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Seiten 20-21 / Süddeutsche Zeitung Nr.

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WIRTSC
Es war einer der größten Ölunfälle der Geschichte: Am 20. April 2010 explodierte im
Golf von Mexiko die Bohrplattform „Deepwater Horizon“. Betreiber war der britische
Energiekonzern BP. Mehr als drei Monate lang strömte unkontrolliert Rohöl in den Golf
von Mexiko. Hunderte Millionen Liter der zähen Flüssigkeit verseuchten das Meer und
die angrenzenden Küstengebiete, mit verheerenden Folgen für Umwelt und Menschen.
Amerika und der Rest der Welt zeigten sich schockiert. Doch ein Jahr danach hat sich
wenig verändert: Politik und Industrie haben es versäumt, ihre Lehren aus der
Katastrophe zu ziehen. Sicherheitsauflagen und Umweltstandards wurden kaum
verbessert, der Bann für riskante Tiefseeprojekte ist längst aufgehoben, und es wird
weiter gebohrt, überall auf der Welt. Schon jetzt steht aber fest: Die juristische
Aufarbeitung der Ölpest wird sich über Jahrzehnte hinziehen.

Die verdrängte
Katastrophe
Von Reymer Klüve r an Entschädigungen auszahlen wird – len, mindestens fünf wurden daraufhin
und das Ganze bis 2013 abgeschlossen ist. von ihren Eignern nach Brasilien abgezo-
Washington – Auf den ersten Blick Billy Nungesser, der Landrat von Plaque- gen. Bereits im Oktober indes hob die Re-
scheint alles fast glimpflich verlaufen zu mines Parish, einem Landkreis, der große gierung den Bohrbann für große Teile des Mindestens 5,6 Millionen Liter
sein. Gewiss, die Ölpest im Golf von Mexi- Teile des Mississippi-Deltas umfasst, Golfs wieder auf. Neuere, etwas schärfere Rohöl treten täglich aus.
ko nach der Explosion auf der schwim- sieht das ein bisschen anders: „Das alles Sicherheitsbestimmungen traten in Offiziell waren es insgesamt
menden Bohrinsel Deepwater Horizon wird nicht in diesem, es wird auch nicht Kraft, die gewährleisten sollen, dass die etwa 780 Millionen Liter.
am 20. April 2010 war ohne Zweifel das im nächsten Jahr vorüber sein.“ Die Men- Ölunternehmen tatsächlich das leisten
„schlimmste Umweltdesaster“ aller Zei- schen würden noch lange unter den psy- können, was BP vor dem Untergang der
ten in den USA, wie der amerikanische chischen und emotionalen Folgen der Ka- Deepwater Horizon versichert hatte:
Präsident Barack Obama konstatierte: tastrophe zu leiden haben. Dass genug Kapazitäten bereitstehen, um
Knapp 800 Millionen Liter Öl schossen Zumal die juristische Aufarbeitung des eine drohende Ölpest bei einem Bohrun-
ins Meer, ehe das vom britischen Ölkon- Unfalls viele Jahre dauern wird. Zwar ver- fall sofort bekämpfen zu können.
zern BP betriebene Bohrloch gut drei Mo- sprach der damalige BP-Chef Tony Hay- Seither hat das Bureau of Ocean Ener-
nate später gestopft werden konnte. ward unter dem unmittelbaren Eindruck gy Management, die neu organisierte
Der riesige Ölteppich verschwand über- der Katastrophe im April vergangenen staatliche Aufsichtsbehörde, 54 Anträge
raschend schnell von der Meeresoberflä- Jahres, dass der Konzern die „volle Ver-
che, nachdem die Quelle versiegelt war. antwortung“ übernehme. Aber das sieht
Und viele der Krabbenfischer, denen über inzwischen natürlich ganz anders aus. Im Der Ölteppich im Golf von Mexiko
Monate der Fang verboten war, fanden Dezember übersandte BP dem US-Justiz- Die Ausdehnung änderte sich täglich. Die Grafik zeigt das Ausmaß am 28. Juni 2010, als
ein Auskommen bei den Aufräumarbei- ministerium eine Erklärung, in der die Bri- die zähe Flüssigkeit die Strände von Louisiana, Mississippi, Alabama und Florida erreichte.
