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Bilanzierung

DGNB Grundlagenwissen
1. Einführung / Relevanz von Bilanzierungsmöglichkeiten
Bewertung anhand von Attributen

Photovoltaik Anlage 
Wassersparende Armaturen 
Erdwärme x
Begrünung 
Kleinwindkraftanlage x
Lichtsteuerung x
Bild: DGNB

4 | DGNB – Bilanzierung
Ökobilanzierung: Bsp. Fußbodenbeläge Teppich:
BAUTEILELEMENT BEZUGSGRÖSSE ÖKOBILANZ Primärenergie 181 MJ/m²
GWP 14,8 kg/m³

Naturstein:
Primärenergie 533 MJ/m²
GWP 15,8 kg/m³

Lebensdauerannahmen, Materialvergleich
Quelle: Bauhaus Universität Weimar, Vorlesung „Grundlagen Nachhaltiges Bauen !“,
Studienarbeit Sandra Utermöhlen (2014), Vergleich der Ökobilanz verschiedener Deckenaufbauten unter verschiedenen Lebensdauerannahmen
5 | DGNB – Bilanzierung
Lebensdauer

Schätzen Sie bitte die durchschnittliche technische Lebensdauer für

• einen Teppichbelag

• einen Natursteinbelag

Schreiben Sie diese bitte

gut leserlich auf ein Blatt.

© Trueffelpix - Fotolia.com
6 | DGNB – Bilanzierung Triftgletscher 1949 und 2006
Ökobilanzierung: Bsp. Fußbodenbeläge
Teppich:
BAUTEILELEMENT LEBENSDAUER IN JAHRE
11 Jahre

Naturstein:
67 Jahre

Quelle. Bauhaus Universität Weimar, Vorlesung „Grundlagen Nachhaltiges Bauen !“,


Studienarbeit Sandra Utermöhlen (2014), Vergleich der Ökobilanz verschiedener Deckenaufbauten unter verschiedenen Lebensdauerannahmen
7 | DGNB – Bilanzierung
Bilanzierung = Bewertung von Maßnahmen
anhand ihrer Wirkung
Teppich: x5
Primärenergie 181 MJ/m²
GWP 14,8 kg/m³
Lebensdauer 11 Jahre

Input
Naturstein: x
Output
1
Primärenergie 533 MJ/m²
Wasser GWP 15,8 kg/m³
Abwasser
Lebensdauer 67 Jahre
Material Abfall

Energie CO2

Sachbilanz Bilanzraum Wirkungsbilanz

50 Jahre
Bild: DGNB
8 | DGNB – Bilanzierung
Bilanzierung / Systemgrenzen

Zuschnitt Zeitschrift über Holz als Werkstoff und Werke in Holz März 2017 Nr. 65
9 | DGNB – Bilanzierung
Bilanzierung / Unterschiedliche Systemgrenzen
Stadt, Quartier, Gebäude, Bauteil, Baustoff, Prozess
System Subsystem Subsystem Subsystem Subsystem
Stadt Quartier Gebäude / Bauteil Baustoff
Freiraum
Wärme
Strom
Input Wasser
Stoffe

Black Box Gebäude Boden, Wand, Decke


Fenster, Türen…
Holz, Metalle, Beton,
Dämm-u.
Freiraum Grün-, Wasser-, Kunststoffe, Glas,
Verkehrs-, Bodenflächen, Asphalt, Kies
Bäume

Abwärme
CO2
Output Abwasser
Abfall

Anders, Stephan (2016): Stadt als System, S. 83, Rohn Verlag


11 | DGNB – Bilanzierung
Unterschiedliche Bilanzkriterien Mobilität, Konsum, Reisen,
Medien, Hobby, Gebäude, …
Trinkwasser Beleuchtung
Hilfsenergie
Haushaltsgeräte

Kühlung

Mobilität
Heizung Gebäudebetrieb

Lebensmittel

Herstellung
Nutzungsbedingte Konsum
Energieaufwendungen
Lebenszyklus
Instandhaltung
Medien /
Kommunikation

Reinigung
Reisen

Rückbau Hobby
Müllentsorgung
13 | DGNB – Bilanzierung
Persönlicher Ökologischer Fußabdruck

Wie groß ist ihr eigener ökologischer Fußabdruck?


Wird er größer oder kleiner als der Bundesdurchschnitt sein?

Gehen Sie bitte auf


https://www.fussabdruck.de/
und berechnen Sie ihren Fußabdruck.

Halten sie bitte das Ergebnis auf den Flipcharts fest.

Quelle: DGNB GmbH / Fraunhofer Institut IGB © Trueffelpix - Fotolia.com


14 | DGNB – Bilanzierung Triftgletscher 1949 und 2006
Persönlicher Ökologischer Fußabdruck

Die pro Erdenbürger verfügbare Biokapazität beträgt derzeit 1,7 gha. Dabei ist die Biokapazität noch
nicht berücksichtigt, die benötigt wird, um die Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt zu erhalten.

Konsum
18%
Ernährung
35%

Mobilität
5,0
22% gha
2,8 1,7
gha
gha
Wohnen
22%

Welt Biokapazität
Deutschland pro Erdenbürger
15 | DGNB – Bilanzierung https://www.fussabdruck.de/oekologischer-fussabdruck/ueber-den-oekologischen-fussabdruck/
CO2 Ausstoß nach Bereichen

Gesamtverbrauch pro Kopf und Jahr in Deutschland 11 Tonnen CO2


(Quelle: UBA 2013, BMU und BDI 2010)

Öffentliche
Emissonen Ernährung
10% 13%

Maximale CO2-Emissionen
Konsum
30%
11t Energie
25%
pro Erdbürger wenn
Klimaschutzziele 2015
CO2/a erreicht werden sollen
2t
CO2/a
Mobilität
22%

Deutschland
16 | DGNB – Bilanzierung
Wärmebilanz eines Gebäudes –
Veränderung der Systemgrenze
Energiebilanz nach DIN 4108-6
(1950er):
Wärmeschutz im Hochbau –
Berechnung des
Jahresheizwärmebedarf

Energiebilanz nach DIN V 18599:


Energetische Bewertung von
Gebäuden – Berechnung der
Energiebilanz (EnEV)

Quelle: Oberste Baubehörde im Bayrischen Staatsministerium des Inneren (Hg.) (2010): Energie und Ortsplanung. München
17 | DGNB – Bilanzierung
Zollverein-Schule, Essen (D),
2006, SANAA/ Transsolar
 Steht auf dem Gelände der ehemal. Zeche
Zollverein, die 1986 geschlossen wurde

 Keine Dämmung
(30 cm einschalige Betonwand mit
eingelassenen Plastikrohren)

 Nutzt Grubenwasser als CO2-freie


Wärmequelle und „Aktive Isolierung“

 Gebäude liegt um 75% unter der


Energieeinsparverordnung (2006)

