Zeit. Au-
Deutsche Truppen nahmen einige In- ßerdem sparte sie Kräfte ein, die man

Die Großwerke waren nicht zu bezwingen,


aber man konnte sie großräumig umgehen.
fanteriewerke ein und schufen den nun in Belgien einsetzen konnte –
Rheinübergang. Die Großwerke aus- nachdem Hitler wie vorgesehen die
zuschalten, gelang ihnen jedoch trotz Neutralität des kleinen Landes ver-
Einsatz der schwersten Waffen nicht. letzt hatte. Dass sich England dadurch
Man schätzt, dass 22.000 Festungs- umso mehr verpflichtet sah, an der Sei-
soldaten in Elsass-Lothringen 240.000 te Frankreichs gegen Hitler-Deutsch-
deutsche Soldaten banden; in den land zu kämpfen, ist vielleicht das
Alpen hielten 85.000 Gebirgssoldaten größte Verdienst, das man der Magi-
in ihren Anlagen 600.000 Italiener auf. not-Linie zuschreiben kann.
Hinter der Linie rückten die Deut-
schen aber weiter Richtung Westen Karl Hans Stöß ist seit 32 Jahren im
vor und nahmen bald Paris ein. Am Verein „Association des Amis de la Ligne
25. Juni 1940 trat der Waffenstillstand Maginot d’Alsace“ aktiv und begleitet
ein, fünf Tage später räumten die Fes- als Führer in Deutsch und Französisch
tungstruppen auf Befehl des französi- Besucher auf Exkursionen zu den Über-
resten der Maginot-Linie.
schen Oberkommandos ihre Bunker.

Militär & Geschichte


€ 8,10
€ 6,50 SK, I: € 7,45 FIN:
Kostproben aus dem Heft: Panzeroffensive von

Clausewitz
€ 5,50 A: € 6,30 CH: sFr 11,00 BeNeLux:
2/2017 März | April

Das Magazin für Militärge


schichte Cambrai, Abwehrkämpfe am Dnjepr 1943, Schlacht
bei Preußisch Eylau 1807

1917
Titelgeschichte | Cambrai

riedstellung“
Panzerangriff auf die „Siegf

Paukenschlag der
Panzerwagen
Geballte Ladung
bei Cambrai am
Fontaine-Notre-Dame
23. November 1917. Im Fünf-Stundenki-
Mark
lometer-Tempo fährt ein britischer
IV in eine ungewohnte Gefechtssituation

Radpanzers
Bewe-
hinein: Ortskampf mit begrenzten
Stur-
gungsmöglichkeiten. Zwei deutsche
minfanteristen greifen den gegnerischen
an.
Tank mit gebündelten Handgranaten

20. November 1917: sind


Stielhandgranaten 17 in einen
Leinen-
Die deutschen Soldaten in den Schüt-
sack gesteckt, sind die erste „geballte

Die Augen de
Ladung“ gegen Tanks. Ein Stielende geschockt. Was walzt da Unheim-
zengräben bei Cambrai Be-
lugt aus dem mit Draht zuge-
Tanks! Die Stahlkolosse sollen
liches auf sie zu? Britische Von Holger Hase

„Blitzkriegs“
bringen
wegung in die erstarrte Front

Minensucher
Die Arbeitstiere
der Kriegsmarine
5 KURZE FAKTEN
ZEIT: 20. November bis 8.
Dezember 1917
Tod im Tank Revolution auf Ketten

Cambrai 1917
) S. 28
(einschließlich deutscher Gegenoffensive S. 24
Nord (Frankreich)
ORT: Cambrai/Département Wie der anfangs unter-
So erlebten die Panzersolda-

So stoppten die Deutschen den


KONTINENT: Europa schätze Tank die Krieg-
ten und Grabenkämpfer die
GEGNER: Großbritannien (Alliierte)/ führung revolutionierte.
Deutsches Reich Schlacht von Cambrai.
auf die
EREIGNIS: Britischer Tankangriff
„Siegfriedlinie“
11

großen Tankangriff
Clausewitz 2/2017

10

Ostfront 1943
Wie die Wehrmacht
um den Dnjepr focht

SPURE NSUCH E

NEU AM KIOSK
Preußisch-Eylau
So trotzte Preußen

Schlachten der Weltgeschi


den Franzosen

chte | Dnjepr 1943


Ein Wehrm
Atlantikwall dient als Museum
achtsbunker

Von Cambrai zur


Wolfsschanze
Ostfront
ie Lage am Südabschnitt der

Schwere Abwehrkämpfe
der Wehrmacht D ist für die Wehrmacht Anfang
tember 1943 äußerst angespannt.
Rote Armee konnte im Gegensatz
Sep-
Die
zu den
der voran- ZUM GEGENSTOSS BEREIT: Sturmge-
deutschen Truppen ihre Verluste schütze auf dem Weg an die Dnjepr-Front.
ausgleichen,
gegangenen Schlacht um Kursk An einzelnen Abschnitten kann die ge-
und bereitet sich
sich sogar weiter verstärken vor. schwächte Wehrmacht die übermächtige
nun ihrerseits auf eine Großoffensive Ent- Rote Armee wiederholt zurückschlagen
man diese
Auf deutscher Seite verfolgt Foto: picture-alliance/Süddeutsche Zeitung Photo
wicklung mit großer Sorge. Süd
Vor allem der Chef der Heeresgruppe die Entwicklung der Lage
(HGr. Süd), Generalfeldma
rschall Erich von Brief an wortlichkeit für
So kritisiert Manstein in einem sondern um zu er-
der Kursker Offensive steht Manstein, mahnt immer
wieder mit ein-
„Defensivkonz ept“ in aller im Osten zu konstruieren, das
Herbst 1943: Nach dem Scheitern ver- dringlichen Worten vor einem
totalen Kol- Hitler dessen
die Kräftezuführun- reichen,
dass wenigstens in Zukunft
Zusammenbruch. Am Dnjepr Osten. Dabei Deutlichkeit: „Wären Notwendige rechtzeitig geschieht.“
die deutsche Ostfront vor dem
Front im hat, vo-
laps der deutschen Lage doch erzwungen
n Tönen im di- gen, die die
tragfähige Verteidigung aufzubaue schreckt er auch vor kritischen rausschauend rechtzeitig erfolgt
(...), so wäre
handelt eigenmächtig
sucht die Wehrmacht, eine Von Tammo Luther rekten Gespräch mit dem „Führer“ nicht zu-
Stratege Manstein die jetzige
Krise, die die Gesamtentsche
i- Manstein
Manstein geht jedoch noch
einen Schritt wei-
Kampf damit des Krieges brin-

In der neuen Clausewitz und im Militär & Geschichte


ein heftiger rück. Der hoch dekorierte Osten und 1943 gegen-
– es entbrennt Rück- dung im
fordert wiederholt einen planmäßigen die gen kann, vermieden worden. Ich stelle das
ter, indem er am 14. September
Oberkommando des Heeres
zug, um zu verhindern, dass
der Feind eine Verant- über dem
nicht etwa fest, um nachträglich
wichtigen Großverbände abschnürt.