ten. Selbst die Tourismusindustrie in der ten den amerikanischen Behörden vorwar- geschätzte Ausbreitung Verschmutzung an den Küsten
Region, die einen Jahre währenden Ein- fen, den Umfang des ausgeströmten Öls
beobachtete Ausbreitung
bruch befürchtete, klagte verhaltener, zwischen 20 und 50 Prozent zu hoch einge-
nachdem viele Hotels an der Küste die ge- schätzt zu haben. Sie hätten sich auf „un-
samte Saison über ausgebucht waren – genaue Informationen“ verlassen. „BP ist GEORGIA
von Leuten der von BP bezahlten Auf- fest entschlossen“, heißt es weiter, „eine
räumkommandos. eigene Schätzung vorzulegen, sobald die Pensacola
Doch der Eindruck täuscht. Die Lang- Informationen vorliegen, um alles wissen-
zeitwirkungen der Katastrophe sind schaftlich korrekt zu verstehen.“ New Orleans
schlicht nicht abzuschätzen. Nur ein paar
Beispiele: Wer mit Fischern zu den Salz-
wasser-Marschinseln der Barataria Bay Die Obama-Regierung steht 3
Schon kurz nach dem Unglück
im hochempfindlichen Delta des Missis- unter großem Druck, lässt BP zwei Entlastungsboh-
sippi hinausfährt, wird auch heute noch neue Projekte zu genehmigen. rungen in den Untergrund
braun-schwarzen, klebrig-zähen Öl-
Ölleck treiben. In großer Tiefe wird
schlick im Schilf finden. Keiner weiß ge-
nau, was mit all dem Öl wirklich passiert Doch um die wissenschaftliche Aufar- schließlich unter hohem Druck
ist. Seit Jahresanfang hat zum Beispiel beitung dürfte es BP wohl weniger gehen St. Petersburg schwerer Schlamm in den
das Institut für Meeressäuger in Gulfport als um die juristische. Denn der Konzern USA Ölbohrkanal gepresst. Der
an den Stränden von Alabama und Missis- muss für jedes Barrel Öl, das in den Golf Golf von Schlamm wirkt wie ein Pfropf
100 km
sippi zehn Mal so viele tote Delphinbabys geflossen ist, bis zu 1100 Dollar Strafe zah- Mexiko – mit Zement wird der Ölkanal
SZ-Graphik: Ilona Burgarth;
geborgen wie sonst. len – wenn ihm grobe Fahrlässigkeit nach- Quelle: New Yor, Times schließlich am 4. August
Auch die Gefahren für die menschliche gewiesen werden kann, sogar bis zu 4300 komplett verschlossen.
Gesundheit sind nicht wirklich abzuschät- Dollar. Basierend auf den bisherigen auf neue Tiefseebohrungen im Golf be-
zen. Die Louisiana Bucket Brigade, eine Schätzungen der ausgeflossenen Ölmen- kommen, 15 davon hat es schon geneh-
örtliche Umweltgruppe, nennt die Tests, ge wären das zwischen fünf und 21 Milliar- migt, 24 aber wurden für Nachbesserun-
mit denen die Behörden Krabben und Fi- den Dollar. Da lohnt es sich schon, die gen an die Ölkonzerne zurückgegeben.
sche auf Chemikalienrückstände unter- amtlichen Annahmen ein wenig in Frage Zur Zeit operieren noch 31 schwimmende
sucht und zum Fang freigegeben hatten, zu stellen, notfalls auch vor Gericht. Die Bohrplattformen im Golf. Eine Verschär-
schlicht „ungenügend“. Die Biochemike- juristische Aufarbeitung der Exxon-Val- fung der Umweltgesetze indes, wie es
rin Wilma Subra, eine der bekannteren dez-Havarie vor der Küste Alaskas 1989 nach früheren Umweltkatastrophen – et-
Umweltschützerinnen der USA, warnt schleppte sich nicht weniger als 21 Jahre wa der Exxon-Valdez-Havarie – der Fall
vor langfristigen Gesundheitsschäden. In hin. Am Ende musste der amerikanische war, ist nicht in Sicht.
Blutproben von Menschen, die im Katas- Exxon-Konzern auf Beschluss des Obers- Im März verkündete Obama, dass er die
trophengebiet gebadet hätten, ließen sich ten Gerichtshofs Hunderte Millionen Dol- Ölimporte der USA innerhalb der kom-
anormal hohe Konzentrationen von Ent- lar weniger zahlen, als die US-Behörden menden zehn Jahre um ein Drittel senken
hylbenzol nachweisen. „Die Folgen der gefordert hatten. will, durch effizienteren Kraftstoffver- 2
Die politischen Konsequenzen der Ka- brauch, durch Biokraftstoffe – und durch Viele verschiedene Versuche
tastrophe halten sich ebenfalls in Gren- heimische Öl- und Gasproduktion. Aller- 1 wie hier ein Verfahren, um mit
Die Menschen werden zen. Fast im Gegenteil: Seit dem Unfall ist dings lehnt er die Erschließung weiterer Nach einer Explosion fängt
Schlamm den BOP abzudichten
noch lange der Druck auf die Obama-Regierung ge- Küstengewässer für riskante Bohrungen die Ölplattform des
(sog. „Top Kill“), können den
wachsen, mehr Ölbohrungen im Golf zu- erst einmal ab. Das immerhin ist zweifel- britischen Konzerns BP,
unter den Folgen leiden. Deepwater Horizon, am
Ölstrom nicht stoppen.
zulassen. Unmittelbar nach Beginn der Öl- los ein Echo der Katastrophe im Golf. Die
pest war Obama zunächst bemüht, die Ölfirmen sollten zunächst die Bohrlizen- 20. April Feuer und sinkt
Der defekte
Katastrophe werden für Generationen zu Fehler seines Vorgängers George W. Bush zen voll nutzen, die ihnen ohnehin bereits zwei Tage später.