 Bau und Betrieb waren bzw. sind günstiger


als bei vergleichbaren Gebäuden

Bild: Zollverein Schule, Hpschaefer http://www.reserv-art.de Lizenz: CC BY-SA 3.0


18 | DGNB – Bilanzierung
Zollverein-Schule, Essen (D), 2006, SANAA/ Transsolar

Grafik:Agerman Ross, Johanna; Arieff, Allison (Hg.) (2013): future green – Bilder: Saana Zollverein, Alena Hanzlová, Lizenz: CC 3.0
Architektur und Design für einne bessere Zukunft, ISBN: 978-3944297002

19 | DGNB – Bilanzierung
DGNB Positionspapier zur EnEV 2016

Die zentralen DGNB Forderungen zur EnEV im Überblick:

 eine Änderung der Zielsetzung mit Blick auf die


Klimaschutzziele hin zur Begrenzung klimaschädlicher Gase

 eine Erweiterung des Betrachtungsraumes auf Basis der


Ökobilanzierung über den gesamten Lebenszyklus

 eine grundsätzliche Technologieoffenheit für mehr Innovation

 eine Bewertung der Effizienz und Wirtschaftlichkeit


energiesparender Maßnahmen auf Basis der
Lebenszykluskostenrechnung

 eine Einbeziehung der Liegenschaft bzw. des Quartiers in die


Gebäudebetrachtung

http://www.dgnb.de/de/aktuell/pressemitteilungen/detail.php?we_objectID=27347
20 | DGNB – Bilanzierung
DGNB Diskussionsvorschlag für zukünftiges GEG

Unser zukünftiges Gebäudeenergiegesetzes (GEG)?

 Änderung der Zielgröße von Primärenergiebedarf auf CO2-


Emissionen

 die Bewertung erfolgt anhand absoluter Grenzwerte

 bei Nichterfüllung ist eine CO2-Abgabe zu leisten

 Bewertungen, Vorgaben und Steuerungsmechanismen basieren


auf real gemessenen Verbrauchsdaten

 Technologieoffenheit, um alle bekannten und zukünftigen


Lösungen zu ermöglichen

http://static.dgnb.de/fileadmin/de/dgnb_ev/Aktuell/stellungnahme/DGNB_Diskussionsvorschlag_GEG2050.pdf
21 | DGNB – Bilanzierung
2. Ökobilanzierung (LCA)
Definition des Begriffs und Relevanz für Mensch und Natur

„Die Ökobilanz [engl. Life-Cycle-Assessment,


LCA] betrachtet den gesamten Lebensweg
eines Produktes, von der Rohstoffgewinnung
und -erzeugung über die Energieerzeugung und
Materialherstellung bis zur Anwendung,
Abfallbehandlung und endgültigen Beseitigung.“
(DIN 2009: 14)

© Stephan Anders
23 | DGNB – Bilanzierung
2.1 Einordnung, Ziele und Inhalte einer Ökobilanz
Einordnung LCA: Instrument zur Entscheidungsunterstützung

Life Cycle Assessment

Quelle: Hofstetter, P. (1998): Perspectives in life cycle impact


assessment. A structured approach to combine models of the
technosphere ecosphere and valuesphere. Kluwer Academic,
Boston, Dordrecht, London.
25 | DGNB – Bilanzierung
Phasen einer Ökobilanz

Festlegung des
Ziels und des Direkte
Untersuchungs- Anwendungen:
rahmen
 Entwicklung und
Verbesserung
von Produkten
Sachbilanz Auswertung  Strategische
Planung Die Systemgrenze umfasst
die Prozesse, die bei der
 Politische
Bewertung berücksichtigt
Entscheidungs- werden.
prozesse
 Marketing Prozesse außerhalb des
Wirkungs-
 Sonstige Bilanzraumes bleiben
abschätzung
unberücksichtigt.

Quelle: Stephan Anders nach DIN (2009): Umweltmanagement, Ökobilanz, Berlin. Deutsches Institut für Normung e.V.
26 | DGNB – Bilanzierung
Systemgrenzen DGNB Ökobilanzierung

Gebäude
Verkehr
(Herstellung + Nutzung+ Verkehrsflächen Grünflächen Medienerschließung
(noch nicht)
EOL)

Gebäude LCA Quartiers LCA

Bilder:Flickr, Lizenz Gemeinfrei/ CC2.0

27 | DGNB – Bilanzierung
Systemgrenzen DGNB Ökobilanzierung

 Betrachtet wird das Gebäude ohne


Außenanlagen
 Bezeichnungen und Angaben der
Lebenswegphasen A bis D gemäß
DIN EN 15978
 Aufstellung zeigt von der
Systemgrenze eingeschlossene
Prozesse und Phasen (Bewertung)

1) Wirkungen aus gesundheitsrelevanten Emissionen in


Innenraum und Umwelt werden den Kriterien ENV1.2 und
SOC1.2 zugeordnet.
2) Ein Szenario für den Energiebedarf des Gebäudes im Betrieb,
wobei nur der in der EnEV 2014 erfasste Energiebedarf
berücksichtigt wird (Modul B6).
3) Instandhaltungsprozesse werden als Wasserverbrauch in
ENV2.2 unvollständig abgebildet. In Gebäude-Ökobilanz nicht
enthalten.
4) Beinhaltet nur die Herstellung und Entsorgung des
ausgetauschten Produkts, nicht den Austauschprozess selbst
(analog Bauprozess).
5) Wasserverbrauch des Gebäudes wird nur für den Indikator
„Wasserverbrauch“ berücksichtigt.

28 | DGNB – Bilanzierung
Logik einer LCA

 Indikator

 Effekt (Anlass)

 Referenzsubstanz

 Referenzeinheit

 Quelle

Quelle: DGNB GmbH / Fraunhofer Institut IGB

29 | DGNB – Bilanzierung Triftgletscher 1949 und 2006


Ökobilanzparameter (LCA)
Parameter / Potenziale Effekt Referenz-substanz Einheit
Äquivalent
Treibhauspotenzial (GWP) Erwärmung der Troposphäre durch anthropogene Treibhausgase z. B. Kohlendioxid (CO2) kg CO2
durch Verbrennung fossiler Brennstoffe

Ozonschichtabbaupotenzial Verringerung der Ozonkonzentration in der Stratosphäre durch Tri-chlor-fluor-methan kg R11


(ODP) Emissionen wie Fluor-Chlor-Kohlenwasserstoffe (FCKWs) (R11)

Ozonbildungspotenzial Bildung von bodennahem Ozon (Reizgas) unter Einfluss von Ethen (C2H4) kg C2H4
(POCP) Sonnenlicht durch photochemische Reaktion von Stickoxiden mit
Kohlenwasserstoffen und flüchtigen organischen Stoffen (VOC)

Versauerungspotenzial (AP) Verringerung des pH-Wertes des Niederschlagwassers durch die Schwefeldioxid (SO2) kg SO2
Auswaschung von säurebildenden Gasen z. B. Schwefeldioxid (SO2) und
Stickoxide (NOx)

Überdüngungspotenzial (EP) Übermäßiger Nährstoffeintrag in Gewässern und Landgebieten durch Phosphat (PO43-) kg PO43-
Substanzen wie Phosphor und Stickstoff aus Landwirtschaft,
Verbrennungsvorgängen und aus Abwässern.