Extra 3 haben deutsche Soldaten mächtige Gegner im


Visier: britische „Tanks“ – und den eigenen „Führer“

Clausewitz 2/2017 M&G Extra „Stauffenberg“


5 KURZE FAKTEN
ZEIT: September bis Dezember
1943
IN DER OFFENSIVE: Die Rote
stürmt nach dem deutschen
Armee
Misserfolg
bei Kursk (Unternehmen „Zitadelle“)
aufhaltsam Richtung Westen.
Am Dnjepr
Kämpfen mit
un- Westfront 1917: Stahlkolosse auf Die Öffentlichkeit kennt ihn vor
(Sowjetunion) kommt es zu verlustreichen
ORT: Raum entlang des Dnjepr/Ukraine

Ketten durchbrechen die allem als Attentäter: Claus Schenk


ages
der Wehrmacht Foto: picture-allaince/akg-im
KONTINENT: Europa
nion
GEGNER: Deutsches Reich/Sowjetu
der Wehrmacht
EREIGNIS: Rückzugskampf
33

32
Clausewitz 2/2017
deutschen Linien bei Cambrai in Graf von Stauffenberg. Er versuchte
Schlachten der Weltgesch
ichte
Nordfrankreich. Die britischen Hitler zu töten und die Ehre des
Preußisch-Eylau „Tanks“ bringen Bewegung in die deutschen Militärs zu retten. Doch
Blutige Schlacht erstarrte Front. Wie reagieren die wer war eigentlich der Mann,
überraschten Deutschen auf die der diesen gefährlichen Auftrag
uren gegen eine russisch-
kämpft bei eisigen Temperat
Februar 1807: Napoleons Armee
preußische Streitmacht. Für
entschiedene Ausgang der
den siegesgewohnten „Kriegsgo
Winterschlacht wie ein Schlag
tt“ aus Frankreich ist der un-
ins Gesicht
Alexander Querengässer Von
neuartige Waffe der Alliierten? auf sich nahm? Im neuen Militär &
Abb.: picture alliance/akg-images

s ist die eiskalte Logik der Macht:


Nach Bis zum Jahreswechsel 1806/07
hat Kaiser
Soldaten un-
völligen Bruch mit der bei
sen Lineartaktik darstellen.
Jena so erfolglo-
Die Preußen sol-
In unserer Titelgeschichte der Geschichte Extra 3 erfahren Sie, wie
E Napoleon im Baltikum 190.000 und Ko-
seinen überwältigenden Siegen
über len nun im Gefecht Schützenlinien
im Angriff
die Preußen bei Jena und Auerstedt
ist ter Waffen. lonnen bilden und den Feind
umgehen versu-
möglichst in der Flanke zu

aktuellen Ausgabe von Clausewitz seine Offizierkarriere verlief,


Russland als
sich Napoleon bewusst, dass
bald in den Königliche Kriegsreform chen. Bezüglich des Aufmarsches
zur Schlacht
letzte kontinentale Großmacht russischen Trup-
würde. Inzwischen sind auch die schreibt der König: „Nur der
Schnellste ist der
Krieg gegen ihn eintreten General Ben- Gedanken für
1806 beginnt pen in Ostpreußen eingerückt. Beste“. So revolutionär diese : Bei Eylau stehen sich
Bereits Anfang November über acht Di- KAMPF IN OSTPREUSSEN
Reserven nach nigsen verfügt jedoch lediglich das preußische Militärwesen dieser Tage und 9.000 Preußen
Napoleon deshalb, weitere bei Austerlitz 67.000 Russen (unter Bennigsen) etwa 75.000
visionen, von denen vier 1805

erfahren Sie alles Wissenswerte welche Ideale ihn antrieben und


ranghöchs-
die französi- auch scheinen mögen, die beiden (unter L’Estocq) auf der einen
sowie
Preußen zu verlegen. Bevor gekämpft und noch immer
nicht ihre alte Ge- Anton Wilhelm der Rest unter Ney
Ostpreußen ten Generale in Ostpreußen, Franzosen (45.000 unter Napoleon,gegenüber. Ein er-
schen Soldaten weiter nach fechtsstärke erreicht haben.
Die preußischen Adolf von Kalk- Seite
lässt er ge- von L’Estocq und Friedrich und Davout) auf der anderen
und Polen vordringen können, Truppen zählen nur noch
20.000 Mann. Für Männer, diese so- Abb.: picture alliance/Heritage Images
um seine Regi- Wilhelm III. neue reuth, sind aber nicht die bittertes Ringen beginnt
waltige Magazine errichten, diese hat König Friedrich
arbeitet der fort umzusetzen.
menter zu versorgen. Fieberhaft Gefechtsinstruktionen erlassen,
die einen Rückzug zwingen,

über den „Paukenschlag der wie der militärische Widerstand


kann den Gegner zwar zum
Kaiser daran, seine Armee
zu verstärken. HAARSCHARF: Napoleon – ein glorreicher
eine Verfolgung zu erschöpft
doch die Franzosen sind für Eylau
aus. Die Schlacht bei Preußisch
Sieg à la Austerlitz sieht anders
Unentschieden gewertet werden
darf als ein blutig errungenes Abb.: picture alliance/akg

Panzerwagen“, den ersten großen organisiert war – der am 20. Juli


Tankangriff der Geschichte. 1944 alles auf eine Karte setzte.
Lesen Sie weitere spannende Minutiös werden das Attentat in
Beiträge zu den Themen: Drama der Wolfsschanze und das an-
Clausewitz 2/2017
59

am Dnjepr – schwere Kämpfe an schließende „Unternehmen Wal-


der Ostfront 1943; Minensuch- küre“ nachgezeichnet. Welchen
58

boote der Kriegsmarine – ihre Plan verfolgte der Verschwörer-


hochexplosiven Aufträge; Schlacht kreis und wie sollte es mit
Clausewitz 2/2017 bei Preußisch Eylau 1807 – blutige Deutschland weitergehen, falls
80 Seiten, ca. 120 Abbildungen Schlacht im Schneesturm; Rad- der Anschlag geglückt wäre? Die
Preis: 5,50 Euro panzer der Wehrmacht u. v. m. Antwort finden Sie im Militär &
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54
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unermüdlich fleißig,
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Über Durchschnitt.
Beurteilung von Stauffenberg am Ende des Lehrgangs
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SCHRI EBEN
MÄNN ER, DIE GESCH ICHTE

fer nberg
udfde
Staun
militärische
Widerstand den Wurf gewagt hat. Alles
andere ist dane-

Hitlers Rache
beim militäri- hatte sich al-
auf einen Verbindungsoffizier ben gleichgültig.“ Stauffenberg
ls am 20. Juli 1944 der Anschlag , Henning von

A
schen Kopf der Verschwörung des Zusam-

Der 20. Juli 1944


Verteidigung Hitler scheiterte, musste
jedem eini- lerdings über die Zeiträume

: Die Abwehr aus einer tiefgestaffelten ob es überhaupt die Lage der Hit-

Hinrichtungen und Sippenhaft


Tresckow, anfragen lassen,

Gewissensfrage
Sowjetoffensive germaßen informierten
Beobach- dem Attentats- menbruchs getäuscht und
sollte die am 22. Juni 1944 begonnene stark und die mit noch einen Sinn habe, an lergegner zu optimistisch
bewertet. Bis zum
waren zu ter klar sein, dass Deutschland praktischen

Wer kämpfte für das


stoppen, doch die Gegenkräfte Italien plan festzuhalten, da er keinen endgültigen Ende des Führerstaates
sollten

So schlug der Diktator zurück


ihm verbündeten Achsenmächte Zweck mehr erkennen ließe. Die Phase der

Wie Stauffenberg
mehr gewin- noch zehn Monate vergehen.
und Japan diesen Krieg nicht Attentat muss
KRIEGSLAGE 1944

Landung der Tresckow erwiderte: „Das Agonie dauerte länger als


erwartet.

NS-Regime, wer dagegen?