Blowout-Preventer
spüren sein“, prophezeit Subra. Nasa-For- nach Hurrikan Katrina zu vermeiden: zugeteilt wurden. Die Verbindung zwischen
in einer Tiefe
scher bestätigten im März, dass Giftstoffe Das Krisenmanagement lief ohne große Tatsächlich sind zwei Drittel der Bohr- Plattform und Ölfeld reißt
von 1500 Metern
aus dem Öl oder dem Zersetzungsmittel Aussetzer an. Der Präsident selbst und sei- lizenzen im Golf noch gar nicht genutzt. ab. Der Blowout Preventer
Corexit, das in bisher ungekanntem Um- ne Behörden wirkten – von Ausrutschern Die Republikaner verlangen dagegen die (BOP), ein Absperrventil
fang zur Bekämpfung der Ölpest einge- abgesehen – engagiert und kompetent. Öffnung weiterer Gebiete getreu ihrem am Meeresgrund, erweist
setzt worden war, in die Luft getragen Kritik am Washingtoner Apparat wurde Kampfruf: „Drill, baby, drill“. Der war sich als defekt. Öl strömt
wurden. Mit dem Regen finden sie in der nicht das beherrschende Thema wie nach zwar in den Wochen nach dem Unfall ins Meer.
Golfregion den Weg zurück zur Erde – un- Hurrikan Katrina. nicht zu hören. Ein Jahr danach sind die
ter Umständen auch ins Trinkwasser. Tatsächlich hatte Obama als eine der Benzinpreise in den USA indes explodiert
Vor allem aber sind die Folgekosten ersten Konsequenzen die staatliche Auf- (ein Liter kostet nun rund einen Dollar,
schwer zu beziffern. Wenn die Zahl der sichtsbehörde über die Ölindustrie zer- umgerechnet etwa 70 Euro-Cent), und die
Entschädigungsforderungen ein Maßstab schlagen lassen. Zu eindeutig waren die Katastrophe scheint vergessen zu sein: 57
ist, dann ist die Ölpest eine Massenkatas- Hinweise auf Klüngelwirtschaft zwi- Prozent aller Amerikaner befürworten
trophe: Mehr als 450 000 Menschen haben schen Managern der Ölindustrie und ih- wieder Ölbohrungen vor ihren Küsten –
Forderungen erhoben. Der Verwalter des ren staatlichen Kontrolleuren. Auch wur- fast so viele wie vor der Katastrophe.
von Präsident Obama erzwungenen Ent- den die Tiefseebohrungen im Golf nach Leitung zum mehr als
schädigungsfonds, Kenneth Feinberg, der Katastrophe zunächst verboten. 35 Weitere Berichte unter: 5500 Meter tiefen Ölreservoir
schätzt, dass er sechs Milliarden Dollar Bohrinseln mussten ihre Arbeit einstel- www.sueddeutsche.de/deepwater

20. April 25. April 8. Mai 26. Mai 4. Juni

Um 22 Uhr Ortszeit explodiert die Ölplattform Immer schneller breitet sich der Ölteppich auf dem Auch der Versuch, das Öl mit Hilfe einer etwa Die Operation „Top Kill“ beginnt. Sie soll das Loch
Deepwater Horizon des britischen Energieunterneh- Meer vor der Küste der Vereinigten Staaten aus. 100 Tonnen schweren Stahlglocke abzufangen, 1600 Meter unter dem Meeresspiegel mit Hilfe
mens BP im Golf von Mexiko, nahe der Großstadt Betreiber BP muss bekannt geben, dass nicht nur scheitert. Die Küsten von Louisiana und das einer Schlammkanone verschließen. Anschließend
New Orleans im US-Bundesstaat Louisiana. Beim die beschädigten Rohre der Plattform gesamte Mississippi-Delta sind zu diesem Zeit- soll die Quelle ganz mit Zement versiegelt werden.