30 | DGNB – Bilanzierung
Ökobilanzierung: Umweltwirkungen von Energieträgern
Treibhauspotential (GWP) Ozonbildungspotenzial (POCP)

Holzpellets

Ozonschichtabbaupotenzial (ODP) Versauerungspotenzial (AP)

Quelle: ÖKOBAUDAT 2016-I (18.05.2016) http://www.oekobaudat.de/


31 | DGNB – Bilanzierung
Primärenergiefaktoren nach DIN 18599-1

A = Insgesamt B = Nicht
erneuerbare
r Anteil

Quelle: DIN (Hg.): DIN 18599-1 Energetische Bewertung von Gebäuden. www.beuth.de
32 | DGNB – Bilanzierung
Weitere (zukünftige) Indikatoren

Ökobilanziell (noch) nicht erfasst


Landnutzung/ Flächeninanspruchnahme
Radioaktivität
Aquatisches und terrestrisches Ökotoxizitätspotential

Einfluss auf die Biodiversität


Ernährungsunsicherheit
Abiotischer Ressourcenverbrauch (ADP)* * Wird bei DGNB Zertifizierung schon
Lokale Einträge von Schadstoffen
informativ erfasst (Benchmarkbildung)

Humantoxizität
Geruch/ Lärm
Sicherheit am Arbeitsplatz
Soziale Nachhaltigkeit
Virtueller Wasserbedarf*

33 | DGNB – Bilanzierung
Wasserfußabdruck / „Virtuelles“ Wasser

Schätzen Sie bitte den Wasserverbrauch für eine Tasse Kaffee.

Schreiben Sie diese bitte


gut leserlich auf ein Blatt.

34 | DGNB – Bilanzierung
Wasserfußabdruck / „Virtuelles“ Wasser

Kaffeekonsum eines Deutschen pro Tag

0,41 Liter
(3,3 Tassen)
Kaffee pro Tag

140 Liter
virtuelles Wasser
pro Tasse
462 Liter
virtuelles Wasser
für 3,3 Tassen

Quelle. Wasser im 21 Jahrhundert, Bundesministerium für Umwelt / UNESCO-IHE; https://de.statista.com/themen/171/kaffee

35 | DGNB – Bilanzierung
Wasserfußabdruck / „Virtuelles“ Wasser

4.000 l 15.000
virtuelles Wasser Liter
pro Tag p.P.
in Deutschland 140 Liter

ca.
bis zu
30 Liter 400.000
Liter

Quelle. Wasser im 21 Jahrhundert, Bundesministerium für Umwelt / UNESCO-IHE

36 | DGNB – Bilanzierung
2.2 Ablauf einer LCA
Ökobilanz Prinzip – Umweltwirkungen über den Lebenszyklus

Wirkungs- Energie-, Rohstoffverbrauch, Treibhauseffekt, Sommersmog,


abschätzung Bodenversauerung, Überdüngung, Umweltgifte, Abfall, …

Emissionen,
Abfälle

Sachbilanz Output Output Output Output Output


X Umweltwirkung
je Material Input Input Input Input Input

Ressourcen

Rohstoff- Herstellung Herstellung, Nutzungs- Rückbau,


Lebensweg abbau, der Bau, phase Entsorgung
Aufbereitung Vorprodukte Produktion

Quelle: Stephan Anders nach DIN (2009): Umweltmanagement, Ökobilanz, Berlin. Deutsches Institut für Normung e.V.
38 | DGNB – Bilanzierung
Berechnung der Grauen Energie

Abmessungen Bauteil
[m² oder kg]
× Graue Energie
[kWh oder MJ]
÷ Lebensdauer
[Jahre]

kWh (oder MJ) / m²a Graue Energie


Beispiel:
Datenbank Datenbank
Graue
Baustoff Lebensdauer
Energie
11 mm
0,12 kg
× Mineralfaser
Glaswolle
46,45
MJ/kg ÷ 25 Jahre

12,34 mm Holzweich- 7,72


faserplatte MJ/kg
20 Jahre

Quelle: www.db-bauzeitung.de/db-themen/energie/grauwerte/#slider-intro-1
39 | DGNB – Bilanzierung
Ökobilanzierung: Berechnungsbeispiele

Materialvergleich

Quelle. Bauhaus Universität Weimar, Vorlesung „Grundlagen Nachhaltiges Bauen !“


40 | DGNB – Bilanzierung
Ökobilanzierung: Berechnungsbeispiele

Materialvergleich / funktionale Einheit

Quelle: Bauhaus Universität Weimar, Vorlesung „Grundlagen Nachhaltiges Bauen !“


41 | DGNB – Bilanzierung
Ökobilanzierung als Tool für die nachhaltige Planung

Dämmstoff mit Wärmeleitfähigkeit λ=0,04

19 Innendämmung mit
ID mit DB
Dampfbremse
17
PE ne in MJ/(m²*a)

15 Wärmedämm-
WDVS
verbundsystem
13
11 Vorhangfassade mit
VHF mit HP
Holzpanel
9
7 Vorhangfassade mit
VHF mit FZP
Faserzementplatte
5
3
ZSMW
Ziegelstein-mauerwerk
1
0,6 0,5 0,4 0,3 0,2 0,1
U-Wert in W/(m²*K)
Quelle: Bauhaus Universität Weimar, Vorlesung „Grundlagen Nachhaltiges Bauen !“
42 | DGNB – Bilanzierung
2.3 Informationsbasis
Tools & Hilfsmittel: Produktinformationen der Hersteller
Wo findet man diese Informationen?
Umwelt-Produktdeklarationen (EPD)
Institut Bauen und Umwelt e.V. (IBU)
 http://www.bau-umwelt.de

Ökobau.dat
Web-basiertes ökologisches Baustoffinformationssystem
 http://www.nachhaltigesbauen.de/baustoff-und-gebaeudedaten/oekobaudat.html

WECOBIS
Web-basiertes ökologisches Baustoffinformationssystem
 http://www.nachhaltigesbauen.de/baustoff-und-gebaeudedaten/wecobis.html

44 | DGNB – Bilanzierung
Umwelt-Produktdeklaration

Environmental Product Declaration EPD

In einer EPD werden quantifizierte umweltbezogene Informationen


aus dem Lebensweg eines Produktes oder einer Dienstleistung
dargelegt

ca. 170 EPDs in Deutschland


für verschiedene Bauprodukte

www.bau-umwelt.de

45 | DGNB – Bilanzierung
www.oekobau.dat – Ökobilanz Datenbank für Baumaterialien

46 | DGNB – Bilanzierung
Beispiel EPD als Ökobau.dat Datensatz – Allg. Informationen

= Einheit, in welcher der Baustoff erfasst werden muss, damit dieser


Datensatz angewendet werden kann.