Mehr noch: Die Sollte es nicht ge-
nen konnten. erfolgen, coûte que coûte. sich das mili-
und der Zusam- in Berlin gehan- Für Deutschland zeichnete

zum Rebellen wurde


Alliierten in der Normandie lingen, so muss trotzdem Niederlage der
tärische Desaster mit der
1.000 GRÜNDE, menbruch der Heeresgruppe
ten (Juni bis August 1944)
Mitte im Os-
hatten nunmehr delt werden. Denn es kommt
auf den praktischen Zweck
nicht mehr
an, sondern da- Wehrmacht bei Stalingrad
Anfang Februar
wich die bis da-
HITLER ZU TÖTEN Die mili- 1943 ab. In der Bevölkerung

Triumph des Bösen


die Phase des Zerfalls eingeleitet. rauf, dass die deutsche Widerstandsbe
we-
bohrenden
der Invasion hin vorherrschende Zuversicht
tärische Situation kurz nach gung vor der Welt und vor
der Geschichte Ausgang des
vor Augen, hatte Zweifeln, ob ein günstiger
der Alliierten in Frankreich unter Einsatz des Lebens
den entscheiden-
über
Claus Schenk Graf von Stauffenberg
MILITÄR 1933 BIS 1938

Der Anfang vom Ende


entwickelte sich
EIN SCHRITT VOR, ZWEI h des Zweiten Weltkrieges
Eine zum Zerreißen

Erst im letzten Jahr vor Ausbructragfähige Militäropposition gegen Hitler. gespannte Lage

SCHRITTE ZURÜCK eine zwar überschaubare,


aber
hinter dem NS-Regime
entstand auch an
der Italienfront,
Wehrmacht stand jedoch
Der überwiegende Teil der
nachdem die
Japan
Für Deutschland, Italien und
Alliierten am
und
des Reichspräsidenten 22. Januar 1944 im
sich an die Worte Fürsprache che Lage
ie Spitzenmilitärs der Reichswehr
zweifelten, indem man
Jahre 1930 erinnerte: „Wir
ehemaligen kaiserlichen
Generalfeldmar-
verschlechterte sich die militäris Raum Anzio und

D die Ereig- Hitlers aus dem schienen die 1944 Nettuno gelandet
Admiral Wilhelm Canaris
(1887–1945) verfügte als Chef
des
begrüßten größtenteils
nisse des 30. Januar 1933,
dem Tag werden dann
allerdings, wenn wir die
ver- schalls Paul von Hindenburg
Zweifel in der Reichswehr
gezähmt. von Januar 1943 bis Sommer waren
gen Rechte besitzen, den Auslöser
dramatisch. Sie war letztlich
dass das po-
Amtes Ausland/Abwehr im die National- fassungsmäßi Allerdings hoffte man auch,
der Machtübernahme durch die Form gießen, die wir als
die rich- nzip“ gegen-
hierin Chancen, Staat in
für die Verschwörer zu handeln
Oberkommando der Wehrmacht litisch erdachte „Zähmungspri
sozialisten. Sie erkannten tige ansehen.“ und seiner Partei ebenso gelin-
und Hitler
über Kontakte zum militärischen die Reichswehr zügig
aufzurüsten über
die Weimarer
Widerstand, wurde am 23. Juli
1944 zu neuer Stärke gen würde. Tatsächlich war
dem Deutschen Reich so Hitler als Chance? und das Mi-
verhaftet und am 9. April 1945 in Verfassung bereits ausgehöhlt
zu verhelfen. V Stuttgart waren bereits zu neuer Größe abge-
im KZ Flossenbürg gehängt dass auf Im Wehrkreis ah- litär mit der Zusage
Man erwartete darüber hinaus, Jahren 1930 bis 1933 Vorsichtsmaßn gerade das älte-
von Versailles“ be- den funden worden, auch wenn
diese Weise die „Fesseln Fall getroffen worden, NSDAP- aufgrund von
Gruppen men für den re Offizierskorps der NSDAP
seitigt und jene pazifistischen festzusetzen, sobald die des revolutionären Charak-
die einem nahe Offiziere die Staats- Herkunft und
aus dem Weg geräumt würden, Nationalsozialisten gewaltsam gegen-
des Militärs entgegen- der legal ters der Funktionäre reservierter
sozialen Aufstieg sich reißen würden. Mit Offiziere.
kritische Stim- macht an der überstand als die jüngeren
standen. Es waren aber auch Machtübernahme und
an der NSDAP anmutenden
men zu vernehmen, die
so wollte
Volk und Vaterland verpflichtet,
es Reichspräsident Paul von Hindenburg
später galt
am 25. Mai 1934, wenige Wochen
„Führers“
der Eid nur noch der Person des

Die Invasion am
6. Juni 1944 in der
Normandie eröffnete
die von der
Sowjetunion lang
Archive, p-a/SZ Photo (2)

ersehnte zweite
Front; die militärische
Niederlage des
Deutschen Reiches
war nur noch eine
Frage der Zeit
HINTERGRUND
p-a/PictureLux/The Hollywood

Eidestext vom
2. August 1934
heiligen
„Ich schwöre bei Gott diesen 53
Eid, dass ich dem Führer des Deutschen
Reiches und Volkes, Adolf Hitler,
GSW, p-a/dpa

Militär & Geschichte


dem Oberbefehlshaber der
Wehrmacht, unbedingten Gehorsam
leisten und als tapferer Soldat Eid 52
bereit sein will, jederzeit für diesen
Abb.: p-a/SZ Photo , Sammlung

mein Leben einzusetzen.“

33
Der Attentäter mit
Stauffenberg und
Haeften verlassen den
Sperrkreis, die Heftigkeit
der Detonation lässt bei
Der Widerstand
Militär & Geschichte ihnen keine Zweifel, dass
der Bombe: Szene aus der Anschlag geglückt ist.

im „Dritten Reich“
DER 20. JULI 1944

dem 1955 produzierten Szene aus dem ebenfalls


32 Film „Es geschah am 1955 gedrehten Film
20. Juli“ mit Bernhard „Der 20. Juli“ mit

AUF LEBEN UND TOD


Wicki als Stauffenberg Wolfgang Preiss in der

e
Rolle Stauffenbergs

wird von allen


Stauffenbergs Stund Seiten beleuchtet;
Bombe,
rtier Wolfsschanze“ die
te im „Führerhauptqua Warum gelang
Um 12:42 Uhr detonier nur leichte Verletzungen. Der Augenblick der
Doch der Diktator erlitt beizulegen?
Fotos, Grafiken
Militär & Geschichte Extra 3
Entscheidung zeigt die
die Hitler töten sollte. zumindest der ersten dem Vorwand, sich
scharf zu machen oder ner von Haeften, unter Positionen der anwesenden
es nicht, die zweite Ladung ür den „Führer“? Gegen
den „Führer“?
wegen der Hitze für
die Lagebesprechung Personen in der Lagebaracke.

F Ist er tot – ist er es nicht?


zeichnet die Situation
Ein Wort kenn-
nach dem An-
bei Hitler frischmache
Hemd zu wechseln, in
n zu wollen und das
den Schlafraum von
Wilhelm Keitels Ad-
Grafik: Anneli Nau

schlag am 20. Juli 1944


der Annahme, Hitler
der Kopf des fehlgeschlag
Oberst Claus Graf Schenk
am besten: Chaos! In
getötet zu haben, flog
enen Attentats,
von Stauffenberg,
zu veran-
Generalfeldmarschall
jutant. Diesen Augenblick
wollte der Oberst nutzen,
dung scharf zu machen.
des Alleinseins
um die Sprengla-

Kriegsver-
und Originaldoku-
nach Berlin, um dort
alles Weitere Da ihm infolge einer schweren und an

80 Seiten, ca. 100 Abbildungen aufgeben, als sich

mente führen vor


rechte Hand
lassen. Doch er musste letzung ein Auge, die
dass der Diktator Finger fehlten, war es
die Nachricht verbreitete, der linken Hand zwei e
kleinen Spezialzang
überlebt hatte. ihm nur mit einer
ernsthaft erwo- für die Sprengla-
Bis Juni 1944 war nicht möglich, den Zeitzünder
, der für die gelang Stauffenberg
gen worden, dass Stauffenberg dung zu aktivieren. Es
beim Wechseln des