Öffnen eines Ventils am Bohrrohr entweicht eine Öl verlieren, sondern auch das Bohrloch direkt punkt bereits vom Öl verseucht – die schwimmen- Die Methode ist zwar anerkannt, war jedoch nie
große Menge Gas, das sich an der Oberfläche am Meeresgrund. Der Versuch, den Notfallver- de Plattform, die die Schweizer Firma Transocean zuvor in dieser Tiefe angewendet worden. Die
entzündet und zum Feuerball wird. Die Mann- schluss mit Hilfe von Robotern ferngesteuert zu an BP vermietet hatte, lag nur 66 Kilometer vom Aktion wird von vielen als entscheidend im Kampf
schaft versucht, den Notfallverschluss Blowout aktivieren, misslingt. Das Leck am Meeresgrund Festland entfernt. Die einstigen Badestrände gegen die Ölpest angesehen. BP selbst schätzt Unterwasserrobotern gelingt ein erster Erfolg: Sie stülpe
Preventer (BOP) auszulösen, doch vergeblich. Elf kann nicht geschlossen werden. Täglich strömen, sind schwarz vom Öl, die Bundesstaaten Louisia- die Erfolgschancen auf 60 bis 70 Prozent. Drei des Meeres, ein kleiner Teil des Öls kann auf ein Schiff
Arbeiter verlieren ihr Leben. Öl beginnt auszuströ- nach Angaben der US-Regierung zwischen 8,5 na, Florida, Alabama und Mississippi rufen den Tage später musste der Konzern mitteilen, dass wird dadurch nicht verringert. Immer mehr verölte Seevö
men. Zwei Tage später sinkt die Plattform. und 10 Millionen Liter Öl ins Meer. Notstand aus. die Aktion scheiterte. Das Öl sprudelt weiter. Südstaaten. Florida, das sich als „Sunshine State“ verst
Mittwoch, 20. April 2011
SCHAFT
Ungewisse Zukunft
Der britische Ölkonzern BP muss sein Image wieder verbessern und zugleich eine neue Firmenstrategie entwickeln
Von Andreas Olda g Besatzungsmitglied einer Ölplattform – chen büßte das Unternehmen ein Drittel integrierten Konzern orientieren? Kann verbreiteten Ansicht erlegen, gewaltige
ob Techniker oder Koch – aufgefordert, seines Börsenwerts ein. Zugleich mach- das das Geschäft mit der Ölsuche und Megafusionen seien sinnvoll. Sie schufen
London – Robert Dudley hat die Tür zu Missstände zu melden. Ein weiteres Pro- ten Übernahmespekulation die Runde. -Förderung, von der Verarbeitung und immer größere Imperien.
seinem Büro oft weit geöffnet. Der neue blem für Dudley ist die Frage der Ausla- Die Konkurrenten ExxonMobil und Vermarktung, abgetrennt werden? Gerade BP hat damit schlechte Erfah-
Chef des britischen Energiekonzerns BP gerung von Dienstleistungen. So funktio- Shell galten als potentielle Käufer. Ohnehin leidet die Branche an Selbst- rungen gemacht. 1998 übernahmen die
habe einen anderen Führungsstil einge- nierte auf der explodierten Plattform Immerhin ist es Dudley gelungen, zweifeln, die sich vor allem an der Frage Briten den amerikanischen Konkurren-
führt, heißt es am Unternehmenssitz am Deepwater Horizon die Kommunikation Übernahmespekulationen den Boden zu des Sinns und Zwecks der Gigantomanie ten Amoco Corp. und stiegen zu einem
Londoner St. James’s Square. Mitarbei- zwischen BP und der Firma Transocean entziehen, obgleich der Marktwert des der vergangenen Jahre festmachen las- der größten Ölförderer in den USA auf.
ter loben den Amerikaner für seine Effizi- nur mangelhaft. Transocean ist der Ei- Unternehmens mit 86 Milliarden Pfund sen. Die Unternehmen waren der weit Doch dem ehemaligen Konzernchef Lord
enz, aber auch für seine gelassene Art, gentümer der Plattform. Noch ist unklar, (etwa 100 Milliarden Euro) immer noch Browne war es nicht gelungen, die unter-
mit Problemen umzugehen. ob BP künftig auf Firmen wie Trans- unter dem Vorkrisenniveau von damals schiedlichen Firmenkulturen zusammen-
Davon hat der 55-Jährige allerdings ocean verzichten will. Experten rechnen etwa 120 Milliarden Pfund liegt. Der zubringen. Damit stellt sich die Frage, ob
genügend am Hals. Er muss den BP-Kon- damit, dass der Trend zum „Outsour- Grund dafür ist die Befürchtung, dass Firmen-Konglomerate über mehrere
zern, der durch die Ölkatastrophe im cing“ erst einmal beendet ist. Immerhin die Folgekosten der Katastrophe höher Kontinente hinweg effizient geführt wer-
Golf von Mexico in erhebliche Schwierig- hofft BP darauf, bald grünes Licht von ausfallen als erwartet. Für Schadener- den können. Weltweit agierende Konzer-
keiten geraten ist, neu aufstellen. Das be- den US-Behörden dafür zu bekommen, satzforderungen und mögliche Strafgel- ne neigen dazu, den Markt als eine globa-
deutet, er muss mit den Folgen der ver- die Öl-Exploration im Golf von Mexiko der hält BP 40 Milliarden Dollar bereit. le Einheit sehen. Doch in der Realität
heerenden Ölpest kämpfen, und zugleich wieder in Betrieb zu nehmen. Dudley hät- 1,14 Milliarden Dollar zahlte der Kon- sind die Energiemärkte von nationalen
mit neuen Querelen im Russland-Ge- te damit einen wichtigen Etappensieg zern bislang an US-Behörden für die Be- Eigenheiten geprägt.
schäft fertig werden. „Dudley hat einen bei der Rehabilitierung des Unterneh- seitigung der Schäden. Bis März flossen Zweifel gibt es deshalb auch daran, ob
der schwierigsten Jobs in der ganzen mens in den USA erreicht. aus dem von BP initiierten 20-Milliarden- BP mit seinem neuen Russland-Engage-
Branche“, meint ein Londoner Banker. Dollar-Entschädigungsfonds 3,6 Milliar- ment richtig liegt, das große Teile des Ge-
Nach dem ruhmlosen Abgang von To- den Dollar an Ölpest-Opfer der Region. schäfts von Amerika wegführen soll.
