Sie sind auf Seite 1von 2

Macron will Griechenland vor „Aggressionen“ schützen

Der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis sagte bei einer gemeinsamen


Pressekonferenz im Elysée-Palast, es handele sich um „über die EU und die NATO
hinausreichende gegenseitige Verpflichtungen“. Was genau er damit meinte, sagte er nicht.
Mitsotakis erinnerte an „die schweren Stunden im Sommer 2020“, als allein Frankreich
Griechenland zu Hilfe geeilt sei. Frankreich hatte im Konflikt um Erdgasvorkommen mit der
Türkei zwei Fregatten ins östliche Mittelmeer beordert. Auf das Verhältnis zur Türkei
angesprochen, sagte Präsident Emmanuel Macron, Griechenland sei der europäische Vorposten
in einer für die EU geo- und energiepolitisch bedeutsamen Region.

„Wir arbeiten mit Griechenland zusammen, um es im Fall eines Eindringens sowie von Attacken
oder Aggressionen zu schützen“, sagte Macron mit Blick auf den Nato-Verbündeten Türkei.
Zugleich beteuerte er, die vertiefte Sicherheitspartnerschaft sei nicht gegen ein bestimmtes Land
gerichtet. Die Verteidigungsminister beider Länder unterzeichneten eine Absichtserklärung
(Memorandum of understanding) über den Kauf von drei Fregatten bei der französischen Werft
Naval Group. Naval Group hatte durch die Aufkündigung des U-Boot-Vertrags mit Australien
zuletzt in den Schlagzeilen gestanden. Macron wies darauf hin, dass die Fregatten für
Griechenland in der bretonischen Hafenstadt Lorient gebaut werden. Der Preis der drei Fregatten
wurde auf etwa drei Milliarden Euro beziffert. Zudem besteht die Option auf eine weitere
Fregatte.
Ein Seitenhieb auf Heiko Maas

Verteidigungsministerin Florence Parly lobte in einem Kommuniqué „ein historisches Geschäft“.


An der Ausschreibung für ursprünglich vier Fregatten hatten sich neben der französischen Naval
Group unter anderen auch das deutsche Unternehmen TKMS und das amerikanische
Unternehmen Lockheed Martin beteiligt. Dieses Jahr hat Griechenland bereits 24 Rafale-
Kampfflugzeuge bei Dassault bestellt und ist damit der erste EU-Staat, der hier auf französische

„Wir verpflichten uns, Griechenland auszurüsten, damit seine territoriale Integrität respektiert
wird“, sagte Macron. Der französische Präsident nutzte seinen Auftritt an der Seite des
griechischen Ministerpräsidenten, um eine Naivität der EU in Verteidigungsfragen zu beklagen.
Seine Worte schienen auf Außenminister Heiko Maas (SPD) gemünzt, der im August 2020 im
Streit zwischen der Türkei und Griechenland vermittelt hatte.

Maas setzte auf Appeasement und appellierte an beide Parteien, „das Spiel mit dem Feuer zu
beenden“. „Wenn wir unter Druck von Staaten geraten, die eine härtere Haltung einnehmen,
müssen wir reagieren und zeigen, dass wir die Mittel und den Willen haben, uns zu verteidigen“,
rechtfertigte Macron jetzt die Entsendung der Kriegsschiffe. „Das bedeutet nicht, dass wir (den
Konflikt) eskalieren, sondern uns Respekt verschaffen“, so der Franzose. Er habe nicht den
Eindruck, dass Griechenland im Sommer 2020 „kriegslustig“ gewesen sei. „Die Europäer
müssen von ihrer Naivität wegkommen“, mahnte Macron.