Preis: 7,90 Euro Augen, was die


s vorgesehen war, und Haeften, der ihm
Leitung des Staatsstreich
ausführen sollte. nur bei einer der bei-
das Attentat auf Hitler Hemdes half, allerdings
beides in einer Ein-Kilo-Sprengladun-
Man hielt es für unmöglich, den vorgesehenen dienende
Nachdem die bisheri- gen die zur Auslösen der Zündung
Hand zu vereinigen.
waren und ei-
gen Versuche aber gescheitert Säurekapsel zu zerdrücken.
nicht Haeften unter

ISBN: 978-3-86245-486-0 Verschwörer zum


Person nicht ge- Es fragt sich, warum
ne neue, hierfür geeignete
entschloss sich schwierige Aufgabe
wonnen werden konnte, diesen Umständen die
Bedenken, das At- übernommen hat, er
Stauffenberg trotz dieser des Scharfmachens
en. Lage gewesen. Wollte
tentat selbst durchzuführ wäre dazu eher in der
beim Befehlshaber in dieser Phase aus Ei-
Als Chef des Stabes Oberst Stauffenberg

GeraMond Verlag GmbH Handeln bewegte


rst Friedrich Hand geben?
des Ersatzheeres (Generalobe telkeit nichts aus der
für Stauffenberg
Fromm) bot sich erstmals
hungen im Sofortiger Alarm
die Gelegenheit, an Lagebesprec
teilzunehmen. Da- en der ersten Ladung
„Führerhauptquartier“ Nach dem Scharfmach
zu Hitler, und die ent- in Stauffenbergs Ak-
mit hatte er Zugang und deren Verstauen
von einem Oberfeld-

Bezug: www.verlagshaus24.de
ng für ein Attentat tentasche wurden sie
scheidende Voraussetzu
h, p-a/IMAGNO, p-a/dpa

zur Lagebesprechung
war gegeben. webel gestört, der sie
Sprengladung in
rief. So verblieb die zweite
Jetzt gilt es! der Aktentasche des
Adjutanten.
zung kam für ihn den 400 Meter ent-
Wegen seiner Kriegsverlet Nachdem der Oberst
Sprengstoff in Frage. einer Baracke betreten
nur ein Anschlag mit fernten Lageraum in
musste er zwei Ver- Besprechung bereits lief, stell-
Am 11. und 15. Juli 1944 hatte, wo die
am 20. Juli 1944, ergab in Hitlers Nähe ab
Abb.: p-a/akg-images, Interfoto/Friedric

suche abbrechen, erst te er seine Aktentasche


An diesem später den Raum, weil er
sich dann eine neue Möglichkeit. und verließ wenig
war der Oberst zu müssen. Um 12:42
sehr heißen Sommertag vorgab telefonieren
„Führerhauptquartier Mehrere Teilneh-
zum Vortrag ins Uhr detonierte die Bombe.
Rastenburg in Ost- g wurden tödlich ver-
Wolfsschanze“ nach mer der Besprechun
- Nach seiner Ankunft sofort einsetzenden
am 15. Juli 1944 im „Führerhaupt preußen befohlen. wundet. Trotz der
Oberst i. G. Graf Stauffenberg Befehlshaber des Besprechungen. Alarm-Maßnahmen
gelang es Stauffenberg
Als Chef des Stabes beim führte er zunächst einige
quartier Wolfsschanze“. sich Stauffen- das „Führerhaupt- 59
zu Hitler Kurz vor 12:30 Uhr begaben mit seinem Adjutanten
Ersatzheeres hatte er Zugang Oberleutnant Wer-
berg und sein Adjutant,
Militär & Geschichte

58

Militär & Geschichte 55


VERBÄNDE & EINHEITEN

„SCHATTENARMEEN“ DER NATO

Geheime Krieger
Bis 1991 unterhielt die Nato in allen
westeuropäischen Staaten geheime
Kommandos, die im Fall einer Besetzung
durch Feinde aus dem Osten aktiv
werden sollten. Was genau war ihr
Auftrag – und wurden sie nach
der „Wende“ tatsächlich aufgelöst?
Abb.: Interfoto/FLPA/David T. Grewcock

Aus dem Hinterhalt sollten die


„Schattenkrieger“ gegen Angreifer
aus dem Osten zuschlagen. Weil
es hierzu natürlich keine Fotos gibt,
haben wir für dieses Motiv eine
Szene verfremdet

56
Z
ivilisten, die auf Übungsplät- In der unmittelbaren Nachkriegs- macht und der Waffen-SS. Bezahlt
zen der Bundeswehr mit zeit hingegen wurde alles getan, de- würde der TD von den USA. Innenpo-
Sprengstoff hantierten und ren Existenz zu vertuschen. Denn litisch seien die Ziele der Organisati-
nachts heimlich koffergroße Blech- 1952 offenbarte sich der Insider Hans on gegen KPD und SPD gerichtet.
container im Wald vergruben.Wande- Otto, der drauf und dran war, die ge-
rer, die mit Karten und Kompass ent- samte Organisation auffliegen zu las- Killerliste mit SPD-Namen
lang der innerdeutschen Grenze die sen: Der frühere SS-Hauptsturmfüh- Vor allem letztere Aussage erregte die
Lage beobachteten und Richtung DDR rer gab zu Protokoll, „einer politischen politischen Gemüter, da sie zu einer
horchten. Sie alle wollten unerkannt Widerstandsbewegung anzugehören, sogenannten Todesliste führte, auf
bleiben. Niemand durfte wissen, dass die es sich zur Aufgabe gestellt habe, der die Namen führender Sozialde-
sie einer „Stay-behind“-Truppe ange- im Falle eines russischen Vormar- mokraten standen, darunter Erich
hörten, einer Art Partisanenarmee, sches Brücken zu sprengen und Sabo- Ollenhauer, der damalige SPD-Partei-
die auf den Einmarsch des Warschau- tage-Akte durchzuführen.“ Die Orga- vorsitzende. Im Fall eines sowjeti-
er Paktes wartete. Offiziell gab es sol- nisation nenne sich Technischer schen Angriffs sollten diese Personen
che Formationen gar nicht. Dabei hat- Dienst (TD) und sei Bestandteil des vom TD liquidiert werden. Um es kurz
zu machen: Auf Druck des amerikani-
Nach 1945 formten ehemalige deutsche schen Hochkommissars wurden
sämtliche Nachforschungen deut-
Offiziere eine erste Stay-behind-Truppe. scher Behörden binnen weniger Wo-
chen eingestellt. Der Skandal verlief
te der „Aufbau der Stay-behind-Orga- Bundes Deutscher Jugend (BDJ), einer im Sande und das Thema „Stay-
nisationen der Nato-Staaten (...) be- damals schon als rechtsextrem be- behind-Organisationen“ (SBO) ver-
reits kurz nach Ende des Zweiten kannten Gruppe. Etwa hundert Perso- schwand aus der Öffentlichkeit.
Weltkriegs“ begonnen, wie im Jahr nen würden in der Bedienung von Erst aufgrund des Stavenhagen-
1990 der Staatsminister im Bundes- amerikanischen, russischen und Berichts wissen wir, wie sich die deut-
kanzleramt Lutz Stavenhagen erklär- deutschen Waffen und in der Anwen- sche SBO weiterentwickelte. Dort
te. Es war das erste Mal, dass eine dung militärischer Taktik unterwie- heißt es: „Die Elemente der von alliier-
deutsche Regierung die Existenz ei- sen. Die Mitglieder seien zum großen ten Diensten auf deutschem Territori-
ner Schattenarmee zugab. Teil ehemalige Offiziere der Wehr- um bis 1955 aufgebauten Organisa-

HINTERGRUND

Was ist Stay behind?