ny Hayward, der wegen seines lausigen In kurzer Zeit verlor Dudley setzt nun vor allem auf den Ver- Konzernchef Dudley hatte im Januar mit
Krisenmanagements bei Fischern und das Unternehmen kauf von Unternehmensbeteiligungen, dem Staatskonzern Rosneft einen milliar-
Anwohnern am Golf zur Hassfigur wur- ein Drittel seines Börsenwertes. um die Entschädigungen zu finanzieren. denschweren Aktientausch vereinbart.
de, hatte Dudley im vergangenen Okto- BP hat das Ziel, sich von Anteilen im Beide Firmen sollten gemeinsam angeb-
ber das Ruder bei BP übernommen. Der Wert von 30 Milliarden Dollar zu tren- lich gigantische Ölreserven in der russi-
Neue machte sich umgehend daran, die Der BP-Verwaltungsratsvorsitzende nen,, fast erreicht. Nur: Vielen Aktionä- schen Arktis ausbeuten. Doch gegen die-
Sicherheitskultur im Konzern zu verbes- Carl-Henric Svanberg machte indes ren, darunter mächtige Pensionsfonds, sen Vertrag revoltieren die Oligarchen
sern. Null-Toleranz bei Schludrigkeiten, klar, dass es eine hundertprozentige Si- reicht die verordnete Schrumpfkur Michail Fridman, Viktor Wechselberg,
verkündete der neue Chef bei seinem An- cherheit bei Tiefseebohrungen nicht ge- nicht. Sie fordern die dramatische Ver- German Chan und Len Blavatnik, die rus-
tritt. Kernstück ist die Gründung einer ben kann. „Im Geschäft mit Erdöl und kleinerung des Unternehmens bis hin zu sischen Vertreter des Gemeinschaftsun-
Abteilung für Sicherheit und Risikoab- Erdgas gibt es immer ein Risiko“, erklär- einer Aufspaltung. „Das Unternehmen ternehmens TNK-BP. Ihnen passt es
schätzung, die weitreichende Kompeten- te der Manager vor kurzem auf der Aktio- muss beträchtlich kleiner werden, um nicht, dass die Briten mit Rosneft ange-
zen hat. Die Ölplattformen draußen auf närsversammlung in London. Es komme zum interessanten Investment zu wer- bandelt haben.
See müssen jederzeit mit Besuchen von jedoch darauf an, das Risiko so kalkulier- den“, zitierte die Sunday Times“ einen Nun sind die Fronten verhärtet. Frid-
Experten aus der amerikanischen BP- bar zu halten, dass auch das Investment Aktionär. „Wir planen nicht, das Unter- man und Co. fordern milliardenschwere
Zentrale in Houston rechnen, die über- der Anteilseigner optimal geschützt sei, nehmen aufzubrechen“, beeilte sich ein Schadensersatzzahlungen. Dudley ver-
prüfen, ob technische Standards einge- so Svanberg. Unternehmenssprecher klarzustellen. heddert sich in einem innerrussischen In-
halten werden. Wie rasch auch ein finanzstarker Öl- Doch auch mit solchen Dementis lässt trigen- und Machtspiel. Kein Zufall,
Als erfahrener Ölmanager weiß Dud- konzern wie BP in einen Abwärtsstrudel sich der anhaltende Druck der Anleger dass Forderungen nach einer radikalen
ley allerdings, dass Vorschriften und Re- an der Börse geraten kann, haben die Ak- nicht wegwischen. Das Management Verkleinerung des Konzerns lauter wer-
geln allein wenig nützen, wenn die Be- tionäre im vergangenen Sommer zu spü- steht vor strategischen Weichenstellun- Tony Hayward musste den Posten des den. Das wäre dann gewiss auch das En-
schäftigten nicht mitziehen. So ist jedes ren bekommen. Innerhalb weniger Wo- gen: Soll sich BP weiter am Modell eines BP-Konzernchefs abgeben. Foto: AP de vieler Großmachtträume.

