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Ebenso lange, wie es Geschichtsschreibung gibt, stellt sich die Frage: Wozu Geschichte?

Neben
der Bewahrung von Traditionen aller Art, der vielleicht ursprünglichsten Funktion des Erzählens bzw.
Aufschreibens von Geschichte, kann Geschichte auch identitätsstiftende Wirkung entfalten, etwa bei
der Suche nach einer Antwort auf die Frage, „woher wir kommen und wohin wir gehen.“ [2] Bereits in
der Antike gab Cicero eine später häufig zitierte, aber auch skeptisch betrachtete umfassende
Funktionsbestimmung der Geschichte als „Lehrmeisterin des Lebens“ (Historia magistra vitae).[3]
Der im Historismus etwa durch Leopold von Ranke erhobene Objektivitätsanspruch, zu zeigen, „wie
es eigentlich gewesen“ sei, ist im Hinblick auf die Zeitgebundenheit und Individualität jeglichen
Rückblicks in die Vergangenheit als nicht einlösbar anzusehen. Der Annales-Historiker Fernand
Braudel beschrieb Grenzen der Objektivität, denen alle unterliegen, die Geschichte darstellen,
einmal so: „In der Tat tritt der Historiker niemals aus der Dimension der geschichtlichen Zeit heraus;
die Zeit klebt an seinem Denken wie die Erde am Spaten des Gärtners. Trotzdem träumt er davon,
sich ihr zu entziehen.“[4] Gordon A. Craig äußerte 1981 in einem Vortrag:
„Denn Geschichte ist nicht ‚exakte Wissenschaft‘ – sie ist eine humanistische Disziplin. Ihr
Hauptgegenstand sind Mens
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