Hinter Stay behind (engl. für „zu- ben riefen: den „Werwolf“, der aller-
rückbleiben“) steckt die Idee, im Fall dings (von einigen Morden abgese-
einer feindlichen Besetzung eines hen) nie als Partisaneneinheit in
Staates sogenannte Schläferagenten Erscheinung trat. Auch in England
zu aktivieren, die Sabotageakte ver- fürchtete man eine mögliche Beset-
üben und Nachrichten an Verbünde- zung durch die Wehrmacht. Deshalb
te weitergeben. beschloss 1940 Premier Winston
Das Konzept stammt aus Russland, Churchill, nach dem Vorbild der
wo schon in den 1920er-Jahren der irischen Untergrundkämpfer (IRA)
sowjetische Geheimdienst NKDW sowohl eigene „Partisanen“ zu trai-
ein Agentennetz aufstellte, für den nieren, die auf heimischem Boden
Fall, dass Deutschland einen Teil der die Besatzungsmacht bekämpfen
Sowjetunion besetzen würde. Mit sollten, als auch Widerstand im
dem deutschen Angriff im Juni 1941 besetzten Frankreich zu unter-
wurde dieses Netzwerk aktiv, so gut, stützen. Auf der Grundlage dieser
dass die Nazis im September 1944 Konzepte gründeten 1947 die USA
eine ähnliche Untergrundorganisa- und Großbritannien Stay-behind-
tion für das Deutsche Reich ins Le- Organisationen (SBO).

57
VERBÄNDE & EINHEITEN

Waffenfund: 1981
tionen wurden vom Bundesnachrich- bei um Bundesbürger verschiedener gut informiert war“. Und verweist auf präsentierten
tendienst ab 1956 übernommen.“ Au- Berufsgruppen.“ einen bis 1990 unentdeckten Fall im Sicherheitsbehör-
ßerdem habe es „Abstimmungen mit Militärischen Abschirmdienst (MAD), den in Hannover
der militärischen Führung der Na- Wer hat was gewusst? dem Bundeswehrgeheimdienst. Dort Waffen aus einem
to“ gegeben. „Zeitweise haben bis zu Stavenhagens Bericht offenbart zu- stand der Bundeswehr-Oberst und Walddepot, das
500 Personen“ für die SBO hauptamt- dem, dass das Bundeskanzleramt erst MAD-Vize Joachim Krase von 1969 vermutlich Stay-
lich gearbeitet. Sie seien darin unter- ab dem Rücktritt Willy Brandts im Jahr bis 1984 auf der Gehaltsliste der Stasi. behind-Kämpfer
richtet worden, im Falle eines „Über- 1974 über die deutsche SBO unterrich- Die britische Tageszeitung Observer nutzen sollten
rollens“ Informationen aus dem be- tet wurde. Der SPD-Bundeskanzler schrieb 1990 gar, sie wisse, dass der
Abb.: p-a/Wolfgang Weihs, p-a/zb, Interfoto/Ernst Sammer, p-a/dpa

setzten Gebiet zum BND nach Pullach Brandt galt den Amerikanern auf- 1988 verstorbene Oberst Krase „alles
über Stay-behind weitergegeben hat“.
Waffenlager im Wald: Konnten die Ob Verrat oder nicht, die Stasi war Literatur-Tipps
auch selbst gewieft genug, eigene Re-
„Schattenkrieger“ darauf zugreifen? cherchen anzustellen. Wie aus Origi-
Ganser, Daniele:
Nato-Geheim-
naldokumenten nun ersichtlich wur- armeen in Europa.
zu funken und Agenten ein- bezie- grund seiner neuen Ostpolitik als de, entdeckte eine Abhörabteilung 445 Seiten, Zürich
hungsweise auszuschleusen. Bis 1983 unzuverlässiger Bündnispartner. Der der Stasi während eines Nato-Manö- (2008) 2016
seien auf Truppenübungsplätzen der BND folgte offenkundig dem Miss- vers im Jahr 1979 die westdeutsche
Schmidt-Een-
Bundeswehr einige Personen in Sabo- trauen der Amerikaner und ver- Geheimarmee anhand von Funksprü- boom, E./Stoll,
tage und gewaltsamen Widerstands- schwieg die Existenz einer SBO dem chen. Daniele Ganser stellte fest: „Sie Ulrich: Die Parti-
akten ausgebildet worden. Zur Lage eigenen Kanzler! identifizierte mehr als 50 Stay-be- sanen der Nato.
im Jahr 1990 erklärte Stavenhagen: Dabei wusste die „Gegenseite“ hind-Standorte, die an der Grenze 360 Seiten,
„Die Zahl (der Mitglieder), die im Rah- längst Bescheid. Dies zumindest zu Ostdeutschland und der Tsche- Berlin 2016
men von Stay-behind mit dem BND glaubt der Schweizer Historiker Da- choslowakei konzentriert waren.“ Die
zusammenarbeiten, beträgt derzeit niele Ganser. Er meint, „dass Ost- Stasi nannte die SBO-Mitglieder
noch 104 Personen. Es handelt sich da- deutschland Ende der 70er-Jahre sehr „Überrollagenten“.

58
Die Grenze zur
DDR wurde auch
von geheimen
Nato-Organisatio-
nen überwacht
Daneben: So waren
die 1981 entdeck-
ten Waffen (siehe
Foto Seite 58) im
Wald deponiert

Aufgrund der Stasi-Berichte ist „schnellstmöglich identifiziert wer-


mehr über die deutsche SBO bekannt, den, damit sie im Fall eines militäri- HINTERGRUND
als die Bundesregierung bisher bereit schen Konfliktes sofort neutralisiert
war preiszugeben: 1984 las man in werden können“. Somit unterhielt al- Ausrüstung der Stay behind
einer Stasi-Akte, die Überrollagenten so jede Seite ihre Killerliste. Die SBO legte in ganz Westdeutschland versteckte
„operieren allein oder in Dreier- oder Walddepots an. In der Frühphase handelte es sich weit-
Vierergruppen und führen Aufträge Morde, Attentate, Terror gehend um Waffenlager für Partisanenkämpfe. Nach
im Umkreis von 40 Kilometern um ih- Todeslisten gab es wohl bei jeder SBO Übernahme durch den BND 1956 wurde die Ausrüstung
ren Wohnort durch. Soweit wir bisher in jedem Nato-Land. Und immer wie- auf „Informationsgewinnung und Schleusertätigkeit“
wissen, kommunizieren 16 bis 20 der tauchten dort Namen von poli- umgestellt, erklärte 1990 der damalige Kanzleramtschef
Agenteneinheiten regelmäßig mit tisch linken Politikern auf, die der CIA Lutz Stavenhagen. In den Depots hätten sich demnach
an Waffen nur noch Pistolen befunden sowie Funkgeräte
dem BND und mit Nato-Geheim- und dem MI6 ein Dorn im Auge waren.
samt Ersatzteilen, Medikamente und Schwarzmarktge-
diensten auf Sardinien, in Belgien und Besonders die Amerikaner hatten bis genstände wie Gold und Schmuck, um diese eintauschen
in Frankreich.“ Die Stasi empfahl zur Wende 1989 stets „die rote Gefahr“ zu können. Ab 1972 habe die Depotausrüstung „keine
deshalb, dass die Überrollagenten im Blick. Deshalb intervenierten sie Bewaffnung oder Sprengmittel“ mehr beinhaltet. Das
war jedoch eine Lüge. Denn der Fund von zwei SBO-
Schreckensszenario: Im Kalten Krieg musste man jederzeit mit einem Angriff von Depots im Berliner Grunewald im Jahr 1996 offenbarte
Warschauer-Pakt-Truppen rechnen (Manöverfoto von 1988, bei Magdeburg) mehrere Messer, Selbstladepistolen neun Millimeter mit
Magazinen, Handgranaten, Anleitungen für den Partisa-
nenkampf, Werkzeug, Karten, Kompass, Ferngläser, Ta-
schenlampe, ein Funkgerät Typ RS-6, ein Tonbandgerät
mit Material. Grundsätzlich war die weit überwiegende
Mehrheit der SBO-Verstecke wohl so bestückt wie jene
33, die 1981 in der Lüneburger Heide gefunden wurden.
Sie enthielten Gewehre aus Wehrmacht- und Bundes-
wehrbeständen, 13.520 Schuss Munition, 50 Panzerfäuste,
160 Kilogramm Sprengstoff, hauptsächlich TNT, 258 Hand-
granaten sowie Gifte wie Zyanid und Strychnin.

