Sie sind auf Seite 1von 9

Sitzbankumbau kostenfrei

von spark76x » Sonntag 12. Dezember 2010, 18:15

Nachdem ich von meiner Sommersitzbank, wegen gelegentlichem Regen und Ermangelung eines
Unterstellplatzes, wieder auf eine Originalsitzbank zurück gerüstet habe, wollte ich nach 2 Ausfahrten
auch diese umgehend verbessern. Da ich die Sommersitzbank auch schon selbst umgebaut hatte
wollte ich es diesmal dokumentieren. Ich selber habe zwar mal 2 Jahre in einer Polsterwerkstatt
gearbeitet, denke mir aber dass diesen Umbau jeder Laie locker in 2 Stunden bewältigen kann.
Fürs bessere Verständnis werde ein paar Erklärungen anfügen aber das polstertechnische Gefasel
kursiv absetzen damit man es auch überlesen kann und wir im Zeitlimit bleiben.

Das Problem mit der Originalbank ist, dass sie viel zu weich ist. Man sinkt viel zu tief in den Schaum
ein, dadurch sitzt man nicht wie normalerweise auf den Beckenknochen sondern auch auf dem
Steissbein, welches dadurch zu schmerzen anfängt. Des Weiteren ist es dadurch nur noch schwer
möglich sich auf der Bank zu bewegen, weil man von ihr wie eingeschlossen ist. Auch ist die
Rückmeldung ans Popometer sehr unpräzise. Das liegt daran, dass die Bank eher wie ein Sofa, mit
unglaublichen 10 cm Schaumstoff, aufgebaut ist, wir auf unserem Motorrad aber eher wie auf Hocker
oder Stuhl sitzen. Kein Polsterer würde auf die Idee kommen einen Hocker oder Stuhl so dick zu
polstern, da das Körpergewicht dort auf eine sehr kleine Fläche wirkt. Auch der härteste Schaum
kommt da an seine Grenzen. Darum habe ich mich zur Verbesserung in erster Linie zur Entfernung
von Schaum entschieden.

Der Umbau basiert auf der Originalsitzbank bei Wiederverwendung des Originalbezuges und des
original Schaums. Zusätzlich benötigt man nur ein 30 x 15 cm grosses Stück Styropor mit grosser
Dichte. Ich habe mich für ein Stück Dämmplatte mit 4 cm Dicke entschieden, die man in jedem
Baumarkt oder auf der Baustelle um die Ecke bekommt. Als Werkzeug braucht man eine Zange zum
Klammern ziehen, ein Teppichmesser, einen Stift zum Markieren und einen Tacker.

  1  
Als erstes markiert man auf der Rückseite den Bezug, dabei sowohl wie weit als auch wohin der
Bezug gespannt war.

Ich markiere dabei jede Ecke bzw. Bogen und dazwischen alle 10 cm. Zur besseren Sichtbarkeit
benutze ich einen silbernen Edding, geht zwar nicht wieder weg aber wer ausser mir schaut unter die
Sitzbank. Durch die Markierungen muss man später beim beziehen den Bezug nur wieder an die
selbe Stelle anschiessen und er sollte anschliessend genau so wie vorher sitzen.

Nun können alle Klammern entfernt und der Bezug abgenommen werden.

Dies sollte möglichst vorsichtig geschehen damit der Bezug nicht beschädigt wird.

  2  
Anschliessend den Schaum vorsichtig von der Unterschale lössen.

Hierbei vor allem auf die Wulst, die oben am Tank anliegt, achten da diese dort den Spalt zum Tank
schliesst. Bei meiner alten, zur Sommersitzbank umgebauten, hatte er sich inzwischen aufgelösst.
Dort muss später durch zB. Polsterwatte aufgefüllt werden.

Jetzt muss der Schaum ausgeschnitten werden. Dazu habe ich die Länge der Klinge des
Teppichmessers auf 4 cm eingestellt und mir die Aussenkanten markiert.

Von grossem Vorteil ist hier eine nagelneue breite Klinge die den Schaum wirklich schneidet und nicht
reisst. Breite Klingen schneiden zudem besser gerade und die Gefahr das sie abrechen ist geringer.
Zur besseren Orientierung habe ich mir die Schnittlinie angezeichnet.

  3  
Nun schneidet man mit dem Messer gerade die äusseren Linien ein.

Jetzt nur keine Panik, durch die eingestellte Klinge sollte man nicht zu tief schneiden und ausserdem
hat unsere Schaumauflage fast 10 cm Dicke. Wer es nicht glaubt oder sich sicher fühlen will schieb
einfach einen dünnen Draht durch den Schaum und misst nach.

Als nächstes schneidet man den Rest mit der eingestellten Klinge in kleine Würfel.

Die kleinen Würfel lassen erheblich leichter und kontrollierter ausreissen.

  4  
Nun werden die Würfel entfernt.

Die Würfel reissen im Allgemeinen relativ gerade ab und da darüber noch 6 cm Schaum liegen
braucht man keine Angst haben, dass der Schaum falsch einreisst. Sollte an den Rändern zu viel
stehen bleiben, lässt sich das später leicht korrigieren. Ich empfehle von Innen nach Aussen zu
arbeiten.