= Systemgrenze des Datensatzes beschrieben

= jeder Datensatz besitzt eine eindeutige ID


47 | DGNB – Bilanzierung
Beispiel EPD als Ökobau.dat Datensatz – Umweltindikatoren

= für Verwendung DGNB Ökobilanzierung

= für Verwendung bei DGNB Ökobilanzierung (ENV1.1)

48 | DGNB – Bilanzierung
www.oekobau.dat – Bsp. Mineralwolle

49 | DGNB – Bilanzierung
www.wecobis.de – Ökobilanz Datenbank für Baumaterialien

50 | DGNB – Bilanzierung
LCA Berechnung im DGNB Master-Tool
(Quartiere, Version 2016)
+ Alle relevanten Datensätze
aus der Ökobau.dat
bereits im Tool hinterlegt

51 | DGNB – Bilanzierung
2.4 Ökobilanz – exemplarische Vergleiche
Ökobilanz von 10 Außenwandtypen
Gesamter Primärenergie- und CO2 Bedarf der Wandtypen

Dicke in cm
hinterlüftet
verputzt
292 Nr Wandtyp

Hochlochziegel mit
251 PE-Bedarf in kWH/m² 1A
Perlite-Füllung
52
242 246
237
GWP 100 in kg/m² 1B
Porenbeton mit
63
Wärmedämmputz
201 Wandstärke in cm
Hochlochziegel mit
1C 56
Steinwolle-Füllung
169
3-schichtiger Porenbeton,
1D 38
unterschiedl. Porosität
127
114 1E Kalksandstein mit WDVS 36
103
91 96
79 Stahlbetonwand mit
72 2A
Mineralwolle ✓ ✓ 53
63 68 63
52 56 54 52 58 Stahlbetonwand mit EPS-
45 41 42 2B
WDVS
41
38 36 32 33
30
Holztafelwand mit
3A
Mineralwolle ✓ ✓ 37

Holztafelwand mit
3B
Steinwolle ✓ 30
Typ 1A Typ 1B Typ 1C Typ 1D Typ 1E Typ 2A Typ 2B Typ 3A Typ 3B Typ 3C
Holztafelwand mit
Steinwände StB.- Wände Holzwände 3C eingeblasener ✓ 33
Zellulosedämmung

Quelle. Oehler, S.; Reinke, H. G. (04/2012): Ökobilanz von zehn Außenwänden. In: Der Bauplaner. Special

54 | DGNB – Bilanzierung
Ökobilanzierung von Siedlungen
Siedlung in Falkensee
Bild: FOTO DÜSE, Thomas Düsterhöft, Lizenz: CC 3.0
Gebäudebezogener Primärenergiebedarf je EW/a

4500

4000

3500
Worst Case Standard Best Case
MWh/EW*a

3000

2500

2000

1500

1000

500

0
Baustoffe Heizeenergiebedarf Warmwasser Strom

Nach: Wolpensinger, H. (2002): Ökobilanzierung von Siedlungen. Diplomarbeit am KIT, Prof. Niklaus Kohler, Prof. Thomas Lützkendorf

56 | DGNB – Bilanzierung
Gesamter Primärenergiebedarf je EW/a

25
22
Worst Case
20,1 19,7
20 Standard
MWh/EW*a

Best Case
15

10,6 11
10 9

5,2
5 3,7
3,5 3,2 3,1 3,2 2,8
1,9 2 1,7 1,4
0,2
0
Gebäude Ver.- / Entsorgung Mobilität Reisen Ernährung Privater Konsum

Nach. Wolpensinger, H. (2002): Ökobilanzierung von Siedlungen. Diplomarbeit am KIT, Prof. Niklaus Kohler, Prof. Thomas Lützkendorf

57 | DGNB – Bilanzierung
2.6 Für das Thema relevante DGNB Kriterien
Für das Thema relevante DGNB Kriterien – Neubau V18

ENV1.1 ECO1.1 SOC1.1 TEC1.2 PRO1.1 SITE1.1


Ökobilanz des Gebäudes Gebäudebezogene Thermischer Komfort Schallschutz Qualität der Mikrostandort
Kosten im Projektvorbereitung
Lebenszyklus SOC1.2 TEC1.3 SITE1.2
ENV1.2 Innenraumluftqualität Qualität der PRO1.4 Ausstrahlung und Einfluss
Risiken für die lokale ECO2.1 Gebäudehülle Sicherung der auf das Quartier
Flexibilität und
SOC1.3 Nachhaltigkeitsaspekte in
Umwelt Akustischer Komfort TEC1.4 SITE1.3
Umnutzungsfähigkeit Ausschreibung und
Einsatz und Integration Vergabe Verkehrsanbindung
ENV1.3 SOC1.4 von Gebäudetechnik
Verantwortungsbewusste ECO2.2 Visueller Komfort PRO1.5 SITE1.4
Ressourcengewinnung Marktfähigkeit TEC1.5 Dokumentation für eine Nähe zu nutzungs-
SOC1.5 Reinigungsfreundlichkeit nachhaltige relevanten Einrichtungen
ENV2.2 Einflussnahme des des Baukörpers Bewirtschaftung
Trinkwasserbedarf und Nutzers
Abwasseraufkommen TEC1.6 PRO1.6
SOC1.6 Rückbau- und Verfahren zur
ENV2.3 Aufenthaltsqualitäten Recyclingfreundlichkeit städtebaulichen und
Flächeninanspruchnahme Innen / Außen TEC1.7 gestalterischen Konzeption
Imissionsschutz PRO2.1
SOC1.7
ENV2.4 Sicherheit TEC3.1 Baustelle/Bauprozesse
Biodiversität am Standort Mobilitätsinfrastruktur PRO2.2
SOC2.1
Barrierefreiheit Qualitätssicherung der
Bauausführung
PRO2.3
Geordnete
Inbetriebnahme
PRO2.4
Nutzerkommunikation
PRO2.5
FM-gerechte Planung
59 | DGNB – Bilanzierung
Für das Thema relevante DGNB Kriterien – Quartiere
(Version 16)