Militär & Geschichte 59


VERBÄNDE & EINHEITEN

Im Hauptbahnhof
1964 in Vietnam, deshalb stürzte die von Bologna deto- Der italienische Ministerpräsident cher Anschlag aus dem gleichen Jahr
CIA 1973 die linke Regierung in Chile nierte am 2. August Giulio Andreotti musste schließlich in den Fokus der Überlegungen um
und ließ den rechtmäßigen Präsiden- 1980 eine Bombe. am 3. August 1990 auf eine Parla- die Hintermänner der deutschen SBO.
ten Allende ermorden. Liquidierung Der Richter Felice mentsanfrage hin die Existenz einer Denn am 26. September 1980 zündete
des politischen Gegners galt damals Casson (rechts) fand „Organisation Gladio“ des italieni- ein Attentäter auf dem Münchner
auf allen Seiten als probates Mittel der heraus, dass die schen Geheimdienstes SISMI einräu- Oktoberfest eine Rohrbombe und tö-
Politik. So auch bei den SBOs. Täter einer staat- men. Sie sei dafür vorgesehen, bei tete 13 Menschen; 211 wurden ver-
Am Morgen des 2. August 1980 wur- lichen Geheimorga- einem gegnerischen Einmarsch im letzt, 68 davon schwer. Dieser An-
de auf den Hauptbahnhof der italie- nisation angehörten Lande gegen die Besatzer aktiv zu schlag gilt bis heute als der schwerste
nischen Stadt Bologna ein gewaltiger werden. Laut Andreotti zählte Gladio Terrorakt in der deutschen Geschich-
Bombenanschlag verübt. Dabei star- 622 Mitglieder und unterhielt 139 Waf- te. Als Bombenleger ermittelte die Po-
ben 85 Menschen, mehr als 200 wur- fenlager. Die Gladio-Affäre in Italien lizei einen vor Ort umgekommenen
den verletzt. Dieses Attentat war das löste in allen europäischen Nato-Län- „Einzeltäter“, der jedoch der „Wehr-
schlimmste in einer Reihe von An- dern Untersuchungen zu den SBOs sportgruppe Hoffmann“ angehört
schlägen, die Italien seit den Sechzi- aus, insbesondere, welche Rolle die hatte, einer damaligen Neonazi-Orga-
gerjahren immer wieder erschütter- Das Oktoberfest- NATO, die CIA und der MI6 bei der Ko- nisation. Diese unterhielt wiederum
ten. Ihre Hintergründe blieben stets attentat von 1980 ordination bis 1990 gespielt hatten. Kontakte zu dem Rechtsextremisten
mysteriös. So auch in diesem Fall. wird einem rechts- Da die Untersuchungen des italie- Heinz Lembke, der ein Jahr später
radikalen Einzel- nischen Richters Casson über das Bo- verhaftet wurde, weil Waldarbeiter in
Verbindungen zu „Gladio“ täter zugeschrieben. logna-Attentat von 1980 zu Gladio ge- seinem Forstrevier in der Lüneburger
Jedoch konnte der hartnäckige Unter- Könnten es auch führt hatten, rückte seither auch in Heide bei Ülzen ein mysteriöses Waf-
suchungsrichter Felice Casson sechs Stay behinds gewe- Deutschland immer wieder ein ähnli- fenversteck fanden.
Jahre später nachweisen, dass die Tä- sen sein?
ter Kontakte zu italienischen Geheim-
diensten gehabt haben mussten.Weil
Casson auch andere Attentate unter-
suchte, stieß er auf Unstimmigkeiten
in früheren Untersuchungsergebnis-
sen, die ihn schließlich zu einer gehei-
men staatlichen Organisation na-
mens Gladio führten, benannt nach
dem Kurzschwert der Römer für den
Nahkampf. Casson schlussfolgerte,
dass Mitglieder dieser Organisation
Abb.: p-a/Associated Press (2), p-a/dpa, CIA, Tom Goeller

die Attentate verübt hatten, um eine


„gespannte Stimmung“ im Land zu er-
zeugen, damit rechte Law-and-Order-
Politiker gewählt würden.
Diese Annahme passt auch zur An-
sicht des Historikers Daniele Ganser.
Er glaubt, Gladio sei 1978 am Mordan-
schlag auf den linksgerichteten italie-
nischen Ministerpräsidenten Aldo
Moro beteiligt gewesen. Als Motiv
vermutet er, dass Moro geplant habe,
Kommunisten in seine Regierung auf-
zunehmen, wovor ihn nach Moros’ ei-
genen Worten US-Präsident Richard
Nixon ausdrücklich gewarnt habe.