Wie Kleister am Meeresboden


Mikroorganismen haben wohl einen großen Teil des Öls einfach verdaut. Doch die Langzeitschäden für die Umwelt lassen sich nur schwer abschätzen
Von Christopher S chrader nen Bohrung namens Macondo 780 Milli- Samantha Joye von der University of verschiedenen Orten mit verschieden aus- eine aktuelle Debatte bei den Meeressäu-
4 onen Liter Öl strömten. Anders kann sich Georgia sieht das anders. Sie ist zuletzt gereiften Methoden der Probennahme. getieren wie Delfinen und Robben. Hun-
Erst mit Hilfe eines München – Wo es eine rechte Sauerei zum Beispiel Terry Hazen vom Lawrence im Dezember mit einem Tauchboot im Speziell gegen Terry Hazen richtet sich dert tote Tiere seien gefunden worden, sa-
Abdichtaufsatzes gibt, sind bisweilen die willigen Helfer Berkeley Nationallabor seine Daten Golf unterwegs gewesen. „Als wir dem zudem der Vorwurf, dass sein Institut gen Forscher um Rob Williams von der
gelingt es BP nicht weit. Ein Jahr nach dem Beginn der nicht erklären. Als er zwischen Ende Juli Meeresgrund näher kamen, bemerkte schon lange vor dem Leck in der Macon- University of British Columbia. Doch bei
am 15. Juli, das Öl größten Ölpest aller Zeiten, die mit dem und Ende August 2010 das Wasser unter- ich, dass keine Würmer die Köpfe aus- do-Bohrung von BP finanziell unter- früheren Unglücken ähnlicher Art sei
zu stoppen. Untergang des Bohrschiffs Deepwater suchte, die leckgeschlagene Bohrung streckten, um uns zu begrüßen“, erzählte stützt wurde. Unter den Wissenschaft- später nur jeder 50. Tierkadaver aufge-
Horizon begonnen hatte, wundern sich je- war einige Wochen gestopft, fand er kein sie im Februar in einem Chat. Die Lebens- lern nimmt niemand diese Kritik sonder-
denfalls viele amerikanische Wissen- Öl mehr. „Wir können Konzentrationen gemeinschaften am Grund waren zuge- lich ernst.
schaftler, wie schnell das freigesetzte Öl hinunter bis zwei Teile pro einer Milliar- kleistert mit einem Ölfilm, womöglich So oder so arbeiten die Forscher aber Die Reinigung der Strände
und Gas verschwunden sind. Mikroorga- de nachweisen“, sagte er der New York nach unten getragen von vollgefresse- in einer politisch und juristisch aufge- ist für die Tierwelt
nismen werden dafür verantwortlich ge- Times. „Aber es war nichts da.“ nen, abgestorbenen Bakterien. „Es war heizten Atmosphäre. Es steht eine Pro- schädlicher als das Öl selbst.
macht. Ganz geklärt sind die Zusammen- ein grausiger Anblick“. Zumindest die zess-Serie zwischen Regierung und BP
hänge nicht; schon die Bestandsaufnah- zersetzenden Mikroorganismen am Mee- an; beide Seiten sammeln Daten und hal-
me macht Probleme; unter den For- Die zähe Masse resboden hätten ihre Arbeit keinesfalls ten sie geheim, um der Gegenseite später taucht. Tatsächlich könnten also 5000
schern gibt es noch heftige Debatten. Der hat das Leben beschleunigt. Bis 2012 werde im Golf umso besser ihre Trümpfe präsentieren Meeressäuger wegen des Öls verendet
verantwortliche Ölkonzern BP hingegen in der Tiefe erstickt. nichts wieder im Lot sein. Diese Jahres- zu können. In einem Gutachten für den sein. In vielen anderen Fällen könnten
reibt sich vermutlich die Hände. Die My- zahl hatte vor kurzem der Verwalter des US-Kongress hat dessen Autor Jonathan sich die Konsequenzen der Verschmut-
riaden von Bakterien könnten der Firma BP-Entschädigungsfonds genannt. Ramseur das Dilemma auf den Punkt ge- zung erst zeigen, wenn die zur Zeit des
am Ende etliche Milliarden Dollar an Eine ähnliche Erfahrung machte John Ihr Kollege Ian MacDonald von der bracht. „Wenn die Politiker den Ein- Unglücks geborenen Jungtiere selbst
Schadensersatzzahlungen ersparen. Kessler von der Texas A&M Universität Florida State University schließlich hält druck haben, dass sich das Öl mit nur mi- Nachwuchs bekommen. Im Fall der mit
SZ-Graphik: Ilona Burgarth

Unbestritten ist, dass im warmen Was- mit Methan, dem Hauptbestandteil von es für möglich, dass Kesslers verschwun- nimalen Folgen für die Umwelt zersetzt großem Aufwand umgesiedelten Eier ei-
ser des Golfs von Mexiko schon immer Erdgas. Mitte Juni hatte sein Team noch denes Methan einfach von Meeresströ- hat, könnte ihre Aufmerksamkeit schwin- ner bedrohten Schildkröte könnte das so-
Bakterien lebten, die Öl und Gas verdau- 100 000-fach erhöhte Werte im Wasser mungen davongetragen wurde. Solches den. Die Auffassung, dass noch ein sub- gar Jahrzehnte dauern. An den Stränden
en können: Viele der Ölfelder sind aus na- gemessen, im September und Oktober Hin und Her ist typisch für die frühe For- stantieller Anteil des Öls da ist, könnte immerhin, so stellte es kürzlich ein Ex-
türlichen Gründen oder wegen techni- 2010 aber schon wieder normale Konzen- schung an einem komplexen Phänomen: hingegen zu einem anhaltenden Druck pertenteam fest, würde die weitere Reini-
scher Mängel der Förderanlagen nicht trationen. „Zunächst dachten wir, das Die Wissenschaftler improvisieren auf die Industrien im Golf führen.“ gung die Tierwelt inzwischen mehr ge-
ganz dicht. Offenbar haben sich diese Mi- Methan würde noch jahrelang im Golf zu schließlich alle. Die unterschiedlichen Wie sich die Ölpest auf größere Tiere fährden als das Öl im Sand zu lassen. Die
kroben rasant vermehrt und auf das Fest- finden sein“, sagt Kessler. Aber dann hät- Befunde erklären sich womöglich durch als Bakterien und Bodenbewohner aus- Touristen sind ohnehin längst an die
mahl gestürzt, als aus der leckgeschlage- ten die Bakterien alles verzehrt. Messungen zu verschiedenen Zeiten an wirkt, ist ohnehin noch unklar. Das zeigt Strände zurückgekehrt.