ENV1.1 ECO1.1 SOC1.1 TEC2.1 PRO1.2


Ökobilanz - Lebenszyklus Thermischer Komfort im Energieinfrastruktur Integrale Planung
Freiraum
emissionsbedingte ECO1.2 TEC2.2
Fiskalische Wirkungen auf PRO1.7
Umweltwirkungen SOC1.6 Wertstoffmanagement Partizipation
die Kommune Freiraum
ENV1.4 ECO2.1 TEC2.4
Biodiversität SOC1.9 Smart Infrastructure PRO1.8
Resilienz und Projektmanagement
Wandlungsfähigkeit Emissionen / Immissionen
ENV1.5 TEC3.1
Stadtklima ECO2.3 SOC2.1 Mobilitätsinfrastruktur - PRO1.9
Flächeneffizienz Barrierefreiheit Motorisierter Verkehr Governance
ENV1.6
Umweltrisiken ECO2.4 SOC3.1
Wertstabilität Städtebau TEC3.2 PRO3.5
Mobilitätsinfrastruktur - Monitoring
ENV1.7 Nichtmotorisierter Verkehr
Gewässer- und SOC3.2
Bodenschutz Soziale und funktionale
Mischung
ENV2.1
Ökobilanz – SOC3.3
Ressourcenverbrauch Soziale und
erwerbswirtschaftliche
ENV2.2 Infrastruktur
Wasserkreislaufsysteme

ENV2.3
Flächeninanspruchnahme

60 | DGNB – Bilanzierung
3. Lebenszykluskostenanalyse (LCC)
3.1 LCC – Was verbirgt sich dahinter?
Definition von Lebenszykluskosten (LzK)

Summe aller anfallenden Kosten eines Produktes / Bauwerks


über deren Lebenszyklus

 LzK entspricht dem häufig verwendeten Begriff der Life Cylce Cost (LCC)

 DIN ISO 15686-5


Eine LCC beinhaltet die Planung, Realisierung, Bewirtschaftung und die
Prozesse am Ende des Lebenszyklus

63 | DGNB – Bilanzierung
Methode –
Lebenszykluskosten im engeren und weiteren Sinne
DIN ISO 15686

Lebenszykluskosten im
weiteren Sinn (whole-life
cost, WLC)

dem Gebäude nicht


Lebenszykluskosten im
Externe Kosten unmittelbar zugeordnete Einnahmen, Erträge
engeren Sinn
(Externalities) Zusatzkosten (non- (Income)
(life cycle cost, LCC)
construction costs)

Quelle: Anders nach der ISO 15686 "Buildings and constructed assets - Service life planning"
64 | DGNB – Bilanzierung
Methode –
Lebenszykluskosten im engeren und weiteren Sinne
Kommunalfiskalische Betrachtung

Lebenszykluskosten im
weiteren Sinn (whole-life
cost, WLC)

dem Gebäude nicht


Lebenszykluskosten im
Externe Kosten unmittelbar zugeordnete Einnahmen, Erträge
engeren Sinn
(Externalities) Zusatzkosten (non- (Income)
(life cycle cost, LCC)
construction costs)

Quelle: Anders nach der ISO 15686 "Buildings and constructed assets - Service life planning"
65 | DGNB – Bilanzierung
Methode –
Lebenszykluskosten im engeren und weiteren Sinne
DIN ISO 15686 Lebenszykluskosten im
weiteren Sinn (whole-life
cost, WLC)

dem Gebäude nicht


Lebenszykluskosten im
Externe Kosten unmittelbar zugeordnete Einnahmen, Erträge
engeren Sinn
(Externalities) Zusatzkosten (non- (Income)
(life cycle cost, LCC)
construction costs)

Kosten für Rückbau und


Kosten für Reinigung,
Entsorgung bzw.
Betriebskosten Pflege und
Baukosten (Construction) sonstige End-of-life-
(Operation) Instandhaltung
Szenarien
(Maintenance)
(End-of-Life)

Quelle: Anders nach der ISO 15686 "Buildings and constructed assets - Service life planning"
66 | DGNB – Bilanzierung
Methode –
Lebenszykluskosten im engeren und weiteren Sinne
Lebenszyklus Betrachtung (DGNB Neubauten) Lebenszyklus-kosten im
weiteren Sinn (whole-life
cost, WLC)

dem Gebäude nicht


Lebenszyklus-kosten im
Externe Kosten unmittelbar zugeordnete Einnahmen, Erträge
engeren Sinn
(Externalities) Zusatzkosten (non- (Income)
(life cycle cost, LCC)
construction costs)

Kosten für Rückbau und


Kosten für Reinigung,
Entsorgung bzw.
Betriebskosten Pflege und
Baukosten (Construction) sonstige End-of-life-
(Operation) Instandhaltung
Szenarien
(Maintenance)
(End-of-Life)

Quelle: Anders nach der ISO 15686 "Buildings and constructed assets - Service life planning"
67 | DGNB – Bilanzierung
Methode –
Lebenszykluskosten im engeren und weiteren Sinne
Klassische Immobilienökonomische Betrachtung Lebenszyklus-kosten im
weiteren Sinn (whole-life
cost, WLC)

dem Gebäude nicht


Lebenszyklus-kosten im
Externe Kosten unmittelbar zugeordnete Einnahmen, Erträge
engeren Sinn
(Externalities) Zusatzkosten (non- (Income)
(life cycle cost, LCC)
construction costs)

Kosten für Rückbau und


Kosten für Reinigung,
Entsorgung bzw.
Betriebskosten Pflege und
Baukosten (Construction) sonstige End-of-life-
(Operation) Instandhaltung
Szenarien
(Maintenance)
(End-of-Life)

Quelle: Anders nach der ISO 15686 "Buildings and constructed assets - Service life planning"
68 | DGNB – Bilanzierung
Vergleich LCA vs. LCC

kg

Rück-/
LCC Planungskosten Baukosten Nutzungskosten
Umbaukosten

Phasen Planung Errichtung Nutzung Rück-/Umbau

Energieströme

LCA Planungskosten

Stoffströme

69 | DGNB – Bilanzierung
3.2 Relevanz der LCC
Verteilung der Kosten über die Lebensphasen eines Gebäudes
Grund-
stück
Herrichten
BW-Baukonstr. Investitionskosten
BW-Techn. Anl.
Außenanlagen
20%
Ausstatt./Kunstw.
Baunebenkosten

Reinigung

Energie

Personal / Betrieb
Wartung
Baunutzungskosten
Inspektion Bewirtschaftungskosten
Reparatur 80%
Renovierung

Umbau

Demon-
Quelle: DGNB GmbH Ausbildung Gebäude, Ulrich Fritsch, München /
71 | © DGNB tage Bildquelle: IBF- IngenieurBüro Fritsch, 12/2007
Aufgaben und Ziele der
Lebenszykluskostenrechnung
 Ermittlung von Grundlagen
 zur Vorbereitung von Investitionsentscheidungen
 für ein Ranking von alternativen Lösungen
 zur Erstellung, Überprüfung und Wertung von Angeboten bei PPP (Public
Private Partnership), PFI (Private Finance Initiative) oder BOT (Board of
Trustees)
 Berechnung
 eines Trade-Off zwischen Investitions- und Nutzungskosten
 von Vergleichsdaten zur Beurteilung bei PPP, PFI oder BOT als Maßstab für
den Wirtschaftlichkeitsvergleich (PSC – public sector comparator)
 Nachhaltigkeitszertifizierung – ökonomischer Teil
 Lebenszeiten verlängern und Werte erhöhen!
Quelle: DGNB GmbH Ausbildung Gebäude, Prof. Dr. Thomas Lützkendorf, Matthias Unholzer, KIT Karlsruhe
72 | DGNB – Bilanzierung
3.3 Bezugsrahmen & Systemgrenze
Nutzungsdauer vs. Betrachtungszeitraum

Geplante Nutzungsdauer
Betrachtungszeitraum

Quelle: DGNB GmbH Ausbildung Gebäude, Prof. Dr. Thomas Lützkendorf, Matthias Unholzer, KIT Karlsruhe
74 | DGNB – Bilanzierung
Warum sind Systemgrenzen wichtig ?