Bei meiner Sommersitzbank habe ich 8 cm entfernt, da ich zusätzlich noch eine 3 cm dicke, sehr
harte, Flockschaumschicht eingelegt habe. Bei dieser Tiefe ist auf jeden Fall darauf zu achten, dass
man den Schaum nicht bis zur Oberfläche aufreisst. Sollte es denoch passieren sollte man den
Schaum anschliessend dort wieder mit einem Kleber der den Schaum nicht auflösst wieder
zusammen kleben.

  5  
Jetzt wird das Styropor zugeschnitten und eingepasst.

Auch hier ist die neue Klinge wieder von grossem Vorteil. Für den vorgegebenen Knick habe ich dort
den Schaum jeweils 15 Grad angephast.

Auch die Unterseite des Styropors muss an die Stabilisierungswülste der Sitzbankschale angepasst
werden.

Hierbei geht es nicht um Millimeter sondern um eine gute Auflage Styropors.

Wenn alles passt können wir den Schaum mit dem Styroporkern wieder auf die Sitzschale aufsetzten.

Darauf achten das die obere Wulst des Schaums die Sitzschale überlappt. Sollte sie sich aufgelösst

  6  
haben, hier Polsterwatte oder einen Schaumstoffstreifen einlegen. Wenn Ihr das vergesst habt Ihr
später einen Spalt zwischen Sitzbank und Tank.

Den Bezug nun wieder über Schaum und Schale ziehen und an den am Anfang gemachten
Markierungen positionieren. Jetzt mit dem Tacker und 6 mm langen Tackerklammern an den Ecken
fixieren.

Diese ersten Fixierungen sind die wichtigsten und sorgen für den sauberen Sitz des Bezuges. Sie
werden immer gegenüberliegend vorgenommen (Naht rechts/Naht links, Ecke1 rechts/Ecke 1 links,
usw.). Ich habe mit der Naht angefangen und habe anschliessend die beiden markanten Ecken vorn
sowie die eine in der Mitte genommen. Nach jedem Fixierungspaar ein Kontrollblick und danach sollte
der Bezug eigentlich schon sauber (faltenfrei) liegen. Um den Sitzbankbezug zu schützen ist eine
Decke auf dem Tisch von Vorteil. Die Originalklammern sind breiter und nur 4 mm lang, die normalen
reichen aber aus und 6mm lange halten besser ohne auf der anderen Seite wieder heraus zu
kommen. Edelstahlklammern können nicht schaden, sind aber nicht zwingend erforderlich.

  7  
Jetzt die restlichen Klammern einschiessen.

Sollten irgendwo Ecken des Bezuges durchgestossen sein, kann man diese nur nach Innen
wegziehen. Dabei darauf achten das es schön gleichmässig geschieht und man sich keine Falten in
den Bezug zieht.

Normalerweise sollte sich nun optisch kein Unterschied ausmachen lassen. Beim Aufsitzen sollte man
allerdings nun eher auf als in der Sitzbank sitzen.

Damit ist das Problem des Steissbeinsitzens behoben und mit immer noch fast 6 cm Schaum ist die
Sitzbank weiterhin komfortabel und tourentauglich und das ganze kostenfrei.

  8  
Wie schon weiter oben beschrieben habe ich meine andere Bank noch härter gemacht, indem ich 8
cm entfernt habe und zusätzlich zum Styropor noch 3 cm sehr harten Flockschaum eingelegt habe.
Ausserdem habe ich mir einen Bezug aus Echtleder nähen lassen und beim beziehen die Spannung
auf dem Schaum noch erheblich erhöht.

Für mich ist es jetzt göttlich. Durch die Härte super Rückmeldung an das Popometer und durch das
erheblich glattere Leder ordentliche Bewegungsmöglichkeiten auf der Bank.

Wer sich an einer Variante mit richtigem Leder versuchen will, sollte ein paar Dinge beachten. Kauft
auf keinen Fall Kernleder (Gürtelleder) da sich dieses nicht dehnen lässt. Es muss Nappa sein, was
bedeutet das es die oberste Lederschicht ist, weil nur dieses sich neben dehnen auch wieder
zusammen ziehen kann und sich nur dadurch ein vernünftiger Sitz ergibt. Zum Nähen braucht man
eine sehr kräftige Nähmaschine und als wichtigstes, der Bogen in unserer Sitzbank ist so ziemlich das
härteste zum Beziehen wenn man sich an den Originalschnitt hält. Das ist übrigens der Grund warum
da bei den meisten Sitzbankumbauten zusätzliche Nähte verlaufen. Dort kann man nämlich Material
zugeben oder wegnehmen. Ich wollte dort keine Naht und habe 3 Stunden für das beziehen gebraucht
und später noch einmal nachgezogen. Da ich wusste was ich wollte wusste ich auch was ich mir da
antat. Ausserdem nimmt Leder, als offenporiges Naturprodukt, selbst bei besster Behandlung Wasser
auf. Schon nach leichtem Regen war es mit der Gleitfähigkeit, speziell mit Lederkombi, auf der
Sitzbank dahin. Deswegen habe ich jetzt eine Sommer- und Wintersitzbank, ich möchte sie aber nicht
mehr missen.
Daniel ©?
 

  9