Die größten Unfälle Im Tiefenrausch


Die Industrie wagt sich mit Förderprojekten immer weiter ins Meer hinaus – egal, was es kostet und wie groß die Risiken sind
16. März 1978: Auf dem Tanker Amoco Cadiz versagt die Ru-
deranlage. Das manövrierunfähige Schiff läuft vor der bretoni- Von Silvia Liebric h Shell-Chef Peter Voser. Es gebe derzeit schlampt wurde. An den Richtlinien für bereits in mehrere schwere Ölunfälle
schen Küste auf Grund und verliert bis zu 220 000 Tonnen Öl. schlicht keine Alternativen, den Rohstoff die Ölindustrie hat sich seitdem an Aus- und Vertuschungsaffären verwickelt.
Der Ölteppich erreicht die Größe des Saarlands. München – Das Geschäft mit Tiefseeboh- zu ersetzen. „Wir haben aus den Fehlern traliens Küsten kaum etwas verbessert. Die Vorhaben an Brasiliens Küste gelten
350 Kilometer nordfranzösische Küste werden verschmutzt. rungen könnte kaum besser laufen. Aus- von BP gelernt“, beteuert er. Doch wenn Mit etwa 6000 Förderanlagen gilt der als besonders gefährlich, weil die Lager-
3. Juni 1979: Ein Feuer zerstört die Ölplattform Ixtoc I vor der rüstungen für Projekte vor den Küsten Ölmanager solche Sätze sagen, ist Miss- Golf von Mexiko derzeit als größte und stätten nicht nur unter einer dicken Salz-
Ostküste Mexikos und verursacht eine Ölpest. Über zehn Mona- sind ein Jahr nach der Ölpest im Golf von trauen angebracht. Der Name Shell ist wichtigste Region für Tiefseeprojekte. schicht, sondern auch sehr tief liegen, bis
te hinweg läuft unkontrolliert Rohöl aus, mindestens eine halbe Mexiko gefragter denn je. Es ist erst ein eng verknüpft mit einer Ölkatastrophe, Andere Gebiete, etwa um Grönland, an zu 7000 Meter unter dem Meeresboden.
Million Tonnen, etwa 600 Millionen Liter, schätzen Experten. paar Tage her, da meldete der dänische über die der Rest der Welt schon länger den Küsten Afrikas und Südamerikas Für heftige Proteste sorgt die Ankündi-
Die Küste von Texas ist betroffen. Ölindustrie-Dienstleister Maersk den geflissentlich hinwegsieht. Seit Jahren gung Kubas, das noch in diesem Jahr in
24. März 1989: Der Kapitän der Exxon Valdez schläft sein Kauf zweier Schiffe für Tiefseebohrun- fördert Shell an der Küste Nigerias Öl. seinen Gewässern mit der Ölförderung
Rausch aus, als der Öltanker kurz nach Mitternacht vor der gen. Wert: knapp eine Milliarde Euro. Seit Jahren strömt Öl aus undichten Lei- Auch Deutschland ist gefährdet: beginnen will. So befürchtet etwa die
Südküste Alaskas auf ein Riff aufläuft. 40 000 Tonnen Öl laufen Die Nachfrage nach solchen Spezialge- tungen und Bohrlöchern ins Nigerdelta. In der Nordsee amerikanische Küstenwache, dass aus-
aus und verseuchen das empfindliche arktische Ökosystem. räten ist groß. Wer sie mieten will, muss Der zähe Schlamm vergiftet Umwelt und gibt es 450 Ölplattformen. tretendes Öl im Unglücksfall die nahe ge-
2. August 1990: Irakische Truppe marschieren in Kuwait ein. nicht selten Wartezeiten von einem Jahr Menschen. Möglich ist das nur, weil es an legenen Strände Floridas verseuchen
Sie zünden Ölquellen an und leiten schätzungsweise eine oder länger in Kauf nehmen. Der weltwei- staatlicher Aufsicht und Umweltauf- könnte. Aber auch Deutschland und an-
Million Tonnen Öl, etwa 1,2 Milliarden Liter, in den Persischen te Bedarf an Öl wächst rasant und damit lagen mangelt. werden in den nächsten Jahren noch dere europäische Länder liegen in einer
Golf und lösen die wohl größte Ölpest der Geschichte aus. füllen sich auch die Auftragsbücher der Nicht nur korrupte afrikanische Re- deutlich an Bedeutung gewinnen. In den Gefahrenzone. In der Nordsee sind mehr
Das warme Klima der Region bietet Bakterien gute Lebensbe- Ausrüstungsfirmen. genten drücken beide Augen zu, wenn es vergangenen Jahren wurden vor Brasili- als 450 Ölplattformen zu finden. Umwelt-