 Vergleichbarkeit Planungs- bzw. Gebäudevarianten

 Erstellung Benchmarks (5 €/ m²)

 Prüfbarkeit (Zertifizierung)

75 | DGNB – Bilanzierung
Schritt 1 – Def. der Systemgrenzen (Version 2018)
DGNB Definition LCC Gebäude
1. Betrachtungszeitraum 50 Jahre (z.B. Büro, Bildung, etc.)
2. Bezugsgröße m² BGF (R)
3. Baukostengruppen Herstellung nach DIN 276-1:
KG 300 Baukonstruktion
KG 400 Technische Anlagen

4. Nutzungskosten nach DIN 18960:


KG 310 und 320 Ver- und Entsorgung
KG 311 Wasser
KG 312 bis 316 Brennstoffe, Energie
KG 321 Abwasser
KG 330 Reinigung und Pflege Gebäude
KG 352 Inspektion und Wartung Baukonstr.
KG 353 Inspektion und Wartung Techn. Anl.
KG 400 Instandsetzungskosten
KG 410 Instandsetzung der Baukonstr.
KG 420 Instandsetzung der Techn. Anl.
5. Preisentwicklung für versch. Kostenarten Allgemein, Energie und Ab-/Wasser
6. Diskontierungssatz 3%
7. Nutzungsdauern der einzelnen Bauteile s. Leitfaden Nachhaltiges Bauen
8. Ergebnisdarstellung Kapitalbarwert
76 | DGNB – Bilanzierung
3.4 Werte erheben (Kosten)
Schritt 2 – Bauteil und
Massenermittlung
Ermittlung aller verwendeten Bauteile
bzw. deren Massen

Spezifische Annahmen für die Entwicklung


der Kosten und der Lebensdauer der
einzelnen Bauteile

Herausforderung:
 In frühen Planungsphasen Mengen nicht
vorhanden
 Annahmen und Lebensdauer haben große
Auswahl auf Ergebnis

Quelle: http://www.nachhaltigesbauen.de/fileadmin/pdf/baustoff_gebauededaten/BNB_Nutzungsdauern_von_Bauteilen__2011-11-03.pdf
78 | DGNB – Bilanzierung
Herstellungskosten

 Statistische Kostenkennwerte
vom Baukosteninformationszentrum (BKI)

 Werte für folgende Nutzungen:

 Neubau

 Bestand

 Energieeffizientes Bauen

 Baukosten für folgende Detaillierungsgrade:

 Gebäude (HOAI 1-2)

 Bauelemente (HOAI 3-4)

 Positionen (HOAI 5-9)


Quelle: BKI
79 | DGNB – Bilanzierung
3.5 Kapitalbarwert ermitteln
Kapitalbarwertmethode (Bsp. Fenster)

 Anfallende Kosten für den Austausch in 30 Jahren werden ermittelt und mit einem festgelegten
Diskontierungszinssatz auf den Zeitpunkt der Anfangsinvestition berechnet werden.

 Die Frage lautet somit: Wie viel Kapital muss bei Baubeginn angelegt werden, um in 30 Jahren die
notwendige Instandsetzungsmaßnahme, mit Verzinsung des angelegten Kapitals, durchführen zu können?

 So müsste für eine Zahlung von 10.000 Euro in 30 Jahren, heute ein Betrag von nur 1.741 Euro bei 6 %
Verzinsung anlegt werden.

 Aufgrund der theoretischen Verzinsung über viele Jahre, fallen Zahlungen (z.B. für den Rückbau) umso
weniger ins Gewicht, desto weiter diese in der Zukunft liegen.

Kn
K0
Jahre
Anfangskapital t0 1 2 3 Endkapital tn

Quelle: DGNB GmbH Ausbildung Gebäude, Christian Assion, Architekt u. Sachverständiger


81 | DGNB – Bilanzierung
Schritt 3 - Prinzip der Kapitalbarwertmethode

Alle Ein- und Auszahlungen werden mit ihrem Bar- bzw. Gegenwartswert
auf den Zeitpunkt der Investition bezogen (siehe Abb.).
Barwert der Einnahmen
Kapitalbarwert

1 2 3 4 5 6 7 8 9
Investitionen

10 Jahre
Barwert der Ausgaben
DGNB / DIN

Berechnung über Diskontierungssatz


Nach: König et al. (2009): Lebenszyklusanalyse in der Gebäudeplanung, S. 73
82 | DGNB – Bilanzierung
Wirtschaftlichkeit von nachhaltigen Gebäuden

Lebenszykluskosten mit Personalkosten über 20 Jahre

Quelle: Energieeffiziente Architektur in Deutschland


83 | DGNB – Bilanzierung
3.6 Praxis-Check …und in Echt.
Herausforderungen in der Praxis

 Unterschiedlichen Sichtweisen, Ziele und Motive der beteiligten Akteure (Immobilie).

 Vermieter fokussiert in der Regel auf die Herstellungskosten und den erwartende
Mieteinnahmen, da die Nutzungskosten im Regelfall der Mieter trägt.

 So werden „die Lebenszykluskosten in der Regel nur durch selbstgenutzte Eigentümer


in ihrer Vollständigkeit analysiert und in Entscheidungen einbezogen, während Vermieter
oder Mieter jeweils lediglich Ausschnitte
(bestimmte Kostenarten bzw. umlegbare
und nicht umlegbare Kosten)
unmittelbar wahrnehmen.

Bild:Lutz Weidner - Bauthermografie & Luftdichtheitsprüfung,. Lizenz: CC 3.0

85 | DGNB – Bilanzierung
http://thermopedia.de/index.php?title=Datei:Fenster_auf_Kipp.jpg
Software Lebenszykluskosten

 LEGEP (www.legep-software.de)
Instandhaltung
; 17,20%
 LCC Tool BMUB

 LCC online tool, DGNB Wartung;


5,90%
 ABK LEKOS (www.abk.at) Neubau;
51,80% Reinigung;
 Envest 2 (www.bre.co.uk) 20%

 GEFMA 220-2 (www.gefma.de)

 … Betrieb; 5,10%

Quelle: http://legep.de/produkte/legep-lebenszykluskosten/
86 | DGNB – Bilanzierung
3.7 Lebenszykluskostenrechnung bei Freianlagen
Relevanz

 Außenanlagen verursachen über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg hohe Kosten.