60
Klaus Froh
Die 1. MSD der NVA
Zur Geschichte der 1.
mot. Schützendivision
1956-1990
Top Secret: 1950 (mit Vorgeschichte Ka-
legte das Office of sernierte Volkspolizei)
Special Operations 405 Seiten, Hardcover,
der CIA Struktur fest gebunden, div.
und Ausbildungs- Abb., 17x24 cm; ISBN
inhalte von Stay- 978-3-86933-177-5
behind-Operations 28,00 €
fest. Nach dem Ende
des Kalten Krieges
neu
wurde der Plan König, Guntram (Hrsg.)
veröffentlicht Dresdner Feldpost-
briefe
Dokumente und Briefe
von Angehörigen der
Staatlichen Oberschule
Dresden-Plauen 1938
bis 1947
228 Seiten, Hardcover,
fest gebunden; 188
Lembke führte später die Polizei zu Hintergründen der SBO. Die Bundes- Abb., 17x24 cm; ISBN
33 weiteren unterirdischen Waffen- regierung antwortete am 21. Novem- 978-3-86933-170-6
verstecken, von denen man heute an- ber 2014: „Die Auflösung der SBO er- 22,80 €
nimmt, dass sie in Wahrheit der SBO folgte zum 30. September 1991.“ Mag
dienten. Politisch passt der Bomben- sein, dass die deutsche Regierung das neu
anschlag von München in das gleiche glaubt. Aber noch 1996 räumte der
Spektrum wie der von Bologna. Er fiel britische Geheimdienst MI6 heimlich Salterberg, Kurt
Kurt Salterberg
in die letzten Tage des Bundestags- mehrere SBO-Depots im Berliner Gru- Als Soldat in der Wolfs-
wahlkampfes von 1980, wo er prompt newald. Andere Waffenlager teilte er schanze
eine Diskussion um die innere Sicher- im selben Jahr der Berliner Senatsver- 111 Seiten, Hardcover,
heit auslöste, in der sich besonders waltung zwar mit. Diese fand jedoch fest gebunden, 68 Abb.,
der CSU-Kanzlerkandidat Franz-Josef nur zwei. Da Großbritannien, wie 17x24 cm; ISBN
Strauß gegen den damaligen FDP- durch den Brexit erneut bewiesen, 978-3-86933-165-2
Bundesinnenminister Gerhart Baum gerne eigene Wege geht, ist es zumin- 19,80 €
Schwelender Verdacht: Attentate sollten neu
eine Law-and-Order-Politik beflügeln.
Sajer, Guy
ereiferte, dem er vorwarf, die deut- dest für diesen Nato-„Partner“ nicht Der vergessene
Soldat
schen Geheimdienste „verunsichert auszuschließen, dass er weiterhin ei-
und demoralisiert“ zu haben. ne eigene Schattenarmee in Deutsch- 484 Seiten,
Eine exakte Aufklärung schien lan- land unterhält, die er gegebenenfalls Paperback; ISBN
978-3-86933-146-1
ge nicht mehr möglich, da Lembke ausschließlich für seine Interessen
wenig später Selbstmord beging. Al- einsetzt. 25,80 €
lerdings wurde im September 2014 ei-
ne neue Zeugenaussage bekannt, die
Bundestagsabgeordnete des Ver-
teidigungs- und des Geheimdienst-
neu
gemeinsam mit einigen Anfragen der ausschusses sind hingegen davon
Opposition im Bundestag dazu führte, überzeugt, dass es in Deutschland
dass der Generalbundesanwalt die Er- keine SBOs mehr gibt. Danach gefragt,
mittlungen erneut aufnahm. Es geht antworteten stellvertretend Grünen-
Autobiografie eines Franzosen und
dabei ausdrücklich auch darum, eine Abgeordneter Hans-Christian Ströbe-
mögliche Verbindung zu Geheim- le und Christine Buchholz von der Par-
Wehrmachtssoldaten im Rußland-
diensten und der SBO aufzudecken. tei Die Linke, dass sie ohnehin keine feldzug – in mehr als 30 Sprachen
Und in Italien beschloss das Parla- „Gefahr eines Überrollens“ durch eine übersetzt – bisher über drei Millio-
ment 2014 ebenfalls eine erneute Un- fremde Macht mehr sähen. nen Mal verkauft.
tersuchung des Mordfalls Aldo Moro Ein außergewöhnliches Dokument!
„wegen möglicher Verwicklungen Tom Goeller, Major d. R., ist
ausländischer Geheimdienste“. Journalist für Außen- und Sicherheits-

Geheimarmeen heute?
Dass die Regierungen nicht immer im
Bilde sind, bewies vor Kurzem eine
politik. Er ist überzeugt, dass
zumindest Großbritannien weiterhin
eine Schattenarmee in Deutschland
unterhält, die im Bedarfsfall auch
Helios.de
Postfach 39 01 12, 52039 Aachen
gegen deutsche Interessen eingesetzt
Anfrage mehrerer Bundestagsabge- werden kann. Tel.: 0241-555426 Fax: 0241-558493
ordneter von der Opposition nach eMail: Helios-Verlag@t-online.de
Militär & Geschichte versandkostenfreie Auslie-
ferung innerhalb Deutschlands
EXTRA-TIPP der Redaktion
Wolfgang Brenner
Zwischen Ende und Anfang
Für das politische Selbstverständnis der Bundesre-
publik ist die NS-Diktatur der maßgebende Bezugs-
SERVICE

punkt. Über diese Fixierung wird meist vergessen,

MAGAZIN wie sehr die ersten Nachkriegsjahre die deutsche


Gesellschaft geprägt haben. Der Autor Wolfgang
Brenner erzählt einfühlsam von jener Zeit, in der es
schlicht ums nackte Überleben ging. Ein wichtiges
Buch gerade für die nachgeborenen Generationen,
die der Lebenseinstellung ihrer Eltern und Groß-
eltern allzu oft mit Unverständnis begegnet sind.
392 Seiten, dtv, München 2017, 24 Euro

Jens Müller-Bauseneik
NEUE BÜCHER Stellv. Chefredakteur

Oliver Bange
Sicherheit und Staat
Ohne die Einbindung in den Warschau-
er Pakt war die DDR als Staat nicht
überlebensfähig. Um die Ursachen
ihres schleichenden Auflösungspro-
zesses zu verstehen, nimmt der Autor
in seiner monumentalen Studie die
„Bündnis- und Militärpolitik der DDR
im internationalen Kontext“ von 1969
bis 1990 in den Blick und kommt zu
Szenen aus erhellenden Antworten.
Jüterbog: Feld- 616 Seiten, Ch. Links Verlag, 2017, 50 Euro
haubitze auf dem
Abb.: Verlag Dr. Erwin Meißler (3)

Truppenübungs- Peter Joachim Lapp


platz 1934; Kapelle
der Artillerieschule Kampf und Untergang
an Hindenburgs Die 17. Armee zählte zu den eher
85. Geburtstag; schwach dotierten Großverbänden
Straßenpanzerwa- der Wehrmacht, weil ihr viele
gen der Reichswehr Truppen verbündeter Staaten wie
etwa Rumänien zugeordnet waren,
deren Kampfkraft zu wünschen übrig
ließ. Das Buch begleitet die 17. Armee
Jammerbock II von der Aufstellung 1940 über die
kräftezehrenden Einsätze im Osten
Wer den ersten Teil der auf vier Bände angelegten Jammer- bis zum Ende in den Sudeten 1945.
bock-Reihe gelesen hat (siehe Militär & Geschichte 3/2016, Einen Pluspunkt stellen die vielen
Seite 62), wird auch den vorliegenden zweiten Teil zu Quellenauszüge und Karten dar.
schätzen wissen. Die umfassende Darstellung der Garni- 176 Seiten, Helios Verlag, 2016, 22,80 Euro
sonsgeschichte des Militärstandortes Jüterbog (von den
Soldaten zu „Jammerbock“ verballhornt) wird hier fortge- IBB Minsk/Dortmund (Hg.)
führt und umfasst die Jahre 1919 bis 1934.
Wie unter einem Brennglas ist am Beispiel Jüterbog zu Vernichtungsort Malyj Trostenez
erkennen, wie sich die Weimarer Zeit auf Garnisonsstand- Im 1942 unweit von Minsk errichteten
orte der Reichswehr auswirkte: Zunächst wurden Trup- Lager Malyj Trostenez wurden Juden
pen, Material und Liegenschaften reduziert, Freikorps bil- und andere Häftlinge meist gleich
Henrik Schulze: deten sich und versuchten Waffen beiseite zu schaffen. nach der Ankunft in einem Wäldchen
Jammerbock II. Später dann ein erneuter Aufschwung; man erweiterte erschossen, man geht von mindestens
Die Reichswehr die Artillerieschule und baute sie zur kombinierten Waf- 60.ooo Opfern aus. An sie erinnert nun
(1919–1934). fenschule in der Reichswehr aus. Schließlich wurden die eine deutsch/weißrussische Wander-
Verlag Dr. Erwin Anfänge der NS-Zeit spürbar, als SA und SS in Jüterbog ei- ausstellung nebst zweisprachigem
Meißler, 320 Seiten, gene Ausbildungsstätten einrichteten. Begleitband, initiiert und herausgege-
22,50 Euro Mit umfangreichen Texten, vielen Fotos und einer Fülle ben vom „Internationalen Bildungs-
von zitierten Originaldokumenten macht das Buch diese und Begegnungswerk“ (IBB).
an Umbrüchen reiche Zeit für den Leser erfahrbar. JMB 246 Seiten, IBB, 2016, 10 Euro

62
Hightech des Mittelalters:
Diese nachgebauten Bliden sind
Teil des Museums für mittelalter-
liche Kriegsmaschinen auf der
französischen Burg Castelnaud