dingungen, so dass das Öl im Wasser relativ schnell abgebaut Dass die Ölsuche in den Tiefen der Oze- um Risiken von Tiefseebohrungen geht. en gleich mehrere große Ölfelder ent- schützer fordern ein Verbot für alle Pro-
wird und sich zumindest die Meeresökosysteme nach ane große Risiken birgt, wird billigend in Auch Industrieländer wie Australien le- deckt. Das Land hat ehrgeizige Pläne jekte unterhalb von 200 Metern Tiefe –
einigen Jahren weitgehend erholt haben. Kauf genommen. Immerhin ein Drittel gen eine nachlässige Haltung an den Tag. und will bis 2030 zum viertgrößten Ölpro- vergeblich. Auch EU-Energiekommissar
5. Januar 1993: Der Tanker Braer verliert etwa der noch nicht erschlossenen Vorkom- Vor zwei Jahren ereignete sich in der Ti- duzenten der Welt aufsteigen. Einen gro- Günther Oettinger will Tiefseebohrun-
85 000 Tonnen Öl. Das Öl verseucht die Strände und vergiftet men wird unter dem Meeresgrund vermu- morsee vor der australischen Nordküste ßen Teil der Förderung soll der halbstaat- gen in der Nordsee stoppen. Doch dafür
Trinkwasserquellen. tet. An Tiefseebohrungen führe deshalb ein ähnlicher Unfall wie im Golf von Me- liche Mineralölkonzern Petrobras über- fehlt ihm die Handhabe. Es ist Sache der
kein Weg vorbei, argumentiert etwa xiko, weil bei Arbeiten am Bohrloch ge- nehmen. Der war in der Vergangenheit Länder, Genehmigungen zu erteilen.

3. Juli 15. Juli 4. August 19. September


Fotos: dpa (2), ddp images/AP, Polaris /Studio X, Reuters (2), AP, AFP (2)

Der südkoreanische Tankfrachter „A Whale“ wird Erstmals gelingt es, das Leck provisorisch mit Die Operation „Static Kill“ beginnt. Die Ingenieure Der Operation „Bottom Kill“ gelingt es, fast vier
zum Absaugschiff umgebaut und soll helfen, das einer Stahlkappe abzudichten und so das ausströ- von BP versuchen erneut, das Bohrloch mit Monate nach der Explosion der Bohrinsel, das
ausgelaufene Öl aus dem Meer zu entfernen. Von mende Öl aufzuhalten. Zuvor hatte BP mit dem Schlamm und Zement zu verschließen. Diesmal Bohrloch endgültig zu schließen. Die Arbeiten
dem Einsatz verspricht man sich eine Reinigungs- Einsatz der Chemikalie Corexit versucht, die Aus- wird der Schlamm besonders langsam und vor- finden 4000 Meter unter dem Meeresspiegel statt
leistung von 80 Millionen Litern täglich. Doch der breitung der Ölteppiche zu verhindern. Da dies sichtig in die Öffnung gepumpt. Nach nur acht und sollen die Quelle auch von unten versiegeln.
340 Meter lange Tanker ist nicht wendig genug, möglicherweise weitere Schäden in der Tiefsee- Stunden meldet die Operation Erfolge. Zwei Tage Der US-Katastrophen-Beauftragte Thad Allen
um sich um kleine Ölfelder herum zu manövrieren. welt verursacht, war der Einsatz ebenso umstrit- später gibt BP bekannt, dass das Leck nun abge- erklärt sie an diesem Tag offiziell für „tot“. Bereits
stülpen einen Trichter über das Leck auf dem Grund Zudem machen ihm die Witterungsverhältnisse ten wie das kontrollierte Abfackeln des Öls. dichtet sei. Die Arbeiten an der Katastrophen-In- im August badete US-Präsident Barack Obama
chiff geleitet werden. Die Menge des auslaufenden Öls und das inzwischen stark mit Meerwasser ver- Durch die Verbrennung wurde die Luft stark sel dauern jedoch an. Zu diesem Zeitpunkt sind mit seiner Tochter Sasha an einem Strand in Flori-
Seevögel treiben an die Küsten der amerikanischen mengte Öl zu schaffen. Die Testphase wird am 8. verschmutzt, was BP weitere Kritik von Umwelt- Schätzungen zufolge bereits 780 Millionen Liter da. Dies wurde als Symbol für den Tourismus in
versteht, fürchtet um seine Strände und Touristen. Juli für beendet erklärt. verbänden wie Greenpeace einbrachte. Rohöl in den Ozean geflossen. der Region gewertet. Charlotte Theile