 Insbesondere für Kommunen die für die Pflege und den Erhalt von öffentlichen Freiflächen zuständig
sind, stellt dies eine Herausforderung dar.
 Bei der Entscheidungsfindung spielt derzeit oft nur die Herstellungskosten eine Rolle, obwohl diese
oft nur 15% der gesamten Lebenszykluskosten ausmachen.
 Die Folgen von Planungsentscheidungen auf die Folgekosten sind teilweise unbekannt und bleiben
häufig unberücksichtigt.
 Allzu oft mussten Neubauten in der Vergangenheit nach wenigen Jahren zurückgebaut oder angepasst
werden, weil der Pflegeaufwand personell und finanziell nicht zu bewältigen war.

http://www.stadtentwicklung.berlin.de/umwelt/stadtgruen/pflege_unterhaltung/

Quelle: BMVBS (2012): Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB) - Außenanlagen von Bundesliegenschaften, Lebenszykluskosten
88 | DGNB – Bilanzierung
Pflegeleichte Freianlagen – Bsp.: Stadt Göttingen

Beispielrechnung 2: Umbau der Rosen- und Beispielrechnung 1: Umbau der Rosenstreifen


lückenhaften Strauchflächen in extensive in Rasen und auf den Mittelinseln in extensive
Stauden- und geschlossene Strauchflächen. Staudenpflanzungen. Derzeitige Pflegekosten
Derzeitige Pflegekosten 6.000,- € . Pflegekosten 10.400,- € . Pflegekosten nach Umbau 1.450,- €.
nach Umbau 1.700,- €. Umbaukosten ca. 13.800,- €. Umbaukosten ca. 28.100,- €. Amortisation
Amortisation innerhalb von 3,2 Jahren. innerhalb von 3,1 Jahren.

Bilder: Stadt Göttingen, http://www.galk.de/werbung_s/mb_gruenmanagement_121112.pdf


89 | DGNB – Bilanzierung
Datenquellen: BNB System für Außenanlagen

www.bnb-nachhaltigesbauen.de

Quelle: BMVBS (2012): Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB) - Außenanlagen von Bundesliegenschaften, Lebenszykluskosten
90 | DGNB – Bilanzierung
Lebenszykluskosten von
Freianlagen
Bsp. Software GreenCycle ®

 Ermittlung der Lebenszykluskosten von Grünanlagen

 Vergleich von verschiedenen Varianten möglich

 Für bestehende und neue Anlagen verwendbar

91 | DGNB – Bilanzierung Quelle: www.nateco.ch/images/pdfs/GreenCycle.pdf


Literaturempfehlung

 BMVBS (Hg.) (02/2012): Nachhaltig geplante Außenanlagen auf Bundesliegenschaften

Quelle: BMVBS, http://www.planen-bauen-umwelt.tu-berlin.de/fileadmin/fg237/FG/BLZ-IMMO_KW39_01.jpg


92 | DGNB – Bilanzierung
3.8 Kommunalfiskalische Wirkungen
Fiskalische Wirkungsanalyse

Fiskalische Wirkungsanalyse = staatliche Einnahmen und Ausgaben infolge eines Bauvorhabens


(in der Regel der Kommune)
Unbeachtet davon bleiben:
 Kosten und Nutzen des privaten Sektors
 nicht monetarisierbare Kosten und Nutzen oder nicht quantifizierbare Effekte
 Naturgüter, Landschaft

 Biodiversität Lebenszyklus-kosten im
weiteren Sinn (whole-life
 Luftqualität cost, WLC)

 Etc.

dem Gebäude nicht


Lebenszykluskosten im
Externe Kosten unmittelbar zugeordnete Einnahmen, Erträge
engeren Sinn
(Externalities) Zusatzkosten (non- (Income)
(life cycle cost, LCC)
construction costs)

94 | DGNB – Bilanzierung Quelle: Anders nach der ISO 15686 "Buildings and constructed assets - Service life planning"
Fiskalische Wirkungsanalyse

Einnahmen- und Ausgabenpositionen der Gemeinde bei der Entwicklung


von Wohn- und Gewerbeflächen

BEISPIEL

Quelle: Preuß, T.; Floeting, H.. (Hg.) (2009): Folgeosten der Siedlungsentwicklung. Beiträge aus der REFINA-Forschung, Band III, ISBN: 978-3-88118-443-4
95 | DGNB – Bilanzierung
Fiskalische Wirkungsanalyse:
Infrastrukturkosten
Technische Infrastruktur (Verkehr, Kommunikation, Ver- und
Entsorgung von Energie, Wasser etc.)

 Innere Erschließung
(Geringere Dichte = mehr Erschließung)
 Äußere Erschließung
(Teils erhebliche bauliche Maßnahmen, Straßen + Leitungen)
 Kosten für Kompensationsmaßnahmen
(Ausgleich Inanspruchnahme von Naturfläche)
 Planungs- und Koordinierungskosten

Quelle: Preuß, T.; Floeting, H.. (Hg.) (2009):


Folgeosten der Siedlungsentwicklung. Beiträge aus der REFINA-Forschung, Band III, ISBN: 978-3-88118-443-4
96 | DGNB – Bilanzierung
Einzelbetrachtung
Baulücke
Erschließungskosten pro WE in € …je nach Distanz
40.000 €
(negativer Barwert über 20 Jahre)
35.000 €

30.000 €

25.000 €

20.000 €

Hausanschlüsse 15.000 €

10.000 €
Innere Erschließung 5.000 €

0€
Äußere Erschließung Baulücke Areal Innenb. Flächen Außenb.

Quelle: nach Gutsche, 2006 https://umweltministerium.hessen.de/sites/default/files/media/hmuelv/7_teureneubaugebiete-dr_molder.pdf


97 | © DGNB
Stadt Crailsheim: Förderprogramm für Innenentwicklung –
finanziert durch Einsparungen bei der Außenentwicklung
Vorher Nachher

Elgendy, H.; Dahm, S.; Ruther-Mehlis, A. (2015): Siedlungsflächenmanagement – Bausteine einer systematischen Herangehensweise
98 | DGNB – Bilanzierung http://shop.arl-net.de/media/direct/pdf/ab/ab_012/ab_012_gesamt.pdf
Folgekostenbetrachtung:
Warum?
„Die Kenntnis aller Kosten und Nutzen einer
Maßnahme ist die Voraussetzung für eine
fundierte Planungsentscheidung. In vielen
Gemeinden bestehen hier Defizite.“

Quelle: http://www.ggr-planung.de/projekte/siedlungsentwicklung-und-mobilitaet-sum-stufe-2-teilprojekt-fiskalische-bilanz-neuer-baugebiete.html
99 | DGNB – Bilanzierung
Werkzeuge zur Abschätzung der Folgekosten -
fokosbw / Einnahmen und Ausgaben einer Siedlung