DAS MILITÄRHISTORISCHE STICHWORT


Abb.: picture-alliance/Youngtae/Leemage, Deutsches Museum/Klaus Mosch

Blide
Das Mittelalter kannte verschiedene Belagerungs-
geräte, das effektivste war sicher die Blide (von
griech. palida „schleudern“). Diese imposanten
Holzkonstruktionen stammen vermutlich aus dem
byzantinischen Raum, ihr Einsatz in Europa ist erst-
mals um das Jahr 1200 belegt. Die auch als Tribock
oder Trebuchet bekannte Wurfwaffe funktionierte
nach dem Prinzip des Hebelarms: Ein hölzerner
Unterbau hielt eine Querachse, an der ein langer
Holzstamm befestigt war. An dessen kurzem Ende
befand sich ein bis zu zwölf Tonnen schweres be-
wegliches Gewicht, das in der Fallbewegung den
längeren Arm ruckartig nach oben schleuderte.
Dieser konnte eine Länge von 20 Metern erreichen.
Doch statt ihn einfach in einer Aufnahmeschale für
Wurfgeschosse auslaufen zu lassen, versah man ihn
mit einer wiederum meterlangen Schlaufe – so ließ
sich der „Hebel“ nochmals verlängern. Im Ergebnis
MUSEUM AKTUELL konnten große Bliden ihre steinerne Munition bis
Flugzeuge im Exil zu 300 Meter weit schleudern.
Das ließ sich an historischen Belagerungsschauplät-
Wer sich die Luftfahrtabteilung des Deutschen Museums
zen nachweisen und im Rahmen der „experimen-
ansehen möchte, sollte derzeit nicht die Münchner tellen Archäologie“ auch bestätigen, die in den letz-
Museumsinsel ansteuern. Denn das dortige Haus wird noch ten Jahrzehnten viele Erkenntnisse auch zur frühen
bis 2019 modernisiert und währenddessen sind ausgewählte Waffentechnik zutage gefördert hat. So entstanden
Flugzeuge in die Flugwerft Schleißheim umgezogen: mehrere Rekonstruktionen, die in der Praxis hervor-
Die Bf 109 E, der erste Düsenjäger Me 262 und der raketen- ragend funktionierten. Vier Personen bedienten
getriebene Abfangjäger Me 163 werten jetzt den Bereich eine Blide, zum Nachladen brauchten sie eine gute
„Flugzeuge des Zweiten Weltkriegs“ auf, der Senkrechtstarter halbe Stunde. Die Wurfweite konnten sie variieren,
VJ-101C-X2 und die F-104G Starfighter werden in der indem sie die Schlaufenlänge oder das Gegenge-
angeschlossenen Werkstatt für die Ausstellung fit gemacht. wicht veränderten – ganz so, wie es auch schon ihre
historischen Vorgänger gemacht hatten. JMB
Deutsches Museum – Flugwerft Schleißheim
Effnerstraße 18, 85764 Oberschleißheim
www.deutsches-museum.de/flugwerft

Korrekturen zu Ausgabe 2/2017


Im Text auf Seite 39 oben links ist ein Rechenfehler enthalten:
500 pounds entsprechen nicht 453 Kilogramm, sondern 227 Kilo-
gramm.
Auf Seite 64 entsteht der Anschein, als hätten bayerische
Artilleriesoldaten ab 1886 nach preußischem Vorbild Helme mit
Kugelaufsatz getragen. Tatsächlich aber trug die Feldartillerie in
Bayern bis 1915 eine gekehlte Spitze.

Korrektur zu M&G Extra, Ausgabe 2 „Hindenburg“


Die auf Seite 8 gezeigten Schulterstücke konnte Hindenburg
nicht als Generalfeldmarschall in der Schlacht bei Tannenberg
tragen, weil er erst im November 1914 zu diesem ernannt wurde.

Einen herzlichen Dank an alle Leser, die uns auf diese Fehler
Neuer Standort auf Zeit: Vorzeigestücke wie die Bf 109 E-3 und aufmerksam gemacht haben.
die Me 262 (dahinter) sind momentan in Schleißheim zu sehen

Militär & Geschichte 63


EINST & JETZT

64
GENUA, PIAZZA DEL PORTELLO

Einzug in
die Stadt der
Partisanen
Wo man vor 72 Jahren den
eintreffenden US-Truppen
zujubelte, macht heute ein
permanent tosender Auto-
verkehr die Straßen unsicher
Genua am 27. April 1945: Auf der Piazza del
Portello, einem kleinen Platz am Rande
der Altstadt, sind zahlreiche Menschen
zusammengeströmt. Sie lachen, jubeln und
applaudieren den US-Truppen, die an ihnen
vorbeifahren und in einem Autotunnel
verschwinden, der nach Westen Richtung
Hafen führt.
Gut möglich, dass manche der Einwohner
in diesem Moment erstmals Schwarze
zu Gesicht bekommen: Es sind Soldaten der
92. Infanterie-Division; während des letzten
halben Jahres haben sie in Italien gegen
die Wehrmacht und Truppen von Mussolinis
„Sozialrepublik“ gekämpft, sind zuletzt
nach Ligurien vorgestoßen und ziehen nun
in Genua ein. Als „Befreier“ dürfen sie
sich jedoch – streng genommen – nicht
betrachten, denn frei ist die Stadt bereits:
Zwei Tage zuvor hatte Stadtkommandant
Die Galleria Giuseppe Garibali ist ein 280 Meter General Günther Meinhold die seit
langer Autotunnel, der die Altstadt von Genua 20 Monaten von der Wehrmacht besetzte
flankiert. Fußgänger haben dort heute einen (und schließlich zur Festung erklärte)
schweren Stand: Unser Fotograf musste Metropole kampflos übergeben. Und
Abb.: picture-alliance/Photoshot, Markus Wunderlich

mehrmals eine der seltenen Verkehrslücken zwar nicht an die US Army, sondern an das
abwarten und dann in Todesverachtung auf die „Nationale Befreiungskommitee“ (CLN),
Fahrbahn springen, um dieselbe Position wie sein einen Zusammenschluss von antifaschis-
„Vorgänger“ von 1945 einnehmen zu können
tischen Parteien und Partisanenverbänden.
Ein von Hitler bestätigtes Todesurteil
gegen Meinhold kam nicht mehr zur Aus-
führung; die ihm unterstellten Soldaten,
bei denen er sehr beliebt war, schützten ihn,
bis die Amerikaner eintrafen. JMB

Militär & Geschichte 65


Nr. 92 | 03/2017 | April–Mai 2017 | 15. Jahrgang

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Herausgeber Dr. Guntram Schulze-Wegener
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1917 standen elf deutsche Divisionen in Flandern einer britischen Übermacht gegenüber. Leitung Marketing und Sales Zeitschriften
Wir zeigen, wie die Sommeroffensive der Briten ablief – und warum sie im Debakel endete Andreas Thorey
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Vertrieb/Auslieferung Bahnhofsbuchhandel, Zeitschriften-
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geformte SS-Sondereinheit machte sich „Hummel“ an allen Fronten für die lang ankündigt wird. Den aktuellen Abopreis findet der Abonnent
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schwerster Kriegsverbrechen schuldig ersehnte mobile Artillerieunterstützung die auf dem Adressetikett eingedruckte Kundennummer.
ISSN: 2199-1545
Erscheinen und Bezug:
Außerdem im Heft: Nachtjagd der deutschen Luftwaffe, Feldherr Oliver Cromwell, Militär & Geschichte erscheint zweimonatlich. Sie erhalten
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nationalsozialistischen Diktatur, sie können Hakenkreuze oder
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solche Fotos in diesem Heft veröffentlicht werden, dienen sie
zur Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens und
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Forschung. Diese Publikation befindet sich damit im Einklang
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