Quelle: Preuß, T.; Floeting, H.. (Hg.) (2009): Folgeosten der Siedlungsentwicklung. Beiträge aus der REFINA-Forschung, Band III
100 | DGNB – Bilanzierung
Fazit

 Folgekosten werden bisher oft nicht berücksichtigt


 Kommunale Einkommenseffekte durch Siedlungsflächenerweiterung sind generell zu hinterfragen!
 Neubaugebiete am Ortsrand zentrales Problem der Zersiedlung
 neue Erschließung / Infrastrukturen  zusätzliche Kosten
 flächenintensiv / geringe Dichte  geringe Einnahmen
 Konkurrenz um Einnahmen aus Einkommenssteuer  junge Leute heute = alte Leute morgen
 Informationsstand zu wirtschaftlichen
Folgeeffekten der Siedlungsentwicklung
defizitär (Investitionen, laufende
Einnahmen/Ausgaben)
 Innenentwicklung günstiger als
Außenentwicklung (zumindest
bei Konzentration auf die vielen Baulücken)
https://umweltministerium.hessen.de/sites/default/files/media/hmuelv/7_teureneubaugebiete-dr_molder.pdf
Quelle: Preuß, T.; Floeting, H.. (Hg.) (2009): Folgeosten der Siedlungsentwicklung.
101 | DGNB – Bilanzierung Beiträge aus der REFINA-Forschung, Band III
Werkzeuge zur Abschätzung
der Folgekosten
 Internetanwendung

 Spielerisch-explorativ

 Verständnisförderung

www.was-kostet-mein-Baugebiet.de
102 | DGNB – Bilanzierung
4. Zusammenfassung
4. Für das Thema relevante DGNB Kriterien
Für das Thema relevante DGNB Kriterien – Neubau V18

ENV1.1 ECO1.1 SOC1.1 TEC1.2 PRO1.1 SITE1.1


Ökobilanz des Gebäudes Gebäudebezogene Thermischer Komfort Schallschutz Qualität der Mikrostandort
Kosten im Projektvorbereitung
Lebenszyklus SOC1.2 TEC1.3 SITE1.2
ENV1.2 Innenraumluftqualität Qualität der PRO1.4 Ausstrahlung und Einfluss
Risiken für die lokale ECO2.1 Gebäudehülle Sicherung der auf das Quartier
SOC1.3 Nachhaltigkeitsaspekte in
Umwelt Flexibilität und Akustischer Komfort TEC1.4 SITE1.3
Umnutzungsfähigkeit Ausschreibung und
Einsatz und Integration Vergabe Verkehrsanbindung
ENV1.3 SOC1.4 von Gebäudetechnik
Verantwortungsbewusste Visueller Komfort PRO1.5 SITE1.4
Ressourcengewinnung ECO2.2 TEC1.5
Marktfähigkeit Dokumentation für eine Nähe zu nutzungs-
SOC1.5 Reinigungsfreundlichkeit nachhaltige relevanten Einrichtungen
ENV2.2 Einflussnahme des des Baukörpers Bewirtschaftung
Trinkwasserbedarf und Nutzers
Abwasseraufkommen TEC1.6 PRO1.6
SOC1.6 Rückbau- und Verfahren zur
ENV2.3 Aufenthaltsqualitäten Recyclingfreundlichkeit städtebaulichen und
Flächeninanspruchnahme Innen / Außen TEC1.7 gestalterischen Konzeption
Imissionsschutz PRO2.1
SOC1.7
ENV2.4 Sicherheit TEC3.1 Baustelle/Bauprozesse
Biodiversität am Standort Mobilitätsinfrastruktur PRO2.2
SOC2.1
Barrierefreiheit Qualitätssicherung der
Bauausführung
PRO2.3
Geordnete
Inbetriebnahme
PRO2.4
Nutzerkommunikation
PRO2.5
FM-gerechte Planung
105 | DGNB – Bilanzierung
Für das Thema relevante DGNB Kriterien –
Quartiere (Version 16)

ENV1.1 ECO1.1 SOC1.1 TEC2.1 PRO1.2


Ökobilanz - Lebenszyklus Thermischer Komfort im Energieinfrastruktur Integrale Planung
Freiraum
emissionsbedingte ECO1.2 TEC2.2
Fiskalische Wirkungen PRO1.7
Umweltwirkungen SOC1.6 Wertstoffmanagement Partizipation
auf die Kommune Freiraum
ENV1.4 ECO2.1 TEC2.4
Biodiversität SOC1.9 Smart Infrastructure PRO1.8
Resilienz und Projektmanagement
Wandlungsfähigkeit Emissionen / Immissionen
ENV1.5 TEC3.1
Stadtklima ECO2.3 SOC2.1 Mobilitätsinfrastruktur - PRO1.9
Flächeneffizienz Barrierefreiheit Motorisierter Verkehr Governance
ENV1.6
Umweltrisiken ECO2.4 SOC3.1
Wertstabilität Städtebau TEC3.2 PRO3.5
Mobilitätsinfrastruktur - Monitoring
ENV1.7 Nichtmotorisierter Verkehr
Gewässer- und SOC3.2
Bodenschutz Soziale und funktionale
Mischung
ENV2.1
Ökobilanz – SOC3.3
Ressourcenverbrauch Soziale und
erwerbswirtschaftliche
ENV2.2 Infrastruktur
Wasserkreislaufsysteme

ENV2.3
Flächeninanspruchnahme

106 | DGNB – Bilanzierung


Das sollten Sie nach dieser Präsentation wissen

1. Grundsätzliche unterschiedliche Betrachtungsweisen: Checkliste = IST und SYSTEM = Performance.


2. Grundlagen bei einer systemischen Bilanzierung (Betrachtungsdauer, Bilanzraumgrenze, Parameterauswahl,
etc.)
3. Vor-/Nachteile der beiden Betrachtungsweisen im Hinblick auf die Bewertung von Nachhaltigkeit.
4. Relevanz einer LCA/LCC herleiten (am Beispiel)
5. Grundlogik einer LCA und LCC = weiß, was eine LCA/LCC ist
6. LCA +LCC Indikatoren (im Detail)
7. Kenntnis welche Aspekte in die Bilanzierung eingehen (Lebensdauer etc.)
8. Wissen woher relevante Informationen bezogen werden können
9. Wissen was ein EPD ist
10. Verständnis für die Einflüsse der LCA-Ergebnisse auf die Planung
11. Gemeinsamkeiten und Unterschiede von LCA/LCC benennen

107 | DGNB – Bilanzierung


Weitere Informationen

Preuß, T.; Floeting, H. (Hg.) (2009):


Folgekosten der Siedlungsentwicklung,
ISBN: 978-3-88118-443-4

108 | DGNB – Bilanzierung


Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!